Ur. 264 Erster Blaff 178. Jahrgang Donnerstag, 8. November 1928 (Kt|d)ttnt tagliä),a»6et Sonntage and Feiertags Beilagen (Bießen« ^amdtenblflttp Hermal >m Bild I Die Scholle monats-Ec-ngspreti; 2 Reichsmark und 20 Relchspfe«ntg für Träge» lohn, auch bei Richter- scheinen ernzetnerRummrtA rnfalge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse: 51, M und 112 Anschrift für Drohtnach' richten »nzetger Stehe«, vostscheckkomo. fireimnrt am Main 11688. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnlck Mlv Verlag: vrühl'sche Unioerfitüf5'vuch> nnö Stditdrnderd B. Lange in Sietzen. Schrlftlettmrg und Geschästrftelle: Zchulstratze r. Lnuahme oeo Änjeigen für die lageenummet bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig, für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh Lange. Derantworllich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil fiurt Hillmann. sämtlich in Gießen Hoovers Wahl zum Präsidenten der Lt. S. A. Die Wahlschlacht. Jlengotf. 7. Roo. (IBIS. Junffprud).) Aus dem Verlauf der Präfidenlfchaflswahl. die sich diesmal durch einen Rekord der Wahlbeteiligung aus- zeichnete, ist als bemerkenswert hervorzuheben, duft dem demokratischen Kandidaten 5 mlth, dem Gouverneur des Staate» Reuyork, die Wahlmännerstimmen diese» Kreise» verloren gegangen sind, obwohl die Stadt Reuyork selbst überwiegend demokratisch gestimmt hat. Welter sind dem demokrallschen Kandidaten verschiedene Kreise ver- loren gegangen, die In früheren Wahlen ausnahms- lo» demokratisch gestimmt haben. Auch die Farmer de» mittleren Westen» haben anscheinend ihre Stimmen für Hoover abgegeben, obwohl man im demokratischen Lager gerade aus Farmerkreisen eine starke Unterstützung der Kandidatur Smiths erwartet hatte, namentlich nach dem Senator Morri» von den Republikanern abtrünnig geworden war. Um 10 Uhr war Hoovers Sieg bereit» gesichert. Die in den solgendeu Stunden ein- trefsenden Ergebnisse au» den abgelegensten Distrikten, die die Stimmen für Hoover lawinenartig anschwellen Netzen, gaben diesem Sieg dann den Eharakter dessen, was in amerikanischen Politiken Jargon al» „Erdrutsch" bezeichnet wird. Trotz der ungeheuren Wahlbeteiligung blieben störende Zwischenfälle verhältnismätzig gering, wo sie vor- tarnen, erklärten sie sich öielfad) daraus, datz in vielen Städten, wo keine Stimm-Maschine zur Verfügung stand und mit Stimmzetteln gewählt werde.» muhte, die Wahllokale derart mit Stimmzetteln übersiutet wurden, datz Fässer zu ihrerAuf- bewahrung herbeigeschafst werden muhten. Reuyork ebenso wie die kleinste Stadl des Landes bot ein Bild gespanntester Erwartung. Auf den Straften, in denen sich Kopf an Kopf drängte, in den Restaurants und anderen öffentlichen Lokalen, ja, selbst im Zuchthaus Sing- Sin g wurden die Wahlergebnisse durch Rundfunk und Lautsprecher bekanntgegeben. In den groften und eleganten Hotels, in deren Gesellschaftsräumen sich ungezählte Gäste für die Wahlnacht eingesunden hatten, hielt man mit der Begeisterung über den Sieg Hoovers nicht zurück. Die Reuyorker Gesellschaft hatte die erste Hälfte des wahlabends in der Metropolitanopera verbracht, wo Richard Strautz' „Aeg optische Helena" mit Laubenthal und der Jeriha in den Hauptrollen in einer glänzenden Aufführung zum erstenmal über die Szene ging. Als hier die ersten Rachrichten über den Sieg Hoovers eintrasen, äufterten die bekannten Vertreter der Finanzwelt, die wegen der Auswirkung der Präsidcntschafts- wahl auf die Börse Besorgnis halten, bereits grötzte Befriedigung, während sich rasch nachher herausstellte, datz nicht nur das Fortbestehen einer republikanischen Regierung gesichert war, sondern datz Hoover wahrscheinlich mehr Wahlmänne r st i m m e n erhalten wird, als h a r d i n g und Eoolidge seinerzeit erhielten. Auf Grund des Wahlsiegs der Republikaner wird Senator Charles Curtis Vizepräsident werden. Obwohl noch nicht alle Resultate vorliegen, ist es wahr- scheinlich, datz Franklin Roosevelt Gouverneur des Staates Reuyork werden wird. Rach Schätzungen der Reuyorker Polizei zählte die Menge, die abends und nachts die Bekanntgabe derwahlrefultate erwartete, allein auf dem Times-Sguare etwa 45000 Personen. Obwohl es sich vorwiegend um Anhänger der Demokraten handelte, nahm die Menge dennoch im allgemeinen auch ihrem Kandidaten ungünstige Ergebnisse mit guter Laune auf. _ In E h i t a g o , wo die Gefahr von Zwischenfällen besonders nahelag, hatte sich auch die Dundes- behörde am Schuh der Wahllokale beteiligt, in deren Rähe Bundespolizeibeamte mit Maschinengewehren in Bereitschaft gehalten wurden. Es ereigneten sich jedoch keine Zwischensülle von Bedeutung. In Kansas-City wurden 250 Personen wegen Störung der Wahlhandlung verhaftet. Hosvers Sieg. Washington, 7. Rod. (WB.) Präsident Eoolidge hat an Hoover einen Glückwunsch gerichtet, in dem er den großen Erfolg Hoovers hervorhebt und hinzufügt, er erblicke in diesem Eintreten der überwältigenden Mehrheit des amerikanischen Volkes für die Republikanische Partei gleichzeitig eine wundervolle Vertrauenskundgebung für seine eigene Regierungstätigkeit. Runmehr könne er sich befriedigt zurückziehen. Kellogg hat Hoover ebenfalls einen Glückwunsch übersandt. Er bezeichnet das Wahlergebnis als großen persönlichen Triumph Hoovers und als Beweis, datz das amerikanische Voll mit der republikanischen Politik zufrieden sei und keine Aenderung wünsche. Die erste Ehrung als künftiger Präsident wurde Hoover in seinem Heim in Palo 3lto von den Studenten der Stanford-Universität dargebracht, denen Hoover in einer kurzen Ansprache dankte. Währenddessen warf ein Flugzeug 21 Sternraketen ab. Aus der Flut der aus dem ganzen Land einlaufenden telegraphischen Glückwünsche ist ein Telegramm des Vorsitzenden des republikanischen Waylkomitees von Reuyork hervorzucheben, in dem es hcitzt: Sie verdienten diesen wundervollen Sieg, da Sie in einem Wahljahr, in dem die Opposition, um den Ausgang des Wahlkamvfes zu beeinflussen, andere Probleme in die Debatte zu werfen versuchte, darauf bestanden haben, datz die wirtschaftlichen Momente erörtert werden. Die Frühausaaben der Blätter beider Parteien heben den überwältigenden Umfang von Hoovers Sieg hervor. Die demokratische »World" hält es für möglich, datz Hoover 455 von den 531Wahlmännerstimmen auf sich vereinigt. Die republikanische Zeitung »Herold and Tribüne" hält 356 Wahlmännerstimmen für gesichert. Die demokratische „Tieto Bork Times" glaubt, datz Smith nur mit 88 unbedingt sicheren Stimmen rechnen kann. Smiths Wahlerfolg war im wesentlichen auf einige Großstädte beschränkt. Eimelne lokale Erfolge konnten allerdings auch die Demokraten auf- weisen. So erscheint in Reuyork der Sieg des demokratischen Senators Eopeland über Botschafter Houghton gesichert, ebenso der des de- mokrattschen Kandidaten für den Gouverneurposten über den republikanischen Kandidaten Ottinger. „Herald and Tribüne", die republikanisch ist, und die „Tieto Q3ort Times", die demokratisch ist, feiern in gleicher Weise in ihren Leitartikeln Hoovers Sieg. Das republikanische Organ bezeichnet das Wahlergebnis als Triumph der Vernunft über die Sentimentalität. Selbst in der Prohibitionsfrage habe Smith anscheinend die Wähler nicht zu feinem ablehnenden Standpunkt bekehren können, obwohl kein Zweifel bestehe, datz die Bevölkerung irgend eine anständige Lösung dieses Problems wünsche. Die ,Rew Bork TmieS" führt aus, Hoovers Wahlsieg entspreche seinem Ruf als Administrator, den er sich in der Vergangenheit geschaffen habe und dessen Berechtigung er nun endgültig zu beweisen haben werde. Hauffestimmung der Aeuyorler Börse. Reuyork, 7. Rov. (WTB.) Die Wahl Hoovers bewirkte in Wallstreet eine neue starke Haussebewegung. Aus allen Teilen der Welt lagen riesige Kaufaufträge vor, zu deren Bewältigung die Dörsensirmen alle verfügbaren Kräfte heranziehen mutzten. Die Kurse stiegen bereits zu Beginn des Börsenverkehrs um bis zu 10 Dollars, dann erfolgte jedoch teilweise ein Rückschlag, weil angesichts der Un- sicherheit, die dadurch hervorgerufen wurde, daß der Börsenticker um 40 Minuten im Rückstand war, Realisationen vorgenommen wurden. Genugtuung in England. London, 7.Rov. (Täl.) Der starken Aufwärtsbewegung der Reuyorker Börse nach De- kanntwerden der Wahl Hoovers ist auch die Londoner Börse gefolgt. Alle amerikanischen Werte waren stark gefragt und konnten ziemliche Kursgewinne verzeichnen. 3n politischen Kreisen beschränkt man sich vorläufig auf formale Glückwünsche zu der Wahl Hoovers und vermeidet jeden Hinweis, als ob sich die englische Politik irgendwie mit der republikanischen oder demokratischen Seite verbunden fühle. Trotzdem ist ziemlich sicher, daß die Wahl Hoovers mit einiger Genugtuung aufgenommen wurde, da zunächst einmal die Gefahr einer Richtralisizierung des Kellogg-Paktes durch den amerikanischen Senat im Falle einer Wahl Smiths endgültig beseitigt ist. Die Stellungnahme der Vereinigten Staaten zu den großen schwebenden europäischen Problemen ist, wie man weiß, nicht an die Person des Präsidenten gebunden. äleberdies hat Hoover im Laufe der Wahlkampagne so eindeutige Erklärungen zur Schuldenfrage abgegeben, datz an seine Wahl in dieser Hinsicht keine besonderen Hoffnungen geknüpft werden. Die gute Kenntnis europäischer Verhältnisse Hoovers werden aber, wie man annimmt, diese Verhandlungen nicht unwesentlich erleichtern. Einem englisch- amerikanischen Ausgleich werden durch die Wahl Hoovers zweifellos weniger Hindernisse in den Weg gelegt werden als durch eine Wahl des Demokraten Smith. pariser Echo. Keine bordtiflen Illusionen. Paris „ 8. Nov. (WTB. Funkspruch.) Zur Wahl Hoovers schreibt das „Echo de Paris": Hoovers Sache ist es, sich als Vertreter des amerikanischen Volkes über die Welt hinaus zu erheben, sich von den engen Formeln seines Berufes, seines Milieus und seiner Karriere loszulösen. Er neigt überaus dazu, Europa als einen schlechtorganisiert en Kontinent und wegen seiner nationalen Denkweise als einen ständigen wirtschaftlichen Skandal änzusehen. Er möge nicht vergessen, daß neben wirtschaftlichen auch gewisse zivilisatorische Eigenschaften vorhanden sind. — Das Journal" erklärt: Man würde sich sehr täuschen, wollte man annehmen, daß der 29. Präsident der Vereinigten Staaten einfach die Fortsetzung des Handelsministers der Regierung Eoolidge sein wird. Hoover ist Herr seiner Initiative. Er ist durch nichts gebunden, als durch sein Temperament und durch sein Gewissen. Das „Oeuvre" schreibt: Die Politik Hoovers wird, wenn möglich, noch amerikanischer sein als die Eoolidges, vielleicht sogar „Pankee-Politik" schlechtweg. Die Monroedoktrin wird die Bevormundung Mittel- und Südamerikas legitimieren. Europa wird immer mehr als eine ferne Kolonie erscheinen, der man seine Waren auf- bringen muß und in der man seine Kapitalien an- legen kann. — Das Gewerkschastsblatt „ß e Peuvle" hält es für zweifelhaft, daß Europa bei der Wahl Hoovers aus seine Rechnung komme. „Man hat daran erinnert," so schreibt es, „daß während des Krieges Hoover die Lebensmittelversorgung der besetzten Gebiete geleitet habe und durch dieses Werk über die europäischen Angelegenheiten besser unterrichtet sei, als die meisten Politiker seines Landes, so daß man hoffen kann, er werde z u - g ä n g l i d) e r söin. Man läuft da Gefahr, sich eine neueJllusion nach so vielen anderen zu machen. Das wenige, was man von den Gedankengängen des neuen Präsidenten über die Internationalen Probleme kennt, berechtigt kaum zu solchen Illusionen." Der neue Herr der Reuen Welt. Oer Selfmademan Hoover. - Aus eigener Kraft zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. — Deutschlands Helfer in der Hungersnot. — Vom Bergarbeiter zum Bergwerksbesitzer. Von Fred (§. Dillinger. Mit einem Gefühl der Erleichterung wird Herbert Clark Hoover, den die Bevölkerung der Vereinigten Staaten gestern zum Staatsoberhaupt erwählt hat, die Beendigung des Wahlkampfes begrüßt haben. Obwohl er unermüdlich in allen Seilen drS Landes für sich geworben hat, war er doch nicht mit ganzem Herzen bei der Wahlpropaganda. Hoover ist alles andere als ein Agitator, pathetische Reden und politische Phrasen liegen seinem nüchternen Wesen nicht, und toeim er während des Wahlfeldzuges Versprechung auf Versprechung häufen mutzte, hatte der aufmerksame Zuhörer den Eindruck, datz dieser nüchterne Geschäftsmann sich in seinem Innern ein wenig des rhetorischen Ueberschwangs schämte. »Morgen früh um neun bin ich wieder, wie gewöhnlich, an meinem Arbeitstisch," erklärte Hoover, als ihm seine Rominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten mitgeteilt wurde, und auch heute wird er wieder in seinem Arbeitszimmer sitzen, um seiner geliebten Arbeit nachzugehen. In Deutschland ist Hoover kein Fremder: fast zehn Iah« sind vergangen, seit die ausgehungerte Bevölkerung der Mittelmächte zu diesem Mann, damals der Lebensmitteldiktator Amerikas, wie zu einem Erlöser auf- blickle. Die Hilse, die Hoover Deutschland brachte, war der einzige Lichtstrahl in den trüben Tagen des allgemeinen Zusammenbruchs. Riemals wird Deutschland vergessen, daß er den Feind von gestern ebenso mit Lebensmitteln bedacht hat, wie die englischen, französischen und belgischen Verbündeten. Mitleid mit der leidenden Menschheit ist ein hervorstechender Charalterzug des neuen amerikanischen Präsidenten, der dieses Gefühl ton seiner Mutter, einer Predigerin der Quäker, geerbt haben mag. Rur unklar kann sich der Vierundfünfzigjährire allerdings auf seine Eltern besinnen, denn schon mit sieben Jahren war er Vollwaise, niemand kann Voraussagen, wie sich sein Leben gestaltet hätte, wenn er von seinem Vater, der Schmied in einer kleinen Orb- schaft des Staates Iowa gewesen ist, erzogen worden wäre. Viel Zärtlichkeit ist dem Waisenknaben wohl nicht zuteil geworden. Er wurde bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr bei den verschiedensten Verwandten hirumgestosten, und jeder erzog ihn, wie et es eben für richtig hielt. In einem Punkt waren sich aber alle Verwandten einig: der junge Hoover sollte später eine Quäkeruniversität beziehen. Man kann sich die Entrüstung vorstellen, als Herbert mit vierzehn Jahren kategorisch erklärte, datz er eine „naturwissenschaftliche Tlniver ität" besuchen wollte. Einmütig verweigerte ihm die Verwandtschaft jede iln'erftüftung, und man war sich darüber einig, datz der junge Trotzkopf bald zu Kreuze kriechen würde. Aber man halle sich in dem Willensstärken Knaben getäuscht. Kurz entschlossen nahm er eine schlechtbezahlte Stellung an und sparte jeden Gent für das beab ich- tigte Studium. Im Jahre 1891 hatte er endlich die notwendige Summe beisammen, um die Stanford Uniberfität in Kalifornien besuchen zu können. Während seiner älnivepitätsz it mutzte er sich die größten Entbehrungen auferlegen und sogar seinen Lebensunterhalt dadurch verdienen, daß er den Wagen einer Waschanstalt fuhr. Vier Jahre führte er das Leben eines armen Studenten: im Jahre 1895 legte er dann fein Examen als Dergwerlsingenieur ab. Run wollte Hoover die praktische Arbeit im Bergbau kennenlernen. Kurz entschlossen nahm er im Sierra-Revada-Gebirge eine Stellung als einfacher Berga.beiter an. Rach einem Jahr rückte er zum Vorarbeiter auf. Keinerlei Vergnügungen unterbrachen die eintönigen Jahre, die er im Bergwerk verbrachte; die einzige geistige Anregung, die er neben seinen praktischen und wissenschaftlichen Arbeiten hatte, boien die Briese, die er mit einer jungen Studentin wechselte. An der älniversität hatte er Miß ß du Henry, die Tochter eines kleinen Bankiers, fennengcte:nt. Rie hätte ihr Vater eingewilligt, seine Tochter einem jungen Menschen anzuver trauen, der weder Vermögen noch nennenswerte Einkünfte befaß. Hoover war daher fest entschlossen, sich eine geachtete Stellung zu erringen, und bezeichnend für seine Energie war eine kleine Episode, die sich in dieser Zeit ereignete. Der junge Mann wollte im Bureau eines bestimmten Bergwertsingenieurs in San Franzisco arbeiten, auf feine Bewerbung wurde ihm aber erklärt, daß nur die untergeordnete Stellung eines Maschinenschreibers frei wäre. Ohne Bedenken nahm Hoover diese Stellung an, lernte in drei Tagen Maschinenschreiben und erledigte unermüdlich die geisttötende *Sureauarbeit. Durch einen Zufall wurde sein Chef auf ihn aufmerksam. Der junge Hoover mutzte nämlich eines Tages ein Gutachten über ein Bergwerk abschreiben, das er selbst genau kannte. Da er in dem Manuskript verschiedene Fehler fand, fügte er eine eigene Abhandlung bei und brachte sie mit dem abgeschriebenen Aktenstück zu seinem Chef, der die Arbeit so gelungen fand, daß er den jungen Mann schon am nächsten Tag als Ingenieur e i n st e l l t e. und ihm nach kurzer Zeit einen führenden Posten bei einem australischen Unternehmen verschaffte. Wenige Jahve darauf zeigte sich Hoover die Chance seines Lebens. Auf Empfehlung des Londoner Hauses bot ihn die chinesische Regierung in ihrem Land eine leitende und einflußreiche Stellung an, und in diesem Augenblick zeigte sich die unverbrüchliche Treue und Anhänglichkeit Hoovers, die seine Freunde noch heute an ihm rühmen. Wenige Stunden nach Annahme der neuen Stellung telegraphierte er Miß Lou Henry seine Beförderung, und als er ihr Antworttelegramm in Händen hatte, reifte er unverzüglich von Australien nach Kalifornien, wo er sich sofort mit Miß Henry trauen lieft. Seine junge Frau begleitete ihn nach China. Während des Bo^eraufstandes war er in Tientsin tätig und tat sich bei der Verteidigung der europäischen Riederlassung hervor. Als die Kämpfe beendet waren, organisierte er die Lebensmittelverteilung für die arme Bevölkerung. 3m Jahre 1902 wurde er dann Teilhaber einer internationalen Ingenieurfirma; das Unternehmen geriet aber durch die Schuld seines Partners in Zahlungsschwierigkeiten. Sofort erklärte sich Hoover bereit, die entstandenen Schulden allein abzutragen; fünf Jahre mußte er arbeiten, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dann errichtete er allein eine neue Firma, gründete Filialen in England und Rußland und betrieb später Bergwerksunternehmungen in Australien, in Birma, im Ural, in Alaska und in Mexiko. Der Kriegsausbruch überraschte ihn in London. Mit organisatorischem Talent ermöglichte er den vielen amerikanischen Touristen, die sich gerade in Europa befanden, in ihre Heimat zurückzukehren. Als die deutschen Heere Belgien besetzt hielten, sah er seine Lebensaufgabe darin, die Zivilbevölkerung dieses Landes mit Lebensmitteln zu versorgen. Seine Stellung war überaus schwierig, denn er mußte sich mit Deutschland gut stellen, um in Belgien umherreisen zu können; andererseits brauchte er von der Entente Geldmittel, um die Versorgung der Bevölkerung zu finanzieren. Mit Amerikas Eintritt in den Krieg harrte Hoover eine neue, überaus schwere Aufgabe. E. wurde zum ßebensmittelbittator der Vereinigten Staaten ernannt und hatte fast übermenschliche Aufgaben zu bewältigen. Telegraphierte ihm doch im Januar 1918 der englische Ernährungsminister Lord Rhondda, daß J)ie Alliierten den Krieg nur dann gewinnen können, wenn die Vereinigten Staaten außer der vereinbarten Menge noch 75 Millionen Bushel Weizen auf dem schnellsten Wege senden könnten. 3n verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es ihm, die verlangte Menge zu beschaffen. Als oer Waffenstillstand abgeschlossen wurde, beeilte sich Hoover, auch bl e Mittelmächte mit Lebensmitteln zu versehen. Richt weniger als 23 Länder haben ihm die Linderung der Hungersnot zu verdanken. Die deutsche Universität Kiel hat ihn zum Dank für seine Hilfe zu ihrem Ehrendoktor promoviert. Ucberaus erfinderisch war Hoover, wenn es galt, große Summen für wohltätige Zwecke zusammenzubringen. Er veranstaltete große Bankette, bei denen es nur Reis, Kakao und Brot gab. Trotz diesem frugalen Essen kostete das Gedeck tausend Dollars, und die amereikanische Gesellschaft beeilte sich, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Stets stellte Hoover bei diesen Festlichkeiten einen leeren Stuhl neben (einen Platz; er wollte damit das Symbol der „unsichtbaren (Saftes* schaffen: des darbenden europäischen Kindes. Im Jahre 1921 wurde er dann zum Handelsminister ernannt, und mit ungeheurer Arbeitskraft erweiterte er ständig fein Ressort. Er übernahm die Aussicht über das Radiowesen und über die Zivilluftschiff- fahrt; auch bei der Regelung der Auslandschulden zog man ihn au Rate. Außerdem beschäftigte er sich mit landwirtschaftlichen Fragen, und mit Recht nannte man ihn im Ministerium das „Mädchen für Alles". Englands Auffassung der Reparaiionsfrage. Leine eigenen Schulden an Amerika sollen mit den Reparationen bezahlt werden. London, 3. Olot). (WTD. Fuickfpruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Vergangene Woche haben das britische und das französische Schatzamt Denk- schrrsten über die neuesten Besprechungen zwischen PoincarL und Churchill über den geplanten neuen Reparativ nsausschuß ausgetaufcht. 2lm Montag hat der Schatzkanz-ler dem btalienischen und dem belgischen Botschafter und dem japanischen Geschäftsträger eine Rote übergeben, die die britische Auffassung zur Darstellung bringt. Sn ihr wird bargetan, daß d ie bisherigen britischen Zahlungen an die Bereinigten Staaten durch die Reparationseinnahmen und die Schuldenabzahlungen der alliierten Schuldner Englands nicht völlig gebe cf t find und daß das sich ergebende Defizit bei den künftigen Einnahmen aus beiden Stellen in Rechnung gestellt werden muh, mit anderen Worten, alle Hebers chüsse aus diesen Einnahmen werden, solange es nötig ist, zur Tilgung der Defizits benutzt werden. Diese Rückstände find hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die britischen Zahlungen an Amerika zwei Jahre vor den Schuldentilgunaszahlungen der Alliierten an Groh-Britannien begonnen haben. Hierüber hinaus enthält die britische Rote nichts sehr Bestimmtes oder Bemerkenswertes. Sie Läßt die Frage des Status und der Zahl der Sachverstand.gen ziemlich in der Luft. Die britische Regierung beabsichtigt offenbar, die An- fichten Deutschlands, der anderen alliierten Mächte und der Bereinigten Staaten sorgfältig zu erwägen, bevor sie ihren endgültigen Entschluß über diese Punkte faßt. Tatsächlich ist eine baldige Einigung nicht erwartet worden und -war sogar noch bevor die llnsicher- heit infolge des Rücktritts Poincares entstanden war. Ein Reichsetat der Sparsamkeit. Woher neue Steuern nehmen? Berlin, 8.Koo. (prlo.-Iel.) Das Reichvkabl- nefl, das gestern mit der Beratung de» Reichshaus- holles für 1929 begann, erörterte zunächst die Grundsätze, nach denen der Etat ausgestellt werden soll. Es herrscht Uebereinstimmung darüber, daß e» ein Etat der Sparsamkeit werden, und daß alle nicht unbedingt notwendigen Maßgaben vermieden werden müßten, um da» Defizit, da» unvermeidlich ist, möglichst niedrig zu halten. E» dürfe bereit» al» feststehend angenommen werden, daß da» Defizit im haushalt für 1929, das durch neue Steuern gedeckt werden müßte, erheblich unter 600 Millionen Mark liegen werde. Die der fehlende Betrag eingebracht werden und durch welche Steuern neue Einnahmequellen erschlossen werden sollen, darüber liegen Beschlüsse de» Reichskabinetts noch nicht vor. Sie bleiben späterer Beratung vorbehalten. Oer künftige Luftschiffbau. Eckener über Konstruktionsverbesseruugen. Berlin, 7. Rov. (WTD.) Dr. Eckener übergibt dem WTB. folgende interessante Erklärung: Meine auf einem Bankett gemachte gelegentliche Aeuherung über die Geschwindigkeit und Sicherheit des „Graf Zeppelin" und mein Entschluß, dieses Luftschiff nicht für einen regelmäßigen Verkehr über den Atlantik einzusetzen, ist offenbar vielfach mißverstanden worden, und ich möchte deshalb folgende Erläuterung dazu geben: Die Erfahrungen insbesondere auf der Rückfahrt von Amercka haben mir in der Tat die Erkenntnis gebracht, daß es notwendig ist, die Geschwindigkeit des Schiffes zu erhöhen, wenn man auch bei ungewöhnlicher Wetterlage, wie sie damals herrschte, einen genügend schnellen und einigermaßen fahrplanmäßigen Luftverkehr über den Ozean durchführen will. Wir hatten schon beim Bau des „Graf Zeppelin" in Erwägung gezogen, mehr Maschinenkräfte einzubauen. Wir sahen davon ab, weil die Ausmaße unserer Bauhalle uns zu einer Schiffsform nötigten, die ein verhältnismäßig großes Totgewicht der Konstruktion ergab unb zu einer gewissen Beschränkung bezüglich der Motoren führte. Ein neues Schiff wird mehr Maschinenkräfte aufweifen müssen. Was die Festigkeit des Schiffes angeht, so glaube ich, daß die ungeheuerliche Beanspruchung, der das Schiff Über Reufundland unterworfen wurde unb die es ohne jeglichen Bruch ertrug, ein schlagender Beweis für die Zuverlässigkeit der Konstruktion fein müßte. Aber ich bin mir klar darüber geworden, daß man auf transatlantischen Fahrten unter älmständen mit ganz außerordentlichen Beanspruchungen rechnen muh unb daß man in feinen Anforderungen an die Festigkeit der Konstruktion des Guten nie zu viel tun kann. Run haben die erwähnten beschränkten Der- hältnisse unserer Dauhalle uns gezwungen, e i n Verhältnis von Durchmesser zu Länge zu wählen, das statisch nicht g ü n * st i g ist. Wir werden künftig kürzere unb dickere Schiffe bauen, die selbstverständlich unter sonst gleichen Verhältnissen eine größere Bruchfestigkeit haben, unb es ist nach der schon außerordentlich günstigen Erfahrung, die totr im schwersten Wetter mit dem „Graf Zeppelin" machen konnten, ganz klar, daß solche noch besseren Schiffen allen Stürmen gewach- s e n sein werden. Sch möchte ausdrücklich betonen, daß ich den „Graf Zeppelin" zwar nicht für geeignet halte, nach einem regelmäßigen BerkehrSplan über den Ozean zu faßten, daß das Schiff aber noch Oie Kabmeiiskrisis in Frankreich. Oer Appell an poincars. Parts, 8. Rov. (WTD. Funkspruch.) „Echo de Paris" rst auf Grund der Ergebnisse der Besprechungen zwischen dem Präsidenten der Repu- blir und den führenden Politikern der Ansicht, daß Poincar 6, der heute abend ins Elisee gerufen werden wird von Doumergue ersucht werden wird, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen. Das Blatt unterstreicht, daß die Demission des Kabinetts nicht die Folge einer Abstimmung in der Kammer war, was die Lösung der Krise erleichtern müsse, und fährt dann fort: „Gestärkt durch die emgeßolten Gutachten, feine eigene äleberzeugung, die Anficht des Parlaments unb der öffentlichen Meinung wird Doumergue mit Wärme und Rachdruck an den Patriotismus und die Hingebung des großen Staatsmannes appellieren, von dem das gan^e Land die Krönung des Werkes erwartet, dem er alle seine Kräfte gew.dmet Hut. Wird Poincarä sich aber überzeugen lassen? Wenn nicht, wird er dann feinen etwaigen Rachf vlger bezeichnen? Unb wenn dies Andrö Tardieu wäre, wird diefer die Ausgabe übernehmen? Wir glauben eS nicht. Dann würbe Drianb unb der Gedanke eines Ministeriums weitgehender republikanischer Konzentration übrigbleiben. Abrr Poin- care hat noch nicht sein letztes Wort gesprochen." Pertinax bezeichnet es im „Daily Telegraph" als wahrscheinlich, daß Poincarö die Fortführung seines Amtes ablehnen werde. Aber selbst wenn er versuchen sollte, ein Kabinett zu bilden, würde es ihm sehr schwer fallen, mit Leuten wie Herriot zu einer Einigung zu kommen. Tatsächlich seien anicheinend die T a ge der Rationalen Union vorüber. Es bestehe Aussicht auf eine lange Dauer der Krise und Persönlichkeiten wie Driand hätten jetzt Aussicht, auf Grund eines Programms der republikanischen Gemeinschaft Ministerpräsident zu werden. Oie Aussichten eines Kabinetts der Linken. Die Stellung der Sozialisten. Paris, 8. Nov. (TU.) Wie der Dertreter der TU. aus parlamentarischen Kreisen erfährt, hat der Führer der radikalsozialistischen Partei D a l a d i e r bei seinem Besuch im Elysee dem Präsidenten der Republik als Lösung der Krise ein Linksmi- nisterium vorgeschlagen, das sich von den unabhängigen Linksradikalen (den Anhängern Sou- cheurs) bis zu den Sozialdemokraten erstrecken und folgende Parteien umfassen würde: die Sozialisten, die Republikanischen Sozialisten (die Partei Briands und Painleoss), die Radikalsozialisten (die Partei Herriots) und die Unabhängigen Linksradikalen (Partei Loucheurs). Die sozialistische Partei, die heute in den Abendstunden in der Kammer tagt, dürfte bereits zu diesem Vorschlag Stellung nehmen. Man darf annehmen, daß Perfönllchkeiten innerhalb der Partei, wie z. B. Paul-Boncour und R e n a u d e l einen derartigen Dorschlag stark unterftühen werden, der sicherlich auch die Billigung des Dorfitzenden der Partei, Leon Blum, der der Kammer allerdings nicht angehört, finden dürfte. So zeichnen sich immer genauer die Zukunftsmöglichkeiten ab, auf der einen Seite ein Kabinett Poincarö, .dem der rechte Flügel der radikalsozialistischen Parckei angehören würde, auf der andern Seite ein Kabinett der Linken mit Einschluß der Sozialisten. Von einer Ministerpräsidentschaft Briands spricht man im Augen- blick weniger, da letzterer sich weigern soll, die große Verantwortung zu übernehmen. Doch dürfte er in den genannten Kombinationen das Portefeuille des Außenministers beibehalten. Line Zenininisminpellaiion zum LisenkonM Berlin, 7. Rov. (WB.) Die Zentrums- fraktion des Reichstages hat nach einer längeren Debatte, die sich mit den Aussperrungen in der Eisenindustrie des Ruhrgebietes befaßte, die Einbringung folgender Interpellation angenommen: „Die nordwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustriellen hat trotz des am 31. Oktober vom Reichsarbeitsminister für verbindlich er Nörten Schiedsspruches am 1. November die angedrohte Schließung der Betriebe verwirklicht. Dieses Vorgehen bedeutet, unbeachtet der von den Unternehmern geltend gemachten rechtlichen Einwendungen, eine schwere Gefährdung de» aus den Arbeitsfrieden gerichteten Grundgedan- kensde» Schlichtungswesens und hat unabsehbare wirtschaftliche und politische Folgen. Mehr denn 200 000 Arbeiter find mit ihren Familien dadurch betroffen. Infolge der engen Verbindung der Hüttenwerke mit dem Bergbau werden große Massen der Bergarbeiter arbelt»- los. Da» gesamte für diese Industrie tätige Transportgewerbe wird in kurzer Zeit zum Erliegen kommen. Die gesamte Produktion, der handel, Gewerbe und Mittelstand und die betroffenen Kommunen werden dadurch aus das schwerste geschädigt. Da» gedenkt die Reichsregierung zu tun, um die durch da» Vorgehen der Arbeitgeber erschütterte A u - toritätbes staatlichen Schlichtungswesens und den Arbeitssrieden wiederherzu- stellen, sowie die der gesamten deutschen UJlrt- schast entstandenen Schäden abzuwenden?" Außerdem hat die Fraktion drei Anträge eingebracht, in denen Gesetzesänderungen über das Schlichtungswesen und Tarifverträge vorgeschlogen werden, die der Erreichung und Festigung des Arbeitsfriedens dienen sollen. Der erste Antrag will eine Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- sicherung vom 16. Sui 1927 herbeiführen, und zwar soll § 94 dieses Gesetzes im Abf. 1 den Zusatz erhalten, daß die in diesem Paragraphen enthaltenen Bestimmungen Über die Richtzahlung von Arbeitslosenunterstützung bei W'rlfchaftskämpsen keine Anwendung finden sollen, falls die Aussperrung von Arbeitgebern trotz des in Geltung befindlichen Tarifvertrages vorgenommen wird, bzw. falls die Aussperrung nach Derbindlichkeitserklä- rung eines Schiedsspruches für den Bereich der ausgesperrten Arbeimehmer als Taris- Partei erfolgt. Für dieses Gesetz wird rückwirkende Kraft ab 15. Oktober 1928 gefordert. — Der zweite Antrag fordert die Abänderung der Verordnung über das Schlichtungswesen vom 30. Oft. 1923, und zwar soll in Art. 1 der § 5 einen Zusatz erhalten, wonach, wenn von einer Schlichtungsstelle ein Schiedsspruch gefällt und dieser von einem Schlichter oder dem Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden ist, dieser Berwaltungsakt al» rechtswirksam aruu- sehen ist. — Der dritte Antrag sieht eine Aenderung der Derordnung über Tarifverträge vom 23. Dezember 1918 vor, dergestalt, daß der § 1 dieser Verordnung einen Zu'atz erhält, wonach, wenn ein Tarifvertrag besteht, für die Parteien Streik und Aussperrungen nur zulässig sind, sofern zwischen ihnen eine Gesamt- ft r e 11 i g E e i t über Punkte besteht, die tarif- vertraglich nicht geregelt sind, aber an sich in den Geltungsbereich dieses Tarifvertrages fallen. — Die Snterpellationen und die Anträge werden in der am Montag der kommenden Woche stattfindenden Reichstagssihung von dem Abg. Stegerwald begründet werden. wiederholt den Atlantischen Ozean überqueren soll, sobald wir die Brenngasbeschaffungs- ftage, die uns bekanntlich einige Schwierigkeiten machte und noch macht, zur Zufriedenheit gelost haben. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg empfing den Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann zum Vortrag. Der Reichspräsident sprach bei dieser Gelegenheit dem nach langem Erholungsurlaub in sein Amt wieder zurückgekehr- ten Min.ster seine besten Wünsche für weiteres persönliches Wohlergehen aus. « Am Mittwoch wurde der kürzlich gestorbene deutschnationale Landtagsabgeordnete Rudolf K i n ö t auf dem Waldsriedhof bei Darmstadt beigefetzt. Der Trauerseier wohnten u. a. Staatspräsident Adelung, Landtagspräsident Delp, die Vertreter der verschiedenen Landtagsfraktionen und zahl- reiche Angehörige studentischer Verbindungen bei. Die Trauerrede hielt Pfarrer Heß. Rach verschiedenen Ansprachen und Kranzniederlegungen wurde ein von Herrmann Durte zum Tode Kindts verfaßtes Gedicht verlesen. Schulkreuzer „Emde n" wird Anfang Dezember zum zweitenmal eine längere Äusbildungs- rcife antreten, die der navigatorifchen, seemännischen und technischen Ausbildung der Kadetten der Reichsmarine dienen soll. Die Fahrt geht zunächst nach dem spanischen Hasen Villa Garcia, wo das Weihnachtsfest begangen werden wird, von dort über Port Mahon auf den Balearen und Neapel nach A n g o st o l i o n, wo die „Emden" mit dem heimkehrenden Schulkreuzer „Berlin" zusammentrifft. Von hier soll der Kreuzer seine Reise sortsetzen über Konstantinopel, Aden, Mom- bassa, Port Victoria (Seychellen) und Sabang nach Riederländisch-Indien, Neuseeland, die Südsee, die Westküste Mittelamerikas, Ost- kuste der Vereinigten Staaten und über die Kanarischen Inseln und Spanien nach der Heimat zurückkehren, wo er Anfang März 1930 wieder ermattet wird. Der deutsche Flieger von König -Warten- Hausen, der im August mit einem Leichtflugzeug in Berlin zu einem Fluge nach Karachi (Indien) als Bewerber um den h i n d en b u r g p o k al gestartet war, ist gestern abend eingetroffen und hat somit feinen Flug Berlin-Indien mit dem Kleinflugzeug, das einen Moton von nur 20 PS. hat, beendet. Nach einwöchigem Ausenthall wird von König über Lahore, Poshawar und Delhi nach Kalkutta fliegen, und dann vielleicht seinen Flug nach dem fernen Osten ausdehnen, um zu beweisen, daß sich seine Maschine auch unter wechselnden klimatischen Verhältnissen bewährt. * Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Republik Oesterreich wird am Sonntag in den Abendstunden ein militärischer Fackelz u g am Dallhausplatz und anschließend daran ein Zapfenstreich statt inden. Sodann ist eine Festvorstellung im Opernhaus angesetzt. Am Montag, dem Staatsfeiertag selbst, wird in der Slephanskirche Kard'.nalfürsterzbischof Dr. Pisfl ein feierliches Hochamt zelebrieren, an dem Bundespräsident Hainisch, die Bundesregierung, das diplomatische Korps, Mitglieder des Parlaments und Dertreter der öffentlichen Körperschaften teilnehm n werden. Rach dem Gottesdienst werden die am Stephansplatz aufaefteil» ten zwei Bataillone vor dem Bundespräsid n'.en vvrbeimarschieren. Bunde Spräsid.nt Dr. Haiaisch wird das Präsidium des Rationalrates und die Vorsitzenden des Bundesrates sowie das diplomatische Korps empfangen. Mittags versammelt sich der Rationalrat zu einer Festsitzung: nachmittags gibt Bundespräsident Dr. Hainisch einen größeren Empfang. Aus aller Wett. Auf derFlucht vor dem Lavastrom dcsAetna Rach den letzten Meldungen aus dem Aetna- gebiet steht dre Unterbrechung der Eisenbahn- linie Darre—Messina unmittelbar bevor. Man rechnet damiit, daß der Lavastrom Mittwoch spätestens um Mitternacht d ie Bahnkörper erreichen wird. Hm den Verkehr au'recht- zurrhallen, wurde eine Dampferverbindung zwischen Catania und Messina eingerichtet. Da auch die Telephon- und Telegraphenleitungen unterbrochen wurden, kann der Verkehr mÄ dem Festland nur über das Snnere von Sizilien geleitet werden. Sm Hafen von Catania wurde eine Funkstation eingerichtet, um wichtige Funkmeldungen über das ganze Land verbreiten zu können. Der Lavastrom dringt zur Zeit tn einer Brette von etwa 400 Metern mit steigender Geschwindigkeit gegen das SlÄtchen Runztata vor und verwüstet auf feinem Wege Ortschaften, Drücken. Straßen, Dahnen und Weingärten. Die Flüchtlinge aus dem von der Lava begrabenen Städtchen Wa-scall und dem bedrohten Runz-iata werden nach Darre gebracht. Auf den bis jetzt noch unbedrohten Straßen bewegen sich endlose Züge von Flüchtlingen, daneben Arbctterabtellungen, sizilianische Truppen, Wilizabteilungen, viele Reugüerige und Zeitungsberichterstatt.»c. Sn den bedrohten Ortschaften veranstalten die Bewohner Prozessionen, um die Hilfe des Himmels anzurufen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, als die Bewohner von Wascali machtlos zusehen muhten, wie die feurigen Massen in ihre Häuser eindrangen, wie sie alles in Flammen hüllten und wie ganze Straßen von der Lavamasie ausgefüllt wurden. Ein neuer Derbrecherkampf In Köln. Zu einem blutigen Kampf mit Verbrechern kam es im Zentrum von Köln. Ein Kriminalbeamter und ein Landjäger überraschten die beiden arbeitslosen Tagelöhner Müller und Virnich dabei, als sie von einem Fuhrwerk einen Ballen stehlen wollten. Während es dem Landjäger gelang, Mullrr zu fesseln, wurde der Kriminalbeamte von Virnich überwältigt und derart brutal mißhandelt, daß er bewußtlos zusammenbrach Der Landjäger tarn seinem Kameraden au Hille und schoß auf den Verbrecher, der auf der Stelle getötet wurde. Ein gefährlicher Bahnban. Bei dem soeben begonnenen Dau der bayerischen Zugspitzbahn ereigneten sich drei schwere Unfälle. Ein 24jährrger Arbeiter wurde von einem Stein am Kopfe getroffen. Er stürzte eine 100 Meter hohe Felswand hinab und war sofort tot. Ein 29jähriger Arbefter wurde kurz darauf von einem ebenfalls hnnmterbrechenden Stein am Rückgrat getroffen und so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davonkomrnen dürfte. Ein dritter ^Inglückssall ereignete sich in der Rähe des Eibsees, wo ein Arbeiter von einem entgleisten Rollwagen erdrückt wurde. Leichtsinnige Muforaferd einer Frau. Ein Personenkraftwagen, der von einer Dame gesteuert wurde, überfuhr in Koblenz in rasender Fahrt am Clcmensplatz einen Motor- rabfahrer, der vorschriftsmäßig auf der rechten Fahrfeite fuhr. Die urau verlor durch den Unfall, der durch ihre Unvorsichtigkeit heroorgerufen war, die Geistesgegenwart und schleifte den mit den Trümmern seines Motorrades unter den Rädern des Kraftwagens liegenden jungen Mann noch eine Strecke weit über das Straßen- Pflaster. Erft durch Hochheben des Personenwagens konnte der Schwerverletzte geborgen werden. Die Lenkerin des Wagens hat bereits im vergangenen Jahre ihren Kraftwagen aus einen Bürger ft eig gefteuert, wobei eine Frau schwer verletzt wurde. Drei Männer bei einer Segelpartie ertrunken. Rach Meldungen aus Wesermünde ereignete sich auf der Sune ein schweres Dootsunglück. Beim Aussteigen aus dem Segelkutter in das Deiboot glitten die drei Snfaffen des KutterS, zwei Steinmehgefellen und ein Gastwirtssohn au8 und ertranken, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Oie Wetterlage. w 5ZZE Mlttv/och, M.1923' ^womenios (joaio or. Die Hauptrollen liegen in Den Händen der Domen Heh und Koch, der Herren Arzdorf, Gareis und Knur. Es wirken ferner mit die Damen Brack, Fuhrmann, Jahn, Jüngling und die Herren Dast6, Ebert- Grassow, Gehre, Hasser, Linkmann. Ritter, Volck, Wesener. — Sonntagnachmittag 3,30 Uhr einmalig« Wiederholung des ersten Tages des Kammerspielzyllus .Die Mitschuldigen". Die kulturelle Aufgabe d es r Feiern hat in den Theaterkreisen einen sehr starken Widerhall gefunden. Die Regie und Leitung dieser Veranstaltungen liegt in d.n Händen des 3ittendanten Dr. Prasch Univerlllätsmusikdirektor Dr. Temesvarh dirigiert die musikalischen Darbietungen. — Sonntagabend wird als Fremdenvorstellung (Beginn 18 Uhr) zum letzten Male der Schwank von Arnold und Dach „Unter Geschäftsaufsicht" auf- geführt. — Vortrag Gottfried Husemann. Man schreibt uns: Nachdem in der vergangenen Woche Dr. Alfred Heidenreich zum Thema: „Das Antlitz des kommenden Christentums" gesprochen hat, wird in dieser Woche Gottfried Husemann, der Mitarbeiter der Bewegung für religiöse Erneuerung in Köln, zu zeigen versuchen, auf welchen Wegen es dem heutigen Menschen möglich ist, religiöses Leben zu vflegen. Sein Thema lautet: „Der rnoderne Mensch und sein Gotteserlebnis. Donnerstag, 8. November, abends 8.15 Uhr, Singsaal der Oberrealschule. (Siehe gestrig« Anzeige.) — Bund für Hau- und Schule. Die diesmalige Monatsversammlung findet morgen, Freitag, statt. (Siche Anzeige.) — Mandolinen- und Gitarren- verein „Neapolita" Gießen. Es fei nochmals auf das am nächsten Sonntagnachmittag in der Universitätsaula stattfindende Mando- linen-Orchester-Konzert hingewieseru Das Konzert dürfte allen Musikfreunden einen besonderen Genuß bringen. Unter der Leitung von Hans Sonntag, Gießen, werden Massenchöre zum Dortrag kommen. Der Besuch fei allen Musikfreunden empfohlen. Näheres in der heutigen Anzeige. — Der Turnverein 1846 begeht am nächsten Samstagabend in der Turnhalle sein Wintersest, bestehend aus Konzert, turnerischen Aufführungen usw. (Siehe Anzeige.) * ♦ Berufung an d i e Landes-Univer- |Itä t Gießen. Dr. Friedrich Sander, Professor der Philosophie und Abteilungsvorsteher am Psychologischen Institut der Universität Leipzig, er- hielt einen Rus an die hessische Landes-Universität Gießen. * * Don der Wilhelm st raße. Die Instandsetzung der Wilhelmstraße zwischen Ebel- und Frankfurter Straße geht ihrem Ende entgegen. Die Straße ist von Grund auf neu ausgebaut und unter Benutzung von Splitt und Zusatz von Teer in tadellosen Zustand gebracht worden. * * Di e Kaiferallee ist seit Sonntag für den Fährverkehr freigegeben. Die Kleinpflasterung der Fahrbahn reicht etwa 25 Meter über den Alten Rödger Weg hinaus. Der Bürgersteig (rechte Seite) ist noch etwas weiter als die Kleinpflasterung mit Zementplattenbclag versehen worden. Zur Zeit wird an der Gabelung der Kaiserallee-Licher Straße der Bürgersteig mit Kleinpslaster hergerichtet. Die linke Seite oberhalb der Woifstraße wird in einigen Tagen fertiggestellt sein, so daß die Kaiserallee bann für den gesamten Verkehr wieder frei ist. Die Straße macht nach dieser durchgreifenden Herstellung einen freundlichen Eindruck. * * DerWohnungsbauaufdem Kugelberg hat auch im letzten Sommer gute Fortschritte gemacht. Auf dem Gelände hinter der Maschinen- gewehr-Kompagnie-Kaserne, westlich des Universitäts-Sportplatzes, ist eine neue Straße angelegt worden, die in der Richtung auf den hinter der Kafernenmauer her führenden Weg am städtischen Obstgarten ausläuft. Die Straßenfenkkasten und Ka- nalifationsanschlüffe sind bereits vor einigen Mo- naten fertiggestellt worden. Dor längerer Zeit wurden auch die Straßenbauarbesten ausgeschrieben, und feit einigen Tagen ist man mit dem Auffüllen der Talfenke beschäftigt. Es sind erhebliche Erbmassen erforderlich, um die Straßenfenkkasten (bis zu zwei Meter) einzubetten. An dieser neuen Straße hat der Staat einen zweiten Neubau von zwölf Wohnungen errichten lassen, der jetzt in feinem Aeußeren fertig- gestellt ist und demnächst nach vollendetem Innenausbau bezogen werden kann. Das Gebäude macht einen freundlichen unb gebiegenen Eindruck. In der Friedens st raße sind jetzt von der Wohnungsfürsorgegesellschaft für Hessen, gemeinnützige Gesellschaft m. b. H. in Darmstadt, zwei Häuserblocks von je zwölf Wohnungen im Rohbau unter Dach gebracht worden. Diese Hauser sind im Gegensatz zu früheren Bauten ganz aus Zie> lsteinen aufgeführt, wodurch sie eine erhöhte Lebensdauer zu verzeichnen haben. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit ist die Bautätigkeit in diesem Stadtteil erneut aufgelebt. Am Anfang der Friedensstraße, an der Licyer Straße, und am Beginn der Straße „Am Kugelberg" starrt ein ganxer Wald von Gcrüststangen. Dort werden vier Häuserblocks mit zusammen 45 Wohnungen (auch Läden) im Auftrage der obengenannten Gesellschaft erbaut. Die Baufirma H. Weimer hat an dem Eckbau „Am Kugelberg" ein etwa 20 Meter hohes turmartiges Gerüst errichtet, in welchem der von der Betonmischmaschine gebrauchsfertig gemischte Beton nach oben befördert wird, von wo er dann in langen Rinnen an seinen Bestimmungsort, die Bretterverschalung für die Mauern, fließt. Die Grundmauern sind schon soweit erichtet, daß, wenn bas Wetter günstig ist, man die Bauten noch in diesem Jahre im Rohbau fertigzustellen gedenkt. “ Zeppelin-Briefpost aus Amerika erhielt der hiesige Dauer sche Gesangverein von einem früheren aktiven Mitglied des Dauer'chen Sängerchors. Der Dries stammt von Henry Lutz in Pittsburgh (Pennsylvania). Er trägt den LDfertigungsstempel „Lakehurst, 28. Oktober" und den deut'chen Ankunstsstempel „Friedrichshafen, 1. November". Auf dem amerikanischen Mserttgungsstempel sieht man llnks in einem Kreis den amerikanischen Äontinent, rechts in einem Kreis Europa, darüber als Verbindung ben frei schwebenden „Graf Zeppelin". Der Driefschreiber läßt in seiner Mitteilung an die „Dauern" erkennen, wie groß die Freude der Deutschamerikaner über den gelungenen Flug des „Graf Zeppelin" ist. Henry Lutz, der aus Rheinhessen stammt, gehörte bis vor fünf Jahren während seiner Tättgkeit bei der Reichsbahn in Gießen dem Dauer'chen Gesangverein als aktives Mitglied an. “ Vorsicht beim Daum fällen. In der Zeit des Baumfällens werden an den Straßen und in den Ortsstraßen die Telegraphen- und Fernsprechleitungen durch umstürzende Bäume, oder durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, Werl die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung der Tele- graphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht, oder nur in ungenügendem Maße treffen, und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, sei den Daumbesitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Daumfällung so zeitig zu benachrichttgen, dah eintretendenfalls die Entsendung eines 'Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werden kann. •* Ein Schadenfeuer entstand gestern nachmittag gegen 1/22 Uhr auf dem Grundstück der Gärtnerei Gerhard am Schiffenberger Weg. Die Flammen schlugen dort plötzlich aus einem Koksschuppen heraus und ergriffen rasch eine danebenstehende Werkzeughalle. Die sofort herbeigerufene Feuerwehr nahm die Dekämpsung des Brandes energisch in Angriff, sie hatte aber immerhin etwa 8/< Stunden zu tun, bis die Ab- löschung des. Brandes soweit erfolgt war, dah die Feuerwache nach dem Depot zurückkehren konnte. Von dem Koksschuppen ist das Dach abgebrannt, ferner wurde eine Seitenwand zerstört. Von der Werkzeughalle ist die Stirnwand an» fiebramrt. Heber die Entstehungsursache ist bis eht nichts bekannt. •• Der Schützen-Verein ©leben, der vor kurzem die Feier seines 50jährigen Bestehens begehen tonnte, hat die ihm aus diesem Anlaß von befreundeten Vereinen überreichten kostbaren Ehrengaben im Schaufenster des Juweliers Drück am Kreuzplatz öffentlich ausgestellt. Inmitten der interessanten Schau befindet sich das vom Reichspräsidenten von Hindenburg übermittelte und eigenhändig unterschriebene Glückwunschschreiben an den Verein. Die Ausstellung, die eindrucksvoll Zeugnis ablegt von der hohen Wertschätzung, deren sich der Schützen- Verein Gießen erfreuen kann, fei der Beachtung unserer Mitbürger empfohlen. ** Konzert In der Chirurgischen Klinik. Am Sonntagnachmittag erfreute die Jugendvereimgung von Klein-Linden die Pa* tienten der Chirurgischen Klinik mit einem wohl- gelungenen Konzert. Unter Leitung von Lehrer Rau trug der Mädchenchor der Vereinigung etwa zehn zum Teil recht schwierige Chöre vor, die alle reichen Beifall und den Dank der Patienten fanden. Zwischendurch sangen Burschen und Mädchen Lieder zur Laute, dr: ebenfalls dankbar aufgenommen wurden. Für die Pattenten war der Liedernachm.ttag eine schöne Abwechselung, dankbare Freude strahlte aus allen Augen. *• Eine große Geflügelschau Ober- Hessens werd am nächsten Samstag und Sonntag als Derbandsschau der Oberhessischen Ge- flügelzuchtdereine in d:r Festhalle zu Alsfeld dem Publi um zuglng ich gemacht. Wie man uns mitteilt, wird dort das beste Geflügelmaterial aus der ganzen Provinz Oberhes.en gezeigt werden, so dah ein De.uch lohnend sein dürfte. Näheres in der heutigen Anzeige. ** Obst- und Gartenbauverein Gießen. Die Reihe gemeinverständlicher Vorträge auf dem Gebiete des Obst- und Gartenbaues, die im Obst- und Gartenbauoerein Gießen im Laufe des Winterhalbjahres gehalten werden sollen, wurde am Sonntagnachmittag im Saale des Hotel Hopfcld durch einen Vortrag eröffnet, den Landes-Obstbau- inspektor Pfeiffer (Darmstadt) vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft über bas Thema „Obstbau im Hausgarten" hielt. In klarer und fesselnder Weise schilderte der Vortragende die bekannten Schäden und Mängel des Gartenobstbaues. Immer und überall wird zuviel gepflanzt. Die jungen Bäume sind bei der Anlage noch klein, dos verführt zu engen Abständen. Werden sie größer, dann entbrennt schon lange, bevor die Zweige sich berühren, ein erbitterter Kampf im Boden um die Nährstoffe, bei welchem stets die feineren Sorten und die auf Zwergunterlage veredelten zu kurz kommen. Die nachteiligen Folgen jeder Art zeigen sich leider nicht, wie bei der Landwirtschaft, schon nach Verlauf etlicher Wochen oder Monate, sondern erst nach Jahren. Wer zu viele Obstbäume in seinem Garten hat, müßte es über sich bringen, hin und wieder welche zu opfern; besonders dann wird diese Beschränkung notwendig sein, wenn nicht nur Obst, sondern auch noch Beerenobst, Gemüse und Blumen vom Garten verlangt werden. Nicht selten wird ein Garten auf Gelände angelegt, auf welchem zuvor schon Obstbäume stan- den. Aus solchem Boden wachsen die Bäume nicht, wenn nicht zuvor Maßnahmen gegen die Boden- müdigkeit ergriffen werden, die in reichlichem Kalken und Behandeln mit Schwefelkohlenstoff, ähnlich wie im Weinbau, bestehen. Hierzu rechnet man 200 bis 250 Gramm pro Geviertmeter in vier Löcher verteilt, die 50 Zentimeter tief in den Boden reichen. Eine Bodenoerbesserung vor der Anpflanzung durcb tiefere Bearbeitung, Zufuhr frischer Muttererde unb Sand, wo beide billig zu haben sind, vor allem auch von Komposterde und Torfmull wird sich in allen Fällen später bezahlt machen. Wo mitSchwefel- Wenn Are SmpsehlungSanzefge in derSamslagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige unb wirksame Sahausftattung werben sott bann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in ber Geschäftsstelle auf! kohlenstoff die Bakterienflora total abgetötet ward, ist eine Einwirkung von wenigstens vier bis sechs Wochen nötig, worauf mit reichlich Stallmist und Zauche der Boden neu belebt werden muß. Redner erörterte hierauf den Gehalt der verschiedenen Düngemittel an organischen Stoffen, die immer die Grundlage jeder weiteren Düngung bilden, wie auch den Wert der Kunstdünger, die zwar nicht zu entbehren sind, aber doch nur zur Ergänzung dienen sollen. Wo diese Grundlage vorhanden, rechne man alljährlich drei bis fünf Zentner Thomasmehl, das gleichzeitig reichlich Kalk enthält, die Hälfte dieser Menge an Kali und eineinhalb bis zwei Zentner schwefelsaurer Ammoniak pro Morgen, das am Preis bemessen, immer noch am billigsten ist, da es in der Wirkung sich nachhaltig erweist. Den Baumschnitt erlernt man aus Büchern nicht allein, sondern am Daum unter Anleitung eines Fachmannes. In der Aussprache kam die bei uns leider vernachlässigte Pfirsicykultur als Busch und zwangloses Wandspalier zu ihrem Recht, auch die Bezugsmöglichkeiten von Weinreben und vieles andere wurden erörtert. Reicher Beifall lohnte den Redner. Allseitig begrüßt wurde der Vorschlag des Obstbauinfpektors E n k l e r (Gießen), im Lause des Winters eine Demonstration abzuhalten, bei welcher in hiesigen Obstgärten der Baum- schnitt erläutert werden soll. Eine ©ratisoerlofimg beschloß den anregend verlaufenen Nachmittag. ** MarkuSgemelnde. Di« ©aneinixfeiet am Resormationsfest ist nun durch jahrelangen Brauch schon feste Einrichtung geworden und mit jedem Jahr wird der Besuch stärker. Schon lange vor Beginn der Feier war dve Turnhalle so überfüllt, daß sehr viele keinen Platz mehr fanden und wieder Weggehen mußten. Di« Veranstaltung bot auch diesmal wieder, wie Kirchenvorsteher Horst in herzlichem DmrüßungSwort betonte, das Bild einer großen Fchnilie. Dazu trugen besonders bei die schön gedeckten und mit Blumen geschmückten Tische, sowie di« Bewirtung mit Kaffee und Kuchen. Diel Freude bereiteten die Spiele und Reigen von Kindern deS Kindergottesdienstes und von Mitgliedern der Markus-Mädchenvereinigung, die von Helferinnen der Kinderkirche und vor allem unter Leitung von Fräuiem Flick in langer Arbeit gut eingeübt waren. Besonderen Beifall fanden ferner einige Volkstänze und mehrstimmige Volkslieder, die von dem Gießener Volkstanz-Kreis unter Leitung von Karl AlthauS mit feinem Verständnis dargeboten wurden. Der Posaunenchor des Wartburgvereins, unter Leitung von Kaufmann Karl Schaub, bestritt den musikalischen Tell unb erfreute durch viele schöne Chö« und Märsche. Nach kurzem Dankes wort von Pfarrer Decker an alle Mitwirkenden, besonders auch an die Mitglieder drS Frauenvereins und ihre Vorsitzende, Frau Happel, welche mit viel Liebe und Sorgfalt die ganze Feier gerichtet hatten, schloß di« Veranstaltung mit dem gemeinsam gelungenen Refvrmattonslied »Ein« feste Burg ist unser Gott". •* 64 Jahre Bürgergesellschaft Gieße n. Aus Anlaß ihres 64jährigen Bestehens hatte die Dürgergesellschaft am SamStaaabend ihre Mitglieder und Freunde zu einem Festabend im Kathol. Dereinshause eingelaben. Das reichhaltige Programm wurde durch Mitglieder der Kapelle Weller eröffnet, die den musikalischen Teil deS Programms glänzend bestritten. Die Begrüßungsansprache des Präsidenten Fr. Hirsch gab zum Sch u'; ein kurzes Bild der Vereinsgeschichte und schloß mit einem dringenden Appell an alt unb jung, getreu den Satzungen der Gesellschaft mitzuw'.rl'en, durch Anschluß an die Gesangsabteilung und die Veranstaltungen reger zu besuchen, wobei er darauf hinwies, daß die Gesellschaft am 3. Januar n. I. ein großes Konzert (45 Mann Streichmusik) veranstalte. Zum Andenken an unseren Meister Franz Schubert fang Frau GustelAppel-Pfafs drei Schubertlieder, .Morgengruß", »Der Neugierige" und »Heidenröslein", toäbrenb sie im zweiten Teil Lieder von Loewe, Hildach und E. M. v. Weber sehr wirkungsvoll zu Gehör brachte. Frau Appel-Pfaff verfügt über einen recht netten und ansprechenden Mezzo-Sopran uxb fand bei den Zuhörern reichen und dankbaren Beifall. Die Lieder für Männerchor, „Heima'-sen", „3m Walde", »3m Feld deS Morgens früh', »Tanz* liedch^n , „Ich lag am Waldesi^ame" unb „Abendständchen' . zeigten, daß der kleine Chor und sein Dirigent such mit viel Liebe der Pflege des Gesanges bingeben. Die Gesangsabteilung bot mit ihren Liedern recht gut« Leistungen. Den Schluß des Programms bildeten zwei Thlo- phonsoli des Mitgliedes der Dürgergesellschaft 3. Paulus, der sich als ein hervvrragercher Meister dieses 3nstrumentes zeigte. Stürmischer, nicht endenwollender Beifall belohnte den Solisten. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Bürgergesellschaft ein Programm geboten hat, daS das Wohlgelingen der Veranstaltung in allen Teilen sicherte, aber auch einen besseren Besuch verdient hatte. ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 1074 Kälber, 648 Schafe, 550 Schwein«. Hei lewet noch: Gustav Nagel. LPD. Zu der Meldung, daß der bekannte Naturapostel G u st a v Nagel auf dem Kirchweihfest in Farnroda bet Hersfeld an einem Herzschlag gestorben sei, erfahren wir daß diese Nachricht unrichtig ist. Gustav Nagel soll sich überhaupt nicht in jenem Dorfe auf- gehalten haben. Dem sonderbaren Heiligen, der wiederholt totgesagt toorben war, haben diele Zeitungen schon wohlgemeinte Nachrufe gewidmet. Berliner Börse. Berlin, 8. Nov. (WTD. Funkspruch) Nachdem Neuhork, wie erwartet, auf die Wahl Hoovers mit einer Haussebewegung geantwortet hatte, scheint man auch in Berlin weiter freundlich gestimmt zu fein. Besondere Anregungen liegen nicht vor. utid die Umfaßt ättgleit ist auch vorläufig noch weiter sehr gering. Da Kurse nicht zu hören sind, ist eine Tendenz nur schwer HU erkennen Am Devisenmartt nennt man; Paris 124,15, Mailand 92,60, Spanien 30,08, fratWunb 484,85, und den Dollar 4,1985. 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Grchester- verein. Heute keine Probe, nächste Probe am 15. Novbr. »»•D Der Vorstand. öeutsch-oalionale i Frauen-VersammlQDt] am Sonntag, den 11. Nov., 4 Ubr, im Sckützenbaus. Gäste willkommen. F—19. XI. 8’ jülir ■ ° Kräaiokn. Bgrassi .9 Kr.264 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 8. November 1928 Oie Besteuerung der Wanderbeiriebe in Hessen. Ter neue wewcrbesteuergesetzeutwurf. Mit Zustimmung des hessischer Gesamtministe- riums legt jetzt der Finanzmirnster fernen Gesetzentwurf über die steuerliche Erfassung der Gewerbebetriebe im äl mH erziehen vor. nachdem bereits von zahlreichen Parteien des Mittelstandes (Dolkspartei, Zentrum und Demo traten) dem Minister entsprechende Anträge gestellt worden waren. 3n Hessen ist tie Besteuerung des Gewerbebetriebes ün Umher- -iehen durch Gesetz vom 22. Dezember 1900 bzw. 31. März 1909 geregelt. 3m 3ahre 1922 und 1923 wurden durch die veräirderten Geldverhaltnisse veranlaßte Umstellungen ber St.uertar fsähe vorgenommen. Es kaim also festgestellt werden, daß mit unwesentlichen Abänderungen die seit 1900 cingettxknen Umwälzungen auch auf wirischaft- tichem Gebiet auf das Gesetz ohne Rückwirkung geblieben sind. Daher wollen auch die Klagen der ortsansässigen Gewerbetreibenden der kleinen Städte und Gemein- ben des flachen Langer über den sich immer stärker auswirkenden Hausierhandel nicht verstummen, der steuerlich nicht so hart erfaßt wurde, wie bas ansä sige Gewerke. Dies trifft besonders zu bei Hausierbetrieben, die im größeren Umfange besonders mit Fuhrwerken oder Kraftwagen ausgeübt werden. Eine besiz^dere Stellung nehmen dabei die sogenannten Autoläden ein. Ueber diese neuartige Absahform größerer Firmen wird namentlich von der ansässigen Geschäftswelt in Oberhessen geklagt. Richt nur der Kleinhandel, sondern auch der Großhandel erleidet durch dieses Grohhausierwesen einen beträchtlichen Absahausfall. Der neue Gesetzentwurf will auch den da entstehenden steuerlichen Gefahren entgegcntoirfen und schlägt vor, die Tarifsätze für das Wanderlager auf das Doppelte zu erhöhen und die derzeitigen Höchstsätze für das Hausiergewerbe, Detailreisende, Wusikaufsührungen. Schaustellungen und dergleichen entsprechend zu erhöhen. Die Autoläden sollen besonders ersaßt werden, indem hier die Steuer bis zu 5000 Mk. erhöht werden kann. Auch die anderen deutschen Länder mußten in ähnlicher Weise Vorgehen. Zur leichteren Erfassung durch die Steuerämter werden Wcmdergewerbetreibende, die in Hessen feinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, durch das Finanzamt besteuert, in dessen Bezirk das Wandergewerbe erstmalig ausgeübt wird oder werden soll. 3n Artikel 3 des Gesetzes werden die neuen Tarifsätze festgese,t. Aus ihnen ergibt sich, daß das sogenannte kleine Hau iergewerbe, (Sammeln von geringwertigen Erzeugnis en. wie Lumpen u. dgl., Scherenschleisen. Kesselflicken, mit 2 bis 30 Mk. besteuert werden soll. Der Handel mit gewöhnlichen Lebensmitteln u. dgl. mit 6 bis 40 Mk., mit geringwertigen Haushaltungs- und Wirtschaftsbedürsni sen, namentlich auch selbstverfertigter Waren, mit 8 bis 50 Mk. Der übrige Hausierhandel mit Kurz-, Galanterie- und Weißwaren, Glas-, Porzellan -, emanierten Geschirrwaren, Schreibmaterialien, Di dem, Kolonial-und Spezereiwaren, der Handel mit Dieh, Photographieren. Dreschen mit Maschinen usw. wird mit 20 bis 500 Mk. besteuert, bei erheblichem Betriebskapital oder Umsatz mit 200 bis 5000 Mark. Für Detailreisende mit großem Unftatz kann die Steuer bis auf 400 bzw. 2000 Mk. erhöht werden. Musikauf ührungen. Schaustellungen, theatralische Dorsührungen und sonstige Lustbarkeiten werden bei untergeordneter Art mit 2 bis 30 Mk. (2 bis 500 Mk.), bei besserer Art oder größerem Umfange (Schauschießbud.n. Menagerien. Theatergesellschaften) mit 12 bis 120 (12 bis 3000) Mk. besteuert. Die Sähe für Wanderlager werden vorgeschlagen in Gemeinden bis zu 3000 Einwohner mit 80 bis 160 Mk.. in Gemeinden bis zu 10 000 Einwohnern mit 120 bis 240 Mk. und in Gemeinden über 10 000 Einwohnern mit 150 bis 300 Wk. Hieraus geht hervor, daß der kleine Hausierhandel, der durch die schwere wirt- Worte über Dämmerung. Von Anton Schnack. Sie, die Krankheit des Hördens, wirft ihr Gespinst schon früh in die Aachrnittage. Das Herz wird klein und zum Verzagen geneigt. Die Handvoll Licht, die der Tag spendet, ist bald verbraucht. Die Lust ist mit Rebeln gemischt. Mir fallen Raben em. Mir fallen Wälder ein, aus denen die Tiere geflohen sind. 3ch sitze im Grau. 3d) hocke im Grau. Wo ich bin, ist Grau. Wohin ich sehe, ist Grau. Die Häuser, die ich anschaue, sind graue ungefüge Zwingburgen. Die Menschen, mit denen ich sprach, waren grau-, richtige Salzpfeffermenschen voll Fältchen, ftchtlosen Augen, gerunzelten Stirnen, eingedrückten Schultern, Reid im Herzen, Falschheit hinter dem listigen Blick. Dämmerung und graue Lust Und Fleisch und Blut in ihnen geworden. 3d) erwarte nur noch die Wölfe, die Regengüsse und di^ Schneegestöber. ... Manche lieben den Hachmittagswirrwarc der Eafos, die Sprünge der blauen Bajazzos im Theater, den vornehmen Gong der Hotels. Meine Hingabe an die Bücher ist groß: Alte rußige Landkarten ziehe ich hervor und mein Gedankrn- spiel durchkreuzt die Meere. An den kanarischen 3nfeln legt es Anker. ... Llus der kleinen Glasuhr rinnt die Zeit mit dünnem Schlag m das Richts: ein Uhr ... zwei Uhr ... sechs Uhr ... zehn Uhr ... Mitternacht ... Morgengrauen .. Mittagsstunde . . Rachmittag. . . Unter dem Hut der Schreibttschlampe fammelf sich eine Wolle Zigarettenrauch. Blau und Grau. 3ch schreibe mit dem Finger hinein, irgend etwas, den Hamen Assuan, den Ramen Bali, den Hamen Margherita. Kaum geschrieben, verwehen die Zeichen. Keine heiße weiße Stadt, kein silberner 2nselstrand, kern lächelndes Zaubergesicht glüht heraus. Und der Rauch wird grauer als die Gräne der späten Stunde. schaftliche Lage heute von einem größeren Per- sonenlreis als früher betrieben wird, nach wie vor mit niedrigen Anfangssteuersähen belegt werden soll. Königsberger Gespräche. Reue Besprechungen zwischen Polen und Litauen, die in dieser Woche in Königsberg wieder aufgenommen wurden, haben nicht lange gedauert. Sie sind am selben Tage schon geplatzt mit der Feststellung, daß eine Einigung unmöglich sei. Uebriggeblieben ist lediglich eine leise Möglichkeit, durch Derhandlung zwischen den unmittelbar beteiligten Ressorts, den Warenaustausch zwischen den beiden Cänbem wieder anzu- kurbeln. Was nun werden soll, ist im Augenblick kaum zu übersehen, die Lage wird schwierig und schreit geradezu nach einer Einmischung des Völkerbundes, der sid) bisher an dem Konflikt vorbeigedrückt hat, weil viel Lorbeeren dabei für ihn nicht zu ernten sind, nachdem er einmal zrigelassen hat. daß Polen mit Gewalt den Litauern das ganze Gebiet von Wilna raubte. Polen hat es sehr leicht, jetzt auf die Wieder- ankurbelung normaler Beziehungen zu drängen, es verlangt dabei als selbstverständlichen Preis, daß Litauen sich mit dem Verlust seiner verfassungsmäßigen Hauptstadt Wilna abfindet. Das Ziel Polens ist also, die wirtschaftlichen und verkehrspolitischeir Rachteile, die üjm durch die Absperrung Litauens nach dem RaubeWilnas entstanden |üxb, wieder auszugleichen aber ohne daß Litauen Wilna zurückbekommt. Eine )oiche Politik lann natürlid) Woldemaras nid;t mümadjen, weil er von den nationalistischen Elementen abhängig ist, die ihn in den Sattel gesetzt haben. Er wäre in dem gleichen Augenblick unmöglich, wo er in irgendeiner Form auf Wilna verzichtete. Aber das will ja gerade Polen, und man muh zugeben, daß Zaleski seine Taktik sehr geschickt eingerichtet hat. Er ist, auch während der Verhandlungen vor dem Rat in Genf, der Entgegenlommende gewesen, er hat stets den Eindruck zu erwecken gewußt, als ob er den Litauern goldene Drücken baute, die Wol- demaras nicht betreten konnte: und weil der Völkerbundsrat nun einmal den Raub Wilnas als eine gegebene Tatsache ansieht, ist er durch die Halsstarrigkeit des Litauer Diktators nervös geworden. 3eder nxöchte gern den unbequemen Streit aus der Welt haben, der wirtschaftlich auch auf Rußland und Lettland hinüb erspielt. Riemand aber wagt, ben Polen zu sagen, daß die ganze Geschichte in Ordnung ist, sobald Wilna tnießer litauisch wird: also muß jetzt der Völkerbund wieder etngreifen, und die Polen werden es schon so cmzmnchten wissen, daß Litauen dadurch noch mehr ins Unrecht gesetzt und gezwungen wird, wenigstens den gegenwärtigen Besitzstand Polens anzuerkennen. Woldemaras hat nur die eine Hoffnung, daß er bei Deutschland eine Rückendeckung findet, die aber wieder dadurch bedingt wird, daß er alle Streitigkeiten mit Deutschland aus der Welt schafft und vor allen D'mgen b.e Memeldeutschen anständig behandelt, wovon bisher leider sehr wenig zu merken gewesen ist. anztm-jr.-wiiuw«™.....■wumm niii■■■n—■ 11 m Iran— Vor zehn Jahren im Wald von Lompiegne. Oer Abschluß des Waffenstillstands im Salonwagen des Marschalls Foch. - Erbittertes Gingen um die Höhe des Besahungöheers. 3n diesen Tagen erschürft zum ersten Wale das gesamte M fterial der Deutschen Waffenstittstandslommifsion von 1918 *) im Verlage der Deutschen Verlags gesellschast für Polittk und Geschichte m. b. H. in Berlin. Wir bringen aus dem gerade in diesen Tagen brennend altuellen Material einige hochinteressante 2lbschnitte zum Abdruck. Mit derselben Pünltlichkeit und Vehemenz, mit welcher der Weltkrieg an der Westfront einsehte, ging er dort auch zu Ende. Qiod) tobte am 8. Rovember 1918 der Kampf. Richt ohne Lebensgefahr hatte die deutsche Was- fenstillstandskommisfton sich an diesem Tage ihren Weg über die Schützengräben hinweg zu dem Hauptquartier des Oberkommaadierenden der alliierten Armeen, Marschalls Foch, im Walde von Compiegne suchen müssen. Die unerhört harten Waffenstill,'ta d-bedingungen, welche Marschall Foch durch seinen Generalstabschef den deutschen Delegierten verlesen lieh, nahnen nicht nur diesen nahezu den Atem, ja, sie wirkten in der gärenden Heimat, die wahrlich in den Kriegs- jähren schon viel erduldet hatte, damals wie ein unerwartetes, vernichtendes Gewitter. Rachdem dann schweren Herzens die Reichsregierung in Berlin im Einvernehmen mit der Obersten Heeresleitung In Spa am 10. Rovember 1918 die Annahme der Bedingungen beschlossen hatte, wurde noch am selben Tage Staatssekretär E r z - *) Der Waffenstillstand 1918—1919. Das Do- f umen tenma ter ial der Waffenstillstands Verhandlungen von Compiegne, Spa, Trier und CB rüffel. Rotenw ch'el, De h ndu gsproto ll>, De t äge, Eesarnttätigkeitsbericht. 3m Auftrage der Deutschen Waffenslillstandskommisfton in Verbindung mit General d. 3nf. a. D. Hans Freiherrn von Hammerstein, ehern. Vorsitzenden der Deutschen Wafsenstillstandslommission Spa, und Otto Frci- herrn von Stein bevaud gegeben von Dr. jur. Edmund Marhefka, ehern. Mitglied der Deutschen Waffenstillstandskommission. Mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes. 3 Bände. 1928. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte m. b. H., Berlin W 8. berger zur Zeichiurng des Vertrages ermäch- tigt. 3n der Rächt zum 11. Rovember gelangte das Ermächtigungstelegramm in die Hände Erzbergers, der sich noch in Fochs Waldquartter bei Compisgne befand. Sogleich sand dann um 2.15 Uhr nachts im Salonwagen des französischen Marschalls die denkwürdige Sitzung statt, welche dem mehr als vierjährigen blutigen Ringen an der Westfront ein Ende machte. Dis nad> 5 Uhr morgens zogen sich die Verhandlungen hin, um dann mit der Unterzeichnung des immer noch über alle Maßen harten Vertrages zu enden. Um 11 Uhr vormittags trat dann endlich Waffenruhe ein. Eine der blutigsten Tragödien der Menschheit hatte ü)ren Abschluß gefunden. Der Unterzeichnung des Waffenstillstandsver- ttages ging jedoch noch ein erbittertes Feilschen um eine Mäßigung der Bedingungen voraus. Aus den trübseligen nächtlichen Verhandlungen seien hier einige bemerkenswerte Stellen wieder- gegeben. Zu Artikel IX der Waffenstillstandsbedingungen fragt Staatssekretär Erzberger, wie hoch im» gesähr das B esa tz u n gs heer der Alliierten auf dem linken Rheinuser sein wird, um die finanzielle Tragweite dieser Bestimmung beurteilen zu können. Marschall Foch: 50 Divisionen, Elsah- Lothringen ausgeschlossen, sollen in das linksrheinische Gebiet gelegt werden. Staatssekretär Erzberger: Diese Zahl kann auf diesem Gebiet gar nicht untergebracht werden. Wir hiben in ganz Deutschland im Frieden 25 Armeekorps, also 50 Divisionen. Davon liegen etwa 21/» Armeekorps auf der linken Rhnnseite, Elsaß-Lothxingin ausgenommen. Das war die Friedensbesatzung, die wir dort hatten in der Rahe der französischen Grenze. Die Bevölkerung, die dort in Betracht kommt, ist teilweise stark industriell — Saarbrücken, Aachen —, ferner weinbautreibend in den tief» eingeschnittenen Tälern der Mosel: sie ist arm in der Eifel mit nur Viehwirtschaft. Die Möglichkeit einer geordneten Verpflegung durch Hequifi» Es ist Zeit, die kleinen vergilbten Medaillons zu betrad)ten, auf die mit betulichen Farben Gesichter der Vergangenheit gemalt sind. Das alles lebte. Das alles hatte einmal 3nbrunst im Herzen und Gedanken hinter der Stirne. Das alles hatte einmal Träume in der Seele und Wünsche im Blute. Durch sie alle ist einmal das Leben hindurchgebraust und bäumte sie auf in Ehrgeiz, Leidenschaft, Bosheit, Ruhmsucht, Krankheit, Wollust unb Laster. Schmerzliche Stunden waren auch über sie gekommen, wo sie mit zusammengefalteten Händen im Schoße müde basahen. 3ch habe Lust.^mein Geschlecht zu überschauen. Aus alten Phvtographienbüchern, von dicken 3ugenbstilgirlanben eingefaßt, steigt mir entgegen die Reihe der Basen und Vettern, Vater, Großvater und Urgroßvater, Mutter, Großmutter unb Urgroßmutter. Von allen ist ein Hauch in mir. Mit allen verbinbet mich ein unsichtbares Geheimnis des Blutes, ein Hin- unb Her gehen dec Wahrnehmungen, ber Ahnungen, ber Traurigkeit, plötzlich aufschießender Lust unb merkwürdiger Fernsucht unb Lebensgier. Den ich am meisten betrachte, einen Mann mit hoher Stirne, jähen Augen, schwarzen Haaren und leidenschaftlichen Händen, ist ein Bruder meines Vaters gewesen. Er verschwand, plötzlich, an einem Abend — erzählen sie —, es regnete. Cs war ein grauer 'Abend. Er sagte zu niemand ein Wort, er ging nur hinweg. 3ch verehre unb betounbere ihn sehr, da er so einfach nahm, was die anderen so schwer und wichtig nehmen. 'Der hinter sich die Türe schloß, als ginge er zu einem Spaziergang hinaus. Der wegging, als ginge ihn alles nichts an: nichts mehr an das ermüdete Gesicht der Mutter, der knackende Uhrgang, der Katzenleib vor dem Ofen, die Worte, die sie sprachen, die Speisern die sie aßen, ber Wein/ ben sie im Keller noch hatten, das ewige Gegenüber bcs Rachbarhauses, ihr gezwungenes unb breites Gelächter, ihr sorgenvolles Bemühen, ihre kleine Raseweisheit. Damals war auch die Sömmerung. Regen war da, grauer unb trostloser Abend. Wie heute. Unb vielleicht tue ich es wie er. . .. Oer Dichter im Koloffeum. Von Gustav W. Eberrein, Vom. Das Kolosseum ist, wie man weiß, Leine Kleinigkeit. Vom Flugzeug aus gleicht es einem riesigen Krater, der sich rornverschlingend zwischen Meer und Hügeln aufgetan hat. Tritt man ein, durch die fielen Zwiebelwände hindurch, deren jede so dick ist, wie ein bequemer Logengang eben sein muß, so kriegt man cs mit einem Schauder zu tun, weit frömmer als der in Poseidons Fichtenhain. Deirn ein Fichtenhain kann vergehen, aber das Kolosseum, so sagt das Sprichwort, wird so lange bestehen, als Rom besteht, imb solange Rom besteht, wird die Welt bestehen. Diese Wucht! Diese Weite! Wahrscheinlid) — über die genauen Maße sind sich die Topographen noch nicht einig — könnte man die Peterskirche, in der wieder sämtliche anderen Kirchen der Welt wie in einer japanischen Schachtel Platz hätten, in das graurcte Gemäuer hineinstellen. Fünfzigtausend Menschen konnten hier jeden Tag ins Theater gehen, ohne sid) zu stoßen. Die Eröffnungsvorstellung verschlang ncuntau end wilde Tiere und eine, unbestimmte Summe, jedenfalls eine Unsumme, von Gladiatoren. Die Bestien hat man gezählt, die billigeren Menschen nicht. Eäsar Mussolini versammelt zuweilen einige Legionen seiner Echwarzhcmden in der Arena, dreißig- laufend, sechzig tausend, eindringlich sieht das aus. Oder es huldigen ihm, alle in der gleichen schwarzseidenen Uniform, die piccole Italiane, die kleinen faszistischen 3talienerinnen der Zugendverbände. und dann stehl man erschüttert vor so viel rührender Kindheit. Rod) niemals haben die Fremdenmafsen das Kolosseum zu füllen vermocht, nicht einmal im heiligen 3ahre. wo ungezählte herbergslose Pilger dort übernachten mußten. 3n Mondnächten ist es das Ziel der Liebespärchen, und alle, alle kommen unter, obwohl es in Rom sehr viel Liebespärchen gibt. Reinhardts kolossale Bühnenbauten schrumpfen vor den Kulissen des Kolosseums zu Trickbilderchen zusammen und was wir gewaltig, grandios, phänomenal und kolossal finden — ach, in die'em Raum, nach dessen Ramen wir die größten Größen bezeichnen, sieht alles bloß aus wie große Worte. So weit sind die Entfernungen, daß die der tionen ist also nicht vorhaixben An Lebensmitteln kann dieser Gegend nichts toeggenommen werden — ich spreche mit aller Offenheit —, wenn 50 Divisionen in sie gelegt werden sollten, da sie bereits im Frieden vorn Zuschuß aus dem übrigen Deutschland und Zufuhr aus dem Auslande lebte. 50 Divisionen würden auch gar nicht untergebracht werden können, wenn nicht die ganze Bevölkerung weggejagt werden würde. Kaseraren sind mir in Saarbrücken, Saarburg, Düren. Trier, Koblenz, Aacben. 3ülich, Euskirchen, Köln, Bonn und dann in der Pfalz in Landau, Zweibrücken und einigen anderen Orten. Marschall Foch: Die Vergleichung mit bei Effektivstärke der Friedenszeit ist falsch. Die Besatzungen werden nid)t beibehalten, wenn es unmöglich ist, eine solche Truppenzahl in diesen Ländern imterzubringen. Staatssekretär Crzberger: 3ch weiß, daß ein Vergleich zwischen der Friedensstärke mit dem Besatzungsh,ere im Kriege nicht gezogen werden kann. 3ch wollte nur ein Bild geben, was wir an unserer Westfront im Frieden dort gehabt haben, um zu zeigen, daß keine Unter- kunftsmöglichkeiten vorhanden sind und daß eine Besatzung von 50 Divisionen den totalen Ruin dieses ganzen Landes im Gefolge haben müßte. Die Zivilisten mühten ihre Wohnungen verlassen, die Schulen müßten geschlossen werden. Wenn dazu ein harter langer Winter mit hohen Schneefällen kommt, so würde unsere Zivilbevölkerung — besonders in der Eifel, wo wenig Eisenbahnen vorhanden sind —, da die Truppe stärker ist als die Zivilbevölkerung, ein« fad) dem Ruin entgegengeführt werden, und das ist bann Waffenstillstanb? Marschall Foch: Die Zahl von 50 Divisionen soll als „grand Maximum“ angesehen werden. 3ch kann nicht genau besttmmen, was für Truppen in diese Gegend gehen werden, aber ich bin gezwungen, diese Besatzung so anzugeben. Die Stärken der französisc^m, belgischen, englischen unb amerikanischen Divisionen sind auch verschieben. 3ch werde die Besehmrg mit möglichst wenig Truppen zu verwirklichen suchen, abelehre genaue Zahl kann ich nicht angeben. Staatssekretär Erzberger: 3ch möchte hierdurch an die Vertreter der englischen Regierung die Frage stellen, wie sie sich die Räumung O st - afrikas von deutschen Schutztruppen und deren Angehörigen innerhalb eines Monats eigentlich vorstellen. Sotten diese Truppen in ihr deutsches Vaterland zurückgebracht werden, oder sollen sie in die benachbarten englifd)en, portugiesischen oder belgischen Kolonien, also überall in Feindesland, übertreten? Unter allen Umständen aber ist die vorgeschlagene Feist viel zu kurz. Sotten deutsche Schiffe die Schutztruppe abholen, so brauchen sie bei Umgehung des Suezkanals mindestens sechs Wochen, bis sie in Daressalam anlangen. Der Abmarsch herunter Führung des tapferen Generals 2c t - tow-Dorbeck stehenden Schuhtruppen an die Küste vollzieht sich unter denkbar schwierigsten Verhältnissen. Der Mangel an Eisenbahnen zwingt sehr wahrscheinlich, daß der Weg z u Fuß vollzogen werden muh. Will man tatsächlich die ‘HäInnung so, wie jene Truppe es verdient hat, durchfuhren, so »nutz eine erheblich längere Frist hierfür gewährt werden. Äat>itän z. S. Vanselow: Der Termin kann unmöglich eingehalten werden, da weder ein Dampfer in der Zeit in Ostafrika eintteffen kann, noch die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß der tapfere General Lettow-Vorbeck mit seiner Truppe in einem Monat an die Küste gelangen könne. Admiral ‘Demytz stimmt den vorgebrachten Bedenken zu, will aber die nähere Vereinbarung den Lttliierten überlassen. Staatssekretär Erzberger: Uebernimmt die englische Regierung die alsbaldige Benachrichtigung des Generals Lettow-Vorbeck von dieser Bestimmung ? Adnllral Wemhß sagt dies zu. Kaiserloge gegcnüberfihende Obervestalin, oder auch die Liebliirgsvestalin, den Cäsar durch Zei- cheir lenken, ihm bedeuten mußte, ob er den Daumen nach oben oder nach unten zu drehen hatte, um die Dolkssttmmung zu treffen. Und nun hören Sie zu. 3n diesen nach Weltall riechenden Raum geht ein normal aussehender Mensch hinein, stellt sich in die Mitte und sagt Verse auf. Deklamiert Gedichte. Lyrik. Selbstgemachte. Gedichte machen, nun ja. die Kinder spielen ja auch Eisenbahn und Hochzeit. Aber daß erwachsene Menscheir- so etwas noch tun, das erregt in manchen fortgeschrittenen Ländern mit Recht Aufsehen. 3n 3talien nicht. 3n Rom lädt ber Poet noch immer öffentlich dazu ein, sich an der blitzzerspellten Eiche des Torquato Ta,so auf dem 3aniculus zu versammeln — dort werde er seine neuesten Verse vortragen. Unb nie hat er sich über Mangel an Zuhörern zu beklagen. Die Lokaldichter sind in der ewigen Stadt noch heute fast so geschäht wie seinerzeit Pasquino, der Spötter, der ein Schuster war wie Hans Sachs. Es ist aber durchaus kein „Pasqulll“. was ich berichte, der Dichter im Koloßeuin trägt, wenn noch nicht den Lorbeer, so doch die Krone des Heilgen Ernstes. Und eine unfaßbare Kühnheit im Herzen. Diesen Sonntag stand eine Künstlerin in der Arena und deklamierte eine Ode von Byron. Dann stellte sie einen Avanguardisten, einen 3üngling des Vortrupps vor, ber als jung- junger Poet „einige seiner lyrischen Gedichte sehr gut vorgetragen und einen großen Beifall errungen hat". 3a, so steht das in der Zeitung. Stetten Sie sich vor, Herr Repomuk Semmelbrink ginge in das Berliner Stadion und sagte seine Hausgebackenen Gedichte auf-- Vielleicht liegt das Geheimnis des faszistischen Sieges in der feierlichen Unbekümmertheit, mit der ein junger Mann, nicht fürchtend ben Hauch antiker Gewalt, ins leere Kolosseum geht, ben ungeheueren Dühnenraum hx die Schranken fordernd, um dort etwas zu tun, worüber andere junge Männer lächeln würden. Und mit ihnen die Menge, der blutige Boxerfäuste weit interessanter dünken, als die Herzenseinfalt, die gleich denr Prediger in ber Wüste ein lyrisches Gebet verrichtet, feien nun Zuhörer da oder nicht... Oberheffen. Landkreis Gießen. 3 Allen darf a. d. Lda., 7. Nov. Heule vormittag ereignete sich hier ein schwerer U n° q l ü ck s f a l l. Als der Landwirt Friedrich Wilhelm ÄZagner, der die Dreschmachine in einer Hof- reite hatte, bei dem Herunterwerfen der Garben be- hilflich sein wollte, glitt er auf dem Gerüst aus und stürzte in die Scheunentenne so unglücklich ab, daß er das linke Schultergelenk brach. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß der Bedauernswerte außerdem noch innere Ver- l e tz u n g e n davongetragen hat. * Ronnenroth, 8. Rov. Seinen 8 0. Geburtstag vollendet heute der Allveteran Konrad Mihler, Straßenwärter i. R., in körperlicher und geistiger Frische. Der alte Herr machte den Feldzug von 1870/71 im Infanterie- Regiment 116 6. Komp. mit. Er war Mitgründrr des Kriegervereins Ronnenroth, dessenVorstands- mstglied er noch ist. Für seine Verdienste wurde ihm das Hassia-Ehrenkreuz verliehen. Kreis Friedberg. L Melbach. 7. Rov. Die hiesige Ortsgruppe des Stahlhelms. Bund der Frontsoldaten. hatte ihre Mitglieder, sowie die übrigen Ortsvereine für Montagabend zu einer Filmvorführung in das Gasthaus „Zur Post eingeladen. Schon geraume Zeit vor Beginn war der' Saal überfüllt. Zur Vorführung gelangten u. a. die Filme „Eine Rordlandreise". „Der Euch- fang der Lzeanflieger in Berlin" und der „Reichsfrontsoldatentag in Hamburg". Eingeleiiet uno beendet wurde die Darbietung durch Worte des Friedberger Ortsgruppenführers, die von echt 'vaterländischer Gesinnung durchdrungen waren. — Die hiesige Volksschule hat in den letzten Tagen einen Lichtbilderapparat erstanden. der im Laufe der nächsten Woche einem größeren Zuschauerkreise zugänglich gemacht werden soll. Die Mittel hierfür wurden seitens der Gemeinde im Laufe der drei letzten Jahre bereitgestellt. — Da sich hier ein großer Wasserverbrauch im September ergab, fahndete man nach der Ursache, die sich nun in einer größeren Anzahl von Rohrbrüchen bei den Hausanschlüssen herausstellte. Zur Zeit ist man mit der Beseitigung dieser Schäden beschäftigt. Kreis Büdingen. A Aidda. 7. Rov. Bei herrlichem Herbstwetter fand heute hier der Martinimarkt statt, der einen starken Fremdenverkehr hierher führte. Der Auftrieb von Schweinen und Ferkeln betrug 424 Stück, die hauptsächlich von Züchtern aus der Wetterau feilgeboten wurden. Als Käufer waren nicht nur Landwirte aus unserer Gegend, sondern auch aus dem vorderen Vogelsberg zahlreich erschienen. Der Handel entwickelte sich gut, doch machten sich hierbei die etwas gedruckten Preise für Schlachtschweine bemerkbar, so daß die Preise für Ferkel kaum auf die seitherige Stufe kamen. Es wurden bezahlt für sechs Wochen alte Ferkel pro Stück 13 bis 14 Mark, für 8 Wochen alte 18 bis 20 Mk. und für 10 Wochen alte 26 Mark. Einleger kosteten das Stück 35 bis 40 Mk. Es verblieb nur ein geringer Lieberstand. Der Besuch des K r ä m e r - Marktes war trotz des guten Wetters mäßig. — Heute feierte hier Heinrich Christian Keck Wwe. bei ausgezeichnetem Wohlbefinden ihren 8 0. Geburtstag. Sie ist die Witwe des vor etwa 25 Jahren verstorbenen berühmten Imkers, der seinerzeit durch den Dau praktischer Bienenwohnungen bekanntgeworden war. Kreis Schotten. V Gedern, 7. Rov. Rach der letzten Person e n st a n d s a u f n a h m e, die am 10. Oktober Lurchgeführt wurde, betragt unsere Einwohnerzahl 2157, gegenüber 2030 im Jahre 1925, also eine Devölterungszunahme von 127 Personen innerhalb drei Jahren. Kreis Alsfeld. H Alsfeld, 7. Rov. Aus der Stadtvorstandssitzung: In der jüngsten Sitzung wurde die Treferlegung des städtischen Erlen te ich es um 30 Zentimeter beschlossen. Es hat sich herausgestellt, daß der Teich, der im Sommer für den Ruderbetrieb freigegeben ist. in feinem oberen Teile zu seicht ist, so daß die Boote stellenweise auf den Grund geraten und beschädigt werden. Die Arbeiten sollen durch Erwerbslose ausgeführt und an einen Unter« nehmer vergeben werden. — Ein von den Bewohnern der Rodenbergstraße eingereichtes Gesuch um nachträgliche Befreiung von den Stra- ßeubaukosten wurde abgäehnt, weil dieses unbegründet ist, die Anlieger auch ihre Zah- lungsp sucht durch Abschlagszahlungen bereits rechtsverbindlich anerkannt haben und auch die Frist zur Erhebung erner Klage im Derwaltungs- streitverfadren gegen den schon früher ablehnenden Beschluß vom 25. Januar 1927 abgelaufen ist. Um künftig Streitfällen, wie der vorliegende, vorzubeugen, wurde ferner beschlossen, den 3. Rachtrag zum Ortsbaustatut dahin abzuändern, daß die Anlieger auch dann zu den (Strafe en- baukosten heranzuziehen sind, wenn es sich um den Ausbau, die Verbreiterung, Höher- oder Tieferlegung schon vorhandener chaussverter Wege oder gewöhnlicher Feldwege handelt. — Für die Herstellung der Einfriedigung am F e st p l a tz entlang der Altenburger (Strafee wurde eine beantragte Krediterweiterung in Höhe von 720 Mk. nachträglich genehmigt. — Für die Umpflasterung der Kaplaneigasse wurde beschlossen, die noch schien)en drei bis vier Waggons Hartbasalt-Groß-Pllastersteine von der Firma Johannes Rickel von Ober-Widdersheim zum Preise von 265 Mk. pro 10 Tonnen frei Waggon Alsfeld einschließlich bahnamtliche Wiege- und Anschlußgebühren zu beziehen. — Eine längere Debatte entspann sich über die beantragte anderweitige Festsetzung der Miete für die Fe st Halle. Don den Vertretern der Linken wurden die bestehenden Sätze, für Samstag 50 Mk., für Sonntag 150 Mark und für Montag 100 Mk., für kleinere Feste als zu hoch b^eichn-et, während der Vorschlag der Finanzkommission auf Beibehaltung der gegenwärtigen Sätze ging. Rach längerer Aussprache wurde der Antrag der Finanzkommission gegen die Stimmen der Linken angenommen. — Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende ein Schreiben der Provinzialdirektion Oberhessen bekannt, wonach diese den angeregten Ausbau der 0-S trafee Ziegenhain — Alsfeld — Lauterbach an der Kurve an der Lauterbacher Straße als erledigt ansieht, nachdem die Stadt das Projekt der Provinz auf Geradlegung dieser Strecke abgelefent habe. Weiter wurde mitgeteilt, Am Mittwochvormittag faird im Iohannes- saal zu Gießen die Mitgliederversammlung des Hessischen Landesvereins für Innere Mission statt. Rach einer Morgenandacht, gehalten von Pfarrer Becker, Gießen, begrüßte Pfarrer Wagner, Darmstadt, die Vertreter von Kirche, Staat und Kommune, sowie die Mitarbeiter des Vereins. Direktor Pfarrer Röhricht, Darmstadt, erstattete einen eingehenden Bericht über die segensreiche Tätigkeit des Landesvereins im letzten Jahre, dabei auf die allseitige An- erkemrung und die weitgehende finanzielle Unterstützung hinweisend. An der anschließenden Aussprache beteiligten sich Superintendent Oberkirchenrat Wagner, Gießen, sowie die Pfarrer A u s f e l d, Gießen, Klotz, F. ischborn, Stork, Schwarz, und Glock, Mainz. Der Rechenschaftsbericht 1927 zeigte eine Einnahme von 35 242 Mark, eine Ausgabe von 30 611 Mark. Der Borans chlag 1929 sieht in Einnahme und Ausgabe den Betrag von 29614 Mk. vor. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden die Ausscheidenden wiedergewählt, nur soll als stellv. Vorsitzender des Landesausschusses Amtsgerichtsdireltor Haustein, Darmstadt, fungieren. Ole r gievu-gSrat Linken seid, Darmstadt, übermittelte hierauf die Grüße des Ministers für Arbeit und Wirtschaft, sowie der Provinzial- direktivn Starkenburg und sprach nachträglich noch dem Oberhessischen Verein für Innere Mission die Glückwünsche der Regierung zum 50jäh- rigen Jubiläum des Vereins aus. Anschließend hielt Pfarrer Schuhmacher, Frankfurt a.M., einen Vortrag über: „Wie rüsten wir uns auf das kommende Wände rgesetz?". Der Redner erläuterte zunächst die seitherige Tätigkeit der Inneren Mission auf dem Gebiet der Wanderfürsvrge, um sich dann eingehend mit dem von dem bekannten Sozialpolltiker Dr. Polligkeit ausgearbLiteten Entwurf zum kommenden Wandergesetz zu beschäftigen. Im Zusammenhang hiermit streifte er die Verhandlungen hezüglich des neuen Bewahrungsgesetzes und besprach einzelne, hierbei in Frage kommende Bestimmungen des in Vorbereitung befindlichen Strafgesetzbuchs. Er behandelte dann weiter die Frage: „Wie rüsten wir uns für das kommende Wander gesetz?" und zeigte dabei Wege zur praktischen Arbeit. Schließlich besprach er noch die Frage: „Was haben wir den Landesfürsorgeverbäirden auf dem Gebiete der Wanderfürsorge im Augenblick voraus?". Der Redner schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß die Wanderfürsvrge sich nicht durch Gesetze regeln läßt, wenn nicht der rechte Geist dabei wirkt. An der anschließenden, sehr anregenden Aussprache beteiligten sich Pfarrer Grein (Arheilgen), Oberregierungsrat Linkenfeld (Darmstadt), Hausvater Loh (Gießen), Kirchenrat Rebel (Laubach) und Direktor Pfarrer Röhricht (Darmstadt). Im Anschluß an die Verhandlungen des Landesvereins fand nachmittags die Jahresversammlung des Landesverbandes der Inneren Mission in Hessen im gleichen Saale statt. Der Geschäftsführer des Verbandes, Pfarrer Röhricht (Darmstadt), erstattete Bericht über die Tätigkeit des Verbandes, der angeschlossenen Verbände und Anstalten. Er forderte festeren Zusammenschluß der angeschlossenen Verbände innerhalb des Verbandes der Inneren Mission und ermahnte, sich nicht vom Zeitgeist vom Weg abdrängen zu lassen. An der anschließenden Aussprache nahmen Pfarrer Grein (Arheilgen), Superintendent Oberkirchenrat Wagner und Pfarrer Lenz (Gießen) teil. Hierauf hiell Direkwr V i e t o r vom Wirtschaftsbund gemeinnütziger Wohlfahrtseinrichtungen, Zentrale Berlin, einen Vortrag über „Zweck und Ziel des Zusammenschlusses der Anstalten der Inneren Mission im Wirtschal t s b u n d." Der Redner erläuterte zunächst die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der gesamten Wohlfahrtspflege auf wirtschaftlichem Gebiet, schilderte bann die Gründung des Wirtschaftsbundes gemeinnütziger Wohlfahrtscmrichtungen, der zunächst große Schwierigkeiten zu überwinden hatte. Er geigte die Organisation und die Aufgaben des Bundes, um sich bann eingehend mit der Tätigkeit und der Entwickelung desselben zu beschäftigen. Zum Schluß empfahl der Redner dem Landesverband für Innere Mission und seinen Anstalten eine weitgehendere Beteiligung an Genossenschaftseinrichtungen. Zu den Ausführungen des Referenten nahmen Pfarrer Hickel (Darmstadt) und Grein (Arheilgen) Stellung. Mit einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden, Pfarrer Wagner (Darmstadt), fand die Tagung ihr Ende. Oer Beirugsprozeß in Gießen. 10. Verhandlungstag. Gießen, 7. Rov. Heute vormittag begannen in dem Prozeß gegen H., R. und He. vor dem Erweiterten Schöffengericht die Plädoyers, die bis in die Abendstunden dauerten. Zu Beginn der Sitzung wurde sofort dem Staatsanwalt das Wort zur Begründung der Anllage erteilt. Er führte u. a. au5: Bereits Anfang April 1925, der Zeit der Gründung der Firma H. und R., war diese überschuldet und lebensunfähig. Die von den Angeklagten errechnete Eröffnungsbilanz mit einem Vermögen von mehreren taufend Mark stimme nicht, da die mitei ngerechneten Hypotheken des H. auf eigenen Grundbesitz, die damals von den Banken schon in voller Höhe in Anspruch genommen waren, niemals als einen Vermögens Bestandteil gewertet werden könnten. Weiter hätte der um diese Zeit bereits einsehende sehr umfangreiche Wechselverkehr den Qlngef tagten es zur besonderen Pflicht machen müssen, einwandfreie Duchauszeichnungen zu machen, Damit die einzelnen Geschäftsvorfälle jederzeit hätten nachgeprüft werden können. Cs bestehe darüber kein Zweifel, daß die unordentliche Buchführung nur in der Absicht geschehen wäre, die Gläubiger zu benachteiligen. Damit hätten sich H. und R. des betrügerischen Dankerotts schuldig gemacht. Auch hätten die Angellagten, insbesondere H., durch Aufwand übermäßige Sunmen verbraucht. Sodann ging der Anklagevertreter auf die einzelnen unter Anklage stehenden Fälle eig. Mit Ausnahme von fünf Fällen, deren Entscheidung er dem Ermessen des Gerichts anheimgab. unb einem Fall, in dem er die Freisprechung des H. beantragte, hielt er in sämtlichen übrigen Fällen H. und, insoweit an diesen auch R. beteiligt war, auch R. des Betrugs, bzw. der Untreue für schuldig. Er wies aus den angerichteten Schaden hin und betonte, daß auch im öffentlichen Interesse mit empfindlichen Strafen gegen derartige unlau.ere Machenschaften angekämpft werden müsse. Den Angeklagten He. hielt er in einem Fall der Untreue für schuldig. Er beantragte gegen H. eine Gesamtstrafe von zwei Jahren zwei Monaten Gefängnis, gegen R. eine solche von einem Jahr vier Monaten Gefängnis und gegen He. eine Geldstrafe von 60 Mk., evtl. 12 Tage Gefängnis. Der Angeklagte He. beantragte seine Freisprechung, da er sich in keiner Beziehung strafbar gemacht habe. Darauf erhielt der Bert eidiger des A. das Wort. Zunächst beschäftigte er sich eingehend mit dem angellagten Konkursverbrechen und -vergehen. Don einer Ueberschuldung zurzeit der Gründung der offenen Handelsgesell- schast könne gar keine Rede sein. H. unb R. hätten sich seinerzeit über ihre Kontostände bei den einzelnen Danken genau vergewissert, diese auch richtig bei Aufstellung der Eröffnungsbilanz berücksichtigt. Im übrigen stellten auch Hypotheken auf eigenen Grundbesitz eines Geseü- schafters zweifellos Vermögenswerte dar, so daß diese die Angellagten mit Recht als Aktiva für sich gebucht hätten. Von einem Konkursverbrechen könne keine Rede fern, es sei den Angellagten nicht nachgewlesen, daß sie in der Absicht, ihre Gläubiger zu benachteiligen, die Bücher unordentlich geführt hätten. Höchstens könne unter Umständen ein Konkursvergeh en In Frage kommen. Aber auch dann habe R. sich nicht strafbar gemacht, da H. erst einige Monate nach dem Ausscheiden des R. die Zahlungen eingestellt habe. Darauf behandelte er die Fälle, in denen R. des Betrugs oder der Untreue angeflagt ist. Weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht sei ein Rachweis für die Schuld des R. erbracht. Er beantrage daher die Freis prechung des R. Rach der Mittagspause ergriff der Verteidiger des H. das Wort. Zunächst behandelle er allgemein die Sachlage. Die Anklage könne nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht gehalten werden. Rur ganz wenige Fälle seien übriggeblieben, bei denen nur Verdacht bestehe. H. habe immer den Leuten helfen wollen. Wenn ihm dies manchmal nicht gelungen wäre, so sei dies in den damaligen schwierigen Verhältnissen begründet gewesen. Wenn das Geschäft nicht habe aufkommen können, so seien mit Schuld daran die mangelnden kaufmännischen Kenntnisse des H., insbesondere auch auswärtige Banken, durch die H. in Schulden geraten sei. Auskünfte, die von Danken über H. und R. bei Begründung der offenen Handelsgesellschaft eingeholt worden seien, hätten immer günstig gelautet. Dann befaßte sich der Verteidiger etngefeenb mit den sämtlichen angellagten Fällen. Soweit diese Fälle mit der Dolks- banl Philippstern in Verbindung stehen, wäre zu bedenken, daß der Aussage des Rendanten kein Glaube beizumessen wäre. Er berief sich dabei auf die Aussagen der hierüber vernommenen Zeugen. In keinem dieser Fälle hätte H. eine strafbare Handlung nachgewiesen werden können. Dasselbe gelte auch für die Fälle, für deren Erledigung sich H. mit dem Bankhaus Rasch in Verbindung gesetzt hatte. Auf die Aussage des Zeugen Rasch allein könne niemals ein verurteilendes Erkenntnis gestützt werden. In den Fällen, die nach Rodheim hinüberspielen, hätte sich H. ebenfalls nicht strafbar gemacht. Die Sparkasse Rodheim wäre ja immer über die Höhe der Beleihung jedes einzelnen von H. eingereichten Hypothekenbriefes unterrichtet gewesen. Er beantrage daher, H. in sämtlichen Fällen freihusprechen. H. erklärte darauf, er habe eine Vermögens- schädigung seiner Kunden niemals gewollt: er sei unschuldig und bitte um Freisprechung. R. erklärte, daß er u n s ch u l d i g sei, er bitte das Gericht, ihm sein Recht zu geben. Weiterverhandlung: Do.inerstagnachmittag. daß die bei der Errichtung des neuen Post- gebäudes entstandenen Differenzen zwischen dem Pvstbaurat uib der Stadtverwaltung durch eine Verhandlung auf der Oberpostdirettion in Darmstadt in zufriedenstellender Weise erledigt worden seien, so daß der Dau nunmehr endgültig fertiggestellt werden könne. -er. Homberg a. d. Ohm, 7. Rov. Gestern nachmittag schlug zum ersten Male die in diesen Tagen in den Rathausturm eingebaute automatisch-elektrische Turmuhr. Die beiden Zifferblätter gereichen dem äußerlich neuhergerichteten Rathause zur besonderen Zierde. Die ganze Anlage, Aufstellung des WerkÄ mit Zifferblättern, war ein dringendes Erfordernis. Die neue Ufer schlägt die vollen Stunden aus unb beulet die halben durch einen Schlag an. Wie schon ihr Rame be.agt, bedient sich das durchaus moderne Uhrwerk selbst. Gin Keiner Motor, vom elektrischen Strome angetricben, zieht das Uhrwerk rechtzeitig selbsttättg auf, von dem eigentlichen Uhrwerk ein- und wieder ausgeschaltet. Möge die neue Ufer den Einwohnern Hombergs nur glückliche Stunden schlagenI An dieser Stelle sei ein geschichtlicher Rückblick gestattet. Das Rathaus, ein Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, wurde im Jahre 1539 auf dem Markt erbaut In dem Hause befand sich eine sehr kunstvolle Ufer mit einem Zifferblatt Eine männliche Figur, die sich bei dem Zifferblatte befand, gab die Stunden durch Pfeifen an und ein Hahn krähte dazu. Diese Uhr wurde 1612 abgenommen. Ein noch vorhandenes älteres Uhr- werk mit Zifferblatt rührt vermutlich aus dieser Zeit her. Die jetzt neu aufgestellte Turmuhr wurde durch den Uhrmacher L. Gnifkowski, Homberg, Don der Firma I. F. W e u l e bezogen. Ein Monteur leitete die Aufstellungsarbeiten und setzte das Werk in Gang. — Die vor etlichen Wochen hier begonnenen K a n a l i s a t i o n s- arbeiten schreiten bei dem günstigen Herbstwetter rüstig voran. Zur Zeit ist man in der „Obergare“ mit dem Aufbruch der Straße un> dem Einbau des Rohrnetzes beschäftigt. Die Wit- terung gestattet auch noch die Fortsetzung der Bautätigkeit. Starkenburg. WER. D a r m st a d t, 7. Rov. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Fabrikant Dr. E. Schenck, vollendet: am heutigen Tage feinen 6 0. Geburtstag. 1911 wurde er zum ersten Male zum Mitg-.ied der Kammer gewählt und führt seit dem Jahre 1920, also besonders während der verwickelten und wirtschaftlich schlechtesten Zeiten, das Amt des Vorsitzenden. (Seit 1923 ist der Kammervoriitzende auch Mitglied der Kammer für Handelssachen beim Landgericht der Provinz Starkenburg. WSR. Bensheim, 7. Rov. Gestern mittag starb an den Folgen einer langen schweren Krankheit der weit über Bensheim hinaus bekannte Historiker Professor Karl Henkel- mann, langjähriger Schriftleiter der „Berg- sträßer Gcschichtsblätter'. Erst vor kurzem war er auf Grund seiner Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt Bensheim ernannt worden. Rheinhessen. WSR. Worms, 7. Rov. Die Zentralstelle zur Ermittlung unbekannter Leichen., für die Rheinprovinz weist darauf hin, daß in wenigen Monaten insgesamt 467 unbekannte Tote aus dem Rhein auf der Strecke zwischen Mainz und der holländischen Grenze gelänbet wurden und auch ihre Personalien zum größten Tell ermittelt werden formten. Im April wurden aus dem Rhein 47 Tote gelänget, im Mai 49, im Juni 56, im Juli 189 (Badezeit), im August 80 und in der ersten September- Hälfte 55. Preußen. Kreis Biedenkopf. ,XX Bieber bei Rodheim, 7. Rov. Iü diesen Tagen ist hier wieder ein Wahrzeichen des einst so blühenden Bergbaues von der Bildfläche verschwunden. Infolge der Kriegsnöte war bekanntlich auch die am Fuße des Dünsberges gelegene Erzgrube „Friedberg" wieder in Betrieb genommen und sogar durch eine Drahtseilbahn und Verladerampe mit der Kleinbahn verbunden worden. Seit zwei Jahren ruht auf dieser Grube die Arbeit wieder, die geringe Ausdehnung des Grubenfeldes, vor allem aber die hohen Frachtsätze mögen zur vollständigen Stillegung geführt haben. Rurrmehr ist auch der 15 Meter hohe Förderturm mit seinem mächtigen Gebälk niedergelegt worden. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, 7. Rov. Auf der Provinzialstraße Wetzlar—Groß-Rechtenbach überrannte ein ohne Laterne fahrender Radfahrer in schnellem Tempo von hinten eine Frau, eine Hebamme aus Oberkleen, die heftig zu Boden geschleudert wurde und schwere Verletzungen an Kops und Armen erlitt. Der Rad^r beteiligte sich zunächst an den Hilfeleistungen und gab an, einen Arzt holen zu wollen. Aus dem Wege dorthin riß er aus und konnte unerkannt entkommen. Andere Passanten veranlaßten dann die Uebetfüferung der Verunglückten in ihre Wohnung. Das Urieit im Frankfurter Bühnenprszeß WSR. Frankfurt a. W., 7. Rov. Rach dem Strafantrag des Staatsanwalts, der — wie gestern in einem Teil der Auflage schon gemeldet. D. Red. — gegen Müller-Wieland 9 Monate Gefängnrs und 1000 Mk. Geldstrafe beantragt hatte, plädierten die Verteidiger auf Freisprechung. Im Schlußwort betonte der Angeklagte nochmals, daß er stets guten Glaii- bons gewesen sei. Das Urteil des Gerichts lautete: Der Angeklagte wird wegen Vergehens gegen § 312 des Handelsgesetzes (Untreue) in den Fällen Flügelverkauf, Kassenentnahnie von 16 500 Mk. und Vergütungen für Doppelvorstel- lungen zu 7 Monaten Gefängnis und 800 Mk. Geldstrafe verurteilt. Bei der Strafbemessung wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte es durch seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit zu einer ansehnlichen Stellung gebracht habe. Auf der Höhe seines Schaffens sei er gescheitert. Zwar war er seinem Intellekt nach der Stellung gewachsen, aber es fehlte ihm die gefertigte Moral. Auf der andern Seite muhte erschwerend berücksichttgt werden, daß der Angeklagte eine Vertrauensstellung innehatte, und daß die Gelder, die er verwaltete, öffentliche Gelder waren. Strafkammer Gießen. • Gießen, 6. Rov. In mehrstündiger Sitzung verhandelte die Große Strafkammer gegen einen Schupowachtmeister von Butzbach, der vom Amtsgericht Butzbach von der Anllage des einfachen Diebstahls srcigesprochen, vom Bezi ks- schöfsengericht aber wegen eines schweren und eines einfachen Diebstahls zu fünf Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Gegen das freisprechende Urteil verfolgte die Staatsanwaltschaft, gegen das verurteilende Erkenntnis er selbst Berufung. Es wurde ihm zur Last gelegt, Kameraden, mit denen er die Stube teilte, bestohlen zu haben. Die vermißten Gegenstände, Wäsch?, ein Uhr und ein Ring, fanden sich in seinem Besitz, aus der Wäsche waren die Namenszeichen des Eigentümers herausgrtrennk, aus der Uhr war der cingravierte Rame d?s Besitzers ausgekratzt. Der Angeklagte, dem auch sonst Unredlichkeiten. Un- zuverläs.igleit im Dienst und Trunkenheit nachgewiesen wurden, leugnete und wollte glauben machen, ein unbefannter Feind hätte ihm die Sachen zugeschmuggelt, um ihm zu schaden: den Ring an sich genommen zu haben, gab er zu. wollte aber nicht in böser Absicht gebanbeit haben. Aus der gesamten Beweisaufnahme ge- toann das Gericht die Uekerzeugung von der Schuld des Angeklagten: das verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichts wurde bestätigt, das freisprechende Urteil des Amtsgerichts aufgehoben und auf eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis erkannt. Im Anschluß daran verhandelte die Kleine Strafkammer gegen einen jungen Mann von Erbe nhausen wegen Jagdvergehens. Seine "Berufung g-gen ein Urteil teS Amtsgerichts Hombrrg. d irch bad er tilgen Jagens auf fremdem Gebiet zu einer Geldstrafe von 140 Mark und zur Einziehung des Gewehrs verurteilt to orten war. wurde zurückge- Wiesen und außerdem aus Einziehung te5 gesamten, von ihm mitgeführten Jagdgeräts erfannl. Schöffengericht Gießen. * Dietzen, 7. Rov. Ein Arbeiter aus einem Dorf im Vogelsberg war des Betrugs an» geklagt, weil er bei ter Protokollierung eines Kaufvertrags den Kaufpreis zu niedrig angegeben h.ibe, um so die Derkäuser zu benachteiligen. Die Beweisaufnahme brachte keine ein- wanofreie Klärung. Mangels Beweises wurde der Arbeiter frelgesprochen. .Unter Ausschluß ter Oessenllichleit tourten zwei weitere Sachen verhandelt. Ein wegen Sittlichkeitsverbrechens vorbestrafter Landwirt erhielt 3 Monate Gefängnis wegen Erregung öffentlichen Aergernisses. Ein wegen Wcchsel- fälschung vor kurzem zu 8 Monaten Gefängnis verurtcrlter Einwohner aus Gießen hatte sich an dem noch nicht 14 Jahre alten Töchterchen seiner Vermieterin vergangen. Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde auf 8 M o - nate Gefängnis erkannt. Der Schutz der oberhessischen Heilquellen. Durch eine Verordnung des Hessischen Gesamt- minifteriums vom 5.Rovember ist der Schutz der Heilquellen zu DateRauheim, der Lötoenquekle bei Schwalheim und der Heilquellen zu Bad Salzhausen wie folgt neu geregelt worden. Die Grenze des äuheren Schutzbezirkes für die sämtlichen vorgenannten Heilquellen wird gebildet — von der Gemarkung Ober-Dosbach ausgehend — durch die Gemarkungen. Alsheimer Wald, Rodheim v. d. H., Holz- yausen, Ober-Erlenbach, Ober-Eschbach, Rieder- Eschbach, Harheim, Bilbel, Dortelweil, Rendel, Büdesheim, Heldenbergen, Kaichen, Durg-Gräfen- rvde, Bönstadt, Engelthal, Höchst a. d. Ridder, Oberau, Höchster Wald, Eckartshäuser Unter» Wald, Langen-Bergheim, Eckartshäuser Oberwald, Deurrte-Hof, 2llt-Wietermus, Ronneburger Hof, Ronneburger Wald, Mittel - Gründau, Hain - Gründau, Büding. WailL, Rinderbügen, Michelau, Bindsachsen, Wenings, Merkensritz, Steinberg, Glashütten, Eichelsachsen, Wingershausen, Schotten, Götzen, Betzenrod, Kölzenhain, Bobenhau- sen II, Sellnrod, Freienseen, Laubacher Wald I, Laubach, Ruppertsburg, Dillingen, Hungen, Langsdorf, Dettenhausen, MuschLnheim, Trais- Münzenberg, Münzenberg, Rockenberg, Oppershofen bis zur Grenze des inneren Schutzbezirks für die Heilquellen zu 'Bad-Rauheim und die Löwenquelle bei Schwalheim. Der äußere Schutzbezirk umfaßt alle genannten Gemarkungen, sowie alle zwischen diesen und den beiden inneren Schutzbezirken gelegenen Gemarkungen. Die Tiefe, bis zu welcher innerhalb der bezeichneten Gemarkungen Ausgrabungen und unterirdische Arbeiten ohne freiSamt» loche Genehmigung gestattet sind, wird für die inneren Schutz bezirke auf 5 Meter, für den äußeren Schutzbezirk auf 60 Meter festgesetzt. Jedoch bleibt innerhalb der Fluren. 1 bis 6 und 15 der Gemarkung Bilbel die Schutztiefe von 51 Meter bestehen, wie sie durch die Verordnung vom 23. April 1910 festgesetzt ist. Diese Verordnung ist sofort in Kraft getreten. Oie Kraftfahrzeuge in Hessen. Rach dem Stand vom 1. Juli 1928 gab es in Hessen 8647 Krafträder (einschließlich 1825 Kleinkrafträder), 7209 Personenkraftwagen (einschließlich Kraftomnibusse) und 2314 Lastkraftwagen. Rach der Einwohnerzählung vom Juni 1925 kommen in Hessen auf jeden 156. Einwohner ein Kraftrad (1927 auf je 200 Einwohner). Auf je 186 Einwohner ein Personenkraftwagen (1927 auf je 265), auf 583 Einwohner ein Lastkraftwagen (1927 auf je 707). Durchschnittlich ist somit seit 1927 eine Zunahme de r Kraftfahrzeuge um rund ein Drittelzu verzeichnen. Die meisten Krafträder werden in Starkenburg benutzt. Hier entfällt auf 140 Einwohner ein Kraftrad, in Hubertusfeier 4928 herrühren, die dazu gonnenen Weidtoerk. Weiter mann im Damen der Prämiierungskommission über die Ausstellung. Die Erfolge der Vereinstätigkeit konnten kaum besser dargetan werden, als durch diese interne Ausstellung. Diese zerfiel in zwei Telle: „Streife 1928" und „Altersbestimmung beim Rehwild". Richt weniger als 40 Mitglieder des Vereins hatten freiwillig ihre Böcke aus 1928 gebracht, sodaß genau 103 Böcke aus diesem Jahr zur Schau standen und in ihrer Gesamtheit das Bild eines sehr erfreulichen Durchschnittes abgaten. Das ist aber wichtig. Der Weidmann lehnt es stets ab, die Jagd als einen Sport zu bezeichnen, bei dem es auf Erzielung von Höchstleistungen ankommt. Die Güte des Kopfschmuckes gibt vielmehr ein Bild des allgemeinen Zustandes des Waldstandes, der gehoben wird, wenn die Qualität der Trophäe verbessert wird. In diesem Sinne soll eine solche Ausstellung zeigen, was erreicht werden kann. Demi das Wild ist ein Produkt des Bodens, auf dem es lebt. In seine natürliche Entwicklung greift der Mensch mit der Büchse regulierend ein. Damit dieses Regulieren aber so erfolgt, wie es -u einer Vorwärtsentwickelung nötig ist, sind solche Ausstellungen nötig, die einen Vergleich gestatten. Darum ift es besonders begrüßenswert, daß so viele Herren durch Hergäbe ihrer Trophäen halfen, das Bild möglichst vollständig zu gestalten. Die beurteUente Kommission konnte besonders gute Stücke mit Medaillen bedenken. Die Goldene Medaille bekam ein von Herrn Sauer (Gießen) gestreckter Dock, dem der Träger der Silbernen Medaille, gestreckt im Revier von Rechtsanwalt Albrecht, kaum nach stand. Auch eine Bronze-Medaille errang dieses Revier, während eine weitere einem Dock des Herrn Otto Rinn und eine dritte einem des Herrn Heinz Keißner zuerkannt wurde. Eine Sehenswürdigkeit besonderer Art war die Altersbestimmung beim Rehwild. Hier hitte Reg.-Rat Freiherr Schenk zu Schweinsberg (Gießen) 50 Docke im Alter von 1 bis 15 Jahren mit Gehörn und Gebiß ausgestellt, eine Ausstellung, die die Ausführungen des Geheimrats Prof. Dr. Olt auf das teste unterstützte und zugleich in einer äußeren Form geboten tourte, die allgemeine Dewunde- rung erweckte und der Äusdruck verliehen tourte durch Prämiierung mit ter Silbernen Hubertus -Medaille. Einer besonderen Erwähnung bedarf noch eine Ausstellung des Frei- herrn Roeder von Diersburg: Strecke aus dem Jagdbezirk Rabenau. Sie zttgte keine „Preisböcke", sondern wollte im Gegenteil vor Qlugen sichren, wie ter Abschuß in einem Revier durch geführt werden muß, in dem aus irgendwelchen Gründen zahlreiche schlecht veranlagte Döcke Vorkommen und sich zum Teil, da infolge tes schlechten Aussehens als jung angesprochen, in ein höheres Alter durchgemogelt haben. ®m solcher Abschuß verlangt ein Personal, das mit offenen Augen den Waldbestand prüft und solche abschußreisen Stücke erkennt. Sn dieser Hinsicht würde die Tätigkeit des Försters Kämmerer (Londorf) besonders anerkannt. Mll dem Gllick- wunsch an die Preisttäger verband Herr Hoffmann den Dank für die nicht geringe Kleinarbeit, die zum Zustandekommen ter Ausstellung in würdigem Rahmen durch die Herren August Kilbinger und Studienrat Holzel geleistet Worten war, und gab ter Hoffnung Ausdruck, daß solch wichtiges Matericll den Mitgliedern noch mehr gezeigt werden könne, da es geeignet sei, in ganz hervorragendem Maße belehrend und erzieherisch zu Wirten. Ein ausgezeichnetes Musilprvgramm unrrahmte die Ausführungen ter Redner. Später ergriff Geh. Rat Olt nochmals das Wort, und zwar zu ter Frage ter geschichtlichen Entwickelung ter Geweihe, die er auf das beste durch Dorzeigen von Funden aus dem Miocän beleuchten konnte. Leiter sind die alten schönen Jagdfignale mebr und mehr verschwunden Sie zu erhalten und auch wieder ter Praxis zuzuführen, sollte versucht werden. Anregen dazu wollte der Vorstand dadurch, daß er die Signale in ter Reihe ter Programm stücke den Festteilnehmern zu Gehör brachte. Daß man im übrigen nicht nur Belehrung zu geben und zu bekommen suchte, fontem daß Froh» sinn, Jagdwitz und Jagdlied auch zur Geltung kamen, durfte kaum besonders erwähnt werden müssen. Das gehört zu echter Jägerart. Lind fr ist Hubertustag wieder einmal vorbei. Möge alles Gehörte und Geschaute auf guten Voten fallen zum Ruhen ter deutschen Jagd. Der Hubertustag (3.Rov.) wurde von den im „Hubertus". Verein weilgerechter Jäger, Sih Sieben, vereinigten Jägern aus Gießen und Umgebung in herkömmlicher Weise festlich begangen. Rach einem frvhrn Jagdtag versammelten sich etwa 90 Mitglieder und Gäste im Saale des Hotels „Hindenburg", dessen Rische von Tannengrün umrahmt eine Geweihausstellung aus drei großen Tafeln zeigte. Sie bildete naturgemäß den Mittelpunkt tes weidmännischen Interesses. Um 7 Uhr ergriff Geh. Rat Prof. Dr. Olt das Wort, um im Anschluß an ten Teil der Ausstellung, ter sich mit dem Rehalter beschäftigte, auf das Wesen und die hohe Bedeutung dör Frage ter Altersbestimmung bei Rehwild einzugehen. Er wies darauf hin, wie man durch Markierung von Wild gelernt habe, daß es ganz falsch fei, In den Stadien Spießer, Gabler, Sechser die normalen Entwicklungsstufen des Rehgehörnes zu sehen, sondern daß es eine Frage der Veranlagung tes Individuums, oder eines ganzen Schlages sei, ob das Sechsergehörn schon im ersten Jahre gebildet würde, oder vielleicht in anderen Fällen nie zu einer befriedigenden Ausbildung tonune. Die Veranlagung seines Wlldstandes zu beurteilen, ist eine Fähigkeit, die sich jeder Revierinhaber zu erwerben suchen muß. Dazu aber ist es nötig, daß er die Gebiß- abnuhung beobachten und Verwerten lernt. Die durch Tafeln unterstützten Ausführungen tourten mit dem dankbaren Interesse aufgenommen, dessen ter Redner im Kreise der Hubertusmitglieter stets versichert sein kann. Dann riefen bte Hörner zu Tisch. Während tes Schüsseltreibens ergriff ter 1. Vorsitzende tes Vereins, August Pascoe (Dutenhofen), das Wort und begrüßte Mitglieder und Gäste. Sein Dank galt allen, die irgendwie durch Stiftungen oder Mitarbeit zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Er betonte dann die Bedeutung tes Tages für den Weidmann und verknüpfte die Idee der Hubertussage mit der Tätigkeit tes Vereins, der sich ten Schuhheisigen der Jagd Aum Paten erwählt hat. 6r- führte u. a. aus, daß die Dezeichnung „Weidgerechter Säger“ nicht bedeuten solle, daß der Verein diese Bezeichnung durchaus für alle seine Mitglieder als gegebene Tatsache in Anspruch nehmen könne und dürfe, sondern daß damit vielmehr die Zielsetzung gegeben sei. Demzufolge erstrebe der Verein in ter Zeit seines Bestehens seit nunmehr acht Jahren unentwegt, den weidmännischen Geist zu pflegen, ihn zu wecken bei allen, in denen das Gefühl dafür vorhanden sei, unb so in gemeinsamer Arbeit hinzuwirken auf eine Veredlung des Weidwerks. Dieses Ziel läßt sich nicht von einem Tag auf den anderen erreichen, es wird sich wahrscheinlich auch nie vollkommen erreichen lassen. Aber es kann ohne Selbstlob gesagt werten, daß die vom Verein ausgehenden Anregungen, mögen sie nun von Vorträgen, Schießübungen, Hunteprüfungen u. a. schon reiche Fruchte getragen haben, ermutigen, weiterzuarbeiten am be- Werk. Horrido galt dem deutschen sprach dann Oekoiromierat Hoff- Oberhefsen auf 170 und in R Hern Hessen auf 172 Einwohner. Die meisten Personenkraftwagen werten in Rheinhessen gefahren. Dort entfällt auf jeden 15. Einwohner ein Personenkraftwagen, in Oberhessen auf jeden 198. und in Starkenburg auf jeden 205. Einwohner. Mtt Lastkraftwagen steht wiederum Rheinhessen an erster Stelle. Dort entfällt auf 400 Einwohner ein Lastkraftwagen, dann folgt Starkenburg auf 666 und Oberhesien auf 828 Einwohner. Von ten einzelnen Kreisen steht mit Krafträdern Groß-Gerau an erster Stelle. Dort entfällt auf jeden 83. Einwohner ein Kraftrad. Es folgen Darmstadt auf 133, Offen» II ■! IJ LM bach auf 137. Gießen auf 141. Lauterbach auf 152, Schotten auf 155. Alzey auf 159. Worms auf 161, Heppenheim auf 173, Düdingen auf 180. Bingen auf 184, Mainz auf 185. Bensheim auf 188, Friedberg auf 193. Erbach auf 194. Dieburg auf 212. Alsfeld auf 217 und an letzter Stelle steht Oppenheim, wo auf 240 Einwohner ein Kraftrad entfällt. .Dei den Personenkraftwagen stehen d:e drei Provinzstädte an erster Stelle. Es entfällt in Darmstadt auf 128, in Gießen auf. 132 und in Mainz auf 134 Einwohner ein Personenkraftwagen. Dann folgen Worms auf 153, Mzey auf 153, Groß-Gerau auf 192, Bingen auf 192, Friedberg auf 208. Offenbach auf 220, Oppenheim auf 244, Bensheim auf 245, AlSfeld auf 277, Erbach auf 277. Büdingen auf 290, Lauterbach auf 299, Schotten auf 338. Heppen- Henn auf 397 und zuletzt Dieburg auf 445 Einwohner ein Personenkraftwagen. Bei ten Lastkraftwagen steht Kreis Mainau erster Stelle. Es entfällt dort auf 297 Ein-, toohner ein Lastkraftwagen, dann folgt Kreis Dingen auf 357 Einwohner, Darmstadt auf 410, Friedberg auf 443, Groß-Gerau auf 462, WormS auf 496, Alzey auf 578, Gießen auf 800. Oppenheim auf 818, Dens heim auf 828. Offenbach auf 831, Dieburg auf 1006, Lauterbach auft 1032, Erbach auf 1132. Heppenheim auf 1488. Schotten auf 2007, Düdingen auf 3085 und an letzter Stelle folgt Kreis Alsfeld auf 3431 Einwohner ein Lastkraftwagen. Eingesandt. (Für Form und Jnhall aller unter dieser Rubrck stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Befeud)(ung der landwirtschaftlichen Fuhrwerke auf den Proolnzialstrahen. Das Kreisamt Gießen I>a.t eine Polizeiverordnung erlassen, nach ter alle Fuhrwerke, die von ter Feldbestellung httmkehren, oder mit ter Einbringung der Feldfrüchte beschäftigt sind, btt eintretenter Dunkei Heck auf den Provinzialstraßen beleuchtet fein müssen. Wäre ame Umfrage wegen ter praktischen Durchführung dieser Maßnahme veranlaßt worden, so hätten praktische Landwirte die Sache als unmöglich bezeichnet, es sei denn, die Rentabilität der Landwirtschaft wird erst sicherge stellt, damit die Möglichkeit gegeben ist, die achtstündige Arbeitszeit einzuführen. Auch wäre hier eine Zwangseinführung ter Versicherung Legen Ernteschadigung durch Witterungsverhältnisse am Platze. Solange dir behördliche Fürsorge diese Vorbedingung außer acht läßt, muh die Landwirtschaft es als neue Fessel bezeichnen, die ihr angelegt wird, um das zu erreichen, was man von chr fordert, nämlich die Volksernährung immer mehr unabhängig vom Auslände zu machen und sicherzustellen. Ferner wäre zu erwägen, ob nicht die Fahrgeschwindigkeit der Autos bet Rachtzeit etwas gemindert werten könnte. Dann wären bei der jetzigen Beleuchtung ter Autos Anglücksfälle ausgeschlossen. Ich habe mich im Kreisausschuh mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln gegen diese Polizeiverordnung gewandt, leitet war Herr Abgeordneter Fenchel in Darmstadt festgehalten, und ich als einziger Landwirt stand allein. Dommersheim, Langsdorf, M. d. Kreisausschusses. Chronische Stuhlverstopfnng. Von Dr. med. Stadion, Halle. Bei chronischer Stuhloerstopfung oder Hartleibig- feit werden durch ausbleibenden Stuhlgang die unbrauchbaren Bestandteile der Nahrung zu lange im Darm zurückgehalten. Der Darm füllt sich daher übermäßig an und übt auf andere Organe einen lästigen Druck aus, der häufig Beklemmungen und alfge’ meines Unbehagen bervorrust. Außerdem gelangen Gärungs- und Fäulnisstoffe aus dem Darminhalt in das Blut, verbreiten sich im ganzen Körper und können ebenfalls viele Beschwerden verursachen. Es ist daher ratsam, Hartleibigkeit rechtzeitig zu bekämpfen, und zwar durch Gebrauch eines rein pflanz- lichen Abführmittels, wie es die vielsach bewährten Apotheker Richard Brandt's Schweizerpillen sind. Sie bewirken in milder und doch zuverlässiger Weise, daß der Stuhlgang regelmäßig und ausreichend erfolgt. 4115V 3 VOM AG ^E^uragerL-ÄiJisfkMsufageri-OmnlbiLne-l43nununalfa)u*xeuge Vertretung in Gießen: Georg Karl Reit, Kraftfahrzeuge, Fernsprecher 298 VOGTLÄNDISCHE MASCHINENFABRIK A:G. PLAUEN LV. Internationale Automobil- und Motorrad - Ausstellung Berlin . 8. bis 18. November 1928 - Halle II, Stand 208 Unterfertigte bedauert tief das Ableben ihres lieben A. H. Geh. Justizrat Karl Landmann Amtsgerichtsdirektor L R (aktiv W.S. 76/77 - W.S. 79/80.) Gestorben am 3. November zu Offenbach. Die Sind. Relormverbinünng Adelpbia im V.D.B. LA.H.C. Eugen Breunlg .xW?. 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Nachmittags 4 Uhr, Ausflug nach der Karlsruh. 9826D 9esiD Lager. H. Sauer & Co. Televdon 1154. Bureau und Laaer: Walltorstratze 48. AWMW des ÄerbandeS SberhesMer Seflügelzuchtvereine 93480 verbunden mit 25jähr. Jubiläum des Kretsgesiügelzuch Vereins A sseld vom 9.—11. November in der Festhalle zu Alsfeld. Geöffnet: Samstag, den 10. Nov., von 8—19 Llhr, Sonntag, den 11 Tkov., v. 8—18 Llhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein: Oer Vorstand. Gewerbeverein Gießen Am Sonntag, 11. November, findet in Offenbach a. W. nm 10‘/2 Uhr in der Garten halle. Kirchstraße 23. die Hauptversammlung d. Hess. Handwerker- und Gewerbe-Verbandes tatt. Da die Tagesordnung überaus wichtig ist bitten wir unsere Mitglieder, möglichst vollzählig zu erscheinen. *”D Der Vor*|fxende. Zreibank. Freitag, den 9. Novbr., von « Uhr ab »856U Ileischverkauf. la Zichten- -eckreiser frische, grüne Reiker, grobe Wellen, jedes Quantum billigst, frei HauS oder ab Weitere preiswerte Massenangebote! 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Depots: Engel-Apotheke Hirsch-Apotheke Pelikan-Apotheke fu &8W Qj Ul Lebstt kjermMMLstoihlieim Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 264 Drittes Blatt ———— Abenteuer an der Elfenbeinküste. Wundersame Lrinncrungen des Hausierers Alfred A. Horn. besprochen von Gerhard Bohlmann. Das Leben schafft die großen romantischen Schicksale und bringt die seltsamsten Begegnungen zustande. Zu der Schriftstellerin EthrlreSa Lewis. die in Südafrika, m Johannesburg, lebt, kommt eines Tages ein Haust e r e r, der mit selbstgeflochtenen Drahisach.n und ähnlichen! Gerät Kandell und versucht, die Frau zum Kauf eines Bralenrostes zu bewegen. Wirklich wird der Handel getätigt, die Dame kommt mit dem weihbärtigen Greise ins Gespräch, und Plötzlich fängt er an, von Afrika zu erzählen. Cs ist mcht so wunderbar, daß einer rn Johannesburg von Afrika redet, aber die wenigen Worte, die der alte Mann spricht, frappieren. »Afrika, liebe Frau, Afrika... wie es die Aatur geschaffen hat, Heimat des schwarzen Mannes und des ruhigen Stefanien. Kein Laut in einer großen Landschaft um mittag... nur das Rascheln der Elefanten im GraS. Gin paar liegen still im Wasser, und ich bin der erste Wann, der sie in ihrer Glückseligkeit belauscht." Run, es ist kein Wunder, daß die Schriftstellerin bei diesen Worten auf« horcht' sie vernimmt mit kundigem Ohre eine verwandte Sprache, sie wird gestaunt haben, wie da aus einigen Worten eine Stimmung, eine Landschaft entsteht. Atmosphäre der großen Schweigsamkett. überflutet von greller Sonne. Es ist nicht so wunderbar, daß das Gespräch mit dem Hausierer weiter geht, daß er einiges erzählt und luxh mehr in der Entfernung ahnen läßt. Es ist einer Schriststellerin nur natürlich, daß sie den alten Hausierer ermuntert, seine Erlebnisse aufzuschreiben, daß der Greis ihr gehorcht und von nun an wöchentlich einmal eZcheint. um seine eigenen Kapitel vorzulesen. Äach diesen ßefungen bringt ihn Frau Lewis zum Sprechen und sie hat, ein getreuer Eckermann des Hausierers Alfred Aloysius Horn, diese Gespräche h.rnach ausgeschrieben. AuS dem Ganzen ist natürlich ein Buch entstanden, dem Galsworthy ein Degleitwort schrieb, darin er versichert QL QL Horn fei wirklich der Mensch, als den er sich dem Leser vorstellt. Das Hausiererbuch liegt jetzt auch in deutscher Rebersetzung unter dem Titel „Abenteuer an der Elfenbeinküste" (Jnselverlag Leipzig, 562) vor, es enthält in steter Reihenfolge immer ein Kapitel Hornsche Erzählung und ein «Sesprüch und stellt sich alsbald als eine der merkwürdigsten Erscheinungen heraus, welche in den Buchläden ausliegen. Denn dieser Hausierer, im St. Edwards College in Liverpool als Kaufmann erzogen, wird einer der verwegensten Qlbenteurer aewesen sein, welche an der Elfenbeinküste Afri- 116, im Mündungsgebiet des Ogowe, des Mum und des Rgunie zemals Clesantenzahne gehandell Haben. Dor allem, er war einer der ersten, oft Der erste 'Weiße, der in diese Regionen kam: ja, er kennt diese Striche noch in dem paradiesischen -Zustand der Arsprünglichkeit, und er war eine kühne Gestalt mit blondem Haarschopf, Verkörperung normannischen Piratentums. das Plötzlich tn die schwane Welt einbricht. Was alles hat er geseyen! Er kennt die Geheimnisse der großen Elefanten, der Medizinmänner, die Tricks der Zauberdoktoren, et entführt die „weiße Göttin", bestehl Schlachten, jagt Leopard.n und Tiger, dringt In die Mysterien Der Götter, sieht Tänze und Kriegsspiele, die vor ihm kein Weiher erblickt, wird als einziger Europäer in die Eluts- brüderschaft der Schwarzen ausgenommen er trinkt mit den Regern, handelt, prügclt und schießt sich mit ihnen — das alles erzählt er in diesem Buch Er schreibt in seinem Asyl zu Johannesburg, immer am Montag, wenn es dort etwas leerer ist, er beschwört die Bilder seiner goldenen Jugend in einer Umgebung, welche fhn sein QllterSelend um so härter fühlen läßt. Trotzdem ist in diesen Erzählungen keine Spur von Bitterkeit, kein Wort des Grolls, kein Hadern gegen das „Schicksal" — er hat die große Ruhe und Einsicht gewonnen, — und wenn er dann gar zu sprechen beginnt, eröffnen sich erst die Quellen dieses Mannes, der, nennen wir ihn mit dem stets mißbrauchten Worte, ein Charakter isL Da sind dann seine Worte von dem Hauch des jln- nennbaren umflimmert, dann wirft er für Augenblicke die Schalen des Limpopo Jack, deS alten Drahtbinders ab und verwandelt sich in den blondschöpfigen Wikinger zurück, dessen junge Augen die Wunder der heißen Ratur schauten. Dann ist die Gegenwart vergessen, und das Herz des greisen Hausierers, der sein Leben auf fremder Erde beschließen muß. fliegt den beiden leuchtenden Polen seines Daseins zu, der heimatlichen Lancashire-Erde und der unberührten afrikanischen Steppe und dem Frieden, der vor einem halben Jahrhundert über ihr waltete. Mit einer fanatischen Besessenheit hat er sich an die Riederschrift seines Lebens gemacht, als müßte er noch vor seinem Ende seine Ernte hastig in die Scheuer bergen. Gin hartes Leben voller Qlbenteuer und Gefahren. Jetzt, da dieser Mensch siebzig Jahre geworden ist, geht ein Buch von ihm in die Welt, überschwemmt England, wird von Galsworthy empfohlen, ins Deutsche überseht. Ironie des Schicksals: was dieser Qlben- teurerdichter vor dreißig Jahren hätte schreiben können, unbeschwert von der Qual seines Verfalls, ahnt man noch hinter diesen Schilderungen. Er wäre vielleicht einmal der Dichter Afrikas geworden. Jetzt ist er der Schriftstellerin von Herzen dankbar, daß er überhaupt nur in dieser Weise sein Leben hat erzählen dürfen. Das sind seine letzten 'Worte: „Sie haben einen Sonnenstrahl in das Leben eines alten Mannes gebracht, liebe Frau. Ja, ja. UnD das alles kam von dem Bratenrost, den ich an einem SonKtagmorgen in meinem Zimmer geflochten habe, ohne seine wunderbaren Eigenschaften zu ahnen. Ich wußte, daß Sie ihn nie brauchen würden." Was bringt dieZniernaiionaleAuiomobil- und Moiorradausstellung? Von Wilhelm Buchmann. Nachdruck verboten. Heute wird die Internationale Automobil» und Motorradausstellung tn Berlin eröffnet; wir geben im Rahmen einer Vorschau einen äleberblick Über daS Dau- und Ausstellungsprogramm der deutschen Kraftfahrzeugindustrie. Qlls im Herbst 1926 die letzte nationale Krast- fahrzeugschau ihre Pforten geschlossen hatte, war man sich darüber klar, daß trotz der großen Fortschritte der letzten Jahre noch ein hartes Stück Arbeit übrig blieb, wollte man zur nächsten, nunmehr internationalen Ausstellung gerüstet sein. Wcchl alle Werke haben ausnahmslos in den Jahren 1926 und 1927 durchgreifendeUmstel- lung en vorgenommen. Mitten tm Fluß dieser Entwicklung bereits nach einem Jahre öffentlich aufzutreten, schien nicht ratsam, denn jede Ausstellung soll einen Ruhepunkt und einen gewissen Qlbschluh Darstellen. So zog man eine zweijährige Pause vor, und das war gut so. Heute sehen wir die Früchte der geleisteten Arbeit. Die folgende kurze Zusammenstellung, der eine Statistik des Reichsverbandes der Automobilindustrie zugrunde liegt, soll eine ^lebersicht bieten, tn welchen technischen Bahnen sich die Entwicklung bewegt. Fangen wir bei den Krafträdern an. In 18 deutschen Werken werden 49 verschiedene Muster erzeugt. Den größten Anteil daran haben die mittelstarken Räder mit 500 Raumzentimeter Hub, während die Muster mit 200, 300 bis 750 Raumzentimeter etwa gleich stark vertreten sind. Die schweren Maschinen haben meist Zweizylindermotoren, eine hat sogar einen mit vier Zylindern. Heber 8/4 sind eigene Erzeugnisse. Bemerkenswert ist die Zunahme der Zweitaktmotoren, die bei rund Vs der Maschinen zu finden sind. Bei den Viertaktmotoren findet man gleichviele hängende wie stehende CBentUe. Fast durchweg sind die Krafträder mit Dreiganggetriebe ausgerüstet. Die Mehrscheibenkupplung behauptet noch das Feld, aber auch die Einscheibenkupplung setzt sich mehr und mehr durch. Die Keilriemen haben den Ketten- und Zahnradtrieben den Platz räumen müssen. Doppelbremsen auf Hinter- und Vorderrad gehören zu den Selbstverständlichkeiten, wobei den Jnnenbackenbremsen der Vorzug gegeben wird. Mit dem Bau von Personenkraftwagen befassen sich in Deutschland 27 Werke, die 67 verschiedene Muster von Fahrgestellen erzeugen, auf die zum Teil verschiedenartige Aufbauten ausgesetzt werden, so daß im ganzen 95 Muster entstehen. Ausfallend ist das Destre- ben, stärkere M o koren, also einen größeren Kraftvorrat, einzübauen, was den Wagen besonders im Stadtverkehr zur Erzielung großer Beschleunigungen zugute kommt. Die Zwei- und Vierlibermotoren sind am stärksten vertreten; es folgen die Dreiliterwagen. Oluf Die ganz leichten und ganz schweren Wagen bis zu 7 Liter Hub- raum entfallen nur wenige Muster. Am eindringlichsten zeigt sich das Zunehmen der Sechs- und Achtzylindermotoren. Der Sechszylindermotor ist am häufigsten zu treffen, nämlich in 52 Wagern, es folgt der in Zukunft wohl nur noch für leichte Wagen vorbehaltene Vierzylindermotor In 22 Wagen. Mit Achtzylindermotoren sind bereits 11 deutsche Firmen aus den Markt gekommen, die 18 verschiedene Muster zeigen. Mit nur zwei Ausnahmen werden eigene Motorbauarten benutzt, und zwar im größten Umfang mit vom Zylinderblock abnehmbarem Kopf. Zur Kühlung dss Motors hat sich die Wasserkühlung mit Pumpe und selbsttätigem Kühlregler durchgesetzt; nur bei kleineren Wagen konnte sich die selbsttätige Umlaufkühlung behaupten. Die Frage, ob den hängenden oder den stehenden Ventilen der Vorzug zu geben ist, scheint sich zugunsten der hängenden Bauart zu entscheiden, wenn auch in diesem Jahr noch die stehende vorherrscht. Zur Zündung wird immer mehr die Lichtbatterie herangezogen; etwa drei Viertel aller Wagen arbeiten damit. Wie beim Motorrad so hat auch beim Personenwagen die Cinscheihpickuppelung neue Freunde gewonnen; sie hat die Mehrscheibenkuppelung bereits überholt. Das Getriebe wird in neun Zehntel der Wagen unmittelbar an den Motorblock an gebaut; die Mehrzahl hat noch drei Gänge, doch scheint dem Vierganggetriebe, das zur Schonung des Motors beiträgt, noch ein weites Feld offenzustehen. Die Derfchiebefchaltung stirbt aus, an ihre Stelle ist die Kugelschaltung getreten, die sich fast immer in der Wagenmitte befindet. An den Hinterachsen- antrieben hat sich kaum etwas geändert, über Vorderradantriebe wird noch besonders zu berichten fein. Die Lenkung zeigt neben der Schneckenlenkung auch besonders stark die Schraubenlenkung; mit nur wenigen Ausnahmen befindet sich das Steuer links. Vierradbremse ist selbstveriländlich; die überwiegende Zahl der Fahrzeuge hat mechanische Bremsen, aber auch der Flüssigkeits- und der Luftbremse wird mehr Beachtung geschenkt. Die Wagenaufbauten lassen eine Bevorzugung der geschlossenen Wagen erkennen; den größten Qlnteil daran haben die Jnnensteuer- limousinen, aber auch das Kabriolet sinket viele Liebhaber. Don den 22 deutschen Werken, die Lastwagen und Omnibusse Herstellen, werden 56 Haupt- und 35 Rebenmuster heraus geb acht. Den größten Anteil haben die Muster mit 8 und 10 Liter Hubraum, das heißt Die mittleren und schweren Wagen; daim folgen die schnellen und leichten Wagen mit 3 bis 4 Liter. Im Omnibus bau ist man zum Sechszhlindermotor übergegangen; bei den Lastwagen herrscht noch der Vierzylindermotor vor. Das Kühlwasser wird fast durchweg durch eine Pumpe in Umlauf ver» Held fällt vom Himmel. Roman von Paul (Knderling. Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin. 38. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mißmutig ging er durch den strömenden Regen, der so gut zu seiner Stimmung paßte, den Mantel- fragen hochgetlappt, die Boulevards entlang. Aus einem der vielen Kinos klang Musik, Lachen und Händeklatschen. Einige verspätete Zettungshändler schrien mit gellender Stimme Sportblatter aus. Eine Zrau, die müde und abgehetzt aussah, schrie ihr „Paris Sport!". Auf dem Zettunasbündel lag ein schlafender Säugling, über dessen Kopf sie ihr jäm- inerliches „Paris Sport!" rief. (Brotted marf ihr einen Schein zu und beeilte sich, in ein Auw zu steigen, um nach seinem Hotel zu fahren. Der Concierge musterte ihn mißtrauisch über ■en Apachenroman des Matin hinweg. Er grüßte höflich und ließ sich das Morgenblatt zeben. Beim Schein einer1 trüben Lampe las er ■uch hier von Fälschungen in aller Welt. In den »reiften europäischen Groß, und Hafenstädten waren sie angehalten worden. Der aufgeregte Artikel sprach deutlich von den Absichten, den Franken von seiner mühsam erNommenen Höhe wieder herab zu stürzen. Niemand konnte schuld sein als Deutschland oder die Aäteleute. Kreischend wurde die Aushebung des verdächtigen Kongresses verlangt. Man würde dann ßhon sehen, wie die Boches und die Russen Hand in Hand gegen das unschuldige, viel zu gutmütige Frankreich arbeiteten. „Schläft Poincars?" hieß der Schlußsatz. Er wollte sich für eine Stunde hinlegen, aber er stellte fest, daß die Bettwäsche feit dem vorigen Gast noch nicht erneuert worden war. Es ekelte ihn. Keine Nacht konnte er hier zubringen. Aus einem Zimmer, das irgendwo an der andern Seite des kleinen Lichthofs lag, kam ein falsches Flötengequiek, Deibergelächter und das Kläffen eines Köters. (Brotted rauchte eine Zigarette nach der andern, nn Zimmer auf und ab gehend, unwillkürlich den -takt der blödsinnigen Flötenmelodie einhaltend. Plötzlich erhob sich im Hotel Lärm. Man hörte wütenoes Klopfen an eine Tür, Schreie und die bellende Stimme von Monsieur. Dann trat ebenso unvermittelt Stille ein, die wie ein Auftakt zu einer neuen Szene wirkte. Das ganze Haus schien durchseucht von verbrecherischem und lasterhaftem Leben. Er ertrug es nicht mehr und zog sich an. Die Flöte blies immer noch ihre dumme Melodie, während er die Treppen hinunterraste. Der Concierge blidte ihm kopfschüttelnd nach und vertiefte sich wieder in feinen Apachenroman. (Brotted aß eine Kleinigkeit in einem Duval, eine Pastete von klangvollem Namen und undefinierbarem Inhalt. Als er an der Oper ankam, fuhren die ersten Wagen schon ab. Er blidte in jeden hinein, ließ sich zur Sette stoßen, anschreien, verdrängen, kam aber immer wieder zur Zeit, um die Insassen kontrollieren zu können. Er spürte die Passion eines Jagdhundes. Kein Gefährt entging ihm. Aber als nach einer Weile keine Besucher mehr die Oper verließen, mußte er für diesmal fein Suchen aufgeben. Vielleicht hörten Brodersens die Oper bis zu Ende an. Denn nun zweifelte er gar nicht mehr daran, daß sie drin waren. Der Regen mar schwächer geworden. Er schlenderte die Rue de la Paix auf und ab. Die Läden der Juweliere waren verschlossen und verriegelt, Wächter strichen umher, die ihn mißtrauisch prüften. Da ging er in Das Caf6 drüben und wartete die Stunde ab. Das Cass war schwach besucht: das Nachtleben begann ja erst wieder nach Theater- schluß. Endlich war es so wett. Aber nun war die Ermattung fühlbar geworden, die die Erregungen dieser Tage geschaffen hatten. Langsam, schwankend ging er zur Oper hinüber, obwohl man drüben begann, die Türen zu offnen, und die ersten Menschen heraushasteten. Schirme flogen auf und versperrten den Blid, und er gab sich kaum noch Mühe, die Kette der Wagen zu überschauen. Immer lauter um- brauste ihn diese sinnverwirrende Sinfonie Des Schwatzens, Rufens, Erzählens, Verabschiedens Tausender. Immer bunter umwogte ihn. der Karneval der Kostüme, der Schirme, der vielen fremden Sprachen und des Gelächters. Hunderte sahen so aus wie Brodersen, aber keine wie Inge. Fast willenlos ließ er fitft von dem Mahlstrom der Menge mitreißen, der ihn bald an sich saugte, im Kreiswirbel herumwarf, ausfpie, dann wieder dicht an die Wagenreihe brachte, um ihn wieder wegzuschleudern. Der einzelne war machtlos gegen die Anziehungs- und Abstoßungskraft dieses Stroms. Einmal versuchte er, am Fuß eines Kandelabers Halt zu finden. Aber die Menfchenflut spülte ihn fort, über den Platz hinweg, bis zum Eingang der Untergrundbahn. In diesem Augenblick, wo er schon alles aufgegeben hatte, bog ein einzelner Wagen um die Ecke. Er wäre fast umgeworfen worden, wie damals von dem grünladierten Wagen Brodersens. Wieder sprang er instinktiv auf das Trittbrett, aber diesmal verließ er den Platz nicht so bald wie damals: drinnen saß Brodersen mit seiner Tochter. Er rief dem Chauffeur „halt!" zu, Der unwillkürlich gehorchte. Dann riß er die Wagentür auf, stieg, ohne zu fragen, ein und setzte sich den beiden gegenüber. Inge tat einen kleinen Schrei, und er nahm ihre Hand und küßte sie. Erst ein unwilliges Brummen Brodersens brachte ihn zur Erkenntnis der ungewöhnlichen Lage. „Ich bin Kurt Grotteck. Sie haben mich hier wohl nicht vermutet?" Er fragte nicht, ob man ihm erlaube, mitzufahren. Er küßte nur erglühend vor Glück Inges Hand, die sich ihm nicht entzog. „Grotteck?" wiederholte Brodersen langsam, als müßte er sich erst auf den Träger dieses Namens besinnen. „Wie kommen Sie denn hierher? Ich glaubte Sie auf Ihrem Gut?' Das klang nicht sehr ermunternd. Er lachte hellauf. „Ich machte diesen kleinen Abstecher und bin glücklich, Sie getroffen zu haben." Inge blickte ängstlich auf ihren Vater, als Grotteck ihre Hände küßte. Spielte sie die grausame Komödie noch weiter? Noch heute mußte das ein Ende haben. Alles mußte klar werden zwischen ihnen, alles, auch dies. Aber vorläufig hatte er noch genug mit diesen kleinen, festen Händen zu tun, die zärtlich suchend in den seinen lagen und bebten. Nie hatten zwei liebende Menschen in der Stunde, da sie sich fanden, so wenig Worte gebraucht. • Die Fahrt war nur kurz. Brodersens wohnten in der großen Karawanserei bes Grand Hotel. Dieses Donnerstag, 8. November (928 fetzt. Wegen Der besseren Leistungsausnutzung wird die hängende Q3entitt>auart bevo zugt. Zur Zündung wird überwiegend die zuve lässigere Magnetzündung benutzt. Im KupplungZ- und Getriebebau sowie in den Schaltungen findet man verschiedene Ausführungen nebeneinander, Denen je nach Größe oder Dem Verwendungszweck der Vorzug gegeben wird. Für Den Hinterachsant ieb wird ausschließlich Das Kegclradausgleichgetriebe verwendet- Auch im Rutzkrastwagen bürgert sich die Schraubenlenkung mehr und mehr ein, Doch hat Die Schneckenlenrung noch die Oberhand. Etwa Doppelt so viele Wagen haben Die Steuerung auf Der linken Seite wie auf Der rechten, was wohl hauptsächlich auf Die Omnibusse zurückzu- führen ist, Die meist Linkssteuerung haben. Bemerkenswert ist, Daß überwiegend die Vierradbremse eingeführt wurde, Die bei den großen Massen und GeschwinDigkeiten, mit denen Die neuzeitlichen Ruhfahrz.-uge auSgestattet sind, unbedingt erforderlich scheint. Besondere Beachtung verdienen dabei die Druck- oder Saugluft- bremsen, die auch für Anhänger in Frage kommen. Bei Den Lastkraftwagen sind die gangbarsten Muster die Zwei- bls Fünftonner, während bei den Omnibussen die mit 30 bis 40 Sitzplätzen die begehrtesten s'.nd. Für den Großstadtverkehr kommen aber auch ganz große Dreiachser mehr und mehr auf, die bis zu 80 Sitzplätzen aufweisen. Diese älebersicht will nur in großen Zügen zeigen, wohin Die Entwicklung der letzten Jahre geführt hat. Auf Einzelheiten wird rwch zurückzukommen sein. Schon jetzt kann man aber getrost sagen, daß sich die deutsche Kraftfahrzeugindustrie eine maßgebende Stellung errungen hat und Den Wettbewerb mit Dem Ausland nicht zu scheuen braucht. Kirche und Schule. wg. Schotten, 7. Rov. Die Geistlichen des Evangelischen Del anais Schotten versammelten sich hier zu ihrer letzten diesjährigen Konferenz, die in Der üblichen Weise durch Pfarrer B r e u n I i n , Burkhards, eröffnet wurde. Rach Bekanntgabe Der amtlichen Verfügungen durch Dekan V o l p , Laubach, erfolgte eine längere Aussprache über die bevorstehenden Wahlen der Kirchenvorstände, des Dekanatstages und des Landeskirchentages. Sodann hielt Pfarrer T r a p p , Lllrichsteig, ein Referat über Mar- cion, den berühmten Theologen des 2. Jahrhunderts. Infolge des Wegzugs von Pfarrer Zimmer, Breungeshain, aus dem Dekanat, der viele Jahre hindurch mit hingebungsvoller Treue den Dekanats-Erziehungsver- e i n geleitet hatte, mußte die Leitung dieses Vereins neu geregelt werden, was in Der Weise geschah, daß die nördliche Hälfte des Dekanats nun von Pfarrer Travp, Ulrichstein, und die südliche Hälfte des DeranatS von Pfarrer Fritsch, Herchenhain, übernommen wurde. Die infolge des großen PfarrermangelS in manchen Gemeinden ein getretene mangeujafle geistliche (Versorgung scheint demnächst behoben zu werden. Mit Der (Verwaltung der vakanten Pfarrstelle Drsunges- hain-QSusenborn wurde Pfarrverwalter älhl. bisher in Hitzkirchen, beauftragt. Auch steht die Wiederbesetzung Der Pfarrstelle Eschenrod, welche von Wingershausen auS mitversehen wurde, unmittelbar bevor. Als einzige unbesetzte Pfarrstelle ist noch Sellnrod vorhanden, welche Gemeinde zur Zeit von Babenhausen H aus pa- storiert wird, ein Zustand, der aber dringend Der Abhilfe bedarf. Man hofft, daß auch hier noch vor Winter eine befriedigende Regelung erfolgt. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Kdigionsgetneinbe. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Vorabend 4.45 Uhr; morgens 9; Predigt; abends 5 und 5.40. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatseier den 10. November. Freitag abend 4.25 Uhr; Samstag vormittag 8.30; Predigt; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 5.40. Wochengottesdienst morgens 6.45; abends 4.30. Hotel hatte er auch angefragt, aber man hatte es anscheinend nicht für nötig gefunden, sich seinetwegen zu bemühen. Vielleicht hatte man üm auch nicht verstanden. Grotteck sprang aus dem Wagen und half Inge beim Aussteigen. Als er auch ihrem Vater helfen wollte, trat sie hinzu. Aber er hatte schon den Arm des Blinden erfaßt und führte ihn ins Hotel. In Der Vorhalle blieb Brodersen stehen, den Arm mit einer trotzigen Bewegung abschüttelnd. „Vielen Dank", sagte er mit einer merkwürdig verschleierten Stimme. „Aber ich bin noch nicht so alt, wie Sie zu glauben scheinen." Er stand aufrecht, das Gewühl Der Halle überragend, und suchte mit einer Gebärde, die Grottcck schon kannte, nach Inge, die erblassend zu ihm ttctt. „Leider kann ich Sie nicht in unsre Zimmer einladen. Ich habe noch eine wichtige Konferenz vor. Eine geschäftliche. Aber wir werden ja wohl morgen das Vergnügen haben." Er lüftete leicht den Hut und ging an Inges Arm zum Aufzug. Grotteck folgte beklommen. Als die beiden in den Lift einftiegen, fing er einen Blick Inges auf, und er wußte gleich, was dieser Blick bedeutete: „Warte auf mich. Ich komme." Langsam ging er in das Schreibzimmer, das um diese Stunde ziemlich leer war. Fast wäre er gleich wieder umgekehrt: am Schreibtisch stand Blinsly, bleich, erregt, mit flatternden Händen auf einen gut gekleideten Herrn einredend. Er mußte sehr beschäftigt fein, daß er ihn nicht gleich erkannt hatte. Er setzte sich ihm gegenüber, durch die seitlichen Milchglaswände gedeckt, und hielt Den Temps vor sich. Der dort gelegen hatte. Er konnte nichts verstehen, Da beide russisch sprachen. Sie unterhielten sich gedämpft, aber jebes Wort schien mit Elektrizität aeladen. Er sah, daß Blinsky die Fäuste ballte und den andern mit heftig sprudelnden Worten beschwor. Er hatte seine Maske der Undurchsichtigkeit abgeworfen oder vergessen, unD er hatte auch sein gleichmäßiges japanisches Lächeln verloren. Ein dritter näherte sich, ein langer Mensch mit Sommersprosien. Die beiden schwiegen und blickten ihn erwartungsvoll an. „Slowo" sagte er leise. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft. ' D i.« amtliche Großhandelsindex- ziffer im Monatsdurchschnitt O k - tobet. Die für den Monatsdurchschnitt Oktober berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat sich gegenüber dem Vormonat um 0,1 v. Sy auf 140,1 (139,9) erhöht. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,4 v. H. auf 134,8 (134,2) gestiegen und diejenige für Kolonialwaren um 1,5 v. H. auf 129,0 (131,0) gesunken. Di« Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren war mit 133,4 (133,5) nahezu unverändert, während die Indexziffer für industrielle Fertigwaren um 0,3 v. H. auf 160,0 (159,5) angezogen hat. "UeberzeichnungderRuhrverbands- a n l e i h e. Die in Holland im Betrage von 1,8 Millionen Dollar zur Zeichnung aufgelegten 6,5- d. H.-Noten des Ruhroerbandes zu Essen sind so stark überzeichnet worden, daß erhebliche Repartierungen vorgenommen wurden. • N.S.äI. Vere inigte Fahrzeugwerke A.-G., Reckarsulm. Der Rufsichtsrat der R. S. 11 Vereinigte Fahrzeugwerke Reckarsulm wird der demnächst einzuberufenden Generalversammlung zwecks Sanierung der Gesellschaft Vorschlägen, das Aktienkapital von 12,5 Millionen Mark durch Zusammenlegung im Verhältnis 5:1 auf 2,5 Millionen Mark herabzusetzen und auf 10 Millionen Mark wieder zu erhöhen. Don Len neuen Aktien sollen den alten Aktionären 2,5 Millionen Mark im Verhältnis 1:1 zu pari angeboten werden. Den Rest übernimmt die Firma Fiat in Turin gemeinsam mit einem Konsortium unter Führung der Dresdner Dank. Die Kapitcvlerhöhung ist dadurch gewährleistet, daß sich das Konsortium verpflichtet hat. auch die von den Aktionären etwa nicht bezogenen Aktien zu übernehmen. Der deutsche Einfluß in der Gesellschaft bleibt gewahrt. Der Vertrag der Fiat mit 01.6.11. sieht vor, daß Fiat, welche das Heilbronner Werk der 01. S. 11. übernimmt, aus der Produktion der bei R. S. 11. verbleibenden Fabrik jährlich 4000 bis 5000 Chassis bezieht. 01. S. 11. gibt also seine Automobilfabrikation vorläufig nicht auf. Das Heilbronner Werk wird in eine neue Gesellschaft mit einem Aktienkapital von 2 Millionen Mark eingebracht, an der neben Fiat auch die Dresdner 03anI beteiligt ist. Die Bilanz der 01 S. 11. zeigt per 31. Dezember 1927 einen Verlust von 7,8 Millionen Mark, der in der Hauptsache durch das Droschkengeschäft der Gesellschaft entstanden ist. Nach Herausnahme der nicht zum eigentlichen Fabrikationsbetrieb gehörenden Tochterunternehmungen und Grundstücke stellt sich der Gesamtverlust auf 14,8 Millionen Mark. Rach Sonderabschreibungen von 1,48 Millionen Mark auf Gebäude, Maschinen usw. verbleibt bei einem Aktienkapital von 12,5 Millionen Mark und Reserven von insgesamt 6,3 Millionen Mark ein Saldo von 2,8 Millionen Mark, der der Sanierung zugrunde gelegt wird. Rach langwierigen Verhandlungen haben sich die Konsvrtralbanken bereiterklärt, von ihren Fov- derungen erhebliche Beträge nachzulassen. (Wie wir hören, handÄt es sich um eine siebenstellige Ziffer.) Der Generalversammlung wird die Sa- ni-erungsbilanz per 30. Iuni vorgelegt werden, tn der Anlagen, Maschinen usw. mit 7,6 Millionen Marl bewertet sind, Kasienbestand, Bankwechsel mit 2,4 Millionen Mark, Debitoren (bereinigt) mit 7,7 Millionen Mark, Waren mit 8,08 Millionen Mark. Auf der Passivseite steht das Aktier.kapital mit 10 Millionen Mark, die Obligationsanleihe mit 4 Millionen Mark, Akzepte und Lieferantenverpflichtungen mit 11,8 Millionen Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt, 8. Nov. Tendenz uneinheitlich. Zu Beginn der heutigen Börse war wieder eine gewisse ll n s i ch e rh e i t im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt in der Eisenindustrie unverkennbar, und auf verschiedenen Märkten nahm die Spekulation Abgaben vor. Andererseits erhielt sich lebhaftere Nachfrage nach einigen Spezialwerten, so daß die Börse bei uneinheitlicher Kursentwicklung recht widerstandsfähig blieb. Eine gewisse Stühe boten auch die festen Auslandbörsen, namentlich die auf die Wahl Hoovers an der gestrigen Neuyorker Börse eingetretene Hausse. Ein geschäftshemmendes Moment war dagegen wieder die schwierige Lage der Züricher Bankfirma Wolfensberger & Widmer. Lebhafter verlangt waren vor allem wieder die Kaliwerte, von denen Aschersleben erneut 2 und Westeregeln 1 v. H. gewannen. Am freien Markt blieben Kali-Industrie mit 234 v. H., per Termin bis 235 o. H., rege gesucht. Große Kaufneigung bestand ferner am Elek- tromarkt für Schuckcrt, die 1,5 v. H anzogen, während AEG., Bergmann und Siemens nur behauptet und Licht und Kraft 2 v. H. schwächer waren. Am Neue Bücher. --cf. Erzählt: Bon Tieren, Kindern und Begegnungen. Von Rudolf Geck. 214 Seiten 8°. Steif broschiert 3 Wk. Frankfurter Societäts- Druckerei G. m. b. H., Frankfurt a. M. 1928. (580) — —cf., alias Rudolf Geck, seit 30 Jahren Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Zeitung, ist durch sein« „Mosaiks" nicht weniger bekannt als etwa der verstorbene Sling durch seine Gerichtsberichterstattung und Polgar als Theaterkritiker. Er ist der Weister der Anekdote, des menschlich-feinen Details. „Stoff für Dichter" ließen sich diese Novellen in Kurzform, diese Beobachtungen und Begebenheiten, diese zarten und gütigen Anmerkungen zum Leben, wie es nun einmal ist, nennen. Liebe zu Tieren und Kindern erhellt die bescheidene Resignation 'Lines Iournalisten, der die Hast der Ereignisse nur noch lächelnd und ironisch betrachten kann. Das Beste der Geckschen Prosa, das als klassische Feuille- tonistik Bedeutung behält, ist hier mit leichter Hand, so wie sie geschrieben wurde, aneinander» gerecht. — Heinrich Hauser: Brackwasser. Roman. 218 Seiten 8°. Ausstattung von E. R. Weiß. Geh. 3 Mk., Ganzleinen 4,80 Mf. Sammlung „Iunge Deutsche". Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig. (533) — Ein Matrosenrvman, und zwar einer ohne sentimentale Romantik und literarische Schminke — und ebendeshalb um so romantischer, weil er nacktestr, härteste Wirklichkeit gibt. Glen, ein Dampsermatrose, nimmt aus Südamerika ein Mädchen mit sich nach Deutschland. Er siedelt sich mit ihr auf seiner Heimatinsel an, kämpft, dem Meere entronnen, einen zähen, erbitterten, unindlich mühevollen Kampf mit der Erde, dem kargen Sandboden einen Kampf um seine menschliche und wirtschaftliche Selbstbehauptung. Dem Siege nahe, unterliegt er — und muß aufs Meer zurück. Die Frau entgleitet ihm. Heinrich Hauser, der Autor dieses starken und durch und durch männlichen Buches, darf als eine der kräftigsten Begabungen innerhalb der jüngsten deutschen Dichtergeneration angesehen werden. — Georg Grabenborst: Fahnenjunker Vollenborn. Der Roman des deutschen Frontsoldaten. 257 Seiten 8°. Ganzleinen 5,50 Mark. Koehler & Amelang, Leipzig 1928. (503) — Di« Kriegsbücher mehren sich in der letzten Zeit: zehn Jahre nach Kriegsende wird das große Erlebnis literarisch in Worte gefaßt. Der Otoman des deutschen Frontsoldaten allerdings ist unseres Wissens früher noch, nicht geschrieben, auch von Grabenhvrst nicht. Man muß also den etwas anspruchsvollen Untertitel moderieren, und man wird sagen, ein Roman von der Front, einer von vielen Möglichen, vbn Hunderten, von Taufenden: obwohl also der Roman nicht so beschaffen ist, daß er das Erlebnis eines Einzelnen symbolhaft für das einer ganzen Generation auszurichten und zu schlldern vermöchte, entstand doch ein Buch, das für viele, die damals den Krieg (so oder so: vorn oder hinten) erlebt haben, in irgendeiner Art bedeutungsvoll und lesenswert erscheint. Der Roman bleibt immer Roman (manchmal sogar zu sehr), immer auch Ausschnitt aus einem Einzelschicksal, das nicht für die große namenlose Masse feldgrauer Menschen stehen könnt«: aber das Buch ist Partei-und tendenziös, es ist ehrlich, aufrichtig und ungeschminkt, und sagt viele (meist unerfreuliche) Dinge so, wie sie gewesen sind. Und das ist das Best« daran. — Georg Langer: „Richter Wichura“. Obrr'chlefischer Roman au£ bet Zeit von achtundvierzig. 383 Seiten 8°. Ganzleinen mit einem Schuhumschlag und einem Bilde des Richters Wichura nach dem Entwurf von Hans Derlick, 7 Mk. Bergstadt-Derlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1. (579) — Ein Richterroman, geschrieben von einem, der, selbst dem Richterberuf an» gehörend, auf Grund seiner Sach- und Menschenkenntnis vor uns ein Richterleben hinstellt in seinem ganzen Ausbau. Ein gesundes, starkes Gefühl herr'cht in diesem Buche, ein drastischer I Humor und ein Stil ganz eigener Prägung, • dessen Reiz man sich so leicht nicht entziehen kann. Das geistreiche Buch ist ein Geschenk für die gebildeten Kreise, denen schöne Form und guter Stil selbstverständlich« Grundsorderungen sind, die damit aber reifen Inhalt verbunden sehen wollen. — Gustav Kohne: Die Sippe der Uhlenklooks. Roman. 441 Sellen 8°. Brosch 5, Leinen 8 Mk. Verlag Fr. Wilh. Grünow, Leipzig. (577). — Kohne schildert in diesem Kulturroman die Geschichte und die Entwicklung der Ählenklook (Eulentlug)Sippe, deren Hauptvertre- ter aus einer dürftigen Mooshütte in wilder Heideeinsamkeit stammen und sich zu Herren des „Sassenkolles" und adligen Gutsbesitzern empor- arbeiten. In knapper Pinselführung weiß deck Autor mit wenigen Strichen ein charakteristisches Gemälde zu entwerfen von der abergläubisch- mystischen Welt des Reformationszeitalters wie dem Aufklärungsjahrhundert und der unmittelbaren Gegenwart. Eine Zeitspanne von. 400 Jahren ist in einem Buche von nur mittlerem Umfang verarbeitet. — Arthur Schubart: Kahengeschich- ten. 236 Seiten 8°. OZerlag von Ad. Bonz & Comp., Stuttgart. Geh. 4 Mk., geb. 6 Mk. (478) — Ieder Jäger, Tierfreund und Psychologe, auch jeder Kriminalist wird Ruhen, Gewinn und Genuß aus dem Buche ziehen, das schon äußerlich, in größerem Format als di« übrigen Schubart- Bändchen, mit dem hübschen Ilmschlagbild von Fritz Luther zu einer Zierde jeder Bibliothek wird. — Marie Dregendahl, Der Goldgräber-Peter. In Gan-leinen 5.80 Mark. Verlag Georg Westermann, Braunschweig. (512.) Ein wunderlicher Kerl ist dieser Goldgräber- Peter, der drüben in Amerika Gold gegraben und gefunden Hit und nun in feinem Heimatdorf sich zerreißt und zerschleißt im Dienste der andern. Er merkt nicht, daß sie über ihn lachen und ihn hänseln, daß sie seine Gutmütigleit ausnuhen ünd seine Dienste annehmen, ohne ihm je Entgelt zu geben. Erst als sein alter Jugendfreund, der meistgehaßte Mann im Dorf, ihm den Star sticht, wird er sehend und versinkt in Trauer. Rur eine neue Liebestat kann ihn hrrausreihen aus der Schwermut. Und er rafft sich auf zu dieser Liebes tat und findet dabei den Tod. Da geht ein Wehklagen durch das Dorf. Dieser Wann, den sie geneckt urrd verspottet, war mehr als sie alle, das fühlen sie jetzt deutlich, und ihr Dorf ist ärmer geworden, seit dieser Aermste von ihnen, dem das Armen- haus drohte, weil er alles für die andern hingab, nicht mehr unter ihnen ist. Ein Buch von Liebe zwischen Mensch und Mensch. Ein ungewöhnliches Thema, mit ungewöhnlicher Kunst gestaltet. — Rathanael Jünger: H« idekinds Erdenweg. Die Geschichte eines Kindes. Erzählung aus der Lüneburger Heide um di« letzte Jahrhundertwende. 5. Auflage. 272 Seiten 8°. Mit einem Bilde des Verfassers. Hinstorffsch« Verlagsbuchhandlung, Wismar i. Meckl., 1928. (479). — Nathanael Jünger: ..... in tiefster Seele treu ..." Erzählung aus der deutschen Heide. Erste Ausgabe. Mit einem Bilde des Verfassers. 272 Seiten 8°. Ganzleinen 5 Mk. Hinstorsfsche Verlagsbuchhandlung, Wismar i. Meckl., 1928. (480). — Jeder Literaturfreund wird «S mit Freude begrüßen, daß nunmehr Scherrs Illustrierte Geschichte der Weltliteratur als ungekürzte Volksausgabe in einem Band erschienen ist. Verlag Dieck & Co., Stuttgart, Preis 25 Mk. in Leinen. (501) — Scherrs Weltliteratur ist nicht nur für di« Bücherstube des Gelehrten, sondern für alle, die ihren literarischen Horizont erweitern wollen, geschrieben. Das Buch ist em ausgezeichneter Ratgeber. Kein Geringerer als der bekannte Literaturhistoriker Richard OH Meyer Hai über Scherrs Welt« llleratur gesagt: „Cs ist die beste llebersicht der Weltliteratur, die wir haben." Ehemiemarkt blieben I.°G.°Farben bei leicht nach- gebenden Kursen gehalten: Holzverkohlung stärker verlangt und 2,60 v. H. fester. Von den Zellstoff- werten verloren Waldhof 1 v. H. Montanwerte waren angeboten. Rheinische Braunkohlen gaben 2 v. H. nach, Rheinstahl und Stahlverein je 1 v.H. niedriger. Kieyer gut behauptet. Deutsche Anleihen waren wenig verändert. Auslandrenten still. Im Verlaufe waren Kaliwerte weiter gefragt. Kali- Industrie per Termin 238,5 v. H. Auch Schuckert zogen erneut um 1 v. H. an. Dadurch angeregt war die Haltung eher etwas freundlicher. Tagesgeld zu 6 o. H. unverändert flüssig. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar: 4,1985, gegen Pfund 20,351, London gegen Kabel 4,8485, gegen Paris 124,15, gegen Mailand 92,60, gegen Madrid 30,07, gegen Holland 12,0840. urcr Börse. Berlin, 8. Noo. Während im heutigen Dormittagsverkehr die Stimmung bei zwar geringem Geschäft überwiegend freundlich war, zeigt« der offizielle Börsenbeginn eine s ch wä ehe re Tendenz. Di« Hausse, mit der die Neuyorker Börse die Wahl Hoovers beantwortete, macht« keinen Eindruck. Man zeigte heute fogar nicht mehr die Befriedigung über die Wahl wie gellem, .da man anführte, daß der neugewähltc Präsident für Schutzzölle und einen forcierten Export sich stark einsetze. Es herrschte allgemeine Zurückhaltung, die Spekulation zeigte Neigung, Abgaben vorzunehmen, besonders am Elektromarkt, da die Nachricht, daß die Sanierungsaktion bei Wolfensberger & Widmer gescheitert und in Zürich zu morgen Exekutionen angesagt seien, gewisse Be- fürchtungen hervorrief. Verstimmend wirkten ferner neue Konkurse in der Konfektion und eine gewisse Zuspitzung des Konfliktes in der Eisenindustrie in Westdeutschland. Auch die Nachrichten vom Arbeits- markte aus dem Reiche sind nicht günstig. Das Klirsniveau lag mit wenigen Ausnahmen 1 bis 2 v. 5). unter gestrigem Schluß. Nur in Kaliwerken, besonders in Kaliindustrie und Krügershaü, war das Geschäft lebhaft bei mehrprozentigen Gewinnen. Erdöl, die schon gestern lebhafter und fester lagen, konnten heute erneut etwas anziehen, ebenfalls Berger, Mitteldeutsche Stahl, Daimler, Lorenz. Svenska erholten fick um 3,50 Mark. Am Montan- markte lagen Rheinstahl und vor allem Rheinische Braunkohlen mll minus 4 v. H. schwächer. Auch Polyphon hatten einen Verlust von 5 v.H. aufzu- weisen. Das Angebot in Elektrowerten war ziemlich groß, doch wurde die Ware recht gut aufgenommen; die Rückgänge betrugen hier bis zu 5 v. H. Der Geldmarkt zeigte ein leichteres Aussehen. Ta- regelt) 5 bis 7 v. H., Monatsgeld stellte sich auf bis 9 v. H., Warenwechsel etwa 7 v. H. Deutsche Anleihen waren behauptet. Ausländer neigten, bis auf Mexikaner, die wieder OL bis 1 v. H. anzogen, zur Schwäche. Nach den ersten Kursen wurde es. von Kaliwerten und Schuckert ausgehend, wieder fester. Die Tagesspekulation schritt zu Deckungen, und das Kursniveau konnte sich um 1 bis 2 v. H. erholen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.OH., 8.Nov. Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrt« heut« in flauer Haltung. Die schwächeren QluSlandnotierungen riefen ein« größere Lustlosigkeit hervor, so daß die allgemeine Lage unsicher wurde. Di« Preis« blieben im allgemeinen jedoch gut behauptet, da sich das Geschäft auf ein Minimum beschränkte. Das große Angebot wurde taum beachtet. Am Mehlmart't lag Weizen- und Roggenmehl um je 0,25 Mk. vernachlässigt. Es wurden noLiert: Weizen 23,40 Mk.: Roggen 22,25 bis 22,50; Sommergerste (für Drauzwecke) 24 bis 24,25; Hafer (inll) 23 bis 23,50; Mais (gelb, für Futter- zwecke) 22; Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 33,50 bis 34,25; Roggenmehl 29,50 bis 30,25; Weizenkleie 13,75; Roggenk.ei« 14,25 Mk. — Tendenz: flau. Frankfurter Schlachtviehmartt. Frankfurt a.M., 8.Noo. Auftrieb: 75 Rinder, 1074 Kälber, 648 Schafe, 450 Schweine. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 71 bis 75, mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 70, geringe Kälber 55 bis 64. Schafe. Malllämmer und jüngere Mafthämmel, Weidemast 45 bis 50, mittlere Mastlämmer, ältere Mafthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 44, fleischiges Schafvieh 26 bis 37. Schweine. Dollfleischig« Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 75 bis 79, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 74 bis 78, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 72 bis 76. M a r k t v e r l a u f: In allen Diehgattungen reges Geschäft und ausverkauft. Letzte Nachrichten. Die Feststellungsklage wird am Montag entschieden. Düsseldorf. 8.Nov. (1BI23. Funkspruch.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist bet Termin in der Aeststellungsklage des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Slahlindustrieller vom 16. auf den 12.November, 9 Uhr vormittags, zurückverlegt worden. OieparteienimamerikanischenKongreß Reu york. 8.Nov. (DTV. ^unkspruch.) wie die Blätter seststellen. werden die Republikaner am 4. März, wenn der Kongreß zusammen- tritt, im Senat mindestens 13 und im Repräsentantenhaus 81 Stimmen mehr zur Verfügung haben, als die Demokraten. Die bereits bekannte Feststellung, daß die Iaht der republikanischen Senatorcnsihe sich aus 54 belaufen wird, wird von den Blättern dahingehend ergänzt, daß die Vertretung der Republikaner Im Repräsentantenhaus die größte seit 35 Jahren fein wird. O.M. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Telegraphische Auszahlung. Banknoten. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Dividende an. — ReiÄSbankdistont 7 Prozent. Lombardzinsfuß 8 Prozent. Berlin 7 Otovemver Nran>on>che vioteii Holländische Violen ...... ätiHenifcbc Noten ...... Norwegische Noten. ... Leuksch-Vellerr, Lit» Kron« Rumänische Noten...... Schwedische 'Jlotea ...... Schwerer Noten ...... Cvanische Noten...... • Tschechoslowakische Roten - • Unoarssche 'Moun Jrmtfchirt a. M Berlin yrmifchirt a. M Berlin Schind'! Kur» 1 l.Uhr. Rur» Sch.ud^ flut» Kniang Kur» Schiuh-s flurs । 1-Uhr. Rurs öch.ub , Rur» Ansang Rur» Datum 7 11. | 8. 11 i 8 11. Datum: 7. 11 | 8 ll. 7. 11. 8 11. 6% Dt Krld)lanldl)c > 1927 DL Sal.-ÄblSI.-Schulv mh Ou* lo).-8ird>ien De«gl ohne Ausws.-Rechte 7% grants Hyp -Bk «olbpt un kündbar bli 1932 4K% «hfinffdx Hvv^Ban» ßüni. «oldvs Ü.E G abfl Bortrtegr-Odltgatton. rückzahlbar 1939 t% Schweiz Vunvesd^SM.. 4% cesterreichssche »oldrie.. . <,20% ersten Silberne. <% Oesterreich einheill. »te. 4% Ungarische (JJolbne. - - 4% Ungarische Siaattr. v. l»10 IV,% vesgl. von 1913 <% Ungarische flronenrie. - 4% Ilirf. Zollonleihe v 1911 4% Türtisch' BagdadbabL-Aul., Serif l ■ 4% ve«gi. Serie ll ... 4% Rumänen (onotrt Rte. . . ly,% Rumänen (BolboitL Ml 1918 2Ulfl. Deutsche iülen'xibn . .............u •■3 »«». $ ß »811 l-l 1183 1 12°. iS ' 32 • A 2-2 *ß s 233 ? 3 ss * V g i i isBiiii i i i । iiii i1 । ii । । । । i i i 1 2 * 87,25 60,. 14,5 32,4 2,9 26,6 1,9 13,5 !■> 13,3 23,4 149 IM 182 143.6 136.5 140.25 ;66,75 iö9 490.5 1..8 163 lufl du 135.25 303,65 h S * - 2c 8 l £•<_ 1 V'cJV i L, 1 i S» S1 1 1 1 1 1 1 1 1 ' » । -a.tt.Q6, .......8 Bergmann . ....... 9 Eleltr. Lieferung«. • • • • 10 Licht und Jtrafi . . . • • 10 zelten 4 Guilleaume. .... 6 Ges. s. Eletn. Untern.. ... 10 Hamb. Gicht. Werk« . • • . 10 Rhein. Glrftt. . ..... S Schies. ElekN. ...... 10 Schulten ........ 8 Siemen« 4 Halst« ..... 12 Iransradio ....... 8 Ladmever 4 tto.. . • • • • 10 Buderue ...... 6 Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Stein kohl»......8 Gelsenkirchener ... J. H 9 4 Harpen er ..... . 6 Haesch Eisen. ........ 8 Jlfe Bergbau ...... 8 Mdcknerwerle ........ 7 flötn-Reuessea. .•••••. 1 Mannesmann ........ 8 ManSselder 7 Oberschies ttilcnb. Bedart... 6 Oberschlef Kokswerte . . 6 -Btjönir Berabau 6% Rheinische Braunkohlen 10 Nheinllaül f. % Jahr 4ft Riebeck Montan ... 7,2 Bereinigte Stahl»..... 6 Olavi Minen .....1 sh «all Äscher«Ieben ..... 10 S 1 LHN S 1 ' i .i sS । s । i । । ys' i । । i । i । i i > i i । i £ i sSr 183 217 165..> 435 151.13 270.5 148 158,5 225, j .29.5 405,23 147.75 16.5 86.5 U6.75 122.1. 134 131 237 108,5 127.9 126.25 114,9 110.5 109.75 91 274,5 1.15 92,2j □6 286.75 288 491.75 53.75 98.5 106,25 182.75 215.5 165 232 149,5 270 147,7° 224,5 229.5 404 145.75 165 86,4 i.ch 118 122.1 133 130 7 257 108,2° 125.b 113,4 110,6 11U 270.5 l°2.7.> 143 56.25 288 289 494 252 106.4 ^Touhfurl a. M Berlin Schlutz.s bUhr- R’ir» ] R«r» Sch ub i Rurs lUniang flur» Datum: 7. 11.| 8. II 7. 11. 8. IL Phllwv voizmano......*1 Heidelberger Leinent .... 10 Lernern Karlstadt .....8 tiap6 4 ssreitag .... 10 idjuJltjeto Batzeuhos« ... 15 Ostwerke 12 Ber. 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Buder..... 8 133,5 138 175 134 — 280 •204.5 84 109,5 19 72 123,5 85,25 117 24.25 106 2. i 124 309 150 SS'“’. 1 1 l lß 1 l 1 3 1 £ 1 1 1 1 1 1 1 1 । 1 1 KK 1 1 1 Ä Z LS Z 133.U 2 27,5 178.25 o71.5 490 280 203.25 125 2.i 194 8-4,13 48,75 110 244,75 62. 7j 106 >91 19.75 73 122 85.9 136,5 106 210.25 150 I33.7o — ,25,75 478 572 487 •480 201,;. 145.25 191.5 85,25 109 244 61.7 r; 105.25 490.5 136,5 - 1(1.34 lö,4o 167.86 168,54 21,91 21.99 111.55 Ul.99 58.91 59.15 2.52-5 2.M5 111.80 112,24 80,58 HO,90 67.42 u7,7O 12.40 12.46 72.95 73,25 7. Novemd r 8 'Jloöemb r Amtliche (Selb Jton runq Brie- Ämtkiche Woticrun;i Geld Brie« Amst^Nott Aue n--Lire» ^riT.'1'lntro. 168,23 1,168 58,27 168,57 1,772 58.39 168,26 1./06 58.275 168,60 1,772 58,895 ttbrifrianta «11,76 111.9b ili,7o 111,98 flovendakten 111,79 112,01 111,79 112,09 Gtodbolm 112,09 112,38 112,12 112,34 ötlnnQTOrt. 10,553 10,573 10,553 I0,o73 . 21. Vh 22,00 21,955 41,995 London. . . 20,336 2U,u76 40,337 20,^77 4,2030 ÖleuDorf . . 4,1950 4,'20;ti) 4,1950 Paris. . » . 16,38 16,42 io, »8 16,42 EL wetz » . 50,70 60,86 u7,74 1,952 60,71 80,87 ©Danica . . Japan . . .7,60 1,948 u7,6O 1.951 67,74 1.955 'Hio de Arm. 1.500 0,502 >.5005 0.60'45 Wien tn D-> Cefl abaefl J8.-75 12,431 59,095 12,451 58,-65 12,432 7.J.0 59,185 12,452 - - Virdan-st . 7.373 7,384 7,381 13,10 73,24 <3,10 73,24 Bul aricu Lissabon .029 18,88 ^A5 18.93 ,029 18,88 18,92 Danjta ■ flonft.nttn. 81,88 4,107 81,93 2.111 81,34 4,109 oL50 -,113 Aiden 5,425 5,432 5.425 5,435 Lanada 4,191 4,196 1,191 4,199 Uro säD . 4,26-1 4.274 4,26t 4.274 . ■ 20.857 20.897 '0.857 40,895 Berlin. 7. November leid Ämmfanddjt 'Matra..... TiT3 TTSo Äelgrsche Noten ' ....... 58.11 58.35 Dänikche Roren 111.57 112,01 Lvaltsche 3Utra ... ... . -0.84 .0.20 Sohlleder Gummiabsätze Schuhputz E-tnlege» sohlen empfiehlt Köhler Neustadt 79 am Dsmalbe» gatten. 10675V Giefeen im Licht! 9829D 1 - 284 Zusammen . — 284 er Kaffeemühle 9839D Beftimmt: 2. r. Verkäufe | 07111 Junger Heute grobe Premiere! B. Autzcroroentlichcr Haushalt. Au4 dem Vorfahr, und zwar: a) Bestand zur Deckung restlicher Verpflichtungen b) Ueberfchuß (+), Fehlbetrag (—) des Vorjahres —381 Zusammen . . —381 A. Lrdcnilichcr Haushalt. —284 . —593 —877 —381 0834C Ausgaben itrsgesamt . Im Rechnungsjahr 1927 . Mithin: Mehrausgabe . «35*5" zwei schwarze Rohrsessel, ein Paar Gamaschenstiefel, eine Chaiselonguej einen Ii|d), einen Leuchter (vierflammig), einen Zylinder mit Bürste, drei Bände „Geschichte des Weltkriegs" drei Bände „Universum des Wissens , ein Buch „Amtliche Urkunden zur Vorgeschichte des Waffenstillstandes", ein Buch „Die Sachverständigengutachten vom 9. April 1924", ein Buch „Von Bismarck bis zum Weltkrieg", eine elektrische Lampe. Hebbel, Gerichtsvollzieher i" Gießen Dammstraße 24 I — Telephon 239. Mleuseöeill per 3tr. 'Jif. 9.50, versendet um. Nach- ttnünie, solange Vorrat reicht. Bet grön. Bestellung entsprechend billiger Otto Hachenburger, vsltz»detM,Wetterau Davon ab: An Unternehmungen und Betriebe und die Vermögensverwaltung geletstete Zuschüsse Verbleiben . kb schluß. hs dem Vorjahr iiebreinnahme (+) aus den Monaten IV.—IX. 28 10,U? 'iehmarit. Austrieb: 75 !e, 450 Schweim glölber 71 bis ’S, SS.bb 70, geriet ftlämmer unb im- 1 bis 50, mifllttt und gut genährte tasvieh 26 bis 37. ine oon etwa 240 bis 78, von etwa hi 75 bis 79, von igemcht 74 bis 78, ’O bis 160 Pfund tnertauf: In und ausotdaufL sNage lischieden. HB. Zuaksprnch.s e erfaßten, ist bet je de» ütbcilgeb«- i nippe de» Beteins ni|irielkt vom 16. g Uhr vormittags, Si&nttalifuQr. Von linseremFabrik- Hof können nach vor- beriger Anmeldung beim Vföltner entfallende Schlacken. schwarzerKorn sand. Asche uhu. kostenlos abaeiahren werden. Heyligenslaedl 4 Comp., Werkzenaniaschtnetf fabnt u. Eisengte e- ret,Akti engesellschaft Reichsverband des deutsdien Elektroinstallations-Gewerbes / Ortsgr. Giefeen Y858V Zot lölklämg! i Um falschen Gerüchten entgegen,utre- ten.brin ,en wir hiermit zur>lenntntS.dasi rott mit dem Giene- ner DeirugSvroces, nichts au tun haben. Hugo Hellwig & Co., »1 «MUt Vierteljahrs-Ausweis in et die Einnahmen u. Ausgaben der Gemeinde Gießen, II. Viertelj. Juli—Septbr., des Rechimngsjahres 1928. (Beträge in tausend Reichsmark.) 1. Steuern • ■ 2. Bon den Unternehmungen und Betrieben und der Vermögensverwaltung abgeiieferte Ueberschüsse.............. daran ift nicht zu rütteln. Das duftige Aroma des Kaffees kommt erfi zur vollen Entfaltung, wenn „A echt Franck” dazu genommen wird. Außerdem gewinnt jedes Kaffee- getränk, gleichgültig ob aus Bohnenoder Getreidekaffee bereitet, an Gehalt,Würzigkeit und Farbe durch das feine und ausgiebige Zichorienkaffee-Erzeugnis iHeliKongleß Janffpro^J Dir -le Repobli' ongreh yilammro- und iw Heptä- i weht yt totalen. Dir de- >u 3# \ 54 bellwsev M gehend «gän^MI Kt im 15 Jahtt» sein . A. erdeullicher HauShaU. AuS dem Vorjahr, und zwar: a) Bestand zur Deckung restlicher Verpflichtungen . . b) Ueberfchuß ( + ), Fehlbetrag (—) des Vorjahres . . Du wilde, sündige Schwester » einer hei en Nächte, Deine Seele ist aller Schanden froh, voll aller Sünde, Und aus Qualen und Blut und aus Küssen und Lüsten Jauchzt sie durch alle Himmel und Höllen. (Hans Heinz Ewer».) Das große Fragezeichen „Alraune“ aus dem mystischen Gedankengang eines Dichters geboren, wurde erneut zum Film, wurde sichtbare Gestalt. Das sehr heikle Thema, das. als das berühmte Buch von Hans Heinz Ewers herauskam, ungeheures Aufsehen erregte, ist auch heute noch aktuell. Für Jugendliche unter 16 Jahren Ist dieser Film verboten. Darsteller V erzeichnis: Alraune • Professor ten Brinken Paul Wegener Frank Braun, sein Neffe Ivan Petroyich Die Dirne ........................ Mia Pa"kau Der Mörder ................TTT .Georg John Wölfchen Wolfgang Zilzer Ferner wirken mit: Louis Rnlph, John Loder, Valeska Gert, Alex Sascha. Heinrich Schrot. Ferner: Das gute Beiprogramm Sowie: Die neueste Ufa-Wochenschau Wegen des zu erwartenden großen Andrangs zu den Abend-Vorstellungen bitten wir hoff, nach Möglichkeit die Nachmittags-Vorstellungen besuchen zu wollen. — Musikalische Leitung: Karl Stork. Astoria-Lichtspiele Bohnerbesen Ocedar-Mop Sigella-Mop Bohnerwachs Linoleum- und Parkett- Reinigungsmittel in nur guter Ware. 6evd. älenrMel Plockstraße 14. 19373A ^eppiche ohne I Anzahlung. in I 12 Monatsraten । liefert Spezia-haus. Erbitten Sie nnver«, nindl Vertret erbe such unter 9748V an rlen Gieß. Anz.1 Nttnf ■IPort jL? , für 'N, Olt«,! Clekt K' ilb. in 2°-'. Wo,. ZZD ’tV *"» ZSL äVä. drei Sofas, drei Sessel, sechs Kartons Schokolade, eine Wäschekommode, zwei Klaviere, einen Sekretär, einen Regulator, zwei Schreibtische, ein Bild, siebzehn Bände Brockhaus Konversationslexikon, drei Ladentheken, zwei Schreibmaschinen, zwei Vertikos, drei Diwans, einen Nähseidenkasten, eine Oberlockmotormaschine, eine Strickmaschine, sechs Dutzend Handtuchsgebilde, eine Schreibladenkasse, zwei Fahrräder, zwei Chaiselongues, ein D-Rad, sechs Lederstühle, zwei Pferde. Lichtspielhaus Bahnhofstrabe 34 Mehrausgabe (—) aus den Monaten IV.—IX. 28 irqibt Bestand am Schluffe des BerichtSmonats B. Außerordentlicher Haushalt, iud dem Vorjahr....................... Kebreinnahmc (+) aus den Monaten IV.—IX. 28 «lehrausgabe (—) aus den Monaten IV.—IX. 28.......... trgibt Bestand am Schlüsse des Berichtsmonats Ittttag, 9. Bot). 1928, nachmMagsrLhr versteigere idj im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. einen Sprechapparat mit acht Platten, dreißig Mistbeetf?nster, aroei Büfetts, vier Kredenzen, zwei Nähmaschinen, sechs Meter Mantelstoff, drei Kleiderschränke, ein Schränkchen, vier Tische, . M. DuM? "d-r neigten bl urlen Wnb. Äg W Mn*n 'ibn 2 4: cbörft. jMuün ÄtS*1 nr'en **• Die Preist Aut behauptet, mm beschränk ™ beachtet Am Kdggenmehl unt wurden notiert: bis 2250- > 24 bis S fltW, für Futter- Spezial 0) 29,50 bis 30,25: 1445 X- Ä.rit ill-1 111.?. nz.V 1,1* 1°'.^ »8,d 1,W j.ivti s Bin vom 9. bis zum 11. November ein- schließlich verreist Dr.meil. Helmut Scbmiät Facharzt für Nerven-and Gemütskrankheiten Telephon 2582 ßle&en Westantofie 10 Ausgaben: 1. Allgemeine Verwaltung .•••••••• 2. Schulwesen: a) Voltsschulen ..... b) Sonstige Schulen 3. Tiefbauwesen (Wege-, Straßen-, Brückenbau und -Unterhaltung)........... 4. WohlsahrtSpsiege u. Gesundheitswesen (auS- schließlich Arbeitslosensürsorge und Wohnungswesen) ............. 6. Arbeitslosenfürsorge (Krisenfürsorge) . . . 6. Wohnungswesen.......... • 1. Besondere gemeinnützige Anstalten u. Em- richtungen.......... • • • 8. Ucbr'ge Kämmereiverwaliungen (soweit mcht unter 1—7 ausgesührt)......... V Umlagen an den übergeordneten Gemeindeverband ................ 4-690 4-309 | Kaufgesuche (Gebrauchter NlWWN zu fanien neiucht. idjr. Angebote mit Vreisangabeu. 07930 an den Gieß. Anz. l 1. Nach dem Stand vom 1. Aprll 1928 ergibt 1ich"tn"buchmäßiger Fehlbetrag von 284000,— JUL, von dem auf das Rechnungsjahr 1927 = 208 000,— JIM und der Rest für bereits vor Beginn des Rechnungs- jahreS geleistete Ausgaben auf 1928 entfallen. <. «. x. «xc.;« 2. An dem am 1. Oktober 1928 bestandenen Fehlbetrag von 877OOO,— JIM ist baS 3af)t 192/ buclMaßtg mit einem Fehlbetrag von 1OOOOO,— JU beteilint. Da für daS Rechnungsjahr 1927 immer noch mcht alle Verrechnungen erfolgen tonnten, ist dteser Abschluß noch ein vorläufiger. , 3. ®ct Fehlbetrag deS Rechnungsjahres 1928 mit 777000,— JLM. rührt tn der Hauptsache daher, daß die Steuererhebung durch die verspätete Zustellung bet Steuerbescheide erfi tm taufe des Monats September 1928 richtig einsetzen tonnte. Ebenso ist durch die immer noch ausstehende Genehmigung der Gebühren für Straßenreinigung und Müllabfuhr, wodurch auch die Kanalgebühren mcht zur Erhebung kommen konnten, bisher eine Mindereinnahme von *50000,— JIM »crurfndil worden. Gießen, den 6. November 1928. 9846C Der Oberbürgermeister: Keller. la Seefische frisch und geräuchert bi reicher Wahl I9609A Fisch-Spezialhaus Cuxhaven Trentelrunnn Harktetr. 14 Telephon 2417. Sonstige Einnahmen: Mgemeine Verwaltung Schulwesen.............. Tiefbauwesen Wohlfahrtspileae und Gesundheitswesen (ausschl. Arbeitslofensürsorge und Woh- nungsweien) ...... Arbeitslosensürsorge (Krisenfürsorge) . . . Wohnungswesen........... Besondere gemeinnützige Anstalten u. Einrichtungen .............. Ucbrtgc Kämmereiverwaltungen Einnahmen insgesamt . . Im Rechnungsjahr 1927 . . (abzüglich der Zuschüsse an Unternehmungen, Betriebe und Vermögensverwaltung- Ad heute bis einschließlich Sonntag: DerPolMindeMlsIdilniiit Wildwestfilm in 6 spannenden Akten. I. d. Hauptrolle: Bum Barton. Ferner: Nur eine Tänzerin Gesellschaftsdrama In 6 Akten. In der Hauptrolle: DU Dagover. Einnahmen: 1. Scbuldenansnohme 2. Fondsentnahme 3. Sonstige Einnahmen Einnahmen insgesamt . . Im Rechnungsjahr 1927 . . Ausgaben: 1. riesbauwesen (Wege-, Straßen-, Brückenbau und -Unterhaltung)........... 2. Eriverbslosensürsorge 3. Wohnungswesen 4. Sonstige Aufgaben der Kämmereiverwaltungen ............ - . - 5. Außergewöhnliche Zuschüsse und Neuinvestierungen für Unternehmungen und Betriebe und Vermögensverwaltung....... Ausgaben insgesamt . . Im Rechnungsjahr 1927 . . Mithin: Mehrausgabe . . bzw. Mehreinnahme . . ZMkgMWk Rüde, btU. ab.uineb. LelterSwea 60. Fünf Monate ölte Hähne zu verlausen. 07936 Kaüerallee Sv. 4-5.§itz:r Phaeton säst neu. nut Garantie und versteuert, sowie gebrauchte ®pel= Limousine billig zu verlausen ®. Saber, Fabr:eugc, 22 Mühlitraue 22, Televh. IQGii. 6S17I) llllllllllllllllllllllllllllllllllll Ein bet einer dortigen SveottlonS- firma stehendes Piano welches rotr zurück- negmen, soll für > 350 Mk. I anderweitig verkauft werden. Aus Wunsch Zahlungserletchterg. Lichtenstein, i Frankfurt a. M., 3etl 104. °’,,v fiiiiHiiüiiiiiiimiiiiiiiiHniB Gut fanttionlerenöer Räüchersc.irank UinzugS halber los. btlltg zu verk. 07943 Tammsfrabe 4«. (Bebr. herb i billig au verk. Hoimanmtr. 4 p. Jahressoll (Haushalt- soll-s-Rech. nungssoll der Vorjahrsreste) Ist-Einnahme oder Ist-Ausgabe seit Beginn des Rj. bis einschl. des Sortierte!» jahreS Im Berichtsvierteljahr Zusammen 1 2 3 4 1944 122 503 630 1176 140 186 326 3120 262 694 956 — 52 159 211 3120 210 635 746 71 2 4 6 38 24 36 59 168 — 3 3 490 112 224 336 ■- — — —— 4 — 1 1 720 72 74 146 472 9 17 26 6083 429 893 1322 247 523 265 788 666 171 169 840 97 16 16 32 327 101 99 200 389 67 93 160 1388 330 417 747 7 3 5 8 13 4 3 7 930 152 165 317 1455 60 82 142 — — . — 5272 90 l 1049 1953 761 356 3 4 750 — — 308 — 285 — 593 1097 197 1135 1332 _ — — 937 6 10 15 2034 202 1145 1347 2873 137 449 586 225 20 80 100 --- —— —— 1041 — 113 113 722 25 241 266 46 38 — 38 2034 83 434 517 3238 404 322 726 _ — 148 — — — — + 838 + 690 An der Spitze ®itl Damenmäntel MM 90 A A Kleider-Stoffe Wollwaren A . von Mk. 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