Nr. 270 Erstes Blatt 178. Jahrgang Donnerstag, 15. November 1928 Erschein! tagiiÄ,axfcet Sonntag» anb ^tiertags Beilagen; Dietzen« JamÜlenDlÄtt« ßetmat im Bild 'Die Scholle. lHonai$»Be}nflsprets: 2 Reichsmark anb 20 Retchspfennlg für Trüge» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanlchiasse: 61, M und 112 Anschrift für Drahtnache richten »nzeiger Sietzen. poRschecttonro: Kranstnrl am Main 11688. Gichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnS mid Verlag: vrShl*sche UniversitStt-Vnch. und Stetntraderet v. Lange in Gletzen. Schriftlettung und Seschäftzftelle: 5chulstratze7. Lnaahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20°/„ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für‘Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen Der Untergang des Dampfers „Vestris". Der Lloyddampfer „Berlin^ mit geretteten Passagieren in Reuyork. - Die ersten Berichte von Augenzeugen der Katastrophe. Sämtliche Kinder und viele Krauen ein Opfer der Wellen.—Vernichtende Urteile über die Seetüchtigkeit der „Vestris". Oie Rettungsarbeit des Lloyddampfers „Berlin". Kapitän von Thuelen berichtet. Reuyork, 14. Rov. (WTB.) Der Kapitän des Lloyddampfers »Berlin", t>. Thuelen. cr- erklärte dem Vertreter deS WTB. über die Beteiligung seines Schiffes an der Rettung der Tleberlebcnden der „DestriS" u. a.: Wir befanden unS etwa 40 Meilen östlich von Rantucket, als die Funkstation Tuckerton uns um 10 Ähr vormittags örtlicher Zeit am Montag von der Rot- laae der »Vestris" Mitteilung machte. Um 11.15 Uhr fingen wir dann einen direkten Rotruf des Schisses auf. Wir waren um diese Zeit etwa 200 Meilen von der Unsallstelle entfernt. Die Passagiere der „Berlin" waren erfreut ,als sie hörten, daß wir der „Destris" zu Hilfe eilen würden. Sie beteiligten sich sofort an den Vorbereitungen zur Aufnahme der Ueberlebenden und stellten ihre Kabinen zur Verfügung. Wir fuhren mit höchster Maschinenkraft und trafen um 11 Uhr nachts an der U n f a l l st e l l e ein. Zunächst war nichts zu erblicken. Unter Berücksichtigung der Meeresströmungen, die die Boote abgetrieben haben konnten, fuhren wir darauf noch etwa zwölf Meilen über die uns angegebene Position hinaus. Um 11 Uhr liehen wir Raketen steigen, nachdem wir vorher uns drahtlos mit den anderen Ret- tungSschtften verständigt hatten, damit dort nicht der Einoruck entstand, dah ein anderes Schiff sich ebenfalls in Seenot befinde. Wir warteten nun auf die Antwortlignale der Ueberlebenden der „Vestris". Es waren aber keine zu erblicken. Allmählich kamen die anderen Rettungsschiffe in Sicht. Wir kreuzten nun die ganze Rächt auf einem Gebiet, das einem Quadrat von etwa 40 Seemeilen (Seitenlange entspricht, in jeder Richtung. Zeitweise hatten wir schweren Gewitter st urm und Regenböen. Das Funktionieren der Funkanlage wurde dadurch zeitweise ungünstig becinfluht. Am Morgen teilten uns die Schis'e „American Shipper" und „Myriam" mit, dah die Rettungsboote der „Vestris" aufgefunden seien. Wir fuhren sofort hinüber. Auf dem Wasser trieben noch drei leere Rettungsboote, deren Insassen bereits von anderen Schiffen geborgen worden waren. Gegen 10 Uhr sahen wir in weiter Entfernung ein Rettungsboot. Es erwies sich als das Doot Rr. 13 mit 22 Insassen. Wir fuhren dicht heran und brachten die Schiffbrüchigen, die sehr ermüdet und erschöpft waren, an Bord. Dann setzten wir unser Suchen fort. Wir durchfuhren jetzt eine Stelle, wo die Meeres- obersläche mit Wrack stücken jeglicher Art, Balken, Bruchstücken der Decksbeplankung. Rettungsgürteln usw., bedeckt war. Etwa eine Stunde war so vergangen, als wir in der Ferne die Hand eines Mannes erspähten, die sich aus den von der groben See hin- und her- geschlcuderten Trümmerstücken emporreckte. Mit äußerster Vorsicht fuhren wir so nahe wie möglich heran. Es war der Passagier Schmidt, über dessen Rettung die Telegramme bereits berichtet haben. Er schwamm an einen Rettungsgürtel geklammert. Unser zwei er Offizier, Mathy, wurde an einem Tau vom Dampfer herabgelassen. Es gelang ihm schließlich, Schmidt zu packen und ihn, unterstützt von unserem ersten Offizier, Dehne, an Bord zu bringen. Beim Weiterfahren wurde eine treibende öeidjz gesichtet. Der schwere Seegang machte es jedoch unmöglich, sie gefahrlos zu bergen. Die Ueberlebenden wurden sofort in jeder Weise versorgt: vor allen Dingen erhielten sie warme Kleidung. Rachdem wir zu der Ueber- zeugung gekommen waren, daß bet dem derzeit herrschenden furchtbaren Seegang kein Mensch mehr lebend im Wasser hätte treiben können, beschlossen wir gegen Mittag, die Fahrt nach Reuyork fortzusetzen, wo wir mit einem Tag Verspätung eintrasen. Der Reuyorler Vertreter der Eigentümerin der „Vestris", der Lamport Holt, hat Kapitän von Thuelen und den Generaldirettor des Rord- deutschen Lloyd, Schüngel, aufgesucht, um feinen Dank für die Beteiligung am Rettungs- Werk auszusprechen. Sämtliche Geretteten toben mit wärmsten Worten die außerordentlich freundliche Aufnahme, die ihnen an Bord der „Berlin" zuteil wurde. Verspätete S. O. S.-Rufe. Fünf Passagiere der „Vestris" bestätigten übereinstimmend, daß in der Zeit vor dem Untergang des Schisses an Bord keinerlei Panik oder Aufregung herrschte. Alles wickelte sich z u - nächst in bester Ruhe und Ordnung ab. Eine Panik entstand erst, als es sich infolge des Lieber gewichtes des Schiffes nach einer Seite als unmöglich erwies, einige der Rettungsboote zu Wasser zu lassen und die ersten Doot«, di« zu Wasser gebracht wurden, kenterten, wobei die darin befindlichen Frauen und Kinder ins Wasser geschleudert wurden. Die letzten an Bord verbliebenen Passagiere und Mannschaften sprangen im letzten Augenblick vor dem ©inten des Schisses in die See. Zwei der Passagier« erklären, die Schiffsleitung der „De- stris" hätte ihren Hilferuf mindestens fünf Stunden früher ergehen lassen müssen, da schon seit Sonntag nacht die Kielräume des Schisses voll Wasser gelaufen waren und d ie Pumpenanlagen versagten, so daß die Mannschaft den zum Mißlingen verurteilten Versuch machen muht«, das eingedrungene Wasser mit Eimern auszuschöpfen. Mit besonderer Schärfe wird die verzögerte Absendung des S.O.S.- Rufes von dem Ingenieur Mack aus Wyoming verurteilt, der sich ebenfalls unter den Passagieren befand. Er bezeichnet das Zögern der Schisssleitung als eine verbrecherische Rachlässigkeit, ja, geradezu als Mord. Hätte, so führte er aus, Kapitän Carey den S. O. S.-Ruf bereits um 5 Uhr morgens statt um 10 Uhr ergehen lassen, so wären sämtliche Passagiere der „DestriS" gerettet worden. Versagen der Rettungsboote. Reuyork, 14. Rov. (WB.) Rach weiteren Gerüchten der Ueberlebenden ist die „Vestris" bereits zu einem Zeitpunkt gesunken, als erst 80 der 328 Personen an Bord in den Rettungsbooten untergebracht waren. Den alten Traditionen des Seelebens getreu, wurden die Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote geschafft, aber die Vorbereitungen zum Riederlassen Der Boote erwiesen sich als erschreckend unzureichend. Man hatte gerade 37 Frauen und 13 Kinder in den beiden ersten Booten untergebracht und die Mannschaft schickte sich an, sie herabzulassen, als plötzlich der Körper deS sinkenden Schiffes eine ruckart ige Bewegung machte. Die beiden Boote schlugen gegen die Schiffsseite und schleuderten die Frauen und Kinder in d i e stürmische See. Anscheinend sind alle Kinder ertrunken und nur 10 Frauen gerettet. Die Ueberlebenden sind der Ansicht, daß die Mannschaft der „Vestris" ihr Bestes getan hat, dagegen kritisieren sehr viele das Verhalten des Kapitäns, der den Hilferuf außerordentlich spät ergehen lieh. Die „Vestris" soll bereits in der Samstagnacht Schlagseite gehabt haben, und die Leitung des Schiffes wurde immer schwieriger, trotzdem zögerte der Kapitän bis Montag morgen mit dem S.O.S.-Ruf. Bald danach stellte es sich heraus, dah die Flaschenzüge zum Herablassen der Boote defekt waren. Das Abfieren der Boote beanspruchte Stunden. Tatsächlich sind auch nur zwei Boote ordnungsgemäß herabgelassen worden. Die anderen rissen sich, als das Schiff sank, von sekbst los, und den im Wasser schwimmenden Schiffbrüchigen gelang es erst nachträglich, hineinzuklettern. Die Mehrzahl der Passagier« hat bi« Boote nicht an Bord des Schiffes besteigen können, sondern muhte ins Meer springen. Man vermutet, dah viele der Vermißten diesen Sprung nicht gewagt haben und von dem sinkenden Wrack mit i n di e Tiefe gezogen worden sind. Don den im Wasser schwiinmercden Schifs- brüchcaen, die gereitet wurden, gehörte die Mehrzahl der Besatzung an, wahrscheinlich, weil die Seeleute infolge ihrer größeren Abhärtung sich länger in dem eiskalten Wasser halten konnten als die Passagiere. Der Korrespondent der Zeitung „La Racion", Buenos Aires, William Davies, berichtet: Wir hatten große Schwierigkeiten, von dem sinkenden Schiff loszukommen. Als dces gelungen war, zeigte es sich, dah unser Doot keine Riemen an Dord hatte, so dah wir vollständig hilsos waren. Wir muhten das eindrtngende Wass.r mit Hüten ausschöpfen. Ich hatte nur ein Rachtzeug an und war beinahe tot, als wir gerettet wurden. Die letzten Augenblicke der „Vestris". Bericht eines Augenzeugen Dec Ingenieur O l Maxey aus Richmond (Virginia), einer der von dem Lloyddampfer „Berlin“ geretteten Ueberlebenden der „vestris“, bettchtetr bei der Landung in Reuyork über seine Erlebnisse beim Untergang der „vestris“ il a.: Sonntagnacht wütete ein furchtbarer Sturm. Plötzlich spurte man einen ft arten Ruck. Gleich darauf füllte das einströmende Wasser die Kohlenbunker und den Mafchinenraum. Die Frauen und Kinder wurden in den ersten drei Rettungsbooten untergebracht. Eins davon hatte ein Leck und sank in etwa 50 Fuh Entfernung vom Schiff. Mehrere Boote kenterten, sobald sie das Wasser berührten. Schreckensrufe erfüllten die Luft, als die in den Booten untergebrachten Frauen und Kinder ins Meer geschleudert wurden. Soweit sich beobachten ließ, wurden sie jedoch von anderen Booten wieder aufgefischt. Zwei Rettungsboote konnten infolge des Ueberliegens des Schiffes überhaupt nicht f r e i g e m a ch t werden. Ich befand mich mit etwa 90 anderen Passagieren und Mannschaften noch an Bord, als das Schiff sich plötzlich umlegte, wir sprangen über Bord. Ich wurde unter Wasser gezogen. wir schwammen dann 2 Stunden, bi» wir von einem Rettungsboot ausgenommen wurden. Ich habe gesehen, wie sich zwei Boote mit wasser füllten. Ein Boot riß sich los, ehe es freigemacht war. Alle Rettungsboote leckten anscheinend, während der ganzen Zeit, die wir im Boot verbrachten, waren wir damit beschäftigt, das elndrin- genbe wasser auszuschöpfen. Rachts sahen wir d i e LichterderRettungsdampfer. wir hatten jedoch selbst feine Rakete, wir riefen aus Leibeskräften, blieben aber zunächst unbemerkt. Später sahen wir im Lichte der von dem Dampfer „Berlin" aufsteigenden Raketen In unserer Rähe einen Mann und eine Frau auf einem wrack- stück treiben. Beim verlassen des Schiffes waren die meisten Boote überfüllt. Der zweite Steward schwamm zwischen den einzelnen Fahrzeugen hin und her, um eine bessere Verteilung der Insassen zu erreichen und die lleberbelaftung einzelner Boote zu vermindern. Als die „vestris“ versank, sahen wir den Kapitän auf dem Sturmdeck stehen. Die Flotille der Rettungsboote bemühte sich zunächst, in der Rächt zusammenzubleiben, wir wurden aber bald von der Strömung auseinander getrieben. Endlich erschien die „Berlin“ und nahm uns an Bord. Helden. UeberetnfHmrfienb berichten die Passagier« über zahlreich« Heldentaten der Mannschaft. Der Quartermaster L i c o r i c a , unter dessen Kommando das Rettungsboot 14 stand, hab« allein 20 Personen lebend gerettet. Er sprang wiederholt ins Meer, um hilflos treibende Passagiere zu retten und um die dem Doot fehlenden Ruder zu beschaffen. Der Telegraphist O'Loughlin blieb bis zum letzten Augenblick den Hilferuf aussendend an seinem Apparat und ist mit dem Schiff versunken. Der Passagier Stada und die Stewardeß Clara Ball blieben 24 Stunden an Wrackstücke geklammert auf dem Meer, ehe sie gerettet wurden. Ein Totenschiff. An der eigenen Geeuntiichtigkcit zugrunde gegangen. lieber die Ursache der Katastrophe des englischen Dampfers „vestris" äußert sich der Kapitän eines Hamburger lleberseedampfers, der über die Struktur des Dampfers „vestris" genau unterrichtet ist. Dieser Sachverständige lehnt die bisherigen Angaben, daß das Schiff infolge einer Verschiebung der Ladung und der daraus entstandenen Schlagseite den Stürmen zum Opfer gefallen sei, ab. Er glaubt vielmehr, daß die „vestris“ an ihrer eigenen Seeuntüchtig ke 11 zugrunde gegangen 1 ft. Das Schiff habe schon seit über zehn Jahren nicht mehr zur Lloydklasse la gehört. Er habe gerade in der letzten Zeit viele Leute, darunter auch Deutsche gesprochen, die auf der „vestris“ gearbeitet hatten. Alle diese hätten übereinstimmend ausgesagt, dah das Schiff „ein klappriger Kasten" fei. wiederholt seien auf ihren letzten Fahrten neben ausgedehnten Maschinenschäden 21 n - dichtungen entstanden, die teilweise unter der Kiellinie lagen. Die Schiffsplanken seien alt und vielfach zerbrechlich gewesen und hätten selbst einem mäßigen Sturm nicht widerstehen können. vor dem Kriege habe da» Schiff schon einmal Infolge einzelner Undichtigkeiten nur mit Mühe und Rot einen Hasen erreichen können. — Dies vernichtende Urteil eines Fachmannes wird bestätigt durch die Aussage des Seemanns Sadowski, der der Besatzung de» Schiffe» angehörte und erklärt hat, jede Luke de» Dampfers sei schadhaft gewesen. Die Speigatten, die das Abläufen des im Sturm auf Deck schlagenden wasser» sichern sollen, seien verstopft gewesen. Auch die Schottentüren im Schiffsinnern seien nicht wasserdicht gewesen. Oie panzerkreuzerkn'fis. Oie Haltung der sozialistischen Minister. Berlin, 15. Noo. (TU.) Ueber die Gründe, die di« sozialdemokratische Reichstagsfraltion veranlaßten, für die Abstimmung über den Panzerkreuzer- antrag Fraktionszwang auch für alle im Kabinett sitzenden sozialdemokratischen Minister zu beschließen, teilt der „Vorwärts“ folgendes mit: Die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion habe sich der Auffassung, daß sich der Kabinettschef, der nach der Verfassung die Richtlinien der Politik zu bestimmen habe, nicht in öffentlicher Abstimmung gegen andere Kabinettsmitglieder stellen dürfe, nicht anschließen können. Diese Auffassung fei von Reichskanzler Müller den Fraktionen oorgetragen worden. Aus der kurzen Aussprache der Fraktion sei heroorgc- gange», daß sie eine Trennung des Partei- Vorsitzenden — möge er letzt auch Reichskanzler sein — von der Fraktion für unmöglich halte, nickt nur im Interesse der Partei, sondern auch in seinem eigenen Interesse. Müllers Fernbleiben von der Abstimmung hätte bedeutet,- daß er s i ch selb st als Parteiführer geopfert hätte, um Schwierigkeiten im Kabinett zu vermeiden. Dieses Opfer wolle die Fraktion nicht bringen, weil fie Müller auch in Zukunst als Vorsitzenden behalten wolle. Ein anbei er Gesichtspunkt sei aber für bi« Fraktion entscheidend getoe-en. Die Massen der Partei hätten durch ihr Fernbleiben vorn kommunistischen Dolksbegeh'.en ein betoun» bernswertes Beispiel von Geschlossenheit und Disziplin gegeben. Dieses Beispiel sollte sein Gegenstück färben in der vollkommenen Geschlossenheit und Disziplin der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Sozi albemo kra- tie kämpfe nicht gegen bie Wehrmacht an sich, sonbem gegen eine Marineleitung, bie für ihr? unzweckmäßigen unb kostspieligen Pläne den Reichspräsidenten, den Reichswehrminister und bas Gros bet bürgerlichen Parteien einzuspannen Oerffanben habe. Sie vertrete mit der allergrößten Entschiedenheit den Standpunkt, bah bie Volksvertretung ih.e Souveränität nicht preisgeben dürfe gegenüber militärischen Stellen, die gegen Dernunstgrünbe ihr Prestige stellen. Wie bie Blätter melden, wird sich das Reichskabineti am Donnerstagvormittag mit der Frage e:ner Zustimmung der sozialdemokratischen Kabmettmitgliedrr zu dem gegen den Panzerkreuzerbau g:r ch.elen so ,raldemokralischeu Anttag beschäftigen. Diese Tatsache sei auch bestimmend für die Zentrums fraktion gewesen, sich am Mittwoch ohne Beschlußfassung zu vertagen, um erst bie Entscheidung deS Kabinetts abzuwarten. Außerdem wird gemeldet, daß der Reichspräsident am Dvn- — Demokratische Auffassung der Lage, nevstagvormittag den Reichskanzler zum Vortrag über die politische Lage empfangen wird. Ueber die Sitzimg der demokratischen Reichstagsfraktion, bie ihre Entscheidung erst am heutigen Donnerstag treffen wirb, berichtet der Demokratische Zeitungsdienst, im Verlaufe der Aussprache sei u. a. betont worden, daß die politische Verantwortung für den Panzerkreuzerbau nicht die jetzige Rttchsvegierung, sondern die frühere R« i ch s r e g i e r un g und die frühere Reg', erungskoalition zu tragen habe. Die demokratische Reichstagsfraktion hab« damals gegen den Panzerkreuzer gestimmt und infolgedessen gar keine Veranlassung, der damaligen Regierungsmchrheit die Verantwortung abzunehmen. Innerhalb der demokratischen Reichstagsfraktion sei man sich der Verantwortung bewußt, die die Fraktion gegenüber den künftigen großen Aufgaben zu tragen habe. Dazu brauche es eine gefestigte Koalitionsregierung, dazu sei es aber auch nötig, dah nicht von einer Partei, wie es jetzt von der Sozialdemokratie gesch hen ist, Anträge gestellt würden, deren Ernsthaftigkeit a s guten Gründen bezweifelt werden tonne. Roch dem „Börsen-Courler" werden sich di« demokratischen Minister Koch und Dietrich bei der QCbftimmung der Stimme an t galten. Wie bie „DAZ. berichtet, rechnet man in parlamentarischen Kreisen mit ber Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages. Der Optimismus werde namentlich durch die Gewißheit genährt, daß die Deutschnationalen, was nunmehr feststehe, gegen den Antrag stimmen wollten. Ein Antrag derMttschastsparlei. Ein umfassendes Marinebauprogramm gefordert. Berlin, 15. Noo. (VDZ.) Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei hat, wie das VDZ.- Bureau erfährt, am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung mit den Vertretern der verschiedenen Land- tagsfraktionen der Wirtschaftspartei beschlossen, zur Panzerkreuzerdebatte am Donnerstag folgenden Antrag einzubringen: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, 1. umgehend ein auf längere Sicht a b geselltes Bauprogramm oorzulegen, das alle Deutschland aus dem Versailler Vertrag belassenen Rechte für die Aufrüstung der Marine erschöpft. Dieses Programm soll den Ausbau der Seestreitkräfte in einer Weise vorsehen, die es ermöglicht, unter Berücksichtigung der modern st en tech- Nischen und militärtechnischen Grund- sätze das militärisch wertlose Altschifftnatcrial, dessen Benutzung teilweise schon zu einer Gefährdung der Besatzung führt, beschleunigt außer D i e n st zu stellen: 2. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die B e - r e i t st e l l u n g d e r M i t t e l für ein langfristiges Bauprogramm der Marine im vorbezeichneten Sinne unter Verwertung der bisher am Ersatzbau geleisteten Arbeit und der hierfür erteilten Aufträge sicherstellt und die Weiterarbeit am Ersatzbau A so lange auszusetzen, bis sicher- gestellt ist, daß die hinter der Regierung stehenden Parteien der Fertigstellung des Ersatzbaues „A" wie einer gesetzlichen Regelung des Gesamtersatzbauprogramms zustimmen, 3. den ausländischen Regierungen offiziell mitzuteilen, daß alle Maßnahmen der deutschen Regierung, die im Rahmen des Versailler Vertrages auf die Erhaltung der Verteidigungsmöglichkeiten Deutschlands hinzielen, eine Neuregelung erfahren, wenn nicht die im Versailler Vertrag vorgesehene allgemeine Abrüstung durchgeführt wird. polens Klottenpläne. Schneller und starker Ausbau der Kriegsmarine. Warschau, 14. Nov. (III.) Die polnische Zeitung „Polsko Zbrojna" beschäftigt sich ausführlich mit den Plänen für den Aufbau der polnischen Flotte. Sie schreibt: „Die Notwendigkeit einer polnischen Kriegsflotte, die zu Operationen auf breiter Basis fähig ist, und nicht nur die Sicherheit unserer Seegrenzen, sondern auch die Freiheit des ganzen Landes gewährleisten soll, ist unbestreitbar. Damit diese Flotte ihre Aufgaben gebührend erfüllen könne, müsse sie entsprechend stark ausgebaut werden. Das bedeutet, daß Polen ein Panzergeschwader, mehrere Kreuzer und eine entsprechende Anzahl von leichteren Schiffen und Tauchbooten bauen müsse. Die infolge stiefmütterlicher Behandlung der Kriegsmarine entstandene Lücke müsse schleunig st ausgefüllt werden. Das Programm vom Iahre 1924 (zwei Kreuzer, sechs Zerstörer, 12 Torpedoboote, 12 U-Boote und mehrere hilssschifse) müsse unbedingt eingehalten bleiben. Ls seien außerdem vor allem Minenleger und Minensucher, ferner Torpedoboote zur Bekämpfung feindlicher U-Boote, schließlich ein Stützpunkt und neuzeitliche Transportdampfer vonnöten. Ls müsse möglich st schnell gebaut werden, um das Kapital nicht in veralteten Typen anzulcgcn, die nicht mehr ausbaufähig feien und um Bau- und Instandsetzungskosten zu sparen. Die Rücksicht auf den Schuh des Landes bedinge schnellen Bau. Vis 1936 müsse die Torpedoboot- und U-Boot-Flottille vervollständigt und sechs Hilfsschiffe gebaut sein. In den zwei folgenden Jahren müsse die Serie der Hilfsschiffe beendigt und der Bau größerer Schiffe begonnen werden, denn man vergesse nicht, daß, wenn man den Frieden wolle, man für den Krieg gerüstet sein müsse. Die Sachverständigenkonferenz. Botschafter von Hocsch spricht mit Poincars. Parts, lö.Mo. (WTB. Funkspruch.) „Matin" berichtet über eine Unterredung des deutschen Botschafters von Hoesch mit Ministerpräsident Poincar6, bei der dieser dem deutschen Botschafter eine kurze Zusammenfassung der französischen Ansichten über das Verfahren der Behandlung der Reparationsfrage überreicht habe, wie dies die anderen Mächte gleichfalls getan hätten, so daß Deutschland jetzt wisse, i n welchen Grenzen sich die Arbeiten der Sachverständigen halten könnten. Es wäre unrichtig, zu behaupten, so erklärt das Blatt, daß wirkliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und seinen Gläubigern über das Verfahren beständen, aber es gäbe natürlich beträchtliche Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Forderungen. Da aber ja jedermann darüber einig sei, daß Studium der Frage unabhängigen Sachverständig gen anzuvertrauen, und da den Regierungen immer sreistehe, alsdann Pläne, die nicht ihren Interessen entsprächen, nicht anzunehmen, habe bis jetzt die theoretische Opposition keine große Bedeutung. Die Forderungen der verschiedenen Mächte würden sicher einer Revision unterzogen werden können, wenn die Sachverständigen ein Mittel hätten, um eine beschleunigte Kommerzialisierung der Schulden herbeizuführen. Da es noch nötig sei, die Mitarbeit amerikanischer Fachleute zu erlangen, sei es nicht wahrscheinlich, daß der Ausschuß vor Beginn des kommenden Jahres zu» fammentreten werde. In der Wahl des Beratungsortes schwanke man zwischen Brüssel und Berlin. Kein Konnex mit der Rheinlandräumnng. Die englische Auffassung. London, 15. Nov. (WTD.-Funkspruch) Der „Daily Telegraph" erführt, daß keine formelle Antwortnote auf den deutschen Schritt in der Reparationsfrage apgesandt werden würde, bis eine Art vorläufiger Vereinbarung über die Grundsätze und die Prozedur der bevorstehenden Untersuchung zwischen den sechs interessierten Parteien erreicht sei. Das Problem der Rheinlandräumung bleibe im jetzigen vorbereitenden Stadium außerhalb der Erörtern n g. Großes Interesse habe in diplomatischen Kreisen die neueste Erklärung Churchills und anderer britischer Minister hervorgerufen, daß die Frage der endgültigen Äepara- ttonsregelung und dre der Beschleunigung der Rhelnlandcäumung nickt unbedingt miteinander verbunden seien. Dies stehe bekanntlich im Gegensa h zur französischen Auffassung. Nachdem Dr. Strese- mann auf deutscher Seite wieder im Sattel sitze wer^ angenommen, daß eine Entscheidung über bie Einberufung des Ausschusses nicht lange auf- geschoben werde. ö 1 — 9 Gchulkompromiß in Ostoberschlesien. Berlin, 15. Nov. Die vom Deutschen Volks- bund für Polnisch Oberschlesien brr September- tagung des Dölkerbundrates eingereichte Beschwerde über die Schließung deutscher Minderheitsschulen in Polnisch- Noch kein Ergebnis der Einigungsverhandlungen in der Eisenindustrie. Düsseldorf, 14. Nov (WDB ) Die beim Regierungspräsidenten Bergemann mit Vertretern des Arbeitgeberverbandes der Nordwestgruppe und Gewerkschaftsvertretern geführten Berbandlungen haben bis jetzt zu einem Ergebnis, das eine brauchbare Grundlage für eine gemeinschaftliche Verhandlung bilden könnte, nicht geführt. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Gksamiaussperrung in der märkischen G.seninduflrie. Gescheiterte Lohnverhandlungen. 35000 Arbeitern gekündigt. Hagen, 14 November. (WB.) In der Lohnstreitsoche in der märkischen Eisenindustrie haben heute zwischen dem märkischen Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften erneut Verhandlungen stattgefunden. Die Arbeitgeber haben den Gewerkschaften nochmals angeboten, den bisherigen Lohntarif auf längere Zeit fort» zusetzen. Don Gewerkschaftsseite ist dies kategorisch a b g e l e h n t und eine Lohnerhöhung nach Maßgabe eines Spitzenlohnes von 84 Pfennig gefordert worden, was einer Lohnerhöhung von fünf Prozent gleichkommt. Von den Arbeitgebern ist diese Forderung unter Hinweis auf die immer ungünstiger werdende Wirtschaftslage a b g e l e h n t worden, so daß die Verhandlunasmöglichkeiten als gescheitert gelten müssen. Hierauf haben die Arbeitgeber vorsorglich die allgemeine Kündigung beschlossen. In der Begründung heißt es u. a.: Die Gewerkschaften haben den Lohntarif zum 30. November ohne jede nähere Begründung gekündigt, und der Vorschlag des märkischen Arbeitgeberverbandes, den Lohntarif auf längere Zeit fortzusetzen, ist in Verhandlungen am 29. Oktober und am 14. November von den Gewerkschaftsvertretern abgelehnt worden. Infolge der kurzfristigen Lohntarife sind die Löhne im hiesigen Bezirk höher geblieben als in den anderen benachbarten Bezirken. Wenn der märkische Arbeitgeberverband die Verlängerung des bisherigen Lohntarifes gestern erneut angeboten hat und bereit ist, eine solche Verlängerung adzu- schließen, so ist dies das Aeußerste, was bei der gegenwärtigen schlechten Wirtschaftslage verantwortet werden kann. Das Inlandpreis- nioeau duldet feine Erhöhung mehr. Eine Steigerung der inländischen Selbstkosten durch eine Lohnerhöhung bedroht aber die letzte Exportmöglichkeit. Schon jetzt zeigen sich in vielen Bezirken Stillegungen und Arbeitsstreckungen. Die Arbeitgeber des märkischen Verbandes folgen deshalb nur einem Gebot der Selbst- erhaltung, wenn sie sich gegen die ständigen Lohntreibereien der Gewerkschaften zur Wehr setzen, die der Arbeiterschaft nichts nutzen, die Industrie aber wegen Auftragsmangels Betriebseinschränkungen bringen. Ein tarifloser Zustand stört den Arbeitsfrieden. In der tariflosen Zeit fanden vom, April bis Juni dieses Jahres 44 Teilstreiks im Bezirk statt. Aus diesen Gründen ist eine Aufrechterhaltung unserer Betriebe unmöglich, und wir kündigen deshalb hiermit allen unseren Arbeitern das Ar- beitsverhältnis zum 30. November auf, und zwar wird das Arbeitsverhältnis mit dem Ablauf der letzten an diesem Tage begonnenen Schicht beendet. Durch die Kündigungen werden etwa 300 Betriebe mit ungefähr 35 000 Arbeitern betroffen. Oie Aussperrungsdebatte im Reichstag Berlin, 14. Nov. 3m Reichstage wurde die Aussprache über die nordwestdeutsche Aussperrung zu Ende geführt. 3n der zweiten Rednerreihe wurde von den Kommunisten ein Mißtrauensvotum gegen die Reichsregierung eingebracht, für den aber nach Abschluß der Debatte nur die Kommunisten und Nationalsozialisten stimmten. Abgelehnt wurde auch der kommunistische Antrag auf Aufhebung des staatlichen Schlichtungswesens. Alle übrigen Anträge wurden dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen, darunter auch e;n vom Zentrum neu eingebrachter und von der Wirt- schaftspa'-tei ergänzter Antrag, der Hilfsmaßnahmen für die durch die Aussperrung geschädigten Kreise des gewerblichen und landwirtschaftlichen Mittelstandes und des Einzelhandels verlangt. Am Donnerstag soll die Beratung der kommunistischen und sozialdemokratischen Anträge über die Einstellung des Baues des Panzerkreuzers A beginnen. Keine Arbeitslosenunterstützung für die AusgespeMen. Berlin, 14. Nov. (WB.) Der Spruch - fenat für Arbeitslosenversicherung beim Reichsversicherungsamt hat sich als oberste Instanz in Fragen der Sozialversicherung heute mit der Angelegenheit der Arbeitsiosenun erftühung der ausgesperrten Metallarbeiter beschäftigt, die von der Spruchkammer des Landes arbeitsamt es in Düsseldorf zur Herbeiführung e n;r grundsätzlichen Entscheidung an den Spruchsenat verwiesen worden war. Nach längerer Beratung kam der Spruchsenat zu dem Ergebnis, daß es sich bei dem Kampf in der nordwestlichen Gruppe nicht um eine Stillegung, sondern um eine Aussperrung handele, also ein Arbeitskampf im Sinne des Arbeitslosenversicherungsgesetzes vorliege und demzufolge die Zahlung von Arbe tswsenunterstühung nicht in Frage kommen könne. Da die Begründung des Spruchsenats in rein rechtlichen Fragen der Form nach von der Entscheidung der Spruchkammer Düsseldorf abweicht, die grundsätzlich denselben Standpunkt eingenommen hat, mußte eine Zurückverweisung an die Spruchkammer zur anderweitigen Verhandlung erfolgen. Angestellte alsAotstandsarbeiler Eine Klage deö D H. V. Düsseldorf, 14. Nov. (WTB.) Die Klage des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes und die des Gewerkschaftbundes der Angestellten gegen die Arbeitgebervereinigung der Nordwestgruppe über Erwirkung einer einstweiligen Verfügung, die die Notstandsarbeiten in den fti 11 gelegten Betrieben durch taufmännifche Angeste11te verhindern soll, wurde am Mitt- wochmoraen vor dem Arbeitsgericht in Düsseldorf verhandelt. Nach längeren Ausführungen der Parteien vertagte der Vorsitzende die Spruchfällung auf Montag, 19. November. Aus der Klageschrift des DHV. geht besonders hervor, daß die Betriebsleitung der Vereinigten Stahlwerke, Gelsenkirchen, deren Unterabteilung Schalter Verein und die Nie- derrheinifche Hütte in Duisburg von ihren kaufmän- nischen Angestellten andere Arbeit verlangten, als diese nach ihren Anstellungsverpflichtungen zu leisten haben, insbesondere Verladearbeiten, die Bedienung von Kesselanlagen und den Eisenbahnrangierbetrieb. — Die Arbeitgeberseite erklärte hierzu, daß Zwang nicht vorgelegen habe und daß die freiwillige Leistung durch eine Reihe eidesstattlicher Erklärungen bewiesen werden könne. Der Rahmentarif der Angestelltenverträge verbiete nicht diese freiwillige Vereinbarung. --*-- O be rschle s ie n ist jetzt unter dem Vor'ih des Präsidenten der Gemischten Kommission, Ca - londer, zwischen den Vertretern der deutschen Minderheit und der polnischen Regierung d i - rett verhandelt worden, nachdem sie vorn Dölkerbundsrat an die Gemischte Kommission zu- rückverwiesen worden war. Nach mehrtätiger Beratung Hal man sich auf eine Kompromißlösung geeinigt. Cs werden von den sechs geschlossenen Schulen drei toi ebereröffnet, drei andere bleiben geschlossen. Die polnische Regierung hat damit die nochmalige Behandlung der Beschwerde vor dem Völkerbundsrat vermieden, und in Oberschle ien hofft man, es als ein günstiges Zeichen ansehen zu können, daß es zum ersten Male gelungen ist, schwierige Minderheits- fragen auf direktem Wege zwischen der Regierung und der Minderheit zu bereinigen. Selbsthilfe der Landwirtschaft. Präsident Schiele auf einer ssührertagung des Reichslandbundes. Berlin, 14. Nov. (WTB.) Auf einem aus Anlaß der Führertagung des Reichslandbundes veranstalteten Empfang^abend ergriff der Präsident des Reichslandbundes, Ernährungsminister a. D. Schiele, das Wort zu programmatischen Aussührungen über die wirtschaftliche Lage, die in einem Aufruf zur Selbsthilfe gip eiten. Der Präsident führte u. a. aus: Wir fordern keine besondere Staatshilfe für die Landwirtschaft. Aber wir fordern, daß durch schleunige wirk ame Maßnahmen die unglücklichen Folgen der bisherigen Wir schafts- politil wiedergutgemacht werden und daß für die Zukunft die Politik des Reiche- und der Länder den Charakter einer aus eigener Kraft balancierten Wirtschaft trägt, die auch den landwirtschaftlichen Betrieb zu seinem Recht kommen läßt. Wirksame Fortführung der Llmschuldung ist er'order- lich. Die Landflucht im Osten ist eine soziale und nationale Ge'ahr. Die Industrie kann die heran?'ringenden Massen nicht mehr auf» nehmen. Es entsteht der wachs, nde Druck auf die Löhne und Gehälter und auf die Lebenshaltung unseres Dolles. Die Beurteilung des Ostproblems läßt uns mit besonderer Sorge auf die Handelsver tragsver andlungen mit Polen b icken. Deinen wir Polen und damit auch den anderen Oststaaten ohne genügend: Kiutllen die Grenzen für die Einfuhr ihrer Schweineüberschüsse, so entwurzeln das Bauerntum und die Landarbeiterschaft. Bisher war die Erfüllung des Dawesplanes nur mit Hilfe von Krediten möglich. Wenn diese nicht mehr hinreichend sind, um öie Tribute zu finanzieren, so wird sich die ilnerfüllbarteit des Dawes Planes erweisen müssen. Cs wäre verhängnisvoll, wenn man den Transserschutz be eiligte. Eine Heber» schwemmung der Geldmärkte mit deutschen Werten würde zur Blockierung deS internationalen Geldmarktes für produktive Anleihen der deutschen Wirtschaft fuhren. Auch in der Rrpara- tionsfrage sind wir auf uns selbst angewiesen. Aber alle Versuche sind zum Scheitern verurteilt, wenn wir nicht der Nahrungsabhängigkeit Herr werden, die uns in unseren eigenen Entschließungen unfrei macht. Oie Handwerksnovelle. Enttäuschung in Handwerkerkreisen. Berlin, 15. Nov. (Priv.-Tel.) Dem Reichstag ist nunmehr der „Entwurf zur A e n - öerung der ©etoerbeorönun g", wie die Handtoerksnovelle amtlich firmiert, nach Zustimmung des Reichsrats zugegangen. Der Entwurf bringt nach drei Richtungen grundsätzlich Neues. Während die ursprünglichen Bestimmungen nur den Handwerksmeister und seinen eigenen Betrieb kannten, wird heute oft ein Handwerksbetrieb von einer juristischen Persönlichkeit, fei es in Form der G. m. b. H. oder anderer Zusammensetzung betrieben. Der Entwurf regelt die Eingliederung dieser Betriebe, ihre Beitragspflicht und das Wahlrecht. Die Staats auf sicht wird neu geregelt und gegenüber den bisherigen Bestimmungen gelockert; Wahlrecht und Wahlpflicht werden auf alle Handwerker unter Beseitigung der bisherigen Vorzugsstellung der Innungen und Gewerbevereine ausgedehnt. Aus diesem Grunde und zur Erleichterung statistischer Erhebungen und rechtlicher Preisfragen soll ein alphabetisches Verzeichnis aller Handtoerktreibenden geschaffen werden. In anderen Bestimmungen werden schließlich Fragen der Zugehörigkeit und Wählbarkeit innerhalb der Innungen und Ztoangsinnungen geregelt, soweit die bisher geltenden Vorschriften Zweifel gelassen oder sich als unzweckmäßig erwiesen haben. Die Handtoerksnovelle wird in den Kreisen des ReichsverbandeS des deutschen Handwerks nur als eine vorläufige Zwischenlösung betrachtet. Allerdings hat man zur Fertigstellung der wiederholt geänderten jetzigen Handtoerks- novelle beinahe Drei Jahve gebraucht, aber die wesentlichste Forderung des Handwerks auf Schaffung einer zusammen fassen-en Handwertsordnung, welche die überall verstreuten Bestimmungen, die das Handwerk betreffen, ordnet und den moöemen Bei hältnissen anpaht, ist leider diesmal noch nicht erfüllt woiden. An Versprechungen auf Schaffung einer solchen Reichshandwerksordnung hat es aber nicht gefehlt! Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtages. Tas Steucrvorauszalzlungsgesetz verabschiedet. Darmstadt, 14. Nov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages verabschiedete das Steuervorauszahlungsgeseh für das Jähr 1929, dessen Inhalt wir bereits mitgeteilt haben. In der allgemeinen Aussprache wurde zunächst ein Dauernbundantrag, die Grundsteuer vorn 1. April 1929 ab nach dem auf Grund der Deichsgesetze ermittelten Werte zu veranlagen und zu erheben, mit 5 gegen 4 Stimmen alw gelehnt, da die Regierung erklärte, aus technischen Gründen dem Antrag nicht entsprechen zu können. In der Einzelberatung wird Qlftilel 1 nach Annahme einiger Zusätze der Abgeordneten Niepoth und Haury (D. Dp.) zu der Gewerbe- steuervorauszahlung gegen 2 Stimmen angenommen. Mit dem gleichen Stimmergebnis werden die Artikel 2 bis 5 angenommen. Der Soziali- stische Antrag zu Artikel 6 „eine Gemeinde darf die Steuerwerte des Grund- und Gebäudebesihes mit höheren Zuschlagssätzen als 18 (in dem Entwurf 15) Reichspfennig je 100 Mark Steuerwert des Gebäudebesihes und 36 (im Entwurf 30) Reichspsennig je 100 Mark Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich benutzten Grundbesitzes nur bann belegen, wenn .. * wird abgelehnt und die Sähe des Entwurfes beibehalten. Der Schluh- artUel wird gemäß einem Antrag Lu? (Soz.) und einem, den Zusätzen au Artikel 1 entsprechendem Antrag Niepoth oahin abgeändert, daß, wenn ein Steuerpflichtiger glaubhaft macht, daß der der endgültigen Veranlagung zur Gewerbesteuer für das Jahr 1929 voraussichtlich festzusetzende Jahres st euerertrag um mehr als 60 Reichsmark ober mehr als ein Fünftel unter der nach Artikel 1 des Steuervorauszahlungsgesetzes für die vorläufige Gewerbesteuer maßgebenden Iahressteuerschuld zurück- bleiben wird, so ist ihm der auf die einzelnen vorläufigen Raten entfallende Llnierschiedsbetrag auf Antrag bis zur Zustellung des endgültigen Gewerbesteuerbescheids für 1929 zu stunden. Auch die restlichen Artikel werden bann gegen 2 Stimmen angenommen. Mit 6 gegen 5 Stimmen angenommen wird ein Zentrumsantrag auf Wiedereinführung der durch bas Urteil bes Pro- vinzialgerichtshoses aufgehobenen Steuerbefreiungen für bestimmte Einfamilienhäuser. Der Ausschuß wird sich am Donnerstag mit der Sondergebäubesteuer befassen, zu der auch eine Reihe von Abänderungsanträgen der verschiedenen Parteien eingegangen ist. Der Aetna im Erlöschen. Die AuSbruchstätigkeit des Aetna bat weiter merklich nachgelassen. Die einzelnen Lavaströme rücken nur noch aatu langsam vor; immerhin richten sie an Gebäuden und aus Reckern noch einigen Schaden an. Oie Wetterlage. Mittvtoch May w 2 FdM iMrdeen- 10 ö ,fa . S . ,TO Owofxeniot ® eene* ® nw ot«<«L ® weitia® otdtcai »Regt^ ft Sehnte » 4rau»em * «ehe« K 6ew'ttv (g)windjiHie. setw •eichtet O$i j) ■nissige' Suflsuowesi q stürmische» norgwesS tue Pfeile fliegen m>, atm wmgt Oit ooatn Simonen stehenden za» •en oehcfl die Temperatur an Pie Limen vcrfcedco One «ul gleiche* huf ««erasnivea* umgerechoeie- LuHd/ec* Wettervoraussage. Lieber den britischen Inseln hat die dortige Depression starken Barometerfall verursacht, der sich auch über Westdeutschland und unserem Gebiet bemerkbar macht. An ihrer Vorderseite haben die Winde bis zur Sturm^stärke angenommen und ihr Regengebiet über England und Irland verbreitete und teils recht ergiebige Niederschläge gebracht. Da bei der eingeschlagenen Zugrichtung der Störung auch unser Gebiet beeinflußt wird, so ist zunächst unter zunehmender ßuftbetoegung und wieder ansteigenden Temperaturen mit veränderlichem und regnerischen Wetter zu rechnen. Wettervoraussage für Freitag: älnbeständiges, wolkiges, auch trübes Wetter mrt Niederschläge, milb, zeitweise lebhafte Süd- westwinde. Lufttemperauren am 14. November: mittags 10,8 Örab Celsius, abends 9 Grad Celsius: am 15. Nov.: morgens 7,9 Grad Celsius. Maximum 11,2 Grad Celsius, Minimum 7,2 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 14. November: abends 8,2 Grad Celsius: am 15. November: morgens 7,4 Grad Celsius. — Niederschlag 0,6 Millimeter. Aus Oer Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. November 1928. Oer Ton macht die Musik. Neue Wege für Eheleute. .Sannst du die Türe nuf>t für fünf Pfennige (elfer ins Schloß werfen, wenn ich Kopfschmerzen habe “ fragt Mimi ihren Mann ärgerlich. .Verzeih (lebe Frau ich werde auf deinen Zustand Rücksicht nehmen. Ich habe wieder mal ganz vergessen daß ich eine Mimose geheiratet habe!' — .Laß 'deine faulen Späße, wenn du rücksichtslos warstI" — „Sprich doch nicht so gereizt!" entgegnet Oskar. „Ich sehr ein, daß man eine Türe auch le'ser schlichen kann und werde daran denken. Aber es ist doch nicht nötig, daß du ein so geringes Versehen in solch häßlichem Tone rügst! Wenn du mir so etwas ein bißchen nett sagen würdest, täte ich dir ganz bestimmt den Gefallen noch einmal so gern. Am Abend kommt Oskar müde heim und läßt sich schwer in dve geliebte Sofaecke fallen. „Ach, liebster Oskar," flötet M.mi in den süßesten Tönen, „könntest du dich nicht etwas sanfter auf dein Ruheplähchen niederlassen?" Oskar richtet sich steil auf und sieht seine Frau verblüfft an: „Meinst du vielleicht, dieses katzenfreundliche Gesäusel. durch das man deine Verstimmung knüppeldick spürt, wäre dazu angetan, mir auf nette Art etwas beizubringen?!" — „So. es paßt dir also nicht, wenn ich dir mit lächelnder Miene etwas sage?! Du hast keine Ahnung, welche Anstrengung mich das freundliche Gesicht vorhin gekostet hat!" — „Das habe ich gemerkt! Aber dein offener Aerger ist mir zehnmal lieber als dein versteckter!" — „Wie soll ichs denn machen." Frau Mimi kämpft mit den Tränen, -du willst nur. daß ich alles unbesehen hinnehme!" — „Aber gewiß nicht. Mimi." beteuert Oskar. „du sollst nur deine Wünsche auf angenehm« Art kundtun." Mimi schätzt ihren Wann sehr, und bei ruhiger Aeberlegung muß sie ihm Recht geben. Berechtigten Forderungen kommt er stets nach, aber die kleine Frau ist in den kritischen Augenblicken so reizbar, daß sie trotz besten Willens nicht den richtigen Ton findet. Bald klingen Spott und Ironie aus ihrem Munde, bald spürt man die Freundlichkeit wie Tünche über den verhaltenen Worten, und ost greift eine deutliche Derstim- ntung um sich. Eines Tages macht sich Oskar nach dem Mittagessen mit einem Stäbchen und mit Ausdauer an seinen Zähnen zu schaffen. Mimi findet das entsetzlich, schon will sie sich in ungehaltenen Worten Luft machen, als ihr ein guter Gedanke kommt, so daß sie ihren Mann in seiner „mündlichen" Anterhaltung nicht unterbricht. — Als Oskar am Abend nach den Zahnstochern greift, liegt ein Kärtchen darüber. Verwundert liest er: „Dringt dir das Stochern auch Genuß, Richt schön ist's, wenn man zuseh'n muß! Könntest du's etwas rascher machen, So blieb' dir viel mehr Zeit zum Lochen!" „Das ist ja vorzüglich, einfach großartig," schmunzelt Oskar, „Mimimaus, waS bist du für ein kluges Frauchen!" Wohlgelaunt seht sich Oskar an den Tisch, eine fast übermütige Stimmung hat beide ergriffen, und die heikle Sstuation ist schnell überwunden. Frau Mimi hat endlich den richtigen Weg gesunden, ab und au entdeckt Oskar ein kleines Kärtchen. Dem Aschenbecher entnimmt er folgende Zeilen: „Gib mir die Asche bitte ab, Bevor lie fällt von selbst herab." Hnt> als er eines Abends nach den: Hut greift, liest er lächelnd: „Gehst du heut Abeird wieder aus, Komm' bitte nicht so spät nach Haus. Dein Fcauchm freut sich und dein Kind, Wenn wir d.:h:im vereinigt sind!" Weil sich Oskar den poetischen Ergüssen seiner Frau nicht blind verschließt, findet Frau Mimi eines Tages in einer Konfektpackung zu ihrer Aeberraschung ein kleines Briefchen: „Wie es dein zarter Reim mir tut, So munde dir das Süße gut; Derleibe es dir drum so ein, Wie ich all deine Decselein!" Tacho. Gictzeuer Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarst das Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (JO Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 20; rote Rüben 10 bis 20; Spinat 25 bis 40; Anter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 20; Meerrettich 50 bis 150; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Dirnen 10 bis 30; Dörrobst 40; Honig 40 bis 50; Hagebutten 10 bis 15; junge Hähne 100 bis 110; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 90 bis 120; Müsse 60 bis 80; das Stück: Eier 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 120; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 25; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50 Pfennig; der Zentner: Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 12 bis 15; Aevfel 20 bis 35; Dirnen 10 bis 20; Kartoffeln 4,50 bis 4,70 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Oberhefsischer Geschichtsverein: Vortrag „Neues zum Treffen vom 21. März 1761 bei Grünberg und Laubach , Vortragender: Prof. Dr. Röschen (Lau- bacy), 8 Uhr, im Hörfaal des Physikalischen Instituts. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Rasputins Liebes- abenteuer". — Slstoria-Lichtfpiele: „Maciste und die chinesische Truhe". — Stadttheater Gießen Aus dem Stadtthcaterbureau wird uns geschrieben: Morgen findet die letzte Aufführung der erfolgreichen Operette „Gräfin Eva" statt, die wiederum in der erstklassigen Besetzung der letzten Aufführung herauskommt. — Die Veranstaltungen des Kam- merspielzhllus, den das Stadttheater zusammen mit dem Goethe-Dund herausoringt, haben in Gießen einen außerordentlichen Anklang gefunden Die ßeiiung dieser Deranstaltungen liegt in den Händen von Intendant Dr. Rolf P r a s ch, der auch wiederum die zweite Aufführung „Der Ackermann aus Döhmen" von Johannes von Saaz inszeniert. Die Aufführung sindet am Sonntag, 18. November statt und beginnt um 11,15 Ahr. Einleitende Worte: Intendant Dr. Rolf P r a s ch. Am 18 Ahr stndet als Fremdenvorstellung die letzte Aufführung von Rudolf Pres- bers reizendem Lustspiel „Ballerina des Königs" statt Spiellettung hat Rudolf Goll. — Erd - und Feuerbestattung. Ein Lichtbildervortrag über dieses Thema findet auf Einladung des Dolksfeuerbeftatungsvereins am kommen- den Samstagabend in W i e s e ck statt. An Hand von etwa 150 Lichtbildern sollen die verschiedenen Bestattungsarten von der Urzeit bis zur Gegenwart ge- zeigt werden. Näheres in der heutigen Anzeige. ** Philosophische Fakultät der Lan- desuniversität Dr. phil. Rudolf Gerber, der sich für das Fach der Musikwissenschaft an der Landesuniversität habilitiert hat, wird am Montag, 19. November, 11 Uhr vormittags, Im Großen Hörsaal sich mit einer öffentlichen AntrUtsvorlesung über „Musik und Drama bei Giuseppe Verdi" einführen. ** Personalien. Aus dem hessischen Staatsdienst entlasien wurde der außerordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Gießen Dr. phil. Kurt Otto Brand auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vorn 1. November ab. — Ernannt wurden der Lehrer Heinrich Rühl zu Nieder-Florstadt, Kreis Friedberg, zum Rektor an der Dolksschule daselbst; die Schulamtsanwärterin Gertrude K u h r i n g au3 Liegnitz zur Lehrerin an der Dolksschule zu Nieder-Ohmen, Kreis Alsfeld. **50jähriges Arbeitsjubiläum. Am heutigen Tage kann der Hausmeister Konrad Mandler in Gießen, Dammstraße 37, gebürtig aus Krofdorf, auf eine 50jährige Tätigkeit bei der Firma Klingspor G. m. b. H. bzw. deren Vorgänge- rin, der Firma Georgi & Klingspor, zurückblicken. Der Jubilar und seine Frau, denen schwere Schicksalsschläge nicht erspart geblieben sind — sie hatten zu Beginn des Krieges den Verlust eines hoffnungsvollen, lange Zeit vermißten Sohnes zu beklagen — erfreuen sich großer Rüstigkeit. Herr Mandler ist noch heute trotz seines Alters von 67 Jahren von morgens bis abends unermüdlich im Betriebe der Firma tätig. Seitens des Herrn Reichspräsidenten und des Herrn Kreisdirektors wurde ihm ein An- erkennungs- und Glückwunschschreiben übermittelt. Die Firma sowie die Beamten und Arbeiter ehrten den allseits geschätzten Mitarbeiter in einer schlichten Feier unter Ueberreichung von Geschenken, wobei der Hoffnung Ausdruck verliehen wurde, daß dem Jubilar noch lange Zeit die seitherige Gesundheit und Arbeitsfreudigkeit erhalten bleiben möchte. LU. Universitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 18. November, vormittags 11.1er Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor Dr. F r i ck. ** Die Ergänzungswohlen zur Industrie- und Handelskammer Gießen betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Interessenten besonder aufmerksam machen. ** (Sin Drerteljahrhundert Mei st er. Der vorbereitende Ausschuß für die Wiedersehensfeier derjenigen oberhessischen Handwerksmeister, de im Jahre 1903, also vor 25 Jahren, die Meisterprüfung abgelegt haben, hat im Anzeigenteil unserer gestrigen Ausgabe die Einladung zu dieser festlichen Veranstaltung ergehen lassen. Auf diese Anzeige sei hier besonders hingewiesen. •• Eine große Schweinerei. Dieser Tage wurde von dem Metzger in einer Nachbargemeinde unserer Stadt ein Schwein geschlachtet, welches das nicht gerade alltägliche Gewicht von 720 Pfund erreicht hatte. Das Schwein, ein Muttertier der Edesfchveinrafse. stammt« ander bekannten Zucht des Schweinezuchtvereins Lang-Göns. Es wurde im vorigen Jahr auf der landwirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Die Mehelsuppe bei dieser großen Schweinerei dürfte ganz besonders kräftig ausgefallen sein. •* Puppenspiele. Die Firma Schade & Füllgrabe veranstaltete gestern im Kathol. Der- einshauS Puppenspiele, wobei ein Märchenspiel in zwei Auszügen .Der geprellte Tcusel" nach Grimm, ausgeführt von Schriftsteller Rob. May, zur Aufführung gelange. Es war für die außerordentlich zahlreich erfch enenen Kleinen eine besondere Freude, all oen tollen Einfällen des luftigen und doch klugen Kasperls Larisari zu folgen und zu sehen, wie schließlich der Teufel vom Kasperl überlistet wird. Was bei der Ausführung jung und allt besonders begeisterte, war die bezaubernde Art, die Zuschauer durch auf* munternde Zurufe anzufeuern, mitzuwirken und mikuerleben. •* Erfolgreicher Polizei-Hunde» s p o r t. Bei der am (Sonntag auf ausgedehntem Gelände in Dilbel stattgehabten Suchhund-Prüfung des Rhein-Mainischen Landesverbandes der Polizei- und Schutzhund-Vereine ging der Hessische Polizei» und Sch utz h u nb-Ver- ein 19 14 Gießen als Sieger hervor. Die 'Beteiligung an der Prüfung war so groß, daß in zwei Gruppen geprüft werden mußte. Der hiesige Verein war in der schweren Konkurrenz mit dvei Hunden vertreten, von denen die deutsche Schüferhündin Alma von der Sonnver des Herrn Heinrich Matheis, Gießen, unter Erreichung der Höchstpunktzahl mit vorzüglich bewertet und mit der goldenen Derbandsmedaille ausgezeichnet wurde. Brieffasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) D. in Gießen. Ein Führerschein kann Ihnen er teilt werden. Wenden Sie sich an das Kreisamt Gießen. UermeiSen Sie f(harte Waschmittel. Rehmen Sie nur reine Seite - Sun- licht Seite -; sie sichert Sie bette unö schoneiMe MschebehanSIuno M 231/7 (Ein pr acht hin ö! Ja. feit qz mit l\uf et(e unö fcifcher Milch ernährt aoirö plötzlich geht das Licht aus! Größte Verlegenheit! Einfache Abhilfe: Nimm Elfa-Aufomat Apotheker E. Guth. 8953V Von jedermann zu bedienenI Einmalige Anschaffung I 2, 4 e. 6 Amp. RM. 4.66, 10 Amp. RM. 1, 15 Amo. RM. 5JO das Stüde BEI JEDEM ELEKTROINSTALLATEUR ZU HABEN! jur Versteigerung. 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November 1928 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr.270 Zweites Blatt Sudetendeuifchtum. „Olm 28. Oktober feierte die tschechoslowakische Republik den zehnten Jahrestag ihres Bestehens. Für uns war es der zehnte Jahrestag der Unterwerfung von 3Vs Millionen deuts cher Volksgenossen unter einen fremden Staat ... Das Selb' bfftimmungs- recht der Völker, im Kruge nur eine zur Vernichtung Deutschlands ausgegcbme Parole, heute heillos mit der Schuldlüge verkoppelt und als Waffe zu Ruh und Frommen der Sieger aus- genuht, hat für kein Volk so wenig Geltung wie für das deutsche. Man darf in diesen Tagen daran erinnern, daß die frei gewählten Abgeordneten Deutsch-Böhmens am 29. Oktober 1918 einstimmig und ohne Unterschied der Partei auf Grund des von Wilson garantierten Selbst- bestimmungsrechtes den Anschluß an die Republik Deutsch-O« st erreich und damit an Deutschland erklärt haben. Die Zwangssriedcnsverträge sind auch über diese Willenskundgebung hinwegegangen. Diese Worte sehen die Süddeutschen Monatshefte (München) zum zehnjährigen Gedenktag des SelbstbestimmungSrechts der Völker ihrem neuesten Sondecheft „Sudetendeutschtum" voraus. Dieses neue Tatsachenheft fügt wiederum einen wichtigen Baustein in das Werk hervorragender, grundlegender Grenzlandheste der großen kulturpolitischen Zeitschrift. Es ist das notwendige Gegenstück zu der früheren Schrift „Die Tschechen" und gibt einen bedeutsamen Querschiritt durch die heutige politisch«, kulturelle und wirtschaftliche Lage von 3Vs Millionen geschlossen siedelnder Deutscher. Heute, wo der Kampf um die Behauptung des Deutschtums mit unvermindertem Nachdruck geführt werden muh, gehört dieses Grenzlandheft in die Hand jedes Deutschen, zur Hilfe für die 3V3 Millionen Deutscher, die nur durch einen willkürlich gezogenen Grenzstrich vom Reiche getrennt und damit in ihrem Bestände bedroht sind. Biologischer Lehrgang des hessischen Kultusministeriums. Eigener Bericht des »Gießener Anzeigers". machte ihm klar, dah er ihn jetzt sich selbst überlassen mühte, worauf der Gemütsmensch entrüstet in die Worte ausbrach: »So! Unb wer fährt jetzt mir nach Hause? schulen, die Pädagogischen Akademien und die Philosophisch-Theologischen Hochschulen. Die Statistik verrät, dah seit dem Sommer 1911 die Zahl der Studierenden bei den Handelshochschulen am stärksten gewachsen ist. Ihr folgen die Technischen Hochschulen, erst an dritter Stelle die älnwerso- tüten und dann die Landwirtschaftlichen Hochschulen. Weiblichen Geschlechts sind über em Zehntel aus der Gesamtzahl der deutschen Studierenden. Die Mehrzahl dieser weiblichen Studierenden besucht die Universität. Das Ausland war aus allen deutschen Hochschulen mit 6541 Studierenden vertreten. Davon entfallen auf die Universitäten rund zwei Drittel. WaS die soziale Schichtung der Studierenden angeht, so zeigt die deutsche Hochfchulstatistik, dah nach wie vor der Mittelstand Träger der höheren Bildung auf der deutschen Hochschule ist. Bei den wichtigsten Arten der deutschen Hochschulen sind fast durchweg die Studierenden zu über der Hälfte Kinder von Vätern aus dem Mittelstand. Was das Derufsziel anlangt, so erstrebt ein Viertel aller llniversitätsstudierenden die Stellung emes Lehrers, an zweiter Stell« folgt der Arzt- beruf. Rur 13 Prozent wollen die j u r i st is che Karriere ergreifen. Das Werkstudenten tum weist im vergangenen Semester 6000 Studierende auf. Ilster vier Zehntel waren dabei in dem für das spätere Leben erstrebten Beruf tätig. Eine Handvoll Anekdoten. Im Hotel de Rome pflegte Mommsen ost mit August B o e ck h, Moritz H a u p t und Gustav D r o Y s e n gemütlich zu Abend zu essem fobafc die Leuchten der Wissenschaft manche Rächt m diesem ehrwürdigen Berliner Lokal verbrachten und sich erst spül trennen konicken. Eines Abends muhten sie sich, weil kein Omnibus mehr ging, einem Droschkenkutscher anvertrauen der schon einen recht heiteren Eindruck machte und die vier Herren wahllos in den nächtlichen Straßen herumkutschierte, wobei er jeden Augenblick vom Dock zu fallen drohte. Schließlich setzte sich Mommsen kurz eiftschlosse-n neben ihn. nahm selber die Zugel und fuhr nun seine Freunde einzeln nach Hause, zuerst zu Doeckh in die Linkstraße, dann zu Horcht in x-e damalige Schulgartenstrahe (jetzige Budapester Straße) und schließlich Drvysen in die Viktoriostrahe. Run setzte Mommsen seinen Kutscher der ihn beim Fahren in fernem Rausch recht belästigt hatte, saust in den Wagen und fuhr zu seinem Hause an der Charlottenburger Chaussee. QfTfl «r dort ankam, weckte er den Kutscher und auf «in« Reise durchs Land begleitete, wobei der Fürst nicht erkannt werden wollte, kamen sie auch an eine Zollschranke. Rach d m Ramm gefragt, antwortete der Fürst: »Ich bin öcr 5'0^« meister von Seebach". -Und Seebach erklärte: »Ich bin der Groß Herzog von Weimar". Als der Fürst ärgerlich meinte: „Was fällt Zhnen ein, Seebach, ich will doch inkognito reisen,' lächelte Seebach: »Ich aber auch!" Jtafpufin im Film. Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße bekommt man zur Zeit einen Grohsilm zu sehm, welcher unter dem anreißerischen und auch sachlich kaum glücklichen Titel „R asputins Liebesabenteuer" eine beträchtliche Anziehungs- krast ousübt. Der Rcune des berühmten und auf elende Weise umgekommenen Mannes, ganz schlicht und ohne irgendwelche auf die breite Masse berechneten Zusätze, hätte als Ueberschrist der unbestreitbaren Qualität des Werckes beper entsprochen. Der Stoff ist gegenwärtig wieder sehr attuell, man spricht von Rasputin, man interessiert sich für ihn und erinnert sich, im Hinblick auf den in Paris bevorstehenden Sensationsprozeh, an die Ereignisse des Jahres 1917 und an die Jayre vorher, in denen Rasputin in Rußland, am Zarenhofe, eine so merkwürdige und jedenfalls ganz außergewöhnliche Rolle hat spielen könnem Bis zu welchem Grade der Film als histonsches Dokument zu werten ist, könnte nur auf Grund einer uns fehl nden, sehr gründlichen Quelle, rennt* ms entschieden werden: es kommt wohl, auch nicht so genau darauf an, da der Film in erster Linie als Spielfilm und Dilderdrama aufgefaht werden will. Unb es muh eingeräumt werden, dah er, rein künstlerisch betrachtet, einfc vorzügliche und sepr selbständige Leistung bietet. Die Regie arbeitet mit großen Mitteln und nach ganz großzügigen Gesichtspunkten, die Photographie — vor allem in Landschaftsbildern, Gruppen- und Großaufnahmen — ist einwandsrei und von großer technischer Sauberkeit. Dabei ist der Film als solcher vortrefflich gelungen: er kommt mit einem vorbildlichen Mindestmaß an Text aus und ist überall verständlich und eindringlich in der Wirkung. Auch die Besetzung ist bis in kleine Chargen hinein mit einer sehr sicheren Hand verteilt. Auf Malikoff (Rasputin), Diana Ka renne (Zarin), Trevor (Jussupoff), Kaiser (Zar), Murski (Postmeister), Schreck (Bikolaie- witsch), Abel (Generaladjutant) und Monko (Sasfonow) sei besonders hingewiesen. r— , Zeitungsschau. fchäftsführer des Vereins zur Wahrung der ge- Einsamen wirtschostlichen Interessen land und Westfalen und der Rordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Ersen- und Stohl- rndustrieller, in einem längeren Aufiatz Zum gegenwärttgen Arbeitslampf in berEisenIndustrie u. a. folgendes aus: „Es muß m diesem Zu» sammenhmng einmal offen ausgespWchen werden, wie unverständlich und tote kurzsichtig die Hol- tuna weiter Kreise des deutschen Durgertums, namentlich auch im Ausland«, empfunden wird. Dos Bürgertum, das ja erfahrungsgemäß nur »u sehr geneigt ist, Lohnkämpfe zunächst vom Ge- fühlsstandpuntt aus zu beurteilen, und sich deshalb auf die Seite der „Aermsten der Armen schlägt verkennt völlig, dah der Kanrpf um die Erhaltung der deutschen Wirtschaft überhaupt geht und damit auch im Jnteresfe der Erhalttmg des deutschen Bürgertums liegt. Der Aktionär in deutschen Landen, der sich rm Besitz deutscher Jndustriepapiere befindet, ist ja ohnedies schon seit einer Reihe von Jahren em« beklagenswerte Erscheinung. Das Bürgertum sollte aber begreifen, dah der Derkümmerungs- und Einschrumpfungsprozeh, der sich schon bet der deutschen Landwirtschaft feststellen laßt, auch auf das industriell« Leben übergreifen muh, wenn bbe deutsche Wirtschaft nicht endlich in die Lage versetzt wird, eine besche.dene Verzinsung heraus- zutoirtschaften. Man frage doch die Grohbanken, welche Meinung sie zu dem int Ruhrbezirk ausgebrochenen Kampfe bertreten. Ich bin über- zeugt, daß alle Banken sich restlos hinter unsere Industrie stellen, denn wir kämpfen _ ja letzten Endes — wenn wir unsere Lebensmoglichkeiten verteidigen — auch für die Danken. Cs genügt, in dieser Beziehung auf die ausgezeichneten Aus- führungen zu verweisen, die Herr Jacob Gold- schmidt bei der großen Bankiertagung in Köln gemacht hat. Aber auch die Arbeiter müssen bei ruhiger Ueberlegung doch zugeben, dah wir bei unserem Kampfe vor allem ja bestrebt sind, unseren Arbeitern die notwendigen Arbeitsmog- (Weiten zu erhalten. Die Jndustrieverdrossenheit und die Abneigung, der deutschen Industrie überhaupt noch -Kapital anzuverttauen, hat schon so bedenkliche Formen angenommen, daß ernstliche Sorgen darüber berechtigt sind, wie wir unserer Bevölkerung in der Zukunft überhaupt noch Arbeitsmöglichkeiten schaffen und erhalten können. Ein Wort gerade auch in dieser Beleuchtung zu den sogenannten „Rücklagen". Wenn von gewerkschaftlicher Seite zwar die geringe R«n- tabilität der Jndustriepapiere zugegeben wird, so wird doch gleichzeitig auf die „Rücklagen" und auf di« „stillen Reserven" verwiesen. Diese Rucklagen, um die ja der berechtigte Anspruch des Attionärs auf kärgliche Verzinsung seines Kopi» tals verkürzt wird, dienen doch in Wirklichkeit auch nur der Erhaltung und dem Ausbau der Arbettsstätt«, sie erfolgen also vorwiegend im Interesse der Arbeitnehmer. Ich wollte dies« Gedankengänge, die bei Betrachtung unserer Verhältnisse vor allem im Auslande immer wiederkehren, denen sich aber das deutsche Bürgertum merkwürdigerweise bewußt verschließt, nur anbeuten, um zu zeigen, in wie außerordentltchem Ausmaß bei uns ernste WirtschaftSfragen lediglich nach polittfchen Gesichtspunkten bewertet zu werden pflegen. Es wäre sonst ja nicht möglich, dah die rheinisch-westfälischen Unternehmer, die für die wirtschaftliche Vernunft kämpfen, von weiten Kreisen des Bürgertums ihren Kampf nicht nur nicht unterstützt, sondern geradezu angegriffen werden.---Es ist die Frage ausgew^sen worden, ob den Arbeitgebern nicht andere Mittel und Wege zur Verfügung gestanden hätten, die UnhOftbatteit des Schiedsspruches darzutun. Di« einzige Möglichkeit, die außer der durch- geführten Kündigung noch zur Verfügung stand, der sich außer dem Vorsitzenden und Referenten und zahlreichen Teilnehmern des Lehrgangs auch besonders Prof. Dr. Schoenichen, der Leiter der preußischen Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpflege, Prof. Dr. Auerbach (Karlsruhe) von der badischen Lanbesnaturfchutzstelle und Vertreter der hiesigen Hochschule beteiligten, boten wertvolle Anregungen für die in Hessen einzuschlagenden Wege. Eine besondere Kommission wird gemeinsam mit der Forstbehörde weiter beraten und ohne Ueberstürzung die Arbeiten zum Abschluß führen. Am Samstagabend wurde in einer öffentlichen Versammlung des Tierschutzvereins für Hesen, die Oberschulrat Jung mit herzlicher Begrüßung einleitete, von Albert Gaul (Dresden) das hochinteressante Thema »Tier u n d T i e r- schutz in den Religionen der Völker' behandelt. Anschließend gelangte, wie schon kurz bettchtet, der Vogels ber gfllm zur Vorführung. Bevor er abrollte, gab sein Schöpfer, Kreisschulrat Lorentz (Lauterbach), einige Erklärungen dazu ab. Er erwähnte vor allem, dah die gezeigten Bilder erst die Anfänge des Sammelstoffs seien, die erst ein Film werden sollten, wenn der Stofs lückenlos vorhanden sei. Aber der Film zeigt schon jetzt eine solche reiche Fülle von Raturschönheit«i, Sitten und alten Bräuchen, daß er ein sehr umfas endes und fesselndes Bild von einer Gegend — Darmstadt, 14. Rov. In Verbindung mit der ersten hessischen Ra» turschutzausstellung fand her von Samstag bis Montag ein vom hesffschen Kultusministerium veranstalteter biologischer. Kursus statt, an dem 100 Lehrpersonen aller Schularten aus dem ganzen Lande teilnahmen, vorwiegend die biologisch interessierten Mit- glieber der heimatkundlichen Arb itsgemeinschaf- ten. Rach der Eröffnung der Ausstellung, worüber schon berichtet wurde, fand am Samstagnach- mittag In der Aula des Realgymnasiums eine Aussprach« über Naturschutz in Hessen statt, die von Landessorstmeister Hesse eröffnet und geleitet wurde. Ministerialrat Dr. LI r st a d t von der hesffschen Forst Verwaltung erstattete das einleitende Referat, das in tnieref anlcn Ausführungen mit der Geschichte des Natur chutzes m Hessen beiannt machte und zeigen konnte, daß in Hessen in dieser Angelegenheit schon recht viel geschehen ist: besitzt unser Land insgesamt doch rund 600 Einzelnaturbenkmä er zumeist bemerkenswerte Bäume, Felspartien ufto.» die durch polizeilich« Verordnungen geschützt find, außerdem im Hochmoor des Hengsters bei Offenbach a. M. ein größeres Naturschutzgebiet. Es besteht die Absicht, in Hessen ein Raturdenkmalschutz ge etz herauszu r n en. Li- Fcrst- verwaltung hat dazu schon bie Vorarbeiten in die Hand genommen. Die rege Aussprache, an Oie deutsche Hochschule in der Statistik. Di« Hochschulverwaltungen der deutschen Länder haben soeben in gemeinsamer Arbeit die erste deutsche Hochschulstatistik Susammen» gesiellt, in der alle Arten der deutsa>en Hochschulen statistisch ersaht werden. Diese Statistik ist nicht nur zu unmittelbarer Feststellung der Besucherzahl der einzelnen deutschen Hochschulen, der Stärl« der Besetzung der einzelnen Studienfächer und ähnlicher Fragen, bie bie ot[gemeine Gestaltung unseres deutschen Hochschullebens betreffen, zu verwerten. Ihr größter Wert liegt darin, daß sie einwandfreies Material zur Beantwortung allerhand soziologischer prägen enthält und somit für mancherlei Untersuchungen auf bem Gebiet allgemein deutscher Kulturfragen Wichtig ist. Daher wird sie auch bei praktischen Maßnahmen der Unterrichtsverwaltungen der deutschen Länder in hervorragenden Maße heran- gezvgen werden können und sie 9^i babei gleichzeitig die Richtlinien für die kunfttge deutsche Kulturpolitik. Die Stattstik beschäftigt sich m ihren großen Zügen einmal mit ber Zahl u n o Verteilung ber S kubierenden auf sämtlichen deutschen Hochschulen, dann mit dem Verhältnis zwischen weiblichen und ausländischen Stubiereiiden zu der Gesamtzahl, ferner mit ber sozialen Schichtung, mit den Konfessionen, der Vorbildung und dem Berufsziel und schließlich noch weiter auch sehr em» gehend mit dein Werlstubententum. Da» bei ist auch bereits das Sommersemester 1928 nut berücksichtigt worden, so daß bie Statistik wohl Anspruch auf unbedingt« Vollständigkeit haben kann Was zunächst die Zahl und Verteilung der Studierenden angeht, so beträgt die Gesamt» zahl aller Studierenden auf sämtlichen deutschen Hochschulen im Soinmerhalbjahr 1928 insgesamt 112 315 wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dah es sich dabei nur um wirklich eingeschrieben« Studierende handelt. , Einschließlich der nicht- inunatrifulierten Studierenden durfte die Zahl etwa 125 000 betragen. Die Verteilung der Gesamtstudentenzahl auf bie einzelnen Arten der deutschen Hochschulen ist ungwich. Die Hauptmasse entfällt auf di« U n i v er s i tat en (rund 83 000 Studierend«) und auf die Technischen Hochschulen (rund 20 000 Studierende), ^und ein Zehntel der Gesamtstubentenzahl verteilt sich auf bi« Forstlichen Hochschulen,^ die Landwitt- fchafllichen Hochschulen, bie Tierärztlichen ^ch- fchulen, bi« Bergakademien, bie Handelshvch- Johannes Schmidt, dessen Originalität bei den Genossen vom Cafe Größenwahn unvergessen ist, schwang wieder einmal eine seiner großen Reden: „Das habt ihr von eurrnt Goethe — diesem Weltge.st in Pantoffeln. 68 war im Bohemekreis üblich, Johannes Schmidt ein wenig zu uzen. Eine halbe Stunde später warf ein anderer von der Cafehausrunde bie Worte hin: „Wie schon Goethe gesagt, den ich den Weltgeist in Pantoffeln zu nennen pflege. Schmidt zuckt« zusammen, sah den Sprecher an, lachte dann gutmütig: „Du pflegst? Gift, wollen wir nicht stteiten: ein Paiftoffel von dir, einer von mir!" ♦ Der Maler St. war in Hannover als saugrobes Genie bekannt. Einmal bekam ein Buchhändler von einem Kunstfreund den Auftrag, ihm ein Autogramm dieses Künstlers zu besorgen, etwa für 100 Mark. St. gab aber keine Autogramme, grundsätzlich nicht. Der Buchhändler wußte sich indes Rat. Er schickte an St., den er kaum kannte und noch nie als Kunden gehabt hatte, eine beträchtliche hohe Antiquariats rechnung und schrieb dazu: Herr St. hätte sich nun wohl Zeit genug gelassen, die Rechnung zu bezahlen: jetzt aber platze ihm dl« Geduld und er bitte Herrn St., die Zahlung zugleich usw! St. war, wie Augenzeugen berichten, starr. Richt lange und bann setzte er sich hin unb schrieb dem Buchhändler einen Brief — einen Brief... i So herrlich und geistvoll saugrob, bah der Buchhändler im siebenten Himmel war und feinem Kunden statt hundert Mark einhundertfünfzig mit Leichtigkeit für dieses originelle Autogramm abverlangen konnte Richard Strauß war ber gefeierte Gast. Zu ihm drängten sich Männer und Frauen, ihm galten die Trinksprüche, und ihm zu Ehren wollte eine Dame aus dem „Rosenkavalier'' fingen. „O Himmel, WaS hab' ich für eine Angst! gestand sie kokett dem Meister. . „Ha und ich erst," beruhigte sie Richard Strauß. * Don dem Oberforstmeister Ludwig 2lugust von Seebach zu Zillbach in der Rhön erzählt man sich solgende Anekdote: Als Seebach einmal den Grohherzog Karl August von Sachsen-Weimar kann, wenn der Reichsfinanzminister erklärt, baß Einsparungsmöglichkeiten nicht vorhanden wären. Man darf überhaupt nicht von einem „unmöglich" sprechen, wenn es sich darum banbclt, bei einem Gesamtetat von rund zehn Milliarden Mark 500 Millionen Mark einzusparen. Abgesehen hiervon wird auch der neue Reichstag bei jedem Kapitel des Etats streng alle nur irgendwie vorhandenen Einsparungsmöglichkeiten seinerseits prüfen müssen, insbesondere hinsichtlich ber sogenannten übertragbaren Posten und Fonds, die im letzten Etat mehr als 900 Millionen betrugen. Er wird diese Prüfung auch erstrecken müssen auf die Zuschüsse an die Sozialversicherungsträger, soweit diese mittelbar ober unmittelbar ber Dermögensbilbung ber Sozialversicherungsträger zugute kommen. Es steht heute noch nicht fest, welche Steuerarten der Reichsfinanzminister zu seinen geplanten Steuererhöhungen heranziehen will. Sollte es sich aber, wie verlautet, um eine Erhöhung ber Erbschaftsteuer auf ber ganzen Linie unb eine Wieberein- ührung Der Vermögenszuwachssteuer hanbeln, so cheint mir dies unter keinen Umständen der richtige Weg zu sein, gerade im Hinblick auf bie von mir eingangs betonte bringenbfte Notwendigkeit intensivster Förderung der Neubildung von deutschem Eigenkapital. Angesichts ber allgemein anerkannten steuerlichen Ueberlaftung ber Wirtschaft muß aber barüber hinaus Grunbsatz sein, bah, selbst wenn eine stärkere Ausbeutung dieser oder jener Steuerquelle erfolgen kann, bie baraus fliefjenben Mehreinnahmen dafür verwandt werben müssen, den die deutsche Wirtschaft abdrosselnden Steuerdruck an anderen Stellen abzuschwächen. Denn wir müssen uns darüber klar sein, daß es nicht nur gilt, Steuererhöhungen zu verhindern, sondern bah vielmehr wichtigste Voraussetzung zur Erreichung bes Zieles ber Preissenkung und ber Zinsverbilligung eine wirklich durchgreifenbe Senkung ber Steuern ist. Dabei benke ich vor allem an eine Senkung ber Einkommensteuern in ben mittleren Stufen, sowie ber Realsteueranspruche ber Länber unb Gemeinben." wäre bie Stillegung gewesen. Di« Sttllegimg von Betrieben hat aber zur Voraussetzung, daß die Wirtschaftlichkeit so sehr erschüttert ist, daß in absehbarer Zeit an eine Fortführung nichts gedacht werden kann. Dies« Sachlage ist zunächst weder bei der effenschaffenden noch bei der eisenverarbeitenden Industrie in wirklich zwingender Form vorhanden. Man will in Rheinland und Westfalen die Betriebe aufrecht erhalten, aber- unter Bedingungen, di« den Unternehmungen einen zwar bescheidenen, aber für die Kapitalbildung unbedingt notwendigen Ertrag beläßt. Oder will man etwa von der rheinisch-westfälischen Industrie oerlangen, dah sie mangels toirt- schafllicher Einsicht der Gewerkschaften unb der staatlichen Schlichtungsbehörden die Betriebe erst einmal völlig herunterkommen läßt, um bann über ben Weg monate» oder jahrelanger Stilllegung zu Arbeitsbedingungen zu kommen, bie sicher bedeutend schlechter sein würden, als die bisherigen Löhne der Arbeiterschaft? Eine solche Haftung muh jeder verantwortungsbewußte wirtschaftliche Leiter grundsätzlich ablehnen. Er hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, für die Rentabllität des ihm anvertrauten Kapitals zu kämpfen." In einem Aufsatz „Neue Steuern?" gibt ber bernokratische Reichstagsabgeordnete Hermann Fischer im „Berliner Tageblatt" eine Vorschau auf bie kommenben Etatberatungen, aus ber fol- genbe Ausführungen bemerkenswert sind: „Ent- cheibenb ist vor allem bas eine: es muh eine grundsätzliche Neuorientierung ber deutschen Wirt- chasts- unb Finanzpolitik nach rein sachlichen unb volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten vorgenommen werben. Man darf nicht dabei bleiben, dah nach dem Punkte bes geringsten patteipolitischen Widerstan- bes lebiglich Interessen- unb Gruppenwünsche, sowie rein fiskalische Zielsetzungen gegeneinander ausbalanciert werden. Oberster Leitstern muh dabei die Erkenntnis sein, dah unsere Wirtschaft, bie noch immer unter ben Folgen ber Kriegs- und Nachkriegszeit schwer zu leiden hat, in ben nächsten Jahren entscheiden!) um den Weltmarkt wirb kämpfen müssen. Dieser Kampf kann aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, bas burch die verfehlte Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre unnatürlich überhöhte Preisniveau zu senken unb durch bewußte Förderung der Neubildung von Eigenkapital bie Tatsache aus ber Welt zu räumen, dah bie beutschen Zinssätze um 90 bis 95 Prozent über dem Zinsniveau bes Weltkapitalmarktes liegen. Beide Ziele jedoch sind nur zu erreichen, wenn der seit 1924 von der deutschen Wirtschaft vergeblich geführte Kampf um eine Neuordnung des deutschen Steuersystems nach wirtschaftlichen Zweckmäßigkeitspunkten endlich Erfolg hat. Leider scheint sich ber neue Reichsfinanzminister Dr. Hilferding des Schwergewichts dieser Notwendigkeit nicht in ge- nügendem Maße bewußt zu sein, wenigstens soweit es sich um bie Aeußerungen hanbelt, die er auf dem Einzelhandelstag zur Frage der Reichs- finanzpolitik gemacht hat. Dort erklärte er, daß er um neue Steuererhöhungen nicht herumkomme, weil er nicht die Möglichkeit sähe, wesentliche Er- sparnisse zu machen. Ich für meine Person kann mich dieser Ansicht nicht anschließen, solange cs fest- steht, baß bie öffentlichen Verwaltungsorgane nicht so zweckmäßig organisiert sind, wie die deutsche Wirtschaft als wesentlicher und entscheidender Tra- | ger der Staatseinnahmen mit Recht fordern muß. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die deutsche Wirtschaft aus mittelbaren unb unmittelbaren Kriegsfolgen wesentlich höhere Belastungen hat als in der Vorkriegszeit. Aber gerade da hier be- stimmte, unbedingt zu erfüllende Zwangsläufig- keifen vorliegen, muh das Gebot äußerster Svar- famteit strenger und rücksichtsloser denn je verfolgt werden. Wenn eine kritische Betrachtung ber Finanz- ftatiftif zeigt, baß bie Gesamtsumme aller „nicht unbebingt zwangsläufigen Ausgaben heute weit über ber burchschnittlichen Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus liegt, so ist schon dies em entscheidender Beweis dafür, daß es nicht richtig fern gibt, die ihren Vorzügen gemäß längst nicht hinreichend besucht wird. Don Frankfurt a. M. geht es über Dilbel, Stockheim nach Dad Selters, Ortenberg, Lißberg, Hirzenhain und schließlich nach Ged e r n. Und von dort zu den vielen Ortschaften und Sehenswürdigkei en, die der Vogelsberg zu bieten hat. Oltan lieht die Winterbräuche der zum Teil weltabgeschiedenen Gegenden, sicht die Baum- fäller, die Korbmacher. Nagelschmiede, sieht das Sp.nnen und Weben auf uralten Handmasch-incn, sieht aber auch alte Sommerbrüuche^ wie den Wettbewerb der Hirten usw. Kceisschullat Lorentz, der die zahlreichen Bilder oft mit gutem Humor erläuterte, erntete lebhaften Beifall für seine Dor.ührung und herzlichen Dank dafür, daß er den wer vollen Vogelsberger Heimatfilm schafft. Der Sonntag brachte zwei beachtenswerte Lichtbildervorträge. Der bekannte Pilzforscher Lehrer Kallendorf (Darmstadt) sprach über „Na- turschuh und Schule". An trefflichen Naturaufnahmen aus der näheren und weiteren Umgebung Darmstadts zeigte er, wie die Jugend zur lNaturliebe erzogen werden kann. Rektor Dr. Klippel (Mainz) behandelte „Boden und Landschaft in Rheinhessen". Seine fein gewählten Landschaftsaufnahmen führten deutlich vor Äugen, daß auch eine ausgesprochene Kulturlandschaft wie Rheinhessen schön sein kann. Am Montag führte Studienrat Schmidt (Mainz) mit seinen „Bildern aus der heimischen Tierwelt" in die Technik der noch wenig gepflegten schwierigen Tierphotographie vortrefflich ein, und Direktor Dr. S ch m i o t g e n (Mainz) gab aus eigner Erfahrung heraus wertvolle Änregungen für die naturkundliche Heimatforschung. Der Redner hält biologische Fragebogen für die heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften nicht für nötig, will ober in ein Heimatbuch besondere Beobachtungen von lokalem Interesse eingetragen haben. Prof. Dr. Spilger (Darmstadt), der sich um die Ausstellung und die Leitung des Kursus ganz besonders verdient gemacht hat, sprach im besonderen über „Botanische Heimatforsch u n g“. Sehr beachtenswert ist seine Anregung, von der Volksbotanik auszugehen. Eine gründliche floristische Erforschung Hessens soll einsetzen, und der Redner erbat am Schlüsse seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrags die Mitarbeit aller Freunde und Kenner der heimischen Pflanzenwelt. Die beiden folgenden Referate dieses Tages befaßten sich speziell mit Oberhessen, weshalb auf sie an dieser Stelle etwas näher eingegangen werden soll. Für den Schuh der oberhessischen Salzpflanzenstellen trat Lehrer Oßwald (Dad-Rauheim) überzeugend ein. Er führt etwa aus: Das eigentliche Verbreitungsgebiet der Salzpflanzen sind die Küsten der Meere. 3m Binnenlande, wo sie zu den seltensten und interessantesten Vertretern des Pflanzenreichs gehören, ist ihr Vorkommen an geologische Bedingungen geknüpft: sie sind ein besonders lehrreiches Beispiel für die Abhängigkeit der Pflanzendecke von der Bodenzusammen- sehung. Die an Salzquellen reiche Wetterau weist mehrere Salzbezirke mit Ealzpflanzenvege- tation auf. An keiner der Stellen zeigt sich aber noch das ursprüngliche Florenbild. Durch die Eingriffe der Kultur (besonders durch die Entwässerungsgräben) wurden selbst aus den noch verhältnismäßig arten- und individuenreichen Be- ständen bei Wisselsheim und Ober-Hör- gern — Münzenberg die seltensten Salzpflanzen (wie Salzaster und Queller) verdrängt. An anderen Salzorlen, so bei Bad Salzhausen, ist die Verarmung der Salzflora noch weiter fortgeschritten, während an wieder anderen Stellen (Trais-Horloff, Büdingen) die Salzpflanzen völlig oder bis auf ganz spärliche Reste ausgestorben sind. Was heute in Oberhessen noch an Salzpflanzen erhalten ist, sind einzigartig seltene Raturdenkmäler, die stark gefährdet sind und daher durch weitgehenden Schuh im Interesse der Wissenschaft vor dem völligen Untergang gerettet werden müssen. Der Redner gab noch wertvolle Anregungen für die unterrichtliche Behandlung der Salzpflanzen und forderte die völlige Erhaltung mindestens eines der Wetterauer Salzgebiete für die Landesuniversität in Gießen. Lehrer M ö n n i g (Grebenhain) machte sehr interessante Mitteilungen über Lebensweise und Schuh des Apollo, eines der seltensten deutschen Schmetterlinge, dem im hohen Vogelsberg die Händler stark nachstellen, weshalb der Vogelsberger Höhenclub den Schutz dieses seltenen und einzig schönen Falters beantragt hat. Von den 30 Arten des Apollo kommen nut 3 in Europa vor, von diesen wieder eine Art in einigen deutschen Mittelgebirgen, darunter auch im Vogelsberg. und zwar außerordentlich lokal und selten. Die Futterpflanze des Apollo ist der Lerchen- sporn, der im Vogelsberg teilweise in großen Beständen wächst. Dem Aufkommen dieses Schmetterlings bereiten in manchen Jahren die klimatischen Verhältnisse des Vogelsbergs (Spätfröste) große Schwierigkeiten. Ein Hauptfeind ist dann der wilde Handel. Das Fangen des Apol- sofalters muh daher gesetzlich verboten werden. Die Verhandlungen dieses Tages hat Ministerialrat Hofmann vom Kultusministerium, der Leiter der hessischen heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften, mit herzlicher Begrüßung und grundlegenden Ausführungen über den Wert der heimatkundlichen Forschung für die Schule eingeleitet. Beschlossen wurden sie mit einer Generalaussprache, an der sich außer dem Leiter der Verhandlungen, Prof. Dr. Spilger, u. a. Landtagsabgeordneter Dr. Maurer (Lauterbach) und Lehrer Keller (Lollar) besonders beteiligten und die vielseitige, wertvolle Anregungen für die Weiterarbeit auf dem Gebiete des Naturschutzes bot. In Entschließungen wurde einstimmig die Reform der hessischen Bildstelle und die Einführung des monatlichen Pflichtwandertages auch für die Volksschule gefordert. Prof. Dr. Spil- g e r , der einstimmig vom Kursus mit der Weiterführung der begonnenen biologischen Arbeiten betraut wurde, konnte mit Befriedigung über den wohlgelungenen Verlauf mit Worten des Dankes an alle Redner und Mitarbeiter die ar- beitsreiche Tagung beschließen, von der ohne Uebertreibung gesagt werden darf, daß sie den Teilnehmern wertvolle Anregungen für eine et- solgreiche Heimatforschung vermittelt und der Naturschuhbewegung in Hessen starke Antriebe gegeben hat. Deutschttaiionale Frauentagung in Gießen. Am Samstag fand, wie man uns berichtet, in Gießen eine Sitzung des deutschnationalen Landes - Frauen - Ausschusses statt. Vertreterinnen der Frauengruppen aus ganz Hessen kamen im Hotel Hopfeld zusammen, um über Fragen der Reichsparteileitung und über wichtige Angelegenheiten des hessischen Partei- vorstandes zu beraten. Der Entwurf zum Haus- ange stellten - und Hausgehilfen-Ge- setz wurde durchgesprochen und nach lebhafter Aussprache Ergänzungen und Aenderungen verschiedener Paragraphen vorgeschlagen. Die Tagung fand ihre Fortsetzung am Sonntagnachmittag im ..Schützenhaus" in einer deutsch- nationalen Frauen-Versammlung. Die Vorsitzende d.s Landes-Frauen-Ausschusses, Frau Reinhart, hielt einen Vortrag über die politische Lage. Zur Außenpolitik sprach die Rednerin in scharfen Worten gegen die Erfül- lungspolittk, die durch die zynische Rede Briands in Genf nun endgültig als eine Politik der Illusion und der leeren Versprechungen im Locamo- schen Geiste gebranbmarft sei. Sie wandte sich gegen den Kellogg-Patt, der neue Knechtschaft und Schmach für Deutschland bedeute, während der Feindbund hohnlachend wettet rüste. Die drückende Last der B.sahung Haden jetzt wieder die Bewohner der E.sel erfahren, wo ein Heer von 45 000 Mann zu den französischen Manövem zusammengezogen tourb:. Während die Bevölkerung für die Unterbringung und Verpflegung dieser Menschenmassen mit einem lächerlichen Entgelt abgesunden wurde, entstanden noch unserer Regierung Unkosten von Hund:rttausenden von Mark durch Verwüstung im Gelände. Bei der Innenpolittt streifte die Rednerin den Streit um den Panzerkreuzer, die Konkotdatsfrage und sprach sich besonders gegen die Zerstückelung Preußens in 13 Provinzen au8, denn nur ein starkes Preußen könne ein neues, starkes Deutschland gewährleisten. 5>te Rednerin schloß ihre Ausführungen mit einem Aufruf an die Frauen, mitzuwirken und nicht zu rasten, bis der deutsche Aar wieder ferne Schwingen breite über ein freies, großes, geachtetes Vaterland. Emgerahntt war der Vortrag von Gedenkworten an die verstorbene frühere Kaiserin und von zwei Gedichten auf den einstigen Führer Helfferrch. Fräulein v. d. Heydt erfreute durch ihren schönen Gesang. Nachdem Dr. Lenz, als Vertreter der Ortsgruppe, die Hauptpunkte des Vortrags nochmals unterstrichen hatte, schloß die Vorsitzende die sehr stark besuchte Deisiammlung. Orchesterkonzerte des Konzertvereins. Man schreibt uns: Die Verhandlungen über die großen Orchesterkonzerte und die Aufführung von Beethovens Missa solem- n i s haben noch im letzten Augenblick zu einem vollen Erfolge geführt. Es finden nunmehr die in dem Konzertentwurf vorläufig eingestellten drei Orchesterkonzerte endgültig und wiederum unter der Leitung unseres Universitäts-Musikdirektors Dr. Temesvarh, sogar mit einer Bereicherung insofern statt, als in jedem einzelnen ein namhafter Künstler als Solist mitwirkt. Aufführungstage sind der 2 2. November und der 17. und 31. Januar. Konzert- raum: Das Stadttheater, und zwar stets Donnerstags, als dem für seine Abomrenten freien und somit geeignetsten Abend. Zeit: Don 7.15 Uhr abends bis gegen 9 Uhr. Das erste Konzert bringt klassische Musik: Mozarts Q-Moll-, Beethovens 8. Symphonie und HaydnS Cellolonzert, vorgetragen von denr holländischen, in letzter Zeit oft genannten Künstler Orobio de Castro, der es übrigens zwei Tage später auch in Frankfurt spielen wird. Auf dem Programm des zweiten stehen die Romantiker: Mende ss hn mit der Hebr denouvertüre, D a ms mit seiner 2. Symphonie und Goldmark mit dem bekannten Violinkonzert, für das Martha Linz, die bei ihrem ersten hiesigen Auftreten von allen Seiten so beifällig aufgenommene sympathische ungarische Geigerin, in Aussicht genommen ist. Das letzte ist moderner Musik gewidmet: Tschaikowskys Symphonie pathetique, Strawinsky-Pergoleses Pulcinella-Suite und Liszts Totentanz. Wegen der Uebernahme des Klavierparts dieses gigantischen Tonstückes steht die Konzertleitung mit dem für diese Aufgabe berufensten Künstler Prof. Pembaur in Unterhandlung. Die Aufführung der Beethoven- schen Missa solemms erfolgt — natürlich — in der Stadtkirche am 28. Februar, ebenfalls einem Donnerstag. Auch hierfür ist ein vorzügliches Soloquartett bereits verpflichtet. Die Soliftenkonzerte finden, wie üblich, in der Neuen Aula der Universität statt, und zwar in der hergebrachten Zeit von 5 bis 6.45 Uhr abends. Mehrfache Nachfragen veranlassen zu der Bemerkung, daß Nachabonnements bis auf weiteres noch angenommen und mit entsprechendem Abzug für das bereits stattgefundene Konzert in der Musikalienhandlung von Challier verausgabt werden. Zahrestagung des Hessischen Handwerks- und Gewerbe-Verbandes. WSN. Offenbach, 13. Nov. Am 10. und 11. November hielt der Heffifche Handwerks- und Gewerbeverband in Offenbach feine Jahrestag nng ab. Am Samstag sand die Sitzung des LandeSausschulles statt, in der insbesondere das ftir die öffentliche Versammlung vorgesehene Programm besprochen wurde. Außerdem wurden die Wahlen deS Vorsitzenden und des stellvertretenden Vorsitzenden des Hauptausfchusses und der andern Unter» ausschüsse vorgenommen. Der feiüjerige Vorsitzende Nohl (Darmstadt) wurde wiederaewählt. Um 9 Uhr vereinigte ein von dem Handwerkerkartell Offenbach veranstalteter BegrüßungS- abend die Teilnehmer zu einigen frohen Stunden. In der am Sonntag vormittag stattgehab- ten öffentlichen Hauptversammlung erstattete nach Begrüßung durch den Vorsitzenden des Offenbacher Handwerkerkartells der Dor- sitzende Nohl den Verwaltungsbericht. Er gab zunächst bekannt, daß infotze der ver- änderten wirtschaftlichen Verhältnisse der in Bad- Nauheim gefaßte Beschluß auf Veransaltung einer Landes-Gewerbeausstellung unter eigener Trägerschaft des VerbandeS nicht aufrechterhalten werden könne. In feinen weiteren Ausführungen schilderte der Vorsitzende die Tättgkeit der zehn Unterausschüsse und erkannte die von diesen geleistete Arbeit an. Zum Schluß sprach er dem Ministerium, insbesondere dem ArbeitS- und WirtschaftSminister Korell, für die geleistete Unterstützung, den LandtagSabgeordneten, den Vorsitzenden der Ausschüsse und den Referenten den Dank der Versammlung aus. Er richtete an diese den Appell, zusammenzuhalten und nicht durch Sonderbestrebungrn die Einheitsfront zu durchbrechen. Als weiterer Redner sprach Landtagsabgeordneter Schreinermeister Lauterbacher (Ztr.) über „Altersfürsorge und Rentenversicherung für das selbständige Handwerk", ein Problem, das den Handwerkerverband schon seit seinem Bestehen beschäfttge. Er legte dar, daß das Handwerk seiner Eingliederung in die ReichS- versichorung niemals zustimmen dürfe, weil es dadurch einen Teil feiner Selbständigkeit aufgebe. Er schilderte die Dor- und Nachteil einer freiwilligen b;w .einer Zwangsvcrsicherung und empfahl, diesen Gedanken in den einzelnen Organisationen zu besprechen, damit aus dem so gewonnenen Material eine befriedigende Lösung gefunden werden könne. Ueber die die Interessen des Handwerks berührenden Gesetzesvorlagen berichtete Direktor Schüttler. Er behandelte u. a. die Handwerkemovelle, die nunmehr zur Beschlußfassung in den ReichSrat gelangt sei, das Berussausbildungsgesetz und das Ar- beitsschutzgesetz. Im allgemeinen könne aber gesagt werden, daß einer Reihe von Wünschen des Handwerks und Gewerbes Rechnung getragen worden sei. Es bleibe jedoch noch Wichtiges zu erfüllen, so z. B. die Hauptforderung: die Schwarzarbeit durch gesetzgeberische Maßnahmen zu unterbinden. Nach Erstattung der Rechnungsablage durch den stellvertretenden Vorsitzenden Bildhauer Dieter wurde in die Diskussion eingetreten, in der zu zahlreichen in der Versammlung aufgetretenen Fragen Stellung genommen wurde. Als nächster Tagungsort wurde Alzey bestimmt. Zum Schluß kam noch ein Vertreter der Opposition, wie er sich selbst nannte, zu Wort, und versuchte in längeren Ausführungen die Berechtigung zur Gründung eines neuen Landesverbandes nachzuweisen. Oberheffen. Landkreis Gießen. 6 Wirberg, 14. Nov. In der Nacht zum Moniag wurde tm Pfarrhaus ein Brand entdeckt, der wohl schon einige Tage in einer Wand schwelte. Mit Hilfe ei-.iger Bewohner von Dollnbach und den Bewohnern von Wirberg gelang es nach mehrstündiger Arbeit, die Gefahr abzuwenden. Der enistandene Schaden hielt sich in mäßigen Grenzen, immerhin ist eine größere Reparatur erforderlich. Dank dem rechtzeitigen Entdecken des Brandherdes und dem foforligen tatkräftigen Einarci en b:r Helfer wurde das in großer Ge ahr befindliche Pfarrhaus gerettet. Das Haus ist wohl alt, aber sehr wohnlich, und der Verlust wäre für die Gemeinden des Kirchspiels ein empfindlicher Schaden gewesen, ganz abgesehen von der Gefahr, die Leben und Besitz seiner Bewohner drohte. < Göbelnrod, 14. Nov. Die günstige Herbstwitterung kommt den Arbeiten des Landwirtes auf dem Felde sehr zustatten. Leider haben auch die Mäuse Vorteil davon: sie treten stellenweise sehr stark, besonders in den Kleeäckern, auf. Anseve Gemeinde hat zur Bekämpfung dieser Schädlinge einen Vergasungsapparat ongeschafst, in dem durch eine Patrone ein Gas entwickelt wird, das schwerer als Luft ist und deshalb in den Gängen der Mäuse bleibt und diese tötet. Mit bem Erfolg der Bekämpfung ist man zufrieden. Beltershain, 14. Nov. Am Montagnach. mittag gegen 4 Uhr fuhr der von Gießen kommende, in Richtung Grünberg fahrende Personenzug in der Nähe unseres Ortes auf einem Bahnübergang ohne Schrankensicherung in die Schafherde des Landwirtschaftskammerausschus. s e s für Oberhessen. Es herrschte stark nebliges Wetter mit Regen, so daß die Sicht außerordentlich beeinträchtigt war; außerdem hatte der Schäfer den Wind von der entgegengesetzten Seite, wodurch er das Herannahen des Zuges nicht hören konnte. Zehn Schafe wurden durch den auf der Stelle getötet, drei Tiere so schwer verletzt, daß sie abgefchladtet werden mußten, drei weitere trugen derartige Beschädigungen davon, daß sie heute noch in tierärztlicher Behandlung sind. Der Schaden beläuft sich auf etwa 1000 Mark. Kreis Friedberg. • Friedberg, 13. Nov. In der Monats- Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei erstattete der Vorsitzende des Provinzverbandes Oberhes en. Dr. Lenz-Gi:hen, Bericht über d e Arbeit dir Partei in Vergangenheit und Zukunft. Die Ursache der bekannten Krise der Partei sei darin zu suchen, daß sie in dem Glauben, damit dem deutschen Volke am besten zu dienen, Teile ihrer Grundsätze preis- gegeben habe. Das sei ein verhängnisvoller Fehler gewesen, der sich am 20. Mai gerächt habe. Aus den Erfahrungen dieses Wahlkampfes habe die Partei gelernt. Die Krise dürfe als überwunden angesehen werden. Mit ungebrochenem Mute gehe die Partei daran, die Scharte vom 20. Mai auszuwetzen. In der äleberzeugung, daß die Zeit für sie sei. und in dem festen Glauben, daß das urteilsfähige deutsche Volk sich auf die Dauer nicht im Kreise herumführen lasse, gehe die größte Rechtspartei mit erneuerter K ast an ihre vaterländische Arbeit. In der Aussprache, die sich an diese mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen anschloh, wurde als Kuriosum bekanntgegeben, daß heute noch durch Verfügung der hessischen Regierung die deutschnationalen Iugendgruppen unter einem Ausnahmegesetz stehrn, insofern den hessischen Schülern die Mitgliedschaft verboten fei. Nachdem die Deutschnationalen jahrelang in der Reichsregierung faßen, fei es ein Unding, ihre Iugendgruppen als staatsgefähr ich zu brandmarken. Die Partei erhebe entschiedenen Einspruch gegen dieses durch nichts gerechtferttgte Ausnahmegesetz. Kreis Büdingen. 3 Büdingen, 13. Nov. Gestern abend fand im Saale des „Fürstenhof" unter zahlreicher Beteiligung aller Dolkskrelse die 30-Jahrfeier des Vereins für G e m e in de p f l e g e statt. Der verdienstvolle Mitbegründer und Borsitzende, Pfarrer Göbel, erstattete den Festbericht. 3m Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden konnte die hiesige Schwesternstation, die seit Juli 1914 über ein eigenes Heim verfügt, auch über die furchtbaren Kriegs- und Jnslationsjahre yinaus gehalten werden. Die musi'alischen Darbietungen von Kreisdirektor Dr. G a ß n e r, Frau Pfarrer Adam, cand. med. Wagner und W. Appel fanden großen Beifall, ebenso die Gesangs- und Gedichtsoorträge der Evangelischen Mädchenvereinigung. In den Begrüßungsansprachen der Behörden und Vertreter d?r Religionsgemeinden kamen insbesondere der Dank für die hingehende, selbstlose Arbeit unserer Gemeindeschwestern und die herzlichsten Wünsche für eine gedeihliche Weiterentwicklung des Vereins zum Ausdruck. Im Mittelpunkt der weiteren Darbietungen stand ein Lichtbilderoortrag von Pfarrer Hickel über das Mutterhaus Elisabethenstift zu Darmstadt. Wegen der vorgerückten Stunde konnte das reichhaltige Programm nicht ganz durchgeführt werden. Hoffentlich wird der wohlgelungene Abend dazu beitragen, dem Derein neue Freunde zu gewinnen, damit er feine wohltätige Arbeit aufrecht» erhalten kann. Kreis Alsfeld. fr* AlSfeld, 14. Nov. In den letzten Tagen hielt die Archäologin an der Landesuniversität Gießen, Frau Prof. Dr. Margarete Bieber in bet hiesigen Dürergesellschaft einen Lichtbild erv t>r trag über Aufführung griechischer Tragödien. Die Dorttagende wies auf Grund eigener Forschung nach daß die neueren Ansichten über das Thrctterspiel im Altertum vielfach von den früheren Auftasiun- S abweichen, waS vielfach bivauf zurückzu- ren ist, daß man die Vorstellungen an den mtern der römischen Zeit auf die älteren Anlagen in Griechenland übertrug. Die Hauptstreit- frage für die Wissenschaft drehte sich nun barum, wo im Altertum, insbesondere in der hellenistischen Zeit, die Schauspieler gespielt haben, unten in der Orchestra oder auf der erhöhten Bühne. Die Vortragende lieh in einer 2keihe von Lichtbildern aus mehreren Theatern die Zuhörer sozusagen selbst die neuen Lösungen finden. Eine genauere Betrachtung von Dasen- bildern aus dem 5. Jahrhundert v. Ehr. hat auch hier geholfen, die Entwicklung Elarer zu überblicken. Je mehr die Ehorgesänge durch daS eigene Theaterspielen verdrängt wurden, desto mehr zog sich das Spiel von der Orchestta nach dem Dühnengebäude zurück. Aus dem alten Holzausbau entwickelte sich das steinerne Dühnengebäude. Zum Schlüsse ihres, durch sehr gute Lichtbilder wirksam unterstützten, interessanten Vortrages nahm Frau Prof. Bieber Stellung zu der Frage, wie man heute Ausführungen antiker Stücke ausstatten soll. Arn meisten Anklang durfte es finden, wenn sich die Schauspieler nicht um archäische Genauigkeit bemühen, sondern sich in die Gewänder des täglichen Lebens aus der Zeit der Dichter kleiden, für deren formschöne Gestaltung uns die Werke der großen griechischen Künstler die vollkommensten Muster geben. Die Zuhörer dankten für diese geschickte Einführung in eine wissenschaftliche Sonder frage mit lebhaftem Bei all. Auch dieser Vortrag hat bewiesen, daß Gegenstände, die für Vorträge anscheinend ferner liegen, bei einer geschickten Ausgestaltung des Themas doch Inter - effe finden und die Zuhörer zu fesseln vermögen. Oer Paratyphus im Kreise Lauterbach. WSN. Lauterbach, 14. Nov. Wie das Kveisgesundheitsamt Lauterbach erilärt, wurden in letzter Zeit in den Orten Lauterbach, Maar, Heblos, Angersbach Landenhausen, Bernshausen, Blitzenrod, Rixfeld und HofmannS'eld vereinzelte Fälle von Paratyphus festgestellt. Im ganzen sind etwa 20 Fälle zu verzeichnen, die zum Teil leichter, zum geringen Teil auch schwer verlaufen sind. Nur in Stockhausen hatte die Krankh:it seuchenartigen Charakter angenommen. Die meisten Erkrankungen sind in der zweiten Oktober Woche vorgekommen. Hernach wurden nur noch vereinzelte Fälle bekannt, so daß jetzt zu hoffen ist, daß die Seuche -um Erlöschen kommt. Starkenburg. WSN. Darmstadt, 14. Nov. 3n der Nacht zum Mittwoch entstand in der Tempelschen Pappenfabrik zwischen Babenhausen und Sickenhofen Grobfeuer, dem das Wohnhaus und der Mühlenbetrieb zum Opfer fielen. Die Brandurfache soll Kurzschluß sein. Das Feuer griff schnell um sich, jedoch konnten das Vieh und einige Einrichtungsgegenstände gerettet werden. Der Schaden ist bedeutend. Die Fabrikanlagen sind durch Versicherung gedeckt. Preußen. Kreis Wetzlar. cZ Krofdorf, 13. Nov. Bei einer gestern im Walddistrikt .Wettenberg" abgehallenen Treibjagd wurden 58 Hasen, 1 Fuchs und eine Schnepfe zur Strecke gebracht. -5- Lützellinden, 14. Nov. Dor einigen 'Tagen wurden hier die ilmbauarbeiten am elektrischen Ortsleitungsnetz beendet. Bei den Arbeiten handelte es sich um die Abnahme von 31OOO Meter Eisenleitungen, die durch solche von Kupfer ersetzt wurden. Die Arbeiten waren den Siemens-Schuckert-Werten in Wetzlar übertragen und erforderten einen Kostenaufwand von rund 5000 Mark. Die bisherigen starken Detriebsmängel, wie zuckendes Licht und beträchtliche Stromverluste, sind durch den Umbau nun endgültig beseitigt. J Groß.Rechtenbach, 14. Nov. Unserer Polizei ist es gelungen, den Töter zu ermitteln, der vor einigen Tagen die Hebamme R o m p f von Oberkleen im „Finsterloh" zwischen hier und Wetzlar abends mit seinem nichtbeleuchteten Fahrrad Überfahren und erheblich verletzt hat. Es handett sich um einen in gutem Rufe stehenden Steinbrucharbeiter aus Ebersgöns, Der Mann hat bei dem Unfall selbst erhebliche Ver- letzungen daoongetragen und sich dann — jedenfalls aus Furcht vor Strafe und zioilrechtticher Haftung für den von ihm angerichteten Schaden — nicht weiter um die Verletzte gekümmert. 5Groß-Rechtenbach,13. Nov. Bei einer im hiesigen Gemeindewald obaehaltenen Treibjagd wurden 25 Hasen und ein Fuchs erlegt. ^Hochelheim, 13. Nov. Bei einer am Sams- tag im hiesigen Jagdbezirk stattgehabten Wald- t r e i b j a g d tarnen sechs Rehe und acht Hasen zur Strecke. <2> Oberkleen, 13. Nov. Bei einer in dem kleineren Jagdbezirk der hiesigen Gemeinde abge- jaltenen Waldtreibjagd wurden 9 Rehe und 10 Hasen zur Strecke gebracht. Daten für Freitag, 16. November. Sonnenaufgang 7.19 Uhr, Sonnenuntergang 16.10 Uhr. — Mondaufgang 11.26 Uhr, Monduntergang 18.33 Uhr. 1632: Tod Gustav - d. lis von Schweden, bei Lützen lestorben; — 1717: der französische Philosoph Jean ieronb d'Alembert in Paris geboren; — 1766: der Komponist Rudolf Kreuzer in Versailles geboren. Heute Lich Goethe-Bund liehen Kassenstunden. 100360 Lichtbildev vovtvag über 10034D Vom Erzeuger auf dem direkten Wege zum Verbraucher. Daher immer billig und irisch! Gießen • Filialen überall 10036C DER DIREKTE WEG Das ist unser Grundsatz seit 50 Jahren. Dieser Grundsatz hat sich bewährt Denn mit 1 Geschäft haben wir angefangen — heute ist es die gewaltige Zahl von 130 Filialen, die wir mit Lebensmitteln versorgen. Klein war die Zahl unserer Kunden im Jahre 1878 — heute sind es mehr als 50 000 Kunden täglich, die in unseren Filialen kaufen. 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Kinzenbach in Gießen zugefchriebenen Grundstücke: Fl. 1 9K 47-7io - 935 qm Hosreite Bleich- strahe 6, geschätzt auf 68 179 Mark, Fl 1 Nr. 47*/io = 559 qm Grabgarten, geschätzt auf 5072 Mark, Fl. j Nr. 47°/io = 314 qm Grasgarten, geschätzt aus 1884 Mark, Fl. 38 Nr. 172 - 2612 qm Acker hinter der Pulvermühle, geschätzt aus 5224 Mark, zum Zwecke der Auseinandersetzung Der- steigert. 10032V Die amtsgerichtliche Derfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20 zur Einsicht ausgehängt. Gienen, den 12. November 1928. §. 21. des Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgcrichtsoorsteher. Diese 50000 Kunden täglich kaufen gerne bei uns — das ist wichtig! Warum kaufen Sie gerne bei uns? Weil sie die Vorteile des direkten Weges, die ein stets zeitgemäß geführter, auf das Wohl seiner Abnehmer bedachter Filialbetrieb wie der unsere zu bieten vermag, schätzen: Billige Preise Stets frische Qualitätsware Zuvorkommende Bedienung MsMMO Morgen Freitag 5HW- sksl Mrg. 10 Llhi SchwelnSkops m. 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August 1928 zu Nr.M.d.J. 28 519 den Bebauungsplan über das Baugebiet an der Grünberger Straße und der Straße nach R8dgen genehmigt. Der Plan kann bei dem Städtischen Hochbauamt, Afterweg 9, eingesehen werden. 10039C Gießen, den 9. November 1928. Der Oberbürgermeister. D. D.: Pf. Hamm. Bekanntmachung. Die Arbeiten und Lieferungen für den Bau eines Regen- und Schmutzwasser- kanals in der Krofdurfer Straße zwischen dem Glciberger Weg und dem Grundstück der Häute- und Fettoerwertungsgesellschaft sollen auf Grund der ReichsoerdingungS' ordnung vergeben werden. 10044C Angebote sind bis spätestens bis zum Mittwoch, dem 21. d. M. vormittags 10 Uhr beim Städtischen Tiefbauamt, Asterweg 25, abzugeben. Angebotsvordrucke sind daselbst zu haben. Zuschlags- und Bindefrist zwei Wochen. Zur Vergebung kommen: 1. Erd- und Maurerarbeiten für einen 300 Meter langen Kanal. 2. Lieferung von 300 Meter Steinzeug- und 300 Meter Zementrähren. Gießen, den 14. November 1928. Städtisches Tiefbauamt: Braubach. Bekanntmachung. Betr.: Ergänzungs^ahlen zur Industrie- und Hand.lskammer Gießen. Zur Vornahme der Ergänzungswahlen der Industrie- und Handelskammer wird Termin bestimmt 10035D a) für den Wahlbezirk Gießen-Stadt auf Donnerstag, den 22. November d. 3-, vormi tags von 10 bis 1 Uhr. im Sitzungssaale der Kammer zu Gießen, Lonystraße 7. Als Wahlleiter wird Herr Fabrik- direktor Friedric., May tätig sein. Es scheiden aus die Herren Kommerzienrat Heinrich Schirmer, Bergwerks- direktor Robert Liste und Kaufmann Carl Röhr. b) Für den Wahlbezirk Giehen-Land auf Donnersag, den 22. November d. 3.» nachmittags 4% bis 6% Uhr. im Eit- aungsfaale der Kammer zu Gießen, Lonystraße 7. Als Wa leiter wird Herr Kaufmann Wilhelm Rühl tätig fein. Es scheidet aus Herr Fabrikant Ludwig Rinn, Heuchelheim. c) Für den Wahlbezirk (Brünberg auf Donnerstag, den 22. November d. 3.. vormittags 10 bis 12 Uhr. in der Bürgermeisterei Grünberg. Als Wahlieiter wird Herr Kaufmann August Noll tätig fein. Es scheidet aus Herr Fabrikant Georg Stammler, Grünberg. Die Ausscheidenden sind wi« er wählbar. Gießen, den 14. November 1928. Industrie- und Handelskammer Gießen. Schirmer, Kommerzienrat. Tauscht alte Rasierklingen 1 beim Kauf der M ul cuto-Dauer klingen. Um- tauschangebot gratis. 4277D Mui en to-Wert, Solingen. erkennungen von Aerzten und Laien. 7586V ____ .. | Original Packu-rr: !»,75 Mk. In Apotheken zu haben. BWBFWM (Efrtlfrü I Deutsche Vital-Gc llschaft m.b.H., Berlin 35, Rathenower Straße 73 MM— Jlclfß/PvnUUf Sirmphonie-Koiizen W..... 10029D Jfmi] flsn ä . ihDIE HAUSFRAU W S rmTO iM 0801 Seltersweg 31 / Bahnhofstraße 14 Unser heutiges Spezialangebot ist die Sensation des Tages Warme Strümpfe Warme Unterzeuge Warme Handschuhe Damen-Unterz.-Strümpfe reine Wolle 1.65 Kinder-Leib-u.Seelhosen mit Klappe, wollgemischt, Größe 90 bis 110 Mk. 1.45, Größe 60............... Herren-Socken gestrickt, Wolle, plattiert. 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Woche Nr. 270 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Donnerstag, 15. November 1928 Die BerlinerWintersaifon beginnt Krauen, von denen man spricht. - Bei StresemannS und beim amerikanischen Botschafter. — Oie Salons der Hochfinanz. Von JRenate Fels. 3n diesen Tagen beginnen wieder die 8rohen Empfänge, die dem gesellschaftlichen eben der Leichshauptstadt ihr Gepräge Verleihern In ihrem Mittelpunkt stehen die „Frauen von Welt", von tauen unsere Mitarbeiterin hier ein anschauliches Bild entwirft. Die fähigsten Legierungen und die besten Frauen, so behauptet ein «ütes Sprichwort, sind diejenigen, von denen man nicht spricht. Doch ist es unmöglich, im großen Vfil zu repräsentieren, ohne in das Dcheinwerl erlicht der Dessen tlichleit zu geraten, und di-e führenden Damen der Ber- Ihter Gesellschaft nehmen eS wahrscheinlich nicht einmal sehr übel, wenn sie bei der von ihnen oft beklagten, aber doch ebenso oft recht angenehm empfundenen Pflicht zur Lepräsentation so genau beobachtet werden, daß man von ihrer Tätigkeit dann ausführlich berichten kann. Die wichtigsten Zentren des Berliner Gesell- schaftSlebens findet man in den Kreisen der Diplomatie und der hohen Politik. Frau Käthe Stresemann. Vie traditionell am Montag empfängt und dieser Sitte zweifellos nach der Rückkehr des Leichsauhemninisters noch Berlin treu bleiben wird, hat den wichtigsten politischen Salon. In ihren Räumen trifft man ailleS, was berühmt ist, Botschafter, Gesandte, Minister, große Bankiers, Parteiführer, bekannte Künstler und hervorragende Gelehrte. Frau Stresemann selbst hat ein bewundernswertes Personengedächtnis, sie erkennt jeden wieder, der ihr einmal vorgestellt worden ist, begrüßt alle mit großer Freundlichkeit, ja sogar Herzlichkeit, und fft scheinbar niemals schlechter Laune. Die Frauen der Reichskanzler sind ihr zu Dank verpflichtet, weil die Gattin des Außenministers die große Mühe der gesellschaftlichen Lepräsentation des Leiches auf ihre sehr schmalen Schultern geladen und damit chren „Kolleginnen" eine schwere Sorge genommen hat. Ganz können die nötigen Minister und vor ckllen Dmgen der Leichs- Präsident natürlich auf diese Weise nicht entlastet werden. Wenn Hindenburg einlädt, übernimmt die Hausfrauenstelle entweder seine Schwiegertochter oder die reizende Gattin des Staatssekretärs Meißner. In Preußen hat eS die Frau des Staatssekretärs Weihmann gern auf sich genommen, bei den notwendigen Einladungen die Honneurs zu machen. In ihrem Salon treffen sich Größen aller Stationen. Während Frau Stvesemann trotz chren erwachsenen Söhnen sehr jung wirkt, gern tanzt und lebendig im Strudel der Gesellschaft untertaucht, versteht Frau Weißmann Distanz zu halten; man sieht sl« auf Bällen meist auf tat Estrade, an einem Platz, von dem aus sie das Treiben der Jugend gut beobachten kann. Leben diesen Damen, die sozusagen von Amts wegen zur Bildung eines Salons verpflichtet — manche meinen: verurteilt — sind, gwt es einen in letzter Zeit immer mehr am Bedeutung gewinnenden Gesellschaftskreis im HauS des Herrn v. K a r d v r f f, des ersten Dize- präfidenten des Leichstages, der sich vor einiger Zeit mit der früheren Abgeordneten Freifrau v. Oheirnb verheiratet hat. Frau von Kar- dorff war unD ist überall „dabei", sie verkehrte bei dem ersten Leichspräsidenten Ebert, fehlt bei keiner offiziellen Veranstaltung und glaubte auch, die erste Probefahrt des „Grafen Zeppelin" nicht übergehen zu dürfen; sie vereint in ihrem Salon zahlreiche Persönlichkeiten, die von politischem Ehrgeiz beseell sind. Sin wichtiger Dell des gesellschaftlichen Lebens spielt sich in den Palästen der fremden Botschafter und Gesandten ab. Seit Lord und Lady d'Abernvn Deutschland verlassen haben, hat die englische Botschaft freilich ihre dominierende Stellung eingebußt. Auh Die französische Botschaft hat durch den Tod Der Madame de Wargerie einen herben Verlust erlitten; die Gattin des französischen Botschafters war eine Dirtuosin des Harfenspiels und liebte Deutschland als ein Land der Wu ik und der Musiker. Unter Den fremden Missionen spielt beute wohl Die amerikanische Botschaft die erste Aolle; dort wirkt Frau Gould- S h u r m a n , die mit ihren beiden Töchtern für die Veranstaltung der Festlichkeiten »verantwortlich zeichnet". Das Haus des amerikanischen Botschafters, der ja erst einige Jahre in Berlin wellt und vorher in Peking die Vereinigten Staaten vertreten hat wird in diesem Jahr wahrscheinlich noch mehr als sonst zum Mittelpunkt des geselligen Lebens im diplomatischen Korps werden. Dazu tragt sicherlich bei, daß Der Botschafter sich persönlich immer häufiger als wahrer Freund Deu.schland gezeigt hat; es ist ihm dafür, wie man sich wohl noch erinnert, im Mai dieses Jahres das Ehrendiplom eines Heidelberger Doktors Der Philosophie verliehen worden. Latürlich haben auch Die anderen Missionen ihre Salons, unter Denen Der Gesellschaftskreis Der Frau Madeleine Lüfena cht besonders bellebt ist. Das Schweizer Gesandtenehepaar lebt schon seit fünf Jahren in Berlin, und Die jüngste Tochter hat sich vor zwei Jahren mit Dem deutschen Legationssekretär von Delow verheiratet. Eine interessante Gesellschaft findet man auch regelmäßig bei Der Depräsentantin Dänemarks, Frau Llllan Zahle. Aber nicht nur Die Gattinnen Der offiziellen Politiker stehen in den Brennpunkten des gesellschaftlichen LebenS. Die fdjöne Lichte des Reichspräsidenten, Frau Helene von Lostrz, geborene von Beneckendorf und Hindenburg, sieht in ihren Räumen wohl die exklusivste Gesellschaft. Hie ist eine Enkelin des Fürsten Münster, der in Den beiden letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts deuffcher Boffchafter in Paris gewesen ist, sie hat der Fürstin Metternich rrahegestanden und war mit Rainer Maria Rilke befreundet. Bei Den Empfängen der offiziellen Persönlichleiten glänzen in allen Kiwpf- löchern brillantgeschmückte Orden; die Herren des Auswärtigen Amtes schmücken sich mit Dem Pour le rnörite oder Dem Eisernen Kreuz, beim französischen Boffchafter glänzt das Hellrot Der Ehrenlegion auf Der Brust, jedem funkelt etwas am Hals und an der Seite; nur der Außenminister und der amerikanische Boffchafter stellen dann gewöhnlich fest, daß sie fast allein im schmucklosen Frack dastehen, nicht einmal mit einer schönen Schärpe geziert, wie sie zum Beispiel der dänische Minister Zahle in schwarzer Farbe über der weißen Hemdbrust trägt Anders ist das Bild auf Den Gesellschaften der Hochfinanz. Die Männer, Die sich dort ein Stelldichein geben, sind nicht weniger einflußreich als die offiziellen Politiker, aber sie sind gewohnt, ihre Macht im Verborgenen auSzu- üben. Im vorigen Jahr waren die wichtigsten Salons der FinanKmagnaten wohl in Den Häusern tat Frau Freda Schlieper. geborene von Achenbach, unD der Frau Daisy Gutmann, geborene von Frarckenberg. Bei Frau Schlleper, Die eine ausgezeichnete Pianistin ist, bevorzugt man im übrigen Die Künstler, während im Salon von Frau Gutmann anerkannte Sportsleute ein offenes Haus finden. Der Salon, Den Frau Lillt Deutsch seit vielen Jahren unterhält, Geld fällt vom Himmel. Roman von Paul Engerling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 44. Fortsetzung. Nachdruck verboten Er löste sich vom Tisch und ging langsam auf sie zu. Als er nur noch einen Schritt von ihr entfernt war und sie schon die Hand zur Abwehr ausstreckte, fiel er plötzlich in Die Knie. „Sehen Sie denn nicht, wie ich Sie liebe? Haben Sie das nie gewußt? Fühlt es eine Frau nicht, wenn ein Mann neben ihr brennt, wenn er verbrennt vor Leidenschaft? Können Sie denn nicht Den Gedanken fassen, daß Sie mich einmal lieben könnten?" „Und das müssen Sie mir hier sagen? Ith verachte Sie, ja, ich verachte Sie mehr als lch es je tat." ,^a, ja, verachten Sie mich!" stöhnte er. ,-Lasten Sie mich Ähren Hohn fühlen. Ich weiß es ja, wie hoch Sie über mir stehen, wie hoch Sie über allen Menschen stehen. Aber verstoßen Sie mich nicht! Ich will Sie nicht anrühren, ehe Sie es erlauben, ehe ein Zittern Ihrer Wimpern mir die wahnsinnige Hoffnung gibt. Nur den Saum Ihres Äleibes will ich kästen. Haben Sie Mllleid. Sie sind doch eine Frau." „Und Sie sind ein Mann, Blinsky. Darum dürfen Sie nicht um Mitleid bitten. Begreifen Sie Denn das nicht? Stehen Sie auf und lassen Sie mich Er erhob sich lanosam. Seine gerungenen Hände lösten und spreizten sich. Nun waren sie wie Krallen eines Raubvogels. „UnD wenn ich Iynen sage, daß ich Ähren Vater retten will, daß ich feinen Ruf, seinen Namen retten will unD wie diese Dinge Des Westens alle heißen — könnten Sie auch dann noch nein sagen?" Sie raffte all chren Mut zusammen, als sie Dem bebenden Mann zurief: „Sie ahnen gar nicht, wie ich Sie verachte." Er trat einen Schritt zurück, als hätte er eben einen Schlag bekommen. Aus zusammengepreßten Lippen stießen Die Worte: „Nehmen Sie sich in acht! Wenn man Den Wolf reizt, beißt er zu. Und Der umstellte Wolf ist am schlimmsten." „Ich fürchte Sie nicht. Ich fürchte Sie auch In diesem Augenblick nicht." Seine Augen flackerten sie an. ,Hch bin ein toter Mann, wenn ich heute fortgehe. Ehe der Abend sinkt, bin ich es. Man ist hinter mir her. Man traut mir nicht. Man glaubt mir nicht. Das Geld fehlt, das Ähr Vater gab/' Erleichtert atmete sie auf. „Also es handelt sich doch um Geld? Warum sagten Sie Das nicht gleich? Warum erst diese Komödie?" Blinsky lehnte sich an die Wand. Sein Kopf schlug schwer an den weißen Türrahmen, und er empfand Die Wollust des abtentenDen Schmerzes. „Es war keine Komödie, Inge Broderfen. Es war Wahrheit. Machen Sie mich nicht wahnsinnig. Ich glaube, es fehst nicht mehr viel dazu. Glauben Sie wirklich noch immer nicht, daß ich Sie liebe? Ich hätte mein Blut tropfenweise hergegeben, wenn Sie krank gewesen wären und man Sie damit hätte retten können. Oh, wie oft habe ich gewünscht, daß Sie so krank würden, daß ich es beweisen könnte! Anders konnte ich es ja nicht beweisen. Ich mar ja nur der Sklave Ihres Vaters." „Sie waren der Vertraute meines Vaters, und ich fürchte, Sie haben das Vertrauen des Hilflosen mißbraucht." „Ich bin unschuldig. Ich habe chn manchmal gehaßt, ja. Das gebe ich zu, und es hat mich gefreut, als sein Dämon ihn zu uns trieb, bei Denen er nichts zu suchen hatte. Aber betrogen habe ich ihn nicht. Kein Pfennig ist unterschlagen worden. Ich würde mich selber anspeien, wenn ich es getan hätte." Inge zwang ihre tobenden Nerven zur Ruhe. ,Ich .sehe aus allem, daß Sie Geld brauchen. Warum sagten Sie das nicht meinem Vater? Sie wissen doch am besten, daß ich für meine Person über nichts verfüge. Und mein Vater willfahrt Ihnen doch in allem." „Das ist vorbei", murmelte er. „Vorbei." „Dann müssen schlimme Dinge geschehen fein, Blinsky, Dinge, die Sie auch zu scheuen haben! „Ach", machte er verächtlich. „Darum geht es jetzt nicht mehr. Ich tat nur, was ich mit meiner Ueberjeugung verantworten konnte " ,Zch kenne Ihre Ueberzeugung nickt, unD ick will sie auch nicht kennen. Meine wird es doch nicht sein." „Sie Dürfen nicht schlecht von mir denken, Inge Broderfen. Das wäre schlimmer für mich als der Tod, der draußen lauert." „Reden Sie vernünftig. Wir sind hier nicht in Rußland." „Sie ahnen gar nicht, wie sehr mir hier in Ruß« land leben ... Wieder umfaßte sie fein Blick, in dem es aufglomm. „Warum sind Sie so kalt zu mir? Wie eine Winternacht auf der Newa sind Sie. Taut meine Glut Sie wirklich nicht auf?" unD in Dem man sonst abwechselnd musizierte unD hohe Politik trieb, Dürfte in Diesem Jahr vereinsamt Dastehen, da Geheimrat Felix Deutsch, Der Vorsitzende Der A.E.G., vor wenigen Monaten kurz nach der Vollendung seines siebzigsten Geburtstag:- gestorben ist. Bedeutungsvoll bleibt Dagegen das prunkvolle Haus des Herrn von GolDschmidt-LotbschilD. dessen Gemahlin eine geborene FrieolänDer-FulD ist. Damit sinD natürlich die hervorragenden Mittelpunkte gefilffchaftlichen Lebens in der Leichshauptstadt nicht erschöpfend beschrieben. Es gibt noch eine gaiuc Anzahl anderer Salons, in Denen schöne Frauen der verschieDensten La- tionalitaten ihre Gäste mit Geist und guten Speisen bewirten. All diesen Gesellschaften ist eine gewisse Internativnalität eigen; in ihnen tauchen häufig Staatsmänner fremder Völler und zuweilen auch exotische Gäste auf, Die das Bild abwechslungsreicher unb Die Unterhaltung anregender gestalten. Es gibt also auch heute noch „Damen von Welt", "Die ebenso wie oie „grandes dames“ Der großen französischen Salons aus Dec Zeit Ludwigs XIV. zu repräsentieren verstehen. Wan hat vorausgesagt. Daß Die Republiken mit den Höfen auch diesen Salons, in Deren Mittelpunkt stets eine große Frau gestanden hat. ein rasches Ende bereiten werden. Das ist bisher nicht der Fall gewesen. Aber ein Unterschied zwischen Den höfischen Salons früherer Zeiten itnb tarn modernen gesellschaftlichen Leben besteht natürlich doch: es ist heute auch für Den gewöhnlichen Sterblichen im allgemeinen leichter als vor zwei Jahrzehnten, in einem Der erwähnten Hauser Eingang zu finden. Wan kann freilich nicht wissen, ob Der moderne Typ Der Frau, Dec sich ja erst allmählich Durchzusetzrn beginnt, Die alte TraDition sortzusetzen imstande sein wird. Frauen, Die gewcchnt sind, Geschäfte zu führen und im 'Berufsleben „ihren Mann zu stehen", lassen vielleicht Doch Den Eh arme vermissen, Der Den „Damen von Welt" in früheren Zeiten eigen war. Sienographie-Wiläum in Mingen. • Büdingen, 13. Lovember. Der Stenographenverein Düdin- gen konnte in diesem Jahre auf sein 30j äh - riges Bestehen zurückblicken, Das am Samstag unD Sonntag in festlicher Weise gefeiert wurde. Am Samstag ging ein Korn iners in Der Walhalla voraus, am Sonntagvormittag fand ein Wettschreiben in Der Volksschule statt, an Dem sich insgesamt 59 Personen beteiligten, darunter auch eine Anzahl auswärtiger Vereine von Gießen. Schotten, Laubach, Butzbach und Friekcherg. Zu einem Festakt versammelten sich die Teilnehnurr nachmittags im Saale Des Hotels „Fürstenhof". Der Vorsitzende des Büdinger Vereins, O. Schäfer, begrüßte Die Ehrengäste, Stenographen unD Freunde Der Kurzschrift. Er gab einen kurzen Hcberblid über Die Geschichte Des Vereins Büdingen und erbat Dann Die weitere Unterstützung durch Handel, Industrie, Stadt und öffentliche Körperschaften, Damit Der Verein seine Aufgabe im Dienste der Kurzschrift noch lange Jahre weiterfuhren könne. Als Vertreter Der Behörden unD Körperschaften waren u. a. erschienen Regierungsrat Weber, Oberamtsrichter Klitsch, Regierungsrat Fendt, Bürgermeister H i l D n e r, Regierungsbaurat Frey, Die HanDelskammer- mitglieder Hanner und E u I a u . Rektor P ep- ler. Regierungsrat Weber sprach im Qüif» trage Der Behörden Dem Jubelverein beste Glückwünsche aus. ®r wies in seinen Ausführungen weiter auf Den hohen Wert der Kurzschrist hin und besonders auf Die behördlichen Erlasse, nach Denen von allen Anwärtern und jungen Beamten Die Kenntnis Der Deutschen Einhfitskurzschrift verlangt wird. Der Dezirksvorsitzenta K. H. Kuhl, Gießen, brachte Die Glückwünsche des Bezirks dar und dankte für Die Unterstützung, welche die Stadt Büdingen, Handel und Industrie, sowie Freunde der Kurzschrift dadurch gewährt hatten, daß sie Ehrenpreise für daS Wetffchreiben stifteten. Bürgermeister Hildner betonte, daß Die Stadt Büdingen seit Entstehen Der Einheits- kurzschrift Den hohen Wert derselben ganz besonders anerkenne und würdige unD des Allo auch einen Ehrenpreis für Die beste Leistung gestiftet habe. Er selbst sei seinerzeit Mitglied des Stenographenvereins Büdingen gewesen, und er freue sich, daß Der Verein, her — Durch die Verhältnisse gezwungen — einige Zett geruht hatte, jetzt wieder zu neuer Blüte erwacht sei. Gr beglückwünschte Den Verein unD versprach ihn auch fernerhin in ferner Arbeit Der Jugenb- DilDung zu unterstützen. Sodann hielt Fidel Dalken, Gießen, den F e st p o r t r a g. In diesem beleuchtete ec die früheren Verhältnisse auf stenographischem Gebiete und wies auf die Vielheit der damaligen Schriftarten und die unleidlichen Systemkämpfe hin, welche Den Wert der Kurzschrift nicht zur vollen Geltung kommen ließen. Lach 20jLhrigem, mühevollen Ringen sei es aber der Arbeit einiger bedeutender Führer auf stenographischem Gebiet gelungen, das Einigungs- Werk durchzusehen, so daß wir feit 1924 endlich eine Einheitskurzschrift hätten. Diese habe sich in den vier Jahren ihres Bestehens glänzend bewährt, und die Versuche ihrer Gegner, sie heral^uwürdigen, könnten ihren Siegeslauf nicht mehr aufhalten. Die Regierungen hätten die EinheitSkurzschrift von Anfang an unterstützt, manche Lander hätten fie amtlich in Den Schulen eingeführt, andere vorerst noch wahlfrei, aber unter Ausschluß anderer Systeme. Hierdurch würde die Verbrettung mit jedem Jahre größer, denn auch ganze Dcanitenorganisat'onen, wie z. D. die Reichsbahn, hatten sich auf den Boden Der Einhfitskurzschrist gestellt. Bedauerlich Ware es, daß immer noch Fälle trorfominen, in welchen sich andere Systeme und besonders auch die Eltern an ihren Kindern und unserer Jugend versündigen, indem sie diese noch eine Kurzschrift lernen taffen, welche bald keinerlei Bedeutung mehr haben wird. Die Ernheitskurzschrift müsse der Jugend heute mitgegebrn werden im Kampfe ums Dasein, da diese nicht nur im kaufmännischen Berufe, sondern auch bei allen städtischen und staatlichen Verwaltungen und Behörden verlangt würde. Der Redner schloß mit einem Appell an Die Anwesenden, mit dazu beizutragen, daß die Einheitskurzschrift bald vollständig das werde, was ihr Lame besage, denn dadurch erwerbe man sich ein Verdienst um die Ausbildung unserer Jugend, und handele im Interesse unseres deutschen Vaterlandes. Hieran schloß sich nach kurzen Dankesworten des Vorsitzenden die Bekanntgabe des wettschreibergebniffes, toobei folgende Preise zuerkannt werden konnten: 240 Silben. 1. und Ehrenpreis: Gg. Wahl, Gesellschaft, Gießen. 22 0 Silben. 1. und Ehrenpreis: Ottilie Treser, Gesellschaft, Gießen. 200 Silben. 1. und Ehrenpreis: L. Rullmann, Schotten. 160 Silben. 1. und Ehrenpreis: Karl Sommer, Friedberg; Kurt Leipold, Verein 1861. Gießen. 140 Silben. 1. und Ehrenpreis: Earl Arbeit, Büdingen; Georg Wittmann, Friedberg; Wilhelm Gebhardt, Schotten. 120 Silben. 1 und Ehrenpreis. Grete Waller, Friedberg: Jakob Waller, Friedberg; Als sich die Tür schloß, blieb Blinsky noch einen Augenblick an seinem Platz stehen. Langsam fror das Grinsen zu einer Grimasse ein, die weh tat. Da fuhren feine Hände über die Stirn, als wollten sie lästige Fliegen wegscheuchen. Weg damit! Er war gar nichts gewesen. Nie hotte er sich erniedrigt, nie hatte er gebettelt Er ging zur Tür und verschloß sie. Dann ging er vorsichtig ans Fenster und spähte, durch den Vorhang gedeckt, hinaus. (Forffetzung folgt) „Wenn Sie noch ein Wort davon reden, drücke ich auf diesen Klingelknopf und rufe das ganze Hotel zusammen." „®dä, brachte er langsam hervor, und seine Worte sielen wie geschmolzenes Blei in eine Tiefe. „So stehen mir zueinander? Wissen Sie auch, Inge, daß Sie gar nicht um Hilfe rufen werden?" „Warum?" Seine Blicke ließen sie erstarren. Zum erstenmal fürchtete sie ihn wirklich. „Wer würde es glauben, daß Sie zu einer geschäftlichen Besprechung bei mir waren? Sie, Die junge Dame, tm Zimmer des jungen Mannes?" „Schuft!" Seine Blicke verzehrten fie. Mit einem bösen Lächeln fuhr er fort: „Sie wären unrettbar kompromittiert Man hat für solche Dinge in Paris Verständnis." Er ließ die Wand unD trat auf sie zu, die Schritt für Schritt zurückroich. „Glauben Sie nn Ernst, daß die Hotelangestellten etwas andres tun würden als lächeln?" Inge war bis an das Fenster zurückgetreten. Kurt Grotteck — wo war er? Warum kam er nicht? Blinsky blieb zwei Schritte vor ihr stehen. ,Lch sehe mit Genugtuung, daß Sie vernünftiger werden. Wenn man In der Gewalt eines Menschen ist, darf man ihn nicht mehr beleidigen, nicht wahr?" Sie wollte schreien unb um Hilfe rufen. Aber jedes Wort erstickte in der Kehle. „Wollen Sie noch immer nicht ja sagen? Es ist gar nicht so schwer, die Frau eines Blinfkn zu jein. Mir stehen In meiner Heimat hohe Stellen offen, wenn ich dies hier aufkläre. Wenn ich dies verfluchte Geld habe — durch dich, mein Täubchen." Sie zwang ihren Ton zur Kühle. „Was wollen Sie eigentlich? Mein Geld ober mich?" „Beioes. Und beibes werbe ich haben." In feinem Blick faß Die Wildheit des Tiers. Ein häßlicher Gedanke überkroch ihn: der Indikator! Sie mar in feiner Gemalt. Da riß ihn ihr Schrei herum: „Sehen Sie sich vor! Si steht hinter Äynen!" In der halogeöffneten Tür stand die Malaiin, in Der Hand Die Waffe, deren Gefährlichkeit er kannte. „Gehen Sie bis zum Schrank zurück!" befahl Inge. „Unb rühren Sie sich nid>tr Er gehorchte zögernd, geduckt, mit verbissenen Lippen. „Nun sind Sie in meiner Gemalt, Blinsky. Ich werde Sie nicht ausnutzen. Nur — die Papiere, wo sind sie? Sind sie überhaupt da ober mar alles Lüge?" ,Äch soll mich ja nicht rühren", sagte er trotzig. „Wenn sie vorhanden sind, haben Sie sie sicher bei sich. UnD solange Sie Dort stehenbleiben, bürge ich für Si." Sie sah seinen verstörten Blick, unD in einer Anwandlung von Mitleid setzte sie leise hinzu: „Nehmen Sie doch Vernunft an! Sie sagten boch, baß Sie mich lieben. Abelt Sie dies Gefühl so wenig?" Ihre Worte erdrückten ihn. Der Krampf wick- allmählich aus seinen Zügen. „Sie sollen sich nicht mehr über mich zu beklagen haben. Ich will Ihnen Die Papiere geben unb gehen. Nie mehr werbe ich vor Ihr Angesicht treten. Hier sinb sie. Die Ein- willigung Ihres Vaters zu dem Unternehmen. Hier seine Unterschrift." „Es war die Unterschrift eines Blinben. Wer kann wissen, was Sie ihm untergelegt Habern" „Dann fragen Sie ihn. Ober anbre werden fra« gen. Oh, Ihr Bater ist viel zu stolz, um zu lügen." Da wußte Inge, baß er die Wahrheit gesprochen hatte. „Geben Sie!" Mit zwei Fingern faßte sie oie Papiere an, als beschmutze bie Berührung, weil sie aus Blinfkys Händen fernen. „Blut klebt nicht bran", höhnte er. „Nur ein wenig von dem Schmutz Der Lüge, bie bie Wett braucht, wenn sie nicht vor Langeweile zerplatzen unb in Atome auffliegen will. Ihr Vater wirb es bestätigen, baß es bie richtigen sind." ,Lch banke Ihnen zum letztenmal, Blinsky. Wünschen Sie noch etwas?" „Ja, bas eine will ich boch noch sagen", begann er mit feinem unterirbifchen Lächeln. „Es mar boch gut eingefäbelt, nicht rvahr? Unb bie kluge Inge Brobersen ging in die Falle. Keiner hätte Ihnen geglaubt, wenn Sie vorhin geklingelt yätten." „Doch. Einer bestimmt", hauchte Inge. Sie verließ aufrecht, von Si gefolgt, das Zimmer, ahne noch einen Blick auf Blinfky zu merfen. Draußen verließ fie ihre Straft. Sie sank in bie Arme ber Dienerin unb schmiegte sich an sie. Sse fühlte sich beschmukt, besudelt, entmeiht. Erst als sie in tfjrem Zimmer mar, brachte «in Tränenstrom Erlösung. Frteba Helfrich, Tübingen. — 3. Preis: Hermann Schroth, Büdingen. 100 Silben. 1. uni) Ehrenpreis: Heinrich Köhler. Laubach; Frieda Kinzebach, Friedberg. — 2. Preis: Frieda Großmann, Büdingen. — 3. Preis: Berthold Klar. Büdingen. 8 0 S i l b e n. 1. und Ehrenpreis: Heinz Strauch. Büdingen: Marie Eckert, Büdingen: Helene Reuß, Laubach; Richard Heinbach, Schotten: Elfriede Kitzler. Butzbach: Karl Breidenbach, Büdingen: Max Katz, Schotten. — 1. Preis: Äisabeth Hofmann, Büdingen: Helene Dreimark, Büdingen: Emil Hübner, Büdingen. — 2. Preis: Helmut Höckel, Friedberg: Karl Knaf, Büdingen. — 3. Preis: Christ. Klor, Büdingen. 60 Silben. 1. und Ehrenpreis: Friedrich Wirth, Schotten: Georg Spamer, Schotten: Friedel Eckert, Büdingen: Wilhelm Glock, Schotten: Karl Peil, Büdingen. — 1. Preis: Wilhelm Rullmann, Büdingen. — 2. Preis: Elfe Rickert, Büdingen. — 3. Preis: Friedrich 2m!, Büdingen: Willi Lehning, Büdingen. Preis-Schon- und -Richtigschreiben. Verkehrsfchrift. 1. und Ehrenpreis: Kurt Leipold, Verein 1861, Giehen: 2. Rullmann, Verein Schotten; Helene Reuß, 2aubach: Heinrich Köhler, Laubach. — 1. Preis: Georg Wahl, Gesellschaft, Gietzen. — 2. Preis: Richard Heimbach, Scholten; Karl Breidenbach. Büdingen. — 3. Preis: Heinz Strauch, Büdingen; Carl Arheck, Büdingen; Elfriede Kitzler, Butzbach; Karl Peil, Büdingen; Wax Katz, Schotten; Karl Knaf, Büdingen; Elisabeth Hofmann, Büdingen; Ottilie Treser, Gesellschaft, Gietzen. Redeschrift. 1. und Ehrenpreis: 2. Rüll- mann, Schotten. — 2. und Ehrenpreis: Georg Wahl, Geiellschast, Giehen; Carl Arheck, Verein Büdingen. Wirtschaft. Norddeutscher Lloyd, Bremen. 3n der gestrigen a. o. G. B. des Rorddeutschen 2Iohö in Bremen führte Präsident Heineken zur Kapitalerhöhung u. a. aus: Ein amerikanisches Konsortium habe dem 2lohd ein festes Angebot auf nom. 35 Mill. Wk. 2loydccktien mit Dividende ab 1. Januar 1928 zu 137 Prozent netto gemacht mit der Maßgabe, daß der Lloyd an dem Gewinn von über 140 Prozent mit 70 Prozent beteiligt ist. Das Angebot sei nach Ansicht der Verwaltung außerordentlich günstig. Die Aufbringung von neuem Kapital in Deutschland sei unter den heutigen Verhältnissen und bei dem allgemeinen Kapitalmangel wohl gänzlich ausgeschlossen. Daß die neuen Aktien an dem vollen Gewinn des laufenden Jahres beteiligt sein sollen, sei eine Forderung des Konsortiums gewesen. Zur Freigabe teilte der Präsident mit, daß das schon vor Monaten in Aussicht gestellte Geld für die beschlagnahmten Piers in Höhe von 9 Mill. Wk. bis jetzt noch nicht ein- gegangen sei. Die Abschätzung und Bewertung dieser Beträge sei sehr kompliziert, und in jedem Falle sei es ausgeschlossen, darauf Finanzpläne zu basieren. Was die Geldbeschaffung selbst anbelange, sei eine solche nicht gerade akut. Das Geschäft des laufenden Jahres sei nicht so günstig verlaufen, wie das des vorhergehenden. Obgleich es quantitativ durchaus den Erwartungen entsprochen habe, sei es qualitativ infolge der immer steigeirden Unkosten, Strecks usw. nicht befriedigend gewesen. Immerhin rechne man für 1928 mit der gleichen Dividende wie für 1927. Die Verhandlungen mit der H ap a g seien zur Zeit nur unterbrochen. Beide Teile hätten nach wie vor den Wunsch nach einer Verständigung und würden die Verhandlungen demnächst wieder aufnehmen. Die vorgeschlagene Kapitalerhöhung bedeute keine Erschwerung der Verhandlungen. Es sei im Gegentell von vornherein vorgesehen, daß beide Gesellschaften ihr Kapital auf die gleiche Höhe bringen sollten. Bankier S i ck bedauerte den Pessimismus, den die Verwallung bei 'Beurteilung der Geschäftslage geäußert habe. Er glaube, daß die Geschäftslage doch wohl etwas zu schwarz geschlldert worden sei, um die Aktienbegebung in Amercka zu rechtfertigen. Aus der Freigabe müsse der Lloyd nach immerhin vorsichtiger Prüfung rund 100 Mill. Mk. erhalten. Der Vorsitzende erwiderte, daß er die Geschäftslage so geschlldert habe, wie sie den tatsächlichen Verhältnissen entspreche. Was die Freigabe betreffe, so sei noch nicht vorauszusehen, wann man die Gelder erhalten werde. Die G. V. genehmigte einstimmig die beantragte Kapitalerhohung um 35 Mill. Mk. neue Stamm- und 1 093 800 Wk. neue Vorzugsaktien auf insgesamt 165 Mill. Wk. Oie Deutsche Reichsbahn im Oktober. Der Güterverkehr hatte im Monat Oktober etwa den gleichen Umfang wie im Monat September. Im arbeitstäglichen Durchschnitt wurden insgesamt 162 039 Wagen im Oktober gegen 161 451 im September gestellt. Der Personenverkehr war in der ersten MonatshLlfte teilweise noch lebhaft, nahm aber bann entsprechend der Iahreszeit stark ab. Insgesamt wurden im Oktober 1522 überplanmäßige Züge gefahren (Vormonat 5960, Oktober 1927 1769). Der Fahrplanwechsel am 7. Oktober vollzog sich reibungslos. Die Verminderung der Zcchl der Wagenklassen wickelte sich betrieblich ohne Störungen ab. Besonders bei Zügen für den Rahverk^r und aus Rebenbahnen war eine Aufwanderung in die zweite Wagenklasse zu bemerken. Die geleisteten Zugkilometer betrugen im September 1928 55 160 000 gegen 58 178 000 im August 1928 die Wagenacbskiilometer: 2 623 988 000 gegen 2 733111 000. Die Einnahmen aus Personen- und Gepäckverkehr betrugen im September 135,031 Will. Mk., aus Güterverkehr 292.500 Wlll. Wk. und aus sonstigen Einnahmen 42,43 Mill. Mk.. zusammen 469,96 Will. Wk. Die Ausgaben betrugen für Betrieb und Unterhaltung 318,62 Will. Mk., davon persönliche Ausgaben 199,72 Mill, Mk.. sächliche Ausgaben 118,90 Mill. Wk., für Erneuerung der Reichseisenbahnanlagen 60,61 Wlll. Wk. Die Verzinsung der Reparationsschuldverschreibungen erforderte 45,14 Wlll. Mk., die gesetzmäßige Tilgung 9,63 Mill. Mk., die Rückstellung für die gesetzliche Ausgleichsrücklage 9,40 Will. Mk. und die Rückstellung für Vor- zugsdividende 6,3 Will. Mk., insgesamt 449,69 Will. Wk. Die Gesamteinnahmen der Reichsbahn stiegen im September gegenüber dem Vormonat um rund 7 Will. Mk. Im Personenverkehr, der infolge des günstigen Wetters lebhafter als in den gleichen Monaten der Vorjahre war, ging zwar die Einnahme mit Ablauf der Hauptreisezeit wellerhin zurück. Demgegenüber brachte der stärkere Güterverkehr höhere Erträgnisse, die auch darauf zurückzuführen sind, daß gegen Ende des Monats noch viele Güter zur Ausnutzung der gegen Oktober billigeren Tarife auf den Weg gebracht wurden. Die Ausgaben hielten sich hn allgemeinen ailf der Höhe des August. Der Wehrertrag von rund 20 Will. Mk. wurde dem in den früheren Monaten in Anspruch genommenen Vortrag aus 1927 wieder zugeführt. Der Perfonalstand betrug im September insgesamt 735 524 Köpfe, gegen 729 080 im August. * Kapitalverdreifachung bei dem Bayernwerk und bei der mittleren Isar. Von den im bayerischen Haushallsetat für die Bayerischen Großkraftwerke und die Deutsche Spinnerei-Maschinenbau A.°G., Ingolstadt, neu eingesetzten Forderungen von 28,26 Millionen Mark sind, wie die „Münchener Zeitung" hört, 28 Mill. Mk. für den weiteren Ausbau der Bayerischen Großkraftwerke bestimmt. Die mittlere Isar erhöht ihr Kapital von 9 auf 27 Millionen Mark. Von den neuen Aktien übernimmt der bayrische Staat 16 Millionen Mark, die Reichsbahn 2 Millionen Mark. Das Bayernwerk enthüll 12 Millionen Mark als neues Aktienkapital und verdreifacht damit ebenfalls das bisher 6 Millionen Mark betragende Kapital. Die neuen Aktien übernimmt ganz der ba Zische Staat. * Wayß & Freytag A.°G., Frankfurt a. M. Das am 31.^uli ''28 abgelaufene erste Semester des Geschäftsjab. es 1928 hat > ch dem Bericht der gestrigen Aufsichtsratsfitzung gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres eine weitere Erhöhung des Umsatzes im In- und Auslande gebracht. Die vorliegenden Aufträge sichern der Gesellschaft auch über das zweite Semester hinaus, insbesondere im Ausland, eine befriedigende Beschäftigung. So hat die Gesellschaft ihr Arbeitsgebiet durch Errichtung einer Niederlassung in Costarica neuerdings auf Zentralamerika ausgedehnt, wo sich bereits ein umfangreicher Straßenbauauftrag in Ausführung befindet. * Rheinisch-Westfälisches Kohlen- syndikat. In der gestrigen Mllgliederversamm- lung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats wurde die Umlage für Oktober unverändert mit 2,20 Mark beschlossen. Ferner wurde durch Mehrheitsbeschluß ein Antrag angenommen, die am 1. Mai aufgestellten Preise aufrechtzuerhalten. Sodann wurde beschlossen, für verschiedene Torfsorten mit Wirkung ab 16. Novembe'' die Verkaufspreise im Rahmen des im Mai von den Organen der Kohlenwirtschaft gebilligten Masse, zu erhöben. Die Marktlage für Ruhrkohle in den letzten Monaten wurde als ziemlich gleichmäßig bezeichnet. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". F r a nk fu r t a. W., 15. Rov. Tendenz: uneinheitlich. — Die weiterhin volllommen unklare rnnerpolitische Lage verursachte im heutigen Börsenverkehr wieder eine merkliche Unsicherheit. Dazu kamen die bisher ergebnislos verlaufenen Besprechungen der beiden Parteien im Eisenkonflikt und die nun erfolgte Aussperrung in der Märkischen Eisenindustrie. Die Spekulation bekundete infolgedessen nur wenig Neigung zu lebhafterer Betätigung, zumal von außen her Orders nur in geringem Umfange erngetrossen sein dürften. Die llmsatztätigkeit war daher wieder recht gering, bei uneinheitlicher Kursgestaltung. Einiges Interesse bestand für Banken, die bis 1 Prozent anzogen; nur Commerzbank etwas niedriger. In Daimler, die erneut 1,25 Prozent gewannen, hielt die Kauftätigleit auf die bis jetzt unbestätigten Gerüchte einer ausländischen Interessennahme an. Auch Kleyer waren gefragt und 3 Prozent fester. R. S. 11. dagegen mit 21 Prozent Wecker schwach. Ebenfalls konnten Schiffahrtswerte die gestrigen Kursgewinne nicht ganz behaupten. Am Chemiemarkt gaben Farben bei kleinen Umsätzen leicht nach, Scheideanstalt stark angeboten und 3 Proz. schwächer. Elektrowerte waren überwiegend schwächer. S ch u ck e r t und Siemens verloren je 1 Proz., Chade-Aktien minus 0,75 Wk. Für Licht und Kraft bestand wenig Interesse bei plus 2 Proz. Montanwerte lagen fast geschäftslos bei wenig veränderten Kursen. Lebhafter gefragt waren Deutsche Linoleum, die 5 Proz. anziehen tonnten. Deutsche Anleihen blieben auf dem erhöhten Abendkursniveau knapp behauptet. Ausländische Renten still. Im Verlaufe wurde die Haltung überwiegend etwas fester, doch formte sich das Geschäft ün allgemeinen nicht beleben. Lebhafter gefragt waren Reichsbank, die 2 Proz. anzogen, und weiterhin Deutsche Linoleum, die erneut 3 Proz. gewannen. Dec Geldmarkt war weiter etwas angespannt. Tägliches Geld 6,5 Proz. Am Devisenmarkt nannte man: Mark gegen Dollar 4,1990, gegen Pfund 20,355, London gegen Kabel 4,8480, gegen Paris 121,10, gegen Mailand 92.58, gegen Madrid 30,06, gegen Holland 12,0790. Berliner Börse. Berlin. 15. Rov. Zu Beginn des offiziellen Börsenverkehrs war die Stimmung nach einem unsicheren Vormittagsverkehr etwas freundlicher geworden. Trotz einer gewissen Verschärfung in der innenpolitischen Lage war man doch der Ansicht, daß in der Panzerkreuzer- Frage ein Kompromiß zustande kommen wird. Wenn die gestrig n Verhandlungen in Düsiel- dorf noch keine (S'.ntgung ergeben haben, hegte man doch im Zusammenhang mit der Reise des Reichsarbeitsministers ins Ruhrgebiet die Hoffnung, daß man in Bälde zu einer Verständigung kommen wird. Unangenehm auf genommen wurde die Aussperrung von 35000 Arbeitern in der Märkischen Eisenindustrie, da man befürchtet, daß die Versorgung der Industrie darunter starker leiden würde. Die Besprechungen in der Reparationsfrage nehmen in Paris ihren Fortgang, so daß eine gewisse Befriedigung hierüber bestand. Wenn das Geschäft auch noch keinen größeren Umfang hacke, beobachtete man doch ein langsames Steigen des Interesses des Publikums sowie des Auslandes, das sich naturgemäß auf einige Spezialwerte beschränkte. Die Ansichten über eine eventuelle Diskont- veränderung in London waren geteilt, infolge der letzten großen Geldabzüge hegt man gewisse Befürchtungen einer Erhöhung. Die ersten Kurse waren gegen die gestrigen Mittagsschluß- lurfe nicht überall behauptet, zunr Teil waren Schwanlungen von 1 bis 2 Prozent festzustellen. Don Kali wert en, bei denen die heutigen Aufsichtsratssitzungen anregten, konnten besonders Salzdetfurth anziehen. Auch Deutsche Linoleum lagen auf die heutigen Pressemeldungen über eine Fusion mit den Linoleum- Unternehmungen 7 Prozent fester. Polyphon waren gefragt und fester. Deutsche An- leihen auf die erwähnt Reneparaliensbesprechun- gen gesucht und fester. Ausländer uneinheitlich. Der Geldmarkt zeigte am heutigen Wirtschaftsmedio (Steuerzahlungen usw.) eine {tariere Anspannung. Tägliches Geld 7, bzw. 6,5 bis 8,5 Prozent. Monatsgeld 7,75 bis 8,75 Prozent. Der Pfandbrief markt hacke geteilte Tendenz. Rach den ersten Kursen wurde es un- einheitlrch und trotz fester Grundstimmung eher niedriger. Später erholte sich das Kursniveau wieder. Polyphon plus 4 Prozent, Elektro- toertc plus 0.5 bis 1 Prozent, Deutsche Waffen plus 4 Prozent, K a l i w e r t e nnnus 1 Prozent. Frauksurier Getreidebörse. Frankfurt a. M, 15. Rov. Der Frankfurter Produktenmaickt verkehrte in ruhiger Hallung. Die Händler geigten eine große Zurückhaltung, da Anregungen von Auslandsecke nicht Vorlagen und Umsätze aus diesem Grunde nur spärlich zustande kamen. Es wurden notiert: Weizen 23,10 bis 25; Roggen 22; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 24,25; inl. Hafer 22,75 bis 23,50; Mais (gelb) für Fuckerzwecke 22,25 bis 22,52; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33,50 bis 24,25; Roggenmehl 29,25 bis 30; Weizeirkleie 13,50 bis 13,60; Roggenkleie 13.75 bis 14. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Rov. Auftrieb: 82 Rinder. 1358 Kälber. 803 Schafe. 482 Schweine. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 64 bis 69, mittlere Mast- und Saugkälber 56 bis 63. geringe Kälber 50 bis 55; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel. Weidemast. 40 bis 45. mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe, 35 bis 39, fleischiges Schaf - Vieh 26 bis 34; Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 77, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 72 bis 76. In allen Diehgattunaen schleppendes Geschäst, ausverkauft. Bei Kälbern ausgesuchte Ware über Rockz. Kunst und Wissenschaft. Oie deutschen Nobelpreisträger. Professor Dr. Adolf Windaus in Göttin^ gen. dem die schwedische Akademie den Nobel» preis 1928 für Chemie zugesprochen hat, hat diese Auszeichnung auf Grund seiner aufsehenerregenden Entdeckung der Uebereinstimmung zwischen dem antirachitischen O-Ditamin mit dem Ego» ftcrin erhalten. Der Gelehrte, der seit 1915 in Göttingen wirkt, steht im 53. Lebensiahre. Die Teck- Nische Hochschule Hannover hat ihn vor einiger Zeit zum Dr.-Jng. e. h. ernannt • Universitätsprofessor, Geheimrat Dr. Heinrich Wieland in München, dem der Nobelpreis 1927 für Chemie zugesprochen wurde, steht als Direktor des Chemischen Laboratoriums des bayerischen Staates an einer besonders wichtigen Stelle der chemischen Wissenschaft und hat einen weck über die Grenzen Deutschlands hinaus reichenden Ruf als Fachgelehrter. Er ist 1877 in Pforzheim geboren. Seine Habilitierung erfolgte 1904. Im Jahre 1909 wurde er außerordentlicher Professor. Vier Jahre später kam er als Vorstand ber organischen Slbteilung des Staatslaboratoriums nach München, worauf 1917 seine Ernennung zum ordentlichen Professor für organische Chemie an der Technischen Hochschule in München erfolgte. 1921 wurde er Ordinarius für Chemie in Freiburg i. Br., 1925 kam er wieder nach München, diesmal als Ordinarius. Von seinen Werken sind vor allem zu nennen wissenschaftliche Arbeiten in der organischen Chemie und Biochemie. Nebenbei hat er die Schriftleckung von „Liebigs Annalen der Chemie" Inne. Wieland ist Mitglied der Akademien von München, Göttingen und Heidelberg. Er wird sich zur Entgegen- nähme des Nobelpreises persönlich nach Stockholm begeben. Vücheriisch. — Franz Schubert und da - deutsche Lied. Von Professor Dr. H. Freiherr von der Pfordten. 3. Auflage. Sammlung Wissenschaft und Bildung. Gebunden 1,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig (417). — Dieses liebenswürdige kleine Buch, das anläßlich der Schubertfeiern in neuer Ausstattung erschienen ist, wird bei jedem Freund Schubertscher Musik mit begeisterter Zustimmung auf genommen werden. Die Art, wie hier das künstlerische Verhältnis des Komponisten zu seinen Dichtern erörtert wird, die eingehende Untersuchung der verschiedenen stilistischen Fragen, schließlich die genaue Analyse der Lieder hinsichtlich ihres Stlls, ihrer Kompositionstechnck usw., das alles verrät ebenso den gründlichen und geschmackvollen Kunstkenner wie den gewissenhaften Forscher. — Aus der Reihe „Hackebeils 1-Wark- Düdjer“ liegen vor: Band 4: „Tumult der Herzen", von Lola Stein. Band 5: „Wih L i l l e b i l aus 11.0. 21., von Ludwig v. W oh ll Band 6: „Blut zu Blut", von Fr. W. von Oe stören. Band 7: „De r Sende r und die Sängerin", von Felix Reumann. Verlag Guido Hackebeil, A.-G., Berlin 8 14. (591) — Es handelt sich hier um flüssig geschriebene, angenehm spannend geschriebene llnterhaltungsromane, die sich übrigens auch durch fvliide Ausstattung und Wohlfeilheit empfehlen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Devisenmarkt verlin—Frankfurt a.2Tl. Telegraphische Auszahlung. 88 88,13 116.6 135,5 2t 210 8 149,25 Banknoten. tzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Die hinter den die der 21.5 los 210.25 149,5 o 4 S , 8 10 3 8 W 8 135.75 22 105 247.7. 60.6 107 289 248,5 60 108.75 289.5 22 71.25 121,9 Ludw. Loewe . . . 91 at Automobil . . Cwnfteta 6 fic-DOd Leonhard Tietz Bamag-Meguiu . , Franks. Mischin« . Srttzner . « Hehliaenstaedt . « Jung Han». . . < Lech weite. . . . « Mainkraltwerk» . . Tltofl. . • < Nekarsulmer . . . Peter» Union . . . Gebr. Roeder . . . Boigt 4 Haeffner . 6übb. fludci . . . 10 — 0 — 6 — 6 — , O — , 6 — 11 121.75 JraiiUfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Schluß 1-Uhr- Sch.uh- Anjang Schluß- l-Uhr- Sch.uh. iUn|ang Ättrs | Kur» ÄUT6 Kur» Kurs Kura Kurs Kur» Dalum 14 11. 15. 11. 14 11. 15 11. Datum: | 14. 11. 15 11 14. IL | 15.11. 6% Dt. «eichtanleihe o. 1987 87,25 — 87,5 — A.E.G.......... . 8 189.25 188,75 189 188 Dt. Nnt..Ablöi.-Schuld mtl 0u5- 51,1 51 öl Bergmann........ . 9 — — 222.75 223, Wl.-Rechlen 51 Otto. Lieferung«..... 10 175.25 — 172.75 173,5 DHflL ohne LuNch.-Rechte . . . 7% Frankl. Hhp.-Bl. Soldps. uit- 14,9 14,85 14,3 14,9 Licht und Kraft ..... 10 240.75 242.75 240.25 241 Reiten & Guilleaume.... Ges. s. Eiektr. Untern.. ... . 6 151.5 151,5 151.75 152.4 kündbar bi» 1932 90 — — — 10 274 273,75 273.5 273.25 4*4% Rheinische Hyv^B-mk Lian.» Boldps. ■ • Hamb. Eiektr. Werke .... 10 — — 148 148 — —- - Rhein. Eiektr. . ..... . 9 — 161 160.2j 160.75 0JJ.® aba Borkriegt-Obligation., rückzahlbar 1933 Schics. Eiektr........ 10 — — 230 229.3 88 — * Schuckert ........ . 8 240 -39 239,75 238,7- 4% Schweiz. BundeSb.-Anl.. . . 4% Oefterreichische «öoldrte.. . - 96,25 — 32,3 2,5 — Siemens & HalZk» . • • • • Transradio . . ...... Laümever »a3..... . . 8 — — 194 19o Daimler Motoren . . . . . 0 92 93.25 9L5 93 Demag ...... . . 0 —- — 49.5 49.2.5 Adlerwerke Kiever . . . • . 5 109 112 109 110,5 14. November 15 Novemb r Amtliche Non.runa Amtliche Notierung Geld Briet 'Seid 1 Brie' SlntfL» Rott- 168,31 1,769 (6?, 65 1.773 168,27 1,768 [65761 1,773 Brff.-Äntw- 58,27 58,39 58.265 58.38a 111,77 111,99 111.74 111.96 Äopenbaflen 111,83 112,05 111,77 111,99 Stockholm . 112,10 112,32 112,09 112,31 Heksingiors. 10.55 10.57 10,55 10,57 Aralien. . . 21,965 22,005 21,97 22,01 London. . . 20,333 4,1950 20,373 20,332 20,372 Neuyork . . 4,2030 4,1940 4,2020 Pari«.... 16,375 16,415 16..,7 16,4t Schweiz . . 80,72 60,88 80,725 80,88.« Spanien . . »7,57 67,71 07.57 67.61 yavan . . . Nto de Aan. 1.947 1,951 1,950 1,951 u.500 0.502 0.501 0.503 Wien in Oeft abgefl. 58,32 59,04 58,62 59,64 12,43 12,45 12,427 12,447 7,368 7,382 7,369 7,383 vudaveki. . «nkparien . 73,11 ^031 73,25 3,037 73,105 »,029 73,24,5 <«,035 Lissabon 18,88 18,92 18.88 18,92 Damig. . . Konstantin. 81,29 2,106 81,45 2,110 81.29 2,107 ol,45 -.111 Athen- . . 5,425 6,435 5,425 5,435 Lanado 4,190 4,198 4,190 4,198 Urnnae . 4,286 4,294 4,285 4,291 Un . . . 20.858 20.898 ‘0,855 20.895 Berlin, J4. November >!»eid Brrei Amerikanische Nore»..... Belgische Noten ...... Dänische Noten ........ Englische Noten........ -liÜT 111,48 20.302 4,197 58,40 111,92 41.382