Nk. 161 Erster Blatt 178. Jahrgang MlttVSch, 11. Juli 1928 dr|d)ttet lügl'ch.cmtz^ Sonntags and 5«1 erlog*. Beilagen: (Biebeacr JarnüirnMttlei tzettnai im Bild Die Scholle. moeatsiBeingt^rtto: 2 9leid)sniark and 20 NeichspfeRuig ftr Träge» lohn, and) bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechern! chlüfse: 61, 54 int> 112. Anschrift ftti Drahtnachrichten Lnzeiger Gieß«, postscheckkoitto: fiten ffurt am Main l IM. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Prefl xnö Verls«: vriihl'Zcht Untotrfltäts.Baft. and Sfeinönilerti K lange in Siegen. Sdjriftlettnng und Scichäft,Nelle: SchuINeage 1. Annahme Mn Injeiae* ftr die Tagesnummet Dis zum Nachmittag vorher. Preis fir 1 mm höhe ftr Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig. für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20', mehr. Chefredakteur Dt. Friedr. Will). Lange. Deranttvortlich für Politik Dt. Fr. Wich Lange für Feuilleton Dr tz.Thyriot, für den übrigen Teil Emst Dlumschein: für den An- jeigenteil tturt Hillmann, sämtlich in Gießen. Der Klaggenkrieg. Bon unserer Berliner Redaktion. Es dient nicht der Festigung deS Ansehens der pteuMcben Staatsregierung, daß der StaatS- Gerichtshof in Leipzig die Rotverordnung vom 8 August 1927 über daS Beflaggen btt gemeindlichen Dienst- und Schul- gebaude für verfassungswidrig er- flärt hat. Daß der Staatsgerichlshof zu biefem Urteil kommen muhte, daran war schon deshalb kern Zweifel, veil der Artikel 55 der preußischen Dtrsassung ausdrücklich davon redet, daß nur nur Aufrechterhaltung der öf fent- lichen Sicherheit oder zur Beseitigung einet ungewöhnlichen 2 ot st an deS der DervrdnungS- weg zulässig ist. Die Stadt Potsdam hatte sich geweigert, am DerfassungStag befehtsgemäh auf ben städtischen Gebäuden Flaggen in den ReichS- farben zu hissen. Mit einer Rotverordnung konnte die preußische Regierung dagegen nicht crngteifen, denn weder war die öffentliche Sicher- Herl gefährdet, noch lag ein ungewöhnlicher 'Hot- stand vor. Das hat auch daS preußische Ober- Verwaltungsgericht anerlannt. mit Rechtsgründen, auf die die preußische Regierung wohl hätte hören können ohne sich viel zu vergeben. Es muh einmal klar und deutlich gesagt werden, daß die preußische Regierung überhaupt eine sehr unglückliche Hand im Flaggenkrieg gezeigt hat. Wenn sie für die Reichsfarben moralische Eroberungen machen wollte, was ihr gutes Recht ist. so hätte sie den Zweck viel eher erreicht, wenn sic den Destaltwandel der Reichs* färben der Zeit überliehe. Die Kunst des Regierens erschöpft sich nicht in einer formalen Anwendung der Gesetze. Wir leben noch immer in einer Liebe rg angSzeit, in der es mehr alS je geboten ist. auf Unwägbarkeiten der Volksseele Rücksicht zu nehmen. Wenn die Reichs* flagge schon ein Symbol ist. so liegt die Kraft dieses Symbols gerade darin, daß eS tief mit dem Volke verwachsen ist. daß es nicht der Wandlung von heute auf morgen unterworfen ift. Vor der StaatsUmwälzung im Rovember 1918 war für die Sozialdemokratie daS Flaggen* symbol die rote Fahne. Am 9 Rovember 1918 «hißte daS DerlagSgebäude Des „Vsrwärts". in dem auch die Diensträume des sozialdemokrati* schen Parteivorstandes untevgebracht waren, die rote Zahne. Wenn tue Sozialdemokratie trotzdem in der Weimarer Rationalversammlung sich für die ReichSsarben Schwarz-Rot-Gold entschied, so bezeugt daS allerdings einen hohen Grad von Wandlungsfähigkeit. Es ist aber nicht unbedingt notwendig, eine gleich schnelle Wandlungssähig- Tcit bei allen Deutschen vorauSzusehen. Die preußische Regierung hat cs unter dem Eindruck der schweren Ricderlage vor dem Staatsgerichtshof für zweckmäßig gehalten, die Vorlage zurückzuziehen. die den Mißgriff der Rotverordnung in die Form eines Gesetzes kleiden sollte. Denn auch dieses Gesetz wäre nach der Entscheidung des Staatsgerichts* Hofes verfassungswidrig gewesen. Alle Auslegungskünste helfen nichts dagegen, daß der Tenor des Leipziger Svruchs dahin geht, daß die preußische Regierung mit der Rotverordnung vom 8. August 1927 ihre verfassungsrechtlichen Befugnisse ü b e r f $ 11 e n hat. Die Einrichtung eines Derfasstzngstages gehört zweifellos zur Zuständiglen der R c i ch s gesetzgebung. 'Aber der preußischen Regierung war es offenbar nicht nur um den Dersassungstag. sondern vor allem um einen Kleinkrieg gegen die frühere Haupt- und Residenzstadt Potsdam zu tun. Wäre eS wirklich ein Triumph für die Republik geworden, wenn die preußische Regierung Potsdam hätte zwingen können, am 11. August die städtischen Dienstgebäude in den Reichssar* ben zu beflaggen? Sin Triumph wäre cs doch nur für die geworden, für die Gewalt über Recht gilt. Das Recht stand in diesem Falle nicht auf fetten der preußischen Staatsregierung, woran nach der Entscheidung des Etaatsgerichts- hoses nicht mehr zu drehen und zu deuteln ist. Gewalt muß sich nicht immer in den Formen militärischer Ueberlegenhell äußern. Gewast kann auch durch Gewissenszwang ausgeübt werden, wenn die Weigerung, sich diesem Zwang zu beugen. mit den Ruten und Beilen der Republik bedroht wird. Wer von Widerspenstigkeit Potsdams und anderer Gemeinden redet, den Symbolen der Republik, also hier durch Hissung von .Flaggen in den Reichsfärben seine Achtung zu bezeugen, sollte sich demnächst einmal befragen, warum diese Widerspenstigkeit überhaupt entstand und als solche von übereifrigen Republikanern empfuirden wird. Gerade für den. für den der Staat nicht das Ergebnis zufälliger politischer Umwälzungen ist. sondern im Staat und im Staatsleben das geschichtlich Gewachsene und Gewordene sieht, gerade dem ist schon aus seelischen Gründen zuzutrauen, daß ihm die Symbole des Staates hellig sind. Rur ist diese Heiligkeit des Empsindens nicht mit Gewalt zu erzwingen Es zeugt doch nicht von einer höheren Achtung vor den Gesetzen, wenn Berliner Blätter der Linken die Riederlage der preußischen Regierung damit quittieren, daß das Urteil des höchsten Gerichtshofes keine Bedeutung habe, da Reichstag und Landtag schon durch entsprechende Gesetze dafür sorgen würden, um widerspenstigen Gemeinden zu zeigen, was recht sei. Wer so mit einer Handbewegung über die Urteile des höchsten Gerichts hinweggeht, der eignet sich nicht dazu, anderen die Achtung vor dem Gesetz zu predigen Wer sofort mit der Drohung zur Hand ist, daß eine zufällige parlamentarische Mehrheit das lebendige Rechtsgefühl des Volkes parlamentarischer Kamps um -en Nationalfeiertag. Berlin 10. 3uTL Rach örlebigung einiger Rechnungssachen erfolgt die erste Beratung deS Gesetzentwurfs über den Nationalfeiertag. Paragraph 1 der Regierungsvorlage lautet: .Rationalfeiertag deS Deutschen Volkes ist der Verfassungslag (11. August). Er ist staatlich anerkannter Feiertag im Sinne des Artikels 139 der Reichsverfassung." Mit der Beratung wird verbunden der kommunistische Antrag auf Einsetzung deS 1. Mai als gesetzlichen Feiertag, ebenso der Antrag der Deutschnationalen auf Bestimmung des 18. Januar zum Rationalfeiertag. Reichsinnenminister Severing begründet den Gesetzentwurf: 3n meiner Eigenschaft alS Mittler zwischen Reichstag und Reichs* rat ist es mir ein Herzensbedürfnis. Sie um Zustimmung zu dem vom Rcichsrat beschlossenen Gesetzentwurf zu bitten. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf soll also eigentlich nut der bestehende Zustand gesetzlich sanktioniert werden ©egen den 11. August wird eingewandt, daß er m die Schulferien und in die landwirt* schaftlichen Erntearbeiten fällt. Die Verfassungsseiern können so gestaltet werden, daß auch die Jugend daran teil nehmen kann Hinsichtlich der Ernte arbeiten werden die Landes- und Kommunalverwaltungen Ausnahmen von Paragraph 1 des Gesetzes zulassen können Der 11. August hat den Rechtsboden geschaffen, auf dem heute im Sinne des Fortschritts auf politischem, sozialem und kulturellem Gebiete weitergearbeitet werden kann Auf einer Der* fassungsfeier hat Abgeordneter v. Kardorff in einer ausgezeichneten Rede die hohe Bedeutung des Tages gewürdigt, an dem die Vertretung deS deutschen Volkes sich eine Verfassung gab. (Zurufe von den Kommunisten und Rationalsozialisten: „©ine feine Verfassung!") Eine Verfassung, der Sie. meine Heroen Rationalsozialisten und Kommunisten. es verdanken daß Sie heute hier sitzen können (Sehr gut!) Richt alle» in dieser Verfassung ist oolltommen, viele- i st noch Verheißung: aber schließlich war auch die Dis* marcksche Verfassung nicht der staatSpolittschen Weisheit letzter Schluß. Die Weimarer Ver* fassung hat mit der Einführung deS allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Reich, Länder und Gemeinden ein einigendes Band um alle Schichten des deutschen Volkes geschlungen, das sich auch in den bösesten Tagen bewährt hat. Beim Kapp-Putsch, bei den Separatistenunruhen, bei den Voltsabsiimmunaen im Offen, im Ruhrabwehrkampf und bei den oberschlesischen Kämpfen, immer hat sich gezeigt, daß auch die ärmsten Söhne des Volkes freu in gemeinsamer Front mit allen übrigen Volksschichten standen. Das hätte niemals ein Befehl von oben erreicht, wenn nicht die werktättgen Massen sich durch das einigende Band der Weimarer Dersassung mit der Ration verbunden fühlten Darum tann auch die endgültige Rhein- lanbräumung nicht besser gefeiert werden alS durch den Tag der Weimarer Verfassung. Die Frage, ob nicht der Tag der endgültigen Rheinlandräumung als Rationalfeiertag einzusetzen sei. verneint der Minister. Der 1 8. 3 a- I n u a r wird um deswillen niemals ein wirklicher | Rattonalfeiertag für die breiten Massen werden, weil mit der Gründung des BiSmarckschen Reiche» der Gedanke an das Dreiklassenwahlrecht verbunden ist, daS die Ration weiter spaltete. Der 9. Rovember als Geburtstag der Republik ist auch wenig geeignet, denn am 9. Rovember gab es keinen Bastillensturm, sondern den enbgül- ttgen Zusammenbruch eines Systems, das schon vorher Tag für Tag morscher geworden war. Der 11. August, an dem die Weimarer Verfassung in Kraft trat, ist der Tag des nationalen Auf- bauS, der Wiedergewinnung des nationalen Selbstvertrauens. Darum bitte ich Sie, ihn auch gesetzlich zum Nationalfeiertag zu machen. (Beifall bei den Sozialdemokraten und in der Mitte.) Abg. Gollmann (S.) erklärt, der 18. Januar al» lag der Reichsgründung fei unmöglich und würde der geschichtlichen Logik widersprechen. Ebenso der kommunistische Antrag, den 1. Mai zum Feiertag zu machen. Gewisse B e • denken der ländlichen Bevölkerung wegen b*er Erntearbeiten sind berechtigt, und wir begrüßen es, daß die Reichsregicrung in der Richtung eines Entgegenkommens auf die Länder einwirken will. Der Redner betont zum Schluß die großen gemeinsamen Gedanken, an denen sich das Volk am Verfassungstage erheben könne: die Reichs- einheit, das kommende Reich von Aachen bis Wien. Weil wir die Republik zum Dolksstaat gestalten wollen, rufen wir das Parlament auf, den Geburtstag der Republik zum Dolkstag der Ration zu erheben. Abg. Schlange (Dn.) bestreiket, daß in weitem Kreisen des deutschen Volles der Wunsch nach einem neuen Feiertag bestände. Millionen Volksgenossen meinen, daß diese Zeit der deutschen Lebe-nSkrise nicht geeignet list, einen Nationalfeiertag einzusühren. Wenn wenig,lens das Rheinland geräumt wäre! Solange uns aber das Delbstbestrmmungsrecht vor* enchalten ist. solange wir unter den Fesseln des Versailler Diktat- leiden, wäre eS angebracht, statt eines Feiertags einen nationalen Trauertag zu begehen unter dem Motto: WaS tobt verloren haben, soll nicht verloren sein! Die Franzosen feiern alS Nationalfeiertag den Tag, an dem ein neues Frankreich entstand und an dem sie für dieses neue Frankreich zu dem Waffen gerufen wurden. 3n Deutschland soll nach dem Willen der Linken der Tag gefeiert werden, an dem die deutschen Arbeiter unter den Klängen einer mißverstandenen Mar* JebHaife von den Waffen fortgerufen wurden. Der 18. 3anuar als Tag der Reichsgründung könnte ttotz der Aenderung der Staatsform als Rativnalfeiertag gelten. Am 9. Rv- vember begann der Riedergang, der am 11. Aug. noch nicht einmal abgeschlossen war. Sie (zu den Sozialdemokraten) hätten eigentlich mehr Grund, den 9. Rovember zu feiern. Dann würde noch deutlicher erkennbar werden, daß es sich nicht um einen Nationalfeiertag handelt, sondern um einen parteipolitischen I Zwangsfeiertag zur Unterdrückung der jederzeit nach seinem zufälligen Willen gestalten kann, der untergräbt die Achtung vor dem Gesetz. Die preußische Regierung kann niemand von dem Dorwurf freisprechen, daß sie durch ben Flaggenkrieg gegen Potsdam dem Rechtsgefühl des Volkes nicht gedient hat. Wohl in ber Vorahnung der Dinge, die kommen können, hat die Weimarer Verfassung den Artikel 107 geschaffen, der für Reich und Länder den S ch u h der Derwallungsgerichte gegen widerrechtliche Anordnungen und Verfügungen der Verwaltungsbehörden vorsieht. Die Deutschnationale Partei. Berlin. 10. 3uR. (TU.) Das „Berliner Tageblatt" berichtet, daß die seit langem besuchende Ä rifein der d e u t s chn a t i ona- len Par tei am Montag zum Ausbruch gekom* men sei. Dem deutschnationalen Abgeordneten Hugenberg sei es gelungen, eine al I- deutsch-legitimistifche und zugleich sozial-reaktionäre Gruppe zu bilden, der etwa 12 Abgeordnete, darunter Dang. Dryandcr. Leopold. Spahn und Everling angehörten. Die Gruppe oerbleibc vorläufig noch innerhalb der deutschnationalen Partei. Es sei aber anzzi* nehmen. daß weitere Fragen nicht ausbleiben würden. Der Konflikt sei am Montag außerttch beigelegt worden, bestehe aber in Wirklichkeit fort. Ferner soll dem Blatt zufolge Hugenberg erklärt haben, daß er und feine engeren Gefolgsleute die Partei* und Frakttonsgemeinschaft mit Lambach, dem Führer der deutichnattonalen Angestellten, als aufgehoben betrachteten, glerch- güUig. wie der verlangte Spruchs ttxs Partei- gerichts ausfalle. Gegen bie'e Erklärung Hugen* dergs habe sich ein Antrag des Grafen Westarp gewandt, der von dem Dor'chenden des Parteigerichts, Staatssekretär a. D. W a l l- r a f unterstützt worden wäre. 3n der 2Dfttm* mung sei Graf Westarp mit 64 gegen 67 Stimmen unterlegen, s-äter habe man sich um ein Kompromiß bemüht, das in der bereits bekannten Entschließung seinen Ausdruck gefunden frabe." Von unterrichteter deutschnationaler Seite wird dazu bemerkt: „Es ist verständlich, daß gewisse Kreise der Oefsentlich- keit ein ausgesprochenes Interesse daran haben, die deutschnationale Partei, die größte bürgerliche Partei, zerspalten und zersplittert zu sehen. Man dars sich aber durch die äußerlich vielleicht bestehenden Meinungsverschiedenheiten nicht täuschen lassen. Es ist ein grundlegender Unters chied zwischen ernsten Meinungsverschiedenheiten und einer Auflösung der Parteigemeinschaft. Don einer solchen kann aber leine Rede sein. Das kommt auch in dem einmütigen Vertrauensvotum für den Parteivorsitzenden Grasen Westarp zum Ausdruck. Es spricht alles dafür, daß die verfrühten Hoffnungen der politischen Gegner der deutich- nationalen Dollspartei enttäusch! werden, daß aber die starten lebenden Kräfte innerhalb der Partei unter Umständen gewisse Bewegungen und selbst Meinungsverschiedenheiten Hervorrufen. ist lediglich ein Symptom für die innere Lebensstärke der Partei." Spionage bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Berlin. 11.3uli. (Priv.-Tel.) Die politische Polizei ist einer umfangreichen Spionagelätigleit mehrerer Angestellten bei der Deutschen Der'uchs- anftalt für Luftfahrt auf die Spur gekommen und hat bereits Der Haftungen vorgenommen. Es handelt sich dabei um den Regierungsbaumeister Ludwig aus Berlin-Wilmersdorf, sowie zwei seiner v«mutlichen Helfer. Zwischen dem Regierungsbaumeisler und dem Beauftragten amtlicher russischer Stellen fanden in der letzten Zeit wiederholle Konferenzen in Dessau, Friedrichshafen, Berlin und anderen Siädten start, in denen Ludwig unmittelbar Geldbeträge übergeben wurden. Diese Geldbeträge scheinen in die Hunderttausende zu gehen. Es handelt sich um Spionage bei den beiden Flugzeugwerken Junkers in Dessau und Dornier in Friedrichshafen. Die Größe des Schadens läßt sich zur Zeit noch ajibercn. (Unruhe linkS.) Die Bismarcksche Verfassung war ein organisches Kunst- und Meisterwerk. die Weimarer Verfassung ist eine künstliche Konstruktion Die Art von Parlamentarismus. die diese Verfassung gebracht hat. wollen auch die deutschen Arbeiter nicht, die vier Jahve lang mit uns zusammen im Schützengraben gelegen haben (Unruhe und Zuruse linkS). Dieser Parlamentarismus läßt zur Freude unserer Feinde die einheitliche Willensbildung nicht aufkommen. die eine Station zu ihrer Selbstbehauptung braucht. (Ruse linkS: „Für welche Gruppe Ihrer Fraktion sprechen Sie denn?"). Ich spreche für die gesamte deutschnationale Fraktion. Wir sind uns einig über die großen Fragen und Ziele, aber zu unserer Freude können wir mit uiis ringen über die besten We^e, auf denen wir zum Ziele kommen. Die fetzigen Zustände zeigen, daß die monarchische Spitze alS ruhender Pol die beste Staatsform ist. (Große Heiterkeit links.) Kein Deutschnationaler denkt daran, die bestehende Staatsform gewaltsam zu ändern: aber wir hoffen, daß eines TageS das wiedergesundete Doll aus freiem Willen andern Zerrbild dieser Demokratie vorwärts schreiben wird zu einem neuen Kaisertum. (Lachen links und Rufe: ..Sie sind doch nicht mehr in der Fraktionssihung!" — Händeklatschen bei den Deutschnationalen.) Wir wollen in dieser schweren Zeit nicht einen neuen Streitpunkt schaffen durch die zwangsweise Einführung eines Ra- tionalfeiertageS. Wir wollen mit dem Rational* feier tag warten, bis Deutschland befreit ist und biS wir alS freies Doll unsere Freiheit feiern können. (Händeklatschen bei den Deutschnationalen.) Reichsinnenminister Severing erwidert dem deutschnationalen Redner: Deutschland stehe allerdings vor einer wirtschaftlichen Depression: aber die schweren Zeiten tonnten nur auf dem Boden und mit den Mitteln der Weimarer Verfassung überwunden werden. Durch die Einführung eine- Rationalfeiertages könne die Wirkung dieser Verfassung nur vertieft werden. Die ganze Well bewundert da- deutsche Voll wegen der Schnelligkeit, mit der es sich auS tiefstem Fall wieder ernporgearbeilet hat. In der Geschrchte diese- Wiederaufstieg- gibt eS viele ruhmreiche Tage, die wohl verdienen, am 11. August mit der Verfassung gefeiert zu werden. Wenn Abg. Schlange mir einen großen Einfluß in der Regierung zuschreibt, so bin ich ihm sehr dankbar. Den vorliegenden Gesetzentwurf kann er aber nicht als mein persönliches Wert betrachten. Ich vertrete hier eine Vorlage, die vom Reichsrat beschlossen worden ist. Ich vertrete sie allerdings gern, denn ich bin der Meinung, daß ein Voll zwar seiner Toten ernst gedenken, daß eS aber auch Feiertage begehen soll, an denen es mit Frohsinn, Hoffnung und Zukunftsglaube sich als Ration zusammenfindet. (Handellatschen bei den Sozialdemokraten) Abg. Or. B«ll (3 ) Wir stimmen grundsätzlich dem Gedanken des Rationaiseiertages zu und streben die enge Vernicht mit Bestimmtheit feststellen. Don zuständiger Seite wird darauf hingewiefen, daß die Luftversuchsanstalt rechtzellig den Regierungsbaumeister überraschen konnte, so daß dieser Stelle ein nennenswerter Schaden nicht erwachsen ist. Ludwig soll Konstruktions* einzelheiten neuer deutscher Flugzeugthpen für hohe Summen an das Ausland verkauft haben. Daneben hat Ludwig wahrscheinlich auch Forfchungsmaterial preisgegeben, davon der D. D. L. auf Grund der von dieser Anstalt geleisteten wissenschaftlichen Arbeit für die deutsche Flugzeugindustrie zusammengestellt worden war. wobei es sich natürlich ebenfalls um Betriebsgeheimnisse handelte, deren Derrat an das Ausland eine Schädigung der deutschen Interessen bedeutete. Oie Amnestie. Auscinandcrgehcnde Wünsche der Länder. Berlin, 11. Juli. (Priv.-Tel.) Die Srllä* rungen der Länderregierungen zur Amnestiefrage sind dem Reichsiustizministerium jetzt zugegangen. Reichsjustizminister Koch- Weser hat in einer Besprechung mit den Parteiführern von dem Inhalt dieser Erklärungen Mitteilung gemacht. Die Antworten der Länderregierungen sind so verschiedenartig ausgefallen und enthalten so viele Ein- ze 1 wünsche, daß die Derständigung hierüber in dem kurzen zur Derfügung stehenden Zeitraum schwierig erscheinen würde. Es soll heute eine nochmalige Besprechung des Reichsjustizministers mit den Parteiführern stattfinden. Dabei ift daran gedacht, die Amnestierung der von Ländergerichten verurteilten politischen Verbrecher nunmehr so durchzuführen. daß der Reichstag das Amnesttegeseh mit Zweidrittelmehrheit beschließt.Die Möglichkeit, eine Zweidrittelmehrheit zu erreichen, ist dadurch gegeben, daß an der Amnestierung sowohl bie Deutschnationalen wie di e Kommunisten Interesse haben. Durch eine Zweidrittelmehrheit könnte auch in diesem einzelnen Falle die Gültigkeit deS Amnestiegesetzes gegenüber den Urteilen der Ländergerichte gesichert werden. brnbung dieser Nationalfeier mit dem Weimarer Derfassungswerk an. Wir halten an der Heber- zeugung fest, daß die gesetzliche Regelung eines Nationalfeiertages, und -war in Gestalt der Derfassungsfeier, sich durch die gegebenen Staatsverhältnisse rechtfertigt. Nachdem nunmehr die Verfassung sich stabilisiert und der demokratische Volksstaat im Volksganzen fest verankert hat, sollten auch diejenigen Gruppen an der 2er- fassungsseier großzügig Mitwirken, die damals glaubten, aus sachlichen Bedenken der Verfassung ihre 3uftinunung versagen zu sollen. Wenn von anderer Seite der Neichsgründungstag, der 18. 3anuar, als Nationalfeiertag dorgeschlagen wird, so wollen wir gewiß nicht verkennen, daß auch dieser Tag dauernde historische Bedeutung und Wertung behält. Aber unter den umgestalteten Gesamtverhältnissen muh bei einem Nationalfeiertag die Weimarer Verfassung und der Dolksstaat im Vordergründe stehen. Wir haben volles Verständnis für den Wunsch, möglichst den 11. August als den Tag der Verabschiedung der Weimarer Verfassung zu wählen. Aber im Hinblick auf die aus allen Volksschichten fortgesetzt an uns dringenden Mahnrufe muh ich mich des ausdrücklichen Auftrags meiner Fraktion entledigen, unsere sachlichen und praktischen Bedenken gegen den 11. A u g u st vorzutragen. Das schwerste Bedenken gegen die Nationchfeier am 11. August besteht darin, dah dieser Tag mitten in die Erntezeit und die notwenbigsten landwirtschaftlichen Arbeiten fällt. Sollte trotz dieser auhervrdent- lich schwerwiegenden Bedenken, die auch aus den Kreisen der Lohnempfänger geäußert werden, am 11. August sestgehalten werden, so müssen wir unbedingt darauf bestehen, daß durch Vorschriften der Landesgesetzgebung oder der Landesverwaltung die Ernte und die Arbeiten der Landwirtschaft zum Schuhe des Dolkswvhls gesichert bleiben. Dazu kommt ferner, daß der 11. August in die Ferienzeit fällt. Gerade toeil wir wünschen, daß der Nationalfeiertag vom ganzen deutschen Volke festlich begangen wird, weisen wir auf diese schweren sachlichen und praktischen Bedenken nachdrücklich hin. Wir haben daher den Vorschlag gemacht, entweder den auf den 11. August folgenden Sonntag zu wählen, oder einen weder in die Erntezeit noch in die Ferienzeit fallenden Werktag. Dabei hat man zwischen dem 11. Februar, dem Tage der Eröffnung der Nationalversammlung und der Einbringung des Derfassungsentwurfs, und dem 11. August reiche Auswahl, wobei insbesondere auch an den Tag der Beschlußfassung in der Nationalversammlung gedacht werden könnte. Ich beantrage die Heberweisung der Vorlage an den Rechtsausschuh. Abg. Or. Moldenhauer (O. B. P.) erkennt an, daß ein Nationalfeiertag geeignet sei, die Angehörigen eines Volkes fester zur Nation zusammenzuschliehen. Eicher hat die Weimarer Verfassung öen Boden geschaffen, auf dem sich der Wiederaufbau vollziehen konnte. Sie hat die Gefahr der Räterepublik und des Bolschewismus beseitigt. Wenn Deutschland sich nach schwerem Fall wieder aufrichtete, wenn in allen Kämpfen für das Vaterland die Deutschen zusammenstanden, so war jedoch die Triebfeder die Liebe zum Vaterlande unb die Weimarer Verfassung stand dabei in zweiter Linse. Wir sehen in dem 11. August einen wichtigen Werktag der deutschen Geschichte; zum Nationalfeiertag aber könnte man nur einen Tag wählen, an dem sich alle DolkSangehörigen einig und begeistert zusammenfinden. Weiten TeiZkn de« Volkes, die der Weimarer Verfassung ablehnend gegenüberstehen, sollte maft nicht den Tag dieser Verfassung als Nationalfeiertag aufzwingen. Dadurch würde die nationale Zerklüftung nur gesteigert werden. Jetzt Ist die Zeit noch nicht gekommen, die Weimarer Verfassung zum Boden eines Nationalfeiertages zu machen. Für den Nationalfeiertag ist der Tag gekommen, toenn der letzte Franzose die deutsche Erde verlassen hat. oder toenn wir durch den Zusammenschluh mit Oesterreich Groh-Deutschland erreicht haben. Wir sind keine Gegner nationaler Seiem, toenn sie vom Reich und von öffentlichen Körperschaften in würdiger Weise am Verfassungstage begangen werden. Wir haben uns oft daran beteiligt. Wir halten die Einführung eine« Nationalfeiertages jedoch nicht für den Weg, zu einer Einigung des deutschen Volkes zu kommen. undeutsch. Notwendig sei der Ersatz de« Parlaments durch eine berufsständische Vertretung und die Einführung des Zweikammersystems. Abg. Dr. Fehr (D.B. P.) erklärt gegen die Vorlage stimmen zu wollen, weil der 11. August in die Zeit der stärksten landwirtschaftlichen Arbeit falle und weil die Vorlage starke Eingriffe in die Rechte der Länder enthalte Die Vorlage wird mit 214 gegen 136 Stimmen an den Rechtsausschuh überwiesen. Oie Krisenfürsorge. Reichsarbeilsminister Wissel im sozialpolitischen Ausschuß. Berlin. ll.Suli. (DDZ.) Der Sozialpoli- tische Ausschuh des Reichstages beschäftigte sich mit den kommunistischen Anträgen zur Krisen- fürsorge. Reichsarbeitsminister Wissel nahm das Wort zu längeren Ausführungen über den Stand der Arbeitslosigkeit. Der Minister erklärte, es sei beabsichtigt, die Fabrikarbeiter unter den gleichen Voraussetzungen wie sie im Erlaß vom 23. März vorgesehen sind, allgemein in die Krisenunterstützung aufzunehmen und für die älteren Arbeitnehmer darunter sofort Erleichterungen eintreten zu lassen. Er werde genau alle Anträge prüfen, die über die bisherigen Richtlinien Hinausgehen. Die Dauer der versicherungsmäßigen Arbeitslosenversicherung kann verlängert werden, und zwar bis zu 39 Wochen. Das setzt allerdings einen Beschluß des Dertoaltungsrates voraus. Dieser Beschluß ist bisher nicht gefaßt worden, weil die finanzielle Lage der Versicherung noch zu ungewiß ist. Die allgemeine Voraussetzung der Krisenunterstützung ist eine «andauernd besonders ungün st igeArbeitsmarkt- l a g e". Soweit sie nicht gegeben ist. hält das Gesetz die versicherungsmähigeArbeitslosen- unterstühung für ausreichend. 3n der Tat zeigt die Statistik immer wieder, daß ein sehr großer Teil der Arbeitslosen in der Zeit von 26 Wochen wieder Arbeit findet, und zwar selbst bann, wenn der Arbeitsmarkt, wie im Winter, sehr wenig günstig ist. So wie der Arbeitsmarkt sich heute darstellt, wird man heute von einer „andauernd besonders ungünstigen Lage" noch nicht sprechen können. Andererseits hat die günstige Entwicklung offenbar ihr Ende erreicht. Ich werde Anträge auf Zulassung weiterer Derufsgruppen in die Krisen- unterstützung weitherzig prüfen und ihnen stattgeben, wenn sich zeigt, dah sie durch die Lage des Arbeitsmarltes im einzelnen Berufe und im einzelnen Bezirk gerechtfertigt sind. Die Fabrikarbeiter teil! ich unter den Voraussetzungen des Erlasses vom 23. März schon jetzt allgemein in die Krisenunterstützung aufnehmen. Ich bin bereit, die Verordnung über Krisenunterstützung dahin zu ändern, daß älteren Arbeitnehmern in Härtefällen die Krisenunterstühung bis zur Höch st dauer von 5 2 Wochen gewährt werden kann. Ich bin weiter bereit, die Vorschriften über die Bedürftigkeit einer Nachprüfung zu unterwerfen. Ich werde endlich alle Maßnahmen mit jedem möglichen Nachdruck fördern, die geeignet sind, die Krisenunterstützten und die ausgesteuerten Arbeitslosen, die von der öffentlichen Fürsorge unterstützt werden, zur Arbeit zurückzuführen. Den Ausführungen des ReichsarbeitsMinister« wurde zugestimmt, und zwei Entschließungen von den die Regierung stützenden Parteien angenommen, die eine Verbesserung in der Handhabung bet Krisenunterstützung und eine Erleichterung der Notstandsarbeiten fordern. In der Krifen- unterstützung wurde besonders die schwere Notlage der Gruppe der sogenannten „Lohnarbeiter wechselnder Art" und die der älteren Arbeitnehmer besprochen. Bei den Notstandsarbeiten wurde insbesondere auf die Verlängerung der Fristen für die Beschäftigung der Notstandsarbeiter hingewiesen und verlangt, mehr als bisher auch die Ausgesteuerten und die Wohlfahrtsunterstützungsempfänger in die Not- standsarbeiten mit einzubeziehen. Die britischen Truppen am Rhein. „Eine verwickelte Krage." London. 10. Juli. (WTB.) Im Hnterhause erklärte der Kriegsminister Worthington Evans in Beantwortung einer Anfrage, die englischen Besatzungstruppen am Rhein hätten am 1. Juli eine Starke von annähernd 6000 Wann gehabt. Eine Verminderung sei gegenwärtig nicht in Aussicht genommen. Auf eine Frage des Liberalen Harris, ob der Kriegsminister 6000 Mann für nötig halte, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. erwiderte Worthington Evans, daß sie sich dort befänden, um Vertragsverpflichtungen zu erfüllen. Garro Jones fragte, ob der Kriegsminister an den Quai d'Orsay eine Mitteilung gerichtet habe, um in Anbetracht dessen, daß die Besatzungstruppen keinem nuhbringenben Zwecke dienten, die Erlaubnis zu erhalten, sie zurückzu- ziehen. Worthington Evans erklärte darauf, bah er die Ansicht be« Fragestellers n i ch t teile. Auf bie Frage, ob es nicht Tatsache sei. baß die Beibehaltung biefer Truppen für den Staat eine finanzielle Last bedeutet und ob es deshalb nicht im Interesse einer sparsamen Haushaltung läge, daß sie zurückgezogen würden. Worthington Evan« erklärte, daß es sich um eine verwickelte Frage handele, auf bie er eine Antwort vorläufig nicht erteilen könne. Japan und China. Die Revision der Verträge. Tokio, 10. Juli. (WB.) Auf Grund der Besprechungen. die hrute im Kabinett über die chinesische Lage stattfanden, ging die überein- stimmende Ansicht dahin, baß die japanische Regierung Tschanghsuehliang. den Soyn Tschangtiolins, al« den obersten Kriegs- Herrn der Mandschurei anerkennen, aber zugleich darauf bestehen wird, daß bie Vereinbarungen, die Japan mit dem verstorbenen Diktator getroffen Hut. vorläufig in Kraft bleiben. Wie verlautet, ist die japanische Regierung bereit mit China über eine der veränderten Lage Rechnung tragende Revision der Verträge in Verhandlung zu treten, vorausgesetzt, daß die bestehenden Verträge anerkannt werden, bis sie durch ein neues Interessenabkommen zwischen den beiden Regierungen ersetzt sind. Bisher sei man jedoch von chinesischer Seite wegen einer etwaigen Revision der bcstehenden Verträge noch nicht an die japanische Regierung heran getreten. Abg. Külz (Dem.) fordert den Dersassungstag als Nationalfeiertag. Nicht ein rauschender Festtag soll es sein, sondern ein Tag der nationalen Sammlung und Selbstbesinnung. Der 11. August brachte uns den Sieg des deutschen Selbsterhaltungswillens geaen den von außen unb innen anbrängenben Vernichtungswillen. Keine Der ! fasfung ist von so tiefem ethischen Gehalt, wie bie Verfassung von Weimar, keine Verfassung verkörpert ein so starkes Glaubensbekenntnis zur Nation. Der lag ber Neichsgründung wird gewiß geschichtlich immer denkwürdig bleiben: aber ber Geburtstag des Kaiserreiches kann niemals Feiertag der Republik sein. Der l.Mai ist ein proletarischer Kampftag und kann niemals ein Nationalfeiertag des Volkes sein. Der 11. August ist ber Tag ber Zukunftshoffnung unb Zutunftssehnsucht. Das alle Kaiserreich ist gestürzt, ein neuer Staat ist mit ber Republik gekommen. Geblieben ist bas beutsche Volk. Sein Blick soll nicht rückwärts, sonbern vorwärts unb aufwärts gerichtet sein. Avg. Drewitz (W.P.) bedauert die Einbringung der Vorlage. Die jetzige Zeit der schweren wirtschaftlichen Depression sei nicht geeignet zur Einführung neuer Feiertage, jetzt sollte erst ein Trauertag für die Gefallenen des Weltkrieges eingeführt werden. Die Wirffchafts- partei werde die Vorlage ablehnen. Abg. Dr. Horlacher (D.V.P.) erklärt, der vorliegende Gesetzentwurf sei ein Eingriff in bte Landesrechte. Mit der gesetzlichen Einführung deS Nationalfeiertages werde die politische Zerrissenheit des deutschen Volles nicht Überwunden, sondern verstärkt. Dir Bayerische Volks Part ei könne dieser Vorlage nicht zustimmen. Aba. Dr. Göbbels (1L6.) erklärt, es sei eine Komödie, wenn die jetzige sozialdemokravsche Regierung einen Nationalfeiertag einführen wolle. Severing habe die Aktivität bei Ruhr- kampfes sabotiert und sein Name sei ewig mit dem Namen Schlagetcr verbunden. (Stürmische Rufe bei den Sozialdemokraten: .Verleumdung'" Der wirlliche DerfassungStaa Deutschlands ist der 29. August, der Tag der Annahme der Dawesgesetze. Abg. Dr. Wcndthausen (Chr.-nat. B bekämpft die Vorlage und erklärt unter großem Lärm der Linken, die Weimarer Verfassung fei Oie Tragödie im Eismeer. Hoffnungslose Lage der „Jtalia"-Mannschaft Stockholm, 10.3uli. (I1L) Das Mißtrauen gegenüber den hoffnungsvollen Berichten der Italiener über die Möglichkeit der Rettung der „Italia"-Mannschaft hat sich verstärkt, seitdem schwedische Berichterstatter in Spitzbergen angelangt find. Diese bestätigen die Mitteilungen Thombergs über die beinahe hoffnungslose Lage der „Italia" - Besatzung. Lundberg hat erklärt, daß die dreizehn Tage, die er mit den Italienern auf der Eisscholle zusammen verbringen muhte, schrecklich waren. Die Nahrung war sehr schlecht. Zumeist bestand sie nur aus Eisbärenfleisch. Sehr häufig kam es zu Zänkereien zwischen den kranken Leuten, vom Lager aus konnte man das Land sehen. Kap Smith war nur sieben Kilometer entfernt. Ein Fußmarsch war jedoch infolge der furchtbaren Gefahren unmöglich, während einer Woche herrschte rasender Sturm. Dann hüllten wieder dickste Nebel alles in Dunkelheit. Die Möglichkeit einer Landung in der Nähe des Lagers werde durch das milde Wetter immer mehr vermindert. Die einzige Hoffnung beruhe noch auf dem schnellen Borwärtskommen der Eisbrecher. Die Italiener waren alle vom Fieber erfaßt, und einige von ihnen phantasierten zeitweilig und benahmen sich wie Geisteskranke. Lee- cioni war schwer erkrankt. Den Italienern standen nur wenige und recht unappetitliche Lebensmittel zur Verfügung. Nach in Virgo Bay aus Spihber- gen aufgefangenen Funksprucheu ist die Dig- lleri-Gruppe In einer verzweifelten Lage unb völlig mutlos. Dringende Hilferufe laufen auf drahtlosem Wege von ihr ein. Ihre einzige Hoffnung sei, daß der russische Eisbrecher, der sich den weg durch das Lis bahne, sie noch rechtzeitig erreiche. Hinrichtung von fünf Verurteilten im Oonezprozeß. Moskau, 10. Iuli. (WB.) Das Zentral- exekutivkornitee der Sowjetunion wandelte auf Gesuch des Obersten Gerichtshofes die Todesurteile im Schachtyprozeß gegen Malow, Bratanows«, Beresowski, Bojarschinow, Kasarinow und Schadlun in zehnjährige Gefängnis- trafen um und betätigte bie Todesurteile gegen bie übrigen fünf Verurteilten. Diese Urteile sinb bereits vollstreckt. Attentat auf -en jugoslawischen Gesandten in Tirana? Budapest, 10. Iuli. (WS.) Nach einer Meldung der Belgrader „Politika'" au, Skutari, die in später Nachtstunde in Budapest bekannt geworden ist, soll in Tirana aus den jugoslawischen Gesandten Stanojew TUlhajlowitsch ein Anschlag verübt worden sein. Der Täler sei bet albanische FreischärlerSalisRama.berbieTataus Rache für bie Tötung seiner Söhne, bie bei einem Raubüberfall in Jugoslawien umgekom- mev seien, verübt habe. — Diese Meldung ist vorerst noch unbestätigt, unb im Belgrader Ministerium des Aenheren Hal man über das angebliche Attentat ebenfalls noch nicht» Näheres erfahren können. Aus aller Wett. Die ersten Larl-Schurz-Studenlen sind angenommen. Sin schönes unb sympathisches Mittel, Freunde für bas Deutschtum zu werben, verfolgt bie V e r - einigung Earl Schurz in Berlin, bie jetzt dazu ubergegangen ist, au« eigenen Mitteln amerikanischen Studenten längere Reisen nach Deutschland zu ermöglichen. Sie verfolgt damit nicht nur den Zweck, schon unter ber amerikanischen Iugenb bas Interesse für Deutschland zu wecken, sondern trägt damit gleichzeitig zu den freundschaftlichen Beziehungen beiber Völler erheblich bei. Das International ®bucaiion Office in Neuyorl ist von ber Carl-Schurz- Vereinigung beauftragt worben, jeweils diejenigen Studenten auszusuchen, bie fid) im Stubium deS Deutschen besonders ausgezeichnet haben. Diese erhalten bann eine Freireise nach Deutschlanb. Der erste Trupp dieser jungen Studenten ist soeben in Hamburg eingetroffen unb wirb unter Führung ber Geschäftsführerin ber Vereinigung Earl Schurz eine Längere Reise durch Deutschland unternehmen. llngarnreife deutscher Studenten Im Rahmen des ungarisch-deutschen Stuben- ten.au stauf 4 cs sind 50 beutsche Studenten in Budapest eingetroffen, die am Ostbahnhof von einem Vertreter ber deutschen Gesandschaft unb Vertretern des Volkswohlfahrtsministeriums in ber ungarischen Hauptstadt feierlich empfangen wurden Nach Besichtigung ber Sehenswürbigleiten ber Hauptstadt begaben sich die deutschen Studenten nach Balaton= füred am Plattensee, wo sie fünf Dachen verweilen. Die Auslanbreifen ber Reichsmariuc. Der Schulkreuzer .Berlin" ist in Wenabo auf Celebes eingetroffen. Er wirb am 22. Juli nach Amboina auf von MoluÜen in See gehen. Die Schisse des Flottenkommandv« haben im Verlaus ihrer Hebungsreise verschiedene norwegische Häfen angelaufen. Da« Flotten- flaggenschiff „Schleswig-Holstein" unb das Linienschiff „Hessen" befinben sich in Balholmen. ber Flottentenber „ftcla m Mundal, das Linienschiff .Schlesien" und der Kreuzer „Amazone" hx Merok. das Linienschiff „Elsaß" unb der Kreuzer .Nymphe" in Hlwick. die zwette TorpebobootshalbflottNe im HtzlSfjord unb die dritte Torpedvbootshalb- flotille im Sibanger Fjord. Errichtung des Südameriko-Flugdienste». Die Strecke Spanien — Kanarische Inseln, welche al« erste Ozeane tappe de« regelmäßigen Luftwege« nach Südamerika bezeichnet nnrb. ist erstmalig auf rein verkehr«- mähiger Basis durch ein von spanischen Interessenten von der Deutschen Lufthansa gechartertes Dornier-Wal-Flugboot zu- ruckgelegt worden. Das mit zwar BM W-Motoren ausgerüstete Flugboot hatte eine deutsch-spanische Besatzung an Bord unb durchflog bie 1300 Kilometer lange Strecke Cadiz—Las Palmas in 7 Stunden, dH. mit einer mittleren Geschwindigkeit von über 180 Kilometer. Während des ganzen Fluges stand der Dornier-Wal in s u nken tele gr aphi s cher Verbindung mit den Küstensendern. Zur Zett führt das Flugboot Rund- unb l$rfunbung«flügc in ber Gegend der Kanarischen Inseln durch. Eine Fortführung dieses Versuchsfluges nach den Kapverbischen Inseln ist nicht beabsichtigt. Schweres Explosionsunglück in Budapest. Im Vorort Engelsfelb ereignete sich im Keller eines eben fertigen House«, in dem zwei Arbeiter damit beschäftigt waren, eine größere Menge Erbten von den darin enthaltenen Würmern mit Kohlendisulfit zu säubern, eine furchtbare Ekplofton. welche dos ganze Hau« in einen Trürnrnerh auf en verwandelte. Tic im Hause befindliche Frau des Besitzers, ihre Tochter, ein Dienstmädchen und bie beiden Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Die Feuerwehr *og die Frau des Hausbesitzers und einen Arbeiter tot aus den Trümmern hervor. Die Tochter unfl"" da- Dienstmädchen wurden in schwerverletztem Zustand geborgen. Sin Arbeiter wird noch vermißt. Bei der Erplosionskatastrophe wauchen auch zwei Feuerwehrleute verletzt. Ein Polizist unb ein Arbeiter, die von dem aus der zerstörten Gasleitung ausströmenden Gas betäubt wurden, mußten in bebcnl liebem Zustande ins Krankenhaus gebracht toerben. Die Aufräumungsarbeiten werden fortgesetzt. lieber zwei Millionen Franken unterschlagen. Der 32jährige Gemeindeeinnehmer von Bütgen- bach unb Elfenborn bei Eupen würbe wegen Hnterfchlagungen ins Gefängnis nach Vcrviers übergeführt. Der ungetreue Beamte hctt nach ber „Köln. Ztg." 785 000 Franken allein von der Gemeinde Dütgenbach, 300 000 Franken von der Gemeinde Elseichorn und 300 000 Franken von der Distrikts^parkasse unterschlagen. Hinzu kommt noch eine Reihe namhafter anderer Beträge, so daß sich im ganzen 2 185 000 Franken ergeben. Heber die Verwendung dieser Summe gibt der Verhaftete keine Auskunft. Die Verklungen gehen bis auf da« Jahr 1921 zurück. Deutschlands wachsende Handelsflotte. Die deutsche Handelsflotte umfaßte nach dem jetzt veröffentlichten Register des Gennanischen Lloyds, des deutschen Schiffs-Klassifikations-Jnstituts, am 1. Juni 1928 2456 Seeschiffe mit zusammen 3 838 000 Bruttoregistertons. Sie hatte damit au diesem Zeitpunkt, an der Tonnage gemessen, 75 v. h. des Dorkriegsbestandes erreicht unb vereinigte 5,8v.h. des Weltschifsroums (1914: 11,3 D.fj.) unter ihrer Flagge. Trotz der fortschreitenden Ausdehnung der Motorantriebes war am 1. Juni d.J. die dampfgetriebene Tonnage fast um das zehnfache, größer als die motorgetriebene. Sie betrug bei 1744 Dampfern insgesamt 3,25 Mill. BRT., während nur 128 deutsche Motorschiffe von zusammen 400 000 DRT. in Fahrt waren. Dieses Verhältnis dürfte sich aber voraussichtlich zugunsten der Motorschiffe ändern, von denen z.B. die Hamburg-Amerika-Linie 15 mit etwa 120 000 BRT. im Dau hat, während kein Dampferneubau für die Gesellschaft in Arbeit ist. Die Seglertonnage nimmt bei der rückläufigen Entwicklung ber Segelschiffahtt im Vergleich zu der Gesamtentwicklung nur eine unbedeutende Stellung ein: Unter den Seglern hat sich die Zahl der reinen Segelschiffe (ohne Hilfsmotorenantrieb) weiter vermindert. Die gesamte Seglettonnage betrug bei 584 Schiffen 192 674 BRT.. von denen am 1. Juni 1928 nur 38 600 BRT. gegenüber 44 500 BRT. im Jahre 1926 reinen Segelantrieb besaßen. Der Tonnage nach verteilen sich die drei Antriebsatten (Dampf, Motor, Segel) prozentual so, baß von dem gesamten deutschen Schiffsraum 84,8 mit Dampf, 10,2 durch Motor unb 5 v. h. durch Segel angetrieben wurden. Z?/£7?5^, /E 7* dbends. t Die Wetterlage. O*orxenioi önenn. eordern ® vwiq. ® oedetii EKeeeu • Schnee ä Oreoprin. e *et*ti 1t Crw,Ufr.(g)wi*5tiUe.O' eierte» Qn "liMf SOdtodwtH iturmucne «ordwert Oft »teur fliegen irrt de« wmcc Pie veoen Slawen »tenendtn Ze> nn »eien de Temperatur an. Die Linien rrr»mdu> Orte aut gititbcM n< M»eresn-vrau urft**cl Wettervoraussage. Hoher Druck über Mitteleuropa unb tiefer im Norden bedingen eine Zufuhr maritimer Luft- maffen, die trotz beS hohen Barometerstandes neben Dewöttung auch Anlaß zu vereinzelten getoittcrhaften Störungen geben. Die Temperatur« steigen zunächst Wetter an. Wettervoraussage für Donnerstag Wolliges, auch aufheitrrnbe« Wetter, weiterer Temperaturanstieg, vereinzelte Gewtttev- stöwmgen. Lufttemperaturen am 10. Juli, mittag» 22 Grab Telstus, abends 15,7 Grad Celsius: am 11. Juli: morgen» 16,4 Grad Celsius. Maximum 24,1 (Brab Celfnis, Minimum 9,7 Grad Celsius. — Crbtempero» turen in 10 Zentimeter Tieft am 10. Juli: abends 22,8 Grad Celsius! am 11. Juli: morgens 17,4 Grad 1 Celsius. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. prcuften. Bovnottzen. sein soll, ein. Frage vor, von Bodenbearbeitimg und Düngu "Dachslum unterhalten werden. gesetzte Besuchszeit auch wollen, damit die unveri von 1900 preii schreiben in Z krönt von dem Verbandswett- :nz heimgekehrt sind. Es er- wiederzusehen. Di« Ausführungen über die Sonrrtagsfahr- karien sollen keineswegs alle Möglichkeiten erschöpfen, sondern sollen für die zuständigen Stellen nur Anregungen darstellen. Der Verkehrs- verein, sowie die verschiedenen Wandervererne. an der Spitze ter D. H. L. wurden sich ein großes Verdienst erwerben, tocrm sie diese An- regintg aufgreifen, aus bau en, die nötigen Schritte einleiten und weiterversolgen würden. Oie Obstaussichten in diesem Zahre lassen manches zu wünschen übrig. Steinobst gibt es zwar reichlich, besonder- dürfte die Zwetlchen- ernte in unterer Gegend eine reiche werden. Auch in Dirnen ist eine gute Mittelernte zu erwarten. Dagegen sind die Aepfeldäume an Straften und auf den Feldern so gut wie leer TS gibt zwar Ausnahmen, solche 'Bäume finden 'ich aber selten. Sie stehen 'ast immer auf bebautem und gedüngtem Ackerland, während die Aepfelbäume der Grasstücke in diesem Iah« ganz Verlagen. Dast die Ursache der $u erwartenden Mißernte in Aevfeln in erster Linie auf Erschöpfung nach der reichen Ernte des Voriahres und dann erst auf Nachtfröste zurückzuführen ist. beweisen die Gartenbäume. An dielen ist der Behang überall. hoi nach den anderthalb Stunden der Führung kein« Erfrischungen bieten kann, und bah deshalb die zahlreichen Schulen und Qkreint sich am testen beizeiten 5um Vesper auf der schönen Hardt terras'e anmelden, die nur 10 Minuten vom oberen Hardthof entfernt ist. VreisgckrönteGießenerGtenographen. 3u unterer Rvtü bett. .Preisgekrönte Siebener Stenographen ist noch nachzutragen, dah auch sämtliche Wettschrciber des Kurzschrift- verein- .GabelSberger^ von 1861 und des DamenvereinS .DabelSberger SMMWMlWMIkiM erfordern fiele «ine sorgfältige lejlgebung und Satzausstaltung. (Bule Sa^ktltungen stnd nur erreichbar, wenn di« Anzeigen m genüg onMten werden. Der Annahmeschluh für alle Anzeigen im Siebener Anzeiger entfällt auf den Nach- mittag vor der Aufnahme. Empfehlung», anzeigen müssen, je nach Umfang und Satz, schwierigkeilen. zwei bis drei Tage vorher befielII sein. Nur mit Sorgfalt und dem not. wendigen 3 erlauf »an b gesetzte Empfehlungen TOern öto ermfinftnien SM! ber sicher nicht unanaebracht erscheinen. Eine an- de« Sonntagsgabelkarte wäre die nach Fronhausen oder Treis a. d. Lumda. Wit Ausgabe einer solchen würde mit einer schönen Wanderung der Besuch des durch Ausgrabungen interessanten Totenkopses bei TreiS erleichtert werden. Schließlich dürste eS der Reichsbahn nicht schwer fallen, sich mit der Direktion der Biebertal bahn dahingehend zu einigen, daß SonntagStarten der Reichsbahn — z. D. die ------ -- • - ^geschlagenen valzbötetal führte dem Lauf der jugendlichen Lahn entlang, der sich schon von ber Quelle an überaus reizvoll gestattet. Durch ein liebliches Tal mit einigen zerstreut liegenden Gehöften ging es über Volkholz, das mit seinen hohen Bergwänden, den grünen Matten und seinen eigenartigen schmucken Häusern den Eindruck einer Alpenlandschaft machte. Von Feudingen, das den Schl uh der Wanderung bildete. führte das Dampfroß die Teilnehmerschar, rund 70 Personen, wieder der Heimat zu. •* Reue Briefmarken. Rachdem der Derwaltungsrat der Rcichspost den Wunsch aus- gcteüdt hatte, dah eine Briefmarkenreihe mit den Bildern der Reichspräsidenten herauSgegeben werden möge, wird eine solche Reihe am 1. September ausgegeben werden. Sie ist entworfen von dem Kunstmaler Smith (Derlrn-Schöne- berg). Für Hindenburg ist ein neuer Entwurf, der von der Hindenburg-Wohlfahrtsmarke abweicht, geschaffen worden. Au-gegeben werden Marken zu 3, 6. 10, 20. 30 und 60 Pfennigen, auherdem eine neugeschaffene 45-Pf.-Marke für Einschreibebriefe mit dem Bildnis des verstör- denen Reichspräsidenten Ebert und Marken zu 5. 15, 25 Pf. usw. mit dem Bildnis Hmden- burgs. Die Siedlungslätigkeit in Hessen im Jahre 1 927. Rach den nunmehr vorliegenden endgültigen Ziffern über die Siedlungstätigkeit in Hessen im Jahre 1927 ergibt sich, dah sich die Anliegersiedlung weiter ver- mehrt hat. Der Staat hat an ßanbbebürftige vergeben 13,14 Hektar an insgesamt 52 Siedler. Davon entfallen 12 Verträge auf Siedler mit einem bisherigen Besitztum von unter ’/s lar, 8 Verträge über 1,26 Hektar an Sie-ler mit Besitzungen von bisher unter 1 Hektar. 15 Vertrage über 4,12 Hektar an Siedler mit bisher 1-2 Hektar Besitz und 17 Verträge über 5,12 Hektar an Siedler mit bisher 2—5 Hektar Delitz. Das in Pacht ohne Kaufanwirtschaf t gegebene Gelände entfällt mit 2.5 Hektar an Anlieger au« Land- oder Forstwirtschaft und mit 10,64 Hektar an Anlieger aus Handel oder Ge» ** V. H. E. Ein herrlicher Sommertag war es. der den V. H. E. (Sieben anläßlich feiner Juliwanderung am Sonntag begleitete. Hatte sich der Verein im vorigen Monat die untere Lahn als Ziel erkoren, so galt ber heutige Desuch dem Ursprung unseres heimatlichen Flusses. Der Anmarsch dahin erfolgte von Stratzetersbach, wo ber Aufstieg gleich kräftig einsetzte und man von der Höhe, wie auch noch später prächtige Blicke auf Berge. Schluchten, friedliche Dörfer und grüne Wälder, von goldenem Sonnenlicht überstrahlt, genoß. In Sohl, einem kleinen Weiler, wurde kurze Rast gehalten, und weiter ging es dann durch schönen Waldbestand auf der bald erreichten Eisenstrafte zum Lahnhof. wo eine längere Erholungspause stattsand. Auch wurde die Quelle der Lahn, die im Keller des dortigen Forsthauses sein soll, eingehend besichtigt. Der Weitermarsch führte dem Lauf der jugendlichen Lahn entlang, schine. die er eben al« neu in Dietzen abgeholt hatte, kurze Rost gemacht. AIS er die Fahrt nach Weilburg fortsehen wollte, kam er beim Desteigen ter Maschine zum Sturz und trug dabei leichte Kopfverletzungen sowie Verletzungen am Knie davon. Rachdem ihm von ärztlicher Seite die erste Hilfe zuteil geworden war. mutzte er von der hrrbeigerufenen (Siebener Freiwilligen Sani- tätSkolonne vom Roten Kreuz mittels Sanitätsautos nach seiner Wohnung in Wei!b. rg veibracht werben. Das Motorrad blieb beschübigt in Klein- Linden zurück. " Reit- und Fahr turnier in Dietzen. Wie bereits mit geteilt, veranstaltet ber Reit- und Fahrflub Dietzen und Umgebung gemeinschaftlich mit dem l.Bat. Jnf.-R^tS. 15 Dietzen am kommenden Samstag und Sonntag ein Reit- und Fahrturnier. Zu diesem Wettbewerb ist eine große Anzahl erstklassiger Meldungen aus nah und fern eingegangen, so dah ein große- sportliches Ereignis zu erwarten ist. (Siehe heutige Anzeige.) — lagcsfalcnbcr für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Petronella". — Astoria- Lichtspielc: „Tarzan und der goldene Löwe". — Nordost- Verein. Donnerstag abend im Cafs Leib ordentliche Hauptversammlung. Näheres in der heutigen Anzeige. wo fleißig gegraben, gedüngt und bewässert wird, fast immer ein recht reichlicher. Es läßt sich daraus die Lehre ziehen, datz Obstbäume nach einer reichen Ernt« nicht zu ruhen brauchen, wenn fie durch Bodenbearbeitung und Düngung in kräftigem Wachstum unterhalten werden. R. Die „Bremen"«Flieger in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. W., 10. Juli. Als die auf 11,30 Plhr heute mittag festgesetzte Zeit ter Ankunft ber beiden Ozeanflieger, Hauptmann a. D. Köhl und Freiherr von Hüne- feld, heran rückte, hatte sich aus dem Frankfurter Flugplatz eine ungeheure Menschenmenge . ingefunden 5.1m 12 llhr erschien die silber- funlelnte .Europa" über dem Flugplatz, geleitet von den auf dem Frankfurter Flugplatz stationierten Flugzeugen. Als tne .Europa" nach einigen Runds lugen landete, stürzte die Menge, alle polizeilichen Maßnahmen über den Haufen toerfenb. auf das Flugzeug zu. Die Flieger wurden von ter Menge, die immer wieder m stürmische Hochrufe ausdrach. dicht umringt, so datz eS dem Frankfurter Oberbürgermeister nur mit Mühe gelang, einige Worte ter herzlichen Begrüßung an die Flieger zu richten. Zwei junge Frankfurterinnen überreichten Blumensträuße. Rach kurzen Dankes- wvrten ter Flieger wurden sie von der begeisterten Menge auf die Schultern gehoben und zu den Autos getragen. Bei der Rundfahrt um den von dichten Menschenmassen umsäumten Flugplatz wurden die Flieger immer wieder stürmisch begrübt Die Fahrt durch die Straßen ter Stadt zum Römer gestattete sich zu einer Triumphs ahrt 3m Römer angetommen. besichtigten die Flieger zunächst den historischen Kaisersaal. Als sie sich bann aus dem Balkon des Römers »einten, brach die auf dem Römerberg versammelte Menschenmenge in begeisterte Hochrufe auS, für die die Flieger durch fortgesetztes Verneigen banften. Rachdem sich die Flieger in das Goldene Buch ber Stadt Frankfurt eingetragen batten, und zwar auf derselben Seite, die die Ramen der Ozeanflieger Ehamberlin und Levin« enthält, erfolgte die Weiterfahrt nach dem ^Frankfurter Hof" zu einem Frühstück bi engerem Ärttfe. Rachnuttags 5 Uhr erschienen Hauptmann Köhl und Freiherr v. H ü n e f e l d zu dem vom Frankfurter Verband für Luftschiffahrt veranstalteten Tee auf ter Terrasse tes Flughafens. Auch hier waren die Flieger ter ®eg nstand fortgesetz- ter stürmischer Huldigungen. Photographen und Autogrammjäger ließen bie Flieger nicht zur Ruhe kommen. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt alS ter bekannte Pionier der Fliegerei, ter frühere Staatssekretär für das Flugwesen. Euler, die beiten Flieger umarmte und küßte. Schließlich waren auch die £ tunten auf dem Flugplatz verflogen, und die Flieger keh.ten in den geschmückten AutoS nach dem .Frank für ter Hof" zurück. u:n am Abend tm Hiv^odrom von einer gewaltigen und außer - ordentlich begeisterten Menschenmenge über ihren Amerikaflug zu betichten. •• Verkehr mit Behörden. Wir stehen jetzt in ter Zeit, in ter zahlreiche Beamte ihren llrlaub genießen. Trotzdem bereits öfters darauf hingewiesen worden ist, datz Schreiben, die für eine Behörde bestimmt sind, niemals cm die persönliche '21breffe eines Beamten gerichtet werten sollen, geschieht die- immer wieder. Der Absender solcher Schreiben soll niemals glauben, dah er durch eine persönliche Adressierung irgendwelchen Vorteil habe. 3m Gegenteil! Der Adressat ist vielleicht verreist und daS Schreiben gelangt wenn überhaupt, so erst nach geraumer Zeit in seinen Besitz und erregt bei ihm in ter Ferne nur Aerger und Verdruß. Man adressiere auch nicht etwa ,.An daS Preußische Amtsgericht T. zu Händen des Herrn..." Auch das ist falsch. Persönliche Anschriften sind grundsätzlich im Dienstverkehr zu vermeiden. •• Feuerbestattung. 3m letzten Vierteljahr wurden im Krematorium auf dem Friedhof am Rodberg eingeäschert: April 14 Leichen (gegenüber 7 im gleichen Monat tes Vorjahres), Mai 4 (6), Juni 12 (6); im ganzen wurden also in Gießen von April biS 3um 30 Einäscherungen (19) Dorgenommen. Die Zahl ter Feuerbestattungen im letzten halben Jahr beträgt 50 (36). — Die Zahl ter im Deutschen Reich bestehenden Einäscherungsanlagen ist von bisher 83 durch Eröffnung neuer Anlagen in Saalfeld a. b. S., Horte hausen und Schwenningen auf 86 gestiegen. 3m Bau befinden sich Krematorien in Ar^enburg, Eisleben, Hof L Bayern. Langensalza. Rostock und Wetzlar, die sämtlich in einigen Monaten fertig gestellt sein werten. Weiler« Krematorien werten noch in diesem Jahre zur Ausführung kommen in Bielefeld, Bremerhaven. Duisburg. Forst 12 . Frankfurt a. d. O.. Hanau, Luckenwalde, Meißen L Sa., Mühlhausen i. Th., Osnabrück. Potsdam. WieSdorf bei Köln. •• Schutz den Warnungstafeln für Kraftfahrzeuge. Das Kr.isschulamtGießen gibt im neuesten Amtsrerkündigungsblatt bekannt, datz Veranlassung bestehe, die Schüler der Volksund Fortbildungsschulen darauf hinzuwei'en. dah die in letzter Zett angebrachten Warnungstafeln für den Krastfahr-eugverlehr nicht beschädigt werden dürfen. Es muhte in letzter Zeit wiederholt festgestellt werten, dah di- Tafeln als Wurfzielc benutzt worden sind. Die OBamung^tafeln haben für den Krastiahrzeugverkehr große Bedeutung und dienen nicht zuletzt auch zum Schutze ter Fußgänger. Die Schulvorstände find «lucht worden. in den Klas'en nachdrücklich vor dem Unfug zu warnen. ' Don der Lahn. Heutige Wasterwarme ber Lahn 21 Grad Celsius. •• Pcrsonalie. Ernannt tourte ter Hrlfs- amtSgehilte Friedrich Braun in D.e'en mit Wirkung vom 1. Mai an zum Amtsgebitten bei dem Pathologischen Institut ter Lantesuniverft- tät Gießen. Ä , - DaS Fest ber goldenen Hoch-ert begehen am morgigen Donnerstag. 12. 3uni, ber Scyneidermeister Wilhelm Stumpf und Frau Elise, geb. Deines. Rahrungsberg 31 wohn- ha't. Das goldene Jubelpaar erfreut sich noch bester geistiger und körperlicher Rüstigkeit. - Zwei OEotorr abunf älle ereigneten ttch gestern nachmittag. Gegen 1 Uhr tarn ter 43 Jahre alte Weihbindermeister Friedrich Lenz von Klein-Linden auf feinem Fahrrad die Frankfurter Strafte entlang gefahren, um von Dietzen nach Klein-Linden zurückzukehren. Aus der entgegengesetzten Richtung nahte sich ein Motorradfahrer von auswärts, und zwischen beiten erfolgte ein Zusammenstoß, bei dem Lenz von seinem Fahrrad geschleudert tourte. Während der Motorrad'ahrer unversehrt blieb, trug Lenz eine Gehirnerschütterung davon. Der bedauernswerte Mann muhte von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ter Chirurgischen Klinik zugeführt werten. Der Motorrad ahrer verblieb an Ort und Stelle und teilte ter herbei- qerufenrn Polizei den Tatbestand, sowie seine Personalien mit Der andere Unfall ereignete sich gegen 4 Uhr in Klein-Linden. Dori hatte ein Motorradfahrer aus Weilburg mit seiner Ma- Sertiner Börse. Berlin. 11. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die etwas freundlichere Stimmung ter gestrigen Abendbörie wurde wieder getrübt durch den schwachen Verlauf des gestrigen Reuyorker Marktes. Er ist auch im heutigen Frühverkehr fast aeschäftSlos, zumal ter Medio vor der Tür steht. Eine Tendenz ist schwer erkennbar, sie scheint aber eher nach unten zu neigen. Man hört Farben 264,50 bis 265, Siemens 366 und Poltzphvn 568 bis 570. Am Devisenmarkt nennt man Paris 124,25 bis 127, Mailand etwa 92,80, Spanien 29,50, das Pfund 486,83 und den Dollar 4,1910. Dom oberen Hardthof. Der Direktor des Tierzuchtinstituts ter Universität Gießen, Prof. Dr. K r a e m e r, schreibt rangen in ter Abteilung 140 Silben: 1. PveiS: Siesel Eckert: Abt. 120 Silben: 1. und Ehven- pr«ns: Luise Schade, 1. Prelle: Kurt Leipold und Irmgard Schütz: Abt. 100 Silben: 1. und Ehrenpreise: Georg Her- intenbent Meyer aus bem Burgenland über Deutsch-Oesterreich, Pfarrer May -Ellli über Jugoslawien, Pfarrer Bruhns (Leipzig) über Sibirien. Die ergreifenden Bilder beutsch^vangeli- scher Not, aber mich starken Lebenswillens traten plastisch vor die Dersammlung, die mit atemloser Spannung den Rednern folate. Der Familien- abend im Festsaale des Gemeindehauses bildete den würdigen Äbschlutz des ersten Festtoaes. Be- grüftungsworte sprachen Dekan Lehn (Offenbach) für das Dekanat Offenbach, ber Ortsgeistliche Pfarrer Weber für die Festgemeinde nebst Kirchen- Vorstand, Pfarrer Oeckinghaus (Offenbach) für den Zweigverein Offenbach - Langen, Kirchenrat D. Kübel (Frankfurt a. M.) für bie benor barten yjauptDcreine der Rheinprovinz, von Hesfen-Kastsl, .dessen-Nassau. Pfalz und Frankfurt a. 3)1. Nach lieberreichung namhafter Festgaben unb musikali' schen Darbietungen erfolgte zum Schluß durch di« evangel.iche (stemcindejugend Langens die Ausftibrung de.- Volksstücks ,,Die Salzburger" von Dr. Vorti f ch, die in den gemeinsamen Gesang des Lutherliedes ausklang, ein weihevoller Abschluß des wohl- gelungenen Festtages. Hessischer Harrptverein ber Sustev Atw!f-S1ifiung. Lester Tag. wg. Langen, 9. Juli. Herrliches Sommer- wetter, reichgefchrnückte Häuser unb Straften, starke Beteiligung der evangelischen Bevölkerung von nah unb fern bildeten den dufteren Rmhmen der glän- zend verlaufenen 85. Jahresversammlung des Hessischen Hauptvereins ber Gustav'Ädolf-Stiftung. Den thiftati bildeten am Sonntagvormittag Festgottesdienste m den Kirchen der Umgebung des Festortes Langen, von Diasporapfarrern gehatten, im Anschluß daran Jugend- gottesbienfte, in Langen selbst ein von Pfarrer Storck (Heppenheim) geleiteter Juoend- gottesdienst. Am Nachmittag fand in der stattlichen, würdig geschmückten Kirche der durch Mitwirkung des Kirchengesangvererns Langen verschönte F e st - gottesdienst statt, in welchem an Stelle des in letzter Stunde verhinderten Pfarrers D. Mahnert (Innsbruck) bie tiefschürfende Festpredigt Aus ber provinzialhauptstabi. G 1« 0 r -t. ten 11. 3>iU 1928. Connfagenicffobrtarten. Xk-n Otvlom-Volkswin IBaÜrr Hauschild. Die Svn^tagsrAck'abrrartenver- , |äUwd> ünttiche-nHim- «elsrichtungen r>on ‘Weften »^stra-.en mb man -aburch groß« M5glichkri«n Htr Wan- terungeu in bte nätzer«, vtet wettere ilnMcbung bet, müssen Meie >>lch-Rtt:nz<-nterg-Buh. ch Da man br. einer solchen iatzri rnfmt bezatzlen muß. toürten Me Kosten r Wanderung zu hoch toertert Bon jrtmt- . ;rf aus albt es eine ganz.- Anzahl ‘»Itter .a belferten - 600 n t a 0 »f a m t Ite n - (orten bi« > D. brrr^ Taunus.Wan- berungen ern.öglichcn. The »tnfuteima Mer Sonntaas-Gabelfarten sollte s«h wohl auch für Gies)en ermöglichen lassen zumal ter Reichsbahn m. 8 daraus in keiner Werse Rach, teile wohl aber Vorteile erwachsen tourten. So gibt bie Reichsbahn Sonntagskarien au6 nach Ribda. nach Weilburg, nach Herborn; nach allen 3 Orten kostet die Karie 2,4 Mk.. k^w. 1,6 All. Hier Wäre schon bie erste Möglichkeit einer Zusammenfassung gegeben; dadurch wäre auch eine Wanderung aus dem Dlll- ins Lahntal ermtelicht; des weiteren Bbnnte ber Karte als 4. Ort als Kontrahent -u Ridda vielleicht Laubach hinzugesügt werten, ter Unterschied zur jetzigen Sonntagskarie beträgt 10 Pfennig. Durch diese Einfügung würde ebenfalls eine schone WaldwanderuNgsmöglichkeit hergestcllt teerten. — Weitere Gabelkarten könnten aus den schon zur Zeit bestehenden Einzellarten gebildet werden, wie z. D. Gießen—Lich oder Butzbach, Dietzen—Grünberg oder Hungen. Der Einwand, bnft die Entfernungen nicht immer gleich seien, dürfte nicht stichhaltig sein, weil diesem Ginwand einmal die Spitze dadurch genommen werten kann, daß in einem solchen Falle die einsachen Sonntagskarien bestehen bleiben können, andererseits die Reichsbahn diesen Grundsatz selbst bei einet der beiden von Gießen ausgehenden Gabellarien nicht befolgt. (Gieften —Getern oder Schotten). Reben der Frage ter Gabellarden erscheint mir auch das einfache SonntagSkarten- f y st e m noch sehr verbesserungs- und erwei- terungsbedürftig. Für die näheren Entfernungen wird aber eine Erweiterung nur dann Wert haben, wenn diese neuen Karten auch in Form ter Dabelkarten eingeführt werten würden, Z. D. würde die Ausgabe von Sonntagsrückfahrkarten ins Salzbödetal über Riederwalgern mit eventueller Rucks ahrerlaubnis über Herborn ober Die- toerbc. * Der Hessische Derwa ltungsge- richtshof im Jahre 1927/28. Dem hessischen VrrwaltungsgerichtShos lagen im Geschäftsjahr 1927 28 insgesamt 65 Sachen vor. von denen 56. unb zwar 34 durch Urteil durch Beschluß oder Bescheid 10. und durch Zurücknahme des Rechtsmitttlä 12 Sachen, erledigt wurden. Von ten behandelten Sachen entfielen 6 auf Dor- entscheidungen gegen Lehrer und 4 auf glerchc Snllcheidungen gegen Beamte. 4 auf Disziplinarverfahren gegen Staatsbeamte. Degen Landes- unb Gemeindesteuern wurden 9 Klagen erhoben. Dem VerwaltungsgerichtShof als Beschwerdestelle für Anleiheablösung lagen 55 Beschwerten denen bisher 45 erledigt worden sind. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Ludwig Seibert Im Alter von 62 Jahren nach kurzem, schweren Leiden sanft entschlafen ist . Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabetha Seibert geb. Deibel nebst allen Angehörigen Wieseck, Gießen, Saarwellingen, den 10. Juli 1928 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. Juli, 16 Uhr, vom Sterbehause Allcestraße 10, statt 6528D Nachruf. Am 9. Juli 1928 verschied nach langem schweren Leiden der Obergefreite Hans Hopp 1. LR. 15 Ein braver, pflichtreuer Soldat ist von uns geschieden. Die Kompanie wird ihm bis über das Grab ein ehrendes Andenken bewahren. von Stockhausen Hauptmann und Kompanie-Chef ___________________________________________________________________________6504D Größte Auswahl in allen Preislagen SpezIslzeMsl fOr WsMllkel und feine Memmen NW Wk | Seifetsroeg 26 (Begründet 1798 i gesucht. 05139 Student sucht möbl.Zimmer ab 1. 8., Nähe Universität. Schr. Ang. u. 05113 a. d. G. An^. Blum Kirchenvlatr 8, Besseres Mädchen ob. einfache Stühe, durchaus zuverläss.u. in all. HauSarb.sow. in d. bürgerl. Küche erfahren u. selbst.fin- detsreundi. Heim, bei gutem Lohn, in klein. GtnfamilienhauShalt MX-. Aulweg 60. Mädchen Fau alleinstehender Dame nach auswärts gesucht. ‘4I31 Gebe. Baer. 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August Jüngere Krall welche in der Jahr- radbranche selbstän- dtg arbeiten kann, sofort gesucht. 05134 Sport«u.Fahrradhaus Schneider Neuenweg 18. Tüchtiger UlNÜMck gesucht. 05137 I,udwig Vogt Löwengafse 15. Mein Saison-Ausverkauf dauert nur noch bis zum 14. Juli giessen*m;guöburg icr 65171 Gestern nacht entschlief sanft unser innigst- geliebter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder und Schwager Herr Metzgermeister Levy Löwenstein aus Ruttershausen, im 86, Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Albert Kahn Lollar, den 11. Juli 1928. Die Beerdigung findet Freitag, den 13. Juli 1928, vormittags 11 Uhr, In Lollar vom Sterbehause, Hauptstraße 131, aus statt. __ 05136 Gestern morgen entschlief nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Elisabeth Grote geb. Bnisiiis im Alter von 34 Jahren. Die trauernd Hinterbliebenen: Bruno Grote und Kinder. Lollar, den 11. Juli 1928. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. Juli, nachmittags 4 Uhr, statt. 0•*" schlafen. In tiefer Trauer: Meine Hebe, gute, treubesorgte Mutter und Schwiegermutter Ella Böller Wwe. geb. Baumberg ist am 9. Juli im Alter von 43 Jahren sanft ent* Rudolf Röder and Fraa nebst allen Angehörigen Leihgestern, Bellersheim, den 10. Juli 1928. Die Beerdigung findet Donnerstag, 12. Juli, nachmittags 3'/, Uhr, In Leihgestern statt. «„< Restposten Kleld.-Scbürzen, la Slamos. Jetzt: 3.95 Restposten Kinder-Westen, früher b. 7.- Jetzt: 2.75 Restposten Kittel und Spiel-Anzüge Jetzt: 2.-, 2.50, 3 Restposten Damen-Pullover Früher 9.50, 12 — Jetzt: 4.75, 6.- Restposten Kindersocken mit Wollrand Paar 50 Pi. Restposten Damenhemden 1 und 1.50 Restposten Kinder-u. Mädchen-Mäntel aus der Wintersaison, Gr. 45-70 Jetzt: 5.95 Restposten Damen-Westen Früher 20.-, 18.-. 15.-. 12.- Jetzt: 10.-, 9 -, 7.50, 6.- S-MMkWlM in bester Lage für Arzt oder kausmänn. Bureau sofort zu vermieten. Schriftliche Angebote unter 05111 an den Gießener Anzeiger erbeten. 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Juli, nachm. 2 Uhr, versteigere ich im,^öwen", Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Larzahlung: zwel Aktenschränke, ein Äüfett, einen Tisch, 6 Stühle, einen Spiegel, ein Dertiko, eine Wanduhr, einen Regulator, einen Schweiß- opparot, 190 Flaschen Likör. 6532V Lestimmt: einen 1/16 Motor, ferner an Ort u. Stelle (Ort wird Im DersteigerungSlokal bekanntgegeben): einen Fleisch-Räucher- u. AufbewahrungS'Apparat. (TVrti Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13. SrünbergerpserdeDersicherungs- Verein zu Grünberg (Seffen) Die Besichtigung und Neuaufnahme der Pferde findet statt Montag, 16. Juli 1928 ffür die Orte deS Buscrkcrtals: iu Reiöktrcheu von vorm. 9.15 Ubr an Nür Gießen u. Umgegend. In (Niesten am Rhein. Hof v. nachm. 12.30 Ubr an Nilr Schiffcnberg und Umgegend: in Garbentcich von nachm. 2 Ubr an Die nicht vorgeführten Pferde werden auf Kosten der Bescher besichtigt. Auberdcm sind die Tiere auSgespannt und ohne Geschirr vorzuführen. Grünberg (Hessen), den 10. Juli 1928. 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Die Vie dicken Stein, 160 Kilomet« 3abl, die fei wieder den § leicht ist diese jenes einsame fern wn der für sich suchte, Stieöer zur R> Dir schon DittÄpunlt tx von Uoei Tür die von der S Die gütbm eintretende L - alles die chitelionischen des grauen i heit wirst ja näße -er De )er inneren ! itübi loorden Die 3a r« Messe an btettl sich Del dl° Sakistei » y*n. Ai Safnfttt. uonmgrn gibt * ÜS°ten " Sa 0(^ Sa,.1 ZEdertüc B^äf Sich Blumenthal [ Dos war i Gedanke uns, tOrent über Q I P dann Dr. Setzer in der Wirtschaft *2Kü; noch einen lehrreichen Dorttag über landwirtschaftliche Fragen. a. Reiskirchen, 11. Iuli. Am 1. Iuli trat der Letter unserer Gendarmerie-Statt vn, Oberwachttneister Glaub, in den Ruhestand. 1914 wurde Herr Glaub von Grebenau hierher versetzt. Heber 14 Iahre hat er m pflichttreuer Weise den oft recht schweren Dienst versehen und sich dadurch Achtung und Wertschätzung bei der Bevölkerung erworben. DaS kam -um Ausdruck bei der Ehrung, die ihm aus dem Ort zuteil wurde. Gesangverein, Turn- und Kriegerverein brachten ihm einen Fackelzug und überreichten je eine Ehrengabe. Bei der anschließenden Feier ttn Gundrumschen Saale wurde in Ansprachen ernsten und heiteren Inhalts besonders hervor- gehoben. daß Herr Glaub neben seiner Eigenschaft als Beamter auch stets Mensch war und daß ihm dieser 3ug feines Wesens die Hochachtung der Bevölkerung gesichert hat. Herr Glaub wird auch seinen Lebensabend in Reiskirchen verbringen. Zu seinem Rachfolger wurde ; Wachtmeister Dusch aus Riederohmen ernannt. ■i- Beitsberg-Saasen. 10. Iuli. Der Eröffnungsgottesdienst der Kvnfirmanden- stunde fand in besonders feierlicher Weise am letzten Sonntag statt. Es waren sechs Konftr- manben, vier Iungen und zwei Mädchen, die i der Gemeinde vorgestellt wurden. In seiner t Predigt wieS der Pfarrer auf die besondere De- i deutung der Konfirmandenzeit für Eltern, Kinder ! und die ganze Gemeinde hin. Gottrswort als i das Fundament des ganzen Lebens soll den In- halt der Unterweisung geben. Der Bedeutung her Feier entsprechend war eine breitere liturgische Gestaltung des Gottesdienstes gewählt. Die Einübung der Gesänge und des Sprechchores batte der Organist. Lehrer Herber, übernommen. Der Leitgedanke der ganten Feier war: GotteS- toort der Lebenshort. — Sine gemeinsame Sitzung des Kirchenvorstands und der Kirchengemeindevertretung beschloß die Einführung derTrau- Bibeln. Ferner wurden wichtige Fragen unserer Kirche erörtert, so die geplante innere W i e • derherstellung unseres altehrwürdigen Gotteshauses und die Frage der Zugehörigkeit zum Kirchspiel Winnerod resp. den Wiederanschluh an die Kirche Wirberg, resp. den Wiederanschluh an die Kirche Wirberg, der allgemein gewünscht wird. Die endgülttge De- schluhfassung wurde einer bald anzuberaumenden neuen Sitzung zugewiesen. z Wirberg, 10. Iuli. Am Sonntag fand der Gottesdienst zur Eröffnung der Konfirmandenstunde in unserer Kirche statt. ES wurden auf genommen 23 Kinder, gegen 32 im vergangenen Iahr. Auf die einzelnen Gemeinden unseres Kirchspieles kommen in Beltershain fünf Knaben, zwei Mädchen: Göbelnrod ein Knabe sechs Mädchen: Harbach zwei Knaben, zwei Mädchen: Reinhardshain vier Knaben ein Mädchen. 4t Hungen, 10. Iuli. Die Oberklasse der ge - werblichen Fortbildungsschule unternahm dieser Tage in Stärke von 13 Schülern von hier und Umgegend eine Rheinfahrt über Rüsselsheim, Mainz, Riederwalddenkmal, Riederlahnstein. Die Rückfahrt erfolgte durchs, Lahntal. Dorbereitung und Leitung lag m den Händen des Gewerbelehrers Hübner von Ridda. Kreis Friedberg. nd. Ridda, 10. Iuli. Die hlesiae Kirchen- gemeinde hat von zwei au8 Ridda stammenden Herren, die in Franksurtbei einer Weltfirma hervorragende Stellen bekleiden, eine Spende von 2000 Mark zu den Kosten der Wiederherstellung unserer evangelischen Kirche erhalten. Den edlen Spendern bleibt die Kirchengemeinde zu großem Dank verpflichtet. Sie haben schon mehrfach unauffällig und ungenannt in mancher Familie hier die Rot gefav dort und dadurch ihre Liebe und Anhänglichkeit an ihre Vaterstadt und deren BewMhner in hochherziger Weis« bekundet. ]:[ Kefenrod, 10. Iuli. Der hiesige Gesangverein feierte am Sonntag sein 60- jährige« Bestehen, öingeleibet wurde die Feier am Samstagabend durch einen Fackelzug, aesangliche, turnerische und humoristische Dar- oietungen. Am Sonntagvormittag fand während des Gottesdienstes die Ebrung der Gefallenen statt, wobei auch der acht gefallenen Mitglieder durch Kranzniederlegung gedacht wurde. Don 12 älhr an wurden di« auswärtigen Cßereine, 22 an der Zahl, von den umliegende« Orten empfangen, ihn 2 Uhr betoegte sich ein Festzug durch die reich geschmückten 6traben des Dorfes, wie ihn die hiesige Gemeinde wohl noch nicht gesehen hat. Aus dem Festplatz an- - gekommen trug der festgebende Der ein den Sängergruß vor, und nach einem schön gesprochenen Prolog hielt Lehrer Iüngling, Stefov» rod. die Festrede Rach einem kurzen Heber- blick über die Geschichte des DereinS gedacht, er besonders Der noch fünf lebenden M i t- begrünber. Im Anschluß daran fanden di« äleberteicbung der von den Dvrfiungfrauen ge* tiftaten Fahnenschleife und die üblichen Dankesansprachen seitens des IubelvereineS statt. Der weite« Teil des Festes wurde durch Sin«« der Gastvereine auf dem Festplatze und in den Zelten ausgefüllt, wobei die Festteilnehmer noch manches schöne Heimat-, DolkS- und beinlieb hören konnten. Für Dolksbelusttgungen und Tanz war reichlich Gelegenheit gegeben. Bei sehr gutem Wetter nahm das wohlgelungene Fest einen guten Verlauf. Kreis Schotten. S i chel«d o r f, 10. Iuli. Die Rhein - fahrt des Riddatal - S ängerbund«S am vorigen Sonntag war bei strahlender Iuli- fonne ungemein anregend und unterhaltend. Die Teilnehmerzahl betrug 425, wovon Ober-Schmittrn 125, ElchelSdorf und Untcr-Schmitten je 90, äHfa 56, Rainrod 37 und Eichelsachten 27 Mitfahrer stellten. Ein von Rainrod abgehender Sonder- zug brachte die Fahrgäste bereits um 8 Uhr früh an den Rhein, wo sie der Salondampfer „Rheinlust" aufnahm. Man fuhr bis nach St. Goar, wo ein gestrandeter Rheindampfer die be- sandere Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Aus dein Rückwege besichttgie man daS Riederwalddenkmal. Der Sonntagsverkehr auf dem Rheine war äußerst belebt Zwischen imb neben vollbesetzten Dampfern Motorboote, Boote, Schwimmende und Baden del Rach zehnstündiger Fahitt auf dem Rheine brachte der Sonderzug gegen 23 Ühr die Teilnehmer wieder zu ihren Stationen zurück. Unter dem Eindruck des unvergeßlichen Tage« wurde allgcnün der Wunsch laut, jährlich eine gemeinsame Sänger- fahrt zu unternehmen. ~ . § Ulrichstein. 10. Iuli. Auch in unserer Gegend ist die Heuernte nun In vollem Gang: feit Beginn des Monats haben die meisten Schulen Heuferien. Das Heu ist zum größten Teil bereite eingefahren und bei der außerordentlich günstigen Witterung der letzten Tage auch fefcr gut hereingekommen. Der Ertrag ist in diesem Iahre nach Menge tote nach Güte vollauf zufriedenstellend. - Emc der ältesten hieiigm Personen. Frau Katharina Fink. geb. Schmidt, konnte am Sonntag bei voller geistiger und i körperlicher Rüstigkeit ihren 8 3. Geburtstag L feiern. — Die Sper re der Ohmstraße zwi- Zieh dich an. Giulietta soll eilig deine Sachen packen. Wir müssen fort" „Pocken? Fort?" Sie sah hinter der Schwester Fredi Hochheim, und eine ganz irre Idee kam. Hotte der — War Elena ihrem Gatten untreu gewesen? Was tat der Fredi hier in der Nacht in ihrem Schlafzimmer? „Schnell, schnell!" mahnte der Detter und |d)ob sie in ihr eigenes Zimmer zurück. .Laß dir helfen von der ©iulietta, wenn du es nicht allein kannst. MfU« in die Stoff er hinein, wie es kommt In einer Viertelstunde hole ich euch ab. Sie suchen fetzt noch Sergei Wladimirowitsch. In diese Zimmer werden Re hoffentlich so schnell nicht kommen. Ich hole eine Gondel an die Hintertür. Eilt euch! Eitt euch'. Es wähtte keine $iertelftunbe,_ da war er wieder da, packte zu wie ein Lastträger, schleppte mit Giulietta, die am verstörtesten von allen war, Koffer und Störte die Hintertreppe hinunter und jagte: „Sie lasten euch hinten sott. Es liegt ihnen selber nicht daran, den Lärm noch zu vergrößern. Ader wenn morgen große Nachsuchung gehalten wird, muß das Haus leer fein." Hinten an der engen Tür — Mana hatte das Haus noch nie durch diesen Ausgang oerlaffen schaukelte das Fahrzeug in tiefem Dunkel auj dem Kanal. Ms sie sich gesetzt hatten, die Sachen verstaut waren und die Ruder zum ersten Strich ein- tauchten, glitt ein« zweite Gondel hott an sie heran, und ein Mann beugte sich zu ihnen hinüber. Papiere und Geld." Eine Tasche flog Elena in den Schoß. „Auf Wiedersehen. Fredi kann alles mit euch besprechen." Schon hatte die Dunkelheit Boot und Sprecher verschluckt Sie trieben durch das Wirrnis der Kanal« dem Bahnhof zu. immer in engen Wasserläufen blei- bend, erjt kurz vor dem Ziel in den Eanale Grande Sie war in helle Seide gekleidet und trug ein Diadem, das Maria bisher nicht bei ihr gesehen hatte. Die Steine sandten lange Strahlen durch den Raum, doch von den Spielern am Tisch blickte niemand in die Ecke hinüber. Zwei Diener, wohl gemietete Leute — Maria kannte sie nicht —, gingen um den Tisch und boten Champagner an, hin und wieder griff einer nach einem Glas und stürzte den Wein hastig hinunter. Daß doch Sergei das Spielen nicht lasten kann! Und mit solcher Gesellschaft, dachte Maria und ging in das eigene Zirnnter zurück. Und daß er Elena zwingt, zwischen diesen Leuten zu sitzen! Und sie — Aber sie ist Wachs in seiner Hand. Sie legte sich wieder nieder. Es war doch auch hier viel zu sorgen, und sie fragte sich, was eigentlich aus ihrer Zukunft werden sollte. Es gab hochgestellte Damen, bic sich ihr Brot verdienten. Das mar solch ein weiter, unheimlicher Begriff. Andere hatten Heiraten gemacht, tief unter ihrem Stande. Die Prinzeß Margarete Elisabeth, die kleine Thüringerin, die schon etwas sehr in bie lebigen Jahre gekommen war, hatte einen Herrn Schulze aus Berlin geheiratet Lederhändler im großen. Sie hatte es bester als früher und ver- langte, daß alle Post an sie aufgegeben wurde un- ter der Adresse: Ihrer Hoheit Frau Schulze — Sie war eine Stu fine von Marias Mutter gewesen. Es lochte in ihr, als sie sich oorfagte: Meine fürstliche Tante, Frau Schulze. Und mit dem Lochen kam Behagen, und nnt dem Behagen kam Schlaf . Ein jäher Schlag an ihrer Tür, sie flog in die Hohe. Lärm war im House. Don unten her kam Geschrei von Weiberstimmen, im Stanal riefen Männer, da schienen Gondeln zu halten. Der Schein von Mognefiumfockeln flog hell und flackernd über die Zimmerdecke. Morict saß, vom Schlag erschreckt aufrecht im Bett und lauschte. Do wurde zum zweitenmal an die Tür geschlagen. Jetzt Elenas Stimme: „Maria, um Gottes willen, wach' doch auf! Schnell doch, schnell!" Herousspringen und ein Morgenkleid überwerfen mar eins Sie war schon an der Tür. Da flog die auf, Elena stand im Rohmen. „List du wach? WGR. Dilbel. 10. Iuli. In letzter Zeit wurden in der Gemarkung Dilbel auf Grund erfolgreicher Wünschelrutenfeststellungen an nicht weniger als sechs Stellen neu« Brunnen zur Gewinnung von kohlen- fäurehaltigern Mineralwasser, dem bekannten „Dilbeler Sprudel" gebohrt von denen einer bereits seinen Betrieb eröffnet hat Dadurch erfährt die Zahl der Dilbeler Mineralwasser- Werke. die bisher schon 16—18 betrug, eine ziemliche Vermehrung. Welche Bedeutung die Mineralwassergewinnung für Dilbel hat geht barcnis hervor, daß über ein halbes Hundert in Dilbel ansässige Handelsunternehmungen sich mit dem Der trieb befassen. Die überschüssige natürliche Kohlensäure versorgt außerdem noch zwei Kohlensäurewerke, die sogar exportieren. Der für den Bereich des größten Teils der Gemarkung Dilbel bestehende Quellschutz verbietet die ^Tiefer- führung von Bohrungen als bis zu 15 Mit— etnbiegenb. „Wohin wollt ihr gehen. Elena?" fragte Fredi Hochheim. .Himmel, bat die Moria ein verstörtes Gssichrel! Arm? Kindel. Mitten aus dem Schlaf unb hinaus in die bunQe Rocht Also wohin. Elena? Dresben, Berlin, München? Irgend ein Ziel müht ihr schon haben, wenn ich die Karten los«» soll.- t „Ich weiß nicht In Berlin — ich hob r me uns forg^h wirb —— erziehung und des praktischen Roturschuhes stellen können. , , _. .. Rach der Tagung wohnte em großer Teil der Teilnehmer Dem Konzert auf der Kurhausterrasse bei, dessen von Oencralmufilbireltor SSeinx Bvngarh dirigierte Dortragsfolge der Bedeutung der Tagung in anerfennenätocxler Weise Rechnung trug, indem sie das Thema Die Tiere in der Musik- gewählt hatte. Oberheffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 11.Iuli. In der vierten Sitzung fomrte der Gemeinderat gestern abend die Beratungen über den H a u S ha l tun g s p l a n für 1 928 zu Ende führen. Die Rubrik 29 (Kirch e), die in der vorigen Sitzung zwecks Rücksprache mit dem Kirchenvorstand zuruckgestellt worden war, fand insofern ihre Erledigung, daß der Gemeinderat auf Antrag hin gegen zwei Stimmen die ihm nicht berechtigt erscheinenden Forderungen des Kirchenvorstandes ab lehnte und nur die Beträge bewilligte, zu denen er sich gesetzlich und moralisch verpflichtet fühlte. Es waren dies der Zuschuß zum Glöcknergehalt (150 Ml.), 1462 Wk. zur Tilgung und Zinsen vom Daudarlehen und weitere 750 Mk. für ein weiteres Darlehen von 3000 Mk. von der Landeskirchenkasse. In Rubrik 42 wurde die Svzi a l r e n t ner un t e r- st ü h u n g von 2000 auf 4000 Mk. erhöht Ferner war der Gemeinderat einstimmig der Meinung, daß es auf die Dauer nicht möglich ist die Kosten für Versicherung unb Umlage jur 3er* sicherungsanstalt für Gemeindebeamte, die 1928 5000 Mk. ausmachen, zu tragen. Gs soll in einer der nächsten Sitzungm eina Entschließung zur Weitergabe an den Landtag vorgÄegt werden, die eine Derminderung btefer Kosten anstrebt, da nicht einzusehen ist. daß diese Anstalten dermaßen starke Kapitalien an- häufen, wie eS z. D. bei der Angestelltenversicherung der Fall ist Auch Bürgenneister Schornber wurde beauftragt in der Burgermeisterversammlung in diesem Sinne zu wirrem Die Rubriken Wohnungsfürsorge, Steuern und Abgaben, Sondersteuer, Anteile an Reichssteuern und Reservefonds, wurden voranschlagsgemäß anerkannt. Zur Rubrik 58 wurde vom Vorsitzenden des Zweckverbandes erläuternd mitgeteilt, daß in den Jahren 1926 und 1927 im Dor anschlag nichts zur Tilgung und für Zinsen für das Autounternehmen eingesetzt gewesen sei. Auch ist in der jetzt angeforderten Summe die Autohalle mitenthalten. Die Schuldentilgung, Rubrik 59, wurde wie vorgesehen genehmigt Die Erhebung der Gemeindesteuern, die für ®nmbftcuer auf Gebäude 27 Pf. statt 1927 = 25 2 Pf., für Grundsteuer auf landwirtschaftlich genutztes Gelände 63 Pf. statt 1927 = 61 Pf. für Gewerbesteuer auf das Anlage- und Betriebskapital 85 Pf. statt 1927 = 83,3 $f.. 140 Pfennig wie 1927 auf je 100 Mk. des staatlichen Gewerbesteuersvlls, und 40 Ps. statt 1927 — 39 2 Pf. auf je 100 Mk. der für das Rechnungsjahr 1928 festgesetzten staatlichen Sondergebäudesteuer vorsieht, konnte nicht endgültig beschlossen werden, da dies noch durch die Auflichtsbehörde (Kreisamt) genau errechnet und geprüft werden muß. — Eine Anftage wegen Beginn der Arbeiten zur Gasversorgung wurde bähen b^emttoortet, daß jedenfalls bereits nächste Woche die Arbeiten vergeben und auch dann sofort ^begonnen werden. y. Ruttershausen, 10. Iuli. Gestern nach- Hnittag zog ein Trupp auswärtiger 21 r» beiter, die z.Z. in Lollar beschäftigt sind, in ''unser Dorf rin. Rachdem sie gehörig gezecht hatten, verübten sie groben Unfug. Laternen und Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Frauen, die auf der Straße standen oder zum Fenster herauSschauten, brutal blutig geschlagen, Latten von den Zäunen geritten ufto. Die De^rde wird den Rohlingen sicherlich den richtigen Denkzettel geben. 0 81H e n b o rf a. b- Lbo.. 9. Juli. Begünstigt oon prächtigem Wetter führte gestern ber hiesige Kleinkaliber-Schützenverein bei guter Beteiligung sein diesjähriges Preisschi eßen zu Ende. Um die ersten Preise stritten vier Schutzen mit je 35 Ringen. Das Endergebnis lautete: 1. Preis Schütze Ludwig Schwarz (Gießen): 2. Schutze Jakob Heil (Allendorf a. d.Lda.): 3. Schütze Ernst München," sagte Maria rote erwachend. Hatte ber schlanke Dunkle, dem sie Den ersten schonen Morgen in Venedig verdankte, eigentlich den einzigen ganz frohen und sorglosen, hatte ber nicht gesagt, wenn fte in Rot sei, sei er immer bereit zn Rat unb Hilfe? Obgleich er wohl kaum zum Hel- fen in ber Lage war. Aber er wckr boch ein Mens» an den man sich vielleicht wenden könnte. „Laß uns erst nach München fahren, Etena.' Damit verlieh Maria diesen Gedanken 2Lf«bruzr. „Mir ist es recht. Nimm Starten erster nad) München, Frebi.* Unb obgleich roeber sie noch der kelchtsinnig« Prinz mufjte, was die Tasche barg unb wie lang« bas reichen müßte, fuhren bie 4®ei Schwestern mit dem Rachtexpreß erster Klaste aber bie Grenze zu- rück in bas deutsche Land. PAe fanben fte bet bem Geld in ber Tasche. Sergei «ladimirow sich mußte geahnt haben, baß einmal em so beschleunigter Aufbruch stattfinden könnte. Gr hatte bie Pässe auch für Maria gleich nach ihrer Ankunft nchtig aus- stellen lassen. Es hotte keine Rot mit diesen 'Tiaria wartete die erste Stunde ber Fahrt ab, Ohne ,u fragen, mas die Schwester von selber sagen würbe Die schwieg. Und als sie sich Verona nabet* ten unb Elena aus leichtern Schlaf erwachte, sah sie die großen Auzen ber Schwester ernst fragenb an ihren Zügen hängen. Wie schaust mich denn an, Herzel! Hast gar nicht ^schlafen? Gelt, du Armes, bu bist es nicht gewöhnt, bas Herumgeworfenwerben? Bei der Tante Innozenz ist alles noch ber Etikette gegangen." , „Elena, was hat btes alles bedeutet? Wenn ich mit dir zusammenleben soll, muß ich Bescheid wissen. Heute in einer schönen Dilla, morgen Flucht bei Rocht unb Rebel! — Do ist Sergei geblieben? Darum läßt er uns so allein reifen?” „Wo wird er sein, ber Hollodri? Hast ihn nicht erkannt, als er uns bie Tasche in bie Gondel I! Büdingen, 10. Iuli. Der Geschichtsverein Warburg Sonntag mit 34 Teilnehmern unsere einer vom herrlichsten Wetter begünstigten Fahrt, wobei Frohnhausen und Badenburg a. d. Lahn, ferner Staufenberg, Gleiberg, Vetzberg, Gießen, Schiffenberg, Lich, Langsdorf, Hungen, Salzhausen und Ridda besucht, oder während der Fahrt vom Auto auS bewundert wurden, trafen die Gäste am Vormittag gegen 10 älhr hx Büdingen ein. Rach einer kurzen Pause wurden dann unter Führung des Reg.-Baurats F r e h - Büdingen die zahlreichen Sehenswürdigkeiten unsere« mittelalterlichen Städtchens besichtigt. Ramhafte Kenner und aufmerksame Beobachter verlebten hier unter sachkundiger Führung einige oenuhreiche, leider allzukurze Stunden. Im Gasthof .Zum Stern ah man *u Mittag, worauf um 3 Uhr mit dem schonen ,34-Sitzer" di« Fahitt zur Ronneburg angetreten wurde. Die Führung her Marburger Gäste durch die Burg hatte Gewerbelebrer R i e h- Büdingen übernommen, welcher nach einem kurzen geschichllichen Abriß bie Merkwürdigkeiten der Burg erläuterte. Ohne Ausnahme waren die Gäste entzückt von den einzigartigen Reizen dieses romantisch schön gelegenen und an architektonischen Kunstwerken so reichen Bergschlofles. Eine prachtvolle Fernsicht lohnte den anstrengenden QUfftieg Aum gewaltigen Bergfried. Rach eingehender Besichtigung wurde dann hochbefrieoigt der Abstieg und die Rückfahrt nach Büdingen an getreten. Prachtvoll schon zeigte sich nun nochmals die massige und doch so zierliche Burg im wundervollen Sonnenschein. Wit jeder Wegebi^ gung wechselte das malerische Bild. Eben nodi die trotzige Burg mit finsteren, altersgrauen Also stören wir sic nicht mehr. Wer in bem kleinen, wochenlang nicht gelüfteten Zimmer mar die Lust zum Ersticken. Maria ging hinaus auf bic Loggia unb manberte langsam über die ausgetretenen Steine bis zur Ecke. Dort konnte man schräg hinübersehen zum Großen Kanal, dorther kam vielleicht etn kühleres Lüftchen. Sic hörte Stimmen unb bemerkte, baß in bem Speisezimmer — es stieß an bas ihr«, aber bie Tür war versetzt — hinter zugezogenen Dorhan- gen Licht war. Also Halle Sergei Besuch Unb nun — aus den drei letzten Fenstern, bie Aum großen Saal gehörten, ber burch die ganze Tiefe des Hau^ les ging, ganz in ber fernsten Ecke, sah sie ebenfalls Lichtschein bringen. Ohne Absicht blickte sie hinein in den Raum, wo zwischen zwei Vorhängen etn handbreiter Spalt klaffte. Sah in ber Mitte bes Saales, den sie nie betreten — „es ist ba nichts zu holen als Moder und Spinnroeben," hatte Sergei gesagt —, einen langen, ziemlich breiten Tiscb unb rings um ben Tisch tzereiht eine Anzahl Manner unb Frauen beim Glücksspiel. Hatte sie auch nie an solcher Tafel gesessen, so war sie sich doch sofort klar, was das bedeutete. Oben am Tischende hielt der Schwager die Dank. Straft aufgerichtet, mit bem kühlen Gesicht, bas immer am unbewealichsten erschien, wenn er inner- sich auf bas äußerste angespannt war, saß er unb zog von bem vor ihm liegenden Kartenspiel die Blätter ab. Es waren mehr Männer als Frauen, etwa sieben Männer unb vier Frauen, unb wenn die Männer immer noch .Herren" genannt werden konnten, die Frauen waren keine Damen Oder doch nur sogenannte. Unb zwischen biefer gemischten Gesellschaft saß Elena. Richt am Tisch, sondern m der Hintern Saalecke, lehnte auf einem Ecksofa unb hatte rechts Fredi Hochheim unb links einen sehr östlich aus- icbenben Herrn, einen von jenen, beren dicke siändc und kurzen Finger sie in Rumänien verabscheuen gelernt hatte. urteilt aetecitktaft Q) c r e f u n * ^ie Ltrase würbe auf Die un* vom Autobus. -u icht gegen f>mmerfaaten und den g«1 * XXtt sind das Deshalb hatten wir Unter- Welt - Cigaretten Industrie! satz wertvollster macedoni- scherTabakeenthalten Damit REEMTSMA CIGARETTEN [CT toc- ter der zu zwei 2Ho:aten t^efonqm» ver- n tt>-r. verfolgten er und tieLtaa.S- kaum verhehlt« Mann, der nicht fand Der- |dene König Leopold von Belgien."' SS kam ihm gar nicht der Gedanke, ban ein Leitender, der keinen Penny bei sich batte, ein Fürst fein könnte, und ohne seine ironische Haltung aufzugeben, grüßte er den Fürsten und stieg nglchästung aus diesen so viel hatte, eine Fahrt g Huj dem Kreise LehIar.V.Juli. .J^l Der Arbeitslosen im Bezirke des Arbeitsamtes L^der, Hei«, Archer. die auf Umtoegtn an die Republikanische Beschwerdestelle in Berlin gelangt war, führte einer Verhandlung vor dem Schössen. Gegen ein Urteil deS Schöffengerichts Gießen. ' unt öas ein 3iiwohier von hier r?e.)cn 3 b- beschäftigt. >y Kinzenbach, 10. 3ult. Während im 7»rjahre nur ein Wohnhaus und ein gröberer aal erbaut wurde, find diesmal ein Doppel- j u e an der Waldstraße und je ein Haus cn der Gießener Straße und dem Mühlweg im ?m begriffen. Seitdem die ehemalige große viegekl ihren Betrieb auf Drahtsabrikation um* seftellt, werden fast alle Bauten aus Feldback- fniicn aus geführt. -*• Aus dem Kleebachtal, 10. 3uIL k folge der oft unbeständigen Witterung hat sich >c Heuernte in unserer Gegend fast volle >d die letzte,-. Wiesen abgeerntet worden. Heber ki Ausfall der diesjährigen Ernte kann gesagt rirben, daß jeder Landwirt durchschnittlich einen Ciagen toenviet Heu als im Vorjahre ringe» s rien hat. da die raube Früh!ingswitterung 18 Wachstum der wertvollen Unt« srillich beeinträchtigte Die schweren Reigen Woche haben die Roggenfelder in er den Wunsch, die große Stadt inkognito ur ohne eitung lennenzulernen. i!tnes Morgens verlieh er also sein Hotel als gewöhnlicher Sterblicher Gr schweifte hier und dort umher, dann bestieg er einen Autobus, um von der Höhe des VerdeäS herab das Straßenleben zu deobachlen. Zu seinem groben Schrecken bemerkte er aber jetzt erst daß er auch nicht ejnen Pfennig bei s i ch hatte, um seine Fahrkarte -u bezed en. So hohe Herrschasten kümmern sich niemals darum, Geld bei sich zu haben, Denn ihre kle.nsten Ausgaben werden ja von ihrer Begleitung erledigt. Unterbetten kam der Schaffner heran Bergetxns durchluchte der Maharadscha alle seine Taschen -- nicht ein Heller zu ’infrvn! Das Publikum sah schon mit Ss Ne Ibtii. igcrbunb«< nchlmdn Juli« iterffolimb. Tie ObevHchmillut ften je 90, HHfl i 21 Mitsahm i6er Sonder« ito um 8 ühr Salcmüampier M noch 6t mchfer Sie 5c* iiftc. 2Tuf -em rfaafotataal. W Ächerst Taw^elv e xcttb 'dadendel n Mne brachl» die Teilnehmer Unter dem Sin« tourte nemsame Sänger« Luch in imfcter ia toHemiSw; e Misten Schern ctentlid) * - Ml* 8^ in birsv»^ 'bmstrahr^ dre i Monate erhöht. Die Verhandlung wegen Gefährdung der Sittlichkeit hinter schloite^en Türen statt. geheure Wenschenmengr aus den umliegenden Dörfern eingefunden bare. Die Gendarmerie aus einem weiten Umkreise war aufgebolen worden. Es kam dem Gericht vor allem darauf an, fest-ustellen, ob die ganzen Geschehnisse in einer halben Stunde, wie der Angeklagte behauptet, sich hatten abfpielen können. Die Ereignisse des Abends wurden vom Gericht mit der Uhr in der Hand rekonstruiert. Peler muß daS Gericht den W« vom Hause der Ermordeten nach dem Bahnhof führen, den er mit seiner Braut geno.nmen hat. 3n der Wartehalle des Bahnhofes demonstrierte er noch einmal die Tat. Dann ging der Weg den autzerordeutlich steilen Pfad zu dem Dill-Dach hinunter, wohin der Täter die Leiche geschleppt und dort versenkt hat. Den Rückweg hat Peler über den Bahndamm genommen Auch beeten Weg machte das Gericht und besichtigte bann die Stelle, an der die Zucker- und Salzspuren, die den Verdacht zuerst auf den Täter lenkten, aufgefunden wurden. Rach genau 31 Minuten war daS Gericht an dem Wohnhause Pclers angekommen. Der Lokaltermin hat also die Auslassungen des Angeklagten bestätigt. Das Urteil wird für morgen abend erwartet. Große Strafkammer Gießen. • (Sieben, 10. 3uIL »Heute morgen sind Säcte versteigert worden, das hatte eine gegeben", hatte ein GemeinderatSmitglied von Allen- dsrf an der Lumda geäußert, als über die Frage bet Anschaffung einer Reichsfahne im Gemeind«:rat verhandelt wurde. Diese Bemerkung, nehmungs-Mut und Kraft, mit veralteten Herstellungsmethoden zu brechen und W» j Mt fr, Ä * tfoEetn Oie Staatsanwalrschai:, der Verteidiger die SaL- verständigen und die Presse nach Uebernthal, wo sich in Erwartung des Gerichtes eine un* gründeten wir eine bisher in Deutschland unbekannte Ci- diese durch viele eigene Erfindungen zu ersetzen.Gleichzeitig führten wir in Deutschland Cigaretten ein, die einen besonders hohen Prozent- das Gcmeinderatsmitglied wegen Beschimpfung der ReichSfarben. Der Angeklagte verteidigte sich damit, eine Beschimpfung habe ihm als altem Soldaten ganz ferngelegen: er habe sagen wollen, daß man aus dem Erlös für die Säcke sehr Wohl die Anschaffung der Fahne, für die er übrigens gestimmt habe, hätte bestreiten können. Da ihm diese Behauptung nicht widerlegt werden konnte, war Freisprechung erfolgt. Rachdem die erneute Derhandlung heute daS gleiche Ergebnis gehabt hatte, wurde das erste Urteil bestätigt. Buntes Allerlei. Was der Aiagara-Fahrer empfand. Jean Albert L a u f s i e r. der kühne 3tjährige Kanadier, der den Riagarafall im Innern eines großen Gummiballes herab,uhr und dabei beinah» sein Leben einbüßte, gibt jetzt in der Muhe feiner wohlverdienten Srholungs- tage einem Berichterstatter eine Schilderung der Empfindungen, die ihn in jenen aufregenden Minuten beherrschten. .Ich fühlte genau", so erzählt er. .wie der Gummiball mit mir darin un oberen Strome durch Tlbschneiden freigemacht wurde. Alles ging ganz glatt biS der Ball auf einen scharfen Felsen oberhalb deS Falles stieß. Ich hörte vier der Abtrilungen meiner Gummi- ballumtoanbung laut krachen und toufjte. daß sie geplatzt waren. Tie Folge war. daß der Ball sich umdrehte und ich kopfüber hinabsauste. Ich erkannte genau den Augenblick, da ich über den Rand stürzte und unten aufschlug. Hierbei wurde ich ganz zerstoßen und zerschlagen. Das stählerne Rahmenwerk deS Ballinneren preßte mich, doch schützten mich die Killen, die ich mitgenommen hatte. Alles im Innern des Dalles war in bester Ordnung. Der Sauerstollersatz funktionierte richtig, und die beiden Lichter, die ich angebunden hatte, brannten die ganze Feit. "Siebte war schlimm, außer daß ich kopfüber hinabkam, und auch dies machte schließlich nichts. Alles war gut und schön, bis das Wasser einzudringen begann, und ich fürchtete, ich würde nicht gerettet werden. Das Wasser ging schon bis zu meinen Ohren, und ich stand auf meinem Kopf, als schließlich der Ball herauSgefischt und umaefebrt wurde. Aber ich hatte schon gefürchtet, daß mich meine Befreier nicht erreichen würden und ich in den Wirbeln untergehen müßte. Es schien mir eine furchtbar lange Zeit zu vergehen, dis ich an dem Mmbreben des BalleS meine Rettung erkannte. Ich war natürlich sehr glücklich, aus dem Ball herauszukommen und noch einmal das Tageslicht zu sehen." — Das Fahrzeug, in dem der wagemutige Riagara-Durchguerer feine Fahrt unternommen hat, ist ein mit einem leichten stählernen Rahmenwerk überdeckter Gummiball, der mit dem Fahrer zusammen 758 engl. Pfund wog. In feinem 3npem war unten ein Gewicht so befestigt, daß ßauffier immer in aufrechter Stellung sich befinden sollte: aber es sprengte seine Taue, und so sauste er kopfüber den Fall hinab. Lausfier hat mit dieser Fahrt einen durch zwanzig Jahre gehegten Wunsch erfüllt. Als 14jähriger Knabe hatte ihn die Tat Bobbd Leachs, der in einem Faß den Fall durchquerte, so begeistert, daß er beschloß, gestützt auf diese Erfahrungen, später daS gleiche Unternehmen auSzuführen. Der Maharadscha und der Arbeiter. In den letzten Tagen war der Maharadscha von Gwalior in England zu Besuch. Rachdem er seine offiziellen Besuche erledigt hatte, empfand au#Wag Der FuttermaiS ist zum größten Teile noch d ■' rit 3on groß •. Ru»>n c ir xv .ucchwr . .< Regen auch ür den zweite Schnitt ?es Klees. Srcie Bicdenkops. T WaldgirmeS. 1?. Juli. Gestern ist he für dieses 3abr der letzte Wagen Heu i.ach Har'e gefomm.-n. 5*a< Heu von drn Gecneir.de- toiefen war lehr teuer. 6 Ar kamen zwi'chen 22 und 23 Ml.. daS ist der Morgen rund 100 Mk. 'n erften „halt, W** »I «fr doch v en konnte- . en ÜftÄ Warfen JT nach VU m« lan5 die bte au* ckunst * eitlen sstot mU sitslofenoersicherung zu Beginn de» lenrts 311 Hauptunterftützungsernpfänger. 181 reuen und 309 Kinder unterstützt wurden, betrug e Zahl der Unterftußungc empfänger am Ende des i3nat» 281 Hauptunterslützungsempscinger, 144 rauen und 255 Kinder. Hiervon entfallen: QOimi B n Jten Strehr, nneinbe util Sctefl) an« Derrin h &n geshvch, lnß. No rzen Ikb» in$ gedacht, Iben anite ■ sanden btt ^stauen g» N Dauke-. Ä Katt. Der M Sinaet mb ir den ünehmn noch rtf> SJenhrt «n und Tanz Mir tungtw M nbe der Aago f • * L'5 **•#* ’ AK'"'' jüngste Gross* unternehmen der "i ocrteilen sich wie folgt: a) Stadt Wetzlar 33 rptunterstupungsempfänger, 25 Frauen und 36 nber; b) Landgemeinden des st reifes Wetzlar: , naupmnlerftu6ung»empfänaer. 12 Frauen und 1 Kinder, c) viedenkopffche Gemeinden: 1 Haupt- ttrstutzungsempfönaer, 1 Frau und 1 Sind. Die tl der aus der fldfenfürforge beschäftigten Not - inbearbeiter betrug Ende Juni 13 gegen- her 4 zu Beginn des Manats. Auch diese Not- röMirbeiier wurden sämtlich in der Stadt Wetz- l i auf di« Stadt Wetzlar 10.3 Hauptunteritützungs- » i pfdnger, 47 Frauen und 82 Linder: b) auf die I erhnemcinben des Lreises Wetzlar: 146 Haupt- t ri ritugungscrnpfänger, 77 Frauen und 133 Hin- ir c) auf bk w dem Arbeitsamt gehörigen Ge- i nben des Kreises Biedenkopf: 32 fjauptunter- zungsempsänger, 20 Frauen und 40 Linder. • 3ahl der aus der Arbeitslosenversicherung be- ästigten Notstandsarbeiter betrug Ende : ü 7, gegenüber 9 zu Beginn des Manats. Die .»standsarbciter wurden sämtlich, in der Stadt : ußlar beschäftigt. In der st r t s« n f u r f o rj« Achen Ende Juni 49 fiauptunterftüfoungwmpfan. ic. .38 Frauen und 54 Linder unterstützt, gegen- t«r 63 Hauptunterstützungsempfängern. 43 Frauen rtl 64 Lindern ;u Beginn des Monats. Diese Zah- Ihen hier und Ober-kribertenrod die gerade in k-t 'eit brr Heuernte störend tut. ran''?n wu ?. t b wirken lieb; v M der Dahch abfurfft beit rt* fiultrJ drch, i toütbigi, möge wisse rFAtlle - yd Vf auiges Irr Seiet mb Wille (irtr imc Sie irtat Wir eingt und rejej beit dir tert fie ubrchrbi Zukunft und au schlimm« iich neh der 11 len uns bestens nung u jedes 2 nur fall scher 3n Mftn, c schäft gel Werden. 1 fymbarn« lernrndri mM en Sport machen. Ach Wchte ist imm tänpftn Lede nsw Irr 0ene tertrüder nt vorn dnfvnlich We, du Die w „is- und sie W' eine % Ich« ? bcuÄ ft \o maü um un And nbersch und so« baden ' Di toir be fangen vaS ali 5®6Iem schule i Med kfotial fcjufOB W"; B Sf Hl s? Astoria-Liditspiele Heute leteter Ta*: Tarzan und der goldene Löwe und im Wirbel der Fluten Ab morgen bla einschließlich Sonnte*: Eddy Polo Der König der Sensationen in seinem neuesten Abenteurerfl Im in 86 Akten: 6 Telle ä 6 Akte 1. Teil: Heifeer Boden 2. Teil: In wildem Ringen 12 spannende Akte aus dem wilden Westen Liebelei Nach dem bekannt. Schauspiel v. Arthur Schnitzler in 7 Akten. — Die Darsteller: Frits Lobheimer, Student..........Louis Lereh Theodor Kaiser, sein Studienfreund .HenryStuart Der alte Wey ring, Cellist am Stadt- -. . theater......................Jaro Ftierth Christine, seine Tochter... ........ Evelyn Moll Mizzi Schlager, Ihre Freundin........Hilde Maroff Bankier Velten................... Robert Scholz Doris, seine Frau..............Vivlan Gibson Ferner: Monty und der Ku - Klu - Kiau Gebeimbnnd Lustspiel in 2 Akten. — Sowie: Die neuesten Filmberichte aus aller Welt letzter Tag: Petronella und Annemarie und ihr Ulan Ab morgen bis einschließlich Sonntag: Reise-Ausrüstung 6527 D Hochbauamt anzubringen. Gießen, den 9. Juli 1928. Der Oberbürgermeister I. D.: Dr. Hamm. Bekanntmachung. Die mit F HI — F IV — P 1 und M 11 im Bebauungsplan für da- Gebiet zwischen Frankfurter Straße, Aldweg und Wartweg vom 8. Mai 1909 bezeichneten Telle sollen aufgehoben werden. Der Plan liegt in der Zeit vom 12. bis 31. Juli 1928 bei dem städtischen Hochbauamt, Asterweg 9, in den üblichen Geschäftsstunden offen. Ein- wendungen sind innerhalb der oben- bezeichneten Frist bei dem städtischen Radio Heiz-Batterien repariert ““£) Emil Althoff, Auto Licht-Zentrale Gießen. SelterSw. 13 Lader» reis vroVlatte 8 M. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abteilung A wurde eingetragen: Am 19. Juni 1928 bezüglich der Firma Otto Römer in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 25. Juni 1928 bezüglich der Firma Friedrich von Düring in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 5. Juli 1928 a) bezüglich der Firma „Emil Schmidt, seither Teilhaber der Firma Liebrichs Nachfolger" in Gießen: Die Firma ist geändert in Emil Schmidt, Inhaber Carl Leisler. Inhaber ist nunmetyt der Optiker Carl Leisler in Gießen. Die Uebernahme der seither in dem Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten sind bei dem lieber- gang auf Carl Lei-ler ausgeschlossen worden. b) Bezüglich der Firma Paul & Neunte ier in Gießen: Die Gesellschaft ist aufgelöst. Liquidator ist der Gesellschafter Franz Neumeier in Gießen, c) Bezüglich der Firma Fritz Nowack in Gießen: In Wetzlar ist eine Zweigniederlassung errichtet. 6516D Gießen, den 6. Juli 1928. Hessisches Amtsgericht.. vi dusvwe «^Mleßenl Völlige Reinheit I Enorme Wwchkreftl A Aromatischer Geruch! Sparsamster Vor» brauchI GröBte Schonung der Wiechel C. H. Oehmlg-Weidllch, Zeitz Heinrich Xlcklaus. Kalsarallee 2, Carl Jeckel Witwe. Marburger Straße 25, Anna Decker Wwe, Crednerstraße 34. Bekanntmachung. Ter vom Gemeinderat beratene Voranschlag der Gemeinde Wieseck für 1928 lieat vom 12. d. M. an eine Woche lang auf dem Geschäftszimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Einwendungen aegen denselben können dort mündlich oder schriftlich vorgebracht werden. ES ist die Erhebung einer Umlage beschlossen worden, zu der auch die Ausmärker beizutraaen haben. Wieseck, den 11. Juli 1928. Bürgermeisterei Wieseck Schomber. Ö686D kaufen Sie direkt vom Fabrikanten! Reichhaltigste Auswahl Solideste Ausführung Billigste Preise Schrankkoffer, Bügelkoffer Coup6-Scfarankkoffer Vulkanfiber-Handkoffer Bahnkoffer von Mk. 33.- an Lederkoffer, Hutschachteln Reise-Necessaires Rucksficke uew. Auto Minier Nachfolger Das Haus feiner Lederwaren und Reiseartikel 6515D 1. Koch Nsonioiger, MäuSburg 15, Telephon 1612. |Verschiedenes| 300 Mark gegen gute Sicherheit u. hohe Zinsen bis 15. Nov. 1928 gesucht. Schr. Ang. u. 05120 an den Gieß. An». Achtung! Donnerstag, den 12. 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X* Wie toeßmütig wir QidUten Der reinen Kennt« niS- und örfenntniÄbilOunQ nachschauen mögen, sie liegen hinter unS Sine abendländische, sicher eine europäische. und bestimmt auch eine deutsche Menschheit steigt herauf, die irrationale Menschentum-lräfte in den Brennpunkt deS Le- benS stellt — so toirr. so gärend, so schwulstig, Io maßlos uns auch heute diese neuen Menschen um uns herum anmuten mögen. Und dennoch: Kenntnis und SrkenntmS mögen überschätzt worden sein, ein unausstehlicher und grotesker Dildung-dünkcl mag schwere nationale und soziale SntzweiungSütel im Gefolge gehabt haben — trotzdem sind sie auch große Kräfte gewesen die allein daS 2lngesicht der Lebensführung auf Orten in einem Jahrhundert stärker verändert haben alS vorher Jahrtausende eS vermochten. Wir wollen unS bei aller überheblichen Verachtung, mit der die Literaten den Begriff Zivilisation abzutun sich gewöhnt haben, Doch nicht weismachen. als ob einer von unS in her technischen Pnmitivüät deS Mittelalters oder selbst noch oeS 18. Jahrhunderts heute leben und wirken möchte, ja au leben und zu wirken vermöchte. Immerhin, dies scheint äußerlich: was aber daS Innerliche angeht — war da der Glaube. Daß Wissen ud Erkenntnis Die Wahrheit und das Glück brächten, schlechter oder absurder als sonst irgendein Glaube an Wahrheit und Glück? Die riesenhaste eigenschöpferische Kultur, die das Mittelalter gegenüber Der An- nfe ohne Frage darstellt, hat dennoch die in- ulleftuellen Werte dieser Antike nie gänzlich rreidgegeben und sie Dann von Jahrhundert zu Jahrhundert mit immer heißerem Bemühen Mieter aufgesucht und auferweckt, bis ihm der Dater ter Gelehrsamkeit. daS Urbild aller wissenden unh wissensammelnden Bildung. Aristoteles, zu einer unantastbaren Autorität geworden war. Die irrationale und aktivistische Epoche, in die wir eingetreten sind, wird mit den rationalen und rezeptiven Gütern in der letzten Vergangenheit die gleiche Erfahrung machen. Verschleudert sie heute oiese Güter achtlos und selbst- überheblich, so wird eine frühere ober spätere Zukunft sie um so mühevoller zusammenlesen und auS hem Schutt groben müssen. Es gab schlimmen Bildungsdünkel bei vielen Menschen sich nehme sogar die Professoren nicht aus), aber der llnbildungsdünkel, der sich in Teilen unserer jüngeren Generation spreizt, ist mindestens ebenso schlimm. Sr ist auch eine Verleugnung und Gefährdung nationaler Werte! Denn jedeS Volk hat seine Wege zur Größe und zur Sendung in der Welt, und es ist ein tragi- d)cr Irrtum zu meinen, die Wege her Angel- nchsen, auf denen fit zur äußerlichen Srdherr- chast gelangt sind, könnten jemals die unseren ‘ werden. Die Weltgeltung des Deutschen wird deS Fundaments unserer Bildung, einer sehr stark lernenden, wissenden und denkenden Bildung, niemals entraten können. Mit Erwerb, Technik und Sport allein werden wir das Rennen nicht machen. Und hier hat auch Die Schulerziehung ernste Pflichten. Erziehungskunst, auch ^lnterrichtSkunst, ift immer pflegen und jäten, fördern und dämpfen, treiben und hemmen. Der öffentliche Erzieher, von heute und morgen wird Die hohen . Lebenswerte, Die im jugendlichen Aktivismus dieser Generation stecken, nicht verkennen und un- terDrüden wollen. Er ist sich ter Mängel, die eine vorwiegende Lern- und KenntniSschule fürs persönliche und fürs öffentliche Leben an sich Hatte, durchaus bewußt. Aber er sei auch nicht HinD gegen die schweren persönlichen und öffentlichen Gefahren einer stürmischen Abkehr von jenen Bildungsidealen und Bildungsrealitäten, und einer Jugend gegenüber, die sich im Schwulst rrationaler Erlebnis-Phraseologie zu verlieren hroßt. möge er desto unerbittlicher Die Rot- oenbigleit und Den Segen intellektueller Zucht, nöge er Die Pflicht zu lernen, zu wissen und $ u folgern Desto strenger alS $orDerung aufrechten. Die kommende deutsche Menschheit wird praktischer, technischer, körperlicher sein, alS Die verflossene. Daran ist kein • Die vorstehenden Ausführungen entnehmen wir Dem Buch .Prägung, zwölf Abhandlungen aus Lehre unh Leben der Erziehung", das als eine ileberfdiau über hie gegenwärtigen Probleme Der Erziehung des Rachwuchses in Schule und Leben Beachtung verdient (Verlag Quelle A Metzer). Vater und Kind. Don Elsa Mana Dud. Nachdruck verboten. Mutter und KmD sind zwei Worte. Die wir läglich denken, lesen, mit Deren zusammengehörenden Problemen sich Die Oesicnllichkeit viel beschäftigt. .Mutter und Kind" sind ein Leit- wort tes begimtenDcn Zeitalters sozialer Denkart. Doch Vater und Kinö — wann baden wir über ihre Zusammenhänge nach? Von der Verknüp- sturg des Vaters mit feinem Fleisch und Blut hat die öffentliche Stimme kaum anders als mirt- 'chaftllch gesprochen. Selbst die Kunst ist am Rater-Kind-Problem scheu vorbeigegangen. Es gibt wenig Gestaltungen in bildender Kunst wie n der Citeratur. welche Den irdischen Dater 'eigen. Selbst das sagen- und liederschopfente Voll hat die Gestalt deS Vaters im Hintergründe ^lassen. Daß er so benachteiligt ist. oft kaum da zu fein scheint, während die Mutter in Sang und Märchen. Religion und Kunst und Leben die höchste Stelle entnimmt, hat tiefe •nnere Ursachen. Er selbst — der Mann als Künstler — hat nicht genug von seinem Vater- ein und fernen Vatergefühlen gesprochen, er ■cLoft hat seine seelischen Beziehungen zu feinen nachkommen nur als Dinge zweiten Grades behandelt, ausgenommen den Wunsch nachStam- ueseTten schlechthin. Er ist also in diesem Punkte, Sie nirgends sonst, mit dem zweiten Platz zu- Zweifel. Es ist auch kein Schate. Aber Ungeist ig schlechthin bars sie dabei nicht werden. wenn nicht Deutschland an ihr zugrunde gehen soll. Denn überhaupt nurgeistige und geistig geschulte Menschen vermögen aus die Dauer Rationen zu führen, Staaten zu formen. Gerade die Westmächtc. Frankreich. England. Die Vereinigten Staaten, denen allen wir oft eine größere und beweglichere Wcltosienheit und Letensgewandtheir nachsag. ten und neideten, haben sich nie gescheut. Gelehrte und Denker an die Spitze her Staatsge- schäsie au rufen. Bei unS, wo man so gern trennende Wände auffuhrt, meint man. die Grisli- gen müßten zeitlebens am Schreibtisch und bei Den Büchern sitzen, Die Praktischen im Kontor, tn ter Fabrik und im Ttegicrungeburcau sein. Ich glaube beinahe, Daß unser öffentliche- Schicksal feine großen Prüfungen besser bestanden hätte, wenn eS rechtzeitig von mehr Geistigkeit behütet und gelenkt worden wäre. Wir haben schon der Möglichkeit Erwähnung getan. Daß Die Irrationalität Des heutigen ju- gendlichen AktiviSmus Diesen aus seiner immer noch pragmatischen Eigenart entwurzeln und in phantastische, utopische Formeln ummanteln könnte. Diese Möglichkeit wäre unter Umständen eine ernste Gefahr. Ich will zwar nicht sagen, daß eine auf zu kurze Sehweite eingestellte seelische Ausrichtung Der Jugend, eine zu pragmatische Wesensart, ohne Gefahr fei; Pragma unh llkvpie liegen gewissermaßen rechts und links von dem, was wir alS.Idealismus" zu bezeichnen pflegen. Den pragmatischen Aktivismus, der vielleicht allzu realistisch war und großenteils noch ist, wieder auf idealistische Zielsetzungen Umluft eilen, müßte wohl Die positive Haupt- erziehungsausgate an dieser Generation sein. Ader kann sie ohne st arke intellektuelle Zucht gelöst werden? RiemalsI Denn Die Idee. welche jeder Idealismus sich setzt, ist gewiß kein bloßer theoretischer Gedanke, sondern entbehrt nie sehr wesentlicher emotionaler Elemente; und die Leitenfchafi. eine Idee zu ergreifen und zur Verwirklichung zu führen, bedarf dieser Emotionen er ft recht, ist als Leidenschaft selbstverständlich irrational Dennoch kann sie Der Verwirklichung her Idee nur Dienen, wenn sie einer starten rationalen Bändigung durch die ordnenden Kräfte des Denkens, Zerlegens und ilcbcrlegend. Schließen- und Folgerns nickt entraten muß. Am Eingang aller großen geschichtlichen Bewegungen stehen auch Rausch und Taumel; aber sie allein oder sie vorherrschend haben noch nie aus einer großen Idee, die sie ergriffen, große Realität geschaffen. Wir wollen nicht etwa Die Erziehungsschwierigkeit, Die ter jugendliche AktiviSmuS unserer Tage vorstellt, als solche scheuen. Wir werten sie zu ertragen wissen, wenn wir diesen Aktivismus als historische Entwicklungstatsache und als ethischen Lebenswert begriffen haben. Aber auch an feiner Bildungsgesahr sollten wir weder blind vorübergehen, noch ißr untätig und resigniert gegcnüberstehen. Vielleicht ist es gut. dabei eines sehr ehrwürdigen philosophischen Begrifss zu gedenken: Spinoza hat uns den Amor bei Intellec- tuahs gepredigt — und wenn wir Die grammatische Lesart dieser berühmten spinoziflischen formet heute sehr zeitgemäß um ein ganz Kleines variieren, so strömt aus ihr eine höchst nottoen- dige Forderung. Cs ist die Liebe zur geistigen Gottheit, die unserer jungenDeutsch- heit nicht verlorengehen darf. Ausgabe ist. auch die Schule alS einen Tempel dieser Liebe zu erhalten, und bei allem warmen und Hellen Verstehen für das ungebärdig sich reckende Agere aude!, das eine der Schreibstube und ter Bücherkammer Überdrüssig gewordene gärende und stürmische Jugend auf ihre Fahnen schreibt, wollen wir die unaustilgbare Wahrheit und Lc- benskraft jenes Sapere aude! zu hüten nicht auf- Horen dürfen, ohne da'S wir uns auch künftig die besondere Sendung des deutschen Volles in Der Welt nicht recht ergriffen unh erfüllt auszudenken vermöchten. frieten, was feine seelische Bedeutung für die Familie anbclangt Seine materielle Bedeutung wird ron ihm im Hause Dafür um so stärker betont, ilnD in der Meinung, Daß der Vater Der arbeitende. Der geldgebende und dem Hause vorgesetzte Teil ist, aber die Mutter die Verwalterin der Liebe und tes Gemütsschatzes. die Spenderin von Harmonie und Güte, erwachsen die Geschlechter einS umS andere. Muß es so sein? UnD ist es so richtig? Natur- geboten fällt zuerst, dem KIcinTinte gegenüber, der Mutter die Hauptaufgabe zu. Sie führt, eS ins Leben, macht ihm Den jungen Tag schön und hell, sie leidet seinen Geist, Pflegt seinen Körper. Doch bald hat ter wachsende Mensch nicht mehr an Der Gesellschaft und ter Leitung der Mutter genug; er sieht zum Vater hin. Ehrfürchtig und in Scheu, doch mit nicht weniger Licbeskraft als zur Mutter. Es ift Die Zell, die Io viele Väter an ihren Kindern versäumen, und Damit etwas Unwiederbringliches verlieren. Denn Vertrauen will wachsen, Liebe will im Garten der Seele gepflegt und befonnt fein. Der Ernst des Mannes, feine größere Knappheit schrecken das suchende Kind keineswegs. Oft werden ihm drei Worte vom Vater, in Liebe und Verständnis gesprochen, zum frühen Heiligtum. Im Vater will es verehren formen, das fitzt tief ün Kinde. Es will auch genießen, wie die große Wacht, die der Vater für fein UrteU Darftellt sich im Scherz Neinmacht, sich foppen läßt, und doch ter mächtige, gute und große Amerikanische Llniversiiäien. Von Klaus Mann. fchlag, hem es besser in seiner Haut zu gefallen scheint. Immer frisch gebadet, breit lachend, Zunächst eine allgemeine Bemerkung zum Thp tes amerikanischen Eollege-Boy. Man sagt gerne von ihm, er sei ungeistig. Das ist ein Irrtum: er ist nur naiv. Daß sein Hauptinteresse dem Sport gehört, ist nicht zu leugnen; er ist körperlich beffer trainiert als geistig. Aber er ist, was das Entscheidende bleibt, im Geistigen aufnahmewillig, neugierig, interessiert. Junge Deutsche, wenn sie nicht intelfcltuell sind, haben oft eine antigeistige Haltung, sie hassen ten Geist in ihrer Eigenschaft als Reaktionäre (oder sie hassen ihn sogar, wenn sie Intellektuelle sind, in ihrer Eigenschaft als Snobs, was vielleicht noch unangenehmer ist). — Junge Amerikaner, ohne gerate vom Geist besessen zu fein, bewahren ihm Ehrfurcht und Shm- Pathie. Ich spreche hier aus dankbarer Erfahrung. Ich habe, mit meiner Schwester zusammen. Vorträge an vielen Llniversitäten gehalten, über Angelegenheiten ter deutschen Jugend. Lieber all sind wir Wohlwollen und QUifmerFfamfeit begegnet. Richt nur bei den Professoren, bet ten jungen Leuten auch. Ich habe gemerkt, daß sie etwas über uns wissen wollen. Die deutsche Jugendbewegung — „thc German youth-motion“ — ist ihnen ein romantisch erregender Degrisi. Die Fragen, Die sie stellen, sind oft ahnungslos, sie nahen sich unfern Problemen mit vollkommener Raivität. Aber niemals habe ich Stumpfheit angetroffen. Sie nehmen — Das unterscheidet sie vom Deutschen Studenten — Die Wissenschaft nicht sehr feierlich. Wichtiger ist ihnen ihr Zusammenleben. Sie betrachten Diese Jahre des Stutentseins als ge* felsig erfreuliche Zeit. Jung sein, miteinanter leben und des Körpers sich freuen — wäre nicht alles Erotische verdrängt und prinzipiell unterdrückt. ihre Gemeinschaft hätte etwas Griechisches. Das Studium kommt hinzu, es ist nicht der ausschließliche Zweck dieser Jahre. Wir haben diese Art tes Zusammenlebens junger Leute nicht an unseren Universitäten. Die Lebensführung in einem Eollege, vor allem für die unteren Jahrgänge, erinnert an die unserer Internate; nicht ganz so gebunden, aber lange nicht so gelockert und selbständig, wie die unserer ersten Semester. Das Spezialstudmm beginnt erst nach Drei oder vier Jahren, an manchen Universitäten noch später. Dis Dahin ist ter Student noch halb Gymnasiast: wobei er sich übrigens wohl befindet und was seiner geistigen Stufe entspricht. Ich glaube, amerikanische Studenten fühlen sich ganz ausgezeichnet. Ich ferme keinen Menschenlässig, aber elegant gekleidet, wissen sie selbst ganz genau, wie bevorzugt sie sind. — Wenn ich nicht am liebsten ganz genau das wäre, was ich bin — amor fati nennen wir das — mochte ich arrt liebften ein amerikanischer Student — etwa in Princeton — sein. Diese Universität ist für amerikanische Verhältnisse sehr alt. ich glaube, Anfang tes achtzehnten Jahrhunderts gegründet. Cs sieht etwa wie in Oxford aus: graues Gemäuer, Rasenflächen, alte Bäume und junge Leute. Die haben es gut, Die hier leben. Und ich preise mich glücklich, das gesehen zu haben. Princeton güt alS die eleganteste Universität, wird sogar von den anderen Instituten oft als etwas gar zu smart bewitzelt. Hier kämen die Studenten ün Gesellschastsanzug zu den Vor- lefimgen, wird behauptet, aber das ist Eifersucht. Wie getagt: daS Gesellig-Sportliche ist stärker alS das Wissenschaftliche betont — ohne daß das Wissenschaftliche deshalb geringgeschäht oder vernachlässigt würde. Ich habe ziemlich viel Studenten, auch Lehrer in Princeton kennen gelernt. Ich erinnere mich gerne an diese Empfänge (lieber als an manche Empfänge in großen Städten). So viel schone, angenehme Menschen — und was für eine frische, natürliche Atmosphäre zwischen ihnen. Einige Gruppen sehe ich noch vor mir: in einem Sessel sitzt ein junger Student, auf ter seitlichen Lehne der alte Professor - - so plaudern sie miteinander. Wäre diese Situation bei einer Geselligkeit ter Münchener Universität denkbar? Mir rommt es vor, als ständen unsere Studenten stramm vor ihren Lehrern und betrachteten sie als Vorgesetzte. Der Pädagoge, ter so erfreulich wenig auf seine Würde bedacht war. hieß Dr. Priest und war Germanist. Gr ist ein in hohen Ehren ergrauter Kenner her deutschen Literatur, unter seinem Protektorat fand unsere Vorlesung in Princeton statt, ich nenne seinen Ramen gerne und dankbar. Graues Gemäuer, Rasenflächen, alte Bäume und junge Leute; unvergeßliche Abendstimmung auf diesem Campus; klösterliche Häuser in der Dunkelheit mit gotischen Türen und Fenstern, einige Fenster erleuchtet, Gespräche. Lachen, Grammophonmusll au6 ten Fenstern (trätest du ein, du fandest die künftigen Gelehrten nicht in einem Disput über Thomas von Aquino, sie sprächen eher über Mary Pickford) —: wäre ich Vater bleibt, von dessen Händen alles kommt, ilnferc Psychologen und Psychiater haben die taufenbfältigften Beweise Dafür, wie einschneidend für Die Kmterfcele das Wesen und Verhalten des Vaters in diesen frühen Jahren ist. Es ist einer rechten Mutter Ausgabe. Den Vater auf Die psychologische Stunde hinzuweisen, in Der er anfangen muß. sich feinem Kinde ernsthaft zu toiDmcn. Gewiß siebt ter Vater aus sich hn-aus nicht toeniger als Die Mutter. Aber er liebt scheuer. 5um Teil aus Tradition, zum Teil aus llntehilslichkcit tem komplizierten Menschlein gegenüber. ES ist Sache ter Mutter, ihn feinem Kinde näherzubringen, und Damit das Kind auch ihm. Das geistige Band zwischen Vater und Kmtem muß in erster Jugend geknüpft sein, die Mutter muß das KtnD leiten, bis beite einander ganz nahegerückt find. Dann braucht es ihrer stillen Führung nicht mehr. Was aus ter Freundschaft seines Vaters mit seinen Kindern erwächst, ist für beide Telle ein unendlicher Schah, ift reiches Gut an Gläubigkeit. Optimismus. Sicherheit für die Kinder, und ift unmittelbarer Gewinn an Kraft und Freute für den Vater. Die Mutter muß es leiten, wo eS sich nicht von selbst entwickel will. Hie aber dürfte eine Mutter in den Augen ter Kinder ten Vater zum bloßen Prügelmeister herab setzen. »Run warte, wenn Der Vater nach Hanse kommt!" Sie nimmt ihrem Kirche etwas fort, wenn sie das tut. Es ist in manchen Familien dieser Ton nicht am liebsten Ich. mochte ich Student in Prmceton fein. «3ine e Noas strengere Luft weht in Harvard- U n i D c r f 11 n nabe Boston. 1 Boston ist überhaupt Die seriöseste Stadt.) Hier ift man geistig anspruchsvoller unh das Sportliche Dominiert nicht so uncingefchränsi. Dafür hat Harvard auch daS große Futzballwettspiel ge;cn Princeton verloren, feittem ist Hader und Groll zwilchen ten beiten. Denn Harvard behauptet. Prmceton habe im Spul gemogelt. In Harvard, sagt man. wird am mck.ten gelernt. E» liegt nicht ganz so verführerisch, wie daS feinDhd)? Princeton, aber immer noch beneidenswert schön. Dori lehrt ter prominenteste amerifan sch: Germanist, ter Senior seiner Zunft — Kuno Francke. Er steht, her über Siebzigjährige, dem germanischen Musernn vor, ich fand ihn. a'S ich ihn besuchte, gelehrt und zart, ein sensibler Greis mit oergeihigiem Kopf. Das Germanische Museum enthält nur Kopieen, größtenteils gotischer Werke. Der alte Professor Francke zeigte he uns mit schöner Innigkeit und erzählte etwas Hübfches übet jedes einzelne; aber Aber alles ist großen Stils. In Los Angeles wird, unter tem Ramen Lohola-Vniversitat, eine Iesuttenschule gegiün- deit — irgendeiner stiftet 30 Millionen Dollars, und «s wird die größte Iesuitenschule der Welt. Ratürlich habe ich auch bescheidenere llni- versitäten gesehen, etwa im Mittelwesten btelhii- versi-tät Lawrence, nahe Konfus Eity zum Dei- sp'vel, trägt mehr traulichen Charakter, immerhin verfügt sie über ein Stadion, etwa so groß tobe das ter Hauptstadt Berlin. Gerne erinnere ich mich auch an das Mädchen-College Bryn - mator. eine halte Stunde von Philadelphia, es fällt mit bei „traulich" ein, schlimm genug, daß ich so spät darauf zu sprechen komme. Dort hatten wir einen Tee mit mindestens 50 jungen Damen, höchstens zwei Professoren waren Dabei. Bis auf eine waren alle ungeschminkt -- ungewöhnlicher Anblick in Amerika —, diese eine war neu auS Reuyork zugezozen und nicht sehr beliebt. Die Girls lind eoenfo sportlich wie Die Boys, noch ein bißchen naiver und fast noch hübscher. Alles in allem: was uns an amerikanischen Llniversitäten verwundert ober gar abstößt. ist unwesentlicher alS das. was uns Bewunderung und Anerkennung abnötigt. Meirre Eindrücke in Universitäten rechne ich zu den positivsten, die mir mein Aufenthalt von sechs Monaten m den H.6.2L gegeben hat. Hier rede ich. wotzu es leugnen, ein bißchen nationalistisch, nämlich als Deutscher. Man könnte Die Universitäten wohl eine .Hochburg" deS Deutschtums' nennen. Richt in tem Sinn etwa. Daß hi-er Den deutschen Studien vor anderen her leider etwas Selbstverständliches; der heim- kehrente Mann bekommt den Tagesärger und Die Kinterungezogenheiten zuerst serviert. Er. Der ausruhen, vom Frieden des Heims umfangen, vom Jubel seiner Kinder beglückt sein will, muß erst ten Gestrengen spielen. Ja. wirklich oft spielen, toenn ihm zuweilen gar nicht danach ist. Aber Die Frau gibt ihm dies Amt, sie hat ihn in diese Rolle brncingeDrängt — allzuoft Eine denkende Frau muß aeiate das Gegenteil tun. Selbst handeln, selost strafen, wo es not ist, und vielleicht zur größeren (Zerknirschung des Sünderleins ragen: .Wie wird es den Vater betrüben. Daß hu unrecht getan haft! Gr. Der so gut ist. der für tech sorgt und arbeitet, der einmal tüchtig stolz auf dich sein will! Ich weiß gar nicht, wie ich ibm das sagen soll!" Das wird viel stärker wirken, und tem Kinde zum Rachtenken Gelegenheit geben. UnD toirD Die Bande, die es an Den Vater knüpfen, von Angst freihalten. Die Mutter soll und muß alS Mittlerin zwischen Vater und Kind dastchen, bis die Gemeinsam-eit aus chrcr Verkapselung Durchgebrochen ist. unh die beiden sich finten. Manche Väter brauchen DaS nicht, sie sind zärllichr Ratrrren. Die von selbst nichts Sckwneres fermen, als den Weg in die Kinderstube. Die Mehrzahl Der Väter will jedoch dorthin geleitet sein — und dies zum Segen für alle zu hm, ist ter Mutter Pflicht. Vorzug gegeben würbe. Aber sie werden nicht mehr ben^chteUigt. (Sonderbar eigentlich, daß wir das schon dankbar empfinden.) Eine Vor- e^igcnc>mmenheit. die im Kriege die Formen des erbitterten Boykotts angenommen hatte, scheint nun endgültig überwunden. Cs ist rührend und schön, in der Staats- Universität von Californien ein deutsches Weih- nachtsspiel von amerikanischen Studenten aufgeführt zu sehen. Die jungen Gesichter, von den Bärten putzig entstellt, mühen sich mit den feier» '.ichen Reimen. „Ci, ei, mein Jesulein!" rufen die Heiligen drei Könige mit kornischer Betonung auf der letzten Selbe, ilnb die hübsche Jungfrau Maria lächelt süß und leer zu den Huldigungen. Es war rührend und schön. „Stille Rächt, heilige Rächt" von den jungen Amerikanern so andächtig und mühevoll gesungen zu hören. Den Vorträgen der Germanisten bringt man Interesse und Respekt entgegen. Ich hörte auch in der California-Staats-Llniversität eine sehr gescheite Riehsche-Rebe unseres Freundes, des Professors Rolf Ioseph Hoffman, der einstmals einer Philosophenschule in Erlangen Vorstand. Schulhygienische Glossen. Von Dr. med. A. Grotjahn, Professor an der Universität Berlin. Wenn der liebe Gott in der linken Hand die gesamte Schulhygiene hielte und in der rechten aas Verbot, mehr als zwanzig Kinder in einer Klasse zu unterrichten, und er spräche zu mir: wähle! so würde ich nach seiner rechten Hand greifen; denn die Gabe seiner linken wäre dann kaum noch nötig. Jahrtausende sind nicht auf den absurden Gedanken verfallen, daß der Mensch im Kindesalter. also gerade in der Zeit feines stärksten körperliche:! Wachstums und seiner größten geistigen Schwäche, am fähigsten wäre, Wissensstoff aufzunehmen; erst das sechzehnte Iahrhundert, die Zeit des religiösen Fanatismus, gebar diesen unglückseligen Gedanken, von dem wir uns anscheinend nicht mehr frcimachen können. • Richt dos Alter von 6 bis 16, sondern von 16 bis 26 ist das zur Aufnahme von Wissensstoff geeignetste Alter; was Hänschen nicht lernte, lernt Hans immer noch sehr gut, wenn er die Anlage dazu hat und Interesse dafür bekommt. Rur wer das unbekleidete Kind öfter ansieht, erhall eine richtige Vorstellung davon, wie schwächlich eigentlich der Körperbau des Kindes ist; man versuch: auch die Seele des Kindes unbekleidet, d. h. ohne das Angelernte, zu sehen, und man wird sich leicht in die geistige Schwäche des Kindes einfühlen. Vas Kind ist gelenkiger als der Erwachsene; cs kann besser lausen und Geschmeidigkeitsübungen verblüffender Art aussühren. Richts Ware jedoch verkehrter, als durch Analogieschluß diese besondere ileberlegenheit auf das geistige Gebiet /,u ^übertragen. Leider tun wir das jeden Augen- Der Latcinvers der alten Schulmeister: sex septemve horas dormissc satis cst, zu deutsch. Sechs bis sieben Stunden Schlaf sind genug (wohlgernerlt: nicht für den Erwachsenen, sondern auch für das Kind!) hat nervenhygienisch geradezu werhcercnd gewirkt und tut es noch. Die Schlafzeit eines Kindes kann Überhaupt gar nicht lang genug fein. Kc psrechnen und Rechenkunststücke sind für ein Drittel der Schulkinder ein heiteres Spiel, für '>wei Drittel eine qualvolle ileberbürbung. Womit haben sie die ungerechte, weil gleiche Leistungsforderung verdient? Die Griechen und Römer behelligten die Erwachsenen. die durchaus Iefen und schreiben lernen wollten, nur mit je einem Zeichen für einen Buchstaben. Wir dagegen zwingen sechsjährige Kinder für ein und denselben Buchstaben acht verschiedene Formen auf: das kleine und das große A. beide geschrieben und gedruckt, und diese vier Formen dann noch sowohl lateinisch als auch gotisch, ilnb das durch das ganze Alphabet hindurch! Welch eine ungeheure Verschwendung von Zeit, Nerven- traft und Sitzfleischi Ieder Lehrer hat ein gutes Gedächtnis; denn sonst würde er wahrscheinlich nicht Lehrer geworden fein. Cs muß daher besondere Anstrengungen machen, sich in ein Schulkind mit schlechtem Gedächtnis einzufühlen. Das Kind mit dem erblich überkommenen schlechten Gedächtnis ist immer durch lleberbürbung gefährdet, äleberhaupt kann die Frage der äleber- bürdung nicht vom Lehrplan und vom Lehrziel aus. sondern nur nach den Anlagen des Kindes beurteilt werden. Für die Schulkinder der Großstadt sollte ein ganz anderer Schulplan, andere Schulziele, andere Lehrmethoden und eine andere Zeiteinteilung erdacht werden als für die Schulkinder in den Dörfern und kleinen Städten. Einmal im Iahrc möglichst lange Ferien und sonst gar keine, damit allein könnten Schüler und Lehrer etwas anfangen. Eine wirklich gesunde Schule hat es nie gegeben und wird cs auch so lange nicht geben, als wir nicht zum Typus der Freiluftschule übergehen. Wirtschaft. Oie Reichsbank Anfang Zuli. Wie der Ausweis der Reichsbank vom 7. I u l i zeigt, hat die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 284,0 Millionen auf 2426,5 Millionen Mark abgenommen, und zwar sind die Bestände an Wechseln und Schecks um 173,0 Millionen auf 2304,2 Millionen Mark, die Lombardbestände um 111,0 Millionen aus 27,3 Millionen Mark zurückgegangen; die Effekten» bestände sind mit 94,0 Millionen Mark unverändert geblieben. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 269,5 Millionen Mark in die Kassen der Bank zurückgeslossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 247,5 Millionen auf 4426,7 Millionen Mark verringert. Der Umlauf an Renlenbankscheinen nahm um 22,0 Millionen auf 556,3 Millionen Mark ab; dementsprechend und un'.er Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbanl» scheine in Höhe von 15 Millionen Mark gemäß § 7b des Rentenbankliquidicrungsgesehes getilgt worden sind, stiegen die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen um 7,0 Millionen auf 28,3 Millionen Mark. Die fremden Gelder gingen um 101,4 Millionen auf 423,8 Millionen Mark zurück. Die Bestände an Gold und dcckungs- fähigen Devisen insgesamt sind mit 2344.9 Millionen Mark, im einzelnen die Goldbestände mit 2105.4 Millionen Mark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 239,5 Millionen Mark ausgewiesen. Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte s i ch von 44,6 Prozent in der Vorwoche auf 47,6 Prozent, die» jenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 49,9 Prozent auf 53,0 Prozent. Oie Emissionen im Mai. Rach den Berechnungen des Statistischen Reichsamts wurden im Mai Wertpapiere im Betrage von 395 Millionen Mark, gegen 440 Mill. Mk. im 2(pril d. I., im Inkande ausgegeben. Der Rückgang erklärt sich durch die verminderte Ausgabe von Kammunalschuldverschreibungen der Booen- krediiinstitule, die im Mai nur 20 Mill. Mk. gegen 111 Mill. Mk. im April betrugen. Die umfangreiche Aufnahme öffentlicher Anleihen hielt weiter an und übertraf mit 106 Mill. Mk. die des Vormonats in Höhe von 90 Mill. Mk. Im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Körperschaften haben die privaten Unternehmungen keine größeren Inlandanleihen aufgenomnien. Die Aufnahme von A u s l a n d a n l c i h c ii zeigt eine außerordentliche Zunahme von 73.70 im April auf 414,05 Mill. Mk im Mai. Hieran ist sowohl die öffentliche, als auch die private Wirtschaft in gleichem Maße beteiligt. Von Kommunalanleihen sind die in den Vereinigten Staaten aufgelegten Anleihen des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (17,5 Mill. Dollar), der Stadt Berlin (15) und der Stadt Frankfurt a. M. (6,25) zu nennen, ferner wurden 3 Millionen Mark Schiildverfchreibungszertifikate der Stadt Köln in Holland aufgelegt. Die Anleihen der öffentlichen Unternehmungen im Auslande fliegen von 21 Mill. Mark im April auf 65,70 Mill. Mk. Einen beträchtlichen Rückgang weifen die Auslandanlei- hen von Kirchen ufro. auf, sie betrugen im Mai 2,02 Mill. Mk. gegen 13,83 Mill. Mk. im April. Der Betrag der von privaten Unternehmungen aufgenommenen Auslandanleihen erhöhte sich von 26,27 Millionen Mk. im April auf 180,58 Millionen Mark tm Mai. * Beantragte Stillegung der Zeche „Genera l". Die Verwaltung der zum Klöckner- Konzern gehörigen Zeche „General" in Weitmar bei Bochum hat beim zuständigen Oberbergamt die Stilllegung beantragt. Der Betrieb wurde bereits in den legten Jahren stark eingeschränkt. Rach Genehmigung der Stillegung sollen die vorhandenen Anlagen abgebrochen werden. Auf der Zeche sind zur Zeit noch 150 Mann beschäftigt. SranfTurtcr Börse. Frankfurt a. M.. 11 Juli. Tendenz: schwach. Die Börse eröffnete heute in ausgesprochener schwächerer Haltung. Der schwache Verlauf der gestrigen Reuyorker Vörie verfehlte seine ungünstige Wirkung nicht. Dann drückte die überraschende Diskonterhöhung der Chikagoer Federal Reserve Bank von 4.5 auf 5 Pro',ent stark auf die Stimmung, da man nachteilige Einwirkungen auf die Entwicklung der internationalen Geidverhältnilse befürchtet Besonders aber wurden die Hoffnungen auf eine baldige Diskontsenkung der Reichsbank zerstört. Allerdings zeigte der Reichsbank-Status bereits eine stärkere Entlastung nach Medio au. Äm allgemeinen übte die Diskonterhöhung auf das ganze Riveau einen derartigen Druck aus. daß bei den ersten Rotierungen meist etwa 1- bis 4pro^entige Rückgänge eintraten. Einige Spezialwerte waren stärker abgefchwächt. Die Baiste-S Peilstation versuchte die Abwärtsbewegung der Kurse durch Blancoabgabe zu beschleunigen. Schwach eröffneten von den Kaliwerten Westeregeln mit minus 9 Proz. Außerdem waren vor allem die Elekkrowerie Angeboten, von denen AiA9. und Lahmcycr um 4 Proz., Licht, und Kraft um 41/. Proz., Chade-Aktien 5 Mk.. Siemens 6,5 Proz. cinbühten. Auch I.-G.-Farben lagen mit minus 4 Proz. im Angebot. Zellstoff verloren etwa 3 Proz.. Schiffahrtswerte minus 2,/z Proz. Von den Banken lagen Commerzbank und Dis- contogesellschaft um l’/4 Proz., Reichsbank 2' . und Danstbanl 31/. Proz. schwächer Von den Anleihen gaben Ablösung ohne Auslosung etwas nach. Alkbesih lagen gut behauptet. Ausländische Renten geschäftslos. Im Verlause wurden namentlich am Cleltromarkt einige Deckungen vorgenommen, so daß sich eine kleine Erholung bis etwa 2 Proz. durchsetzen konnte. Das Geschäft war auf ein Minimum beschränkt. Am Geldmarkt waren einige Rückflüsse zu verzeichnen. Tagesgeld 7'/., Proz. Am Devisenmarkt erfuhr der Dollar eine stärkere Kurssteigerung. Es lagen Mark gegen Dollar 4,1939, Pfund 20,402, London Kabel 4,8640, Paris 124,29. Mailand 92.85. Madrid 29 50. Holland 12.07V«. Berliner Börse. Berlin, ll.Iuli. (Eigener Drahtbericht des Gießener Anzeigers.) Die Tendenz, die sich in den letzten Tagen von der Löwenstein-Angelegenheit langsam wieder erholen tonnte, belam heute vormittag erneut einen empfindlichen Stoß. Vor allem war es die überraschend gekommene Diskonterhöhung der Chikagoer Federal Reserve Dank von 4.5 Prozent auf 5 Prozent, die zu einer erheblichen Abschwächung führte. Hierdurch waren die Fragen der internationalen Geldverhältnisse wieder in den Vordergrund gerückt und besonders die immer noch im stillen gehegte Hoffnung auf eine baldige Dislont- fenfung bei uns so gut wie vernichtet. Der heute erschienene Reichsbankausweis trat hiergegen stärker in den Hintergrund, seine Entlastung um 248 Millionen wird als nicht besonders groß angesehen, auch die letzten Rückflüsse von etwa V« Milliarde und die Deckung, die eine Besserung um etwa 3 Prozent aufwcisen konnte, boten keine Anregung zu den ersten Kursen. Die älm- satztätigleit war nicht groß, die Aufnahmefähigkeit zu klein, so daß schon geringes Angebot genügte. um 1- dis 3prozcntige Verluste hcrvor- zurufcn. Die bekannten Spczialpapierc waren bis zu 10 Prozent gedrückt. Deutsche Linoleum hatten 15 Prozent, Bcinberg und Glanzstoff 14 Prozent und Salzdetfurth hatten sogar um 16 Prozent verloren. Anleihen ebenfalls schwacher. Ausländer geschäftslos. Anatolier, Türken und Bosnier bis zu i/2 Prozent gedrückt. Pfandbriefmarkt still. Liguidationspfarchbriefe noch unübersichtlich und eher wieder angeboten. Geldmarkt wenig verändert. Tagesgeld steifer, 6 bis 8 Proz. Monatsgeld 7% bis 8'? Prozent. Warenwechsel bis etwa 66/r Prozent. Im Verlaufe blieb die Stimmung ohne Einfluß. Die Kurse waren starken Schwankungen unterworfen. Am Kali- und Elettromarkt war das Geschäft lebhafter. Salzdetfurth holten wieder etwa 4 Prozent ihres Anfangsverlustes ein. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Iuli Der heutige Produktenmarkt verkehrte auf Grund der schwachen Auslandmeldungen in schwacher und flauer Haltung. Die Geschäftstätigkeit bewegte sich in lehr engen ©rennen und Umsätze mürben kaum getätigt. Die Preisgestaltung erfuhr fast durchweg eine Abschwächung, so fielen Weizen und Roggen um 0,25 Mk ebenso Weizenmehl um 0,25 Mark. Roggcnineh' gab sogar 0.50 Mk nach, unt» Roggen kl eie hat 0.25 Mk eingebüßt. Haler und Mais behauptet. Es wurden notiert: Weiten 1. gut. gesund, trocken, bis zu 1 Proz. Aus- mud)$ 26,25, Roggen 28,25. Hafer, inländischer. «Int Aois (gelb) für Futterzwecke ^Deizenmehl, süddeutsches Spe- °' 36.25 bis 36.75; Roggenmehl 37.50 bis 38.30; Vöeizenkkme 13,50; Roggenkleie 16 Tendenz: ruhig. Eingesandt (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung, Der ausgefallene Sonderzug nach Köln zur Presse-Ausstellung veranlaßt mich, zu folgenden '■Ausführungen: Seit dem Jahre 1925 ift mir bekannt, daß von der Reichsbahnverwaltung zur Hc bung des Reiseverkehrs im Sommer Sonntags- Sonderzüge nach landschaftlich fchön gelegenen Stätten unseres Vaterlandes eingelegt werden. Die Bekanntgabe der geplanten Sonderzüge erfolgt durch Plakate und kleine Lokolnotizen in der lugespreffe. Die Plakate werden — leider — nicht an den Anschlagsäulen und tafeln angebracht, sondern hängen im Bahnhofsgebäude, sowie hier und da in den Schaufenstern einiger Firmen. Aus diesem Grunde ist es mir auch erklärlich, wenn öfter im lokalen Teil der Tagespresse eine kurze Notiz besagt, daß „der am nächsten Sonntag geplante Sonderzug nach ... wegen ungenügender Beteiligung aus fällt". So war es auch mit dem für den 8.Juli- vorgesehenen Sonderzug zur Presse-Ausstellung nach Köln. Und warum? Am Donnerstagabend erschien die kleine Notiz im lokalen Teil des „Gießener Anzeigers" und am Freitagabend wurde mir am Fahrkartenschalter, als ich fünf Fahrkarten wünschte (ein Erfolg meiner Werbetätigkeit in einem kleinen Kreise), das Ausfallen des Zuges mitgeteilt. An- scheinend war der Sonderzug nach Köln dem größten Teil des Publikums nicht bekannt. Meines Erachtens müßte sich auch die Reichsbahnverwaltung des Werbemittels der R e 11 a m e durch 21 n '• Zeigen ufro. bedienen. Und hier bietet wohl die „Presto" in Köln Vorzügliches. Möchte doch die Reichsbahnverwaltun g möglichst insgesamt die „Presto" besuchen und dort Anregungen für eine bessere Propogondo für ihre Reiseoergiinsti. gungen empfangen. Was nützen dem Publikum alle Sonderzüge, wenn sie ihm nicht bekannt werden > Ferner wäre für das Publikum von großem Vorteil, wenn es schon mit dem Sommerfohrplan Kenntnis erhielte von allen geplanten Sommer-Sonderzügen. Dann könnte jeder Interessent für einen Sommer- ausflug sich auch mit dem Geldbeutel danach r-chten und au gegebener Zeit den von ihm gewünschten Zug benutzen. Den von dem Einsender dt. in Nr. 160 des „Gießener Anzeigers" gemachten Vorschlag holte ich auch für annehmbar, und wenn die Reichsbahn- Verwaltung in Zukunft etwas mehr als seither hie „Reklame-Werbetrommel" rührt, so dürsten sich"r beide Teile — Reichsbahn und Publikum -- zufriedengestellt sein Dz. Letzte Nachrichten. Oer Schicksalsflug der Oslo, ll.Iuli. (WTB. Funstpruch.) Der Radiotelegraphist, der auf der Bäreninsel Dienst hatte, als Amundsen den Flug an trat, von dem er bisher nicht zurückgetchrt ist, ist in Tromsoe eingetrosten. Seinen Schilderungen wäre zu entnehmen, daß das Flugzeug .Latham". das man lange Zeit in den Gewässern um die Bäreirinsel gesucht hat, sie gar nicht erreichte. Am 18. Iuni hat der Telegraphist von 5,30 älhr bis 12 Ühr nachts dauernd versucht, die Sendearbeit der „Lotham" zu hören. Seine Bemühungen. dis nur einigemal unterbrochen werden mußten, um die Wetternachrichten aufzunchmen. blieben jedoch vergeblich. Der Telegraphist versuchte dann seinerseits, die ,Latham" anzurufen, erhielt aber keine Antwort. Die bei ihm ein» gehenden Rachrichten über die Gisverhältnisse in der Umgebung der Däreninscl wurden von ihm an die „Latham" wcitergeaeben. Er versuchte auch das Motorgeränsch zu hören, formte aber nichts wahrnehmen. An dem fraglichen Tage war das Wetter klar und der Gesichtskreis infolgedessen ganz ungewöhnlich groß. Es wäre an sich also möglich gewesen, das Flugzeug zu beobachten, besonders da das Maddalenas-Flug- zeug später von der Flugstation aus gesehen ungehört werden konnte. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. __Die hinter den Papieren angesührten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. — Reichsöankdiskont 7 Prozent, LoinbardzinSfuß 8 Prozent. Frankfurt o. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Berlin. 10. (Selb 1 'M ^rnnjösilche Jlotcit...... holländische Note« ...... (italienische Noten ...... •Norwegische Noten...... Deutsch.Lest»rr i IM ftmnm 16.135 168,36 22,06 111,75 59,03 111,90 80,62 68,76 12,38 72,78 -Franks« 16,49a 169.04 22,14 112,19 2,57 112,34 69,04 12,44 73,08 a. TL Schluß. Aura l-Uhr- kur» Schluß Kur» Anfang flure Schluß- Kur» l-Uljr- Aurs Sch.utz kur. Ansang kur» Schluß- flur» '-Uh'- Rur« Schiutz- flur* 'Anfang kur» Datum 10.7. 11.7. 10.7. lILL Datum: 10. 7. 11 7. 10.7. 11.7. Datum: 10. 7. |11.7. 10. 7. j H. 7. 6% ®t.RdI<-serungen.... • . 8 • . 9 . 10 176.76 202 -'20 131 *56 36?.75 T 137.5 156 132.75 93 290,25 152 % 263,5 ? 70 456 265,4 96 100 1 1 ? ! b» 1 s 1 ' I tu 1 t- 1 ' 'Lil! 1 1 £ ■ ' . 1 1 ' 1 176 202 172.5 218.5 131 256.25 158,5 152 251 205 367 152 82.6 141 125.13 137.25 156 133.75 247 125.5 132.25 133.75 113.5 105 111.13 »2.5 289 150.5 »5.9 51.65 '62,5 469.5 458 «64,75 95.65 90 173,9 199,9 171 216,5 128,5 251.5 158 150.5 246.5 200,5 362 82 141.5 120.5 152.75 132.5 15 130,5 132 112,13 10 i 109.9 90.75 288 150 95,5 51,5 252 259,6 441,6 261,25 97.5 Phllit-v Hoizmann......7 Hetdelber,ier Le ment .... 10 5cmeni ftariiiaoi ...... 8 Äavb 4 Frei lug ...... 10 SchultbeiS Patzenhafer ... 15 Cftroerle....... • 12 Bcr. (tzlanzlloss ...... 18 Bemberg. .. ...... 14 Henftoff Waldbos.....1t adiitofl «ichatzenbura . . . 1£ (ibaticttcnbutQcr Walter ... 7 Dessauer i8a5 ........ 8 Daimler Motoren ...... 0 149,5 139.5 173 147.65 2 - - 231 107 107,75 z 24 75,9 26.5 86 112 (19.13 146 60 109 2!Ö 156 305.75 228 106 119 349 311.5 639 570.5 108.25 231 129 20-', 25 107.25 58.73 105.5 238 87.75 121.25 262 23,5 131,25 85,5 146 58 HO 213 165.5 146.75 345.25 308.5 625 558 405, 3 227 127.65 199 107 57 106,5 232 86 120.9 255 145,5 Rumänische Cchwevische Echwetzer 'J Soanische *> -'toten...... 'Noten...... • 10 Reiten & (ButUeamne. • ■ («es. s. Clcttr. Untern.. . • Hamb. Clcttr. Werte . • • Rhein, dein....... Echtes. Clcttr....... Schuckert..... • • Siemens & Halste . • • • Irantrablo ...>••• Pabmener & So.. . . . . . . 6 • 10 . 10 • . 9 . 10 . . 8 . 12 . . 8 . 10 Tschechoilowti/ische Noten .» Unaarische Noten..... Setirlenmarfi Berlin Lelea raphtsch« 4% Schweiz. BundeSb. Anl.. . . 4% Cchcncldilidic O'olbrtc.. . . 4,20% ckeklerr. Ctlbcrrte..... 4% Celterrddj. cinheill. Rte. . . 4% Unoarlldie Molbrtc...... 4% Unoanfde Staat»!.!). 1010 . 10. guli 11. Iali -lmilichc 9?oti:runa Geld Briei Amt licht Notierung Geld Wncr Deutsche Erdöl . . • • • Essener Sleintohte .... WelicnKrdicner ... f.1 Harpen er ...... Hocsch Eisen. ...... Isse Bergbau ...... sHMnerniede ...... Küln-Neucsse»...... Mannesmann...... Mansseidcr....... Oberidjlcl. Eticnb. Bedarf. Dberltbkl. fioMroerte . . . Phönlr Bergbau..... «beinilchc Brauntoblen. . fUhelnftahl ... f. N Ja 9iiebeck Montau..... bereinigte Stabto. . . . Olavi Dtznen...... flau Stzcher-lebe» . . . . . . 6 . . 8 4 9-4 . . 6 . . 8 • . 8 • . 7 . . 9 . . 8 . . 7 . . 6 . . 6 t>¥i . 10 6*4^1 . 7,2 . . 6 . t'h . 10 . 10 üdlerwerte Klever ...... 6 Smä-Noil Buen--Arres Bns.-«nnv. ttbrtfHmiia «openbaflcn euxtbolm • ßelfinoforf. Stalten . . London. .. Neuoort . . PackS.... Schweiz •. Svauirn. . Itwan . . . »ho de gan|a Damptzckiltz.....10 Rordbeutikbcr Uloflb ..... 8 Nllg. Dcutzckie Srebltauft. . . 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handel?geleltzch.. . 12 Kommerz- und Prioat-Bauk. U Darmsi. u. Nationalbant . . 12 Deutsche Sant......10 DUtonto Gesellschaft Ant.. . w Dresdner Bant......l<* I'liri.ireuNLe ilrrdllbarä. . . v Melu!:dank ......... ( ReWban!........ 18 Wat. Automobil ....... o Crenfteln 4 Koppel ..... 6 Leonhard Hetz ...... 6 Bamag-Mestum ....... 0 Crantz. Maschmen ...... 6 Olrigner...... • • • U -?et)liflenflaebi ....... 0 ^angbanv. ...••••••4 ^echwerte. ......8 ■).nainfraftwerfe ...... ...............10 9ie!arhilniet ....... 8 Peieu Unton ...••••. 8 Oiebr. Roeder ....... 10 Soigt 4 Hael tner......8 G&bb. Zucker........8 111,95 111,99 112,ZI 10,551 21,J6 4,1895 16,395 50,72 69.05 1,934 0 500 59,00 12,418 .',363 73,00 Kaliwerk C-aUbethietJ . . fl. 9. Rarbrn-^nbalhtl. . Dunams Nobel . . . . . Sditibeanltalt ...... «oidschmidl ...... MetallgeieMchast. . . . . . 15 . 12 . . 6 • . 9 • . 6 • . e . u Bmtfnoirn. 3,037 13,88 81,45 2,138 5,415 4,177 4,261 -1 90 Berlin. i0. jnlt ®c(T yner Zeil Wt Ai unter roifyiot j Sil w Spio stakt fern Res der seine Es der bdiro san sch« mahl Deuts schien Torh nilki fü$r Otto» W ktf W geb n i1 jenem Denn la mgsba sch bis Aus b bet deut leit, das Nen. ß MfS VuJenb "Nre 1 1«,^ S! s Könj Ft -E Aich« fee Mdi<