Mittwoch, H. November 1928 178. Jahrgang Nr. 269 Erstes Blatt Fernsprechanlchlülke: 51, 54 und 112 «nlchrist für Drohtnach- richten: Anzeiger Gietze«. poftfchelNonw: gtanffurtom Main 11888. Lrich-inl ragUch,«feer Sonntag» nnd ß-tiertag» Bctlegen. Gtetzener ^amihienblättet Heimat im Bild Die Scholle monatt'Bcjngspret«: 2 Reichsmark und 20 Netchspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter- Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig. für Reklameanzeigen oon 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoarschrist 20" . mehr. Chefredakteur Dr Fricdr. Will; Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein- für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen Der Kampf um den Panzerkreuzer. Der sozialdemokratische Antrag. — Groeners Ultimatum. — Die Haltung des Kabinetts England im stanzösischen Schlepplau. Heftige Kritik Lloyd Georges an der Haltung des konservativen Kabinetts in der RSumungs- und Abrüstungsfrage. - Gin schwächlicher Verte»-,gungS- versuch des Premierministers. ferner Absatzmöglichkeiten unb dann auch, weil die Kommunen nun vermutlich höhere Steuern erheben mühten. Zu begrüßen fei daher, daß der Arbeitsminister sich mit Preußen über die Deckung der Kosten des Wirtschaftskampfes verständigen wolle. Die Wirtschaftspa-rtei stehe mit Herz und Verstand auf feiten der Arbeiter und sähe in der Großindustrie ihren geborenen Gegner. Aber man könne nicht die notwendige Besserstellung der Arbeiterschaft durch schematische Erhöhung des Nomina Hohnes erreichen. Vielmehr mühten die öffentlichen La st en erheblich gesenkt, die Kaufkraft des Lohnes erhöht und damit auch der Lebensstandard der Arbeiter gehoben werden. Die Wirt- schastspartei werde, weil sie nicht m ein schwebendes Verfahren eingreifen wolle, die vorliegenden Anträge ablehnen. Abg. Schneider, Berlin (Dem.) gibt zu. daß dre Arbeitsbedingungen der Eisenindustrie durch die Kriegsfolgen erheblich verschlechtert wurden, aber dafür sei nicht die Lohnhöhe verantwortlich zu machen, sondern neben der Zinsenlast die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre, die der Industrie die Produktions- bedingungen und der breiten Masse die Lebenshaltung verteuert habe. Eine gründliche Abkehr von dieser Wirtschaftspolitik sei notwendig. Das von den PInternehm'ern eingereichte Material sei offenbar nicht ausreichend gewesen. Die Publizität der Unternehmungen müsse gesteigert werden. Sie könnte manchen Arbeits- konflitt verhindern. Denn die Arbeitnehmer werden nicht Forderungen stellen, zu deren Erfüllung die Unternehmungen nachgewiesenermaßcn rächt imstande sind. In jenem Falle war aber die Aussperrung ein schwerer Fehler, sowohl nach der sachlichen wie nach der grundsätzlichen Seite hin. Wenn man nach den Klagen über die sinkende Konjunktur durch die Aussperrung dieser Konjunktur noch einen gewaltsamen Stoß zum weiteren Senken versetzt, so weist das auf einen wirtschaftlichen Denkfehler hin. London, 13. Nov. (WD.) 3m Unterhaus brachte heute Lloyd George den Mißtrauensantrag der Liberalen Partei gegen die Regierung wegen des englisch-französischen Kompromisses ein und führte u. a. aus: Wenn irgend jemand glaubt, dah das durch das Kompromih verursachte Mißtrauen beseitigt ist. braucht er mir Eoolidges Rede zu lesen. Die französische öffentliche Meinung glaubt offenbar, daß wir noch rmmer durch die Grundsätze des Kompromrsses gebunden sind. Die britische Negierung muß sich unzweideutig hierzu äußern. Der Premierminister hat neulich erklärt, er stehe zu Locarno. Durch das Kompromiß wird Locarno vollkommen umgestoßen. Lloyd George verwies auf Ele- menceaus Brief an die deutschen Delegierten in Versailles betreffend d i eV e r p f l i ch- tung der Alliterten zur Verminderung ihrer Rüstungen und sagte: Während Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt habe, hätten die Alliierten die ihren nicht erfüllt. Die Franzosen wünschten Sicherheit. Aber sogar wenn Frankreich, Großbritannien und alle anderen Mächte ihre Rüstungen auf den Stand Deulfchlands herabdrückten, würde die Garantie von Locarno immer noch ein älebergewicht von 5:1 haben. Lloyd George fuhr mit erhobener Stimme fort: Das ist auf Locarno gefolgt: (Eine Weigerung, das Rheinland zu räumen, obwohl wir vertragsmäßig dazu verpflichtet waren! dern 20 bis 25 Prozent beansprucht (Hört! Hört!). Wenn der Minister behauptet habe, daß in anderen Industrien höhere Löhne gezahlt würden, so fei das abzulehnen. Man könne nur mit gleichgclagerten Betrieben vergleichen. Änd wenn man da auf die Konkurrenzunterneh- mungen in Frankreich, Belgien usw. Hinweise, ergebe sich, daß überall geringere Löhne gezahlt würden, als an der Ruhr (Hört! Hört! und Ruse links: „And England?'). England erkaufe sich zugegebenermaßen die höheren Löhne mit der europäischen Konkurrenzunfähigkeit und einer ständigen hohen Erwerbslosenziffer. Man müsse sich übrigens darüber klar sein, daß eine Lohnerhöhung in der Eisenindustrie eine allgemeine neue Lohnwelle nach sich ziehen werde. Schon zeigten sich in den Randgebieten solche Bestrebungen. Durch dauernde Lohnerhöhungen ergäben sich Preis st eigerungen. die wieder verminderten Absatz und schlechtere Konrurrenzmögächleiten im Gefolge hätten, wodurch automatisch die Arbeitslosigkeit steigen mühte. Die Industrie brauche eine Atempause in Lohnfragen, auch um das soziale Niveau der Arbeiter nicht sinken zu lassem Wir freuen uns. daß ein Mann, der in allen Teilen der Bevölkerung ein so großes Ansehen genießt, wie Iber Düsseldorfer Regierungspräsident, eine neue Vermittlungsaktion in die Hand genommen hat. Wir richten an beide Parteien die Mahnung, diese Gelegenheit zur Einigung zu benutzen. Wir bedauern nur, daß die Reichsregierung nicht selbst solche Dermittlur.gsschritte unternommen hat. wäre besser, wenn die letzte Entscheidung in solchen Fragen nicht bei einem Minister, sondern beim ganzen Kabinett liegen würde. Abg. Goloffer (W. p.) äußerte den dringenden Wunsch seiner Freunde, daß der gefähvluhe Wirtschastslampf bald ein Ende nehme, und meinte, daß zuletzt der gewerbliche Mittelstand die Kosten des Kampfes werde bezahlen müssen, einmal wegen des Rückganges Der Eisenkonfliki vor dem Reichstag. Fortsetzung der Debatte. Berkin. 13. Nov. (V.D.Z.) Die Beratung der Anträge und 3nterpellaäonen zur nord- westdeutschen Aussperrung wird fortgesetzt. Abg. Brandes (S.) erklärt: Die Aussperrung sei der brutale Gewaltakt einer Handvoll Kapitalisten. Bei dieser Erschütterung des Wirtschaftslebens geht es gegen die Staalsautorität. Der Schiedsspruch habe bet weitem nicht die berechtigten Forderungen der Arbeiter erfüllt. Die Arbeiter hätten ihn nur angenommen, um die utcheilvolle Wirkung eines schweren Lohnkampfes auf das Wirtschaftsleben au vermeiden. Die Arbeitgeber hätten diese Rücksicht nicht genommen, sie hätten mit ihrer Aussperrung tatsächlich den Generalangriff gegen das staatliche Schlichtungswesen unternommen. Wenn die Unternehmer sich nicht an das Düsseldorfer, sondern an bas Duisburger Arbeitsgericht gewandt haben, so lag das wohl daran, dah die gewerkschaftsfeindliche Haltung deS Duisburger Vorsitzenden allgemein bekannt ist. 50 Prozent der von diesem Vorsitzenden gefällten Schiedssprüche konnten nicht verbindlich erklärt werden, weil sie Formfehler enthielten. (Hört! Hört!) Die sozialdemokratische Fraktion beantrage. die notwendigerweise den Ausgesperrten zu gewährende Unterstützung von den aussperrenden Unternehmern wieder einzuziehen. Aus Anlaß des von den Unternehmern heraufbeschworenen Kampfes eine Aenderung des Schlichtungswesens im Sinne der Zentrumsanträge vorzunehmen, würde bedeuten, den Plan der Unternehmer zu fördern. Die Sozialdemokratie wird deshalb in diesem Augenblick die Zentrumsanträge ablehnen und erst in ruhigeren Zeiten darüber mit sich reden lassen. Wir behalten uns vor, beim Etat des Reichswirtschaftsministeriums die Einrichtung eines Selbstverwal- tungSkörpers zur Kontrolle der Eisenwirtschaft zu beantragen. Sollte die Aussperrung fortgeführt werden, so muß die Regierung im Interesse der verarbeitenden Industrie unverzüglich die Eisenzölle suspendieren. Hier würde auch die Verfassungsbestimmung Platz greifen, dah solche Unternehmungen bei Mißbrauch enteignet werden sollen. Wir verlangen die Wiedergutntachung des Rechtsbruchs der Unternehmer und Anerkennung der gewerkschaftlichen Forderungen. Abg. v. Lindemer Wildau (Du.) bedauert, daß der Arbeitsminister, wenn auch in zurückhaltender Weise, den letzten Entscheidungen der arbeitsgerichtlichen Instanzen durch seine Ausführungen über die Rechtslage borgegriffen habe. Die Deutschnationalen wollten mit Rücksicht auf die noch ausstehende letzte Rechtsentscheidung in dem vorliegenden Streit weder die eine noch die andere Seite unterstützen. Die Grundlage auch des jetzigen Konfliktes sei die Wirtschaftsentwicklung, die Deutschland seit der Stabilisierung durchgemacht hat. Derjenige übernehme eine furchtbare Verantwortung, der in leichtfertigem Optimismus das deutsche Volk über den ganzen Ernst der Wirtschaftslage hinwegzutäuschen unternimmt. Bei Kohle und Eisen ist diese ungünstige Lage deshalb besonders verhängnisvoll, weil in diesen Industrien Arbeiter beschäftigt sind, die ange- sichts ihrer besonders schweren Arbeitsbedingungen den Anspruch auf angemessene Löhne, den Anspruch auf den staatlichen Schuh ihrer Arbeitskraft haben. Erkennen wir den Anspruch der Arbeiter auf Verbesserung ihrer Le- bensbedingungen an, so muh andererseits daran erinnert werden, daß bei dem vorhergehenden Tarifabschluß in der nordwestdeutschen Eisenindustrie der Schlichter sagte, diese Industrie werde mit Rücksicht auf die Arbeitszettverkürzung weitere Lohnerhöhungen in der nächsten Zeit nicht ertragen können. Wir halten die Forderung der Arbeiter auf Lohnerhöhung für berechtigt; aber in einer Zeit, wo der Kämpf um höhere Löhne zu einer Vernichtung der Wirtschaft, der Arbeitsgelegenheit überhaupt, führen kann, da würde ein solcher Kampf bedeuten, daß man in der Gegenwart auf Kosten der Zukunft lebt. Eine objektive Prüfung der Verhältnisse der hier in Frage kommenden Industrien halten auch wir für wünschenswert. Im Zusammenhang damit frage ich die Regierung: Ist es richtig, dah die Arbeitgeberorganisationen Anfang Oftober dem Reichswirtschasts- und dem Reichsarbeitsministerium ihr gesamtes Preisberechnungsmaterial zur Verfügung gestellt, daß aber die amtlichen Stellen dessen Prüfung abgelehnt haben? Ich würde es sehr bedauern, wenn das zuträfe, denn das wäre ein Zeichen von Scheu vor der Uebernahme unbequemer Verantwortung. Wir können nur wünschen, dah der jetzige Kampf sein baldiges Ende durch einen Ausgleich findet, um den sich im Kampfgebiet auch die kirchlichen Behörden beider Konfessionen bemühen. Läßt man den verbindlichen Schiedsspruch als Tarifvertrag gelten, bann bleibt von Koalitions- und Stdeik- freiheit wenig übrig. Dann würden die Arbeits- und Lohnbedingungen schließlich nicht von den Beteiligten vereinbart, sondern bestimmt werden durch eine nicht einmal unparteiische, staatliche Stelle, durch den Reichsarbeitsminister, der ja durch eine Partei bestimmt wird. Ich würde es für verhängnisvoll halten, wenn so die Entpersönlichung des Arbeitsverhält- Derlin, 13. Nov. (Privatinformation.) In der heurigen Besprechung der Reichsminister wurde erörtert, ob d i e Behandlung des sozialdemokratischen Antrages zum Panzerschiffbau der außenpolitischen Debatte vorausgestellt werden soll. Die Besprechungen sollen aber erst morgen in einer Kabi- nettssihung fortgesetzt werden, so dah also, da auch der Aeltestenrat sich noch mit der Frage beschäftigen muh, die offizielle Entscheidung erst morgen fällt. Offenbar will man also die Beratungen der Fraktionen abwarten, von denen das Zentrum und die Deutsche Dollspariei bereits in den frühen Abendstunden zusammengetreten sind. Hebet diese Sitzungen wird im Reichstag bekannt, dah bereits jetzt damll zu rechnen ist, dah die außenpolitische Aussprache verschoben und der sozialdemokratische Antrag über den Panzerkreuzer vorausgenommen wird. Man nimmt an, dah die Abstimmung über den Antrag auf Einstellung des Baues etwa am Freitag erfolgt. Aus Kreisen des Zentrums wird erllärt, dah in dem Wunsch nach Verschiebung der außenpolitischen Debatte keine politische Spitze enthaften sei. Das Zentrum gehe vielmehr davon aus, dah der sozialdemokratische Antrag zum Panzerkreuzer als die für das Kabinett entscheidende Frage anzusehen sei und eine außenpolitische Aussprache nur dann praktischen Sinn habe, wenn diese Frage g e k l ä r t ist. In den bürgerlichen Regierungsparteien, mit Einschluß des Zentrums, rechnet man jedoch weiter damit, dah der Antrag auf Einstellung des Baues ab» gelehnt werden wird und betrachtet dementsprechend die Krisengerüchte, die in der Wandelhalle des Reichstages nicht erst seit heute verbreitet werden, als haltlos. Wie die »Voss. Zta." berichtet, führt der Reichswehrminister eine sehr kräftige Aktion zugunsten des Panzerkreuzers. Er hat in den letzten Tagen sich mit den Führern mehrerer Parteien des Reichstages in Verbindung gesetzt und ihnen erklärt, daß er nicht nur aus Gründen des Prestiges, sondern auch aus fachlichen Gründen unbedingt an dem Dau des Panzerkreuzers festhalte. Er würde, wenn der Reichstag den sozialdemokratischen Antrag an- nehmen und damit die Einstellung des Baues beschließen werde, daraus die Konsequenzen ziehen und sein Rücktrittsgesuch einrcichen. Diese Demission würde keineswegs formaler Natur sein, sondern würde bedeuten, dah er auch eine Wiederernennung als Reichswehrminister ablchnen würde, wenn er nicht vorher die Garantie für die Durchführung des Baues des Panzerkreuzers haben würde. Reichswehrminister Groener, so schreibt das genannte Blatt, ist gestern in dieser Angelegeichett auch beim Reichspräsidenten gewesen und hat sowohl Hindenburg wie auch den Mitgliedern des Kabinetts eine ausführliche Denkschrift überreicht, in der die sachliche und militärische Notwendigkeit des Panzerkreuzers eingehend begründet wird. In dieser Denkschrift wird aber auch darauf hinge wiesen, dah bereits für 32 Millionen Mark Bestellungen auf gegeben worden sind und 6 Millionen Mark an mehrere Firmen bereits bezahlt wurden. Bewilligt sind bis- GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vniik mid Verlag: VrLhl'sche UnioerfitSlr-vllch» enb Steindruckerei B. Lange in Sietzen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. des Reichskanzlers verlangt habe, weil er der Ansicht sei, daß der Reichskanzler als Chef des Kabinetts nicht gegen den Standpunkt des Kabinetts stimmen dürfe. Sollte der Reichskanzler trotzdem für den Antrag feine Stimme abgeben, so wird dies für den Reichswehrminister Groener ein Anlaß sein, seine Konsequenzen zu ziehen. Der „Vorwärts" erklärt die Darstellung des „Berliner Tageblatts" für falsch, und oon parteioffiziöser sozialdemokratischer Seite wird mitgeteilt, alle Bemühungen, die Minister und insbesondere den Kanzler zur Stimmenthaltung zu veranlassen, würden erfolglos bleiben. Der Kanzler werde vor Beginn der Panzerschiffdebatte eine Erklärung im Reichstag abgeben, wonach die seinerzeit erfolgte Zustimmung zum Bau des Panzerschiffes „lediglich aus budgetärenGesichtspunkten" erfolgt fei. Die sozialdemokratischen Minister suhlten sich daher im Hinblick auf den Antrag ihrer Fraktion nicht mehr gebunden. Auch die Mitteilungen der Blätter über die Reihenfolge der Beratungsgegenstände des Reichstages weichen voneinander ab. her 9 Millionen Mark als erste Rate. Nach der Haushaftsordnung glaubte sich das Rerchswehr- minifteriinn berechtigt, über diese 9 Millionen Mark hinaus Bestellungen aufzugeben. Die Stellung des Reichskanzlers. Glimmen die sozialdemokratischen Minister gegen den Panzerkreuzer? Berlin, 14. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der Reichspräsident empfing gestern den Reichskanzler zu einer längeren Unterredung, in der es sich in der Hauptsache um das Panzerkreuzer-Problem handelte, lieber den Inhalt der Besprechungen bringen die Zeitungen einander widersprechende Darstellungen, nur in einem Punkt stimmen sie überein, daß der Reichspräsident den Standpunkt des Reichswehrministers Groener teile. Das „Berliner Tageblatt" weiß mitzuteilen, daß der Reichspräsident dem Reichskanzler die Auffassung des Reichswehrmini st ers Groener mitgeteilt habe, wonach dieser bei der Abstimmung über den sozial- demokratiscyen Antrag auf Einstellung des Baues des Panzerkreuzers die Stimmenthaltung Was bann? (Eine Steigerung der Rüstungen der Signatarmächte. Die Rüstungen Frank- reichs und Englands sind feit Locarno verstärkt worden. Ich kann beroeifen, daß unsere eigenen Rüstun- gen sich auch vermehrt haben und zu denen zur Zeit von Locarno sich verhalten wie 104:100. Die dritte Antwort auf Locarno war der Abschluß des e nglisch-franz öl ischen Kompromisses. Dem Kompromiß zufolge sollten die ungeheuren Militärreserven Europas, die mehr als 5 der euro» päischen Armeen ausmachen, aus der Genfer Abrüstungsdebatte ausschalten. Dieses geschah, ohne daß wir Deutschland verständig- t e n. Deutschland gehört zu den Unterzeichnern von Locarno. Der Premierminister hat kürzlich behauptet, er behandele Deutschland mit der gleichen Unparteilichkeit wie Frankreich. Hier lag ein Abkommen vor, das Deutschland berührte, weil es Z der Armeen seiner Nachbarn der Erörterung in der Abrüstungs- kommissioü entzoa. Und wir haben zwar Noten an Tokio, Rom und Washington, aber nichtanBer- l i n gesandt. Berlin mußte erst Erkundigungen einziehen, und als es dies tat, wurde ihm keine Abschrift des Paktes zugesandt. Lloyd George widerlegte bann in eindrucksvoller weise die französische Behauptung, daß Deutschland als großes Industrieland imstande sei, im Kriegsfälle das nötige Material herzustellen. Bevor eine einzige Haubitze in Deutschland her- gestellt werden kann, werde die große sranzö- nisses weiter gesteigert würde. Wir müssen beide Telle dringend ermahnen, den Kampf durch Verständigung zu beendigen. Reichsarbeiismimster Wisset!. Am 5. Oktober haben die Industriellen dem Reichswirtschaftsminister und mir Material unterbreitet, das die schwere Lage ihrer Industrie illustrieren wollte. Wir haben das Material entgegenommen und haben uns auch bereit erllärt, weiteres Material entgegenzunehmen und es zu prüfen (Rufe rechts: „Uni) was ist das Ergebnis?"). Für mich ergab sich daraus, daß ich den Schiedsspruch verbindlich erllärte. Irgend eine Beeinflussung der Arbeitsgerichte har mir bei meinen gestrigen Ausführungen ganz fern gelegen. Heute morgen haben Vermittlungs- verhandlungen eines hohen preußischen Beamten begonnen, über deren Verlauf ich nicht unterrichtet bin. Ich hoffe, dah sie den Erfolg haben werden, dah unbeschadet der Austtagung des Rechtsstreits die Arbeiter möglichst schnell wieder eingestellt werden. Abg. Dr. Moldenhauer (D. V. p.) meint, die Tlrsache des gegenwärtigen Konfliktes liege darin, dah ein System zu Bruche ging, daß darin begründet ist, dah an Stelle der Tarifvereinbarungen amtliche L v hn f est se h u n - gen kamen: denn nichts anderes sei die Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen. Bei der Feier des zehnjährigen Bestehens des Arbeitsministeriums habe Minister Wissell selbst erklärt, duß der Anteil der Arbeiter an der Wirtschaft nur steigen könne, wenn der Ertrag der Wirtschaft selb st steigt (Hört! Hört!). Nun habe aber die westliche Schwerindustrie so schwierige Konkurrenzsituationen zu überwinden, daß es schon ein Verdienst war, die geltenden Löhne, die bereits mehr gestiegen waren als der Index, zu halten. Lohnerhöhungen konnten um so weniger ertragen werden, als der Lohnanteil an den Produktionskosten nicht, wie Herr Stegerwald meinte, wenige Prozente, son- 8 j’o S -SZ-2 itfi ers 2 " ar* 6-r" ' - e-S'&c'V SZ.-Sr-- SP £2. ~ s 2- —p = “so a ä- 13 (p Z-Z-s 'S r. ■S "0K2.2 ‘’s’s.ä --SS2" mm ’M5* J18 D.CT® O v — 2 S-2 *02.3?* lZ-M BÄ ”0 "o er 5 iMt I CcrJ2,5.£- 8= b 5® 3-2..« -->s« D 6 rar? 'A--ZOO ^•9 >7? r. - 3 e f. 3 C 8g 3 @0' -»2 s 5,6 -3.3 3 3 a ^2* tnüe = n — ■ 13- S5? fische Armee In Berlin nnb jedes deulsche Industriezentrum von ihr besetzt sein. DieS ist die Lage, nachdem wir versprochen haben, unsere Rüstungen auf das niedrigste Maß herab-usetzen, das mit unserer Sicherheit verträglich ist. WaS für ein Schwindel! Zehn Jahre, nachdem mir d ieseS feierliche Versprechen gegeben haben, haben wir Frankreich zugesagt, daß es sein riefigeS Heer nicht zu vermindern braucht, daß sogar 7/s dieses Heeres in der Abrüstungs- kvmmission gar nicht erörtert werden sollen. Lloyd George verwies weiter auf die anscheinend unbeachtet gebliebene Erklärung Mussolinis, daß die italienische Regierung jeder Einschränttrng ihrer Rüstungen zustimmen werde, vorausgesetzt, daß keine andere Macht größere Rüstungen betreibe, und drückte sein Bedauern darüber aus, daß die Svwjetvorschläge zur Abrüstung nur w i e ein schlechter Witz behandelt worden seien. So oft eS in Europa eine vorherrschende Militärmacht gegeben hat, hat sie ihre Heber- legenheit zuletzt immer zum Unheil für ihre Rachbarn gebraucht. Abrüstung ist die einzige Garantie der Sicherheit. Premierminister Baldwin erwiderte: Das englisch-französische Kompromiß war nichts weiter als ein vollkommen offener und ehrlicher Versuch, über den toten Punkt in ®enf hinüberzukommen, der die ganze Sache der Abrüstung gefährdete. In der Frage der Armeereserven hatten wir gewünscht, die Länder mit allgemeiner Dienstpflicht zu unserem Standpunkt zu bekehren. Es sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß uns dies gelingen wird. Frankreich betrachtet die allgemeine Dienstpflicht als wesentlichen Teil der Demokratie. In der Rheinlandfrage ist die brittsche Haltung immer dist gleiche gewesen, und wir wünschen, daß das Rheinland geräumt werde, aber wir können die Räumung nicht erzwingen. Eine Zurückziehung der britischen Truppen allein würde die Schwierigkeiten vielleicht noch vermehren. Aber ich glaube, es besteht eine wirkliche Hoffnung darauf, daß diese Frage in nicht allzulanger Zeit geregelt wird. Die Räumung ist nach Ansicht gewiffer Signatarmächte eng verbunden mit der Reparationsregelung. In diesem Geiste und mit dem Wunsche nach einer solchen Regelung sind Besprechungen eröffnet worden, und ich hoffe, daß sie zu einer Regelung führen werden, die die letzten störenden Äeberbleibfel der Kriegszeit, die Räumung des Rheinlondes, liquidiert. Macdonald erklärte, er vermis s eine deutliche Antwort aus die Frage, ob noch irgend etwas von dem eng» lisch-franzö'ischen Kompromiß Gültigkeit habe. Was habe Briand mit den Worten gemeint: „Ob das Abkommen erfolgreich ist oder nicht, es wird für uns beide eine Verpflichtung fortbestehen, das gleiche Ziel auf einem anderen Wege zu verfolgend — Der erste Lord der Admiralität, Bridgeman, der namens der Regierung die Debatte abschloß, sagte u. a.: Bezüglich der militärischen Reserven ist die Haltung der Regierung die gleiche, wie sie 1927 von Lord Cecil in Genf dargestellt wurde. Die Antwort auf die Frage, ob das englisch- franxösische Abkommen jetzt noch Gülti^k.it habe, ergibt sich aus dem, was seinerzeit der amerikanischen Regierung mitgettilt wurde, daß es nämlich unmog ich sein werde, die Vereinbarung aufrechtzuerhalten, wenn sie nicht für alle fünf großen Seemächte annehmbar sei. Da eine Vereinbarung zwischen dm fünf Seemächten nicht erzielt worden ist. müssen wir von neuem anfangen. Die angeführten Bemerkungen B r i a n d s scheinen hier vollkommen klar zu sein. Jeder verständige Mensch wird aus diesen Punkten heraus- lesen, daß wir im Falle der Richiannahme jener Vorschläge irgendeine andere Methode finden müssen, um die Abrüstungskommission vor einem Scheitern zu bewahren. Es besteht keinerlei Sfklusiv-Geheimabkommen zwischen England und Frankreich. Amerika und die Sowjetunion. Wird Rußland anerkannt? Washington, 13. Rvv. (WTB.) „Daily Rews" bezeichnet es als außerordentlich bemerkenswert, daß im Augenblick, wo Hoover sich für seine Südamerika-Reise rüstet, um den Löwenanteil des dorttgen Außenhandels nach den Vereinigten Staaten zu lenken, sein intimer Freund Charles D e w e y, bis vor kurzem Abteilungsdivektor im Schatzamt, jetzt Finanzberater Polens, leise und inoffiziell nach Moskau fährt. Dies sei um so lixtereffS. nicht wenig Zeil, was wir viel, was wer nicht nützen. Oer mangelhafte Gießener Güterbahnhof. Bei dem gesteigerten Güterverkehr der Dob.l. K "US- lb Al. und 100 hat. sondern «S ist tt ^7. *? Null. gMe der ^selle fiel ’JeS, wo wn Sturz gen Dach. S.e sich ün uute bet 1 schweren Sein 3u» samt, ff tübtr S£! Kdastrvin ttairia» iJj f wurden. Aus der provinzialhaupiffadi. Gießen, den 14. November 1928. Nervenkrast. „Meine Nerven!" DaS ist so der gemeine Ruf und die übliche Entschuldigung. Sicherlich ist er oft am Platze, denn unser au reibendes, von vielen Pflichten belastetes und von mancherlei nicht immer nötigen Aufregungen gepeitschtes Dasein zerrt an den Nerven und verbraucht Nervenkraft. Trotzdem bleibt die Frage offen: Ist die Klage über die Nerven immer gerecht- fertigt und sind wir immer so schuldlos, wenn wir uns über versagende Nerven beklagen? Schauen wir uns ein wenig um. Wir finden Menschen, Arbeitstiere, die sich keinen Augenblick Nutze gönnen, sich das Unmöglichste zumuten, immer im Trab sind, früh die ersten, abends die letzten, bis spät in der Nacht in den Sielen. Selbst wenn wir ihnen einmal bei Vergnügungen begegnen, plagen sie sich mit Problemen ab, immer haben sie Fragen vorliegen, die beantwortet fein wollen, immer gibt es etwas zu tun, zu erledigen, zu ordnen, Und wenn das nicht, so tragen sie sich mit neuen Plänen, großen Entwürfen, vielleicht auch mit kleinen Sorgen. Denn ihnen etwas danebengerret, so werfen sie nicht die Flinte inS Korn, sondern packen die Sache wie den Stier bei den Hörnern, und es dauert nicht lange, so haben sie aus einem Mißerfolg doch einen Erfolg gemacht. Es scheint, als ob diese Menschen keine Nerven hätten oder Nerven wie Drahtseile. Und dann ftnl> die anderen, die sich das Leben verhältnismäßig leicht machen oder denen daS Leben nur geringe Schwierigkeiten bereitet. Sie sitzen tn geordneten Verhältnissen, haben keine hohen, besondere Kräfte fordernden Ziele, nehmen den Tag, wie er ist, genießen, was er gibt, und waS er ihnen vorenthält, macht chnen keine Schmerzen. Immer find sie aufgeschlossen, aufgeräumt, unbeschwert. Sie sind treffliche iln- terHalter, quälen sich nicht mit Problemen ab und werden auch mit den kleinen Widerhaken deS 2eben8 fertig. Gerade sie klagen aber meist über Nerven, sie haben angeblich allerlei Teufeleien ihrer Nerven auszustehen. Keinen Begriff machen sich die anderen, wie ihnen die Nerven zusehen I Die Veranlagung mag eine Rolle mit spielen. Der eine stammt aus einem alt en Bauerngeschlecht, bringt noch eine nicht umzubringende Körperverfassung mit. Der andere sucht seine Vorfahren in Generationen, di« sich der Natur ziemlich entfremdet hatten. Auch die Erziehung, Erziehungsfehler und dergleichen sind in dieser Hinsicht nicht unbedeutend. Sogar sehr viel hängt davon ab. Die Nerven find nicht selten ein kleines älmtzängemäntelchen, das gestattet, sich weniger bedenkenvoll gehen zu lassen. An all den kleinen Entgleisungen, die zu vermeiden man vielfach zu bequem ist, sind dann eben die kleinen Teufel- chen von Nerven schuld. Man mag noch soviel reden vom Rhythmus unserer Zeit, darüber kommt man doch nicht hinweg, daß die Menschen selbst sich den Rhythmus geben, nicht die Zeit gibt ihn. -Und wenn wir klagen, daß wir wenig Zeit haben, so sagt uns schon Seneca: .Es rft kriegszeit machen sich die völlig unzureichenden Sammelgleis« im hiesigen Güterbahnhof sehr unangenehm und ver- kehrshemmend bemerkbar. Vor dem Kriege betrug der tägliche Wagenausgang des Güterbahnhofs etwa 1000 bis 1200 Wagen, in diesem Jahre ist er auf durchschnittlich 1800 Wagen, ja sogar in einzelnen Monaten auf über 2000 Wagen pro Tag ongewachsen. Die Sammelgleife sind teilweise so kurz, das sie nur 20 bis 25 Wagen fassen können, wodurch ständig Ablenkungen erforderlich werden, die dos Ablaufgeschäft des Rangierbergs sehr behindern. Die sechs Ablaufgleise reichen ebenfalls schon lange nicht mehr aus. Die Dieh-Entlade- und Verladerainpen find von jeher ein Schmerzenskind des hiesigen Bahnhofs. Da an Diehmarkttagen stets über 2lcL und nicht immer in seinen besten Vertretern, berücksichtigt. Die Risorgimento-Sinfonie von Anelli an Stelle des Konzertwalzer Fior Tventino ^tte sich der übrigen Vvrtragsfvlge besser angechaht. Die Ausführung der einzelnen Stücke durch das spielfreudige Orch.ster, dem sich die Gäste sehr gut anpaßten, war durchweg gut und hielt sich technisch auf der Höhe. Die hie und da etwas in^yrä$'kn Einsätze und die häufigen Figurativ en der 1. Stimme, dl« ab und zu noch größerer Genauigkeit im Zusammenspiel bedürfen, konnten den Gescunteindruck nicht beeinträchtigen. Das sonst dynamisch sicher differenzierte Klangbild wird durch weitere Hebung noch größere Geschlossenheit erhalten. Dem Mozart-Menuett fehlte noch das Leichtbeschwingte und Duftige, das diesem anmutigen Stückchm innewohnt. Die Intonation ließ hier, wie bei allen anderen Stücken, nichts zu wünschen übrig. Als beste Leistung des Orchesters muh die Wiedergabe der Risorgimento-Sinfonie von Anelli bezeichnet werden, die ausdrucksvoll, mit Feuer und Schwung zu Gehör kam. Als Mandolinen-Solisten horten wir Herrn Rapp, begleitet von Herrn Lehmann (Gitarre). Herr Rapp zeigte flüssige Technik und spielte bei stets reiner Intonation recht ausdrucksvoll. Sie Zugabe, die durch den starken Beifall veranlaßt wurde, lag ihm am besten. Der Begleiter verstand es sehr gut, fich dem Solo- Part unaufdringl'ch anzupassen. Den Beschluß mochte ein Festmarsch von HSonntag. Reicher Beifall lohnte die Leistungen des Orchesters, dem Herr Sonntag ein gewissenhafter, gewandter und sicherer Leiter ist. Der Verein kann der Lleberzeuguna fein, daß er mit feinem Konzert bei den Zuhörern dankbare Anerkennung gefunden hat. Die Schülerabteilung des Vereins ließ fich mit dem Walzer von Ritter, „Aus fünften Wogen", hören und zeigte damit, daß sie ernstlich bestrebt ist, dem Orchester neue Kräfte zuzuführen, r. Daten für Donnerstag, 15. November. Sonnenaufgang: 7.17 Uhr, Sonnenuntergang: 16.11 Uhr. — Mondaufgang: 10.28 llhr, Monduntergang: 17.46 illjr. 1630: der Astronom Johannes Kepler in Regensburg gestorben. — 1708: der englisch« Staatsmann Pitt d. Ae. in Bonconnock geboren. — 1787: der Komponist Christoph W. Ritter v. Gluck in Wien gestorben. — 1862: der Dichter Gerhart Hauptmann in Salzbrunn geboren. — 1910: der Dichter Wilhelm Raabe in Braunschweig gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: Don Carlos, Beginn 19.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Rasputins Liebesabenteuer. — Astoria-Lichtspi:le: Rintinlins Todesruf in der Nacht. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Die Intendanz weist noch einmal darauf hin, daß die heutige Dor- stelluna von Schillers „Don Carlos^ nicht um 19.30 Uhr, sondern bereits um 19.15 llhr beginnt. — Am Freitag, 16. November, ebenfalls 19.15 Uhr, findet die letzte Aufführung der Operette „Gräfin Eva" statt. — Sonntag, 18. November, zweiter Tag des Kammerspielzyklus. Zn Szene geht vormittags 11.15 Uhr „Der Ackermann aus Böhmen" (Der Ackermann und der Tod) non Johannes von Saaz aus dem Jahre 1400. Es kommt der Intendanz bei diesem Kammerspielzyklus darauf an, daß nicht blutlose literarische Experimente Aur Aufführung gelangen, sondern wirklich wettvolle künstlerische Werke. „Der Ackermann aus Böhmen" ist neben der Lutherbibel eines der größten deutschen Sprachdokumcnte. Gedanklich steht diese Dichtung schon im Humanismus, hat aber sprachlich die elementare Wucht echter Gotik. Die Spielleitung hat wiederum Intendant Dr. Rolf Prasch, der vor der Aufführung eine kurze Einführung geben wird. — Oberhessischer Geschichtsverein. Am ersten Vortragsabend dieses Winters — Donnerstag, 15. November — wird Prof. Dr. August R o e s ch e n aus Laubach in seinem Vortrag „Neues zum Treffen vom 21. März 1761 bei Grünberg und Laubach" über di« Ergebnisse seiner letz- ten Forschungen berichten. Der Vortragende, den der Oberhessische Geschichtsverein gelegentlich seiner 50-Jahrfeier in Anbetracht seiner Verdienste um die oberhessische Heimatgeschichte zum Ehrenmitglied ernannt hat, ist durch seine vielfachen geschichtlichen Mrbelten so bekannt, daß hier nicht weiter auf ihn eingegangen zu werden braucht. Es sei nur bemerkt, daß er sich bereits vor vielen Jahren mit bet obcrhessischen Kriegsgeschichte beschäftigt hat. (Vergleiche die Anzeige im „Gießener Anzeiger" vorn 10. November.) "Straßen-Wiederherstellungs-Ar- beiten werden zur Zeit in der Durchführung des Bauprogramms der Postbaubehörde ausgeführt. Es handelt sich dabei um die Beseitigung der Straßen- aufbruchsschäden, die vor einigen Tagen Gegenstand einer Erörterung in unseren Spalten waren. Nach- dem an einigen anderen Stellen der Stadt die notwendigen Wiederherstellu ''en vorgenommen wurden, sind zur Zeit die Bürgersteigreparaturen in der Steinstraße im Gange. ** Neue Bestimm langen über Grabdenkmäler. Grabeinfassungen und -einfriedigun- gen auf den städtischen Friedhöfen sind jetzt erlassen worden. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung ersichtlich. •* Eine Gegenerklärung zu dem Gießener Ausruf »Für die Ruhr- Au sges per r ten", der im Anzeigenteil unserer SamStagnummer von einer Anzahl ilnl* versitätsprosessoren usw. veröftentlicht wurde, erlassen der Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen und die Hessische Industrie- und Handelskammer Gießen im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes. Unsere Leser seien auf diese Kundgebung hingewiesen. ** Goldene Hochzeit. Am moraigen Donnerstag feiern der Rangiermeister i. R. Albert Rau und Ehefrau geb. Fuchs, Hillebrandstraße 8, das Fest der goldenen Hochzeit in bester geistiger und körperlicher Frische. Der alte Herr steht im Alter von 76 Jahren, seine Ehefrau im 70. Lebensjahr. •• Nur Im Rauche rabteil darf geraucht werden! Bei dem reisenden Publikum bestehst vielfach noch die Ansicht, daß auch in den Nichtraucherabteilen und Frauenabteilen das Rauchen zulässig sei, wenn alle Mitreisenden im gleichen Abteil dazu ihre Zustimmung geben. Diese Meinung ist jedoch irrig. Nach den geltenden Bestimmungen rst das Rauchen ausschließlich in den Raucherabteilen gestattet. Die Beamten sind angewiesen, auf strenge Durchführung des Rauchverbotes tn den anderen Abteilen zu achten und bei Lieber tretungen des Verbotes eine Rauchbuße von 2 Mk. ohne vorherige Verwarnung zu erheben. Sowohl bei der Holz- wie bei der Polsterklasse wird die Hälfte aller Wagen oder Abteile — ungerechnet die Frauen- abteile — den Nichtrauchern Vorbehalten: der übrige Teil steht den Rauchern zur Verfügung. In den Nichtraucher-Wagen, die durch Schilder gekennzeichnet sind, ist das Rauchen auch in den Aborten und auf den Plattformen nicht erlaubt. Auch in den Gängen, In denen durch Anschlag auf das Rauchverbot hingewiesen wird, ebenso wie in den Triebwagen ohne Raucherabteil ist das Rauchen nicht gestattet. •• Der Frauenverein der Lukas- gemeinde traf sich am Sonntag mit dem Frauenverein von Wieseck im Hindenburg zu einem gemütlichen Zusammensein, baä den Zweck hatte, ein schon früher ins Auge gefaßtes freundnachbarliches Arbeiten am gleichen Ziel und gegenseitiges Befruchten von Stadt und Vorort einzuleiten. Die Vorsitzende des Gießener Vereins, Frau Professor Z ö p p r i tz, begrüßte die zahlreich aus beiden Vereinen Erschienenen herzlich: im Namen der Wiesecker sprach Pfarrer Sattler und gab einen, mitunter durch Humor gewürzten Rückblick und Ausblick über die Beziehungen beider Gemeinden und Vereine. Freudige Aufnahme fanden Reigen, Vorträge und Lieder der Mädchenvereinigung der Lukas- gemeinbe, in schöner Weise zu Gehör gebracht von Frau Heß und Klaviervorträge von Frau Ludwig. Mit ihnen flogen unter gemeinsamen Liedern und in regem Gedankenaustausch die schönen Stunden sehr schnell dahin. MeMdareguÜcrungimÄreiseIricdberg. * Friedberg, 13. Noo. Dieser Tage fand auf Anregung des Kreisamts Friedberg eine eingehende Besichtigung der N i d d a r e g u l i e r u n g im Kreise Friedberg statt. Erschienen waren die Vettreter der Regierung, und zwar des Ministers für Arbeit und Wirtschaft und des Finanzministers unter Führung des Staatsrats Karcher (Darmstadt) sowie der Kreisausschuß des Kreises Friedberg. Außerdem waren mehrere Landtags- abgeordnete gekommen, die gemeinsam mit den Be- «ständig ... den Tanz als Kunstwerk vom gleichen Rang wie etwa die Plastik oder die Architektur. Sie ist eine ungeheuer sachliche Tänzerin. Ihre Hingegetenheit an die Sache, die rhr am Herzen liegt, hat etwas Fanatisches. Das ist großarttg und muh von jeder Krittk anerkannt werten. Ferner: sie hat es nicht leicht. Sie hat eS unendlich schwer. Don Ralur aus. Genau toi« die Wigman. Sie hat - außer ter Technik und dem seelischen Antrieb in ihrer Gestaltung — nichts, oder so gut wie nichts, worauf sie sich verlassen fönnte. Man denkt an Tänzerinnen, die auch nicht schlecht, auch künstlerisch ernst zu nehmen waren, und die es doch sehr viel leichter hatten: die Impekoven etwa oder die Kieselhausen (die eines so schrecklichen Todes starb) —, da war Lieblichkeit und Kindlichkeit, ter Charme ter Erscheinung, der Zauber des Kostüms, ter Reiz im thematischen Vorwurf, in der Fabel des Tanzes, die Anmut und ohne weiteres bestrickende Voll- kommenheit eines tänzerischen Körpers. Auf all dies kann sich die Palucca nicht verlassen. Weder auf ihr Gesicht an sich, noch auf den Körper an sich, noch auf ihr Kostüm oder die Anziehungskraft dessen, was sie tanzt; man denke an Prizzelpuppen oder Rokokokostüme. Sie kann sich nur auf ihren Tanz verlassen. • Ihr ist ter Tanz so etwas wie ein „Ding an sich". Man kann nicht sagen: sie tanzt nach ter Musik. (Cs gäbe ein schiefes Bild und eine falsche Vorstellung.) Man kann vielleicht sagen: sie tanzt auf ter Musik. . . oder: sie tanat im Rhythmus. Man hat nie das Gefühl, bah die Musik hier eine Voraussetzung sei, daß der Tanz aufhörte, wenn die Musik abbräche. Der Tanz ist hier immer das Erste, das Herrschende, ja das Alleinige. Musik ist mir Hilfe, Akzent, Linienblatt ter Choreographie. Immer wird diese Tänzerin „weiter" wissen, wenn ihr Begleiter sie einmal im Stich läßt. (Im Unterschied zu so vielen, die auch tanzen, und denen das Dein in der Lust hängen bliebe, toerm die Musik schwiege.) * Die Palucca tanzt nicht Mozart, nicht Beethoven. nicht Chopin. Sie unterlegt einige Stücke tron kaum bekannten Komponisten (Dvorak etwa ausgenommen) und tanzt ihre eigene Idee. Sie tanzt so abstrakt wie möglich, sie gestaltet Begriffe. die zum Teil schon außerhalb des Tänzerischen liegen. Auch hierin offenbart sich die Sachlichkeit, ter künstlerische Ernst und die geistige Linie ihrer Gestaltung. Sie begann mit einer „Einleitung", deren jchwingenter Rhythmus bestechend ist, in der sie beweisen konnte, wie ihr ter Körper gehorcht: sie spielt mit ihren Gliedern (die auf den ersten Blick gar nichts Tänzerisches an sich haben) toi« auf einem Instrument. Sie tanzt einen Tanz, ter heißt einfach „Leicht", und es gelingt ihr, einen toten Begriff, den man gar nicht körperlich wahrnehmen kann, in eine vollendet sinnfällig« Gestaltung aufzulösen: der eine Höhepunkt des Abends. • Sie tanzt einen zweiten Begriff —„gern“ —, für sie noch „lebloser" als jener, und wieder hat man ein« körperliche, greifbare Dvrstellung im sinnlichen Bild. Aber hier beginnt auch das Problem, das Problem des Linstlerischen Tanzes als solchen und das ter Palucca im besonderen: hier ist ihr« Gestaltung nicht mehr absolut, der Tanz nicht mehr „Ding an sich", sondern „Ausdruck', Vermittlung und Zweck. (Es würde zu weit führen, das in Einzelheiten zu verfolgen.) Schon werten Stilmittel einbezogen, etwa schauspielerischer Art. die, streng genommen, zum reinen Tanz nicht mehr gehören. Das Ganze technisch sehr gut, auSgereift, durchgebiltet. (Rur eine einzige Bewegung haben wir gesehen, die tänzerisch nicht gelöst war und stecken blieb.) Dann ein Tanz „In leichter Bewegung". Dies war ein zweiter Höhepunkt. Ein paar Erinnerungen an die „alte Schule" stören nicht den Eindruck: sie geht, sie dreht sich (die nachbiltenden Worte sind ganz unzulänglich) und gibt im einfachen Gehen, im schlichten Drehen ein vollkon^ menes tänzerisches Gebilde. Weder ein Vergleich noch eine Steigerung ist denkbar. Man muh es gesehen haben. Unmittelbar danach: der dritte Höhepunkt, für uns der stärkste Eindruck des Abends. Der Tanz heißt „Technische Jnprovisationen". In ihm ist alles enthalten: die ganze hohe Schule einer modernen Tänzerin, die dürftigen, auf ewige Wiederholung angewiesenen Glanzleistungen des alten Balletts spielerisch einbegriffen, Akrobatik, Solorevue, Atelierstudie, tänzerisches Aquarell, primitivster und unmittelbarster Ausdruck des ganzen Menschen mit Kopf, Rumpf, Arm, Bein, den Bevölkerung ein ebensolches Gewicht haben müssen wie die berechtigten Forderungen ter Regierungen". Richts von alledem trat ein. Di« Fortnahme sämtlicher Ko'onien erfolgte mit einem Federstrich, ohne daß überhaupt die Aw« hörung deutscher Vertteter ftattgefunten hätte. Wie wir neuerdings aus den Aufzeichnungen von Wilsons Pressechef Baker festste lm können, ist das auch nie anders beabsichtigt gewesen: bereits im Frühjahr 1915 tourten die ersten Geheimverträge über die restlose Aufteilung ter Beute zwischen Großbritannien, Frankreich und Italien avgeschlo sei. In einet Rote vom 16. Juni 1919 behaupteten die Alliierten, die Eingeborenen hätten starten Widerspruch gegen die deutsche Oberherrschaft erhoben. Deutschland habe üble Derwattungsmethoden an'ewandt und auf dem Gebiet der kolonialen Zivilisation versagt: es sei iin militärischen Imperialismus nur darauf ausgegangen, sich Stützpunkte zu schassen. Dem allen widersprechen öie Zeichen r ührendster Anhänglichkeit der Schwarzen, wo immer Deutsche ich wieder sehen lassen, und ihre Sehnsucht nach den guten Zeiten ter deutschen Regierung. Schon 1911 schrieb ein Afrikareisenter, der Amerikaner Fortes: „Don allen Schutzherren in Afrika haben die Deutschen die reinsten Hände und die testen Aussichten." Zehn Jahre sind verflossen, seit die Deutschen in Ostafrika ihre Fahne streichen mußten. Die Engländer, denen die Kolonie „zufiel', hatten während dieser Zeit Gelegenheit, ihre „höhere" Derwaltungskunst zu zeigen. Sie haben bewiesen, daß sie nicht in der Lag« sind, es der deutschen Kolonialarteit gleichzutun. Der Wert ter Kolonie sinkt von Jahr zu Jahr; wo teste Entwicklung zu hohen Frietenswerten war, trat Stillstand, teilweise Rückgang «in. Deutsch-Ostafrika im besonderen verwahrlost, weil man die deutschen Kaufleute und Pllanzer nicht wieder hereinließ. Ein großer Teil der Plantagen verfällt. Aus die Wünsche ter Eingeborenen toi-b feine Rücksicht genommen. Die Seuchen breiten sich wieder aus. Schon beschuldigen sich Engländer und Franzosen gegenseitig der Unfähigkeit, die Gebiete zu verwalten. Die Deutschen und der Regierungswechsel in Rumänien. Bukarest, 12. Rov. (Eigene Meldung.) Die Deutschen Siebenbürgens waren keine Freunde des zurückgetretenen Kabinetts Bra- tinait Wie sich die neue Regierung der deutschen Minderheit gegenüber verhalten wird, ist zwar noch nicht bekannt, jedoch rechnet man damit daß das Kabinett Maniu den Forderungen ter Deutschen Siebenbürgens mehr Entgegenkommen zeigen wird. Jetzt haben sich verschieden« Führer der Siebenbürger Deutschen über ihre Wünsche geäußert, die sie ter neuen Regierung vortragen werten. Bemerkenswert sind die Ausführungen des Obmannes ter Deutsch-Schwäbischen Volksgemeinschaft, des Dr. Kaspar Muth, der u. a. sagt, daß die letzte große innerpolitische Krise, die Aum Rücktritt Bratianus geführt hat, zwei Ursachen habe, und zwar wirtschaftlicher und moralischer Ratur. Das ganze rumänisch« Volk und der Staat lechze nach wirtschaftlicher und moralischer Gesundung, denn so hätte es nicht weitergehen können. Di« neue Reaierung werte die Lösung ter wirtschaftlichen Krise in ter Richtung ter Stabilisierung der Währung und dem Abschluß einer gesunden Ausland- anleihe suchen müssen. In dieser Beziehung herrsche bei allen maßgebenden polittschen Persönlichkeiten völlige Hebereinstimmung. Heber die Lösung ter moralischen Krise, in ter sich die öffentliche Verwaltung befindet, gingen die Meinungen schon auseinander. Der Staat müsse unbedingt zur gefe&mäfoigen Verwaltung zurückkehren und in allen Zweigen des öffentlichen Lebens müsse wieder Ehrlichkeit und Ordnung herrschen. DaS seien die Forderungen ter nationalzaranistischen Partei den Liberalen gegenüber. Di« Ansichten über die Umgestaltung ter inneren Verwaltung des Lan- Händen, allen Gelenken. Eine geniale Idee, der dennoch nichts Gedankliches, nichts Gestelltes, nichts Tanzfremdes anhaftet. Hier geschah ter Tanz um des Tanzes willen, aus dem Blut heraus, als ein Spiel mit tausend Möglichkeiten. Erstaunlich. Im zweiten Teil brachte sie nichts mehr, was diese Eindrücke hätte wiederholen oder gar überbieten können. Die beiden ersten Stücke erschienen danach fast matt, allenfalls rhythmisch und um einer gewissen Kontrastwirkung willen bemerkenswert. , r . Eine starke Leistung dann noch einmal im Mittelsah der Suite von Dvorak: hier waren die Klangfolgen des Largo bei strengem tänzerischen Aufbau in schwingende Bewegung und stilgemäßen Körperausdruck umgefetzt. Rur wenig ist noch zu erwähnen. Die mit sicherstem Geschmack, aber ohne alle berechnenden Seitenblicke ins Parkett zusammengestellten Kostüme. Die Begleitung am Flügel: Herbert Trantoto (sauber und unaufdringlich); am Schlagzeug: Lotte Goslar (die korrekte Hilfen 9a®er Besuch war mäßig, der Beifall stürmisch. Richt die mindeste Zugabe. Dr. Th. Hochschulnachnchien. Der außerordentliche Professor Dr. phil. et med. HanS Lipps in Göttingen ist beauftragt worden, in ter philosophischen Fakultät ter Unix oerfität Marburg im Wintersemester 1928/29 in Vertretung des erkrankten Professors Dr. Dietrich Mahnke die Philosophie in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. — Der Schriftsteller Dr. phil. h. c. Ernst Krieck in Mannheim ist mit Wirkung vom 1. Rovemter 1928 als Nachfolger des verstorbenen Prof. G. Reichwein zum Professor für Pädagogik an ter Pädagogischen Akademie in Frankfurt a. M. ernannt worden. Der mit dem Titel eines außerordentlichen Professors bekleidete Privatdozent an ter Wiener Hniversität Dr. med. Wolfgang Denk ist zum ordentlichen Professor ter Chirurgie an ter Hniversität Graz als Rachfolger d«S Hofrats H. Haderer ernannt worden. des seien zwischen den Liberalen intb den Natio- nalzaranisten so verschieden, daß er eine erfolgreiche politische Zusammenarbeit zwist ' n den Parteien für ausgeschlossen halte. Er sieht in der neuen Regierung ein ilebergangskabi- nett, das die Aufgabe habe, so schnell wie möglich Neuwahlen auszuschreiben. Nach der Ansicht des Obmannes der Deutsch-Schwäbischen Volksgemeinschaft ist aber nicht nur die Vornahme von Neuwahlen notwendig, sondern ein völliger Shstemwechsel in der gesamten Staatsverwaltung. Das Kabinett Maniu werde in der Oeffentlichleit Zustimmung erfahren, denn man habe in Maniu schon lange den Mann gesehen, der in der Lage sei, die Dinge zum Besseren zu fuhren. Die Deutschen Siebenbürgens begrüßten von Herzen jeden Regierungswechsel, Der aüS der schlechten Zeit, die Rumänien schon seit langem durchmache, herausführe. Das Volk sehne sich nach wirtschaftlicher und kultureller Freiheit und nach einer Gesundung des öffentlichen ße&en«. Die Deutschen seien bereit, an jeder aufbauenden Arbeit mit Herz und Hand mitzuhelfen, gleichviel, ob ein Vertreter der Deutschen Partei in der Regierung einen Platz habe oder nicht. Die deutsche Minderheit verlange vor allem kulturelle Freiheit und die Lösung der Schulfrage, denn eine Unter ft ü^ung der Minderheitenschulen durch die Regierung sei unbedingt erforderlich, und auch sonst verlangten die Deutschen endlich eine Anwendung der Gesetze im Sinne der Gerechtigkeit und der Minderheitenbestimmungen in den Friedensverträgen. Auch das Sprachenrecht müsse bei der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit neu geregelt werden. Wahlbeeinflussungen, die sogar durch das Wahlgesetz zuiässig seien, mühten verschwinden, und vor allem sei es notwendig, dah die Selb st Verwaltung der Gemeinden wiederhergestellt würde. Dor allem sei aber der Kampf gegen die Korruption mit allen Mitteln aufzunehmen. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtages. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages be* handelte in seiner Sitzung am Freitag zunächst den Antrag Wickler (Z.), der wegen der hohen Strompreise der U e b e r l a n dz e n t ro - l e n Klage führt. Inzwischen wurde festgestellt, daß sich, besonders in Oberhessen, die Tarife für Kleinbetriebe den Tarifen für Großabnehmer weiter angeglichen haben, wodurch der Mißstand zum großen Teil beseitigt worden sei. Der Antrag wird daher für erledigt erklärt. Eine längere Debatte entwickelte sich dann über einen Antrag Widmann (S.), die Regierung zu er* suchen, erstens bei der Reichsregierung und bei dem Reichsrat darauf zu drängen, daß dem Reichstage baldmöglichst ein Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Sicherung der Existenz der älteren Arbeiter, Arbeiterinnen und Ange* stellten vorgeleat werde, zweitens soll bei der Beratung und Beschlußfassung über diesen Gesetzentwurf mit allem Nachdruck für möglichst weit* aehendste Schutzmaßnahmen für ältere Arbeiter und Angestellte einaetreten werden, drittens sollen bis zur Berabschieoung dieses Gesetzes in allen hessischen Staatsbetrieben die Leitsätze des Unterausschusses des derzeitigen 9. Reichstagsausschusses zur Anwendung gebracht werden und viertens auf die Gemeinden und Gemeindeoerbände eingewirkt werden, in glei- chem Sinne bei ihren älteren Arbeitern und Angestellten zu verfahren. In der Aussprache wird von fast allen Rednern der verschiedenen Parteien auf die schwierige Lage der Existenz des älteren Arbeiters und Angestellten hingewiesen, die fast nie mehr, wenn sie einmal arbeitslos werden, wieder eine Anstellung finden. Der Ausschuß mußte feststellen, daß die Schwierigkeiten zur Besserung der Lage außerordentlich groß sind und durch Staatsmaßnahmen allein nicht beseitigt werden können. Der Antrag Widmanns wurde dann hinsichtlich der Punkte 1 und 2 angenommen, die Punkte 3 und 4 wurden dagegen der Regierung als Material überwiesen. Selb fällt vom Himmel. Roman von Paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 43. Fortsetzung. Nachdruck verboten „Was sollen wir davon glauben?" fragte er kühl. Blinsky erblaßte. „Ich bin ihm auf der Spur. Nein, ich habe ihn. Begreifst du nichts? Ja, begreift ihr denn nicht die Traaweite des Briefes? Morgen, übermorgen habe ich alles." Die beiden andern wechselten einen Blick, den Blinlky auffing. Wütend stieß er hervor: „Ihr glauot, er sei bestellt .. Es kam keine Antwort. Aber dies Schweigen war belastender als eine Anklage. Er fühlte erbittert, daß ihm hier keiner glaubte. Ohne ein Wort zu sagen, riß er den Brief wieder an sich und verlieh das Zimmer. Der Sommer- sprossige folgte ihm. An der Haustür stand ein dritter Mann in der Uniform der französischen Postbeamten. „Es ist besser, wir begleiten dich, Brüderchen. Die Nächte sind unsicher in diesen Zeiten. Und womöglich geht es dir wie mir, daß du dein Hotel verfehlst. Blinsky verstand und ließ sich von den beiden zum Grand Hotel zurückführen. Er war schon dankbar, daß sie ihn in seinem Zimmer allein ließen. Er lief im Zimmer auf und ab wie ein gefangenes Tier. Seine Lippen bewegten sich, ohne daß ein Wort zu hören war. Die Wut über seine Enttäuschung peitschte sein Blut zur Raserei auf. Tolle Bilder der Rache rollten im Wirbel durch sein entzündetes Hirn. Mord hatte Drodersen getadelt? Mord an dem, der das Geld hatte? Er hatte recht: Mord war viel zu wenig. Das Tier raste in ihm, die große asiatische Bestie tobte in dem Zimmer des Pariser Hotels. Mit der körperlichen Ermattung wurde er langsam ruhiger. Er begann zu überlegen. Gab es wirklich keinen Ausweg mehr? Hatte er nicht noch immer einen gefunden? Solange er lebte, war noch nichts verloren. Solange er atmete, lebte der Traum der Rache wetter. Er horchte auf. Auf dem Korridor klang verstohlenes Geflüster und ein kleines klingendes Lachen aus Frauenmund. Er stellte fein ruheloses Wandern ein. Es gab noch einen Ausweg: Inge Brodersen war ja da. Sie konnte ihn retten. Sie muhte ihn retten. Sie Oberhessen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 13. Nov. Am Samstag hielt der hiesige Radfahrer-Verein 19 00 sein diesjähriges Winterfest im Saale vvn Gerlach ab. Der Verein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ein gutes abwechselungsreiches Programm zu bringen, welches der Veranstaltung sehr viele Besucher zuführte. 3n seinerBegrühungSansprache wies der Vorsitzende des Vereins auf die große Bedeutung des Radsportes hin und ermahnte besonders die Jugend, dresem schönen Sport treuzubleiben. Ferner dankte er den rührigen Fahrwarten, welche sich besonders für den Saalsport einfetzten. Alle saalsportlichen Darbietungen fanden ungeteilten Beifall. Besonders gut gefiel der von sechs Damen des Vereins gefahrene Glüh- lamPen-Elsenre!g:n. Anschließend wurde eine Preisverteilung für die Sieger des letzten Jahres vorgenommen, wobei auch der Vorsitzende, Fritz K l i n g, in Anbetracht feiner Verdienste um den Verein mit einem schönen Geschenk überrascht wurde. Der übrige Teil des Programms wurde durch die bekannte Kapelle M a n k (Wieseck) aus- aeführt und hielt die Sportsfreunde noch einige Stunden beisammen. z Rödgen, 13. Nov. In unserem Dorf war bis jetzt noch kein Bäcker ansässig. Bäcker aus Gießen, Alien-Buseck und Großen-Buseck versorgten die Gemeinde mit Brot und Brötchen. Viele Leute bucken auch noch ihr Brot selbst in den zwei Gemeindebackhäusern- Gestern wurde nun hier eine Bäckerei eröffnet. Sie ist in das Anwesen des Bürgermeisters Wagner eingebaut. — In der letzten Woche wurde auch die neue Zigarrenfabrik, die die Firma Rinn & Elovs, Heuchelheim, hier gebaut hat, bezogen. Dg. Gr.-Buseck, 13. Nov. Gestern feierte der hiesige Frauenverein im Saale des Gastwirts Wagner sein zwanzigjähriges Bestehen. Verbanden mit der Veranstaltung war die Ehrung der hiesigen Gemeindeschwester für ihre ebensolange vorbildliche Tätigkeit im Dienste der Kranken und Siechen. Beigeordneter Harbach stattete den tiefempfundenen Dank der Gemeinde ab und überreichte der Jubilarin, die nun in den wohlverdienten Ruhestand zu treten beabsichtigt, ein Andenken. Auch der Ortsgeistliche und Baronesse von Nordeck zur Rabenau gedachten in ehrenden Worten der Gründer und eifrigen Förderer des Vereins, in erster Linie ter verstorbenen Baronin von Nordeck zur Rabenau, die sich durch ihre Wohltätigkeit ein bleibendes Denkmal in den Herzen ter Dorfbewohner gesetzt hat, ferner des verstorbenen Pfarrers Barsch und des ebenfalls verstorbenen Bürgermeisters Schwalb. Vorträge und Theaterstückchen. Darbietungen des Posaunenchors und eine Verlosung füllten in abwechslungsreicher Weise den schonen Abend aus, so daß sich der dichtbesetzte Saal erst um Mitternacht leerte. Z Aliendorf a. d. Lda., 13. Nov. Dieser Tage fand in ter hiesigen Kirche die Wahl des Kirchenvorstandes statt. Vor Beginn der Wahl erfolgte die Verpflichtung der neugewählten Kirchengemeindevertreter Wilhelm Loy II., Heinrich Weiß V., Ludwig Weiß und Christoph Wadenpfuhl. Die durch die Kirchengemeinde- vertreter vorgenommene Wahl des K.rchenvor- stantes ergab die Wiederwahl deS seitherigen Kirchenvorstandes. bestehend aus den Herren Melch. Damm IV., Heinrich Döll, Christoph Krieb II., Anton Wagner, Heinrich Wagner VI. und Melchior Wietzner II. — Wie alljährlich, so wurde auch dieses Jahr wieder ' durch das hiesige Pfarramt für das evangelische Schwesternhaus in Gießen in hiesiger Stadt gesammelt. DaS Resultat, ein schwerer Erntewagen doll Kartoffeln, Gemü'e und Obst, im Werte von schätzungswei e 150 Mk., wurde in der vergangenen Woche seinem Bestimmungsort entgegengeführt. — In einer unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dein dieser Tage stattgehaöten Gemeinderatssihung beschäftigte )id) der Gemeinderat zunächst mit der definitiven Besetzung der dritten Lehre r st e l l e. Da zur Zeit für diese Stelle keine Dienstwohnung vorhanden ist, hatten sich nur sieben Bewerber gemeldet. Die einstimmige Wahl deS Gemeinderats fiel auf den schon einige Jahre an hiesiger Schule amtierenden und al(eits beliebten Schulverwalter Jakob Heil. — Eine definitive Beschlußfassung über das Gesuch der auswärts wohnenden Müller Karl R a h r - gang, Louis Frey II. und Joh. Christ. Lotz um Zuführung der Wasferie tung an ihre Hofreiten wurde vorerst zwecks Einholung eines Kostenvoranschlags zurückgestellt. Sodann genehmigte der Gemeinterctt noch den Beitritt der Stadt als Mitglied zu dem Verein für Simmentaler Vieh ck. Heuchelheim, 13. Nov. Der Turnverein Heuchelheim e. D. hielt am Samstagabend im kleinen Saal der Turnhalle seine diesjährige Generalversammlung ab.Der Vorsitzende, Schmidt, gab einen kurzen Lieberblick über das abgelaufene Geschäftsjahr. Aus diesem war zu entnehmen, dah in den einzelnen Abteilungen des Vereins sehr rührig gearbeitet wird, und daß sowohl von Turnern und Turnerinnen als auch von den Spielern sehr schone Erfolge erzielt worden sind. Der Mitgliederstand zeigte einen Abgang von 12 und einen Zugang von 13 Mitgliedern. Der Kassierer tonnte von einem Lleterschuß im abgelaufenen Jahr berichten. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Ludwig Schmidt, 2. Vorsitzender Fritz Rinn, Kassierer Ernst Reu schling, Schriftführer Hermann Freitag, Beisitzer Karl Kreiling, Fritz Volkmann und FritzKreiling, Zeugwart Rudolf Kreiling, Oberturn- wart Albert Rinn, l.Turnwart Otto Volkmann, 2. Turnwart Wilhelm Rinn, Sportwart Hermann K r ö ck, Spielwart Philipp Weller, Frauenturnwart Fritz Rinn und Jugendturn- wart Franz Reuschling. Nachdem noch verschiedene interne Vereinsangelegenheiten behandelt waren, sprach Turner Bergen dem Vorstand für sein selbstloses Arbeiten den Dank der Versammlung aus. Hierauf schloß ter Vorsitzende Schmidt die harmonisch verlaufene Versammlung mit dem Wunsche, dah die gefaßten Beschlüsse zum Wohl und GÄ>eihen des Vereins und ter Deutschen Turnerschaft dienen mögen. Mtt dem Liede „Turner, auf zum Streite" ging man zum gemütlichen Teil des Abends über. • Klein-Linden, 14. Nov. Morgen, Donnerstag, findet In unserer Kirche ein Lichtbild- Vortraa statt. Missionar Jurgens, der lange Jahre in Afrika und in Sumatra in der Missions- arbeit stand, spricht im Rahmen einer Volksmis- sionsveranstaltung über das Thema: „Flucht vor dem Leben". a. Allendorf (Lahn), 13. Nov. Am Sonntag fand durch den Superintendenten von Ober» Hessen, Oberkirchenrat Wagner, hier eine Kirchenvisitation statt. Der Gottesdienst wurde eingeleitet durch das Lied des Kirchen- chores „Der Herr ist mein getreuer Hirt". Der Ortsgeistliche, Pfarrer Decker, legte seiner Predigt die Worte des Gleichnisses vom Netz und den Fischen zugrunde. Sodann hielt Ober» kirchenrat Wagner eine Ansprache, in welcher er unter anderem in schöner Weise ausführte, daß am Tage einer KirchLnvisitatton nicht mir in ter Kirche nach dem Rechten gesehen werten sollte, sondern dah es Pflicht eines jeden sei, bei sich selbst, in seinem Hause und in ter Gemeinde nachzusehen, ob auch da In allem die richtige Ordnung herrsche. Anschließend daran sand die Prüfung der Katechismuslehrpflichtigen und der Oberllasse der Schule, in welcher der Geistliche Religionsunterricht erteilt, statt. Mit dem freien Singen einiger Choräle fand die eigentliche Visitation ihren Abschluß. 3n der Die für das Hochbauamt und F o r st a m t in Friedberg angeforderten Mittel zum Umbau der Gebäude erschienen dem Ausschuß zu hoch. Er entschloß sich daher, die beim Sub- missionsverfahren herauskommende Summe als Höchstbetrag zu bewilligen. — Das Steuervor- auszahlungsgesetz, in dessen Beratung nur kurz eingetreten wurde, wurde dann auf Wunsch einiger Abgeordneter bis Mittwoch zurück- gestellt, um den Fraktionen nochmals Gelegenheit zu Beratungen darüber zu geben. Der Gedanke, ihn anderswohin zu bestellen, war nicht mehr durchführbar. Im Hotel herrschte schon viel zu reges Leben, als daß man irgendwo eine geheime Aussprache wagen konnte — und eine andere kam bei diesen Dingen, die sie ja nur ahnte, nicht in Frage. Sie sagte Si ein paar malaiische Worte, wohin sie ging und wann sie sie um jeden Preis abholen mußte. Die Dienerin beschwor sie, au bleiben, und sie legte Inges Hände auf ihre Stirn, als wollte sie ihre Gedanken so übertragen. Ein stolzes Lächeln kräuselte Inges Lippen: sie fürchtete sich nicht. Inge Brodersen fürchtete sich nicht. Ehe sie ging, tat sie etwas, was sie noch nie fertigbekommen hatte: sie umarmte die Malaiin in einer iähen Aufwallung und drückte sie wie eine Freundin an sich. Zärtllch blickte sie auf das glatte schwarze Haar der Getreuen, das einen Augenblick an ihrer Brust lag. Als Inge draußen war, huschte Si ins Schlafzimmer und zerrte aus ihrem Koffer die Waffe ihrer Heimat hervor, den vergifteten Kris. Während ihre kleine gelbe Hand ihn fest umspannte, lauschte sie, mitten im Zimmer stehend, nach oben, als könne sie hören, was dort vorging. Blinsky stand in der offenen Tür, als Inge Brodersen den Korridor entlang schritt. War er ihres Kommens also so sicher gewesen? Sie trat ein, zog die Tür hinter sich zu, an der sie stehen blieb. „Sagen Sie schnell, was Sie zu sagen haben. Ich werde erwartet." Er stand geduckt, in feiner alten demütigen Haltung vor ihr, als ob er seine eigene Persönlichkeit aufgegeben hätte. Nein, von dem war nichts zu befürchten. „Nichts ist schnell gesagt", begann er leise. „Tausend Faden sind ineinander verknüpft. Wie will man schnell den einzelnen lösen? Aber wollen Sie sich nicht setzen?" „Nein. Ich nehme an, daß Sie meinen Wunsch zur Eile achten. Worauf warten Sie denn noch?" Er rang nach Worten. Alles war so anders, als er es sich ausgemalt hatte. „Ich habe nicht viel Zeit, Blinsky. Was sind das für Geheimnisse, von denen Sie schrieben?" „Geheimnisse?" sagte er, immer ohne sie anzu- sehen. „Geheimnisse? Bald werden es keine mehr sein. Vielleicht sind sie es in diesem Augenblick schon nicht. Aber setzen Sie sich doch! Ich bin todmüde, und ich kann doch nicht sitzen, wenn Sie stehen. Oder haben Sie etwa Angst vor mir?" Zum erstenmal schoß sein Blick zu ihr auf. „Nein, Blinsky, ich fürchte mich nicht vor Ihnen. Aber den Schlüssel hier ziehe ich ab und nehme ihn wußte, daß er ihren Baker und sie vernichten konnte. Zum mindesten mußte sie es glauben. Lange grübelte er über die Möglichkeiten nach, die ihn mit ihr allein zusammenführen konnten. Er nahm den Briefblock zur Hand und schrieb Brief auf Brief. Jeden zerriß er, um ihn bann an einer Kerze zu verbrennen. Endlich blieben nur ein paar Zeilen stehen, die er für gut befand. Nichts von Gefühlen war darin: sie hätten ihr nur dies kühle Lächeln entlockt, das er haßte — und nach dem er sich doch in hundert schlaflosen Nächten gesehnt hatte. „Ich erwarte Sie morgen früh in meinem Zimmer, um Ihnen Dinge zu sagen, die für Sie und Ihren Herrn Vater von allergrößter Wichtigkeit sind. Ich gebe mein Ehrenwort, daß Sie allein kommen können. Zeugen würden mir meine Er- tlärungen unmöglich machen ...." So war es recht. Als Tochter chres Vaters würde sie es verstehen. Auf Strümpfen schlich er den teppichbelegten Korridor entlang, bann die Treppe hinunter, bis zu ihren Zimmern. Als er die Außentür vorsichtig geöffnet und den Brief unter die Spalte der Innentür geschoben hatte, sah er Inges Schuhe stehen. Er erhob sich verwirrt und betrachtete sie mtt einem wunderlichen Gemisch von Hohn und Leidenschaft. Seine Züge entspannten sich zur Zärtlichkeit. Er fiel langsam wieder in die Knie. Die Hände glitten über die Schuhe und streichetten sie. Halb vergessene Sätze eines russischen Gebets drangen auf feine Lippen. So hatte einst einer seiner leibeignen Vorfahren vor seiner Herrin gekniet, seiner grausamen Herrin, an der dennoch seine Sklavenseele inbrünstig hing. Blinsky demütiget sich. Er kasteite seine Seele. Si brachte morgens den Brief an Inges Bett, und sie reichte ihn mit einer wiegenden, warnenden Kopfbewegung ihrer Herrin. Als Inge Brodersen ihn gelesen hatte, war sie fo- fort wach. Sie wußte von ihrem Vater, daß Blinsky mit ihm ein Gespräch geführt hatte, das beide trennen mußte. Das Gefühl der grenzenlosen Erleichterung, das ihr einen tiefen, traumlosen Schlaf geschenkt hatte, wich nun jählings der Angst: es war kein Zweifel, daß Blinsky sich rächen wollte und daß sie — sie allein — es verhindern konnte. In fliegender Hast kleidete sie sich an, zum ersten- mal zu der Malaiin unaeduldige Worte hlnroer- fenb. Sie hakte nach den Aufregungen des Abends viel zu lange geschlafen. Wie, wenn Blinsky sie nicht mehr erwartete? folgerten gemeinsamen Sitzung ter Kirchen- gemeinter^rtrehing und des Kirchenvorstandes legte ter Superintendent den Mitgliedern be- ( sonders noch einmal die Pflichten ans Herz, dia sie gewissermaßen als Vorbilder in der Gemeinte besitzen. Sodann ließ er sich die einzelnen Herren persönlich vvrstellen. In der bis 1 Llhr währenden Sitzung des Kirchenvorskantes wurden dann noch besondere Fragen behandelt. Gleich daran schloß sich eine Trauung, wobei Oberkirchenrat Wagner ebensalls anwesend war'. Der Kirchenchor fang hierbei: .Wir flehen, Herr, vor deinem Throne, sieh gnädig her auf dieses Paar" und „Jesus soll die Losung sem und n der Himmel ist das Ziel". — Bei der kürzlich stattgehabten Wahl zum Kirchen- Vorstand wurden fünf alte Mitglieder wiedergewählt und zwar: Bürgermeister Volk. Ludwig Binz Philipp Volk, Friedrich Am end und Friedrich Heinrich An di« Stelle des freiwillig zurück getretenen Herrn Rinn wurde ter Organist, Lehrer Kimmel, gewählt. )( Großen-Linden, 13. Nov. Am Sonntag fand die Wahl des Kirchenvorstandes statt. Wiedergewählt wurden Bürgermeister Lang, Heinrich Dem VI.. Ludwig Hardt I„ Heinrich Magnus II., Ludwig Kehler VII., Heinrich Menges II. und Johs. Wagner VII. An Stelle des wegen hohen Alters zurückgetretenen Ph. Peppler wurde Wilhelm Schaum gewählt. 6 Langgöns, 13. Nov. Als Nachfolger des vvn fernem Amte zurückgetretenen Dezircks- tumwarts Hartmann wurde einstimmig dessen seitheriger Stellvertreter Lang (LanggönS) an die Spitze des 5. Bezirks im Turngau Hess en D. T. berufen. AIS DezirkSvev- treter wurde Studienrat Thierolf (Friedberggewählt. V Watzenborn-Steinberg, 13. Nov. 3m Kreise ihrer Verwandten, Ämter, Enkel und Urenkel, beging teefer Tage das Ehepaar Johannes Schmitt II. unb Sophie, geborene Häuser, das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaare wurden reiche Ehrungen zuteil. Die Gesangvereine .Germania" und ,Ju- genbfreimb“, deren Mitglied bzw. Ehrenmitglied der Jubilar ist, brachten ein Ständchen. Dis Glückwünsche des Ministeriums des Innern und des Kreisantts Gießen überbrachte Bürgermeister Schäfer, die des Landeskirchenamts und des hiesigen Kirchenvorstandes ter Ortsgeistliche. In seltener Frische und mtt markigen Worten sprach der Jubilar seinen Dank aus. Er versieht noch in großer Treue fern Amt als Flurschütze unserer Gemeinde. — Dieser Tage fand in unserer Kirche dieWahlderMitgliederdesKirchen- vorstandes statt. Die settherigen Mitglieder: Balthasar Hirz VI., Balthasar Hirz V., Joh. Hirz IX., Johannes Drücke! XII Georg Melchior Häuser, Georg Harnisch V., Äon Schäfer III., Bürgermeister, wurden wteter- gewählt, an Stelle d.»s verstorbenen Mitgliedes R e i t s ch m i k 1 wurde Balthasar P i tz III., Schuhmacher, neu gewählt. T Lich, 13. Nov. Einen genußreichen Abend bot am letzten Samstag der hiesige Männer- gesangverein .Cäcilia" seinen Mitgliedern, Freunden und Gönnern in der in Steins Saalbau abgehaltenen 90. Stiftungsfeier. Ein flotter Marsch der Kapelle Krengel (Gießen) eröffnete die Vortragsfolge. In einer kurzen Begrüßungsansprache wies der 1. Vorsitzende deS Vereins, Bäckermeister Karl Lotz, auf die Bedeutung des TageS in der Vereinsgeschichte hin. Einem Mttglied, Georg Schnabel, konnte aus Atzlaß seiner 25jübrigen Zugehörigkeit zum Verein die silberne VereinsnadÄ Übersicht werden. Der Verein wartete mtt einem auserlesenen Programm in bezug auf Männergesang und In- strumentalmusik auf. Schon gleich ter erste Männerchor »Hoch empor", eine recht schwierige Komposition von Curtt, geleitet von dem Dirr- genten, Lehrer Dormer (Lich), erntete den reichen De.fall der vielen Zuhörer. Aber auch die anderen Chöre, Vollslieter von Silcher, fanden dankbarste Ausnahme, ganz besonders der Chor „Die alten Straßen noch", von Grippe- koven. eine Stiftung ter „Liedertafel" Altena (Westfalen) aus Anlaß des großen Gesangswett- zu mir." Sie ging aufrecht zu dein Stuhl am Fenster, den er ihr angeboten, aber sie fühlte, baß ihrs Knie zitterten. Einen Augenblick sah sie hinaus. Der Platz war stark belebt. Die livrierten Angestellten des Hotels liefen aus unb ein. Ein Ruf würbe genügen, sie herbeizurufen. Sie setzte sich beruhigt. „Reben Sie enblid)!" Er ließ sich in bem Stuhl am Tische nieber, burch bas halbe Zimmer von ihr getrennt. „Ihr Vater ist in Gefahr ... nicht in Lebensgefahr ... ich glaube wenigstens nicht, bah er es ist .. / „Blinsky 1^ Er lächelte befriebigt. Der Anfang war aut gewesen. „Es war ein großes Werk geplant", fuhr er fort. „Än Werk, bas mtt einem Schlag bas Bild der Welt, wie sie jetzt ist, verändert hätte. Durch bi« Voreiligkeit einiger Narren ist cs zerbrochen unb bas Alte triumphiert. Es ist stark, oh, Sie ahnen nicht, wie stark! Man hat uns belogen, als man uns prebigte, es fei morsch unb reif zum Fall wie eine Frucht im Herbst." „Was soll morsch fein?" „Die Wett, die Herrschenden ber Wett. Sehen Sie mich nicht so an, als ob ich verrückt sei. Ich habe noch immer mehr Verstand als die Mehrzahl meiner verehrten Zeitgenossen. Vielleicht habe ich zuviel von diesem zlrtitel. Wer ich will Sie mit diesen Dingen nicht aufhalten. Was Sie unb m ch angeht, ist Dies. Ihr Vater war mit Geld daran beteiligt, mit viel Geld ... nein, auch davon will ich nicht reden." „Ist das Geld verloren?" fragte Inge schnell. Er hob die Hände, als wolle er sie beschwören. „Nicht davon wollen wir reden. Es gibt Dinge, die um eine Welt wichtiger sind ..." „Warum?" sagte sie kühl. „Es ist in letzter Zelt bei uns soviel von Geld und Kapital unb Finanz- aktionen gesprochen unb geflüstert worben, daß es hiermit doch im Zusammenhang stehen unb wichtig sein muß. Denken Sie, ich fei als Schlafwandlerin durch das gelbe Haus gegangen?" „Nein, Sie sind tlug^ Inge Brodersen. Sie sind klüger als die meisten Männer." Seine Blicke Irrten über ihre Gestalt, ihr Gesicht, unb blieben wieder an den Schuhen haften. Es klang wie ein Stöhnen: „Sie sind fast so klug, wie Sie schön sind ... Ni« habe ich eine schönere Frau gesehen .. " ,Zch gehe fort, wenn Sie mir nichts anderes ZU sagen haben." Er erhob sich schwankend. Seine Blicke verdunkelten sich „Könnten Sie mich nicht lieben, Inge Brodersen?" Sie erhob sich, plötzlich der Gefahr bewußt. „Ich gehe." (Fortsetzung folgt) strertc-s rm letzten Sommer. Die Soli des Herrn Schwarzlose (Dietzen) aus ter Trompete -ersten den Künstler von seiner testen Gerte reicher Applaus lohnten den Vortragenden. Ern gut gespieltes Th.ctterstück sorgte für frohe <3 tun- mutig. Der übliche Tanz beendete die Strftmrgs- feier. . ~ Kreis Friedberg. 4 Bad-Aauheim, 13. Aov. Eine ein- drucksvolle R e f o r m a t i o n s f e r e r veranstal- tete die evangelische Gemeinde in ter bis zum letzten Platz gefüllten Turnhalle. 3m Mittet, punkt der Veranstaltung stand dre unter der Regie von stud. thcol. Hörnle (Drehen) recht gut wiedergegebene Schönherrsche Tragödie Glaube und Heimat", Ansprachen der Pfarrer Knodt und Schäfer und wohlgelungene Darbietungen des von Berufsschullehrer Hildebrand geleiteten Gemischten Chors um- rahmten das Drchnenspiel. — 3n der Frequenz- liste wurde gestern ter 4 0 0 0 0. Kurgast dieses Jahres in der Person von Frau Gmma Reirchold aus Braunschweig eingetragen. Kreis Büdingen. II Büdingen, 13. Aov. Der hiesige Musi k v e r e i n kann auf ein wohlgelungenes Konzert zurückblicken. Cs wurde ausgeführt von Frl. Anneliese Wehner, Sopranistin, und Richard Heime, Pianist, beite ou3 Darmstadt. Lieder, Arien und Klaviervorträge wurden von den Künstlern sehr ansprechend vorgetragen. Dte zahlreichen Gäste des Abends dankten mit Mietern Beifall für den genutzretchrn Abend. — Der D. H. C. Zweigverein hitte seine Mitglieder zu einer Sonntag-Wanderung nach Don- Hausen und Herrnhag eingelaten. Das schlechte Wetter tetolrfte indessen eine schwache Beteiligung. Trotzdem verlebte man einige anregende Wanderstunden. Die Schützengesellschaft hat ebenfalls am Sonntag ein Gegenseitigkeits- aabenschiehen abgehalten, welches sehr schön verlief. Franz Göckel, Karl Pracht und Manna g o t ter a zeichneten sich besonders aus. △ Aidda, 13. Aov. An der hiesigen Gewerbeschule wurde Diplomingenieur R u t l o t als weitere Lehrkraft angestellt. Er wird den Unterricht für Maschinenbau erteilen und besitzt langjährige und Vie seitiae Erfahrung in seinem Fache. Seitter war er bei einem großen Konzern in Mülheim a. d. Ruhr tätig und batte dort u. a. die große Zahl der Lehrlinge des Werkes im Maschinenbau zu unterrichten. y. B o r s d o r f, 13. Aov. Der 38 Jahre alte, verwitwete Zimmermann Wilhelm Kirchner von hier, beschäftigt auf dem Himmelsbachschen Sägewerk in Aidda, erlitt auf seiner Arbeitsstätte am Freitag einen Beinbruch Der Hn- sall war für den Verunglückten u.n so bedauerlicher, als er zwei Tage darauf sich wieder verheiraten und Hochzeit feiern wollte. Die Gäste waren schon geladen, die Kuchen gebacken und alle weiteren Vorbereitungen zum Hochztttsfest fetroffen. Eine Verlegung hielt man für untun- ich Daher wurde ter Verunglückte vor einigen Tagen in seiner Wohnung im Bette sitzend — die Braut davor stehend — getraut, und dann das Hochzeitsfest in der hier üblichen Weise fröhlich gefeiert. Kreis Schotten. □ Laubach, 13. Aov. Die kirchlichen Wahlen sind auch hier in aller Ruhe verlaufen. Zur Kirchengemelnd »Vertretung war nur ein Wahlvorschlag eingc laufen. Infolgedessen brauchte hierfür keine Wahl stattzufinten. Am letzten Freitag sand die Wahl xum Kirchenvorst and statt. Die vier seithrriaen Mitglieder: Oberreallehrer Gerhard, Lehrer S p t l g e r und die Landwirte Heinrich Günther und Georg Wagner wurden wiedergewähtt. An Stelle des verstorbenen Rentamtmannes Bohn wurde neu in den Kirchenvorstand gewählt der Sckreinermeister Wilhelm Stotz, an Stelle des erkrankten Kaufnianns und früheren Beigeord- neten Diehl der Landwirt Heinrich Salz- mann. — Dieser Tage wurdm auf ter hiesigen Gemeindejagd deren Pächter Fabrikant S ch u n k vom Winvhof bei Gießen ist. 17 Hasen. 7 Rehe und ein Fuchs geschossen. Man beschränkte sich auf das Treiben in den Waldungen. Der Rchstand ist hier wieder hochgekommew da man seit zwei Jahren geschont hat. — Vorgestern hielten hier die Sechzigjährigen eine gemeinsame Feier ab mit Kirchgang und geselliger älnterhaltung im Gasthof „3ur Traube". • Breungeshain, 13. Aov. Ein aufregender Vorgang ereignete sich heute in unserem Orte. Gin hiesiger Einwohner, anfangs der zwanziger Jahre, der sich erst vor kurzem verheiratet hatte, erlitt in ununterbrochener Folge tobsuchtsartige Anfälle, in deren Verlaus er für seine Angehörigen und für die Einwohnerschaft des Ortes recht gefährlich wurde. Schon am Montag nachmittag hatten sich bei dem bedauernswerten Manne Anzeichen einer geistigen Störung bemerkbar gemacht: u. a. zerschlug er in seinem Wahne Gegenstände der Wohnungseinrichtung. Am heutigen Dienstag früh setzte er diese Zerstörungen fort, die dann in den Mittagsstunden besonders arg wurden. Der Rasende zertrümmerte im Saale einer Gastwirtschaft alle Fenster, die Türen. Möbel usw.. warf HaushaltungS- aegenstände, Ech'achlwaren. Dierslaschen usw. durch die Fenster auf die Straße und eröffnete schließlich aus einem Gewehr ein heftiges Feuer aus die natürlich zusammengeströmte Einwohnerschaft. Von verschiedenen Seiten wurde berichtet, daß der Kranke einige hundert Schüsse abgegeben habe: zum Glück wurde durch diese Schießerei kein Hnheil angerichtet. Hm den bedauernswerten kranken Mann in sichere Obhut zu bringen, wurde die Freiwillige SanitätS- kolonne vom Roten Kreuz in Gießen herbeigerufen. Rach deren Eintreffen rückte auch die Ortsfeuerwehr an, um durch Abgabe von Wasser auf den Hnglücklichen beruhigend und lähmend einzuwirken und ihn dadurch in Schach zu halten. Den vereinten Bemühungen, insbesondere der Gießener Sanitätskolonne, gelang es nach schwierigem Ringen mit dem Kranken, diesen zu überwältigen und soweit zu sichern, daß er nach Gießen in die Heil- und Pflege- Anstalt übergeführt werden konnte. Der Mann ist bereits früher durch gelegentliches absonderliches Verhalten aufgefallen. § Hlrich stein. 13. Aov. In der letzten Hälfte ter vergangenen Woche hielt Kceisfür- sorgeschwester Ella P u t h für die forLilöungÄ- schulpflichtigen Mädchen von hier und Helpershain einen dreitägigen Kursus in Kinder- und Säuglingspflege ab. Dank ihrer klaren, anschaulichen Hnterrichtswei'e gelang es ihr. das Interesse der Schülerinnen von Anfang an zu wecken und zu erhalten, die einen bleibenden Gewinn an wichtigen Kenntnissen davongetragen haben dürften. Dem Kreisamt Schotten gebührt aufrichtiger Dank für die Veranstaltung solcher Kure, durch die einer viel beobachteten Hnwif enheit auf diesem wichtigen Gebiet abgehol en und der Volksgesundheit ein ungemein wichtiger Dienst erwiesen wird. — An unserer Hauptstraße werden soeben streckenweise regelrechte Gossen h?rgestellt. durch die der Wasserabfluß künftig besser geregelt und der Fahrdamm trockener gehalten werten wird. ± Lardenbach. 12. Aov. In unserer Gemeinde fand gestern die Aeuwahl des Kir- ckenvorstandes statt. Die seitherigen Kir- cyenvorstehcr, Bürgermeister Lein, Wich. Lein, Heinr. Kratz. Heinr. Mölcher XL, Karl Keil und Heinr. Erb' (Solms-Ilsdorf) wurden sämtlich wiedergewählt. — Wie man hört, beabsichtigt unser neuer Seelsorger, Pfarrer Daher, am 1. Advent seinen Dienst hier anzutreten. Kreis Alsfelv. -er. Homberg a. d. Ohm, 13. Aov. Die Freiwillige Feuerwehr beschloß in der am 4. Aovember abgehaltenen Generalversammlung. die Fe er des fünfzigjährigen De- stehens der Wehr am 20. und 21. Mai (Pfingsten) nächsten Jahres festlich zu begehen. — Am Sonntage fand in unserer altehrwürdigen Kirche ein Missionsgottesdienst statt, In dem Missionar Schmoll von der Da e'er Mission predigte. In diesem Morgengottesdirnst schilderte er die großen Schwierigkeiten, mit denen die Mis ionare an ter Goldküste zu kämpfen haben. — In diesem Jahre feien gerade 100 Jahre verflossen. seit man dort Missionsarbeit treibt. Sie fei nicht vergeblich gewesen, denn heute zähle man dort üter 50 000 Christen. Während der Mittagsstunden boten die Konfirmanden Mis- sionsschriften in den Häu em zum Verkauf an. Hm sieben Hhr war Abendgottesdienst mit Lichtbildervorführung. Diesmal führte einl:itend der Mis ionar die Zuhörer im Geiste auf die Insel Borneo, schilderte ihre Lage, Größe, Bewässerung, den Hrwald und vor allem deren Bewohner. Mit ter Bitte, das Mis ionswerk nach Kräften zu unterstützen. schloß Missionar Schmoll die erhebende Feier. L Ober-Ohmen. 13. Aov. In einer der letzten Rächte wurde hier in dem Anwesen des Kaufmanns August Wagner ein Einbruch verübt. Die Diebe stiegen durch das Fenster ein und ließen Rauchwaren Im Werte von etwa 40 'm art mitgehen. Die polizeilichen Ermittelungen sind im Gange. Rheinhessen. WSA. Mainz. 13. Aov. Heute vormittag 4.17 Hhr fuhr in dem Tunnel zwischen Mainz Hauptbahnhos und Bahnhof-Süd der Personenzug 1220 in eine Gruppe Qlottenarbeitet, die sich nach beentetem Hmbau auf dem Wege zum Tunnelausgang tejanten. Hierbei wurde ter Arbeiter Phil. O h l aus Sulzheim schwer, ter Arbeiter Phil. Dolen z auS Wallerthttm leicht verletzt. Deidr Verletzten wurden nach dem Städtischen Krankenhaus gebracht. Einige Züge erlitten Verspätungen. Weitere Störungen sind nicht entstanden. WSA. Ober-Ingelheim, 13. Aov. In ter gestrigen Gerne:nderatssihuug wurde über den Antrag der hessischen Regierung zwecks Vereinigung der beiden Ingelheim diskutiert. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, unter der Leitung des Ministeriums mit ter Gemeinde Aieder-Ingelheim zwecks Vereinigung ter beiten Gemeinten Ober- und Aieder-Ingel- heim in Verhandlungen einzutreten. Auch ist die Gemeinte Frei-Weinheim bereit, an den Verhandlungen teilzunehmen. Turnen, Sport und Spiel. Deutscher Reitersieg in Amerika. A e u y o r k, 14. Aov. (WTD. Fm k.pruch.) Das Internationale Reitturnier in Madison Square Garten rn Aeutzork brachte gestern den teilnehmenden deutschen Reitern, den Reichswehrosfizieren Oberleutnant Frhr. v. Aage l, Darmek ow rvnd Schmalz einen großen Erfolg. Gegen stärkste mternationafe Konkurrenz, u. a. Amerikaner, Holländer, Polen und Belgier, gelang es ihnen, die „Internationale Militär-Trophäe" zu gewinnen. Die teilnehmenden amerikanischen Offiziere belegten in dieser Prüfung den zweiten Platz. Der deutsche Sieg wurde von den 20 000 Anwesenden, die ter Veranstaltung mit äußerster Spannung folgten, mit ungeheurer Begeisterung aufgenommen. Die Trophäe wurde den deutschen Siegern in der Mitte der Sportplatzanlagen überreicht, während die Musik das Deutschlandlied spielte, das die Zuschauer entblößten Hauptes anhörten. Sämtliche Turnier-Teilnehmer salu- tierten. Kunst und Wissenschaft. Henn Bergson und Sigrid llndsei erhalten den Nobelpreis. Wie aus Stockholm gemeldet wird, hat die Schwedische Akademie der Wissenschaften den Aobelpreis für Literatur für das Jahr 1927 dem Mitglied ter Academie Fran;aise Henri LouiS Bergson und den Litera tumobelpreis für 1928 ter norwegischen Dichterin Sigrid H n d s e t zuerkannt. Henri Louis Bergson wurde am 18. Oktober 1859 in Paris geboren. Seine erste Erziehung erhielt er am Lyc6e Condorcef, da- er später mit ter Rormalschule vertauschte. Nachdem er diese absolviert bäte, erfolgte seine Ernennung zum Lehrer ter Literaturgeschichte. 1883 wurde Derg- fon als Professor der Philosophie an das Lyzeum zu Angers berufen. Zwei Jahre nachher übersiedelte er nach Clermont und war dort am Lyzeum tätig. Seit 1900 liest er am College de France In Paris. Bergson gilt heute als der bedeutendste französische Denker. Gr repräsentiert die moderne, mehr schöngeistig gerichtete philosophische Bewegung, die neuen Prob'emen nach- fpürt. Vor allem verliest er die Richtung jener Lebenswahre, die man als Aeo Lamarclismus bezeichnet. Er ist ter strengste Gegner ter mechanistischen Auf astung der Leäensvorgänge. In seinem am tiefsten schürfenden Werk „L’Evolut on creatrice" hat Bergson vollständig mit allen philosophischen Systemen ter Vergangenh it gebrochen und neue Wege des Denkens eingeschlagen, die zu überraschenden Ausblicken führen. In „Le Rire“ wandelt der Gelehrte andere Pfade. Hier behandelt er das Problem des Komischen. Die beiden Werte „Mati^rc et m£moirc" und „Intro- duction ä la Metaphysik" erregten nach ihrem Erscheinen lebhafte Debatten. Sigrid Hndset wurde 1882 in Kallundborg in Dänemark als Tochter des bedeutenden nor- wegischen Archäologen Ingwald H. geboren. Als Direktor des Aattonalmuseums in Oslo starb ter Vater früh und ließ seine Familie in Armut zurück. So mußte sich die Hndset von 1899 bis 1909 als Kontoristin ihr Brot verdienen. Ihre ersten Arbeiten, „Martha Oulie“ (1907) und „Das glückliche Alter" (1908) offenbaren sie schon als beachtliche Fcauenschilderin, fielen aber noch nicht weiter auf. Dagegen tourte sie bekannter durch den 1911 erschienenen Roman „Jenny". Es folgten einige Bände Legenden, Kindergeschichten und 1919 ein Buch „3m Gesichtspunkt ter Frau", in dem sie einen kämpferisch feministischen Standpunkt, dem sie sich wohl früher genähert hatte, ausdrücklich ablehnt. In den Jahren 1920 bis 1922 erschien barere ihr bisheriges Hauptwerk, die Romantrilogi« „Kristin Lavransdatter" (I: Der Kranz, II: Die Frau, III: Das Kreuz). Es gibt die Schilderung eines norwegischen Frauenschicksals, zwar im äußeren Rahmen des 14. Jahrhunderts, aber mit Schicksalen und Gestalten unserer Zeit. Das Werk hat in Aorwegen schon eine Auflage von 200 000 erreicht. Es wurde in alle norwegischen Sprachen, ins Deutsche, Englische, Französische und Holländische übertragen. Im Jahre 1925 erschien ter zweibändige Roman „Olaf Audensson von Hestoiken". Der Held erscheint als das männliche Gegenstück zu Kristin Lavransdatter. Sigrid Hndset ist mit dem Maler Svarstadk verheiratet und hat drei Kinder. Sie wohnt in Lillehammer (Aorwegen). Zwei deutsche Gelehrte Nobelpreisträger für Chemie. Stockholm, 13. Aov. (WB.) Die schwedische Akademie der Wissenschaften hat den Aobelpreis für Chemie für das Jahr 1927 dem Professor an der Hniversität München, Heinrich Wieland, und den Aobelpreis für Chemie für das Jahr 1928 dem Professor Adolf Windaus an der Hniversität Göttingen zuerkannt. Der Aobelpreis für Physik für das Jahr 1928 ist zurückgestellt worden. Neues von Münchhausen. Dörries v. Münchhausen vereint in feinem! demnächst erscheinenden „Liederbuch" (Deutsche Devlags-Anstalt, Stuttgart) fein bisheriges lyrisches Schaffen in einem Dante, der zusammen mit dem bereits vovsiegenten „Ballatenbuch^ das gesamte dichterische Werk Münchhausens in einer vornehm ausgestatteten Dünndructausgabe umfassen wird. // 10 Pf Salomon Schulstr. 4 Modehaus 10322A 1 Karton Seidentwist, 20 Kni, SO Gr. Strickwolle, gute Auslese 1 Paar Damenstrumpfbalter 1 Paar Armblätter, Doppelstoff 8-Meter-Stück schmale Kl'Spitze 4-Meter-Stück breite Kl'Spitze 8-Meter-Stück gute Festons 3 Meter Filetstickerei, Glanzgarn 2 Kni. Stopftwist ä 5 Gramm 1 Karte Seidentwist, 20 Meter 1 Brief Stopfnadeln ä 12 Stück 1 Brief Nähnadeln ä 25 Stück 1 Paar Mako-Schuhsenkel 1 Stück Halbleinenband, 3 Mtr. 1 Stück Köperband, 4 Meter 1 Stück Einziehlltze, 4 Meter l1/, Dutz. Patent - Hosenknöpfe 3 Meter kunstseid. Gummilitze 2*/3 Meter waschb. 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Ihrer Frau soaren Sie In der Woche einige Stunden mühsame Arbeit 1 Sie dagegen dürfen sogar mit nassen 5« Schuhen In das frisch ge- b5d<" putzte Zimmer I Das macht für ^AiHrcF0^ dem Fußboden gar nichts Le6hfoo*,n d°n«trei*£n taSSar» stellt. Ihrer weitgehenden Benutzung ist auch der außerordentliche Erfolg des deutschen Forschungsschiffes „Metcor“ Zuzuschreiben, das auf seiner Kreuzfahrt im sud- atlantischen Meer vom April 1925 bis zum Juni 1927 fast 68 000 L ie f en l vt u n g e n, unter diesen nur 433 Drahtlotungen, ausgeführt und damit zum erstenmal die Grundlagen für eine genaue Kenntnis bet höchst eigenartigen Dotenvcthältnisse jenes Meeresteiles beigebracht hat. Die „Meteor" war für bte Tiefenmessung mit Vier verschiedenen Vorrichtungen ausgestattet, übet deren Brauchbarkeit bis dahin fauni größere Erfahrungen Vorlagen. Für Tiefen bis hinab zu etwa 200 Meter fand das sogenannte Freilot ter Kieler Signälgesellschaft Verwendung, das zur Feststellung der Meerestiefe die Sinkdauer eines torpedoförmigen Körpers von ter Wasseroberfläche bis zum Grund benutzt. Seine Ankunft auf tem Boten wird durch ten Zerknall tes in seinem vorderen Ente eingebrachten Sprengstoffs angezeigt: man macht ihn durch einen am Schiffskörper befindlichen Llnterwasser- horcher wahrnehmbar. Die Tiefe berechnet sich dann einfach an Hand dec Sinkgeschwindigkeit tes Lotes, die gleichmäßig zu 2 Meter in ter Sekunde angenommen wirb, während die Bewegung der vom Zerknallherd ausgehenden Schallwelten im Wasser, die nahezu 1500 Meter in bet Sekunde erreicht, ohne Gefährdung ter Genauigkeit bei Flachseemessungen unberücksichtigt bleiben kann. Im Gegensatz zum Freilot beruhen alle weiteren Schallotungsverfahren auf ter Auswertung der Geschwindigkeit der Echowellen, wie sie zuerst ter deutsche Gelehrte Alexander Dehrn zur Ermittlung von Meerestiefen herangezogen hat, ohne daß seine vor dem Kriege begonnenen Versuche recht zur Auswirkung kommen konnten. Bei dem Behmlot bet „Meteor" wirb eine Sprengkapsel von Bord aus unter bet Wasseroberfläche zum Zerknall gebracht. Die dabei ent» stehenden Schallwellen treffen unmittelbar auf einen an ter Echiftswand ungeordneten Empfanget auf, ter mit einem ten Zeitpunkt des Abschusses genau verzeichnenden Kurzzeitmesser in Verbinbuirg steht. Die vom Meeresboden zu- tückprallenben Echowellen wetten von einem zweiten Empfänger an Dorb auf gefangen, wobei sich bte Bewegung einer Haltevorrichtung des Kurzzeitmessers mitteilt. Die von diesem in dem Zeitraum zwischen tem Abschuß ter Kapsel und bet Ankunft ter Echowellen aus geführte Drehung ist dann leicht in Tiefenmeter umzuwandeln. Der Nachteil des Dehmlots liegt in ten mit tem Zerknall zusammenhängenden Erschütterungen tes Schiffskörpers. Die Stärk- des Knalls bedingt die jeweils erreichbare Meerestiefe. Von ter „Meteor" wurden auf diese Weise Tiefen bis 750 Meter hinab gemessen. Für eigentliche Tiefseelotungen standen zwei weitere, von ter Kieler Signalgesellschaft und ten Bremer Atlaswerken herausgebrachte Vorrichtungen zur Verfügung, die beite nach demselben Grundgedanken arbeiten, aber in bet Art der Ablesung unterschieben sind. Die Schallwellen gehen bei ihnen von einer in den Schiffs- boten eingebauten elektromagnetischen Schallplatte aus, während die vom Meeresboden zu- ruckkommenten Echowellen ein in der Schiffs- Wandung liegendes Mikrophon erregen. Da die Lotungen vom fahrenden Schiff auS und selbst bei hohem Seegang vorgenommen werten können, so mußte Wett auf einen möglichst hohen Ton im Senteapparat gelegt werden, dessen Echo unter allen Llmständen trotz aller Nebengeräusche leicht erkennbar bleibt. Beim Signallot ist das Mikrophon mit einem Fernhörer verbunden, in dem bas Echo für ten Beobachter hörbar wirb. Die mit ter Stoppuhr ermittelte Zeit zwischen Absendung und Empfang ter Tonwellen in Sekunden, vervielfacht mit der Geschwindigkeit der Schallwellen tm Wasser, ergibt bann ohne Mühe bte gesuchte Meerestiefe. Zur Erhöhung der Genauigkeit wird bie Ablesung an einer sich mit gleich- bleibenter Schnelligkeit drehenden Scheibe vorgenommen, die die Einschaltung tes Senters unb tes Empfängers in bestimmter Stellung selbsttätig erledigt. Das Atlaslot arbeitet bis zu Tiefen von etwa 200 Meter mit einer kleinen Signallampe, die beim Auftreffen ter Echowellen in bestimmter Stellung aufbliht. Bei größeren Tiefen bedient man sich auch hier eines Fernhörers und hat dann im Augenblick ter Ankunft tes Echos auf einer Tiefenskala die Ablesung vvrzunehmen. Der Anwenbungsbereich Bei ten großen La st wagen v n b Omnibussen setzt sich der Dreiachser immer mehr durch. Besonders bemerkenswert ist dabei daS Bestreben, die möglichst dich beieinander liegenden beiten Hinterachsen so weit schwingbar zu machen, daß auch au dem unebensten Gelände alle vier Hinterräder gleichmäßig tragen. Die Firma Selve zeigt auch einen Personenwagen mit sechs Rädern, die alle sechs angetrieten sind. Der Wagen eignet sich zum Fahren in schwierigem Gelände und klettert tu.d> Straßengräben unb Abhänge hinou. Der Vorderradantrieb wird von derselben Firma auch allein an Personenwagen gezeigt, der Wagenaufbau sehr tief liegt, da sich unter ihm keinerlei An- tiiebäteile befinden. Es wäre ja überhaupt zweckmäßiger, trenn man durchweg die Vorderräder antreiben könnte, da ein gezogener Wagen viel besser in ter Hand tes Fahrers ist, als ein durch die Hinterräder geschobener: aber die Schwierigkeiten sind groß, bie Vorderräder anzu- treiöen, da ihnen der Antrieb in allen Lenk- stellungen so erteilt werden muß, daß er nicht auf das Steuerrad zurückwirrt unb es dem Fahrer aus der Hand reißt, wie dies früher bei elek.rischen Vorderradantrieben mehrfach borge* kommen ist und zu unfreiwilligen Besuchen von solchen Wagen in ten Auslagen von Schaufenstern usw. geführt hat. Die elektrischen Personenwagen sind verschwunden. Ich habe wenigstens keinen einzigen gesehen, und das ist durchaus begreiflich, weil wir eben noch keinen wirklich brauchbaren Elektrizitätsspeicher haben, der wirtschaftlich arbeitet, und insbesondere keinen, bet bte Erschütterungen der Fahrt auf die Dauer aushält. Linsers früheren Voraussagen über den elektrischen Wagen haben sich also erfüllt. Auffallend ist das Vordringen zweier Werkstoffe, nämlich ter Leichtmetalle und des Gummis: Neben den Kolben sieht man immer mehr andere Maschinentelle and Oeichtmetall, auch hock beanspruchte, wie Pleuelstangen, sogar solche für starke Motoren. Der Gummi wird immer mehr als Zwischenlage an allen möglichen Stellen der Wagen, so auch als Llntevlage für den Motor, zur Dämpfung der Liebertragung von Schwingungen, Stößen und Geräuschen verwendet. Die Krasträ der erhalten ein ganz verändertes Aussehen durch bte zunehmende Verwendung von Rahmen aus gepreßtem Stahlblech. Diese Bauweise hat den großen Vorzug, daß die Querschnitte an jeder Stelle genau den dort auftretenben Beanspruchungen ongepaßt werben können. Wie bei allen Maschinen, bie diese Eigenschaft ausweisen, wird dadurch der Schönheit des Aussehens am besten gebient. ES hat gewissermaßen etwas Beruhigenbes, wenn man schon beim Betrachten bie Zweckmäßigkeit und Haltbarkeit ter Teile unb der Gesamtheit unbewußt fühlt. Daß auch der Anblick ter Personen- und Lastkraftwagen das Auge immer mehr befriedigt, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Bei den Personenkraftwagen wird nicht nur die Ausstattung immer schöner, es wird auch alles zweckmäßiger: so sind die Fenster durchweg zum Hinaus- und Herunterdrehen mit einer Kurbel eingerichtet. Es wäre erfreulich, wenn sich bie Eisenbahn entschließen konnte, bleselbe Bauart einzuführen: Dem immer unsauberen Lederriemen würbe sicher niemanb eine Träne nachweinen. Llebrigens werten bte Fenster immer größer — der Wagenaufbau besteht In Augenhöhe rings herum fast nur noch aus Glas. Schon bie äußere Form 6er Magen erfreut durch die Einfachheit der Linienführung. Dasselbe trifft auch für Omnibusse und ähnliche Fahrzeuge zu. die zum Teil riesige Abmessungen haben. Eine besondere Anziehungskraft übt der W o ch e n e n ö to a g e n aus, ein omnibusartiger Wagen mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche. Ein stählerner Omnibus hat das Aussehen einer großen Tonne mit entsprechend gebogenen Fenstern. Der Dor- ■■■■■■■—WMHMH «1U —CTB beiter Lote umfaßt bte größten Tiefen. Dia Sicherheit tes Messungsergebnisses wirb durch die Möglichkeit mehrmaliger Wiederholung der Lotung innerhalb einer Minute wesentlich erhöht. Da die Geschwindigkeit der Schallwellen mit dem Wärmegrad des Wassers, tem Salzgehalt und tem nach der Tiefe des Meeres zu gewaltig anwachsenben Druck erheblich steigt, so Debürfen bie Ergebnisse ter Echolotung gewöhnlich noch einer nachträglichen Verbesserung. Wenn wir zum Schluß noch einen kurzen Blick auf bte Lotungsergebnisse der „M e - te o r" Wersen wollen, wie sie sich in ter heutigen Auffassung der Bodenbeschaffenheit des südlichen Atlantischen Ozeans wieder piegeln, so haben sic: mit aller Deutlichkeit die Scheidung des atlantischen Raumes in zwei große Längshälften erwiesen, deren Trenuungslinie durch die von 5000 Meter Tiese allmählich bis auf 2500 bis 3200 Meter ansteigende mittlere Botenwelle bezeichnet wird. Ihre höchste Erhebung erreicht sie In ter Goughinsel etwa 10 Grad westlicher Länge, 41 Grad südlicher Breite. Teilweise lassen k>ia Lotungen auch eine Spaltung der mlttcfatlantl* schen Auswölbung in mehrere Rücken erkennen. Im west- wie int ostatlantischen Gebiet gelninnat weiter, von tem mittleren Höbenzug ausgehend, westöstlich gerichtete, rippen- oder flächenftrmige Bodenschwellungen an Bedeutung, die zumal bla Osthälfte in mehrere scharf geschiebene Tiefsee- becken gliedern, so baß hier ein Austausch tes Tiefenwassers so gut wie unterbunden ist, wäh- teno diese Becken im Westteil allgemein durch liefe Einschnitte miteinander in Verbindung stehen. Daß diese Verhältnisse auch auf die Wärme und den Salzgehalt der tieferen Wasserlagen von Einfluß sind, ist leicht verständlich. Auch hierüber, wie über die Strömung, die Tierwelt, die Gesteinszusammensetzung des Meeresgrundes usw. haben die Llntersuchungen ter „Meteor" reiche neue Tatsachen von unschätzbarem Wert beigebracht. Daß das Echolot In vielen Fällen, besonders in solchen, wo es auf die Klärung bett Botenzusammensehung bes Meeres ankoinmt, von vornherein ausscheitet unb nur das Drahtlot In Frage kommt, braucht kaum ausdrücklich hervor- gehoben zu werben. Zur Erforschung der Tiefe ter Meere haben aber bie neuen Lotverfahven große Dienste geleistet. teil frieW Wagens besteht in Per Einfachheit s"i- ner Herstellung. Daß er schon aussähe. wird aberöings wohl niemand behaupten — höchstens Diogenes hätte seine Freude daran, wenn er noch lebte. ^lebrigens haben sich auch die gana kleinen Wagen — wie die bekannten Hannomäxe und ähnliche — sehr zu ihrem Vorteil verändert: Sie sehen jetzt aus wie alle anderen Personenkraftwagen auch, mir sind sie eben kleiner und dementsprechend billig. Einen offenen kleinen Hanno- m a g kann man schon für 1850 Mark haben, die Limousine für 2100 Mark, das Kabriolett für 2800 Mark. Don Einzelheiten möchte ich noch eine Dremsprüfanlage erwähne, die von der REG. ausgestellt ist, und zwar scheint sie erwähnenswert, weil es ungemein wichtig ist, fest- auflelleji, ob die Bremse auf alle gebremsten Räder gleichmäßig wirkt, weil sonst der Wagen, namentlich natürlich auf schlüpfrigen Asphalt- straßen, mit Sicherheit schleudert. 'Der selbst schon gefahren ist, weih ein Lied hiervon zu singen. Auf dem Freigelände wird eine hübsche Must e r w e r k st a t t für kleine Inst andsetzungsbe- triebe gezeigt, die sehr lehrreich ist. So zeigt sie zweckmäßige Hebezeugc und fahrbare Werktische mit Schraubstöcken, die an den instandzu- setzenden Wagen herangefahren werden, so daß ber Schlosser nicht wegen jedes Feilstrichs zwischen Wagen und Schraubstock hin- und herzulaufen braucht. Dieser Werkstatt gegenüber preist eine Firma ihre Gummipuffer zum iln- schädlichmachen von Zusammenstößen, z. D. mit einem Baum, an, indem sie einen zertrümmerten Wagen ohne ihren Puffer und einen unversehrten mit diesem Puffer äusstellt. Daß neben dem zertrümmerten Wagen ein Toter liegt, wenn er auch nur ausgestopft ist, ist eine Geschmacklosigkeit, gegen die die Ausstellungsleitung einschrev> ten sollte. Selbstverständlich konnten in diesem Bericht nur- einige Richtlinien gezeigt werden, auf denen sich der Kraftwagen- und Kraftradbau bewegt. Man hat beim Kraftwagen immer das Gefühl, daß er eigentlich schon recht vollkommen ist, und daß nicht mehr viel daran verbessert werden könne. Wenn man dann aber nach einer größeren Pause, die diesmal sogar zwei Jahre betragen hat, eine solche Automobrlausstellung sieht, so kann man nicht umhin, die großen Fortschritte bewundernd anzuerkennen, die sich zwar vielfach aus einer Summe scheinbarer Kleinigkeiten zusammensetzen, sich aber doch eben äirch diese Summe als ganz erheblicher technischer Fortschritt auswirkcn. Wirtschafi. Aufwertung hessischer Siadischulö- verschreibungen. 3n nichtöffentlicher dreitägiger Verhandlung vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof wurden die Aufwertungssähe der Stadtschuldverschreibungen der Städte Main;, Darmstadt und Offen- bach, wie folgt, festgesetzt: Darmstadt 17,5 v. Mainz 15 v. h. und Offenbach 12,5 o. £). Der hessische Fioanzminister hatte bekanntlich eine durchschnittliche Aufwertung von 22 v. h. angeordnet, während der reichsgesehliche Aufwertungsmindestsah 12,5 v. h. beträgt. Maßgebend für die obengenannten Sähe war die jeweilige finanzielle Leistungsfähigkeit der drei Städte. Zur Bewegung der Roggenpreise. Das Absahproblem der Landwirtschaft ist neben der Organisationsfrage des Verkaufs auch zu einem großen Teil Preis- problem. Die Preise sind in erster Linie von den Ernteerträgen nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in den großen Getreideländern abhängig. Das Institut für Konjunkturforschung hat «ine interessante Untersuchung zur Bewegung der Roggenpreise angestellt, in der die Grunde für die sinkende Tendenz der Aoggenpreise, die seit Mai besteht, angeführt werden. Zu Beginn des laufenden Enrtejahres, im August, hielten sich die Roggenpreise zwar noch annähernd auf dem Stand der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Seither wurden jedoch die Vorjahrspreise beträchtlich unterschritten (im September und Oktober um 30 Mk. je Tonne). Erst im Oktober machte sich eine Verlangsamung bzw. Unterbrechung der Abwärtsbewegung bemerkbar. Die Preissenkung hat" sich durchgesetzt bei erhöhten Ernteerträgen u. a. in Deutschland, Polen, Tschechoslowakei, sowie bei gesunkenen Erträgen in Rußland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Aach den Erntevorschätzungen für 21 Länder der nördlichen Halbkugel, die im vergangenen Jahr rund 95 Prozent der Gesamt- roggenernte erzeugten, dürfte die Roggenernte von 43.8 Mill. To. im Jahre 1927 auf 41,2 Mill. To. im Jahre 1928 gesunken sein. Wenn sich diese Dorschähungen bestätigen, so ist also mit einer Roggenemte zu rechnen, die etwa der des Jahres 1926 entspricht und um rund 8 Prozent niedriger ist als die Roggenernte von 1925. Dieser gegen das Vorjahr niedrigere Evnte- ertrog dürste sich allerdings nur wenig bei der Preisbildung auswirken. Denn der Crnterück- gang wird vornehmlich durch den Ausfall von rund 3.8 Mill. To. in Rußland bedingt: dieser Ausfall soll aber durch erhöhten Konsum von Weizen und Gerste in Rußland selbst ausgeglichen werden. (Die russische Weizenernte des Jahres wird um 3 Mill. To., die Gerstenernte um 1 Mill. To. höher geschätzt als die vorjährige.) Für die Preisbildung dürfte die Ernte der übrigen Länder bestimmend sein. Hier ergibt sich für 20 Länder eine um 6 Prozent höhere Roggenernte als 1927. Dabei ist die Qualität der Roggenernte besser, so daß ein größerer Teil als Brotgetreide verwendet vxrden kann. In Deutschland dürften die niedrigeren Preise für Brotgetreide in vielen Fällen dazu führen, daß Roggen an Stelle anderer Futtermittel verfüttert wird. Stärker als das Ernteergebnis für Roggen scheinen gegenwärtig die Verhältnisse auf dem Weizenmarkt die Roggeirpreise zu beeinflussen. Die Weizenpreise haben auf denr Weltmarkt den tiefsten Stand seit 1924. in Deutschland seit Herbst 1925 erreicht. Dies hängt damit zusammen. daß die Weizenernte in 30 Landern der nördlichen Halbkugel, die etwa 85 Prozent der Ernte der nördlichen Halbkugel erzeugen, im laufenden Jahr um 9,2 Mill. T., oder 10 Prozent größer ist als im Vorjahr. Wenn man von der russischen Ernte absteht, so ist in den restlichen 29 Ländern mit einem um 6,2 Mikl. To., oder 8 Prozent größeren Ertrag an Weizen, als im Vorjahr, zu rechnen. Die Weizenernte ist damit wesentlich höher, als die Erträge der letzten sechs Jahr«. * -Neuzulassung deutscher Anleihen zur Amsterdamer Börse. Der Amsterdamer Börsenvorstand beschloß, die 6proz. Obligationsanleihe von 1928 der Badischen Elek- trizitätsversorgungS-A.-G. (Badenwerk) in Höhe von 50 Mill. Schweizer Franken, die 7proz. Goldobligationen von 1925 der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks-A.-G. in Höhe von 10 Mill. Dollar, und die erste 3 Mill. Dollar betragende Serie der 7proz. Goldobligationen von 1926 der Robert Dosch-A.°G. zur amtlichen Notierung zuzulassen. Reparativnsa u f trag für die deutsche Industrie. Bei der Vergebung von großen Ausbauarbeiten im Hafen von Dünkirchen wurden von neun Angeboten nur folgende deutsch-französische Gruppen berücksichtigt, do diese die billigsten Offerten eingeliefert haben: Union des Travanx publics und die deutsche Firma Tublice einerseits, die französische Firma Hony und die deutsche Firma Heilmann & Lippmann andererseits. Das Objekt hat einen Wert von 45 Millionen Francs und soll über Reparationskonto verbucht werden. * Frankfurter Gasgesellschaft. Die Gesellschaft beruft zum 6. Dezember eine außerordentliche Generalversammlung ein. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt: Zuwahlen zum Aufsichtsrat. Es handelt sich hierbei um die Neuwahl von Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 14.Noo. Tendenz: überwie. gend fester. Im Zusammenhang mit der unsicheren politischen Lage machte sich zu Beginn der heutigen Börse zunächst eine gewisse Unsicherheit bemerkbar, wobei die Umsatztätigkeil im allgemeinen wieder gering war. Bon der plötzlich lebhaft einsetzen- den Nachfrage nach einigen Spezialwerten, namentlich nach der Farbenaktie, wurde die Haltung jedoch bald überwiegend fester. Nach den gestrigen tarken Abgaben wurden in Farben heute große Rückkäufe vorgenom.nen, doch sollen auch verschiedentlich neue Engagements eingegangen fein, angeregt durch Hoffnungen auf Erfüllung der Freigabe- orderungen des Farbenkonzerns. Farben eröffneten daraufhin 2,5 v. H. hoher und zogen im Verlaufe bei lebhaften Umsätzen erneut 1 v. H. an. Aus Grund der heute beginnenden Einigungsoerhandlungen in der Eisenindustrie lagen Montanwerte etwas fester. Gelsenkirchen, Mannesmann, Rheinstahl und Rheinische Braunkohlen gewannen 1 bis 1,5 o. H. Später waren Mannesmann bevorzugt bei weiter anziehendem Kurs. Im übrigen war die Kursentwicklung uneinheitlich. Elektrowerte waren zu den ersten Notierungen höher angeboten. Felten, Schuckert und Siemens gaben leicht nach. Chade minus 12,5 Mark. AEG. und Gesfürel behauptet. Zellstoft mit minus 2,5 o. H. angeboten, dagegen Reichsbonk mit minus 1,5 ü. H. und Daimler, die erneut 2 o. H. gewannen, etwas gefragt, Stieger und NEU. etwas gedrückt. Nennenswerte Kursveränderungen waren sonst nicht zu verzeichnen. Deutsche Anleihen zogen geringfügig an. Ausländer still. Im weiteren Verlaufe wandte sich das Hauptinteresse den Elektrowerten zu, die anfänglich ihre Einbußen ausgleichen und weiter anziehen konnten. Im Vordergrund stand Gesfürel, die auf angebliches Auslandgeschäft 4,5 v. H. anzogen. In Farben ließ das Geschäft noch. Tagesgeld war zum leicht erhöhten Satz von 6 o. H. etwas gefragter. Am Devisenmarkt zog die Mark leicht an. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1987, das Pfund 20,359, London gegen Kabel 4,8482, Mailand 192,57, Madrid 30,08, Holland 12,086. Brr rner Börse. Berlin, 14. Noo. Im Hinblick auf die politische Unsicherheit (Panzerkreuzerfrage) war es gestern abend und heute vormittag überwiegend schwächer geworden. Auch andere vorliegend« ungünstige Momente wurden zur Begründung dieser Tendenz herangezogen. Man verwies auf den unregelmäßigen Neuyorker Börsenverlauf. Auch die stärkere Arbeitslosigkeit in der zweiten Oktober- Hälfte, die Zunahme der kurzfristigen Auslondoer- schuldung und ungünstige Maschinenbauberichte wirkten quasi auf dos inoffizielle Dementi. Zu Beginn der Börse war man aber schon optimistischer gestimmt. Man hofft, daß die innerpolitische Krise vermieden werden kann, da bei der Abstimmung im Reichstage kein Fraktionszwang ausgeubt wird. Auch bei den heutigen Düsseldorfer Besprechungen scheint auf beiden Seiten die Neigung auf ein Einigung bzw. Verständigung zu bestehen. Zum offiziellen Beginn war das Geschäft noch klein, gegen Mittag nicht viel größer, da der Realisations- Neigung der Spekulation kaum Orders des Auslandes gegenüberstanden. Verhältnismäßig aut eröffneten Kunstseide, Chade und Ilse. Der Montan- mavkt lag relativ fest. Anlechen etwas befestigt. Ausländer ruhig. Pfandbriefe gut gehallen. Der Geldmarkt mar wenig verändert und verhältnismäßig leicht. Monatsgeld 7,75 bis 8,75 v. H. Waren- wechsel 6,75 o. H. und darüber. Im Verlaufe regte die Meldung eines Mittagsblattes an, nach der man hofft, daß bald eine Wiederaufnahme der früher gescheiterten Interessengemeinschaft der I.-G.-Farben mit einem englischen Chemietrust erfolgen werde. Der Farbenkurs erhöhte sich daraufhin bei großen Umsätzen um 3 v. H. Auch Rheinstahl waren im Anschluß 1,75 v. H. höher. An den übrigen Märkten war das Geschäft bei 1 bis 2 v. H. höheren Stur (en lebhaft, später ließ jedoch die Urnsatztätigkeit wieder nach. Die Mehrzahl der Kurse lag 1 v. H. über Anfang. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 14. Noo. Der Produktenmarkt verkehrte am heutigen Tage in stetiger Haltung. Die Grundstimmung war auf Grund der festen Auslandnotierungen etwas freundlicher, doch blieb das Geschäft infolge der großen Zurückhaltung der Händler klein. Am Futtermittelmarkt war Interesse für Mais vorhanden, der bis 0,50 Mark höher lag. Auch für Weizen und Weizenmehl bestand einiges Interesse, im Gegensatz zu Roggen, der vernachlässigt wurde. Es wurden notiert: Weizen 23,10 bis 25 Mk.; Roggen 22; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 24,25; Hafer, inländischer, 22,75 bis 23,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 22,25 bis 22,50; Weizenmehl, süddeutsches (Spezial 0) 33,50 bis 34,25; Roggenmehl 29,25 bis 30; Weizenkleie 13,50 bis 13,60; Roggenkleie 13,75 bis 14 Mark. Tendenz: stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin. 13. Nov. Der Produktenmarkt nahm wiederum einen recht ruhigen Verlauf. Da infolge des gestrigen Feiertages Meldungen von den nordamerikanifchen Märkten fehlten, hatten die schwächeren argentinischen Schlußnotierungen größeren Einfluß auf die Preisgestaltung am hiesigen Weizenmarkt. Obgleich sich das inländische Angebot von Weizen nicht verstärkt hat. waren nur etwa 1 Mark niedrigere Preise als gestern durchzuholen, da der Export nur geringe Aufnahmeneigung zeigt und auch die Mühlen, angesichts des schlechten Mehlabsatzes nur wenig Kauflust bekunden Roggen findet zu etwa gestrigen Preisen für den Export und bei den Mühlen Ilnterfunft, das Angebot hält sich gleichfalls in ziemlich mäßigen Grenzen. Am Lieferungsmarkt lagen die Eröffnungsnotierungen für Weizen 1 Mark niedriger, während Roggen nur geringfügige Preisferänderungen aufwies. Mehl ist zu gestrigen Prersen offeriert. Für Auszugsmehle zeigt fuf) vereinzelt bessere Nachfrage, im allgemeinen ift das Geschäft jedoch weiter still. Hafer liegt bei etwas reichlicherem Angebot schwächer, Gerste in mittleren Qualitäten über Bedarf offeriert. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märt, 209 bis 212, Dez. 226,50 bis 226.75 B, März 235 bis 235,50 B . Mai 240,25 (ruhig); Roggen, mark., 200 bis 203, Dez. 217^0, März 227 Geld, Mai 233 (still); Braugerste 230 bis 244; Futtergerste 202 bis 210 (ruhig)^. Safer, märf., 197 bis 206, Dez. 21525 bti 215,50, März 227,50 (ruhig); zollbegünstigter Futtermais 218 bis 220 (still). Kirche und Schule. )( jungen, 13. Nov. Anläßlich der Deka- natsvisitation, die gestern durch den Superintendenten. Oberkirchenrat Wagner (Gießen), in unserem Dekanat vorgenommen wurde, versammelten sich die Dekanatsgeistlichen gestern nachmittag im „Solmser Hof" dahier unter dem Vorsitz von Dekan Engel (Obbornhofen) und in Anwesenheit des Superintendenten von Oberyessen zu einer Konferenz. Die Tagung wurde von Pfarrer Kahn (Lich) mit Schrift- lesung und Gebet eröffnet. Pfarrer Weber (Holzheim) hielt einen Vortrag über „Ziel, Stoff und Airordnung des Konfirmandenunterrichtes". Das Ziel des Konfirmandenunterrichtes so führte der Redner aus, muß das sein, junge Menschen- seelen zu Gott und Christus zu führen. Im Mictelpunkt des Unterrichtes müssen das Glau- bensbekeimtnis der Kirche und die Heiligen Sakramente stehen. Don größter Bedeutung ist für einen gesegneten Unterricht die Persönlichkeit des Geisllichen, auch darf die Zahl der Konfirmanden, wenn das Ziel wirllich erreicht werden soll, nicht zu groß fein. Eine eingehende Aussprach«, an der sich fast alle Geistlichen beteiligten. schloß sich cn und brachte noch manche wertvolle Ergänzung. Zeitschriften. — Zeitschrift für Musik. Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. Hauptschriftleiter Dr. Alfted Heuh. Steingräber- Verlag, Leipzig. 1928. Heft 9 und 10. — Die musikalische Iugcndbewegung in ihrer Auswirkung auf die Fachmusik und Schulmusik findet ehto sehr klare, sachlich abwäaende Beurteilung durch Wilhelm Twittenhdf. Richard Gottschalk- Berlin würdigt Tolstojs Stellung zur Musik; interessant ist die ausführliche Darstellung über des Dichters praktische Betätigung auf dem Gebiete der Schulgesangspädagogik. Der bekannte Mozartforscher Professor Ernst Lewicki untersucht die organischen Zusammenhänge zwischen den drei größten Mozart-Symphonien in sis-Dur. O-Moll und 0-Dur und zeigt, daß diese drei Werk« eine groß angelegte „sinfonisch-lyrische Trilogie" darstellen, lieber zeitgenössische Symphonie-Probleme äußert sich Hermann Ambrosius-Leipzig; über Musikkritik und Charakter stellt Alfted Heuß Betrachtungen an. In der Frage, ob ein Lied durch eine Frauen- oder Männerstimme vvrzutragen fei, sieht Richard Engländer- Dresden di« Entscheidung weniger im bloßen Textwort des Gedichtes als im Notenbild selbst. Ium 60. Todestage Rossinis frischt Artur Neisser Erinnerungen an den Meister auf; sinnige Worte widmet Oskar Guttmann Lortzings „ilnbine“. Das „Gehmmnis" des Dirigenten-, nicht führerlosen Orchesterspiels beleuchtet Alf.ed Malige (Mitglied des Leipziger Sinfonie- Orchesters) von der praktischen Seite. Das Wiener Sängerfest, die „Deutsche Kammermusik' in Baden-Baden 1928, di« Bayreuther Dühnenfest- spiele 1928 werden nach ihrer künstlerischen Bedeutung bewertet. Dazu Musik- und Literaturberichte, Bilder und Musilbeilagen. — Unter dem Titel „Vogelsberger.Hei- m a t" gibt Lehrer Sauer in Ober-Lais im Auftrage der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften des Kreises Schotten eine kleine Zeitschrift heraus (Verlag Wilhelm Engel in Schotten), di« sich zum Ziel gesetzt hat, Geschichte und Volkskunde der engeren Heimat in fachkundigen Aussätzen den Freunden heimatkundlicher Forschung nahe- zubringen. Don der sechsmal im Jahre erscheinenden Zeitschrift liegen uns die drei ersten Hefte vor, die einen guten Eindruck von den Bestrebungen der Herausgeber vermitteln. — Der Verlag der „Konstanzer Z t g." legt anläßlich des 200jährigen Bestehens des Blattes ein« reich illustrierte Jubiläumsausgabe vor, deren zweifarbigen Titel Kunstmaler Schlatter-llttwil entworsen bat. Durch Dei- träge führender Staatsmänner. Kommunalpolitiker und Schriftsteller erhält diese Festgabe blei- benben Wert. Die politisch« und kulturelle Vermittlerrolle des Grenzblattes kommt in den Beiträgen von österreichischer und schweizerischer Seite zum Ausdruck. Das geistige und toirt- chaftliche Leben der Stadt und des ganzen Seekreises in Vergangenheit und Gegenwart findet in weiteren fach- und sachkundigen Beiträgen einen Niederschlag. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die binter den Papieren angesübrten Ziffern geben die Höhe bet zuletzt befchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß S Prozent. Frankfurt a. M Berlin Schluß- Kur» 1-Uhr- Kur» Sch.rch kur» Anjang kur. Datum 13 11. 14. 11 13 11. | 14 11. 6% Dt Reich« auleihe o 1927 87 — 87.5 —- tt Lnl.-Siblöi.-Schuld mil Sur» « los.-Rechien — 51,1 51 51,25 trifll ohne Lusios.-Rechte 4% Ötanfl. Hyp.-Bt Saldos. ttn> 14,35 14.4 14.3 14,6 kündbar btt 1932 *H% Rheinische Hvo^Bmck Liam- 90 — — — «olbvs. 77,35 — — ÄL6.® abg VorMegt-Obligalion.. rückzahlbar 1932 - — — - <% Schweiz itiunoeäb.-tilnL. 06,25 — — — 4% Oesterreichtsche Golvrte.. — *— 32,3 — 4,20% Oe Herr (Bübeme. . 2.75 — — — 4% Cffteneicb einheitl. Site. — — — — 4% Ungartfthe ©olbtte. 4% Ungarffdje ©tnatir v. 1910 4K% De4ql. von 1913 4% Ungarische fttonenrte.. — — 26,4 — — 25,9 — 1,9 —- 1,9 — 4% I0d. Hollanleihe v. 1911 4% Türkische Bagdadbohn-Lul., 13,175 — 13,3 13.4 Serie 1 13,2 13,25 4% besgl. Serie 11 12,8 —- 13.25 4% Rumänen conbcrt Rie. . . 10,75 _ _ 1)4% Rumänen (SoIbanL vor, 1913 23.4 — 22,9 Lüg. Stund)« ^tfeD*zü)D . — Hamburg-Ülmerila fialct ... 8 147,25 147 147 146,5 Hamb.-Südam Damvssch. . . 8 — 182.75 Hansa Damvsschiss . . 10 — —. 180 179.25 Rorbdeukicher Lloyd ... 8 143,25 143.75 143,5 143,25 ffllg Deutsche Lreditanst. . . 10 — 1 >6.5 136 Lärmer Bankverein • - 10 140.25 140,25 139.75 139, b Berliner HandelSgefellfch. . 12 — — 283 282 loarmer,- und Prioar-Vank 11 lob,75 186.6 186.75 186, a Darm st. u Nationalbanl 12 289 — 289,5 288 Deutsche Bank - • ■ 10 167 167,25 Ib? lb7 Dttkonto-SeseMchast Änt. . 10 161.75 —— 162 161.75 Dresdner Bank ... 10 168.25 168,25 168 168 Mitteldeutsche LreditdarU ... 9 — — 213.5 313.25 Relallban,...... • • 8 135.25 136 136 135.75 .......U 303.6 305 305 405,25 Frankfurt a. M Berlin Schluß Aur» 1-Uhr- kur. Sch-uh-i thnlana kur» kur» Datum: | 13 11. 14 11. 13. 11. | 14 11 S.E.G. 8 189 189 189 189 Bergmann . . . S 224 223 223.13 222.1. Eleitr. Lieferungen. 10 172,5 172,5 173.25 173.1. Licht und KrasI M • M 10 235,5 236 236,5 435.75 Felten 8 Guilleaume. . 6 151.5 151 151.9 151-25 Gej. f. Elekrr. Untern.. • e M 10 271 271 271.75 271,5 Hamb, (llelti. Werke e M M 10 — 147,9 148 Rhein. Qettr. e e e . S 159.5 — 158.5 159,5 Schlei. Eleltr. . . e e e 10 —» 230,25 229.5 Schuckert . . . e e e . 8 238 237.5 2:38.. 437.75 Siemens 4 HalLk» . 12 109,5 409 409.75 408.5 Tranüradllr . . e • e . 8 — — 152.5 152,5 Lahmerer .. . • • e 10 168,5 — 167,5 167.7u Buderus . . • . 6 88,5 89 88.75 '88.4 Deutsche ErdLI . . e e e . 6 138,5 138 138. l-i 138 Qrfienet Steinlohtt . . 6 — 125.65 Gelsenkirchener . . 3 4 124 125,5 124 12.5.5 Harpener . . • • , . 6 135 - 135,75 135.7.) Hoelch Eisen. . . • O e e . 8 — - 133,75 135 Ilse Bergbau . . . L M e . 8 249 248 Klöcknerrverle . . . • e e . 7 — 109,25 109,2.) 109,2.) Köln-Reuessen. . . e e • . 9 — — 130.5 131,5 Mannesmann . . . e • e . 8 128.25 130,13 128.75 129 ManSfelder . . e e » . 7 119,5 119.25 119 Oberschles. Eisend. Bedan . . . 6 — — 116 116 Oberschles. Rotoroede . 6 — — 111.5 112. - Phönix Bergbau Rheinische BraurEohlen 5% 10 92.75 275 _ 92.65 275.5 93 273.5 Rheinstahl f NAchr *yt 134 135 134,25 134,5 Nie deck Montan 7,2 — Gereinigte Stahl». Ctaöi Minen M . 6 • eh J4,25 60,13 94,9 60,9 95,13 60.75 Roll Aschersleben . • e . 10 283 283,5 ftali Westeregeln. . . RaHroed Sahbeihrtil • e • 10 285 — 286 286.5 • • • 15 486 — 188,75 487 z G ßarben-anbutol e e . 12 249 '51.5 249,75 .49 Dynamit Nobel . . ■ M < e . 6 — — — Scheideanstalt . . * M < e . 9 203.75 203 — Goldschmidt . e e e M M . 6 97,5 _ 97,25 96,25 RütgerSwerte . . . MetallaeieMchWkt. . * A < M . e 105,5 105,5 105,25 104.25 • • • • u — — Frankfurt a. M Berlin Schluh- Änts I-Uhr- Kur» Sch-ub- Kurs ‘2nqan Kuri Datum: 13, 11. 14. 11 13. 11. | 14. 11 PHUiop Holzmann......7 — — 135 — Heidelberger Cemcnl .... 10 136.5 137 Tement Karlstadt ..... 8 175 __ __ — Wayß 4 Freitag ..... 10 132,5 133.5 132 — Schultheis Pa^rahos« ... 15 — — -22.5 -21 Lstwerte .....12 —— — 279 277 Der. Glanzstofs......18 — — 592 592 Bemberg ..... 1< — — 497 492 Zellstoss Waldhol.....12 276,5 274 276.5 274 Zellstoss Llchassendurg ... 1? 204 — 204 >02 Charlottenburger Wasser ... 7 — — 126.5 127 Tessauer GaS . ...... 8 — — 192.5 191.6) Daimler Motoren ...... 0 88,5 90,5 88 90 Demag ...... v — — 49,5 48 Adlerwede Riesa ...... 5 109 108-5 110 109 Lubw. ßaeme ....... 10 — — 245.5 245.a Rai. Automobil . ...... O — 59 7. 57 crenstein & SooDd . .... 6 — •— 107.5 — Leonhard Dietz . ..... 6 —• — 288.5 287 Bamag-Meguia ...... 0 — — 21,5 — ycantf. Maschinen ...... 6 71 71.5 71.5 — Griyner ...... 11 122 122 — Heyligeustaedt ...... .0 IunghanS ........ 4 K 88.75 89 _ fiediroede. . ..•••••.8 111.5 — — 4Ra!nhahroerte ....... 8 116,5 — —• — Miag ...... 10 135 — 136 136,5 Nefcüsulmer ..... S 22 21,13 22 Beters Union ........ 8 105.25 105.25 —- Gebr. Roeder ....... 10 124 _ Voigt 4 Haesfner ...... 8 — 210 — Eüdd. Zucker . ...... 8 149 — 149,ö — Banknoten. Berlin, 13. November ^eld 'Bnei Amerikanische Wotee..... 4,174 J7193 Belgische Noten ...... 58,13 58,37 Dänische Roten . ....... 111,55 111,99 Englische OZotot........ 20.906 20.386 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. 2H. Telegra p h i s ch e 21 u szahlu ng. Berlin. 13. November Geld Ärte/ ^ran;ön'chr Noten . . 16,35 Holländtsche Noten .... 168,01 167,69 italienische Noten...... 21,91 21,99 Norwegische Noten. .... 111,53 111.97 Denttch-Oesterr. ä 100 Kronen 58.87 59.11 Rumänische Noten...... 2,535 2,55.5 ,11.9.1 112 34 Schmetter Noten..... ■ 80,59 80*91 Spanische Noten....... 67,4, u7,69 Tschechoslowakische Roten . . 12.4H 12,46 Ungarische Noten 72.95 7i,25 13. November 14 Novemb r Ämtliche Geld 'Jioti’.nmg Briet Amtliche Norieruna Geld 1 Briei Ämst^Rotl (68,39 (68,73 ' 168,31 (68,65 Bncn^SireL 1,769 1.773 1.769 1,773 Brff. Annn o8,28 58,40 58,27 58,39 Chriftiattia 111,77 111,99 111.77 111,99 Kovenbaaen 111,80 112,02 111.83 112,05 Stockholm 112,13 112,35 112,10 112,32 HeliingforS. 10,555 10,575 10,35 10,57 Qtalicn . . 21,975 22,015 21,065 22,005 London. . . 20,339 20,379 20,333 20,373 Nenvork . . 4,1955 4,2035 4,1950 4,2030 Paris.... 16,38 16.42 16,375 16.415 Schweiz . . 50,735 80,895 80,72 t0,88 Svanien. u7,59 67,73 <7,57 67,71 yavan . . . 1,949 1,951 1,947 1,951 Nio de (Ton. t.500 6.502 1-.500 0,502 Wien in D-- Ceft abgeft 58,34 59,06 58,-2 59,04 Prag 12,434 12,454 12,43 12.45 Belirad . . 7,368 7,382 7,368 7,382 Budapest. . <3,125 73,265 73,11 73.25 Bulgarien ',027 ■',033 '.031 Lissabon 18,88 18.92 18,88 18.92 Danjig . . bl, 30 -1,46 81,29 81,45 Konstunrin. 2,108 .112 2,106 2,110 tilben , . 5,425 5,435 5,42.. 5,435 Lanada 4,191 4,199 4,190 4,198 Nrn tun . 4,27b 4,284 4,286 4,294 i9.86 0.90 20.858 20.898