Nr. 162 Erstes Blaff 178. Jahrgang Donnerstag, 12. Zull (928 Erich«»»» »ügU^.a-h«! Sonnlags ani tfeuriag*. Beilagen. (Bltfoener FamUiendlätter Heimat im Bill» Die Scholle HlanatS'Bejngspreh; 2 Reichsmark und 20 Reichspjenntg für Träger» lohn, auch bei Richter» scheiny, einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanf chlüffe: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger tiefte«, poßlcheckfortto: Kran Nun am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck «nv Verlag: vrühl'sche UnioerfitätL-vmh- und Slemdnickerei L. Lange in Sietzen. SchriftleiNing und Geschäftrstelle: Zchnlftrahe 7. Anahme von Nazeiar» für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorichnft 20*, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H. Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil Nuri HillmaNn, sämtlich in (Bieften Die Tarispolitil der Reichsbahn. Der Tarisertzötzungsanlrag wird aufrechtcrhaltcn. Königsberg. 11. Juli. (WB.) Der Der- waltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft hielt in Königsberg feine Sommcrtagung ab. Die T a r i f e r h ö h u ng s f ra ge konnte in dieser Sitzung in der Hauptsache nur referierend behandelt werden, da eine endgültige Stellungnahme der neuen Reichsregierung. die erst vor einigen Tagen die parlamentarische Bestätigung erhalten hat, noch nicht vorlag. Durch die eingetrerene Verzögerung hat sich die Notwendigkeit einer Tariferhöhung noch g e - steigert, der Ausgabenbedarf ist noch gestiegen. Entgegen der Erwartung, die die frühere Regierung bei ihrer zunächst ablehnenden Einstellung hegte, ist das Anwachsen der laufenden Einnahmen im Vergleich zum Vorjahre zum Stillstand gekommen. Die Erwerbslosigkeit. Berlin, 11.3uIL (DB.) Der Rückgang in der Zahl der unterstützten Arbeitslosen ist in der zweiten Hälfte des Monats Iuni etwas st ä r- ker gewesen olS in den vorhergehenden 14 ■^agcTL 3n der Arbeitslosenversicherung ist die Gesamtzahl der Hauptunterftützungsempsänger in Zeit vom 16. bis 30. 3uni von rund 626 200 nuf 610 700, i>. L um 11500 oder um 1.8 v. H. ückgegangen. Die Entwicklung bewegt nr vUS? ^°n Wochen bei den weiblicher "D^T^fofcn in anderer Richtung als bei den ^onnlichen. Die Zahl der männlichen Haupt- Unterstützungsempfänger ist in der Derichtszeit zurückgegangen. und zwar von 457 000 au! tv.vv' Ehrend die der Frauen von 156 200 auf 174 400 gestiegen ist. Die Berliner Lustspionageaffare. Ikrgebnifse der Ualersuchung gegen Ludwig. Berlin, 11. Juli. Die Untersuchung in der Spionageaffäre bei der Deutschen Versuchsan- statt für Luftfahrt erstreckt sich jetzt, den Blattern zufolge, insbesondere auf die Tätigkeit deS RegierungSbaumeisters Ludwig in der brutschen Flugzeugindustrie vor Antritt seines Postens bei der D. V. L. in Adlershof. Es ist der Verdacht aufgetaucht, daß Ludwig, der erst im vorigen Jahre sein Regierungs- baumeistereramen gemacht haben soll, von Anfang an im Auftrage seiner russischen Hintermänner gehandelt, plan- nlästig Stellung bei den wichtigsten Werken der deutschen Flugzeugindustrie gesucht hat und dann schleunigst ttneber den Abschied nahm, wenn sein Vorhaben, sich in den Besitz gewisser Kenntnisse und Pläne zu setzen, erfolgreich d u r ch geführt war. Tatsächlich sind ihm die mit ihm arbeitenden Agenten und zeitweise auch deren Auftraggeber nach den verschiedenen Orten seiner Tätigkeit gefolgt, und in Konferenzen mit Ludwig wurden dann die Ergebnisse seiner Spionagetätigkeit entgegen- genommen und wohl auch gleich bezahlt, denn laufende Tieberweisungen an den Regierungsbaumeister über ein bestimmtes Konto haben sich bisher nicht feststellen lassen. Auf der anderen Seite rechnet man in Kreisen der deutschen Flugzeugindustrie mit der Möglichkeit. baf) Ludwig sich auf Grund irgendwelcher früheren Beziehungen zu jenen ausländischen Stellen in Erpresserhänden befand und so immer wieder dazu getrieben wurde, feine Machenschaften bei den verschiedensten Werken und schließlich auch bei dem wichtigsten Forschungsinstitut der deutschen Luftfahrt fortzusetzen. Ludwig, der erst 27 Jahre alt ist, war erst in der ersten Hälfte des April nach Berlin gekommen. Er hatte zunächst etwa acht Tage in Grünau gewohnt und fand bann bei ber Familie eines Juristen in Schöneberg sein eigentliche- Quartier. Er hatte dort zwei Zimmer ab- aemiMet. Diplomingenieur Dr. Ludwig entstammt einer alteingesessenen Stuttgarter Be- amtenfamllie und hatte sich seit früher Jugend mit Luftfragen beschäftigt. Sine seiner Reifen führte ihn vor einigen wahren nach Mos - k a u. wo er im Dienste der deutschen Luftfahrtindustrie eine Zeitlang tätig war. Offenbar haben die Verbindungen Ludwigs zu den Sowiet- behörden ihren Tlrsprung in diesem Moskauer Aufenthalt. Die Haussuchung durch die Kriminalpolizei sand zu einer Zeit statt, als Dr. Ludwig sich in Adlershof aufhielt. Bei ber Haussuchung wurden photographische Platten und Zeichnungen beschlagnahmt, die die Polizei offenbar als Beweismaterial zu den gegen Dr. Ludwig erhobenen Beschuldigungen ansah. Oie Sowjetbotschaft leugnet. Berlin, 11. Juli. (WB.) Die Pressestelle der Botschaft der Sowjetunion teilt mit: Die in den heutigen Zeitungen erschienene Nachricht, daß der verhaftete Angestellte der Versuchsanstalt für Luftfahrt, der unter dem Verdacht steht, an eine fremde Macht wichtige Dokumente verkauft zu haben, i m F n t e r - esse der Sowjetunion gehandelt und mit der hiesigen Sowjet Vertretung in Verbindung gestanden hatte, entspricht nicht d e n T a t s a ch e n. Auch die durch ein Mittagsblatt verbreitete Nachricht, daß die Abberufung des früheren Militärattaches ß u n j c f f unmittelbar mit dieser Afsäre in irgendeinem Zusammenhang steht, ist falsch. Vielmehr wurde die Abberufung des Herrn Lunjesf den entsprechenden deutschen Behörden bereits Ende Februar mitgeteilt. Oie Sieuersenkungsakiion wird im Ausschuß beraten. Berlin, 11. Juli. (VDZ.) Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich mit der Senkung der Einkommensteuer. Dazu liegt ein von den Sozialdemokraten, Demokraten und vom Zentrum einge- brachter Initiativantrag vor, der solgendes besagt: Die Senkung der Einkommensteuer, die vom 1. Januar 1928 ab auf 15 o. h. bzw. zwei Mark im Monat festgelegt war, wird auf 25 v. h. bzw. drei Mark monatlich erhöht. Diefe Ermäßigung tritt am 1. Oktober in Kraft. Sie soll gelten bis zu einem Einkommen von 15 000 Mark jährlich. Daneben soll eine weitere Ermäßigung dadurch eintreten, dah bei der Steuerbercchnung Monatseinkommen auf volle fünf Mark nach unten, Wochenlöhne auf volle eine Mark nach unten abgerundet werden. Ein kommunistischer Antrag fordert, bei allen Einkommen unter 5000 Mark 1200 Mark steuerfrei zu lassen. Reichsfinanzminister Dr. Hilfe r d i n g erklärte den kommunistischen Antrag für indiskutabel. Dieser Antrag würde einen Ausfall von 12 00 Millionen Mark bedeuten. Der Minister svrach die Hoffnung aus, daß aus den Ausschußberatungen ein Antrag hervorgehen werde, der finanziell tragbar sei, denn oberstes Gesetz sei die Erhaltung deS Glei ch g ewichts im Etat. Abg. Dr. Becker (D. Bp.) erklärte, die Volks- Partei wollte sich der Vornahme einer Lohn- steuersenkung nicht entziehen, halte es aber für richtig, wenn die Angelegenheit im Zusammenhang mit anderen Steuerfragen im Herbst behandelt werde. Abg. Dr. Hertz (Svz.) wies darauf hin, dah das von den Kommunisten verurteilte System des Lohnsteuerabzuyes nicht nur in kapitalistischen Staaten existiere, sondern auch m der russischen Sowjetunion. Aus Anfrage des Abgeordneten Dr. Aischerköln (Dem.) erklärte Reichsfinanzminister Dr. fjllfcr- ding, dah die Regierung nach eingehender Prüfung die beantragte Reform der Lohnsteuer für et- traglich halte. Der Vorschlag werde da» im Etat vorgesehene Mindestaufkommen von 1300 Millionen Reichsmark nicht gefährden. Der im Etat eingesetzte Betrag würde also in voller höhe und mit Sicherheit aufrechterhalten bleiben, während der Reichstagspause werde die finanzielle Lage des Reiche» gründlich geprüft werden, inwieweit eine Senkung der Steuern bei mittleren E i n k o m m en möglich i|(. hinsichtlich einer Senkung der sog. Real (feuern oerroie» der Minister auf da» dem Reichsrat vorliegende Sleuervereinheit- lichungsgefeh, das beim wiederzufammentrill des Reichstags oorliegen werde. Aba. Dr. Rademacher (Dnll.) erklärte, feine Partei fei für die Steuersenkungen jederzeit zu haben, doch mühten sie auch organisch und gleichmäßig und zugunsten der am meiften betroffenen Bevölkerungskrei'e erfolgen. Aus diesem Grunde könne seine Fraktion den vorliegenden Anträgen nicht zustimmen. Der Ministerialdirektor im preußischen Finanzministerium. Dr. H o g. teilte mit. daß die Ft- nanzminister der acht größeren Länder übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen sind, daß. so erwünscht eine Steuersenkung für die sozial bedrängten Bevöllerunysschichten sei, doch im gegenwärtigen Augenblick eine Senkung nicht mit der erforderlichen Berücksichtigung der Finanzlage von Ländern und Gemeinden erfolgen könne und deshalb als überstürzt bezeichnet werden müsse. Die Senkung gehe zu 75 Prozent auf Kosten der Länder und Gemeinden und sei deshalb unerträglich. Staatssekretär Dr. Popih führte aus, daß die jetzt beabsichtigte Senkung nicht nur den Arbeitern. sondern auch den Angestellten zugute käme. Auch die Länder und Gemeinden hätten nur mit den ihrem Anteil entsprechenden Teilen an 1,3 Milliarden Mark zu rechnen, und dieser Betrag wäre ihnen völlig gesichert. 3a, er würde trotz der Senkung noch um eine gewisse Summe überschritten werden. Oesterreich,WlienunddieSüdürolerZrage Bundeskanzler Seipel erhält vom Hauptausschuß des Nationalrais ein zustimmendes Votum Wien, 11. 3uli. (WB.) Der Hauptausschuh des Rafionalrafcs hielt heute eine Sitzung ab, über die folgendes Lommuniqus ausgegeben wurde: Bundeskanzler Dr. Seipel erstattete einen Bericht über die Entwicklung des verhältniffes zwi- fdjen Oesterreich und Italien feit dem Februar dieses Jahres. Er gab hierauf die B o t f ch a f t e n bekannt, die feit dem Mai dieses Jahres zwischen ihm und dem italienischen Ministerpräsidenten ausgetauscht wurden. An die Ausführungen des Bundeskanzlers fchloß sich eine Debatte, an der sich Abgeordnete aller Parteien, sowie Finanzminister Kienböck beteiligten, und in die auch Bundeskanzler Dr. Seipel wiederholt eingriff. 3m Laufe der Debatte stellte der sozialdemokratische Tiroler Abgeordnete A b r a m folgenden Antrag: Der Hauptausschuh mißbilligt es, dah der Bundeskanzler die Verhandlungen mit Italien ohne Einvernehmen mit dem haupt- a u s s ch u h geführt Hal und bedauert den Mißerfolg dieser Verhandlungen, von feilen der Mehrheitsvertreter, darunter den Tiroler Abgeordneten Kolb, Straffncr und Kneußl wurde folgender Antrag gestellt: Der Hauptausschuh nimmt den Bericht des Bundeskanzlers zustimmend zur Kenntnis. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Abram abgelehnt, der Antrag der Mehrheitsvertreter mit Mehrheit a n genommen. Mussolini über Südtirol. Eine Frage „minderen Grades " — Es sind „nur die Gesetze durchgcsührt." Berlin, 12.3uIL (TU.) Sin RedaktionSmit- glied des „Lok.-Anz." hatte auf seinem Runds lug durch Europa eine Unterredung mit Mussolini. Den Danziger Korridor be^ichnete Mussolini als eine in der Tat sehr ernste Angelegenheit für Deutschland, was man selbstverständlich verstehen könne. Zur Frage von Südtirol erklärte Mussolini u. a.: .Es gibt Politische Fragen allererster Ordnung und solche anderen Grades. Ein Staatsmann wie 3hr Bismarck hätte das. was Ihr hartnäckig und vergeblich als .5 üb tiroler Frage" bezeichnet, wahrscheinlich als eine solche minderen Grades betrachtet. Richk mehr als ein Dutzend Ramens- änderunaen sind vorgenommen worden. Erst vorgestern hat ein alter Dauer, der nicht Italienisch versteht, Deutsch mit mir gesprochen. 3ch will kerne Märtyrer schassen! Es sind nur dre Gesetze durchgeführt worden, die für ganz Italien gelten. Man hat die $rage von Südtirol aufgegriffen von allen Feinden ted Falzismus. Es ist nicht wahr, daß das Alto Adrge leidet, und ich will nicht, daß es leibet Aber ich lasse mir nicht von für feine römische Politik. den Feinden meiner Weltanschauung Schritte aus drängen und lasse mir von ihnen keine Forderungen stellen. Der Präfekt von Bolzano ist nicht der Mann, der seine Befugnisse überschreitet. Sie erhalten falsche Rachrichten. Diese Geschichten mit den Weihnachtsbäumen — welch ein Ünfinn! 3m ganzen sind zwei Männer verbannt, nicht weil sie Tiroler, sondern weil sie Antifa sz ist en waren! Einer wurde kurz darauf wieder freigelassen. 3ch gestehe 3hnen das Recht zu, 3hr Deutschtum zusammenzufassen, wie cs Ihre nationale Ausgabe erfordert. Ich würde nie hören auf Klagen von Wenden oder Polen oder anderen Dolksfplittern in Ihrem Lande. Für Italien gibt es ernstere Probleme als Südttrol, die noch unerledigt sind. Meinen Freunden will ich freiwlllig Gutes tun, aber vor Gewalt schrecke ich nicht." ©er „Manchester Guardian" über den Anschluß. Tie einzige Lösung. London, 11.Juli. (WTB.) In einem Leitartikel schreibt der „Manchester Guardian" zur deutsch-österreichischen Anschlußfrage. Oesterreich lebt augenblicklich von milden Gaben in Form von Anleihen durch den Völkerbund: seine gegenwärtige wirtschaftliche Struktur ist derart, dah seine Handelsbilanz unvermeidlich ungünstig ist. Es gibt eine und nur eine wirkliche Lösung, schreibt das Blatt, Anschluß an Deutschland. Da nur Frankreich und die Mächte der Kleinen Entente sich dem Anschluß widersetzen (Italien scheint weniger ablehnend zu sein als früher), so sollen s i e diese Wohltätigkeit Übernehmen, die so lange vom Völkerbund ausgeübt worden ist. Im Herzen des zivilisiertcn Europas wird ein Zu st and künstlich aufrecht erhalten, der mit Gerechtigkeit und gesunder Politik und Wtttschast im Wider- s p r u ch steht, einer unbestimmten Furcht wegen, daß Deutschland und Oesterrmch ttotz des Völlerbundes und der Völlerbundsfatzung, ttotz Locarno, vereinigt gefährlicher fein formten als nicht vereinigt. Oesterreichs Anschluß ist dadurch zu einer Angelegenheit des Völkerbundes gemacht worden. Der Völkerbund kann über Recht und älnrecht entscheiden, aber nicht über fundamentale Rechte verfügen. Eine Entschließung der Tiroler Aationalräte. Wien. 11. Iuli. Die Tiroler Rationalräte übermittelten heute dem -Bundeskanzler Dr. Seipel die Entschließung der 298 07orbtiroler Gemeinden, in der ein Schritt ber Bundesregierung bei den europäischen Mächten zugunsten der 6 üb tiroler Deutschen verlangt wird. Oie Vorbereitung zur Bozener Siegesfeier. Italiener unter sich. Innsbruck, 11. Iuli. (TU.) Die Vorbereitungen für die morgige Enthüllung des italienischen Siegesdenkmals in Bozen heben. wie gemeldet wird, in Stadt und Provinz Bozen die Italiener in die höchste Aufregung und Nervosität versetzt. Obwobl bei näherer Kenntnis des Landes das Leben des Königs Viktor Emanuel nirgends al- gesicherter angesehen werden kann, als in Südtirol — soweit es die Deutschen betrifft —, hat dock) die Furcht vor Attentaten alle italienischen Kreise ergriffen. Hunderte von bc- zahlten Agenten machen das Leben durch die fortwährende Forderung nach Au-wei-lcistung wenig angenehm. Schon in den Grenzstationen werden alle Ramen der Zureisenddn notiert. In allen Zügen und auf allen Straßen in der Rähe von Bozen wiederholt sich dasselbe Spiel. In Bozen wurden verschiedene Personen in Haft genommen, ohne daß ein ersichtlicher Grund Vortag. Es sind auch ein paar Schwachsinnige verhaftet worden. — Das morgen zu enthüllende Denkmal ist ein massiver, marmorverlleideler Betonbau von 15 Meter Höhe in Form eines römischen Triuntphbogens und wird schon seit Monaten Tag und Rächt von Kara- binieri bewacht. Runmehr sind auch auf und unter der Dalfter Drücke, welche die Zufahrt zu dem Denkmal bildet, Posten aufgestellt worden. Gestern und heute wurden alle W a s f e r h h d r a n te n und Kandelaber Straßenbeleuchtung untersucht, ob sie nicht nach Rlailänber Art geladen seien. Die Feier selbst wirb eine ausschließlich italienische Angelegenheit sein. Die Bevölkerung wird, bis auf verschwindende Ausnahmen, wo Zwang durch die Syndikate ober die Amtsbüvgenneister ausgeübt wurde, oder wie bei den in die Ballila gepreßten Kindern, die eben vor dem Antritt einer Reise nach der Adria stehen, nicht teil- nehmen und auch nicht vor dem König erscheinen. Oer Amnestieerlaß. Der Kompromißvorschlag der Regierungsparteien vomRcchtsausschuß angenommen. Berlin, 12. Iuli. Bon den Sozialdemokraten, dem Zentrum, der Deutschen Dolkspartei und den Demokraten ist ein Gesehentwurs eingebracht worden, der u. a. folgendes besagt: -Es wird Straferlaß gewährt für die beim Inkrafttreten des Gesetzes rechtskräftig erkannten und noch nicht verbüßten Strafen, die von Gerichten des Reiche« oder der Länder Wegen Straftaten verhängt wurden, die aus politischen Beweggründen begangen worden sind oder die wegen Zuwiderhandlungen gegen das Milttärstrafgesch von Militärgerichtes bis zum 1. Oktober 1920 rechtskräftig erkannt worden sind. Anhängige Verfahren werden eingestellt, wenn die Tat vor dem 1. 3anuar 1928 begangen ist, neue Verfahren werden nicht eingeleitet. Ausgeschloffen von der Straffreiheit find Landesverrat undVer- r.at militärischer Geheimnisse, wenn die Tat Sus Eigennutz begangen ist, ferner Verbrechen gegen das Leben und solche (Straftaten, zu deren Durchführung der Täter ein Verbrechen gegen das Leben begangen hat. Strafen wegen Verbrechen gegen das Leben werden gemildert. Freiheitsstrafen werden auf die Hälfte herabgesetzt' dabei tritt an die Stelle von Zuchthaus Gefängnis. Lebenslängliche Zuchthausstrafen werden in Gefängnis von 7 Iahren umgewandelt. Ist bereits ein Gnadenerweis erfolgt, so tritt die Milderung bei der im Gnadenerweis festgesetzten Strafe ein. — Der Gesetzentwurf trägt verf assungSän- dernden Charakter. Im Rechtsausschuh deS Reichstags machte der Reichsjustizminister Koch-Weser zu dem Anttag folgende Ausführungen: Äe Reichsregierung legt den größten Wert daraus, daß diese Amnestie nicht als parteipolitische Maßnahme erscheint, sondern daß der Eindruck vertieft wird, daß diegrohe Mehrheit des Volkes dahintecfleht. Die Regierung ist nicht für häufige Amnestien. Man darf aus ber jetzigen Amnestievorlage nicht schließen, dah folche Vorlagen öfter wiederkehren werden. Die letzten Bohlen haben ergeben. daß baS neue Reich so fest gefügt ift, baß es eine solche Amnestie vertragen kann, und daß es sich empfiehlt, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen. Die Anfrage nach der Tragweite des Antrages beantworte ich dahin. daß „ber politische Beweggrund" für die Amnestie maßgebend fein soll, weil nur damit eine politisch? Beruhigung eintrit!. In der Amnestie der Soldaten wollen wir nur zurückgehen bis auf die Zeit, wo die Militärjustiz aufgehört hat. Alle „Delikte aus Rot" unter die Amnestie zu stellen, ist eine juristische und praktische älTnnöglichkcit. Ich bin damit einoerftan* den. daß den Regierungen der ßänber nochmals ans Herz gelegt wird, die Verfahren wegen Delikte aus Rot nochmals nachzuprüfen und evtl. Begnadigungen eintteten zu lassen. Im großen und ganzen hat ber Entwurf der Regierungsparteien wohl das Richtige getroffen, so daß die 'Regierung ihm zustimmen kann. Der Antrag der Regierungsparteien wurde dann unter Ablehnung aller anderen Anträge mit allen gegen die Stimmen der Bayerisch« Volkspartei angenommen. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, bei den Ländern dahin zu wirken, daß Personen, die aus wirtschaftlicher 'n o t und aus Anlost des passiven Widerst arides straffällig geworden sind, bei der Ausübung des Gnadenrechtes in besonders wohlwollender Weise berücksichtigt werden. Die Entschließung Everling, dast in den sogenannten F e m e f ä l l e n alsbald voller Straferlaß gewährt, zunächst aber die Gefängnisstrafe in Festung umgewandelt werde, wird abgelehnt. Oie Krisenfürsorge. Deutscher Reichstag. Berlin, 11. 3uli. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt der Einspruch des nattO’ nalsoziolistischen Abgeordneten Strasser ge- fien seinen Ausschluß von der sechsten Plenar- ihung. Der Einspruch wird abgelehnt. Dafür stimmen die Rationalsozialisten und unter lauten Pfui- Rufen der Mehrheit die Deutschnationalen. Es folgt die erste Beratung eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuchs, das dem Rechts- ausschust zur Fortsetzung der im letzten Reichstag nicht abgeschlossenen Beratung überwiesen wird. Auf Antrag der in der Regierung vertretenen Parteien und der Wirtschaftspartei soll im Gesetz über die Einstellung des Personalabbaues die Frist für die Regelung der Rechtsverhältnisse der Warte st andsbeam- t e n vom 31. Juli 1928 bis zum 31. Ianuar 1929 verlängert werden. Abg. Gottheiner (Dnl.) verlangt, dast die Wartestandsbeamten ohne weiteren Verzug in ihre alten Rechte wieder eingesetzt werden. Abg. Dr. Q u a a tz (Dn.) erklärt, es wäre die Pflicht der Regierung gewesen, diese Materie schon längst zu regeln. (Rufe links: „<5ebr richtig, das sagen Sie Herrn v. Keudell!") Die letzte Regierung konnte es nicht, weil sie den Versprechungen der früheren Kabinette endlich die Tot der Desoldungsaufbesserung folgen liest. Abg. Stein köpf (Soz.) tritt gleichfalls für eine endgültige Regelung ein. Dem neuen Kabinett müsse aber durch die Fristverlängerung die notwendige Zeit dazu gegeben werden. Um eine Schädigung der 'Beamten zu vermeiden, müsse der Regelung rückwirkende Kraft gegeben werden. — Der Antrag der Mehrheitsparteien wird in erster und zweiter Beratung angenommen. Es folgt der AuSschustbericht über den kommunistischen Antrag zur Krisenunterst ü h u n g. Der Sozialpolitische Ausschuh schlägt dazu eine Entschließung vor, in der verlangt wird, zur Krisenunterstüyung allgemein solche F a - brikorbeiter zuzulassen, die gcwvhnheits- mästig mit Berufsangehörigen der Gärtnerei, Metallverarbeitung, Maschinenindustrie. Lederindustrie, Holz- und Schnihstofsgewerbe, Bekleidungsgewerbe und Angestelltenberufe zusam- menarbeiten. Bei weiterer Verschlechterung des Arbeitsmarktes soll die Krisenfürsorge auf sämtliche Berufe ausgedehnt werden. Die Änterstühungsdauer soll allgemein auf 39 Wochen, für Arbeitnehmer über 40 Jahre bis auf 52 Wochen verlängert werden. Die auch aus der Krifensürsorge ausgesteuerten Erwerbslosen sollen bei Äotstandsarbeiten bevorzugt berücksichtigt werben. Reichsarbeitsminister Wissel verweist auf seine gestern im Ausschuh abgegebene Erklärung. Die gegenüber dem Vorjahr verschlechterte wirtschaftliche Konjunk- tfcu r spiegele sich auch in der Arbeitslosenzahl wider. Die als Voraussetzung für die Krisen - Lrsorge erforderliche andauernd besonders ungünstige Arbeitsmarktlage sei erfreulicherweise Noch nicht in allen Berufen gegeben Sollte es dazu kommen, so werde das Reichsarbeitsministerium gern die Krisenfürsorge auf sämtliche Derussgruppen ausdehnen. Der Minister erklärt sich auch mit den übrigen Forderungen der Entschließung einverstanden. Für die älteren Erwerbslosen solle die Hnterstützuug auf 52 Wochen verlängert werden Ob die allgemeine Ausdehnung auf 39 Wochen möglich ist, werde von der Regierung wohlwollend geprüft werden Abg. Müller-Lichtenberg (Svy.) erklärt, der kommunistische Antrag sei nicht geeignet, die tatsächlich in der Arbeitslosenversicherung bestehenden Mißstände zu beseitigen. Durch laute kommunistische Zwischenrufe wird der Redner fortgesetzt unterbrochen Der Lärm der Kommunisten steigert sich als Abg. Müller zahlenmäßig die unzureichende Unterstützung der Erwerbslosen in Rußland darlegt. Für die Erwerbslose gebe Rußland 40 Millionen Rubel, Deutschland 800 Millionen Mark aus. Abg. Aufhäuser (Soz.) erklärt, der kommunistische Ageordnete Rädel habe die Unwahrheit gesagt. (Abg. Rädel (Komm.): „Da kommt kein Ordnungsruf!" — Präsident Lobe: „Sie scheinen den Unterschied zwischen Unwahrheit und „erlogen"" nicht zu begreifen!“). Die Arbeitslosenversicherung sei ein Erfolg der sozialdemolrati- schen Politik. Die Arbeitslosen können nicht bis zum Herbst warten, wo frühestens das Arbeits- lvsenversicherunasgesetz geändert werden kann. Die kommunistischen Anträge werden gegen die Kommunisten und Rativnalsozialisten abge- lehnt. Die Entschliehung des sr^ialpolitischen Ausschusses wird unter Ablehnung des volksparteilichen Aenderungsantrags angenommen. Ein Besahungszwischenfall in Landau. Landau. 11. Juli. (WB.) Die französische Gendarmerie meldete heute vormittag den deutschen Behörden, dalh in der Rächt von Dienstag auf Mittwoch ungefähr 23,15 Uhr an der von französischer Artillerie besetzten Kaserne in der Eornichon-Strahe ein französischer Wach-tpo st enan geschossen worden sei. Er wurde durch einen Schuh, der unterhalb des Herzens eindrang, schwer verwundet und ins Krankenhaus übergeführt. Sin weiterer Schuß ift an Dem Leibriemenschloh abgeprallt. Die Schüsse wurden aus einem Revolver abgegeben. Der Soldat konnte, obwohl er zu- sammenbrach. noch angeben, daß der Schuß von einem Radfahrer, der in Begleitung eines anderen vorbeifuhr, abgegeben wurde. Einer der Radfahrer trug einen Hellen Mantel und der andere einen dunklen Anzug. Die deutschen Behörden haben sofort eine Uirtersuchung eingeleitet. Die Ermittlunaen gestallen sich jedoch deshalb sehr schwierig, da der Verwundete bis letzt noch bewußtlos ist. Auf operativem Wege wurde ihm heute vormittag die Kugel entfernt OieGruppeMalmgreen ausgespürt Erfolgreiche Expedition des russischen Fliegers Tschuchnowski. Eisbrecher „Krassin" auf dem Wege zu den Schiffbrüchigen. Rom, 12. Juli. (MTB. Funkspruch.) Amtlich wird die Auffindung der als Malmgreen-Gruppe ongesprochenen Gruppe von drei Männern der „Jlalia"-Mannschaft bekanntgegeben, die dem russischen Flieger Tschuchnowski gelungen ist. Wie es in der Verlautbarung heißt, handelt es sich um einen Bericht, den die „Litka di Milano“ nach ihrer Aufnahme des vorübergehend durch Gewitter gestörten kurzwellenverkehrs durch den russischen Eisbrecher „6 r a s s i n“ erhallen hat. 3n dem Bericht der „Eitta di Milano", in dem die Auffindung der Dreimännergruppe geschildert ist. heißt es weiterhin: Der sich ausbreitende Tiebel verhinderte den Flugzeugführer. den Eisbrecher „Krassin" wiederzufinden. Er flog darauf in Richtung der Küste, und es gelang ihm. in der Rähc von Kap P laten zu landen, wobei allerdings der Apparat beschädigt wurde. Die fünf Personen, die an Bort) waren, konnten die K ü st e e r r e i ch e n. Sie haben telegraphische Mitteilungen über die „B r a g a n z a" und über die Lage der längs der Küste erreichten Lebens- mlikcldepols gemacht. Heber die Entdeckung der Malmgreen-Gruppe durch den russischen Flieger Tschuchnowski meldet das „B.T.“ folgende Darstellung: Der Flieger umkreiste die Gruppe fünfmal und suchte nach einer günstigen Londungsstelle. Es gelang ihm jedoch nicht, eine zur Landung geeignete Stelle in der Tlähe der Gruppe ausfindig zu machen, worauf er wieder nach der „Krassin" zurückkehrte. Auf die Meldung Tschuchnowskis hin hat dann der Eisbrecher mit Volldampf die Fahrt in Richtung auf die von dem Flieger bezeichnete Position der Malmgreen-Gruppe ausgenommen. Rach einem Moskauer Funkspruch befand sich gestern nachmittag 3 Uhr der Eisbrecher „Krassin" 80 Grad 51 Minuten nördlicher Breite und 24 Grad 10 Minuten östlicher Länge. Der Eisbrecher, der von zersplitterten Eisschollen umgeben wird, fährt mit einer Stundengeschwindigkeit von vier Meilen. Er wird Donnerstag morgen die Gruppe erreichen, wenn keine besonderen Schwierigkeiten eintreten. Der Flieger Tschuchnowski ist nach Ausfüllung seiner Benzinoorräte wieder nach dem Fundort der Malmgreen-Gruppe hinan sge flogen. An Bord des Flugzeuges befinden sich außer Tschuchnowski noch ein Mechaniker und ein Beobachter. Das Flugzeug kann noch drei Personen ausnehmen; jedoch ist damit zu rechnen. daß die Landungsoersuche Tschuchnowskis des herrschenden Rebels wegen äußerst schwierig fein dürften. Freude in Oslo. Oslo. 11. 3uIL (WD.) Der Bericht des russischen Fliegers Tschuchnowski über die Auffindung der Gruppe Malmgreen ist hier m i t großer Freude ausgenommen toorben. Der schwedische Meteorologe Malmgreen ist in Norwegen durch seine Teilnahme an Amund- sens Rordpolexpeditton mit der »Maud" und an dem Polflug der „Rvrge" allgemein bekannt. Der Polarforscher Otto Sver - d r u p ertlärt in einem Interview, falls sich die Gruppe Malmgreen wirklich in so kurzer Entfernung von dem russischen Eisbrecher „Krassin" befinde, so sei er sicher, daß sie gerc t- t e t werden könne, vorausgesetzt, daß die Kohlenvorräte der „Krassin" ausreichen. Die Lage der ®nq>be Viglieri müsse allerdings Besorgnis erregen, um so mehr, als „Krassin" möglicherweise die Advent-Bav anlaufen müsse, um ihre Kohlenvorräte zu ergänzen. Everdrup erklärte, er glaube nicht, daß die .Krassin" die Gruppe Viglieri rechtzeitig erreichen werde, wenn sie ihren jetzigen Versuch aufgebe und auf dem Wege durch die Hin- lopen-Strahe und längs der südlichen und östlichen Küste des Rordostlandes vvrzudringen versuche. Kann es Amundsen sein? Berlin. 12. 3ulL (Priv.-Tel.) Aus den Meldungen über die Auffindung einer Drei- Männer-Gruppe nordwestlich der Foyn-Inseln geht nicht hervor, ob der russische Flieger niedrig genug geflogen ist, um die Männer auf dem Eise genau erkennen zu können. Anscheinend konnten nur die Menschen als solche erkannt werden, so daß durchaus auch die Möglichkeit besteht, daß es sich um A m u nd- s e n und seine beiden Gefährten handelt, die sehr gut gerade in dieser Gegend zu einer Rotlandung gezwungen gewesen sein konnten. Da weiter nach Aussage des russischen Piloten die QIZ ärmer auf dem Eise mit einer norwegischen Flagge signalisiert haben, hat die Annahme, daß es sich um Amundsen handeln könnte, sehr viel für sich. Oie Rolle Mobiles. Ein dänischer Polarforscher über den italienischen „Kollegen." Kopenhagen. ll.Suli. (TU.) Der dänische Polarforscher Peter Freuchen hat sich dem „Extrabladet" gegenüber dahin ausgesprochen, daß die itcllienische R^ierung ihn zu spät um Hllfe für die „Italla"-Mannschaft gebeten habe. Roch im Mai seien die Eisverhältnisfe so gewesen, daß man eine Hundeschlittenexpe- bition leicht hätte aus führen können. Jetzt könne von dem Erfolg einer Fuhexpedition gar nicht mehr die Rede fein. Robile habe zweifellos außerordentlich leichtsinnig, ja schlimmer, gehandelt. Wenn es richtig sei, daß er gegen besseres Wissen f a Ische Berichte gegeben habe, um unangenehme Tatsachen zu verschleiern, so trage er auch die Schuld an dem Untergang Amundsens und seiner Begleiter. Er, Freuchen, sei der festen Heber- zeugung, daß Amundsen sich von Tromsoe aus sofort auf die Suche nach der „Italia"-Gruppe begeben habe. Natürlich habe er diese Gruppe nicht finden können, da daS Luftschiff damals schon längst verbrannt gewesen sei. Dieser Um- stand scheine Robile bekannt gewesen zu fein, doch habe er ihn wochenlang verschwiegen. 3n Oslo ist am Dienstagabend der italienische Journalist Escard auf dem Wege von Spitzbergen nach Rom eingetroffen. Wie er erzählt, hat Robile nach feiner Ankunft in Kingsbah sich getoeigert, irgend jemand anderes als den Chef der „Citta di Milano" und seinen Bruder zu empfangen. Robile soll von den in der Presse gegen ihn gerichteten Angriffen stark bedrückt gewesen sein. Wissels sozialpolitisches Programm Eine Erklärung -es neuen Reichsarbeitsministers vor -erpresse Berlin, 11. 3uti. (WB.) ReichLarbeitS- minifter Wissel gab der Presse einen Heberblick über die sozialpolitischen Aufgaben, mit denen sich das Reichsarbeitsministerium zu befassen haben wird. Wie bereits in der Regierungserklärung hervor geh oben ist, wird die Reichsregierung den bereits vom Reichsrat verabschiedeten Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes alsbald dem Reichstage vorlegen. Ferner wird sich das Kabinett mit der Ausgestaltung der Arbeitsaufsicht befassen, die im 6. Abschnitt des Entwurfes behandelt ist. Zur Ergänzung des Arbei lsschutzgeseyes wird der Entwurf eines Bergarbeitergesehes vorgelegt werden, dessen Sonderbestimmungen der Eigenart des Bergbaues, insbesondere der erhöhten Hnfallgefahr unter Tage. Rechnung tragen. Die Reichsregierung beabsichtigt ferner die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Acht stunden- t a g. Hmfangreiche Vorarbeiten sind geleistet worden für den Entwurf eines allgemeinen Qlt- beitsvertraggesehes. Mehrfach ist in der Oeffent- lichkeit in letzter Zeit eine Reform des Schlichtungswesens verlangt worden. Es sind auch dort Aenderungsvorschläge gemacht worden, die selbständige Vertragsschaffung durch die Parteien des Arbettslebens nötigenfalls unter Zuhilfenahme von ihren vereinbarten Schlichtungsorganen der staatlichen Vertrags- Hilfe durch Echlichtungsbehörden vollziehen. Der Staat hat aber auf Grund der Reichsverfassung die Verpflichtung, die Regelung der Arbeitsverhaltnisse durch Gesamtvere.nbarung auch dort zu fördern, wo die Parteien mit dieser Aufgabe allein nicht fertig werden. Auf diesem Gedanken beruht die staatliche Schlichtung als Hilfe zum Abschluß von Gesamtvereinbarungen. Der Entwurf eines Gesetzes über die Beschäftigung in der Hauswirtschaft liegt bereits feit längerer Zeit im Reichsrat vor. Auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist die Organisation, die durch das Gefetz vom 16.3uli 1927 geschaffen worden ist. noch im Aufbau begriffen. Für den Fall, daß die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten erheblich zunimmt, werden zur Entlastung des Arbeitsmarktes zunächst die öffentlichen Rotstandsarbeiten zu verstärken sein. Ob hierfür in ausreichendem Umfange Mittel zur Verfügung stehen, läßt fick zur Zett noch nicht übersehen Das ReichSarbeitSministerium wird I ferner im Benehmen mit dem ReichswirlschaftS- Ministerium feine Bemühungen bei den Beschaf- » fungsressorts sowie der Reichsbahn und Reichs- post fortsehen, damit diese Stellen bei Eintritt größerer Arbeitslosigkeit möglichst umfangreiche Qt u f t r ä g e an die Wirtschaft herausgeben. Die Reichsregierung hat auch in ihrem Programm als ihren Wttlen bekundet, die K l e i n r e n t n e r b i I f e auf eine von dem Ermessen der örtlichen Fürsorgestellen unabhängige gesetzliche Grundlage zu stellen. Auf dem Gebiet der sozialen Versicherung wird die Rationalisierung der Reichsversicherung eine der nächsten Aufgaben sein. Beabsichttgt ist die Ausdehnung der Unfallversicherung auf noch nicht versicherte Berufskrankheiten. Geprüft wird, ob noch weitere bisher nicht versicherte Kreise in die Unfallversicherung einbezogen werden sollen, z. B. die Kleinbetriebe in Handel und Gewerbe, insbesondere Gast- und Schankwirtschaften. Demnächst wird eine Verordnung ergehen, welche die D e r- sicherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung erweitert. Der Wohnungsbau des Jahres 1928 wird zwar nicht in dem starken Maße, wie zu Anfang des Jahres zu befürchten war. zurückgehen. Immerhin aber legt die Tatfache der ständigen Schwankungen auf dem inneren Markt mehr und mehr die Rolwendigkeit nahe, die begonnene Heranziehung von Auslandmitteln in vorsichtiger Form zu erweitern. Die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen ist in den vergangenen Zähren, soweit es die finanzielle Lage des Reichs gestattet, ständig verbessert worden. Es wird jetzt vor allem geprüft werden müssen, ob und inwieweit die Versorgung der Hinterbliebenen verbessert werden kann. Ich denke hierbei insbesondere an die alleinstehenden erwerbsunfähigen Witwen, sowie an die Ellern, die nur auf Renten und Zusatzrenten angewiesen sind. Durch bfe Gewährung von Erziehungsbeihilfen im Falle des Bedürfnisses ist die Waisenversorgung erheblich verbessert worden. Für die Kapitalabfindung ist im jetzigen Haushalt ein Betrag von 90 Millionen Mark vorgesehen. Ob dieser noch erhöht werden kann, hängt von der finanziellen Lage des Reiches ab. Iede Erhöhung der Dersorgungsbezüge um 10 Prozent muß — allgemein gesehen — das Reich um weitere 130 Millionen Mark belasten. Was den Verkehr zwischen Dersorgungsdienststellen und Derfergungs- berechtigten anlangt, so ist Richtschnur für den gesamten Dienstverlehr stete Sorge für das Wohl der D e r s o r g u n g s b e g e h r e n d e n und unermüdliche Hilfsbereitschaft auch in den kleinsten Dingen Ich habe ferner die Versorgungskehörden daraus hingewie- fen, daß auch die Außenstellen Hand in Hand mit den Organisationen der Kriegsopfer arbeiten sollen, und daß sie durch Aufsätze in der Fach- und in der Tagespresse den erfahrungsgemäß regen Wünschen der Versorgungsberechtigten nach größerer Hnterrichtung entgegenkommen sollen. Aus aller Welt. Reichspräsident van Hindenburg zehn Jahre Ehrenvorsitzender des B. D. M. 2lm 22. Iuli ist der Reichspräsident v. Hindenburg zehn Jahre Ehrenvorsitzender im D. D. 21. Der Vorstand des Vereins hat aus An- laß dieses Jubiläumstages ein Schreiben an den Reichspräsidenten gerichtet, in dem er dem Reichspräsidenten nochmals seinen besonderen Dank für die Führung des Ehrenvorsitzes und für die Anteilnahme am Schicksal des Auslanddeutschtums und an der Arbeit des D. D. A. zum Ausdruck bringt. Die Teilnehmer am Deutschen Sängerbundesfest in Wien. Die ersten ausländischen Gäste zu dem vom 19. bis 22. Iuli in Wien ftatifmbenben deutschen Sängerbundfeste sind bereits in Wien eiuge- trosfen. Zahlreiche deutsch-amerikanische Sänger befinden sich zur Zelt auf einer Reife durch Deutschland auf dem Wege nach Wien. In der Person des Gerbereibefitzers Hermann Hase, Mitglied des Gesangvereins Liederkranz in Blankenheim, wird wahrscheinlich der älteste aktive deutsche Sänger zu begrüßen sein. Er hat schon dem ersten deutschen Sängerbundfest beigewvhnt und steht zur Zeit im 85. Lebensjahr. Er ist seit 64 Iahren Sanger. Der älteste Gesangverein, der in Wien vertreten sein wird, ist der Gesang- und Musikverein Alberndvrf im Bezirke Breslau, der seit 1776 besteht. Unter den Sängern dfe aus werter Ferne zu dem deutschen Sängerbund* - fest kommen, seien erwähnt die Vertreter des Gesangvereins Lyra aus Rio de Ianeiro. des Deutschen MännergefangvereiirS Lyra aus Sao Paulo, die dem deutschen Sängerbund Brasiliens angehören, ferner Vertreter des deutsch-texanischen Sängerbundes in TexaS. sowie des deutschen Sängerbundes inIohannis- b u r g in Südafrika. Ankunst der deutschen IunkerSmaschine ht Kabul. Die drei Iunkersflugzeuge, die vor einiger Zett von Berlin nach Kabul über Moskau—Teheran abgeflogen sind, sind am 10. Iuli wohlbehalten in Kabul eingetroffen. Lins dieser Flugzeuge war ein Geschenk der Reich«- regierung an den König von Afghanistan, und die beiden anderen hatte der König hier g e k a u f t. Die letzte Etappe des Fluges von Herat bis Kabul ist ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Tabakskollegium im <5erld)(sfaaL Ern ungewohntes Bild bot heute der Sitzungssaal einer Schöffengerichtsabiellung im alten Kriminalgerichtsgebäude in Moabit. Der ganze Raum war in dichten Tabaks qualm gehüllt. Die Richter und Schöffen, der Protokollführer, die Angeklagten, die Zeugen, die Iustiz- wachtmeister, die Pressevertreter und die Zw- Hörer aus dem Publikum rauchten große Zigarren. Iedem, der im Saal erschien, lieh der Vorsitzende LandgerichtSdirektvr mtt der humorvollen Frage „Haben Sie schon Ihre Zigarre?"' vom Justizwachtmeister eine Z i - garrepräsentieren. Es handelte sich um einen Betrug-Prozeß, bei dem die Angeklagten verschiedene Leute durch Lieferung minderwertige Tabakfabrikate geschädigt haben sollen, während die Angeklagten nach wie vor erklärten, daß der Tabak ausgezeichnet sei. Iedenfalls endete die Zigarrenprobe damit, daß der Gerichtssaal erst eine halbe Stunde gelüftet werden muhte, ehe die Sitzung ihren Fortgang nahm. Oie Wetterlage. .8 o TD‘iHn)n/hrif>n Juli 7 A fftewrfs. X.....— 2.i & 25 SLs L ® i« wie* *06— F „ C Ur « ■ Owontenm Qntiter. O>ig. • oedten, * Schnee ^Graupm ■ K Orwiftrjg)wmdjtllle. O xh» Qxhtc» oti 3 «iimc lOdtcevtn tioreocho nordVtifc Sie Piene ficeoen mn ar* wiMt Oie oeoen Kanonen $te» bi« Absonderungen der Hautdrüsen außervrdent- lich- Schweiß und Talg vermischen sich mit Staub, verstopfen die Poren, und die Atmung der Haut wird erheblich behindert. Am besten werden diese störenden QSenmretnigungen durch den Gebrauch von warmem Wasser und Seife entfernt, im Anschluß an diese Reinigungsprvze- dur empfiehlt sich eine erfrischende Waschung mit kaltem 'S?aHer. Personen, die an und für sich an starker Absonderung der Hautdrüsen. an einer fettig glänzenden Haut leiden, werden gut daran tun. das Gesicht vorsichtig mit spirttuöfen Wassern abzureiben. Ander er- feit» wird sich bei sehr tnxfener Haut zur Lacht leichtes »infdlen mit einer mtlden Creme empfehlen. Während im Tal zur Ab» ehr der Sonnenstrahlen - Gefahr der- Haut- entzündungl — die übliche Creme ausreichen durfte, leistet auf Hochgebirgswanderungen das Aufträgen einer Lichtschutzpaste gute Dienste Sur Pflege der heibgewordenen, stark absondernden fettigen Kopfhaut eignen sich sPi - ritushaltige Haarwasser vorzüglich. Dei anderen Menschen ist die Kopfhaut abfon- derlich trocken; hier empfiehlt sich das Aufträgen von Drillantine. Der Schuppenbildung auf dem Kopfe wirkt schwefelhaltige Po» made entgegen. Mit Rücksicht auf den innigen Zusammenhang zwischen Diät und Hauterkran- fungen sollten Personen, deren Hautdrüsen allzu reichlich Talg usw. absondern, wenig Fett, keine Dratensoh« und dgl. genießen, überhaupt allzu reichliche Mahlzeiten vermeiden; dagegen ist viel frische- Obst, Gemüse und mageres Fleisch empfehlenswert. llcberall dort, wo die Menschen von Schweiß und unangenehmen Dünsten belästigt werden, gilt das Kölnische Wasser unbestreitbar als köstliches Srfri.schungSmittcl. Don Unzähligen wird es jahraus, jahrein angewandt, ohne iraendwelche nachteiligen Folgen — und doch gibt es Personen mit überempfindlicher Haut, di« im Sommer bei dem Gebrauch von Kölnischem Wasser besondere Dorsicht walten lassen müssen. Wenn derart überempfindliche Damen starker Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, dann Kölnisches Wasser aufspritzen oder leicht in die Haut einreiben, so kann es Vorkommen, daß daS Kölnische Wasser nachher unter der Einwirkung der verstärkten Schweißabsonderung und des starken Sonnenlichts gewissermahen in die Haut eingebrannt wird. Die Folge ist dann eine ausgedehnte bräunliche Verfärbung der Haut. Höchstwahrscheinlich beruht diese Erscheinung auf den im Kölnischen Wasser enthaltenen ätherischen Deien und Harzen, die die Haut solcher überempfindlicher Personen den Strahlen gegenüber empfänglich machen. 3m Verlauf von 2—3 Monaden gehen diese Verfärbungen gänzlich zurück; jedoch sollten Personen mit zarter Haut an fon» neureichen Tagen, sofern sie längere Seit über an Freien bleiben, mit dem Aufspritzen von „Eau de Cologne" auf unbedeckte Teile der Haut äußerst rorsichttg fein. Taten für Freitag, 13. Juli. Sonnenaufgang 3.59 Uhr, Sonnenuntergang 20.12 Uhr. — Mondaufgang 032 Uhr, Monduntergang 16.25 Uhr. 1816: der Dichter Gustav Freytag in Kreuzburg in Schlesien geboren; — 1870: Unterredung zwischen König Wilhelm von Creußen und Benedetti in Bad Cms; — 1874: Attentat Rullmann i auf Bismarck in ÄilfingeH;— 1878: Ende de» Berliner Kongresses; — 1889: der österreichische Dichter Robert Hamerling in Graz gestorben. Ser neue Settor der beff.LandeSllliiversM LU. Zum Rektor der Landesuniversität Gießen für die Zeit vom 1. September 1928 bis 31. August 1929 ist der ordentliche Professor für klassische Philologie Dr. Rudolf Herzog gewählt worden. preffefahri durch Oberheffen. Der geschäftSführende Vorstand deS D e r - kedrSbundes Oberhessen hat sich vor einigen Tagen mit der Veranstaltung einer zweiten Pressefahrt durch Ober» Hessen beschäftigt 3m Hinblick auf den vollen Erfolg der vorjährigen Veranstaltung dieser Art wurde einstimmig bdd)Lof|en, die Presscfahrt auch in diesem Jahre in die Wege zu leiten. Während die Fahrt im Sommer vorigen Jahres durch daS nördliche Oberhessen und den hohen Dogelsberg ging, soll die diesjährige Prcsfesabrt chren Ausgangspunkt in Dad-Aauhetm haben und von dort durch die Wetterau über D st di n gen, dann das Aiddertal aufwärts über Gedern nach Schotten führen, hierauf nach A i d d a und Dad-Salzhaufen gehen und von hier aus wiederum durch die Wetterau nach Butzbach geleitet werden, wo die '.fahrt ihr Ende erreichen wird. Für die Veranstaltung find der 2 5. und 2 6. August in Aussicht genommen, und zwar wird der Samstagnachmittag. 25. August, dem Deluche von Bad-Lauheim gewidmet sein, während der 26. August für die große Fahrt vorgesehen ist. Zur Seit schweben mit den beteiligten Drrwaltungslrellen der Städte Verhandlungen, von deren Ausgang eS abhänaen wird, inwieweit die Pläne des Vorstandes des DerlehrSbundes durchgeführt werden können. Gießener Wochenmarktprcise Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Sutter 180 bis 190. Watte 30 bis 35. Käse 60 bis 140 (10 Stück), Wirsing 20. Weißkraut 25, Rotkraut 35. gelbe Lüben 25 bis 30, rote Lüben 15, Spinat 25. Lömifchkohl 15 bis 2d Bohnen 90. Erbten 20 bis 35, Wilchgemüse 15 bis 20. Tomaten 50 bis 100. Swiebeln 17 bis 20. Rhabarber 15, Pilze 40. Kartoffeln 5 bis 6. Kirschen 40 biS 60, Heidelbeeren 45 bis 50, Stäche lb«ren 25 bis 30, Johannisbeeren 30 bis 40. rrdbeeren 60 bis 80. junge Hähne 100 biS 120, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund, Gier 13, Blumenkohl 15 biS 100. Salat 5 bi- 10. Salatgurken 20 bis 50, Ober- Kohlrabi 8 biS 15 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 10 biS 15 Pf.; Himbeeren 70 bis 80 Pf. daS Pfund. Boruotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Oberhefsifchc Gesellschaft für Ratur» und Heilkunde: Vortrag von Prof. Dr. De de: .Der gegenwärtige Stand unserer Kenntnisse vom Germanium", im großen Hörsaale deS Physik. 3n- stitutS. abends 8,30 älhr. — Linn^-Vortrag, Prof. Dr. S. Küster: .lieber die Rose", im Botanischen HörsaaL 8,30 Uhr. — Lichtspielhaus. Bahnhoi strafte ..Liebeuri". — Astoria- Lichtspiele: ,Gddh Polo". — Oberhessische Diehversiche- rungSanstalt. 3m Anschluß an die Qlntün- digung in unserem Anzeigenteil sei noch einmal daraus hingewiesen, daß am nächsten Sonntag, 15. 3uli. 1 älhr nachmittags, im Cast Leib in Gießen eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt findet. Die Versammlung ist, wie man uns schreibt, auf Grund des 8 13 der Satzung (Anttag von Mitgliedern) einberufen und wird sich mit dem Stand der Kasse, der Geschäftsführung und weiteren Verwaltung befassen, so daß eS für die Mitglieder von erheblichem 3nter* esse ist, daran leilzunehmen. CU. Reue Profess oren an der Hess. Lande-universität. Der orbentL Professor für Pharmakologie an der Medizinischen Akademie Düsseldorf und Direktor des Pharmakologischen 3nftitutS, Dr. Fritz Hildebrandt, hat den an ihn ergangenen Ruf an Stelle das emeritierten vrdentl. Professors Geh. Medizinalrat Dr. 3uliuS Geppert angenommen. — Der Privatdvzent für physikalische Chemie und physi» kallsch-chemische Technik, Dr. Hugo Stintzing, ist zum außerplanmäßigen außerordenllichen Professor ernannt worden SIU. Probevorlesung in der Uni» d e r f i t ä t Etudienrat Dr. Phil. Hermann L a u t e n s a ch, der sich für daS Fach der Geographie au habilitieren wünscht, wird am Freitag, 13.3uli, 16 Uhr, in der Kleinen Aula, Ludwigstrahe 23, eine Probevorlesung über: .Portugal als geographisches Individuum im Rahmen der 3berischen Halbinsel" halten. •• Besuch eines deutsch-amerikanischen Führers in Gießen. Heute vormittag ist der feit seinem Besuche vor zwei Jahren in Gießen in bester Erinnerung stehende Herr Georgt Seidel aus Pittsburg im Staate Pennsyloanien mit seiner Gattin hier eingetroffen und bei einer befreundeten Familie abgestiegen. Die Boreltern George Seibels stammen aus Dudenhofen bei Darmstadt. Seine hessische und deutsche Heimat hat er niemals vergeßen und sich während des großen Krieges als guter Freund des Deutschtums bewährt. Seine beiden Dorträge, die er bei feiner hiesigen 'Anwesenheit vor zwei Jahren in deutscher und englischer Sprache in der Universität hielt, sanden bekanntlich großen Beifall. Herr Seibel, Rezensent und erfolgreicher Schriftsteller in Pittsburg, ist Rational-Präsident des „American Turnerbund , d. h., der großen deutsch- amerikanischen Turnerschast, als deren Haupt er mit vielen Tausenden seiner Tumbrüder am bevorstehend den deutschen Turnfest in Köln teilnehmen wird. Er ist Inhaber der Ehrennadel der beiden Gießener Turnvereine und hat diese Radeln zur Freude feiner hiesigen Tumfreunde auf dem großen deutschen Turnfest in Louisville in Kentucky im Juni lw26 aetragen. Der herzliche Willkommengruß weiter Kreise unserer Bürgerschaft gilt dem hochgeschätzten Landsmann George Seibel und feiner Gattin. *• Die Heilstätte für Tub erkulose der oberen Luftwege. Der Bau dieser neuen Heilstätte des Hessischen Landesverbandes zur Bekamp- fung der Tuberkulose (Heilstättenverein) ist weiterhin in erfreulicher Weife oorangeschrktten Die Heilstätte wird bekanntlich auf der sog Schönen Aussicht hinter den Grundstücken "des £upusbnms enachtet. Die feierliche Grundsteinlegung zu dem neuen Bau soll am Mitwoch nächster Wache ftattsinden. ’• Die Stadtverorbnetensitzung am morgigen Freitagnachmittag beginnt nach neueren Dispositionen der Stadtverwaltung nicht um 5 Uhr. fondem bereits pünktlich um 4 U b r. 3n einem Nachtrag zur Tagesordnung ist für die öffentliche Sitzung auch der Baugeländestreit zwischen der Stadt und der Allgemeinen Ortskrankenkasse auf die Tagesordnung gesetzt worden. *• Die Bautätigkeit in der Frieden», ft r a 6 e. Seitens der Kriegersiedlung werden im An- schloß an die dort stehenden Wohnungsbauten zwei weitere Baublöcke mit je Aöö.f Wohnungen zur Ausführung gebracht. Die ■Robbauarbeiten werden von derBauhü11e und der Firma P f a f f S- C o.. dahier, hergestellt und sollen noch in diesem Bau- sommer vollendet werden. ** Vom Botanischen 3nstitut. Die diesjährige Linn^feier findet in der üblichen Weise heute, Donnerstag. 12.3uli, abends 8,30 Hfcr. im Botanischen Hörsaal statt. (Eingang Brandplatz, durch den Botanischen Garten.) Prof. Dr. Küster wird .lieber die Rose" sprechen. Sutritt für jedermann. •• Anlagen musik findet morgen, Freitag, um 18 Uhr durch da» Musikkorps deS I. (Hess.) Bataillons bei günstiger Witterung in der Süd» anlage statt. Leitung: Obermusikmeister Löber. Die Mufillolgc ist: 1. Armeemarsch II, Str. 45a, .S^>anmarsch", K. Lange; 2. Ouvertüre zur Oper .DHignon", A. Thomas; 3. .5königsmarsch". R. Strauh; 4. Groye Fantasie aus dem Musik- drama .Die Walküre". R. Wagner; 5. Armeemarsch I, Ar. 27. .Der Koburger". •• Der Derkehrsverein Gießen hielt gestern abend unter der Leitung seines Vorsitzenden, Stadtv. Schwieder. im .Bayrischen Hof" eine Generalversammlung ab, die leider — Wohl infolge des außerordentlich schönen (Som- merabends - nur einen schwachen Besuch zu verzeichnen hatte. Auf der Tagesordnung stand die Beratung von Vorschlägen über die Fvier des 25jährigen Bestehens des DerkehrSvereinS. Die 3ubiläumSfeier soll Anfang Oktober begangen werden. 3n mehrstündiger, sehr gründlicher Aussprache wurde nach Kenntnisnahme von zwei Vorschlägen des Vorstandes insbesondere die Frage der Kostendeckung für die geplante Feier besprochen. Da die ohnehin schon knappen Geldmittel des Vereins nur für die Swecke der DerkehrSwerbearbeit verwandt werden können, wird die Veranstaltung einer 3ubiläum8feier nur dann möglich sein, wenn es gelingt, durch Sonderleistungen der an der Verkehrs Werbearbeit besonders interessierten Kreise unserer Bürgerschaft und der Stadt eine finanzielle Grundlage zu schaffen, auf der die Durchführung der 3ubi- läumsveranstattung aufgebaut werden kann. Es wurde schließlich eine Kommission von 11 Mitgliedern bestimmt, die mit der Stadtverwaltung und den wirtschaftlichen Faktoren unserer Stadt (Handel, Gewerbe und 3nbuftrie) sofort Fühlung aufnehmen soll über die Hergaoe einer besonderen Geldspende zur würdigen Herrichtung der 3ubiläumdfeier, die in hervorragendem Mähe zu einem Derkehrstag auSgestattet werden soll, von dem man sich auch einen Vorteil für die Geschäftswelt verspricht. 3m Hinblick auf die stete uneigennützige Arbeit deS Verein-, die nur dem Gemeinwohl zugute kommt, darf man wohl hoffen, daß dem Derkehrsverein bei dieser Gelegenheit auch ein besondere- Entgegenkommen zur Herrichtung einer würdigen Feier der Vollendung des ersten Diertel- jayrhundertS seines Bestehens gezeigt wird •• Steuervortrag. Am Montagabend hatten die 3ndustrie- und Handelskammer, die Handwerkskammernebenstelle, der OrtSgewerbe- verein und der Hausbesiherverein Gießen ihre Mitglieder in daS ®afe Leib zu einem Dortrag über ,Einheitsbewegung, Vermögens- und Gewerbebesteuerung" eingeladen. Kommerzienrat rat Klingspor, der die überaus gut besuchte Versammlung leitete, erteilte nach kurzen Bc- grüßungsworten dem Referenten im Landes- finanzcnnt Darmstadt, Oberregierungsrat Dr. K a d e 1, das Wort zu seinem Vortrag. 3n fast zweistündigen Ausführungen verstand der Vortragende es, nicht nur die Aufmerksamkeit der 3u- hörer bei diesem an und für sich spröden Stoff au fesseln, sondern auch in tiefschürfender Sachlichkeit die neuen Steuergesetze der Einheitsbewertung. ihre Entstehung. Rotwendigkett und An» Wendung und die Schwierigkeiten der Steuer- erllärungen verständlich zu machen. Es ist sicher, daß die Ratschläge und Richtlinien, die der Redner entwickelte, manchem Handwerker oder Gewerbetreibenden trotz deS nahen Termin- der Abgabe der Steuererklärungen von hohem Ruhen gewesen sein wird. Kurz vor 11 Uhr mußte Oberregierungsrat Dr. Ä a bei seinen Vortrag abbrechen, da inzwischen eine ganze Anzahl schriftlicher Ankraaen abgegeben worben waren, die — wie vorgesehen — durch den Vortragenden beantwortet wurden. Lebhafter Beifall bracht« dem Vortragenden den Dank der Versammlung 3um Ausdruck. ** Sine Aordse«-3nsel-Fahrt veranstaltet daS Reisebuveau der Hamburg—Amo- rika-Linie Frankfurt a. M vom 22. bi- 29. 3ull. Die Fahrt führt von Gießen nach Hamburg, anschließend Bellchttaung der Stadt, sowie Hafenrundfahrt, Dampferfahrt nach Helgoland, An»- rum und der 3nsel Föhr. Rückkehr nach Hamburg und wieder nach Gießen. Lähe» Auskunft und Anmeldungen bei dem Reisebüro« Loeb. Vertretung der Hamburg—Amerika-Linie. Siche heutige Anzeige. Bon der Lahn. Heutige Wasserwärm» der Lahn 21 Grad EolsiuS. Vermischtes. Der älteste Mann ber Wett. Die türkischen Seitungen hatten vor einiger Sdt den in Konstantinopel lebenöen Soro Aga, der 153 3ahre att ist, als den ältesten Mann der Wett gefeiert, und sein Ruhm hatte in der ganzen europäischen Prelle Widerhall gefimbtn. Run meldet sich aber ein französischer Korrespondent tn Sarajewo und behauptet, er habe in der Herzegowina ehren noch älteren Mann entdeckt, und dieser sei mm wirklich der äüefbt Mensch auf unserem Planeten. Er heißt Tadi- scha Mustafitsch und lebt in dem Dorfe Polvg m der Lähe des Mostar^ees in einer der malerischsten Gegenden des von aller Wett abgeschnittenen Landes. Sin großer Schlamms««, der völlig guStrocknel, wenn der Frühlwg zu Ende gebt, trägt m drei Monaten schöne Ernten und füllt sich dann mit allen Gewässern der Umgegend bis zum nächsten Frühling. 2Tadischa Mustafttsch ist 155 3ahre alt. er ist im 3ahre 1773 geboren. Er hat die Sriirnerung an viele alte Ereignisse bewahrt; er erzählt, wie im 3obre 1804 bei dem serbischen Aufstand gegen die türkische Unterhrüdung mit Karageorg zahlreiche seiner Landsleute auS der Herzegowb«. wichen und nach Serbin hinübergingen, um sich diesem Führer anzuschließen. Seit jener Seit war man hx seiner Heimat fest überzeugt, daß daS Ende der türkischen Herrschaft herannahe, und es ist eine besondere Freude für den alten Mann, daß er dieses noch erlebt hat. Tadischa Mu statisch hat immer ein sehr regelmäßiges Geben geführt, daS vor allem der Arbett auf dem Felde gewidmet war. Er hat durch alle die 3abve eine gleichmäßige gute Laune bewahrt und sich immer vor allzu großen Erschütterungen durch Freude ober Leid behütet. RiemalS in seinem langen Geben ist er krank gewesen, und er hat wenig Alkohol getrunken, aber er bekennt, daß et bis zu seinem 100. Lebensjahr „die Frauen leidenschaftlich geliebt habe". 3n seiner Familie hat es schon mehrere Hundertjährige gegeben: fern jüngster Sohn ist kürzlich im Atter von 103 Jahren gestorben. Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Dießen, 11. 3uli. Unter Ausschluß bet Oeffentlichkeit verhandelte das Gericht gegen einen bisher unbestraften verheirateten Landwirt und Bäcker wegen SittlichkeitSverbrechenM. Er wurde beschuldigt, sich in den letzten 3ähren an seinem Mündel wiederholt unsittlich vergangen zu haben. Rach mehrstündiger Beweisaufnahme verkündete daS Gericht nach Wiederherstellung der Öffentlichkeit da» auf Irei- fprechung lautende Urteil. AuS der Urteilsbegründung ging hervor, daß sich das Gericht nicht ausreichend von der Schuld bei Angellagton überzeugen konnte. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsoerkündigungsblatt Nr. 50 vom 10. Juli enthält: Polizeioerordnung über di« Entwässerung der Grundstücke in der Gemeind« Daubringcn. — Straßensperre. — Wahl der Kreis- tagsmitglieder. — Ordentliche Sitzung des Kreistages. — Verzeichnis über Personen, die ihre deutsch« Staatsangehörigkeit verloren hoben. — Aufnahm« der taubstummen und blinden Kinder tn staatlichen Anstalten. Das Verhallen von Schülern bei Eisenbahnfahrten. — Warnungstafeln für den Kroftfahr- zeugverkehr — Feldbereinigung Ettingshausen. — Dienstnachrichten. Tausendfach bewährte k Nahrung bei' Brechdurchfall, 'Krdemehn/ig Diarrhöe, Darm Katarrh,etc. B M Greiling Typ 5 ist eine Sensation. Der fabelhafte Geschmack, der vollkommene Rauchgenuß, das ganz neue, gesetzlich geschützte Mundstück erregen bei allen Feinschmeckern höchste Bewunderung. Schon wenige Tage nach der Einführung werden bereits Millionen tägl. geraucht. Kein Raucher kann sich den Vorzügen dieser neuen 5 - Pfennig - Zigarette auf die Dauer verschließen. waschen und baden. Das Kind wird es ihr eins! danken, weil ihm dadurch spätermancheSorgeum die Erhaltung seines guten Teints erspart bleibt. Nivea- Kinderseife ist überfettet und nach ärztlicher Vorschrift besonders für die empfindliche Haut der Kinder hcrgestellt.-Preis 70 Pf. In den ersten 10 Jahren sollte jede Mutter ihr Kind nur mit der re inen, milden NIVEAUS Sonnengebräunt wirdlhr Körper wenn Sie ihn vor Luft- und Sonnenbädern, vor Fahnen und Wanderungen rnfl NfVEA-CREME cinreiben. Nivea-Creme verstärkt die bräunende Wirkung der Sonnenstrahlen und vermindert die Gefahr schmerzhaften Sonnenbrandes; eie allein enthält das hautpflegende Eucerit Aber trocken muß Ihr Körper sein; Sie dürfen ihn niemals naß den Sonnenstrahlen aussetzen. Dosen M 0.20 bis 1.20 / Tuben aus reinem Zinn M 0.60 u. 1.00 Gießen, den 12. Juli 1928. Von Beileidsbesuchen wird gebeten abzusehen. 05151 Smst Gommerlab, SestHer 5925D 05143 7 WW Reiskirchen, den 12. Juli 1928. 05150 MW Per 1. August Wiche - Lanier lerl . Per 1. 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'Beim Versuch, cm hiel g.r Pferd vor- Duhöngen, schlug dieses aus und trai den jungen Hann, der gerade die Kette befestigen DvlUc unglücklicherweise mitten int ® t • sjch, Steven einem Bruche des Aasende ins trug der Bedauernswerte noch mehrere ! schwere Wunden davon Aach Anlegung Eines Notvetbandes wurde der Dcrlehte nach Hause gebracht. Das sonst ruhige Psctd must durch die sehr starte llngez.eerplage zu seinem AuSschlag veranlaßt toorben sein. Starkenburg. WSA. Darmstadt. 11. Juli. Sin aus- regender Dorsal! spelte sich gestern auf der Aheinslrabe ab. Sin im hiesige.' Untersuchungsgefängnis wegen Spionagever- dachiS inhaftierter Mann war zur Untersuchung einem Spezialatzt vorgeführt worden. Als der UntersuchungSgesangene mit dem Straf- an statt« Wärter die Treppe der Arztwohnung herabging, drehte er sich plötzlich um. warf dem Beamten ein beizendes P a lver ins Gesicht und versuchte zu fliehen. Trotzdem der Beamte geblendet war. stürzte er ihm laut rufend nach Die Straßenpassanten wurden aufmerksam, nahmen die Verfolgung des Flüchtttngs auf und f i n g e n i h n a l s b a l d ein. Sin herbetgerusener zweiter Gesüngnisbeamter führte alsdann den Ausreißer mit Handschellen ab. Der GcfängniS- beamte muhte sich wegen beS inS Deftcht ge- worfenen atzenden Pulvers sofort in dt? Behandlung eines Augenärzte- begeben. Preußen. Ureis Wetzlar. WSA. Wetzlar, 11. Juli. Der Händler Levy auS D e r d v r f fuhr mit seinem Fahrrad« in Derdors in voller Fahrt gegen ein aus Herborn stammendes Personenauto- mobil 6r wurde durch die Windschutzscheibe geschaudert und stürzte auf die Steuerung. Die Gla-spliiter der Scheibe brachten ihm gefährliche Schnittwunden im Gesicht und am Halse bei; auch erlitt er einen schweren komplizierten Armbruch. Der Lhaufseur trug schwere Schnittwunden davon, konnte aber den Schwerverletzten in das Krankenhaus zu Ehringshausen bringen. Levys Verletzungen stellten sich hier als äußer st schwer heraus, so daß sein Zustand zu Besorgnissen Anlaß gibt. Auf wessen Seite die Schuld liegt, konnte noch nicht sestgestellt werden. O A iederkleen. 11. Juli. Don einem Unfall wurde die Tochter eines hiesigen Landwirts und Müllereibesitzers betroffen. alS sie sich mit einem Kuhfuhrwer? auf dem Aach- Hausewege auS dem Felde befand. Durch _ ein vorbei fahren des Auto scheuten die Kühe und gingen durch DaS Mädchen bemühte sich, di« Kühe durch «Mtaalten an der Leine zum Stehrn zu bringen, tt jbei es zu Fall kam und erhebliche Derletzungen am rechten Bein davontrug. SS muhte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Julius Hofmann f. Das Deutschtum in den Bereinigten Staaten von Aordamerika hat einen empfindlichen Verlust erlitten. Am 19. Mai 1928 erlag, wie im .Gieß Anz." vom 2.3uli bereit« kurz berichtet wurde, einem wiederholten Schlaganfall Julius Hofmann. Pfarrer an der Deutsch- Svangelischen ZionSgemeinde in Baltimore, Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Landesuniversität. Srst im Januar war et von einer mit seiner Gattin unternommenen mehrmonatigen Suropareise zurückgekehrt. Am 9. April 1865 zu Friedberg geboren, besuchte Hosmann nach der Liebersiedluna seiner Eltern nach Gießen zuerst die Realschule, dann da« Gymnasium. Aach der Reiseprüfuna Ostern 1885 widmete er sich dem Studium der Theologie. Die Fakultät-Prüfung bestand er Ostern 1889, worauf er in das Predigerleminar in Friedberg eintrat. Bereits im Herbst folgte er durch Vermittlung eine« älteren Gießener Freundes einem Rufe al« Pfarrer (zunächst Hilssprediger) an die Deutsch-evangelische Zivnsgemeinde in Baltimore, do er nun n^ch beinahe vierzigjährigem segensreichem Wirken, mitten aus der Arbeit, aus dem Kreise der Konfirmanden herausgerissen, zur ewigen Ruhe gegangen ist. In der strengen Schule Hermann Schillers, dem er stets dankbare Erinnerungen bewahrte, beranwachsend, war er (.Deowulf ) Mitbegründer des Wikingerbundes, eine« Lchülerlesekränz- chen«. da« die Beschäftigung mit der germanischen Götter- und Helsensage und die Blütezeit der deutschen Literatur um 1800 pflegte (die .Gießener fiamtlienblätter" brachten darüber im Jahre 1907 anläßlich der 302-Jahrfeier des Landgraf-Ludwig-Ghmnasiums einen Aussatz). Hervorragend waren schon des Obersekundaners Aufsätze und Vorträge. Als Student an der Gründung der damaligen Reform-Burschenschaft Arminia beteiligt, wirkte er eifrig für die Vertiefung des Gedankeits der Rückkehr zu den Zielen der Alten Burschenschaft. Hofmann war ein vielseitig veranlagter Mensch. Rur schweren Herzens verzichtete er darauf. Schauspieler zu werden; hervorragende Vertreter der Kunst hatten seine Begabung anerkannt. Manche Gießener werden sich noch seine-.Luther" in HerrigS Festspiel erinnern, das 1886 von Studenten in der Stadtkirche wiederholt aufgeführt wurde. Die oft hat er kleine und große Kreise durch seine .Faust"-Rezitationen entzückt! Er besaß einen wundervollen Bariton (Mitglied bc« Kronbauerschen Quartetts) und zog. lange vor Einsetzung der Wandervogelbewegung, gern mit der Guitarre an der Spitze der „Putschen" zu Gießens Toren hinaus. Er war Maler und Zeichner und in mancher Handwertstätigkeit äußerst geschickt. Auch als feiner Lyriker hat er sich ausgezeichnet, und wissenschaftliche Forschungen haben ihn bis zum lebten Atemzug beschäftigt Als Prediger und Redner genoß er einen ausgezeichneten Ruf, Französisch und Englisch beherrschte er in Wort und Schrift. Eigenartig war sein Humor, der sowohl in seiner Lebenshaltung zutage trat, als auch in Zeichnungen und Versen Blüten trieb. Mit einem reckenhaften Aeußeren verbanden sich bei Üjm gewinnende Umgang «formen; mit aller Welt in Dießen war er bekannt, für die ausländischen ®tubenten besaß er eine besondere AnziehungS- fcaft. Höchsten Ruhm jedoch hat er sich dadurch erworben, daß er eine nicht geringe Zahl Lands- Icutc die durch eigene Schuld im Vaterland zugrunde gegangen wären, in der Reuen Welt auf die rechte Dahn gebracht hat. Tom Beginn seiner Tätigkeit kn Baltimore an , t Vorkämpler deS I heutig»tums. Grausame Pri ungen verhängte über ihn der Weltiteg, beio..;ers nachdem sich die Bereinigten Staaten von Aordamerika unseren Gegnern angeschlossen hatten. Aach Frie- denSschluy war «ein HauS wieder eine Gaststätte iur zahlreiche deutsche Gelehrte, die zum Studium de» amerikanischen Lebens hinübergingen; rüh» rcnZ> wußten besonders manche Werkstudenten von der Aufnahme im deutschen Pfarrhaus in Baltimore zu erzäh«en. Sin gtualiches Familienleben war ihm beschert. Mit der Gattin, den Kindern und Enieln trauern um ihn viele diesseits und jenseits deS großen MeereS. Elektrische Schlachtviehbetäubung. WSA Die elektrische Schlachtvieh- betäubung wurde dieser Tage im Schlachthof in Frankfurt a. M. einem größeren Kr *i» von Interessenten vorgeführt. Es Handei: 'ich um einen von Ingenieur Weinberger, München, ionftruierten Apparat, der unter Anwendung niedergespannter Ströme, sog. Leducscher Ströme, mit einerStärke von etwa 40 bi« 50 Doll in wenigen Sekunden eine völlige Betäubung der Tiere hervorzurufen vermag. Die Art der De- täubung, die in erster Lime bei Schweinen vorgeführt wurde, erfolgt ähnlich wie bisher mit dem Schußapparat; die Tiere werden in die sog. Schwernfaile getrieben, die mit einem Pol der elektrischen Leitung verbunden ist, der andere Pol der Leitung befindet sich in einer sog. Schaltstange, mit der der Kopf de« Tieres berührt wird. Sofort nach Berührung mit der Schaltstange scheint das Tier in einen Schlaf zu sinken, der nach etwa fünf Sekunden so tief wird, daß die Dlutentziehung vorgenommen werden kann. Der ganze Vorgang geht so ruhig und lautlos vonstatten, daß der Eindruck einer ein» wandfreien'u nd denkbar schonungsvollen Betäubung gewonnen wird, die allen Anforderungen des T.er schütze« gerecht zu werden scheint. Auch die Entblutung der Tiere ist dabei eine sehr vollkommene, Vorzüge, die insbesondere für die Haltbarkeit des Fleisches von Bedeutung sind, die um fv größer ist, je besser die Ausblutung erfolgt. Um darzutun, daß e« sich bei Anwendung des elektrischen Stromes nur um eine Betäubung und nicht, wie bei dem Schuhapparat, um eine Tötung handelt, wurde bei einem stark betäubten Tier die Stromzuführung eingestellt, nach einigen Minuten wachte das Tier wieder auf und erholte sich in kurzer Zeit, ohne irgend welches Unbehagen oder.Angstgefühl zu zeigen. Die Versuche sollen später fortgesetzt ©erben, um zu prüfen, ob ein derartiges Verfahren auch die Anforderungen eines Großbetriebes erfüllt. Die Vorführung wurde hauptsächlich dadurch veranlaßt, daß bei der bisherigen Verwendung deS BolzenschuhapparateS, die im übrigen ebenfalls allen Forderungen deS Tierschutzes nachkommt, mitunter Blutungen in dem Fleisch der Schweine auftreten, die bann manche Stücke im DerkaufS- toert mindern. Es kann angenommen werden, daß derartige Uebelftänbe bei bet elektrischen Betäubung vermieden werden. 3m Anschluß an bk Betäubung bet Schweine wurde der Apparat auch bei Großvieh zur Anwendung gebracht. Wenn auch die Wirkung des elektrischen Strome- hier ebenso plötzlich ernt rat, wie bei den anderen Versuchen, so sind hierbei die Vorbereitungen immerhin umständlicher, so daß für den Großbetrieb der Tötung mit dem Schuhapparat, bet hier zu keinerlei Klagen Anlaß gibt, vorläufig der Vorzug zu geben fein wird. Aach den Vorführungen gab bet Konstrukteur des Apparate- nähere Auskünfte über dessen Bauart und die Wirkungsweise der niedetgespannten elektrischen Ströme, au deren genaueren Erforschung aber wohl auch nach Ansicht der anwesenden Physiologen noch weitere Versuche erforderlich sein werden. Atteriumsfunde — ein Mißtrauischer. Da- Interesse, wie es in früheren Zeiten in unterem Vaterland und m unterer Gegend au«- sah, hat erfreulicherweise wesentlich zugenommen. Die Ermittlungen sind jedoch schwierig. Die schriftlichen Urkunden gehen nicht weit zurück, lieber t*’-* Zeit vorher geben un« die Bodenkunde Auskuni» Jeder bearbeitete Stein ist dabei von Wert und .tte stets dem Denkmalpfleget — für Oberhessen Professor Helmcke in Gießen — angemeldet werden. Eine Zerstörung derartiger Steinurkunden, au- denen der sachverständige Forscher viel herauslesen kann, sollte niemals vorkommen. Doch wie geht es manchmal! Davon ein Beispiel. In den 80er Jahren luchte ich, soweit meine beschräickten Mittel eS zuließen, ab und zu schöne Altertümer zu erstehen. AuS erster Hand waren sie schwer zu bekommen. Sobald man etwas derartige« haben wollte — ich spreche hier im allgemeinen, nicht nur von Bodenkunden - wähnte der Besitzer, man wolle ihn über das Ohr hauen, oder forderte unsinnig. In selbst unbedeutenden Gegenständen glaubte er em Vermögen zu besitzen. Da muhte man sich schon an einen Altertum-Händler wenden. Aber auch hier schwankten die Preise sehr. AlS ich in einem Fall zu dem alten Rothenberger sagte, ich würde an einem billigeren Tag wieberkommen, meinte er: „Sie wissen gar nicht, wie schwer es ist. ein gutes Stück zu bekommen!" Dabei griff er in die Schublade seines Ladentisches und legte da- Bruchstück eines „Donnerkeils" vor mich. Mancher Cekr wird fraacn: „Was ist das — ein Donnerkeil?" Donnerkeil wird in hiesiger Gegend ein bearbeiteter Stein in Keilform genannt, wie er sich manchmal, meist in der Erde, findet. Man glaubte, er sei bei einem schweren Gewitter vorn Himmel gefallen. In ander en Gegenden werden damit die ähnlichen spitzkonischen Reste auÄgeftorbener Tintenfische der Jura« und Kreideperiode bezeichnet. Daß auch im letzteren Fall Aberglauben mit der Bezeichnung „Donnerkeil" verbunden ist, geht daraus hervor, daß diese auch „Teufelfrnger" genormt werden. Das von Herrn Rothenberger vor mich gelegte Stück war ein Teil eines richtigen, von der Wissenschaft als „brettnadig“ bezeichneten Steinbeil«, 6 Zentimeter breit, vorn beilartig, hinten konisch verlausend. SS bestand au« blaugrauem Quarzit, und hatte vorn eine etwa« geschweifte Schärfe, welche durch kleine Scharten noch die Spuren der Benutzung zeigte. Das fehlende Stück lief augenscheinlich spitz zu. Der Stein war fein poliert. Daraus ging hervor, daß er aus der jüngeren Steinzeit — etwa 2000 Jahre vor Christi Geburt — stammte. Gefertigt konnte er im Vogelsberg oder Spessart kein, wo Quarzit vorkommi. Im hiestgen Museum im Alten Schloß am .^unzlciberg ftnb derartige toohlerhaltene Stücke zu lehen. - Wozu der Donnerkeil gebient Hal? Vielleicht al« Handwerkszeug, al» Meißel vielleicht als Beil, vielleicht al« Walse. Dann war er in einen gespaltenen Holzstiel eingeklemmt und in diesen mit Tiersehnen erngrichnürt. Derartige Wieder- Herstellungen finden sich auch im hiesigen Museum. Aber da- mir vorgelegte Beil war kaput. Schade, schade? Da sagte Rothenberger: „3a, sehen Sie. vor etwa 8 Tagen kam ein Dauer mit dem unverletzten Donnerkeil und fragte, ob ich ihn vielleicht kaufen wolle? Da er so schön war. bot ich dem Bauern einen Gulden. Der Mann guckte mich verwundert an. betrachtete seinen Donnerkeil von allen Seiten, packte ihn schließlich 'orgfältig in fein Taschentuch und ging. Gestern kam er wieder. Der Donnerkeil war in zwei Stücke gesprengt. ..Ja, sage ich. was haben Sie denn mit dem Stein gemacht?" Zuerst wollte der Dauer mit der Sprache nicht heraus. Aach langem Hin und Her gestand er endlich: ..Wie Sie mir für den Staa (Stein) n* Guide bote, muhte ich erst gucke, was drin st a a t (steck te)!" So hatte er ihn mit einem Schmiedehammer zertrümmert. Die Gewalt, mit der das geschehen war, konnte man an den breiten Vertiefungen auf der polierten Fläche deS ungemein festen Stein« sehen. Zur Enttäuschung, daß im Stein kein Gold oder dergleichen war. kam die zweite, daß Herr Rochenberger den Donnerkeil nun nicht haben wollte. Schließlich nahm er ihn -war. er muh aber nicht viel dafür bezahlt haben, denn ich bekam die größere charakteristische Hälfte für 50 Pf. Ich besitze sie noch und erzählte manchmal die Geschichte vom mißtrauischen Bauer. Als Kuriosum. aber auch al« Warnung und Mahnung sei sie der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Wie eS so geht, fällt mir dabei eine andere Geschichte ein. die mir und meinet Frau der Dom-Goldschmied Brems in Trier erzählte. Zu dessen Vater brachte ein Dauer ein Stück Achat mit einer lateinischen Inschrift. Er hatte es in seinem Garten gefunden. Bei näherer Unter» suchung erwieS eS sich alS da- Rezept eine« römischen Augenarztes. BremS verkaufte den Achat für etwa 25 Taler an einen Altertumsforscher in Köln. Den genauen De trag haben wir vergessen. Er ging durch mehrere Hände und kam schließlich für übet 100 000 Mk. in das Britische Aluseum in London. Es war ein sehr seltenes Stück, einzig in seiner Art. Dieser schlechte Handel. fügte Herr Brems hinzu, habe seinem Vater am Heiden genagt und zu seinem frühen Ende beigetragen — Man sieht. eS empfiehlt sich, stets einen unparteiischen Sachverständigen zu Rat zu ziehen, auch wemt es sich nicht um ein so kostbare- Stück wie den römischen Achat handeln kann. K. 15 Zahre Zuchthaus für den Llebernthaler Mdchenmörder. WSA. Limburg, 11. Juli. Zu Beginn des heutigen dritten Cßerban&lung«tage« im Mord- prvzeß Peter wurden zunächst die Sachverständigen vernommen. Der Frankfurter Gerichtsarzt Professor D o r k a st n e r hat die Leiche der Ermordeten seziert. Damals war man im Zweifel, ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorlag. Daß das Mädchen nicht im Wasser erstickt fein könne, habe sich daraus ergeben, daß bet Magen vollständig teer gewesen sei. Alle Umstände, insbesondere ein kleines Druckmai am Hals und die Rötung der Pupillen, deuteten darauf hin, daß es sich um einen Tod durch Erst icken handle. Vieles spreche dafür, daß dieser Erstickungstod durch Würgen hcrvorgc- rufen sei. wenn daS auch nicht absolut sichet seststehe. Der Angeklagte behauptet bekanntlich, die Pfeifer habe ein Stück Zucker im Munde gehabt, das in den HalS gerutscht sei. Dadurch, und nicht durch feinen Griff fei da- Mädchen zu Tode gekommen. GerichtSchemiker Dr. Popp ergänzte noch feine Aussagen an den beiden Vortagen. Der Marburger Psychiater Professor Dr. Jahrmätker hat den Angellagten m seiner Anstalt auf feinen Geisteszustand untersucht. Aach seinem Gutachten ist der Angeklagte für seine Tat voll verantwortlich zu machen. Der § 51 liege nicht vor. Auch eine beschränkte Zurechnungsfähigkeit sei bei Peter, der ein vollkommen gesunder junger Mann, wenn auch jähzornig, sei. nicht gegeben. Das Gericht trat darauf in die Mittagspause ein, nach der die Plädoyers begannen. Staatsanwalt Dr. Hofmann, der zu Bcg nn seines Plädoyers darauf hinwies, daß augenblicklich im Linckurger Gefängnis vier Mörder lähen. sah durch die Beweisaufnahme als erwiesen an. daß die Tat nicht km Affekt, sondern mit voller ileberiegung begangen und auch vorbereitet sei. Der Angeklagte lei also des Mordes überfuhrt. Er beantragte die Todesstrafe. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dillmann, plädierte auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Es könne dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden, daß er die Pfeifer bei seinem Griff an den Hals habe töten wollen, noch viel weniger, daß diese Tötung mit Lieber- legung begangen sei. DaS Gericht zog sich zu einer zweistündigen Beratung >:rüd. Dann verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: „Der Angeklagte wird wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt." In der Begründung ließ bet Vorsitzende erkennen, baß da« Gericht sehr stark zu der Annahme neige, daß eS sich um einen vorsätzlichen, mit Ueberlegung ausgeführten Mord handelt. Dafür sprächen nSbesondere der einsame Spaziergang und das schnelle Fori- schaffen der Leiche. Gewisse Bedenken gegen diese Auffassung seien jedoch zutage getreten. Die Zweifel hätten zugunsten des Angeklagten entschieden, jedoch sei für die verwerfliche Tat des Angeklagten die höchste Strafe am Platze. Der Angeklagte nahm das Urteil getaHen entgegen. Berliner Börse. Berlin. 12. Juli. (WTD. Funkspruch.) Die zu erwarten war, reagierte bet heutige Früh- verkehr auf den flauen gestrigen Aeuyorker Börsenverlauf. Das Geschäft hielt sich, zumal heute Wedioliquidation ist, in engsten Grenzen. Man hörte Farben 258 bis 259 und Siemens 358 M« 359. » Vunies Allerlei. Der größte Diea- und Schiachthof Europa». Man kann !id) kaum einen Begriff von der 2Iu«gcXbntbetl der Anlagen machen, die ein« Weltstadt für den Vicddandel. für da« Schlachten der Tiere und für den Großhandel mit Fleilch besitzt. Die größten Anlagen dieser Art driitzt Berlin, das zu biefem Zweck ein Gelände von mehr al« 450 preußischen Morgen tur Beringung h.n und in ihr« 2ln Mt gewaltigste Anlage Europa« ist. Ueber 100 Gebäude, von denen verschiedene Flächen von 13 000 bi« 20 000 Quadratmeter etnnehmen, dienen den genannten x/.uecten. Ein eigener Güterbahndos mit einem Jahre«verkehr von mehr al« Z0 000 Waggons sorgt für den An- tranSpo.t der Tiere unb bc« Fletsche«. Zur Zeit beträgt der Jahreseingang über 1 552 000 Schweine. 533000 Achate. 238 530 Kälber und 172 000 Rinder. Außerdem laufen tn geschlachtetem Zustande noch etwa 64 000 Zentner Fleisch ein. In einem besonderen Vörsengebäub« bienen verschiebene kapitallrästige Banken leih mehr als 50 -Biebagenturcn bem Biebhanbel. Sie vermitteln das Vieh meist an Großschlächter, die da« Fleisch an über 4000 Labenschlächter weitergeben. Die Stabt bat setzt Den Reubau eine« modernen Hochschlachthause« für Schweine im Bauwert von rund 4 500 000 Mark beschlossen. Es wird dort der Versuch gemacht werden, amerikanische Schlacht- metboden dem deutschen selbständigen Schlächtergewerbe nutzbar zu machen. Au-ac- dehnte Kühlhäuser dienen dem Au-kühlen und der Konservierung deS Fleische«. Die hierfür vordtndenen Maschinenanlagen leisten 2 600 000 W E. pro Stunde. Diese Anlagen sind den heutigxN Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Die Erwetterung der Kühlbäuset um 5KXX) Quadratmeter ist deshalb beschlossen. Ebenso werben die Hallen bes Fleischgroßmarkte« noch in diesem Jahre um 8500 Quadratmeter vergrößert. Interessant ist daS Bild de« Fleisch- großinarites in den srühen Morgenstunden der Hauptmärkte, d. h. an den Montagen und Donnerstagen. Etwa 6000 Menschen widmen sich dem Handel. Zum Abtransport de« Fleisches dienen rund 1000 Fuhrwerke, von denen >/,' Automobile sein dürften. Auch die Verwaltung selbst besitzt einen Fuhrpark, der auf 16 Elektrokarren mit zahlreichen Anhängern und 8 Spezial- automobilen besteht. Eingehende Studien werben Kacht, um im Transportwesen den ständig lenden Anforderungen entsprechen zu können. Die hier an die Verwaltung herantreten den Aufgaben sind bei der AuSgebehntheit bei Geländes und ben großen zu bewältigenden Mengen nicht ganz ernfach Aber auch anbere technische Probleme der verschiedensten Art müssen gemeistert werben. Da» Grab eine» „alten ae vom hessischen ßonbiag beschlösse,^ <*e* icß vom 10. Mai 1928 stellt lieh die Aufgabe, für dre Zeit bis zur rcichsrcchllichen Regelung für die Gewerbesteuer eine Zwischenregelung von Landes wegen zu finden. Das Gesetz beschränkt sich daher aus das vteuerjahr 1928. weil mit dem 1 April 1929 mit dem Aeichsrahmeugesey für bic Gewerbesteuer gerechnet wird. Das tfeiett liebt aber in Art. 19 die Ermächtigung für die Regierung vor. die Geltungsdauer le ner Dorfchristen aus ein oder mehrere Steuerjahre zu erstrecken, lall» sich wider Erwarten da» genannte Aeichsgeset) ven^Skrn 'ollte Vas Gcwerbefteuergcled für 1928 stellt kein selbständige» Gewerb?teuergeletz bar sondern grundsätzlich gilt da» fksideriae hellilche Ge- >ir ndcumlagegefetz tom Z. August 1920 für bic staatliche und kommunale Gewerbesteuer werter, '»weit nicht unter Berücksichtigung der geänderten Wlrtichaltsverhältnisse die Vorschriften de» i.euen Gewerbesteueogesetze» treten Die Gewerbesteuer wird nach zwei Beran- lagung»grundlagen erhoben, einmal von hem nach den Vorschriften de» ReichsbewertunaS- »eletze» vom 10. August 1925 zu bewertenden steuerbaren Anlage- und Betrieb-kapital, fobann । on dem nach den Vorschristen de» AeichSein- 'oiiimensteuergesetzes und Körperschastsgesetze» zu rmitUlnben Ertrag de» Unternehmen». (®e- ^rbeertrog 1 Das Seiet) enthält gegenüber dem '«-itherigeii Gen.eindeumlagengesetz nicht mehr die Acfteuetunfl des land- und forstwissenschast- Uchen Anlage- unb Betriebskapital» Indent e» hiefe erheblichen Veraunstigungeii für die Land- Virtschalk ausrechterhält. welche chr in der Zwi- ^chenrsgelungci, der letzten Jahre bereit» zuae- standen wurden deutet es zugleich dadurch Die Einstige Entwicklung der Grundsteuer auf der Grundlage des da» Anlage- und Betriebsla- pital mit ilinsalsenden Cinheit-werle» des land- und forsrivillenlchaftlichkn Vermögen» an. We,- lere grundsätzliche Aendrrungen des leitherigen Gemeindeumlagengesetze» bestehen in der Aeu- faslung der Steuerbefreiungen und in der an- derweitigen Bemessung be» Besteuerungsmast- stabe» Gegenüber dem ®emehibeumlagengelen ilt der Schuldenabzug erweitert worden, auch wird dem sozialen Gedanken durch die Freigrenzen, durch D e g r e s s i o n unb Berücksichtigung der pers önlichen Arbeitsrente Rechnung getragen. Sine staatliche Gewerbesteuer wird nach dem Gesetz nicht erhoben, wenn da» Gewerbela- pital weniger al» 500 Vlark beträgt Die Gemein den sind mangel« einer entsprechenden gesetzlichen Vorschrift an diese Greivze nicht gebunden, sie !honen also eine Steuer vom De- a>erbekapital erheben, auch wenn diese» weniger al» 500 Mark beträgt. Bei dem Gewerbeertrag wird, wenn dieser weniger als 1200 Blark betragt, die staatliche Dewerbeertrags- Hcuer nicht erhoben Die Gemeinden können nach hier bei einem niedrigeren 6ttrage die Steuer erheben. 21 c u und wichtig in dem hessischen Bewerbest euergeletz ist die vom Landtag hereingebrachte Bestimmung in Artikel 2 Ziffer c, hast al» Gewerbebetrieb Im Sinn« dieses Gesetze» die Tätigkeit der sogenannten freien Berufe gilt, d h. die Ausübung be« Beruf» der Rechtsanwälte. Aerzte. Tierärzte, Zahnärzte, der staatlich geprüften Dentisten, sowie der Architekten. Geometer, Markscheider, der Heilgehilfen und Hebammen. Der Veranlagung der Gewerbesteuer vom Ge- iverbekapitai hab die für den Beginn b«s 1. Januar 1928 festgesetzten S i n he i t» w e r t e zugrunde zu legen. 3n gewissen besonderen Hallen kann eine Aeuveranlagung erfolgen. Mast- gebend für die Feststellung bc3 CDetocrbeertrage« ist das Ergebnis des Kalenderjahre« 1927. evtl, da« Geschäftsjahr. sofern diese» vom Äalenber- jahr abweicht. Mit bem neuen Gewerbesteuergesetz sollte nicht, nie die Regierung in der Begründung zu dem Geletzentwu^e angibt, die Absicht einer ©teuer- crtöoun-i verbunden sein, sondern da» Gesetz clt lediglich auf eine gerechtere Ver - Möwe im Sturm. Vornan von Sophie ttloech. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. .Politik? Steckt er dazwischen? — Hat er darum den wunderlichen Verkehr. Und spielte mit den .eilten? — Ich sah euch gestern abend durch das 2oggiafenftcr, Elen." ..Da hast nicht viel Lchoncs gesehen. Denk' nicht mehr dran. Ein Spielchen und ein Glas Seit — und da kam die Polizei dazwischen. Die politische, weiht?" Sie gähnte leicht. „Ach. immer solche häßlichen Sachen. Aber so Im ganzen, da bin ich recht »roh. daß wir da heraus lind. Puh, in meinen Kleidern sitzt immer noch der Moderdunst. Ich staub', in dem Wandschrank, wo sie hängen muß- ten, hat man mal Leichen aufgehoben." „Pfui, was für Gedanken!" „9a. in Venedig ist allerlei geschehen in den ulten Zeiten. Und was die Augen nicht mehr sehen, das spürt die Nase noch." ..Jetzt schweigst du." r ä _ „Wann werden wir in München fein? sagte der Fredi nicht, am Nachmittag? Schön werden wir aussehen. Nicht einmal die Haare konnte mir die ©iulietta noch richten. Nur das Diadem ber- außgeriffen und den 5)ut darüber und fort. Wir müssen ein geschlossenes Auto nehmen, daß uns keiner so sieht. Kennst ein Hotel da?" „Wie ich einmal mit der Tante bort war, noch vor dem Krieg, da wohnten wir im Bayrischen w „Schön, gehen wir dahin." „Ich glaube, es war ein sehr feines Hotel." .Bann ist's schon recht." ..Es wird viel Geld kosten. Elena." Die zog die leichte Tasche hervor, die ihr in den Schatz geflogen war, und sah hinein. ..Da steckt eine Menge drin. Das reicht auf lange. Inzwischen wird der Sergei schon von sich hören lassen. Und zur Slot — sch hab' mein bißchen Schmuck ja auch noch mitgenommen. Der Ning hier — sie deutete auf den Rubin im Schlangenring —. „der ist ein ncineß Vermögen wert." „Dein Diadem rnuß ja auch sehr kostbar (ein. Hast du es eingepackt?" teilung der Gewerbe st euerla st. denn bic «eltberigen Besteuerung«grundlagen muhten al» längst überholt unb ungerecht angesehen werben. Heft. Erlaß gegen den Arbeilermangel in der Landwirtschaft. La» ®damtminifkrium de» Freistaates He«.en hat vor kurzem an sümliche ihm unterstellten Behörden ein Ausschreiben gerichtet, in dem es heißt, daß e» nach übcrcinftimmcnben Meldungen aus säst allen deutlchen Ländern den Anschein habe, wie der Reichsarbcitsminister mitteile als obderMangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften in dic'e.n Jahre besonders groß sein werde. Ter Präsident der Velchsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arleitslo enver'.iche- rung hak daher die Arbeitsämter angewiesen, für die rechtzeitige Befchaf- fungder notwendigen Arbeitskräfte für die Landwirtschaft nut allem Nachdruck bemüht zu fein und» alle Arbeitsuchenden bei denen es sich nach sorglältiger Drüfung ergibt, dah s.e für lanbwirlscha't.iche Arbeiten geeignet sind, den (andwirtschaft.ichen Betrieben zuzu ühren. Die Arbeitsämter sind dabei nochmals auf ihre Pflicht hingewiese-i worden. Arbeitslosen, die land- wirtschastliche Arbeiten ohne genügenden Grundablebnen. die Unterstützungzu entziehen. Tie.cnigen Berufsgruvpen der Untcrstutzungse.npsänqer, un.cr denen sich erfahrungsgemäß ehemalige Landarbeiter lesinden. sollen besonders überprüft werden. 3n einem besonderen Rundschreiben hat der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft den Industrie- unb Handelsta nmern. sowie der Hand- w-erkstammer empfohlen. sich bei Bcdar« an Arbeitskräften stets ber Arbeitsämter zu bedienen, die in der Lage finb. geeignete Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen, rhr.c die Belange der Landwirtschaft zu stören Die belcnbcrc Act.agc auf dem landwlrt'chafl- lichen Arbeitsmarkt im Jahre 1928 macht es aber auch allen anderen Stellen, die aa der Sicherung der Arbeitskräfte für die Landwirtschaft Mitwirken können, zur Pflicht, d.ele Bemühungen mit allen Kräften zu unterstützen unb alles AU unterlas en. was fie beeinträchtigen könnte Die Behörden sollen hierbei mit gutem Beispiel vorangehen Daher fol en diese l. ihren Bedarf an Arbeitskrästen. unbeschadet der Auswahl unter den Angebotenen, au«- schiießlichdurch Vermittlung derArbeitsämter decken, es sei denn, daß unter den abgebauten Angef.eiiten geeignete Kräfte vorhanden sind die zur W-edereinsteliuna vorgemerkt unb dringend auf Verdienst angemiesen finb; 2. bei Arbeiten, d e im ganzen an Unternehmer vergeben toerben, diesen zur Pflicht machen, sich ihre Arbeiter mit Ausnahme der sogenannten Stammarbeiter durch Vermittlung der Arbeitsämter zu beschossen. 3. soweit es sich nicht um land- und sorstwirt- schastliche Betriebe handelt. Arbeitskräfte, die nach ihrer Ausbildung und früheren Tätigkeit für die Landwirtschaft geeignet erscheinen, möglichst ausscheiden, und zwar Lebige an erster ©teile. Verheiratete auf Anfordern der Arbeitsämter und wenigstens für die Dauer der landwirtschaftlichen Bestellung»- und Grn.ezeiten. Den Kreisämtern ist empfohlen worden, auf die Gemeinden in gleichem Sinne einzuwirken. Körperbildung oder sportliche Rekorde? lieber dieses Thema sprach auf Deran- lasfung des Verbandes zur Förderung be« Volkssportes e. V. in Helsen unb Nassau gestern abend Universitälsprosessor Dr. O 11 o H u n t e m ü l l e r. Der Redner führte u. a. au«: Vach dem Kriege hat in Deutschland die Pflege der Lcibesübungen erfreulicherweise einen gewaltigen Aufschwung genommen. Ueberall im deutschen Vaterland, selbst in den kleinsten Ortschaften, bilden sich Tunr- oder Sportvereine, die in irgendeiner Horm die Ausbildung tc3 KörprrS betreiben. TDenn man sieht, wie oft ganze Spalten unb Seiten der Tageszeitungen mit Turn- und Sportberichten gefüllt sind, so kann der Leser leicht auf den Gebanlen kommen, wir in Deutschland marschierten bezüglich der lörperliche.i Ausbildung an der Spitze aller Völker, und es wäre alles getan, was auf diesem Gebiet möglich sei. Dem ist aber nicht so. Die Turn- und Sportvereine haben oft nur eine geringe Zahl von Mitgliedern, und diese betätigen sich noch lange nicht alle sportlich. Vor allem fehlt es an einer geeigneten Ausbildung der Schwächlichen: gerade Ihnen wäre aber eine solche sehr vonnötenI Ss muß mehr für die körperliche Ausbildung der 3ugcnb geschehen. Mährend man für die geistige Ausbildung der schulpflichtigen Jugend beiderlei Geschlechts täglich 4 bis 6 Stunden verwendet, vernachlässigt inan die körperliche. Zwei Turn- unb ebensoviel Spielstunden in der Woche reichen dazu nicht aus, um die tägl icheTuru stunde wird noch stark gekämpft. Die werktätige 3ugenb glaubt man ganz und gar ohne körperlich? Ausbildung lassen zu können Eins ist llar: Die Wehrhaftigkeit eine» Volke« kann nur durch körperliche Ertüchtigung erhalten werden. Dazu kommt ein Andere-: Var durch Arbeit kann unser Volk wieder in die Höhe kommen. Di: Arbeits- krast eine« Volkes kann aber nur erhalten und gesteigert werden, wenn ein.' sachgemäße und vernünftige Ausbildung de» .Körpers bei jedem einzelnen Volksgenoslen betrieben wird. 90 Proz. unterer 3ugenb wendet sich Berufen zu. die körperliche Arbeit verlangen. Gs ist unbedingt notwendig, daß diese Jugend gerade in der Zett des Wachstum- und der Entwicklung eine s a ch- gemäße Durchbildung de» Körpers erfährt, damit ein gesunde« und starke« Geschlecht heranwächst und nicht Schwächlinge. Bei der Landjugend zeigt sich im allgemeinen eine besser: körperliche Beschaffenheit al« bei derjenigen ber Städte, vor allem der Großstädte. Vor bem Kriege gab es bei der männlichen Jugend auf dem Land: bis zu 66 Proz. Militär- tauglichkeit. in den Großstädten nur 35 Proz. W e mögen die Verhältnisse jetzt nach bem Kriege, nach der Hungerblockade und nach den schlimmen feiten ber VachkriegSjahre dort liegen! Jeder Mensch ist das Produkt aut (irlxuuagc und Umwelt. Die Erbanlagen müssen entwickelt und ausgebildet werden, auch bei den körperlich schwächlichen Menschen. Die Turn- und Sportvereine legen auf die Mitgliedschaft solcher Leute zumeist gar keinen Wert, weil diese nicht in der Lage sind, Höchstleistungen zu vollbringen. Ein Vachteil unserer heutigen Sporlbetätigung liegt auch darin, daß bei den meisten Sportarten nur eine einseit lac Ausbildung des Körpers erfolgt. Di« allen Grieche haben uns bezüglich der Körverbildung ein bi« heule unerreichtes Vorbild gegeben, da fie eine all,eilige Durchbildung des Körpers pflegten. Der Verband zur Förderung de« Volkssports hat sich zur Aufgabe gestellt, für eine fach- und vernunftgemäße körperliche Ausbildung, die auf alle Kreise der Bevölkerung ausgedehnt wird, zu betreiben. Er denkt nicht daran, den bestehenden Turn- und Sportvereinen irgendwie Konkurrenz zu machen. Don dem Gedanken ausgehend, daß zum Turnen und zur Ausübung des Sports eine sachgemäße Anleitung notwendig Ist, lenkt er zunächst sein Augenmerk darauf, Turn - und Sportlehrer in genügender .*,abl herauszubilden. Darum hat et in einem Schlöffe in der Vähe von Waldeck eine Schule zur Ausbildung solcher Lehrkräfte gegründet, die schon mit bestem Erfolg arbeitet Eine Hauptaufgabe fieht der Verband darin, auch die Dchwächsichen zur sportlichen Betätigung hcranzuziehen. Innerhalb des Böhmens des Möglichen kann jeder Mensch, auch der körperlich schwächliche, ausgebildet werden. Dabei ist aber unbedingt notwendig, dah der Arzt mit zu Date gezogen wird: auch bei den Sportvereinen ist die ärztliche Beratung ber Mitglieder eine unbedingte Aotwendigkeit. Die Dereine stellen an ihre Leute oft zu hohe Anforderungen, „Wozu? Das Ding, mit dem kann sich Giulietta putzen, roenn es ihr Spaß macht. Das war nur gut, den Katzlmachern die Augen zu verblenden. Hundert Lire hat'» gekostet. Sie wollen so etwas sehen. Dav bürgte ihnen für die russische Großfürstin. — So. nun mußt mich noch ein bißchen schlafen lassen, ich bin sehr müde." Und wie ein Kind fiel sie wieder in tiefen Schlummer, während die lungere Schwester, sorgen- voller und ernster als auf der Weife vier Wochen zuvor, in den grauenden Morgen hinausschaute und sich sagte: ,Lch muß jetzt für sie sorgen. Sie wird nie verstehen, mit dem lieben fertig zu werden. Ja, und was versteh' ich denn davon?" Wie gut mir München gefallt!" sagte Elena, als sie an einem herrlichen Maimorgen durch den Englischen Garten fuhren. „Viel besser als Venedig. Alles so sauber und anständig, und nirgend» ein Skelett in den Schränken. Und die netten Leutchen. Und keiner, der hinter einem steht und jagt: ,Das muß geschehen, und das darfst du nicht.' Maria, so sorgenlos vergnügt bin ich in meiner ganzen Ehezeit noch nicht gewesen. Weißt, es soll mich ja freuen, wenn der Großfürst bald kommt, aber ich könnt' e» aushalten, wenn er noch ein paar Wochen oder Monate da unten bei seinen Italienischen Freuden bleiben würde." „Hat dir Fredi endlich seine Adresse geschickt?" ,.O bewahre. Der Hebe Fredi spielt sich auf den Geheimnisvollen heraus und darf nichts sagen. Laß ihn. Sergei wird schon eines Tages hier fein. Dis dahin haben wir Ferien." Trotz der Herrschast, die ihr Mann über fie ausübte, konnte sie ihn zuzeiten recht gut entbehren. Und Maria war solch entzückender Ersatz. Ais fie in das Hotel zurück- kamen, lag auf dem Tisch im Salon — Elena hatte drei Zimmer und eine kleine Zofe genommen — die Dochenrechnung. Die dritte seit ihrem Kommen. „Sieb mal nach, wieviel das macht, Maria. Ich kann mich nicht zurechtfinden mit diesen Billionen und Milliarden. Rechne es doch einmal um in Lire." Maria setzte sich gehorsam vor bas Papier. Sie hatte es schon gelernt, die täglichen Kurie zu lesen, und war froh, daß sie italienisches Geld m Händen hatten und jck dem rasenden Sturz der Mark mit einiger Sicherheit begegnen konnten. „Zweihundertdreiundzwanzig Lire. Elena." „Was sagst du? Zweihuuderidrelundzwanzig? Oft das nicht schrecklich viel. Wir leben doch wie die Nönnchen." Sie kramte in ihrer (steldtasche. Maria — n Gott — Maria, ich glaube, man hat mich be- stöhlen." „Bestohlen? Wann denn?" „Ich weiß nicht. Es ist mit einemmal so wenig geworden. Und mir geben doch nichts aus." „Äch ja, Elena, du hast allerlei ausgegeben. Das graue Tuchkostüm und der silberne Rosenkranz, und die Goldkäferschuhe und das seidene Theater- kleid. Und die drei Tage in Bayreuth zur Ausführung des Parzioal — Ls ist schon allerlei ge^ wesen." „Wenn man das nicht einmal haben soll. Wo du bei der Tante Innozentia so gesangengesessen hast — Ich muh dir doch ein kleines bißchen Freude schaffen." „Meine Freude ist, bei dir zu sein. Nun gib mir mal die Tasche endlich ganz in die Hände. Das geht so nicht weiter. Wenn ich dich wirtschaften laste, sind wir bald am Ende. Und auf Sergei baue ich nicht so sehr." „Da, nimm sie. Ich bin froh, wenn ich von der ganzen Sorgt nichts mehr hören muß. Sergei wird schon kommen unb uns beistehen. Jetzt sind cs schon drei Wochen. Maria — komm mal her an das frenfter. Schau, da ist wieder der große Blonde, der uns in der Theatinerstraße immer nachgeht, er schaut herüber zum Hotel. Ob er weiß, wo wir wohnen?" „Wird er wohl herausgebracht haben.' „Was wird er sein? Auf einen Grafen kann man ihn immerhin schätzen." Maria trat neben die Schwester hinter die leichten Vorhänge. Plölllich wurden ihr die Augen groß, und ihr Heiz schlug ein paarmal ganz ItfmflL Hinter dem Blonden ging cm anderer, ein Dunkler. Schlanker, einer, der die Schultern ein wenig nach vorn sinken ließ und nicht einmal herüber- 'choute. „Siehst du den andern, Elena? Detr Dunklen? Das ist mein Ritter van der Wiener Reise. Noch nicht einmal find wir ihm begegnet München ist doch nicht so klein." sie Übtt an strengen he, so daß l:ch körperliche Fch.er etnftelkn, die bei sportärztlicher Beratung hätten Dtrmicbcn werben können. Leut:, die Ac- korbleistmmen aufweifen, nehmen gar oft Schaben an hrer Gcfundhe«! Da» stell.en schon die alten Griechen 'clt, d.e leben mußten, daß d.e Liegcr in den cüdmpischen Sp eien hä.er oft nicht mehr in der Lage waren, eine Höchstleistung zu vollbringen. iveil ihre Gesundheit gelitten bat.:. Bei den Höchstleistungen n-etScn oft alle Aelerve- kräste des Körpers aufgebraucht: allerlei Her^- fehler tte.cn bei fola, einteiliger Betätigung auf. In Bern konnte ein dortiger Schuiarzl dir Sei.- steilrma machen, baß von Schülern, die vorzug»- we.te tem Scknuetchuhtpsrl huldigten, ein ftar.tr Prezenttatz mit ^erzfeblcrn behaftet war Vebcn dein SkUau en ist cs da» Aadfahren, das Karle Anforderungen an das Herz st eilt Bei Aad- tenn’abretn werden deshalb auch häufig Herzkrankheiten icftgeficilL Der Verband zur Förderung des VolkSsporis stellt deshalb tue brliv- gen de Forderung aui. daß viel mehr als bisher der Sportarzt hetangezogeir werden muß er macht c< fich zur Aufgabe, die Au-bl!dui-g foicher Aerzte zu betreiben. Vorbildlich bezüglich der Jugendpflege hat bet Landrat be» Kreise» Schmalkalden Dr. Hagen, gewirk». In 211 übriger Tätigkeit, die er in engster Fühlungnahme mit Lehrern und sonstigen Iugendpsleaern ausübte, hat er ganz ungr- wövnliche Erfolge errungen Davon feien nachstehende erwähnte Von den letztjährigen 500 Konfirmanden erschienen frei willig 4z3. d... 94.6 Proz. zur ärztlichen Untersuchung. Davon waren in der Berm-wahl unbeschränkt 72.3 Proz. und nut 11.83 Prvz. waren erheblich bc- schränlt. 99.15 Prozent hatten eine geluni c Lunge und 93.23 Proz ein ganz gesunde» Her,. Die Bevblkerungszunabme stteg im Ärciic Schmalkalden um 40 Proz. und die Mllttäi- taugUchkeit lon 35 auf <1, in manchen Gemeinden togar auf 100 Proz. Die luberhilole- sterblichkeil fiel auf 40 Proz. des preußischen Durchlchi'.tts. In Amerika hat man eine vorbildliche Iugendpflcae. Ueberall sind seitens her Kommune oder sonstiger Körperschaften Spiel-, Sportplätze unb Schwimmhallen bcreilgefiellt, überall finbet sportärztliche Beratung statt Die LcbensrerlicbernngSgclellschaften konnten dort zahlenmäßig nachw.l en. tote günstig d'.efe dauernde ärztliche Kontrolle '.ich bei ihren Unlcnxbmca auswirkt. Das Institut für Körperkultur an der bi es i gen Universität, das erste hie,er Ar> in Deutschland, hat es hdy zur Ausgabe gestellt, bieleii Gedanken ber periodisch stattsindenden ärztlichen Untcrsuchnngeir z i propagieren und zur Aussüprung zu bringe . denn Vorbeugen ist besser als heilen: die vorbeugende Tätigkeit des Arzte» ist richtiger als bic heilende. In einer großen Anzahl sehr guter Lichtbilder konnte der Dortragcnde die Viannigsaltig- feit ber Leibesübungen in den verschiede neu Turn- und Spottarien zeigen Er schloß seine eiirdrucksvollen Aussührunaen mit bem Wunsche, jeder Anwesende möge doch an feinem Teil da,'t beitragen, daß das große Werk der lörperlici> i Ertüchtigung unseres Volke» gefördert werde. (Starker Beifall.) Hessischer Hauptverein der Gustav-Adols'Gtisiung. Zweiter und Dritter Lag. wg. Langen, 10. Juli. Der Montagvorrnlttag war mit der Berwallungsratssihuna ernster Arbeit gewidmet. Vach Erledigung der Rechnungsangelegenbeiten unb Erstattung be« Jahresberichtes durch den Schriftführer Pfarrer Wagner- Bei,«heim erfolgte bie Ersatzwahl des Vorstandes, wobei die ausscheidenden Mitglieder wiedrrgewählt und für den verstorbenen Vizepräsidenten I). Dr. Bern beck neu- gewählt wurde Oberkirchenrat Dr. Horrc Der U n t e r ft ü tz v n g s p l a n de» Vorstandes wurde fodann genehmigt und die zur Verfügung stehenden 39 000 Mi in folgender Weise verteilt: bem Zentralvorstand in Leipzig 13000 Vlk., der Bau- aemeinbe Obcr-Aodeii H 500 Ml. der Gemeinde >>erl'steln zur Erholluna ihrer evonaelifchenSchule 500 Wk., den 16 hessischen Sammel gerne in den zu- „Schau. schau. Der kann mir gefallen. Hat was vom 'jlriftofraten an sich. So selbstl,cher, so: Was kümmert mich die gof-ic elendige Welt! Ob man ihm einmal schreiben sollte? So als dicnsttiicnder Kammerherr wäre er vielleicht nicht schlecht zu brauchen." .„Ich schreib' ihm nid)L" sagte Maria kurz. „Und nun laß mich einmal ruhig rechnen." Ihre Stint krauste sich, sie war in schwere E^empel versunken. Als sie mit denen fertig war, stand sie cntschlosseit aus. „So geht es nicht weiter. Menn wir hicrblci- ben. sind wir in kurzer Zeit zu Ende. Wir muffen uns bas Leben billiger einrichten, Elen." „Noch billiger? Soll Ich wieder Vorleserin werden? Oder Kellnerin in einem Cass^ Oder Modell? Die Theres" — das war das neue Zöschen —, ,,die sagt, für schöne Modelle geben die Künstler ein sündhaftes Geld aus." „Du wärst imstande zu solchem Unfug —" Mieder bas Krausen der Stirn. „Hätt' man nur einen Menschen, der einem raten könnte. Aber so srernd, wie wir hier find —" ..Also schreib an deinen Reisesreund." Maria antwortete nicht. Doch am anderen Margen. als Elena wieder von ganz notwendigen Einkäufen beim Juwelier unb der Modistin begann, setzte sie sich hin und schrieb ein Brieschen- „Sehr geehrter Herr Godesheim! Schneller als wir beide wohl gedacht, bin ich in die Lage gekommen. Sie um einen Rat zu bitten. Wollen Sie heute mit mir unb meiner Schwester, der Baronin Biron, im Bayrischen Hof eine Taffe Tee trinken, werden wir uns freuen. Sie zu empfangen. Ihre sehr ergebene Maria Erdmannsdors." _ Das war freundlich, ohne zu vertraulich zu fein. Sie schickte es durch einen Dienstmann an die Adresse, die sie noch glücklich in ihrer Manteltasche gefunden hatte. Und dreimal am Tage ertappte iie sich auf einem erwan inqsvollen Glücks- geföbl, das He für einen Augenblick gar nicht verstand. bis sie spürte, fie freute sich aus das Wiedersehen. Elena blinzelte fie einmal mit den (Bofbaupen jin und sagte listig: „So hübsch bist bu heute. So etwas Weiches ist in beinern Gesicht. Und wie die Haare leuchten' Hast du Feuer unter bem Dachel, Kind?" (Fortsetzung folgt.) lammen 2000 Mk.. zur allgemeinen Liebesgabe 1000 Mk., an außechesllsche Dia porugemeinden 8000 Mk. Bei der Vergebung der Äomirmanben- gäbe 1928/29 fiel die Wahl aus Amöneburg. Weiter wurde beschlossen, für 1932 (100-Jahrfeier des Gustav-Adolf-Dereins- eine Iubiläumsgabe zu sammeln und diese schon jetzt vorzubereiten. Pfarrer Heinz- Maivz-Kaftei referierte sodann über die Fragen „Empfiehlt sich für unsere Diasporagemeinden Beitritt zu einer Baugemein- schäft?", und Pfarrer S t o r ct - Heppenheim be- handelte das Thema: „Die Feier eines Gustav» Adolf-Tags in unseren Gemeinden". Aach Wahl der Abgeordneten zur Taguirg des GesamlVereins in Freiburg und Bestimmung von Worms als Festort für 1929 wurden die besonderen diesjährigen Festgaben (1590 Mk.) verteilt, wonach erhalten sollen: Innsbruck und St. Egidh je 500 Mk., unterstützungsbedürftige deutsch-russische Pfarrerskinder 300 Mk., Burgenland 100 Mk. und Argentinien 190 Mk. Aach dem gemeinsamen Essen im Gasthaus „Aheingold" tagten am Aachmittag die Gustav- Adolf-Frauenvereine, wobei zunächst der Tätigkeitsbericht für 1927 28 erstattet und dann der Anschluß des Landesverbandes der hessischen Gustav-Adolf-Frauenvereine an den Verband der cvangelisch-lirchlichen Frauenvereine in Hessen beschlossen wurde. Sehr fesselnd und anschaulich war der Vortrag von Pfarrer Bürbach- Mühlheim (Ruhr, über „Unsere Gustav-Adolf-Frauenvereine und ihre Mitarbeit an dem Wert evangelischer Bruderliebe". Allgemeine Freude riefen eine Aufführung „Ich habe ben Schweden mit Augen gesehen" durch Langener Schulkinder und die Musikvorträge eines kleinen Orchesters hervor. Am Abend begann der Lehrgang für Diasporaarbeit, der durch eine äußerst stark besuchte Vorführung des Films „Glaube und Heimat"eröfsnet wurde und wobei Pfarrer May- Cilli die einleitenden Worte sprach. Der dritte Tag brachte die Fortsetzung des Lehrgangs. Es hielten dabei Vorträge: Pfarrer B a b i ck - Berlin (von 1909 bis 1920 in Argentinien) über die deutsch-evangelische Kirche in Argentinien, Pfarrer May- Cilli über deutschevangelisches Leben in Slovenien, Privatdozent Dr. Fritzler-Duchschlag über das kirchliche und religiöse Leben in dein deutschen Wolgastaat. Damit fand die Jahresversammlung ihren Abschluß, und voll Dankbarkeit gegen die freundlichen Gastgeber verliehen die auswärtigen Teilnehmer den Festort. Wirischafi. Normale Entlastung der Reichsbant. Der Ausweis der Aeichsbank vom 7. Juli zeigt mit einer Abnahme des Wechselbestandes um 173 Mill. Mk. und einerFAbnahme des Lombardkontos um den vollen Betrag der Ultimoerhöhung von 111 Mill. Mk. eine unter Berücksichtigung der Passiva durchaus normale Entlastung. Der Iahlungsmittelum- lauf beläuft sich am 7. Juli auf 6,05 Milliarden Mark und ist damit noch nicht unter die 6 Milli- arden-Grenze heruntergegangen. Trotz dieser normalen Entlastung weisen die Giroguthaben eine über das übliche Maß hinausgehende Beanspruchung aus, indem sie eine Abnahme von nicht weniger als rund 101 Mill. Mark er- sahrey haben. Die Danken, die höchstwahrscheinlich ncnh dem Halbjahresultimo kurzfristiger und knapper disponieren, haben einen Teil der Giro- gelder zur Abdeckung ihrer Lombardengagements benutzt. Wenn auch der Reichsbankaus- kveis somit eine nicht ungünstige Lage des inneren Geldmarktes in Deutschland widerspiegelt, w zeigen doch die Girogelder, die mit der ausge- {piefenen Summe von 424 Mill. Mk. einen noch nie dagewesenen Tiefstand des Jahres 1928 erreicht haben, daß eine gewisse! Anspannung vorhanden ist. Trotz der normalen Entlastung haben sich somit die Hoffnungen auf eine Ermäßigung der offiziellen Diskontrate nicht erfüllen können. Gerade der erste Monatsaus- wets bei der Aeichsbank hat für jede Diskontmaßnahme eine besondere ausschlaggebende Bedeutung. Was die Diskontsrage anbelangt — im Zusammenhang mit der internationalen Lage des Geldmarktes —, so scheint hier die in Amerika herrschende Geldversteifung den Stempel aufzudrücken. Die Erhöhung der Diskontrate seitens der Chikagoer Federal Reserve Bank hat ihren Eindruck auf den deutschen Geldmarkt nicht verfehlt insb. da damit zu rechnen ist, tah die übrigen Reservebanken dem Vorgehen des Chikagoer offiziellen Bankinstituts sich anschließen werden. Die internationale Geldmarktlage weist starke Störungsfaktoren auf, der Londoner Platz wird durch die Maßnahme der amerikanischen Banken im'ofern beeinflußt werden, als Abzüge von Geldern amerikanischer Her- funft eintreten werden. Eine Diskontermäßigung der Bank von England kommt daher auf keinen Fall in Frage. Bei der Verbundenheit der internationalen Geldmärkte muß in der Frage einet Ermäßigung der deutschen Diskontrate äußerste Zurückhaltung geübt werden, die auch bestehen bleiben wird, wenn die Entlastung der Reichsbank in den nächsten Wochen weitere Fortschritte normalen Ausmaßes machen sollte. Die Goldbestände der Reichsbank haben eine weitere Ausfüllung von 20 Mill. Mk. durch Käufe der Reichsbant in Rußland erfahren, und weisen mit 2 105 878 000 Mk. einen Rekordstand aus. " Veränderung des Berliner Privat d i s k o n t s. Der Sah deii Vrivatdiskonts ist für lange Sichten an der gestrigen Berliner Börse um ’s auf 63/i Proz. erhöht worden, so daß der Sah für beide Sichten jetzt 6-u Proz. beträgt. • Bamag - Meguin - Aktiengesellschaft. Bei der Bamag-Meguin-Aktiengesell- schaft, Berlin, hat, wie WTB.-Handelsdienst aus Verwaltungskreisen erfährt, dcr 9IuftrageEingang in den letzten Monaten etwas nachgelassen, jedoch ist die Beschäftigung vorläufig noch eine ausreichende. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M.. 12. Juli. Tendenz: schwach. Die gestrige flaue Aeuyorker Börse hatte am hiesigen Markt große plnsicherheit zur Folge. Die Tendenz erfuhr eine weitere A b- I ch w ä cf) u n g, doch konnten die niedrigen Kurse, die im vorbörslichen Freiverkehr genannt wurden. etwas überschritten werden. Die Banken standen weiter unter dem Eindruck der durch die Chikagoer Diskonterhöhung und des wieder sehr versteiften Aeuyorker Geldmarktes geschaffenen internationalen Situation, doch ist die Marktlage durch die Verkleinerung der Engagements bereits bereinigt. Das Angebot war trotz der heutigen Medioliguidation nur klein, wie man es auch erwartet hatte. Da die Aufnahmelust aber nach wie vor außerordentlich gering war und älmfahmöglichkeit bei der herrschenden Lustlosigkeit nur in beschränktem Umfange Vestand, traten im allgemeinen nur kleine Rückgänge von 1 bis 2 Prozent ein. Am Elektromarkt waren Polyphon minus 3,50 und Gesfürel minus 3 Prozent, AEG. gaben 1 Prozent. Siemens 1,25 Prozent und Licht & Kraft 1,50 Prozent nach. Von den 3ellftofftoerten verloren Waidhof 23/< Prozent. Aschaffenburg etwa 1 Prozent. Am Chemiemarkt hörte man Farben knapp behauptet. Banken lagen durchschnittlich IV2 Prozent schwächer. Montanaktien lagen fast umsatzlos und wenig verändert. Ausländer konnten weiter geringfügig anziehen. Deutsche Anleihen leicht abgeichwächt. Auslandrenten ohne LlmAtz. Im Verlauf blieb das Geschäft still. Vcrschie- deutlich führten Deckungskäufe der Spekulation zu kleinen Kursanregungen, dazu trug die Befriedigung darüber bei. daß die Dank von England ihren Diskontsatz unverändert lieft. Am Geldmarkt war Tagesgeld trotz des Medios 6’/2 Prozent leichter, da die Aachfrage nachgelassen hatte. Am Devisenmarkt erfuhr der Dollar eine weitere Erhöhung. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1960, Pfund 20,410, London gegen Kabel 4,8632’/., Paris 124,24, Mailand 92.90, Madrid 29,51, Holland 12,08'/«. Berliner Börse. Berlin. 12. Juli. Obwohl der Berliner Platz bereits gestern die Chikagoer Diskonterhöhung diskontiert hatte, liegt das Kursniveau im Anschluß an die gestrige flaue Aeuyorker Börse noch einmal, wenn auch nicht in so starkem Umfange, zurück. Die Baisse-Spekulanten versuchten die Tendenz in iftrem Sinne zu beeinflussen, was ihnen aber nicht immer gelang; es verblieb zwar bei ganz stillem Geschäft und nur ganz geringer Aufnahme, trotzdem war aber die Tendenz verhältnismäftig widerstandsfähig, zumal die befürchteten Ver'aufsorders nicht in dem erwarteten Umfange eingetroffen sind und im Gegenteil für S^:ezialwerte bei der Kundschaft eher Kausneigung bestanden haben soll. Man wollte auch von Interventionsabsichten der Großbanken wissen. doch war zuverlässiges hierüber nicht zu erfahren. Die ersten Kurse boten kein einheitliches Bild, lagen aber überwiegend etwas schwächer, bei einzelnen Werten bis 5 Prozent niedriger. Reichsbank minus 6 Prozent, Svenska minus 6 Mark, und Glanzstoff minus 9 Prozent. Polyphon plus 5 Prozent, Harburg Gummi plus 4’/< Prozent. Anleihen erholt. Ausländer gc- schäftslos. Anatolier und Türken zur Schwäche neigend. Geld ist weiter gesucht. Tagesgeld wurde mit 6 bis 8 Prozent gelassen, war aber mit 6 Prozent nur ausnahmsweise erhältlich. Monatsgeld 7,75 bis 8,75 Prozent. Im Verlause konnten sich die Kurse leicht e r h 01 en . Cs handelte sich aber nur um kleinere Deckungen Eine gewisse Beruhigung ging von der Meldung aus. daft London seinen Dislontsatz heute noch nicht erhöht hat. Sehr lebhaft blieben Oberkots, bei denen einerseits die Gcschältsentwicllung eine günstige fein soll, andererseits durch das evtl. Zustandekommen des deutsch-polnischen Handelsvertrages neue Hoffnungen geweckt werden. Sonst hatten nur Polyphon und Siemens einiges Geschäft, doch liefen die Umsätze bereite schon per Ultimo. Frankfurter ^etrerdebörsc. Frankfurt a. M., 12. Juli. Der Frankfurter Produktenmarkt verlief infolge schwacher Ausland- noherungen in flauer Haltung. Die Händler üblen große Zurückhaltung, so daß das Geschäft sehr klein blieb und sich nur auf einige Getreidesorten beschränkte. Einiges Interesse bestand nur für Mais- Futterzwecke. Sonst überwog das Angebot bei zunächst nachgebenden Preisen. Es notierten: Weizen 26 Mark; Roggen 28; Hafer, inländischer, 27,75 bis 28,50; Mais (gelb) für Futter ■ jerfe 24,50 bis 24,75; Mais (gelb) für andere Zwecke Mbis 36,50; Roggen mehl 37,25 bis 38,25; Weizcnkleie 13,50; Roggenkleie 15,25 Mark. — Tendenz: flau. Frankfurter Schlachtviehmartt. Frankfurt a. M.. 12. Iuli. Auftrieb: 51 Rinder. 803 Kälber. 82 Schafe. Cs wurden bezahlt für 100 Pfund Lebendgewicht: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 74 bis 78. mittlere Mast» und Saugkälber 68 bis 73. geringe Kälber 60 bis 67; Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- dämmel, Weidemast 50 bis 54, mittlere Mast- lämmer. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 48. Marktverlauf: Schweine schleppend. geräumt, wegen des geringen Auftriebs nicht notiert. Schafe und Kälber ruhig, ausverkauft. Büchertisch. K u ni T r eme l °E gg e r t: D i e S 1 raß e des Lebens. Roman. 269 Seiten 8". Umschlag» und Einbandzeichnung von R. Schiestt. Preis 'gehestet 5 Mk.. in Leinen geb. 7 Mk. Verlag von Albert Langen in München. - Kuni Stemel- Eggert ist eine Kennerin der deutschen Kleinstadt wie kaum eine andere. In diesem neuen Buche zeigt sie die Straße des Lebens, die die schöne Torbeckn-Rosl gehen muft, zeigt, wie aus kleinen Irrtümern, Regungen der Sekunde, gutem Willen, aber mangelnder Erkenntnis ein Schicksal gewoben wird. Sie zeigt, wie alles schlimm ward und doch alles gut und notwendig zum Wachstum der Persönlichkeit, sie zeigt, welch ein unerbittlicher Richter aus dem eigenen Blute, dem Kinde, ersteht, bis das. durch harte Schule, zum groften Verstehen reif wird. In diesem Kleinstadtroman ist kein kleiner, kleinbürgerlicher Zug. auch der Schuldige noch hat die Wurzeln seiner Schuld im Allmenschlichen. 272 — Hanns I0hst: Ich glaube! Bekenntnisse. 1.—5. Tausend. Umschlag- und Einbandzeichnung von Prof. Dr. W. Tiemann. Preis geheftet 3 Mark, Leinen 5 Mark. Albert Langen, München. — Iohst, der Dramatiker, spricht hier ein gewaltiges „Credo!" aus für feine künstlerischen Ansichten. Das ganze Buch ist ein mut- volles Bekennen zu einer solchen Macht, ein demutvolles Sich-Beugen vor ihr. Unter diesem Zeichen steht alles, was er zu sagen hat. Vom Kulttheater der Alten aus über das Mysterienspiel des Mittelalters scheint ihm der Weg zu gehen zu dem Theater der Zukuüft, das sich wieder unter die Regie ewiger Ideen stellen soll. Ihm sind Bühne und Zwischenraum eine Einheit im Dienste des Ewigen, das Publikum Stellvertreter des Chores der Alten. Der letzte Akt des neuen Dramas, meint er. müsse im Inneren des Zuhörers spielen, wenn auch vielleicht erst, nachdem er den Theaterraum verließ. — Aber nicht nur zum Drama der Zukunft spricht er sein „Ich glaube!" Wenn er im „Ethos der Begrenzungen" einem verwaschenen „Weltbürgertum der Kunst" entgegenhält, daß die Mission deutscher Kunst nur unter deutschem Himmel zu erfüllen sei, wenn er über „Religiöse Kunst" spricht (jede Kunst ist ihm im Grunde Religion), wenn er seltsam neu und lebendig Kleist vor uns hinstellt, immer ist er der Seher einer reineren Zukunft. 224 — Martha Oftenfo: Die tollen (Torems. Roman 308 Seiten. F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. 1928. Brosch. 4 Mk., Ganzleinen 6 Mk., Halbleder 8 Mk. — Eindringlich wird uns das Leben der Bewohner von Minnesota vor Augen geführt: ihr Ringen nach Befreiung von der Knechtschaft dieser kargen Erde, Befreiung aus dem einsamen Sumpfland des Eiders- grabens, ihrer Heimat, lieber diesem „Graben" erhebt sich das stolze Haus der reichen, vom Glück begünstigten Gareros. Die Gegensätze zwischen dem von keinerlei Hemniungen beschwerten Geschlecht sorgloser Genießer und ihren durch Armut und Plage bedrückten '.riad)barn sind in der kraftvollen Art der Ostenso dargestellt. Wie ein Carew ein Mädchen aus dem „Graben" zur Frau nimmt und wie dieses Mädchen, stark genug, über der Liebe zu ihm ihren Stolz nicht vergessen, dem Verwohnten als erste Widerstand leistet und ihn zu einer ernsteren, verantwortungsvolleren Lebensauffassung bekehrt, das /ist die packend erzählte Handlung des Buches 292 — $)eien Gosewisch: Quer straften. Roman. Mit einem Vorwort von Arthur £10 - litscher. 197 Seiten 8°. Ganzleinen 4 Mark. Wcllbücher-Derlag. Berlin-Friedenau - 6ju höchst überflüssiges Buch. Voll uninteressanter. verstiegener und bertoorrener Schilderungen vom „Leben" einer modernen, reichen, modistisch angehauchten Frau, die nichts mit sich, ihrem Mann, ihrer Ehe und ihrem biftchen ’fafein anzufangen weift und sich durch „Wohltätigkeit" und allerlei mehr und minder erotische Aden- teuerchen zu entschädigen sucht. Iedes gesunde Gefühl sträubt sich dagegen, derartig zerfahrenes, undiszipliniertes Gewäsch, das von Stilblüten strotzt, als Roman anzuerkennen; die Verfasserin hätte sich zum mindesten die Mühe machen sollen, das, was sie zu sagen wünscht, in einem leidlich anständigen Deutsch vorzubringen. Das Buch zu Ende zu lesen, ist schon seines verlotterten Stils wegen eine glatte Zumutung. Derartige Produkte können gerade in unserer Zeit einer gefährlichen literarischen und verlegerischen Heber- Produktion — nicht nachdrücklich genug abgelehnt werdest^ 215 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ausgestaltung des Freibades. Die freie Männer- und Frauenbadeanstall ist eine schöne Einrichtung der Stadt Gieften und sollte noch mehr von der Bevölkerung in Anspruch genommen werden. Das jüngste Ibitoettcr hat in der Frauenbadeanstalt das Dach abgedeckt und die Bretterwand weggerissen. Der Wunsch wurde laut, die Bretterwand durch Latten au ersetzen, weil die Sicherheit verbessert und die Kosten beträchtlich verringert werden Auftei- dem wäre es leicht, eine Brause und Sprungbrett mit wenig Kosten anzubringen. Weiter wäre e» noch gut, die Badeanstalt um einige Liegebänke für Luft- und Sonnenbad zu bereichern. Schließlich wäre noch zu wünschen, daß das Männerbad als Familienbad gelten darf Bisher wurden Mitglieder her Familie zurückgehalten, besonders Richtschwimmer. Auch tonnte der Rcttungs- kahn durch einen viel leichteren ersetzt werden. Letzte Nachrichten. Maffenverhastungen in Spanien. Paris, 12. Juli. (MTB. Funkspruch.) Dem „Journal" wird gemeldet, daß seit einigen lagen beständig Gerüchte im Umlauf gewesen seien über öle Vorbereitung einer über ganz Spanien verbreiteten Bewegung, die den SturzderMonarchie zum Ziele habe. Die Polizei habe bereits zahlreiche Verhaftungen oorgenommen. Die Nachricht von der Entdeckung des Komplotts habe in allen Kreisen große Sensation hervorgerufen. Die Zahl der verhafteten belaufe sich auf etwa 100. Die Festnahmen seien vor allem durchgeführt worden in g e - werkschaftlichen und kommunistischen Kreisen der Provinzen Madrid, Barcelona, Saragossa, Biscaya ufro. Jn einer der presse zugestellten halbamtlichen Erklärung wird ausgeführt, ebenso wie in den vergangenen Sommern werde gegenwärtig versucht, dieAbwesenheitdesKonigsund d e s M i n i st e r p r ä s i d e n t e n , die sich zur Einweihung der neuen Eisenbahnlinien nach Lonfronc (Pyrenäen) begeben müssen, dazu zu benutzen, um Unruhen hervorzurusen. Die Behörden seien den an der Bewegung Beteiligten bereits auf der Spur, aber das wirksamste Mittel, so heißt es in der halbamtlichen Erklärung, um eine solche Verschwörung zum Scheitern zu bringen, sei die Unterstützung der Regierung durch olle loyal Gesinnten und für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Buhe Verantwortlichen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe bet zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankbiskont 7 Prozent, Lombarbzinsfuß 8 Prozen!. DevHsmnartt Berkin—Frankfurt Banka oien. .'6(1.5 259 161.25 161.25 iW.fi IM 205 140.25 139 I 161.6 165.6 204,5 148.5 11?. 59. 10 10 10 v 8 18 12 , 6 . 5 . 6 11 95.65 98 2» 59 4? 08 09 261,65 125 96.5 191.5 59,01 2,57 Ili.fr- HL7G 6*.Ml 12. »5 164.. 161.25 IM 12 4 5 ::.«5 258 122 Deutsche Bank . Dttkont,-i-eselllchasl ÄnL Dresdner Cent! .... Mineldrutsch« dubUbenl öttaHSan!...... WHAftanl ..... 205 95.6 97.5 94.0 96.75 Berlin, tl ;7uli_______ Hranzon'ch? ’Jfottn . - . . Holländische Noten ...... aijlienifdit Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Lcfterr, 4100 Kronen Rumänische Noten...... SLwevische Noten...... Schweizer Roten....... Spanisch: Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten ... ... 169.09 a d 6 11 ch t Aua b I m n t^elt- "ITO 168.41 .12.06 9. ♦. yarden-Invustr» TunatnÜ Nobel . . . Sd|el6fanftalt ... «Heldschmtdl .... MüiqerSwecke .... V 'o 'aeieMchaN. . . Frankfurt a. M Berlin Sdjluh-I 1-Uhr- Schlug- kur» Anjang Kur» Kur, ftur» Datum: 11.7. 1*. 7. 1 15. 7. PUiNvn t'oumann . . . 7 147 — 116.9 153,5 4>e«6elbfr,rr <5emeni . ■ • • 10 139.5 — — tttmrnl LaUltadl . . • • . 8 IT-2 — —• — Wayh & ärritag . . . • • • 10 116 — — — LchulchciS Pahenhoser ■ ■ e 15 — 845.5 341 Eltioerff...... ■ • e 12 307.5 3< .1,6 ^cr. gllanzstoss . . . • e • 18 — — 625 615 Hemberg ..... M 1 । — 5 >8 £50 «VUftoff Waldbos . . e 12 301.25 301.5 300 Scimoff Asckiasser.bura . ÜhaTluttcnburacr Doller 12 426 4'5,25 727 127.75 2Z2.5 126.25 . k — — 199.25 196.75 Toim.'er Motoren . . . 0 107 — 107.25 106 7 5 Demag ..... • • • . 0 — 57.25 56.9 Adlerwecke Llcver . • • • • . 5 111 111,5 110 110.5 Luvw. Loewe . . • • Not. Automobil . . . e • e 10 — — 2J2 — • • • . 0 — 86 85 Crmfleht 4 Sovpcl . • • • . 6 — Ick) 119.75 25.3 Leonhard Tie? • • e • . 6 — — iöi Bamag-Meaum . . . Ar jnTT. Manbinen . • örihner • • • ■ e . 0 •— -'5,75 — e • e . 6 76 — 73 — • • • 11 129 — 130,5 - Hcyligenkraedl . • . Junabast: . . . • • . 0 . * '6.25 — 85 — . 8 11! — — — Mmnkraslwccke . . • e • e . 8 119 — — Miag. • - • • e e . 10 145 • 145 Hl NekoriUtincr . . . » e • ■ . K — '.1,25 — Peter« Union . . . . e e . 8 103,5 — 108,5 — »ek-r. r?oer>er .. . . M • • 10 — - * * Haessver . . e • ■ . 8 211 — 215 — €übb Zucker . . . - • • . 8 153.5 152.25 — Frankfurt a. Tl. Berlin Franbfuck a. M. Berlin Schlutz- flurt l-Uhr- fture Schius: Aiirs Anfang Kur, Schlug. Kurs '-Uhr- Rurs Sd)iun:| Anfang Äuro Sture Datum 11 7. 12. 7. 11.7. 12.7. Datum: 11.7. 12 7. 12.7. 6% LI. «elchLanleihe ö. 1927 . . TL Anl.-Nbiös.-Lchuld mit Ou* 87/25 — «7.5 — « v.m.. . ........8 Bergmann ......... 9 173 n 199.5 172.65 196 173.65 199 171.5 196 los.-Rechten..... 51,25 — 61.4 -- SleUr. Licscnmsen..... 10 170 — 170,13 167.5 Detgl. ohne Bluiloi.-Slechtc . . . 17.25 17.13 17.8 17.25 Lickt und Sraft ...... w 215,5 211 216 212 Franks. Hqp.-Vk. (MolbvL uh kündbar bi* 1932...... Felten & Guilleaume.....ß 129.75 - 129,75 128.75 — • - Ges. 1. Elcklr. Untern.....10 252 5 24H.5 251 250 25 *y.% Rheinische Hyp.-Bank Liqu. <*r!6pi.......... — — — Hamb. Aektr. Decke .... 10 Rhein. Etektr........P _ — 158.5 1)0,5 158 150 e.(r.(B. obg. Bockriegr-Odiigalion., rüchahldar 1932 Schles. Clchr........10 — — 245.5 244 — ( — — Cchuckert . . ........ 8 — 198 201 198 ■ l-l 4% Schweiz. Bunl>e»d.-An1.. . . — — — — Siemens 4 HalSke ..... 12 362,25 360 362 SCO 5 4% Oesierreichische ®oltrte . . . 3,25 — — TranSradio..... 8 168,5 169 Oesterreich, einhcill. Rtc. . . — — — Buderus . . ....... 6 81 - 81.75 81 4% Ungarische Koldrtc. ... 26,026 —> 26,1 »6.13 Tcutlckic 6rb»l.......6 — 137.5 136.2., 4% Ungarische «ölaattr. v. 1910 . — - — Essener Steinkohle......8 — — vi\ deSgl. von 1913 . 4% Unganschc Ätonentlr..... — — — (Noljenkirchcner . . |. K 3- * 136.5 136 137 136 * —— 1,8 — Harpener. .......6 153 151.5 152.25 150,75 4°„ luck. Zollanlcihe v. 1911 . . 11.13 — 11.1 11 Hoesch Eisen. ........ 8 — 132.5 130.25 4% Tückische Bagdadbadn-Anl., Serie l mit Bergbau ........ 8 — — — -.45 11.1 —— 12.3 10.9 tzlöch,erwecke........”< 125.5 123 12.’) 122.25 4% deügl. Lrric 11....... 4% fRumdncn conüctLSUe. . . . 10,9 — 11 -- KSln-Neuesleo........9 * — 129,5 127.25 —- — — — ManneSmann........8 131,25 131 131 25 130 414% Rumänen OlnlbanL von 1913 20,6 — 20,5 — ManSfelde:.........7 L bericklei. Eilend. Bedarf . . . 6 — 111.75 109 — — 101,75 ffllfl. Denyche 6l|tn»ahii . . 4^ Hamburg-Amerika Patel ... 8 uamd.-Eübam. Dampssch. . . 8 164,5 164,25 164,5 -•01.5 163 Oberschles. SoVwecke . . 6 Thonir Bergbau.....5S Rbeintsche Braunlohlcn. . . 10 90 287.5 90 111.5 91 13 286.25 112 90.5 2«: l?ansa Dampfschijs . 10 — — .'04 20.'. 4 Sbcinftatl k. % Jahr Niebcck Montan......7,7 — 146,5 14S 146 Norddeutscher Lloyd.....8 151,75 154 25 154.9 151 — — AUg. Deutsche Lreditanst. . . 10 Barmer Siankveret» - 10 138 141,5 143.25 138.5 141 138 144 Sc^cinigte Stahlto......6 Otm'iMinen . . . . .tsh 95 95.25 51.26 94 9 51.13 berliner Handeltgesellsch. . . 12 — — 279.Z5 -79.: Kali jycher.'Ieben.....10 — 252 253 -•52 Commerz- und Privo!-Aonk . 11 135.5 184.25 185,75 181 1.' Kali Westeregeln......10 Kaltweck Saßdetfuckh ... 15 265 — 261,75 260,5 Dormsi. ü. Rationalbank 1$ 272 270.75 273 570,5 450 — 44.5.6 <4 11. Aull 12. Juli Amtliche Noti-rung Amtliche Notierunz Selb ent' '^elv Brie > Slmft.-RoN- Buen- AireZ Brll.-ckntw Shriskianta Kopendaa-n Stockholm - (557^ 1.768 58,39 111.55 111.99 112,21 168,99 1,772 58,51 112,17 112,21 112.43 166,78 1.770 03,12 112,09 112,29 169,12 1,774 M.54 113,27 112.31 112,61 fetlnngforS. (itaiitn . ■ in.jji 21. it, 20.375 10,561 42.00 20,415 10.5i 21.965 20,394 10,55 32,005 20,1.15 Neovork . . 1.1895 4.1975 4.1935 15,41 4.200 Pari- - . - 16,39j 16,4j: 16,45 Schivey . . 80.7» Ü0,28 30,78 80.94 Svantrn . 69,05 69.19 69,01 19, U» Yavon - . . «Kto d« San. 1.931 1.93a 1,911 1.938 0 500 9.502 U.50U u. 5 b 2 Wie n ta T - Ceft aboeft -9,00 59.1Z -9,14 »9,26 Dtao . 12,41» LZ.W 12.1-2 1 12,443 Belgrad . - 7,363 7,87. 7,373 7.387 Dadrvell • • <3,00 73,15 73,04 73,1» SSnlcaricn . 3,037 3.043 J/J'27 3,033 yiffcbou 18.dd 1*,92 18.83 18.87 Ian do ■ - - 81.45 61.61 81.52 81,6» Qonft-juüt. 2.138 2.142 1.130 2.131 Athen. . . 5,415 M25 6,425 5,435 Canaba . . 4,177 4.261 4.186 4,181 4,16'5 Urn uav. . 4,269 4,2d. 4/2 >4 latro 20 90 20.94 20 918 20.95» Becktn. H. Orult ♦*el» ♦h-w- arnrrtfanrlttt Noir,..... 4,171 4,191 Belgische Noten ...... Tänckche Noten ........ (Enatifd* Noten ....... M.4* 111,75 5M.7Z 112,19 20342 .11