Ur. 292 Trftes Blaff 178. Jahrgang Mittwoch, 12. Dezember *928 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener FamiliendlStler Heimat im Bild Die Scholle. Bqagsprels für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger* lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer (Ben:alt Fernsprechanfchlüsse: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: frranffurtam Main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrnSvndVerlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch- und Zteindruckerei «.Lanze in Sietzen. Zchriftlettnng und Geschäftsstelle: Zchnlllratze?. Annahme von Anzeigen für die Tagcsnurnrner bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 n m Breite 25 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20u , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Die Flamensrage. Don unserer Berliner Redaktion. 3n Antwerpen ist bei einer Ersatzwahl zwn belgischen Parlament der bekannte Flamenführer Borms mit außer ortenÜichcr Mehrheit gewählt worden. Dies« Mahl ist an sich ungültig, weil Bonns im Gefängnis fitzt und der bürget- ikben Ehrenrechte en Leidet ist. Er war sogar tum Tode verurteilt und erst nachträglich zu einer langjährigen Freiheitsstrafe begnadigt toorten. Diese Mahl hat eine erhebliche politische Bedeutung, gerate weil sie zunächst nur eine politische Demonstration ohne praktische Mirkung tarfteHt. Denn sie zeigt, daß der flämisch« Teil ter Bevölkerung Belgiens, daß vor allem die Mehrheit in ter zweitgrößten Stadt des Landes, in der wichtigsten Handelsmetropole, mit dem Kurs unzufrieden ist, der in der flämischen Frage gesteuert wird. Dieser Kurs hat am 6. d. M. zur Annahme einrr Amnestie der F'amensührer in ter belgischen Kammer geführt. 10 Jahre nach Kriegsende sind die Männer, die wegen ihrer Beziehungen zu Deutschland oder zur deutschen Besatzung als Hochverräter verurte.lt worden waren, endlich einigermaßen r.'habi itiert, aber ihre bür- gerlichen Ehrenrechte sollen ihnen nach diesem Ämne'tieenlwurf nur von Fall zu Fall und nach einer blonderen Enlsch idung eines eigens dafür zu schaf enden Ausschusses zurück^egelen werten. Ter Borwurf, ter gegen diese Männer, zum Teil OHänner in leitender und bedeutender Stellung vor dem Kriege, erhoben wird, stützt sich einerseits auf ihre Bestrebungen zur L ö s u n g F l a n - derns aus tem sranzösisch-va lor.i.chen und zu seinem An cklluß an das niederländische Gebiet, ilnb anter rs itS auf die Einvernahme mit den deutschen Behörden, um während des Krieges diese Verselbständigungsaktion, de unter Ümständen auch zu einem unabhängigen Flandern führen sollte, durch die Annahme von Anterstühunzsgeltern für diese Bewegung seitens der deutschen Aegiemmz zu för- tern. Datei ist es tem Grade nach verschieden, nicht unbedingt auf eine Loslösung aus tem belgischen StaatSiörper abgesehen gewesen, sondern vielfach nur auf eine Autonomie Im Rahmen Belgiens. Man wird es durch ruS verstehen, daß man in ter ersten Zeit nach tem Kriege, als man dessen tragische Konsequenzen übersah, in Buchen mit diesen Männern scharf ins Gericht ging, die sich im Interesse eines eigenen Staats- Ideals aller gegebenen Mittel, also auch ter Verbindung mit dem dermaligen Kriegsgegner bedient hallen. Aber es sind in der Zwischenzeit überall, als man eine ruhigere Beurteilung ter Dinge vornehmen konnte, für derartige politische Vergehen oder Irrtümer weitestgehende Am- nestien erlassen toorten. Lind es ist eine reichliche Strafdauer, wenn manche der flämischen Aktivisten jetzt schon 1 0 Jahre unter demDteum bestraften Hochverrats stehen. Das Gesetz, das sie amnestiert, war deshalb hoch an ter Zeit, auch zur Beruhigung der flämischen Bevölkerung, deren Staatsgcfinnung durch die Verfemung ihrer Führer nicht gerate gestärkt worden ist. , Daß die vollen bürgerlichen Ehrenrechte nut tem bevorstehenden Erlaß der Freiheitsstrafen nicht ohne weiteres wiederoerliehen werten sollten hat zu der sehr eindrucksvollen Mahnung von Airtwerpen geführt. Ob sie in Brüssel gehört werden wird, steht einstweilen dahin. Denn trotz des gefunden realpolillschen Sinnes des belgischen Bolk.s zeigt dieses immer wieder und nicht nur in der Flamenfrage meh" als andere ein Festhalten an Eindrücken und Stimmungen ter Kriegszeit, das nachgerate nun doch überwunden sein sollte. Die Einberufung des Gachverständlgenausschusses. Der deutsche Botschafter bei Poincars. Paris, 11. Dez. (ÖIB.) Ministerpräsident Poincarö hatte heute Botschafter v. hoesch um einen Besuch gebeten, um mit ihm die Besprechung über die Einsetzung des Sachverskändigenaus- schusfes für die Reparationsfrage fortzusehen. 3n der Unterredung, die daraufhin heute nachmittag stattfand, und die eine Stunde dauerte, wurden die noch ausstehenden Fragen einer eingehenden Prüfung unterzogen. Die Unterredungen werden fortge- srht werden. Ein Schriftstück wurde dem Botschafter nicht übergeben. ♦ Der „Temps" berichtet, daß die Verhandlungen zwischen den Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und Japans über den einzu- segenden Sachverständigenausschuß zur endgültigen Regelung der Reparal onsfrage vor dem Abschluß stehen. Nach dem Blatt könne eine Einigung über folgende Punkte als erzielt angesehen werden: 1. Die Finanzsachverständigen werden unab hängig sein, wie es van Deutschland verlangt wird, d. h. sie werden nicht Beamte sein, sondern hochstehende Persönlichkeiten, die wegen ihrer Sachkenntnis ausgewählt werden. Die sechs Regierungen, die in dem Ausschuß vertreten sein werden, werden ihrerseits ihre Unabhängigkeit bewahren und nicht notwendigerweise durch die Beschlüsse des Ausschusses gebunden sein. 2. Jedes Land wird durch zwei Sachver- ständige vertreten fein, Frankreich durch den Der Völkerbundsrai greift im födamerikamschen Konflikt ein. Ein Brief Briands. Allgemeine Empfehlungen. Lugano. 11.Dez. (IBB.) An die Regierungen von Bolivien und Paraguay ist nach einer amtlichen Mitteilung des Völkerbündesekretariats, die heute abend 17 Uhr bekannt gegeben wurde, vom Völkerbundsrat folgendes, von B r i a n d in feiner Eigenschaft als amtiereuter Ratspräfident unterzeichnetes Telegramm gesandt worden: „In meiner Eigenschaft als amtierender Ratspräsident beehre ich mich, Ihnen folgende vorn Völkerbundsral in seiner heutigen Sitzung einstimmig angenommene Entschließung zu übermitteln: Der in Lugano zu seiner 53. Tagung versammelte Völkerbundsrat spricht seine volle Zuversicht aus, daß die Zwischenfälle, die zwischen zwei Völkerbundsmitgliedern soeben entstanden sind, sich nicht verschärsen werden. (Er bezweifelt nicht, daß die beiden Staaten die durch ihre Unterzeichnung des Völkerbundspaktes sich seierüch verpflichtet haben, die Lösung von Streitigkeiten, die zwischen ihnen sich ergeben sollten, aus friedlichem Dege zu regeln, zu Maßnahmen schreiten, die in Ueber- einslimmung mit ihren internationalen Verpflichtungen und unter den gegenwärtigen Umständen als die empfehlenswertesten erscheinen, um zur Aufrechterhaltung des Friedens eine Beilegung ihres Streitfalles zu erzielen." Kriegsstimmung in Bolivien. Reuhork, 11. Dez. (WB.) Die bolivianische Gesandtschaft veröffentlichte eine Erklärung des Inhalts, daß die Lage in Bolivien weiterhin ruhig sei und daß die Regierung Dor- kehrungsmaßnahmen ergriffen habe, jedoch seien die Reserven nicht mobilisiert Worten. 3n vielen Landesteilen finden Massenversammlungen statt, in denen der Haltung der Regierrmg im Konflikt mit Paraguay begeistert zugestimmt toi .b. Die Verwaltung wird von zahllosen Freiwilligen, die ihre Dienste anbieten, bestürmt. 3n Trinidad tourte ein Fvei- Willigen-Regiment von 1000 Mann zusammengestellt, das um seine sofortige Entsendung an die Grenze ersuchte. Diele Aerzte, Lehrer und Frauen haben sich der Regierung zur Verfügung gestellt. Auf her panamerikanischen Konferenz. Bolivien lehnt die Vermittlung ab. Washington, 11. Dez. (MTB.) Die bolivianische Regierr-ng hat das Staatsdepartement davon in Kenntnis gesetzt, daß sie eine weitere Beteiligung an ter gegenwärtigen Panamerikanischen Konferenz, die tekannt.ich einen Ausschuß zur Prüfung des Konfliktes zwi- schen Bolivien und Paraguay eingeetzt hat, ab • lehnt. Dem Ausscheiden der bolivianischen Delegation aus ter Panamerikanischen Konferenz ging die äleberreichung einer Rote durch den bolivianischen Gesandten Diaz te Medina voraus, in der erklärt wurde, Bolivien könne keinerlei Formel zur freundschaftlichen Beilegung des Streites mit Paraguay auf der Kon erunz besprechen, ehe Paraguay für die Doll ien zugefügte Be eiill;ung moralische Genugtuung geleistet habe. Siehr Ent chmß Boliviens sei jedoch lein Hindernis, daß Bo.ivien späterhin etwaigen Befchlli sen der Konieren; bei reten werte. Saats- se.retär Kellogg gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Konferenz den Zwist in sehr kurzer Zeit beilegen werte. Die Delegation von Paraguay nimmt weiter an ter Konferenz teil. Die Blätter vermuten, daß Argentinien, daS vor tem kürzlichen Zusammenstoß zwischen I ten beiden Staaten um eilte Vermittlung bemüht war, Bolivien zum 'Verlas en ter Washingtoner Konferenz geraten haben dürfte. Nach einem soeben eingetroffenen Funkspruch aus Lima (Peru) teille der bolivianische Gesandte dem dortigen Vertreter der „Associated Preß" mit, daß er vom bolivianischen Minister des Aeußern telegraphisch von dem Beschluß Boliviens in Kenntnis gesetzt worden sei, an der gegenwärtig in Washington tagenden Panamerikanischen Konferenz wieder teilzunehmen. Dieser Beschluß geht vermutlich darauf zurück, daß der aus Vertretern der Panameri' konischen Konferenz gebildete Ausschuß, der die Frage von Schlichtungsmaßnahmen zur Beilegung des bolivianisch-paraguayischen Streitfalles prüfen soll, beschlossen haben soll, sich in die Arbeiten der bolivianisch-paraguayischen Kommission nicht einzumischen, die in Buenos Aires über die Grenzregelung in dem Gebiet verhandelt, wo sich der Zwischenfall wegen des Forts Vanguardia ereignet hat. Eine Verschwörung gegen Hoover entdeckt. Bomverianschlag in Buenos Aires geplant. Buenos Aires, 12. Dez. (WTB. Funk- svruch.) Präsident Irigohen vcrösfent- lvchte eine Erklärung, in ter es heißt, geheime Rachforschungen ter Polizei hätten in einem Hause in der Estombastrahe zur Auffindung von Ein Bries Litwinows. # o m n o, 12. De;. (I1L) Die Sowjetpresse ver- össentlicht ein Schreiben Litwinows an den Vorsitzenden der Vorbereitenden Abrüstungskommission, Loudon, vom 5. Dezember. Litwonow weist darin darauf hin, daß er auf Grund des Beschlusses der 5. Kommissionstagung, noch vor der allgemeinen Abrüstungskonferenz eine weitere T a - g u n g abzuhatten, am 20. August angefragt habe, aus welchem Grund diese Sitzung nicht e i a beruf e n worden sei. Loudon habe geantwortet, daß die Einberufung der 6. Tagung der vorbereitenden Abrüsiungskommission feiner Meinung nach vor der Völkerbundstagung wenig Zweck hätte. Litwinow erklärt weiter, es sei ihm bekannt, daß die Völkerbundstagung eine sehr unbestimmte Entschließung angenommen habe, in der der Vorsitzende der Vorbereitenden Abrüstungskommission aufgefordert worden fei, mit den interessierten Mächten in Fühlung zu bleiben, um noch Ende dieses Jahres die 6. Kommissionstagung einzuberufen. Somit wäre die Einberufung vom Ausgang der diplomatischen Geheimverhandlungen einzelner Mächte abhängig gemacht worden. Die Sowjetregierung sei der Meinung, daß die Tagung sofort einberufen werden müsse, um wenigstens die Gründe der Erfolglosigkeit der Kommifsionvarbe'.ten feststellen zu können und neue Wege für einen normalen Verlauf ihrer Arbeiten zu suchen. Rußland und die Mächte. M o s k a u, 10. Dez. (WB.) Im Zusamenhang mit tem Schicksal der sowjetistijchen Abrüstungspläne er- innerte Litwinow in seinen im Zentralexekutio- komitee der Sowjetunion gehallenen Referat über die internationale Lage an seine schriftliche Anfrage vier Handgranaten, zwei zylindrischen Bomben, einer viereckigen Bombe und ferner einer Menge von Dynamitrevolvern, automatischen Pistolen und Munition geführt. Die Polizei gibt an, sie hätte bei dieser Haussuchung ferner einen ausgearbeiteten Plan den Eisenbahnlinien gefunden und glaube, di« Verschwörer hätten geplant, unmittelbar vor der Ankunft des erwählten Präsidenten der Bereinigten Staaten, Hoover, die am Donnersiag- nachrnittag zu erwarten ist, Bomben auf den Schienenweg zu legen. Zwei junge Männer tourten verhaftet. Es wird ferner angegeben, daß 1500 Mann ter Garte abkommandiert wer- ten, um einen bes on deren Dienst zur Sicherheit Hoovers auszuüben. Bis in die heutigen Abendstunden war die Botschaft ter Vereinigten Staaten noch nicht im Besitz von Einzelheiten der von der Polizei aufgedeckten Verschwörung gegen Hoover. Es ist jedoch bekannt, daß die Polizei seit einigen Tagen einige als Gegner ter Vereinigten Staaten bekannte Personen überwachte, besonders diejenigen, die bei früheren Demonstrationen hervorgetreten waren, so besonders bei den Kundgebrrngen gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti und gegen die Interventionen ter Vereinigten Staaten in Ricaragua. Seit dem Bombenanschlag auf die hiesige Filiale ter Rational City Danc os Reu- hork am Heiligen Abend vergangenen Jahres, bei dem zwei Personen getötet wurden, hat die Polizei die amerikanische Botschaft und den De- sch von Amerikanern sorgfältig zu schützen gesucht. im August an den Vorsitzenden der Abrüstungskom. Mission über den Termin der Einberufung der Kommission. Er habe in seinem Schreiben an den Vorsitzenden der Kommission den Vorschlag gemacht, die bisherigen Wege, die die Kommission lediglich in eine Sackgasse führen, aufzugeben und zu einer Prüfung der fowietistischen Teilab- rustungspläne zu schreiten, die den Vorzug haben, ein allgemeines bindendes Kriterium für eine Herabsetzung der Rüstungen zu suchen und Sonder- Verhandlungen zwischen einzelnen Staaten oder Staatengruppen unnötig und überflüssig machen. Es ist, sagte er weiter, für die imperialistischen Länder nicht angängig, einzugestehen, daß sie nicht a b r ü ft e n wollen. Deshalb zweifeln sie die Auf- richtigkeit unserer Vorschläge an. Wären die Mächte wirklich von unserer Unauf- richtigke't überzeugt, so hätten sie. um diese aufzuteaen, unseren Vorschlag wenigstens zum Schein annebmen sollen. Das aber tetm sie nicht, weil sie die Gewagtheit eines solchen Schrittes erkennen, äilebrigens hat Poincare durch eine Aeußerung im Parlament einen solchen gewagt,m Schrill getan. Menn Po'mearls Vorschlag ernst und aufrichtig ist, so braucht er nur vorzu- schlagen, sofort eine vorbereitende Ab- rüstungskvmmission einzuberu fe r, und im Rainen ter Sowjetunion verpflicht? ich mid) feierlichst, unseren Vorschlag nochmals -u toiederho ea und u.is in beliebiger Form zur Auflösung der Roten Armee gemäß unseren Paklvorschlären bereiten klaren. Unter Bezugnah ne au die j. ngsten FnierviewsBriands erflärLe Litv.iwto, de Sowjetregierung tourte keine Arn.ee benötigen, wenn die anderen Re ie- rungen ihre -'teere au lösten. Briands Behauptung, die Rcte Armee wachse schneller als die Heere anderer Staat m, wies Litwinow als unrichtig zurück. Er führte Berg'e.chszahlen über die Heere der Sowjetunion und Frankreich an und wies daraus hin, daß Frankreich kein mächtiges deutsches Heer gegen sich Moskau fordert Einberufung der Abrüstungskommission. Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, und den Professor an der Sorbonne, A11ix. 3. Die Sachverständigen werden, wie es in tem Kommunique vorn 16. September ferftgetegt Worten ist, von ihren Regierungen bestimmt werten. "Aber die Sachverständigen, die von ten fünf alliierten Regierungen ausgewählt werden, teerten von der Reparationskommission gemäß dem Präzedenzfall vom Jahre 1924 ernannt werten. Dis deutschen Sachverständigen werden je nach tem Belieben ter Berliner Regierung von der Reichsregierung oder der Kriegslaftenlommission ernannt werden. 4. Die alliierten und die deutschen Sachverständigen werden in tem Ausschuß auf dem Fuße der Gleichheit stehen. 5. Die Bereinigten Staaten werten aufgejordert werden, sich in dem Ausschuß vertreten zu lassen. Die Ei"lodang wird von ter Reparationskommission ausgehen. Die amerilanischen Sachve ständigen werten nicht ein ofsizi.lles Mandat haben. Sie werten von der 'Reparationskommission ernannt werden. 6. Der Ausschuß wird nach Paris einberufen werten. Er wird seinen of.iziellen Tagungsort selbft wählen. 7. Das Mandat des Ausschusses wird definiert werden. Die Sachverständigen werden d i e Zahl der Annuitäten, die Deuifchland zur Begleichung seiner Reparalionsschulten zu leisten hat, festsetzen und außerdem ein Programm für die Kommerzialisierung ter deutschen Schulten aufsehen - 8. Der Bericht des Ausschusses wird an die Reparationskommission weiergelli.et werden, die die Regierungen damit befassen wird. Eine Rheinlanökundgebung verboten. Protest der Reichsrcgierung. Berlin, 11. Dez. (Priv.-Tel.) Die Desatzungs- behörde hat die Kundgebung der Ludwigshafener Bürgerschaft aus An aß ter zehnjährigen Be,etzungsdauer verboten. Der Minister für die besetzten Gebiete hat bei ter Internationalen Rhein.andlo.umll ion sofort Vorstellungen dagegen erhob.n. Eine Antwort steht noch aus, die Angelegenheit wird aber von tem Reichsminister für die besetzten Gebiete nachdrücklich weiterverfolgt. Im Reichslagsaus- schuß für die besetz en Gebiete ist heute vormittag die Angelegenheit besprochea toorten_ und die Kundgebung der Ludwigtzhafe ec Bürger chaft durch Mini,ter v. Guärard verlesen worden. Man war sich darüber einig, daß nach Inhalt und Wortlaut die nötigen Rücksichten genommen waren und daß somit eine Deran- lasstng zu dem Einschreiten der Deiatzungsbehör- ten nicht gegeben war. Die Bluttat von Karlshorst. Ter mutmaßliche Messerstecher verhaftet. B e rlin, 11. Dez. (T. AL) Die Rachforschungen des Derli.ler Polizeipräsidiums nach dem Messerstecher, der bei der Karlshorster Kommunistendemonstration am letzten Sonntag den Referendar Günther Schaffer tödlich verletzt hat, führten am Dienstag zur De rhaftung des mutmaßlichen Täters. Es handelt sich um ten neunzehnjährigen Tischler Herbert Meyer aus Lichtenberg, derMi t- glich des kommunistischen Jugend- Verbandes ist. In seinem Besitz fand man einen Dolch, der Blutflecke aufwies, ferner eine blutbefleckte Windjacke, so daß der dringende Verdacht besteht, daß Meyer den tödlichen Stich an dem schon am Boden liegenden Schaffer verübt hat. Der Verhaftete hat bisher zwar jede Teilnahme an dieser Bluttat bestritten, gibt aber zu, an ter Demonstration in Karlshorst teilgenommen zu haben. Bezeichnenderweise entschlüpfte ihm auch, als ihn die Beamten festnahmen, die Aeußerung: „Ra, das ging ja rasch. Am Sonntag ist es passiert und heute bin ich schon verhastet!" Im Laufe deck heutigen Dienstags wird Weyer den Augenzeugen der Tat, insbesondere den Bewohnern des Hauses, in dessen Flur Schaffer überfallen wurde, gegenüber gestellt werden. &abc irnv gemäß Sem Oocdnwwrteag Ser litt* terstützung Großbritannien- sicher fei. ganz abgesehen von den BertragSverpflichtungen der Tschechoslowakei. Rumäniens und Polen- gegenüber Frankreich. Demgegenüber könne Sie Sowjelregferung mit keinerlei militärischer Unterstützung rechnen. Sodann behandelte Litwinow die Beziehungen der Sowjetunion zu Polen und Rumänien. Richt die Frie- denspvliri-k der Svwjet.mion gebe Grund zur Besorgnis, sondern die ständigen Beratungen zwischen den Generalstäben dieser beiden Länder und tfyt lebhafter Verkehr mit französischen Militärkreisen. lieber die Beziehungen der Sowjetunion zu Großbritannien führte Li'.wtnow u. a. aus. wenn die englische Regierung durch den Bruch mit der Sowjetregierung diese in eine solche Lage bringen wollte, daß sie sich neuen Bedingungen füg n. daß ihr Prestige im nahen Osten leiden und sie in völlige 2 solierun g geraten müßte, so sei jetzt festzustellen, daß von diesen Absichten nichts erreicht worden sei. Materiell habe die Sowjetunion durch den Bruch weniger gelitten als England. — Litwinow wies dann auf den freundschaftlichen Charakter der Beziehungen zu Deutschland hin. Dte gegenwärtig in Moskau stattfindenden deutschsowjetrussischen Verhandlungen zeigten den beiderseitigen Willen zur Fortsetzung und zum Aus- bau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit bei voller Berücksichtigung der politischen und wirtschaftlichen Besonderheiten der beiden Länder. — lieber die Beziehungen zu den Ve reinigten Staaten äußerte sich Litwinow sehr zuversichtlich. So befriedigend gegenwärtig die Wirtschaftsbeziehungen auch seien, so würden sie um ein Mehrfaches wachsen, wenn zwischen beiden Mächten offizielle Beziehungen bestunden. Oer Prinz von Wales in London eingetroffen. London, II.Dez. (WTD.) DerPrinzvon Wale« ist in Begleitung des Premierministers Baldwin, der ihm nach Folkestone entgegengereist war. heute abend kurz nach 10 llhr hier erngetroffen. Dor dem Bahnhof hatte sich eine gewaltige Wenge angesammelt; ein starke- Polizeiaufgebot sorgt« für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Der Empfang in London war ganz kurz und ohne jede« Zeremoniell. Auf dem Bahnhof wurde der Prinz von feinem Bruder, dem Herzog von Vork begrüßt. Eine Reihe anderer Persönlichkeiten hatte sich noch auf dem Bahnhof eingefunden, doch bestieg der Prinz foioct sein bereitstehendeS Auto und fuhr unter starkem Beifall der vor dem Bahnhof wartenden Menge nach dem Buckingham-Palast. Der Prinz stattete heute abend dem Äönig einen furzen Besuch ab. Seit dem letzten ärztlichen Bulletin ist in dem Besinden des Königs eine leichte Wendung a u r Besserung ein- aetreten. Die Blätter begrüßen in Leitartikeln die Ankunft des Prinzen von WaleS In London. „Times" betont, daß der König auch im besten Falle vorläufig nicht imstande sein wird, die mit feinem hohen Amt verbundenen Arbeiten wieder aufzunehmen, und daß daher der Prinz berufen ist. in dec nächsten Zeit ein« größere Rolle im öffentlichen Leben Englands au spielen. Wie berichtet wird, halt« der König fein« Kenntnis von der bevorstehenden Rückkehr des Prinzen gehabt. Er erkannte ihn aber sofort, als er im Krankenzimmer erschien, und begrüßte ihn. Hetze geoen die deutschen Minderheitenlehrer in Ostoberschleflen. Polnische Ablenkungsmanöver. K a t t o w i tz. 12. Dey. (TU.) Degen die deutsche Lehrerschaft an den deutschen Minder- heitenfchulen wird von der polnischen Presse augenblicklich eine wüste Hetze getrieben. Die Schulabteilung der Woiwodschaft will festgestcllt haben, daß die deutschen Lehrkräfte a u s V o l k s- bundm titeln für die .parteiische" Hetzarbeit, tote die polnischen Zeitungen schreien, finanzielle Unterstützungen er alt n hätten. Es sollen bereits 2JJ deutsche Lehrer protokollarisch vernommen worben sein. Die zur Vernehmung Destel.ten w-rden wie Spione behandelt. Man stellt an sie die Frage, weshalb sie noch nicht polnisch sprechen, weshalb sie ins Ausland nach Deutsch Ober- fchle ien fahren usw. Die ganze Aktion soll offenficht.ich dazu dienen, dem Völkerbund, auf des en gegenwär.iger TagungZordnung toi.^ec mehrere deutsche Schulbeschwerden aus Ofto?er- fchle ten stehen. Glauben zu machen, daß die deutschen Minderheiten in Polen staatsfeindliche Tätigkeit betreiben. Die polnischen fenfatlonellen Behauptungen sind Phantasien. Weder vom Volksbund noch von der preußischen Regienina Huben die deutschen Lehrkräfte in Polnisch-Oberschlesien jemals irgendwelche Gelder erhllten. Lediglich die Verbände der deutschen Lehrerschaft In Deutschland haben durch Umlagen versucht. Mittel einzusammeln, um gelegen.lich ihren schlecht bezahlten und im Interesse des deutschen Volkstums schwer leidenden Berufskollegen In Ostoberschlesien Beihilfen zukommen zu lassen. Umgekehrt werden dagegen die polnischen Leh- re r in Deutschland unmi telbar vom polnischen Staat mit Geldmitteln zu polnischen Propagandazwecken versehen. Die deutsche Minderheit kann mit ruhigem Gewissen die neuerdings gegen sie erhobenen Anschuldigungen, die nichts als polnische Ablenkungsmanöver sind, zurückweisen. Berufung ins hessische Innenministerium. WSN. Da r m st a d t, 11. Dez. Wie wir hören, ist der bisherige Sekretär der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Carlo Mierendorf vom hessischen Minister des Innern (zur Bearbeitung von Presseangelegenheiten) in sein Ministe- rium berufen worden. Mierendorf ist geborener Darmstädter und war früher eine Zeitlang als Redakteur am Darmstädter „Volksfrcund" tätig. Stegerwald legt den Zraktionsvorsih nieder. Berlin, 12. Dez. Der „Deutsche" meldet: Der Vorstand der Reichstagsfraktion des Zentrums tritt heut« nachmittag zusammen, um die R « u w a h l des Schweres Flugzeugunglück auf der Strecke Berlin — Köln. Der Apparat bei einer Zwischenlandung verbrannt. — Drei Tote. Ein Passagier wird vermißt. Berlin, 11.(WB.) Das auf dem Jluge von Köln nach Berlin befindliche Flugzeug D 1473 mußte aus bisher unbetannlen Gründen bei Leh- lingeo eine Zwischenlandung vornehmen. Dabei wurde die Maschine schwer beschädigt und verbrannte nach der Landung. Der Passagier blieb unverletzt. Die Besatzung, bestehend au» dem Flugkapilän Dörr, dem Bordmonteur Müller und dem Funker Orgel, kam ums Leben. Zu dem Flugzeugunglück meldet eine florrefpon- denz. Kurz vor 6 Uhr abends sahen die Bewohner von Letzlingen, wie aus dem in höhe von etwa hundert Meter über dem Ort treibenden Flugzeug, besten Motorengeräusch ganz ungewöhnlich klang, plötzlich eine hohe Stichflamme heraus,'chlug. 3m nächsten Augenblick neigte sich das Flugzeug In steilem Winkel zur Erde, und eine Sekunde später ertönte vom Ausgange des Dorfe» ein fürchterliche» Krachen. Da» Flugzeug war auf den Boden aufgeftohen, wobei der Propeller abbrach, bann machte es noch einen Sprung von etwa fünfzig Meter, wobei es mehrere Ehaustcebaume umriß, und blieb lichterloh brennend auf einem Acker liegen, herbeieilende Einwohner sahen den Jusasten. den Kaufmann Hermann au» Ohligs, auf dem Felde völlig geistesabwesend umherlausen. Er hatte vor Schrecken fast die Besinnung verloren und stammelte auf alle Fragen nur: „3 ch weiß von nichts". Der Bordfunker Orgel lag lot mit schweren Brandwunden unweit der Kabine. Der Führer Dörr und der Bordmonteur Müller waren in den Jlammen auf ihren Sitzen umgefommen. Die UnglücksstStte wurde sofort abgefperrt und die nicht verbrannte Post sichergestellt. Die Oelzusührung scheint versagt zu haben, so daß der Führer notlanden muhte. An den überhitzten Motoren scheint sich dann da» Benzin entzündet zu haben, so daß bereit» in der Lust eine Explosion erfolgte. 3m Sommer lanb^e an fast der gleichen Stelle schon einmal ein Verkehrsflugzeug, doch konnte der Pilot damals die Maschine ohne Schaden für die 3nsassen aussehen. Der Kaufmann Hermann konnte nach seiner Einlieferung in da» Krankenhau» kurz vernommen werden. Er gibt laut „Dost. Ztg." an, dah außer ihm vier perfonen in dem Flugzeug roarcn, drei Mann der Besatzung und zwei passa- giere. Rach dieser Aussage ist damit zu rechnen, dah noch ein weitere» lobeeopfer zu beklagen ist. Vie Leiche diese» zweiten Passagiers ist allerdings noch nicht gefunden worden. Ls besteht die Möglichkeit, dah sie völlig verbrannt ist. .Sofort nach dem Eintreffen der Unglücksbolschaft im Flughafen Tempelhof ist eine technische Kommission der Lufthansa unter Führung de» Flugteiler, der Lufthansa, v. G a b l e n z, Im Auto zur Unglücks ft elle abgesandt worden, um nach Möglichkeit die Ursache de» Unfälle» aufzu- klären. 3nsonderheit muh alle» geschehen, um da. Entstehen de» Brande», der anscheinend genau wie vor einiger Zeil bei der „Deutschland" erst nach der Landung entstanden ist, festzustellen. E» muh nachgeprüft werden, ob er etwa dadurch heroorgemfen wurde, dah das Flugzeug, wie e» den Anschein hat, bei der Landung gegen einen Baum rannte, oder ob andere Gründe vorliegen. Die Aotlage der Landwirtschaft in Hessen Agrardebatte im Hessischen Landtag. nicht bald Abhilfe geschaffen werde, sei ein Käuferstreik der Landwirte unvermeidlich. Minister Korell toarrrt vor einer Drohung mit bcm Käuferstreik, da Gewaltmittel angesichts unserer ernsten inneren unb äußeren Lage von größtem Schaden auch für die Landwirte selbst sän wurden. Der Mini- ster verneint di« Frage, daß durch eine Erhöhung der Getreidezölle der Absatz der heimischen Ernte gefördert werde, wenn eine Rekordernte in der Welt zu verzeichnen fei Anderseits dürfte durch die Zollgesetzgebung nicht unser ebenso lebenswichtiges Exportgeschäft lachm- rlegt werden. Sr fei für die Erhöhung deS ucker-olle- in Berlin eingetreten und hoffe. daß die günstigen Schweinepreise Wetter anhalten und daß bei dem Handelsvertrag mit Polen die Rrichsregierung neben den außenpolitischen Rücksichten auch die Belange der Landwirte energisch weitervertreten werde. Die schlechten Kartosselpreise seien auf die gute innerdeutsche Ernte zurückzuführen. Der Minister erklärt, er werde der Landwirtschaft in Hessen so nachdrücklich helfen, wie daS finanziell möglich sei und dabei auch mit dem Landbund sachlich zus am/menarbeiten. Abg. Maurer (6.) erklärt: ES sei verderblich, wenn der Landbund die Kluft zwischen Landwirt und Arbeiterschaft, zwischen den Produzen- ten- und Konsumentenvrganisationen immer erneut aufreibe. Viele feiner politischen Freunde feien der Auffassung, dah Zölle berechtigt feien, wenn andersgeartete klimatische Verhältnisse die heimische Produktion behinderten. Gegebenenfalls müste der testbarr deutsche Boden zum Anbau anderer Erzeugnisse benutzt werden. Seine Fraktion stimme dem Antrag zu. 2lbg. W e ck l e r (Z.) stimmt dem Antrag ebenfalls zu. Der Landbund möge der Wahrheit zuliebe aber seinen Anhängern fa }en, daß damit ein praktischer Erfolg nicht erhielt werde. Der Redner wünscht, daß die Einstellung deS Ministers auch von den staatlichen Anstalten und Behörden geteilt werde. Das LandeSzuchthaus Ma- rienschloy habe z. D. 1000 Zentner Kartoffeln aus Ost- und Rorddeutschland bezogen, während in der Wetterau di« Landwirte ihre Erzeugnisse nicht loswerden. Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) fragt, was die Arbeiterschaft tun würde, wenn man wie bei den Bauern ihre Löhne auf den Friedenspreis zurückschrauben würde. Der Minister möge doch unter- suchen, woher das eingeführte Getreide komme, und wohin dagegen unser Export gehe. Das Mittel der Einfuhrsperre werde leider nicht angewendet. Ermahnungen an die Bevölkerung seien wirkungslos, helfen könnten nur drakonische Zwangsmittel und die Einfuhrsperre. Bei dem jetzigen Zustand gehe die Landwirtschaft langsam ihrem Untergange entgegen. Nach weiteren Ausführungen einer Reihe von Abgeordneten wird der Antrag einstimmig ange nommen. Darmstadt, 11. Dez. Präsident Delp eröffnet die 30. Sitzung des Landtages mit der Tagesordnung: Beratung der S euergesetze. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Riepoth (DVP.) wegen der Höhe der Gebühren der Kulturämter erwidert Minister Korell, daß diese der Gebührenordnung des Vereins Deutscher 3ngenieure unter Berücksichtigung der für Me.iora tensa.b ien vorg f he en Dergünstirun- gen angepaßt feien. Um Här.en zu vermeiden, könnten die Gebührensätze in einzelnen Fällen herabgesetzt werden. Sine Veröffentlichung des Tarifs halte er nicht für angebracht, well noch nicht festgestellt werden konnte, ob dieser Tarif beibchalien werden kann. Soll e sich zeigen, daß sich ein erb.blich höheres Aufkommen an Gebühren ergibt, als nach dem Staatsvoranschlag vorgesehen ist. so werde eine entsprechende Herabsetzung vorgenommen werden. Für die Verbesserung der Forsteinrich^ungen in den Staats- und Gemeindewaldungen werden 40 000 Mark für Aushil.skräfte bewilligt. — Für die Anlage einer gemeinsamen Sern* fprechselb st Wähleranlage für die staatlichen Behörden und Dienststellen in Da rrn- stadt werden insgesamt 230 000 Mark, auf drei Jahre verteilt, ohne Debatte genehmigt. — Annahme stndet ein Zentrumsantrag auf Vorlage einer Reichsbahrsta.istU über die oberhessi- schen Verkehr-Verhältnisse. Zwischendurch wird dir Abstimmung zur ersten Lesung des Sondergebäudesteaergesetzes nachge- holt; das Gesetz findet in der AuSschußfassang Annahme mit den Stimmen der Koalitions- Parteien. Sämtliche Anträge der Rechten auf Abänderung des Gesetzes werden abgelehnt. Ohne Debatte wird dann das Gesetz bt der zweiten Lesung verabschiedet. Der Antrag de» Bauernbundes, die Aenletr- bankzlnsen möchten auf die Relch»kasfe übernommen werden, ruft eine lebhafte Debatte hervor. Der Berichterstatter stellt fest, daß der Reichsfinanz- Minister erklärt habe, das Londoner Abkommen stehe der Durchführung des Antrages entgegen. Abg. Glaser (Bbd.) legt die Notlage der Land- wirtschaft dar. Die Umschuldungs- und Hilfsaktion der Reichs- und Landesregierung habe den kleineren Betrieben wenig geholfen. Den vielen vorgeschla- genen Intensioierungsmahnahmen wirke aber die Entblößung der Landwirtschaft von Betriebs - und Anlagekapital entgegen. Trotzdem in Deutschland dieses Jahr eine gute Dualität an Weizen, Braugerste, Wein, Zucker und in der Tierproduktion herausgekommen fei, sitze der Landwirt auf feinen Erzeugnisfen, und die aus- ländisch« Ware überschwemme den heimischen Markt. Die Verschuldung der heimischen Landwirtschaft betrage 11,5 Milliarden. Der Einkommen- Index der Landwirtschaft betrage nur 120, Wenn Fraktionroor stände» zu besprechen. Der bisherige Fraktionsoorsitzende war Dr. Sieger- wald. Dieser steht bekanntlich auf dem Standpunkt, bo" das Amt des Parteivorsitzenden und des Frak- ttonsvorsitzenden in einer Hand vereinigt fein müßten. In Verfolg dieser seiner Ansicht wird er jetzt den Vorsitz in der Fraktion niederlegen (nachdem nicht er, sondern der Prälat Kaa» zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. D. Red.) Deutscher Reichstag. Gatzkriegverbot. — Unfallversicherung. Berlin, 11. Dez. (BDZ.) Auf der Tagesordnung steht Zunächst das Genfer Protokoll wegen Verbots des Gaskrieges. Abg. Stöcker (Komm.) bezeichnet das Protokoll als eines der heuchlerischen Dokumente des Völker- bundes. Keine der imperialistischen Mächte werd« sich an das Verbot des Gaskrieges hallen. In der ganzen Well werde fieberhaft für den Gas- krieg gerüstet, auch in Deutschland. Da» sei bewiesen worden durch die Aufdeckung der großen Blaukreuzoorräte in Hamburg. In der Schichau- werft würden Hunderitausende von Gasgranaten hergestellt. (Bei diesen Worten stellen die Kommu- nisten eine große Granate auf den Tisch des Hauses.) Abg. Ritter v. Epp (Nat. Soz.) bezweifelt, daß das Genfer Protokoll oraktisch zu einer Einschränkung des Gaskrieges führen werde. Die Ra- tionalsozialisten würden der Ratifikation des Pro- totolls juftimmen, aber daneben müßt« doch für einen «ch utz der Bevölkerung gegen Gasangriffe gesorgt werden. Wenn tatsächlich bei Schichau Granaten hergeftellt werden, dann sei e» tief bedauerlich, daß diese Dinge im Reichstag mitgeteilt werden. Die Nationalsozialisten würden die Bewilligung von 10 Millionen für die Einrichtung eines Gas- und Luftschutzes beantragen. Die Vorlage wird dem Haushaltsausfchuß über» wiesen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über Aenderungen in bet Unfalloerfiche' rttn g. Nach der Vorlage soll die Unfallversicherung ausgedehnt werden auf Feuerwehr, Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten, Laboratorien, Schauspiel- Unternehmungen, Schaustellungen und Filmbetriebe, Wachtdienftbetdiebe und eine ganze Reihe weiterer Betriebszweige. Der Ausschuß verlangt die Vorlage eines Gesetzes, das die zur Zeit noch nicht versicherten Betriebe und Tättgkeiten in di« Unfallversicherung einbezogen werden. Abg. Frau Schroeder (S.) begrüßt die Vorlage. Es sei aber notwendig, die jetzt noch frei» gelaßenen Betriebe in die Unfallversicherung einzubeziehen, vor allem die Hausangestellten. Abg. Dr. Gock (Dn.) erklärt, die vom Ausschuß beschlossenen Erweiterungen seien eine Lieberspannung des Versichcrung.prin ips. Ter Ausschuß habe in ganz übereilter Weif« einen getost en Kris von Angele lten zwangs- verficherungLpfii^iig gemacht, ohne daß Reichsrat und ReichstoirtschafiSrat da u Stellung n h- nen konnten. Die De tfchna imalm beantragen die Wiedrr-^ste lung der Regierungsvorlage. Abg. Thiel (D. Dp.) beantragt eine Aende- nmg dahin, daß die Angestellten dann versichs- rungspflich.ig sein sollen, wenn die Abteilung, in der sie beschäftigt sind, in örtlicher D r- bindung mit dem ver icherungspflichtigen Betrieb steht. Abg. Beyer (WirtschP.) erklärt' Die im vorl egenden Gesetz beabftch'.igte Ausdehnung der Versicherung liege gar nicht im Interesse der Arbeitnehmer, d.nrn die Angehörigen der Feuerwehr, das Pflegepersonal usw. seien jetzt schon ausreichend versichert. Es sol te auch Rücksicht auf das private Der,icherungSwe en genommen werden. Weiterberatung Mittwoch. Aus aller Wett. Sieben lote auf bet Zeche „Dtergarbt". Rach Mitteilung der Zechenverwaltung mA der Dergbau^ehorde sind aui der Zeche .Dier- ga rd t“ Schacht 1 in Rheinhausen in den Brandgasen, die beim Brand eines Stapelschach- teS er.tftanten waren, sieben Mann zu Tode gekommen. Bei ter Prüfung, ob Baue von freit Drandgasen in Mitle denscha t gezogen waren, sind in einem entfernt liegenden Dau, in dein feine Drandgase vermutet werden konnten, mehrere Leute betäubt worden. Del der Bergung der ßeu'e von denen vier tot auf- gesunden wurden, wurden mehrere mit Q U mungSappa raten ausgerüstet: Rettungsmannschaften betäubt. Q3on ihnei haben leider drei Mann den Tod gefunden. Q ußerdem wurden noch drei Mann von (Lasen ii Mit'eiden- schaft gezogen und den Kranfenhou'e zugeführt. Weitem Gefahr beste t augenblicklich nicht. Die behördliche Untersuchung ist im Gange. Dreizehn Tote beim Brand in einer Oelanlage. Bei dem Brand zweier Petroleumschächte im Mittelpunkt der Oelfelder der Insel Trinidad kamen 13 Personen ums Geben. Die beiden Anlagen sowie drei OelreservvirS wurden ein Opfer der Flammen. Der Sachschaden konnte noch nicht, abgeschätzt werden. Der Allhelmer Brandstifter ermittelt. Der Gendarmerie ist eS nun gelungen, den 19 Öahre alten Landwirtssohn Eduard Weber auS All heim (badisches Amt Buchen) als Brandstifter zu ermitteln. Weber frat in Alt heim trotz eifrigster Bewachung deS Dorfes unb feiner Umgebung nicht weniger als Z Brände gelegt, durch die zahlreiche Wohnhäuser unb Scheunen eingeäschert wurden. Die Wetterlage. 9 Oiensug» d.H.bezD.1928,7* at>dy Owtcr »ngf» ee«<«t e »eieia • otdtcei »neoe^ » Schnee a <>r*vpein e Rehei X Irw'itcr (Q)wioditiiic •O' «lichter 0>i Iwfliuowcn Q Mur*o<*e« -oröwej» Sie Ptene Nxae» ®4 nicht Die Sange. in« Oelanlay. sfeMfchächle h Insel SrinM Ae beiden L> )utben einW konnte noj eicht. mnIM i gelungen, den ßbuatb Debet Vm) alä Sanif' i 20/^m trotz mb (einer tim- Dtdndr tzr« techrchävier uni 41, ia^_ to»» ' jflL lafct er anbina^ r der. Jeder' lelk^onn v» •SAgs '.’Jjtfö gj?8*** Defennw6 DeE^illiineier läne W Aus der Provknzialhauptstadt. Gießen, den 12. Dezencker 1928. Don der Kunst des Schenkens. Weihnachten, baS Fest der Geschenke, ist für viele ein Fest deS Gebens. Der eine schenkt reichlich und viel: unbedacht kaust er zusammen, vaS sein Geldbeutel hergibt. Der andere, dem da- Geld nicht in Strömen zuslieht. ärgert sich daß er nicht diese- oder jenes aus seinen Gabentisch au-breiten kann. Beide ahnen nicht, dah es eine Kunst deS Schenken« gibt, eine Kunst deren oberster Grundsatz ist: ©6 kommt nicht daraus an, w a « man schenlt, fentern wie man etwa- schenkt. Da« schöne Dibelwort: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb", sollten sich alle, d'.e -um We.hnacht-leste ihre Lieben mit Geschenken erfreuen wollen, zu Herzen nehmen. Man soll nicht schenken, weil man sich verpflichtet fühlt, man soll Geichenke verteilen, d.e Freude bereiten. Und da hriht es sehr vorsichtig sein. Gewiß kann ein „ärmliches" Geschenk eine Enttäuschung bereiten, aber diese Enttäuschung ist nicht so schlimm, wie das Gefühl der Beschämung, das den Beschenkten erfüllen muh, dec ein allzu prunkvolles Geschenk erhält für das zu danien er niemals in der Lage sein wird. Die Kunst deS Schenkens ist besonders groß Kindern gegenüber. Gerade hier wird aus übergroßer Elternliebe viel gesündigt. ES ist manchmal ein größeres Geschenk und für die Zu.unst des Kindes viel wertvoller, wenn es an d.m Lichterbaum tritt mit einer «wissen Enttäuschung über einen nicht erfüllten Kinderwunsch im Herzen, als dah man ziel- und planlvs jeden Wunsch des Kindes erfüllt 3m Kindesalter ist die Begehrlichkeit außerordentlich groß. Deshalb muß man beizeiten anfangen, dem kleinen Kinderherzen zu »eigen, daß das Leben nicht alle Wünsche der Mensche.i erfüllt Weihnachten ist da- Fest des Schenkens, aber wessen Geschenk ohne Kunst dargebracht wird, der schenkt vergebens. Daten für Donnerstag, 13. Dezember. Sonnenaufgang 7.66 Uhr, Sonnenuntergang 15.52 Uhr. — Mondaufgang 9.21 Uhr, Mondunter- gang 16.29 Uhr (Mond in Südwende). 1769: der Dichter Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig gestorben; — 1797: der Dichter Heinrich Heine in Düsseldorf geboren; — 1816: der Ingenieur Werner v. Siemens in Lenthe bei Hannover geboren; — 1836: der Maler Franz v. Lenbach zu Schrobenhausen in Oberbayern geboren; — 1863: Der Dichter Friedrich Hebbel in Wien gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Fcllme", 19.30 bi» 22 Uhr. — Dr. C. 3- Luther. München: Lichtbilderoortrag „Schnee — Ski — Paddel", 8 Uhr, Große Aula. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Alt-Heidelberg". — Astoria- Lichtspiele: „Der Ritter von Texas". — Da« Stadttheater Gießen bringt, wie uns aus dem Stadtthraterbureau geschrieben wird, am Montag, 17. Dezember, zum erstenmal die Märchenkomödie .Pinkepunk' von Dr. Buch. Dieses Märchmstück wurde von vielen großen Bühnen des RricheS mit ausgezeichnetem Erfolg auf geführt. Dr. Buch ist Dberregtffeur am Frankfurter Schauspielhaus und ein ausgezeichneter Kenner nicht nur drr Thraterwirkunaen. sondern auch der Kinderpfyche. — Freitag, 14. Dezember, findet die zweite Wiederholung deS erfolgreichen Stückes .Perlenkomddte" von Bruno Frank statt. — Als Fremdenvorstellung wird Alfred Äeu- mannS .Der Patriot" am Sonntag. 16. Dezember, S Llhr abends, gegeben. — Johannes Lubahn, der Leiter des Heimstäienamts der deutschen Beamtenschaft und Geschäftsführer der Beamtenbausparkasse, ist — wie man uns schreibt — neuerdings schnell in Deutschland bekannt geworden. Er ist ein Mensch, in dem zu einem gütigen Herzen ein scharfer Verstand und ein überaus beharrlicher Wille tritt. Aus tiefster Kenntnis heraus, dah alle charitatioen Bestrebungen zur Besserung der Lage der leidenden Volksgenossen nutzlos bleiben, wenn nicht zunächst die drei Grundbedingungen: Nahrung, Kleidung und Wohnung erfüllt sind, widmet Lubahn seine ganze Kraft der Bekämpfung der schlimmsten Seuche, die zur Zeit am Körper unseres Volkes zehrt: der Bekämpfung bet Wohnungsnot Er erreichte, als die Not der Zeit den Abbau vieler Beamten bedingte, das Ein- Verständnis der maßgebenden Behörden dazu, daß ein Teil der Abfindungssumme oder des Ruhe- gehalts der abgebauten sich in Heimstättenkredit umsetzen konnte; über 3500 Heimstätten für abgebaute Beamte erstanden bis jetzt in Deutschland. Aber Lubahn begnügte sich nicht mit dieser sozialen Großtat; auf Grund der dabei gesammelten prof- tischen Erfahrung ging er im Verein mit Gleichgesinnten daran, allen Beamten im Ami und Ruhestand die gleiche Möglichkeit zu erschließen; ein frei- willig abzutretender Teil des Gehalts sollte der Errichtung der Heimstätte dienen und so sich Arbeitslohn in gesicherten Kapitalbesitz verwandeln. Allen Schwierigkeiten zum Trotz gelang das Derk; in dem Reichsgefetz vom 30. Juni 1927, dem Reichs- heimftättengefeß, wurde es auf eine breite Grund- tage gestellt. Nunmehr ist jedem Beamten „der Weg frei zur eigenen Heimstätte". Dieses Thema wird Johannes Lubahn am nächsten Samstagabend hier in Gießen in der neuen Aula der Universität eingehend erörtern. Man beachte die heutige Anzeige. e •* Stadtvervrdnetensttzung. Am nächsten Freitag, nachmittag- 4 Uhr beginnend, findet im StadtverordnctLn-Sihungssaale im Stad.haus. Bergstraße, eine öffentliche Stadt- verordnetrnsitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen xl a. folgende Vorlagen: Erhebung eines Zuschlags zur Grunderwerbstcuer, Festsetzung der Gemeinde-Hundesteuer für 1929, Qlenterung und Reparatur der Kühlanlage im städtischen Schlacht- Hof, Erlaß einer neuen Polizeivervrdnung über die Wochenmärkte. Straßenbeleuchtungs-Angelegenheiten. Polizciverordnuna und Ortssatzung über die Reinigung der Straßen und Plätze und Müllabfuhr, Errichtung einer Kraftwagenllnie. "Leichter Schneefall trat heute vormittag in unserer Stadt ein. Auf den Straßen wurde die winterliche Gabe allerdings im Handumdrehen zu Schmutz, die Dächer konnten sich jedoch mit einer weißen Haube versehen. Im Vogelsberg wird die Lage natürlich anders fein. Unsere Skisportler, die schon am Som.tag zum erstenmal im Oberwald die Bretter anschnallen konnten, dürfen gute Sporthoffnungen für den nächsten Sonntag hegen. ** 2 i c& t f e ft i n der Ebe Ist raße. Wie uns auS unserem Leserkreise berichtet wird, begehen einig« Anwohner der Ebelstraße die Werbewoche „Gießen Im Lickt" auf eigen« Art. Um gerade jetzt in dieser Wohnstraße mehr Acht zu schaffen, haben sie am oberen Ende der Straße zwei — Sallaternen auf gehängt, die in den Rachtstunden die langersehnte größere Helligkeit schassen. Die humorbegabten Anwohner hoffen aber, daß die Stadtverwaltung den zarten Wink verstehen und ihnen ein oder Atoei elektrische Straßenlampen zukommen lassen wird, damit auch über die Gicßener Lichtwoche hinaus es Heller werde in d-r Ebelstraße. •• Hauskauf des hessischen Staates in Gießen. Dem Landtag ist eine Vorlage des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft zur Genehmigung zugegangen, In der u. a. ausgeführt wird: Das Gewerbeaufsichtsamt Gießen ist zur Zeit in drei kleinen Räumen des ersten Obergeschosses des Hauses Nordanlage 7 untergebracht. Die Geschäftsstelle des Verbandes Hess. Nassauischer Dampf- dreschereien als Gebäudeeigentümerin hat diese Diensträume gekündigt. Da die vorhandenen Räume für einen ordnungsmäßigen Geschäftsbetrieb völlig unzulänglich sind, wurde wiederholt versucht, mit Hilfe der Stadtverwaltung Gießen geeignete Diensträume anderweitig zu beschaffen. Bei der Aussichtslosigkeit dieser Absicht, wurde nach anderen vergeblichen Bemühungen dem Ankauf des Hauses, Goethestraße Nr. 63, Ecke der Henselstraße, mit Vorgärten nach beiden Straßen, nähergetreten. Das dreistöckige, massive, außen verputzte Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschoß und Schieferbedachung, enthält in jedem der drei Hauptgeschosse eine geräumige 5-Zimmerwohnung mit Küche, Speisekammer, Badezimmer und Klosett, im Dachgeschoß eine Dreizimmerwohnung. Erd- und zweites Obergeschoß haben je eine besondere Stockwerk- sammelheizung. Der bauliche Zustand des ganzen Hauses und dessen Geeignetheit wird durch die eingeholten Gutachten als einwandfrei bestätigt. Bei einer überbauten Fläche von 15/16 Meter beträgt die Brandoersicherungssumme 52 250 Mark und der Vorkriegssteuerwert 55 000 Mark. Das Ortsgericht hat am 11. Juli 1927 den Verkehrswert der 662 Quadratmeter großen Hofreile zu 50 905 Mark geschätzt. Die Dorkriegsmiete der vier Wohnungen betragt 5000 Mark. Als Derkaufssurnme werden 45 000 Mark gefordert. Dieser Preis wird als angemessen betrachtet. Die Erdgeschoßwohnung, die bis zum 1. April 1929 geräumt wird, soll von diesem Zeitpunkt ab für die Diensträume des Ge- werbeauffichtsamtes Gießen verwendet werden. Der Finanzausschuß hat in seiner Sitzung am 30. No- vernber d.I. seine Zustimmung zu dem Erwerb des Hauses bereits erteilt Es wird um einen gleichen Beschluß des Landtages ersucht. " Rücktritt des Direktors der San» desbiblivihek. Der langjährig« Sirc.br der Hessischen LandeZbibliothek, Dr. Ludwig Boltz in Darmstadt, tritt am 1. Januar kommenden Jahres toegtn Erreichung bet Äktersgvenze tn den Ruhestand. ' Auszeichnung ein«S Di«ß«n«r Schwimmer-. Gaüschwimmwart Franz Sauer (Tv. von 1846) erhielt von dem Haupt- Vorstand 6er Deutschen Lebensrettungs-GeseUschaft in Berlin den Lehrschein der zur Leitung von Kursen und zur Abhaltung von Prüfungen bevechtigt. Mit dem Ausweis wird auch ein Abzeichen verliehen. •* Auszeichnung von Paulus. Der westdeutsche Diskuswerfer Ernst Paulus in Wetzlar, dem ein Erfolg auf der Olympiade leider oerfagt ge^ blieben ist, hatte im Juni 1928 an der englischen Olympiade in Stamford Bridge teilgenommen und den englischen Meistertitel im Diskuswerfen errungen. Die Internationale Athletik Association hat Paulus jetzt mit der großen goldenen Medaille ausgeze.chnet. •• Geprüfte Geschäfts st enographen. Die am 18. November ftattaehabte Prüfung an der Handelskammer in Gießen haben folgende Be- Werber erfolgreich bestanden: mit „s e hr gut” Sari Klingel (Alsfeld), Emilie Schüler (Gießen), Karl Bücking (Alsfeld); mit „gut" Luise Weidlich (Alsfeld), Kurt Leipold ^Gießen), Anna Lotz (Wiefeck); mit „bestanden" Wilhelm Momberger (Gießen), Hans Langlotz (Alsfeld). Sämtliche Prüflinge schrieben in Einyeitskurzschrift. Bekanntlich werden andere Systeme an den Hessischen Handelskammern nicht mehr zugelassen, so daß allmählich auch Im praktischen Beruf nur noch die Einheitskurzschrift angewandt werden wird. *• Ehrung verdienter Hausbeamtin- n c n. Man berichtet uns: Dieser Tage beging der Alicefrauenverein einen Ehrentag. Die hochherzige, edle Stiftung einer bis jetzt noch ungenannten Dame Gießens für unsere Hausbeamtinnen war die Veranlassung zu einer stimmungsvollen Stunde in den Räumen der Liebigshöhe. Einem Aufruf zufolge, daß alljährlich nach 5-, 10- und 15jähriger Dienstzeit Ehrengaben verliehen werden sollten, waren für das Jahr 1928 64 Meldungen einge- gangen. Die Ehrengäste, von denen 32 mit Diplomen, 13 mit einem Schmuckstück (silberner Anhänger mit Kette) und 19 mit Sesseln beschenkt wurden, saßen an festlich geschmückten Tafeln, ihnen zur Seite die Dorstandsdamen des Vereins; an besonderen Tischen war für die Hausfrauen gedeckt. Ein weihevoller Gesang des V. H. C.-Frauenchors eröffnete die Feier, und nach einer Ansprache fand die Verteilung der Prämien statt. Kaffee und Kuchen folgte, und schöne Lieder, gesunden von Frau Dr. Meyer und ihrer Schülerin, sowie Schlußchöre gaben dem seltenen Fest eine würdige Folie. •• Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband. Die hiesige Orts- gruppe des D.H.V. veranstaltete dieser Tage im Rahmen ihrer diesjährigen Vortragsreihe einen Liederabend. Der bekannte Lautensänger Heinz Cloos, Kassel, sang alte und neue, ernste und heitere Dollsweifen, Spielmann- und Dchelmenlieder zur Laute. Die Ortsgruppe hatte mit der Verpflichtung dieses Sängers einen guten Griff getan, und e& ist ihr hoch anzuerkennen, daß sie der Oesfentlichkeit diesen Lautenmusikabend vermittelte. Heinz ElooS gab mit feinem Liederabend ein echtes, rechtes Stück volkstümlicher Kunst. Sein kostbares Instrument, der charaktervolle, farbenreiche Vortrag löste helle Begeisterung aus. AuS feinem umfangreichen Programm gefielen besonders: „CS war ein Traum", „Beim Holderstrcuch", „Schön Rotraud", „3m Maien". „3m Gr.enhof" (3rdler) und „Die Bauernhochzeit". Schon nach den ersten Liedern hatte er sich die Herzen der zahlreich erschienenen Zuhörer erworben, die feinen fast 2'/»stündigen Vorträgen begeistert lauschten und am Schluffe nicht nur lebhaften Beifall spendeten, sondern immer neue Zugaben forderten, denen der Künstler folgen mußte. Dieser Veranstaltung ging am 4. d. M. eine Versammlung der Ortsgruppe voraus, in der der neue Geschäftsführer den Mitgliedern und den Abgeordneten der Kreis- ortSgruppen vorgestellt wurde. Den Abend füllte ein Vortrag des Gauvorstehers Auerbach, Frankfurt a. M., Über „Die Bildungsaufgaben des D.H.V." aus. Bei den Zuhörern war starkes Interesse für die Ausführungen festzustellen. Anhaltender Veifafll ließ den Schluß zu, dah restlose Zustimmung zum Wollen des Verbandes vorhanden ist. ** Der Zentraloerband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhin- terbliebener, Ortsgruppe Gießen, Halle seine Mitglieder und deren Ki. der auf Samstag nach mittag zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Der große Saal des Katholischen Vereinshauses wies eine statlliche Besucherzahl auf, denn groß war die Schar der Kinder, die von Kameradenfrauen mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Nach einigen Musikoorträgen, die von Mitgliedern der Kapelle Wenn Hre Empfehlungsanzefge in derSarnstagsnummer desGleßenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf! des 1. (Hess.) Balls. Jns.-Regts. Nr. 15 bargeboten/ wurden, richtete der Vorsitzende der Ortsgruppe, Kam. M ö l l, herzliche Begrüßungsworte an die Erschienenen. Sodann wurde von vier Knaben und vier Mädchen ein Weihnachtsmärchen „Erdenleid und Erdenfreud'" ausgezeichnet zur Darstellung gebracht. Die Kleinen ernteten für ihre guten Leistungen reichen Beifall. Hieraus erschien der schon lange sehnlichst erwartete Weihnachtsmann und händigte die Geschenke an die freudestrahlenden Kinder aus. — Am Abend fand der zweite Teil der Veranstaltung für die Erwachsenen stall. Den musikw fischen Teil bestritten wieder Mitglieder der Retchs-- wehrkapelle. Die Begrühungsansprache hielt Kam. Möll. Der Gesangverein .Harmonie-Gemütlichkeit" hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt und half, unter Leitung feines Dirigenten Hans Sonntag, den Abend durch den wirkungsvollen Vortrag mehrerer Chöre verschönen. Reicher Beifall wurde den Sängern zuteil. Der von zwei Damen und zwei Herren flott gespielte amüsante Iunggesellenschwank „Der Weihnachtsengel" wurde oft von wahren Lachsalven unterbrochen, und die Darsteller fanden den ungeteilten Beifall der Zuschauer. Tanz beschloß die schön verlaufene Feier. Berliner Börse. Berlin, 12. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die freundliche Stimmung der gestrigen Abendbörse übertrug sich auch auf den heutigen Frühverkehr, zumal nichts wesentlich Ungünftiges oorlag. Das Geschäft ist natürlich noch sehr still. Die Spekulation ist etwas zurückhaltend. Die Kurse, die man hört, liegen aber alle ziemlich einheitlich 1 bis 2 o. H. höher. Man spricht Farben mit 271, AEG. mit 196, Schuckert mit 259, Dessauer Gas mit 220. Slemhöaer ^rrinhajx /4 JtdnKäjevlkfueft. Nur echt mH dem Stilleben im Etikett. H.C.KÖIU0, Sleinhaoen VWestT- Diele tausend Aerzte verordnen ständig zur Stärkung Köstritzer Gchwarzbier - über 4000 Aerzte»Gutachten und Verordnungen — 9309V Das attverühmte Köstritzer Schwarz-ier ist erhältlich in allen Zlaschenbierhandlunaen und den durch Schilder und Plakate kenntlichen Geschäften. $eme Weibnacbte-6ebacke nach Dr. Oetker*« bewehrten Rezepten elnd «ehr beliebt u. erhöhen die Festfreude. — Versuchen Sie bitte Venllle-Oebleki Zutaten« 280 g Butter, 160 g Zucker, 1 PMckohen Dr. Oetker*e Vanlllln-Zuoker, 100 g Mandeln, 4 Eier, BOO g Mehl, $4 Plckchen Dr. Oetker*« Backln-Backpulver. Zubereitung« Butter und Mehl (dleeee mit dem Baokln gemischt und gesiebt) knetet man «u einem Teig. Das Eigelb. 100 g Zueker und Jon Venlllln-Zucker verquirlt man und arbeitet allea mit obigem Teig zu einer Maate, die eich gut auarollen läßt, etleht kleine runde Scheiben aua, bestreicht diese mit Eiweiß, streut die In Splnoh. geschnittenen Mandeln, die men mit 60 g Zucker gemischt hat, darüber und backt bei MlttelhlUe. In Blechdosen euftubewehren. — POr die Welhnachtoblckerel werden ferner noch empfohlen: PunsohkrBnzohen, Kleine Gewürzkuchen, Honig- Plätzchen, Chrlstbaum-FelngebMck, Aachen. Printen, Rumtörtchen, Gefüllte Biskuits, Welhnachtsgeböck In Formen ausgestochen, Lebkuchen usw. — Meinem neuen farbig Illustrierten Rezept* buch, Ausgabe F entnommen, aua dem Sie auch NMherea über den vorzüglichen Back-, Koch- und Bratapparat „Küchenwunder* erfahren. Daa Buch Ist für 16 Pfg. erhältlich, wene nicht vorrltlg, gegen Einsendung von Marken von Dr. August Oetker, BIELEFELD. «- ArbeitSvergebllllg. Für die Gemeind« Langd soll auf dem Bureau der unterzeickneten Behörde das Planieren der vorgesehenen Kreisstraße Langd—Ulfa in Gemarkung Langd 4600 Siubiimeter Erdbewegung ganz oder aum Teil vergeben werden. 10887D Die Verdingungsunterlagen liegen bei der unterzeichneten Behörde offen, woselbst Leistungsoerzeichnisse zu beziehen und die Angebote verschlossen, mit entsprech.mdir Aufschrift versehen, postfrei bis ?um Er- öfsnungstermin am Freitag, dem 21. Dezember 1928, vormittags 10'j Uhr, cmzu- reichen sind. Zufchlogsfrift Drei Wochen Gießen, den 10. Dezember 1928. Hessische» Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungsbaurat. Drucksachen al ler Art ■«tert tn jeder ««wünschten Ausstattung stilrein und «e »rihl-ed* Vsls.-Dreeberei. Ä. Un» | Vermietungen | Feos. ßraedlAVe’k Bono, tnöbh Z mmer, gate Kllchs. Tel. 1885. | Mietqesuche | sof. fief. Sckr.Angeb. u.l0865l)a.b.®.ihu Hp. Dame f.'chi für 1 Manat tn Gießen möblier). Zimmer in aut. C'oufe. Cff. u. Nr. <*40 an Hititid, Ana. • Bxpei.. 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Für die vielen Beweise der Anteilnahme bei unserem schweren Verluste und für die Ehrungen, die dem Entschlafenen bei seiner Grablegung in so reichem Maße zu teil geworden sind, sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Wallenfels. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Zoll. (Heben (Ludwlgstraße 28), den 10. Dezember 1928. Die Trauerfeier ündet Donnerstag, den 18. Dezember, nachm. 1.30 Uhr, In der Kapelle des Neuen Friedhofes, die Einäscherung In der Stille statt Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 108870 Bittet»® zu ftiuren gesucht. Lchrilli. Angeb. mit. 08706 n. d. 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Wir erlebten die Agrardebatte im Reichstag, in der noch einmal die schwere Dotlage der deutschen Landwirtschaft zum Ausdruck kam und zu gleicher Zeit wurden nähere Einzelheiten über das LImgemeindungsProblem im Westen bekannt. 3n diesem Zusammenhänge muh vielleicht auch noch die Kundgebung des Rcichs- verbandcs der Heimattreuen Ost- und Westpreuhen beachtet werden, in der für diesen Bezirk in gleicher Weise das tevölkerungspoli ische Pro- 6.em gekennzeichnet wurde. Devölkerungspolilik ist die Kernfrage eines Staates. Diese Frage hat insofern für Deutschland an Bedeutung gewonnen, als durch den Verlust gewaltiger Ge.i tsteile nach dem Kriege eine Zusammendrängung ter D völkerung cingetreten ist, die nrrhr denn je zu einer systematischen Reuorganisation geführt hat. Leider ist es nicht möglich gewesen, diese Reuorganisation in vollem Umfange durchzusüh.^n, da die hierzu benötigten Mittel feh'en. Vor dem Kriege hatte Deutschland eine Flächenausd.hnung Don 5'0 £53,5 Quadratlilomet.-r. Rach dem Versailler Frieden war daS Reichsgebiet, ohne das Saargebiet, bis auf 468 746,10 Quadratkilometer zusammengeschrumpft. Dagegen hat sich der Drvölke- rungsstand in annähernder Gröhe gehalten. Die deutschen Bewohner haben sich nun in 63 556 Gemeinden angesiede't. Davon ,inb ländliche Gemeinden, d. h. solche mit weniger als 2000 Bewohnern 63 126, die aber immerhin 35,60 Prozent der deutschen Bevölkerung ausnehmen. Sogenannte städtische Gemeinden, d. h. also Kommunen mit etwas m;hr als 2000 Einwohnern werden nach dem Kriege In Deutschland 3430 gezählt, die ungefähr 64,40 Proz. der deutschen Bevölkerung beherbergen. Landstädte, also Städte mit 2300 bis 5000 Einwohnern, gibt es in Deutschland heute 2249, Klein- iädte bis 23 003 Einwohner 920, Mittel- t 3 dte bis 100000 Einwohner 216 und Gr oß- iädte. d. h. also Kommunen mit 100 003 und mehr Bevölkerung nur 45. Mit einem Worte also, den Hauptamt:!! an ter Siedlung im Reiche haben die sogenannten städtischen Gemeinden. Ausgesprochene ©tabigegenten s ndWestfalen, die Rheinprovinz und Sachsen. Den stärksten AnteU an den K einstsicklungen weist Ostpreußen auf. wo es 7038 Gemeinten mit weniger als 2300 Einwohnern und 76 Gemeinden mit mehr als 2030. dagegen nur 5 mit 20° bis 100 000 und 1, nämlich Königsberg, mit über 100 000 Einwohnern gibt. Ganz im Gegensatz zu Ostpreußen zeichnet sich sowohl die Rheinprovinz als auch Sachsen durch ausgesprochene städtische Siedlungen aus. Sachsen, der dichtbevölkertste Gebietsteil Deulsch'andS. wo auf 1 Quadratkilometer 332 Einwohner kommen, hat 2)75 Gemeinten. davon 2653 länd iche Gemeinten, 322 städtische Gemeinden, 194 Landstädte. 108 Kleinstädte, 16 Mittelstädte und 4 Großstädte. — Die Rheinprovinz hat insgesamt 2885 Gemeinden. davon 2176 ländliche Gemeinden, 402 städtische Gemeinden. 252 Landstädte, 114 Kleinstädte. 31 Mittelstädte und 12 Großstädte. Diese Zahlen zeigen auf ter einen Seite, in wie starkem Umfange die Industrie die De» völkerungspo'i.ik bestimmt hat. Und hier wird auch zu einem großen Teil der Grund dafür zu finden sein, daß in der Landwirtschaft in manchen Teilen des Reiches ein enormer Rückgang zu verzeichnen ist. Selbstverständlich mutz sich die Siedlungspo i ik nach den gegebenen Verhältnis en, der Botenbeschaff nsei , den Trirbkrä ten u. dgl. richten. Trotzdem wird es notwendig fein, — und diese Erkenntnis wird durch obige Statistik bestätigt — im Laufe ter Zeit einen organischen Ausgleich zu schaffen, ter vor allem auch gefundheitspo i isch ausschfag fa'end fein wird, und politisch gesehen auch auf die Erhaltung des Deutschtums an den Grenzen zu achten hat. Wochen ohne Post. Don Siegfried von Vegesack. Morgensterns Palmström konnte b.kannllich nicht ohne Post leben, so datz er sich „ein Quartal gemischte Post" bestellte. Ich meinerseits habe daS Gegenteil getan; ich bin meiner Post entflohen. Das ist nicht so einfach, wie man denkt. Fünfmal muhte ich mit Frau und Kind den Ort wechseln, viermal die Grenze überschreiten, biö es mir end'lich gelungen ist, allen Rachforschungen zu entrinnen. Uni) nun freue ich mich jeden Tag, jede Stunde, dah kein Mensch „sich mir mitteilt, auf Schritt und Tritt an mich denkt". Jedenfalls erfahre ich nichts davon. Uni) auch ich selbst schreibe feine Briefe, keine Karten. Statt dessen liege ich im Sande am Meer, sammle eifrig mit Frau und fünfjährigem Jungen bunte, glattgeschliffene Steinchen und gekräuselte, wie Schmetterlings- flügel gezeichnete Muscheln, gehe langsam auf dem flachen, vom Schaum ter Brandung überspülte Sande ins Meer, lasse mich von den kristallklaren, noch jetzt im Dezember warmen Wellen schaukeln, tauche unter in die blaue iln- Endlichkeit unter mir, tauche auf in die blaue älnendlichleit über mir, und bin restlos glücklich. Wenn irgendwo, dann ist hier das Paradies auf (Srteiu Eine idyllische, von dunkelgrünen Pinien- und Cyprefsen-Höhen umsäumte, nach Süden und Osten dem Meer sich öffnende Bucht. Eingenistet in den Symg ter Berge, im Halbrund die,er Ducht, ein altes, malerisches Fischerdorf mit eng aneinantergepretzten, hellbraun und rosig getönten flachdächigen Häusern, winkligen Gassen, eitenumgitterten Ballonen, langen, schmalen grünen Fensterläden, die wegen der Hitze fast immer geschlossen sind. Sn der Wttte der Ducht, wo sich ter Strand ein wenig erweitert, befindet sich „ter Platz", beschattet von graustämmigen Platanen, breiten, nichtigen Palmen, die mit ihren dicken, gerippten Daumstrünten und fächerartig gespreizten Dlätterstielen wie ungeheure Kohlrüben auSsehen, Hier, auf dem Platz, liegen die weißen gewölbten Leiber der Fischerboote, hier werten die dunkelbraunen Retze auSgebreilet, getrocknet und geflickt, hier spielt das ganze Dorf nachmittags mit kleinen tunten Steinkugeln ein Spiet, dessen tieferen Sinn ich noch nicht begriffen habe, das aber, nach ter Erregung Der vielen Zuschauer zu urteilen, äußerst SausWindsonmSpiegelbilddes,,Gocha" Angesichts der Verschlimmerung im De- finten des Königs Georg V. muß in absehbarer Zeit mit einem Thronwechsel in England gerechnet werden. „Haus Windsor" heißt seit dem 17. Suli 1917 das englische Königshaus. Aber diese unter dem Eindruck ter Kriegspsychose von König Georg V. dekredierte Ramensänterung hat praktisch, nicht mehr Dedeutung, als wenn irgentetn Bürgerlicher einen ihn aus irgendwelchen Grünten nicht mehr genehmen Flamen durch einen wohlklingenderen ersetzt. Denn auch hier ist der Rame ter englischen Stadt, in ter schon die angelsächsischen Könige einen Palast besahen, und wo Wilhelm ter Eroberer das berühmte Königs- schlotz erbaute, nur Schall und Rauch, und er kann nicht über dir aus ter Geschichte nun einmal nicht auZzulöscheude Ta sache hiriwegtäuschen, dah das englische Königshaus rein deutschen Geblüts ist. Als das welfische Haus Hannover, dessen Kurfürst Georg im Jahre 1714 König von England tourte, 1837 im Mannesstamme endigte, womit zugleich die Personalunion zwischen Groß- britan aren und dem Königreich Hannove ihr Ente fand, besti-g als letz ec Sproß au'r di sem Zweige des Wcl.enh.iuses, ter England eine Airzahl meist unbedeu enter Monarchen gegeben hatte, die damals achtzehnjährige Prinzessin Viktoria ten Th on von Großbritannien und Irland. Als sie im Iahie 1901, schon fast zum Mythos geworden, nach einer vierrmdsechzigjäh igen Regierung starb, hinterlieh sie ihrem äl esten Sohu Albert Edward nicht nur ein Weltreich, das die Erde umspannte, sie vererbte ihn neben dem Titel eines Königs ter Vereinigten Königreiche von Großbritannien und Zrlaird auch den des Kaisers von Indien, ten Viktoria Lord Beaconsfield, ihrem Verehrer und bedeutendsten Premierminister, verdankte. Während der mehr als zwei Genera- ttonen, die Viktoria regiert hatte, war tem Britischen Reich ein Zuwachs an Macht und Land beschieten wie nie zuvor einem Doll in ter Geschichte ter Menschheit. Als „Königin von England" stellte sie sozusagen einen Begriff dar: an den Titel „König von England" muhte sich die Menschheit erst wieder gewöhnen. Sein Träger, nicht anders bekannt denn als Prinz Don Wales wußte freilich als Eduard VII. diesem zunächst leeren Begrijf kraft seiner Persönlichkeit bald Inhall und Geltung zu verschaffen. Mit ihm hatte ein zwei.es deutsches Fürstengeschlecht ten englischen Th.on bestiegen; denn Eduard VII., Sohn des Prinzgemahls Albert aus tem Hause Sachscn-Koburg und Gotha unter Königin Viktoria, war ter erste bri Ische Herrscher aus dem Haufe Coburg, dessen Angehörige bis $um heutigen Tage sowohl in Belgien wie in Bulgarien regieren, und das auch noch mit anderen europäisch n Fürste Häusern durch verwand schaft- liche Beziehungen eng verbunden ist. Georg V., ter zweite Coburger auf tem bri.ischen Thron, hätte sich trotz Krieg und Dölkerhaß nicht zu schämen brauchen, ten Rainen seines Geschlechtes weiterzuführen. Schon vor fast hundert Jahren hatte das Haus Coburg nicht geringen Einfluß auf den englischen Hof ausgeübt. Denn Leopold I., ter erste König ter Belgier, hatte seine nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu Viktoria auf daZ Geschickteste auszun.itzen verstanden; die junge Königin freilich, die einen weit stärker, in späteren Jahren geradezu bis zum Starrsinn ausgeprägten Willen besaß, als es bei ihrer Thronbesteigung schien, hatte es rasch verstörten, sich dieser verwand. schaf l.chen Dero mu teing zu entziehen. Auch ging In ter ztori.en Hälfte te3 19. Jahrhunderts das englisch» Königshaus so viel neue verwand.schaftliche Di düngen mit unteren Fürstenhäusern ein, datz schon dadurch eine einseitige Orien ierung des englischen Hofes ausgeschlossen war, tote ja überhaupt die brr ische Politik sich durch dynastische Dante in ihrer Enstchlußfreihät niemals hat beeinträchtigen lassen. Trotzdem darf die Bedeutung dieser höfischen Deziehrrngen zu unteren Fürstenhäusern während des Vik.oärnischen Zeital.ers nicht gering eingeschäht toevben, und namentlich das Verhältnis zwischen England und Deutschland erhielt durch Die enge Verbindung mit dem Haus Hohen- zollern bis zum Tote ter alten Königin sein Gepräge. War doch Kaiser Wilhelm 1L als Sohn von Viktorias ältester, im Jahre 1840 geborener Tochter, der Kaiserin Friedrich, ter Enkel der Königin von England; hinzu kam die nahe Verwand.schäft mit tem herzoglichen Hause von Sachsen-Coburg-Gotha und mit tem großherzoglichen Hause Hessen. Eine weitreichende verwand schastliche Verzweigung erlebte das englische Königshaus auch durch die Heiraten ter Kinder ter Königin Viktoria. War ihre Erstgeborene preußische Kronprinzessin und später Deu fche Kaiserin geworden, so führte ihr ältester Sohn Albert Edward, der spätere König Eduard VII., eine Tochter des Königs Christian IX. von Dänemark, die spätere Königin Alexandra von England heim. Ihre Schwester wurde unter dem Qlamen Maria Feodo- rotona Gattin des damaligen Großfürst-Thronfolgers von Rußland, ter nach ter Ermordung seines Vaters am 1. März 1881 als Zar Alexander HL Herrscher aller Reußen tourte. Ein Sohn Christians IX. von Dänemark uird seiner Gattin, Königin Luise, bestieg als Geor- gios I. 1864 ten griechischen Königsthron; er stack erst 1913 in Saloniki von Mörterhand. Dessen Sohn Konstantin war durch seine Heirat mit Sophie, der Schwester des ehemaliger Deutschen Kaisers, wiederum in enge verwandtscha't- liche Verbindung zu ten Häusern H ohenz o l- lern und Coburg gelangt; aber damit sind die verwand schaf lichen Dickungen zwischen dem dänischen König th uS und tem großen europäischen Fürsteng^chlechtern noch nicht erschöpft. Es würde zu well führen, sie in ihren verwirrenden Zusammenhängen hier alle auszuführen, es sei nur noch daran erinnert, daß auch ter gegenwärtige König von Rorwegen, Haakon VII. ein Enkel Christians IX. von Dänemark ist. Er hatte in ter Prinzessin Maud wiederum eine Tochter Eduards VII. von England geheiratet, man sieht, wie diese Fürsterchäuser eine einzige große Familie darstellen. Richt ohne Grund hatte man tenn auch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Königin Luise von Dänemark „Sie Schwiegermutter Europas" genannt. Außerhalb Englands weih man kaum noch oder hat es langet wieder vergessen, daß König Georg V. ursprünglich gar keine Anwartschaft auf ten britischen Thron besaß. Denn Eduards VII. ältester Sohn war nicht er, sondern ter Herzog von Clarence, ter jedoch im Iahrre 1892 von einer Lungenentzündung dr.hingerafft wurde. Der Verstorbene war mll Dik'ocia Maria, Fürstin von Teck, verlobt; nach seinem Hin- scheidrn trat sein jüngerer Bruder Georg in das Verlöbnis ein und vermählte sich mit ihr am 6. Juli 1893. Sie ist die jetzige Königin Mary, und auch sie ist deutschen Geblüts; denn die Tecks sind ein württembergisches Adelsgeschlecht, daS erst im 19. Jahrhundert nach England übergefieteü Ist. Demgemäß fließt auch in ten Adern ter nächsten Generation des englischen Königshauses kein Tropfen britischen, sondern nur deutsches Blut. Richt mir rein genealogisch, auch individuell ist die enge Bluts verwand schäft zwischen ten europäischen Fürstenhäusern evident. Als im Jahre 1913 gelegen lich ter Hochzei im damaligen deutschen Kailerhause König Georg V. und Zar Rikolaus II. in Berlin weilten, fiel jedem, ter die betten Monarchen nebeneinander sah, ihre ausgesprochene Aehnlichkeit auf, eine Ähnlichkeit. wie man sie sonst fast nur bei Zwil- lingsgeschwistern findet. Sie Erschien um so größer, als die beiden Monarchen sich sogar in der Haar- und Darttracht nicht voneinander unterschieden, und ein Witzblatt mach.e daraus einen spannend fern muß. Lind hier, — im Vordergrund die breithpigen Fischer und Matrosen, im Hintergrund das tintenblaue Meer mit ten blassen Konturen der im Sonnendunst schimmernden Inseln, — be,intet sich „das Cafä". dessen einziger, treuer Stammgast ich zur Zell bin. Hier trinke ich nachmittags meinen schwarzen Ka.fee, rauche eine Zigarette und lese die Zeitung. Diese Zeitung ist meine einzige Verbindung mit ter Welt. Da sie aber in einer fremden Sprache gedruckt ist, (in welcher, das verrate ich nicht!) bringt alles, was da draußen geschieht, merkwürdig und angenehm gedämpft, wie hinter einer dicken, dicken Glasscheibe, in mein Bewußtsein. Sensal ions-Prvzeste, Ministerkrisen, Parteigezänk, — es ist überall dasselbe, aber in ter fremden Sprache.klingt es unwirklich, geheimnisvoll, wie in eine traumhafte Sphäre entrückt, älnd ist dieser ganze Ort, dieser Platz mit ten weißen Broten und fächerartigen Palmen, mit ten dunkelhäutigen Fischern und dem jetzt flaschengrün, silbern und rosig, wie Perlmutter flimmerndem Meer nicht ein Traum, eine Theaterkulisse, — zu schön, um toirtldj zu sein?! Weiße Segeldreiecke ziehen über den nur leicht gekräuselten Spiegel. Ganz weit am Horizont taucht dann und wann die braune Rauchfcchne eines Ozeandampfers auf und versinkt wieder in ter stlnendlichkell. Hier legt kein Dampfer an. Rur einmal kamen Segelschiffe, mächtige Dreimaster, und hielten draußen, am äußeren Rande der Ducht, wo der Heine Fluß sich zwischen flachen Sandbänken in das Meer ergießt, lieber Holzböcke wurden schmale Dretter vom Schiff ans Land gelegt, mulattenbraune Durschen mit verwegenen Gesichtern, nur von losen, flatternden Hemden bekleidet, rannten über ten schwankenden Steg ans Land, und wieder vom Land aufs Schiff, spitze, geflochtene Körbe auf den Schultern, die sie mit gelbem Sand füllten und auf dem Schiff ausleerten. Alles ging mit affenartiger Geschwindigkeit vor sich und sah aus. als plünderten hier Piraten. Ater es gibt hier noch viel Sand, und die Drandung spüll immer neue Schätze ans Ufer, so daß wir unS nicht zu ängstigen brauchen. Gegen Abend segelten die Piraten mit schwer bratenen Schiffen ins offene Meer hinaus. Die Sonne fällt schnell, wie ein Stein, hinter die Derge, und schnell, wie ein schwarzer Vorhang, sinkt die Rächt über daS Meer. In zehn Minuten findet völliger Szenenwechsel statt: Sterne am Himmel, Lichter an ter Mole blitzen auf, die Laternen werfen die zackigen Schatten der Palmbüschel auf die Straße, eisig weht es, tote aus einem Keller. Aus der Fischerkneipe schmettert ein altes Grammophon einen Tanzschlager. Eine Weiche, volle Männerstimme nimmt die Melodie auf und trägt sie durch die nächtliche Gasse. Zigaretten glühen in ter Dunkelheit, Pärchen schlendern vorbei, Mädchengelächter flattert. Liebe hier, wie überall, aber unbeschwerter, unbekümmerter, wie mir scheint, als unter nordischem Himmel, unter Regenwolken und grauem, drückenden Rebel. Entronnen dem Rebel, dem Regen, der Post. Da komme ich am kleinen Postgebäude vorbei, bas merkwürdig spitz, wie eine Theaterkulisse, zwischen zwei Straßen dasteht, — und es zuckt durch meinen Kopf: ob wohl dort Briefe für mich liegen? Schon der Gedanke ist beunruhigend. Schnell gehe ich noch einmal an ten Strand, fe£e den weißen Schaum der Brandung im schwachen Licht der Laternen aufleuchten und versinken, höre das Auf und Rieder ter sich überschlagenden Wellen kämme, dieses Brausen, das feit Jahrtausenden braust, älnd in mein Zimmer zurückgekehrt, höre ich noch im Halb« schlaf den gleichmäßigen Atem des Meeres, zeitlos und urwelthaft. und schlafe beruhigt ein. Kinderiuschkasten. Don Wolf Zucker. Aus dem lange nicht geöffneten Schrank fällt einem plötzlich eine schmale schwarze Dlechschachtel entgegen, ter Farbkasten einer vergangenen Zeit. An vielen Stellen ist ter schwarze Lack abge- stohen, und das silberne Metall schimmert hindurch, bas Zeichen einer im Gebrauch erlangten Ehrwürdigkeit, und zugleich die Verheißung emes geheimnisvollen Innern. Hnb wenn man ten Deckel aufschlägt — er klemmt ein wenig am Rande —, so leuchten einem die Heinen eefigen Farbtäfelchen in jener Intensität und Geordnet - hell entgegen, die es nur damals gab, und die, wer weih wann, auf immer verlorenging. Es sind fünfzehn Täfelchen, aber diese fünfen genügten, um die ganze Farbigkeit einer Well, einer ÄintertoeÜ, toietenugeten. Gin Blau, ein Rot, ein Grün und ein Gelb — es waren starke, eindeutige Färbern und es war auch keineswegs bedenklich, diese Farben unvermischt, absolut und kontrastreich nebeneinander aufs Papier zu fetzen. Was bedurfte es damals ter vielen Differenzier hübschen illustrierten Scherz, intern es Wilhelm II. beim Eintritt eines feiner beiden Q3ettem fragen ließ: „Ist das nun ter Zar oder ter ÄingT' 3m übrigen hatte auch diese Heirat wieder eine neue, enge Verbindung zwischen zwei ter ältesten europäische Fürstenfamilien geschaf- fen, intern ein Sproß bä uralten Welf en- hauses, der Herzog von Braunschweig und Lüneburg, Enkll des letzten Königs von Hanno- ver, eine Hohenzollernprinzessln, dia einzige Tochter Wilhelnrs II.. hcimführ.e. Weitere verwandtschastliche Verbindungen des britischen Fürstenhauses führen nach Rumänien, imb zwar durch die verwitwete Königin Maria, die Gattin des verstorbenen Königs Efcr- dinand, die eine Tochter des Herzogs von Edinburgh. eines Bruders von Eduard VII., ist. Sie galt in ihrer Jugend unter ben vielen schönen Frauen coburgischen Gcklüts als die schönste. Englischen Geblüts, und zwar eine geborene Prln* zessin ©na von Battenberg, in Wirklichkeit natürlich ebenso teu'sch von Abstammung wie das ganze englische Königshaus, ist auch die gegenwärtige Königin von Spanien, wie auch mit dem schwedischen Hof eine enge Verbindung besteht. Denn ter Kronprinz Gustav Adolf von Schweden war in erster Ehe mit Margarete, Tochter des Herzogs von Con- naught, eines Sohnes ter Königin Viktoria, und er ist in zweiter Che mit der Prinzessin Luise von Battenberg verheiratet. George Croppen. Das Giraßsnbahnprojekt Gießen — Wieseck. Die Vertreter der Gemeinde Wieseck bet den Straßenbahnverhandlungen mit Gießen . Bürgermeister S ch o m b e r und die Gemeinteräte Benner und Werner, haben unS auf unseren Artllel in Rr. 284 vom 3. Dezember eine Erwiderung zugehen lassen, die wir am Montag im Wortlaut zur Kenntnis unserer Leser brachten. Wir haben dazu folgendes zu bemerken: 2m Verlaufe der bisherigen Erörterungen über die Str aßen bahnfvage Gießen-—Wieseck haben wir mehrfach mit Bedauern vermerkt, daß in dieser Angelegenhell trotz wiederholter Versuche noch kein positives Ergebnis erzielt wecken konnte. Wir haben dabei im Jahre 1925 vor allem an der Stellungnahme der Gießener Unterhändler Krllll geübt, da uns das damalige Verhalten der maßgebende), Gießener Stellen taktisch nicht richtig und sachlich nicht förderlich für die Lösung des bedeutsamen Problems erschien, daS damals schon bei glücklicherem Verhalten auf beiden Sei en hülle zum Abschluß gebrecht werten können. Wenn uns nun jetzt, wo wir unsere kritischen Aeuherungen gegen die Wieseckeu Verhandlungspartner richten müssen, von diesen der Vorwurf ter Einseitigkeit gemacht wird, so ergibt sich auf Grund unserer bisherigen Stellungnahme in dieser ganzen Frage, daß dieser Vorwurf durchaus abwegig ist. Die oben genannten Wwsecker Bevollmächtigten versuchen in ih.er Erwiderung weiter, die bisherige Geschäftsführung deL Zweckverbandes Wieseck—Alten-Duseck in bezug auf die Abschreibungen zu rechtfertigen. Sie erllären, daß es ihnen neben der Finanzierung eines Wagenkaufes im Betrage von 27 000 Mk. aus laufenden Detriebsrnitleln nicht möglich gewesen sei, auch noch Abschreibungen vorzunehmen; in Berlin oder Hamburg könne das möglich fein, sonst aber nicht. Hierzu möchten wir bemerken, daß es in jedem Betriebe mit geordneter kaufmännischer Führung eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist, Abschreibungen vorzunehmen. Es ist doch ohne weiteres einleuchtend, daß sich daS Material — und zumal bei einem Autobetrieb! — von Jahr zu Iichr in seinem Werte verringert. Diese Wertminderung mutz selbstverständlich, auch wenn Reuanschaffungen aus laufenden Mllteln finanziert werden, ihren Ausdruck finden in einer jährlich sinkenden buchmäßigen Bewertung der Betriebsmittel. rungen, der Stufen und Abschattierungen, zwischen den einzelnen Facken? Bäume sind grün und Dächer rot, dieses stand fest; unb woll < man ein Dach malen, so nahm man das Rot, das ter schmale Tuschkasten eben bot Es war schön, mit so wenig Farben auskommen zu können, und ter große Pastellkasten mit seinen vielen hundert Stiften, den man irgerrdwo sah, war nur verwirrend, undeutlich und die Harmonie jener kräftig rot, blau, grün, gelben Well zerstörend. Geheimnisse gab es genug im Tuschkasten. Tor man Rot und Blau zusammen, so tourte daraus ein starkes Violett, ein Violett, das weihnachtliches Seitenpapier mit Ostereiern gemeinsam hatte; und Blau und Gelb zusammen wurde allemal Grün. Aber es gab auch ein eigenes, ungemischtes Grün im Kasten, ilnb auf ter etwas elastischen Oberfläche des Täfelchens, das meist in der Mitte des Kastens lag, klebte ein Zettel mll toten Buchstaben: Gift! Das Gift im eigenen Tuschkasten war eine geheimnisvolle Drohung, für andere, vielleicht sogar die Erwachsenen, und auch für einen selber. Es bedeutete Gefahr imb Lockung, Oebamih'ein und Macht. 2£ber mehr noch des Geheimnisvollen war da: zwei Schälchen mit Gold und SiLer an ten beiden Schmalseiten des Kastens, älnd um ihrer Besonderheit willen, weil doch Gold und Silber zugleich weniger und mehr als Sorten waren, hatte man ten Schälchen eine runte Form gc* geben. Damals schon wußte man, daß Gold und Silber eigentlich keine Facken sind, und man gebrauchte sie mit einem vor Aufregung fast trockenen Prnsel nur verstohlen, für einen Helm vielleicht oder ein Glänzendmetallenes. Unb wenn dann das Blatt, das man getuscht hatte, fertig toar, so lag es etwas verbogen von ten manchmal $u nassen Pinselstrichen auf tem Tisch. Und während noch das Wasserglas, in dem sich eine unerllärllch schmutzige Flüssigkeit gebildet hatte, aus ter Tischplatte einen unerlaubten Kreis ab- zeichnete, wischte man schon vorsichtig und wre versuchsweise über die stumpfen Gold- und Sil- terstellmr tes fertigen Bildes. Unb siehe da, ein toenig Gold, ein wenig Silber haftete an tem Ringer, vergänglich und doch dauernd wie eine Snnnerung, wie ein Iugenderlebnis. Unb vielleicht ist es ein schwacher Abglanz jenes metallischen StaubeS am Äinterfiuger, ter uns noch letzt manchmal in der Galerie, wenn der Wächter rächt hinsieht, lockt, über ein Glänzendes, etn StarkfarblgeS auf einem Bäte sanft mit dem Srnger zu fahren. 3u den vier Bedingungen 06er den evts. Der- traasabschluß mit Gießen, die von den OBitJeder Unterhändlern In ihrer Erwiderung vom Montag angeführt wurden, ist zu sagen, daß die Ziffern 1, 2 und 4 bereits Bekanntes nur noch einmal bestätigen. Wenn die Wieseder Bevollmächtigten in Sffer 3 ih.er Erklärung betonen: „Qln einer Zubringerlinie 2l l - ten-Dufeck — Wieseck Hit die Stadt kein Interesse", so steh, diese Erklärung tot Widerspruch zu de m BerHan dlangsVerlauf der Kommissionssitzungen vom 15. Oktober und 14. November. Am 15. Oktober regte Gemeinderat Benner bei der Besprechung im Wieseder Verwaltungsgebäude u. a. an, „bie Stadt Gießen solle mit Alten-Duseck wegen Auf» rechterhrltung der Kraftwagenlinie Wieseck— Alten-Dused verhandeln. Bürgermeister Dr. Selb empfahl, auf diese letzte Anregung heute nicht mehr einzugehen". Hiernach kann man doch auf keinen Fall von einer Ablehnung durch Gießen sprechen! Es handelte sich ledigllch darum, den Derhandlungsstoff für die betreffende Sitzung zu begrenzen. Am 14. November aab Bürgermeister Schomber die Anregung, die Stadt solle die Wagen für ihre Zwecke übernehmen, Wieseck solle alsdann einen Pendelverkehr nach Alten- Duseck betreiben. Auf Anfrage von Bürgermeister Dr. Selb hierzu wurde festgestellt, daß dies eine persönliche Anregung von Bürgermeister Schomber darstelle. Sollte mit dieser Feststellung gesagt werden, daß die beiden anderen Wiesecker Bevollmächtigten und der dortige Gemeinderat mit der Anregung des Bürgermeisters nicht einverstanden waren? Wie die Wiesecker Bevollmächtigten angesichts dieser Sachlage jetzt behaupten können, die Stadt Gießen habe kein Interesse an einer Zubringerlinie Alten-Duseck—Wieseck, ist unverständ'ich In diesem Zusammenhänge noch einige Worte über unsere eigene Stellungnahme zu den Alten- Dusecker Verkehrsbelangen. Wir haben uns schon seit Jahren wiederhol' mit Entschiedenheit öffentlich dafür ausgesprochen, daß man bei der Wetterführung der Gießener Straßenbahn nach Wieseck von vornherein ins Auge fassen tolle, die Elektrische zu einer Lleberland- bahn nach Alten-Duseck auszugestalten, damit auch der dortigen Bevölkerung, die für das Gießener Wirtschaftsleben von großer Wichtigkeit ist, die Möglichkeit einer bequemen und täglich öfteren Fahrverbindung nach Gießen geboten wird. Dieser Ge ichtspunkt war für uns von jeher sogar einer der Hauptgründe für unser entschiedenes Eintreten zugunsten der Straßenbahnerweiterung nach Wieseck. An dieser Einstellung des Gießener Anzeigers hat sich nichts geändert. Wenn wir in unserem Artikel vom 3. Dezember die Alten-Busecker Interessen zunächst aus dem Krttse der Betrachtung ließen, so nur deshalb, weil es für uns auf Grund unserer ganzen bisherigen Stellungnahme von Anfang an keinem Zwei el untrrtog, daß Gießen ein starses Interesse an der Befriedigung der Alten-Dusecker Derkehrswüiffche habe. Wir sind auch der Lleberzeugung, daß mit uns alle für dir Derkehrsförderung in Betracht kommenden Gießener Stellen weiterhin sich bemüht hätten, den Alten-Dusecker Wünschen im Anschluß an ein Strahenbahnabkommen Gießen^Wie'eck Erfüllung zu verschaffen. Wir unserseits werden jedenfalls, tote bisher schon stets, entschieden dafür eintreten, daß die Derkehrsverbindung zwischen Gießen und Alten-Duseck immer fester und dauerhafter wird. Zu den übrigen Erklärungen der Wiesecker Linierhändler mögen einige kurze Randbemerkungen genügen. Hinsichtlich der Frage der Eingemeindung haben die Gießener Vertreter «ruf Anfrage von Bürgermeister S ch o in b e r in der Kommissionssitzung vom 15. Oktober erklärt, daß die Stadt der Angelegenheit sympathisch gegenüberstehe, die Zeit dafür ’e'och noch nicht gekommen sei. Don einer grundsätzlichen Absage GicßenS kann also nicht gesprochen werden! Lieber die Auflösung des Zweck- verbandsverhältnisse's zwischen Wieseck und Alten-Duseck wäre sicherlich ein befriedigendes Arrangement erzielt worden, bei dem man es von Gießen aus faum an Entgegenkommen hätte fehlen lassen, wenn die Wiesecker Bevollmächtigten den mit Gießen wieder angesponnenen Faden nicht vorzeitig hätten abreißen lassen Interessant ist in diesem Zusammenhänge, daß Herr Benner schon am 15. Oktober den Gießener Vertretern gelegentlich der ersten Kommissionsbesprechungen erklärte, daß für den -Zweckverband die Möglichkeit bestehe, den Be- Lach« Wajarr»! ZRoman von Z. Schneider-Foer-sil. Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 19. Fortsetzung Nachdruck verboten. Nichthofen benützte ihre versöhnllchere Stimmung, um auf sie einzureden „Ich fahr jetzt naus. Mizzerl, zu ihm und bring dir Nachricht. Er wird sch gar net denkn können, warum keins zum Nachschaun und zum Fragn kommt. Soll ich ihm sagn', er möcht in die Mariabttserstraßn gehn, daß d' dich mit ihm ausredn kannst?" .Ja!" .Wirst ihm doch rächt gleich 'S Messer auf die Brust setzn, heut, wo er so schon soviel zum tragn hat?" „Ich werde ihm nicht zu wehe tun!" gab sie mit leichtem Spott zurück. „Wenn er wirllich eingesteht, daß es sich so verhält, tote es in dem Briefe heißt, werf ich ihm mein Geld vor die Füße, dann soll er sich eine neue Existenz damit gründen Ich selbst aber will nichts mehr mit ihm zu schaffen haben" Richthofen kam nicht dazu, etwas zu erwidern, denn der eintretende Diener meldete den Baron Hettingen Leopold riß die Türe auf, die nach dem Korri" dvr führte. „Joachim! — Alter!" Er schluckte an den Worten, vermochte vor Erregung nicht weiterzusprechen und zog ihn zu sich in das Zimmer. „Kopf hoch haltn. mein Lieber! Kopf hoch' Kommen auch wieder andere Tage. Das verdammte Geld! Nix wie Scherereien hast damit! Wie geht'- dem Herrn Papa?" Ein Achselzucken Das blonde Haar klebte Hettingen feucht und wirr an den Schläfen Das ins Gelbweih« spielende Gesicht war völlig verändert. „Ich habe meine Mittler vor einer Stunde ins Irrenhaus gebracht." „Na, Joachim! Das net!" Hettingens Kopf fiel «mit einem todwunden Aufstöhnen zur Brust herunter. ..Die ganze Straße hinunter hat man sie lachen hören, Lev- trieb der Araftwagenlinie abzutrete». Wie verhält sich diese Erklärung zu der jetzigen Behauptung, daß nach dem 15. Oktober (den die Wiesecker Vertreter hier im Auge haben) das Angebot der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen „plötzlich kam"? Ob der jetzige Vertragsabschluß mit der Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" den Interessen Wiesecks und Allen- Dusecks „weitgchendst Rechnung" trägt, ist eine Frage, über die man erst nach Ablauf einiger Jahre wird urteilen können. Daß nach 5 Jahren die Gemeiiide Wieseck „die elekt rischeBahn ohne wesentliche finanzielle Belastung bekommen" wird, ist heute nichts mehr als eine bloße Mutmaßung. Die Wiesecker Bevollmächtigten wollen in ihrer Antwort vom Montag auch den Anschein erwecken, als ob man in Wieseck Lieberschüsse aus dem Autoomnibus-Betrieb gar nicht erwartet, sondern sich von Anfang an auf Zuschuhleistungen ge'aßt gemacht habe. Dabei haben aber semerzeit bei der Einrichtung dieses Betriebes Männer, die heute noch an führender Stelle des Llnternehmens stehen, nicht oft genug von den zu erwartenden äleberschüssen sprechen können! Herr Benner Hai, wie Wiesecker Einwohner uns heute noch bestätigten, seinerzeit der Gemeinde Wieseck sogar in Aussicht gestellt, daß man aus dem Autobetrieb alljährlich soviel her- auswirtschasten werde, um für die Gemeinde in mancher Hinsicht finanzielle Sorgen bannen zu können. Die gleichen äleberfchußankündigungen sind damals auch wiederholt in Berichten für die Oeffentlichkeit gemacht worden. Diese Derheißun- & dürften den weitesten Devöllerungskreisen noch bekannt fein. Bezüglich der Indienst st ellung des neuen Omnibusses im Oktober d. I. sind wir nach wie vor der Meinung, daß man diese Maßnahme im Hinblick auf die im Gange befindlichen Verhandlungen mit Gießen hätte vermeiden sollen, um auf der Gießener Seite gar nicht erst Mißtrauen gegenüber dem Verhaute lungsgegner aufkommen zu taffen. Zur Frage des Baues der Straßenbahn brs zur Gießener Gemarkungsgrenze dürfte wohl die Gießener Stadtverwaltung etwas zu sagen haben. Wir unsererseits wöllen jedenfalls den Wiesecker älnterhändlern die Freude darüber nicht trüben, daß sie die „KaPitaÜdummheit" mit den 40 000 Mk. nicht gemacht haben. Auch hierüber wird ja erst die Zukunft lehren, wer in dieser Hinsicht das Richtige getroffen hat. LandjugendSund für Oberheffen. Unter sehr starker Beteiligung der Landjugend aus allen Teilen Oberhessens fand am Sonntag int Hotel „Hopfeld" in Gießen die Tagung deS P rovi n z i a l v e rb an des Oberhessen des Landjugendbunbes statt. Der Präsident, Robert Schmidt (Steinheim bei Hungen), begrüßte besonders als Ehrengäste den Provin- zialvorsitzenden des Landbundes, Landtagsabg. Fenchel (Oberhorgern), MtbürgernreisterM ö r- ler (Ockstadt), den Vorsitzenden der Ortsgruppe Gießen, Postsekretär North, und Fräulein Kampf (Gießen). Die Rechnungsabtage, welche D. Lenz (Friedberg) erstattete, zeigte einen günstigen Kasscntestaad. DeDorstandswohl ergab die Wiederwahl des 1.Vorsitzenden Robert Schmidt (Steiirh.nm), des Stellvertreters Karl R ü fj l (GönSmühle bei Schotten), der Vorstandsmitglieder Landwirt Kreud er (Grünberg) und W. Georg (Hollhof bei Alsfeld). Eine lebhafte Aussprache erfolgte über die Punkte »Organisationsfragen" und „D a u e r n h o ch s ch u l e". Der Vorsitzende Schmidt erstattete Bericht über die Bauernhochschule Oranienstein. Obwohl die VrrsMnm- lung der Dauernhochschule volle Sympathie zollt, wurde von einer derartigen Einrichtung für Ober- Hessen aus finanzilllen und wirtschaftlichen Gründen vorläufig abgesehen. Das Augenmerk soll zunächst aus den weiteren Ausbau der Organisation, besonders der Ortsgruppen, gerichtet werden. Deshalb sollen int Laufe des Winters in verschiednten Teilen Ober heftens sechs Führerkurse abgehallen werden. Eine Anregung auf Abhaltung von Lichtbildervorträgen und Vorführung von Lehrfilmen fand insofern Zustimmung, als man mit den Kinos der Qante städtchen in Verbindung treten will. Allseits begrüßt wurde die Ausbildung zum Samariter - und Sanitätsdienst. Zunächst soll mit den Landärzten in Verbindung getreten und dann nach Möglichkeit zur Abhaltung von Sanitätskursen geschritten werden. Hinsichtlich ter Abhaltung von Spvrtkursen wurde kein endgültiger Beschluß gefaßt. Die Ver- anstallung einet Lotterie zum Besten sportlicher Ausbildung der Landjugend fand einstimmige Annahme. Eingehend besprochen wurde die Frage der Siedlung und des Austausches von Bauernsöhnen und -töchtern. Den Mitgliedern wird empfohlen, sich in dieser Frage an den Vorsitzenden zu wenden, der die Vermittelung nach Nord- und Ostdeutschland übernimmt. Das Bundesfest für Oberhessen erhielt Hungen: es wird auf den ersten Sonntag im Juni 1929 festgelegt. Das Bundess chie- ßen (Kleinkaliberschießen) um den Wanderpreis wurde Echzell übertragen. Don welltragender Bedeutung ist die einstimmige Annahme eines Antrages, wonach alle Söhne und Töchter der Landwirte pflichtgemäß Mitglieder des Land- lugendbundes sein müssen. Der Vorsitzende, Robert Schmidt (Stein- Heim). schloß die harmonisch und in größter Einmütigkeit verlaufenen Provinzialtagung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Hessischer Landesausschuß für Leibesübungen. WSN. 2) a r m ft a b t, 10. Dez. In der Landes- Baugewerbeschule fand heute vormittag in Anwesenheit des Staatspräsidenten Adelung, des Mini- fterialrats Gluckert und des Schulrats Has. finger vom hessischen Ministerium für Kultus und Bildungswesen eine Sitzung des Landesausschusses für Leibesübungen statt. Nach den Begrüßungsworten des Ausschußvorsitzenden, Medizinalrats Dr. Friedrich, betonte der Staatspräsident sein verständnisvolles Ver- bundensein mit den Bestrebungen des Ausschusses. Trotz der Not der Zeit werde er versuchen, soviel Mittel als möglich für diese Bestrebungen flüssig zu machen. Darauf überreichte der Staatspräsident Ehrenurkunden für Verdienste um die Pflege der Leibesübungen in Hessen an Medizinolrat Dr. Friedrich (Darmstadt), Hochschulprofessor Dr. Georg Finger (Darmstadt), Oberrealschullehrer Peter Luley (Darmstadt), Werkhelfer Philipp Wolf (Darmstadt), Kreisvor- sitzender Karl Stroh (Offenbach), Bürgermeister Willi Zimmermann (Offenbach), Buchdruckerei' befitzer Georg Frey (Mainz), August Hannen- berget (Mainz), Wilhelm Will (Gießen) und Karl Schießen (Osthofen). Anschließend hielt Dr. Sippel, Dozent an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, ein Referat über „Menschtum und Körpererziehung". Schulrat H a s f i n g e r referierte über das Thema „Was erwartet der Staat von den Turn- und Sportvereinen?" Oberftudien- bireftor La u t e n s ch lä g e r sprach über die Frage „Landesturnrat oder Zentralstelle für Leibesübungen in Hessen?" Am Nachmittag erstattete zunächst Medi- zinalrat Dr. Friedrich Den Tätigkeitsbericht. Dann sprach Oberrealschullehrer Luley über die Turnlehrerausbildung und das Fortbildungsturnen, Werkhelfer Wolf über die Turnspiel- und Sportfrage. Nach einer anregenden Aussprache folgten die Wahlen, die die einstimmige Wiederwahl der Landes- ausschußmitglieder ergaben. Oie Ehrung Will's. Die vom Staatspräsibenten Adelung dem Universitäts-Turnlehrer und Gauoberturnwart Wilhelm W i l l (G t e ß e n) überreichte Urkunde hat folgenden Wortlaut: Ehrenurkunde für Herrn Universitäts-Turnlehrer Wilhelm Will in Gießen zum Zeichen der Anerkennung keiner vortrefflichen Leistungen zur Förderung der Leibesübungen und der Volkserziehung. Ueber fünfzig Jahre wirkt er nun in Verein, Gau und Deutscher Äirnerschaft auf allen Gebieten der Leibesübungen gleich segensreich. Immer hat ihn dabei die Ueberzeugung geleitet von dem hohen Wert der Leibesübungen für Volksgesundheit und Volksgemeinschaft. Dafür fei ihm der Dank des Hessischen Staates ausgesprochen. Darmstadt, den 10. Dezember 1928. Der Hessische Staatspräsident und Minister für Kultus und Blidungewesen: Adelung. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. *DasAmtsverkündigungsblattNr.89 vom 11. Dezember enthüll: Feldbereinigung Wieseck. Dienstnachrichten. oachim! Sie ist zwar noch recht aufgeregt. Ja — recht aufgregt is über drin LInglück," er* Richthvfen erschund. „Das sollst mir auch noch antun, Joachim! Sie ist zwar noch recht aufgeregt. pvld! Lachen! Sie hat kein Weinen mehr gefunden!" „Du armer Kerl!" Richthofen ncchm ihm den Hut ab, den er noch immer krampfhaft zwischen den Händen hiell. „Kann ich dir was Liebs tun, Joachim? Sag!" Er wischte sich hastig über Augen und Wangen. „Is dir für 'n Augn- blick mit ein paar tausend Schilling gholsn? Brauchst jemand, der für dich einspringt? Hast Außenständ, die ich rcchtmachn kann? Mein letztn Groschn nimm ich raus aus ’m Gschäft! Red doch, Alter!" Joachim stand wortlos und fab nach dem Divan, auf welchem kurz zuvor noch Maria gelegen hatte. Ihr großes, seidenbefranstes Tuch hing noch über der Lehne. „Wenn ich jetzt nicht Pflichten gegen deine Schwester hätte — jede Art des Sterbens wäre mir recht," sagte er ohne irgendwelche Färbung tat Ton. gänzte er unsicher. Er merkte, tote Hettingen auf den Klang seiner Stimme horchte und die Augen in mißtrauischem Forschen weitete. „Es fehll chr nichts?" „Ein bffferl Kopfschmerzen! Sonst nix. Die Sorg hall, weißt! Die Sorg um dich!" Ein knabenhaft weicher Zug löste die Starrhell in Joachims Gesicht. „Wenn ich dich nicht hätte und Maria! Ich wäre verlassener als unser Herrgott am Kreuz es gewesen ist!" Er hiell inne und sah nach der Portiere, die eben von Marias Händen zurückgeschoben wurde. Mit ein paar raschen Schritten ging er auf sie zu, umfaßte sie behutsam und lehnte ihren willenlosen Kopf gegen seine Brust. Ihre Wangen unaufhörlich streichelnd, begann er halblaut auf sie etazureten. „Verlaß mich nicht, meta Liebes! Qlud), wenn du jetzt einige Zeit Geduld mit mir haben mußt. Ich bin ja völlig zerschlagen! Begreifst du das? Maria, ich bin ein Bettler! Aber ich hoffe, daß es bald wieder vorwärts- geijt. Wenn ich dir auch kein so glänzendes Los mehr bieten kann, wie ich es mir gedacht habe, entbehren sollst du deswegen nicht das gertngfte. Nur — du wirst mich doch verstehen — muß ich jetzt in erster Linie für die Eltern sorgen, daß ich ihnen ein einigermaßen erträgliches Dasein verschaffe. Die Mutter im Irrenhause — der Vater im Sanatorium. Sie haben beide niemanden als mich. Maria, bist du einverstanden, wenn wir die Hochzeit bis übers Jahr verschieben. Ich nehme jede Stellung an, die sich mir bietet, daß ich rasch zu einem Verdienste komme." Es fiel ihm nicht auf, daß ihr Gesicht reglos gesenkt blieb. Ohne ihn anzuseheir, gab sie ihm Bescheid. „Wäre es dir nicht möglich, dir mit meinem Gelde eine Existenz zu gründen?" Er hob liebevoll ihr Kinn hoch. „Mit deinem Gelde, Maria? Nein, Kind! Ich rechne nur mit meinen Händen und mit meiner eigenen Kraft. Sie sind beide noch völlig unverbraucht." „Aber früher!" — sie würgte an ihren Worten. „Früher, Joachim — als du um mich warbst, hall du doch auch mit meinem Gelte gerechnet!" „Wer sagt das!" Gr hatte sie so jäh los- gelaffen, daß es sie Mühe kostete, sich im Gleichgewichte zu halten. „Gib Antwort, bitte!" sagte er schroff. Sein Ton verletzte sie. Sie dachte nut an sich und nicht an die furchtbar große Qual, die er ohnedies schon in sich trug. In den Gürtel ihres Kleides greifend, reichte sie ihm den Dries mit ter eh.lvsen Anklage. Er wurde noch um einen Schatten farbloser. Sein Mund verschob sich. Die Finger um das Blatt geballt, stand er vor ihr. Sie empfand eine solch lähmende Furcht vor ihm, daß sie hinter einem S-uhle Deckung suchte. Ohne daß ein Wort taut wurde, entfiel ter Zettel seinen Häit- ten. Gr griff nach seinem Hut, verneigte sich und ging nach der Türe, wo ihre Stimme ihn zurücffchauen machte. „Dein Ehrenwort, Joachim, daß es Verleumdung ist! Mehr verlange ich nicht!" „Wan hat dir die Wahrheit berichtet," kam es heiser. „Dann hast du mich also betrogen!" schrie sie auf und nestelte die Arme in das Seidentuch das sie vom Stuhle ausgenommen hatte. Preußen. Kreis Wetzlar. i. Wetzlar, 11. Dez. Am Sonntag fand hier auf der Spilburg das von vielen Hunderten von Meistern und Brüdern besuchte Ordenskapitel der Groß-Ballei Hessen-Waldeck des Jung, deutschen Ordens statt. Don dem Großkomtur S t ö ß n e r wurden im wesentlichen Drganifalions- fragen besprochen, der Nachrichtenwart der Ballei Oberhessen verbreitete sich über die Grundlagen der jungdeutschen Idee und des Gemeinschaftsstaates, Ordenswanderwarl Generalleutnant a. D. Salzen- berg behändeste die Jugendbewegung und den Wanderdienst, und der Hochmeister, Artur M a tz- rau n, klärte auf über die innerpolitischen Kraft- zentten und ihre Absichten. Das sehr fruchtbare Ar- bellskapitel fand um 3 Uhr seinen Abschluß. Kreis Biedenkopf. Gladenbach, 11. Dez. Durch Beschluß des preußischen Staatsministeriums vorn 16. November 1928 ist die Landgemeinde Ammenhausen mit Wirkung vom 1. Januar 1929 ab in die Canik gemeinde Gladenbach im Kreise Biedenkopf einverleibt. — Am Freitag, 14. Dezember, findet hier Kram-, Rindvieh- und Schweinemarkt statt. — Die M ä r k t e f ü r 19^.9 sind wie folgt festgesetzt: 8. Februar Schweinemarkt: 15. März Kram- und Schweinemarkt: 3. Mai Kram-, Rindvieh- und Schweinemarkt; 2. Juli Kram-, Rindvieh- und Sckroeinemarkt; 23. August Kram-, Rindvieh- und Schweinemarkt: 18. Oktober Kram-, Zuchtvieh- und Schweinemarkt; 13. Dezember Kram-, Rindvieh» und Schweinemarkt. Maingau WSN. Frankfurt a.M., 11.Dez. Heute abend gegen 6.30 Ufjr brach im GervinUS- haus, Gervinusstraße 17, ein gefährlicher Dachst uhlbrand «uS, ter von drei Löschzügen unter Leitung von Branddirektor S ch ä n k e r und Brandrngenieur Gehre in mehrstündiger Tätigkeit auf feinen Herd beschränkt tourte. Der Brand war gegen 630 Uhr bereits als verdächtiger Rauch bemerkt Worten, ohne daß es sofort ge- (Tungen wäre, die Llrsache festzustellen. Als man den Herd entdeckte, waren die in Tätigkeit gefetzten Feuerlöscher und Haushtzdranten bereits wirkungslos; auch die Feuerwehr, die nach vier Minuten zur Stelle war, konnte wegen ter Unzugänglichkeit des Brandherdes teil Dachstuhl nicht mehr retten. Es wird vermutet, daß ter Brand auf einen Koksofen oder auf Schäveiß- arbeiten — das Dachgeschoß tourte gegenwärtig umgebaut — zurückzusuhren ist. Ein großer Teil ter unter dem Dach Regenten Alten ter zur Metckllgesellschaft gehörenden Lurgi-Ge'ellschaft tourte vernichtet. Der Gebäuteschaten von etwa 10 000 Mk. ist durch Versicherung gedeckt. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 13. Dezember. 6.30: Morgengymnastik. 12.30 bis 13.30: Mittagskonzert tes Rundfunkorchesters. 15.05 bis 15.35: Stunde ter Iuzend. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Kon^nci tes Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: ßefeftunte. 18.30 bis 18.45: Don Kassel: Fünfzehn Mtauteir Ratschläge für den Gartenfreund. — „Der Dilettantengarten". Vortrag von Garteningenieur Äarf Hinze. 18.45 bis 19.15: Von Kassel: „Kind — Bühne — Märchen". Vortrag von Karl von Feiner. 19.15 bis 19.45: Stenographischer Fortbildung« Kurses für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 20.15: „Hörspiel in Dielfachumschalter Nr. 1001 knS 1150“. Von Hoboiken. Anschließend.' Don Kassel: Militärkonzert. .Freitag, 14. Dezember. 6.30: Morgenghmnafti-k. 13.30 bis 14.30: Mit- 1 agskoirzert te£ Rund,unkorchesters. 15X5 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,35 bis 1735: Haus- frauen-Nachmittag, veranstaltet vom Franlsurler Hausfrauenverein, Frankfurt a. M.: „Geeignete Werhnachisgefch-enta für Kinder", Vortrag von Dr. Käthe Neumark. 17.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert tes Rund'unkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunte. 18.30 bis 19: S-unte tes Süd- westdeutschen Radio-Clubs. 19 bis 1920: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik." 1920 bis 19.30: Film-Wochenschau. 19.30: Vom großen Saal tes Saalbaues (Rach Stuttgart): Konzert der Museumsgesellschaft. Anschließend: „Roald Amundsen", Vortrag von Prof. Dr. Waller Behrmann. Darauf: Von Kassel: Kvmposllionsabend Walter Riemann. „3a---Betrogen!" „Du hast um mich geworben, weil du mein Geld wolltest!" „Weil ich dein Geld wollte." Todweiß tot Gesichte und um den Mund zwei tiefe Rinnen der Verachtung gegraben, sah er nach ihr hin. „Du hättest mich früher darum fragen sollen, dann wäre dir teese fürchterliche Enttaufckvmg erspart geblieben.“ Sie weinte hinaus, vor Zorn und Empörung über ihn. „Unb das wagst du mir zu sagen und mich todunglücklich zu machen." „Todunglückllch?" Er lachte auf. „Heber to einen, wie ich bin, kommt ein Mädchen in einer halben Stunde hinweg. Einen Lumpen, der dein Geld brauchen tarnt, findest du an jeder Straßenecke. Er muß ja nicht gerate Hettingen heißen!" „Du bewirfst dich selber mit Schmutz!" rief sie und weinte haltlos in ihre Hände. Ihr letzter Rest von Selbstbeherrschung verflog. Er kam ein paar Schritte in das Zinuner zurück. „Du hast Glück gehabt, Maria! Das Geschick hat dich vor einem Menschen bewahrt, ter möglicherweise dein ganzes Hab und Gut verspielt und dich mit ins Verderben gerissen hatte. Davor bist du nun ein für allemal gefeit Gestatte!" Gr streifte den Handschuh ab und nahm den breiten Ring, den er an ter Linken trug, vom Finger. Noch etwas näher tretend, legte er ihn auf die blau schwarze Sam ttecke tes kleinen Tisches. „Willst du deine Enffobung öffentlich in den Blättern mitteilen? Oder lassen wir die Sache einschtasen. In drei Wochen bin ich in Wien ein vergessener Wann! Dir wird es sicherlich kein Mensch verdenken, daß du dich von dem Bankrotteur loSgefagt haft. Zudem kannst du ja auch dm Brief vorzeigen, welchem Schur-« ken du in die Hände gefallen wärst!" Ihre weißen Zähne bearbeiteten die feine Haut der Lippen, daß sie wie blutroter Mohn in dem farblosen Gesichte standen. Dann hoben sich ihre beiden Hände zur Abwehr gegen ihn, ter mit brenn entern Auge auf sie zutrat. (Fortsetzung folgt) 06668 Gießen (Wilhelmstr. 13), den 11. Dezember 1926 08693 Gold / Silber / Armbanduhren IOH-BRÜCH * I0095D Praktische Weihnachts-Geschenke I0779A Teilzahlung nach Wunsch 10899A Polsterwerkstätte Adam Wehrheim, Löberstr.17 ^1O SCHAUFENSTER] Der f neue \ unverbindl. mein gutsortiert.Lager Gießen, Am Nahrungsberg 12 den 12. Dezember 1926 3 15 P.S. Unser Hans Wilhelm hat heute ein Schwesterchen bekommm. Dies zeigen hocherfteut an Karl Beck 1 vorm. 6g. Spies 4 Uhren, Gold- u. Silberwarefl ® Ludwjgstraße 27 i667| Der Vorstand. zu beginnen. — Wir bieten an-. 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Lind zumal heute, da wir nur mit äußerster Mühe die Mutzestunden zu einer Handarbeit noch finden, sprechen die tausend feinen Stiche einer Stickerei oder Häkelei doppelt beredte Sprache und erhöhen so die Gabe um ein Vielfaches an Wert. Don allzu mühsamen, zeitraubenden Handarbeiten ist man abgckommen Wir haben keine Verven mehr, große Decken in Madeira-Stickerei, Gobelinwandbehänge, Denise-Spitzen und dergleichen hervorzuzaubern Wutz auch nicht sein DaS Kunstgetoerte hat uns zahllose Möglichkeiten gezeigt. mit kühnem Entwurf und raschem Stich Geschmackvolles zu schaffen das sich dem Zeit- geschxnack da^u noch besser anpatzt als die gar zu feine Stickerei. Geschmack und künstlerisches Auge ersetzen hier ein gut Teil Arbeitszeit, und eS stehen auch hier ungezählte Dorschläge zur Wahl. Das Sofakissen bleibt nicht nur immer ein gleich beliebtes Geschenk, sondern die Freude daran hat sich zweifellos noch erhöht, seit man erkannt, daß in einem Raum Gemütlichkeit zu verbreiten, gar nkcht genug Riffen auf einem Sofa liegen können, kunterbunt hingeworfen und doch in ihren Farben und in ihrer Ausarbeitung zur ganzen Stimmung fein abg^stuft. Auch in modernstem Möbel wirkt das Kissen auS schönem Drokatstoff, vielleicht aus alten Stücken, die eine Goldborte verbindet, wohnlich und warm. Sehr fein in den Farben: Dlau unZ> rote Malerei in kubischen Mustern, im eckigen Kranz auf silber- grauem oder beigefarbenem Sammet. Richelieu- Arbeit in grauem grobem Leinenstoff zeigt ein Rosenmuster in stark betontem Gitter, das, zur Wirkung mitgehörend, große Flächen der lilafarbenen Llnterfütterung freiläht. Auch Gold- und Silberstickerei in Stil- und Flachstich, wie in Spritzmalerei kommt auf blauem Sammetoder Tuchgrund hübsch zur Geltung. Daneben zeigt man eine Reihe sehr hübsch gehäkelter Kissenplatten, die, in festen Maschen verarbeitet, wobei in beide Maschen eingestochen wird, durch eingestreute Muster — hier in grau, grün und orange im schwarzen Grund — ein wenig gobelin- artig wirken Dreifach begegnet man Heuer bei den Vorschlägen für Weihnachtshandarbciten der Gabelarbeit. Wie möchten unsere Llrgrohmütter staunen, sähen sie die Dielgestaltigkeil, zu der man diese alte gemütliche Arbeit, die man zu ihrer Zeit nicht anders als zu Decken und Schals verband, heute zu verwerrden Weitz. Do überrascht ein gegabeltes Kissen in grau und schwarz und zweierlei Rosa ob feiner besonders entzückenden Wirkung. Sehr hübsch auch werden gegabelte Wollblumen, die eine Luft- maschenkette aus glänzender Seide bindet. Tee- wärmen wie der molligste Pelz. Originell und in schaumiger Wolle leicht tote ein Flaum und wärme ntote der molligste Pelz. Originell und geschmackvoll für den modernen Tisch ist ein Teewärmer, der in hellblau gegitterter Häkelei über durchgezogenen Strängen von bunter Wolle sich spannt. Dreierlei Lila und zweierlei Gelb: Eidotter, Orange und Linde geben zu Hellblau ein gutes Bild und mischen sich oben als Abschluß zum lustigen Pummelgriss, den eine gehäkelte Kordel zusammenfaht. Auch überzogene Kleiderbügel, Eiertoärmer und Hutständer bilden hübsche Gcflchenke. Bei letzterem schaut ein hübsches Prippenkövschen aus einer Halskrause von lila Schwcmenpelz hervor und verliert sich in die mit lila Sammet umwickelte Stange, die auf einem sammetbeschwerten Radelkissen, das gleichfalls lila überzogen, ruht. Statt gestickten Decken werden auch hier antike Stoffe mit Goldborte verbunden und umsäumt und leicht mit Satin unterfüttert. Weiße Decken zeigen breite, in Dogen angefurbeüe Llmsäumung von Klöppelspitzen und sind noch einmal von Klöppeleinsay oder Hohlsaumarbeit hx ihrer Fläche unterbrochen. Sehr beliebte Geschenke bilden Sachets in allen Großen sowohl für Taschentücher, Handschuhe und Kleinigkeiten, für Leibwäsche, wie neuerdings auch für Tischwäsche und DettWäsche in hübschen Farben xmb Formen, in Crepe de Chine oder waschbarem Crepe Satin wcichgefüttert, mit hübschen Dändern angebunden uni) mit zartfarbigen Dlümchen, auch fexnsädiger Gold-Spitze und Einsatz geziert. Reisebeutel für Wäsche und Schuhe sowi- für alle Kleinigkeiten in besonders praktisch übcrl.'gten Größen, auch ein Daunenkißchen in bunter Seide glatt bezogen mit Handgriff für Reise und Auto sind heute sehr beliebt. Lind wer das Kleben gut versteht, kann die entzückendsten Rauchservice, Tabakdosen, Zigaretten- und Zigarrenkisten, Duchständer auf den Schreibtisch, ja, ganze Schreibtischgarnituren aus Brokat, auch aus antiken Stoffen Herstellen, die ungleich rascher feilig als eine Richelieu- und Lochstickerei oder eine Gobelin- oder Stückarbeit, dem Zeitgeschmack sehr angepaßt in jeden Raum sich einfügen und überall Freude erregen. auf bewachstes Blech zu backen. Die Plätzchen sind was er zu bestreichen. setzen, in Mittelhitze noch heiß mit Honig- Zutaten: P/i Pfund abgezogene Mandeln, heißem Raum zu einem Weichen Teig, der sich in Keinen Portionen dünn ausrv len läßt. Man sttcht verschiedene Formen auS, runde, längliche, viereckige Plätzchen, auch Sterne und Herzen Ebenso kann man Bretzeln, Hörnchen und Kränze davon formen Man backt bei guter Hitze schön hellgelb. Die Plätzchen kann man mit dicker Marmelade oder mit Buttercreme von verschiedenem Geschmack, Mokka. Schokolade, Karamel oder Maraschino usw. bestreichen und mit verschieden gefärbter und gewürzter Glasur vor efcen; einige kann man vor dem Backen leicht mit Eigelb bestreichen und mit gehackten Mandeln bestreuen Sobald letztere aus dem Ofen kommen, siebt man etwas mit Vanille gewürzten Puderzucker darüber. Weihnachlsbäckerei Allerlei erprobte Rezepte. Weihe Lebkuchen: Zucker, 8 Eier, Vt Pfund ___ 50 Gramm Zitronat, 50 Gramm Orangeat, 15 Gramm Zimme!, 15 Gramm Kar a cm 4 eranxm Relken, Mehl nach Bedarf, Obiafeix. Zubereitung: Zucker, Eigelb und Eischnee eine Stunde lang schaumig rühren, die Gewür e danach dazugeben und soviel Mehl, bis der Teig nicht mehr fließt. Der Teig wird dann auf rech eckige (etwa 8 Zentimeter lange, 6 Zentimeter breite) Oblaten gestrichen, über Rächt getrocknet und dann bei gelinder Hitze gebacken. 3n die Mitte des Lebkuchens gibt man Scheiben von Zitronat. 3 im mellt er ne: 4 Eitoeih,* 1/. Pfund Staubzucker. 8 Gramm Zimmel, V, Pfund Mandeln Das Eiweiß zu Schnee schlagen und mit dem geficblen Zucker tüch.ig rühren, 4 Eßlöffel des Gerührten zur Glasur zurücklas en, dann Zimmet und die geriebenen Mandeln dazugeben Den Teig auf ein mit Grießzucker bestreutem Wellblech 3 bis 4 Zentimeter dick ausrollen, Sterne ausstechen im Durchmesser von 6 Zenttmeter. Diese mit der zurückb:h-l enen Glasur sorglälttg bestreichen und in gelinder Hitze langsam backen FeineSDuttergebäck. 500 Gramm Mehl, 125 Gramm feinen Zucker, 125 Gramm geschälte und fein gemahlene Mandeln, ein rohes Eidotter und 9 hart gelochte, durch ein Sieb gestrichene Eidotter. 330 Gramm frische Süßrahmbutter und nach und nach V« Glas guten Weißwein verarbeitet man auf einem Dackbrett in nicht zu Pfefferkuchen: 3 Pfund Honia, 3V2 Pfund Mehl, */4 Pfund Dufter, ein gehäufter Löffel gestoßene Zitronenschale, ein Tselössel Kardamom, ein knapper Teel >f,el voll Kr.-ldenelken, etwas geriebener Ingwer, nach De.ieben einige gehackte Mandeln und etwas Kcsiao. Mehl und Gewürze werden mit dem gelösten Honig und Dutter gebrüht. Rach tüchtigem Durchrühren kommen, nachdem der Teig etwas abgekühll ist. 6 bis c geschlagene Eier dazu. Zuletzt 34 Gramm Pottasche in warmer Milch gelöst. — Der Teig gehl sehr auf, darum nicht zu dick auflegen. Honiglebkuchen: 3 Pftmd Mchl, 2 Pftmd Honig, 1 Pfund feiner Zucker, 1/z Pfund fein- geschnittene Mandeln, 14 Gramm Zimmel, 4 Gr. Relken, Schale einer Zitrone, 20 Gramm Pottasche, Rum zum Lösen derselben, 1/4 Pfund Zitronat, V4 Pfund Orangeat. Zubereitung: Honig zum Kochen bringen, über das Mehl und den Zucker gießen, dann die Mandeln, das in kleine Würfel geschnittene Zi.ronat unb Orangeat und die Gewürze hinzugeben, zuletzt die in Rum gelöste Pottasche. Den Teig gut durchkneten und über Rächt an einem kühlen Ort ruhen lasten. Am nächsten Tag 1 Zentimeter dick ausrollen. Lebkuchen ausstechen und bei gelinder Hitze backen. Rach Belieben können die Leokuchen mit Wandeln verziert oder mit einer Eiweißzucker- glafur versehen werden. Deckgfasur: 50 Gramm feingt fichten Puderzucker mit einem Eiweiß und 2 bis 3 Tropfen Zitronensaft sehr glatt rühren. Pfeffernüsse: Zutaien: 1 Pfund Zucker, 5 Eier, Zitronenschale, 15 Gramm Kardamom, 25 Gramm Zitronat, 500 Gramm Mehl, etwas Zimmet und Relken, eine Messerspitze Pottasche, Eier und Zucker eine Stunde schaumig rühren, vorbereitetes Gewürz xmd Mehl dazugeben. Teig verkneten, ausrollen. Pfeffernüsse ausstechen, über Rächt trocknen lassen. Am folgenden Tag auf vorbereitetem Blech backen. Die Rüsse müssen hell bleiben. Rürnberger Dusserln: Hierzu gehören 1 Pfund feiner Zucker, 3 Eßlöffel Honig, 4 Eier, 20 Gramm Zimmet, 50 Gramm Mandeln, 50 Gramm Zitronat, etwas Relken xmd Muskat, V, Päckchen Backpulver, 1 Pfund Mehl. Zucker, (Ster und Honig werden schaumig gerührt: Gewürz, Mehl und Mandeln dazugetan, zuletzt das Backpulver. — Der Teig muß einige Dttmden ruhen, dann sind kleine Kügelchen zu drehen. Rationelle Verwertung der Gans Von Klara Balser. Der Gänsebraten im Winter ist wohl allgemein beliebt, und manche Hausfrau, manche Alleinstehende bedauert, daß er für ihren Geldbeutel zu kostspielig ist und deshalb vom Wunlchzettel verschwinden muß. Denn nur durch das zwangs» weise allzu rasche Verarbeiten deS Bratens wird bic Gans unrentabel, man schwelgt einige Tage in Fleisch, in Gänsebraten hintereinander, um dann in den folgenden durch größte Zurückhaltung hn Fleischeinkauf das Gleichgewicht der durch die Gans stark belasteten Wirlschastskasse wieder hev- zustellen, auf die siebet; fetten Tage folgen die sieben mageren. 3n dem Bestreben, die Gans so zu verwerten, daß ihr Genuß sich über eine Reihe von Wochen praktisch txrteüen laßt, seien hier eine Anzahl erprobter, vorzüglicher Rezepte der Gans-Verarbeitung gegeben. Folgende Speisen können wir aus einer Gans gewinnen: 1. Gänseleberpastete (lange haltbar). 2. gefüllter Gänsehals, geräuchert (lange hallbar), oder 3. geräucherte Spickgans, Gänsebrust (Dauerware), 4. Gansteile in Gelee (haltbar). 5. Gänsesetl, 6. gefüllter Gänsebra.en, 7. Suppe vom Gerippe und weihen Bohnen. Die Gänseleber wird halbiert, die eine Hälfte zurückgelegt, die antere Hälfte roh durch die Fleischhackmaschine getrieben mit etwa einem viertel Pfund durchwachsenem, gekochtem frischen Schweinefleisch. Dies alles wird zweimal gemahlen, reich ich gewürzt mit Salz, Pfeffer, Rla- joran, Thymian, Muskatblüte und Zwiebel. Ein irdenes Pastetenförmchen oder niedriges Weckglas mit sehr dünnen Speckscheiben auslegen und in folgender Weise füllen: eine Lage Farce, eene Lage der anderen in Scheiben geschnittenen Leber hälfte, wieder eine Lage Farce, obenauf dünne Speckscheibchen. Pasteten form oder Weckglas geschlossen und im Wasserbade etwa drei viertel bis eine Stunde gelocht. Der GänsehaLS. Ein Schweinelendchcn schiebt sich mühcklos in die abgezogene fette Hals- Haut. Der Hals wird nun mit Salz xmd Salpeter tüchtig eingerieben, so viel, daß er Lake zieht, und bleibt fünf Sage in einem fest schließenden Ge äh stehen, ost mit Lake begossen. Dann herausnehmen, in Kleie gründlich wälzen oder dick in Zeitungspapier Wickeln xmd etwa acht Sage in nicht zu flauen Rauch hängen. Dor dem ersten Gebrauch wird der Hals rasch ringsum gebraten (in etwa 10 bis 15 Minuten) xmd ergibt dann einen sehr guten kalten Ausschnitt. 'Oder man füllt die Halshaut mit folgender vorzüglichen Füllung: Leber (nicht Gänseleber), Speck, fettes, frisches Schweinefleisch, etwas Majoran, sehr wenig Thymian, zwei bis drei Dar- dckllen, Salz. Alles muh fein gewiegt fein. Der Hals wird oben xmd unten zugenäht, etwas gepökelt xmd In ebx Gazetuch gehüllt geräuchert. Derzichtet man auf den gefüllten Hals, xmd ist die Gans schön fleischig, so ist es sehr praktisch und eine große Delikatesse, Spickgans, geräucherte Gänsebrust zu bereiten. Dazu schneidet man zu beiden Seiten des Drxtftknochens die Drusttelle heraus, füllt die Lücke mit beliebiger Fülle xmd näht die Fett haut des Halses darüber, so daß die Gans wieder völlig geschlossen und ihre gute Form hat, fertig zum Braten. Die beiden Teile Gänsebrust legt man, Fetthaut nach oben, nebeneinander in ein flaches Gesäß, nachdem man sie gründlich mit Salz und Salpeter eingerieben und überstreut hat (etwa ein halbes Pfund Salz und 1 Gramm Salpeter). Es bildet sich eine Pökellake, mit welcher die Brustte.le häufig übergossen werden. Rach vier Die Kinderstube im Winter. Äon E Isolani. 3lad)brutf verboten. Der Kinderstube ist hn Winter eine weit größere Aufmerksamkeit zu schenken als im Sommer. Sollen die Kinder auch Im Winter, außerhalb der Schulzeit, sich soweit die Witterung es, nur irgend erlaubt, im Freien tummeln, so müssen sie sich doch in den Wohnräumen naturgemäß länger aushalten als im Sommer. 3a, so höre ich fragen, mutz denn überhaupt ein Kinterzimmer fein ? Können die Kinder nicht im Wohnzimmer oei der Mutter bzw. bei den Eltern bleiben? Das Kind ist doch am besten auf- aehobcn bei der Mutter, so lautet ein alter Er- stxhrungssatz unserer Eltern. Run, ich meine, das Kind ist am besten aufgehoben in einer gesunden Atmosphäre bxe letztere Bezeichnung geistig tote physisch genommen. Befinde! sich die Mutter in einer solchen Atmosphäre, die für die körperliche und geVjttge Entwicklung des Kindes gesund ist, so i|t das Kind freillch bei ihr gut ausaehoben. In den meisten Fällen befindet sich Die Mutter aber nicht in einer derartigen Atmosphäre, tote ich meinen gewitz sehr erstaunten Leserinnen gletch beweisen werde. Ich Halle die Atmosphäre für die geistige Entwicklung des Kindes für ungesund, wenn die Kinder Gelegenheit finden, Dinge zu hören, die sie nicht hören sollen. Klatschereien über Derwantee und Bekannte, Zant zwischen den Eltern und dergleichen. Hören sie von Dienstboten Dinge, die ihren Ohren besser verborgen bleiben, so ist's lange nicht so schlimm als von den Eltern, die sie als eine Autorität verehren sollen, deren Worte und Aeutzerungen nicht leicht £urü, Mille Fleurs; Wilh. Lich (Londorf), Hessische Kalender und Almanache. — Insel-Almanach auf das Jahr 1929 (Insel-Verlag. Leipzig). Preis 80 Pf. (516) — Der diesjährige Insel-Almanach empfiehlt sich durch die Fülle seiner Beiträge auS der Feder bedeutender Dichter unserer Zeit. ES erscheint darin unter anderem ein ungedrucktes Drama des durch sein „Perchtenspiel" so schnell berühmt geworbenen Richard Billinger. ein Aufsatz von Hugo von Hofmannsthal über seine „Aegyptische Helena", eine ungedruckte Rovelle von Richard Friedenthal, ein interessantes Kapitel aus dem neuen Rothschild-Werk deS Grafen Corti, Beiträge von Albrecht Schaeffer, Hans Carossa, Felix Timmermans und Stefan Zweig, der ihn mit einer seiner schönsten Rovellen beschenkt hat. Der Almanach erhält seine Rote ferner durch eine Anzahl neuer Hamen, unter denen Aloysius Horn hervorragt. Seine „Abenteuer an der Elfenbeinküste" haben Galsworthy zu einem entzückenden Borwort veranlaht, und in England und Amerika sind sie in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet. — Staackmanns Almanach 1 9 29. Her- auSgegeben von Rudolf Greinz. 251 S.-iten Umfang. Tiit reichem Bildschmuck und einem Kalen- banum. Kartoniert 1 Mk. (563) — Der neue bekannte Jahres-Almanach, oer von Franz Alfons Gay da, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für deutsches Schrifttum, mit einem grundlegenden Aufsatz über „Schrifttum als Ausdruck und Blüte des Volkstums" eingeleitet wird, repräsentiert sich mit feinem stattlichen Umfang in neu2m, auch äußerlich geschmackvollem und zeitgemäßen Gewände. Der besondere, für jeden Bücherfreund bemerkenswerte Vorzug dieses weitverbreiteten Jahrbuches liegt vor allem darin, daß sich sein Inhalt nahezu ganz aus selbständigen, in sich abgeschlossenen Original-Beiträgen Rovellen Erzählungen, Gedichten unb Briefen führender deutscher zeitgenössischer Dichter zusammenfetzt und damit als ein reiches Jahrbuch des deutschen Schrifttums der Gegenwart allen irgendwie Ute» rarisch Interessierten w llkommrn fein wird. — Hessischer Landkalender für daS Jahr 1 92 9. Herausgegeben von Karl (8f 1 el» b 0 rn. Darinstadt, C. F Wintersch« Buchdruclerei. Preis 70 P, emsige. (619) — Wieder hat sich als Führer fürs neue Jahr der Hessische Land- kalender eingestellt, und gerade wir Oberhef en können diesmal unsere besondere Freude an ihm haben. Kommt doch heuer in ihm unsere Provinz ausgielig zur Geltung. Zum ersten ist nämlich der reiche Di derschmuck fast aussch ieß ich durch Zeichnungen eines Oberheften, Richard Hölscher aus Alsse.d, bestritten, eine Einheitlichke t, die vortrefflich geeignet ist, uns das bieje.tige Gestaltungsvermögen des Künstlers näher^ubringen. Zum anderen stammt ein großer Teil der Artikel von Oberhes en, von Fran; Gros, Heinrich Dech- tolsheimer, dessen erfo.gr. ichen Wirkens als Heimatschrifl steiler der Herausgeber in einem hüo- schen Artikel zu seinem 60. Geburtstage gedenkt, Ernst Eimer, Ernst Schmitt uni) Georg Friedrich Knapp, alles keine Ramen von schlechtem Klange. Und zum dritten ist auch gar manches von unserer engeren Heimat belichtet. Reben die Biographien Bechtolsh.imers und Schmitts, wodurch der Inhalt wieder einheitlicher und geschlossener gestaltet ist, treten die Wanderungen durch den Vogelsberg und die Schottener Bubengeschichten. Aber auch sonst ist allerlei Anregendes g boten: so Dechlolshei.necs in das Leben und die Sorgen rheinhes ischer Bauern vor 103 Jahren überaus au schl ßrciche Einblicke gewährenden Auszüge aus den Aufzeichnungen seines Großvaters; Henielmanns Schilderungen von der Bensheimer Bäckerzunft in allen Tagen, mit dem beherzigenswerten Schlus e. welchen Schaden für die Doll'Lg Wundheit — die leibliche wie die geift ge — das Verdrängt- werden des guten reinen Kornbrotes bedeutet, und Knapps Bilder aus Liebigs Elternhaus. Daß der alte Scherz aus den Münchener Fliegenden Blättern von 1853 »Eginhard und Emma oder verbottener Lieb und Lö.felei erschröckliche Folgen aber doch erfreuliches Ende oder die Gründung der Grobherzoglich hessischen Stadt Seligcnstatt" wieder abgedruckt ist, macht sicher Freunden des Humors Freude. So machten wir wünschen, daß ber Kalender in recht vielen Häusern Eingang findet. Vielleicht bietet er nicht nur für dies eine Jahr Lesestoff und Anregung. — Der Kalender „Kunst und Leben", 21. Jahrgang 1929, Preis 3.50, Verlag F.itz Heyder, Berlin-Zehlendorf (599) — bewährt auch heuer wieder seinen guten Rus, wird seinen al en Freunden viel Freude bereiten und manchen neuen Anhänger werben. 53 namhaft« Künstler — a. a. Baluschek, Bauer., Cisscrrz, Kalckreu.h, Liebermann, Modersohn, Orlil — haben zur Illustrierung b igesteuert. Jrn li erarischen Teil sind ebenfalls die besten Ramen vertreten; wir nennen nur: Dinding, Claudius, George, Hauptmann, Hesse, Klabund, Kolbenheyec, Miegel, Scholz, Werfel und Zweig aus einer langen Liste erlesener Ramen. — Der Kalender ist als Weihnachtsgeschenk hervorragend geeignet und kann angelegentlich emp.vhlen werden. — Dürer-Kalender für Kunst und Kultur. 1929. Herausgeber: Karl Waußner. Künstlerischer Leiter: Paul Pfund. 224 ©eilen. Zweifarbendruck. Sieben S.äbe-Ve.lags- und Druckerei-Gesellschaft m. b. H., Berlin NW 6 (630). — Aus dem bildlichen Teil des wieder sehr vielseitig, gediegen und geschmackvoll ausgestatteten, und redigier.en Kalenders (bei einem Preise von 3 Wk. kann man fchlech erdingö nicht mehr verlangen!) seien nur die Reproduktionen folgender Meister erwähnt: del Sarto, Balding Grien, Boucher, Dürer. Gainsborough, Holbein, Peru- gbiD, Rembrandt, Vischer, Barlach, Döhle, Cv- rinth, Daumier, Feuerbach, Gaul, Kubin, Liebermann, Manet, Menzel, OrM, Slevogt und Vollmann. Der literarische Teil — „eine Auslese wesentlichen Schrifttums von Lao Tse bis Klabund" — verzeichnet u. v. a.: Angelins, Silesius, Augustin, Deethoven, Bonaventura, Eichendorff, Goech«, Jean Paul, Kleist, Lessing. Schlller, Feuerbach. Hamsun, Hess«, Huch, Keller, Lilien- cron, M.egel, Morgenstern. Scholz, Thoma und Werfel. — Der Durer-Kalender ist ein wertvolles, volksbildendes Geschenk, dem man aufrichtigen Herzens eine recht weite Verbreitung wünschen darf. — Der Deutsche Kalender 1 92 9, herausgegeben von der Reich Zbahnzenirale für den Deutschen Reiseverkehr, ist im 8. Jahrgang im Verlag Carl Gerber, München, erschienen. (687.) — Man kann auch die neue Ausgabe des bereits in weiten Kreisen bekannten und beliebten Abreißkalenders. der auf 122 Seiten ebensoviel Bilder aus dem schönen Deutschland bringt, nicht durchblättern, obre Reis«, ieber zu verspüren. Auch diesmal enthalt der Deu.sche Kalender ausschließlich neue Au nahmen, Bilder, die drucktechnisch einMandfrei wieder gegeben sind und in ber Auswahl der Motive wie in ihrer Anordnung größt« Sorgfalt und einen sicheren Blick für das künstlerisch Wesentliche erkennen lassen. Der Kalender kann zum Preis« von 2.50 Mark durch alle Buchhandlungen bezogen werden. — Gefundheitskalender 1929. Herausgegeben und bearbeitet von Dr. med. Otto Reustä11er, Berlin. 5.3a'rgang. Preil> 2 Mk. Gesundheitswacht Terlag4-G. m. b. H., München 2 SW. (6iS) — Der Kalender bringt neben lesens- und beherzigenswerten Arti ein ü ec allgemeine Gesundheits- und Körperpflege für Kinder und Erwachen« in jedem Lebensalter Abhandlungen, die sich mit der Gesundheitspflege Im Sport befaßen. Eine Reihe d:r namhaftesten Organisationen, wie das Deutsche Rote K.euz, die Deutsche Turnerfchaft u. a.. haben an dem Kalender mitgearbeitet. Kröpfer, blau mit Binde; Jakob Burk (Londorf), Steiger, schwarz; Balth. Grebe (Nordeck), Elster- tümmler, rot; Äug. Beckel (Londorf), Schönheits- b rieftauben, blau mit Binde, derselbe, Schönheits- brieftauben, gehämmert. Dritte Preise: Iohs. Mink (Heskem), Indische Lausenten, wildfarbig; Wilh. Keil (Winnen), Orpington; Heinr. Vogel (Mainzlar), Brahma; Apo° theker Welcker (Allendorf), Wyandottes, weiß; Hch. ftäs (Allendorf), Rhodeländer, rot; Cberh. Ranft (Allendorf), Mmorko, schwarz; Hch. Käs (Allendorf), Rheinländer, gestreift: Hch. Bender (Ebsdorf), Barnefelder; Hch. Kehler (Beuern), Brackel; Hch. Großhaus (Kesielbach), Italiener, rebhuhnfarbig; Wilh. Lotz (Allendorf), Italiener, silberhalsig; Konr. Mank (Allendorf), Italiener, silberhalsig; Karl Becker (Londorf), Italiener, schwarz; Ludw. Niebergall (Allendorf), Italiener, weiß; Friedr. Schneider (Allendorf), Italiener, gestreift; Ioh. Völker (Hachborn); Italiener, gelb; Karl Stark kEttingsbauien), Hamburger, schwarz; W. Keil II. (Ellingshausen), Amerikanisches Leghorn, weiß; Karl Lich (Londorf), Zwerglangschan, schwarz; W. Lotz (Mendorf), Ban- tarn, schwarz; Karl Römer (Allendorf), Hessische Kröpfer, blau mit Binde; Ehr. Lotz (Allendorf), Hess. Kröpfer, schwarz, Jak. Burk (Londorf), Steiger, schwarz; Balth. Grebe (Nordeck), Elstertümmler, rot; Äug. Beckel (Londorf), Schönheitsbrieftauben, blau mit Binde; derselbe, Schönheitsbrieftauben, gehämmert. Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim, 11. Dez. Am Sonntagabend fand in der i,ut besetzten Turnhalle ein Militär- k 0 n z e r t, ausgeführt von der Kapelle des Gießener Bataillons unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r, stall. Herr Löber verstand es, mit einem giu ausgewählten Programm die Zuhörer zu fesieln und ihnen einige genußreiche Stunden zu bereiten. Besonderen Anklang sanden einige Solos für Flöte, Geige und Xylophon. XWieseck, 11. Dez. „Es will wieder Weihnach ten werden", lautete das Thema der Lichtbilder. Adventsandacht am Sonntag in unserer Kirche. Zu schönen Bildern aus dem Winterwald gefeilten sich Strichzeichnungen aus der Kalender „Kunst und Leben"; gemütvolle Bilder hatte der DereinfürdasDeutschtumimAusland bei der Schaffung dieser Lichtbildreihe zur Verfügung gestellt Zu ihnen, wie zu weihnachtlichen Bildern von Rudolf Schäfer gab der Ortsgeistliche Erläuterungen. Die Gemeinde beteiligte sich mit adoentlichen und weihnachtlichen Weisen. V Mainzlar, 11. Dez. Die Hvlzhauer- arbeiten in unserem Gemeindewald haben begonnen. Die Leute ar Veiten zu je sechs Mann in zwei Rotten. 3m ganzen werben etwa 700 Festmeter geschlagen. Die Arbeit dürfte tn ungefähr acht Wochrn beendet sein. Zur Fällung kommen auch größere Mengen Eichenstämme. " Großen»Duseck, ll.Drz. Am Sonntagabend veranstaltete ber Z i« g e n z uch tv« r «in Grohen-Duseck einen in allen Tellen wohl- gs.'ungenen Lichtbilder-Vortrag über „Ziegen-Kcankheiten imb Ziegenrasfen". Zu diesem lehrreichen Abend hatte der Verein auch Richtmitgjliedec «Inge aien, bk ber Aufforderung gefolgt waren. Msichllmtroll-Affistent Linn vom Landwirtschastskammer-Ausschuß in Gießen hislt im Anschluß an die Filmvorführung einen gut verständlichen Vortrag über anzustrebende Körperformen zur Herauszüchtung höchster Mllch- leift ungen. Die Zuhörer folgten mit gespaintem Interesse ben fast breivierteilstündigen Belehrungen. Anschließend erhie.ten die Aussteller der Wanderausstellung vorn 5. bis 10. Juni in Leipzig die von der Deutschen Laadwirtschafts-Ge- sellscha.t ausgestellten Ehrenurkunden überreicht. Der erste Vorsitzende, Satllcrrneftter Scheid, bann« dem Redner und ermahnt« die Züchter, auch weiterhin den Belehrungen des Vortragenden zu folgen, bamit — wie schon feit Jahrzehnten — ber Verein auf größeren Schauen Prämiierungen und Märkten mit a.i ber Spitze Weller marschieren kann. Am 3. b. M. konnten burch bi« Körkommission 31 Stück Jungtiere in bas Herdbuch aufgenommen werden. : Großen-Duseck, 11. Dez. Vor einiger Zeit gina die hiesige Lackfabrik, die schon längere Zeit ihren Betrieb ftiUgcIegt hat, durch Zwangsversteigerung an eine Gesellschaft aus Hamburg über. Einen Teil drr Anlage, nämlich das Wohngebäude mit einem Stück Gartenland, erwarb Lehrer Jung von hier zum Preis von 16 002 Mark. * Beuern, 11. Dez. Der Maurermeister Karl Hofmann schlachtete dieser Tage ein S ch w e i n, welches ausgeschlachtet das hohe Gewicht von 503 Pfund hatte. V Burkhardsfelden, 11. Dez. Am Sonntagabend hielt der Kriegerverein eine Winterveranstaltung ab, die einen besonderen Charakter trug. Ss galt, b:n;enigen DereinS- mitgliebern die über 25 Jahre dem Verein ang hören, eine besondere Ehrung zuteil werden zu [affen. Der De.irksvvrfihende, Professor Kraerner aus Gießen, war erschienen, um die Ehrung äu vollziehen. In seiner Ansprache wies er auf die Ziel« ber Kriegervereine hin und überreich« die Urkunden. Auch der Sch.iftsührer des Bezirkes, A. Klein, umrtfi mit wenigen Worten die Bedeutung der «inst so segensreich wirkenden mllitärifchen Schule. Sodann hi It der frühere lll-Dvotfahrer Kratz aus Freienseen einen zweistündigen Vortrag über feine Erlebnisse bei der Marine, insbesondere übet seine Dienstzeit auf dem äl-Doot während des Weltkrieges. Der Vortrag wurde sehr dan.bar und mit großem In «resse ausgenommen. In harmonischem Zusammenwirlen mit dem Kriegervercin umrahmte der Gesangverein „®erma- n i a“ die ganze Frier durch eine Anzcchl fein und stimmungsvoll vorgetragener Chöre. —.— Garbenteich, 11. Dez. Eine wesentliche Verschönerung unseres Dorfes ist durch den Reubau unseres Rathauses und ben Abbruch des alten Rathauses, das fhmitten der Licher Straße ein Verkehrshindernis blldete, jetzt au verzeichnen. Das neue Rathaus präsentiert sich in seinem schmucken Stil recht vorteilhaft. Das alte Gebäude wird von ber Gemeinde niebergelegt. Die Ecke Licher und Gießener Straße hat jetzt einen schönen freien Platz erhalten. * Garbenteich, 11. Dez. Der Gesangverein „Viktoria" Hilt am Samstag f.tie diesjährige gutbrsuchte I a h r e s h a u p t v e r- f ammlung ab. Der Vorstand wurde, bis auf Atoei Vorstandsmitglieder, die aus familiären Gründen zurücktraten, wiedergewählt. Rach Erledigung der üblichen Tagesordnungspunkte erstattete der 1. Vorsitzende Bericht über die Vorarbeiten zu der am 15., 16. und 17. Juni nächsten Jahres stallfindend-n goldenen.. Jubelfeier des Verein» und dem damit verbundenen Gesangswettstreit. Der Delegiertentag findet am 20. Januar 1929 statt. Der Vorsitzende teilte ferner mit, daß mit der 6 tf- tung einer Anzahl zum Teil recht wertvoller Ehrenpreise für ben Gesangswettstreit zu rechnen sei und daß die Vorarbeiten tm allgemeinen einen befriedigenden Verlaus nähmen. * Lang-GönS, 9. Dez. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr feierte gestern abend im Saale des Gastwirts An. Rern VII. ihren 48. Stiftungstag. Rach Eröffnung der Feier und Begrüßung durch den 1. Kommandanten Karl Kd. Schäfer ergriff Kceisseuerwehcins,«k- tor D i ck 0 r e , Gießen, das Wort und überreichte im Auftrage ber hessischen Regierung dem Kam. W. PH. Doller bas Ehrenzeichen für 40jäh.ig« Mitgliedschaft. Sellens der Wehr wurde der Jubilar durch den 2. Kommandanten Alb. Schm i dt mit einem Geschenk in Form eines Ruhesessels bedacht. Der Jubilar da.ckte in beweg.en Worten für die ehrenvolle Auszeichnung. Dürgertneister R 0 m p s wurde anläßlich seiner 25jäh.igen Zugehörigkeit zur Wehr zum Ehrenmitglied ernannt. Kamerad Fr. Höfer erhielt für 20jährig« aktive Tätigkeit ein Diplom, und Kamerad Otto Artz, der inzwischen nach Butzbach verzogen ist unb der dortigen Wehr angehört, wurde die Auszeichnung für 15 Dienstjadee fei ens der Gemeind« verltehen. Kreisfeuerwehri s.ek o Dickorö berichtete d'nn noch über den deutschen Fruerwehr- tag in Breslau. Damit fand die schlichte und einfache Feier ihren Abschluß. * Lang-Göns, 11. Dez. Zu dem Auto- zusarnrnenstoß bei Steinberg, über den am Montag berichtet wurde, wird von beteiligter Lang-Gönser Seite mitgeteili, daß das Auto aus Lang-Göns nicht in den Autobus hineingesahren sei, sondern der Autobus den Lana-Gönser Wagen angefahren habe. Der Zusammenstoß sei dadurch entstanden, daß sich an der fraglichen Stelle «roei Hauptstraßen kreuzen. Nur dem langsamen Fahren des Lang-Gönser Autos sei es zuzuschreiben, daß ein größeres Unglück verhütet wurde. I Hungen, 11. Dez. Dieser Tage sand hier im „Solmser Hof" die Konferenz der Dirigenten beS H0r l 0ff-We11ertal- SängerbunbeS statt. Wan beschäftigte sich mit ben ersten Vorarbeiten für bas nächstjährige WertungSsingen. Unter Anerkennung bes hohen Kunstwertes unserer Volkslieder wurde das Sil- chersche Volkslied „Drauß' ist alles so prächtig" als Pflichtchor, ber auch als Bunbesmassenchor gelungen werden soll, festgesetzt. Erstmalla hat man sich für zwei Wertungsrichter entschlossen, von benen ber eine bereits (Rektor Schad. Hungen, ber auch beim vorigen WertungSsingen richtete) bestimmt wurde. Die Wertung wird nach Dunkten geschehen, außerdem soll jedem beteiligten Verein eine Fehlerstatistik von seinen gesungenen Chören zugestelll werden. Di« Beschlüsse ber Dirigentenkonferenz werden ber im Januar in Hungen stattfindenden Vertreterversammlung Äs Anträge unterbreitet werden. Zur Abhaltung des WertungssingenS hat sich Laubach gemeldet. * V i 11 i n a c n, 11. Dez. Am Sonntag feierte die Landwirtschaftliche Kredit- und Bezug s g e n 0 s s e n s ch a f t e. G. m. b. H. ihr 25jäh- riges Bestehen. Mittags wurden an den Gräbern der verstorbenen Vorstands- unb Aussichtsrats- m.tglieder Rühl, Schwarz und Pfarrer Kränze nie- »t. Abends versammelten sich die Mitglieder zählig in der Gastwirtschaft von Döll. Direk- tor O. Zimmer III. berichtete ausführlich über die Entwicklung der Genossenschaft, die zur Zeit 89 Mitglieder zählt. Oberrevisor Hartmann überbrachte die Glückwünsche des Reoisionsverbandes und der LandeLgenosienschaftsbank und überreichte den Her- ren W. K 0 ch II., H. Pauli III., G. Zimmer IV., K. Strack IL, K. Hau Ehrenurkunden für 25jäh- rige Mitarbeit im Vorstand und Aufsichtsrat. Den Gründern K. K 0 ch VI. unb H. Le >' dn e r mürben ebenfalls Urkunden verliehen. Die Glückwünsche der Landw. Zentralgenossenschaft überbrachte Geschäfts^ führer Böcker. Der Derbandsvertreter hielt noch einen interessanten Dortrag über Zweck und Ziele der ländlichen Genossenschaften. ! Rabertshausen, 11. Dez. Wie in Lob- Heim unb Steinheim. so fanb auch hier burch Pfarrer Kornmann, Lobheim. ein Licht- bilberabenb statt. Die Deanstaltung, bie Bilder von beutschen Soldatengräbern auf allen Kriegsschauplätzen zeigte, tourbe von unserer Einwohnerschaft als eine Gtunbe ber Erbauung empfunden. Die eingegangene Kollekte soll zur Ausgestaltung bes Weihnachtsfestes verwenbet werben. Kreis Friedberg. j5 Friedberg, 11. Dez. Ihrer zahlreichen Ehrungen beging gestern Di.eklor Iran Dörr, eine in Stab: unb Lanb beia.inte und geschäh e Dersönlichkcft des öfienllichen Leaens, ben 70. G e- b u r 16 t a g. Der Jubilar ist ein aller, verdienter Genossenschafter. 1922 tonnte er fein 50jährigeS Dicnstjubiläum beim hiesigen Vorschuß- unb Krebllverein (jetzt Dank für Handel, Gewerbe unb Landwir schäft) feiern, bei welcher Gelegenheit er zum Di «ktor des Instituts ernannt wurde. Große Verdienst« hat sich ber Jubilar um die touristisch: Erschließung deS hessisch:n DaunuS erworben. Dir Wrgmarllerun- aen d:S TaunusklabS ,W«tterau". dessen Vorsitzender Jean Dörr 25 Jahre larg war, hat er zumeist selbst angelegt Der Taunusllao WidderSbeim. 11. Dez. Bei Sagen frier abgehaltenen Treib- # Unter- Berlin gr.mibiurt a. M Deoilenmactt LeeUn—ZraaN rl lelegrapl, i|d)e Auszahlung. 96.5 25.75 12,1 ■40 IV4.7Ö 332 1.7 25.6 12, L 12 13 13,1 19.25 >2.8 14,6 io 6 10 iU 12 II I» 10 10 10 s , 8 12 10.575 19 >2,8 14,5 14125 161.25 177 .39.7«> >57.75 28-. 2. •94 2U3 '71.25 .'j.ü '72.5 .16 2. 139.5 38.25 2,5 ».65 (Berlin 11 Deremder ffranjöiifdje Jloten 52.75 14.45 90 77 1.65 12,1 pänfo tamphAlfl RorbDeutlctier Üloq6 - 3Ufl Seutidir tireoiteie. . ©armer iBanluerein Berliner vanvel»ge1eMpH» Hollöndriche '/toten .... fitnlienifdie '/toten ...... Norwegische Noten. ... Deursch-OeNerr, * 100 Krone» Rumänische Noten ..... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ...•■• Spanische Nölen...... . Tschechoslowakische No« . < Ungarische Note» Kunst und Wissenschaft. Nervenzusammenbruch Carl LternheimS. Berlin, 12. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nach Blättermeldungen aus Konstanz hat der in völliger Zurückgezogenheit auf seiner Besitzung In Utwll am Bodensee lebende Dichter Carl Stern- heim infolge der Aufregungen, die sein Ehe- Scheidungsprozeß für ihn mit sich brachte, einen schweren Nervenzusammenbruch er litten. Auf Veranlassung der Schweizer Behörden wurde der Dichter in ein Sanatorium in Kreuzungen übergeführt. Nach Art der Erkrankung ist kaum damit zu rechnen, daß eine Besserung Eintritt. Aus einem von Sternheim inszenierten lebhaften Telephon- und Telegrammverkehr erkannte man die Symptom« des beginnenden Größenwahns. Der „Berliner Lokalanzeiger" veröffentlicht ein aus Kreuzlingen datiertes Telegramm Pamela Wedekinds (der als Schauspielerin bekannt gewordenen Tochter Frank Wedekinds), in dem es heißt, daß Sternheim wegen eines Nervenzusammenbruches auf Verlangen des Arztes in ein Sanatorium gebracht würde, doch liege kein Anlaß zu ernsten Besorgnissen vor. * Nach der ergänzenden Meldung eines Berliner Spätabendblattes hat sich Stern heim mit der Absicht getragen, die Schauspielerin Pamela Wedekind zu heiraten; Sternheims Nervenzusammenbruch, den er infolge des Scheidungsprozesses erlitt, sei, wie es hier heißt, von einer vorübergehenden Trübung seines geistigen Bewußtseins begleitet gewesen. Frankreich geglaubt zu , . folge der volkuch bedingten Charakterverschiedenheiten beider Völker wenig Aussicht auf Verwirklichung habe. Mit großer Besorgnis müßten wir auf die kommenden Verhandlungen zur Abänderung 'iF.6 Dawes-Planes blicken. Denn dort solle nicht nur eine endgültige, für uns sicher untragbare Endsumme der Reparationszahlungen sestgelegt, sondern vor allen Dingen uns auch das einzig Gute des ganzen Dawes-Planes, der Transferschuh, d. i. Währungsschutz. genommen werden. Anschließend behandelte der Redner noch einige akute innerpolitische Fragen, sprach über die Krise des Parlamentarismus, über notwendige Aenderung des Wahlsystems, erörterte daS Stahlhelmvolksbegehren sowie die Frage der vaterländischen Verbände. Mit einer Aussprache über die Organisationsfragen innerhalb der Partei wurde die Versammlung geschlossen. O Dambach, 11. Dez. Als Ersatzmann für den Im vergangenen Kirchenjahre verstorbenen Ktrchenvorsteher Konr. Müller II. wurde Beigeordn.ter Boller gewählt, der am Sonntag in feierlichem Gottesdienst in sein Amt eingeführt wurde. — Am Sonntagabend hielt der hiesige Kriegerverein tn der Gastwirtschaft zur „Stadt Gießen" von Gg. Haase seine dieS- lährige Generalversammlung ab. Rach der Begrüßung durch den Präsidenten, Bei- geordneten Boller, gab dieser den JafrceS- ericht. Der Verein zählt zur Zeit 118 Mitglieder. Während des letzten Jahres starb ein Kamerad. Durch den Vorstand wurden drei Kameraden zu Ehrenmitgliedern ernannt, so daß der Verein j'tzt sechs Ehrenmitglieder zählt. Der Kassenbericht war sehr günstig und zeugte von gewissenhafter Rechnungslührung. DieVorstandS- wahl ergab die einmütige Wiederwahl des seitherigen b.währten Vorstandes. AlS Obmann für die Kriegsb-schädigten und Kriegerhinterbliebe- nen wurde Schuhmachermeister K. Fenchel gewählt. AuS den weiteren Verhandlungen ist zu erwähnen, daß im Laufe des Winters ein Vortragsabend stattfinden soll. Hauptmann Moser (Darmstadt) soll über daS Thema: „WaS jeder Deutsche vom Versailler Friedensdiktat wissen muff sprechen. Auch der Frage drS Scheiben- schieße ns soll weitere Beachtung geschenkt werden Rach Erledigung der umfangreichen Tagesordnung blieben die Kameraden noch gemütlich beisammen. — Am Sonntagabend veranstaltete der Rabsahrerverein „Wanderlust" im Saale der Gastwirtschaft Wilhelm Weisel einen wohlgelunaenen Theaterabend. Zur Aufführung gelangten »Der Crbsörster" und ihnen keinerlei Bindungen auferlegt habe, daß Locarno für daS deutsche Volk nur eine Illusion gewesen sei. Die Schuld unserer außenpolitischen Leitung sei es, dies nicht erkannt, sondern in Verkennung der wahren Absichten Frankreichs trotz aller Warnungszeichen immer und immer wieder nur an die vollständige Aussöhnung mit haben, welche doch in* bis zu 33 Prozent gewannen. Deutsch« Anleihen freundlich. Ausländer ruhig. Rur Anatolier auf den Abschluß der Verhandlungen recht lebhaft und fest Der Pfandbriefmarkt war vollkommen vernachlässigt. Die Geldsähe zeigten nach der kurzen Erleichterung schon wieder eine steigende Tendenz. Anscheinend bereitet man sich früh auf den Jabresultimv vor. Lagesgeld nannte man mit 6 bis 8 Prozent, Monatsgeld mit 8,5 bis 9,5 Prozent, Warenwechsel mit etwa 7 Prozent. Auch im Verlaufe war daS Geschäft ziemlich flein und die Tendenz eher schwächer. Eine Ausnahme machten, wie schon zu Anfang. Siemens und Schuckert. die angeblich auf AuSland- läufe weitere 2 bis 3 Prozent gewannen, waS sich auch auf die übrigen Elektrowerte übertrug und der gesamten Börse eine gewisse Stühe gab. 3m großen und ganzen war die Stimmung aber weiter recht unsicher. Frankfurter Getreivebörsc Frankfurt a. M., 12. Dez. Der Frankfurter Produktenmarkl verkehrte in ruhiaer Haltung. Obwohl vom Ausland höhere Dotierungen eintrafen, blieb die Stimmung davon ganz unbeeinflußt. Das Geschäft war minimal, das Angebot ziemlich groß, dem aber kaum Rachfrage gegen- überstand. Es wurden notiert: Weizen 22,60. Roggen 22; Sommergerste für Drauzwecke 23.75 bis 24, InL Hafer 22,75 bis 23,25, Mais (gelb) für Futterzwrckc 22,25, Weizenmehl, süddeutiches Spezial 0, 32,50 bis 33, Roggenmehl 29,25 bis 30. Weizenkleie 13,75 bis 13.85, Roggenkleie 14.25 entart Tendenz: ruhig. Frankfurter Pfervemartt. Frankfurt a. M.. 10. Dez. Der letzte diesjährige Pferd markt zeigte einen für das Winterhalbjahr b.fo d rs zahtr i '-en Aust.leb von Pferden aller Gattungen. ES standen insgesamt rund 750 Stück zum Verkauf. GuleS. ausgesuchtes Material war in der Minderzahl, leichtere Kutsch- und Laufpserde zahlreich, ebenso Schlachttiere. Die zu Beginn des Marktes sich nur zögernd zeigende Kauflust entwickelte sich im Laufe des Vormittags, und der Handel und Umsatz konnte, bei schwankender Preisbildung a!5 zufriedenstellend bezeichnet werden. Die Preise für junge, schwere und mittelschwere Pferde hielten sich trotz des großen Auftriebes auf derselben Höhe wie im Vormonat, nur in geringwer.igen Tieren und Schlachtpferden waren die Preise allgemein niedriger. Schlutz lUhr- sch ut> ! «mang fl-'t» fl"r» ftBF» '43.25 176.75 io9,6 L.8.o 143... 134 I94.7o 193 >71.. 161.* .72.5 216 140.5 139,75 der in diesen Tagen hier abgehaltenen Treibjagd des Zagdbesih:rS Landwirt Viktor Schneider wurdm 2 Rehe, 2 Hasen, 2 Füchse und 2 Fasanen erlegt. 3n den letzten Jahren sind die Fasanen hier immer mehr bodenständig geworden. Ausfällig ist in hiesiger Gegend all» gemein das geringe Vorkommen des Fuchses. # Ober-Widdershei m. 11. Dez. Der Zagdpächter Karl Eifer I. von hier hielt in feinen: Jagdrevier, dem Steinheimer Gemeindewald und dem hiesigen Hochwald, das diesjährige zweite Treiben ab, bei dem von 20 Jägern 3 Rehe. 5 Has.n, 1 Fuchs und eine verwilderte Katz» zur Strecke gebracht wurden. Der Wild- bestand ist in den letzten Zähren in dauerndem Rückgang begriffen, was wohl in erster Linie auf Die intensiver betriebene Forstwirtschaft zu- rückzuführen ist. .Welterau" gab deshalb einer 1925 im Winter- fteingebiet errich eien Schuhhütte den Ruinen seines Ehrenvorsitzenden. Auch sonst hat sich der Zubilar im Dereinswesen und an der Wohl- tätigkci.Sorgnnisation in hervorragender Weise ®e#. Mer Sage fanb hier eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deutschnationalen Voltspartei unter Leitung des Vorsitzenden Bürgermeister t. at Dr. Schmidt als Austakt der Winterveranstaltungen statt. Der Provinzial-Vorsitzende, Studienrat Dr. Lenz (Gießen), schilderte in längerer Rede die außenpolitische Lage, deren Entwicklung und jetzigen Zustand man sich bei den kommenden Verhandlungen zur Revision des Dawes-Planes genau vor Augen halten müsse. Er zeigte, wie England durch die Folgen deS Krieges nicht nur in einen immer stärker werdenden Gegensatz zu Rußland und Amerika geraten ist, sondern auch Gefahr lief, allmählich ganz.ich isoliert dazustehen. Diese Gefahr hat eS durch seine meisterhafte Diplomatie überwunden: es ist chm gelungen, nicht nur mit Japan, sondern auch vor allen Dingen mit Frankreich in den letzten Wochen eine enge Bindung ein» )ugehen, welche durch alle Dementis im englischen Parlament nicht mehr abgeleugnet werden kann. Damit hat England nicht nur starke militärische Bundesgenossen gegen Rußland gewonnen, sondern vor allen Dingen weitsichtig sich eine Sicherung für eine vielleicht einmal kommende Auseinandersetzung mit Amerika geschaffen. Die Kosten für die Einigung mit Frank- reich trägt aber Deutschland, demgegenüber Frankreich von England vollständig freie Hand erhalten hat. Deshalb der Umfall der englischen Regierung in der Räumunas- und Reparationsfrage. deshalb die neuen scharfen Töne der französischen Minister gegen Deutschland. Offen sei von der Entente erklärt worden, daß Locarno Wirtschaft. “ Kokspreiserhöhung des Rhei - ntsch - westfälischen Kohle ishndikats. Zn der geftrice.i Migliederversammlung des Rhttnisch-wcsllä i :hen Ko.lensyndika'es wurden folgende Kolspreise Höhungen mu Wirkung vom 16. Dezember beschlosscn: Hochosenkoks 23.50 (Jetztprcis 21.45), Brechkoks 1 29- (27.93), Brechkoks II 40-50, 40-70 Milimeter 32.- (31.67), Drechko's II 30—50, 30—55, 33—30 Mili- meter 30.75 (30.43), Drechlok- HI 20-40 Milimeter 27.— (25.20), gesiebter Knubbel- und Ab- fallkoks 27.— (25.50), gesiebter Kleintoks 20 bis 40 Milimeter 25— (23.70), gesieb er Perlkoks 10—20 Milimeter 15— (14.—), Koksgrus 10 — (9.—). Dir Erhöhungen Hal en sich im Rahmen der von den Organen der Kohlenwirlschaft bewilligten Preisspanne. * Metallgesellschaft A.-G. Frank- f urt a.M. Wie der Fwd. erfährt, findet die Bilanzsitzung für 1927/28 diesen Donnerstag statt. Es ist eine Dividende in DorjahrShöhe von 8 v. H. zu erwarten. • Deutsche Edelstahlwerke, A.-G.. Bochum. Unter der schlechten Geschäftslage der deutschen Eoelstahlindustrie hat z. Z. auch die Deutsche Edelstahlwerke-A.-G. zu leiden. Das Unternehmen kann gegenwärtig seine ausgedehnten Werke nur ungenügend beschäftigen. Infolgedessen mußte sich die Verwaltung zu einer erheblichen Detriebseinschränkuna entschließen und sieht sich gezwungen, eine Abteilung stillzulegen, um dafür in anderen Werken eine bessere Ausnutzung der Anlagen zu erreichen. ES ist beschlossen worden, die größte Abteilung — die Bochumer Stahlindustrie — vorübergehend still» zulegen. Ein Siillegungsantrag ist bereit» gestellt worden. Die Belegschaft, die von dieser Stilllegung betroffen würde, beläuft sich aus 1900 Mann. * Vereinigte F a h r z e u g w e r k e A.-G., Neckarsulm. In der gestern in Berlin abgehaltenen Generalversammlung der NSU. Vereinigte Fahrzeugwerke A.-G., Neckarkulm, gab der Aussichtsratsvorfitzende folgende Erklärung ab: „Die Verwaltung hat sich auf Grund langwieriger Verhandlungen, welche mit den Vertretern der Stuttgarter und Frankfurter Oppositionsgruppe geführt worden find, entschlossen, um einen Zusammenbruch des Un- ternehmcns im Interesse der Volkswirtschaft zu vermeiden, einen Bonus von 10 Mark für jede bis zum 31. März 1929 eingereichte nicht zufammengelcgte Aktie von 100 Mark in bar zu gewähren. Voraussetzung ist, daß sämtliche Punkte der Tagesordnung ohne Protest genehm gt werden und eine Inanspruchnahme der Substanz nicht erfolgt." Der Vertreter der Stuttgarter Oppositionsgruppe erklärte hierzu feine Zustimmung, da er sich überzeugt habe, daß für die Aktionäre nicht mehr zu erreichen sei. Auch der Vertreter der Frankfurter Gruppe erklärte seine Zustimmung. Nach längerer Aussprache wurde die Sanierung in der beantragten Form einstimmig angenommen, nachdem die Gegenanträge zurückgezogen worden waren. Das Kapital wird im Verhältnis 5:1 herabgesetzt. Von den neuen 7,5 Millionen Mark Aktien werden 2,5 Millionen Mark den alten Aktionären im Verhältnis einer zusammengelegten zu einer neuen Aktie zu 100 v. H. plus Spesen angeboten. Der Aufsichtsrat legte sein Mandat nieder. Darauf wurde ein neuer Aufsichtsrat gewählt. • Anleihe-Abschlutz oes polnischen Sisensyndikats Wi: WTD.HandelSUenst erfährt, ist der Anlei>verirag zwischen den Polnischen Ei enhüttensyndilat und der Dankengruppe unterzeichnet worden. Don d:r Anleihe in Höhe von 350 000 Psund üb'tnimmt die Bank Francusko Po s.i (Ban'ue Franco Po'onai e) di« Hälfte, währ.nd die Knttowitzer Filialen drr Dresdner Dank, drr Darmstädter und Rattonal- banf. der Deutschen Dank und der DiScon'ogesrll- schaft je 121/« Pro', übernehmen. Die Anleihe ist mit V/t Proz. verzinslich. Frani.urtcr Börse. Frankfurt, 12. Dez. Die freundliche Stimmung. di« am ter gestrigen Abendbörse ge- (e.rscht hatte und sich im heutigen Vormittags- te.lehr noch for sezen konnte, wurde zu n Beginn o,siz.e.ten Marktes von ein.r größeren Zurückhaltung ab.«löst. Cs machte sich versch et enttich Abgavenei^ung bemerkbar, und das he ausiommenie Material wurde nur zö^end ausgenommen, so daß die Ku.sgestal- tung uneinheitlich war. Die Grundstimmung blieb ieboch freundlich, da unaünstige Momente nicht Vorlage.!. Rur das 6cbien von Au stand- und Pu)ä,umsorl.ers mache sich stär.er tuhlbar. Die feste gestrige Reuyorter Börse gab sogar eher eine gewisse Anregung, so daß sich dar Znte.es,« für Speziallverte erhielt. Sonst waren bi? Ums-ye mi rimal. Auch der w.e- der etwas flüssigere Geldmarkt wurde günstig beurt.it, so daß für die bevorzugten Werte Kurserholungen zu verzeichnen waren. Zm Vordergründe standen die Cte.irowerte, von denen Lahme er 2,5 Proz. und Elektstsche Lieferungen 1,5 Proz. bei lebhafter Rachfrage an.ie'cn konnten. Auch Schuckert und Bergmann tonnten etwas anziehen. Vrrnachlässtgt toa en dagegen AEG., Fetten und Siemens, die bis 0,75 Proz. verloren. Montanwertc waren bei kleinstem Geschäft überwiegend weiter etwas erhöht. Schisfahrtswer.e und Banken ganz ohne älmsätze. Reichsbank waren 1 Proz. niedriger. Am Antomarst waren Ke.-er stark angeboten und wieder 2,25 Proz. niedriger. Für RSU. bestand dagegen auf den in der gestrigen Generalveri ammlung den Alttonären gewährten Bonus von 10 Proz. weiter lebhaftes Interrs'e, und diese waren erneut 2,25 Pro ent höher. Am Chrmiemarkt waren I.-G.-Farcen vernachläs igt und 1,25 Prozent schwächer. Für Holzverkohlung bestand ei.'.ige Rach'vage mit plus 1 P.oz.n. Am Re.ttenmarkt waren die Umsätze miatmal, nur für Türlen mach e sich lrbhtt.ere Rachsrage bemerkdor, und zwar in Rachastriung der bestästg en älnterzeich- nung des Anatolicraokommens. 3m De'.lau^e wurde daS Geschäft sehe still, die Kurse blieben im allgemeinen gut behnup et. 3n verschiedenen Werten wu den Abgaben vorgenommen. Bei der Spekulation besta,d größere Zurückhal ung. Rur für Schuckert erhielt sich weiter «iniaeS Interesse bei einer erneuten S eigrrung airo 2 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 7 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man: Mark gegen Dollar 4.1950, gegen Pfund 20.358, gegen Paris 124.1550, London gegen Kabel 4.8520, gegen Madrid 29.98, gegen Mailand 92.63, gegen Holland 12.0760. Berliner Börse. Berlin, 12. Dez. An der gestrigen Frankfurter Abendbörse und im heutigen Vormittagsverkehr konnte man zwar weitere Kurserholungen feststellen, eine älnsicherheit, die bei der Spekulation herrschte, war aber unverkennbar, und diese Zurückhaltung hatte nur kleine Umsaht ätigkeit zur Folge. 3n erster Li- nie dürften wohl technische Momente für die Tendenz ausschlaggebend gewesen sein, denn Rach- richten sanden nur Beachtung, wenn sie günstig lauteten, wie die Hausse in Reuyork und der leichtere Tagesgeldsah. Dagegen fielen Meldun- gen über die Maschinenindustrie, über eine Erhöhung der Kohlenpreise, über schlechte Arbeitsmarktlage, die Differenzen in der Textilindustrie, das schlechte Befinden König Georgs, die heutige Auslassung eines Linksblattes, nach der Ehamberlain mit einer früheren Räumung des RheinlandeS dann einverstanden sei, wenn wir unsere Beziehungen zu Rußland abgebrochen hätten usw., unter den Tisch. Die ersten Kurse waren nicht immer so fest, wie heute vormittag erwartet, da auf fast allen Marktgebieten Ware herauskam, der nur unbedeutende KauforderS gegenübeiftanben. Die Kursrückgang e hielten sich aber gegen gestern mittag in bescheidenen Grenzen. Eine Ausnahme machten einige Spezialpapiere des ElektromarkteS, Dessauer Gas, Hamburg-Amerika-Paket, Rordd. Wolle, Polyphon, Deutsche ßinoleum usw., die ein heiteres Singspiel „Wenn die Liebe erwacht". Die Mitwirkend^n wurden von dem sehr zahlreichem Publikum mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet. Kreis Büdingen. Kreis Schotten. V Gedern, 10. Dez. 3m DergwirtshauS wurde am SamStagabend der zweite Teil deS Weltkriegfilmes durch die Kultur- film stelle Schotten voraeführt. Es darf festgestellt werden, daß der Film eine äußerst eindrucksvolle, erschütternde Wirkung bei den zahlreich erschienenen Zuschauern hinterlassen hat. 40 25 137.7. 140 HW... .;-4.3 194 >72 lül.ö 172.5 140 40 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Söbe der zuletzt beichlostenen Dividende an. - Reichsbankdiskont ? Drozent, LombardzinSfuh 8 Prozenll Tatunt:] ... 8 ... 9 • . 10 . . 10 , . . 6 . . 10 • . 10 (Äeld 1Ü7ÜF 168.08 N.905 111.60 58.83 z.53 111.88 80.63 67.60 Ui.385 72.91 Damm «t HeWXflnleüje ; W27 tu fcü..fl»ldl.-feiDult all Siu> lef.-fiednrn »Hel obnr «ueun.-Är»» 7% ötantt top.-«! ®olbtrt an ttnobai tti 1082 RbrtnlOtr gt«ra •olbDt S.S.» aög #otfrttfle-Ctttflatton eüdjablb® 1938 4% Sdirvel) Vone>Hd. 4% Geltenrtdrtldx <8olbtte.. . 4.20% Ceftm Eltoente 4% OeSeriklld etnbeitl Äte 4% Unfloriidje i3olbm 4% Unflarildit Siaaift n 1910 4/,% oeegl oon l»18 4% Unfl-Ktldx tronenru. 4% lüd dnllsnlrtbe d. 1911 4% lürtildif CadDaDbabn-toL. Serie l 4% vesgl Serie II 4% «uminen roneert «He. . . SRutnäner eolbanl ww mj Jrai'lrfurt a. M Berlin sqiutz-i Rure , l-Ubr- ÄUT* Sch.uh | Hnjang fluts , Rur* Dcrtmn: 11. 11 1 13 11. 11. 12 1 12. 12 ■Sbüiuu vuymann .... 7 fteteeltxrger Cemeel .... 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Gießen Deutscher Bankbeamtenverein, Zweigverein Gießen Deutscher Beamtenbund, Ortsgruppe Gießen Eifenbahner-Heimstättenverein Gießen Gewerkschafi hessischer Gcmeindebcamten, Ortsgnippe Gießen Gewerkschafisbund der Angestellten, Ortsgruppe Gießen Mieterverein Gießen Reichsbund der höheren Beamten, Ortsgruppe Gießen Aeichsvund der Iivildienstberechtigien, Ortsgruppe Gießen Verein der städtischen Beamten, Gteßen.______10905p Mit einem Blick in die Auslagen meines optischen Fachgeschäftes finden Sie die Frage: Was schenke ich? Neue vrogerie- einrichtung wegenAusgabe billig au oerk. Schrank, 2 in L cd. 2 m hoch. m. Regal. 2 tu L iämri. loie und abflepQdte Drogen waren, reel« lerl5inkanssw.030^, m. 700 x bar au verk. bet Herrn Karl Oleß. (Sriinbcrn, Alsfeld. Sir. 0 '^ 0 Ein Glasperlenlöster f.elettr.K«6t.3orm;g, fast neu. unter Breis eu verkaufen. Zuerir.t.d.Geschätis- itellc d. G. A. OHtillQ Saft neuer Smoking- Anzug gute Matzarbett, ffit schlanke nvtfluT, lebt btlllfl abzuaeb. Gnauthstr. 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