Ä Ä: ^börse. ienHi4. Drle heute B Liefe. Brot- Mel. ‘ ^°rk nJ ™* «ftä J«Ä~ &1S 2 Mundet der C ö0^minw 31 !V« 933 18,93 1,-3 58.33J sts S L S Ä Jfl 69,0'35 Äg 7,3-6 7 ,19 3.030 ti t.!Z Ä 10,8® -TTW 168,1 28,015 UL» 67,71 Ä 118,H 118-'3 1U.11 10,589 28,0! 80,4? 4,403’ 16.4s 80,9'5 68,lf 1.9-! D,6U3’ 69,14» 12,459 "16^5 168,81 22,095 118,17 69,80 2,56 112,4 81,01 67,99 12,44 73.37 a. HL «tanksvrl lu««a61Üi Nr. 240 Erstes Matt 178. Jahrgang Donnerstag, y. Oktober 1928 Erschein» lügUch,nutzer Sonntags and Feiertag». Beilagen: Gießener Familiendlätter Heimat im Bild Die Scholle Moaotr-V«zvtzrprel§: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chiüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Srantfnrt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Unioerfiläls-Buch- und Steinörutferei R. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfcnnig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. „Graf Zeppelin" heute früh zum Amerikaflug gestartet. Friedrichshafen, 11.10. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute früh 7.50 Llhr bei wolkigem, aber windstillem Wetter zur Fahrt nach Amerika aufgestiegen. Als das Schiff sich in die Höhe hob, brachen die Zuschauermaffen in einen ungeheuren Jubel aus. Das Schiff hat gegen Mittag Lyon in Richtung auf Marseille überflogen. Startfieber in Friedrichshafen Am Vorabend des Amerikaflugs. Friedrichshafen. 10. Olt. (Dom Sonderberichterstatter des WTB.) Sn die kleine Stadt ist heute abend ein Leben gekommen, eine Aufregung, wie sie Friedrichshafen nicht mehr erlebt hat seit den vier Sahren, wie Z. R. III nach Amerika fuhr. Morgen soll das größere Schwesterschiff aus der Halle gezogen werden, das dieselbe Reise antreten wird. Dicht unter günstigen Llmständen. Aber das Schiff soll ja gerade zeigen, daß es kein bloßes Schönwetterschiff ist. Es soll seine Beweglichkeit beweisen, wenn es LInwettern ausweicht und doch sicher seinen Weg nach Amerika findet. Lieber dem Bodensee heult heute abend noch der Sturm, doch morgen früh soll es wenigstens hier schön sein. Natürlich gibt es dafür keine hundertprozentige Sicherheit, und darum ist im Hotel angeschlagen, das; die letzte Mitteilung an die Passagiere morgen früh um V?7 LIh r ergehen wird. Alles jedoch rechnet ziemlich sicher mit dem Aufstieg, auch Dr. Eckener und die übrigen Herren von der Führung des Schiffes selbst. Lind so ist aus dem langen Warten ein Fieber geworden, das olle ergriffen Hot, die in der großen Hotelhalle durcheinander schwirren. Erregte deutsche und englische Laute klingen ans Ohr. Sn einer Ecke unterzeichnet der amerikanische Konsul die letzten Pässe und Zollbescheinigungen. Die Passagiere reden vom Kofferpacken, von Dingen, die sie natürlich vergessen haben; Z^legraphenboten gehen ein und aus. Das Telephon rasselt unaufhör- l i ch. An den Tischen der Halle werden leise die letzten Besprechungen geführt. Die Vertreter des amerikanischen Zeitungskonzerns, der das Berichterstattungs- und Dild- mvnopol von Bord erworben hat, sind in Heller Aufregung, denn alle möglichen amerikanischen Journalisten sind in letzter Stunde aufgetaucht, und man munkelt von Versuchen, das Monopol zu durchbrechen und alsblinder Passagier mitzusahren. Die Herren vom Luftschiffbau müssen beruhigen, sie müssen Eide leisten, daß sie jedem, der es wagen sollte... I Ein aufgeregter Russe aus Paris, der unter allen Llm- ständen mit will, bietet sofort 3000 Dollar. Er beteuert, daß er kein Bolschewist sei. Er will ja nicht einmal eine Kabine haben, sondern be- s cheiden i m Lauf gang schlafen. Er will nicht glauben, daß er seine 3000 Dollar wieder einstecken muh. So kündigt die allgemeine Erwartung für morgen einen großen Tag an. Währenddessen wird draußen in der Halle das Schiff endgültig klargemacht, Post und Proviant verladen, die letzte Hand angelegt. Das Schiff wird morgen früh fertig sein, und dann wird der Wettergott bestimmen, ob doch noch wieder abgeblasen werden muh, oder ob der „Graf Zeppelin" nun endlich zu seiner grohen Reise über den Atlantik aufsteigen kann. Am Morgen vor der Halle. Die letzten Reisevorbcreitungen. Friedrichshafen, 11. Olt. (Dom Sonderberichterstatter des WTB.) Schon um 6.30 Llhr, während in der Dämmerung lange Reihen ixm Arbeitern zur Werst marschieren, flauen sich rings um den Platz die Menschen. Deugierig werden die Passagiere bestaunt, neidische Blicke folgen den Autoführern, die das Glück haben, mit dem roten Ausweisstempel das Tor passieren zu dürfen. Diemand möchte diesen großen Augenblick versäumen, da der „Graf Zeppelin" die Reise über den Ozean antritt. Aber noch weht eine kräftige Brrse Dom See her, und es gibt viele Zweifler, die den Ausstieg immer noch für unbestimmt halten. Aber Dr. Eckener lacht nur: „Wir fahren", sagt er, „ich bin heute nacht jede Stunde aufgestanden. bis ich um 3 Llhr wuhte, daß es werden würde." Lind so ist denn das Schiff um r Llhr klar, nur daß bis zum letzten Augenblick nach Gas nachgesÄlt wird. Dr. Dürr geht noch einmal um das Schiff herum, ruhig suchend, vrüfend. Währenddessen wird das Gepäck verleben und schon steigendieerstenPassa- Siere ein, unter ihnen Commander Rosen- ahl, zum erstenmal wieder in & er Uniform der rnnerikanischen Davy. Die Fahrgäste belegen ihre Kabinen und kommen dann zu den Fenstern des Salons zurück. Don auhen werden ihnen noch Postkarten zum Abwurf zugereicht. Ern Scherzwort fliegt herüber und hinüber. Der Rundfunksprecher, der sein Mikrophon in der fjalle aufgebaut fyat, versucht Dr. Eckener zu bewegen, daß er seinen Hörern ein Wort sagt. Dr. Eckener hat jetzt andere Dinge im Kopf. Er pht noch einmal hinüber zu seiner Frau und Doch ter und spricht irgendwo mit ihnen noch ein paar feste, ruhige Worte. Er ist Friese und hat in suchen Dingen des Gefühls nicht viel Worte zu machen. Etwas weiter abseits stehen die Frauen und sonstigen Verwandten der übrigen Offiziere des Schiffes. Sie kennen diese Art Abschied. Nie letzten Augenblicke. Das Luftschiff verlätzt die Halle. Langsam wird es 1/88 Llhr. Alles muh an Bord sein und alles steht da, nur — d i e Lady fehlt. Dann auch die. Aber ihr fällt noch ein, daß sie einen Mantel ve rgess e n hat. Semand muß zum Hotel telephonieren. Atemlos kommt der Hausdiener angelaufen. Allgemeines Gelächter, wie der Mantel hineingerercht wird. Das klatschende Geräusch der Sandsäcke, die abgehängt werden, ließ es verstummen. Man merkt: Seht wird es Ernst. Es wird jetzt ausgewogen. Kommando: „Alles loslassen, nur vier Mann anlüften!" Aber noch ist das Schisf zu schwer. Semand ruft: „Achtung, Wasserhose", die um das Schiff herumstehen, können eins-zwei-drei Platz machen. Man weih, sonst gibt es eine kalte Dusche. Lind schon öffnet sich auch ein Dentil und in großen Strömen ergießt sich das Wasser aus dem Schiff in die Halle. Roch einmal wird das Schiff angelüftet. Setzt i st es ausgewogen. Der Führer an Bord. Lim 3/48 Llhr kommt das entscheidende Kommando „Luftschiff marsch". Dr. Eckener, der bisher noch in der Halle ruhig auf und ab ging, ist a l s letzter einge stiegen. Dann werden die Trossen abgezogen, die Haltemannschaften setzen sich mit langsamem Schritt in Bewegung, und den Bug nach vorn, gleitet dasSchifsruhigzumOsttorderHalle hinaus. Alles geht mit hinaus auf den Platz. Es ist, als wenn plötzlich eine Erregung, der Taumel des Augenblicks alles ersaßt habe. Lln- willkürlich sieht man auf den Kommandoplah, wo ruhig, wie immer, Dr. Eckener seinen Posten eingenommen hat. Er scheint wirllich der einzige zu fein, der nicht von der allgemeinen Erregung und Rervosität ersaht ist. Der Start. Glückliche Fahrt „Graf Zeppelin"! Das Schiff ist jetzt ganz draußen, mit dem Heck nur wenige Meter von der Halle entfernt, als auch schon das Kommando „Hoch" kommt. Wie ein Freiballon steigt das Schiff zehn Meter, zwanzig Meter. — Rasseln der Maschinentelegraphen ... Ein Motor springt an, die anderen folgen nach... Der Bug des Schiffes hebt sich rascher empor: Der „Graf Zeppelin" bat seine Fahrt angetreten. In diesem Augenblick bricht ein ungeheurer Jubel los. Niemand ist zu halten. Tücherschwenken, Winken mit Armen und Händen. Langsam entschwindet das Luftschiff den Blicken, die zurückwandern in die große Halle, die nun auf einmal leer und aus» gestorben ist. Glückliche Fahrt „Graf Zeppelin I" Die Fahrgäste des „Graf Zeppelin". Der PreutzischeZnnenminister undBcrtreter dcrfpanifchenundamerikanischenReqierung Friedrichshofen, 10. Oft. (Vorn Sonderberichterstatter des WTB.) Auf der Fahrt nach Amerika werden an Bord des „Graf Zeppelin" nur 60 Personen sein, davon 40 Mann Besatzung und 20 Passagiere. Die Liste der Fahrgäste umfaßt folgende Namen: Vom Reichsverkehrsministerium Ministerialdirigent Dr. Brandenburg, der Leiter der Luftfahrtabteilung Dr. Denkendorf als Meteorologe der Zentralstelle für Flugsicherung, Dr. Krüger von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, vom Reichsrat der preußische Innenminister G r z e s i n s k i, als Vertreter ausländischer Regierungen der spanische Oberst Herrera und der Führer der „Los Angelos", Commander R o - s e n d a h l, ferner Graf Branden st ein-Zep- pelin, der Schwiegersohn des Grafen Zeppelin, Herr v. Tyszka von der Versicherungsgesellschaft „Friedrich Wilhelm" sowie die Herren G i l f i l l a n und Dr. Robert Reiner. Weiter werden sich unter den Passagieren zwei Ingenieure befinden, und zwar Bock von Telefunken und S ch i r l i tz von den Zeißwerken, der optische Untersuchungen und Arbeiten zur Entwicklung neuer Instrumente ausführen wird. Es kommen bann noch die Vertreter der drei Verlage, die das Monopol für die Borbbericht- erftattung erworben haben, darunter für den amerikanischen Hearst-Konzern Karl v. Wiegand und Lady Drummond-Hai; sie ist übrigens die e r ft e Frau, die den Ozean in der Luft überqueren wird. Die Führung des Luftschiffes liegt natürlich in den Händen oon Dr. E tr e n e r, der von den beiden stellvertretenden Führern, Diplomingenieur Lehmann und Kapitänleutnant Fleming unterstützt wird. Die erste Etappe. Heber Konstanz nach Basel. Bafel, 11.Oft. (WTB. Funkspruch.) äonff a n 3 wurde um 8.10 Uhr passiert. Sämtliche Kirchenglocken der Stabt läuteten ihm einen Abschiebs- gruß. Dem über den Hafen hinwegsliegenden Luftschiff winkten unzählige Personen leidenschaftlich zu. Der „Graf Zeppelin" überflog dann um 8.50 Uhr Schaffhausen, um 9.07 Uhr D a l d s h u t. Auch hier läuteten die Kirchenglocken und die begeisterte Bevölkerung jubelte dem Luftschiff zu. Das Wetter war auf der Fahrt durch bas Oberrheintal leicht neblig, doch kommt die Sonne mehr und mehr durch. Um 9.33 Uhr hat das Luftschiff das Gebiet der Stabt Bafel erreicht. Es wurde von einem Flugzeug des Baseler Flugplatzes, bas ihm enfgegengeftogen war, begrüßt. Die Baseler Bevölkerung jubelte dem „Graf Zeppelin" begeistert zu. Der „Gras Zeppeün" Über Frankreich. Bafel, 11.Oktober. (WTB. Funkspruch.) Nachdem „Graf Zeppelin" das Gebiet der Stabt Basel überflogen hatte, nahm es scharfen Kurs nach Westen, der Burgundischen Pforte zu, begleitet von zwei Flugzeugen des Baseler Flugplatzes. Um 9.40 Uhr befand es sich bereits über französischem Boden, um 9.45 Uhr wurde die Festung Belfort überflogen. „Graf Zeppelin" auf dem Wege zum Meer. Nur spärliche Nachrichten. — Kurs auf Marseille. (Drahibericht der lelegrapljen-Union.) Friedrichshafen, 11.Off. (TU.) Das Luft- schiff „Graf Zeppelin" ist nach hier vorliegenden Nachrichten bereits in Südfrankreich gesichtet worden; das Schiff hat Lyon passiert in Richtung auf Marseille, wo es gegen 5 Uhr eintreffen dürfte. Die weitere Fahrtroute wird bann in Richtung über das Wittelmeer gehen. An der Süd- rcefffüffe Spaniens wird wahrscheinlich nach Westen abgedreht und Gibraltar überflogen werden, so daß bei glattem Verlauf der Fahrt das Luftschiff gegen 10 Uhr abends den offenen Ozean erreichen dürfte. Die Wahrscheinlichkeit für diese Annahme besteht um so mehr, als nach den um 12 Uhr vorliegenden Wettermeldungen über dem nördlichen Atlantik e i n schweres lief mit ffarfem Sturm liegt, dessen Ausläufer sich bis zu den Azoren erstrecken. Der Weg über den Busen von Biskaya in Richtung Azoren kommt für eine Ueberquerung auch nicht in Frage, da auch dort stürmisches Wetter mit starken Gegenwinden herrscht, so daß sich Dr. Eckener entschlossen haben dürfte, den bereits angegebenen südlichen Kurs einzuhalten, da über dem 2Tlitfelmeer ein starkes Hochdruckgebiet liegt, das für die Fahrt die günstigsten Voraussetzungen schafft. Allerdings muh bei dieser Fahrtroute ein Umweg von etwa 800 Kilometer in Kauf genommen werden. Auf diesem Wege kommt aber das Luftschiff, ohne sich irgendwelcher Gefahren auszusehen, auf den offenen Atlantik, von Gibraltar aus wird das Luftschiff bann roeftlidjen Kurs nehmen und die Route südlich der Azoren einhatten. Das Luftschiff steht zur Zeit mit verschiedenen deutschen Funkstationen in Verbindung. Wie bei der Funkstation des Luftschiffbaus Friedrichshafen verlautet, ist nach den letzten IHelbungen an Borb alles wohl, und die Fahrt des Luftschiffes geht bei günstigen Winden schnell vorwärts. Die Meldungen von dem Luftschiff laufen den ganzen Nachmittag nur sehr spärlich ein, da das Luftschiff zur Zeit Wettermeldungen aufnimmt. „Unser Schiff wird es schon schaffen". Eine letzte Unterredung mit Dr Eckener. Friedrichshafen, 11. Okt. (WTB. Funkspruch.) Kurz vor dem Aufstieg hatte der Sonderberichterstatter des WTB. noch Unterredungen mit dem Führer und einzelnen Passagieren des Luftschiffes. Dabei erklärte Dr. Eckener: Ich rechne damit, daß wir Sonn- tagfrüh in Neuyork sind. Das Wetter über dem Ozean ist allerdings sehr schlecht. Unsere letzten Meldungen stammen von heute nacht um zwei Uhr. Sie sprechen nicht nur von Sturm, sondern v 0 n s chw e r e m Stur m. Das bedeutet inindestens Windstärke 10. Unter diesen Umständen läßt sich die Route natürlich nicht vorher genau bestimmen. Im allgemeinen werden wir uns aber an den üblichen Kurs halten müssen, d. h. zunächst über Basel nach Frankreich fahren, bann über dem Ozean südlich die Tiefs umgehen, die sich zwischen Neufundland und Irland hin und her schieben. Die nördliche Route kommt nicht mehr in Frage, weil wir dann bis nach Grönland hinauf müßten und dort die Tage nur noch 8 Stunden zählen. Jedenfalls haben wir das starke Vertrauen, daß unser schönes Schiff es schon schaffen wird. Oer stellvertretende Führer, Oipl.-Zng. Lehmann, wies darauf hin, daß das Interessanteste gerade an dieser Fahrt angesichts der ungeklärten Wetterlage die Navigation sei. Die Fahrt werde den Sachverständigen, die zu Versuchen mit an Bord genommen sind, Gelegenheit zu interessanten Beobachtungen geben, die große Bedeutung für den zukünftigen Ozean-Luftverkehr haben würden. Es sei möglich, daß das Schiff bis zur afrikanischen Küste hinuntergehen müsse, um dann erst auf bie Azoren loszusteuern. Kapitänleutnant Flemming sagte: Eigentlich haben wir nicht mehr viel zu erzählen. Wir haben alles so sorgfältig vorbereitet, wie es nur möglich ist. Jetzt hat das Schiff bas Wort. Es wirb schon für sich sprechen. Ministerialdirigent Brandenburg erklärte, baß er sich freue, Amerika kennenzulernen. Seine Freube sei um so großer, als er gerabe a l s Leiter ber Luftfahrtabteilung des Reichsverkehrsmini st eriu ms diesen ersten Besuch Amerikas im Luftschiff mache. Er werde seinen Aufenthall in Amerika zu wichtigen Fachstudien benutzen. Commander Rosendahl, der Führer der „Los Angeles", unterstrich, daß fein Besuch in Deutschland ebenso schön, wie lehrreich für ihn gewesen sei, zumal alle, mit denen er zu tun gehabt habe, sich seiner sehr herzlich angenommen haben. Er freue sich, die Männer kennengelernt zu haben, die das deutsche Luftfahrtwesen auf eine fo große und erfolgreiche Höhe gebracht haben, daß man ihnen nur gratulieren könne. Das Werk Dr. Eckeners schließe nicht nur technische Probleme in sich, um so größer sei das Verdienst der Nachfolger des Grafen Zeppelin heroorzuheben, die in ihrem Glauben an die Zukunft der Luftfahrt fest- hiellen. Der „Graf Zeppelin" werde ohne Zweifel ein wichtiger Faktor in der Entwicklung zu einem ständigen Luftschiffoer- kehr über den Ozean fein. Amerika rüstet zum Empfang. Tas Festprogramm Ncutzorks. R e u h 0 r k. 10. Okt. (WTB.) Es verlautet, das städtische Ernpfangskomitee in Reuhork wird, falls die Ankunft des Zeppelin am Samstag oder am Sonntag erfolgt, die Mannschaft des Luftschiffes am Montag von Lake hur st nach Reuhork bringen. Dort wird nach der üblichen Parade ein Empfang der Besatzung durch den Bürgermeister von Reuhork, Walker, erfolgen, dem sich am Abend ein Festbankett im Ritz-Carlton-Holel und hierauf ein Theaterbesuch anschlleßen wird. Am Dienstagabend veranstaltet die deutsch-amerikanische Handelskammer ein Bankett, wobei Bundessenator Wagner als Hauptredner Führer nird Besatzung des Luftschiffes begrüßen wird. Die Berichte über die Vorbereitungen des Zeppelins für den Amerikaflug füllen weiter die Spalten der amerikanischen Blatter. Die Zeitungen „Times" und „Herald Tribüne" erörtern in Leitaufsätzen die Vorzüge des Luftschiffes gegenüber dem Flugzeug und bringen ebenso, wie dies Präsident Coolidge tat, bie Hoffnung zum Ausdruck, der transatlantische Flug des „Graf Zeppelin" werde die Lurischiffahrt im allgemeinen wesentlich fördern. Das Handels- amt erließ besondere Vorschriften für die Zivilflieger, die nach den Anweisungen den „Graf Zeppelin" nicht überfliegen dürfen und ihm mindestens 300 Meter fernbleiben müssen. Aus Lakehurst wird gemeldet, man habe dort jede denkbareDorsichtsmaßnahme für die Sicherheit des „Graf Zeppelin" getroffen. Es wird erwartet, daß sich eine Menschenmenge von mindestens 50 000 bei der Ankunft des Luftschiffes sammeln werde. Zwei kleinere Luftschiffe werden dem „Graf Zeppelin" entgegenfliegen, um ihn als Eskorte zum Landungsplatz zu begleiten. Preußens Konkordat mit dem Vatikan. Weitgehende Forderungen der Kurie: Drei neue Bistümer. — Ernennung der deutschen Bischöfe in Rom. — Oie Gchulfrage. Berlin, 11. Oft. (TU.) Die Verhandlungen über den Abschluß eines Konkordats zwischen Preußen und der Kurie sind abgeschlossen. Der Inhalt der Vereinbarungen wird noch geheim gehalten. doch sind die Spätabendblätter in der Lage, einiges über diese Vereinbarungen mitzuteilen. So schreibt die „Voss. Zlg." u.a. folgendes: Rach alledem, was man über diese Vereinbarungen hört, ist keinesfalls anzunehmen, daß dos Preuße nkabi nett dem Entwurf in der v o r - liegenden Form zu stimmen wird. Die Kurie verlangt die Einrichtung von drei neuen Bistümern nämlich: außer in Bet- l i n auch in Essen und in K a m m i n i. Pom., um dieses bis zur Reformation bestehende alte Bistum als eine Diözese für die Diaspora des deutschen Rordostens wieder aufleben zu lassen. Diese Forderung wird kaum akzeptiert werden können, da zu jedem Bistum auch eine Dotation gehört. Eher würde man sich neben dem Bistum Berlin mit der Erhebung van Breslau und Paderborn zu Erzbistümern abfinden tonnen, da die zu diesem Zwecke erforderlichen Geldmittel nicht allzu bedeutend sind. Denn dos Konkordat zufkandekommt. fo werden die Kapitelwahlen aller Wahrscheinlichkeit nach s o r t s a l l e n. d. h. es werden die Bischöfe nicht mehr von ihrem Domkapitel gewählt, sondern künftig vom heiligen Stuhl in Rom ernannt werden. Die staatliche Mitwirkung ist dabei so gedacht, daß vor der (Ernennung d i e Staatsregierung gehört werden soll, hinsichtlich der S ch u l f r a g e Hal man versucht, eine Kompromihforrnel zu finden. Die Formel besagt, daß die Kurie von den Bestimmungen des Artikels 146 Ads. 2 der Reichsverfassung über die Schularten Kenntnis nimmt und daß die preußische Staatsregierung sich verpflichtet, nach Möglichkeit für die Bereit st ellung einer genügenden Zahl katholischer Bekenntnisschulen Sorge zu tragen. * Zu dieser Veröffentlichung der „Voss. Ztg." über den Inhalt der Konkordatsverhandlungen schreibt die „Germania", das Berliner Zentrumsorgan, die Angaben seien nicht als authentisch anzusprechen, vermischten wenig Wahres mit viel Falschem. Zu dem Falschen gehöre die angegebene Formel über die Schulfrage. Das Blatt meint, eine voreilige und noch dazu von unrichtigen Voraussetzungen ausgehende Stimmungsmache solle offenbar das preußische Kabinett veranlassen, dem Konkordatsentwurf nicht zuzustimmen. Das sachliche Interesse auch des preußischen Staates an einem Konkordat werde sich auch diesen Störungsversuchen gegenüber durchsetzen. Verschleppungstaktik? Die Koalitionsfrage inPreußen und im Reich Berlin, 11. Oft. ($11.) Unter der Heber» sehr ist „Sabotage?" nimmt die der Volkspartei nahestehende „DAZ." zur Verschiebung der K o al i t io n s v e r h a n d l u n g en in Preußen Stellung. Sie wirft die Frage auf, auf wen die Schwrerigkeiten bet den Verhandlungen zurückgingen. Aus sozialdemokratischen Kreisen verlaute glaubhaft, daß man sich dahin schlüssig geworden sei, die Preußenverhandlungen zweckmäßigerweise erst im November ab» 'zuhalten, nämlich um die Entwicklung im Reich abzuwarten. Diese Begründung sei eigenartig. Die Sozialdemokratie wisse genau, daß für die Deutsche Volkspartei die Regelung der Preußen- frage eine Voraussetzung für d i e Große Koalition im Reiche darstelle, und sie wisse auch, daß es bei weiterer Verschleppung der Preußenverhandlungen unmöglich sein werde, die dort bestehenden Schwierigkeiten rechtzeitig zu überwinden. Die Schwierigkeiten lägen vornehmlich in der Neuverteilung der M i n i st e r s i tz e und in der Konkordatsfrage. Heber beide Dinge könne man sich am besten unterhalten, wenn der große Resonnanz- raum des Parlaments ausgeschaltet und die Regierung in der Lage sei, in Ruhe mit den Parteiführern zu verhandeln. Also jetzt und nicht erst im November. Die preußische Regierung stehe auf dem Standpunkt, es liege durchaus bei den Parteien, von sich aus und untereinander die Verhandlungen in Gang zu bringen. Das sei eine an der Sache vorbeizielende Auslegung des klaren Versprechens, das Ministerpräsident Braun im Namen seines Kabinetts gegeben habe. Abwechselnd die Verantwortung der Parteien, der Regierung und wieder den Parteien zuzuweisen, bedeute nichts anderes als Verschleppungstaktik. Die D. V. P. habe sich lange genug außerhalb der preußischen Koalition befunden, um sich mit dem Aufschub der geplanten Verhandlungen abfinden zu können. 2lber für die Entwicklung der Dinge im Reiche — der die Sozialdemokratie anscheinend mit fo großem Mißtrauen entgegensehe — bedeute die Verzögerung in der Tat keine erfreuliche Prognose. Die „Börsenzeitung" spricht von einer neuen poli tischen Krise, weil zu den Schwierigkeiten bei den Koalitionsverhandlungen in Preußen noch hinzukomme, daß die Deutsche Volkspartei und das Zentrum im Reiche durch den geplanten sozialdemokratischen Antrag in der Panzerkreuzerfrage in bezug auf die Koalitionsfrage vor neue Entschlüsse gestellt werden. Es sei nicht anzunehmen, daß die Parteien der Mitte noch die Arbeitsgemeinschaft aufrechterhalten, geschweige beim, an der Konstruktion der Großen Koalition miiarbeiten könnten, wenn der sozialdemokratische Antrag eingebracht werde und im Plenum die Sozialdemokraten und ein Teil der Demokraten und ihre Minister ihm im Plenum zustimmten. Die D. V. habe als Bedingung für ihre Beteiligung an der jetzigen losen Form der Arbeitsgemeinschaft schon die Fortsetzung des Kreuzerbaues gefordert. Neue Untersuchung im phoebusskandal. Berlin, 11. Olt. (Prw.-Tel.) Nachdem die Hntersuchung über die finanzielle Seite des Phoebus-Skandals vom ReichSsparkommissar vor einiger Zeit bereits abgeschlossen wurde, wurde auf Wunsch des Reichskanzlers die weitere vom Reichstag geforderte Hntersuchung nach den Mitverantwortlichen, die ersatzpflichtig gemacht werden könnten, dem ehemaligen Staatssekretär im preußischen Justizministerium, Fritze, übertragen. Staatssekretär Fritze hat u. a. bereits mit Admiral Behnke verhandelt. Unter den übrigen maßgebenden Persönlichkeiten, die über die Phoebus-Angelegenheit befragt werden sollen, befinden sich auch die früheren Minister Reinhold und G e ß l e r. Der Kriegsanlerhrskandal. Das Disziplinarverfahren gegen Regicrungsrat Steiger. Berlin, 11. Olt. (Wolff.) Reben der Untersuchung des Kriegsanleihebetruges läuft das Disziplinarverfahren, das gegen Regierungsrat Dr. Steiger eingeleitet wurde. In diesem Verfahren ist Dr. Steiger gestern zum erstenmal von dem Disziplinarrichter vernommen worden. 'Man wirst ihm vor, daß er sein Amt mißbraucht habe, um für s i ch geschäftliche Transaktionen vorzunehmen. Ferner sieht man ein Vergehen gegen die Bestimmungen für die Beamten darin, daß er sich für die societes des mines d’or eingesetzt habe, als deren Vertreter der holländische Börsenmakler van dem Sievkamp aufgetreten ist. van dem Sievkamp soll, so erklären die Vertreter der holländischen Gruppe, an Dr. Steiger einen offenen Scheck in Höhe von 32 000 Mark gegeben haben, Prag, 10. Oktober. (TU.) Am Mittwochvormittag wurden die Aufräumungsarbeiten an dem ein« gestürzten Neubau in fieberhafter Tätigkeit fortgesetzt. Unter den Trümmern werden immer wieder zerrissene, blutige Gliedmaßen gefunden. Drei große Traktoren arbeiten ohne Unterbrechung an dem Fortschleppen der Betonblöcke, die so schwer sind, daß die Ketten zweimal rissen. Die Arbeiten schreiten nur sehr langsam vorwärts. Augenzeugen können seit Dienstagabend eigentlich keinen wesentlichen Fortschritt feststellen. Aus der ganzen Stadl wurden die verfügbaren großen Bohrer requiriert und zum Zersprengen der riesigen Betonklöhe angesehk. An der Anfallstelle wurde ein zwei Stockwerke tiefer Schacht in die Straßen getrieben, von dem man dann einen Tunnel zu den teilweise verschütteten Kellerräumlichkeiten des Neubaues schlagen will, da man in diesen noch lebende Menschen anzutreffen hofft. Unterdessen ist einer von den im Krankenhaus ein« gelieferten Verletzten verstorben. Die Zahl der geborgenen Toten festzustellen, war deshalb so schwer, weil von einigen nur die Gliedmaßen und von anderen nur der Rumpf gefunden werden konnte, lieber Mittag wurden z w e i weitere Leichen aus den Trümmern geborgen. Später wurden unter einer starken Betondecke zwei Leichen freigelegt. Von der Straße werden noch drei Schächte gegraben, durch die man in die Keller zu gelangen hofft. Insgesamt wurden bisher 22 Tote, von denen zehn festgestellt werden konnten und 36 Verletzte unter den Trümmern geborgen. Inzwischen hat der Magistrat der Stadt Prag an« geordnet, daß auf allen Neubauten eine ft r e n g e Revision vorgenommen wird. Arbeitsminister Dr. Spina bezeichnete gegenüber einem Vertreter der Prager Presse, das Bauunglück als eins der schwersten in der letzten Zeit. Polens Heereseiat. Die Bedrohung der deutschen Ostgrenze. Das Warschauer Kabinett hat bereits den polnischen Haushaltsplan für das nächste Rechnungsjahr genehmigt. Er balanciert mit rund drei Milliarden Zloty aus, von denen aber mehr als 800 Millionen dem Heere zur Verfügung gestellt werden. Diese Summe ist jedoch nicht als endgültig zu betrachten, da unzweifelhaft noch erhebliche N a ch f o r » derungen gestellt werden dürften. Es muß auffallen, daß Polen nach wie vor trotz seiner finanziellen Schwierigkeiten den Ehrgeiz besitzt, es den übrigen am Wettrüsten interessierten Staaten gleichzutun. Irgendein Anlaß für Polen besteht aber hierzu nicht. Cs verfügt über ein gut ausgebildetes und gut gerüstetes Heer, hat von Deutschland nichts zu befürchten und braucht auch vor den Russen keine Angst zu haben, weil es im Falle eines russischen Angriffs das gesamte Westeuropa und Amerika hinter sich weih, die natürlich sofort kriegerische Verwicklungen der Sowjetunion benutzen würden, um der kommunistischen Bewegung den Garaus zu machen und sich die besten Gebiete Rußlands herauszu- schneiden. Dennoch bangt Polen um seine Sicherheit, eine Sorge, die durchaus nicht echt ist und die nur das heftige Auf rüsten verschleiern soll. Da es nicht unbekannt ist, daß der Durchschnittspole noch immer ein größeres Polen anstrebt, obwohl bereits weite Ländereien mit Minderheiten besiedelt sind, die mit dem Polentum nicht das Geringste gemein haben, können die Rüstungen keinen anderen als einen Offensivcharakter haben. Wenn auch von Zeit zu Zeit in der polnischen Presse für eine weitere territoriale Ausdehnung Polens nach dem Osten eingetreten wird, so steht doch fest, daß die alten Pläne unseres östlichen Nachbarn, Ostpreußen sich einzuverleiben, das restliche Schlesien zu annektieren und andere deutsche bei dem das Datum nicht ausgefüllt war. Die Einsetzung des Datums sollte Dr. Steiger selb st vornehmen dürfe, und zwar nach der Vereinbarung an dem Tage, an dem vom Reichslommissar für die Abwicklung des Altbesihes die Benachrichtigung von der erfolgten Annahme des Antrages der societe des mines d’or eingetroffen wäre. Diese Benachrichtigung traf nicht ein; aber Dr. Steiger soll nun trotzdem den Scheck zahlbar g ex macht und tatsächlich das Geld abgehoben haben. Jetzt ist ein Zivilprozeß im Gange, um diese 32 000 Mark wieder zurückzuerhalten. Man behauptet, daß es sich hier um e i n Honorar handele, das für die persönliche Tätigkeit Steigers von van dem Sievkamp ausgesetzt worden sei. — Zusätzliche Alters- und Hirtterbliebenen- fürsorge für Reichsangestellte. Berlin, 10. Oft. (WB.) Im Reichsfinanzministerium wurde mit den am Reichsangestellten- tarifvertrag beteiligten Angestelltenorga- nifationen ein Abkommen über eine zusätzliche Alters- und Hinterbliebenenfürsorge der Reichsangestellten unterzeichnet. Rach dem Inhalt dieses Abkommens sollen den berufsunfähigen Angestellten oder deren Hinterbliebenen Zuschüsse zu den gesetzlichen Ruhegeldern oder Hinterbliebenenrente gewährt werden. Die Zusatzversorgung der Angestellten erfolgt im Ra hmen der Angestelltenversicherung. Das Abkommen tritt mit dem 1. November 1928 in Kraft. Für den zusatzversicherten Angestellten werden entsprechend höhere Beträge an die Angestelltenversicherung abgeführt. Nicht nur öffentliche Körperschaften, sondern auch private Unternehmungen können jederzeit ohne Schaffung neuer Verwaltungsorgane in ähnlicher Weise die Altersversorgung ihres Personals sicherstellen. (Ein hervorragender reichsdeutscher Fachmann, der soeben in Prag weile, habe ihm mitgeteilt, daß er, der über eine langjährige Praxis in Europa und Amerika verfüge, noch nie ein ähnliches Unglück gesehen habe. (Er schreibe das Unglück entweder dem sandigen Boden, einer schlechten Baukatkuta - Hon oder aber einem 2U a t e r i a l s e h l e r zu. Es sei notwendig, schnellstens Abhilfe zu schaffen. Er werde für fein Ressort sofort die Anregung geben, wenigstens in knappster Form Vorschriften für Betonbauten herauszugeben. Damit hoffe er, daß wenigstens einige Sicherheit bei Betonbauten gewährleistet werde. Die Kriminalpolizei vernahm den verantwortlichen Bauingeniur, Architekt Rudolph Mondi, der zugab, daß das Fundament des Baues aus minderwertigem Zement hergestellt war und daß bei der Bereitung des Baumaterials nichtimmerdergleicheProzentsatzZe« ment verwendet wurde. An der Spitze der Hilfsaktion für die Opfer und Verunglückten hat sich der Präsident Masarhk mit einer Spende in Höhe von 150 000 Kronen gestellt. Auch private Kreise nehmen mit großen Spenden an ihr teil. Blätter- melbungen über angebliche Straßen Unruhen in Prag sind unrichtig. Tatsache ist, daß die Kommunisten versuchten, die Prager Daukatastrophe zur Aufhetzung der Massen zu mißbrauchen. Sie beriefen gestern abend eine Versammlung unmittelbar in der Nähe der Hn- glücksstätte ein und versuchten, sie trotz des polizeilichen Verbotes abzuhalten. Die Polizei schritt jedoch unnachsichtig ein und zerstreute die Manifestanten. 'Der kommunistische Abgeordnete Harus und Senator Hampl wurden auf die Wache geführt, später aber wieder freigelassen. Heut« versuchten die Kommunisten einen Proteststreik unter der Bauarbeiterschaft zu inszenieren. Dieser Aufforderung gehorchten jedoch nur einige kleinere Gruppen. Bei weiteren Versuchen, Ansammlungen in der Nähe der Hnglücksstätte zu bilden, schritt die Polizei neuerdings ein und zerstreute die Menge. Gebiet« in seinen Besitz zu bringen, unvermindert fortbestehen. Wie steht es aber nun mit der praktischen Sicherung unserer Grenzen gegen polnische Einfalls- und Raubgelüste? Nach dem Versailler Vertrag dürfen wir nur 100 003 Mann Reichswehr ohne Reserven halten, die mit 84 0C0 Gewehren, 18 000 Karabinern, 792 schweren, 1134 leichten Maschinengewehren, 63 mittleren. 189 leichten Minen Werfern, 204 7,5-Zentimeter-Geschützen und 84 10,5-Zentiineter-Haubihen ausgerüstet sind. Hinzu kommen noch einige Kreuzer und das jetzt für den speziellen Ostpreußen!)lenst auf Stapel gelegte Panzerschiff A. E s fehlen uns aber alle modernen Kampfmittel, ohne die heute eine kampfkräftige Truppe undenkbar ist. Wir haben keine Tanks, keine Bombengeschwader, dürfen kein Kampfgas an» fertigen, dürfen unsere alten Festungen, soweit wir sie nicht dem Boden gleichmachen mußten, nicht ausbauen und sind zudem mit Reparationsverpflichtungen derart belastet, daß es unS nicht einmal möglich ist, unsere Reichswehr so aus^urüsten, wie uns das im Rahmen des Versailler Vertrages gestattet ist. Im Falle eines polnischen Angriffs können wir also je hundert Kilometer unserer langgestreckten Oft» grenzen nur mit 243 Mann, sieben leichten Geschützen, 28 leichten und zwei schweren Maschinengewehren besetzen. Polen dagegen kann schon auf nur zehn Kilometer bereits 12 0C0 Mann aufmarschieren lassen, hinter denen sieben leichte Geschütz«, zwei schwere Geschütze, 32 leichte, 22 schwere Maschinengewehre, ein Kampfwagen und fünf Flugzeuge stehen. 3m Ernstfall werden die Polen aber noch erheb- l i ch mehr Kriegsmaterial an ihre Westgrenze werfen können, so daß eine Verteidigung deutschen Bodens durch unsere Reichswehr einfach ein Ding der Hnmöglichkeit ist. Unter diesen Umständen versteht es sich von selbst, daß von Deutschland dem politischen Staat niemals Gefahren drohen können. Der Ruf nach Sicherheit, wie er aus Warschau ununterbrochen tönt, entbehrt also jeder Grundlage. Gas Bauunglück in Prag. Noch immer nicht alle Opfer geborgen. — Die Gchuldfrage. Oie Abrüstung der Anderen. Das Elsaß gegen den neue« Festungsgürtel. Die Autonomisten wünschen eine entmilitarisierte Zone westlich des Rheins. Straßburg, 10. Oft. (TH.) Nachdem bereits die elsässische Fortschrittspartei in ihrem Wahlaufruf gegen bie geplanten um- . fassenden Festungsbauten an der neuen deutsch-französischen Grenze öffentlich Einspruch erhoben hatte, wendet sich jetzt auch das elsässische Zentrum, di« , Mähte Partei des Landes, gegen diesen neuen i Festungsgürtel, der sich von Basel bis / Luxemburg erstrecken soll und etwa sie-l ben Milliarden Franken verschlingen s wird. Im Interesse der Steuerzahler und im Sinne der Abrüstung der Geister wird allgemeine materielle Abrüstung gefordert. Das Elsaß wolle nicht länger militärisches Aufmarschgebiet sein. Der weiterg'hmd' Gedanke einer Entmilitarisierung E sah-Loth ringens ist, im Anschluß an die Genfer Verhandlungen über die Rheinlandkontrolle in der elsässischen Presse lebhaft erörtert worden. Das führende Blatt der Autonomicbewegung, die „Freie Zeitung" des Abgeordneten Dahlet, hat die Idee willkommen geheißen, auch auf französischer. Seite eine Zone zu schaffen, die dem entwassae- ten deutschen Rheinland entsprechen Loürde. Verschleierter Rückzug. Die Ausweisung des amerikanischen Journalisten wird aufgehoben Paris, 10. Oktober. (Havas.) Ministerpräsident j Poincar 6 hat auf den von der Bereinigung der angelsächsischen Presse ihm unterbreiteten Antrag auf Einleitung einer neuen Untersuchung des Falles 5)oran erklärt, daß die gegenwärtig im Gang befindlich« Untersuchung vom Ministerium für aus« . märtige Angelegenheiten ausgehe und daß er sich, feine Entscheidung Vorbehalte. Für den ' von Paris abwesenden Minister des Aeußeren, B r i a n d, an den der gleiche Antrag gerichtet worden ist, hat Generalsekretär B e r t h e l o t den Vorsitzenden der Vereinigung der angelsächsischen ' Presse empfangen. In den diplomatischen Kreisen Frankreichs ist man der Ansicht, daß die auf Don« nerstag festgesetzte Abreise des Vertreters der 1 Hearstpresse aufgeschoben werden wird angesichts der Bedeutung, die seine Zeugenaussagen bei den Nachforschungen nach der Herkunft des von ihm veröffentlichten Geheimdokumentes haben. Die französische Regierung könne in der Tat ) den Wunsch haben, Horan aufs neue zu ver« nehmen, so daß der Zeitpunkt seiner Abreise im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Untersuchung stehen würde. Die englischen Liberalen. Schlechter Auftakt für den Parteitag. London, 10. Oft. (TH.) Zu dem am Donnerstag in Parrnouth beginnenden liberalen Parteitag sind bisher ungefähr 2000 Delegierte eingetroffen. Mittwochnachmittag fand eine große Frauenversammlung statt. Großes Aufsehen hat eine Erklärung von drei in dem Wahlbezirk Tavistock, wo am Donnerstag eine Parlamentswahl stattfindet, aufgestellten Delegierten hervvrgerufen. Die drei Führer Habern an die liberalen Wähler des Bezirks einen Aufruf gerichtet in dem diese aufgefordert werden, für die Konservativen zu stimmen. Dieser ungewöhnliche Appell wird damit begründet, daß die Liberalen als Partei vollkommen geschwächt seien und nur d ie Konservativen eine wirksame Vertretung des Konstitutionalismus gegen die sozialistischen Ziele der Arbeiterpartei im Parlament versprächen. Obwohl es sich bei den Hnterzeichnem des Aufrufes um rechtsliberale Persönlichkeiten und ausgesprochene Gegner Lloyd Georges handelt, hat dieser Vorgang in liberalen Kreisen große Bestürzung hervorgerufen. Die Wetterlage. 2S2 VS- Seydlst •Jan ■deei §8 -Röst- -2.C itocKh. ■inoö O la Cöjytf- ----Thorsh- -- Mittwoch, d. 10. OK11928, 7habd5; 04ren-(ns.; -LUM v** 42. ° ©Wontenloso «eiter, q naw otdecxi «worxia eotaeext. «ReoeW # Schnee & Graupein eNehci K Gewitter.® windstille. «O-> seit leichter Ost y massiger "Südsüdwest £) stürmische! «ordwest 61c Pfeile fliegen mit dem winde Oie ocoen Stationen stehenden zafr len gehen die Temperatur an. Oie Linien vcroindeo Orw mH ateicne« »uf necresniVeau umoereconeteo LulUVec» ^c.tervoraussagc. Das südskandinavische Tief ist ostwärts abgezogen und hat uns durch die Kaltluftanassen auf seiner Rückseite Temperaturfall und Barometer- anstisg gebracht. Ein neues Tief liegt jedoch über England, in dessen Warmluftbereich totr morgen gelangen werden. Beim Aufgleiten, bei der noch auf dem Kontinent lagernden Kaltlust werden erneut Niederschläge auf treten. Voraussage für Freitag: Meist bedeckt, Temperaturen wieder etwas ansteigend und Niederschläge. , , 1 Hin inlereffictl^ Siebte ßer fren, Io ist Hfl tniiiiung; aber e einer Gefahr aus fe.i kann. M st Man gern dm ö «an aber längere L roherer 'M konnten auf ande fei Händedruck« fron der sogar u Ur- beim 2lbsc kslenden und f trieb etwas dageg r.Duhte Freund jri ift gibt es do sic? h:rzlich zu bec Es ist sehr fch I.rechen, und es Tun sich zu dem, ß-erun/n Haden t lürtD u.jJ Oillc ' Km, .^aderen Sl dl ES S. te Md E Eia,« Zage" " rS W »i Sm««- Ä fefe MkS ll eben, viellenh EL? iie eben M Weit, fich. durch, üi. »erabschleden, Irgendeiner Tätig W( Freitag, d nachmittags ich im „Löw( d>ahirr, zwar zahlung: 11 Cbetlotfmo 1 Ser Ufo, 2' Sen Wiel i 1 D-M 2 6 ( 2 schreibmnsch lade, 1 Parite bank, 2 Menn 1 komplette En lunaSanlage, 6 sebilbe, 1 Tchr rader, 1 Eir,< " etnnchiunp, Ni 1 Äplechavvar, Ausziebitslb, i 17 Lande Bro frrifort 2 Wer lll Bestimm,.. / Lodeneinrichtr ÄST ss licj( ER.) fre i? r °°n lor E-W. und 60 * öS --^Wsches Fo 897ID Lebensrnittel-u. 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Vorläufig werden die gestrigen Abendkurse besprochen, doch tariert man die Tendenz auf Deckungen eher etwas freundlicher. Oie Existenz-Frage ist brennend für säst jed. Wir biet, tat- träft. Herren jed. Standes u. allerorts d. Möglichkeit 1OOO Hk. monatlich u. mehr zu verd. durch d.Alleinvertrieb eines durchaus zeitgem. u. leichtverkfl. Mill.«Bedarssarlik. Reelle Existenz obn. Vorkeuntn. u. beiond. Raume. Nur Innendienst. Nur Herren, denen es an ein. gut. Dauerextstenz m. fof. u. siänd. steigendem Einkommen Uegt, u. welche über 500 b. 1000 Mk. Eigen- kapital versüg., woll. sich am Freitag, dem 12. d. Mts. i on 9 bis 4 Uhr in Gießen, Hotel Victoria m. mir persönlich in Verbindg. setzen. Einarbeitg. erfolgt durch Firma. 8950V Chem.Fabr. Konr.Wegener, Berlin SO 18. i liberalen, ir den Parteitag. 1) 3u dem am Dm« inntnben liberalen ungefähr 20CO Dele. chnachmitlag fand eint statt. Großes Aus« Hfl ton bni in dem । am Donnerstag eine ausgestellten Dele- )ie drei Meer ha- .er der "Leziris einen m diese ausgesvrdeii rvaiiven zu stim- y: Appell wird bamii eralen als Partei ächt |eicn und nut , eine wirksame Ter« lalismus gegen die le der Arbeiter« oersprächen. Obwohl es :m des Aufrufes um fen und ausgesprochene ges handelt, hat dieser Jen große Destür« Leistungssäbige Irgarrersksbrrs mit angegl. Tabakwaren - Großhandlung sucht fleißigen, gewissenhaften chrsLLLetsr der bei den Händlern und Gastwirten der Kreise Gießen, Friedberg,.. Büdingen, Schotten u. Marburg eingesührt ist. Bewerbungen mit Angabe der setth.Täiigkett, Erfolge usw. u. 07173 an den Greg. Anz. Angesehene alte Lebens-, Unfall- und Haftpflicht- versicherungs-Gesellschast sucht zur Unterstützung ihres Generalagenten und zur Bearbeitung wertvoller Verbindungen tüchtigen Fachmann als BerivSSbeamtt« in dauemde gutbezahlte Stellung. Direktions- Vertrag. - Nichifachleute werden eingearbeitet. 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Der Frauenchor des Gesangvereins „Eintracht", sowie die Herren Heinrich Meyer, Kurt Richter, Albert Lorenz und Hebermehl hatten sich in den Dienst der Sache gestellt und erfreuten mit ihren Darbietungen die Anstaltsinsassen in hohem Maße. Bei einer Kaffeetafel, zu der die Veranstalter Kaffee und Kuchen gestiftet hatten, verlief die übrige Zeit des Beisammenseins eben- salls in schönster Weise. Die Pfleglinge der Anstalt nahmen Me gebotene Erheiterung mit herzlichem Danke an. •• VomProvinzialausschuß. Am nächsten Samstag, 13. Oktober, vormittags 8V2 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gietzen eine öffentliche Sitzung des Provin- zialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Antrag des Kreis- amts Gießen auf Entziehung des Führerscheins des August Horn in Gießen. 2. Antrag des Kreisamts Gießen auf Entziehung des Führerscheins des Erich Schwall in Grehen. 3. Berufung des Ministers des Innern gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Lauterbach vom 16. Dezember 1927 L S.: Klage des Kaspar Decker in Sandlofs gegen den hessischen Staat wegen Entschädigung für eine an Maul- und Klauenseuche gefallene Kuh. 4. Klage des Manfred Rosenbaum in Gießen gegen das Kreis- amt Gießen wegen Dersagung einer Legitimationskarte. 5. Gesuch des Bäckermeisters Gust. Müller zu Gießen um Erlaubnis zum Betriebe einer Kasfeewirtschaft im Hause Kaiserallee 20. 6. Gesuch des Bäckermeisters Willi Keller in Gießen, Licher Sttaße 29, um Erlaubnis zum Ausschank von Kaffee und alkoholfreien Getränken. ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 1027 Kälber, 600 Schafe und 626 Schweine. vis daä bedeuten kann und oft bedeutet. Der fgcunb hat Schnupfen, er fühlt sich nicht wohl, null oft zum Taschentuch greifen und hat wohl in Hand gehustet, ober er hat einen Furunkel erregbarer Stelle, an bem er zeitweise drückt, 1 etwas Eiter zu entfernen. Und trotzdem hat Vie Hand zurückgereicht! Run liegst du seit g lijen Tagen krank, hast Fieber und Schmer- und bist mit knapper Rot Schlimmerem ent- c neen. Denn nicht nur durch die Luft, oder das Cialfer oder die Nahrungsmittel verbreiten sich I ’a ikheitsleime - auch die Hand kann sie über» Man denke an Griffe usw., die unbe= Kch-! mit nicht einwandfreien Händen berührt äjuBen sind. Es gibt eben eine Reihe von 3n- flienskrankheiten, die ihre Verbreitung auch vfi Händen verdanken, bisweilen nur diesen. ** Ministerialrat Paul (D a r m st a d t) tritt in den Ruhe st and. Der Ministerialrat im hessischen Ministerium der Finanzen, Abteilung für Bauwesen, Adam Daul, tritt am 1. November d. I. auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten in den Ruhestand. ** Militärpersonalie. Der Oberleutnant Schönheinz vom Stab des Jnf.-Regts. 15 wurde mit Wirkung vom 1. November ab in das Reichswehrministerium versetzt. ** Grober Unfug an Verkehrs-Um- leitungszeichen mußte leider in den letzten Tagen wiederholt festgestellt werden. Infolge der mannigfachen Straßenbauarbeiten ist es notwendig, den Fährverkehr weit häufiger alsfrü^r über andere Straßen umzuleiten. Diese Maßnahme wird den Fahrzeuglenkern durch die Aufstellung von sog. Richtungspfellern angezeigt, die aber von böswilligen Burschen oft nach der entgegengesetzten Richtung hin umgedreht wurden. Die Folge davon ist natürlich eine Irreführung des Verkehrs, bei der aber sehr leicht auch ernste Unfälle mit Gefährdung von Menschenleben und Sachbesitz eintreten können. Jeder verständige und ordnungsliebende Bürger sollte sein Augenmerk auf derartige Unfugstifter richten und sie unnachsichtlich zur Anzeige bringen. Die Strafbehörden werden dann hoffentlich dafür sorgen, daß diesen schädlichen Elementen ein ganz gehöriger Denkzettel verabreicht wird. ** Beseitigung der Gaskandelaber am Kirchenplatz. Die vor der Stadtkirche noch verbliebenen, schon längst völlig überzähligen Gas- kandelaber sind gestern beseitigt worden. Damit ist ein Aergernis gefallen, an dem nicht nur die Anwohner des Kirchenplatzes, sondern auch weitere Kreise wiederholt mit Recht Anstoß genommen haben. Nachdem man in dieser Hinsicht den berechtigten Wünschen der Bürgerschaft Rechnung getragen hat, wird man sich an zuständiger Stelle hoffentlich auch recht bald dazu entschließen, die wenig schöne Pflaste- rung des Kirchenplatzes durch eine Asphaltdecke zu ersetzen, die einen geräuschlosen Fährverkehr ermöglicht, der besonders in der Nähe einer Kirche dringend erwünscht ist. ** Die Schuld an dem Eisenbahnunglück in Dutenhofen. Wie von der Reichsbahndirektion Frankfurt mitgeteilt wird, hat die Un° suchung der Schuldfrage bei dem Eisenbahnunglück in Dutenhofen bis jetzt ergeben, daß dem Personal des Bahnhofs Dutenhofen und dem Personal des Güterzuges kein Vorwurf zu machen ist. Ein Verschulden scheint das Personal des Materialzuges zu treffen, das, ohne den erforderlichen schriftlichen Befehl zu haben, nach dem Bahnhof Dutenhofen zurückgefahren ist. ** Photos vom Eisenbahnunglück in Dutenhofen würben uns heute morgen von Herrn Rubersbvrf, Bismarckstvaße 7, überbracht. Die interessanten Aufnahmen sind in den Dilderkästen an unserem Geschäftshause aus- gehängt. ** Von der Kraftpostlinie Gießen — Kleebachtal. Vom 8. Oktober ab sind auf der Kraftpostlinie Gießen—Kleeb, Atal folgende Aende- MU? W Drucksachen aller Art X'IhMÄS bie Brübl’fcbe UniversttStr-Vmckerei. ». Lange, Gießen. Lchulftt. 7. Für den Berlrieb eines neuen Apparates D.R. P. a., wird eine Persönlichkeit gesucht, die in der Lage ist, einem Stamm Untervertreter vorzustehen. Es handelt sich um ein ganz neues, aufsehenerregendes Bersahren, eine kombinierte Fehm-Warm-Bohsier-Methmle wo durch einen Apparat gleichzeitig warm ausgetragen und blankgerieben wirb. Herren ober Firmen mit eigenem Kaviial wollen sich unter genauer Darlegung ihrer Verhältnisse schriftlich wenden an die Firma Sfiiiaetttsoh. Fehmvertrleb, Frankfurt a.n.,Taannsstr.46 8963V hfel Aus der Provinz,'allsauptsiadi Gießen, ben 11. Oktober 1928. sy.) öi(JUrnl di? •on a, 7en heupn j-fest 1 hjp£ni°li57t Artig im ^imiterium für9QJ6. ’S^e und daß et ul 'Her des itten Sm daß tue auf 3on. drs Bertreters der 1 werden wird anae- tnt Zeugenaus- nach der Herkunft cn TeheimdokumenieL rung tonnt in der Tal < ufs neue zu ver. cüpuntt feiner Abreise 1 tzorifchreiien der Un- Vie Aufforderung an Kinber, bas Händchen M geben, vielleicht noch feucht vorn Schmutz, in Örn sie eben gespielt, bie vermeintliche Rottven- llchkait, sich durch Händedruck von einem anderen » verabschieden, bessen Hand noch frische Spuren Vierbeiner Tätigkeit ausweist, — ich glaube, für »:n etwas dagegen haben, wenn zwei behänd- löiibte Freunde sich bie Hänbe reichen. Aber ffn't gibt es boch noch anbere Möglichkeiten, ffi:; Verglich zu begrüßen unb zu verabschieben. ist sehr schwer, mit Konventionellem zu Inrien, unb es wirb sicher lange dauern, bis mm sich zu bem, was hier vorgeschlagen. durch- Kmn/n haben wirb: trotzbem aber enthält es August Weil, Bäckermeister, Steinstraße 70. Jüngerer, sauberer Lausbursche oer gefährliche Händedruck. Von Or. ©. Koslowsky, Berlin. SXe Hanb ist bas menscheneigene, b h. dem 'Luschen eigentümliche Organ, das chn vor ber z rwett auszeichnet, mehr vielleicht noch als fr aufrechte Gang, in gleichem Maße wie sein K ^entwickeltes Gehirn. So ist auch bie Hanb Symbol des Menschen geworben. aber tdnn die Hand ausführen, wenn ffi. nicht vom Verstan'de gelenkt wird? 11 nb ®13 kann sie Schlimmes anrichten, wenn Unver- und böser Wille ihr Tun veranlassen! 4n, böser Wille ist es aber sicher nicht, wenn nm einem anderen die Hand reicht. Es entspricht ite dein Gefühl der Zuneigung und der Zusam- »tmgehörigkeit. Jedoch das Gefühl darf nicht öa allein ausschlaggebende sein. Man reicht eiv m Freunde die Hand, ohne zu überlegen, Elegante und gediegene Ausführung • Eisen, brüniert Reflektoren hochglanz vernickelt, zweifache Regelung. Tragbar, an jede Lichtleitung anzuschließen. Preis RH. 25 Verlangen Sie in allen einschlägigen Geschäften den eine Wahrheit, die einmal Geltung gewinnen muß, besonders zur Zeit einer Cvidemie. Unb nicht gering einzuschätzen ist ber erzieherische Wert in hygienischer Beziehung unb barüber hinaus für alles, was bie Verantwortung eines Menschen bem anberen gegenüber enthält. Haussammlungen für das 2Rofe Kreuz Seit gestern sind in unserer Stabt die H a u s - fammlungen für das Rote Kreu Atm Gange. Die Einzeichnungslisten werden von Mitgliedern des Horstes Gi.hen des Deutschen Pfab- stnderbunlpes und von Angehörigen bes Evmr- gelischeir Drbelkränzcheirs in ben Wohnungen vvr- gelegt, wobei die gezeichneten Beträge von ben Sammrern gleich entgegengenommen werben. Wenn man sich die außerordentlich segensreiche Tättgleit des Roten Kreuzes auf ben verschiedensten Gebieten der Rächstenliebe und ber Hilfeleistung bet Unglücksfällen, Epidemien usw. vergegenwärtigt, so wird man bie Sammler für diesen edlen Zweck wohl sicherlich nicht ohne eine Spende von sich gehen lassen. Hoffentlich fallt der Gesamtertrag der Sammlungen in unserer Stabt so ansehnlich aus, daß Gießen auch hierbei unter den hessischen Städten mit in erster Reihe steht. Gicbencr Wochcnmarktpreise Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 220 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 6 bis 12, Rotkraut 10 bis 20, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 30 bis 35, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 30 bis 40, (gelbe) 50 bis 60, llnterkohlrabi 8 bis 12, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 20 bis 30, Meerrettich 50, Zwiebeln 12 bis 18, Kartoffeln 5 bis 6, Falläpfel 10 bis 12, Aepfel 20 bis 35, Dirnen 15 bis 25, Zwetschen 10 bis 15, Preiselbeeren 60 bis 65, Hagebutten 15, Pfirsiche 45, Rüsse 100, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 120 bis 125 das Pfund: Tauben 60 bis 80, Eier 16 bis 17, Blumen!2hl 50 bis 130, Salat 15 bis 20, Endivien 10 bis 25, Ober» kohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pfennig das Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Goethe-Bund-Stadttheater: - Erster dramaturgischer Einführungsvortrag „Das moderne Theater", 8 Uhr im Großen Hörsaal der Universität. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anna Karenina". — Astoria- Lichtspiele: „Richard Talmadges größter Coup." — S t a d t t h e a t e r Gießen. In der am Freitag, 12. Oktober, stattfindenden Wiederholung von Kiabunds „Kirschblütensest" wird Oberspielleiter Hans T a n n e r t wieder den von ihm verfaßten Prolog „Klabund" sprechen. — Staditheater-Goethebund. Als erste Veranstaltung des Stadtthealers mit dem Goethebund spricht heute aoend im Großen Horsaal der älniversität Dr. Karl Ritter über das Thema: „Das moderne Theater". — Das zweite Gastspiel des Reuen Operetten-Theaters, Frankfurt, in unserem Stadttheater findet am Sonntag, 14. Oktober, abends 6 Uhr, statt. Diesmal bringen die Frankfurter Gäste eine der erfolgreichsten älteren Operetten, und zwar „Die Dollar- Neuen Anzug S? 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Angebote oov Vordrucken, die beim Gemeindeoor- riten erhältlich sind, werden bis zum !5wutag, dem 20. Oktober, nachmittags BB’N, an den Gemeindevorsteher erbeten. Vitzlar, den '1. Oktober 1928. (89650 Der Kreis-Tiefbaumeister. )d5. linder Bekleidung gesucht 07189 Gießen (Kaiserallee 87), den 10. Oktober 1928. Gießen, den 11. Oktober 1928. Familie Georg und Guthardt 88070 Turnverein von 1846 I Als Gelegenheitskaus habe ich 8654a Morgen Freitag 8915V Fernsprecher 5. Oer Vorstand 8955D 944a in reicher Wahl Hotel Schütz Fisch-Spezialhaus Cuxhaven Marktstr. 14 Telephon 2417 Vereine neueste Muster 8953D Statt Karten! z. Z. Äremen 'N die 07179 zu bahnamtlichen Preisen • 89">7a 8922a aller Abteilungen in der Turnhalle. Wo kaufe ich bequem meine Fahrkarten Fahrscheinhefte, Platz- und Bettkarten Besucht die Handelsschule Knnrelmannl se-MW tim msw LvtzaM >U lÖTWWI Freitag, 12. Okt., ab 18.30 Uhr Hirsdiragout (Schmaltier) mit Kartoffelklöfeen Mk. 1.50 Am Sonntag, dem 14. 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Sohlleder Gummiabsätze Schuhputz Einlegesohlen empfiehlt Köhler Neustadt 79 am Oswalds» garten. 10675V des eng Diese $ an L benW Ihre Vermahlung geben bekannt Albert Jung Milly 3ung geb. Schwarz Anerkannt gute Küche Erstklassige Mittag- und Abendessen la hiesige, Dortmunder und Münchener Biere / Auserlesene Weine In tiefer Trauer: Helene Volk, Witwe Familie Ludwig Weiß V. Weifabindermeister. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden anläßlich des Heimganges unseres teueren Entschlafenen sagen wir allen hiermit unseren innigsten Dank. Gießen, Gartenstraße Oktober 1928 10 000 Mark gegen hohe Zinsen aus gutes Geschäftshaus zu leib, gesucht. Schrtstl. Angeb. unt. 07183 a. d. Gteh. Anz. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 12. Okt, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 07184 Mist abzugeben. 07182 HammstraKe 5. 1 tzMNW-MlWWue 2 M MgWWW 5 Tonnen Tragkraft, sehr billig avzngeben. 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Die nächste Vertreter- Versammlung (in Giehen, Ostern 1929) wird sich damit zu beschäftigen haben. Hauptrechner Wirthwein gab di« Rechnungsablage. Das letzte Jahr schloß mit einem Ueberschuß von 25 000 Mk. ab. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Folgende vom Hauptvorstand vorgelegte Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Der Hessische Landeslehrerderein erkennt die durch die Zeitumstände gebotenen notwendigen Sparmaßnahmen an. Er ist aber der Ansicht, daß diese Sparmaßnahmen vor den Kulturaufgaben Halt machen müssen. Die Volksschule hat ihre Opfer gebracht (Abbau). Durch eine weitere Stellenverminderung würden, da die Zahl Kirche und Schule. Oie katholische Kirche in Hessen. Die katholifche Kirche in Hessen ist nach dem Stande der letztjährigen Ziffern in 187 Seelsorgebezirke (Starkenburg 70, Oberhessen 20, Rheinhessen 96) eingeteilt. Dazu kommen noch 28 Filialbezirke mit zusammen 313 Geistlichen für die Seelsorge und 84 sonstigen Weltgeistlichen im Schuldienst, Anstaltsdienst usw. ©egen das Vorjahr sind 20 Geistliche zugekommen. An standesamtlichen Eheschließungen wurden gezählt: rein katholische Paare 2820 (im Voriahr 2482), gemischte katholische Paare mit katholischem Bräutigam 1071 (934), mit katholischer Braut 1121 (907). Von diesen drei Kategorien wurden katholisch getraut: rein katholische Paare 2677 (2379), gemischt-katholische Paare mit katholischem Bräutigam 452 (413), mit katholischer Braut 440 (379). Die Zahl der lebendgeborenen Kinder auch in rein katholischen Ehen nimmt dauernd ab; 1925 waren es 6463, im Jahre 1926 nur 6057 und im letzten Jahr nur 5810. Auch die Zahl der unehelichen Kinder von katholischen Müttern hat sich ermäßigt: 1925 864, 1926 854 und 1927 816. Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche betrug 1131 (1204), Hebertritte zur katholischen Kirche 139 (132) und Rücktritte zur katholischen Kirche 28 (25). Am stärksten waren die Austritte mit 117 in Darmstadt, 329 in Offenbach, 260 Mainz-Stadt, 162 Mainz-Land und 76 in Worms. LzMLä'umstagung des Hessischen Landestehrerverems Eigenbericht des „Gießener Anzeigers". Oer lebende Leichnam. Thälmanns Rückkehr aus Moskau. Don unserer Berliner Redaktion. Die Kommunisten deutscher Spielart leisten wirklich etwas darin, die unbegrenzten Möglichkeiten noch zu übersteigern. Wir haben im Laufe der letzten Jahre viel bei ihnen erlebt. Daß ein Führer gestürzt wurde, der nächste an seine Stelle trat, aber schon wieder hinter ihm neue Ehrgeizlinge drängten, die seinen Platz einnehmen wollen, war wirklich der normale Zustand. Daß aber der Parteivorsihende offiziell abgesagt wird unter der verschärfenden Zugabe der Veröffentlichung einer Resolution, die ihn auch für die Zukunft unmöglich manchen soll, daß besagter Delinquent dann nach Moskau fährt, um sich dort von neuem die Krone aufs Haupt setzen zu laffen, während seine Gegner kuschen, das ist doch eine überraschende Variante, die uns jetzt Herr T h a I - mann vorgespielt hat. Er hat sich eigentlich unwahrscheinlich lange auf feinem Platz behauptet, drei Jahre regiert er nun schon als ungekrönter König in der Kommunistischen Partei. Es war also eigentlich an der Zeit, daß er für seine Hintermänner Platz machte. Die verschiedenen Gruppen innerhalb der Kommunisten von der äußersten Rechten bis zur Linken fanden sich zusammen, um ihm ein Dein zu stellen, nur damit zunächst eiränal der Platz frei war, wer dann später an seine Stelle treten sollte, darüber behielten sich die Gruppen weitere Auseinandersetzungen vor. Thälmann fiel also, weil er angeblich die Hnterschlagungen eines Hamburger Funktionärs gedeckt hatte. Er wurde zunächst nur suspendiert, aber da ihm fein Fehler öffentlich bescheinigt wurde, war ihm schon aus Gründen der Disziplin die Rückkehr versperrt. Er ist llüger gewesen als die andern, hat sich schleunigst in ein Flugzeug nach Moskau gesetzt und die deutsche Sektion bei dem Parteipapst verklagt. Stalin hat dafür ein Exempel statuiert, er hat die kommunistische Parteileitung Deutschlands angefahren wie die Schuljungen. Der Gehorsam sitzt diesen merkwürdigen Menschen so tief in den Knochen, daß sie darauf zusammenknickten und eine Entschließung veröffentlichten, worin sie ihren noch nicht einmal zwei Wochen alten Beschluß gegen Thälmann bedauerten. Das hat wenigstens einen Teil von ihnen gerettet, einzelne aber werden doch wohl über die Klinge sprrngen müssen. Jedenfalls kündigt Moskau an, daß Herr Thälmann in all feine Aemter wieder eintritt, daß dagegen eine personelle Hmge- ftaltung aller maßgebenden Parteiinstanzen zu erfolgen hat, wobei lediglich die Rücksicht auf die Kontinuität in der Parteiorganisation dem Henkerschwert Einhalt gebieten soll. Hnd in der deutschen Kommunistischen Partei wird jetzt das merkwürdige Schauspiel zu sehen sein, daß ein von seinen eigenen Leuten abgelebter Parteiführer wieder an di« Spitze tritt, um schlecht und recht mit denselben Männern zusammenzuarbeiten, die ihn so schnöde behandelt haben. Wo da das Vertrauen Herkommen soll, das eigentlich die Voraussetzung jeder ersprießlichen Tätigkeit ist, bleibt das Geheimnis der Kommunisten. Aber Herr Stalin weiß offenbar, was er den deutschen Genossen bieten darf: die Redaktion der »Roten Fahne" muh an derselben Stelle, wo sie ihre eigene Hingest altung ankündigt, wo alles desavouiert wird, was sie in den letzten Wochen gechrieben hat, feststellen, daß die überwiegende Mehrheit der Kommunistischen Partei diesen Moskauer Beschluß aufs freudigste begrüßen wird. Das sind mm die Leute, die in Deutschland Revolution machen wollen! mein Junge: es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird, das Schicksal pustet schon rechtzeitig dazwischen. Grotthausen soll dir erhalten bleiben. Denn einmal wird ja die Zeit kommen, wo du des Umhervagierens müde wirst — vielleicht, wenn du das liebe Mädchen findest, das ich dir so wünsche ..." Kurt Grotteck legte den Bries beiseite. Nie hatte die Mutter so geschrieben. Er las alles, was zwischen den Zellen stand: das Wasser stand ihr bis an den Hals. Immerhin war aus dem krausen Geplauder zu ersehen, daß mit einigen tausend Mark die Hypothekenschulden zu decken waren. Er fühlte nach den beiden kleinen Safeschlüsseln, die das Vermögen in dem Stahlkästchen freigaben. Eines Tages — wann immer — würde man es von ihm fordern. Es gehörte ihm nicht. Aber konnte er sich schon jetzt den Finderlohn sichern? Daran konnte niemand etwas finden. Niemand? Erst mußte er mit Inge Brodersen sprechen. Deutlich wie ein Bild sah er das Gutshaus vor sich: die bescheidenen vier Säulen, denen es den Namen des „Schlosses" verdankte — die Eingangshalle mit den vielen Geweihen, sogar einem Elchgeweih, und den ausgestopften Raubvögeln —, und dicht neben der Tür den alten Kupferstich: der Alte Fritz auf Grotthausen. In seinen letzten Jahren, als durch die Teilung Polens das westpreußische Land wieder in deutsche Hände gekommen war, hatte der König es besucht. Zwei Tage hatte er in Grotthausen gewohnt, hier hatte er auch den Brief geschrieben, der für die Jugend einen bessern Schulunterricht forderte, „fönst bleibt solche zu roh und werden halbwilde Menschen daraus. Dieses ist nun, worauf die Regierung ihre Aufmerksamkeit wenden und danach sehen muß, daß die Landleute ihre Kinder nicht nur fleißig zur Schule schicken, sondern daß sie auch darin gehörig und ordentlich unterrichtet werden. Wonach sich zu richten ..." Jetzt war Grotthausen wieder von Preußen los- aesprengt und durch einen Zufall dem unfreien Freistaat Danzig zugesprochen worden. Eigentlich war es nur ein Berechnungsfehler der internationalen Kommission gewesen, aber man hatte ihn stehenlassen wie andre, schlimmere Fehler auch. So konnte man doch bei Familienfesten auf dem Dach des „Schlosses" I Grotthausen die Danziger Flagge hissen, die beiden Als sie sich dem Waldrand näherten, wandte sich Grotteck ihr zu, und er sah Tränen in ihren Augenwinkeln. „Verzeihen Sie und seien Sie mir nicht böse. Ich bin etwas nervös." „Ich bin nicht böse", sagte sie schnell, seine Hand fassend. Es sah aus, als ob sie sie küssen wollte ... hntti des GrlSsergedankens Bei Luther die Schlote- rigfeiten der Terminologie des Begriffs Erlösung nicht behoben sind. Professor Kaskel gestorben. (Sinern Nierenleiden erlag am Mittwoch der außerordentliche Professor an der Hniversität Berlin und Studienleiter der Verwaltungs- cckademi«, Dr. Walter Kaskel. Prof. Dr. Kaskel hatte kaum das 46. Lebensjahr vollendet. Mit ihm ist einer der besten Kenner des Arbeitsrechtes dahingegangen. Ein Paket war aus Grotchausen gekommen mit Würsten, Speck und der erneuerten Wäsche. Aber der mütterliche Brief war voller Sorgen. Es schien schlimm auf dem Gut auszusehen. Schlimmer als sonst. Kurt Grolleck las zum zehntenmal diesen Brief, der gerade so tändelte, wie es die Muller im Gespräch tat, aber durch ihr liebenswürdiges Geplauder klang es wie ein schlecht unterdrückter Schrei. „... Die Moore, denke dir, die Moore sollen Geld bringen, schönes Geld, sagt Papendick, aber zuerst muß man Geld hineinstecken. Ich habe ihn gefragt, ob es denn nicht am Ende drin versinkt. Er verstand den Witz nicht. Mein Gott, wie schwer ist es doch, mit Menschen umzugehen, die immer ernsthaft sind! Aber ich will nichts gegen ihn sagen. Er sieht mich immer so erwartungsvoll an wie Pluto, wenn er merkt, daß ich ausgehen will. Specht hat doch damals unser Vorwerk Birkenholz verkauft, damals, als ich von dem Hypothekenmenschen geknebelt werden sollte. Und Papendick hat todanständig bezahlt. Jeder sagt es, und jeder blinzelt dann so zartfühlend, daß es eine Kuh merken müßte. Warum blinzeln die Leute immer in solchen Fällen? Dein Vater hat nie geblinzelt. Er schlug dann mit dem Krückstock auf — du weißt, der mit dem greulichen elfenbeinernen Löwenkopf, der wie ein Schafskopf aussieht —, und er hätte seine Meinung gesagt, daß sie der Landrat in der Kreisstadt gehört hätte und daß der Pastorstochter ihre Sommersprossen aufgeglüht wären. Wie hübsch das doch wenigstens klingt: .Sommersprossen^ — nicht wahr? Und wie wenig ich darauf Wert lege! ..." am Altar niedergelegt wurden. Der Pfarrer predigte über Hebräer 13, 15—16, und fordert« auf zum Erntedank, der sich zeigen muh in der Frucht der Lippen und in der Tat: „Wohlzutun und mitzuteilen". Di« Kirchensammlung ergab die Summ« von 22 Mk. tz W i r b e r g, 10. Okt. Unter Erntedank- f e st feierten wir am vorigen Sonntag. Die Feier war von zahlreichen Gemeinden besucht und nahm einen besonders schönen Verlauf. Die Kinder hatten das Gotteshaus mit Blumen und den verschiedensten Früchten von Garten und Feld schr schön ausgeschmückt. In dem Liede: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land" wurde «in Erntedankfestspiel von den Äon* firmanden auf gesagt und dübel der Altar mit Erntegaben geschmückt. Di« Kollekte ergab 23 Mk., wozu noch zwei Gaben mit besonderer Bestimmung (5 und 4 Mk.) kamen. In Beltershain, wo am gleichen Tage die Feier stattfand, hatten die Kinder noch «inen besonderen Chor eingeübt, das Kirchlein war übervoll, die Kollekte ergab 10 Mk. In Harbach findet die Feier wegen des Hrlaubes des Pfarrers erst: am 21. d. M. statt, auch hier wird das gleiche Erntefestspiel an Stelle des Altardienstes treten. # Aus dem Horlofftal, 10. Oft. Dis Kartoffelernte ist beendet. Wenn auch der Ertrag hinter der vorjährigen Ernte zurückbleibt, so wird dieses Weniger doch durch die völlig gesunden Knollen ausgeglichen. Der durchschnittliche Ernteerttag betrug pro Morgen 50 bis 60 Säcke. — Die außerordentlich gut« Zwe t - schenernte dieses Jahres wird voll ausgenutzt. Der Heberschuh wurde in halbreifem Zustande zlu guten Preisen (8 bis 10 Mk. pro Zentner) abgesetzt. Zwetschenkuchen wurden reichlich gebacken, und gegenwärtig werden die Vollreifen Früchte zu „Hoingk" verarbeitet. Reben Zwet- schen haben noch einige Dirnensorten, vor allem Wirtschaftsbirnen, einen guten Ertrag gebracht. Gegenwärtig werden sie von den Mallern aufgekauft und waggonweise verladen. Für Pastorenbirnen werden 7 bis 8 Pf., für gute Graue und Destebirnen 8 bis 10 Pf. je Pfund bezahlt. Da Schütteläpfel gar nicht vorhanden sind, Wird statt des belitijten Aepfelweins viel Birnwein zu Hausgetränk hergestellt. — Der verhältnis- mäßia gute Ausfall der Kartoffelernte hat die Rachfrage nach Ferkeln erhöht, so daß di« Preise gestiegen sind. Im privaten Handel kosteten jetzt 6 bis 7 Wochen alte Jung- tteve 16 bis 18 Mk., gegen 10 bis 12 Mk. vor 4 Wochen. Aeltere Springer sind weiterhin sehr gesucht. Die Preise für Schlachtschweine halten sich schon feit Wochen auf gleicher Höhe, nämlich 72 Pis 74 Pf. je Pfund. LI Aus dem mittleren Horlofftal, 10 Ott. Hnfere Gegend hat in den letzten Tagen in ihrem Aussehen mehr und mehr den Charatter einer Vogelsberglandschaft angenommen: Der seit Kreuze mit der Krone, und es brauchte nicht der weihe Adler zu sein. Sie würde auch flattern, wenn er wieder heimkam — und das war jetzt wohl notwendiger als je. Schrie dieser Brief nicht nach iyrn? Etwas schlurfte im Gang draußen, und ein zay- Haftes Klopfen löste ihn von feinen Gedanken. The Nachbarin, die alte Lehrerin, trat ein. Fräulein Fuchs war eine Tiernärrin, die die Pensionsmutter bisweilen durch mitgebrachte herrenlose Katzen und Hunde in gelinde Verzweiflung versetzt hatte. Es hieß von ihr, daß sie in trockenen Tagen die Schnecken aufsammelte, um sie daheim feucht zu betten, bis besseres Schneckenwetter eintrat. Fest stand, daß sie mit einem Läppchen die Vogelsvuren allabends vom Fensterbrett wischte, damit der Hausherr nichts gegen die Vogelfütteruny und die damit verknüpften Folgen einzuwenden hätte. Sie mußte täglich mancherlei Grobheiten einstecken, wenn sie Tierbesitzern unerbetene Ratschläge gab. Grotteck hatte manch« Spötterei an der Pensionstafel von ihr abgewandt, wo sie übrigens Fleisch ganz gern aß, und sich ihre Freundschaft und ihr Vertrauen erworben. Fräulein Fuchs hatte wieder einmal eine große Sorge. In der Nachbarschaft waren vier Affen- Pinscher geboren, ein unerwünschter Zuwachs, dem Vernichtung drohte, da die Mutter sich mit einem minderwertigen Vater gepaart hatte. Nach der Ansicht der alten Dame, die verlegen ihr Leid klagte, waren es die süßesten Geschöpfe ihrer Gattung. „Lieber Herr Grotteck, die Hundesteuer ist doch erhöht worden. Es wird ein Hundeolutbad geben, wenn Sie nickt hilfreich eintreten." Es Hang, als ob er den betylehemittschen Kindermord verhindern solle. „Ja, aber ich kann doch nicht vier Asfenpinscher ausnehmen. Was würde Frau Zedlitz wohl dazck sagen?" „Nein, natürlich nicht. Aber wissen Sie nicht ein Plätzchen für die kleinen Gottesgeschöpfe? Wenigstens für eines?" Sie stand so zerknittert vor ihm, in ihrem Kostüm von Urzeiten her, das „immer noch" genügte. Als sein Blick auf den Brief aus Grotthausen fiel, sagte er schnell: „Ich will bei meiner Mutter anfragen. Ich will es sogar mündlich machen; denn ich reiss bald dorthin/' Nun war auch dies entschieden. (Fortsetzung folgt) der Schulkinder im Wachsen begriffen ist, die Leistungen der Dollsfchule herabgesetzt werden. Der Hessische Landeslehrerverein läßt keinen Zweifel darüber, daß er sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen einen Abbau zur Wehr setzen wird." Die Vertreterversammlung nahm den Jahresbericht zur Kenntnis und sprach dem Obmann, dem Vorstand und dem Besoldungsausschuß chr Verträum aus. (Beifall.) Darauf wurden die Anträge beraten. Für die Satzungsänderungen soll ein Ausschuß aus zwei Mitgliedern des Vorstandes und je einem Vertreter aus jeder Provinz eingesetzt werden. Aus der Fülle der übrigen angenommenen Anträge seien hier folgende angeführt: 1. De Vertreterversammlung bittet den Vorstand des H. L. L. V.s, sich bet der obersten Schulbehörde dafür einzusetzen, daß bei Stellen- bedungen im Schulaufsichtsdienst mehr als seither Klassenlehrer berücksichtigt werden. 2. Der Vorstand möge bei der Regierung vorstellig werden, daß mit Beginn des neuen Schuljahres ein« einheitliche Schrift für sämtliche Schulen Hessens kommt. (Zugleich die Anregung geben, für das ganze Reichsgebiet dasselbe zu erreichen.) 3. Es soll darauf hingewirkt werden, daß sämtliche Lehrer stellen, die neu zu besehen sind, auch die an den Berufsschulen, zur allgemeinen Bewerbung ausgeschrieben werden. 4. Der Vorstand wird beauftragt, bei der obersten Schulbehörde dahingehend' vorstellig zu werden, daß die Volksschullehrerschaft von jeglichem Fortbildungsschulunterricht befreit und der gesamte Hnterricht an der Berufsschule — auch auf dem Lande — von hauptamtlichen Lehrkräften erteilt wird. 5. Der H. L. L. V. soll tatkräftig dahin wirken, 1. daß die infolge ihrer Beschädigung vorzeittg Der Name des Gutsnachbarn Papendick kam in der letzten Zeit immer häufiger in den Briefen der Mutter vor. Er sah ihn vor sich, wie er chn bei dem letzten Besuch daheim gesehen: groß, ernst, ungeschickt — man konnte schon sagen: tolpatschig, mit dem rötlichen Schnauzbart, bei dem man immer an einen Gendarmen dachte. Aber er war schuldenfrei — übrigens kein Kunststück bei den Zuckerrübenfeldern und der Brennerei. Ein Säugling hätte dort wirtschaften können. „... Ich habe ihn neulich vor das Nietzschebild geführt (es steht unangerührt und, wie ich furchte, unabgestaubt in deinem Zimmer und wartet auf dich, mein lieber Junge) und fragte ihn, grausam, wie wir Frauen sind, wie man es mit solchem Schnurrbart anstelle, Klietennus zu essen. Ob da nicht Brocken hängenblieben und der ganzen Nachbarschaft das Menü verrieten? Er ist rot geworden und hat vor sich hingebrummt. Acht Tage war er weg und dann kam er — denke nur! — ohne Bart wieder! Ich frage dich als Mann (oh, du kleiner Junge, du!), ist das nun Liebe ober nicht? ..." Kurt Grotteck mußte lachen. Papendick schien also wirklich ernste Absichten zu haben. Er hatte in seiner ersten Ehe Pech gehabt: eine Schauspielerin, die er bei einem seiner alljährlichen Besuche in Danzig in einer Pagenrolle gesehen, hatte es ihm so angetan, daß er ihr noch auf die Bühne hinauf seinen Antrag schickte. Sie hatte mit dem ungefügen Bären nichts anfangen können und mit der einsamen Landschaft noch weniger. Als sie bei einer Manövereinquartierung eine Liebschaft anfing, setzte Papendick sie, ohne ein Wort zu verlieren, auf den Wagen und befahl dem Kutscher, schnellstes Tempo bis zum Bahnhof. Nun war die Ehe längst geschieden, und sie tanzte in einem Münchner Kabarett Schleiertänze. Nein, sie war nicht die rechte Frau gewesen für einen Mann, der Papendick hieß und auch so aussah. Aber Mutter war es noch viel weniger. Es war eine Lästerung, so was nur zu bedenken. „... Mein Horizont ist ein bißchen duster. Aber der liebe Gott hat uns Grottecks ja noch immer geholfen, wie er jedem guten Deutschen hilft. Nur daß Papendick immer sagt, daß mich alle bemogeln, vom Inspektor bis zum Milchmädchen. Bin ich eigentlich so dumm? Sag' selber! Irgendwo las ich mal, daß der Mensch, der nie eine Dummheit machte, lange nicht so klug ist, wie er glaubt ... Oder so ähnlich. Damit tröste ich mich. Halte den Kopf nur recht hoch, ”*nt^ f.nr ^rtr jast M4MS“ :aL 10. Ott Di, it Dem auch der Ernte zurückb.M, > durch die völlig . Der durchschniti- Worgen 50 bis lich gute 3tuet- ird voll miSgcruity. rlbreism Mande M pw Zentner) im reichlich gern Sie toüteifm ?t Heben 3toet' 'orten, vor allem Ertrag yWi. drn McLern auf- Kn. FLr Pchoim- lt gute Traue und Pfand bezahlt Da yandm sind, Wird ins diel Mmlvcin - Der Verhältnis Melernte hat die n erhöht st dah sind. 3m privaten Wochen alte 3mg' 10 bis 12 Ml vor sind weiterhin sehr tschtveine halten sich ■yt Höhe, namltaj in HvrlvNtat “teWS®“ß ®=»tlraSS^ LgemmoM^eneu [HrauStTnSTbet rendiger als je. W SÄrfiS iSss wchen l'eXW die damit 'rtt e 6ie < *js» fe hlage 8°6' Msions- Ä«ens SleO >-- Ä' i|t -oa^ chz, bem SnlfSiiJ1“ Mutter VJk ber An« rt ho«'^jd klag«-. >.Me.L, (Battung- , äpse ihrer i(t doch SS*® ÄSSf SS* *5 ?ar ber ™ CU1 GhftM. ^..^orffirchtz- Ä« Flur ?^rrer pre. >Äg c®tntebanb Mtag. U« foiA, besucht und möm s A. Stinier ä Lumen und dm Sorten und Feld ton Liede: „Wir fernen auf das nel von den Kon- der Qntat mit Kollrtte ergab i mit besonderer men. In Del. Soge die Seiet ^nen besonderen var übervoll, die Harbach ^nhet brs Pfarrers ech 'xSK Jahren hier nicht mehr geübte Brauch des Werdeganges tritt in dies:m Jahre wieder in Erscheinung. Die durch das Ausbleiben eines wirksamen Regens hervorgerufene Futtermittelknappheit veranlaßt viele Landwirte, ihr Bieh auf die abgemähten Wiesen zur Weide zu führen. Teilweise, besonders auf Dergwiesen, war der Stand des Grummetgrases so schlecht, das; es den Landwirten lohnender erschien, diese Wiesen ungemäht abweiden zu lassen. > Holzheim, 10. Oft. Infolge längerer Krankheit unserer Hebamme, Frau Margarete Schneider, die jetzt auf 43 Dienstjahre zurückblicken kann, war unsere Gemeinde genötigt, sich nach einer Nachfolgerin umzusehen. Auf der Bürgermeisterei waren acht Bewerbungen eingegangen. Durch die zuständige Kommission wurde Frau FriedaDiehl zur Nachfolgerin bestimmt. Frau Margarete Schneider wird nach ihrer Wiederherstellung den Dienst vorläufig noch versehen. Durch ihre Freundlichkeit und berufliche Tüchtigkeit wird sie allgemein geschäht und erfreut sich in unserer Gemeinde großer Beliebtheit. Anläßlich ihres 40. DiensHubiläums vor c-rei Jahren ließ ihr die Gemeinde in Anerkennung ihrer Verdienste ein schönes Geschenk überreichen. — Wie vielerorts, so war auch hier zur Wahl zur Kirchengemeindevertre- t u n g nur e i n Wahlvorschlag ein^egangen. Damit wurde die Wahl überflüs ig, die seitherigen Mitglieder gelten als gewählt. Kreis Büdingen. Aus dem Niddatal, 10. Oft. Die diesjährige Dreschs aison nähert sich ihrem Ende. Verschiedentlich sind bereits die Dreschmaschinen in ihre Hallen zurückgebracht worden. Die vorzügliche Beschaffenheit des Getreides, in Verbindung mit anhaltend gutem Wetter während der Dreschperiode liehen kaum Stockungen auftreten. Der Preis pro Dreschstunde betrug anfänglich 8,50 Mk., bröckelte aber in den letzten Wochen, wo sich mehr die Konkurrenz bemerkbar machte, auf V/t und 7 Mk. ab. Kreis Schotten. Schotten, 10. Okt. Der Leiter des hiesigen Kreisbauamts, der späteren Zneigstelle des Kreisbauamts Büdingen, Reg.-Baurat Nodnagel, wurde nach Erbach i. O. verseht. In einer im „Hess. Haus" stattgefundenen Abschieds- feier gedachten der D. H. C. und Kriegerverein durch Apotheker Scriba, die Freiw. Feuerwehr durch Otto Stang, die Stadt durch Bürgermeister M e n g e l des verdienstvollen Wirkens deS Scheidenden und entboten ihm herzliche Wünsche für die Zukunft. Musikalische und deklamatorische Darbietungen gaben der Feier einen schönen Rahmen. Kreis Alsfeld. w Homberg a. d. Ohm, 10. Oktober. Dieser Tage mußte die Firma Da uster eine ganze Anzahl Steinbrucharbeiter entlas- s e n. Da sich zur Zeit andere Arbeitsgelegenheit nicht, ober nur in kleinem Mahstabe bietet, dürfte ein sehr großer Teil der Arbeiter auf Arbeitslosenunterstützung angewiesen fein. Wie man hört, ist ungenügender Absatz der Grund zur Entlassung gewesen. — Gestern wurden an der Provinzialstrahe zwischen hier und Dannenrod Wirtschaftsäpfel und Birnen versteigert. Es hatten sich diesmal nicht allzuviele Kaufliebhaber eingefunden. Trotzdem wurde der Korb Aepfet mit etwa 2—4 Mk., Dirnen durchschnittlich mit 2 Mk. bezahlt. Der größte Teil des Obstes wurde von einer Obstverwer- tungSgesellschaft aufgekauft. -er. Homberg a. d. Ohm, 10. Oft. Unser stattliches Rathaus, ein Holzbau aus dem 16. Jahrhundert, der außer den Geschäftsräumen der Türgermeifterei auch zwei Schulsäle enthält, wurde gründlich renoviert und ist nun wieder eine Zierde des Marktplatzes geworden. Auf dem Rathausturm wird auch die automatisch-elektrische Turmuhr, die zwei Zifferblätter erhält, in Kürze aufgestellt. Nieder-Gemünden, 10. Oktober. Die Schützenabteilung des Schützen- und Sportvereins Nieder-Gemünden beging am Samstag die Feier ihres 20jährigen Bestehens. Nach einem Prolog von Frl. Jakob gab der erste Vorsitzende Scholl in einer längeren Ansprache einen fesselnden Rückblick auf die vereinsgefchichte. Gesellige Darbietungen man» ingfachster Art füllten im übrigen die Feststunden bestens aus. Preußen. Kreis Wetzlar. ZZ Wetzlar, 10. Okt. Der Bau der neuen FriedhofSkapelle dürfte in den nächsten Wochen beendet werden. Die Ausmalungen im Innern der Kapelle sind beendet und stellen in ihrer Art ein Novum dar, das mindestens eine künstlerische Leistung bedeutet. Ob zwar die Ausmalung überall Zustimmung findet, wird sich erst zeigen, wenn das Publikum hierzu Stellung genommen hat. Auch das mit der Friedhofskapelle Derbunbene Krematorium ist fertiggestellt. Mit seiner Inbetriebnahme wird auch für das diesige Beerdigungswesen eine neue Aera an» fangen. Da in der Stadt ein weitverzweigter Feuerbestattungsverein besteht, so ist mit einer größeren Zahl von Verbrennungen zu rechnen. Kreis Biedenkopf. # Holzhausen bei Gladenbach, 10. Oft. Dieser Tage hat die hiesige Textileinkaufsgenossenschaft ihr neuerbautes Haus bezogen. Auf der Anhöhe nördlich des Dorfes steht der weithin sichtbare Bau, der innerhalb einiger Monate errichtet wurde. Den größten Dell des einstöckigen Baues nimmt der etwa 150 Quabratmeter große Maschinensaal ein, in bem zur Zeit 15 Strickmaschinen, 2 lleberwend- lingsmaschinen, 2 Nähmaschinen und eine 12teilige Spülmaschine stehen. Mit Ausnahme der Strickmaschinen werden alle Maschinen elektrisch betrieben. Da der Saal von drei Seiten Tageslicht erhält, ist er hell und freundlich. Im anderen Flügel liegen 2 Bureaurämne und der 60 Ouadrat- neter große Lagerraum mit dem davorliegenden Auspackraum. 3m Dachgeschoß sind ein Speisemd ein Ankleideraum eingebaut. In dem großen Keller sind Räume für Garne, ferner für Brennmaterial und der Kessel für die Warmwasserheizung: ebenso befinden sich hier die Klosetts mit Wasserspülung, sowie die Einrichtung für Bad. Der Bau ist also mit allen Forderungen der Neuzeit versehen: er ist ausschließlich von hiesigen «Geschäftsleuten erstellt und eingerichtet toorben. 5>ie Genossenschaft beschäftigt zur Zeit außer dem Heschastsführer und dem Strickmcister 26 Arbeitskräfte, davon 24 weibliche. Klettermaxe in Frankfurt. Daneben noch zahlreiche Bandeneinbrüche. WEN. Frankfurt a. M., 10. Oktober, lieber eine Einbrecherzunft, die in letzter Zeit hier tätig ist, wird folgendes bekannt: Seit dem 4. d. M. Elibt ein Fassadenkletterer hier ein Gastspiel, dem es auf ganz raffinierte Weise gelingt, ich trotz aller Sichcrungsvorkehrunaen in Dillen und Wohnungen Eingang zu verschaffen. Sein erster Besuch galt einer Villa am Schaumainkai, an der er an der Hausfassade bis zum zweiten Stock und von dort auf das Dach eines Erkers e m p o r ft i e g. Hier schlug er ein kleines Fenster ein und zwängte sich durch einen engen Lichtschacht in das Innere der Villa. In den Abendstunden des 6. d. M. turnte der Einbrecher an einem Etagenhaus in der Nähe der Universität an den Saisonen in d i e Höhe und stattete der Wohnung im ersten Stock einen Besuch ab. Als die Familie um zehn Uhr abends nach Hause kam, rutschte er schleunigst an den Balkon, sä ulen der Hinterfront des Hauses in den Garten hinab und verschwand. Am Abend daraus versuchte allem Anschein nach derselbe Täter an den Balkonsäulen der Hinterfront eines Hauses in der Georg-Speyer-Straße in die Wohnung im ersten Stock au gelangen. Er wurde aber anscheinend hier in seinem Vorhaben gestört und versuchte seine Kunst einige Häuser weiter. Hier kam er über den Balkon des ersten Stocks nach Zertrümmerung einer Fensterscheibe in die Woh- nung. Am folgenden Abend verlegte er den Schau- vlatz seiner Tätigkeit nach dem Stadtteil Frank- surt a. M.-Süd. Wieder auf die gleiche Weise stieg er hier von der Gartenseite aus auf die Küchenveranda des ersten Stocks und kroch durch das Speisekammerfen st er in die Wohnung, deren Bewohner abwesend waren. In den heimgesuchten Wohnungen wurden alle Behältnisse und Schränke nach Wertgegenständen durchsucht. Während Klettermaxe an der Arbeit war, stand die Konkurrenz auch nicht müßig bei Seite. Seit dem 26. v. M. treibt nämlich eine Einbre - cherbande einer andern Spezialität ebenfalls hier ihr Unwesen. In verschiedenen Stadtteilen wurden von ihr in Parterrewohnungen Besuche abgestattet. Den Eingang in die Wohnun- gen verschafften sich die Gesellen durch Einschlagen einer Fensterscheibe. Auch hier haben die Einbre- cher alles durchwühlt. Neben Bargeld und Schmucksachen sielen ihnen auch Herren- und Damenwäsche, sowie Kleider in die Hände. Oie Homburger Einbrecher. WSN. B a d H o m b u r g, 10. Oft. Zu unserer gestrigen Meldung, wonach in Bad Homburg innerhalb einer Stunde drei Häuser von Einbrechern heimgesucht wurden, erfahren wir weiter, daß die Polizei sofort nach Dekanntwerden der Einbrüche die Ausfallstraßen der Stadt mit Beamten besetzte. Die Maßnahme hatte jedoch keinen Erfolg, da die Einbrecher anscheinend im Belitz t>on Fahrrädern waren und schon das Weite gesucht hatten. Nachmittags gegen 4 Uhr drang in Niedereschbach ein Einbrecher durch ein Fenster in ein Haus ein. Die Tochter des Hauses überraschte ihn, worauf er einen Revolver zog und sie in Schach hielt, bis er alle Behältnisse durchstöbert hatte. Nach Mitnahme eines kleinen Geldbetrages ergriff der Einbrecher die Flucht. Auf die Hilferufe des Mädchens hin nahmen Ortsbewohner die Verfolgung auf. Einem Radfahrer gelang es, den Täter zu stellen und fest- z u h a l t e n. Dieser setzte seinem Berfolger den Revolver auf die Brust und zwang ihn, ihn loszulassen. Er entkam unbehelligt in Richtung Frankfurt. Der Lleberfall auf Graf Hardenberg. LPD. Darmstadt, 10. Oft Die Verletzungen des Grasen Hardenherg sind glücklicherweise nicht so schwer, wie zuerst angenommen wurde. Der Graf ist bereits vernehmungsfähig und konnte nähere Angaben über die Täter machen. Es dürsten für den Raubüberfall nur zwei Täter in Frage kommen. Der eine davon trug blaugrauen Anzug, mit kleinen schwarzen Karos und rehbraune Tuchgamaschen, sogenannte Promenadengamaschen (nicht Ledergamaschen). Die Kriminalpolizei hat inzwischen auch festgestellt, daß sich am 7. Oktober, abends gegen 9 Uhr, zwei verdächtige Personen in der Nähe des südlichen Schlotzeingangs aufhielten. Die Beschreibung des einen Täters stimmt im wesentlichen mit der Beschreibung überein, die Graf Hardenberg bezüglich des Täters machte, der ihn bewachte. Der -andere vermutliche Täter ist 1,70 bis 1,80 Meter groß, etwa 25 bis 27 Jahre alt, trug hellen Airzug mit großen dunklen Karos, hatte keinen Mantel an und war ohne Kopfbedeckung. Er hatte auffallende, von der Nasenbasis ausgehende Falten und ziemlich hellblondes Haar. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß die Räuber vermuteten, daß der Großherzog in den letzten Tagen wieder eine Abfindungsrate erhalten habe, und daß Graf Hardenberg einen größeren Betrag zur Verwaltung in seinem Kassenschrank aufbewahre. Dafür spricht auch, daß sich die Täter sofort der Kassenschrankschlüssel bemächtigten und den Kassenschrank öffneten. Heber die Art der Verletzmagen des Grafen von Hardenberg erfahren wir, daß der Graf infolge der schweren Schläge mit stumpfer Gewalt zunächst einen Nasenbeinbruch erlitt. Außerdem befindet sich eine schwere Quetschwunde über dem rechten Oberkiefer. Ferner ist die Kopfhaut infolge schwerer Blutungen stark geschwollen. Das Llrisil gegen die Straßenränder Tarrach und Conrad erhalten je 4 Jahre Zuchthaus für den Autoraub bei Steinfurth. Die gestrige Verhandlung vor dem Bezirks- schöffengericht Gießen gegen Tarrach und Conrad wegen Straßenraubs, über deren Vorgeschichte wir in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, gestaltete sich äußerst interessant. Sie begann mit der Vernehmung der Angeklagten. Beide bestritten lebhaft, je die Absicht gehabt zu haben, sich durch Raub in den endgültigen Besitz des Autos sehen zu wollen, wie es ihnen auch fern gelegen habe, irgend welche anderen Verbrechen auszuführen. Tarrach gab an, erhöbe schon längere Zeit geplant gehabt, eine größere Autotour zu unternehmen. Da es ihm an den nötigen Geldmitteln mangelte, hätte er derart vorgehen wollen, daß er irgendwo von seiner Heimatstadt entfernt ein Auto mietete, später den Chauffeur irgendwo zwangsweise ab* setzte, selbst dann das Auto weiter fahre und nach Beendigung der Reise es irgendwo stehen lasse. Auf die Frage des Vorsitzenden, wozu er denn dabei das ganze Arsenal von Mafien benötigte, das beschlagnahmt worden war, erklärte er, daß er damit lediglich den Chauffeur hätte einschüchtern wollen. Er habe Conrad, den er im Krankenhaus Bochum besuchte, über seine Absichten orientiert, und jener fei auch sofort bereit gewesen, sich aktiv zu beteiligen. So seien zwei von den fünf beschlagnahmten Revolvern dessen Eigentum, wie ihm auch sonst noch eine Reihe der anderen Gegenstände gehörten. Er sei auf die Richtung Gießen verfallen, da er in den Papieren feines ausgewanderten Bruders einen Stadtplan und eine Karte von der Umgebung von Gießen mit verschiedenen Wegemark e- rungen gefunden habe. Die falschen Pässe, die sich in seinem Besitz befanden, seien ihm von einem 11 nbe kannten namens Erwin verschafft worden. Auf die Frage, wo er denn Geldmittel für die Reise von Bochum nach Frankfurt hergehabt habe, konnte er, da er arbeitslos war, feine befriedigende Auskunft geben. Er bestritt auf das lebhafteste, jemals in Frankfurt getoesenzu fein, wie von einem Mitgefangenen in der Voruntersuchung ausgesagt worden war. Der lleberfall auf den Chauf feur wurde von ihm so geschildert, daß er und Con* rad, nachdem sie den Wagen zum Halten gebracht hatten, den Chauffeur zum Verlassen des Führersitzes nötigten, ohne jedoch irgendwelche Waffen zu zeigen, oder zu gebrauchen. Auch die Fesselung des Wagenführers, der weiter unter der Aufsicht von Conrad gestanden habe, sei nur oberflächlich und durchaus nicht ernsthaft gewesen. Später, als der Wagen steckengeblieben sei, habe er die Absicht gehabt, Chauffeur und Auto ihrem Schicksal zu überlassen und einfach zu flüchten. Die Fesselung und das Verbergen des Cauffeurs hn Walde sei auf Vorschlag von Conrad geschehen, um ihre Entdeckung zu verhindern. Irgendeine Absicht, beit Chauffeur zu töten, habe ihnen ferngelegen. Conrad trat in vielen Punkten den Aussagen seines Genossen entgegen. Er erklärte zunächst, von den Plänen Tarrachs nicht das geringste gewußt zu haben. Bei einem Besuche im Krankenhause zu Bochum habe jener ihn aufgefordert, mit ihm eine Reise nach Frankfurt zu unternehmen, er habe darin eingewilligt, da er diese Gelegenheit benutzen wollte, seine dort wohnende verheiratete Schwester zu besuchen. Er sei allerdings nicht dazu gekommen, diesen Plan auszuführen, da die Ankunft in Frankfurt erst bei Nacht erfolgt fei. Er habe bann nur ben Wunsch gehabt, toieber in bas Krankenbaus in Bochum zurück^ukehren, ba ihn die Reise in seinem noch krankhaften Zustanb sehr erschöpft habe. Da kein Zug mehr um diese Zeit zurück- gefobren sei, habe er das Anerbieten Tarrachs, der ihm vorschlug, eine Strecke weit ein Auto zu benutzen, banfbar angenommen. Er sei nach bem Ginsteigen in den Wagen infolge seiner Erschöpfung in einen Halbschlaf gefallen, aus dem er erst erwacht fei, als der Chauffeur angehalten habe und die Führung des Autos von Tarrach übememmen worden fei. Er habe sich nun infolge feiner Erschöpfung gar nicht weiter aktiv beteiligen können. Es sei ihm sehr unangenehm gewesen, daß der Chauffeur gefesselt wurde, ja er habe sogar, als jener später von Tarrach im Walde niedergelegt toorben sei, nichts gesagt, als er die oberflächliche Art der Fesselung bemerkte. Er bestritt, daß irgendwelche vorgefundenen Waffen ihm gehörten. Er führte bann noch aus, daß bie mehrjährige Gefängnisstrafe, die er vor einiger Zeit wegen gemeinsamen Raubes mit Tarrach erhalten habe, eine solche Wirkung auf ihn zeitigte, daß er nicht baran bächte, irgendwelche neue Straftaten zu begehen. Er fei durch einen bloßen Zufall in die Sache hineingekommen, wobei ihm jede verbrecherifche Absicht ferngelegen habe. Die Aussage des Chauffeurs änderte aber wesentlich das Bild, das die beiden Angeklagten entworfen hatten. Er gab an, daß bei der Aufforderung, ben Wagen zu halten, beide gemeinsam auf den Trittbrettern des Wagens gestanden und ihm den Revolver vorgehalten hätten. Er habe sogar bie Ansicht gehabt, baß Conrad im Vorgehen gegen ihn viel „radikale r" gewesen sei. Tarrach habe nur schlecht fahren können, und er selbst habe immer aus bem Hinteren Teil bes Wagens heraus, in bem er sich gefesselt befand, Anweisungen geben müssen. Wenn Automobile entgegenfamen, muhte er sich bücken und Conrad bewachte jede seiner Bewegungen mit dem Revolver in ber Hand. Auch später, als er in bem Walbe gefesselt wurde, fei Conrad ber beftimmen- be Teil gewesen. Er gab noch an. daß er nur durch einen Zufall vor dem Erstickungstod bewahrt geblieben ist. Obschon ihm bie beiden Angeklagten bei der Umwicklung des Kopfes mit Gipsbinden bie Nasenlöcher freigelassen hätten, hätte er dies auf die Dauer nicht aushalten können, ba ber Walbboden, wo man ihn nleber» gelegt habe, sehr feucht war und deshalb mit einem baldigen Erhärten des Gipses gerechnet werden mußte. Es war auch kaum zu hoffen, daß ihn irgendwelche Passanten finden würden, ba bie Stelle, wo er gefesselt lag, z u- weit ab vom Wege sich befanb. Die Aussage eines Polizeibeamlen, ber bie ersten Vernehmungen ber beiden Angeklagten geleitet hatte, ging dahin, daß er ber Meinung sei. beide Ang^lagken hätten sich in gleicher Weise an ber Ausführung des Der- berechens beteiligt. Das Gericht hielt nun ben Angeklagten ihre frühere Straftat vor. Sie waren vor mehreren Jahren mit einer dritten Person in das Kassenzimmer einer Zeche eingebrochen und hatten unter bem Ruf: „Hände hoch!" durch die Drohung mit Erschießen bie Auslieferung der Kasse an sich erreicht. Eine mehrjährige Gefängnisstrafe war bie Sühne hierfür. Der Vertreter der Ltaatsanwaltschaft bezeichnete bas Vorgehen der beiden Angeklagten als vollendeten schweren Raub in Jdeallonkurrenz mit Körperverletzung und Freiheitsberaubung, sowie Reallonkur- reroj mit qualifiziertem verbotenen Waffenbesitz. Er beantragte wogen der Gemeingefährlichkeit ihres Tuns gegen jeden der beiden eine Gesamtzuchthaus st rase von drei Jahren, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren, Zuerkennung einer angemessenen Buhe an den Chauffeur und Einziehung der beschlagnahmten Waffen und der sonstigen zur Tat benutzten Gegenstände. Die Verteidiger der Angeklagten stellten das Vorgehen der beiden bezüglich des Autos lediglich als straflosen Gebrauchs* d i e b st a h l bar. Weiterhin sei keine Körperverletzung vorhanden. Es könne lediglich eine Bestrafung wegen Freiheitsberaubung eintreten, bei der um Zuerkennung mildernder Umstände gebeten wurde. Tas Gericht wich bei seinem Urteil insofern von den Ausführungen der Anklage ab, als es nicht vollendeten Raub des Wagens, sondern lediglich Nötigung des Chauffeurs, verbunden aber mit schwerer Körperverletzung, Freiheitsberaubung und unerlaubten Waffenbesitz annahm. Bezüglich des Strafmaßes folgte es aber den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, ja es ging sogar noch über deren Antrag hinaus und erkannte gegen Conrad und Tarrach auf eine Gefamtzuchthausstrafe von je vier Jahren, sowie auf bie beantragten Neben- st rasen. Gießener Polizei von Anno dazumal. Die Zuschrift von Prof. Fabricius-Mar- burg (Nr. 136, 2. Bl. des Gieß. Anz.) veranlaßt einen unserer alten Leser zu folgender Mitteilung: Vor Errichtung des Schuhmannskorps in Gießen hatte die Stadt nur wenige.Ortsdiener, deren Uniformierung den aus dem Lande noch heute fungieren oen Ortsdienern glich. Den Ortsdienern wurden für den Nachtdienst besondere Hilfsdiener beigegeben. Diese sowohl wie bie Ortsbiener waren meistens ältere Leute, mehr beleibt, als schnellfüßig. Diese Körper- beschasfenheit kam natürlich ben nächtlichen Radau- brübern besonders zustatten: sie verdufteten einfach in den damals noch zahlreicheren Winkeln und Gäßchen und ließen höchstens höhnische Zurufe zurück, den Ortsdienern die Auswahl saftiger Nachrufe, wie „Das Gewirrer soll euch verschmeiße, ihr Mißgebierter" u. a. überlassend. Kommilitonen waren immer zur Stelle, wenn wirklich einmal ein HeMtäter gefaßt wurde: der Ortsdiener wurde umringt und solange auf ihn eingerebet, bis ber eigentliche Schuldige verduftet war ober sich in eine Kneipe zurückgezogen hatte. Mit dem Eintritt jüngerer Schutzleute wurde die Sache natürlich brenzlicher. Die allzu geschäftstüchtige Mitropa. Von Reisenden in Schnellzügen werden seit geraumer Zeit Klagen darüber laut, daß die Mitropa es bei der Ausübung ihrer Pflichten dem Publikum gegenüber nicht allzu genau nimmt und Lei jeder Gelegenheit versucht, sich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen, die bei der Art, mit ber bas geschieht, zur Verärgerung beiträgt. Besonders eigenartig wird es empfunden, daß seit einiger Zeit in die Abteile z u Getränken keineGläser mehr verabfolgt werden, sondern daß der Reisende gezwungen ist, einen Papierbecher, den die Mitropa selbst vertreibt, zu kaufen. Bisher ist es im gastronomischen Gewerbe üblich gewesen, daß der Gast bie Hilfsmittel zur Einnahme von Speisen unb Getränken leihweise unb ohne besondere Berechnung ausgehändigt bekam. Die Mitropa aber scheint diesen Brauch durchbrechen zu wollen, ba ihr anscheinend vom Wahlspruch des ehrbaren Kaufmanns, vom Dienst am Kunden, nichts bekannt ist. Die eigenartige Geschäftsgebarung der Mitropa hat schon wiederholt zu Beanstandungen Anlaß gegeben. Die Reichsbahn, die bekanntlich erheblich an ben Unternehmungen ber Mitropa beteiligt ist, täte gut daran, diesen Mißständen einmal auf den Grund zu gehen und für Abhilfe zu sorgen! Llnnötige Straßensperrungen. Man schreibt uns: Obgleich die Automobilisten der Ausbesserung ber Straßen gewöhnlich mit großer Sympathie gegenüberstehen unb diese Arbeiten sogar mit viel Interesse verfolgen, ist doch vielfach bie mit ber Ausbesserung verbundene Sperrung als lästig empfunden worden. Besonders pflegt sich der Kraftfahrer zu ärgern, wenn Sperrungen in einer Ausdehnung von mehreren Kilometern erfolgen, während der auszubessernde Slraßentcil nur fünfzig bis hundert Meter lang ist. Dies ist vor allem deswegen höchst unangenehm, weil die Straßen' meist in ihrer ganzen Breite gesperrt werden. Würde die Beschotterung halbseitig vorgenommen und dieandereStrahenhälftefür den Verkehr freigehalten, so wäre bie Freude über bie Ausbesserung ber Straßen nicht mehr burch den Aerger über ben großen Umweg getrübt. Bereits im Mai 1926 hat sich bccher der Auto* mobiltlub von Deutschland beschwerdeführend an den preußischen Minister ber Landwirtschaft, Domänen und Forsten gewandt. Der Erfolg war ein Erlaß an bie wegeunterhaltungspflichtigen Behörden, bei Jnstandsehungsarbeiten dieBedürf- niffc des Verkehrs z u berücksichtigen und die Arbeiten nach Möglichkeit so einzurichten, daß eine Hälfte ber Wege strecke für den Fahrzeugverlehr benutzbar bleibt. Eine ähnliche Verfügung besteht auch für ben Freistaat Sachsen. Da aber für bie übrigen beut- fchen Länder eine gleiche Verfügung bisher nicht besteht, vielmehr ftänbig Beschwerden über die großen Widerwärtigkeiten einlaufen, bie durch oie unsachgemäße Sperrung von Straßen verursacht werden, hat sich ber Automobilklub von Deutschland nunmehr wieder an den Reichsver- skhrsminister gewandt und g:bft:n, die Landes- k-ehördcn zu veranlas en, b?r Frage einer Auf- rechterhaltung des Verkehrs während der Vornahme von Strahenausbesse- rungsarbeiten erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Insbesondere sollten die Sperrungen nur in einem nicht über das durch die Arbeit gebotene Mas; hinaus borgenommen werden, bzw. die Instandiehungsarbeiten in einer Weise ausgeführt werden, die ein Vorbeifahren an der Baustelle ermöglicht. Das Llrieil im Sranffurfer Bestechungsprozeß. Lpd. Frankfurt a. 2N., 10. Oft. Nach tagelangen Verhandlungen wurde heute das Urteil im Bestechungsprozeh Trapp gesprochen. Der Angeklagte Trapp wurde wegen fortgesetzten Betruges und passiver Bestechung zu 2 Jahren, Roh wegen fortgesetzter passiver Bestechung zu 8 Monaten, August Heinzinger wegen aktiver Bestechung zu 7 Monaten, und Wilhelm Heinzinger wegen aktiver Bestechung zu 1 Jahr 4 CQl o « naten Gefängnis verurteilt. Den Angeklagten wurde die Fähigkeit, ein öffentliches Amt zu bekleiden, auf die Dauer von 3 Jahren, Trapp auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. August Heinzinger wurde eine Bewährungsfrist erteilt. Die Strafaussetzungsanträge der übrigen Angeklagten wurden mit Rücksicht auf die Höhe der Strafen abgelehnt. Gegen Tvapp und Wilhelm Heinziger blieb der Haftbefehl beftetjen, da Fluchtverdacht besteht. Der Wert der De- stechungssumme ist dem Staat für verfallen erklärt. Die Summe beträgt bei Trapp 7600 Mk., bei Roh 200 Ml. Wirtschaft. Hapag und Lloyd. Zwischen der Hamburg-Amerika-Li- ri i e und dem Norddeutschen Lloyd besteht 'chon seit Jahrzehnten ein Konkurrenzverhältnis, das für beide Teile außerordentlich befruchtend gewirkt hat. Immer wieder regte die Arbeit der seiden Reedereien den gegenseitigen Fortschritt an, bis schliesslich die jetzige Höhe des Geschäftes erreicht wurde. Allerdings hat es sich nicht vermeiden lassen, daß verschiedentlich die Dop- p e 1 a r 6 e i t in ein Ge genein ander ar - teilen ausartete. Es ist infolgedessen von der deutschen Öffentlichkeit allgemein begrüßt worden, dah wenigstens auf den Linien betriebliche Abmachungen zwischen Hapag und Rordd. Lloyd retroffen worden sind, die einen" überflüssigen Schleuderwettbewerb verhindern und zur Förderung der Rationalisierungsbestrebungen beitra» ren. lieber die vielfach geforderte völlige Verständigung zwischen den Gesellschaften jaden sich beide Verwaltungen bisher restlos lusgeschwiegen. Man wollte anscheinend über die beabsichtigten Mahnahmen nichts verraten, iis das ganze Projekt endgültig vorliegt. Jetzt wfährt man nun gelegentlich einer Amerikareise »es Präsidenten des Norddeutschen Lloyd. Ge- »cimrats S t i m m r n g , dah dieser zwar einer Verständigung mit der Hapag wohlwollend ae° senüberstehe, es jedoch andererseits wirtschaftlich »icht möglich sein würde, von den neuen Riesen- chiffen „Bremen" und „Europa" jeder Gesell- chaft eines zuzuteilen. Mit dieser Erklärung ist die Hapag erneut in ine Angriffsstellung gebracht worden, denn auch ie muh sich nun verstärkt dem Luxuspassagier- stenst widmen, dessen Ausstrahlungen auf alle mderen Zweige günstig einwirken. Wenn auch frei der Hapag zunächst nicht die Absicht be- tehen dürfte, mit Gegen bauten zu antworten, o ist doch eine Einigung in der Frage der irohen internationalen Linien angesichts dieser lluffassung des Norddeutschen Lloyd kaum denk- rnr. An sich ist der Verkehr im Hamburger Hafen wesentlich größer als der Bremens. Die hapag glaubt deshalb, sich für eventuelle spä- ere Entschließungen die Hände freihalten zu ollen. Dom Standpunkt des unparteiischen Beobachters wäre es zu bedauern, wenn diese beiden epräfentätigen Unternehmungen der deutschen Dirtschaft nicht die Möglichkeit finden sollten, m Nordatlantikverkehr zusarnrnenzuarbei'en. Die Konkurrenz der Auslandlinien ist "war wenigstens in Hamburg und Bremen unbe» nutend, tritt aber in anderen kontinentalen und nglischen Häsen stark in Erscheinung. Eine Reise lach Neuyork ab Deutschland kostet auf einer nglischen Linie nicht mehr als auf deutschen Schiffen, da die Engländer die Eisenbahnfahrt berlin-London in ihren Fahrpreis einbegriffen haben. Am vernünftigsten wäre sicherlich eine Verständigung auf der Basis völliger Pari- t ä t des Einslus,es beider Unternehmungen. Schon mit einem Ausbau der betrieblichen Derem- barungen wäre viel zur Hebung der Wirtschaftlichkeit getan. Die deutsche Heber,eeschiffahrt ist bekanntlich einer der Gewerbezweige, die Devisen ins Land bringen und deshalb für uns von großer Bedeutung sind. Geheimrat Cuno erklärte Pressevertretern gegenüber, dah er eine Verständigung mit Geheimrat <5 t i m m i n g an sich für durchaus erwünscht hält, diese aber nur für erreichbar und selbst für diskutabel erklärt auf der Basis absoluter Parität beider Gesellschaften nach außen und nach innen. * Rheintsch-West älisches Elektrizitätswerk A.°G. Essen. Wie aus dem vorliegenden Bericht d.s Rßei..is^-Westfälischen Elektrizitätswerkes für das Iah 1927/28, über dessen finanzielles Ergebnis wir bereits berichteten, hervorgcht, hat d.s Stromverteilungsnetz der Gesellschaft während der Brrichtszeit einen ansehnlichen Ausbau erfahren. Die Leistung aller Anlagen dürfte nach endgültiger Fertigstellung aller im Bau befindlichen Projefte die Jahresleistung von 2,1 Milliarden Kwh wesentlich überschreiten. Der Zusammenschluß der Absatzgebiete im Westen Deutschlands im RWE seht sich im laufenden Jahre fort. Das RWE übernahm die Stromlieferung in den Kreisen Ditburg, Ottweiler, Bemcastcl, Baumholder, Wadern. In Ausführung des Abkommens mit dem preußischen Staat wurde der preußischen Eleltrizitäts A.-G., Berlin, die Beteiligung an den braunschweigischen Kohlenbergwerken übertragen und dafür deren Mehrhcitsbetciligung an der Braunkohlenindustrie A.-G. Zuiunft in Weisweiler dem RWE übergeben. Sodann wurde mit der Stadt Duisburg ein langfristiger Stromlieferungsvertrag geschlossen. In neuerer Zeit kommt dann noch die Uebemahme der Trierer Eleltrizitätswerle hinzu. Bei den eigentlichen betrieblichen Verbesserungen ist bemerkenswert, dah in einer Hauptumspannstation in Brauweiler bei Köln die Hauptkraftwerke zusammengefaht werden. Von dort wird ein 220 000 Volt Leitungssystem über Wesel nach Ibbenbüren—Osnabrück—Paderborn gelegt, das im Augenblick nahezu vollendet ist. Andererseits wird ein 220 000 Volt-System von der genannten Station bis zu dem im Bau befindlichen Spei- cherkrastwerk Herdecke geführt. Um von dort aus den Ring in 220 000 Volt mit der Leitung Brauweiler—Wcsel—Osn brück—Paderbo n zu schließen, ist eine Vereinbarung mit den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen G. m. b. H. zustandegekornrnen, wonach von der Station des RWE bei dem Kraftwerk Hattingen der VEW über das Speicherwerk Herdecke nach Bielefeld zum Schnittvunlt mit der dort vorbeiführenden Leitung Osnabrück—Paderborn gemeinsam eine 220 000 Volt - Doppellei tun g errichtet werden soll. Hierdurch wird ermöglicht, daß sich alle Kraftwerke in jeder Weise unb zu jeder Zeit voll unterstützen und ausgleichen können, und dah insbesondere das Speicherkraftwerk Herdecke überall zur Spitzendeckung und auch als Reserve eingesetzt werden kann. Die Verhandlungen mit dem Badenwerk bezüglich der De- teiligimg an dem zu errichtenden Speicherwerk Schluchsee im badischen Schwarzwald stehen kurz vor dem Abschluß. Die Kraftleistung wird sich demnächst um die hinzu komm en den Kraftwerke der Stadt Trier vermehren. Es ist ferner beabsichtigt, den Ausbau des Goldenberg-Werkes um rund 100 000 Kw auf insgesamt 390 000 Kw zu bringen. Der Stromaustausch mit dem Badenwerk über die Station Rheinau bei Mannheim hat den Erwartungen entsprochen. Cs wurde weiterhin mit der Württembergischen Sammelschiene A.-G. ein Vertrag auf Stromlieferung geschlossen. Ferner wurde mit der Neckar A.-G. in Stuttgart ein langfristiges Abkommen getroffen, wonach die elektrische Energie aus einer Reihe zu erbauender Staustu'en zu angemessenen Bedingungen abgenommen werden kann. Es handelt sich um insgesamt etwa 100 Millionen Kwh jährlich für den Zeitraum von 99 Jahren. Zur Sicherstellung dieses großen Dauprogaamms hat das RWE vor einiger Zeit eine öprozentige 20 Millionen Dollar betragende Anleihe in den Vereinigten Staaten ausgenommen. Der Zinssatz von 6 Prozent ist als sehr günstig anzusprechen. * Badische Gas- und Elektrizitätsversorgung A.-G. Die Verwaltung der der Thüringer Gasgefell'chaft in Leipzig nahestehenden Badischen Gas- und Elektrizitätsversorgung A.-G. in Lörrach beantragt die Erhöhung des Aktienkapitals um 1,4 auf 3 Mill. Mark IG.-V. 30. Oktober.) • 21 q ui la A.-G. für Handels- und Industrieunternehmungen. Die G.-V. der Aquila A.-G. für Handels- und Industrieunternehmungen, Frankfurt a. M., erledigte die Regularien für das Geschäftsjahr 1927 28 und beschloß, aus dem Reingewinn von 448 365 Mk. 6 Prozent Dividende zu verteilen. Zum Vortrag kommen 7d 863 Mk. lieber die Geschäftslage in dem am 1. April d. I. begonnenen neuen Jahre äußerte sich die Verwaltung, daß im allgemeinen die Lage günstiger sei, als im ersten Semester 1927. Die Aussichten in den Fabrikations- und Handelsabteilungen können nur als günstig bezeichnet werden. Insbesondere sei der Warenumsatz bei Adler jun. andauernd im Steigen begriffen. Frankfurter Börse. Fra nkfurt a. M., 11. Oft. Tendenz: erholt. An der heutigen Börse war die Stimmung merklich beruhigter und freundlicher. Entgegen vielfachen Befürchtungen hat sich das private Publikum und auch das Ausland durch die starken Kursrückgänge verschiedener Papiere zur 2lbstoßung eventuell noch vorhandener Effekte nbestände nicht boranlabt gesehen. Die Spekulation, die gestern 216goben vorgenommen hatte, schritt daher auf fast allen Marktgebieten zu Deckungskäufen. Dabei verwies man audj auf die feste Haltung der gestrigen Neuyorker Börse. Gegen gestern waren an der heutigen Börse Erhöhungen bon 1/2 bis 2 Prozent zu ber» zeichnen. Stärkere Erhöhungen erfuhren Eleilrowerte unter Führung von Licht & Kraft .die auf weitere Auslandorders erneut um l1/2 Proz. anziehen konnten, während AEG. 2, Gesfürel 4'/s. Schuckert lx/2 und Siemens 3’/i Proz. zurückgewannen. Eine beacht iche Kurssteigerung konnten ferner Reichsbanlanteile erzielen, die 7*/4 Proz. höher eröffneten. Chemie- werte lagen dagegen etwas vernachläs.igi. Farben waren nur behauptet. Scheideanstalt geringfügig gebe Tert. Auch am Montanmarkt war das Geschäft still. Buderus, Phönix und Rhcinstahl zogen 1 Proz. an. Harpen er waren gut gehalten. Gelsenkirchen etwas gedrückt. Schiffahrtswerte waren um Bruchteile eines Prozentes erholt. Im Bankenverlehr zogen Berliner Handelsgefell- schast und Commerzbank um 134 Proz., Danat- bani um 1 Proz. an. Dresdner Bank jedoch 1 Prozent niedriger. Don den Kali- werten waren Aschersleben 21/< Prozent erhöht. Nach ben ersten Kursen neigte die Haltung wieder eher etwas zur Schwäche, da man verstimmt war über das Nachgeben des Farbenkurses um etwa 1 Prozent. Deutsche Anleihen ruhig. Don ausländischen Renten Rumänen etwas erholt. Ferner bestand für ungarische Renten einiges Interesse. Im Wei eren Mrlaufe, nachdem die Deckungskäufe erledigt waren, wurde das Geschäft im allgemeinen sehr ft'Jll, die Kurse bröckelten meist etwas ab. So gaben gegen Anfang Farben, Licht & Kraft und Siemens mit 1,5 Prozent nach. Tagesgeld war zum erhöhten Sah von 7 Prozent weiter gefragt. Am Devisenmarkt pannte man Mark gegen Dollar 4,2008, gegen Pfund 20,390, London gegen Kabel 4,8530, Paris 124,28, Mailand 92,67, Madrid 29,96, Holland 12,09. Berliner Börse. Berlin, 11. Oft. Nach den Abschwächungen der gestrigen Börse war heute auf fast allen Marktgebieten eine Erholung eingetreten. Der sehr feste Schluß der letzten Neuyorker Börsen und verhältnismäßig leichter Geldstand hatten die Spekulation veranlaßt, zu Deckungen zu schreiten. Man wollte wissen, dah aus dem Auslande, besonders auf längere Sicht bis Anfang Januar, günstige Offerten vorliegen sollen. Der Orderseingang bei den Dgnken war zwar wieder klein, doch hatte die stärkere Derkauss- neigung, die in den letzten Tagen zu erkennen war, nachgelassen. Größere Veränderungen gegen den gestrigen Schluß hatten aber nur einige Werte auszuweisen. Elektrowerte standen im Vordergrund des Interesses. Für einige Papiere dieses Mackles (Licht und Kraft, Gesfürel, 216®. und Siemens) wollte man Auslandorders beobachten. Don Bankaktien traten Berliner Handelsgesellschaft und Neichsbank um 3 bis 4 Prozent erhöht. Salzdetfurth erholte sich um 6 Prozent, Stöhr um 4,9 Prozent, Deutsche Linoleum um 4 Prozent und Kunstseiden wer le um 3 bis 4 Prozent. Don letzteren beurteilte man die neuen Produktionsmöglichkeilen von Wolle mit Kunstseide günstig. Nur Polyphon lagen 7 Prozent tiefer, ausfallend schwächer. Anleihen ruhig. Ausländer behauptet. Anatolier etwas fester. Pfand- briefmarlt ohne Geschäft. Geld bei veränderten Sätzen leicht. Im Verlaufe blieb die Stimmung freundlich. Die Kurserhöhung machte weitere Fortschritte. Reichsbankanteile zogen auf angebliche Auslandkäufe um weitere 3 Prozent an. Glanzstoss lagen vorübergehend 7 Prozent über Anfang. Später flaute das Geschäft wieder ab. Nachdem die Deckungen aufhörlen, bewirkte das Ausbleiben neuer Orders ein teilweises Nachgeben der Kurse sogar unter Anfangsniveau. o ;l,.;rLcr Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Oft. Der heutige Produktenmarft verkehrte in schwacher Haltung. Die schwachen Auslandnotierungen riefen große Verstimmung hervor. Umsätze kamen kaum zustande. Nur am guttermittelmarft bestand einiges Interesse für Mais zu Futterzwecken und für Roggen- und Weizenkleie. Es wurden notiert: Weizen 23,75; Roggen 22,75 bis 23; Sommer* gerfte für Drauzwecke 25,50; int. Hafer 23,25 bis 23,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,^5; Wals (gelb) für andere Zwecke 24; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 34,50; Roggenmehl 31 bis 31,75; Weizenkleie 14.50; Roggenveie 14,75 bis 15 Mark, Tendenz: abgeschwächt. Frankfurter SchlachLviehrnarkt. Frankfurt a. M. 11. Olt. Auftrieb: 72 Rinder, 1027 Kälber, 603 Schafe, 626 Schweine. Cs notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 70—74; mittlere Mast- und Saugkälber 64—69; geringe Kälber 57—63. — Schafe: Mastlärnmer und jüngere Masthärnrnel (Weide- mast) 28—43. — Schweine: voNfteischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. 74—77; von etwa 200 bis 240 Pfd. 74—78; von etwa 160 bis 200 Psd. 72—76; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfd. 68—72 Marl: — Schweine gedrückt, Heberstand. Kälber und Schafe sehr ruhig, ausverkauft. Buntes Allerlei. Vier neue preußische Lehreralademi«« im Jahre 1929. Nachdem bisher in Frankfurt, Kiel, Bonn und Elbing Lehrerakademien eingerichtet worden sind, plant das Kultusministerium für das Etatsjahr 1929 die Errichtung von vier neuen Akademien, für die im neuen preußischen Etat die entsprechenden Mittel angefordert werden. Diese Anforderung ist notwendig geworden, weil man damit rechnet, daß bis zum Jahre 1932 die jetzt noch vorhandenen 17 000 Junglehrer untergebra cht sind. Insgesamt sollen in Preußen etwa 30 2lkademien errichtet werden. Eigenartiger Flugzeugunfall. Zu einem eigenartigen Unfall kam es in Graudenz. Ein polnischer Milftärflieger streifte über der Stadt, wobei er auch Rückenflüge aussührte. Hierbei brach der Benzintank heraus und stürzte auf den Hof einer Pappenfabrik, wo er beim Aufprall explodierte. Infolge der Explosion stürzte eine Wand des Fabrikgebäudes ein. äleberdies entstand ein Brand, der bedeutenden Schaden anrichtete. Zwei Arbeiter, die sich gerade im Hof befanden, erlitten schwere Verletzungen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag 13. Oktober. Vorabend 5.30 Uhr; morgens 9 Uhr; abends 5.45 und 6.25 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 13. Oktober. Freitag abend 5.10 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbalausgang 6.25. Wochengottesdienst morgens 6.45; abends 5 Uhr. Letzte Nachrichten. Start der Südpolexpedition Byrds. Los Angeles, 11.Oft. (DTR. Funfspruch.) Kommandant Byrd hat soeben seine Südpolexpedition ongelreten. vyrd begibt sich zunächst an Bord des Walfischfängers „Larsen" nachReuseeland. Ein neues Eisenbahnunglück. A s ch a s s e n b u r g, 11. Off. (WTB. Funkspruch.) Der Frühgüterzug Würzburg-Aschaffenburg ist heute srüh furz vor der Station Laufach, in der Nähe des Lisenwerfes auseinanderge- rissen worden. Infolge der Wirfung der aufoma- tlschen Zugbremsen blieben die Lofomotioe und die vorderen Wagen sofort stehen, während der letzte Teil des Zuges, etwa 20 Güterwagen, mH voller Wucht auf die stehenden Wagen auf- rannte. Drei Güterwagen und ein Oeltankwagen wurden vom Gleis gerissen. Einer der Wagen schlug um, ein anderer liegt quer über dem Schie- n e n st r a n g. von einem Wagen wurde das Fahr- gestell vollständig abgerissen, während von einem anderen das Dach zerstört wurde. Menschensind nicht zu Schaden gefommen. Der verkehr wird einstweilen durch Umleitung aufrechterhalten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höbe bei zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M. Berlin 1 Frankfurt a. M Berlin Berlin. 10 Oktober Geld Brief ^ronioltfctie Holländische Italienische Noten...... 16,425 167,96 22.00 111,63 68,86 2,5'2 111,98 80,565 67,86 12,397 73,05 —Frankfurt QI u 6 a a b 16,4t<5 168,64 22.08 112,07 59,10 2,54 112.42 80.885 68.14 12.457 73,35 m cr> c» a> «o o o — x> ao co > ** CO CSD — — w« O WI »O O 1 7* • «■ — «ri M W wM jclbelberget Gcinenl .... 10 'ement Karlstadt......8 Wahb & ßreitag ...... 10 eSal. ohne Auelos.-Rechte . . . % Flankt. Hyp.-Bt Koldpf. Ufr kündbar bti 1932..... Vi0'o Rheinische Hhp.-Bank Ciqit • QMbul........ .C.ö. avg. BorkriegS-Obligation rückzahlbar 1932 Y> Schweiz. BundeSb.-Anl.. . . Yo Teslerreichtjche (Solbrte. . . 20% Gerten. Sllberrte. . - & Cefteneidj. einheitl. Rie . . Yo Ungarische Solbrte...... % Ungarische StaatSr v. 1910 Vi% desgl. van 1913 .... Yo Ungarische Kronenne..... % Türk. Zollanleihe v. 1911 . . % Türkilche Bagdadbahn-Anl., Spanische 9 Tschechoslow Ungarische Devis Tel ........... Felten & ©utllcaum (Sei. (. iriektr. Unten Hamb. Oeltr. Werke Rhein. Elektr. . . Schief. Elekir. . . e.....6 tu. . . . 10 .... 10 .....9 .... 10 .....8 .... 12 schultltels Pahenholer ... 15 Oslwerke........12 3er. Glanzrtoss......18 Scinbcrg...... 14 ljellrtoff Waldbos ..... 12 jeilftoif Aschassenbura ... 12 charlvttcnburger Wasser ... 7 Dcflaucr GaS........8 Daimler Motoren ...... 0 akische Noten . . Koten ... enmarkt Derlin egraphifche Clemens & HalSke 10. Ollob.r 11. Oktob r Labmever & (Ja. ..... . 10 Amtliche Notierung (Held 1 Brief Amtliche Notierung Geld | Bries Deutsche Erdöl . ...... 6 Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener ... J. H 9- 4 Harvener. ......... 6 poeich Eisen. ..8 lldlerwerle Slever ...... 5 Ludw. Loewe . ...... 10 Rat. Automobil ....... 0 3tcnrtein & Koppel » .... 5 öeonhard Tieg . ..... 6 Ämst.-Rott. Bucn.-AkreS Brss.'^lntw- Christiania • Kopenhagen Stockholm HelsingforS. Italien. . . London. . . Neuvork .. Paris.... Schweiz .. Spanien . . ^apan . . . «io de San. Wien in D-. Oest- abgeß. Prag ... Belgrad . . Budapest. . Bul.arten . Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen Canaba . . Urn uatj . ifltro . . . 168,i9 1,762 58,335 111,89 111,36 112,22 10,569 21,98 20,36 4,1975 16,385 >0,755 68,00 1,920 0,5015 59,025 12,439 7,576 73.19 3,030 18,88 81,37 2,153 5,425 4,196 4.266 26.88 16S,63 1,766 68,4.5 112,11 112,18 11;.44 10,589 168,29 1,765 58,35 111,93 111,99 112,27 10,566 21,975 20,337 4,1975 16,39 80,77 67 95 1,923 J.5015 ->9,115 12,,36 7,376 73, t9 3,037 18,88 81,40 2,150 5,425 4,196 4,266 20,885 168,63 1,769 68,47 112,15 112,21 112.49 10,586 22,015 20,341 4,2055 16,43 80,93 68.09 1,927 0,5035 69,135 12,456 7,390 73,33 3,043 18.92 81,56 2,156 6,435 4,198 4,274 20,925 Yo beigl Serie II....... Yo Rumänen conoert Rle. . . . y,% Rumänen Goldanl. von 1918 Ng. Deutsche Cllentobn . sh Kali Aschersleben.....10 Kali Westeregeln ...... 10 Kaliwerk Salzdetfurth ... Iß I. ®. Farven-IndutzlA ... 12 Zranks. 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