Nr. 38 Erster Blatt 178. Zahrgang Dienstag, 14 Februar 1928 krschelnt täglich,asb« Sonntags nnb Jtiertags. Beilagen. Siebener ^amilienblätter Heimat im Bild Die Scholle Mvnals-Vezngrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe» polfcheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drnrf nnd Verlag: vrühl'fche Untversi^ttr-Vuch. und Stetnöruderei R. Lange in Stehen. Zchrftllrttvng und Gefchästrstelle: Schnlftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re- Klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. ThefredaKteur. Dt. FrieÖr Wilh. Lange Verantwortlich für‘Politik Dr Fr Wilh Lange; für Feuilleton Ol h Thyriot, für Öen übrigen Teil Ernst Blumschein; für Öen Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Bieben Der Endkampf um das Schulgesetz. Die Verhandlungen innerhalb der Regierungskoaliiion werden fortgesetzt. — Geringe Aussicht für eine Einigung. Der Reichsschulausschub der Deutschen Voltspartei hat mit voller Einstimmigkeit eine Ent- schliehung angenommen, in der die Haltung der Reichstagsfraktion der Partei rückhaltlos gebilligt und Verbleiben aus dem beschrittenen Wege empfohlen wird. Bedeutsam ist dabei die Tatsache, daß sich die Aussprache nicht allein um den berühmten § 20 des Reichsschulgesehen twurses, also um die Simultanschule, gedreht hat, sondern um den Gesamtentwurs im ganzen, der noch eine ganze Reihe von Punkten enthält, die für die Deutsche Volkspartei als unannehmbar bezeichnet werden müssen. Dieser Tlmstand war in letzter Zeit infolge des Kampfes um die Simultanschule etwas in den Hintergrund gedrückt worden, darf jedoch nicht übersehen werden. Der Abgeordnete Runkel hatte vollkommen recht, als er unter voller Zustimmung der Versammlung feststellte, dah auch ohne den § 2 0 der Entwurf in seiner jetzigen Form von der Deutschen Volkspartei a b g e l e h n t werden würde. Daß der Ausschuß so einstimmig sich hinter die Reichstagssraktion stellen würde, war zwar zu erwarten, ist aber doch ein besonders deutliches Zeichen dafür, wie einig und geschlossen die Partei in der Schulfrage zusammensteht. Das Ergebnis zeigt also, dah die Hoffnung, die man noch innerhalb der anderen Koalitions- Parteien auf die Tagung gesetzt hatte, enttäuscht worden ist. Aus Zentrumskreisen erschallt sofort wieder mit verstärktem Rachdruck die Forderung, die Deutsche Volkspartei habe mit ihrer Haltung gegen die Verfassung und gegen die Richtlinien der Koalitionsparteien verstoßen, weshalb sie ihre Mini st er ausdem Kabinettzurückziehen müsse. Die Antwort daraus hat der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei seinen Kollegen bbm Zentrum im Interfraktionellen Ausschuß bereits so deutlich erteilt, daß man kein Wort hinzuzufügen braucht. Falls das Zentrum bei weiteren Besprechungen noch einmal mit einer solchen Forderung hervortreten sollte, wird eS die gleiche Antwort erhalten und darauf hingewiesen werden, dah die Reihe des Abberusens der Minister an der Partei ist, der die Fortsetzung der Koalitionspolitik unmöglich erscheint. Es ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen, wenn die Koalitionspolitik und ihre Ziele allein und ausschließlich auf daS Schulgesetz abgestellt werden. Dieses war eine der Aufgaben, die sich die Koalition gestellt hat, aber nicht die einzige. Der Herr Reichspräsident bat in seinem vortrefflichen Bries sehr richtig die dringlichen Aufgaben gezeichnet, die noch zu lösen sind und gelöst werden können, wenn der ehrliche Wille dazu vorhanden ist. Das Verhalten des Teiles des Zentrums, der von Herrn v. Guerard geführt wird, zeigt jedoch nur allzu deutlich, daß man dort nur das Schulgesetz im Auge gehabt hat und die gesamte Koalitions- Politik für nebensächlich, sogar für überflüssig hält, wenn dieser eine Wunsch nicht in Erfüllung geht. Das ist jedoch nicht Koalitionspolitik, sondern Diktatur innerhalb einer Koalition. Deshalb muß nun in diesen Tagon die Entscheidung darüber fallen, ob die der Lösung harrenden dringenden Aufgaben bewältigt werden können oder ob die Auflösung des Reichstages die notwendige Folge der parlamentarischen Lage sein muß. Die Deutsche Volkspartei ist bereit, im Sinne des Reichspräsidenten ihr Teil zur Losung der noch vorhandenen Aufgaben beizusteuern. Mindestens sollte der Etat noch unter Dach und Fach gebracht werden. ,, , „ r Daß gewichtige Gründe wirtschaftlicher und außenpolitischer Ratur gegen einen Wahlkampf und Reuwahl des Reichstages in den Monaten Marz und April sprechen, sollte man auch rm Lager des Zentrums, wie bei den Deutschnationalen wissen und begreifen. Es stehen wirtschaftliche Kämpfe vor der Tür, deren Austragung für den Ausgang des Wahlkampfes bei den beiden anderen großen Koalitionsparteien eine verhängnisvolle Wirkung haben könnten. Aus diesem Grunde wäre dringend zu wünschen, daß in ihren Reihen ruhige Tieberlegung und De- sonnenheit die Oberhand über ehrgeizige tBe- strebungen einzelner Richtungen und Persönlichkeiten gewinnen, deren Hervortreten in jüngster Zeit manches Kopfschütteln verursacht hat. Frankreich und die Wahlen. „Was du nicht willst, daß man dir tu. . ." Paris, 13. Febr. (TU.) Jacques Ba in vi Ile weist in der nationalistischen „Libertö auf die Auf- fassuna eines Teiles der französischen Oersentlichkeit hin, die m i t D o r l i e b c e i n e n E r f o l g d e r deutschen Linksparteien bei den bevorstehenden deiitsä-en Reichstagswahlen sehen mochte Es wäre unverständlich, daß man diesen Erfolg des Sozialismus in Deutschland wünsche, gleichzeitig aber in Frankreich selbst den Sozialismus als das größte Unglück beze'chnet habe. Was den französischen Finanzen schade, ,ck>ide auch den deutschen F i n a n z c n , und man könnte daher im Interesse der Regelmäßigkeit der Reparationszahlungen nur wünschen, datz in Deutschland eine Mehrheit der Rechtsparteien zur Herrschaft gelange. Ohne eine derartige Mehrheit könnte auch Dr. Stresemann nicht am Ruder bleiben und Locarno wäre verloren. Man müsse eben wählen zwischen einem demokratischen, anarchischen und zahlungsunfähigen Deutschland, dessen Wirtschaft schwach und für Frankreich keine Gefahr bedeute, oder einem gut regierten, gut organisierten Deutschland, das aufblühe, aber in der Lage fei zu zahlen, damit allerdings in Kauf nehmen, daß ein derartiges Deutschland für Frankreich eine Gefahr bedeute. Im übrigen werde Präsident Hindenburg, dessen verfassungsmäßige und moralische Autorität in Deutschland sehr groß sei, Frankreich die Wahl erübrigen. Oie Koalitionsbesprechungen. Berlin, 13. Febr. (VDZ.) Am Monlagnachinil- tag um 4 Uhr trat der Interfraktionelle Ausschuß zu seiner mit Spannung erwarteten Sitzung zusammen, um die enlscheidenden Beratungen über das Schulgesetz und damit über die gesamte politische Lage vorzunehmen. An der Sitzung nahmen auch Bizekanzler h e r g t, Innenminister von fieubell und Staatssekretär Pünber teil. Die Besprechungen dauerten bis kurz vor 18 Ahr und erstreckten sich auf den gesamten Umfang der strittigen Fragen; sie konnten daher noch nicht zu Ende geführt werden. Sie werden am Dienstagvormittag um 10 Uhr wieder aufgenommen werden. Die heutige Besprechung erstreckte sich nur auf rein schulgesehliche jragen, ohne die politische Seite der parlamentarischen Lage, soweit sie sich auf die Koalilionvverhaltnisse bezieht, zu berühren. Die Parteien haben vereinbart, daß sie ihre Forderungen zu den verschiedenen Paragraphen des Schulgesetzes, bei denen sie nicht zufrtedengestellt find, auslauschen, damit die Forderungen dann gegeneinander abgewogen werden können. Dieser Auslausch dürste voraussichtlich noch hevte abend erfolgen, fo daß sich die morgen vormittag 10 lihr beginnende Sitzung des Interfraktionellen Ausschusses bereits mit dieser Liste der unerfüllten Wünsche beschäftigen kann. 3n unterrichteten Kreisen rechnet man bamlt, dah die morgigen Verhandlungen, da sie sich auf den Gesamtkomplex der strittigen fragen erstrecken, ziemlich lange dauern werden, betont aber, daß außer diesem Austausch der Parteiforderungen 1 eine Veränderung der Lage nicht eingetreten ist. Trotzdem werden bereits von der „Germania" und anderen Blättern diepolitischenFolgen erörtert, die sich aus einem Scheitern der Verhandlungen ergeben würden. Das Berliner Zentrumsorgan erklärt, daß das Scheitern des Schulgesetzes nur jur Folge haben könne, daß d i e Koalitionsgeipeinschaft unheilbar e r- schüttert ist. wenn nicht sofort ein Bruch der Koalition erfolgen, sondern diese als eine Zwangsgemeinschaft noch für gewisse Zeit weiterbe st e h e n sollte, so wäre dies nur dem Umstand zuzuschreiben, daß noch einige wichtige Rot - standsarbeiten erledigt werden müssen. Es handelt sich um den Etat und den Rachtragsetat, das Liquidationsschädengesetz und die Hilfe für die Landwirtschaft. Was das Strafgesetzbuch anbe'riffl, so werde nichts anderes übrig bleiben, als durch ein Ue b e r l e i - tungsgeseh die bereits geleistete Arbeit zu retten. Ein solches befristetes WeNerbestehen der Koalition komme jedoch nur bann in Frage, wenn die Verhandlungen über den Etat und Rachlragsetat beschleunigt werden. Es müßie eine Beschränkung der Arbeit auf das notwerdigste Blag erfo jen. Es würde bann mit einer Verabschiedung des Etat» und ber Tlachtragsetat» innerhalb vier Wochen gerechnet werben können, so baß die Wahlen in die erste Hälfte des 2Uai — man spricht ooin 13. 2R u 1 — fallen würben. Die Zentrumsabgeorbneten von G n 4 t a t b trab Skegerwaib haben gestern ben Reichskanzler Marx aufgesucht, um mit ihm bie Lage bnrchzufprechen. Sie haben den Reichskanzler von bet oben skizzierten Stellungnahme b»s Ien- trnms unterrichtet. Dr. Marx soll sich mit dem Vorschlag einverstanden erklärt nnb seine Bereitwilligkeit ausgesprochen haben unter der Voraussetzung, daß die anderen KoaliNonsparteien kel,'? Einwen- b tragen erheben, bem Reichspräsidenten In diesem Sinne seine Anträge zu stellen. Die Diktatur der Parteien. Wo bleibt die Regierung. Parterendiktatttr und Parlamentskrisis. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Der litt, 14. Febr. Die augenblickliche parlamentarische Lage ist derart, dah die Zurückhaltung der Oeffentlichkeit gegenüber dem hier gebotenen Schauspiel eigentlich erstaunlich ist. Wir haben ein Parlament. Wir haben eine Re- gierungsloalition, und wir haben eine parlamentarische Koalitionsregierung, noch dazu eine recht starke. Aber was wir nicht hab en, ist eine Regierung, denn es läßt sich beim besten Willen nicht mehr behaupten, daß das Gremium von ansonsten zweifellos achtbaren und tüchtigen Männern, daS daS Reichskabinett darstellt, einen einheitlichen Willen und eine zielbewußte Führung eines 65-Millio- nenvolkes darstelle. Das Schulgesetz in Ehren — es ist für wichtige Teile des Volkes zweifellos eine Haupt- und Kardinalfrage; aber schließlich ist die Erledigung irgend eines Gesetzes und sei es des wichtigsten und am heißesten ersehnten, noch lange nicht so wichtig wie das richtige und korrekte Funktionieren der Regierungsma- s ch i n e r i e und wie das Bewußtsein eines Volkes, das seine Geschicke mit Ruhe und Vertrauen in den Händen der Regierung lassen kann, die es sich gegeben hat. Schon daß diese Regierung notwendigerweise zur Zeit ihre besten Kräfte daraus verwenden muh, um seit Wochen in immer erneuten Verhandlungen die öffentliche Meinung zu beschwichtigen, Parteien mit der von Tag zu Tag veränderten Lage vertraut zu machen, sich untereinander zu neuen Besprechungen über das gleiche Thema zusammenzusehen usw. usw., muh notwendig die Volks- gesamtheit mit Besorgnis erfüllen. Liest man aber dann noch die Hauptblätter der beteiligten Koalitionsparteien, die sich gegeneinander in kaum noch durch Koalitionsrucksichten gemäßigten Worten in Kampfstellung befinden, und beobachtet man, wie bald dieser und jener parlamentarische Führer wegen seiner Haltung in dieser Frage verunglimpft wird, so muß man selbst als überzeugter Anhänger eures Schulgesetzes zu dem Eindruck kommen, daß es andere Mittel und Wege geben müßte, um solche Fragen zu erledigen. . Es scheint uns in der Tat em typisches Beispiel für die Ueberspannung der Parteiendiktatur vorzuliegen, ■ unter der die Minister mit ganz seltenen Ausnaymen zu reinen Sprachrohren ihrer Fraktionen werden und in immer höherem Maße die Selbständigkeit und die Selbstverantwortlichkeit einbüßen. Das aber ist nicht der Sinn eines parlamentarischen Systems; die Betrauung mit einem hohen verantwortlichen Amte entläßt den Beauftragten au5 der Pflicht zur unmittelbaren und fortlaufenden Rücksichtnahme auf die Wünsche seiner Partei und macht ihn dieser gegenüber nur insofern verantwortlich, als er nach Ablauf einer bestimmten ausreichenden Periode Rechenschaft abzulegen hat über das, was er angestrebt, getan und erreicht hat. Wenn der frühere badische StaatSprälident H e l l p a ch kürzlich in seiner neuesten Schrift „Politische Prognose für Deutschland" die Forderung der direkten Demokratie aufstellte, die unter Vermeidung der tödlichen Listenwahl das Parlament aus lebendigen und führenden Prsönlich- leiten zusammenstellen will, so ist das der Ausdruck von Empfindungen, die vielleicht nie stärker waren und nie berechtigter als angesichts der augenblicklichen Krisenerscheinung. Der Rachtrageeiai. Die Perfonalwünfchc der Ministerien. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 14. Febr. Mitten in der ärgsten Krisenstimmung fand gestern morgen eine Ka- binettssihung statt, in der man sich ruhig und als ob nichts geschehen wäre, mit Etatsfragen beschäftigte. Zur Diskussion stand der Rach- t r a g s e t a t von 1927, der schon im Dezember mit dem Ergänzungsetat für 1928, besonders was die Personaltitel betrifft, zusammengelegt wurde. Riemond weiß, wenn diese Etats vor den Reichstag kommen, aber trotzdem dürften die Auseinandersetzungen über diese Etats, die jetzt stattfinden. schon aus rein prinzipiellen Gründen die Oeffentlichkeit lebhaft interessieren. Wie wir aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen hören, ist diesmal der Rachtragsetat für 1927 ganz ungewöhnlich hoch belastet. Man schätzt, soviel wir wissen, nach den jetzigen Aufstellungen allein seine sächlichen Ausgabeposten auf rund 600 Mill. Marl. Also wirklich eine sehr große Summe. Der heftigste Kampf innerhalb des Kabinetts und erst recht, wenn der Etat noch jetzt vor das Parlament kommen sollte, geht und wird gehen um die Wunsch- l i st e der verschiedenen Ministerien für den Personaletat. Besonders angesichts der seinerzeit vom Reichstag angenommenen Bestimmung. daß jede dritte Beamten- stelle, die frei wird, nicht mehr beseht werden soll, haben, wie man hört, manche oberste Reichsbehörden diesmal besonders weitgehende Personalanforderungen aufgestellt, die noch Anlaß zu schwierigen Verhandlungen werden müssen. Unter den Pers onaltiteln sß-eint von ben verschiedenen Behörden alles nachgeholt werden zu sollen, was seinerzeit bei der Besoldungsreform nicht erreicht wurde. Höhereinstufungen und neue Stellen werden verlangt, obgleich für Planstellen nach dem Reichsbesoldungsgesetz jetzt überhaupt kein Platz ist, wenn nicht außergewöhnliä-e Umstände dazu zwingen sollten. Wie man hört, ist es innnerhalb der Reichsregierung bei diesen Kämpfen zu recht lebhaften Konflikten gekommen. Befonders haben sich anscheinend Reichsinnen- und Reichsarbeitsministerium gegen die Politik des Herrn Köhler gewandt, wobei sie sich auf frühere Zusagen berufen, die man ihnen hinsichtlich ihrer Personalanforderungen gemacht habe, die jetzt aber vom Finanzminister nicht eingehalten würden. Weiter wurde in der Kabinettsfitzung auch die Einberufung ber vielerörterten sog. Achtzehner- ko m mif s i o n der Länderkoirferenz burchgespro- djen. Es tft nicht ganz klar ersichtlich, warum -eigentlich diese Angelegenheit: Benennung der Vertreter ber Reichsreglerung für bie Achtzehnerkommission und Festsetzung des Termins ihrer Einberufung jo gar nicht weiterkommen will. Man oewinnt immer mehr den Eindruck, daß das in dieser Frage wichtige Reichst nnenmini- ft e r i u m dabei nicht die wünschenswerte und notwendige Energie entwickelt. Oie Bermindemng der Oöerpofidirettionen. Ein der großen Bcrwaltungsreform. Berlin, 13. Febr. (WB.) Der Arbeitsausschuß des Berwaltungsrats der Deutschen R e i ch s p o st hat nach dreitägigen Derhandlunden! bem Voranschlag für 1928 zugestimmt. Er hat ferner bie Denkschrift über bieBermlnberung her Zahl der Dberpoftbiref Honen jur Kenntnis genommen, ohne dazu btnbenbe Beschluss«- zu faßen. Der Reichspostminifter erklärte hierbei, als die Absicht der Reichsregierung, die 21 uf- Hebung von Oberpostdirektionen nicht etwa für sich durckMführen, sondern als einen Teil der im Vollzüge ber L ä n d e r k o n s e re n z zu ergreifenden Verwaltungs- und Fi- nanzreform in Reich und Ländern. Die Reform der Oberpostdirektionen wird daher m engster Fühlung und im Gleichschritt mit den übrigen beteiligten Verwaltungen und den Regierungen der beteiligten Lasher burchgesührt werben. Die Denkschrift wird nunmehr bem Reichstag oorgelegt werden. Hierauf werden die Verhanbllmgcn mit den übrigen beteiligten Verwaltungen ausgenommen werden. Sozialpolitik im Reichstag. Die Sozialversicherung. — Das Schlichtungswesen. Berlin, 13. Febr. (DDZ.) Die Einzelberatung des Haushalts des Arbeitsministeriums wird fortgesetzt beim Kapitel der Sozialversicherung. Der Ausschuß hat hierzu eine Reihe von Entschließungen eingebracht, in denen die Vorlage von Gesetzentwürfen gefordert wird zur Sicherung derEyi- stcnz der älteren Arbeiter und Angestellten, zur Erhöhung der Lohnpfändungsgrenze und zur Veseiti- gung der rechtlichen Benachteiligung der technischen Angestellten gegenüber anderen Angestellten in der Gewerb^odnuny. Ferner wird eine Verwaltungs- Vereinfachung m der Sozialversicherung verlangt. Abg. Frau Schroeder (Soz.) weist daraus hin, daß die Arbeitnehmerschaft bei der Krankenkasse zwei Drittel, bei der Knappschaftsversicherung drei Fünftel der Beiträge auszubringen habe. So habe auch auf diesem Gebiet die schlecht bezahlte Arbeitnehmerschaft den größten Teil der Kriegslasten zum Wiederaufbau der Wirtschaft und Volksgesundheit übernommen. Die fortwährenden Klagen über zu starke Belastung kämen aber nicht aus diesen Kreisen, sondern aus denen der Unternehmer. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft sei aber abhängig von der Pflege der Gesundheit und Arbeits- traft de. Arbeitnehmerschaft. Darum dürfe die Sozialversicherung nicht abgebaut, sondern müsse weiter aus gebaut werden. Abg. Brekelbaum (Dn.) fordert eine Verwaltungsreform bei der Sozialversicherung und weist auf die Innungskrankenkassen hin, deren Praxis vorbildlich sei. Abg. Ziegler (Dem.) verlangt Rationalisierung der Sozialversicherungsverwaltung Die Selb st Verwaltung stehe nur auf dem Papier und werde durch die Aussichts- behörden der Länder immer mehr beschränkt und geradezu aufgehoben. DiS Behauptung, dah die Znnurgskrankenlassen am billigsten verwaltet werden, sei. ^urch die Statistik widerlegt. Auf eine Zerschlagung der Ortskrankenkassen würden sich die Demokraten nicht einlassen. Abg. Leopold (Dn.) meint, seitdem im Reichsknappschaftsverein statt der Unternehmer der Bergarbeiterverband herrsche, werde von den Angestelltenverbänden bittere Klage über die dort herrschenden Verhältnisse geführt. Die Arbeitnehmerbeiträge seien unter diesem System von 1926 bis 27 so gestiegen, daß trotz zweifacher Lohnerhöhung der Reallohn heute geringer sei als früher. Die nachträgliche Kürzung der Renten der Dergbauangestellten sei zweifellos ungesetzlich. Die Beiträge der Bergbauangestellten hätten in vielen Gruppen 2 0 Prozent des Gehalts erreicht. Der Redner beantragt, bas Problem der Angestellten- versichcrung im Bergbau einer Beratung im Sozialpolitrschen Ausschuß zu unterziehen. Abg. Frau Leu sch (Zentr.) empfiehlt einen Zentrumsantrag, der eine Erhöhung der Renten in der Invaliden- und Angestelltenversicherung sowie Reichszuschüsse für dieWer k- pensionäre verlangt. Das Ministerium müsse aber dafür sorgen, daß die Rentenerhöhung auch wirklich den Rentnern zugute komme und ihnen nicht durch Ausgleichsmaßnahmen der allgemeinen Füriorgebehörden wieder entzogen wird. Die schlechte Lage der Knappschaftskasien sei vielleicht dadurch mitverschuldet, daß die Leistungen dieser Kasse auch vielen Richtversicherten zugute komme. Die soziale Wiedergutmachung der Kriegsschäden an der Volksgesundheit erfordere große Opfer von der heutigen Generation. Die Llnternehmerkreise dürften sich aber nicht über zu hohe Belastung beklagen, denn ohne Unfall» und Invalidenversicherung müßten sie weit mehr ausbringen an Lohnerhöhungen und Haftpflichtbeträgen. Zum Kapitel Arbeitsvertragsrecht. Arbeitsgerichtsbarkeit, Schlichtungs- und Lohnpolitik begrüßt Abg. Frau Dr. Behm (Dn.) den Referentenentwurf, der im Hausarbeits- geseh von 1923 einige Mängel im Berühren beseitigen wollte. Um so unerfreulicher sei die Haltung der Arbeitgeber in einer Konferenz gewesen, die sich mit dem Referentenentwurf beschäftigte. Wenn Heimarbeiterinnen in der Textilindustrie noch ein Stundenlohn von fünf Pfennigen gezahlt wird, dann sei das ein unerträglicher Zustand. Den armen Heimarbeiterinnen, die sich selbst nicht schützen könnten, müsse vom Reich geholfen werden. Es habe sich herausgestellt, daß viele Arbeitgeber die festgesetzten Löhne nicht zahlen. In England werden solche Arbeitgeber mit Gefängnis bestraft. Soweit will ich nicht gehen: aber die Derantwortlichen müssen stark gemacht werden, damit die vom Reichstag ' einmütig beschlossenen Gesetze auch durchgeführt werden. (Lebhafter Beifall.) Abg. Pfeffer (D.V.) erklärt, eine Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen sollte nur eintreten, wenn es sich um Rotstände oder um die Weiterführung lebenswichtiger Betriebe handelt. Die Stellung der Arbeitgeber fei im Schlichtungswesen weit ungünstiger als die der Arbeitnehmer. Der Schlichter suche nicht den wirtschaftlich richtigen Lohn, sondern den Lohn, bei dem die Arbeiter noch im Betriebe bleiben. Der Streik werde durch die Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen nicht verhindert, wohl aber die Aussperrung. Eine Erweiterung der Rechte der Betriebsräte müsse abgelehnt werden. Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns erklärt: Die Frage, ob wir in den mitteldeutschen Metallarbeiter st re ik eingreifen sollen, ist Gegenstand unserer Aufmerksamkeit. Ich kann aber jetzt schon erklären, daß ich das Vorgehen der Metallindustrie dort für außerordentlich gefährlich halte. Solche Syin - vathieaussperrungen können als Folge die umfangreichsten Sympathiestreiks im Bergbau und anderen Gewerben haben. Ein Anwachsen der Verbindlichkeitserklärungen sei nicht festzustellen. Die freiwillige Vereinbarung der Parteien sei besser als ein Schiedsspruch, aber dazu gehöre der gute Wille beider Teile. Arbeitslosenversicherung und ländlicher Arbeitsmarkt. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 14. Febr. Die Regierungsparteien haben im Reichstage eine Interpellation eingebracht, in der es unter anderem heißt: . Die Durchführung des neuen Gesetzes über A r - beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat . aus dem platten Lande Folgen gezeitigt, die den ländlichen Arbeitsmarkt t) ö cf) ft u n g ü n st i g beeinflussen; Arbeitskräfte, die früher alljährlich in der Landwirtschaft den Winter über gearbeitet haben, entziehen sich jetzt auf Grund des Wegfalls der Bedürftigkeitsprüfung und wegen der höheren Dersicherungsleistungen derartigen Arbeiten". Die Interpellation der Regierungsparteien kommt nicht ganz unerwartet. Bereits vor einiger Zeit tauchten derartige Klagen auf, daß nach Fortfall der Bedürftigkeitsprüfung die Zahl der Arbeitslosen sich außerordentlich vermehrt habe. So wurde bereits Anfang Januar für einige ländliche Kreise des Ostens ausgerechnet, daß die Zahl der Erwerbslosen dort von 875 innerhalb von oier Wochen auf 13 000 angeftiegen fei, was nicht nur eine Folge der natürlichen Saisonveränderung bedeuten könne. Auch wurde behauptet, daß weite Kreise der Landarbeiterschaft, selbst der Kleinbauern und sogar ländlicher Siedler, die ursprünglich doch für ganz andere Zwecke bestimmten Fürsorgemittel mißbrauchten und sich eine objektiv fachlich nicht zu rechtfertigende Unterstützung verschafften. Wie wir hören, hat das Reichsarbeitsministerium diese Vorgänge genau verfolgt und Anfang Januar eine ^?ihe von Sonderbeauftragten gerade in die Bezirke geschickt, von denen üoer diese unheilvollen Auswirkungen des neuen Arbeitsvermitt- lungssystems und der neuen Arbeitslosenoerfiche- rung berichtet wurde, um durch eigene Sachverstän- bige die ganze Lage prüfen zu lassen. Es ist anzunehmen, daß die neue Interpellation noch weitere Maßnahmen nötig macht. Oer hessische Gesandte in Berlin. Protest derJndustrie- und Handelskammern Darmstadt, 14. Febr. Die Industrie- und Handelskammer Mainz hat sich als Vorort des Hessischen Industrie- und Handelskammerrages zur bevorstehenden Neubesetzung des hessischen Gesandten- postens in Berlin in einem Schreiben an den zukünftigen Staatspräsidenten Bürgermeister Adelung- Mainz gewandt und ihm die Grundsätze vorgetragen, die die hessischen Industrie- und Handelskammern als die gesetzliche Vertretung von Handel und Industrie bereits früher für die Reubesehung der Stelle des hessischen Gesandten in Berlin ausgestellt haben. Sie hat dabei u. a. folgendes auSgeführt: Bereits im Mai 1926 haben die Industrie- und Haudels- tammeen mit Rach druck betont, daß bei der Reubesetzung der hessischen Gesandtschaft alle parteipolitischen Erwägungen aus- Sir SesamtaMpemmg in der Metallindustrie. Berlin, 14. Febr. (211.) Wie schor» in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet wurde, hat nach einer Mitteilung von Arbeitgeberseite der Gesamtoerband deutscher Meiallindustrieller beschlossen, zur Unterstützung der bereits seit vier Wochen im Abwehrkampf befindlichen mitteldeutschen Metallindustrie die Gesamtaussperrung in der deutschen Metallindustrie ab 22. Februar vorzunehmen. Von diesen Maßnahmen werden 750 000 Arbeiter betroffen, so daß von diesem Zeitpunkt unter Hinzuziehung der in Mitteldeutschland ausgesperrten Arbeiter 800000 Arbeiter a u s gesperrt sein würden, hierzu wird von Arbeitgeberseite erklärt, daß die mitteldeutsche Metallindustrie die Unterstützung der gesamten deutschen Metallindustrie in dem ihr aufgezwungenen Abwehrkampf gefunden habe, weil die bisher rasch aufeinander folgenden Lohnerhöhungen unter keinen Umständen fortgesetzt werden könnten, wenn der gegenwärtige Preis standgeh alten werden soll. Dies sei die unumgängliche Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des jetzigen Beschäftigungsgrades. In den nächsten Monaten laufen rund 260 Lohntarife ab. Der Zustand, daß jeder Tarifablauf die Gewerkschaft zu einer Lohnforderung veranlasse, sei volkswirtschaftlich untragbar, da er zur dauernden Beunruhigung der Wirtschaft führe. Daraus ergebe sich, daß die Auseinandersetzungen in Mitteldeutschland richtunggebend für die Lohnpolitik der ganzen deutschen Industrie werden müsse. Ursachen und Wirkung. Die grundsätzliche Bedeutung des Kampfes. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers" Berlin, 14. Febr. Der Beschluß des Gesamt- ocrbandes Deutsch Metallindustrieller, die Gesamt- auöjperrung in der deutschen Metallindustrie am 22. Februar mit Arbeitsschluß vorzunehmen, erinnert an die im Januar d. I. ausgesprochene Stilllegungsanzeige der eifenerzeugenden Industrie. Die Aussperrung würde nach den von uns eingszogenen Erkundigungen etwa 8 bis 900 000 i Arbeitnehmer treffen. Gegenwärtig erstreckt sich die • Aussperrung in der mitteldeutschen Metall- , industrie auf etwa 50 000 Köpfe. Der Streik in der । mitteldeutschen Metallindustrie, den der Gesamtoer- I band Deutscher Metallindustrieller als eine grundsätzlichen Abwehrkampf der Arbeitgeber» feite gegen unangemessene Lohnforderungen der Gewerkschaften bezeichnet, dauert bereits seit vier Wochen an. Wenn in der Großeisenindustrie beide Parteien sich bekanntlich den vom Reichrarbeits- minister gefällten und für verbindlich erklärten Schiedsspruch unterworfen haben, so liegen die Verhältnisse in der mitteldeutschen Metallindustrie wesentlich anders, hier liegt bereits ein Schiedsspruch des Magdeburger Schlichters vor, und zwar über die Erhöhung des tariflichen Spitzenlohnes von 75 auf 78 Pfennig. Diesen Schiedsspruch haben die Gewerkschaften, die eine Lohnerhöhung von 75 auf 90 Pfennig die Stunde gefordert hatten, abgelebt und sind, ohne die Verhandlungsmöglichkeiten restlos zu erschöpfen, sofort in den Streik getreten. Auch in diesem Fall zeigt es sich also wieder, daß die Parteien mit Forderungen an den Verhandlungstisch herantreten, die davon Zeugnis ablegen, wie wenig Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesamtheit und der Volkswirtschaft diejenigen haben, die diese Forderungen aus- stellen. Der Reichsarbeitsministcr hat f ü r d e n r h e i° nisch-westfälischen Industriebezirk die durch Schiedsspruch scstgelegte Lohnerhöhung des tariflichen Spitzenlohnes um 2 P f. auf 78 Pf. für die Metallindustrie für verbind- I i ch erklärt. Dem Anträge, auch den Schiedsspruch des mitteldeutschen Schlichters in Magdeburg für verbindlich zu erklären, hat der Reichsarbeitsminister nicht ftattgegeben, obwohl die Lohnerhöhung dort für den tariflichen Spihenlohn sogar 3 P f. die Stunde betrug. Damit ist die weitere Austragung des Kampfes den Parteien überlassen, und es zeugt für den Emst der Lage, wenn jetzt der Gesamtver- band deutscher Metallindustrieller den v. a der mitteldeutschen Metallindustrie geführten Abwehrkampf zu seinem eigenen gemacht hat. Dem Vorgehen der metallindustriellen Arbeitgeber kommt aber auch noch in anderer Hinsicht eine grundsätzliche Bedeutung zu. Der zum Glück abgewandte Arbeitskampf in der Großeisen- industrie und der Konflikt in der mitteldeutschen Metallindustrie sind ja nur die Vorläufer einer Lohnbewegung, die in diesem Frühjahr verstärkt einsetzen wird, und die die Gefahr einer allgemeinen Teuerungswelle in sich birgt und damit im Zustand einer gegenwärtig gedämpften, um nicht zu sagen im Abflauen befindlichen Konjunktur zu einer weiteren Beunruhigung der Wirtschaft führen muß. Es gelangen im Frühjahr nicht weniger als 6 bis 700 Tarifverträge aller Arten, darunter rund 260 industrielle Tarifverträge zur Kündigung, auch für den Bergbau ist bekanntlich seitens der Gewerkschaften die Kündigung des Tarifter rages ausgesprochen worden. Es ergibt sich foc.jt. daß die Auseinandersetzung in der mitteldeutschen Metallindustrie richtunggebend für die deutsche Lohnpolitik der nächsten Monate werden muß, abgesehen von den Wirkungen, die sie für die Rentabilität der metall- industriellen Betriebe selbst, insbesondere die Maschinenbauanstalten, haben wird. Wem» man also den Fall des Arbeitskonfliktes in der mitteldeutschen Metallindustrie grundsätzlich betrachtet, so kann man nur wjünschen, daß das Reichs- arbeitsminifterium sobald als möglich von seiner bisher ablehnenden Haltung abgebt und als die berufene und bci'G.’tc Stelle angemessene Lohnsätze, di? für die Metallindustrie tragbar sind, für verbindlich erklärt, damit ein Kampf in dieser gerade für unsere Ausfuhr so wichtigen Industriegruppe im Gesamtinterefse vermieden wird. geschaltet werden müßten, und für die Auswahl des zu Berufenden lediglich persönliche Eignung entscheidend sein dürfe. Heute sehen sich die Kammern veranlaßt, erneut auf diese Grundsätze pinzuweisen. Die hessischen Industrie- und Handelskammern werden bei ihrer Stellungnahme von b'r Erwägung geleitet, daß die hessische ®e anbfdyaft in Berlin nicht nur die politische Vertretung des Landes Hessen ist, sondern daß sie auch in hohem Maße die wirtschaftlichen Belange Hessens zu wahren hat. Die hessische Gesandtschaft in ihrer bisherigen Besetzung hat es verstanden, die wirtschaftlichen Belange Hessens bei den Reichsbehörden in erfolgreichster Weise zur Geltung zu bringen. Die von uns vertretenen Wirtscha'tskreife Hes'ens befürchten, daß eine Reubesetzung der Gesandtschaft. die nach parteipolitischen Gesichtspunkten erfolgt, eine Beeinträchtigung ihrer Interessen bedeuten werde. Die hierdurch hervorgerufene Schädigung der Wirtschaft würde sich fraglos auch in ungünstiger Weise auf die Finanzkraft des Landes auswirken. In Würdigung der Bedeutung der hessischen Gesandtschaft, insbesondere für die Entwicklung von Handel und Industrie, halten sich die hessischen Industrie- und Handelskammern für verpflichtet, nochmals darauf hinzuweisen, daß der auf den Gesandtenposcen zu Berufende nach Befähigung, Vorbildung, praktische Erfahrung im Verwaltungsdienst, nach seinen bisherigen Leistungen, sowie nach seiner Kenntnis des hessischen Wirtschaftslebens volle Gewähr dafür bieten muß, daß er den Anforderungen, die das Amt eines hessischen Gesandten hinsichtlich der Wahrung der lebensnotwendigen Wirtschaftsinteressen Hessens stellt, vollauf gerecht wird. poincare in Straßburg. Der Wahlfcldzug gegen die Antonomistcn Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 14. Febr. Straßburg und mit ihm daß Elsaß hatten, wenn man sich auf die Berichte der Pariser Presse vollständig verläßt, was nicht immer gut ist, besonders wenn es sich dabei. um Vorgänge im Elsaß handelt, am Sonntag einen sogenannten großen Ta g^ es hatte die hohe Ehre, den französischen Ministerpräsidenten wieder einmal in seinen Mauern beherbergen zu dürfen, der allerdings die ihm gewährte Gastfreundschaft dazu mißbrauchte, um eine wütende Wahlrede gegen d i e elsässischen Autonomisten vom Stapel zu lassen. Bei näherer Besichtigung stellt sich aber diese Rede als eine recht traurige Leistung heraus. Cs muß Poineare doch sehr schwer geworden sein, irgendwelche Gründe für seinen Kampf gegen die Heimatbewegung ins Feld zu führen. Das ist begreiflich, da man den Elsässern nichts von alledem nachweisen kann, was ihnen immer wieder vorgeworfen wird und wes- wcgen eine Haussuchung die andere ablöst und zahlreiche Verhaftungen ununterbrochen vorgenommen werden. Es verlohnt sich nicht, auf alle Einzelheiten der Rede Poineares einzugehen, ine auch diesmal wieder in der Feststellung g>p>clte, daß nicht Frankreich, sondern Deutschland Oie Schuld an dem Ausbruch des Krieges tragt. Wir wollen uns deswegen nicht weiter aufregen, verraten doch diese Beteuerungen das schlechte Gewissen des französischen Ministerpräsidenten, dessen ganze Dorkriegspolitit ftch um die Vorbereitung eines Revanchekrieges gegen Deutschland drehte. Aber auf eins möchten wir doch Wert legen: von deutscher Seile sind die elsässischen Autonomisten niemalld unterstützt worden. Richts wäre auch falscher, als von der rechtsrheinischen Seite her ihnen Hilfsstellung zu leisten und damit ihrer gerechten Sache den Boden zu entziehen. Könnte Poincare nach weis en, daß feine Behauptungen, die Führer der elsässischen Bevölkerung würden vom Auslande, also von Deutschland, unterstützt, gutreffen, dann hätte er das in Straßburg bestimmt getan. So blieb ihm nichts anderes übrig, als zu schimpfen und den angeblichen französischen Charakter Clsaß-Lothrin- gens zu betonen, wofür er aber ebenso wenig einen Rachweis erbringen kann, wie für die Unschuld Frankreichs am Kriegsausbruch. Die Revision des TangersiÄM. Angebliche Einigung zwischen Frankreich und Spanien Paris, 14. Febr. (WTB. Funkspruch.) „OeuDre" berichtet, daß die französisch-spanischen Verhandlungen zwecks Revision des Tange r st a t u t s von 1923 abgeschlossen seien, und daß nur noch über die Gültigkeitsdauer der Reuregelung verhandelt werde. Wahrscheinlich werde das neue Abkommen bis 1935 Geltung haben. Frankreich habe sich oereitgesunden, Spanien die Zugeständnisse zu machen, die dieses bei der Verwaltung der Stadt Tanger und der int er nationalen Zone, namentlich hinsichtlich der Polizei- g e w a l t wünschte. Frankreich habe diese Wünsche erfüllen können, ohne den Marolkoverträgen, die die internationale Verwaltung von Tanger regeln, zuwiderzuhandeln. Sobald die Frage der Geltungsdauer geregelt sein werde, werde der Vertrag England an d Italien zur Billigungunterbreitet werden. Man nehme an, daß diese beiden Mächte ihn ohne weiteres 1 annehmen werden. Der Anteil Italiens f an der Verwaltung von Tanger sei bereits festgelegt worden. Italien werde die Fürsorge für das Gesundheitswesen übertragen werden. Aus aller Wett. wichtige Funde in Ur (Lhatdäa). Von dem Leiter der von der Universität von Pennsylvanien und dem Brittschen Museum gemeinsam unternommenen Expedition, die sich mit Ausgrabungen in der alten Stadt Ur in Chaldäa besaht, ist ein Bericht eingetroffen, daß dort im Grabe der Königin Schubad, die vor 5000 Iahren gestorben ist, Schätze von ungewöhnlichem Werke gesunden worden sind. Das Grab der Königin war unberührt, während das ihres Gemahls geplündert worden ist. Am Eingang des Grabes wurden die Ueberrefte von sechs Wachsoldaten mit eingeschlagenen Kupfer- Helmen gefunden, im Grabe selbst befanden sich 50- Leichen von Dienerinnen. Die Leiche der Königin war reich mit Gold und Lapislazuli verziert. Das erste Telephongefpräch Berlin—San Franzisko. Montag abend um acht Uhr wurde von Berlin aus das erste transatlantische Ferngespräch mit San Francisko geführt Das Gespräch dauerte elf Mi- nuten. Die Verstän digung mar sehr g u t und so laut nn-d rein wie bei einem Stadtgespräch. Auch der amerikanische Teilnehmer äußerte sich dem Anrufenden im selben Sinne. Die Unwetterkatastrophe in Norwegen. Heber die Raturkatastrophe im Distrikt von Bergen werden jetzt nähere Einzelheiten be, könnt. Im Elsinger Tal haben Erdrutsche furchtbare Verwüstungen angerichtet. Ein Landwirt wurde hier bei dem Versuch, sein Vieh zu retten, getötet. An einer anderen Stelle wurde die Frau eines Landwirtes getötet, während ihre neun Kinder teilweise sehr schwere Verletzungen erlitten. Rach den bisherigen Feststellungen wurden etwa 200 Häuser zerstört und 20 Personen getötet, sowie eine Anzahl verletzt. Viel e hundert Stück Vieh kamen um. Dreißig Fischer ertrunken. Von den etwa 400 Fischern, die. während eines Sturmes von derKronstadterKüste auf Eisschollen, die sich losgelöst hatten, fortgetrieben wurden, sind nach einer Funkmeldung eines ausgesandten Wasserflug, zeugeö etwa 30 Personen umgekommen. Die übrigen erreichten Land, ein Teil von ihnen die finnische Küste. Lebenslängliches Zuchthaus für die verurteilten des Dilms-Prozesses. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, sind durch Beschluß des preußischen Staats- Ministeriums vom 13. Februar d. I. die wegen Ermordung des Kaufmannes Wilms rechtskräftig erkannten Todesstrafen für die Verurteilten Fuhrmann, Klapproth und Schulz in lebenslängliches Zuchthaus, für den Verurteilten mhofer in eine Zuchthausstrafe von fünfzehn Iahren umgewandelt worden. Der Mülversletter Mord vor Gericht. Vor dem Schwurgericht Erfurt begann der Pro. zeß gegen die Gebrüder Max und Willy Thiel aus Mühlhausen in Thüringen, die angeklagt sind, am 13. August 1927, in Mülverstett bei einem Einbruchsversuch den 61jährigen Kutscher Vaupel e r s ch o s s e n zu haben. Ferner haben sie in Meuterode einen Einbruchsoersuch verübt, wobei sie gefährliche Betäubungsmittel anwendeten. Der Fabrikarbeiter Muster ist angeklagt, ihnen geholfen zu haben. Das Urteil lautete gegen Max Thiel auf 1 2 I a h r e Z u ch t h a u s und zehn Jahre Ehrverlust, gegen Willy Thiel auf lebenslängliches Zuchthaus und außerdem fünf- zehn Jahre Zuchthaus und Ehrverlust auf Lebensdauer, gegen Muster auf zwei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Der Uhu als Lokomotivführer. Der auf der Fahrt von Wologda nach Leningrad befindliche Schnellzug wurde plötzlich zum Halten gebracht. Als man nach der Arsache forschte, wurde an der Lokomotive ein riesiger Uhu entdeckt, der sich an dem Hahn der Westinghouse-Dremse verkrallt und ihn auf gedreht Haire, so daß Luft entwich und der Zug, der mit einer Stundengeschwindigkeit von 60 Kilometer fu-r, halten mußte. Oie Wetterlage. Ih5_ Ian Mayen- Aberdeen 42. 5*; h Uaiderjund- RÖSt. BaraHns,- uagent ■andi 'SUKkh. y 3 natnoo Montag .den 13 Februar 1Q2& 19h ---------Seim- O wolkenlos o neuer. ® nam oedecht ® wolkig, • bedeckt. «Reoei> 1 * Schnee a Graupeln = Nebel K GrWit'£r.(g)Wlnd5tllle. «O-. seM leichter o$i -nissiger Südsüdwest q stürmischer «ordwesl Die Piene fliegen mit dem wmdt. Die beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte mit.4lcichea> •»f Meeresniveau umaerechneten Luftdrucn Wettervoraussage. Erneut oordringende Warmluft brachte besonders in West- und Süddeutschland kräftigen Temperatur« anstieg und Niederschläge. Da zunächst die West« strömnr, ausschlaggebend ist, blieb das für die Jahreszeit milde Wetter fortbestehen. Ein langsames Umdrehen der Winde mehr nach Nordweften hin wird jedoch später Temperaturrückgang herbeifüh« ren. Mit dem Auftreten vereinzelter Niederschläge muß dabei gerechnet werden. Wettervoraussage für Mittwoch: Wechselnd wolkig und vorübergehende Aufheiterung, milde, jedoch später kühler, nur vereinzelte Niederschläge. Witterungsaussichten für Donnerstag: Zeitweise bewölkt, Temperaturen schwankend, strichweise Neigung zu Niederschlägen. Lufttemperaturen am 13. Februar: mittags 3,8 Grad Celsius, abends 6,1 Grad Celsius: am 14. Februar: morgens 6,3 Grad Celsius. Maximum 6,7 Grad Celsius, Minimum 1,6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 13. Februar: abends 2,9 Grad Celsius; am 14. Februar: morgens 2,9 Grad Celsius. — Niederschläge 7,3 Millimeter. — Sonnenscheindauer: eine Viertel- stunde. Wintersport im Vogelsberg (hoherodskops). Wind: Nordwest: Wetter: nebelig: Temperaturen: 0. Grad Celsius; Schneehöhe 14 Zentimeter: Be schaffenheit: pulverförmig; Sportmöglichkeit: gut. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 14. Februar 1928. Lebensführung. Ein Philosoph, ein kluger Kopf, kein Bucher- Wurm, sondern ein Tatmensch, der mit klaren Augen die Welt sah, hat ein Buch über geben5- führung geschrieben. Ich habe das Buch sehr gern, nehme es gern zur Hand in Stunden, in denen ich mit der Welt und noch mehr mit mir selbst unzufrieden bin. Nicht daß es Weisheiten gäbe, die so fernab lägen, daß man nicht selbst daraus käme. Man findet meist nur die Bestätigung seiner eigenen Betrachtungen und Urteile, doch sind die Gedanken schön geordnet, die Horm ist geschlissen und geistreich, und so prägen ftch gewisse Wahrheiten, über die man sonst wohl leicht hinglitte, fest ein, daß man sie bereit hat, wenn man sie braucht. Ich erinnere mich da eines kleinen Borfalls, der bezeichnend dafür ist. Ich war von Kindesbeinen auf sehr jähzornig. Oft brach der Zorn wegen einer Geringfügigkeit los, und in solchen Augenblicken konnte ich alles um mich vergessen, alle Klugheit außer acht lassen, mit Füßen zertreten, was mir lieb war. schmähen, was ich achten und schätzen muhte. Diese Unbeherrschtheit hat mir viel geschadet, aber alle guten Doriätze erwiesen sich als erfolglos. Gerade im kritischen Augenblick ging mein Jähzorn mit mir durch. Bis mir eines Tages ein Freund dieses Buch brachte. Ich las und las unb fand plötzlich, doh dos Schlimmste am Menschen seine Unbeherrschtheit sei. Der Augenblick, in dem man sich gehen läßt, kann die mühevolle Arbeit langer Jahre zerstören. Ein Wort im Jähzorn kann zerschlagen, was einem die Freude bedeutet, die graue Tage zu verklären vermögen. Das Buch bot mir gewiß nichts Neues, ober bah hier ein Fremder das aussprach, was ich selbst ost empfunden und bedacht hatte, war das Wesentliche. Ich hatüe etwas Greifbares, an das ich mich halten konnte. Und wenn mich einmal der Jähzorn überfallen wollte, dann stand dos Buch mit seinem schönen Einband und dem Golddruck vor mir. und es war mir. als ob es mir in seiner gepflegten Sprache zurie'e: Beherrschtheit! Der Jähzorn hatte seine Macht über mich eingebüßt. Und manches andre, das mir sonst nicht dienlich war, fiel auch von mir ab, manche kleine Leidenschaft, die ich pflegen zu müssen glaubte, damit mein Dasein schön und angenehm würde, zeigte mir ihr falsches Gesicht, manches kleine Steckenpferd, das Zeit und Geld kostete, wurde in den Winkel gestellt, manche Unruhe, die in meinem Leben war, besänftigte sich. Letzter Tage gab ich dieses Buch einem jungen Freunde, der mich um Lesestoff gebeten hatte. „Am besten Reiseschilderung. Abenteuer und so etwas." Ich gab ihm die Lebensführung. Schon am nächsten Tage brachte er es mir wieder. „Das ist doch fein Buch für mich," sagte er vorwurfsvoll. „Was soll ich damit?" Ich begründete es ihm. „Ach was," unterbrach er mich, „ich will etwas erleben. Und wenn ich einem im Zorn die Zähne einschlage, der Zahnarzt hat neue." Er war sehr verärgert, mein junger Freund, holte sich aus meinem Bücherschrank einen Detektivroman heraus und verschwand. Da Hobe ich dem Buche meines Philosophen einen besonderen Ehrenplatz angewiesen. S—r. Daten für Mittwoch, 15. Februar. 1564: der Physiker und Astronom Galileo Galilei in Pisa geboren (gest. 1642). — 1763: der Friede von Hubertusburg beendet den Siebenjährigen Krieg. — 1781: der Dichter Gotthold, Ephraim Lessing in Braunschweig gest. (geb. 1729). — 1808: der Maler Karl Friedrich Lessing in Breslau geb. (gest. 1880). — 1837. der Nomanschriftsteller Wilhelm Jensen zu Heiligen-- Hafen geb. (gest. 1911). — 1856: der Psychiater Karl Kräpelin in Neustrelitz geb. (gest. 1926). Gießener Wochcrrmarktprcise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 40, Weißkraut 25, Notkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 35 bis 40. Unter- Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30, Rosenkohl 60, Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 150, Zwiebeln 25, Meerrettich 100, Schwarzwurzeln 60, Kartoffeln 5 bis 5> 2. Aepfel 10 bis 20, Birnen 10 bis 15, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 16 bis 17, Blumenkohl 60 bis 300. Salat 40. Endivien 30 bis 35. Lauch 15 bis 20. Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Dienstag: Stadttheater, V/9 Uhr. „Der Hexer" (Ende gegen 101 . Uhr). — Deutsche Volkspartei, 8' Uhr, Gasthaus Hindenburg. Diskussionsabend. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Höhere Töchter". — Astoria-Lichtspiele: „Die Opiumhöhle von Hawaii". — Die Vortrag s Vereinigung hat für ihren letzten dieswinterlichen Vortragsabend Kurt H i e l s ch e r aus Berlin zu einem Lichtbildervortrag über das Thema „Von Dalmatien durch Montenegro, Herzegowina nachSi d Mazedonien" eingeladen. Der Redner dürfte sicherlich noch von seinem früheren Vortrag in der Dortrags- vereinigung über „Das unbekannte Spanien" in bester Erinnerung stehen. Seine Lichtbilderaufnahmen gehören zu den besten, die im Vvr- tragssaal gezeigt werden können. (Siehe heutige Anzeige.) — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Nächsten Donnerstab abend in der Aula Lichtbildervortrag von Professor Dr. K l u t e über „Die Entwicklung der hessischen Landschaft". (Näheres in der gestrigen Anzeige.) — .'Kirchenkonzert. Man schreibt uns: Am Sonntag, 19. Februar, abends 8 Uhr, will in der Iohanneskirche der Posaunen- chor Lang-Göns ein Kirchenkonzert veranstalten. Der Chor pflegt mit besonderer Liebe die Bachfche Kirchenmusik. Er legt Wert darauf, daß die musikalische Wiedergabe der Bachschen Sätze in innigster Hebere", nflimmung mit dem Sinn des Textes erfolgt. Da der Instrumentalmusik natürlich das Wort fehlt, und andererseits gerade in der kirchlichen Musik d a s W o r t und der T o n durchaus zusammengehören, so werden die Texte von Frau Dr. Aubel, einem Mitglied der Rolenburger Schule, gefprochen werden. Der Konzertbesucher darf einen echten Kunstgenuß und zugleich eine geweihte Stunde der Andacht erwarten. (Siehe gestrige Anzeige.) "• Eine öffentliche Stadtverordnete nsihung findet am kommenden Freitag, nachmittags 5 Uhr beginnend, im Stadtvervrd- netensihungssaale statt. Auf der Tagesordnung stehen nur wenige kleinere Vorlagen; u. a. ein Gesuch der Volkshochschule um Erhöhung des ihr von der Stadt gewährten jährlichen Zu» schusses, Kreditbewilligungen für Aufstellung von Wegebezeichnungstafeln und für den Einbau von Nasselweckern in die Feuermelder. ** Der Intendantenwechsel im S t a d t t h e a t e r. Man schreibt uns: Die Neuheit „Der Hexer", die heute ihre Erstaufführung erlebt, ist das letzte Stück, das unter Leitung des scheidenden Intendanten Stein- Svetter herauskommt: weiter sind von ihm noch Vorbereitungen getroffen für die Aufsüh- rung von Molieres „Eingebildetem Kranken" im ücbruar und für die Operngastfpiele für das Dienstag- und Freitag-Abonnement, die „Walküre" vom Mainzer Stadttheater und „Siegfried" vom Darmstädter Landestheater bringen sollen. Mit Schluß der laufenden Woche zieht sich, nach Hebereinkunft mit der Stadtverwaltung, Hos- rat Steingoetter aus dem Betriebe zurück und sein Nachfolger. Intendant Dr. P rasch, übernimmt die Geschäfte. ** Städtische Holzversteigerung. der gestrigen Nadel-Nuhholzversteigerung in den Waldungen der Stadt Gießen wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Kiefern- Langholz !a und Ib 28.50 bis 30 Mark. Ha und Hb 34.50 bis 37 Mark. IHa und IHb 56 bis 72 Mark. IVa 57 Mark. Kiefernabschnitte Ha und Hb 31 bis 37 Mark. IHa und IHb 54 bis 76 Mark. IVa 76 Mark, Lärchenlangholz la und 11a 35,50 Mark. Fichtenlangholz la und Ib, Ha und Hb 36,50 bis 43 Mark. ** Zur Veranlagung d er Einkommen- und Hmsatzsteuer der Landwirtschaft. Der Präsident des Landessinanz- amts hat an die Finanzämter ein Ausschreiben gerichtet, in dem es heißt: Die Landwirtschaftskammer für Hessen hat Klage darüber geführt, daß ihre Vertrauensmänner bei der Vorbereitung der Veranlagung zur Einkommen- und Hmsatzsteuer nicht in ausreichendem Maße zugezogen würden. Die Finanzämter beschränkten sich zum Teil auf die Anhörung des Vertreters der für die Pflichtigen zuständigen Gemeindebehörde. Häufig sei dieser auch Vertrauensmann der Landwirtschastskammer. Wo dies aber nicht der Fall sei, dürste es sich empfehlen, den Der- trauensmann der Landwirtschastskammer besonders hinzuzuziehen. Eine weitgehende Heranziehung Der Vertrauensmänner der Landwirt- schastSlammer liege nicht nur im Interesse einer möglichst gerechten Veranlagung, sondern auch im Interesse der Verwaltung, da hierdurch spätere Rechtsmittel oder Schwierigkeiten und Arbeitsüberlastung eingeschränkt würden. Bürgervereiniguna Sachsenhausen-Gießen. Anläßlich ihres 40jährigen Bestehens veranstaltete die Dürgervereinigung Sachsenhausen-Gießen in ihrem Vereinslokal »Ium Fischerhof" am Samstag einen Ehrenabend. Der erste Vorsitzende, Karl D i e r I a m m, schilderte in einer Ansprache den Werdegang des Vereins von der Gründung am 11. Februar 1888 bis heute. Die Mitgründer des Vereins, Philipp H i l l g ä r t n c r und Friedrich Becker, die heute raxfc Mitglieder sind, sowie das Mit- glied Adam Zinn mit 34jähriger Mitgliedschaft und Mitglied Heinrich Noll VII. anläh- lidj seines 81. Geburtstages wurden zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt und ihnen als äußeres Zeichen der Anerkennung Ehrenurkunden überreicht. Namens der Ehrenmitglieder dankte (Friedrich Becker für die Auszeichnung, und gedachte dabei auch mit kurzen Worten der Mitgründer und Mitglieder, die durch den Tod schon abberufen wurden. Im weiteren Verlaufe des Abends kam die Geselligkeit voll zu ihrem Rechte. •• Die Freiwillige Sanitäts- k o könne vom Roten Kreuz in Gießen hielt am Samstag ihre Jahreshauptversammlung ab. Der erste Vorsitzende gedachte zunächst de« verstorbenen Kameraden Heinrich Sauer, dessen Andenken in Üblicher Weise geehrt wurde. Dann gab der Vorsitzende Ausschluß über die Rot- Wendigkeit der Anschaffung des zweiten Kranlen- krastwagens. Der vom Schriftführer verlesene Jahresbericht wurde genehmigt. Dem Rechner wurde nach dem Vortrag seines Rechenschasis- berichts einstimmig Entlastung erteilt. Der Kolonnen sichrer erstattete wdann Bericht über die Verleihanstalt für Krankenpflege- geeäte, weiter berichtete er über die Hnterstühungskasse. Der Rechner der Sterbekasse erstattete hieraus seinen Bericht. Der erste Vorsitzende dankte sodann den beiden Kolonnenärzten, dem Kolonnenführer, dcm Rechner der Kolonne dem Rechner der Sterbekasse und dem Schriftführer für ihre Mühewaltung im verflossenen Vereinsjahr. Auf Antrag deS Rech- ners der Sterbekasse wurde beschlossen, der Frauensterkekasse beizutreten. Da sich die Mit- gkiederzahl der Kolonne wesentlich erhöht hat, vermehrt sich die Führerschaft um 3 Mitglieder. Schließlich wurden noch die Ausschüsse zur Vor- bereitung des im Sommer d. I. stattfindenden 25. Jubiläums der Kolonne, zu dem Kolonnenvertretungen aus ganz Hessen und den benach- barien preußischen Kreisen erwartet werden, gewählt. ** Naturheilverein Gießen. Der Vortrag von Dr. Malten (Baden-Baden) übet „Nerven und Der rankheiten" bot den Besuchern eine Fü:'- von interessanten Tatsachen und wertvollen Belehrungen für Gesunde und Kranke. Die Einleitung des Vortrages bildete eine kurze Hebersicht über den Bau und die Arbeitsweise des Nervensystems, das der Träger des geistigen und seelischen Geschehens ist. Hierauf zeigte der Redner, wie im einzelnen die Erscheinungen der Nervosität zu erklären sind, und mit tiefem Verständnis hob er hervor, wie falsch es fei, den Nervösen damit zu trösten, daß seine Beschwerden „nur nervös" oder gar „eingebildet" seien, weil dadurch der Kranke sein Leiden nur noch schwerer empfinde. Verständnis mit dem Leiden des Kranken sei die erste Voraussetzung der Hilfe. An Hand zahlreicher eigener Erfahrungen in seiner Praxis als Leiter einer Anstalt für Nerven- und Stoffwechselkranke zeigte der Redner, daß sich selbst schwere Nervosität heilen läßt und aus gebrochenen Kranken doch noch gesunde, arbeitskräftige und lebensfrohe Menschen werden. Zum Schlüsse gab der Vortragende noch einen kurzen Heberblick über die von ihm angewandten Behandlungsmaßnahmen. Mr ebenso gross wie bä den Tigarren-läbaken, deren Anbau-Länder durch Ozeane voneinander° getrennt sind- Sicher gibt es viele Rauchen die etwas tiefer eindringen, möchten in die Kenntnis des Zigi- retten-Tabaks■ Wir wollen uns dieser Aufgabe, gern unterziehen>- Wir wollen auch nicht den fehler machen, Ihnen viele fachmännische Her- kunitsbezeichnungen zu nennen, Sie würden) sie doch nicht behalten- Wir wollen Jhnen vielmehr nur einige Grundbegriffe vermitteln- betrachten Sie deshalb nochmals unser Bild und merken Sie sich heute nur das kleine Fleckchen Erde, das der Sonnenstrahl bescheint t SONNE auf MACEDONIEN-Hier ist das älteste und wichtigste Anbau-Gebiet, welches den edelsten Tabak hervorbringt-Hier wächst der ^Havanna 'des, Orients Unsere Einkäufer sind in diesem Gebiet lw Hause, denn unsere Firma ist sät Jahren der grösste europäische Käufer dieser edlen Ware- (Deshalb können wir Jhnen noch einige inten essantQ Kenntnisse von diesem wichtigsten Tabak-Gebiet vermitteln • • O »H• G« NOCH im Jahre entfiel auf fünf EUERBUR6 WM Zigarren-Raucher nur ein Anhänger der Zigarette-Seitdem hat sich das Verhältnis umgekehrt Heute übertrifft der Zigarettenverbraudv um das Fünffache den der Zigarre- cSfoch hat leider die Kenntnis des Zigarettenrauchers von dem edlen Rohstoff, den er tagtäglich, konsumiert, mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten —eutigerZusubr,Psd.32Ps.. die Kiste mit netto 5 Pfund, Mk. 1.50 Frische Sünrabmbutter FstS. amcrik. Schweineschmalz das Pfund 80 Pf. ff. Margarine Blauband nnd Rama Ast.Pflanzenbutter-Margarinc Marke Sanella, Pfund 85 Pf. Palmin, in '/,- u.' i-Psd.-Tafeln, Pfund 85 Pf. Pflanzenfett, Pfund 59 u 65 Pf. ff. Weizenmehle, in 5- u. 10-Psd.» Säckchen und lose, das Pfund 28 und 32 Pf. Viele Sorten Marmelade x m 1-Pfund-Gläsern und 2-, 5-, 10- und 25-Ptund-Eimern ^V/ohnuNljrrLU86h^ mit Bad in erster Lage abzugeben geg. 5-äl»-BtoiL Schr. Angeb. u.01154 an d. Gieh. An», erb. (Gefäßkrankheiten) von Sanitätsrat Dr. Matthias, Leipzig Wie oft lesen wir, daß diese oder jene bisher anscheinend gesund gewesene Person plötzlich einem Herzschlag erliegt. — Die Ursache für diesen unerwarteten und überraschenden Ausgang finden sich in einem anfangs ohne wesentliche Störung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit des betroffenen Menschen entstandenen Herzleiden — Herzmuskelschwäche, Herzneurosen, Herzklappenfehlern, Herzerweiterung — meist einer Verkalkung der Schlagader, der Arteriosklerose. Alles, was zur Heilung und Hinhaltung dieser so verbreiteten Krankheit dient, ist mit Freude zu begrüßen. In dem Vasosalvin ist ein Mittel gefunden, das auf alle Teile des Blutgefäß-Systems seine wohltätigen Wirkungen ausübt. Der erhöhte Blutdruck ging von 190 auf normale 120—130 zurück. Bei einem außergewöhnlich schweren Fall sogar von 240 aut 170. Deshalb sollte sich jede Person auf den Zustand des Gefäß-Systems prüfen und von ihrem Arzt untersuchen lassen. Die Herzmuskelschwäche entsteht aus vielerlei Ursachen; durch Herzklappenfehler, Blutarmut oder Bleichsucht, sie tritt im Anschluß an schwere fieberhafte Krankheiten (Grippe, Typhus, Diphtherie, Lungenentzündung usw.l durch Ueberanstrengungen und dergl. auf, während die Arterienverkalkung, der Verlust der Elastizität der Aiterieowandungen zunächst als Erscheinung des Alterns, als Teilerscheinung der Abnahme der Leistungsfähigkeit der Organe sich bemerkbar macht. Diese mit Verkalkung verbundene Erkrankung der Schlagader wird täglich schlimmer. Viele haben Hemmungen, die sich beim Treppensteigen, größeren Anstrengungen bemerkbar machen, Schlafbeschwerden, Herzklopfen, leichte Atemnot, dauerder Druck in der Herzgegend, Beklemmungsgefühl auf der Brust, Angstzustände usw. Oedematöse Schwellungen der Knöchel, der Beine usw. gehen zurück, selbst ausgedehnte Wasseransammlungen in der Bauchhöhle (Bauchwassersucht) sah man nach dem Gebrauch des Vasosalvin völlig schwinden. Die Harnsekretion wird vermehrt, die Nierentätigkeit gesteigert. Bei Wassersucht ist in Gebrauch mit Vasosalvin das Nephrisan zu nehmen. Appetitlosigkeit, Magendruck Leberschwellungen und sonstige unangenehme Begleitsymptome des Grundleidens sind meist in kürzester Zeit überlebte Erscheinungen. Schon nach Verabreichung von wenigen Flaschen Vasosalvin hat. sich der Zustand der Kranken bedeutend gebessert. Hauptsächlich trat schon nach einigen Tagen eine ganz bedeutende Herabminderung des Blutdruckes ein. Vasosalvin“ hergestellt von dem Vasosalvin-Laboratorium, Leipzig, hat bei zahlreichen Patienten überraschend große Erfolge erzielt. Vasosalvin ist zusammengestellt aus: Acid. citr.. salv. Bulb scillae." Cale. carb. Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Mittel sagen, daß ich das Vasosalvin für ein außerordentlich geeignetes Medikament halte, um in der Entstehung begriffene oder bereits entwickelte Erkrankungen der Gefäßwände günstig zu beeinflussen, den im Blut kreisenden Giftstoff zu entgiften und dadurch die Lebenslust und Arbertsfreudigkeit zu heben, sowie den Lebensabend zu einem behaglichen zu gestalten und unter Umständen sogar das Leben selbst zu verlängern. Kreisarzt Br. mod. J. Silhersteln, Wien. Tücht.jungeFrail oder Mädchen Mittwoch u. Samstag vormittag sür Hausarb. ges. 01149 Seltersweg 38 II. Zum 1. 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Anz. 01164 UM n Nr. 38 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeu) Dienstag, H. Zebruar 1928 Zeitungsschau. Das gerichtliche Nachspiel, das die Steglitzer Schülertragödie nach sich gezogen hat. hat namentlich in der Form, wie die Verhandlungen in voller Oeffentlichkeit geführt wurden und in der Ausschlachtung durch sensationslüsterne Grohstadtprehorgane in verantwortungs- bewußten Zeitungen lebhafte Kritik erregt. So schreibt die „Germania", das Berliner Zen- Irumsorgan: „Aach beschranktem Laienverstand brauchte dieser unsinnige „Mord"-Prozeß gegen den Oberprimaner Paul Krantz nicht geführt zu werden. Durste er nicht — zum mindesten nicht in dieser Form — überhaupt verhandelt werden. Dieser Prozeß, der dadurch schon bemerkenswert ist. daß keinerlei politische Voreingenommenheit in chn hineinspielt, hat unendlichen Schaden schon angerichtet, und wird weiter in unabsehbarer Auswirkung Schaden anrichten an dem heiligsten Gut, das Eltern und Erziehern anvertraut ist, an der Jugend. Getragen wurde leider die unfaßliche Regie dieses an sich schon unnötigen Prozesses durch eine Berichterstattung eines Teiles der Presse, die mit dem Worte „skandalös" nur milde gekennzeichnet wird, und die zum Teil sogar die Notwendigkeit des Gesetzes gegen Schmutz und Schund zu erweisen bemüht zu sein scheint. Hat niemand daran gedacht, daß Zeitungen auch von Jugendlichen gelesen, und daß Jugendliche - wenn Elternsorge ihnen auch bestimmte Berichte fernhält — an jedem Zeitungskiosk daS Blatt mit den lnalligstcn Sensationen lausen können? Man mag über Hilde Scheller, jenes im innersten Kern verderbte Jungmädchcn einer Liebergangsperiode denken wie man will. Ihre Vernehmung über die Tat selbst und über die Hintergründe der Tat, die Aufrollung ihres unreifen Liebes- und Freundschaftslebens vor hunderten sensationslüsternen Ohren, sie hineinzustellen in den sensationsgierigen Dlickkreis von Hunderten von Augenpaaren war falsch! Wäre die Aussage der Hilde Scheller unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vorgenommen worden, so wäre sehr wahrscheinlich viel mehr aus ihr herausgekommen. — Änd dann die Vereidigung, die Vorausvercidigung. gerade dieser Zeugin Hilde Scheller. Je stärker man die Notwendigkeit und die Heiligkeit des Eides hochhält. um so sinnloser mußte die strafprozessual absolut unnötige Vorvereidigung der 16jährigen Hilde Scheller erscheinen. Zwar bestimmt der Buchstabe des Gesetzes, daß eine volle 16 Jahre alte Person e i d e s s ä h i g ist, aber ... „Das ist ein weites Feld. Luise", sogt Theodor Fontane, Wenn die Warnungen vor der Vereidigung so junger Mädchen im Falle Hilde Schellers schon berechtigt waren, so hat die Vernehmung der ebenfalls 16jährigen Ellinor R a t t i die Llnhalt- barkeit solchen Systems zur Evidenz erwiesen. Die eidliche Aussage der Zeugin Ellinor Ratti im Krantz-Prozeß wird und muß zum Ausgangspunkt werden einer Reform der Straf- Prozeßordnung in diesem Punkte. Diese Zeugin nämlich war überhaupt nicht in der Lage, irgendeine positive Bekundung zu machen, nur weil man sie vorher vereidigt hatte. Eie selbst sagte glatt dem Gericht ins Gesicht mit den Worten: „Ja. auf der Polizei und bei Untersuchungsrichtern habe ich die Dinge so geschildert. wie sie nach meiner Meinung waren. Aber jetzt — nachdem ich vereidigt bin, habe ich Angst bei jedem Wort, daß meine Angaben doch nicht ganz zutreffend sein könnten!" Als im väterlichen Tone Vorsitzender und Verteidiger bitten, sich auf nähere Einzelheiten zu besinnen, steht als Zeugin vor den Richtern ein schluchzendes weinendes Kind. ..Ich will mich ja besinnen. Aber es geht nicht. Ich habe Angst vor einem Meineid." Ganz bestimmte Angaben macht Ellinor nur in den Punkten ihrer Aussage, die den Bekundungen Hilde Schellers widersprechen. Eid steht also gegen Cid. Besser konnte die Unmöglichkeit der Vereidigung, noch dazu Gießener Konzeriverein. Violinkonzert Lzcnt-Györgßi. Wohl keine Instrumentaltcchnik ist so durch körperliche Gegebenheiten gebunden und bestimmt ime das Violinspiel; denn die Faktoren, die ein gutes Spiel und volle klangliche Ausnützung des Instrumentes bedingen, sind so verschiedenartig, daß noch heute nicht völlige Klarheit und Einigkeit über die rechte Art der Streichinstrumententechnik herrscht. Und zu keiner Zeit mag wohl das Ringen um geigerische Probleme größer gewesen sein als in der Gegenwart: die große Zahl von theoretischen Aeuße- rungen auch von hervorragenden Prakttkern des üiolinspiels in letzter Zeit mag dafür sprechen, ilnsere, aus allen Gebieten der technischen Verwirklichung zustrebende Zeit, hat wohl vermocht, fast alle Jnstrumentalklänge mechanisch zu erzeugen, nur den Ton der Streichinstrumente nicht. Die im Violinspiel ruhenden Schwierigkeiten, einmal die Bogenführung, dann die Ausnützung der linken Hand, haben wohl ihre praktische Lösung von Fall zu Fall bei den großen Diolinmeistern, wie sie die Geschichte aufweisen kann, gefunden. Gleichgerichtete Individualitäten sammelten sich um einen Meister, imt> so hat der Begriff der „Schule" für den Geiger eine ganz besondere Bedeutung gewonnen: einmal durch die Handhabung der TeäMk, dann aber durch die mit der Technik eng verbundene Art des musikalischen Stiles. So ist z. B. aus der Ioachimschen Schule eine Generation von Geigern heroorgegangen, die sowohl musikalisch wie auch geigentechnisch, durch den Meister gründlich durchgebildet worden waren und so ein solides Rüstzeug lür ihre spätere musikalische Tätigkeit erhalten hatten. Die'sogenannte Verwach'enheit mit dem Instrument läßt den Vortrag des Geigers im aller- engsten Kontakt mit der jewe.Ugen körperlichen und physischen Konstitution erscheinen. 2e nach der geistigen Richtung wird sich mehr eine ©tn- stelluna für das musikalisch Formale, für das Emotionale oder auch das Motorische erkennen lassen. Denn für den Interpretierenden wie auch für den schaffenden Künstler bedeutet die Zeit -nicht nur eine meßbare Größe, sondern als Dauer wird sie das Entwicklungsseld für einen -inneren geistigen Prozeß. Das Metrische, Gemessene der Musik steht dem sich gleichzeitig ab- spielenden geistigen Entwicklungsprozeß gegenüber, und so unterscheiden sich gewiße musikalische Formen, die sich auf der Zeiterfassung als meßbarer Größe auf bauen, von denen, tn denen der Vorvereidigung, so jugendlicher Zeugen nicht dargetan werden. Unerträglich beinahe wäre wohl der Gedanke, daß diese halben Kinder — noch des Gesetzes Strenge — wegen Meineidsverdacht im Gerichtssaal verhaftet worden wären. Aus dem unlösbaren Gegensatz der Bekundungen der beiden eidlich vorhandenen Tatzeuginnen zog die Verteidigung die Konsequenz, daß sie der Anklagevertretung Zurück- ziehung der Anklage nahelcgcn und auf alle weiteren Beweisanträge, die sich auf die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen beziehen, verzichtete. Die Staatsanwaltschaft war für eine Zurückziehung der Anklage noch nicht zu haben. Aber der Vorsitzende erklärte, daß das Gericht keine Sachverständigen mehr über die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen brauche, sondern s i ch s e l b st das Urteil darüber gebildet habe. Das wurde allgemein so verstanden, daß mit den sich widersprechenden Aussagen der beiden jungen Mädchen überhaupt nichts anzufangen ist----." Die ..Tägliche Rundscha u" äußert sich u. a. folgendermaßen: „Cs ist nicht nut verständlich. sondern selbstverständlich, daß die Erregung über die Oesfentlichleit der Verhandlungen im Mordprozch gegen den Oberprimaner Krantz mit jede.n Tage wachsen muß. und es ist gleichermaßen selbstverständlich, daß. je gieriger die Heranwachsende Jugend nach Sensationsblattern greift, um den Prozeßbericht zu lesen, desto stärker die Empörung über eine solche Behandlung heikelster Dinge sein muh. Daß das Gericht sich nicht gescheut hat, alle Phasen dieses Prozesses öffentlich zu verhandeln, bleibt unverständlich. Dadurch, daß auch die tiefsten Gewissens(ragen vor breitem Publikum erörtert wurden, hat man nicht nur eine Heranwachsende Jugend gefährdet, sondern man Hot sogar die, die im Gerichtssaal cuf Fragen antworten müssen, gewaltsam an den Abgrund gezerrt, an dem sie sich zu entscheiden haben, ob sie den letzten Rest schwerverletzten Schamgefühls tottreten sollen oder ob sie unter Wahrung innerster Werte die Wahrheit beugen und ihren Cid. von dem sie vielleicht noch nicht die ganz richtige Vorstellung haben, verletzen sollen. Das Gesetz kennt da nur einen Weg. der Mensch aber hätte den Ausweg finden müssen.---Das Gericht hat eine schwere Verantworiung aus sich geladen. Ob es überhaupt erforderlich war. Hi de- gard Scheller vorzu vereidigen, tot b nicht ohne Grund bestritten. Ob ihre Aussagen in den intimsten Singen sich ganz gerade an den Weg der Wahrheit halten, muß das Gericht zu entscheiden wissen. Wem aber die Schuld zuzuschreiben ist, wenn die Zeugin einen kleinen Schritt vom Wege der Wahrheit abgetoichen ist. wo die moralischen Zwangsgründe für einen solchen Fall liegen würden, auch das muß das Gericht dann wissen. Der Prozeß Krantz wird nicht geführt für die Jugend, sondern u m die Jugend und damit für die Eltern: nicht nur für die Eltern Krantz und Scheller, sondern für alle Eltern, in deren führender Hand die Er- ziehuna der Kinder liegt. Zu den nichtangeklagten Angeklagten gehören die, die diesen jungen Menschen, deren Zerfall sich vor dem Richtertisch offenbart, in den kritischsten Zeiten ihrer Jugend nicht Begleiter gewesen sind. Man hat diese Jungen und Mädchen zu einer Zeit, in der sie am stärksten einer Führung bedurften, allein gelassen. Man hat sie in dem Stadium ihrer Entwicklung, in dem der Vater dem Sohne Freund und die Mutter der Tochter Freundin sein muh. ihren Weg gehen lassen, ohne sich ihres inneren Wachstums anzunehmen. Lind diese „selbständige" Jugend ist damit den Weg der — „Aufklärung" gegangen. Eine Jugend, die an leitender Hand und umgeben von führender, wegweisender Vater- und Mutterliebe die Ent- Wicklungsjahre durchschritten hat. weiß anders einer Gefährdung standzuhalten. Eine Jugend, der solche Wegweiser fehlten, zerschellt an den Klippen, die auf dem Wege liegen, den sie nicht hat gehen sollen und auf dem es feinen Halt mehr gibt. — — —“ Für ein englisch-deutsches Kohlenlocarno. Der Gedanke einer deutsch-englischen Kohlenverständigung ist sowohl diesseits wie auch jenseits ie) K nals schon oft crö.tert vor e t. Selbst direkte Aussprache.: zwischen in:cr. dienste Ehrendiplome überreicht. Einige Musikvorträge und Tanz beschlossen den schönen Abend, auf den der Verein mit Befriedigung zurückblicken kann. ri L i ch, 14. Febr. Kaum hat sich das Grab über unserem Bürgermeister Völker geschlossen, so hat die Gemeinde Lich wieder einen großen Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Ortsgerichtsvorstehers Karl Vogt, der gestern hier zur Ruhe geleitet wurde. Obwohl bereits 84 Jahre alt, hat der Verstorbene, der weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt und geschätzt war, bis in die letzte. Stunde seines Lebens hinein fein Amt als Ortsgerichtsvor- steher und Standesbeamter, das er feit 25 Jahren inne hatte, ausgeübt. Dem Kirchenvorstand ge- gehörte er jahrzehntelang als Mitglied an, früher auch als Abgeordneter der Dekanatssynode, und dem Dekanatsausschuß des evangelischen Dekanats Hungen. Als Direktor der Licher Bank hat er sich große Verdienste erworben. Auch war er Ehrenmitglied des Gesangvereins „Cacilia", die ihren Sangesbruder durch zwei Grablieder ehrte. 0 Muschenheim, 13. Febr. Am Samstagabend hielt der hiesige Kriegerverein im Gasthaus „Zum Vater Jahn" seine diesjährige Generalversammlung ab. Nachdem die geschäftlichen Punkte, wie Rechnungsablage, Neuwahl des Er verbeugte sich mit einer schweigenden Zustimmung. Allerlei Erwägungen schossen ihm durchs Hirn. Er konnte nicht gerade behaupten, daß ihm die ganze Art der Familie Amberger in ihrer gewollten Kopie alles Französischen je besonders sympathisch gewesen wäre. Gerade er, der die Bodenständigkeit seiner elsässischen Heimat als sein Lebensziel betrachtete, haßte diese Manier aufgepfropfter Doppelkultur, die vor Frankreich in Anbetung versank. Trotzdem sagte er sich jetzt, er würde Alceste als langjähriger Freund durch seine Absage verletzen. Auch reizte ihn die Aussicht, mit Melusine wieder einmal nach langer, durch den Krieg bedingter Pause für eine Reihe von Stunden im gesellschaftlick)en Rahmen zusammenzukommen. „Es wird mir ein Vergnügen fein, Mademoiselle Amberger", gab er auf elsässisch zurück; „haben Sie die Absicht, die Gäste sehr zahlreich zu bitten?" „Hauptsächlich Jugend, Monsieur Wenger! Sie werden mit meinen Freundinnen einen Flor junger Brautjungfern finden!" Ihm grauste im stillen vor diesem Schwarm junger Freundinnen, wenn es eine Schar ebenso permanent französisch plappernder modisch aufgeputzter junger Gänschen war, wie Poette, Amberger selbst. Sie aber deutete sein Überlegendes Schweigen falsch und fragte nun mit einem Scherz: „Hätten Sie einen besonderen Wunsch unter den Damen, wen ich Ihnen als Brautjungfer zuteilen soll?" Er nahm sich den Mut und meinte: „Wenn ich offen sein soll, Mademoiselle Amberger, so würde ich gern eine Dame geleiten, die mir bereits bekannt ist. Man unterhält sich besser, wenn man gemeinsame Berührungspunkte hat. Sehr gern würde ich zum Beispiel Melusine führen ..." Raymond horchte nun schärfer auf die Unterhaltung, als er den Namen seiner Schwester nennen hörte. Poetle zupfte leicht mit affektierter Gebärde an ihrem zartlila Schleier und warf Raymond einen lächelnden Blick zu, der ein gegenseitiges Verständnis enthielt. „Meine zukünftige Kusine Melusine möchten Sie führen, Monsieur Wenger? Von mir aus tät* ich Ihnen gern den Wunsch erfüllen. Aber ich glaub', — man muß Mademoiselle Melusine als Brautführer ihren Verehrer geben, mit dem sie sich wohl bald verloben wird, — wie heißt er doch,. dieser Herr, den sie in Frankreich tennengelernt bat?" Trotzdem sie sich bei dieser Frage an Raymond wandte, gewahrte dieser, wie sich die Züge von Wenger plötzlich verzerrten. Nicht nur Ueber- raschung las man in ihnen, sondern schmerzliche Bestürzung. Diese Anspielung auf die Beziehungen von Melusine zu dem jungen Franzosen traf Wenger anscheinend unvorbereitet. Raymond aber brauchte Sekunden, bis er seine stille Empörung einigermaßen beherrscht hatte, weil Pvette bereits — anscheinend durch ihren Verlobten Alceste — von dem Auftauchen des Monsieur Bouvier und dessen Gründe unterrichtet worden war. „Ich kann Ihnen wirtlich nicht den Namen nennen, Pvette, ich kenne den betreffenden Herrn kaum. Ich glaube, Ihre Vermutung geht über die Tatsachen hinaus. Der junge Herr hat einen Besuch in unserem Hause gemacht. Weiter nichts." Sie fühlte seinen Unmut, trotzdem sie den Grund nicht erriet. „Haben Sie einen speziellen Wunsch, Raymond? Wen wünschen Sie als Kavalier zu. geleiten?" Er verneigte sich leicht. „Treffen Sie Ihre Dispositionen nach Ihren Wünschen, Kusine!" Und im stillen dachte er, seine leidenschaftliche Unruhe meisternd: „Wenn ich überhaupt zu eurer Hochzeit dabei bin! Vielleicht, — ach, vielleicht weile ich dann nicht mehr in der Heimat!" Ehe sie sich jetzt alle drei verabschiedeten, mußte Raymond noch die flüchtige Vorstellung des kleinen Bekanntenkreises über sich ergehen lassen, in dem sie sich befanden. Mit einer gewissen geschmeichelten Sicherheit präsentierte sie den Mülhausener und Straßburger Bekannten ihren zukünftigen Vetter, den jungen Baron de Hammerschlag, und die braven Bourgeois quittierten diese Vorstellungen mit einem Gemisch von Neugierde und Reserve, denn man konnte es diesem eleganten jungen Landsmann doch nicht gleich ganz verzechen, daß er als Offizier unter den deutschen Fahnen den Krieg mitgomacht hatte. Eifrig plappernd steuerte die kleine Gruppe um Pvette Amberger jetzt der nahen Endhaltestelle der elektrischen Dahn zu. Um einer weiteren Berührung mit ihnen zu entgehen, machte Raymond den Vorschlag, den Weg nach der Stadt zu Fuß zurückDorstandes u.a., erledigt waren, erfolgte durch den Präsidenten Karl Roth die Ueberreichung von Ehrenzeichen an Mitglieder, die dem Verein 50 bzw. 25 Jahre lang angehören. Mit dem goldenen Abzeichen wurden fünf Kameraden, nämlich die Herren Weisel, Müller, Reis, Seipp und S t e u l ; mit dem silbernen 17 dekoriert. Die harmonisch verlaufene Versammlung wird den Teilnehmern noch lange in angenehmer (Erinnerung bleiben. — Kommenden Sonntag wird der hiesig« Turnverein im Saale des Gasthauses „Zum Vater Jahn" eine Abendunterhaltung veranstalten. # Langd, 13. Febr. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald Holzversteige- r u n g statt. Zum Verkauf des Brennholzes waren in der Hauptsache Einheimische anwesend. Die Preise hielten sich in normaler Höhe, ein Raummeter Buchenscheitholz kam 12 bis 13 Mk. Hierauf wurde Bau- und Ruhholz ausgeboten. Wegen des sehr schlechten Wetters hatten sich trotz öffentlicher Ausschreibung verhältnismäßig wenige Kaufliebhaber eingcfunden. Buchenftamm- holz von 30 bis 59 Zentimeter Durchmesser kam auf 50 bis 65 Mk., ein besonders schöner Stamm von PA Festmeter wurde mit 112 Mk. bezahlt. Fichtenderbstangen kamen je nach Starke auf 1,50 bis 3 Mk. Fichtenstammholz, Klasse Vb kam auf 20 bis 35 Mk. je Festmeter. Fichtennuhreis- stangen erzielten für 6 Raummeter einen Preis von 21 bis 24 Mk. Die Gebote für Eichen- Stammholz schwankten zwischen 16 bis 35 Mk., ein Preis, der als billig bezeichnet werden muß, da es sich in der Hauptsache um Schnittholz handelte. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 13. Febr. Die ehemaligen 116er in Friedberg veranstalteten am Samstagabend im Kasinosaal eine Abend - Unterhaltung, die sehr gut besucht war und einen schönen Verlauf nahm. Der Vorsitzende. Ober- postsekretär Keßler, begrüßte in feiner Eröffnungsansprache besonders den Gründer des Vereins, Kamerad Fink aus Bad-Homburg. Den musikalischen Teil des Programms bestritt eine Abteilung des Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr. Mit starkem Beifall wurden die Zithervorträge des Kameraden älngelenk und die Aufführung der Operette „Martin der Heizer" durch Mitglieder des „Liederkranz'' ausgenommen. Rach Ablauf des Programms blieb man bei Tanz und kameradschaftlicher Stimmung noch lange Stunden beisammen. Kreis Schotten. □ Laubach, 13. Febr. Wie wir seinerzeit berichtet haben, pachtete die gräfliche Verwaltung im vorigen Jahr die Ziegelei am Lardenbacher Weg von der Stadt. Die Gebäude der gräflichen Ziegelei am „O b e r s e e" (an der Straße nach Lauter) wurden hierdurch frei. Ein Holzhändler namens Bey aus der Rheinprovinz hat die Gebäude der gräflichen Ziegelei gepachtet und hier eine 3m» prägnationsanlage (für Weinpfähle, Baumstan- gen usw.) eingerichtet. V Gedern, 13. Febr. Am Samstag fand hier eine Bezirkslehrerkonferenz statt. Rach Erledigung verschiedener geschäftlicher Fragen hielt Lehrer Sauer- Ober-Lais einen lehrreichen Vortrag über die Entstehung der Feldmark seiner Heimatgemeinde. Er wies nach, wie sich auf Grund heute gebräuchlicher Flurnamen Rückschlüsse ziehen lassen bis auf die Zeiten der ersten Rodungen und der Gemeindegründungen. Der Redner hob den Wert der Flurnamen, die ja in fast allen Gemeinden zur Bestimmung der einzelnen Gemarkungen gesammelt werden, hervor und regte durch feine flaren und fachlichen Ausführungen zu weiteren Heimatforschungen an. Lehrer Fernges-Gedern vollendete alsdann seinen in der vorhergegangenen Lehrerversammlung angefangenen Vortrag über seine Reise nach Italien. Er führte die Anwesenden im Geiste nach Rom und Florenz und zeigte an Hand vieler und schöner Lichtbilder die unermeßlichen Schönheiten dieser Städte. Kreis Alsfeld. —er. Homberg a. d. Ohm, 13. Febr. Dieser Tage hielt Missionar Schmoll von der Baseler Mission in unserer Kirche einen interessanten Vortrag mit Lichtbildern, nachdem er schon am Rachmitlag den Konfirmanden im Schulsaal von den Chinesen (er war nämlich als Missionar längere Zeit in China tätig) aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen in etwa Ir/zstündigem zulegen. Er fühlte an der lebhaften Bereitwilligkeit des Freundes, wie sehr Wenger gleichfalls an einem weiteren Zusammensein unter vier Augen lag. Es wurde ringsum stiller um sie. Droben auf der Rheinbrücke war es leer und einsam. Die unglückliche Schar ber Ausgewiesenen, der Heimatlosen mochten nun das jenseitige Rheinufer erreicht haben. Der Vorhang senkte sich auch über diese Schlußtragödie des Krieges. Nur die gleichmäßigen Schritte der auf und ab gehenden Patrouillen klang aus der Ferne über, den leicht gefrorenen Boden. Die Sonne verkroch sich von neuem. Ein Schwall von feucht-nebeliger Luft schlug wieder von den Rheinwegen herüber. Der Reflex der Stahlhelme und der aufgepflanzten Bajonette versank in stumpfem Grau. Raymond erwartete, Wenger würde jetzt noch seiner Empörung über diese ganzen Vorgänge an der Rheinbrücke Luft machen. Aber der schritt schweigsam, den Blick zu Boden gesenkt, neben ihm her. War schon früher manchmal eine Ahnuntz in Raymond auf gestiegen, Wenger nähme ein tieferes Interesse an Melusine, so fühlte er mit einem Schlage, daß die unbedachte Aeußerung von Poette seinen Freund aufs tiefste getroffen zu haben schien. Und wirklich unterbrach Wenger nach einer Welle das Schweigen, als sie die lange, mit Platanen Anges ä um te Allee in ziomlichei Einsamkeit zurück- geschritten, ohne jeden Uebergang und ohne seine innere (Erregung zu verdecken: „Was ist an diese'' Aeußerung Pvette Amberger Wahres? Deine Schwester hat einen französischen Verehrer? Sie beabsichtigt, sich mit ihm bald zu verloben? Wann hat sich das alles angebahnt? Ich bin völlig im unklaren ..." Raymond holte tief Atem. (Eine wunde Stelle war in ihm berührt. Er wußte nicht, wo anfangen, wenn er jetzt über diese Sache sprechen sollte! Und deswegen platzte er, um sich möglichst kurz zu fassen, heraus: „Ach was, Verehrer! (Ein windiger Franzos ist es! So ein monsieur le professeur de musique. Da drunten her aus Grenoble oder Avignon. Meine Schwester hat ihn damals in Bezay fenn angelernt, als iw sie zu mir rief, weil die Aerzte mich aufgaben. Anscheinend hat ihr damals schon dieser Monsieur — Gott, ich habe seinen Namen vergessen! — den Kopf warm gemacht!" (Fortsetzung folgt.) Dortrage allerlei erzählt hatte. Dach einem gemeinsamen Gesänge sprach er abends einleitend von den chinesischen Wirren, die ihre Wurzeln auf politischem Gebiete hätten, aber auch ins religiöse Gebiet hineinspielten. Die Chinesen, ein Volk, das auf eine lange geschichtliche Vergangenheit zurückblicken kann (4000 Jahre), seien stolz aus diese Tatsache und sehen deshalb auf andere Böller, wie etwa das deutsche, verächtlich herab. Andererseits verdiente dieses Volk um deswillen größte Beachtung, weil es das weitverbreitetste der ganzen Welt sei, ein Viertel aller Menschen seien Chinesen (über 400 Millionen). An der Hand von Lichtbildern gewannen bie Anwesenden einen tiefen Eindruck in die Lebensweise, Sitten und Gebräuche dieses Volkes. -Zum Schlüsse bat er, das Missionswert durch reichliche Gaben unterstützen zu wollen. Rheinhessen. Lpd. Gonsenheim, 13. Febr. Der Gon- se nheimer Gemeinderat beschäftigte sich mit dem Gingemeindungsplan der Stadt Mainz, nachdem diese an Gonsenheim das Angebot gerichtet hatte, zur Förderung der Eingemeindung eine Kommission einzusehen. Der Gemeinderat beschloß mit g r o ß e r M e h r h e i t von der Beteiligung an dieser Kommission Ab- st a n d zu nehmen, da eine Eingemeindung nach Mainz zur Zeit nicht in Frage käme. Preußen. Kreis Biedenkopf. T Rodheim a. d. B., 13. Febr. Die Turn- und Sportgemeinde Rodheim veranstaltete gestern hier im Denderschen Saale mit dem Turnverein Waldgirmes ein Gerätewetturnen am Darren, Reck und Pferd, wobei von jedem Verein die sechs besten Turner mit je zwei Hebungen teilnahmen. Waldgirmes erreichte die Gesamtpunktzahl 555, Rodheim 521. Als erster Sieger ging Aug. Best (Waldgirmes) mit 108 Punkten und als 4. Sieger und erster von Rodyeim G. F a i l i n g mit 101 Punkten aus dem Wettkampse hervor. Am Abend kamen in dem vollbesetzten Saale zwei Theaterstücke zur Aufführung, wobei die Spieler reichen Beifall ernteten. Die vortreffliche Musik einiger Mitglieder der Gießener Reichswehrkapelle trug zur gehobenen Stimmung wesentlich bei. Kreis Wetzlar. O Oberkleen. 13. Febr. Der bei dem Hntoetter in der Samstagnacht gefallene Schnee machte es möglich, im hiesigen Gemeindewalde nach Sauen zu spüren. 3n einem in der Rähe des „Rapoleonstockes" belegenen Walddistrikt waren vier Sauen eingekreist, von denen drei Stück geschossen wurden. Die Tiere wurden durch folgende Schützen zur Strecke gebracht: Eine durch Äagdaufseher Eigen st etter - Oberkleen, die zweite durch den Landwirt Johannes Hagel« Ebersgöns und den Bankbeamten Falter- Butzbach und die dritte durch den Gastwirt Karl Schütz von hier. Bei den erlegten Stücken handelt es sich sämtlich um Heberläufer im Gewichte von 60 bis 90 Pfd. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 10. Febr. Zwei Väter unehelicher Kinder wurden mit Haftstrafen von je zwei Wochen bestraft, weil sie trotz Aufforderung der zuständigen Behörde nicht für ihr Kind gesorgt hatten, so daß dieses auf öffentliche Kosten unterhalten werden mutzte. Beide wandten ein, sie seien zu Zahlungen nicht in der Lage gewesen, drangen jedoch damit nicht durch. Das Kind des einen war 1925 geboren. Der Angeklagte hatte Pfennig bezahlt. Es mag sein, daß er ntdjt ständig in der Lage war, den gesamten Hnterhalt zu zahlen, er hätte aber wenigstens den guten Willen zeigen und seine Arbeitskraft besser ausnühen müssen. Der zweite Angellagte bestritt, der Vater des Kindes zu sein, was ihm aber mit Rücksicht darauf, daß er zur Zahlung rechtskräftig verurteilt war, nichts nützte. Er hatte seit 1916 noch nicht das Geringste für das Kind getan, obgleich er und seine Ehefrau ein Händlergeschäst haben. Beiden Angeklagten wurde ein bedingter Straferlaß in Aussicht gestellt, falls sie künftig ihrer Pflicht nach Kräften nachkommen. Sie haben es aldann selbst in der Hand, ob die Strafe vollstreckt wird oder nicht. Der Angellagte B. war von Januar bis Mai 1927 für eine auswärtige Firma als Handlungsreisender tätig. Er zog gegen Ende seiner Tätigkeit Kundengelder ein, ohne sie abzuliefern. Mit seinem Einwand, er habe sich dazu berechtigt gehalten, weil er noch ©egen.orberungen gegen die Firma habe, drang er nicht durch. Es lag ein schriftlicher Vertrag vor, aus dem sich ergab, daß die angeblichen Gegenforderungen aus der Luft gegriffen waren. Zum Teil wurden sie überhaupt zum erstenmal in der Hauptverhandlung geltend gemacht. "®a der Angeklagte noch nicht vorbestraft war, auch in einer gewissen Rotlage gehandelt haben mag und sich jetzt noch in schlechten Vermögensverhältnissen befindet, kam er mit einer Geldstrafe von insgesamt 80 Mk., im Fall der Hneinbringlichleit 20 Tagen Gefängnis, davon. Das Urteil lautete auf Untreue. Männergesang im Gerichissaal. Ein sehr interessantes Urteil für alle Sängerkreise fällte kürzlich ein Bremer Gericht unter Borsih des Richters Dr. Steengrafe in einer De- rufungsverhandlung gegen vier Mitglieder der Quartettvereinigung „Unterweser" und einen Wirt aus der westlichen Vorstadt. 3m Sommer vergangenen 3ahres hatten die vier Sangesbrüder nach Beendigung der montäglichen Hebungsstunde ihren Freund, den beklagten Wirt, in seiner Restauration ausgesucht, einesteils, um die trockenen Kehlen anzufeuchten, andernteils. dem Freunde einen Besuch abzu- statten. Wie das meistens' bei Sängerbesuchen der Fall ist. fand die Begrüßung in Form des Gesanges statt, und zwar erllang das Riedersachsenhoch „Cßckantn . Leider stand dabei die Außentür der Wirtschaft offen, und es war inzwischen 23 Uhr 30 geworden. 3m Begriff, die Tür zu schließen, deren Oeffnung durch die laue Sommernacht hervorgerusen war. trat der Wirtin ein rondierendcr Polizeiwachtmeister entgegen, der die Sache als ruhestörenden Lärm auffaßte und in seiner Ansicht noch durch verschiedene Rachbarn unterstützt wurde, die behaupteten, es wäre „gegrölt" worden. Nachdem die Personalien der Beteiligten festgestellt worden waren, war der erste Akt beendet. Dann wurde der Wirt als Erfolg der erstatteten Anzeige zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt, der dagegen Berufung einlegte, so daß die ganze Angelegenheit vor Gericht zum Austrag kam. Nachdem der Richter die Belastungszeugen vernommen hatte, kamen die Entlastungszeugen zu Wort, zu denen auch die vier Sangesbrüder gehörten. Nach erstattetem Bericht über die damali- ligen Vorgänge wurden die vier Sänger fast am Schluß der Verhandlung vom Richter aufgefordert. das Niedersachsenhoch noch einmal so vorzutragen wie damals. Die ©finger traten auf daS erhöhte Richt^r- podium, und durch den nüchternen Gerichtssaal klang von den geschulten und prächtigen Männerstimmen gesungen daS „Belcanto . „Wo die Weser rauscht, wo die Heide blüht, vom Harz bis zum Nordmeer: Heil dir, du deutsches Lied." Zum erstenmal machte sich dabei die vorzügliche Akustik des Raumes auch für Gesangsvvrträge bemcrlbar. Richter, Staatsanwalt, Zeugen und Verteidiger nahmen die Darbietung mit großem Beifall auf. Der Richter dankte den Sängern für das Lied und erklärte dem Ankläger gegenüber, daß die Heberzeugung wohl allgemein jetzt vorhanden sei, daß dieser Gesang nicht unter den Begriff „Grölen" falle. Er wünschte, daß in allen deutschen Landen das deutsche Lied so zum Vortrag und Ausdruck kommen möge, wie es hier geschehen fei. Dann beantragte der Staatsanwalt Dr. Bünting Freisprechung, die das Gericht nach kurzer Beratung verkündete. Möge dieses Beispiel moderner Rechtsprechung auch auf andere Arten Gelegenheiten Anwendung finden. Für die Sänger und ihren Verein wird dieser schlagende Beweis eine gerechte Anerkennung sein und von allen Sängerkreisen freudig ausgenommen werden. SBK. Eingesandt. (Für Form uitb 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Eisenbahn- und Postbeschwerden aus Hausen. Hausen b. Gießen. 13. Febr. Man konnte vor einigen Tagen an dieser Stelle von Klagen über die haltlosen Zustände am Bahnhof Schiffenberg lesen. Man kann diese Klagen gar nicht genug unterstreichen. Denn diese Zustände sind wirklich einfach unglaublich. Besonders getroffen sind ja die Bewohner von H a u f e n. Das erste Stück des Weges vom Bahnhof nach Hausen führt am Bahndamm entlang; es ist Bahngelände, aber auch Sumpfgelände. Mitten aus diesem Sumpfweg ragen die Grenzsteine der Bahn heraus. Hier wird wohl erst Wandel geschaffen, wenn die Bahn schadenersatzpflichtig gemacht worden ist für einen Unfall, der nur zu leicht daraus entstehen kann. Denn der Letzte ist über diese Steine noch nicht gefallen. So mißlich diese Verhältnisse sind, so rückständig sind auch die Po st Verhältnisse. Ein Beispiel mag genügen. Ein Brief nach Gießen, der in Hausen am Samstag um 9 Uhr in den Briefkasten geworfen wird, wird Dienstagmorgen erst in Gießen ausg?tragen. 73 Stunden benötigt also dieser Brief, den Weg zurückzulegen, den man in 5/4 Stunden gehen kann. 3ft fein Sonntag dazwischen, dann braucht der Brief 48 Stunden. Dahe.' wohl die Porto- erhöhung, um solche 73 bzw. 48 Stunden Wegzeit zu rechtfertigen! Man lieft oft Klagen über die Verhältnisse im Vogelsberg. Der Vogelsberger mag sich trösten, daß die Verhältnisse in der nächsten Nähe der Stadt Gießei. mitunter viel trostloser und rückständiger sind, wie im hohen Vogelsberg. r. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) ®. S. ©. Es steht zunächst noch dahin, ob und inwieweit der Entwurf des Gebäudeentfchuldungs- steuergefehes, der schon lange dem Reichsrat vorliegt, Gesetz wird. Richtig ist aber, daß er den ©etxmfen der 3nslationsbesteuerung stark betont. Dieser mehr oder weniger problematische 3n- flationsgewinn kommt natürlich demjenigen, der ein Grundstück erst nach der Stabilisierung erworben hat, nicht mehr zugute, und eine 3n- flationssteuer muh für diesen besonders schwer wirken. Aus dem Gesichtspunkt jedoch, datz es sich hier um eine Realsteuer handelt, welche lediglich von den Verhältnissen des Steuerobjekts ausgeht, kann auf die persönlichen Verhältnisse des Eigentümers keine Rücksicht genommen werden, schon aus dem ©rund, weil einer Umgehung der Steuer dann die Wege geebnet wären. Der Begriff der Werterhaltungssteuer ist falsch ausgelegt. Versteuert wird nicht der Restkauf- schilling, also die Schulden, sondern das Eigen- kapital, d. h. der Teil des Grundstückes, welcher nach Abzug der am 31. Dezember 1918 bestehenden Belastung vom Friedenswert — d. h. nach dem Gesetz vom Wehrbeitragswert — des Grundstücks damals noch übrig geblieben ist. 3m übrigen sind 3hre Bedenken selbstverständlich durchaus begründet und finden in der Literatur und Wirtschaft eifrige Vertretung. Allem mit Rücksicht auf die erhebliche Rolle, welche die Steuer im Haushalt von Reich, Staat und Gemeinden spielt, wird an eine wesentliche Aenderung oder Herabsetzung der Tarife wohl kaum zu denken sein. Es dürfte, wenigstens nach dem Entwurf, keine Möglichkeit bestehen, Sie von der für Sie selbstverständlich besonders drückenden Steuer zu befreien. E. 3. Derartige Adressen sind uns unbekannt. k. St, Allen-Dufeck. Soweit das gewünschte Material Deutschland betrifft, können Sie auf unserer Redakion in den üblidjen Sprechstunden Einsicht nehmen, im übrigen empfehlen mir Ihnen, sich an das Statistische Reichsamt in Berlin zu wenden. fi. St, Giehen. Wir konnten nicht in Erfahrung bringen, ob es sich bei jenem Reklame-Radio-Auto um ein Schallplattenkonzert gehandelt hat. Vermischtes. Wiesbaden ohne Straßenbahn. Die Stadt Wiesbaden hat beid>loffen, von ihrem Vertragsrecht gegen die Südwestdeutsche Elektrizitäts» und Strahenbahngesellschaft Gebrauch zu machen. Sie toill nach (Ablauf der Konzession denVertrag kündigen und beabsichtigt, nicht mehr mit dieser Gesellschaft den Stratzenbahnverkehr gemeinsam durchzuführen. Die Stadt Wiesbaden selbst wird davon ab- sehen, künftig neue Straßenbahnlinien zu führen, sondern sie gedenkt, den gesamten Verkehr innerhalb der Stadt durch Autobuslinien zu regeln. pullmanzüge zwischen Holland und der Schweiz.. Die Reichsdahngesellschaft wird vom 15. Mai ab im Verkehr Holland—Schweiz versuchsweise ein Pullmanzugpaar zwischen Amsterdam bzw. hoek oan Holland und Basel über Duisburg—Düsseldorf- Köln — Mainz — Mannheim — Karlsruhe — Baden — Oos — Freiburg verkehren lassen. Berliner Börse. Berlin, 14. Febr. (WTD. Funkspruch.) 3m heutigen Frühverkehr ist eine Tendenz noch nicht erkennbar. Das Geschäft ist sehr still und das 3ntcreffe für Effekten seitens des Publikums weiter Hein. Kurse sind noch nicht v hören. 3n der Freigabeangelegenheit bleibt man aber weiter, ziemlich zuversichtlich gestimmt. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,03, Madrid 28.67. London gegen Kabel 4,8743 und die Reichsmark gegen Kabel mit 4,1940. Nachruf! 1704DI MMÄWMilllüf | Akademiker (Jurist) ■■■■■BBBßSSESSKHHESBaKSSafflB erteilt arünbticben Nachhilfeunterricht Schones Saar Reisesder Nima. Srtirmltcb? Angebote unter 01163 an den Gießener Anzeiger erbeten. erteilt gründlichen Nachhilfeunterricht in allen Fächern, evtl, gegen freie Woh- javo! (dezent parfümiert) mit oder ober Fett RM 2.-, 3.- und 4.75. Javol-Gold starker moderner Dult) RM 2.25 u. 4-50 H x t e ri k u 11 u r, Ostsccbad Kolbcr;- NurneneMöbel wie.Nücheneinrtchiungen Kommvden.Nachttische Vertikos,Schränke, Tische, Stühle, Chaiselongues, Lettstellen, Smhlmatratzen, Emlegematratz., Schoner- decken, Herren» u.B urscheuanzüge, herren- niäniel, Lodenmäntel, Lodeniovven, Wind- j rcken alle Sorten Schubzeug bei H. Benner LL. / Schigierstr. 19 Germanen-Oefen Der erstklassige irische Dauerbrandofen Tausend fach bewährt, empfiehlt EDGAR BOR R MAN N Eisenwaren,Werkzeuge, Giessen Ä tbotitwefftt Am 11. Februar verschied in Daubringen Herr AHtirtereeiäer Weller Der Heimgegangenegehörte lange Jahre hindurch dem Aufsichtsrate unserer Sparkasse als Mitglied an. Mit ihm ist ein eifriger Förderer unserer Sache, ein verdienstvoller Berater von uns gegangen. Sein Andenken wird auch über das Grab hinaus bei uns weiterleben. Der Aufsichtsrat und Vorstand der Bezirkssparkasse Giehen. TeiMroltenM sucht für 1. April 1928 tüchtigen, mögt branchekundig. Reisenden. Nur Herren, die schon mit Erfolg gereist haben und in Oberhessen, Hessen-Nassau,nebstNachbarge- biet eingeführt sind, wollen sehr. Angeb. nebstZeugn.-Abschr.unter 1686D an d. Gieß. Anz. einreichen. Für aussichtsreiches, volkswirtsch. bedeut« sames Unternehmen, vertrauenswürd., fleißige und in geordneten Verhältnissen lebende Vertreter bezw. Vertrauensmänner (auch Damen) gegen gute Derdienstmöglich- feit, sofort gesucht. Schriftliche ausführliche Bewerbungen unter 1710D an den Gießener Anzeiger erbeten. Wilhelmine Kramer. iß Gießen, den 14. Februar 1928. 1695O 17036 gegengenommen. Gießen, den 10. Februar. 1696D 144 17 15 Es sind mir anläßlich des Heimganges meines lieben Mannes so zahlreiche Trauerkundgebungen zuteil geworden, daß ich nur auf diesem Wege meinen verbindlichsten und wärmsten Dank aussprechen kann. Die Bedingungen werden vor dem Termin bekanntgegcben. Königsberg, den 13. Februar 1928 Der Bürgermeister. Lepper. Stück Nadelholzstangen 1., 2. und 3. Klasse rm Eichennutzscheit und -knüppel, 2 m lang rm Nadelholznutzscheit und -knüppel, 2 m lang. in allen Sorten stets auf lager. O.tetor Steinstraße 23. Tel. 1581. 915D Holzversteigerung. Am Samstag, dem 18. d. 21L, nachmittags um 2 Ahr, kommt aus dem Ge- j meindewald Königsberg in der Wirtschaft i Gottlieb Geller, dahier, nachstehendes holz Truhe, ein Sofa, einen Spiegel, eine Chaiselongue, einen Teppich, ein Damenfahrrad, eine Nähmaschine, einen Tru- meaufpiegel, einen Schreibtisch, ein Küchenbüfett, eine kleine Schreibmaschine, zwei Stück Sohlleder, ein Büfett, einen Diwan, zwei Ladentheken, drei Laden- regale, eine holzkasse, zwanzig Flaschen Sekt, eine Partie Schokolade, zwölf silberne Eßlöffel, fünf Wirtstische, dreiunddreißig Wirtsstühle, achtunddreißig gestreifte Metzgerkittel, Schürzen, Messcr- Abzugstähle, Scheiben und Messer für Fleischwölfe, Schwartensäcke. Bestimmt: eine neue nußbaum polierte Schlaf- Zimmereinrichtung (zwei Betten mit Pa- lentrahmen, dreitüriger Spiegelschrank, Waschkommode mit echtem Marmor, zwei Nachtschränkchen, zwei Stühle). An Ort und Stelle (Ort wird in obigem Lokal bekannt- geq-ben): einen Lieferkraftwagen (6/16 P. S.), NAG., gut erhallen. lunker Gerichtsvollzieher in Gießen Goethcstraße 29. Bekanntmachung. Wir haben eine fahrbare Lokomobile von 15 P. S. mit allem Zubehör als Altmaterial abzugeben. Schriftliche Angebote nach Gewichts- einheit werden bis zum 1 Mär; d. 3. ent- ^oizriemen scheiben Langjährige Spezialität Gut sortiertes Lager. 1296a Friede. Heyd & Sohn Selteiwweg 12. Buüenverkcmf. Die Gemeinde Steinbach beabsichtigt, einen fetten Lullen zu verkaufen. 1699V Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Freitag, dem 17. Februar, nachmittags 2 Uhr, an die Bürgermeisterei cinzurcichen, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben werden. Steinbach, den 13. Februar 1928. Bürgermeisterei. Krämer. _Das Stadtbauamt: Brau b a ch.__ Nutzholzversteigerung Jreitag, den 17. Jebruar, im Orüninger Gemeindewald: 1706V Kiefernstämme: 20 Stück, 12,66 fm Jidjfenffämme: 8 Stück, 8,64 fm. Zusammenkunft vormittags 10 Ahr bei Nr.l. Grüningen, den 13. Februar 1928. Euler, Bürgermeister. Mittwoch, den 15. Februar 1928, nachmittags 2 Ahr, versteigere ich Neuenweg 28 (im „Löwen") zwangsweise gegen Bat- j Zahlung: 1711V ein Büfett, einen Bücherschrank, eine zur Versteigerung: Nutzholz: 318 Stück Nadelholzstämme mit ca. 100 fm Bekanntmachung. Mittwoch, den 15. Februar 1928, ^nachmittags 3 bis 4 Uhr, findet in der Turnhalle der Schillerfchule, Schillerstraße 8, ein öffentlicher Impftermin statt, in dem alle in 1926 ynb früher geborenen Kinder, für die bis jetzt der Nachweis der erfolgreichen Schutzpockenimpsung noch nicht erbracht wurde, dem Impfarzt vorgeftellt werden können. In 1927 geborene Kinder werden in diesem Termin nicht geimpft. Die Impsnachschau findet am Mittwoch, dem 22. Februar 1928, nachmittags 3 Uhr, statt. 13128 Die Kinder müssen mit rein gewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zum öffentlichen Impftermin zu bringen. Gießen, den 18. Januar 1928. Dkr Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor. Bekanntmachung In der nächsten Zeit wird damit begonnen, in den staatlichen und städtischen Gebäuden und ebenso in sämtlichen Privat- und Geschäftshäusern ein gesetzlich geschütztes Plakat auszuhängen, auf dem der nächste Feuermelder vermerkt ist und außerdem diejenigen Stellen angegeben sind, denen bei Wahrnehmung von Gas- geruch, Wasserschaden und sonstigen Unfällen sofort Meldung zu erstatten ist. Der Plakataushang wird im Interesse der Sicherheit der Einwohner sowie zum Schutze von Gebäuden und Sachwerten bestens empfohlen. Oer Aushang geschieht vollständig unentgeltlich. Die nicht unbe- träcytlichen Kosten werden dadurch gedeckt, daß auf diesen Plakaten auch einige Geschäftsanzeigen angebracht werden. Gießen, den 11. Februar 1928. 17038 Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Trotze Versteigerung. Mikkwoch, den 15. Jebraar, ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: ein Büfett, vier Sofas, vier Sessel, einen Kleiderschrank, einen Warenschrank, Zimmer- und Küchentifche, Stühle, einen Schreibtisch, mehrere Waschtische, Betten, einen Küchenschrank, drei Hobelbänke, eine Gehrungssäge, hobel und sonstige Schreinerwerkzeuge, zwei Nähmaschinen, ein Herren- und ein Damenrad (neu), drei gebrauchte Fahrräder u. o. a. Versteigerung bestimmt. Ludwig harlmeh Auktionator und Taxator, Neuenweg 28 Telephon 1414. 1705D •"k; MM MNW . < - Unzählig vieleReste und Abschnitte haben sich während der letzten Zeit an allen Lägern unserer drei Häuser MODEHAUS CARL NOWACK, AUSSTEUERHAUS SALOMON und MODEHAUS SALOMON angesammelt und gelangen nun zu staunend billigen Restpreisen zum Verkauf Restbestände Restbestände Reste - Reste Mittwoch, 15. Februar Donnerstag, 16. Februar Freitag, 17. Februar Während dieser drei Tage gewähren wir auf alle ausgemessenen, bereits bedeutend reduzierten Reste einen Extra-Restrabatt von Nessel, 80 cm breit, kräftige Qualität per Meter im Rest.............M. Hemdentuch, 80cm breit, feinfädige Qualität, per Meter im Rest... .M. Hemdenzephir, 80 u. 70 br., gestreift u. kariert, per Meter im Rest M. 0.75, Flnette, caSOcm breit, gute Qualitäten, per Meter im Rest........M. 0.85, Hemdentuch, 80 cm breit, starkfäd. Qualität, per Meter im Rest .. ,.M. Flanell, für Blusen, 80 cm breit, per Meter im Rest............M. 1.00 Damast, 130cm breit, schöneStreifen- muster, per Meter im Rest M. 1.80 Damast, 130 cm breit, aparte Blumenmuster, per Meter im Rest.....M. Handtuchstoffe, a. kräftiger Baumwolle, per Meter im Rest M. 0.90, Handtuchstoffe, aus gutem Halbleinen, per Meter im Rest M. 1.05, Satins, bedruckt, in hübschenMustern, per Meter im Rest,............M. 0.48 0.55 0.60 0.68 0.80 0.80 1.50 2.00 0.60 0.90 1.35 Velour, gedeckte Muster für Hauskleider, per Meter im Rest.....M. Reinwollene Papillons, 90/100 cm breit, per Meter im Rest.......M. Wollmusseline, bedruckt, hübsche Muster, sonst M. 4.00, p. Met. i. Rest M. Reinwollene Puiloverstoffe, sonst bis M. 3.80, per Meter im RestM. Reinwollene Kleiderkaros, doppeltbreit, per Meter im Rest M. Waschsamt, farbig, sonst M. 4.20 und 3.80, per Meter im Rest ...M. Reinw. und halbw. Schotten, 90 cm br., sonstMk.4.50,p. Met. i R.M. Schwere, reinwoll. Schotten, sonst bis M. 6.80, per Meter im RestM. Velour de leine, reine Wolle, besonders schw.Qualität,p Met.i.R.M. ComposG-Stoffe, 130 cm br., f. Kleiderund Kostüme, perMeter im RestM. Schwere r’woll. Kle derstoffe, einf. u.gem., s. b. M. 10.00, p.M.i. R. M. 1.25 1.60 2.00 2.40 2.40 2.50 3.00 4.50 4.50 5.00 5.00 Waschseide, gemust., hübsche Dessins, sonst M. 2.50, p. Meter im RestM. Kunstseide, einfarbig, in sich gemustert, per Meter im Rest ... .M. Futterseide, 80cm breit, einfach und gemustert, per Meter im, Rest ..M. ChinGk'seide, verschiedene Dessins, sonst bis M. 4.80, per Meter im Rest M. Rohseide, gestreift und kariert, früher bis M. 6.00, per Meter im Rest M. K'soiden-Faconnös, uni, regulärer Preis M. 4.50, per Meter im Rest M. 1.50 1.50 1.80 2.50 3.00 3.50 Eolienne (Wolle mit Seide), versehr E Färb., sonst b. M. 9.50, p. Met. i. Rest M. O ■ Uv Voile, bedruckt,gedeckte Muster, sonst bis M. 4.00, per Meter im Rest M. Tülle, 100 cm u. 65 cm br., f. Gardinen, s. b. M 2 00 u. 1.50, p. M. i. R. M.1.00, 1.00 0.75 Madrassloffe (dunkel), 130cm breit, sonst bis M.5.00, per Meter im RestM. Madrasstoffe m. Kunstseide, 130cm breit, sonst bis M.7.50, p. Met. i.Rest M. 2.25 3.50 Reste vonEtamine,Voile,Mull. 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Februar 1928, 3 Uhr nachmittags auf vielseitigen Wunsch ß.Kinder-Kostümlest 8 Uhr abends: Karnevalistisches Treiben STRANDFEST 01162 Feine Herren-Schneiderei Mäßige Preise Drucksachen aller Art X'ÖÄ die vrühl'sche UnlverfitSts-Dniderei, R. Lange, Eiehen, Zchulftr. 7 Voranzeige / Hotel Prinz Carl Faschingsdienstag, 21. Februar, 19 Uhr 59, findet in sämtlichen unteren Räumlichkeiten die große Prinz-Carl-Redoute statt 2 TANZORCHESTER Eintritt nur gegen Karten, die im Hotelbureau unentgeltlich abgegeben werden 01153 X__J NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN ist eine 5 Mittelmeerfahrten von Mine Febr. bu Miae Juni Orientfahrten von Mine März bit Anfang Mai Griechenlandfahrt vom April bit 24. Apnl Polarfahrt vom to. Juli bit j. oAugutt , Nordkapfahrten von Mine Juli bit Ende August Skandinavien-Ostseefahrten von Ende Juni bu Mitte August Kostenlose Auskunft und Prospekte durch unsere Vertretungen NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Gießen: Theodor Loos, Kirchenplatz 13 Wetzlar: Dornbusch L Binder, Lahnstraße 12/14 Gießener Mer-Ge- selWast 1877 LI. Wir weisen darauf hin, daß auch die Mitglieder für den Maskenball mH Ausweislarten versehen sein muffen. Kartenausgabe bis Freitagabend noch bei unserem Mitglied, Herrn (Thallier, Neuenweg. Oer Vorstand. ■eee-||—■■ea|eMeeeeHH^ee^708D| Gesetzliche Gesellenprüfungen Bezirk Lich. Anmeldungen au den (tiefellenprüfuu» oen im »>rilhiahr werden bis »um 1. Marz bet dem Unier-eichneien entgegen genommen. Der Lehrvertrag mit der Eln- iragungönuinmer der Hand verkskammer ist bet der Anmeldung vor-ulegen und 7.50 Mk. Prüfungsgebühren zu entrichten. Ter («escllenvriifungsauSschusr: Friedrich Schm dt, Schlossermeister. Pflaumen-Mus br. 10 Pid.-Postelmer ......HL 3.70 br. 26 Pid.-Babneimer ......Bl. 7.80 Versand ab hier Nachnahme! fr rieh Itenkei mann, 1245 Magdehnrg-N. 113. Vortrags-Vereiiaigamg (Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein, Ortsgewerbe-Verein) Mittwoch, den 15. Februar 1928, abends 8 Uhr in der Neuen Aula der Universität Lichtihilder-Vortrag Von Dateien durch Montenegro, Herzegowina «d Süd-Mazedonien Herr Kurt Hielscher, Berlin isvtv Mitglieder: Eintritt frei auf zwei Plätzen, Kontrollabschnitt 5. Beikarten zu RH. 0.50 Nichtmitglieder: Karten zu RM. 1.50 an der Abendkasse Studentenkarten zu RM 1 — bei Herrn Sekretär Ritter Kurt Hielscher ist der bekannte Verfasser und Herausgeber der groben Tiefdruckbilderwerke .Jugoslavlen*, .Das unbekannte Spanien*, .Deutschland*, .Italien* u. .Rom* Für die anläßlich meines 86. Geburtstages erwiesenen Aufmerksamkeiten danke ich hierdurch herzlichst Adam Emig, Oberpostschaffner i. X Gießen, den 13. Februar 1928. 01150 Ich habe Telephon 882. für sämtliche Heinrich Bechtold Eleklrotkchn. Geschäft. oua tkse eine Scbneiderii is! füll Ihren 8er«nhlo! Ja mehi Klhd. wes- halb haben Sie nicht frühz. boppelherz genommen. Doppelheft Isjt das von Aerzten verordnete wunderbare Kräftigungsmittel für nervöse, blutarme,bleichsüchtige Personen jeden Alters. Wer sich matt u.elend fühlt, keinen Appetit hat. an Kopf- sch merzen u. Schlaf- loclgkelt leid, nehme 3maJ tagt. 1 kleine« OläbchenDoßpelherz* Originalflasche 0m. 2.—, 3.90 und 5.—. Zu haben in allen Apotheken und Drogerien, bestimmt bei Drogerie E. Karn, Schulstrasio, Drogerie C. Seibel, Drogerie Hans Nolt.LndwigSvlatt u. Neustadt, Drogerie QttoWinter- hpff,fireuAVL9 10, HansHindcnburg, H. Eines, Lelters- wca 68 a, Katscr- drogcricCrnitNoll. Lindcnvlatr, Dro gerieGrbr.Michel, WaUtorstr.2S. 'D Frankfurter Bnbici Karten: ZumKurhaus-Maskenball Bad-Nauheim Rosenmontagsball usw. 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' .Ulwn; dkiu ^rrgutmachm kommen müj »t cyaltet be Ausammenhär heute nc '°llen vir ui .^sollen c 8cJi btt K «ent iff x9 ihy r-z-S auf*” sSr; ^genDes Gitsf PW* 'ne tonS^beu Klitz-rn s i.u 4». dUi LL'Z Itr. 8 Drittes Blatt Das Problem -er unterdrückten Völker. Die Gießener Studentenschaft hatte ftr Freitagabend zu einem öffentlichen Vortrag «ingeladen. in dem Alfons Paquet über tbiges Thema sprach. Der Vortragende führte i. a. aus: Ich stehe hier aus akademischem ?oben und will versuchen, in eine akademische. . h. leidenschaftslose Erörterung des Problems er unterdrückten Völler einzutreten. Wie jeder llensch nach ungebundener Betätigung und mög- chst großem Bewegungsraum strebt, so sucht i ch jedes Volt sich auszudehnen und vor allem cn Weg nach der See, jenem großen AuSgangs- unkt nach den übrigen Weltteilen, zu gewinnen. ?'on dem Idealzustand der vollen Bcwegungs- ceiheit. wo die Völker srei von allen Schranken cs Zolls und nationalen Grenzen miteinander in Berührung treten können, sind wir noch weit ntfernt. Wie die Geschichte zeigt, sind es immer ie großen Imperien gewesen, die eine rege Berührung unter den Völkern herstellten. Die Kroßen Reiche des Altertums, insbesondere das tcrsische, das griechische und das römische Reich fi'.L hier zu nennen. Zur Zeit Karls des Großen tnL im mittelalterlichen Kaisertum wurde der tzersuch gemacht, ein einheitliches Europa unter Bea Macht des Kaisers zu bilden. Zur Zeit der Kreuzzüge bestand daneben schon eine andere Macht, die dasselbe versuchte — das Papsttum. Der Versuch, ein europäisches Imperium zu gründen, mißlang. Mehr Erfolg hatten die später rinsehenden Kolonisationsbestrcbungen. Im Zeitalter der Entdeckungen ergriff ein Rausch die europäischen Menschen: sie zogen hinaus, weil sie das Heil außerhalb der Grenzen Europas zu linden hofften. Auswanderungen nach allen Teilen der Erde setzten damals ein; es erfolgte eine tatsächliche Besitzergreifung der ganzen Welt durch ein Minimum von Gewalt. Meist war es die bucht nach mühelosem Gewinn, die die Menschen hinaustrieb. Es kam die Zeit der indischen Sroberungen, es lam der Aufstieg Englands und der Riedergang Portugals; die Kämpfe um die koloniale Macht setzten ein. In erster Linie toaten es die Volker, die den Seerand Europas bewohnten, die Kolonien gründeten: nicht betätigt waren daran die Deutschen und die slawischen Völker. Das kleine Belgien entwickelte sich unter Leopold II. zu einem gewaltigen Kolonialist. In Afrika entstand das System der Slla- fc-rct. Eine gewaltige Unterdrückung der schwarze-.. Volker, die man als Sklaven zur Bearbeitung der großen Ländereien benutzte, setzte ein. In Europa kam es schließlich zum Zusammenstoß der großen Imperien, die in ihrem Ausdehnungsdrang sich gegenseitig behindert fühlten. 2n diesen Weltkrieg wurden auch die unter« dorsenen Völker, die man in den europäischen Heeren als Soldaten verwandte, hineingezogen. Äach dem Kriege brachten die heimkehrenden Farbigen die Idee von dem Selbstbestimmungs- -rccht der Volker mit nach Hause. Seitdem ist überall in den Kolonien ein starker Drang nach Befreiung von der europäischen Bevormundung zu verspüren. Als Rückwirkung des Weltkrieges stellt sich heute als Gesamtbild eine rückwärts gewandte Linie der kolonialen Entwicklung dar. Den Anfang, sich vom europäischen Joch zu befreien, machte China, ihm schloß sich die Türkei an Ihren sichtbaren Ausdruck fand die De- sickrmgsbewegung der unterworfenen Volker in im un Februar vorigen Jahres in Brüssel I qcnden Kongreß der kolonialen Länder. Zu ihn kamen die Schwarzen aus dem Norden und im Süden Afrikas, die Chinesen, die Mexi- lmer u. v. a. Die Verhandlungen zeigten den anwesenden Europäern, daß die kolonialen Völ- fcr schwer unter der Bedrückung zu leiden haben. Wie soll sich nun der Europäer dem Pro- K.ni gegenüber stellen? Es ist klar, daß das imperialistische System nicht weiterbestehen kann. Ein.cn Fortschritt bedeutet das Mandatssystem, Auf Grund dessen einem Staat vom Völkerbund bc Verwaltung eines Kolonialgebiets übertragen frerben kann. Ein anderes System ist das der nationalen Selbstverwaltung, das russische Sow- jclsystem. Das ganze System der Berührung der Beißen mit den Farbigen befindet sich in einer frtoaltigcn Krisis. Die übrige Welt erkennt die cerrissenheit der europäischen Völker: sie weih, trie fadenscheinig oft die Gründe sind, die ange- fihit werden, um die Kolonisation zu recht- ftrtigen. Jahrzehntelange Kämpfe werden stattfinden: vielleicht wird der Weiße zu einer Wie- -:^utmachung gegenüber den farbigen Völkern foinmen müssen. Deutschland ist zur Zeit aus- gächaltet bei der Mitbestimmung dieser Welt- züsmmenhänge Es wäre falsch, wollte Deutsch- ki b heute nach Kolonialmandaten trachten. Wohl filCcn wir unsere Augen über die Welt richten; bic sollen aber danach trachten, in friedliche Schiebungen zu allen Völkern zu treten. Wir toben keinen Grund, den jetzigen Beherrschern m Welt ihre Herrschaft zu stützen: wir sollten vielmehr Sympathie mit den unterdrückten Völ- km haben. M her KmssbesÄädigten-Dttsorslmg. Ser Reichsbund der Kriegsbeschädigten, 03e- zbMeitung Oberhessen, schreibt uns: In der Versorgung der abgefunde- •Itc n Kriegsbeschädigten von 20 Pro - jriit ist durch die fünfte Novelle zum Reichs- Nr orgungsgesetz bezüglich der Wiedergewährung Um Versorgungsgebührnissen für abgesundene Jrregsbeschädigte eine Milderung getroffen wor- 3tt. Es tauchen nun vielfach irrtümliche Meinungen auf dergestalt, daß sämtliche Abgesun- fieiun glauben, wieder in den Genuß von Rente W kommen. Dies trifft nicht zu. Wir lassen daher ausstehend eine genaue Aufklärung folgen für äcienigcn Beschädigten, die abgefunden sind und Mrsd AZmsMhswerr hsMM? Ja und nein! Wenn ein Hämorrhoidenkranker Des cs wirklich ernste Leiden vernachlässigt, wird «es ihm immer größere Qual 62reiten. Die an- In gs unbedeutenden Knoten am Darm wachsen, ■fit wandern in den Darm hinein und platzen ffylicßlich aus. Dann besteht die Gefahr, daß 'Dillgerinnsel in die Blutbahn kommt und dort zzc sehr gefährlichen Verstopfungen führt. Es Sti:mt hinzu, daß die Schmerzen, das Brennen nud das Jucken der erkrankten Teile immer Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Glerhesfen) Dienstag, 14 Zebruar (928 nach Lage ihrer Verletzung wieder Antrag auf Versorgung stellen können. Rach dem Reichsversorgungsgeseh können Personen, die in ihrer körperlichen plnversehrtheit schwer beeinträchtigt sind, ohne Rücksicht auf den Grad der tatsächlichen Minderung ihrer Erwerbsfähigkeit eine Mindestrente nach festgelegten Sätzen erhalten. Auf Grund des 5. 016- änderungsge etzes zum Reichsversorgungsgeseh vom 21. Dezember 1927 sind die Sähe von Schädigungen^ der kör erlichen ilnocr ehrtyeit in folgenden Fällen erhöht worden, und zwar derart, daß eine Zahlung von Dersorqungs- gebührnissen wieder stattfinden kann bei: 1. Verlust von drei oder mehr Fingern, einschließlich des Daumens an der Gebrauchshand: 2. Verlust von drei oder mehr Fingern, ausschließlich des Daumens an der Gebrauchshand: 3. Verlust des Daumens allein an der Gebrauchshand; 4. Verlust der ganzen Kopfhaut (Skalpierung); 5. Verlust oder vollständige Erblindung eines Oluges; 6. Verlust des Gaumens: 7. Verlust aller Zähne; 8. Verlust beider Ohrmuscheln; 9. Verlust der Milz oder einer Riere; 10. Widernatürlicher After; 11. Urin- oder Darmfistel. Rur für die vorstehend genannten Körpcrfchä- den kann eine Wiederzahlbar machung der Versorgung sgebührnisie beantragt werden. Dies gilt besonders für diejenigen Personen, die seinerzeit mit einer Erwerbsminderung von 20 v. H. abgefunden worden sind. Olcu- seftsetzungen nach dem geänderten Gesetz erfolgen ab 1. Oktober 1927, wenn der Antrag aus Wiederzahlbarmachung der Gebührnisse b i s 31. März 1 82 8 ge ft eilt wird. Bei später gestellten Anträgen beginnt die Zahlung vom Antragsmonat ab. Dertreterversammlung des Niddatal-Sängerbundes. -h Ober-Schmitten, 13. Febr. In dem Kirchhoffchen Saale zu O b e r - S d) m i 11 e n, wo vor sechs Jahren der Niddatal-Sängerbund gegründet wurde, tagte am gestrig n Sonntag die Delegiertenversammlung des Bundes. Elf Vereine mit insgesamt 467 Säugern hatten 46 Vertreter entsandt. Der Bundesverein Eichelsdorf war vollzählig, die Vereine von Schotten, älnter-Schmitten und Nidda in starken Abordnungen erschienen. In Vertretung des erkrankten 1. Bundesvorsihenden Schäfer (Eichelsdorf) leitete Lehrer Linck (Rudingshain) die Versammlung und entbot ihr in herzlichen Worten den Willkommgruß. Die Rechnungsablage zeitigte das erfreuliche Ergebnis, daß der Bund mit einem Kassenbestand von 212 Mk. das neue Geschäftsjahr beginnt. Der seitherige Bundesvorstand. der seit der Bundesgründung die Geschäfte leitet, wurde einstimmig wiedergewählt unter besonderer Hervorhebung seines zielbewußten Wirkens. Das Wertungssingen findet in diesem Jahre am 6. Mai in S ch 0 11 c n statt. Auf einstimmigen Beschluß soll als Sachverständiger Lehrer Blaß (Großen-Linden) zugezogen werden, dessen Verdienste um den gesanglichen Aufstieg des Bundes allgemein anerkannt und gewürdigt werden. Die Massenchöre sollen wieder auf dem freien Platze vor der Schottener Kirche zum Vortrag gebracht werden. Es werden gesungen „Der Lenz zieht ein“ von Baumann und „Freiheit und Vaterland" von Stanz. Die Auswahl des Pflichtchors wurde dem Bundesdirigenten Diehl (Ober-Schmitten) überlassen. Otts Vertreter des Hess. Sängerbundes war dessen Geschäftsführer Roth (Darmstadt) als Gast anwesend. Er referierte über Zweck und Ziel des Deutschen Sängerbundes. Seitens des Niddatal - Sängerbundes wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, dem vorgenannten Bunde beizutreten, um für die Folgezeit dem Gau Vogelsberg- Süd anzugehören. Für eine Rheinfahrt konnte ein Teil der Delegierten keine bindende Erklärung abgeben, fo daß diese Frage, nochmals in den einzelnen Vereinen erörtert werden soll. Weiter, wurde angeregt und beschlossen, die Delegiertenversammlungen für die Zukunft in der ersten Hälfte des Januar abzuhalten, um den Vereinen Gelegenheit zu geben, frühzeitig mit dem Einüben des Pflichtchors beginnen zu können. Nach 31'Jtüntrtger Tagung schloß der 2. Vorsitzende mit Dankworten die Versammlung. Eingeleitet und umrahmt wurde sie von Gesangsvorträgen des Männer gesangvereins Ober- Schmitten, die äußerst beifällig ausgenommen wurden. Auch „Eintracht" E i ch e l s d 0 r f und Mannerchor Schotten bereicherten die Tagung in dankenswerter Weise durch exakte und hübsche gesangliche Darbietungen. Wirtschaft. • Frankreich auf der Frankfurter Frühjahrsmesse. Olm Sonntag weilte ein Referent des französischen Ministeriums für Handel und Industrie tn Frankfurt a. W., um im Auftrage des Präsidenten des Organisations- komitees für die Beteiligung der französischen Regierung an der Frankfurter Frühjahrsmesse die Baulichkeiten und das Gelände der Messe zu besichtigen. Wie wir hören, wird die Beteiligung insbesondere der französischen Nahrungsmittel- und Genußmittelindustrie außerordentlich umfangreich sein. Die Messe findet vom 22. bis 25. April statt. * Ferngasversorgung für diePfalz. In der Pfalz steht die Gründung einer Gesellschaft zur Vorbereitung der Gasfernversorgung für die Pfalz nahe bevor, nachdem bereits von Seiten des Ruhrgebietes diesbezügliche Verhandlungen mit der Stadtverwaltung von Ludwigshafen vor sich gegangen waren. Man neigt jedoch mehr zum Saargebiet als Kohlen- und Gasproduzent. * Zusammenschluß im Schrotthandel. Die gestrige Besprechung der bei der Dortmunder Schrotteinkaufsgemeinschaft zum Verkauf zugelassenen Echrottgroßhandler nahm einen günstigen Verlauf. Es kam zu einer Abmachung zwischen Firmen mit zusammen über 80 Prozent Beteiligung. Mit einigen nicht zum Abschluß bereiten Firmen soll weiter verhandelt werden. * Deutsche Werft- A.-G. Wie WTB- Handelsdienst erfährt, hat die Deutsche Werst A.-G. vom jugoslavischen Verkehrsministerium ein über Reparationskonto zu lieferndes Schwimmdock von 6000 ts Hebefähigkeit und von der Oldenburgisch-Portugiesischen Dampfschiffs-Reederei einen Fracht- und Fahrgastdampfer von zirka 3000 ts Tragfähigkeit in Auftrag erhalten. • D i e Äniversum Film A. G. teilt in ihrem Geschäftsbericht für das am 31. Mai 1927 abgelaufene Geschäftsjahr u. a. mit: Die Durchführung der in der Generalversammlung vom 21. April v. I. beschlossenen Sanierung ergab einen Barzufluß von 57,9 Millionen Mark, der aus dem Sanierungsertrag von 51,7 Mill. Mark und 6,2 Mill. Mark aus der Häusertransaktion entsteht. Das Bankguthaben per 31. Mai 1927 betrug 10,32 Mill. Mark. Der Sanierungsertrag von 51,7 Mill. Mark ist nach Vornahme verschiedener Verrechnungen mit 48,71 Mill. Mark ausgewiescn. Hierzu kommt noch ein Brut to- überschuß des Berichtsjahres in Höhe von 15.28 Mill. Mark. Von der Gesamtsumme von 64 Mill. Mark verbleiben nach Abrechnung der Aufwendungen für älnkvsten. Zinsen und Steuern in erfolgreich zu bekämpfen geeinigt sind. Die Hu- midon-Gesellschaft will überzeugen und nicht überreden. Sie schickt deshalb jedem umsonst eine ausreichende Probe Humidon nebst ärztlicher Aufklärungsschrift über Härnorchoidenlei e:i. Diesen kostenlosen Versuch ist jeder s.iner Gesundheit schuldig, und die Humidon-Ge'el.schäft ist überzeugt davon, daß jeder Versuch ein voller Erfolg wird. Ollso schreiben Sie sofort, ehe Sie es vergessen, nach Probe und Bro chüre an die Humidon-Gesellschaft m. b. Sy, Berlin W 8, Block 331. Versand erfolgt durch die Apotheke „Zum weißen Kreuz" und „Engel - Olpo- t&ele" Berlin. Tume«, Spori und Spiel. Das Fußball-EntscheiSungsspiel in Hessen-Hannover. Kassel erlebte am Sonntag in der Hessen- kamp'sbahn einen Rekordbesuch von 10 000 Zuschauern (!) als der Schiedsrichter Guyenz (Essen) das Spiel anpfiff, das sofort mit einer äleberraschung begann. Kurhessen ging nämlich sofort in der 1. Minute in Führung, während 0 3 Kassel erst fünf Minuten vor der Pause durch Jordan ausglich, um gleich darauf durch einen verwandelten Elfmeter in Führung und damit mit 2: 1 in die Halbzeit zu geheit. War vor dem Wechsel das Spiel noch verteilt und die Torchancen auf beiden Seiten gleich groß, so gelang es nach der Halbzeit den Kurhessen, ihren Gegner in Grund und Boden zu spielen. Die 03er kamen kaum noch aus ihrer Hälfte heraus. Kurhessen war dauernd vollkommen überlegen und erzielte den mehr als verdienten Ausgleich. Als beim Stande 2:2 die reguläre Spielzeit zu Ende war, wurde eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten angesetzt, in der die beiderseitigen Verteidigungen aber keinen Erfolg mehr zuließen. Zu einer weiteren Verlängerung tonnte sich der Schiedsrichter wegen der einbrechende:: Dunkelheit nicht mehr entschließen, so daß ein neuerliches Entscheidungsspiel angeseht werden muß. Zu erwähnen ist noch, daß vor der Verlängerung 07 ö ch e l 03 und P f a n n k u ch, Kurhessen, wegen unfairen Spiels herausgestellt wurden. Die äleberraschung war bas OluftretcnP s a n n k u ch s als Mittelläufer, der seiner Elf die beste Stütze war. Schiedsrichter Guyenz konnte bis auf einige krasse Fehlentscheidungen gefallen. Das Spiel war selten spannend. Kurhessen zeigte mehr als erwartet, während 03 stark enttäuschte. Die besten Leute auf dem Platz warm der Kurhessen- verteidiger Weber und der 03 Mittelläufer Engelhardt. Kurhessen hätte als bessere Mannschaft den Sieg verdient. m. w. 2. Olympische Winterspiele. Olm gestrigen Montag begannen im Eisstadion von St. Moritz die Eis lau «Wettbewerbe, Im 500-Meter-Lausen erzielten Thunberg (Finnland) und Evensen (Norwegen) mit 43,4 Sekunden die beste Zeit. Zweiter wurden Friman (Finnland) und Larsen (Norwegen) mit je 43,6. 3. Pedersen (Norwegen) 43,8: 4. G 0 rrna n (Kanada) 43,9; 5. Backman (Finr.la.id) und Farrell (Norwegen) je 44.4 Sekunden. Von den deutschen Läufern wurde der Wiener Jungbluth 20. mit 47,2 und Matzke mit 49,1 Sekund eit 24. Das 5000-Meter-Laufen gewann Ballangrud (Norwegen) mit 8:50,5; 2. Skuttabb (Finnland) 8:59,1; 3. Evensen (Norwegen) 9:01,1; 4. Jaffee (Amerika) 9:01,3; 5. Carlsen iNorwegen) 9:01,5; 'Weltmeister Thunberg (Finnland) war indisponiert und wurde nur 12. Deutschland belegte durch Jungbluth mit 9:26.7 den 16. und durch V0llstaedt mit 9: 58,8 den 28. Platz. Matzke gab auf. Die schlechten Zeiten sind auf Den reichen Schneefall und den starken Wind zurückzuführen. Im einzigen Eishockeyspiel des Tages siegte Tschechoslowakei überraschend mit 3:2 über Polen. Schweden ist damit Sieger in der zweiten Runde und kommt in die Vor- schlußrunde. Fußball in Heuchelheim. 5p. 23.1920 I — 23. f. 25. Gießen II 3:1. Im Gesellschaftsspiel trafen sich am Sonntag obige Mannschaften auf dem Sportplatz Geiersberg. Gießen war durch einige Spieler der Ligamannschaft verstärkt. Der Sieg der Heuchelheimer ist um so höher einzuschähen, als sie auch noch gezwungen waren, fast die gesamte zweite Halbzeit mit nur 10 Mann zu spielen, da der Rechtsaußen gleich zu Anfang wegen einer schweren Verletzung ausscheiden muhte. Bei Halbzeit stand das Spiel bereits 3:1. Arbeiter-Tum- und Spsrtbund. Gießen Ib — Hungen I 0:1. Beide Mannschaften standen sich auf dem Trieb gegenüber, Gießen mit Ersah, Hungen komplett. Nach Anstoß folgte ein ausgeglichenes Spiel, in dem die Schlußmänner beider Parteien manche kritische Sache klären mußten. Mit 0:0 ging es in die Pause. Nach Wiederanstoh war Hungen leicht überlegen, doch wurden alle sicheren Gelegenheiten ausgelassen. Erst in der letzten Minute gelang es dem Rechtsaußen Hungens, mit einer scharfen Flanke das siegbringende Tor zu erzielen. Vorher spielten Gießen Jugend — Klein-Linden Jugend. Hier gelang es unerträglicher werden und den Kranken körperlich und seelisch zugrunde richten. Schließlich bleibt dem verzweifelten Patienten nur noch übrig, sich auf dem Wege der Operation unsichere Heilung zu verschassem 1530 D Muh das sein? In den meisten Fällen: Nein! Denn Hämorrhoiden, rechtzeitig als solche erkannt und sachgemäß behandelt, können mit großer Aussicht auf Erfolg auch ohne Operation beseitigt werden. Neben peinlicher Sauberkeit muh eine geeignete Salbe zur Anwendung kommen. die die Knoten zur Schrumpfung bringt, die Schmerzen lindert, die Entzünden-en beseitigt. Die bewährte Humidon-Salbe verbindet den Vorstädtern, die Plahbefiher mit 2:0 abzufertigen. Duhbach I — Heuchelheim I 1:2. Butzbach hatte Heuchelheim zu Gast. Heuchelheim, das im Feldspiel überlegen war konnte bis Halbzeit zweimal ein enden. Rach dem Seitenwechsel tarn auch Butzbach merklich auf, doch reichte es zu keinem Erfolg. Auch den Gästen gelang es nicht mehr, den Schlußmann der Platz- bescher zu überwinden. Einmal nur gelang es Butzbach, den Batt zwischen die Pfosten zu bringen. Mit dem knappen l:2'Resultat trennten sich die Gegner. Vorher spielten die Iugendmannschas- t e n beider Vereine. Hier konnte die spielerisch bessere Jugend der Gäste ihren Gegner mit 4:0 abfertigen. Hungen I — Burkhardsfelden I 2:1. In flottem Spiel, in dem besonders die körperlich stärkere Mannschaft des Platzbesihers ihren schwächeren, aber technisch besseren Gegner hart anging, siegten die Plahbesiher mit dem knappen Resultat von 2:1. Handball. Sportfreuube Siegen gegen Polizei Remscheid 8:2. Remscheid ist westdeutscher Meister und muhte sich diese hohe Niederlage von dem einmalig durch Paulus (Wetzlar) verstärkten Siegener gefallen lassen. Paulus führte den Siegener Sturm und schoh allein vier Tore. m. w. Hauptversammlung des Hessischen Turnlehrervereins. Olm Samstag sprach in einer Versammlung des Hessischen Turnleh' erverems im Festsaale des Ludwig-Georg-Gymnasiums in Darmstadt der Vorsitzende des Deutschen Turnlehrervereins, Professor Dr. Altrock, Leipzig, über „Die Turnlehrerausbildung im Rahmen der gesamten Lehrerausbildung". Der Vorsitzende, Oberrealschullehrer L u l e tz, Darmstadt, konnte Gäste aus Preußen, Bayern und den anderen süddeutschen Staaten begrüßen. Hessische Behörden und Verbände hatten 03er- Ireier entsandt. Besonders begrüßt wurde: > OHini- sterialrat Glückert, Professor Dr. A l t r 0 ck und Direktor Vogt von der bayrischen Landes- turnanstalt. Dr. A l t r o ck führte u. a. anS: Der Turnlehrer muß eine lebensvolle Persönlichkeit sein. Früher schadete die Vernachlässigung des Körpers weniger, weil die Militärzeit diesen Fehler voll aufwog. Die öleberfchähung des geistigen Wißens muh verschwinden, die Gröhen des Geistes müssen auch körperlich Vollinenschen sein. Der heutige Turnunterricht erfordert nicht Uebepmitte- lung von Stoss, sondern Heranbildung von leistungsfähigen Menschen, von Persönlichkeiten, die zu handeln wissen, llntertoertigfeiten müssen beseitigt und Leistungen auf körperlichem Gebiet verlangt werden. Dem Schüler muß innerliches Feuer beigebracht und sein Innenleben bereichert werden. Dies geschieht durch Gymnastik, Sport und Spiele. Der Lehrer muh die Wirkung an sich selber erproben. Durch die Körperschule sollen Untertocrtigleitcn beseitigt und die verschiedenen Körper angeglichen werden. Der Turnlehrer muß den Körper kennen, um ihn in bestimmtem Sinne beeinflussen zu können. Die Kinder verlangen nach Leistung. Die Verschiedenartigkeit der einzelnen Spvrtzweige stellt hohe Anforderungen an den Turnlehrer, denn er muh auf einem Ocbieie die körperliche Ausbildung zu voller Leistungsfähigkeit durchführen können. Da die Turnspiele weit verbreitet sind, wird auch hierin beherrschende Kenntnis verlangt, ebenso ist es mit dem Wandern zur Pflege des deutschen Volkstums. Der Turnunterricht soll anspruchslosere und leistungsfähigere Jungens heranziehen. Dazu ist wissenschaftliche Vertiefung, medizinische Ausbildung, Kenntnis der Hygiene und Aesthettk notwendig, hinzu kommt noch das pädagogische Moment. Der Turnlehrer muh die leitenden Wege und die 3been kennen. Damit ist die Notwendigkeit der Ausbildung gegeben, der Turnlehrer soll die gleiche Ausbildung haben, wie seine Kollegen an den höheren und Volksschulen. Da die Schule des Heeres fehlt, hat er allein den Schah an Gesundheit zu übermitteln. Zum Existenzkampf gehört in erster Linie körperliche Ausbildung. Die Jugend soll im Vollbewuhtsein ihrer Kräfte den Kampf aufnehmen. Deswegen sollten die Länder sofort die Regelung in Angriff nehmen. Die AusKhrungen sanden allgemein Anerkennung und Zustimmung. Am Sonntag wurden Dereinsangekegenheiten erledigt. Die Aussprache über Turniehrerprü- fung, Besoldung und Anstellung in Hessen gab dem Vorstand wertvolle Anregungen. H. alle diese Eigenschaften in hervorragendem Mähe. Schon nach ganz kurzer Anwendung läßt das Jucken und Brennen nach. Damit ist schon viel gewonnen: denn fällt der Juckreiz fort, so verringert sich auch die Gefahr weitergetragener Insektioneir. Run erst kann der Heilung-Prozeh beginnen. Die Humidon-Salbe wird seit Jahren auch in verzweifelten Fällen gebraucht, und unzählige Kranke bezeugen, dah sie fast Wunderdienste geleistet hat. Olbct die Humidon-Kur ist keine Wunderkur, sondern das Resultat einer toi enschaftlich woh^- durchdachten Arbeit. In dieser Salbe sind alle Stoffe verMngt, die diese tückische Krankheit Höhe von 9,23 Mill. Mark und sirr Abschreibungen einschl. Sanierung verfügbar 54,77 Mill. Mark. Dieser Betrag verteilt sich wie folgt: Beteiligungen an Konzerngesellschasten im In- und Ausland 17,57 Mill. Marl, Grundstücke und Gebäude 0,34 Mill. Mark, Einrichtungen der eigenen Produktionsstätten und Theater 1,80 Mill. Mark, Bureaueinrichtungen 0.03 Mill. Mark, fertige und halbsertige Filme 33,23 Mill. Mark, Materialien (Manuskripte) 0,40 Mill. Mark, Schuldner 1,40 Mill. Mark. Die Sanie- rungsbilanz schließt ab mit 76,13 Mill. Mark gegen 118,26 Mill. Mark der Bilanz von 1525 26. Die Sanierung und die damit in Verbindung stehende vollkommene Reorganisation des Unternehmens ist seit Ende April v. 3. in vollem Gange. Diese Arbeit kann, was sich aus der Gröhe und Kompliziertheit des Unternehmens ergibt, das aus 130 Betrieben mit über 5000 Angestellten und Arbeitern besteht, noch nicht als abgeschlossen angesehen werden. Das endgültige Schicksal der Ufa dürfte im wesentlichen von dem Erfolg der Bestrebungen abhängen, die für die Existenz der gesamten deutschen Filmindustrie verhängnisvolle Lustbar.eits^teuer vollkommen zu beseitigen und durch Herstellung von Weltmarktfilmen größere Exporteinnahmen zu erzielen. Die Voraussetzung für die Erzielung größerer Exporteinnahmen sind eigene Ausland- und Llcberseeorganisationen, deren Aufbau befriedigende Fortschritte zeigt. Rindermarki in Gießen. Zum heusigen Rindermarkt waren 826 Stück Großvieh und 247 Kälber ausgetrieben. Es waren zahlreiche auswärtige Käufer erschienen. Der Handel war flott. Bezahlt wurden für ftüfje 1 Qual. 500 bis 600 Ml., Kühe 2. Qual. 300 bis 450 Wk., Kühe 3. Qual. 150 bis 250 Mk.. Rinder ein- bis zweijährig 160 bis 250 Mk.. Kälber 55 bis 60 Pf. je Pfund Lebendgewicht. Bessere Tiere wurden über Rotiz bezahlt. Krannurter Börse. Frankfurt a. M., 14. Febr. Tendenz: unsicher. — Die Börse eröffnet« in etwas freundlicherer Haltung, ohne daß jedoch im Vergleich zu den Vortagen ein etwas regeres Geschäft in Gang kommen konnte. Etwas Anregung bot die lebhaftere Nachfrage nach einigen Elektromer- t e n. Bei Festsetzung der ersten Kurse macht sich jedoch eine wachsende Unsicherheit bemerkbar, da der Aussperrungsboschluß des Metallindustriellen - )8er- bandes die Stimmung stark beeinträchtigte. Dann wirkte die Verzögerung in der Freigabeangelegen- hcit enttäuschend und schließlich schenkte man auch der unsicheren innerpolitischen Lage weiterhin starke Beachtung. Den Deckungskäufen der Spekulation standen daher kleine Abgaben gegenüber, so daß die Kursgestaltung nicht einheitlich war. Im allgemeinen blieben die Kurse behauptet, wobei nur selten über 1 o. H. hinausgchende Veränderungen eintraten. Gesfürel, AEG., unb Licht & Kraft lagen geringfügig höher, dagegen Siemens vernachlässigt und unverändert. 3. - G. - F a r b e n knapp behauptet. Don Freigabewerten gaben Nord- lloyd und Scheideanstalt je 1 v. H. nach. Von Mon- t a n w e r t e n lagen Rheinbraun 1 o. H. schwächer, sonst ergaben sich hier nur geringe Veränderungen. Zellstoff-Waldhof büßten den Gewinn der gestrigen Abendoörse von 2 o. H. wieder ein. Der Verlauf brachte kleine Kursschwankungen, die Umsätze blieben gering. Die Rentenmärkte lagen fast geschästs- 105. Einiges Interesse zeigte sich für Goldrumänen. Später wurde die Haltung etwas fester, und die Kurse zogen durchschnittlich 1 v. H. an. Am Geldmarkt hat sich die Nachfrage verstärkt. Taaesgeld stellte sich auf 6 v. H. 3m Devisenverkeyr notiert« Paris gegen London 124,02, Mailand 92,05, Madrid 28,65. Reichsmark gegen Kabel 4,1932, gegen London 4,1932. London gegen Kabel 4,87425. BerilNc. Börse. Berlin, 14. Febr. Die herrschende Unsicherheit in der innerpolisischen Lage, die zur Vorsicht mahnende Bewegung in der Metallindustrie und das weiterhin fast völlige Fehlen des Publikums machten sich auch heute vormittag in einer sehr starken Zurückhaltung der Spekulation bemerkbar. Auch zum offiziellen Beginn war das Geschäft fast umsatzlos. Ein erheblicher Teil der ersten Rotierungen, besonders der variablen Werte, mußte ausgesetzt werden. Trotzdem muß aber immer wieder betont werden, daß die Tendenz an sich recht widerstandsfähig ist und größere Veränderungen gegen gestern nur ganz vereinzelt eintraten. Höher lagen Berger plus 4,5 Prozent und Kunstseide plus 3 Prozent. Dagegen Spritwerte schwächer, besonders Schultheis minus 3,5 Prozent. Heimische Anleihen unverändert. Ausländer still, aber behauptet. Pfandbriefe umsatzlos. Am Geldmarkt macht die Erleichterung Fortschritte. Tagesgeld 5 bis 7 Prozent, Monats- Verkehrsordnung erfordert Mchis gehen! geld, 7 bis 8,5 Prozent, Warenwechsel 6,5 Prozent. Rach den ersten Kursen war dir Tendenz uneinheitlich bei zunehmender Lustlosigkeit, da eine Verzögerung der Freigabeangeleg:nheit be- iannt wurde. Spritwerte lagen 2 bis 3 Prozent schwächer. Später wurde die Stimmung wieder etwas lebhafter, doch änderte sich an den Kursen nur wenig. FrlNtkfurtLr Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 14. Febr. Tendenz: Die allgemeine (Stimmung ist etwas freundlicher. Die Preise sind unverändert, mit Ausnahme vom Mais, der etwas anziehen konnte. Es scheint, daß für spätere Termine etwas mehr Kauflust vorhanden ist. Es wurden notiert: Weizen 1. gut. gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 24.50; Weizen 2. gut. gesund, trocken, bis zu 3 Prozent Auswuchs 23,25 bis 23,50; Weizen 3, geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Prozent Feuchtigkeit 22.75 bis 23,25; Roggen 2A.50; Sommergerste für Brauzwecke 27.50 bis 30; Hafer, inländischer 23.50 bis 24.25; Mais (gelb) für Futterzwecke 22,50; Mais (gelb) für andere Zwecke 23,20; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 36 bis 36,75; Roggenmehl 33 bis 35 Letzte Nachrichten. Die neue hessische Regierung. Landtagspräsident Adelung zum Staatspräsidenten gewählt. Darmstadt, 14. Febr. (111. Eigener Dcahi- 1 bericht.) 3n der heutigen Sitzung des hessischen Land- \ tags wurde vom Adg. Ruß (Zentrum) der seitherige | Landiagspräsident Adelun (Main;) zum hessi- ■ schen Staatspräsidenten vorgeschlagen, von den ftom- 1 muniften wurde Abg. Gatm vorgeschlagen. Die ; Slimm;elielwahl ergab von 78 Stimmen 42 für I Adelung, 5 für den Kommunisten Gatm. Ferner wurden 19 weiße Zettel abgegeben. Zwei Stimmen waren zersplittert. Es wurde festgestellt, daß somit Adelung mit großer Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt worden ist. Adelung nahm die Mahl mit Dank an. Der Staatspräsident schlug darauf als neue Minister vor: den bisherigen Iuslizminister Kirn- berger (Zentrum) zum Minisle" der Finanzen und der Justiz, den Sozialdemokraten L e u s ch n e r zum Minister des Innern und den Reichs- und Landtngs- abgeordneten K o r e l l (Demokrat) zum Minister für Arbeit und Wirtschaft. Staatspräsident Adelung wird auch dem Landesbildungsamt vorstehen, fiirnberger, ftoreU und Lcuschner wurden bestätigt, folgenschwerer Felssturz im Taunus. 3 d st e i n i. Taunus, 14. Febr. (WSR. Drahtmeldung.) heute vormittag 6.45 Uhr wurden die Bewohner in den Gebäuden in der Rähe des Rathauses durch ein heftiges Getöse aus dem Schlafe geweckt. Der hinter dem Rathause sich erhebende hohe Fels, auf dem das Torbogengebände und mehrere alte Gebäude der Domänenverwaltung stehen, war herabgestürzt, und zwar in den Hof des Rathauses. Gewaltige Felsblöcke stürzten nach, insbesondere die Fachwerkmauern der fiskalischen Gebäude übten einen derartigen Druck auf die Hintere Wand des Rathauses aus, daß das ganze Gebäude etwa 20 Zentimeter nach der Oberen Gaffe vorgeschoben wurde. 3m Innern des Rathauses sind sämtliche Decken und Fußböden stark beschädigt, und der noch andauernde starke Felsdruck läßt befürchten, daß namentlich das u n t e r e S t o ck- werk des Rathauses vollkommen eingedrückt wird. Das Rathaus steht bekanntlich auf einem Bogen, unter dem die Straße Wiesbaden— Esch—Frankfurt a. M. hindurchführt. Die Fundamente dieses Bogens haben ebenfalls gelitten. Man versucht augenblicklich, mit umfangreichen Absprie- hungen das Gebäude zu erhalten. Ob dies bei dem gewaltigen Felsdruck.möglich ist, ist zu bezweifeln. Die Benutzung des Gebäudes in dem jetzigen Zustande ist ausgeschlossen. Schach-Ecke. •Bearbeitet von W Otba4). Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schach- redaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 148. Don E. Ferber. Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weiß: 8 Steine. KcS: Ddl; Te7;La3, d7; Seh ,d6; Bc2. Schwarz: 7 Steine. Kd5: Dd3; Tg5; Sei, d8; Ba6, d4. b l d 5 4 3 2 Weih. Schwarz, d e g____h Endspiel Nr. 51. Don E. Wiirscher, Wien. 8 6 3 3 2 4 n 8 7 6 5 4 3 g ■* Schwarz, b c d e 8^ i ■ Weih. Weih am Zuge erzwingt daS Remis. Weih: 3 Steine. Ke8; Ld3; Sh3. Schwarz: 3 Steine. Kd5; Le3; Bh2. Lösung d:s Problems Nr. 145. Don K. Laue. 1. Ddl -d4, c5xd4. 2. Le5-g7 matt. 1....., I.e3>-d4 2. Le5 - f4 matt. 1....., Db2xd4 2 Ta2xh2 matt. 1......Sc4xe5 2. Dd4xe3 matt. Richtige Lösungen zum Problem Rr. 144: Sy Ranz, Lletzhausen; zu Rr. 145: L. Herbert und Fr. Koch (Schüler), hier: zu den Rummern 143, 144 und 145; Sy Kappes, Langsdorf. Aus der Schachwelt. Internationales Turnier zu Berlin. Am 4. Februar hat in Berlin, anläßlich des hundertjährigen Zubiläums der „Berliner Schach, gesellschaff" ein internationales Meisterturnier begonnen, das als Teilnehmer folgende Ramen ausweist: Ahnes. Bogoljubow, Drinckmann, P. 2ohn«r, Leonhardt, Rimzowitsch, Reti, Sämisch. L. Steiner, ®. Stoltz, Tartalower; hierzu kommen noch drei Vertreter der „Berliner Schachgesell. schaff": Helling, D. Koch, Schlage. Nie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch. Zwei Gelegenheiten. „Lieber Mann", schüttelte der Arzt den Kopf. „Sie trinken zuviel Alkohol!" „Aber Herr Doktor", entgegnete entrüstet der Patient, „ich schwöre, ich trinke nur bei zwei Gelegenheiten mal etwas!" „So, wann denn?" „Run, einmal wenn ich Käse esse!" „Ra, und das andre Mal —" „Wenn ich keinen esse!" (Lust. Bl.) Literarische». Gelegentlich eines kurzen Aufenthalts in Agne- tendorf, dem Wohnsitz Gerhart Hauptmanns, konsultierte ich einen Barbier, der eine furchtbare Klinge schlug. Er hatte mir einen gehörigen Durchzieher auf der rechten Backe angebracht und tuplte daran mit einem Wattebausch herum. Dabei fiel mein Blick auf ein ganz kleines blutiges Fleisch- llümpchen, das vor mir auf einer weihen Unter» lasse lag. „Was ist denn das?" fragte ich den Bader. „O, das ist ein Stück von Gerhart Hauptmann," erwiderte der Wackere stolz. (Lust. Bl.) Dec Verbrecher. Als Max Halbe zur Premiere seines Drama- „Der Strom" in Berlin weilte, passierte ihm ein Mißgeschick: feine Stiefel waren ihm im Hotel gestohlen worden. Zu einem Einkauf war e8 zu spät, da die Geschäfte bereits geschlossen waren. Paul Schlenther übernahm es. Frau Halbe von der Verzögerung zu verständigen. Er telegraphierte nach München: Max an Abreise verhindert, da Stiesel gestohlen. Frau Halbe erregt aus München zurück: Bin tief erschrocken. Rehmt auf meine Kosten sofort Berlins besten Anwalt zu Maxens Verteidigung. Kinderspiele. Piepe schlug einst im Beisein seines dreijährigen Söhnchens einen Bildernagel in die Wand. Mit wohlgezieltem Hammerschwung traf er seinen linken Daumen, fluchte wie ein ungarischer Pferdeknecht, sprang vom Stuhl, fuchtelte mit der getroffenen Hand, hüpfte von einem Dein auf« andere und schnitt wütende Grimassen, als das Söhnchen sich vor Vergnügen auf dem Teppich kugelte. Seither -- wenn Piepe das Söhnchen fragt, was er mit ihm spielen solle — kommt prompt die Antwort: „Nägel einschlagen, Pappi!!!" (Lust. Bl.) Buntes Allerlei. Line sechsköpfige Familie verbrannt. Bei dem Brande eines Wohnhauses in Wcst- Philadelphia kamen in den Flammen sechs Personen, ein Ehepaar und vier Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren, die im Schlafe von dem Brande überrascht wurden, um. Ein fünftes Kind konnte gerettet werden. Es hat Brandwunden davongetragen. Das Haus wurde durch das Feuer vollständig zerstört. Man nimmt an, daß der Brand durch Explosion eines Petro- leumof« ns verursacht worden ist. Zwei Arbeiter von der Grubenbahn überfahren. In Spremberg gingen zwei Arbeiter der Grube „Brigitta" auf dem zur Grube führenden Schienenstrang der Grubenbahn. Hin einem ihnen entgegenkommenden Leerzug auszuweichen, betraten sie das leere Gleis. Der Leerzug war kaum vorüber, als sich ihnen von hinten ein Vollzug auf dem gleichen Gleise näherte, auf dem sie gingen. Der Lokomotivführer, der dauernd Signale gab, konnte den Zug auf dem starken Gefälle nicht zum Halten bringen. Auch von anderen Stellen aus wurden die beiden Arbeiter durch Signale auf die gefährliche Lage, in der sie sich befanden, aufmerksam gemacht, ohne daß sie diese Signale hörten. Der Zug crsaßte die beiden Arbeiter, überfuhr sie und richtete sie furchtbar zu. \ Gegen spröde Haut: 4 NIVEA-CREME X \ 11 X) wirkt sofort und gibt sammetweichen Teint Sdiadiidn zu 20. JO. 60. IW PI Tuben zu 60 und 100 Pt KurszetteS der Berliner und Frankfurter Börse. _________ Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdislont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. __x__ Frankfurt a. M Berlin graukfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Berlin. 13. ftebr 1 Kcld ftvanjötifdje "Jiotcn..... Holländische Roten . Italienische Noten..... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr., 5100 Kronen 10,532 168,44 22,22 111,28 59,00 2,575 112,24 80,51 71,13 12,39 73.06 —5 ran t für Auszad 16.592 169,12 22,30 111,72 59.24 2,595 112,68 80,83 71,41 12,45 73,36 ! a. W. l u n g. Schlutz. Kurs 5Ä Anfang Kurs Schlich- Kurs i ^U1)I* 1 Kurs Schnch ! Anfang Kurs 1 ßni- Schluh- Kur» ''Uhr. Kurs Schnch- Surs Anfang fitir» Datum: 13. 2. 14. 2. 13. 2. I 14. 2. Datum: 13 L | 14. 2. | 13.2. 114 2. Datum: 13. 2. | 14 2. 113. r. I 14. 2 Vie Dt R-ichsanleihe o. 1927 Di Anl ilblöf Schuld mit Auslos -Rechten Desgl. ohne Auslcs.«Rechten Vie Franks Hnv.-Bl. Go.dvl unkündbar bis 1932 W.% Rheinische Ppp -Bank Liqu -Eoidvs LEG abg Borkriegs-Ob ltgationen. rudioblbar 1932 ♦*'> Schweiz Bundesd.-Anl. 4°/o Orfterelchische Koldrtc 4,20°/, Oesterreich. Silbcrrte «"/o Oesterreich, cinbcitl. Rte 4% Ungarische Ciolbrlc 4°/o Ungarische Staatsr. v. 1910 4desgl von 1913 *®/o Ungarische Kronrnrte . 4"/. Turl. ^ollanlcihe v 1911 4% Türk Bagdadbabn-Anl Serie 1. 4°/< deSgl. Serk !l *®o Rumänen convcrt Rte 47«° o Rumänen Goldanl. von 1913 CUfl Dculiche Eisenbahn .4‘/t Hambura-Ämerila Pate, . t> vamb -Sudam Tamm sch > Hansa Tamr.sschiss e Norddeutscher fclctib f Lüg. Deutsche Ereditanft. ic Baern r Bankverein k * 51,9 15.95 93,5 81.6 84 95.75 4,13 25 13 24,75 13,13 13,1 5,5 16.5 152 156,5 145,5 1 1 15 1 1 । 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 III 87,5 52 15,9 25 - 1,65 13,3 13,75 13,4 16,65 210.5 217,75 155,75 143.65 146 269.25 175,5 230.25 161.a 158 159 208 126,75 >9a 7 j 7 8 Kß ~ £; i 32 l Ml 1 1 1 1 I 1 1 1 1 ' l i VS l A. E G.........7 Bergmann .......8 Elektr. Lieferungen . . . lo Licht und .straft . . . . io Selten & Guilleaume ... .6 (Scf f Elcttr Untern 10 Hamb. Elektr. Werte . . 10 Rbcin. Elektr. .... 8 Lchles. Elektr. . . . . 10 Schuaen 7 Siemens & öalste ... 16 Tran radio ..... 8 Labmever 4 Lo......9 Buder.S ü deutsche Erdöl......6 Essener Sieüikohle . . . .« tÄelsenktrchener f. */» I 4 öQibchtr 8 Voesch Eisen....... .5 iilie Bergbau ..... .8 Klöcknermerke..... . .5 Köln-Rcuessen ......S'„ .'Mannesmann f. '/, I. < 'JJZonS'tlbcr.....7 Oberschles Eisend. Bedarf 0 Lberschles ttokswerle . 0 Bbönir Bergbau r '/, I 3 Rbeinjsche Braunkohlen io yibeinfiQbi o Riebeck Montau . . .6 Bereinigte Stablw. f. */■ 9 3 Ctab! I' iuen i sh 166,7a 219.5 124 260,5 162 97,75 134 187 121 151,5 100 235 166 103 16? 219 75 124.25 261 - 285 — 130,25 - 2 - 120,13 151,75 3 99.25 2!»4 166,25 167 183 169 210.13 124,65 261 149 5 154 187 179 285 163,5 97,5 130 139 5 134.25 187,75 141.65 230,5 120.5 142.5 151.65 117 105,5 95.75 100 234.» 166 148 103,13 14 2^ 1 -»gj M 1 1 ‘'»S 1 III ‘<3$:; IMS! I 9^ » 'M 'V'O OO5> O lO S» CQ V Bblttvv Hofmann . ... 12 Heidelberger dement s ttement .lkaelstadt ... 8 Eavß L Sreitao lo LchultbelL Papenhofer. . 15 Ostwerke .....12 Ber. Glanzstost ... 15 Bemberg.......... Wellston Waldbof. . . . 12 Zcllitoss Aschafseobnra 10 Charlottenburger Wasser 7 .' esiauer GaS . . 8 Daimler Motoren.....0 Demag ...... 0 Adlcrwerke «lever. .... 0 l'nbto. Loetrr .... le Rat. automobil ... 6 Crrnfhta & Äovvel . . . . a Linke Hofmann .... 0 Leonhard Tiev . . . . < Bamaa- >"eg»in ..... 0 Franks Maschinen .... 0 (S)riBnet ..... 7 Hevliaenskaedt ...... 0 Iungband ...... t Lcchwerke ...... 8 Mainkraftwerke ...... 8 Miag ....... 10 Nekarluttner ....... . 8 Meters Union . ...... x ®cbt. Roeder ...... 10 2'mgt jt Haeffner .... 6 Hüdd Zucker . . v Van 139,25 136.75 180 170 - - 71.5 131 * 29 86 117 HO 99 109,5 HO 177,5 140.5 knoten. 5 1 1 1 1 1 Tel 1 1 1 1 1 1 1 1 V 1 g. 1 1 1 & 1 1 | | £.111 138.25 373.5 281,75 575 443 249,5 127,4 173.5 88.25 65,25 77 253.5 98 138 201 26.25 71.5 130 85 : 138.5 100 111 179,25 141 iSlIlllllllll^lSlISI 1 aöocooeS 1 1 1 1 Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Roten....... Spanische Roten....... Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Roten - . ■ Sebifemnarü Berlin Telegraphifche 13. Jebr. 14. Febr. Amtliche Rotüruna toelb Brief Amtliche Notierung Geld Briet Amst^ Rott Buen.-Akres Brss.-Antw Cbrtstiania Kopenhagen StoUbolm ■ HclnngforS. Italien. . . London. . . Reuvork . . DartS ... Schweiz .. Svaaien ■ Japan . • Rio de Jan Wien tn D.- C eft. abgeft Prag . 168,68 1.791 58,32 111,49 112,19 112,47 10,552 22,195 20,425 4,1900 16,46 80,60 71,16 1,961 0,503 •>8,985 12,417 169,02 1,795 58,44 111,71 112,41 112,69 10,572 22,235 20,463 4,1980 16,50 80,76 71.30 1,963 0,505 "9,105 12,437 7,378 73,34 3,038 13,62 81,78 2,127 5,556 4,188 4,284 20.987 168,59 1,791 58,325 111,48 112,16 112,43 10,547 22,19 20,419 1,1905 16,465 80,555 71 28 1,962 '1,5035 b9,00 12,417 168,93 1,795 58,445 111,70 112,38 112.65 10,567 22,23 20,459 4,1985 16,505 80,715 71,42 1,966 0.5055 39,12 12,437 7,376 73,34 3.033 19,52 81,78 2,126 5,606 4,189 4,284 30.983 Berliner Handelsgesellsch. 12 Lommerj- und Privat-Bk ti Larmch u. Ranonalbank U Dcnliche Bank io Dislvnto-Gesellschas' Am 10 Dresdner Bank lu vitttelbeutichr Kreditbank 9 weiallbank.........8 «etch-bank ...... U 175.5 230,75 161 5 158,5 159 126 195 176 2 158,75 126 195 statt Aschersleben 10 stali Westeregeln 10 staliwerk Saljdctfnrtb 12 •t G Fardcn-Jndustrte 10 Dvuam't Nobel .... 0 Scheid, anstatt • . .... .8 Goldschmidt . ..... .5 RutgerSwertr ......o Mc'allgeseltt chatt . . . to 172 182 59 5 204.5 112 97,75 — 259 203,75 97,75 172.75 182,25 249 259.25 127 (12.5 97,25 259,5 126 113 98 140 Beizrad Budapest. Bul-> arten Lissabon Danzig Äonftcjittn. Athen. . . Lanada llra uav • 1*8 ■ i ,364 73,20 3,032 13,58 81,62 2,121 5,544 4,180 4,276 20.947 Berlin. 13 Febr | ^elD 1 Briet Amerikanische Roten..... Belgische Raren...... Dänische Noten ...... Englische Noten ...... 4,174 58,26 111,95 20,389 | 4,194 58,50 112,39 I 20.469