Nr. 239 Erstes Blatt J78. Jahrgang Mittwoch, 10. ©Höbet 1928 Erschein, rü glich,nutzer Sonntags anb Feiertag» Beilagen: Gießener FamtlienblStter Heimat im Bild Die Scholl» monats«Be]Uflsptet$: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gtetzeu. Postscheckkonto: Sranffurtam Main 11686. Mheim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruckundVerlag- vrühl'sche UntverfttatL-vuch. und Ztelndruckerei «.Lange in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchutstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen Die Vorschläge des Luiher-mdes zur Verfassungsreform. Eine Aussprache. Berlin. 9. Oft. (£11.) Aus Anlaß der Herausgabe der von uns gestern auszugsweise veröffentlichten Denkschrift „Reich und Länder" des „Bundes zur Erneuerung des Reiches" hatten die Mitglieder des engeren Arbeitskreises des Bundes zu einem Presseempfang eingeladen. Oberregierungsrat A d a m e tz legte an Hand zahlreicher Beispiele und Belege nochmals kurz die Ziele und Wünsche des Bundes auseinander. Aus der anschließenden Diskussion sind besonders hervorzuheben die Darlegungen von Bürgermeister Or. Petersen, Hamburg der von vornherein erklärte, daß Hamburg bereit sei, im Deutschen Reiche aufzugehen, obwohl es eine tangere Geschichte staatlichen Eigenlebens aufweise, als fast alle anderen Länder. Gerade als Richtpreuhe bekenne er sich als ein Bewunderer Preußens und seiner großen historischen Aufgabe. Keimzelle und Erbauer des Deutschen Reiches zu sein. Der Weg über Groß- Preußen sei aber nicht möglich und deshalb müsse Preußen seine historische Aufgabe darin sehen, den großen Schritt vorwärts zu tun, der aus Preußen und den anderen norddeutschen Ländern ein einheitliches Reichsland erstehen lasse. Dieser Schritt solle nicht durch sterbende Länder erzwungen werden, sondern müsse aus freiem Entschluß getan werden. Schon heute seien die Länder nur noch Träger einer bescheidenen Zeitsouveränität und gerade der Einfluß Preußens sei durch die Weimarer Verfassung und die dort getroffene Regelung der Stimmführung im Reichsrat vermindert worden. Reichskanzler Or. Luther betonte, daß der Bund ein starkes Reich wolle. Er wolle endlich zusammenfassen,' von einer Zerschlagung Preußens könne keine Rede sein. Dezentralisieren könne nur ein Starker, eine Weiterbelassung der Doppelung der Instanzen bei Reich und Preußen sei unmöglich. Die Hebernahme der Finanzverwaltung und der sozialen Aufaaben auf das Reich habe schon heute den preußischen Verwaltungsapparat ausgehöhlt und in der Deamtenerneuerung zu einer Spezialistenschichtung geführt, der nur durch neue Vereinheitlichung der Verwaltung in Reich und Reichsland abgeholfen werden könne. Die Lösung, die schon der Freiherr von Stein vorausgesehen habe, liege in einem Ausbau der Selbst- Verwaltung. Diese müsse unter Heberführung der Staatskrast des preußischen Staates auf das Reich neu gestaltet werden. Erstes Echo. Berlin, 10. Oft. (Priv.-Tel.) Die Denkschrift des Bundes zur Erneuerung des Reiches wird insofern fast von allen Blättern begrüßt, als sie eine Anregung der als dringend notwendig bezeichneten öffentlichen Diskussion über das Problem der Erneuerung des Reiches bedeute. Die in der Denkschrift gemachten konkreten Vorschläge finden jedoch in den einzelnen Blättern ganz unterschiedliche Beurteilung. Die „Deutsche Zeitung" überschreibt ihren Kommentar: „Falsche Methoden" und sagt, daß eine Durchführung der Vorschläge Dr. Luthers die allergrößten Gefahren mit sich bringen müsse. Sie würden keine „Erneuerung" des Reiches bedeuten, sondern die Möglichkeit heraufbeschwören, daß durch Reform erreicht wird, was nicht einmal der Revolution gelang: das Bismarck- Reich auseinanderzusprengen. — Das Reichslandbundölatt, die „Deutsche Tageszeitung" , behält sich ihre Stellungnahme noch vor und begrüßt vorläufig lediglich die Problemstellung durch den Bund. — In der „D. A. Z." wird ausgeführt: „3n einem wird der Lutherbund sicher das ganze deutsche Volk hinter sich haben, nämlich in der Feststellung, daß und weshalb es so wie bisher nicht mehr wei - tergxhen kann. Ein besseres Verdienst scheint es uns zu sein, daß der Bund mit aller Schärfe Öen Dualismus Deich — Preußen als Kernproblem der ganzen Reichsreform heraus- gearbeitet hat." Das Zentrumsorgan, die „Germania", sagt: „£te Vorschläge des Bundes bilden eine brauchbare Grundlage sür die Diskussion, die sich hoffentlich an sie anschlirtzen wird. Sie sind geeignet, alle auf den Plan zu rufen, die sich ernsthaft um des Reick< s Zukunftsbau bemühen. Wird das Echo auch verschieden sein, jeder Gedankenaustausch bringt uns in den Erkenntnissen einen Schritt vorwärts. Das heilige Römische Reich deutscher Ration ist zujammengebrochen, weil es die Frage der Reichsreform gegen die territoriale Gewalt seiner Fürsten nicht zur Lösung bringen konnte. Mag uns jenes Beispiel eine Warnung sein. Es ist notwendig, daß die heutige Zeit kein kleip.es Geschlecht findet. Das demokratische „B e r l i n e r T a g e b l a t t" Überschr .ibt feine Stellungnahme: „I n politisch luftleerem Rau m". Es heißt darin u. a., daß in der Denkschrift des Bundes mit knappen, überzeugend e Argumenten die Unerträglichkeit des jetzigen Zustandes dargelegt werde. Luthers Plan sei kühn und es sei erfreulich, daß er Anhänger auch in solchen Kreisen erworben h.ibe, die so weitgehende Projekte bisher abgelehnt hätten. Der kühne Plan sei aber nicht durchführbar, weil er nicht kühn genug sei, weil er sich auf die Schlagbäume Rorddeutsch- lands beschränke. Die Differenz zwischen Preußen und Reich komme darin zum Ausdruck, daß in Preußen eine Mehrheit der Weimarer Koalition besteht, während sie im Reich nicht gegeben ist. Schon aus diesem Grunde werde sich Preußen niemals als Reichsland unter Verwaltung und Gesetzgebung des Reiches stellen. Ein Aufgehen Rorddeutschlands und eine Konservierung der süddeutschen Einzelstaatlichkeit fördert den Einheitsstaat nicht, sondern erschwert ihn noch mehr. Der Kampf des Rordens gegen den Süden wird verschärft, der Interessenausgleich, in erster Linie der Finanzausgleich, nicht erleichtert, sondern nahezu unmöglich gemacht. Luthers Plan wird auf dem Papier stehenbleiben. Die politische Realität erreicht er nicht. Die »Vossische Zeitung" meint, daß die neue Mainlinie, die geschaffen werden solle, sicher nicht leichtgenommen werden könne, und die moralischen Eroberungen, die vielleicht m Süddeutschland gemacht werden könnten, seien den Preis, den sie forderten, nicht wert. Die Bewegung für die Reichseinheit brauche die Arbeit des Erneuerungsbundes nicht zu bekämpfen, aber sie müsse und werde über sie hinaussühren. Der deutsch- nationale „Lokalanzeiger" bezeichnet den Vorschlag des Bundes als unhaltbar, ja im Grunde undiskutierbar. Durch den Verzicht Preußens auf seine Eigenstaatlichkeit verfiele das Reich in Länder zweierlei Rechts. Preußen das Harakiri zuzumuten, heiße utopisch fein. Die Lösung könne nur in einer organischen Verkuppelung des Staates Preußen mit dem Reiche bestehen. Eine solche organische Verbindung sei freilich undenkbar unter dem extrem-parlamentarischen System. Die Abhängigkeit der Regierung von Vertrauens- und Mißtrauensvoten sei die Hauptschwierigkeit, die einer organischen Verkoppelung von Reich und Preußen entgegenstände. Schweres Einsiurzunglück in Prag. Mehr als 60 Arbeiter und Passanten unter den Trümmern eines Betonneubaus. Erst vierzehn Tote und einundzwanzig Verwundete geborgen. Prag, 9. Oktober. (2BB.) heule nachmittag 3 Ilhc ist an der Ecke der Poric-Straße und der Bifchofsgasfe der große fünfstöckige Neubau des Geschäftshauses der Firma Jaschek samt dem großen davor errichteten Baugerüst aus bisher noch ungeklärter Ursache eingestürzt. Das Gebäude war bereits unter Dach. Auf dem Bau waren 87 Arbeiter beschäftigt, von denen sich nur 16 als gereitet meldeten. Ungeklärt ist noch die Frage, ob die herabstürzenden Schuttmassen, die zum größten Teil in die Poric-Straße gefallen sind, nicht auch noch eine Anzahl Strahenpassanten und zwei Wagen mil ihren Kutschern verschüttet haben. Die Stromzuführungskabel in der Poric-Straße sind durch das Unglück unterbrochen worden. Die Unglücksstelle ist sofort durch eine starke Truppenabteilung abgesperrt worden. Sämtliche Feuerwehren sind alarmiert. Bis fünf Uhr nachmittags wurden 16 Verwundete und zehn Tote aus den Trümmern geborgen, so daß die Zahl der unter den Trümmern Liegenden auf 60 geschäht werden kann. Außerdem wurde ein Lastauto, ein Lastwagen mit Pferden und eine Frau mit einem Kind unter den Trümmern begraben. Vermißt werden auch der Bauleiter Putzmann, der Leiter der Detonarbeiken Ingenieur Mündel und ein Vauarchilekt. An den Aufräumungsarbeiten sind 500 Feuerwehrleute mit Autogenlampen und Bohrmaschinen beteiligt. 3n aller Eile werden auch Reflektoren aufgestellt, um die Arbeiten nachts fortführen zu können. Das eingeslürzle Haus war ein Eisenbeton- b a u und halte fünf Stockwerke oberirdisch und zwei Stockwerke unterirdisch. Von der ausführenden Firma wird erklärt, daß die Bauberech- nungen ganz genau waren, die Herstellung des Betons mit amerikanischen Maschinen geschah und daß die Sauarbeiten nicht im Akkord vergeben waren. Die Katastrophe wird der schlechten Qualität des verwendeten Zementes zugeschrieben, der wohl nicht in der vorgeschriebenen Zeit trocknete und hart wurde. Der Präsident der staatlichen Rcgulierungskommissron erklärte, daß sich die Vauunternehmung Prazak & Moraweh, welche den eingcslürzlen Reubau ausgeführt hat, nicht an die bestehenden Vorschriften gehalten habe, und daß die Baubewilligung nur auf fünf Stockwerke über und eines unter der Erde lautete, während in Wirklichkeit sieben über und zwei unter der Erde ausgeführt wurden. Kur; nach sechs Ahr abends erschien an der Anglücksstelle der Stellvertreter des Ministerpräsidenten, Dr. S ch r a m e k. Außer den gemeldeten Toten und Verwundeten liegen von den übrigen Opfern noch keine Rachrichten vor. Es wird befürchtet, daß auch zahlreiche Fußgänger verschüttet wurden, denn im Augenblick des Anglücks war in der Rähe des Reubaues ein lebhafter verkehr. Vis sieben Uhr abends konnten aus den Trümmern keine weiteren Leichen geborgen werden. Sie AeMngsarbeiten der Äacht. Prag, 10. Oft. (WTB. Funlspruch.) Aus den Trümmern des eine.estürzten ReubaueZ, unter denen noch eine große Anzahl Arbeiter begraben liegt, wurden b i s gestern abend 11 Uhr weitere drei Verletzte gerettet. Durch eine Oeffnung im Keller des Nachbarhauses gelangte man dann zu einem vierten Arbeiter, der ebenfalls verletzt war und in Sicherheit gebracht wurde. Da man in. diesem Keller noch weitere Stimmen hörte, wurde die Oeffnung erweitert, so daß sich ein fünfterQIrbeiter, der nur leicht verletzt war, befreien konnte. Es wurden ferner drei Leichen gefunden. Man setzte sich in den Kellerräumen des Rachbarhauses durch Klopfen mit zwei weiteren Verschütteten in Verbindung. Diese konnten die Stelle angeben, an der sie sich befanden und es gelang, ihnen Erfrischungen zu reichen. Rach 11 Uhr abends wurde eine weitere Leiche aufgefunden. Der Bürgermeister von Prag, Dr. Baxa, hat angeordnet, daß auf allen Prager Reubauten Nachprüfungen vorgenommen werden. Das Schicksal Südtirols. Eine Trauerkundgebung in Innsbruck. Innsbruck, 9. Oft. (£.11.) Am Mittwoch jährt sich zum 9. Male der Tag, an dem Süd- t i r o l offiziell von den Italienern annektiert worden ist. 2lus diesem Anlaß fand an diesem Abend eine große Trauerkundgebung statt. Vom Landes- und Rathaus sowie von anderen öffentlichen Gebäuden Innsbrucks wehen Trauerfahnen. Punkt 6 Uhr setzte von allen Kirchen Innsbrucks sowie von den Kirchen sämtlicher Gemeinden Rordtirols Trauergeläute ein. In Inrisbruck trat eine Dreiminutenpause im Verkehr ein, während der auch der Straßenbahnverkehr stillstand. Um 7 Uhr begann im großen Stadtsaal unter massenhaftem Andrang eine Trauerkundgebung, in der Rationalrat Professor Dr. Kolb in ergreifenden Worten das Leid Südtirols schilderte und einen Appell an die gesittete Welt richtete. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, in der von der österreichischen Regierung verlangt wird, alle möglichen Wege zu beschreiten, um das Los Südtirols zu erleichtern. Es wird darauf verwiesen, daß Rordtirol nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht habe, die Minderheitenfragen an entsprechenden Orten anzuschneiden. Sie Bundesregierung möge die südtiroler Sache durch entscheidende Interventionen bei den internationalen Stellen abhängig machen, bevor sich die Bevölkerung Südtirols gezwungen sehe, ohne Rücksicht auf die Einstellung der Regierung selbst die ihr geeignet erscheinenden Wege zu beschreiten. Die Kundgebung verlief in voller Ruhe. Ungarns Vorstoß gegen die Friedensverträge. Die Aufforderung an Kellogg. Die ungarische Regierung hat, wie gestern schon kurz gemeldet, in einer Rote an den Staatssekretär Kellogg mitgeteilt, daß sie dem Kriegs-- ächtungspakt beitreten wird. Diesem Sch.ittkomm aber insofern eine besondere Bedeutung bei, weil Ungarn an seinen Betritt die Bedingung einer Revision der Friedensverträge anschließt. Das Wort „Revision" wird zwar nicht ausdrücklich gebraucht, wohl aber genügt schon der Hinweis auf die Ungerechtigkeiten, die durch den auf gezwungenen Friedensvertrag entstanden sind und die beseitigt werden müßten, um frühere oder spätere gewaltsame Zusammenstöße zu verhindern. Ungarn fordert die Bereinigten Staaten und die übrigen Rationen auf, einen Modus zu suchen, „um für die Zukunft eine W iedergutma- chung bestehender Ungerechtigkeiten auf friedlichem Wege zu sichern". Wir fönnen den Vorstoß der ungarischen Regierung nur begrüßen, weil auch wir wissen, wie unerträglich die Situation ist, in die Mitteleuropa durch d.e Frie- densdiftate hineinmanövriert wurde. Fraglich ist es allerdings, ob der Staatssekretär Kellogg dem ungarischen Llppell Folge leisten und fein Friedens werk durch eine Revision der europäischen Verträge fortsetzen wird. Amerika steht unmittelbar vor den Präsidentenwahlen, hat also für irgendwelche außenpolitischen Aktionen der Regierung weder ZeitnvchInter- e s s e. Außerdem dürfte es Kellogg auch gar nicht wagen, vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten der ungarischen Forderung zu entsprechen. weil das einer Einmischung in europäische Angelegenheiten gleich käme, von der der Durchschnittsamerikaner noch immer nichts wissen will. Die Signatarmächte, etwa Frankreich. Italien oder England dagegen, werden keinen Finger rühren, um den von Ungarn gewünschten Modus ausfindig zu machen. Sie müßten ja dann für die Herausgabe ihrer Kriegsbeute eintreten. Zwei Vorkämpfer gegen die Kriegsschuldlüge. Verdiente akademische Ehrungen für Schwertfegcr und Draeger. Berlin, 9. Oktober. (TU.) Der Arbeits- aus schuß Deutscher Verbände hatte zu Ehren des von der Universität Göttingen zum Ehrendoktor ernannten Oberst a. D. Dr. Bernhard Schwertfeger zu einem Frühstück in die Deutsche Gesellschaft 1914 eingeladen. Gouverneur z. D. Dr. Schnee würdiate die Verdienste Dr. Schwertfegers um die Erforschung der Kriegsursache. Ihm schloß sich der stellvertretende Dekan der ©öttinger philosophischen Fakultät, Professor Dr. A. O. Meyer an. Oberst Schwertfeger dankte für die ihm zu seinem 60. Geburtstag erwiesenen Ehrungen und kündigte den Abschluß seines neuen Werkes „Der Weltkrieg der Dokumente" an. Er versprach, wie bisher alle seine Kräfte den Arbeiten um die Wiederherstellung der deutschen Ehre zu widmen. Im Anschluß daran verkündigte für die philosophische Fakultät der Universität Jena Geheimrat Professor Dr. C a r t e l l i e r i die Ernennung des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände, Hans Draeger, zum Ehrendoktor. Das Diplom ist gewidmet „Dem tüchtigen und geschickten V o r - kämpfer der Einheit und Unversehrtheit des Vaterlandes in den' schwersten Nachkriegszeiten, dem aufrichtigen und tapferen Retter der Wahrheit, unermüdlich in Schrift und Tat bei Aufhellung der Kriegsursachen, in Erinnerung an den durch Einigkeit der Bürger ausgezeichneten Tag des 4. August 1914.“ Rach- dem Dr. Schnee seiner Befriedigung über diese Ehrung Ausdruck gegeben hatte, banlte Dr. Dtzae- ger der philosophischen Fakultät der Universität Jena für die Ehrung. Er führte aus, daß er in der gleichzeitigen Ehrung von Oberst Schwertfeger und ihm einen Ausdruck des Charakters der deutschen Bewegung gegen die Schuldlüge erblicke, die keine sozialen und politischen Unterschiede kenne. So hätten sich auch die beiden Generationen in dem Kampf der Wahrheit suchenden Wissenschaft und vaterländisch strebender Vereine zu gemeinsamen Wirken zusammenge- funden. An dem Festmahl nahmen u. a. teil: Reichspressechef Dr. Zechlin und sein Vorgänger Ministerialdirektor Dr. Spiecker, die Reichstagsabgeordneten Biedermann, v. Dryander und Falkenberg. Außerdem waren erschienen der frühere Äeichsaußenminister Dr. Rosen, Exzellenz Raschdau, Exzellenz v. Altrock, sowie Vertreter der Hochschulen, der politischen Parteien und der großen Wirtschaftsorganisationen. Ein denWerSchritt inWarschau? Protest gegen die Hindenburg-Hetze des Weftmarkenvcrcins Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 10. Ott. Die zusammenhängend organisierten Versammlungen des polnischen Westmar - kenvereins in den letzten Tagen in Warschau, Kattowitz und Thorn, wo die Kundgebung einen Zug bildete, der vor dem deutschen Konsulat das deutschfeindliche chetzlied „Rota" sang und die alle als eine Kundgebung gegen die Oberschlesienrede des Reichspräsidenten von Hindenburg aufgezogen waren, haben auf deutscher Seite berechtigtes Aufsehen erregt. An solche Kundgebungen ist man in Deutschland zwar gewöhnt, aber die Verzerrung, die die Reden des Reichspräsidenten von Hindenburg dabei erfahren, schafft eine Situation, mit der sich auch die deutsche Regierung, wie wir hören, auseinandersetzt. Wie wir von gutunterrichteter Seite hören, erwägt man in zuständigen Stellen, ob angesichts der Aktion des Westmarkenvereins nicht die deutsche Regierung durch ihren Vertreter in Warschau mit dem Hinweis vorstellig werden soll, daß die Verfälschung, die die Hindenburg-Rede auf diese Weise durch den Wcst- markenverein unter Duldung der polnischen Regierung erfährt, keineswegs den deutsch-polnischen Beziehungen förderlich ist. Italienische Ehrung deutscher Gefallenengräber in Belgrad. Belgrad, 9. Oft. (WB.) Bei einer gestern in Belgrad zum Andenken an die Kämpfe an der Saloniki-Front veranstalteten Siegesfeier begab sich die italienische Militärkommission unter Führung des Generals Grafen Petiti di Loretto offiziell zu dem deutschen Kriegerfriedhof in Belgrad und legte dort einen Pracht- Oie Wetterlage. W Scytfef. La ton:na wirtschaft im allgemeinen, sowie insbesondere über bevorstehende staatliche Maßnahmen zur ander- weiten Regelung der derzeitigen Vorschriften über die Untervermietung von Wvhnräu- m e n berichtet. Wie der 'Amtliche Preußische Pressedienst aus dem Ministerium für Volls- wchlfahrt erfährt, entbehren diese Nachrichten jeder tatsächlichen Unterlage. vervollständigt, noch einmal überprüft und ergänzt durch Instrumente und Seekarten. Für Post und Fracht ist um 12 Uhr mittags die Annahme geschlossen worden. Auch das Gepäck für Passagiere soll nur 20 Kilogramm betragen Aber sozusagen um jedes Kilo wird erbittert gekämpft, weil jeder Passagier so viel wie möglich mitnehmen will. Es muh beruhigt, vermittelt und geschlichtet werden. Immer neue Leute melden sich im letzten Augenblick an, um die große Reise über das Meer mitzumachen; aber es gibt nur immer dieselbe Antwort, dah niemand mehr mitgenommen werden kann. Rur bei dem Oberst Herrarea von der Spanischen Luftschrffgesellschaft wird eine Ausnahme gemacht. Heute morgen ist auch der amerikanische Passagier G i l f i l l a n aus Luzern eingetroffen. Die endgültige Liste der Fahrgäste konnte noch nicht aufgestellt werden. Man weih nur, daß alles in allem mit der De - satzungetwa 60 Menschen an Bord sein werden. Heute nachmittag wird der amerikanische Konsul erwartet, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Die V i s u m frage ist im übrigen ebenso geregelt wie bei den Dampfern. Die meisten Fahrgäste sind heute abend m Friedrichshafen eingetragen, darunter auch der preußische Innenminister G r z e s i n s k i, Ministerialdirigent Dr. Brandenburg, der Leiter der Luftfahrtabteilung im Reichsverkehrsministerium, und der amerikanische Passagier Dr. Robert Reiner. Für das Reichsverkehrsministerium wird auch der bekannte Meteorologe Dr. Banken mitfahren. Es verlautet, dah Dr. Eckener, der mit dem „Graf Zeppelin" ursprünglich nur drei Tage in Amerika bleiben wollte, von Lakehurst aus noch eine große Fahrt nach dem Süden, vielleicht nach Südamerika und Westindien, beabsichtigt. Für die Amerikafahrt sind bisher rund 52 0 00 Postsendungen aufgeliefert worden. Das ist eine so außergewöhnlich grohe Menge, dah die vom Z. R. III noch übertroffen wird. In den letzten Tagen sind die Sendungen in so großer Anzahl eingegangen, dah dem Postamt Friedrichshafen von Stuttgart drei Beamte zur Aushilfe geschickt werden mußten, die nichts weiter tun, als die Sendungen nach den Bezirken sortieren, über denen sie abgeworfen werden sollen. vollen Kranz am Denkmal der deutschen Gefallenen nieder. Dieses Verhalten der Mission hat in den hiesigen deutschen Kreisen einen dankbaren Widerhall gefunden. Friedrichshafen. 9.OH. (Dom Sonberbe- richlerslatier des WTB.) Der morgige Aufstieg des ..Graf Zeppelin" ist heule abgesagt worden. Dieser Beschluß muhte gefaßt werden, weil die Wetterlage gerade;» außerordentlich schlecht ist. Die Karten zeigen so schwere Stürme über dem Ozean, daß es. wie Dr. Eckener sagte, gefährlich wäre, in sie hineinzufahren, weil sogar große Ozeandampfer in Seenot geraten. Dazu kommt noch, daß auch im Bodenseegebiet für morgen heftige winde und Regen zu erwarten sind, was bei der Kleinheit der Halle außerordentliche Schwierigkeiten verursacht, wie schwierig die örtlichen Berhältnisse liegen, Hal ja gerade die letzte Landung besonders deutlich vor Augen geführt. Das Barometer fallt außerordentlich stark und gleichzeitig steigt die Temperatur an. Das wirkt sich auf das Schiff fo ungünstig aus, daß die Tragkraft von gestern bis heute mittag allein schon einem Unterschied von 3,2 Tonnen unterworfen worden ist. Dr. Lckener betont, daß er auch bei mittelmäßigem Wetter gestartet wäre, daß er aber die erste Fahrt nicht gerade unter so ungünstigen Umständen antreten möchte. Deshalb sind auch die Arbeiten an den Kojen, die heute nacht beendet werden sollten, verschoben worden. Ls ist übrigens keineswegs gesagt, daß der Aufstieg unter allen Umständen morgens siattfinden muß. wenn die Wetterlage es erlaubt, ifterauchzujederan- deren Tageszeit möglich. Die weitere Entscheidung über den Termin des Ausstiegs wird morgen früh fallen. Oie letzten Vorbereitungen. Andrang derPassagiere.-GrotzePoftrnengen Friedrichshafen, 9. Ott. (Vom Sonderberichterstatter des WTB.) In der Zeppelrnhalle herrscht heute reges Leben. Die letzten Vorbereitungen für die Amerikafahrt sind in vollem Gange. Traggas wird nachgefüllt, Brennstoffblaugas und Betriebsstoff für 120 Stunden wird an Bord genommen. Proviant wird eingeladen, die Ravigationsausrüstung wird der Küste des Roten Meeres gelegenen Kolonien, sowie der Gebiete, die es am Aegäischen Meer verwaltet, sicherzustellen. Frankreich dagegen muß sich am Mittelmeer, auf dem Atlantischen Ozean und in der Nordsee verteidigen und nicht nur seine Verbindung mit dem Mittelmeer schützen, sondern auch die mit seinen Besitzungen in Westafrika, Aequatovial-Afrika und Madagaskar, Indochina und Westindien aufrecht- erhalten. Es ist also klar, daß die Gleichheit beider Flotten im Mittelmeer eine gewaltige Lleberlegenheit für Italien bedeuten würde. — Das „Oeuvre" wendet sich dagegen, Laß die italienische Regierung eine Tonnage fordert, die gleich sei der Tonnage, die die am besten bedachte kontinentale Wacht — und das sei Frankreich — erhalte. Auf der Kon- ferenz von Washington habe das Erfolg gehabt. Das Prestige des Duce wolle, daß er nicht weniger erlange als sein Vorgänger. Aber die Fortsetzung dieser Politik wäre, so erklärt das Blatt, wiÄlich ohne Gerechtigkeit und vielleicht auch nicht ohne Gefahr. Italien besitze ja nicht Frankreichs Kolonien. Auch die Abendpresse sieht als eigentlichen Zweck der italienischen Note in per Frage des englisch-ftanzösischen Flottenkompromisses die Forderung Italiens nach Gleich stell ung mit Frankreich in den Seerüstungen. Einmütig wird dieses Verlangen abgelehnt. Das „Iournal des Debats", das Rom den Rat gibt, nach dem Beispiel Londons auf das System eines abwechselnden Druckes auf Paris und auf Berlin zu verzichten und sich einem allgemeinen Abkommen anzujchließen, will Italiens Recht, See- streittrafte zu unterhalten, die seinen Bedürfnissen entsprechen, nicht bestreiten, fordert aber die gleiche Möglichkeit für Frankreich. Das Blatt hält neue Verhandlungen nicht für aussichtslos, glaubt jedoch, daß eine allgemeine Verständigung langer Annäherungsarbeit bedürfe. Das englisch-ftanzösische Abkommen bilde einen Teil davon. — Auch die „Libertö" hält jede weitere Erörterung über die italienische Forderung nach Gleichstellung mit Frankreich für fruchtlos. Ein Verhältnis zwischen der italiLn'.schen und der französischen Marine werde natürlicherweise erst hergestellt werden können, wenn eine allgemeine sranzösisch-ita- lienischeVerständigung erfolgt sei, ebenso wie das französisch-englische Flottenabkommen durch die Annäherung der Regierungen von Paris und London ermöglicht worden sei. Der Ammkastari des „Graf Zeppelm"verschvben. Schwerer Sturm über dem Atlantik. - Schlechte Wetterlage im Tiodenseegebiet. Aus aller Welt. Ein alter Hochstapler. Einer der größten Hochstapler und Betrüger aller Zeiten, der als Baron de Moser- Rothschild seit zwei Iahrzehnten die Kriminalbehörden fast aller europäischen Staaten beschäftigt hat, ist jetzt wieder in Berlin wegen eines großen Betruges fe st genommen worden. Baron de Moser-Rothschild, dessen richttger Name nur Moser-Rothschild ist, hat zusammen mit einem gewissen Dobrin einem Friedenauer Kaufmann eine wertvolle Iuwelens am m- l u n g herausgelockt und diese dann verpfändet. Zwei Tage spater aber wurden er unb sein Helfer auf die Anzeige des Friedenauer Kaufmanns von der Kriminalpolizei überraschend verhaftet. Die Inwelcnsammlung konnte bei verschiedenen Pfandleihern wieder gefunden und dem rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Seinen Betrug hat er nur mit Hilfe von Emp- Gchuhmahnahmen des Rundfunks. Berlin, 10. Ott. (Eigene Drahtmeldung.) Die Maßnahmen, die bisher bei der Berliner Rund- funcgesellschaft durchgeführt worden sind, um ähnliche Ereignisse, wie den Vorfall am vergangenen Samstag unmöglich zu machen, bestehen darin, daß Anweisungen getroffen worden sind, nach denen der Ansager während eines Rundfunkvortrages nicht mehr telephonisch abgerufen werden darf. Darüber hinaus sind keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden, da die zuständigen Stellen weitere Aenderungen in der Organisation nicht für notwendig Hilten. Es soll in Zukunft allerdings noch jeder Sprecher im Rundfunk am Tage vorher eine Legitimation zugesandt erhalten, mit der er sich im Rundfunkhaus selbst avsweiscn kann. Im übrigen wird der Reichs- rundsunllommissar darauf hinwirken, daß diese beid.n neuen Bestimmungen auch bei den übrigen deutschen Rundfunlgesellschasten zwecks Vermeidung von irgendwelchen Miß- b.äuchen durchgeführt werden. Kem Abbau der Wohnungszwangs wrrischast in Preußen. .eilin, 9. Ott. (WB.) Zeitungsmrldungen h l :n letzthin wiederholt über einen bevorstehenden weiteren Abbau der Wohnungszwangs- OwoTKennn o nerter. ® nam ocdtcn ® vronilo. • cedecRt. •ireoej N- Sehnet Graupeln. ® Hebel ■R6ewit,£r,(§) Windstille.«^ seh» (eichte» Os» d •nassifle» SCdsudWesi Q stürmische» nordtfest Piene fliegen mit dem winoe. Die ouoen Stationen stenenaen Za* ten geben die Temperatur an. Oie unten verbmden om oM^Jachet» •m* rtceresniteat» umoereebneteo Luitdryci Wettervoraussage. Das Tiefdruckgebilde ist ostwärts gewandert und liegt mit seinem Kern heute morgen über Südskandinavien. An seiner Rückseite dringen wieder maritime Luftmassen bei uns ein, die die Temperaturen etwas zum Sinken bringen. Niederschläge werden höchstens noch in ganz leichten Schauern auftreten, denn da der Luftdruck im Westen erheblich ansteigt, ist mit einer Besserung der Wetterlage zu rechnen. Voraussage für Donnerstag: Wechselnd wollig mit Aufheiterung, kühler, nur noch vereinzelt leichte Schauer, westliche bis nordwestliche Winde. Witterungsaussichten für Freitag: Weitere Besserung der Wetter- [oge. Lufttemperaturen am 9. Oklober. mittags 15,6 Grad Celsius, abends 13,3 Grad Celsius: am 10. Oktober: morgens 11,4 Grad Celsius. Maximum 15,9 Grad Celsius. Minimum 7,6 Grad Celsius: Niederschlag 2.6 Millimeter: Sonnen- scheindauer 2’/4 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 9. Oktober: abends 11,2 Grad Celsius: am 10. Oktober: morgens 10,4 Grad Celsius. Frankreichs Konflikt mit der Hearflpreffe Oie sensationelle Zournalistenverhastung in Paris. Dienstag, = d. 9. OKI. 1928, 7haDds | fehlungsschreiben angesehener und einflußreicher Persönlichkeiten ausführen können. Ob diese Schreiben gefälscht sind, konnte bisher noch nicht estgestellt werden. Baron de Moser-Rothschild ist nach längerer Vernehmung durch die Kriminalpolizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da weder Fluchtgefahr noch Derdunke- lungsverdacht zu bestehen scheint. Das Verfahren gegen ihn ist aber bereits eingeleitet worden. Manöverschäden in der Eifel. Bei den diesjährigen Eifelmanovern der englisch-französischen Besatzung haben besonders die Straßen der Nordeifel stark unter dem Durchmarsch der Trupennkolonnen. die zumeist mit schweren Kraftwagen befördert wurden, gelitten. Bor allem bieten die Straßen ahraufwärts bis Adenau und die Straßen Euskirchen — Münstereifel — Blankenheim einen trostlosen Anblick. Lleberall begegnet man Schlldern mit der Aufschrift „ün- fahrbar! Straßendecke zerstör 11" Die Benutzung dieser Straßen für den landläusigen Verkehr ist nachgerade lebensg^ährlich. In den letzten Wochen läßt die Straßrnbauverwcrltung ebenso wie in der südlichen Eifel, deren Straßen auch mehr oder weniger stark bei den Manövern gelitten haben, die einzelnen Strecken wieder Herrichten und mit einem Teerbelag versehen, so daß die Mängel in kurzer Zeit, allerdings unter erheblichem Kostenaufwand, behoben sein dürften. > Sturmfahrt des „Albert Ballin".'- Der Hapagdampfer „Albert Dal- lin" ist nach einer schweren Sturmfahrt, in deren Verlauf 34 Passagiere Verletzungen davongetragen haben, im Neuyorker Hafen eingelaufen. Sämtliche Verletzten hatten sich bereits hinreichend erholt, um sich ohne Hilfe an Land begeben zu können. Das Schiff selbst ist von dem schweren Wetter insbesondere während des Versuchs, dem in Seenot geratenen holländischen Frachtdampfer „Celaeno" zu Hilf« zu eilen, ziemlich mitgenommen worden. Eine riesenhafte Woge drückte während des Höhepunktes des Sturmes das Mittelfenster der Kommandobrücke, die etwa 25 Meter über der Wasserlinie liegt, ein und überflutete das Steuerhaus. Drei dicke Fenster des vorderen Promenadendecks und eine nach dem Unter» deck führende Tür wurden zertrümmert, wobei drei auf dem Promenadendeck beftndliche Passagiere Quetschungen erlitten und durch GlaS- splitter verletzt wurden. Hamburg auch 1927 Deutschlands größter Passagler- urid Frachthafen. Nach amtlichen Statistiken wies Hamburg auch für 1927 den stärksten Passagier- und Frachtoerkehr der deutschen Seehäfen auf. Der seewärtige Güterverkehr betrug über 25 Millionen Tonnen, d. h. das Fünffach ederinBremenu mgeschlage- n e n Güter und runb 53 v. h. des gesamten deutschen Güterverkehrs über See. lieber Hamburg reisten 129 208 Passagiere nach Uebersee, wobei zu bemerken ist, daß die Personenbeförderung über Hamburg fast vollständig durch deutsche Schiffe erfolgt. Zwei Todesopfer eines Motorradunfalls. In einer unübersichtlichen Kurve in Rath bei Köln ist ein mit zwei Herren und zwei Kindern besetztes Motorrad mrtBei- wagen mit voller Wucht gegeneineHa u s- e cke gefahren. Die Kinder kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Dagegen erlitten die beiden Herren so schwere Verletzungen, daß sie, wie die „Rheinische Zeitung" erfährt, gestern abend im Krankenhaus gestorben sind. Oer Reparaiionsausschuß. Noch keine Entscheidung über seine Zusammensetzung. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 10. Oktober. Die Vorarbeiten zur Zusammensetzung des großen Reparativ n s a u s» s ch u s s e s, oer nach den Genfer Beschlüssen in nächster Zeit zusammentreten soll, bringen bereits eine Flut von Kombinationen mit sich. Besonders heftig wird vor allem die Zusammensetzung dieses Reparationsausschusses, dessen Beratungen sich in erster Linie mit dem Dawesplan beschäftigen werden, diskutiert. Zweifellos spielt hier trotz der Sachlichkeit der Probleme die personelle Zusammensetzung eine außerordentlich große Rolle, und es ist selbstverständlich, daß Deutschland mit dieser Aufgabe seine se st en Kräfte betrauen wird. U. a. wird bereits als Mitglied der deutschen Vertretung der jetzt in seinem Amt neu bestätigte Reichsbankpräsident Schacht genannt. Wie wir aber von unterrichteter Seite hören, ist bisher, wenigstens in Deutschland, in dieser Hinsicht noch kein endgültiger Beschluß gefaßt worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden auch die deutschen zuständigen Stellen eine Bekanntgabe der deutschen Vertreterliste schon deshalb möglichst bis zum letzten Augenblick vermeiden, damit keine der deutschen Persönlichkeiten erneut m i t dem innerpolitischen Kampf belastet und deshalb bei Außenoerhandllmaen gebunden oder entwertet die schwierigen Auseinandersetzungen im Reparationsausschuß beginnen muß. Auch die Frage, ob man auch besondere Sachverständige aus neutralen Staaten hinzuziehen wird, ist noch nicht geklärt, da einstweilen die Fühlungnahme zwischen den direkt interessierten Ländern über die Errichtung des Reparationsausschusses recht gering ist. Neuregelung des Kraftverkehrsbeiriebes. Berlin, 10. Oft. (Priv.-Tel.) Mit Ende des Jahres laufen die Vertrüge zwischen derReichs- b a h n und der Spitzenorganisation der regionalen Kraftverkehrsunternehmen, der Kraftverkehr Deutschland A.-G., ab. Der Reichsbahn erscheint eine Vereinheitlichung des gesamten Fernverkehrs erwünscht. Deshalb sind seit längerem Verhandlungen zwischen Reichsbahn. Post und den privaten Gesellschaften im Gange, hinzu kommt die Frage der Unterhaltung der durch den Verkehr mit den schweren Wagen überaus stark benutzten Land st raßen, für deren Instandhaltung der Steuerzahler aufzu- kommen hat, während den fiskalischen Verkehrsein- 1 Achtungen d i e Einnahmen aus dem Der- Wirtschastshilfe für das Gaargebiei. Beteiligung an den Reparationslieferungen Berlin. 9. Okt. (WTB.) In der Frage der Beteiligung des Saargebiets an den deutschen Reparationssachlieferun- g e n nach Frankreich ist es jetzt zu einer Verständigung zwischen der deutschen und ftanzösi- fchen Regierung gekommen. In mehrtägigen Ver- hanÄungen. die in Berlin zwischen dem Präsidenten des französischen Sachlieferungskomitees, Serruhs. und den Vertretern der beteiligten Reichsministerien geführt wurden, ist schließlich eine Einigung dahingehend erzielt worden, daß 110 000 Tonnen Eisenbahnoberbaumaterial und Eisenbeton von den Saarwerken mit einer 35prozentigen .Unterbeteiligung des Ruhrgebiets auf Reparaticmskonto nach Frankreich geliefert werden sollen. Diese Mengen haben einen Gesamtwert von rund 15 Millionen Mark. Außerdem ist für das laufende Sach- lieferungsjahr, d. h. für die Zeit vom 1. April 1928 bis zum 31. März 1929 ein allgemeines Kontingent bis zur Höhe von 7,5 Millionen Mark für anderweitige Sachlieferungen aus dem Saargebiet festgesetzt worden. Die zu- ständigen Reparationsinstanzen in Paris, denen die Vereinbarungen bestimmungsgemäß vor gelegt wurden, haben sich mittlerweile mit ihnen einverstanden erklärt. Damit sind für die Wirtschaft des Saargebiets im laufenden Jahre neue Aufträge von beträchtlichem Umfange sichergestellt, die hoffentlich ziemlich fühlbare Erleichterungen bringen werden. Nur in dieser Erwartung hat die deutsche Regierung sich dazu entschließen können, ihre schwerwiegenden grundsätzlichen reparationspolitischen Bedenken gegen eine solche Regelung für diesen Ausnahmefall zurückzustellen. Sozialdemokratische Wehrpolitik Ein neuer Anschlag auf den Panzerkreuzer. Berlin, 10. Okt. (Priv.-Tel.) Auf dem sozial- demokratischen Parteitag des Bezirks Branden- burg^Grenzmark hat OEbgeorbneter Wels Ausführungen über die Regierungspolittk der Sozialdemokratie benutzt: Die Panzerkreuzerfrage ist nicht nach der Zahl der Kriegsschiffe zu entscheiden, sondern wir müssen sie grundsätzlich nach dem Wehrproblem überhaupt beurteilen. Die Partei wird das Problem ernsthaft prüfen. Zu einer Klarheit zu kommen, wird nicht leicht sein. Die Einstellung der sozialistischen Parteien in den verschiedenen Ländern ist grundverschieden und so wird der Grundgedanke sein und bleiben: allgemeine Abrüstung! Im Reichstage wird die Fraktton bei der Etatberatung den Wehretat auf das sorgfältigste prüfen, wie das auch vorher bereits im Finanzministerium erfolgen muß. Ich fürchte keine Desavouierung, wenn ich heute sage: Der Reichstag wird sich mit einem Anträge der sozialdemokratischen Fraktion befassen müssen, der kurz und bündig lautet: „Der Bau des Panzerkreuzers A wird eingestellt!" kehr bisher entgehen. Im ganzen handelt es sich um eine hervorragend wichtiac volkswirtschaftliche Angelegenheit, die man durcy Lösung der Verträge und Uebernahme in eigene Re- g i e fördern zu können hofft. Paris, 9. Okt. (WTB.) Wie die Agentur Havas berichtet, hat der amerikanische Geschäftsträger A r - m o u r heute nachmittag den volitischen Direktor am Quai d'Orsay, (Sorbin, ausgesucht und sich im Namen seiner Regierung über den Stand des Falles choran unterrichtet. Es sind ihm, so heißt es in der chavasmeldung, alle von ihm gewünschten Aufschlüsse zuteil geworden. Seine Demarche habe in keiner Weise den Charakter eines Protestes der amerikanischen Regierung getragen. In offiziellen französischen Kreisen weife man darauf hin, daß die französische Regierung, anstatt sich darauf zu beschränken, den amerikanischen Journalisten aufzufordern, Frankreich zu verlassen, das Recht gehabt hätte, gegen ihn e i ne r i ch t l i ch e s Verfahren einzuleiten wegen Besitzes und Verwendung von Dokumenten, die die Sicherheit des Staates und die nationale Verteidigung betreffen. Dies fei ein Vergehen, das mit Gefängnis g e - ahndet werde. Der Vorstand des Verbandes der angelsächsischen Presse in Paris hat einstimmig beschlossen, an den Ministerpräsidenten und an den Außenminister einen Antrag auf Einleitung einer neuen Untersuchung zu richten. Es ist ein Unterausschuß ernannt worden, der sich zur Verfügung Poincares und Briands zur Erteilung aller notwendigen Erläuterungen halten wird. In der Sitzung teilte Horan mit, daß das Dokument, das ihm in Paris von Hearst selbst aus- gehändigt worden sei, weder durch Angebot von'Geld, noch auf irgendeinem anderen illegalen Wege in den Besitz des amerikanischen Zeitungsverlegers gekommen fei. Der „Excelfior" will von einem Mitglied des Vorstandes der angelsächsischen Presievereinigung in Paris gehört haben, daß es sich bei dem Rundschreiben des Quai d'Orsay an die französischen Botschafter um ein vervielfältigtes Exemplar handele, das aus der amtlichen Korrespondenz m i t d e r französischen Vertretung beim Völkerbund stamme. Stalfen middasFlollenkompromiß Paris lehnt die italienische Forderung der Rüstungsgleichheit zur See ab. Paris, 9. Okt. (WB.) Zur italienischen Qtnt» wort auf das englisch-französische Flottenkompromiß schreibt der „Mattn": Italien hat, welche Entwicklung seine Küste am Mittelmeer auch nehmen möge, nur deren Verteidigung und die Verbindung mit seinen in Nordafrika und an Um \jii o vyr O (&J5 A2) 15 Straßenraub« vor dem Gießener Gericht loae. furniculus । rt. rener em ErkLarungen, über die cxke Smnii Gießen bei den Tätern gebet die Sladtkasse rot ge- eren, MiScbunnen es insgesamt 3824. Es gibt 52 Klassen mit weniger als 16 Schülern, 827 mit 16 bis 30 Schülern, 2382 mit 31 bis 50 Schülern. 408 mit 51 bis 60 Schülern und 155 mit mehr als 60 Schülern. Diese hoch- belegten Klassen finden sich namentlich in den Kreisen Gießen, Alsfeld, Büdingen und Friedberg. e n s am !.Mai 1928 lotorraduusaiir. Kurve in Latz bei rren unb zwei orrabmtiXei' encine $auä' tot glücklicherweise Mn erlitten bi« TuieMgm, bch xg“ mM, gestern >tben sind. Prüfung ^eS Rauchers ist &er erslreble^cmk. furctieMul^e amWerk. falsche Bärte, Derb recherwerkzeuge ist, daß eine Stadlkarte von funden wurde, auf grötzirr hassagier- IL ’ ßamdurg nach sür ’ und Frachtverkehr r seewärtige Güler- n Tonnen, d. h.daz n »mgeschloge- • der gesamten deut- e. lieber Hamburg llebersee, wobei lenbeförberung über durch deutsche insgesamt 1013 öffentliche Volksschulen, an denen 3081 Lehrer, 795 Lehrerinnen, also insgesamt 3876 Lehrkräfte beschäftigt waren, ausschließlich der hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer und der Handarbeits- und technischen Lehrerinnen. Don den Stelleninbabern waren 2682 evangelisch, 1123 katholisch, 23 israelitisch und 48 sonstigen Bekenntnisses. Die Zahl der Schulkinder betrug insgesamt 149 307 (75 755 Knaben, 73 552 Mädchen; evangelisch waren 49 689 Knaben, 48 728 Mädchen, katholisch 25 587 Knaben, 22 778 Mädchen, israelitisch 573 Knaben und ebensoviel Mädchen, sonstigen Bekenntnisses 1726 Knaben und 1473 Mädchen. Schulklassen gab falsche Pässe und Vorhemden. Bemerkenswert Surrt Trager cuzcS w ERLESENEN 1 ERZEUGNISSES rourrSe. * Der Eisenbahnverkehr zwischen Gießen und Dutenhofen konnte gestern abend gegen 6 Uhr eingleisig wieder ausgenommen werden. Man hofft, bis heute nachmittag auch das zweite Gleis der Durchgangsstrecke für den Verkehr wieder verfügbar machen zu können. Ebenso dürfte voraussichtlich bis heute abend die Weichenanlage wieder intakt gebracht sein. Die Trümmer der verunglückten Güterwagen sind zunächst an die Böschung des Bahnkörpers verbracht worden, die entgleiste Güterzugmaschine wurde im Laufe der Dacht cvufgegleist und heute früh noch Gießen abgeschleppt. — Das Befinden des verunglückten Lokomotivführers H a a ck e aus Dillenburg ist den Umständen entsprechend gut. Der bedauernswerte Mann hat außer den Kopfverletzungen anscheinend auch noch Rippenquet- schungen davongetragen, jedoch muß erst noch durch eine Röntgenaufnahme Genaueres fest- gestellt werden. ** Straßensperrung. Dom Oberhessischen Automobil-Club E. D. (21. v. D.), Gießen, wird uns folgende Straßensperrung mitgeteilt: Heldenbergener Straße in Großkarben im Zuge der Straße Großkarben—Heldenbergen ab 11. Oktober bis auf weiteres, ^lnrleitung über Klein-- karben—Büdesheim. ** Tauben sperre. Dom 15. Oktober bis 15. November müssen die Tauben in den Schlägen einbehalten werden. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Stadtverwaltung. •* Eine ganze Serie von Roheitsakten ist, wie der Friseurmeister Gg. Wahl, Reustadt 33. uns mitteilt, an der Holzbekleidung seines neu hergerichteten Ladengeschäftes verübt Wenn Ihre Gmpfehsungsanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Satzausstattung wevben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschästsstelle auf! kbei Sinke" bn"S Achten i ^piffbrud “J »- äw”111 •K*- s. 15.Ö S!d^ KÄ - T Srad W J’0taÖ L«ß <0 ■ "S-S Chauffeur, sich zu befreien. Gr eilte sofort nach Steinfurth, wo er auf der dortigen Bürgermeisterei sein Erlebnis schilderte. Man glaubte ihm zunächst nicht, als man jedoch auf seine Äusforderung mit ihm gegangen war und den stehengebliebenen Wagen entdeckte, erkarmte man den Ernst der Angelegenheit. Cs wurde sofort das Polizeiamt Dad-Rauheim telephonisch verständigt und eine eingehende Schilderung der beiden Verbrecher gegeben. Ein Steinfurther Einwohner, der mit seinem Rade nach Dad-Rauheim fuhr, überholte die beiden, erkannte sie nach der Schilderung und machte sofort die Polizei auf sie aufmerksam. Man fand sie in dem Wartesaale des Bahnhofes, wo sie ohne weitere Gegenwehr verhaftet werden konnten. Sn einem Koffer, den sie mit sich führten, fand man 5 schwere Revolve r und annähernd 1 00 Schuß Munition. Außerdem waren 6 tri de, Sufi noch Weht Eiset '.feil, A°rW> $5*8 sW 'tor H" Äk» ri ^.Straßen Sä.'; Laliiki'.'- K Ä--t 3«i. Kvnte« 3 bu W i toDtbot- •[e toatlEenb be8 K'ttelienster der Meter über der M utete das Inster des -uach dem Unter- Ammert, wobei befindliche Passa- no durch GlaS- Schwere Autounfälle. WER. Darmstadt, 9. Oft. Zwischen Eberstadt und Bickenbach, etwa zwei Kilometer von letzterem entfernt, ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr ein folgenschwerer Auto m o b i l u n f a l l. Sn der Richtung nach Darmstadt fuhr ein kleiner Mathis-Wagen und hinter ihm ein schwerer Mercedes, letzterer mit 90 Kilometer-Tempo. Zu gleicher Zeit kam von Sberstadt her ein Lastkraftwagen der Llnion-Brauerei Groß-Gerau. Sm selben Augenblick roste ein Dugattiwagen im 110 Kilometer-Tempo, aus der Richtung Bickenbach kommend, an dem Mercedes vorbei, versuchte den Mathis zu überholen, drängte ihn dabei nach rechts und warf ihn in den Straßengraben. Der Führer des Lastkraftwagens konnte sich durch scharfes Ausweichen in Sicherheit bringen, jedoch riß der Bugatti die linken Kotslügel des Lastwagens ab. Auch der überholende Wagen, dessen Führer durch seinen Leichtsinn das furchtbare Unglück hervorrief — es handelt sich um die Runnner III X 3063 — wurde beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Durch den Anprall wurden die beiden Insassen des offenen Mathiswagens. Herr und Frau Schmitt aus Ladenburg am Reckar, meterweit geschleudert. Der Lenker erhielt eine klaffende Kopfwunde; auch die Frau wurde schwer verletzt. Ein vorbeifahrendes Privatauto verbrachte die Derletzten in das Städ- ttsche Krankenhaus Darmstadt, wo die Frau am Rachmittag ihren Derlehungen erlegen ist. Der Fahrer des Bugattiwagens, der das Unglück verursacht hat, befand sich noch am Rachmittag gegen 4 Uhr auf freiem Fuß. WSR. Mainz, 9. Okt. Snfolge dichten Re- bels fuhr in der vergangenen Rächt eine von der Kirchweihe in Budenheim kommende Autodroschke in der Rahe des Rheingauwalles am Schlacht- und Diehhof in voller Fahrt gegen einen Baurn. Der Anprall war derart heftig, daß der Führer des Wagens und zwei Snsasfen schwer verletzt wurden. Der 47jährige Händler Karl Schneider erlitt einen schweren Schädelbruch und starb kurz nach seiner Einlieferung ins Städtische Krankenhaus. Die bei ihm im Wagen sitzende 39jährige Wirtin Sauerwald zog sich eine schwere Kopfverletzung zu. Außerdem wurde bei ihr die große Schlagader verletzt, wodurch ein großer Blutverlust eintrat. Der 20jährige Hans Freudenberg, der beim Chauffeur sah, kam mit leichten Bein- und Gesichtsverlehungen davon. Der Chauffeur, der 18jährige Sakob Dorsheimer, wurde mit einer schweren Gehirnerschütterung bewußtlos ins Krankenhaus gebracht. Das stark beschädigte Auto mußte abgeschleppt werden. Berliner Börse. Berlin, 10. Okt. (WTB. Funkspruch.) Auch der heutige Frühverkehr hatte sehr ruhiges Geschäft und eine kaum veränderte Tendenz. Die Spekulation verhielt sich weiter abwartend, zumal besondere Anregungen nicht Vorlagen. Dorläufig hörte man nur Farben 260,5 zu 261. worden. Bereits zum achten Male haben dort zerstörungslustige Elemente an der Holzverkleidung herumgeschniht und diese dadurch erheblich beschädigt. Sn unserem gestrigen Anzeigenteil ist für die Ramhaftmachung der Täter eine Belohnung angekündigt worden. Wan muß dem Geschädigten beipflichten, in der Erwartung, daß es endlich gelingen möge, den Rohlingen ihr übles Handwerk zu nehmen. ** Einen eifrigen Apfelbaum besitzt Herr Dippel, Bruchstrahe 25, in seinem Garten. Der Baum zeigt trotz der unpassenden Sahreszeit an einigen Zweigen eine schone Blüte. Daß es hier zur nochmaligen Ernte kommen wird, darf man natürlich bezweifeln. ** Gerichtspersonalie. Der Gerichts- Vollzieheraspirant, Kanzleiassistent beim Amtsgericht Lich, Karl Wagner, wurde zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Schotten mit Wirkung vom 1. Oktober ab ernannt. Das Erweiterte Dezrrksschöffen- gericht Gießen wird heute gegen den Arbeiter Sohann Tarrach und den Kaufmann Wilhelm Conrad verhandeln, gegen die die Staatsanwaltschaft Anklage wegen schweren Raubes in idealer Konkurrenz mit Körperverletzung und Freiheitsberaubung erhoben hat. Der zugrunde liegende Tatbestand erinnert an amerikanische Dorbilder. Sn der Rächt vom 17. auf den 18. Suni d. S. traten am Bahnhof in Frankfurt a. M. zwei Leute an eine dort haltende Autodroschke heran und fragten, ob der Chauffeur bereit sei, sofort eine Fahrt mit ihnen nach Dad-Rauheim zu unternehmen. Der Chauffeur glaubte, es mit zwei Kurgästen zu tun zu haben, die vielleicht den letzten Zug versäumt hätten, und willigte anstandslos ein. Als das Weichbild von Frankfurt verlassen und Äiederursel passiert worden war, tauchten plötzlich die beidcn Aahrgäste während voller Fahrt auf den Trittbrettern rechts und links neben dem Chauffeur auf und forderten ihn unter Vorhalten von Revolvern zum Abstoppen des Wagens auf. Der erschrockene Wagenlenker wurde dann in den Passagierraum des Wagens gebracht. Der eine der unheimlichen Fahrgäste bewachte ihn mit vorgehaltenem, entsicherten Revolver, während der andere den Führersitz bestieg, um weiter nach Dad-Rauheim zu zu fahren. Da die beiden Leute jedoch nicht ortskundig waren, mußten sie sich mehrere Male mit Fragen wegen der Richtung an den Chauffeur wenden, der ihnen aber keine richtige Auskunft gab, sondern sie auf einen Seitenweg brachte. Sie gerieten dann in der Rähe von Steinfurth auf einen Feldweg, auf dem sie plötzlich nicht mehr weiter konnten. Der Führer des Wagens, der übrigens recht unsicher fuhr, ließ das Auto rückwärts fahren, kam dabei aber in den Weggraben. Trotz aller Anstrengungen gelang es nun nicht mehr, den Wagen flott zu machen. Als die beiden Verbrecher dies merkten, forderten sie den Chauffeur auf, ihnen zu folgen. Sie gingen mit ihm in ein nahegelegenes Wäldchen, warfen ihn zu Doden, fesselten ihn mit derben Stricken und verwickelten schließlich seinen ganzen Kopf mit Gipsverbänden, wobei sie nur die Rase freiließen. Vorher hatten sie ihm schon die Autvpapiere abgenommen. Trotz der Fesselung gelang es aber nach einiger Zeit dem kennzeichnet war. Es gelang zunächst nicht, die Personalien der beiden Verorecher einwandfrei festzustellen, bis sie dann zugaben, Tarrach und Conrad zu heißen. "Treibe bestritten lebhaft, irgendwelche verbrecherische Pläne bei ihrem Vorgehen gehabt zu haben. Sie hätten beide die 2lbsicht gehabt, nach Bochum zurückzufahren, woher sie gekommen seien, da aber ihre Geldmittel nicht mehr ausreichten, hätten sie versucht, auf diese Weise ein Stück weiterzukommen. Wenn sie nicht steckengebl'.eben wären, hätten sie den Wagen irgendwo stehen lassen, ohne dem Chauffeur ein Leid anzutun. Diese Angaben der beiden sind natürlich sehr unglaubhaft, zumal noch festaestellt werden konnte daß beide wegen gemeinschaftlichen Raubes und anderer zahlreicher Delikte erheblich vorbestraft sind. Sn der heutigen Verhandlung wird es Ausgabe des Gerichtes sein, die verschiedensten Fragen, die sich noch ergeben haben, aufzuklären. Da das Vorgehen der beiben sich als schwerer Raub darstellt — sie sind beide wegen Raubes vorbestraft, außerdem wurde die Tat auf einer öffentlichen Straße mit Waffen in der Hand begangen — dürften hohe Strafen zu erwarten sein. Wir werden über den Ausgang des Prozesses in der morgigen Ausgabe berichten. ** Die Volksschulen H 1 0. Mai 1928. Hessen hatte am Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. Oktober 1928. Abschied von der »Vierten". Dieser 2lbschied wird keine Tränen kosten. Höchstens, daß man es bedauert, für die Reise, die man sonst vierter Güte zurückgelegt hat, weil man auch mit ihr ans Ziel kam, künftig etwas tiefet in die Geldbörse greifen zu müssen, die trotz mancher vielgerühmter Fortschritte in diesem Punkte nicht die bessere Zeit geworden ist. Rein, man hat keinen Anlaß, der Vierten Klasse nachzutrauern, wenn — und darauf kommt es an — die Reichsbahn Wort hält und für den höheren Preis nun auch bessere Fahrgelegenheiten schasst. Geben wir es ehrlich zu: Es war manchmal ein Fahren in der Vierten, das vom Vergnügen sehr weit entfernt war. Man hatte sich damit abgefunden, weil es nun einmal schon so war. 216er es war nicht nur immer ein Vergnügen, sondern oftmals nicht einmal menschenwürdig. Schon an den Anschriften. „12 Sitzplätze, 18 Stehplätze" konnte man Kritik üben. Man half sich erfreulicherweise mit einer Rücksicht, die oftmals rührend war, und es ist wohl ganz selten vorgekommen, daß in der „Vierten" ein altes, gebrechliches Mütterchen stehen mußte. 2lber auch für einen rüstigen Mann war es eine Zumutung, mehrere Stunden in den schlechtgefederten Wagen stehen zu müssen. Und noch viele Dinge könnte man anführen, die den 2Ü>schied von der „Vierten" nicht schwer fallen lassen. So hat man in diesen Wagen stets vergeblich nach einem Tropfen Wasser gesucht, und gerade in der „Vierten" wäre es oftmals recht dienlich gewesen. So ziemlich alles hat hier gefehlt, was für eine Reise, auch wenn man bescheidene Ansprüche stellte, wünschen konnte, wünschen mußte. Es mag für manchen nicht ganz leicht sein, sich jetzt zu der vermehrten Snanspruchnahme seines Geldbeutels veranlaßt zu sehen. Aber eine nicht ganz zu unterschätzende Entschädigung bekommt er dafür: Er wird wirklich ein Fahrgast, der auch gewisse Rechte in Anspruch nehmen kann, und es ist zu hoffen, daß die Reichsbahn auf dem beschrittenen Wege der Verbesserungen nicht allzubald stehen bleibt. Wenn man aber noch einen Vorteil sehen will, so ist es der, daß sie einige Schichten unseres Volkes einander näherbringen kann, die sich sonst scheiden zu müssen glaubten. Es war viel herzlicher, wenn auch schlichte Menschlichkeit in der „Vierten", und man lieh sich von der rauhen Schale täuschen. Aber es war auch in der gewissen Zurückhaltung in der „Dritten" manches Gute, das nur des Anstoßes bedurft hätte, um hervorzubrechen. Es ist nicht unmöglich, daß man auf beiden Seiten nun zu neuen Entdeckungen kommt. Sa, es ist nicht ^nzusehen, warum man nicht zu solchen Entdeckungen kommen sollte, wenn nur auf beiden Seiten der Wille vorhanden ist, einander gelten zu lassen und einander zu verstehen. S. Daten für Donnerstag, den 11 Oktober. Sonnenaufgang: 6.17 Ahr, Sonnenuntergang: 17.17 Uhr. — Mondaufgang: 3.19 Uhr, Mond- im ter gang: 17 Uhr. 1531: der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli fällt bei Kappel; — 1825: der Dichter Konrad Ferdinand Meyer in Zürich geb. (geft. 1898); — 1870: General v. d. Tann, erobert Orleans. Bornotizen. — Tages? alender für Mittwoch. Stadttheater: „Sngeborg", Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. — V.s.B. Monatsversammlung, 8.30 Uhr, im Vereinsheim. — Palast-Lichtspiele: Filmvortrag „äl.S.A". —- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Anna Karenina. — Astoria-Lichdspiele: Die Rothaut von Danville. — Stadttheater Gießen. Heute abend findet die erste Wiederholung von „Sngeborg" statt. Dieses Lustspiel des Schauspieler-Dichters Kurt Götz hat auch in Gießen außerordentlichen Beifall gefunden. Die Vorstellung beginnt um 8 Uhr und dauert bis 10 Uhr. — Dramaturgischer Einführungs- Vortrag. Dr. Karl Ritter, Dramaturg des Stadttheaters, spricht morgen Aband 20.15 Uhr über das moderne Theater. KUR ARK CIGARETTEN liULL'1 / o , o a W o Bettwäsche 8.50, 8934a 8732D Großen-Buseck, den 10. Oktober 1928. . 07166 a.d.Gss. Anz. u Dern 8941V Gerichtsvollzieher in Giessen 5fln.-3ooeoml.Wy 07164 hmbbbbbwwb Alke öeutftije verWerungsgeseMosk. '; 07139 Marktstr. 14. Tel. 2417. forte). 8920D Unerreichte Auswahl zu Modehaus günstigen Preisen! Carl Nowack Ullstein-Alben Ullstein-Schnitte gjeßeni Seltersweg 85 8935a hochwertige Qualitäten ganz besonders preiswert I reich garniert.. 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Bei näherem Zusehen waren es jedoch nur einige Strohdecken und Bretter, die sich ganz in der Rahe eines brennenden Backsteinosens befanden und Feuer gefangen hatten. Die Gefahr wurde sofort beteiligt und die benachbarte Scheune war gerettet. Ein besonderes Lob verdient die Feuerwehr, die im Ru zur Stelle war und Hilfe leisten konnte. Kreis Schotten. Laubach, 9. Okt. Dom schönsten Wetter be- günsttgt. unternahm am Sonntag der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhe-nclubs seine 8. Wanderung unter Führung von Kaufmann Justus jr. Die Wanderung führte durch eine reizvolle, herbstlich gefärbte Gebirgslandschaft. Zuerst wurde das Horlofftal bei Gonterskirchen durchschritten. Sodann ging es zum hochgelegenen Stomfels, das eine prächtige Aussicht bot, hierauf über das Reipperts durch das Gierbachtal nach Schotten. Hier wurde im Klublokal des Zweigvereins Schotten im „Hessischen Hof" (bei L. Hufnagel) fröhliche Einkehr gehalten. Rach jeder Seite befriedigt, wurde der Heimweg durch die herrlichen Laubacher Waldungen genommen. — Zu Ehren von Bernhard Grasen zu Solms-Lau- b a ch. der mit seiner ihm kürzlich angetoauten Gemahlin, geb. Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, Geld fällt Dom Himmel. Roman von Paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Unwillkürlich folgte er der Richtung, die ihr ausgestreckter Zeigefinger ungeniert wies. Es ioar Brodersens Wagen. Er erkannte ihn sofort. Drinnen saß Inge mit ihrem Vater. Seine Hände zuckten zum Hut. Aber Brodersen saß, wie immer, unbeweglich nach vorn starrend, ein grimmiger Hüter der Schönheit neben sich. Und Inge blickte in diesem Auaenblick beiseite, nach der Auslage eines Blumengeschäfts. Hatte sie sich eben umgedreht, um seinen Gruß zu vermeiden, oder halle sie ihn wirklich nicht bemerkt? „War das nicht der reiche Brodersen?" fragte Martha Rebmann neugierig. „Wer Sie find ja ganz rot geworden." „Unsinn", entgegnete er grob. „Das macht nur der heiße Tag." „Sie sind aber plötzlich rot geworden", beharrte sic. „Kennen Sie die Dame?" „Wollen wir nicht von etwas anderem sprechen?" Als er wütend mit der Faust auf den Wagenschlag fuhr, gehorchte sie , von ihm abrückend. Haß glomm in ihren Augen auf. Nach einer Weile stieß sie in bltterm Ton hervor: „Ich begreife. Sie wollen mit mir vor dieser Dame nicht gesehen werden. Sie genieren sich. Ich stehe ja so tief unter ihr, nicht wahr?" Als er erbittert schwieg, fuhr sie gehässig fort: „Wie gut es doch diese reichen Mädchen haben!" Sie ballte die Handschuhe zusammen, die sie in den bloßen Händen gehalten. Ihr Gesicht war verzerrt. Er sah auf diese gestopften Zwirnhandschuhe und empfand etwas wie Rührung. „Ob sie es gut haben bloß weil sie jeden Tag im Auto fahren können, noch dazu im eignen? Glauben Sie wirklich, daß das Geld das. Glück entscheidet?" „Ja, das glaube ich", stieß sie unter zusammengepreßten Lippen hervor. Er zuckte die Achseln. Natürlich, das war die Weisheit aller derer, die das Geld nicht besaßen. Es halle keinen Sinn, da mit Logik zu kommen. Der Wagen fuhr langsam die Rückertstraße empor. An einer starken Kurve bog er scharf ab, um einem Lastkraftwagen auszuweichen. Grotteck sah djcht vor sich Brodersens großes gelbes Haus. In dem breiten Vorgarten arbeitete ein Gärtner. Auf dem Balkon, da, wo er gestern mit Inge gestanden hatte, stand Blinsky, die Hand über der Stirn, als blicke er einem bestimmten Gegenstand nach. Grotteck erkannte das kühle, geringschätzige Lächeln, und er fühlte sich erleichtert, als der Russe sich abwandte. Einige Minuten später ließ er den Wagen vor dem Waldcafs halten. Es hatte keinen Sinn, diese Fahrt noch länger auszudehnen, und er suchte nach einem Grund, seine stummgewordene Begleiterin zu verlassen. Er trank schweiaend einen elenden Kaffee. Martha Rebmann schien seine schlechte Laune nicht zu bemerken. Sie wurde plötzlich redselig und erzählte un- oermillelt, in ihrem Eis löffelnd, von der Spanischen Wirtschaft, von ihren Kolleginnen und den musikalischen Wünschen des Publikums. „Viel Vergnügen macht es ja nicht, immer diese Schmarren zu spielen, aber es bringt doch etwas Geld ein. Und essen dürfen wir auch da, und der dicke Quevedo läßt sich dabei nicht lumpen. Und wenn solche Gäste wie Sie kommen, ist er noch um ein paar Grad höflicher." „Es kommen wohl nicht oft solche Gäste?" fragte er, endlich sein Schweigen brechend. Ein Schatten flog über ihr Gesicht. „O ja. Hin und wieder. Der Alcazar gilt ja als eine originelle Gaststätte. Aber sie find nicht alle so gut wie Sie." Nun tat sie ihm wieder leid. Er bemühte sich, sie seine Schärfe von vorhin vergessen zu lassen, was ihm leicht gelang. „Ich bin gar nicht gut", sagte er, während sie den Weg zum nahen Wald einschlugen. „Ich bin nur liebenswürdig, vielleicht auch gutmütig. Wer das ist etwas ganz andres. Zur Güte gehört bisweilen eine Härte, die ich leider nicht besitze. Mein Vater sagte immer: .Menschen, die nicht nein sagen können, kommen unter die Räder?" „Ihr Herr Vater lebt noch?" fragte sie. Sie sagte: Herr Vater! Anstandslehre — dachte er —, das Buch des guten Tons, na ja. „Nein, meine Mutter bewirtschaftet das Gut allein." „Ein Gut? Das muß herrlich fein. Ich bin noch nie auf ein richtiges Gut gekommen." „Ja, die Städter träumen vorn Landleben, auch wenn sie nicht Gerste von Lupinen unterscheiden können, und die Landleute laufen in die Städte wie die Motten ins Licht. So harmonisch ist der Sinn des heutigen Menschen." „Ist es ein großes Gut?" „So ziemlich. Aber es ist so weit von hier, daß ich Ihnen alles mögliche vorfchwindeln könnte, ohne daß Sie es zu kontrollieren vermöchten. Lassen wir das also." „Könnten Sie mich überhaupt anlügen?" fragte sie mit einem koketten Augenaufschlag. „Aber mächtig. Sie ahnen gar nicht, welche Kreise meine Phantasie zu ziehen vermag." „Phantasie? Dann raten Sie, woher ich flamme." „Sie? Aber das ist doch klar. Sie sind ein Zigeunerkind. Aus dem Stamm jener, welche lieben, wenn sie leben." Ihre Stirn krauste sich zu drolliger Wichtigkeit. „Sie irren. Ich bin aus einer guten Familie. Mein Vater ist ... aber das ist ja egal. Und ich habe das Konservatorium besucht." „Also eine höhere Tochter. Wer warum leben Sie dann in der verruchten Lust des Alcazar?" Nun würde eine lange Lügengeschichte kommen, vollgestopft mit Romantik wie die guten Würste daheim mit Fett und Majoran: erste, unglückliche Liebe, die harten Eltern, die Flucht bei Mondschein — ich werde kein Wort glauben. Aber es kam nichts davon. „Mein Bubikopf mar schuld daran!" Er glaubte nicht richtig gehört zu haben. „Ihr Bubikopf?" „3a, mein Vater erlaubte mir nicht, mein Haar zu schneiden. Es war auch beinahe schade: es reichte so weit." Sie deutete naiv die sanfte Rundung ihrer Hüften an. „Mein Vater hielt das für eine Erfindung des Teufels. Er ist bei einer Sette, müssen Sie wissen, wo man alles schrecklich ernst nimmt Und als ich doch zum Friseur ging und mit abgeschnittenem Haar zu Hause ankam — es war gerade beim Mittagessen —, hieb er mit dem Löffel in die Nudelsuppe, daß sie über das Tischtuch spritzte, Iunb schrie, nur Dirnen trügen sich so, und eine Dirne fei nicht seine Tochter. Dann ließ er mir durch meine Mutter Geld geben, das gerade für einen Monat reichte, und draußen war ich." „Was es doch für Tragödien gibt! Selbst meine Phantasie wäre nicht auf ein so pikfeines Motto verfallen. Heute könnte es sich Goethe mit feinem Gretchen leichter machen." „Sie lachen", schmollte sie. „Wer es war lange Zeit gar nicht zum Lachen. Gar nicht, versichere ich Ihnen." Er ergriff ihre Hand. „Das Lachen ift nur äußerlich. Ich bedauere aufrichtig, daß Sie an einem falschen Platz sind. Vielleicht kann man das aber ändern." Er verwünschte seine Ritterlichkeit, als sie sich an ihn schmiegte und ihre schönen dunkeln Augen zu iym aufsahen. Er befreite sich vorsichtig von ihr und ging den Waldweg voran. Ein weiter Blick öffnete sich. Der Wald kletterte die Höhe hinab und verlor sich in Wiesen und Gärten. Ferner schimmerten die roten Dächer und die goldenen Kirchturmhähne der Dörfer. Das Wasser eines schmalen Flüßchens blitzte bisweilen auf. Drüben auf der gebuckelten Höhe leuchtete ein weißer Tempel im griechischen Stil, die Grabstätte der einstigen Fürsten des Landes, die an der Stelle der längst abgebrochenen Stammburg stand. „Wie schön! Kann man darüber nicht allerlei vergessen, was die Engstirnigkett der Menschen zu gegenseitiger Quälerei ersonnen hat?" „Warum leben Sie eigentlich nicht auf dem Lande?" fragte sie vorsichtig. „Daran ist Venus schuld, mein Fräulein." „Also die Liebe?" Eigentlich sah sie wunderhübsch aus, wie sie so lächelnd vor ihm stand und ihren fraulichen Instinkt aussprach. Aber er nahm sich zusammen und erzählte ernsthaft, daß er laut Horoskop im Zeichen der Venus geboren sei. „Und das bedeutet, daß man zum Künstlertum verdammt und verflucht ist. Man kann nichts dagegen tun." Sie zögerte, ehe sie fragte: „Und jene junge Dame im Auto ist nicht der Grund, daß Sie hier bleiben?" Er drehte sich schroff um. „Wir müssen kehrtmachen. Es ist die höchste Zeit. Ich habe noch eine wichtige Probe für morgen." Sie folgte gehorsam, einen Schritt hinter ihm, den Kops gesenkt. - (Fortsetzung folgt.) SÄ Öte «n. m,,<^ t Qßj. meißcM?ta8 •o Spitze^hl HZ *SS SSüft1? ,’ä SÄ ?Ä>.- 1 das Kreuz mc SÜV?* JfM* S »*• ®« 3)dm tottbm butih non ?>mtgen M, 'erg. 9.h°.,t®om §ri^ Xrt“ 'n der Atzung öffent. d'^ouheimer 1 «ne der mobern* "e als vollkommen ' gestrigen Mjung todnbte Vtadtverival- n diese Drhaup. ' ®TÖänmgtn des biabtdervrbnetm» ^Wn der Stobt» Erstaunen dar» lö und Weise die i" der Friedkrger »en ist. Gestern abend luq Glocken Feuer- Einwohnerschaft in allgemein nach der ■nt Scheune in der Drand. Dei nähe» h nur einige Stab» ganz in der Dähe lens befanden und Se/ahr tourte so» »arte &f}euiK to.ir •etbieni die Feuer- t war und Hilst ten. schönsten Detter de- onntog der hiesige ;ei8berger Hö- rung unter Führung r. Die Wanderung , herbstlich gefärbte >urde das Horlosfial itten. Sodann ging feig, das eine prach» über das Aeipperis Schotten. Hier wurde igvereins Schotten Hufnagel) fröhliche ir Seite befriedigt, die herrlichen Lau» t - Zu Ehren von u Holws-Lau» kürzlich angeirauien MÄTSTmÄ Ho pikfeines Motiv h Goethe mit seinem 9tber es war lange ar nicht, versichere ich Lachen ist nur äußer- 3s." SSiS! w in **SgS -u i*"1 enillch Il,u/ „.in&r*1"-' ihren erzählte i lu|lUT"?m Zeichen her Mnd, dab Er mK° L Sn'®’* 1 «ö»»' ** zum Besuch seiner hiesigen Verwandten gekommen war, veranstaltete die hiesige Theater- Ssell schäft «ine Aufführung auf der Lieb- oer-Dühn« der hiesigen Kasino-Gesellschaft. Die eatergesellschaft. die sich aus allen Kreisen des Städtchens zusammenseht, wurde 1923 vom Gra- sen Bernhard begründet. Am Freitag wurde der Mosersche Einakter ..Der sechste Sinn" flott und verständnisvoll gespielt. Am Samstagabend brachten die hiesigen Dereme dem Grafen Bernhard und Gemahlin einen stattlichen Fackel- zug, worauf sie zu einem Freitrunk geladen wurden. __ . Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 9. Oft. Hm eine bequeme Verladestelle: für ihre Pflastersteine und den Grus am Bahnhof Reuhaus zu schaffen, hat die Mitteldeutsche Hartstein-In- vustrie das am Bahnhof Reuhaus gelegene Sägewerk der Gebrüder Himmels- b o ch, das schon längere Zeit stillsteht, weil zur Konkursmasse gehörig^ käuflich erworben. Seither wurden die im Basaltbruch „Rote Kuh" gewonnenen Materialien mittels Kleinbahn in die Rähe des Bahnhofs Reuhaus gebracht und dort in gewöhnliche Wagen gekippt, die von Pferden oder später von Bulldoggs gezogen und nach der eigentlichen Verladestelle am Bahnhöfe gebracht wurden. Dieses Verfahren war zu teuer. Kreis Lauterbach. WSA. Lauterbach, 9. Oft. Dieser Tage Bat eine Kommission aus Agram (Südslawren) das Zuchtgebiet desLauterbacherZtegen- zuchtvereins bereist und eine Anzahl rein» rassiger Saaner Ziegen für einen größeren Betrag aufgekauft und nach Kroatien abtransportiert, ein Beweis, wie sehr die Bestrebungen des Vereins auch im Ausland Anerkennung finden. Preußen. Kreis Wetzlar. C? Krofdorf, 9. Ott. Der älteste Einwohner unseres Dorfes, Pflastermeister Johann Adam Krombach, konnte gestern in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 87. Geburtstag feiern. — Die Kartoffelernte, die im allgemeinen als recht gut bezeichnet werden kann, ist beendet. Aus dem Kleebachtal, 9. Ott. Die Kartoffelernte wurde in den letzten Tagen in den Gemarkungen des Kleebachtales fas! überall beendigt. Abgesehen von höher gelegenen trockenen Aeckern, die nur ganz geringe Erträge brachten, ist im allgemeinen als Durchschnittsergebnis eine gute Mittelernte zu verzeichne'.'., da sich hier die lange Trockenheit nicht in dem befürchteten Maße ausgewirkt hat. Wesentlich geringere Erträge bringt die gegenwärtig einsehende Ernte der Hackfrüchte. Der durch die anhaltende Trockenheit verursachte Ernteausfall beträgt bei Dickwurz über ein Drittel einer normalen Ernte, während die Kohlrabi durchweg besser geraten sind. Kreis Marburg. WSR .Marburg, 8. Oft. In Uder wurde eine Frau, als sie einen Stier wieder ankoppeln wollte, von dem wütenden Tier a u f die Hörner genommen und gegen eine Mauer geworfen. Die Frau wurde entsetzlich z u g e r i ch t e t und starb nach einer Stunde an den furchtbaren Verletzungen. Sie hinterläßt sieben Kinder, von denen das jüngste erst einige Monate alt ist. ][ Marburg, 9.Oft. Als die Polizei tn vergangener Nacht gegen junge Leute, die Lärm verursachten, einschritt, sammelten sich auf die Rufe „Burschen heraus!" eine große Anzahl während der Universitätsferien sich hier aufhaltestder Studenten und sonstige Passanten auf dem Marktplatz an. Es kam zu Ausschreitungen und Schlägereien, die sich bis in die Nachbarstraßen hinein ausdehnten. Der Aufforderung der Polizeibeamten, die Straße zu räumen, wurde keine Folge geleistet, und so mußte schließlich mit Gewalt vorgegängen werden. Eine Anzahl der Ruhestörer wurde zur Anzeige gebracht. Maingau. Lpd. Frankfurt a. M., 8. Oktober. Am Samstag gegen 20.30 Uhr wurde auf der Main-Neckar- brucke am Gleis Ffm.-Hauptbahnnof-Siid, unweit der Sachsenhäuser Seite die Leiche des Schaffners Wegweiser durch das Zweiklaffensystem der Reichsbahn. Was jeder Reisende wissen muß! RDV. Am 7. Oktober ist das Z w e i k l a s s e n - system auf der Reichsbahn in Kraft getreten. Um unseren Lesern zeitraubende Fragen zu ersparen, haben wir hier in kurzen Merksätzen das Wissenswichtigste über die Tarifreform zusammengestellt. Die der Fahrpreis zu ermitteln ist: Man braucht nicht am Schalter nach dem Fahrpreis zu fragen. Man kann ihn ohne Schwierig- keilen selber ausrechnen, wenn man notiert: Der Grundpreis pro Kilometer beträgt in der 3. Klasse (Holzklasse) 3,7 Pfennig, in der 2. Klasse (Polsterklasse) 5,6 Pfennig und in der 1. Klasse (nur in internationalen, einigen wichtigen v-Zügen, FD= und FkD-Zügen vorhanden) 11,2 Pfennig. Die Kilometerzahlen für die einzelnen Strecken, mit denen diese Sätze jeweils zu multiplizieren sind, stehen im Kursbuch. Will man einen Eilzug ober t)-Zug benutzen, so treten zum Fahrpreis hinzu dieZuschläge für Eil - undSchnellzüge. Die Zuschläge sind in Zonen gestaffelt. Für Eil - z ü g e betragen die Zuschläge in der Nahzone (1 bis 35 Kilometer) für die 3. Klasse 0,25 Mark, für die 2. Klasse 0,50 Mark, in der ersten Zone (36 bis 75 Kilometer) 0,50 bzw. 1.— Mark, in der zweiten Zone (76 bis 150 Kilometer) 1.— bzw 2.— Mark, in der dritten Zone (151 bis 225 Kilometer) 1,50 bzw. 3,— Mark, in der vierten Zone (226 bis 300 Kilometer) 2,— bzw. 4,— Mark und in der fünften Zone (über 300 Kilometer) 2,50 bzw. 5,— Mark. Bei den S ch n e l l z ü g e n betragen die Zuschläge in der ersten Zone (1 bis 75 Kilometer) in der 3. Klasse 1 Mark, in der 2. Klasse 2 Mark, in der zweiten Zone (76 bis 150 Kilometer) 2 bzw. 4 Mk., in der dritten Zone (151 bis 225 Kilometer) 3 bzw. 6 Mark, in der vierten Zone (226 bis 300 Kilometer) 4 bzw. 8 Mark und in der fünften Zone (über 300 Kilometer) 5 bzw. 10 Mark. Für F D = 3 ü g e tritt außerdem ein Sonderzuschlag von 4 Mark in der 1. und 2. Klasse, für Den FFv-Zug (Rheingoldzug) ein Luxuszuschlag von 8 Mark in der 1. und 2. Klasse. Man kann jetzt billiger „Zweiter" fahren! Der Grundpreis für den Kilometer in der Polsterklasse (2. Masse) ist jetzt nm 25 Prozent niedriger als der bisherige für die 2. Klasse, und nur 0,6 Pf. höher als der für die bisherige 3 Klasse. Man kann also leichten Herzens, und ohne verschwenderisch zu sein, auch „Zweiter" fahren. Beispiel: Bisher zahlte man im Personenzug für 50 Kilometer in der 3. Klasse 2,50 Mk., jetzt in der 2. Klasse nur 30 Pf. mehr, nämlich 2,80 Mk., für 200 Kilometer bisher 10 Mk. 3. Klasse, jetzt 11,20 Mk. 2. Klasse. Eine Monatskarte kostete z. B. bisher bei 15 Kilometer Entfernung 3. Klasse 17,60 Mk jetzt in der 2. Klasse 19,60 Mk. Bei Eil- und Schnellzügen wird allerdings der Preisunterschied etwas größer, oa die Zuschläge hierbei sich auswirken. Die Benutzer von Monats- und Schülermonatskarten haben aber auch hier den Vorteil, daß sie zu demselben Preis, den sie bisher in der 2. und 3. Klasse zahlten, den Eilzug benutzen können, ohne Zuschlag zahlen zu müssen. welche Fahrkarten gelten? Die Bestände alter Fahrtartenmuster, auch der grauen 4. Klassekarten, werden aufgebraucht. 3n Verbindung mit entsprechenden Zuschlagkarten können diese Fahrtausweise auch in Eil- und Schnellzügen benutzt werden. Außerdem berechtigen zur Eilzugbenuhung die neuen Fahrkarten 2. und 3. Klasse mit dem Aufdruck „Eilzug" und rotem Querstrich und die a l t e n „Eiloder Personenzug"-karten, wenn sie den roten Querstrich tragen. Will man vom Eilzug zum Schnellzug übergehen, muh man eine weitere Eilzug-Zuschlagkarte der entsprechenden Klasse und Zone dazulösen. Besitzt man eine Karte für die Eilzug-Rahzone (bis 35 Kilometer), so muß neben der zweiten Eilzug-Zuschlagkarte der Rah- zone noch eine weitere der Zone I gelöst werden; denn im Schnellzug gibt es keine Rahzone. Es ist also zur Vermeidung allzuvielen Rachlösens zweckmäßig, sich vor Antritt der Reise über die verschiedenen Reisemöglichkeiten und Zuggattungen zu informieren. Sonntagsrückfahrkarten gibt es allgemein jetzt auch 2. Klasse. Gilzug benuhung gegen Zuschlagzahlung ist gestattet. Wurden zum Teil bet ihren Einbrüchen überrascht, doch gelang es ihnen, unerkannt zu entkommen; auch kann zur Zeit keine nähere Beschreibung von ihnen gegeben werden. Man vermutet, daß es sich mn Auswärtige handelt, di« auch anderweitig ihre „Kunst" versuchen werden. Der erne der Täter trug eine lederne Auto-Schirmmütze und eine lederne Jacke, der andere einen blauen Mantel und weichen Hut. WSR. Bad Homburg, 8. Oft. In einem hiesigen technischen Betriebe wurde vor etwa Jahresfrist auf Grund ausgezeichneter Zeugnisse prominenter auswärtiger Firmen ein 3 n g c - nieur eingestellt. Solange der Betrieb sich noch im Aufbau befand, fielen seine mangelhaften technischen Kenntnisse nicht auf. Jedoch in letzter Zeit kam es des öfteren vor, daß er in den einfachsten technischen Dingen versagte. Man ging seinen guten Zeugnissen nach, wobei sic sich als gefälscht herausstellten. Der „Ingenieur" hatte sich mittlerweile verduftet. Unruhen im Kasseler Wartesaal. WSR. Kassel, 9. Ott. In der Rächt »um Sonntag hatten sich in dem W a r t e s a a l dritter und vierter Klasse etwa 200 Personen angesannnelt, die zum Teil skanda- I i e r t« n und eine Schlägerei veranstalteten. Die Bahnpolizei sah sich genötigt, den Wartesaal zu räumen, konnte aber allein die Räumung nicht durchführen. Erst mit Unterstützung einiger Polizeibeamten gelang es, die Besucher aus dem Bahnhof herauszubringen. Hierbei wurde den Beamten starker Wider st and entgegengesetzt. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. ' Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 73 vom 9. Oktober enthält: Polizeiverordnung über die Entwässerung der Grundstücke in der Gemarkung Obbornhofen. — Berichtigung. — Dienstnachrichten. Kunst und Wissenschaft. Auszeichnung von Darmstädter Musikern. Anläßlich des glanzvoll verlaufenen Deutschen T o n k ü n st l e r f e st e 3 in D a r m st a d t hat die Stadt dem Intendanten Professor Ebert und dem Generalmusikdirektor Dr. Böhm für ihre ganz ausgezeichneten Leistungen bei der Leitung der verschiedenen Uraufführungen und sonstigen musikalk- schen Darbietungen die Preismünze In Silber verliehen. WUNNER““ BITUMENWERKE 6m mlUNNA i W. ^r^machf nasse Keller;feu, ein ungewöhnlicher Zigarettenname. Er wird verständlich, wenn man weiß, daß mit dieser Zigarette eine ganz neue Art, ein ganz neuer Typ geschaffen wurde. - - Typ 5 ist die Standard-Marke, d.h., das mustergültige Erzeugnis deutscherWert- arbeit. Durch die eigen- CITROEN AUTOMOBIL A.-L. tt'O L N - RO L L. % DER PREISWERTESTE EUROPÄISCHE WAGEN DIE BERLINS PREIS AB KÖLN RM.475O f; h?'': \ ' Kolter gut und preiswert . wie auch der a | Bettbiber I und die gerauhte 89253 B I Wäsche I C. Röhr & Co. OTTO FABER, GIESSEN, MUHLSTR. 22 1400 qm groß, an 2 Strahen liegend, im Ganzen oder geteilt, pro qm fflk. 2.-, zu ve,kaufen. Auskunft gibt, auck auf fchrifil. Anfrage, Gustav Wohlmnth, Seltersweg 711 Bekanntmachung. Die in der Kartei des Wohnungsamtes der Stadt Gießen eingetragenen Wohnungsuchenden werden hierdurch aufpeforbert, ihre Wohnungsgesuche mündlich oder schriftlich zu erneuern und folgende dem derzeitigen Stande entsprechende Angaben zu machen über 1. Familien- und Vorname; 2. Stand, Beruf; 3. Geburtsdatum; 4. Familienstand, ledig, verheiratet, verwitwet usw., 5. anwesende Familienangehörige, Ehefrau, Söhne, Töchter usw., deren Alter nach Jahren; 6. Zahl der Dienstboten; 7. Staatsangehörigkeit des Wohnungsuchenden; 8. jetzige Wohnung, Straße, Hausnummer, Zahl der Zimmer, Küche, Bad, Kammer usw.; 9. Wird die Wohnung im Haupt- oder Untermietver- hältnis bewohnt?; 10. Name des Vermieters; 11. Friedensmiete der Wohnung; 12. Gesuchte Wohnung. 87836 Die mündliche Erneuerung und Ergänzung der Wohnungsgesuche wird auf dem Geschäftszimmer des Städtischen Wohnungsamts, Lonystraße 21, in der Zeit von 9 bis 12 und 16 bis 18 Uhr entgegen- genommen von den Wohnungsuchenoen, deren Familienname beginnt mit dem Buchstaben: A: Dienstag, den 16. Oktober 1928; B; C und D: Mittwoch, den 17., und Donnerstag, den 18. Oktober 1928; E, F und G: Freitag, den 19. Oktober 1928; H und J: Montag, den 22. Oktober 1928; K und L: Dienstag, den 23. Oktober 1928; M und N: Mittwoch, den 24. Oktober 1928; O, P und Q: Donnerstag, den 25. Oktober 1928; R: Freitag, den 26. Oktober 1928; S: Montag, den 29. Oktober 1928; Sch: Dienstag, den 30., und Mittwoch, den 31. Oktober 1928; St: Donnerstag, den 1. November 1928; T,'U und V: Freitag, den 2. November 1928; W: Montag, den 5. November 1928; X, Y und Z; Dienstag, den 6. November 1928. Die bis zum 15. November 1928 nicht erneuerten Wohnungsgefuche werden für ungültig erklärt. Wohnungsuchende, die in der Kartei des Wohnungsamts noch nicht eingetragen find, können ihre Eintragung in der Zeit vom 15. bis 20. November 1928 bewirken. Gießen, den 4. Oktober 1928. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Hamm. Zwangsversteigerung^- Donnerstag, den 18. Oktober 1928, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer Nr. 106, das im Grundbuch für Gießen den Paul Arthur Gräfe Eheleuten in Gießen zugeschriebene Anwesen Wilhelmstraße 45 Flur V Nr. 208'/io 862 qm Hofreite Flur V Nr. 208'/io 75 qm Grabgarten geschätzt 50 780 Reichsmark versteigert. 7388V Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 8. August 1928. I. A. des Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. S1 Bekanntmachung. Betr.: Personenstands- und Betriebsaufnahme am 10. Oktober 1928. Durch Beamte des Polizeiamts Gießen werden an alle Dohnungs- und Betriebs- Inhaber Listen ausgegeben, die von jedem Inhaber einer selbständigen Wohnung oder eines Betriebes nach dem Stand vom 10. Oktober 1928 auszufüllen und alsbald an den Hausbesitzer oder dessen Vertreter zu übergeben sind. Die Nichterfüllung dieser Verpflichtung kann mit Geldstrafe belegt werden. 8817B Die näheren Bestimmungen bezüglich der Eintragungen sind aus den Vordrucken ersichtlich. Gießen, den 6. Oktober 1928. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seib. Zwangsversteigerung 16/28 Donnerstag, den 18. Oktober 1928, vormittags 9>2 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude, Zimmer 106, zu Gießen das im Grundbuche von Gießen den Innocenz Krack Eheleuten in Gießen zugeschriebene Anwesen Am Riegelpsad 56 Flur 5 Nr. 1215/io = 514 qm Hofreite Flur 5 Nr. 122 = 324 qm Hofreite geschätzt auf 29 650 Reichsmark versteigert. 7557D Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 20. August 1928. 3.21. des Hessischen Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Zwangsversteigerung Donnerstag, den 18. Oktober 1928, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer Nr. 112, das im Grundbuch für Gießen den Ludwig Ranft Eheleuten in Gießen zugeschriebene Anwesen am Nahrungsberg 29 Flur IV Nr. 78 144 qm Hofreite geschätzt 4580 Reichsmark; Flur IV Nr. 78°/iv 483 qm Grabgarten geschätzt 1690 Reichsmark versteigert. 7387D Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 8. August 1928. 3. A. des Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. (gelbfleifchtge Industrie) zum Emkellern, vro Zentner Mk. 4.25 (mit Sack Mk. 4.50), ab Butzbach-Ost versendet unter Nachn. bet sofortiger Bestell. D.Grünebaum,Butzbach ____________Fernsprecher 5._______8915V Sperrzeit für Tauben. Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, ihre Tauben während der Saatzeit vom 15. Oktober bis 15. November 1928 einschließlich einzuhalten, andernfalls die Taubenhalter zu gewärtigen haben, daß sie bestraft, und die Tauben von dem Feldschutzpersonal abgeschossen werden. 8938B Gießen, den 9. Oktober 1928. Der Oberbürgermeister. ______I. V.: Dr. Rosenberg.______ Arbeitsvergebung. Zur Befestigung des westlichen Bürgersteigs in de - Straße ..Am Nahrungsberg", zwischen der Licher Straße und der Berg- Ilrage, sollen Die lliuuvti- Uuo Pf.a|ttu- arbeiten auf Grund der Reichsverdingungsordnung vergeben werden. Angebote find spätestens bis 8947B ffiontag, den 15. Oktober 1928 vormittags 10 Uhr bei dem Städtischen Tiefbauamt, Asterweg Nr. 9, abzugeben. Angebotsvordrucke sind daselbst zu haben. Zuschlags- und Bindefrist: 14 Tage. Während dieser Zeit sind die Bieter an ihr Angebot gebunden. Gießen, den 9. Oktober 1928. Städtisches Tiefbauamt: Braubach. Beioeteo oon MMikeo. Für den Neubau von 18 Wohnungen an der Liebigstraße sollen die fianalifierungs-, Gas- und wasferleilungsarbeilen vergeben werden. 8926D Angebotsformulare und Näheres durch Architekt B. d. A. Hamann, Bergstraße 11. Angebote find verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis 2Rif(- woch, den 17. Oktober d. 3., daselbst einzureichen. Gießen, den 10. Oktober 1928. Baugenossenschaft 1894 e. G. m. b. h. Gießen. Fourier. Wölfer. Besucht die Handels- schule Knnselmann! Wer erteilt Hamonlum-DnlefTlchl? Angebote m. Preis an mttteld. Annonc.- Beped., Plockstr. 5, unter Nr. 521. 07181 Femto Fleischsalat mit Mayonnaise V« Pfund 45 3) Mayonnaise losen, in Gläsern Otenmanlsalat */i Dose 1.00 Oelsardinen Dosevon 354 an Feinste FellheiNe in Tomaten Dose £5 3) Ferner: BIsmanMierinfi Rollmöpse Flletherinö i.Wein-Tomaten Champignon- Mayonnaise u. 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Es folgte dann die Hauptnummer, der Mady Christians-Film der Terra „Eine Frau von Format." Das Drehbuch schrieben Fritz Wendhausen und Heinz Goldberg nach der gleichnamigen Operette von Schanzer und Welisch. Die Regie führte Wendhausen, der den Film in flottem Lenrpo, ohne Langatmigkeit und in sprühender Laune abrollen ließ. Fritzi Massary, die Dschillh Bey der Sprechbühne, errang einen ungeheuren Erfolg — hier war es die reizende, frische Mady C h r i st i a n s, die den Erfolg auf ihr Konto buchen konnte. Das Publikum war angeregt und rief Mady Christians einige Male vor den Borhang. „Eine Frau von Format" wird ohne Zweifel ein Riesenerfolg werden. Die Max Glaß-Produktion G. m. b. H. brachte kürzlich im Verleih der Terra den Film „Leontines Ehemänner", der sich mehr als unzulänglich erwies. Mängel des Drehbuchs (Max Glaß) werden auch durch die Regie R. W i e n e s nicht wettgemacht. Die leichtfertige Leontine, die von ihrem Gatten geschieden ist, springt in diesem Stück von einem Manne zum andern, gibt eine Episodenrolle als sittsame Schloßfrau, deren Sittsamkeit bei einem Dauerntanz fast in die Brüche geht. Dieses Fest ist jedoch die einzige Szene, die wirklich gelang. Hier ist Claire R o m m e r, die Darstellerin der Leontine, am richtigen Platz, in den übrigen Szenen wirkt sie fast durchweg übertrieben. Die prächtige Adele Sandrock rettet, was zu retten ist, ihr galt auch in erster Cinto der Beifall des Publikums. Einen Sondererfolg holte sich in einer kleinen, aber erfrischend, natürlich gespielten Schwipsszene Lotte Stein. Georg Alexander hatte nichts weiter zu tun, als weinerliche Grimassen zu schneiden, C. W. Metze r, Oskar S i m a, Luigi Serventi und Trus von Alten blieben eindruckslos. Einen guten Film schuf die Ufa mit dem Filmspiel „Die Dame mit der Maske". 3n die Inflationszeit verlegt, gibt der Inhalt das Schicksal eines verarmten Offiziers wieder, dessen Tochter heimlich als Star in einer Revue auftritt. Sie trägt, um ihr Inkognito zu wahren, eine Maske. Daß ein junger russischer Graf, der ebenfalls an dem Revuetheater beschäftigt ist, ihr Retter und späterer Gatte wird, ist ebenso selbstverständlich, wie das Dasein eines Emporkömmlings, der dem jungen Mädchen nachstellt. Der Regisseur Wilhelm Thiede hatte eine dankbare Aufgabe, die er treffsicher löste, während der Kameramairn Carl D r e w s klare und eindrucksvolle Ausnahmen schuf. Eine besonders gut gelungene Komposition war die Inflations- Vision am Beginn des Films, die von Hans Richter virtuos zusammengestellt worden war. Die Titelrolle spielte Arlette M a r ch a l mit feiner Zurückhaltung. Max Gülstorf f s verarmter Aristokrat, W. Gaidarows junger russischer Emigrant und Paul Hörbigers Bauernknecht waren ausaMcichnete Typen. Am erndruckvollsten aber toitiST Heinrich Georges Emporkömmling, der mit wenigen Gesten alles zu sagen verstand. Im neuen Ufatheater ^Universum" am Leh- niner Platz läuft zur Zeit mit großem Erfolg der neue Pola-Äegri-Film „Das zweite Leben". Der Erfolg ist auf das Konto Pola Regris zu setzen, denn die Regie Rvwland .B. Lees ist reichlich temperamentlos. Die Handlung schildert das Schicksal einer Gräfin, die schuldig imb unschuldig zugleich, einem Verführer erfiegt, dem sie auf einer gemeinsamen Reise Seelisches im Film. Von Arnold Hart. Der Firm hat seine gesamte und technische Entwicklung in der kurzen Zeitspanne von etwa 30 Jahren durchgemacht. Trotzdem kann man schon jetzt Etappen in dieser Entwicklung umgrenzen, die für das Verständnis des Wesens der Fllmkunst überaus aufschlußreich sind. Es ist leicht verständlich, daß die Urform des Films das einfache Dewegungsbild gab, bei dem alles auf äußere Sensation, äußeres Geschehen eingestellt war. Seinen vollendeten Ausdruck hat dieses Genre in den modernen Grotesken, Wild- West- und Sensationssilmen erhalten und hat mit ihnen auch wohl seinen Höhepunkt erreicht. Dann kam das Genre, das wir als Monumentalfilm bezeichnen. Es kam um jene Zeit, als der Film sich seiner ungeheuren, dem Theater selbstverständlich unerreichbaren dekorativen Möglichkeiten besann. Berauschender Prunk wurde entfaltet, riesige Bauten^ errichtet, täusendköpfige Komparsenmengen verwandt. Und das Publikum strömte in die Kinos, um sich an der „großen Schau" sattzutohen. Jetzt stehen wir wieder am Anfang einer sehr interessanten, bedeutsamen Epoche. Ein vor kurzem erschienener Film hat bewiesen, daß wir jetzt endlich so weit sind, auch seelische Probleme im Film behandeln zu können. Ich meine den Film „Heimkeh r". Dieser Film ist kein Kriegsfilm, er ist vollständig frei von jeder nationalen und politischen Tendenz. Keine Schlacht wird dort geschlagen, keine kriegs- und revolutionsbegeisterte Menge gezeigt. Sein Geschehen ist verankert in den Rachwirkungen des Weltkrieges, jenen Rachwirkungen, mit denen wir alle immer noch kämpfen müssen, von denen unser Leben auch letzt noch stark beeinflußt wird. In diesen Rahmen stellt der Film „Heimkehr" das Erleben dreier Menschen. Eine Frau steht, ohne es zu wollen, zwischen zwei Männern, die bisher Freunde nach Wien in sein Landhaus folgt. Da der Zug kurz hinter Schandau, wo die beiden das Ab leck verlassen haben, einer Katastrophe zum Opfer fiel, glaubt man, daß die Gräfin in dem völlig ausgebrannten Waggon den Tod gefunden habe. Im Bewußtsein ihrer Schuld Härt sie das Mißverständnis nicht auf, sondern flüchtet mit gefälschtem Paß nach Paris, wo ein abenteuerliches Leben beginnt. Als Gehilsin eines Falschspielers erträgt sie jahrelang dieses Leben, für ihre geringe Verfehlung büßend. Ein Zufall führt sie mit ihrem einstigen Manne zusammen, der durch die Aehnlichkeit mit seiner totgeglaubten Frau angezogen, sich ihr von neuem nähert, ohne sie zu erkennen. Als sie sich ihm zu erkennen geben will, erfährt sie von ihm selbst, daß auch er sie in der gleichen Rächt betrogen hat. Durch dieses Geständnis enttäuscht, wendet sie sich von chm ab, nimmt ihre kleine Tochter mit sich und geht mit einem reichen, jungen Amerikaner, der sie liebt, über das große Wasser. Alles in allem eine rührende Geschichte, deren Verfilmung noch wirksamer hätte gestellt werden können. Pola Regri gibt die Rolle menschlich und eindringlich, ihr Spiel fesselt in jeder Szene und man vergißt darüber die großen Mängel des Ganzen, das zudem noch an einer Lieberfülle an Zwischentiteln leidet. Ferner gibt die Terra in ihrem neuen Mozart - saal die ausgezeichnete Verfllmung eines ausgezeichneten Stoffs, der „Revolutionshoch- 8eit", die sich recht eng an das überall bekannte Schauspiel von Sophus Michaelis anlehnt. Kurz sei daher nur an den Inhalt erinnert: ein adliger Emigrant wird auf dem Schloß seiner Braut in dem Augenblick überrascht, da er eben getraut wurde. Es wird ihm die Hochzeitsnacht als Gnadenfrist geschenkt, aber der Feige weih sich dieses Geschenks nicht zu freuen. Er wird durch den Oberstleutnant der Revolutionsarmee, Marc Arron, gerettet, der das Fräulein liebt, aber nun an Stelle des Entwichenen erschossen wird. Zu spät kommt die Rachricht, daß der flüchtige Adlige ebenfalls von einer Patrouille getötet wurde. Das Manuskript (von Rorbert Falk und Robert Liebmann) verschärft die Spannungen der tödlichen Hochzeitsnacht ganz außerordentlich. der Regisseur A. W. Sandberg holt — bis auf die ausgedehnten Großaufnahmen der Abschiedsepisoden — letztes aus dem Stoff heraus. und die Darsteller Diomira I a c o b i — die schöne Schwester von Maria — Gösta Ckmann (sehr einfach und unpathetisch.als Revvlutions- oberst) und die hübsche Karina Dell ergeben ein treffliches Zusammenspiel. Gin Sonderlob für Fritz Kortner, der einen rauhen Revolutionsmann mit goldenem Herzen groß und ergreifend verkörpert. Im „Universum" gab es „Looping the l o o p" (Die Todesfchleife). Sagt auch schon der Titel genug von Manege und Zirkusinilieu aus, variiert er auch das Thema von Bajazzo — wie oft wurde es schon gefilmt! — in dessen Komö- bicmtenLruft die heimliche Sehnsucht nach einem harmlosen Heinen Mädchen und nach einem bürgerlichen Glück wohnt, so erhält hier alles eine höhere Bedeutung durch Arthur Robinsons Regie und vor allem durch Werner Krauß, den berühmten Clown Dotto dieses Films — von allen Manegebajazzos der schlichteste, einfachste, ergreifendste, den man sich vorstellen kann. Krauß beim Abschminken, wenn aus der weihen Clownfratze das Gesicht des Menschen sich hervorschält, Krauß als Spaßmacher in der Manege. Krauß als einsam resignierender Mensch, der sein Leid durch einen Londoner Rebelabend trägt: das sind einige Szenen, die man nicht vergißt. Das Mädchen, das er dann nach einigen tausend Metern Handlung wirllich bekommt, ist Jenny I u g o, der schöne, Herzen brechende Artist, der ihn so lange daran hindert, Warwick Ward. Die Regie hat das Ganze mit reichem Aufwand zirzensisch untermalt, die Manegeatmosphäre, die romantische Artistenluft, welche auch dieses Spiel erfordert — der große Trick mit der waghalsigen Todesschleife löst erst am Ende die Spannung — sind in schön photographierte Bilder gebannt. A. Wie wird man ein Filmstar? Von Sam Goldwyn. Der Autor ist einer der bedeutendsten Filmproduzenten Amerikas. Mein ganzes Leben fast verbringe ich auf der Jagd — nämlich auf der Jagd nach Filmstars. Ich suche Männer und Frauen, die es nach Ruhm dürstet, und die schnell reich werden wollen. Ich suche sie, wo immer sie leben mögen, sei es im kalten Rorden oder in der Rähe des Aequa- tors. Aber, aber — ihr Hunderttaufende, die ihr davon träumt, einmal ein Filmstar zu werden, bevor ich euch bitte, mir eure Photographie und euren Lebensgang einzusenden, halte ich es als guter Geschäftsmann für zweckmäßig, eich meine Bedingungen zu stellen. Ich habe nicht viel Zeit zu verlieren und bin daher kurz und sachlich. Sieben Eigenschaften muh der erfolgreiche Filmstar und jeder, der ein solcher werden will, auf- weisen: Persönlichfeitswert, Arbeitslust, Phantasie, Intellekt, Sinn für Humor, Jugend, Bescheidenheit und individuelle Rote. Schöne Männer und Frauen gibt es genug auf der Welt. Man kann sie überall antreffen. Körperliche Stärke bewundern wir in der Zirkusarena oder im Boxring. Eine ungezügelte Phantasie geistert uns aus den Irrenanstalten entgegen. Intellekt ist beliebt als ein wertvolles Sprungbrett zum Aufstieg, Humor wuchert üppig beim niederen Volke wie in höchsten Kreisen, und was die Jugend betrifft, so muh ja selbst Methusalem einmal jung gewesen sein. Bescheidenheit ist allerdings eine seltene Tugend. Wenn man sich jedoch Mühe genug gibt, sie zu suchen, so kann man sie auch noch in kleinen, verträumten Städten finden. Die individuelle Rote schwingt im Rhythmus unserer modernen Großstädte. Jede dieser Eigenschaften finden wir also genügend weit verbreitet. Aber um alle Eigenschaften in einer einzelnen Persönlichkeit vereinigt zu finden, müssen wir die Geduld eines Diogenes und die Menschenkenntnis eines Sokrates besitzen. Es ist selten, daß ein junger Mensch, der über eine ausgeprägte persönliche Rote und eine rege Phantasie verfügt, bescheiden ist. Roch sÄtener ist es, dah ein Mensch mit starker Individualität gern arbeitet und eine Belehrung hinnimmt, ohne den Stachel im Inneren zu fühlen. Wer die Filmbranche kennt, wird mir ohne weiteres recht geben, wenn ich sage, dah es auherordentlich schwer ist, einen richtigen Filmstar zu entdecken. Meine Agenten bereisen die ganze Welt, „von Grönlands Eisgefilden bis zu Indiens rotem Korallenstrand", um mich poetisch auszudrücken. Wenn sie jemanden entdecken, von dem sie glauben, daß er ein Filmtalent ist, so nehmen sie gewöhnlich em Lichtbild von „ihm" bzw. von „ihr", oder, toerm möglich, sogar einen kurzen Film auf, den sie mir dann einsenden. Glaube ich bei der Betrachtung oder Vorführung der Bilder irgendwelche Entwicklungsmöglichkeiten entdecken zu können, so fordere ich zunächst weitere Bilder an. Ich sehe mir meine Leute aufs genaueste an, bevor ich eine endgültige Entscheidung treffe. Ich selbst bin auf der Jagd nach Filmstars in Theatern, Varietes, auf der Straße, kurz, wo immer ich gehe und stehe. Hunderttausende von Leuten, die gern Filmstar werden mochten, bieten sich mir an. Als ich jüngst in London war, um der Vorführung eines meiner Filme beizu- wohnen, bildeten die Komparsen, die sich mir vorzustellen wünschten, eine lange Schlange vor meinem Hotel. Polizei hatte die Leute in Schach zu hallen. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dah der Zufall bei der Entdeckung eines Filmstars eine wuchtige Rolle spielt. Wenn ich im Auto durch dto Strahen fahre, wenn ich mir die Schaufenster einer Weltstadt ansehe, wenn ich in irgendeinem fashionablen Restaurant speise oder vielleicht der harmlosen Vorstellung einer waren. Es ist ein rein seelisches Problem, das der Regisseur Joe May hier anschneidet: der Kampf zwischen Freundschaft und Liebe. Er zeigt, wie feine, konrplizierte seelische Vorgänge im Film rein bildlich darzustellen sind. Er zeigt, dah nicht nur die technischen Möglichkeiten des Films einen ungeahnten Aufschwung genommen haken, sondern dah der Film auch rein künstlerisch eine große Entwicklung durchgemacht hat. Durch raffinierte Bildmontage und stimmungsvolle Photographie vermittelt May, fast ohne erklärende Titel anzuwenden. Eindrücke, die dem stummen Film bisher verschlossen waren.*) Trotzdem hätten wir diesen Film vor wenigen Jahren nicht verstanden. Roch vor kurzer Zeit hätte uns ein seelisches Geschehen im Film nur durch endlos lange Zwischenschriften verständlich gemacht werden können. Es ist erfreulich, festzu- stellen, daß wir jetzt endlich wieder sehen gelernt haben und daher in der Lage sind, die fllmischen Feinheiten und Andeutungen zu verstehen. Das ist ein Verdienst der Filmkunst und eine nicht zu unterschätzende Bereicherung unteres Ein- und Ausdrucksvermögens, das bisher rein begrifflich an das abstrakte Wort gebunden war. Der Schrei nach dem Querschnitt... ... zunächst durch Henny Porten. Da heute alles nach seinem Wert als Querschnitt beurteilt wird, braucht man es dem Film nicht zu verübeln, wenn er auch von dieser Erscheinung e rgriffen wird. Dr. Oskar K a l b u s . der Kulturfilmmann der Ufa, hat den Gedanken der Querschnittfilme geboren, die er mit einem Vortrag begleitet, um sich als Vater des Gedankens, von dessen Würde und Wichtigkeit er natürlich überzeugt ist, ins! Licht des Publikums zu setzen. Also: Querschnitt durch — •) Dgl. hierzu die gestrige Besprechung von „Anna Karenina". D. Red. Zunächst durch Henny Porten. Das bedeutet: sie wird in vierzig, meist chronologisch geordneten Rollen vorgeführt. Von etwa 1909 bis 1928. Also rund 20 Jahre Filmentwicklung, hier dargestellt an einer Schauspielerin, die, mag man zu ihr stehen, wie immer man will — und Schreiber dieses steht zu ihr mehr als kühl — als unbestrittener Publikumsliebling diesen Gang des Films repräsentiert, Lind so wie durch unsere Henny kann man Querschnitt durch allerlei Gebiete legen, da hat sich ein neuer Zweig des Kulturfilms aufgetan, zu dessen Bereicherung man nur in den filmischen Archiven zu stöbern braucht, um sicherlich mancherlei Interessantes ans Licht zu fördern. Zum Thema alte Filme: es gibt in Berlin Unter den Linden das Kamera-Theater, das nur von diesen alten Filmen tobt. Man sieht sie sonst nicht mehr, da alle anderen Filmhäuser nach den letzten Reu- heilen hetzen: also bringt sie dieses eine Filmtheater. das sehr gut gehen soll, und es ist erstaunlich, was für eine Masse alter Filme vorhanden sind, die immer noch Wert haben, so daß sich auch schon beim Film die Scheidung zwischen Augenblicks- und Ewigkeitskunst (entschuldigen Sie das Wort) durchzusehen beginnt. Der Querschnitt durch Henny aber! Vierzig Rollen in zwei Jahrzehnten. Von dem ersten Kurzdrama „Verkannt" — eine heute sehr komische Geschichte aus den Kinderzeiten des Films — bis zum Schlußakt des Schauspiels „Zuflucht". Dr. Kalbus steht währenddessen an seinem Dor- tragspult und erklärt. Etwa so: „Dieses Bild hat auch e in hohes biographisches Interesse. Sie sehen hier Henny Porten im Zusammenspiel mit ihrem Mann, der nachher im Felde fiel. Oder dann: „Uno endlich erhielt- die Künstlerin das schmerzliche Telegramm, auf das wir in jenen Jahren alle warteten. Ihr Mann war gefallen. Aber Künstler dürfen nicht klagen. Und so entwickelte denn auch Henny Porten erst aus üjrem Schmerz die ganze Tiefe ihrer Kunst." So er* Dilettantenbühne beiwohne, so entdecke ich oft genug Persönlichkeiten, von denen ich instinktiv sichle, daß die Möglichkeiten in ihnen schlummern, in kurzer Zeit zu einem Liebling des internationalen Filmpublikums zu werden. Kürzlich war ich aus der Suche na'p einer Filmschauspielerin als Partnerin für Ronald Colman und einem Filmschauspiele', als Partner für Dilma Banky. Man hat mir vorgeschlagen, Dilma Danky in einem Film mit chrem Gatten Rod la Roque spielen zu lassen. Ich halte nichts davon Eheleute in einem Film Liebesszenen spielen zu lassen. Der Film soll uns in unbelannte Gefilde führen, er soll uns die blaue Blume der Romantik bringen. Wie kann der Zuschauer irgendwie von dem Spiel ergriffen werden, wenn er von vornherein weiß, daß die beiden Harchtpersonen, die im Film allerhand Schwierigkeiten zu überwinden haben, bevor sie sich zum guten Ende glücklich in die Arme sinken können, bereits seit Jahren Eheleute sind. Hat man ein echtes Talent gefunden, dann ist es verhältnismäßig leicht, aus dem Betrefienden einen wirklichen Star zu machen. Es ist kein Kunststück, aus euvm Anfänger, der die sieben eingangs von mir erwähnten und als unumgänglich notwendig bezeichneten Eigenschaften besitzt, einen berühmten Filmschauspieler oder eine vergötterte Filmschauspielerin zu machen. Dazu gehört keineswegs eine Riesenreklame, sondern alles, was man zu tun hat, ist, das neu entdeckte Talent in einem ausgezeichneten Filmspiel auftreten, dieses von einem vorzüglichen Photographen aufnehmen zu lassen, kurz alles daran zu wenden, einen wirklich erstklassigen Film zu schaffen. Mary P i ck f o r d , die Geschwister G i s h , Mae Murray und alle die anderen Stars, die ich bisher lancierte, verdanken ihren Weltersolg dem Llm- stande. dah sie einen guten Start in einem wirkungsvollen Film erhielten, d. h. einem Film, dem ein gutes Drehbuch zugrunde lag. Was ist nun aber ein gutes Drehbuch? Es muß Interesse erwecken und die Handlung in geschicktem Aufbau logisch zu Ende führen. Wenn eine Frau einen Mann liebt, so muß diese Liebe dem Publikum verständlich erscheinen: wenn die Wege der beiden sich zeitweilig trennen, müssen die Gründe für diese Trennung einleuchtend sein und schließlich muß es erklärlich sein, wenn sich beide zuletzt wieder entschließen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Eine sehr wichtige Rolle spielt der Hintergrund oder das Milieu des Filmspieles, das fast jedem Felde menschlicher Tätigkeit entnommen werden kann und ebensogut Börse oder Rennbahn wie Klubleben oder Boxkampfarena sein kann. Das alles klingt vielleicht recht einfach und ist doch das letzte große Geheimnis der Filmkunst. Wie ich auf der Suche nach Filmstars bin, so bin ich auch stets auf der Jagd nach guten neuen Drehbüchern. Ich bin jederzeit bereit, für eine gute Filmidee 1000 Dollar und noch mehr zu zahlen. Es muß aber auch eine wirklich brauchbare Idee fein, die neuartig, reizvoll und technisch durchführbar ist. Man kann oft eigenartige Wirkungen durch neue optische Mittel erzielen, reizt aber damit vielleicht nut eine kleine Minderheit des Filmpublikums, ohne auf die große Masse Eindruck zu machen. Einen guten publikumswirksamen Film herzustellen, kostet sehr viel Zeit und meist sehr viel Geld. Man muß immer versuchen, der großen Gemeinde der Filmliebhaber zu gefallen und nicht nur einer hochkultivierten Oberschicht. Man muß auch daran denken, daß das große Publikum menschlich ergreifende Filmspiele vorzieht und nicht etwa überspannte, phantastische Sujets. „Das Publikum wünscht..." — ist ein Ausspruch, den man oft hört. Was wünscht das Publikum? Tausende von Menschen verwenden ihre ganze Zeit darauf, den Schlüssel dieses Geheimnisses zu finden. Meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, daß das Publikum, das wie ein großes Kind ist, eigentlich nur zwei Gemütserregungen im Film sucht: das Lachen und das Weinen. Zeigt man ihm einen Film, der diesen seinen primifiven Wünschen entspricht und der einen menschlich sympathischen, künstlerisch wertvollen Star in der Hauptrolle bringt, so wird es stets ausrusen: „Das ist ein guter Film!" zählt er, und man erinnert sich mit leisem Schauern an die Ansager der finsteren Kintöppe. Dabei geht nun — in den vierzig Rollen — unsere Henny ihren Auhmesweg. Sie entwickelt sich von einer stummen Pantowimin zur Schauspielerin, und wenn man von heute ungeheuerlich wirkenden Lächerlichkeiten der Kleidung, der Kulissen. der Photographie abfieht, rast die Entwicklung der Filmtechnik mit einer hinreißenden Schnelle die enorme Strecke vom elenden Kitsch zur Literatur, sagen wir zaghaft und voller Bedenken: zur filmischen Kunst. — Was unsere Heirnh angeht, so ist nicht erinnerlich, dah sie auf diesem Wege besonders führend oder richtunggebend gewesen wäre, sie hat diesen Weg mitgemacht ist ihn mitgegangen wie alle ihre Partner, die im langen Zuge auf der Leinwand erscheinen: Abel, Dassermann, Deutsch, Dieterle, Jannings (man sieht ihn in seiner ersten Rolle, einen guten Jungen, naiv, harmlos und scheinbar ohne hervorragende Begabung), Kortner (in Jessners „Hintertreppe", die der Vortragende etwas abschätzig als Experiment bezeichnet — warum eigentlich?), Werner Krauß, Harry Ltedtte, Schünzel. Da stehen sie alle, in alphabetischer Reihe, die diesen filmischen Siegeslauf mitgegangen sind und noch immer ihn gehen. Hnb das alles, diese ungeheure Strecke von „Verkannt" bis zur „Zuflucht", hat sich binnen zwanzig Jahren ereignet, diese Kluft zwischen Kitsch und Machwerk und Literatur und Höhe hat sich in so kurzer Zeit überwölbt, davon noch vier Jahre vorn Krieg, mindestens ebensoviele von seinen drückendsten Rachwehen besetzt waren. Lieberblickt man diesen Weg, den man unter Führung unserer Henny zurückgelegt hat, so weiß man, daß wir heute noch gär nicht so sehr weit kamen, daß alles erst noch einen Anfang bedeutet, daß alles Werden und Wachstum und Entwicklung ist. Auch im Film. Weil er ja zu deni menschlichen Dingen gehört. B. D. Wirtschaft. Ernievorschuß durch den Handel. Die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt hat der -Zentrale der Getreide-Kreditbanken einen Sonderkredit zur Verfügung gestellt, um eine Bevorschussung der Getreideernte durch den Handel zu fördern. Die Einzelheiten des Vorgangs bei der Erntefinanzierung durch den Handel sind folgende: Der Kredit wird durch Einreichung von Wechseln gewährt, welche von einem Händler ausgestellt und auf einen Landwirt gezogen sind. Die Wechsel müssen bei der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt domiziliert sein, das Giro einer der der -Zentrale der Getreide-Kreditbanken angeschlossenen Gesellschaften tragen und eine Laufzeit von nicht unter drei Monaten haben. Prolongationen sind im Einzelfalle mit der Maßgabe zulässig, daß die gesamten Wechselverpflichtungen spätestens bis zum 1. Juli 1929 abgedeckt sein müssen. Die eingereichten Wechsel werden mit den angeschlossenen Gesellschaften zum Satz von 7.5 Prozent abgerechnet. Die Provision ist hiernach zu bemessen, dah der Landwirt das Geld zum Höchstsatz von 9,25 erhält. Jedem Wechsel mutz ein Getreidelombardgeschäft zu Grunde liegen. Sn welche Rechtsform das Lombardgeschäft gekleidet wird, bleibt dem Händler überlassen: die Sicherungsübereignung wird als am zweckmäßigsten angesehen. Daß ein Lombardgeschäft dem Wechsel zu Grunde liegt, muß der Getreidehändler der Getreide-Kreditbank durch Einreichung der Unterlagen nachweisen. Die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt' verlangt ferner, daß bei jedem derartigen Lombardgeschäft der Landwirt einen erheblichen Teil, etwa ein Drittel der betreffenden, im übrigen zu lombardierenden Getreideart verkauft. Ruch hierüber muß der Rachweis gesühct werden. Bei der Einreichung der Wechsel ist in dem Begleitschreiben ausdrücklich anzugeben, daß den Wechseln rechtsgültige Lombardwechsel zu Grunde liegen, und daß der Landwirt das Derkaufsgeschäft getätigt hat. Die Getreide-Kreditbank muh eine gleiche Erklärung der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt bei Weitergabe der Wechsel abgeben. Die Möglichkeit, derartige Wechsel der Rentenbank-Kreditanstalt vorzulegen, besteht seit den ersten Tagen dieses Monats. Oie Reichsbank Anfang Oktober. Dach dem Ausweis der Reichsbank vom 6. Oktober hat die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombards und Ekelten um 272,9 Millionen auf 2512 Millionen Mark abgenommen: im einzelnen hat sich der Bestand an Wechseln und Schecks um 230,3 Millionen auf 2345,8 Millionen Mark und der Lombard bestand um 42,4 Millionen auf 59,2 Millionen Mark verringert. Die Anlage in Effekten weist mit 93,5 Millionen eine Verringerung um 0,3 Millionen Mark auf. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 266,3 Millionen Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen, und zwar hat der Umlauf an Reichsbanknoten um 238,1 Millionen aus 4592,1 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 28,3 Millionen auf 542 Millionen Mark ab genommen. Dementsprechend und unter Berücksichtigung, dah in der Berichts- Woche 7,4 Millionen Mark an Rentenbankscheinen getilgt worden sind, hat sich der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen aus 27,1 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 511,3 Millionen eine Zunahme um 8,2 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen insgesamt haben um 62,7 Millionen auf 2639 Millionen Mark zugenommen. Sm einzelnen sind die Goldbestände mit 2487,1 Millionen Mark, die Bestände an deckungs- fähigen Devisen mit 151,9 Millionen Mark ausgewiesen. Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte sich von 49,6 Prozent in der Vorwoche auf 54,2 Prozent, die durch Gold und deckungsfähige Devisen von 53,3 Prozent aus 57,5 Prozent. * • Der Pass agier- und Frachtverkehr der deutschen Seehäfen. Rach amtlichen Statistiken wies Hamburg auch für 1927 den stärksten Passagier- und Frachtverkehr unter den deutschen Seehäfen auf. Der seewärtige Güterverkehr betrug über 25 Millionen Tonnen, b- h. das Fünffache der in Bremen umgeschlagenen Güter und rund 53 Prozent des gesamten deutschen Güterverkehrs über See. lieber Hamburg reisten 129 208 Passagiere nach Uebersee, wobei zu bemerken ist, daß die Personenbeförderung über Hamburg fast vollständig durch deutsche Schiffe erfolgt. * Stand der Hackfrüchte und Futterpflanzen im Deutschen Reich zu Anfang Oktober. Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamts ist unter dem Einfluß der vorherrschend trockenen Septemberwitterung die Ernte det Halmfrüchte allenthalben rasch zu Ende geführt worden. Für das Wachstum der Hackfrüchte und Futterpflanzen war das trockene Wetter jedoch im allgemeinen wenig günstig; insbesondere wurde die Entwicklung der Rüben durch die lange Trockenheit fast allenthalben gehemmt. Mit der Ernte der Kartoffeln ist überall begonnen worden. Ihr Ertrag wir auf leichten Böden als zufriedenstellend, auf besseren Böden als nahezu gut beurteilt. Mehrfach wird hier jedoch Zwiewuchs erwähnt. Die Grummeternte ist der Beschaffenheit nach durchweg gut, der Menge nach weniger befriedigend ausgefallen, lieber geringe Erträge wird namentlich aus Süd- und Älitteldeutschla'nd berichtet, wodurch sich die dort herrschende Futtekknappheit noch weiter verstärkt hat. Die Herbstbestellung ist bis jetzt infolge der schwierigen Bearbeitung des zumeist stark ausge- trockneten und verhärteten Bodens noch im Rückstände. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 = gut, 3 = mittel, 4 = gering, ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Bewertung: Kartoffeln 2,9 (Vormonat 3,0), Zuckerrüben 3,3 (3,0), Runkelrüben 3,1 (3,0), Klee 3,3 (3,5), Luzerne 3,5 (3,5), Bewässerungswiesen 3,0 (3,1) andere Wiesen 3,4 (3,6). * Daimler-Benz A. -G., Berlin- Stuttgart. Zu den verschiedenen Berichten über die Lage der Daimler-Benz A.-G. Berlin- Stuttgart teilt die Verwaltung der Gesellschaft folgendes mit: Die Umsätze in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres haben die der entsprechenden Vorjahrsperiode übertroffen. Der derzeitige Auftragsbestand sichert den Werken Beschäftigung für etwa zwei Monate. Die zur Verbesserung des Maschinenparks und Verbreiterung der Auslandorganisation eingegangenen Schulden betragen rund 7 Mill. Mk. und verteilen sich auf die zehn Danken der Gesellschaft. Daneben bestehen Lieferantenschulden, die, wie üblich, einem etwa dreimonatigen Materialbezuge entsprechen. Die günstige Fortentwickelung des Auslondgeschäftes bietet einen gewissen Ausgleich zu dem um diese Sahreszeit, insbesondere aber vor der Automobilausstellung stets abflauenden inländischen Absatz, der auch in diesem Sahre wieder zu einer mäßigen Arbeitszeitverkürzung geführt hat. Von der bevorstehenden Berliner Ausstellung darf, wie früher, eine Belebung des Geschäftes erwartet werden, nachdem auf tert in Gang befindlichen Ausstellungen m Paris und London die Fabrikate der Gesellschaft wieder große Beachtung gefunden haben. Sns- besondere der nach eigenen Pcftenten der Firma hergestellte Rohölmotor, sowie der bereits in serienmäßiger Fabrikation befindliche 8-Zhlinder- Personenwagen von 18/80 P. 8. scheinen gute Aussichten zu versprechen. * Rheinisch-Westfälisches Elektri- zitätswerk A.-G., Essen. Die Aufsichts- ratssihung der Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk A.-G. schlägt der auf den 5. Rovember nach Essen einzuberufenden G.-V. wiederum die Verteilung einer Dividende von 9 Proz. auf das inzwischen von 150 auf 155 Mill. Mark erhöhte Aktienkapital vor. Weiterhin soll die G.-V. über die Erhöhung des Grundkapitals von 155 Mill. Mark um 26 Mill. Mark auf 181 Mill. Mark beschließen. Hiervon sollen 25 Mill. Inhaber- aktien und 1 Mill. Rarnensaktien, deren Liebertragung an die Genehmigung der Gesellschaft gebunden ist, sein. Das gesetzliche Dezugsrecht der Aktionäre wird ausgeschlossen. Die Erhöhung ist notwendig geworden, wegen der Ausstattung der 20-Mill.°Dvllar-Anleihe mit einem Optionsrecht, sowie zur Durchführung beab ichtigter Angliederungen. Das Verhältnis des Aktienkapitals zu den Anl.issen wird nach erfolgter Kapi alcrhöhung wiederum 1:1 sein. Lieber die abgegebene Strommenge wird berichtet, dah die Gesellschaft einschließlich schon früher angeschlossener Linterneh- mungen 1 448 499 848 Kilowattstunden gegenüber 1246 315 232 Kilowattstunden i.D. nutzbar abgegeben hat. Die Abgaben aller RWE.-Unter- nehmungen, einschließlich der MehrheitSbesih- unternehmungen betrugen rund 2,1 Milliarden Kilowattstunden, womit der Konzern an der Spitze in Deutschland steht und überhaupt erstmalig die Ziffer von 2 Milliarden von einem deuftchen Linternehmen überschritten wurde. Die aufsteigende Entwickelung der Elektrizitätsabgabe hält weiter an. * Die Dormagener Kunstseiden- f a b r i t der J.-G. In diesen Tagen wurde die neue Kunstseidefabrik der I.-G.-Farbenindustrie in Dormagen in Betrieb genommen. Es handelt sich um eine Vergrößerung der bereits bestehenden Anlage, die täglich 2000 Kilogramm nach dem Kupfer- Ammoniak-Verfahren der I.-P.-Bemberg-A.-G. in Barmen herstellt. Die Produktion der neuen Anlage beträgt bis zü 3000 Kilogramm, so daß mit diesem Neubau in Dormagen 5000 Kilogramm Kupferseide täglich erzeugt werden können. Die Fabrik arbeitet in engster Fühlung mit der Bem- berg-A.-G., die auch den Vertrieb der Seide übernommen hat. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt a. M., 10. Okt. Tendenz: schwächer. — Linker dem anhaltenden Druck des starken Ordermangels war die Haltung bei Eröffnung der heutigen Börse unsicher und schwächer. Eine stcräe Verstimmung ging von dem Kursrückgang &er Harpeneraktie aus, die auf hartnäckige Gerüchte von einem wahrscheinlichen Dividendeausfall in größeren Posten angeboten waren und 6,25 Prozent niedriger eröffneten. Rach der ersten Kursfestsetzung hielt das Angebot an, und der Kurs ging erneut um 3 Prozent zurück, bis auf 138,5. Die Kulisse schritt daher auf den meisten anderen Märkten zu Abgaben, zumal auch der unsichere Verlauf der gestrigen Reu- Yorker Börse keine Anregung bieten konnte. Der Reichsbankausweis mit ferner befriedigenden Entlastung wurde bei der herrschenden Lustlosigkeit nur wenig beachtet. Stärker angeboten lagen namentlich die Elektrowerte, von denen AEG. 2,5, Geffürel 3, Schuckert 3,75 und Siemens 2 Proz. einbüßten. Rur Licht und Kraft konnten auf einige Schweizer Käuie weitere 2,25 Proz. anziehen. Lin ter erheblichem Kursdruck standen Deutsche Linoleum, die 7 Proz. verloren. Am Montanmarkt gaben außer Harpener noch Mannesmann 2,5 und Rheinstahl 1,5 Proz. nach, während sich Gelsenkirchen behaupten konnten. Am Chemiemarkt eröffneten S.-G.-Farben 1,5 Prozent schwächer, Scheideanstalt etwa 1 Proz. getyrüdt. Am Markte der Autoaktien verloren Daimler trotz der Reuregelung hinsichtlich des Schapiro-Paktes 2 Proz.. Adler'-erke knapp behauptet. Durch mcrlliche K rsrückgänge fielen auf Danatbank mit minus 3^8, West.regeln mit minus 3, Zellstoff Waldhvf, die 23/i Proz. nachgaben. Deutsche Anleihen lagen weiter schwach. Ausländische Renten fast geschäftslos. Sm Verlaufe blieb die Tendenz schwach, und bei kleinsten Llmsähen gaben die Kurse meist weitere 1 bis 2 Prozent nach. Stärker abgeschwächt waren Kaliindustrie, die 3 bis 4 Prozent verloren, ferner Siemens mit minus 3,5 Prozent und Rheinstahl mit minus 2,5 Prozent. Harpener nannte man mit etwa 139,5 Prozent. Am Tagesgeldmaickt trat heute stärkere Rachfrage hervor, so daß der Sah sich auf 6,5 Prozent erhöhte. Am Devisenmarkt war die Mark leicht erhöht. Man nannte: Mark gegen Dollar 4,2016, gegen Pfund 20,383, gegen London Kabel 4,8510, gegen Paris 124,20, gegen Mailand 92,57, gegen Madrid 29,92, gegen Holland 12,0990. Berliner Börse. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 10. Oktober. Für die heutige Börse lagen besondere Anregungen nicht vor. Der Reichsbankausweis per 6. d. M., der eine Entspannung an Wechseln um 230 Millionen und an Lombard um 42 Millionen brachte, dessen Notenbestände um 238 Millionen abgenommen und dessen Deckung beeinflußt haben, die weitere starke Geldzunahme um 90 Millionen bei einer Devisenabnahme von 27 Millionen sich um 4 bis 5 v. H. gebessert hat, konnte ebenfalls keinen Einfluß auf die Tendenz gewinnen. Die Eröffnung lag bei stillem Geschäft für die meisten Papiere behauptet. Die feste Haltung einiger Svezialwerte (Polyphon, Licht L- Kraft und Salzdetfurth) konnte nicht verhindern, daß anderseits auch starke Rückgänge eintraten. Besondere Beachtung fand der erneute Rückgang der Harpener Aktie, auf die bisher allerdings unbestätigten Gerüchte eines Dividendeausfalles; Harpener verloren 5 v. H. Die Kaliwerte lagen, mit Ausnahme von Salzdetfurth und Kaliindustrie, trotz der günstigen Versionen betreffs des Bezugsrechtes mehrere Prozent schwächer. Deutsche Linoleum und Berliner Handelsgesellschaft verloren 4 bis 5 v. H. Orenstein waren verhältnismäßig stark gedrückt, Mannesmann bis auf 128 v. H. nachgebend, da man wissen wollte, dah zu der heutigen ersten Bezugsrechtnotiz stärkeres Angebot vorlag. Deutsche Anleihen verhältnismäßig wider- standsfähig. Ausländer ruhig. Bosnier 0,75 v.H. höher. Pfandbriefmarkt still, aber eher angeboten. Der Geldmarkt war unverändert. Tägliches Geld 5 bis 7 v. H., Monatsgeld 8 bis 9 v. H., Warenwechsel etwa 6,88 v.H. Im Verlaufe ging bas Kursniveau einheitlich um mehrere Prozent zurück. Der weitere Rückgang bei Harpener, ein Baissevorstoß in Oxen- stein, ein 6-v. H. Verlust bei Polyphon, ein 7-v. H. der Salzdetfurthaktien verstimmten allgemein stärker, zumal die wenigen Orders, die Vorgelegen hatten, zur Ausführung gekommen waren und nun die Spekulation unter sich war. Es war nicht | schwer, bei der geringen Umsatztätigkeit die Kurse um mehrere Prozent herunterzusprechen. Fr ankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Okt. Auch an der heutigen Produktenbörse war das Geschäft sehr klein. Die schwächeren Auslandnotierungen mahnten allgemein zur Zurückhaltung, so daß die Urn- sätze keinen größeren Umfang annahmen. Rur am Futtermittellnarkt bestand für Weizen- und Rvggenlleie bei gut behaupteten Rotierungen etwas mehr Interesse. Mais für Futterzwecke war ebenfalls wenig gefragt, bei dem nur Abschlüsse zu ermäßigtem Preise zustande kamen. Auch sonst.'nahm das Angebot einen größeren Umfang an. Besonders Brotgetreide war stärker angeboten, so daß im Zusammenhang damit auch das Mehlgrschäft merklich nachgelassen hat. Cs wurden notiert: Weizen 24 bis 23,19, Roggen 23 bis 23,25, Sommergerste für Brauzwecke 25,50, Hafer, inländischer 23,25 bis 23,50, Mais (gelb) für andere Zwecke 21,75, Weizenmehl, süddeutsches Seziai 0 34 bis 34,50, Roggenmehl 31,25 bis 31,75, Weizenkleie 14,50, Roggenkleie 14,75 bis 15. Tendenz: ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 9.Oktober. Nach der gestrigen scharfen Aufwärtsbewegung zeigte die Produktenbörse heute etwas ruhigere Haltung. Namenllich am Lieferungsmarkte gaben die Notierungen für Brotgetreide unter dem Eindruck der schwächeren Meldungen von Uebersee und aus Liverpool in den späteren Sichten um 1,25 bis 2 Mark nach. Die Oktobernotierung für Weizen konnte sich verhältnismäßig behaupten; Oktooerroggen lag sogar urn^- 0,50 Mark fester, da hier einige Deckungsnachfrage bestand. Die Eigner sind auf dem erhöhten Preisniveau eher zu Verkäufen bereit. Die Forderungen waren unverändert. Das Mehlgeschäft liegt ruhig; für Weizenmehl zeigte sich gestern nachmittag etwas bessere Frage. Für Hafer ist das Jnland- angebot nach wie vor klein, doch bekundet der Konsum hier, angesichts der hoben Forderungen, einige Zurückhaltung. Gersten oei ruhigem Geschäft in unveränderter Marktlage. __. Rundfunkprogramm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 11. Oktober. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Von Stuft* gart: Mittagskonzert. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,45: Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund: „Tee und Gewürze aus eigenem Garten", Vortrag von Garteningenieur Karl Hinze. 18,45 bis 19,15: Von Kassel: „Stadtbaukunst von heute, 2. Teil", Vortrag von Professor Sautter. 19,15 bis 19,45: Esperanto-Unterricht, erteilt von W. Wischhoff. 20,15: Hokuspokus. Komödie von Kurt Götz. 22: Vortragsstunde Willy Buschhvff, Berlin. Anschließend: Von Kassel: Konzert des Stadttheater- Quartetts. Freitag, 12. Oktober. 6,30: Morgenghmnasttk. 13 bis 14: Schall- platten-Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. 16,35 bis 17,35: Hausfrauen-Rachmittag: „Herbstund Wintermoden", Vortrag von Emmy Ficus. 17,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis IV,30: Lesestunde. 19 bis 19,30: Stunde des Südwestdeutschen Radio- Klubs: „Reue Empfangsgeräte auf der Deutschen! Funkausstellung", Vortrag von Ingenieur E. Becker. 19,30 bis 19,50: Zwanzig Minuten Fortschritt in Wissenschaft und Technik. 20: Rach Stuttgart: Sinfonie-Konzert der Museumsgesellschaft. Anfchließend: Don Kassel: Walzer-Abend. Samstag, 13. Oktober. 6,30: Morgengymnastik. 14,35 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,05 bis 18,30: Der^Vriefkasten. 18,30 bis 19: Vortragszyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau: „Die neue Eisen- bahrwerkehrsordnung", Vortrag von Syndikus Flach. 19 bis 19,30: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 19,30 bis 20: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Hebbel, Ibsen. Shaw, eine Linie sozialkritischer Dichtung", Vortrag von Alfred Auerbach. 20 bis 21: Von Stuttgart: Trio-Abend slawischer Musik. 21: Rach Stuttgart: Die neue Zeft. Anschließend bis 0,30: Tanzmusik. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angesührten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozen L_________________________ Frankfurt a-M. Berlin. 9 Oktober Geld Brief Französische Noten . . . 16,465 16,525 Schlich- 1-Uhr- Schluß- Anfang Schlich- 1-Uhr» Schluß- Anfang Schlich» 1-Uhr» Schmfj- Anfang Holländische Noten . . . A « 168,13 168,81 Kurs fiurs Kurs Kur« Kurs Kurs Kur» Kur» Kurs Kurs Kurs Kur» Italienische Noten . . . e 4 22.015 111,73 68,96 2,54 112,03 80,74 22.095 112,17 59,20 2,56 112,47 81,01 67,99 12,44 73.37 Datum 9 10. 10. 10. 9.10. 10. 10. Datum: ] 9. 10. 10 io: 9. 10. 10.10. Datum: 9. 10- 10. 10. 9. 10. 10. 10. veorroegnaie Devtsch-Oesti ............ rr-.L ioo Kronen 6% Dl. «eichSanlelhe v. 1927 . DL Anl^Ablüs^Schuld mit 8111fr 87,25 50.8 50,8 87.5 51 51 2LG.®...........8 Bergmann..... • • . 9 188 185,6 187.5 206.25 179 186,6 203.5 177.23 Philipp Holzmann......7 Heidelberger Gement . . . . 10 139 170 1 1 1 138 136,5 rnmnantiche Vtoten . . . Schwedische Noten . . . Schweizer Noten .... • • DeSgl. ohne AuSlof.-Rechte . . - 7% Frantz. Hyp.-Bl Goldpf. unkündbar bis 1932 .... 15,25 14,8 15,4 15 Licht und Kraft ..... U) Felten 6 Guilleaume. .... 6 Gef. f. Elektr. Untertu. ... 10 229,25 153.75 231.5 266 228.5 154.75 268.5 232.5 153.75 267.13 Wayß 4 Freitag......10 Schultheis Patzeuhoser ... 15 Ostwerke.........12 Ber. Glanzstotz ...... 18 138 137 331 292,25 331,5 Spanische Noten .... Tschechoslowakische Noten Ungarische Noten . . •» 12,38 73.07 V/i% Rheinische Hyp.-Bank Slau.- Goldpj. ..... — — Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rhein. Elektr.........9 Schief. Elektr. ....... 10 — 149,4 161.5 148.6 160.75 — 666 478,5 294 562 484 292 Devftenmartt Derlm —Frankfurt 0. M. Auszahlung. eLG.®, abg. BorkriegfrObligation., rückrablbar 1938 . . 4% Schweiz. BundeSb^AnU. . - 4% Oelterretchiiche Goldrte.. . - 4,20% Oesterr. Silberrte..... — 208 394,5 236 210.25 396.75 150 174,75 86,9 141,25 233 208.5 394.25 148 Zellstoff Waldhof ..... 12 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Watz« ... 7 Dessauer GaS..... 8 Daimler Motoren ...... 0 — 291.25 Telegraphische _ Schuckert ...... 8 Siemens L Halske ..... 12 211.25 396,5 214 211 129 128.5 9. Oktober 10. Oktob r 3.45 — 32.5 3.4 Transradiv..... 8 Lahmeyer 6 Eo. .••••• 10 175 174.5 86,5 84,5 196 87 51.6 120,25 194.25 86 60,5 120.6 Amtliche Notierung Geld 1 Briet Amtliche Notierung Geld | Bries 4% Oesterreich, einheill. Rte. . . 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 . I 27,5 27,6 Buderus..........5 - Deutzche Erdöl ....... 6 — 140,4 Demag ...... . ... 0 Adlerwerke Riem ...... 5 120 119,6 Amst^Rott- 168,41 1,766 168,78 1,770 58,49 168,29 1.762 168,63 1,766 — — — —• Essener Steinkohle......8 125 — SuBtD. Boetoe . ...... 10 — — 257 252 Brsi-'AukW. 58,37 58,336 58,415 iyt% desgl. von 1913..... 26.9 — — Gelsenkirchener . . . 1 K 3- 4 127,0 127,5 128 126.25 —» 67.75 68,4 111,98 112,20 Ui, 89 112,11 4% Ungartzche Kronenrte.. . . . 2,35 — 2,4 2,4 Harpener...... 6 l47.70 141.5 14? 142 —- — 112 109,o .Vove nbaaen 112,06 112,28 111,96 112,18 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 10,95 11,25 10,9 Hoefch Etzen.........8 — — 133,5 Leonhard Tieh . ...... 6 — 275.6 242 ^tiukholm . 112,31 112.59 112.22 111.44 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., 11.25 11,25 Ilse Bergbau ...... 8 255 255 252 18,6 — 19,5 Heisings orS. 10,572 10,592 10,569 10,589 Serie I ......... 11.1 Klödnertoerte ....... .7 118 120.25 117,4 — 75 22,005 22.015 21,98 22,02 4% desgl. Serie 41....... 10.75 — 10,8 10,9 Köln-Neuessea. ....... 9 — — 129,75 129 Arttzner...... • • • 11 Heyltgenstaedt 0 IunghanS. . ....... 4 124.5 — 20,375 20,415 20.36 20,40 4% Rumänen amtiert. Rte. . . . 9.25 — — — Mannesmann........8 130.25 127,75 130.25 128 18.5 89.25 114 — _ N euv ork .. 1,2010 4.2090 1.1975 iy,% Rumänen GoldanL von 1913 23,9 _ 23,75 _ — 114.75 114,9 110.25 88 16,41 80,84 16, 81. 16,385 50,755 16.425 80,915 Oberfchles. Eisenb. Bedarf. . . 6 — — 111.25 _ Paris . » . 00 Mg. Deutzche Etzevkchn . . V/< Hamburg-Amerika Paket . . k Hamb.-Südam. Dampflch. - - k (III 156,5 157,13 192.5 191 156,75 190 Oberfchles. Kolswerke ... 6 Phönix Bergbau ...... 5% 96 Ryeinifche Braunkohlen... 10 288 Rheinstahl f. y< 3a»r 4/, Riebeck Montan......7,2 - 95,5 143,5 114.25 95.5 287.25 145 113.9 95,4 287 143.5 Mainkrastwerka ....... 8 Mag. .......... 10 Nekarfulmer ....... 8 Peters Union ........ 8 120 34,75 109 Illi 139 32 HO 138 Spanien • . Japan .. . Nto de Aan. Wien in Du. 67 89 1.922 3.5015 68.03 1,926 0,6035 68,00 1,920 0.5015 68,14 1,».'4 0,5035 150.75 — 151.13 150.9 — — Gebe. Roeder ...... IC 127 — — Deft abfleft •*9,08 59,20 59,025 09,145 Ällg. Deutsche CredUanü. . . 10 141.5 138 142,9 138 Bereinigte «slayuv. • •••-<> Otavi Minen ..... .1 sh 54 96 54.13 96 64 Boigt 4 Haeffna ...... 8 Slldd. Zucker........8 216 148 147,75 216,25 214 Prag ... Belgrad . . 12,46 7,380 12,47 7,394 12,439 7,376 12,459 7,390 Berliner HandelSgefellsch. . . 12 Commerz- und Privat-Banl. 11 DarmsL u. Nationalbank . . 12 188.25 294 296.75 188 230.9 300,5 188.25 293.75 296 188 292.75 »all Ltzchersieoen ..... 291,70 Saks Westeregeln...... 10 293 Kaliwerk Salgdetfurch ... 15 <80 290 293 292.75 481,5 290 483 Ban knoten. Budapest. . Bulgarien. Lissabon . 73,25 3,030 18,88 73,39 3.036 18,92 73,19 3,030 18,88 73,33 8,036 18,92 Deutzche Bank......10 Dislonto-Geleltzchast Ank.. . IC Dresdner Bank .....11 Mitteldeutsche EeedtÜuw! ... 8 170 168,5 170 163.5 169,5 1'3 I. ®. Farbei>IndustrW ... 12 461 259,5 260.9 122 260 Danzig. . . .Ronßantta. 81,40 81,56 2,162 81.37 2,153 81,53 2,157 163,5 Berlin. 9. Oktober chelv tönet 2,158 171 169.5 171 160.5 — 211,5 Amerikanische V total ..... 4,183 58,28 4,203 Athen. . . 5,425 5,435 5,425 6,435 — 215 213 103.5 103,25 103,21 103 Belpifche Noten . ....... 58,62 Tanado . 4,200 4,208 4,196 4,204 187 136,5 137 136.75 300 Rütgerswerke .*••••••< Metallgesellschaft. ..... U 104 190 103,5 104,25 Tvrntfrfir 9?rrtm . . . , t t f 111,80 20.34 112,24 -'0,42 llrncmay. . 4,266 4,274 4,266 4,274 ........11 300 302,5 Englische 9totm. Lntrv . . . 20.892 | 20.932 1 20.88 20.93