Ur. U Lrfter Blatt 178. Zahrgaag Dienstag, 17. Januar 1928 erf^etnttägltd), cmfeet Somit agt und Feiertag«. Betlag«*: Vieheu« FamUiendtätter Hetmat im Bild Die Scholle. Mo»au-Vez»grpretr: 2 Reichsmark und 20 Retchspfenaig für Trüget» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech an sch lasse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Stanthi0rt’om'maii’neM. VniS ent Verla,: »rühl'jchc UniverfitStL-vuch. nnö Stetndnickerel B. Lange in Siegen. Schriftlettnn, und Seschäftiftelle: SchnIMagi Z. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 \ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh Gange; für Feuilleton 0r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschem; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Bietzen. Der erste Tag der Berliner Länderkonferenz. Möglichkeiten. Die gestern begonnene Berliner Konferenz der Länderregierungen hat nach außen hin eine sehr klar umschriebene Ausgabe: Vereinfachung und Ersparnisse der öffentlichen Ver- w a l t u n g herbeizuführen. Aber dieses Ziel bedeutet etwas ganz anderes, je nadjbem, ob es von den Anhängern der unitarischen Parteien oder der föde- ralisttschen, von Preußen, Hessen und Thüringen, oder von Bayern, oder wieder von andern deutschen Ländern her betrachtet wird. Die Gegensätze haben sich in der öffentlichen Auseinandersetzung gezeigt, die vor Beginn der Konferenz bereits eingesetzt hatte. Und es scheint, daß besonders die bayerischen Bedenken, im Verein mit dem starken Einfluß des Zen- trums ausgesprochen rmitarische Gedankengänge von vornherein soweit ausgcschaltet haben, daß man als Programmüberschrift für die Länderkonferenz die „Herbeiführung des wahren Föde- r a l i s m u s im Aufbau des Reiches" in Umlauf gesetzt hat. Auch das ist ein Programm, das sich hören läßt, denn ein wahrer Föderalismus ist von dem Zustand, wie er bisher besteht und von den partt« kularistischen Bestrebungen einzelner, allerdings vereinzelter Gruppen im Deutschen Reich vielleicht viel weiter entfernt als von dem, was man kurzerhand als Unitarismus bezeichnet hat. Wenn es gelingt, die sämtlichen 200 Enklaven und Exklaven au beseitigen, die jeden Unbefangenen azx ein lächerliches, Geld und Arbeit fressendes Ueberbleibsel einer alten Dynastienpolitik anmuten, wenn die einzelnen Länder sich einigermaßen schlüsselmähig, d. h. im Verhältnis zu chrer Bevölkerungszahl und ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit auf das Ausmaß ihres Derwaltungsapparates fest- legen, wenn sie Funkttonen, die an sich mit der Aufrechterhaltung der oerfasiungsmäßigen Länderhoheit nicht kollidieren, freilich an das Reich abgeben, so daß dieses in bezug auf die Finanzverwaltung und die Justiz einen einheitlichen Apparat im ganzen Reiche ausziehen kann, und wenn sie schließlich die Ersparnismaßnahmen, für deren Erforschung und Anregung der Reichsfparkommisiar besteht, auf einen einheitlichen Plan bringen, so ist praktisch schon |ehr viel geschehen, auch wenn das alles unter der Schutzmarke des Föderalismus und mit einer starken Betonung der Eigenstaatlichkeit vor sich geht. Es ist durchaus öenfear, daß ein solcher ®<» sundungs- und Rationalisierungsprozeh sogar dazu benutzt werden konnte, den Ländern ihre eigenen und im föderalistischen Sinne für sie wesentlichen Aufgaben, also vor allem diejenigen auf dem Gebiete der Kultur zu bestätigen und zu verstärken. Auch für die grundsätzlichen Unitarier ist es durchaus offenkumüg, daß die mancherlei Mängel einer Staatsbildung nach dynastischen Interessen und Zufällen bis zu einem gewissen Grade durch die hochbedeutsamen Krafts quellen kompensiert werden, die in der Schaffung und Erhaltung von Kulturzentren in den vielen größeren und kleineren Hauptstädten der deutschen Länder in Jahrhunderten erwachsen sind. Und kein vernünftiger Mensch denkt daran, diese Kraftquellen zugunsten einer Nivellierung,' einer Zentralisierung zu verstopfen. So wenig ehrlicher Föderalismus mit Partikularismus identisch ist, so wenig ist em richtig verstandener, die historischen Dorbedingun- gen erkennender Unitarismus mit einem öden und verödenden Zentralismus übereinstimmend. Es handelt sich hier also, wenn man die Aufgaben der Länderkonferenz von einer höheren Warte betrachtet, um die Schaffung eines allgemeinen Verständnisses für die zweckmäßigste Form der Reichsverwaltung unter Voranstellung des durch unsere wirtschaftliche Lage und unsere finanziellen Verpflichtungen zwangsläufig entscheidend gewordenen Ersparnisgedankens. Wenn auch die Konferenz als erster Versuch dieser Art vielleicht zunächst noch die Widerstände etwas in den Vordergrund stellt, so ist eine Einigung auf dieses Ziel dvch das Entscheidende. Die Eröffnungssitzung. Die Referate. Verl in, 16. Ian. (WB.) Um 10,15 Uhr eröffnete der Reichskanzler Dr. Marx im Kongrehsaal der Reichskanzlei die Länderkonferenz, an der sämtliche Reichsmini- st e r mit ihren Staatssekretären — Reichsauhen- minister Dr. Stresemann war durch seine Krankheit an der Teilnahme verhindert — Reichssparkommissar, Staatsminister a. D. Dr. Saemisch, Staatssekretär Dr. Meißner vom Büro des Reichspräsidenten, Gesandter Dr. H a n i e I von Hainhausen und die Ländervertreter teilnahmen. Der Reichskanzler wies in seiner Begrüßungsansprache auf Die historische Bedeutung des Versammlungssaales hin, in dem 1878 der Berliner Kongreß und im November 1918 die bedeutsame Aussprache mit den Vertretern der einzelnen Freistaaten unter dem Vorsitz des damaligen Volksbeauftragten und späteren Reichspräsidenten Ebert ftattfanben, Er skizzierte dann kurz die Aufgabe der Länderkonferenz wobei er besonders hervorhob, daß jede Neuregelung in den Beziehungen zwischen Reich und Ländern auf der Grundlage vollster gegenseitiger Loyalität erfolgen müsse. Es werde sich ferner vor allem darum handeln müssen, einzelnen Länder d u rch Uebernahme gewisser Verwaltungszweige auf das Reich zu helfen, ferner die Beseitigung der Enklaven und Exklaven mit möglichster Beschleunigung zu betreiben und im Reich und in den Ländern auf dem Wege umfassender Verwaltungsmah- nahmen wesentliche Ersparnisse zu erzielen. Die Reichsregierung erwarte von den Beratungen ein ergiebiges Resultat und von der Aussprache eine Vertiefung und Stärkung des Bewußtseins, daß die Einheit der Ration und des Reiches unser wertvollstes und bestes Gut sei, das dem Deutschen Volke aus den Stürmen der Kriegs- und Nachkriegszeit geblieben sei. Nach geschäftsordnungsmahigen Mitteilungen begannen zu der Frage der verfassungsrechtlichen Beziehungen zwischen Reich und Ländern die Referate und Korreferate. Als Redner sind hierzu bekanntlich vorgesehen als Referenten der Präsident des Hamburger Senats Bürger- Eine historische Erinnerung. Berliner Kongreß und Länderkonferenz. Berlin, 17. Ian. Der große Kongreßsaal der Reichskanzlei hatte gestern wieder einmal einen historischen Tag. Seit langen Iahren hat er im Wesentlichen als Vor- und Wartezimmer für die Arbeitsräume des jeweiligen Reichskanzlers gedient. Aber er hat mindestens in zwei Fällen, wie das Reichskanzler Dr. Marx gestern bei der Eröffnung der Länderkonferenz hervorhob, schon früher einem weltgeschichtlichen Ereignis als Raum gedient: dem Berliner Kongreß von 1 878 und der ersten innerdeutschen Besprechung, in der die Volksbeauftragten unter Vorsitz Eberts mit den mehr oder weniger autorisierten Vertretern der einzelnen deutschen Länder über die nächste Gestaltung der Singe sich aussprachen. Wird es diesmal einen Bismarck, einen Beaconsfield, eine Gortschakow, einen Andrassy geben? und wer wird die Rolle dieser Historie schen Persönlichkeiten spielen, die in Lebensgröße von Anton v. Werner in jenem berühmten Bild des Berliner Kongresses festgehalten sind? Dies Bild beftndet sich übrigens ittcht etwa in der Reichskanzlei, deren historischen Kongreßsaal es wiedergibt, sondern im Bankettsaal des Roten Hauses, des Rathauses der Stadt Berlin. Damals galt es, den Frieden von S. Stefano zwischen Rußland und der Türkei zu erörtern,' ihn mit den älteren Verträgen und den Interessen der Großmächte, vor allem Englands und Oesterreichs in ©inflang zu bringen. Andrassy hatte es angeregt und der englische 'Premierminister, Lord Salisbury, hatte ihn unterstützt. Auch diesmal handelt es sich darum, einen früher vollzogenen Staatsakt in gewissem Sinne zu revidieren und mit den Bedürfnissen der beteiligten Hoheitsvertretungen in Einklang zu bringen, nämlich um die Weimarer Verfassung von 1919 und die Bedürfnisse nach reibungslofen, sparsamem und höchstwirksamen Jneinanderareifen der Reichsund der Ländermaschinerie. Der Berliner Kongreß tagte einen Monat lang, vom 13. Juni bis 17. Juli 1878 und führte am letztgenannten Tage zur Unterzeichnung des Vertrages, der Rumänien, Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit, Bulgarien die tributäre Souveränität, Ost-Rumelien die provinzielle Autonomie und Oesterreich und Rußland Abtretungen der Türkei brachte. Die ,L ä n b e r- konserenz soll nur zwei, höchstens drei Tage dauern und soll keine Gebietsoerluste für die einen oder anderen Teilnehmer erbringen. Aoer doch auch Abtretungen, insofern man endlich mit den 200 Zwerggebieten ein Ende zu machen versteht, die außerhalb ihrer eigentlichen Hoheitsverwaltung auf dem Boden eines „fremden" deutschen Landes ein mehr oder weniger kümmerliches und kostspieliges Derwaltungsdasein fristen. Und vielleicht auch diese ober jene Abtretung von Rechten, wobei jedoch, richtig verstanden, der Abtretende meist der eigentliche Gewinner sein wird. Es lasten sich also schon einige Analogien zwischen dem historischen Vorgang im Kongreßsaal des Kanzlerpalais und der heutigen Konferenz Herstellen, und man möchte hoffen, daß, ebenso wie dem Kongreß von 1878 die Berliner Konferenz von 1880 und 1881 gefolgt sind, um bestimmte Rechtsfragen der Meerengen und der Donau endgültig zu lösen, auch der Berliner Landerkonferenz weitere Verhandlungen folgen werden, die das große Gebiet der inneren Verwaltungsreform und der organischen Neugliederung des Reiches erfolgreich bis zu Ende bearbeiten. RheinlaMäunumg gegen neue Leistungen. Paul-Boncour fordert weitere Sicherheiten. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 17. Ian. Herr Paul-Boncour, der engste Mitarbeiter Poincarös, fühlt sich schwer gekränkt, daß die gesamte deutsche Presse ihn einen „Sozialistischen TRilita- risten" genannt hat, weil er die Räumung des Rheinlandes, für die er in der Theorie ist, von neuen deutschen Gegenleistungen abhängig macht. Im „Paris mibi" veröffentlicht er eine sehr ausführliche Unterredung, um diesen Vorwurf zu entkräften. Wir können uns aber zu unserem Bedauern nicht helfen, wir müssen auch diesmal wieder feststeklen, daß er ein Militarist ausgiebigsten Ausmaßes ist. Gewiß hat er Recht, daß jede wirkliche Llnnäherung zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich ist, solange Truppen des einen Lande s das Gebiet des anderen beseht halten. Die Schlußfolgerung, die er zieht, wird auch von Deutschland geteilt, daß der Rhein sobald wie möglich geräumt werden müsse, nur kommt dann bei ihm sofort der Pferdefuß „nicht ohne eine Gegenleistung, die die Sicherheit gewährleistet". Da trennen sich eben die Auffassungen, und dieser Nachsatz ist doch weiter nichts als die Negierung des Vorsatzes. Auch Herr Paul-Boncour wagt nicht zu bestreiten, daß im Iahre 1935 spätestens das gesamte besetzte ■ Gebiet geräumt werden müsse. Dann kann von Gegenleistung natürlich keine Rede mehr fein. Er will also sich eine Leistung, die terminmähig feststeht, doppelt bezahlen lassen, nicht etwa in Form eines Trinkgeldes, sondern einer Dauerlast, die er sich so vorstellt, daß eine internationale Kontrolle am Rhein aufpassen müßte, ob Deutschland irgendwelche Kriegsvorbeveitungen betreibt. Diese Kontrolle, behauptet er zwar, würde für Frankreich ebenso gelten, wie für Deutschland. Wenn das wirklich seine Meinung wäre, liehe sich darüber reden. Nur, er will die Kontrolle zweifellos lediglich für die entmilitarisierte Zone, und die gibt es ja in Frankreich nicht. Das ist das Taschenspielerkunst- stückchen, mit dem Herr Paul-Boncour arbeitet, obwohl er gerade als Sozialist für das, wa- Deutschland will, volles Verständnis haben müßte. Die Abrüstungsbedingungen sind erfüllt, zur Erfüllung der Sicherheitsbedingungen sind die Locarnoverträge geschlossen. Deutschland hat also nicht nur einen moralischen, sondern auch einen juristischen Anspruch auf Grund des Versailler Vertrages darauf, daß die Räumung sofort vollzogen wird. Gerade ein Sozialist müßte sich dieser Beweisführung anschließen. Will er für Frankreich noch etwas mehr heraus- holen, dann könnte es doch höchstens der Vorschlag sein, daß bis zu dem Stichtag des Iah.res 1935 an Stelle der Besatzung — die immer noch über 60 000 Mann groß ist! — eine internationale Kontrolle träte, daß aber dann jedes einseitige Einspruchsrecht verschwindet. Wollen bte Franzosen eine dauernde internationale Sicherung, so sind wir auch damit einverstanden, aber selbstverständlich nur auf der Grundlage der Gegenseitigkeit. Die entmilitarisierte Zone müßte sich auf beiden Seiten der westlichen Grenze, also auf Deutschland, Frankreich und Belgien, erstrecken und müßte unter eine Kontrolle des Völkerbundes gestellt werden, der das Recht unbegrenzter Aufsicht hat. Wir möchten aber wohl wissen, was Frankreich sagte, wenn ihm eine derartige Zumutung ernsthaft gestellt würde, nachdem es soeben erst Milliarden für neue Verteidigungsmittel seiner Ostgrenze bewilligt hat. Es bleibt also dabei, Herr Paul-Boncour ist Rationalist und Militarist, von Sozialismus hat er höchstens soviel, wie nötig ist, um innerpolitisch eine gute Figur zu machen. Ohne Erlaubnis im besetzten Gebiet. Berlin, 16. Ian. (WB.) Wie den Blättern mitgeteilt wird, ist ein Soldat Merk, der in Ludwigsburg der Reichswehrformation angehört, bereits 24mal zu feinen Eltern ins besetzte Gebiet gereist, ohne die vorgeschriebene Erlaubnis nachgeholt zu haben. Bei dem jetzigen 25. Mal ist er auf Denunziation von deutscher Seite von den französischen Behörden fest genommen worden. Auf Intervention der deutschen Behörden wurde er auf persönlichen Befehl des Generals Guillaumat in Freiheit gesetzt und an die Grenze des besetzten Gebietes gebracht. Ob er über militärische Dinge ausgefragt worden ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden, obwohl solche Ausfrqgungen an 6er Tagesordnung zu sein scheinen. Die französischen Behörden haben sich dem Merk gegenüber sehr nachsichtig gezeigt. meister Dr. Petersen und der württembe' gische Staatspräsident Bazille, und als Korreferenten der bayerische Ministerpräsident Dr. Held und der preußische Ministerpräsident Dr. h. c. Braun. Das Referat des Hamburger Bürgermeisters Dr. Petersen gipfelte in dem Vorschlag, einen Sachver - ständigenauSschuy einzusetzen, der die bisher vorliegenden Entwürfe für die Umgestaltung des Reiches durcharbeiten, eigene Vorschläge machen und sie der weiteren Beschlußfassung der zuständigen Stellen zur Verfügung stellen soll. Dieser Ausschuß soll zusammengesetzt sein aus Politikern, Verwaltungspraktikern, Staats- und Verwaltungsrechtlern, Vertretern der Wirtschaft, einschließlich der Arbeitnehmer- orga^isattonen. Den Vorsitz soll ein Vertrauensmann der Reichsregierung und der Landerregierungen führen. Die jetzige Länderkonferenz soll nach der Auffassung Petersens die Fragen formulieren, die dem Ausschuß vorzulegen wären, und seine Arbeitsgebiete genau abgrenzen. 2m Verlaufe seiner Rede sprach Petersen die einzelnen Vorschläge zur Reform des Reiches durch. Er kam dabei zu dem Ergebnis, daß über die Einzelheiten Der Umgestaltung keine Übereinstimmung besteht, daß aber alle Vorschläge sich in folgenden grundsätzlichen Punkten einig sind: 1. Durchführung des demokratischen Prinzips der Reichsverfassung auch bei der Einwirkung der Länder auf die willensbildung des Reiches. 2. Stärkung der Relchsgewalt. 3. Vereinheitlichung der politischen Willensbildung in einem einzigen Reichsparlament und damit Vermehrung der Stetigkeit in der Verwaltung des Reiches. 4. Aufbau lebendiger unterer und mittlerer Selb ft Verwaltungsbezirke und Verkürzung des Instanzenweges zur Zentralregierung. 5. Neugliederung des Reiches In Gebilde, die kulturell und wirtfchaftspolittsch lebensfähig sind und im Rahmen des Reiches ein Eigenleben führen. Dieser Weg fei auch außenpolitisch ungangbar wegen der Reparationsschulden. Wenn aber eine Beseitigung der jetzigen Fehler durch den Ausbau der föderalistischen Verfassungselemente nicht denkbar sei, so müsse man die Möglichkeiten des Einheitsstaates prüfen. Dr. Petersen ging dann die Einzelheiten der vorliegenden Vorschläge durch und dabei besprach er insbesondere den Plan der Bildung freier Reichsländer mit eigenem Landtage und eigenem Landespräsidenten. Er erklärte, daß ihm dieser Vorschlag ganz unmöglich erscheint, weil seine Voraussetzung die Zerbröckelung Preußens wäre. Preußen müsse aber erhalten bleiben, bis es im Reiche aufgehen kann. Der umgekehrte Weg sei verhängnisvoll. Oer würtiembergische Staatspräsident Bazille betonte dann in seinem Vortrag „Reich und Länder" nach einer eingehenden Besprechung der fundamentalen Grundsätze der Verfassung Bismarcks, auf deren Grundlage sich das deutsche Volk mit größter Schnelligkeit zum kraftvollsten Volk der Erde entwickelte, daß die BismarckscheVerfassung ein System von Gewichten und Gegengewichten bildete, indem jedes Gewicht mit seiner vollen Kraft wirken konnte, ohne die Wirksamkeit der anderen zu vernichten. Alsdann zählte der Redner die Punkte auf. in denen eine Preisgabe der Grundsätze der Bismarckschen Polittk in der Weimarer Verfassung erfolgte. Unter den Folgen, die das Verlassen der Bismarckschen Grundsätze harbeiführte, unterstrich Bazille besonders die auf dem Gebiete des Finanzwesens, wo sich geradezu groteske Zu - stände entwickelt hätten. Er führte dabei aus: Das Reich wälzt die Ausgaben, die cs ihrer inneren Natur nach selbst tragen muß, die ülein- renfnerfurforge und Soziallasten, auf die Länder und Gemeinden ab. Es zwingt sie weiterhin, teils direkt, teils indirekt zu immer neuen Ausgaben. Wichtige Steuern dagegen, die für die Länder und Gemeinden ganz unentbehrlich waren und find, vor allem die Einkommensteuer nimmt sie in die eigene Gesetzgebung und Verwaltung und überweist dann von ihrem Ertrag den größeren Teil den Ländern und Gemeinden mit dem Verlangen, damit auszukommen, obwohl den Organen des Reiches jeder ausreichende Einblick in die Finanzgcbarung der Länder und Gemeinden, in ihre Bedürfnisse und in die Möglichkeiten sparsamerer Verwaltung fehlt und immer fehlen wird. Verwaltungsreformen, sind zwar nötig und möglich. In Wahrheit liegt die Krankheit, unter der die Steuerzahler leiden,, nicht in der Existenz der Länder und den Einrichttwgen ihrer Verwaltung, sondern allein in den Irrtümern, in denen die Baumeister der Reichsverfassung befangen waren. Auch die Klagen der Städte haben ihren Grund in den Gesetzen und Maßnahmen Scydlsf. ■UtidersunT wertem Paris VanM. Wien beS Reiche«, die die Länder zu »ingrif- f en in die Selbstverwaltung nötigten. Betrachtet man die Verfassung von Weimar im ganzen, so hat zwar auch sie sich bemüht, Gegengewichte anzubringen, aber sie hat die Elemente fremder Verfassungen so unolücklichmiteinander vermischt, daß die neue Reichsverfassung einer Maschine gleicht, deren Räder nicht ineinandergreifen und miteinander wirken, sondern von denen jedes den Gang des an- deren stört. Der Redner behandelte weiter die Vor- und Rachteile des unitarischen und des föderativen Staates und die Frage des rechten Weges und der Zurückführung der unilgrischen Bewegung auf das richtige TNah und die richtigen Mittel. Hierzu sei notwendig: 1. Die Reichszuständigkeit in Gesetzgebung und Verwaltung soll nicht in die Grenzen des Jahres 1914 zurückgeführt werden. Aber auf der anderen Seite ist sie weit über die Grenzen des Rot- toenbigen und Zweckmäßigen hinausgegangen, und muh deshalb auf das richtige Mah zuruck- gebracht werden. Die Ueberschreituna der notwendigen Schranken durch das Reich ist allem daran schuld, daß Doppelarbeit und Leerläufe in der Verwaltung, und Reibungen und Gegensätze zwischen dem Reich und den Ländern entstanden sind. Die württembergische Regierung behält sich vor, eine besondere Denkschrift über diese Teile des Problems der Reichsregierung und dem Reichsrat vorzulegen. . 2. Der Reichsrat muh wieder eine ähnliche Stellung bekommen wie der Bundesrat der Bis- marckschen Verfassung, und wie sie der Senat in der amerikanischen Unionsverfassung hat. 3. Der Dualismus zwischendemReich und Preußen läht sich nur schwer beseitigen. Es fragt sich, ob der richtige Weg dadurch gefunden wird, dah man den Faden wieder zu- sommenknüpft, den die Weimarer Verfassung zerschnitten hat, also die organische Verbindung Preußens mit dem Reiche wiederher- stellt. Dies ist nicht mehr auf dem Wege der Dismorckschen Verfassung möglich, sondern nur auf die umgekehrte Art, daß nämlich der Reichspräsident gleichzeitig preußischer Staatspräsident und der R e i ch s- kanzler preußischer Ministerpräsi- d e n t ist. Ohne Beseitigung des reinen parlamentarischen Systems läßt sich aber diese organische Verbindung r t Herstellen. Das parlamentarische System darf aber kein Hemmnis sein, da die Allmacht des Parlaments sowieso einer Beschränkung bedarf. Das läßt sich am besten auf dem Wege erreichen, den die amerikanische Un onsocr assung cingeschla- gen hat, nach der die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannten Minister des Vertrauens des Parlaments nicht bedürfen. Will man aber daran festhalten, dah die Minister auch des Vertrauens der Parlamente bedürfen, so ist dies bann praktisch bestens noch in der Form möglich, dah sie abzutreten haben, wenn mindestens zwei Drittel der Abgeordneten ihnen das Vertrauen entzieht. Es ist notwendig, dem überragenden Einfluß, den die preußische Bevölkerung bet der Wahl des Reichspräsidenten und des Reichstages hat, ein Gegengewicht dadurch zu geben, bah Preußen im Verhältnis zu der Gesamtheit der Reichsratsstimmen auf die Zahl der Bismarckschen Reichsverfassung beschränkt wird. Der notwendige Ilnanzfrieden zwischen dem Reich und den Ländern ist nur auf folgendem Wege wiederherstellbar: a) Die Anspruch« der Länder auf Abfindung für die von ihnen abgetretenen Bahnen, Post-, Steuer- und Zollgebäude sind bis jetzt nicht befriedigt worden. Die nötigen Vereinbarungen sollten sogleich in Angriff genommen werden. b) Richts ist wohl verkehrter, als den Ländern ihre bisherigen Steuerquellen zu nehmen und sie dem Reich zuzuführen. Eine wirksame Abhilfe ist nur dadurch möglich, dah den Ländern die Finanzhoheit üb er die wichtig st en direkten Steuern zurückgegeben wird. Wenn einzelne deutsche Staaten auch bei richtiger Verteilung der Zuständigkeit von Reich und Ländern und bei richtiger Verteilung der Lasten und Einnahmen sich als nicht lebensfähig erweisen, so sollten sie nicht künstlich am Leben erhalten werden. Der freiwillige Anschluß an ein anderes deutsches Land ist zweckmäßig. Es muh dann aber dafür gesorgt werden, daß im Reichsrat eine Verschiebung der Machtverhältnisse stattfindet. Richts wäre verkehrter, als wenn der mächtigere Staat die kleineren seine Macht fühlen liehe, um sie mit diesem Mittel zur Aufgabe ihrer Selbständigkeit zu zwingen. Die Lage Deutschlands ist so, daß nur schnelle und gründliche Reform d e r V e r f a s s u n g es vor dem Wege einer abschüssigen Entwickelung bewahren könne. Man verkennt bas Wesen, namentlich der süddeutschen Bevölkerung, wenn man glaubt, sie lasse sich direkt ober indirekt zu Zugeständnissen zwingen, von deren Recht sie nicht überzeugt ist. Die Bevölkerung der süddeutschen Staaten ist dem Reichsgedanken treu ergeben, aber sie will nach ihren eigenen Gewohnheiten, Gefühlen und Idealen leben und wird niemals einen Zwang vertragen, von dessen Berechtigung sie nicht überzeugt ist. Weder in einem zentralisierten noch in einem dezentrali- fierten Einheitsstaat wird viel Rücksicht auf ihre Eigenarten genommen werden Sie befürchtet ferner, dah ihre wirtschaftlichen Interessen, wenn ihr Land zu einer von Berlin völlig abhängigen Provinz geworden ist, nicht mit derselben Sorgfalt und Liebe gepflegt und die Berlin näher gelegenen Reichsteile bevorzugt werden. Die in den einzelnen Staaten vereinigte Bevölkerung fühlt sich als eine einheitliche und selbständige Staatspersönlichkeit und ist, von Ausnahmen vielleicht abgesehen, nicht gesonnen, diesen Zustand preiszugeben. Rur die äußerste Vorsicht und die schleunige Rückkehr zu den Grundsätzen der Staatsweisheit, die Deutschland vor dem Kriege so groß gemacht haben, kann uns vor der Entwickelung zur Anarchie oder zur Diktatur bewahren. der bayrische Ministerpräsident Dr. Held erstattete das erste Korreferat. Er betonte, dah er mit dem ersten Referenten des Tages (Bürgermeister Petersen) durchaus einig gehe in 6er Auffassung über den Kompromißcharakter der Weimarer -Verfassung zwischen Bundesstaat und Einheitsstaat, und ferner darin, dah man die Entscheidung darüber, wie die Weimarer Verfassung umzugestalten fei, nicht mehr lange hinausschieben dürfe. In dem Ziel der Umgestaltung stehe er jedoch auf dem entgegengesetzten Standpunkt wie der erste Referent. Die Dominante bei der Forderung des Einheitsstaates bilde eine finanzwirtschaftliche Betrachtung mit dem Ergebnis, dah im Einheitsstaat große Ersparnisse in der Gesamtverwaltung möglich würden und eine Steuerentlastung für die gesamte Wirtschaft sich erreichen liehe. Man führe für den Einheitsstaat vor allem ins Feld, dah damit das Rebeneinander-, Gegeneinander- und Ueberein- ander-Regieren der einzelnen Län- der beseitigt werde, woran die Weimarer Verfassung schuld sein soll. Der wirkliche Grund für das mancherlei Durcheinander und Gegeneinander in Deutschland liege aber in der geistigen Zerrissenheit deS deutschen Volkes. Diese Zerrissenheit würde auch im Einheitsstaat nicht vermindert, sondern vermehrt. Die Form des Einheitsstaates wird gewöhnlich mit dem Hinweis auf die Gehälter der Landesminister und die Aufgaben der Landesparlamente begründet. Dabei wird verschwiegen, dah bei Beseitigung dieser Landeseinrichtungen sofort neue Organe und Behörden notwendig würden, deren Kosten nicht wesentlich geringer wären. Für den Einheitsstaat wird auch ins Feld geführt, dah die notwendige Ver- waltungsresorm nur im Einheitsstaat rationell durchgeführt werden kann. Dabei wird übersehen, dah die Vereinfachung der Verwaltung nur unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der einzelnen Landesteile, nicht aber nach einem einheitlichen Schema für das ganze Reich durchgeführt werden kann. Wirkliche Ersparnisse könnten hier nur erzielt werden durch einen Abbau der Staatsausgaben. Man sollte daher von einer Umgestaltung der Reichsverfassung zum Einheitsstaat absehen und zunächst die Mängel der Weimarer Verfassung beseitigen. Wo der Wille zur Erhaltung der Eigenstaatlichkeit in einem Lande vorhanden ist, muh dabei aus dies Rücksicht genommen werden. Dieser Grundsatz muh insbesondere auch bei Beseitigung kleiner Länder unbedingt gewahrt werden. Ohne Verfassungsänderung würde sich für die Länder nur der Abschluß von Verwaltungsgemeinschaften unter den Ländern ermöglichen lassen. Der Redner legt bann die verschiedenen Vorschläge zur Lösung dieses Problems dar und betont, bei einer Lösung des Problems, wie sie auch sein möge, müßten die Länder unbedingt folgende Forderungen erheben: v e rfas s u ngsavtono m i e der Länder und ihre Sicherung, Gebietsaulonomie der Länder, Einschränkung der Gese hgeb ungs- rechte des Reiches, Sicherstellung der Län- derveiwaltung gegen Eingriffe der Reichsverwal- tung, Wiederherstellung einer größeren finanziellen Selbständigkeit der Länder, eine Ausscheidung der Steuerguellen. ein Jinanzausgleich, der die Erhaltung der Länder in ihrer Selbständigkeit erhöht, Aufgabe deJ Relchs- raks als Gefehgebungssakior. Jür eine durchgreifende Revision der Reichsverfafsung ist nach vielfach vertretener Ansicht die Zeit noch nicht gekommen. Vor allem aber komme in Betracht: 1. Eine Verabredung des Jinanzausgleich v, der den Landesinteressen wirklich Rechnung trägt. 2. (Ein Ausbau weiterer Zuständigkeit zugunsten der Länder auf der Grundlage der Augustoereinbarungen des Jahres 1922. Auch eine wirtschaftliche JSrderu ng der Lander in bezug auf die Beschaffungsweise für Heer und Verkehrswesen fonnte'ofjne weitere» vom Reich au» Rechnung getragen werden, die geradezu unerklärliche Zentralisierung des Geld - und Kreditwesens in Berlin mühte im Wege der Vereinbarung zwischen Reich und Landern beseitigt werden. Die Zentralisierung der Quellengebiete würde eine Verödung der jetzt bestehenden deutschen Kulturzentren bedeuten. Der gesunde Wettbewerb der einzelnen Staaten und Stämme im Deutschen Reich ist nicht möglich, wenn die einzelnen Landesteile im Einheitsstaate von einer Zentrale abhängig werden, deren Entscheidungen und Weisungen sie sich zu fügen hätten. Oer Wohnungsbau. Ncichtzarbeitsminister Dr. Branns im Haushaltsausschutz. Berlin, 16. Ian. (V. D. Z.) Der Hau-s- haltsawsschuß des Reichstags setzte die Einzelberatung des Haushalts des ReichÄarbeils- ministeriums fort beim Abschnitt „W ohnungs- und S i edInn g s wes en". — Abg. Lipinski (Doz.) begründet einen Antrag, die Regierung zu ersuchen, ein Wohnungsbauprogramm mit dem Ziel vorzulegen, spä- testsns in 10 Jahren den alten und neuen Wohn uns sbedarf zu decken und für die Durch- führungAes Programms die nötigen Mittel für Hypotheten ufto. bereitzustellen. 300 000 Wohnungen seien jährlich in dem nächsten Jahrzehnt zu bauen. — Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns erklärt: Einen festen Plan für mehrere Jahre biS ins einzelne aufzustellen, ist zur Zeit unmöglich, weil niemand die Entwickelung des Kapitalmarktes für den Wohnungsbaumarkt voraussehen kann. Man steht dort jedes Jahr vor neuen Ueberrasch-ungen. In der Frage der Auslandanleihen für diese Zwecke stehen wir nicht auf dem Standpunkt des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, Wir werden in unseren Bemühungen fortfahren, daß solche Kredite für diese Zwecke beschafft werden können. Ebenso betreiben wir die Frage der Typisierung und Verbilligung des Baues. Der Index von 175 ist zu hoch. Für die Beschaffung von Landarbeiterwohnungen schweben Verhandlungen mit den beteiligten Ressorts, namentlich mit dem Reichsernährungsministerium. In das Arbeitsbeschaffungsprogramm hatten wir 30 Millionen Mark für diese Zwecke aufgenommen. Die Förderung der Landarbeitersiedelungen mit Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge verfolgen wir eifrig weiter. Lieber die Siedelungen im Westen schweben Verhandlungen mit Preußen. Arbeitszeit- und Lohnbewegung im Ruhrbergbau. Essen, 16. Ian. (WTB.) Gestern fanden im Ruhrgebiet etwa 40 Mitgliederversammlungen des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter statt, die die auf der Essener Bezirkskonferenz einftimmig angenommenen Entschließungen ebenfalls annahmen. In dieser Entschließung ersucht He Dezirkskonferenz die Hauptverwaltung, unverzüglich mit den übrigen Organisationen der Arbeitsgemeinschaft der Bergarbeiteroerbände Verhandlungen über die baldige Kündigung des Mehrarbeits-Abkommens aufzunehmen, dessen zwischentarifliche Regelung vom Bergbau ab- gelehnt worden war, und sie hofft, von der Leitung des Gewerkvereins, baß eine verkürzte A r - beitszeit baldmöglichst einaeführt und eine der Teuerung entsprechende Lohnerhöhung erfolgt. Der alte Verband wird am kommenden Sonntag in Bochum zu den obigen Fragen gleichfalls Stellung nehmen. Die panamerikanische Konferenz. Eoolidge für eine „angemessene" Rüstung. Havanna, 16. 3an. (WB.) Der Präsident von Kuba. M a ch a d o , erklärte in einer Ansprache, mit der er Präsident Eoolidge und die Delegierten der panamerikanischen Konferenz bewillkommnete, nichts könne die Strömung aufhalten die die Geschicke der w e st l i ch e n Hemisphäre auf rechtlichen Grundlagen, die für die Erhaltung des Friedens unerläßlich seien, in einer brüderlichen Vereinigung zusammen- z u f a s s e n suche. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Rordamerika, Eoolidge. verlas dann die Er- öffnunr-sbotschaft. Die Bevölkerungen deik amerikanischen Staaten seien besser imstande, sich selbst zu regieren, als andere regieren zu lassen. Rtemals würden die Völker Amerikas militärischem Machthunger zum Opfer fallen. Rie- mals habe man große militärische Einrichtungen zur Unterdrückung anderer Rationen unterhalten. „Wir sind," so erklärte Eoolidge, „für angemessenes Gerüstetsein im Interesse der nationalen Verteidigung: denn wir glauben, dah diejenigen Rationen sich ins Verderben stürzen, die militärische Dinge vernachlässigen oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen." Aber es sei ein großer Unterschied, ob maxr rüste, um wohlerworbene Rechte zu verteidigen, oder ob man sich nur auf rohe Kraft stütze, anstatt an die Vernunft zu appellieren. Dynastische Kriege, wie sie die Alte Welt erlebt habe, seien in Amerika unmöglich. Die Kriege Amerikas während der letzten 150 Jahre seien fast ausschließlich zur Sicherstellung der Unabhängig- keit und Freiheit der Menschheit geführt worden. Jede Demokratie sei friedliebend, weshalb es auch gelungen sei. den Frieden unter den ameti- kani.chen Republiken so lange Zeit zu bewahren. Das amerikanische Flottenbauprogramm Im Mrineausschuß angenommen. Washington, 16. Ian. (WB.) DerMarine- oüsschuh des Repräsentantenausschu.ses nahm die in der Regierungsvorlage geforderten Schisfsbaukredite in Höhe von 740 Millionen Dollar an. Er trat jedoch für eine Festsetzung der Bauzeit, die das Mari.eämt absichtlich offengelassen hatte, ein. Die vo : Repräsentantenhaus befürworteten Fristen sind fünf Jahre für die Kiellegung und acht Jahre für die Beendigung aller Bauten. Das Haus strich die im Entwurf vorgesehene Ermächtigung, im Falle einer internationalen Marinekvnferenz das Bauprogramm ganz oder teilweise zu streichen. Im Anschluß wurde erklärt, man verspreche sich wenig von zukünftigen Konferenzen. Zudem könne Amerika nur mit einer wirklich gleichwertigen oder besseren Flotte die anderen Konferenzteilnehmer veranlassen, Kompromisse einzugehen. Japan und die amerikanischen Klottctibaupläne. London, 16. Jan. (TU.) Wie aus Tokio gemeldet wird, beschäftigt sich die japanische Presse in großer Ausführlichkeit mit den Flottenbauplänen des amerikanischen Marineministeriums. In den Kommentaren, die zum Teil recht sarkastisch sind, wird darauf hingewiesen, daß Amerika mit der einen Hand einen Antikriegspa. t präsentiere, w ih.e d es in der andern ein Rustungvpro - gramnt halte. Persönlichkeiten der japanischen Marine erklären, dah die japanischen Flottenbaupläne durch die amerikanische Entscheidung nicht beeinflußt würden. In diesen Kreisen betont man auch mit starker Zurückhaltung, dah vorläufig abzuwarten bleibe, ob der Kongreß dem amerikanischen Marineminister auf dem vorgezeichneten Wege folgen werde. Aus aller Wett. Das Unglück auf der Bölklinger Hütte. Don dem Llnglück auf der Bölklinger Hütte sind insgesamt 17 Personen betroffen worden, von denen zwei auf der Stelle tot waren, während fünf weitere inzwischen ebenfalls ihren Verletzungen erlegen sind. Die Llrsache des Unglücks ist aller Wahrscheinlichkeit nach aus eine Kohlenstaubexplosion zurückzuführen. Die Ausbesserung des Hochofens dürste voraussichtlich bis Ende dieses Monats dauern. Durch die Explosion wurden verschiedene Rohrleitungen zerstört, wodurch die Hochofenanlage, das Stahlwerk und das Walzwerk zeitweilig völlig außer Betrieb gesetzt wurden. Doch werden Stahlwerk und Walzwerk von morgen an die Arbeit wieder aufnehmen. Herzog Bernhard r n Sachsen-Meiningen f. In Meiningen oerfd nach längerem Leiden der ehemalige Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen. Herzog Bernhard wurde 1851 als Sohn des Her- zogs Georg II. und dessen erster Frau, Prinzessin El;arlotte von Preußen, geboren und folgte 1914 seinem verstorbenen Vater in der Regierung. Rach Ausbruch der Revolution verzichtete er nm 10. November 1918 auf den Thron und lebte seither zurückgezogen auf seinen Schlossern. Herzog Bernhard widmete sich von jeher mit Eifer den schönen Künsten, insbesondere der Musik und Literatur. Seine Uebertraguna der „Perser" des Aechylos ist wiederholt aufgeführt worden. Die Breslauer Universität ernannte ihn zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät. Jranz-Schuberl-Gedächtnislag in Amerika. Unter Vorsitz von Otto Kahn hat sich in Reuyork ein Ausschuß aus Vertretern der ilni- versitäten, der Geistlichkeit und der Kunst- und Geschäftswelt gebildet, um eine würdige Begehung des 100. Todestages Franz Schuberts in die Wege z.u leiten, dessen Werke in über I 1000 Städten zu Gehör gebracht werden sollen. [hi't 8,; heilt« MMst messet i! uns an£ tourte. ' uns ans '"Tchokoli KL Ä* »fort 9 sches 9# JSnwin4f. teil IJ* J .ili ** hätte. 2W gewogt befer ..a gelten un Ml, d mehr hie geht alles Maschine Whren Schlveln a jide Schlaf von Haue Meyelsup Die w< grauen m holt, und Anfang i len habe Denn w qenomme der Aach ja noch wurde n teert, eine los stück. £ eine m< schine - Wie stc Aeivegu aber ka Da wa eingriad Über 30 Fleisch t Srotour tourte, l kleines < ÄetzeW wollte ei leuchten, schon." leuchten, war an dem Es einem ( Kinder die Gas kehrten. Tage sl gehörig' ®ab'8 a 6lüd Rw etwas. Schade Ul Man stödtis Jrieds aus die 6 In sichtb. bezeich des botar Helnialla 5n erster mann uni schule mi uchiig an [ei daran Anennun Aeruss toaltun Inspektor Diese Z Beben, nö au4 die Ne 8in M für das, waj Dies bui Aobachte •oebeuhit das es । ©worxenloiO nentr ® naro oedecut. »woiKig. eotdtcn »KefleH * Sehnet a Graupeln e NtBtt K Ge«/«ner.@wind$til>e. -O-. st* leichter Ost <* '"«Mallen! ' » In 6t„T”‘ 'L»7.',K '"den unb eform. 'Ä"Ä"»“ N-r>Ä ZKZ Ä & N«euw$ '»‘«Milt K Ä lte,?"i!«™ mußten, tzz M. ife 80 003 unerledigte so die 3er|orgungi- en Jahren noch wich, und es sei danm nuhigung in diese« ständige Ervrtenniz ntstünden, läge. -20 •Rlfl ut" ftfrut* aussage« er sübL°^ E die ve^iaM e Tempel (U in [z i^IÄ^agen £ n tuJJK Wt 1 fitere» v ui«« -KH ..... Ä* Aus der Provinzialhaupistadi. Gießen, den 17. Januar 1928. Mehelsuppe auf dem Lande. Das ist.für manchen so etwcrs wie — ein lyrisches Gedicht. Während des Krieges wurde man manchmal sehr neidisch, wenn uns ein Freund erzählte, daß er zur Metzelsuppe eingeladen worden sei und daß er — die Hauptsache — auch ein „Päckchen" dabei mit nach Hause gebracht hätte. Das war jene Zeit, in der alle Schweine gewogen werden mutzten, damit der Amtsschimmel besser „rationieren" konnte. Das waren ernste Zeiten und doch auch wieder nicht. Aber die heutige Mehelsuppe hat lange nicht mehr die Poesie wie vor 30 bis 40 Jahren. Es geht alles viel schneller und zweckmäßiger. Die Maschine verdrängt auch hier die Handarbeit. Während früher der Hausmetzger nur ein Schwein am Tage erledigte, nimmt sich der heutige Schlächter gleicht 2 bis 3 vor. Er rennt dann von Haus zu Haus, und von einer geruhsamen Mehelsuppe ist kaum die Rede. Wie war es doch früher? 2m ersten Morgengrauen wurde das Schwein aus dem Stall« geholt, und bald verkündete das laute Schreien den Anfang des wichtigen Tages. Wir Kinder durften dabei das Schwänzchen halten, d. h. dann, wenn alles vorbei war. War das Tier ausgenommen und zerlegt, dann setzte die Arbeit der Rachbarn und guten Freunde ein. Man hatte ja noch keine Fleischmaschine. Auf dem Hackbrett wurde mit scharfen Hackmessern das Fleisch zerkleinert, das Gewürz usw. Das war für uns eine köstliche Musik. Dann kam ein gutes Frühstück. älnd erst das Wurstmachenl Wenn sich so eine meterlang« glänzende Wurst aus der Ma- schine — die hatte man schon — herauswandt Wie staunte man da, und andächtig wurde jede Dewegung des Metzgers verfolgt. Am Abend aber kam erst die Hauptsache, die Metzelsuppe. Da war die gesamte männliche Verwandtschaft eingeladen, dazu Freunde und Rochbarn. Oft über 30 Personen. Es gab ein« kräftige Suppe, Fleisch und Meerrettich und dann von der neuen Bratwurst. Dah dabei oft sehr viel gegessen wurde, ist klar. Lind als einst ein Mann ein, kleines Schweinchen geschlachtet hatte und die Mehelsuppsgäste sich sehr gütlich getan hatten, wollte er ihnen beim Heimweg mit der Laterne leuchten. „Ist nicht nötig, wir finden den Weg schon." „Ich will ja nur meinem Säuchen heimleuchten," erwiderte der Mann, denn das meiste war an diesem Abend gegessen worden. Rach dem Essen zogen die geladenen Gäste meist zu einem guten Trunk in das Wirtshaus. Wix Kinder kamen ins Bett. Wir wußten aber, daß die Gäste noch einmal gegen Mitternacht zurückkehrten. Dann gabs Kaffee und Kuchen. Einige Tage später wurden dann die weiblichen An-' gehörigen eingeladen. Auch dabei ging es hoch her. Heute merkt man nicht mehr viel von der Mehelsuppe. Das einförmig« Tack-tack der Hackmesser ist verschwunden, gerade d i e Musik, die uns ankündigte, daß in dem Hause geschlachtet wurde. Wir zogen dann am Abend hin, stellten uns ans Fenster und sangen: Ich hab gehört, ihr hält' geschlacht' und hätt' so lange Wurst gemacht. Gebt mir von den langen, laßt die kurzen hangen. Gab's auch keine Wurst, so trug's uns doch ein Stück Kuchen ein, unö das war immerhin schon etwas. Schade, daH diese Zeiten vorbei sind! L. Unsere Anlagen als Lehrstoff. Man schreibt uns: Eine Wanderung durch die städtischen Anlagen und den Alten Friedhof in Gietzen gibt mir Veranlassung, auf die an den dortigen Bäumen und Sträuchern in sichtbarer Weise angebrachten Ramens- bezeichnungen in schöner lesbarer Aufschrift des botanischen und deutschen Ramens, sowie des Heimatlandes der Airpflanzungen hinzuweisen. In erster Linie bietet diese Reuerung dem Fachmann und insbesondere der gärtnerischen Berufsschule mit ihren 40 Schülern Vorteile, die aufrichtig anerkannt werden. Dank und Anerkennung sei darum hier denen gesagt, die sich um diese Benennung bemüht und sie gefördert haben: der Be ru f ssch u l le i tung, der Stadtverwaltung und ganz besonders dem Garteninspektor L R. Fried. Rehnelt. Diese Zeilen sollen aber eine weitere Anregung geben, nämlich ob es nicht möglich wäre, daß auch die anderen Schulleitungen sich diese Einrichtung zunutze machen könnten. Es ist doch für unsere Jugend nichts wissenswerter als das, was im Haushalt der Ratur vor sich geht. Dies durch eigene Anschauung zu sehen und zu beobachten ist für das Kind von ganz besonderer Bedeutung, oem es zugute kommt, wenn es das, was es hier an Gehölzen sieht, gründlich kennen lernt. Das auf diese Weise Gelernte haftet für baS ganze Leben. Auch die weibliche Jugend findet an den Bäumen, Sträuchern usw. eine gute Lehre. Die Schulleitungen werden fragen, wie ich mir diese Exkursionen denke? Die einsachste Lösung wäre wohl die, einen Leitfaden, der unsere städtischen Anlagen und ihre Pflanzenschätze verzeichnet und deren Eigentümlichkeiten bekanntgibt. dem Lehrkörper zur Verfügung zu stellen. Vielleicht würde auf Ersuchen Herr Garten« inspektvr R e h n e l t dies« Aufgabe bearbeite», sollten jedoch keine-Mittel hierfür zur Verfügung stehen, so würde vielleicht die Bezirksgruppe Gießen des Landesverbands Hessen-Darmstadt im Reichsverband des Deutschen Gartenbaues geeignete Kollegen zur Verfügung stellen und die Führung übernehmen. Jedenfalls würde sich bei gutem Willen auch ein Weg finden. Weiter ist es auch für erwachsene Personen sehr wissenswert, welche Schätze unsere Anlagen bieten, ist es doch erstaunlich, welche Menge an älnkenntnis hierüber herrscht. Denn eS kommt sehr häufig vor, daß selbst gebildete Menschen einen Buchenbaum nicht von einem Lindenbaum unterscheiden formen. Zum Schlüsse gestatte ich mir eines Mannes zu gedenken, der Schöpfer und ausführender Teil unserer schönen städtischen Anlagen ist. Es ist der in unserer Stadt noch in bester Gesundheit und Rüstigkeit lebende ehemalige Stadtgärtner I o h. Balser, der sein« mit großem Ver < ständnis und Liebe gepflanzten Gehölze nach einem Menschenalter in herrlicher Pracht sich entfalten sieht und der sich hofsentlich noch recht lange an dieser Schönheit erfreuen kann. B. Heinrich Neeb. Zur 50. Wiederkehr seines Todestages 18. Januar 1878. Heinrich Adam R e e b starb am 18. Januar 1878 zu Frankfurt a. M. Ein halbes Jahrhundert ist seit diesem Tag verflossen, und noch hertta lebt der Rome in dem stattlichen Männerchor, der in Frankfurt a. M. den Rainen R e e b s ch e r Männerchor trägt. Der junge Reeb, der 1805 zu L i ch geboren wurde, kam nach Frankfurt und gründete zunächst im Jahre 1858 das Reebsche Quartett, dessen Mitgliederzahl sich auf 24 beschränkte. Später erfolgte am 1. August 1865 die Gründung des Reebschen Männerchors, in dem dann das Reebsche Quartett aufging. Es war dies am 30. Dezember 1866. Die Gründung des Reebichen Männerchors wird in der bekannten Sängerbibliothel von Peter Schneider als eines der bemerkenswertesten Ereignisse des betreffenden Jahres gekennzeichnet. Reeb führte seinen Verein zu großen Erfolgen, denn er ist nach Scheible und Schnhder einer der markantesten Chormeister der Stadt Frankfurt gewesen. Schon Int Jahre 1830 hat er als ganz junger Mensch in Paris den ersten deutschen Männerchor ..Germania" gegründet, und er zeigte sich damals schon als ein Meister des Massenchors. Reeb, der auch als Männerchor- und Opernkomponist hervorgetreten ist, mußt« am 7. Februar 1874 die Stabführung seines geliebten Chores niederlegen, da er ernstlich erkrankt war. 1878 erlöste ihn der Tod; er wurde am 20.2a»1 nuar 1878 auf dem Frankfurter Friedhof beigesetzt. Reeb war Ehrenmitglied und Meister des Freien Deutschen Hochstifts, in dessen Besitz sich auch sein schriftlicher Nachlaß befind«!. 2n der „Reebstistung" zur Llnterstützung hilfsbedürftiger Tonkünstler bleibt sein Rame ebenso wie in seinem Reebfchen Männerchor der Rachwelt auch fernerhin erhalten. An seiner Ruhestätte, Frankfurter Friedhof, Gewann), linker Teil, dritter Querweg, setzten ihm die „verbündeten" Frankfurter Gesangvereine ein großes Sandstein- denkmal mit Relies mit einer Lyra gekrönt. Der Reeb'che Mannerchor wird am Todestage seines Gründers durch Riederlegung einer Kranzspende an seiner Ruhestätte seiner ehrend gedenken. Daten für Mittwoch. 18. Januar. Sonnenaufgang 7.58 Uhr, Sonnenuntergang 16.23 Uhr. Mondaufgang 3.58 Uhr, Mondunterganq 12.42 Uhr. — 1689: Der philosophische Schriftsteller Monte- quieu in La Bröde bei Bordeaux geboren (gestorben 1755); 1701: Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg nimmt als König von Preußen den Namen Friedrich I. an; Stiftung des Schwarzen Adlerordens; 1871: Proklamation von Versailles. Wilhelm I., König von Preußen, wird Deutscher Kaiser. Gretzener Wochenmarktpreise am 17. 2anuar 1928 (Händlerpveise). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1,40 bis 1,60; Matte 30 bis 35; Käse 10 Stück 0,60 bis 1,40; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 18 bis 20; Rotkraut 25 bis 30; gelbe Rüben 15; rote Rüben 15; Spinat 40 bis 50; Unter-Kohlrabi 10; Grünkohl 25; Rosenkohl 50 bis 60; Feldsalat 1,50; Tomaten 1,20; Zwiebeln 20; Meerrettich 40 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5 bis 5'/?: Aepfel 12 bis ■ssamtaEEaaaHBnBMBiRVBUMmasraisBnESMnBa 20; Dirnen 10 bis 15; Honig 45 bis 50; Gänse 1,00 bis 1,10; Rüsse 50 bis 90; Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 0,60 bis 1,40; Salat 40; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 30; Sellerie 10 bis 60. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Stadt- theater: 7.30 Uhr, „Der Revisor" (Ende gegen 10 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „U 9". — Astoria-Lichtspiele: „Drei mal Dreizehn". — ®ie VortragS-Vereinigung hat, wie man uns schreibt, für kommenden Freitag den großen deutschen Vortragsmeister Ludwig Hardt zu einem Vortragsabend „Grotesken und zehn Berliner Schauspielerporträts" gewonnen. Die Vortrags-Vereinigung dürfte mit dieser Veranstaltung den künstlerischen Höhepunkt ihres dieswinterlichen Bortrogsprogramms bringen. Die nicht oft gebotene Gelegenheit, diesen großen Vortragskünstler in unserer Stadt kennen zu lernen, dürfte einen starken Besuch erwarten lassen. (Siehe heutige Anzeige.) *• Miserabler Zugang zum Güterschuppen. Wer in den letzten Wochen zum Güterschuppen gehen muhte, wird erstaunt gewesen sein über den Zustand der dorthin führenden Straße und der Fußsteige. Dis zur Eisenbahnüberführung der Wieseck ist es noch einigermaßen erträglich, int übrigen aber empfiehlt es sich, wasserdichtes hohes Schuhwerk und die ältesten Kleider anzuziehen. denn durch die Abfuhr von Kohlen und sonstigen Gütern, die bei der schlechten Pflasterung viel Abfall verursacht, bildet sich bei Regenwetter Schlamm, der auf der ausgefahrenen Straße stehen bleibt und bei der Durchfahrt von Kraftwagen in weiten Bogen auseinanderspriht. 2st man endlich zum Güterschuppen selbst gelangt und will man noch darüber hinaus zu den südlich gelegenen Ausladegeleisen oder Lagerschuppen, so weih man hier vor noch viel größerem Schmutz und noch mehr Pfützen weder ein noch aus. Da es hier an einem Fußsteig fehlt, ist nur ein sprungweises Vor- wärtskommen zwischen den Schienen des ausgefahrenen Bahnkörpers der Bieberlalbahn möglich, oder man muh in Kauf nehmen, bis übev die Knöchel im Schlamm waten zu müssen. Soweit uns bekannt, ist die Reichsbahn für die Reinigung dieses Straßenzuges zuständig. Es dürfte angesichts des sich täglich dort abspielenden tarken Fußgänger- und Fuhrwerksverkehrs, be- onders bei Regenwetter, eine öftere und inten» ivere Reinigung zu fordern fein. ** Die Feuerwache im Jahre 1927. Im verflossenen Jahre wurde die städtische Feuer- waci-e insgesamt 130 mal in Anspruch genommen. Davon betrafen die Alarmrufe: 27 Kleinfeuer, 6 Zimmerbrän'de, 2 Kellerbrände, 6 Kaminbrände, 1 Waldbrand, 5 blind« Alarme, 67 Unfuge, 12 sonstige Hilfeleistungen, 2 Probealarme (1 in der Stadt, 1 auswärts) und 2 auswärtige Brände. ** Städtische Drennholzversteige- r u n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung der Stadt Giehen beim Forsthaus Hochwart wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenscheiter 17 Mk., Eichenfcheiter 11 Mk., Buchenknüppel 10,80 Mk., Eichenknüppel 8 Mk., Buchenstöcke 7 Mk., Eichenstöcke 5,50 Mk. je Raummeter; Duchenreisig 27 Mk., Eichenreisig 12,50 Mk. je 100 Wellen. •* D i e Submission für di« Maurer» arbeiten für em zweites Unteroffi- zier-Wohngebäude am Kugelberg hatte folgendes Ergebnis: 1. Birtenstock & Schneider (Gießen) 39 986 Mark, Martin Abevmann (Gießen) 40 109 Mark, Bauunternehmer Carl Wehrum (Gießen) 40 613 Mark, Baugeschäft ch. W. Rinn (Gießen 40 886 Mark, Gesellschaft für Beton- und Eisenbetonbau (Gießen) 41331 llstark, Baugeschäft Müller (Wetzlar) 41 866 Mark, Georg Becker (Gießen) 42 286 Mark, Bauhütte (Gießen) 42 335 Mk. Nach der Erteilung des Zuschlages soll sofort mit dem Bau, der zwölf Wohnungen enthält, begonnen werden. ** Besitzwechsel. Die Firma S. Rosenau in Wetzlar/Hachenburg hat das Geschäftshaus der Firma Fritz Nowack im Seltersweg erworben, um darin im Frühjahr ein modernes Kaufhaus zu eröffnen. ** Fleischpreisabschlag. Die Fleischer- Innung Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß sie den jetzigen Einkaufs- und Zeitverhältnissen entsprechend einen Abschlag der Fleisch- und Wurstpreise hat eintreten lassen. ** Grenzwissenschaftliche Bibliothek. Studienrat Dr. König teilt uns mit: 2m Historischen Seminar der Universität (Bismarkstraße 16) hat eine grenzwissenschast- liche Bibliothek von vorläufig 120 Bänden Aufstellung gefunden, die nicht nur den Studierenden, sondern auch der Bürgerschaft Gießens zur Verfügung stehen soll. 2eder, der sich über Die Probleme des deutschen Volks- und Kulturbodens außerhalb der Reichsgrenzen, sowie über die Zustände bei den benachbarten Fremdvölkern unterrichten möchte,' wird hier neueste Literatur finden. Die Ausleihe findet am Mittwoch von 12 bis 1 Uhr statt. •* Vermißt wird seit dem 11. Januar, abends 9 Uhr, die Elisabethe Alexander, zuletzt in Gießen, Crednerstraße 6 in Stellung. Das Mädchen wurde am 3. Februar 1904 zu Offenbach geboren. Es ist zirka 1,70 Meter groß, schlank, hat dunkelblonde Haare, trug dunkelgestreiftes Kleid, Hellen, gestreiften Wintermantel, schwarze Strümpfe und schwarze Spaiiaenschuhe. Personen, die über den Berbleib der Vermißten Auskunft geben können, werden ersucht, die Kriminalpolizei Gießen zu verständigen. ** Fe st genommener Schwindler. Am 31. Oktober v. I. mietete in der Löwengasse ein angeblicher Monteur H. Mü Iler ein Zimmer auf ein Vierteljahr unter dem Vorgeben, er sei bei der Firma Holzmann beschäftigt und arbeite am Neu- städter Viadukt. Am gleichen Abend besuchte er eine in demselben Hause wohnhafte alte Frau und fragte, ob sie ihm einen Hundertmarkschein wechseln könne. Da die Frau nicht soviel Geld hatte, sagte Müller, sie solle ihm geben, was sie hätte, sie könne sich am anderen Tage das Geld bei seiner Mieterin holen. Da der Mensch aufdringlich wurde, gab ihm die alte Frau 24 Mark. Müller verschwand damit auf Nimmerwiedersehen. Als Täter wurde nun der Schneider Jonas Ochs, geboren am 10. Oktober 1881 zu Kastel, ermittelt. Er befindet sich in Koblenz in Strafhaft. ** Feuerwehrkursus. Am Sonntag land im Saalbau Sauer der zweite Kursus der Kommandanten und Führer der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen statt. Regierungsassessor Güngerich eröffnete den Kursus mit einer Begrüßung der Vertreter der Feuerwehren. Zunächst hielt Branddirektor Braubach (Gießen) einen Vortrag über die „Brandbekämpfung und das Rettungswesen. Angriffstechnik, Jnnenangriff, Rohr- führerdienst und Anfahren der Löschgeräte". Der Vortragende schilderte die Aufgaben, die der Feuerwehrmann bei einem Brandausbruch zu beobachten hat. Inzwischen war der Präsident der Landesbrand- versicherungskammer, Geheimer Rat von Hahn, eingetroffen, der von Regierungsassessor Günge- r i ch begrüßt wurde. Sodann folgte der zweite Vortrag über „Besondere Brände: Kellerbrand, Stockwerks- und Dachstuhlbrände, Scheunenbrände, Stroh- und Heuhaufen, Turmbrändc, Balken- und Schornsteinbrände, Mühlen-, Fabrik- und Waldbrände", der von Brandinspektor Wenzel gehalten wurde. Branddirektor Braubach sprach bann über „Besonderes Verhalten bei Gasleitungen, elektrischen Starkftromanlaaen usw., Mineralölbränden, Karbidbehältern, Zelluloid, Filmen usw.: erste Hilf« bei Unglücksfällen und Gebrauch von Handfeuerlöschern". Der Vortragende gab viele praktische Hinweise, mit welcher Vorsicht man derartig« Brände bekämpfen müsse. Nach der Mittagspause folgte die gestern gemeldete Uebung der bei den hiesigen Wehren an der Zchill.'rschule. Daran schloß sich im Unterrichtslokal Saale .a Sauer die Kritik iiver die Uebung an, die Branddirektor Braubach hielt. Als letzter sprach noch Brandmeister Betz über „Pfleg«, Unterhaltung und Aufbewahrung der Schläuche", wobei er sehr wertoille Winke gab. Dann schloß sich ein« Schlußdebatt« an, bei der noch Anfragen über di« Vbrträg« folgten. Geh. Rat von Hahn berichtete schließlich noch über die Landesfeuerlöschkaste, über Gewährung von Beihilfen bei Beschaffung von Löschgeräten usw. Nachdem Kreisfeuerwehr -Jnsvektor Dickorö und Branddirektor Braubach noch einige Auskünfte erteilt hatten, schloß Regierungsassessor Gü ngc - r i ck den Kursus. Hessischen Diakonie - V «rein wurde zugunsten der Alters-, Kranken- und Er- holungssürsorge seiner Schwestern eine Lotterie genehmigt. Die Ziehung findet bestimmt am 26. Januar In Darmstadt öffentlich statt. 2n Anbetracht des guten Zweckes darf wohl auf Unterstützung dieses Unternehmens gerechnet werden. Der Lospreis betragt nur 1 Mk., es werden inte Geldgewinne ohne jeden Abzug zur Auslosung gebracht. Wir verweisen im Übrigen auf die Anzeigen. Berliner Börse. Berlin, 17. Jan. (WTB. Funkspruch.) Das Geschäft ist auch heute früh wieder sehr still bei behaupteten Kursen, die Tendenz abwartend. Die feste Haltung einiger Spezialwerte dürfte den übrigen Märkten eine Stütze bieten. Man nennt bisher Farben mit 275 und AEG. mit 175 bis 175,5. Am Devisenmarkt hort man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,19, Madrid 28,46, London gegen Kabel 4,8745 und London gegen Kabel mit 4,19675. Aspirin- JL W -7 TABLETTEN \aV) öqTErküHungSan^ecch(in} rheumatischen Schmerzen. als täglicher Zusatz zum Waschwasser gibt dem Teint jugendliche Frische und Zartheit ' ' . . ______ ' _____________________■__________________ Henrich Mack NachF., Ulm d/D. im Siegerland Großhandlung Lber Versteigerung Donnerstag, 19. Zan., nachm I V, Uhr in Schokolade Zucker-, Tabakwaren, Spirituosen usw., mit etnflef. 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Der verehrten Einwohnerschaft von Gießen zur gefälligen Kenntnis, daß ich mich ab heutigem Tage als Ofensetzer hier niedergelassen habe. — Es wird mein Bestreben sein, meine werte Kundschaft prompt und reell zu bedienen. — Ausführung von Kachelofen-Reparaturen Fritz Ockel, Ofensetzer, Marktstr, 2 Am Sonntag entschlief nach langer Krankheit unser Heber Sangesbruder und Vereinswirt Derr Ludwig Becker II. Wir betrauern in ihm einen unserer Besten und als solcher wird er auch in unserem Gedächtnis weiterleben. Gesangverein Sängerkranz Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. Januar, nachmittags 3l/, Uhr, vom Trauerhause aus statt. Gestern abend 8*/, Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Keck Glasermeister ... Pfund 80 und und 612c •/♦pfünbtn . Goldbarsch larbutt °/«pfündtg . ..... Pfund 45 -- Grüne Heringe Kronenmarke bürgt für stramme Packung Qualitätsware. 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So einen Kerl habe ich Zelt meines Lebens noch nicht gesehen.* Herbert Euienberg: .Die Krone der Vortragskunst in Deutschland gehört diesem Ludwig Hardt. 593 öin kräftiger Stammhalter ist angekommen A. Dauster und Frau Gretel geb. Krinn Gießen, den 16. Januar 1926 (z. Zt. Evangel. Schwesternhaus) 616D Preis-Abschlag! Den jetzigen Einkaufs- und Zeitverhält- niffen entsprechend, haben auch wir die Verkaufspreise für Fleisch- u. Wurstwaren mit Gültigkeit von heute ab herabgesetzt. Gießen, den 17. Januar 1928. 617D Fleischer-Innung Gießen. Win 18 bls 20 Yahre, für Konditorei u. Tages- caf& auch für etwas Mithilfe tm Haushalt gesucht. 0370 Sonöltotel GeWer Plockstranc 9. für ArzthauShalt n. Gotba gesucht. ”** Borzustellen im Kaufhaus Blsoiler, Gießen, Marktsir. 27. Gesucht f. tagsüber ältere gebildete Hilfe zu 2jäbrtg. Kinde; Kenntnisse tm Nähen und Stenographie. Schriftl. Angebote unter 0371 an den Gieß. Anz. erbeten. Wittges. Merl. 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Hiervon- entfallen auf die Gemeinde Niederkleen 8 Geburten, 4 Heiraten und 13 Sterbefälle, auf die Gemeinde Oberkleen 12 Geburten, 4 Heiraten und 7 Sterbefälle und auf die Gemeinde Ebersgöns 8 Geburten, 5 Heiraten und 2 Sterbefälle. 5 Lützellinden, 16. Jan. Der hiesige Turnverein, welcher der Deutschen Turnerschaft angeschlosfen ist, hielt am gestrigen Sonntagabend in der Gastwirtschaft Franz feinen dieswinterlichen Theaterabend ab, der sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Den Mittelpunkt des Abends bildete eine flott gegebene Aufführung, die von dem Publikum mit großem Beifall auf genommen wurde; ferner gaben ausgezeichnete musikalische Darbietungen der Veranstaltung ein besonderes Gepräge. Eine Verlosung praktischer Gebrauchsgegenstände bildete den Abschluß des wohlgelungenen Abends. — Der Wunsch unseres Turnvereins, eine eigene Turnhalle zu errichten, ist bis jetzt noch nicht In Erfüllung gegangen. Obwohl die Gemeinde bereit wäre, den Bauplatz und das Bauholz unentgeltlich zu stellen, ist der Verein doch nicht imstande, die noch verbleibenden hohen Baukosten aufzubringen. Eine endgültige Lösung der Baufrage kann nur durch eine intensive Zusammenarbeit sämtlicher im Ort bestehender Vereine in dieser Hinsicht erreicht werden, wo- auf diese Vereine auch die Turnhalle zu ihren Veranstaltungen benutzen könnten, umsomehr, da sich auch die vorhandenen Räumlichkeiten bei größeren Veranstaltungen immer als zu klein erweisen. ~ Aus dem Hüttenberg, 16. Ian. Die Preise für fette S ch l a ch t s ch w e i n e sind in den Gemeinden des Hüttenberges auf einen solchen Tiefstand heruntergegangen, wie et letztmalig nur kurz nach dem Kriege festzustellen war. Für das Pfund Lebendgewicht Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 19 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Schlaf breitete seine Schwingen langsam um fie. Das Bild der schönen Kaiserin Eugenie vergrößerte sich langsam, sie schien sich lächelnd herabzuneigen, und es war Melusine, als frage sie, wie heute la bonne-mfcre es getan: „Nicht wahr, Sie sind eine von den Unseren?" Aber dann stand plötzlich ihr Bruder Raymond mit seinen brennenden, fieberglänzenden Augen vor ihr, wie vorhin am Spätnachmittag und fragte, indem er Ihre Hand ergriff: „Nicht wahr, wenn ich wieder gesund werden sollte, dann werden wir drei für immer zusammenhalten? Du, Dietmar! und ich. Weil mir uns so gut, weil wir uns so völlia verstehen?" — Das Unterbewußtsein der Angst um das Leben bes Bruders lag auch In ihrem Schlaf, trotzdem er schwer und lang mar. Der Gedanke an Raymond mar deswegen auch am andern Morgen ihr erster Mit bekommenem Herzen stand sie auf und 'leidste sich hasttg an, um ins Lazarett hinüberzukorn- men und zu fragen, wie er die Nacht verbracht. Aber der Morgen war bereits vorgerückt und samllick-e Schwestern schon seit Stunden wieder zu ihrem Dienst ins Lazarett geeilt. Eine französische Aufwartefrau bediente sie mit dem Morgenkaffee Sie war glücklich, sich mit der jungen Dame auf Französisch unterhalten zu können.' Draußen auf den Stufen der schmucken Freitreppe erwartete sie bereits Dietmar!, als sie den Lazarettgarten betrat. Er eilte ihr entgegen und 30g ihre Hand ritterlich an seine Lippen. „Wie hebt es Raymond?" war ihr erstes. „Was wissen Sie von ihm?" Da blieb er vor ihr stehen und sah ihr in die Augen. Es stand plötzlich wieder etwas von ihrem alten, einstigen Leuchten in ihnen. „Besser Melu- fme," er widerte er sehr leise, weil ihm die form, l'chc Anrede immer zur Qual mar. „Seine Ternpe ratur ist heute morgen so tief gesunken, wie feit Wochen nicht." Sie drückte ihm die Hand, die er noch immer in der seinen hielt. „Gott sei gedankt!" Sie ging jetzt unwillkürlich wieder neben ihm weiter, weil der Wunsch, den Bruder zu sehen, in ihr aufftieg. "Können Sie nicht vielleicht unserer Mutter gleich Mitteilung hiervon geben, Dietroart? Ich fürchte, man läßt hier auf der Feldpost keinen Bries von mir als Zivilperson durch." Er war sofort voller Bereitwilligkeit. O, wie gern würde er der Baronin Welzin nach Straßburg sihreiben. Nicht aleich zu überschwenglich sicher. Gefahr eines Rückschlages bestand noch immer. Mer d>e Krisis des neunten Tages war vorüber, und hatte eine starke Senkung der Temperatur gebracht. „Ach, wäre er doch außer Gefahr, roemi ich hier wieder fort müß!" meinte sie. Abermals hemmte er letzt den Schritt, als sie die Freitreppe oben erstiegen und das große Eingangsportal erreicht. Drinnen im großen Treppenhaus war immer ein Kommen und Gehen, besonders jetzt, wo die Stunde auf die ärztliche Disite zuging. Und niemanb sollte hören, was er mit Melusine sprach. Ach, wie sehnte er eine Stunde ruhiger, ungestörter Aussprache, ein Wiedersehen unter vier Augen mit ihr herbei. „Wenn Sie wieder von hier fort müssen? Baronesse, lassen Sie uns noch nicht an den Abschied denken. Der Chefarzt selbst hat Ihnen ja den Aufenthalt von einigen Tagen angeboten. Soviel ich weiß, sind Ihnen hier drei Tage Ausentl-alt gewahrt? — Vielleicht — ja, vielleicht können Sie dann die beruhigende Gewißheit mitnehmen, daß er Ihnen erhalten bleibt?" „Ob ich ihn heute morgen begrüßen kann?" „3a. Ich habe bereits nach der Möglichkeit gefragt. Es könnte allerdings jetzt nur kurz fein. Viel- leid)t aber mögen Sie jetzt erst einen kleinen Spa- Suugang mit mir machen? Nachher, wenn es auf Mittag geht, können Sie Raymond am besten besuchen. Wollen Sie?" einverstanden. Das Bewußtsein, daß keine Verschlimmerung bei Raymond eine lVe^ Beruhigung. Sie fühlte aus ledern Wort, aus jebem Blick, aus jeder Bewe- bie L,ebe von Dietmar!, sein zartes Umwerben, sein geheimes Glück, sie hier sehen zu dürfen. Das Städtchen bot nicht zuviel aufregend Interessantes. Das Pflaster war, wie überall in der französischen Provinz, absck-eulich und unregelmäßig. Die Straßen krumm und willkürlich in ihrer Linienführung angelegt. Hier und da saß eine Französin auf einem Stuhl an der offenen Ladentür und stickte Wäsche. Aber dann wurde es herrlich, nachdem man ein krummes, winkeliges und schmales Gäßchen etwas emporgestiegen und nun plötzlich vor Resten einer alten Stadtmauer stand. Klotzig und voll Wucht legte sich ein runder Festungsturm vor den Weg. Dietroart wußte die schmale Seitenpforte. Es ging ein Stückchen durch den geborstenen mächtigen Turm hindutch, und dann gewann man von den Trümmern der niedergestürzten Außenwand an der anderen Seite einen weiten Ueberblick über die Landschaft ringsum. Ein Stückchen alter, verfallener Burgromantiktat sich ihnen auf. In der Mitte des runden Turmes wuchs eine dicke Grasnarbe. Aus den Ritzen des alten Gemäuers quollen hängende Büsche und kleines Gesträuch. Ein Heckenrosenstrauch neigte sich, von zartrosa Blüten übersät, herab. Sie sah sich mit leuchtenden Augen um: „Wie wunderschön ist es hier! Und wie romantisch!" Er kannte ihre Liebe zur Natur. „Ich habe mir gedacht, daß dir dieses Plätzchen gefallen würde, Melusine! Deswegen sollte es auch unser erster Spaziergang fein. Ich habe hier, als ich wieder ausgehen durfte, manchmal gäfeffen. Sjabe immer an dich gedacht, und wie schön es sein müßte, dich neben mir zu haben! Und nun ist mir dieser Wunsch erfüllt worden, Liebste!" Er stand unmittelbar neben ihr und neigte sich zu ihr herab. Er brannte vor Sehnsucht nach einem Küß von ihr. Früher hatte sie sich, wenn sich ihnen ein Moment unter vier Augen bot, schnell in feinen Arm geschmiegt, und der Blick ihrer glücklichen Augen hatte ihn zu einem leidenschaftlichen Kusse hingerissen. Jetzt stand sie unbeweglich neben ihm und starrte auf den rosenbehangenen Strauch. Und ihre Augen hatten einen Ausdruck, als seien ihre Gedanken bei ganz fernen, anderen Dingen. Da schritt er, vielleicht um ein plötzlich wieder auf- steigendes wehes Gefühl zu meistern, auf die geborstene Mauer zu und zupfte einige Zweige mit Rosen ab. Sie sah ihm zu, sah, wie sehr er sich bemühen mußte, mit der einzigen Hand die Blumen zu pflücken! Mit aller Entsetzlichkeit kam ihr die Einbuße seiner linken Hand vor Augen. Ein Verstümmelter! Wohl fühlte er, wie sie seine Bewegungen verfolgte und ihr der Verlust feiner Hand wieder klar werden mußte. Und desto schmerzlicher bemerkte er ganz deutlich, als er ihr nun die Blumen bot, daß nicht Anteilnahme und Dank in ihrem Blicke lag, sondern ein fast entsetztes Ablehnen. Ein weher Gedanke schoß ihm durch den Sinn. „Die guten Tage hat sie mit mir genoffen. In vollen Zügen hat sie mit mir das Liebesglück genoffen, als noch die Sonne über uns beiden stand!--Jetzt aber? Wird sie in Zukunft diejenige fein können, die neben mir auch Düsteres mit durchleben würde?" — Aber Melusine war weltgewandt, sie war eine Meisterin, Immer die Situation beherrschen zu fihv nen. Ganz deutlich fühlte sie, wie etwas Unsichtbares, Feines und doch nicht Abzuleugnendes zwischen ihnen aufstieg. Das wollte sie nicht. Warum eine unerquickliche Situation schaffen? „Ich danke dir vielmals, Dietroart", meinte sie und suchte die Blumen zwischen die Knopfe ihrer Bluse zu stecken. Dann zog sie sich plötzlich mit einer schnellen Bewegung das Jackett aus: „Es wird mir zu heiß. Ich will es über den Arm nehmen. Zwischen den alten Mauern hier fängt sich ordentlich die Sonnenwärme. Kein Luftzug geht." Er war ihr behilflich. „Vielleicht sind wir auch in zu raschem Tempo heraufgegangen, Liebe? Komm, wir setzen uns hier ein Weilchen auf die überwachsene Böschung! Sieh, es ist wie eine Rasen- banf!" „Komm!" bat er nochmals, als sie nun neben ihm saß, und et zog sie mit weicher Bewegung zu sich heran. Aufrecht blieb sie sitzen. Da übermannte ihn das Empfinden. War es Schmerz, war es feine Liebs zu ihr? Er lehnte den Kopf an ihre Schulter. „Wenn du wüßtest, Melusine, wie sehr ich mich nach dir gesehnt habe! All diese vier langen Jahre hindurch!" Da sie auch jetzt noch unbeweglich blieb, raffte er sich auf, stützte den Kopf in die Hand und murmelte in leidenschaftlicher Qua!: „Wenn dieser Krieg doch ein Ende nähme! Bald! Es ist genug all des Mor- bens und all des Entsetzlichen!' — ‘Unb wie sehr reißt er alles auseinander. (Fortsetzung folgt) wurden dieser Tag« nur noch 58 Pf. bezahlt. Diele Haushaltungen von nicht Landwirtschaft treibenden Personen, darunter besonders auch solche aus den benachbarten Städten, benutzen diese Gelegenheit zum Ankauf von Schweinen für Hausschlachtungen, da sie hierdurch Geld sparen. Die starke Preissenkung ist nach den Angaben der Landwirte auf das große Heber- angebot von Schweinen zurückzuführen. Die Folge davon ist, dah die Landwirte sich in Zukunft weniger auf die Mästung von Schweinen für Schlachtzwecke verlegen werden. Eine weitere unerfreuliche Erscheinung ist das Abschlachten von Mutterschweinen, wie es hier und da schon beobachtet werden konnte. Oberwesterwaldkreis. D Höhn, 16.Ian. Am 15.Januar wurde der Betrieb der B r a u n k o h l e n g r u b e »Nassau" bei Schönberg, der ca. 30 Arbeiter beschäftigte, stillgelegt. Die Grube ist staatliches Eigentum. Durch einen im Jahre 1911 zwischen Fiskus und Nistertaisperren-Gesell- schaft m. b. H. geschlossenen Pachtvertrag hatte der Staat das Ausbeutungsrecht der Grube an die Gesellschaft abgetreten, so daß der Kohlenbestand der Grube der genannten Gesellschaft zum Betriebe der Usberlanbzentrale Höhn seit dieser Zeit zur Verfügung steht. Da die Grube „Alexandria" in Höhn, die die Haupt- kohlenbosis für das Kraftwerk bildet, seit einiger Zeit durch einen Stollen mit der Grube „Aassau" in Verbindurm steht, wird künftig die Mutung der Grube „Aassau" von „Alexandria" aus geschehen. Die Kohlengewinnung wird sich auf diese Weise für den Unternehmer lukrativer gestalten, zumal die Grube „Alexandria" in jeder Beziehung neuzeitlich eingerichtet ist, eine Tatsache, Die für „Aassau" nicht in gleichem Maße zutraf. Die Stillegung hatte keine Arbeiterentlassungen im Gefolge, da die ganze Belegschaft von „Aassau" auf „Alexandria" übernommen wurde. Dittkreis. WSA. Dillenburg, 16. Jan. Das Pudd- lings - und Walzwerk Herwig Söhne hat nach Mitteilung der Direktion der gesamten Belegschaft ohne Ausnahme zum 28. Januar gekündigt. Die Firma hatte an das Reichs- arbeitsministerium einen Antrag eingereicht, wonach das Werk nicht in der Lage sei, den Betrieb in veränderter Form fortzuführen: eine Entscheidung des Ministeriums liegt noch nicht vor. Turnen, Sport und Spiel. Aus dem Turngau Hessen (O. T.) Bottstnrnen. — o — Einen Lehrgang fürdasDolks- turnen hielt der Gau Hessen am Samstag und Sonntag in M a r b u r g ab. Die Vorbereitungen dazu lagen in der Hand des zuständigen Gau- wartes L u ck h a r d t (Marburg): mit über siebzig Teilinehmern aus nahezu 40 Vereinen hatte Der Lehrgang eine erfreulich gute Beteiligung oufzuweisen, zumal die sechs Bezirke ziemlich gleichmäßig der Einladung gefolgt und dabei auch die Landvereine in bemerkenswerter Anzahl vertreten waren. Einleitend dankte Gauoberturnwart Wilhelm Will (Giiehen) dem Institut für Leibesübungen an der Universität, das die Durchführung der Veranstaltung übernommen hatte. Der Leiter des Instituts, Prof. Dr. 2 a e ck, führte in die Methodik und neueste Literatur des Volksturnens ein. Am Samstagabend erläuterte er in einem Vortrag, bei dem auch der Marburger Stadtverband für Leibesübungen zahlreich vertreten war, vor etwa 300 Besuchern im großen Hörsaal der Hniversität den im vorigen Sommer neuhergestellten Lehrfilm des Deutschen Reichs- ausschusses für Leibesübungen, der in fünf Teilen den methodischen Aufbau, volkstümlicher Hebungen (Lauf, Sprung, Wurf) zu anschaulicher Darstellung bringt. Sonntag früh machte er aus der reichhaltigen Bücherei des Instituts den Teilnehmern eine Zusammenstellung des besonders in letzter Zeit erheblich angewachsenen Schrifttums zugänglich: Bücher, die in die Hand des Turn- und Sportwartes gehören, standen bei seiner Besprechung im Vordergrund; insbesondere die methodisch wertvolleren sowohl aus dem Arbeitskreis der Deutschen Turnerschaft, als auch die entsprechenden Bearbeitungen von sportlicher Seite. Der praktisch-turnerische Teil des Lehrgangs fand in der Turnhalle des Instituts statt imb stand unter Leitung des ersten Assistenten, Turn- und Sportlehrers Hoffmeister. An beiden Tagen unterzogen sich die Teilnehmer mehrere Stunden den anstrengenden Hebungen der Körperschule; Ausgleichsgymnastik zur Behebung von Berufsschäden, das Spiel mit Kugeln, Handgewichten und Medizinbäklen, Sprossenwand und Bodenübungen wechselten in reichlicher Fülle. Don den volkstümlichen Hebungen werden Hoch- und Weitsprung, Stein- und Kugelstoßen eingehend nach der technischen Seite durchgearbeitet, und Scherzübungen mit Hallenspielen sorgten dafür, daß auch die Freude nicht zur kurz kam. Wenn es auch bei solchen Veranstaltungen aus naheliegenden äußeren Gründen kaum zu vermeiden ist, dah die Fülle des dargebotenen Stoffes mit der Kürze der verfügbaren Zeit in einen gewissen Widerstreit gerät, so fühlten doch alle Teilnehmer trotz erheblicher körperlicher und geistiger Inanspruchnahme dankbar die große Förderung, die ihnen von sachkundiger Seite geboten wocde/r war: da dieser Lehrgang als der erste seiner Art allseitig und umfassend die Grundlagen des Dolksturnens in den Vordergrund stellte, gab er insbesondere den Landvereinen willkommene Anleitung, durch eigne Anschauung und Selbstübung auch den Weg zur Benutzung der Literatur zu gewinnen und damit die eigne Technik allmählich zu erringen und her- auszugestalten. Gin zweiter Lehrgang wird im Sommer, und zwar im Freien, abgehalten werden und sich eingehender mit den einzelnen Teilgebieten des Volksturnens beschäftigen. Anschließend an den Lehrgang fand der Gautag für das Volksturnen statt. Der Gauwart erstattete den Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Turnjahr, der mit lebhaftem Jn- tevesse entgegengenommen wurde. Die Waldläufe dieses Frühjahrs sollen je nach den örtlichen Verhältnissen der sechs Bezirke, jedoch im Laufe des April, durchgeführt werden; eine Hebungs stunde im Mai wird zugleich zu einer Leistungsprüfung für diejenigen Turner ausgestaltet, die sich an den volkstümlichen Einzel- und Mehrkämpfen des Deutschen Turnfestes in Köln beteiligen wollen; um die Zahl der Feste zu beschränken, wird das Gauwetturnen der Volksturner mit dem großen Gauturnfest zu Butzbach verbunden. und zwar am Sonntag für die Staffeln )inb die Turnerinnen, am Montag für die Turner. Der Herb st Waldlauf wird für alle Gauvereine offen fein und anfangs Oktober in Dießen zum Austrag kommen. Schließlich wurde noch der Entwurf einer Ordnung für den Betrieb und Wettkampf des Volks- t u r n e n s zur Aussprache gestellt, der dem nächsten Kreisturntag, der im April zu Hanau zusammentritt, zur Verabschiedung vorliegt. Handball im Gau Hessen der O. T. To. Allendorf I — Mio. Gießen I. Iugend 0:2. Mit diesem Siege, den die Iugcndmannschaft des Mnnerturnvereins.sich in schneidiger Manier er-- lämpfte, hat sie bewiesen, daß sie sich getrost einer oktioen Mannschaft gegenüberstellen kann. Allendorf hatte wohl nicht mit einer Niederlage gerechnet, zumal die Gießener auf drei ihrer Besten verzichten mußten. Die Angriffe der Allendorfer sowie die Art ihres Spieles war nicht geschliffen genug, um zum Erfolge zu kommen. Das Hauptverdienst der Gießener ist nicht zuletzt ihrem gut spielenden Tormann zu verdanken. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Liga — Kirchhain Liga 2:1 (2:1). ö. Bei der Begegnung der Vereinigten mit dem Verein für Bewegungsspiele 1919 Kirchhain überraschten die Gäste nach der angenehmen Seite. Sie haben in den harten Kämpfen in der Kreisliga viel gelernt. Durch den Neuerwerb von vier Spielern hat diese Mannschaft beachtliches Können erreicht und gibt jetzt einen guten Gegner ab, mit dem gerechnet werden muß. Die Spielvereinigung 1900 hatte immer noch nicht ihre stärkste Elf zur Stelle. Waren die Leistungen der Gießener vor der Pause noch einigermaßen zufriedenstellend, so konnte man dies von der zweiten Spielhälfte nicht mehr sagen. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß drei Spieler dieser Mannschaft am vorhergehenden Samstag mit der Fußballmannschaft der Universität Gießen in Mannheim weilten und dort nach zweistündigem Spiel (eine halbe Stunde Verlängerung, da bei regulärem Spielschluß unentschieden) mithalfen, einen 6:4-Sieg für die Gießener Universität zu erringen. Das Spiel begann mit einem flotten Tempo. 1900s Stürmer leisteten wieder einmal Besonderes im Auslassen der sichersten Torchancen. Mit 2:1 für 1900 ging's in die Pause. Hatte vor der Pause Kirchhains Torwart seinen Verein vor einer hohen Niederlage gerettet, so war es später der Gießener, der durch hervorragende Abwehrparaden seiner Mannschaft den 2:1-Sieg hielt, denn je mehr der Platzverein nachließ, desto besser kamen die Gäste auf. Die Elf des Liganeulings war durchweg körperlich überlegen und schneller. Schwach war diesmal das Spiel des blauweitzen Mittelläufers. Der Schiedsrichter, Herr W i n g e n f e l d (Fulda), leitete sicher und einwandfrei. 1900s 2. Jugend hatte die 2. Iugendelf vom V. f. B Kurhessen Marburg zu Gast. Das Freundschaftsspiel endete 0:0. Die Marburger Gäste waren die bessere Partei und hätten auf Grund ihrer Leistungen einen knappen Sieg verdient. Für den ausgebliebenen Schiedsrichter leitete ein Herr vom Platzverein in zufriedenstellender Weise. D. f. B. Liga — Hanau 94 3:4. III. — Leihgestern I 8:2. IV. — Klein-Linden I 3:7. I. Jugend — Grünberg I. Jugend 9:1. Die knappe Niederlage der Liga in Hanau läßt eine langsame Hebung ihrer Spielstärke erkennen. Mehr als das Resultat es vermuten läßt kam dies durch den Spielverlauf, nach dem V. f. D. mit ebendemselben Torverhältnis auch hätte gewinnen können, zum Ausdruck. Hanau war, besonders in der ersten Halbzeit, technisch um einiges besser, Gießen glich dies jedoch durch Eifer und Energie aus: vor allem war, im Gegensatz zu den Spielen der Vorsonntage, in seinen Aktionen mehr Einheitlichkeit und System zu erkennen. Heber den Spielverlauf fei furg folgendes berichtet: Hanau fand sich auf seinem gewohnten Platz zuerst und gab einige Zeit den Ton an. Nachdem bereits der Gastgeber 2:9 führte, kam Gießen etwas mehr auf und vermochte auf 1:2 zu verbessern. Bei diesem Resultat wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause spielte V. f. B. in allen Mannschaftsteilen einen wesentlich besseren Fußball und war dem Gegner einige Zeit überlegen. Beide Stürmerreihen kamen noch zweimal zu Torerfolgen. Die Gießener Verteidigung erleichterte dem Gegner insofern den Sieg, als sie durch zu weites Aufrücken mindestens ein Tor verschuldete. Die Dritte bewies durch einen 8: 2-Sieg über Leihgestern Erste, dem Gegner des vorletzten Verbandsspiels, auf deren Platz erneut ihre gute Form. Die vierte Mannschaft erfuhr von der außerordentlich eifrig spielenden Klein» Lindener Ersten eine verdiente Abfuhr, indem sie sich mit 7:3 geschlagen bekennen muhte. Daß sie das Spiel nur mit neun Mann durchführte, kann nicht als Entschuldigung gelten. Die er sie.Jugend Mannschaft gewann ihr Diplomspiel gegen die gleiche von Grün- berg mit 9:1. Das hohe Resultat entspricht dem Spielverlauf und wohl auch bem Stärkeverhältnis beider Mannschaften. Die Leistung der Platzmannschaft war während der etf er. Halbzeit in Anbetracht des schwachen Gegners nicht überzeugend: nach der Pause klappte es besser. Hochschulsport. Handball. Hm die südwestdeutsche Hochschulmeisterschast spielten am Samstag die Mannschaften der Hniversitüten Marburg und Frankfurt auf dem Gießener Hniversitätssportplatz. Marburgs Mannschaft, in hiesiger Gegend als sehr spielstark bekannt, mußte eine Niederlage einstecken, die sie wohl nicht verdient hat. Der Sturm der Marburger Studenten wies einige schwache Stellen auf, die die Nebenspieler wohl nicht ganz ausgleichen konnten. Besonders hervorragend spielten die beiden Torhüter, sowie der Mittelstürmer von Frankfurt. Durch den 5:3-Sieg hat sich Frankfurt das Recht, weiterzukämpfen, gesichert. Das Spiel war äußerst lebhaft und entbehrte nicht schöner spielerischer Momente. Fußball. Im Kampfe um die Fußballmeisterschaft im gleichen Bezirke errang die Mannschaft der Haiti e r f i t ä t Gießen einen sehr beachtenswerten Erfolg gegen die als stärkste Elf des Bezirkes bekannten Mannheimer Hochschuler. Der 6:4-Sieg läßt auf ein ausgeglichenes Spiel schließen. Da die Spiele im Pokalsystem ausgetragen werden und eine Entscheidung fallen muh, wurde nach ordnungsmäßiger Spielzeit, die einen Stand von 4:4 Toren aufwies, weitergespielt. Gießen konnte kurz hintereinander zwei Tore einsenden und somit auf sechs erhöhen, denen die Mannheimer kein Tor mehr entgegensetzen konnten. Gießen wird also für die Folge weiter in der Runde bleiben, nach diesem Siege kann der Mannschaft noch mancher Sieg beschieden fein. Iußball in Heuchelheim. Sportverein 1920 I — Spvg. 1900 Gießen Reserve 5:1. Die Mannschaften trafen sich am Sonntag auf dem Heuchelheimer Platze in einem Gesellschaftsspiel. 1900 stellte eine aus durchweg jungen Leuten zusammengesetzte Mannschaft, die sich aber sehr gut bewährte. Die einzelnen Leute waren sehr flink und auch technisch gut veranlagt, nur in puncto Zusammenspiel haperte es etwas. Die Heuchelheimer waren gerade in letzterer Beziehung dem Gegner bedeutend überlegen. Da die Mannschaft auch technisch und taktisch noch auf alter Höhe ist, so war das Endresultat keine Heberraschung. Halbzeitergebnis 4:1. Schiedsrichter Philipp, V. f. D. Gießen, war dem Spiel ein guter Leiter. Vorher verlor die Zweite Heuchelheims gegen die Erste von S t e i n d o r f, Kreis Wetzlar, 5:1. Arbeiier-Turn- und Gportbund. $t. T. Gießen I — Fußballklub Hertha höchst I 2:3 (2:2). Richt ganz sollte unsere Voraussage sich bewahrheiten. Wohl zeigten die ersten Minuten die Einheimischen im Angriff, der ihnen auch nach kurzer Zeit zum ersten Erfolg verhalf, doch auch die Gäste waren nicht müßig. Obwohl Gießen leicht im Angriff blieb, waren ihm vorerst weitere Erfolge versagt, da der Schlußmann der Gäste wunderbare Abwehrarbeit leistete. Beim Wechsel stand das Spiel 2:2. Rach Wieder- anstoh wurde es aufgeregter. Beide Seiten arbeiteten gute Torgelegenheiten heraus, doch der Ball wollte das Reh nicht finden. Durch unfaires Verhalten bekam Höchst einen Elfmeter zugefprochen, der verwandelt wurde. So konnte Höchst trotz aller Anstrengungen der Einheimischen als glücklicher Sieger den Platz verlassen. Vorher f 'ieiten die Ib-Mannschaften der beiden Vereine. Das Spiel trug lebhaften Charakter. Höchst war etwas besser im Spiel, konnte aber nur mit dem knappsten Resultate (1:0) als Sieger den Platz verlassen. Lollar I — Marburg I 5:0. In Lollar standen sich zwei alte Rivalen gegenüber. Trotz der schlechtesten Platzverhältnisse begann das Spiel recht flott. Lollar, das sich in guter Verfassung befand, kam bald zum ersten Erfolg. Marburg konnte s ich durch die Bodenverhältnisse nicht zusammenfinden. Dis zur Halbzeit konnte Lollar noch viermal ein- senden. Da nach Wiederanstoh den Marburgern immer noch Erfolge versagt blieben, weigerten sie sich, bet diesen Platzverhältnlfsen weiter zu spielen, worauf der Schiedsrichter das Spiel abpfiff. Wieseck I — Großen-Linden I 3:1 (1:0), (Eden 7:6. Hatte man im voraus mit einem Siege der Einheimischen gerechnet, so hätte man doch bald eine Enttäuschung erlebt. Wohl zeigte in den ersten Minuten Wieseck ein planvolles Spiel, doch bald stellte sich bei allen Spielern eine bleierne Hnbeholfenheit ein. Zwar konnten sie zu einem Erfolge kommen, doch auch die Gäste kamen auf, und manchen Schnitzer der Verteidigung mußte der Schlußmann der Einheimischen retten. Rach dem Wechsel hatte man sich anscheinend etwas erholt, und nun kam wieder mehr Leben ins Spiel. Beiderseits gab es Torgelegenheiten, die ausgelassen wurden. Einen Fehler der Verteidigung Wiesecks nutzten die Gäste aus und stellten die Partie gleich. Dann folgte verteiltes Spiel, bis die Einheimischen in den letzten Minuten zweimal erfolgreich fein konnten, um mit obigem Resultat als Sieger vom Platze zu gehen. Vorher spielten Wleseck-Jugend gegen Großen-Linden II. Beide Mannschaften traten mit Ersah an, der sich bei den Einheimischen gut bewährte. Rach anfangs offenem Spiel schnürte allmählich Wieseck seinen Gegner ein. Bei Schluß blieb Wieseck mit 7:1 (Ecken 6:2) Sieger. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 16. Jan. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Cramer wurde heute gegen den Kaufmann Fr. Wilhelm Römer von Heuchelheim wegen Meineids verhandelt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Fischer, die Verteidigung führte Rechtsanwalt und Notar Schneider. Dem Angeklagten war zur Last gelegt, am 26. 5. 1926 bei Ableistung des Offenbarungseides vor dem Amtsgericht Gießen wissentlich die Unwahrheit beschworen zu haben. Er hatte in dem Dermögensver^eichnis angegeben, er habe keinen Grundbesitz und auch keine Ansprüche auf solchen. Tatsächlich besah er damals etwa zwei Morgen Land und einen Anteil an dem elterlichen Haus zufolge Beerbung von Großvater und Vater. Römer behauptete, er habe dies bei Leistung des Offenbarungseides nicht gewußt: er habe erst im Laufe der gegen ihn und andere anhängigen Strafsache wegen Betrugs erfahren, daß er Großvater und Vater beerbt habe. 2n der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß Römer am 5. 6. 1926 bei seiner Vernehmung durch den Untersuchungsrichter in der Betrugssache erklärt hatte, er habe von seinem Vater her Grundbesitz. In zwei Schreiben vom Rovember und Dezember 1925 hatte er einem Lieferanten vorgeschlagen, beglaubigte Grundbuchauszüge einzufordern, falls die von ihm aufgegebenen Referenzen ihnen nicht genügten. In der Hauptverhandlung wegen Betrugs im April 1927 hatte er auch nach Zeugenaussagen erklärt, er habe seine Lieferanten nicht betrügen wollen, denn er besitze 2 Morgen Land und Hausanteil. Schließlich hatte er nach den Angaben eines weiteren Zeugen diesem im Herbst 1925 erklärt, er habe Grundbesitz Staatsanwalt Fischer beantragte wegen Meineids 1 Jahr Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre und Ausspruch der Hnsähigkeit, eidlich als Zeuge vernommen werden zu können. Rechtsanwalt und Notar Schneider hielt lediglich fahrlässigen Falscheid für erwiesen. Das Gericht erkannte dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend. Wirtschaft. Oie Lage in der badischen Textilindustrie Wie wir erfahren, hat sich die Lage in der Textilindustrie In den letzten Wochen verschlechtert, und es sind In einer Anzahl badischer Textilfabriken wieder Verkürzungen der Arbeitszeit eingetreten. Der Grund liegt in der eingetretenen Heber» teucrung der deutschen Produktion gegenüber denk Auslande, welches nach wie vor besonders aus dem Elsaß vn"» der T'chechcsicwakei die deut che Industrie stark unterbietet Deson.e.s bedenklich ist, dah sogar oie Stillegung einer Anzahl Betriebe in Ober- baden bevorsteht, so z. B. einer Seidengaze- Weberei in Waldkirch. Die Stillegung wird besonders bei denjenigen Betrieben in Frage kommen, welche als Filialen schweizerischer Firmen gegründet find. Durch die Steigerung der öffentlichen Lasten in Deutschland und besonders auch durch die zwangsweise Erhöhung der Löhne ist der Anlaß, der früher zur Gründung von Tochtergesellschaften auf deutschem Boden führte, weggefallen: die Produktionskosten in d^r Schweiz sind heute nicht mehr höher, sondern teilweise niedriger als in Deutschland, während die Arbeitsbedingungen wesentlich freier und das Angebot an geschulten Arbeitskräften sehr reichlich ist. Diese Entwicklung ist bedauerlich, weil dadurch der Bevölkerung der Schwarzwaldtäler Verdienstgclegenheiten Dcr(oren§eren werden, für welche ein Ersah nicht so leicht zu finden sein wird. Von den Gchlachiviehmärkten. Der ruhige Geschäftsgang der Vorwoche erfuhr an den deutschen Schlachtviehmärkten auch in der Berichtswoche keine nennenswerte Veränderung. Die Kaufstimmung war zudem infolge der milden Witterung wenig freudig. Lediglich Kälber verzeichneten etwas gebesserten Handel. Schweine gingen dagegen in Anbetracht noch vorhandener größerer Fleischvorräte nur sehr langsam. Der Auftrieb erschien nicht Überreichlich, war jedoch immerhin so hoch, daß sich nur selten ein angenehmes Geschäft entwickeln konnte. Als die Nachfrage bedeutend übersteigend war das Angebot in Schweinen zu bezeichnen. Im einzelnen lauteten die Zahlen für Rinder 16000 (gegen 15 100 in der Vorwoche), Kälber 16 200 (gegen 15 200), Schafe 8000 (gegen 6300) und Schweine 95 000 (gegen 88 000). Der mäßige Hmsah brachte im allgemeinen nur geringfügige Preistierschiebungen. Rinder blieben zumeist ungefähr behauptet, gute Rinder brachten vereinzelt Äleinigfeiten mehr. Kälber zogen infolge des gebesserten Geschäftsganges durchweg leicht an, doch waren auch kleinere Einbußen, hauptsächlich für mittlere Sorten, fest- zustellen. Die Schafpreise zeigten nur wenig Abweichungen, bessere Sorten erzielten vereinzelt kleine Aufschläge. Schweine gingen in Auswirkung der erhöhten Zufuhren durchgängig im Preise zurück. Die Abschläge hielten sich zwischen etwa zwei und vier Pfennig. Mittlere und geringe Sorten büßten etwas mehr ein. Es wurden in Pfennig per Pfund Lebend- gewicht notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 20-62 47-90 25-64 52-62 Bremen 24-58 40-85 — 40-52 Breslau 15-58 48-75 40-59 51-63 Chemnitz 25-60 55-80 40-55 50-61 Dortmund 23-61 45-92 — 45-60 Dresden 24-61 55-83 30-64 48-62 Düsseldorf 20-66 50-84 — 48-60 Elberfeld 20-64 50-85 — 45-55 Essen 25-65 45-110 48-52 46-60 Frankfurt M. 25-62 50-76 28-50 40-55 Hamburg 15-59 35-90 20-59 40-57 Hannover 20-60 35-90 25-55 42-55 Huf um — — — — Karlsruhe 18-61 49—74 — 47-60 Kassel 20-62 48-65 — 50-60 Kiel 20-56 34-109 36-62 40-55 Köln 20-63 50—110 25-53 50-63 Leipzig 23-63 40-78 35-62 46-58 Magdeburg 20-53 30-80 30-52 42-56 Mannheim 14-63 46-75 42-48 46-60 München 20-59 66-86 — 45 - 58 Stettin 15-55 35-82 20-50 40-57 Stuttgart 14-62 50-76 — 44-63 Zwickau 15-60 55—78 30-57 52-63 * Prioatdiskonter Mäßigung. Der Berliner Privatdiskont für beide Sichten ist um X v. Sy auf 5% v. H. ermäßigt. * Peters Union A.-G., Frankfurt a. M. Die gestrige Aufsichtsratssitzung beschloß, der für den 29. Februar einzuberufenden ordentlichen Gen< -er= sammlung für das am 30. September 1927 ab gelaufene Geschäftsjahr die Verteilung einer Dividende von 8 d. Sy (wie im Vorjahre) auf das erhöhte Aktienkapital vorzuschlagen. Winterkur für $ Nervenkranke und Nervös-Er3chöpffe. Spezlalharonslall HolheUn Im Ttunus bei Frankfurt a. M. - Prospekte durch Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt Das billigstes und idealstes Gebrauchsinstrument in höchster Vollendung Vertreter: Anglist Förster, Kietzen Bahnhofstr. 65B Fernruf 1367 Hintermorff in Meßen. Qhif dem heutigen Rinderma'rkt in Dietzen waren 561 Stück Großvieh und 195 Kälber aufgetrieben. Der Handel war anfangs ft öden b, lebte aber zum Schluffe etwas auf. Bezahlt wurden: Für Kühe 1. Qualität 500 bis 600 Ml.. Kühe 2. Qualität 300 bis 450 Ml., Kühe 3. Qualität 150 bis 250 Mk.; Rinder (ein- bis zweijährige) 150 bis 250 Mk.-, Kälber 55 bis 60 Pf. je Pfund Lebendgewicht. Bessere Tiere erzielten Preise über Notiz. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt, 17. 3an. Tendenz schwächer. — Qln der heutigen Börse v e r st ä r k t e s i ch die schon seit einiger Zeit herrschende L u st l o s i g ° leit und Zurückhaltung, da von einer Beteiligung der zweiten Hand immer noch nichts zu bemerken ist. Die Tendenz erfuhr eine weitere Abschwächung. Bon Berlin wurde ziemlich viel Material an den hiesigen Markt gebracht, und auch die heimische Baissespekulation benutzte die Unsicherheit und schritt zu Blankoabgaben. Das herauslommende Material fand nur unter entsprechenden Kursabschwächungen Aufnahme. Verstimmend wirkten die neuerlichen Diskussionen über das Reparationsproblem und die Arbeiterbewegung in der mitteldeutschen Metallindustrie. Ferner verwies man darauf, dah die Enttäuschung über die Generalversammlung der 3.-G. weitere Realisationen veranlasse. 3m übrigen litt das Geschäft wieder unter dem Mangel an jeglicher Anregung, zumal auch in Spezialpapieren keine lebhafteren Umsätze zustande kamen. Bei Festsetzung der ersten Kurse ergaben sich »Abschwächungen von 1 bis 2 Prozent. Am Glektrvmarkt nahmen Die Realisationen nach den Kursbesserungen der letzten Tage ein etwas größeres Ausmaß an. Licht u. Kraft und Siemens angeboten und 2,5 bzw. 2,75 Prozent schwächer. Am Mont an - markt waren Rheinbraun und Gelsenkirchen stärker angeboten und i*. 3 Brozent niedriger. 3.-G.-F a r b e n eröffneten 2,25 Prozent schwächer. Autoaktien blieben knapp behauptet, Desgleichen von Schiffahrtsaktien Hapag. Bon heimischen Anleihen waren Alt- und Reubesitz etwas gebessert. Don Ausländern blieben Zolltürken gefragt. 3m weiteren Verlaufe machte die Abwärtsbewegung der Kurse noch Fortschritte. Das Geschäft blieb sehr still. Siemens waren stärker angeboten und minus 3 Prozent. Sonst betrugen die Rückgänge noch bis 2 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld wieder etwas leichter. Der Devisen- Verkehr brachte keine wesentlichen Veränderungen. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,1970, gegen London 20,468. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,175, Madrid 28,50. Berliner. Börse. Berlin, 17. Jan. Da der Orderseingang immer kleiner wird, machte die Geschäftslosigkeit der heutigen Börse immer noch Fortschritte. Die Spekulation, die anscheinend auf die Engagements in Paris geschwächt ist, zeigte nur geringe Aufnahmelust, zumal sie schon gestern kaufte. Die Großbanken nahmen überwiegend A b - gaben vor, anscheinend für das Publikum, das seine Gewinne, soweit solche vorhanden sind, zu sichern sucht. In erster Linie verstimmten heute die Arbeiterbewegung (Ruhrgebiet und Mitteldeutschland) und die innerpolitischenDisfe- renzen (Gehler, Zentrum und Länderkonferenz). Auch der Geldmarkt bot keine Anregung. Die Anspannung hat gegen gestern nicht nachgelassen. Die Kurse gaben an den Effektenmärkten um 2 bis 3 d. S). nach. Selbst die Favoriten, wie Polyphon, Svenska, Löwe, Kunstseide, Stolberg-Zint unb Holgmann, lagen gedrückt und 4 bis 7 v. f). fd^ä- cher. Rur Oberschlesische Zink konnten 4 o. H. an- zichen. Heimische Anleihen still. Ausländer etwas fester. Liquidationspfandbriefe und Anteile weiter gesucht. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 4 bis 6 v. H., Monatsgeld 7 bis 8,5 v. H. Nach den ersten Kursen kam wieder etwas Ware heraus. Die Kurse gaben bei sehr stillem Geschäft allgemein weiter nach. Polyphon im Verlaufe noch um 4 v. H. abgeschwächt, Siemens minus 3,5 v. H. Sonst waren bis 1 o. H. betragende Verluste zu verzeichnen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. 3an. 3n mahlbarem Weizen ist das Geschäft unverändert lustlos. Futterweizen ist dagegen gesucht und im Preise steigend. Sehr fest liegt Gerste, die wieder um 50 Pf. erhöht wurde. Auch Mais ist sehr fest. Mehl nach wie vor wenig gesucht. Kleie zur sofortigen Lieferung stark gefragt. Roggenkleie ohne Angebot. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, M8 zu 1 Proz. Auswuchs, 25; Weizen 2, gut, gesund, trocken, bis zu 3 Proz. Auswuchs, 23,50 bis 23,75; Weizen 3, geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Proz. Feuchtigkeit, 22,75 bis 23,25, Roggen 24,50 bis 24,75; Sommergerste für Brauzwecke 28 bis 29,50; Hafer, inländ., 23 bis 24; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,50, Mats (gelb) für andere Zwecke 22,25; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0 37 bis 37,50; Roggenmehl 34,50 bis 35,50; Weizenkleie 14,25; Roggenkleie 15,25 bis 15,50. Frankfurter Kartosfclurarkt. Frankfurt a. M., 16. Jan. Industrie hiesiger Gegend 4 Mark. Geschäft ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 16.Jan. Die neue Woche vermochte dem Produktenmarkt auch keine Belebung des Geschäftes zu bringen. Die Offerten für Auslandbrotgetreide lauteten zumeist etwas entgegenkommender, Umsätze waren jedoch bisher nicht zu verzeichnen. Für gute, inländische Weizenqualitäten zeigt sich bei kleinem Angebot von Kahn- und Waggon- ware gute Nachfrage, zu Samstagpreisen nahmen die Mühlen das vorhandene Material aus. Geringe Qualitäten wurden weiter offeriert, zu nachgiebigen Preisen wurden vereinzelt Abschlüsse in Waggon- ware, nur selten dagegen in Kahn wäre getätigt. Roggen ist wieder reichlicher zur Hand und zwar sowohl Durchschnitt- und bessere, in der Hauptsache aber geringere Qualitäten. Die ersteren konnten zu etwa 0,50 Mark niedrigeren Preisen Unterkunft finden, die letzteren waren schwer abzusetzen. Am Lieferungsmarkte waren alle Sichten von Weizen und Roggen um etwa 0,50 Mark rückgängig. Weizenmehl ist in den Mühlenofferten zum Teil ermäßigt, auch die zweite Hand sucht sich der an gebienten Partien zu nachgiebigeren Preisen zu entledigen, die Umsätze bleiben jedoch eng begrenzt. Für Roggenmehl besteht für Januar- und Februarlieferung zu unveränderten Preisen bessere Nachfrage, mangels Angebot war das Geschäft aber nur klein. Für Hafer unb Gerste hat sich die Marktlage nicht verändert. Buntes Allerlei. Tob in den Bergen. Der Architekt Otto Roesiger aus Leipzig fand bei einer Skitour, die er vom Trisannatal auf den Pic Montana in der Silvretta- Gruppe am 7. 3anuar unterrtbmmen hatte, in einer Höhe von 2300 Meter infolge Verschüttung durch eine Lawine den Tod. Ein Siebzigjähriger promoviert. Der volksparteiliche Stadtverordnete in Bochum, Dr. phil. Paul Küppers, früherer Hauptschriststeller des „Bochumer Anzeigers, promovierte an der Universität Münster zum Doktor der S t aat s wif s en s ch a f t. Seine Dissertationsarbeit lautete: „Die Krieg »arbeit der Stabt Bochum in ben Jahren 1914 bis 1918". Dr. Küppers ist bereits über 70 Jahre alt. Die Schlange im Flugzeug. Der englische Flieger Kapitän Lancaster, der sich mit Frau Keith Miller auf einem Fluge von London nach Australien befindet und bereits die größte Entfernung mit einem leichten Flugzeug zurückgelegt hat, erlebte nach seinem Aufstieg in Rangoon ein eigenartiges Abenteuer. Als sich das Flugzeug bereits hoch in der Luft befand, kroch plötzlich eine große braune Schlange unter dem Sitz der Frau Keith MiUer hervor. Lancaster versuchte, sie zu töten, indem er mit dem Fuß nach ihrem Kops trat, aber das gelang ihm nicht, die Schlange kroch weiter und wollte sich um das Steuer ringeln. Rur die Geistesgegenwart der Frau Miller verhinderte das Schlimmste; sie ergriff eine große schwere Stange, mit der sie das Reptil tötete. Man glaubt, dah die Schlange in das Flugzeug geklettert ist, während es auf dem Rennplatz von Rangoon stand. Die Hochzeit im Löwenkäfig. Wenn ein Löwenbändiger oder eine Löwenbändigerin den Bund fürs Leben schließen, dann erscheint es als die natürlichste Sache von der Welt, daß die Trauung in dem Löwenkäfig vollzogen wird. So dachte auch ein löwenbändigendes Paar, das in diesen Tagen in Paris heiratete. Aber trotz der Versicherung, daß der Aufenthalt im Lowenkäfig ganz sicher sei, wenn Bändiger und Bändigerin darinnen wären, erschien dem Priester die Sache nicht geheuer, und er sowohl wie die Trauzeugen weigerten sich entschieden, mit den Königen der Tiere in so nahe Berührung zu treten. Das Bändigerpaar war verzweifelt, aber schließlich gelang es doch, einen Ausweg zu finden. Während die kühnen Brautleute unter ihren Lieblingen standen, traute sie Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 144. Don Adolf Roegner. Schwarz. 8 6 3 2 7 4 h 3 d e Weiß. a b a b c d e t g____h 18 7 5 Weih zieht und setzt in drei Zügen matt. Weih: 5 Steine. Kh3; Db6; Sdl, f5; Ba4. Schwarz: 2 Steine. Kc2; Bd2. Eine feine und schwierige Ausgabe. Endziel Nr. 48. Don A. Troihki. Schwarz. 8 6 5 3 2 4 1 h 8 7 6 5 4 3 Weiß. Weih am Zuge macht remiS. g h a b a b c d e f g i 99 i L . ö__i M M M a. Weih: 5 Steine. Khl; Sb8; Bc7, e3, h2. Schwarz: 4 Steine. Kh5; Lh3; Bf3, g3. Lösung des Problems Nr. 141. Don K. Makovskh. 1. La6-d3, Lblxd3. 2. Dal-hl!, Ke5xd4. 3. Sd8 — c6 matt. 2... ., Ke5 — f5, B. Dhl — h5 matt. 2...., to-f5. 3. Dhl -h8 matt. 2.. .., Ld3 - c4 oder e4. 3. Dhlxe4 matt. 2.. .., beliebig. 3. Dhl —d5 matt. 1...., kd-ko. 2. Dal-ab! usw. ' Lösung des Endspiels Nr. 46. Don S). Nanz. 1. Le3-d4!, Db4xd4. 2. f6xe?+, Sc6xe7. 3. Dc7 -d8+, Dd4xd8. 4. 8g5-h7-s-, K. bei. 5. Sh7- f6+ usw. 1.....Db4-d6. 2. kdxe7-s-, Dd6xe7. 3. Ld4-g7+, Kf8+e8. 4. g6xf7+, De7xf7. 5. Sg5xf7 usw. 1... ., f7xgö 2. Dc7xc6, Db4- b5. 3. Dc6-e6, Db5-g5+. 4. Kh6xg5, e7xf6+. 5. Kg5xf6 usw. 2... ., e7xkd. 3. Dc6xf6+ usw. 2. .. ., Db4xd4. 3. Dc6-a8+ usw. 2...., Db4- c4. 3. Dc6-d7, Dc4-c7. 4. kd-k7, Dc7xd7. 5. Ld4 -g7 matt. Richtige Lösungen zum Problem Nr. 138: V. Loos, Gießen; zu Nr. 139: Pros. Weihgerber, V. Loos, Giehen; zur Nr. 140: Pros. Weistigerber, Gießen; zu Nr. 136: V. Loos, Gießen. 7vjähriges Jubiläum des Gießener Lchachklubs. Der Gießener Schachklub, im Jahre 1858 gegründet, feiert, wie bereits in der gestrigen Nummer berichtet wurde, dieses Jahr fein 70jähriges Stiftungsfest. Aus Anlaß dieser Feier, welche an Ostern stattsindet, veranstaltet der Gießener Klub verschiedene Turniere, unb zwar sollen ausgetragen werden: die Einzelmeisterschaft von Hessen (acht Teilnehmer, je zwei aus den vier hessischen Bezirken), außerdem soll noch ein weiteres starkes, über Hessen hinausgreifendes Turnier statt- finöen, vielleicht für die stärksten Spieler aus den rheinischen Verbänden oder sogar ein reines Meisterturnier. Die • Verhandlungen über sämtliche Turniere sind noch im Gange. Die Turniere werden von Karfreitag bis Dienstag ausgetra- gen. Die Teilnehmer an den Turnieren erhalten freien Aufenthalt sowie Verpflegung. Wir hoffen, dah die Verhandlungen in einigen Wochen so weit gediehen sind, dah wir das endgültige Programm bekanntgeben können. । Nie Narrenkappe. Splitter und Sparren btnn Redakttonstifch. Anekdoten von einem alten General. Als der General v. L. noch kommandierender General in H. war, trat er nach einem größeren Diner, an dem alle höheren Provinzbeamten mit ihren Frauen teilgenommen hatten, in den Kreis der Deamtengattinnen, die bei einer Tasse Kaffee saßen. Eine der älteren Damen, Gemahlin eines hohen Justizbeamten und selbst Schriftstellerin, rief dem General, der Junggeselle war, zu: „Ja, wir finb gerade neun, Exzellenz kommen sich hier wohl vor, wie Apollo unter den neun Musen?" Der General sah durch sein Monokel freundlich von einer zur anderen und sagte bann: „Gnädigste, ick verstehe ja nicht viel davon; das mit den neun Musen, das mag woll stimmen, aber Apollo habe ick mir immer ganz anders vvrgeftellt." Der General v. L. ritt bei sehr schlechtem Wetter zu einer Hebung auf den großen Exerzierplatz bei G. Am Eingang A. war aus alten Kisten und sonstigem Hilfsmaterial ein Feldtelephon aufgebaut, und es prangte auch eine Tafel mit roten Buchstaben daran: F. T. 1. „Wat is bet da?" fragte er mürrisch den neben ihm reitenden Jnfanteriekommandeur, Oberst von O. „Das sind die befohlenen Feldtelephonstationen." „Wo is denn F. T. 2?“ erkundigte sich der Kommandierende. „Die ist am anderen Ausgange des Platzes, vier Kilometer von hier." „So, ick will mir bet mal anseh'n." Ganz durchnäßt betrat er die kleine Zelle, setzte sich neben den diensthabenden Leutnant unb meinte: „Kann ick da nun auch mit sprechen, einfach rinrufen, wie?" „Jawohl, hier drücken unb bann warten." „Donnerwetter, die melden sich ja schon! Ja, ja, ick bin hier, wie? Pah mal auf: Du, regnet's bei euch auch?" Die angerufene Stelle F. T. 2 gab sofort zur Antwort: „Meinst du Rinbvieh, hier schien' die Sonne?" „Hm, ja," sagte kopfschüttelnd ber Kommandierende, „funktioniert janz jutl" der Priester, indem er mit den andern Anwesenden vor dem Käfig bei heruntergelassenem Gitter in Sicherheit stand. Die Szene, die sich vorher bei der Ziviltrauung auf dem Standesamt vollzog, war ebenfalls ungewöhnlich. Eine Gruppe von Cowboys begrüßte die Reuvermahl- ten mit mehreren Salven aus ihren Revolvern. Bei dem Hochzeitsfrühstück wurden auch die Löwen nicht vergessen; sie erhielten eine besonders große Mahlzeit von rohem Fleisch. Pfirsichzarten Teint eitn NIVEA-CREME beseitigt sofort Sprödigkeit und Röte. Sd>achl$ln zu 20. 50. 60 u. 120 PI Tuben zu 60 und 100 Pt Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Frankfurt a. M. Berlin Schlich. Kurs 1.Uhr- Kurs Schlutz- K»r» Anfang Kurs Datum: 16.1. 17.1. 16.1. 17. 1. F/9 Dt RrichSanltihe o. 1927 Dt Hnl Ablos Schuld mit Auklos -Rechten . . . DcSal. ohne AnSlos.-Rechtcn Fl, Franks Hnv..«k. Goldvk unkundbar bk 1932 . . . 4‘/i% Rheinisch, 6bb -Bank Lian -Goldps . . V E- G abg BorkriegS-Ob' ligationcn, rückzahlbar 1932 47, Schweiz. Bmidesb.-Anl. 4% Octzretchffche Goldrte 4,20°/e Oesterr, ich. Silberrte. <ö/o Oesterreich, cinbeitl. Rte 4% Ungarische Goldrte 4°/o Ungarische Staatsr. v 1910 deügl von 1913 . <% Ungarische Kronenrte . . «°/> Türk. Zollanlcihe v 1911 4°/o Türk Bagdadbol.-n.Anl Serie 1. 4°/0 deSgl. Seri, 11..... <°,e Rumänen conoert £Rte. «V/o Rumänen Goldanl. von 1913 . . Ulla Deutsche Eisenbahn .47, Lamborg-Amerila Paket. . 6 »amb-Südam Dampssch. 8 vansa Dampfschiff . 6 Norddeutscher Lloyd . . u Lllg- Deutsche Ereditanst.. 10 Barmer Bankverein 10 Berliner HandelSacsellsch. 12 Commerz- und Prioat-Bk- 11 Darmst. u- Nanonalbauk. 12 Deutsche Bank. .10 Diskonto-Gesellschaft Lnt. 10 Dresdner Bank . Io Lkitteldeutsche Kreditbank 9 vketallbank..........8 ItttiWbanf.........io - 52,3 16,65 93,5 84 95,5 4,25 1.5 25,2 24.5 1.75 13,3 14.5 13.65 5,775 148 152.5 148 152 179 242 169 160.5 162 132,13 191,5 Su 51 O. Cn 00 - I-* CC 1 £ i 1 1 Ü i £ 1 i g 1 1 l 1 £l 1 i 1 1 1 1 1 1 1 1 N» 1 87,5 52,4 16,5 j 25,25 24,6 1,7 13,4 15 13.9 17,65 148,5 214,5 212,25 152.75 148.25 152.9 266 178 243.25 169 160,75 163 224 133 192 52,7 16 8 1,7 14,9 148 212 152 147,5 152.5 263 177.5 240.5 168 160 162 223 192 Frankfurt a.M. Berlin Schluß- Kurs 1-Uhr- Kurs Schluß- Kurs Anfang Kurs Datum: 16 L 17. 1. 16.1. 117. L LEG..........7 Bergmann ......... 8 Eleltr. Lieferungen . . . . lo Lickt und Kraft......10 Felten & Guilleaume .... 6 Ges. f. eicht Untern. . . 10 Hamb. Elektr. Werke ... 10 Rhein. Elektr. . . .... 8 Cchles. Sicht. ....... lv Cchuckcrt . ....... 7 Siemens & HalSke . ... 16 TranSradio..... 8 Labmevcr LCo. ...... .v BuderuS . ........ v Deutsche Erdöl........ Essener Sieütkohle.....8 Gelsenkirchener . f. */, I. 4 Harvener ...... .8 Hvesch Eisen..... .5 Ilse Bergbau ....... .8 Klöcknerwerke ........ 5 Köln-Neueffcn ......5>/s 9Jianne6mann . . .f. */. I 4 ManS-eldcr.........7 Obcrlchlcs Etscnb. Bedarf 0 Oberschlcs. KokLwerke . . 0 Phomr Bergbau f '/, I 3 Rbemrsche Braunkohlen 10 Nbeinftabl . . ,o Riedeck MoMan......c vereinigte Stablw. f. ’/. ft. 3 Oiaoi 'liitntn . . ... 1 sh Kali Aschersleben.....10 KallWesteregcln .... 10 Kaliwerk Ealzdetfurib . 12 ’S Scheid-anstall........g Goldschmidt ....... .b Rulgerswcrke ....... .0 Metollgriellichaft ..... lv 174,75 224 9 128,5 280,25 189.5 293,25 173 103.5 139.75 143 196,5 130 158 121,65 101,75 247 180 108,5 42 5 172 184,5 275,25 116,5 92 173 178 222,5 279 188,5 290,5 102,75 137,75 140,25 195,5 128,75 156,13 121 100,65 244 178.25 42,5 272,75 191 116 96.5 184 175,4 189 183.25 223 129.5 282,25 152,5 157,5 186,5 190.5 293,13 137,5 173 105 139 156 144 197,75 151,75 237,5 129,25 152,5 158,75 122,25 85 98,25 102,75 247 180.75 156,5 169,5 42,5 176,5 184 247,7.5 275 134 217,75 97 172,75 187.25 180,5 222,9 128,5 279,75 150 155 5 183.5 188,25 290,75 175 102,5 138 153 141,5 195,75 147 235.5 128,5 148,5 156 120,5 84,5 96.25 24; 177,75 108 42,65 t- 272,75 134,13 116 96,75 Frankfurt a.M. Berlin Schluh. l'Uhr. Schluh. Anfang Kurs Kurs Kurs Kur^ Datum: 16. 1. | 17.1. | 16. 1. | 17. 1. Pdtltvv Holzmann . 12 148 148 144 Heidelberger Tement . . s Lernenl Jcarlftabt ... . s 139 181 138,5 Gavß A frreitaa......10 142,75 SchultheiS Payenboter. . 15 402 398 Ostwerke....... . 12 Ber. Glanzstoff........ — 351.5 349 — — 692 585 Bem berg..........r — — 450 453 Zellstoff Daldbof.... 12 263,75 262 264,13 262 Zellstoff Aschaffenburg ■ . 10 181 179 179 Charlottenburger Baffer. 7 — 131,25 130 ?cffaner Gas . . . . . y _ 180 75 178.75 Daimler Motoren...... Demag ...... 0 91 90,4 91,75 71 90 90.5 70 90 Adlerwerke Alev«.....ö 90,5 90 Lodw. Kotier . .... 10 — — 282.75 276 Rat. Automobil......6 — — 102.5 — Orenstetn & Koppel .... 4 —— — 135.5 134 ikinke Homiann ..... 0 — — — — ikeonhard Ticy ..... c> — — 201 199 Bamag-Mcgum...... 0 30 — 30 — Franlf. Maschinen ...» v Wriijnei ........ 7 pellliacnftaedt ....... 0 ftungbanS • ...... 6 78,5 78 78.75 —— 126 — 125.5 — 30.5 — — 90 — 89,5 — Lech werke ....... 8 Mainkraftwerke ...... 8 127 — — _ 120 — — — Miag ...... 10 143,75 — 141 — Nekarsnlmer ........ 8 — — 105 — DekerS Union ....... 8 115 — 114 —— Acbr. Roeder . ...... 10 148 — —— Borgt & Haessner ..... 6 179 — 180,25 Kudd. Zucker.......u 145 5 144 145,75 — Banfnotra. Berlin, 16. Jan. I cyeld I Brtcl Amcritanischc Roten..... I 4,177 57196 belgische Noten...... 58,345 58,585 Dänische Roten...... 112,13 112,57 Englische Roten..... . 20,43 20, 1 Berlin. 16. Jan. 1 Geld «rief Französische Roten . . . - . 16,51 16,57 Holländische Noten. . . 168,81 169,49 Italienische Noten - - . 22,19 22,27 Hi.33 111,77 Deutsch-Ocsterr.,5100 Kronen 59; 06 59,30 Rumänische Schwedische 9?oten . . . 2.595 2,615 112,98 Noten . . . 112,52 80,78 71. 81,10 72,14 12,445 ©nnnffrfti* Roten....... Tschechoslowakische Noten . . 12,385 Ungarische Noten 73 10 73,40 Devisenmarkt Berlin —Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 16. Ian. 17. Jan. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Briei (Seid Bries Amst.°Rolt. 169,13 169,47 169,10 1,791 58,45 169,44 Bucn.-AireS 1,790 1,794 58,585 1,795 Bns.'Antw. 58,465 58,57 Chrifftania. 111,56 111,78 111,54 111,76 . 7,402 Budapest. . Bulgarien 72,27 3,027 72,41 3,033 73,795 3,027 <3,435 3,033 Lissabon 20, JO 20,44 20,48 20,52 Danzig. . . Konstantin. 81,76 81,92 81,74 81,90 2,181 2,185 2,180 2,184 Sltüeii 5,594 5,606 5,594 5,606 1,193 Eanada 4,184 4,192 1,185 Uro.uav . 4,286 4,294 4,286 4,294 tahu . . 20,973 21 013 20,968 21,008