Nr. 135 Erstes Blatt 178. Jahrgang Montag, 11. Juni 1928 tr|ä)m Bild Die Schalle mowati-EtjCfcipreli. 2 r. Leh (Rat. Soz.) 12 Stimmen, Abg. Schäfer eine Stimme. Abg. Kaufhold (Dntl.) eine Stimme. 3n der schallenden Heiterkeit, die der Feststellung dieser Einzel- ftimmen folgt, gehen die Ramen anderer Kandidaten, die nur eine Stimme erhielten, unter. Abg. Bartels nimmt die Wahl an und übernimmt sofort unter lebhaftem Beifall das Präsidium. Es folgt die Wahl der Vize- Präsidenten. Aus Vorschlag des Abg. Herold (Z.) wird Dr. v. KrieS (Dntl.) als erster Vizepräsident, auf Vorschlag des Abg. Leinert (Soz.) Dr. Porsch (Z.) als 2. Vizepräsident durch, Zuruf wiedergewählt. Abg. Heilmann (Soz.) erflärt, die Kommunisten hätten zwar entgegen den parlamentarischen Gepflogenheiten ihre Stimmen nicht für Bartels abgegeben. Trotzdem schlage er den Vertreter der viertstärksten Fraktion, den Abg. Schwenk (Kom.) als 3. Vizepräsident vor. da die Kommunisten im Aeltestenrat erklärt hätten, sie wüßten. welche Pflichten sie mit dessen Wahl übernehmen. Abg. Schwenk (Kom.) wird mit 181 Stimmen gewählt. Er nimmt die Wahl an. Ministerpräsident Or. Braun ber sofort das Wort erhält, wird von den Kommunisten mit Rufen empfangen: »Rieder mit der Koalition!" — _ES lebe di« Arbeiterregierung!" Abg. Ley (Rat.-Svz.) ruft andauernd mit lauter Stimme: „Redefreiheit für Adolf Hitler!", bis Vizepräsident Dr. v. Kries ihm einen Ordnungsruf erteilt. Als endlich Ruhe em- früt betont Ministerpräsident Dr. Braun, daß bic Neuwahlen für die bisherige RegierungS- koalition unb damit für bic Regierung eine Mehrheit ergeben haben. Da die Regierung noch vor den Wahlen dem Landtag einen Rechenschaftsbericht erstattete, waren die preußischen Wähler in der Lage, in voller Kenntnis der Ergebnisse der Regierungspolitik ihre Entscheidung zu treffen. In der Entscheidung am 20. Wai hat sich die Wählerschaft mit Mehrheit für die Politik der preußischen Regierung ausgesprochen, so daß für die Regierung fein Anlaß vorliegt, zurückzutreten (Lärm bei den Kommunisten unb auf der Rechten). Die Regierung wird vielmehr gestärkt und in ihrer Auffassung von der Richtigkeit ihrer Polittk bekräftigt, diese Politik unbeirrt fortsetzen. Es ist dies die Politik, die die preußische Regierung seit März 1920, wo ich zum erstenmal die Ehre hatte, ein neues preußisches Kabinett diesem Hohen Hause vorzustellen, konsequent und ziel- llar betrieben hat. Es bedarf daher keines neuen Regierungsprogramms. Wie es sich prakttsch auS- gewirkt hat. ist aus ben zahleiunäßigen Angaben des Rechenschaftsberichts «sichtlich. Die Regierung wird auch in Zukunft im Rahmen des praktisch Möglichen vor allem beistehen ben breiten Massen des durch ben Krieg unb seine Folgen vielfach verarmten Mittelstandes und den Riesenheeren der Industrie- und Landarbeiterschaft. Auch wirb sich die Staatsregierung die Fürsorge für die durch ben Versailler Vertrag in schwer« wirtschaftliche unb kulturelle Bedrängnis geratene Grenzbezirke Preußen- besonders angelegen fern lassen. vor allem wird die Regierung nachhaltig die die Landwirtschaft fördernde Tätigkeit sortsehen und die landwirtschaftliche Erzeugung möglichst steigern. Sie wird auf Pflege des Innenmarktes unb die Verbesserung der Exportmöglichkeiten bedacht sein. Die eigenwirtschastliche Betätigung des Staates erftrebt eine vorteilhafte Versorgung der Bevölkerung auf besonders wichtigen Bedarfsgebieten unter Ausschaltung monopolistischer Gefahren. Weiter wird die Staatsregierung in der Pflege des Gesundheitswesens und der Bekämpfung der Wohnungsnot nicht erlahmen; sie wird die kulturelle Hebung des Volkes durch planmäßige Fortsetzung der Neugestaltung unsere» gesamten Schul - und Bildungswesens unter tatkräftiger Förderung aller Begabungen mit dem Ziel der Hebung des geifliacn und ethischen Niveaus des Volke» betreiben. Die wirtschaftliche, geistige und kulturelle Hebung des Volkes wird einen weiteren Rückgang der Ärimuudi- tät und damit die Entlastung der Strafrechtspflege bcrbeifübrcn,_bie eine weitere Verbesserung und Der- edelung des Strafvollzuges ermöglicht. Die Iustizoer- maltung wird fortfahren, die Rechtspflege oolkstüm. lich zu gestalten. Auch in der inneren Berwaliung wrrd der alle Kurs fortgesetzt, die heutige Staats- form zu befestigen und in ollen Zweigen der Staatsverwaltung zur restlosen Auswirkung $u bringen. Der Benvallnngsreform. in erster Linie die Stäbl«- unb ßanbgtmewbe- otbnung, di« Provinzial- unb Kreisordnung usw. werben auch ben neuen Landtag beschäftigen nicht nut wegen ber notwendigen Vereinfachung, sondern namentlich um der Ersparnisse willen. Di« Staatsregierung toirb weiterhin bemüht sein, die steuerliche Belastung der Wirtschaft mit deren Leistungsfähigkeit im Einklang zu halten und dahin zu wirken, daß die S teuer- nertoaltung vereinfach, unb der cnbgültige Finanzausgleich bald herbei geführt wird. 3m Verhältnis von Reich und Ländern wird die Staatsregierung das Primat des Reiches anerkennen, aber doch di« verfassungsmäßigen Rechte unb Interessen Preußens auch in Zrckunft mit Rachdruck vertreten. Preußen hat stets treu zum Reich gestanden unb wird es auch in Zukunft tun, darf aber nicht schlechter behandelt werden als ander« Länder. Die inner- unb außenpolitischen Problem« erfordern gemeinsame Arbeit aller Vollst«!«. unbeschadet parteipolitischer unb weltanschaulicher Gegensätze. Sollten daher außer den derzeitigen Regierungsparteien Parteien dieses Hohen Hauses, bte zum heutigen Staate positiv eingestellt unb geteilt such, an der Festigung unb dem Ausbau der heutiger, oet- fafsungsrechtUchen Verhältnisse mitzuvirken, sich zur loyalen Mitarbeit an der Regierung entschließen, dann wird die StaatS- regienmg bereit sein, zu gegebener Zeit in eine Beratung über die Erweiterung der Re - gierungsbasis einzutreten. Abg. Steinhoff (Dn.) bracht« hierauf ein Mißtrauensvotum gegen die Staatsrrgie- rung ein. Die Aussprache über die Regie rungs- erfiärung wurde auf Montag vertagt. Aus aller Wett. Gefängnis für einen fjo lei tauber. Auf die Sängerin Rajdl-Oestwig aus Berlin, die in der »Aegyptischen Helena" die Partie der „Aithra" spielt, war am 11. Mai spät abends in ihrem Dresdener Hotelzimmer, das sie mit ihrem elfjährigen Sohn bewohnte, ein Raubüoerfalt verübt worden, wobei dem Täler allerbingS nichts in die Hände fiel. Der Tätet, der sich eine Gesichtsmaske angefertigt hatte, ergriff nach für- Aem Kampfe mit der Lieberfallenen die Flucht, tonnte aber tags darauf feftaenommen werden. Gr hatte sich nun in der Person des 19jähri- gen Hotelpagen Rieger vor dem Schöffengericht zu verantworten. Er wurde wegen räuberischer Erpressung unter Zubilligung mildernder ilmftänbe zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Lin roclleree Opfer bet Schleimünber Ezolosion. Der Obermattosengefreite Daum ift seinen schweren Verletzungen erlegen. Damit ift die Zahl der Opfer des SprengunglückS bet Schlei- münbe auf sieben gestiegen. Drei löbliche Babeunfälle in Berlin. Infolge des sommerlich warmen Wetters hatte der Badebctrieb an den Gewässern der Berliner Umgebung in großem Umfange eingesetzt. Leider ereignete sich in den Freibädern eine Reihe von Unfällen, von denen drei tödlich verliefen. Im Freibad W a n n s e e ertrank ein junger Mann. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. In der Rohe von Lindwerder ging der Maler Adolf Peters, anscheinend infolge eines Herzschlags, vor den Augen feiner Braut in der Havel unter unb ertrank Es ist Die jetzt noch nicht gelungen, die Leiche w bergen. Der dritte tödliche Badeunfall ereignete sich im Freibad Tegel ort. Oie Wetterlage. O A vont-wx o Turvr o "•» eedftit » *e«>a • ctttm •--gew * V6-CI a sotfin. e R<6<1 K wnirr (Q)uumuiit. x» eicnirr o$i WM» Q iiareiecea ner«v Jtiff noch tuten dir AM, lommtn vw Ion brt IWei- ' dem LsMen- rdr totgtn röu- Hiaung mildern- t 'Mängnil inbet Crplofwn. cum Ifl leinen n. Damil i't Ht llüdi bei Schiei- In Balin. Wetten hatte da der Berliner Um- gesehl. Leider m if Reihe wn Ur- iefrn. 3m Freida- ann. Stint Leiche 3n btr W non ÄM fittth i, vor den lugen ch trttant (h ift Leiche w bergen, gnete sich im M o» Mt eS irr. oj'Lh* KL Mr i=6 H 2*l,f«v ZL ?LZL ilMirkcn ||* V btt 17 r6 die 6loau« ln0 der $(, hieraus m ctagl ' ge.__________ 0 (#< sichlan8SJP Ä S061,41 6,1 «ach t*r- i oereis«' . und ^iter be» ItöD»- ' »den- 19,4 ®raD MS! (,m932 ®roh Rnmm en. Aus der provinzialhauptstadi. Stehen, den 11. 3uiri 192« Eltern und Kinder. Ton bieten reilen männern kann man hören, daß he die Tüchtigkeit und Gediegenheit ihrer Täler erst In späten Jahren oh nach deren Lode, erkannt haben. Vorher waren sie von dem Gegensatz beherrscht, der sich Immer wieder unvermeidlich zwischen jung und all erhebt. Dadurch ging manchem Diel Krall verloren, die er sür seine OebenDarbcit besser hätte anwenden können. Lag es aber an den Löhnen? Tein, Im allgemeinen muh man lagen, liegt die größte Schuld an den Tätern. Cie müllen der Ausgabe gewachsen f«in. die ihnen das Ander «denken und 'Inberttrcbcn her Jugend stellt, sie müssen Triulen aus ihrem Lebenskreise zu der Zukunft schlagen als bereu Ter freier «sich die Jugend fühlt Das vermag man aber nur. wen» man alten Teuerungen der Kinder warme Teilnahme entgegtTvbnngl. Ton dem unreifen, unerfahrenen "Menschen bad man nicht erwarten, dah er das Alle .obiehiD” würdigt, das ihm nur Hemmungen und Hindernisse in den Tbea zu stellen scheint, und es ist töricht, sich durch jugendliche Aeuherungen gekrankt zu fühlen und am End« gar eine Autorität behaupten zu wollen, der nicht widersprochen werden bad. Damit,reizt man bie Jugend nur zur Rechthaberei und beraubt sich ihres Tertrauens. Solcher Verlust ist kaum wieder gutzumachen. "Dir sollten dem geistigen Wachstum unserer Söhne und Töchter In den wichtigsten Ontouf- lungsjadven nicht weniger liebevolle Aufmerksam- kelt und südorgenden Hesserbienst widmen, wie dem körperlichen Gedeihen des Kindes in den ersten Lebensjahren. Dazu ist es notwendig, bah dauernde Fühlung durch Gespräche zwischen alt und jung unterhalten wird Die gemeinsamen Wahlzeiten in der Familie bieten dazu die beste Gelegenheit, aber auch darüber hinaus sollten Stunden erübrigt werden. In denen Ollern und Kinder sich aneinander anfchließen. Die Alten müssen sich dafür bemüht bleiben, bah rückhaltloses Vertrauen und offene Mitteilsamkeit nur durch Gegenseitigkeit zu erhalten ist. d. h sie müssen bereit fern, bie Kinder auch ihrerseits in ihren Denk- und Arbeitskreis einzuführen. Die eingebilbete Ueberlegenheit z. T., die mancher Junge seinem Tater gegenüber fühlt, well er eine höhere Schule besucht als jener, wird sich bald vedlüchtigen. wenn ihm der Tater Einblick in sein Sorgen und Denken gönnt. Daraus entwickelt sich eine Art Freundschaft zwischen Eltern und Kindern, wie sie das fruchtbarste Terhältnis von alt und jung barstellt. Taten für Dienstag, 12 Juni Sonnenaufgang 3.43 Uhr. Sonnenuntergang 20.16 Uhr — Mondausgang 1.11 Uhr. Monduntergang 13.06 Uhr 1815: Gründung der Deutschen Burschenschaft in Sena; — 1830: der Dichter Ulbert Iracgcr in Augs- bürg geboren (gestorben 1912); — 1850: der Hifto- rifer Maximilian Gras Port von Wartenburg in Älein-Dele geboren (gestorben 1900); — 1892: der Philosoph Johann Eduard Erdmann in Halle an der Saale gestorben (geboren 1805); — 1902 der Tiermaler Friedrich Specht in Stuttgart gestorben (geboren 1839); — 1917: Abdankung König Konstantins von Griechenland; — 1924: der italienische Poll- liker Matteatli bei Rom ermordet; — 1925: der indische Ratianalistenführer C. 91. Das in Dardschiling gestorben (geboren 1870). Bornotize». — Tageskalender für Montag. Gieße- ner Stubentenhilfe e. 83.: 20.30 Uhr im Kollegien- gebäube (Universität. Hörsaal 2) ordentliche Mitgliederversammlung — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: ^Die raffinlertefte Frau Berlins". — Astoria-Lichl- spiele. „Rotacho, der j)elb", „Sie Schuld". — Aus dem Stadltheaterbureau wird uns geschrieben: In dem Lustspiel ..Stiefmama" von Hirschfeld und Frank wirken mit die Damen Fern- darf. Kammerspiele Hamburg a. ®., Jahn. Ärabmer und die Herren Dareis. Linkmann. Tannert. Lolck *‘ -es fische Justizperfonalien. Ernannt wurden der Amtsger.chtsrat bei ban Amtsgericht 1 in Darmstadt. Dr. Karl Eall- nann. unter Belassung in der Stell« eines Amtsgerichlsrates bei dem Amtsgericht I in Darmstadt zum Landgerichts rat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, der Amts- gerichtSrat am Amtsgerichl Groh-Gerau, Dr. Otto Grünwald, zum Amtsgcrichtsral bei dem Amtsgericht Darmstadt l. ** Gefahrbrohenber Zustand an der Leihgesterner Straße Ader bie Kreis- strafrc nach Leihgestern zu paHtert. wird fest- ftellcn, daß kurz vor der Bergfchente auf bet östlichen Seite seit einiger Zeit eine Sandgrube angelegt ist. Der Zillahrlsweg zu dieser Sandgrube steht über das Strahenbantett und mündet direkt in eine stark mit TJafter angefüllte Grube Denn jemand bei Dunkelheit von dem Bankett abfommen und in den Zufahrtsweg ber Sandgrube gerate* sollte, dann wäre eine Teilung ausgeschlossen. Hier sehll es an einer regelrechten Absperrung, une eine solche für Sandgruben und Steinbrüche vorgeschr.eben ist. Auch Hal das wilde Ausbeuten dieser Sandgrube dort einen recht wüsten Anblick hervorgerufen. Man bad wohl bie Erwartung aussprechen, baß bie vetztztzlwortsichen Stellen sich dieser Angelegenheit annehmen werden •• Ton ber Aeichsnachrichtcnstelle für Außenhandel Der Gefandtfchaftsrai bei der deutschen Gesandtschaft in Rio de Janeiro. P i st e r. erteilt am 15. Juni an interessierte Firmen Eintelauskünfte. Zirmen, die an den Sprechstunden reit nehmen wollen, werden gebeten, dies der Aeichsnachnchie;.stelle für Außenhandel. Frankfurt a. M._ Börse (Zimmer 43). bis zum 13. Juni mitzuteilen. damit eine Terteiluna der Besucher aus die zur Verfügung stehende ZeU.stattsinden kann ee Cln Zusammen st ohzwischen einem Auto und einer Radlerin ereignete sich gestern in der Miltaassiunde an der Slraßenkrru- sung LudwigstraßeKarlenstr^ße, wobei die Radlerin. eile junge Dame aus her Moltkestraße, vorn Fahrrad stürzte und von dem Kraftwagen einige Meter weit milgeschleisl wurde. Hierbei erlitt die Skrunglütfte einige Verletzungen, wahrscheinlich Schlüsselbeinbruch und sonstige leichtere Wunden am Snzen Körper. Trotz ihrer schmerzenden Wunden nute sich die Verletzte nach chrer Wohnung in der Moltkestraße begeben, von wo sie auf artliche An- Ordnung von der Freiwilligen «anitatskolonne oom Roten Kreuz der Thirurgischen Klinik zugeführt werden mußte. Die Schuldfrage an dem Zusam menstoß ist bisher noch nicht geklart. Das Auto stammt aus Gießen. *• Dom Fuhrwerk überfahren und schwer verletzt. Al» gestern mittag in L i ch ein beladene» Fuhrwerk zum Festplatz des Sängerscstes fahren wollte, sprang der Metzgeraesclle Hans (Tom- bad)er oon Lich während der Fahrt vom Wagen ab und kam dabei so unglücklich zu Fall, daß ihm die Räder de» Wagen» über beide Beine gingen. Der bebauern»roertc Mann wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen auf Anordnung des Arzte» Dr. Roth nach Gießen in die Klinik verbracht, da er einen Bruch des rechten Unterschenkel» baoongetragen hatte. •• Austrieb zum heutigen Fnanksur- t e r Biehmarkt. 375 Ochsen. 90 Bullen. 618 Kühe. 386 Färsen, 653 Kälber, 73 Schale und 5768 Geweine Kleine Strafkammer Gießen. * Gießen. 8. Juni. Hinter verschlossenen Türen wurde verhandelt gegen einen Kaufmann von Dießen wegen Beleidigung eine- Grenadiers des hiesigen Regiments. Das öffentlich verkündete Urteil ergab, daß er sich dem jungen Soldaten in unsittlicher Weife zu nähern versucht hatte. Er war deshalb vom Amtsgericht zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Seine Berufung dagegen wurde zurück- gewiesen. Zwei Budchen von Dirlammen waren vom Amtsgericht Lauterbach wegen wechselseitiger gefährlicher Körperverletzung der eine zu 200, der andere zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden und verfolgten dagegen Berufung. Diese wurde zurückgewiesen. Auch die heutige Verhandlung ergab, daß der schwerer Bestrafte den Stockschlag des anderen mit einem Messerstich beantwortet hatte. Ton Aotwehr konnte nach dem Beweisergebnis nicht bie Bede fein. Sin wegen ähnlicher Tergehen schon wiederholt bestraster Tcifcnber auS Essen hat in Lauterbach in verschiedenen Läden bei Gelegenheit des Prämienmarktes beim Wechseln von Geld Schwindeleien versucht, die ihm auch in einem Fall glückten. Gegen das Urteil des Amtsgerichts Lauterbach, durch das er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. verfolgte er Berufung; er erreichte, daß die Strafe aus sechs Monate herabgesetzt wurde, da in einigen Fällen bie Zeugen ihn nicht mit Bestimmtheit wieder erkennen konnten. Kirche und Schule. Theologische Konferenz in Gießen )( Gießen 10. Juni Unter außerorbenksich großer Beteiligung sand in ber Johanneskirche do hier unter dem Vorsitz von Geheimrat Pros. D. Krüger. G ehen, bie diesjährige Theologische Konferenz statt. Aach Gebe' des Vorfitzenben und verschiedenen Mittellungen über bie Teuernennung ber Herren Prof. Dr G e r - ftenmeier, Fried berg, und P'aroer Heep. IM.'ar. iu aBuglitbeni deS Vorstandes hielt Vroteffor T). Dr torbier. G eßen. den ersten Vortrag Über: ..Der deutsch-evangelische ßicber- b’alter. ein vergeßenes evangesifches Liebergut Derm Pfalmengefang handelt es sich um Gefamt- gut der Reformation. Heute finden wir Lieb» Psalmen nur noch m den Gesangbüchern der reformierten Landeskirchen von Oftsiiesland. Ekber- felb und Rheinland-Westfalen. Doch stehl infolge der liturgischen Bestrebungen zu hoffen, baß sie auch wieder Aufnahme in alle evar^esischen Gesangbücher finden. Mclodieprvben auf der Orgel schlossen sich dem Vortrag an. Im zweiten Teil ber Konferenz sprach Pfarrer D. ® o g a r t c n, Dorndorf-Iena. über: Gesetz und Evangelium". Ber ber Frage nach dem Inhalt bet Gesetzes bad man nicht ausgehen von irgendeiner vorgefaßten Theorie über das Sittliche. Die Liebe 'st des Gesetzes Erfüllung. Gott ist als ..Herd' zu heben, der Mensch als ..Aächster". ber mir Io nahe steht, bah ich mit ihm auf alle Fälle verbunden bin. Gott der „Herr" hat mich geschallen als Individuum. daS von dem Äächsten her das Leben leben soll. Das Gelctz ist Ausdruck des Willens, mit dem Gott diese Welt geschallen hat, Offenbarung des Verhältnisses, in dem Gott zur Well steht, Ausdruck de» Lebens, das Gott der Welt gibt. Das Gesetz ifl nur zu verstehen, indem man es erfüllt. Shpistus ist das Ende des Gesetzes und hat daS Gesetz erfüllt als der, der von Anfang aus dem Willen Gottes lebt. An den gedankenreichen Vortrag schloß sich eine sehr lebhafte Aussprache, an der sich die Professoren Bornhäufer, Bornkanip, Tuil- mann, Förster und Mathes beteiligten. Preußen. Gewerbeausstellung für den Oilllreis. WSA. Dillenburg, 9. Juni. Heute mittag wurde die DewerbeauSstellung für den DillkreiS. die in den Gebäuden deS staatlichen Landgestütes und auf dem umliegenden Gelände unlcrgebracht ist. durch den Vorsitzenden des Ausstellungshauptausschusses. Beigeordnetem Dr. DöngeS (Dillenburg», eröffnet. Aach einer Begrüßung der Behörden-Vertreter deS Kreises, der Stadt und der Handelskammer und einem DankeSwort an die Ausftellungsleitung, ohne deren Entgegenkommen die Ausstellung kaum zu Stande gekommen wäre, da der Bau eigener Ausstellungsräume für die Aussteller finanziell umnöalich gewesen wäre, bezeichnete der Aed- ner als Zweck und Ziel der Ausstellung: Befruchtung und Hebung des gewerblichen und wirtschaftlichen Lebens deS Kreises und der Stadt Dillenburg, und ganz besonders neue Ankurbelung ber immer mehr zurückgehenden bodenständigen Irchustrie. welche die reichen Bodenschätze des DMkreises bzw des Westerwaldes auSbeutet und verarbeitet. Weiterhin solle die Ausstellung den Beweis liefern, daß das heimische Handwerk und der heimische Handel in der Lage sind, die Bedüdnisse des täglichen Lebens besser und billiger zu befriedigen, als die benachbarten Mittel- und Großstädte. Der T ebner gab bann einen allgemeinen ilcbetblld über die Ausstellung und erflärt diese schließlich für eröffnet Dann ergriff Bürgermeister Kupf rian daS Wort und sprach in Vertretung des abwesenden Landrates V ü n g c r die herzlichen Erfolgs- Wünsche deS Kreise- auS. An bie Ansprachen schloß sich ein Tunbgang ber Gäste durch bie Ausstellung. Der Ausstellung gliedert sich eine Heimat-AuSstellung an, die den Dillkreis in kultureller und geologischer Beziehung würdigt. Von den 78 Ausstellern entstammen 12 aus den beiden Aachbarstäbten Herbom und Haiger unb 10 aus Landgemeinden; bie restlichen Aussteller stammen aus Dillenburg selbst. Maingan. WHV. Frankfurt a. M, 9. Juni. Heute abend gegen 9,30 Albt ereignete sich an der Ecke Aechneigraben- und Langestraße ein fernerer Aulozusammenstoß. Ein aus der Aechneigrabm straste in bie Langestrafte etnbie» aendes Lastauw stieß mit einem vom Aller- be’Itgenter berfommenbrn Taramcter zusammen, wobei ein Radfahrer, ber das Lastauw nicht kommen iah, überfahren und schwer verletzt wurde Das getroffene 2luto wurde mit solcher Wucht zur Seite geschleudert daß es au» der anderen Seite bar Ctrabe den Zaun nieberriß unb nur dadurch daß es auf einen Baurn aus fuhr, vor dem Abstürzen in den Vech- neiweiher geh'ndert wurde. Das Auto wurde völlig demoliert. Der Radfahrer, em Metzgerour'che. ttnube mit schweifen Wunden in daS in bet Aähe gelegene Heilig-Geist-Hospital übergeführt. Eine zweite Perlon wurde leicht verletzt Kunst und Wiffenschast. vierte 3abre*tagunfl bet Hinge» stakholsichrr Deutscher Burschenschaften. Mit dem 4. Juni ging in Bonn die diesjährige Tagung deS A K D. B zu Ende, die der Verband unter feinen Wahsipruch .Deo, patriae, imico sacer — Goll dem Vaterlande, dem Freunde heilig" als Leitgedanken gestellt hatte In nichtöffentlichen Besprechungen letzte man sich in Auswirkung größerer Vorträge mit ber großdeutschen Frage (Tebner: Univ.-Prof. Dr. Wilhelm K o s ch, Graz) und mit der Hoch- schulpolilik (Ger.-Res. Dr. jur. Edward Fischer. Franksurl a. Ml auseinander. Monsignore Dr. Küch 1 er. Ahrweller sprach in einem großen Uebcrblid über die letzten Jahrhunderte über »Die religiöse Tot des Akademikers'. Die nachfolgende lebhafte Erörterung dieses ösientlichen Vortrages deckte ein erfreulich ernstes Streben nach religiöser Vertiefung unb sozialer Betätigung auf. da- auch in einer Reihe von «Litte schließungen kräfttgen Ausdruck fand Die ganze Tagung, die durch geschickte Arbeitsteilung sich von der Gefahr befreite, durch allzu eingehend« Beratung untergeordneter innerer Verwallunas- fragen zu vedlachen, stand auf einer erfreulich geistigen Höhe unb bürste der Zukunstsarbeit es jungen Verbandes neue Belebung und reiche, höchste deut lame Anregungen gegeben haben. Pros. Dr Baumstark gab in seine. Sinn unb Ziel der Katholischen Deutschen Burschenschaft. Die Rede, die von dem starken Akzent innerster lleberzeugung getragen wurde, wurde mit stürmischem 'Beifall ausgenommen. AlS Ter» freier der Universität sprach Geheimrat M e i n • hold wissenschaftliche Beihilfen. 3u wissenfchasttichen Zwecken hat die Preußische Akademie der Wissenfchasten bewilligt: durch die physikolisch-matl)ematische Klasse: 500 Mark für eine Reise de» Dr. P. W o l d si e d t in Berlin zum Studium der Klazialsragen in ’Jlorb- amerifa; 1500 Mark dem ordentlichen Mitgliede, Geheimrat Pros. Dr. W. R e r n st (Berlin) zum Bau eine» Dynamometer» und zur Beschasiung anderer Apparate für eine Untersuchung der Frage nach der absoluten Geschwindigkeit der Erde; 2500 Mark für den Abschluß der Arbeiten des Dr. H. Louis in Berlin im Piringebirge in Bulgarien; durch ihre philofophifchchiflorische Klaffe: 600 Mark für Her- fteüuna von Photographien englischer Dekretalen- Handschriften durch Dr. W. Holtzmann in Berlin. Berliner Börse. Tcrlin. 11. Juni. (WTB. Funsspruch.) Ssim- mungsmäßig hat sich im beutigen Frühverkehr nichts geändert. Die Tendenz ist noch sehr undurchsichtig. Geschäft konnte sich noch nicht entwickeln und man taxiert baß Kursniveau auf Samstagschlußbasis gehalten. Farben etwa 273 zu 274. Von bem heute erscheinenden Reichsbank- auSweiS sind besondere älesterraschungen ebenfalls nicht zu erwarten. Am Devisenmarkt nennt man Paris 124,111, 92,75, Spanien 29.32. das Pfund 488,25 unb ben Dollar 4,1840. regr nicht sichtbarer soviel -Ziqxueüen andecen. ‘ZiqatetteK, patentierte, eeseteen. r_... tl! Unersetzlich für die Wäsche Reinigt tadellos. Greift die Stoffe nicht an. 5725D Dr. Aubel verreist, Mädchen Vertretung: Sanitäts-Rat Dr. Schliephake. 04417 gesucht. 5715D Vorzugspreise. 555 ID M4AD Ende etwa 22 Llhr HEY- Politur SCHUH ist das ideale Reinigungs- und Pflegemittelfürfeinfarbige Schuhe. Es ist von einer unvergleichlich feinen, sahnigen Beschaffenheit, besitzt stärkste Reinigungskraft, überzieht das Leder mit einer hauchdünnen, schützenden Schicht und gibt prächtigen Hochglanz. 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Juni 1928 bezüglich der yrirma Schuhhaus Metropol Otto Cohn in Gießen: Die Firma ist geändert in Schuhhaus Metropol Leo Kober Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Leo Kober in Gießen. Die Firma ist mit dem Rechte der Weiterührung der seitherigen Firma und unter Uebernahme der seither im Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten übergegangen. Am 4. Ium 1928 bezüglich der Firma Friedrich Kopp zu Gießen: Dem Kaufmann Wilhelm Kopp in Gießen ist Pro- Iura erteilt. Die Prokura der Emilie Kopp geborene Hahn zu Gießen ist erloschen. Am 7. Juni 1928 bezüglich der Firma Gebrüder Baer in Gießen: Der Firmenname ist geändert in Bär, die Firma lautet etzt Gebrüder Bür. 5726D Gießen, den 8. Juni 1928. Hessisches Amtsgericht.___________ Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abteilung B wurde heute bezüglich der Firma Budc- russche Eisenwerke Wetzlar Zweigniederlassung Lollar folgendes eingetragen: Durch Beschluß der Generalversammlung vom 19. April 1928 ist § 18 Absatz 1 des Statuts geändert. 5726D Gießen, den 8. Juni 1928. Hessisches Amtsgericht.__________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Harbach üt Rj. 1928 liegt vom 12. bis einschl. 18. d. M. auf unserem Amtszimmer zur Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. ES ist die Erhebung einer Umlage be- chlossen, zu der auch die AnSmärker beizutragen haben. 5708D Harbach, den 9. Juni 1928. Hessische Bürgermeisterei Harbach Schomber. Bekanntmachung. Die Voranschläge der Gemeinde und der Mark Feldhcim für Rj. 1928 liegen vom 12. d. M. eine Woche lang zur Einsicht der Jnieresienten auf unseren Dienstzimmcrn offen. Bei beiden Voranschlägen ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Utphe, den 9. Juni 1928. Hess. Bürgermeisterei Dietz. 5707 D Für alle Aeußerungen der Liebe und Teilnahme bei unserem schweren Verlust danken wir von Herzen. Im Namen der Hinterbliebenen: Meta Umpfenbach Hans Umpfenbach. Gießen, Hannover, im Juni 1928. 5714D Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter, der Frau Charlotte Zimmer Wwe. geb. Schäfer sagen wir herzlichen Dank. Geschwister Zimmer. Gießen (Lieblgstr. 72 p.l, den 10. Juni 1928. 04415 EOt Seefische, vom «mjS Fisch-Spezialhaus Cuxhaven Tel. 2417 Marktwtr. 14 Tel. 2417 DienStag, 12. Juni d. I., versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: Ein Klavier, 1 Schreibmaschine lMignon), 1 Schreibtisch, 2 Diplomatschreibtische, 3 kl. Warenschränke, 1 Ladenkasse, 16 Paar Zugstiefel, 24 Paar Schneeschuhe, 10 Paar Fuhballschuhe, 5 Paar Herrenschuhe und 3 Pullover. 57isv Möll Gerichtsvollzieher L 21. in Giehen, Jheringstrahe 7, Telephon 1239 57160 Psalm 121 Vers 1 Statt besonderer Anzeige Samstagabend 11 Uhr entschlief In Frieden mein lieber Mann, unser treuer Vater und Großvater, der ev. Pfarrer Peter Ahlheim In tiefer Trauer: Mathilde Ahlheim geb. Koch Elisabeth Serth geb. Ahlheim Llning Gräber geb. Ahlheim Martha Müller-Ahlheim geb. Ahlheim Maria Ahlheim Fritz Serth, Tiefbau-Ingenieur Karl Gräber, Studienrat Otto Müller-Ablheim, Reallehrer und 5 Enkelkinder Münster bei Lieh. Merseburg. Darmstadt. Grünberg. 9. Juni 1928. Beerdigung: Dienstag, den 12. Juni. 3 Uhr nachmittags. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Gestern morgen entschlief nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Herr Ludwig Stecker Die trauernden Hinterbliebenen: Lina Stecker nebst Angehörigen Gießen (Dammstraße 9), den 11. Juni 1928. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.^^ 5691D Daubringen, den 8. Juni 1928. 04378 04416 Auguste danken wir hiermit herzlichst. Für die herzliche Teilnahme bei dem schweren Verlust, der uns betroffen, sagen wir auf diesem Wege allen besten Dank. Heinrich Weimer V. Gemelnderechner und Untererheber nebet Familie. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden unsererlieben Tochteru.Schwester Familie Adam Büttner. Gießen (Landraannstr. 12), 11. Juni 19-8. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Mutter sagen wir hiermit auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Christian Will. Obermühle b. Bieber, den 9. Juni 1928. Fahri rungsbildm Der Syt Parteifi ist nur eir werden mu Bildung bi schloffen langen, dei Oefmtlichke dräsidentrn «teilt toetl AeichslmH Wag bi« Regierung dann wer! Reichstag lvird zwei politische dies wird dann die g iß. noch f< wirklich bo wendige §i dann die 3 man kaum das vielun Erichen vei tra« Preu noch ausgel nur darum leien berei lie zuscm riese Frac dechalb, o die Sozia Vorher nissr sie r Denn 1 den diese sein. 2lus aber auch fachlichen. fdlfungemc keine lveiti « kann fic heilen ohn< dein. Es ifl ob und den Reichs lamenlariV allaemeine einsetzen. ' leien ihre einem gen noch mand kommt bei dient nur i S« bcrN* Denn. vöA * & aelMchl tzerluste 5 Slarke der traten bitterer je Zusammen Solgc öil Wldem- bisher. tfgoununip As sich um un|er e st Wtutmle T mS1, N6 7 unk 4m eure L!be Str Deere' s.r- Alagenden- N« (&’ VF 8Z 2! und a »16 Nr. 135 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Montag, U. Juni 1928 Oer neue Reichstag. Don D. Dr. Or. 3. D. Brett, o. Professor der Rechte an der Universität Marburg, M. d. TBcth brr neue Reichstag Mitte Juni Zusammentritt. werden seine ersten Verhandlungen völlig im Zeichen der vorangegangenen Wahlen ftehcn Deren Au-satt ist so gewesen, daß unter keinen Umständen die Regierungskoalition und die Regierung selbst erhalten bleiben können <36 hat gar feinen Wert, die Tatsache einer großen Verschiebung des Schwerpunktes von rechts nach links in Abrede stellen ober auch nur abschwächen \ä wollen Die Rechte ist am stärksten geschwächt worden, aber auch die Witte hat ihre Verluste zu verzeichnen AndererleltS ist Die Stärke der Linken nicht einheitlich. Sozialdemokraten und Äommuniften haben bisher in lo bitterer Feindschaft «lebt, daß man kaum auf ein Zusammengehen wird rechnen können. Rur eine Folge wird sich vermutlich Herausstellens die Sozialdemokraten werden radikaler vorgehen als bisyer, um sich gegenüber der Agitation Der Kommunisten halten zu können. An ein einhcit- liches Zusammengehen der bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie wird man auch kaum denken können, denn dazu sind die einigen- den Gedanken nicht stark genug Es wird sich also nur darum handeln, welche bürgerlichen Parteien bereit sind. mit der Sozialdemokra- tlc zusammen eine Koalition zu bilden. Diese Frage ist von außerordentlicher Wichtigkeit deshalb, weil es sich danach entscheidet, wieweit Mp Sozialdemokratie in solcher Koalition die Vorherrschaft hat, und welche Zugeständnisse sie machen muh. Wenn der neue Reichstag Zusammentritt, werden diese ganzen Fragen noch in der Schwebe sein. AuS diesem Grunde wird der Reichstag aber auch in den ersten Tagen noch zu keiner sachlichen Arbeit kommen. Solange keine ver- fassung-mäßige Regierung vorhanden ist, können keine weitreichenden Vorlagen gemacht werden, es kann sich höchstens um dringliche Angelegen- beiten ohne weiteren politischen Charakter handeln. ES ist aber einstweilen noch nicht ersichtlich, ob und welche Angelegenheiten Derart an den Reichstag gelangen werden Rach alter parlamentarischer Gepflogenheit wird alsbald eine Äetne Aussprache über die politische Lage n. Bei der Gelegenheit werden die Parteien ihre Abrechnung auS dem Wahlkampfe zu einem gewissen Abschi uh bringen und eS werden noch mancherlei Späne fallen. Praktisch natürlich kommt bei solcher Aussprache nichts heraus. Sie dient nur dazu, Den Aufmarsch für Die kommende RegierungSkoalition oder für Die Opposition zu vollziehen. Unterdessen farm dann die Regierungsbildung In der Stille vor sich gehen. Der Herr Reichspräsident hat Die Parteiführer schon empfangen, aber dies ist nur eine gewisse Förmlichkeit, die gewahrt werden muh. In Wirklichkeit vollzieht sich Die Bildung Der Regierungskoalition hinter geschlossenen Türen bei geheimen Verhandlungen. deren Einzelheiten gar nicht an Die Oessentllchkeit kommen. Kann bann Dem Reichspräsidenten die zuftandegekommene Einigung mit- geteilt werden. Dann kann er nach Dem in Der Verfassung vorgesehenen Wege zunächst Den Reichskanzler ernennen und dann auf dessen Vorschlag die einzelnen Reichsminister. Ist erst Die Regierung auf solche Weise zustandegekommen, bann werben genügenD grvhe Aufgaben an den Reichstag herankommen. Die Sozialbemokratte wird zweifellos größere Teile auS ihrem sozialpolitischem Programm verwirklichen wollen, und dies wird große Kosten verursachen. SS würde dann die Frage der Deckung herankommen. SS ist noch keineswegs sicher, ob der Reichsetat wirklich balanciert ober ob nicht noch notwendige Forderungen nachkommen, für die bann die Deckung fehlt. Wit Ersparnissen wird man kaum zu rechnen haben. Höchsten- wird jetzt das vielumstrittcne Panzerschiff noch gestrichen werden. Hierüber wurde nach Dem Anträge Preußen- tm ReichSrat die Entscheidung noch auSgesetzt. Nachdem aber Die 0OAialbemo- fratie sich so entschieden gegen Den Dau aus- Fahrt durch den Bosporus. Don Friedrich Wallisch. Als sich Der Morgennedel teilte, Der sich eng um unser Schiff gelegt hatte, wurde vor un- die türkische Küste sichtbar, rechts hellgrüne-, fast flaches Land, das europäische Ufer, link- dunkel getürmte DebiraSmassen — Asien. In tiefstem satten CB lau lag da- Schwarze Meer unter Dem blendenden Sonn en Himmel. Am europäischen Ufer stand Der kurze schlohweiße Strich des LeuchtturmS Rumeli Sen6t. Man erkannte bald Die breiten Mauern Der Festung, Die Dem Leuchtturm vorgelagert sind, und die niederen Häuser des Dorfes. Dunkle, zerklüftete Basallrisfe ragen vor Der Küste auS Dem Meere. Die Kynaeischen Inseln. Die Symple* gaben Der althellenischen Sage: Jason und die Argonauten mußten zwischen diesen ..zusammen- schlaaenden" Felsen Hindurchfteuem, al- sie inS dunkle Rordland KolchiS zogen. Der DoSporuS. die Meerenge »wischen Europa und Asien, nimmt mit weit ausladenden Küsten unser Schiff auf. An allen Uferhöhen stehen wuchtig und breit die alten Festung-mauern. Aber sie sind stumm geworden, kraftlose lieber- reste alter Wehrfähigkeit. Europäische- und asiatisches Ufer sind einander wie Spiegelbilder verwandt. Dem Rumeli Fensr, dem europäischen Leuchtturm und Dorf, entspricht am Ostufer der Anadvlu Fen6r, asiatischer Leuchtturm mit Dem Dorf dahinter. Die meisten Festungen und Ansiedlungen liegen am europäischen und asiatischen Ufer symmetrisch etnanDer gegenüber. Aber Asien ist hier zumeist nur ein Spiegelbild Europas, nicht umgekehrt. Am ru- melischen Ufer hatte der Groh-Sultan seinen Sitz, hier war da- Herz seiner Macht, hier das Gehirn seiner Krieg-Heere, hier entfaltete sich Prunk und Reichtum seiner Getreuen. Asien schien nur dunkle Vergangenheit, schwache- Abbild des Glanzes. Und doch: Die Wurzeln seiner Kraft lagen für das oSmanische Reich stets im Boden Asiens. Spät kam die Erkenntnis. Zentrum und Kraftguelle der türkischen Republik ist heute Kleinasien, daS Land Anatollen... An einer gewaltigen, wert in die See ragenden Festung steuert der Dampfer vorbei; eS ist Kari- ge'vrochen hat. erscheint da- Schicksal de- Schiffe- tn keinem rosigen Lichte Run kommt gerade jetzt die Deröffenllichung der Re ich» regte rung. Dan die ©tcuerein- gänge Den Voranschlag überschritten haben. DaS wird einer neuen Regierung die Wege sehr ebnen - vorausgesetzt, daß es wirklich stimmt und nicht später ein Rückschlag kommt. Einstweilen werben sehe berechtigte Zweifel in die Mitteilung gefetzt. Wenn sie aber stimmt dann kann man nur daraus Die Folge- rung ziehen, bah ba- Steuerprogramm Der alten Regierung die f »genannten Derterhaltungö- steuer und die Gebäude-EntschuldungSsteuer gar nicht mehr notwendig ist. sofern man nicht wieder neue Au-gaben machen will DaS Geletz. über den formell Der alte Reichstag Sch-.i bruch litt das Reich-fchulgesetz. wird Den neuen Reichstag ganz sicher wieder beschästtgen Es scheint, daß nunmehr ba- Zentrum seine Pläne mit Hilfe der Sozialdemokraten verwirklichen will Vermutlich lautet der Kompromiß dahin, daß sowohl die konfessionelle Schule wie die welttiche Schule sichergestellt wird unter Preisgabe der Simultanschule in Baden, gelten und Rassau und unter Zurückstellung deS Gedankens der Einheitsschule. AlleS Das aber hängt ab von der Frage der Regierungsbildung. Aus diese allein kommt eS zunächst an und hiernach richtet sich alle- weitere. Vielleicht nimmt die Lösung dieser Frage auch längere Zeit in Anspruch. so daß man für die erste Zeit mit keinen großen Vorlagen zu rechnen haben wird. Den neuQCtoäblten Abgeordneten würde es vielleicht erwünscht sein, wenn der Reichstag recht bald an große Ausgaben mit .großen Tagen" heran- fäme. Den alten Abgeordneten würde sicherlich eine weitere Ferienzeit im schönen Sommer nur erwünscht sein. Und die wichtigste Frage der Regierungsbildung wird ja gar nicht gelöst von dem ganzen Reichstage, wenn eS auch so in der Verfassung zu stehen scheint. Es sind nur wenige Parteiführer, die hier über die Geschicke des Volke- entscheiden. Erst Dann, wenn Diese Entscheidung gefallen ist, hat Der Reichstag selbst DaS Wort. Wie aber Der Reichstag tm ganzen arbeiten wird. Darüber kann man heute nicht einmal Vermutungen äußern. Randnoten Seit vierzehn Tagen läuft vor Dem Obersten Moskauer Gericht der f»genannte Schachty- Prozeh. Was bisher von Dem Staatsanwalt Krylenlo zutage gefördert worden ist, entspricht bei weitem nicht Den in Der Anklageschrift ausgestellten Behauptungen. Ueberhaupt sind bis zum heutigen Tage alle sensationellen Enthüllungen au-gcblieben, die von einer rührigen Sowjet- Presse vom Augenblick Der Verhaftung der Ingenieure an ununterbrochen an gekündigt worden sind. Dafür hat sich aber immer deutlicher gezeigt, daß zwischen einer ganzen Reihe von Qlngesagten und der Anklagebehörde ein getobe^u unwürdige- Spiel hin und her geht. Mitunter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß unter der Schar Der Angeklagten Helfershelfer KrhlenkvS fitzen, deren Rollen gut einftubiert finb unb bie den Auftrag erhalten haben, wenigstens durch ihre „Geständnisse" dem Prozeß einen „fensationellen" Anstrich zu geben. Die Rusten aber, gegen bie das Kesseltreiben tatsächlich geht, haben sich immer wieder recht geschickt verteidigt und haben vor allem durch den Hinweis auf ihre Arbeitsergebnisse in den Donez- Oruben Den Nachweis dafür geliefert, daß ihnen nichts ferner lag als eine Schädigung Der Sowjetinteressen. Ausfällig ist, daß man bis heute von der Donez-Verschwörung nichts anderes alS Andeutungen vernommen hat. Es sieht so auS, als ob selbst die Anklaaebehörbe mit ihren Gefolgsleuten im Ehvr der Angeklagten in großem Bogen um die Verschwörung herumgeht, eben weil diese gar nicht existiert hat, so daß auch ühe Deutschen Ingen eure und Monteure noch die Tatlache ins Gewicht, daß fir durch da» Gefängni-reglement unb 6ie Behandlung durch bie Aufsichts.^hörDcn von lag zu Tag mürber gemacht neben unb schließlich unfähig Und. sich Der Tragweite ihrer An'.wrrien bewußt zu werden, bie ihnen Kry enko stet- von neuem in den Munb zu le^cn versucht. Sie müssen schon frühmorgens um fünf Uhr yre Rachtruhe abbreche.', f'.hcn Dann bis in die späten Abendstunde!, hinein im GerichtSlaai. so daß ihnen nur ein fünfstündiger Schlaf bie bt. Unter Dielen Umständen muß die Spannkraft der Angellag.en nochlaffen, und Krylenlo muß eS immer leichter werden, mit Hilfe von ..Geständnissen" und Behauptungen dem Prozeß Die Wendung zu gcaen. Die zur Verurteilung der Angeklagten notwendig ist. Die Zwischenbilanz deS Schachty-Prozesse- ist für den russischen Ankläger mehr als niederschmetternd. Trotz alledem werden wir unS auf schwere Urteile gefaßt machen müssen, weil ste die Sowjet- regicrung zur Bemäntelung ihrer eigenen wirtschaftlichen Unfähigkeit braucht Djx Ratstagung in Dens hat diesmal viel von ihrem sensationellen Eharal er verloren, schon weil infolge deS Fehlens von Driand und Stresemann bie großen außenpolitischen DöZen- geschäste wegfallen. Aber bie Intrigensucht, die in ber Genfer Atmosphäre liegt, ist doch unver- änbert geblieben. Sie ist vielleicht noch größer geworden, eben weil bei dem Fehlen Der großen Kanonen Die Ge er,en&cit au flcii.cn Ueberraschun- gen besonder- günstig erscheint. Und Daran hat eS Denn auch nicht gefehlt. Der große Kamps zwischen Polen unD Litauen, Den für Polen auch Herr Ehamkerlain führte, ist zwar im Sande verlaufen unD in seiner SnbentscheiDung, wie schon so oft, auf Die nächste Ratssitzung vertagt. ES ist aber nicht zu verkennen, Daß Herr Wolde- maras in eine immer ungünstigere Lage hinein- manöveriert wirD, weil er alS StörenfrieD angesehen wirD: nur weil er, waS ihm eigentlich niemand übel nehmen kann, auf Wilna als nationale Hauptstadt nicht zu verzichten bereit ist. Wenn Da- fo weiter geht, gewinnen Die Polen durch ihre überlegene Taktik DaS Spiel, unb Litauen kann Wilna auf Verlustkonto buchen, obwohl immer noch nicht zu sehen ist, wie Diese- 2anb ohne biese- sein Kernstück überhaupt lebensfähig sein soll. Aehnliche Machinationen gruppierten sich um Den Szen t Gotthard- Fa 11 herum, top einzelne Staaten gar zu große Reigung verspürten. Da- System Der Investigation zum erstenmal au-zuprobieren. Die Angriffe, Die hierbei an die Adresse Ungarn- gerichtet wurden, sollten natürlich Deutschland treffen. Der ganze Apparat sollte nur geprobt werden, um ihn im entscheidenden Augenblick gegen uirS in Bewegung zu fetzen. Hier hat Italien, da- ja sehr stark ungamfreundlich ist. wohl Dafür gesorgt, daß Der erste Angriff abgeschlagen wurde. So ist eigentlich in jedem Punkt nicht daS Politische daS Interessante, sondern bas diplomatische Intrigenspiel. Wir rechnen dahin auch ben Versuch, um jeden Preis die Rechte deS RatSvorsihenden zu steigern. Dafür lassen sich gewiß mancherlei Gründe anführen. Was aber für den ganzen Vorstoß ausschlaggebend war, ist doch die Erwägung, daß ber RatSvorfihenbe Der außereuropäischen Staaten meisten- Den GesanDten entnommen wirb, Die in Frankreich alfrebitlert sink), Daß er also stark unter französischem Einfluß steht unb eine Wahrung seiner Rechte auch bie französische Position starken würbe. Anlaß genug für unS, diesen Vorschlag abzulehnen. Endlich noch Die seltsame Geschichte, tote ausgerechnet Der polnische Außenminister Zaleski -um Leiter Der Sektion für MinDerhetten gemacht werden sollte, also Der Minister DeS LanDeS. da- wegen DauernDer Verstöße gegen Den Minderheiten- fchutz vor dem Rat steht. Deutschland hat zweimal intervenieren müssen, um die Rolle, Ne Herrn K a.esli zugedacht wurde, ihm wieder au» der Hand zu w:nDen. Sin Beweis. wie vorsichtig wir in Gens operieren müssen, toenn wir nicht unter Du* Räder kommen wo..en, xumal ja D?d Völkerbund nach wie vor sich bewußt Der eigen.» liehen Ausgaben der Friedenssicherung verschließt, die er zu erfüllen hätte. Arbeitstagung über gesunde Lebensführung. Die Arbeitsgemeinschast für Volks- gefunbung. Berlin, hielt am 5. und 6 3unl ihre Viügliederversammliing und eine Tagung über daS Problem Der gesunden Lebensführung ab Zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden sowie Der angeschlossenen Verbände hatten durch ihr Erscheinen und ihre rege Beteiligung an Den Verhandlungen gezeigt, wie stark Die Frage Der DolkSgesundung weite Kreise beschäftigen Die Arbeitstagung beschäftigte iich mit Dem Wesen und Der Bedeutttng Der Körperkultur unb ihre Auswüchse. Im Anschluß an eine Führung durch Die Ausstellung .Die Ernährung" sprach Mii i leriattat Dr. M.ill- tmh vom Preußischen Ministerium für Volk-» Wohlfahrt über bie Einwirkungen von Licht und Lust aus den gesunden und kaufen menschlichen Organismus Eine bemünftige Körperpflege. ber Sport in Der freien Ra - t u r im Winter und Sommer führen zu einer Stärkung Der Volksgesundheit unD auch zur Erreichung eine- höheren sittlichen RiveauS. Geheimrat Faßbender sprach über Die gesunde Ernährung im Wandel Der letzten Jahrzehnte. Zur Gesundheit gehört nicht allein intellektuelle Erkenntnis, sondern auch WillenS- MIDung. Die GmährungSsragen sind ebenso eine Bildung-- wie eine ErziehungSsrage Zu praktischen Folgerungen kam man am nächsten Tage, als Geheimrat Bier gelegentlich einer Berichtigung seiner Licht-Lust-Heilstätte für knochen- und gelenkkranke Kinder, sowohl auf Die Ve- Deutung Der LeibeSübungen unD ihre Grundlage als auch auf ihre Grenzen hinwieS. Schars geißelte dieser führende Mediziner auf dem Gebiet deS SportwefenS Die vielfachen gegenwärtigen Hebet treibun gen, besonder- im Frauensport und die sinnlose Sportbegeisterung breiter Massen. In einem weiteren Vortrag betonte Dr Harmsen, daß Der Höhepunkt Der Auswüchse auf Dem Gebiet deS Film, und Bühnen Wesens um da- Jahr 1925 liegt Heute f in Den wir eine besonders starke Heber- Hutung des Z e i t s ch r i s t e n w e s e n S mit Racktdarstellungen. Die lüsterne Racktbeit, welche sich gegenwärtig im übergroßen Maße auch in Den Wochen- unD Monatsschriften breit macht, muß man al- ein Geschäft mit Sefualien bezeichnen. DaS Gesetz zur Bekämpfung der Schmutz- unb Schundliteratur hat gegenüber diesen Druckerzeugnissen ebenso wie Die Staatsanwaltschaft weithin versagt Die nettoenDigc Voraussetzung für jede Bekämpfung Der für unsere Jugend gefährlichen Zeitschriften ist eine gesunde öffentliche Meinung diesen Fragen gegenüber. Der Kasseler SeleldiglmgSprozeß In Dem Beleidigung-Prozeß gegen Den Regierung S rat a. D. Karbe, in Den auch die Möbelangelegenheit deS früheren Kaffeler Oberbürgermeister- Scheidemann hineinspielte, wurde nach viertägiger Verhanblung. nachdem auch zahlreiche höhere Staatsbeamte alS Zeugen vernommen wurden, da- Urteil verkündet. Der Angeklagte RegierungSrat a. 'S). Karbe wird wegen Beleidigung deS verstorbenen Regierungspräsidenten Springvrum und anderer Mitglieder der Kasseler Regierung kostenpslichtig z u einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt, an Deren Stelle im Richt bei treibungS- salle für je 20 Mark ein Tag Gefängnis tritt. In der Urteilsbegründung wird u. a au-ge- führt, daS Gericht habe sich dahin entschieden, daß die von Dem Angeklagten in seinen Schrist- badsch4, Der Purckt, an Dem sich Der DoSporuS zu verengen beginnt. Gegenüber Rumeli Kawak liegt am asiatischen Ufer AnaDolu Kawak, auf Dem höchsten Gipfel eine« Dvppelhügels die Ruinen deS Genueser Schlosse-, davor auf schmaler Landzunge, hall» verborgen im Grün, eine Batterie, bie heute nur schiffspolizeilichen Zwecken bient, in tiefer Bucht schöne Sommerhäuser von froher Heller Farbe mit leuchtend roten Dächern, vom lichten Grün junger Bäume umgeben, unb unweit davon das alle Dorf, dunkle Häuser dicht am Wasser. Unser Dampfer stoppt auf Der Reede. Beamte bet türkischen Polizei- unb Sanitätsbehörde kommen an Bord. Rach eineinhalbstündigem Ausenthall vor Ana- bolu Kawak setzt Der Dampfer seine Fahrt fort DaS Wunder Konstantinopel hebt mit leisen Tönen an. die nur allmählich zum gewaltigen Allorde werden. Immer zahlreicher sind die Ansiedlungen am Ufer, die ersten Vorboten der Stabt. Prächtiger, reicher werden die Kolonien der Sommerhäuser und Paläste. Während daS asiatische User den Präludien mir schwache- Echo gibt, leuchten an der europäischen Küste die vornehmen Sommerhäuser von Düjük-derL auf. wieder nur Vorboten für Größeres: Am tiefblauen Wasser liegt Therapia, der Sommersitz von KonstantinopeiS Reichtum. Dunkle Pinien und Zypressen stehen hinter den prunkvollen Villen. Palästen und Hotels. Im Süden aber türmen sich die gewaltigen Trutzmauern von Rumeli Hissar, an der engsten Stelle deS Bosporus, dort, wo Europa und Asien nur durch eine schmale Fahrtrinne voneinander getrennt sind. Hier lieh Darius die Drücke Wagen, bie fein Heer nach Europa führen sollte, hier faßten die Türken bei ihrem Vordringen auS Asien zum ersten Male auf unserem Erdteil Fuß, noch ehe sie Byzanz unterworfen batten. Reben dem großen Dorf mit seinen niederen Häusern und südlich flachen Dächern ragt die alte Festung unmittelbar vom Meere mit zinkenbewehrtem Mauerwerk unb mächtigen Rundtürmen zur Höhe deS Hügels. Gegenüber. alS asiattscheS Spiegelbild, liegt die Burg Anadolu Hissar. In der Feme erscheinen die Häuser von Sku- tari und ein schmaler Streifen des Marmara- Meeres. Das Wunder Konstantinopels schwillt au gewaltigem Akkorde an. Immer größer wird Die Zahl der Schiffe, die hier den DoSporuS beleben. in ununterbrochener Reihe stehen Häuser unb Paläste am Ufer. Die Serallspihe wird gegenüber von Skutari sichtbar, vor dem Hellen Himmel steht die Silhouette von Stambul. eine Schar hoher Minaretts, gewaltige Stubbe In der Moscheen. DaS Geschäftsviertel Galata erscheint, Darüber, stell ansteigend, daS Turopäerviertel Pera. DaS Gewirr Der einzelstehenben hohen Häuser von Pera, Die wie Wolkenkratzer anmuten, bringt in bhantastischer Laune amerikanische Züge in bie Physiognomie Der Weltstadt deS Orients. AuS dem Gedränge des HafenS haben sich zahlreiche Ruderboote gelöst, die ellig auf unser Schiff zu steuern. Mit Enterhaken und Tauen hängen sie sich an den fahrenden Dampfer, der fie rasch mit sich fortschleist. Die DootSinsassen klettern mit erstaunlicher Behendigkeit unb Verachtung der Gefahr außenbords aufs Schiff, und plötzllch find wir europäischen Reisenden von einer Schar schreiender und wild gestikulierender Kerle umringt. ES sind Bootsleute und Lastträger, Die unS mit unserem Gepäck an Land bringen wollen. Wir haben noch kein Wort verlauten lassen, ob wir überhaupt in Konstantinopel bas Schiff verlassen oder nach dem Mittelmeer Weiterreisen, und doch ist bereits ein erbitterter Streit um die Ehre. unS ausbovten zu dürfen, zwischen ihnen entbrannt. Sie brüllen auseinander ein, treten einander in drohender Kampfstellung gegenüber, und wir armen Fahrgäste müssen unS vor diesem temperamentvollen Streit um deS Kaiser- Bart in eine bescheidene Ecke des Decks flüchten. Von allen Seiten bringen die schreienden Kerle aufeinander ein. biS schliehlich ein SchiffSossizier soweit Ordnung schafft, daß wir treppab den Rückzug in den Kajütengang an treten können. Wir haben eine Kostprobe von den Schattenseiten Konstantinopels genossen. Inzwischen ist der Dampfer ins Goldene Horn eätgelaufen. In all ihrer unbeschreiblichen Herrlichkeit liegt die Stadt vor unS. Richt kühl berechnende Politik allein mag durch viele Jahrhunderte den Völkern deS Westens und des Ostens Byzanz, den Schlüssel zweier Welten, alS höchsten SiegeS- pveiS versprochen haben. Diese- Stück Erde, wo Stontlnent zu Kontinent findet, Meer zu Meer, muß jeden Menschen mit Stetten der Sehnsucht wieder an sich ziehen, der einmal Stadt und Küste von Stambul erblickt hat. 3m Käfig nach ber Teufelsinsel. Eine grausige Schiffsladung verläßt wie alljährlich, jetzt Den Hafen 0t. Martin de R6 in Der Dai von DiSkaja: bie Verbrecher, bie zur Deportation nach Der TeufelSinfel bestimmt find. Es sind diesmal 418 liebeltäter. Die diesem grausigen Schicksal entgegengehen und von einer schwerbewassneten Mannschaft au- dem Gefängnis von St. Martin de R6 auf da- Schiff gebracht wurden. Das .Verbrecherfchiff", der 5000 Tonnen-Dampfer .La Martiniöre", enthält starte eiserne Käsige, tote sie sonst nur für wilde Tiere in ©ebraueb sind In ihnen werden die Verbrecher untergcbracht, die für bie An- ftrengungen ber Reise 14 Tage lang ArbeitS- ruhe unb bessere Rahrung erhielten. Im Falle eineS Aufstande- würden die Insassen ber Käfige sofort mit heißem Wasser überschüttet werden, denn die Käfige stehen durch Röhren mit Den Dampfkesseln in Verbindung, und die Wärter können mit einem einzigen Griff die heiße Flut in die Käfige leiten. Während der Reise erhalten die Verbrecher zum Frühstück Zwieback und Kassee, zu Mittag Fleisch. Gemüse unb Wein, und abend- da-selbe ohne Wein. DaS Schifs fährt zuerst nach Algier, um dort noch Verbrecher au» Rord-Afrcka auszunehmen. ES ist Zweifelhast, ob einer dieser Unglücklichen Die Heimat je toiederfieht, Denn wenn auch nicht alle au lebenslänglicher Deportation verurteilt sind, so überlebt Doch selten einer in Dem furchtbaren Klima feine Strafzeit. Hochschulnachrichten. Direktor chermann P o 11 h o s f ist zum ordentlichen Profestor für Eisenbahnmaschinenbau und Krastfahrwesen an ber Technischen Hochschule In Hannover als Nachfolger von Geheimrat L. T r o s k e berufen worden. Er hat den Ruf angenommen und bereits feine Ernennung zum Drblx narius in Hannover erhallen. Jöijen gebrauchten Ausdrücke und Redewendungen zwar sämtlich beleidigender Ratnr seien, daß aber aus der vorn Angeklagten gewählten Form die Absicht der Beleidigung nutzt hervorgehe, sondern ihm bei 21 von 26 Punkten der Anklageschrift der Schuh deS § 193 (W a h- tu n g berechtigter Interessen) zu - gebilligt worden sei. Dem Angeklagten sei es dagegen in keinem Punkt gelungen, den von ihm angetretenen Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen zu erbringen, insbesondere darüber nicht, dah der verstorbene Re- gierungspräsident Springorum .eine an Frivolität grenzende LInzuverlässigkeit als Zeuge an den Tag gelegt habe, daß er amtliche, den Regierungsrat Karbe betreffende Akten gefälscht habe, daß er Aktenstücke gesenkt. oder habe senken lassen, und dah er seinen amtlichen Einfluß mißbraucht Hobe, um Karbe ostentativ bloßzustellen." Als beleidigend hat das Gericht angesehen die Behauptungen des Angeklagten, dah Regierungspräsident Lpringormst „eine fragwürdige Gestalt sei, und daß er seine amtlichen Machtbefugnisse mißbraucht habe, um einen für den Mö^llchieberbegünstiger nicht eingenommenen Beamten zu verlotgen". sowie die Redewendungen .schamloses Treiben des Regierungs- Präsidenten Springorurn" und .das die widerwärtigste Form nicht scheuende Bestreben Sprin- aorums. sich den heutigen Machthabern an den Hols zu werfen". Schließlich hat das Gericht den Angeklagten noch für schuldig erachtet, die Mitglieder der Kasseler Regierung dadurch beleidigt zu haben, dah er die von ihnen gefaßten Entschließungen als aus Dummheit und Ser- vilismus geboren bezeichnet hat. Bei der Zuweisung ixs Strafmaßes hat das Gericht die Ausführungen des Sachverständigen über den Geisteszustand des Angeklagten wettgehend in Erwägung gezogen und deshalb nur auf die oben mitgeteilte Strafe erkannt. Trachtenfest und SesangSweststmt in Leihgestern. —Roch nie hat unsere Rachbargemeinde Leihgestern ein so glanzvolles Fest begangen, wie bern gestrigen Gesangswettstreit, verbunden mit Trachtenschau und Trachten- Ausstellung. Mit Recht kann man dieses Fest als ein wahres Hüttenber^er Volks fest bezeichnen. Man schätzt die Zahl der Fcstbesuchec aus 10 000 Menschen Die Anmarschstraßen nach dem Festorte, besonders von Gießen und vom Bahnhof Großen-Linden her, zeigten stundenlang einen einzigen Menschenstrom, durch den sich unzählige Autos, Fuhrwerke und Radler einen Weg bahnen mußten. Unb wie schmuck sah der Festort Leihgestern aus! Kein Haus, das nicht im Festgewand prangte und Fahnenschmuck, Girlanden oder Tannengrun trug. Biele Häuser hatten auch ein neues Kleid zum Festtag erhalten. Geschmackvolle Ehrenpforten begrüßten an den Oriseingängen die Gäste. Bom Dorfe bis zum Fetzplatz an her Gießener Straße war eine Fahncnallee hergerichtet. Roch bei keinem Feste hat unsere Einwohnerschaft mit solchem 6ifer mitgewirkt, wie diesmal. Man sagte auch in dem Dorfe nicht .Der „Lieder- kränz" feiert ein Fest", sondern „Leihgestern feiert ein Fe st". Auch die Anlage und Ausschmückung des Festplahes machte dem Festausschuß alle Ehre. Eine riesige Festhallc von 100 Meter Länge und 20 Meter Breite bot Platz für über 2000 Personen. Schon am Samstagnachmittag trafen die Rheinländer und Siegerländer Gesangvereine von Gießen aus ein. Gelsenkirchen unlernahm einen Spaziergang durch den Dergwerkswaid, wahrend Hagen per Auto von Gießen aus fuhr. Auch der Verein aus Siegen war inzwischen eingetroffen. Die bekannte Gastfreundschaft der Lcihgesterner hatte für vorzügliche Bürgerquartiere gesorgt. Gegen 9 Uhr abends versammelten sich die Ortsvereine, sowie die Vereine Siegen. Delsenkirchen-Rotthausen und Hagen zum F a ck e l z u g. der sich bei ein- brechender Dunkelheit in Bewegung setzte. In der Festhalle begann nun der Festkommers aus Anlas-, des 65jährigen Bestehens des Gesangvereins Liederkranz. Er wurde eröffnet durch den Thor: „Die Himmel rühmen...". der von dem festgebenden Verein „Liederkranz" unter Leitung des Chormeisters Blaß und unter Begleitung der Kapelle M a n k (Wie- seck) vorzüglich vorgetragen wurde. Fräulein dttilie Heß, Tochter des Mundartdichters Heß, »sprach das von ihrem Vater verfaßte Festgedicht. Der 2. Vorsitzende, Wilhelm L u h, begrüßte na^ /mens des sestgebenden Vereins, der übrigen Ortsvereine, sowie der Gemeinde mit herzlichen rWorten die Fest- und Ehrengäste und schloß mit einem Hoch aufs deutsche Vaterland. Hierauf sangen die Gesangvereine „Einttacht" und „Harmonie" Leihgestern. Es folgte die Ehrung von 25 verdienten Mitgliedern. Es wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: zwei Sänger für 25jährige SangeStätigkeit, 23 Mitglieder für 40jährige Mitgliedschaft und der Riunbartdichter Georg Heß, der sich um das Gelingen deS Festes sehr verdient gemacht hat. Ramens der Geehrten sprach Georg Heß den Dank aus. Die sich anschließende Ehöre der drei Gastvercine Hagen, Siegen und Gelsenkirchen - Rotthausen fanden eine dankbare Zuhörerschaft. Schon bk Frühzüge brachten am Sonntag von 7 Uhr ab die wettsmgendcn Vereine, um 9 Uhr waren sämtliche 33 Vereine eingetroffen. Das Klassan» und Ehrensinaen nahm um 9 Uhr in drei Sälen seinen Anfantz. Es dauerte bis gegen 2 Uhr nachmittags. 33 Mannerchöre mit etwa 1600 Sängern wetteiferten in zwei Abteilungen mit sieben Klassen um die Siegespalme. Inzwischen waren auch die 20 Galtvereine aus der Hessischen und preußischen Nachbarschaft eingetroffen. Um 2 Uhr wurde ein Festzug in drei Abteilungen ausgestellt. Dieser enthielt in seiner ersten Abteilung hi st arische Gruppen. Er würbe eröffnet durch eine Abteilung Hüttenber- gcr Dauern hoch zu Roß, an deren Spitze Mundartdichter Hcß ritt. Ihm schloß sich der Reiter verein Großen-Linden an, dahinter marschierten Gruppen von Mädchen in den Trachten, wie sie im Hültenberg bei den verschiedensten Anläßen getragen wurden. Lorsmusikanten |orten für eine echte ländliche Banernmusik. Es schlossen sich Gruppen an, die die verschiedensten landwirtschaftlichen Betriebe und Arbeiten darstellten, z. B Schnitter, Drescher, Bauer mit Pflug und (Egge, der Sämann, ferner eine Spinnstube, Rekrutenwagen, Turnvater Jahn, je ein Wagen der Brauerei Ihring-Melchior (Lich), Molkerei Grieb (Gießen), Firma Tröster (Butzbach) und der Gießener Vogelzuchtverein. Die Fortschritte des Feuerlöschwesens waren dargefteUt durch die ölte Grüningcr Feuerspritze aus dem 16. Jahrhundert und die moderne Motorspritze des Kreises Gießen. Auch das Dorf 'Jliebcr-Rken war mit seinen farbenfrohen Trachten in einer besonderen Gruppe vertreten. Die Fortschritte des Verkehrswesen waren dargestellt durch den Bauer im blauen Kittel, ein Fahrrad und ein Flugzeug. So zeigten zahlreiche Gruppen den Fortschritt zwischen einst und jetzt. In den beiden übrigen Abteilungen des Festzuges folgten 54 geladene Vereine. (Eine Dieüaufenbtöpjige Menschenmenge umsäumte die Straßen, um das wunderbare Schauspiel eines Trachtenzuges zu sehen Mit Mühe gelang es einem starken Polizeiaufgebot, die begeisterten Zuschauer muffen zurückzuhalten. Der historische Teil des Festzuges und die auf dem Festplag von (9g Heß sie leiteten Trachtentänze wurden van der Kreis filmftelle aufgenommen. Auf dem Festplah begrüßte Festpräsident Jung die Gäste und brachte ein hoch auf bas deutsche Lieb aus. Fräulein Dttilie Heß entbot in vorzüglichem Vortrag einen poetischen Festgruß. Provinzialdirektor Graes, der das Protektorat des Festes übernommen hatte, hob das Verdienst des Heimatdichters Gg. H e ß um bas Zu- ftanbefommen des Trachtentages hervor. (Er gab bem Bebauern barüber Ausbruck, baß bie färben- prächtigen Trachten immer mehr verschwinden unb ermahnte bas Lanboolk, festzuhalten an ben Sitten ber Väter. Sein Hoch galt bem Vaterlande. An- schließenb begann in ber Sängerhalle bas Singen ber Ga st vereine. Draußen aber auf bem Festplag unb befonbers auf den drei Tanzböden begann ein fröhliches Volksfest, bem auch einige Regenschauer keinen Abbruch tun konnten. Mit einen Glanzpunkt der gesamten festlichen Veranstaltungen bildete die Trachten-Ausstellung, welche durch Heimatdichter Georg Heß in zwei Schulsälen eingerichtet worden war. Der eine Saal enthielt die Herstellung der Stoffe für die Hüttenberger Tracht, die Vorführung der Flachsspinnerei und -Weberei vom Leinsamen bis zum fertigen Leinen. Die Flachsverarbeitung wurde vorgeführt durch einen Weber und drei Frauen in der Hüttenberger Volkstracht. Viel bewundert wurden die heute vollständig verschwundenen Geräte, wie Webstuhl, Schwingstock, Flachshechel usw. Der andere Saal galt den Trachten und den häuslichen Einrichtungen. Eine Hüttenberger Bauernstube und eine Küche mit den Einrichtungen aus Urgroßvaters Zeiten erregten lebhaftes Interesse. Der im Volksmund wohlbekannte „Dippelouis" hatte hier seine niedlichen irdenen Töpfe auf Tischen, Schränken und Wandbrettern in geschmackvoller Weise ausgestellt. Trachten für tue verschiedensten Lebensalter und zu den verschiedensten Anlässen und Ereignissen, wie Hochzeit, Abendmahl, Trauer, Kirchweih usw. füllten in wohlgefälliger Anordnung den Saal aus. Die Ausstellung erfreute sich eines zahlreichen Besuches, und man sah es den Ceuten an, daß sie von dem Dargebotenen vollauf befriedigt waren. * L i ch, 10. Ium. Untere prächtig geschmückte Stadt stand gestern und heute im Zeichen des deutschen Liedes. Der Gesangverein „Cäcilia“, der älteste Verein am Platze und einer der ältesten hessischen Gesangvereine, feierte sein 90jähriges Bestehen unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung und zahlreicher Gesangvereine der näheren und weiteren Umgebung. Treffliche Vorbereitung und die opferbereite Mithilfe jedes einzelnen Sängers gaben die Grundlage für einen in jeder Hinsicht wohlgelungenen und eindrucksvollen Verlauf, der auch durch zeitweilige leichte Regenfälle nicht beeinträchtigt werden konnte. Erhebende Gedächtnisfeiern wechselten mit frohen sangesbrüderlichen Erlebnissen. Alles, was geboten wurde, war auf einen Grund ton eingestellt, der unaufdringlich zwischen Gästen und Gastgebern Freundschaftsbande knüpfte und alle im Zeichen des deutschen LiedeS ungetrübte Freude genießen lieh. Lich hat wieder einmal beweisen können, daß es seinen alten Ruf als Fest stabt behauptet hat, und die trotz ihres hohen AlterS immer jugendfrische „Cäcilia" hat erneut bezeugt, daß der treffliche Sängergeist ihrer einstigen Gründer weiterlebt auch in der jüngeren Generation. Was von dem Verlauf der Jubelfeier, die am Montag noch andauert und über deren Einzelheiten wir noch einen Sonder- bericht bringen werden, getagt werden kann, das gilt auch von dem mit dem Feste verbundenen Gesangswettstreit. Dieser vereinigte in mehreren Klassen insgesamt 31 Vereine zu edlem Wettbewerb: nicht nur viele Dereinc der näheren Umgebung, auch solche aus Westfalen und dem besetzten Gebiet, welch letztere nicht oft genug zum Ausdruck bringen konnten, wie gut es ihnen in unserem schönen Oberhessen und in der gastlichen Feststadt gefallen habe, waren erschienen. WaS in den einzelnen Klassen, die sich in Steins Saalbau, in der Turnhalle und in der großen Festhalle dem Schiedsgericht stellten, geleistet wurde, war em erfreulicher Beweis für den Aufschwung, den der Männergesang in den Jahren nach dem Krieg genommen. Es wurden fast durchweg sehr gute Leistungen geboten, in denen zum großen Teil reifes künstlerisches Können zum Ausdruck kam. Die oft nur geringen Differenzen zwischen den erreichten Punktzahlen sagen am deutlichsten, daß in allen beteiligten Vereinen mit Fleiß und Ernst an der Erreichung der hehren Ziele gearbeitet worden ist. Besondere Anerkennung verdienen vor allem einige Landvereine her näheren Umgebung. In der Wahl deS streiten Kunstchors und des Volksliedes sind, wenn man Vergleiche mit früheren Wettstreiten in unserer Gegend zieht, ganz beachtenswerte Fortschritte zu verzeichnen. Rur halte der 'Freund der Musikgeschichte im Sch u ber t -I a hr e gern noch den einen ober anderen Schubert-Thor gehört. Rur ein Verein der Quartetlllasse hatte sich an des Meisters schwierige Kornpositton „Ruhe schönstes Glück der Erde" herangewagt, dessen Schwierigkeit auch mit sieben Punkten bewertet wurde. Nachfolgend veröffentlichen wir die vollständigen Ergehni-sfe des Wettstreits, dem Vrel bewundert wurde auch ine Ausstellung der PreiseundEhrenpreise zum Wettstreit, die in dem Schaufenster des Sisengeschäftes Karl Drück prangten und schon am Ännstagnachmittag die fremden Sänger an» lockten. Das lebhafteste Interesse erregte ein goldener Sängerkranz, gestiftet von Heimatdichter Heß. er sollte dem ersten Siegerverein zufallen. Das Ergebnis des IDettfingens: Abteilung A: Stadtklaffen. Klaffe 1. 1 Preis mit 228 Punkten, l. Ehrenpreis, Hauptehrenpreis unb Dirigentenpreis „Rhein- aola" Hagen; 2. Preis unb Ehrenpreis „Harmonie Gelsenkirchen-Rotthaufen: 3. Preis unb Ehrenpreis „Apollo" Stegen Außerbem erhielt „Rheingold" Hagen ben goldenen Kranz als Sieges- preis. K l a f f c 2. l. Preis mit 226 Punkten, Hauptehrenpreis mit 301 Punkten unb Dirigentenpreis mit 161 Punkten „Hillaria" Holzhausen , 2. Preis mit 219 Punkten unb Ehrenpreis mit 102 Punkten „Äontorbia" Rödgen. Klasse 3. 1. Preis mit 224 Punkten, Ehrenpreis mit 106 Punkten, Hauptehrenpreis mit 318 Punkten unb Dirigentenpreis mit 161 Punkten „Frohsinn" Hochelheim: 2. Preis mit 215 Punkten ,F)rpheus" Wetter, 3. Preis mit 214 Punkten „Eintracht" Frankfurt-Bonames Abteilung B: Lanb klaffen. Ä (a f f e 1. 1. Preis mit 210 Punkten, Hauptehrenpreis mit 301 Punkten, Ehrenpreis mit 107 Punkten „Germania" Ä(cin-2Iltenftäbtcn; 2. Preis mit 205 Punkten, Ehrenpreis mit 107 Punkten „Germania" Lang-Göns. 3. Preis mit 202 Punkten „Arion" Klein Linden. Ä I a f f e 2. 1. Preis mit 213 Punkten, Ehrenpreis mit 105 Punkten, Hauptehrenpreis und Dirigenten- preis mit 157 Punkten „Lieberkranz" Dietkirchen: 2. Preise mit je 198 Punkten „Sängerbunb" Reu- Isenburg unb Männergesangverein Fronhausen (Lahn). K l a s s e 3. 1. Preis mit 205 Punkten, Ehrenpreis mit 107 Punkten, Dirigentenpreis mit 156 Punkten unb Hauptehrenpreis mit 312 Punkten . Harmonie" Rieber-Dresselnborf: 2 Preis mit 191 Punkten und Ehrenpreis mit 102 fünften „Eintracht" Straß- Ebersbach, 3. Preis mit 190 Punkten unb Ehren- preis mit 104 Punkten .Harmonie" Werborf: 4. Preis mit 189 Punkten unb Ehrenpreis mit 104 Punkten Männergesangverein Münchholzhausen; 4. Preis mit 189 Punkten „Sängergruß" Donsbach: 5. Preise mit je 185 Punkten „Eintracht" Laubach, „Taunuslieberzweig" Stierstabt unb .Liederkranz" Dübelsheim. Klasse 4. 1. Preis mit 206 Punkten, Ehrenpreis mit 97 Punkten, Hauptehrenpreis mit 303 Punkten „Lieberkranz" Oberquembach; 2. Preis mit 201 Punkten „Tonblüte" Groß-Auheim: 2. Preis mit 201 Punkten, Dirigentenpreis mit 153 Punkten, Ehren- preis mit 98 Punkten „Äontorbia" Holzhausen: 4. Preis mit 200 Punkten „Sängerlust" Ober-Jssig- heim; 5. Preis „Eintracht" Beilstein: 6. Preise „Liebertafel" Hainchen, Mannergesangverein Nieder- Dresselndorf (außerbem einen Ehrenpreis); 8. Preis „Frohsinn" Oberau; 9. Preis Mannergesangverein Babenhausen II; 10. Preis „Germania" Volpertshausen; 11. Preis „Fibelio" Ober Widdersheim. in den Musikdirektoren Baumann (Karlsruhe). Großkurth (Betzdorf), R. Werner (Frankfurt a. M.). H. Ziegler (Hannover) und in den Ehormeistem Damm (Weilburg) und I. Müller (Mainz) ein fach- und kunstverständiges Preisgericht Vorstand. Prdeergebniffe. Abteilung A. Stabiklasse I (aufgegebener Thor: „Auferstehung" von I. Werth): 1. Preis Sänaervereingung ber Stabt Rübesheim a. Rh., 162 Punkte; Ehrenpreis : Sängervereinigung der Stadt Rüdesheim am Rhein, 79 Punkte. Stabiklasse II (aufgegebener Chor „Gruß" von Alb. Thierselber): Älaffenpreife: 1. Preis G.-B. „Harmonie", Lieblos, 162 Punkte; 2. G.-V. „Germania", W a Senborn, 155) P.; 3. G.-D. „Germania", Großen-Buseck, 154 P.; 4. G.-B. „Eintracht", Johannisberg a. Rh., 150! Punkte. Ehrenpreis: G. - D. „Germania", Watzenborn, 80 Punkte. Stabiklasse III (aufgegebener Thor: „Dem beutschen Vaterlande"): filaffenpreife: 1. Pr. M.-G.-V. „Liedertafel", Altena i. W„ 168! Punkte; 2. G.-B. „Lieberkranz", Bübingen, 165! P.; 3. M.-G.-V. „Sängerkranz", Nidda, 163 Punkte; 4. M.-G.-V. Lauterbach, 154 P.; Ehrenpreis: M.-G.D. „Liedertafel", Altena i. W., 81! Punkte. Abteilung B. Landklaise I (aufgegebener Chor 0 leuchte lag): K l a s s e n p r e i s e : 1. G.-D. „Eintracht" Steinberg, 157 P.. 2. M.-G.-V. „Frohsinn", Nachrodt-Obstfeld. 148 P.; 3. G.-D. „Diktotta", Garbenteich, 139! Punkte; Ehrenpreis: M.-G.-V. „Frohsinn", Nachrodt-Obstfeld, 72 Punkte. Landklasse II (aufgegebener Thor: „Waldes- zauber" von Franz Abt): Klaffenpreise: 1. G.-D. „Frohsinn", Londorf, 140 P., 2 G.-D. .Harmonie", Dutenhofen. 135 P.; 3. G -v. „Sängerlust", Bleichenbach, 132! P.; 4. G.-D. „Germania", Steinbach, 131! P.; Ehrenpreis: G.-D. „Harmonie", Dutenhofen, 71 Punkte. Landklasse III (aufgegebener Thor. „Der Spielmann vom Rhein" von Fr. Gellert): Klasse n p r c i f e : 1. G.-D. „Sängerkram", Albach, 135 P.; 2. G.-D. „Toncordia", Münchholzhau- fen, 129 P.; 3. G.-V. „Eintracht", Wohn b ach, 123 Punkte; Ehrenpreis: G.-B. „Toncordia", Münchholzhausen, 66! Punkte. L a n b k l a f f e IV (aufgegebener Thor: „Das Ringlein" von W. Rageli: Klassenpreise: 1. Quartett-Verein „Frohsinn", Sprendlingen, 141 Punkte; 2. M.-Quarleit Haingründau, 137! Punkte; 3. M.-G.-D .Loreley", Oberlemp, 137 P.; 4. M.-G - Derein „Einttacht", Bauernhcim, 125! D.; Ehrenpreis : 'Dt.-Quarteit Haingründau, 60 Punkte. Abteilung C. Quartettklaffe (aufgebener Thor: „Einsam- kett" von I. Rietz); Klassenpreise: 1. Doppel- Quartett. Dad-Rauheim, 159! P: 2. Doppel- Quarteti Friedberg-Fauerbach. 152! P.. 3. M. - Quartett 1924, Ortenberg, 151 Punkte, Ehrenpreis Doppel • Quartett Bad • Rau- Heim, 75 Punkte. Sängerjubilämn unb GesaiWwMeii in Lich. Abteilung D. Nichtpreisgekrönte Vereine Abteilung Da (auf gegebener Chor: „Das Ringlein" von D Nagel): 1. G.-D „Germania" Dorheim, 156 P.; Ehrenpreis: G.-D. ..Germania", Dorheim, 75! Punkte. J Nichtpreisgekrönte Vereine, Abteilung Db (aufgegebener Chor: Habe es lieb" von E. Haufen): filaffenpreife: 1. Erkfcher Männerchor, Wetzlar, 148 P.; 2 G.-D. „Eintracht", Albach, 142> P-: 3. G V. „Frohsinn", Ortenberg, 140 Punkte; 4. M.-G.-D. „Toncordia", Langsdorf, 139! Punkte; Ehrenpreis: Erkfcher Männerchor, Wetzlar, 76 Punkte. Höch ste Ehrenpreise. Abteilungen A, BI und C 1. M.-G -B. .Liedertafel", Altena i. W., 250 P.; 2. G.-D. „Sie- derkranz", Büdingen. 246 Punkte. Abteilungen Bll bis IV: 1. G.-V. „Froh- sinn", Londorf, 208! P.; 2. Quattett-D Frohsinn", Sprendlingen, 208! Punkte Abteilung D (nicht preisgekrönte Klasse): 1. G.-D. „Germania", Dorheim, 234! Punkte. 26. Oberhessischer- Provinzialfeuerwehrtag. 75 Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld. Am 9. unb 10. Juni sand ber ordentliche Oberhessische Provinzialfeuerwehriag in Derbinbung mit ber Feier bes 75jährigen Bestehens ber Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld unter reger Beteiligung vieler oberhefsifcher Wehren in Alsfeld statt. Arn Samstagnachmittag um 31/, Uhr eröffnete ber Vorsitzen be des ober hessischen Provinzial- verbandes, Damm- Friedberg, bie Abgeordnetenversammlung im großen Saale des »Deutschen Hauses''. Seitens ber Provinztaldirek- tion Ober Hessen war OberregierungSral Dr. Heß erschienen, für das Kre'.Samt MSseld Kreisdirektor Dr. Stammler unb Regierungsrat Strack, ber Referent für bas Feuerlöschwesen. Die Stadt Alsfeld war durch Bürgermeister Dr. B ö l s i n g vertreten. Auch die meisten oöerhessischen Kreis- feurrwehrinspeltoren waren erschienen, sowie der Kreisbrandmeister deS Kreises Hersfeld. Rach den einleitenden BegruhungSworien der ‘Vertreter ber genannten Behörden erstattete der Vorsitzende Damm-Friedberg den Geschäftsbericht, aus bem zu entnehmen war, bah seit der letzten Taguna sich bie Zahl ber oberhessischen Freiwilligen Feuerwehren um sieben vermehrt hat. unb daß zur Zeit insgesamt bunbert Freiwillige Feuerwehren in Oberhessen bestehen. Dann folgte die Rechnungsablage unb bie Bestimmung des Beitrags für 1928 - 31. ber wie seither auf 5 Pf. pro Kopf festgesetzt würbe. Die Ausnahme ber neu gegründeten Freiw. Feuerwehren Watzenborn- Steinberg. Eschenrod und Eckartshau'en erledigte sich durch bie erfolgte Aufnahme in den betreffenden Kreisverband. Eine längere Debatte entspann sich über die Wahl von vier Mitaliedem in ben LandesauSschuß, wofür Atoei Vorschläge gemacht wurden. Durch schriftliche Abstimmung wurden gewählt: Schneider-Büdingen. Damm- Friedberg, städtischer Branddirektor Braubach- Gießen unb Knierim - AlSseld. Der Bor- sitzenbe D a m m - Friebberg hielt alsdann einen Vortrag über »DaS Anfahren der Geräte auf ber Brandstelle", wobei er wertvolle Winke für das zweckmäßige Anfahren der Geräte im Brand alle gab. Hierauf hielt ein Vertreter deS Lebensver- sicherungsvereinS .Deutscher Herold' in Frankfurt a. M. einen Vortrag über Sterbegeldversicherung unter besonderer Berücksichtigung ber Verhältnisse der Feuerwehrleute. Als Tagungsort für den in 1931 wieder stattsindenden Ober- hessischen Feuerwehrtag wurde mit Stimmenmehrheit Lauterbach gewählt. Die Versammlung war von etwa 150 Delegierten besucht. Auf Anordnung des Kreisamts Alsfeld waren dazu auch die Kommandanten bet Pflichtfeuerwehr des KreiseS eingelaben. Am SamStagabenb um 8 Uhr fand in der stäbtifchen Fest halle auf bem Lindenplatz ein sehr gut besuchter Festkommers statt, ber durch Darbietungen des Gesangvereins „Cieber- kran§' unb turnerische Vorführungen ber Darnen- abteüang des AlSselber Turnvereins und der Freien Turnerschast. sowie durch sehr hübsche Marmorgruppen des Vereins für Körperkultur auSgeschmückt war. Am Sonntaamorgen wurde eine Schul- Übung der Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld an ben Geräten mit anschließendem Bvanbangriff auf da» Weinhaus am Marktplatz vorgeführt, wobei auch die Ortsgruppe Alsfeld der Freiwilligen Sanitätifolonne vom Roten Kreuz mittoirfie. Das besondere Interesse fand bie Wirkuna ber neuen städtischen Motorspritze. 3m Anschluß an bie Hebung überreichte RegierungSrat Strack (Alsfeld) im Auftrag ber Regierung einer Anzahl Feuerwehrmännern daS Erinnerungszeichen für 25jähriae Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr. Rach- mittags um 2 älhr bewegte sich ein stattlicher Festzug mit mehreren Musikkapellen durch bie Stadt nach dem städtische^ Festplatz, wo Branddirektor Knierim (Alsfeld) namenS ber Freiwilligen Feuerwehr Alsfeld die Fcstteilnehmer begrüßte. Die Festrede hielt Bürgermeister Dr. V ö l s i n g , ber auf bie hohe ideale Bedeutung des Feuerwehrwesens hinwies unb babei betonte, baß bie Bekämpfung gemeinsamer Rot und Gefahr, insbesondere des «Feuers, durch eine disziplinierte, für ihre Zwecke durchgebildete, von Opferwilligkeit und Hilfsbereitschaft beseelte Bereinigung deutscher Männer der Ausgangspunkt für die Schaffung ber uralten Einrichtung bet deutschen Feuerwehren gewesen sei. Dieser Geist der Rächstenliebe und älneigennützig- keit müsse wieder für das staatliche und politische Leben zum Vorbild unb Allgemeingut ber Deutschen werben. Zugleich überbrachte er namens der Stadtverwaltung der Freiwilligen Feuerwehr Alsfelb die herzlichsten Grüße zu ihrem 75jähri- qen Jubiläum und den Dank für ihre erfolgreiche Arbeit. Ramens des Ministeriums des 3Tinern sprach Kreisbirektor Dr. Stammler der Freiwilligen Feuerwehr die Glückwünsche der hessischen Regierung zu ihrem 75jährigen Bestehen aus. Für die Lauterbacher Freiwillige Feuerwehr übermittelte Kreisseuerwehrinspektor Bechtold Grüße und Glückwünsche. Rach Beendigung des offiziellen Teiles der Feier sand Volttfest auf bem städtischen Festplatz statt mtt den üblichen Volksbelustigungen. i Di«' Samstag. vonA flU Ä ü »runi ecg 5 'Pt.1927 fi. n raj- Marl. HE Steuern w jinfm fur ö^lkuei So^ba» WM w et 11000 f Mai' Sinbrud geiührl ® war beiten. 6r traut »mt schlüssel ge denHolM twnomnKn. (aft alles Stockwerksausbrach durchwühlte, gefltr. 5,45 verlieh der die er von üvindlicher mit seinem Ireis a. Dorfe eine chertsha neben vie schuhe und Die Dersolt jögett wur auf keinen -cfehen Idu zwar in 2 trug Hellen h d z< w In in hi t h r -.wecks Bereitstellung 21rJd)iffung von 120 Meter unb erst Freitag M€RCCDCJB€HZ GenchtSbiener wohnt« und die auch 'ängnis diente, drei Ölodöcrk hatte 1867 abgerissen wurde. Mrcie Alsfeld. Nicht mit Worten, sondern durch die Tat haben wir erneut bei den Automobilwettbewerben in Wiesbaden, Köln und zuletzt Berlin bewiesen, daß MERCEDES-BENZ für Schönheit, Zweckmäßigkeit und Preiswürdigkeit die höchste Aus- WIR SCHEUEN UNS NIE in Wettbewerben jeder Art die hochstehende Qualität unseres Fabrikats zu zeigen. Wir liefern damit unseren Kunden den praktischen Beweis dafür, daß MERCEDES-BENZ den höchsten Gegenwert für den Anschaffungspreis zu bieten vermag. Feststellungen ist au schlichen, datz das ®elänbt der Stadt In bedeutendem Matze im Laus« von vier Jahrhunderten erhöht wurde. Bemerkt sei noch, datz die .O be r p s v r t«". woraus der als $e- aamaschen Hoffentlich gelingt es der Polizei, den Kerl bald dingtest zu machen, auf dellen Konto die legten (Rinbrüche m der Umgegend zweifellos zu setzen sind ) L i ch. 10. Juni. Aus dem S t a b t d o r • stand Dte längste Sitzung unter dem Dorsch des neugcwahlten Bürgermeisters Geil wies ein« umfangreiche Tagcscrdnung auf. die teils in öffentlicher teils in nichtöffentlicher Sitzung behandelt wurde. Einem Antrag der Freiwilligen Feuerwehr -Wecks Bereitstellung eines Kredits zur Anschaffung von 120 Meter Schlauchmaterial und 12 blauen Udtn wurde entlprvchen. An Stell« des verstorbenen Bürgermeister» Böller wurde als Dertretcr bei der Bezirkssparkasse Gietzen Bürgermeister Seil gewählt. Gin Antrag des Bürgermeisters, ein« feldpolizellichc Anordnung über die nächtliche Sperrung der F e l d g e m a r k u n g während der Sommermonate in der gleichen Weise wie im Borjahre zu erlassen, wurde 5um Beschluh erhoben Danach ist das Betreten sämtlicher bepflanzter Grundstück« In der Gemarkung Lich vom 1. Juli bis 1. Aovember während der Bachlzei'. allen Personen, selbst auch den Gigentümern. verboten. Die Sperrzeit für die Monate 3uli und August beschränkt sich auf die Zeit von 21 Uhr bis 5 Uhr. unb für die Monate September und Oktober auf dl« Zeit von 20 Uhr bis 6 Uhr - Auf Antrag hin wurde dem Aeichsbanner Schwarz-Rot- Gold- Ortsvcretn Lich — anläßlich der am tragende, der selbst längere Jahre Seemann war. — er war auch längere Zeit der Besatzung eines U-Dooies zugeteilt meisterhaft, einen klaren Udxrblid über die historische Entwicklung unserer Flotte zu geben. Weiter zeigte er die Ent- toidluna der Lchisfbautcchnik, wie sich aus dem Holzschiss der eiserne Oxcanriefe entwickelte, wie das früher vorherrschend« Segelschiff durch das Dampfschiss immer mehr verdrängt wurde — Herr Kratz ist ein Kind des benachbarten Ruppertenrod. Auch an ihm wie an so vielen anderen ging der Krieg nicht ohne Spuren vorüber. Schwer!riegsbeschädigt kehrte er in sein« Heimat zurück.________________________________________________ Sprechstunden der Redaktion 12 bl» 1 Uhr mittag». 5 bl» 7 Uhr nachmittag». Samstag liachmittog geschlossen. Für unverlangt ilngefanbfc Manuskript« ohne belgesügte» Rückporto wird keine Gewähr übernommen.__ Dl Weinreicbs Mottenäther D • sicherer Schutz gegen Mottenfraß Oberheffen. Landkreis Gießen. L Wisseck. 11. 3um. Di« wir in unterer Samstags nuinmcr bereits mitteilten, ist der Voranschlag der Gemeinde dem ®e- meinberat zugeleitet wordeir ®r lieht für das Aechnungjiahr 1928 eine Gesamtausgabe von 2t 1616 Mk. vor wahrend durch di« Sin- nahmen aus dem Betrieb 145 030 Mk. gedeckt sind, so dah noch ein Fehlbetrag von 66 58b'S« vrrblelht. Der wie solgt gedeckt werden soll Die Grundsteuer auf Gebäude unb Bauplätze ergibt bei einem Steuersatz von 27 Pf für 100 Mk. Wert (1927 war der Satz 25.2 Pf.) eine Einnahme von 11513 Mk Die Grundsteuer auf (anb- und forstwirtschaftlich oder gärtnerisch ac- nutzte Grundstücke tSteuersatz 63 Ps. in litt? 61 Pf.) ergibt 28 750 Mk Die Gewerbesteuer auf das Anlage- und Betriebskapital (Steuersatz 85 Pf. 1927 83,3 Pf.) ergibt 2370 Mk Di« Ge- w«rbcsteuer aus dem Gewerbeertrag ergibt bei einem Steuersatz von 140 Pf. (wie 1927> 4066 Mark Di« Sondergebäudesteuer. Steuersatz 40 Psennig (1927 39.2 Bf ) auf je 100 Mk. der für 1928 festgesetzten staatlichen Sondergcbäude- steuer, soll 18 976 Mk. ergeben, so dah 1928 insgesamt durch Steuern aufzubringen lind 66 586 Mark, hingegen 1927 die Gesamteinnahmen an Steuern 60 577 Mk. betrugen Für den Ausschlag der gesamten Steuern können durch uneinbringliche unb erlassene Steuern, Anteil an Zinsen für Baudarlehen, die dem Ertrag der Sondersteuer zu entnehmen sind, Ausfall an Sonderae bäud« steuer. sowie für Formulare gleich 7700 Mk. in Ausgabe gesetzt werden. 1927 waren es 11000 Mark. r Mainzlar. 9. 3uni. Gestern nachmittag zwischen 5 und 6 Ubr wurde in der hiesiaen Wirtschaft von Fr n o ch III. Wwe. ein frecher Sinbruchdiedstahl am Hellen Tage ausgeführt Da von den Bewohnern niemand zu Hause war. konnte der Einbrecher ungestört arbeiten. Gr mutz mit den Oertlichkeiten genau vertraut gewesen sein, denn er hatte den im nebenan befindlichen Kuhstall ausbewahrten Haustürschlüssel gefunden und bann feinen Weg durch den Holzschuppen und eine hintere Tür inZ Hau» genommen. 3 m unteren Stockwerk lieb der Dieb fast alles unberührt, während er Im oberen Stockwerk sämtliche Schränke unbJtäften auf btad) und auch die Betten vollständig durchwühlte. Erst als der Sohn der Witwe Koch gegen 5.45 Ubr von der Arbeit zurückkehrte, verlieh der dreiste Geselle durch die Haustür, die er von Innen ausgeschlossen hatte, mit einem freundlichen .Guten Tag' das Hau» und fuhr mit seinem Fahrrade zunächst die Richtung nach Treis a. b. Lda . schlug jedoch gleich hinter dem Dorfe einen Feldweg nach Hochborn — Sichertshausen ein. örbeulet hat der Dieb neben vier Uhren ein mar schwarze Lackschuhe und ungefähr 220 MarkBargeld. Die Verfolgung des Einbrechers, die etwas verzögert wurde, da man im unteren Stockwerk auf keinen Einbruch schlotz. verlies ergebnislos. Gesehen wurde der Dieb schon am Morgen, unb zwar in Begleitung einer Frauensperson. Er trug hellen guten Anzug unb gelbe Leder - 1. 3 ul; stattfindenden Bannerwcihe zwecks Deckung eines evtl, entftehenben Defizits ein DorantiefondS von 200 Mk gezeichnet, der aber nur im Falle eines ungünstigen Verlauf» des Festes in Anspruch genommen werben kann — Der Minister bes Innern hat bas Wappen der Stabt Lich neu bestätigt unb vorgeschlagen. Siegel. Druckst öcke unb Wappendrucke hiervon Herstellen au lassen Der Gemeinderat beschlotz die Anschaffung von zwei Druckftöcken unb 25 Wappenbrucken. Don weiteren Anschaffungen soll vorerst Abstand genommen werben. — Don einer Beteiligung ber Stabt an einem Lammelinserat ober- hessischer Orte unter der gemeinsamen Ueberschrift „3m schönen Oberhessen", da- einen Kostenaufwand von 257 Ml. erfordert, soll Abstand genommen werd.n — Die Lel r unb Kunst- filmgefcllschaft Wiesbaden beabsichtigt, einen Heimatfilm Hessen anzufertigen unb er- sucht bei dem Abschnitt Oberhessen um Beteiligung ber Stadt. Die Vorführung befl FilmS in Hessen geschieht durch die KrelSwandcrkinoS unb die örtlichen Lichtspieltheater als Beipro- gramm. An auherhefsifche Lichtipieltheater wirb ber Film als Beiprogramm unentgeltlich abgegeben. Der Film soll zu einer Vertiefung ber Heimatkunde unb zur Verlehrswerbung beitragen. Zur Aufnahme vorgesehen sind 120 bis 130 Meter, die ein Panoramabild der Stadt und etwa 20 Sinzelszenen bringen. Davon soll die Stadt 60 Meter zum Preise von 180 Mk. übernehmen. Dem Antrag wurde zu- flcftimmt. — Weiter gab der Bürgermeister Kenntnis davon, datz nach einer Mitteilung deS Kreisamt Gietzen der Beigeordnete Ludwig Dörmer sein Amt niedergelegt hat. Er führt dazu auS: .Herr Beigeordneter Dörmer hat am 23 Februar d 3. bereits das hohe Alter von 76 3ahren erreicht Er hat lange Zeit im öffentlichen Leben der Stadt gestanden, war von 1894 1906 Beigeordneter, von da an bis 1919 Bürgermeister unserer Stadt 3m 3ahre 1919 lehnte er eine Wiederwahl zum Bürgermeister mit Aücksichi auf fein Lebensalter ab Zu Ende de« 3ahres 1922 wurde er wiederum zum Beigeordneten der Stadt gewählt unb versah dieses Amt vom 4 3anuar 1923 bis jetzt Herr Beigeordneter Dörmer hat In diesen Aemtcrn lange 3obre (eine Arbeitskraft der Stadt Lich gewidmet und insbesondere während der schweren Kriegsfahre an der Spitze de« Gemeinwesens unter erschwerten Umständen erfolgreich gewirkt. Seine letzte Tätigkeit als Beigeordneter war um so mehr anzuerkennen als er dieses Amt noch einmal im Alter von 71 3abren auf seine Schultern nahm Ich spreche dem scheidenden Herrn Beigeordneten im Aamen deS Gemeinderats und im Flamen der ganzen Stadt Lich hiermit den wärmsten Dank aus und geb« ber Hoffnung Ausdruck, datz ihm noch ein langer, schöner Lebensabend befchieden fein möge Der Bürgermeister wird ermächtigt, dem Beigeordneten diesen Dank namens des ctabt- Vorstandes schriftlich Aum Ausdruck zu bringen. Durch den "Rücktritt deS Beigeordneten Dörmer ist die Neuwahl eines Beigeordneten notwendig geworden. Der Stadtvorstand beschlotz. den Wahltag auf Sonntag. 29. Juli, feit- zufetzen. AIS. stellv. Beigeordneter bis zur Heu- wähl eine« Beigeordneten wurde baS Gemeinde- raismitgtted Heinrich Heller IV. in Vorschlag gebracht. - Der Vorsitzenbe gab noch Kenntnis davon, datz die Verwaltung beabsichtige, den verstorbenen Bürgermeister Völker für sein verdienstvolle» Wirken für die Stadt dadurch zu ehren, datz sie sein Bild im Sitzungssaal a uf bä ngeu lätzt. — Weitere Vorlagen wurden in nichtöffentlicher Sitzung behandelt. • Münster. 10. Juni. Am gestrigen Samstagabend verstarb unser langjähriger Seelsorger. ber evangelische Pfarrer Peter A Hitz «i m. Der Verewigte war in Schwanheim. Kreis DenSheim. am 5. Februar 1861 geboten. 3n BenSheim besuchte er baS Gymnasium unb von ba aus bie Landesuniversitäi in Gietzen. wo er Theologie studierte Nachdem er seiner Militärpflicht genügt und da» Predigerseminar in Friedberg absolviert hatte, wurde er am 26. August 1888 Verwalter ber Pfarrei Wir- berg, bie ihm am 15. März 1891 definitiv übertragen wurde. Am 1. 3uni 1896 wurde er von dem Fürsten von Solms-Lich für die Pfarrstelle i>t Münster präsentiert, wo er Nachfolger deS nach Lich versetzten Pfarrers Weber wurde. Pfarrer Ahl heim war verheiratet mit der Tochter deS Pfarrer» Koch von Schwanheim, mit ber er lange 3ahre in glücklichster Ehe lebte. Aus btefer Ehe stammen vier Töchter unb ein Sohn, ber im Weltkrieg den Tob für baS Vaterland fand. Der Verstorbene war seinen Gemeinden ein treuer Seelsorger, dessen Andenken bet allen ©emeinbemitglicbcm lebendig bleiben wird. Seinen Kollegen war er ein treuer Freund und der Kirche ein gewissenhafter Diener. Äreiö Schotten. □ Laubach. 10. 3uni. Die Arbeiten an ber Kanalisation unter der Leitung von Re- Zeichnung verdient. In Wiesbaden wurden von 35 teilnehmenden Mercedes-Benz-Wagen mit Serienkarosserien 30, In Köln von 19 Wagen 12, in Berlin von 25 Wagen 20 mit Preisen ausgezeichnet. Bei diesen Veranstaltungen erhielt Mercedes-Benz die weitaus höchste Zahl der auf eine Marke entfallenden Auszeichnungen. An der Gebrauchs- Und Wirtschaftlichkeitsfahrt des A. D. A. C. vom 30. April bis 10. Mai haben von ca. 250 Marken der Welt nur acht, von 30 deutschen Marken nur sechs teilgenommen. Wir gierungS-Baurat Steinbach vom Kulturbauamt in Gietzen finb so stack gefördert worden, datz man bis etwa flnbe August mit ihrer Vollendung rechnen darf. Vorerst soll der nördliche Stähltet!. .Grünes Meer und .Blanke", tanalihcrt werden. Die Arbeiten tki ben an her . Watchbach" begonnen. Diele wird in einen Beton- Kanal von 1.10 Meter »öhe und 1.60 Meier Breite gelabt und wird überdeckt werden. Die Grenze ber jetzigen Artviten bilden die Batzn- hofsstratze unb ber Marktplatz, bis zu dem die .Untere Langgafte" aufgeriHen worden ist. Sie runden Kan al röhren, de Ichon im unteren Delle ber .Canggal’e" g legt find, haben einen Durch» mefter von 80 a s t mit erakten und fein dutchgearbeitetcn Freiübungen, die Turner unserer beiden Turnvereine mit ausgezeichneten Leistungen am B irren. Der Gesangverein »Liederkränz" unter Wilh Schüttler» vortrefflicher Stabführung bereicherte weiterhin den Abend mit dem Vorttag de» Kteutzerscheu Chors .Schäfers SonntagSlied" unb dem Koschat- sche« Chor mit Orchester „Diauwalzer". Den Turnerinnen unb Turnern sowohl, wie auch ben Sangern wurde verdientermaßen mit lebhaftem Beifall gedankt. Sodann beglückwünschte Obermeister R a a be - Marburg namens seiner Innung die Gießener Innung und überreichte ihr als Festongebinde einen Pokal. Hierauf erfolgte die feierliche Fahnenweihe Die von den Frauen der Innungsmilglieder gestiftete. in den Bäckerfarben blau-weiß gehaltene prächtige Innungsfahne wurde von Frau S cho m- ber im Auftrage der Bäckerfrauen mit einer kurzen, finnigen Ansprache überreicht. Der zweite Vorsitzende des Germania-Derbande», GrüHer- Berlin. hielt die Weiherede, daran anschließend sagte Obermeister L o e b e r namens der Innung ben Stifterinnen ber Fahne bi einer schwungvollen Ansprache Herzlichen Dank unb übergab dann bic Fahne dem Fahnenträger, 'Bäckermeister Schomber. in treue Obhut. Wit bem gemeinsamen Gesang be» ersten Verses de« Deutschland- Ilcbe» klang die Ansprache des Obermeister» aus. Darauf sprachen ber Gießener Bäcker-Innung herzliche Glückwünsche au»; Verbands Vorsitzen ber F i n g e r - Darmstadt für den Zweigvepband Hessen (überreizte gleichzeitig einen Fahnen- nagel), Pros. Dr. Krausmüller-Gieße« für den Ortsgcwerbeverein (Fahnen«agel), Dern- Großen-Linben ftir bic Bäckerinnung Dießen- Land. Sproß- Darmstadt für die dortige Bäckerinnimg (überreichte einen Pokal, gefüllt mit 1921er), Schmitz - Gießen für ben Gastwirteverein (goldene Ehrennadel), R e u s ch - ling-Giehen für ben Bäckergefellen-Vercin .Früh auf" (Fahnennagel), Ar-Wetzlar für bie Wetzlarer Innung (D«her), Rommel- Offenbach für bie Offenbacher Innung (Fahnenschleise), Ernst Lukstvig Sack für bie Gießener Fleischcr- initung (Fahnennagel», 05 i n ge I für bieGießener Tapeziererinnung (Fahnennaael), Göy für bie Friseur-Innung Gießen (FahnennageO. Wagner für bie Gießener Maler- unb Weißbinder- meister (Fahnennaael), Lenz für bie Schneider- inrnrna Gießen, Frau Kumpf im Auftrage der Bäckerfrauen (überreichte ein Bild», Horn für den OSerein Gießener Einzelhandel, deffen Festgeschenk nicht rechtzeitig fertig geworden ift unb baher nachfolgen soll. Spey er-Mainz für die Mainzer Innung, G r i m m e l - Vilbel für bie bortiqc Innung (Acberreichung eine» Bilbe»). Obermeister Loeoer bankte allen Gratulanten einzeln in herzlichen Worten. Anschließend überreichte der stellvertretende Ober- meister Ioh. M ü l l e r den schon früher zu Ehren- Mitgliedern ernannten Innungsmitgliedern, Bäckermeister Ludwig K ronenberg (Miigründer der Innung) und Balth. Schomber, die entsprechenden Ehrendiplome. Die Kapelle Topp bereicherte dann den Abend «och durch ausgezeichnete musikalische Darbietungen, die sämtlich mit lebhaftem Beifall quittiert wurden. Der frühere Obermeister Bal. Frey erfreute mit einer humorgewürzten, sehr beifällig auf- genommenen Ansprache, in ber er Kommunalpolitik und Steuerzahlen, Innvngsleben und Bäckerfrauen in witziger unb vielbelachter Weise behandelte. Die Deranstaltun" um deren glatte Durchführung sich auch Bäckeniieister August Deibel verdient machte, hielt alle Teilnehmer bis zu vorgerückter Stunde in schönster Harmonie beisammen. Hessischer Bäckerverbandsiag. Der 9.Derbanbstag de» Zweigver- banbeS Hessen im Zentralverband Deutscher Bäcker Innungen ..Germania" nahm am Sonntag- vormittaa im Saale des ®afe Leib in Anwesenheit zahlreicher Behördenvertreter, 0)er1retunaen der Landtagssrastionen der Deutschen Q3offe- partei, der Seuttd?nationalen Volkspartei und de» Zentrums, (owie Abgesandten der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer Gießen feinen Anfang. Aus dem ganzen Hessen- lande waren die ITmungsdelegierten in außer* ordentlich großer Zahl erschienen. Die OZerhcmd- üingen, über die wir morgen noch näher berichten werden, dauerten von etwa 9.30 Uhr vormittags bi» gegen 3 Uhr nachmittag» unb nahmen in allen Teilen, trotz teilweise erheblicher sachlicher Gegensätze, einen harmonischen und fruchtbaren 03er(auf. Man konnte erkennen, daß bet Verband unter bet tatkräftigen Führung feines OZorsitzenben Finget, Darmstadt, in kräftig auftoärtäfheben ber Entwickelung zum (Dohle beä hessischen DäckerhandtverkS begriffen ist. 3m Anschtuß an ine Tagung vereinte eine gemeinsame Mittagstafel die Tagungsteilnehmer im Saale deS Cafe Leib, abends fand ein Gesellschaftsabend aus Anlaß des Derbandstages statt. Ruch über diesen Teil des Tages wird morgen noch einiges zu berichten sein. Wirtschaft. Kohlenverständigung? Es war vorauszusehen, daß die Zuspitzung der Verhältnisse im rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau auch das Thema „Koylenverstän- d i g u n g" wieder zur Debatte stellen würde. Reu ist es nicht mehr, es ist im In- und Auslands schon von allen Seiten beleuchtet worden, auch maßgebende Persönlichkeiten, namentlich des englischen und deutschen Bergbaus, haben sich über dieses Thema unterhalten, ohne daß es bisher gelungen ist, auch nur einen Schritt vorwärts zu kommen. Jetzt will die Bergarbeiter-Internationale ihr Heil versuchen und den Völkerbund mobil machen, der sämtliche Regierungen zu einer Aussprache über die Produktion«- und Absahfragen der Kohlenwirtschaft einladen soll. Wir glauben nicht, daß diese Organisation, mit der die deutsche Bergärdeiterschaft eigentlich bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht hat, irgendwelche Erfolge nach Hause bringen wird. Die Gründe, die gegen eine Verständigung in absehbarer Zeit sprechen, liegen auf der Hand. Deutschland besitzt einen bedeutenden Kohlenbergbau, für den es ein entsprechendes ausländisches Absatzgebiet beanspruchen darf. Bisher haben aber alle privaten Aussprachen gezeigt, daß gerade England gar nicht daran denkt, seinem Konkurrenten den Platz einzuräumen, den dieser mit gutem Recht für sich reklamiert. Der deutsch-englische Kohlenkampf der letzten vier Jahre hat doch vielmehr gezeigt, dah England mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln der deutschen Kohle das Wasser abzugraben versucht. Roch heute arbeiten die Engländer mit Schleuderpreisen. Ihrem Ziel, Deutschland auf dem europäischen Kohlenmarkt aktionsunfähig zu machen, sind sie durch die der Ruhrkohle vom Schlichter aufgezwungenen neuen Lasten erheblich näher gekommen, weil die rheinisch-westfälischen Gruben jetzt gezwungen sind, erhebliche Teile ihres Absatzes in den bestrittenen Gebieten an die Engländer abzugeben, die nicht nur im Ausland die deutsche Kohle be- kämpsen, sondern auch weite Teile des Deutschen Reiches für sich beanspruchen. Der Tag, an dem die Engländer aufs neue an uns mit dem Angebot herantreten werden, sich mit ihnen über die Aufteilung der Märkte zu einigen, ist nicht mehr in allzu weiter Ferne. Er wird aber erst dann herangebrochen fein, wenn England wieder Frankreich, Belgien Italien, Holland und Skandinavien allein beliefert und auch weite deutsche Absatzgebiete fest in seine Hand gebracht hat. Wir brauchen nicht erst daraus hinzuweisen, dah dann im Ruhrgebiet von den 400 000 Bergarbeitern rund 200 000 Erwerbs- losenunterstühung beziehen werden. Schon einmal war der Ruhrbergbau in dieser verzweifelten Situation, aus der er sich aber durch einen einschneidenden Rationalifierungsprozeh noch einmal herausrettete. Die Rationalisierung hat aber ihr Ende erreicht, alle erzielten Gewinne sind längst wieder aufgezehrt, so dah heute keinerlei Kapital zur Verteidigung der bisherigen Absatzgebiete mehr vorhanden ist, die, was ja immer wieder betont wurde, nun von der Ruhrkohle geräumt werden müssen. Vielleicht begreift man jetzt, weswegen sich der rheinisch-westfälische Bergbau mit aller Macht den Lohnerhöhungen und der von ihm geforderten Drosselung des verlustbringenden Absatzes widersetzt hat. Gr hat etwas weiter gedacht, hat den deutschen Kohlenexport, der doch jährlich rund 500 Millionen Mark an Devisen einbringt, auch für die Zukunft erhalten wollen. Kommt es, wie es die Bergarbeiter-Internationale will, zu einer zwangsweisen Verständigung am Sih und unter Aussicht des Völkerbundes, dann wird man Deutschland nur den Absatz züerkennen, den es zur Zeit der Kohlenkonferenz haben wird. Dah dieser Absatz dann nur noch minimal sein wird, dürfte keinem Zweifel unterliegen. Deutschland kann sich aber auf eine derartige Regelung niemals einlassen, auch dann nicht, wenn eS zu diesem Zeitpunkt unter der Führung einer Linksregierung stehen würde. Wenn es sich auch zunächst darum dreht, einem unserer wichtigsten Wirtschaftszweige Exportmöglichkeiten zu erhalten, so darf doch auch nicht vergessen werden, dah allein rund 400000 Bergarbeiter geschützt werden müssen, die brotlos werden, wenn der durch das neue Lohnabkommen angebahnten Entwicklung nicht durch wirksame Hilfsmahnahmen schleunigst Einhalt geboten wird. Rur wenn unter Bergbau sich ein Absatzgebiet erhallen kann, das nicht nur feine, sondern auch die Existenz seines Arbeiter- Heeres sicherstellt, wird Deutschland auf der von der Bergarbeiter-Internationale angeregten Konferenz einer Verständigung feine Hand bieten können. Oie Heichsbank Anfang Zum. Der Ausweis der Reichsbank vom 7. I u n i zeigt einen Rückgang der gesamten Kapitalanlage in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 252,7 Millionen auf 2353,7 Millionen Mart. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 231,3 Millionen auf 2238,1 Millionen Mark, die Lombardbestände um 21,4 Millionen auf 21,6 Millionen Mart abgenommen. Die Anlage in Effekten blieb mit 94 Millionen Mark weiterhin unverändert. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 292,3 Millionen Mart in die Kassen der Dank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 268,9 Millionen auf 4218 Millionen Mart, derjenige an Rentenbantscheinen um 23,4 Mil, Honen auf 562,8 Millionen Mark verringert. Dementsprechend fliegen die Bestände der Reichsbank an Rentenbantfcheinen auf 47,2 Millionen Mark. Die fremden Gelder zeigen mit 532,7 Millionen Mart eine Abnahme um 48,9 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen sind mit 2307,7 Millionen Mark, im einzelnen die Goldbestände mit 2040,8 Millionen Mark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 266,9 Millionen Mark ausgewiesen. Die Deckung der Roten durch Gold allein stieg von 45,5 Prozent am Ende der Vorwoche auf 48,4 Prozent, die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen von 51,6 auf 54,7 Prozent. • * Saaten st and im Deutschen Reich Anfang Juni. Das Wintergetreide zeigt gegenüber dem Vormonat bei Weizen eine leichte Besse- rung, bei Roggen und Gerste den gleichen Stand. Das Wachstum der Sommersaaten ging langsam oonftatten, doch ist ihr Stand mit einigen Ausnahmen befriedigend. Die Hackfrüchte lassen eine sichere Beurteilung noch nicht zu. Die Frühkartoffeln sind vielfach durch Nachtfröste geschädigt. Bon den Spätkartofseln ist erst ein kleiner Teil aufgegangen. Im Wachstum der Rüben verursachte die kühle Witterung eine beträchtliche Hemmung. Die Futterpflan- zen, Wiesen und Weiden sind in ihrer Entwicklung stark im Rückstand. Die Kleebestände werden häufig als lückenhaft und die Wiesen teilweise als dünn und kurz bestanden beurteilt. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 = gut, 3 - mittel und 4 = gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterweizen 2,8 (im Vormonat 2,9), Winterspelz 2,5 (2,4), Winterroggen 3,1 (3,1), Wintergerste 3,1 (3,1), Sommerweizen 2,8, Sommerroggen 2,9, Sommergerste 2,6, Hafer 2,8, Kartoffeln 3,0, Zuckerrüben 3,1, Runkelrüben 3,1, Klee 3,1 (3,0), Luzerne 3,1 (2,7), Bewässerungswiesen 2,9 (2,6) und andere Wiesen 3,3 (3,0). • D i e amtliche Grohhandelsindex- z i f s e r. Die auf den Stichtag des 6. Juni berechnete GrohhandelSindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche um 0,1 v. H. auf 141,6 (141,7) gurücf gegangen. Don den Hauptqruppen haben sich die Indexziffern für Agrarstoffe um 0,4 v. H. auf 137,1 (137,6) und für Kolonialwaren um 0,1 v. H. auf 138,2 (138,3) gesenkt, während die Indexziffern der industriellen Rohstoffe und Halbwaren um 0,2 vom Hundert auf 135,3 (135,0) und diejenige der industriellen Fertigwaren um 0,1 v. H. auf 158,8 (158,7) angezogen haben. * Zusamm enschluh der deutschen Waggonfabriken. Auf Einladung der Deutschen Wagenbau-Vereinigung fand in Berlin eine Zusammenkunft der deutschen Waggonfabriken statt. Es wurde grundsätzlich und einstimmig beschlossen, dah der Gründung des Quo- tenverbandes eine Vereinbarung mit den 6tra- henbahnverwaltungen. den nächst der Reichsbahn größten Kunden der Waggonrndustrie, vorausgehen müsse Daher wurde der Beschluß gefaßt, unverzüglich entsprechende Verhandlungen mit den Straßenbahnen aufzunehmen. Ss ist das Ziel dieser Verhandlungen, mit den Straßenbahnen in gleicher Weise, wie mit der Reichsbahn zu einer auf volles gegenseitiges Vertrauen gegründeten Zusammenarbeit zu gelangen. • Maschinenfabrik Moenus 21.-®.. Frankfurt a. M., Rach dem Bericht fetzte sich die Besserung der Absatzverhältnisse für Gerberei- und Schuhmaschinen, die bereits Ende 1926 bemerkbar war. im Jahre 1927 kort. Der Auftragseingang war während des ganzen Jahres befriedigend. In der zweiten Jahreshälfte führte die Unsicherheit m der Leder- und Schuhindustrie zu einem Rachlafsen im Auftragseingang in Maschinen. Die Verkaufspreise seien gesunken, der LImsay habe sich jedoch gegen das Vorjahr wesentlich erhöht. Rach Abzug von (alles m Will. Mk.) 1,520 (1,273) Unkosten und 0.200 (0,152) Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 0,195 (0,010), woraus die Dividendenzahlung mit 4 Prozent auf das 4.5 betragende Kapital wieder ausgenommen wird. Die Ge^llschaft sei in das neue Jahr mit einem erhöhten Auftragsbestand eingetreten. (G.-V 13. Juni.) ' Continental Caoutchouc und Gutta-Percha Compagna QL-®.. Hannover. Die Verwaltung teilt dein WTD.-Handels- dienst zu verschiedenen Zeitungsnachrichten über den Zusammenschluß in der Gummiindustrie mit, dah diese Verhandlungen besonders zwischen der Marburger Phönix und der Continental zu einem vorläufigen Stillstand gekommen sind. Es ist begreiflich, dah in der Gummiindustrie genau so aut wie in anderen Industrien bei den Vorständen der verschiedenen Gesellschaften Bestrebungen nicht nur heute, sondern schon seit längerer Zeit vorhanden sind, die Gumiindustric als Ganzes rentabler zu gestalten. frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 11. Juni. Tendenz: freundlich. — Rachdem an der Dorbörse die Tendenz ziemlich unsicher war. konnte sich zu Beginn des offiziellen Verkehrs eine allgemeine Erholung durchsetzen, die hauptsächlich auf die weiter leichte Geldmarktlage trotz des bevorstehenden Medios und die nach dem Reichsbankausweis eingetretene Entspannung des Reichsbantinstituts zurückzuführen ist. Auch übten die Bankbeschlüsse der Brüsseler Börse, dah das Reportgeld im alten Umfange belassen wird, einen günstigen Eindruck aus. Anderseits mahnte die schwache Reuhorker Samstagbörse und der Umstand, dah von einer Beteiligung der Dan- keickundschaft und des Auslandes am Börsengeschäft nicht viel zu merken war, zur Zurückhaltung, so dah das Geschäft im allgemeinen sehr klein blieb. Rur Spezialwerte waren stärker bevorzugt und hierin konnte sich zeitweise ein recht lebhaftes Geschäft entwickeln, bei Kursbesserungen gegenüber der Samstagsbörse bis zu 3 Proz. An der Spitze der bevorzugten Werte standen am Elektromarkt Licht & Kraft mit plus 4,5 Prozent und Schuckert mit plus 3 Prozent. Von Zellstosswerten toaren Zellstoff Waldhof mit pluS 7 Prozent lebhafter begehrt. Oluch Aschaffenburg konnten daraufhin 2,5 Proz. gewinnen. Am Montan markt blieb das Geschäft Nein, jedoch überwogen auch hier die Kursbesserungen. Rur Rhein stahl angeboten und vernachlässigt. Am Chemie - markt konnten I. G. Farben nur zögernd einiges Geschäft entwickeln, bei knapp behaupteten Kursen. Gebessert waren am Danken- markt Barmer Bank mit plus 2 Prozent. Dem Bauunternehmungsmarkt wurde etwa» lebhafteres Interesse zugewandt. Hauptsächlich ZementHeidelberg mit plus 2,5 und Wayh & Frehtag mit 2,25 Proz. hatten größere Umsätze. Im Verlaufe machte sich starke Rachfrage für K a l i w e r t e bemerkbar. Am Rentenmarkt bestand für Anleiheablö- fung ohne Option große Rachsrage. Auch Ausländer waren gefragt und gebessert. 2m weiteren Verlaufe kirnten sich zumeist erneut KurS beste- tun gen bis zu 4 Proz. durchsetzen. Die Spekulation nahm verschiedentlich Deckungen vor, und die Tendenz wurde unter Bevorzugung von Siemens um erneut plus 4,5 Proz. fest. Tagesgeld blieb zum Satze von 5 Proz. unverändert. Am Devifenmarkt war die Mark wenig verändert. Man nannte: Reichsmart gegen Dollar 4.1849, gegen Pfund 20.434, London Kabel 4,8820, Paris 124.13, Mailand 92.75, Madrid 29.33, Holland 12.0975. Berliner Börse. Berlin, 11.Juni. Obwohl die Samstagbörse in Neuyork wider Erwarten einen schwachen Verlauf genommen hatte, blieb die Tendenz im heutigen Vormittagsverkebr zumindest behauptet. Io erster Linie verhinderte die gute positionstechnische Haltung der Börse ein neues Abflauen der Kurse. Die Spekulation neigte eher nach unten und mußte, da keine neuen Auslandoerkäuse vorgenommen wurden. zu Deckungen schreiten. Die Nähe des Medio trug Das Nötige dazu bei, zumal Reportgeld reichlich vorhanden ist und der Geldmarkt weiter leicht blieb. Diel besprochen wurde die Aus recht - erhaltung des Tariferhöhungsantrags der Reichsbahngesellschaft, die Regierungsbildung und der heute erscheinende Reichsbankausweis, der günstig beurteilt wurde, obwohl er mit einer Entlastung für Wechsel und Lombard von 250 Millionen und mit einer Notenabnahme von rund 270 Millionen nicht über das normale Maß hinausgeht. Man hörte auch, daß Ende des Monats eine Sitzung der Privatbankiers ftattfinben soll, die sich wieder mit der Abschaffung des Medio befassen werde. Bei allgemein geringem Geschäft und kleinem Orderseingang brachte'die erste Notierung kein einheitliches Bild. 1- bis 3prozentige Kurserhöhungen waren in der lieberzahl. Nur Spezialwerte wurden von der Börse selbst gehandelt. so daß 3um Beispiel Wakdhos, Glanz- st off, Bemberg 7 bzw. 14 v. H. anziehen konnten. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer geschäftslos. 9m Berkau sc wurde die Tendenz auf weitere Deckungen zumeist fester. Lebhafter waren Schiffahrtsaktien, DessouerGas, Schlesische Elektrizität, Lit. 6., Siemens, Tietz und Kun ft seidewerte. Har- burger Gummi gaben um 3 o.H. nach, da der gemeldete Zustand in den Zusammenschlußverhandlungen verstimmte. tyranffurtcr Getreidebörse. Frankfurt a. M. 11. Juni. 3u”13ÄQmn her neuen Woche war die Tendenz des Frankfurter Produktenmarktcs etwas erholt, da von den höheren Auslandnotierungen eine stärkere Anregung ausging, das Geschäft blieb jedoch klein und die Händler bekundeten wenig Kauflust und der Export und die Mühlen schrillen nur tn den dringendsten Fällen zu Deckungen. Rur Weizen und Roggen waren teilweise etwas lebhafter gehandelt, da hier wenig Ware vorhcmden war. Der etwas höhere Preis wurde hier glatt bewilligt. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund. trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs. 26,75 bis 27; Roggen 28,50; inl. Hafer, 28 bis 28,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 25; MaiS (gelb) für andere Zwecke 25; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0. 37,50 bis 38,25; Roggenmehl 39,50 bis 40; Weizenkleie 14,40 bis 14,50; Roggenlleie 16,75 bis 17; Erbsen, je nach Qualität für Speise- zwecke, 32 bis 60; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke, 50 bis 95; Heu, süddeutsches, gut gesund, trocken. 8.50 biS 9; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht. 5 bis 5,50; Weizen- und Roggenstroh, gebünbelt, 4,25 bis 4,50; Treber, getrocknet. 18.50 bis 18,75 Mk. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. TL, 11. Juni. Auf dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: Rinder 1469 Stück; darunter 375 Ochsen, 90 Bullen, 618 Kühe, 386 Färsen; Kälber 680, Schafe 73, Schweine 5768. Rinder. Ochsen: oollfleischige, ausgemäftete, Höch, ften Schlachtwerts, jüngere 58 bis 62, ältere 53 bis 57, sonstige vollfleischige, jüngere, 49 bis 52, ältere 43 bis 48; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtweris, 53 bis 56, sonstige vollfleischige oder ausgemäftete 48 bis 52; Kühe: jüngere, oollfleischige, höchsten Schlachtwerts, 48 bis 52, sonstige voll- fleischige oder ausgemäftete 42 bis 47, fleischige 37 bis 41, gering genährte 25 bis 36; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): oollfleischige, ausgemäftete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 62, oollfleischige 55 bis 50, fleischige 50 bis 54. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 77 bis 82, mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 76 geringe Kalber 60 bis 71. Schweine : Fettschweine über 300 Pfund Lebend- gewicht 66 bis 68, oollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 67 bis 69, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 68 bis 71, von etwa 160 bis 2Ö0 Pfund 68 bis 70, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 64 bis 66. Marktverkauf: Rinder ruhiges Geschäft. Kälber lebhaft, ausverkauft. Schweine schleppend, lieber- stand. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde. Gießen. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, 20 Uhr: Segensandacht; Donnerstag, 17.30 und 19.30 Uhr: Beichte. Freitag, 6 Uhr: Segensamt. Letzte Nachrichten. 23 Tote bei dem Giegelsdorfer Eisenbahnunglück. Nürnberg, 11. Juni. (1BIB. Funkspruch.) Heute nacht starb der als schwerverletzt gemeldete Lokomotivführer Johann Schlater aus Aschaffenburg; die Zahl der Toten erhöht sich somit auf 23. lieber den Beslattungslermin. der im Fürther Leichenhause ausgebahllen Toten, ist noch nichts bestimmt worden. (Eine Anzahl der Leichen wird in ihre Heimat abtransportiert werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse 11 |B 9. 6. : u. s. 152.75 152,75 142 150,5 ( 18 303 115 115,4 101.5 100 90 150 151 151,5 198 Banfnoteu. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. 199 153 12 12 - I 1 I ■ 8 10 - 361,5 321.5 731 199.5 152 1 ö < , •> 139.5 186 148,25 150.5 67 116.5 189 207 114.25 55,9 116 131.5 210 150 85.5 123.75 912 25 70.25 138 30 91,7 10 - , o — 5 — 8 — . 0 — 6 71.75 . 8 . 0 . o| . J Datum: .... 7 ... 10 .... 8 ... 10 : ... 15 Mainkrasneerte . "Nag 9?e!ariulraer . . betete Union . . Grbr. Roeder . . Botgl 4 (Kttffnet €übb fludtt . . 302 202 129.5 209.5 HS 56 UH 246 87 123.73 309 201.5 Dertör—Frankfurt a. 2 Telegraphische 2»Sz«hl»vg. HollSndlsche Noten atclltnilcbe Roten ..... Norwegische Noten...... Deutsch Oefterr , i 100 Ärtmen Romanische Noten ..... Schwedische Noten..... Schwerer Noten Svanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Roten ...... ‘BbUlyp Holzmann . . HcidcUiciger Lement. Gement Karlstadt . . 29flt)6 4 Freitag. . . ?dralt6rü Patzen hol" Ostwerte Der. Blanzstosl . . . Bemberg Zellstoss Waldhos . . JcUftorf Aschassenbura Charlottenburger Sofie iefianet (Bat . . . . Daimler Motoren . . Demag ..... A blerwerle Riet)et . . Lubw Loewe. . . . Rat. Automobil . . • C renftetn 4 Roppel . Leonhard Dey . . • Bamag-Meamn . • . strantz. Maschinen . . . . . Hevltgealiardi . . . Zungbon» . . . • e ,363.75 322 738 663 810 «'Seid w rt,<‘ i77?Ti 168,41 16»,09 22,00 22.08 111,80 111,24 58,66 58.90 2.582 2,602 112,03 112.47 M.41 *0.73 69,36 69.64 12,35 12.41 7t. 75 73,05 Franbtzrrt a. M Berlin Schluß». 1-Uhr- Kur» | Aut» SdjLu’j Aur« Ansang Aur» zrmibsurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Schl'ch- l-Uhr- Schlutz Unfang Lchluh- l-Uhr- Schluh Anfang Aur» Aur» Aur» Aur» Aur» Aut» fiurs Kur» Datum 9.6. 11.6. 9.6. 11. 6. Datum: | 9. 6. 11 6. 9.6. 11.6. 6% Li. Reldrfanlelly v. 1027 . . «7.25 — 87.5 — 91.8.®.......... . 8 181.75 183.75 181.9 181.25 Di. Nni -Ablos-Lchulb mit «u»- 51.5 18.9 51.35 Bergmann....... . 9 >04.75 207 205 207 61,5 51 10 175 175 175 Tetgl. ohne M«os.-Siech le . . . 19.5 10 19.1 J'tdH unb Lrasi..... 10 228,5 232.75 231.25 232 7% Franks. Hyp.-Ät. Solbps. un- stellen 4 Guilleaume. . . Ok-I.f. (fleht. Untern.. . . . A 130.5 131.25 131.65 130.5 kündbar bi» 1082...... _ 10 280 282,5 279.75 283 *K% Sibelntsche Hyp.-Bank Liqu - Hamb, (flehr. Werke . . . i^ljeln. Weite....... 10 — — 18U.5 160.5 Golbps............ _ ■ . 9 168 168.5 168.5 169 M.C.®. atm. BorkrtegS-Obligation., Lchles. Slektr....... Echuckerl........ 10 253,5 255 _ — . 8 305.5 2118,25 205.26 207.5 4% Echwetz. Bunbeob.-Anl.. . . 4% Ceflerrrldjlldw «olbrte.. . . — — — * Gfernen» 4 yaiele .... 18 355 357.25 r>54 357 — — 20 * Tran4rabio....... . 8 — —• 159,5 161 4 80°e Cetten. ctlbente..... _ _ L'ahmener & uo...... 10 176.5 — 175.5 177 4% Ccftenrld). ctnbcüi. Siie . . — — — — Buberue...... • 88 — 87.5 87.5 4% Ungarische »olbrtc...... 26,25 26,4 26.4 26.4 TetUsche Erdöl..... . 6 141 143.25 142 143 4% Ungarische Llaaltr. v. 1910 . bcbflL öon 1918..... — — Essener Steinkohle .... . 8 — — 4 30 — — — — Melsenkirchener ... f. 3 » 140 141.5 140.75 141.5 4% Un.iansche ftronenrtc..... — 1.8 . 6 162 163 163,5 4% lilrf. üeNanlcihe v. ioh . . 4% Türtisch« Vagbabbahn-Anl. 12 — 12,IS ficefth Eisen ...... . 8 • 141.25 143.5 13.25 Ilse Bergban ...... . 8 268 — 264 266 -erie I........... 4% de»gl. Serie 1)....... 4% Rumänen amtiert. Sie. . . . — —— — ftk'dnrrwertc . ..... . 7 132.25 134 132.5 133.6 19.4 — 13.5 — Ä-Ia Neuesten...... . 9 — — 141 140.1 - — — Mannesmann...... . 8 141 - 114,4 143.65 143 4^% Rumänen WolbanLtimi 1913 - — — Man4selder....... . 7 119,75 IZU.2.5 119,75 Eberichles. Sisenb. Bebari . CberfStcf. AoHroetfr . . . Pdanir Bern bau..... :>ideinische Orauntoblen . . . 5 104 — 103." 104 euifl. Deutlche «isendahn . . 4V, Hamburo-Smerila Batet ... 8 4,'amb -eilbom. Damvssch. - • 9 164 165,25 165 208.5 164,75 . 6 bVi 10 U8 304 306 103 98.5 303.5 103 98.5 306.5 Hansa Dampsschiss.....1° 157 ___~ 212.5 211 Sbdnitatjl ... s. % Ja 4h 165.25 164.6 16j 163.2j t'.'orbbeutscher Lloqb.....8 157,25 — 156.5 Gebert Montan..... — — — Allg. DeuischeLrebitanst. . . 10 110.75 — 141.75 141.5 bereinigkr Etahtw. ... Etavi Minen . . .... . 6 99,95 — 100.5 100.4 Barmer Bankverein ... 10 116.5 118.3 148.5 149 1 ih 52.75 — — .53.. Berliner Hanbel4gesevs0>. . . 12 26'.', 75 - 270 273 AaU 'JUcbeUleben .... 10 211.5 219,0 217,5 218.5 kommeq- und Drivat-dant . 11 Lärmst. >! diattonalbant . . 18 189.75 278.2. 190.5 280 189.75 »79 191 Ü8O.2J 11 218 405 219.8 416 218,25 411 219.5 413 Hallwert SaübetfurtS . . 15 Deutsche Bank......10 Di«lon,i>«eselIIchast Snt.. . 10 168 >68 164.75 168.5 165.25 168 I- ®. starben-Iabusm, . . U 275 474.7.' 274.25 »74 164 165 rcnanrtl ’febel ..... . 6 135 Dresdner Bank......10 Mtvetbeulsche rrrditbanl ... 9 167 167 167 167 co: dardzaM (fahre ab , pti geht; sondern aui uchblngen. däh es m schlüssel um 20 P Vie. Mi Twaujla schwert t wciigehei volle R gelegt, di Politik ei' sicht,recht Die lenden Anleihe! Finanzw Ermutigend rung in der rerschast leihewirlscho ernannt hab Kredit- und holten. 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