Nr 61 Erstes Flatt 178. Jahrgang Montag. 12. März 1928 Lricheinl lügilch. autzei Sonntags -»nd Feiertags Beilagen. (Lietzener Famiüendtättei Heimat im Bild Die Scholle MonatS'Lezvgrprels. 2 Reichsmark und 20 Reichspfenntg für Iräger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernjprechanschlüss«: 61, 54 und 112 Anlchrist für Drahtnach» richten Hnjetger €tefte«. povscheckkonto: $raitffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmtf Hflb üerlog: MKW Untverfitürr-Vuch. mit» Stcbiörndcrel R. Lang« tn Stehen. Schriftlettung und Seschäftr«e!Ie: rchns^rahe 7. Lnaayme von an$etgea für die Tagesnummer bt» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re» klamean;e,gen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° , mehr. Thefredalrteur Dr Frtedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H. Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen. Sowjetfeindliche Verschwörung im Donezbecken? Verhaftung deutscher Ingenieure wegen angeblicher Teilnahme an Sabotageakten in russischen Bergwerken. Moskau, 10. Mürz. (MTB.) Der Staatsanwalt beim Obersten Gerichtshof der Sowjetunion veröffentlicht eine Mitteilung über die Aufdeckung einer gegenrevolutionären Organisation im Bezirk Schachty (Donezbecken). die sich mit der Deborganisieroag und Zerstörung dec Steinkohlenindustrie dieses Bezirkes besaht habe. Die Zentrale der Organisation befinde sich im Auslände und bestehe aus ehemaligen Eigentümern und Aktionären der Kohlenunternehmungen des Donezbeckens. Als Agenten dieser Organisation in der Sowjetunion dienten Ingenieure, Techniker und Steiger sowie Angestellte, die von ihren ehemaligen Direktoren Gehalt bezogen und Sonderbeträge von Agenten des ausländischen Spionagedienstes erhielten. Die Organisation befähle sich jahrelang mit böswilliger Sabotage der Kohlenwirtfchaft zum Teil durch direkte Zerstörung von Bergwerken und Fabrikbetrieben durch Brandstiftungen. Explosionen und Beschädigung der Maschinen. 3m Donez- gebiet wurden sechs deutsche Ingenieure im Zusammenhang mit der Sabotageangelegenheit In den Kohlengruben, darunter drei von der ALG„ verhaftet. Der Vertreter des Wolfsbureaus erhielt vom hier anwesenden Direktor der Ruftland- abteilung der ALG. die Auskunft, dah die verhafteten Ingenieure als ehrenhafte Wissen- fchaftler bekannt seien. Sollte, wie zu erwarten. hinsichtlich der verhafteten Ingenieure der Sabotageakt als unbegründet nachgewiesen wer- den können, so würden sich zukünftig grohe Schwierigkeiten ergeben. Ingenieure zu finden, die geneigt wären, hierhergeschickte Maschinen aufzumontieren. Der Vertreter des WTB. betont, dah die ausländischen Grubentnter- essen im Donezgebiet vor dem Krieg hauptsächlich in französischen und belgischen Händen lagen. Der deutsche Botschafter in Moskau hat in dieser Angelegenheit die erforderlichen Schritte eingeleitet. Ein Bericht Rykows. Gegenmaßnahmen der Lowjetgcwerkschaften. AEG. dem „Montag" mitgeteilt: Die Verhafteten sind der Oberingenieur Ernst Goldstein, der bisher in der Turbinenfabrik angestellt war, «Gngenieur Otto und Monteur Meyer. Alle drei stehen seit einer Reihe von Jahren in den Diensten der AEG. und sind unbedingt zuverlässige Leute, bei denen es vollkommen ausge- ch l o s s e n ist, dah sie sich irgend etwas hätten zuschulden kommen lassen. Aach einer Meldung des „Montag" aus Bochum hält es die Firma Köppers, die im Donez-Gebiet zehn Personen beschäftigt hat, für ausgeschlossen, dah diese sorgfältig aus- gewählten Angestellten sich in Auhland politisch betätigt haben. Die Firma Karl Still in Recklinghausen, die im Donez-Gebiet Kohlen- ventila'.ionsanlagen baut, hat keinerlei Rach- richten über Verhaftungen von ihren Ingenieuren. Schwere Zergstmzkaiastrophe in Brasilien. Erdrutsch in der Stadt Santos.-Viele hundert Tote unter den Erdmaffen. Bisher 150 Opfer geborgen. Rio d e Janeiro, 1L 2Härj. (MTV.) Die Stadt Santos ist durch einen Bergrutsch aus dem Mont Serraigebirge von einer furchtbaren Katastrophe betroffen worden. Mehrere hundert Meuchen liegen unter den Erdmassen. Bisher find 150 Leichen geborgen. Der Bergrutsch ist durch vor kurzem niedergegangene Wolkenbrüche veranlaht worden, die die eine Seite des Mont Senat unterwuschen. Die einzige Warnung für die Bevölkerung war das herabrollen eines riesigen Felsblockes, der über dem Bergabhang in das Hospital Santa Rosa stürzte. Im nächsten Augenblick folgte die Bergmasse von etwa 10 Millionen Kubikmeter und begrub das Hospital und eine Anzahl anderer Gebäude in einer Ausdehnung von 100 Meter und In einer Tiefe von 12 Meter unter sich. Ungeheure Erbmassen und herabrollende Steine drangen in die Straften von Santos und nötigten die Bewohner zur Flucht. Obgleich die Bevölkerung aus die Mög- lichkeit eines Bergrutsches hingewiesen war, waren doch keine Anzeichen dafür vorhanden gewesen, datz eine solche Gefahr unmittelbar drohe. So wurden früh gegen 46 Uhr viele Bewohner der von dem Unglück betroffenen Gegend im Schlaf in ihren Betten von der Katastrophe überrascht. Die bisher ausgefundenen Leichen sind meist gräflich verstümmelt. Es ist noch immer unmöglich, die genaue Zahl der getöteten Personen sestzustellen, viele Personen werden noch als oermiftt gemeldet und es wird befürchtet. dah einige Leichen überhaupt nicht gesunden werden können, da die aus dem betroffenen Stadtteil lagernden Erdmaffen zu groft sind. Die Polizei hat angeordnet, daft alle neben dem Berge, um den sich die Stadt an drei Seiten herumlegt, wohnenden Personen ihre Häuser zu verlassen haben. Dies erwies sich als glückliche vorfichtsmaft- regel, da heute ein zweiter Erdrutsch an der entgegengesetzten Seite des Berges erfolgte. Diesmal kam niemand ju Schaden. An den Ausgrabungsarbeiten beteiligen (ich mehr als 1500 Polizisten. Soldaten und Freiwillige. Das Hospital von Santa Rosa, das eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt war. ist schwer beschädigt worden, aber die meisten Patienten konnten unverletzt nach I anderen Stadtteilen in Sicherheit gebracht werden. Die Opfer de» Unglückes sollen aus öffentliche Kosten bestattet werden. Der V. D. A. für Südtirol. MoSkau, 11. März. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Meldung von einer Verschwörung im Donezbecken hat in Wirtschasts- und Ingenieurkreisen der Sowjetunion schärfste Entrüstung hervorgerusen. Der Vorstand des Zentralrates der Sowjetgewerkschaften wählte einen Ausschuß zur eingehenden äl n t ersuch u n g der Begleitumstände der Verschwörung und zur Festlegung entsprechender Gewerk- schaftsmaßnahmen. Der Vorstand des Ingenieur- und Technikerverbandes der Sowjetunion und die Sektion der Ingenieure und Techniker beim Dergardeiterverband nahmen, in außerordentlichen Versammlungen Entschließungen an, die die an der Verschwörung Beteiligten scharf verurteilen und ihre strenge Bestrafung verlangen. Sie sprechen gleichzeitig ihre vollste ßD^alität gegenüber der Sowjetregierung und ihre Bereitschaft aus, den Kampf gegen die wirtschaftliche Gegenrevolution mit allen Kräften zu unterstützen. 3n einem in der Vollversammlung des Moskauer Sowjets erstatt.'ten Bericht tadelte Aykow, der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare, die mangelnde Wachsamkeit der Wirtschaftsorgane und anderer Stellen, unter deren Augen eine Gruppe von zwölf gegenrevolutionären Fachmännern Sie Kohlenindustrie dieses Bezirks planmäßig desorganisiert hätte. Ein Ingenieur, der zu den Leitern dieser Gruppe gehöre, habe in der Untersuchung erklärt, dah die Gruppe e i n Konglomerat von monarchistischen Mitgliedern der Kadettenpartei und anderer gegenrevolutionärer Parteien darstellte, die sich den Sturz der Sowjetmacht und die Wll>erherstellung der kapitalistischen Ordnung zum Ziele setzte. Rylow erklärte weiter: „Ich will nicht den Gedanken zulassen, dah deutscheoder englischeFir- men, also Firmen, die mit uns arbeiten, sich selbst mit solchen Dingen befassen. Es ist jedoch festgestellt, dah unter den Ange st eilten und Agenten einiger Auslandsfirmen sich direkte Teilnehmer an dieser gegenrevolutionären Verschwörung befinden. Einige dieser ausländischen Fachmänner sind verhaftet worden und werden dem Gerichte übergeben werden." Zum Schluh betonte Rykow, dah die weitaus größte Zahl der Fachleute sich gegenüber der Sowjetmacht loyal verhalten hätte. Eine Erklärung der AEG. Eine politische Betätigung der verhafteten Jngenieurewird für ausgeschlossen gehalten Berlin, 12. März. (W. T. B. Funkspruch.) Zu der Verhaftung dreier Ingenieure der AEG. im Donez-Gebiet wird von der Direktion der Eine Entschließung gegen die Llnterdrückung deutschen Volkstums durch das fafzistifche Italien. Berlin, 11. März. (TU.) In seiner heutigen Hauptausschuhsitzung faßte der Verein für das Deutschtum im Auslande nach Erstattung des Geschäftsberichtes durch den geschäftssührenden Vorsitzenden, Admiral S e e b o h m , auf Antrag des Landesverbandes Bayern folgende vom Deichsminister a. D. Dr. Külz vorgelegte Entschließung für Südtirol: „Mit tiefer innerer Anteilnahme verfolgt das deutsche Volk im Deutschen Reiche das Schick- sal'der deutschen Minderheiten innerhalb nichtdeutscher Staatsgebiete. Während einzelne Staaten sich bemühen, die kulturelle und volkstummäßige Eigenart der in ihrem Gebiete wohnenden deutschen Minderheiten zu achten, sieht sich in anderen Staatsgebieten das Deutschtum den schwersten Bedrückungen ausgesetzt. Insbesondere kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß das den Deutschen in S ü d t i r o l bei i'rem Uebergang in den Slaats- verband des Königreichs x. ._i.cn verpfändete Königswort, auf Schutz ihrer Kultur und ihrer deutschen Eigenart, nicht eingehalten, sondern dah planmäßig auf die Vernichtung dieser Eigenart hingearbeitet wird. Das Recht des Menschen auf sein Volkstum und seine Kultur ist genau so ein Menschenrecht wie das Recht auf persönliche Freiheit. Der Staat, der hiergegen verstößt, versündigt sich an den ursprünglichsten Menschheitsrechten und Kultur- geboten. Wie das deutsche Volk getreu des von ihm gewollten Prinzips des Friedens und der Versöhnung die Eigenart der im Statsgebiete des Deutschen Reiches wohnenden nationalen Minderheiten stets achten wird, so verlangt es die gleiche Achtung auch der deutschen Minderheiten in fremden Staatsgebieten. Erhaltung der deutschen Muttersprache in Haus, Kirche und Schute, Erhaltung deutschen Volkstums und deutscher Volks- sitte sind ein Naturrecht des Deutschen, gleichviel in welchem Staatsgebiet er wohnt. Auch im nichtdeutschen Staatsgebiet soll der deutschstämmige Bewohner loyaler Staatsbürger dieses Staates sein, aber das kann er nur fein, wenn man in i h m den deutschen Menschen achtet. Den Deutsä)en im deutschen Menschen wird fein Gewaltakt vernichten können. Der Staatsmann wäre ein schlechter Kenner seiner eigenen Mission und der in Ihm liegenden Kulturl.-st. der da glauben wollte, durch Bedrückung des Deutschtums etwas anderes zu erreichen als den doppelt zähen willen zur Erhaltung der deutschen Art und die millionfältige Anteilnahme des deutschen Volkes an dem Schicksal der bedrückten Volksgenossen. Das geschriebene Recht des Völkerbundspaktes und der ihm nachfolgenden Verträge nennt nur im beschränkten Umfange einen Schuh der Minderheiten. Aber dem ungeschriebenen Recht der Menschheit ist dieser Schuh ein selbstverständliches Gebot, und der Völkerbund, der sich mit wachsendem Erfolg bemüht, die materielle und soziale Rot der Menschheit zu lindern, würde sich selbst verleugnen, wenn er verständnislos bliebe gegenüber der seelischen Rot derer, denen das Menschheitsrecht auf Erhaltung ihrer Muttersprache, ihrer Sirte und das Recht auf Erhaltung der Heiligtümer ihres Volkstums geraubt werden soll. Es gibt kein zivilisiertes Volk in der Welt, das den Raub am materiellen Eigentum nicht verdammte. Es darf auf der Welt auch keinen Staat geben, der, ohne von der Welt gebranömarft zu werden, ungehindert Raub begehen darf am seelischen Gehalt und am Volkstum seiner nationalen Minderheiten. Mussolinis Sklaven in Südtirol. Englischer Bericht über die Spionagethrannei Italiens. London, 11. März (SU.) Die „Sunday Expreß" veröffentlicht heute in großer Aufmachung einen Bericht ihres Sonderkorrespondenten aus Bozen, dem es unter großen 'Schwierigkeiten gelang, nach Südtirol hineinzukommen, um die wahren Verhältnisse an Ort und Stelle zu studieren. Der Berichterstatter leitet seine Ausführungen, denen er die Ueberschrist „Mussolinis Sklaven in Südtirol" gibt, damit ein. dah er bittet, diese Rachrichten aus Südtirol, erst jenseits der Grenze weiterzugeben, da hier in Südtirol nicht erlaubt fei, die Wahrheit zu sprechen oder zu schreiben, es sei denn im Flüsterton. Südtirol, ein Garten Eden in den Bergen, sei durch das fas illische Regime in eine Gefangenenanstalt verwandelt worden. Die Bevölkerung sei durch die schweren Strafandrohungen so eingefchüchtert worden, daft nidjt eine Silbe aus ihnen herauszubekommen sei, denn die Strafe für Weitergabe von Informationen, die den guten Ramm Italiens schädigen konnten, betrage mtweder 15 Jahre Gefängnis oder Verbannung nach den furchtbaren Liparischen Inseln. Bei seiner Ankunft in Bozen habe er einen Auto- djauffeur gefragt: „Also hat man euch in zehn Jahren nicht italianifieren können?" Der Chauffeur habe sich daraus nach allen Seiten umgesehen, bevor er antwortete: „Ich bin Tiroler und werde als solcher sterben, was auch immer Bernhard Mayer dazu sagen wird." Bernhard Mayer sei ein Deckname für Mussolini, dessen Name kein Tiroler auszusprechen wage. Don einem jahrelangen Freunde, dessen Persönlichkeit über Der- chwörungen ohne Zweifel erhaben sei, und den er habe besuchen wollen, sei ihm die Antwort zuteil geworden: „Ich bitte und flehe Sie an, nicht in meine Nähe zu kommen. Ich werde Tag und Nacht beobachtet, und sollte ich mit einem Journalisten gesehen werden, so werde ich vom 5 le d weg nach den Inseln verbannt werden." Zott mit der schwarzen Schmach! Brutales Sittlichkeitsvcrbreären eines marokkanischen Loldaten Speyer, 10. März. (SU.) TPie erst jetzt bekannt wird, wurde am Sonntagabend die ledige Katharina Gelte aus Ludwigswinkel von einem marokkanischen Soldaten in brutalster Weise vergewaltigt. Als das Mädchen auf der Station Rothweiler einen Zug verlieh, sprang ihr aus dem fahrenden Zug ein Marokkaner nach, folgte ihr und holte sie an einer im Walde gelegenen einsamen Stelle der Eisenbahnböschung ein. Er packte sie, warf sie zu Boden und brach den verzweifelten Widerstand des Mädchens durch Faustschläge. Er zerriß feinem Opfer die Kleider und vergewaltigte es. Auf die Hilferufe der Un- glücklichen nach Vater und Mutter erwiderte er: „Richts Vater, nichts Mutter, ihr allein!" Die deutschen Behörden haben sofort Mach Bekannt- werden des Verbrechens die Untersuchung ausgenommen, die durch die französischen Militärbehörden ebenfalls betrieben wird. Der Vorfall kommt deshalb so spät der deutschen Oeffentlich- keit zur Kenntnis, weil die Ueberfallene sich zuerst in ihrer Rot an öle französische Veh örde gewandt hat. Oie polnischen Senaiswahlen. Geringe Wahlbeteiligung. - Die ersten Ergebnisse. — Wahlterror in Oberschlesien. Warschau, 12. März. IW. T. B. Funkspruch.) Die gestrigen Wahlen zum Senat sind nach den bisher vorliegenden Meldungen in allen Teilen Polens ruhig und ohne Zwischenfälle verlausen. Das allgemeine Interesse an den Wahlen war geringer als bei den Sejmwahlen des letzten Sonntags. Die Wahlbeteiligung betrug im allgemeinen kaum mehr als 40 bis 50 Prozent, während bei den Sejmwahlen etwa 85 bis 60 Prozent der Wählerschaft an den Urnen erschienen war. Um 4.20 Uhr morgens lag aus dem Wahlkreis Warschau das folgende vorläufige Gesamtergebnis vor: Regierungsliste 96 405, polnische sozialdemokratische Partei 25 084, Kommunisten 27 334, Minderheitenblock 36 432, Rational- katholischer Block 65 156, jüdische regierungsfreundliche Liste 14192. Sonach erhalten im Warschauer Wahlkreis der Regierungsblock 2, nationalkatholischer und Minderheitsblock je einen Senatssih. — Vorläufiges Gesamtergebnis im Wahlkreis Oberschlefien: Regierungsblock 134 338 Stimmen, Minderheitenblock 115 571, Korfantypartei 66 774. Danach erhalten in Oberschlefien der Regierungsblock 2, der Minderheitenblock 1 (Dr. Panti und die Korfantypartei ebenfalls 1 Senatsfitz (Korsanth). — In der Wojwodfchaft Pofen hat die Senatswahl für den nationalkatholischen Block 2. für die christl. Demokraten und Wiiospartei 2. für die Regierungspartei 1, für den Minderheitenblock 1 und für die nationale Arbeiterpartei ebenfalls 1 Mandat ergeben. Rach einer Meldung der TU. aus Kattowih find von polnischer Seite vielfach gefälschte Stimmzettel der Liste 18 der deutschen Wahlgemeinschaft zur Irreführung der Wähler verteilt worden. Aus diesen Zetteln war die Acht der Rümmer 18 mit einem dünnen Kopierstift durchstrichen, so datz von den Wahlkvmmissionen zahlreiche solcher Zettel als ungültig erklärt wurden. Ferner wurden wiederum von ifjren Behörden für öie Beamten Wahl- ze 11 e l in verschiedenen Farben aus- gegeben, um eine Kontrolle über die Ausübung der Wahlpflicht der Beamtenschaft durchzuführen. In mehreren Orten wurden wiederum die Stimmzettelverteiler der deutschen Wahl- gemeinschast von den Wahllokalen vertrieben. Verschiedene Verteiler wurden so verprügelt, dah sie in die Krankenhäuser geschafft werden mutzten, um dort verbunden zu werden. In Hunderten von Fällen wurden unter Anzweiflung der Identität deutsche Vertrauensleute zu den Wohlkommissivnen und zahlreiche deutsche Wähler zu den Wahlen überhaupt nicht zugelassen. Die vorgeschriebenen Papiere wurden als ungenügende Ausweise nicht anerkannt. Die Wahlbeteiligung dürste den hohen Prozentsatz des letzten Sonntags nicht erreicht haben. Das staatliche Schlichtungswesen. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns an seine Kritiker. Berlin, 11. März. Die „Germania" veröffentlicht eine Unterredung mit Reichsarbeit s- Minister Dr. B r a u n s, in der sich der Minister eingehend über die Probleme des Schlichtungswesens äußert. Das Schlichtungswesen, so führte Dr. Brauns aus, hat sich im allgemeinen bewährt und der Erhaltung des Arbeitsfriedens und Volksoermögens mehr genutzt, als die meisten ahnen. Die Kritik- preffe spricht fast ausschließlich gegen die Verbind l i ch k e i t s e r k l ä r u n g von Schiedssprüchen, durch die angeblich die an sich gute und gesunde Wirkung des Schlichtungswesens in ihr Gegenteil verkehrt werde. Allerdings kann die Möglichkeit der Derbindlichkeitserklärung zu einer Verminderung des Verantwortungsgefühls der Arbeitgeber» und Arbeitnehmerverbände führen. Eine Abhilfe fei dadurch möglich, daß die Verbindlichkeitserklärung a u f d a s äußer ft e Maß beschränkt werde und tatsächlich nur in Fällen erfolgt, in denen schwerwiegende Interessen der Allgemeinheit sie verlangen. Wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr als bisher an einem' Geiste wirklicher Arbeitsgemeinschaft zusammenfänden, so würde auch die Zahl der Verbindlichkeitserklärungen immer geringer werden. Der neue Schiedsspruch fürdieVerlinerMetallindustrie Erneute Zblehnunq durch dieArbeitnctrmer Berlin. 10. März. (WB.) Eine neuein- gesetzte Schlichtungskammer hat in dem Konflikt der Berliner Metallindustrie einen Schiedsspruch gefällt, wonach bis zum 30. Sunt 1928, längstens aber bis zum Abschluß eines L o h n t a r i f e s für die Facharbeiter und die angelernten Arbeiter die Stundenlöhne und Qlf ordverdienste der Werkzeugmacher in den einzelnen Betrieben oder Betriebsabteilungen mit dem Arbeiterrat unter Hinzuziehung von Ber- tretern der Werkzeugmacher einer Nachprüfung unterzogen werden. Kommt keine Einigung zustande, wird eine von den beiden Bertragsverbänden eingesetzt« paritätische Kommission die Akkordberechnungsgrundlage für die einzelnen Werkzeugmachergrupven fest- seyen. Der Manteltarifvertrag wird durch eine für die Werkzeugmacher geltende Anlage ergänzt, wonach, soweit eine Kalkulation möglich ist, Arbeiten der Werkzeugmacher im Akkord ausgeführt werden können. Bei iigkeiten hat eine Kommission der Arbeitnc^' er mit der Betriebsleitung darüber zu verha.. .i. ob die Arbeit im Akkord auszuführen und wie h-o ch der Akkord festzusehen ist. Kommt es nicht zu einer Einigung, so soll eine von den beiderseitigen Verbänden zu ernennende paritätische Kommission von je drei Fachvertretern endgültig entscheiden. Die Arbeit wird zum kürzesten Termin ausgenommen. Der Streik gilt nicht als älnterbrechung des Arbeitsverhältnisses im Sinne des Tarifvertrages. Maßregelungen finden nicht statt. Die Erklarungsfrist läuft bis zum 12. März 1928 10 älhr vormittags. . Die erweiterte Streikleitung des Deutschen Metallarbeiteroerbande» hat den neuen Schiedsspruch des Schlichters heute abend nach mehrstündiger Beratung abgelehnt, weil die festgesetzten Löhne nicht den Wünschen der Werkzeug, wacher entsprächen. Wie eine Korrespondenz hört, werden die Parteien voraussichtlich am Montagoor- mittag in das Reichsarbeitsministerium zu Ver- handlungenüberdieVerbindlichkeits- erklärung dieses Schiedsspruchs geladen werden. Es sei damit zu rechnen, daß der Schiedsspruch für rechtsverbindlich erklärt wird, so daß beide Parteien an die darin festgelegten Abmachungen gebunden sind. Schiedsspruch für das Buchdruckgewerbe. Berlin, 10. März. (WB.) Der Deutsche Buch- druckerverein teilt mit: Das tarifliche Zentral- schlichtungsarnt fällt.' gestern nacht einen Schiedsspruch, wonach der Spitzenlohn vom 1. April ab von 52,50 Mark auf 5 6 Mark je Woche erhöht wird: Erklärungsfrist für beide Parteien bis zum 17. März. Oie Lage der Reichsfinanzen. Minister Köhler über Ergänzungshaushalt und Phoebusaffäre. Hildesheim, 11. März. Hier hielt Reichs- frnanzminister Dr. Köhler eine Bede, in der er entschieden den Gerüchten über eine etwaig« Sn- flation entgegentrat. Die deutsche Mark h^rbe noch nie so fest gestanden wie heute. Selbst der Reparationsagent, Parker G i lB e r t, habe das ausdrücklich betont. Zu den Angriffen gegen die Regierung wegen der Phoebus-Film- Angelegenheit erklärte der Minister, die jetzig« Regierung habe an diesen sowohl nach der sachnchen wie nach der personellen Seite hin tief beschämenden Vorgängen keinerlei Anteil. Erst tm Verlaufe der auf Wunsch des Reichskanzlers vom Präsidenten des Reichs- rechnungshoses, Dr. Samisch, vorgenommenen Untersuchung habe er davon Kenntnis erhalten, daß ein früherer Finanzminister (Dr. Reinhold) eine Bürgschastsurkunde in Höhe von mehreren Millionen Mark unterzeichnet habe. Von dieser Tatsache sei im Reichsiinanzministe- rium bis zu dem angegebenen Zeitpunkte niemandem etwas bekannt gewesen. Auch die Akten des Amtes enthielten keinerlei Hinwers auf eingegangene Verpflichtungen. Die eingetretenen Millionenverluste für das Reich seien auherordenllich bedauerlich. Eine hieraus hergeleitete und in der Oesfentlichkeit deklarierte ,.M i h w i r t s ch a f t" könne aber wohl kaum auf das Konto der jetzigen Regierung geschrieben werden. Die Finanzen des Reiches seien, wie der Mi- uifter weiter erklärte, trotz der außerordentlich harten Anspannung gesund. Der Ergänzungshaushalt für 1928 entl a'.te zunächst die Auswirkungen der Besoldungsordnung aus den Stellenplan des Reiches. Darüber hinaus sei von den Anforderungen neuer Stellen oder der Umwandlung niederer in höhere Stellen vollständig abgesehen worden. Außerdem enthalte der Ergäiizungshausl:alt daS R o t p r o g r a m m mit seinen dringend notwendigen Hilfeleistungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet. Die Finanzierung dieser Aus- Schluß her Genfer Ratstagung. Oie Saarregierung. Ein Finnländer an Stelle des Belgiers zum Mitglied derNegierungskommisston ernannt Genf, 10. März. (WTB.) Der Völkerbundsrat vollzog heute vormittag in nichtöffentlicher Sitzung die Wahl des Bürgermeisters von Hel- singfors, Ehrenroth, zum Mitglied der R e g i e r u n g s k o m m i s s i o n des Saargebiets und bestätigte den Präsidenten, Sir Ernest Wilton, und die Übrigen Mitglieder der Regierungskommission auf ein weiteres Sahr in ihren Aemtern. Mit der Wahl Ehrenroths, der Staatsangehöriger einer neutralen Macht und gründlicher Kenner von Finanz», Handels- und Verwaltungsfragen ist, an Stelle des ausscheidenden belgischen Mitgliedes Lambert, ist einem langjährigen Wunsch der Saarbevölke- rung vorn Rat nunmehr endlich Rechnung getragen worden. Sn Kreisen der hier weilenden saarländischen Delegation wird die Wahl als eine glückliche Lösung bezeichnet, die geeignet ist, den jahrelang geäußerten Wünschen der Saarbevölkerung Rechnung zu tragen und insbesondere dazu führt, daß nunmehr die Regierungskommission in ihrer Zusammensetzung noch mehr als bisher den dem Friedensvertrage entsprechenden neutralen Charakter erhält. Das ausscheidende belgische Mitglied, Lambert, dem der Völkerbundsrat in der üblichen Weise seinen Dank ausgesprochen hat, hatte die Leitung des Verkehrswesens. Obwohl die Mitglieder der Regierungskommission die Verteilung der Aemter unter s i ch au bestimmen haben, wird angenommen, daß das neuernannte Mitglied Ehrenroth, der übrigens eine Zeitlang in seiner Heimat als Minister tätig war und das Außenministerium sowie das Finanzministerium leitete, wegen seiner besonderen Sachkenntnis das Verkehrswesen übernehmen wird, wozu er auch wegen seiner vollkommenen Beherrschung der deutschen Sprache besonders geeignet sein dürfte. Die Regierungskommission besteht nunmehr für das nächste Sahr aus dem Engländer Sir Emest Wilton als Präsidenten, dem Franzosen M o r i z e, Snneres und Finanzen, dem Saarländer K o ß m a n n, öffentliche Arbeiten, Landwirtschaft und Sozialpolitik, dem Tschechoslowaken V e z e n s k y , Llnterrichtswesen und dem neuernannten Finnländer Ehlen- r o t h. Oie St. Gotthard-Affare. Der Bötkerbundsrat nimmt den Bericht des Dreierkomiteetz an. Gens, 10. März. (WB.) Der Dölkerbundsrat hat inbezug auf di« Inoestigationsklage der Kleinen Entente einen vom Sreiertomitee oorgelegten «inst- welligen Bericht angenommen, in dem es heißt: Die Mitglieder des Komitees sind der Auffassung, daß der in Rede stehende Zwischenfall die ganze "Aufmerksamkeit des Rates verdiene. Sie haben festgeftellt, daß sie, um dem Rat den verlangten Bericht unterbreiten zu können, ergänzende Auskünfte über verschiedene Punkte einholen müssen. U. a. ist es nötig, von der ungarischen Regierung Erkundigungen zu erhalten, die nur nach Ablauf einer gewissen Frist gegeben werden können. DaS Ratskomite« wird gegebenenfalls von dem Rechte Gebrauch machen, das ihm durch die Entschließung des Rates übertragen wurde, um technische, aus den Organen des Völkerbundes gewählle Sachverständige zu konsultieren, die an Ort u n d Stelle entsandt werden können, wenn das Ratskomitee dies für die Durchführung seiner Aufgabe als wünschenswert ansiccht. Das Komitee beabsichtigt, dem Rat vor seiner nächsten Tagung tm Juni seinen Bericht zu übermitteln. Die Entschließung wird in den Kreisen der ungarischen Delegation als eine Lösungsform angesehen, die durchaus tragbar ist und mit der" die Angelegenheit rascher zu Ende geführt werden kann. Aus dem Gang der Verhandlungen, auch so weit sie vertraulicher Art waren, ist zu schließen, dasi von der Anwendung des Inoestigations- protokolls nicht die Rede war. Auch von der Seite, von der die stärkste Stellungnahme für eine Investigation zu erwarten war, ist bei den Verhandlungen anerkannt worden, daß das Ratskomitee in seinen Entschließungen über die Art und Weise der vorzunehmenden Erhebungen vollkommen frei ist. Der äußerst« Fall einer formellen Investigation wäre nur in Frage gekommen, wenn Ungarn den heutigen Bericht a b g e le h n t und damit eine grundsätzliche Erörterung notwendig gemacht hätte. gaben sei absolut einwa.idsrei. Von einer vollständigen Aufzehrung etwaiger Reserven könne dabei keine Rede sein. Den Etat des Reiches auf Grund einer vorsichtigen und sparsamen Wi.t- schastungsführung unter allen Umftänben i m Gleichgewicht zu halten, sei seine vor ehmste Ausgabe gewesen. Sm übrigen stecke noch eine recht ft arte Reserve in dem Spiritu s m o n o - Pol. Eine sparsame öffentliche Wirtschaft fei selbstverständlich bringe td erforderlich, aber nicht etwa, weil die öffentliche Wirtschaft jetzt maßlose Verschwendung treibe, sondern weil die Lasten des verlorenen Krieges uns außerordentlich schwer drückten. Sm Sahre 1928 haben wir aus den Kriegslasten rund 2,2 Milliarden zu leisten, wozu noch an inneren, durch den Krieg entstandenen Lasten weitere 2 Milliarden kommen. Diplomatisches Revirement. Berlin, 10. März. (TLI.) Die Veröffentlichung des seit langem in Aussicht genommenen Revirements im Auswärtigen Amt wird, toi« von zuständiger Seite mitgeteilt wird, Ansang nächster Woche nach der Rückkehr des Reichs- autzenministers nach Berlin erfolgen. Rach dem „Berliner Tageblatt" find u. a. folgende Aende- rungen vorgesehen: Der Botschafter in Tokio, Dr. Solf, tritt in den Ruhestand. An seine Stelle tritt der bisherige Gesandte in Lissabon, Voretzsch. F r den neugeborenen Botschaft r- posten in Buenos Aires ist der bisherige Gesandte in Brüssel, von Keller, ernannt worden. An die in eine Botschaft umgewandelt« bisherige Gesandtschaft in Santiago bi Chile kommt bet bisherige Gesanbte in Belgrad, Olshaufen. Für den Posten eines Gesandten in Brüssel ist der Dirigent im Auswärtigen Amt, Gehcnmrat Horstmann vorgesehen. Geheimrat von Baligand geht als Gesandter nach Lissabon. Ministerialdirektor Wallroth ist zum Gesandten in Oslo ernannt worden an Stelle des aus dem Dienst scheidenden Gesandten Romberg. Seine Stelle als Leiter der Ostabteilung wird Geheimrat Dr. von Dirksen einnehmen. Den Poften des nach Brüssel gehenden Geheimrats Horstmann übernimmt Freiherr von Richt- Hosen, der bisherige Leiter bet Angelegenheiten bes Rahen Ostens. Für Geheimrat von Baligand ist der beseitige Vortragende Legationsrat der Gnglandabteilung, Dr. v.Kaufs» mann, ausersehen. Als Rachsolger des bereits abberufenen Gesandten in Reval, Frank, ist der bisherige Generalkonsul in Barzelona, Schroetter, ernannt worden. poisdamer Siadtverordneienwahlen. Potsdam. 11. März. (WB.) Die Potsdamer Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung haben folgende Verteilung der Mandate gebracht: Deutschnationale 16 (1924: 19), Sozialdemokraten 14 (5), Deutsche Volkspartei 3 (3), Kommunistische Partei 2 (3), Deutsche Soziale Partei 0 (2), Deutsche Demokratische Partei 1 (2), Zentrum 1 (1), Bodenreform 1 (0), Handel, Gewerbe, Grundbesitz. Mittelstand 5 (6). Unterzeichnung der Freigabevortage. Washington, 10. März. (WTB.) Präsident C o o l i b g e hat die Freigabevorlage unterzeichnet. Sm Staatsdepac «ment wurde erklärt, daß man. nachdem die Freigabebill nun Gesetz geworden sei, demnächst Verhandlungen mit der deutschen Reichsregierung über d i e Zulassung verspätet angemeldeter Ansprüche amerikanischer Bürger beginnen werde. Es wurde jedoch betont, daß ein großer Teil dieser Forderungen von Leuten komme, die in Papiermark spekulierten und ihr« Verluste ersetzt haben wollten. Derartige Forderungen erachtet die Regierung der Vereinigten Staaten gls nicht eintreibbar. Sie werde sie daher garnicht erst einreichen. I ------------------------ Aus aller Wett. > Sturm auf der Nordsee. Aus der Rordsee herrscht schwerer Ost- sturm, der in Verbindung mit dem dadurch hervorgeru enen Wasserstand der Elbe große Schwierigkeiten für die Schiffahrt im Gefolge hat. Aus der Elbe beträgt der Wasserstand bei Hochwasser fünf Fuß unter normal. Die ankommenden großen Dampfer sind größtenteils gezwungen, bei den Feuerschiffen vor Anker zu gehen. Eine große Anzahl tiefgehender Schiffe, unter denen sich auch der Hapag-Dampfer „H a m b u r g" (von Reuyork kommend) befindet und der von Afrika ein kommende Dampfer „11 f a m b a r a“, muhten in der Elbmünbung liegen bleiben. Der von Bremen ankommende Hansa-Dampfer „DrachenfelS" wurde' in Cuxhaven bei dem Versuch, seinen Lotsen abzu- setzen, von dem Sturm gegen daS Bollwerk getrieben und konnte nur mit Hilfe von Schleppern wieder freikommen. Der deutsche Dampfer „Elsfleth", mit Holz von Danzig kommend, ist auf bet llnterelbe mit einem unbekannten Dampfer zusammengestohen und mußte in Hamburg in s Dock gehen, um die Schäden feftzustellen. Schwere Stürme im Stillen Ozean. — 200 Menschen ertrunken. An den japanischen Küsten herrschen schwere Stürme. Der amerikanische Dampfer „President Lincoln" (14 000 Tonnen) gab aus dauernde drahtlose Anrufe keine Antwort und ist seit Samstag überfällig. Fünf Heinere japanische Schiffe find mit zusammen 200 Personen an Bord untergegangen. Die japanische Regierung sandte Flugzeuge und Zerstörer aus, um nach den überfälligen Dampfern zu forschen und etwa noch in Rot befindlichen OcbUfen Hilfe zu leisten. Line feste Verbindung zwischen Stralsund und Rügen. Der 'immer lebhafter werdende Verkehr zwischen der Insel Rügen und dem Festlande hat den Wunsch nach einer festen Verbindung mit der Insel Rügen laut werden lassen. An Stelle der bisher geplanten Hochbrücke, deren Herstellungskosten mit etwa 50 Millionen Mark veranschlagt werden, ist man dazu übergegangen, die Möglichkeit eines Damm- o a u e s, ähnlich dem Sylter Bau, zu prüfen. Der Damm, der für eine zweigleisige Eisenbahnlinie und zugleich als Derkehrsstraß« gedacht ist, wird mit 18,5 Millionen Mark veranschlagt. Die Züge für Rügen werden in Zukunft auf dem Hauptbahnhof in Stralsund zusammen gestellt werden, was einen Ausbau der Anlagen des Stralsunder Hauptbahnhofes bedingt. An der tiefsten Stelle des Sundes wird eine Flut-Oeffnung in den Damm geschaffen, wo eine Klapp-Brücke von etwa 5,5 Meter Höhe eingebaut werden soll. Durch den Fortfall der jetzigen Trajekt- Schiffsanlage würde die Möglichkeit zu einer bebau tenben Erweiterung ber Stralsunder Hafen- anlagen gegeben sein. Raubmord an einem poftagenten. Am Freitagnachmittag ist auf der Straß« zwischen Lenggries bei Tölz und Fall ein Raubmord verübt worden. Der Postagent Karl in Fall begab sich am Freitag nach Lenggries, um die Lohngelder für das Forstamt zu holen. Er erhielt 14 000 Mark, kehrte aber nicht zurück. Rach längerem Suchen fand der Gendarm Karl als Leiche am A l t w a s s e r b e 11 der S f a r. Die 14 000 Mark fehlten. Die Leiche wies vier Schüsse in Brust und Kopf auf. Es liegt Raubmord vor. Der Tater ist noch nicht bekannt. Schweres Sireckenunglück bei Nizza. Aus der Brücke über den Siagne-Flutz bei Rizza sind sechs Eisenbahnarbeiter beim Uebcrqueren der Gleise von einem Zuge ersaßt und getötet worden. Raubüberfall in einem Juwelierlaben. Sn Hamburg begingen in vorgerückter Rachmittagsstunde ein Mann und eine Frau einen Raubübersatt in einem Suwelierladen. Sie ließen sich Ringe oorlegen: plötzlich zog der Mann einen Revolver und riß unter Bedrohung der Geschäftsführerin das Tablett mit den Ringen an sich. Ein Angestellter deS Geschäftes hielt die Mittäterin des Räubers fest, während die Geschäftsführerin dessen Verfolgung übernahm. Der Räuber gab aus der Flucht zwei Schüsse ab, durch die ein Passant schwer und ein anderer leicht verletzt wurde. Er wurde schließlich von einem Polizeibeamten festgenommen. Der von dem Räuber schwer verletzte Passant ist kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus feiner Verletzung erleg en. Zwei Frauen durch eine Explosion gelötet Sm Keller einer Züricher Apotheke erlitten zwei weibliche Angestellte durch eine Explosion schwere Brandwunden, an deren Folgen sie heute im Krankenhause verstorben. Aulodlebslahl und Raubüberfall. In Wien wurde ein Fiattraftwagen im Werte von 12 000 Schilling, der von dem Besitzer, dem Arzt Dr. Donath, vor dem Haupttelegraphenamt unbeaufsichtigt stehen gelassen worden war, von zwei Unbekannten gest o hl-en. Eine Viertelstunde später fuhren zwei Männer mit dem gestohlenen Auto vor dem Bank- und Kommissionsgeschäft Rosenberg auf dem Kolowrat-Ring vor, begaben sich in das Geschäft und zwangen die Frau des Besitzers sowie eine im Geschäft anwesende Kundin mit oorgehaltenem Revolver, sich ruhig zu verhalten. Einer der Männer sprang über den Verkaufstisch und raubte auf zwei offenstehenden Panzerkassen Klassenlotterielose und österreichische B a u l o s e im Werte von 160 Schilling, worauf beide das Lokal verließen und rasch davonfuhren. Das gestohlene Auto wurde um 5.30 Uhr abends in Meidling herrenlos a u f g e f u n • den. Von den Tätern fehlt jede Spur. Polizeipräsident Freiherr von Korfs t- Der vor einigen Wochen in den Ruhestand getretene frühere Polizeipräsident von Kassel, Freiherr von Korfs, ist an einem Gehirnschlag gestorben. Patentstreit mit der Reichsdruckerei. Vor der Zivilkammer des Berliner Landgericht I schwebt ein Zivilprozeh, den die Er- sinderin und Inhaberin der Patente auf ein Verfahren, das Banknoten gegen Rachahmungen schützt, gegen den Reichssiskus wegen mißbräuchlicher Benutzung dieser Patente durch die Reichsdruckerei angestrengt hat. Die Patentinhabe in, Frau Lampel, beziffert den ihr erwachsend:n Schaden zunächst auf eine Million Mark. Shr ist für die Durchführung ber Klage das Armenrecht zu- gebilligt worden. Die Reich drucker i hat vor dem Reichspatentamt die Richtigkeiis'lage erhoben. mit der jedoch das Reich bisher in allen Snstanzen abgewiesen worden ist. Gefälschte Aspirintabletten. Das Schöffengericht Berlin verurteilte den Apotheker Frank wegen Herstellung von Aspirin- Tabletten zu sechs Monaten Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. Frank - hatte große Mengen der gefälschten Aspirin-Tabletten ins Ausland ausge.ührt. Tie Herstellung des Aspirins erfolgte unter Unterlassung aller sanitären Vorsichtsmaßregeln in einem Hinterhause. Mordtat in der Kirche. Sn Schwetz a. d. Weichsel wurde während der Desperandacht in den Kreuzgängen der Schwetzer Klosterkirche eine Mordtat begangen. Der 21jährige Gymnasiast Krprowski tötete durch einen Revolverschuß feinen Verwandten, den 16jährigen Sohn des Malers Murawski. Die Andacht wurde sofort unterbrochen und dem Verletzten die letzte Oelung erteilt. Da er noch Lebenszeichen von sich gab, wurde er nach dem Krankenhaus gebracht. Ob der Täter aus Fahrlässigkeit oder ilebcrlegung die Tat vollbracht hat, ist noch nicht festgeftellt worden. Die Mordwaffe sott aus seinem Elternhause stammen. Die Metiertaap. "Mambg * am 6 o Ktofltnt =5$ 77------- —Bartn-ms.' ©worxtniovQ neitet <) naio oeaecKL ® «oixig. ® otocciti eitege^ * Schn« a 6r in, Frau Lampel, 'nb'.n Schaden zunächst • art Ihr ist für die das Armentecht zu« W bruder l bat vor e Achtigleitslaae et« das Äeich bisher in siefen worden ist. lirintableUen, ■Berlin verurteilte -en Herstellung von Aspirin« onaten Gefängnis cale. Fronl. haste große Aspirsn-Labfeten ins . Tie hnstellunn des Unterlassung aller tarn« n in einem Werhause. dn Kirche. chsel wurde während ,t in den Kreuzgängen rche eine Mordtat be- tymnallaft Krprowski oloerschust feinen Ter« Sohn des Malers Mu« tbe sofort unterbrochen letzte Deluna erteilt. Da von sich gab, wurde, et ^bracht. Ob der Tatet i Uebetkguna die Tat nicht sestgeM worden, aus seinem Elternhaufe 1 dos auö Nr. 13. 2778V Statt Karten. Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme beim Heimgange unserer teuren Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: August Noll. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am 10. März 1928 unseren lieben Gatten u.Vater Herrn Hauptlehrer Herrn. Bender nach schwerer Krankheit aus seinem arbeitsreichen Leben abzurufen. Frau Anna Bender geb. Lenn Werner Bender. Schupbach (Oberlahnkreis), 11. März 1928. Die Beerdigung findet in Großen-Linden b. Gießen Dienstag, den 13. März, nachm. 3Vr Uhr, vom Hause Obergasse 9, aus statt __________ 2769D Oießen (Mäusburg 12), den 12. März 1928. 277OD „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Matth. 26, 39. Dem Herrn über Leben und Tod gefiel es, unser innigst geliebtes Töchterlein, Schwester und Nichte Lina Schmidt nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, im eben vollendeten 16. Lebensjahr heute morgen 5 Uhr in die obere Heimat abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Schmidt III. nebet Angehörigen. Burkhardsfelden, den 12. März 1928. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. März, nachmittags 2*, Uhr, statt. FRANCK SCHUTZMARKE -•'-mV-; ‘A'. .'i i- L 1 venn der Versuch gemacht wird. Ihnen an Stelle voru Äechl* Franck ein beliebiges Zichorien» Fabrikat aufiureden I Es gibt für AechB* Franck, nichts Qeichvertiges. Dafür bürgen unsere 100 jährigen. Erfahrungen auf dem Gebiet der Zichorienkaffee-Erzeugung. Verlangen Sie ausdruddiih Aecht Franck mit der Kaffeemühle. Verwenden Sie zur Reliefmalerei nur die echten C.MA In den Hauptrollen: i Mylonr1*ttnfc gH|j Mittwoch ik“ mW 2760c •befttQu* * 5 „ Tel. 1659- ntspiele ■orten: Blitz = spannenden Alten. •olle: Witer Westtyp. 00« v Fritz 11 deutscher König •tto Gebühr. hnls: Julie Serda Berthold Relßig Wilhelm Hertwig Ella Wagner Anton Polntner Peter van Hahn Maria Beißenhofer Dina Gralla Eva Scbablinski Gustav Rodegg Erich Briese Prana Stein Holger-MaUen i Emst Baurat . Bernd Aldor Jaro Führt Käthe Haak Jahre 1917 wurde km Landtag der Beschluß gefaxt, alle Mittelschulen in Hessen aufzuheben. Daraufhin wurden in die unterste Klasse keine neuen Schülerinnen mehr ausgenommen. Jahr für Jahr fiel die jeweils unterste Klasse weg, und so ist die Schule von unten herauf langsam abgestorben. Ob' gleich in die bestehenden Klassen alljährlich noch auffallend viele Schülerinnen neu eintraten und damit di« Berechtigung und die Notwendigkeit ihres Weiterbestehens erwiesen, ist die Schule Ostern 1926 vollends eingegangen. Die Erweiterte Mädchenschule hat während der 85 Jahre ihres Bestehens eine nicht unwesentliche Rolle In der Geschichte des Schulwesens der Stadt Gießen gespielt und war stets bemüht, oft unter den schwierigsten Verhältnissen, die ihr bei ihrer Gründung gestellten Aufgaben nach besten Kräften zu erfüllen. Diele Frauen und Mädchen unserer Stadt verdanken ihr innerhalb der gesteckten Grenzen eine gute und gewissenhafte Vorbildung fürs Leben. Sie werden der Schule eine dankbare (Erinnerung bewahren, ebenso wie die Lehrer und Lehrerinnen, die an der Schule wirkten, mit Befriedigung an ihre ersprießliche Tätigkeit an der Erweiterten Mädchenschule zu Gießen zurückdenken werden. II. £t)$eum und Studienanstall. Schon bei der Gründung der Schule im Jahre 1841 war vorgesehen, daß den Mädchen auch über die Konfirmation, d. h. das 14. Lebensjahr hinaus, Gelegenheit gegeben werden sollte, sich in einzelnen Lehrgegenständen weiter auszubilden. Davon wurde anscheinend zunächst wenig Gebrauch gemacht. Erst aus einer Ankündigung im „Anzeigeblatt der Stadt Gießen" vom 20. Oktober 1849 erfahren wir, daß eine Fortbildungsklasse mit besonderen Lehrstunden und erweiterten Lehrzielen in deutscher Sprache und Literatur, in der französischen Sprache, in Mythologie, Geschichte, Naturkunde usw. eingerichtet wurde. Diese Fortbildungsklasse war zunächst viele Jahre hindurch ein rein privates Unternehmen des ersten Lehrers. Erst im Jahre 1869 wurde sie der Schule organisch eingefügt. Bet dieser Gelegenheit wurde auch der englische Unterricht endgültig in den Lehrplan ausgenommen, der seit 1850 zunächst nur wahlfrei gewesen war. Diesen ersten englischen Unterricht erteilte seit 1867 Frl. Luise Honstein, die seit ihrer Ruhestandsver- fehung am 1. Oktober 1899, nunmehr im Alter von 86 Jahren noch in guter Rüstigkeit hier in Gießen lebt. Die gesamte Schule, bestehend aus Vorbereitungs- fchule (der späteren Vorschule), höherer Mädchenschule und Fortbildungsklasse, hatte damals rund 250 Schülerinnen. Diese Zahl stieg, wohl infolge des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs und der raschen Bevölkerungszunahme Gießens, bald sehr erheblich, so daß Ende der 70er Jahre die Zahl 500, also die doppelte Zahl, überschritten wurde und für die meisten Jahrgänge Parallelklassen eingerichtet werden mußten. Das führte dazu, daß für die Schule im Jahre 1880 ein eigenes Gebäude, das Haus der jetzigen Schillerschule In der Schiller, straße, errichtet wurde. Damit war zugleich die Möglichkeit gegeben, die Schule neu aus- und auszubanen. Das geschah dadurch, daß die bis dahin gemeinsame Schule in zwei getrennte Schulen zerlegt wurde. Die eine, die den seit 1877 dieser Schule beigelegten Namen „Erweiterte Mädchenschule" beibehielt, führte wie seither ihre Schülerinnen in der oben geschilderten und bei Gründung der Schule festgelegten Weise bis zum 14. Lebensjahre durch, daneben trat nun als selbständige Anstalt die Höhere Mädchenschule, die ihre Schülerinnen von unten herauf mit den oben für die Fortbildungsklasse angegebenen noch etwas erweiterten Lehrzielen bis zum 16. Lebensjahre unterrichtete. Die Vorschule blieb zunächst den beiden Schulen gemeinsam, wurde aber im Jahre 1891 ebenfalls sür beide Schulen getrennt. Seit diesem Jahre bestand also neben der achtklassiaen Mittelschule, der Erweiterten Mädchenschule, eine vollaueyebaute Höhere Mädchenschule. Die Erweiterte Mädchenschule hatte zu dieser Zeit etwa 240, die Höhere rund 300 Schülerinnen. Beide Schulen blieben jedoch unter einer Direktion in dem gemeinsamen Gebäude unter dem Namen „Höhere und Erweiterte Mädchenschule" vereinigt. Die Höhere Mädchenschule war damit zu einer selbständigen vollausgebauten zehnklassigen Anstalt geworden und mußte sich, schon wegen der gegen- fettigen Anerkennung der Abgangs- und Entlassungszeugnisse, nun auch tn den Kreis der übrigen gleich- artigen Anstalten im Reich einstigen. Raphael Mengs. Zu feinem 200. Geburtstage. Von Dr. F. Ernst. Die QIu6brütung von Wunderkindern vermittelst drakonischer Erziehungsmaßnahmen war eine Eigenart des achtzehnten Jahrhunderts. •Unter vielen anderen fallen uns die Namen Beethoven und Mozart ein; aber die Tausende, die als Opfer solcher Methoden früh erschöpft und im Kerne zersetzt, am Wege verdarben, sind vergessen. Ms dem aus Kopenhagen stammenden, in Dresden tätigen Miniaturmaler Ismael Mengs am 12. März 1728 in Aussig ein Sohn geboren wurde, bestimmte er ihn, ebenso wie einen älteren Sohn und zwei Töchter, zum Maler; er verlieh dieser Absicht äußeren Ausdruck, indem er ihm die Namen Antonio Naphael gab; Antonio Correggio und der göttliche ilrbinate waren seine Ideale. Sein Haus lag in einer abgelegenen Gegend der sächsischen Hauptstadt, er war Witwer und ein eigenwilliger zäher Sonderling. Der älteste Sohn entfloh dem väterlichen Gefängnis, irrte jahrzehntelang friedlos in der Welt umher und fand schließlich eine bescheidene Lebensstellung in Oesterreich. Dafür beugten sich die drei anderen Kinder ergeben der Zucht des Vaters, die, nicht ohne System, einseitig auf die Erlernung künstlerischer Fertigkeiten hinauslief. Die drei muhten buchstäblich den ganzen Tag von früh bis spät zeichnen, malen, kopieren. Am Tage durften sie niemals ausaehen; um sie der freien Luft nicht ganz zu entziehen, führte der Vater sie nachts durch die Straßen der Stadt, und es war ein Fest für die Kinder, wenn wenigstens der Mond schien und etwas von der Welt zu sehen war Noch später, als der junge Naphael, der seltsamerweise bei dieser krankhaften Dressur nicht zusammenbrach, in Dresden und in Rom schon Triumphe als Maler gefeiert hatte, fand ein Besucher deS seltsamen Hause« im ersten Zimmer, dem deS DaterS, 'Biertrug, Pfeife, Bibel und Peitsche auf dem Tisch liegen, im zweiten und dritten sahen die beiden Töchter und Naphael malend, aber so verschüchtert, daß sie von ihrer ( Hier war im Jahre 1872 der Deutsche Verein für das höhere Mädchenschulwesen gegründet worden. Allmählich kam auch die Frauenfrage in Fluß, die im Jahre 1891 zur Gründung des Allg. deutschen Lehrerinnenvereins führte. Beide Vereine nahmen, in Verbindung mit anderen ähnlichen Organisationen, die Förderung der Belange der Frauen- und Mädchenbildung energisch in die Hand. Eine Regelung des höheren Mädchenschulwesens in Preußen im Jahre 1894 sand nicht den Beifall der beteiligten Kreise, und Arbeit nicht aufzublicken wagten. Dieser Besucher, ein Sänger Annibali, erzählte August dem Starken von dem jungen Künstler, sein Pastell entzückte den König, und Raphael sowohl wie seine Schwestern wurden mit glänzenden Pensionen angestellt. Es wurde Mode, sich von Raphael Mengs malen zu lassen, dem König selbst folgte die Hofgesellschaft, und die Pastelle jener Zeit gehören zum Einheitlichsten und Besten, was Meng« je gemalt hat. Lind August der Starke war großmütig genug, das junge Talent zur weiteren Ausbildung nach Italien zu schicken. Dort verlieh er die leichten, vergänglichen Pastellfarben, gewöhnte sich an die Oeltechnik und schuf eine Madonna, die für ihn lebensbestimmend werden sollte. Richt nur, daß dies Bild ihm die volle Bewunderung seiner Zeitgenossen einbrachte, er sand auch in dem Modell der Madonna, der schönen Römerin Margarita Guazzi, eine Gattin, die er anbetete und der zu Liebe er feinen Glauben wechselte. Die Schwestern folgten ihm darin sogleich, der Vater, der jetzt zur Rolle des komischen Wien verurteilt war, nach einiger Zeit gleichfalls bezeichnenderweise, „weil in einer wohleingerichteten Familie niemals zweierlei Meinungen herrschen dürfen". Der junge Meister kehrte nun, schon mit dem Lorbeer jungen Ruhmes geschmückt, nach Dresden zurück. Der König und die Königin ließen sich in ganzer Gestalt malen, die Aufträge flössen auch sonst reichlich. Der bisherige erste Hofmaler, der Franzose Louis de Sylvestra, zog sich beleidigt nach Paris zurück. Aber der kühle Norden hielt Raphael Mengs nicht lange, kurz daraus befand er sich wieder in Rom, und hier spann sich eine Freundschaft an, die seiner Kunst und seinem Denken eine neue Wendung, nämlich zum Klassizismus gab. Winckelmann war gerade in Rom angekommen, und die beiden Deutschen schlossen sich innig aneinander an. Mengs, von dem Fanatismus Winckelmanns für das Altertum ergriffen, streifte alles Rokokohafte in feinem künstlerischen Wesen ab, gab sich der Antike hin und suchte „edle Einfalt und stille Größe" zu verkörpern. Er hatte dabei vollen Erfolg bei feinen Zeitgenossen, die ihn über Raffael setzten und seine Werke mit Gold auftoogen — hatte Mengs doch in1 seiner besten Zeit Einkünfte von nach langen heftigen Kämpfen und Auseinandersetzungen erfolgte in dem Jahre 1908 die völlige Um- und Neugestaltung des höheren Mädchenschulwesens in Preußen, die auch für die anderen deutschen Bundesstaaten vorbildlich wurde. Sie brachte, abgesehen von den Vorschulen, die Einteilung der höheren weiblichen Bildungsanstalten in Lyzeum und Studienanstalt, neben die als völlig neue Einrichtung noch die Frauenschule trat. (Schluß folgt.) 120 000 Mk. allein für seine Bilder im Jahre, ganz ungerechnet seine hohen Pensionen von verschiedenen Höfen, und dies, während die anderen Maler in Nom vor den Toren der Kar- dinäle um Arbeit betteln mußten. Und muten diese Kunstbestrebungen seines Mannesalters kühl und frostig an; wir empfinden seinen Eklektizismus, der aus Natur und Kunst das Beste auswählte, um es in feinen Werken anzubringen, als Niedergangserscheinung; wir können den Rausch, dem sich seine Zeit vor seinem Hauptwerke, dem Apollo mit den neun Musen in der Villa Albani, hingab, nicht mehr verstehen, sondern fühlen gerade hier die gefährliche Nachwirkung der falschen, auf einseitige Fertigkeit ab» zielenden Erziehung. Wir, wenn wir Raphael Mengs genießen wollen, suchen uns seine Bildnisse und Pastelle aus, in denen sich allerdings eine ungewöhnlich große Kunst der Farbbehandlung mit feiner Auffassung der Persönlichkeit paart. Während seines verhältnismäßig kurzen Lebens — er starb schon 1779 — hatte Mengs das Glück, den Mitlebenden immer mehr als die Verkörperung aller Kunst zu erscheinen. An den Höfen von Madrid und Neapel war er zu Hause und mit hohen Iahrgeldem ausgezeichnet, der Papst förderte ihn, Katharina von Rußland, August der Starke, ja, sogar der franko» fische Hof suchte Bilder von ihm zu erwerben. Ms er gestorben war, übernahm der spanische Hof, da er selbst trotz seiner großen Einkünfte fast nichts hinterlieh als die Kunstsammlungen, seine vier Töchter auszustatten und für feine Söhne zu sorgen; zwanzig Kindern hatte die einige Jahre vor ihm verstorbene schöne Margarita das Leben gegeben. Neben der schöpferischen Kunstarbeit ging eine reiche kunstkritische Tätigkeit. Nachdem ein, industriell veranlagter Engländer namens Webb ihm die Niederschrift seines ersten Werkes entliehen, in« Englische überseht und unter dem eigenen Namen herausgegeben hatte, wurde er vorsichtiger, und seine ästhetischen Schriften, die nach seinem Tode in vier Bänden erschienen, blieben lange ein Leitbuch des Faches. — Deine größte Bedeutung lag wohl darin, daß er als erster den deutschen Namen in der Kunst der Siebenhügelstadt wieder zu Ehren brachte, un- pathie der Bürgerschaft für daS Wollen unB Streben bet Jugend erkennen. Es war ein recht erfreulicher Anblick, diese jungen Menschen zu den Klängen ihrer Zupfgeigen, Mandolinen und Violinen, sowie mit frohem Gesang guter Wanderlieder einhermarschiersn zu sehen. Der gestrige Iugendherbergstag in unserer Stadl hat in eindrucksvoller CfDcife offenbart, daß die frischen Kräfte in unserer Jugend rege am Werk sind und Erfreuliches für die Zukunft erwarten lassen. Mit der Anerkennung für unsere Jugend ob ihres bisherigen Schaffens sei der Wunsch verknüpft, daß sie sich auch weiterhin mit Lust und Liebe in den Dienst ihrer Sache stellen und mft nie erlahmendem Eifer ihrem I Ziele zustreben möge. Bisher hat unsere Jugend in dem Vorsitzenden der Gießener Ortsgruppe des Verbandes für Deutsche Jugendherbergen, Bürgermeister Dr. Frey, und in dem ehrenamtlichen Geschäftsführer Dr. F1 ö r t e aufrichtige Freunde und warmherzige Führer gehabt, denen Dank und Anerkennung ge ührt. Daß unserer Jugend die Kraft dieser beiden Männer ) und der Schwung ihres idealen Wollens auch weiterhin erhalten bleiben möge, zum Besten der Gießener Jugend, das ist ein Wunsch, der aus der gestrigen Gießener Jugendherberge- Veranstaltung noch erwachsen ist. Oberheffen. Landkreis Gießen. u. Klein-Linden, 11. März. Der hiesige Männerge sang verein „Eintracht", der älteste am Platze, versammelte am Samstagabend in dem Saale der „Deutschen Eiche" seine Mitglieder und Freunde zur Feier des 6 3. Stiftungsfestes. Die unter Leitung des Chormeisters Fritz C u r t h s (Gießen) vorgetragenen Chöre von Pracht, Sturm, Sonnet u. a. zeugten von guter Schulung und gründlicher Durcharbeitung, so daß Sänger und Dirigent großen Beifall ernteten. Auch Zwei flott gespielte humoristische Einakter fanden dankbare Aufahme. Durch den Vorsitzenden August Böcking wurde dem Mitglied Heinrich Nau- mann für seine 25jährige aktive Sängertätigkeit ein Diplom überreicht und er für treue Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied ernannt. Der Verein hat in letzter Zeit eine ganze Anzahl neuer Mitglieder aufnehmen können und zählt gegenwärtig rund 60 aktive Sänger. Mit Anerkennung erwähnt seien noch die vortrefflichen Musikvorträge der Kapelle Weller (Gießen). -ö- Grohen-Linden, 10. März. Zu der Nutzholzversteigerung unserer Gemeinde hatten sich zahlreiche Handwerker und Gewerbetreibende aus den umliegenden Orten eingefunden. Infolge der starken Nachfrage wurden sehr hohe Preise erzielt. Für Gichenstämme 2. Kl. wurden 25 bis 27 Mk., 3. Kl. 40 bi« 48 Mk.. 4. Kl. 96 Mk. Kiefernstämme Kl. 1b 21 bis 27 Mk., Kl. 2a bis 3b 26 bis 45 Mk.. Kl. 4a 45 bis 52 Mk._ Fichtenstämme Kl. la bi« 2 b 28 bis 40 Mk. je Festmeter geboten; Kiefernnuhscheit 38 bis 42 Mk. je Schicht, Fich- ten-Nuhreisig 2,50 bis 5 Mk. je Raummeter. -5- Leihgestern, 10. März. Die letzte Brennholzversteigerung unserer Gemeinde war von Käufern auS der näheren und weiteren Umgebung sehr stark besucht. Es wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenschett 39 bis 43 Mk., Eichenscheit 34 bis 39 Mk., Kiefernscheit 25 bis 30 Mk. je zwei Raummeter, Buchenwellen 16 bi« 19 Mk. je 50 Stück, Eichennutzscheit (2,5 Meter lang) 40 bis 41 Mk. je 2 Raummeter, Eichenwellen 14 bis 17 Mk. je 50 Stuck, Eichenknüppel 26 bis 30 Mk. je 2 Raummeter, Kiefernwellen 6 bi« 9 Mk. je 50 Stück, Eichenstöcke 5 bis 6 Mk. je 2 Raummeter. (D (Brüningen, 11.März. Der Landwirt und Metzgermeister Wilhelm Jäger, der vor einigen Wochen ein Schwein mit dem ansehnlichen Lebendgewicht von 9Ö0 Pfund geschlachtet hatte, konnte dieser Tage ein zweites Schwein mit annähernd sieben Zentner Lebendgewicht schlachten. chDaub ringen, 10. Marz. Dieser Tage wurde die einzige trie6jäf)rige Brenn holzver st elge-- rung im hiesigen Gemeindewald abgehalten. Es batten sich nur Einheimische eingesunden. Die Preise bewegten sich anfangs in recht beachtlicher Höhe, gingen jedoch, nachdem sich die Käufer mit Holz ein* gedeckt hatten, stark zurück. Die Durchschnittspreise seien mitgeteitt: für Buchenknüppel, je zwei Raum- meter: 24 bis 27 Mark; Fichtenscheit, je zwei Raum- ermüdlich die Künstler um sich versammelte und jenem Romhunger die Wege bahnte, der fast ein Jahrhundert lang die deutsche Kunst förderte, sie aber auch geopfert hat. Lektüre in Gegensahen. Von Max Imignicket. Eichendorff im Walde lesen, das wäre: ein Licht mit einem leuchtenden Stern anzünden. Man muß die Gegensätze spielen lassen, dann wird alles wundersame Lebendigkeit. Gin wahrhaftiges Menschenmärchen sollte man unter Wäldergrün und Bächeriescln lesen. Nie mehr vergesse ich die Stunden, wo ich, vogelumzwitschert, waldwind- umrauscht, »Romeo und Julia auf dem Dorfe" las. In einer Herberge lese man keine Abenteuergeschichten, man greife nach Goethes Gedichten, und die Seele, die noch ganz voll von Landschaftsfarben bebt, wird wie ein seliger Fährmann in das ewige Schiff Goethes steigen. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt: Claudius wird wirklich an Winterabenden, bei Knisterlohlen und Bratäpselduft. Nein, man lese Claudius im Frühling, in Paris, auf einer Parkbank sitzend. Ein hinreißendes Stück deutscher Landschaft kniet dann vor den Füßen des Lesers. Durch einen staubgewischten »Salon" lasse man die Schalkszunge eines Wilhelm Busch züngeln. Er wirkt hier wie ein gutmütiger Jakobiner. Walther von der Dogeiweide in einem Bauerngarten, wo alles sattfarbig durcheinanderwächst, wird zum deutschen Paradiesvogel. Meiner Ansicht nach war Kleist oder Shakespeare oder Nietzsche nicht die richtige geistige Kost im Schützengraben. Diese Heroen mutzten im heroischen Geschehen verwehen. Ich las im ilnterftanb des Knaben Wunderhorn und Grimms Märchen. Nie mehr habe ich mich so verbrüdert mit dem singenden, jubelnden Herzen meine« Daterlande« gewußt wie damals, al« über mir der Tod kroch und ich verklärt über beide Bücher gebeugt saß. Gegensätze spielen lassen, das gibt Leben unb Wunder. Auf Weiß Schwarz sehen, aus Grün Rot. In Sandstrecken einen Baum bringen, über Verwüstung einen Vogel schicken, unter italienisch« Sternen ein Buschwindröschen betasten. Dmm fühlt man erst den tiefen 6hm eines Buches. LugendheBergsiag Gießen 1928 ander Aussoiterung, das Jugendherbergswerk und die Arbeit der Jugendbünde sowie die Wanderfreu- der Lorelei-Paraphrase wirkungsvoll ein. Ein Mitglied der Jugendvereinigung der Matthausgemernde Gießen sprach darauf das Gedicht „Kampf!" von Siegfried Kühn, schließend fang die Deutsche Freischar mit frischen Stimmen ein Seemannslied. Schulrat H affin ge r (Darmstadt), der Direktor der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und der Jugendpflege in Hessen, wandte sich hierauf mit einer gehaltvollen Ansprache an die Jugendlichen und an die Eltern, denen er die hohe Bedeutung des Wanderns und des Jugendherberaswerkes in eindringlichen und trefflichen Worten schilderte. Erfreulicherweise werden dem Jugendherbergswerk immer größeres Interesse in allen Volksschichten zuteil. Man erkenne eben in weiten Bevölkerungskrei« sen, daß mrsere Jl gend bei ihren Wanderungen durch die schöne Heimat echte Liebe zur Heimat empfinde, die reiche Früchte trage. Und gerate bei mal- frohe und Heimattreue Menschen feien für unser Vaterland in ter heutigen Zeit dringend notwendig. Aber auch in sozialer Beziehung wirke sich das Ju- gendherbergswerk in außerordentlich.segensreicher Weise au$, denn in den Jugendherbergen kämen sich die jungen Mensäjen ter verschiedensten Volksschichten menschlich einander näher und lernten einander verstehen, was für die Vvlksoersöhnung und Dolks- aemeinschaft sicher von unschätzbarem Vorteil sei. Und auch in assundheitlick)er Beziehung sei das Wandern für ixe Heranwachsende Generation eine Kraftquelle von höchstem Werte, aus der ein starkes und gesundes Geschlecht heranwachse, zum Segen für Volk und Vaterland. Mit Zur weiteren Ausbreitung und Dcriiesung des Iugendherbergsgedankens in unserer Bürgerschaft boten die Gießener Iugend- bünde auf Veranlassung der Ortsgruppe Gießen im Verband für Deutsche Jugendherbergen am Samstagabend und am gestrigen Sonntag einige Veranstaltungen, die sich des regen Interesses der Bürgerschaft zu erfreuen hatten. Die Gesamtheit aller dieser Veranstaltungen wird als „Iugendherbergstag Gießen 19 2 8" in der Geschichte der Jugendbewegung unserer Stadt einen bedeutsamen Platz einnehmen. Am Samstagabend trafen sich die Iugend- bünde aller Richtungen mit ihren Angehörigen und Freunden zu einer Feier im Saale des Katholischen Vereins- Hauses. Der Saal und auch die Galerie waren dicht beseht, im Saale mußte mancher mit einem Stehplatz für mehrere Stunden zufrieden feilt. Was die einzelnen Iugendgruppen hier boten, war ganz aus ihrem eigensten Arbeitsgebiet entstanden. Man bekam dadurch einen Einblick in Die verschiedensten Methoden und Zielsetzungen der Jugendpflege. Auch wenn man, je nach der Weltanschauung oder der Parteistellung, sich nicht mit jeder Darbietung befreunden konnte, zumal wenn ausgesprochene polittsche Kampf- tendenzen sichtbar wurden, so kann man doch immerhin die erfreuliche Tatsache registrieren, daß hier die verschiedensten Geistesrichtungen einmal unter gegenseitiger Achtung und Duldung zum Ausdruck kamen. Unb gerade in dieser Tatsache dürfte u. E. der größte Gewinn des Abends liegen, wenn alle die jungen Leute, die da am Samstagabend in respektvollem Verharren vor dem Wer? der Andersdenkenden in die Oeffentlich- keit traten, diese Toleranz auch weiterhin bekunden und sich zur Richtschnur ihres künftigen Handelns machen. Eine Spielergruppe oes Mandolinen- und Gitarren-Ver- eins „Reapolita" leitete den interessanten Abend mit einem Marsch und digkeit unserer Jugend allezeit zu fördern, schloß ter Redner — nachdem er noch der Stadt Gießen und insbesondere Bürgermeister Dr. F r e y als Dezernenten für die städtische Jugendpflege herzlichen Dank für die verständnisvolle Förderung dieser Bestrebungen ausgesprochen hatte — seine erfreulichen und sehr beherzigenswerten Ausführungen. Die S o z i a ° listifche Arbeiterjugend zeigte sodann hübsche Volkstänze, die Jungdeutsche Schwe- st e r n s ch a f t führte das „Tanzlegendchen", ein Spiel von M. Cordes, auf, Neu-Deutschland ließ das stimmungvolle „Marienlied" singen, hierauf brachte ein Sprechchor der S o z i a l i st i s ch e n A r - beiterjugend das Gedicht von Ernst Toller „Der Tag des Proletariats!" zu Gehör. Zwischendurch bot eine Sängerschar als Einlage einige hübsche Gesänge, darunter das alte trutzige Landsknechtslied, hierauf folgte die Jugend des Turnvereins von 1 8 4 6 mit Darbietungen aus ihrer „Körperschule und Bodenturnen", die so hinreißend waren, daß die Zuschauer immer wieder in stürmischen Beifall ausbrachen. Der Volkstanzkreis der Gießener Bünde zeigte sodann ebenfalls recht gefällige Volkstänze, anschließend brachte die Jugendgruppe des Naturheilvertins „Hans Pechvogels Glücksfahrt", ein lustiges Spiel von Helmuth Neumann, in reizvoller Weise zur Aufführung. Mit gemeinsamem Gesang schloß ter abwechslungsreiche Abend. Der gestrige Sonntag brachte vormittags kurz nach 9 Uhr die (Eröffnung einer Ausstellung im Jugendheim im Asterweg. Zahlreiche Mitglieder der Jugendbünde und eine Anzahl geladener Gäste versammelten sich vor dem Eingang zum Jugendheim, wo die Jungmannschaft die Feier mit dem Liede „Wann wir schreiten Seit' an Seit'!" eröffnete. Bürgermeister Dr. Frey (Gießen) und Direktor Schulrat H a s s i n g e r (Darmstadt) wandten sich hieraus mit feinempfuntenen und ernst ermahnenden Worten an die Jugend, die sie zu ihrer bisherigen Tätigkeit im Rahmen ter Jugenteslege- Bünde beglückwünschten und der sie den Wunsch aussprachen, auch fernerhin auf dieser guten Bahn mit Kraft und Mut voranzuschreiten. Schulrat Hasst n g e r brachte bei dieser Gelegenheit noch einmal den Dank ter Jugend an die Stadt Gießen und an Bürgermeister Dr. Frey für die tatfrohe Förderung der Jugendpflegebestrebung zum Ausdruck. Anschließend folgte ein Rundgang durch die Ausstellung, die in den Tagesräumen des Jugendheims in reizvoller Weise hergerichtet war. An Hand der ausgelegten Vück)er und Schriften konnte man sich ein Bild machen von der vielseitigen Art ter Arbeit auf dem Gebiete der Jugendpflege. Hübsche Handferttakeitsproben bewiesen an anderer Stelle, daß die Jugend auch auf diesem Gebiete ein Betätigungsfeld sucht. Zahlreiche Photographien bezeugten fernerhin, welch' starkes Interesse unsere Buben und Madels für die verschiedensten Gaue bet deutschen Heimat bekunden, die sie in ihren bisherigen Wanderfahrten kennen gelernt haben. Kurzum, man bekam hier ein Bild unserer Jugendpflege, das wegen der Fülle seines Gehaltes und seiner Vielseitigkeit die Weiterentwickelung dieser Jugendbewegung hofsnungsfroh betrachten läßt. Gleichzeitig hatte man auch Gelegenheit, die Raume des Jugendheims selbst in Augenschein zu nehmen und dabei feststellen zu können, daß die Jugend selbst sich die Ausgestaltung und Schmückung ihres Heims sehr angelegen fern läßt. Man kann nur hoffen und wünschen, daß auch weiterhin dieser ausgeprägte Sinn für das Gemeinwohl und das Gute und Edle in unserer Jugend lebendig bleiben möge. Nachmittags bewegte sich ein F e st z u g der Jugend durch zahlreiche Straßen der Stadt. Llnsere Buben und Madels konnten bei diesem Werbemarsch an dem regen Interesse, das ihnen allenthalben entgegengebracht wurde, die Sym- Samstag nachmittag geschloßen Lieferungs-Vergebung ihrer Zwetschenbäume umzuhauen, weil doch kein Ertrag von ihnen zu erwarten ist. Die Stamme 10 Ihrer Heilwirkung gegen Katarrhe, Asthma, Hasten, Heiserkeit, Verschleimung, Grippe und Grippefolgen, 0**^ Magensäore (Sodbrennen), Zucker n. bamaaere Diathese sind die natürlichen Vorbeugung«- tu Heilmittel (ans den StaatL Betrieben) Landes-Seil- und Pflegeanstatt Gießen. Am Dienstag und Mittwoch verkaufen wir, solange Vorrat reicht, aus unseren Lagerbeständen ca. 200 Stück einzelne Korsetts, Hüfthalter und Hüftgürtel, größtenteils mit Gummi-Strumpfhaltern, aus bestem Material, weiß und farbig, teils enge, teils besonders weite Größen (bisheriger Preis bis Mk. 15.00) zum Ausnahmepreis von Mk....... stein) und Dörmer (Lich). Da aber ein einstimmiger Beschluß des Gemeiverats über die sogleich knüppel 8 Mk. Erlenknüppel 3 Mk., Kiefern- knüppel 3 Mk., Lärchenknüppel 3 Mk., Salwei- VeM w. zurückgesetzten 2780»______ _____, MODEHAUS sc» Salomon Sch u Istra ße Nr. 4 Verkauf im I. Stock einer neuen Kirche Schotenuirke BauptniederlBfie fflr Emser Kränclien in fiieSen: Jean Weisel, Sonnenstrahe 6, Telephoa 88. 8037D Sol^submissioN. I Bekanntmachung ir Gemeinde Villingen verkauft auf 1,2"^ vom 12. Marz bis 16. April 1928 werden sämtliche städtischen Straßen« UCH v. luvuvy Stadtbauamt Gießen. Braubach. 2770V Auto-üeei 1790. 1tieD Die Gemeinde Viltingen verkauft auf dem Wege schriftlichen Angebots folgende WöriShoser Kräutertee Mir systematischen Blutretnigung irintertans lang, natürliche Heil-, Pflege'U.vollwertige Nahrungsmittel. r.»§a Sckulstraße 5. denknüppel 2,50 Mk. C. Stöcke: Buchenstöcke 4 Mk., Eichenstöcke 5 Mk. D. Reisig: Duchenreistg 0.93 aRL, Eichenrcisig 1 Mk., Fichtenreisig 2Mk.. Aspenreisig 1,50 Mk., Dirkenreisig 2 Mk., Kie- scrnreisig 1,35 Mk. und Eschenreisig 2 Mk. — Cfci dem prächtigen Wetter der letzten Tage haben schon die ersten F rü h j a h r s a r b e i- ten eingesetzt: Ausästen der Bäume, Beschneiden der Zäune, Errichtung neuer Drahtzäune aus einem Betonsockel, Berbringung der Dünger in die Gärten und auf Aecker, etwas Groben und Säen. Auch die Bautätigkeit hat schon Gerichtsvollzieher ft. A. in Gießen, Jheringstr. 7. — Telephon 1239. Die Nutzholzversteigerung vom 9. März ist genehmigt. Die Abfuhrscheine können vom 16. März l. I. bei den Hebestellen m Empfang genommen werden. Ueberwei- sung 17. Marz l. I., vormittags 9 Uhr. Ablauf der Zahlfrist 1. April 1928. werden vielfach als Pfosten bei Einzäun ungen verwandt. — Der Bertaus von Aepfeln durch die Produzenten ist noch immer nicht beendet, Händler zahlen 8 bis 12 Mk. pro Zentner, je nach Sorte und Deschalfenheit. Die Bachfrage ist rege. — Heu kommt zum Preise von 3 Mk. pro Zentner zum Berladen. Kreis Schotten. Schotten, 11. März. Um zu verhindern, daß durch 'Abbrennen der Hecken weitere Waldbrände entstehen könnten, hat das hiesige Kreisamt erneut angeordnet, dah vom 1. März bis 1. Oktober das Abbrennen verboten ist. Sn den übrigen Monaten darf es nur von Erwachsenen vorgenommen werden, wenn sie eine schriftliche Erlaubnis der Ortspolizel- behörde aufweisen können und die erforderlichen Schuhmahregeln gegen ein Liebergreisen des Feuers aus benachbarte Grundstücke getroffen sind. Der strenger Durchführung dieser Bcstim- mungen kann jedenfalls verhindert werden, dah die Schuljugend am Sonntag ihr Vergnügen daran findet, eine möglichst große Zahl von Hecken abzubrennen und benachbarte Waldbestände zu gefährden. Q Burkhards, 10.März. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern in dem hiesigen D a - saltsteinb r uch. Ein Steinrichter aus unterer Gemeinde war mit der Ausarbeitung seines Kleinschlags fertig und wollte neues Miterial im Bruche holen. Plötzlich stürzten von oben Gesteinsmas- s e n herab und begruben den bedauernswerten Mann unter sich. Nur mit Mühe gelang es den Arbeitskollegen, den Verunglückten wieder zu befreien, der eine schwere Verletzung am Lein davon- [äSj Emser Wasser (Kränchen) / Pastillen z Quellsalz EmsofifiK das beste Mundpflegemittel; verhindert Zahnsteinbildung. In Apotheken, nrnizerlen Minerxlvra»»«rhandhragen U. eineehl. Geschäften. Aber men echte ew» auf E^repenrt «nick. MuflM. Bede- ° BnmnendtrekUen Hansa Handelsschule J.Kunzeimann Gießen, Baitnhofstr. 60 17. April neue Kurse. 27100. leffen. i Ziehen. n 6iSS^la8Qbd) gE.°° eliger Ä wie ei« « $ ist ^^n?soogel- §hal^ 6 E S" "'V ui * 'M ssen. SeSK* fit 0rrr getragen hat. d) Sichenhausen, 11. März. Auch in unserer Gemeinde ist man der Umstellung nähergetreten. Geht man von hier nach Breungeshain, so erblickt man kurz hinter der Gemeinde an der rechten Seite des Weges ein Stück Oed land, das Senges genannt. Diese von Steinen besäte Fläche will man meliorieren. Das Gelände ist schon in einzelne Parzellen eingeteilt, die Gemeinde hat bereits die Berbesse- ruugsarbeiten versteigert. Die Arbeiten sind von hiesigen Einwohnern übernommen worden: es wird ein ungefährer Preis von 200 Mk. je Morgen gezahlt. Die Hälfte der Kosten tragt die Gemeinde, während die andere Hallte vom Staat bezahlt wird. Man hofit. im Laufe des kommenden Sommers eine Iungviehweide hier zu errichten. Gerade für Sichenhausen ist die Errichtung einer Iungviehweide erfolgversprechend. weil die Gemeinde noch eine von den wenigen ist. die nur die Züchtung des roten Bogelsberger Rindes betreiben. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 11. März. Am Rordausgang unseres Städtchens, an der Straße nach Dannenrod bzw. Appenrod zu, wurde vor mehreren Wochen mit der Anlage einer Kanalisation begonnen. Die Arbeiten schritten anfangs auf dem sandigen Unter* gründ rüstig vorwärts, da aber später sich Basalt einstellte, zogen sich die Ausschachtungsarbeiten mehr in die Länge. Die Rohre sind nunmehr gelegt und größtenteils auch wieder überdeckt. Rur die Einlässe konnten nicht gleichzeitig mit eingebaut werden, da man auf deren Eintreffen warten muhte. Sie sind in den letzten Tagen eingetrvffen, so dah nach deren Einbau die Arbeiten bald beendigt sein werden. Der Zweck der Kanalisationsanlage ist, die Abwässer der angrenzenden Gebäude, sowie größere Regenmengen unterirdisch in den Michelbach abzuführen. — Bei der städtischen Holzversteigerung (Brennholz) wurden im Durchschnitt für ein Raummeter gelöst: A. Scheitholz: Buchenscheiter 11 Mk., Hainbuchenscheiter 11 Mk., Eichenscheiter 6,70 Mk., Fichtenscheiter 3 Mk., Aspenscheiter 4 Mark, Birkenscheiter 8 Mark. B Knüppel: Buchenknüppel 7 Mk., Hainbuchen- kliüppel 7 QltL, Eichenknüppel 4,50 Mk., Fichten- knüvvel 6 Mk.. Aspenknüppel 3,70 Mk., Birken* allenthalben begonnen. v. Rieder-Ofleiden, 10. März. Der Steinbruch der Firma K. D a u st e r (Güsten), früher Johannes Becker (Homberg), der^ seit Weihnachten 1927 stillag, ist jetzt wieder eröffnet worden. Dadurch sind viele Steinbrucharbeiter der Hmgcgenb wieder zu ihrem Verdienst gekommen und tonnen auf die seitherige Arbeits- losenur.terstühung verzichten. -r. Flensungen. 10. März. Drei wichtige Probleme beschästigen z. Z. unsere Gemeinde: Feldbereinigung. Kirche nneubau und Wasserleitung. Die Feldberernigung ist halbwegs durchgeführt. Die Finanzierung findet auf dem Wege der Anleiheaufnahme statt. Ihre Kosten belaufen sich auf ungefähr 300 000 Mark. Da wegen Baufäliigleit die Kirche polizeilich gesperrt wurde, soll der Abhaltung des Gottesdienstes in der Schule durch Erbauung " ' begegnet werden. We* gen der Pflasterung ist noch keine endgültige Lösung getrofjen. da die beiden zum Kirchspiel gehörigen Gemeinden Ilsdorf und Stockhausen ich weigern, Zuschüsse zu leisten. Dem Wassermangel unseres Dorfes soll durch Erbauung einer Wasserleitung abgeholfen werden. Für die Provinzial.Pflegcanstatt Lber- Hesse» in Gießen sollen für die Zeit vom 1. April 1928 bis 31. März 1929 auf dem Weae öffentlicher Ausschreibung vergeben werden: Die Lieferungen von: 1. Fleisch-, Wurst* und Fcttwaren 2. Backwaren 3. Milch 4. Butter und Margarine 5. Eier 6. Brennmaterialien. Die Lieferungsbedingungen liegen in der Zeit vom 13. bis 20. März 1928 von 9 bis 11 Uhr vormittags und von 3 bis 4 Uhr nachmittags zur Einsichtnahme auf dem Anstaltsbureau offen. Angebote nut entsprechender Aufschrift versehen sind bis zum 21. März 1928, vormittag» 10 Uhr, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 6 Tage. 2765V Gieren, den 10. März 1928. Direktion der Provinzial-Pflegeanstalt. Dien-tag, den 18. März I. Z., nachm. 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 20 Paar Ledergamaschen, 4 Waren- schränke, 2 Ladentheken, 2 Ladenkassen, 2 Kleiderschränke, 1 Sofa, 2 Schreibtische mit Aufsatz, 2 Chaiselongues, eine Schreibmaschine, 8 Paar Skistiefel, 10 Paar Zuastiefel, 20 Paar Herrenschuhe, 1 Bertikow, 2 Büfetts, 1 Kredenz, 1 Grammophon, 2 Klaviere, 1 Trume au, 1 Oelgemälde, 1 Eisschrank. 1 Stahl- I stanze, 1 Kopierpreffe mit Tisch, 1 fette» Der Bedarf an: 1. Fleifchwaren, 2. Wurst- und Fettwaren, 4. Backwaren (Brot und Brötchen usw.), 5. an sonstigen Verzehrungsgegenstanden (Del, Essig, Zucker. Kaffee, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Butter, Handkäse, Margarine, Marmelade usw.), 6. Reinigungsmaterialien (Kernseife, Soda usw.) soll im Wege des öffentlichen Anerbietens für das Rechnungsjahr 1928 zur Lieferung vergeben werden. Die in Anlage A des Erlasses der Lesf. Mnisterien vom 16. Juni 1893, das «er- dingungswesen betreffend, enthaltenen Bedingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen, sowie die hiesigen Liefe- rungsbedingungen liegen nur am 12., 13. und 14. März 1928, vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3—5 Uhr bei ""Die^Angebotsformulare können gegen Erstattung der Selbstkosten von uns be- ^^ng7bow sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift: Angebot zu. der am 7. März 1928 ausgeschriebenen Lieferung bi» zum Erö s fnnngstermin: _ Dienstag, dem 20. Marz 1928, vormittag» 10 Uhr, hierher einzureichen. In den Angeboten sind die Bedingungen anzuerkennen. Die einzureichenden Warenmuster müssen getrennt von den Angeboten verpackt und mt der Aufschrift: „Muster zum Aus' schreiben vom 7. März 1928" versehen sein. Gießen, den 7. März 1928. Direktion der Lande4-Heil- und Pslege- anstalt Gießen. 2644V wwwn nproflafd)ten findet die Stichwahl erst Am nächsten f 1 Mittw 0 ch stall. An der 2lbslimmung beteiligte sich \ ai ch der 75jährige Beig. D ö r m e r, der in früheren i Jahren Ehrenbürgermeister der Stadt war. < # Hungen, 10. März. Gestern fand im Fürst- : lich Braunselsichen Forstrevier, Distrikt Tiergarten, eine Brennholzversteigerung statt. Neben nahezu 400 Raummeter Hartholz kamen noch 1500 Raummeter Reiser, in der Hauptsache buchene Stammreiscr, zum Ausgebot. Die Preise müssen als normal bezeichnet werden. Knüppel, Buchen und Hainbuck)en, gemischt, kamen auf 7 bis 10 Mk. Buchenkniippcl 8 bis 11 Mk., Eichcnknüppel 5 bis 7 Mk., Fichtenknüppel 4 bis 5 Mk.. Buchenreiflg (Durchforstimgsreiser von einem Kahlabtrieb) 2,50 bis 0.75 Mk. je Raummeter. Die Fichtenreiser waren nicht aufgearbeitet worden und wurden im Schlag aucgeboten. Die Preise waren entsprechend der anfallenden Mengen und der entstehenden Selbstarbeit. Sltetä Fricvbcrg WER. Wölfersheim, 11. März. Bei der Vergebung der Arbeiten zur Errichtung eines Hochbehälters für die Hefrag war wieder reichlich Gelegenheit gegeben, fchönfte Submissionsblüten zu pflücken. Für den eigentlichen Hochbehälter lautete die Höchstforderung auf 221 087 Mk., der Wenigstnehmende ist mit 121 064 Mk. zufrieden. Die Rohrverlegung zeitigte als Spihensorderilng 54 235 Mk., mit 32 672 glaubte der Bescheidenste sicher die Arbeit zu erhalten. Kreis Büdingen. h. Büdingen, 11. März. Die Reichszentrale für Heimatdienst, Landesabteilun.g Hessen, veranstaltete gestern hier im Raushaus- saale eine staatsbürgerliche Bildungstagung, die recht gut besucht war. Es wurden drei Borträge gehalten. Professor Dr. Körber aus Frankfurt behandelte „Die Politik der europäischen Kabinette von der Reichsgründung bis zum Welttriege nach den neuen amtlichen Ber- öfsentlichungen". Rachmittags sprach Dr. E. K l ei n st ü ck, wirftchastlicher Referent der städti- schen Werke in Frankfurt, über .Gegenwartsfragen der Rationalisierung in Wirtschaft und Verwaltung", und zuletzt berichtete Studiendirektorin a.D.Dr.Rosa Kempf aus Frank* furt über ..Die Lage der deutschen Minderheiten in den österreichischen Rachfvlgestaaten". Sämtliche Borträge sanden reges Interesse und vollen Beifall der Besucher. Sie waren frei von Partei- und Jnteressenpolitik und haben sicher zur Vermehrung und Vertiefung der staatsbürgerlichen Kenntnisse der Hörer beigetragen. Durch rege Aussprachen wurde manche Frage noch ausführlich geklärt. # Unter-Widdersheim, 10. Marz. Die Holzhauerarbeiten im hiesigen Gemeindewald haben sich wegen Arbeitermangel, eine Folge der starken Beschäftigung der Basaltindustrie im benachbarten Ober-Widdersheim, und die Bautätigkeit auf dem Schwelkraftwerk Traishorloff, sehr m die Länge gezogen und konnten erst in diesen Tagen beendet werden. Die durch völlige Abholzung des Klappersberges angefallenen größeren Mengen Kiefernstämme wurden auf dem Submissionswege vergeben, und zwar erhielt der Meistbietende, Gebru- der Müller (Hungen), den Zuschlaa. Kiefernstammholz 1. Kl. kostete 28 Mk., solches der 2°- und 2b-Klasse 33 Mk., das der 3a- und 3b-Klaste 38 Mk. je Festmeter. In Fichtenstammholz 1. Klasse wurde Zimmermeister Ulrich (Unter-Schmitten) mit 28 Mk. je Festmeter, in 2. und 3. Klasse Sägewerk Schäfer (Hungen) mit 34 bzw. 88 Mk. fiaufer. — Die Frühjahrsaussaat ist in vollem Gang«. Der Hafer ist schon zum größten Teile gesät. Die Nachfrage nach Kartoffeln, besoi^ers Saatgut, hält an. Der Preis pro Zentner betragt icht 3 40 Mk. - Aus hem Riddatal. 11.März. Der Zwetschenausfall in den letzten vier Iah- ren gab den Anstoß, in diesem Winter ganz ge* > hörig bei den Zwetschenbäumen aufzu- räumen. Sowohl die Gemeinden, wie Private _ 3 rumort V Bekanntmachung Der Voranschlag der Ojemeinbe Langsdorf für Rj. 1928 liegt vom Dienstag, dem 13. Mürz d. Ms. ab eine Woche zur Einsicht der Interessenten auf dem Amts- zimmer des Bürgermeisters offen. Einwendungen können während dieser Zeit schristtich oder zu Protokoll wahrend der üblichen Dienststunden vorgebracht werden. ES ist die Erhebung einer Umlage be- schlossen, zu der auch die Ausmärker bei* zutragen haben. 2786D Langsdorf, den 10. März 1928. Hess. Bürgermeisterei. Kneipp. Holzsorttmente: LoS 1. Kiefernstammholz: Id-Klage 0,67 fm, 23-Kl. 8,78 fm, 2d-Kl. 6,90 fm, 3a-Kl. 2,07 fm. Los 2. Kieferngrubenholz: 6,04 fm. Los 3. Eichengrubenholz: 50,48 fm. DaS Holz ist mit Rinde gemessen und vorher einzusehen. Spätere Reklamationen werden nicht angenommen. Angebote sind, nach Klassen und Losen getrennt, mit der Aufschrift Holzsubmisston bis spätestens den 15. März, nachmittags 4 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle einzureichen, wo* selbst die Eröffnung erfolgt. Nähere Aus- fünft erteilen Förster Lefchhorn und die unterzeichnete Stelle. 2635D Billingen, den 7. März 1928. Bürgermeisterei Villingen. Pauli. Friiche Flußhechte das Pfd. Mk. 1.20 treffen Muiwoch früh ein. 2319 Hamburger Fischhandlung «. Ko» MaMer., Möusburg 1& T. 1612 Gießen, 10. März 1928. 2763D Hess, yorstamt Gießen. meter 20 bis 24 Mark: Kiefern scheit, je zwei Raummeter- 20 bis 23 Mark; Kiefern- und Fichtenknuppel 18 bis 21 Mark: Kiefernstäcke, je zwei Raummeter: 10 bis 14 Mark; Bukbenreiser waren sehr gut bezahlt, je fünf Raummeter 23 bis 26 Mark: Eic^n- knüppel, je zwei Raummeter: 14 bis 18 Mark: Kic- fernreifer, je fünf Raummeter: 6 bis 8 Mark; Stangen verhältnismäßig billig. ck Treis a.tr.ßöa., 10. Marz. Gestern sand hier eine Rutz- und Werkholzver steig e- rung aus den staatlichen Waldungen unseres Bezirks statt Es standen größere Mengen, darunter erstklassige, gute Ware, zum Verkauf. Viele Kaufliebhaber waren sogar von weither erschienen. Die Preise hielten sich so ziemlich ' in der Höhe des Vorjahres. Besonders ausgesuchtes Holz konnte zu recht ansehnlichen Preisen losgeschlagen werden. Durchschnittlich wurde geboten und bezahlt pro Festmeter: für Eichen- fchnittholz 80 bis 90 Mk., Buchenholz 40 kns 50 Mk., Fichtenstammholz 50 bis 70 Mk. Stangen der verschiedensten Klassen wurden, da wenige Interessenten anwesend waren, . zu niedrigen Preisen verkauft. s- T r e i s a. d. L d a., 10. März. Gestern abend wurde in unserer Kirche der zur Zeit von dem Landesverein für Innere Mission in Darmstadt Len evangelischen Gemeinden zur Verfügung ge- stellte Film .Der Hillige Born" vorgeführt, der ungeteilten Beifall fand. Gr zeigt die beim „Hilligenborn" zu Volkmarkstein bei Barmen entstandenen Krüppelheil- und -pflegeanstal- ten mit der Rot ihrer großen und kleinen In- fassen und die Hilfe, die christliche Liebe ihnen bringt. So wird auch der Betrieb der neu* eingerichteten Krüppelanstalt in der Epileptischen- Anstalt zu Olieder-Ranstadt werden. $ Grünberg, 10. März. Sn der gestrigen Gemeinderatsfitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Södel wurde u. a. folgendes beschlossen: Der Gemeinderat wünscht, daß die B a u k 0 m m i s s i 0 n des Gemeinderates zusammen mit dem Reichsbauamt Gießen die Pläne für die zwei Reichsbeamten- Wohnungen über Maße und Preise nochmals durchberät. Die beiden Bauunternehmen sollen zu dieser Beratung zugezogen werden. Das Fahren des Leichenwagens wird an den Wenigstfordernden Karl Hofmann ly. (Grimberg) für die Zeit vom 1. März 1928 bis 1. Marz 1931 (3 Saßre) zu ben im Vertrag angegebenen Bedingungen zum Preise von 5 Mk. pro Fahrt vergeben. Der Müllwagen soll für die nächsten sechs Monate gefahren werden. Sm ersten Monat soll Soh. Kar! Henkel mit zwei Pferden zum Preise von 1.35 Mk. pro Stunde und im zweiten Monat Hermann Rühl II. mit einem Pferd zum Preise von 1,15 Mark pro Stunde fahren. Die beiden Fuhrleute sollen sich dann jeden Monat mit dem Fahren gegenseitig ablösen. Der Ankauf eines Vogelsberger Dullen im Alter von 16 Monaten von Landwirt Braun in Rud- dingshausen zum Preise von 685 Mk. wird genehmigt. Ferner wird beschlossen, den alteren Vogelsberger Bullen, der zur Zucht untauglich ist, zum Schlachten zu verkaufen. Der vor dem Wasserwerk bzw. vor dem Wvhnhause des Wasser- Wärters Schroeder stehende Schuppen soll abgebrochen werden. Das Material soll anderweitig Verwendung finden. Für die Spar- kassesitzungen der hiesigen DezirkS- s p a r k a s s e wird Gemeinderat Leonhard G r d n= hanS als weiterer Gemeindevertreter gewählt. D Lich, 11. März. Bei der am Samstagabend im Gemeinderat abaehaltenen Wahl ei n e s Berufsbürgermeisters der Stadt Lich wurden im ersten Wahlgang 13 Stimmen abgegeben: davon entfielen auf den Beigeordneten Wittich (Butzbach) 4 Stimmen, auf Gerichtsreferendar Karl Dörmer (Lich) 4 Stimmen und auf Referendar a. D. Gail (Oberstem) a. d. R.) 5 Stimmen. Dörmer (Lich) und Wittich (Butzbach) losten dann, wobei Dörmer das Los zog. Es hat nun e,ne «rt.iHiH«nhpn »mischen Gail (Ober- Schwein. Moll fit lu» _ '"en. Ez /Nett PK W zzSS 3 hat ,win dir 3u- lit Al» sh1!"5 « 'dealen Ä3Qnneci 'Stin Äns^'L uenet °er chfen kanale gespült. Während dieser Zeit sind die Rückstau* verfchlüsse an Grundstücksentwäfserungen verschlossen zu halten. Gießen, den 9. März 1928. 27648 Cisenbahnfomitee in Alsfeld. >4 Alsfeld, 10. März. Am Freitagabend sand auf Einladung des Kommerzienrats Grünewald (Alsfeld) eine Versammlung der Mitglieder des ehemaligen Eisenbahnkomitees Alsfeld im „Hessischen Hof" statt. Die Einladung war auf Anregung der Bürgermeisterei Alsfeld ergangen. Die Versammlung hatte sich mit der Frage zu befassen, ob das frühere, vor dem Kriege bereits bestandene Eisenbahnkomitee wieder ins Leben gerufen werden sollte im Hinblick auf die gegenwärtig schwebenden Eisenbahnprojekte für den Vogelsberg und durch das Schwalmtal. Man einigte sich be.'.ug* lich der Frage, ob die Angelegenheit nunmehr dem neugegründeten Verkehrö- und Verlchöne- rungsverein übertragen werden, oder ob daS frühere Cisenbahnkomitee wieder ins Leben gerufen werden soll, dahin, daß das frühere Eisenbahnkomitee wieder in Tät'. g- k e i t treten soll, das verstärkt wird durch den Beriehrsausschuß des Veriehrsvereins AlLfeld. sowie durch Vertreter des Kaufmännischen Vereins, des Ortsgewerbevereins, des Einzelhandels und des Geschäftsführers des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes Alsseld Lauterbach. Als Vorsitzender deS Eisenbahnkomitees wurde Kommerzienrat R a m s p e ck (Alsfeld) gewählt. Für die Führung der Geschäfte wurde ein aus neun Personen bestehender Ausschuß gewählt, der sich nunmehr mit den Vorarbeiten für das Dr 0- jekt Schotten — Alsfeld befassen soll. Starkenburg. • Darmstadt, 11. März. Die Stadt Darmstadt ist der Hessischen kommunalen Gasversorgungs-Gesellschaft (Hekoga) beigetreten. — Hier ist eine Kultur* ftlmgemernbe gegründet worben, die in Anlehnung an eine Filmbühne ihren Mitgliedern volksbilbende und künstlerische Filme bieten will. — Aus den Orten des R ieds wird die Rückkehr der Störche gemeldet. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. 'S'! Für das Frühjahr 1928 bringe ich in meiner großen Spezial-Abteilung für Herren- und Knaben - Kleidung die neuesten Modeschöpfungen in einer Auswahl wie nie zuvor Weit über 1G00 Anzüge in jeder Form und jeder Farbe machen Ihnen die Wahl Ihres neuen Kleidungsstückes leicht / Meine Hauptpreislagen sind: Anzüge .. 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IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIII^ Zahlreiche Zweigniederlassungen in Deutschland Bankmäßige Geschäfte aller Art Der Geschäftsbericht für das Jahr 1927 ist erschienen und kann durch unser Archiv und unsere Niederlassungen auf mündliche oder schriftliche Anforderung kostenlos bezogen werden DISCONTO--GESEULSCHAFT BERLIN MeseyM MkNMlWlNW - (SefeDfiüflft hat für den hiesigen Bezirk die Stelle eines Neisebeamten zu vergeben. Reflektiert wird nur auf einen etltllofiifleo MMmWiMs - Wiioo der an ein zielbewuhleS, vlanmähigeS Arbeiten gewöhnt tit. Herren, die auch tn der letzien Zeit auf bedeutsame Erfolge zurückbltcken können, bietet sich eine angenehme Dauerstellung bet hoben festen Bezügen. Mitbetäligung in allen Sachverfiche- rungSzweigen wird geboten. AuSfübri. schriiil. Bewerbungen unter Angabe der bisher. Tätigkeit und Erfolge im Zach mit Lebenslauf u. Lichtbild erbet, unt. 2578V an den Gteh. Anz. 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Don unterem A. G. A.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Neuhork, Februar 1923. Das Recht eines Landes, der Einwanderung von Ausländern gewifse Grenzen zu ziehen und zu bestimmen, wen es als Bevölkerungszuwachs willkommen heißen will und wen nicht, ist unbestreitbar Wenn die Vereinigten Staaten z. B. drei kleinen Ländern Europas mit insgesamt 800 000 Seelen gestatten, jährlich die gleiche Zahl Einwanderer herüberzu chicken wie China, Japan und Indien mit der tausendfachen Bevölkerung, so hat dies feine guten Gründe. Oeffncte Amerika den Ueberzähligen der ganzen Welt Tür und Tor, so wäre es zweifellos in turger Zeit s e I b st übervölkert. Denn, wenn es auch zutrisft, daß Nordamerika Platz hat zur Aufnahme eines Mehrfachen feiner gegenwärtigen Bevölkerung, so sind doch die Raumverhältnifse keineswegs der Maßstab für die Aufnahmefähigkeit eines Landes. Wäre dem so, dann konnten ja die Curopamüden sich Afrika zuwenden. Es unterliegt allerdings keinem Zweifel, daß faktisch das ganze Gebiet der Bereinigten Staaten bewohnbar ist und ertragsfähig gestaltet werden könnte, dies könnte aber nur dann geschehen, wenn die Einwanderung sich gerade dorthin lenken ließe und die Einwanderer genügend Mittel hätten. um Pionierarbeit zu verrichten. Aber sie gehen nach der Ankunft am amerikanischen Gestade ihre eigenen Wege, und alle Bemühungen der Behörden, den Zustrom zu verzweigen und zu verteilen, haben glatt versagt. Die Gründe hierfür sind so zahlreich und so offensichtlich, daß sie der Erörterung überhaupt nicht bedürfen. Ganz abgesehen vom wirtschaftlichen Gesichtspunkte, spielt hier auch die Raffenfrage mit, die natürlich vom Kongreß nach Möglichkeit übertüncht und vertuscht wird. Wenn internationale ,Höflichkeit" gebietet, daß Amerika anstandshalber China, Japan, Indien ein Iahres- kontingent von 100 Einwanderern zugesteht, ist dies Grund genug dafür, daß das gleiche Zugeständnis auch ganz kleinen afrikanischen oder asiatischen Ländern gemacht wird, deren Völker vom amerikanischen Standpunkte aus bedeutend weniger „begehrenswert" find als die des Fernen Ostens? Es ist nicht einzusehen, warum der amerikanische Kongreß nach wie vor behauptet, er wolle nur „wünschenswerte" Einwanderer, solange das auf solche Länder entfallende Kontingent von dem Europas abgezogen wird und jeweils 100 Weiße zurückbleiben müssen, um Zuwanderern auÄ afrikanischen Aegerstaaten Platz zu machen. Tatsächlich lassen die Vereinigten Staaten jährlich große Mengen Farbiger aus den britischen Besitzungen in Westindien herein, um die ständig zusammenschrumpfende Zahl der Holzfäller, Handlanger usw. wenigstens einigermaßen zu ergänzen, während im Südwesten die Mexikaner in Scharen über den Rio Grande kommen, um die von Italienern und Irländern gebauten Bahnstrecken instand zu halten, auszubessern, zu erneuern. Der immer stärker werdenden Bewegung, auch die Einwanderung auS Wittel- und Südamerika zu lontingen- ttcren, opponieren vor allem die Großunternehmer, die Dahnen, die Besitzer riesiger Weideländereien usw., mit dem Hinweis darauf, daß der Mexikaner und der Reger mit geringem Lohn zufrieden ist, daß der Farbige, dessen Anspruchslosigkeit ihn in bezug auf Lebenshaltung auf eine niedrige Stufe stellt, gewöhnlich im Lande bleibt, während auch der mexikanische Sachsengänger die Frucht seiner Arbeit und dazu noch einen beträchtlichen Teil seines verdienten Geldes in den Vereinigten Staaten zurückläßt, wenn et wieder heimwärts zieht. Merkwürdig ist es aber, daß gerade die Leute, deren Opposition gegen eine freizügige Cin- wanderungspolitik sich auf die Furcht vor der Gefahr einer Senkung des amerikanischen Lebenshaltungstandards gründet, niemals von sich hören lassen, wenn die britischen Schwarzen und die mexikanischen Halb- blütler der einheimischen Arbeit Konkurrenz machen. Man sieht, die amerikanische Cinwande- rungsp'olitik läßt alle möglichen Schlüsse zu. nur keinen einheitlichen. Die Fiktion, daß Amerika jemals als Zufluchtstätte der aus politischen Gründen Verfolgten und Verfemten aller Welt gedacht war, ist nachgerade als das erkannt, was sie in Wahrheit immer gewesen ist. teils die Halluzination von Träumern, größtenteils ober kra ser Schwindel. Allerdings hat sich zuweilen der oder jener, der sich alter Ordnung nicht an- pa'sen wollte, nach Amerika gewandt, aber er wurde nicht als „politischer Flüchtling" zuge- laifen, sondern als ganz schlichter Einwanderer, den man zufällig brauchen konnte. Denn damals war die Einwanderung noch gering. Die europäischen Regierungen wol ten ihre Landeskinder nicht so ohne weiteres einem ungewissen Schick'al entgegenziehen lassen. Das Reisen war kostspielig, die Reisegelegenheiten waren spärlich, und die neue Wett jen eits des Atlantik hatte wenig Verlockendes zu bieten. Aber mit dem Lauf der Iahre, als ein Gebiet ums andere hinzuerworben wurde — durch Kauf oder aber durch Krieg, wenn nötig, um die europäischen Regierungen der Rordhälste der westlichen Hemisphäre fernzuhalten —, ward es klar, daß die räumliche Ausdehnung des Landes nutzlos war, solange nichts zur Besiedlung dieser riesigen Gebiete geschah. Mnb die Folge war eine Einwanderungspolitik, die nur ein einziges Ziel im Auge hatte: die größtmögliche Zahl Einwanderer in der kürzest- möglichen Zeit. Aber auf Iahre hinaus floß der Einwandererstrom trag in einem seichten Bett einher. England hatte andere Kolonien zur Erschließung und Besiedlung. Die kontinentalen Regierungen erschwerten die Auswanderung andauernd. Erst als die Bevölkerungsdichtigkeit die räumliche Enge zu fühlen begann, öffnete man die Schranken, wie z. D. in D e u t s ch- l a n d nach der dem deutsch-französischen Kriege folgenden Depression. Oesterreich-Ungarn begünstigte die Auswanderung erst viel später, so daß das Iahr 1890, auf dem die gegenwärtige Einwanderungs-Kontingentierung beruht, überhaupt nicht, wie es manche fälschlich behaupten, als Spitzenjahr angesehen werden kann, sondern lediglich als Rormaljahr einet großzügigen Einwanderung. Seit den frühesten Sagen der dreizehn englischen Kolonien hatte sich ununterbrochen ein schwacher Auswandere, ström nach Nordamerika ergossen; als Faktor im Aufbau der amerikanischen Ration aber blieb er bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts bedeutungslos. Der jungen Regierung der Vereinigten Staaten drängte sich die Frage auf, welcher Art die Folgen fein würden, wenn die Bevölkerung des Landes nicht rascher zunehme als bis dahin. Die neuen amerikanischen Staaten waren noch nicht imstande gewesen, eine feste Grundlage zum ungestörten Aufbau ihres nationalen Eigenlebens zu errichten, ihre Unabhängigkeit war noch immer fremder Bedrohung ausge.etzt, und die Monroe- Doktrin war noch kaum eine Maßnahme zum Schutze Lateinamerikas (als welche sie jetzt gemeinhin aufgelegt wird) sondern zu dem der Vereinigten Staaten selbst. Im Bürgerkriege erwies es sich, daß zumindest England und Frankreich sich den Teufel um diese Doktrin scherten — Mexiko erhielt einen ihm von der französischen und der englische» Regierung aus- erforenen Kaiser. Infolge der Differenzen zwischen Preußen und Oesterreich mußte Rapo- leon III. Maximilian im Stich lassen, der Habsburger lieh sein Leben, die Monroe-Doktrin halte eine böse Schlappe erlitten. Jetzt begann im amerikanischen Einwanderungswesen die Politik der offenenTüt. Je mehr, desto besser. Amerika mußte Leute haben, die es verteidigen konnten. Die nahm man, wo immer und wie immer man sie fand. Man fragte nicht viel, wenn sie tarnen, fragte sie auch später nicht, als sie sich einbürgern ließen. Die bereitwillige Ausnahme dieser Scharen war nicht nur eine Sache der Landesverteidigung im militärischen Sinne, sie geschah auch in Rücksicht auf internationale Beziehungen. Denn die Vereinigten Staaten wuchsen auch deshalb in ihre ete.lung als Weltmacht hinein und erfreuten sich hoher allgemeiner Achtung, weil alle Welt so viele Stammesgenossen hier wußte. Dazu war jeder (singeiDanbc.te ein ganz bestimmter nai o- naler A.tive osten, und wenn er an irdischer Habe auch nichts mitbrachle. seine Hände auch leer toaren. so brachte er doch f i ch selber, seine Arbc.t-.ust und all die geistigen Güter seiner Heimat mit herüber. Damals war nicht England und nicht Rord- Jrland der vereinigten Staa.en bester Freund. Es ist unrnög ich, im Rahmen dieses Au iatzes auch nur in den flüchtigsten Umrissen d>e vielen Versuche der Engländer zu f iz ier:n, den inzwischen um Louisiana, die Floridas, Oregon, Te.as und Ka i omien vergrößerten Kolo.nen Schwierig e ten zu machen o.er sie, trenn möglich, zurückzucrolem. Während Eng a d um Haa.es- breite daran war, d e Süd.aa.en°..onsöderation als selbständiges Staaliwe en anzuer en e., war es der aus Süd-Jrmnd, aus Deutschland Zu- getoanbeite, der die Sch achten schlug, die England von einem Begehr tarierten, das die Männer in Washingto . notgebrunge : a sKriegs- Handlung hätten betrachten müssen, und das sich in tausend Schikanen o fenoarte. Mit dem Inkrafttreten der nationalen A b st a in m u n g s k l a u s e l würde England 39 032 Einwanderer gewinnen, Deutschland und der irische Freistaat wurden 42104 verlieren. Entspricht dies den amerikanischen Begrif en von Recht und Gerechtigkeit? — hört man fragen. Leider aber ist Gerechtigkeit nicht immer und unbedingt das Ziel aller Gesehgeoung, noch hält sie sich an das, was historisch begründet und angebracht ist. Das beste, was im 69 Kongreß erreicht werden konnte, war ein einjähriger Aufschub, und dies trotz der Tatsache, daß die mit der Ang l'genheit betrauten Regierungsstellen, das Staats-, Handels- und Arbeitsamt, nicht imstande waren, günstiger zu berichten als hier — auszugsweise — wiedergegeben: „Obgleich dies die beste erlangbarc Information ist. möchten wir doch erklären, daß nach unserer Ueberzeugung die erhältlichen statistischen und historischen Daten (über die Abflammung des amerikanischen Dölier- g'm schs) starke Zwei el an dem ganzen Wert e A s eil n'en und Er ebangen als Unter» läge ü. de geöa t n Zwecke (Q ejfon.ingcntie» ruag der Ei.-wanoecung) cctocaen. Wir Oer» m gen unter diesen Um änden keine Berank» Wortung >ür etwaige Schlußfolgerungen zu übernehmen." Dieser Brief vom 3. Januar 1927 an Prä» fLent Coolidge war von den Herren Kellogg. Hoover unb Davis unterzeichnet uni) war \ er Geleitbrief zu den früljer erwähnten Reueontin» genticrungü i fern auf Grund der „nationalen Herkunft". Was die drei Reg e-.-ungschefs da» mit sagen wollten, ist, daß sie nicht einzusehen vermögen, aus welcher Que.e die Herren Statistiker eigentlich ihre Information le ehen. Und mit dieser „Information", für die nicht einmal ihre Entdecker einst ehen, die zumindest den Herren Kellogg, Hoover und Davis nicht genügt, will man nun eine Verschärfung der Ge ehe begründen. Wenn irgendein triftiger Grund das - "or* liegt, warum England und Nord-Irland 3.) 00 mehr, Deutschland und der Irische Freistacn a.?er um fast 43 000 weniger Einwanderer nach Amerika schicken dürfen, so läßt sich allenfalls darüber reden. Nickt aber über Fin e i und Täuschungen, die darauf berechnet sind, e nem Betrug das Mäntelchen historich becrü..d..er Berechtigung umzuhängen. Das sollten sich die Herrscha ten im Kongreß noch einmal reiflich überlegen. Das sollen und werden vor allem d i e großen Verbände der Fremdgeborenen in diesem Lande, mit der deuisa)-amerikanischen Steuben-Gesellschaftander Spitze, ihnen noch einmal nachdrücklich zu Gernüte führen. Tumen, Sport und Spiel. Am die westdeutsche Fußballmeisterfchafi. Preutzcn Krefeld- Kurhcssen Kassel 2:1. Das Spiel um die westdeutsche Fußball- Meisterschaft in Krefeld geüxum Preußen Krefeld gegen Kurhessen Kassel mit 2:1 Toren. Die Krefelder zeigten zwar nicht mehr als die Kurhessen, aber durch ihre Platz» kenntnis gelang es ihnen, den Sieg zu erringen. Das Spiel der Kurhessen hinterlieh einen recht guten Eindruck. Km die süddeutsche Fußballmeisterschaft. In der Runde der Weister toaren am gestrigen Sonntag sämtliche Mannschaften auf dem Plan. Das weitaus meiste Intereffe konzentrierte sich auf die Begegnung der beiden Spihenvereine, die in München zwischen Bayern München und EintrachtFrank- furt vor 25 000 Zuschauern stattsand. Eintracht war durch die Verletzung dreier Spieler stark benachteiligt, htnterlieh aber doch einen Überzeugenden Eindruck und kam nur durch Pech um einen nicht unverdienten Sieg. Sie lag bereits acht Minuten nach Spielanfang mit 2:0 in Führung. Halbzeit 2:1 für Frankfurt, und hielt dann mit geschwächter Elf mit 2:2 wenigstens den Gewinn eines Punktes fest. Der Karlsruher Fuhballverein empfing in bester Form die S p. V g. F ü r t h, der er sehr lebhaften Widerstand leistete und ebenfalls ein 2:2 abrang. Fürth versuchte vergeblich zum Sieg zu gelangen, muhte sogar zweimal den Gegnern einen Vorsprung überlassen, den auszugleichen viel Mühe kostete. Deutlich überlegen erwiesen sich die Stuttgarter Kickers gegen Wormatia Worms. Die Schwaben siegten mit 5:3 Toren, wodurch ihre im ersten Spiel erlittene Riederlage wettgemacht wurde. Deutlicher als es das Spiel- ergebnis von 4:1 Toren besagt, war der Sp o r t- verein Waldhof dem Fuhballverein Saarbrücken überlegen. Saarbrücken trat allerdings ohne Zeimet an und war trotz aller Anstrengungen fast durchweg macht os. An der Tabelle ändert sich durch die beiden Unentschieden nur wenig. Kickers Stuttgart hat Wormatia Worms vom 5. auf den 6. Platz verdrängt. In der Runde der Zweiten und Dritten. Gruppe Rordwest fanden nur zwei Spiele statt. Der Tabellenführer, F. Sp. V. Frankfurt, lieferte Rotweiß Frankfurt ein teilweise sehr schwaches Spiel. Ramentlich in der ersten Halbzeit konnte F. Sp. V. gac nicht zur Geltung kommen und muhte dem Gegner mit 0:2 die Führung überlassen. Erst gegen Ende des Sviels fielen die drei Tore für F. Sp. D., das dritte sogar erst fast gleichheitigl mit dem Schlußpfiff. Ergebnis 3:2 für F. VP. Eine große Ueberraschung vollbrachte Saar 0 S Saarbrücken, der als vorletzter der Tabelle den F. Sp. V. 0 5 M a i n z 1:0 schlug. Hierdurch wurde Mainz aus seiner bedrohlichen Lage gegenüber dem glücklicheren F. Sp. V. Frankfurt verdrängt und folgt diesem nunmehr mit sieben Punkten Abstand bei zwei Spielen weniger. Da- Treffen V. s. L. R e d a r a u gegen Borussia Neunkirchen wurde beim Stande von 9:1 für Reckarau wegen schlechter Platz» unb Wit- terungsverhältnisse abgebrochen. — In der Gruppe Südost fand in Nürnberg der ungemein wichtige Kampf zwischen dem 1. F. C. Nürnberg und dem mit 3 Punkten führenden F. C. Wacker München statt. 15000 Zuschauer konnten die Feststellung machen, daß die Münchener durchaus gleichwertige Gegner waren. Trotzdem schien der Club mit 2:1 gewinnen zu wollen, doch lieh seine leichtsinnig gewordene Verteidigung kurz vor Schluß den linken Flügel des Gegners durchbrechen und den Ausgleich mit 2:2 erzielen. Der Sp. CI. Freiburg hatte sich seinen Kamps gegen den V. f. B. Stuttgart auf eigenem Platze zweifellos leichter vorgestellt. Die Stuttgarter waren in guter Form und rangen dem Freiburger ein 3:3 ab. Die gowenen Berge. Roman von Clara Diebig. Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten Ein schönes Gesicht! Der Landrat klemmte das Augenglas ein. Sieh einer den alten Schlemmer an! Wo hatte der sich so was nur aufgetrieben? Viel Blicke richteten sich auf das errötende Mädchen. Herr Douse- mont hatte leise kommandiert: „Immer von links 'ran Maria! Don links anbieten!" Sie machte anfänglich viele» verkehrt, aber das tut nichts, wenn eine so hübsch ist. „Wie heißen Sie, Kind?" „Maria." „Na, prost, Mariachen!" Man tränt ihr zu. .Hochmut kömmt vor den Fall," sprach grimmig die alte Lena. „Bild dir beileib nur nix ein!" Bildete sie sich denn etwas ein? Maria war sich keiner Einbildung bewußt. Ueber die Grimmigkeit der Lena war es das beste, zu lachen. Aber es machte sie glücklich, daß die Gäste so freundlich zu ihr waren, und daß der Herr Dousemont sagte: Bring du mir immer den Kaffee, dann schmeckt der mir besser" — und daß der Sohn des ersten Metzgers am Ort, und der Herr Polizeisergeant, und der junge Kaufmann am Marktplatz sie immer wieder aufforderten, sich Sonntags doch ausführen zu lassen. Sie hatte aber niemals daran gedacht. Sie hatte Sonntag um Sonntag gewartet: ob der Kaspar heute wohl kam? • Leichten Schrittes ging Maria Bremm durch die Enge der Kreisstadt. Eigentlich ist eine einzige Straße die ganze Stadt. Und diese Straße hat kaum so viel Brette, daß zwei Gefährte sich ausweichen tonnen; von ihr 'liegen ein paar noch schmalere Gasten ab, die einen führen hinab zur Mosel, dunkel und still, die anderen steigen gleich über die Stufen hinaus in die Weinberge. Marias Fuße spurten das spitzige Pflaster nicht, ihr Gang war heute noch leichter, der Gang einer Jugend, die von Freude zu Freude eilt. Sie ging wie beschwingt: Herr Dousemont hatte ihr ein Kleid geschenkt. Schön, wunderschön war das, ganz rosa. Das ging sie jetzt anprobieren. Herr Dousemonts Sohn, der Herr Doktor, kam auf Besuch nach Haus, da sollte sie es anziehen, das wollte Herr Dousemont. Herr Dousemont freute sich mächtig, ein ganzes Jahr war fein Sohn nicht bei ihm. — Der Stoff war nichts Kostbares, ein rosa Wasch- toff, aber als Maria jetzt darin vor dem Spiegel >er Näherin stand, dachte die bleiche Person: wie chön macht sich der Stofs! Es kommt eben nur wrauf an, wer das Kleid an hat. Und das Gesicht erhebend, das neben der Frische der anderen noch fahler erschien, sagte Fräulein Schmitz neidlos: „Es kleidet Sie gut." Aber ihre Finger, die an dem schlanken Rücken des Mädchens noch Stoff wegneh- men muhten, zitterten leicht. Sie hatte den Rücken viel zu weit und zu breit gemacht. „Als Hütt' ich ’n Puckel," lachte Maria. Die blaffe Näherin lächelte stumm und ließ em paar Stecknadeln fallen. — Nettchen Schmitz war eine Schneiderin, die viel zu tun hatte; sie nähte Kleider und Wäsche, Besseres und Einfacheres, Feines und Grobes, sie nähte alles. Sie saß den ganzen Tag am Fenster ihrer kleinen Stube bei der Arbeit; der Zeigefinger chrer linken Hand war schon ganz zerstochen, sie mußte ein Schutzhütchen darauf setzen. 2ns Surren der Nähmaschine hinein schrie der Kuckuck der geschnitzten Schwarzwälder Uhr Stunde um Stunde, aber sie hob nicht den blonden Kops, sie arbeitete ohne Pausen meist durch bis zum Abend. Alle Dienstmädchen im Ort wollten jetzt Kleider für den Sommer gemacht haben aus buntem Musselin; auch Bürger- töchter beehrten sie mit ihrer Kundschast, und für der Frau Bürgermeister ihre Jungen hatte sie Hemden 5u machen. Sie hastete, die Maschine schnurrte ohne Unterlaß, die blassen Hände schoben eine Naht nach der anderen unter den Stepper, der Kops mit dem vielen fahl blonden Haar blieb immer in der gleichen gesenkten Haltung. Nur daß sie einen Blick zum Fenster hinauswarf, wenn draußen die Kinder spielten. Das Haus, in dem Fräulein Schmitz unten Zim- mer und Küche hatte, war alt und verwohnt, aber es lag so sehr still; es war das letzte der Gasse, kein ratterndes Fuhrwerk kam hier vorbei, es war recht abgelegen. Wenige Schritte nur, und man war an der Mosel; die floß auch ruhig und sacht, und die Kinder, die hier am User spielten, konnten nicht in die Gefahr kommen, von einem Ochsengespann, einem Auto oder einem Motorrad überfahren zu werden. Und doch fuhr Nettchen Schmitz erschrocken auf, wenn zuweilen ein besonders laut gellender Schrei ertönte; dann streckte sie sogar hastig den Kopf zum Fenster heraus und nahm mit einem erleichterten Aufseufzen ihre Arbeit erst wieder auf, wenn sie gesehen hatte, daß es nur Lustgeschrei war und keinem der Kinder etwas passiert war. „Sie hätten Kinder haben müssen," sagte die Frau von oben. Die schob, wenn sie weggehen mußte, ihre Kinder einfach dem Fräulein in die Stube. „Sie verstehen sich arg gut auf Kinder!" Die Kleinen von oben spielten Nachlaufen und Derstecken zwischen den bunten Stoffen, die auf Tisch, Bett unb Sofa lagen, sie rissen auch wohl einmal einen leichten Musselin auf den Boden; sie brachten alles in Unordnung, aber Fräulein Nettchen behielt immer das gleich geduldige, zärtliche Ächeln. Wenn die kleine Katharina sie zu arg quälte, sagte sie sanft und hauchte dabei einen Kuß auf die Kinderstirn: „Sei brav, Kachrinchen. Dann näh ich auch deiner Pupp en schön Kleid!" Und wenn das Kachrinchen dann längst schlief, ihre Mutter auch, alle Menschen im Haus schliefen, dann saß das Nettchen noch bis lange nach Mitternacht auf und staffierte das zerlumpte Wechjelbalg der kleinen Katharina neu aus. Reine Nacht lüft und Wafferduft tarnen durchs Fenster, sie hatte das offenstehen, es kam schon keiner herein. Nettchen Schmitz lebte allein; sie hatte keine Eltern mehr, und im Ort auch niemand Verwandtes. Sie hatte nicht einmal eine Freundin, denn sie war aus den Jahren heraus, in denen man schnell Freundschaften schließt — und was sollte sie auch wohl mit den jungen Mädchen? Die ließen sich bunte Kleider machen, die sprachen mir von Vergnügen und von ihren Schätzen. Die Schneiderin war nicht liebenswürdig, sie war wortkartz und erschien oft unfreundlich, und doch batte sie eine Sehnsucht, sich mit^uteilen; eine Sehnsucht wie eine Flamme, die heimlich brennt und darum um fo schwerer äu löschen ift Einsam, ach, immer so einsam! Denn sie doch nur eine Seele hätte, die zu ihr gehörte, zu der sie sprechen könnte: „Du bist mein." Heute war es Sonntag. Ein Frühlingssonntag mit goldenem Licht und schmeichelnder Lust, der alle herauslockte. Nettchen hatte nach den Kindern oben gerufen, aber die waren leider nicht da. Niemand war da, die Gasse wie ausgejtorben. Mit einem Seufzer sah sie sich im Zimmerchen um: Lappen und Läppchen aufgefegt, über die bunten Stoffe ein Tuch gebreitet, alles so leer. Ihre Stube gähnte sie an. Ach, der einsame Sonntag war schwerer noch zu ertragen als der einsame Alltag. An dem hatte man wenigstens Arbeit, aber jetzt, was hatte man jetzt —?! Zweimal schon war sie heute in der Kirche gewesen, zur Frühmesse, zum Hochamt — sollte sie nun noch zum drittenmal hingehen? Ach nein! Es fröstelte sie plötzlich, sie spürte den kühlen Hauch der steinernen Wölbung. Draußen war Sonne, draußen war Leben. Sie stülpte den Hut auf und ging au« der Stube. Dielen begegnete sie, Frauen mit Männern und Kindern, Mädchen, ledigen Burschen, hellen Kleidern, Lachen und Fröhlichkeit; aber alle streiften Nettchen nur — ein Wehen, ein flüchtiger Augen- blick, und sie waren vorbei. Sie empfand es jetzt doppelt, daß sie allein war. Es tut nicht gut, wenn man am Sonntag spazieren geht und hat nichts, gar nichts bei sich. Nettchen tat die Helle des Tages weh, sie empfand die fast grausam an ihren überange- ftrengten Augen. Ihre schweren, etwas entzündeten Lider brannten trocken. Sie ging zur Mosel hinunter, da wehte es kühl; und hier blieb sie eine Weile stehen. Sie sah zu, wie die große Fähre nach der anderen Seite des Wassers hinüberfchwebte; auf ihren Planken Männer, Frauen und Kinder trug, sogar ein Auto. Es war nicht viel Strömung jetzt, die Mosel fast seicht, langsam ging es, sehr langsam, es schläferte ein. Planlos gin^ sie dann wieder zu- rück: was sollte sie hier noch langer? Da sah sie ein Kleid aus rosa Musselin wehen, ein Kleid, das sie genau kannte, hatte sie doch erst vor wenigen Tagen den letzten Stich daran genäht. Herrn Dousemonts Maria hatte Nettchm von allen Mädchen am besten gefallen, mm war fte erfreut, die beute zu treffen. (Fortsetzung folgt) Kußball - Länderlämpfe. Das im Aachener Stadion vor 15 000 Zuschauern veranstaltete Ländertreffen Westdeutschland — Luxemburg gewannen die Westdeutschen 6:0 (4:0). In Lausanne siegten die schweizerischen Repräsentativen übtfr Frankreich 4:3 (3:0). Im Amsterdamer Stadion trennten sich die Län üermannschaften von Holland und Belgien 1:1 unentschieden. Ein Länderspiel der Arbeitersportver- l> ä n d e von Deutschland ui.d Frankreich im Stadion von Vincennes endete 5:1 (4:1) für Frankreich. Handball. Am di« süddeutsche Meisteischaft. Gruppe Ost: D. S. V. München — Sp. Dgg. Fürth 2:0. Gruppe West: Sp. D. 98 Darmstadt — V. f. R. Kaiserslautern 5:1. Damen: Postsportverein Frankfurt — V. s. R. Mannheim 2:0. Aufstiegspiele zur DezirkSliga. Germania Wiesbaden — Polizeisportverein Butzbach 1:4. Kickers Offenbach — Rotweih Darmstadt 2:2. O. <5. B.-Handballpokal-Endspjel in Darmstadt. Brandenburg und Süddeutschland kämpfen, nachdem Mittel-, West-, Nord- und Südostdeutschland und die Balten in den Vor- bzw. Zwischenrundenspielen ausgeschieden sind, am 2 5. März in Darmstadt um den HandbaUpokal der Deutschen Sportbehorde für Leichtathletik. Im Vorjahre standen sich in Halle vor einer vieltausendköpfigen, begeisterten Zuschauermenge Süddeutschlond und Mitteldeutschland gegenüber. Die Auswahlmannschaft Mitteldelltschlands konnte damals mit 10:7 das Spiel für sich entscheiden. Die Leitung des Spieles liegt wieder in den Händetz Pöthmanns (Barmen). ^Het y/z schlägt „Wafferfrermde"- Hannover. Das mit Spannung erwartete Wasserballspiel des deutschen Wasserballmeisters Wasser- freunde Hannover mit dem holländischen Wasserballmeister Het (^"-Amsterdam, dos am Donnerstag im Zuiderbad in Amsterdam ousgetragen wurde, endete nach äuherst abwechslungsreichem Spiel mit dem Siege der Holländer 5:3 (3:2). Der holländische Meister spielte teiweise recht körperlich, weshalb in der zweiten Hälfte ein holländischer Spieler vom Schiedsrichter herausgestellt werden muhte. Durch ihre Schuhunsicherheit vor dem Tore, sowie durch eine zweifelhafte Entscheidung des einen Linienrichters kamen die Deutschen um den Sieg. Die Wasserfreunde nahmen auch noch an zwei Staffelschwimmen teil: in der 3-mal-50-Meter--Staffel belegten sie einen ten zweiten Platz in 1:43 8 vor zwei anderen '....'.nnschaften hinter „Het V", die 1:41,8 benötigten. Auch in der 8-mal-50°Meter- Staffel belegten die Wasserfreunde einen guten zweiten Platz mit 4:12,5 hinter „Het B" mit 4:06 und vor vier anderen holländischen Mannschaften. Großen Beifall lösten die Kunstsprünge des Deutschen Riebschläger - Zeih, des holländischen Meisters Lot gering und des Amsterdamer Meisters Fritz Mette (gleichfalls ein Deutscher) bei dem z- hlceich erschienenen Publikum aus. Wafferfreuride Hannover in Brüssel geschlagen. Der Deutsche Wasserballmeister — Wa sser- freunde Hannover — machte auf seiner Auslandreise am Samstag in Brüssel Station, um dort ein Spiel gegen den Royal Swimming C l u b B r ü s s e l auszutragen. Die Brüsseler Mannschaft, deren Spieler fast vollständig in der belgischen Nationalmannschaft vertreten sind, konnte nach spannendem Spielverlauf die Wasserfreunde knapp 5:3 besiegen. Zwei neue Siege der deutschen Kechtmeisterin. Bei dem am Donnerstagabend fortgesetzten Fechtturnier im Haag konnte die deutsche Florettmeisterin Frl. Helene Maier (Offenbach) abermals Erfolge gegen einige der besten holländischen Fechterinen erringen. Sie schlug in zwei Florettgängcn Frl. K o d e r i t s ch mit 8:3 Treffern und Frau Admiroal mit 6:3 Treffern. Schulbetrieb der Segelflieger. Der Schulbetrieb in der Segelfliegerschule der Rhön-Rossitten-Gesellschaft auf der Wasserkuppe ist am 1. März wieder eröffnet worden. Gegenwärtig findet dort ein Akademikerkurs statt. Das schöne Wetter der ersten Märzwoche begünstigte eifrigen Flugdienst. Der Kurs, der von etwa 20 Schülern besucht ist, dauert bis Ostern. Am Osterbienstag beginnt sodann ein dreiwöchiger Kurs für fortgeschrittene Schüler, die die eigentliche Kunst des Segelfliegens erlernen sollen. 3m Juni Juli ist sodann ein Anfängerkursus vorgesehen, um Vereinen, die am Rhön-Wettbewerb teilzunehmen beabsi hligen, aber noch keine ausgebildeten Führer besihen. Gelegenheit zu geben, ihre Mitglieder noch vor dem Wettbewerb zu schulen. In Rossitten beginnen die Kurse am 15. April. Buntes 3n der Werkstatt des Augenkünstlers. Die starren und leeren Glasaugen, die früher von solchen, die ihr Auge eingebüht hatten, getragen werden muhten, waren entstellend und konnten niemanden täuschen. Die Glasaugen von heute aber sind auch für den schärfsten Beobachter gar nicht mehr als künstlich zu erkennen: sie sind in ihrer Färbung, Aederung und den feinsten Einzelheiten ganz genau auf das andere Auge abgestimmt und können sogar durch die Augen- musleln bewegt werden: ihre Pupille erweitert sich und zieht sich zusammen unter dem Einfluh des Lichtes, geradeso wie das gesunde Auge, Wunderdinge werden von diesen Meisterwerken berichtet. So passierte es kürzlich in einem Londoner Krankenhaus, daß eine geschulte Krankenschwester dem Patienten ein Heilmittel in das Glasauge eintröpfeln wollte und sich gar nicht davon überzeugen ließ, daß es ein „falsches" sei. Auch Aerzte haben sich schon bei der ersten Untersuchung geirrt und ein falsches Auge für ein natürliches gehalten. Die Arbeit cir.es modernen „Augenkünstlers" gehört zu den schwierigsten Handfertigkeiten. Das künstliche Auge wird während der Herstellung niemals mit den Fingern berührt: seine Formung erfolgt durch eine überaus geschickte Behandlung geschmolzenen Glases. Der Augenmacher sitzt an einer Bank, ein Lötrohr vor sich und Dutzende von Röhrchen und Stäben verschiedensten Glases in seinem Bereich. Er nimmt eine Röhre von Milchglas in die Hand, hält das Ende in die Flamme, und wenn es in der Hitze schmilzt, dann bläst er daraus eine Kugel in der Gröhe des gewünschten Augapfels. Auf die glu^^-^dheiße Spitze der Kugel zeichnet et dann die SriT indem er winzige Ströme von blauem, braunem ober anberm Glas darauf verteilt, bis das Aussehen des andern Auges täuschend nachgeahmt ist. Während der ganzen Zeit dreht er die Glaskugel in der Flamme. Seine Hand muß mit der größten Sicherheit arbeiten, denn die Anbringung der gewünschten Farben erfordert die behutsamste Behandlung: die farbigen Glasstäbchen müssen erhitzt und zu den feinsten Fäden ausgezogen werden. Sst die Sris mit allen ihren Feinheiten geschaffen, bann wird ein klarer Kreis, die Pu- Allerlei. pille, hinzugefügt. Dies geschieht durch das Aufträgen kleinster Punkte von schwarzem Glas. Dann erhätt das Auge seine Linse, einen Hebet- zug von Kristallglas, der auch in geschmolzenem Zustande datübetgelegt wird. Für die einzelnen Adern des Auges werden Glasfäden von solcher Feinheit verwendet, daß sie kaum noch sichtbar sind. Ist der Augapfel fertig, wobei alles nach dem gesunden Auge gearbeitet wird, bann folgt die Formung bes Hinteren Teils der Glaskugel, die so gestaltet wird, daß die Augenmuskeln die Kugel bewegen können. Dann wird das Meisterwerk in einem Sandbade gekühlt und ist fertig. Die Kunst der Augenanfertigung geht bis in die Zeit um 500 v. Ehr. zurück, in der die Priester die ersten bekannten künstlichen Augen aus Ton anfertigten, auf denen ein Auge gemalt war. Heute stellt man auch künstliche Augen für Hunde, Katzen, Papageien und andere Lieblingstiere her. Eine luftige Geschichte erzählt ein solcher Augenkünstler Tay'or aus feinen Erfahrungen. Ein Kunde beklagte sich nach einem „luftig verbrachten Abend" bei ihm darüber, daß fein künstliches Auge zu dem natürlichen jetzt gar nicht mehr passen wolle. Es war nämlich blutunterlaufen und trübe. Der Künstler mußte ihm daher ein zweites Auge Herstellen, das zu dem Zustand seines Raturauges paßte. (Elefanten mit vier Stoßzähnen. Daß es Elefanten mit vier Stoßzahnen gibt, geht aus dem Bericht eines englischen Kom- inifsars im Sudan, Major Black, hervor, der von der naturgefchichtlichen Merkwürdigkeit aus dem Zande-Gebiet berichtet, einem Land, das der belgischen, französischen und anglo-ägyptischen Regierung gehört und von der Schlafkrankheit ver pestet ist, so baß sich bisher nur wenige weiße Säger hineingewagt haben. Der Zande- Sultan Rgilima soll, wie in der „Times" mitgeteilt wird, einen solchen Elefanten mit vier Stoßzähnen erlegt haben, der auch von Weißen in Riangara besichtigt worden ist. Der Kopf eines Elefanten mit drei Stoßzähnen wurde im Sahre 1925 von dem belgischen Beamten S. van de Beide aus Dungu im Zande-Gebiet nach dem belgischen Kolonialmuseum in Ser- vueren gesandt. Vom Austveriunqsrecht. Eine neue wichtige Entscheidung für die Gemeinden. Das Anleiheablösungsgeseh, unter welches die Anlechen des Reiches, der Länder und Gemeinden fallen, kennt im Gegensatz zum Aufwertungsgesetz keine Auswertung kraft Rückwirkung. Demzufolge kann gemäß § 32 Absatz 1 des Anleiheablösungsgefehes eine Auswertung getilgter Gemeindeschulden seitens des Gläubigers nur bann noch verlangt werden, wenn sich dieser bei der Annahme des Tilgungsbetrages seine Rechte Vorbehalten hat. Dieser Vorbehalt kann sowohl mündlich wie schriftlich erfolgt fein. Reuer- dings wird nun von feiten der Gläubiger der Begriff eines „stillschweigenden Vorbehalts" konstruiert, und zwar in allen Fällen, in denen der Gläubiger seinerzeit die Rückzahlung des Darlehens ohne einen ausdrücklichen Vorbehalt angenommen hat. Man behauptet, der geringe Geldwert der geleisteten Rückzahlung könne nicht als Leistung, d. h. Erfüllung der Zahlungspflicht angesehen werden, und liege hierin auch ein stillschweigender Vorbehalt für den Gläubiger. Auch die hessische Beschwerdestelle beim Verwaltungsgerichtshof hatte sich in einer Entscheidung auf den Standpunkt gestellt, daß z. B. eine Papiermarkzahlung, welche am 7. Februar 1923 erfüllt war, und welche einen Goldmarkwert von nicht einmal einer Goldmark hatte, von dem Gläubiger nicht als schuldentilgende Leistung des Schuldners angesehen werden könne, selbst wenn bei der Zahlung ein Vorbehalt nicht gemacht worden ist. Run ist von der Beschwerdestelle für Anleiheablösung beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eine Entscheidung vom 30. September 1927 in Sachen der Bezirkssparkasse Erbach i. O. gegen Gemeinde Beerfelden ergangen, die einen anderen Rechts st andpunkt in dieser Frage einnimmt unbfür d i e Gemeinden von größter Tragweite ist. Dieser Entscheidung liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Die Gemeinde Beerfelden schuldete aus mehreren Schuldurkunden der Sahre 1910, 1913 und 1916 der Bezirkssparkasse Erbach einen Restbetrag von 173 632,91 Mk. Dieser Betrag wurde am 12. Suni 1923 mit ganzer Summe aber in einem Goldmarkwert von 9,10 Goldmark zurück- bezahlt. Der Gemeinderat Beerfelden hat den von der Bezirkssparkasse Erbach nachträglich geltend gemachten Anspruch auf Gewährung von Ablösungsanleihe in Höhe des bezahlten Restbetrags abgelehnt mit der Begründung, bah ja die Bezirkssparkasse Erbach bei der Abnahme der Leistung einen rechtsgültigen Vorbehalt nicht gemacht habe. Das Kreisamt Erbach hat den Anspruch der Bezirkssparkasse Erbach zurückgewiesen mit der Begründung, daß die Gläubigerin das entwertete Geld ohne jeden Vorbehalt angenommen habe, die 'Abtragung entsprechend verbucht und quittiert habe. Die Bezirkssparkasse Erbach hat diese Entscheidung angefochten unter Hinweis auf eine Entscheidung der Reichsschuldenverwaltung, wonach das Schweigen des Gläubigers bei Empfang einer Schuld in den Zeiten des stärksten Währungsverfalls nicht als Erfüllungsannahme gedeutet werden könne. Die Beschwerdestelle hat die Beschwerde er Bezirkssparkasse ab gewiesen. Der Verwaltungsgerichtshof stellt sich in dieser Entscheidung auf folgenden Standpunkt: Die Annahme eines stillschweigenden Vorbehalts erscheint angesichts der Ausstellung einet vorbehaltlosen Quittung unangängig, zumal ja auch die von der Gläubigerin zitierte Aeußerung der Reichsschuldenverwaltung nicht verwendbar sei. Es fehlt nach Auffassung der Beschwerdestelle an jedem Anhalt dafür, daß über die etwa vorhandene Mißstimmung der entwerteten Zahlen gegenüber hinaus der Entschluß eines rechtlichen Vorbehalts gefaßt worden sei. Der Hinweis auf die besonderen wirtschaftlichen Beziehungen für die vorliegende Entscheidung kann ebenfalls nicht von rechtlicher Bedeutung sein. Ebenso ist zweifelsfrei, daß alle als Schuldscheindarlehen der Gemeinden anzusprechenden Forderungen nicht nach dem Aufwertungsgesetz, sondern nach dem Sondergesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen und der auf ihm beruhenden Ausführungsvorschriften zu behandeln sind, einerlei, ob sie werbenden Zwecken dienen, oder zu anderen Zwecken ausgenommen worden sind. Die Beschwerde muhte deshalb als unbegründet zurückgewiesen werden. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 8. März. Fühlt sich jemand durch Aeußerungen eines Dritten gekränkt, so soll er vorsichtig fein und nur dann Privatllage gegen ihn wegen Beleidigung erheben, wenn er sich selbst feiner Beleidigung seines Gegners schuldig gemacht hat. Sonst läuft er leicht Gefahr, dah der andere Widerklage erhebt, und daß dann beide bestraft werden. Dies muhte heute ein Fräulein L. erfahren, das einen unter ihm wohnenden Herrn R. verklagt hatte. Dieser wurde kurz vor Weihnachten gegen 11 älhr abends, als er schon im Bette lag, durch Klavierspielen in feiner Rachtruhe gestört. Sn der Annahme, es werde in der Wohnung des Fräulein L. gespielt, klopfte er mit dem Besen wiederholt an die Decke. Als er sie und ihre Schwester am nächsten Morgen im Keller traf, machte er den beiden, mit denen er nicht gut steht, Vorhalt und sagte zu ihnen, wenn sie wieder Klavier spielen wollten, sollten sie es am Tage tun und nicht nachts um 3/Jl Uhr. Die beiden Damen ließen sich einen derartigen Vor- wurs um so weniger gefallen, als sie völlig unschuldig waren. Denn nicht bei ihnen, sondern in dem Rebenhaus war gespielt worden, und es Hang nur infolge der dünnen Wände so, als ob es in der Wohnung der beiden Fräulein L. geschehen wäre. Ein Wort gab das andere, R. beleidigte Fräulein L., und diese erwiderte mit einer Beleidigung. Es wäre nun das Klügste gewesen, wenn beide Teile sich dabei beruhigt hätten. Statt dessen erhob Fräulein L. Klage wegen Beleidigung, woraus R. mit einer Widerklage antwortete. Das Ende vom Lied war, daß die Streitteile sich verglichen, sonst wären sie beide gestraft worden. Jeder nahm seine beleidigenden Aeußerungen mit Bedauern zurück und zahlte die auf feiner Seite erwachsenen Kosten, R. außerdem die Gerichtskosten, weil die von ihm geäußerten Beleidigungen schwerer waren. Wirtschaft. Oie Reichsbank Anfang März. Der Ausweis der Reichsbank vom 7. März zeigt einen Rückgang der gesamten Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 141,8 Mill, auf 2 405,8 Mill. Mk. Sm einzelnen haben abgenommen die Bestände an Wechseln und Schecks um 75,3 Mill, auf 2 260,9 Millioren Mark, diejenigen an Lombards um 66,5 Mill. Mk. auf 50,6 Mill. Mk. Die Anlage in Effekten ist mit 94,2 Mill. Mk. weiterhin unverändert geblieben. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 225,4 Mill. Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen; und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 200,6 Mill, auf 4 067,7 Mill. Mff. verringert, derjenige an Rentenbankscheinen um 24,8 Mitt, auf 605,6 Mitt. Mk. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 43,1 Mitt. Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 526,5 Mill. Mk. eine Zunahme um 35,5 Mill. Mk. Die Bestände an Gold und bedünge- fähigen Devisen sind mit 2185,6 Mitt. Mark, im einzelnen die Goldbestände mit 1 883,3 Millionen Mark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 297,3 Mitt. Mk. ausgewiesen. Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte sich von 44,2 Proz. in der Vorwoche auf 46,4 Proz., die durch Gold und deckungS- fähige Devisen von 50,8 auf 53,7 Proz. Oie Beschäftigung der deutschen Wersten. Die Hamburger Werften treten soeben in einer Erklärung an die Öffentlichkeit der Behauptung entgegen, daß sie jetzt voll beschäftigt seien. Rach ihren Angaben ist die ArbeiterzaAl gegenüber der Vorkriegszeit auf ungefähr •/, gesunken: die hamburgischen Werften müßten heute 32 000 bis 34 000 Arbeiter beschäftigen, statt nur 16 000. Die Beschäftigungslag« der deutschen Werften hat in der Rachkriegszeit außerordentlich heftigen Schwankungen unterlegen, auch die deutsche Werftindustrie hat unter dem Zwang der Verhältnisse eine scharfe Rationalisierung durchgemacht, wenn auch die Krönung, nämlich die Gründung eines deutschen Werftentrusts, an dem Widerstände der im Familienbe'itz be'indlichen Werftunternehmungen gescheitert ist. Mitte des Vorjahres brachen die großen Reubauaufträge der großen deutschen Reedereien (Hapag, Norddeutscher Lloyd, Hanfa- Damps usw.) einen ve.hältnismäßig günstigen Beschäftigungsgrad, der allerdings die Leistungskapazität der Wersten nicht voll in Anspruch nimmt. Snzwischen sind, wie die zahlreichen Stapelläuse der letzten Zeit zeigen, Fertigstellungen in erheblichem Umfange vorgenommen worden, so dah die deutsche Werftindustrie — insgesamt betrachtet — mit einem nur wenig über dem Ende 1926 liegenden Auftragsbestand in das Sahr 1928 hineingegangen ist. Allerdings befinden sich einzelne große Werften in günstiger Lage. Wie sich die weitere Entwicklung ergeben wird, ist zunächst schwer zu sagen, da trotz der Freigabe deutschen Eigentums in Amerika, welche besonders den Großreedereien zugute kommt, mit besonderen Reubauaufträgen nicht zu rechnen sein dürfttz, weil diese Unternehmungen die ihnen zuflleßenden Mittel bereits im voraus bei ihren im Vorjahr erteilten Reubauausträgen veranlagt haben. Eine Besserung könnte nur durch Zunahme ausländischer Aufträge eintreten. Von den Gchlachtviehrnärkien. Da nach dem Monatsbeginn der erhvfste Mehrverbrauch in Fleisch» und Wurstwaren nicht hinreichend eingesetzt hat, hielt sich der vorliegende Bedarf wesentlich unter der Beschickung in Großvieh und Schweinen. Eine weitere Verschlechterung der Marktlage wurde lediglich durch das einigermaßen befriedigende Abschneiden der Frischfleisch- Märkte und die etwas stärkere Beteiligung des Exports vermieden. Den Kilbermärkten kam der demnächstige Beginn der Konfirmatton zustatten, der gewöhnlich einen vermehrten Kalbfleischkonsum bringt. Für Rinder, die etwas zu reichlich aus bett Markt gestellt waren, belief sich der Auftrieb auf 16 500 gegen 14 900 Stück in der Vorwoche; Schweine waren in 106 000 Stück (99 800) an- 1 A/J U____ LASTKRAFTWAGEN ♦ OMNIBUSSE Generalvertreter Gießen: Georg Karl Reit, Ostanlage 7, Telephon 298. c/*:’fen. Sckafe 5'3? 6iüd (6520';: Kalber 1. ■J J v . V J - Am L . i n b c r a r H muhten sich d .e Der- t-’.uicr zumeist ir:‘.?.ercn PreisnaHläsi^n fügen. Besonders Dutten büzt n stärker ein. Lie Kalle r m ü r i t c c *. anneh n.a - v.:; । wi n.cn durchweg 6c-u: a atte3 abstoßen. Li. Preislage wa.- ungefähr D;: der Vorwoche. Am Schaf' markt braute der kleinere Auftrieb ein etwas flotteres Geschäft Die Preislag - blieb in all- gemeinen die alte. Sn Schwein en war die GescbLstslage für die Einsender keine günstige. Die Hinterbringung des verhältnismäßig großen Angebots ließ sich nicht so ohne weiteres ermöglichen, so daß die Preise durchgängig um zwei bis vier Pfennig nachgaüen. Es kosteten in Pfennig per Pfund Lebendgewicht; Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 20 60 35-84 30-62 49-55 Bremen 25-62 40-85 — 40-52 Breslau 15-54 53-53 43-60 45-55 Chemnitz 23 53 60-80 48-60 46-58 Dortmund 22-63 38-85 — 44-55 Dresden 25-59 60-86 40-66 46-55 Düsseldorf 20-61 45-84 — 45-59 Elberfeld 20-63 50-82 —- 43-56 Eßen 25-62 45-110 — 46-56 I ranlfurt M. 25 62 56-78 43-56 44-55 Hamburg 15-69 32-88 25 62 43-53 Hannover 22-62 40-88 30-62 42-54 Husum — — — — Karlsruhe 18-61 57-82 — 45-62 Kastel 22-63 47-72 40-42 48-58 Kiel 20-54 25-75 31 -65 40-53 Köln 20-62 40-110 54-63 47-60 Leipzig 23-60 45-80 35-64 46-56 Magdeburg 20-59 40-80 36-55 45-55 Mannheim 16-61 48-76 42-48 45-60 München 20-57 60-86 — 40-55 Stettin 15-55 35-77 20-54 40-56 Stuttgart 14-61 58-83 — 40-60 Zwickau 20-53 60-53 40-63 50-57 * Die amtliche Großhandelsindexziffer. Lie auf den Stichtag des 10. März berechnete Großhandelsindexziifer des Statistischen Reichsamts hat sich mit 137,9 gegenüber der Vorwoche nicht verändert. Lie Indexziffern der Hauptgruppen stellten sich im einzelnen für Agrarstosfe auf 130,1 (Vorwoche 130,0), für Kolonialwaren auf 129,6 (129,9). für industrielle Rohstoffe und Halbwaren unverändert auf 133,7 und für industrielle Fertigwaren auf 157,1 (157,2). * „M i a g" Mühlenbou- und In - dustrie 21.»®. In der AustiuMrotslihung der ^Miag" Mühlenbau- und Industrie 21.-0., Frankfurt a. M., wurde beschlossen, der zum 31. März einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent auf die Stammak ien und 7 Prozent auf die Vorzugsaktien (kir i. 23.) vorzuschlagen. * Norddeutscher Lloyd. Laut Geschäftsbericht des Norddeutschen Lloyds beträgt der gefam.e Flottenbestand einschließlich der Flotten der Hanseatischen Dampfschifsahrtsgesell- schast 21.-®. und der „Seefahrt" Dampfschiff- fahrtsrcederei A.-G. 861 418 Druttoregist^r- tonnen, davon in Vetrieb befindliche Fahrzeuge 723 168 Tonnen, im Vau befindliche etwa 138 250 Tonnen (Gesamtflvtlenbestand im Vorjahre 8 33 145 Tonnen). Das Gesamterträgnis aus Reisen und Nebenbetrieben beträgt 39,44 Millionen Mark (30,84), denen an allgemeinen Verwaltungsunkosten 12,74 (11,32) Millionen Mark pc genüberstehen. Von den verbleibenden 26,70 Millionen Mark (19,52) sind für Abschreibungen 15,67 (12,59) Millionen Mark vorgesehen. Der Gewinn von 11,03 Millionen Mk. erhöht sich durch Gewinnvortrag auf 11,74 (7,41) Millionen Mark. In der Bilanz werden ausgewiefen: See- dampier 156 Millionen Mark (129,9), Anzahlungen auf Neubauten 63,82 (1,56) Millionen Mark, Seebäder» und Schleppdampfer, Leichter-Fahrzeuge ufw. 2,6 Millionen (358 000) Mark, Kassenbestand und Bankguthaben 55,21 ^68,45) Mllttonen Mark, Wertpapiere und Beteiligungen an dritten -Unternehmungen 9,57 (5,77) Millionen Mark, Schulden, älebergangsposten und Anleiheausgabekonto 46,33 (38,35) Millionen Mark. Aus der Passivseite sind das Grundkapital, die Rücklage und die Dersicherungsrücklage unverändert geblieben. Erneuerungsrücklage 7,5 Millionen Mark (5), langfristige Kredite 13,01 (36.10) Millionen Mark, Gläubiger 27.12 (11,36) Millionen Mark, fechspro en ige amerikanische Goldanleihe von 1927 84 Millionen Mark, innere 216- rechnungskonten 44,87 (37.16) Millionen Mark, Bilanzsumme 346,31 (255,79) Millionen Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt, 12. März. Tendenz uneinheitlich. — Im Vorbörsenoerkehr mar die Börse zu Beginn der neuen Woche zunächst allgemein freundlicher gestimmt. Die Unterzeichnung der Frcigabebill durch Präsident C o o l i d g e unD der gute Lloyd-Abschluß regten an. Die Spekulation schritt weiter zu Deckungen. Zu Beginn des offiziellen Beriehrs wurde jedoch wieder eine gewisse Unsicherheit fühlbar, nnb den Deckungsläufen der Spekulation stau den einige Abgaben im Zusammenhang mit der heutigen Medioliguidation gegenüber. Ungewißheit bestand vor allem hinsichtlich der weiteren Geld- marktenkwicklung, wenn auch Tagesgeld eher etwas entspannt war. Zur Zurückhaltung mahnten ferner die verschiedenen Lohnbewegungen. Im Berliner Metallarbeiterkonflikt glaubt man aber in Börsenkreisen mit einer Ber- bindlichteitserklärung des Schiedsspruches rechnen zu können. Bei den ersten Notierungen war die Ltursgesraltung nicht einheitlich, es überwogen jedoch 1- bis 2prozentige Besserungen. Etwas regere Nachfrage auf einigest Spezialmärkten bot der Börse eine Stütze. Das Geschäft war sehr st i l l. Etwas gesucht waren Hapag und Nordlloyd, die je 2,25 Prozent gewannen. Auch für Gessürel erhielt sich Interesse (plus 1,5 Proz.), während die übrigen Elektrowerte eher angeboten waren. So verloren Siemens 1,75 Proz., Felten 1 Proz. Stark beachtet waren Scheideanstalt (plus 3,25 Proz.) und Rheinstahl (plus 2,75 Proz.). Sonst lagen Mon- tanroerte sehr still und nur knapp behauptet. Banken blieben vernachlässigt. Von Äutowe r- t e n zogen Kleyer und Daimler je 1 Proz. an, während NSU. leicht gedrückt lagen. Zellstoffaktien auf Realisationen nur knapp behauptet. Deutsche und ausländische '.Renten still und wenig verändert. Russen schwächer. Im Berlaufe kam das Geschäft f a st v o l l st ä n d i g zum S t i 11 ft a n b. Am Farbenmarkte wurden offenbar wieder Interventionskäufe üorger.ommcn. J.-G.- Farben, die nur knapp behauptet eröffnet hatten, zogen 1 Proz. an. I.-G.-Beziige waren zu 9,25 bis 9,30 Proz. gefragt nach 9 Proz. Brief. Tagesgeld ermäßigte sich auf 6,75 Proz. Monatsgeld 7,25 bis 8.25 Proz. Am Devisenmarkt setzten wieder Markkäufe ein. Die Reichsmark zog gegen Kabel auf 4,1836 und gegen London auf 20.413 an. Pa- ris gegen London 124 025, Mailand 92,30, Madrid 29,00, London gegen Kabel 4,8796. Tii; ^r;c. Eigene Drahtineldung des .Gießener Anzeigers" Berlin, 12. März. Im Gegensatz zum Vormittag, an dem man allgemein festere Kurse genannt hatte, eröffnete die erste Börse der neuen Woche in nicht regelmäßiger Haltung. Der günstige Lloyd-Abschluß und die Bestätigung der Freigabebill durch Präsident Coolidge fanden stärkere Beachtung und hatten für die betreffenden Werte 1- bis 2prozentige Kursgewinne zur Folge. Sonst blieb das Geschäft sehr still,! Orders vom Publikum lagen nicht vor. Verstimmend , wirkte die Ungewißheit über die weitere Entwickelung der Streikangelegenhcit. Die ersten Kurse zeigten Abweichungen bis zu 2 v. H. nach beiden Seiten. Schadeaktien plus 3,50 Mk., ©effürel plus 1,5 v. H., Busch plus 1,75 o. H. Dagegen lagen Glanzstasse mit 660 v. H. fast 10 v. H. unter Vor- börfenkurs. Heimische Anleihen ruhig, Neubesitz etwas freundlicher. Ausländer still. Mexikaner bis 0,5 v. H. schwächer. Russen nachgebend, Pfandbriefe gehalten. Farbenbonds 133, Bezüge 9 vH Der Geldmarkt ist unverändert. Nach den ersten Kursen fanden, nur noch geringe Umsätze statt, die Kurse lagen teilweise unter Anfang. Lebhafter umgesetzt wurden Kunstseide, Röhrenwerte, Gessürel und Schuckert. vj .rc Scbörse Frankfurt a. M.. 12. März. Die Tendenz an der heutigen Börse war im allgemeinen fest. Das Angebot in Inlandweizen hat stark nachgelassen und der Preis erhöhte sich um 0,25 Mk. Roggen war stark gefragt bei geringem 2lngebot, die Preise der Vorwoche wurden durchschnittlich um 0,50 Mk. erhöht und glatt bewilligt. Hafer im Preise ebensalls fester. Weizenmehl unverändert im Geschäft. Roggenmehl wurde im Preise etwas erhöht, ohne daß größeres Geschäft zu bemerken ist. Futtermittel liegen auf der ganzen Linie fest, besonders Kleie. Auch Futter- und Nachmehle gefragt und im Preise anziehend. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs, 26,25 bis 26,50; Roggen 26,25; Sommergerste für Brauzwecke 29 bis 31,50; Hafer, inländ., 25,75 bis 26,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 23.50; Mais (gelb) für andere Zwecke 24,25; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 37,75 bis 38; Roggenmehl 35,50 bis 37,75; Weizen- lleie 14,25 bis 14,35; Roggenkleie 15 bis 15,25; Erbsen, je nach Qualität, für Sp^isezwecke 34 bis 60; Linsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 55 bis 110; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 8 bis 8,50; Weizen- und Roggeastroh, draht- gepreßt, 4,50; Weizen- und Roggeastroh. gebündelt, 3,25; Treber, getrocknet, 17,75 bis 18,25. Frankfurter Schlachtvieh markt. Frankfurt a. M., 12. März. Auftrieb: 1194 Rinder (darunter 316 Ochsen, 49 Bullen, 539 Kühe, 290 Färsen), 538 Kälber, 65 Schafe, 5337 Schweine. — Rinder (Ochsen). Vollslei- schige, ausgemäste:e, Höch,.en Sa)laa)twerts (jüngere) 58 bis 61 Mk., (ältere) 55 bis 57; sonstige vollileifchige (jüngere) 51 bis 54, (ältere) 40 bis 50; (Bullen). Jüngere, vollsleischige, höchsten Schlachlwerls 54 bis 58; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 50 bis 53. (Kühe): Jüngere, vollsleischige, höchsten Sa.lachtwerts 45 bis 50; sonstige volllleifchige oder ausgemästete 40 bis 44; fleischige 33 bis 39; gering genährte 26 bis 32. (Färsen — Kalbinnen, Iungrinder —): Doll- fleischige, ausgerüstete, höchsten Schlachtwerts 58 bis 62; vollileifchige 53 bis 57; fleischige 43 bis 52. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 75 bis 80; mittlere Mast- und Saug- iälber 65 bis 74; geringe Ka.ber 55 bis 64. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewichl 58 bis 60; vollileifchige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 59 bis 61; von etwa 160 bis 240 P,und Lebendgewicht 60 bis 62; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 54 bis 57; Sauen 46 bis 52 Mk. — Marktverkauf: Rinder bet anfangs regem, später ruhigem Geschäft ausverkanft. Kälber und Schafe ausverkauft. Schweine anfangs rege; zum Schluß ruhig, nahezu geräumt. Scha,e infolge des geringen Austriebs nicht notiert. Preußen. Zur Verhaftung des Familie möt ders ÄZichmarm. WSR. Frankfurt a. M„ 10. März. Zu der Verhaftung des Mörders Wichmann erfahren die Blätter noch folgende Einzelheiten: Wichmann reiste in den letzten Tagen unter fremden Namen-, besonders u iter dem Ola.nm Heuser. Als er Freitagfrüh bei der deutfch- franzöttsche G.e < aticn Schweigen die französische Grenze überschreiten wollte, wurde er von Kortrollbeamtan sestg hatten, und seine Ausweise wurden ge>rü,t. lllnter s.i .en Papieren sa d man noch Ausweise, die aus den Namen Wichmann lauteten. Man hielt ihm vor, daß er der Mörder aus Frankfurt fei. Nach kurzem Leug ten legte er , auch dem Dea teft gegenüber sofort ein Geständnis ab. Im Lause des Vormittags wurde er nach Bergzabern geb äht iraD dem dortigen Gerichtsgefäng-is zugesührt. Bei^ seiner Vernehmu g gestw'd er. daß er die Tat im Einverständnis mit seiner Frau ausgeführt und daß die Frau bei der Ermordung der Kinder m'ttgrwir.t habe. Frau Wichmann habe sich selbst den Kleidergürtel, a's die Kinder erwürgt waren, um den Ha s gelegt, den er dann zugezogen habe. Als Motiv d:r Tat gibt Wichmann große wirtschaftliche Notlage an. Alle seine Versuche, beim Wohl'ahrts- amt, seinen Verwandten und anderen Stellen ülnterstühungen zu erhalten, seien erfolglos gewesen. Wichmann führte nur noch wenig Geld bei sich. Er erklärte, daß er wiederholt versucht habe, sich das Leben zu nehmen; einmal habe er sich erhängen wollen, jedoch sei der Strick gerissen. Er macht einen sehr niedergeschlagenen Eindruck. Inzwischen ist der Mörder nach Frankfurt überführt und in das hiesige Gerichtsgefäng- nis eingeliefert worden. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar. 11. März. Der Direktor der Landwirtschaftlichen Schule Wetzlar, Dr. lll l r i ch , ist durch Erlaß des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zum Landwirtschaftsrat ernannt worden. Dr. älllrich hat vor kurzem einen Lehrauftrag am Landwirtschaftlichen Institut der hessischen Landesuniversität Gießen erhalten. - - Ahbach, 10. März. In seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit feierten die Eheleute Ludwig Deppler von hier das Fest der goldenen Hochzeit. Dillkrcis. WSN. Dillenburg, 10. März. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm Die Fahrt zweier Motorraddiebe. Ein Autoschlosser und dessen Freund, beide aus Siegen, haben am Freitag in später Abendstunde das vor einem Gasthaus in Siegen stehende Motorrad eines Bauführers g e st o h l e n und damit eine nächtliche Fahrt unternommen. In der Nähe von Würgendorf fuhren die beiden in einer scharfen Kurve gegen einen Baum. Das Motorrad wurde total zertrümmert, die beiden Fahrer sofort getötet. Am nächsten Morgen fand man die Leichen der beiden Motorraddiebe zerschmettert abseits der Landstraße an einer Böschung vor. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 11. März. Heute fand unter Anwesenheit der städtischen Behörden und der gesamten evangelischen Geistlichkeit Frankfurts Die Einweihung der Friede n s k i r ch e in der Frankenallee statt. Die Kirche, deren Bau infolge der schlechten Geldverhältnisse immer wieder hinausaezögert werden mußte, ist in modernem Baustil gehalten und stellt in ihrer einfachen, schlichten Ausführung eine sogenannte Etagenkirche dar. Die eigentliche Kirche befindet sich im ersten Stock, während sich in Den unteren Räumen ein großer Versammlungssaal befindet. Erweitertes Schöffengericht Wetzlar. o Das Erweiterte Schöffengericht Wetzlar befaßte sich am Freitag mit lllnterschlagun- g e n eines Postagenten aus dem Kreise Wetzlar und dessen als amtlich bestellte Vertreterin gellende Ehefrau, die beschuldigt wurden, in 21 Fällen eingezahlte Postgelder für sich verbraucht und zum Teil nachher ersetzt zu haben, wobei in dem Annahmebuch falsche Vermerke vorgenommen wurden. Die Angeklagten gaben ihr Verschulden zu, doch wollten sie damit einen erst später bemerkten Verlust von Ventengeldern ausgleichen. Dem Postfiskus ist sämtlicher Schaden ersetzt worden. Darum ließ das Gericht äußerste Milde walten und verurteilte die beiden Angeklagten zu Der gesetzlichen MinDeststra.e von sechs Monaten Gefängnis. Die Strafvollstreckung tourDe bei guter Führung bis 1930 ausgefetzt mit Aussicht auf Begnadigung. Außerdem wurden beiden An- gellagten die Kosten und 50 Mk. Geldstrafe auf erlegt. Vermischtes. Coffertcglütf. Das Große Los Der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie von 500 000 Mark fiel in Der einen Abtei u:g auf einen verh i.a eten, 38 Jahre alten Lehrer, Der in einem größeren Dorfe zwischen Pforzheim und Karlsruhe wohnt. Der Lehrer hatte bisher immer nur ein Achtel gespielt. Da er stets mit dem Einsatz heraus- ge.onri.en war, faßte er Mut und kaufte sich ein ganzes Los, auf Da3 jetzt der Haupttreffer gefallen ist. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Am 7. März abends gegen 8 lllhr überschlug sich in der Nähe von Kllin- und Groh-Kloden aus der Chaussee Guhrau—Herrnftadt (Schles.) cas Auto des Rei,enden Schulz aus Breslau, das von deffen Sohn, dec keinen Führerschein besitzt, gesteuert wurde. Das Auto schlug mit Dem zu arnmengelegten Verdeck gegen einen Baurn unD überschlug s i ch. Zwei Insas,en. Rigusch und Max Mosig, wurden getötet, Schulz junior wurde schwer verletzt, und zwei weitere Insassen erlitten leichtere Verletzungen Tragischer Tod einer Winzerin. Bei Der Herstellung einer aus Schwefelkohlenstoff bestehenden Flüssigkeit zur Schädlingsbekämpfung, Die ein Winzer mit seiner Ehefrau in Neustadt an Der Hardt oornahm, entzündeten sich wahrscheinlich durch das Pfeiferauchen des Mannes Gase, uie den Behälter zur Explosion brachten. Die Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß sie wenige Minuten daraus starb. Eingesandt. (Für Form und Inyart aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerU Verantwortung.) Besteht überhaupt noch ein verfchönerungsvercin in Gießen? So frug ich mich bei der Anregung des „Gießener Anzeigers", die an diesen Verein wegen Aufstellung von Bänken gerichtet war. Der Verein hat am Fuße des Schifsenbergs, am Aufstieg vom Forftgarlen, eine recht schlechte Empfehlungskarte liegen. Es befinden sich da, unmittelbar am Wege, feit Mitte des vergangenen Jahres schon von mir beobachtet, zwei eiserne Füße mit Armlehnen zu einer Ruhebank und dabei Die alte vermorschte hölzerne Rücklehne zu dieser ehemaligen Ruhebank, an welcher stolz das eiserne Eigentumsschild „Verschönerungsverein Gießen" prangt. Derartige Ruhebänke, Die dringend der Reparatur oder auch eines neuen Oelanstrichs bedürfen, gibt es noch mehr um Gießen herum. Der Verschönerungsverein sollte einmal hier eingreifen und sein Eigentum doch nicht verkommen lassen. Ein Mitglied Des Verschönerungsvereins. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben Die Höhe der zuletzt belchlvstenen DiviDende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. g anksurr a. M Berlin J auksuri a. M Bettln j.ai.hiuri a. M Berlin Schlich fi'irs l-Uhr- Rurs Sch >ch- Anjane ft'T3 f.ur Schlvk- 1-Ubr- Sch »ch Ln,ang K»rs Kur Schluh- 1-Uhr- K"rs 1 Kurs Sch uh Anianq Kurs Datum 10 3. tt. 3. 10 3. | 11. 3. Datum: 10 3. 1 11 3. 10. 1 111 3 Datum: 10.3. | 11.3 | 10. 3. 1 11. 3. p/, Di Rrichsanlelvc v 1927 D« 8nl tiblöf Schuld mit Aullol -Rechte» DeSgl. ohne Ausl l -Rechten 7°/0 SVrai ff Hup.-BI. Lo dvt unkündbar dis >932 4‘/i°/o Rheiunche 6op -Bank 2iqu -Go.dpt LEG abo Borkrtegs-Ob liganoneu. rückzahlbar 1932 <•;, Schwet; Bunvesb.-Anl. 4®/, Oefterrlchilche Koldrle 4,20°'. Deften teb Silberne «7s Leüerreich ctn eül Rle 4% Ungarische Goldrie 4°/§ Ungarische Stootsr v 1910 41/»9/.. dcSgl von 1913 43/o Ungarische Kronriine «’/ Turk llollanlcipc u 1911 4»/e Turk Bagdadbabn-Anl Z»rie 1 4°/ dcsgl Serk. !1 4*8 Rumänen convert Rte «V „ Rumänen Loldanl von 1913 Büa Dcuuchc Etlcnbabn 41/, Hamburg-Amerika Paket 6 Hamb -Südam T amu sch 8 Hansa Tamtttichifs 6 Rorddeutscher rilood t AUg Deutsche Creditanst io Barm r Bankverein Hi Berliner HanvelSyclelltch. Vz Lommerz. und Pnvat-Bk li DarmsT u Naiionaloonk 12 Deutsche Bank 10 Diskonto-Äeselllchokt Lnt 10 Dresdner Bant 10 vtnreldemichr Eredttbank 9 MetaUdank .......8 EiettMbajif • »u « | | I 1 1 I 1 1 1 1 S III 1 1 £ 1 £3£12ST0.£ — — CO — so .o — a ac w« 2 SSt 1 1 e! । 31 । 1 । Bl 1 । 'o. । a 1 H 1 1 1 1 l , 1 l 87.S 52 52,1 14,4 14,7 — — 3.65 - 1.65 1,7 12.9 12,65 13,2 I 12.75 148,75 149 75 - - «4.75 148 25 :150 25 143 5 ' 142.5 143 7j i143,25 446,5 ,251 2. 173 ! 113 Li. 25 223,23 160.75 jlriO 25 155.25 Iu4.5 156.9 1 156,5 210 । - 1 196 S. E S • ■ 7 Bergmann ......8 El.ktr Lieferungen . . 10 iUchi und Mrart . ■ . 10 gelten & @uill nmne . 6 Ges - Elekir Urueru . 10 Hamb Elcktr Werk« . . lu Rbein Elelrr .... 8 «Lchles. Elcktr.....lo Schuckeri ........7 Siemens A HalSkr ... 16 Iran radio • .... 8 Ladmever 1 le.......9 Buder 6 0 deutsche Erdöl......o Essener S einkodle . . 8 V>elsenkirckener f- < Harvener 8 Hoesch Erken .......5 »Ife Bergbau.....8 Hlöckn nvcrke ..... .5 Köln-Neuenev P ■■ . anneömann .f ft 4 Mans eldcr 7 Lb.rschle! Eikenb Bedarf c Odcrschlei Koisivcrlc 0 Byoiitr Bergbau s '/, ft 5 RyelNtlchc Braunkodlen io Rbctnitabl 0 Ricbeck Montan i, Bereinigte Stablw f. */» ft 3 Ciaoi Mtnru 1 st. Nalt Aschersleben U KaltWetteregeio 10 fiaHrotrf 6aUbttfnrt6 12 ft iS ftur en-ftnduftrre l< Dviuunlt Nobel ... o Scheid anitali ..... .8 > oldlchmidt 5 Rutgerswerke . ..... .0 iIQetaflacfcQi(taf*.....10 1.14 173 162.75 710 116 Z68 - 151 169.5 'M 155 93 121.25 129 162.5 236,5 114 141.75 112 93 2: 250 153 99 43.3 166 176.9 249 ■51.25 193 105 95,5 171 153 212 115.25 271.5 169,5 2tfe.fi 123.5 130.25 161,75 142,25 98.5 153.25 166 53.25 197 105 95. S 172 1. 4 2a 152.. 174,5 । 172.4 164,5 165.5 212,5 213 117.5 11? .'70.25 271.75 153.25 154 150.5 189 1 188 169,65 167.5 »63 75 .62.5 153 91,5 93.75 123,75 123,5 157,5 138 25 130,13 130 162,5 163 158.25 138.25 238 239 115,5 114 138.5 142,13 142.25 113.25 I 112 5 97 97,75 92 | 91,75 93.75 | 98,5 251 . c49,U 153 4 ,54 145 143.7u 99,5 1 100 43.75 ,4 167.5 168 176.5 176.75 248 5 249 4)3.6 | 254 107.5 106.5 98,5 95,75 BlUltvv H.gNK.NN Heidelberacr Ccment x Temen, fiaHftcbl x . an6 6 ftreitaa i> SLaltbelS Bayevdoker 15 Lslwerkr . . 12 Ber Glanzftofi .15 Bemberg 8 llellfto > Dalddof . 12 llellsiofs Aschaffenburg 10 Ebarlon nburger Daster 7 esiauer Gas 8 Daimler Mo'orrn .... 0 Demag 0 Adlerwerke »ietxt. • . . 0 rmdw Loeirr . . . . 1, Nal SluromovN .....C CTcnftrtn ± .Novvek . ». . 4 Uintt Hoimann .... 0 Leonbard Tiey . » . 6 Bamaa- 1 epuin ... 0 ftranls T7. lchinm . . . . 0 '»ritzner . . . . . 1 fceDliacnftatbf ...... 0 ftungbans ...... f Lechwerke ...... 8 Mamkrainverke ...... t Miag ...... k •Jidarlnlmn ...... x ilereiS Union - ...... x Debr Roeder ...... 1< Borgt k Haeffn» .... 6 Sudd Budei .... 0 Baa Berltn, 10 Märj Amerikanische ’Jtotca..... belgische Noten...... Dänische Noren ...... Englische Sloten . ...... 143 114,5 139,25 1 139.5 180 1 129,5 130.5 260.75 26: 173 173 5 90.25 91,25 80 80.5 — 1 - 24 73,2.5 | 142,25 26 । 86,4 115.6 130.25 ! 63.5 63,5 99 | 173 132 1 knoten. | leid I 4,163 58.20 111,68 | 20,872 143.9 325.75 259.25 670 483 263 116 169.5 92. l> 58,75 237.65 91.75 130 209 5 24 71.75 141,5 140 63.5 100 176 131.5 Ä 4 5 11 20 144 326 260 666 475 262,5 171 115 171 5 92.75 58 236 132.5 212 nei .183 8.41 2.12 .452 Berlin 10 Mari fqeld Brick Hranjöiische Noten . . 15.jO 16,56 Holländische Noten . fttolicnische Noten..... 167.8k 168.56 22 23 22,31 Norwegische Noten..... 111.06 111.50 Deutsch ttlcslcrr, a 100 Kronen Rumänische Noten...... 58.83 58 07 2.572 2.592 Schwedische Noten...... 111.88 112.32 Schweizer Noten ...... 80,38 80,70 Cvanische Noten....... 70,04 70,32 Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten 12,362 12.422 72 90 73.20 Devi^enmartt Derlm —Stanffurt a. M. Telegraphische Ausqahlung. 10. Mär; 11 Mär^ Amtliche Non runa Amtliche Notierung Geld «rrei Geld Briet Am>t.» Rott 168.21 1G8,j5 168,20 168,54 Bucn-Atree 1,790 1.794 1.789 1,793 Brss.'Antw 58,26 58,38 ■>8.26 58,38 Cdrrstiania 111,32 111.54 111,32 111,54 llopenbagen 111,99 112,21 111,97 112.19 Stockbolm 112,12 112.34 112,12 112,34 HeksfingtorS. 10.527 10,547 10,522 10.542 fttalun . 22,10 22,14 22.085 22,125 L'onbon. . . 20,397 20,437 20,39 20,13 Ikeuvork . . I.18OU 4.1880 4,1790 4,1870 ■Ports.... 16,44 16, -8 16,44 16.48 S ck wetj . . 80,46 80,62 50,46 80,62 Soanicn 69 98 70.12 70,45 70.59 ftavan 1,963 1,967 1,963 1,967 Hto dr ft an J.503 U.5üu U.503 0.505 Äten tn D-- Ceft abgeft J8.87 58 99 '8,86 58.98 Prag 12,385 12,405 12,385 12,405 Belirad 7,353 7,267 7,360 7,374 Budavest. 73,10 73,24 73,08 78,22 Bul arten ->,022 3,026 3,017 3,023 Vifiabon 19,13 19,17 18.93 18.97 Danstg 81.54 81,70 81,59 81.67 Konst ntiu 2,121 2,125 2,125 2.129 Ültbcn 5,544 5,556 5,494 6.506 Tanada 4,176 4,184 4.174 4,182 Uni na» . . 4.276 4.284 4.276 4.284 Un . . . 20.92 20,96 20.913 80.953 Eröffnung am Jflittnach, dem 14. M«rs, 2 Hf« nachmittags MM 8 V0*m. Fr. NoiwxiX H i.yj hZ 1 t L- NH FaI Wir haben Wäschefabrik und Ausstattungshaus der Firma Fritz Nowack, Gieben Seltersweg Nr. 28 übernommen, umgestellt und bedeutend vergrößert Der alte gute Ruf der Firma bleibt die Grundlage unseres neuen Unternehmens Kaufhaus N" w Zweiggeschäfte r 276fle Wetzlar a. d. Lahn Hachenburg i. W,