n*. 289 Erster Blnft 178. Jahrgang Samstag, 8. Dezember 1928 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesien poftschecNonto: »W«. vniS md Verlag: SrLHI'sch« UakersitSlr-vuch, und Steindruckerel N. Lange In «letzen. Schristlsttung und Geschästrftells: Schulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20",,, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Lugano-Ouverfure. Die reguläre Dezembertagung des Döllerbunds- rates findet diesmal statt in Genf in dem sonnigen, auch im Winter von mildem Klima begünstigten Lugano statt. Mit Rücksicht auf den immer noch unbefriedigenden Gesundheitszustand Stresemaniis und Chamberlains wünscht man die berüchtigte „bise", Genfs scharfen Nordostwind, zu vermeiden und hat darum für die Ratstagung die Tessiner Riviera gewählt. Politisch zeigt allerdings auch hier schon heute das Barometer auf Sturm. Nicht so sehr der eigentlichen Verhandlungsgcgenstände wegen, das sind alle, bewährte Ladenhüter, die schon so und so oft das Programm der Ratssitzungen geziert haken: oberschlesische Minderheitenschule, ungarisch-rumänischer Optantenstreit, und was dergleichen Dinge mehr sind, alles Fragen, die wohl an sich bedeutsam genug sind, aber für uns völlig in den Hintergrund treten gegenüber der Tatsache, daß diele Tagung zum erstenmal seit dreiviertel Jahren den Locarnoministern Gelegenheit zur Aussprache gibt. Die Prognose für diese Zusammenkunft und ihren politischen Ertrag kann, von Deutschland aus gesehen, nicht ungünstig genug gestellt werden. Die beiden Reden Briands und Chamberlains waren schrille Mißklänge in der Ouvertüre dieses neuen Locarnokonzerts. Aber vielleicht war es gut, daß sie gehalten wurden. Sie nehmen jedenfalls auch dem starrköpfigsten Optimisten jede Illusion, als ob wir im Augenblick von den Kontrahenten des Locarnopakts irgendwelches Entgegenkommen zu erwarten hätten. Sie zeigen beide die erste für Deutschland spürbare Auswirkung der tatsächlich und praktisch trotz aller Abschwächungsversuche des Londoner Kabinetts vollzogenen entente cordiale. Sir Austen Chamberlain, der Leiter der auswärtigen Politik des britischen Reiches, ist von seiner Erholungsreise an die lachenden Gestade Kaliforniens als der wiedergckommen, der er stets war, ein unentwegter Franzosenfreund, den nichts in feiner Sekundantenrolle zugunsten der französischen Politik irre machen kann. Ihm ist es reine Wonne, sich von Poincarä wieoer ins Schlepptau nehmen zu lassen. Der Sturm der Entrüstung, den das franko-britische Flottenkompromiß in Amerika erregt hatte, war zwar in London nicht ohne Rückwirkung geblieben. Englands öffentliche Mei- nung horchte auf, man tadelte die Leiter der britischen Politik, daß sie Bindungen einzugehen gewillt schienen, die aus der Vorkriegszeit her noch einen unangenehmen Geschmack auf der Zunge gelassen hatten. Man fühlte sich nicht ganz wohl bei der Sache und ließ kurz entschlossen das, was von den Abmachungen bekannt geworden war, soweit es Amerika als Stein des Anstoßes empfand, einfach fallen, lieber das andere wurde mit ein paar nichtssagenden Redensarten hinweggegangen. Aber Paris ließ nicht locker. Wo sich nur immer Gelegenheit bot, suchte der Quai d'Orsay den zaghaften Bundesgenossen zu kompromittieren. Frankreich brauchte die Entente als sichere Basis für die Auseinandersetzung mit Deutschland, und England glaubte sie im Hinblick auf das gespannte Verhältnis zu Amerika nicht vermeiden zu können. Das britische Reich wünscht Ruhe in Europa als beste Rückendeckung bei der Behandlung lebenswichtiger Probleme, die ihm jenseits der Meere erwachsen sind und die es fast überall mit dem großen, wahren Gewinner des Weltkrieges, den Vereinigten Staaten, in Kollision zu bringen drohen. Deshalb wird Frankreich in Europa als Gendarm eingesetzt. Deshalb verzichtet man in London darauf, in europäischen Dingen eine eigene Meinung zu haben und begnügt sich damit, zur Politik Poincaräs, die sich heute wie gtftern um den Rhein und die Reparationen dreht, Ja und Amen zu sagen und die Noten einfach von dem Manuskript abzuschreiben, das Paris bereit» willig zur Verfügung stellt. Ja, bei Gelegenheit glaubt das Foreign Office für den französischen Freund noch eine besondere Lanze brechen zu muffen, um Paris bei guter Laune zu erhalten Wohlgemerkt nur in deutschen Dingen. Sie sind wieder ein willkommenes Aequivalent für die Ellenbogenfreiheit, die Frankreich dem britischen Bundesgenossen in den überseeischen Kernfragen des Empire zubilligt. Diese Politik der einen Hand, die die andere iväscht, hat sich zwar nicht immer so scharf und deutlich abgezeichnet, wie eben in diesen Monaten, die den Diehard Cushendun im ForeignOffice als Sachwalter der britischen Interessen sahen, oder wie in diesen letzten Tagen, die Chamberlain zu einem neuen Heranrücken an Paris benutzte, aber ihre Anfänge gehen weit zurück. Lord d^Aber- n o n s Demission als Botschafter Englands in Ser- Im war zweifellos schon ein schwerer Schlag für das deutsch-britische Verhältnis, Sir William T n r r e l l s Berufuna auf den britischen Botschafterposten in Paris jedoch bedeutete geradezu eine Wendung, einen Systemwechsel. England ver- zichtet in Zukunft darauf, in dem deutsch-französischen Streit um den Rhein eine Mittlerrolle einzunehmen. Man muß sich daran erinnern, daß Tyrrell, seit Juli dieses Jahres Botschafter des britischen Reiches in Paris, lange Jahre vor dem Kriege Privatsekretär Sir Edward Greys war, des britischen Staatssekretärs im liberalen Kabinett Asquith, das England 1914 an der Seite Frankreichs und Rußlands in den Weltkrieg führte. Zusammen mit dem bekannteren Sir Arthur Nicholson war Tyrrell einer der tatkräftigsten Exponenten der britischen Einkreisungspolitik gegen Deutschland. Aus seiner Zuneigung zu Frankreich hat er in den langen Jahren als ständiger Unter» staatssekretär im Auswärtigen Amt niemals ein Hehl gemacht. Mit der Versetzung Sir Williams als Botschafter nach Paris verlegte England die Leitung feiner europäischen Politik nach der französischen " Hauptstadt. Englands Kontinentalpolitik wird seitdem im trauten tete ä tete zwischen Tyrrell Will polen keinen Handelsvertrag? Minister Hermes als deutscher Llnterhändler erneut in Warschau. — Wiederum ergebnisloser Berlin, 8. Dez. (Eigene Meldung.) Man wird sich in der nächsten Zeit wieder einmal eingehend in der deutschen Oeffentlichleit mit dem Problem des deutsch-polnischen Handelsvertrages beschäftigen müssen, dann nämlich, wenn der deutsche Delegationsftihrer, Minister a. D. Hermes, wieder einmal — zum toiebietten Oltple ? — aus W arschau zurückgekehrt ist und die zuständigen Berliner Stellen bereit sind, endlich einmal zu sagen, was los ist, was gespielt wird und was sie selber toollen. Wir haben das Schauspiel schon unendlich oft erlebt: Das brüske Oluf treten der Polen erzwang einen Abbruch der Verhanv uagen über einen Handelsvertrag und man war sich in Deutschland von rechts bis links darüber einig, daß jenseits der Grenze offenbar gar nicht der ernste Wille bestehe durch einen wirtschaftlichen Ver- tragsabschluß beizulra^en zu einer Entgiftung der politischen Atmosphäre zwischen Deutschland und Polen. Dann, so ist es seit langem die Regel, geschieht einige Wochen lang nichts. Aber bald pflegen in Berlin die Besprechungen zwischen den beteiligten Ressorts wieder einzusetzen, es finden Kabinettesitzungen statt, mit der Tagesordnung „lau ende Angelegenheiten", und Dr. Hermes nimmt an ihnen teil. Plötzlich erfährt man dann überrascht, daß man immer noch einmal den Versuch machen wolle, mit den Polen ins Einvernehmen zu kommen und daß deshalb der brutsche De^eqa.ionsführer, Minister a. D. Dr. Hermes, sich mit dem Führer der polnischen Handelsvertragsdelegation, Minister a. D. Twardvwski, da und da zu einer Aussprache über die Möglichkeit einer Wiederanknüpfung der Verhandlungen treffen werde. Gelegentlich wechselt der Ort, an dem diese Begegnung stattfindet, aber im übrigen kann man dieses Schema getrosten Herzens auf jede der zahlreichen Krisen anwenden, die in den deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen im letzten Jahre eingetreten sind. Run ist also Dr. Hermes wieder in Warschau gewesen. Ehe er abfuhr, hörte man, daß es sich lediglich um eine Prüfung der technischen Möglichkeiten einer Verhaudlungswieder- aufnähme handeln werde, und man fragte sich höchstens ein wenig verwundert, ob denn solche Prüfung ohne ganz konkrete neue Unterlagen überhaupt viel Sinn habe. Und solche Unterlagen — so wurde versichert — seien keines- Verlauf der Verhandlungen. Wegs vorhanden; der Standpunkt des Reichs- kabinettes sei ja bekannt, und er sei unverändert geblieben. Richt aus Berlin, sondern — auch das gehört zu dem immer wiederkehrenden Bilde — aus Warschau hört man nun doch einiges, was die Reise Dr. Hermes' in ein neues Licht setzt. Man erfährt plötzlich, daß er ein formuliertes neues deutsches Angebot gemacht habe, das in sehr wesentlichen Fragen den Polen ganz große Zugeständnisse macht. Dies Airgebot geht hinsichtlich der Einfuhr von Schwci- nen und Schweinefleisch aus Polen nach Deutschland ganz außerordentlich viel weiter, als das seinerzeit einmal in Berlin zwischen dein Reichs- außenminister Dr. Stresemann und dem polnischen Unterhändler Jakowski als Derhandlungsgrund- lage vereinbar war. Rtearand nennt, auf deutscher Seite Kontingentsziffern, und diese Zurückhaltung wird gerne damit begründet, daß man ja noch in schwebenden Der Handlungen stehe. Aber das Argument ist nicht recht stichhaltig, denn die Polen kennen doch schon seit Tagen (mit Sicherheit darf man annehmen: sogar feit mindestens 14 Tagen!) jede Einzelheit des deutschen Angebotes, von dem die deutsche Oeffentlichkcit noch heute möglichst nichts erfahren soll. Man wird nun Wohl in den nächsten Tagen endlich einmal erfahren, das heißt auch von deutscher Seite erfahren, wie die Dinge in Wirklichkeit liegen. Oie neue Gtockung. Polen äußert sich nicht zu den deutschen Vorschlägen. Warschau, 7. Dez. (TU.) Soweit sich die Dinge am heutigen Freitag übersehen lasten, sind die viertägigen Handelsvertragsverhandlungen zwischen den Bevollmächtigten Deutschlands und polens, sowohl streng objektiv wie vom deutschen Standpunkt ans gesehen, ergebnislos verlaufen, es sei denn, daß man es als ein Ergebnis bezeichnen wallte, daß der Faden nicht völlig abgerissen ist und daß die Vorverhandlungen am 16. Dezember wieder ausgenommen werden sollten. Zu einer irgendwie als Grundlage brauchbaren Klärung hat der Meinungsaustausch jedenfalls nicht beigetragen, schon aus dem Grunde nicht, weil die polnischen Verhandlungspartner, wie verlautet, einer bündigen Meinungsäußerung zu den deutschen Vorschlägen bis zuletzt ausgewichen sind. Die Lage läßt sich wohl nur so charakterisieren, daß man polnischerseits sehr darauf bedacht gewesen ist, die eigenen wünsche in den Vordergrund zu stellen und genau zu formulieren, die von Deutschland herausgeslellten Belange aber i n der Schwebe zu lasten. Gleichzeitig hat ein gewisser keineswegs unerheblicher Teil der hiesigen presse alles getan, um den tatsächlichen Sachverhalt zu verschleiern bzw. auf den Kopf zu stellen. Ein mehrfach zitiertes offiziöses Blatt ist zum Beispiel soweit gegangen, zu behaupten, daß die deutschen Vorschläge in bezug auf die polnische Ausfuhr von lebenden und toten Schweinen nicht über den Rahmen der raodus vivendi-vorschläge vom 3‘Co- vember 1927 hinausgegangen seien. Tatsächlich aber haben zuverlässigen Berichten zufolge in letzter Zeit Verhandlungen zwischen vertreten, des polnischen Ausfuhrsyndikals und der deutschen Sachverständigen slaltgefunden, bei denen es unter weitgehenden Zugeständnissen von selten des deutschen Vertrauensmannes in allen punkten zu einer grundlegenden Verständigung kam, einer Verständigung, die nichi nr.c die Kontingentierung der Schweineausfuhr nad) Deutschland betrifft, sondern auch ein garantiertes Durchfuhrkontingent vorsieht, und darüber hinaus freie Durchfuhr auf eigenes polnisches Risiko anheimstellt. Diese Vereinbarungen sind trotz mancher Bedenken von seilen der deutschen Bevollmächtigten in vollem Umfange sanktioniert worden. Weiler Hal das offiziöse polnische Blatt erklärt, daß die Deutschen in der Frage der polnischen Hornvieh- und Rindsleischaus- s u h r noch weit größere Schwierigkeiten gemacht hätten. Dabei muh der Zeitung ein geradezu merkwürdiger Irrtum unterlaufen fein, denn auch in dieser Frage sind, nach zuverlässigen Informationen von feiten der deutschen Regierung überhaupt gar keine Einwendungen gegen die poin'.schcn wünsche gemacht worden. In bezug auf das und Poincars am Quai d'Orsay gemacht. Mit welchem Ergebnis, haben wir beim Flottenkompro- miß und bei der Erörterung der deutschen Probleme gesehen. Man kann sich diese veränderte Situation nicht deutlich genug vor Augen stellen, um zu ermessen, welch geringe Chance wir im Augenblick haben, die großen Fragen, die uns auf den Nägeln brennen, in unserem Sinne gelöst zu sehen. Hinzu kommt noch die veränderte i n n e r p o l i - tische Lage, sowohl in Frankreich wie in England. Hier stehen die Parlamentswahlen vor der Tür. Auch wenn die Konservativen wieder ans Ruder kommen sollten, was man wohl immerhin annehmen muß, so wird der Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten im neuen Kabinett Baldwin zweifellos nicht Sir Austen Chamberlain heißen. Dort hat Poincars bei der letzten Kabinettskrisis die raditalen Minister ausgebootet und Leute von rechts in sein Ministerium hineingenommen. B r i a n d spielt seitdem ganz offensichtlich und nur zu bereitwillig das außenpolitische Paradepferd am Zügel des Ministerpräsidenten, der sich für diese Reitkünste durch Abgabe des Finanzministeriums die Hände freigemacht hat. Diese Situation scheint uns für die Beurteilung der Aussichten Deu.fchlandS bei der Zusammenkunft in Lugano und den folgenden Reparationsverhandlungen wesentlicher zu fein, als die Parlamentsreden, die dte beiden Außenminister vom Stapel gelassen haben und denen nur deshalb erhöhte Bedeutung zukommt, weil sie g-eigen, d aß Briand sowohl wie Chamberlain mit gebundener Marschroute nach Lugano gehen. Seit des Reichskanzlers Müller Genfer Besprechungen besteht zwischen den Der- sailler Dertragspartnern eine einschneidende Kontroverse in der Frage des Verhältnisses von Reparationen und Rheinlandräumung. Das gemeinsame Kommunique über die Genfer Vereinbarung zur Einsetzung eines Sachverständigenausschufses für die Reparations- fragc sprach auch von Parallelverhand.ungen über die Rheinlandräumung. Die Auslegungskünste der Alliierten haben es nun seitdem sich angelegen sein lassen, beide Probleme, Reparationen u nd Rheinlandräumung, miteinander zu verquicken, und zwar in dem Sinne, daß die Räumung des besetzten Gebiets womöglich auch nur die der zweiten Zone, von uns durch Zugeständnisse in der Reparationsfrage erkauft werden müsse. Zur wirksamen Unterstützung dieser Taktik sind dann die Franzosen soweit gegangen, zu behaupten, daß Deutschland aus dem Versailler Vertrag keineswegs ein Recht herleiten forme, die Räumung des Rheinlandes zu bedangen, ehe nicht die Reparationsfrage gelöst sei, ja nicht eher, als die Reparationen b e z a hl t seien. 3n England, wo offenbar zwischen den einzelnen Ministerien leine allzu enge Tuchfühlung herrscht hat der Schahkanzler Winston Churchill diese Porncaresche These abgelehnt und erklärt, von einem Ab» hängigkellsverhä tnis zwischen Räumung und Reparation könne leine Rede fein. Die Regelung der Reparalionssrage muffe nach rein finanziell- wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen u rd stehe keineswegs im Zusammenhang mit der r in politischen Frage der Rheinlandräumung. Chamberlain hat sich nach seiner Rückkehr aus bem Urlaub vermuilich auf einen Wink des Botschafters Tyrrell beeilt, die Ketzerei seines Kollegen im Schatzamt wieder auszubügeln. Mit einer Entschiedenheit, die selbst in Paris überrascht hat, erklärte er, daß noch fein rechtsverbindlicher Rachweis für die Dehaupiung geführt worden sei, Deutschland habe alle vertragsmäßigen Verpflichtungen in der Weise erfüllt, daß es auf Grund des Arii.els 431 die Rheinlandräumung vor Ablauf der im Vertrag festgesetzten Fristen als fein Recht fordern könne. Ja der britische Außenminister verstieg sich zu der Behauptung, der Arti el 431 könne erst dann überhaupt wirksam werden, wenn Deutschland die Gesamtheit seiner Reparationen erfüllt habe. Das heißt mit ande.en Worten, die alliierten Truppen können das Rheinland a uch über 1 935 hinaus besetzt halten, da es ja völlig ausgeschlossen ist, daß bis zu diesem Zeitpunkt alle Reparationsverpflichtungen abgegolten sind, und obwohl es ja gerade der Zweck des Dawesplans und der jetzt beginnenden neuen Verhandlungen ist, diese Verpflichtungen auf eine Zeitspanne zu verteilen, die der deutschen Wirtschaft eine Abgeltung überhaupt möglich macht. Die ganze Sinnlosigkeit und älngereimtheit der Chamberlainschen Auslegung wird aber erst deutlich, wenn man sich den Wortlaut des Art. 431 des Versailler Vertrages und des Kommentars, den die Plrhebers dieses Vertrages in dem berühmten -Uebereinfommen Clemenceaus, Lloyd Georges und Wilsons vom 16. Juni 1919 diesem Artikel gegeben haben,, vergegenwärtigt. Der Artikel 431 bestimmt: „Wenn Deutschland vor Ablauf der 15 Jahre allen Verpflichtungen Genüge tut, die ihm aus dem gegenwärtigen Vertrage erwachsen, so sollen die Desatzungstruppen unverzüglich zurückgezogen werden." Und in ber oben erwähnten Abmachung wird dieser Passus dahin erläutert: „Die alliierten und assoziierten Mächte beabsichtigen nicht, die Zeit der Besatzung auszud.hnen, bis die Reparationsklauseln vollständig ausgeführt worden sind, da sie annehmen, daß Deutschland sich verpflichtet fühlen wird, jeden Beweis seines guten Willens und jede notwendige Garantie vor Ablauf der 15 jährigen Zeit zu geben.“ Aber das Ei ist klüger als die Herme, Chanrberlain weih es besser als Lloyd George, der Vater des Versailler Vertrages und plnterzeichner dieser eindeutigen Auslegung seiner Bestimmungen. Es ist natürlich kein Wunder, wenn Paris diese brillanten Sekundantendienste Sir Austens lebhaft applaudierte. Briand hat bann in seiner Kammer rede selbstverständlich in dieselbe Kerbe gehauen. Sie läßt an Tlnfreundlichkeit gegenüber Deutschland nichts mehr zu wünsch en übrig, als seine Genfer Rede. Wiederum erklärt er, daß Deutschland den Locarnopakt unterzeichnet habe, ohne daß ihm mit bezug auf die Räumung irgend etwas zugesichert worden sei. Frankreich habe alle deutschen Wünsche nach einer QlenLe- rung des Regimes im besetzten Gebiet erfüllt Wichtiger als diese durch die stete Wiederholung nicht richtiger werdenden Behauptungen sind riands Bemerkungen über Oesterreichs Anschluß an das Reich. Kaum noch verhüllt, droht Briand den Anschluß gegebenenfalls mit Waffengewalt verhindern zu wollen, und bestreitet dem österreichischen Volte fern Selbst- bestimmungsrecht mit dem läppischen Einwand, an ein Selb st mordrecht habe man niemals gedacht, als man angeblich für die Selbstbestimmung der Völler zu Felde zog. Wenn sich hier der Außenminister Frankreichs zum Vormund des österreichischen Volles aufwirft und schon den Fall konstruiert, baß bem Anschluß vielleicht eine kleine Minderheit ablehnend gegenüberste, en könnte, so wird man ernstlichen Grund zu der Befürchtung haben müssen, daß hier schon der Keim zu neuen Vorwänden gelegt werden soll, die Rhünlandräumung weiter hinaus- zuschleppen, auch wenn die Reparationsfrag? aus dem Wege geräumt ist. Die Situation, die der Rcichsaußcnminister in Lugano vorfindet, ist also äußerst h ikel. Er wird sich einer Einh itsfront der beiden Locarnopartner gegenüber finden, die bestrebt sein werden. den ganzen Fragenkomplex von Räumung, Reparation unb Sicherheitsgarcnrtim zu einem unentwirrbaren Knäuel zusammenzuziehen. Darin liegt eine außerordentliche Gefahr für Deutschland, dessen Interesse dahin geht, unter Bei seit e- schiebung aller anderen Probleme, deren Erörterung sich im Augenblick durch schärfste H eraus- arbeitung der Gegensätze in den rechtlichen Grund- auffaffungen heillos scstgefähren hat. lediglich dasReparativnsProblem, die Revision des Dawesplanes, zur Diskussion zu stellen, llnb hier haben zunächst allein die Sachverständiger das Wort. Wir tun gut daran, von der Lugano- zusarnmeniunst nichts zu erwarten und wir möchten glauben, daß auch ötrefemann lieber mit leeren Händen nach Hause zurückkehren wird, als mit einem Sack von Versprechungen, deren Realisierung von deutschen Vorleistungen ao- hängig gemacht wird unb um bie wir uns schli.h- llch genau so betrogen fühlen werben, wie um bte m ßoearno zugesagten „Rückwirkungen". Stresemann wird die einmalige Zustimmung des deutschen Volkes finben unb barf auch bes vollen Einverständnisses bes Rheinlandes sicher fein, toenn er zur rechten Zeck lieber ein eljr* leches Rein findet, als ein falsches 3a, Oie Ratstagung -es Völkerbundes. Aohlenkonkingenk iff Veukfchlcm- ebenfalls r in feinen Zugeständnissen bis zur Höchstgrenze ge- ; gangen. Trotz der loyalen Haltung von deutscher Seite sind die Polen scheinbar nicht zu bewegen gewesen, ihrerseits auch nur eine einzige bindende Zusicherung in bezug auf die deutsche Wirtschaft zu machen. 7Nan ist vielmehr offenbar von dem Standpunkt ausgegangen, daß sich Polen vorbehalten könne, über die deutschen wünsche später zu entscheiden. Es muh dazu gesagi roeren, dah zwischen den verschiedenen mahgebenden polnischen Stellen weitgehende Tlleinungsunterschiede und Unklarheiten über die eigentlichen Ziele und Absichten zu herrschen scheinen, die der Schaffung einer handelsverlragsgrundlage so ungünstig wie möglich sind. Sache der Polen wird es seht fein, bis zum 16. Dezember diese Unklarheiten zu überwinden und ihrerseits durch eine u n - mitzoer st Südliche Leantwortung der deutschen Vorschläge zu beweisen, ob ihnen überhaupt an der Schaffung einer Verhandlungsgrundlage gelegen ist ober ob es auf eine für Deutschland untragbare Verschleppungstaktik hinaus will. Es ist ferner zu hoffen, dah die polnische preffe nicht weiter sortfährt, die Atmosphäre in unverantwortlicher Weise zu trüben. poinrarö lehnt eine Ratifizierung der Schuldenabkommen ab. London. 7. Dez. (Priv.-Tel.) Der englische Finanzminister Churchill hat im Laufe der jetzigen Deparallonsbesprechungen den Versuch ge» mach*, P oincarö dazu zu bewegen, die zwischen Frankreich und Amerika und zwischen Frankreich und England abgeschlossenen Schuldenabkommen Ku ratifizieren. Es handelt sich dabei um das sog mannte D6ranger-Mellon- Abkommen und um dns Caillaax-Churchill-Ab- kommen. Beide Schuldenabkommen sind praktisch in Kraft getreten, tragen aber noch einen provisorischen Charakter, da sie der Rcllisckation durch die gesetzgebenden Körperschaften ermangeln. Poincarö hat das englische Ersuchen nach Pariser Pressemeldungen damit erwidert, dah er eine Ratifikation ablehne, da er nicht willens sei, den D e st a n d seiner Regierung im Parlament auss.Spiel zu setzen. England verspricht sich von einer solchen Maßnahme offenbar eine aktivere Mitwirkung der Vereinigten Staaten bei den kommenden Verbanblungen über die Repa- rationsfrage. Amerika hat aber von vornherein erklärt, daß die ameri anischen Vertreter lediglich als Privatleute an diesen Beratungen teilnrhmen würden, ohne ihre Regierungen im geringsten zu binden. tlm den parieivorsitz im Zentrum. Drei gleichberechtigte Parteivorsitzende. Köln, 7. Dez. (Tel.) Der Parteivorstand des Zentrum- trat zu einer Beratung über die Wahl des neuen Parteivorsihenden an Stelle des aus seinen Wunsch aus Gesundheitsrücksichten ausschcidenden ehern. Reichskanzlers Dr. Marx zusammen. Rach mehrstündiger Aussprache beschloß der Reichsparteivorstand einstimmig, den Abg. Joos dem Parteitag als Parteivorsihenden vorzuschlagen. Diesen Beschluß deS Reichsparteivorstandes hat der am Abend wieder zwsammentretende Reichsparteiausschuß ohne Aussprache durch Aklamation ein - stimmig gutgeheihen. Der Abg. Joos war somit als einziger Kandidat für die Wahl be8 Parteivorsihenden vorgeschlagen. Der Abg. Joos hatte sich Bedenkzeit auserbeten, um sich mit seinen Freunden aussprechen zu können. Es wurde In die Verhandlungen des Reichsausschusses zu diesem Zweck eine Pause eingelegt. Der Abg. Joos erklärte nach eingehender Rücksprache mit seinen Freunden, daß er nicht in her Lage sei, das Amt des Parteivorsitzenden anzunehmen. Er selbst machte den Vorschlag, der Reichsparteiausschuh möge dem Parteitag empfehlen, das der neue zu wählende Reichsparteivorstand aus seiner Mitte drei Vorsitzende mit gleichen Rechten wähle. Ein dahingehender Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Oie Revision in der Ieststellungsklage der Arbeitgeberverbände. DuiSburg, 7. Dez. (WB.) Wie gemeldet wird, ist die Revifionsbegründung der Feststellungsklage des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe gegen die Me- *allarbeiterverbänbe fertiggestellt und wird Anfang nächster Woche dem Reichsarbeitsgericht überfanbt. Rach § 33 des Arbeitsgerichtsgesetzes kann die Revision nur darauf gestützt werden, daß das Urteil des Landesarbeitsgerichts auf der Richtanwendung oder der unrichtigen Anwendung einer gesetzlichen Bestimmung oder einer die Regelung der einzelnen Arbeitsverträge betreffenden Bestimmung eines Tarifvertrages beruht. Meine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident gab ein Essen zu Ehren der Reichsregierung, an dem der Reichskanzler und die Reichsminister, der Präsident und die Vizepräsidenten des Reichstags, der Präsident des Reichsgerichts, der Präsident des Rechnungshofes, der Präsident der Reichsbank, der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft, die Bevollmächtigten zum Reichsrat, die Chefs der Heeres- und Marineleitung und die Staatssekretäre des Reichs mit ihren Damen teilnahmen. * Der österreichische Bundespräsident M i k l a s beantwortet« das Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten v. Hindenburg mit folgender Depesche: „Die Glückwünsche, die Sie mir im eigenen Ramen und in dem des deutschen Volkes anläßlich meiner Wahl zum Bundes- Präsidenten entboten, bewegten mich tief. Mit meinem innigsten Danke verbinde ich meinerseits die herzlichsten Wünsche für Ihr Person- liches Wohlergehen und für eine glanzvolle rper. Der junge Mann hat an Hals, Armen und Deinen schwere Brandwunden DaDonge.ragen und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Brand in einer Telephonfabrik. In der Fabrik der Firma iScLcfion Elektrische Kornmandit-Gesellschaft in Prag brach ein 'Brand aus. Der den elektrischen Trakt des Fabrikgebäudes zum größten Teil vernichtete. Man vermutet, daß das Feuer durch Explosion eines Lackiererofens in der Lackie.abtc'v- lung entstanden ist. Der Schaden wird auf sechs Millionen Kronen geschäht. Er ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Dem Brande ist auch eine für das Postamt in Znaim bestellte und fast fertiggestellte große Telephonzentrale, deren Wert allein auf etwa andrrthall» Millionär Kronen geschätzt wird, zum Opfer gefallen. Ein verhängnisvoller Schuß. In Eutweilrr bei Alsdocf l>ermu ein Einwohner in seinem nachts heim kehrenden Sohne einen Dieb, der in seinen Hühnerstall eindringen wollte. Als der Sohn nicht sofort aus einen Anruf antwortete, schoß er kurz cn schlossen und traf den Sohn, der mit lebensgefährlichen Verletzungen zusammenbrach. Ein« drastische Maßnahme für die Hebung der Landwirtschaft. Der Präfekt der römischen Provinz Caltanissetta hat dem fllrsllichen Geschwisterpaar Pignatelli d i e Verwaltung ihres Großgrundbesitzes entzogen und sic dem faszistlschen Provinzial- verband der Landwirte übertragen. Nach dem „Piccolo" ist diese Maßnahme angeordnet worden, well die Fürsten ihren Pächtern keine Saaten geliefert haben, so dah mit der Felddestel- I u n g nicht begonnen werden konnte. Der Provinzialoerband wird den Großgrundbesitz zwar auf Rechnung der Besitzer, aber nach eigenem Gutdünken verwalten, also auch Meliora- Honen vornehmen. Schphkanzler Churchill Mitglied einer Gewerkschaft. Der britische Schatz Kanzler Winston Churchill wurde Mitglied der Vereinigten Gewerkschaft der Bauarbeiter. Er hat seinen Eintrittsbeitrag bezahlt und wird eine Mitgliedskarte erhalten. Bekanntlich ist Die Beschäftigung mit Maurerarbeiten eine von den vielen Liebhabereien ChurchkllS. Der Dellritt Churchills erfolgte auf eine scherzhaft gemeinte Einladung Sines Sekretärs der Gewerkschaft hin. Der Generalsekretär des Verbandes, Hicks, erklärte: schätzen Den Geist, bt Dem Churchill unsere Einladung an genommen hat." Oie Wetterlage. «tat- TOrdöyäSi — ^76 •6 ' Mtarandtj rreitaa. d.7.(Sezfr.l928.7h afrds. V*»"1 S ;oyo 73^1 ocd^Ä—y v HT3 OWomenfetO netw q nw oeat<*i ® -oieio. e otctcei •i'tfltw # Sehnte o Orauptm • ntPti X 6e*inotgfalt die Lurmark-Privatpackung deren Preis croy der künstlerisch besonders üomefr men Ausgestaltung nur MK. 8.- betrügt. Ihnen wird durch Die LurmarK - PrldatpacKung. enthaltend 100 Burmarh'Zigaretten, die Möglichkeit gegeben, Jbttn freunden ein persönlich gehaltenes Fettgelchenk ohne Preisauttchlsg )U machen, tae überall mit LrcuZcn aukgcnomrnen werden wird. 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Hin fr» wichtiger ist es, auf die Aussage der Geschichte zur Frage der räumlichen Aufteilung zu hören. Denn eben aus der Geschichte sprechen die Lebensbedürfnisse des Volkes aus Jahrhunderten zu uns. Wenn wir durch sie hindurch sich wiederholende Kombinationen des landschaftlichen Zusammenlebens beobachten können, dann werden wir mit Recht dahinter be- barrende Mächte, Tendenzen zum Zusammengehen dieser Landschaften annehmen. Diese Tendenzen aus der Geschichte in vorsichtiger Interpretation herauszulosen, scheint mir heute eine wichtige Aufgabe des Historikers. 3d) gebe im Folgenden eine Skizze, wie die Dinge sich in Westdeutschland gestaltet haben, welchem Hessen angehört. Westdeutschland, das ist — im weiteren Sinne genommen — das Rheinland. Dos Hrsprungs- gebiet und das Mündungsgebiet find politisch ausgeschleden, innerhall» der deutschen Reichs- orenzen aber gliedert sich das Rheinland in schönem Rhythmus von Ebene, Gebirge und Ebene in drei Zonen. Zwischen Ober- und Niederrhein ist die mitteldeutsche Gebirgswell« geschoben, darin das alte Hessenland liegt. Dieser Rhythmus wiederholt sich im großen ganzen hinsichtlich der ältesten Kulturflächen, des Klimas, der Boden güe. Die Gliederung aber, welche die Menschen im Laufe der Geschichte Westdeutschland für die Zwecke ihres Zusammenlebens gegeben haben, deckt sich damit nicht völlig, ob wir die mit organisatorischer Absicht geschaffenen Räume oder die einer unbewußt erwachsenen kulturellen Einheitlichkeit ins Auge fassen. Ebene und Gebirgsland sind gerade durch ihre Gegensätzlichkeit darauf angewiesen, einander zu suchen. 3n der Tat erkennen wir neben Perioden der 3solierung überwiegend solche des Hinstrebens der beiden Landschaft Karten zueinander. Wir fragen, noch welcher Richtung diese Tendenz in unserer Landschaft gegangen und welcher gemeinsame Lebensraum in ihrer Auswirkung entstanden ist. Zu der großen Lebensader des RheinS öffnet sich das Hessenland trotz der dahinweisenden Lahn keineswegs willig. Nach der nördlichen, vom Niederrhein her streichenden westfälisch- niedersächsischen Ebene ist es gut und klar abgesetzt, freilich nicht abgeriegelt. Thüringen im Osten ist ein LebenSraum für sich. Von Süden aber bricht östlich des Taunuswalles die Oberrheinebene durch die Wetterau in Hessen ein. Hier öffnet sich das Dergland in breiter Pforte zu dem großen Strome, hier haben die beherrschenden, uralten Strahenzüge des Hessenlandes ihren Eintritt: die vom Oberrhein zur unteren Weser und zum Meere und die vom Oberrhein nach Thüringen und dem Osten. Diese natürlichen Voraussetzungen spiegeln sich in der Geschichte. Keineswegs ungetrübt und dauernd', die Geschichte verläuft ost gegen sie; aber dennoch treten sie immer wieder hervor. •) Dgl. Teil I. in Nr. 287 des G. A. vom 6. Dez. und den Aufsatz Klute: „Geographische Voraussetzungen" in Nr. 283 und 284 des G. A. vom 1. und 3. Dezember 1928. Das erste etwa, was wir von den Chatten tioren, ist einerseits, daß sie mit den Cheruskern m Niedersachsen verfeindet sind, andererseits, daß sie einen Tell durch die Wetterau bis in den Rheingau um Wiesbaden vorgelrieben haben. Das Cingrei.en der Römer bis vom Mittelmeer her durchschnitt diese enger-landschafllichen Zusammenhänge und zog am Rvrdrand der Wetterau den Limes, ohne daß die Chatten deswegen Verbindung nach Norden gesucht hätten. 3n der Völlerwanderungszeit finden sie dann wieder den Austritt nach Süden hin. 3a sie treten in so nahe Beziehungen zu den F r a n k e n am Rhein, daß man sie diesem Stamme zugezählt hat. 3hr Leben ist nun völlig durch die Beziehungen zum Rhein, namentlich zum Oberrhein, bestimmt. Dort liegt das reichere Kulturland, dort liegt dec Schw^rpunki des Staates. Die Grenze gegen Sachsen wird in der merowingischen Zeit stark nach Limesart befestigt, wie die längsten Ausgrabungen in Düraburg zeigen. Vom W e st c n her bringt Bonifazius das Christentum. Das erstemal wanderte er von Trier her die Lahn heraus, aber am Ende wird Mainz nicht nur die Metropole, sondern, indem es die Bistümer Düraburg und Erfurt in sich aufgehen läßt, der Diözesan Hauptort für Hessen und Thüringen. Damit sind die Beziehungen zum Oberrhein verstärkt und Zusammenhänge begründet, welche durch 3ahr- hundcrte entscheidungsvoll gewirkt haben. Man muh sich vor Augen hallen, daß die Kirchen nicht allein Vermittler der Heilslehren, sondern auch dec geistigen Bildung, der Kunst, dazu große Grundherren gewesen und endlich Territorialherren geworden sind, um die Bedeutung der im achten 3ahrhundert begründeten Verbindungen recht zu würdigen. 3n allen diesen Eigenschaften wirkte Mainz immer wieder innerhalb des Rahmens etwa feiner Diözese. Trier griff vom Mlltelrhein her noch ein Stück die Lahn herauf, als Bistum bis zum Schiffenberg, als Territorium nur bis Limburg. 3m Norden lag Kölner und Paderborner Gebiet, eine ganz andere Welt, mit der sich Hessen wohl nachbarlich berührt« oder rieb, nicht aber durchdrang. Den Main hinauf war Würzburg das nächste Zentrum, mit dem Mainz um den Einfluß in dem zwischenliegenden Raum ringen mußte. Als alte und reiche Macht, als der erste Sitz Deutschlands, hatte es eine günstige Ausgangsstellung, so daß es noch jenseits des OdenwaldeS, um Aschaffenburg und Millenberg, seine Position behauptete. Nach Süden hin lag die Diözese- grcnze nahe vor Mainz. Aber in dem aller natürlichen Querbarrierrn entbehrenden Ober- rheingraben ging dessen Einfluß noch weiter. Worms und Speyer waren schwache Rivalen. Erst im Hochmittslalter entstand ein ebenbürtiger in der Pfalz mll dem Zentrum in Heidelberg. Wieweit das nördliche Oberrh:ingebiet Im Zusammenhang mit der Welterau und Hessen zu einer Kulturprovinz werden sollte, ist wesentlich dadurch bestimmt worden, wo die Kräfte von Pfalz und Mainz zur Balance kamen. Auf dem linken Rheinufec gehörte noch, in glücklichem Anschluß an die natürlichen Voraussetzungen, das Nahetal bis zum Riegel des Hunsrück zur Mainzer Sphäre. Was wir hier umschrieben haben, ist ziemlich genau das Gebiet, dessen mittelalterliche Kunst die Darmstädler Ausstellung des Sommers 1927 als einheitliche Kunst zusammengefaht und unter dem Namen der „Mittel rheinisch en" vorgesührt hat. Rur war dort das Saar-Mosel-Lahngebiet einbezogen. Man könnte über diese Einbeziehung schon auf dem Gebiete der Kunst streiten, auf anderen gilt sie gewiß nicht. Ohne Zweifel ist aber der von uns beschriebene Raum als kulturelle Einhell während des Mittelalters in gewissem Maße erwiesen. Das war er zum Teil wohl auf Grund Verwandler Veranlagung und gemeinsamen Erlebens, zum . Tell gewiß, weil er dem beherrschenden Einfluß des einen Mainz unterlag. Mainz war ja vor allem die politisch führende Macht. Bis an die Sachsengrenze hin umspannte es das ßanb mit dem Gürtel seiner Burgen, indem es zugleich Thüringen mit beherrsch:«. Geschlossen ist diese Herrschaft so wenig wie die eines anderen westdeutschen Territoriums damals gewesen. Aber auch wenn man die Hn- vollkommenheit in dieser Beziehung und die schweren Hindernisse, welche einer vollständigen Abrundung im Wege standen, gehörig in Anschlag bringt, so kann man doch nicht übersehen: im Hochmittcl'.lter zeichnet sich ein« Möglichkeit ab, da ß das Rhein-Main-H essen - land von Mainz her, vom Rbft.ie her, e i n e z u sa m men lassende st aa tlich« Organ i f a t i o n erhält. Der eine Hauptgrund, daß es nicht dazu gekommen ist, liegt m dem besonderen Charakter des Mainzer S.aatswesens: schon im Spätmitlel- aller fallen allgemein die geistlichen Fürstentümer hinter die weltlichen zurück, welche vom dynastischen Gedanken angetrieben werden. Das Erzstift versagt für di« gestellte Aufgabe. Die von chm geführte Epoche wird abgolöst durch eine Kampfzeit, in welcher sich die Berglandschaft von der Vormundschaft der Oberrheinebene emanzipiert. Die Landgrafen von Hessen (nachdem die wenig begründete Gemeinschaft mit Thüringen in Zeilen der heiligen Elisabeth gelöst worden war) drängten Mainz aus Hessen hinaus, das sie zugleich territorial zulammensaßten. Die nun schon al gewohnte Verbindung zum Rhein hin droht abzureißen. Aber noch mllten üi diesem Kampfe begriffen, im 3nnern erstarkend, streckt Hessen nun seinerseits die Hände nach dem Rhein aus. 3m 15. 3ahrhundert faßt es gleichzeitig am Niederrhein (Rheinfels) und am Oberrhein (Darmstadt) Fuß. Zu der ersteren Position ist bezeichnenderweise nie eine Landbrücke geschlagen worden, sie wird nicht ausgebaut, dann überhaupt aufgegeben. Hm so deutlicher ist das Streben der hessischen Politik in den folgenden Jahrhunderten zu erkennen, von dem alten Kern die Verbindung zu den Erwerbungen am Oberrhein herzustellen. Dürfen wir von einer Periode sprechen, in welcher der Versuch von Mainz nun mit ganz veränderten Vorzeichen, unter westlicher, hessischer Fahne, wiederholt word.n ist? 3ch glaube, man kan r derart den 3nholt des politischen Erlebens des rhftn-main-yessischen Raumes in der Neuzeit kurz zusammen, assen, wenn man betrach'et, wie Hessen-Darmstadt im 17. und 18. 3ahchundert mit kleinen Erwerbungen, am Ende des alten Reiches mit größeren Stücken die Lücke zwischen Oberhessen und Starkenburg auszasüllen bemüht ist, und endlich 1816, nachdem es zeitweise von Frankreichs Machtwillen nach Norden (Siegen, Biedenkopf) abgedrängt worden war, auch die territoriale Basis des alten Gegners, Rheinhessen, damll vereinigt. Daß dieser Prozeß nicht rascher und erfolgreicher verlaufen ist, daran trägt Schuld zuallererst die Schwächung, welche sich das Haus Hesien selber durch die Teilung im 16. 3ahrhundert bereitet hat. Daneben ist die Verwurzelung des Erzstifts Mainz in der Reichs- Verfassung, die Rivalität der Pfak und die Fülle der Hindernisse zu nennen, die in den alteingefahrenen Zuständen des Reiches lagen. Die rein dynastisch begründete Tellimg Heftens hat zugleich di« Folge gehabt, daß Niederhessen mit seiner peripheren Hauptstadt Kaftel baS Gesicht mehr nach Norden wandte, al8 eS im Gesamtverband getan. Diese Blickrichtung ist fixiert worden, als Preußen 1866 Kur heften annektierte. Das Eingreifen Preußens in das territoriale Problem des rhein-main-hesfischen Gebietes durch die Annexion von Kurhessen und Nassau hätte nochmals der Anfang zu einer Neugestaltung vom Dergland Hw sein können. Aber die Reichsgründung hat auch hier den Zustand verewigt. Weder Preußen noch das mit dem Schwerpunkt < n dm Rhein hinabgewa Berte Hessen haben seitdem Die Eiu.wicki.ung unter dem territorialen Zeichen Wellerführen können. So blieb das Gebiet in einer Gliederung liegen, wie sie so unvollkommen und hinderlich kaum irgendwo in Deutschland anzutreffen ist. Man kann nicht leugnen, daß sie das Ergebnis der Geschichte ist. Man muß aber auch feststellen, daß sie ganz Gießener Gtadiiheater. vayard Bettler: „Ter Prozeß Mary Tugan". Hm es zuvor zu sagen: von den drei K.iminal« stücken, die wir nun rn letzter Zeit hier zu sehen belommen haben, hallen wir auch jetzt noch den „Hexer" von Wallace für das beste; aber wir glauben, daß Deiller in diesem „Prozeß Mary Dugan" seinen „Dreizehnten Stuhl" über» boten hat. Mll dem dieses neue Drama übrigens manche Verwandtschaft und motivi che Heberein' i mnun- gen aufweist. Mehrfach hat man sogar den Eindruck, als habe der Autor bei der Erfindung des zweiten Falles nicht sehr viel Phantasie aufgebracht. (Man möge das selbst an Hauptmotiven vergleichen.) Aber er, gibt hier die Spannung nicht wie dort vorzei.ig preis; b.eses neue Stück ist dramatisch straffer und theatraft ch vergleichsweise wirksamer. Weil Dell er sich sichtlich bemüht, sachlicher und „wirllicher" zu arbeiten. Dies freiftch mit allrn irgend erlaubten Mitteln. Hnd in einem Reiher sind ja viele Mittel erlaubt. Wan muh sich an manches hier erst gewöhnen. Man müßte eigentlich, sachkundiger Würdigung halber, einen Rechtsbeistand gutachtlich zur Kritik heranziehen. Wir sind jedrn'alls Herrn Rechtsanwalt Dr. Alsberg für die im Programm veröffentlichten Anmerkungen zum Stück von seinem Zachstandpunkt aus, woraus hier angelegentlich hingewiesen sei, sehr dankbar. Wir fühlten unß recht erleichtert, als wir an der Spitze seiner Erörterung den Satz fanden: „Das ist bei uns unmöglich" In der Tat. soweit unsere geringen Erfahrungen in Gerichtsverhandlungen reichen: bei uns geht das alles sehr viel anders zu. Wan muß sich an den überaus liberalen, ungezwungenen, stellenweise recht formlo en und fast gemütlichen Ton in bleiern Schwurgericht erst gewöhnen. Auch an die Prozetztechnik, die auf ein Duell -wischen Staatsanwalt und Vertftdiger Anausläust, während der Vorsitzende gewisser- maßen als Hnparteiischer milde und ziemlich untätig über den Wolken thront und nur gelegentlich eine meist, rein formale Entscheidung zur Geschäftsordnung in die Debatte wirft. Wir kennen die amerikanische Rechtspraxis -nicht und müssen also vorauösetzen. daß dort alles so zugeht, wie es hier gesch.lbert wird. Es kommt uns ja auch toemgee auf die juristische Haltbarkeit und auf die etwa zu erwägende tigere Bedeutung an, die Kritik oder Satire einschließen tonnte. Cs kommt hier für uns tn erster Linie auf das Stück an. Und man soll, wie wir glauben, das Stück nicht überschätzen. Es macht im ganzen nicht den Eindruck, als ob es etwa soziologisch obcc gesellschaftskritisch sehr ernst genommen werden möchte. Sondern es macht den Eindruck, als ob es dem Puöllkum um jeden Preis etwas bieten mochte. Es bietet etwas, daran kann gar nicht gerüttelt werden. Es hat nicht umsonst überall solchen Erfolg und kassenstärkend« Serienaufführungen erzielt. Lassen wir die formalen Bedenken beiseite». Sprechen wir auch nicht von den mancherlei sachlichen Fragen und Einwänden, die im Lau e des Abends auftauchen, und denen man nicht nachhängen darf, wenn man nicht den Gang der Verhandlung verlieren teilt Was bleibt dann übrig? Ollles. was das moderne Publi.'u n heute von einem Kriminalstück verlangt, mit aller Aufmachung, allem Bluff, aller Heöerraschung. allen Tricks, allen der Wirklichkeit abgestohlenen Zwischenfällen des Hauptfalles. Schon beim Eintritt: offene Szene. Blick in den Saal. Gerichtsbeamte. Scheuerweiber. Reporter. Publilu.n. Dann die Verhandlung setost. Ein Mordprozeh. Mary Dugan ist angeklagt, ihren Geliebten, einen reichem verheirateten Herrn, umgebracht zu haben. Mit einem Messer. Nachts, von hinten, Sllch in den Rücken. Aus Eifersucht. Eße di« Verhandlung beginnt, wird ein ähnlicher Fall abgeurieilt Todesurteil, Die Angeklagte wird wild schreiend hinausgebracht. Das Publikum ist nun vollends auf das Eigentliche, auf den zweiten Fall, auf Mary Dugan und ihre bunfffe Geschichte vorbereitet. Die Verhandlung mit allen denkbaren Möglichkeiten, neuen Wendungen. Spannungen. Anscheinend erdrückendes Material gegen die junge Frau. Zeugenau. marsch. Nieder egu.g d r Q3er ecLigunj. Der neue Verteidiger, prompt und nicht von Gerichts wegen bestelll, kam zuvor aus dem Zu- schauerraun erregt auf die Szene gesprungen, entpuppt sich als B.uder der Qlngeflagten. Eine Delastungszeu^in wird überraschend unwirksam gemacht. Eine andere, die Gattin des Ermordeten, schwer verdächtigt. Eine neue Verhaftung droht.. Die beidrn Frauen, um die es hier vor allem geht, stehen sich gegenüber, ganz dicht voreinander, bis die eine mll versagenden Nerven zusammenfällt. Die Photographien vom Tatort werden groß aufgestellt, Pelz und Nachthemd der Angeschuldigten herbeigebracht, die Tat selbst am Modell wiederholt. Hnd dann das Verhör, diese furchtbare, aufreibende, peitschende, hetzend« und peinigende Fragefolter, mit der sich Verteidiger und Staatsanwalt wechselweise auf die verstörte, verängstigte, zitternde, weinende und halb ohnmächttge Frau stürzen, die des Mordes angeklagt ist. Hnd dann die Lösung, diese trotz nwtivischen Wiederholungen überraschende, überrumpelns«, jähe Schlußwenbung, die das Ende dieses Prozesses bedeutet, und die natürlich hier nicht einmal angedeutet werden darf. e Die Aufführung war ausgezeichnet. 3ntenbant Dr. Prasch hat aus Dem Stück das Letzte her- auSgeholt. Alle Möglichkeiten erschöpft, keine Nuance verpaßt, auch die kleinste Rolle vorzüglich untcrgebracht, das Publikum sogar als stumme Statisterie h.rangezogen und das harmlose Parkett in Geschworenenbänre verwandelt, an die mehr als eine bewegliche Ansprache mit schwerwiegenden Argumenten beredsam gerichtet wurde. Niemand hätte sich getounbert, wenn er plötzlich aufgerufen worden wäre, vor den Kadi zu treten, feine Meinung zu sagen und feine laienhafte Stimme ins Gewicht zu werfen. und gar nicht der Ausdruck der in der Geschichte sich manifestierenden Dedürsnisf« der Landschaft nach ©liebei ung und Einreihung ist. Daß die Geschichte vielmehr, selbst im raschen Heberblick gesehen, wertvolle Fingerzeige bieget, wonach diese Bedürfnisse drängen, glaube ich gezeigt zu haben. Als nächsten Bell rag werden wir einen Aufsatz Professor Dr. Momberts übrr „D ieReichs- resorm in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung" veröffentlichen Aus der prvvmzialhaupiffadt. Gießen, den 8. Dezember 1928. Adventszauber. ' Von <3. von Dalheim. Kürzer werden die Tage, immer früher senkt sich die Dunkelheit hernieder, entzünden sich Sternenglanz und Lampenschimmer. Hm viele kleine Leuchten sammeln sich abends viele trauliche Heine Zirkel, die tagsüber vereint im großen, müden Licht zu harten: Zweck sich mühten: Arbeit fürs Brot, Kampf ums Leben. Wie aber nun die Schatten zu fallen beginnen, so weich, wie sonst nie im 3ahr, decken sie auch Mühe und Kummer zu, schläfern sie mll dem tröstlichen Traum ein, den auch Blume und Daum unter Cis und Schnee träumen: Verjüngt, verschönt erwachen, dem alten 03oben in erneutem Liebesstreben frisch« Lebenskraft für edlere Früchte zu entreißen. So stlll, so ruhig fließen diese Tage. Hick) doch beginnt sich jetzt zu fanuneln, in Tropfen erst und bann in schmalem Rinnsal, was halb in breiter Lichtftill aus dem Dunkel brechen wirb: der Strom der Liebe, ber Versöhnung, des Glaubens, zu lange schon zurück- gehalten durch Dämme der Träghell, trübe Wirbel des Eigennutzes. So wie sich sachte alles Welle, Verdorrte vom Baum tost, wie sich Golb von der Schlacke scheidet — so versinkt Kmnmer und ©tarn, Haß und Neid. 3n stillen, unbeschwerten Herzen beginnt es hoffnungssvoh zu klingen, leis und beim- sich erst, aber so abventsgläubig, so weihnachls- gewißl Die Nächte sind hell und lebendig vom funkelnben Glanz unsichtbarer, aber naher Sterne, und die Tage verschwimmen dunkel vor dem Hellen Lichtstreif seliger Erwartung. Auf liebem Grund, in blanken Kinderauaen, ist der Adventsstern aufgegangen, sein Grüßen leuchtet feierlich und zart über Alltagsnot unb Erden- zweisel. Vergessene Melobien erklingen, ihre verhaltene Süße, ihr stiller 3ubel neckt alles, was noch an Liebeslicht, an Glaübensschimmer in matten Herzen schläft: Leise riefelt ber Schnee. Still ruht der Wald mit dem See... Sorge des Lebens verhallt: Freue dich, Christkind kommt bald! Kestvorstettung im Gtadtiheater zur Lichtwoche. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Stadttheater Gießen bringt als große Festvorstellung am Mittwoch, 12.Dez., imRoh- men der W e r b e w o ch e „Gießen im Licht" die erste Opernoor st ellung. Die Oper des Landestheaters Darmstadt gastiert mit „F a t m e" von Friedrich von Flolow. Renato Mordo, der bekannte Opernreg sseur, hat in seiner Inszenierung versucht, das klassische Opernwerk ganz in gegenwärtiges Theater umzusetzen. Die Neuinszenierung hat im Reich sehr großes Aussehen erregt, uni) Darmstadt wurde bereits von den städtischen Bühnen Frankfurts zu einem „Fatme" Gastspiel ausgefordert. Sonntag, 9. Dezember, findet zum letzten Male eine Ausführung von „I n g e b o r g" von Kurt Götz statt. Das Lustspiel geht als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen in Szene. Das erfolgreiche Kruninalstück „Der Prozeß der Mary Dugan" von Bayard Deiller wirb das erstemal am Dienstag, 11. d. IDL, wiederholt werden. Gießener Wochenmarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butler 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 63 bis 140. Wirsing 12 bis 20, Weiß- Prasch hatte die jungen unb neuen Kräfte ins erste Tr.fsen gestellt unb sie bie Entscheidung aus tragen las'en: eine ausgewogene, abgestufte, farbige und be.ebte Bes.el.u ig mll natürlichem Zusammenspiel, aus der bie verschiedenen Tempxra- mente sich gut profiliert abhoben unb gegen» ein an ber stellten. * Man muß sich bei Dem großen Aufgebot etwas kurz fassen unb kann nur bie wichtigsten Leistungen abgrenzen. Trübe Heß hatte bie Dugan. für bie sie nach ber ähnlich angelegten Probe im „Dreizehnten Stuhl" burchaus geschaffen ist. Sie gerät erst spät in ben Mittelpunkt des eigentlichen Spiels, wirkte anfangs manchmal etwas theatralisch, spielle sich aber bann in eine große, echte unb mehr als äußerlich interessante Steigerung hinein. Tanne rt als Staatsanwalt war zuallererst, auch im Mittelakt. sehr gut (obwohl textlich nicht immer ganz sicher), wurde zuletzt aber mit dem Abgleiten seiner Rolle schwächer. W e f e n e r , als wichtigster Gegenspieler, ging mll einer ehrlichen, starken Leidenschaft darstellerisch lebhaft aus sich heraus unb bot eine bis zuletzt sehr gleichmäßige darstellerische Leistung. Arzdorf, erster Verteidiger: knapp, korrekt, überzeugend. Lieselotte Fuhrmann, endlich wieder tn einer, wenn auch nicht sehr bebeuienben Rolle herausstellt, traf die verhaltene Erschütterung unb den zweideutigen Ton einer raffiniert erklügelten Kontrastfigur ausgezeichnet. Eine ganze Reihe sehr lebendiger Chargen. 3m Zeugenaufgebot vor allem die beiden frechen unb ahnungslosen Tanzgirls (Krahm er, 3 a h n), ein grinsender Aiggerboh (2t nf- m a n n), ein aufgeblasener Herrenschneider (CÖ a st e), eine geschwätzige Pariserin (3üng- ling). Ganz famos toirfte in einer winzigen Nolle ber Dramaturg Dr. Ritter, ber einen vertrockneten Gerichtsdiener unglaublich komisch zum Besten gab. — Gareis, Haeser und D o 1 ck von den übrigen. Der große Erfolg war vorauszusehen. Mit beit Hauptdarstellern mußte auch der 3ntenßant ben Dank bes Hauses entgegennehmen. Dr. Th. traut S biS 15, Rotkraut 15 bis 25. gelbe Rüben 10 bid 20, rote Rüben 10 bis 20. Spinat 20 bis 35, Unter Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 btS 60, Feldsalat 103 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 20. Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 63, Kartof eln 5. Aepfel 20 bis 40, Dirnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 103 bis 120, Gänse 90 bis 120, Rüsse 63 bis 83 Pf. das Pfund: Eier 17 bis 18, .Blumenkohl 63 bis 120, Endivien 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 53 Pf. das Stück. Wirsing der Zentner: 10 bis 12 Mk., Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 12 bis 15, Aepfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 20, Kartoffeln 3,80 bis 4,50 Mk. Rücktritt des Offenbacher Oberbürgermeisters. WSR. Offenbach a. W.. 7. Dez. Oberbürgermeister Granzin hat mit der Sladt- vervrdne e -veisammlu: g Vrrhandlunacn eingeleitet, um seinen Rücktritt von seinem 21 int zum 1. Januar 1929 zu ermöglichen. Wie die „Offenbach. Ztg." mitteilt, soll Oberbürgermeister Granzin die ßd.ung einer Wohnungsbau- Äktiengesellschaft in Frankfurt a.M. übemeh.nen, deren Hauptatlivnar die S.adt Frankfurt ist. " Allgem. Deutscher Frauenverein, Ortsgruppe Gießen. Dieser Tage hielt, wie man uns berichtet, die Ortsgruppe Gießen des QlUgem. Deutschen Frauenvereins ihre Monatsversammlung ab. Die Vorsitzende begrüßte die 2lnwesenden und machte einige geschäftliche Mitteilungen. Zur Einführung in die von chr geschriebene Rovelle „Der Kinderfreund", sprach Frau Frieda K l e w i h über die Entstehung und 2Iusbreitung des Bolschewismus in Rußland. Sie betonte, daß gerade Frauen und Kinder am härtesten von den Folgen der politischen Zustände getroffen werden. Die gelockerten Ehegesetze, die leicht erreichbare Scheidung und die nur einjährige Unterhaltungspflicht von feiten des Mannes haben bisher dem Staate eine große Zahl schutzloser Kinder aufgebürdet. Seit 1927 werden die Eheschließungen wieder amtlich registriert. 2lus Mangel an Geld und Wohl- sahrtseinrichtungen wird in keiner Qöelfe für die Unterbringung und Erziehung dieser Schutz, bedürftigen gesorgt. 2lls Illustration zu den geschilderten Verhältnissen brachte sodann Frau Klewitz ihre Rovelle zum QSortrag. Es ist nicht möglich, auch nur annähernd das ergreifende Bild wiederzugeben, das die Verfasserin von dem Kinderelend in Rußland entworfen hat. Die Stadtväter einer Gemeinde sind versammelt, um darüber zu beraten, was mit den obdachlosen, verwahrlosten Kindern geschehen soll. Grausame, sinnlose Vorschläge von Hinmorden und Verderben werden gemacht, ohne zu einem Ziei zu führen. Da plötzlich erscheint eine Apostel- gestalt Im Saal mit dem Ruf: Lasset die Kindlein zu mir kommen? Er will der ohnmächtigen Versammlung die Sorge für die Schutzbedürftigen abnehmen. Rur soll die Stadt die ausgehungerten, zerlumpten Kinder ihm gesättigt und gekleidet übergeben. 2lm Leninstag führt er dann der große Schar der Kleinen, die, von Hoffnung und Glaube beseell, ihm vertrauend folgen, hinaus in die Steppe, wo sie gemeinsam mit ihm unter der sanften Schneedecke hinschlummern zu einer ungewissen Gewißheit, die Rettung und Erlösung für sie bedeutet. ** Vortrag von Pater Wasmann. Der Vorsitzende Des akademischen Bonifatiusvereins konnte ein oollbesetzes Haus begrüßen, als er am Mittwochabend die Versammlung eröffnete, in der der Biologe Pater Wasmann über „Die Entwicklung des Darwinismus in den letzten 50 Jahren" sprechen sollte. Der Vortragende erläuterte zunächst den Begriff Darwinismus", und bezeichnete ihn als die von Charles Darwin begründete Theorie von der Entstehung der Arten durch Zuchtwahl. Man habe den Darwinismus oft verwechselt mit der Abstammungslehre. Das sei eine falsche Verallgemeinerung gewesen. Die schlimmste Verallgemeinerung habe der Darwinismus durch Ernst Haeckel, den Begründer des Monismus, erfahren. Die Lehre Haeckels habe viel Anklang gesun- den, besonders in den Kreisen, denen die christliche Weltanschauung nicht mehr bequem war. Es sei kein .Vorteil für die Abstammungslehre gewesen, daß sie auf diese Weise mißbraucht worden f;i, denn alle konservativ gesinnten christlichen Kreise seien abgestoßen worden: in Wirklichkeit lasse sich die Abstammungslehre sehr gut mit der christlichen Weltanschauung vereinigen, denn es sei vernünftig, zu glauben, daß Gott eine entwicklungsfähige Welt geschaffen habe. Jeder, der die Abstammungslehre auf den Menschen anwende, müsse sich klar darüber sein, daß dies Verfahren hypothetisch sei. Die tierische Abstammung des Menschen sei nicht erwiesen. Die Theorie könne aber nicht abgelehnt wer- oeru Abzulehnen sei aber eine geistige Entwicklung des Menschen aus dem Tierreich. Es fei eine der schwierigsten zoologischen Fragen, zu bestimmen, wann der Mensch in seiner fetzigen Daseinsform geworden ist. Vom naturwissenschafllichen Standpunkt aus könne diesen Zeitpunkt niemand bestimmen. Wer sich die tatsächlichen Ergebnisse der Forschung immer vergegenwärtige, könne nie in Konflikt mit den übernatürlichen Offenbarungstatsachen kommen. Alles, was erforscht wird, werde, wenn es wahr ist, vereinbar fein mit der christlichen Weltanschauung. Nachdem der Vortragende gewisse Zusammenhänge zwischen dem Haeckelschen Monismus und dem heute in Rußland herrschenden Kommunismus beleuchtet hatte, kam er im zweiten Teil seines Vortrags auf die Frage zu sprechen, welche Stellung heute die Wissenschaft dem Darwinismus gegenüber einnehme. Er hob hervor, daß die Theorie Darwins in wachsendem Maße Widerspruch erfahren habe. Insbesondere sei durch die Forschungen des Biologen Mendel In der Vererbungslehre ein Umschwung In den Auffassungen eingetreten. Mendel habe festgestellt, daß es in der Hauvtsache innere Ursachen seien, die die Entstehung der Arten bestimmten. Die Zuchtwahl spiele natürlich dabei auch eine gewisse Rolle. Durch Beispiele aus dem Leben der Ameisen belegte der Redner seine Behauptungen. Nachdem der Vortragende gezeigt hatte, welchem Wechsel die Anschauungen über die Lehre Darwins unterworfen waren, betonte er zum Schluß, daß der Fehler, den man setzt so häufig mache, die Lehre Darwins als wertlos hinzustellen, ebenso groß sei, als der, als man seinerzeit glaubte, eine Wettanschauung darauf aufbauen zu können. In der Aussprache stellte Professor Dr. Messer einige Fragen, auf die der Redner antwortete. Das Ehrenmal für die Gefallenen der Gießener llniversiia'i. Als am 24. November in unserer Universität die Hülle von der mächtigen Bronzetafel fiel, welche die Namen der 320 im Weltkrieg Gefallenen trägt, war ein ernstes, ergriffenes Schweigen: die unmittelbare Wirkung dessen, was das Denkmal aussprach, aber auch — dem Bewußtsein des Beschauers entrückt — die Wirkung einer hohen künstlerischen Leistung: Harmonie und Größe. Die Gießener Stu- dentenschaft hat mit der Stiftung des Werkes nicht nur ihre Toten, sondern auch sich selbst geehrt. Ursprünglich war ein plastisches Denkmal vor dem Vorlesungsgebäude geplant, bis der Entschluß reifte, im Innern des Hauses ei ne Ehrenhalle einHeiligtum des Gedächtnisses, zu schaffen. Dieser Gedanke führte auf das Symbol der Grabvlatte, wie schon die Antike sie verwandte. Im Frühsahr wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt. Der damalige Rektor magniücus, Prof. Rosenberg, gewann den Münchener Maler und Architekten Fritz S ch e r b a u m für die künstlerische Ge- staltung des Ehrenmals. Auftraggeber war die Studentenschaft selbst, vertreten durch zwei rührige und der Sache mit dem Herzen dienende Kommilitonen, cand. theol. Schmidt und casd. jur. Bergmann. In Rymobenburg bei München, in dem berühmten Rokokoscyloß der bayerischen Kurfürsten, ging es alsbald ans Werk. Fritz Scyerbaum hatte dort, im sog. Knabenbau, sein Atelier. Nachdem der Plan im einzelnen festgelegt und die Größenausmaße bestimmt waren, entwarf er die Schrift, welche die 4,20 Meter breite und 2,40 Meter hohe Platte bedeckt. 3800 Buchstaben wurden negativ in Gips geschnitten, dann aus diesen Formen — ebenfalls in Gips — abgegossen und gesetzt. 3800 nut der Hand gearbeitete, „persönliche" Lettern, von denen keine völlig der andern gleicht? Nur so aber kommt jener einzigartige, die Zeiten überdauernde Eindruck zustande, der jeder Fabrikarbeit versagt ist. Kurz vor der Ausführung hatte Fritz Scherbaum Gelegenheit, im Nationalmuseum zu Neapel und auf dem Nürnberger Johannesfriedhof sich in den geheimnisvollen Rhythmus der antiken Schriften zu vertiefen. Unter solchem Einfluß faßte er auch den glücklichen Entschluß, die Namen nicht in geteilten Kolumnen, wie die Spotten einer Zeitung, sondern auf ungebrochener Zeile aneinander zu fügen. In klassischer Große ziehen die Tapferen so noch einmal gleichen Schrittes an unferm Blick vorüber wie damals, als sie — (S^iiacn 7rei96[zevo'. — zum Tode gingen. Aus der Nymphenburger Äünfllerwerkstall wanderte das Gipsmodell der Platte in die Erzgießerei Ferdinand v. M i l l e r s, aus welcher die Münchener Bavaria und viele andere Monumentalwerke her- Dorgegangen find. Gleichwohl blieb der Guß der Platte eine Aufgabe, die selbst mit neuzeitlichen Mitteln an die Grenze des Möglichen rührte. Acht Wochen nahm diese Arbeit in Ansvruch. Und wei- terc vier Monate erforderte das Ziselieren, das unter dauernder Ueberwachung des Künstlers ausgeführt wurde. Eine besondere Schwierigkeit bedeutete sodann das Verbinden der einzelnen Telle, da "ich nicht schweißen läßt, sondern mit größ- satt zusammengehämmert werden muß. Die Aatte hatte ein Gewicht von 30 Zentner. Für die Fahrt von München nach Gießen mußte sie auf einen eigenen Güterwagen verladen werden. Zehn Mann bewältigten ihre Aufftellung an der für sie bestimmten Stätte. Ihr Ernst, ihre Größe, chre erschütternde Sprache zwangen dazu, auch den Raum, der sie aufnahm, würdig umzugestalten. Der Sockel aus Lindenfelser Granit, der den Wahlspruch trägt „Litteris et armis ad utrumque parati', konnte nicht, wie es in der Absicht des Künstters gelegen wäre, aus einem Stück hergestellt werden: er weist darum in der Mitte eine feine Nahtstelle auf. Durch geeignete Vorhänge, eine vornehme Deckenbeleuchtung und einen ruhig blauen Deckenanstrich wurde die Weihe des Raumes gehoben. Ein besonders glücklicher Griff war es auch, die beiden schon vorhandenen, ausgezeichnet schönen alten Bronzeplatten aus ihren Stuckrahmen herauszunehmen und frei der Wand aufzusetzen. So ist der kleine Vorraum zur Aula selbst zum Denkmal, zur Ehrenhalle geworden, die profanen Zwecken für immer verschlossen bleiben sollte. Die Universität Gießen kann sich rühmen, eine Gedächtnisstätte für ihre im Weltkrieg Gefallenen zu besitzen, wie Deutschland ihrer wenige aufzu- weisen hat. M. D. Bronze ter Sor; Oberheffen. Landkreis Gießen. ED Lollar, 7. Dez. Das kommende Jahr wird für die Sängeroereinigung Lollar ein Jahr regster, aber auch verantwortungsvollster Arbeit im Dienste des deutschen Männergesanges und des deutschen Liedes sein. Groß sind die Aufgaben und Ziele, die sich der Verein für das Jahr 1929 gesteckt hat. Neben der Beteiligung an den vom 22. bis 24. Juni 1929 in Weilburg anläßlich des 100jährigen Bestehens des dortigen Vereins veranstalteten Bundesfest des Lahntal- Sängerbundes wird die Sängervereinigung erstmalig seit chrem Bestehen an einem Gesangs- Wettstreit teilnehmen. Das 10jährige Be- stehen der Sängeroereinigung soll am 6. und 7. Juli in entsprechender Welle gefeiert werden, um die Bedeutung des Ereignisses der Verschmelzung der Vereine „Liedertafel" und Männergesangverein „Germania" (dieser wiederum entstanden durch die Vereinigung des Gesangvereins „Germania" und des Mannergesangvereins im Jahre 1906) wachzuhalten. Bei den vom 12. bis 14. Juli in Darmstadt stattfindenden Bundesfest des Hessischen Sängerbundes wird der Verein durch eine Abordnung vertreten fein. 4= Mainzlar, 7. Dez. Die Schamotts- fabrik von Scheidhauer & Giebing hat unter dem Drucke der Rückwirkungen des Arbeitskampfes in der Ruhreifenindustrie gestern den Quarzit st einbruch, den sie in der benachbarten Daubringer Gemarkung betrieb, st i l l g e - legt und die Belegschaft entlassen. Ebenfalls unter dem Einfluß der verschlechterten Wirt- schaftslaae mußte in der letzten Zeit schon einer Anzahl Arbeiter des Werkes gekündigt werden. Um eine stärkere Ausdehnung der Arbeitslosigkeit in der hiesigen Gegend zu verhindern, ist in dem Betriebe der Schamottefabrik jetzt Kurzarbeit eingeführt worden. z Rödgen, 7. Dez. Rm Donnerstagabend sand im Saale der Kleinkinderschule eine schlichte Advents feier für die Mitglieder des Frauenvereins statt. Zwei Adventskränze mit roten Kerzen und die dielen roten Adventslich lein auf den zwei langen Tischreihen bewirkten die trauliche, hrimelige Stimmung, die notwendig ist, um die prachtvollen Bilder rrach- zuempsinden, die der Bildwerfer an die Wänd zauberte. Die Serie „das deutsche, evangelische Kirchenlied", in der Hauptsache DUder von Rudolf Schäfer, wurde gezeigt. Pfarrer Bönning gab die zum Verständnis notwendigen geschichtlichen Erklärungen und brachte manches Bild durch glückliche Hinweise dem Beschauer näher. Die Feier war eine gelungene Einftim- mung auf die Weihnachiszei'. D Lich, 7. Dez. Die hiesige Geschäftswelt hat sich nach den guten Erfahrungen des Vorjahres wieder in vorbildlicher Weise für eine weihnachtliche Kundenwerbung eingestellt. .Unter Beteiligung unserer Stadtverwaltung hat sie auf dem Adlerplatz inmitten der Stadt einen hohen, prachtvollen Christbaum aufstellen und mit elektrischer Beleuchtung versehn: lassen. Der Wechnachtsbaum wird vom Kupfernen Sonntag ab bis zum 24. Dezember während der Abendstunden in buntfarbigem Lich e erstrahlen und mit seinem Glanze jung und alt erfreuen. Die Inhaber der hiesigen Ladengeschäfte haben sich mit der Dekoration ihrer Schaufenster offensichtlich viel Wühr gegeben. Jedenfalls dürften sie auf die Besucher unserer Stadt einen recht guten Eindruck machen. Am Svnktag, den 16., und Montag, 17. Dezember, findet eine von dem Gellügeizuchtverein Lich und llmgegend veranstaltete Geflügelaus- st e 11 u n g (Bezirksschau) in der hiesigen Turnhalle statt, Die; wie man hört, gut beschickt werden wird. Ein Besuch dieser Veranstaltung dürfte recht lohnend fein. Die Hebung der Geflügelzucht gehört mit zu dm Aufgaben, die zu einem Wirtschaf, llchcn Wiederau: schwang Deutschlands gehören. Der beliebte Licher Weihnachtsmarkt (Schweinemarkt) wird am Montag, 17. Dezember, vormittags ab gehalten. Auch hier wird, en.sprechend den Ergebnissen der Vorjahre, mit einem starken Ferkelauftrieb au rechnen sein. Alles in allem hofft man, daß diese Veranstaltungen genügend Anziehungskraft besitzen, um einen guten Besuch unserer Stadt zu gewährleisten. Auf die heutige Voranzeige sei noch besonders hingewiesen. I Hungen, 7. Dez. Der hiesige Oberamts- rich-ter Vol k wurde nach Gießen versetzt und hat bereits feine Tätigkeit daselbst auf- genommen. Die Versetzung war für die hie ige Bevölkerung eine gro£e lleöerraschung, und man sieht den geschätzten Beamten, der sich während seiner langjährigen Tätigkeit an seiner seitherigen Dienststelle eine wohlverdiente Hochschähung er» toorlen hat, nur sehr ungern scheiden. Än Dachfolger für die hiesige Oberamtsrichterstelle ist noch nicht ernannt Eine baldige Besetzung dieser Stelle dürfte im Interesse des ganzen Amts- gerichtSbezirkS als wünschenswert bezeichnet werden. Kreis Büdingen. I Hirzenhain. 7. Dez. Der Autobus des Verkehrsvereins Gedern hat nunmehr ebenfalls die Arbeiterbeförderung aus den Dörfern Glashütten, Eschenrod, Wingershausen und Eichelsachsen nach Hirzenhain aufgenommen. Die Reuerung wird insbesondere von den Arbettern aus den wett entlegenen Dörfern begrüßt. Kreis Schotten. -4- Schotten, 7. Dez. Die gestern In der hie'igen Turnhalle anberaumtr »Staatsbürgerliche Bildungstagung", von der Zentrale für Heiniatdienst veranstaltet, war über Erwarten gut besucht Die Lehrerschaft des Kreises hatte sich fast vollzählig eingesunden. Dr. S t r e u E> e r, der Leiter der Landesabteilung Hessen, begrüßte und eröffnete die Versammlung. Pros. Dr. Körber (Frank, urt) verbreitete sich sodann über den deutschen Reichsgedanken in Vergangenheit und Gegenwart, unter besonderer Hervorhebung d.r Hemmungen und Schwierigkeiten, die seiner Verwirklichung im Wege standen. 3n der Rachmittagssihung referierte als erster der wirtschaftliche Ree:ent der Städtischen Werte Frankfurts, Dr. K l e i n st ü ck, über eine Reugliederung des Reiches. Seinen Ausführungen lag der Gedanke zugrunde, die Reueinteitung nach wirtschaftlichen und kulturellen (mundartlichen) Gesichtspunkten vorzunehmen, so daß 9 Reichsteile yi verzeichnen wären, die nach den Himmelsgegenden R., R.°W., W., S.-W, S., S.-O., O., Ä.-O. und Mitteideuisch'and heissen I nnhit Jeder der Telle wäre in kultur- und wirtschaftspoii.ischer Hinsicht in sich abgeschlossen. Anschließend sprach Direktor Beckmann (Fran'.furt- ü'er de Entwicklung der deutschen Sozialpolitik und ihre gegenwärtige Lage. Er bejahte ihre Rotwendigkcit, ließ a:ec erkennen, baß auch noch viele Mängel und Schaden zu besei igen wären. Sämtliche Dorträg.' wurden von den Zuhörern mit großem 3nt:r J e ausg nommcn und veranlaßten eine rege Aussprache. § Ulrichstein, 7. Dez. Dieser Tage hat in dem Bezirk drs hiesigen Forstamtcs das Holzfällen an gefangen. Damit ist zahlreichen Männern aus unserer Gegend wieder Gelegenheit zu einem immerhin lohnenden Reben erwerb geboten, der. zumal bei dem fast gänzlichen Fehlen sonstiger Lerdienstmöglichfetten in den meisten Grien des hohen Vogelsbergs, dankbar willkommen geheißen wird. — Dank dem Entg;genkom- n:e.i der Postbehörde verkehrt seit kurzem dreimal wöchentlich je ein drittes Post- auto von hier nach Mücke und zurück. Dienstags, Freitags und Samstags geht es um 10.34 Dorrn, hier ab. um 14.22, am Samstag wegen der Arbeiterzüge aber erst 17.30 wieder hier ern«' zutrefsen. Dem Vernehmen nach soll die e dritte Linie so lange gefahren werden, als sich der Betrieb lohnt, was bis jetzt der Fall gewesen fein soll. Hoffentlich macht die Bevölkerung von ter in ihrem Interesse geschaffenen günstigen Möglichkeit der Beförderung auch ferner recht regen Gebrauch — Im Saale der Gastwirtschaft Groh wurde gestern abend der zweite Tell des Films „De. Weltkrieg" vorgesührt. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte gespannt der in großen Zügen gehaltenen und doch wieder durch viele Einzelheiten anschaulich gemachten Darstellung der Erlebnisse an der Front und in der Heimat in den Jahren 1915 und 1916. Die An» grisfsfchlachten von Gortice-Tarnow und von Verdun, die Ueberwindung Serbiens und Rumäniens. die großen Abwehrschlachten im Westen und während der Brussilow-Offensive im Osten zogen in packenden Bildern auf der Leinwand vorüber. Es ist der K r e i s f i 1 m st e l l e und insbesondere Schulrat Kinkel zu danken, daß sie trotz des an diesem Tage herrschenden ungemein dichten Rebels von Schotten zur Vorführung heraus gekommen sind. Der beste Dank war wohl der glänzende Besuch der zwei Dor» sührungen von hier und von auswärts, deren letzte erst gegen Mitternacht beendet war. * Eichelsdorf, 7. Dez. 3n dem bei Ridda gelegenen Steinbruch der Bauunternehmer Wirth von Ocer Schmitten und Drott von Ridda verunglückte gestern der 23jährige Arbeiter Hofmann von hier. Er war beim Drechen der Steine befchästigt, hat aber wahrscheinlich einmal an der Steinklopsmaschine nach- gesehen. ob keine Störung vorhanden sei. Dabei scheint er von dem Getriebe ersaht worden zu sein. Augenzeugen waren nicht dabei. Man fand ihn schwerverletzt aus. Der Verletzte klagte über große Schmerzen und wurde auf ärztliche Anordnung sosort In die K inik nach Gießen gebracht. Dort wurden innere Versetzungen sestgestel t Das Befinden des Bedauernswerten ist e r n st. I Ober-Lais, 7. Dez. 3m laufenden Winter wird innerhalb der hiesigen Försterei nur ganz verschwindend wenig Holz gefällt. Auch die Fällungen in dem Fauerbach- Ob.-Laiser Gemcindewald halten sich in den aller- bescheidensten Grenzen. Sie haben hier noch nicht begonnen und werden innerhalb von 14 Tagen erledigt sein. 3n den staatlichen Waldungen werden bedeutendere Fällungen nur in der Försterei Michelnau vorgenommen, wo eine größere Fläche abgetrieben wird. Es werden hier allein etwa 4000 Festmeter Holz geschlagen, fast durchweg sehr gute Buchenbestände. Die meisten der hiesigen Holz' Hauer, 28 Mann, haben bei diesem Abtrieb Beschäftigung gefunden. Bei der verhältnismäßig sehr großen Entfernung zur Arbettsstätte begrüßen sie es sehr, daß sie wenigstens morgend den Autoomnibus benutzen können, der sie bis in die unmittelbare Röhe der Holzhauerei bringt. — Die in den letzten Jahren hier er* stellten Reubauten haben, soweit es sich um Wohnhäuser handelt, fast ausnahmslos ihren Platz an der Straße nach Ginter-Lais gefunden. Da hierdurch das Dorf sehr auseinanderge- zogen wird, ist für die für nächstes Jahr geplanten Reubauten die Anlage einer neuen Straße in Aussicht genommen worden, die von der Straße nach Unter-Lais abzweigen und im Bogen das bisherige Weichbild des Dorfes nach Sübost erweitern soll, ©egenüber anderen Plänen hätte diese Straßen- führung den Vorteil, daß den Baulustigen hier umfangreiche Erdbewegungen erspart würben; allerdings ist das Gelände stellenweise feucht. Man hofft jedoch, hier durch die im Zuge der Feldbereinigung geplante Verlegung deS Dachbettes Abhüfe schaffen zu können. Wegen der im Gange befindlichen Feldbereinigung sollen die Bauplätze an dieser Stelle den Dau- luftigen wohl zugemessen, jedoch nur pachtweise übernommen werden, bis hie endgültige Regelung im Feldbereinigungsverfahren durch Austausch oder auf anderem Wege erfolgen könnte. KreiS Alsfeld. L Rieder-Ohmen, 7. Dez. Hm einen allgemein empfundenen Mangel abzustellen, wurde in unserem Dörfchen eine tägliche zweite Po ft Zustellung eingerichtet. — Die längere Zett hier stationierte Bergwerksverwaltung wird nun nach Weickartshain verlegt, da die hiesige Grube an Buderus in Wetzlar verkauft wurde. — Während des Sommers waren Bettler so gut wie gar nicht hier und in unserer Umgegenb zu sehen. Mit Eintritt der kalten Jahreszeit werden triefe Leute nun immer häufiger. Es vergeht kein Tag, an dem nicht 4 oder 5 die Häuser besuchen, ein Almosen heisch« cd. Preußen. «kreis Wetzlar. □ Aus dem Kreise Wetzlar, 7.Dez. Der Bezirksausschuß in Koblenz hat den Beginn der Schönheit für Birk-, Hasel» und Fa» sanenhennen auf den 18. Januar 1929 festgesetzt, so daß der 17. Januar der letzte Jagdtag ist. Dillkreis. WSR. Dillenburg. 7. Dez. Der Kreistag beschloß in seiner Mittwochsitzung den Bei- tritt zum EleNrozweckverband Rassau und genehmigte die Aufnahme eines Darlehens von 20 000 Mk. zur Weitergabe als Handwerkerkredite. Ferner wurde ein Darlehen von 28 470 Mk. beschlossen, das bei der Wie«, badener Drandversichn.ungs-Anstalt für die Hebung der Feuersicherheit im Kreise aufgenommen werden soll. Einem Kreisbaudarlehen von 73 000 Mk. tourbe gleichfalls zuge- stimmt. Ebenso wurde der Kreiszuschlag zur Grunderwerbssteuer bei dem gebundenen Besitz genehmigt. Maingau. WSR. Frankfurt a. W-, 7. Dez. Der Frankfurter Magistrat hat sich damtt einverstanden erklärt, daß an die bedürftigen Alt- Veteranen aus den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 bzw. an D e t e r a n e n w i t w e n auch in diesem Jahr eine einmalige Winterbeihilfe in Höhe von 30 Mk. vor Weihnacht en gezahlt wird. Die Bedürftigkeit soll weitherzig geprüft und im allgemeinen dann anerkannt werden, wenn kein höheres Einkommen als monattich 200 Mk. vorhanden ist. Landrat v. Gilsa in den Ruhestand verseht. WSR. Kassel. 7. Dez. Das Verfahren gegen den Landrat von Kirchhain, v. G i l s a, hat seinen Llbschluß gesunden. Durch D schlich des Staatsministeriums ist Landrat v. Gilsa einstweilig in den Ruhestand verseht worden. Dir Frage seiner weiteren Verwendung ist noch nicht entschieden. Wie die „Äaffeler Post" von gut unterrichteter Seite erfährt, ist Regierungsrat BeauchampS aus 2lachen zum kommissarischen Landrat in Kirchhain bestimmt worden. Während der Lichtfestwoche bringe ich in ganz bedeutender Auswahl in meinen erweiterten Geschäftsräumen zum Verkauf: POLSTERMOBEL TEPPICHE Läuferstoffe in Plüsch, Boucle, Kokos und Jute.............von Mk. 2.80 an Bettvorlagen in Plüsch, Bouds, Tapestry....................von Mk. 4.50 an Bettumrandung-, Brücken von Mk. 15.- an Gummimatten für Bader, in größter Auswahl Tisch- und Divandecken in Gobelin.....................von Mk. 54)0 an do. in Plüsch................von Mk. 25.- an Steppdecken in gr. 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Dezember 1928 fl Hießen im Licht Mit eintretender Dunkelheit an sämtlichen Abenden prunkvolle Schaufensterbeleuchtung, Festbeleuchtung und Bestrahlung von öffentlichen und privaten Gebäuden, Straßen und Plätzen Grobe Jubiläums-Lotterie, für je eine Mark Einkauf ein Freilos bei den durch Plakate erkenntlich gemachten Geschäften. Allabendlich besondere Konzerte mit verstärkten Kapellen in den Cafds und sonstigen Unterhaltungsstätten. Künstler- und Tanzabende. TAGESPROGRAMM Samstag, deo 8. Dezember: Stadttheater, 15-20 Uhr „Don Carlos“ (Scbülervorstellung) Lichtspielhaus, Bahnhofstrahe 84: „Flitterwochen“ Südanlage, 10-20 Uhr: Choräleu.Weih- nachtslieder, gespielt vom Posaunenchor Sonntag, den 9. Dezember: Lindenplatz, 11—12 Uhr: Promenadekonzert des Orchestervereins Stadttheater, 18-20 Uhr: „Ingeborg“ Lichtspielhaus, Bahnhofs trabe 34: „Flitterwochen“ Neue Aula, 20'/, Uhn Dr. Frank Thieß: Vortrag über „Krisis und Neuordnung der Ehe“ Montag, den 10. Dezember: Oswaldsgarten, 15—16 Uhr: Platzkonzert Lichtspielhaus,Bahnhofstrabe 34: „Alt-Heidelberg“ r«s2v Pa» weitere Wochen Programm folgt! Die Verlosungsgegenstände sind im Kolonnadenbau am Bahnhof, Nähe Cafe Schwarz, und im Möbelgeschäft Th. Brück, Ecke Schloßgasse, ausgestellt! ?! I Betten Kapok- Woll - und Roßhaar- Matratzen Diwans Chaiselongues Flurgarderoben Schlafzimmer und Küchen empfehlen Bingels Möbelwerkstälten Gießen / Kaplansgasse 5 und 5a 107864 Sprechapparate Marke Polypbon, Grammophon, 08 Albert Kreuzer Reparaturwerkstatt und Fahrrad- handlung, Frankfurter Straße 82 BieBener Thealer-VereiniM gegrämt 1926 Sonntag, 9.Dez.,im Katholischen Vereinsbaas Schach-Wettkampf Oberhessen-Starkenburg Vornehme onabhSnoige Exislpnz mit boii. Hatzi eseinkomm. ischätzunaS» roetfe 30-4üU<0 Slf.t bietet senöl. Lve- Ataluniern^ welches einem axotz. Bedürfnis entspricht.Keine Ven'icherung. fein Watenoertvveb!Angen.Tätigkeit. 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Dezember 1928 _____________10679D Qflhlnffi Pofä Marhiern HerrL Aussicht Marburgs. Qualitäten OumUErudaUg leid! sJsel y allererster Güte. — Auto-Halteplatz Bahnhofs - Restaurant Speisenfolge Sonntag, den 9. Dezember 1928 Zur Einführung in die Jubiläums-Verkehrs- und Lichtwoche Mittagessen zu Mk. 2.20 Kratt brühe Asta Nielsen Huhn auf Hausfrauen-Art oder Frischlingskeule in Burgunder Orangencreme mit Badewerk Mittagessen zu Mk. 3.50 Kraftbrühe Asta Nielsen Limandesschnitten Leopold Frischlingskoteletten Hubertus Orangencreme mit Backwerk Abendessen zu Mk. 3,50 Geflügelcremsuppe in Tassen Gänseleber in Madeiragelee Kalbsmedaillon Colbert Illuminierte süsse Speise Vorbestellung von Tischen erbeten! Telephon 25 10531A liHhK Udriesl |l Cafe Astoria Täglich mittags und abends freies totster Bis 4 Uhr geöffnet 086,0 Für jede Marit ein Freilos! Achtung? Lichtwoche! Achtung! Kühlen Grund 108160 Neuen Baue 5 Morgen, Sonntag. 9. 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Studentenkarten zu Mk. 1- gegen Ausweis bei Herrn Sekretär Ritter, Universitäts-Gebäude 106620 Für die zu unserer Vermählung dargebrachten Glückwünsche und Geschenke danken wir herzlichst Otto Lecker und Frau Erna Hertha geb. Werner Wieseck 8. Dez. 1928 Ebersbach i. Sa. 08617 333 und 585 gelt., alle (9röhen auf Vanet iotoid Friedr. iBuning, ühnnachepd. Juwel er Kaiierallee «2 :: Televbou 1592 31fe Meyl Heinrich Goiimann Verlobte Domäne Jesberg Gießen 9. Dezember 1928 10760V Statt Karten! Toni Schmidt Heinrich Backes, Kaufmann Verlobte T.ang-Göns GroßemTinden Dezember 1928 10TMD Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Hermine Häuser Karl Müller Llch, den 8. Dezember 1925 10765V Ihre Vermählung geben bekannt Rudolf Oany nebst Frau Sofie geb. Fleischer Gießen, den 8. Dezember 1928 08583 Ein gesunder strammer Iunge angekommen Else und Ernst Schulhof Gießen, den 8. Dezember 1928 10S22D Massiv goldene Trauringe Karl Äeck vormals Gg. 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Dezember. 6,30: Morgengymnastik. 12,30 bis 13,30: Schall- platt en-Kon-ert: »Wiener Musik". 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorch:sters: Alle Tanzmusik. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,45: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für Mutier und Kind. 18,45 bis 19,15: Hermann Stehr: Vorlesung aus eigenen Werken. 19,15 bis 19,30: Englische Literaturprvben. 19,30 bis 20: Englischer Sprachunterricht. 20: Don Bern: Sinfonie-Konzert. Anschließend: Schall- platten-Konzert: ReprsteS. Dienstag. 11. Dezember. 6,30: Morgengymnastik. 13,30 bis 14,30: Mittags st ändchen des Rundfunkorchesters. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 18,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18,30: Von Kassel: »Dichtung der Stadt", Rundfunkprogramm. Sonntag, 9. Dezember. 8,30 bis 9,30: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt a.M. 11 bis 12: Stenographisches Preisweltschreiten. 12 bi-12,30: Glternstundr: „Wie helfe ich meinem Kinde auf der Grundschule im Rechnen?", Vortrag von Mittelschullehrer Hans Gerchardt, Hanau. 13,10: Bruckner-Ziklus II., Zweite Sinfonie. 15 bis 16: Stunde der Jugend: „Weihnachten im Tannenwald". Singspiel von Elisabeth Reith-Hoerler, Musik von W. H. Simmermacher (rlrauffüy- rung). 16 bis 17.30: Konzert des Rundfunkorchesters: Zum 125. Geburtstag Hector Verlioz' (geb. 11. Dezember 180)). 17 bis 18. Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Heinrich Herz, ein Lebensbild aus seinen Driesen imd Tagebüchern", Vortrag mit Vorlesung von Rektor Dartscher, Frankfurt a. TL „18 bis 18,55: Vortragszyklus .Gedanken zur Zeit":. I. 18 bi« 18,25: .Rotwendigkeit einer europäischen Verständigung", Vortrag von Wilhelm Heile, Berlin: 11. 18,30 bis 18,55: »Die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Aussichten der europäischen Zollunion", Vortrag von Prof. Dr. Eulenburg, Berlin. 19 bis 19.30: Vortragsstunde Srika baren nicht wenn er selbst in außerordentlicher Weif« zu den öffentlichen Lasten herangezogen wird. Die Frage dec Verwaltungsreform begegnet daher naturgemäß auch im Einze.handel lebhaftem Interesse, ganz abgesehen davon, daß diese Angelegenheit auch eine Frag« von weitgehender Bedeutung für Hessen ist. Wenn man die Brsteuerungsverhältniss« für di« Veruss- gruppen, oder gar die des Auslandes zum Vergleich heranzieht, wird man ferner zu dem Ergebnis kommen, daß der deutsche Einzelhandel hier in einer wenig beneidenswerten Lage ist, da alle Steuerlasten seiner Dorlieferanten ihn natürlich mittresfen und bei ihm auch in der Kalkulation leider einen recht breiten Raum einnehmen. Für das Jahr 1926 betrug nach einer Schätzung der durch den Einzelhandel aufzubringende Steueranteiil nicht weniger als durchschnitt- lich 2,5 Prozent vom Umsatz, oder rund 700 Millionen Mark: er dürfte 1927 8/< Milliarden Mark überschritten haben. Hierbei handelt es sich lediglich um die vom Betrieb aufzu:ringende Steuer, wobei die persönliche Steuer des Geschäftsinhabers nicht berücksichtigt ist. In besonders starkem Maße richtet sich daher das Bestreben des Einzelhandels bei der Stet- aerung feiner Wirtschaftlichkeit auf eine Plan- mäßige Verbesserung des Verhältnisses zwischen älnkosten und Pims atz. Da im Einzelhandel die sog. Fixkosten 60 bis 70 Prozent der gesamten Unkosten darstellen, muß in erster Linie dahin gewirkt werden, die personellen und betrieblichen Mittel des Einzelhandels rationeller auszunutzen, den Verkauf der Ware durch Betriebsdispositionen, wie Ab- Abpaching und zweckmäßige Lagereinrichtung in den verkaufsstillen Zeiten vorzubereiten und zu beschleunigen. Der Einzelhandel will alle Möglichkeiten sachgemäßer Ausnutzung der gesetzlichen Arbeitszeiten anwenüen, um sowohl vom Ladeninhaber wie Angestellten innerhalb mög- lichst kurzer Zeit Bestleistungen zu erreichen. Trotzdem werden natürlich in fast allen Etnzel- handelsbetrieben, im Gegensatz zur Industrie, auch bei bester Betriebseinrichtung noch tote Zeiten von Arbeitsbereitschaft übrigbleiben, die durch die älmsahschwankungen während der einzelnen Tageszeiten entstehen. Auch auf dem Gebiet der rationellen Lagerhaltung und einer Erziehung des Publikums zur Mitarbeit an einer gewissen Rormalisierung und Typisierung des Verbrauchs sind große Fortschritte gemacht wor- den. Gerade der deutsche Käufer hat im Gegen- satz zu dem sehr einheillichen Geschmack beispielsweise des Amerikaners viel geschmackliche Eigenheiten und zwingt dadurch den Eiirzel- händler zu einer großen Auswahl in zum Teu schon unmodernen oder verhältnismäßig sehr selten gefragten Artikeln, was natürlich, volkswirtschaftlich gesehen, einer Verteuerung der Spesen und einer unsachgemäßen Ausnutzung des vorhandenen Betriebskapitals gleichkommt. Eine Unterstützung des Einzelhandels in dieser Frage durch die Konsumentenschaft liegt also in deren eigenstem Interesse. Auch bei der heutigen Ueberspannung des Kreditwesens ist man aus die Mitarbeit der Kundschaft angewiesen, denn eine zu starke, leider aber heute immer mehr einreiyende Pumpwirtschaft liegt weder im Interesse deS Kaufmanns noch des Konsumenten, da sie für beide Teile außerordentliche Gefahren in sich birgt. Auch in einem anderen Punkte fehlt es noch an der städtischen Unterstützung, und hier könnte gerade auch jede städtische Verwaltung helfend eingreifen, nämlich an der intensiven För- derung de« Kaufens am Platze. Jede Mark, die von der einheimischen Käuferschaft nach auswärts getragen wird, geht, steuerlich gesehen, der eigenen Stadt verloren. Es wird an dieser Stelle die dringende Ditte ausgesprochen, daß sich sowohl Stadt wie Staat, die Bevölkerung im allgemeinen, wie die Beamten im besonderen stärker für den einheimischen Einzelhandel einsetzen und auf das Bedenkliche des Kausens bei auswärtigen Abzahlungsgeschäften, Versandfirmen und den aus den Bureaus hausierenden Vertretern aufmerksam machen. Dtefe immer mehr um sich greifende Unsitte ist für den Einzelhandel außerordentlich besorgniserre- gend, und es ist dringend geboten, da- Publikum " darüber aufzuklären, welche Vorteile das Kausen am Platze gegenüber dem Warenerwerb bei den obenbezeichneten Finnen hat: z. 'S. eine nachträgliche Beanstandung der Ware ist schwie- rig oder unmöglich, die Qualität entspricht nicht den gemachten Versprechungen, die Preise sind teurer, bei entstehenden Rechtsstreitigkeiten ist der Kunde immer tm Rachteil, da der Gerichtsstand auswärts ist usw., lauter Rachteile, die beim Raufen in ortsansässigen Geschäften vermieden werden. Auch der Hausier- und Straßen- handel erfreut sich vielerorts eines besonderen Schutzes, obwohl oft minderwertige Ware angeboten wird und sein steuerliches Aufkommen im Verhältnis zu den doch recht groß abgesetzten Warenmengen verschwindend ist. Die vorstehenden Zeilen sollen nur kurze Streiflichter aus den Verhältnissen des deutschen Einzelhandels sein. Daß sie aber Qnigemeingut der Oeffentlichkeit werden möchten, ist der aufrichtige Wunsch jedes Einzelhändlers. Wünsche des Gießener.Handwerks. Von Rudolf Röhr, Syndikus der Handwerkskummer-Nebenstelle, Sitz Gießen. Eine Rückschau auf die Gestaltung der wirt- schaftliäen Lage der Handwerksbetriebe seit Beginn der großen wirtschaftlichen Umwälzungen infolge des Weltkrieges Lfit unschwer «r ennen, daß die Auswirkungen der großen wirckchast- lichen Umwä z ngen vor den Detrievnt tes Handwerls nicht hall gemacht, sondern vielmehr mit der den ehernen Gesetzen der Wirlschast eigenen Macht naturnotwendig auch sie stark ersaßt und erschüttert haben. Die Inflation mit der darauf erfolgten Währungs- ftabUiiierung hatte für die Handwerksbetrieb« nach Verlust des gesamten Kapitalvermögens Der- haltnisfe geschaffen, denen mancher handwerkliche Betrieb rettungslos erlegen ist. Aeußerste Tatkraft, stärkste Anspannung des nur gegen hohe Zinssätze zur Dersugung stehenden Kapitals, Umstellung auf rationellste Betriebs.ührung. test- qualifizierte Produktion, waren de Richtlimen. deren Befolgung allein die Aufrechterhaltung der Handwerksbetriebe gewädr'ei len, starke Rückschläge aber keineswegs ausschließen kann en. Ter Wir.schaftslamps um die Erhaltung und Fortentwicklung der handwerklichen 'De'.r.ebe brachte auch bedauer ichr Erfch Inangen mit sich. Das Einehen des Konkurrenzkampfes feite tem anfänglich ungestümen Schassens drang eine na- türlije Schranke, bewirkte aber auch, daß ungefüllte, sich mit Naturnotwendigkeit schwer rächende Konkurrenz getrieben wurde, die bis zur Gegenwart in sich steigerntem Maße sich fortgesetzt hat. Dazu kam noch, daß das Dorgunwe en wieder Platz griff, des en starke Auswirkungen in bezug auf die Beschaffung von Detriebskapi.al nicht ausblieben. Diese Umstande, die gegen- wär.ig einen geradezu stark besorgniserre enden Umfang angenommen baten, geben Deranlas ung, sich eingehender mit ihnen zu befallen, um deren stark fdjäöice.ite Folgen den Handwerksbetrieben und auch der Verbraucherschaft vor Augen zu führen und dadurch Wünsche des Handwerks zur Behebung ter Mißstände der Oeffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Das Baugewerbe, das den größten Tetl der handwerllichen Berufszweige umfaßt, hat dem bestehenden Wohnimgsmangel und ter bestehenden Anzahl ter Betriebe entsprechend nicht den Deschäfligungsgrad bisher erreicht, der eine Aufrechterhaltung oder sogar eine Fortentwicklung aller Betriebe unter den Zeichen Verhältnis en wie bisher gewährlcisten tbimte. Der Mangel an billigem Daugeld, die durchaus unzureichende Höhe der aus dem Auskommen der Sondergebäutesteuer staatlicherseits und auch seitens ter Kommunen als Baukostenzuschüsse zur Errichtung von Wohnungen zur Verfügung gestellten Kapitalien einerseits, der hohe Zinsfuß für von den Bauherren zu beschaffendes Daugeld anderseits, ermöglichen keinen Be- schäfligungsgrad, ter auch nur jur Aufrechterhaltung aller zum Baugewerbe zu rechnenden Handwerksbetriebe erforter.ich wäre. Jn'olge des unzureichenden Beschäftigungsgrades ist ter Konkurrenzkampf gerate in den dem Baugewerbe angehörenten handwerklichen Berufszweigen ein derartig scharfer geworden, daß, wie aus vielen Dergebungsergebnissen bekanntgeworten ist, die Arbeiten zu Preisen ausgeführt werden, die die Selbstkosten nicht decken. Darunter muß zweifellos die Qualität ter ausgeführten Arbeiten und des zur Verwendung gebrachten Material« leiden. Die Auswirkungen derartiger Vorgänge für Bauherrn und Bauhandwerker sind zu offensichtlich, um sie noch näher erörtern zu müssen. Der Wunsch des Handwerks geht diesbezüglich dahin, daß jeder Jnteresfent sich vor Augen halte, daß gute Arbeitsleistung unter Ve r w e ndung guten Materials auch einen angemessenen Preis mit ausreichender Derdienstmoglichkeit für den ausfüh- renten Bauhandwerker erfordert. Rur unter dieser Voraussetzung werten beide Jnfe.e senten. sowohl der Bauhandwerker, wie auch der Bauherr, ihre Zufriedenheit mit dem ausgesühr.en dßertf inten. Daran schließt ich der weitere Wunsch des Handwerks. daß sich die Bauherren vor der Dau- ausführung nur von leistungsfähigen und anerkannt tüchtigen Dauhandwerkern über die aus- zuführenden Arbeiten berat'n las.en und deren Kostenvoranschläge ctifortem. Bei ter Auswahl te3 ausführenden Dauhandwerfers soll nur ter* ienige Berück,ichligung finden, der die «Gewähr dafür bietet, daß er die Jnteres en des Bauherrn in jeder Beziehung wahrzunehmen vermag, durch beste Arbeitsleistung, unter Verwendung besten Materials und zu angemessenem Prei,e. Wer derartige Arbeiten ausführen lassen tollt, soll aber auch in erster Linie für die Beschaffung des zur A r b ei t s a u s f ü hru n g erforderlichenKapitals besorgt sein und die rechtzeitige Auszahlung der vereinbarten Beträge vornehmen. Durch Rtchtzah- lung zum vereinbarten Zeitpunkt oder in der vereinbarten Höhr wird der Handwerker stark geschädigt, und zwar insofern, als es ihm nrcht möglich ist, seinen Verpflichtungen gegenüber seinen Lieferanten und Arbeitnehmern nachzukommen. Er wird gezwungen, seinerseits tretet in Anspruch zu nehmen, um feine Verpflichtungen zu erfüllen. Die Ananspruchnahme von Kredit bringt ihm Zinsverpflichtungen, di: er bei Abgabe seines Angebots gegenüber tarn Auftraggeber nicht in Rechnung gestellt hat, für u>n also eine Aufwendung zugunsten des Kunden bedeutet, für die er von diesem keine Gegenleistung erhält, die ihm also Verlust bringt. Was im Dortergesagten für die Bauhandwerker gilt, trifft in gleicher Weise für alle Handwerker und Gewerbetreibenden zu. Es ergeht daher auch deren Wunsch an die Kundschaft, tem Begehre^ der Handwerkerschaft insofern Rechnung zu tragen, daß die Kundschaft eingegangene Zahlungsverpflichtungen unverzüglich durch Zahlung zur Erfüllung bringt und nicht von den Handwerkern die Einräumung langfristiger Kredite verlangt. Gerate im jetzigen Zeitpunkt, vor dem Abschluß eines Rechnungsjahres, richtet das Handwerk die dringende Ditte an die Kundschaft, etwa noch bestehende -Zahlungsverpflichtungen noch vor Jahresabschluß zu erfüllen und es dadurch dem Handwerker zu ermöglichen, einerseits seine Kundenkonten abzuschliehen und einen Jahresabschluß zu machen, anderseits den Verpftrch- hingen gegm seine Lieferanten nachzukommen. Durch Verzögerung der Zahlungen entstehen dem Handwerker neben Zinsverlusten auch der weitere Rachteil und Schaden, daß die ausstehenden Beträge nicht nutzbringend in fdnem Betrieb als arbeitendes Kapital Verwendung finden formen. Durch säumiges Verhalten der Kundschaft wird ter Handwerker gezwungen, sich vor weiteren Verlusten zu schützen durch Mahnungen und Beitreibung felnvr Außenstände. Dieses Verfahren, zu tem ihn die säumige Kundschaft zwingt, schafft in den meisten Fällen ein unerfreuliches Verhältnis zwischen ihm und seiner Kundschaft und führt häufig zum Verlust des Kunden für ihn, ein Schaden, ter nicht durch ihn verursacht wird, ihn aber neben den schon erlittenen Verlusten doppelt hart trifft Das Handwerk legt aber größten Wert darauf, mit der Kundschaft ein Vertrauensverhältnis zu schaffen, das für beide Teile von Vorteil ist. Besteht ein solches Vertrauensverhältnis, so wird die Kundschaft beim Handwerk auch immer Entgegenkommen finden. Mögen die vorstehenden Erwägungen und te- fanntgegebenen Wünsche des Handwerks mit dazu beitragen, ein gutes, für beite ^eife nutzbringendes Vertrauensverhältnis zwischen Handwerk und Kundschaft herbeizuführen. Vortrag von Walther Eggert. Bayreuth- 18,80 bis 19: Funkhochlchule: ,.Gesundheitsfürsorge und SamiUenfürforge , Vortrag von Gertrud Maas. Dozentin an der Frankfurter Wohlfahrtsschule. 19: Dom Frankfurter Opernhaus: „Aida". Oper von Giuseppe Verdi. Darauf: Funkstille. Mittwoch. 12. Dezember. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15. Schulfunk. 13,15 biä 14,15: Schallplatten-Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde ter Jugend. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfuntorchesters: Operettenmusik. 18.10 bl- 18,35: Dücherstunte. 18,35 bis 19: Schachftunte. 19 bis 19,30: Senckenberg-Viertelstunde: „Rütz- liche Pilze", Vortrag von Geh. Reg.-Rat Dr. M Möbius. 19,30 bis 19,45: Französische Lfe teraturprvben. 19,45 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. 20,15 bis 22,15: Alle und neue Zeit. 22,15: Orgel-Konzert: Werke von Johann Sebastian Dach Aus dem Wetzlarer Kreistag. WSR. Wetzlar, 7. Dez. Der Kreistag des Kreises Wetzlar genehmigte In der letzten Sitzung des alten Jahres das Straßen- bauprogramm für 1929. Danach werten 675 000 Mark bereitgestM, mit denen rund 30 Kilometer Kreis- und Gem.llchestraßen lsistand- gesctzt toerten. Die Provinz wendet für den gleichen Zeitraum für die Unterhaltung von Provinzialstraßen im K.eise Wetzlar 455 000 W L auf. Bemerfenswert ist, daß der Kreis Wetz ar als einziger in ter Rhrinprovinz eine Betonstraße besitzt, die sich ausgezeichnet bewährt und auch im kommenden Jahre weiter aus- gebaut werten soll. Die weiteren Vorlagen, bie ter Kreistag zu beraten halte, betrafen ver- wa t-ngsmadige Anzeige h iten von grrengerer Dedeutung. Beschlo s«n wurde u. a. die Erhebung eines Kreiszuschlages zur Grund- erwerbssteuer vom gebundenen Grundbesitz unb der Erlaß einer neuen Wertzuwachs st euerordnung. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 9. Dezember. 2. Advent. Stadlkirche, tz.30 Uhr: Pfarrer Mahr: 11; Kinderkirche für die Mallhäusgemeinde, Pfarrer Mabr; 5: Pfarrer Becker; Leichte und hl. Abendmahl für die Markusgemeinde. — Iohannestirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsbeimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfarrer Bechtolsheimer; 5: Pfarrer Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für die Johannes- gemeinde; 8: Bibelbesprechung im Iohannessaal; Psarrverwolter Dotzert. — Kapelle de» Alten Friedhof». 9.30: Pfarrer Lenz; Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergemeinde: 11.30: Kinderkirche; Pfarrer Lenz. — Elisabelh-Sleinkinderschule. 9.45: Pfarrver- walter Dotzert: Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde. — Klein-Linden. 10: Hauptgottes, dienst; 11; Kindergottesdienst. Dieseck. 10; Einführung des neugewählten Kirchenvorstandes; 5-30 und 7.30: Adoents.L'chtbildandacht, Opfer für die armenischen Waisen. — Allen-Vuseck. 10; 1. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 1.30: Lollar. — Hausen-Garben- leich. 10: Garbenteich; 1; Haufen. — wahenborn- Slelnberg. 1: Predigt. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Kintergottesdienst: 2: Stiftspfarrer Lic. Schorlemmer. Mittwoch, den 12. Dezember. Llch. 8: Bibelstunde. Donnerstag, den 13. Dezember. Kirchberg. Abends 8.30: Daubringen, Bibelstunde. Katholische Gemeinden. Samstag, den 8. Dezember. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 9. Dezember. 2. Adventsonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe: Kommunion der Jünglinge: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt: 11: Messe mit Predigt; 5: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.30: Meße mit Predigt. — kungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Caubadj. Messe, Hochamt mit Predigt. — Riddo. 8.30: Hochamt mit Predigt. - Gesucht sofort M93V an allen Orten steinige, fticbiamc Personen »ur Uebemahme einer Trikolagen-n.SlfoiDDlstfidferei auf unserer Aeminaitrtdmafdüne. leichter und daher Berdienit. Gunsttge Le- üinqungen. Bottenntmsse nicht ertöt- verlich. Prospekt gratis und franko. Trikotagen- und Strumpffabrik Neber A Fohlen, Saarbrücken 3 AiiMmhmer Nebenverdienst Wir suchen für die einzelnen Orte der näheren und weiteren Umgebuno Gießens dort seßhafte, vertrauenSwürdtae Leute in gesicherten Berhältmsten mit guten Be-iehungen zur Bevölkerung für Anbahnung. Vermittlung, evtl. Unterstützung in der Ad» Wicklung von Geschästen. (Dlaterialltefexunoen; keine Bersiche- rungS- oder Warenagentur des täoL Bedarf-.) Tättgkett ist gelegentlich und kann bequem nach Jeierabend erledigt werden. 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Kunstgewerbe gewidmeten Teil der Zeitschrift seien besonders hervorgehoben die Wohnbauten des Kölner Architekten Riphahn. Daneben finden wir an kleinen Veröffentlichungen moderne Plaketten, Intarsien, Allgäuer Handwebteppiche, köstliche Proben japanischer Tiermalerei, Glaskunst Joseph Kapshammer (Physiologie) infolge i an die Universität Jedermann sieht im Schaufenster eine große, blau schillernde Dase. Darin spiegeln f-* Rathaus und ein Verkehrsschuhmann. „Wieder betrogen", sagt Jedermann. habe ich eine Dase mit Ra Haus und Verkehrs- schutzmann, und eingepackt haben sie ipir eine Vase mit Gasherd." Jedermann macht eine Hoch'.our. Zusammen mit Mücke. Sie übern ich en in einer Schutzhülle. .Hör' mal," sagt Mücke, .wie der Föhn geht!" .Komisch," schüttell Jedermann den Kops, «wer wird sich denn hier die Haare waschen lassen?" Hochschulnachrichien. Amtlich werden folgende Personalveränderwr- gen an der Universität Leipzig bestätigt. Ab- gegangen finS: der planmäßige a. o. Professor Dr. Wilhelm Schauder (Veterinär-Histologie und Embryologie) infolge Berufung als ocb- Professor an der Universität Gießen, der planm. a. o. Professor Dr. Gregor Wentzel (Mathematische Physik) infolge Berufung als Ordinarius an die Universität Zürich, der nicht- beamt. a. o. Professor Dr. Andres R u m p f (Archäologie) infolge Berufung als Ordinarius an die Universität K ö l n und der Prioatdvzent Dr. und Majolila-Arbeiten. — Zeitschrift für Musik. Monatsschrift für eine geistige Erneuern rg der deutschen Musik. Herausgcgeben vom Steingräber-Verlag. Leipzig. Hauptschriftleiter Dr. Alfred Hcuh. Ro- vemberhest 1928. Hestprcis 1,53 Mark. Abonnementspreis vierteljährlich 4 Mk. — Das vorliegende Heft steht im Zeichen Schuberts. Dr. Rudolf Steglich tHannover) ersucht unter Bezugnahme aus die jüngsten Arbeiten über den Meister Klarheit über das Bleibende in seinem Lebenswerk zu gewinnen. Bei der Gegensätzlichkeit der Meinungen im Schriftiu n über Schubert erscheint Richard Gottschalks Studie „Franz Schu- bert im Lichte übler Rachrede" ganz besonders am Platze. Helmut Wolter (Duisburg) schildert einen Besuch im Schuber ttnuseum in Wien. Stilistische Betrachtungen über Iu-.endlieder des Meisters (Musikbeilage!) von Al red H.uß lassen das Werden des Schuberischen Liedstiles herau> trclen. Aphorismen aus Schuberts Tagebuch. Ein zusammensassender Bericht über die jüngste Schubertli.eraiur. Zu Hans von Wolzogens 83. Geburtstag widmet Otto Daube warmherzige Schubertbi.der. Musikberichte. Jedermann war bei der Wahrsagerin. „Erstaunliches Talent", erzählt er. „Die Frau hat mir einen schweren Verlust vorausgesagt. Für die allernächste Zeit." „lind ist die Prophezeiung schon eingetroffen?" fragt jemand. „Jawohl," sagt Jedermann, „schon als ich zu Hause ankam. merkte ich daß meine Brieftasche weg war." Wir haben", erzählt Federmann, „in unserem Kegelklub Präsiden enwahl gehabt." „älnd das Ergebnis?" „Unentschieden," sagt Jedermann, „jeder hat mir eine Stimme bekommen." Wirtschaft. Wochenbericht vom Zrantfurter Effektenmarkt. In dieser Woche setzte sich die Aufwärtsbewegung der Kurse im allgemeinen fort. Die Börse hat mit ihrem in der vergangenen „Kannst du dich nicht besinnen", fragt Jedermann seine Frau, „wo ich meinen Hut Angelegt habe?" „Rein." „Wo ihr Frauen nur eure Gedanken habt , schüttell Federmann den Kopf. Woche in so starkem Maße zutage getretenen Optimismus Recht behalten: Der Eisenkonslrkt kann als beigelegt betrachtet werden; wider Erwarten schnell erklärten sich Arbeitgeber und -nehmer dazu bereit, die vom Reichsinnenminister Severing vorzunrhmende Entscheidung anzu- crfenneit Die Folge davon war die Oeffnung der Betriebe. Erwartungsgemäß konnte bis jetzt allerdings nur ein T:il der ausgesperrten Arbeiter zur Arbeit zurücktehren, da die Eisenwerke, ihrer Eigenart entsprechend, nur langsam wieder in Gang kommen können. Dies und Erwägungen über die Schäden, die dem deutschen Wirtschaftsleben aus dem Eisenkonflikt erwachsen sind, veranlaßten an der Börse eine g ewisse Zurückhaltung. Dazu kamen einige andere Momente, die einer allgemeinen Geschäftsbelebung im Wege standen. So verursachte der schlechte Gesundheitszustand des Königs von England zeitweise größere Beunruhigung. Auch das noch ungelöste Problem der Reparationsneuregelung und der weiteren nur langsame Fortgang der Verhandlungen hierüber mahnten zur Zurückhaltung. Die aus diesen Gründen vorgenommenen Realisationen konnten den Markt jedoch nur vorübergehend ungünstig beeinflussen. Die stärkste Stütze boten der Börse wieder die großen Ausland k ä u s e. die in Spezialwerten vorgenommen wurden. Die Dankkundschaft war ebenfalls wieder mit einigen Kauforders am Markte. In den bevorzugten Papieren war das Geschäft zeitweise noch lebhafter als in der Vorwoche. Eine wesentliche Anregung hierzu stellte wieder der unverändert flüssig eGeldmarkt dar. Immerhin ließ der letzte Reichsbankausweis erkennen, daß die Anspannung der Reichsbank am Ültimo, wenn sie auch noch als normal zu ~ der Börse — Heuer Deutscher Jugendfreund. Zur Unterhaltung und Belehrung der Jugend. 80.Band. Begründet von Franz Hoffmann. Gin stattlicher mit zahlreichen bunten und schwarzen Vollbildern und ScrtiLu.tratiDiien erster Künstler geschmückter Band. Verlag von Schmidt & Spring Leipzig. Ganzleinen 6 Mk. (667.) - Vortreffliche Erzählungen, von den besten Rutschen Iugendschri itstellern verfaßt, haben im neuen Jahrgang Au nähme gefunden, und neben diesen erscheinen Aufsätze ku turhistorischen und historischen Inhaltes, solche, d.e Sport und Technik berücksichtigen, und andere, die Anleitung zu allem möglichen geben, was Knaben gerne basteln. , — Der Kinderfreund. Ein Dildkalender für die Jugend auf das Jahr 1929. Enthält je 56 Bilder- und Textseiten und kostet nur 1.60 Mk. Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 26. (603.) — Dieser Kalender für 8—15jährige Kinder bringt unter den Tagesdaten Bilder aus allen Gebieten des Wissens mit kurzen Erläuterungen, kleine Anekdoten, Rätsel, Preisfragen und allerlei Kurzweil. Der Kalender bietet neben vielseitigem Anschauungsstoff mannig'ache Unterhaltung und ist ein willkommener Wandschmuck für Kinder- und Familienzimmer. — Auerbachs Deuts cher Kinder- kalender 1 92 9. 47. Jahrgang. Herausgeber Dr. Adolf Holst. Reich illustriert mit farbigem Titelbild und bunter Spielbeilage. Verlag von Auerbachs Dcu schem Kinderkalender, Leipzig. Ganzleinen 2 Mark. (666.) - Die vielen Kinder, die sich alljährlich an seinen Vorgängern erfreuten, werden auh heuer beglückt sein über den reichhaltigen, ernsten, heiteren oder belehrenden Inhalt. — Leopold Weber: Walthari und Hildegund. Die Gotengeiseln am Hunnenhofe. Eine Völkerwanderungssage. Mit vier farbigen Bildern von Ludwig Eberle. 135 Seiten Oktav. Ganzleinen. 5.53 Mk. Für Knaben und Mädchen von 12 bis 16 Jahren. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. (633) — Zu den wertvollsten Stoffen, aus denen unsere Jugend neue Kraft und neuen Geist trinken kann, gehört die Sage von den Gotengeiseln an At.i as Hofe. Ste ist oufbewahrt in einem lateinischen Gedicht des 10. Jahrhunderts und in Handschriftenresten, die sich in England und Oesterreich befinden. Leopold Weber hat sich ein Verdienst um unsere Jugend erworben, daß er ihr diesen Einblick in alte germanische Vergangenheit vermittelt. ' — Friedrich Wilhelm Mader: In unbekannte Fe r n cn. Deutsche Heldentaten in Portugiesisch-Ostasrika und in Rhodesien. (Die Helden von Ostafrika, dritter Tell.) 274 Seiten. Mit einem farbigen Titelbild und acht Tondruck- bildern von Karl Wühlmeister sowie zwei Kartenskizzen. Ganzleinenband 6,80 Mk. Union Deutsche Derlagsgesellschast, Stuttgart (542). — Als dritter unb Dchluhband des Gesamtwerkes „Die Helden von Ostafrcka", jedoch in sich abgeschlossen, schildert'diese Erzählung den Endkampf der unbesiegten Scharen Lettow-Vorbecks auf portugiesischem und zuletzt auf englischem Boden. Es ist dies wohl der kühnste, spannendste und abenteuerlichste Abschnitt des ganzen Feldzuges. Da Wader die strenge quellenmäßige Treue des Geschichtsschreibers und die Phantasie des bewähr- ten Erzählers miteinander vereinigt, gewinnen seine Schilderungen größte Anschaulichkell und menschliche Belebung. , — Martin Steffens wildeSeefayrt. Don Wilm Steding. 137 Seiten 8° mit vier ganzseitigen Bildtafeln. Ganzleinwand 6 Mk. Franckhsche Verlagsbuchhandlung Stuttgart. (609) — Ein Abenteurerbuh voll Kampf, Mut und Untergang. Spannend und leben Kg geschrieben. Eine Knabengeschichte, die von vorn bis hinten begeistert durchgeschwartet werden wird. — Töchkeralbum. Ein Iahrbach für junge Mädchen. 73. Band. Begründet von Thekla von Gumpert. Herauögegeben von Else von S t e i n f e 11 c r.~ Mit Beiträgen erster deutscher Jugendschriftsteller und mit reichem Illustra- tkonsschmuck sowie mit farbigen Kunstbeilagen, versehen. Verlag von Schmidt & Spr.ng, Leipzig. Ganzleinen 6 Mk. (668). - Auch in seinem neuesten Jahrgang erscheint das Töchteraibum dazu angetan, ein rechtes Weihnachtsbuch für den gung. „Verzeihung," sagt er, „der Herr kommen i mir so bekannt vor. Haben wir uns vielleicht —r Jedermann sieht den Kellner an. „Jawohl," sagt er, „Sie haben mir vorhin die Suppe gebracht." Peter der Große. Don Franz Oattner, Wien. Dies ist keine Anekdote vom gewaltigen Zaren, Peter trägt keine Krone, keinen Bart. Sein Gesicht ist rosig und rund, und sein Zepter ist eine Schelle. Peter ist ein Baby, und sein kleiner Hofwagen hat rosarote Vorhänge. Er hat absolut keine Reformationspläne und kümmert sich wenig um die barbarische Welt: er liegt still in den weißen Kisten, beruhigt, ausge- söhnt, zufrieden- — lächelt zur Sonne hinauf oder zur Mama und ist nur um Stillegung seines kräftigen Appetits besorgt. Denn er ist groß und weise. Er hat in den wenigen Tagen seines majestätischen Erdendaseins viel gelernt: für ihn bestehen keine Komplikationen, und er denkt prinzipiell nicht über die Menschen nach. Das Leben ist ja so lächerlich langweilig und die Menschen so nichtssagend leer, daß es nicht der Mühe lohnt, sich mit ihnen ernsthaft zu befasten. Zeigt sich eines der faden Gesichter am Rand seiner Karosse, so dreht er ihnen im Dollbewußtsein seiner Würde höflich, aber mit nicht zu verkennender Ironie den runblidjcn Rücken. Er ist ein Philosoph. Er ist von allem Anfang an so gescheit, daß er nicht mehr zu denken braucht. Er spricht auch nicht, denn die Laute unserer brutalen Sprache sind ihm verhaßt. Höchstens hebt er die rosige Hand und berührt mit einem winzigen Zeigefinger die Kronosstirn oder stupft vergnügt, aber überzeugt in den blahblauen Himmel, an dem o hübsche weiße Wolken flattern. Das ist alles, und eine sonstige Regierungstötigkeit bewegt sich zwo Backfisch zu sein. — Reizende Erzählungen enthält es diesmal, ferner Anleitungen zu Handarbeiten, Spiel und Sport u.iö vielem anderen, was das junge Mädchen u. se er Tage intet JiierL — Herzblättchens Zeitvertreib. Ein Jahrbuch für die Kindcrwclt. 72. Band. Begründet von Thella von Gumpert. Herausgegeben von Else von Steinkeller. Deich geschmückt mit farbigen und schwarzen Bildern. Verlag von Schmidt & Spring, Leipzig. Halbleinen 4.80 Mk. i6L9). — Hübsche Märchen und Geschichten enthält der ftatlliche Band, Gedichte, Schnurren, Sprüche u.ii) sonst noch mancherlei, was imstande ist, das Kinderherz zu erfreuen. — Josephine Siebe: Kasperle ist wieder da. ©ine lustige Geschichte. Grohoktav. 208 Seiten. Mit vier farbigen Vollbildern von Ernst Kutzer, und 43 Scherenschnitten von Elisabeth Lörcher. Ganzleinen mit farbigem Deckenbild von Ernst Kutzer und farbigem Schutzurnschlag 6,50 Mk. Legy & Müller, Stuttgart. (551) — Viel Heiterkeit w:rd es bei den kleinen Lesern erwecken, wenn sie in dem neuen Kasper.e-Band lesen, in welch komischer Kasprrleart die beiden Langschläfer mit Straßenbahn, Auto, Flugzeug, Kino usw. Bekanntschaft machen. Die Kasperles selbst sind auch In der heutigen Zeit die alten, lustigen Schelme geblieben. Sie möchten „kaspern" und dumme Streiche machen wie früher und können es gar nicht fassen, daß sich alles so verändert hat. Kein Wunder, daß »ich da langsam die Sehnsucht nach ihrer Heimat, der blumengeschmückten, blütenduftenden, friedlichen Kasperle-Insel, item Kasperle Land, in ihre kleinen Herzen einschlcicht und daß sie die erste passende Gelegenheit benützen, dorthin zurückzukehren wo Peringel, der Schlingel, sogar König wird, da der Prinz Bim- lim sogar zum Regieren zu bequem ist. — Minni Grasch: Das Richtslein. 333 Seiten. Mit 26 Textzeichnungen. Ganzleinenband 4 Mi. Kränzchen-Bibliothek, Band 33. Union Deutsche Verlagsgesellscha', t, Stuttgart (541). — Erzählt die Wandlungen eines jungen Mädchens vom oberflächlichen, verwöhnten Rest- hälchen zum reifen und.tüchtigen Menschen. Eine Fülle von Gestalten und Geschehniffen zeugt von der sprudelnden Einfallskraft und dem köstlichen Humor der Verfasserin. Echtes Gemüt, gediegene Lebensau.sassung, gute sprachliche und stilistische Form machen den lieferen Wert, ein feiner Glanz von Anmut und Behagen den besonderen Reiz dieses bemerkenswerten neuen Mädchenbuches aus. — Else Model: Großmutter Elisabeths Enkel linde -. Band II von „Li-Lo". Wit 4 farbigen ui dl. schwär en Ti dcrn von Paul Hey. 163 Seiten Oktav. Halbleinen. 5 -uk. Für Mädchen von 11 bis 15 Jahren. K. Thie iemanns Verlag, Stuttgart. (634) — Au« Dtie.e.r, mündlichen Lieberlieferungen und schriftlichen Aufzeichnungen. dazu aus eigener Seele hat die Der- faf.etin den überaus reichen und verztocigten Stoff genommen. Das Buch lebt aus der mütterlichen Liebe zum Kinde, und diese Liebe wird sich auch der jungen Leserin miltrilen. Zeitschriften. — Die Kunst, Monatshefte für freie und angewandte Kunst. Verlag F. Druckmann A.-G., München. (Vierteljährlich 7 Mk.) Dovember- und Dezemberheft. — Der Verlag dieser von uns so häufig empfohlenen Monatshefte legt uns heute das Dovember- und Dezemberheft vor, die in ihrer reichen bildlichen Ausstattung, dem vorzüglich gewählten, sich auch durch reichen Wechsel auszeichnenden Inhalt, den großen Ruf der Zeitschrift wieder neu begründen. Aus dem Inhalt der beiden Hefte erwähnen wir an besonders wesentlichen Dingen: Die reich illustrierten Aufsätze über den Maler Karl Hofer, über Emil Dolde als Aquarellist mit einer sehr schönen farbigen Reproduktion eines Blumenstraußes, über die iUmer Galerie, in welcher Veröffentlichung Grundsätzliches über die Aufgaben der Galerien au kleineren Plätzen gesagt wird, über den Bildhauer Schwanthaler, dessen Werk in seiner großen Schönheit in diesem prächtigen Aufsatz erst, wieder wirklich ersteht, und als zweites Beispiel über ältere Kunst, über den Waler Friedrich von Derly. Aus dem der Wohnungskunst, der Architektur und dem auf den Kern der Dinge gekommen, und das, weiß Gott, in jungen Jahren. Seine Lebensanschauung ist bereits vollkommen, und wenn er älter werden wird, dürste er sich kaum verändern. Denn in diesen großen schwarzen Siu gen blitzt der Funke des Genies. Er wird feine Zeit reformieren, aber in anderer Weise, als es sein berühmter Namensvetter tot. Es hat nicht den Anschein, daß er besonders Wert darauf legt, ein berühmter Mann zu werden oder in einer simplen Oper als sentimentale Hauptrolle zu figurieren. Peter der Kleine wird beweisen, daß die Besserung der Welt gar nicht notwendig ist, sondern das Essen viel wichtiger und das Denken überhaupt schädlich. Und er hat recht, und schon sein Anblick ist die Inkarnation seiner Ueberzeugung: friedlich, gütig lächelnd, die dicken Fäuste über dem wohlgenährten Bäuchlein, erweckt er überall und bei allen ungeteilte Sympathie. Ob nicht der große Kaiser mit ihm getauscht hätte: wenigstens hätte er sich viel Zorn und Merger erspart. Peter ist nicht cholerisch, für solche Dinge hat er absolut kein Interesse, höchstens für Malzbonbons und frische Windeln. Er ist weise. Peter der kleine. Peter der Größere. Wieder mal Jedermann. Don Hans Mebau. Jedermann druckt auf den Klingelknopf. Drückt und drückt. Aber niemand kommt. „Alma", schreit er schließlich zur Tur hinaus. -warum kommen Sie denn nicht? „Ich h^be nichts gehört", stottert das Dienst- mLdchen. _ _ . „Dumme Ausrede", sagt tfetermann. Uno fä?Xa« sollte ich denn?" fragt das Mädchen. „Sie sollten", besinnt sich Jedermann „zum Installateur gehen, und ihm sagen, er soll sofort die elektrische Klingel reparieren." Jedermann ist in Berlin. Geht zum Tanzabend. Die Pawlowa tanzt. „Wie war es denn?" fragt Mücke nachher. „Reinste Provinz", sagt Jedermann. „Erne einzige Tänzerin hatten sie engagiert. Federmann ist im Zoo. Geht vor den Affenkäfig. „Cffilc kommt es," fragt er den Wärter, „daß die Tiere noch nicht verhungert sind?" „Wesh.ll» sollen sie wohl verhungern?" wun- töert sich der Wärter. V „Erlauben Sie mal,“ sagt Jedermann, ..wo das Füttern der Tiere doch bei Strafe verboten ist!" e Bvppcnheun trifft Jedermann. „Kommen Sie doch heute zum Mittagessen", klopft er ihm auf die Schulter. „ r _ , . „Morgen herzlich gern, sagt Jedermann, „heute bin ich schon vergeben." „Gut", nickt Bvppenheun. „Wo stnd Sre denn henke?" ,, „Für heute hat mich schon Ihre Frau eingeladen". sagt Federmann. Jedermann ißt im Restaurant. Als der Kellner ben Fisch serviert, macht er eine Verbau- Lieferäugen, Rheag, Schuckert und Siemens waren um 10 bis 20 v.H. gesteigert. Zeitweise lebhafteres Interesse wandte sich auch den Montan- werten zu, von denen Rheinische Braunkohle und Rheinstahl bevorzugt und über 10 v. H. fetter waren. Stärker hervor traten außerdem noch Deutsche Linosium und am Bankenmarkt Bayerische Hypotheken und Wechselbank. An den übrigen OHärlten war das Geschäft geringer, doch gab es auch hier überwiegend Kursbesserungen. Rach Dauunterneh.nungm bestand einige Rachfrage. Hoch- und Tiefbau aber schwächer auf die Verw altungs erllärung, daß die Verhandlungen mit Berger Tiefbau noch nicht abge- schlchftn seien. Zum Wochenschluh bekundete dw Kulisse nach den airdauernden großen Kausen stärteres R.alisationsbedürfnis, und die Haltung schwächte sich etwas ab, wobei die führenden Papiere einige ZPrzeneden und dieser war auch Papiere einige Prozent einbüßten. Deutsche 2ln- leihen waren vernachlässigt. Auch in Ausland- renten war das Geschäft sehr still; nur Türken waren in Erwartung der endgültigen Schuldenneuregelung etwas gefragt. Wochenbericht vom Iranksurter Produktenmarkt. Am Frankfurter Produktenmarkt bewegte sich auch »in ibie.er Woche das Geschäft in engen Grenzen. Anregungen lagen nicht vor, Die Händler übten große Zuruckl'a tung und schritten nur im Bedarfs,alle zu Deckungen. Das Angebot von Inlandware war ziemlich reichlich und übte daher eher einen Druck aus, auch dre eher schwächeren Auslandnotierungen willten gc* schastshemmcnd. Im Gw ndton der Tendenz war eine gewis e Widerstands, ä^igkeit nicht zu ver- kennen. Vereinzelt wurden Kaufe von feiten der Wühlen und der Exporteure vorgenommen, da die Provinz ziemliches Entgegenkommen zeigte. Weizen war in größeren Posten angeboten, die Rachftage war aber demgegenüber ganz gering, so daß ein Heiner Rückgang eintrat. Für Roggen machte sich dagegen anhaltendes, aber auch nur geringes Interesse ge.tend. Ware kam hier nur wenig an den Markt und es konnte aus diesem Grunde eine Preiserhöhung erzielt werden. Sonst war das Geschäft in allen anderen Getreidesorten minimal. Hafer war bei behauptetem Preis nur wenig umgeeyt. Das M e h l g e s ch ä f t blieb nach wie vor schl ppcnd. Weizenmehl war stark vernachlas igt unb ging im Preise erheblich zurück. Für Roggenmehl bestand vereinzelte Rachfrage. Der Futtermittelmarkt hatte nut in Wei enklei.' etwas lebhaf e.e Umsätze. Zum Wochenschluß blieb das Geich^t klein, die Grundstimmung kann man als nicht unfreundlich bezeichnen, doch fehlen Anregungen, die eine evtl. Geschäftsbe'ebung zur Folge haben könnten. Die neuesten Auslandnotierungen lauten wieder niedriger, so daß sich die Zurückhaltung der Händler verstärkte, die PreiSgestalttrng wurde davon jedoch nicht beeinflußt. 3m Vergleich zu den Rotterungen der vergangenen Woche waren Weizen 0,15, Sommergerste 0L5 und Weizenmehl 0,50 Mk. schwächer. Behauptet blieben Hafer, inländ., Mais für Futterzwecke. Roggenmehl und Roggenkleie. Roggen- und Weizenkleie konnten dagegen je 0,15 Mk. anziehen. Die Woche schloß zu folgenden Rotterungen: Weizen 22,75, Roggen 22, Sommergerste 23,75 bis 24, Hafer, inländ. 22,75 bis 23,25. Mais für Futterzwecke 22 25, Weizenmehl 32,75 bis 33 25, Roggenmehl 29 25 bis 33, Weizenkleie 13,75 bis 13,85, Roggenlleie 14,25. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviehmarft. Am Frankfurter Schlachtviehmarkt war das Geschäft ziemlich ruhig. Rinder wurden je- doch etwas reger gehandelt. Cs mach e sich hrer größerer Bedarf gebend, der Auftrieo war geringer. Zum Schluß wurde das Geschäft wieder ziemlich flau, der Markt wurde geräumt. Schweins konnten bei schleppendem Geschäft nur allmählich aogesetzt werden. T o^dem konnten zum Schluß der Woche die Preise anziehen, da der geringe Antrieb nicht ohne Cinslutz blieb. Sine beträchtliche Preissteigerung trat noch am Kälbermarkt ein. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1634 1 Rindern, darunter 342 Ochsen, 75 Dullen, 606 Kühen, 410 Färsen, ferner aus 1710 Kälbern, 833 bezeichnen ist, über die Erwartungen hinausging. Die starke Beteiligung des Auslandes am hiesigen Börsengeschäft begründete man verschiedentlich damit, daß die internationale Spekulation infolge der hohen Börsenkurse sich von dem dortigen Markte abwende und in größeren: Ausmaße an den deutschen Börsen Betätigung suche. Stark in den Vordergrund des Interesses schob sich wieder die F a r b e n a f t i e, die bei fortgesetzten großen Käufen fast 15 Prozent anziehen konnte. Es wurden in diesem Papier auch größere Prämien- und Stellagegeschäfte getätigt. Sehr lebhaft war das Geschäft ferner wieder am (SleEtromarft Trotz der Dementis erhielten sich die Gerüchte von Fusionsabsichten der Siemens & Halske A.- G., AEG., Bergmann, Licht & Kraft, Elektrische chen Schlaf und Essen. . —r 1 v •“ x - Und man muß gestehen, daß fein philosophstches Berufung als Ordtnarrus System etwas ungemein Anziehendes hat. Peter ist I Frerburg 103. Schafen und 5830 Schweinen. Verglichen mit Lsm Auftrieb der vergangenen Woche waren 66 Rinder, 30 Kälber, 300 Schafe und 600 Schweine mehr zum Verkauf gestellt. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen AI 53-57, II 48-52. B 42-47, Dullen A 47—50, B 42—46, Kühr A 42—46, b 35—41, C 30-34, D 22—29, Färsen A 54-58, B 48—53, C 42—47, Kälber B 67-72, C 62—66, D 54—62, Schafe A 46—51, B 42—45, C 33-41. Schweine B 76—78, C 76—79, D 75—78. 3m Vergleich zu den Notierungen der vergangenen Woche waren Rinder bis eine Mark teurer. Kälber zogen bis 6 Mark, Schafe bis 2 Marl, Schweine bis zu einer Mark an. » * D i e amtliche Großhandelsindex- Ziffer im November. Die für den Monats- durchlchmtt November berechnete Großhandels- Indexziffer des Statistischen Reichsamtes hat sich gegenüber dem Vormonat um 0,1 v. f). auf 140,3 (140,1) erhöht. Don den Hauptgruppen ist die In- dexziffer für Agrarstofse um 0,3 v.H auf 135,2 (134,8) gestiegen und diejenige für Kolonialwaren um 1,1 v.H. auf 127,6 (129,0) gesunken. Die In- dexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hot mit 133,5 gegenüber dem Vormonat (133,4) leicht angezogen, während die Indexziffer für industrielle Fertigwaren mit 159,9 (160,0) gering sügig zurückgegangen ist. * Kein neues Werk der 3. P. Dem- berg in Westdeutschland. Zu der Dlät- termeldung, daß voa der Verwaltung der 3. P. Bemberg Ä.-G. in Barmen die Errichtung einer wetteren Kunstseidefabrik in Westdm schland erwogen werde, erfährt WTB.-Hcmdelsdienst von zuständiger Stelle, daß, nachdem vor einiger Zeit der Fabrikneu bau in Siegburg beschlossen worden ist, seitdem keine Expansionspläne akut geworden sind. Auch eine etwaige Verlegung der Barmer Anlagen konune nicht in Frage, da durch die inzwischen getroffenen Maßnahmen entsprechende Vorsorge getroffen ist, daß selbst bei einem trockenen Sommer dos Werk durch Wassermangel nicht wieder in der Erzeugungsfähigkeit beschränkt wird. Schlesische Portland - Zement - 3ndustrie 21.-G. Da der diesjährige Absatz gegen den vorjährigen nicht Zurückbleiben wird, ist unter dem üblichen Vorbehalt wieder mit einem günstigen Ergebnis zu rechnen (t D. 12 Prozent). Der Vorstand berichtete gestern dem Aussichtsrat fe.ner über die durch Aktirntausch erfolgte In'eressenn ahme an der Sottete Continentals de Ciments, Brüssel, die ausschlaggebenden Einfluß in dem bedeutenden polnischen Ze- mcnt-Konzern der Firleh A.-G. besitzt. Die Der- h.endlungen zwischen der deutschen Gruppe, an der die Schlesische Portland-Zement-Industrie A.-G. beteiligt ist, und dec Gruppe der ausländischen Zement- und E ernit-Fabriianten haben den Zweck, durch die Gründung einer deutschen Asbestzemen fabrik das S ernit-Prodult wach dem deut schm Markte zugängig zu machen und gleichzeitig dadurch ein neues Absatzgebiet für Zement zu erschließen. * Vereinigte Königs- und Laura- Hütte 21.-0. für Bergbau und Hütten^ betrieb. Die Generalversammlung der Vereinigte Königs, und Laurahütte A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb erledigte die Regularien und genehmigte den ' dividendenlosen Abschluß für 1927/28, wonach der Reingewinn von 196 402 Mark einschließlich des Gewinnvortroges von 1926 27 in Höhe von 246 676 Mark mit zusammen 443 078 Mark auf neue Rechnung vorgetragen wird. Zur Gewinnverteilung bemerkte der Äufsichtsratsvor- fitzende, daß bei der Gesellschaft eine Dividende nicht zur Verteilung gelange, weil die Oberschlesische Vereinigte Königs- und Laurahütte ihrerseits keine Dividende zur Verteilung gebracht habe. • Wayh & Freytag . A. - G., Frankfurt a. M. Wie der Fwb. erfährt, hat die brasilianische Tochtergesellschaft der Wayh & Frevtag-A.-G., Frankfurt a. M., die Companhia Construktora Racional S. A Wa )tz & Freytag, Aio de 3aneiro, seitens der Regierung des Staates Sao Paulo Arbeiten für die neue Wasserleitung im Werte von 14 Millionen Milreis (etwa 7 Will. Mk.) in Auftrag erholten. Rhein. Hypothekenbank, Mannheim. Die a. o. G.-V. beschloß einstimmig, das Stammoktiepiapital von 6 auf 12 Mill. Mk. zu erhöhen. Die jungen Aktien werden von dem llebernahmekonsortrum den Altionären im Verhältnis 1:1 zum Kurse von 115 Prozent zum Bezüge angeboten. Der genaue Zeitpunkt der Durchführung der Kopitalerhöhung steht noch nicht fest, da nach den Vorschriften des Hypothekenbankengesetzes zunächst die Genehmigung des Reichsrats einzuholen ist. Infolgedessen ist auch z. D. noch keine Festsetzung des Beginnes der Dividendenöerechtigung der neuen Aktien möglich. Laut Beschluß der G.-V. beginnt der Dividen- denanspruch spätestens mit dem Tag der Einzahlung, die im 3nterefse der Aktionäre in mehreren, über das 3ahr 1929 sich erstreckenden Raten beabsichtigt ist. Infolge der lebhaften Geschäftsentwicklung ist nach Mitteilung der Ver- wollung für das Jahr 1928 wiederum mit einem befriedigenden Ergebnis zu rechnen. • Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken, A.-G., Köln. Der zum 4. Januar 1929 einzuberufenden Generalversammlung der Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken, QL-®., Köln, sollen nach der „Kölnischen Zeitung" für das sieben Monate umfassende erste Geschäftsjahr 4 Prozent Dividende vorgeschlagen werden. Die derzeitige Beschäftigung sei augenblicklich befriedigend. Ob allerdings diese Beschäftigung anhalten werde, sei deshalb fraglich, well die Reichsbahn bekanntlich eine Streckung der Aufträge für das nächste 3ahr vorgenommen habe. Das Werk in Hagen soll in absehbarer Zeit stillgelegt werden, um auf diese Weise eine rationellere Arbeit zu ermöglichen. Frcru^urter Börse Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". F r a n k f u r t a. M., 8. Dez. Tendenz: abgeschwächt. — Nachdem an der gestrigen Börse eine merkliche Beruhigung eingetreten war, mochte sich zu Beginn der heutigen Wochenschlußbörse wieder erneute Unsicherheit und Zurückhaltung bemerkbar. Obwohl der Absatz der 10-Mil- lionen-Farben-Bonds recht gut ist und die Nachfrage als sehr rege bezeichnet werden kann, ging hiervon keine Anregung aus. Die weiter flaue Haltung der gestrigen Neuyorker Börse und der immer noch stark gesteigerte Tagesgeldsatz drückten auf die Stimmung. 2luch das Ansteigen der Arbeitslosigkeit im Reiche für Anfang Dezember blieb nicht ohne Wirkung. Der wieder etwas flüssiger gewordene Geldmarkt begünstigte dagegen die Stimmung, und es wurden auf vereinzelten Marktgebieten Wochenschlußdeckungen vorgenommen, so daß gegenüber der gestrigen 2lbendbörse die Kursgestaltung nicht einheitlich war und sich im Rahmen von 2 v.H. nach beiden Seiten oewegte. Das Geschäft war im allgemeinen sehr klein, doch fand das herauskommende Material ohne besondere Schwierigkeiten Aufnahme. Deutsche Linoleum waren weiter stark gefragt und in Nachwirkung der Fusion der Linoleumuternehmungen mit der Deutschen Linoleum - A.-G. nach der beträchtlichen Steigerung an der gestrigen Abendbörse um weitere 3.5 v. H. gesteigert Sonst konnten noch Deutsche Bank, Rheinische Braunkohlen etwas anziehen. Stärker angeboten waren dagegen am Elektromarkt Gesfürel mit minus 2,25 v. H., und Licht & Kraft mit minus 2 v.H. Somit gingen die Verluste hier kaum über 1 v. H. hinaus. Am Automarkt waren Daimler gut gehalten, Kleyer gaben 0,5 v. H. nach I.-G -Farben bei kleinem Geschäft 1,40 v. H. niedriger. Renten lagen still. Von Ausländern Türken wieder gefragt und etwas erholt. Im Verlaufe konnte sich auf vereinzelte Wochenschlußdeckungen eine kleine Erholung durchsetzen. Die Stimmung war nicht unfreundlich, doch übte die Spekulation weitere Zuruckhallung, und das Geschäft war daher minimal. Schuckert konnten etwa 1 v. H., Farben etwa 0,5 v. H. und Siemens 0,75 v. H. zurück- gewinnen. Adlerwerke waren wieder sehr stark an- geboten und erneut 1,5 v. H. niedriger. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld auf 6 5 v. H. ermäßigt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1965, gegen Pfund 20,3'60, London gegen Kabel 4 850750, gegen Paris 124,16, gegen Mailand 92,65, gegen Holland 12,0775. Br iiicv Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 8. Dez. Nachdem schon an der gestrigen Abendbörse Kurserholungen die Regel waren, schien auch im heutigen Dormittagsverkehr die Stimmung freundlich bleiben au wollen. Beruhigend wirkte, daß die Farbenbonos-Transaktion in anderer Form vorgenommen worden ist, als man zuerst glaubte. Die vorbörslichen höheren Taxkurse konnten sich aber zu den ersten Notierungen nicht immer behaupten, da Ware aus Publikumskreisen heraus- fam. Kauforders, besonders aus dem Auslande, fehlten fast ganz, was man einerseits mit dem früheren Samstagbeginn, anderseits mit dem heutigen katholischen Feiertag in Zusammenhang bringt. Auch wirkten sicherlich die schwächeren AuSland- börsen beim Publikum zurückhaltend. 9m allgemeinen waren die StursDeränberungen gegen gestern gering. Montanwerte lagen weiter angeboten, auf die schon wiederholt erwähnten Dioi- dendebetrachtungen. Kaliwerte neigten zur Schwäche. Auch Berger, Polyphon, Licht 8-Kraft, Schubert und Salzer waren gedrückt. Fest lagen Dessauer Gas, Deutsche Linoleum, R. W. E. und Reichsbankanteile. Ehemische Heiden gewannen weitere 2 v. H. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer aeschäftslos. Türken und Rumänen eher schwächer. Pfandbriefmarkt oernachlässigL Der Geldmarkt war etwas leichter. Tagesgeld 6,75 o. H. bis 8,75 v. H., Monatsgeld 8 bis 9 v. H., Warenwechsel etwa 7 v. H. Auch im Verlaufe war die Tendenz nicht einheitlich. Die Spekulation zeigte zum Wochenschluß einiges Deckungsbedürfnis. Da auch nach den ersten Kursen einige Kauforders eingetroffen waren konnten sich die Kurse meist etwas bestem. Berger gewannen 3 v.H. ihres Anfangsverlustes zurück. Auch Kaliwerte und Licht & Kraft zogen bis 2 v. H. an. R. W. E. waren um weitere 5 o. H., Destauer Gas um weitere 3 v. H. erholt. Deutsche Linoleum plus 5,5 v. H. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. (Sonntag, 9. Dez., von IF/g bis 22'/- Ahr: Der Ring des Ribelungen. Dritter Tag: Götterdämmerung. Montag. 10.. 20 bis gegen 22V-: Der Diktator. Das geheime Königreich. Schwergewicht oder Die E^re der Ration. Dienstag. II., 19 bis gegen 23; Aida. Mittwoch, 12.. von 19Vt bis 221,2: Don Juan. Donnerstag, 13., von 19i/2 ßis 22l/8: Othello. Freitag. 14., geschlossen. Samstag, 15.. von 20 bis 221/?: Tiefland. Sonntag. 16., von 15 bis nach 171/?: Trill- trall und seine Brüder. Don 19V2 bis gegen 221/.: Cosi Ian tutte, Montag. 17.. von 20' bis gegen 22: Die toten Augen. Schauspielhaus. Sonntag, 9.. von 151/» bis 17y2: Die Liebe auf dem Lande. Vorher: Ter erste Branntweinbrenner. Von 20 bis gegen 22. Krankheit der Jugend. Montag, 10., von 20 bis nach 22: Dantons Tod. Dienstag. 11., von 20 bis gegen 22V3: Torquato Tas v. Mittwoch. 12., von 20 bis gegen 22: Krankheit der 3ugend. Donnerstag, 13.. von 20 bis nach 22: Schwengel. Freitag, 14.. von 20 bis gegen 221/t: Der brave Soldat Schwell. Samstag, 15.. von 20 bis nach 22: Dantons Tod. Sonntag. 16., von 15 bis 18: Reidhardt von Gneisenau. Von 20 bis nach 22: Schwengel. Montag. 17., von 20 bis nach 22: Dantons Tod. Schöffengericht Gießen. Am 9. August d. 3 , kurz vor Mitternacht, fuhr ein Motorradfahrer mit einem Anhänger von Schotten nach Ober-Schmitten. 3n der Ortsdurchfahrt von R a i n r o d kam er aus unaufgeklärter Ursache von der Fahrbahn der Straße ab und rannte gegen ein Hoftor. Während er selbst unverletzt blieb und das Motorrad nur leicht beschädigt wurde, stieß der Insasse des Beiwagens, der Kaufmann V. aus Ober-Schmitten, so unglücklich gegen einen eisernen Pfosten, daß er einen schweren Schädel-- bruch erlitt, an dessen Folgen er in der Chirurgischen Klinik in Gießen verstarb. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Motorradfahrer An- Rage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Dieser bestreitet jede Schuld an dem Tode des D. Das Gericht erblickte jedoch in Liebereinstimmung mit dem Sachverständigen ein Verschulden des Angeklagten darin, daß er nicht rechtzeitig die Bremsen in Tätigkell gesetzt und fein Fahrzeug so vor dem Anprall zum Stehen gebracht hat. Das Gericht kam dccher zu einer Verurteilung des Angeklagten und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Ein Ortsgerichtsvorsteher aus dem Alsfelder Bezirk hat wertlose Stempelmarken aus der 3nflationszeit dadurch verfälscht, daß er den Papiermarkbetrag, auf den sie ursprünglich lauteten, in einen solchen in Reichs- markwährung umänderte. Diese verfälschten Marken verwandte er dann zur Verstempelung amtlicher Llrkunden. Obwohl der Angeklagte geständig und noch nicht bestraft ist, muß er seine unüberlegte Handlungsweise mit einer Gefängnisstrafe von drei Monaten büßen, da das Gesetz keine geringere Strafe zuläßt. Die Verhandlung gegen einen vielfach vorbestraften Betrüger, der einem hiesigen Kaufmann auf raffinierte Weise einen größeren Posten Zigaretten abschwindette, muh zur Erhebung weiterer Beweise vertagt werden. 3n drei weiteren Fällen wurde unter Ausschluß der Öffentlichkeit wegen Verbrechens und Vergehens wider die Sittlichkeit verhandelt. Sämtliche Angellagten wurden für überführt erachtet und zu Gefängnis st rasen von drei Monaten bis zu einem 3ahr verurteilt. Kunst und Wissenschaft. Eia neues Weihnachtsmärchen. Weihnachtsmärchen, die wirklich dem Verständnis und dem Gemüt des Kindes angepaßt sind, ohne ht die Platte Prosa des Alltags zu finfee. fuib sehr selten, zumal wenn die bekannten statten unseres deutschen Märchens auf der Bühne erscheinen und aus der Phantasiewelt des Kindes m den grellen Schein der Bühne treten. Zu diesen Seltenheiten gehört das Weihnachtsstück, das im Bremer Swdtthealer seine ungemein erfolgreiche Uraufführung erlebte. Otto Reurath tft es in feiner „Weihnachtsreise ins Märchenland" gelungen, den ganzen Zauber unserer schönen deutschen Märchenwelt mit anraut- voller Schlichtheit und der freudigen Hingabe an fren großen Gegenstand sinnvoll und einfallsreich lebendig zu machen. 3m Traumerlebnis der WeihnachtSnacht begegnet der kleine Emll auf feiner Fahrt mit den Wolken Pferden den liebsten seiner Märchengcstatten, die ewig jung in den Gefilden der Seligen wellen, und der Verfasser hat es verstanden, ihre bekannten Erlebnisse auf etne eigenartige und Poesi »volle Weise neu zu beleben. Emil begegnet dem Froschkünig sowohl als Rübezahl, er unterhält sich mit Schneewittchen und fce.x Heinzelmännchen: er rät dem Aschenbrödel doch ja den König zu nehmen, well es ja im Buch stehe, er Hilst den Streck der Hennen mck den Osterhasen schlichten, er besucht Frau Sonne, die strahlende Mutter des Lebens, und Frau Holle, die fleißige Gehilfin des Winters, die mit dem Nikolaus weck im. Rordeu haust, wo auch die Gnglein wellen, die all da« prächttge Spielzeug machen und es am Weihnachtsabend auf die Erde bringen. (Singeftreut Jini) Lieder und Tänze nach bekannten Melodien, die den Kindern besondere Freude machen und auch in den Erwach'enen selige Erinnerungen erweckten. — Das Bremer Stadttheater halte unter Heinrich Kastners Spielleitung alles ausge- bvten, um dem anspruchsvollen Werk gerecht zu werden, und da, neben den vielen anderen tüchtigen Darstellern, Fräulein Hanna Larsen den munteren 3ungen frisch, lebendig und sehr bubenhast zu spielen verstand, so gab es denn einen Don Akt zu Akc steigenden Erfolg, der ftch zum Schluß zu sehr herzlichen Kundgebungen für de» Verfasser und die zahlreichen Darsteller aus- wnchs. Dr. E. H. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktton dem Publikum gen en üb er keinerlei Verantwortung.) Das Spiel mit dem lob. Wiederholt sind in unserer Stadt Fuhrleute dadurch ums Leben gekommen, daß sie fick wahrend der Fahrt auf die De ichsel schwer beladener Wagen stellten. Man kann täglich beobachten, daß bei Kohlenwagen diese Unsitte die Regel bildet. Eine Erschütterung des Wagens, die bei dem heutigen Verkehr jederzeit eintreten kann, bringt den auf der Deichsel stehenden Fuhrmann, der sich nirgends festhalten kann, in die höchste Gefahr. Wönn die Leute das selbst nicht erkennen, dann sollten doch die Firmeninhaber sie darauf aufmerksam machen! R. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das AmtsverkündigunaS blatt Ar. 88 vom 7. Dezember en hätt: Die Aus- stelttmg von Wandergewerbescheinen. — Gewerbe- legitckna.ionskarten. — Verkehrsordnung. — Po- lizeivervrdnung über den Straßenhandel in der Stadt Gießen. — Polizeiverordnung über da» Wegwersen bon Papier, Pappschachteln, Obstschalen und ähnlichen Gegenständen. — Die Beaufsichtigung von Tanzbelustigungen. — Schlüsselzahlen. — Bekämpfung der Schmakenplage. Letzte Nachrichten. Der Kassierer der Mainzer Stadttaffe flüchtig. Mainz, 8. Dez. (I2L Vrahtberlcht.) Der Kassierer der Mainzer S tabff affe, Der- roalfungeinfpef for 6 loh, ist feil Jreifag flüchtig. Man vermutet, daß er sich amtliche Verfehlungen hat zuschulden tommeu lassen, da man sich sonst die Flucht nicht erklären tarnt Bei einer sofort eingeleiteten Untersuchung wurden Unstimmigkeiten in der Buchführung feffgefle(11 Die Flucht und diese Unstimmigkeiten wurden sofort der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, die einen Haftbefehl gegen Klotz erließ. Man spricht von größeren Unterschlagungen. Ls heißt, daß Klotz mit einem Betrag von etwa 10000 Mark flüchtig geworden sei. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die binter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsftih 8 Prozent. Frankfurt t SeirftMtileilje o 1927 Dl. mir flue 42.6 - H7.5 lot.-Sieditrn 52,5 — ■12,5 >2.8 Ke^gl oljnt Autlos.-Rechle 18.-5 — 14 7. i4.*> 7% Frankl. Hyp.-Bk Koldvk. un- kündbar bi# 1932 ilanfl . . lv 139.1 138.7. Barmer 'Zlanturrein lu 144.2 '44.7. 141 Berliner vanDeleflelellld). 12 — ib„.. -87 Sommert- und Btivat-Baa! 11 134.7. 4.25 >94.61 .04,2.5 304 Darmi! u NaNonalbanI 12 295.4 >Ä5 Deutsche Bank 10 i i'l.b — 172.3 DlSkonio-l-lseUlchati Ont.. . 10 ito.y 62.25 ,i>» 75 Dresdner Bank . - 10 '72.3 >72.75 >72,5 -'10 KQtrtel6eui(die UzeDtibcöd . . . » — — 18 C’eiolibanl . . ... 6 — — 143... Netdrtbäti - > 18 336.5 .31.75 Fraubsurt a. 2)r Berlin Schlutz- l.Utjr. ufp Äniang Rnri fiurs fiurs Kur» Datum: | 7 12 8 12. 7.12. | 8 12. L-LG ..... 8 198 7 » 198 7. 198 i 198 Bergmann ..... , . 9 M 2.75 242 -41.25 241 Elekir. Lieierunge»..... 10 189 187.7. 187 IST* 7. IZtdit und Krall . • • . 10 463 261 261 258 .Zeilen 4 Guilleaume. . , . . 6 152 155 153 152.0 ®ef. f EleM Untenu. • • . 10 -'74.75 272.5 273.1 273 Hamb. (Ueltr. ißedt . « • . 10 — — 155 IM 7.) Rbem (Sieht. . . . . . fl 177 — 177.4 177 2; Schlei. Gicht ...... 10 — 233.5 231.9 Schulte« ...•••• . 6 -67 '65.0. .66.5 Siemens <£ Halske..... li 136 135, h C44.7.. 435 . 8 — — 157.2.1 Labmeyer ä&p. ..... . 10 183 - 183.a 183 Buveru, ...... . 6 86 85.5 84.25 Teulicke Eroil...... . 6 139 139.75 138.7^ Glfener (SteinteNe ..... . 8 — 120,25 Gelsenkirchener . . *, y, 3 4 irr — Ul,5 —- barocnet ...... . 6 134,a - 134.Zu — Hoelch Ihlen. ....... . 8 — — 128.75 _ zise Bergbau ....... . 8 234 — i'Af,.. _ ftlötfnerroerte ....... . 7 109,5 —— 109 107.6 ttöln-Reuelleu.■•••••• . e — 126.3., 129 Mannesmann....... . 8 — 124.9 125.4 124.2.5 fflatiefelbet ...... . 7 114 114 113.6 Cberldilel Cilenb. 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Unter Zugrundelegung der Reichsverdin- gungsotdnung und der aufgestellten Verdingungsunterlagen sollen die beim Umbau des Rentnerheims in der Prooinzialpflege- anftalt in Gießen vorkommenden inneren Anstreicherarbeiten im Wege des öffent- lichen Wettbewerbs vergeben werden. Verdingungsunterlagen können, sowett der Vorrat reicht, irr Bureau des Verwaltungsgebäudes in der Provinzialpflege- Anftatt während der Dienststunden zum Sellrstkostenpreis in Empfang genommen werden. 10812D Angebote, die mit den Unterschriften an den bezeichneten Stellen ver ehen sein müssen, sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift, bis spätestens 13. d. 21L, vormittags 10 Uhr, bei der bautechnischen Abteilung des Ueberlandwerkes Oberhessen in Friedberg, Hanauer Straße 9, ohne Verbindlichkeit und Kosten für uns einzureichen, woselbst auch im Beilein etwa erschienener Bewerber die Angebote geöffnet werden. Zuschlagsfrist fünf Tage. Prooinzialdirektion Oberhessen, Gießen. Frankfurt a.M. Pferde-Märkte 10. 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Nr. 289 Mnstes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, .8 Dezember(928 Hoover Md panammka. Don <$. von Llngem-Sternberg. Schon die panamerikanische Konferenz, die im Januar dieses Jahres in Havanna zufanunengetreten war, und die von Präsident Coolidge persönlich eröffnet wurde, ließ die wachsenden Gegensätze zwischen den Nord- und den Lateinamerikanern erkennen. Man erwartete die Sen- sation eines offenen Zusammenstoßes und in der Tat gab der argentinische Vertreter Puigccrredon auf der Konferenz Erklärungen ab, die geeignet waren, die Versammlung zu sprengen. Dank "der vorsichtigen Eröffnungsrede von Coolidge aber, und infolge der finanziellen Abhängigkeit vieler lateinamerikanischer Staaten von Nordamerika gelang es, ernste Verwirklungen zu vermeiden, und die Konferenz von Havanna konnte sich in Frieden auflösen. In den süd- und mittclamerikanischen Ländern schwand aber deshalb nicht das Bedürfnis, sich von der oft aufdringlichen Bevormundung des großen nordamerikanischen Bruders zu befreien. Argen- tinien und Chile äußern häufig genug ihre Empörung über die nordamerikanische Einmischung in südamerikanische Angelegenheiten, und ganz im besonderen über die Auslegunader Monroe-Doktrin, wie man sie in Washington beliebt. Der Vorstoß C o st a r i c a s vor dem Völkerbund in Genf wurde in ganz Lateinamerika mit Genugtuung ausgenommen. Das kleine Costarica hatte sich zum Wortführer oller lateinamerikanischen Länder gemacht, wenn es vom Völkerbund eine Auslegung der Tragweite der Monroe- Doktrin verlangte. Wenn nun auch der Völkerbund sich der heiklen Aufgabe, eine Klärung der Doktrin herbeizuführen. zu entwinden verstand, so verstand man in den Vereinigten Staaten doch nur zu bem- lich die Anstrengungen, die man in Lateinamerika machte, um die Fesseln Washingtons zu lockern. Da man nun aus politischen und aus wirtschaftlichen Gründen in den Vereinigten Staaten gar nicht daran denkt, das Primat über den ganzen Kontinent aufzugeben, so läßt man es sich angelegen sein, um Lateinamerika zu werben. In diesem Sinne muß auch die Reise des neugewählten Präsidenten Hoover noch Mittel- und Südamerika gewertet werden. Es war das ein sehr kluger Schachzug, der gewiß seine Früchte tragen wird. Wenn Hoover geschickt die Klippen zu umgehen versteht, und auf alle Empfindlichkeiten Rücksicht nimmt, die sich ihm entgegenstellen, dann wird durch seine Gegenwart der panamerikanische Gedanke gestärkt werden. Die sehr einflußreiche Zeitung von Buenos Aires, „La Prenfa" schreibt zum Besuche Hoovers: Der Panamerikanismus bedürfe einer Neuorganisation. Aus dem politischen Gebiete müsse die Monroe-Doktrin aufhören das zu fein, was sie heute darstelle, nämlich eine einseitige norbamerifa« nische Willenserklärung, eine Art von Bevormundung über ben ganzen amerikanischen Kontinent. Aus wirtschaftlichem Gebiete müßten die Zollschranken fallen, um ben Panamerikanismus zu bem zu machen, was er sein soll. Ob nun gerabe Hoover zu einem solchen Ent- gegenkommen bereit fein werde, müsse man abwarten, er müsse sich mit Lateinamerika auf den Fuß der Gleichberechtigung stellen. Es ist nun, was die Beziehungen Lateinamerikas zu Nordamerika angeht, beachtenswert, daß sich gerade in der allerletzten Zeit Südamerika, trotz aller theoretischen Proteste, in immer größere finanzielle Abhängigkeit zu Wallstreet liegeben und schon im ersten Viertel dieses Jahres Anleihen in Nordamerika für Summen ausgenommen hat, die alle Anleihen vom Jahre 1927 zusammengenommen um ein Bedeutendes überfteigen, ^n zweiunbzwanzig verschiedenen Anleihen schuldet z. B. Argentinien Nordamerika 142 233 000 Dollar, ungefähr dieselbe Summe fällt auf Brasilien. Es folgt Columbien mit einer Summe von 64 770 250 Dollar. Es ist ferner zu beachten, daß etwa 80 Prozent des Fleischexportes aus Argentinien und Uruguay, und ungefähr derselbe Prozentsatz von Kaffee aus Brasilien nach den Vereinigten Staaten geht, und daß die ganze südamerikanische Wirtschaft ins Stocken geraten müßte, wenn diesem Export Schwierigkeiten bereitet würden. Die Petroleumfelder Boliviens sind zum großen Teil in den Händen nord- amerikanischer Kapitalisten, die Eisenbahnen stehen unter Kontrolle usw. Schlimmer als in Südamerika liegen die Verhältnisse in Mittelamerika, wo die Vereinigten Staaten nicht nur indirekt in die Geschicke des Landes eingreifen, sondern auch vor einer direkten Einmischung (z. B. Nikaragua und Panama) nicht zurückschrecken. Zur ersten Etappe auf seiner Südamerikafahrt hat Hoover Nikaragua gewählt. Gerade in der Geschichte dieses ständig von politischen Unruhen bewegten Landes ist die Jnterventionspolitik der Bereinigten Staaten ganz besonders deutlich geworden. Seit mehreren Jahrzehnten wurden in Nikaragua Regierungen gehalten oder gestürzt, je nachdem es bas Interesse Washingtons erforbertc In ber Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde der nord- amerikanische Abenteurer und Freibeuter William Walker Nikaragua als Präsident aufgezwungen, allerdings bald darauf wieder abgefetzt 1913 wurde bereits ein nordamerikanisches Marinedetachement in Managua gelandet, angeblich zum Schutz des Lebens und des Eigentums nordamerikanischer Bürger, die durch nichts bedroht waren. 1924 wurde Präsident General Solorzano mit Hilfe der Nordamerikaner von seinem Gegenkandidaten General Chamorro abgesetzt und die Vereinigten Staaten erklärten Puerto Gabeza zu einer neutralen Zone. Immer unter dem Vorwande einer Polizeiaktion, zu ber völkerrechtlich nicht die geringste Rechtfertigung vorlag, wurden auf Befehl des Vizeadmirals Latimer weiter« Truppen ins Innere Nikaraguas entsandt und schließlich mit Hilfe ber norbamerikanischen Bajonette Diaz zum Präsidenten von Nikaragua erklärt. Aus Dankbarkeit für seine Gönner schloß Diaz mit Washington sofort einen Vertrag ab, ber Norbamerika als Parallele zum Panamakanal das Recht eines Kanalbaues durch Nikaragua einräumt. Böse Zungen behaupten, daß die Vereinigten Staaten diesen Vertrag mit sich selbst abgeschlossen hätten, da ja Diaz nicht mehr als eine Strohpuppe Washingtons war. Auf alle Falle wird Nordamerika diesen Vertrag aufrecht erhalten, da die Beherrschung des inzwischen für den Verkehr ungenügend aeroorbenen Panamakanals, unb bes zukünftigen Nikaragua-Kanals für Nordamerika eine politische, militärische und wirtschaftliche Notwendigkeit ist, an ler alle völkerrechtlichen Bedenken scheitern müssen. Wenn nun die letzten Wahlen in Nikaragua ben Führer ber Liberalen, Monaeada, auf ben Prä- sibentensefsel gebracht haben, ber angeblich weniger gefügig als sein Vorgänger Diaz gegen die bereinigten Staaten fein soll, so wirb man sich in Washington barüber keine Sorgen machen. Norbamerika besitzt Druckmittel genug, eingeschlossen bie militärische Jnterventton, um jeben Widerstand gegen bie Interessen ber Vereinigten Staaten im Heim zu ersticken. Es scheint, baß der Besuch des Präsidenten Hoover in Nikaragua nichts an dem bestehenden Verhältnis geändert hat. Der Panamerikanismus in der nordamerikanischen Auslegung ist dort D i k - t a t geblieben, von einem Rückzug ber amerikanischen Truppen wirb nur bie Rebe sein können, wenn man in Washington sicher ist, baß man sich in Managua auch ferner gehorsam zeigt. Hoover ist weiter nach Honduras gereift, wirb P a - n a m a besuchen und sich dann nach P e r u ein« schiffen. Es muß stark bezweifelt werden, ob es Hoover gelingen wird, Südamerika davon zu überzeugen, daß das panamerikanische Ideal und die beanstandete Monroe-Doktrin nicht analoge Begriffe sind. Meine interessantesten Krimmalfälle. Die große pfund-Zälschuncsaffäre in London zu Beginn des Weltkrieges. Don (Sir Basil Thomson, ehem. Leiter von Scotland ljard. Copyright by United Press. — Nachdruck auch im Auszug verboten. Drei Monate nach der Kriegserklärung sah sich England von einem schleichenden liebel bedroht, das in feinen Auswirkungen auf die Stimmung des Landes leicht hätte verhängnisvoller werden tonnen, als selbst die Luftangriffe. Jeder Engländer war mit einer Goldwährung groß g e» worden; jetzt sollte er kein Gold mehr in ber Tasche tragen. Er hatte bie erften Schatz- scheine eigentlich nur unwillig als eine Kriegs- notroenbigteit angesehen und begann jetzt gerade, sich daran zu gewöhnen, als ich vom Schatzamt erfuhr, daß die Scheine gefälscht würden. Der Schatzscheine jener ersten Kriegstage forderte gerade zu zur Fälschung heraus. Er war aus Papier her- gestellt, das kaum besser als gutes Schreibmaschinenpapier war unb trug die Faximiliunterschrift von Sir John Bradbury — daher nannte man diese Scheine in der ersten Kriegszeit „Bradbury" —. Die einzige Schwierigkeit für ben Fälscher bot bas Wasserzeichen „One Pound". Man brachte mir gefälschte Noten, bie ich mit echten verglich. Der Unterschied war so geringfügig, bah kaum jemand die falschen Scheine zurückgewiesen haben würde. „Es ist eine sehr ernste Angelegenheit", erklärte ber Schatzamtsvertreter, ber mich besuchte. „Bisher sind in unserer Hand schon gefälschte Noten i n Höhe von mehr als zehntausend Pfund gelangt. Wenn das Vertrauen des Publikums zu unseren Noten erschüttert werden sollte, so wäre das ganze Land in ber Tinte. Gewiß gebe ich zu, daß unsere Note leicht zu fälschen ist. Wir arbeiten jetzt an einer neuen und werden bann all bie alten Noten zurückzuziehen. Aber bas erfordert Zeit, und bis dahin müssen die Fälscher gefaßt worden fein." Scotland Pard brauchte nicht sehr lange, um den Verbreiter ber falschen Geldscheine herauszufinben. Er arbeitete nach einem sehr einfachen Schema. Jeden Freilagnachmittag um fünf Uhr stellte sich ein gewisser früherer Zuchthäusler, der sich „E l l i o t" nannte, mit vollgepfropften Taschen in einer Kneipe in Jermyn Street ein. Niemand wußte, woher er kam, aber es gab genug Leute, die mtt ihm Geschäfte unter Bedingungen machen wollten, die dem Risiko entsprachen. Die Leute kauften ihm seine Pfundnoten zum halben Preise ab. Dann suchte sich jeder eine eigene Straße aus, mit Vorliebe eine bc« cheidene Gasse mit kleinen Läden, und arbeitete sich )ort in ber Dämmerung burch. Er ging in einen Laden unb kaufte sich ein Paket Streichhölzer ober ein Stück Seife, wovei er bie Pfunbnote in Zahlung gab unb sich den Rest in Silber zu- rückgeben ließ. Wenn er seinen Dorsal losgeworden war, so wartete er auf das Wieder- erscheinen von Elliot am nächsten Freitag. Elliot und seine kleinen Helfershelfer hätten wir natürlid) jederzeit verhaften können, aber das Wild, nach dem mir pürfchten, war ber geschickte Drucker, ber imftanbe war, ein Wasserzeichen nachzumachen. Warum, so wird man fragen, verfolgten mir Elliot nicht, und ließen uns durch ihn zu dem Drucker führen? In ben Detektivgeschichten rnird eine derartige Ueberwachung immer mit sehr viel Scharfsinn durchgeführt. Aber im rnirklichen Leben zeigt es sich, daß die Verfolgung eines Ehren- mannes von Elliots Erfal)rung von vornherein aussichtslos ist. Elliot kannte alle Schliche der Zunft, mit denen die Verfolger irre- gefiiljrt werden: den Hakenschlag, das Nasführen der Polizei, und das „Abschütteln" in Omnibussen und Untergrundbahnen. Zudem ließ er sich auf kein Risiko ein und hatte keine Mitwisser. Wir wußten nur von ihm, daß er am Freitagabend mit seiner Ware erschien und bann verschwcmb als sei er weggeblasen, und daß sich unter ben acht Millionen Einwohnern von Lonbon ein Künstler befand, der feinem Berus mit großem Fleiße oblag. Uns blieb schließlich nichts anderes übrig, als das Gewerbe selbst zu betreiben, wobei wir natürlich keine falschen Noten verausgabten, aber uns den Anschein geben mußten, als täten wir es. Einer unserer Leute trat als Käufer der Noten Elliots auf, und da es sich um einen Ausländer handelte, so ließ sich Elliot auf das Geschäft ein, wobei er allerdings so vorsichtig war, seinem neuen Geschäftsfreund genau auf bie Finger zu sehen. Unb das kostete uns viel Geld. Unser Vertrauensmann mußte insgeheim die falschen Noten gegen echte umtauschen, bevor er seine Straße „bearbeitete". Da er wußte, daß Elliot ihn beobachtete, mußte er sich mit großen Mengen billiger Seife beschweren und bann, nachdem er auf Kosten des Schatzamtes diesen Teil seiner Aufgabe hinter sich hatte, mußte er nach Elliots eigener Taktik den Verfolger „abfchütteln", bevor er zu uns kommen unb Bericht erstatten konnte. Dieses öde und kost» spielige Verfahren mußte eine ganze Reihe von Wochen hindurch fortgesetzt werden, bis unser Mann bas Vertrauen von Elliot gewonnen hatte. Inzwischen waren aber bereits Fälschungen in Höhe von sechz i g t ausenb Pfund (1,2 Millionen Reichsmark) feftgefteUt worden; wir selbst hatten bereits fünfzehnhundert Pfund an gutem Gelbe ausgegeben, und noch waren wir dem geheimnisvollen Drucker keinen Schritt nähergekommen. Bis bann ber Freitag kam, an dem wie gewöhnlich das kleine Zimmer im Oberstock in der Jermyn- Straße voll von Spielern war, zumeist Kunden von Elliot und unter ihnen auch unser Vertrauensmann, der viel Zu schlau war, als daß er je Fragen an Elliot gerichtet hätte. Seine Augen und Ohren waren offen, aber sein Mund war stets geschlossen. Das Roulette-Spiel war In vollem Gange; die Leute setzten ihr Geld In einer Atmosphäre von Tabakqualm, die man mit Messern hätte schneiden können als ein schmalköpfiger junger Mann in bem Zimmer erschien, sich das Spiel für einige Minuten ansah unb dann neunzehneinhalb Schilling setzte. Unser Vertrauensmann, ber den Fremden genau beobachtete, entdeckte Flecken von Druckerschwärze an ber Hand des neuen Spielers. Dieser setzte ein zweites und drittes Mal und verlor immer wieder. Die Summen, die er jedesmal auf den Spieltisch warf, legten die Annahme nahe, daß er seine eigene Ware vertrieben hatte; indessen mar nicht das leiseste Zeichen zrnischen Elliot und ihm ausgetauscht worden. Nachdem er zum dritten Male gesetzt hatte, verließ der Fremde höchst verdrossen das Zimmer. „Den jungen Mann kenne ich," bemerkte unser Vertrauensmann beiläufig zu Elliot, „er war doch damals bei Ihnen angeftellt, als Sie das Wettbureau hatten." „Nie!", erwiderte Elliot kurz angebunden. „Doch. Ich vergesse nie ein Gesicht, das ich einmal gesehen habe und ich erinnere mich sogar jetzt an seinen Namen. Es ist Dixon." „Wollen wir wetten?" „Selbstverständlich." Und unser Mann nannte einen Betrag. „Sie haben verloren. Er ist ein Drucker unb heißt Williams. Heraus mit dem Gelb!" Unser Vertrauensmann verbarg sein Triumph- aefühl hinter einer sauren Miene und zahlte. In Scotland Parb herrschte an diesem Abend gedämpfte Freude. Wenn wir nur herausfinden könnten, wo der Drucker Williams feine Arbeitsstätte hatte, fo mar Aussicht, daß unsere Mühen endlich doch von Erfolg gekrönt fein mürben. Die übliche Mitteilung würbe sofort an jedes Polizeirevier der Hauptstadt gedrahtet, und nach einer Weile erhiel- ten mir aus dem Norden von London bie Auskunft, baß man an einem hölzernen Stalltor in einer ruhigen Hintergaffe bie halb verwifchtenWorte „W illiarns,Drucker" entziffern könne. Gleich am nächsten Tage, einem Sonntag, begann die lange Wacht. Die Witwe, bie gegenüber dem Stalltore Zimmer vermietete, rnird sich über bie Gernohnheiten ihres neuen Mieters gemunbert haben, eines grauhaarigen Mannes, ber jeden Nachmittag sehr viel Männerbesuch erhielt, rnobei dann die ganze Gesellschaft sich die Zeit damit vertrieb, stumm durch die Gardinen auf die Straße zu spähen. Am folgenden Freitagnachmittag hatte er noch mehr Besucher als gewöhnlich. Sie verhielten sich besonders still unb starrten nur auf die Straße hinab, wo sich anscheinend nie etwas zutrug! Es fing an zu dunkeln, unb jetzt begannen auch die Ereignisse. Zuerst hörte man den Schritt eines Fußgängers, der am Scheunentor Halt machte und mit dem Fuß dagegen stieß. Das Tor ging auf und schloß sich hinter dem Mann. Sofort schlich ber Graukopf mit all feinen Besuchern lautlos auf die Straße, wo sie zu beiden Seiten des Stalltores Aufstellung nahmen. Plötzlich tat sich das Tor auf unb ein Mann trat hervor. Jetzt entstand Lärm genug, um die ganze Straße auf bie Beine zu bringen. Mitten auf dem Fahrdamm kämpfte der Mann mit ben stillen Mietern und brüllte dabei wie ein wildes Tier. Aus seinen Taschen flogen Schatznoten wie Schnee, bis die ganze Straße zugebeckt war. Als er schließlich bereits bis zur völligen Unkenntlichkeit zugerichtet war, gab er klein bei unb erklärte, er ergebe sich. Jetzt gingen bie Detektive, benn um solche hanbelte es sich, gegen ben Stall vor. Die Tür mürbe von bem jungen Mann geöffnet, ber fein Glück am Spieltisch versucht hatte. Beim Anblick ber Polizei mürbe er blaß unb sank ohnmächtig zu Boben. Der ganze Stall mar voll von Maschinen. In ber Presse lagen Noten, die noch feucht mären. Man brauchte nur am Griff zu drehen und konnte dann solange falsche Noten Herstellen, bis ber Arm lahm mürbe. Der Drucker und fein Vater hatten sich Jahre hindurch in ber Fälscherkunst vervollkommnet. Am nächsten Tage brachte ich ben Schatz- kanzler unb Sir John Bradbury zu dem Stall. Der Schatzkanzler McKenna drehte den Griff, mährend Sir John das Papier auflegte. Es ist wohl das erstemal in der Geschichte gewesen, daß ein englischer Schatzkanzler falsches Geld herstellte. Wer ich muß zu Ehren des Herrn McKenna hin- zufüaen, daß er sorgfältig auf jedes feiner Produkte mit Tinte „gefälscht" schrieb, bevor er die Noten in die Tasche steckte. Wann kamen die ersten Orgeln in unsere Landkirchen? In alter Zett gab es in unseren Kirchen noch keine Orgeln. Der Lehrer Jang mit den Kindern vor. Es war ber .Kantor^ unb leitete bie »Gesänge", gewöhnlich im Chor. Erst im 17. Jahrhundert haben die Orgeln in die Dörfer unserer Gegend ihren Einzug gehalten. Eine ber ersten Orgeln stand in der Kirche zu Lang-Göns. Sie war schon zu Ende des 30jährigen Krieges da. Eine der letzten Jahre dieses Krieges, 1646, ist aber für unsere Gegend besonders verderblich gewesen, die ganze Gemeinde Grohen-Lin- den verlieh z. B. in diesem Jahre in der Flucht vor den Kriegsvölkern ihre Stadt und überlieh sie ohne Einwohner den wilden Soldaten, um in der Festung Gießen Hnterfunft zu suchen und zu finden. In diesem Kriegsjahr sind auch die Pfeifen der Lang-Gönser Orgel zerschlagen worden. Da schon damals ein Orgelmacher in Lich wohnte, so muhte er herbei und flickt« für 10 f. das so beschädigte Werk aus. Grohen- Linden bekam seine Orgel erst 1669 oder 1670. Ein Bürger dieses Ortes, Johannes Pistor, machte gleichzeitig eine Stiftung. Er gab alle ferne Aecker her, damit der Organist aus ihrem Ertrag seine Besoldung fände. Das Org rigut ist beute noch da und merkwürdigerweise im Grundbuch nur als solches, ohne den Barnen bes eigentlichen Besitzers, die Kirch?, eingetragen. Der Name Pistor ist in Großen-Lindon ausgestorben. Er lebt aber noch in einem Flurgewann: Pistors Graben. Großen-Linben. O. Schulte. Neue Wagen bei der Reichsbahn 9000 bisherige 4.-filafferoagen werden mngeskallck. Heber 700 neue 2.-ülafferoagen. RDD. Die Deutsche Reichsbahn ist zur Zeit damit beschäftigt, die im Zusammenhang mit der Tarifneuordnung bzw. der Zusammenlegung ber 3. unb 4. Klasse notwendig gewordenen Qlen- derungen an den Personenwagen reft- los durchzuführen. Ihr Bestreben ist zunächst, in kürzester Zeit allen Kunden der Holzklasse Wagen zur Verfügung zu stellen, bie in ihrer Ausstattung bem bisherigen 3. ° Klasse - wagentHP entsprechen. Rach und nach sollen 9000 Wagen ber alten 4. Klasse zu Wagen 3. K'asse nach Maßgabe der verfügbaren finanziellen Mi tel umgebaut werden. Schon jetzt erhallen die bisherigen Wagen 4. K ässe Fenstervorhänge, und soweit sie noch Stehplätze haben, werden sie vollständig mit Sitzbänken ausgerüstet werden. Ausgenommen sind lediglich die Wagen, die dem Maritverkchr dienen; diese bemalten freien Raum für Traglasten. Ä^rbc usw. Die Aufw anber ung von Reisenden ber 3. Klasse in bie 2. Klasse hat übrigens das erwartete Ausmaß erheblich übertroffen. Bei vielen Zügen machte sich bereits ein Mangel an 2. Klassewagen bemerkbar, so daß eine Anzahl 3.-Klas ewagen mit provisorischen Sitz- und Rückenpolstern versehen werden muß. Diese Wagen werden aber nur vorläufig zur Aushilfe benutzt. Es sind 7 37 neue Wagen 2. Klasse in Auftrag gegeben, unb wenn der Reichsbahn in ber nächsten Zeit frische Anleihe- mittel zufließen, sollen weitere baon jedem, ber sich ber Bedeutung ihres Todesopfers für bie Lieberlebenden bewußt ist, gelesen werden müßte. Von besonderer Bedeutung ist. daß dieses Heft eine wortgetreue Wiedergabe der Ansprache des deutschen Botschafters in Paris gelegentlich der Gefallenen-Gebenkfeirr am Allericelentag auf bem deutschen Gesangenen- friedhof Jvrh bei Paris enthält. Hessischer Oberförsterverband Der 28. ordentliche Berbandstag des Hessischen Oberförster- Verbandes wu de dieser Tage in Frankfurt a. M. abgehal.en. lieber 70 höhere Forstverwaltungsbeam'en waren zur Stelle. Der Vorsitzende. Oberforftmeifter Heyer, begrüßte die Versammlung und hieß ins^sandere den Vorsitzenden des deutschen Forstvereins, Geheimrat Dr. Wappes und den Landfvrst- meiftcr Hesse herzlich willkommen. Er gab einen Rückblick über das abgelaufene Verbands- iahr. Eingehend wurde die wissenschaftliche Fort- oildung der höheren Forstverwaltungsbramen und insbesondere bie Ausbildung der Forstreferendare behandelt. Die reichhaltige Tagesordnung wurde reibungslos und zu allgemeiner Zu- friebenljeit durchgesuhrt. Am Schluß der Cßer- sammlung sprach der Oberforstmeister Augst dem 1. Vorsitzenden Heyer den wärmsten Dank für seine bewährte Führung aus. Sprechstunden der Redaktion 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. A n zeigenaofträge sind lediglich an bie Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird (eine Gewähr übernommen. MERCEDES-BENZ! 3239V Teppiche Taghemden mit Stickerei..... 1.45, 1.20, 450, 4.20, 4.00, W 350, 3.15, 3.00, 9336A .4.20, 3.75, 3L5, MIT HEIZUNG WOLF NETTER &JACOB|wEMe 8ERLIN w iS» Finnentrop ^westf 2.80, 2.10, Vertr.: Emil ßecaer, Dammslr.43, Gießen, Tel. 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Mit jedem Hammerschlag zertrümmerte er Kronen, seine Feuerzangen- zerrissen dre Adelsgeschlechter, er band sich den Lederschurz um, um auf die Darrikade zu steigen. Als ihm an einem lachenden Sonntag, am 29. Juli 1883, sein erster Sohn geboren wurde, da taufte er ihn nach dem mexikanischen Rebellen, der sich gegen den fremden, aus Oesterreich gekommenen Kaiser Maximilian auflehnte und schließlich auch vor die Gewehre brachte, nach dem siegreichen Benito Iuarez. Seit acht Tagen war die Sonne in das Zeichen des Löwen getreten. Mussolini selbst macht in seinen Erinnerungen darauf aufmerksam und die Astrologen versäumen niemals, den Finger auf die bedeutsame Konstellation zu legen. Lieber der Schmiede war die Schule unter- gebracht. Dort brachte die Mutter Benitos, la Signora Rosa, als lächerlich besoldete Lehrerin den Sprößlingen leidenschaftlicher Analphabeten die schwarze Kunst bei, während der Flammenschein an den Fenstern heraufschlug und das gefolterte Eisen schrie. Unten wie oben ging der kleine Mussolini in die Schule und schlug denn auch noch seinen Ellern: er wurde Schmied und Lehrer. Staatsgründer und Duce. Dom Baler wie von der Ratur selber Halle er das rebellische Blut in den Adern, lag doch die Schmiede in der aufrührerischen Romagna, in der Rahe des armseligen Dörfchens Predappio bei Forli. einer um jene Zeit nicht empfehlenswerten Gegend. Der alte Alessandro, der niemals in die Schule gegangen war, machte aus seiner Schenke in Dovia, nachdem er den Ambos ntit der Theke vertauscht hatte, ein richtiges Derschwörernest, wie wir es aus der wildromantischen Literatur kennen. Hier, so erzählt Mussolini in seinen Erinnerungen, die er im Gefängnis niederschrieb, verbreitete mein Dater die Ideen der Internationale: er gründete eine zahlreiche Bande, die später von der Polizei auf- gestbbert und zersprengt wurde. Am flackernden Herdfeuer erhitzte man sich an den Kampsschriften Michael Bakunins, des großen russischen Anarchisten, und der kleine Benito hörte mit großen Augen zu. Er ballte die Fäuste: Äh. eines Tages würde auch er die Fahne des Aufruhrs entrollen, das unterdrückte Dolk zum Dormarsch hetzen, kämpfen ...! Zunächst einmal ging er aufs Feld, zu räubern, was ihm unter die Finger kam. „Ich war ein verwegener Felddieb. In den Ferien arbeitete ich mit meinem Bruder Arnaldo im Fluh." Ein Ausdruck, der mit einem Fischerei- patent nichts zu tun hat. Natürlich nahm er auch nicht bloß Dogelnester aus. sondern stahl den Jägern die Lockvögel. Dazwischen mußte er in die Kirche gehen, aber der durchdringende Weihrauchgeruch, die schleppenden Kantilenen und das Gebrumm der Orgel fielen ihm auf die Rerven. Der Baler erzog sparta'.f^ Jeden Tag konnte der Junge mit blutende^' *' adel heimkommen, aber wehe, wenn ^r s ' rwischen lieh, heulte oder beim Funken, urschen die Augen schloß! Dann sauste der Hosengurt, bis es Benito gelang, dem Gewaltmenschen durch die Beine zu entwischen. Einmal, als der Bengel nach seiner herrischen Art von einem Kameraden verlangte, er solle ihm unverzüglich feinen neuen Schubkarren bringen, zog er den Kürzeren und plärrte der Mutter etwas vor. Da fuhr der Alte auf: „Was? Er hat dich verprügelt und du bist davongelaufen? Da! Lern, wie ein Mann sich verteidigt, statt wie eine Gans zu greinen!* Und eine fürchterliche Ohrfeige machte Benito verstummen — und grübeln. Am nächsten Tage stellte er den größeren Gegner und hämmerte so lange mit einem zugespitzten Stein auf seinem Kopf herum, bis Blut floß. Dendetta! Rache, das war das Losungswort der Romagna. „Nie- mals etwas einstecken, von niemandem, um keinen MM Vaiazzo l Roman von J. Schneider-Foersil. Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 16 Fortsetzung. Nachdruckoerboten. Die Baronin kam ahnungslos den Korridor entlang, als ihr Sohn, von dem Bedienten gestützt, eben die letzte Treppenstufe heraufschwankte. „Joachim!" r . . ., Für den Moment ein entsetztes Zuruckweichen, dann legten sich ihre Hande mitleidig um fein gelbes Gesicht. „Was soll das sem, mein Bubi Deine Lippen suchten unter halogeschlossenen Lidern nach chrem Munde. Ohne Widerstreoen gewährte sie seinem Dedürfnisfe nach Zartiichkeu und streichelte seine heißen Wangen. „Wo bist du gewesen, mein Junge?" „In der — Feminal —“ . „ „Joachim! —“ bat sie wehmütig vorwurfsvoll. „Die Frauen, Mutter! — Die grauenI Er lachte schluckend auf. Seine Hönde umklammerten chren Arm, daß ihr Gesicht sich in jähem Schmerz verzog. „Ich h—abe mein ganzes Geld verbraucht.“ Ein dunkles brennendes Rot der Scyam stürzte ifjr bis an die Schlägen. „Komm, mein armer Büb! — Wir wollen schlafen gehen. — Ich bleib bei dir, bis du ganz ruhig geworden bist. — Morgen ist alles wieder gut!“ „Wieder gut!“ lallte er nach und lieh sich willenlos nach seinem Zimmer.bringen. Dor chm kniend, löste ihm die Mutter die Bänder der Halbschuhe und ft reifte ihm die seidenen Socken ab. Er lehnte zur Hälfte über» geneigt gegen die Kissen, sah ihr flimmerndes Blondhaar und wurde plötzlich von einem heftigen Weinen geschüttelt. . „Ich heirate sie ja — Mama — ich heirate — sie" ja! — Ich habe mich — ja schon mit — ihr verlobt!" Auf zitternden Fühen hob sich die Baronin aus chrer knienden Stellung hoch. ..Mit wem hast du dich verlobt, mein Bub?“ Preis. Wer einen Schlag hinnimmt, ist ein Feigling!" So bläute der Revolutionär dem primogenito die erste Politik ein. Gewalttätig, verschlagen, rachsüchtig, lernbegierig, furchtlos und unstet, so war der Knabe und so blieb der Mann, mochte die rohe Mitgift der Ratur sich auch in der Lebensmühle etwas umschleifen. Don seiner Selbstbiographie blieb nur der Titel erhalten: Dalia strada al potere. Don der Strahe zur Macht. Ein Titel ober, der in die Geschichte übergehen sollte. Als der Schüler seiner Lehrerin über den Kopf gewachsen war, brachte sie chn, vierzehnjährig, ins Colleaio. in_ die Erziehungs- anstall der Padri Salesiani in Faenza. Dort saß er an der dritten mensa, der ärmsten. Die Bille der Mutter um eine Unterftütjung für den „vielversprechenden Schüler" war abgeschlagen worden. (Benito reiste mit verbundener Hand ab, denn ein Abschiedshieb, den er einem Kameraden versehen wollte, war fehl und an die Mauer gegangen. Zweihundert Meter nach dem Abmarsch stürzte der Zugesel, was der Dater als ein böses Zeichen ansah. Zweimal wurde denn auch der Musterschüler aus der Anstall hinausgeworfen. Monatelang konnte er Ruhe behalten, dann aber überkam ihn plötzlich das Temperament, er wurde eine Beute seiner herrischen und dunklen Instinkte. Wegen eines Wortes, eines Blickes, wegen eines Nichts hieb er mit den Fäusten drein und verbreitete Schrecken unter Kameraden und Erziehern. „Mussolini," flüsterte ihm der Rektor nach einer zwölftägigen Strafe, die verschärft wurde durch vierstüickiges Knien auf Steinen oder Maiskörnern jeden Tag ins Ohr, „dein Gewissen ist schwarz wie die Hölle. Geh hin und beichte!" Er verweigerte die Konfession, versteckte sich. „Meine wahre, meine wirkliche Geschichte, mein ganzes Leben ist in diesen fünfzehn Jahren enthalten. Damals habe ich mich geformt Alle Keime meiner späteren Entwicklung lagen schon damals in mir.“ Nachdem er das Lehrerseminar in Forlim- popoli absolviert hatte, kehrte der achtzehnjährige Mussolini in die Heimat zurück und bewarb sich um die eben frei gewordene Stelle des G e - meindeschreibers. Aber der revolutionäre Geruch, der bereits von ihm ausging, war so stark, daß die QlZacifl raten zurückschawerten. „Ei-cs Tages werdet ihr euch schämen," schrie da der Dater dem Bürgermeister ins Gesicht, „wie sich heute der Geburtsort Crispis des Tages schämt, wo er seinem großen Sohne die Stelle des Ge- me'.ndcschreibers verweigerte!* Eettsame Analogie, in der Tat Auch Crispi war um diese Zät der Jahrhundertwende die schwarze Bestie für Sozialisten und Demokraten, wie sie zwanzig Jahre später Mussolini werden sollte, der einmal von Crispi sagte, er habe das Glück eines sehr schlechten Charakters, er sei eigenmächtig, ein Menschenverächter, unnachgiebig und jähzornig, aber talentiert, mit politischem Sinn und Patriotismus begabt — Eigenschaften, die er mit zwanzig und, nur ausgeprägter, mit fünfzig Jahren gehabt habe. Unwürdig befunden der Beamtenlausbahn, schien er gerade recht für einen Iugend- erzieher. Die 56 Lire Gehalt im Monat konnte eine Gemeinde eher aufbringen. So wurde er, in die mütterlichen Fuß topfen tretend, Schullehrer in Gualleri Emilia, einem am Po gelegenen Dörfchen. Ein Ki ometer zum Fluß, zwei Kilometer zur Schule. Tagsüber brachte er feinen Jungen das ABT, Sonntags den Dau rn Ver- ständnis für die Revolution bei, nachts hieb er Heharlllel für die roten Blättchen hin. Er verschlang Marx, er träumte von Sorel, aber an Garibaldi konnte er sich berauschen. Der noch unverstandene Frrih itsdurst quill: ihn wie der schon bewußte perhnliche Ehrgeiz. Als Dolks- redner feierte er seine ersten Triumphe. Im heimatlichen Derschwörernest sprach man darüber, der Dater Alesfandro war stolz, den rechten 2kuifnamen gefunden zu haken, und zerschlug eines Tages die Wahlurne vor Freude und Zorn. „Sor Rosa" sah einsam daheim — der Mann im Gefängnis, der wilde Sohn in der Fremde, wer weiß wo. Denn das Dorsschulmeisteclein war des Bakels und der Schulden überdrüssig geworden. Eines Tages hing von der ganzen Pädagogenherrlichleit nur noch der Mantel da. Den behielt die Wirtin als Pfand, und im Dors weinten ein paar Mädel. „Ich beschloß, mein Glück in der Schweiz zu verbuchen. Telegraphierte an meine Mutter um Geld und sie schickte mir 45 Lire. Am 10. Juli 19C2 tarn ich in Dverdon an, 2 Lire und 10 Genie! im i in der Tasche." Cs kamen die Tage des Hungers, der Landstreicherei, der Bekanntschaft mit schwedischen Gardinen. Immer streifte der Rebell mit dem Aermel das Gefängnis, elfmal sah er darinnen. Als Handlanger verdiente er bei elfstündiger Arbeitsz-.it, während der et 121 mal Steine auf einen Neubau hinaufzuschlrppen hatte, 32 Cen- ttmes in der Stunde. Sein Charakter hielt die schlechte Behandlung nicht länger aus, als sein Schuhwerk. Rach einer Woche finden wir ihn in Lausanne. wo die sauer verdienten Batzen schnell zu Ende gingen. „Eines Montags hatte ich als einziges Metallstück eine verniael.e Marx- medaille in b:r Tasche." „Da mir der Hunger die Eingeweide zusammen- krampste, so dah ich nicht mehr herumlungern konnte hockte ich mich auf den Sockel des Wilhelm- Tell-Standblldes. Ich muh etwas Furchtbares im Blick gehabt haben, denn die Betrachter des Denkmals musterten mich mißtrauisch und ängstlich. Oh, wenn jetzt De Dominici gekommen wäre, mir seine Moral zu predigen, mit welcher Wollust hätte ich ihm die Kehle abgeschnttten!" Abends drückt er sich am Kai in Ouchy herum, schaut durchs Gittec ins Hotel Drau Rioage, wo die Musik spiell. Schon macht er Miene, ein reiches Paar um ein Almosen zu bitten, aber das Wort stirbt auf seinen Lippen. „Fluchend reiße ich aus. Ah, heilige Anarchie in Idee und Handlung! Wer am Boden liegt, hat der nicht das Recht, den zu beißen, drr ihn tritt? Der Bauch ist ein böser knurrender Hund.*' Mussolini übernachtet unterrn Brückenbogen. Einmal, als er es sich in einer leeren Kiste bequem gemacht hat, stöbert ihn die Polizei auf. Verhaftet wegen Dagaaundie.ens. Genau zwanzig Jahre später, kurz nach dem Marsche auf Rom, sieht erals Winisterpräsidentaus dem Fenster seines pompösen Hotelappartements auf die nämliche Brücke hinunter und als der Polizeichrf hercintritt, den Vertreter Italiens an der interna tonalen Konferenz zu fragen, ob et mit dem Siche.hrisdirnst zufrieden sei, fragt er ihn lächrlnd: „Erinnern Sie sich — dort unten hat mich feiner seit Ihre Polizei verhaftet.' Woraus der Schweizer, sehr fein: „C’est la vie Monsieur le President.“ Aus dem Maurer wurde ein Student, ein Mensch, der, gleich Lenin, am Herde der Freiheit studierte, wie man am besten eine Revolution macht. Der Same der vä erlichen Schenke schoh üppig auf. Bakunin, Sorel, Mussolini — der Ring schloß sich mit Leich, igkeitt Vorarbeiter, Spezialist für Fensterangeln, Ausläufer eines Weinhändlers, entwickelt der Werkstudent einen unbändigen Appetit für leibliche und geistige Nahrung. Barfuß und barhäuptig, mir mit Hose und Hemd bekleidet, schiebt er feinen Karren durch die Grande Rue, um kurz daraus feinen Nietzsche hervvrzuziehen. Er gerät, wie alle politischen Wanderer, in russische Zirkel. Der Samowar dampft, men disku iert mit hrißen Köpfen und liebt mit heißen Herzen, dazwischen Unmengen von Zigaretten vertilgend. Denitouchka heißt er bet feinen Schönen. Natürlich ist er gegen alle und alles, Christentum und Bibel nicht ausgenommen. Jesus tut er im Stegreif ab. Reiht bei einer Konferenz Danderveldes das Korreferat an sich und wird von dem getoieg en belgischen Sozialisten erbarmungslos abgestoch.n, so dah er seiner russi'chen Freundin schwör., das Evangelium überhaupt nicht mehr in den Mund zu nehmen. Aus Genf ausgrwiesen, flüchtet der Anarchist über die französische Grenze, dann taucht er in Zürich auf, wo er Liebknecht und Lassalle übersetzt und sich an die fana i,che Angelika Dala- banoff anschließt, die er svä er in die Redaktion des Äv7N i übernimmt Die Dal abanoff verzehrte in Zürich den Morgen zum Frühstück einen feiten „Mit — Maria Richthofen I" „Joachim 1“ „Jaa — —Ein verlegenes Lächeln stand um seinen fahlen Mund. „Heute mittag, Mama!" „sind abends warst du in der Femina I" mahnte sie mit einem verräterischen Schimmer m den Augen. „Well — well —." Er warf, abbrechend, das Gesicht gegen ihre Schulter. Wortlos hiell sie den Sohn an sich gedrückt. Ihre Hände strichen über seine Arme und sein feuchtes Haar bis er ganz ruhig wurde und, von ihr gestützt, in die Kissen zurückglitt. Noch einmal hoben chn ihre Hände hoch, als Oskar mit einer Tasse schwarzen M.klas erschien. Joachim trank chn, wenn auch mit Widerwillen, dem bittend befehlenden Blick der Mutter gehorchend. Die Finger, wie einst in den Tagen sorglosester Jugend zwischen chre kühlen, bebenden geschoben, schlief er nach wenigen Minuten ein. Noch gegen zwei Uhr nachts aber stand eine Frau in der Villa Hettingen am offenen Fenster, beide Hände vor das Gesicht gedrückt, und weinte um ihr Kind, das chr Maria Richthofens Liebe genommen hatte. Hettingens schöne junge Braut stand vor dem großen dreiteiligen Anlleidespiegel chres Zimmers. Ein schwaches Beben in den seingeschwun- genen Nasenflügeln, die Lchpen halb geöffnet, ein Flimmern und Zittern in den großen, märchenhaften 'Augen, betrachtete sie ihr Eigenbild. Aus dem tiefen Dekollete des Abendkleides schimmerten Nacken und Arme in mattweißem perlartigen Glanze. Ohne Puder und Schminke leuchtete chre Haut in blütenhaster Süße durch das zarte Gewebe der Brüsseler Spitzen, die Rücken und Brust in keuschem Verhüllen umspannten. Ein dunller kreisförmiger 'Flecken hob stch bi Achselhöhe von der tadellosen Färbung ihres Oberarmes ab. Ihre Lippen wölbten sich zu einer vollen Schale ungeschmälerten Gebens: „Joachim!" Hier, an dieser Stelle hat fein Mund zum erstenmal geruht. Unfähig, jeden klaren Gedankens bar, boten sich ihm ihre Lippen, ohne daß er darum gebeten hätte. — Ein jähes Rot glühte über chre Wangen. Sie hatte chm zu o.fenfichttich gezeigt, wie sehr sie ihn liebte. Aber sie konnte nicht anders. Würde nie anders können. In drei Wochen war sie fein Weib! Ein Schauer jagte über ihren Körper. Im Moment verspürte sie beinahe Furcht vor chm. Dann ein Aufschrei: Im Spiegel sah sie chn hinter sich stehen. „Ioachim!" Ihre Arme fielen herab, während die seinen sich erhoben und sich um chren Körper legten. Sie eng an sich pressend, bog er chr Gesicht nach seiner Brust zurück. Aug in Aug standen sie, bis chre Lider sich fentten. „Ich verbrenne unter deinem Blick, Joachim!“ Er lächelte: „Kind, was tust du so erschrocken?" Reglos hingen chre Arme an dem erzitternden Körper herab, bann hoben sich chre Hände langsam hoch und strichen seine Wangen entlang. Als er chre Lippen freigab, legte sie das glut- farbene Gesicht dicht an seine Schulter. „Sieh mich an, Maria!“ „Ich kann nicht jetzt!" „Liebst mich nicht?" „Joachim!" Sie muhte es überlaut geschrien haben, denn die Türe wurde hastig geöffnet, und Leopold Richthosen erschien auf der Schwelle. Erschrocken zog er einen Fuß zurück. „Ra — aber so was! — Du mußt verzeihn, Mizzerl! Ich hab gemeint, du hast mich grufn! Ich hätt sonst anklvpst!“ Abbittend sah er in das erregte Gesicht des Freundes, dessen Augen an chm vorbeiirrten. „Ich wollte Maria nur in die Oper abholen. Du erlaubst doch, Leopold?“ »Aber ja, bitte. Alterle! Sagt ja eh rriemanb was dagegn. Warum sollst nicht kommen dürfen, zu jeder Stund. Bist doch fein Fremder netl Und V Mizzerl, die kann's eh schon nimmer der- wartn, bis f „ja" asagt hat am Standesamt. Wann das noch drei Wochn so fortgeht, bleibt bloß noch ein Häuferl Aschn von ihr übrig.“ Er lachte auf und drehte Joachim scharf gegen das Bourgeois und abends zehn Zaristen. Später wurde sie wegen ihrer Ilmtriebe aus Italien ausgewiesen, während des Krieges mit Lenin und Trotzki in plombierten Wagen durch Deutschland nach Rußland gebracht, wo sie ihr häßliches Figürchen auf die Kissen der Zarin bettete, bis man sie als nicht genügend bolschewistisch auch aus der Heimat hinauswarf — zur gleichen Zeil, als der „Verräter des Proletariats", ihr Freund Mussolini, inzwischen königlicher Ministerpräsident getoo den, die Sowjetrepublik anerkannte und einen Botschafter nach Moskau entsandte. Endgültig des Landes verwiesen und mit Gewalt an die eidgenös fische Grenze g b acht, erwartete Mussolini in Italien d i e .uniform. Als Älmftürjler wurde der Rekrut nicht gerade mit offenen Armen ausgenommen, hiell sich aber wacker. 1907 ist er wieder Lehrer in Tolmezzo. Schlechtes 'Führungsregister. Man heißt ihn allgemein nur den Tyrannen. Keine Schürze ist vor ihm sicher. Keine politische Versammlung vor seinen Fäusten. Die ersten Blitze der Revolution zucken auf und jedeSmal beleuchten sie grell dieselbe Gestalt: Mussolini. An der Spitze aufrührerischer, sabotierender Laglöhner wird er verhaftet. Man macht ihm den Prozeß. So wird er berühmt in Italien und die Sozialisten jenseits der Grenze, im österreichischen Trient, holen ihn als Apostel der Internationale, machen ihn zum Sekretär der Arbeitskammer. Bald findet er Muße, an seine Freunde zu schreiben: „Das Gefängnis ist ein überaus angenehmer Aufenthalt . . Arbeitslosigkeit und Kaufkraft In dem Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung wird über Arbeitslosigkeit und Kaufkraft u. a. ausgeführt. Die jüngste Entwicklung der Arbeitslosigkeit läßt den Einfllrß drr Iah.eszeit auf die Beschäftigung deutlich erkennen. Die Zahl bet Haupt» Unterstützungsempfänger in der Arbellslosenver- sicherung und Krisenunterstützung stieg von Ende Oktober bis Mitte November von 764 000 auf 904 000, gegenüber 521 000 Mitte November 1927. (Dabei sind die infolge der Arbeitskämpfe Feiernden nicht mttgerechnet.) Da gegenwärtig die Arbeitslosigkeit über den saisonrnäßigen Grad hinaus zu- nimmt, erfährt dir Einkommensbildung eine en f rechrr dr übersaisonmäßige Verminderung, dir sich für den Einzeih iniel um so mehr auswirken muh, als sie in der Zeit einsetzt, in der viele Branchen drs Einzelhandels mit dem saifonmäßig größten Umsatz zu rechnen haben. Hinzu kommt, daß zur Zeit auch die Arbeitslämpfe das Kauf, raftvol amen be.intrichtigen. So ergibt sich z. D. durch den Strell drr Werftarbeiter in den Monaten Oktober/November zusammen ein Ausfall an Lohneinkommen von rund 17 bis 18 Millionen Mark (gerechnet nach den Lohnsätzen, wie sie vor Beginn des Streiks in Kraft waren). Für die Aussperrung im rhrinisch-westfäli'chen Industriegebiet (Arbeit: Nordwest) ist mit einer weit größeren Summe yi rechnen. Zunächst kann man freilich nur die mehr als 200 000 unmittelbar betroffenen Arbeiter in Rechnung stellen. Welche Auswirkungen darüber hinausgegangen sind, läßt sich vorläufig zahlenmäßig nicht erfassen. Ausgehend von den Druttoarbeitsverdiensten im Oktober wird man für November mit einem Verdien st ausfall von 45 b i s 50 Millionen Mark rechnen können. Dem ist gegenüberzustellen, daß die ausgesperrten Arbeiter Unterstützungen an Stelle drs Lohneinkommens erb Len haben, die mit etwa 17 bis 18 Millionen Mark anzusetzen sein dürften, so daß sich der Kaufkraftausfall im November auf etwa 30 Millionen Mark stellen dürfte. Im Vergleich zu dem gesam'en Arbeitseinkommen (monatlich 3 bis 4 Milliarden Wart) ersch'int der Ausfall von 30 Millionen Mark verhältnismäßig kl.in. Die besonderen Wirkungen der Aussperrung liegen aber darin, daß sich der Kauskrafteattzug auf. ein engeres Wirtschaftsgebiet beschränkt hat, wo die Arbeiter den ausschlaggebenden Teil drr Käufer bilden. Der Kauf- krastaussall durch den Werftarbeiterstreik verteilt sich dagegen auf mehrere Wirtschastsgebietz». Lichtt „Dir geht es, schnitt mir, nicht besser! Ausschaun tust, mein Lieber! — Hast keinen Spiegel hängen bei dir z'Haus? Da mußt nei- schaun! — Mizzerl, wannst net stärker auf ihn acht gibst, kannst mit einer Leichn Hochzeit machn!" Ratlos sah Maria in Joachims schmal gewordenes Gesicht, in dessen Mundwinkel ein scharfer Zug eingeschrieben stand. „Bist du krank. Liebster? Ich könnte nicht anders, als mit dir sterben." Richthvfen drehte sich auf dem Absatz lackend zur Türe hin. „Nq aifo, da hast es schon! — Kinder, wer wird denn die Liab so übertreibn. Dauert ja eh ein ganzes Leben, wann man verheirat is. — Wolln wir gehn jetzt? D Fraui Mama hat schon antelephoniert, Joachim, wir solln pünktlich fein. — Ich freu mich schon auf die Ieska, wann s' die Colombine spiell hrut im Bajazzo! Da pumpert mir 's Herz jetzt schon." Er streckte mit einer verzweifelten Gebärde die Arme aus. „Zu Hilfe — Silvio!" „Unheimlich wahr ist sie als Redda immer," sagte Maria und fröstelte zusammen. „Sie hat Erfahrung in solchen Dingen!" toarf Joachim knapp ein. Maria wußte sich ben aus Schmerz und Spott gemischten Zug feiner Augen nicht zu deuten. Eng) an seinen Arm geschmiegt, ging sie mit ihm die Treppe hinab zum Wagen. Hand in Hand faßen sie sich gegenüber, während Richthofen neben feiner Schwester Platz genommen hatte. „Weißt es schon, Achim, daß die Lembachev Werke umgschmissn habn?" Herr Leopold ließ fein Feuerzeug aufflammen und setzte feine Zigarette in Brand. „Aber der Kerl, der Baron Lembach, hat Glück in der Liab. Hat eine Amerikanerin erwischt mit einer Million oder mehr — Dollar natürlich — das hat ihm wieder auf d' Füh ghvlfn. Gestern hat er sich a Rennroh kauft und an Steyrer Wagn, und im Spätherbst fahrt er mit seiner Dollarprinzessin ; zu ihre Leut hinüber." (Fortsetzung folgt) Weihnachts-Verkauf Karl Beck Gefütterte la Seidenschirme- Sdnihhaus Konrad Weidemann lertelbfliintertlMfi (Heben, Seltersweg 71 1077ID Schwachstrom-Anlagen Feuermelder / Telephone Fabrikat Siemens engasse2t llllllllllllllll llllllllllllllll 3rih. Gusfcti’ Bergan Bevor Sie eine Standuhr kaufen, besichtigen Sie unverbindl. mein gutsortiertlager Zlegenfelle.alleOröhen Angora- und Schafte!le Auto- und Fubtascbeo für Tisch und Diwan. Auto und Reise, aus Tuch, Gobelin, Plüsch, Kamelhaar usw. Wolle für Handarbeiten aller Art Heinrich Balser / trieften Kaiserallee (Ecke Georg-Philipp-Gail-Straße) / Fernsprecher 384 Elektrische Licht- und Kraftanlagen Durrouo- BöötnofnineD aller.. Diemut., freite-. 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