Ur. 265 Erstes Bitff - 178. Jahrgang Zreiiag, 9. November 1928 Lrlch«,nl lügl'ly.autzei Sonntag» mb FeleNag» Betlafcn. ®t ebener Jam dien blöttei Heim al Im Bild Die Scholle. Monatt-vezv-rpretr: 2 Reichsmark and 20 Retchspfenntg für Trüge» lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerRammern infolge höherer Gewalt. 5ern|pte gehobenes Bürgertum französisch „konversierten", die Gelehrien sich nur noch im Latein auszudrücken vermochten, und wo mit der fremden Sprache auch fremdes Denken in Deutschland «inzog. Die Ursachenreihe liegt für jeden Geschichtskundigen klar zutage; in meinem Buche „Das Reich' als Repudlil" habe ich mich bemüht, sie darzustellen. ES kam zu einer tiefeindringenden Uebersremdmlg des deutschen Lebens, zur Ausbildung eineS deutschen Mindcr- wertigleitsgesühls, das alles vvllseigene Wesen verachtete, und alles Fremde, insonderheit alles Französische verehrte. Diese Entwicklung beschränkte sich nicht auf di« äußere Lebensführung und auf den Kunstgeschmack, sie ergreift auch daS gelehrte Denken; die Philosophie der Aufklärung bestimmte fortan die Haltung der geistigen Oberschicht; und als in der französischen Revolution französisch-bürgerlicher Geist eine neue Staatsvorstellung und Staatswirklichkeit schuf, da wurden diese Schöpfungen französischen Geistes auch für das politische Denken und Wollen der Deutschen grundlegend und richtungweisend. Rur war der deutschgeistige Eigenwuchs doch zu start, um sich dieser fremden Form widerstandslos zu ergeben. Es gab immer neben dem westvöllischen Geiste einen volkseigenen Deistesbezirl, dec sich mit wechselndem Erfolge gegen die Ueberfremdung ausbäumte. Das neun* zehni« Jahrhundert ist von diesem Kampfe erfüllt. 3n Goethes Raturlehren erhob sich der deutsche Geist zu eigener Wesensschau. Aber daS 3ahrhundert hieß nicht Goethe, sondern Darwin. Der deutsche Geist ist der Ueberfremdung nicht Herr geworden. Der aus der Auftlärung fieborene Materialismus vollendete seinen Sieges- auf und wurde Gebieter auch über uns. Wir sind heute für die Erkenntnis reif, daß dieser Vorgang auch für unser politisches Schicksal entscheidende Bedeutung gewonnen hat. Diese Lieber fr em düng mit westvöllischem Geist« Hal die staatspolitisch schöpferischen Kräfte deS deutschen Bürgertums gelähmt und dadurch verhindert, daß die deutsche Staatskrisis des vorigen 3ahrhunder1s aus volkseigenem Geiste und aus den in ihr treibenden Kräften gelöst wurde. Der politische Radikalismus in der deutschen Bewegung kannte für die Ausgabe keine andere Lösung als die Uebernahme des westlichen Vorbildes. Die französische Form der parlamentarischen Republik wurde für ihn das 3deal. Unfähig, aus eigenem Wesen den bürgerlichen Verfassungsstoat auch nur gedanö- lidj zu gestalten, verlor er sich an das fremde Gebilde und wurde ein Höriger französischen Geistes. Dies« Unnatur gab dem deutschen Leben der Vorkriegszeit seine Fragwürdigkeit und führte uns staatspolitisch in eine Wirrnis, die freilich durch die fabelhafte wirtschaftliche Entwicklung verdeckt w/ltde. 3m Hintergründe aber totrZte fit. Dort lebte ein politischer Radikalismus, der dem deutschen Staat entfremdet war und in der französischen Staatswirklichkeit sein 3deal und das erhaben« Ziel seines Strebens verehrte. 3m deutschen Rovember kapitulierten wir vor dem Westen. Es war ein« volle und ganz« Kapitulation. Wir gaben uns auf. Das Ab- reißen und Wegwerfen der Rationalkokarde in den Rovembertagen war eine symbolische Hand- ürng: wir wollten nicht mehr Voll und Staat aus eigener Kraft sein, wir wollten nicht mehr ein eigenes Wesen behaupten — wir wollten Finanzlage und Venvaltungsrefonn in Hessen. Eine Unterredung mit -em hessischen Finanzminister Kirnberger. - Zn Erwartung des Gutachtens des Reichsfparkommiffars. Darmstadt, 8. Rov. (WTB.) Der hessisch« 3ustitz- und Finanzminister Kirnverger hatte die Liebenswürdigkeit, den Vertreter des Wolff- fchen Telegraphen-Dureaus zu empfangen und einige aktuelle Fragen der hessischen Politik wie folgt zu beantworten: Welches Ergebnis ist für hesten von bet Tätigkeit des Sparkommissars zu erwarten? Di« Arbeiten des EparkommissarS sind noch nicht beendet. 3hr Abschluß ist aber wohl in nächster Zeit zu erwarten. ES wird der hessischen Regierung dann vermutlich eine vorläufige Mitteilung über daS Ergebnis zugehen, so daß wir unS in Bälde ein Urteil über die Arbeiten bilden können. Bedeutet die Tätigkeit de» Sparkommissars einen Eingriff in die Selbständigkeit der hessischen Verwaltung? Keineswegs. Die hessische Regierung hat ein Gutachten des Sparkommissars gewünscht. Es ist klar, daß der Sparkommissar ein solches nur abgeben kann, wenn ihm Geleaeicheit gegeben ist, gründlich Einsicht in die hessische Verwaltung zu nehmen. Den gleichen Wunsch haben bereits die Regierungen anderer Länder geäußert. Die denkt sich nun die hessische Regierung die weitere Entwicklung? Soweit sich bei Prüfung der Arbeiten der Beauftragten des Sparkommissars Anregungen zu Sparmaßnahmen ergeben, die Aussicht auf baldige Verwirklichung haben, wird die hessische Regierung sie alsbald aufgreifen. 9m übrigen wird das Gutachten abzuwarten fein und die Stellungnahme der darüber entscheidenden Kommission, die vom Reichsfinanzministertum, dem Sparkom- misiar und der hessischen Regierung gebildet wird. hat die hessische Regierung bereit» e i n eigenes Sparprogramm ausgestellt? Um ein richtiges Bild oon den möglichen Sparmaßnahmen zu bekommen, muß man sich vergegenwärtigen, was bisher schon in dieser Richtung geschehen ist. Die Nachwirkungen des Krieges und insbesondere die Inflationszeit haben — wie allen Gemeinwesen — dem Staat eine Fülle von Aufgaben hinterlassen, die der Eigenart und den besonderen Bedürfnissen jener Zeit entsprungen sind, und die den Verwaltungsappa- r a t über dessen früheren Umfang hinaus o e r- großem mußten. Es war naturgemäß, daß mit dem Ende der Inflation eine scharfe Rückwärtsbewegung einfetzte. . Sie begann mit der Reichsabbauordnung vom Dezember 1923. Selbstverständlich wurde diese Verordnung auch bei der hessischen Staatsverwaltung durchgeführt, wenn auch die rein mechanische Art des darin vorgeschriebenen Vorgehens nicht selten recht große Schwierigkeiten mit sich brachte. Aus Grund dieser Verordnungen wurden in den Fahren 1924 und 1925 680 Planstellen, 160 Staatsdienstanwärter und 350 Angestellte, zusammen also 1190 Arbeitskräfte abgebaut; etwa 3 500 000 Mark wurden da- durch erspart. Daß die aus einer mehrjährigen Entwicklung entstandene Erweiterung des Aufgabenkreises und damit im Zusammenhang des Verwaltungsorganismus nicht ohne weiteres in den früheren Rahmen zurückgeführt werden kann, liegt auf der Hand; und es ist ebenso klar, daß, solange die Nachwirkungen des Krieges sich noch zeigen, der normale Zustand oon heute wesentlich anders aussehen muß als derjenige der Vorkriegszeit. Die hessische Regierung war in den letzten Fahren bemüht, nicht nur den Verwaltungs- apparat auf dos unbedingt nötige Maß zurückzu- führen, fonbem auch die Ausgaben anderer Art so niedrig zu halten, wie dies nur irgendwie vertretbar erschien. In den Fahren 1926 und 1927 ist demgemäß die Zahl Der Staatsdienstan- Wärter um weitere 274 vermindert worden. Eine Ersparnis von 922 700 Mark ist das Ergebnis dieser Maßnahmen. Es wurden sodann in diesen Fahren aus Inhaber gesetzt: 64 obere Beamte, 33 mittlere Beamte und 327 untere Beamte; außerdem blieb jede zweite freiwerdende Stelle bei den Volks- und bei den höheren Schulen bis zum 1. April 1927 unbesetzt. Auf Grund dieser FnhaberbewiUigungen vp. sind bis jetzt weiter weggefallen an Beamtenstellen 78, an höheren Lehrerstellen 7 und an Dolksschullehrerstellen 39. Rund 670 000 Mk. sind dadurch erspart worden. Durch fpexlfuierte Etatisierung nickst nur der Planstellen, sondern auch der Anwärter und der im Angestelltenverhältnis stehenden Arbeitskräfte ist eine genaue K ontrolle des Personalbestandes ermöglicht und dadurch die Gewähr gegeben, daß die im Etat nachgewiesene Zahl unbedingt eingeyalten wird. Das neue Besoldungsgesetz enthält weiterhin eine Bestimmung, wonach für die nach- sten fünf Fahre jede dritte freie oder freiroer- oende Stelle wegzufallen hat. Außerdem wurde an den Krediten des Fohres 1926 — soweit sie nicht Ausgaben betrafen, die auf gesetzlicher Bestimmung berufen — ganz allgemein ein Abzug von 10 d.S). angeordnet. Die so ae- wissermaßen gewaltsam heruntergedruckten Zahlen blieben bann ole Norm jür die folgenden Jahre, von der nur in Ausnahmefallen abgewichen wurde. Man hat sich endlich zu der Anordnung entschlossen, alle am 1. April noch vorhandenen Kredite des abgelaufenen Rechnungsjahres dergestalt zu sperren, daß ihre Verwendung nur noch mit einftimmi- ?er Genehmigung des Gesamtministeriums erfolgen ann. 9m übrigen hält die Regierung zur Zeit mit weiteren Maßnahmen zurück, weil sie es für zweckmäßig hält, zunächst bas Gutachten des Reichs- sparkommissars abzuwarten. haben die hessischen Finanzen nicht noch einen großen Aktivposten in der zu erwartenden Entschädigung für die Abtretung der Eisenbahnen an da» Reich? Di« Staatseisenbahn«n, die «Hebern im Ge» metnschaftsderhältnis mit Preußen betrieben wurden, sind durch den Staatsvertrag vom 30. April 1920 auf das Reich übergegangen. 3n Anrechnung auf die dem Lande Dafür zugute kommende Abfindung mit rund 680 000 000 Mark wurden Paris. 9. Rov. (WTB. Funkspruch.) Allgemein wird hier jetzt angenommen, daß der Präsident der Republik im Saufe des heutigen Tages, da die Mehrheit der von ihm zu Rate gezogenen Parlamentarier Poincar6 als geeignete Persönlichkeit bezeichnet habe, diesen ersuchen wird, wiederum dieBildung des Kabinetts zu übernehmen. Rach dem „Matin" ist Poincares Prestige derart, daß ihm nach Belieben die eine oder die andere der beiden Kombinationen („Rationale Einigung" oder „Republikanische Konzentration") möglich sei. »Echo de Paris" ist der Ansicht, daß Poincars die Bildung des Kabinetts übernehmen werde, wenn er die „Rationale Einigung", die Grundlage seiner Politik, wiederherstellen könne. Für den Fall, daß Poincare ablehnt, hält „Havas" es für immer wahrscheinlicher, daß die Losung der Krise alsdann B r i a n d übertragen werden könnte. Briands Freunde versichern allgemein, daß er sich wieder ganz dem Außenministerium widmen möchte, und daß er, falls er das Ministerpräfidium übrr- nelnnen sollte, es nur unter der Bedingung tun würde, daß Poincar6, des en Mitarbeit er für unerläßlich halte, einwillige, das Finanzministerium zu übernehmen. „Po-> pulaire", der ein Kabinett Poincare für ausgeschlossen hält, will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß Poincars dem Presidenten als feinen Rachfolger den ehemaligen Kammerpräsidenten und Finanzminister Senator Peret vorgcschla- gen habe. Die Gegner eines neuen Kabinetts Poincars sind lebhaft am Werke, ihm, noch bevor er mit der Kabinettsbildung beauftragt ist, den Boben hierfür di« hessischen Staatsschulden auf daS Reich übernommen. Hebet die Abgeltung der dadurch verbleibenden Restforderung von rund 213 000 000 Mark sind die Verhandlungen, die gemeinsam mit den andern Eisenbahnländern mit dem Reich geführt werden, noch nicht zum Abschluß gelangt. 3n diesen Verhandlungen ist als erschwerendes Moment hinzugekoinmen, daß die Eisenbahnen inzwischen in den Betrieb der als Reparationsinstrument dienenden und zu diesem Zweck gegründeten Reichsbahngesellschaft über gegangen find. Die hessische Regierung hat davon abgesehen, für das Jahr 1929 einen Voranschlag aufzuslellen und will die Llatsgrund- lagen durch Verlängerung des Voranschlags für das Jahr 1928 schaffen. Darum? Für di« Verlängerung des Voranschlags war in erster Linie maßgebend, daß wir vor wichtigen und bedeutungsvollen Aufgaben'stehen, di« auf di« Gestaltung der finanziellen Verhältnisse einen tiefgehenden Einfluß ausüben, und daß es deshalb nicht möglich ist, vor Abschluß jener Aufgaben sich ein zuverlässiges Urteil über die Finanzlage des 3ahres 1929 zu bilden. Ein unter solchen Umständen aufgestellter Voranschlag würde deshalb nur sehr unvollkommen fein und seinem wirklichen Zweck nicht dienen können. Solch« größeren Aufgaben erwarten uns in der Umgestaltung der Steuergesetzgebung, in der Reuordnung der Derwaltungsgesetzgebung, dem Generalkulturplan unZ) in der Stellungnahme zu dem Gutachten des Reichsspatkommissars. Bet den kommenden Verhandlungen im Landtag wird auch über den S tellen- plan zur neuen Hessis chen Besol- dungsorduung zu verhandeln sein. Ist damit gleichzdttg eine Aenderung der Besoldungsordnung geplant, oder sind 21 entrungen dabei möglich? Keineswegs. Der Stellenplan ist als Ergänzung des Staatsvoranschlags anzuso- zu entziehen, chand in Hand hiermst gehen die Bemühungen, den Boden für eine Linksrcgie - rung vorzubereiten, die vor allen Dingen von dem sozialistischen Republikaner Violette mit großem Nachdruck verfolgt werden. Wenn fein Plan Wirklichkeit werden sollte, bann hätte man es mit einem Linkskabinett zu tun, das die Sozialisten, republikanischen Sozialisten, Radikalsozialisten wie auch die radikale Linke und die Linksunabhän^gen umfassen konnte. Der Zusammenschluß eines jolchen Linksblockes würde die Wiederkehr eines Ministeriums Poincarö unmöglich machen, lieber die von den ehemaligen Parteien des Linkskartells gepflogenen Verhandlungen teilt jedoch die Agence Haoas mit, daß die bezweckte Einigung nicht in dem erwarteten Maße erzielt worden ist. Die Radikalen forderten von den Vertretern der Sozialrepublilaner (30 Abgeordnete), der unabhängigen Linken (15 Abgeordnete) und oon den Sozialisten die Bejahung des auf dem radikalen Kongreß in Angers angenommenen Programms, was die Vertreter dieser Gruppen bewilligten, jedoch sämtlich vorbehaltlich der noch einzuholenden Zustimmung ihrer Parteien. Der Vorsitzende der radikalen Partei, Dalodier, fragte die Sozialisten, ob sie sich eventuell an der Regierung beteiligen würden, was die Vertreter dieser Gruppe unter Berufung auf die Entscheidung des letzten Parteitages in loutoufe verneinten. Die sozialistischen Vertreter erklärten sich aber bereit, die Programmpunkte des radikalen Kongresses von Angers ihren Kollegen zu unterbreiten und bann die Frage zu erörtern, ob dieses Programm eine Unter st ützungspoli- t i k wie unter dem ersten Ministerium cheriot oder eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung erlaube. Kehrt Poincare zurück? Vor einer neuen Betrauung. — Die Möglichkeiten einer Linksregierung. dem Westen gehören, dem siegreichen Westen und feinem Willen. Der deutsche Rovember war di« ftanzöfische Revolution auf Deutschland übertragen: keine Erhebung leidenschaftlichen Willens zum Leben in eigener Form, sondern Hingabe an den fremden Sieger. Das ist nun zehn 3ahre her, und wir fragen uns, wie es heute um uns steht. Einstweilen wirkt dieser Sieg westvölkifchen Geistes weiter, älnsere Ohnmacht, die eine Politische und geistige Ohnmacht ist, ist bis heute da» eigentliche Kennzeichen der deutschen Zustände geblieben. Unser Politisches Leben steht weithin Im Banne französischer Losungen. Die Aechtung der nationalen Tradition und die Aechtung wahrhaften Geistes, der Kampf gegen den Machtgedanken und die Verherrlichung dieses Friedens: was ist das anderes als die Wirkung westmächtlichen Geistes über deutsches Wesen? Lieber die deutschen Bühnen gehen französische Stücke mehr als je; in unseren Buchläden überwuchert ftemdes Schrifttum unser eigenes; deutsche Bildergalerien geben Millionen für französische Gemälde aus, während deutsche Maler Hungerbriefe schreiben; Berlin wird zum Affen der „Lichtstadt" Paris: wer könnte d'ese Zeugnisse deutscher Hörigkeit übersehen? Der deutsche Rovember ist noch nicht zu Ende. Er hat das Werk der französischen Revolution abgeschlossen. Aber wir wissen, daß er einmal vorüber sein wird und daß ein deutscher Frühling auf uns harrt! Deutschlands Zukunst. Reichsautzenminister Strcsemann am Jahrestage des Zusammenbruchs. Leipzig, 8. Rov. (DB.) In den „Leipziger Reueslen Rachrichten" vom 9. Ttooember behandelt Reichsaußenminister Dr. Strefemann die Ent- Wicklung, die Deutschland feit dem Zusammenbruch genommen hat, und spricht sich abschließend über die Zukunft Deutschlands folgendermaßen aus: „2Han zitiert in diesen Tagen viel ein Wort Bismarcks, der davon sprach, daß Deutschland nach einem unglücklichen Kriege wieder groß werden könnte, dann aber allerdings nur auf dem Boden der Republik. Dir können heute nur davon sprechen, daß die Entwicklung eine vorwärts st redende war, dürfen sagen, daß die Zeit von 1918 bis 1923 wie ein wüster Traum hinter uns liegt. Dir müssen mit längeren Zeiten rechnen, wenn wir die Auswirkung der neuen Zeit sehen wollen. Der große Kanzler des alten Reiches hatte eine beinahe visionäre Art, in die Zukunft zu sehen, hoffen wir, daß auch das Wort oon der Große, zu der das republikanische Deutschland nach dem verlorenen Kriege kommen würde, sich bewahrheiten möge. Seien wir uns aber klar darüber, daß weder träumende Re- figation noch überschäumende Kraft der Dorte da, wo tatsächliche Kräfte fehlen, uns dahin bringen werden, sondern nur die fachliche, bewußte Arbeit eine» ganzen Geschlechts." hen. Er änbert nicht die DesoünmgSorbnun g, sondern führt die Aenderungen der neuen De- soWungSorDnung ün einzelnen durch. Alle vorhandenen Stellen werden in ihm nach Maßgabe der neuen Besoldungsordnung ausgeführt. Insoweit in der Besoldungsocdnung Stellen der gleichen Art ohne nähere Angaben in verschiedenen Gruppen unter geb rächt sind, hat der Stellenplan zu bestimmen, wieviel Stellen in d« einzelnen Gruppen einzureihen sind. Der Stellenplan wird dem Landtag voraussichtlich in der ersten Hälfte deS Monats November zugehen. Aus -em Finanzausschuß -es Hessischen Landtages. Darmstadt, 8. Nov. In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses wurde zunächst gegen die Antragsteller ein kommunistischer Antrag abgelehnt. zu den Beratungen des Stellenplanes im Ausschuß Vertreter der Beamtenorganisationen zuzuziehen. Aehnliche Vorstellungen des Deutschen Beamt en- bundes waren Bereits bei der Beratung der Desoldungsordnung abgelehnt worden. Anträge wegen der Hagel - und Gewitterschäden in Rheinhessen und im Odenwald werden als erledigt erklärt. Bei dieser Gelegenheit legt der Degierungsvertreter dar, daß die verzögerte Auszahlung von Llnterstützungen an di« Geschädigten oadurch hervorgerufen worden sei, daß einmal außerordentlich viel Gesuche erngeganzen seien, daß andererseits aber auch Anträge eingereicht wurden, die unter Llmständen strafrechtliche Folgen für die Gesuchsteller haben könnten. Auf eine Eingabe der Äotstandsvertretung für den oberenVogelsberg teilt die Regierung mit, daß die Angelegenheit im wesentlichen durch die Aotstandsaktion für 95 Gemeinden deS Vogelsberges und den Landtagsbeschluß vom 15. Februar erledigt sein dürste. Die Arbeiten wegen eines Generalkulturplanes für den Vogelsberg seien noch im Gange, so daß die entsprechende Vorlage dem Landtag noch nicht zugeleitet werden könne. Die Regierungsvorlage, für den Vorsitzenden des Landesarbeitsgerichtes — ein Landgerichtsrat — eine etatSmähige Stelle zu schaffen, wird angenommen mit dem Hinzufügen, daß die dadurch freiwerdende Landgerichtratsstelle vorläufig unbesetzt bleibt. Zurückgestellt wird die Regierungsvorlage über die Neubesetzung der Stellen der Kreis- und Stadtschulrate, um den Fraktionen noch einmal Gelegenheit zur Beratung zu geben. Oie Verfaffungsreform. Zusammentritt der Unterausschüsse der Länderkonferenz. B e rj i n, 8. Noo. (WB.) In Ausführung des Beschlusses, durch den der Verfassungsausschutz der Länderkonferenz am 24. Oktober zwei Unterausschüsse eingesetzt hat, sind diese vom Reichsminister des Innern zur Konstituierung und Fest- setzung des nächsten Arbeitsprogrammes a u f Samstag, den 10. November, nach Ser« 11 n einberufen. Dem ersten Unterausschuß für die Frage der territorialen U m ali e- derung des Reiches gehören an die Reichsminister Dr. Curtius. Koch-Weser, von Gusrard, ferner Prof. Dr. Triepel, Staatssekretär z. D. Dr. Busch, Ministerialdirektor Dr. Brecht, Ministerpräsident Dr. Held, Staats- Präsident Dr. Bolz, Staats- und Ministerpräsi- öent Dr. Adelung, Bürgermeister Dr. Petersen, Ministerpräsident Deist. Dem zweiten Unterausschuß für die Abgren- zu na der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern und die Frage einer Auftrags- vorwaltung neben der landeseigenen Verwaltung gehören an die Reichsminister Dr Hilf er- ding', Koch-Weser, Schätz!, ferner Prof. Dr. Anschütz, Dr. Brüning (M.d.R.), Ministerialdirektor Dr. Brecht, die Ministerpräsidenten Dr. Held (Bayern), Heldt (Sachsen), Schrö.- d e r, Staatspräsident Dr. R e m m e l e und Staatsminister Dr. Pauls s en. In beiden Unterausschüssen führt Reichsminister Seoering den Vorsitz und ist Reichssparkommis- sar, Staatsminister Sämisä) Generalsachverständiger. Als weitere Sachverständige sind bestellt Reichsminister a. D. Dr. Hamm, Staatssekretär Z w e i g e r t, Staatssekretär Professor P o p i tz , Staatsminister Prof. 2>:. A p elt, Ministerialdirektor Dr. P oetzsch-Heffter und Professor Dr. R a w i a s k y. Erweiterung -er Llnfattversicherung. Ausdehnung auf besonders gefährdete Arbeitnehmer. Berlin, 8. Rov. D«r RelchstagsauSschuh für soziale Angelegenheiten beschäftigte sich am Donnerstag mit einer dritten Novelle zur Llnsallver- sicherung. Dies« will die Linsallversicherung a u s- d e h n e n aus eine Reihe von Betrieben, in denen die Arbeitnehmer besonder- gefährdet sind, nämlich Feuerwehren, Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten, Laboratorien, Schauspiel- Unternehmungen, Lichtspielbetriebe, Röntgenbetriebe, Lebensretter. Rotes Kreuz, Samariterdienst usw., allerdings nur für das technische Personal, nicht für Bureau- und Derwaltungspersonal. Nicht einbezogen werden Kapellmeister. Musiker und Künstler, deren Iah- resverdienst 8400 Ml. übersteigt, Aerzte und Medizinalprakttkanten, fall- sie nicht nur zur Ausbildung oder unentgeltlich beschästtgt werden, und Krarckenschwestern, falls anderweitig für sie gesorgt ist. Versichrrung-Pflichtig sollen Aerzte aber in Laboratorien und Röntgenanstalten sein. Der Reichsrat hat neben den Feuerwehren auch den .Feuerwehrdienst" ein* gefügt, um die Pflicht- und Freiwilligen Feuerwehren mit zu erfassen. In der Aufnahme der Kapellmeister und Musiker dagegen sieht er eine pleverspannung des De^icherungSprinzips. Abg. Thiel (D. Dp.) verlangte die Einbeziehung der Musiker, der Transport., Holzfällungsund Handelsbettiebe, in denen nach seiner Mei- nung der kaufmännische Lehrling häufig ebenso ge- fährdet sei, wie der bereits versicherte Hausdiener. — Abg. Frau Schröder (Soz.) bemängelte die Auslassung der Gastwirts- und Hausangestellten und bekämpfte die Einkommengrenze. Sie trat ebenso wie die Kommunistin Arendsee und der bayerische Volksparteiler Schwarzer für die Beseitigung aller Ausnahmen ein. Alle drei behielten sich Erweiterungsanträge vor. Der Arbeitskonflikt in der Eisenindustrie. Die UnterMung ausgespertter Arbeitnehmer. Ein sozialdemokratischer Gesetzantrag. Berlin, 8. Rov. (VDZ.) Die sozialdemokratische Fraktton im Reichstag hat einen Initiativgesetzentwurf zur Llnterstühung zu LIn - recht ausgesperrter Arbeitnehmer eingebracht. Der Entwurf bestimmt: Arbeitslose, deren Arbeitslosigkeit durch eine inländische Aussperrung verursacht ist, welche zur Abänderung oder Beseitigung eines freiwillig geschlossenen Tarifvertrages oder eines für verbindlich erklärten Schiedsspruches vorgenommen wird, erhalten eine Llnterstützung nach Maßgabe der §§ 103/109 — ohne Rücksicht auf ihre Arrwart- schaft — des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927. Ein für verbindlich erklärter Schiedsspruch gilt als rechtswirksam im Sinne dieses Gesetzes, ohne Rücksicht aus schwebende Rechtsstreitiakeiten. Die dazu erforderlichen Mittel sollen der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung vom Reich zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeitgeber, Die in solchen Fällen an der Aussperrung beteiligt sind, werden zum Ersatz aufgewendeter Mittel verpflichtet. Das beantragte Gesetz soll rückwirkende Kraft vom 15. Oktober 1928 erhalten. Arbeiisrechlliche Staatsanwälte. Reformvorschlägc der werksgerneinschaftlichcn Arbciterverbände. Berlin, 8. Nov. (TU.) Mit der Aussperrung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet beschäftigten sich mehrere Versammlungen des R e i ch s b u n d e s vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine. Der Bundesvorsitzende Wilh. Schmidt (Berlin) wies auf das Nebeneinander von Arbeitsministerium und Wirtschaftsministerium hin. Die Herausnahme des Arbeitsministeriums aus dem wirtfchafts- und staatspolitischen Aufgabengebiet und vor allen Dingen die unbestreitbare B e - herrschung des Arbeitsmini ft eriums und aller seiner Untergliederungen durch die Gewerkschaften zeitige immer stärker sich über- schlagende Spannunyen, die nunmehr im rheinisch- westfälischen Industriegebiet zu einer überaus schädlichen Entladung geführt hätten. Die werkgemeinschaftliche Arbeiterbewegung verlange schon seit Jahren den sogenannten „arbeitsrechtlichen Staatsanwalt". Die Funktionen aller Schlich- tungsausschüsse hinsichtlich der Ordnung von Arbeitsstreitigkeiten seien an eine richterliche Institution zu verweisen, die Über den streitenden Gruppen und politischen Parteien stehe, die vor jedem Terror und Druck geschützt sein müsse. Die wertsge- meinschaftliche Arbeiterbewegung denke hierbei an den entsprechenden Ausbau der Landesarbeitsgerichte und des Reichsarbeitsgerichts, denen in der Unabhängigkeit des Richtertums wurzelnde Vollmachten gegeben werden müßten. In den Arbeitsgerichten selbst müsse die gesamte deutsche Arbeiterschaft ihre Mitverantwortung haben, jedwedes gewerkschaftliche Monopol sei zu verwerfen. Wertvollste Produktions- und Lebensenergien durften in Zukunft nicht mehr durch Streiks und Aussperrungen vergeudet werden. Bor der Reichstagsdebatte über den Eisenkorrflikt. Berlin, 9. Nov. (VDZ.) Als Sprecher der Sozialdemokraten in der Lttbettslampfdebatte im Reichstag ist der Abg. Brandes, der Vorsitzende des Deutschen Metallarbei^erverbandes, vorgesehen. Die demokratische Reichs'.ags- fraktton tritt am Montagvormittag zu einer Sitzung zusammen, in der der Wortlaut eines demokratischen Antrages zum Arbeitskonf.ikt feft- gelegt werden wird. Die Reichsregierung will sich am Samstag in einer Kabinettssitzung mit der Lag« im Ruhrgebiet beschäftigen. Auf Grund dieser Kabinettsberatungen wird dann Reichsarbeitsminister W i s s e l l am Mon.ag im Plenum des Reichstags seine Erllärung namens der Reichsregierung zu den vorliegenden An- treigen abgeben. Oer Zn-ustrieführer. Aus einer Rede Geheimrat DuiSbergs. Köln, 8. Nov. (TL1.) Aus einer Rede, die Geheimrat Professor Dr. C. Duisberg anläßlich der Eniweihung des Earl-Duisberg-Realghmna- fiums in Wiesdorf bei Köln hielt, seien die folgenden Sätze als angesichts der gegenwärtigen Wirtschastslärnpfe in der Eisenindustrie besonders bemerkenswert herausgehoben. Man stellt sich, so sagte Dr. Duisberg, die Männer der Großindustrie immer a l s Diktatoren, als Männer der Faust mit rücksichtslosem Gewinnst reben hin. Durch meine Tätigkeit aLs Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen Industrie habe ich aber die Lieberzeugung gewonnen, daß die führenden Männer Der Industrie stets Die eigenen Interessen hinter die Der Allgemeinheit stellen. Auf Den Schultern Der Industriellen ruht eine große Verantwortung, lastet die Sorge für Lausende von Arbeitern und Angestellten. Die Industriellen fühlen sich dafür verantwortlich, daß Die gesamte deutsch« Wirtschaft eine gesunDe Entwicklung nimmt und sie halten es für ihre Pflicht, gegen Erscheinungen und Maßnahmen anzu- kämpfen, Die bei Dem schweren Wettbewerb am Weltmarkt z u einer ernsten Gefährdung unserer Wirtschaft führen und damit letzten Endes auch der deutschen Arbeiterschaft zu schweren Schaden gereichen müssen. Bisher ist es gelungen, trotz heftiger Erschütterungen die wirtschaftliche Grundlage der Existenz unseres Dolles ausrechtzuerhalten und sogar große Industrien wieder aufzubauen. Auch in der Zukunft wird die Hauptsorge der führenden Männer unserer Industrie Dem Fortschritt und der Blüte unserer Vollswirtschaft gelten. Der Entwurf enthält auch die Ermächtigung für die Regierung, eine Liste Der Berufskrankheiten auszustellen. Der Vertreter des Tlinifte- riums sagte die von Frau Schröder verlangte Mitteilung der beabsichtigten Liste zu. Er wandte sich feiner gegen den Vorwurf, die Sozialversicherung fei nur em kleines Mäntelchen. Das Mäntelchen sei zum mindesten recht teuer; Denn es habe ohne die Erwerbslosenoersicherung 1927 rund 3,7M illiarden gekostet und werde 1928 wohl 4 Milliarden kosten. Auch der Vertreter des Reichsrates wies auf Die hohen Kosten, Die Die Novelle schon ohne Die verlangte Erweiterung für die Länder bringe. Polen und die Meinlandräumung Zaleski verzichtet auf rin Dstlocarno. Königsberg, 8. Noo. (WTB.) Die ,^Ostpreuß. Zeitung" veröffentlicht eine Unterredung eines ihrer Mitarbeiter mit Dem polnischen Außenminister Za- leski. Danach hat Minister Zaleski erklärt: Ich stehe Den Wünschen nach einer Räumung des Rheinlandes keineswegs ablehnend gegenüber. Was ich dagegen vermieden sehen möchte, ist, daß man den Versuch machten könnte, die Frage der Rheinlandräumung zu einer Aktion zu mißbrauchen, die Die Stellung Polens schwächen könnte. Auf Die Frage, was Minister Zaleski unter einer möglichen Schwächung der Stellung Polens Der stehe, ob er Damit inDireft sagen wolle, daß er für Die Sicherheit Polens ein sog. O st-Locarno für notwendig, oder den jetzigen vertraglichen Zustand für ausreichend erachte, antwortete Minister Zaleski mit großer Entschiedenheit: Unter einem Ost-Locarno versteht man gewöhnlich einen Vertrag, Der Die Sicherung unserer Grenze mit Deutschland u n - ter Die Garantie Der Westmächte stellt. Eine solche Garantie ist im K e l l o g g - P a k t enthalten. Unter Der Voraussetzung Der Ratifizierung Des Kellogg-Paktes Durch Die beteiligten Mächte bin ich Der Ansicht, daß Der jetzige ZustanD in vertraglicher Hinsicht Dem Sicherheitsbedürfnis Genüge leistet. Ieiiungsverbote in Oberschlesien. 6 a t t o w i h, 8. Nov. (TU.) Der „Oberschlesische Kurier" und Die „Kattowiher Zeitung" sind am Freitag wegen Veröffentlichung eines Beschlusses, Den Die deutschen Abgeordneten des Sejm und Senats gefaßt haben, und der den Sejmmarschall Überreicht werden sollte, beschlagnahmt worden. Der Beschluß lautet dahin, daß die deutsche Fraktion sich außerstande sehe, an Der für Samstag geplanten Festsitzung des Sejm teilzunehmen, weil im vergangenen Jahrzehnt lroh feierlichster Versprechungen nichts geschehen sei, um die Erhaltung des heiligen Erbes des deutschen Volkstums sicherzuflellen. Daher sei der 10. November für Die Deutschen kein Tag Der Freude. Oie Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung in Äerlin In Der alten Autohalle am Kaiserdamm wurde Die Internationale Automobilausstellung eröffnet. Nach einleitenDen Musikoorträgen eines Bläsercyors begrüßte der erste Vorsitzende des Reichsverbandes Der AutomobilinDustrie, Dr. Allmers, Die Gäste. Ein Jahrzehnt der Verarmung liege hinter uns, und dennoch sei die Ausstellung ein Beweis Des Auf- siieges Der KraftfahrinDustrie. Der Reichsverband her Automobilindustrie habe Die Gründung eines Forschungsinstitutes für Das Kraft- fahrwesen beschlossen und werde als erste Rate Dafür einen Betrag von 500 000 Mark bereitstellen. Die Aufgaben des Instituts sollen Vereinheitlichung undVerbilligung Der Autoindustrie fein. Die deutsche Autoindustrie entbiete den Vertretern Der ausländischen Konkurrenz vor Dem Turnier ritterlichen Gruß. Die auslänDischen Gäste mögen Daheim berichten, Daß alle, vom Wirischafts- führer bis zum Arbeiter, an Dem Wiederauf- bau unseres geliebten VaterlanDes arbeiten Dr. Allmers wies auf das Beispiel eiserner Pflichterfüllung hin, das der ehrwürdige Reichs Präsident dem deutschen Volke biete und schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland, in das die Versamm- lung begeistert einfiel und gemeinsam Das Deutsch- landlieD sang. Der Präsident Des Automobilklubs von Deutschland, Graf Arnim-Muskau, sprach als Vertreter der Verbraucher Des Kraftfahrverkehrs. Im Namen der Stadt Berlin beglückwünschte Oberbürgermeister Böß Die Veranstalter Der Ausstellung. Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius gab seiner großen Freude Darüber Ausdruck, daß nach 17jähriger Pause die deutsche AutomobilinDustrie wieder in der Lage sei, gemeinsam mit Dem Auslände wieder eine große Ausstellung zu veranstal- ten. Die Ausstellung gebe ein anschauliches Bild von Den technischen Fortschritten Der KraftfahrinDustrie und zugleich wertvolle Vergleichsmöglichkeiten. Ungeachtet aller Schwierigkeiten ist Die Deutsche AutomobilinDustrie in zäher Arbeit an ihren WieDeraufbau herangegan- gen und steht mit ihren Konstruktionen beute wieder auf der Höhe. In ihren neuen Modellen nimmt sie jeden Vergleich mit Dem AuslanDe auf. Von Der erfreulichen Ausdehnung Des weltwirtschaftlichen Verkehrs werden Die Automobilindustrien aller Länder hoffenllich reichen Nutzen ziehen können. Aus aller Wett. Furchtbare Explosionskataftrophe in einer amerikanischen Schuhfabrik. 3n Lynn (Massachusetts) ereignete sich in einer Schuhfabrik eine Naphta - Explosion, bei Der bas Gebäude sofort in Jlammen aufging. Bis 9 llhr morgens waren als Opfer Der Lxplosionskalastrophe zwölf Leichen geborgen. Die Zahl Der verletzten beträgt über 20. 3n der allgemeinen Aufregung ist es bisher unmöglich gewesen, festzustellen, wie- viele Personen in Der Schuhfabrik beschästtgt waren. Die erste Explosion — es handelte sich um eine Zetluloidmischung — erfolgte um 8.35 llhr. In Den nächsten Minuten wurde durch mehrere kleinere Explosionen eine Wand des einstöckigen Fabrikgebäudes herausgedrückt. Zwei Leichen wurden auf Die Straße geschleudert. Zahlreiche benachbarte Wohnhäuser wurden Durch die flammen in Mitleidenschaft gezogen. Unter Den Toten befindet sich eine Mutter mit ihren Drei Kindern, die in einem benachbarten Wohnhause beim Frühstück von den aus Dem Fabrikgebäude durch die wohnungsfenster schlagenden Flammen getötet wurden, während die übrigen Mitglieder der Familie, der Vater und fünf Kinder, mit leichten Brandwunden davonkamen. Der Aetna beruhigt sich. Nach Den letzten Meldungen aus Catania ist Die Ausbruchstätigkeit Des Aetna im Abnehmen begriffen. Obwohl Der Eisenbahnverkehr nicht unterbrochen ist, wurde ein Ergänzungsverkehr z u Was- s e r zwischen Den Städten Syrakus, Catania und Messina mit zwei Dampfern aufgenommen. Bei einem Aulounfall getötet In der Kolonie Berlin-Grunewald fuhr in den frühen Morgenstunden ein Automobil auf Den Bürger st eig unD gegen einen starken Baum, Der umstürzte, wobei ein Straßenpassant getötet wurde. Zwei Insassen des Autos wurden so schwer verletzt, daß sie Dem Krankenhaus zugeführt werden mußten. Ein Auto vom Zug überfahren. Das Quito des Gutsbesitzers Stöckle aus Unter» töying«! (Bayern) fuhr im schnellen Tempo gegen bi« Bahnüberf ahrt Der Lofolbahn Wörishofen—Türlhüm, wobei der Gutsbesitzer infolge des unübersichtlichen Geländes den eben Herannaßenden Personenzug übersah. Das QLuto wurde vom Zuge ersaht Stöckle wurde völlig verstümmelt, so dah der Tod auf der Stelle €tnttat. Die in der Begleitung Stöckles befindliche Kassiererin erlitt so schwere Verletzungen, daß sie kaum mit Dem Leben Davonkommen Dürfte. Das Auto wurde vollkommen zertrümmert. Der Anprall war so stark, Daß auch ein Wagen Des Zuges beschädigt wurde. Schweres Flugzeugunglück In Serbien. In Neusatz (Iugoslavien) verunglückte ein Militärflugzeug, Das in geringer Höhe über Der Stadt Flüge ausführte. DaS Publikum bemerkt« plötzlich, Daß sich ein Flügel Des Apparats dorn Rumpf löste. Im nächsten Augenblick stürzt« Das Flugzeug auf das Dach eines Hau- s e s und von Dort auf Die Straß«, wo es zertrümmert liegen blieb. Unter Den Trümmern wurde außer Der Leiche des Piloten auch ein junges Mädchen, eine Schülerin Der Neu- saher Handelsschule, schwerverletzt aufge* funDen. Als sie im Spital zur Besinnung kam, gab sie an, daß sie Den Flug als Passagier m i t g e m a ch t habe. Diese Erllärung nef Ueber» raschung hervor. Da Militärflugzeuge weibliche Personen als Passagiere nicht mitnehmen Dürfen und man anfangs glaubte, daß das Mädchen von Dem abstürzenden Flugzeug verletzt worden fei. Man vermutet ein Liebesdrama. Vom Publikum tourDen ein Passant und Drei Kinder durch das abstürzende Flugzeug schwer verletzt. Frecher Naubüderfall in Berlin. In Moabit wurde mittags auf Den Kaufmann Wessel ein verwegener Raubüberfall verübt. Wessel betreibt in einem zweifenstrigen Laden eine Likör-Großhandlung. Gegen 11.30 Llhr betraten zwei Burschen das Geschäft und forderten zwei Liköre. Als Wessel ihnen erklärte, daß er nur Flaschen verkauf habe, entfernten sich beide wieder. Knapp fünf Minuten später erschienen Die beiden, in deren Begleitung sich jetzt zwei weitere Burschen befanden, abermals im Laden. Während zwei sofort über den Ladeninhaber hersielen und ihn zu Boden schlugen, eilte ein anderer an Da« Telephon und Durchschnitt Die Lei - t u n g. Der vierte Täter hat!« inzwischen di« Ladenkass« erbrochen und ihren Inhalt an sich genommen. AIS Wessel um Hilfe rief, wurde er mit einem Dell bedroht. Den Tätern gelang es, wer formt zu entkommen. Oie Wetterlage. ÖireiHns. W Röst- 18 <3 755 Vonnerstaa, I. 8. NoVt>. 1928,7" abdS. ® wontenros <$ ntner O naro eefleciL ) -o"'» • oeaten • «toew » Schote 6 Graupeln, e ntoti K 6rwi!ter.(g)W'0dS«'’’e-0' «W «irntrr Osi «eisige' SiMsuowest Q sturmoane» tordwejl Ott »feilt ruegtn mn dem winde. P*< »etdtn ititronen sienendtn Za* ten ootn die Temperatur an. Pie Linien eertHnden Orte eul aieiOc» twi rvtrcyivitfcv umaererfwif» Uifidreca Wetervo raussage. Die südliche Störung bewegt sich ostwätts weiter und die Witterung Mitteleuropas gelangt mehr un ter Den Einfluß Der Nordwestseite. DaDurd) roirD ein Kaltluftzustrom heroorgerufen. Der Den über Den britischen Inseln lagernDcn Druck nach Mitteleuropa ansaugen Dürfte. Unter Dem Einfluß hohen Druckes steht stärker aufheiternDes und vorwiegend ttockencs Wetter bevor. Die Temperaturen, Die eine geringe Zunahme erfahren haben, werben erneut sinken und nachts um null Grab zu liegen kommen Wettervorhersage f ü r Samstag: Wolkig mit Aufheiterung, wieder kälter, Temperaturen nachts um Den Gefrierpunkt, trocken. Witterungsaussichten für Sonntag: Weiterhin teils wolkig, tells aufheiternDes Wetter ohne stärkere Temperaturänderung, Durchweg trocken. Lufttemperaturen am 8. November: mittags 8,1 Grad Celsius, abends 6,6 Grad Celsius; am 9. Nov.: morgens 6,4 Grad Celsius. Maximum 8,1 Grad Celsius, Minimum 5,4 Grad Celsius. — (ErDtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 8. November: abends 5,8 Grad Celsius; am 9. November: morgens 5,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer \¥\ 1 Stunben. I ■W o -Ä'SL 1 °M’ m bnymt® ir ?* "nL u!b ft !U«. U5 ÄüDu m. °uSL«tw ^M>o ge. 8 kn eb^ ?k Wurde jÄJ dL Wocitncn ut6e. ablkii. ein M. 12 ü ber bet lm bemerk. ^atSdrm ^Urzte le® %QU» tot« ■ ^unrmera ">teu auch n^derAeu, Mt ttufgt, Innung kam. daslagkrr 'S nef Ikber- 12L_tocibIi^e fernen dürfen dm Äinber chwer »er. Serldl. uf den Äauj, dübersall vei« Mifenstrigen Ölung- Dr- lchen das ®c- M Desstl i verkauf habe, PP fünf M> tu deren 2c- t Burschen während zwei i&n mb ihn mderer an das die Lei« yvifchen die Hren Ji7$oS n Hilfe rief. Den Altem R. W *Ä*«*r. nachDruckes L.L^ .AAS- om^ ,ag: ; kL^' i.Uet®#’ »«: ’ÄI «<%«* sS>1 ■ L ®L Jll Aus der Provmrialhauptstadi. Gießen, den 9. November 1928. Liewer ^edakzionsonkel. Ich hob der lang net geschriwwr. Ich hatt fei Zeit net. Ich war an mrr m Gesellestick Jot unser Priefung. unn do muht 'H mich banvarrsch dranhalte, damit ich mei Geselleschdrck noch recht- zeidig serdig krag. Es is mer namUch, lrewer Onkel, mit Reschbekt ze vermelde krrzlich en ganz barwarischer Schrecke in mer Le^lrngslnoche ge- fahrn. weil'S ferzlich Aner in der Paus be m Fortbildingsunnericht gesagt Hot — drowwe im ahlde Klinik — dismol warsch noch s letzte Mol, deh mer unser Gesellepriefung ohne Prima- zeugniß mache kennte, unn vom nächsde Iohr ob mihte alle Schusderlehrling e richtig Maduri- dädszeugnih howwr wie die Sturrende, die wo alleweil Widder hierherlomme unn wo deswege siele Leut wider so fiel besser duhn schlafe duhn klmne. Warum? Weil die, wo die Sturrende sinn, nachts der Bolizei duhn achtpafse helfe, unn weil de Sturrende ihr Geld aach fein Kuhedreck net is, was ich meim Meisder schunt oft gesagt hob. wo e r awer gesagt Hot, 'en Lehrling verstand vo der Bevölkerungsbolidik nix. unn die Sturrende wär'n doderbei in Gäiße e Sach for sich. Umr wie ich en dann gefragt hob, wie s dann mit dem Maduridäsreifeexame for die kinfdige Schuster- buwwe wär, oa Hot er mich emol scheel vo der Seit a'geguckt, Hot aus Versehe uff en neue Lackschdiwwel gespuckt, wo demnächst zur Aus- schdellung komme soll. Hot vor lauter Aerjer den Lackschdiwwel ze wiche o'gefange unn Hot ge- krifche: „Läusbub dommer, biste gepickt? Akademisch gebildeter Schusderbub? Dich Hots! Wer will dann demnächst dene Deehgefäher Bauern im Dugelsberg noch die Schdiwwel mache, die wo se aach howwe misse, mit geheerige Nagels- köpp unne drunner, wann jeder Schusdersbub aach noch Ladern lerne muh? Schlächgkopp" — se^gt mei' Meisder zu mer! .Frieher Hot s bei gewiße Meisder gehrihe: „In de notwendigste Fächer nvtdirstig bestanne.' 11 nn die Menschheid is aach net driwwer ze gründ gange! Wann de mer noch emol von denr Schusderackedemiker a'fängst, dann komm' ich der uff de Kopp!, Läusbub dommer. Hälfst ja Schneider Wern kenne, uff der Schnei- derackademie! Kaaf der doch en Zebbelin. wann de so hoch enaus willst. Wann de nadierlich das Geld dazu host, dreidauhig Doller, ohnig Knöbb, Kamehlgarn unn Zwirn, i^ewigbei gesagt." „Ich möcht bleehlich emol wisse, ob die, wo im Zebbelin mitgefahrn sinn, aach uff ihrer Reis Schdiwwel a'gehabt habbe — —?“ „Mit Ausncchm von dem blinne Dassaschier, der sich hamlich uff feine Schdrimp in e Blaugaskabinche geschliche Hot," hob ich gekrischen „Meisder, «hend nenne se d e n blind, der fei' Aagedeckel geheerig nffgemacht Hot. grat) den. wo die gescheide annern finf Dutzend Mitfohrer net geseh howwe! Wer woarn dann eigendlich, mit Derlaab gefrogt, die blinne Bafsaschiern? — Zer St ros mich der Läusbub aus Amerika alleweil drei Tag lang 's Geschirr spiele, denn se konnten en doch net, ohne Pah, wo er net bei sich gehobt Hot, ins adlan- dische Otzean enunner plumse lofse. Dos wär jo unmenschlich grauham gewesd. Llberobo, von weje Geschirr spiele! Ich alaab als, mit dere Aerweit kennt'- net so weit Hergewese sei." „Dorimm," frägt der Meisder. „No," mein ich. „uff SchusderS Rappe, mit Berlaab gesagt, schwebt mer sicherer dovchS irdische Dasein, sagt mer mein Schusderverschdand; unn da drowwe soll's als Oer Betrugsprozeß in Gießen. Oie Urteilsverkündung. Gießen, 8. Nov. In der Strafsache gegen die Angeklagten S>„ R. und He. vor dem Erweiterten Schöffengericht v.r.ündete heute abend gegen 6 Uhr das Gericht das Urteil. Die Angeklagten H. und R. wurden des betrügerischen Bankerotts in Tateinhrit mit einem Konkursvergehen, weiter deS Betrugs in zwei Fällen und des Detrugsversuchs in einem Fall, sowie H. der Untreue in 12 Fällen und R. der Untreue in 8 Fällen für schuldig befunden. Der Angeklagte H. wurde zu einer Gesamtstrafe von drei Iahren sechs Monaten Gefängnis, der Angeklagte R. zu einer Gesamtstrafe von ein Iayr zehn Monaten Gefäng- n i s verurteilt, wegen der übrigen angeklaglen Fälle wurden H. und R. mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Auf dir erkannte Strafe wurden den Angekiagten 5 Monet? 2 Wochen d:r erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Außerdem wurde die sofortige Verhaftung der beiden Angeklagten wegen Fluchtverdachts angeordnet. Der Angeklagte He. wurde von der Anklage wegen Untreue in einem Falle mangels hinreichenden Beweises freigesprochen. — Aus der alsdann mündlich Dorgetragenen Urteilsbegründung ging hervor, daß öu offene Handelsgesellschaft H und R. spälestms Ende des Iahres 1925 ihre Zahlungen e.ngrstellt hat. Weiter erachtete das Gericht für fcstgestellt, daß H. durch übermäßigen Aufwand auherhalö seines Hauses erhebliche Summen verbraucht hat. Es bestehe auch kein Zweifel, daß H. und R. lediglich in der Absicht, ihre Gläubiger zu benachteiligen, keine ordnungsmähigen Bucher geführt t)abrn_ Vur mit Rücksicht darauf, dah die Angeklagten noch nicht vorbestraft s.nd. habe man sich nach langem Ueberlegen entschlossen, ihnen mildernde Umstände zuzubilligen. Darauf wurden die einzelnen unter Anklage stehenden Fälle behandelt, wobei das Gericht betonte, dah es nicht den geringsten Anlaß habe, an der beeidigten Aussage irgendeines Zeugen zu zweifeln. Von der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte habe man nur aus dem Grunde abgesehen, weil das Gericht annehme, daß die Angeklagten hauptsächlich infolge unglaublichen Leichtsinns sich zu ihrem Tun haben bestimmen lassen. geheihe howwe: „Platz gemachd, es komme die Soldadc, weh das Herz voll iS. deh geht der Mund iwwer!" Was brascht mer da viel Geschirr zu spiele? Do vergeht leicht der Abbeditt." „Recht hoste," hat mei’ Meisder gesagt. „Mir is es etzend sogar schon hier unne schläachd worn. Soll mer do net die Kränk kriege, wenn se iwwer den ameriganisch Läusbub so e Gedähds mache? Es fehlt bleeßlich noch, daß em dein Schdinnes sei' Dochder en Heiralsatrag macht! Ncnh Aache wäre alleweil schon gar fei Polsder- karde mehr ze hawwe, von Wege dem Tietz seiner neust Dehenswerdigkeit, unn gesdern hätte se en Eisenbahndirekzionspräsendent, der wo fein ge- polsderte Freifahrt schein gehobt hält, unn aach en dito Reichsdagsabgeordnete, in der H o l z k l a s s ohne Traglaste, wo aach so hamlich nach Aachen hawwe fahrn wolle, als blinne Passaschier unnere Dank erausgezoge unn der Tietz hätt aach dene zwaa seidene Herrn von Wege ihrer ganz außergcwehnliche Holzllassesahrt e ganz ugeheuerlich A'gebott gemacht. „So was kann heutzedag vorkomme, Meisder," hob ich gefügt; „mer tounnert sich iwwer nix mehr. Ich wunner mich aach net, wann der Zebbel bahld nach Gieße zcm Lichtfest kimmt unn iwwer unßerm elektrischbengalisch beleuchtete nördliche Stadtteil unn seiner Hauptstroß, die wo e unßere Zozzels- gäß'che is, zur Hewung des Fremdeferkehrs en Schleifeboge macht! Dann giebt 's wos ze gucke, Meisder." „Her mer uff mit deiner Zukunfts- rnuhik! Es werd schon emol mehr Licht in Gieße Wern, Hot schon der ahld verstorwene Göthe gesagt. Do Hot er gewiß an anher nächhd Nachbarschaft, den Dammstraßedorchbruch, gedenkt." Unn dann Hot der Meisder sein Lackschdiwwel Widder sauwer mache misse. So geht'-, wenn mer sich ärjert Hertzlich grieht Dich for Heut, liwwer Zeidungs- onfel Del Kallche au8 der Zozzelsgah. Vtl eine gcklärt Uiüereü v- Philve sprach«! fonn m o flantfult’ Mmils! ßo«jtno M Sit miitelba dem AI Michl kriegt Mw Mitti Sicher lange bi Angriff durch E gung bi natütlic mannt Unfi< find. Nach nicht i Defriel prom das ich lich ha jedes ei nicht gi man fi offen Ullb fi 6/reiffr Ser/, Lage, trage, e drra Degfü der Hi erfenne nicht 6 auf de einzige sicht, i Prop KaninclieR- iißd üefliigel&usstelluDO Sama'ag, 10. Sonntag, 11. Mov.b.Bnat. Steck, Haxanstr. 7. Linie. 30 PL, Kinder l. Begleitung Irel Bon grögeren Re- tletdungs - Werkstätten der Hofen- »abrikation aus Provision oder seste Anstellung f. Gieken und Umgegend bei Prtvarknndschaft gut eingefübne Vertreter ßesachl. Borkennlnisse nicht unbedingt erfordert. Schr. Angeb. unter 07950 g. d. GieK.Anz. Tüchtiger Polsterer Äonp Di e h M Dei 5eti!e mldet,. leiben d et fein 3u D Lndtvig «r. tze LchtvesK FrehSe, bestimm ,n Münz «ORtgt °as er n. tzrlteß. ; hi N, ”leinin ^he etf JW| N: 1°- M< Han-" Ln. Sro 21 2pü Monate chvl eine ^ertrag^ eDvrt f( Sä fe? «3. Wetzlarer Verkeärs-Werbe - Wecite vom Sonntag, dem 11.bis einschliefel. IS.November Am Sonntag, dem 11. November: Grober Werbe-Festzug Mittwoch, den 14. und Sonntag, den 18. 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Velditer Berkaus, hohe Provision Schriftl. Angeb. unt. 07945 and. Gien. Anz. >7.V Gießen (Lindengasse), den 8. November 1928. _____________________________________________U79fi6 Heute entsdillef unsere Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Justine Günther Die Hinterbliebenen! Marie Herbert Witwe Heinrich Herbert und Frau Kr 265 Zweiter Blatt Zum Abrüsiungspwblem. Von Generaloberst von Seeckt, ehem. Chef der Heeresleitung. 3m „Malm" veröffentlicht Sauer- wein eine Unterredung mit dem in Baden-Baden weilenden General v. Sceckt über de Abrüstung««rage. Der ehemalige Chef der Heeresleitung erklärte dem französischen Journalisten u. a.: Der gegenwärtige Stand der Abrüstungsfrage ist für Deutschland ebenso unbefriedigend wie für die anderen Länder. Wenn man die bestimmten Nationen durch die Verträge aufgezwungene Abrüstung und die ganz natürliche Verminderung der Rüstungen seit dem Kriege beiseite läßt, kann man fest st eilen, daß die Welt heute ebenso mächtig gerüstet ist wie im Jahre 1914 Heberall, wo man dazu die Freiheit hat, beschäftigt man sich sehr eifrig damit, die Rüstung auf den Stand der modernen Technik zu bringen und die Armee entsprechend den Bedürfnissen und der Politik jedes Landes zu organisieren. Ich holte daher das Problem fürvielmehr politisch als militärisch. Es wird erst eine Cofung finden, wenn die politische Lage geklärt sein wird. Die Regierungen müssen untereinander in praktischem Geiste prüfen, bis .zu welcher Grenze sie bereit sind, abzurüsten und auf welcher Grundlage eine ihre nationalen Interessen berücksichtigende Abrüstung durchgeführt werden kann. Erst nachdem eine solche Aussprache glückliche Ergebnisse gezeitigt haben wird, kann man irgendeinen Erfolg von technischen Organisationen, wie der vorbereitenden Llbrüstungs- kommission in Genf, erwarten. Die Verträge von Locarno oder der Kellogg-Pakt und die Studien des Sicherheitsausschuffes haben keinen unmittelbaren Einfluß auf die Abrüstung. Rach dem Kellogg-Patt kann man nicht mehr mit der Möglichkeit eines Offensiv- und Eroberungskrieges rechnen. Trotzdem und trotz der Aus- schliehung des Krieges als Mittel nationaler Politck sehe ich, daß die Sorge um die Sicherheit sehr lebhaft bleibt. Solange die politische Lage glauben laßt, daß ein Angriff möglich ist, wirb jeder Staat, der nicht durch Gewalt abgerüstet wurde, seine Verteidigung durch Rüstungen vorbereiten. Es ist ganz- natürlich, daß diejenigen, die willkürlich entmannt wurden, den Eindruck einer tiefen Unsicherheit empfinden, wenn sie gezwungen sind, inmitten mächtig bewaffneter Rachbarn zu leben. Rach meiner Ansicht wird nicht die Rüstungsverminderung die endgültige Befriedung Europas bringen, sondern ein Kompromiß unter den verschiedenen Regierungen, das ich trotz der großen Schwierigkeiten für möglich halte und das den besonderen Interessen jedes einzelnen Rücksicht tragen muß. Man darf nicht an den Derteidigungsmitteln rühren: aber man könnte dagegen stark die Rüstungen offensiven Charakters vermindern und sich über das Verhältnis der stehenden Streitkräfte und ihrer Ausrüstung einigen. Deutschlandist in einer besonderen Lage. Es lag nicht in der Absicht der Verträge, es endgültig jeden Verteidigungsmittels zu berauben. So bereiteten die Verträge den Weg für ein „Kompromiß relativer Angleichung" der Rüstungen vor. Wir Deutsche müssen anerkennen, daß wir von den siegreichen Mächten nicht verlangen können, daß sie ihre Rüstungen auf den Stand der unsrigen verringern. Der einzige Weg zur Abrüstung besteht in der Einsicht, daß man sich verständigen muß über die Proportion der Rüstungen. Man. kann Zum Gedächtnis Karl Henkelmanns. Von Professor Dr.jur. ei Phil. Karl Esselborn. Die hessische Heimatforschung hat einen schweren Verlust erlitten durch den Heimgang Karl Henkelrnanns, der, wie bereits kurz gemeldet, am 6. Rovernber d. I. von einem Herzleiden dahingerafft wurde, einen Monat bevor er sein 70. Lebensjahr vollendet haben würdL Zu Dodenau, fn dem damals noch hessischen ..Hinterlande", stand seine Wiege. Sein Vater, Ludwig Henkelmaim (1824—1887), war dort Pfarrer. Seine Mutter, Sophie F r e y b e , war eine Schwester des bekannten Kulturhistorikers Albert Fveybe, der den Entwicklungsgang des Reffen bestimmend beeinflußte. Von feinem seit 1860 in Münzenderg wirkenden Vater vorbereitet, trat er Ostern 1872 in das Gymnasium zu Gießen ein, das er nach fünf Iahren mit dem Reifezeugnis verließ. Darauf studierte er ebenfalls in Gießen bis Wintersemester 1880/81 unter Wilhelm Clemm und Adolf Philippi alte Philologie. Ende April 1881 bestand er die Fakultätsprüfung. Seine ersten dienstlichen Verwendungen fand er am Ludwig-Georg-Gymnasium zu Darmstadt und am Gymnasium zu Mainz. Dann genügte er in Wovms seiner Militärpflicht und war wieder am Darmstädter Gymnasium tätig, bis er am 5. März 1887 zum Lehrer an der Realschule zu Groß- Umstadt ernannt wurde. Dort veröffentlichte er 1888 einen „Pilz-Freund" und schrieb zum fünf* undzwanzigjäheigen Jubiläum der Anstalt am 10. März 1894 ein Lustspiel „Durch eiserne Hand", das einen Besuch Götz von Berlichingens in Groß-Umstadt zum Gegenstand hat. Ein Vierteljahr darauf wurde er an die Realschule zu Alsfeld versetzt. Daselbst erhielt er am 12. April 1899 den Charakter als Professor, fünf Monate danach, am 16. September 1899, wurde ihm eine Stelle am Gymnasium zu Bensheim übertragen. Dort fand er eine zweite Heimat und wirkte daselbst, bis er am 1. Februar 1924 in den Ruhestand trat Reben seiner beruflichen Tätigkeir war er auch schriftstellerisch tätig und stellte seine Feder in den Dienst der Heimatgeschichte. Eilte 1906 erschienene Programmbeilage „Das Odonwalder Bauernhaus" erschien zwei Iahre später ist erweiterter Gestalt unter dem Titel „Das Bauernhaus des Odenwaldes und des süd- weUichen Deuttchlands" (Darmstadt 1908). Im Jahre vorher hatte er die Geschichte der Stadt Densheim in den Iahven 1599 bis 1620 nach der Reichenbacher Chronik des Pfarrers Martin Walther veröffentlicht. Durch die Anlegung eines Stadtarchivs in Bensheim rettete er die dort noch vorhandenen Arkundenbestände, die er in Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen) Freitag, 9. November 1928 Deutschland auf die Dauer nicht das Recht legitimer Verteidigung verweigern. Ein abgerüstetes und von mächtigen bewaffneten Rachbarn umgebenes Deutschland, das gezwungen ist, ihrem guten Willen zu vertrauen, ein um seine Zukunft besorgtes Deutschland ist für den Frieden der Welt viel gefährlicher als ein Deutschland, das, genügend stark, um seine eigene Sicherheit sicherzustellen, sich seiner friedlichen Entwicklung widmen würde. Der Gieg der Auionomisien. Fast unbeachtet von der Oeffentsichkeit — die durch die amerikanischen Wahlen und die französische Ministerlrise stark in Anspruch genommen war — ist am vergangenen Sonntag in der Sitzung des Vorstandes der Elsässischen Dolkspartei die lang erwartete Explosion eingetreten. die eine Klärung der Geister in Elsaß-Lothriugen bedingt und vielleicht eine vollkommene Reuordnung der inneren Gliederung unseres Reichslandes einleitet: die Elsässische Dolkspartei, das „Zentrum" des Elsaß, hatte bisher jede Stellungnahme zum Autono- mismus vermieden. Sie hatte Freunde und Gegner im Lager, ausgesprochene Rationalisten und ausgesprochene Autonomisten. Sie hat aber doch wohl eingesehen, daß sie den Weg der Sozialisten gehen würde, wenn sie an dieser gewollten Mn- klarheit weiterhin festhielte. Sie hat auch aus der Volkssttmmung, die ja bei den letzten Wahlen unverkennbar zutage getreten ist, die Folgerung gezogen, daß sie sich zum Autonomismus bekannte, 'in so schroffer Form, daß die bisherigen Führer nicht nur von ihren Aemtern zurückgetreten, sondern gleichzeitig auch aus der Partei ausgetreten sind. Der neue Vorsitzende ist in Colmar als Zeuge für Dr. Ricklin auf» getreten und hat sich längst zu den Grundforderungen der Heimatbewegung bekannt. Der Autonomismus hat sich damit endgüftig innerhalb des politischen Katholizismus durch- geseht, und es ist Wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Partei innerhalb der Bewegung eine leitende Rolle beansprucht. Damit aber verschiebt sich das Schwergewicht wesentlich zugunsten der Autonomisten, die im Besitz der Parteimaschine natürlich ganz anders auftreten und ganz andere Erfolge erzielen können, während sie bisher doch nur mit sehr bescheidenen Mitteln arbeiten mußten. Aber gerade die überraschenden Siege, die sie aus sich selbst heraus erfochten, haben gezeigt, wie start die Bewegung im Volk geworden ist. Sie hat sich nicht zuletzt dank der Ungeschicklichkeiten der französischen Regierungspolitik so stark verankert, daß jeder Versuch, sie von Paris aus au zer- schlagen, von vornherein zur Ergobnislosigleit verurteilt ist. .Künftighin wird auch die Verdächtigung, daß die Autonomisten im Solde Deutschlands stünden, nicht mehr ziehen, und es wird dem offiziellen Frankreich nichts anderes übrig bleiben, als die Tatsache anzucrkennen, daß die Forderungen der Heimatbewegung etwas Bodenständiges sind, deren Richterfüllung einen immer weiteren Abstand zwischen Elsaß- Lothringen und Frankreich schaffen werden. QttS äußerlich unbeteiligte, aber innerlich stark interessierte Zuschauer haben wir diesem Ringen zugesehen, und niemand wird es uns verdenken können, daß wir den Sieg des deutschen Kulturgedankens begrüßen. Zndianerelen- in Ll. G. A. Von unserem ^-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Neuyork, November 1928. Die offiziellen Nachrichten über das Schicksal der Ureinwohner Nordamerikas fließen recht spärlich. Die Weltöffentlichkeit begnügt sich damit, Daß die Nachkommen der Nonianhelden aus „Lederstrumpf" und den geistigen Erzeugnissen eines Karl May in den Reservationen verhältnismäßig gut aufgehoben sind, über Auto und Radio verfügen, und baß ihre Häuptlinge hie und da auch mit dem Präsidenten der allmächtigen nordamerikanischen Union den konventionellen Händedruck austauschen dürfen. Wie cs aber in Wirklichkeit um die Indianer in 11. S. 21. bestellt ist, das kann man aus den privaten Berichten ersehen, mit denen der amerikanische Kongreß in der letzten Zeit geradezu überschüttet wird, und die von dem großen Elend in den Siedlungen der Rochäute erzählen. Aber das Hohe Haus in Washington hat bisher von diesen Plagen wenig ober vielmehr gar keine Notiz genommen. Nun dürfte das jedoch plötzlich anders werden, und wenn nicyt alles trügt, wird es bei der nächsten Kongreßeröffnung im Dezember eine kleine 3n> oianerfcnfation geben. Es handelt sich diesmal nämlich um einen — soeben auch bereits Der» öffentlichen — Aufruf des Institute for Government Research, einer Privatorganisation zwar, an deren Spitze jedoch der frühere Innenminister Dr. Hubert Work steht, der in diesen Tagen erst zurück- trat; um die Präsidentschaftskampagne für Herbert Hoover zu leiten. Hierzu fei bemerkt, daß die Fürsorge für die Indianer in Amerika dem Innenminister obliegt, dem das Indian-Bureau angeschlos- fen ist. Der erwähnte Bericht selbst fußt auf einem sieben- monatigen Studium zehn namhafter Sachverständiger, die unter der Leitung von Lewis Meriams in den Reservationen an Ort und Stelle arbeiteten, 95 Jn- bianerpeblungen untersuchten und schließlich die Ergebnisse ihrer Forschungen in einer Abhandlung von mehr als hundert Seiten Umfang niederlegten. Die Klagen, die da über die Behandlung der Indianer durch die amerikanischen Behörden erhoben werden, sind heftig genug. Es heißt u. a.: die Politik der Regierung hat eine Verarmung der Indianer zur Folge. Deren gesundheitliche Verfassung ist äußerst schlecht, und die Sterblichkeit, insbesondere aber die Kinder st erblichkeit ist in den Reservationen ungleich höher als unter den Weißen. Die Verwaltung des Indian-Bureau dient höchstens dem materiellen Eigentum der Indianer. Die Bemühungen dieser Stelle um die Erziehung der Ureinwohner Amerikas sind äußerst gering. Der größte Teil des Landes, das man den Indianern überlassen I>at und auf dem sie sich als Farmer ernähren sollen, ist w e r t o s , und dort, wo aus dem Boden etwas herauszuholen ist, fehlt es an Geld zur Anschaffung von Maschinen, zur Haltung von Hilfskräften und dergleichen. Dis weißen Beamten der Verwaltungsstellen sind derart schlecht bezahlt, daß man sich nicht wundern kann, wenn auch über deren Qualität Klagen erhoben werden. Dies geht so weit, daß auch die Aerzie, Krankenschwestern und Lehrer zumeist aus Menschen bestehen, denen man im übrigen Teile der Union jede Berechtigung zur Ausübung ihres Berufes absprechen müßte. Zudem liegen die Schulen recht weit auseinander, und die Jndianerkinder werden mit Gewalt vom Haufe fortgeschleppt, dem so ebenfalls Arbeitskräfte verlorengehen. Zudem wird die Erziehung nach den allgemei- einer halbjährigem angestrengten Arbeit inven- tarilsierte. Das von ihm aufgestellte „Derznch- nis des Archivs der Stadt Bensheim" erschien 1910 im Druck. Ferner gründete er den Bensheimer Mussumsverein und das dortige Heimatmuseum. Im Iah-ve 1914 erschien der in Verbindung mit Walter H. ©arnmann bearbeitete Band „Kreis Bensheim" des hessischen Kunst- denkmälevwerkes und 1920 als Festschrift zur Sechshundertjahrfeier die „Geschichte der Stadt Bensheim bis zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges". Seit 1924 gab er die „Bensheimer" oder, wie sie seit ihrem dritten Jahrgänge heißen, „Bergsträßer Geschichtsblätter" heraus, bie zahlreiche Aufsätze von ihm enthalten. Aus seiner amtlichem Tätigkeit ging das als Anhang zu dem sechsten Bande von Wilhelm Pfeifers „Lehrbuch der Geschichte für höhere Lehranstalten" eiln „kurzer Abriß der Geschichte und Verfassung des Großherzogtums Hessen" hervor, Bet 1911 iln erster und 1916 in zweiter Auslage erschien. Gemeinschaftlich mit Eduard Anthes veröffentlichte er 1922 ein vortreffliches Büchlein über „Das Kloster Lorsch", das freilich durch die neuem Ausgrabungen in vielem über* hott ist. Mit der Geschichte, dieses Klosters befaßt such auch die geschichttiche Erzählung „Fürst- abt und Erzbischof" , die 1912 erschien. Ihr waren zwei andere geschichttiche Erzählungen vorausgegangen: „Helden vom Stegreif. Die letzten Tage dsr Burg Tannenberg" (1911) und „Auf dem Frankenstein" (1912). Dissen Erzählungen gebührt ein Ehrenplatz in der hessischen Heimatlitsratur. Seine letzte Erzählung „Dor neue Geist" ist dem Gedächtnis Tilmann Rvemensschnsidors gewidmet und erschien in dem evangeUschen Wochenblatt „Der Sonntag" (Ig. 1927 f.). Wenige Wochen vor seinem Tobe, am 12. Oktober 1928, ermannte ihn Die Stadt Bensheim zum Ehrenbürger, und der hessische Staat würdigte seine Heimatgeschichtlichen Bestrebungen durch seine Bestellung zum Llrkundeirpfleger des Kreises Heppenheim, deffen „Inventare" er noch 1928 heuausgab. Seine Tätigkeit beschränkte sich indessen nicht auf die Bergstraße, sondern aus ganz Hessen: denn die von ihm inventarisierten und eingerichteten 104 Gemeindearchive verteilen sich auf die drei Provinzen des Landes. Bald nach einer vierwöchigen Badekur in Salz- schlirf. von der er am 28. August zurückkehrte, verschlimmerte sich fein Herzleiden so sehr, daß er Ende September im Elisabethenstift in Darmstadt Hilfe suchte. Allein vergebens. Rachdem er am 3. Rovernber nach Bensheim in das Hospital zurückgebracht worden war, starb er daselbst nach drei Tagen. Mit Hsnkelmann ging nicht nur ein unermüdlicher Forscher, ein anregender Erzähler, sondern auch ein wahrhaft guter, stets freundlicher und uneigennütziger Mensch dahin, und darum trauern neben seiner Frau und neben seinen Kindern din fleiner Bahre unzählige Freunde, in deren ehrendem Andenken er nicht minder fortleben wird alls in seinen Werken. Goeihe-Bund. Vortragsabend von Felix Timmermans. Timmermans, Dichter aus Flandern, berufener Erbe des großen Coster, begann seinen Abend mit einem Vortrage über sich selbst, über seine Herkunft, feine Heimat, fein Werk. In breitem, gebrochenen Deutsch, mit vielen flämischen Akzenten, einfach, behäbig und voller Humor spricht er genau wie er schreibt. Wenn er von seinem Schassen erzählen wi.l, vom „Inhalt seines Erzens", muß er zugleich seine kleine Vaterstadt Lier beschwören, die niederländische Landschaft und das niederländische Volk, sein Elternhaus und seine Kinderzeit: denn dies alles gehört für ihn zusammen und ist nicht voneinander zu trennen. Er gedenkt seines Vaters, der ein Spitzenhandle r war, nicht auf Rosen gebettet, und ein Märchenerzähler, voller Fröhlichkeit des Herzens und voller Güte für seine vierzehn Kinder, unter denen der Dichter des „Pallieter" das dreizehnte war... eine „Zugabe". Timmermans, der Vater, wurde anEetoußt und vielleicht ungewollt Anreger und Mitarbeiter an den Büchern des Sohnes, der ihn verehrt und weiß, was er ihm verdankt. Der Dichter spricht ferner von der zwiespältigen Ratur, vom Doppelwffen des Volkes, dem er entstammt. und seiner selbst (man spürt das in allen seinen Büchern) —, er gibt Bericht, wie er den okkulten Dingen, der mittelalterlich-katholischen Mystik anßeimfiel. ins Kloster ging in schweren Herzenskämpien. Thomas von Kempen las und Katharina Emmerich. Aber er hat den Sieg babongetragen in diesem Streit, die helle, diesseittge, erdenzuaewandte Seelenseite seines Volkes gewann fröhlich bie Oberhand, und er begann aufs neue und inniger als zuvor das Leben zu lieben, das Leben als Wunder zu begreifen und Wunder im Leben zu finben, „ohne Bücher. Begriffe und Weisheit". „Pallieter" ist eine Frucht dieser Wandlung, der „Erlösungsschrei einer Seele". Ihm folgen die Werke, die heute seinen Ruhm durch Deutschland tragen: das „Jesuskind in Flandern". „Der Pfarrer vom blühenden Weinberg' ,der „Pieter Bruegel", welcher vor kurzem erschien. Dem Helden dieses letzten Romans ist dann der Rest seiner Rede gewidmet. Man vernimmt, wie Timmermans mit einem Freunde gen Antwerpen wallfahrtet, den großen Rubens zu suchen, und Bruegel findet und von dessen Bildern bezaubert wird. (Lind man hat das ®cfüßl, neu scbematischen Grundsätzen, die in den Bereinigten Staaten Geltung haben, gehandhabt, ohne auf die Eigenart der Indianer Rücksicht zu nehmen. Die Regierung versucht weiter, jedes Indianerkind in der Schulpension zum Preise von 55 Pfennigen pro Tag zu ernähren, eine Summe, die an sich bei weitem nicht ausreicht, andererseits aber zumeist von den Eltern nicht aufgebracht werden kann. Deshalb stehen mit den Schulen Farmen in Verbindung, auf denen die Kinder arbeiten müssen, so daß ihnen nur äußerst wenig freie Zeit bleibt und eine deutliche Unterernährung sestzustellen ist, in deren Gefolge Krankheiten auftreten, rote man sic in solchem Maße nur in den Armenvierteln der Großstädte anzutreffen gewohnt ist. Ein anderes großes Ucbcl sieht der Bericht in den Wohn ungsverhält nisscn der Indianer. Man hat diese gelehrt, rote die Weißen in „modernen Häusern" zu wohnen. Solche kosten jedoch Geld und die Folge davon ist, daß die Räumlichkeiten äußer st beschränkt sind, so daß trotz der großen Sterblichkeit und dauernden Verminderung der Indianer diese unter ganz ähnlichen Uebelftänbcn leiden, wie die Insassen übervölkerter Wohnviertel. Der Bericht fordert von dem Kongreß, er möge sofort mindestens eine Million Dollar auswerfen, um das ärgste Elend in den Reservationen zu mildern. Für die reiche Union sei das Indianerclend eine Schande, und man könne froh fein, daß sich die Kenntnis von den Uebelständen in den Reservationen noch nicht über die Grenzen der Vereinigten Staaten ausgebreitet hat. Dies ist allerdings nicht ganz richtig. In England z. B. hat der Bericht des Institute for Government Research großes Auf- sehen erregt. Man benutzt die darin ausgezähltcn Mißstände dazu, um darzulegen. wieviel besser der Indianer z. B. in dem unter britischer Oberhoheit stehenden Kanada aufgehoben ist. Und nicht zu- letzt hat der Alarmruf über das Indianerelend in U.'S.A. auch dem P r ä s i d e n t s ch a f t s k a m p f eine besondere Note verliehen, denn es ist klar, daß nach Lage der Dinge die Bewohner der Reservationen für den Kandidaten stimmen, der ihnen die größten Hoffnungen auf eine Besserung ihrer Lage zu machen vermag. Das ist vielleicht auch der Grund für das plötzliche Interesse, das man den halb ver- gesienen Indianern jetzt entgegenbringt. Aus der provmzialhaupistadt. Gießen, den 9. Rovernber 1928. Taten für Lamsiag, 10. November. Sonnenaufgang 7.08 Uhr, Sonnenuntergang 16.19 Uhr. — Mondaufgang 4.43 Uhr, Monduntergang 15.49 Uhr. 1483: Martin Luther in Gisleben geboren, — 1759: Friedrich von Schiller in Marbach geboren. * Volkstrauertag 19 29. Der Volks- bund Deutsche Kriegsgräbersür'orge gi?t bekannt, daß der Volkstrauertag im kommenden Iahre wiederum am 5. Sonntag vor Ostern, Remi- n i s z e r e, begangen wird. Dieser Tag fällt int Jahre 1929 auf den 2 4. Februar. Die Ausgestaltung der Feier wird in ähnlicher Weise tpis in den Vorjahren im Benehmen mit ben Behörden, Religionsgemeinschaften und größeren Verbänden vorbereitet und durch die Verbände und Ortsgruppen des Vvlksbundes in die Hand genommen werden. * * Schulpersonalie. Ernannt wurde der Lehrer Ernst Muller zu Bergheim, Kreis Büdingen, zum Lehrer an der Volksschule zu Stamm- heim, Kreis Friedberg, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab. * * Die Evangelische Volksgemeinschaft hält am 17. und 18. Rovernber in Bad- Ranheim ihre 4. Reichstagung ab. 1L a. werden daß Timmermans in seinem Leben und seinem Dichten gar nicht an Bruegel vorüber konnte, daß er einmal auf ihn stoßen und von ihm erzählen mußte, von dem wenig genug bekannt ist.) „Ich suchte seine Gestalt und seine Seele.' Und er schrieb mit geschlossenen Augen gleichsam jenes Leben, das er sah, obwohl es nicht aufgezeichnet und nicht überliefert war, aus der tiefen Gemeinschaft eines Volkes, eines Herzens, einer Landschaft und dem sinnenfrohen, einfältigen Wohlgefallen an den bunten, kräftigen und gesunden Dingen der Welt. Ihn reizte der Widerspruch in Bruegel. das ewig Gegensätzliche seines Wesens, das Hell- dunkel um seine Gestalt, die zwischen Himmel und Erde schwebt wie das flämische Volk, welchem der mittelalterliche Maler und der heutige Dichter gleicherweise entwuchsen. Timmermans stellte den Bruegel in sein Volk hiirein, erklärte ihn aus feinem Volke, das sinnlich ist und mystisch in einem, auf Erden stehend mit beiden Beinen und immer auch dem Aeberirdischen zu- getan und ergeben. Er und Flandern: ein Herz und eine Seele. — Dann, im zweiten Teil des Abends, las Timmermans aus seinen Büchern, dem „Pal- tieter", dem „Pfarrer" und dem „Herz in der Laterne". Mit dem Weinbergspfarrer begann er, und er las das schönste Kapitel dieses Romans, das zweite, welches vom wunderbaren Weinkeller handelt, den der Pfarrer herzlich liebt, wie ein weiser Mann seine Micher: viele Sorten gibt es, und jede hat ihren eigenen, frommen und wohlgefälligen Ramen, Farbe, Duft und Geschmack. Ferner aus dem „Pallieter" die Beschreibung des Festes: das ist ein brachte olles Kapitel, eine saftige, strotzende Erzählung von gutem und reichlichem Essen und Trinken, von bollen Backen und schmatzenden Lippen, eine herzhafte und gang irdische Begebenheit im weltfrohen Geiste des dicken Lamme Goedzak, ... rotwangig, sprühend und blühend, eine Szenerie, zu der jener Bauer nbruegel die richtigen Farben auf der Palette hatte, eine Eulenspiegelei voll derben Humors, ländlich, schändlich und kerngesund. (Als Motto könnte Zuckmayers Vers barüber stehen: „Ein Mensch beim Effen ist ein gut Gesicht ..,“) Zuletzt: „Das Schweinchen", eine überaus drollige Schöpfungsgeschichte, heitere und herzliche ßegenbe, von allen liebenswerten und innigen Humorsn ihres flandrischen Schöpfers vergoldet: mit einem tiefen Behagen und ganz unliterarischen Kindermärchengefühl hört man sich das an. Eine Zugabe noch auf flämisch: Gruß an die hessischen Hörer und Dank an das Gießener Publikum, das sich mit lautem Beifall erkenntlich zeigte, —y,— > der Vorsitzende des Evangelischen VoNÄdunbe« in Baden. Pfarrer Deutsch (Leutershausen-, und Lic. Dr. Römer (Leipzig) Dorträge über bedeutsame Fragen halten. •* Die Schützense sellschaft 1926 Gießen beendete ain 31. Oktober ihr diesjähriges Vereins-Preisschiehen, so daß am vorigen Samstag, wie man uns berichtet, dir Preisverteilung vorgenommen werden konnte. Es erhielten bei der 3-Schuh-Serie G. Gümblein mit 36 Ringen den 1. Preis, E. Gondner den 2., H. Blum den 3., W. Wehling den 4., K. Schneider den 5. mit je 36 Ringen: W. Meininghaus den 6., A. Glagow den 7., E. Servers den 6., R. Darthel- mes den 9. mit je 35 Ringen: O. Siegel den 10. Preis mit 34 Ringen: ferner bei der 6-Schuh-Serie: G. Gümblein 1. Preis, 71 Ringe, R. Glagow 2. Preis, W. Meininghaus 3., R. Gärtner 4., je 69 Ringe: H. Blum 5., K. Schneider 6., E. Gondner 7., je 68 Ringe: H. Wittelsberger 8. Preis, 67 Ringe. Die Fe st scheibe erhielt H. Blum. Mit der Preisverteilung war eine Abendunterhaltung mit der Feier des 2. Stiftungsfestes in der „Liebigshöhe" verbunden. Zur Verschönerung des Festes haben Mitglieder des Dauerschen Gesangvereins durch einige Gesänge wesentlich beigetragrn, für die mit reichem Beifall gedankt wurde. Frl. Barthelmes erfreute durch einige Gesangsvorträge mit ihrer künstlerisch geschulten Stimme. Wohlverdienter, überaus reicher Beifall wurde der Sängerin gezollt. Den musikalischen Teil hatte Mitglied Topp übernommen, der auf seinem Piston sehr schöne Solovorträge zu Gehör brachte. Der kon- zertliche Teil erntete ebenfalls reichen Beifall, die Tanzlustigen kamen nach den Klängen der unerüöir.lichen Kapelle Topp voll und ganz auf ihre Rechnung. " Paddler-Gilde Gießen. In der Jahreshauptversammlung wurde die neue Satzung genehmigt und die Eintragung der Gilde in das Derrinsregister beschlossen. Der vom Vorstand erstattete Jahresbericht gab ein sehr günstiges Bild über die Weiterentwicklung der Gilde im abgslaufenen Geschäftsjahre. Dem Bericht deS Kassenwarts war zu entnehmen, daß sich die Mitgliederzahl weiterhin vergrößert hat und damit gerechnet werden kann, daß die entstandenen und noch entstehenden Kosten für den DootShaus- erweiterungsbau und die Inneneinrichtung bald gedeckt sein werden und dann an die Inangriffnahme weiterer Aufgaben gedacht werden kann. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Bei der Reuwahl des Vorstandes wurden die einzelnen Aemter mit folgenden Herren besetzt: 1. Vorsitzender: We llh ausen: 2. Vorsitzender: W. Rohn: Schriftführer: W. Rohn: Kassenwart: Richter: Verlehrs(Fahrten)wart und Pressewart: H. Becker: Sportwart: Salzmann: Bootshaus- Wart: Schmidt: Beisitzer: H. Rohn: Iugendwart: Gwinner: Geschäftsprüfer: Roeller, K. Rohn. Dem Antrag, die Beiträge zu ermäßigen, konnte nicht entsprochen werden. Die Ermäßigung ist aber in absehbarer Zeit geplant, um auch dadurch zu dem Ziele beizutragen, den Faltbootsport, der bisher eine beispiellose Entwicklung durchgemacht hat, zu einem Volkssport zu machen. ** Die Arbeit unserer Gerichte. Das Oberlandesgericht Köln hat eine Entscheidung fällen müssen, weil in einer mit Schreibmaschine geschriebenen Klage nur kleine Anfangsbuchstaben angewendet waren. Aus dem Grundsatz: „Die Gerichtssprache ist deutsch" folge nicht, daß Schriftsätze den jctoeilS geltenden Regeln der deutschen Rechtschreibung entsprechen müssen. Orthographische Fehler sind zugelassen. Ist die Schreibweise aber so abweichend von der herrschenden Rechtschreibung, daß Lcsi arkeit und Verständnis des Schr.ftsatzes in Frage gestellt sind, dann wäre eine Zurückwe.sung denkbar. Der Gebrauch der klerne* AnfangSbuchstabm bringe ater keine solche Beeinträchtigung. Mit Recht schreibt der Ausleger der Entscheidung: Man sollte die Gerichte wirklich nicht mit derlei Dingen behelligen. Oberheffen. Oer Haushaltsplan der Stadt Lich. D Lich, 7. Rov. 3n der jüngsten Sitzung des S t a d t v o r st a nde s brachte der Bürgermeister den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1 928 zur Vorlage. Die Gesamtsumme aller Einnahmen und Ausgaben beträgt 455 469,62 Mk. Davon entfallen auf die Betrjebs- vechnung 283 300 Mk., auf die Vermvgensrsch- nung 172 169,62 Mk. Das Gesamtbild des Voranschlags gegenüber dem Vorjahre hat sich im wesentlichen dadurch verschoben, daß infolge größerer Anleihen, höherer Verzinsung und Aufwertung einer Dorkriegsanleihe ein jährlicher Mehraufwand von 20 000 Mk. erforderlich ist. 3m einzelnen ist folgendes bemerkenswert: Rach den: vorläufigen Abschluß der Betriebs- rechnung für das Jahr 1926 ist ein Rech- n u n g s r e st von 56 765,56 Mk. vorhanden. Hiervon ift in Abzug zu bringen ein für das Voranschlagsjahr 1927 zur Verwendung in Aussicht genommener Betrag von 14172,56 Mk., ferner das für das laufende 3ahr vorgesehene Betriebskapital mit 30 000 Mk., so daß der noch verfügbare Rechnungsrest 12 593 Mk. beträgt. Von den Ausständen werden voraussichtlich 500 Mark uneinbringlich werden. Die Einnahmen aus Gebäuden betragt 10 600 Mk., denen 10040 Mark an Ausgaben gegenüberstehrn. 3n diesen Ausgaben ist für die dringend erforderliche Reparatur des Stadtturmes eine wertere Rate von 3000 Mk. enthalten. Aus Grund st ücken wird eine Einnahme von 1720 Mk. erwartet. An Ausgaben werden unter Berücksichtigung des 2060 Mart betragenden Beitrags zur land- und forstwirtschaftlichen Derufsgenossenschaft 5000 Mk. erforderlich. Die auf Grund der Rutzholzsubmission und der Brennholzversteigerungen ermittelte Einnahme aus den städtischen Waldungen stellte sich auf 101 600 Mk. Die Ausgaben, die auf dem Walde ruhen, sind ganz bedeutend. An den Staat werden b^ahlt für die Forstbeamtenbesoldung 10 800 Mk. Die gleichfalls auf dem Walde ruhenden Steuern einschließlich der Umsatzsteuer betragen fast 10 000 Mk. 19 300 Mk. werden für Holzhauerlöhne benötigt und 12 000 Mark zur Auszahlung des Ortsbürgernutzens. Rechnet man dcuu den für Wegverbesserungen, Kulturarbeiten, Bckanntmachunaskosten usw. erforderlichen Betrag von 15 400 Mk., dann kommt man auf die erstaunliche Summe von 67 500 Mk. An 3agd- und Fischereipacht werden 3006 Mk. eingenommen. Bei der Schäferei beträgt die Einnahme 620 Mk., die Ausgabe 1830 Mk., sie ist damit ein Zuschußbetrieb geworden. Die Aufwendungen für Märkte betragen nach Abzug der Einnahme aus Markt- standgelb 2000 Mk. Die Wasserversor- Londons Polizeitechnik. Don Dr. jur. Bartsch. Die Kenntnis der englischen Verhältnisse auf polizeilichem Gebiet gewinnt für uns Deutsche deshalb an Wichtigkeit und Interesse, weil sich beide Länder in ihren WirtschaftS- und Lebensbedingungen trotz aller nationalen Verschiedenheiten sehr ähneln. Spricht man von der englischen Polizei, so verbindet sich damit unwillkürlich der lokale Begriff „London", und visionell taucht ein Rame vor unserem geistigen Auge auf „New Scotland Yard", das Zentrum der Metropolitan-Polizei. Die dem Commissioner of Police of the Metropolis, dessen Stellung der unseres Polizeipräsidenten entspricht, unterstehende Polizei hat eine Gesamtstärke von rund 20 000 Pvlizeibeamten, davon sind etwa 900 nicht- uniformierte Kriminalbeamte. Zu dieser, dem Polizeipräsidenten von London unterstellten Me- tropolitan-Polizei kommt rein zahlenmäßig für London noch hinzu die City-Polizei, die dem City-Ausschuß unterstellt ist. Wir finden also in London das für unsere Begriffe befremdliche Bild, daß im Mittelpunkt der englischen Hauptstadt, rn ihrem Lebensnerv, der City, die eigentliche Londoner Polizei nichts zu suchen hat, sondern hier ein besonderer Polizeiapparat aufgezogen ist mit eigener Verwaltung und eigenen Beamten. Die Beamten der City-Polizei unterscheiden sich von den Beamten der Metropolitan- Polizei schon rein äußerlich durch Abweichungen in der Uniform. Die City-Polizei hat auch eine eigene Kriminalpolizei, allerdings innerhalb dieser fernen Erkennungsdienst, nimmt also von festgenommenen Verbrechern keine Fingerabdrücke aus u. a. Das macht nur die Metropplitan-Polizei. wie diese auch ganz allgemein mit der City- Polizei engstens Hand in Hand arbeitet. In Anbetracht der Weltgeltung der Londoner City als Mittelpunkt des englischen Wirtschaftslebens ist die City-Polizei zahlenmäßig recht stark. Die räumliche Ausdehnung ihrer Zuständigkeit ist dagegen recht klein, denn die eigentliche City ist ja räumlich nicht sehr ausgedehnt im Gegensatz zum Gesamtbild Londons, das ein Areal mit einem Radius von fünfzehn englischen Meilen, also einem Durchmesser von dreißig englischen Meilen, das sind über fünfundvierzig Kilometer, umfaßt. Die örtliche Verteilung der Londoner Polizei ist dann derart erfolgt, daß bei einer Einteilung des gesamten Stadtgebietes in sechsundzwanzig Dezime jeder Bezirk entsprechend seiner Größe und Bevöllerungsdichte einzelne Polizeistationen hat, die sowohl mit uniformierten wie auch Kriminalbeamten beseht sind und damit etwa unseren Polizeirevieren entsprechen. Fast die gesamte uniformierte Polizei Londons dient der Verkehrsregelung. In den belebten Gegenden sieht man eigentlich überhaupt keine Polizeistreifen, wie wir sie kennen. Besonderes Interesse wird man der weiblichen Polizei Londons entgegenbringen. Diese besteht in einer Stärke von fünfzig Beamtinnen — zwei Inspektoren, fünf sergeants und 43 weiblichen Constables —. Dis auf zwei constables ist auch die weibliche Polizei uniformiert, und zwar entspricht diese Uniform in Schnitt und Aussehen stark der der männlichen Polizei. Die weibliche Polizei in England soll die männliche Polizei unterstützen, einmal bei der Bekämpfung aller an weiblichen Personen sowie an Jugendlichen und Kindern begangenen Straftaten, insbesondere solcher mit sexuellem Einschlag. In allen diesen Fällen werden die Vernehmungen solcher Personen durch die weibliche Polizei gemacht. Die weitere Bearbeitung der Straftat dagegen, die Fahndung nach dem Täter, Steckbrieferlah, Fahndungsausschreiben u. ä. obliegt der männlichen Polizei. Daneben versehen die uniformierten Beamtinnen auch Straßendienst zum Schutz von Jugendlichen und Kindern, sowie zur Bekämpfung der Prostitution. Im übrigen ist die Einrichtung und Ausgestaltung der weiblichen Polizei wie in Deutschland, so auch in England noch keineswegs beendet. Auch England befindet sich da noch in einem Dersuchsstadium, sammelt Erfahrungen, um diese dem weiteren Ausbau seiner weiblichen Polizei nutzbar zu machen. Wie der im Juni dieses Jahres dem Parlament vorgelegte und veröffentlichte Jahresbericht 1927 des Londoner Polizeipräsidenten ausführt, wird der Arbeit der weiblichen Polizei auf Grund der im Anfang des Jahres 1927 erlassenen Vorschriften noch besondere Aufmerksamkeit zugewandt. In allen Großstädten und ganz besonders in London fällt der Kriminalpolizei in der Bekämpfung des Verbrechertums, sowohl der des internationalen wie der des einheimischen eine besonders schwierige Aufgabe zu. Entsprechend der räumlichen Verteilung der Polizei geschieht auch die Aufllärung von Verbrechen, sie ist Sache der örllichen, für den betreffenden Distrikt zuständigen Kriminalpolizei. Besondere Spezialdezernate zur Bekämpfung des gewerbsmäßigen Verbrechertums gibt es nicht, selbst Mordsachen werden von der örtlich zuständigen Kriminalpolizei bearbeitet. Rur in ganz besonderen Ausnahmefällen wird auf Anordnung des Chefs der Kriminalpolizei die Bearbeitung von der in der Zentrale Rew Scotland Bord stationierten Kriminalpolizei übernommen. Der Erkennungsdienst, Fingerabdrucksammlung, Lichtbildatelier, die verschiedenen Verbrecherkartotheken, Verbrecheralben usw. befinden sich sämtlich in der Zentrale Aew Scotland Da cd. Auher- ordeiitlich gut ist die t e ch n i s ch e Ausrüstung der Londoner Kriminalpolizei in bezug auf die ihr zur Verfügung stehenden Beförderungsmittel, Autos, Krafträder und Lasllraftwagen. Schon jeder Superintendent, dessen Stellung etwa der des preußischen Kriminaldirektors oder Kriminalpolizeirats entspricht, hat ständig einen eigenen Personenwagen zur Verfügung. Sechs Personenwagen der Kriminalpolizei, besetzt mit zusammen vierzig Kriminalbeamten, fahren dauernd in der Stadt Patrouille. Es sind dies die sogenannten flying Scotts, die eine ganz erhebliche Geschwindigkeit entwickeln können. Es ist natürlich, daß durch die ständigen Patrouillefahrten von in Zivil befindlichen Polizeibeamten die Sicherheit in den Straßen eine besondere Steigerung erfährt: ist doch ein Verbrecher, beispielsweise der Einbrecher, nie sicher, ob nicht plötzlich ein Kraft- Wagen um die Ecke kommt, dessen in Zivil befindliche und daher unauffällige. Insassen sich als Polizeibeamte entpuppen und ihn bei seiner Tat überraschen. Zu diesen Patrouillenfahrten fommen noch Fahrten mit größeren Kraftwagen, die genau wie die Personenwagen als Polizeiautos unkenntlich sind. In jedem dieser Wagen befindet sich eine Station für drahtlose Telegraphie und die Wagen stehen während der Fahrt ständig mit der Polizeizentrale für drahtlose Telegraphie in Aew Scotland QJarö in Verbindung. Das ist gerade hei notwendigem verstärktem Einsatz der Polizei, zum Beispiel bei größeren Aufläufen und Ansammlungen, bei Unruhen u. ä. von außerordentlicher Bedeutung. Denn der Wagen kann jederzeit während der Fahrt von der Zentrale abberufen und an eine andere Stelle, wo ein polizeiliches Eingreifen notwendiger erscheint, hinbefohlen oder auch zur Zentrale Aew Scotland Pard zurückberufen werden. Mit ihren zahlreichen und schnell fahrenden Kraftwagen hat die Londoner Polizei außerordentliche Erfolge zu verzeichnen, besonders erfolgreich ist sie dadurch in der Bekämpfung des Verbrechertums, das sich selbst des Kraftwagens oder Kraftrades bei der Ausübung der Straftat oder auf der Flucht bedient. Das Problem der Verkehrsregelung in London wird bei dem riesigen Verkehr wie in allen großen Weltstädten wohl nie endgültig gelöst werden können, weil eben der die Regelung verlangende Verkehr in steter Fortentwicklung begriffen ist. Den gesamten öffentlichen Verkehr, soweit er sich auf und nicht unter den Straßen in der Untergrundbahn abspielt, bewältigt der Autobus, daneben die Autolaxe. Dadurch, daß die Straßenbahn für den Verkehr fortfällt, wird naturgemäß das Verkehrsbild in den Straßen entscheidend beeinflußt. Die Zahl der Autobusse, die man in den Zeiten des Hauptverkehrs in den Straßen der City, vor allem an den belebten Straßenkreuzungen sich ansammeln sieht, geht oft in die Hunderte. Trotzdem wickelt sich der Verkehr durchaus gleichmäßig und reibungslos ab. Im übrigen wird im allgemeinen in London langsamer gefahren als bei uns hier in Deutschland. Daß Automobilisten die Verkehrsstraßen als halbe Rennbahn betrachten, gibt es nicht. Es leidet so zwar die Schnelligkeit des Verkehrs, damit wird aber eine erhöhte Ver- kehrssicherheit erlangt und auf diese weisen die überall befindlichen Schilder mit eindringlichen Worten hin: allerdings beachten auch die Fußgänger die gegebenen Verkehrsvorschriften genauer, als wir es hier gewohnt sind. Die Der- kehrsdisziplin ist eben in England viel besser, sehr zum Autzen und Wohl jedes einzelnen, ob er nun fährt oder zu Fuß gef)t 3m großen und ganzen besteht in bezug auf die Tätigkeit der Londoner Polizei viel Aehn- lichkeit mit unseren Verhältnissen in Deutschland. Cs ist ja überhaupt eine Erfahrung, die wir immer mehr machen, daß die Großstadt, wo sie auch immer sein möge, nivellierend auf die gesamten Verhältnisse einwirkt. Der Großstadtcharakter verwischt in immer stärkerem Maße nationale Eigenheiten und wirkt in Verbindung mit dem internationalen Verkehr ausgleichend. gung, die früher ein Ueberschußbetrieb war, gleicht sich im. Einnahme und Ausgabe mit 12 000 Mart aus. Durch dringend notwendige Verbesserungen und damit verbundene Aufwendungen wird sie für die kommenden Jahre Zuschußbetrieb werden. Die Ausgabe für die allgemeine Verwaltung nach Abzug der Einnahme und eines Beitrages für die elektrische Ortsnetzerweiterung beträgt 34 000 Mk., für die öffentliche Sicherheit 10 400 Mk. Für öffentliche Gesundheitspflege sind 1700 Mk. und für Feuerlöschzwecke 1420 Marl angefordert. Für die allgemeine Armenpflege sind 15 150 Mk., gegenüber 11000 Mark im Vorjahre, nötig. Die sachlichen Schulkosten betragen 12100 Mk., gegenüber 11000 Mk. im Voriahre. Das Schulgeld für die auswärtigen Fortbildungsschüler ist auf jährlich 8 Mf. festgesetzt. Die Einnahmen in dieser Rubrik belaufen sich einschließlich der Schulstrafen auf 900 Mk. An Aufwendungen für die evangelische Kirche sind 1300 Mk., für sonstige Religionsgemeinschaften 32 Mk., für Zinsen und Tilgung der Vorkriegsanleihen für Eisenbah nzwecke 1500 Mk. erforderlich. Die Unterhaltung des Friedhofs erfordert 1600 Mk. Größere Mittel sind für dve Strahenunterhaltung ausgeworfen. Für Verbesserung des Feldwegnetzes beträgt die Vorsehung 5300 Mk., während für die Straßen und Fußsteige 7800 Mk., für Straßenbeleuchtung und Reparatur derselben 3700 Mk. und für Verzinsung und Tilgung aufgenommener Anleihen xur Umpflafterung der Ortsdurchfahrt mit Kleinpslaster und Ausbau neuer Straßen 9620 'Start vorgesehen sind. Zur Unterhaltung der Kanäle, Verzinsung und Tilgung von Schulden sind erforderlich 5700 Mk. Die Ausgaben für landwirtschaftliche Zwecke betragen insgesamt 17 000 Mk.. davon entfallen auf die Faselhaltung 8800 All. Für Aufstellung eines neuen Ortsgrundbuchs und geometrische Arbeiten sind erforderlich 2100 Mk., für öffentliche Anlagen und Verkehrswesen 520 Mk., für Unterhaltung der Bäche und Gräben 1600 Mk. Unter der Bezeichnung s o - ziale Fürsorge werden die Unterstützungen für Klein- und Sozialrentner, Krankenkasse-, Invaliden- und Grwcrbs oscnfürforgeb.iträge und die Unterstützungen für Krisenfürsorgennpfänger berechnet. Hier beträgt die Ausgabe 21500 Mk., denen an Ersatzposten 13 500 Mk. gegenüber-- stehen. Die Rubrik Wohnbauzwecke sieht eine Einnahme von 1920 Mk. vor, denen 11 430 Mark in Ausgabe gegenüberstehen. Die Ausgabe gründet sich ausschließlich auf Zinsen unb Tilgungsbeträge für aufgenommene Anleihen für Wohnbauzwecke. Der Beitrag der Stadt zu ihren eigenen Umlagen und zur staatlichen Steuer beläuft sich auf schätzungsweise 12713 Mk. Der Ertrag der gememb licken Hundesteuer ist mit 680 Mk., derjenige berOrunbertoerbfteuer mit 1200 Mk., der der Inflationswertzuwachssteuer mit 200 Mk. und der Dergnü- gungssteuer mit 600 Mk. eingestellt. Die voraussichtlich zur Ueberweisung konrmendeii Reichs steuern sind mit 35 500 Mk. angenommen. Die Vorsehung für den Reservefonds beziffert sich auf 3285 Mk. Der Mobiliarerneuerungsfonds wird um 200 Mk. verstärkt. Für Kapitalzinsen und Schuldentilgung wird ein Betrag von 5400 Mk. erforderlich Dieser Ausgabe steht eine Einnahme von ausgeliehenen Kapitalien von 2950 Mk. gegenüber. Die zur Erhebung beschlossene Umlage hat eine Höhe von 76000 Mark und soll in folgender Weise aufgebracht werden: 21,9 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert bet Gebäude und Bauplätze, 38,4 Pf. auf je 100 All. Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich ge- nuhten Grundbesitzes, 54 Pf. auf je 100 All. Steuerwert des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals. 100 Pf. auf je 1 Mk. des staatlichen Gewerbeertragssteuersolls vom Kalenderjahr 1925 und 39,39 Pf. des staatlichen Sonder- gebäudesteuervorsolls 1928. An den Dezirksfür- sorgeverband sind 10 Prozent des Aufkommens an Sondersteuer für Mietunterstützungen abzuführen. Erforderlich werden 1916 Mk., sowie für uneinbringliche und erlassene Umlagen 584 Mk. Die Vermögensrechnung weist die für die Erbauung eines Postamtes erforderlichen Beträge von zusammen 90 000 Mk. auf. Als Darlehen der Reichspost ist ein Betrag von 48000 Mark in Einnahme vorgesehen. Aus dem Verkauf des alten Klelnkinderfchulgebäudes und der Müllerschen Hosreite ist eine Anzahlung von 7000 Mk. zu erwarten. Für Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot sirrd eingestellt 3800 Mk. Die Umpflasterung der Ortsdurchfahrt hat eine Kapitalaufnahme von 70 000 Mk. und der Ausbau der Iahnstraße eine solche von 20 000 Mark erforderlich gemacht. Weiterhin ist zur Verbesserung des städtischen Wasserwerkes an der Quellfafsung in der ©emarhmg Al- bach eine Auffüllung des -tief lieg enbeit Quellgebietes unter gleichzeitiger Aufbringung einer Lattenschicht erforderlich. Die voraussichtlichen Kosten sind mit 5000 Mk. veranschlagt. Zur Kapitalisierung kommen als Stadtturmfonds 3000 Mk., Wasserleitungsfonds 1000 Mk., Lehr- mittelfonds 1000 Mk., Friedhofsfonds 200 Mk.. Kanalisationsfonds 500 Mk. und Mobiliarerneuerungsfonds 200 Mk. Die Ausgleichung der Vermögensrechnung erfordert eine Kapital« aufnahme von 46 200 Mk. Aach kurzer Debatte stimmte der Stadtvorstank» der Vorlage des Bürgermeisters zu und genehmigte die Ausschlagsätze der zur Erhebung vorgesehenen Umlage. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 8. Roo. Nach der Sommerpause wurde gestern abend die Volkshochschule, die hier bereits seit 1919 besteht, wieder eröffnet Der Vorsitzende unb Leiter, Rektor Dr. Rein, begrüßte die Erschienenen unb gab seiner Freude besonders darüber Ausdruck, daß wieder so viels frühere Hörer erschienen seien. Dies sei ein Semeis dafür, daß die Arbeit der Volkshochschule von vielen hoch eingeschätzt werde. Die Vorträge finden jeden Mittwoch abend statt. Dr. Rein wird über Kunstgeschichte und Forschungsreisen lesen. Außerdem soll noch ein auswärtiger Dozent gewonnen werden, der über volkswirtschaftliche Fragen sprechen wird. Dr. Ritter vom Stadt- theater Gießen benutzte diese Gelegenheit, um den Hörern der Volkshochschule den Besuch des Theaters zu empfehlen. Er wies besonders darauf hin, daß gerade das Theater die geeignete Stätte sei, um Kunst und Bildung zu fordern. h. Lollar, 8. Aov. Am Sonntag abend wurde unserer Gemeinde ein musikalischer Genuß geboten, der die Erwartungen der etwa 600, den großen Liedersaal völlig füllenden Besucher nicht enttäuschte. Es war das Konzert der „Sängervereinigung" Lollar. Mitglied des Lahntal-, des Hessischen unb Deutschen Sängerbundes, die unter Leitung von Lehrer Rhode (Marburg) Vorzügliches bot. Der etwa 70 Mann starke Männerchor verfügt über gutes Stimm-Material und Uebung, was besonders bei den Piano- und Crescendostellen deutlich wurde. Der erste Teil des Programms war zugleich als Schube rtehrung gewidmet, d-ni ja am hundertjährigen Todestage vielerorts gehuldigt wird. Diese Ehrung war schlicht und gerade darum eindrucksvoll. Rachdem das „Sanctus“ aus der deutschen Wesse verklungen war, hielt der Chordirigent eine kurze, packende Ansprache, in der er das Stehen unb unsterbliche Wirken Franz Schuberts in großen Umrissen vor trug und die Versammlung aufforderte, zum Gedächtnis des unsterblichen Sängers sich zu erheben und mit dem Chore sein bekanntestes Lied „Der Lindenbaum" zu singen. So huldigten Sänger und Publikum zusammen begeistert Dem Genius Schuberts: diese schlichte, vollstümliche Ehrung wird vielen unvergeßlich bleiben. Der zweite Teil des Programms lieh auch den Humor zu Wort kommen, aber den Schluß macht« der ernste packende Chor „Der Schwur am Rhein". Eine große Bereicherung erfuhr das Programm durch die Mitwirkung des Musik- korps des (Hess.) Ausb.-Batl. 15. Inf.- R^ts. Marburg unter Leitung des Musikmeisters Große. Die musikalischen Leistungen, bei denen auch Diolinsolo und VioltnceUosolo Vorzügliches boten, weckten helle' Begeisterung und erzwangen manche Beigabe. Der Gesamteindruck des Abends war ein in jeder Hinsicht erfreulicher. 8 Grünberg, 8. Rov. AuS der jüngsten Gemeinderatssitzung: Ein Gesuch um Befreiung von der Gemeindesteuer für einen errichteten R e u b a u wird dahingehend erledigt, daß dem Gesuchsteller die Geväube- gemeindesteuern für die Jahre 1928, 1929 und 1930 erlassen werden. — Einer älteren Frau wird, ihrem Wunsche entsprechend, Unterkunft und Verpflegung im Siechrnhause in Gießen auf Kosten der Stadt gewährt. Die ihr seither gewährte Kleinrentnerunterstü!,ung soll aufgerechnet werden. Der Grundbesitz dieser Frau soll mit einer Sicherungshypothek für die von der Gemeinde gemachten Vorlagen belegt werden. Einer mittellosen Witwe in Alsfeld wird die Gemeindesteuer von ihrem Grundbesitz in der Gemeinde Grünberg vom Rechnungsjahr 1928 29 aus Dilligkeitsgründen erlassen. Einer hiesigen Firma wird aufgegeben, der Stadt Grünverg für ihre sämtlichen rückstän- bigen Gemeindesteuern usw., die bis zum 1. Oktober 1928 angewachsen sind, eine Sicherungshhpvthek auf ihr gesamtes Grundvermögen eintragen zu lassen. Sobald dies geschehen ist, fernerhin die entstandenen Kosten für die Zwangsvollstreckung der Stadt Grün- berg ersetzt sind, soll beim KreiSamt Gießen die Einstellung der Zwangsvollstrek- f una beantragt werden. Der Gemeinderat schließt schließt sich den vom Verkehrsverein Grünberg angeregten Zugverbindungen an. df. Langsdorf, 8. Rov. Die am Dienstag- abenb tagende Kirchengemeinde-Dertreterver- sammlung nahm die Wahl der 6 Kirchen- vorsteher vor. Wiedergewählt wurden 4Mitglieder des seitherigen Kirchenvorstandes. Es sind dies die Herren Dender, Fay, Schmidt und Köhler. Reu hinzuaewählt wurden Heinrich Schnalz und Lehrer Heldmcmn. llt. 'r Sommerpduk Hochschule, wieoer eröffnet. Dr-Relll.be. seiner Freude wieder |o viele '^s sei ein De. ■ iüoitshvch^ulr lei Die Borträge Dr. Rein wirft lungsreilen lefen. IW Dozent 'Oitswid^afiiidjc ier vom StoM- egenheit, um den such bes Theaters darauf hin, bah e Stätte sei, um Sonntag aöen- imstlalischer Ge- angen der etwa ig Menden 1c« ’ das Aonzert ngu Lollar, ’lcfat uni Deut- tung ton ßefrct tot Der etwa ügt üfet gutti was drsvndcrS vollen deutlich kvgramms vor widMt, btn ja : vielerorts ge« r schlicht und gc hdem das „Sanc- vertlungen war, ic kurze, packende i und unsterbliche großen Hmriilen aufforderte, zum Sängers sich 3“ fein bekanntestes TL §o HrMten i begeistert dem 0 vollstmliche h bleiben. Der z auch den Hu- i W Mw« et Schwur M Ä? MS S» L Der Sel-L in jeder Aus der Mgsten Mn Ke'uch um SSe tfÄ 1S--.S LV ti; WfaS» SÄ Rechnung», erlassen- der frt bis rn eine *J gef* aui dres iidHffi Grün' der StA' Gießen KreisL-ntZ/ek. Me^Grunberg «"fee rfj 5 fei rnV°nder. M «‘»»«WO * oern !jj} Un6 der von zur ^W«ta S?s ?• Dle borauj. KS nds W K ' ^Bttiarer.* ^^chung der - Kapital« '^odtvvrstLnd und gench. «chckung bot. KreiS AlSfclv. M Alsfel d. 8. Rov. Die hiesige Gewerbeschule, die in der vergangenen Woche ihren diesjährigen Winterlehrgang wieder eröffnete, weist einen Bestand von 110 Schülern auf Cs ist dies der höchste Schülerbestand, den die Schule seit ihrem Bestehen aufzuweisen hat. Dor dem Kriege betrug die durchschnittliche Zahl der Schüler etwa 50. Dur durch den vor mehreren Jahren erfolgten Anbau an die Gewerbeschule ist es möglich, die Schüler in ausreichen- den Räumen unterzubringen. 2lllerdings muhte das Sitzungszimmer für den Gewerbeverein, das bei der Erweiterung der Gewerbeschule besonders eingerichtet worden war, noch zur Unterbringung einer Klasse der gewerblichen Fortbildungsschule in Anspruch genommen werden. Die steigende Zahl der Besucher der Schule darf als ein erfreuliches Zeichen dafür aufge» saht werden, daß in den Kreisen des Hand- toerter- und Gewerbestandes allmählich die Erkenntnis durchdringt, daß zu einer gedeihlichen Entwicklung des Handwerks eine entsprechende Dorbildung, wie sie die Gewerbeschulen vermitteln, unerläßlich ist. Erwünscht wäre es aber auch, wenn endlich das Verhältnis zwischen Staat und Gemeinden hinsichtlich der Tragung der Kosten für die Gewerbeschulen eine gesetzliche Regelung erfahren würde. Preußen. Kreis Marburg. Warburg, 8. Rov. (WTD.) 3n einer Kleinen Anfrage einiger nationalsozialistischer Land- tagSabgeordneten wurde zur Sprache gebracht, daß der Regierungspräsident Dr. Friedensburg, Kassel einen Beamten der KreiS- sparkasse Marburg und einen Angestellten des dortigen Katasteramtes fristlos entlassen habe, weil beide angeblich nationalsozialistische Flugblätter verteilt hätten. Es wurde daran ein Reihe Anfragen ge- knüpft. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst aus Grund der Antwort deS preußischen Innenministers milteilt, billigt der Innenminister das Vorgehen des Regierungspräsidenten, well die fristlose Enllassung der beiden Bediensteten wegen schwerer Verstöße gegen die Disziplin gerechtfertigt war. Der eine, ein Lehrling der städtischen Kreiskasse in Marburg, nicht Beamter der Kreissparkasse, versuchte im Interesse der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zwei ihm bekannte Lehrlinge des Marburger Landratsamts zu bereden, ihm heimlich Abschriften amtlicher Verfügungen des Landrats in politischen Angelegenheiten zu verschaffen. Der andere, ein Angestellter des staatlichen Katasteramtes, verbreitete durch Vertrieb von Haus zu Haus eine Flugschrift, die unter der Ueberschrift: „Antworten Sie, Herr Landrat Schwebe!!", eine Reihe persönlicher Beleidigungen des Landrats des Kreises Marburg enthielt. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 8. Rov. Die beiden kleinen Kinder der Familie Lanz in der Sand- straße spielten am Donnerstag früh jn drn Det- ten. Hierbei wurde daS zehn Monate alte Kind derart mit Kissen zugedeckt, daß es erst i d t e. Bahnbau Gießen — Gelnhausen—Bieber—Lohr WER. Gelnhausen, 8. Rov. Heber die fett längerer Zeit erörterte Frage eines Dahn- Baues von Gießen (als Fortsetzung der Lime Gießen—Gelnhausen) durch den Biebe- rer Grund nach Lohr fand am Dienstag unter dem Vorsitz von Bürgermeister R v r d t (Bieber) eine orientierende Besprechung statt, an der Vertreter der Städte Gießen, Büdingen, Gelnhausen, Lohr, sowie der beteiligten Preußischen und bayrischen Gemeinden und der zuständigen Handelskammern von granffurt und Würzburg teilnahmen, und in deren Verlauf eine Arbeitsgemeinschaft für den Bahnbau vesp. für die Inangriffnahme der Vorarbeiten ins Leben gerufen wurde. Dieser Arbeitsgemeinschaft gehören an von bayrischer Seite Bürg rmeister Wetzel (Lohr) und Bürgermeister Winter (Frammersbach), von preußischer Seite Bürgermeister Dr. Wilke (Geln- haus«sn), Bürgermeister Rordt (Bieber), Altbürgermeister Senzel (Gassen, Kreis Gelnhausen) und Kaufmann Staab (Bieber). Für den hessischen Staat sind zunächst in Aussicht genommen Bürgermeister H i l d n e r (Büdingen) und der juristische Beirat des Hessischen Der- kehrsvcrbandes, Reg'erungsrat Dr. Roese- ner (Darmstadt) bzw. Verwaltungssekretär Maus vom Verkehrsamt der Stadt Gießen. Mit den Vorarbeiten für die Projektierung soll alsbald begonnen werden. Berliner Börse. Berlin, S.Rov. (WTB. Funkspruch.) Infolge fehlender Anregungen ist man im heutigen Frühverkehr noch zurückhaltend. Die Tendenz ist wenig verändert, Kurse werden noch nicht ausgesprochen. Man taxiert vorläufig gestrige Abendbasis. Man hosst aber, daß bas Interesse für Spezicllwerte und vor allem der weiter leichte Geldmarkt der Gesamtbörse eine Anregung bringen wird, u rtW gesunden und sihönes Haar tu besitzen, erfüllt “di leichl bei regelmäßigem Haarervaadxen gjÄs mit Laoaren. Der neuartige Duflbeufel. der der neuen 30 Pfg.-Packung beiliegt, verleihe dem Haar anen vornehmen, köstlichen Duft. Verlangen Sie ausdrücklich das cinrvard'reie fjaarm.sxd.mittel c5LÖCt«a.d.Gief,.Anz Angelegte und flüssige Werte 332121,60 Selle, Hebe, Helle® e, Stimmer, MW, AMAii k lüeim Solomon vom 9. November bis 24. November 1928 billigster Preise Nützen Sie diese günstige Kaufgelegenheit ausl Zu jedem Schuh den passenden Strumpf! Bahnhofstraße 58 Gießen 980OA Mele „Marie Wie" I Volksnahrungsmittel, Fleisch- 8951D ersatz für Minderbemittelte! 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Dagegen werden Union Aiederrad und Kickers Offenbach bis zum Schlußpfiffe um den Sieg ringen. Die Parteien sind gleichwertig. F.C. 1893 Hanau wird Germania Dieber Wohl kaum die Punkte überlassen wollen und kann auch bei seiner derzeitigen Form tyohl gewinnen. Auch in der Gruppe Hessen hat der Tabellenerste, Wormatia Worms, einen seiner leichtesten Gegner bei sich. Die Sp.Gem. Höchst wird in Worms wohl keine Punkte sammeln. Ebenso darf man beni S.D. Wiesbaden einen ziemlich leichten Sieg über die Sp.Dg. 04 Ar- heilgen zutrauen. Der F.Sp.D. 05 Mainz hat dagegen in Alemannia Worms einen recht harten Widersacher zu überwinden. Vielleicht gelingt ihm dies auf eigenem Platze. Dei der Begegnung Hassia Bingen und V.f.L. Reu-3fenburg wird der Bezwinger der Wormatia, V.f.L., als Sieger ertoartet. Bezirk Bayern. 3n der Gruppe Rvr bbayern wird der 1. F.C. Aürnberg nicht so ohne weiteres als Sieger über den V.f.R. Fürth anzusprechen fein. Der .Club" wird besseres zeigen müssen, als zuletzt. Auch die Begegnung des F.D. 04 Würzburg mit Bayern Hof ist noch nicht entschieden. Mit großer Bestimmtheit sollte man dagegen auf einen sehr hohen Sieg der Sp.Dg. Fürth über Franken Aürnberg zählen können. 3n der Gruppe Südbayern wird Wacker München Teutonia München nicht zum Siege kommen lassen. Schwaben Augsburg ist auf eigenem Platze dem S.V. 1860 München um ein geringes vorzuziehen. Der D.S.D. München wird sich gegen Dayern München wohl alle Mühe geben, schließlich aber doch zu kurz kommen. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Aach einem Ruhesonntag treten die 1900er am kommenden Sonntag wieder mit allen Mannschaften in die Meisterschaftsspiele ein. Den Reigen eröffnet d're dritte Elf, die Queckborns erste Mannschaft als Gegner hat. Dei einem Vergleich der seither von beiden Mannschaften erziellen Resultate muh man den Einheimischen unbedingt Siegeschancen in dieser Degegnung einräumen, wenn auch die Aufstellung der Giehener nicht die beste ist. sollte. Anders steht es mit der Degegnung der beiden Ligamannschasten. 5)ie Elf des Platzvereins kann wieder auf bessere, bewährte Spieler zurückgreifen und zeigt dementsprechend ein ganz anderes Mannschaftsbild, als vor vierzehn Tagen bei dem Verlustfprel in Herborn. 2&er auch Dillenburg tft fern zu unterschätzender Gegner: das beweist fein derzeitiger Tabellenstand. Dillenburg hat durch den Wiedereintritt von Schwarz (früher 1900 Giehen), sowie zwei weiterer neuer Spieler, auherordrntlich anSpiel- stärke gewonnen. Immerhin sollte das bessere technische Können und der Vorteil des eigenen Platzes den Spielvereinigungsleuten zu einem, wenn auch nicht allzuhohen, sicheren Sieg verhelfen. Die 1.3u gen ö hat auf eigenem Platz die 1. 3ugend vom Sportverein Wetzlar im Rückspiel zum Gegner. Das Vorspiel in Wetzlar endete unentschieden (3:3). — 1900'8 3. 3 ugend erprobt ihre Spielstärke gegen Queckborns 1. Jugend in einem Gesellschaftsspiel. — Auswärts spielt nur die 1. Schülerelf, die zum Pflichtspiel in Heuchelheim gegen die dortigen Schüler antreten muß, wobei Heuchelheim die besten Chancen hat. D. f. 23 Die Ligamannschaft ist am kommenden Sonntag Gegner der Liga des Wetzlarer Sportvereins. Dies ist wohl das schwerste Spiel, das sie auswärts auszutragen hat. Wetzlar ist, zumal auf eigenem Platz, als eine der stärksten Mannschaften des Lahngaues anzusprechen. Wohl ist sein Spiel technisch gerade nicht sehr hochstehend, dafür aber hart und sehr schnell und dadurch nicht minder erfolgreich. Wetzlar hat es schon oft fertiggebracht, mit seinem primitiven, aber produktiven Spiel technisch bessere Mannschaften zu schlagen. Der W. S. 23. sollte in der Lage sein, den Siegeszug der bisher ungeschlagenen 23. f. B.er zu unter- brechen, wenn diese nicht alles aus sich herausgeben, um ihren Punktvorsprung zu halten. Falls Gießen dieselben Leistungen zeigt, wie am vergangenen Sonntag in der zweiten Halbzeit gegen Burg, vermag es mit seinem besseren Können das Treffen für sich zu entscheiden. Man darf trotz der Spiel- stärke des Gegners unter normalen Voraussetzun« gen doch der Gießener Elf ein kleines Plus zusprechen und einen knappen Sieg von ihr erwarten. Sie muß sich nur davor hüten, sich vom Gegner dessen hohes Spiel aufdrängen zu lassen, sondern muß bemüht sein, ihr flaches System beizubehalten: nur dann wird sie die Punkte mit nach Hause bringen können. Die Ligareservemannschaft steht der gleichen des Wetzlarer Sportvereins, ebenfalls auf dortigem Platz, gegenüber. Auch sie hat in der diesjährigen 23erbandsfpielserie noch kein Spiel verloren und kann in der Wetzlarer Ligareserve, die als ihr stärkster Gegner gilt, sehr leicht ihren Bezwinger finden. Nur im besten Falle sollte ihr ein knapper Sieg über die als spielstark bekannten Wetzlarer, die in der letzten Zeit sehr gute Resultate erzielt haben, gelingen. Die erste 3ugendMannschaft ist in Aiedergirmes Pflichtspielgegner der dortigen ersten 3ugendelf. Ihre Leistungen am vergangenen Sonntag waren so wenig überzeugend, daß ein Sieg in Aiedergirmes durchaus nicht als von vornherein feststehend zu betrachten ist. Sie wird sich anftrengen müssen, wenn sie gewinnen will. Auf eigenem Platz steht die z w ei t e3 u g en d- mannfchaft der gleichen der hiesigen SfÄel- Vereinigung im fälligen Pflichtspiel gegenüber. Die Spielstarke beider Mannschaften ist ungefähr die gleiche, so daß nicht vorausgesagt werden kann, wer als Sieger aus dem Lokaltresfen hervorgehen wird. Einen ziemlich sicheren Sieg darf man der ersten Schülerelf Voraussagen. Die kleinen V. f^er sind zur Zeit in einer so guten Form, daß sie ihr Pflichtspiel, zumal auf hiesigem Platz, gegen Grohen-Busccks Schüler glatt gewinnen können. Fußballklub 1926 Großeu-Buseck. Für nächsten Sonntag erwartet der F.C. Grohen-Duseck die erste Mannschaft des Sportvereins 1920 Heuchelheim. Heuchelheim gehört mit zu den erfolgreichsten Mannschaften der A-Klafse im hiesigen Gau und hat wiederholt gegen starke Vereine bewiesen, daß beachtliches Können in der Elf steckt. Der Plahverein weiß, um was es am Sonntag geht, daß alles getan werden muß, um wenigstens einen ebenbürtigen Gegner abzugeben. D. f. X Lich. Am kommenden Sonntag fährt die erste Maim- schaft nach Grünberg, um gegen die dortige Erste zum fälligen Verbandsspiel anzutreten. Bei der Gleichwertigkeit der Gegner ist der Ausgang des Spiels ungewiß. Die zweite Mannschaft hat die spielstarke Erste von Leihgestern zu Gast und dürfte sich damit wohl etwas zuviel zugenmtet haben. Vom vorigen Sonntag ist der 2:1 - Sieg über Queckborns erste Mannschaft noch zu berichten. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Am kommenden Sonntag fährt die 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen nach Frankfurt-West end, um das fällige Rückspiel auszutragen. Das Vorspiel in Gießen endete unentschieden 2 :2. Wohl neigen die Siegesausfichten nach Frankfurt, doch dürfte 5. Bezirk im Turngau Hessen. (O.T.) Der 5. Bezirk im Turngau Hessen D. T. hält am kommenden Sonntag in Butzbach eine wichtige Tagung ab. Der Dezirlsvorturnerstunde schließt sich eine Sitzung der Vereinsvorsitzenden an. Bezirksturnwart Fritz Hartmann, der ein Menschenalter lang den 5. Bezirk technisch go leitet hat, und Bezirksvertreter Studienrat Schuchmann (Friedberg) haben ihre Aemter niedergelegt, letzterer aus Gesundheitsrücksichten. Die Wahl der neuen Führer erfolgt am Sonntag. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Größtes Znteresie dürste das Spiel der 1846er gegen den Mio. beanspruchen. Für den Turnverein gilt es, zu beweisen, daß die Erfolge der letzten Sonntage nicht Zufälle waren, und ferner die letzte Schlappe gegen Mtv. wettzumachen. Für den Mtv. gilt es, feine Spitzenstellung weiter zu festigen. Den letzten Spielen nach zu urteilen stehen sich zwei völlig gleichwertige Gegner gegenüber. Die 2. Mannschaft hat gegen die 1. Butzbachs wenig Svielausfichten. Butzbach ist wieder gut in Form und wird wohl glatt gewinnen. Handball im Lahn-Dünsberg-Gau. Arn kommenden Sonntag beginnen die Hanö- ball-Verbandsspiele. Es spielen in Kinzenbach: Wieseck I gegen Kinzenbach I; in Garbcnteich: Londorf I gegen Garbenteich l. Da die Spielstärke der einzelnen Vereine ziemlich ausgeglichen ist, wird der Sieger erst beim Schlußpfiff feststehen. Handball der Sp.-Bg. 1900. ö. Wie an den beiden Dorsonntagen, so hat auch am kommenden Sonntag die Spielvereinigung 1900 vier Mannschaften in die Derbandsspiele zu schicken. Die erste aktive Elf fährt nach Wetzlar, um gegen die zweite des D. f. L. Wetzlar anzutreten. Da b e 1900er mit reichlich Ersatz spielen werden, müssen sie wohl alles aus sich herausgeben, um sich die Punkte zu sichern. — Die zweite Garnitur der Spielvereinigungsleute steht auf dem Waldsportplah dem V. f. D. gegenüber, also derselben Mannschaft, die der ersten 1900'18 am Sonntag den unerwartet starken Widerstand ent» gegenzusehen vermochte. Die Dewegungsspieler dürften hier zu ihren ersten Punkten kommen, zumal die 1900er ihre ersten Leute für das Wetzlarer Spiel werden abgeben müficn. — Die erste Jugend fährt ebenfalls nach Wetzlar, wo sie von der zweiten 3ugendmannschaft des V.f.L. empfangen wird. Es ist mit einem knappen Spielausgang zu rechnen. Dasselbe Bild kann sich evtl, in dem Tressen ergeben, das die zweite 3ugend der Spielnereinigung im Kampf mit der ersten des D. f. D. Gießen sieht. Sandballvorrunde um den Ä. S. d.-poka! Am kommenden Sonntag firrden die Vorrundenspiele um den Pokal der Deutschen Sport-De- hörde tm Handball zwischen den einzelnen Landesverbänden statt. Es spielen: Berlin argen den Daltenverband in Stet t i n, Süddeutschland gegen Aorddeutschland in Hann over und Westdeutschland gegen Mitteldeutschland in Leipzig. Oie süddeutschen Fußballspiele. Bezirk Main-Hessen. 3n der Gruppe Main wird es am kommenden Sonntag wieder Entschndung-en von einiger Wichtigkeit geben. Die Frankfurter Eintracht hat in Fec^nheim gegen die F.Bg. 03 anzutreten, die am vergangenen Sonntag Germania Bieber ganz glatt schlug. Eintracht, die nicht in kompletter Stärke anzutreten in der ßage ist, wird sich sehr in acht nehmen müssen. F.SP.V. Frankfurt hat in der Sp.Vg. 60/94 Hanau einen leichten Gegner. Es kann sich hier nur um die Torzahl handeln, mit der der Frankfurter Verein Sieger zu werden vermag. Aehnlich ist die Lage zwischen Rotweiß Frankfurt und Viktoria Aschaf- r e s e r v e gegen Dillenburgs reserve neigt man zu der Ansicht, daß der Platzverein ziemlich leicht zu einem Sieg kommen Geld W vorn Himmel. Roman von Paul Gnderling. Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin. 39. Fortsetzung Nachdruck verboten. Grotteck zuckte zusammen. Da war das Wort, das ihn selber so beschäftigt hatte. Und plötzlich bekam es einen Sinn: es war das Losungswort, die Parole, das Erkennungszeichen. Und es hing mit jener Zeitung zusammen und mit den abenteuerlichen Plänen, die dort entwickelt waren. Es kamen noch zwei andere hinzu, die mit einer kleinen Verbeugung das gleiche Wort murmelten. Dem Uneingeweihten mußte es wie eine Vorstellung erscheinen. Grotteck atmete auf, als er sie jetzt deutsch reden hörte. Es war ja die internationale Verständigungs» spräche des Ostens. Die beiden letzten schienen keine Russen zu sein. Grotteck riet auf Letten oder Polen. „Nichts ist entschieden. Nichts ist beschlossen", sagte Blinsky leise und eindringlich. „Die Versammlung war gar nicht beschlußfähig. Die Statuten besagen ..." „Wir pfeifen auf die Statuten", unterbrach ihn der erste. „Wenn wir legal vorgehen wollen, können wir ja den Polizeipräsekten selber zu unserm Konvent einladen. Es handelt sich nur um eins. Das weißt du gut." „Nein, es handelt sich für mich darum, was hier vergeßen wird. Hättet ihr, um nur eins zu nennen, den englischen Streik ohne meinen Plan auch nur vier Wochen finanzieren können? Konnten wir etwa ein Drittel unserer ganzen Ausfuhr — und soviel machte es aus — als Unterstützung nach England schmeißen? Eine Tollhäusleridee! Jeder Muschik kann euch da belehren. Eine Diertelmilliarde Rubel ist über den Kanal gegangen. Wer hätte sie gegeben?" Ein sattes Lachen klang herüber. „In fremden Schemen." ,«3n Duplikaten, ja." „Sag' ruhig: in Fälschungen. Wir sind ja unter uns." „Man muß vorsichtig sein. Denkt ihr, bei unsrer Zahlungspassioität hätten unsere kurzfristigen Bankkredite zu dieser Riesenausgabe genügt? Es ist zum Lachen/ „Du vergißt, daß jeder Arbeiter, jeder Ingenieur, also auch bie fremden, einen Tagelohn im Monat hergeben mußten. Es sind wahrhaftig genug Opfer gebracht worden." „3a, und in Kiew und Poltawa haben unsre Arbeitslosen dagegen demonstriert. Es roch nach Re- Dolurion." „Nitschewo. Man hat sie mit Gummiknüppeln auscinanbergejagt und die Führer eingesperrt — bis auf weiteres. Du biegst aus/ Blinsky rang die Hände. „3ch weiß alles. Ich kenne die Opfer wie ihr. 3ch weiß, daß wir für unsere Ausfuhr sofortige Zahlung verlangen und daß die Fremden für ihre Warenlieferungen Kredite bis zu einem 3ahr und darüber hinaus gewähren müssen. Aber das alles waren doch nur Tropfen auf einen heißen Stein. Erst meine 3dee ..." „Halt dein Maul", fuhr eine grobe Stimme dazwischen. „Es handelt sich darum zu wissen, wo das deutsche Geld geblieben ist. Das ist das einzige, was uns hier interessiert. Und da hast du dich zu recht- fertigen." Ein beifälliges Murmeln der andern war zu hören. Blinsky ließ sich in einen Stuhl fallen. Seine Fäuste trommelten auf der Tischplatte. ,3ch sagte es schon ... ich sagte es ja schon: ich weiß nichts ..." „Nimm dich zusammen. Spiel nicht den Hysterischen. So was können wir hier nicht gebrauchen. Dir war es anvertraut." „Ich bin unschuldig", stöhnte Blinsky. „Möglich. Wir lassen dir ja auch deswegen oier- undzwanzig Stunden Zeit, es zu beweisen." „Wie soll ich denn den Beweis erbringen?" „Sehr einfach. Das Geld ist der Beweis." „Ich habe doch alles erklärt." „Ja, aber wir glauben dir nicht." „Ich schwöre ..." Wieder klang das gemütliche Lachen herüber. „23eim brennenden Dornbusch ober bei der heiligen Mutter von Kasan, ber wir die Edelsteine aus- brachen?" Eine Weile hörte Grotteck nur bas leise Fluchen Blinskys unb den Wirbel seiner Handknöchel auf der Schreibtischplatte. „Nur Zeit! Ich bin auf ber Spur." „Das bist du schon feit einiger Zeit. Ich bin müde. Genossen. Außerdem glaube ich, daß wir allmählich auffallen, der Betreßte draußen sieht schon ziemlich argwöhnisch her, und allzu beliebt sind wir hier ja am Ende nicht. Blinsky entrinnt uns wie Quecksilber. Ich denke, wir heben die Sitzung auf. Bis morgen abend hast du Zeit, dich reinzuwaschen. Was geschieht, wenn du es nicht kannst, weißt du?" „Ich weiß", sagte Blinsky dumpf. „Ich würbe selber an eurer Stelle nicht anbers handeln." „Nun also. Auf morgen." Die Schritte entfernten sich, kamen aber wieder zurück. „Und keine Dummheiten, verstanden? Die Bahnhöfe sind von zuverlässigen Leuten besetzt." Der erste blieb noch zurück. Er sprach beruhigend auf den dasitzenden Blinsky ein. „Es bleibt ja noch eine Möglichkeit ..." „Welche?" Von nun an sprachen sie wieder russisch, und Grotteck konnte nur den Namen Brodersen verstehen. Die beiden gingen auch, ohne auf den eifrigen Tempsleser zu achten. Nach einiger Zeit erst wagte Grotteck, sich zu erheben unb den leergewordenen Raum zu verlassen. Er brauchte nur wenige Minuten zu warten, bis Inge aus dem Speisesaal trat. Sie errötete glücklich, als sie ihn begrüßte. „Wir wollen in den Wintergarten gehen." Als sie in dem feuchtwarmen Raum zwischen Or- chideen und breitblättrigen erotischen Bäumen standen, nahm Grotteck ihre Haiw und sagte: „Ich vollende jetzt den Satz, den ich damals, an jenem Freitagabend, begann: Ich habe bisher nur die Hand meiner Mutter geküßt, unb ich habe ihr versprochen, nur bie Hand ber Ewiggeliebten zu küssen. Ich liebe bich, Inge." Sie neigte ihm mit einer keuschen Gebärde den Mund zu. Als sie den ersten Kuß ihres Lebens empfangen hatte, sagte sie, seine beiden Hände fassend: „3d) wußte, daß du kommen würdest, wenn ich dich rief." „Du hast mich nicht gerufen, 3nge!" „Doch. Ich rief bich Tag unb Nacht. Hast du es wirklich nicht gehört?^ 3hr Lächeln füllte die ganze Halle mit Glanz und Leben. Er nahm sie jubelnd in feine Anne. „3a, ich hörte es. Heber Länder hinweg. Bis in bas stille Trott- Gießen bei stärkerem Siegeswillen ein hohe» Resultat vermeiden. Gießen 1 b muh zu einem Spiel der Aachrunde gegen die 1. Mannschaft Heuchelheims in Heuchelheim antreten. Hier dürften die Städter auf einen zähen Gegner stoßen. Heuchelheim hat in den letzten Spielen bewiesen, daß es sich wieder erholt hat und seine frühere Stärke wieder gewinnen wird. Gießen wird einen schweren Stand haben unb eine Niederlage hinnehmen müssen. Wiesecks 1. Mannschaft fährt zu ihrem letzten Spiel der diesjährigen Serie nach Marburg. Aormalerwerse müßte Wieseck, trotzdem es abermals mit Ersah antreten muß, Sieger bleiben. Wenn auch der Ausgang des Spieles feinen Einfluß mehr auf die Spitzenführung ausübt, so wird die Mannschaft bei den in Marburg bestehenden Verhältnissen doch auf der Hut sein müssen, weil sonst Marburg vielleicht als Sieger den Platz verlassen wird. Wiesecks 2. Mannschaft und 3 u g c n b » m ann scha s t gehen zu Freundschaftsspielen nach Heuchelheim, um mit den gleichen Mannschaften des dortigen Vereins ih.e Kräfte zu messen. Der Ausgang des Spieles der 2. Mannschaft muß offen blcibeir, während beim Spiel der 3ugend die Gäste als Sieger den Platz verlassen werden. A. v. O. und 23. O. K. Zwischen dem Automobilclub von Deutschland und dem Bund Deutscher Radfahrer ist eine 3nterefisengemelnschaft geschlossen worden, um den automobil» und motorradfahrenden Mitgliedern des Bundes Deutscher Radfahrer die Möglichkeit einer Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben und allen anderen Vergünstigungen zu verschaffen, die der Auio- mobrlchib von Deutschland seinen Mitgliedern bietet. Der wirtschaftliche und sportliche Zu- sammenschluß dieser beiden Spitzenverbände dürfte wohl nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Kraftsiports in Deutschland bleiben. Kleine Strafkammer Gießen. • Gießen, 6. Aov. 3m Frühjahr 1927 wurden dem Cteinbruchbesiher Z. aus Bisses abends ober nachts öfters Steine aus seinem Bruche gestohlen. Anfangs Mai hörte ein gewisser T., der bei dem Z. in Arbeit steht, abends beim Heimgehen von der Feldarbeit tm Bruch des Z. Geräusch, wie wenn Steine geladen würden. Er ging nach dem Bruch und sah dort zwei Männer mit Pferdesuhrwerk, von denen der ältere Steine auflud, während der jüngere sie von der Böschung herabwarf. Als 2L sich bemerkbar machte, fuhr der ältere mit dem Fuhrwerk in der Richtung nach Bingenheim davon, während der jüngere dem 2E. nachlief. Letzterer kannte bie Leute nicht und teilte ferne Beobachtungen dem Z. mit, der Verdacht gegen einen Steinbmch- besiher W. auS Bingenheim äußerte. Einige Tage später wollte 3k. in dem Sternbruchbesitzer W. auS Echzell imb in dessen Resten die beiden Täter erlernten. Z. erstattete daraufhin gegen W. und feinen Reffen Anzeige wegen Diebstahls, bas Strafverfahren gegen sie wurde jedoch nach längeren Ermittelungen mangels ausreichenden Beweises eingestellt. Außerdem sprach Z. aber auch in einer Wirtschaft in Echzell über die Sache unb äußerte, fein anderer als W. habe ihm die Steine gestohlen, wenn er es noch bis zum nächsten Abend in die Reihe bringe, könne es noch mit 1000 Mk. erledigt werden, andernfalls koste es ihn 1500 Mk. Daraufhin erhob W. Privcttklage gegen Z. Dieser gab die Aeußerungen zu, behauptete aber nach wie vor, W. unb fein Resse hätten ihm die Steine entwendet. Er versuchte auch, den Wahrheitsbeweis zu führen, was ihm jedoch nicht gelang. Es wurde vielmehr durch Zeugen einwandfrei bekundet, daß W. an dem Qlbenb, an dem der Diebstahl der Steine erfolgt ist, bis gegen 8 ^Ihr in einer Wirtschaft in R e i ch e l s - heim und bann zu Hause in Echzell gewesen Hausen hörte ich deine Stimme. Wäre ich sonst gekommen? Hätte ich dich sonst gefunden?" Eine Weile schwiegen sie, erschüttert vom Glück und Erfüllung. „Es müßte schön fein, jetzt sterben zu können ..." „Das Leben beginnt, Inge. Wach auf!" Sie wiegte plötzlich ernst den Kopf. „3ch wage es nicht zu glauben. Verzeih, Liebster, aber es ist so überwältigend, das Glück." Er sah in ihre tiefen Augen. „3ch bin in Sorge um dich." Sie warf den Kopf zurück. „Wir wollen nur an uns denken, nicht an das andere, das Feindliche ..." „Was ist das Feindliche, Liebste?" „Laß das!" bat sie. „Höre nicht auf mich! Alle diele Dinge gehen ihren Gang. Wir beide können nichts dazu tun. Es wäre gerade fo, als wollten wir eine rasende Maschine mit unseren Händen zum Stillstand bringen." „Und ich soll ruhig zusehen, wie du zerquält und verängstigt dasitzest und wie du selbst in dieser Stunde unruhig nach der Tür blickst?" „Du irrst." „3ch wollte, daß es so wäre. Aber glaubst du, ich fühlte nicht den gleichen Herzschlag wie du? 3ch spüre all diese Zeit eine dunkle, schrecklich rätselvolle Macht, die uns bedroht und die dich mir entreißen möchte. Inge, was hat dein Vater getfbn mich?" „Er hat nichts gegen dich. Oder zürnst du ihm noch wegen deines letzten Besuchs?" Seine Stirn umwölkte sich. „Warum tat er das? 3ch habe oft darüber nachgedacht. War es das, was der kleine Surrmann meinte? Du kennst ihn doch?" „Er hat mir seine Sonette mit einer überschwenglichen Widmung gesandt. Was sagte er denn?" „Dein Vater hätte ihn mit einem Geldgeschenk außer Kurs gesetzt. Wollte er das vielleicht bei mir auch?" Sie sah ihn offen an. „3ch will nichts verheimlichen. 3a, er wollte es. Wenigstens nehme ich es an. Aber er wollte es sicherlich nur aus Liebe/' „Eine sonderbare Liebe, findest du nicht auch?" „Aus Liebe zu mir. 3ch bin ihm alles. Er kann den Gedanken nicht fassen, daß ich einmal von ihm gehe, daß ich einem Mann meine Liebe schenke. Du mußt versuchen, ihn zu verstehen." (Fortsetzung folgt.) ) ist und dost auch sein Neffe sich um die in Be- tracht lammende -Zeit in dem Hause seines Ontels aufgehalten hat. Der Angeklagte Z. wurde deshalb wegen Beleidigung des W. verurteilt. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde kostenfällig zurückgewiesen. Das Berufungsgericht stellte fest, daß W. und sein Neffe zu der von dem -Zeugen B. angegebenen Zeit nicht in dem Steinbruch des Z. gewesen sein können und daß der -Zeuge T. sich offenbar geirrt hat. Deutscher Sprachverein. Im Zweig Gießen des Deutschen Sprachvereins sprach am Montagabend Prof. Dr. 21. Götze von der Universität üder „Die mitteldeutsche Schriftsprache". Immer wird der Kenner der mittelhochdeutschen Dichtung sich mit dem Problem einer überlandschaftlichen, von der mittelalterlich-höfischen Kultur geschaffenen Literatursprache auseinanderzusetzen haben. So hat denn auch diese akademische Frage bereits eine längere wissenschaftliche Geschichte. Als O. Dehaghel 1886 das Thoma aufnahm („Zur Frage nach einer mittelhochdeutschen Schriftsprache"), lagen völlig gegensätzliche Anschauungen vor. 3. Grimm und Lachmann glaubten in der mittelhochdeutschen höfischen Dichtung weitgehend allgemeine Sprach- gewohnhrit zu erkennen, die chre Grundlage im hohenstaufisch-alemannischen Kulturlreis habe. Daß die Blütezeit unserer mittelhochdeutschen Dichtung in weit größerem Maße dem österreichisch-bayrischen Hoftum verbunden sei, obschon sie durchaus kein österreichisch-bayrisches, vielmehr fränkisches Sprachgepräge habe, wies F. Pfeiffer nach. O. Behaghel argumentierte gegen die streng verneinenden Beweisführungen H. Pauls, der als Lautwissenschaftler wesentlich die sondertümlichen Lautgestaltungen sah. Die wenigen unmittelbaren Zeugnisse für die Beurteilung dieser Frage — einige Aeuße- r ungen mittech och deutscher Dichter — gestatten keine stichhaltige Beweisführung. Entscheidende Argumente bietet die Sprache der großen Epen selbst, freilich nur in der durch den Reim bezeugten Urgestalt. Erweist die Mundart der Dichter die Reime als unrein, sehen sie eine anderssprachige oder überlandschastliche Spracheinheit voraus, so darf auf die Beobachtung einer allgemeinen, hochsprachlichen Norm geschlossen werden. Und in der Tat haben eindringende Einzelbeobachtungen diesen Beweis erbracht. Die mittelhochdeutsche Hochdichtung meidet in zunehmend bewußter Wahl in ihren Reimen die dialekttümlichen Spracherscheinungen. Die eigenartigen bayrischen Dualformen ös, önk, die in diesem Dialekt seit alter Zeit den Plural des Pronomens vertreten, fehlen in der mittelhochdeutschen bayrischen Literatur gänzlich. — Die bayrisch-österreichische Konstruktion von gegen und wider mit dem Genitiv, die der Reim für die Urgestalt des Nibelungenlieds bestätigt, wird in allen späteren Fassungen ausgemerzt. Anderseits gebrauchen die Dichter in bewußter Wahl dialekt- fremde Sprachformen. Heinrich von Beldeke vermochte so stark auf die hochdeutsche Dichtung zu wirken, weil er seine Epen bewußt und zunehmend dialektfrei hielt und durch neutrale Reime die Möglichkeit sprachlicher Umsetzung gab. Hart- inann von Aue gebraucht das mundartliche behagen (placere) nur außerhalb des Reims, und in der Tat haben es sieben unabhängige Handschriften mit leichter Mühe in das verbreitetere gefallen umgeändert. Daß über eine solche Dialektenthaltsamkeit hinaus sich eine von Zeit und Landschaft weitergetragene Hochsprache entwickelte, beweist die gesamte mittelniederdeutsche Literatur. Unter dem übermächtigen Einfluß der hochdeutschen Kultur ist sie auch sprachlich durchgehends hochdeutsch beeinflußt. Darf man so die Frage nach einer mittelhochdeutschen literarischen Hochsprache bejahen, so scheinen doch auch die fortschreitende Erforschung der dialektgeographischen Sprachfläche und die Erkenntnis der genetischen Struktur unserer Kulturlandschaften in hohem Maße geeignet, das Problem gänzlich neu zu fördern. F. St. Wirtschaft. * Saaten st and in Preußen Anfang November. Wie die „Statistische Korrespondenz" mitteilt, ist der Stand der Wintersaaten in Preußen Anfang November bei der bisherigen Entwicklung recht günstig, vor allem bei Weizen und Gerste, die, wenn 2 - gut und 3 = mittel bedeutet, die Note 2,6 erhalten haben. Klee dagegen wird etwa als mittel beurteilt. Gegenüber dem Vorjahre bedeuten diese Noten fast überall eine wesentliche Verbesserung, nur Klee hat um 0,3 Punkte nachgegeben (Anfang November 1927 2,7, Anfang November 1928 3,0). • Stillegungsantrag des Eschwei - ler Bergwerksvereins. Die Verwaltung des Eschweiler D^rgwerksvereins hat für seine Hüttenabteilung Eschweiler-Aue den Stillegungs-> antrag zum 1. Dezember eingereicht. Die Verwaltung erhärt hierzu, daß es sich nur um eine Srchrrungsmaßnahme handele, weil infolge der Aussperrung in der Gruppe Nordwest der Bezug der Rohstoffe auf den: Ruhrgebiet unterbrochen sei. Sobald die Rohstoffzufuhr wieder gesichert sei, soll die Maßnahme rückgängig gemacht werden. * Berliner Maschinenbau A.-G. vormals L. Schwarhkopff, Berlin. Die Berliner Maschinenbau A.-G. vormals L. Schwarhkopff in Berlin bleibt für das abgelaufene Geschäftsjahr dividendenlos. (3m Vorjahre 6 v. H.) Nach Abschreibimgen von 1 021 000 Mark (i. V. 700 000 Mk.) bleibt ein Reingewinn von 731000 (712 000 Mk.), der zusammen mit dem Vortrag aus dem Vorjahre von 310 000 Mark nach Abzug von 6 v. H. Dividende für die Vorzugsaktien (6. v. H.) mit 1015 000 Mk. auf neue Rechnung vvrgctragen wird, um angesichts des Ausfalls der Reichsbahnbestellungen und der angestrebten Konzentration in der Loko- motivindustrie die Mittel der Gesellschaft nicht zu schwächen. * Ludwigshafener Walzmühle, A.-G. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Ludwigshafener Walzmühle-Ä.-G. muroe der Geschäftsgang im Jahre 1928 als recht befriedigend bezeichnet. Es scheint jedoch keineswegs die Neigung zu bestehen, eine höhere Dividende als die im Vorjahre (10 v. H.) in Vorschlag zu bringen. * Schwierigkeiten einer Mann- he ime r Bankfirma. Wie die „Reue Mannheimer Zeitung" meldet, befindet sich die Bankfirma Th. Faßßold & Co. in Mannheim in Zahlungsschwierigkeiten. Wesentlich dazu beigetragen haben dürfte der Umstand, daß ein bekannter Weinheimer Großkapitalist, der große Einlagen ber dem Bankgeschäft hatte, diese Einlagen vor längerer Zeit zurückzog. Die Schwierigkeiten haben sich in letzter Zeit vergrößert, weil die Gläubigerbanken des Bankhauses Faß- hold Nachschüsse verlangten, wozu die Firma nicht in der Lage war. Wie verlautet, soll das Untenrehmen angeblich mit 100—200 000 Mk. passiv fein. FranLfurter Börse Frankfurt a. M., 9. Nov. Tendenz: uneinheitlich. — An der heutigen Börse war das Geschäft wieder nicht umfangreich, bei weiterer Interesselosigkeit des privaten Publikums. Auch die Spekulation übte starke Zurückhaltung, da die unveränderte Lage im Eisenkonflikt weiter auf die Stimmung drückte. Die Schwierigkeiten der Züricher Bankfirma Wolfensberger & Widmer verstärkten die herrschende Zurückhaltung, doch waren weitere Abgaben für Schweizer Rechnung, wie man sie ftn Zusammenhang damit erwartet hatte, kaum zu beobachten. Bei nicht einheitlicher Kursgestaltung war die Tendenz überwiegend etwas schwäch er. Am Chemiemarkt waren J.-G.-Farben eher angeboten und erneut 1 v. H. schwächer, auch Scheideanstalt gaben 1,4 o. S). nach. Von den Elektrowerten waren i Licht 8t Kraft 1 o. H. und Gesfürel 0,5 v. H. abgeschwächt, während AEG. und Siemens & Schuckerl gut behauptet blieben. Montanwerte lagen still, bei meist wenig veränderten Kursen. Nur Ilse Bergbau blieben gefragt und konnten weitere 2,25 v. S). anziehen. Einiges Interesse bestand ferner, wie schon an der gestrigen Abendbörfe, für Otaviminen bei weiter anziehendem Kurse. Am Markt der Autoaktien blieben Kleyer gut behauptet. Daimler nach der gestrigen Kurssteigerung auf Realisationen 1,5 v. H. schwächer. NSU. erneut 1 o. H. nachgebend. Schiffahrtswerte waren leicht gedrückt. Banken meist knapp behauptet. Berliner Handelsgesellschaft 2 v. H. fester. Am variablen Markt lagen Voigt & Haeffner 3 v. H. höher, Wayß & Freytaa dagegen angeboten und 2,75 v. H. niedriger. Deutsche Anleihen waren gut behauptet. Von Auslandrenten Türken leicht nachgebend. Im Verlaufe wurde die Haltung bei unverändert stillem Geschäft etwas schwächer. In Farben, die abermals 1 v. H. nachgaben, wurden weiter Abgaben vorgenommen. Auch Elektrowerte verloren etwa 1 v. H. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 6,5 v. H. etwas gefragter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2001, gegen Pfund 20,363, London gegen Kabel 4,8484, gegen Paris 124,11, gegen Mailand 92,62, gegen Madrid 30,09, gegen Holland 12,08. Berliner Börse. Be rlin , 9. Nov. Nach einem abwartenden Vormittagsverkehr war die Haltung an der Börse wieder fest, da die Käufe in Elektrowerten etwas anregten. Siemens hatten bei einem 3 v. H. höheren Kurs als gestern lebhafte Umsätze aufzuweisen. Doch schon kurz vor Festsetzung der ersten Kurse wurde es wieder überwiegend schwächer, da die Spekulation Abgabeneigung zeigte. Die ersten Kurse zeigten kein einheitliches Bild, doch ergaben sich überwiegend Abschwächungen von 1 bis 2 v. H. Nur in einigen Spezialwerten war das Geschäft heute etwas lebhafter, so in Bemberg und Glanzstoff, die 5 bzw. 7,5 v. H. höher lagen. Anregende Momente lagen wieder nicht vor. Die Vorverlegung der Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht über den westdeutschen Schiedsspruch wurde etwas günstiger aufgenommen. Auch die Erörterungen über das Reparationsproblem nahmen ihren Fortgang, wenn auch die Verhandlungen durch die französische Kabinettskrise eine Verzögerung erfahren haben. Es bestand jedoch das Bestreben einer endgültigen Regelung allgemein. Die in den letzten Tagen stark aestiegenen Kaliwerte lagen heute schwächer, ebenfalls I.-G.-Farben auf den Antrag im Landtage für die Herabsetzung der Kali- und Stickstofforeise. Die Rückgänge betrugen am Kalimarkt bis zu 4 v. H. Elektrowerte waren verhältnismäßig gut gehalten. Siemens gaben ihren vorbörslichen Gewinn wieder her, auch Chade lagen schwächer. Sehr fest waren Polyphon auf Londoner Meldungen mit einem Gewinn von fast 6 v. H. Die Dividenden- losigkeit bei Schwarzkopf übte feinen Einfluß aus, der Kurs war gut gehalten. Don Montanwerten waren nur Ilse mit einer 6-v. H.-Besserung beachtenswert. Deutsche Anleihen waren gehalten. Ausländer uneinheillich. Anatolier schwächer. Am Pfandbriefmarkt lagen Anteilscheine wieder fester. Der Geldmarkt zeigte weiter Zeichen einer Erleichterung. Tagesgeld 5 bis 7 v. H., Monatsgeld 7,75 bis 8,75 o. H. Nach den ersten Kursen blieb die Haltung uneinheitlich. Spritwerte zogen 2 v. H., Kunstseidewerte erneut bis 4L v. H. an. Schubert 8- Salzer erholten sich um 3 o. H., Polyphon weitere 2d.S). höher. Don Elektrowerten Harpener auf die heutige Aufsichtsratssitzung und die Möglichkeit einer Dividendelofigkeit 3,5 v. H. schwächer. Feldmühle 4 v. H. fester. Arankfurt?r GetreiÄrdörse. F ra n k f u r t a. M., 9. Nov. Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrte zum Wochenschluß in ruhiger Haltung. Die Grundstimmung war jedoch nicht unfreundlich, da die behaupteten Auslandnotierungen eine Stütze boten. Die Händler übten weiter große Zurückhaltung, da das Angebot in Auslandware weiter rege war, so daß nur in den notwendigsten Fällen Abschlüsse zustande kamen. Die Preise blieben unverändert, obwohl die Forderungen seitens der Provinz etwas höher lauteten. Es wurden notiert: Weizen 23,40; Roggen 22,25 bis 22,50; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 24,25; Hafer, ausländischer, 23 bis 23,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 22; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 33,50 bis 34,25; Roggenmehl 29,50 bis 30,25; Weizenkleie 13,75; Roggenkleie 14,25. Tendenz: ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 8. Nov. Das Jnlandangebot von Brotgetreide hat weiter zugenommen, der Export und die Mühlen bekunden nach wie vor geringe Aufnahmeneigung. Gebote sind wiederum nur zu 2 Mark niedriger als gestern erhältlich. Am Lieferungsmarkt boten Deckungskäufe den Preisen einigen Halt, so daß die Notierungen verhältnismäßig bester als die Effektivpreise gehalten waren. Hierdurch hat sich eine Preisspanne zwischen prompter und Dezemberlieferung berausgebildet, die einigen Anreiz für Reportage nietet. Die Auslandforoe- rungen lauteten für Weizen und Roggen, im An- schloß an die schwachen Schlußmeldungen der Terminmärkte, teilweise beträchtlich niedriger; Umsätze hiellen sich jedoch auch auf dem ermäßigten Niveau in engsten Grenzen. Am Mehlmarkt stagniert das Geschäft trotz erneuter Preisermäßigungen um etwa 25 Pfennig, weiterhin. Hafer liegt bei gleichfalls etwas reichlicherem Angebot auch schwächer, der Konsum kauft nur äußerst vorsichtig. Auch Gersten liegen ruhiger. Es notierten (1000 kg): Weizen, märkischer, 208 bis 211, Dezember 226,50 bis 225,75, März 234,50 bis 234,25 Brief, Mai 241 bis 240 (matt); Roggen, märkischer, 199 bis 202, Dezember 217, März 226,50 bis 226,25 bis 226,50, Mai .232 bis 231,50 (matter); Braugerste 230 bis 248, Futtergerste 202 bis 212 (matter); Hafer, märkischer, 198 bis 207, Dezember 215,50, März 225 bis 225,50, Mai 234,75 bis 234,50 (still); Mais, zollbegünstigter Futtermais, 221 bis 223; Raps 340 bis 350 (behauptet). (100 kg): Weizenmehl 26,25 bis 29,50 (still); Roggenmehl 25,50 bis 28,65 (still); Wcizenkleie 14.60 bis 14,80 (matt). Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) G. 03. Darm, daß der Mieter einer Wohnung zwischen 10 und 12 Uhr nachts noch einen Lautsprecher in Tätigkeit seht und dadurch die Mitbewohner des Hauses belästigt, kann ein vertragswidriger Gebrauch der gemieteten Sache erblickt werden. Es wird sich fragen, wie stark die Belästigung ist. Das ist zunächst T a t frage. Geht die Belästigung über das in der Natur des Mietrechts liegende Maß hinaus, so kann der Vermieter (Hausbesitzer) auf Unterlassung klagen, wenn der den Lautsprecher in Tätigkeit setzende Mieter einer Abmahnung deS Vermieters nicht Folge leistet. Wenden Sie sich also zunächst an Ihren Hausbesitzer, damit er die Abmahnung ergehen läßt. Eine Anzeige wegen ruhestövenden Lärms würde nach unserer Auffassung keinen Erfolg haben, weil wohl der ßaut» sprecher nur bei geschlossenem Fenster in Tätigkeit gefetzt und deshalb nicht di? Allgemeinheit, fonbern nur ein ganz bestimmter PersonenkreiS der angeblichen Belästigung ausgesetzt wird. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Dreisahaufgabe aus dem neuesten Rechen, buch für brave Schüler und Eltern. Die Schulen in Gießen einschließlich der Universität beginnen ihren Vormittagsunterricht zu folgenden Zeiten: Hochschule 7.15 Ubr, Gymnasium 7.45 Tlhr, Oberrealschule 7.50 Tlhr, Stubienanstalt 8.00 Uhr^ Volksschule 8.30 Ähr, Realgymnasium 8.30 Uhr. Gießen hat rund 35 000 Einwohner. Wieviel verschiedene Anfangszeiten gibt es in Groß- Berlin, das etwa 4 000 000 Einwohner hat? G. H. Kunst und Wissenschaft. Battistini Rom, 8. Nov. (WTD.) Wie aus Rieti (Perugia) gemeldet wird, ist der berühmte italienische Bariton Mattia Battistini dort im Alter von 71 Jahren gestorben. Mattia B a t t i st i n i wurde am 27. Februar 1857 in Rom geboren. Er trat dort mit 20 Jahren zum erstenmal In Donizettes .Favoritin" auf und errang sofort einen großen Erfolg, obwohl er noch wenig studiert hatte. Von diesem ersten Auftreten im Teatro Argentina an war die Laufbahn Dattistinis als Sänger ein einziger Siegeszug durch alle Länder. Heber seine Ge- sangskunst jind Bände geschrieben worden, und außer Caruso ist wohl kein Sänger der Gegenwart so gefeiert worden wie Battistini. Die Wärme feines Vortrags, seine meisterhafte Technik, die es ihm iwch im Alter ermöglichte, auf seiner Stimme wie auf einem Instrument zu spielen, die Vornehmheit und Natürlichkeit seines Spiels sind größter Bewunderung teert. Battistini war ein Meister des Belcanto und als solcher kein Sänger für moderne Opern. Seine Komponisten sind Donizetti, Bellini, Mozart. Trotzdem glänzte er auch in den wenigen Rollen aus modernen Opern, deren sich seine Kunst bemächtigt hat und deren Wirkung er durch feine Gesangskunst ins Unerreichte steigerte. Sein Repertoire war eines der umfangreichsten und umfaßte tragische und tomi che, lyrische und pathetische Rollen. Einiges nur sei hier genannt: Rigoletto, Traviata, Troubadour, Barbier von Sevilla, Favoritin, Aida, Lohengrin. Tannhäuser, Figaros Hochzeit, Carmen und Tosco. Letzte Nachrichten. „ Todesurteil gegen den Mörder Obregons. Mexiko, 8. Nov. (MTV. Funkfprua).) Während der Schlußsitzung im Prozeß gegen den wegen des Mordes an dem mexikanischen Präsidenten Obregon angeklagten Toral und die Schwester Concepcion war die Erregung des Publikums derart groß, daß die Behörden es für notwendig gehalten hakten, den Platz der Angeklagten mit einer dreifachen Reihe von Soldaten zu umgeben. Ebenso waren Truppenableilungen im ganzen Gerichks- gebäuöe verteilt. Die nach mexikanischem Gesetz aus neun Personen bes.ehende Geschworenenbank Hal Toral e i n st i m m i g, Schwester Concepcion m i t a ch t gegen eine Stimme für schuldig befunden. Falls der Oberste Gerichtshof die von den Verteidigern eingelegte Berufung verwirft, wird das bereits gemeldete Todesurteil gegen Toral innerhalb der näu-sten fünf Tage vollstreckt werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlostenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, LombardzinSfuß 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Schluß, flurs 1 1-Uhr- Kur» Sch.uh- äiir» Ilnsang fiuri Datum 8 It S. 11 | 8 11. | 9 11. 6% Dl. »eichsanleihe o. 192? . DL «nl^Ablös.-Schuld mit öim- 87.2d — 87,5 — Lof.-tHecbten — 5t 50,9 51 SDtöal. ohne Auslos.-Rechle . . - 7% Frankl. Hyp.-Bt Boldvs. luv 14.4 — 14,4 14,4 (ün Dbar bis 1932 ty.% Rheinische Hyv.'BlMk Liau.. Kolbvs ■ 90 —- — - 76,55 — — - 8 an hierein 10 111 _ 141 141.5 Berliner (-andeiSgesellsch. . 12 285.1a 287,75 280,9 «85 Lvunnerz- und Privat-Banl 11 ."9.75 169.5 lh9.7u 189.) Darms! u «ationalbmil 12 292.73 -92.75 292,5 292.., Deutsche Bant 10 169.1J — 11>9,65 1 9,25 Ltilonio-Äesellschast Aut.. . 10 H'3,65 1.3,5 Iu4 163.2» Dresdner Baut ... 10 169,75 l»9,o 11-9,9 lb9.» mtrtelbeutldje (jieaitiwid ... 9 — — 11.2.1 Dlttollbanf ......8 136 135.75 136,25 135,5 303 ..... t? 03 — <02.25 Frankfurt a. M Berlin Schluh- Kurs 1-Uhr» kur» Sch.uk > ’llnfanq Kurs Kurs Datum: | 8. 11. 9 IL 8. 11. | 9 11. St-E.G..... . 8 184,o 184.75 184 .) 184.7a Bergmann..... . 9 — — 217.75 217.25 Elettr. Lieserunge». . 10 — 169 169,5 Ltchl und krast . . - . 10 235,5 234.5 235.75 2:34.5 Selten 6 Guilleaume. Ges. f. Elettr. Untern.. . 6 150,5 — 150.75 150.4 * * 10 272,5 272 272 273 Hamb. Elettr. Werte . • « 10 — — 147.75 — Rhein. Elettr..... . 9 — -- 158.25 —- Schlei. Elettr..... • » 10 226 •226,75 . 8 232 232 232 432.25 Siemens 4 Halste . . e e 12 40.8 408, a 408.25 408.j Transradio ...» . 8 —— — 149 147.5 10 166.5 86,5 166 86,5 166,25 86,25 Buderus . . . 6 86 Deutsche Erdül . . . . 6 140,75 — 140.25 141 Essener Steintohie . . M - . 8 3-4 — — 118 — Gelienttrchener . . . !■ 124 124,25 123.5 123.5 Harpener .... . 6 134 133 134 133 Hoesch Eisea. . . . . e • . 8 — — 131, j !31,2-> Ilse Bergbau .... a M . 8 239.5 241,75 236 242 Rlödnerroette .... a a . 7 108,25 — 108.25 107.6 Kdln-Keuessen. . . . « a . 9 — — 128,4 128.5 Mannesmann . . . < e . 8 Uti 125,75 12b 125.2a Mansselder..... e e . 7 115,25 — 115 — Lberschles. Eisend. Bedarf. . 5 — — 112 113.a Oberschl-s Sollwerte . 6 — 111,9 112.75 Phonir Bergbau Rheinische Brauntohleu 67i 90,75 90,25 91,5 - 10 274,5 274.75 275.5 274.2) Rhetnstahl f. % iVi 134 — 1-2,7.) lu3.25 Riebeck Montan 7,2 — — 143,5 _ Bereinigte Stahlt». . Ötavi Minen . . • • . 6 91,5 — 92.5 92.2 v • e e eh 57.75 58.: >7.2.1 j8,5 »all Lschettlebeu • • 10 289 — 289 285 KaN Westeregeln . . 10 :9O.7j — 291 288 Roliroerf Solzdetsnrt» Iß 496 — 496,25 493 Z. stmenlanische 'Jiatt»..... 4373 Tj9a Betatsche Noten ....... 58.14 58,38 Däniicbe Noten ....... Enaltscde Noten........ 111,61 112,0-'. 20.305 i0.?85 Berlin. 8 November («eid 1 M — ^ranjönscve Oioren . . . 16,34 16,40 167,89 168,57 Atalienische Noten...... 21,91 21,99 Norwegische Noten . . . . . . Demsch'Ocsterr, i 100 Kronen 111,53 111,97 58.90 59,14 Rumänische Noten...... 2,525 2,545 Schwedische Noten ...... 111,85 112,29 Schweizer Noten ....... SO.58 «0,00 Kvanistde Noren....... Tschechollomattsche Noten . . 67,43 12,40 - "7,71 12,44 Ungarische Noten 72,96 73.27 Devisenmarkt Berlin- -Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 8. Novemb.r 9 Novemb r Amtliche Geld Noti runa Briei Rmtliche (Selb Notierung Briei Ämst--Rott Buen^Atte4 168.26 1,768 168,6ü 1,772 i'i8,38 1,768 168,72 • 1.772 Brsi.-Ännv >8.275 58,395 o8,29 »8,41 E bri ffianta 111,7b 111,9b Hl,7b 111.98 Qopenbaflen 111,79 112,09 111,79 112,01 ©toctbolm - 112,12 112,34 112,12 112,34 feelfinaforS. 10,553 10,573 10,555 10,575 S'talir i . . 21,955 -'1,995 21,965 22.01,5 dtmttc'.i. . . 20,337 20,377 20,337 20,377 Neuvork . . 1,19.50 4,2030 4,1950 4,2030 Boris.... 16,38 16,42 16,31-5 16,425 Schwel» . . ■>0,71 50,87 30,725 dO.V8L Svante» - »7,60 67,74 ,7,60 »7,74 Japan . . . 1,951 1,955 1,954 1.958 Mo be Jan 1.5005 '.5025 0,4995 0.5015 röten tn D.» Ceft. abßeft 58,665 39,183 -»8,-65 »9,085 Prag 12,432 12,452 12,435 12,455 Belirad 7,370 7,384 7,370 7,;^4 Budavest - <3,10 73,24 73,11 73,25 Bul 1 arten ,029 ',035 »,029 >,055 PifTabon 18,86 18,92 18,8V 18.92 Dan;ig. . 81,34 >1,50 51,35 81,51 .Qonft ntfat 2,109 -,113 2,103 2,107 Athen 5,4x5 5,435 5,425 5,432 Lanada 1,191 4,199 4,191 4.199 llra aaD . 4,26« 4,274 4,266 4,274 ®dre . . 31.857 0.895 30.857 20.897