Ur. 39 Erster Blatt 178. Jahrgang Mittwoch, 15.5ebruar 1928 •r|*«twt l4|ltA,aefctt Sonntags anb Fstertogs. Bttiefte: •tefrentt (JamtltenNatter Heimat ha Bild Die Scholle Hoeau-Beytesprets: 2 Reichs inart und 20 Reichspienntg für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzeln er Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger rieste«. Postscheckkonto: Lranksnrl am Main 1168«. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vni» ent Verla«: vrShl'lch« «nwerfil«r.s»ch. ttnö stttnbrnierd 8. lang« ht 6t*n. Schrift! ettmig an« «eschäflrfteNe: rchnlftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re. Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° 0 mehr. Thefredaktteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich ht Gießen. Das neue hessische Kabinett vor -em Landtag. Bürgermeister Adelung zum hessischen Staatspräsidenten gewählt. Don unserer Darmstädter Redaktion. Darmstadt, 14. Febr. Wegen der Wahl deS Staatspräsidenten und der Vorstellung des neuen Kabinetts ist der Hessische Landtag auf freute vormittag einberufen. Die Tribünen sind überfüllt. Präsident N u h eröffnet um 10.30 Llhr die Sitzung und gibt die Tagesordnung bekannt. Abg. Kaul (Soz.) teilt mit, bah Staatspräsident Tllrich es obgelehnt hat, wieder für den Posten des Staatspräsidenten zu kandidieren. Gr spricht ihm im Namen der Soz. Partei herzlichen Dank aus für seine Leistungen im Dienste des hessischen Volkes. Sn gleicher Weise stattet der Redner auch dem scheidenden Minister für Arbeit und Wirtschaft, Raab, den Dank seiner Partei ab. Ferner entbot er herzlichen Dank dem erkrankten Finanzminister Hen- r i ch für seine Tätigkeit. Abg. Kaul schlug dann den Abgeordneten Adelung für die Wahl zum Poften des Staatspräsidenten vor. Abg. Angermeier (Komm.) schlägt im Namen seiner Partei den Abg. G a l m als Staatspräsidenten vor. Vei der Abstimmung wurden abgegeben 68 Stimmzettel und zwar für den Abg. Adelung (Soz.) 42 Stimmzettel mit ja, 19 weihe Stimmzettel, für den Abg. G a l m (Komm.) 5, zersplittert waren zwei Stimmen, ein Zettel trägt den Namen Binchen Vimbernell (eine Scherzfigur des Darmstädter Humors). Der Präsident stellt fest, daß Abg. Adelung mit absoluker Stimmenmehrheit gewählt ist. Abg. Adelung nimmt daS Amt des Staatspräsidenten an und unterbreitet dem Hause folgende M i n i st e r l i st e. Er schlägt vor, die Berufung des bisherigen Ministers Kirn- berger zum Finanzminister und Sustizminister sowie zum Stellvertreter des Staatspräsidenten, ferner die Berufung des Abg. L e u s ch n e r zum Innenminister und die Berufung des Abg. K o r e 11 zum Minister für Arbeit und Wirtschaft. Sodann ein selbständiges Ministerium für Kultus und Bildungswesen, das ihm selbst unterstellt wird. Der Präsident teilt mit: Ein kommunistischer Antrag liegt vor, die -Zahl der Mitglieder des Kabinetts auf zwei zu beschränken und die ersparten Mittel zum Bau von Arbciterwohnungen zu verwenden. Die Volksrechtsvartei hat einen Antrag eingebracht, die Zahl der Minister auf höchstens drei festzusetzen. Hierauf wird der neue Staatspräsident Adelung vereidigt: er gelobt in diesem Eide die Pflichten eines Staatspräsidenten auf das gewissenhafteste zu versehen. Präsident Nuß erinnert in einer kurzen Ansprache daran, daß am 13. Februar 1919, also gestern vor 9 Jahren, Abg. Adelung zum Landtagspräsidenten gewählt worden war. Er lobt die Tlnparteilichkeit seiner Amtsführung und spricht die Hoffnung aus. daß er das Staatsschiff Hessens glücklich durch alle Fährnisse führen werde einer besseren und freieren Zukunft entgegen. Die Abgeordneten Hamann (Komm.) und Axt (Dolksrechtspartei) begründen in längeren Ausführungen die Anträge ihrer Parteien. Die Anträge werden jedoch abgelehnt: die Vorschläge des Staatspräsidenten, die in Form eines Antrages oorliogen, angenommen. — Staatspräsident Adelung ergreift dann das Wort zu folgender Regierungserklärung: Der Landtag hat eine neue Regierung gewählt und bestätigt. Meine Herren Kollegen und ich übernehmen das Regi. mgsamt, das von unseren Vorgängern neun Jahre lang ununterbrochen geführt wurde. Ich bin überzeugt, den Gefühlen aller Kreise unseres Hessenlandes Ausdruck zu verleihen, wenn ich an die Spitze der ersten Erklärung, die ich vor dem Parlament abgebe, den herzlichsten Dank setze, den wir den Männern zu zollen haben, die während der schweren, unheilschwaugeren Jahre, die über unser Volk dahingegangen sind, die Geschäfte des Staates mit soviel Tatkraft, Umsicht und Geschick geführt haben. Der Staatspräsident erwähnt die Namen Ulrich und Raab und erklärt auch Finanzmini- ster H e n r i ch sei zu seinem großen Bedauern durch eine schwere Erkrankung gezwungen, sich von seinem Amte zurückzuziehen. In dem zähen und aufreibenden Kampf um die Gesunderhaltung der hessischen Finanzen habe er zweifellos die Rücksicht auf die eigene Gesundheit erheblich zurücktrcten lassen. Er sei gewiß, im Sinne der gesamten Bevölkerung zu sprechen, wenn er dem ausscheidenden Finanzminister Henrich herzliche Wünsche zur baldigen Genesung entbiete und damit den aufrichtigen Dank des Landes verbinde für die unverdrossene und zielklare Arbeit an der Spitze der hessischen Finanzverwaltung. Der Staatspräsident fährt dann fort: Meine Damen und Herren, es wird unser eifrigstes Bestreben sein, unfern Vorgängern im Amte an^ Arbeitsfreudigkeit und Gewissenhaftigkeit nachzueisern. Dor allen Dingen wird es das lebhafte Bemühen der Regierung sein, den befonberenJlofen der besetzten Landesteile Rechnung zu fragen. Dir werden alle Bestrebungen fördern, die dazu dienen, die außenpolitische Lage zu entspannen und die neeignet sind, mit Beschleunigung die Entfernung der fremden Besatzung und eine Befreiung der besetzten Gebiete herbeizu- führen. Wir werden unablässig bestrebt bleiben, die Absichten der Reichsregierung zu stärken, dem wirtschaftlichen und kulturellen Notstand des besetzten Gebietes durch Bereitstellung von Reichsmitteln entgegenzuwirken. Das gesamte Deutschland muß dem Hessenlande seine durch die fremde Besatzung bedingten Sonderlasten tragen helfen. Die bekannten schwebenden finanziellen Verhandlungen Hessens mit dem Reich werden mit aller Energie weitergesührt werden. Die Neuordnung der Staat- lichen Verhältnisse in Deutschland, insbesondere das Verhältnis der Länder zum Reich, wird Gegenstand eingehender Erwägungen sein, wobei besonders die Frage im Vordergrund stehen muß, dah die wichtigen wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Bevölkerung des Landes gebührend berücksichtigt bleiben. Die in Vorbereitung befindliche Derwältungs- r^form soll beschleunigt durchgeführt werden. Hierbei werden die Beschlüsse der Kommission, die die Anregungen des Reichssparkommissars zu beraten hat, von wesentlicher Bedeutung sein. In Verbindung mit der Derwaltungsreform wird es sich bei grundsätzlicher Anerkennung des fachlich ausgebildeten Berufsbeamtentums erforderlich erweisen, um das Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Behörde noch intensiver zu gestalten, auch einzelne besonders eng mit dem Volke verwurzelte Persönlichkeiten, die nicht denr eigentlichen Demifsbeamtentum entstammen, an für sie geeignete Verwaltungsstellen zu berufen. Sine auf der Reichs gründ- läge aufgebaute Desoldungsordnung ist in Vorbereitung. Die hessische Regierung erwartet vom Reich, dah es ihr auch hier die finanziellen Schwierigkeiten überwinden hilft. Auch weiterhin wird das Schulgesetz vom Jahre 1921 — unbeschadet einer etwaigen reichsgesetzlichen Regelung — die Grundlage für die Schulpolitik zu bilden haben. Die hauptsächlichen Landessteuern, die Grund-, Gewerbe- und Svndergebäudesteuer, befinden sich zur Zeit in einem Llebergangsstadium, dessen baldige Beendigung von der Regierung für dringend erachtet wird. Die Maßnahmen der Regierung hängen aber wesentlich von der kommenden Reichsgesetzgebung, insbesondere dem Steuervereinheitlichungsgesetz, ab. Die Reichsregierung erstrebt das Inkrafttreten dieses Gesetzgebungswerkes zum 1. April 1929. Wird dies erreicht, so soll zu diesem Zeitpunkt die hessische Grundsteuer nach den Vorschriften des Grund- steuerrahmengesehes unter Anwendung der reichs- gesehlichen Einheitswerte nach dem Hauptfeststellungszeitpunkt vom 1. Januar 1928 erhoben werden. Ebenso wird dann die hessische Sonder- gebäudesteuer durch die reichsrechtliche Gebäudeentschuldungssteuer in hundert Teilen der Friedensmiete unter Berücksichtigung von Eigenkapital und dinglicher Belastung des Steuergegenstandes ersetzt. Für 1928 läßt sich der Notbehelf der derzeitigen Steuervorauszahlungen nicht beseitigen, weshalb für das ganze Reichsgebiet die Bindung an die Einheitswerte durch besonderes Reichsgeseh für 1928 ausgehoben werden wird. Der Entwurf liegt bereits vor. Bei der Gewerbesteuer dagegen wird deren Veranlagung nach Maßgabe materiell rechtlicher Vorschriften schon für 1928 geplant, da hier eine älmstellung technisch am leichtesten erreichbar ist und diese Besteuerungsmerkmale am meisten veraltet sind. Die Steuerzahlungen für die Steuerjahre 1925 bis 1927 sollen nach den im Sommer 1927 abgegebenen Erklärungen als endgültige gelten. Die Regierung wird aber in einem dafür zu erlassenden Gesetze Sorge tragen, dah Rechtsmittel dagegen nachträglich gewährt und Härten abgestellt werden tonnen. Ebenso ist die Regierung bestrebt, die Steuer- belaslung auf keinen Fall zu erhöhen, sondern sie im Rahmen des finanziell Möglichen erträglicher zu gestalten. Es wird eine dringende Ausgabe der Regierung sein, die durch Mißernte und elementare Ereignisse in Qtot geratenen Teile der Landwirtschaft zu entlasten. Darüber hinaus wird die Regierung bestrebt fein, die Landwirtschaft in ihren berechtigten Interessen zu fördern, insbesondere wird sie den Bestrebungen aus Betriebsumstellung und Betriebsverbesserung Unterstützung gewähren. Die Werktätige Bevölkerung wird in der Regierung einen tatkräftigen Anwalt ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen haben. Sie wird sich mit allen Kräften einsetzen für die Linderung der Not der Erwerbslosen, Kleinrentner, Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter- 'bliebenen. Die Regierung erkennt mit Sorge die große wirtschaftliche Gefahr, die durch den Beschluß des deutschen Metall-Industriellen- Verbandes vom 22. Februar 1928 ab eine Generalaussperrung ihrer Arbeiter ein treten zu lassen, _ herbeigeführt wird. Die Regierung wird bemüht sein, mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften bei den zuständigen Reichsstellen auf eine Beilegung dieses Konfliktes hinzuarbeiten, umsomehr, als auch große Teile der hessischen Wirtschaft und Arbeiterschaft bedroht sind. In der Hebung deS Gewerbes, in allen seinen Teilen, erblicken wir eine wichtige wirtschaftliche und soziale Aufgabe. Gern wird sich die Regierung bei ihrer Arbeit des Rates der wirtschaftlichen Vertretungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedienen. Die Regierung wird bei der bevorstehenden Beratung des Voranschlags für 1928 Gelegenheit nehmen, die hier aufgeworfenen Fragen eingehend zu behandeln. Wir werden, meine Damen und Herren, gestützt auf das Vertrauen der Mehrheit dieses Parlamentes, unsere Aufgaben zu erfüllen suchen. Aber auch die Mitglieder dieses Hauses, die aus politischen Erwägungen sich behindert fühlten, der Regierung ihre Stimme zu geben, dürfen sich versichert halten, dah uns eine sachliche Kritik unserer Arbeit sehr erwünscht ist. Die Regierung wird alle Anregungen gewissenhaft prüfen imb sich bemühen, alle Kräfte zusammenzufassen, die geeignet sind, unserem Volk und unserem Vaterland Fortschritt und Wohlfahrt zu sichern. Die Aussprache über die Regierungserklärung wird von dem Abg. Scholz (D. Vp.) mit einer Gegenerkiärung eröffnet, worin ausgeführt wird, daß die Fehlbeträge im Staatshaushalt schwinden mühten und eine Herabsetzung der Staatsausgaben notwendig sei. Dringend notwendig sei auch eine Erleichterung des unerträglichen Steuerdrucks. Der Redner verlangt HUse für die in einem Existenzkämpfe befindliche Landwirtschaft, Zusammenziehung aller schaffender Faktoren, sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer. Weiter bespricht der Redner die Verhandlungen zur Regierungsbildung und bedauert es, dah kein Kabinett auf breiterer Basis entstanden sei, woran die mangelnde Bereitschaft deS Zentrums Me Schuld habe. Es hätten sich ilebereinflimmimgen ergeben mit der Sozialdemokratie und der Demokratie in der Verteidigung der Simultanschule und in der Notwendigkeit der Entwickelung zum Einheitsstaat: öie gegenwärtige Regierung besitze die äleberein- stimmung in diesen grundsätzlichen Fragen nicht. Die Regelung der Verhältnisse im Kultusnnni- sterrum und die Besetzung des Gesandtenpostens entsprächen den Anschauungen der Deutschen Dolkspartei nicht. Es sei zu bezweifeln, dah die neue Regierung die großen Aufgaben der Staats- organisativn, der Verhandlungen mit dem Rejche, der Steuerermäßigung und der Produktionspolitik lösen könne. Deshalb werde die Deutsche Volkspartei der Regierung ihr Vertrauen versagen und ihr in sachlicher Oppositton entgegen treten. Abg. Glaser (Landbund) bezeichnet das, was über die Landwirtschaft in der Erklärung gesagt wird, als völlig unzureichend, namentlich was über die Grundsteuer bemerkt worden fei. Die Landwirtschaft wolle keine Kredite mehr, sondern bessere Preise für ihre Erzeugnisse und eine Neuregelung der Zollfragen. Abg. Dr. Werner (Dn.) erklärt, dah seine Partei sich der neuen Regierung gegenüber wie zur alten verhalten und ihr in sachlicher Opposition gegenübertreten werde. Eine andere Wahl der Minister wäre vom Lande besser ausgenommen worden. In seinen weiteren Darlegungen bemängelt der Redner u. a., dah das Derufsbeamtentum durch das neue Kabinett zurückgedrängt werde. Die Sozial- demokratte sei trotz mangelhafter Strategie aus den Verhandlungen zur Regierungsbildung als Sieger hervorgegangen. Es sei möglich gewesen, ein Kabinett der bürgerlichen Mitte zu bilden und es sei nicht notwendig gewesen, das Ministerium des Innern der Sozialdemokratie zu überlassen. Als Oppositionspartei würden die Deutschnationalen der Regierung mit Mißtrauen gegenüber treten, sich aber von Fall zu gall entscheiden. Abg. von der Schmitt (Korn.) verliest eine längere Erklärung, die gegen die Regierung gerichtet ist, insbesondere auch gegen Me Sozialdemokratie. Die Kommunisten würden die Regierung bekämpfen, um ihr Ziel, Me Errichtung der Diktatur deS Proletariats, zu erreichen. Abg. Dr. Wolf (Dolksrechtspartei) vermißt in der Regierungserklärung eine klare Stellungnahme zum Kleinrentnergesetz und zur Aufwertungsfrage. Seine Partei werde ihre Oppositton je nach dem Fall einrichten. Abg. Kaul (Soz.) gibt im Namen der drei Regierungsparteien eine kurze Erklärung ab, Me dahin geht, dah sie sich, unbeschadet der Partei- auffaffungen, auf den Boden der Regierungserklärung stellen und sich Vorbehalten, noch zu den Einzelheiten Stellung zu nehmen. Die Krisis der Negierungskoalition Letzte Rettungsversuche. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 15. Febr. Während der Reichstag sich unter allgemeiner Interesselosigkeit durch die einzelnen Kapitel des Arbeitsetats hindurcharbeitet, werden in den Fraktionen die letzten Versuche zur Rettung des Schulgesetzes und wegen der Koalition gemacht. Tatsächlich freilich handelt es sich um Versuche am untauglichen Objekt: selbst die Kampferspritzen, die jetzt von den Deutschnationalen gegeben werden, kommen zu spät, weil die gegenseitige Verärgerung innerhalb der einzelnen Koalitionsparteien zu groß geworden ist, als dah sich überhaupt die Möglichkeit einer Verständigung noch finden ließe. Voraussetzung für ein Zusammengehen in einer Koalition ist eben ein gewisses Minimum an Vertrauen, das beim Zentrum ja von vornherein nicht allzu groß gewesen ist. Das Zentrum ist aber schon seit Monaten der Stimmungsmache der Opposition erlegen und hat zugelassen, daß die Temperatur innerhalb der Regierung immer’roeitcr sank. Diese Abkühlung hat um sich gegriffen, so daß jetzt die Wechselbeziehungen zwischen den Parteien, die einander doch eigentlich gegenseitig stützen sollten, kaum noch als normal zu bezeichnen sind. Wenn deshalb die Besprechungen über das Schulgesetz erneut ausgenommen sind, so ist das geschehen wohl nicht so sehr in der Hoffnung auf ein positives Ergebnis, als aus Gründen des Zeitgewinns. Das Zentrum zum mindesten ist entschlossen, Schluß zu machen: es weiß nur nicht, was dann geschehen soll, und um darüber Klarheit zu gewinnen, haben auch am Dienstag wieder die interfraktionellen Besprechungen trotz stundenlanger Dauer ihr Ende noch nicht gefunden, sie sind vielmehr auf Mittwoch vertagt, der nun die endgültige Klärung nach der posittven oder negativen Seite bringen soll. Aber das ist uns ja schon seit Wochen versprochen worden, die Krise hat sich tapfer im Kreise gedreht und vielleicht erscheint es noch einmal nützlich oder notwendig, eineletzteSchon- frist einzuschieben, zumal da die Schatten des beginnenden Wahlkampfes schon auf den Reichstag gefallen find und das Zentrum das Bedürfnis hat, zu seiner Rechtfertigung die Derantwortting für das Scheitern der Koalition, die fie in vollem Umfange tragen muß, von sich auf andere Schultern abzuschieben. Dazu soll die Deutsche Dolkspartei herhalten, und auch die Deutschnationnlcn arbeiten in derselben Richtung, vielleicht weil sie glauben, daß sie dadurch für jetzt und für später wieder eine Flankendeckung beim Zentrum finden werden, obwohl doch nach allem, was geschehen ist, heute bereits sicher feststeht. daß im neuen Reichstage das Zentrum unter allen Umständen mit den Sozialdemokraten Zusammengehen will. Das ist eine Ent- Wicklung, die sich nicht mehr aushalten läßt, obwohl gerade das Zentrum sich sagen müßte, daß dann seine Hosssnungen auf ein Schulgesetz für absehbare Zeit begraben sind. Jetzt handelt es sich lediglich darum, was noch an den Ausgaben des Reichstages zu retten ist. Man will den Etat fertig machen, man will auch die Rotmaßnahmen für die Landwirtschaft noch beschließen, die gequälten Auslanddeutschen sollen neuerdings leer ausgehen. Und das alles nur, weil Zentrum und Deutschnationale sich hoffnungslos auf daß Schulgesetz festgebissen haben, obwohl an sich nicht einzusehen wäre, weshalb nicht die Vorlage zurückgezogen werden könnte und im übrigen die ordnungsmäßige Arbeit bis zum Herbst weitergeht. Aber daran ist gar nicht mehr zu denken. Es fragt sich nur, wann man wählen wird, und wahrscheinlich werden wir darauf abkommen, daß wir nun doch vor den Franzosen zu den Neuwahlen antreten. Noch keine Entscheidung. Die interfraktionellen Verhandlungen vertagt. Berlin. 14. Febr. (WTB.) Der unter dem Vorsitz des Grasen Westarp zu heute vormittag einberufene interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien befaßte sich in dreistündiger Aussprache mit den inzwischen von allen Regierungsparteien formulierten A b - änderungswünschen z u*m Reichsschulgesetzentwurf. Seitens der Reichsregierung nahmen wieder der SteUvertreter des Reichskanzlers. Reichsminister H e r g t. Reichsminister des Innern v. K e u d e l l und der Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r teil. Mit dem Ergebnis dieser interfraktionellen Aussprache werden sich noch im Lause des heutigen Tages die Fraktionen befassen. Die abschließende Stellungnahme des interfraktionellen Ausschusses zum Reichsschulgesetzentwurf ist für morgen vormittag vorgesehen. Reichstanzler Dr. Marx, der noch das Bett hüten muß und daher am unmittelbaren Vortrag bei dem Herrn Reichspräsidenten verhindert ist, empfing im Anschluß an die heutige interfraktionelle Besprechung im Beisein des Staatssekretärs Dr. Pünder den Staatssekretär im Bureau des Reichspräsidenten. Dr. Meißner, zur näheren Orientierung des Herrn Reichspräsidenten über die politische Gesamtlage und die Auffassung des Reichskanzlers. (Sfepfte beim Zentrum. Berlin, 14.$ebt. (IBB.) Die Zentrums- Fraktion des Reichstages hielt im Anschluß cm die heutige Plenarsitzung eine längere Sitzung ab, über die folgender Bericht ausgegeben wurde: „Die Zentrumsfraktion des Reichstages erörterte in ihrer heutigen Abendsihung den Bctidjt über den Stand der Verhandlungen im interfraktionellen Ausschuß. Beschlüsse werden nicht gefaßt. Die Beurteilung der Gesamtlage ist in der Fraktion nach wie vor eine skeptische, was den Erfolg der Verhandlungen angeht. Sollte eine E i - nigung über das Reichsfchulgefeh jroifdjen den Regierungsparteien nicht zu erreichen fein, dann würde die Koalition als gelöst anzusehen sei«. 3n diesem Falle wären baldige Reuwahlen die notwendige Folge." Ein Schritt zur (Steuerreform. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 14. Febr. Bei Verabschiedung des Gesetzes zur Aenderung des Einkommensteuer- gesehes am 2. November 1927 beschloß der Reichstag die Regierung zu ersuchen, einen Ausschuß einzusehen, um die Frage zu prüfen, ob die Einkommen st euerschähung en nicht nach dem dreijährigen Durchschnitt erfaßt werden könnten, was auch für die Körperschaftssteuer nur von Vorteil sein dürfte. Daraufhin hat der Reichsfinanzminister eine Kommission gebildet, die sich aus Vertretern des Reichsrats, des Reichstags, der Wissenschaft und der Praxis zusammenseht und die nun, wie bereits gemeldet, im Reichsfinanzministerium zusammentritt. Damit wird der erste Schritt zu der schon seit langem theoretisch erwogenen Steuerreform getan. Man darf dies auf jeden FaN begrüßen, denn zumal bei der Einkommensteuer hat die Praxis gezeigt, daß hier bei der Erhebung außerordentliche Schwierigkeiten bestehen, die nur auf der Kompliziertheit des Verwaltungswesens der Steuerbehörden, die in den verschiedenen Ländern sogar noch recht unterschiedlich sind, beruhen. So hat die Statistik z. D. festgestellt, daß dadurch sogar Verluste eintreten, die bei einem rationierten Steuerverfahren unbedingt vermieden werden könnten. Sn Ergänzung zu diesen Maßnahmen hat der Reichsfinanzminister ja bekanntlich seinerzeit auch noch einen Erlaß herausgegeben, der die steuerliche Berück- sichtigung der schwierigen Lage der Landwirtschaft verfolgt. U. a. ist damit ein System in der Behandlung besonders schwieriger Fälle gegeben, denen durch Stundungen und Herabsetzungen der Einkommen-, Umsatz- und Vermögenssteuer Rechnung getragen werden soll. Es entspricht den Tatsachen, daß die Finanzämter in diesen Tagen angewiesen werden, dem Erlaß des Reichsfinanzministers entsprechend zu handeln. Zur Aussperrung in der Metallindustrie. Berlin, 14. Febr. (WTD.) Der Reichs- arbeitsminister hat sich mit Rücksicht auf die drohende Ausdehnung des Kampfes in der mitteldeutschen Metallindustrie entschlossen, von Amts wegen ein neues Schlich tungsver- fahren einauleitcn. Die Verhandlungen finden voraussichtlich am Freitag, dem 17. Februar, im Reichsarbeitsministerium statt. — Der den Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften angehörende Gewerkverein deutscher Metallarbeiter erläßt heute eine Erklärung, in der es heißt: Der Hauptv»-rstand des Gewerkvereins deutscher Metallarbeiter erblickt in der Maßnahme des Gesamtverbandes deutscher Metallindustriellereinen Verstoß gegen bestehende Tarifverträge. Für die sich daraus ergebenden Folgen wird der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller die volle Verantwortung zu tragen haben. Die von der Aussperrung betroffenen Mitglieder des Gewerkvereins werden in der Verfechtung ihrer Tarifrechte volle Unter- stützung erfahren. Das amerikanische Marineprogramm. Kanonenpulver nützlicher als „Reispuder" sagt Mr. Wilbur. Indianapolis. 14. Febr. (WB.) Der amerikanische Marinesekretär Wilbur führte in einer Rede aus. die Regierung werde mit Telegrammen, Briefen und Entschließungen überschüttet, in denen die Absender ihrer B e st ü r - zung über das neunjährige Marine- Programm zum Ausdruck bringen, dessen Ausführung 7 40 Millionen Dollar kosten würde. Wilbur bedauerte diese Kritik an der Regierung und erklärte, die Frauen gäben in den Vereinigten Staaten jährlich das Doppelte dieses Betrages fürVerschöne- rungsmittel aus. Kanonenpulver sei aber manchmal nützlicher als Reispuder. Von zuständiger Stelle wird weiter erklärt, die Regierung sei der Auffassung, daß der Bau der in dem neuen Marineprogramm vorgesehenen 2 5 Kreuzer für die unmittelbaren Bedürfnisse ausreiche. Die Pläne für den Bau weiterer Zerstörer, Unterseeboote und Flugzeugmutterschiffe seien nicht so dringend. Es wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß der Präsident sich gegenüber Mitgliedern des Marineausschusses bed Repräsentantenhauses erneut gegen eine Belebung des Wettrüstens ausgesprochen und daß der Kongreß nur einen Teil der von der Marine ongeforderten Mittel bewilligen wird. Vsquiih f. London, 15. Febr. (WTB. Funkspruch.) Lord Oxford and Asquith, Premierminister des liberalen Kabinetts, das England in den Krieg führte, ist an einer schweren Bronchitis heute morgen gestorben. - Fast ein Vergessener, ist Asquith, der in seinen letzten, Lebensjahren Lord Oxford hieß, in Vereinsamung und Bitterkeit gestorben. And doch war er eine Persönlichkeit, die fast ein MensGeaalter hindurch das innerpott tische Leben Englands maßgebend beherrschte. Gladstone hatte ihn entdeckt und in verhältnismäßig jungen Jahren zum Innenminister gemacht. Rach dem Tode Campbell- Bannermans übernahm er 1908 die Führung der Partei und das Ministerpräsidium, das er tn den Krieg hinein führte, bis ihn Lloyd George, den er erst zum Schahkanzler gemacht hatte, aus seinem Amte verdrängte. Asquith war 'Imperialist und Sozialist, er war Oer Wehretat keine Luxusausgabe. Reichswehrminister Or. Groener im Haushaltsausschuß. Berlin, 14. Febr. (VDZ.j 3m Haushalts- ausschuß erklärte Reichswehrminister Groener: Der Verlauf der Debatte hat ergeben, daß zwischen meinen Anschauungen und denen der meisten Abgeordneten eine weitgehende lleberein- stimmung herrscht. Das zeigt mir, daß ich den richtigen Kurs steuere. Wir werden uns bemühen, einen zuverlässigen und leistungsfähigen Offizierersatz zu erlangen, dessen Gesinnung über allen Zweifel erhaben ist. Für die Nichtabiturienten und Bolksschüler ist es schwierig, sich das nötige Bildungsniveau zu verschaffen; daß es möglich ist, zeigen mancherlei Beispiele. Dem Reichsheere gehören seit dem Bestehen im ganzen 209 ehemalige Unteroffiziere als Offiziere an. Ob es immer glücklich ist, darauf hinzuweisen, daß eine Anzahl Offiziere aus dem Unteroffizierstande stamme, ist mir sehr fraglich. Mit dem Moment, wo sie Offiziere geworden sind, sind sie vollwertige Offiziere. Wir dürfen keinen gesellschaftlichen Unterschied machen; damit würde die Einheitlichkeit und die gemeinsame kameradschaftliche Gesinnung, die alle umschlingt, völlig zerstört werden. Die Beförderung und die Besoldung sind nicht so glänzend, wie es vielfach geglaubt wird. Bei der Beförberuna zum Oberleutnant ist ein Durchschnittsalter von 27$ Jahren ermittelt, zum Hauptmann von 33 Jahren. Rach den Erfahrungen des Weltkrieges und meiner festen innersten ilebergeugung ist es ungeheuer wichtig, daß die Führer jung gehalten werden, das, was wir jetzt aber bei unseren Beförderungsverhältnissen erleben, geht über die Sahre hinaus, die ich für den Aufbcru unserer Führung für zweckmäßig halte. Aus dem politischen Kampf der Meinungen muß die Reichswehr herausbleiben. Die Beziehungen zu den Bünden spielen immer noch eine Rolle. Durch die bekannte Verordnung ist aber der Wehrmacht die politische Betätigung wie jegliche Zusammenarbeit mit politischen Vereinen verboten. Meine persönliche Einstellung zu den Bünden geht dahin, daß ich es nur begrüßen kann, wenn die Ertüchtigung unserer Jugend, ihre sportliche Ausbildung von allen gleichmäßig gut Betrieben würde und das Ziel wäre eine tüchtige, körperlich leistungsfähige. geistig freie Jugend heranzubilden. Mit ande.en Worten: die Grundlage zu schaffen für eine Ertüchtigung des ganzen Volkes, ©in abgesagter Feind bin ich aber von jeder Svldatenspielerei. Das Reichsbanner Schwarz-Rvt- G o l d hat Polittschen Charakter und hat das auch wiederholt ausgesprochen. Der Arbeiter- Turn - und Spvrtbund bezeichnet sich selbst als auf dem Boden des Klasseickampses stehend. Die Kriegervereine haben ihren unparteilichen Charakter nicht nur betont, sondern bewiesen. Das Flaggen am Tage der Reichsgründung, das hier berührt wurde, ist vom Reichspräsidenten Ebert am 11. April 1921 angeordnet worden. Sch habe keine Absicht, an dieser Verordnung etwas zu ändern. Sch werde mich nie scheuen, von der Wehrmacht der Deutschen Republik zu sprechen. Sch hoffe, daß das auch von den Offizieren so ausgekaßt wird, daß es leine Schande ist, dem neuen Staate zu dienen. Der Wehretat ist keine Luxusausgabe und wenn wir sparen, müßten wir an einer weniger dringlichen Sache sparen. Die Reichswehr ist, wie ich mich bereits unterrichtet habe, viel besser als ihr Ruf. Sie dürfen wirklich das Vertrauen haben, daß die Reichswehr ein absolut zuverlässiges Snftrument der verfassungsmäßigen Regierung sein und bleiben wird. Oie Steglitzer Schüleriragödie. Berlin, 14. Febr. (WB.) Sm Krantzprozetz, der nach der Pause am Sonntag und Montag heute früh um 10 Ahr wieder begann, stellte der Verteidiger den Antrag auf Haftentlassung des Angeklagten, da nach dem bisherigen Verhandlungsergebnis fein hinreichender Verdacht auf Mord mehr bestehen könne. Das Gericht verkündete nach kurzer Beratung den Beschluß auf Haftentlassung des Angeklagten. Als erste Zeugin wurde dann die Mutter des Angeklagten, Frau Krantz, vernommen. Sie erklärt, ihr Sohn sei immer ein fleißiger Schüler gewesen. Sm Charakter habe er eine gewisse Weichheit gezeigt, dadurch habe sie sich auch in seiner Erziehung immer von Milde leiten lassen. Er habe immer viel gelesen und auch Gedichte gemacht. Don dem Gelde, das er durch Nachhilfestunden verdiente, habe er seiner Mutter stets ein kleines Geschenk mitgebracht. Als er das Einjährigenzeugnis erhalten hatte, habe er öfter einmal mit Freunden getrunken, war auch verschiedentlich betrunken, weil er nicht viel vertragen konnte. Die Eltern bemerkten dann, daß er unter dem Einfluß offenbar schlechter Freunde nachläfsigund unpünktlich wurde. Die Erlaubnis zum Aebersiedeln nach Mahlow habe ihm die Mutter zuerst .verweigert. Erst auf Verwendung des Günther Scheller habe sie ihn in das Landhaus Scheller nach Mcchlow ziehen lassen. Sie habe dann aber, als sie den schlechten Einfluß des Günther Scheller auf ihren Sohn bemerkte, verlangt, daß ihr Sohn zurückkomme. Er sei auch wirklich gekommen, aber da sie an diesem Tage nicht zu Hause gewesen fei, sei er bald wieder fortgegangen und wieder nach Mahlow gefahren. Auf Befragen von Sachverständigen gab die Zeugin noch an, daß Paul Krantz als Kind von den Großeltern erzogen und dabei stark vergöttert worden fei. Er konnte als Kind schon vor seiner Schulzeit allerlei Gedichte auswendig, womit die Großeltern lyn gern Bekannten vorführten. Alle Leute sagten damals: Paulchen wird einmal ein großer ZRann. Krantz war damals schwächlich und in seiner körperlichen Entwicklung etwas zurückgekommen. — Der Kaufmann Otto Scheller, der Vater der Hilde und des Günther Scheller, erklärt, er habe Krantz und seinem Sohn große Freiheiten gewährt, da er seinen Sohn zu kennen glaubte und sich sagte, daß solche Jungen, die unter dem Schulzwang stehen, das Abenteuerliche lieben und einmal frei für sich leben wollen. Als er die Gedichte des Krantz gelesen hatte, habe er seiner Tochter geraten, zurückhaltend zu sein, denn das Wissen des Krantz schien ihm etwas sehr vorgeschritten. Auf Bitten seiner Kinder habe er ein längeres Derweilen des Krantz in Mahlow gebilligt. Da er selbst geschäftlich viel fort war. habe er sich in Mahlow nicht viel um die jungen Leute kümmern können. Auf weiteres Befragen gibt der Zeuge an. er habe Wahrnehmungen gemacht, daß sein Sohn mit Freunden zuweilen getrunken hatte. Er habe davon gehört, daß sein Sohn geäußert habe, er woUe Hans Stephan eins a u s w i s ch e n. Er habe Stephan das Haus verboten, als er einmal sah, wie Stephan seine Tochter zu küssen versuchte. Später habe er Stephan noch einmal in seiner Wohnung angetroffen und sei darüber so erbost gewesen, daß er ihm eine Ohrfeige gegeben habe. Stephan habe noch öfter versucht, sich seiner Tochter zu nähern. Daß die beiden sich nach der Entzweiung Stephans und Günthers noch getroffen haben, sei ihm nicht bekannt gewesen. Der beste Freund des Angeklagten Krantz, der Oberprimaner Karows ki, hält Krantz für einen impulsiven Menschen, der sich mehr vom Gefühl als vom Verstand leiten lasse. Günther Scheller dürfte von beiden der geisttg Führende gewesen sein, lieber Sel bstmordabsichten der beiden ist ihm nichts bekannt. Auf die Frage des Sacboerständigen Professor Spränget, ob sowohl der Zeuge als auch seine Kameraden der Ansiäst waren, daß Krantz wirklich in ironisch wegwerfender Weise über die Liebe zu Hilde Scheller gedacht habe, äußerte der Zeuge Karowski, er stehe auf dem Standpunkt, daß Krank bis in die letzten Tage tatsächlich so ironisch gedacht habe. Es könne sich aber in den allerletzten Tagen daran etwas geändert haben. — Der ILhäh- rige Maler und Graphiker Heinz Müller, der mH Günther Scheller bis zmn Jahre 1925 befreundet war, ist nach und nach durch den Verkehr mit Günther in schlechten Ruf gelangt und hat sich dann, wie er erklärt, zurückgezogen, da auch feine (Eltern den weiteren Verkehr verboten. Einmal fei er, der Zeuge, mit Günther in die Schel- lersche Wohnung gekommen, wo sie Hans Stephan mit Hilde antrafen. Hans Stephan fei ganz verstört gewesen und bald verschwunden. Günther, der etwas gesehen hatte, sagte: Das ist ja eine nette Bescherung. — Ein Nachbar der Familie Scheller berichtete, daß er bei feinem elfjährigen Sohne ein Buch sexuellen Inhalts gefunden habe, dos von Günther Scheller stammte. Er sei deshalb mit den Eltern Schellers in Verbindung getreten, um sie zu bitten, derartige Bücher einzuschließen. Frau Scheller habe ihm darauf einen Vortrag über von ihr vertretene andere Erziehungsmethoden gehalten. Der Zeuge hat dann seinem Sohn den Verkehr mit Günther Scheller verboten. — Di« Mutter G ü n- therSchellers will es nicht gebilligt haben, daß ihr Sohn das Buch gelesen und an andere Jungen weitergegeben habe. Günther habe sich mit Stephan entzweit, weil er die Möglichkeit zu weiterer Ausbildung im Autofahren und zur Erwerbung des Führeffcheins baburd) verloren habe, daß Stephan Günther bei bem Herrn, mit bem er bie Fahrten gemacht habe, oerbrängt hatte. Die Zeugin bestreitet, daß ihre Tochter Hilde vergnügungssüchtig sei und oft zum Tanzen gegangen wäre. Die Dinge, die mit Stephan und Krantz vorgefallen seien, habe Hilde Scheller ihrer Mutter erzählt und auch die Einzelheiten nicht verschwiegen, sie habe dabei aber nicht gesagt, baß sie der aktive Teil gewesen sei. Auf Frage bes Vetteibigers, wie die Mutter die Eröffnungen ihrer Tochter über die Vorfälle mit Krantz und Stephan aufgenommen habe, sagt Frau Scheller, sie habe sich bemüht, ihre Tochter wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. wohl auch zu klug, um nicht zu sehen, welche Gefahren auch ein siegreicher Krieg für England haben könnte. Shm wurde deshalb vorgeworsen, daß er die Kriegführung nicht energisch betrieb, so daß er ein Opfer der Tatkraft Lloyd Georges wurde. Seit den Zeiten datiert die erbitterte Feindschaft zwischen den beiden Führern der Liberalen, die teilweise bis hart an den Bruch der Partei heranging und zuletzt dazu führte, das Asquith die Leitung der Partei niederlegte, sich gleichzeitig aber auch ganz aus dem polittschen Leben zurückzog. Für die englische Politik wird mit seinem Namen die Lösung der irischen Frage verbunden bleiben, für die Weltpolitik trägt er als Ministerpräsident die Derantwortung für die englische Kriegs- polittk; wenn auch Wohl kein Zweifel mehr darüber besteht, daß er von den Bindungen, die England vorher auf sich genommen hatte, nichts wußte und mehr seinem Vertrauen zu seinem Außenminister Edward Grey zum Opfer gefallen ist. Dom Schulkreuzer „Berlin". Schulkreuzer „Berlin" ist am 13. Februar von Trinkonomali (Zeylon) nach Rangoon (Sn- bien) in See gegangen. Aus aller Wett. Millionenbetrug am Reich. Ein Betrugsskandal von ungeheurem Ausmaß, durch den das Deutsche Reich um Millionenbeträge geschädigt worden ist, beschäftigt zur Zeit die Berliner Staatsanwaltschaft. Es konnte ermittelt werben, baß seit länger als einem Jahr große Betrügereien mit Kriegsanleihe-Altbesitz anmelbungen verübt worden sind. Als einer der Hauptschuldigen wurde der aus dem großen Moabiter Aktenschiebungsprozeß bekannte Bankier Kunert verhaftet. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Kunert in fortgesetzter Handlung, auf betrügerische Weise Äriegs- anleihe-Neubesitz als Altbesitz angemeldet und somit das Reich um außerordentlich hohe Beträge geschädigt. Der Unterschieb zwischen Altbesitz und Neubesitz spielt bei der Aufwertung der Kriegsanleihe deshalb eine besonders große Rolle, weil die Altbesitzer eine fünfmal s o hohe Aufwertung erhalten als bie Neubesitzer. Mtlerungsumschlag im Schwarzwald. Die durch starke Schneefälle und Wintergewitter gekennzeichnete Witterung der letzten Tage ist im Laufe der Nacht zum Dienstag umgeschlagen. Die Temperaturen sind im allgemeinen stark gestiegen und liegen auch auf dem Hochschwarzwald mehrere Grade über Null. Der Schnee ist in Regen übergegangen. Die Wasserläufe des südlichen Schwarzwaldes sind bereits im Steigen begriffen. Auch der Wasserstand des Oberrheins ist um einen halben Meter gestiegen. (Ein Skifahrer löblich verunglückt. M a c t i g n h (Kanton Wallis), 14. Febr. (WB.) Drei Genfer Skifahrer stiegen am Freitag zur Montfort-Hütte empor, wo sie e i n geschneit wurden. Am Dienstag morgen entschlossen sie sich zur Abfahrt. Dabei wurde einer von ihnen, der Präsident des Stadtrates von Gens, Grohrat und Fürsprecher Marcel Brunel. von einer kleinen Lawine verschüttet. Seine Kameraden fuhren zu Tal, wo sie die Rettungskolonne mobilisierten. Er konnte jedoch nur noch als Leiche geborgen werden. Der Typhus in Hagen. Nachdem am Samstag und Sonntag zehn Personen wegen Typhusverdachtes ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, hat sich bie Gesamtzahl aller an Typhus Erkrankten auf 65 erhöht. Die Zahl ber Todesfälle beträgt elf. Grohfcuer in einem Schiffsneubau. Sn dem Neubau des für die Hamburg- Amerika-Linie bestimmten Dampfers „Los Angeles" brach auf der Deutschen Werst in Finkenwärder Feuer aus, zu dessen Bekämpfung fünf Löschzüge und ein Löschboot aufgeboten wurden. Ein ungeheuerer Qualm, aus dem auch Helle Flammen herausschlugen, erschwerte das Dordringen an den Brandherd, der sich im vorderen Schiff befand. Stundenlang mühten sich die Mannschaften ab, des Feuers Herr zu werden. Erst nach Mitternacht konnten drei Lösch- züge zurückgezogen werden. Sm ganzen wurden zwölf Rohrleitungen angelegt, die ungeheure Waffermassen in das Schiff schleuderten, das großen Schaden erlitten hat. Der Kampf gegen bas Schneeballsystem. Sm Zusammenhang mit der Bergmannschen Schwindelafsäre hat die Polizei in der letzten Zeit ihr erhöhtes Augenmerk auch auf den Unfug des Schneeballsystems gelenkt, und es ist ihr dabei gelungen, nicht weniger als 15 Schneeballgeschäfte in Berlin aufzudecken. Die Betriebe sind geschlossen worden und gegen sämtliche Firmeninhaber derartiger Geschäfte Verfahren bei der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. Sn der Mehrzahl sind es Ausländer, und insbesondere Holländer, die diese Geschäfte betrieben haben, und sie haben mit ihrem System unzählig viele Dumme bettogen, die trotz der immer wieder ergangenen Warnungen und Aufklärungen jedesmal wieder auf den Leim der Schwindler gekrochen sind. Die Festgenommenen werden sich wegen Betruges und wegen verbotenen Glücksspiels und wegen Vergehens gegen das Lotteriegesetz zu verantworten haben. 3roei Bergleute löblich verunglückt. Aus der Kruppschen Zeche »Hannibal", Schacht I. in Bochum, sind zwei Bergleute beim A b - teufen in den Stapel hinabgestürzt und konnten nur als Leichen geborgen werden. Beide waren verheiratet. Während der eine Frau und zwei Kinder hinterläßt, ist die Frau des anderen erst vor 14 Tagen gestorben. Dieser Marm hinterläßt zwei Seine Kinder. Oie Wetterlage. ©wolkenlos 0neuer, onaro bedeckt, ® woikio. > oedecn. eireorw * Schnee ä Graupeln eHebel K Gewitter,© Windstille. -O-> seht leichter O$i massiger Südsüdwest q stürmische» nordwesl Oie Ptene fliegen mu dem winde. Oie oeiden Stationen stenenoen Zafr ten geben die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte mU^jieldicA eutneeresniveau umocrechnetz/» Luftdruck Wettervoraussage. Die milde, ozsamsche Luftzufuhr läßt die Temperaturen noch etwas weiter ansteigen. Da mit der Fortbewegung des Nordmeertiefs ein« weitere Zufuhr von feuchtwarmen Luftmaffen verbunden ist, so erfährt die Wetterlage zunächst wenig Aende- rung. Mildes, neblig-wolkiges Wetter, verbunden mit vorübergehender Bewölkungsabnahme !onne einzelnen Re gen fällen ist zu erwarten. Später nach Beendigung der Warmluftzufuhr wird wieder allgemein Temperaturrückgang einsetzen. Wettervoraussage für Donnerstag: Weiterhin wolkiges, mildes Wetter und vereinzelte Niederschläge. . W i t t e r un g s a u s si ch te n für Freitag: Neblig-wolkig, auch vielfach vorübergehend ausklo- rend; Temperaturrückgang und vorwiegend trocken. Lufttemperaturen am 14. Februar: mittags 9,7 Grad Celsius, abends 7,4 Grad Celsius; am 15. Februar: morgens 6,4 Grad Celsius. Maximum 10,2 Grad Celsius, Minimum 5,3 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 14. Februar: abends 4,8 Grad Celsius; am 15. Februar: morgens 4,3 Grad Celsius. — Niederschläge: 1,8 Millimeter. — Sonnenscheinbauer: brei Viertel- stunben. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. Februar 1928. Hütet Euch vor Gasvergiftung! Die zahlreichen, beinahe täglichen Unglücksfälle, die durch unabsichtliche oder absichtliche Einatmung von Leuchtgas Leben und Gesundheit vieler Menschen bedrohen, lassen es ratsam erscheinen, auf das Wesen und die Verhüt u n g s m ö g l i ch k e i t e n der Leuchtgasvergiftung besonders hinzuweisen. Bei der Vergiftung mit Leuchtgas handelt es sich im engeren Sinne um eine Vergiftung mit Kohlenoxyd, das, je nach der Art der Gewinnung, im Leuchtgas zu 6 bis 25 Prozent enthalten ist. Gelangt dieses Kohlenoxyd durch länger dauernde Einatmung in größeren Mengen in die Lunge, so tritt es durch deren Vermittlung ins Blut über, sprengt dort die an sich lockere Verbindung des Blutfarbstoffes mit dem Sauerstoff und setzt sich an seine Stelle. Mangel an Sauerstoff ist aber bekanntlich unvereinbar mit der Lebenstätigkeit des Körpers. Glücklicherweise führt erst die Einatmung eines immerhin beträchtlichen Quantums von Kohlenoxyd dazu, dem Blut so viel Sauerstoff wegzunehmen, daß es zu Vergiftungserscheinungen kommt. Unsere Vase, die den Gasgeruch wohrnimmt, ist uns auch hier zum „Wächter der Gesundheit gesetzt. Allein auch sie kann gelegentlich uns den Dienst versagen, nämlich dann, wenn, wie es bisweilen bei Rohrbrüchen vorkommt, das Leuchtgas vor dem Eintritt in den Wohnraum erst Erd- oder Fehlboden passiert, an dem diese Geruchstoffe haften bleiben. Aus allen diesen Gründen ist es daher wichtig, zu wissen, wie man sich gegen Leuchtgasvergiftung schützen kann. Zunächst sollte man darauf bedacht sein, alle möglichen Gefahrquellen auszuschalten: 1. Man sorge dafür, daß vor Abschlietzen des Haupthahns alle Cn^zelflammen gelöscht werden. 2. Man prüfe Rohrleitungen und Schläuche auf Undichtigkeiten und achte besonders darauf, daß Schläuche, die zur Verbindung mit Gaskochern, Gasöfen, Plätteisen usw. dienen, so befestigt sind, daß ein Abgleiten unmöglich ist. 3. Für die gefahrenfreien Anlagen von Gasöfen usw. in bezug auf Absetzung wird heutzutage durch die Gasanstalten und Behörden mit großer Aufmerksamkeit gesorgt. 4. Gasbeleuchtung oder gar Gasheizung im Schlafzimmer sollte man möglichst überhaupt vermeiden. 3m letzteren Falle ist ein wertvoller Schuh das auch aus gesundheitlichen Gründen sehr zu empfehlende Schlafen bei offenem Fenster. Wenn trotz Innehaltung dieser Vorsichtsmaßregeln es durch unabwendbare Tlnglücksfälle doch zu einer Gasvergiftung kommt, so ist schnelle Hilfe dabei wichtigstes Erfordernis. Daß man so rasch als möglich für ärztliche Hilfe sorgen muh, ist selbstverständlich. Allein zweckmäßiges Verhalten bis zum Eintreffen des Arztes kann häufig eine wichtige und wertvolle Hilfe sein. Diese besteht etwa in folgendem: 1. Man betrete einen mit GaS angefüllten Raum zunächst mit angehaltenem Atem oder binde sich, toerm Zeit dazu, ein feuchtes Tuch vor den Mund, das für einige Atemzüge die giftigen Gase festhält. 2. Man öffne möglichst unverzüglich ein Fenster oder schlage es mit der in ein Taschentuch gewickelten Faust ein. 3. Einen etwa offenstehenden Gashahn schließe man sofort. 4. Da das Ziel der Hilfeleistung die Zufuhr von Sauerstoff sein muh, suche man ten Verunglückten aus dem gasgefüllten Raum schleunigst ins Freie zu bringen. 5. Künstliche Atmung und nach ihrem Einsehen, oder aber, wenn sie noch erhalten, unmittelbare Zufuhr reinen Sauerstofses wird in vielen Fällen das Leben wieder zurückbringen können. Dr. K. Taten für Donnerstag, 16. Februar. Sonnaufgang 7.14 Ufjr, Sonnenuntergang 17,15 ilfjr. — Mondaufgang 3.58 Tlhr, Monduntergang 11.43 Uhr. 1497: Philipp Melanchthon in Bretten geb. (gest. 1560). _— 1620: Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, in Kölln a. d. Spree geboren (gest. 1688). — 1834: Der Raturforscher Ernst Häckel in Potsdam geb. (gest. 1919). — 1871: Kapitulation von Belfort. — 1891: Der Rasseforscher Hans Günther in Freiburg im Dreisgau geb. — 1920: Koburg wird Bayern einverleibt. — 1923: Das Memelgebiet kommt unter litauische Oberhoheit. Bornotizen. — Tageskalender Mittwoch: Stadttheater: 7.30 Uhr „Peer Ghnt" (Ende 10.45 Uhr). — Vortrags-Vereinigung: 8 Uhr, Reue Aula der Universität, Lichtbilder-Vortrag. — Lichtspielhaus. Babichofstraße: „Höhere Tächter". — Astoria- Lichtspiele: „Die Opium-Höhle von Hc. peise-u. Schlafzimmer in 1.80 m Breite, preiswert abzugeb. Schr. Angeb. u!731v an den Gieh. Anz. Statt- Harren billig zu oerf. 011,6 Kaufmann, Asterweg 10.__ Getragener 0,165 ArreWMrl f. j. M. zu verk. Staydnoatr. 32 p. Iks. | Kaufgesuche | Alte Kaktus Pflanzen zu kaufen gesucht. Schr. Ang. mit Prell und Gröhenangabe u. 1663V an d.G.Anz. tademheke Ladenkasfe Laöenregale gesucht. Schr. Ang. u. 1700V an den Gieh. Anz. Für getragene tzerleWMek zahlt höchste Preise Frische Schellfische goöeijgn HNÖDtto zimiokeleus ©rflne flrtinge Voll-Serfoge»w empfiehlt 01191 Georg Wallealsb Marktplatz nur 21 (flegenttber der Engelapothekel. Illlllllllllllöllllllllllllllllll!) NkilsiiA o. k. Wau o. 8. WUMM 8k!vöss. Sl«M SeevE sowie lebende Karpfen und Schleien empfiehlt "”D 6.6. toaien Babtrbosstr.b9,Tel.66 IIIIIIIIIIIIKIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIi ZciestuW verloren. Wiederbringer erb. g. Belohnung. 01 Vogel, Neustadt 49. | Vereine Poppe & Co. 17toD Gießener Gummiwarenfabrik, Gießen. ä 1 find bei allen bekannten Losenver- fäuiern tn der Stadt und auf dem Lande zu haben: General-Vertrieb Bucharker, Neuen Baue 11. Für Wiederverkäuier daselbst 11 Lose f. 10 ULK 28 Lose f. 25 IRJt. r——----—-———> Zur Konfirmation Samt, beste Lindener Qualitäten Seide, verschiedene Arten Kleiderstoffe, schwarz und farbig Billigste Preise, beste Qualitäten Konfirmanden gewähre 10 Prozent Rabatt! ftagenigesdxäft tfonvsc&orn Alicenstraße 11 1636a L. Rosenzweig: Gietzkn.4elleksm.581. Karte genügt. i8a3 |Verscliredenes| Auto Tag und Nacht. Tel. 1744. “*» Wer fltbt 2 Mädels Klavierunterricht? Schr. Ang. mit Angabe des Honorars u. 1737V a. d. G. Anz. Einsache u. elegante Maskenkostüme dauernd z. verl.011,0 Wilbelmstr. 8 v. Damen-toiDipg 1877-1878. Zusammentunst am Donnerstag, d. 16. Sehr., abdS. /.&* zumKrepvel-Kafiee in d. Stadt Mainz. Um vollzähliges Erscheinen wird ge- beten. .01184 Der Vorstand- Heute abend 8'/, Hbr: ,,MD Monats Versammlung im Vercinsheim. Der Vorstand. Nr. 59 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffe») Mittwoch. 15. Zebruar 1928 Gießener Stadttheater. Edgar Wallace: „Der Hexer". „®a$ verehrliche Publikum wird höflich gebeten, zur Aufrechterhaltung der außergewöhn- lichen Spannung, die diesem Stück innewohnt, und im Interesse der späteren Besucher Stillschweigen über die Lösung zu bewahren." Wir haben diesen Vermerk, der im Interesse nicht nur der Besucher, sondern auch der Theaterleitung liegt, auf dem Programmzettel vermißt. Fast alle Bühnen, welche diese famose Kriminalkomödie bisher aufgeführt haben, baten in der angedeuteten Form um Diskretion, um den anderen, die auch hingehen wollten, den Spaß nicht zu verderben. Wer also da war und Be- scheid weih, der zwinkere nur mit den Augen, wenn das Gespräch auf den „Hexer" kommt — und in jeder größeren Gesellschaft wird das Gespräch unfehlbar darauf kommen, wenn nur einer von fünfundzwanzig im Theater war — zwinkere diskret, lächle höflich und wissend, zucke gleichwohl mit den Achseln und empfehle jedermann, sich selber ein Urteil zu bilden. Diese Geschichte ist spannender als ein Sechstagerennen und aufregender als ein Großkampfabend im Sportpalast, und wer schreckhaften Gemütes ist, kann hier in allen drei Akten das Gruseln lernen. Der geplagte Referent hat es heute abend verhältnismäßig gut: er braucht mal nicht von vorn bis hinten zu erzählen, was los ist, und warum das so ist, und wie das überhaupt zugeht. Alle Kritiker, die es betraf, haben es bisher als ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit angesehen, wider jedes Herkommen den Mund zu halten und nichts zu erzählen. Der Fall ist selten: im Interesse des Publikums und der Theaterleitung — siehe oben! — vielmehr höflich zu grinsen, diskret zu zwinkern, mit aufrichtigem Bedauern die Achseln zu zucken: wir wissen von nichts. Rein gar nichts wissen wir. Wer etwas wissen will, muß sich schon selber, bemühen. Die nächste Vorstellung ist in aller Kurze. Hereinspaziert, meine Herrschaften! Lieber Leser, insonderheit geneigte Leserin: nicht wahr, Sie sehen ein, es geht nicht anders! Wo doch die Leute in den Pausen mit dem Personenverzeichnis in der Hand gruppenweise die Köpfe zusammen stecken und wie besefsc.. raten, wer der verdammte Hexer ist. Spannender als ein Kreuzworträtsel! Was sag' ich: Kreuzworträtsel — da ist wenigstens ab und an mal was Oer hessische Staatsvoranschlag für 1928. Don Or. Fritz Niepoth, Bürgermeister der Stadt Schlitz, M. d. L Als der Staatsvoranschlag für das Rechnungsjahr 1927 — abschließend mit einem Ausgabebetrag von 124,8 Millionen Mark — vorgelegt wurde, da hat mancher oberflächlicher Beurteiler aus der Tatsache, daß der Voranschlag 1926 mit 126,8 Millionen Mark, also 2 Millionen mehr, Ausgaben aufgewiesen hatte, die Hoffnung geschöpft, daß der Kulminationspunkt auf der Ausgabenseite glücklich überschritten sei und daß man nach und nach die öffentlichen Lasten auf ein für die Leistungsfähigkeit der Gesamtwirt, schäft erträgliches Matz herabdrücken könnte. Schon damals habe ich mit Rachdruck davor gewarnt, sich falschen Hoffnungen hinzugeben und nachgewiesen, das; die Ausgabeverminderung nur eine scheinbare sei, hervorgerusen durch eine veränderte D u ch u n g s a r t, die heute im einzelnen zu erläutern wohl ohne Interesse sein dürfte. In Wirklichkeit waren schon bei Vorlage des Budgets die Ausgaben des Rechnungsjahres 1927 um 2 Millionen Mark höher wie die des Vorjahres, ein Betrag, der sich nach Abschlutz der Budaetberatungen um weitere 6,4 Millionen Mark erhöhte. Die veränderte Duchungs t e ch n i k des Voranschlags 1927 mag vom sachlichen Standpunkt aus der vorher gebräuchlichen vorzuziehen sein, falsch war es jedenfalls, sie in dem Augenblick anzuwenden, als seitens des Finanzministers das größte Interesse bestand, die Gesamtausgaben möglichst gering erscheinen zu lassen und damit den Verdacht zu erwecken, als habe man mit einer gewissen Unkenntnis mancher Kritiker gerechnet. Der Etat des Rechnungsjahres 19 28 bringt zunächst ein weiteres Anwachsen der Ausgabeziffern von 131,2 auf 139,2, also um 8 Millionen Mark und zeigt damit, in welch außerordentlichem beängstigenden Ausmaß sich die Ausgabesteigerung sortseht. Loyalerweife muß allerdings bemerkt werden, daß etwa 75 Prozent der Ausgabesteigerung, das sind 5,9 Millionen Mark, auf den für die Besold ungserhö- hung eingesetzten Pauschbetrag entfällt und daß auch mindestens von einem Töil der Opposition die Zwangsläufigkeit dieses Ausgabepostens anerkannt wird. Diese notwendige Feststellung darf aber nicht zu der Annahme verleiten, daß der Mehrbedarf gegenüber 1927 nur 8 — 5,9 — 2,1 Millionen Mark betrüge. So günstig liegen die Dinge nicht. Genau wie in 1927 haben sich in Kapitel 10 wiederum nur durch eine veränderte Duchungsart (Uebernahme der Rechnungsvorschriften des Reichs) die Ausgaben um 1,5 Millionen äußerlich vermindert, dazu kommt, daß infolge der ..Hefrag"gründung die im 1927er Voranschlag für das Kraftwerk Wölfersheim vorgesehenen Ausgaben etwa 1,3 Millionen in Wegfall kommen. Mit anderen Worten, auch der Voranschlag 1928 hat wiederum ohne den Mehrbedarf für Deamtenbesoldung eine Ausgaben st eigerung von 4,9 Millionen Mark gebracht. Das beweist aufs neue, daß das bisherige System der Regierung, wirkliche Ersparnisse zu erzielen, gründlich versagt hat und daß andere Wege gegangen werden müssen. Diese Wege im Rahmen des vorliegenden Aufsatzes im einzelnen zu behandeln, würde zu weit führen. Rur so viel soll gesagt werden: Der auch von mir und meinen Parteifreunden erstrebte Einheitsstaat und der leider fast zum Schlagwort gewordene Ruf nach Verwaltungsreform werden so lange kein Allheilmittel fein, als nicht der ernste Wille besteht, durch Abstoßung überflüssiger Staatsaufgaben und im besonderen durch systematische ^Übertragung möglichst vieler Aufgaben von den Zentralbehörden an die Lokalstellen eine wesentliche Vereinfachung der Staatsverwaltung durchzuführen. ________ H>r« 1 Kur« ! Schuch- 1 K"r-, ’-Unjang Schluh Kurs i '«Uhr- 1 Kurs Lchmh, Anfang ßur Datum: 14. 2. 15.2. 14. 2. 1 15. 2. Datum: 14 2. | 15. 2. | 14. 2. I 15 2 Datum: 14. 2. 15. 2 |14.2. | 15. 2. Rorwegische Roten...... Dcuisch ^esierr.,2100 Kronen l*/c Dl RetchSanleihe v. 1927 Tt Slnl '.'(blöj Schuld mit rluslos -Rechten- Desal. ohne Aust f -Rechten 7°/o Franks Hyv.-B:. Go dvi unkündbar bt ■ i952 Ungarische Goldrtc 4°/« Ungarische Siaattzr v 1910 4%°/ ütäQl von 1913 *’i'i Ungarische jironenrte . . 4°/ Turk. HoUanleihc o 1911 4"/o Turk Bagdadbabn - Aul Lene I 4°/„ dcsgl Sert. !1 4°0 Rumänen conven Rtc 4'/,°/o Rumänen Goldanl von 1913 BQg Stund)r Gtlenbohn 4’/- Hamburg-Amerila Palet C L>amd -Lndam Tamv sch s Hansa Damrsschiss 6 Norddeutscher Llovd i Ällg Deutsche Lrediianst. io Barm r Bankverein lu Berliner Handelsgesellsch. 12 Commerz- und Prioal-Bk 11 Tarmst u Ratioualbank u Teutiche Bank io Tiskonto Gesellschaft Am 10 Dresdner Bau! 10 Miitetdeutiche Lredudank 9 MetaUbanl .......8 AieichSbank ........ 11 87,.-3 51 85 16,13 25.13 2 13 152.25 156,5 147.5 •77,25 -32.5 163 159.5 160 12« 196 i।।s।a।£ । a । i i i i iii i i i i i i i i i i i i ££ > 87,5 52 15,9 4.4 25,13 1 65 13,3 13,6 13,25 151 75 209 215.5 156 144.5 147 269,5 1 77 25 -'32 163 159.5 160,5 211 5 127.5 195,65 <£ W- t» ■* » ** *■• *— W* — - «— — — uX- N O'äi - » ' ro l r,b.gS«.3!3 l-'cL. i 1 o । 1 151 1 1 1 1 1 1 1 1 | 1 1 i ZT- i LEG- ......7 Bergmann .......8 Llektr. Lieferungen . . . lo Licht und Kraft . ... 10 Felten & Guill aume ... .6 Ges s. Elck.r Urnern . . 10 Hamb Elcktr Werke . . 10 Rhein Elektr ..,.8 Achtes. Elcktr ..... io Cchuckcrt .......7 Siemens & HalSke . ... 16 Tran radio . .... 8 Ladmever & 6o. ...... 9 Buder 6 ..... 0 Deutsche Erdöl......6 Essener Steinkohle . .... 8 Gelsenkirchener f. *4 I 4 Haroener .... 8 Voesch Eisen ........ 5 Ilse Bergbau......... Nlöcknerwcrke ........ 5 Köln-Neuessen ..... 6',t Mannesmann f •/« 9 < ManS cldcr.....7 Oberschles Eisend- Bedarf u Dbcrschlcs. Kokswcrke . 0 Phönix Beraoau f '/, I 3 Rheinische Braunkohlen 10 Rheinuahl 0 Ricbcck Montan . . . . o Bereinigte Stablw. f. */• I 3 CtQDi Minen 1 sh Kali Aschersleben • 10 KaliWestcregeiu • io Kaliwerk Salzdctfunb 12 8 G iZardeN'Industrir r Tvnamtt Nobel.....o Scheid anstatt . ..... .8 Goldschmidt ...... .5 Rutgerewcrke ....... .0 Metallaesrll.checkt . . . . la 168.75 186.25 170.5 222 126.5 264.25 153,5 182,2o 288 25 163 133.5 134 5 188,5 122 153,25 118,25 100.5 237 167.75 103 173.5 183 261,5 204,25 113 99 169,20 222,5 128 156,25 184 289 - 100 134.75 - 189 - 154.75 118,25 239 5 169,5 104 44 188 26_4 207.5 99.5 177 5 168,75 186 171 221,75 127 263.65 150 155.5 189 182 287,3 130.5 163.5 97.25 132.5 143 134,5 186... 142 121.75 142,25 152,4 117 75 106 96,4 100.13 236 167.25 149 102.5 44,13 173.23 184 252,25 261 127,25 112,75 98 65 169,5 !8 222,9 128 266 156.75 192 184 289.5 99,25 134,65 143 135.5 189 145.25 235 122.75 1 lo. 0 154 5 120 105,75 97.5 101.25 238.3 168.25 149 103,75 44 176 188 254 263 113.76 99,3 Pbtuvv Holzmann . Heidelberger Gement . « Lemcnt Karlstadt . . . g 2ßot)6 4 «Vreiiaa 1c SSoltbeiS Payeuhofer. . 15 Ostwerke . . 12 Ber. Glanzstoff .....15 Bemdvrg.........8 Zellstoii Waldbos. . . . 12 Zellstoff Aschaffenburg . io Charlottenburger Waller 7 ' eflauer Gas . . 8 Daimler Motoren.....0 Demag ..... 0 Adlerwerke Kleve». ... 0 ifut-ro. Lorice ..... 1 Nat Automobil......6 Crrnftrin Sl Kovvel .... 4 Linke Hofmann .... 0 Leonhard Tiey. . . . 6 Bamaa» ." cgurn ..... 0 Rranff M.fch'nen .... 0 Gritzner . . . .. ; Hculigenstaedt , 0 Iunabans ...... r Lechwerkr . ....... Matnkroftwerke ...... ß Miag ...... ic Rekarlulmer ...... 8 BeteiS Union ....... 8 Gebt Roeder ......11 Borgt A Hocfsner .... c Sudd Zucker .... 0 Ban 139.5 137.5 180 252.5 171 88,5 78 26 71.5 130 29 86 118 117 >40 99 110.25 140 177 139 notea S l l 1 § । 1 1 » 1 1 1 1 1 1 1 22 1 I 1 1 5^ 1 1 1 1 1 iSft 139 5 370 281,5 587.5 452 252 128.75 173.9 89.25 64 77,75 254,5 98 138.73 201 68*1 85.25 138,5 99.75 111 179 139.75 142.75 371 283.5 590 435 255 129 176 90 65.23 81 256.3 139,4 -02 181 Rumänische Roten...... Schwedische Roten...... Schweizer Roten ....... Svanische Roten....... Tschechoslowafikchc Roten . . Ungarische Roten - . Devifenmartt Berlin Telegraphifche 14 -Kebr. 15. Febr. Amtliche Rott rung Geld Brie- Amtliche Rotierung Geld 1 Briet Ämft.»Rolt Buen.-Aires Brff.-Antw Ehnstiania Kovanbagen Stockholm - Helsingforü. Italien. . . London. . . Reunork . . Paris.... Schweiz .. Svanieo . . Oapan . . . Rio de Ian. Wien in D-- Dest. abgest Prag . Bel irad ■ • Budavest • Bul arien Lissabon Danzig. Konst utin- Athen. Canada Urn uav - fcdro 168.59 1.791 58,325 111,48 112,16 112,43 10,547 22,19 20,419 4.1905 16.465 80.555 71 28 1.962 0,5035 59,00 12,417 - 7,36? 73,20 3,027 19,48 81.62 2,122 5,544 4,181 4,276 20.943 168,93 1,795 58,445 111,70 112,38 112,65 10,367 22,23 20,459 4,1985 16,505 80,715 71.42 1,1'66 0,50v5 59.12 12,437 7,376 73,34 3,033 19,52 81,78 168,62 1,790 58.305 111,49 112,17 112.47 10,549 22,195 20,423 4,18'30 16,46 60,56 71,31 1,963 0.503 ■>8-, 97 12,414 7,359 73,17 3,029 13,58 81,59 2,121 5,544 4,180 4,27b 20.947 168,96 1,794 58,425 111,71 112,3« 112,69 10,569 22,235 20,463 4J97U 16,50 80,72 71.37 1,967 0.505 69,09 12,434 7,373 73.31 3,035 13,62 81,75 2,127 5,556 4,188 4,284 tO 987 Berlin, 11. ftebr. | Geld Brre, 2,126 5,606 4,189 4,284 20.983 Amerikannche 'Jiotcn . . Belgische 'Koten . . . Dänische Roten .... Englische Roten • - 4,174 58,26 111,95 20.389 4,194 58.50 112,39 20.469