Nr. 267 Erstes Blaff 178. Jahrgang Montag, 12. November 1928 Lrjcheini »ügl'ch.lmtzel Sonntags and Feiertag» Beilegen. Gießener Familienbiätle, Heimat im Bild Die Scholle monatS'Bejngsprefs; 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bet Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanlchlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sietze». poftfchrckkoitto: Frankfurt am Main 11686. Siebener Wifi« General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck «nd Verlag: vrühl'sche Unwerfitä1r.Vmh' und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schnftiettung und Seschästrftelle: §chulftraße7. Annahme von Anzeigen für die Togesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.- für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/n mehr. Thefredakteur Dr. Friedr. Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An» zeigenteil Kurt Hivmann. sämtlich in Gießen. Kampf um Ostgalizien. Polen gegen die Ukrainer. Don unserer Berliner Redaktion. Berlin. 11. Rov. 3n den Straßen Lembergs ist es vor wenigen Tagen xu sehr blutigen Zusammenstößen zwischen Polen und Ukrainern gekommen, die die Ver- hältnisse in Ostgalizien schlaglichtartig beleuchten. Als nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte den Dollern versprochen wurde, daß sie selbst über Ihr z^rkmrftiges Schicksal bestimmen sollten, ba glaubten auch die West Ukrainer, daß di« Stunde ihrer Erlösung geschlagen habe. Die ukrainischen Militärvrganisationen, die damals in Lemberg standen, verlangten die Vertreibung oder Entwaffnung der polnischen Freischärler. Am 1. Rovember 1918 kam es zu sehr blutigen Kämpfen in der Stadt, in denen die Polen den Kürzeren zogen. Sie muhten sich aus Lemberg zurückziehen . . . aber die Polen waren die Schützlinge der Entente, und ihren Diplomaten gelang es, den unbedingten Beistand Frankreichs für ihre keineswegs gerechte Sache zu erhalten. Die polnische, gut ausgerüstete Armee des DeHerals Haller, die in Frankreich stand, wurde nach Lemberg gesandt. Aus Mangel an Waffen und Munition mußten sich die llkrainer unter fortdauernden Kämpfen a u f Kiew zurückziehen. Run gelang es Polen, von frm Ententemächten, ungeachtet aller Proteste der Ukrainer, ein Mandat über O st - galizien zu erhalten und im gailzen Gebiet eine Schreckensherrschaft zu errichten. Die ilfrai- ner fügten sich nicht willig der polnischen Unterdrückung, 1922 brach ein Aufstand gegen die polnischen Unterdrücker aus, dec niedergerungen tourbc und für den Hunderte von Ukrainern am Galgen büßen muhten. Der Gegensatz zwischen Ukrainern und Polen hat schon zur österreichischen Zeit in Ostgalizien bestanden. Die österreichische Regierung bevorzugte im allgemeinen die polnischen Großgrundbesitzer, aber dennoch wurden die IHrainer niemals derartig vergewaltigt, wie das heute der Fall ist. Es gibt zwar eine ukrainische Universität in Lemberg, aber alle Unabhängig- kelt^cstrebungen, selbst das Verlangen nach einer gemäßigten Autononne, werden von den Polen rücksichtslos unterdrückt. Das Zentrum der ukrainischen Bildung ist von jeher in Galizien gewesen. Don dort aus breitete ste sich über die damals russische Ukraine aus, die erst weit später zum Rati^no/bewuhtsein erwachte. Das Hetman-Reich u' e. General Skoropadskh, das während des Weltkrieges von den Mittelmächten geschaffen wurde, und dann die Herrschaft des Ataman P e t l j u r a sorgten dafür, daß das Selbstandigleitsverlangen auch in der früher russischen Ukraine immer mehr an Boden gewann. Heute, seit die russische Ukraine einen Bestandteil der Sowjetunion bildet, mehren sich die Gegensätze zwischen Grvßrufsen und Kleinrussen, und es ist keineswegs ein Geheimnis, daß die Sowjetukraine nichts dagegen einzuwenden hätte, einen von Moskau unabhängigen Staat zu bilden. Es heißt, daß in den Kanzleien von Warschau und von Bukarest auf eine LoStren- nung der Ukraine von Rußland hin- gearbeitet wird. Wie weit diese Pläne in Wirklichkeit gediehen sind, läßt sich heute nicht mit 'Bestimmtheit sagen. Wenn es in der russischen Ukraine auch gewisse Kreise geben mag, die sich auf Polen stützen wollen, so sind doch die Gegensätze zwischen Polen und Hfrainern in Ostgalizien derartig zugespitzt, daß sie sich kaum werden überbrücken lassen. Das Blut, das in den Straßen Lembergs geflossen ist, wird diese Gegensätze noch mehr verschärfen. Die Polen verstehen es nicht, fremde Doller, die unter ihrer Herrschaft seufzen, zu versöhnen, sie besitzen heute die äleber- macht in Cemberg, aber sie müssen sich hüten, das ukrainische RationalempfinLen zu verletzen. Die geDblaue Fahne der Ukrainer hat in Lemberg Heimatsrechle, und die im Kamps um ihre Unabhängigkeit gefallenen Ukrainer haben Anspruch darauf, daß sie von ihren Volksgenossen als Helden verehrt werden. Das dürfen die Polen nicht vergessen, wenn sie eine Befriedung in Ostgalizien wünschen. Eine polnische Provokation. Flaggenkouflikt mit Danzig. Danzig, 10. Nov. (WTB.) Die polnische Eisenbahn Verwaltung hat auf Weisung des Verkehrsministeriums anläßlich der polnischen Staatsgründungsfeier die Bahnhofsgebäude der Grenzbahnhöfe und der Hauptstrecke Hohenstein- Danzig-Zoppot beflaggen lassen und im Eisenbahnverkehr der Freien Stadt Danzig, mit Äus- nayrne des Vorortverkehrs und einiger Züge nach Marienburg, die Lokomotiven ebenfalls m i t Flaggenschmuck versehen. Der Senat, der erst am 8. November von der bevorstehenden Beflaggung erfuhr, hat daraufhin sofort bei der diplomatischen Vertretung der Republik Polen Vorstellungen erhoben und u. a. darauf hingewiesen daß die beabsichtigten Maßnahmen der Eisen- bahnverwaltung die Empfindungen der Danziger Bevölkerung verletzen müs- sen. Da der Senat auf seine Vorstellungen am 9.November mittags einen in der Hauptsache ab« chlägiaen Bescheid erhalten hat, yat er der »wlomattsthen Vertretung der Republik Polen einen christlichen Protest übermittelt und Abschrift davon dem Hohen Kommissar des Völkerbundes zugestellt. Oawesplan und Landwirtschaft. Hugenberg über die kommenden Reparationsverhandlungen. Berlin, 11. Nov. (WTB.) Der Vorstand des Landwirtschaftlichen Reichsausschusses der Deutschnationalen Volkspartei begann im Reichstag eine Versammlung, die der Erörterung landwirtschaftlicher Fragen gilt. Nachdem der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Thomsen, festgestellt hatte, daß die letzten Wahlen für die Deutschnationale Volkspartei infolge mangelhafter Verbindung zwischen der Parteileitung und landwirtschaftlichen Organisationen zu einer Niederlage geführt haben, und daß ein Parlament auf berufsständischer Grundlage nicht die großen politischen Aufgaben leisten rann, die die Zeit stelle, nahm der Parteivorsitzende, Hugenberg, das Wort zu einem umfassenden Referat über die wirtschaftliche Notlage der Landwirtschaft und die Möglichkeiten einer Hilfe, wobei er u. a. folgendes aus führte: Es sind drei große Fragen, die vor allem gelöst werden müssen. Die erste ist die Kreditfrage, die Frage deS deutschen Realkreditzinsfußes, die in manchen Beziehungen mit der Dawesfrage zrr- sammcnhängt. Wir sind in diesem Punkte — ganz rm Widerspruch zu der sonstigen ungesunden Neigung, alles von Staats wegen ordnen zu wollen — sozusagen Fatalisten und lassen alles kampflos über uns ergehen. Aber ich bin überzeugt, daß eS — nicht mit Ginzellvediten, sondern mit einer grundsätzlichen Anfassung der Frage — sehr wohl erreichbar ist, diesen wirtschaftlichen Krebsschaden zu heilen oder zum mindesten wesentlich abzumildern. Die zweite große Frage ist die der wirtschaftlichen Selb st Verwaltung der Landwirtschaft. Alle anderen Berufe und Gruppen haben ihre Syndikate, Kartelle, Derkaufs- und Ankaufsvereinigungen, Gewerkschaften usw., nur die Landwirtschaft hat es zu etwas Gleichwertigem nicht gebracht. Das Reich muß hier helfen. Hilfe erfährt ste jedoch damit nur dann, wenn das, was aufgebaut wird, ihrer freien Selbstverwaltung unterstellt wird. Das will die Demokratie aller Schattierungen nicht. So hangt das Schicksal der Landwirtschaft an der Politik, an uns. Das gleiche gilt für die dritte, die wichtigste Frage, diejenige des handelspolitischen Schuhes und damtt der Rentabilität der Landwirtschaft. Es wird alles vergblich sein, wenn auf diesem Gebiete nicht eine wirkliche Verständigung zwischen den Nächstbetrostenen, Industrie und Landwirtschaft, stattfindet. Das eigene Interesse der Industrie fordert dies. Ich bin gewiß, daß die Landwirtschaft sich heute darüber llar ist, daß es sich in letzter Linie darum handelt, einen politischen Zustand her- zustellen, in dein es wieder die Möglichkeit gibt, den erwähnten drei großen Lebensbedürfnissen der Landwirtschaft wirklich und wirksam Rechnung zu tragen. Es schien einmal, als wenn der Dawes-Vertrag die Landwirtschaft schone und daher für sie nicht so schlimm sei. Das praktische Ergebnis der Entwicklung war ein ungeheurer Druck der ausländischen Agrareinfuhr auf die heimische Landwirtschaft. Die Landwirtschaft wurde unter dem Einflüsse der ReparationSPolitll bis aufs Hemd ausgezogen. Lind doch — wenn es jetzt heißt, daß Frankreich und England den Transferschutz aufheben und die Reparattons- lasten „kommerzialisieren" wollen, so weih die Landwirtschaft ganz genau, daß sie das a b - lehnen muß, ebenso wie das ganze deutsche Doll eine solche Art von Revision des Dawes- Vertrages ablehnen muß. Es bedeutet für sie wie für das ganze deutsche Voll nicht das Ende, sondern die Fortsetzung, ja Verschärfung dieser furchtbaren Entwicklung. Hätten wir keine Reparationen zu zahlen brauchen, so wäre der Kreditbedarf der deutschen Wirtschaft nicht so groß und deshalb auch unser Zinsfuß nicht so hoch gewesen. Es widerspricht dem Dawesvertrage, wenn fort und fort Transferzahlungen stattfinden. Der Repa- rattonsagent Parker Gilbert mußte, wenn ich feine Lage richtig beurteile, eine recht unangenehme 3eit innerlichen Unbehagens durchmachen, als er entsprechend dem machtbewuhten Verlangen der Hauptgläubigermächte weiter und weiter den Dawesvertraa in der geschehenen Weise handhaben mußte. Ich verstehe es, daß er als ehrlicher Mann aus dieser Zwangslage einen Ausweg suchte — den einzigen Ausweg, den es für ihn gab, nämlich den der Aenderung („Revision") des Vertrages. Für die Art, wie diese Aenderung vvrgenommen wird, ist nicht mehr der Reparationsagent in erster Linie verantwortlich sondern die Mächte, d. h. zunächst Amerika, das sich zurückhält, weiter Frankreich und England. Beide sehen, daß eine faire Handhabung des Dawesplanes in kürzester Fritz die Reparationszahlungen würde aufhören lassen. Daher wollen sie den Vertrag in ihrem Sinne geändert haben. Endlich Deutschland. Wenn Deutschland bei der heutigen Sachlage zu- ftimmt, daß sein einziger Schuh beseitigt wird, daß die Zahlungen an Frans reich und England munter weiterfließen daß Parker Gilbert durch Deutschland selbst aus der llnbequemlich- feit seines Gewissens befreit wird — nun ja, wer sollte dann berufen sein, für Deutschland zu sorgen? Es ist in solcher Lage die verdammte Pflicht und Schuldigkeit einer verantwortungsbewußten Opposition, alle Hebel anzusehen, um das eigene Volk vor einem neuen Verstlavungs- afte, vor einer neuen Inflation, vor neuen Sanktionen und Besetzungen im Westen und im Osten, vor der Bestimmung als Schlachtfeld der Welt zu bewahren. Ich denke, die gesamte Landwirtschaft aller Parteien wird dabei auf unserer Seite stehen. poincares neues Kabinett. Paris, 11.Nov. (DTB.) Die Beratungen poln- cares mit feinen ehemaligen Ministern, die ein Mandat in feinem neuen Kabinett anzunehmen sich bereit erklärten, waren um 18.30 llhr beendet, ha- oas gibt folgende M i n i ft e 11 i ft e aus: Ministerpräsident ohne Portefeuille: poincare (Kcpubl. Vereinigung). Finanzen: Cheron. Justiz: V a r t h o u. Außenministerium: B r i a n d. Innenministerium: T a r d i e u. Krieg: P a i n l e o e. Marine: Leygues. handel: Bonnesous. Oeffenkliche Arbeiten: J o r g e o f. Arbeit: £ o u d) e u r. Unterricht: Märrand. Luftfahrt: Laurent Lynac. Landwirtschaft: Jean Hennessy (französischer Gesandter in Bern). Kolonien: Maginok. Pensionen: A n t L r i o n. Der Präsident der Republik hat am Abend die Ernennnngsdekrete für die Mitglieder des neuen Kabinetts Poincare unterzeichnet. Ein erster kurzer Ministerrat hat bereits am Abend im Elyfee stattgefunden. Der erste Kabinettsrat tritt morgen zusammen. Am Donnerstag wird das neue Kabinett mit der Regierungserklärung vor das Parlament treten. Oie Absage der Radikalen. Paris, 10. Nov. (WTD.) In der entscheidenden Fraktionssihung der Radikalen machten sich zwei Tendenzen bemerkbar. Der eine Teil betrachtet die ZugeständnissePvincarös, die er teilweise gemäß den Forderungen des Kongresses von Angers gemacht hat (Prüfung einer Herabsetzung der Kredite für Befestigungsbauten, einmütige Bestätigung der von Briand in Genf betriebenen Außenpolitik, wie sie sich aus den Locarno-Verträgen ergibt, in der Regierungserklärung, Herausnahme der Artikel 70 und 71 aus dem Budget betreffend die religiösen Ordensgesellschaften zwecks Vorlage eines besonderen Gesetzentwurfes), als ausreichend. Der andere Teil, vertreten in erster Linie durch den Abgeordneten M o n t i g n y, bestand aus r e st l o s e r Erfüllung des Programms von Angers. Die Fraktion beauftragte schließlich, ohne einen «m- heitlichen Beschluß gefaßt zu haben, den Abgeordneten M a l v y, bei Poincare noch einmal zu versuchen, weitere Zugeständnisse gemäß dem Programm von Angers zu erhalten und ihm die grundsätzliche Abneigung der Partei mitzuteilen, mit der Gruppe Marin in der Regierung zusammen zu arbeiten. Malvhs Sendung blieb jedoch ohne Erfolg. Der Vorsitzende der Partei, Daladier, er- klärte, weder hinsichtlich der Zusammensetzung noch hinsichtlich des Programms des geplanten Kabinetts Poincares sei den Forderungen der radikalen Partei Genüge getan. Eine Aufnahme der Artikel über die Ordensgesellschaften in die Zusahkredite für den Monat Dezember, toie sie Poincare in Aussicht gestellt hatte, sei unmöglich Weiter habe Poincar6 einem Mitglied der Gruppe Marin ein Portefeuille angeboten. Das sei für die Radikalen ebenso unannehmbar wie die Zusammenarbeit mit M a g i n v t als Minister. Daladier schloß: Wir müssen Poin- car6 jede Unter st ützung verweigern, die Entschließung des Parteitages von Angers macht uns das zur Pflicht. Dieser Standpunkt Daladiers wurde von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder gebilligt. Daraus bat dann Poincare fein neues Kabinett in der oben mitgetcilten Zusammensetzung, also ohne die Radikalen, gebildet. EineAuswndreifepoincares? Paris, ll.Rov. (WB.) 3m Hinblick auf die Tatsache, daß Poincare an dem neuen Kabinett außer dem Vorsitz kein Portefeuille übernimmt, wurde der Ministerpräsident beim verlassen des Finanzministeriums von Pressevertretern gefragt, ob er beabsichtige, Paris zu verlassen und eineReiseanzutreten. Poincars antwortete, wie die „Agence havas" berichtet, hieraus: „Die Möglichkeit einer Reise braucht nicht ausgcschattct zu werden." Als die Presseverkreier, um Poincarö zu einer genaueren Auskunft zu veranlassen, gefragt hätten: „vielleicht werden Sie nach Berlin fahren?" habe Poincarö eine ausweichende Geste gemacht. Erstes Echo der presse. Paris, 11.Nov. Die Bildung des neuen Kabinetts PoincarS, die im Laufe des gestrigen Nachmittags mit fieberhafter Eile durchgeführt wurde, wird nur von einem Teile der Presse mit Begeisterung ausgenommen. Ein Teil will das neue Ministerium nur nach seinen Handlungen beurteilen. Ein Teil der Linkspresse kündigt jedoch bereits sachliche Opposition an. „Matin" schreibt: Das Ministerium erstreckt sich von der Fraktion Marin bis zu den Sozialrepublikanern. Es kann zum wenigsten mit 350 Stimmen rechnen, das reicht durchaus zum Regieren. Die Presse des Parfümfabrikanten Coth, der konservattve „Figaro" und der „Gaulois". empftndet eine gewisse Schadenfreude darüber, daß di« Radikalen dem Kabinett angeboren und erwartet, daß die neue Regierung eine wahr- hafte Regierung nationaler Einigung sein werde. — „O e u v r e" und „Quo - tidien" (radikal) behalten sich ihre Stellungnahme vor. Ablehnend verhält sich „Ere Novelle", die schreibt: Dieses Ministerium ist ohne die Linke gebildet worden. Wir finden in ihm diejenigen, die seit Jahren unaufhörlich die Republikaner bekämpft unb verleumdet haben. Der Geist der Besiegten vom 11. Mai 1924 hat über den Beratungen dieser letzten 24 Stunden gestanden. „V o l o n t schreibt, die politischen Ereignisse dieser letzten Woche waren beträchtlich. Die Nationale Einigung dieser Kadaver, dem einige Leben einhauchen wollten, ist zu Grabe getragen Der Poincare-Mythos ist zusammengebrochen. Der sozialistische »Populaire" fragt: Was ist ein Ministerium Poincare ohne die Radikalen? Das ist nicht einmal mehr die Nattonale Einigung, das ist der Nationale Block. Das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple" sagt: Wie farm man annehmen, daß di« neue Kombination leben kann, da sie nicht nur die Opposition der äußersten Linken, sondern auch grundsätzlich die der ganzen Radikalen Fraktion gegen sich hat? Das einzige Blatt, das sich mit den außenpolitischen Aufgaben des neuen Kabinetts beschäftigt, das von ihm im übrigen gebilligt wird, ist das „Echo de Paris". Es schreibt: „Die Beibehaltung PoincarßS an der Spitze des Kabinetts ist ein europäisches Verhalten. Seit September sind die Verhandlungen im Gange, die zur Rheinlandräumung und aur Regelung der Repar ations - frage führen werden. Die Sicherheit Frankreichs wird zu erörtern sein und die Frage, ob Frankreich das Rheinland aufgeben werde, ohne Garantien gegen die Einverleibung Oesterreichs in Deutschland. Das Reparationsproblem aber selbst kann nur eine annehmbare Lösung finden, wenn man auf französischer Seite die größte Festigkeit betoeist." Deutsch-rumänische Einigung. Ein Abkommen über die Finanz- und Eigentumsfragen unterzeichnet. Berlin, 10. Nov. (WTB.) Die deutsch- rumänischen Verhandlungen zur Beilegung der finanziellen Streitfragen zwischen den beiden Ländern sind zum Abschluß gekommen. Ein Abkommen ist darüber zwischen der deutschen und der rumänischen Delegation am 10. November im Auswärtigen Amt unterzeichnet worden. Der wesentliche Inhalt ist, daß Deutschland an Rumänien ein« Summe von 7 6,5 QÄUIift*' nen in vier Jahresraten zahlen wird, während Rumänien das noch nicht liquidierte deutsche Eigentum inRumänien frei- g ibt und den An leihedienst für nicht abgestempelte rumänische Vorkriegsrenten nach einem bestimmten Plan wieder aufnimmt. Die Einzelheiten dieses Anleiheplanes werden gesondert bekanntgegeben. Gleichzeitig erklärt die rumänische Regierung, daß mit diesem Abkommen alle deutsch-rumänischen finanziellen Streitfragen erledigt ftnb, insbesondere die von Rumänien bisher gestellten Ansprüche wegen der Banca- Generala-Noten, die während der Besetzung Rumäniens von deutschen Stellen ausgegeben worden sind, ferner die Ansprüche aus dem Bukarester Frieden, ebenso die gegen die Reichsbank wegen verschiedener Depots erhobenen Ansprüche. Außerdem verzichtet Rumänien auf die Anwendung des befannien § 18 der Anlage II zu Teil VIII des Vertrages von Versailles, in dem bekanntlich das Recht Vorbehalten ist, unter bestimmten Voraussetzungen das deutsche Eigentum zu beschlagnahmen. Das Abkommen unterliegt der Ratifikation. Tftirch dieses Abkommen werden endlich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Ländern befeitigt, die die Entwicklung regel- mäßiger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Heiden Ländern in den letzten acht Jahren erschwert haben. Die erste Folge dieser Einigung wird sein, daß dadurch der Weg für eine Beteiligung der Reichsbank an der von den internationalen RotenbanLen geplanten Mion zur Stabilisierung der rumänischen Währung und für eine Beteiligung der deutschen Danken an der internationalen Kredit- aktion für Rumänien freigemacht ist. Als weitere Folge wird von beiden Seiten erhofft, daß die früheren engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bald wiederher- gestellt sein werden. Es £onn nunmehr auch in Aussicht genommen werden, daß die Verhandlungen zum Abschluß eines Handelsvertrages zwischen den beiden Ländern in absehbarer Zeit ausgenommen werden. Maniu bildet-asrumänischeKabmeit. Starke Vertretung Siebenbürgens. B u k a r e st, 10. Nov. (WB.) Dem unter dem Vorsitz von Maniu aus Mitgliedern der Nationalen Bauernpartei gebildeten Kabinett gehören u. a. an: Inneres: B a i d a , Auswärtiges: Professor Mironesco, Finanzen: P o p o v i c i, Krieg: General Cikoski, Unterricht: Professor Costakosco, öffentliche Arbeiten: Halippa, Landwirtschaft und Domänen: Mi ha lache, Justiz: I u n i a n, Industrie und Handel: Madgearu. Als Minister ohne Portefeuille gehören dem Kabinett Vertreter von Siebenbürgen und der Bukowina an. Außerdem wurde eine Reihe von Unterstaatssekretären ernannt. Von den Mitgliedern des neuen Kabinetts stammen fünf aus Siebenbürgen, ebenso zwei Minister ohne Portefeuille, ein Minister stammt aus Bessarabien, einer aus der Bukowina, die übrigen aus Altrumänien. SüdslawischeMinderheiterrpolM Eine Denkschrift Stefan Kraffts. Belgrad, 10. Nov. (WTB.) Der Führer der Deutschen Partei, Dr. Stefan Krafft, hat nach Beratungen mit dem Ministerpräsidenten und den Parteiführern an den Ministerpräsidenten ein Memorandum gerichtet, worin er, gestützt auf mehr- fache Empfehlungen der Interparlamentarischen Union und der Union der Dölkerbundsliga die Errichtung einer aus Vertretern der Majorität und der nationalen Minderheiten bestehenden paritätischen Kommission vorschläot. Diese Kommission hätte die Aufgabe, frei von Parteigesichtspunkten die Lage der Minderheiten zu prüfen, ihre Beschwerden zu beurteilen und die Rechts- und Gesetzwidrigkeiten festzustellen, die zu Reibungen zwischen Majorität und Minoritäten Anlaß geben. Namentlich soll die Lösung der Schulfrage in Angriff genommen werden. Krönungsseierlichkeiteli in Japan London, 10. Nov. (TU.) Die japanischen Krö- imngsfeierlichkeiten begonnen am Samstagvormittag in dem alten kaiserlichen Palast in Kioto. Neben den kaiserlichen Prinzen und Prinzessinnen nahmen die in Tokio beglaubigten Diplomaten in der Thronhalle Aufstellung, mehr als tausend führende Persönlichketten aus allen Zweigen des öffentlichen Lebens hatten auf dem die Tnronhalle umgebenden Galerien Platz genommen. Als der Kaiser den erhöhten Thronsessel bestieg, ertönte ein Gongschlag, worauf die Truppen salutierten und das heilige Schwert neben den Kaiser gelegt wurde. Der Ministerpräsident verlas von den zur Halle führenden Stufen eine Gratula- tionsadresse, die mit einem von allen Anwesenden wiederholten dreimaligen „Lang lebe der Kaiser" schloß. 2)ie Rede wurde durch Radio in ganz Japan verbreitet. Es ist dies das erstemal, daß die Kaiserin an den Krönungsfeierlichkeiten teilnimmt. Am Sonntag werden Tänze vor dem Heiligen Schrein folgen, in dem der heilige Spiegel aufbewahrt wird und am Montag folgt die Entsendung der kaiserlichen Boten nach dem großen Schrein in Ise, dem Mekka aller loyalen Japaner. In Ise wurde der Ueberlieferung zufolge der heilige Spiegel von der Sonnengöttin dem damaligen Herrscher persönlich übergeben und wird seither als die bedeutendste Reliquie aufbewahrt. In Tokio sind aus Anlaß der Krönungsfeierlichkeiten Glückwunschtelegramme aus der ganzen Welt eingegangen. Europa und die Vereinigten Staaten. Eine Waffenstillstandsrede desPräsidenten Eoolidge. Washington, ll.Rov. (WTB. Funkspruch.) Präsident Eoolidge hielt aus Anlaß der Waffenstillstandsseier eine Rede, in der er die gegenwärtig zwischen den Vereinigten Staaten und Europa schwebenden Fragen eingehend erörterte. Eoolidge hob hervor, daß die Vereinigten Staaten beim Friedensschluß sich weder an der Aufteilung des deutschen Kolonialbesitzes beteiligt, noch das Privateigentum behalten hätten. Dagegen beliefen sich Amerikas Kriegs- k o st e n selbst nach Abzug der Schulden der Alliierten auf 36 Milliarden 500 Millionen, wozu noch weitere 1 Milliarden Zinsen bis zur Tilgung der Schuld des Bundes hinzukamen. Den Kosten dieser schrecklichen Tragödie ständen wenigstens größere Fortschritte der Selbstregierung in Europa gegenüber, wenn auch in einzelnen Ländern die soziale Zersetzung so stark sei, daß sie sich neuen Formen des Absolutismus unterwürfen, um der Monarchie vorzubeugen. Die Schulden abkommen wurden abgeschlossen nicht im Hinblick auf die Höhe der Schuldeii, sondern unter Berücksichtigung der Zahlungsfähigkeit der Schuldner. Wir leisteten mit Rat und Tat Beistand, enthielten uns aber jeder unerwünschten oder unserer Ansicht nach erfolglosen Einmischung uiid wollten außerdem auch nicht die Rüstungen unterstützen. Denn, welche Hilfe wir auch bei der Beendigung des Krieges leisteten, wir fühlen uns verantwortungsfrei von Beginn an. Wir wünschen auch nicht künftige Kriegsvorbereitungen zu finanzieren. Wir halfen in der Rachkriegszeit in gleicher Weise Freund und Feind. Präsident Eoolidge bemerkte, daß er wiederholt für finanziellen Wiederaufbau durch amerikanische Anleihen eingetreten sei. 3m allgemeinen habe Europa jedoch einen solchen Grad der finanziellen Stabilität und des Wohlstandes erreicht, so daß man von Amerika keine Verpflichtung zu einer Hilfe erwarten könne. Oie Lage im Aussperrungsgebiet. Annäherung der Parteien? Essen, 11. Nov. (TU.) Die Oeffentlichkeit erwartet dem am Montag vor dem Duisburger Arbeitsgericht zu fällenden Spruch über die Rechtmäßigkeit der Aussperrung in der rheinischwestfälischen Metallindustrie mit stärkstem Interesse. Man ist sich allerdings auch dessen bewußt, daß ein Spruch, wie er immer auch lautet, die Schwierigkeiten nicht von heute auf morgen abändern kann, weil sich wahrscyeinlich die unterlegene Partei mit dem Spruch nicht zufriedengibt und die höhere In- stanz zur weiteren juristischen Entscheidung an- rufen wird. Beide Parteien sind sich darüber klar, daß eine befriedigende Lösung des Konfliktes nur durch eine Verständigung gefunden werden kann. Nachdem beide Parteien ihre Verhandlungs- bereitschaft erklärt haben, wird als Vermittler der Reichsgerichtspräsident Dr. Simons genannt. In Kreisen, die die überaus schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Ruhrrevier kennen, hält man es jedoch für zweckmäßiger, mit der Regelung dieser schwierigen Lage eine Persönlichkeit zu betrauen, die die Verhältnisse des Reviers durch praktische Erfahrungen kennt. Der zweite Vorsitzende des Christlichen Metallarbeiterverbandes, Schmitz, Duisburg, betont in einem Artikel in der „Köln. Ztg.", daß die Gegensätze zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerlschaften nicht unüberbrückbar seien, und daß eine Vermittlungsallion nicht auf Ablehnung stoßen werde, vorausgesetzt daß der materielle Inhalt des Schiedsspruches nicht geändert werde. Auch aus der Presse spricht die Hoffnung, dem Arbeitskampf in der rheinisch-westfälischen Metallindustrie ein baldiges Ende zu bereiten. Rach der ersten Woche der Airssperrung machen sich auf allen verwandten wirtschaftlichen Gebieten die Auswirkungen geltend. Die Berichte der Landesarbeitsämter weisen auf die zunehmende Erwerbslosigkeit der mittelbar durch die Aussperrung betroffenen Wirtschaftskrei.e, wie z.B. auf die zahlreicher gewordenen Feierschichten im Bergbau, auf die Abschwächung ber Handelsumsätze und anderes hin. Schwierigkeiten tauchen auch hinsichtlich der Versorgung der ni ch t- organisierten Ausgesperrten auf, die nunmehr den einzelnen Gemeinden zur Last fallen. Allenthalben haben die Städte bereits Rotmaßnahmen getroffen, die auf längere Zeit durchgeführt, die städtischen Haushalte schweren Belastungen ausseyen müsien. Es wird bekannt, daß gewisse Kreise, Verwaltungen und Kommunen sich bereits gezwungen gesehen haben, zur Deckung der Mehrausgaben höhere Kassen- k r e d i t e in Anspruch zu nehmen. Verhandlungsbereitschaft M Christlichen Mtallarbeiterverbandes Duisburg, 11. Rov. (WTB.) Die heute ab- gehallenc Delegiertenkonferenz des Christlichen Metallarbeiterverbandes erklärte sich unter erneutem ausdrücklichem Hinweis darauf, daß der Schiedsspruch deS Reichs- arbeitsministers für die nordwestliche Eisenindustrie zu Recht bestehe und Geltung erlangen müsse, angesichts des ungeheuren Schadens, der durch das Vorgehen der Arbeitgeber schon jetzt eingetreten sei, mit einer von unparteiischer Seite ausgehenden Vermittlungsaktion einverstanden, da der Rechtsstreit ausgetragen werden könne, auch wenn die Betriebe wieder in Gang seien. Die Konferenz erteilte den Unterhändlern des Verbandes alle erforderlichen Vollmachten. Die Delegiertenkonferenz beschloß, die Auszahlung der satzungsgemäßen Tlnterstühung einzu stellen, da sie davon Kenntnis erhalten habe, daß die von den Gewerkschaften gewährte öln- terstühung auf die Unterstützung der Wohlfahrtsämter angerechnet werde. Sie erhob gegen diese Maßnahme Einspruch. Die Wohlfahrtsunterstützung der Kommunen werde getragen von allen Steuerzahlern, wozu auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gehören, die nicht dafür bestraft werden dürfen, daß sie sich gegen die Wechselfälle des Arbeiterlebens schützen. Beschlüsse des Deutschen Meiattarbeiterverbandes S t u t t g a r t, 10. Rov. (WTB.) In einer Tagung des Beirats des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde ein Beschluß gefaßt, auf keinen Fall die bisherige Stellung aufzugeben. Weiter wurde beschlosfen, daß weit über 200 000 ausgesperrten Arbeitern il n ter* stützung in Höhe der offiziellen Arbeitslosen- unterstützungssätze zuteil werden solle. Der Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbandes er- llärte sich mit den ausgesperrten Arbeitern vollkommen solidarisch und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung einschließlich ihrer Organe das Verhalten der Arbeitgeber eingehend untersuchen werde, um eine schwere Gefahr für das deutsche Wirtschaftsleben zu beteiligen. Ferner wurde zum Ausdruck gebracht, daß sich die Ausgesperrten wie bisher in mustergültiger Ordnung verhalten sollen. Eine Erklärung der Firma Krupp. Essen, 10. Nov. (WTB.) An die noch im Betriebe befindlichen Arbeiter und Angestellten des Essener Werkes der Firma Krupp wurde ein Flugblatt verteilt, in dem es u. a. heißt: Nachdem Krupp seine Monopolstellung in der Herstellung von Kriegsmaterial verloren hat, sind seine Produktionsbedingungen nicht andere, wie für jedes sonstige Stahlwerk ober jede Maschinenfabrik: sie liegen ehernochungünstiger, namentlich hinsichtlich der geographischen Lage des Werkes und der Eignung der vorhandenen Werkstätten für den modernen Fabrikbetrieb. Für die Gußstahlfabrik würde bei einer Lohnsumme von 57,3 Millionen Mark in den letzten 12 Monaten sich bei Einhaltung des Schiedsspruches ei neErhöhung der Unkosten um rund 3 Millionen Mark jährlicy ergeben. Nachdem die Gußstahlfabrik im verflossenen Geschäftsjahr erstmalig seit Kriegsende ohneVerlust gearbeitet hat, wird man verstehen, was diese Ziffern bedeuten: Die Wiederkehr der Verlustwirtschaft für die Essener Fabrik. Zum Schluß wird ausgeführt: Eine lange Dauer des Arbeits- kampfes würde nicht nur den einzelnen Arbeiter jetzt schwer treffen, sondern auch künftig durch Der- lüft der Kundschaft die Beschäftigungsmöglichkeiten für viele Werksangehörige vernichten. Möge daher auf Seiten der Arbeiterführer wirtschaftliche Einsicht einkehren, damit sich auch die Tore der Kruppschen Werke bald wieder öffnen. Oie Rückwirkungen auf den Bergbau. Duisburg, 11.Nov. (WB.) Die Vereinigten Stahlwerke, Gruppe Hamborn, erlassen an chre Belegschaftsmitglieder folgende Mitteilung: „Der in der Eisenindustrie ausgebrochene Arbeitskonflikt hat dadurch Rückwückungen auf den Bergbau, daß er uns wesentlich zu Förderein- schrönkungen zwingt. Unsere Förderung geht zu nahezu 60 Prozent an die eisenerzeugende und verarbeitende Industrie des Nordwestens. Da dieser Absatz restlos f o r t[ä Ut, müssen wir die Förderung erheblich einschranken, d.h., mehrere Feierschichten in der Woche einlegen. Unsere schlechte wirtschaftliche Lage im Bergbau gestattet es uns auch nicht, nur einen Teil der Förderung auf Lager zu nehmen, da hiermit die Festlegung größerer Kapitalien verbunden ist, die uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Hüttenwerke liegen bekanntlich seit dem 1. November still. Die Leiter dieser Werke kämpfen nicht gegen das Tarif- und Schlichtungswesen, nicht gegen die Staatsautorität: sie kämpfen für die Aufrechter- Haltung des heutigen Preisniveaus und damit gleichzeitig für die Erhaltung der Kaufkraft der Bevölkerung. Jeder weiß aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres, daß der Arbeiterschaft mit Lohnerhöhungen, denen notwendigerweise Preiserhöhungen mit Absatzver- Minderung, Feierschichten und Entlassungen folgen müssen, nicht gedient ist, daß vielmehr die Kaufkraft des Geldes durch geeigneteMaß- nahmen des Staates gehoben werden muß." die über die strikte Geschäftsbasis hinausgeht. Wenn wir, so schloß Eoolidge, etwas mehr Entgegenkommen vonseiten Europas finden könnten, namentlich bei der endgültigen Liquidierung der Kriegsschulden und bei der Frage der Rüstungsbeschränkung entsprechend dem Antikriegspakt, wird unsere Zuversicht auf die Wirksamkeit weiterer Bemühungen von unserer Seite, dem Fortschritt Europas zu helfen, stark gefestigt werden. Oie Reichsreform. Das Arbeitsgebiet der Unterausschüsse. Berlin, 10. Nov. (WB.) Die durch den Ver- fassungsausschuß der Länderkonferenz am 24. Oktober eingesetzten beiden Unterausschüsse traten heute unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Die Ausschüsse beschlossen einmütig, zunächst folgende Arbeiten in Angriff zu nehmen: 1. Die Angrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern. Im Zusammenhang damit sind zu erörtern: die Fragen der reid)5eigenen Verwaltung, der auftragsweisen Verwaltung von Reichsaufgaben durch die Länder, der Eigenoerwaltung der Länder einschließlich der Länderoerwaltung traft eigenen Rechts. 2. die finanzielle Auseinandersetzung zwischen Reich und Ländern. 3. Die Organisation der Länder (Landtage, Landesspitzen, Regierungen), unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Preußen, und dem Reich und der Einfluß der Länder auf das Reich (Reichsrat). Als Referenten wurden bestellt: Zu Fragen 1: Reichsminister Seoering, Dr. Held (Bayern), Staatspräsident R e m m e l e, Ministerialdirektor Dr. Brecht unter Beteiligung des Landeshauptmanns Dr. H o r i o n : zu dem Fragengebiet 2: Dr. Brüning, Mitglied des Reichstages, Reichsminister a. D. Dr. Hamm, Professor Dr. N a - wiasky: zu dem Fragengebiet 3: Ministerialdirektor Dr. Brecht, Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter, Staatspräsident Dr. B e l x , Bürgermeister Petersen. Es wurde in Aussicht genommen, die Referate bis zum ersten Drittel des Januar 1929 fertigzustellen. Schicksalswende! Die Bolkspartei verlangt eine feste Koalitionsregierung. Berlin, 11. Rov. (WTB.) Die »Nattonal- liberale Korrespondenz", das Sprachrohr der Deutschen Dolkspartei, schreibt in einer Vorschau auf die Tagung der Parlamente: Die Reparationsfrage ist nicht nur das Schicksal des Deutschland von heute, sondern auch das unserer Kinder und Enkel, ja vielleicht unserer Urenkel. Ihr gebührt darum der Vorrang vor allen anderen Fragen, mögen sie noch so wichtig sein und uns noch so sehr bedrücken. Es geht um die endgültige Lösung der Reparationsfrage und die endgültige Festsetzung der deutschen Reparationslast. Deutschland steht an einer Schicksalswende und bedarf einer großen, sich ihrer entscheidenden Aufgaben voll bewußten Regierung. Es genügt nicht, daß die Enffchlüsse dieser Regierung von einigen Parteien getragen werden: hinter dieser Regierung muß die Autorität einer Koalition stehen, die sich auf eine unbedingt feste Mehrheit im Parlamen t und im deutschen Volke stützen kann. Damit ist das Ziel der kommenden Koalitionsverhandlungen, sachlich gesehen, mindestens ebenso bestimmt wie durch den Ausfall der Wahlen. Eine Minderheitsregierung kann uns nicht helfen. Wir bedürfen einet entschluhf ähigen Mehrheitsregierung, einer starken und verantwortungsbewußten Regierung! Wenn der deuffche Parlamentarismus sie nicht schaffen kann, verdient er jede Kritik, die an ihm geübt wird. Aus aller Well. Der Ausbruch des Aetna. Auf Grund einer ersten Zählung soll sich die Zahl der Flüchtlinge aus den bedrohten Ortschaften am Aetna auf ungefähr 4300 belaufen. Der Staat hat eine Summe von 25 000 Lire der bedrohten Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Don Verbänden und Organisationen erfolgten zahlreiche Spenden für einen Hilfsfonds. Die zuständigen Behörden arbeiten ein Projekt für den sofortigen Wiederaufbau von Mascali aus. Der Hauptstrom der Lava des Aetna ist über die Eisenbahnbrücke von Mascali vorgedrungen, so daß die Eisenbahnlinie Catania — Messina unterbrochen ist. Er rückt in Richtung auf Carrabba vor, von wo er nach dem Meere fließen würde. Ein anderer Arm der Lava bewegt sich in Richtung auf Nunzia ta. Es ist ganz unmöglich, eine Erkundung im Flugzeug über dem Ausbruchsgebiet auszuüben. Die Räumung des unteren Teils von Nunziata wurde gestern beendet. Aus dem oberen Teil des Lavaftromgebietes quoll ein Bach hervor, der mit großer Schnelligkeit 900 Meter weit am Südrand des Hauptstromes herunterfloß und dann allmählich zum Stillstand kam. Der Haupfftrom der Lava rückt weiter mit einer Geschwindigkeit von fünf Meter in der Stunde nach dem Meere vor. Die beiden Seitenarme sind noch nicht zum Stillstand getommen. Der zur Beobachtung des Hauptkraters auf dem Aetna verbliebene Beamte des Observatoriums meldet, daß nichts auf ein Nachlassen des Ausbruches hindeute. Ehrung Hans Delbrücks durch den Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hat den Berliner Historiker, ^lniversitätsprofessor Geheimen Regierungsrat Dr. Hans Delbrück. zu seinem 80. Geburtstag den Adlersch ild des Reiches verliehen und mit einem Schreiben zugehen lassen, in dem er ihm beste Glückwünsche ausspricht unb unter Würdigung der wissen- schastlichen Forschungsarbeit des Gelehrten ihm besonderen Dank und Anerkennung dafür ausspricht, daß er noch heute seine reichen Kenntnisse und hingebungsvolle Arbeft in den Dienst des Reiches stelle. Der Reichspräsident schließt mit dem Wunsche, daß Dewrück noch manches Jahr gesegneter Arbeit in geistiger und körperlicher Frische beschieden fein möge. Steckbrief gegen einer, falschen Arzt in Prag. Die Prager Polizeidirektion erließ einen Steckbrief einen einen 22jähr. Johann Stampfl aus Prag, der sich in verschiedene Prager Spitäler eingeschmuggelt und dort ärztlich« Funktionen ausgeübt hatte. Gr legte sich falsche Ramen bei, entwendete aus den Anstalten wertvolle wissenschaftliche Instrumente und macht« bei Buchhändlern betrügerische Schulden. Er soll sogar eine Operation und -'ne D uiübertragung dorgenommen haben. Der Schwind.er entstammt einer angesehenen Pr^ .. Familie. Er ist mehrfach vorbestraft. Friedhofsschändung. Friedhofsschänder haben auf dem israelitischen Friedhof in Harburg große Verwüstungen angerichtet. Sie haben eine große Anzahl Grabsteine umgewvrfen und zum Teil zerbrochen. Es handelt sich anscheinend um halbwüchsige Burschen, die bisher nicht ermittelt werden konnten Auf die Ergreifung der Täter hat die israelitische Gemeinde eine größere Belohnung ausgesetzt. Großer Walbbranb am Schwarzen Meer. Seit einigen Tagen wütet ein über mehrere tausend Hektar sich erstreckender Waldbraich rrt den Bezirken Maikop und Tuapse an der Küste des Schwarzen Meeres. An einigen Stellen tonnte das Feuer dank dem energischen Eingreifen! der Bevölkerung eingedänrmt werden. Oie Wetterlage. ■Jn füyen- Häparai frinrt 11 Coruna Sonntaq, iVb, 1928,8 "mgL. ewOTttmw. Qnenn, c» nam ottfecet» -rtixi» • oedtcti »KeW * Schnee a Graupeln e Hcoti K 6ewitter^)wiMStilic.^^ xlw •»enter Osi mssipe» iod$ciovc$i q iturmech« nordwety ort »reue theoen mit dem Winde. Die seiden Stationen stehenden iaf* •n geaen die Temperatur an. Pie Limen ctrpindeo Orte oul QlcKUfl> ni 'Verev'iveau umaereeheetee UJldrmt Wettervoraussage. Das umfangreiche Rordwest-Druckfallgebiet, das sich weiter vertieft hat und im Raume von Island etn Barometergefälle bis 725 Millimeter aufweist, beherrscht mit seiner Südsette die Witterung Deutschlands. Weitere maritime Warmluststaffeln des Tiefs dringen vor und lassen zunächst das trübe, übertoiegenb wolkige und regnerische Wetter fortbestehen. Dabei gestaltet sich infolge starken Barometergefälles die Luftzufuhr, die vorwiegend aus Südweften stammt, zeitweise lebhaft. Die Temperaturen steigen noch etwas weiter an. Wettervorauss age für Dienstag: Fortdauer des meist wolligen bis bedeckten Wetters, Temperaturen noch etwas ansteigend, zeitweise Riederschläge, aufllarende lebhafte Süd- westwinde. Wittern ngsausfichte n für Mittwoch Weiterhin wolkiges Wetter mit einzelnen Riederschlägen, zunächst keine stärkere Temperaturänderung. Lufttemperaturen am 11. Rovember: mlttaaS 4,1 Grad Celsius, abends 5 Grad CelsiuS; am 12. Rovember: morgens 5 Grad CelsiuS. Maximum 5,5 Grad Cels uZ, Minimum 1,1 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 11. Rovember: abends 4,9 Grad Celsius: am 12. Rovember: morgens 4,4 Grad Celsius. Riederschlag 2,9 Millimeter. Aus -er Provinzialbauptstadt. Gtehen, den 12. November 1928. Oie Vielgestaltigkeit -er Tuberkulose (Bon einem alten Arzt.) Wenige Krankheiten zeigen in ihrem Auftreten und Verlauf eine solche Mannigfaltigkeit wie die Tuberkulose. Erst die auf den Altmeister der pathologischen Anatomie, Virchow, zurückführende Kenntnis der Gewebs„knötchen" (Tubercula), die für die Erkrankung kennzeichnend sind, bewies die Zusammengehörigkeit so verschiedenartiger Krankheits- formen wie der,, Schwindsucht", des „Knochenfraßes", gewisser Regenbogenhautentzündungen, der „Skro- sulose" und anderes, die man bis dahin als getrennte Krankheiten aufgefaßt hatte. Und als weiterhin der Beweis glückte, daß bei allen tuberkulösen Erkrankungen die Koch chen Tuberkelbazillen ihre ,Hand" (sit venia verbo) im Spiele hatten, war die Einheitlichkeit aller dieser Krankheitsformen einwandfrei erwiesen. Aber abgesehen von der Mannigfaltigkeit des Auftretens nach Körperorgan und Krankheitsform ist auch der Verlauf der Erkrankung so wechselooll und unberechenbar, daß eine Aufklärung darüber angebracht ist. Verfrühte Hoffnungen, die sich auf scheinbare Besserungen stützen, müssen gedämpft werden, um Enttäuschungen vorzubeugen; aber auch unbegründete Sorgen, durch Rückfälle und Beschwerden heroorgerufen, können durch Belehrung verscheucht werden. Dos Wesen der Tuberkulose besteht darin, daß die eingedrungenen Tuberkelbazillen auf den Körper als giftiger gewebszerstörender Reiz wirken. Der endgültige Ausgang hängt davon ab, ob und wie der Körper imstande ist, das Gift und die Bazillen unschädlich zu machen. Ob die Abwehrstoffe des menschlichen Körpers imstande sind, die eingedrungenen Feinde selbst zu vernichten und zu zerstören, so daß sie ohne Gewebsschädigung verschwinden, entzieht sich unserer Kmntnis. 3n der Regel verläuft der Kampf anders. Hm den durch das Bazillengift gesetzten Reizherd, z.B. in der Lunge, bildet sich eine kleine Gnt- zündungszvne; eine Zusammenballung von eigenartig veränderten Körperzellen (Rie ewellen) und Blutbestandteilen. Dieses Gebilde sieht wie ein kleines graues „Knötchen" (Tuberkel) aus. Das ist das Schlachtfeld, aus dem um Leben und Tod gestritten wird. 3n den meisten Fällen gelingt es dem Körper, jenen Derteidigungswall zu verstärken, ihn mit Bindegewebe oder Kalk zu durchsetzen und so den bösen Feind von weiteren Einbruchsversuchen zurückzuhalten. Dann findet man im Röntgenbild kleinste, scharf umgrenzte Fleckchen als Zeichen der Heilung. Allerdings dauert dieser Heilungsvorgang im günstigsten Falle Monate, gelegentlich noch länger. Kann der Körper nicht den starken Widerstand aufbringen, der zur Heilung führt, so gelingt eS den Bazillen, aus dem einmal gebildeten Herd- chen sich Weilerzuverbreiten, sei es durch Ge- webs- und Lymphspalten, sei es durch Einbruch in ein kleines Blutgefäß. So können entweder in der Hmgebung des ersten Herdes oder im zweiten Fall in ganz entfernten Gegenden oder in anderen Organen neue Herdchen entstehen. Auch diese Herdchen können noch verkapselt werden, denn die Widerstandskraft des Körpers kann sich je nach den äußeren Hmständen ändern. Heberanstrengung, RahrungsmangÄ, wiederholte Ansteckung, das Hinzutreten anderer Krankheiten, besonders der Grippe, aber auch selbstverschuldeter Exzesse bereiten der Krankheit den Boden, während Ruhe, Kräftigung, sachgemäße Lebensführung den Kampf gegen die Bazillen unterstützen. Leider gibt es aber zweifellos auch angeborene Widerstandslosigkeit; man kennt Schäoindsuchtsfamilien, deren sämtliche Angehörige im Anschluß an die eingeschleppte Krankheit zu Grunde gehen. 3n diesen gewissermaßen explosionsartig sich entwickelnden Fällen, im Dolls- munde sehr bezeichnend „galoppierende Schwindsucht" genannt, hat man das ungünstigste Kräfteverhältnis zwischen Bazillen und Mensch vor sich. Das Gewebe dieser Hnglücklichen kann dem Feinde gar keine Verteidiger entgegenwerfen. Der Gifr- reiz wirkt vielmehr hochgradig zerstörend ein, das Gewebe stirbt in kurzer Zeit ab und löst sich auf, so daß im Organ mehr oder weniger große Höhlen entstehen. Von der Höhlenwand oder auf dem Dlittwege schreitet die Zerstörung unaufhaltsam fort. Zwischen diesen beiden äußersten Möglichkeiten, der Einkapselung und der ununterbrochenen Zerstörung gibt es unendlich viele Zwischenstufen. Auch der bestabgeschlossene verkalkte Herd kann noch lebende Bazillen enthalten und bietet keine unbedingte Gewähr gegen eine Weiterentwicklung, wenn durch eine der genannten ungünstigen Bedingungen die Widerstandskräfte nachlassen. Aus der anderen Seite ist aber auch in einem anscheinend mit Zer- störungsneiaung beginnenden (sog. exsudativen) Fall sehr wohl Die Möglichkeit der Heilung vorhanden, wenn er rechtzeitig erkannt und unter günstige Be- »en gebracht wird. Dazu gehören ' neben rnährung und Ruhekur in reiner Luft besonders die neuzeitlichen Verfahren der Stillegung der erkrankten Brustkorbhälfte durch operative Eingriffe (Gasbrust, Atmungsnerolähmung, Rippenherausnahme). Man darf nie vergessen, daß für den einmal Erkrankten der Kampf gegen die Tuberkulose das ganze Leben währt 5m Laufe dieses Kampfes kann es Siege, Rückschläge und Waffenstillstände geben; auf anscheinendes Wohlbefinden können neue Krankheitsschübe folgen; aber auch längere Zeilen des Krankseins können wieder Besserungen Platz machen. Deshalb soll der Tuberkulose weder die gebührende Vorsicht in seiner Lebensführung außer Ächt lassen, wenn er sich wohl fühlt, noch auch sich bei Rückfällen unbegründeter Verzweiflung hingeben, damit er sich stets sagen kann: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft". In diesem Kampfe wird sein bester Helfer der Arzt fein, besonders wenn es ihm mötzlich gemacht wird, dem Kranken und seiner Familie jahrelang beratend und beobachtend zur Seite zu stehen. Hessische Künstlerhilfe. Wie im vorigen Jahre, so ist auch diesmal wieder mit Unterstützung des hessischen Staates eine „hessische künstlerhilfe" eingerichtet worden, die den Zweck verfolgt, der mit der wirtschaftlichen Rot unserer Zeit schwer ringenden hessischen Künst- lerschaft eine bessere wirtschaftliche Grundlage für ihr künstlerisches Schaffen zu sichern. Zur Erreichung dieses Zieles werden, wie in den früheren Jahren, auch jetzt wieder in den drei Provinzen unseres Landes Weihnachtsausstellungen veranstaltet, in denen allen Kunstfreunden Gelegenheit geboten werden soll, zu niedrig gehaltenen Preisen originale Kunstwerke von künstlerischer Qualität zu erwerben. Die Weihnachtsausstellung für die Provinz Obar- hesien wird von dem Oberhessifchen kunstverein in Gießen hergerichtet. Die Ausstellung findet in den Ausstellungsräumen des Vereins in Gießen, Turmhaus am Brandplatz, vorn 2. bis 23. Dezember bei freiem Eintritt statt. Im Zusammenhang mit der Ausstellung ist auch wieder eine Lotterie eingerichtet worden, deren Gewinne in Kunstwerken bestehen, die von den ausstellenden hessischen Künstlern angekauft werden. Um allen Schichten der Bevölkerung die Beteiliguntz an dieser Lotterie zu ermöglichen, wurde der Preis für die Lose auf 50 Pfennig je Stück festgesetzt. Damit die Lose in allen Teilen der Provinz Oberhessen und der benachbarten preußischen Kreise weitmöglichste Verbreitung finden, haben sich vielfach Schulleitungen und freiwillige Mitarbeiterinnen bereit erklärt, dem Publikum Die Lose zu verkaufen. Mit der Ausgabe der Lose ist bereits begonnen worden. Damit hat man schon jetzt Gelegenheit, sich die Beteiligung an der Ausspielung zu sichern und auf diese Weise zur Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer Künstlerschaft beizutragen. Sollten die Lose in einigen Orten der interessierten Bevölkerung nicht zugänglich sein, so können sie von der Kasse des Oberhessischen Kunstvereins in Gießen oder von der Mitteldeutschen Creditbank in Gießen bezogen werden. Die Ziehung der Lotterie findet am 19. Dezember in Gießen im Turmhaus am Brandplatz statt. Die Gewinnliste wird, wie in den früheren Jahren, im „Gießener Anzeiger" veröffentlicht und den Lose- Vertriebsstellen in der Provinz mitgeteilt werden. Polizei und Viehhändler. Stadtv. Schwieder bittet uns um die Veröffentlichung folgender Zuschrift: „Meine Mitteilungen in der Stadtverordneten- sitzung vom 26. Oktober über die Vorgänge auf dem Viehmarkt treffen nicht ganz zu. Meine Kenntnisse über di« Vorfälle am Güterbahnhof am Montag, 22. Oktober, stammten aus der von der Viehhändlervereinigung am Abend dieses Tages im Gewerkschaftshaus einberufenen Pro- testversammlung, in der größter Protest gegen das Vorgehen der Polizei erhoben und beantragt wurde, den Markt auf längere Zeit zu boykottieren. Lediglich den Vertretern des Der- kehrsvereins ist es zu danken, daß bei der Abstimmung dieser Antrag in die Minderheit kam. Die von den Viehhändlern mitgeteilten Beschwerden wurden in einer derart aufgeregten Form vorgebracht, daß jeder der eingeladenen Personen unbedingt den Eindruck erhalten muhte, daß die Schilderung in der von mir vorgebrachten Art zutreffe und die Polizei die allein Schuldige sei. Die inzwi chen vorgenommenen Hntersuchungen haben jedoch ergeben, daß wohl ein Zusammenstoß infolge der bei der Ausladung des Viehes bestehenden Verhältnisse erfolgte, die an diesem Tage noch durch Verspätung eines Viehzuges und den Dauerregen verschlimmert wurden, aber von der Polizei nicht mit Gummiknüppeln geschlagen worden ist. Da die Schuld somit nicht nur auf feiten der Polizei liegt und auch die von mir angeführte Aeußerung des Polizeiinspektors K u ch nicht in diesem Sinne gegeben wurde — Herr Kuch hat vielmehr in der Versammlung erklärt, daß er die Anschuldigungen zur Kenntnis nehme und nach Vortrag bei dem Chef der Polizeiverwaltung, Herrn Regierungsrat Wolf, untersuchen lassen werde —, erscheint diese Richtigstellung im 3nteresse der Gießener Polizei und deren Ansehen erforderlich." Daten für Montag, 12. November. Sonnenaufgang 7.11 Uhr, Sonnenuntergang 16.16 Uhr. — Mcmdaufgang 7.04 Uhr, Monduntergang 16.21 Uhr. 1863: der Geograph Karl Dove in Tübingen geboren Bornotizen. - Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Königin der Revue". — Astoria-Lichtspiele: „Rintintiirs Todesruf in der Rächt". — Stadttheater Gießen Aus dem Stadttheaterbureau wird uns gefchrieben: Wie bereits mitgeteilt, ist es der Intendanz gelungen, die berühmte Tänzerin Gret Palucca zu einem einmaligen Gastspiel am Dienstag, 13. Ro- vencker, 20 Hhr, zu gewinnen. Die Künstlerin, deren Auftreten hier mit großer Spannung erwartet wird, hat vor wenigen Tagen erst wieder den vollen Beifall der Berüirer Kritik gefunden. — Die neu inszenierte Aufführung von „Don Carlos" wird erstmalig am Mittwoch, 14. Rvv., wiederholt. (Regie: Oberspielleiter Hans T a n u e r t.) — Rach dem außerordentlichen Erfolg des ersten Tages des Kammerspielzyklus (zusammen mit dem Goethe-Bund) geht am Sonntag, 18. Rovem- ber, als 2. Morgenfeier „Der Ackermann aus Böhmen" (Der Ackermann und der Tod) von Johannes von Saaz (aus dem 3ahre 1400) in Szene. Intendant Dr. Rolf P r a s ch, der die Leitung dieses Kammerspielzyklus übernommen hat, führt auch diesmal wieder Regie. Er wird vor der Aufführung einen einleitenden Vortrag halten. — Die nächsten Gastspiele des Reuen Operetten-Theaters Frankfurt a. M. bringen zunächst am 16. Rovember die letzte Wiederholung der Operette „Gräfin Eva", Musik von Albert Szirmai, die bei ihren beiden ersten hiesigen Aufführungen überaus an- gesprochen hat. Cs folgt sodann am Mittwoch, 21. Rovember, die Premiere der Operette „Eine Frau von Format", von Rudolf Schanzer und Emst Welisch, Musik von Michael Krausz. * *'. Finanzamtspersonalie. Regierungs. assessor Friedrich G u t e r m u t h beim Finanzamt Gießen wurde zum Regierungsrat ernannt. * * Evanael.« kirchliche Personalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrverwalter Heinrich S a a l zu Crainfeld die evangelische Pfarrstelle zu Crainfeld, Dekanat Lauterbach, übertragen. * * Seinen 80. Geburtstag kann heute in körperlicher und geistiger Frische der Oberbahnassi- stent i. R. Jakob H e i n st a d t, Wolfstraße 20, begehen. Der alte Herr ist Veteran von 1866 und 1870/71. * * Sanitätskursus. Auch in bi2 em 3ahre findet wieder ein Betriebshel'erturs statt, der von der Freiwilligen Sanitätskolonne vorn Roten Kreuz gemeinschaftlich mit den Berufsgenossen- schasten veranstaltet wird. Die Eröfsnung erfolgte am Donnerstagabend im Depot der Sanitätskolonne (Sonnenstrahe). Die Ausbi bung der Teilnehmer geschieht unter Leitung des Kolonnenarztes durch MitFie'cer der Kolonne, sie soll in 12 Doppelstunden ersolgen. Die Teilnehmer, elwa 60 an der Zahl, folgten mit regem Interesse den AuSiührungen des ausbildenden Arztes und zeigten bei der praktischen Tätigkeit einen erfreulichen Eiser. Die Tatsache, daß auch in diesem 3ahr die Derulsgenos enschaften die Sanitätskolonne wieder um Abhaltung eines derartigen Kursus ersucht haben, zeigt Wohl, daß auch von ihnen der Wert dieser Betriebshelserausbildung gewürdigt wird. * * „Gießen im Licht." Der Verkehrs-Verein gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß bedeutende Firmen unserer Stadt bereits Vorkehrungen für ihre Beteiligung an der Licht- und Schaufensterreklame „Gießen im Licht", die vom 8. bis 16. Dezember stattfindet, getroffen haben. An alle übrigen Geschaftsrnhaber richtet der Verein die Aufforderung, sich ebenfalls an dieser Veranstaltung rege zu beteiligen. Interessenten feien auf die Anzeige besonders hingewiesen. * * Vortrag im D. H. D. Oberstleutnant a. D. Alfred Heinicke-Waldheim, sprach am Donnerstagabend im Kath. Vereinshans gelegentlich eines Vortragsabends der hiesigen Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehil- fen-Verbandes üoer „Persien, Land, Leute, eine Karawanenreise". Persien, das einst unter seinen mächtigen Königen große Kriege gegen die Römer führte, hgt heute seine frühere Bedeutung verloren und steht unter dem Einflüsse Englands, das sich besonders für feine bedeutenden Oelvorkommen interessiert und auch die meisten Bohrtürme in diesem Lande besitzt. Dor dem Kriege waren die Deutschen dort die beliebtesten 'Ausländer, und es muß die Ausgabe des deutschen Kaufmanns fein, die vor dem Weltkriegs bestehenden guten Handelsverbindungen mit Persien im vollen Ilmfange wieder auf» zunehmen und die Ausfuhr nach diesem Lande zu heben. 3n Persim gibt es bis jetzt noch keine Eisenbahnen, ke.ne Fabrikschornsteine, und abgesehen von einigen Automobilen ist heute, wie vor tausend Jahren, die Maultierkarawane die Mittlerin des il^rkehrs. Die Reise einer solchen Karawane, deren Weg von Duschier über das rauhe, zerrissene, völlig bäum- und strauchlose Hochland Südpersiens, über Kazerun, dann aber auch durch die fruchtbaren Täler dieses Gebirges nach Schlraz führte, zeigte der Redner an Hand einer Reihe ausgezeichneter, selbst aufgenommener und durch einen persischen Maler wundervoll kolorierten Lichtbilder Besonders gefielen die Bilder von Schlraz, bekannt durch feine Rosen und als Sammellager des feinen persischen Zi- garettentabafd, mit den engen Straßen, auf denen nch das ganze Leben der Perser abspielt den Bazaren und Kaffeehäusern. Die LichtoUVer waren so wunderbar, daß man sich in die Z«4t der Märchen von „Tausend und eine Rächt" zurückversetzt glaubte, und nur die packende Schilderung des Redners bildete den Kontakt mit der Jetztzeit. Die natürliche und doch von rhetorischer Meisterschaft zeugende Sprachbehandlung, im Bunde mit einem außerordentlich klang- und schönheitsreichen Organ, ist es, die Oberstleutnant H e i n i d e zu einem Vortragsmeis.er machen. Zum Schlüsse gab der Redner noch einige wichtige Fingerzeige für au«- wanderungslustige Kaufleute mit der Hoffnung, daß der deutsche Kaufmann wieder seinen Weg nach Persien finden möchte, da in diesem Lande noch aussichtsreicher Handel mit deutschen Erzeugnissen aller Art zu erwarten sei. Reicher, wohlrerdienter Beifall lohnte den interessanten und lehrreichen Vortrag, für Öen dem Vortragenden, als auch dem Veranstalter voller Dank gebührt. Preußen. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, ll.Rov. Wie tragisch das Geschick mitunter waltet, zeigt ein Vorfall, bet sich am Samstag im benachbarten Oberbiel abspielte. Ein Gemeindemitglied, Veteran der Einigungstriege, wollte mit feiner Gattin am Samstag das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Inmitten der letzten Vorbereitungen am Iubeltage überraschte aber der Tod den 86jährv- gen Jubilar. Maingau. WEM Frankfurt a. M. 11. Rov. Dor einigen Abenden fjit ein Fasfadenklette- rer in einem Hause der Schumannstraße einen Wohpungseinbruch ausgeführt. Der Täter kletterte von der Hinteren Seite des Hauses an der Fassade empor nach dem Balkon im ersten Stock. Aus der Wohnung entwendete er eine lange goldene Halskette, sowie eine ganze Reihe weiterer Schmucksachen im Gesamtwerte von 6000 Mark. Berliner Börse. Berlin, 12. Rov. (WTD.-Fmckspruch.) Solange eine Entscheidung in den Fragen des Lohnkonfliktes an der Ruhr noch nicht vorllegt, muß man für die Börse zurückhaltend gestimmt sein. Auch heute früh ist die Tendenz undurch» sichtig und abwartend, eine Hmsatztätigkeit konnte sich noch nicht entwickeln, Kurse sind also noch nicht zu hören. Arn Devisenmarkt nennt man: Paris 124.12, Mailand 92.58, Spanien 30.08, das Pfund 484.83, Dollar 4.199250. Ein flüssiges Nahrungsmittel, das Nährwert, Schmackhaft g- feit und Verdaulichkeit in sich vereint, ist das 9309V Köstritzer Schwarzbier — über 4000 Aerzte-Gutachten und Ver« ordnungen — Das altberühmte Köstritzer Schwarzbier ist erhältlich in allen Zlaschenbierhandlungen und den durch Schilder und Plakate kenntlichen Geschäften. OSRAM SdeuchteSein Heim besser! Zeder schlecht beleuchtete Jtaum widerspricht der hohen EnlwuklungS- Kufe der heutigen Lichttechnik. Für jeden Leleuchtungszweck gibt eS passende Leuchten und passende Osram-Lampen. Lassen Eie sich vom Elektrofachmana lichtwirtschastlkch beraten. Jubiläums- Werbe-Veranstaltung des Verkehrs-Vereins! In der Zeit vom 8. Dezember bis zum 16. Dezember findet, wie bereits bekannt, eine Werbe-Veranstaltung fließen im Licht statt. Bedeutende Firmen haben bereits Vorkehrungen füreine großzügige Licht- und Schaufenster-Reklame getroffen. - Es ergeht an alle übrigen Geschäftsinhaber, Hotels und Gastwirte, sowie an die Einwohnerschaft die Bitte, unser Vorhaben durch wirkungsvolle Lichteffekte mit elektrischen und Wachs- Illuminations-Lampen an Fenstern, Baikonen und Häuserfronten weltgehendst zu unterstützen, damit ein der Stadt Gießen würdiger Erfolg zu verzeichnen sein wird. - Um alle Aufträge durch die Installationsfirmen rechtzeitig zur Ausführung bringen zu können, dürfte baldigste Anmeldung zu empfehlen sein. 890,D Verkehrs-Verein ßießen e.V. lmTrauerfalle:Tel.i382 Modehaus Cari Nowack, Seiterswes 85 dient jederzeit sofort bereitwilligst mit Auswahlen: Schwarze Mäntel, Schwarze Kleider 9126a Schwarze Kleider- und Seidenstoffe Die glänzenden Erfolge unserer operationslosen JHL Nvuch- X Ksiwrrg TT sind bestätigt. Hupd sicherheit, und bei anhaltendem Auftragsmangel war die Spekulation auf den meisten Marktgebieten zu Abgaben geneigt. Die Beendigung der französischen Kabinettskrise und die Hausse an der Neuyorker Samtagsbörse konnten dem Markte keine stärkere Anregung bieten. Auch der relativ flüssige Geldmarkt vermochte nicht, dem Geschäfte neue Impulse zu geben. Die Kursgestaltung war nicht einheitlich. Ueberwiegend traten jedoch Kursrückgänge von etwa 1 bis 1,75 v. H. gegen die Schlußkurse vom Samstag ein. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben 1,75 v. S). und Scheideanstalt 1,25 v. H. niedriger. Am Elektromarkt gaben AEG., Licht & Kraft und Siemens je 1,5 v. S). nach, während Schuckert und Lah- meyer je 1 v. H. anzogen und Bergmann behauptet blieben. Banken waren etwa 1 v. H. schwächer. Zellstoff Waldhof verloren 1,5 v. H. Bon den Autowerten blieben Kleyer behauptet, Daimler und NSU. wieder etwas nachgebend. Montanwerte lagen auf weitere Deckungskäufe überwiegend etwas fester. Klöckner, Mannesmann, Oberbedarf und Phönix konnten 1,5 bis 2,5 v. $)■ anziehen, auch für Otaoi erhielt sich bei weiter steigendem Kurse Interesse. Ferner eröffneten Schiffahrrswerte auf die Bekanntgabe des Begebungskurses der neuen Lloydaktie etwas höher. Ha- nnq plus 1 v fj., Norddents'^er Lloyd plus 1,9 v. f) Etwas fester lagen noch Karstadt mit plus 1,5 v. H. Stärker angeboten waren dagegen Deutsche Linoleum, die 4 v. S). nachgaben. Deutsche Anleihen waren behauptet. Am Auslandrentenmarkt Rumänen auf das Abkommen lebhafter verlangt, ferner Türken und Bosnier etwas gefragt. Im Berlaufe trat lebhaftere Nachfrage nach Elektrowerten hervor, von denen Merlei. ft em zu 115 650 Mk. Geldstrafe verurteilt. Ein 2D er t er f at) wurde den vier Angeklagten in einer Gesamchöhe von 396 800 Mk. auferlegt. Wegen Bestechung und gewinnsüchtiger Urkundenfälschung erhielten Zellermeier 10 Monate, Sommer 6, Gertjes 4 Monate Gefängnis, uni> Schornstein unter Berücksichtigung seiner Deamteneigenschaft 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus. (Eine Gedächtnisfeier für Amundsen. Die norwegische Geographische Gesellschaft hielt in der bis zum letzten Platz gefüllten Aula der Universität in Oslo eine dem Gedächtnis Amundfens gewidmete Sitzung ab. Unter den Erschienenen bemerkte man Mitglieder der Regierung, ferner die Flieger Rifser Larsen, Lützow Holm, Lambrechtsen und Otto Sverdrup, die Verwandten Amundsens und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Der Präsident der Geographischen Gesellschaft, Dr. S k a 11 u m , hielt einen Vortrag über die vielen Entdeckungen Amundsens, angefangen von der Fahrt der „Gjoa" bis zur Fahrt mit dem Luftschiff über dem Polarbassin. Nach dem Vortrag wurden Licht - ! bilder mit Amundsens Porträt gezeigt, ; wobei sich die Versammelten von den Plätzen erhoben und eine Minute stehend und schweigend verharrten. Darauf bestieg Professor F r i t h j o f Nansen die Rednertribüne und führte u,a. aus: „Für alle Zeiten wird Roald Amundsen als besonderer Typ in der Geschichte der Forschung da- stehen, als Typ geraden Weges aus dem Herzen des norwegischen Volkes entsprungen. Er kam als ein leuchtender Stern an dem bewölkten Himmel des norwegischen Volkes auf, ein Stern, der plötzlich erlosch. Hoch oben im Norden fand er sein Grab; sein Name aber wird von dort leuchten." Frithjof Nansen war sichtlich bewegt, und die Rede, die einen außerordentlich starken Eindruck machte, erntete langanhaltenden Beifall. Zum Schluß wurde das letzte Bild gezeigt, das von Amundsen ausgenommen worden ist und das den Forscher unmittelbar vor dem Start in T r o m s o e, auf der „Latham" stehend, darstellt. Schuckert mit plus 3,25 v. H. bevorzugt waren. Bergmann und Siemens gewannen je 1 v. H. Die Haltung wurde allgemein etwas fester. I.-G.-Farben waren nur geringfügig gebessert. Der Geldmarkt blieb unverändert flüssig. Tagesgeld 6 v. H. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1995, gegen Pfund 20,358, London gegen Kabel 4,8485, gegen Paris 124,11, gegen Mailand 92,59, gegen Madrid 30,06, gegen Holland 12,08. Bc.jiner Börse. Berlin, 12. Nov. Im Anschluß an den sehr ruhigen und zurückhaltenden VormiUagsoerkehr zeigte der Börsenbeginn eine unsichere Tendenz. Das Geschäft hielt sich wieder in sehr engen Grenzen, nur in einigen Spezialwerten, wie das in letzter Zeit immer der Fall war, waren die Umsätze etwas lebhafter. Die auf heute nachmittag an- gesetzte Verhandlung über die Aussperrung vor dem Arbeitsgericht in Düsseldorf wurde besprochen. Man war zum Teil der Ansicht, daß man durch das Hinzutreten des Reichsgerichtspräsidenten vielleicht einer Einigung näherkäme. Die ersten Kurse zeigten ein sehr uneinheitliches Aussehen. Während die Mehrzahl der Papiere 1° bis 2-v. H.-Verluste aufzuweisen hatten, konnten sich einige Werte bis zu 5 und 7 v. H. erholen. In I.-G.-Farben beobachtete man stärkere Abgaben, anscheinend nahm die Spekulation hier Blankoabgaben vor. Am Montanmarkt konnten Laurahütte und Esiener Steinkohle sich stärker befestigen. Auch BMW., Glanzstoff, Polyphon, Deutsche Atlanten zogen 2 bis 5 v. H. an. Bernderg befestigten sich um 7 v. H. Stöhr gewannen bei lebhafteren Umsätzen 6 v. H. Es verlautet hier, daß etwa 4 Millionen Freigabegelder ausgezahll fein sollen. Von Banken waren Berliner Handelsgesellschaft, am Elektromarkt Gcsfürel, ferner noch Spritwerte zu erwähnen, die bis 2,5 ü. H. und Deutsche Linoleum, die bis 3,5 v. H. verloren. Deutsche Anleihen lagen schwächer. Von Ausländern waren Türken und Bosnier befestigt. Rumänen waren trotz des Abschlußes des Abkommens nicht verändert. Der Geldmarkt lag unverändert. Tagesgeld 5 bis 7 v. H., Monatsgeld 7,75 bis 8,75 v. H. und Warenwechsel 6,75 bis 6,90 v. H. Nach den ersten Kursen wurde cs überwiegend schwächer, bei jedoch nicht bedeutendem Geschäft. Die Rückgänge betrugen bis 2 v. H. Später konnte sich das Kursniveau wieder leicht erholen. Stöhr zogen um 9 v. H. an, Schuckert gewannen 2 v. H. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Rov. Zum Wochen- beginn war die Haltung des Fraickfurter Produktenmarktes flau. Die Umsätze waren Kein, da die vorliegenden etwas niedrigeren Ausland- Notierungen eher verstimmten. Im Einklang mit Brotgetreide war auch am Futtermittelmarkt Weizen- und Roggenkleie stärker angeboten und vernachlässigt. Sommergerste, Hafer, Mais für Futterzwecke und Mehl blieben dagegen gut behauptet. Es wurden notiert: Weizen 23,10 bis 25; Roggen 22 bis 22,75; Sommergerste für Drau- Zwecke 24 bis 24,25; inL Hafer 23 bis 23,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 22; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33,50 bis 34,25; Roggen - mehl 29,50 bis 30.25; Weizenkleie 13,50 bis 13,60; Roggenkleie 13,75 bis 14; Erbsen 35 bis 62; Linsen 70 bis 115; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 13 bis 13,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht, 5; Weizen- und Roggenstrvh, gebündelt, 3,50; Treber, getrocknet, 20,25 bis 20,50. Tendenz: flau. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., 12. Nov. Auftrieb: Rinder 1746 Stück; darunter 351 Ochsen, 96 Bullen, 744 Kühe, 501 Färsen; Kälber 644; Schafe 208; Schweine 5431. Rinder. Ochsen: vollfleischiae, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 54 bis 57, ältere 50 bis 53, sonstige vollfleischige jüngere 45 bis 49; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 52; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 44 bis 47; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 43 bis. 46, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 36 bis 42; fleischige 30 bis 35, gering genährte 22 bis 29; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 54 bis 58 vollfleischige 49 bis 53, fleischige 43 bis 48. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 74, mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69, geringe Kälber 55 bis 63. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel: Weidemast 45 bis 50; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 44. Schweine. Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 80, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 80; von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 76 bis 79; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 76 bis 79, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 70 bis 76, Sauen 64 bis 68. — Marktverlauf: Rinder ruhig, Ueberftanb. Schweine ruhig, geringer Ueberftanb; Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Kunst und Wissenschaft. Hans von wolzogen 80 Jahre all. Der Kulturhistoriker, Aesthetiker, Sprachwissenschaftler und Musikschriftstcller Hans Paul Freiherr von Wolzogen in Dayreuth feiert am 13. Rovember seinen 80. Geburtstag. Geboren 1848 zu Potsdam, als Sohn des 1883 in San Remo verstorbenen Hoftheaterintendanten in Schwerin Karl August Alfred Freiherrn von Wolzogen, studierte er in Derlin vergleichende Sprachforschung und Mythologie und lebte dann in Potsdam, von wo er durch Richard Wagner nach Dayreuth berufen wurde. Dort redigiert er die „Dayreuther Blätter" und ist ait der Zentralleitung des Allgemeinen Richard- Wagner-Bereins beteiligt. Seine zahlreichen Schriften betreffen deutsche Kultur, Kunst, Religion, Sprache, Sage, Dayreuth. Er veröffentlichte u. a. Leitfäden durch R Wagners Werke („Wagneriana", „Dayreuth" . „Wagners Geisteswelt"), Schriften über Musik („Großmeister deutscher Musik"': Dach, Mozart, Beethoven, Weber, Wagner, „Musikalisch-dramatische Parallelen"), über Sprache („Sprachverrottung", „LautftzDbo- lik"), über Literatur (Kleist, G. T. A. Hoffmann, Ferd. Raimund, Wilhllm Raabe), über Theater („Idealisierung des Theaters"; Volksschauspiel „Von deutscher Kunst"), über deutsche Kultur und christliche Religion. Letzte Nachrichten. Zum Lohnkampf in der Eisenindustrie. Duisburg, 12Jtoo. (DTB.) 3n der heutigen Verhandlung über die Feststellungsklage des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie gab das Arbeitsgericht Duisburg dem Klagebegehren in materieller, wie in formaler Beziehung statt und verkündete folgenden Spruch. „Ls wird feftgeflelll, daß ein Tarifvertrag auf Grund des gefällten Schiedsspruches vom 26. Oktober nicht bestehl. Die Kosten des Verfahrens, die 500 Mark betragen, nachdem als Merlobjekt eine Million eingesetzt worden war, haben die Beklagten zu tragen." Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Sdiluh-i 1-Uhr- Scbiuf; I 21 mang nur» , MUT» Aura Kur» Datum 10 11 | 13. 11 | 10 11. | 12 11. 6% Pt. Relcheauleibe o 1927 Dt. AiU.-Mloi.-Schulv mh tiufr 87 — 87,25 — iBl.-Ötedjten Detal ohne Lu-ws.-Rechte 7% ßrant|. Hyp.-Bt Soldos. UN- 51 51 51 51 14.5 — 14,3 14.5 kündbar bl» 1932 90 — — — IH% Rbemiiche Loo.-B-mk 8lau.- »olDPl. 77 — — — Ü.S.S abg LortrlegS»Obligation., dhttablbar 1932 - - - — 4% Schweiz iöunbrtb.«StaL. 96,25 — — — 4% Oelterreichilche Golorte.. . . 32,3 — 4,20% Deften Silberne. . —— T" 4% Leite neich einhettl. Rle. . 4% Ungarische Qolbttc. . - ■ — — • — 20,45 — 26,4 26,4 4% Ungarische Staat»!. o. 1910 — — — — bc#gl. von 1913 4% Ungarische Kronen««.. . l% Tüll. ZoUonlcihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagüadbadn-Hni., - — —- 1,0 — 1.9 13.13 13,25 13,13 — Serie 1 . . 12,75 — 12,9 13 4% bcsgl. Serie l l 13.75 — 13,1 — l% Rumänen conve ri. ER le. . . . 9,0 — - 4%% Rumänen (Soloanl von 1918 23,25 — 23,5 - ällg. Deunche iLileo'xcha 4S Sambura-ülmerika Cafe: ... 8 Vomb.-Süvam. Damvilch- . . 8 — — 146,5 147,5 147,25 148.25 — 184.2.5 Paulo DampssLisf ... 10 — — 181 — Norddeutscher Lloyd.....8 LNg. Deutsche ürcDlianft. . . 10 142.65 44,5 I44.2o 145,25 136,5 — 1-7 137,2.) Barmer Bankverein .10 140 — 141,4 140.2.> Berliner Handeiogelcllsch. . . 12 285 284 286.25 283,0 iommeq* uno Prioal-Bank . 11 1'8,5 187,5 188,2b 187.5 Darmst. u. Rationalbank 12 290.5 290 290,25 2«9.2o Deutsche Bank . . 10 168 — io7.75 lo7.25 Dtrkonlo.HcicMchafl Slnt.. . 10 162,5 1-2 I62,o Dretbner Bank ... 10 168,75 1-8.2j lb8.5 Ibß vriileidculsche Kreditbank ... 9 — — •213 214 DUiaLbanl ........• 187,5 13-5.5 135.5 v-ÄtSxrak ....... 18 "04.25 — •MM 304 Frankfurt a. M Derlin Schlutz-I flurs । bUbr- flurs Sch.utz flurs An,ong flurs Datum: 10 11 | 12 11. 10. 11. | 12 11. L.S.«. 8 Bergmann ..... 9 (Beltr. Lieserunge«.....10 Acht und Kraji ..... 10 ®ei. f. Izlettt. Untern.. ... 10 Hamb. Eikttr. Werke .... 10 Rhein. Sieht. . ...... 9 Schlei. Oeht. ......10 ItanStoblo . ....... 8 Sabmeoet 4 8».. . . • • . 10 Buderu» ....... 5 Deutiche 6tbll ....... 6 Cfienet SiernkolK ...... 8 Geiienttrchenet ... (^9 < Hatpener ........ 6 Hoelck Sisea- ....... 8 Ilse Bergbau ........ 8 KSIn-Reueisen. ....... 8 Manneömann ....... 8 Maneselder ........1 Oberschles- Sisenb. vebatk . . 5 Oberschies. ftotimede ... 6 PhSnit Bergbau . 6'4 Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinltabl f. % 9<* Riebetk Montan ..... Bereinigte Htahlw......6 Otaoi Minen leh Sali Aschertieben.....10 Kaki Sekieregein......10 Kaliwerk ©cübethnti • • • 15 3. L. öurben-InvaM» .12 Dynamit Robe! ....... 6 Scheide an Kalt ..••••■ 8 Hoidjchmidt .eeeee.6 Rutgers merke . ,»•<•••< M-toNaeieMch«n. . • • • - 11 184.75 218 169.1 234 149 269 5 155 235 410 165 86 139,« 122.75 132 250 106 124,65 116 114,5 89.5 274 132 140 90,73 59 285 289 492 150.25 206,5 97,5 106.75 183 218 168,5 232.5 z 235.75 408,5 166.5 85,75 — 108.75 126 116.5 91.75 273 133,5 - - 59,6 — '48 205,25 105.5 - 184 218.1 169 233 149,25 268.75 155,5 228.75 235.5 409,65 151 86.25 139.65 120,5 124 134 132 251 108.5 128,9 126 115,5 115,5 111,9 91.25 274.75 131,4 92,6 .9.4 286.5 289.7a 192,5 250 98,25 105.75 183,5 219.1. 169 233 148,75 266,13 147,5 156 229.2o 235,5 408.75 152.5 167 139.1: 123.75 124 135 132 249,9 129.5 127,25 115,75 115.75 112 92 275 132,6 93,75 285.5 290 :48,5 97.6 105,75 FrmtKfuN a. M Berlin Schlutz., flurs , l-Uhf flurs Sch-uh flurs Anfang fiur» Datum: 10. 11. | 12. 11 10. 11. | 12. 11. iJtjütpi) ^oymann . ..... 7 l.>4,5 — 134 134 Heidelberger Cemenk .... 10 Tement Karlstad!......8 175 137.5 — Wavß 4 Freitag .....10 131 130,25 131 — Schuktdeir Barenhofa ... 15 — — .29 26.75 OMoetie .......12 — — -84.i5 •283.2.i 8er. Glanziiosl......18 — — 592 59.i —— — 492 504 Zellstoff Walbhos.....12 278 276,5 276.5 277 Zellstofs Aschasscnbura ... 12 201 — — — Shariottenburger Wasser ... 7 — — 124.75 125 Dessauer ......8 — —- 193 192.6 Daimler Moimen . ..... 0 86,5 55,75 85.7. 85,5 — 48.5 — Skdlerwerte flleaer ...... S 112 112 112.5 111.5 — — 244,5 244.5 Rat. Automobll ....... 0 — — <•1.1 61 — — 105.5 10.5.5 Leonhard Tied ...... 6 —- — 289.75 289 Bamag-Mcguin . ...... 0 19,v — 20 — Franks. MaschineN ...... 6 71,5 — 71.75 — Grltzner ...... 11 122,5 — 121 —- Heyligenstaedi ....... 0 —> — — x — Junghan? . .......4 Lcchnxtk-: ........ 8 87 — — 85.75 — Mainhaitweike ....... 8 117 117.5 — — Miag ...... 10 135 — 136 136,5 Nekarsulmer ........ 8 23 22.5 23 Betete Union . ....... 8 106.25 — 105,25 —— Hebt. Roeder ...... 10 124 — — * Bvigt 4 Haeffnet ...... 8 — 210 Eüdd Zucker ....... 8 150 150 119,75 — Banknoten. itierlm, 10. November (jJeLb tönet Lmcrikamlcht Note» ..... 4,176 17196 Sclgisck» Norm ....... 58,18 58,42 Däniiche Nokco ........ 111,56 112,00 tnalffdx . ....... 20.307 20 . 387 Berlin. 10 November i^eld — Franzonichc Noten pollänbtsche Noten...... Stnlicnifcfie Noten ...... Norwegische Noten - ... Deutsch-Vesterr, äioOÄrontn Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten....... Svanilche Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Devifenmarkl Berlin Telegraphische 168,01 21,93 111,.50 58.87 2,525 111,88 80,62 67.46 12.402 72.90 —Frankfurt Auszahl 1055 168,69 22.01 111,94 59.11 2,545 112,32 80,»4 67,74 12,462 73.20 a.rn. ung. 10. November 12 Novcmb r Amtliche Noki.rung (Selb 1 Briet Amtliche Notierung Geld । Brici Lm ft-. Rott Buen-AtreS Brfs.-Äntw Lbrisiicuria Kopenhagen Stockholm . ßelfingforS. Italien. . . London. . . Neuvork . . Paris.... Schweiz . . Spanien . . Japan . . . Nio be Jan. Wien tn *$).. CcfL abgest «rag . . . Belgrad . . vndavesi. . Bulgarien t'ifsabon Dancig. . . Qonftuiitia Athen . . Lanada . Urn rray . fciro . . . 168,32 1,769 58.285 111,7b 111,81 112,12 10,556 21,965 20,34 4,1955 16,375 80,735 07,59 1,954 1.500 58,965 12,434 7,37V i3.ll j,027 18.88 81,34 2,103 5,425 4,191 4,266 20.855 168,66 1,773 58,405 111,98 112,13 112,34 10,576 22,005 20,38 4,2035 16,415 80,895 67,73 1,958 u.502 59,185 12,454 7.384 73,25 o,033 18,92 61,50 3,107 5,485 4,199 4,274 20,895 168,39 1,768 58,28 111,77 111,83 112,14 10,557 21,975 20,338 4,1960 16,385 80,74 67,59 1,953 0.501 58,-55 12,434 7,370 73,11 •>,027 18,91 81,30 2,103 5,425 4,191 4,280 20.86 168,73 1,772 58,40 111.99 112,05 112,36 10.577 22.015 20,378 4,2040 16,425 10,90 67,73 1,967 0,503 59,075 12,454 7,3M 73,25 3,023 18,95 81,46 3,107 5,435 4,199 4.294 20,90