Ur. 266 (Erttcs Blaff 178. Jahrgang Samstag, 10. November 1928 tttlfljtim lügtich.«wtzer Sonntag* anfc I^ierrag». Beilagen. QMeftenti FamillendläNei Hetmai iw Bild Die Scholle Monar».Se;vtz»preli: 2 Reichsmark unö 20 Retchspfenntg für 3rlge» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechonlchlüsse: 51, 64 und 112 Lnlchrist für Drahtnache richten Httjeiget Stehe». voUschecktolNo: grenffarldm Main 11688. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen VrvS mV Verlag: vrSHNche Unwersilittr-Vsch. mV Stetndnickerel B. langt tn Sietzen. Schriftlettung und Seschastrftelle: Zchulstratze 7. H»nähme ooi Bnjetge» für die lagtennmmtr bis znm Nachmittag vorher. Preis fir | mm ksShe str Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig. für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 2O’.„ mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Will) Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein, für den Anzeigenteil Kurt hillmann. sämtlich in (Lietzen Oer Waffenfiillfiand. Die Iroalf des u s pä t I" ist mit dem Schicksal Deutschlands im Kriege furchtbar verknüpft: wäre die russische Revolution vierzehn Tage früher ausgebrochen, so hätten wir noch versuchen können, den Unterseebootkrieg hinausAuschieben und hätten vielleicht Amerika aus dem Spiel gehalten. Wären die WafsenstiUstondsbedingungen acht Tage früher bekannt geworden, sie würden vermutlich auf alle Revolutionsgemüter derartig ernüchternd eingewirkt haben, daß der Zusammenbruch des 9. November andere Formen annahm, so daß wir noch stark genug gewesen wären, um uns andere Bedingungen zu erkämpfen. Man wußte zwar nach dem Notenwechsel mit Wilson, daß die Bedingungen hart sein würden, aber so hart, das hätte doch niemand erwartet, konnte auch niemand erwarten nach dem wochenlangen Depeschenwechscl, der zwischen Deutschland und Wilson hin und her gegangen war. In diesem Depeschenwechsel, der durch die Note Wilsons verbindlichen Charakter angenommen hatte, liegt wahrscheinlich der Schlüssel, mit dem wir an den Versailler Vertrag wieder herankom- men können. Denn dieser uns aufgezwungene Friede ist ja kein Ding an sich, er ist aufgebaut auf den von Herrn Wilson feierlich gegebenen Z u - sagen, hat freilich diese Zusagen in der schamlosesten Weise gebrochen. Die deutsche Deffent- lichtest und die deutsche Regierung operieren viel zu wenig mit dem Argument, daß ja, als der Waffenstillstand geschlossen wurde, eigentlich schon ein Vorvertrag oorlag, der als abgeschlossen gelten konnte mit der Note Wilsons vom 5. November. Deutschland hatte die vierzehn Punkte des amerikanischen Präsidenten angenommen, und nach wiederholten Rückfragen erklärte Herr Wilson namenet feiner Verbündeten deren Bereitschaft 8um Fried ensschluß „auf Grund der Friedensbedingungen, die in der Ansprache des Präsidenten an den Kongreß vom 8. Januar 1918, sowie der Grundfähe, die in feinen späteren Ansprache niedergelegt sind", mit einer Einschränkung über die Freiheit der Meere und einer Ausnahme wegen der 'Re- parationssorderungen, die aber auch in der neuen Fassung nur so Derftanhen wurden, daß Deutschland für alle der Zivilbevölkerung entstandenen Schäden durch seine Angriffe zu Wasser, zu Lande und in der Luft Ersah leisten solle. Von einer Bezahlung der Kriegsschulden, also von einer eigentlichen Kriegsentschädigung ist überhaupt nicht die Rede gewesen. Erst in Versailles, nachdem Deutschland völlig wehrlos gemacht war, ist dann der Diktatfriede entstanden, der dem Wilson-Programm tn3 Gesicht schlug. Mit Recht hrt ein Mann wie Keynes, also ein Engländer, dieses Verfahren als Ver- r a t bezeichnet, und Amerika hat den Versailler Vertrag nicht ratifiziert, ohne freilich dafür zu sorgen, daß Wilsons Wort eingelöst wurde. Aber die Aufgabe Deutschlands muh es sein, immer wieder daraus hinzuweisen, daß der eigentliche Friede schon im Rovember 1918 geschlossen ist, und daß alles, was nachher tarn, mit diesen Abmachungen in unvereinbarem Widerspruch steht. Hoover macht eine propaganba- reise nach Südamerika. Washington. 9. Rov. (WTB. Funkspruch) 3m Weißen Hause wurde mitgeteilt, daß Hoover vor seinem Amtsantritt nach Südamerika reisen werde, um Lateinamerika einen sichtbaren Beweis der nordamerikanischen Freundschaft und' die Versicherung der Zusammenarbeit zu geben, sowie um die dortigen politischen und wirischofllichen Verhältnisse zu studieren. Präsident Coolidge stellte Hoover auf dessen Wunsch das Linienschiff „Maryland" für seine Reise zur Verfügung. Der Präsident hat Hoover versprochen, daß die Regierung helfen werde, seine Amerika-Rundfahrt zu einem Erfolg zu machen. Die Mitteilung, daß Hoover eine solche Reife plant, hat In Washington ungewöhn.iches Interesse erregt. Man sieht darin einen kühnen Schachzug des künftigen Präsidenten angesichts der bitteren Kritik, die im lateinischen Amerika an der „imperialistischen Politik" der republilanischen Regierung der Vereinigten Staaten in Ricaragua und anderswo geübt worden ist. Briand über die kommenden Verhandlungen. Reparationsfragc und Nhcinlandräumung. Paris, 9. Rov. (WB.) 3n einer heute zum ersten Male erscheinenden politisch-literarischen Wochenschrift „Gringoire" findet sich ein Interview mit Driand. Briand erklärt darin: Der Versailler Vertrag enthält zwei Punkte, die die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland erschweren. Deutschland hat das Recht, jederzeit hinsichtlich der Reparationszahlungen zu verlangen, daß man aufs neue de n genauen Stand seiner Zahlungsfähigkeit prüft, ob dieser ihm erlaubt, zu zahlen oder nicht. Deutschland kann andererseits, nachdem es die Verpflichtungen des Versailler Vertrages erfüllt hat, Anspruch erheben — und eS fordert dies als Gegenleistung — auf d i e vorzeitige Räumung des Rheinlandes. Ich habe an die Stelle dieses provisorischen Zustandes, der jederzeit in Frage gestellt werden kann, etwas Endgültiges setzen wollen, und ich will es noch. Locarno poincare prust die Lage. Beim Präsidenten der Republik. - Erste Verhandlungen. P a r i s, 9. Rov. (IBIB.) poincarL Hai sich 14.20 Uhr ins Llysee begeben. Er war etwa ein- drcioiertel Stunden bei Doumergue. Der „lemps“ erklärt, daß der Präsident der Republik poincarä die Bildung der Regierung angeboten hat. poincarä habe dem Präsidenten der Republik mltge- teilt, er werde die Lage prüfen und schleunigst eine Besprechung abhalten in dem aufrichtigen Wunsche, zu einem Ergebnis zu kommen. Die Ereignisse der letzten Tage hätten die Wiederaufnahme feiner Arbeit nicht erleichtert. Um die Finanzierung zu vollenden und um die großen schwebenden Fragen zu lösen, sei es notwendig, im Lande und im Parlament die Einigkeit unter den Parteien aufrecht zu erhalten. Er werde daher auf dem von ihm kürzlich auseinandergesehten Programm der demokratischen und sozialen Aktion e i n Kabinett republikanischer Eintracht wieder zu bilden versuchen, das es ermögliche, den inneren Frieden herbeizuführen und den äußeren Frieden zu organisieren. Andererseits hätten sich zwischen dem Finanzausschuß der Kammer und der jurütfgetretenen Regierung mehrere Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Budgets ergeben. Poin- carL habe niemals im Sjusschuh die untergeschobenen Worte: „Alles oder nichts" gesagt. Er sei jedoch entschlossen, nur für ein abgeschlossenes Budget, nicht für irgendein Vndgelzwölstel die Derantroortung zu übernehmen, und hier liege eine ernste Schwierigkeit, die gelost werden müsse. Es handele sich in der Tat nicht darum, ein Ministerium ju bilden, das nur sechs Wochen Bestand habe. poincarä hat nach verlassen des Elysees sofort die ersten Besprechungen mit den Mitgliedern feines ehemaligen Kabinetts mit Ausnahme der radikalen Minister und des penflonsministers Marin gehabt. Sarraut und Marin wurden nur für wenige Minuten hinzugezogen. Die kommenden Männer. Eine Regierung auf breitester Grundlage. Paris, 10. Nov. (WTB. Funkspruch.) Aus den Verhandlungen, die Poincars gestern abend geführt hat, ergibt sich, daß er die Absicht hat, die neue Regierung auf breitester Grundlage auszu- bauen. Er will also wiederum ein Kabinett der Nationalen Einigung bilden. Die Durchführung stößt allerdings auf ernfte Hindernisse, und Zwar wegen der Umstände, die den Rücktritt des Kabinetts veranlaßt haben, als auch wegen verschiedener Kundgebungen in den Kammerfraktionen. Die Schwierigkeiten liegen bei den Radikalen und bei der Partei Marins, der demokratisch- republikanischen Vereinigung. Wie die Agentur Haoas berichtet, dürfte die Entscheidung heute vormittag fallen. Poincars wird sich bis zum Mittag wieder ins Etysee begeben. Die Verhandlungen werden dann zweifellos bereits so weit fortgeschritten sein, daß Poincars dem Präsidenten Doumergue mittellen kann, ob er glaubt, sie zu gutem Ende führen zu können. Lieber die Zusammensetzung der eventuellen neuen Regierung Poincares glaubt Ha- vas folgendes berichten zu können: Poincar6 wird die Radikalen Sarraut für das Ministerium des Inneren und Q u e u i l l e für das Landwirtschaftsministerium beibehalten. Das lln- terrichtsministerium gedenkt er dem Radikalen Bvonne D e l b o s. der schon einmal Mnterrichts- Minister war, anzuvertrauen, und das Kolonialministerium dem gleichfalls der Radikalen Partei angehörenden Rene Besnard. Der bisherige Pensionsminister Louis Marin wird voraussichtlich durch ein anderes Mitglied der demokratisch-republikanischen Vereinigung ersetzt werden. Man spricht davon, daß der bisherige Mnterstaatssekretär für Hygienewesen, der elsässische Abgeordnete Oberkirch, hierfür in Frage kommt. „Excelsior" nennt als eventuelle Rachfolger Marins den Abgeordneten M a g t n o t von der demokrcn isch-sozialen Fraktion und auch den Ab- geörbneten P e r n o t (Gruppe Slatin i Das Blatt will im übrigen berichten können, daß die Verständigung über das Regierungsprogramm f o gut wie erfolgt fei. Es schreibt, wenn Poincar6, wie es wahrscheinlich sei, heute sein Ministerium bilde, werde er am Dienstag zweifellos vor das Parlament treten und nach Verlesung einer kurzen Regierungserklärung sofortige Inangriffnahme der Budgetberatung beantragen. Einige Blätter glauben auch nicht, daß die Radikalen Sarraut und Queuille im Ministerium bleiben könnten und nennen als Kandidaten für das Innenministerium den auf dem rechten Flügel der Radikalen Partei stehenden Abgeordneten Jean Durand, der in Angers hauptsächlich gegen dm Flügel Caillaux- Montigny gekämpft hat, für das Landwirtschaftsministerium. Senator Fernand David, für das MnterrichtSministerium auch den Abgeordneten Lamoureux. Londoner Bankeitreden. Churchill und Baldwin feiern das gute Verhältnis zu Deutschland. London, 9. Rov. (WB.) In der altehrwürdigen, reich ausgeschmückten Guildhall wurde heute abend mit dem herkömmlichen Pomp das erste offizielle Baickett abgehalten, bei dem der neue Lord-Mayor der Londoner City den Vorsch führte. Die glänzende Versammlung umfaßte u. a. die Mitglieder dos Kabinetts unter Führung Baldwins, die auswärtigen diplomatischen Vertreter, die Spitzen der Beamtenschaft usw. Rach dem Trinkspruch auf den König brachte der Schahkanzler Churchill das Wohl der „ausländischen Botschafter und Gesandten" aus. Er fuhr Dann fort: Vom Krieg und seinen Rachwirkungen gelangen wir allmählich in das immer Heller leuchtende Licht eines Weltfriedens (Beifall). Es ist eine Quelle tiefer Genugtuung, daß der Friede Europas, der Christenheit und der zivilisierten Welt wiederhergestellt ist. Es bestehen keine Schwierigkeiten für unsere vormaligen Alliierten, heute abend die Vertreter der anderen Ration willkommen zu heißen, von der wir durch den Krieg so furchtbar getrennt worden sind. Wir werden binnen kurzem ernste und verwickelte Erörterungen über finanzielle Fragen mit deutschen Vertretern beginnen. Wir machen uns an diese Ausgabe, die selbstverständlich Schwierigkeiten bieten wird, mit ».er fest eia Gewißheit, daß an ihrem Ende em Ergebnis liegt, das für alle Teilnehmer an der Erörterung wohltätig sein und dazu angetan sein wird, die ganze Welt auf einen sichereren und festeren Grund zu führen. Die Befreiung der deutschen Finanzen und des deutschen Bodens von auswärtiger Einmischung oder Kontrolle ist em Ziel, das wir in England für höchst wertvoll und höchst wichtig erachten. Premierminister Baldwin sagte in seiner Rede: Vor vier Jahren waren wir noch in zwei Lager geteilt, nämlich Sieger und Besiegte. Diese Mnterscheidung besteht heute nicht mehr. Ich hoffe, daß diese beiden Worte vergessen werden (Beifall). Wir haben alle eine Lektion der Versöhnung und der Zusammen- arbeit des guten Willens erhalten, ohne die Fortschritt in der Welt unmöglich ist. Während der letzten fünf oder sechs Jahve ist eine fortschreitende Besserung in den Beziehungen eingetreten. Wir verstehen einander vielleicht besser als jemals. Daß auf diese Besserung eine eindrucksvolle Besserung in der inneren Lage Deutschlands und in unseren Beziehungen mit Frankreich folgte, ist der beste Beweis, daß enge Zus ammenarbei t zwischen Frankreich und Großbritannien nicht zum Schaden Deutschlands oder einer anderen Macht ausschlägt und ausschlagen kann. Baldwin zollte der Wiederher st ellung Deutschlands seine Bewunderung und nahm aus den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Bezug. Er erklärte: Deutschland steht heute da als ein großes Land unter Gleichen, und es verdankt dies in erheblichem Maße dem Genius Dr. Strefemanns, dem ein jeder der Anwesenden eine schnelle Wiederherstellung seiner Gesundheit wünscht. Der Premierminister behandelte dann dgs Verhältnis Englands zu den übrigen Mächten und kam schließlich auf den Kellogg-Pakt zu sprechen, wobei er aussührte: Ich glaube, daß die Zeit kommen wird, wo man in diesem Pakt d i e größte Tat Amerikas in der gegenwärtigen Zeit erblicken wird. Wenn alle Länder, die den Pakt unterzeichnet haben, seinen Sieg erkennen und daran glauben, bann werden die Nationen zum ersten Male im Stande fein, die Abrüstung in einer Art zu erörtern, die uns auf den Weg dazu führen wird. Entweder wir bleiben dem Geiste des Paktes treu, oder wir gehen für immer zugrunde. Lassen Sie uns mit neuem Glauben und neuer Hoffnung vorwärtsschreiten. (Beifall!) wird jetzt durch eine freundschaftliche Regelung der Reparationsfrage vervollständigt werden Wenn unsere Bemühungen gelingen, wie ich hoffe, Dann wird schließlich die durch den Vertrag vorgesehene Kontrolle eingesetzt werden müssen, um die Entmilitarisierung desRheinlandes zu gewährleisten. An einer anderen Stelle betont Briand. daß er auf Grund der Fühlungnahme mit vielen Beobachtern, die er nach Deutschland geschickt habe, Po iiiiern, Journalisten, Finanzleuten, Industriellen und Kaufleuten, die Lieberzeugung gewonnen habe, daß Deutschland eine Entwicklung durchgemacht habe und noch durchmache im Sinne der Festigung des republikanischen und demokratischen Regimes. Gewiß gebe es noch überreizte Rationalisten, aber sie bildeten nicht die Mehrheit. Kampf der Persönlichkeiten. Zu Der viel erörterten und lebhaft umstrittenen Frage, ob Masse oder Persönlichkeit die treiben De Xcajt in Politik und Geschichte sei, Hal die letz.e Woche neues und interessantes Material bei/* gebracht. Den Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft, der am Dienstag mit Dem übertoältigenDen Siege des republikanischen Kandidaten enDete, hatte man gern mit Dem Schlagwort „Smith oder Hoover, ein Kampf zweier Persönlichleiten" gekennzeichnet. Wie sehr diese Charakteristik einer Einschränkung bedarf, haben Verlauf und Ausgang der Wahl selbst hinreichend bewiesen. Der äußerst populäre und joviale Reuyorker Gouverneur Al'Smith konnte nicht einmal in seinem eigenen Staate durchdringen. Von den Südstaaten, seit Dem Bürgerkrieg von 1865 und Der Sklavenbefreiung eine schier uneinnehmbare demokratische Feste, gingen nicht weniger als sieben in das republikanische Lager über. Hoover, dem zurückhaltenden, wortkargen Geschäftsmann, Dem man nachsagt, daß ihm nichts so verhaßt sei, als Reden halten und sich volkstümlich machen, ist eine Mehrheit zugefallen, wie sie bislang wohl kaum ein Bewerber um Den Sih im Weißen Hause zu Washington auf sich vereinen konnte. Das hat eine Reihe triftiger Gründe. Smith, Der Demokrat, ist Ka tholik. Grund genug für die zahlreichen und mächtigen Setten, namentlich puritanischer Färbung, ihren ganzen Einfluß zu- gunften seines republikanischen Gegners einzusetzen. Die Tatsache, daß noch niemals ein Katholik das höchste Amt Der Vereinigten Staa.en verwaltet hat, und die Parole, durch die Wahl eines katholischen Präsidenten gelange eine außer- amerikanische Macht, die römische Kurie, zu Einfluß auf Die Geschicke des amerikanischen Volkes, genügten offenbar, dem demokratischen Kandidaten Tausende von Wählern abspenstig zu machen. Smith hat sich als Gegner der Prohibition bekannt, zwar vorsichtig und mit einer Menge einschränkender Floskeln, aber offenbar doch deutlich genug, daß die sehr aktiven Frauen-Vereinigungen aller Art ihm Kampf bis aufs Messer anfagten, daß die unter der Prohibition grohgewordenen Konzerne Der alkoholfreien Get räickeindustrie alle Minen springen liehen, und schließlich auch alles, was an Dem blühenden Alkoholschmuggel interessiert ist — und das sind nicht wenige und einflußlose Kreise — sein Gewicht ebenfalls gegen Smith in die Wagschale warf. Hoover, der glücklichere Konkurrent, hatte es zweifellos leichter, besonders nachdem erst einmal die Gefahr einer Sezession der mißvergnügten Farmer des mittleren Westens schon auf dem republikanischen Rationalkonvent gebannt war. Von ihm verlangte man nicht einmal ein Programm. Er brauchte nur auf den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes unter Den beiden republikanischen Präsidenten Har- ding und Coolidge hinzudeuten, um seinen Wählern zu beweisen, daß Die Vereinigten Staaten unter dem republikanischen Regime gut gefahren sind. Was machten die paar Durchstechereien und Skandalaffären, mit denen die Demokraten notgedrungen krebsen gingen, gegenüber Dem schlagenden Beweis eines vollen Geldbeutels, den Die überwiegende Mehrzahl des Dolles heute sein eigen nennt, gegenüber der Zauberformel „prosperity“, mit der Hoover zu Felde zog „kor Home and happiness". Gc> gen solche handgreiflichen Argumente hatte Al'Smith bei aller Beredsamkeit, bei aller Popularität kein Gegenmittel. Der amerikanische Wähler hat sich nicht für eine Persönlichkeit entschieden, er hat für Beibeh altung des Kurses gestimmt, mit Dem Amerika seit Wilsons Katastrophe gut gefahren ist. In stark traDitioneller Bindung an das praktisch Erprobte hat er alles abgelehnt, was nach etwas Reuem und Unsicherem schmeckte. Der hundert- prozentige Angloamerllaner Hoover beherrscht das Feld. Wie toirlt sich Dies Wahlergebnis in Der internationalen Lage aus, was springt Dabei für Deutschland heraus? Sicher das eine, Daß Der kühle, geschäftsmäßig sachliche Geist Der Zurückhaltung, Der Die Politik Des Präsidenten Coolidge namentlich in allen europäischen Dingen beherrscht hat, unter seinem Rachfolger Hoover vielleicht in noch verstärktem Maße Geltung bekommen wird. Das ist für Die Behand- lung Der Reparationsfrage, Die uns Deutschen ja zunächst am Herzen liegt, gewiß kein Rach- teil. Aber geben wir uns beileibe keinen voreiligen Illusionen hin, unterdrücken wir alle Sentiments, Die bei Dem Rainen Hoover in Erinnerung an Kinderspeisungen unD Hungersnothilfe etwa aufkeimen möchten. Der neue Präsident hat sich während des Krieges und auch noch nach Dem Waffenstillstand keineswegs sympathisch über das deutsche Volt geäußert. Es bedurfte erst sehr energischer Vorstellungen der Deutschamerikaner, bis der damalige Lebens- mitteldiktator sich entschloß, seine großen Mittel, Die vorwiegend aus deutsch-amerikanischen Kreisen :hm zur Verfügung gestellt waren, nicht allein Den Belgiern und Den notleidenDen Volkern Des Ostens zuzuwenden, sondern auch Den Deutschen Kindern. Den unschuldigen Opfern einer grausamen Hungerblockade. Also noch einmal, keine falschen Hoffnungen, wohl aber eine positive, bewußte Einstellung auf eine Zusammenarbeit mit Amerika, die ^ur zwingenden Rotwendigkeit geworden ist in einem Augenblick, wo wir erkannt haben, daß die Locarnopolitik bisherigen Stils ihre Möglichkeiten erschöpft hat und neue Wege ungebahnt werden müssen. Das Problem Persönlichkeit und Masse spielt auch bei dem andern politischen Ereignis dieser Woche eine nicht unbedeutende Rolle, der Demission des französischen Kabinetts. Dos Kabinett PoincarL, „das Kabinett der nationalen Einigkeit" ist am Dienstag, dem Tage der amerikanischen Wahlen, zurückgetreten, nachdem die „nationale Einigkeit" schon ein gutes halbes Jahr früher sich aus dem Staube gemacht hatte. Nichtsdestoweniger bat es den Anschein, als ob der Name PoincarL auch die Zukunft beherrschen werde, sei es schon als Chef der neuzubildenden Regierung, sei es erst als der kommende Mann nach einem von ihm provozierten Interregnum, sei es als Präsident der Republik nach dem 1931 zu erfolgenden Abtritt des derzeitigen Präsidenten Dou- mergue. Die Vorgeschichte dieser Regierungskrisis ist interessant genug, näher erörtert zu werden, wenn es auch dazu nötig sein wird, etwas tiefer in die Geschichte der inneren Politik Frankreichs herabzusteigen, als im allgemeinen üblich ist. Die Regierung, die Raymond Poincar6 im Juli 1926 nach vergeblichen Versuchen von Politikern verschiedener Richtungen unter dem Schlagwort der „nationalen Einigung" mit dem ausgesprochenen Zweck, hie Währung zu retten, zustande gebracht hatte, hatte Männer der republikanischen Rechten, wie Tardieu und Marin, mit republikanischen So» Misten, wie Briand und Painleoö, und Radikalen, wie ijerriot und <5otraut, in sich vereinigt. Der Autorität PoincarLs, dem brutalen Willen des Diktators gelang die Aufgabe, vor der Caillaux' Finanzgenie, von kleineren Geistern ganz zu schweigen, hatte kapitulieren müssen: der Franc wurde stabilisiert, die französischen Staatsfinanzen kamen wieder In Ordnung. Aber mit wachsender Entfernung vom Abgrund des Währungsbankerotts wuchs auch die alte Zanksucht der Parteien des Parlaments. Seit dem Frühjahr war die „na- tionale Einigung" nur noch notdürftig überlleiftert, nach der Gehorsamsverweigerung der Radikalen unter Führung Caillaux' ist sie endgültig zerplatzt. Die Süßeren Gründe für diesen Ausbruch der Lin- (en liegen in den ominösen Artikeln 70 und 71 des neuen Staatsbudgets, die in Abänderung de s Kongregationsgesetz es, gewissen katholischen Orden und Missionsgesellschaften, die durch ihre Missionsschulen in den Kolonien auch im staatlichen Interesse Jätig sind, Ansvruch auf Rücker st attung ihres beschlag- nahmten Eigentums gewahren, mit anderen Worten auch Ordensniederlassungen auf französischem Boden zulassen wollten. Die radikalen Mitglieder des Kabinetts, namentlich der zuständige Kultusminister fierriot, hatten sich mit dieser Maßnahme einverstanden erklärt, nachdem Pom- car6 ihnen ausreichende Zusicherungen gegeben hatte, daß von einer Rückkehr der Jesuiten keine Rede sein könne. Dem In Angers zusammengetretenen Kongreß der Radikalen Partei genügten indessen diese Garantien nicht. Den vier radikalen Ministern, die in Angers ihren gemäßigten Standpunkt vertraten, gelang es zwar, eine vom Kongreß gefaßte Entschließung, die ein Miß- trauenßootum für das Kabinett der „nationalen Einigung" bedeutet hätte, umzudiegen. Aber als sie, über ihren Erfolg zufrieden, am Abend nach Paris zurückgeeilt waren, gelang es dem linken Flügel, unter Caillaux' geschickter Führung, der Entschlie- ßung nachträglich eine Form zu geben, bie eine Mitarbeit der radikalen Minister im Kabinett Poin- car6 nicht mehr länger zuließ. In dieser Entschlle- ßung hieß es: „Die gegenwärtigen Ereignisse haben den neuen Beweis erbracht, daß unsere Partei die Verpflichtung zur Wachsamkeit hat, da- mit nicht die Unantaftbartelt der Laie n- gesetzgebung gefährdet wird, die den standi- gen Angriffen von Parteien ausgesetzt ist, die weder von der Neutralität noch der Toleranz, noch von der gegenseitigen Achtung vor den Glaubensbekennt- niffen anderer befriedigt sind; aber es genügt nicht, wachsam zu fein. Wir müssen die Laiengesetzgebung in allen ihren Formen ausbauen ... Der Kongreß, Parlamentarier und Parteimitglieder, ist einstimmig der Ansicht, daß die Existenz dieses Programms nicht mit der Formel der nationalen Einigkeit sichergestellt werden kann ... Die Laiengesetzgebung, auf die in dieser wortreichen Erklärung des radikalen Parteikongresses angespielt wird, geht in ihren Anfängen noch auf Jules Ferry. den mutigen, Willensstärken Republikaner zurück, der als Bürgermeister von Paris nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches den Aufstand der Kommune nieber- kämpfte und als Ministerpräsident Frankreich sein indisches Kolonialreich, Tunis und das Kon- gvgebiet, gab. Degen die Opposition der Kleri- kalen schuf er die moderne französische Volksschule. Aber die entscheidenden Schritte zur Trennung von Kirche und Staat erfolgten erstnachderDrey- fußassäre, die 1894 mit der wegen Verdachts der Spionage unschu'dig erfolgten Verurteilung des jüdischen Generalstabshauptmanns Dreysuß und seiner Verbannung aus d e Teuselsinsel begann unb erst 1906 mit der völligen Rehabilitation des Beschuldigten endete. Die Dreysußasfäre war gleichsam eine Machtprobe zwischen der bürgerlich-republikanischen Staatsautorität und dem klerikal-monarchistisch eingestellten Offizierkorps. Diese enge Verbundenheit zwischen den klerikalen Strömungen und den monarchistischen Elementen im Kampf gegen die dritte Republik gab dann den Anstoh zu den für die Herbeiführung der Trennung von Staat und Kirche entscheidenden Gesehen. Waldeck-Rousseau verbot 1901 den nicht vom Staat zugelassenen Orden die Er- teilung deS öffentlichen Unterrichts, sein Rachfolger CombeS hob alle Ordensschulen auf, ließ die Klöster schließen und für den Staat ein- ziehen und bereitete noch das Gesetz für die völlige Trennung von Staat und Kirche vor, das dann 1905 von Rouvier durchgeführt wurde. Wie sehr der Rame Eombes durch diese Kulturpolitik zum Symbol des Antiklerikalismus geworden ist, bewies erst vor wenigen Wochen die Tat einiger Fanatiker, die seine, chm in seiner Vaterstadt PonS errichtete Büste kurz nach der Enthüllungsfeier zertrümmerten. Das Erbe EombeS' verwalten die Radikalen, während der heutige französische K erb kalismus sich um die Kceie der »Action f r a n $ a t f e“ gruppiert, d e in Maurras und dem durch seine amüsante Gntführungsgeschichte berühmt gewordenen LSon Daudet ihre Führer sehen. Mit dem Vatikan stehen die e Leute allerdings nicht mehr auf sonderlich guten Fuße. Die Kurie hat sich ihrer royalistischen Bestrebungen wegen von ihnen losgesagt und es vorgezogen, unter Verzicht auf einen Kulturkampf, durch eine kluge und auch vom Staate geforderte Der- föhnungspoli'sik von der Republik Zugeständnisse auf kulturpolitischem Gebiet zu erlangen. Diese gemäßigte Politik dürften wohl in dem eben zurüagetrctenen Kabinett PoincarS selbst und Marin vertreten haben, während die Führer der antiklerikalen Richtung nicht im Kabinett, fern- Die elsässischen Autonomisten des Kammermandais beraubt. Ein Fußtritt für das Elsaß. Die französische Kammer hat in einer recht bewegten Sitzung dem Mandatsraub an den elsässischen Abgeordneten Rick- 1 i n und Rossö ihre Zustimmung erteilt. Es wäre vielleicht anders gekommen, wenn nicht von kommunistischer Seite her in der taktlosesten Weise Dor gegangen und das Gespenst einer elsässischen Revolution und einer Loslösung Elsaß- Lothringens vom französischen Staate an die Wand gemalt worden wäre. Das hat den Feinden der elsässischen Heimatbewegung plötzlich einen starken Zuzug verschafft, hat auch dieRadikal- Sozialisten und die Sozialisten bewogen, sich in der entscheidenden Abstimmung der Stimme zu enthalten, so daß der Antrag auf Abe rkennung des aktiven und des passiven Wahlrechts der Abgeordneten Rosse und Ricklin durchging. Sie müssen also die Kammer verlassen und werden vorläufig als parlamentarische Vertreter des elsässischen Volkes ihre Rolle ausgespielt haben, da nicht damit zu rechnen ist. daß die gleichzeitig beschlossene Amnestie ihnen die bürgerlichen l^renrechte wiedergibt. Das schließt natürlich eine politische ^Betätigung in ihrer Heimat nicht aus, in der sie nun erst recht neuen Zulauf finden werden. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß Frankreich seinen nationalen Minderheiten gegenüber eine Politik der brutalen älnter- druckung und Entrechtung betreibt, dann ist er jetzt erbracht worden. Mit diesem Fußtritt, den die Kammer den Elsässern durch den Mandatsraub an Ricköin und Rossä versetzt hat, dürfte Frankreich sich wohl auch um den letzten Rest noch vorhandener Sympathien im Elsaß gebracht haben. Die Abstimmung in her Kammer. Paris, 9. November. (2JB.) Bei der gestrigen Abstimmung über die Aberkennung des Mandats ür Ricklin und Rosse haben sich 3 6 0 Abgeordnete der Stimme enthalten. Für den Antrag stimmten 67 Radikale. 46 Mitglieder der Frak- tion Coudjeur, 13 Sozialrepublikaner. 6 Unabhängige Linke, 19 Linksrepublikaner, 21 Mitglieder der demokratischen und sozialen Aktion. 9 Mitglieder der Fraktion Marin und 10 Fraktionslose. Den Antrag abgelehnt haben 11 Kommunisten, 2 Radikale, 2 5o- zialrepubllkaner, 5 unabhängige Linke. 1 Unionist. 2 Mitglieder der Fraktion Marin, 5 katholische Demokraten und 2 Fraktionslose. 21 Abgeordnete fehlten. Sine Kundgebung in Straßburg. Der Autonomist Dr. Roos stellt dich den Gerichten. Paris, 10. Rov. (WTB. Funkspruch.) Sn Straßburg fand gestern abend eine von den Autonomisten und Kommunisten organisierte Protestkundgebung gegen den Beschluß der Kammer, die Wahl Ricklms und Rosses für ungültig zu erklären, statt. Der im Colmarer Prozeß verurteilte Dr. Roos, der sich nach Basel geflüchtet hatte, nahm an der Kundgebung teil, er erklärte, daß er sich den französischen Behörden stellen werde, um die Wiederaufnahme seines Prozesses zu beantragen. Dr. Roos trat in seinen Ausführungen für den Autvnomismus ein. Er wurde nach Verlassen des Saales, wie eine Agenturmeldung besagt, verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert Außer Dr. Roos haben auch zwei Kommunisten sowie der Autonomist Hauh. in der Versammlung gesprochen, nach deren Ende die Versammlungsteilnehmer in zwei Zügen durch die Straßen zum Rathaus marschierten. Diese Züge wurden gegen Mitternacht von Polizei und Gendarmerie aufgelöst. Hierbei wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Das Echo in Elsaß-Lothringen. Pariser Schcrbcnpolitit reinsten Wassers. Straßburg, 9. Noo. (TU.) Die elsaß-lothringische Preße zeigt äußerste Erbitterung über die Ungültigkeitserklärung der Mandate Ricklin und Rosts. „Paris fährt auf dem Wege der Mißachtung der elsaß-lothringischen Belange fort", so heißt es in der Lothringer Volkszeitung", dem katholischen Metzer Blatt; man werde aber der Unzufriedenheit im Lande durch solche Entscheidungen, die allzusehr nach der starken Hand riechen, nicht beikommen. Das fei alles „Scherbenpolitik reinsten Wassers". Ehrenpflicht der französischen Kammer wäre es, nach Ansicht des „Elsässer Kurier", des Colmarer Heagy-Blattes, gewesen, das Urteil der elsässischen Wähler zu achten. Denn in einem Lande der Dolkssouveräni- tät müsse es gegen gerichtliche Fehlurteile Abhilfe geben. Der „Elsässer" (Straßburg, katholisch- autonomistisch) spricht von der furchtbaren Derant- wortung, die die Kammer auf sich lade. Der „Elsässer" macht P o i n c a r 4 und den sozialistischen Abgeordneten G r u m b a ch für die Abstimmung in der Kammer verantwortlich. Die Zeitung beschuldigt die Abgeordneten, die sich der Abstimmung enthalten haben, der Feigheit und erklärt, daß die Ent- scheidung Zornestränen und tiefen Sch merz im elsässischen Volk auslösen werde. Sie schließt ihren Kommentar mit den Worten: „Gott schütze das Elsaß!" — Beachtlich ist auch der Kommentar der Straßburger „Republique", eines Blattes, das dem Autonomismus feindlich gegen- übersteht. Es sei zu spät, gute Ratschläge zu erteilen. Da aber keine bewiesenen Derbreck-en vorlägen, hätte man die Gewählten des Volkes wider- spruchslos als die Vertreter ihrer Wähler anerkennen sollen. Das Blatt fragt, was gewonnen fei, wenn bei Neuwahlen an die Stelle von Ricklin und Rosts vielleicht Heagy und Stürmei treten würden. Man möge sich in Paris jedenfalls nicht zu sehr über die Scherben beflogen, die es noch absetzen werde. dem auf dem linken Flügel der radikalen Partei um Caillaux herum zu suchen sind. Caillaux ist der eigentliche Gegenspieler Poincarös, und damit enthüllt sich der Kampf um die Qaun- gesetzgebung recht eigentlich als ein Kampf dieser beiden ausgeprägten Persönlichkeiten. Joseph Caillaux, fast so oft Ministerpräsident und Finanzminister als sein Gegner Poin- carS, ist ein erbitterter Feind der Klerikalen und Konservativen, aus deren Reihen er allerdings selbst hervorgegangen ist, dessen Vater einst Finanzminister in dem klerikal-monarchistischen Kabinett des He.zogs von Brog'ir unter der Präsidentschaft Mac Mahons gewesen war. Der jüngere Caillaux schkug sich jedoch auf die andere Seite. Er wurde em Mitarbeiter Waldeck- Rousseaus und zog den ganzen Haß der Klerikalen auf sich. Die Hetze des reaktionären „Figaro" gegen den damals amtierenden Finanzminister Caillaux und die rächenden Schüsse der Frau Caillaux auf d:n Figaroredakteur 6 atmet t e im März des Kriegsjahres 1914 sind noch in aller Erinnerung. Während des Krieges wanderte Caillaux als „Defaitist" und der Verbindung mit dem Feinde Verdächtiger ins Gefängnis und in d e Te:bannung. Seine Zuneigung zu Poin- car6, unter dessen Präsidentschaft dieS geschah hat es zweifellos nicht steigern können. Rach seiner Rückkehr in die aktive Politik wurde er Poincarös schärfster ©eg'er, seinem Ein luh verdankt der Ministerpräsident die Entschließung des radikalen Kongresses, den Sturz seines Kabinetts. Ob dieser Sieg Caillaux' endgültig sein wird, erscheint allerdings höchst zweifelhaft. Die Linke ist weder stark noch in sich einig genug, um ein eigenes Kabinett auf die Deine zu stellen. Und alle anderen Kombinationen dürsien nur mit Poincarö oder einem von ihm präsentierten Platzhalter an der Spitze Aussicht haben, vor den Augen des Parlaments Gnade zu finden. Auf das deutsch-französische Derhält- n i s wird die Entwicklung der Pariser Kabinettskrisis kaum irgendwelchen Einslu) haben, auch wenn, was kau n anzunehmen ist, ein Kabinett der Linken vorübergehend ans Ruder kommen würde: Vereinbarungen, die mit Poincarä. sei es über die Reparativnsfrage. sei es über die Rheinlandräumung, geschlossen würden, fielen zweifellos höher im Kurs als Bindungen mit einer schwachen und unbeständigen Linksregierung, die ein stärkerer Rach- f olger desavouiert oder in seinem Sinne au Siegt Also auch hier nur keine törichten Illusionen, sondern nüchtern und klar der Tatsache ins Auge geschaut, daß wir auch in Zukunft auf der Gegenseite mit einem Staatsmann von zähem, fast eigensinnigem Willen und unermüdlicher Arbeitskraft zu tun haben, der fest entschlossen ist, aus den Verträgen alles bereu )zuholen, was ihm für Frankreich nützlich erscheinen mag. Stellen wir uns öarcu, ein. werden uns auch hier spätere Enttäuschungen erspart bleiben. Eine Riesenbettugsaffäre. Eine Wechsekb trugsassäre ganz großen Stlls ist gegenwärtig Gegenstand von Erhebungen der Berliner und Pariser Polizei. 3n diese Angelegenheit spielen zwei Ramen hinein die in der Oessentsichkett allgemein bekannt sind. Litwinow und Holzmanm Bei Litwinow handelt es sich um einen Bruder des russischen Volkskommissars. Der groß angelegte Wechselschwindel, dem man anscheinend zuerst in Paris auf die Spur gekommen ist, hatte sich zum Leidtragenden die russische Handelsvertretung in Berlin auserwählt, doch ist, bevor ihr ein materieller Schaden zugefügt werden konnte, der Betrug auf gebe ckt worden. Bei den Wechselbetrügereien sind falsche Wechsel Im Betrage von vier Millionen Goldmark in Umlauf. Der Bruder des russischen Volkskommissars Litwinoff hatte bis zum 1. 3uli 1926 Vollmacht für die Sowvelhandelsvertretung in Berlin. Holzmann hatte 1918 für die Ernährungsabteilung der Sowjeiregierung umfangreiche Geschäfte getätigt und u. a. aus Deutschland die Einfuhr von Zucker vermittelt. Es muß befürchtet werden, daß die Wechsel, die nach außen hin den Stempel der Echiheit trugen, in die Hände Gutgläubiger gelangt sind, bie aus diesem Besitz Ansprüche an die Solch ^Handelsvertretung herleiten tonnten. Anscheinend sind die Wechsel in Deutschland nicht aufgetaucht, sondern vorzugsweise in Frankreich präsentiert wordem füweränberte Lage im Eisenkonfliki. Die Gegenklage der Gewerkschaften. Essen, 9. Rov. (WTB.) Die drei Metallarbeiterverbände haben beim Arbeitsgericht Duisburg eine Klage gegen den Arbeitgeberverband Rordwest eingereicht. 3n der Klage wird beantragt, das Gericht wolle den Dellagten verurteilen: 1. In Erfüllung der tariflichen Erfüllungspflicht a) die Aussperrungsanwersung zurückzuzie^-en, b) cs zu unterlas en, die im Kampfe befindlichen Werke in direkten ober indirekten Maßnahmen finanzieller, ideeller oder sonstiger Art zu unterstützen, c) die hrrausgegebene namentliche Liste der ausgefperrten Arbeitnehmer zurückzuziehen und die Weitergabe dieser oder neuer Listen zu unterlas en, d) die Mitglieder mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mi tein anzuha t .n, die getrof enen Kampfmaß nahmen rückgängig zu machen und neue zu unterlas en, 2. an die Kläger Schadenersatz zu zahlen. Rückwirkungen auf die hessische Wirtschaft. Darmstadt, 9. Roo. (Landespresiediensl.) Soweit sich übersehen läßt, bleibt von der Metallarbeiter-Aussperrung im rheinischen Industriegebiet auch Hessen nicht verschont, von einigen am Kamps beteiligten werken ist der oberhcfsischen Brauneifenfleingrube Gewerkschaft Luise in Weickartshain mitgeleilt worden, daß keine Abnahme von Brauneisenstein mehr erfolgt Die Gewerkschaft „Luise" hat daraufhin ihren Arbeitern bekanntgegeben, daß der Betrieb in vierzehn Tagen ft tilge (egt wird. Falls es nicht gelingt, den Konflikt In der ®fen- Industrie alsbald zu beseitigen, werden auch die Opetwerke in Rüsselsheim, die in erheblichem Maße von der Rohstoff belief erung durch die nord- westdeutsche Eisenindustrie abhängig sind, in absehbarer Zeit der Frage der Stillegung ihrer gesamten Anlagen nähertreten müssen, falls nicht bald eine Beilegung im Lohnstreil der Rordwest- gruppe erfolgt. Eine Kundgebung der Evangelischen Kirche. Essen, 11. Rov. (Telunion.) Don der Pressestelle der evangelischen Kirche Rh inlands unb Westfalens wirb mitgeteilt: Wenn burch einen Wictschaftskamps, wie dem gegenwärtigen, in der Eisenindustrie für Hunderttausende von Familien große Rot droht, die Grundlagen deutscher Wirtschaft erschüttert und die innere Befriedung unseres Volkes auf das schwerste gefährdet wirb, kann eine Kirche, will sie wirklich ihre religiössittliche Aufgabe gegenwartsnahe erfüllen, nicht schweigen. Ta.um haben sich die evangelischen Kirchen Rheinlands und Westfalens in einem bedeutsamen ernsten Schre eben an die Reichs regierung gewandt unb deren Einschreiten in den Eisen- kvnflikt als ein Gebot der Stunde 'gefordert. Verhandlungen der Schlichtungsbehörden Emncn. selbst wenn sie noch möglich wären, erst in langem Zeitraum wirksam fein. Direkte Verhandlungen der kämpfenden Gruppen fehlen, wohl aber stehen beide noch in Verhandlungsbereitschaft da. Darum regt die evangelische Kirche des betroffenen Gebietes an, daß wirtschaftlich erfahrene das Vertrauen beider Parteien besitzende Persönlichkeiten neue Verhandlnngen versuchen. Allerdings müßten solche Verhandlungen von einer ganz offenen Aussprache über die letzten Gründe des gegentoärtigen Kampfes begleitet fein. Die Kirche muhte sich hüten, in wirtschaftstechnische Fragen oder in die im Kampfe aufgeworfenen Rechtsfragen sich zu verlieren. Wohl aber mußte die evangelische Kirche, die bereits durch weithin wirkende Kundgebungen ihrer Kirchentage ein soziales Gewissen für unser Voll wurde, doch zum Frieden zu helfen versuchen, wo Friede noch möglich ist. Man darf erwarten, daß bie Reichsregierung versuchen wird, den vorgeschlagenen Verhandlungsweg zu gehen. Aus aller Wett. Brand in kalifornischen Oelfeidern. Sn den Santafe-Springs-Oelfeldern in der Rahe von Whittier (Californien) ist cme Oel- quelle in Brand geraten. 150 Feuerwehrleute versuchen, den Brand zu löschen, der bisher drei Bohrtürme zerstört hat und viele andere bedroht. Aus der annähernd 2000 Meter tiefen Quelle schoß plötzlich eine 30 Meter hohe Stichflamme hervor. Bald nach der weit- bin hörbarem Explosion griff das Feuer auf die benachbarten Bohranlagen über. Es entstand ein gewaltiges Flammenmeer. Viele andere benachbarten Oelquellen flnb auf« ernsteste gefährdet. Die Wetterlage. la Conjna _ "c.7 "TSörSt nwrdetfr Hordoyi 10 ISO -3 -5 HocKh. wenn ’Va. O * Freitag, d, 9. NoVtx 1928,7" at)ds. .....fl-f. /--—Jan nay n---- ®worxemov 0ne $et» erentr» 0,, Sedtooweil q iturmotnef NordwesV Oie Pfent fliegen mit dem winde Oie beiden Stationen dienenden Zafr ten geben die Temperatur an Oie Linken eerbindtn Orte mit gleichen» eif n»eresni#eau umaerecMete» eendreen tßettervo. Aiivfagc. Infolge der Kaltluftzufuhr ist das Hochdruckgebiet weiter nach dem Kontinent gewandert. Nächtliches Aufklaren ließ die Temperaturen besonders im nördlichen Deutschland unter den Gefrierpunkt sinken. (Hamburg minus 1 Grad, Hannover minus 4 Grad, Nordhorn minus 5 Grad.) Wenn auch im Nord- westen eine neue ozeanische Störung heranrückt, die bereits über Irland und Schottland infolge ihrer aufgleitenden Warmluft ein ausgedehntes Regen- gebiet verursacht hat, so wird unser Gebiet doch noch unter dem Einfluß hohen Druckes bleiben, so daß heiteres und trockenes Wetter für morgen zu erwatten ist. Leichte Nachtfrostgefahr bleibt noch bestehen. WettervoraussagefürSonntag. Morgens stellenweise dunstig, tagsüber aufheiternd, leichte Nachtfrostgefahr, trocken. Witterungsausfichten für Montag: Zeitweise wolkig, etwas milder, vereinzette Niederschlage nicht ausgeschlossen. Lufttemperaturen am 9. November: mittags 6,2 Grad Celsius, abends 4.9 Grad Celsius-, am 10. Noo.: morgens 0,9 Grad Celsius. Maximum 7,2 Grad Celsius, Minimum 0,6 Grad Celsius. — Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 9. November: abends 8,7 Grad Celsius; am 10. November: morgens 4,2 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 10. Rovember 1928. Katze und Maus. Line Alltagsgeschick le. ES war an einem sonnigen Herbstnachmittag. Die Gäste der Gartenwirtschaft sahen saft alle un Freien. Die Mnstllapelle spielte, manchmal den neuesten Schlager, dann wieder einen Strauhschen Walzer. Es war. tote man sagt. gr> mütlich Aus einmal erschien, von wenigen bemerkt eine Katze mit einer Maus im Maule. Unter einem leeren Tisch machte sie Hall und legte das Tierchen vor sich hin. Es schien tot zu Tein. Die Katze streichelte es aber mit ihren Pfoten, deren Krallen wohl eingezogen waren, so lange, bis sich das hilflose MäuSchen wieder regte. Es versuchte, zu entwischen, zunächst taumelnd: dann aber schien es in seiner Todesangst olle Kräfte zu sammeln, um zu entweichen. 5>ie Katze lieh ihm den Spatz. Ein paar elegante Sprünge, und sie hatte es wieder im Maule. Run blieb das Mäuschen ruhig sitzen, eS hatte wohl gemerkt, daß doch alle Mühe, zu entrinnen, vergeblich war. Ton neuem wurde es gestreichelt, hin- und hergeworsen wie ein Ball, bis es wieder glaubte, Gelegenheit zu haben, um wegzulaufen. Es lief einige Meter weit, die funkelnden Augen der Katze, im Schatten unter dem Tisch sah man sie leuchten, folgten ihm. Mit Leichtigkeit wurde es eingeholt, und das grausame Spiel begann von neuem. Auf die Frage an den Kellner, woher Wohl die Maus sei, gab er zur Antwort: „6ie wird sie sich irgendwo im Felde geholt haben." Aber ich hatte die Katze aus dem House kommen sehen, auch war das Mäuschen blaugrau, also eine H auSmauZ: der Gröhe nach sicher ein junges Ding. Es tat mir leid. Qlber das Leben ist grausam. In-wischen waren die Gäste auf das Tier aufmerksam geworden. Ein kleines Kind hatte zuerst die Katze entdeckt, ohne viel nach der MauS zu sehen. ES freute sich über das Spiel deS grausamen Tieres. Roch ahnte es ja nicht, dah es hier um Tod und Leben ging. Es sah nur die schonen Dewegu.cgen, das Haschen. Einige Backfische betrachteten die Sache wesentlich anders. Ihre Augen folgten fast nur der Katze, es schien ihnen Freude zu machen, dah das MäuSchen ordentlich zappeln mujte. Ob sie auch unter ihren .Verehrern' einen kleinen Mäuserich hatten, mit dem sie ein bihchen Dali spielten? Eine ältere Dame schaute weg, sie konnte es nicht sehen. „TDie grausam!" hörte ich sie sagen. Und ein Mädchen von etwa acht Jahren dachte dasselbe. Es hatte Mitleid mit dem armen MäuSchen und wollte die Katze verjagen, aber ohne Erfolg. Die oben Herren, die nebenan Karten spielten, schauten wohl einmal hin, liehen sich aber im Spiel nicht stören. So nebenbei sagte der eine, als das Kind auf das arme Tierchen beutete: „3a, es muh auch QKäufe geben, wovon sollten sonst die Katzen leben?" 3st's bei den Menschen nicht ebenso? Scheint es uns doch manchmal, als ob das Schicksal so mit uns fpidUe, wie die Katze mit der Maus. Man sagt wohl, die Raubtiere sind grausam, aber sicher unbewußt. QBlcnie'Ic Menschen dagegen haben Freude daran, ihre Mitmenschen bewußt zu quäken. Gut ist es schon, wenn man dann 6eme Maus ist! „Besser noch," meinte mein Rachbar, „wenn man sich nicht fangen läßt." DerweAen Var die Katze daS Spiel müde geworden. Wir hörten einen Knack. Sie hatte das Tierchen mit einem Biß getötet. Der Tag ging zu Ende. Es war alles wie zuvor. Die Musilkapelle spielte ihre Weisen. Menschen kamen und gingen. Die meisten hatten das kleine Alltagserlebnis schon vergessen. Für das kleine Mädchen war es vielleicht etwas mehr. Es konnte daheim seiner Mutter erzählen, was es gesehen hatte, vielleicht vergoß es auch noch eine Träne, wenn eS an das gequälte arme Tierchen dachte. Do ist das Leben I P. „Gießen im Licht." Der BerkehrSverein, der in diesem Jahr auf fein 25jähriaes Bestehen zurückblicken kann und in dieser Zeit in uneigennütziger Weise für unsere Stadt gewirkt haf, veranstaltet im Monat Dezember eine Iubiläums-Werbever- anstaltung unter dem Motto: „Gießen im L i ch t". Als Haupttag für diese Veranstaltung ist Sonntag, 9. Dezember, (Kupferner Sonntag), vorgesehen. Die Anregung für diese Veranstaltung wurde von Angehörigen des Kaufmannsstandes gegeben. Besprechungen mit Vertretern der verschiedensten Berufe haben ergeben, dah man allseitig dm Wert einer solchen Veranstaltung für die Geschäftswelt erkannt bat und bestrebt ist, nicht nur die Schaufenster und die Auslagen zu schmücken, sondern auch die Beleuchtung zu verbessern und zu vermehren. Der Grundsatz „Licht lockt Leute" macht sich immer mehr geltend und bringt Käufer in die Geschäfte. Die Elektrizität ermöglicht die Anbringung einer modernen Beleuchtung in Schaufenstern und als Auhenlichtwerbung in wirkungsvollster Form. Voraussetzung für den Erfolg aus dieser Werbearbeit ist, dah man die besonderen Anstrengungen der Geschäftswelt den weitesten Devölke- rungskreisen auch bekanntgibt. Der Derkehrsver- ein hofft, dah alle Geschäfte, Hotels usw. die Veranstaltung durch Verbesserung und Vermehrung ihrer Beleuchtung unterstützen, damit sie zu einem vollen Erfolg wird. Die Bestrahlung von öffentlichen Gebäuden und sonstige Deleuch- tungseffekle, sowie ein besonderes Programm werden die Veranstaltung wesentlich unterstützen. 30 Jahre Siadimission. Die (3banget. Etadtmission. Gober- strahe 14, feiert am kommenden Sonntag ihr 30jährigeS Bestehen. Als Glied der inner- kirchlichen Gemeinschaftsb-ewegung. die unter der Leitung des auch in Gießen nicht unbekannten Pastor D. Michaelis in Bethel bei Bielefeld im „Deutschen Verband für Gemeinschaftspflege und Evangelisation" $ufammengefa&t ist, sucht sie durch den Dienst ihrer Glieder entschieden christliches Leben z>u wecken und zu fördern und innerlich gefährdeten und verirrten Menschen die Hand zur Rettung zu bieten. Es war eine bescheidene Zahl christlicher Persönlichkeiten, die sich am 6. Rovember 1898 in einem kleinen Raum in der Walltorstraße in vorerwähntem Sinn erstmalig zusammenfand. Doch aus den geringen Anfängen entstand im Laufe der Jahre ein stattliches Werk, das heute im religiösen Leben Gießens eine beachtenswerte Rolle einnimmt. Als erster Leiter der Arbeit wirkte in den Jahren 1900 bis 1904 Stadtmissionar K. Dollinger. Aus dem bescheidenen Raum in der Walttor- strahe siedelte man später in das geräumige „Promenadenhaus" am Lahntvr über. 3m 3ahre 1904 übernahm der vielen Gießenern wohlbekannte und unvergeßliche Stadtmissionar Fr. Herrmann die Arbeit und fand in ihr seine eigentliche ßebenSaufgabe, der er sich mit viel Eifer und Hingebung bis kurz vor seinem im vorigen Jahre erfolgten Tode widmete. Unter seiner Leitung wurde schon im ersten 3ahre seines Wirtens das Grundstück Löberstrahe 14 angekauft und darauf das geräumige Vereins- Haus der Stadtmission erstellt. 3n dem neuen Heim, das bald eine Zentrale christlichen Gemeinschaftslebens für ganz Obe Hessen wurde, nahm das Werk in allen seinen Zweigen eine gesegnete Entwicklung, die auch heute noch an- oauert Auf mann gfache Weise sucht die Stadtmifsion ihre Aufgabe, an der religiösen Erneuerung unseres Volkes mitzuhelfen, zu erfüllen. 3n Dibelstunden und Andachten wird Gottes Wort bargeboten und christliche Gemeinschaft gepflegt, während in den sonntäglichen Evangelisationsversammlungen Fernerstehenden baß Evangelium nahegebracht wird. Der Pflege der 3uqenb beiderlei Geschlechtes dient die Arbeit des „Christlichen 3ugenbbunbeß“, dessen weibliche Abteilung unter der Leitung einer für diesen besonderen Dienst angestellten Schwester steht, die auch nach Dedürfnis Kranken und Dedürftigen dient. 3n Musik- und Gesangchören wird das geistliche Lied und gute Musik gepflegt. An den Kinder- seelen tut die Sonntagsschule ihren schönen und verheißungsvollen Dienst. Durch die Verbreitung christlicher Schriften und Dlätter wird dem verderblichen Einfluß schlechter Literatur in unseren Häusern und Familien entgegenzutreten versucht. Erwähnt sei hierbei 7wch, daß aus der von Stadtmissionar Herrmann b:grünbeten kleinen Schri'tenniederlage der Stadtmission bie Duchhandlung und der Verlag der Pilgermillion entstanden sind, die heute im christlichen Buchhandel an führender Stelle stehen. Somit bars bie Evangel. Stadtmission bantbar auf einen Abschnitt gesegneten Wirkens zurück- blicken. Die am Sonntag fbattfinbcnben 3 u - biläumßfeiern dürften manchem willkommene Gelegenheit bieten, dieses Werk näher kennenzulernen, und geeignet fein, demselben neue Freunde zuzuführen. (Siehe Anzeige in heutiger Rümmer.) Vornotizen. — Tageskalender sür Samstag. Turnverein von 1846: Winterfest, 8>^ ilfjr, in der Turnhalle. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Alraune". — Astoria-Lichtspiele: „Der Postraub in der Teufelsschlucht". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Die Mitschuldigen" (außer Abonnement), 151/2 bis 17 Llhr; von 18 bis 20-/. il&r „Unter Geschäftsaufsicht". — „Reapoli a", Gießen: Mandolinen-Massenchöre; 41/2 Uhr. in der Universitäts-Aula. — Quartettverein Gießen e. V.: Familien abend im Postkeller. — Turnverein von 1846: Ausflug nach der Karlruh, 4 Uhr nachm. — Lichtspielhaus. Dahnhofstraße: „Alraune". — Astoria-Lichtspiele: „Der Post- raub in der Teufelsschlucht'. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen — Sonntag — 15.30 Uhr findet bie einzige Wie derh 0 lung des ersten Tages des Kammerspielzhllus „Die Mitschuldigen", ein Lustspiel in Versen des jungen Goethe, vorher Serenade in l)-Dur für Streichorchester und Pauken von W. QL Mozart statt. Diese erfolgreiche erste Veranstaltung des Kammerspielzyklus unter der Leitung des 3ntenbanten Dr. Rolf Prasch wird t^shalb wiederholt (einmalig!), um vor allem den auswärtigen Theaterbesuchern Ge° vegenheit zu geben, sich von dem hohen künstlerischen Wert dieser Feiern zu überzeugen. „Die Mitschuldigen" entspricht durch feine unproblematische, gedrängte Stoffülle ganz dem modernen Geschmack, und durch die Zusammenstellung von Musik und Dichtung (Universitätsmusikdirektor Dr. Stefan Temesvary, Collegium musicum) ist der Reigung eines zeitgemäßen Theaterpublikums Rechnung getragen. — Um 18 Uhr findet als zweite Fremdenvorstellung dieses Sonntags die letzte Aufführung von „Unter Geschästsaussicht", Schwank von Arnold und Bach. Spielleitung Rudolf Goll, statt. — Dienstag, 13. Rov., findet das einmalige Gastspiel der Tänzerin Gret Palucoa statt. — Pülucca-Ga st spiel im Stadtthea ° ter. Man schreibt uns: Gret Palucca — eine frühere Meisterschülerin von Mary W i g m a n — ist heute die erste Tanzkünstlerin Deutschlands. Sie wurde in allen Städten mit jubelndem Beifall ausgenommen. Ihrem Gastspiel in Gießen sieht man mit großem Interesse entgegen. — Christliche Versammlung in Gießen. Vom 19. bis 25. November finden im ivaale des Caf6 Leib Vorträge des Evangel. Paul Schwefel (Berlin) statt. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Der Verein „Wondervogel Höhenflug" Gießen (Iugendpflegeverein) veranstaltet einen Anfängerkursus, in dem jugendlichen Personen Gelegenheit geboten werden soll, sich in Zupf- und Streichmusik auszudilden. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. •• Verkehrssünder. 3n der Zeit vom 1. bis 31. Oktober sind folgende Anzeigen gegen Fahrzeuglllhrer bzw. Kraft- und Radfahrer wegen Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht erhoben worden: 16 Anzeigen wegen Fahren- zur Rachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 7 wegen Fahrens auf Bürgersteigen, 6 wegen Fahrens mit übermäßiger Geschwindigkeit, 8 wegen Fahrens, ohne bie rechte Straßenseite einzuhalten. 8 wegen Fahrens durch gesperrte Straßen und 58 wegen sonstiger Zu- widerhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht. ** Die Gewerbe- und Maschinenbau- schule Gießen beginnt in der nächsten Woche mit Fortbildungskursen für Metallarbeiter und technische Zeichner. Interesienten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. ** Arbeitsjubiläum. Der Heizer Georg Eisenacher, Steinstraße 65 wohnhaft, kann am nächsten Montag auf eine 25jährige Tätigkeit beim Städtischen Gas- und Wasserwerk zurückblicken. ** Pers 0 nalle. Der Vorsteher des Flnemz- amtes Lauterbach, Oberregierungsrat Berre», wurde als Vorsteher an das Finanzamt Offenbach- Stadt versetzt. ** Eine Hilfsaktion für die Ausgesperrten wird im Anzeigenteil der heutigen Nummer öffentlich bekanntgemacht. Wir weisen unsere Leser auf den Aufruf hin, der das Nähere enthüll. ” Oberhessischer Kunst verein. Die derzeittge Ausstellung, die insbesondere Oel- gemälbe von P. A. B ö ck st i e g c l -Dresden und Alfred V i e h l - Langgöns enthält, soll, da der Besuch ein reger ist, bis Sonntag, 18. Rovember (einschließlich) geöffnet bleiben. Schon jetzt sei auf die bann folgende, am 2. Dezember zu eröffnende Weihnachts-Ausstellung „Künstler- Hilfe 1 928" hingewiesen, die wiederum durch das hessische Ministerium für Kultus veranlaßt ist, um der noch immer mit der wirtschaftlichen Rot schwer ringenden hessischen Künstlerschaft einen bescheidenen Ertrag für ihr künstlerisches Schaffen zu sichern. L 0 s e für die am 19. Dezember ftattfinbenbe, mit der Ausstellung verbundene Ausspielung von Kun st werken sind schon jetzt an der A u s st el lu ng s kas se des Vereins im Turmhaus am Drandplah und an der Kasse der Mitteldeutschen Cre- ditbank erhältlich. Die Beteiligung daran sei im 3nteresse der Künstler warm empfohlen. ** Die Museen sind am Sonntag zwischen 11 und 1 älhr geöffnet; sie sind gefreyt. ebener Wochenmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: Buller 210 bis 220 Pfennig, Watte 30 bis 35, Käse (10 Slück) 60 bis 140, Wirsing 12 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Wk.), Weißkraut 8 bis 15 (6 bis 7 Mk.), Teo Laut 15 bis 25 (12 bis 15). Kartoffeln 5 (4,50 bis 4,70 Mk.). Aepfel 20 bis 40 (20 bis 35 Mk.), Dirnen 10 bis 30 (10 bis 20 Mk.), gelbe Rüben 10 b.s 20, rote Rüben 10 bis 20, Spinat 25 bis 40, Unterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bjs 40, Zwiebeln 12 bis 20, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 70, Dörrobst 40, Honig 40 bis 50, Hagebutten 15, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 dis 120, Gänse 90 bis 120, Rüste 60 bis 100 pro Pfund; Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 30, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pfctzmig pro Stück. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 11.Rovember, 19.30 bis nach 22.30 ilftr: „Der Zigeunerbaron". — Moniag, 12., 20 dis nach 22.30: „Der Troubadour". — Dienstag, 13.: Keine Vorstellung. — Mittwoch, 14., 20 bis 22.45: „Der fliegende Holländer". — Donnerstag, 15., 19.30 bis nach 22.30: „Aida". — Freitag. 16.: Geschlossen. — Samstag, 17., 20 bis nach 22.30: „Madame Butterfly". — Sonntag, 18., 19.30 bis nach 22.30: „Aida". — Montag, 19., 20 bis nach 22.30: „Turcmdvt".- Schauspielhaus. Sonntag, 11.Rovember, 15 bis 17.30 älhr: „Schinderhannes". 20 bis gegen 22.30: „Der brave Soldat Dchwejk". — Montag, 12., 20 bis gegen 22.30: „Der brave Soldat Schwejk". — Dienstag, 13., 19.30 bis 23: „Don Eavlos". — Mittwoch, 14., 20 bis gegen 22.30: „Gelegenheit macht Liebe". — Donnerstag, 51., 20 bis nach 22: „Dantons Tod". — Freitag, 16., 20 bis gegen 22.30: „Der brave Soldat Schwejk". — Samstag, 17., 19.30 bis gegen 21.30: „Ehen werden im Himmel geschlossen". 22 bis gegen 23.30: VortragS-Abend (Heitere Kunst). — Sonntag, 18., 15.30 bis 18: „Alt-Heidelberrg". 20 bis gegen 22.30: „Der brave Soldat Schwejk". — (Weitere Lokalnachrichlen im 2. Blatt) WOER>^ BlruMENmKH^K.UNNAi WJ ctl, roenn. man» IHNEN IST NICHT MIT DER ÜPPIGKEIT ^es GemiSSnuSfils allem oeStenLMan, kann» für e- rei, AktiengeseUschasi ————— Das Gebr. Zimmermann- Piano vereinigt Tonschönheit Haltbarkeit Preiswürdigkeit Es ist das meistgekaufte deutsche Klavier. 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Vorgetragen vom Collegium musienm der Universität unter Vettunn von Dr. Stef.TemeSvary Bon 18 bt-? 20'/. Ubr Kremdenoorstellung Zum letzten Male linier WW%- OüffKht Schwank in 3 Akten von iZranz Arnold u. Ernst Bach. [MnD DienStag 13.9lovw lauster Abonnemenli von 20 bis 22 Uhr Einmaliges Tanz Galt,viel „Bota“ Am Jlügel: Herbert Traiuow. Mittwoch, 14. Nov. 7.miMrooflj'tiö.-Borfl. von 191/. vüilktltch bi» 22*/4 Uhr Bon Snrios DraniaiifcheS Gedicht in fünf Akten (16 Bildern) von friedlich Sd-iller. Irreitrto, 1«. Nov„ 7.3reltüo-9lön.-Dortr. von 19". bis 22'.«Uhr Zum letzten Male erflflo (Eon Oveietie in 3 Akten von Zranz Marios. Mufft von Dr. Wlbert ©AirntQl. Lonning, 18. Nov. auster ^luonnement kommenoieizsiUus. Zweiter Tag^ Morgcufcier v. 11'/« b. geg. 12* ,1t Zum ersten Male: Der Mklnmn aus Böhmen von Johann o.Saaz. «Aus d. Javre 1400.) Bon 18 bis 21 Uhr: <>remdenoornellimg Zum letzten Male DieBMIerLadesKönigs Vuitfmcl in 4 Akten von Rudolf Presber u. Leo Walter Stein. Ur 266 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen) Samstag, |0. November 1928 3m Kampf um Weltfrieden und Abrüstung. Eine Umfrage am zehnten Lahrestag des Waffenstillstands. Zeldi^arfchalt von Hindenburg, Präsident des Deutschen Reiches: Seitdem Rapoleon seine Feldzüge gefüh.t, haben sich die Leiten geändert. Keine Muskelkraft kann an Stelle der Tanks, der Giftgase, der Flugzeuge und der schweren Qlrtillevie treten. Qlber Deutschland hat kein Interesse an Kriegen und Kämpfen, Deutschland ist mit seinem inneren Wiederaufbau beschäftigt. M. Doumergue, Präsident der französischen Republik: Aus den schrecklichen Folgen des Krieges scheint eine Tatsache mit aller Klarheit hervor- zutreten: Die Rationen befreien sich von der Abschllehung, die vor dem Kriege so üblich war, und beginnen in menschlicherer und ernsterer Weise sich umeinander zu kümmern. Die Bemühungen zum gegenseitigen Verständnis . das Verstehen der Zu- und Abneigungen der einzelnen Völler, all das wird in der nächsten Zukunst schöne Früchte tragen. Meiner Ansicht nach besteht das beste Mittel zur Vermeidung von Mißverständnissen darin, alle Äationen auf friedlicher Grundlage zu vereinigen und sie durch geistige und gefühlsmäßige Momente zu binden. Calvin Coolidge, Präsident der Bereinigten (Staaten von Amerika: Wir alle erkennen sehr wohl die Rotwendig- Utii, daß wir jede nur erdenkliche Vorsichtsmaßregel treffen müssen, um uns und die üb.ägs Well vor einer ähnlichen Tragödie zu bewahren, wie sie im Jahre 1914 über uns hereinbrach. Wahrend man natürlich niemals die nationale Verteidigung feines Landes aus dem Auge lassen sollte, so sind dennoch die Arbeiten zur Erhaltung des F.iedens gleichfalls nötig, und ietter Mann und jede Hrau sollten daran mitwirken. Das amerikanische Volk ve langte von seiner Regierung, daß sie alles versuchte, was in ihrer Kraft stand, die Schwierigkeiten, die bei der Frage der Regelung der Affären mit anderen Rationen bestanden, auf diplomatischem Wege beizulegen und unter keinen Umständen Waffengewalt anzuwenden. Benito Mussolini, königl. italienischer Premierminister: Wir wollen keinen Krieg, aber wir wollen bereit sein. Alle Friedensverträge haben ihre Fehler. Viele Probleme, die durch den Krieg und den Frieden entstanden, werden eine Lösung verlangen. Es gibt Rationen, die einfach unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht leben können. Man denke nur an Ungarn. Die Rot des ungarischen Volles verlangt dringende Abhilfe, ilnD dann, Italien, gleichfalls in schwerer Rotlage. Die F age der kolonialen Ausdehnung, die für Italien so ungemein wichtig ist, wird ebenfalls zusammen mit den anderen Problemen, die für die ganze Well von Bedeutung sind, gelöst werden. Aristide Briand, französischer Minister der auswärtigen Angelegenheiten: Wir waren in der Dergangenhüt oft schweren Gefahren nahe und haben bei verschiedenen Gelegenheiten erkennen können, daß die Lage in Europa noch nicht jene Ausgeglichenhüt und innere Festigkeit erreicht hrt, die den Staats- mä mern gestatten würde, ihre Wachsamkeit und sh re Friedensbemühungen auszug-eben. Gs gehört mll zu den gewaltigsten und größten Ausgaben, Gießener Gtaöttheater. Schiller: „Ton Carlos". Di« furchtbare seelische Bedrückung, die der junge Schiller samt seinen Kameraden unter der Fuchtel des brutalen und engstirnigen Danausenherzogs Karl Luien hat auf sich nehmen und bis zur verzweifelten Flucht hat durch- kämpsen müssen, schaffte sich in drei elementar- gewallig ausbrechenden Entladungen seines mißhandelten und fast abgewürgten Künstleriu^ns mächtig Luft: in den „Räubern", im „Fieseo", in „Kabale und Liebe". Drei Schauspiele nacheinander wie ein dreimaliger wilder Aufschrei „in tyrannos". Der zittert noch nach im vierten und reifsten Werk der Schillerschen Jugend, im »Carlos". welcher in drei Ansätzen, drei großen Schaffensperroden, mehrfach unterbrochen, zurückgestellt um der „Millerin" willen, noch ganz auS der seelischen Stimmung heraus geschrieben ist, in der mit fliegenden Kielen die ersten drei Dramen aufs Papier geworfen worden waren. Der große, bis in die nächste Gegenwart wirkende Zwiespalt der Generationen, der ewige Widerstreit zwischen Vätern und Söhnen in den „Räubern" ist hier ins Historisch-Politische gewendet. Die treibenden seelischen Energien dar „Luise Millerin", Liebe und „Kabale", sind aus dem Bürgerlichen in die Staatsaktion übersetzt. Der geschichtlich verbrämte Freiheitsgedanke im „Fiesco" wird auf anderer geschichtlicher Ebene wiederaufgenommenen und zugleich in einem tieferen Sinne über nationale und zeitliche Begrenzungen hinausgehoben. Schon ist im „Carlos" aber die große Wandlung eingeleitet, ganz Reues geschieht, wird dies im älebergang von der aufgewühlten, l- . X l'-.l v* *. i.. .. naturnahen Prosa der Sturmzeit zum Blank- Vers, zum edeln Maß der Klassizität und der großen Tragödie an. Im „Carlos' wurde, was zuvor aus eigenem bitteren Erlebnis als gequälter Schrei eines geknechteten Herzens, als Ausbruch mißhandelten und mit Füßen getretenen Gefühls sich wild und krampfartig enllud. gebändigt, ins älnpersönliche gemäßigt und zur großen, menschheitlichen Idee geweitet: die fünf gewaltig ausgreifenden Akte des dramatischen Gedichts waren bestimmt, fünf ragenden Pfeilern gleich das mit dem „Rathan" des Hamburger Dramaturgen und der Goethrschen „Iphi- den Frieden wirllich Wiederherzust eilen. Roch sind nicht alle Wunden ve.heilt, noch bluten manche. Die Furcht mancher Qtattonen, daß ih e augenblickliche Sicherheit teil eswegs garantiert ist, ist berechtigt. Die Regelung all dieser Faktoren, die ost im Widerspruch zueinander stehen und gefahrbringend sind, verlangt eine ständige Aufmerksamkeit und dauernde Besprechungen zwischen den Ministern der verschie- denen Länder. Aus folgendes aber sollte das besondere Augenmerk gerichtet werden: Es besteht eine Art Seuche eines internationalen Geistes, der es bewirkt, daß bei den Zusammen- künfien in Genf die Vertreter der einzelnen Länder, ohne freillch die besonderen Interessen außer Acht zu lassen, die Dinge doch in einem anderen Lichte seben, als wenn sie i n ihrer Heimat geblieben toä.en und nur durch Kuriere miteinander verhandell hätten. George Clemenceau, ehemaliger französischer Premierminister: Die Verhältnisse werden durchaus zufriedenstellend bleiben, solange die gegenwärtige Machtverteilung auf dem Kontinent bestehen bleibt. Erlridet aber du-ch eine Reu - erstarkung des deutschen Imperialismus dieses Verhältnis eine Aenderung. so wird Europa einen neuen Weltkrieg auszu- kämpfen hiben. Die Geschichte hat sich noch immer wiederholt, aber bi2 Menschen sollten solche Wiederholungen unmöglich machen. Der Frieden beruht auf der größten Zahl der Armeekorps und ist das Werk der mili- tärisch stärksten Macht. Marschall Joch, Oberkommandierender der aliiTerten Armeen im Weltkrieg: Riemand kann sich über die Zukunft äußern. Der letzte Krieg hat infolge der riesigen Opfer, die er gekostet, infolge seiner, unvermeidlich:n Ausdehnung über die ganze Welt, die der Kampf zwischen zwei großen Rationen verursachte, und infolge des Abscheus, mit dem ec die Herzen aller Menschen epüllt hat, auf jeden Fall einen neuen Weltkrieg in nächster Zukunft unmöglich gemacht. Francois Marsal, ehemaliger französischer Premierminister: Ich gebe zu, daß die Friedensverträge unvollkommen, daß sie schlecht entworfen waren, aber ich glaube, man sollte sie (sicherlich ist es das Beste) so lassen, wie sie einmal bestehen, obgleich sie viel zu wünschen übriglassen. Ich trete, ehe ich etwas in irgendeiner Weise ändere, Hefter mit aller Kraft für den Status quo ante ein. Fünf Jahre war ich an der Front und im Schützengraben: ich habe genug und will fein Blutvergießen mehr sehen. Aber was ich gerne sehen möchte, ist. daß man der Menschheit eine Erholungspause gibt und dies sollte aus der Landkarte Europas zum Ausdruck kommen. Ich bin Überzeugt, daß Del einer älmgeftaltung der augenblicklichen Grenzen, es nicht In der Weise geschehen tonnte, daß man weitere Angriffskriege unmöglich machen würde. Das bieße aber aut Barbarei zurückkehren. Rein, lassen wir die Sachen, wie sie sind, und ruh?n wir rrnS alle einmal richtig auS und lassen die Wunden vernarben und Hellen. Biscountetz Astor, Mitglied des britischen Parlamentes: Ich erUace mit aller Bestimmtheit, daß es In der Hand der Frauen Hegt, die Welt von kommenden Kriegen zu befreien. Die Frauen gerne" begonnene Bauwerk in innerer Harmonie zu volleiiden. Im vollen Akkord dieses Drei- klangs verkündet sich die geistige Form des geläuterten Iahrsuaderts: im streng stilisierten Szenengefüge Bekenntnis und Forderung der Humanität. Eine ältere Definition besagt, zu den Klassllern sei zu zählen, was bei Reclam für zwanzig Pfennige erhältlich ist und im Theater seine drei Stunden bauert (Hier wird es, mit den Streichungen. sogar um eine runde Stunde mehr.) Diese Erläuterung ist nicht gerade erschöpfend, aber bezeichnend, und sie gibt der Regie, zumal im Falle „Don Carlos', unmißverständliche und beherzigenswerte Winke. Heber ein sehr fest begrenztes Zellmaß läßt sich der moderne Theaterbesucher (wenn er schon um feiner Bildung willen hingeht und nicht zugeben würde, daß er sich bisweilen rechtschaffen gelangweilt hat) ein klassisches Stück nicht oorsehen. Selbst durch eine ehrwürdige Tradition' grh.il gte Ausnahmen — wie diese hier — läßt et nur ungern gelten: der Regisseur habe die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, darauf Rücksicht zu nehmen und emsig den Rotstift zu schwingen. In der Tat bekommt man einen ungestrichenen „Don Carlos" heute so gut wie nirgends mehr zu sehen. Es kann sich also fast stets nur darum handeln, was und auf welche Weise gekürzt und Zell gespart worden ist. Die gestrige Aufführung ist von Oberspielleiter T a n n e r t inszeniert worden. Es muß ihm zu- gestanden werden, daß die Streichungen, die er vorgenommen Hal, zu rechtfertigen sind. Zum mtn.be ft en dürfte es nicht leidjt sein, vom Stehengebliebenen nennenswerte Teile gegen die Aussparungen einzutauschen. Obwohl manches, was man zu sehen erwartet (z. B. die große Audienz, III 6), zu vermis en war, und wiewohl zu bedenken ist, ob die Zusammenzehung in der vorliegenden Form dem Verständnis der oft verwickelten Linienführung des Stückes in der wünschenswerten Weise entgegenkommt, ilebrigenS war bie Aufführung rein szenisch durchaus einwandfrei gdöft Die Raumgestaltung (Löffler) gab gute und stimmungsvolle Bilder in einem beiderseits fest begrenzten Rahmen. Gelegentlich wären seitliche Zu- und Abgänge zweckdienlich gewesen, da die an sich wirksame Treppe im Mittel- und Hintergründe, zumal bei Gruppenauftritten, nicht immer die erforderliche Bewegungsfreiheit gestattet. werden auch dafür sorgen, daß die Männer in Zukunft vernünftiger hindeln we.den, als sie es bisher getan haben. Ich gebe zu, daß die Männer bereits viel bedächtiger geworden sind als früher, und ich werde auch den Grund hier- füi angeben. Sie Haven nämlich bamit angefangen, uns Fcauen a ls vernunftbegabte Wesen zu betrachten. Hat aber der Mann einmal begonnen, sich mit uns Frauen auf vernünftige, verstandesmäßige Art einzulas'en, so erkennt er auch sofort, daß er mit uns z a rechnen haben wird. Ich erkläre, daß der Frieden in der Hauptfachs- auf den Frauen beruht, doch gibt es noch viele Millionen Frauen in der Welt, die zwar den Frieden wollen, die sich aber geistig nicht mit der Friedensidee befassen, nicht darüber nachdenken, wie er zu erreichen sei. Wir müssen daher in die Welt gehen und solche Frauen leyren, wir dürfen nicht nur national denken, nicht nur international denken, sondern auch vernunfigemäß. Wir müssen soviel von unfern Eigenliebe aufgeben, uns innerlich frei machen, eh2 wir an die Arbeit gehrn können und die Menschen überreden, dir anderer Meinung als wir selbst sind. Vor allen Dingen aber müssen wir ehrlich sein. Die häßlichen Dinge können vor einem reinen Herzen nicht bestehen. Anständigkeit der Gesinnung ist es, was toir In dieser Stunde zuerst fordern müssen. Sir Austin Chamberlain, königl. groß- briianischer Minister öer auswärtigen Angelegenheiten: Wir betreiben eine Versöhnungspolitik trachten nach Verständigung und F.ieden. Was in unserer Macht steht werden wir tun, um einen Weg zur Lösung etwaiger Schwierigkeiten zu finden, die sich zwischen uns and unseren Rachbarn ergeben sollten. Obschon wir keinerlei Absicht h den, Diktatorengewalt auszuüben, und uns der Wunsch durchaus fern liegt. irgendeinem । anderen Lande eine bestimmte Politik vorzuschrei- | ben, so wollen wir doch darauf hinwllken, der Welt den Frieden zu sichern, der besteh.nden Zivilisation die Möglichkeit des 'Wei ter bestehens zu geben. Dor allem aber trachten wir darnach, daß unsere Söhne und Enkel dereinst nicht eine ähnliche Tragödie zu durchleben haben werden, wie wir es haben tun müssen. G. Bernard Shaw: Wirlliche Abrüstung ist unmöglich. Jedesmal wenn man abzurüsten beschließt, sind bie Waffen bereits veraltet. Keine Ration wird jemals wirllich abrüsten können, selbst wenn sie es wollte. Es wäre viel besser, wenn wir mit unseren bloßen Fäusten kämpfen würden. Die vernünsfigste Lösung wäre bie, daß man Die Könige und Staatenlenker die ganze Geschichte im Boxkampf ausfechten ließe. Für bad Ergebnis würde es feinen ilnterfdjub machen und viele kostbare Leben wären gerettet. Lord Reading, ehem. Dizekönig von Indien: Die große Idee, die jeder im gegenwärtigen« Augenblick vor sich sieht und die jeder in England als Ideal zu verwirklichen trachtet, und too.ür ein jeder wohl viel zu opfern bereit wäre, ist die Beseitigung des Krieges, die Sicherung des Friedens. Rie wieder, so laßt uns hoffen, soll sich das wiederholen, was wir während des Weltkrieges erlebten. Wenn im Laufe der Jahre die Böller die Verträge, die sie unter- zeichneten, richtig verstehen gelernt Haven, und die Mentalität Der Rationen sich gegen jeden Kampf gerichtet haben wird, dann wird auch niemand mehr Daran denken, mit dem Säbel zu rasseln und auf militärische Hebeilegen- heit zu pochen. Dagegen wird die Menschheit erkennen, daß es das Beste ist, alle Dispute — und solche werden und müssen entstehen — durch friedlich: Verhandlungen und Auseiaanderfehun- gen zu begleichen. Auf diese Weise wird bann auch der Frieden gesichert sein. Der Zusammenbruch Oestemich-ilUMliZ Don Generaloberst Arz v. Straußenberg, ehemaligem Ches des tu.f. österr.-ungar. Generalstabes. Die alte österreich-ungarische Armee war aus den verschieden st en Nationalitäten zusammengesetzt und bildete ein so buntes Gemisch fremdrassiger Völler schäften, wie wohl kaum eine andere Armee. AuS diesem Grunde hatte unser Heer weit größere Schwierigkeiten zu überwinden als eine Armee, die aus rein nationalen Truppenkörpern zusammengesetzt war, und daher fühlten wir das Herannahen des Zusammenbruches auch weit eher als unsere Verbündeten. Zwei Momente tm Verlauf des Krieges waren es vor allem, die einen ungeheuren Einfluß auf die endgültige Entscheidung auSübten. Einmal war es die Marneschlacht, die uns eigentlich aller vernünftigen Hoffnungen auf den Sieg beraubte, und schließlich war es der Zusammenbruch Bulgariens, der unS auch der letzten Chance für einen einigermaßen erträglichen Frieden beraubte. So kam es zu dem Frieden, der die Existenz der jahrhundertealten Monarchie vernichtete. Die Führer der österreich-ungarischen Armee waren sich bereits Ende 1915 darüber klar, baß die Hoffnungen auf Sieg nur noch sehr gering waren, ilnfere Hilfsquellen an Menschen wie Kriegsmaterial neigten sich immer mehr ihrem Ende zu. Die Jahre 1914 und 1915 hatten der österreichischen Armee ungeheure Verluste gebracht. Der Heeresabgang, entweder durch Tod oder durch Gefangenschaft, betrug etwa 2 Millionen Mann. Es war vollkommen unmöglich diesen ungeheuren Verlust aus unseren eigenen Reserven zu ersetzen. Der einzige Gedanke, der uns beherrschte, war dem- zufolge nicht etwa ein Ringen um den Sieg, sondern der Kamps um die Aufrechterhaltung des Staates und um die Herbeiführung eines Friedens, der die Lebensinteressen der Dvppelmonarchie wahren sollte. Hätte natürlich In Oesterreich-älngariH jemand damals geahll, dc»ß das Ende des Krieges uns einen so vernichtenden Friedensvertrag bringen würde, einen Vertrag, der Die gesamte Doppelmonarchie in Stücke Aerriß und eines der größten und ältesten Reiche Europas in eine Zahl einer Staaten, die zum Teil für eine Selbst - tegi.'tung noch gar nicht reif waren, zerschmetterte, d^nn wurden wir unser letzte-. --^er gebracht haben, um eine andere Regelung zu erzielen. Damals allerdings hatte noch niemand Die Befürchtung, daß uns ei l solch vernichtender Frieden aufgezwungen würde. Von großer Bedeutung für den Kriegsausgang war natürlich der Eintritt Amerikas in den Krieg. Wie ich bereits oben ausgesüh.t Allerdings ist mit einer dramaturgischen und szenischen Lösung der Regieaufgabe in diesem Falle noch nicht alles getan: man spielte Schiller, und Schiller muh — auch innerhalb einer zeitgemäßen Auffassung — nicht nur mit dem Äuge, sondern vor allem mit Dem Ohr inszeniert werden. Er muß musikalisch gespielt werden. Jede Szene muh Gingen (ohne daß sie pathettsch zu dröhnen oder gar leer zu lärmen braucht), llnb hier versagte die Regie in einzelnen Partien ganz, in anderen teilweise, und nur in ganz wenigen Szenen (der des Groh- inquijitord z.D.) war sie im Schillerschen Sinne wirllich gelungen. In ben ersten beiden Akten geriet fast alles zu laut und zu schnell. Gut und verhältnismäßig geschloffen außer b?r schon erwähnten: die Szenen Der Elisabeth und der Gboli, die große Aussprach« zwi chen Phi.ipp und Posa: die Kerkerszene wenigstens von lebhafter theatralischer Wirkung. Don Carlos war Otto Knur; er muh ihn spielen, es ist fein eigentliches Fach Er ist auch seiner schauspielerischen Veranlagung wie seiner äußeren Erscheinung nach durchaus für diese Rolle geeignet Er hat etwas Jugendliches und Strahlendes, das de.n stürmischen Insanten vor- ttefflich zu Gesicht steht. Gr war ein guter Carlos überall Da, wo er ruhig sprach gevänrpft wer- halten, besonnen: aber diese Szenen waren leider sehr in der Minderzahl. Er begann gleich um einen vollen Ton zu hoch mit ganzem Einsatz des Gefühls und der Sprache, ohne auf eine Steigerung bedacht zu fein. Er spielte bie ersten Szenen viel zu überstürzt, zu laut und zu nervös, so daß er stellenweise nur mit Mühe zu verstehen war. (Hier und auch später noch hätte d.e Regie eingreifen und auf Oefonomie in der groß.n und schweren Rolle hinwirken, ein gedämpfteres und sprachlich beruhigtes Spiel tzerausarbeiten, die bewiesenermaßen guten Anlagen dieses Schauspielers zu maßvoller Entfaltung von innen her und sinngemäßer Steigerung bringen müssen.) 2lm glücklichsten wirkte er in der großen Szene bei der Eboli, später mit Lerma und ganz zuletzt vor Elisabeth. Arzdorf war Posa. Eine ungleiche Gestaltung. Anfangs sehr äußerlich und — ofsenbar vom Gegenspieler mllgerissen: Regie! — zu überstürzt. Gerade her muß er im edeln Maß seiner Haltung und Sprache vom stürmischen Infanten abstechen und, reifer als jener, über ihm flehen. Der Prüfstein ferner Rolle ist natürlich stets die große Rede vor dem König (III10). Da Blieb er nichts schuldig. Er zeigte den Adel und dis hier offenbar werdende menschliche Ue&erlegen- hell seines Helden, er hatte den großen Schwung und die innere Bewegtheit seiner klangvollen Rolle. Auch die spätere Kerkerszene gelang ihm überzeugend, obwohl er mehrfach durch textliche Un- sich erhell gehemmt schien. Die einheitlichste Leistung in den männlichen Hauptrollen bot Gareis als König Philipp: gleichmäßig von der ersten bis zur letzten Szene: immer das Bild, das man erwartet: die schwere und nicht dankbare Rolle ge.ftig und sprachlich (bis auf ein paar umnertliche Schwankungen) bewältigt. H a e f e r als Herzog Alba wirkte etwas eintönig in der dumpfen Starrheit, die feine Partte stets an sich hat, wenn man nicht den abgründigen Fanatismus dieses unheimlichen Vasallen in den Hauptszenen durchbrech.n sieht. (älebrigens war die Maske nrcht glücklich.) Als tüchtige Sprecher bewährten sich V 0 l ck (Lerma) und Ebert-Grassow (Großinqu.si- tor), der eine ausgezeichnete Szene hatte. Da st ä schien sich als Domingo, der ihm kaum liegen konnte, nicht besonders wohl zu fühlen. * lieber die Besetzung der werblichen Hauptrollen kann man geteilter Meinung sein. Im ganzen wirkten die Damen einheitlicher als ihrs männlichen Partner. Trude Heß gab Die Elisabeth: eine sehr jugendliche, sanfte und zierliche Königin, voller Würde und Haltung, auch jeder Gefühlslage gewachsen; nur hätte sie stimmlich etwas mehr aus sich herausgehen dürfen: mit dem Flüsterton, der ja recht wirksam sein kann, muß man sparsam umgehen. Maria Koch enblich, als Eboli: eine glänzende Erscheinung, große Dame, höfisch und zärtlich zugleich, aber immer mehr Liebhaberin als Intrigantin, mehr auf Verführung und Schäferspiel bedacht, als auf Rache, Verschwörung und Verrat. Die ganze Rolle leicht, glatt, schAnbaL mühelos gespielt und gesprochen, ohne doch flach oder konventionell zu toirfen. — Spielleiter und Darsteller konnten wiederholt den Beifall des Hauses entgegennehmen. Dr.Th, fitnfc, fühlten tolr We Hoffnungslosigkeit mrfever Bemühungen bereits 1915. Der Umstand des Eintritts Amerikas in den Krieg übte jedoch vor allem eine starke psychische Wirkung aus. Sch könnte kaum eine einzige Schlacht nennen, in der die Anwesenheit der amerikanischen Truppen den entscheiden<)en Faktor gebildet hätte. Cs war mehr die Vorstellung von der ungeheuren Stärke Amerikas, von seinen schier unerschöpflichen Hilfsquellen, die den Kampfgeist unserer Truppen lähmte und eine gewaltige seelische Belastung unserer Führer bedeutete. Wir machten uns auch bald llar, daß unser Ll-Dootfeldzug gegen die Amerikaner hoffnungslos war, und muhten feststellen._ dah die amerikanische -Armee vorzüglich ausgerüstet war. Jede Division eines amerikanischen Heeres besah tausend Maschinengewehre, eine für europäische Begriffe geradezu phantastische Anzahl. So fühlten wir, dah die Anwesenhüt der amerikanischen Truppen in Europa zu einer immer größeren Bedrohung unserer Zukunst werden müsse. Derselbe Standpunkt muh auch bezüglich der Frage der Friedensregelung eingenommen werden. Als Amerika den Mittelmächten den Krieg erklärte, stieg nicht nur das Vertrauen der Alliierten in den Endsieg gewaltig, sondern auch ihre Siegesforderungen schnellten im gleichen Mähe in die Höhe. Es war in diesem Stadium nicht mehr möglich, vorsichtige Versuche in der Richtung einer baldigen Beendigung des Krieges mit irgendwelchen Aussichten auf Erfolg zu unternehmen. Von diesem Standpunkte aus betrachtet war also der Eintritt Amerikas in den Wellkrieg ein durchaus entscheidender Faktor. Obwohl wir damals nicht mehr große Hoffnungen aus den endgültigen Sieg hegten, so glaubten wir doch nicht, unseren Feinden a u f Gnade und Barmherzigkeit ausgelie- sert zu sein, selbst wenn wir befteat würden. Ich bin davon überzeugt, dah sich ohne den Rückzug Bulgariens aus drrn Kriege, unsere Hoffnungen in dieser Beziehung auch verwirklicht hätten. Der unerwartete Rücktritt unseres östlichen Verbündeten rih indessen eine solche gewaltige Lücke in unsere südliche Front, dah wir sie mit unseren geringen Hilfsquellen zu verstopfen nicht mehr in der Lage waren. Damals machten wir und llar, dah das Ende des Krieges hrrannahte. linse re Hilfsmittel waren nahezu erschöpft: obwohl unsere Truppen fast unerträgliche Leiden erduldeten, so war es doch keineswegs verwunderlich, dah sich bei ihnen allmählich ein Gefühl der Erschlaffung und der Kamps es Müdigkeit einstellte. Die Lage wurde noch dadurch verschlimmert, daß das Herannahen des llnglückes auch in der Heimat klar empfunden wurde, ein Um- stand, der zu einer Verschärfung der polllischen Gegensätze führte. So kam es dann, daß die österreich-ungarische Armee sich einem Feinde bedingungslos ergeben mußte, der sie im offenen Kampfe nie besiegt hatte, llnsere Truppen hiellen welle ©ebiete in Ruhland besetzt, sie okkupierten ganz Rumänien und Serbien sowie den größten Teil DorditalienS. Unsere ungünstige geographische Lage, die uns den Rachschub von Lebensmitteln und Kriegsgerät unmöglich machte, und unser Mangel an Reservetruppen, um unerwartete Lücken auszufüllen, hatten jetzt die Wirkung, uns der Früchte unserer strategisch günstigen Lage zu berauben. Obwohl die Armeen der Mittelmächte besiegt wurden, haben meines Erachtens ihre Führer di« größeren strategischen Fähigkeiten bewiesen. Durch diese Bemerkung will ich jedoch nicht die Leistungen dec alliierten Führer herab- setzen. Die haben gesiegt, und das ist schließ- llch das Ziel aller mllitärischen Strategie. Wir dürfen indessen nicht vergessen, dah in den ganzen Jahren bis 4—5 Monate vor der Beendigung des Krieges die Initiative eigentlich ständig bei den Mittelmächten lag. Die Leistungsfähigkeit der verbündeten Völker geht aus dem Ilmstand hervor, dah eS ihnen gelang, den Krieg bis tief in das Gebiet ihrer Feinde hineinzutragen. Wenn wir uns die alte militärische Regel vor Augen halten, dah die Kraft deS Angriffes der beste Maßstab für die Fähigkeit des Führers ist, so muh man die Siegespalme sicherlich den Mittelmächten geben, sie waren während des ganzen Wellkrieges die Angreifer. Ihre Führer zeigten das größere strategische Genie. Die Riedrrlage war nicht die Folge der überlegenen Kriegskunst ihrer Feinde, sondern einzig und allein die Folge einer allmählichen Erschöpfung, die sich aus der allzu langen Dauer des Krieges ergab. _____________________ Aus der Pcovmzialhauptstadr. Gießen, den 10. Rovember 1928. Oer neue Hut. ^Aber Kitti, schon wieder etwas ReueSl" begrüße ich meine kleine, elegante Freundin. „Ach, Du meinst meinen Hut. 3a, wenn du wüßtest, was der gekostet hat." Ich rate eine Zeitlang, als sie aber bei 30 Mark immer noch verneint, halte ich ihr einen langen Dortrag über Verschwendung und Sparenmüssen in diesen Zellen. „Also, liebste Kllti . . .“ Ihr übermütiges Lachen unterbricht meine Pädagogik. „Du, Sonia, hör aus. Jetzt meine Heberraschuna. Geh' nach nebenan und hol' deinen alten Hut, den du vor drei Zahlen erstandest. Und gib mir eine Schere, eine große Radel und zwei bunte Wollfäden. — Danke." Ich gehorchte stillschweigend, war ich doch bei Kllti Sensationen gewöhnt. Ritsch, ratsch — mit energischem Schnitt fällt die breite Krempe des unmodernen Hutes. Mit einem Griff wird er auf links gewendet, wo bie Farbe noch wie neu (ft. Mit kühnem Schwung stülpt mir Kitti die Kopfform aut und schneidet aerobe über der Rase cübaS ein. „Do, mein Kind, hier schneiden wir ein Dreieck auS für deine Ponnis. Und nun wird aus der Krempe ein spitz zulaufendeS Band geschnitten, daS mit bunten Wollstichen auf den Hut befestigt wird." ES sind 10 Minuten vergangen, da habe ich einen feschen modernen Turbanhut. Bewundernd betrachte ich mich im Spieg^. „Dank. meine lleine Putzmacherin, nie wieder predige ich dir Sparsamkeit.'^ Rach Kitlls Fortgehen hole ich noch drei unmoderne Hüte hervor und garniere sie mit Filz- streifen von anderen Krempen. Durch Einschnitte in die Form eines rosafarbenen HuteS führe ick schwarze Filzstreisen, ein schwarzer Filz wirb mit Seidenband und einer Agraffe geschmückt, ein dritter ganz und gar mit farbiger Seide in groben Stichen bestickt. Stolz seh: ich nach einer hinbe auf vier hochmoderne kleine Hüte. — Wissenswertes über Dauerwurst. Von Veterinärrat Dr. Stein, Gießen. Die Zeit der Hausfck^achtun^en ist wieder gekommen, und daher soll einiges ub.r tie b.i die,en Schlachtungen in verhältnismäßig großer Menge hergestellte Dauerwurst gesagt werden, zumab man immer wieder von unbrauchbar gewordener Dauerwurst und dem dadurch entftnnbenen Schaden berichten hört. Die sog. Dauerwurst wird im Gegensatz zu den bald nach ihrer Herstellung zu verbrauchenden Frischwürsten für eine längere, oft Monate dauernde Aufbewahrung hergerichtet. Die Konservierung wird außer durch Dalzzusah und reinliche Herstellung erreicht durch Trocknen und Räuchern bei den Rohwürsten (Zervelat-, Mett- und Bratwürste) und durch Kochen und Rauchern bei den Kochwürsten (Leber- und Blutwürste, Schwartemagen und dergleichen). Die Haltbarmachung durch Verwendung antiseptisch wirkender chemischer Stoffe wie z. D. Borsäure, schweflige Säure, Benzoesäure usw. ist gesundheitsschädlich und gesetzlich verboten. Lediglich gegen die Verwendung geringer Mengen von Salpeter bei der Herstellung von Rohwürsten und bei der Pökelung ist nichts einzuwenden. Gutes Trocknen der Würste ist zur Vorbereitung und Unterstützung des Räucherns dringend erforderlich. Die haltbarmachende Wirkung des Räucherns beruht darauf, daß erstens dem Fleisch bei der im Räucherraum herrschenden hohen Temperatur Wasser entzogen wird, und daß außerdem die im Rauch enthaltenen desinfizierenden Stoffe (Kreosot, Karbolsäure. Kohlensäure, brenzliche Oele usw) das Wurstfüllsel durchziehen. Angewendet wird die langsame, tage- und wochenlang dauernde sogenannte Kalträucherung, bei der ein Rauch von 20—25 Grad Celsius auf die Würste einwirll. Durch das Kochen der Kochwürste werden die stets im Füllsel vorhander-en Fäulnisbakterien abgetbiet. Richtiges Durchkvchen der Wurst ist erforderlich, da sonst in der Mitte drr Wurstmasse vollkommen unberührte Bakteriennester zurückbleiken, die auch nach den schärfsten Räuchern noch ein Verderben der Wurst herbei'ühren tonnen, lleberhaupt kommen für das Verdorben- fein von Dauerwürsten folgende Mr acken in Frage. Entweder liegen Fehler bei der Herstellung vor, wie z. B. das schon erwähnte unzureichende Durchkochen, mangelhaftes Stopfen, Unsauberkeit und dergleichen oder aber die unsachgemäße und zu lange Aufbewahrung ist schuld am Verderben und damit an empsindlichen wirtschaftlichen Verlusten. Zur Herstellung von Rohwurst eignet sich am besten gutes kerniges Knbfl'-tsch und Fl e i ch von älteren gut gemästeten Schweinen. Fleisch von jungen Rindern und Schweinen ist weniger geeignet. Bei Hausschlachtungen rersäbrt man am besten in der Weile, daß man die Tiere ein bis zwei Tage vor dem Wurstmachen abschlachtet und sie in einem kühlen und luftigen Raum a u f h ä n g t. nicht hinleqt. Da Kochwürste gut und vollkommen durchgekocht sein müren, empfiehlt es sich, für Dauerware keine zu großen Mägen und Blasen als Wursthüllen zu benutzen, sondern nach Möglichkeit kleine. Auf alle Fälle ist eS ratsam, die großen und dicken Würste zuerst zu verbrauchen, bevor eine vielleicht im Innern vorhandene nicht durchgekvchte Stells die ganze Wurst verdirbt. DaS auf dem Lande geübte Aufheben der dicken „Günther" bis zu allerletzt ist ein Fehler. Bei Dauerwürsten tritt die Fäulnis ganz anders auf wie bei Frischwürsten. Letztere werden zuerst schamertg und bann tm Innern graugrün oder rötlichgrün: dabei strömen sie einen säuerlich widerlichen Geruch aus. Fauliger R o h - wurst ist dagegen äußerlich meist gar nichts anzusehen. Be'.m Anschneiden oder Anbrechen merkt man einen eigenartig widerlichen Geruch, der allerdings durch den Rauchgeruch oder durch den Geruch von Gewürzen (Knoblauch!) teilweise oder ganz verdeckt sein kann. Immer aber ist als wichtigstes Kennzeichen der fauligen Zersetzung bei Rohwürsten die Wurstmasse verfärbt, und zwar oft grell ziegelrot, seltener graubraun oder grünlich. Meist liegen bei der rohen sogenannten Winterware Mischprozesse mit Ranzig- teit vor. Faulige Kochwürste sind rm Kern erweicht, schmierig, meist Heller als die übrige Wurstmasse oder auch grünlich verfärbt und riechen säuerlich. Faulige Würste jeder Art sind geeignet, die menschliche Gesundheit zu schädigen, und daher zu vernichten. Durch Kochen oder Braten werden die giftigen Stoffwechselprvdukte der Fäulnisbakterien nicht unschädlich gemacht. Vor der Unfitte, faulige Würste durch Kochen ot-er Braten „genießbar" zu machen, muß nachdrücklichst gewarnt werden. Wurstvergiftungen nehmen nicht selten einen tätlichen Ausgang. Das Ranzigwerden ist die bei der Dauerwurst am häufigsten anzutreffende Zersetzung, weil ganz zu Unrecht die irrige Ansicht besteht, Dauerwürste seien unbegrenzt haltbar. Beste Winterware hält sich höchstens ein Jahr, meist nur fünf bis acht Monate. Sommerware ist schon nach zwei bis sechs Monaten ranzig bzw. ranzig und säulig zersetzt. Die Ranzigkeit ist eine AllerSerschei- nung, bei der sich daS Fett der Wurst unter dem Einfluß des Lichtes und der Luft verändert und einen gelben Farbenton annimmt Die Wurst bekommt einen grauen Rand, der sich durch bie gelbe Verfärbung der Fetteilchen von dem so- genannten Frostrand unterscheidet.' Im vorgeschrittenen Stadium der Ranzigkeit ist auch das Innere der Wurst schmutziggelb verfärbt. Die Schnittfläche ist in der Regel feucht Bei so weit vorgeschrittener Ranzigkeit ist die ganze Wurst als gesundheitsschädlich zu beanstanden. Ranzige Wurstränder müssen weggeschnitten werden. Ist nur die Wursthülle ranzig, so ist dies in gesundheitlicher Hinsicht bedeutungslos, da die Hülle nicht mitgegeffen wird. Ebenso bedeutungslos ist die Anstellung von .Schimmelpilzen auf Dauerwürsten. Die Pil^e lassen sich durch Abwaschen mit Salzwasser leicht entfernen. In Hohlräumen schlecht gestopfter Würste finden sich ebenfalls häufig grünliche Pilzrasen. Sie sind als gesundheitsschädlich anzusehen und durch Wegschneiden zu entfernen. Don Krankheitskeimen können durch Verarbeitung des Fleisches kranker Tiere Tuberkulose-, Milzbrand-, Rauschbrand-, Rotlauf- und andere Keime in die Würste gelangen. Auch kann gesundes Fleisch nachträglich mit Kran^eitskeimen menschlicher Herkunft angesteckt werden. Peinliche Sauberkeit bei der Zubereitung, Verwendung einwandfreien Fle.sches und gesundes Personal sind unbedingt erforderlich bei der Herstellung von Würsten und Fleischwaren jeder Art. Derartige Rahrungsmittel unbekannter oder zweifelhafter Herstellung weise man unter allen Um- ständen zurück, weil sie häufig auS Rot- und Schwarzschlachtungen stammen, bei denen die vorschriftsmäßige älntersuchung der geschlachteten Tiere umgangen wurde. Am nächsten Rachmittag bekam ich von „Ihm" eine lange Strafpredigt über Verschwendung und Sparenmüssen in diesen Zeiten. Ihnen aber, liebe Leserinnen, habe ich hoffentlich mit meiner kleinen Plauderei auch zu neuen eleganten Hüten verholfen. <5onfa v. M. •* Wichtig für Lungenkranke. Die Sprechstunden der Fürsorgrstelle für Lungenkranke in drr Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montagnachmittag von 4biS5 Uhr statt. Lungenkranke und Krank- heitSgesährdete, di« in ärztlicher Behandlung stnd, bedürfen einer Heber Weisung ihres Arztes an die Lungrnfüriorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. ** Der Gewerkschaftsbund derAnge- stellten (G. D. 21.) hat jetzt eine eigene Geschäftsstelle für die Provinz Oberhessen in Gießen errichtet. Die Geschäftsstelle befindet sich in den Schwarzschen Bauten in der oberen Bahnhofstraße. - Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Dieser Tage sprach in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Geh. Hofrat Pros. Dr. E. Oberhummer aus Wien über Beobachtungen auf einet Weltreise. Cs war eine Wellreise eigener Art, welche von den Vereinigten Staaten unternommen wurde, am 500 Studenten die Welt zu zeigen. Gleichzeitig wurde auf dieser schwimmenden Universität unterrichtet und während der Fahrt der Lehrbetrieb aufrechterhalten, bei Landungen durch Exkursionen viel Wissenswertes gezeigt. Der Redner führte seine Zuhörer in schnellem Wechsel durch die besuchten Landschaften, nach Cuba, durch den Panama larval, nach Honolulu und Japan. Die Zerstörung durch die Erdbeben, der Unterschied zwischen Alt- und Reujapan im Städtebau wurde tm Bilde vorgeführt, und den gleichm Gegensatz zeigte Hongkong mit dem Stadtplan oer Altstadt, Der wie ein verschnörkeltes Ornament anmutet. Rasch wechselten Gegenden, Dolkstypen und Rassen, Bauart der Städte und ihr Leben. Die Philippinen wurden besucht, in Siam sahen wir einen Teil alter südasiatischer Kultur in den drei Hauptstädten des Lande-Z, machten einen Empfang beim Herrscher mit, tarnen in die tropische Pracht Javas und fuhren durch die Sundastraße, um die Dulkanruine des Krakatau zu bewundern, dessen gewaltiger Ausbruch vor 45 Jahren die halbe Insel verschwinden ließ. In Indien entzückten uns hie Bauwerke mit ihrer reichen Ornamentik, die in starkem Gegensatz zur klassischen Ruhe griechischer Baudenkmäler stehen, und von denen der Weg nach Aden mit seinen gewaltigen Wasserbehältern führte. Durchs Mittelmeer ging die Fahrt nach dem malerischen Lissabon, sowie durch Spanien und Frankreich zurück nach Deutschland. Vieles and Vielseitiges lieh der Redner an seinen Zuhörern vorbeiziehen, das durch den Gegensatz wirkte und durch die angenehme Art des Vortrags. Oberheffen. Latrrtreis Gießen. OO Klein.Linden, 9. Nov. Der weit über die Grenaen unseres Dorfes hinaus bekannte Red tor L 3L Albert Boßler verschied heute nachmittag gegen 5 Uhr infolge eines Schlaganfalls. Geboren 1860 in unserem Nachbardorf Heuchelheim, besuchte er von 1878 bis 1881 das Lehrerseminar zu Friedberg und fand seine dienstliche Verwendung in Ruppertenrod, Quetfborn und feit Mitte der 90er Jahre in Klein.Linden. Hier wurde er bald eine beliebte Persönlichkeit, denn mit Rat und Tat war er allezeit bereit, jedermann behilflich zu sein. Seine Heimalliebe und sein tiefgründiges Wissen auf dem Gebiete der heimatlichen Volkskunde befähigten ihn, mit großem Geschick die „Heimatvereiniaung Stiem- Linden", eine Vereinigung aller Heimatfreunde unseres Dorfes, aufs beste zu leiten und zu fördern. Auf dem Gebiete der Volkskunde hat er sich schriftstellerisch betätigt; bekannt ist seine „Gesch chte des Dorfes Klein-Linden". Mehr als 30 Jahre war er Rechner der hiesigen Kleinkinderschule und bis zum Jahre 1927 Organist unserer evangelischen Kirche. Im Jahre 1925 trat er nach 44jährigem Schuldienst infolge des Abbaugesetzes in den wohlverdienten Ruhestand, besten er sich aber nur 3 Jahre erfreuen durfte. ch Stockhausen, 8. No-, Heute mittag gegen 12 Uhr kam ein Flugzeug aus der Richtung Kassel, um über Gießen nach Frankfurt a. W. zu fliegen. Llnweit unseres Ortes, zwischen Frcienseen und Weickartshain, mußte es eine Rotlandung vornehmere. Schnell hatten sich viele Bewohner der umliegenden Orte aus bem Seental eingefunden, um diesen Gast, den man sonst nur hoch oben über den Dörfern schweben sieht, aus der Rähe zu bewundern. Gegen 7g3 älhr versuchte es, sich wieder in die Lüste zu schrauben, mußte aber nochmals nicht weit von Lardenbach den Boden aussuchen. Gegen 3 Uhr endlich gelang es ihm, abzufliegen, nachdem man das Flugzeug auf einen erhöhten Kleeacker gezogen hatte, wo dann der Start gelang. Der Pilot unternahm den Weiterflug allein, währeill) der Mitfahrer mit der Dahn noch Frankfurt fuhr. Das Flugzeug beschrieb noch einige Kurven über dem Seental, um sich bann immer höher in sein Element zu erheben und schließlich den Rachblickenden zu entschwinden. Der Eindecker trug die Rümmer D1093. Kreis Friedberg /£ Bad-Rauheim, 9. Rov. Der hiesige Horst des Deutschen Pfadfinderbun- d e S veranstallete im Turnerheim einen Sprel- abend, dessen fein gewählte Darbietungsfolge auf beachtenswerter Höh? stand und starken Anklang fand. Ein „Pfadfinderlaacr" zeigte die stark geistig eingestellte Seite des Pfadsinder- bundes. LandSknechtsleLer, Lautengesänge, sinnige Sprüche und Erzählungen von H. Löns füllten in reicher Folge das Logerieben aus. 3m zweiten Teil des Programms wurde Lessings „PhilotaS" recht trefflich toteftetgegebfli ObedBeafna»! «. M v. Strzamieczny, ein warmer Freund be Pfadfinderjugend, machte in einer kurzen Ansprache mit Inhalt und Ziel der Pfadfindev» bewegung bekannt. Gr konnte mitt eilen, dah sich unter den Erwachsenen eine Vereinigung der Förderer der Pfadfinderjugenll gebildet habe, die erfreulicherweise in Dad-Rau- heim schon zahlreiche Mitgli der zähle. — Gestern spielte das Hessische Künstlertheater, da- von der hiesigen Volksbühne zu sechs Theater- aufführungen im Laufe des Winters verpflichtet ist, Schiller- „Maria Stuart". Durch daS Entgegenkommen der Bad- und Kurverwaltung, die den Theatersaal des Kurhauses zur Verfügung stellte, und der Stadtverwaltung, die einen Zuschuß von 120 Mark bewilligt hatte, konnte die Vorstellung nachmittag- auch für Schüler der Oberrealschule und del Fortbildungsschule gegen einen mäßigen Eintrittspreis gegeben werden. Auch von Friedberg konnten noch 60 Schüler zugelassen werden. Kreis Büdingen. !! Büdingen. 9. Rov. Der Gemein de - r a t beschäftigte sich tn seiner jüngsten Sitzung zunächst mit der Stellenbefetzung an der Stadtkasse. Diefe Angelegenhrit hat den Ee- meinderat bereits mehrfach beschä tigt. Der Vorsitzende richtete nun die Frage an den Gemeinte- rat, ob der Bewerber Otto K n a f als gewählt anzusehen sei. Die Abstimmung ergab' die Tte- jahung. Im weiteren Verlaufe der Sitzung touibe eine Abänderung zur Orssatzunq über die Benutzung der städt. Kan älle angenommen. Zur Ortsfatzung über die Erhebung einer Filia l steuer Warden die vom Ministerium des Innern vorgeschlagenen Abänderungen vom Gemeindcrat gutgeheißen. Gelegentlich dnefl Rundganges verschiedener Herren der Stadtverwaltung und des Verkehrs» und Derschl>nerungS- vereins wurden im Stadtbild verschiedene Mängel festgestellt. So wurde ganz besonders der Zustand des Z.egelhüttenwrges beanstandet. Der Gemeinderat hat nun die Bürgermeisterei mit der 2lbstellung der Mängel beauftragt △ Ridda, 9. Rov. Um die neugeschaffen« Hausmeister st eile für die hiesige Realschule hatten sich 22 Bewerber gemeldet, unter denen einige von auswärts waren. Dee Stadtvorstand hat die Stelle dem Barbier Karl Ferro II. hier übertragen. Mit der Stelle ifti eine geräumige und freundliche Dienstwohnung im neuen Realschulgebäude verbunden, die wahrscheinlich für viele Bewerber der Hauptgrund zur Meldung war. • Berstadt, 9. Rov. Dieser Tage könnt, Johannes Dieffenbach XL hier fein 50jähriges Dienstjubiläum als Kirchendiener und Glöckner der Gemeinde feiern. In dieser langen Spanne Zeit war er in dem einst von seinem Vater übernommenen Dienste fteil äußerst pünktlich, gewis enhast und zuverlässig, was auch im Kirchweihgottesd'.enst durch Verlesen von Anerkennungsschreiben des Landeslirchrn- amtes und des e bang. Dekanats Ridda, sowie in herzlichen Danlesworten W Ortsgcistiichen zum Ausdruck gebracht wurde. Gemeinde und Kirche ehrten den Jubilar durch Ueberreichung eines SesielS als bescheidenen Zeichens ihrer Dankbarkeit für treu geleistete, langjährig« Dienste. — Zu gleicher Zeit konnte auch unser« seitherige Handarbeitslehrerin. Frau Elis« Pflüger, auf eine 28jährige Lehrtätigkeit an unsererDolksschule zurückbliäen. Die Gemeinde lieh eS sich nicht nehmen, auch ihr einen Sessel zu übermitteln, zum Beweise dafür, dah die Gemeinde dankbar anerkennt, waS di« Jubilarin in langer, mühevol er Arbrit an der weiblichen Schuljugend d:S Dorfes geleistet hat. Wir können hier nur den aufrichtigen Wunsch äußern, dah beiden betagten Iubilaren ein freundlicher, ungetrübter Lebensabend beschieden sein möchte. Kreis Schotten. □ Laubach, 9. Rov. Die Hackf rücht« fino jetzt erngeerntet. Während die Kartoffelernte sehr gut ausgefallen ist, lassen die Di ck- wurzer teilweise vrel zu wünschen übrig; ft« sind vielfach stark gerissen. Die Aussaat der Winterfrucht ist bis auf wenige Weizenäcker beendet. Das Korn hat sich schon recht schön entwickelt. — DaS hiesige Johann- Friedrich-Stift bedeutet für unser Städtchen und die nähere und weitere Hmgegeitb ein« grobe Wohltat. Im letzten Jahre wurden im Altersheim 13 Alle, tm SiechenhouS 15 Pfründner verpflegt. Auch das neue Krankenhaus wirkt sehr seqmsreich: 360 Personen mit 13 255 Pflegetagen lanbm hier Aufnahme, 158 Operationen der verschiedensten Art wurden auSgeführt, 104 Aachtwachen geh allen. An bei Anstalt arbeiten sieben Schwestern auÄ dem Darmstädter Diakonissenhaus. 3m Durchschnitt besuchen 40 Kinder die Kleinkinderschule. Die Landwrrte unseres Städtchen- und der Umgegend unterstützen die Verwaltung der segensreichen Anstall durch Lieferung von Gemüse, Obst, Kartoffeln usw. tatkräftig. Immerhin sind schwere Sorgen finanzieller Art zu überwinden. Man war auch zu baulichen Erweiterungen gezwungen. Ein neue- Gebäude wurdeerrichtet, das im unteren Stockwerk Waschküche. Bügelstube und Holzstall, im oberen die Wohnung des Wärters enthält. — Mittwoch wurde hier der noch tn rüstigem Mannesaller jäh verstorbene, allgemein beliebte Dauinspektor Gl11sch zur letzten Ruhe bestattet. Er ist an den Folgen eines bei Freienseen stattgehabten Autounfalles verstorben Er war nur wenig übet ein Jahr hier tätig, als Rachfolger des ebenfalls im besten Mannesaller verstorbenen Dautnfpek- torS Sommerkorn Vorher war der mm Verewigte in Hungen tätig. wg. Gedern, 9. Rov. Bei den anläßlich des diesjäh:iaen RvtkreuztageS veranstalteten Haussammlungen tomben gespendet in: Durlhirds 1850 Mk.. Gedern 175.19 OHL. Glashütten 42.25 Mk., HartmannSham 14.20 Mk.. Herchenhain 29.30 Mk., Kaulstos 1SL80 Mk., Mittel-Seemen 14.— Mk^ Rieder-Seemen 12.80 Mk., Ober-Seemen 50.40 Mk., Ober-Cai» 3550 Mk.. Sichenhausen 14.— Mk., Steinberg 52— Mk., Volkartshain 12.20 Mk-, insgesamt also 490.14 Mark. Rach Abzug der Unkosten verblieb ein Reinertrag von 410.94 Mk.. von welchem 30 Prozent an das Deutsche und Hessische Rote Kreuz abgetiefert wurden, während die restlichen ZO Prozent den örtlichen Rvt- kreuzorganisationen überwiesen wurden. V Gedern, 9. Roo. Der Ertroa der Grasnuhung unserer großen Gemeinde- Wiesen ist in Den letzten Jahren bedeutend z u- rüdgegangen. Sv wurde u. a. tm Jahve 1927 die Grasnutzung ehret •/* Morgen großen Wiese mit 60 Pf. bezahlt. Für den Stadtfäckel Hackfrüchte Aartosfel- isfea die Dick« heu übtig; fU uijaat btt >mge Mm* ch schor» recht e Johann« : unser Stöbt' Umgegend tint ire tMden i« iechtnhou* neueJUa^ ZU Person» litt 1W* S«M » W ftcrn au- v® SurchschMttb» inbtrschvl» z und der U-n« M ffi® Ä%: »T.Ä w*M em 1,2 1450 lann-ha" M. KberS A" ^gesamt Untofl» > ÄK ’">ö Ä!Ü ^etn-r. 7 ^Ang 'aanbtt <8-. 12« w «ün» sw. genommen. ,bl« ^tmsterchw, fangen t-o« tiuh cixe- ^eiabtttt, 'ch^nrruntzj« schielen, n) ^sonder« '. «ansiandtzt, urgermrislerri Auftrag t. Waffen« mge Real, kr gemeldet, waren. Der barbier Sari Stell« ift 'lenfttDobnung en, bw wahr« ?Wgmb Tage könnt« •• hier fein m als Äit- Mindr feiern, •t in dem duft Dienste (teil ld Merlässig. durch Derleien Landeölirch^« Didda, sowie Ortsgcistiichen Jemeinde unb tlebemichüng Zeichens ihrer , WUMP tr auch unser« Arau 6HJ« Ctfittäiifl' jutüdblidm. nai auch ihr «väst ba’M M toai tAi Lrdett an der 8 geleistet hat. htizen Duns- aten ein freund- beschieden sein SS e»i ötinn 'tid itjj« O ®ln« «*• bedeutet ksteS einen starken Verlust, und zwar um so mehr, als auch der Gemeindewaldrn kurzer Zeit feinen Er rag mehr abwerfen kann. Man bat wohl in den letzten Jahren große Flächen wieder aufaesorstet, bis (wer ein regu- lärer Hiebsatz des Waldes durchgefuhrt werden kann, werden noch diele Iahre vergehen. In der richtigen Erkenntnis, der Stadt neue Ernnahme- quellen zu verschaffen, sind bei der Schönau 700 Kirschbaume aus eine Mache von etwa SO Morgen angepflanzt worden. Wertere Obstanlagen sind geplant. Da die Kirfchbaume ver- hältnismäß.g frühen Ertrag liefern und die hiesige Anlage nach dem fachmännischen Urteil von Obstbauinspektor Snkler (G.eß.n) mustergültig ist dürfte sch das angelegte Kapital bald gut ve'yinsen und für die Stadt eine erwünschte Einnahmequelle werden. j_ Oberlais, 9. Aov. Dieser Tage fand hier die Wahl des neuen Kirchenvorst a n deS statt. Fast alte Kirchengemeindever- tretet des Kirchspiels waren erschienen. Dor Beginn der Wahl erfolgte die Verpflichtung der neugewählten Kirchengemeindevertreter Lehrer L e h m e r, Glashütten, und Beigeordnetem Erk, Glashütten. Da die seitherigem Mitglieder des Kirchenvorstand^ Friedrich Schauer- mann und Konrad Diehlmann von Oberlais, sowie Konrad Müller und Friedrich Hansel von Glashütten wegen hohen Alters auf eine Wiederwahl verzichtet hatten, mußten vier neue Kirchenvorstehrr gewählt werden. Es wurden gewählt von Oberlais Gemeinderat Adolf Götz und Schuhmacher Wilhelm Böck, von Glashütten Bürgermeister DingeS und Karl Dreufch l. Wiedergewählt wurden in Obersais Bürgermeister S cha uermann und Karl Fritz. * U l t i ch st e i n, 9. Aov. Um den Bewohnern des oberen Ohmtals und der Umgegend eine bessere Verkehrsverbindung nach der Provinzialhauptstadt Gießen herzustellen, hat sich die Postverwaltung entschlossen, ab 13. Aovember auf der K r a f t p o st - iinie Ulrichstein — Mücke außer den täglich zweimaligen Fahrten am Dienstag. Sreitog und am Samstag eine dritte Fahrt von Ulrichstein nach Mücke auszuführen. Die Fahrten von Ulrichstein nach Mucke haben Anschluß an den Zug nach Gießen, Mücke ab 11.30 Uhr; die Fahrten von Mücke nach Ulrichstein haben Anschluß am Dienstag und Freitag an den Zug von Gießen, eintresfend in Mücke um 13.18 Uhr und am Samstag um 17.35 Uhr. Die Fahrpläne für diese KraftposMnien tonnen, soweit sie nicht an den hierfür vorgesehenen Stellen aushängen, auf den Posthilfstellen eingesehen werden. Von dem Grade der Benutzung dieser Derbindung wird eS abhängen, ob diese Fahrten auf die Dauer aufrechterhalten werden können. Kreis Alsfeld. Z Dannenrod, 9. Noo. Bei der durch die Kirchenaerneinbevertoetung stattgchabten Wahl des Kirchenvorstandes wurde der alte Kirchen Vorstand, der aus den Herren Johannes Friedrich Grein, Förster Friedrich Trupp, Heinrich Böckner 111 und Heinrich Steinman n senior bestand, wiedergewählt und durch zwei weitere Mitglieder, den Herrn Bürgermeister Heinrich August Koch und Wilhelm Küster, ergänzt. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 9.Nov. Der Gemeinde« rat beschäftigte sich in feiner jüngsten Sitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Walz zunächst mit der Festsetzung derMärkte für 19 30. Diese wurden wie folgt festgelegt: 19. Februar Viehmarkt, 19. März Vieh- und Krämermarkt, 23. April Viehmarkt und Dullenauktion, 11. Juni Präm.ierungs» und Ver'.osungsmarkt, 16 Juli Diebmarkt. 13. August Vieh- und Krämermarkt, 10. September Viehmarkt, 9. Oktaöer Vieh- und Krämermarkt mit Dullenauktion, 26. Aovember Viehmarkt. — Das Gemeinderats- mitglied Bauunternehmer H. H a r dt hat in einer der letzten Sitzungen sein Amt als Mitglied der Wohnungskommission (Vertreter der Hausbesitzer) niedergelegt. Auf Vorschlag des Grund- und Hausbesitzeroere ns wurde jetzt der Bäckermeister Hermann Ullrich gewählt. — Der Zimmermeister und Sägewerlsbesitzer Wilhelm Henkel I. hat um Befreiung seines im Jahre 1927 errichteten Wohnhausneubaues von der Gemeindegrundsteuer nachgesucht. Das Gesuch wurde auf Vorschlag der Finanz- kommission abgelehnt, da nach dem Gemeinderatsbeschluß vom 28. August im vorliegenden Falle die erforderlichen Voraus! .tzungen fehlen. Aach diesem Beschluß kann nur bei Kleinwvhnungs- bauten, und auch da nur in bedürftigen Fällen, Steuerfreiheit gewährt werden. — Die Wohnungskommission ist an die Stadt herangetreten mit dem Antrag auf Errichtung von acht Zweizimmerwohnungen. Auf Vorschlag der Bau- und Finanzkommission wurde dieser Antrag vorerst vertagt bzw. für erledigt erklärt. da bereits im alten Krankenhaus sieben bis acht Zweizimmerwohnungen eingerichtet werden sollen. Außerdem soll die künftige Stellung des Staates in bezug auf Dereastellung von verbilligtem Daudarlehen abgewartet werden. 'Bei diesem Punkt referierte der Bürgermeister über die Bautätigkeit in der Stadt Lauterbach seit dmn Jahre 1920. Aach diesen Ausführungen wurden in den letzten acht Jahven von der Stadt 42 und von der Heimstättenbaugesellschaft, an der die Stadt mit über 50 Prozent beteiligt ist, 70 Wohnungen, zusammen also 112 Wohnungen errichtet. Hiervon entfallen allein 88 auf Arbeiter- bzw. Zweizirnmerwohnungen. Don privater Seite wurden in diesen Jahren 155 Wohnungen gebaut Insgesamt wurden somit seit 1920 ---- 267 Wohnungen erstellt, wovon 50 Proz. als Arbeiter- bzw. Zweizimmerwohnungen zu bezeichnen sind. Trotz dieser regen Bautätigkeit herrscht immer noch ein empfindlicher Wohnungsmangel in unserer Stadl, der in erster Linie auf den Zuzug von auswärts zurückzuführen ist. — Hieraus beschäftigte sich der Stadtvorstand mit dem Antrag des Schulvorstandes auf Bereitstellung eines Bauplatzes anläßlich der Durchiührung der Feldbereinigung für ein neues Schulgebäude. Aach den Ausführungen des Bürgermeisters ist infolge der fortschreitenden Entwicklung der Stadt und der damit verbundenen Einwohnerzunahme in den nächsten Jahren mit einem Schulhausneubau zu rechnen. Cs wurde beschlossen, wegen der Bereitstellung eines gee.gnctcn Bauplatzes anläßlich der Ausarbeitung deS Meliorationsplanes mit dem Feldbereinigungsbureau zu verhand-ln. Weiter wurde beschlossen, in den künftigen Voranschlägen der Stadt, und zwar erftmafia 1929, für diesen eventuell erforderlichen Schulneubau Rücklagen em» zustellen. — Wegen der Dewill gung einer W i n- terbeihilfe für Anter st ützungsemp- länger ist der Stadtvorstand mit dem Vorschlag des Bürgermeisters grundsätzlich einverstanden, falls vom Hessischen Staat ebenfalls eine derartige Beihilfe beschlossen wird. — So- dann gab der Bürgermeister davon Kenntnis, daß das gesamte Anwesen Eichhof durch Kaufvertrag vom 18. Oktober zum Preise von 155000 Mk. in den Besitz der Stadt über« gegangen ist. Die Heb ergäbe bat bereits am 1. o. M. stattgefunden. Die Bezahlung des Kaufpreises erfolgt durch Uebernaßme einer bereits auf dem Anwesen ruhenden Hypothek in Höhe von 50 000 Mk.: 90 000 Mk. bleiben bei der Stadt verzinslich stehen, die restlichen 15 000 Mark werden Bat auSbezahlt. Bei diesem Punkt der Tagesordnung wurde aus steuerlichen Gründen beschlossen, daß 1. die Pmckanlagen für die Zukunft der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, 2. daS Schloßgebäude alsbald als Krankenhaus eingerichtet und an den Frauenverein vermietet w.rd. Das seitherige Krankenhaus in der Rockelsgasse geht durch Kauf in den Besitz der Stadl über; in diesem Anwesen sollen sieben bis acht Kleinwohnungen eingerichtet werden. Dis dazugehörigen Bauplätze sind auf Beschluß d:S Stadtvorstandes zu angemessenen Preisen dem Kleinwohnungsbau zur Dersügung zu stellen. Preußen. Kreis Limburg. Lpd. L i m b u r g , 9. Nov. Der wegen Ermordung der eigenen Mutter vom Schwurgericht Limburg am 14. Juli zum Tode verurteilte 20jährige Anton Horn aus Nieder-Zeuzheim bei Limburg ist vom preußischen Staatsministerium zu 15 Jahren Zuchthaus begnadigt worden. Berliner Börse. Berlin, 10. Aov. (WTD. Funkspruch.) 3m heutigen Samstagvorimttagverlehr blieb die Tendenz abwartend. Man tarierte eher schwächer» Kurse, da das über die gestrige Harpener Äus- sichtsratssitzung verbreitete Kommunique ziemlich pessimistisch klingt und man noch weitere Abgaben, speziell am Montanmarkt, zu erwarten scheint. Dagegen dürfte der heute zur Veröffentlichung kommende Reichsbankausweis, nach dem leichten Geldmarkt zu urteilen, eine stärkere Entlastung bringen. An Kursen sind zu hören: Siemens 405,50 biZ 406. Ihr Fettansatz wird vermindert bei Webiand) der erbten Tol u ba«Kerne. Zu hoben Ifdion in Pnckg. zu 30 Gramm» in den Apotheken. Pfarrer Heumanns Heilmittel stete vorrätig in der Niederlage Hirsch-Apotheke Oießen, Frankfurter Straße Nr. 4 Das Pfarrer Heumann-Bach 272 Seiten, 150 Abbildungen, erhält jeder Leser vollständig umsonst und portofrei von Ludwig Heumann & Co., Nürnberg M 613. c024D t" * 4 * i" V tW. lldttr ZTefl» tTeUer ^Würfel für 2 Teller ß ff. MAGGFSUPPENl j linnen Lieschen allerorten von l$^GGI5duvpen ? &rbs ^VSpeck. 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Albert Boßler nach Gottes unerforschlichen» Ratschluß ganz plötzUch und unerwartet in die Ewigkeit abberulen wurde. w- M Couplets usw. In orober Auswahl. BätalKittta Thcaieritteratur» versand und Laaer Am Nahrangiberg 18 4000 Rm. »eg. absolute Etcher- beit und giiie Zinsen turAftiüio aelucht. Lchrtttl. Angeb. um. 07046 an den Gietz. Anzeiger erbeicn. MÖBEL SCHLAFZIMMER WOHNZIMMER HERRENZIMMER KÜCHEN EINZELMÖBEL in reicher Auswahl Gut und preiswert Bequeme Teilzahlung Barzahlung 10%Rabatt AUSRAT G. M. B. H. GIESSEN Lindenplatz 1 9951A Adreßbuch EtaWan und Einwohner- und Geschäftsverzelchnisten von 7 Städten und 74 Ortsgemeinden mit etwa 100000 Einwohnern nebst wertvollem Dirt- schaf ts-und sulturgeschichtlichen Sonderadschnitt/Preis 10 Reichsmark Oberhesflscher Adreßbuchverlag, Gießen, Schulstr. 7 GosnseL Staötmiiflon, £ööetitr. 14 Sountaa, den 11. November, nnchm. 3 l'br und abends 8 ttvr: JabrcSsett i.nb Jubiläumsfeier des SOiäbrtncn Bestehens der Sladmnsston. 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Qualitäten yyliDviäsyUlU) S8ml 81188 y allererster Güte. — Auto-Halteplatz Aufruf: Die Aussperrung von Hunderttausenden von Arbeitern im Ruhrgebiet Iaht es als Menschenpflicht erscheinen, den durch die Aussperrung in schwere Not geratenen Arbeitern und ihren Familien helfend beizustehen. Aus diesem Grunde haben die Unterzeichneten bei der Mitteldeutschen Creditbank «SM die rruhe-Kussesvemiis«" eine Sammelstelle eröffnet und bitten dringend um reichliche Gaben. Wir können gleichzeitig dabei nicht umhin, un ere periönliche Ueberzeugung auszu° sprechen, datz die Aussperrung als Antwort auf die Derbindlichkeitserklärung des Schieds- pruches eine Gefährdung der Autorität der Neichsregierung bedeutet. Auch aus diesem Grunde fühlen wir uns verpflichtet, unsere Sympathie mit den ausgesperrten Arbeitern auszudrücken. — Doch auch wer uns in dieser Ansicht nicht zu folgen vermag, wird gebeten, sich mit uns in der Linderung der Not zu vereinigen. gg^ Univ.-Prof. Dr. Ernst v. Aster Univ.-Prof. D. Dr. WaUer Baumgartner Pfarrer Ernst Becker Univ.-Prof. D. Georg Bertram Lehrer Georg Bingcl Univ.-Prof. D. Dr. Leopold Cordier Direktor Prof. Dr. Karl Ebel Univ.-Prof. D. Dr. Heinrich Frick Oberbibliothekar Prof. Dr. Robert Fritzsche Lehrer Wilhelm Fützlcr Präses d. kath. Geseilenvereins Kaplan Marl. Greurru Dipl.-Volkswirt Dr. Konrad Gumbel Landgerichtspräsident a.D. Geheime Rat Dr.Gustav Güngcrich Oberbibliothekar Prof. Dr. Hugo Hepdiug Univ.-Prof. Dr. Georg Honlgmann Oberstudienrat L R. Prof. Ludwig Hüter Gteinbi berg — ( Auch an in ununter kurze Llrec sehrschlechl Men nui binellstü-k i finbrt man ein firafto 6lra&t aud. Jt Copyrig < Sortfeßu nur “nfitua’li( Jias nibi j K Unglück oo7 du, Uns »Jt 07864 an ließen 1928 gnus Tießen ^Oaßr ir r gcwtinfdjttn auv tin und prtisDttl Siffitn. Stbnllh. v IFF HK ietet w töue 17 /oriOhrt .hl Ihrer 9937P___ qs. Qualitäten uto-Haltepiatt lief 166t ö.015 Jenen Arbeitern »»‘C ^.VoW°S in»*1-* Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 266 Drittes Blatt Landsimßennoi und Verkehr. Die Verwaltung der Provinz Oberhessen hat mit Zustimmung des Prooinzialtages im Verlause dieses Jahres große Summen zur N e u h e r r i ch t u n g einer Reche von Land st raßen in unserer Provinz ousgegeben. Bei der Durchführung dieses Straßenbauprogramms wurden vor allem die sog. 0 - S t r a ß e n, d. h. die Landstraßen für den besonders stark auftretenden Durchgangs-Kraftwagenverkehr, berücksichtigt. Hier ist denn auch eine recht be- merkenswerte Verbesserung der Straßen erzielt worden. teils durch Klcinpflasterung, teils durch Asphal- ticrung, oder auch durch ausgedehnte Neubeschotte- rung. Wer jetzt Gelegenheit bat, die Hauptstraßen des Üeberlandverkehrs zu befahren, wcrd mit Be- iriedigung feststellen können, daß dank der groß- .lügigen Arbeit der Provinzialverwaltung den dringlichsten Erfordernissen aus diesem Straßennetz genügt ist. Anders sieht es dagegen aus aus den sogenannten L-Straßen, d. h. den Bezirksstraßen, die dem Nahverkehr zwischen den einzelnen Ortschaften dienen. Hier sind zahlreiche Landstraßen zur Zeit in einem Zustande, der dringend des Eingreifens der Provinzialbauverwaltung bedarf. Wir hatten in den letzten Tagen Gelegenheit, eine Anzahl 6 - Straßen im Kreise Gießen und ein Straßenstück im Kreise Friedberg in Augenschein flu nehmen. Dabei mußten wir ein betrübliches Bild dieser Landstraßen feststellen. Zum Beispiel befindet sich der hessische Teil der Landstraße Großen- Linden —Hörnsheim gegenwärtig in einem Zustande, der es kaum gestattet, dieses Stück der strahe noch als Landstraße anzusvrechen; es gleicht vielmehr stark einem besseren Feldweg. Man wird »war zugeben müssen, daß durch den umfangreichen Fuhrwerksverkehr infolge der Feldbereinigung eine erhebliche Abnutzung dieser Straße eintritt. Aber dieser Umstand muß doch anderseits dazu führen, daß die Unterhaltung der Straßen auch mit besonderem Aufwand geschieht. Recht vorteilhaft von diesem stark mitgenommenen Straßenteil sticht die preußische Hälfte dec Landstraße ab, die von der Landes- arenze bis nach Hörnsheim sogar asphaltiert ist. (Sine üble Beschaffenheit muß man ferner auf dem hessischen Straßenteil zwischen Niederkleen und Pohl-Göns seststellen; auch hier ist die Straße auf der preußischen Seite in annehmbarer Derfos- jung, auf der hessischen dagegen reiht sich ein Loch an das andere, so daß das Befahren dieser Straße nicht nur sehr nachteilig für die Fahrzeuge ist, sondern auch ein liebel für Mensch und Tier bedeutet. In schlechtem Zustande sind ferner die Landstraßen zwischen Lang-Göns und Holzheim, Holzheim — Gambach, Hauptstraße Lick — Eber- sladt Abzweigung nach Dorf.Gill, Dorf- Gill — Grüningen und Grüningen — Steinberg bis zur Haupt st raßeSchiffen- k» e rg — Gießen. Auch an diesen Strecken reihen sich die Löcher fast itt ununterbrochener Folge aneinander an; einzelne kurze Strecken in besserer Beschaffenheit machen den sehr schlechten Zustand der übrigen Teile der Landstraßen nur um io augenfälliger. Ein besonderes Ka- binetrstück In diesem Reigen zerfahrener Landstraßen findet man zwischen Holzheim und G a m b a ch; ein Kraftwagen, der auf dem größten Teile dieser Straße auch nur mit zwanzig Kilometer Stunden- oeschwindigkeit fahren würde, könnte mit Leichtigkeit Achsen- und Federbrüche davontragen, und schlim- nies Unheil für Insassen und Fahrzeug wäre dann leicht die nächste Folge. Diesem Übelsten Stück der Landstraße ftelU sich die Ortsdurchfahrt in Sambach in der Wies st raße völlig gleich- wertig an die Seite; auch hier bedeutet das Befahren große Gefahr für Fahrzeuge und Menschen. An manchen Stellen der hier bezeichneten Straßen sieht man seitlich zwar Ausbesserungsmaterial aufge- schüttet. Merkwürdig ist aber, daß dieses Material stark von Erde durchsetzt und zum Teil mit Gras überwachsen ist, woraus man wohl den Schluß ziehen kann, daß die Steinhaufen schon seit langer Zeit an ihrem Platze liegen, anstatt auf die schadhaften Straßenstellen aufgebracht zu werden. Als Luriosum sei ferner registriert, daß man gelegentlich Ausbesserungsmaterial auch an Strecken vorfindet, too es bei der einwandfreien Beschaffenheit der Slraße nicht notwendig ist; anderseits kann man aber ganze Straßenstrecken in sehr reparaturbedürf- tiflem Zustande sehen, bei denen nicht das geringste Mrsbesserungsmaterial gelagert ist, so daß man hieraus wohl den Schluß ziehen darf, daß Ausbesse- rutigspläne für diese Strecken nicht bestehen. Ge- legenllich kann man allerdings auch ausgebesserte Straßenstücke antreffen, jedoch ist hierbei meist zu bemerken, daß auf die schadhaften Stellen lediglich Steine ohne das erforderliche Deckmaterial aufgebracht worden sind. Der Steinbelag wird natürlich von den Fahrzeugen, zumal von den Kraftwagen, gar bald wieder zur Seite getrieben, der Verschleiß an den Fahrzeugen bleibt weiterhin groß, und die Löcher in der Chaussee kehren im Handumdrehen in alter Schönheit wieder. Es wäre doch wohl ratsam, bei den Ausbesserungen der Straßen auf den neuen Steinbelag unbedingt sofort auch das Deck- material einzubringen; ferner erscheint es notwendig, das nun sckon seit Monaten an den Landstraßen gelagerte Ausbesserungsmaterial endlich zu ver- wenden. Denn man auch nicht erwarten kann, daß in den bevorstehenden Winter-.nonaten die obengenannten Landstraßen im Kreise Gießen einer durchgreifenden Neuherrichtung unterzogen werden, so darf man aber doch wohl der Hoffnung Ausdruck geben, daß im nächsten Frühjahr bei guter Zeit an eine durchgreifende Erneuerung dieser Straßen herangegangen wird und bis dahin wenigstens die allerdringlichsten Reparaturen vorgenommen werden. An der Schaffung eines einwandfreien Zustandes der Landstraßen sind ja nicht nur die Kraftfahrer stark interessiert, sondern auch die Besitzer landwirtschaftlicher Fuhrwerke werden den dringenden Wunsch haben, ihre Zugtiere und Wagen durch bestmögliche Gestaltung und pflegliche Unterhaltung der Landstraßen weitgehendst geschont zu sehen. Die Erfüllung dieses Wunsche der Kraftfahrer und der Landwirte ist natürlich ohne Bereitstellung erheblicher Mittel nicht möglich. Aber man darf tvohl annehmen, daß die Provinzialverwaltung und der Provinzialtag, nachdem jetzt für die Verbesserung der D-Straßen schon erhebliche Aufwendungen gemacht worden sind, in das nächstjährige _ Etraßenbauprogramm umfangreichere Mittel für die Neugestaltung der D-Strahen einstellen und dabei auch dem Kreise Gießen einen beträchtlichen Anteil zur neuzeitlichen Instandsetzung seiner Straßen zukommen lassen werden. Vielleicht wäre es den zuständigen Stellen sogar möglich, noch im Rahnen des diesjährigen Haushaltsplanes Mittel verfügbar zu machen, die zur raschesten Verbesserung der am schlimmsten zerfahrenen Landstraßen verwandt teerten könnten. Denn je rascher hier durchgrci ende Abhilfe geschaffen wird, um so angenehmer wird es den Interessenten am Landstraßenfahrverkehr sein, und um so vorteilhafter wäre das auch für den Haushalt der Provinz, da natürlich das Ausmaß der Kosten sich immer mehr vergrößern wird, je stärker die (5d>äten an den Straßen durch deren längeres Liegenbleiben in dem jetzigen Zustande werden. Die farbenfreudige Stadt. Nicht alles ist schön, was farbig ist, aber eine schöne Farbenharmonie erfreut das Auge. Was untere Bekleidung anbetrifft, fo hat wohl von jeher die Frauenkleidung lebhafter der Vielfarbigkeit gehuldigt und tut das auch heute noch. Bei der Männerbekleidung war das auch einmal; im Mittelalter, wo das Wams mit geschlitzten Puffärmeln und Hosenbeinen in zweierlei Farben triumphierten — und wo reiche Bürger es liebten, den bunten Putz ihrer H ci us e r noch mit Freskogernälden scyrnücken zu lassen. 3m Lause der Zeiten war uns diese Freude an bunten Häuserfassaden und schließlich auch die Technik dafür abhanden gekommen. Besonders im vorigen Jahrhundert liefen die Häuserzeilen im eintönigen Grau oder Gelb dahin, und selbst bei den Villen der Vororte wandte man kaum jemals mehrere Farben an ihrem Aeußeren an. Man suchte wohl nach neuen Stilarten, aber nicht nach neuen Verzierungen, die den Farben ihr Dasein verdankten. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten, betontere aber in den Jahren nach dem Kriege geändert. Fast könnte man jetzt von allzu viel und allzu grellen Farben an manchen Hausfassaden reden. Das scheint nun einmal mit dem Aufkommen jeder neuen Richtung, sei es in der Kunft ober im Häu- erbau, oerbunten zu sein, daß sie sich von dem bisher Geltenden möglichst auffällig zu unterscheiden ucht und sich dabei in einem lleberschwang der Ge- ühle gefällt. Und fo finden wir denn Häuser, ja ganze Siedlungen, Die zwar den Drang nach gar- benfreude offenbaren, aber das ästhetische Auge beleidigen. Daher ist es notwendig, Mittel zu finden, um das Stadtbild so zu ge st alten, daß es den ästhetischen Anforderungen ent- spricht, daß es nicht ein Greuel wird für alle die- jenigen, die sich nicht einer einseitigen Richtung verschrieben haben, sondern die neben der „neuen Sachlichkeit" auch der Freude am Schmuck Rechnung getragen haben wollen. Solchen Empfindungen ist es zuzuschreiben, daß sich schon vor längerer Zeit ein „Bund zur Förderung der Farbe im Stadtbild" gebildet hat, dem namhafte Baukünstler, Gemeindebeamte und Fachleute angehören, und der sich auf seiner diesjährigen Tagung in Osnabrück u. a. von Privatdozent Dr. Matthäi (Bonn) einen Vortrag über das Thema halten ließ: „W a s kann eine wis - enschaf11 iche Farbenlehre für das arbige Bauen leiste n?" Daß das bloß Ge- ühl allein nicht maßgebend sein Darf, bei der Aus- wähl der Farben darüber zu entscheiden, was schön ist zum Schmuck unserer Häuser, stößt wohl auf keinen Widerspruch. Baupolizeiliche Verordnungen vermögen wohl die schlimmsten Auswüchse mißverstandener Farbenfreude zu verhindern, aber gewissermaßen amtliche Muster für die Bemalung der Häuser aufzustellen, wie es einige Städte schon getan haben, ist auch nicht der richtige Weg zum gewollten Ziel. Kunst und Kunstempfinden vertragen schwer amtlichen Zwang, zumal solange nicht wissenschaftlich festgestellt ist, ob eine Farbengebung schön oder häßlich ist, ob sie sich für ein bestimmtes Stadtbild empfiehlt und ob nicht — um mit Fritz Reuter zu reden — „wat den ein’n sin Uhl, den annern fin Nachtigall" sein kann. Mit der wissenschaftlichen Farbenlehre haben sich unsere größten Geister befaßt. Man braucht nur die Namen Goethe und neuerdings Wllhelm Ostwald zu nennen. Möglich muß es auch sein, für das Bauen die richtige Farbenharmonie wissenschaftlich zu erforfdjen, so schwierig die Ausgabe auch sein mag. „Zum Schönen wird erfordert ein Gesek, das in die Erscheinung tritt", dieser Goethesche Leitsatz weist den Weg, der beschritten werden muß. Die Farbe drängt zu m R a u m, e s m u ß a b e r a u ch i h r e Beziehung zu gegebener alter Architektur u nd zurLandschafthergestelltwer- d e n. Binden und Gliedern, Abheben und Ausgleichen, Herausheben und Zusammenschließen sind die gestattenden Fähigkeiten der Farbe. Wichtige Glieder werden am besten gegeneinander farbig ab« gesetzt, während andererseits die einzelnen Telle durch eine entsprechende Farbengebung zusammengeschlos- sen werden müsien. Eine vollständige Systematik der Farbigkeit und Helligkeit ist noch nicyt gesunden worden; dazu bedarf es noch umfassender Untersuchungen über die farbige Gestaltung. Doch haben sich schon gewisse Grundregeln herausgebildet. Um ein Beispiel anzuführen, hält man es heute für richtig, wenn ein dreigeschossiges Haus folgende Farbenharmonie Aeigt: das oberste gelb angestcichene Stockwerk gewissermaßen zusammengeschlossen mit dem gleichhellen Blaßrot des untersten Stockwerks, während die Gliederung betont wird durch das helligkeitsfremde reine Rot des Mittelstockes. Bindung durch verwandt, nicht durch gleichartige Farben ist hier das Grundprinzip. Dem künstlerischen Empfinden, gepaart mit wissenschaftlicher Erkenntnis, bieten sich natürlich viele andere Möglichkeiten der Farbenkombination. Besonders bei Fachwerkbauten ist der schöpferischen Kraft des Architekten weiter Spielraum gelassen. Das Material der Farbe, der Tünche und des Putzes spielt natürlich auch bei der Verschönerung der Hauser eine gewichtige Rolle. Der Tagung des „Bundes zur Förderung der Farbe im Stadtbild" in Osnabrück war daher auch eine entsprechende Aus- ft e 11 u ng angeschlossen, wobei der Verein deutscher Kalkwerke und der Verband deutscher Edelputzwerke Seid M vom Simmel. Vornan von paul (Znderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 40. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Er ist mir wie der furchtbare Gott des Alten Testaments: du sollst keine antem Götter„ haben neben mir — welch ein tyrannischer Egoist!" „Nein, so darfst du nicht von ihm sprechen. Er ist nur unglücklich." „Das gibt ihm nicht das Recht, andere unglücklich zu machen." „Tun das nicht alle Unglücklichen? Ein Sprichwort jagt, daß Unglück ansteckt." ,^ch kenne das Wort, aber ich hasse es. Es gibt denen, die trägen Herzens sind, die Ausrede, am Unglücf vorüberzugehen. Nicht alle sind so tapfer oe du, Inge." -Laß uns von andern Dingen sprechen", bat sie. „Kommst du geradeswegs hierher?" „Nein. Ich stand bei euch vor dem gelben Haus unb hörte, daß ihr fort wäret. Inge, ich begreife nrich heute nicht, daß ich da wie alle andern Menschen weiter leben konnte!" „Es ging nicht anders, glaube mir." „Du durftest nicht schreiben?" „Laß das, Liebster. Einmal wirst du alles ver- sichen und es anders ansehn ... Und bann kamst du hierher?" „Nein", antwortete er fest. „Vorher war ich bei einem Mädchen. Bei demselben, das du damals im Auto neben mir sahst!" Sie rückte unwillkürlich etwas von ihm ab. „Das konntest du?" „Ja, weiche nur von mir. Es muß gesagt werden. Ich habe — mein Gott, wie lange ist das her? Ein Jahrhundert oder zwei Tage? —, ich habe sogar du zu ihr gesagt. Du mußt auch das wißen, oer ich glaube, du hättest es in dieser Stunde auch K. Sie war so arm und elend, Inge, so grenzen- rmilbert war ihre Seele. Und sie liebte mich.." „Sagte sie das?" ,Ia, begreifst du, das so was möglich ist?" „Nein", sagte sie versonnen. Und dann nach einer Weile: „Wenn du jetzt nicht gekommen wärest, ich wäre gestorben, ohne daß du es je erfahren hättest ..." „Was hätte ich nicht erfahren?" fragte er lächelnd. „... wie du zu meinem Leben gehörst", vollendete sie gesenkten Hauptes. Plötzlich umklammerte sie ihn. „Schwöre mir, daß du mich immer lieben wirst, immer ..." „Muß ich das erst schwören?" fragte er zwischen brennenden Küßen. Sie entwandt sich ihm leicht unb sah ihn ernst an. „Du, es könnten Dinge kommen, die dich von mir treiben." Er lächelte bei ihrer Angst. „Nicht Himmel noch Hölle siind stark genug dazu." „Mer die Wett kann es {ein." „Das glaube ich nicht. Ich bin stark unb nehme es mit ihr auf. Mer wollen wir die Gespenster nicht laut anrufen? Ich habe gehört, das sei die beste Art, sie zu verscheuchen." Sie überlegte einen Augenblick. „Weißt du, warum ich jetzt Herkommen konnte?" Ihre Blicke irrten nach der Tür, unb wieder fiel ihm der zer- quälte, gehetzte Zug in ihrem Gesicht schmerzlich auf. „Er ist jetzt bei meinem Vater, Blinsky." Beruhigend streichelte er ihre Hände. „Blinsky? Ich fragte dich einmal, was ,Storno' heißt, weißt bu noch? Jetzt weiß ich es." In ihren Augen brannte Schreck unb Bangen. „Du weißt auch ben Sinn?" „Ich glaube." Er erzählte, wie er vorhin ihn unb seine Genossen belauscht hatte. „Ich weiß natürlich nicht, worum es sich im letzten Grünte hantelte. Aber ich entsinne mich gut, wjeviel in euerm Haus politisiert würbe und daß man mich nie in diese Gespräche hineinzog." „Sei froh! Mische dich nie wieder in diese Dinge! Um meinetwillen nicht." Sie schmiegte sich dicht an ihn. „Ist Politik so ein Ungeheuer? Ich habe mich nie um diese Dinge gekümmert. Ich habe wohl in Grotthausen gehört, was dort darüber gesprochen wurde. Aber es schien mir immer wichtiger, die Chaconne von Bach zu kennen ober etwas Hübsches von Scarlatti." ■■■»>■■ "'«w« MiTrrwm't iiinnrasnt’ .»,vas:rj?cr<«ZMgMM*H „Beides ist gleich wichtig", sagte sie nach langem Schweigen, das nur von Küssen ausgefüllt war. „Beites kann ein Leben entscheiden. Du fragtest mich einmal, wer Blinsky sei — wie gut übrigens dein Instinkt war! Heute kann ich es dir sagen: er ist der Dämon der Politik, grausam in seinem Zerstörungswillen gegen andre und wohl auch gegen sich. Er ist ter Wille zur Auflösung." Sie richtete sich auf. „Ach, er ist vor allem der böse Geist meines Vaters gewesen, immer. Ich fürchte, er ist es noch heute." „Er hatte es leicht, den Blinden zu beherrschen." „Du weißt es?" „3a. Mußtest bu es noch jetzt verschweigen?" „3d) glaube, er fühlt, baß du es wußtest. Er ist so anders. Aber ich fürchte, es ist nicht gut für unsre Liebe, daß er es fühlt: er hat all seinen Stolz, diesen unbändigen Stolz, darein gesetzt, alle Außenstehenden über seinen Zustand zu täuichen. Liebster, zürne ihm nicht! Er ist viel unglücklicher, als du glaubst." „Er durfte mit deinen Augen sehen — war er nicht dennoch glücklich?" 3hre Hände verkrampften sich ineinander. „Hätte er es nur immer getan! So vieles wäre nicht geschehen." „Ist es nicht gutzumachen?" „Ich weiß nicht", flüsterte sie mit einem scheuen Blick nach der Tür. „Ich kann hier nicht davon sprechen. Nur bas eine — jener entsetzliche Mensch — sprich seinen Namen nicht aus! — hat einen dunkeln Haß meines Vaters ausgenutzt." „Wen haßte er?" „Seine Kindheit — klingt es nicht sonderbar?" „Das verstehe ich nicht. Es war die hellste Zeit meines Lebens." Ein strahlendes Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Ich glaube, Liebster, ich spüre es ja an dir. Unb bas ist so gut an dir. Aber meines Vaters Kindheit war so furchtbar schwer. Ich glaube, jeder Mensch ist durch seine Kindheit gestempelt und gebunden." „Wie war deine, Inge?" Sie sann nach. „Meine Mutter ist früh gestorben, auf einer unserer ewigen Reisen. Ich habe nur die Erinnerung an eine hohe, schlanke Frau, die mich mit Anstrengung aufyob und nach vielen Samstag, 10. November 1928 eine vorzügliche Schau von Sgrasfito- und farbigen Putzproben gaben. Das Stadtbauamt Osnabrück füllte einen ganzen Raum mit vielen vorzüglichen Darstellungen farbiger Bauwerke der Stabt, und außerdem lagen Wettbewerbsergebniße aus vielen Städten vor. Das dürfte der rechte Weg sein, um Wissenschaft und Praxis innig zu verbinden. Denn Probieren geht nach einem allen wahren Sprichwort ja immer noch über Studieren. Dortrag in Gießen. Wie das städtische Hochbauamt uns mitteilt, wird am 2 3. November der Geschäfts ül/rcr des Buntes zur Förderung ter Farbe im Statebild, Dr. Meier-Oberist (Hamburg), in Gießen einen Vortrag über die Bedeutung ter Farbe im Ortsbilde halten und bei dieser Gelegenheit die örtlichen Möglichkeiten farbiger Belebung des Gießener Stadtbildes besprechen. Die Aus übrungen teerten sc» gehalten, daß ein Besuch des Vortrages nicht nur den Fachkreisen, sondern auch den Hausbesitzern und allen Heimatfreunden Nutzen und Anregung bringt. Denn die Farbe im Ortsbild ist nicht allein eine Angelegenheit ter Maler und Baumeister, sondern ein Thema, welches jedermann angeht. Der Stadt als Geneinwesen bietet sich mit ter Farbenbeteegung die beste Gelegenheit zu wirksamer Verkehrswerbung, auf die Gießen, wie die meisten Städte, We.t legen muß. Ein planmäßig farbig behänd ! er Platz oder im Gesamteindruck munter farbig wirkende Straßen und Gassen vermögen heute Släd en einen Ruf zu verschaffen, der nicht gering zu achten ist. Sauberkeit und Ordnung bilden die Grundlage gemeind,icher Wohl ahrt. Der Hausbesitzer, ter sein Eigentum durch farbigen Anstrich vor dem Verfall schützt und es gleichzei ig schmückt, dient daher nicht nur seinem persönlichen Vorteil, sondern auch dem Nutzen der Allgemeinheit. Das gleiche gilt für den Maler, ter für einen sachgemäßen farbigen Anstrich sorgt und für freundliche Behandlung der Häuser'chau- feiten wirbt. Die Arbeit des einzelnen gereicht diesem nur dann zunutzen, wenn er zur Schaffung eines wirkungsvollen Gesamtbiltes beiträgt. Würde ein jeder nach eigenem Belieben streichen, so würde eine Arbeit die andere beeinträchtigen, wenn nicht in ihrer Wirkung völlig zerstören. Jeder sollte daher die Stadtbauverwaltung als berufene Leiterin anerkennen und sich bemühen, mit dem CBauamte verständnisvoll nachgewissen Richtlinienzu- sammen zu arbeiten. Dem persönlichen: Geschmacks wird immer noch ausreichend Freiheit gelaßen. Die wichtigsten Fragen, welche sich aus dieser Notwendigkeit ergeben, werden erörtert und durch praktische Leitsätze erläutert. Diese sollen die örtlichen Verhältnisse besonders berücksichtigen, so daß jeder gewisse Regeln, die ihm nützlich sind, mit nach Hause nehmen kann. Außerdem wird der Vortragende auf alle Fragen eingehen, die von einzelnen Zuhörern gestellt werden, und ihnen bereitwillig Ratschläge erteilen. Telegraphen-Vauverwattimß und Gießener Straßen. Dom Telegraphenbauamt Gießen wird uns geschrieben: »Die in Nr. 264 des „Gieß. Anz." vom 8. November erhobenen Vorwürfe, die Deutsche Reichspost nehme bei ihren Kabellegungen keinerlei Rücksicht auf die Straßenbau arbeiten "der Stadtverwaltung und lasse die Bürgersteige wochenlang in „verwüstetem Zustand" liegen, sind unbegründet: Bei den diesjährigen umfangreichen Kabelarbeiten wurden in allen Fällen, in denen dem Telegraphenbauamt die bevorstehende Neubcsesti- gung einer Straße von ter Stadtverwaltung mitgeteilt worden war, im Einvernehmen mit dem städtischen Tiefbauamt rechtzeitig vorher die Kabel ausgelegt, oder wenn Äabelungcn erst für spätere Zeit ffu erwarten sind, Rohre zur Aufnahme ter Kabel eingebettet Es ist wohl jedem Einsichtigen klar, daß man nicht beliebige Mengen ter kostspieligen Kabel (83 verschiederre Sorten gibt es) beschaffen oder vorrätig hallen kann, 11 ir" —b—mwtMurax-as* m braunen Dienerinnen rief, wenn ich zu laut mar. Ich war schon früh einsam." „Jetzt bin ich bei dir." Er umschloß sie froh unb durchglüht. „Aber mein Vater war der einsamste aller Menschen. Ich las seine Iugenderinncrungen, die er zu irgendeinem Zweck diktiert. Sie sehen aus wie eine Rechtfertigung. Einmal diktierte er: Diese Iugend- erinnerungen sind jene Komplexe, von denen die modernen Aerzte reden. Ich kann sie nur durch die Tat loswerden." „Durch welche Tat?" „Ich weiß sie bis heute nicht. Ich fühlte nur ihr Entstehen, ihr Wachsen und Wirken um mich herum, zu jeder Stunde. Und ich wagte nie zu fragen ... so zu fragen, daß er eine Antwort hätte geben müssen. Das Mitleid mit ihm bändigte immer wieder meinen Willen. Liebster, ich habe mir oft minutenlang die Augen zugehalten, um zu sehen, wie es ist, blind und hilflos zu sein!" Eine Tür öffnete sich. Getuschel von Stimmen und ein girrendes Lachen wurden hörbar und erloschen wieder. „Hier können wir nicht reden", sagte sie erschrocken. „Wir wollen ein andermal ..." „Wann?" „Wann du willst." „Also morgen. Ich hole dich ab. Das kann auch dein Vater nicht verwehren. Wir steigen auf eine Höhe, wo diese Stadt wie unser Reich zu unfern Füßen liegt. Auf den Montmartre vielleicht. Da ist eine Kirche, protzig und falt, wie ein Salon des Heben Gottes, die Sacrd Coeur. Aber ein köstlicher Ausblick. Nein, wir wollen Notre-Dame erklettern. Sie ist uns vertraut wie unsre gotischen Dome im deutschen Land. Liebst du die Schimären so wie ich?" „Ich bin in den Städten immer nur dort gewesen, wo mein Vater war. Und was sollte'er dort?" Er küßte ihre Stirn. „Samariterin!" «Nein, Liebster, das bin ich nicht. Es wurde mir oft bitter schwer. Ich habe mich oft aufgebäumt gegen mein Schicksal. Ich bin gar nicht so gut gewesen .. „Soll ich deinen Vater fragen, ob du gut warst?" fragte er lächelnd. (Fortsetzung folgt) . nur um sie überall da, wo Straßen neu ein* gedeckt oder aus anderem Anlaß aufgebrochrn werden, in die Erde zu legen und schließlich brach liegen zu las en. Der Ausbau eines Kabel - nehes muß sich vielmehr nach einem sorgfältig durchdachten, die voraussichtliche Vermehrung der Fernss>>echan'chk'Üsse in einem fünfjährigen Zeitabschnitt Brückl ichtigenden Plan richten. Wollte man von diesem Grundsatz abgehen und planlos Kabel auSlegrn. nur um nach Jahren vielleicht den Wiederaufbruch einer jetzt neu gedeckten Straße zu vermeiden, dann würden unverantwortlich hohe Kosten entstehen und die Fernsprechanschlüsse nicht billiger (Ermäßigung der Gebühren ab 1. Januar 1929), sondern teurer werden. Die Erdarbeiten für die Kabellegungen werden durch einen zuverlässigen, ortsansässigen Tiefbauunternehmer ausgeführt, der gehalten und selbst auch bestrebt ist, die Straßendecken unverzüglich- wiederherzustellen. Das ist auch bei den nicht asphaltierten Straßen, dem weitaus größten Teil der Kabelar bitten, geschehen. Bei den Asphaltdecken war dies aber nicht möglich. Es steht fest, daß der Unternehmer sich seit Wochen vergeolich um den Unternehmer für die Ashhnlt- arbeiten bemüht. Der Gießener Unternehmer war bisher wegen städtischer Arbeiten nicht abkömmlich und ein auswärtiger für derartige Flickarbeiten nicht zu gewinnen. Die Sachlage ist heute die gleiche, wie vor einigen Monaten bei den Kabel- t a n a t arbeiten in der Bleichstrahe usw.: sie ist dem städtischen Tiefbauamt, jedenfalls auch dem Herrn Berichterstatter, bekannt. Wir bedauern diese Sachlage, vermögen aber nicht Abhilfe zu schaffen, wcirn der Asphaltunternehmer für bie,e Arbeiten nicht freigegeben wird. Unbillige Forde- rungen sind wir nicht in der Lage zu erfüllen." Anmerkung der Redaktion: In unserer Donnerstagnummer hatten wir bei der Behandlung dieser Angelegenheit u. a. geschrieben, „daß man meinen könnte, die Postbaubchorde habe es gar nicht nötig, auch nur die mindeste Rücksicht auf die steuerzahlenden Bürger zu nehmen". Von der Feststellung dieses Eindruckes weite st erBurgerkreife angesichts des m angelst a f t e n Tempos bei der Wiederherstellung der bei den Postbauarbeiten aufgerissenen Straßen haben wir nichts zurückzunehmen. Ebenso halten wir daran fest, daß die in unserem Artikel vorn Donners- tag vorgebrachten Klagen der Bürgerschaft durchaus begründet sind. Um dem Telegraphenbauamt nur einige Beispiele anzuführcn, sei erwähnt, daß der größte Teil der für Postzwecke aufgebrochenen Stein st raße auf der nördlichen Seite des Bürgersteiges nun schon seit etwa vierzehn Tagen in verwüstetem Zustande daliegt. Weiter weisen wir darauf hin, daß am vorigen Samstagmittag an der Ecke Walltorstraße-Asterweg der Bürgersteig aufgerissen wurde und sich bis heute noch in diesem verkehrsgesährlichen Zustande befindet: auf der gegenüberliegenden Seite ist das gleiche klägliche Bild ebenfalls schon seit Tagen festzustellen, ferner hat man das „Vergnügen", schon seit etwa drei Wochen am Kirchenplatz bei der Stadt- k i r ch e die gleiche Feststellung über den Zustand des aufgerissenen und bann einfach liegcngclassenen Bürgersteiges machen zu können; ein teilweiser Aufbruch vor dem Grundstück der Firma Carl Hensel, Walltorstrahe, Ecke Hundsgasse, wird seit dem gestri- gen Freitag nachmittag, also nach dem Erscheinen unserer Zeilen vom Donnerstag, durch Neupflasterung wieder beseitigt. Die Dtezstraße und der Fahrdamm in der N e u en B ä u e an der Adzwei- gung der Dtezstraße sind weitere Zeugen für die Richtigkeit unserer Behauptung, daß man die Stra- ßen nach der Verlegung der Kabelleitungen in per- wüstetem Zustande liegen läßt, anstatt die Schäden sofort wieder zu beseitigen. Man kann es auch nicht als richtig bezeichnen, daß das Telegraphen- bauamt seine Zustimmung zu Straßenaufbrüchen gibt, solange nicht von vornherein die Ge- währ dafür gegeben ist, daß in unmittelbarem Anschluß an die Kabelverlegungen die Straßen wieder in den früheren einwandfreien Zustand zurückversetzt werden. Wenn ein Unternehmer für die Aspstaltarbeiten nicht verfügbar ist, so wäre es doch wohl richtiger, mit der Fortführung der Straßenaufbrüche solange zu warten, bis alle Vorbedingungen zurraschesten Abwicklung sämtlicher Arbeiten gegeben sind. Eine derart schnelle Erledigung aller Teile der Bauarbeiten, also auch die sofortige Wiederherstellung der Straßen dürfte nicht zuletzt auch im Interesse der Postbaubehörde selbst liegen. Denn falls in der Dunkelheit jemand an einer derart man- gclhasten Bürgersteigstelle zu Fall kommt und Schaden an seiner Gesundheit erleidet, so dürfte sich wohl sicherlich die Stadtverwaltung nicht als haftpflichtig ansehen, sondern die Poft würde in diesem Falle für den Schaden verantwort- lich gemacht werden. Es liegt aber auch in Inter- esse der Verschönerung unseres Stadtbildes, für die seitens der Stadt und zahlreicher Bürger in anerkennenswerter Weife rege gearbeitet wird, daß derart starke Mängel, wie wir sie jetzt durch die Verzöge- rung bei der Wiederherstellung der durch Postbau- arbeiten aufgebrochenen Straßen erleben, umgehend wieder verschwinden. Das sind durchaus keine un« billigen Forderungen, die von der Bürgerschaft an die Postbaubehorde gestellt werden, son- dem es sind einfach Selbstoerständlich- teilen, über die ernstlich nirgendwo zweierlei Meinungen herrschen können. Wenn das Telegraphenbauamt in dem „Herrn Berichterstatter", von dem es am Schlüße spricht, etwa einen Ge- währsmann außerhalb unserer Redaktion vermuten sollte, so irrt es sich. Was wir veröfsenllichten, wurde von uns selbst auf Grund eigener Wahrnehmungen und zahlreicherKlagen aus der Bürgerschaft geschrieben. Das Tele- graphenbauamt möge durch schleunige Beseitigung der jetzigen Mißstände dafür sorgen, daß die mit Recht erhobenen Beschwerden der Bürgerschaft rasche Erledigung finden. Sonnen« und Mondfinsternis im November. Am 12. November findet eure in Mitteleuropa gut sichtbare Sonnenfinsternis statt, die im Maximum dsn Betrag von über 0,2 erreicht, d. h. über 20 Prozent der Sonnen- scheibe werben vom Mond verdeckt sein. Die erste Berührung zwischen Sonnen- und Mond- ranb erfolgt für Mannheim 8.40, Karlsruhe 8.40, Freiburg 8.42 illjr, für andere in Süd- westdeutschland gelegene Orte ändern sich die Zeiten nur wenig. Die Berührung erfolgt etwas links vom obersten Punkt der Sonnenscheibe. Das Maximum der Phase tritt ein (Maximaletrag in Klammern): Mannheim 9.35 Ahr (24), Karlsruhe 935 Ahr (23). Freiburg 934 Ahr (21). Das Ende der Bedeckung erfolgt in Mannheim 1034 Ahr, Karlsruhe 10.33 Ahr, Freiburg 10.30 Ahr. Da die Sonne bei uns am 12. November etwa um 7.45 Ahr aufgcht, kann das Himmelsschauspiel — klaren Himmel vorausgesetzt — in seinem ganzen Verlauf beobachtet Werdern Angünstig dagegen liegen die Verhältnisse bei der totalen Mondfinsternis am 2 7. November. An diesem Vollmondtage tritt der Mond auf seiner Dahn um die Erde in den Schattenkegel unseres Planeten und wird dadurch vollständig verfinstert. Leider ist davon bei uns fast nichts zu sehen, da die Finsternis erst kurz vor Monduntergang beginnt, und zwar um 824 Ahr morgens, während der Mond in Westdeutschland bereits um etwa 8.30 Ahr unter- geht. Die Totalität dauert von 9.33 Ahr biS 10.23 Ahr, die Finsternis überhaupt endet um 11.39 Ahr. Amtsgericht Gießen. * Gießen. 6. Nov. Daß auf den städtischen Viehmärkten, insbesondere auch auf den Zufuhrstraßen, nach Möglichkeit Ordnung herrschen muß, ist eine in letzter Zeit häufig erörterte selbstverständliche Forderung, die von der Stadt und Polizei, aber auch von den Viehhändlern selbst nachdrücklich erhoben totri). Ebenso selbstverständlich aber und nccht zu vermeiden finb bei den Massenansammlungen, die derartige Viehrnärkte naturgemäß mit sich bringen, Anzuträglichkeiten die namentlich bei dem Abtrieb des Viehes vom Bahnhofe vorkommen. Sin einschlägiger Fall stand heute zur Verhandlung. Ein auswärtiger Viehhändler hatte schon ganz in der Nähe des Bahnhofs beim Abtrieb seines Viehes nach dem Markt auf offener Straße einen Handel abgeschlossen. also verbotswidrig gehandelt, denn ein derartiger Viehhandel außerhalb des Marktes steht unter Strafe. Es trat dadurch eine den lebhaften Viehtransport hemmende, oder mindestens störende Verkehrsstockung ein, für dre der angetlagtc Viehhändler verantwortlich ist, zumal er bei Feststellung seiner Personalien durch die Polizei dieser einige Zeit andauernde Schwierigkeiten bereitete. Er erhielt wegen der doppelten Verfehlung eine ansehnliche Geldstrafe. Mit welchen Machenschaften das Wohlfahrtsamt, wenn es den Anterhallsansprüchen unehelicher Kinder gegen ihren Vater Geltung verschaffen will, zu rechnen hat. zeigt nachfolgender heute verhandelter Straffall. Der betreffende säumige Vater, ein hiesiger Provisionsreisender, gab zu seiner Verteidigung kurzerhand die fast üblich gewordene Erllärung ab, er sei zum Anter- Halt nicht in der Lage. Cs wurde ihm aber der einwandfreie Nachweis erbracht, daß den Angeklagten hieran allein die Schuld trägt, nicht wegen Trägheit oder Leichtsinns oder wegen fehlender Erwerbsmögllchkerten, sondern weil er absichtlich gerade die letzteren, die sich ihm reichlich baten, stets versäumte, und zwar lediglich deshalb, weil er sich gar nicht in die Lage versetzen wollte, irgendetwas für sein Kind zu tun, mit dessen Mutter er sich entzweit hat. Er gedachte denn bei feiner Heranziehung wahrheitsgemäß stets die Versicherung seiner Mittellosigkeit abgeben zu können. Diese Erklärung half ihm aber heute nichts. ®r wurde, fcto er nicht vorbestraft ist, zu einer Woche Hast verurteilt. Nundfunkprogramm deS Frankfurter Senders. (AuS der „Radio-Umschau".) Sonntag. 11. November. 8.30 bis 9.30 Ahr: Katholische Morgenfeier. — 11 bis 11,30: Elternstunde. — 12 bis 13: Mittagsständchen des Rundfunkorchesters. — 15 bis 16: Stunde der Jugend. — 16 bis 18: Don Griesheim: Konzert der Vereinigung der Zitherrnusik- Dereine und Einzelspieler „Main-Taunus". — 18 bis 19: Stunde des Landes. — 19 bis 20: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. — 20 bis 21.15: Nach Stuttgart: Russisches Symphonie-Konzert. — 21.15: Don Stuttgart: Berliner Abend. — Anschließend: Sportnachrichten. — Darauf: Tanzmusik. Montag, 12. November. 6.30 Ahr: Morgengymnastik. — 13 bis 14: Schallplatten-Konzert, Orchester-Werke. — 15.05 bis 1535: Stunde der Jugend. — 1535 bis 16.05: Hausfrauendienst. — 15.35 bis 18.05: Nach Stuttgart: Konzert des Rundsuntvvchesters: G. Rossini. — 18.10 bis 18.30: Lesestunde. — 18.30 bis 19: „Einführung in Goethes Faust, 1. und 2. Teil: I. Entstehung und Leitidee", Dortrag von Pfarrer Taesler. — 19 bis 19.30: Esperanto-Ant er richt. — 19.30 bis 19.45: Englische Ltteraturproben. — 19.45 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. — 20.15: Don Stuttgart: „Susannens Geheimnis". Intermezzo in einem 211. — Anschließend von Kassel:: „Der Töpfer", komische Oper in einem Aufzug von Zoh. Andre. Dienstag. 13. November. 6.30 Ahr: Morgengymnastik. — 13 bis 14: Mittagsstänbchen des Rundfunkorchesters. — 15.05 bis 1535: Stunde der Jugend. — 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. — 16.35 bis 18.05: Don Stuttgart: Konzert des Rundsunlorchesters. — 18.10 bis 18.30: Lesestunde. - 18.30 bis 18.40: Don Kassel: Zehn Minuten Ratschläge für Mutter und Kind. — 18.40 bis 19.10: Don Kassel: „Neuzeitliche Geflügelzucht", 3. Dortrag von Direktor Herberg, Cckcrshaufen. — 19.10 bis 19.40: Funkhochschule: „Die DerufSeignungsprüsung von heute", Vortrag von Dr. phil. Bappert, Fach- psychrlogie an der Städt. Iugendsichtungsstllle. — 19.40 bis 20: Schachstunde. — 20: Don der Stiftskirche in Stuttgart: Gedächtnisfeier zum 100. Todestages von Franz Schubert. — Anschließend: Nach Stuttgart: Dortragsstunde/Hans Reimann. — Darauf: Schallplatten - Konzert: „Neuestes". Mittwoch, 14. November. 6.30 Ahr: Morgengymnastik. — 12.45 bis 13.15: Schulfunk. — 13.15 bis 14.15: Schallplatten- Konzert: Kammermusik, solistische und Gesangsvor- träge. — 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend.. — 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. — 16,35 dis 18,05: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Operettenmusck. — 18,10 bis 18,30: Bücherstunde. — 18,30 bis 18,50: „Rentnrrnot, ein Teil der Mittelstandsnot", Dortrag von Dr. Kramer. — 18,50 bis 19,15: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben auswärts). — 19,15 bis 19,30: Senckenbergviertelstunde: „Tierische Farbstoffe", Dortrag von Dr. F. HaaS. — 19,30 biS 19,45: Französische Literaturproben. Rätsel-Ecke. — 19,45 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. — 20,15: Don Stuttgart: Dänischer Abend. — Anschließend: Nach Stuttgart: Dän sche Dichtung. Donnerstag. 15. November. 6,30 Ahr: Morgengymnastik. — 13 bis 14: Mittagskonzert des Rundfunkorchesters. — 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. — 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. — 16,35 bis 18,05: Don Stuttgart, Konzert des Rundfunkorchesters. — 18,10 bis 18,30: Lese stunde. — 18,30 bis 18,45: Don Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund. — 18,45 bis 19,15: Don Kassel: „Dorgänge am Himmel im Jahre 1929“, Dortrag von Dr. Ernst Dippel. — 19,15 bis 19,45: Stunde deS Süowestdeutscheu Radioklubs.— 20,15: Das Grabmal des unbekannten Soldaten, Drama von Paul Rahnal. Freitag, 16. November. 630 Uhr: Morgengymnastik. — 13 bis 14: Schall- platten-Konzert. Buntes Programm. — 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. — 1535 bis 16.05: Hausfrauendienst. — 1635 bis 17.35: Hausfrauen- Nachmittag. — 17.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. — 18.10 bis 1830: Lesestunde. — 18.30 bis 19: „Ernstes und Heiteres aus kriminalistischer Berufsarbeit", Vortrag von Kriminalkommissar a. D. Ernst Engelbrecht, Berlin. — 19 bis 19.20: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. — 19.20 bis 1930: Film-Wochenschau. — 19.30: Nach Stuttgart: Dom großen Saal des Saalbaues: Konzert der Frankfurter Museumsgesellschaft: Schubett • Feier. Anschließend: Von Kassel: Don Quichote und Till Eulenspiegel. Samstag, 17. November. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. — 12.45 bis 13.15: Schulfunk: Musik, oorgetragen von Eesanglehrer F. Hofmann: „Die Natur als Vorbild in der Musik: Schlimme Wetter in der Musik; Regen, Wind, Gewitter". — 13.15 bis 14.15: Nach Stuttgart: Mittagskonzert des Rundfunkorchesters. — 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. — 15.55 bis 16-05: Hausfrauendienst. — 16.35 bis 18.05: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Alle Tanzmusik. — 18.10 bis 1830: Lefestunde. — 18.30 bis 18.45: Briefkasten. — 18.45 bis 19.15: „Sizilien und Tripolis", Vortrag von Kriminalkommissar a. D. Ernst Engelbrecht, Berlin. — 19.15 bis 19.45: „Die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Gewerkschaften", Vortrag von Ing. Schweitzer, Mitglied des Reichswirtschaftsrats. — 19.45 bis 20.15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Eindrücke vom Internationalen Kongreß für Kunstunterricht in Prag", Vortrag von Stu- bienrat Dr. Galliner. — 20.15: Bunter Abend. Anschließend bis 0.30: Von Berlin: Tanzmusik. Gegensätze. An Stelle eines jeden der nachstehenden Wörter soll ein im Gegensatz zu ihm stehendes Wort gesetzt werden. Die Anfangsbuchstaben dieser ergeben als- Dann einen leckeren Braten. 1. klar, 2. langweilig; 3. unmäßig; 4. einerlei; 5. unpassend; 6. gebildet; 7. unerheblich; 8. stoffarm; 9. bekleidet; 10. verschwenderisch; 11. abwesend; 12. geneigt; 13. ungebraucht; 14. kraftvoll. Kreuzworträtsel 10 11 ir if 1? aaae iiii aeee Von links nach rechts: 1. Backfertige Masse; 5. Derständigungszeichen; 9. Stadt in Westfalen; 10. Berg in Tirol; 11. Nebenfluß der Fulda; 12. Verpackungsgewicht; 13. andere Bezeichnung für Ueberbleibfel; 14. sagenhafter Gründer Trojas; 15. Edelwild; 18. junger Mensch; 22. Orientierungstafel; 23. Iubelruf beim Bachus- eft; 24. russischer Strom; 25. abgeschlossene Gruppe; 26. Nebenfluß der Donau. Von oben noch unten: 1. Eingangspforte; 2. zeitlicher und räumlicher Schluß; 3. weiblicher Personenname; 4. Prome- nadenpfad im Grünen; 5. Gegner Karls des Großen; 6. Nebenfluß der Donau; 7. römischer Kaiser; 8. männlicher Personenname; 15. einmastiges Schiff; 16. Sohn Jakobs; 17. männlicher Personenname; 19. Nebenfluß der Elbe; 20. wie 24, waagerecht; 21. wie 26, waagerecht. Magische Quadrate. a — a — a — a — a — c — e — f — h — i k — 1 — m — n — r — s — s — s — u u — u — u — z — z. Vorstehende 24 Buchstaben sind in Die freien Felder obiger Quadrate einzustellen. Ist dies richtig vorgenommen, müfsen 1. die je vier waagerechten Reihen der beiden Quadrate bekannte Hauptwörter mit den angeführten Anfangsbuchstaben ergeben und 2. die waagerechten Reihen beider Quadrate, zusam- mengezogen, Doppelwörter. Die Einzelwörter bedeuten: 1. Berggipfel, 2. Gewehrrohr; 3. Zahl; 4. Sitzgerät; 5. kleiner Fluß; 6. behördliche Urkunde; 7. Körperteil; 8. Wohngebäude. Rätsel. „Wahn" eröffnet ein grausam Geschicke, „Starr" tut's nicht, und bräch er s Genicke, „Froh" hilft manchem zu irdischem Glücke, „Hoch" bewirkt, daß er Edle entzücke, „Un" rät mancher in dem Augenblicke. Ergänzungsrälsel. 1. A--r; 2. J--e; 3. S--1; 4. A--t; 5. E--e; 6. O - - e. Vorstehende Bruchstücke sind mit je zwei Buchstaben zu Hauptwörtern umzugestalten, während die je zwei Buchstaben, oneinandergereiht, eine gesetz- gebende Körperschaft ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Teil des Körpers; 2. falsche Fährte; 3. dicker Strick; 4. Zahl; 5. Stabt in Italien; 6. Bezahlung. Bilderrätsel. Auslösungen. Namen-VersteckrälseL 1. Erich; 2. Ernst; 3. Werner; 4. Albert; 5. Ewald; 6. Eugen. Ortsmimenbildungsrätsel. Borg-Horst — Fell-Bach — Herz-Berg — Kohl-Furt — Neu-Deck — Ober-Hof — Pass-Au — Schwein-Furt — Sieg-Burg — Wohl-Au. Rätsel. Postmarke — Ostmark. Dlumenrälsel. Aurikel — Levkoie — Lilie — Erika — Reseda — Syringe — Enzian — Edelweisz — Lavendel — Ehrenpreis — Narzisse. Allerseelen. Kreuzworträtsel. H E FlAlNlG INAS a1 inä b I0BBB C30BI3 0Q0HGHEIB0 fflfagB-dHfna QBBQaBIB LIAM EMW A 5 T ÄJW RJR BMA Rösselsprung. > Gib, doch laß nicht den Empfänger denken, ( Daß nach deinem Dank du fielst; Freue dich, daß du vermagst zu schenken. Doch so heimlich gib, als ob du stiehlst. Albert Roderich. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Humor. Neullch sagte der Rundfunksprecher: „Achtung! Achtung! Meine Damen und Herren, wir unterbrechen das Schallplattenkonzert und übermitteln Zhnen einen Tendenzbericht der D r» liner Dorbörse: Die Dorbörse verkehrte lust.os bei weichenden Kursen. — Berlin setzt die Schall- plattenübertragung mit einem Potpourri .Freut euch des Lebens' fort.“ Hier bemerkte seufzend einer der Hörer: „Einen Humor harn' die Leute!" (Lust. Dl.) Besitzer-Stol). Ich sitze in der Straßenbahn neben einet dicken Marktfrau. Der Schaffner kommt: „Ditte, Fahv- farten lösen." Dor der dicken Frau sagte et: „Entschuldigen Die." Er war chr offenbar auf den Fuß getreten. Die Frau erwiderte nichts. Da sagt der Schaffner zu mir: „Entschuldigen Sie 1" Er dachte anscheinend, er müsse wohl mich getreten haben. „Ditte", sage ich, um dem Manne nicht den Glauben an die Höflichkeit der Fahrgäste zu rauben. Da wendet sich die dicke Nachbarin stirnrunzelnd an mich: „Eigentlich war's mein Beenl“ („Simplizissimus".) Daten für Sonntag, 11. November. Sonnenaufgang 7.10 Uhr, Sonnenuntergang 16.18 Uhr. — Mondaufgang 534 Uhr, Monduntergang 16 Uhr. 1599: Octavio Piccolomini, Heerführer Wallensteins, in Florenz geboren; — 1821: der Dichter Fjodor Dostojewski in Moskau geboren; — 1848: der Historiker Hans Delbrück in Bergen auf Rügen geboren; — 1884: der Naturforscher Alfred Brehm in Rentnendorf gestorben. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 11. November. 23. Sonntag nach Trinitatis. Stadttirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfarrer Mahr; 5: Pfarrer Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für Die Lukas- gemeinde; Pfarrer Bechtolsheimer; 5: Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrer Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 930: Pfarrer Lenz; 11: Kinderkirche: Pfarrer Lenz. — Elisabeth - Kleinkinderschule. 9.45. Pfarrverwaltec Dotjert. — Beichte und hl. Abendmahl für die Pe- trusgemeinde. — Gemelndcsaal (Liebiastraße 56). 2: Taubstummengottesdienst; Pfarrer Bechtolsheimer. — Klein-Linden. 9: Iugendgottesdienst unter Mitwirkung der beiden Chöre der Iugendvereinigunge»; anschließend Abendmahl für die männliche Jugend; 2: Hauptgottesdienst und Abendmahl für die wei> li e Jugend. — Wieseck. 9: Beichte, 9.30: Predigt- gottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; 11: Kinderkirche. — Alten-Vuseck. 9.30: Beichte: 10; 11: hl. Abendmahl; 130. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für Die Jugend von Lollar; 1.30: Lollar. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 9.15: Beichte; im Anschluß Predigt und Feier des 1)1 Abendmahls (Jugend). — Lich. 9.30: Stistsdechani Kahn; 12.45: Kindergottesdienst; 2: Stiftspfarrec Lic. Schorlemmer. katholische Gemeinden. Samstag, den 10. November. Gießen. 430 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, 11. November. 24. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunisa der Jünglinge: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt: 11: Messe mit Predigt; 5. Christenlehre utii Andacht mit Segen; 8: Dolksverein. — (Brünbetf. 9 45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochalw mit Predigt. -- Lich. 730: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt.____________ Svnntn'sN'--st tr-xten. Mvoth-fe»am 1t. 1129 Dr. Meyerhofs. Dr. Neumann. Bettkanapotheri. Zahnarzt. Dr. Sockerbeck. gittt W Bert< M M Mil) lir SltiaHa SNM-oeoik 3d»«ct Hemr WEIH WELLE M vrotffr Sroiborit Sltfbuuaint, jMMen ß “W Ufli DOfflf Nm fin '•Printer LMH । uniifl Bet« „ öür btn ft jUof-Ztont -Dm-Sei/enki. Anhängern ( vslenllichen & fttn. fiitftru Mngri d tttagen und t 5ür btn A ff Ehw i S.fen ‘•^^Oouri Einen großen Posten larir. Hoden MIT HEIZUNG 9914D ■-W™ I Winterhoff Ml: Emil öec.ier. liainmsii.43, Gieüeo, Tei. ilflO (Omnibus) 07543 Herren- 0798U Herbst- u. Winterkleiderstoffe 70 cm Winterschotten, la Qualität, indanthrenfarbig RM. GlQfJ en - fomengasse 2o hrid)ten. RM. RM. Moderne Möbel 'tisches Tiefbauamt: Braubach Neueingänge in Damen- und Kindermäntel 5 Prozent Barrabatt • 5 Prozent Barrabatt dienst! Bullenverkauf H. Kaeß Nachfolger 99MA 0924 A 70 cm Hauskleiderstoff, Velour und CrOpe ... RM. 1.60,1.50,1.25,1.05, 70 cm Kleider-Karo, prachtvolle neue Muster RM. 1.50,1.25,1.00, Wilh. 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Weiterhin steht Dr. Stresemann vor der Tat- fache, daß ein besonderes Motiv, das eigentlich ausschlaggebende für die Locarnopolitik, ebenfalls sich als Irrtum erwiesen hat. Für den Entschluß zum Locarno-Weg« wurde, wie erinnerlich, damals sehr nachdrücklich ins Feld geführt, bah nur er einen englisch-französischen Dündniszusammenschluh verhindern könne, der unmittelbar bevorstehen sollte. Cs ist richtig, dah damals ein Bündnis- zusammenschluh der beiden Weflmäch.e nicht eingetreten ist. Aber drei Jahre nach dem Eintritt in die Verhandlungen, die nach Locarno führten, haben England und Frankreich diese Vereinigung doch vollzogen. Dr. Stresemann steht bei der Wiederaufnahme feiner Arbeit vor der veränderten Situation, deren Dedeutung gar nicht hoch genug einzuschätzen ist und di« ihre Schatten über Europa hinaus wirft, daß d i e Entente von 1 904 von beiden Seiten bewußt, daS heißt zielbewuht, und das heißt wieder bewußt auch in bezug auf den Gegner, erneuert worden ist. Vei der Debatte darüber ist im englischen Oberhaus feftgefteflt worden, bah das Flotten ab kommen zwischen England und Frankreich erledigt fei. Das war eine Selbstverständlichkeit, nachdem Amerika in seiner Rote vom 26. September Verhandlungen auf dieser Basis glatt abgelehnt hatte: eine Flottenverständigung Frankreich — England in der gedachten Art ohne Teilnahme Amerikas ist natürlich überhaupt nichts. Aber das ist doch bloß das Äeußere: Die Tatsache bleibt, dah England und Frankreich aus ganz großen weltpolitischen Erwägungen sich zu einer politischen Verständigung zusammengefunden haben. Hab dies wieder beeinflußt auf das stärkste Die Verhandlungen übet Reparationen und Rheinlandräumung, die in Genf beschlossen worden find. Wir wissen nicht, wie Dr. Stresemann persönlich über die Art denkt, in der über die Räumungsfrage hinaus die Deparationsdebatte für Deutschland „angelurbelt“ worden ist und Räumung und Reparation in einer Weise verbunden wurden, in der für Deutschland außerordentliche Gcf o hren schlummern können. Jedenfalls findet er diese Zwangslage vor und damit zugleich die weitere Tatsache, daß die Reparationsverhandlung beginnt, ohne daß das Rheinland geräumt ist. Das aber war doch Ziel und Absicht der deutschen Außenpolitik, daß, wenn die Verhandlungen über die Revision des Dawes-Planes begännen, die Franzosen den Rhein verlassen hätten. Jetzt stehen sie noch da: sie haben, wie Poincars das auffaßt, dies Pfand in der Hand, und die Reparationsdebatte ist, mit einem Worte gesagt — der Außenstehende kann sich diesem Eindruck« nicht verschließen —, Deutschland über den Kopf gekommen, ohne daß es darauf bereits vorbereitet war und ohne daß es die damit entstehende Situation von Anfang an meistern kann. So nimmt Dr. Stresemann seine Arbett wieder auf unter sehr ungünstig 6 * to ordenen 11 m ft ä n ö e n und mit außerordentlich großen Schwierigkeiten, einer un- gernein veränderten und an jedem Punkte zu Deutschlands Ungunften veränderten Situation. ff-_beute für die Revisionsfrage nicht vertieft. Für s.e ist ein neues Moment gegeben In d?r Entscheidung der amerikanischen Präsidentenwahl. Daß Herbert Hoover siegen würde, stand so gut wie fest. 'Aber die Frage war, mitwelcherMajori- tät er siegen toüri>e. Diese Mehrheit ist zur allgemeinen Überraschung größer als erwartet worden war. Aach der intensiven Agitation des dafür wie geschaffenen Al Smith und den bekannten Diskussionen über die Prohibition mußte eine wett größere Mehrheit für die Demokraten erwartet werden. Aber weder die Farmer des mittleren Westens, noch der alte Süden haben für ihn gestimmt: nicht einmal sein eigener Staat Reuhork hat ihn gewählt. Hoover hat die größte Mehrheit erhallen, die je ein Präsident erhalten hat. Roch mehr: Während lokal das ür'eil der Wähler da und dort für den Demokraten entschieden hat, geigt der große Sieg der Republikaner für das Repräsentantenhaus und für den ©CTiat, daß die Mehrheit der Ration die republikanische Politik und das Programm Cwolidges Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) will, ünd soll dieses mit einem Worte bezeichnet werden, so ist es der Wille, daß ein auf kapitalistischerGrundlageruhendes und herrschendes Anglo-Amerika- nertum an der Macht bleibe, wirtschaftlich werter vorwärts komme undmöglichst in f i ch selbst ruhe. Sachlich eröffnet d.eser Sieg außerordentlich weite Ausblicke, denn er zeigt, wie ungeheuer groß Macht und Wille des Anglo-Amerikaneriums in diesem Weltstaate ist, trotz aller bekannten ümstände, die an seiner Herrschastsstellung nagen. So hatte im tiefsten der Wahlkamps doch eine große programmatische Bedeutung. QIb?r er war zugleich ein Kampf von zwei Persönlichkeiten, beide reizvoll und bedeutend. In zahlreichen Gesprächen haben mir Demokraten versch ebener Lebenslagen gesagt, dah Hoover die größeren Aussichten hätte, ünd neben allen anderen Gründen vor allem deshalb, weil Smith zwar im Staate Reu- horr und der nächsten ümgebung wohl bekannt war, Hoover aber in der ganzen ilnton be- farait sei. Der neue Präsident hat eine Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses für sich. Wir unterlassen heute Betrachtungen, was er tun und was er nicht tun wird. Er hat bzn Wahlkampf in allen heiklen Fragen äußerst vorsichtig geführt. Wird er einfach ein republikanischer Partei- mann fein wie der Durchschnittsmensch Eoolidge das war? ünd wie auch Hardina? Sicherlich nicht! Man vergesse nicht, daß Hoover zwar von früher Jugend an Republikaner war, daß er aber überhaupt erst jetzt mit der Parteimaschine in Verbindung getreten ist. Haben ihn doch das letztemal die Demokraten als Kandidaten aufftellen wollen, üm Parteipolllik hat sich der Mann in seinem wechselvollen, reichen Leben absolut nicht gekümmert. Dieses Leben aber ist voll von Leistungen großen, ja größten Sttls. Aus ärmlichen Verhältnis,en emporgestiegen, hat er als Ingenieur Deträchtliches geleistet an vielen Stellen der Well, und dann hat er rund zehn Jahre in der Organisation der Ernährung, der Kriegführenden und vom Kriege Betroffenen staatsmännische Eigenschaften ersten Ranges gezeigt. Dazu kommt noch eins: Er ist unseres Wissens der erste Präsident der ünion, der westlich des Mississippi geboren ist, sicher der erste, der westlich des Felsengebirges zu Hause ist. Er gehört dem fernen Westen an von seiner Jugend und heute, wo er seine Heimat in Kalifornien hat. Das bedeutet Distanz in jeder Beziehung. Da er aber zugleich fo gut wie die ganze Well kennt, wirtschaftlich, technisch und allgemeinpolttisch auf das höchste geschult ist und wie gesagt mit der Partei gar nicht eigentlich zusommeenhängt da er in feinem ganzen Leben die Selbständigkeit des Senf end und Handelns bewahrt hat, ist eS beffer, heute nicht zu sagen, daß er dies und das bestimmt tun oder lassen werde. Rach einem Geben voll Mühe, Unruhe und Arbeit eröffnet ihm das Schicksal mit diesem Sieg die Möglichkeit, ganz große staatsmännische, Wellpolltische Leistungen zu vollbringen. Gerade die Größe des Sieges macht ihm das leichter, ünd wir sehen heute keinen Grund, zu sagen, dah diese Entsch eidung unb diese Persönlichkeit für eine Polllik Amerikas und für eine Weltpolitik ungünstig sei, wie wir sie für Deutschland erhoffen. Die Lage ist nicht schlecht und ungünstig für uns — nun nütze man si« auch bei uns im Detchällnis zu Amerika und gleich in der brennendsten Frage der Revision mit aller ümsicht und Geschicklichkeit. Hier liegt eine der wichtigsten Aufgaben für den deutschen Außenminister, trenn er jetzt seine Tätigkeit wieder aufnimmt und für den Reichstag, wenn er sich nun wieder der Behandlung der deutschen Außenpolitik zuwendetl Geschichten aus alter Welt. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Ein Ritt durch zwei Erdteile. (a) Reuhork. Aim6 H. ß. Tschiffely, der argentinische Lehrer, der im Frühjahr 1925 eine Wett« abschloß, er werde auf einem von ihm selbst ein» gefangenen wilden Pferde von Den PampaZ nach Reuhork reiten, und dann dies« Reis« auch kurz darauf auf der eingeiangenen „Mascha" an= trat, ist kürzlich In Washington eingetroffen. Das nunmehr schon 19jährige Tier hat mit feinem Reiter eine Strecke von 15 200 Kilometern zurückgelegt, und Tschifselh Hit seine Weil« gewonnen. Beide waren die Sensation der amerikanischen Bundeshauptstadt. Diri Jahre, vier Monate, und sechs Tage haben sie bis zu ihrem Ziel gebraucht. Den tiefsten Eindruck hat unterwegs auf Tschif- fely die amerikanische Gastfreundschaft gemacht. Jedes Dorf, daS er mit feinem braven Vierfüßler passierte, gab fast das Letzte her, um den beiden den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu machen. Oft genug dauerten die Serenaden, die die ganze Dorfbevölkerung dem Gast zu Ehren veranstaltete, bis zum frühen Morgen. Richt selten mußt« Tschisfely — im Gefängnis schlafen, well dies der komfortabelste Raum des ganzen Ortes war. Man gab ihm aber stets die Schlüssel dazu in die Hand. Auch „Mancha" schlief widerho'.t mangels einer geeigneteren ün- terfunft im „Kittchen". Beide hltten einen guten Schlaf, wenn nicht — ja, wenn nicht eben diese so freundschaftlich gemeinten Serenaden gewesen wären. Rach jedem Gefangs- ober Musikstück mußte der müde Reisende an die Tür kommen und höflich sein „muchas gracias“ („Vielen Dank") sagen, wonach er sich wieder in sein „Kabinett" zurück.-og. um während des folgenden Vortrags „einzudröscln". In Roedargentinien erlltt Tschisfely eine Blutvergiftung und in Mittelamerika und Meriko hatte ihn die Malaria erfaßt: aber alles dies und die Schrecken des ürwaldes waren für ihn und fein Pferd fo gut wie nichts gegenüber den Autostraßen in dm Vereinigten Staaten. Da erst wurden die Gefahren eines Ritts sehr bedrohlich und bedenklich. Je näher Tschisfely Washington kam, desto ärger wurde es. In Buenos Aires, erzählt der wagemutige Reiter, wundert man sich darüber, daß er für seinen Ritt so lange Zeit benötigt habe: sie wissen dort nicht, fährt er fort, was es hei st, auf amerikanischen Automobilstraßen spazieren gu reiten. Der schrecknisreiche Weg, den Dante und Vigil zur üntertoelt zurückgelegt haben, ist eine Lust- promenade dagegen. Ter Licblinqshund der schwarzen Tänzerin. — Paris. Es gibt Menschen, deren Berühmtheit sich gleich Kapital verzinst, d. h. vermehrt und schließlich weit über die betreffende Person hlnausragt. Es gibt solche Menschen überall, auf allen Gebieten, in Politik, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und auch in der Kriminalität. Die Glücklichen oder ünglücklichen, wie man will, können tun und lassen, was ihnen beliebt oder nicht beliebt, jeder ihrer Schritte wird zur Sensation, alles was mit ihnen zusammenbängt wird begafft, bestaunt, wird Mittelpunkt oeffen, was man das gesellscha tliche Leben nennt Vielleicht ist das amerilanischer Expo t, vielleicht aber auch Eigenart des Menschengeschlechts, ewiger Brauch seit ürväterzeit . . . Warum soll also auch nicht der Lieblingshund einer schwarzen Tänzerin einige Tage lang die französische Metropole in Atem halten? „Rex", so bei fit das beneidenswerte vierbeinige Objekt der Zärtlichkeit 3 of ef i ne Dakers, ist mit feiner Herrin nicht nach Berlin gefahren. Er Halle Dringenderes zu tun, befand sich in ünter- suchung-hait, das arme Tier, und stand schließlich vor den Schranken eines hohen Gerichtshofes. Richt als Angeklagter etwa, o nein, sondern in einer Rolle, die der Sage nach ein Wickellind vor bald drei Iah tausenden unter den Augen des größten Königs von Juda ge» spielt, durch dessen beruh nten Weishritsspruch es der rechten Mutter wieder zugeführt ward. Run sind aber heutigentags salononische ürteile nicht mehr ganz zeitgemäß, auf Hunde auch nur schwer anwendbar, und so geriet der gute Wattine, seines Zeichens Amtsrichter von Paris, in einige Verlegenheit, als er entscheiden sollte, ob der kleine „Rex" der schwarzen Iosestne Daker oder der weißen Frau Marin gehörte, die das Tier vor einigen Wochen öffentlich auf den Champs Elysee als ihr Eigentum reklamierte und frisch von der Leine 3ofeftnenS weg durch einen Schuhmann „verhaften" ließ. Endlich beschloß der Richter, Hund und Frauen „gegenüberzustellen" und die als rechtmäßige Eigentümerin anzuerken.ren, an der das Tier nach Hundeart hochspränge. Aber di« schwarze Tänzerin war fern, die Zeugengebüh: wäre zu hoch gewesen und so beugte man sich dem Vorschlag des Anwalts der Künstlerin: „Da das Eigentumsrecht zweifelhaft. entscheidet der Tatbestand d«S Besitze S." So wird „Rex" in standesgemäßem Aufzug, versteht sich, bald nach dem Rordbahn- Hof gebracht werden, um von dort die Reise nach Derlin in die zärtlichen, wohlgeformten Arme seiner schwarzen Herrin anzutreten, deren Berühmtheit er auch seinen eigenen Ruhm verdankt. Die Geister die ich ries... (i) Shikagv. Die vielgeplagte Polizei in Dhlkago, dem Verbrecher-Dorado, soll in dem Ruf stehen, nicht immer gerade im geeigneten Augenblick zur Harrd zu sein. Kürzlich erlebte aber eine junge Dame absolut das Oegenteü — und zwar in einem Maße, daß ihr Hören unb Sehen verging. ünt> das geschah folgendermaßen: Marie Santore, ein hübsches Njähriges Mädchen, ging einmal spät des Rachts nach Hause. In der nächtlichen Straße tauchte plötzlich ein junger Mann auf, näherte sich und sprach sie an, er begleitete sie, faßte ihren Arni — und schließlich wurde es der jungen Dame unheimlich und sie rief laut nach der Polizei. Da geschah das ünertoartete. Roch war der Ton nicht verklungen, stand schon ein Polizist zur Stelle. Dann noch einer, dann drei und so ging es weiter. In wenigen Minuten waren es 60 Polizeimänner, dann 90 und zuletzt 120. Das betreffende Chikagoer Blatt, das den Vorfall berichtet, beschreibt die Wirkung dieses Auftrittes auf die beiden jungen Menschen nicht näher. Aber die Dame soll dann erklärt haben, dah es ihr in Gesellschaft des zwar aufdringlichen aber doch immerhin sympathischen jungen Mannes auf der dunklen Straße doch noch Wohler gewesen wäre als inmitten der 120 Verteidiger ihrer Sicherheit, die in dem angestellten Verhör nicht nut ebenfalls „aufdringlich", sondern obendrein auch noch viel weniger sympathisch als der leichtsinnige Storer chres Heimweges erschienen —, der in feinen Fesseln, mit seinem hilflosen Gesichtsausdruck und seinen melancholischen Augen ihr stärkstes Mitleid erregt habe. Qlber die Polizei habe ihr für solche Empfindungen nur wenig Zeit gelassen — dafür mußte sie um so mehr Fragen beantworten — Fragen nach ihrem Privatleben, die ihr höchst indiskret erschienen. Ihre Empörung habe aber nicht den geringsten Eindruck auf die 120 Männer gemacht. Erst im Morgengrauen, nachdem einige ihrer Bekannten aus dem Schlaf geklingelt waren und übet sie ausgesagt hatten, durfte sie erschöpft chte Wohnung aufsuchen. Im übrigen stellte sich heraus, daß sich ihr nächtliches Erlebnis gerade vor einer Poli - zeikasetne abgespielt hatte. Daher die Er- tegthell der Chikagoer Polizei in diesem Fallei Wozu Gcwijscnsbiffe gut sind. (f) London. Gewissensbisse verhelfen dem Sünder in der Regel zu einer etwas milderen Strafe feiten^ feiner Richter. Ratürlich nur in Fällen, wo sich die „Stimme des Gewissens" rechtzellig meldet und der Sünder seine Tat eingesteht. Ein „unehrlicher Finder" in Fauldhous (England) kann nun den sonderbaren Ruhm für sich in Anspruch nehmen, seinen Gewissensbissen erst dreiundvierzig Jahre nach dem begangenen Diebstahl Ruhe verschafft zu haben. So vermied er unliebsame Konflikte mit dem Gesetz, erlangte, wenn auch etwas verspätet, feine „Seelenruhe" wieder und — verhalf dem Londoner Kaufmann John Bowting zu einem kleinen Festessen. Die längst verstorbene Frau des Kaufmanns hat nämlich im Iahte 1885 anläßlich eines Ausflugs nach Fauldhous ihre Brieftasche mit fünf Pfund verloren, und der Findet dachte nicht daran, sich zu melden. Man stelle sich die Verwunderung des allen Bowting vor, als er vor wenigen Tagen Samstag, 10. November 1928 einen Einschreibbrief folgenden Inhalts erb leit t »Dor dteiundvierzig Iahten habe ich die Tasche Ihrer Gattin gefunden und ließ mich verleiten, den Inhalt zu behalten. Allein die Gewissensbisse quälten mich jahrein jahraus so heftig, daß ich mich genötigt sehe, den Betrag anliegend zurückzusenden. Da ich die Tasche seinerzeit vernichtet hab«, überreiche ich Ihnen statt fünf sechs Pfund; wollen Sie bitte für die eingebüßte Tasche mit einem Pfund vorlieb nehmen. Vergeben Sie mir armen SünderI" Zufällig erhielt Bowting das eigenartige Schreiben an seinem siebzigsten Geburtstag. Et hat das Geld in einige Flaschen Sekt umgesetzt und ertelUe dem „Mann mit den Dauergewissensbissen" im Rahmen einer Tischrede feierlichst die Absolution. . . . Wirtschaft. Oie Reichsbank Anfang November. Rach dem Ausweis der Reichsban? vom 7. Rovembet hat dis gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombards und ®f fetten u n 228,0 Mill, auf 2309,0 Mill. Mari abgenommen; im einzelnen haben sich verringert die Bestände an Wechseln und Schecks un 165 4 Mill, auf 2182,9 Mill. Mari, der Lombatdvestand um 61,4 Mill, auf 33,8 Mill. Mk. und der Gsfektenbestand um 1,2 Mill, auf 92,3 Will. Mk. An Deichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 291,6 Mill. Mk. in die Kassen der Dank zurückgeslossen; und zwar hat der ümlauf an Rsichsbanknoten u.n 251,7 Mill, auf 4410,3 Mill. Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 29,9 Mill, cu 512,8 Mill. Mk. ab genommen. Demen ts p rechend ist der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 45,4 Millionen Mark gestiegen. Die fremden Gelder zeigen mit 585,2 Mill, eine Vermehrung um 91,3 Mill. Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devi'en insgesamt stiegen um 12,0 Will, aus 2708,0 Mill. Mk., im einzelnen die Goldbestände um 7.1 Mill, auf 2539,9 Mill. Mk., die Bestand« an deckungsfähigen Devisen um 4,9 Mill, auf 168,1 OKilL Mk. Di« Deckung der Roten durch Gold, allein besserte sich von 54,2 Prozent In der Vorwoche auf 57,6 Prozent, diejenige durch Gold und deckungSsähige Devisen von 57,7 Prozent auf 61,4 Prozent. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Bei anhaltender Teilnahmslosigkeit des privaten Publikums und des Auslandes wickcll« sich das Börsengeschäft in dieser Woche wieder in sehr engem Rahmen ab. Die Haltung war aber allgemein etwa- festet, und Deckungen, sowie neue Käufe der Spekulation führten auf den meisten Marktgebieten zu Kursbesserungen, wobei sich einigen Spezialwetten wieder lebhafteres Interesse zuwandte. Di« Fortdauer d«S Konsiliktes in der Eisenindustrie und die Tatsache, dah die Hoffnungen auf eine Dermtttlungs- aftion, oder neue Einlgungsverhandlungen bis jetzt nicht erfüllt wurden, konnten die Börse nicht nachhaltig beeinflussen. Auch andere ungünstige Momente verursachten zwar zeitweise eine gewisse ünsicherhelt und standen einer allgemeinen Geschäftsbelebung entgegen, wurden aber meist von der Bors« beiseite geschoben und vermochten nicht, einen Tendenzumschwung herbeizuführen. So blieb die plötzlich in Frankreich eingetretenc Regierungskrise ohne stärkeren Einfluß, wenn man auch Befürchtungen hegte, daß der Fortgang der Besprechungen über die Reparations- Neuregelung, deren Fortschritte man mit Genugtuung verfolgt hatte, durch die französische Kabinettskrise verzögert werden Dante. Rur wenig beeinflussen ließ sich die Börse auch durch die amerikanischen Wahlen: der Sieg Hoovers wurde meist mit Befriedigung aufgenommen. Richt ohne Einwirkungen auf den deutschen Markt waren dagegen die Schwierigkeiten der Züricher Dank- firma Wolfensberger & Widmer. Im Zu* samyienhang damit wollte man namentlich am Elektromarkt Abgaben für Schweizer Rechnung beobachten. Mehrere Spezialbewegrmgen gaben im übrigen der Bors« in dieser Woche ein besonderes Gepräge. Stark im Vordergründe standen d.e Elektrowerte, vor allem Schuckeri und Siemens. Es gingen zunächst wieder Gerüchte um von einem Zusammenschluß von Siemens und Schuckert, was große Käufe in Schuckert und Tau fchoperat tonen von Siemens in Schuckert* aktien zur Folge hatte. Als dann von der Siemensverwaltung alle Gerüchte von Finanz- t ran satt ionen mit Schuckeri dementiert wurden, waren Schuckert vorübergehend etwas abgeschwächt, wahrend in Siemens größere Deckungs* läus« «insetzten, die ein stärkeres Anziehen des Kurses bewirkten. Späterhin setzte sich auch die Kurssteigerung der Schuckerialtie wieder fort. Recht lebhaft war die Rachfrage auch nach Karstadt, di« bis 245 Prozent anzogen. Rachdem jedoch das bei Begebung" der Vorratsaktien eingeräumte enttäuschende Bezugs recht (6:1 zu 130 Prozent) bekannt wurde, trat eine rückläufige Bewegung bis 239 Prozent ein. Aehnlich war die Situation am Markte der Zellstoff Waldhofaktien. Hier verlautete von Kapitalerhöhungsabsichten und von Plänen einer Riederlassung in Finnland. Daraufhin trat stärkere Kaufneigung hervor, bis man erfuhr, daß infolge der Beteiligung einer englischen Finanzgruppe den Aktionären nur ein Dezugsrecht 10:1 zu 200 Prozent gewährt werden soll, worauf di« Spekulation Realisationen in diesem Papier vornahm. Am Markte der Autoaktien standen R. S. ü. wieder unter stärkerem Druck, da man mit einer scharfen Sanierung (5:1) rechnete. Als später im Zusammenhang mit den Sanierungsvorschlägen, die tatsächlich ein« Zusammenlegung im Verhältnis von 5:1 vorsehen, di« Beteiligung der Fiat bekannt wurde, trat eine Erholung auf etwa 24 Prozent ein. Merllicher anziehen konnten Daimler. Ziemlich lebhaft war das Geschäft am Kaliaktien, die auf die günstigen j^fc^fiem f£r Oktober starker anziehen konnten. Ruch i)te unnotierten Kaliwerke, wie Kaliindustrie und Krügershall, waren stärker verlangt und fester Zeitweise etwas gefragt bei anziehendem Kurs waren ferner I.-G.-Farben. Deutsche Anleihen konnten bei stillem Geschäft etwas an* ziehen. Am AuÄandrentenmarkt waren Türken bei lebhafteren ümsätzen stärker befestigt, später aber wieder ab geschwächt. Am Geldmarkt trat für Tagesgeld eine Erleichterung ein. der Satz für Schecktausch konnte auf 6 Prozent ermäßigt werden. Wochenbericht vom Krankfurier Produktenmarkt. Am Frankfurter Produktenmarkt war die Haltung in dieser Woche ruhig. Die Händler zeigten nur wenig Kaufneigung, da auch die MuHlen und der Export stark« Zurückhaltung bekundeten. Das Ausland bot kaum eine Anregung, so daß sich die Umsätze in kleinstem Lahmen bewegten. Auch machte srch wieder größeres InlandanaÄöot bemcrfbar. Veranlaßt aus diesem Grunde konnten sich die Käufer nur zögernd zu Deckungen entschließen. 3m Verlaufe machte sich eine größere Unsicherheit bemerkbar, da von den überseeischen Märkten ungünstig lautende Meldungen eintrafen, die durchweg ein Lachgeben der Preise zur Folge hatten. Aber auch auf dem etwas ermäßigten Preisniveau kamen die Umsätze nur spärlich zustande. Die Stimmung war durchweg lustlos, da infolge der amerikanischen Wahlen Anrraungen von außenhrr nicht eintrafen und am Wahltag selber die Meldungen sogar ganz crus- bliebrn. Lur aus Argentinien kamen ungünstige Wettermeldungen, die dem Markte vorübergehend eine Stühe gaben, so daß die Grundtendenz eine gewisse Widerstandsfähigkeit zeigte. Trotzdem blieb das Geschäft nach wie vor gering, da das immer reichlicher werdende Angebot von Inland- getreide zur Zurücchaltung mahnt«. Weizen war Bei größerem Angebot stärker vernachlässigt. Loggen blieb einigermaßen behauptet, da hier doch noch verschiedentlich einig« Deckungen zustande kamen. Hier dürften wohl hauptsächlich die Mühlen als Käufer galten, da das Mehlaeschäft, aber auch nur zeitweise ein etwas lebhafteres Ausmaß annahm. Sommergerste lag auch in dieser Woche stark vernachlässigt und erhrbllch schwächer. Am Futter- m i t t e l m a r k t war Mais stärker angeboten, während sich einiges Interesse für Weizen- und Roggenkleie bri gut behauptetem Preis erhalten konnte. Zum Wochenschluß war di« Haltung wieder flau, da die wieder schwächer gewordenen Duslandnotierungrn stark verstimmten und die Zurückhaltung noch verstärkten. Das Geschäft beschränkte sich auf ein Minimum. Lur für Kleie bestand weiter einige Lachfrage, während am Mehlmarkt eine größere Lustlosigkeit zutage trat, so daß auch hier Abschwächungen eintraten. Im Vergleich zu den Votierungen der vergangenen Woche lag Weiten 0 35 Mk.. Sommergerste 0.75 Mk., Hafer (inländischer. Mais für Futterzweck«, Loggenmehl und Weizenmehl je 0 25 Mk. schwächer. Roggen gab 0,10 Mk. nach, Weizen- und Roggenkleie blieben dagegen behauptet. D.e Woche schloß zu folgenden Lo- tierungrn: Weizen 23,40, Roggen 22,25 bis 22,50, Sommergerste 24 bis 24.25, Hafer, inländ. 23 bis 23.25, Mais für Futterzwecke 22. Wochenbericht oom Krankfurier Schlachiviehmarki. In dieser Woche zeigte der Frankfurter Schlachtviehmarkt eine allgemeine Belebung des Geschäftes. Am Hauptmarkttag ließ daS Geschäft jedoch noch viel zu wünschen übrig. Der Handel in Rindern ging langsam von- statten, hieran war aber hauptsächlich der starke Auftrieb schuld. Der Marli wurde jcdoch nahezu geräumt, die Preise hatten aber, eine stärkere Einbuße erlitten. Auch in Kälbern und Schafen war das Geschäft ziem'ich rrchiz. Am Lebenmarkt machte sich ein allgenriner Umschwung geltend, der Handel konnte sich in allen Dieh- gattungen recht lebhaft gestalten. Die Märkte wurden alle geräumt. Besonders Schweine hatten lebhaftes Geschäft und waren bei an'iehen- dem Preis gesucht. Der Export war ziemlich rege am Umsatz beteiligt. Dir kältere Jahres,^it läßt ebenfalls auf ein saisonmäßig lebhafteres Geschäft schliefen. Der Gesarntauftrieü bestand aus 1815 Rindern, darunter befanden sich 415 Ochsen, 82 Bullen, 703 Kähe und 481 Färsen, ferner aus 1590 Kälbern, 300 Scha'en und 5750 Schweinen. Verglichen mit d?m Auftrieb der vergangenen Woche waren 265 Rinder und 106 Kälber mehr angetrirben, während 111 Schafe und 174 Schweine weniger zum Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen AI 54 bis 57, II 50 bis 53, BI 45 bis 49, Bullen A 47 bis 51, B 44 bis 46, Kühe A 43 bis 47, B 36 bis 42, C 30 bis 35, D 22 bis 29. Färsen A 54 bis 58. B 49 bis 53. C 43 bis 48. Kälber B 71 bis 75, C 65 bis 70, D 55 biS 64. Schafe A I 45 bis 50, B 33 bis 44. C 26 bis 37, Schweine B 75 bis 78, C 75 bis 79, D 74 bis 78. E 72 bis 76. 3m Vergleich zu den Preisen dec vergangenen Woch? waren Rinder bis zu drei Mark billiger: Schafe zogen bis zu Neue Bücher. — Ernst Penzoldt: Der Zwerg. Roman. Geheßct 3,50 Mk., gebunden 5,80 Mk. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig. (534) — Dieser Roman erzählt, ohne im mindesten Chronik zu sein, von der Zritenw irde, die sich jüngst mit uns und in uns vollzog, der W:nd_> vom 19. zum 20. Jahrhundert, und somit schildert er uns alic: wahrhaft, doch ohne Bitterkeit. Humor, Hey und Gehaben der alten Zeit verkörpert Ohm Peter, ein Abbild der neuen, unbekümmerten Jugend ist der wirklichkeitsfrohe Klaus: zwischen beiden steht Adrian, der Zwerg, den der Kri:g zum Krüppel gemacht hat. Das Buch ist erfüllt von ernsten und vergnüglichen Begebenheiten: tragische und schnurrige Gestalten von diesseits und jenseits der Zeitenwende finden sich, leben miteinander und sterben. — Wilhelm Scharrelmann. Das Fährhaus. Roman. 331 Seiten 8fl. Hin- storfssche Verlagsbuchhandlung, Wisma.. 1928. Ballon lein en 7.— Mark. (519.) — Es ist ein wertvoller Roman heimatlichen Gepräges, der Held einer der ewigen deutschen Träumer, der zwar durch Mißgeschick das Werk vieler Jahre verliert, aber die Frau seiner Sehnsucht und damit einen erneuten Schasfensantrieb gewinnt. Glück und Leid, Irrtum und Schicksal vialer — sicher gezeichneter — Menschen wickeln sich ab vorder in ihrer einsamen Schönheit groß auswachsenden Landschaft. — Edzard-Hellmuth Schaper: Die Dekenntüisse des Försters Patrir Dohle. Roman. Geh.3Mk., Leinen5Mk. Verlag von Ad. Bonz & Comp., Stuttgart. (544.) Patrik Doyle, der Sohn eines amerikanischen Großindustriellen, führt ein genießerisches Leben, bewahrt sich aber vor Verflachung, wandelt gewissermaßen hellseherisch durchs Leben in Erwartung der großen Erleuchtung. Alles Erleben scheint chm nur Symbol. Frauenliebe, Freundschaft, künstlerische Erschütterung fas en ihn nicht im Kern seines Wesens, sind ihm nur Marksteine auf der Dahn des Lebens. Lach dem Tode des Vaters muh er dessen Fabriken übernehmen. Aber auch Arbeit und Erfolge scheinen ihm den Sinn des Lebens nicht zu treffen. Gr zieht sich zurück und wird Forster in den unwirtlichen Wäldern des hohen Rordens, um ungestört sich selbst leben zu können. Die Kräfte der älrwaldnatur sind aber zu gewaltig für den einzelnen winzigen Menschen: er ist ihnen nicht gewachsen und muß hier im Kampf mit der Welt erliegen. — Rose Woldstedt-Lauth: Renate. Ein Frauenschicksal aus unseren Tagen. 260 6.8°. Geh. 3,50, Leinen 5 Mk. Strecker und Schröder Verlag, Stuttgart. (557) — An drm ergreifend geschilderten Geschick einer geistig und sittlich hochstehenden Frau werden h er die leiblichen und seelischen Löte der ehelo en Frau mit unbestechlicher Waßrheits'iebe und hohem sittlichen Ernst mutig aufgedeckt. Dieses Buch greift eines der brennendsten Frauenprobleme auf. — Ernst W. Freißler: Die Fahrt in den Abend. Preis in Leinen gebunden 5 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (497) — 3m .Glockenkrieg" hat G. W. Freißler bereits gezeigt, daß er das italienische Vwlk und die italienische Landschaft zuliefst kennt und liebt. .Die Fahrt in den Abend", die autobiographisches Gepräge trägt, zeigt diese Liebe vielleicht noch bezwingender. Hier sucht einer, der schon nahe am Tor einer anderen Welt stand, den Weg in seinen Aben8_durch sein selbsterwähltes Vaterland Italien. Wandert und reitet freilich unbekanntere Pfade durch sein gelobtes Land als die üblichen, gesellt sich in der Demut dessen, der zu Abend über eine fremde Schwelle tritt, den Baue:n, den Köhlern und Händlern zu, wird ihnen Bruder und Freund, aber auch Bruder und Freund der geduldigen Maultiere, der Kastanien und Buchen auf den Bergen, der Felsen im Dach. Weil er so franziskushaft im Empfangen und Umfangen wächst, geschieht es. daß seine müden Hände wieder ftarf werden und sich noch einmal auszustrecken wagen, das Glück zu rufen und festzuhalten, fester als ehedem. — Helene Christaller: Derufung. Roman. In elegantem Ganzleinwandband 6,80 Mark. Verlag von Friedrich Reinhardt in Dasei (436). — Die Verfasserin hat hier ein recht interessantes Problem aufgebaut. Eine junge begabte Künstlerin verbindet sich in Liebe und Ehe mit einem feingebildeten ernsten Pfarrer, der zum Leiter einer großen Epileptischen-Anstalt berufen wird, wohin sie ihm als seine Frau folgt. Der Ausenthalt in der Anstalt bringt die Konflikte: hier Künstlertum, Iugerrd, Liebe — dort ein entsagungsvolles Wirken unter den Kranken. Auch die Ehe wird dadurch getrübt, obgleich die Liebe unverletzt bleibt. In der kritischen Stunde streckt die Kunst wieder die Arme nach ihr aus und sie folgt dem Ruf. älnü doch mich sie erkennen, daß sie tief verwachsen bleibt mit dem Gatten und seinem Werk. Sie kehrt zurück und sindet einen Weg, ihre Derufung zur Kunst der Derufung ihres Gatten dienstbar zu machen. — Den Freunden der Verfasserin wird auch dies neue Buch eine willkommene Gabe sein. In der bekannten Sammlung der »Wiesbadener Volksbücher" (Herausge^eben vom Volksbi'.dungsverein E. V. zu W'.eZbaden. 518) ist eine Reihe neuer Hefte herausgekommem Lr.212 bringt zwei der schönsten Märchinerzäh- lungen „Der b'onde Eckbert" und die.Elfen" von Ludwig T i e ck, der jetzt endlich auch in dieser Sammlung vertreten ist. Vier Scherenschnitle von Paul Fritsche fü^en ich vorteilhaft in den Text ein. Heft 214 bringt die Erzählung von Arlhur Schnitzler »Der b inde Geronimo und sein Bruder", die meisterhaft die eigentümliche Idem- welt der Blinden veranschaulicht. Die beiden nächsten Lummern bieten Geschichten von Selma L a g e r l ö f, zunächst in »Das Mädchen vom Moorhof", eine Dolkserzähiung in besten Sinne des Wortes, und dann in Lr. 216 die W^ihnachts- geschichte „Die Legende von der Christro e" und „Das Heinz lmännchen von Töreb)". In Heft 217 „Sie Leut' vom Hoch ogel" von Rich. Platten- st e t n e r führt uns der Der as er in die nieder- österreichischen Derge mit ihrer rauhen, a'er gediegenen Baucrnscha t. Das Heft 218 bringt das berühmte Genrebild von Achim von Arnim „Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau". Als eine besondere Zierde der Sammlung dürfte Lr.219 aittusprechen sein, die vier Stimmungsund Iugendnovellen von Theodor Storm bringt: „Immensce" — „3m Sonnenschein" — „Ein grünes Blatt" und »Abseits" mit einer Einleitung von Erich Liesegang. Einem vielfach geäußerten Wunsch entsprechend, enthält endlich Band 221 eine Auswahl von »Ryeinsage n", die Dr. Paul gaunert in die vorliegende Form gebracht hat und auch einsührt. — Der Preis ist, dem Zweck des Unternehmens entsprechend bescheiden, er bewegt sich zwischen 30 und 60 Pf. Qnie Bändchen sind auch gebunden erhält ich, wodurch sich der Preis bei Halbleinen um 40 und bei Ganzleinen um 60 Pf. erhöht. — Peter Scherer: 3m alten frohen Rheingau. 3m deutschen Straßburg. Bilder und Erlebnisse. Mit Titelbild. VI und 144 Seiten 8°. Leinwand 3,80 Mk. Verlag Herder, greibirra im Dreisgau, 1928 (421). — Der Dauer lacht. — Ein Buch vom Lachen und Scherzen auf dem Lande. Verlag Walder Lestler, Meißen t Sa. Preis 1 Mk. (433). .zwei Mark, Schweine bis zu drei Mark und Kälber bis zu einet Mark an. Bamag-Msguin A. - G. Von der Fox Brothers Corporation erhielt die Bamag-MLguin A.-G. einen Auftrag auf eine elektrolytische Wasserstoffanlage. Di« Anlage wird in Sevilla aufgestellt und wird das zur Füllung der Zepvelinluftschiffe erforderliche Wasserstoffgas erzeugen. Um den Auftrag hatte stck neben der inländischen Konkurrenz auch das Ausland stark bemüht. * Rheinische Metall, Düsseldorf. Die H. V. der Rheuunrtall, Rheinische Metallwaren- und Maichinenfabrck A-G., Düsseldorf, genehmigte einstimmig die Regularien. Die Erhöhung des Grundkapitals um 8 Millionen Mark auf 20 Millionen Mark soll derart geschehen, daß die neuen Aktien von einem Konsortium unter Führung der Deutschen Dank unter Ausschluß des gesetzlichen DemgSrech- tes der Aktionäre zum Kurse von 100 Prozent übernommen werd.n. Das älebernahmekonsortium wird die Einführung der Aktien an der Berliner, Frankfurter und Essen-Düsseldorfer Börse, sowie einen Teil der Kosten der Kapitalerhöhung übernehmen Das Konsortium übernimmt die Verpflichtung. die neuen Aktien den alten ALio- naren im Derhältn.s von 3:2 zum Kurse von 106 Prozent anzubieten Die Lage ht drn ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres wurde als nicht ungünstig bezeichnet. • Harpener B ergbau, A. - G. Der gestern dem Aufsichtsrat der Harpener Bergbau, A.-G. vorgelegte Halbjahrsabschluß entspricht in seinen Ergebnissen den Erwartungen. Nach den Abschreibungen wurde ein geringer Betriebsüberschuß erzielt. Die Entwicklung des zweiten Halbjahres läßt zur Zeit eine Besserung nicht erwarten. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Nov. Tendenz: etwas fester. Nachdem an der gestrigen Börse von dee Baissespekulation auf verschiedenen Marktgebieten Blankoabgaben oorgeiwmmen wurden, die teilweise merkliche Kursrückgänge herbciführten, machte sich zum Wochenschluß stärkeres Deckungsbcdurfnis geltend, und die Tendenz konnte sich etwas befestigen. Die nach der mäßigen Ultimoanspannung eingetretene befriedigende Neichsbankentlastung trug zur BesserungderStimmung bei. Das Geschäft war im allgemeinen wieder klein, da das Publikum dem Markte fernblieb, und der fortbestehende Eisenkonflikt weiter geschäftshemmend wirkte. Etwas lebhafteres Interesse bestand für Elektrowerte. Hier waren vor allem Bergmann mit plus 4 o. H^ Schuckert olus 3 v. H. und Siemens plus 2,5 v. H. verlangt AEG. und Licht & Kraft lagen nur leicht gefragt. Am Chemiemarkt waren I.-G.-Farden und Scheideanstalt leicht erhöht. Deutsche Erdöl konnten 2 o. H. anziehen. Deutsche Linoleum plus 15 v. H. 21m Montanmarkt waren Harpener, trotz des ungünstigen Kommuniques über das bisherige Ge- fchastsergebnis 2 v. H. erhöht, da die Spekulation, die in diesem Papier leeroerkaust hatte, größer« Deckungen vornahm. Auch Mans^lder und Rhein, stahl waren leitet gebessert. Bon Bankwerten lagen Reichsbank 2,75 v. H. und Dresdner Bank 1 v. H. fester. Im übrigen waren die Kursoeränderunaen aeaen die gestrige Abendbörse gering. Deutsche Anleihen waren behauptet. Ausländische Renten still. Im Verlaufe blieb die Stimmung freundlich, doch waren die Umsätze meist weiter gering. Elektrowerte blieben aefragt und konnten erneut etwas anziehen. Schuckert plus 2 v. H. und Siemens plus 1 o. H. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 6 v. H. wieder leichter. Am Devisenmarkt konnte die Mark etwas anziehen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1997, gegen Pfund 20,260, gegen Paris 124,1250, London gegen Kabel 4,8484, gegen Mailand 92,60, gegen Ma- drid 30,08, gegen Holland 12,08. Berliner Börse. Berlin, 10. Nov. Im Mittelpunkt des heutigen Samstagsmarktes stand der Harpener Markt, vormittags war man auf Grund des ausgegebenen Kommuniques über die gestrige Äuffichtsratsfitzung noch leicht pessimistisch gestimmt, und man hatte mit weiteren Abgaben besonders am Montanmarkt rechnen zu müssen geglaubt Zu Beginn des offiziellen Verkehrs stellte sich aber heraus, daß gerade für Harpener Aktien auffallendes Interesse bestand, so daß der Kurs mit 132 o. H. gegen 129,5 o. H. gestern mittag einsetzte. Die Umsatztätigkeit war nach Börsen- beginn auf ein 9JI i n i m u m beschränkt. Später kam das Geschäft aber zögernd in Gang, und — die übliche Samstagserscheinung — im Verlause trafen bei den Banken Orders ein. Zu der freundlichen Stimmung trug außerdem der feste Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und der erheblich ent- spannte Reichsbankausweis der 1. Nooemberwoche bei. Nach diesem hat sich der Bestand an Wechsel» um 165 Millionen, an Lombards um 61 Millionen verringert, der Notenumlauf hat um 290 Millionen abgenommen, frembe Gelder erfuhren eine Vermehrung um 91 Millionen, und die Gold- und Devisenbestände stiegen um 12 Millionen. Die Deckung besserte sich um 3 bis 4 v. H. Auch der Harpener Bericht wurde jetzt plötzllch als gefärbt anaefehen, man behauptete, daß er unter dem Eindruck des Eisen- konfliktes stehe und im Zusammenhang mit den am Montag beginnenden Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht zu werten sei. Die Kursgestaltung war keine einheitliche. Mit größeren Veränderungen fielen auf: Kaliwerke bis plus 4 Prozent, Stöhr pluO 6,25 Prozent, Deutsche Kabel plus 325 Prozent. Papier« tote Ablerwerk«, Polyphon, Harpener, Ilse Bergbau, Schuckert und Siemen-, die 1,5 Prozent höher lagen. Dagegen Deutsche Linoleum mrnuS 2,25 Prozent und Maximilianshütt« minus 3 Prozent. Deutsche Anleihen waren ruhig. Ausländer geschäftslos. Anatolier etwas erhöht. Der Pfanbbriefmarkt war still. Wan taxiert« überall wenig veränderte Kurse. Der Geldmarkt war weiter leichter. Tägliches Geld 5 bis 7 Prozent, für erste Firmen noch darunter. WonatSgeld 8 bis 9 Prozent und ohne Lachfrage. 3m Verlaufe konnten sich die Kurse allgemein 0,5 biS 1 Prozent bessern. Papiere wie Schuckert, Siemens, lagen, anscheinend auf AuslandkLufe, biS gu 3 Prozent höher. Von einem lebhaften Geschäft konnte aber kaum die Leb« fern. Kunst und Wissenschaft. Heues von Thomas 2Rann. Thomas Manns entzückende Erzählung Di« Bekenntnisse des Hochstaplers Felir Krull. der Kindhrit" erscheint demnächst bri der Deutschen Verlags-Anstalt. Stuttgart-Berlin, in einer schönen Leuausgabe. Der Einbandentwurf stammt von Professor Emil Preetorius. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die dinier den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — LeichSbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfliß 8 Prozent. (JrauMurt a. M BerUu tzrauksun o. M Berlin Sd)lu6-| l.Utjr- Rur» i Sur» öch uh R,,r» Anfang fturt Sd)lufe- ftuts l-Ubr. ftur» Sch.uh > Ln,ang ftur- ftur» Dritmn 6 11 | 10 11 9 11. 10 11. Damm-. 9 11 | 10 1t. 9. 11. ! 10 11. VX Dl lto*#anlrtfr » 1927 vt. tnl..eiblöi.-6diult mti flu» lei.-Sediien ©Hat obnt ea«to1.-Ä«6tt Amntt Hop. B« «oldps an tünobai btt 1982 «bdntfcbf Hov^Bank St.<»fleUI(t>äft am.. io $re<6nrt Bank . . 1° MndbeurlLe Lrevtldaal . . - 1 roetaUbanf ..... • • 1 22 K7.2Ö 6t 14.25 90 :e.7ö 96.25 2,76 26.1 13,13 12,9 9^6 23,75 146,75 136^5 140 ■£tA 168.0 40 167.5 l 2 25 i >7.5 •Afft § 5 2 L bi i*i st* - । ' 8' -Li • t i i । i i 11 । i i i । i i i i 87,2b 51 14,8 32,3 26,4 26,9 13.9 12,8 «2.8 23.75 146.25 183.5 18V.75 1425 186.7Ö 140 M4,7o in8.5 i 7.7b i«i2.2g n.B.0 213 135,6 tO2. i:-. 61 14.25 12,9 146,1: 142,5 1.7 138.7.. «5 I«8.. 380 «87.7t. 12 lb8.6 303.75 •Ut.» 8 Bergmmm ....... 9 ®etn. etefenmgei..... 10 Licht unb ftrafi ..... 10 rtdten t ®uilleauait. .... 6 Sei. f. (Bettr Untern» ... 10 Hamb. Elekn Werke .... 10 ökhetn. Elekn........9 Lchlei. Slektr. ...... 10 Schuckert ....... 8 Siemens 4 HaUß, ..... 12 Iransradio ....... 8 Labmever t&>. ..... 10 'Bubeme ....... 5 Deutiche UrtW ....... 6 Eilenei SteinkoU«......8 Gelienkirchena ... t H 9- 4 Harpener ...... S Hoeich Eilen. ........ 8 31|e Bergbau ........ 8 Rlädneroerte ....... 7 6d!n>9teudfea. ....... 9 iXanneemaint ....... 8 ®aa«felber 7 Cbetldjtei dftenb. Bedarf... 6 OberlAld. Äotemerfe ... 9 Bbonv Bergbau Wi Rheinische Brauukohleu 10 NbctnfiabJ f. % 9e»i 4^ •Rtebed W ernt an ... 7L öerdntflw Htahl». .... 6 ütad töHnen 9«h ft alt ildjetelcben ..... to Soll Westeregeln ..... 10 ftaltreerf 6aUbdferH ... 10 J 4 Aatben-JwlHg* ... IX tonamti Subei ...... 6 Schdbeanttali . ...... 9 ^olbichmtbt .•••••■ 6 Rlttgersr'rrrke . ...... .6 MeiaklgdeNIchutt. . - . . » U J i i » i ' I i SR । 38 l 1 1 1 i 1 g । $ 3 • । ZZH ‘ § 513 s" 51" 5 * ~ g 1 183.6 218 234 - 232 409 139 132 124,6 116 113 138 1 205.5 105,7» 183,5 215.9 167. j 233.25 148,25 270.5 155.75 225 29,75 406.2» 147 165.75 85.5 138 119 122 129,5 131,75 244 105.6.1 128 124-5 115 112.75 110.75 90.25 272 131,25 SO. 75 .8,2» .'83.75 287 187.1; 50.13 97.6 106.2» ÄV- 'S® ' I KJAA 1 X ' »QO « T4 •* ... — <Ä — ^4 "4D — - - O »Q© >• >> -N « *- ZLZ - 3 S 2 S Frankfurt a. M Berlin Sd)lu6-| ftur« । l.Ut>r- fturs Sch ui, ftnr* 7in,ang ftur* Darum: 9. 11 10 11 9. 11 | 10. 11. ■tibüiyp Hatz mann . . 7 Li4 — l.34.7a 133,75 Hetbelberger (£eme«l « e • to 137.25 137,5 * gement Äariflabt . 8 175 —- — Wauß 4 Frdiag • • • • 10 — 130,25 — — LchuUbetS «anenbotet . 15 — — 28 >28 Cftroerte e « 12 •* — 283.5 4b3 Ser. «Icmzttoii 18 — —- >93 »94 Bemberg .... 14 — — 495 4to ‘tdlfloff Dalvboi . - 12 -- 278 278 276,5 gellktosi Wehaffenbut^ . M 12 .'04.5 —— 203.25 — (Ibarlottenbürget Datier e e 7 — — 124.25 124.5 Dcjjauer Ga« . 8 — — 191 75 —» Datmler iRototen . . 0 66 86.5 86 86 Demag . . M A . 0 — — 48.7» 48.ö ilbleroerte *1 na . . b — 110.t 108.75 110 Lubw. tioewe . . . - 10 — — 243.75 — iRat Automobil . . A A . 0 *• — 61.7» 61..' Crenttetn 4 floppd A A . 5 — 105 IU5 feonbarb Tietz A A . 6 —» 288 288 Bamag-Meguin . . Juntf. Malchin« . A . 0 19 19.7» — A A . 6 71.5 — 71,75 — Gritznct . . 11 122.5 — 122 Heuliaenilaebt . . A A . 0 * — jungbanä . . . A A . 4 87,75 — 87.K —— Lechwerke . . • e e . 8 * — — Mcnnkraikwerl» . » e e . 8 116 115.5 — Miag • • 10 — — t.iS.75 136 eietartulma . . • e • . 8 23 23.7- 24 Bete« Union . . e e . 8 106.25 — 106.2» _ Gebt. Roe bet . . e e 10 123 — _ Botgi » Haelkua . • • . 8, 212 — — Sübb. findet • • - 8 150 150 160 — Banfnolen. Berlin, 9 November <*elb drtei Ämcdkanttche Wotte..... - LM ^etflHche ^ctrn ....... 58.16 58,40 Diunichr Noten ...... 111.58 112,1)2 frnaltftbe Olnten ....... 20.312 <0 :92 Telegraphische Auszahlung. Berkin 9 November Meld 1 Brief (1-ran;milche Noten . . . nnz Hollänvtsche Noten ...... 168,11 168.79 stkoltenische Noten...... 21.01 21 99 Norwegische Noten. ... 111,53 111.97 Deutich-Oeskrrr, ä 100 Arona 58 86 59.10 Rumänische Noten...... 2,525 2.545 Schwedische Noten ...... 111,88 112.32 Schw-it-r Noten ...... 80,59 80,91 Svanischc Noken....... 67.46 07,74 Tschechoslowakische Noten . . 12.402 12.462 Uvaarische iRotea 73.90 73.20 Devisenmarkt Berlin—Jranff-irf a HL 9. 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