600«? -c 2.gr ® , "3*» n 86Z U| »9.2. ZL§Ä Montag, 8. Vttober 1928 178. Jahrgang Rr. 237 Erster Blaff Gras Westarp zur LocanwpoM Der Aufmarsch der Heimwehren. Wiener-Reust adt, 7.Ott. (WTB.) Sn voller Ruh« begann heute früh der Aufmarsch der Heimwehren, die in siebzehn Transporten angekommen waren. Rach den Meldungen der Heimwehren füll das Aufgebot rund 1 9 400 Heimwehrleute aus den verschiedenen Teilen Rieder-Oesterreichs und Stciermarks betragen. An allen Straßenecken stehen starke Militär- und Gendarmeriepatrouillen. An der Spitze des Heimwehrenzuges marschierte eine Kapelle in Bergmannstracht. Die ersten Gruppen gehörten dem steiermärkischen Heimwehrlreis an. Sm Zuge marschierten Dr. Steidle und Dr. Psriemer. Am Hauptploh begrüßte die Spalier bildende Bevölkerung die Borbeimarschierenden. Der Marsch des Heimwehrenzuges über den Hauptplatz verlief in großer Ordnung. Rach dem Vorbeimarsch vor den Führern auf dem Hauptplatz vor der Militärakademie wurde auf dem großen Turnplatz der Appell abgehalten. Hierbei hielt Oer erste Bundesführer Or. Steidle stürmisch begrüßt. Von den Fenstern ging überall ein Blumenregen auf die Heimwehrleute nieder, die überall st raff st e Disziplin hielten. Während man im Zuge der Sozialdemokraten viel Frauen marschieren sah, sah man bei den Heimwehren nur Männer. Der Zug der Heimwehren hatte eine Stärke- von 18—20 000 Mann. An dem Aufmarsch nahmen auch 2(6* geordnete des Deutschen Turnerbundcs von 1819 und des Frontkämpferbundes teil. Der Turnerbund führte deutsche Kriegsflaggen mit sich und die Frontkämpfer trugen den Stahlhelm. Rach dem 2lbmarsch der Demonstranten lieh der Kommandierende der Bundestruppen, General Schubert, die aufgebotenen Truppen an sich vorbeimarschieren. Dieses für Wiener-Reustadt ungewöhnliche militärische Bild erregt« viel Aufmerksamkeit. Di« am Rachmittag erschienenen Extraausgaben der Wiener Zeitungen, die viel gekauft tourben, meldeten überall ruhigen Verlauf. Der am 2lbend einsehende leichte Regen läßt die Straßen überall leerer werden. Flurbereinigung in Südwestdeutschland. Hessen verhandelt mit Baden über die Enklaven. Frankfurt a. M., 6. Oft Die Landesregierungen in Stuttgart Karlsruhe und D a r m st a d t haben sich m den letzten Wochen über die Aufhebung der Enllaven, Exklaven und Kondominate im Wege freier Verein- b a r u n g insoweit verständigt, als die Snnen- ministerien der brei Länder mit der Aufnahme von Verhandlungen beauftragt wurden. Diese Verhandlungen werden sich mit dem Austausch von Gebietsteilen zu beschäftigen haben. Es handelt sich u. a. um die hessische Stadt Wimpfen mit drei in Baden gelegenen Höfen, um Gebietsteile der Gemeinde Laudenbach bei Weinheim und die zu Württemberg gehörige Burgfest« Hohentwiel bei Singen, inwieweit es möglich ist, bei den demnächst beginnenden Verhandlungen von Vertretern der drei Länder zu einer Verständigung zu kommen, lähi. sich zur Zeit noch nicht übersehen. Sedensalls ist die grundsätzliche Liebereinstimmung in dieser Frage bei den Regie- rungen der drei Länder als ein wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiete der Staatsvereinfachung anzusehen. geduldet, daß für Demonstrationen urid Gegendemonstrationen staatliche Mittel in derartiger Menge aufgewendet würden. Befriedigung in Wien. Alle Demonstrationen und Umzüge waren um etwa vier Uhr nachmittags so gut wie beendet. Um diese Zeit rollten nicht nur ein Teil der Heimwehrzüge bereits ab, sondern auch die drei ersten Eisenbahnzüge des Schutzbundes waren bereits abgefertigt. In Wiener Regierungskreisen ist man von dem ruhigen Verlauf der Heimwehrtagung sehr befriedigt. Die Staatsautorität hat sich überall Geltung verschafft. Nicht ein einziger blutiger Zwischenfall, nicht einmal ein Unfall, wie er bei so großen Menschenansammlungen selbstverständlich ist, konnte verzeichnet werden. Die militärischen und polizeilichen Vorkehrungen waren sehr umfassend. Ganze Formationen mit M ^schinengewehren standen in Bereit’ schäft. Die Heimweh von waren auf ihrem ganzen Zug von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20°, , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Will) Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil kurt Hillmann. sämtlich in Gießen. Ruhiger Verlaus des I. Oktober in Wiener-Neustadt Die Kundgebung der österreichischen Heimwehren und die sozialdemokratische Gegendemonstration ohne Zwischenfall abgewickelt. Berlin, 6. Ott. Der Sozialdemokratische Pressedienst' meldet: Sm Berliner Rund - funk sollte laut Programm und Vereinbarung am Sonnabend abend in der 8. Stunde der Vorwärts-Redakteur Wolfgang Schwarz einen Vortrag über Friedens- sicherung halten. Zahlreiche Berliner 27und- funkhörer waren grenzenlos erstaunt als biefer Vortrag nach wenigen einlcitenben Aborten sich als eine Propagandarede für d as kommunistische Volksbegehr en und als eine Agitationsrede gegen di« Sozialdemokratie und für So w; et- rutz land erwies. Es ist bisher unaufgeklärt, wie die mit der Lleberwachung der Vorträge beauftragten Beamten des Berliner Rundfunks, denen das Manuskript jedes Vortrages vorliegt, diesen Mißbrauch zulassen konnten. Die Sache selbst hat erst nach Beendigung des Vortrages folgende Aufklärung gefunden: Am Sonnabend abend um 6.30 Llhr wurde Schwarz unter der Firma der Funkstelle ange- rusen. Es wurde ihm gesagt, es sei ein Auto der Funkstelle gerade in der Rähe seiner Wohnung und würde ihn abholen. Das Auto kam pünktlich; Schwarz stieg ein. Sm Auto sahen drei Männer, von denen der eine das Aussehen eines Arbeiters hatte, während die beiden anderen Sntellektuell« zu fein schienen. Sie unterhielten sich mit Schwarz über Rundfunk usw. Das Aulo schlug zunächst den Weg zum Potsdamer Platz, also zur Sendestation ein und fuhr alsbald in raschem Tempo weiter. Als Schwarz dies bemerkte, zogen die drei Revolver und erklärten ihm, dah ihm nichts geschehen würde, daß sie aber bei dem geringsten Widerstand von der Waffe Gebrauch machen mühten. Sie erklärten ihm weiter, dah sie Kommunisten seien und er entführt worden fei, damit an Stelle seines Vortrags eine kommunistische Propagandarede gehalten werden könne. Das Auto setzte ihn dann nach dreioiertelstündiger Fahrt auf der Landstraße in der Rähe von Groß-Ziethen im Kreise Teltow ab. Schwarz ist unverletzt. Er rief abends gegen 8.30 Uhr die Vorwärls-Redaktion an und berichtete über den Vorfall. An Stelle von Schwarz war in der Sendestelle ein Wann erschienen, der sich für Wolfgang Schwarz ausgab. Er formte ungehindert seinen Vortrag hcllten. Als man ihm nach Schluß seines Vortrages, wie üblich, die Honorarquittung vorlegte, lehnte er die Llnterzeich- nung mit der Begründung ab, er sei nicht Wolfgang Schwarz, sondern habe einen kommunistischen Vortrag halten wollen. Das sei ihm gelungen, und damit verabschiedete er sich. Di« Polizei ist von dem Vorfall alsbald in Kenntnis gesetzt worden. Der Berliner Rundfunk, so schlieht die Meldung des Sozialdemokratischen Pressedienstes, Oerfünfcete nach erfolgtem Vortrag: „Der Vortrag des Herrn Wolfgang Schwarz über Friedenssicherung ist beendet. Auf Wiederhören um 8 21hr beim S ch a u s p i e l". Sn der Geniezeit von fast 20 Minuten hat der Berliner Rundfunk seinen Hörern über den Vorfall feine Mitteilung gemacht. Um 8 Uhr begann planmäßig das Schauspiel. 3m Verlauf des späteren 2lbends gab di« Funkstunde Berlin ihrerseits eine Dar- (Er|d)tschlutzftrity. ferem Befreiungskampf, den wir, die Vertreter der Berlin 6 Ott (TU.) Sn einem „Das Ende vaterländischdenkenden Bevölkerung, fuhren für die QArntmn-a r> Alle innerpolitischen Rücksichten mühten nunmehr haft demokratischen Staat nicht.denk zurücktreten. Aus den klaren Tatsachen sollte ein- bar wäre. Diese Krankheit unseres staatsburger. hellia die klare Forderung gezogen werden: Den l'chen Lebens zu heilen, hat sich> unser Verband zur Sch?uhstrichunt«rdieLocarnoPolitik Aufgabe gesetzt. Der Tag von Wiener-Neustadt soll zu machen Reue Wege und Methoden auf diesem Wege der Genesung einen ffienbe. müüfcm aefunben werden Wir ziehen diese Fol- punkt bedeuten. Man halt uns vor, das Auftreten ÄTwÄiwÄ -unb gegen die marxistische Wellordnnng in Oesterreich leiten aus ihr zunächst unsere Kritik an dem Der- bedeute den Bürgerkrieg, und man mocyte uns nur halten der deutschen Regierung und Delegation allzugern zu Friedensstörern stempeln. Wir fuhren in Gens ab Wir billigen, dah die deutsche keinen Kampf gegen die Arbeiter wir bekämpfen Regierung den Entschluh. bei der Herbsttagung auch nicht den Sozialismus als Gefellfchafts- und des Völkerbundes den deutschen Räumungs- Wirtschaftsauffasfung, wohl aber fuhren wir einen a n s p r u ch zu erheben, diplomatisch angekündigt, erbitterten Krieg mit allen uns zu Gebote stehenden und daß Rcichskan ler Müller trotz der e haltenen Mitteln gegen den k l a s se n k am p fe r i sch e n Absagen den deutschen Anspruch auf Räumung Marxismus den wir als na tonales Un- und auf allgemeine Abrüstung in Genf auf die g l ü ck unseres deutschen Volkes ansehen, well er auf Gefahr ausdrücklicher Ablehnung hin vertre- wissenschaftlichen Lugen aufgebaut ist; auf terro- ten hat Wir mißbilligen es. dah die ristische Methoden kann nur mit gleicher verletzenden Angriffe, die der franzö- Münze g e a n t w o r t e t werden. fisch« Außenminister gegen den deutschen Reichs- Rach Dr. Steidl sprachen der zweite Bundeskanzler um seiner Parteizugehörigkeit willen rich- sührer Dr. Pfriemer sowie die Führer der einzeltete. nicht sofort und nicht gebührend zurück- ncn Verbände. Darauf begann in vollkommener gewiesen worden sind. Wir tonnen es nicht Ordnung der Abmarsch zum Bahnhof und der billigen, dah man nach den erhaltenen Absagen Sofortige Abtransport der auswärtigen Heim- di« Verhandlungen weitergeführt und sich wehren. auf Abmachungen eingelassen hak. die den _ , n Zweck unb Erfolg gehabt haben ben klaren GSgeN0eMVNslMÜ0N Tatbestand erneut in den Rebel der Genfer a , Phrasenatmosphäre zu hüllen. Ssr VozmiVemotraren. 3-Lv 55-« ög 3* d 3 O Zr. V' $ ‘3 0 ge l •! 5 2°tS - s s sp = = »2 «As 3 e f.c:° 2 - § ,1;==j ? 2 t ~ S ©es» 3 ■ s 23« : ; e — - js 3® 3' " t2-1 S-« 2= Uhl? > 6 *2, „2 5 Anspruch im Dresdner Gattenmordprozeß Oie Wetterlage. Ucen-tzis.- W—-? La Corunä 1 40 I tfl Som Uhr. - 16.271 1477 1813: 6 boren; Berlin, Vereins! ersten g der We Sestorbe Eine Mahnung Severings an die Jugend. Freusburg (Reg.-Bez. Koblenz), 7. Oft (1BB.) 3n Gegenwart des Reichsminisiers des Innern, Severing sowie der Regierungspräsidenten von Koblenz und Arnsberg und anderer Vertreter staatlicher und städtischer Behörden fand heute die Einweihung der Jugendburg Freusburg statt. Minister Severing betonte in seiner Ansprache, die Reichs- rcgierung habe den Ausbau der Jugendburg tatkräftig unterstützt, um dadurch zu zeigen, daß die deutsche Jugend nicht früh genug in das politische Leben, in die Selbstverwaltung und Selbsterziehung treten könne. Der Volksgemeinschaft solle das Werk dienen. Der Minister mahnte die Jugend, daran zu denken, dah sie alle Glieder eines Volkes seien. Sie sollten gegeneinander duldsam sein und in fleißiger Arbeitsgemeinschaft »roh verschiedenartigster Gesinnung hinwirken auf das Wohl des Vaterlandes. — Dec Reichsminister keilte dann mit, daß von jetzt an an der Fahrpreisermäßigung für Jugendliche auch das Reichsbanner und der Jungdeutsche Orden teilhaben sollen. Sonntag, d. 7. OK11928,8nmgs. >, Scnle fl in »;el dan" AicM ,ic i" Wf, W' bunden- mit W. fang heibst- legung. Sie verschiß ligen I In Airmc- daö Ps Ää' fr - “tfaiat TvM rettid) 8 big Supp beere Stück. Salat flurfa; taub 1,1 flkidjt; Ml (erb um Ich! " dieses । tönt ® bainn umtanz Hamm« ausgetv man n schießen und so ®abel_ Sie ä zu. Aeuder Trinken In n tungde schen t Thürin oder 1 von $ geteilt' mad o mittelr Sitte । feiert d graben • wird i schadet Zachäi die Sri Kinns man m pl-ch, ui des 3e der vv Dodar Dodcn Plätze der § Jahr Dora Wein Und manch Geldb Die Jahr leben auä/ei gewini kennt, der kai Volk ei gibt u ab st and von den Maiwahlcn gewinnen. Bei der Beratung des Kommunalwahlgesehes im Preußischen Landtag sind die Dinge denn auch so gelaufen, wie es vorauszusehen war: die Sozial- demokraten sind mit ihrem Großwahltag am 2. D^ember auf weiter Flur allein geblieben, dagegen ist das Gesetz in der Weise abaeändert worden, daß die gemeinschaftlichen Wahlen erst im letzten Viertel des n ach sten wahres stattfinden. Infolgedessen bleiben die Kreis- und Provinziallandtage bis zum Ablauf ihrer Legislaturperiode beisammen. Der Tagungsabschnitt der Gemeindeparlamente wird dagegen um ein Jahr verlängert. sie verschmiert war. Polizeipräsident Zörgiebel und der preußische Innenminister Grzesmski haben sich Bericht erstatten lassen. Bisher haben tue Ermittlungen der Polizei zu keinem Ergebnis geführt. Haussuchungen bei der «Roten Fahne und beim Vorstand des Arbeiterradiobundes ergaben keine Aufklärung. Der Vizepräsident des Arbeiterradiobundes Hoffmann wurde f e st ° genommen, jedoch bald wieder freigelassen. Gegen den Landtagsabgeordneten Schulz, der noch nicht ausfindig gemacht ist, soll wegen Hausfriedensbruchs und groben Lin- fugs vorgegangen werden. Die drei anderen Personen, die an der Entführung beteiligt waren, sowie der Chauffeur werden sich wegen Frei- heitsberaubungund Rötigung zu ver- antwcrten haben, falls es der Polizei gelingt, ihrer habhaft zu werden. Rach einer 'Mitteilung ber Direktion der Berliner Funkstunde wird der Ansager Janisch von seinem Posten abgelöst und künftig an anderer Stelle beschäftigt werden. Das Zentrum und die Koalitionsverhandlungen in Preußen. B e r l i n , 8. Oft. (Priv.-Tel.) Der preußische Ministerpräsident Braun hat mit dem Zentrumsvertreter He ß eine Unterredung über die Erweiterung der Regierung. Die prinzipielle Frage, ob das Zentrum mit der Aufnahme der Deutschen Volkspartei in die preußische Regierung einverstanden sei, hat nach dem Blatt Abgeordneter Heß zu stimmend beantwortet. Gleichzeitig erklärte er, daß das Zentrum auf seinen drei preußischen Ministern beharren müsse. Eine Sitzung des interfraktionellen Ausschusses findet zunächst noch nicht statt. Er wird e rst in einigen Wochen zusammentreten. Das Kommunalwahlgesetz in Preußen. Gemeinsame Wahlen finden erst Ende nächsten Jahres statt. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 8. Oft Die in den letzten Jahren in Preußen vorgenommenen zahlreichen ümge* meindungen, außerdem die Auflösung der Gutsbezirke hat eine ganze Reihe von Reuwahlen notwendig gemacht. Don den Sozialdemokraten ist nun der Gedanke eines Grohwahltages in den Vordergrund geschoben, um die im Dezember fällig werdenden Kommunalwahlen mit den Neuwahlen zu den Kreis- und Provinziallandtagen zusammenzulegen. Angeblich wollen die Sozialdemokraten durch diese Zusammenlegung eine etwa sich bemerkbar machende Wahlmüdigkeit bekämpfen, in Wirklichkeit geht es ihnen aber darum, den Erfolg vom Mai nun auch in Preußen nach besten Kräften für sich auszunuhen. Sie haben, was recht bezeichnend für die Verhältnisse innerhalb der Preußenkoa- lition ist, für ihre Pläne weder beim Zentrum, noch bei den Demokraten das erforderliche Verständnis wecken können. Namentlich das Zentrum will erst einmal einen größeren Zeit- Dresden, 6. Oktober. (WB.) Heute vormittag wurden bei starkem Andrang des Publikums die österreichischen Zeugen weiter vernommen. Der 63 Jahre alte Bergführer Oberdörfer hält einen Absturz während des Aufstiegs für unmöglich. Seiner Ansicht nach müsse der Absturz vom Givfel des Goldzechhorns aus erfolgt fein, dessen Betreten er als gefährlich bezeichnete. Das 21 Jahre alte Hausmädchen W i n k l e r , die mit ihrer Freundin Hoyer einmal ausgegangen und dabei von zwei Herren, darunter Treiber, auf der Straße angesprochen worden war, erklärt, Fräulein Hoyer habe ihr später erzählt, daß sie nicht mehr zu arbeiten brauche, weil „i h r F r i tz" a l l e s bezahle. Die Zeugin Kaufmannsehefrau Lorenz, bei der Fräulein Hoyer ein Zimmer gemietet hatte, sagte aus: Treiber fei am 1. Oktober 1926 zu ihr gezogen. Er habe Trauer getragen und auf die Frage von Fräulein Hoyer erklärt, er trauere um eine weitläufige Verwandte. Die Zeugin erzählte dann weiter, daß Fräulein Hoyer viele Kleider von ersten Firmen zugeschickt erhielt. Unter erheblicher Spannung wurde sodann die Freundin von Frl. Hoyer Frau Lonker, vernommen. Sie erzählte u. a., daß ihre Freundin Annemarie den Verlobungsring trug. Sie habe angenommen, daß Annemarie von Treiber unterstützt wurde. Der Hand- lungsgehllfe Träger sagt aus, der Bruder der Hoyer habe ihm mitgeteilt, daß seine Schwester Annemarie einen sehr reichen Freund habe, den sie auch einmal heiraten wolle, jedoch wehre sich der Freund gegenwärtig noch gegen die Heirat. In ihrem Elternhause habe sich die Hoyer sehr unbeliebt gemacht. Sie habe sich auch bemüht, Treiber zu einer Scheidung von seiner Frau zu bewegen. Treiber soll seiner Frau 10 000 Mark für die Scheidung geboten haben, jedoch habe diese abge- lehnt. Später sei dann die Reise nach Heiligend lut eingeleitet worden. Vorher sei Treiber sehr nett zu seiner Frau gewesen, um sie nicht mißtrauisch zu machen. Es kamen dann Briefe zur Verlesung, die ein Bruder der Hoyer an seine Eltern nach Bremen geschrieben hatte. In diesen ist vielfach von Annas Bräutigam die Rede und von der guten Lage der Schwester, die „eine ganze Dame geworden sei". Es ist in ihnen auch von dem Tode der Frau Treiber die Rede, und daß Treiber nun wohl seine, Hoyers, Schwester heiraten werde. Aus den Briefen geht hervor, daß der Zeuge vermutete, daß bei dem Tode der Frau Treiber „nicht alles in Ordnung" gewesen sei. Darauf wird unter großer Spannung die Berichte des Angeklagten, die 21 Jahre alte Annemarie Hoyer, aufgerufen. Sie bleibt vorläufig unvereidigt. Aus ihrer Vernehmung geht hervor, daß sie in Begleitung einer Freundin von Treiber und einem anderen Herrn Znnerpvliiische Forderungen der Wirischastspariei. Berlin, 6. Oft (TU.) Im Anschluß an die große politische Aussprache der Abgeordneten der Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) trat am S amstag der Reichsausschuß unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Drewitz zu seiner Tagung zusammen. Abgeordneter Drewitz gab die von den Mandatsträgern einstimmig angenommene Entschließung zur Außenpolitik bekannt und wandte sich dann innerpolitischen Fragen zu Einhellige Zustimmung fand die Feststellung des Redners, daß die Wirtschaftspartei das kommunistische Volksbegehren auf Verbot des Panzerkreuzerbaues ablehne, und ihre Mitglieder auffordere, sich an diesem Volksbegehren nicht zu beteiligen. Die Panzerkreuzerfrage sei nicht durch eine Befragung der Massen zu entscheiden, sondern nur durch eine eingehende sachliche Prüfung unter Berücksichtigung aller dafür und dagegen sprechenden Grunde. Besonderen Raum nahm die Darstellung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein, unter r^nen der M i 11 e l ft a n d gegenwärtig zu leiden hat. Grundsätzlich vertritt die Wirtschaftspartei nach wie vor den Standpunkt, daß die Regelung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen des deutschen Volkes von dem Grundsatz der w i r t - schaf tlichen Freiheit, steuerlichen Gerechtigkeit und der Gleichberechtigung aller Volkskreise erfolgen müsse. Von diesem Grundsatz werde aber mehr und mehr abgewichen. Der Artikel 164 der Reichsversas- fung, der Schutz und Förderung des Mittelstandes verlange, müsse zur Geltung gebracht werden. Bei der Regierungsbildung im Reiche habe die Partei Mitwirken wollen: ihre Forderungen seien jedoch nicht berücksichtigt, sie selbst nicht zur Regierungsbildung herangezogen worden. Es wurde beschlossen, zur Formulierung bestimmter Forderunaen auf dem Gebiete des Steuer- und Finanzwesens, der sozialen und Berufsstandpolitik besondere Ausschüsse einzusetzen, deren Vorschläge die Grundlage für das weitere parlamentarische Vorgehen der Partei im Reich und in den Ländern abgeben soll. Justiz und presse. Der preußische Justizmmister empfiehlt ein gutes Verhältnis zur Presse. Stettin, 6.Okt. (WB.) Auf der Tagung des Preußischen Richtervereins erklärte Justizmmister Dr. Schmidt, engste Fühlung der Richter mit dem tätigen, täglich sich neugeftaltenöen Leben, mit den weitesten Beoölkerungskreisen und das Vertrautsem mit den Sorgen und Bestrebungen der Arbeiterklasse und mit den großen wirtschaftlichen Problemen sei notwendig. Aus diesem Grunde empfehle er ein gutes Verhältnis zur Presse. Die Zer- tungslettüre bedeute Selbstkontrolle und Kennenlernen der Wirkung der richterlichen Tätigkeit auf die Oesfentlichkeit. Gewiß werde dies vielfach ungerecht beurteilt: aber er habe den Eindruck, als ob sich ein langsames Abflauen der sogenannten Vertrauenskrise bemerkbar mache. Er erkenne dankbar an, daß der Richterstand auch bisher ohne Ausnahme seine Pflicht in weitestem Maße erfüllt habe, wodurch ihm die Aufgabe wesentlich erleichtert worden sei. Hm so dankbarer sei er für die entsagungsvolle Arbeit unter den schwierigen äußeren Verhältnissen. auf der Straße angesprochen worden ist. Sie habe sich dann häufiger mit Treiber zu Spaziergängen getroffen. Als sie stellungslos wurde, sei sie zu ihrer Tante gezogen und habe von Treiber Geldmittel erhalten. Als sie von ihrer Tante fortzog, habe Treiber ihr die Miete und weitere Geldmittel gegeben. Sie habe von Anfang an gewußt, daß Treiber verheiratet war. Sie habe von Treiber aus Heiligenblut zwei oder drei Ansichtskarten erhalten. Treiber habe sie nach seiner Rückkehr von dem Unglück in Kenntnis gesetzt. Am 1.Oktober sei Treiber dann in ihre Wohnung gezogen. Von einer Scheidung von seiner Frau hab er nie mit ihr gesprochen. Damit schließt die Beweisaufnahme. Nach der Mittagspause erhielt Oberstaatsanwalt Viermetz das Wort zu seiner Anklagerede, in der er die Vorgänge des 14. September 1926, des Todestages der Frau Treiber, und die Vorgeschichte dieses Tages schll- derte und auf die Widersprüche in den Angaben des Angeklagten hinwies. In etwa einftünbiaer Rede legte er dar, daß er den Beweis der Schuld durch die erdrückenden Indizien für erbracht halte. Er beantragte die Todesstrafe gegen Treiber. Daraus ergriff der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Alsberg-Berlin, das Wort zu seinem Vlädoyer. Er zeigte die vielen Widersprüche in den Zeugenaussagen, die auf Mißverständnisse zurückzusühren seien. Was in Heiligenblut geschehen sei, werfe nicht den geringsten Verdacht auf den Angellagten. Treiber habe eine tadellose Vergangenheit hinter sich. Seine Che sei außerordentlich glücklich gewesen. Seine Ehebrüche könnten nicht als Beweise auf diesem Gebiete bewertet werden. Zum Schluß erklärte Dr. Alsberg, daß trotz der einzelnen Kompromittierungen Treibers nicht erwiesen sei, was für eine Schuld des Angellagten spreche. Das Gericht müsse daher auf Freisprechung erkennen. Oberstaatsanwalt Dr. Viermetz ergriff noch einmal kurz das Wort, um auf die außerordentlich geringe Wahrscheinlichkeit eines Unfalles hinzuweifen und noch einmal die Notlage der Treiberschen Unternehmungen zu erwähnen, die unbedingt Geld brauchten. In seinem Schlußwort erklärte der Angeklagte noch einmal: „Ich bin unschuldig!" Das Gericht zog sich hierauf zu einer Beratung darüber zurück. Nach anderthalbstündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Dr. Knoch um 20.15 Ähr folgendes Urteil: Der Angeklagte Philipp Louis Treiber wird kostenlos freigesprochen. — In der außerordentlich kurzen Begründung wurde erklärt, daß das Schwurgericht 34 der lleberzeugung gekommen sei, daß Frau Treiber möglicherweise auch das Opfer eines Unfalls geworden sein kann. Treiber wurde sofort aus der Hast entlasten. Tob In den Alpen. An der Südwand der Schlüssellarspitze im Wetter st eingebirge ist der Hochschüler Ehlers aus Innsbruck tödlich abgestürzt. 2bn Penegal bei Bozen fand der 22jährige kaufmännische Angestellte Alfred Fleischmann aus Nürnberg durch Absturz den Tod. Die Besatzung hilft beim Feuerlöschen. Bei einem gefährlichen Dachstuhlbrand in dem Trierer Vorort Kürenz betätigte sich die Besatzung der Trierer Garnison in anerkennenswerter Weise bei den Löscharbeiten und den Absperrungsmaß- nahmen. Da sich viele Schaulustige zu nahe an die Brandstätte herangewagt hatten, war es für die Trierer Wehr zunächst schwer, mit ihren großen Löschzügep sofort einzugreifen. Soldaten und Offiziere des 4 4. Artillerie-Regiments sperrten daher die Straßen und verschafften den Feuerwehrleuten erleichterten Zutritt zur Brandstelle. Gleichzeitig halfen die Soldaten bei den Löschoer. suchen und später auch bei den Aufräumungs- arbeiten. linier dem verdacht des Muttermordes verhaftet. In Kunnern bei Winzig (Kreis Wohlau) verstarb am 12. September d. I. die 75 Jahre alte Frau Auguste Gleesner. Schon damals hatte die Polizei Verdacht, daß die alle Frau vergiftet worden sei. Am letzten Sonntag wurden nun der S 0 h n der Verstorbenen, der Stellenbesitzer Josef Gleesner, und seine zweite Ehefrau, Emma Gleesner, unter dem Verdacht verhaftet, die Mütter vergiftet zu haben. Beide bestritten zunächst die Tat, gaben aber dann, durch mehrere Beweisstücke in die Enge getrieben, zu, und zwar zunächst die Frau, daß sie feit dem 15. August der Mutter wieder- holt Strychnin in die Butter, die Milch, den Kaffee und andere Lebensmittel getan hätten. Entschieden bestreiten sie dagegen auch heute noch, daß sie am 12. September, dem Todestage der Muller, in die Lebensmittel Gift getan hätten. Die Obduk- tion der Leiche ergab zunächst keine Anhaltspunkte dafür, erst die chemische Untersuchung des Magen- inhalles erbrachte den Beweis, daß Vergiftung vor- liegt. kindesmorb während der Strafaussetzung. In der Ortschaft Warkt-Bohrau (Kreis Strehlen) verübte der 22jährige Strafgefangene Fritz Simon aus Breslau an dem siebenjährigen Kinde eines Arbeiters einen Mord. Simon hatte wegen verschiedener Straftaten im Strafgefängnis zu Breslau drei Jahre zu verbüßen. Nach einer längeren Krankheit erhielt er jedoch für eine bestimmte Zeit Strafaussetzung und suchte nun seinen Heimatsort Markt-Bohrau auf. Dort lockte er ein Mädchen aus dem Kreise seiner Gespielllmen fort und erwürgte es. Der Täter konnte bereits am andern Tage verhaftet werden und hat auch das Verbrechen eingestanden. Ein 70jähriges Ehejubiläum. Am 9. November tarnt ein deutsches Ehepaar die siebzigste Wiederkehr seines Hochzeitstages begehen, ein Fall, der nicht so leicht wieder vorkommen dürfte. Für diesen Iubeltag gibt es nicht einmal eine Bezeichnung, denn die öach menschlicher Erfahrung sonst längste Ehegemeinschaft, die 65jährige Ehe, wird mit „eiserne Hochzeit" bezeichnet. Darüber hinaus gibt es leine Bezeichnung mehr. Daß ein Ehepaar nach der goldenen, der biamantenen und der eisernen Hochzeit nun auch noch das siebzigjährige Hochzeitsiubiläum begehen kann, steht eben ganz vereinzelt da. Es handelt sich um den früheren Zimmergesellen Theuerkauff in dem Städtchen Neuwedell im neumärkischen Kreise Arnswalde. Beide Eheleute stehen im Alter von 90 Jahren. Sie leben in sehr bescheidenen Verhältnissen, so daß von dem Orts- geistlichen angeregt worden ist, ihrer an ihrem Ehrentage mit Geldspenden zu gedenken. Rückkehr des verlorenen Sohnes. Bukarest, 7. Okt. (WTD.) Prinz Nikolaus von Rumänien, Mitglied des Regentschaftsrates für den minderjährigen König Michael, ist aus Paris, wo er angeblich mit seiner Geliebten bei seinem dort im Exil lebenden Bruder Carol abgestiegen sein soll, nach Bukarest zurückgekehrt. Er wurde am Bahnhof von der Königmwitwe, dem Ministerpräsidenten, Regierungsmitgliedern und anderen Persönlichkeiten begrüßt. Rumänische MinderhettenpoM. Die Drangsalierung der Siebenbürger Sachsen. B u k a r e ft, 6. Okt. (TU.) Die „ßupta" veröffentlicht ein Interview des sächsischen Abgeordneten in Rumänien, B r a n d s ch , in dem er die Gründe der Unzufriedenheit der Sachsen darlegt. Die Lage fei infolge der Allmächtigkeit der Beamtenschaft unerträglich geworden, so daß der Tag nicht allzufern fei, an dem die Bevölkerung, gleichgültig, welcher Nationalität und Religion sie immer auch sei, zur Selbstverteidigung schreiten werde. Eine zweite Ursache der Unzuf-Tsden- heit sei in der ungeheuren Korruption zu suchen, die durch die hohen Steuern heroorgerufen werde. Ein dritter Grund der Unzufriedenheit fei die noch immer ungelöste S ch u l f r a g e. Wenn einer- feits in Rumänien die Schulen das Oesfentlichkeits- recht und eine gewisse Autonomie besäßen, so würden andererseits die Schulen schikaniert oder die Schüler in den Staatsprüfungen fast durchweg fallen gelassen. Unter diesen Umständen müsse man sich direkt wundern, wenn die sächsische Bevol- ferung noch Geduld habe, auf dem bisherigen Wege zu versuchen, zu ihrem Recht zu gelangen. Sollte es aber nicht gelingen, die Regierung zum Entgegenkommen zu bringen, so werde die sächsische Bevölkerung in Rumänien gezwungen fein, die öffentliche internationale Meinung anzurufen, um dort ihr Recht zu suchen. Aus aller Welt. Der erste UJaffenlag bet beulschen Zelbartillerie. Der Waf senrrng der ehemaligen deutschen Feld- artillerie veranstallete am 6. und 7. Oktober seinen ersten Wasfentag in Berlin. Am Samstag fanden Wiedersehensseiern im Verband der Regiments- und sonstigen Vereine statt. Zu dem Appell, der am Sonntagvormittag 11 llhr in der Reuen Welt stattfand, hatten sich viele Ehemalige Feldartilleristen eingefunden. Der ersteDorsitzende des Waffenringes, Generalleutnant a. D. Freiherr v. Watter, begrüßte die Erschienenen und brachte ein Hoch auf das Vaterland und den Reichspräsidenten v. Hindenburg aus. Hierauf hielt der Ehrenvorsitzende des Waffenringes, General v. Gallwitz, die Gedächtnisrede für die im Kriege gefallenen Kameraden. Er wres darauf hin, daß die heutige Feier dem Hoben Lied der Kameradentreue und dem liebevollen Gedenken an die für uns Gefallenen gewidmet sei. Mit Denkmälern aus Erz und Stein allem sei es nicht getan, sondern in unseren Herzen müsse ein inneres Denkmal der Treue und Dankbarkeit errichtet werden. Das sei der Boden, auf dem sich alle Deutschen zusammenfinden könnten. Der Geist, der die deutschen Soldaten in bnam oedeext.® woikio. • oedecet. eneoei^ * Schnee graupeln. «Nebel KGfwnvr.(§)Wlndstllle. leichter osi d -nissiger Südsodwut Q. stürmische- «ordWesl bie Piene Wegen mit dem winde. Ole oei den Stationen dienenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte eil.olekhc» •utMteresnivea- umoerechneteo Uifldtuce Wettervoraussage. Die im Norden vorüberziehenden Druckfallgebiete gewinnen mit ihren Randstörungen weiter südwärts nach Mitteleuropa Einfluß und bauen den hohen Luftdruck langsam ab. Infolgedessen ist mit einer Zufuhr ozeanischer Luftmassen zu rechnen, die neben Bewölkung auch gelegentlich zum Auftreten vereinzelter Niederschläge führen. Die Temperaturen dürsten sich zwischen Tag und Nacht noch etwas mehr ausgleichen: im allgemeinen wird die Luftwärme noch etwas zunehmen. Voraussage für Dienstag. Wellerhin teils nebelig-wolliges, teils aufheiterndes Wetter, vorübergehend geringer Anstieg der Temperaturen, einzelne Riederschläge. Aussichten sürMittwoch. Wenig Aen- derung des Witterungscharakters. Lufttemperaturen am 7. Oktober: mittags 15 Grad Celsius, abends 6,7 Grad Celsius: am 8. Oktober: morgens 6,1 Grad Celsius. Maximum 15,1 Grad Celsius, Minimum 5 Grad Celsius. @40 *-•*- °t^r41@. 'ttt 40 ” d- AMI R6st- 2 6 41 ?2< O o 5“^ VVg »tmn (♦) «j W -4g Aus der provmzialhaupistadi. Gießen, den 8. Oktober 1923. Kirmes. Da» Erntefest, das nach althergebrachtem Drauch an vielen Orten nach Einbringung der Ernte gefeiert wird, ist zum größten Teil auf das Kirchweihfest übergegangen. Das Kirchweihfest, in vielen Gegenden auch Kirmes genannt, verdankt seinen Ramen der ..Kirmesse", der an Kirchweihtagen gelesenen heiligen Messe. In jeder Gegend erscheint sie unter anderer Benennung. Sv kennt man sie in Schwaben unter Kirbe oder Kilbe, auch Meßti oder Meßtag. Körbi heißt sie in' Franken, Kirda oder Kirta in Bayern und Oesterreich. Ursprünglich war sie. wie der Harne besagt, mit der Einweihung einer Kirche ver- bun§rn. Sie war somit mit keinem festen Tag einer Jahreszeit verknüpft. Als die Kirchweihen mit der Zeit ein weltliches Gepräge annahmen, kamen die Behörden überein, die Feiern un Herbst, und zwar im Oktober, unter Zusammenlegung des Erntefestes zu feiern. In. Gegenden Deutschlands hatte man beschlossen die Kirmestage der einzelnen Ortschaften auf verschiedene Sonntage zu verteilen, damit ieoe Gemeinde sich an der Feier der andern beteiligen kann. In den katholischen Gegenden entspricht die Kirmes heute noch einem kirchlichen Fest da gleichzeitig mit ihr eine kirchliche Feier verbunden ist. während sie im protestantischen Deutschland mehr einem jahrmarktähnlichen Getriebe gleicht. Zwei bis drei Tage dauert gewöhnlich die „Kerb", die an manchen Orten mit einer Dor- kerb und einer Rachkerb gefeiert wird. Das ganze Jahr über freuen sich die Landbewohner auf dieses Fest. Durch den festlich geschmückten Ort tönt Musik aus allen Wirtshäusern. Der ..Kerbe- bäum" wird von jungen Burschen und Mädchen umtanzt. In manchen Gegenden führt man den Hammeltanz auf, bei dem ein junger Hammel ausgetanzt oder ausgelost wird. Anderswo ubt man noch das Hahnenschlagen oder Schechen- schießen. Alles läuft nur auf Belustigung hinaus, und so mancher Dua hat auf der Kerb fein Madel gesunden. Die älteren Leute schauen dem mit Vergnügen zu. sie halten sich mehr an reale Dinge, an die Freuden des Magens, an gutes Essen und Trinken. In manchen Gegenden werden zur Vorbereitung der Kirmes junge Mädchen uns) junge Burschen von der Gemeinde gewählt, die man in Thüringen Plahbuben. in Schwaben Kerbebube oder Bloßknechte (Dloß-Platz), in manchen Teilen von Hessen Platzburschen nennt Die ihnen zu- geteilten Mädchen führen die Bezeichnung Bloh- mad oder Dlohjungfer. In Hessen und in einigen mittelrheinischen Orten hat sich auch noch eine Sitte aus der heidnischen Zeit erhalten. Man feiert dort nämlich noch das Begraben und Aus- graben der Kirmes. Am Schlüsse des Festes wird namentlich am Mittelrhein ein Pferdeschädel. oder ein geschnitztes Bild des Zöllners Zachäus. der als Patron der Kirchweihe gilt, in die Erde vergraben und es bei Beginn der nächsten Kirmes wieder ausgegraben. Unter Iubel zieht man mit diesem ausgegrabenen Schatz zum Tanz- plah. und damit ist das Fest eröffnet. Der Brauch des Vergrabens des Pferdeschädels stammt aus der vorchristlichen Zeit und erinnert an den Wodanskult, bei dem man dem höchsten Gotte Wodan als Opfer Pferde darbrachte. An andern Plätzen vergraben die jungen Burschen zum Schluß der Kirchweihe eine Flasche Wein, die man ein Iahr darauf ausgräbt. In lustigem Zuge, unter Vorantritt der Musik bringt man diese Flasche Wein ins Wirtshaus, wo sie ausgetanzt wird. Alnö wenn die Kerb zu Ende ist. da bleibt bei manchem — der Katzenjammer und ein leerer Geldbeutel. Die Landbewohner freuen sich von Iahr zu Iahr auf ihre „Kerb". Wer das mühsame Landleben kennt und weih, wie sehr sich der Bauer auälen muh. um der Erde die Früchte abzugewinnen. der oft weder Sonn- noch Feiertag kennt, wenn es heiht. zu säen und zu ernten, der kann es wohl verstehen, wenn sich das Landvolk einige Tage im Iahr ganz der Freude hin» aibt und seine Kerb in vollen Zügen genießt. y I. Ka lisch. Daten für Dienstag, den 9 Oktober. Sonnenaufgang 6.13 Uhr, Sonnenuntergang 17.21 Uhr. — Mondaufgang 12.45 Uhr, Monduntergang 16.27 Uhr. * 1477: Gründung der Universität Tübingen; — 1813: der Komponist Giuseppe Verdi in Roncole geboren; — 1841: der Architekt Friedrich Schinkel in Berlin gestorben; — 1874: Gründung des Weltpostvereins; — 1906: Zeppelins Luftschiff steigt zu seiner ersten größeren Fahrt auf; — 1925: der Schöpfer der Weimarer Verfassung, Hugo Preuß, in Berlin gestorben. ^iefietter WochenmarkLpreise. Es kosteten auf dem Wochenmarkt vom Samstag das Pfund: Butter 190 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 10 bis 12; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 9 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 30 bis 35; Römischkohl 10; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Rosenkohl 50; Feldsalat 100; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 12 bis 17; Meerrettich 50 bis 150; Kartoffeln 5 bis 6; Falläpfel 8 bis 10; Aepfel 20 bis 30; Birnen 8 bis 25; Zwetschen 10 bis 15; junge Hähne 100 bis 110; Suppenhühner 100 bis 120; Rüsse 100; Preiselbeeren 60 bis 65; Brombeeren 60 bis 65; das Stück: Eier 16 bis 17; Blumenkrchl 50 bis 130; Salat 10 bis 20; Salatgurken 20 bis 50; Einmachgurken 3 bis 6; Endivien 10 bis 30; Ober-Kohlrabi 5 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 20 bis 50; das Bund. Radieschen 10 bis 15 Pfennig. Bornotizeu. — Tageskalender für Mo ntag. Licht- pielhaus, Bahnhofstraße: „Anna Karenina". — Astoria-Lichtspiele: „Die Rothaut von Danville". — Aus dem Stadttheater bureau wird uns geschrieben: Die Direktion des Reuen Operetten-Theaters, Frankfurt a. M., Glock und Land, die gemäß der mit ihr getroffenen Vereinbarung in diesem Winter die Operetten- aufführungen am hiesigen Stadttheater geben wird, eröffnet ihre Operettenspielzeit am morgigen Dienstagabend mit einer Rovität. Cs ist dies die Operette „Gräfin Eva" von Franz Mar- tos (Deutsche Bearbeitung von Paul Frank und Peter Herz), Musik von Albert Szirmai, die vor einigen Wochen mit starkem Erfolg in Frankfurt a. M. ihre deutsche Uraufführung erlebte. Die Presse besprach in günstiger Weise den Erfolg und Wert dieser Operette. In hervor- tretenden Aufgaben sind die Damen Visa Bergmann und Käthe Itter, sowie die Herren Jenö Rador, Gustav Rothe-Carey, Albert B a d e w i tz, Arthur Hoffmann, Adolf Wiesner, Richard Guttmann und Iosef Vetter beschäftigt. Inszenierung: Oberregisseur Adolf Wiesner. Musikalische Leitung: Kapellmeister Kurt Harder, Tänze: Tanzregisseur Hans Heinz Klüfer. — „Anna Karenina" im Lichtspielhaus. Tolstois berühmter Roman „Anna Karenina" ist von der Metro-Goldwyn-Mayer verfilmt worden. Greta Garbo und John Gilbert spielen die Hauptrollen. Bei seinem Erscheinen in Berlin hat dieser achtaktige Großfilm lebhaftes Aufsehen erregt und einen ungewöhnlichen Erfolg zu verzeichnen gehabt; er läuft von heute ab im Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße. (Näheres in der heutigen Anzeige.) — „U. S. A. 2 m ,ro i l b e n‘ Weste n" betitelt sich ein neuer großer Reisefilm der Döring-Film- Werke, Hannover, der in Gemeinschaft mit dem Norddeutschen Lloyd, Bremen, geschaffen wurde. Der Film zeigt, wie die tüchtige Arbeit europäischer Kolonisten den wilden Westen der Vereinigten Staaten von Nordamerika gezähmt hat. Er gibt nicht nur ein Stück Kulturgeschicht , sondern zeigt auch die Natur- chönheiten der berühmten amerikanischen Nationalparks, die Naturwunder enthalten, wie sie nur in liefern Lande eigen sind. Die Vorführung des Films indet am Mittwochab. nd in den „Palast-Lichtspielen" tatt. Näheres in der heutigen Anzeige. •• Die 1. Kompagnie unserer Garnison kommt nach Berlin. Mit Wirkung vom 1. Dezember ab tritt die 1. Kompagnie des 1. (Hess.) Batl. Inf.-Rgts. 15 in Gießen unter Hauptmann von Stockhausen auf ein Vierteljahr zur Wachttruppe in Berlin. Das Kommando der Kompagnie wahrt bis 1. März nächsten Jahres. ** Straßensperrung. Vom Oberhessischen Auto-mobil-Club E. V. (A. v. D), Gießen, wird uns folgende Straßensperrung mitgeteilt: Ortsdurchfahrt Groh-Karben bis zur Gehspitze im Zuge der Straße Groh-Karben—Ilbenstadt, für alle Fahrzeuge vorn 8. Oktober bis auf weiteres. "AufgehobeneStra Heu sperre. Vorn Oberhessischen Automobil-Club E. D.»(A. v. D.), Gießen, wird uns folgende ausgehobene Strahen- sperre mitgeteilt: Abzweig der Marburger Straße nach Wieseck bi« Abzweig nach dem Friedhof wieder frei. • * Blumenschmuck-Wettbewerb des Verkeh rs-Vereins. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, können die Preisträger in oem Blumenschmuck-Wettbewerb des Verkehrs-Vereins das Ergebnis der Bewertung chres Blumenschmuckes aus einer Liste am Der- kehrsbureau ersehen. Dom 10. Oktober ab können die 1. und 2. Preise im Verkehrs-Bureau abgeholt werden. * * Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Wilhelm Kornmann zu Frankfurt a. M. die evangelische Pfarrstelle zu Rodheim an der Horloff, Dekanat Ridda, übertragen. * * D i e Fr ei willige Gailsche Feuerwehr beging am Samstagabend im Saale des Katholischen Dereinshauses unter großer Beteiligung aus dem Mitgliederkreise, sowie in Anwesenheit einer Anzahl Ehrengäste unter dem Vorsitz des ersten Kommandanten Wenzel die Feier ihres 73jährigen Bestehens. Der Abend, dem ein recht abwechslungsreiches Programm zugrunde lag, bereitete allen Festteilnehmern einige schöne Stunden. Der Schriftführer und Adjutant der Wehr, Robert Bouffier, entbot im (Kamen der Wehr den Ehrengästen und der sehr stattlichen Festgemeinde herzlichen Willlommen- gruß. Der Gesangverein „Heiterkeit" unter der Leitung seines Chormeisters Wilhelm Schütt- ler erfreute durch den glänzenden Vortrag eines größeren Chorwerkes und einiger Volkslieder. Der Verein „Wandervogel Höhenflug" bereicherte den Abend durch Darbietungen instru mentaler Art, bei denen man angenehme Stteich- und Zupfgeigenmusik zu hören bekam. Kamerad Wei ny a r d t sorgte durch humoristische Vorträge dafür, daß die Lachmusleln in Bewegung kamen, Mitglieder der Kapelle Weller konzertierten im übrigen unermüdli ch und gut, um die Zufriedenheit der Gäste zu erringen. Sämtlichen Darbietungen wurde reicher Beifall gezollt. Der Feuerwehrdezernent unserer Stadt, Beigeordneter Dr. Hamm, zeichnete im Verlaufe des Abends drei Mitglieder der Gailschen Wehr für 15jäh- rige treue Dienstzeit durch ileberreidjung städtischer Ehrendiplome aus; die verdienstvollen Wehrleute sind: Robert Bouffier, Willy Wacker und Georg L i n d e n st r u t h. Beigeordneter Dr. Hamm beglückwünschte die ausgezeichneten Herren zu der wohlverdienten Ehrung, dankte für sich und die übrigen Ehrengäste für den herzlichen Willkommen grüß der Wehr und hob bei dieser Gelegenheit noch mit warmen Worten der Anerkennung die große Schlagfertigkeit unserer Gießener Feuerwehr hervor, die das uneingeschränkte Vertrauen der Mitbürger verdiene. Der Redner trank schließlich auf den Fortbestand dieses guten Geistes in der Gailschen Feuerwehr und auf deren weiteres Blühen und Gedeihen. Der weitere Verlauf der sehr harmonischen Feuerwehr-Veranstaltung war mit Tanz ausgefüllt. * Militärkonzert. Das gestern nachmittag auf der LiebigÄbhe veranstaltete Militärkonzert des Musikkorps unseres 1. (Hess.) Grenadier-Bataillons 15. Inf.-Rgts. Gießen unter Leitung des Obermusikmeisters 2 über, reihte sich sowohl hinsickitlich der Leistungen der Kapelle, als auch hinsichtlich der Vortreffttchkeit des Programms würdig den früheren Veranstaltungen dieser Art an. Dem Konzert, dem ersten nach den Herbstmanövern, war auch diesmal ein voller Erfolg beschieden. Die einzelnen Darbietungen anden den lebhaften Beifall der großen Zuhörerschaft; der große Saal der „Liebigshöhe" war bis auf den letzten Platz besetzt. 3n etwa ! drei Stunden wurde das umfangreiche Programm erledigt, das u. a. eine große Fantasie aus der Oper „Siegfried" von R. Wagner und die Ouvertüre zur Operette „Pique Dame" von Frz. v. Suppe aufwies. Durch zahlreiche Einlagen wurde die Dortragsfolge noch reicher und ab- wechslungsvoller. Da über die vortrefflichen Leitungen der Kapelle schon wiederholt an dieser Stelle geschrieben wurde, erübrigt es sich, heute erneut hierauf einzugehen. Erwähnt sei nur, daß diesmal auch einzelnen Mitgliedern der Kapelle Gelegenheit gegeben wurde, ihr großes Können zu zeigen. So wirkte bei „Air (Barte Rr. 7 E=Sur für Violine von CH. de Beriot" der Unterfeldwebel Wanihek an erster Stelle; die Darbietung fand stürmischen Beifall. Dasselbe ist von „Zwei Herzen, ein Schlag!" zu sagen; diese Konzert-Polka für zwei Trompeten wurde von den Musikern Grenadier S t a n g und Unterfeldwebel Hofmann geboten und erntete gleichfalls den verdienten Beifall der Zuhörer. Das Konzert fand einen schönen Abschluß mit einem Potpourri über deutsche Lieder, in das die schönsten und tiefsten Dolls- und Schullieder eingeschlossen waren. Auf den reichen Beifall am Schlüsse des Programms folgte nochmals eine dankbar begrüßte Zugabe. Derbandstag der ehemaligen 116er. Aus fast zwanzig Vereinen ehemaliger 116er I waren die alten Soldaten am Samstag und Sonntag in ihre frühere Garnisonstadt Gießen geeilt, um hier ein Wiedersehen mit den Kameraden zu feiern und um über den weiteren Ausbau der Organisation und andere wichtige Verbandsangelegen- beiten zu beraten. Von den Vereinen waren vertre- ten: Gießen 116er, Gießen Landwehr, Offiziersverein 116, Offiziersverein Landwehr, die 116er Vereine aus Alsfeld, Lauterbach, Laubach, Bad-Nauheim, Frankfutt a. M., Offenbach a. M., Darmstadt, Dussel- darf, Neeheim, Neuwied und als Gastverein Reichelsheim in der Wetterau. Der Tagung voraus ging am Samstagnachmittag im „Postkeller" eine Vorstandssitzung, wobei die einzelnen Punkte der Hauptversammlung besprochen und zu den Anträgen Stellung genommen wurde. Die Jubiläumsfeier des Gießener Vereins ehemaliger 11 6 e r brachte am Samstagabend im Saale des Cafe Leib ein überfülltes Haus; sie bot den Festgästen einen genuß- reichen Abend und nahm — wie bei dem 116er I Verein nicht anders zu erwarten — einen glänzen- den Verlauf, so daß besonders die auswärtigen Kameraden wiederholt ihre Anerkennung äussprachen. Auch fast alle hiesigen Militär- und Regimentsver- eine hatten sich zu der Feier eingefunden. Nach einem flotten Eröfsnungsmarsch der Kapelle Topp- Krengel sprach Frl. Decker das Festgedicht. Obertelegraphensekretär Reitz fand herzliche Worte der Begrüßung und brachte ein Hoch aus auf treue Kameradschaft im 116er-Verband. Es erfolgte dann der Fahneneinmarsch der auswärtigen und hiesigen Vereine. Pfarrer Müller hielt eine vom hohen vaterländischen Geiste getragene Festrede und betonte, daß die Militär- und Regimentsvereine auch mit dazu berufen seien, den Geist der Vaterlandsliebe und des Opfermutes zu pflegen. Obertelegraphensekretär Reitz hob bann in einer Ansprache die Verdienste der Gründer des Gießener Vereins ehemaliger 116er hervor, die besonders während der Kriegszeit ihre Kameradschaft mit den Frontsoldaten treu bewahrt hätten. Er verteilte an 18 verdienstvolle ältere Mitglieder Ehrendiplome und ernannte sie im Auftrage des Vereins zu Ehrenmitgliedern. Den Dank der Geehrten fpxach Kamerad Stiebet aus. Konzert, Tanz und andere Vorführungen füllten den Festabend in abwechselungsreicher Weife aus. Den Derbandstag im Cafe Leib am Sonntagvormittag leitete Verbandspräsident Kurt Mohr, Gießen. Rach kurzen Degrühungsworten gab er einen Rückblick über das abgelaufene Der- bandsjahr; er begrüßte besonders den neu gegründeten 116er-Verein Laubach mid den Gastverein der Fronttämpser aus Reichelsheim in der Wetterau. Die Denkmalsschuld ist bis auf 2600 Mark abgetragen. Das Verbandsorgan „Der 116er" hat sich unter Leitung von Professor Wenzel, Darmstadt, gut entwickelt und erübrigte einen namhaften Lieberschuß. Der Verband ist jetzt auf 18 Vereine angewachsen. Die Iahresrechnung verlas Verbandsrechner Konrad Becker. Die Gesamteinnahmen betrugen 7387 Mark. Die Vereine zahlten zum Denkmal 5147,45 Mark. Dem Rechner wurde mit Dankesw orten Entlastung erteilt. Hebet Punkt 3, Verb an ds- organ, referierte der Vorsitzende, der betonte, daß es rund 1000 Mk. Lieberschuh ab geworfen Hube. Der Zusammenschluß mit dem Offiziersblatt und dem Organ der 222er wurde angeregt. ES sprachen hierzu: Kriegsgerichtsrat a. D. Koch, Gießen, für den Offiziersverein; Oelber- mann für die 222er; ferner Verleger Berg- Häuser, Lauterbach; Dodenschatz, Offenbach; Krowetschek, Alsfeld; Dr. Silberbach, Darmstadt. Ein Antrag des Vereins Gießen befaßte sich mit der Tilgung der restlichen Denkmal s ch u 1 d; nach längerer Beratung erklärten sich fast sämtliche Vereine bereit, Summen von 100 bis 200 Mk. zinslos zur Verfügung zu stellen, so daß auf dem Wege freiwilliger Zeichnung etwa die Hälfte zufammenkommen wird, auch die 254er und 186er haben je 100 Mk. zu- gefagt. Im Laufe des nächsten Iahres hofft man ten Rest der Schuld endgültig abzutragen. Auch die 222er stellen eine Zuwendung in Aussicht. Rach der Schuldentilgung will der Verband sich mehr wie bisher der Kriegergräber- Fürsorge widmen. Auf Antrag Ofseirbach soll nach jeder Hauptversammlung den Vereinen eine Abrechnung zugehen. Die Satzungen wurden dahingeheird geändert, daß der Schriftleiter des „116er«“ Mitglied des Verbandsvorstandes wird, und daß ein Verein, der zum großen Teil aus ehemaligen 116em besteht, in dm Verband ausgenommen werden kann. Daraufhin erfolgte die Aufnahme der Frontkämp'ervereinigung Reichelsheim i. d. Wetterau. Auch die Offiziersvereini- gung ehemaliger 116er Landwehr wurde einstimmig ausgenommen. S u d h e i m - Gießen erklärte, daß am 116er-Denkmal Veränderungen vorgenommen worden seien; er machte deshalb folgende Vorschläge: Einführung einer Denkmalsüberwachung, Gründung eines Denkmal Unterhaltungsfonds, Einführung eines allgemeinen 116et Ehrentages. Die Vorschläge wurden dem Präsidium des Verbandes als Material überwiesen. Der Vorsitzende der Landwehrvereinigung, B o p f, bat um den Derbandstag 1930, da die Vereinigung 1930 ihr zehnjähriges Bestehen feiern werde. — Bodenschatz (Offenbach) erklärte, daß der 116er- Verein Offenbach nächstes Jahr sein Fahnenweihfest begehen werde und damit eine Wiedersehensfeier aller 116er verbinden wolle. Bopf übergab dem 116erVercin Düsseldorf eine Fahnenschleife. — Die HauptversammlungdesDerbandesfür 19 29 erhält Alsf eId. Bei Punkt Vorstandswahl wurde auf Antrag des Kriegsgerichtsrats a. D. K o ch der bisherige Vorstand in Anerkennung feiner Verdienste um Denkmal,Verband,Verbandszeitfchrift ein- stimmig durch Zuruf wiedergewählt. Der Verbandsvorsitzende Mohr dankte für das Der- rauen und schloß gegen 13.30 Uhr die Tagung. Am 116er-Denkmal fand von 11.30 bis 12.30 ein Pro- menadenkonzert statt. Rundfunkprogramm. Dienstag, 9. Oktober. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Von Stuttgart. Mittagskonzert. 15,05 bis 15 35; Stunde der Iugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,45: Don Kassel: Zwanzig Minuten Ratschläge für Frau und Kind. 18,45 bis 19.15: Don Kassel: „Reu- zeitlicher Rundfunkempfänger und neuartiger Rundfunkstöver", Vortrag von Posttnspektor Wilhelm Heerdt. 19,15 bis 19,45: Funkhochfchule: „Das in Griechenland epidemisch auftretende Dengue-Fieber", Vortrag von älniv.-Prvf. H. Braun. 19,45 bis 20,15: „Die Geschichte der Hirsch-Dun- kerschen Gewerkvereine", Dortrag von Gewerk- schastssekretär Gammers. 20,15: Don Stuttgart: Bunter Abend. Anschließend: Rach Stuttgart: Heitere Stunde. Nur echt mit dem Gegen Staub----ein Mittel nur 0‘Cedar Mop und Politur. SPART 2EIT UND MÜHE 'verschont 1 Ev. Job. 11, 25. er gestorben ist. 07123 Giefeen / Marktplatz 2 8896* besucht 07126 I.A.: H. Arbeit (XX). 8892 D| besucht 07130 Junger Bursche gesucht. 8889 V 8076V gesucht. 8895D Anläßlich des 160. Geburtstages Gral Leo Tolstois Heute Premiere Heute lllniverfltäts^lula). 8824D gesucht. f 7124 Alten-Buseck, den 8. Oktober 1928. 07»,5 8654a Möll, 8878V Mittwoch, abends 8V$ Uhr: 8881D yKC»63 . ' ' 8 Ufjr abends: Dortrag des Herrn Geh. Oberkirchenrats O.Hofstaetter-Magdeburg. Schlußansprache: Pastor Heil-Schkopau. Bahnhofs- Restaurant Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben: wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn titeretur C.1O9 kostenfrei: Vlumenschmmk Wettbewerb Bätferei, fionöKorel Stritter, Neustadt 24. Preise: Mk. 0.80, 1.20, 1.50, Studierende 0 60 Vorverkauf: Theodor Loos, Lloydagentur, Kirchenplatz. — Näheres siehe auch Plakate. 619V SM für Sw ms Wie Fortsetzung der Reichstagung! Montag, der» 8. Oktober, 4 Llhr nachmittags: Äibelstunde (Iohannessaal). 8 Llhr abends: Dortrag des Herrn Prof. Dr. Hupfeld-Rostock (Llniversitäts-Aula). Dienstag, den 9. Oktober, 4 Llhr nachmittags: Dortrag des Herrn Gymnastaldirettors t. 3t. Prof. P.S.Schmldt-Sranninghausen Mittwoch,lO.Okt., 8.30 Uhr: tfT8lD Monatsversammlung Bereinöbeim. Unsere geladenen Gäste und Mitglieder bitten wir nochmals um baldige EtnsendungihrerAn- meldekarte, zwecks pünktlich. Zustellung der Einlaßkarten. Zur akademischen Jeier wird die Musik vom MusikkorpS des 1. (Hessischeni Grenadier-Bataill., 15. Jnsant.' Reatm. unter persönlicher Leitung des Herrn Obermusikmetstcrö Löber, auSgelübrt. Bild, 1 Grammophon. Finanzamt Giehen. Bollstrecknngsstelle. Wirklich billig und gut sind unsere tWööiHOtiiieöern dovp. gewaschen, geretn^ staubirei. ferner unsere fertigen Betten iow. berrl.Daunendecken! Ober- oder Unterbetten, dick gesüllk, gutes rot.Jnlett, Mk.13.—, m.Alaum- rupf Alk. 26.-, m. fst.Halbd. Mk.39-, Uissen, echtrot, dick gefüllt, lüif. 4.80. im Viereck 7.80,12.50, Daunendecken, berrl. geblumt u. glatt, St. 42.-, 56- u. 69.—. Füllfedern, grau. Pid. 1.10, Flaumruvs 2.90, Sch leinst. 3.20, fite. Halbdaunen 4.80,6.80, reine Daunen 8.80 u. 12.50. Ab9Pfd. portofrei. Kam ohne Risiko, da Geld zurück! Muster und Preisliste gratis. SeilseSuogeiwS M. viSIHSsrskk. Haidmühle 507, bauer.Wald, böhmische Grenze. Muster l'egen auch unverbindl. bei E.Lebmanu, Bad' Raubcim, Ludwigstraire 15, auf. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Schäfer Familie Karl Schäfer Familie Ernst Rau. Gebildete oeoe. Damen für uns. Austen- dienst geiucht. Meld.: Linden- Platz I,Zim.203. wörirhoser Blulsast kein Eisenpräparat! Aus reinen Pflanzen- nährsalzen. Bluibildend, appetitanregend. Wörishofer Naturheiloersand Niederlage und Alleinverkauf Kräuterhaus Jung, (neben, _______________Schnlstraste 5._______ nTI„ Tüchtiger Vertreter für Grotz- und Kleinhandel der Zucker- warenbranchezur Einführung von gern gefaulten Artikeln sofort gesucht. Be- werber wollen sich unter Aufgabe von Referenzen wenden an Wilhelm Eggers, Spezialfabrik in erstklass. Sahnetaramellen Kiel. ***¥, Zuverlässige putzsrau Dienstag, den 9. Oktober ab 18.30 Uhr IRISH STEW/Mk. 1.50 Mittwoch, den 10. Okt., abends 8 Uhr Filmvortrag Obering. Heinz Blecker, Hannover Tüchtiger, selbstständiger Spengler- un- Znsiallateurgehilse bei dauernder n. lohnender Beschäftigung sofort gesucht (solche mit Meistertitel bevorzugt». Geschäftsbetetligung ist gegeben. Schr.Angebole u.07128 a. d. Gieh. Anzeiger. Warum mit spitzen Schuhen sich plagen Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige Pflicht, ihre A. H. A. H., 1. a. B. i. a. B. und a. B. a. B. von dem Ableben ihres lieben A. H. Ministerialrat Dr. Karl Beding aktiv 95—97 geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Landsmannschaft i. d. D. L. „Merovingia" I.A. d. C.: L Walb (x) x a. 1. __________________________________________ 8893D Nur i"n .ChrLdoßd U Wohlbehagen Im „wilden“ Westen Des Films „Das schaffende Amerika“ zweiter Teil Handel — Industrie — Wirtschaft Technik — Naturschönheiten Indianer u. a. m. Hersteller: Döring-Film-Werke Hannover in Gemeinschaft mit dem Nordd. Lloyd Bremen Unterfertigter C.C. betrauert aufs tiefste das am 4. Oktober in Wetter (Ruhr) erfolgte Ableben seines lieben A.H. Ernst Heinemann Dr. phil., Studiendirektor (rec. WS 1904) an einem im Weltkriege zugezogenen schweren Leiden. Der C.C. der Starkenburgia Dienstag, den 9. Oktober l. I., nachm. 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 gr. Eisschrank, 1 Klavier, 2 Chaiselongues, 2 Büfetts, 2 Korbgarnituren, bestehend aus Tisch, 2 Sessel und Bank, 1 Käfersammlung, 1 Kredenz, 1 Ausziehtisch, 1 Standuhr, 1 Ladentheke, 1 Ladenkasse, 1 Schuhmachernähmaschine, 1 Ausziehtisch, 9 Coupon Sohlleder, 20 Paar Ledergamaschen, 20 Paar Herrenleisten, 1 Goerz-Pris« menglas mit Etui, 3 Warenschränke, 2 Diwane, 1 Sofa, 1 Vertiko, 2 Schreibtische, 1 Trumeauspiegel, 1 Bücherschrank, 2 Dutzend Hosenträger, verschiedene Ballen Damenstoffe und Seide, verschiedene seidene Kleider und 3 Tischdecken, 1 Teppich, 100 Selbstbinder, 13 Zephirhemden, 10 Paar Sportstrümpfe, 37 Badeanzüge für Damen, 50 Badehosen, 8 Pullover, 4 Rodelschlitten, 12 Paar Zugstiefel, 2 Pferde, 1 Schwein, 13 Keulen, 5 Trikots. Gebildete Herren stellen!. Kaufleute it. abgeb. Beamte als Vertreter gesucht Vorzustellen: Lindenpl. 1, Zim. 203 _______________________________ 06961 Mittwoch, 10. Oktober, 8 Uhr abendsi Grober bunter Abend unter Mitwirkung von Fräulein Dina van Espen Opern und Operettensängerin und Herrn Mathes Münchner Komiker und Humorist. [8891D Gebrauchter Piano in Gietzen stehend soll TranSporterspnrniS halber dort verkauft werden. Pianohaus £WWn gegr. 1864 Srantfurt a. M. Zeil 104. S7SOv Heute morgen hat es dem Herrn gefallen, meine innlgstgeliebte Frau, unsere gute, treusorgende Mutter. Schwiegermutter. Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fran Luise Sleneiz W. loser nach langem, schwerem Leiden, im Alter von 53 Jahren, in die himmlische Heimat abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Steinmetz und Kinder nebst Angehörigen. Großen-Linden, Gießen, Gummersbach, Rüsselsheim, 7. Oktober 1928. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 9. Oktober, nachmittags um 4 Uhr, vorn Sterbehause Großen-Linden. Ludwigstr. 28, aus statt. Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 _ wo? , WMW8 Goethe-Bund - Stadttheater Donnerstag, 11.Okt. 1928, abds. pünktlich 8.15Uhr, im Groß. Hörsaal der Universität l.DramatnrglscherVortrag: Das moderneTheater Ein führungi.d. Spielplan d. Stadttheaters Redner Br. Karl Bitter, Dram. a.Stadttheat. Eintrittskarten zu.Mk.L— a.d.Tageskasse des >1 adttheaters und an der Abendkasse. Mitglieder des Goethe-Bundes erhalt, gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte im Vorverkauf an derTageskasse des Stadttheaters Karten zu Mk. 0.50 pro Platz.[8883D Chawnila“- Fnßgelenkstüizen jederzeit nach vorheriger genauer Foßmessnng. Alleinverkauf: Schuhhaus W. Herbert Astoria-Lichtspiele Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Big Boy Williams in seinem erstklassigen Wildwestdrama in 6 Akten DieRothautvonDanville (Reiter der Nacht). Ferner: Im Lande der Löwentöter (Durch die Steppen Abessiniens) Ein spannender Abenteurerfilm in 7 Akten. 8S77c Wilhelm Lick, Karionnagenfabrik, ___Aulweg 130. Junger kWMe ehrlich u. zuverlässig. btlrifigtSautunreinlgkfiUn, T)idc#ln. VHil- »11«, Ti unfein, Zlcchl». 5cmmtdproff»n ujro. Mik ßcriw (Seife «qielt man wohlgepilegten Stint ölänjmbe privat» mit» äreiche *21nerktnmingen. LrbälÜIch in allen Apotheken. Drogerien, Parfümerien und Zrifeurgefchäfto». Existenz mit hohem Einkommen bietet sich Herrn oder Dame tauch neben- derufltchf für den Bezirk Gießen burdt den Alleinvertrieb mit nur Versand «ohne Reisetätigkeit, vom Schreibtisch anS> eines von Autoritäten und Privaten glänzend begutachteten Artikels, der in jedem Hause benötigt wird und wofür größte Erfolge nachweisbar sind. Bewerber mit kleinem Kapital für Lager belieben ihre Adresie einzureichen an H. Bogel, München, Roiental 2. 8SMV ^Wohnungstausch) | Zwei • 3-Zinnner-Wolinungßn ' gesucht. Eine schöne \ 6-Zimmer-WoIiDiing mit Bad dagegen zu tauschen. Schriftliche Angebote unt. 07133 an d. Gieß. Anzeiger. Stellenangebote Ein 2lüriger MiSeksWlil wegenPlatzuinngels billig abzugeb. 7131 A. Fischer. Weserstraße 8 II. Vereine ~~| Am Naürungsb. 161. Tüchtiges, ehrliches Mädchen Arbeitsvergebrrrrg. Für die Feldbereinigung Gonterskirchen sollen auf der Bürgermeisterei zu Gonterskirchen Fuhrleistungen zu 176,— SMt Drainagearbeiten zu 1100,— 5Ut veranschlagt, in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin am Mittwoch, dem 17. Oktober 1928, vormittags 11% Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 5. Oktober 1928. 8880D Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungs-Baurat. LndtvigSplatr 4, Berkaussstand. Stütze kinderlieb. sucht Stelle im Haushalt. Schriftl. Angeb. mit näheren Angaben unter 8890D an den Gien. Anz. erbeten. [Verschiedenes) Besucht die Handelsschule Ännzelmann! [ | Vermietungen") Pens. Brandl L" Sonn. tnöbl. Zimmer, r'.nte Küche. TeL 1083. [ Mietgesuche Suche f. meine Tochter tSludentin) ein iauberes,möbliert. Zimmer, evtl, mit , Klavier.etnschl.Früh' 1 üück, ab 1. Noo. d. I. Genaue PreiSang. an Oberingemeur Raasch, Darmstadt, Schuchardstr. 5. swtsV 3. Pfesser Marktplatz 6. Braver Junge als fcehrling Andres. Stadttheater Dienstag, 9. Okt., 2. Dienstag HO.-tiorff. von 19'/, bis 22 Uhr Gastspiel des Heuen Operetten-Theaters Frankfurt a. ZN. Zum ersten Ntale: ffironn Gun Operette in 3 Akten von Franz Marios, Musik von Dr. Alben Sztrmat^ Oie Oste der Preisträger ist am Ver« kehrsbureau, Seliersweg, ausgehängt. Oie I. und II. Preise sind am Mittwoch, dem 10. Oktober, von 9 bis 1 und 3 bis 6 Uhr dortselbst abzuholen, sszgo Vettehrs-Verein Gießen e.V. Oefen, Kesselöfen, Kupferkessel billigst Wünch, Asterweg 16 8886d Empfehle mich tm Weihnähen und Zücken zu billigen Preisen. Zuersr.i.d.GeschästS- stelle d. G.Anz. 07129 Mei ötföröeri im Lastauto einige Möbel Dtenstag ob. Mittwoch v. Frankfurt nach Giehen? Etloff. mit Preis erb. 07w Neuen BflaeM II. | Verkäufe | Junge, perfekte Gienoiyz-Lfiirs (140 Silbenf mit BuchsühiungSkenntnisien von gröberem Det.-Geschäft sofort gesucht. Angeb. mit Lebenslauf, Zeug«, u. Gehalts» ansvr. unter 88941) a. d. Gfestener Anzeiger Gerichtsvollzieher fr. A. in Gießen, Jheringstraße 7 — Telephon 1239. Pferde - Versteigerung. Mittwoch, den 10. Oktober 1928, vormittags 11 llhr, sollen auf dem Hofe des Mar- stallgebäudes, Mathildenplatz 17, dahier, sechs ausgemusterte Landgestütsbefchäler (fünf Belgier und ein Oldenburger) gegen gleich bare Zahlung öffentlich versteigert werden. 8818v Darmstadt, den 1. Oktober 1928. Hessische Landgestüts-Direktion. Im Auftrage: Hertel. Versteigerung. Dienstag, den 9. Oktober 1928, nach, mittags 2 Uhr, werden im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: 1 Schreibmaschine, 2 Schreibtische, 1 Bücherschrank, 1 Nähmaschine, 1 Sofa, 1 Waschtisch mit Marmorplatte, 1 großes iiiiiinnniiiiinniiiniinnninnminnnniiiiiiiimiiniinniininiiiiiniiiiiiiniiiinnr CAlErnst Llfidwig Palast-Lichtspiele GRETA JOHN GIL«T ANNA Nadi dem gleidinamiQCn KARENINA Dom an von Graf Leo Tolstoi REGIE: EDMUND GOUL DING (m Metro- Goldwyn • Mayer EM der Parvfamet Ein Großfilm von Liebe und Aufopferung, nach dem berühmten Roman von Graf Leo Tolstoi, in 8 Akten. „GretaGarbo“ u. „JohnGilbert“ das schönste Liebespaar — und Tolstoi, Rußlands größter Dichter — welch herrliches Zusammentreffen. Graf Leo Tolstois schönster Roman im Gewände der Filmkunst. — Es wird Leute geben, die sich den Film nicht einmal, sondern 2—3mal ansehcri werden. Trotz der enormen Anschaffungskosten gewöhnliche Eintrittspreise. „Greta Garbo“ als: „Anna Karenina“ wird nach dieser Leistung als die größte Filmschauspielerin der Welt bezeichnet. Die Deutsche Zeitung schreibt: „Die erschütterndste Filmschöpfung aller Zeit, ein wirklich künstlerischer Erfolg. Nach diesem Film kann und darf es keine Filmgegner mehr geben. Außerdem: Das erstklassige Beiprogramm Um allen Gelegenheit zu geben.dieses hervorragende Film werk zu sehen, bleibt dasselbe bis einschließlich Freitag auf dem Spielplan. Wir bitten höfl. nach Möglichkeit die Nachmittagsvorstellungen besuchen zu wollen. Großes verstärktes Orchester. Leitung Kapellmeister Karl Stork. Trotz der großen Anschaffungskosten keine erhöhten Eintrittspreise. lufS N >, V Aca EsJrnj lft.237 Zweiter Blatt eeöcr, . . - -.T.T-vnaeB*wv«es*eM*r:;3 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) areiHBeKTKz^aKrotxxseae^;v*hocu-sxt•sjkh^w.»xjTTon Bsnsans . x*x.«—n -•—;'*_m«■ 11 Montag, 8. Gltoher |928 -~L Nil W^VI Hl IIIIT11I IT rqjKV'-gAM '’HUJMKIT.'M—BJM Türkisches Bad. Von Robert Neumann. Ist es die bedrohliche Weihe der Gassen, ist es die schwüle, schwer riechende und beklemmende ßu|t, die dich zwingt, Fu/H vor Fuh zu setzen, schleppend, grelle Häuserfronten entlang? Don Schattenplätzen kräumst du, von Wind. Aber an jeder Ecke fällt ein neues Fluten praller Sonne dich an. Ein Wasserverläufer füllt dir das Glas, und du trinkst daraus, gierig, trinkst laue Feuchte, die deinen Durst nicht stillen kann, trinkst ohne Angst vor der Seuche, über die die Zeitungen schreiben. Fruchthändler spielen dir eine überreife fliegenumsummte Melonenschnitte in die Hand. Durch die jähe Schlucht eines Quergangs, den ein kurzer, rötlich schwarzer Giebelschatten zersägt, fällst du in Tor und Dorraum eines runden Kuppelgebäudes, das du für eine alte Moschee hältst einen Atemzug lang. Doch da du durch eine Tür trittst, springt zwanzig- dreihig- fach ein Kreischen dich an. Gestalten, aufgerichtet, von Ruhelagern erhoben, in rote, weihe, blaue Laken gehüllt und vermummt, Gestalten mit zottigen Köpfen, deren Gesichter schwarz im Schrei der Verwahrung, Warnung, Drohung geborsten sind. Weibergestalten, Weiber, Lemuren in Dadrlaken kreischen dir ihren Protest entgegen: das türkische Bad hat Frauenbesuch. Du muht warten, auf den Steinfliesen draußen, fast eine Stunde lang. Der dich Cingeschlafenen weckt, ist ein gutmütig blickender, wenig bekleideter Mann. Du folgst ihm eine kurze, breite Treppe hinan in ein behäbiges Ruhegemach. Vier Lager werden dir nach deiner Wahl zur Verfügung stehen. Du wirst ruhen können das Haupt gegen Mekka oder das Haupt gegen Rorden, du wirst ruhen können gegen Aufgang und Llnterang. Oh, du wirst bedient sein. Deiner Kleider, des schweißnassen Hemdes bist du schon ledig, bist ein gekleidet in Lendentuch, Schultertuch, Mütze, wie jene Weiberlemuren, und wie andere, männliche, die jetzt gleich dir aus Zellen vorkriechen in den gemeinsamen Raum. Ein paar Schritte noch, eine Tür noch und ein Gang. Das also ist das türkische Bad. Eine große Krchpel über einem Quadratbau. Die Wände VolkspersönÜchkeii. . Von Or. Hans Luther, ehem. Reichskanzler. Wir entnehmen die nachstehenden Darlegungen dem neuen (Oktober-)Heft des „Türmer". Manchmal kommt es mir vor, als ob das deutsche Volk noch recht jung sei. Seine Geschichte trägt bisher alle Züge des immerfort Werdenden. Zeiten großer Kraftenlfaltung nach außen wechseln ab mit Spannen geistiger Vertiefung und innerer Kraftsammlung, ja des Richtstuns. Wie im Leben so vieler Menschen, aus denen Großes geworden ist, gibt es Fristen, in denen Jung- Siegfried fast zu verkommen scheint. Die Llmwelt macht sich solchen Zustand stets zunutze, um einzubrechen, zu rauben und zu erben, was sich nur irgend mitnehmen läßt. Aber doch ist es niemals gelungen, auf eine irgendwie längere Zeit über größere Teile Deutschlands eine Fremd- hrrrschoft aufzurichten. Deutschland ist niemals wie andere Länder unter die Rachbarn geteilt worben. Mag sich auch gerade in Deutschland einer der seit amsten g istigen Ueberpilanzungs- Vorgänge vollzogen haben, die Rezeption des römischen Rechtes mitten in em bvdenwüchsiges Rechtsleben hinein, so ist doch selbst unter d'.eser gewaltigen Woge das deutsche Derwaltlings- und Rechtsleben nicht etwa zu leeren Formeln erstarrt: sondern das fremde Recht ist langsam deutsch geworden und immer deutscher. Mag auch lange hindurch franzö i cher Kultureinfluh deutsches We en überschattet haben, so ist doch unter solcher Befruchtung einer der geschichtlich Größten, der alte Fritz, erwachsen, der bei all seinem französisch Parlieren der Deutschesten einer war. Freilich, es ist nicht nur eigenes Urteil des deutschen Volkes, sondern Meinung der Welt, daß im deutschen Volk die Besonderheiten und Eigenwilligkeiten der einzelnen Volks- und Landestcile weit stärker entwickelt sind als anderswo. Darf man schlußfolgern: Beschicht icher Längsschnitt und geoga- phischer Querschnitt durch die deutsche Seele ergeben das Bild ungebändigter Kräfte, die im lugendlichen Gären noch nicht sich zur Persönlichkeit geformt haben? Jedoch, da kam der AukstiegPreußen s und Preußens Führerschaft im Reich. Was innerlich noch brodelte und miteinander rang, wurde zur Staaisperfönlichleit zu.ammengefaßt. Die Jugend schien beendet, und unter glückhaftem Stern begann ein Mannestum in klarer Lebrnsvrdnung. Aber das Schicksal hatte es so einfach mit fcem deutschen Dolce nicht gemeint. Das deutsche Volk war nicht eine Jahrtausende lange Geschichte hindurch gerüttelt und immer neu gemodelt worden, um nun mit einem Mal im Hasen eines wohl behüteten Staatsgebildes zu landen. Der Weltkrieg und die Ereignisse, die auf ihn folgten, zerschlugen das Staatsgesüge, und das Volk war wieder ganz auf sich g e st e l l t. Unter dem Druck der Rot hat das Volk die Probe bestanden. 1918 und 1919, die Jahre unseres Riederb-ruchs, haben das deutsche Volk ebensowenig auseinandersprengen können wie der Währungszerfall des Jahres 1923, der in seiner Tiefenwirkung wohl ohne Vergleichbares in der Weltgeschichte ist. Ich schaue noch einmal zurück: Einstmals, im frühen Mittelalter, waren wir ein Reich, waren in Ueberspringung unserer eigenen Grenzen die Welt und lebten mit jugendlicher Inbrunst die Bilder. die in unserer Seele waren. Der jugendliche Sprung war zu weit angesetzt. Die neidischen Rachbarn erhoben sich wider uns, und nun Huben die Zeiten tiefen inneren Reifens an, scheinbar ohne Plan und doch mit Entfaltung jeder nur möglichen Kraft. Zuletzt kam die kurze Zeit des Seins als männliche Persönlichkeit im Rahmen des starken Staates. Run ist das hochgezimmerte alte Haus verbrannt, aber wir haben gelernt, daß wir ein Volk sein können, und werden uns nicht wieder aufgeben. Diesem deutschen Unterlängen, Volkspersönlichkeit zu werden aus eigener Kraft, kommt der Gang der Weltgeschichte entgegen. Durch alles, was seit 1914 weltgeschichtlich geschehen ist, zieht sich bei vielem Gegensätzlichen der eine Gedanke hindurch, daß es entscheidend nunmehr auf die Völler ankommt. Sicher werden die Staaten als solche nie verschwinden, und Staatsgesinnung wird immer das stärkste Kemrzeichen bejahender Einstellung zum Gemeinschaftsleben des Volles bleiben. In steigendem Maße aber wird die Form des Staates aus dem Stoff des Volkes ihr Gesetz entnehmen. Unsere Raturanlage haben wir Deutschen sicherlich nicht verändert, wie das kein Lebewesen kann. Wir wollen auch unseren inneren Reichtum uns nicht verkümmern lassen. 2a, wir haben schon wieder begonnen, den anderen Völkern internationale Gedanken vorzudenken, und für manche Augen sieht es manchmal aus, als ließen wir den jungen Keim einer Dolkspersön- lichkeit wieder eingehen, weil unsere Seele schon wieder hinausdrängt aus dem eigenen Bereich. Mir aber will es scheinen, daß trotz einiger Oberflächenvorgänge, die aussehen wie würdeloses Verleugnen des eigenen Ich, im Unterstrom das Bekenntnis des deutschen Voltes zu sich selbst wächst und wächst. Lauscht man hinein in die Jugend, so hört man Töne des Deutschseins von überall her, gewiß mit verschiedenem Klang und verschiedener Stellungnahme zu den allgemeinen großen Menschheitssracen. Aber den letzten Ankergrund sucht die Sehnsucht nach neuen Zielen, wenn ich mich nicht täusche, überall i m Gefühl desDeutsch seins. Die einen haben es als Rationalgefühl im alten Sinne mit klarer Empfindung der Gegensätzlichkeit zu anderen Rationen. Andere aber fühlen es nur als die Selbstverständlichkeit der Zugehörigleit zum eigenen Volk, ohne daß eine Gegensätzlichkeit zum Fühlen anderer Völker mitschwingt. Das letzte Losungswort Dieter Entwicklung heißt Treue. In anderen Völkern überwiegt das Gefühl eines selbstsicheren Ichsinns, ja bei manchen geradezu eines De^usenseins als aus- erwähltes Volk. Wieder andere Völler sind erfüllt von einem Stolz auf sich selbst, der jede kritische Bemerkung eines Ausländers als untragbar zurückweist. Des deutschen Volkes stärkste Seelenregung ist Treue. Rur war sie bislang wie es so Eigenart der Jugend ist, Treue nicht schlicht zu sich selbst, zum eigenen Wesen und inneren Lebensgesetz, sondern zu etwas als außerhalb des eigenen Ich Dorgestelltem, und wurde da manchmal zur Schwärmerei. Richt ganz selten entstand so in deutschen Herzen Treue zu fremden Staatsmächten oder fremdem Lebensgut. Sonst aber war es Treue zu deutschen Gewalten, Mannestreue zu den Fürsten oder Treue zum Reich in einer bestimmten Gestalt wie etwa zum Bismarck-Staat. Run aber, wo wir beginnen, als Volkspersönlichteit auszureisen, muß diese Seelenkraft dahin neu werden, daß sie Treue zu uns selb st wird, zu uns selb st als Dolk. Das wäre die Erreichung des Mannesalters. Das wäre zugleich aber Einstellung des Volkes auf seine Gesamtheit. Damit hört das Volk auf, ein Gegensätzliches zum Staat zu fein, das zahlenmäßig zur Geltung gebracht werden soll, über die Liebermacht einer Minderheit, die den Staat beherrscht, zu brechen. Run erscheint das Dolk als Persönlichkeit, die sich in sich selbst nach ihren Aufgaben und Leistungen gliedert. Hierfür die Form zu finden, ist Deutschlands große Zukunstsaufgabe. Im Schützengraben hat das Vottweröen begonnen. Aber auch die zweite Welle unserer Jugend, die den Schützengraben nicht mehr erlebt hat, wächst empor im Angesicht der geschichtlichen Tatsache, daß die deutsche Zukunft abhängt von unserem Zusammenhalten als Volk. Die Mzzeugschm del zwanzig Böller. Auf der ,/Zla" in Berlin. - 135 deutsche Flugzeug-Firmen. — Rieserwögel aus Leichtmetail. Von Or. G':egfried Kurth. Am Sonntag wurde d e „Ila" in Berlin eröffnet. Wenn auch die glänzend verlaufene Fahrt des „Graf Zeppelin" den prächtigsten Auftakt zu der Internationalen Luftfahrt- Ausstellung bildet, die Oberbürgermeister Böß am 7. Otober auf dem Berliner Meßgelände mit einer Ansprache eröffnete, so sieht man auf dieser doch ziemlich wenig aus dem Reich des Luftschiffes und dafür sehr viel Flugzeuge. Wie hat sich dies seit den Tagen der erften „Ila" (in Frankfurt 1908) entwickelt! Damals sah man mit halb spöttischem halb beifälligem Staunen, wie August Euler, Deutschlands erster Pilot, wagemutig mit seinem Apparat einige Sprünge über dem Flugfeld ausführte. Dre kühnsten Erwartungen, die sich daran knüpften, sind weit übertroffen worden. Große Länderst recken werden jetzt über flogen, Meere, Wüsten und Gebirge bilden kein Hindernis mehr. Ein Hans Grade, ein B l £ r i o t traten ihre Luftreise noch in untergehängten „Luftstreifen" an; es sah oft halsbrecherisch genug aus. Heutzutage sind nicht nur bequeme Sitzplätze selbstverständlich, auch Schlafkabinen fehlen nicht, und sogar elektrische Küchen hat man in die Flugzeuge eingebaut. Gerade vor einem Vierteljahrhundcrt — im Dezember des Jahres 1903 — gelang den Brüdern Wright der erste Flug mit einem Motorflugzeug. Damit wurde ein neuer Zweig der Technik begründet, der Flugzeugbau. In diesen neunzehn Jahren hat die junge Industrie harte Zeiten durchmachen müssen. Rach tastendeii Versuchen wurde sie, noch in- der Entwicklung begriffen, durch das Versailler Diktat fast völlig vernichtet. Planmäßige Aufbauarbeit war zu leisten, damit Deutschland trotzdem wieder mit dem Ausland aus dem Gebiet des Derkehrsflug- wesens in Wettbewerb treten konnte. Die Militärluftfahrt ist Deutschland zwar seit Versailles verboten: an dem gewaltigen Aufschwung der Luftfahrttechnik hat es aber dennoch in hervorragendem Maße Anteil. Es braucht den Wettbewerb mit dem Ausland nicht zu scheuen, das sich in recht stattlicher Zahl zu dieser wirklich internationalen Schau eingefunden hat. Richt weniger als neunzehn fremde Staaten teiten sich in den großen Raum der Halle 2. Aber sehen wir erst zu, was Deutschland bietet, dem die Halle 1 zur Verfügung gestellt ist. Ein Chrenhof, der bc.i Zugang bildet, ist dem Andenken L i l i e n t h a l s und des Grafen Zeppelin gewidmet. Auch sonst wartet man mit Erinnerungen auf. Da ist der erste Motor des ersten Zeppelin-Luftschiffes, daneben der des neuesten, so erfolgreisten L. Z. 127 („Graf Zeppelin"). Parsevals halbstarres Luftschiff fehlt nicht, ebensowenig die Rumpler-Taube, Grades Flugzeug, Wrights Apparate usw. Eine verheißungsvolle Vergangenheit, aber fesselnder und überwältigender ist doch das, was die Gegenwart gibt. Da liegt im Freien die sturmerprobte „Bremen" Köhls und Hünefelds. Man hat sie noch im letzten Augenblick aus Dessau, wo sie überholt werden sollte, hierher geschafft. Aber die Junkers-Flugzeugwerke vermögen noch weit mehr zu zeigen. Man erblickt das dreimotorige Großverkehrsflugzeug „G. R. 31“ (Hermann Köhl), seinen schimmernden Aluminiumleib, daneben die Standard-Type „F. 13", an der der innere Aufbau ersichtlich ist, ferner das Frachtflugzeug D. 1167. Welche Vorarbeiten und Versuche sind not- wendig, bis man so gewal ige Metallvögel bauen kann! Das zeigt so recht te ebenso fesselnde wie belehrende Schau, die Junkers' Forschungs- anstalt zusammengestellt hat. Leicht kann man die Prüfungen verfolgen, denen die verschiedenen Leichtmetalle unterworfen werden. Allerlei Dauerfestigkeitsversuche werden mit ihnen vvr- genommen. Wie verhalten sie sich gegen den entlang speien bronzene Tiermäuler dünne Strähnen lauen Wassers in steinerne Becken. Die Mitte des Raumes, riesige Ofenplatten, ist leicht gewölbt, strahlt Hitze, ist ein einziges steinernes Ruhebett für zwanzig, dreißig nackte, haarige, fremdartig dunkelhäutige Märmer. Sie liegen reglos in sich gekrümmt und den Kopf in Den Armen vergraben. Sie knien und schwingen den braunen Leib vor, immer vor in die Leere, als lägen sie im Gebet. Sie hocken stumm, stumm. Sie liegen gefällt wie Leichen. Lind da und dort und von allen und von dir selbst rinnt der Schweiß in Rillen des steinernen Lagers zu vier Bächen zusammen und versickert in den Poren der Platte. Rebel, Rebel umziehen dich. An den steinernen Wandbecken stehen Rackte mit kupfernen Schalen und gießen sich laues Wasser über die Leiber. Wird dir der Kopf schwer? Streckst du dich auf den dampfenden Stein zu den anderen? Einer sitzt neben dir, ein Brauner, die Deine untergeschlagen, und strähnt sich mit dünnen Klauenfingern den schwarzen Bart. Rein, du fühlst keine Scheu mehr. Lind da jener gutmütig Blickende unbekleidet dich geleitet zu einer der Steinnischen — willst du dich wehren? Willst du dich wehren, da er mit einer fünfzigschwänzigen Peitsche Schaum schlägt in einem kupfernen Becken und dir in leichten, langen Strichen über den Körper jagt? Dich wehren gegen die rauhe Schwärze des Dadehand- schuhs, mit dem er deine Glieder knetet wie die tausend anderer, heute, gestern und ehe- geftern? Willst ihn "fragen, wünschen, wollen? Deine Sprache ist ihm so sremd wie dir seine. So gib dich. So laß dich gleiten auch in diesen Abgrund der Gleichmut. Du wirst bedient sein. Lind wie zum Lohn und erhöht und kraftlos gekräftigt wie im Triumph wirst du wieder die kurze breite Treppe empvrgeleitet in dein Ruhegemach. Run fall hin. Trink noch dampfenden Kaffees einen Schluck und fall hin, Gebieter, Pascha, fall hin im Schlaf, das Haupt gegen Untergang. Was weckt dich? Ist es Abend geworden? Ziehst du den Dorhang beiseite, stehn Hinterm Fenster die Sterne? Oh, warum rufst du nach Licht ? Warum bringst du die Kerze deinem Fürstenlager so nah, daß der Anblick braunen, platt behenden Getiers dich ernüchtert? Warum nicht auch dieses? Was reißt du deine Kleider vom Ragel? Läufst, stolperst, Stufen nieder bis in den Dor raum? In ausgestreckte Hände fällt Geld. Mehr? Mehr, Effendi. Und die Lemuren lachen hinter dir drein, da du schon durch schatten- krumme Gassen dich schleppst, durch Lichterflirren, durch Gerüche, Schreie, Gelächter, westwärts, wo im Hafen eine Sirene ruft. Gesangsunterricht aus der Ferne. Von Frank Warschauer. Gin Saal in einer mitteldeutschen Stadt. Auf dem Podium einige Lautsprecher, ein Mikrophon, ein Klavier. Don Menschen: ein Herr und eine junge Dame. QHrt erwartungsvolles Publikum, meist aus Fachleuten bestehend. Dorgeführt soll werden das neueste Radio-Miratel: Gesangsunterricht auf 300 Kilometer Entfernung. Genau genommen, ist es allerdings ein Telephon-Mirakel, das auf ganz gewöhnliche Weise durch Kabel vor sich gehen soll. Aber dieser Versuch wird nur ein Beispiel sein, ist drahtlos jederzeit zu wiederholen. Die junge Dame auf dem Podium, ihres Zeichens Sängerin, beginnt bereits etwas Mikrophonfieber zu bekommen, man sieht es ihr an. Endlich ist es soweit: die Leitung von der kleinen Stadt nach Berlin ist hergestellt, der Versuch kann beginnen. Schon geben die Lautsprecher einen merkwürdigen Laut von sich. Er flingt etwa — nun tote das Heulen eines Seelöwen. Wie man ja überhaupt auf diesem Gebiet merkwürdige Gehör- Sensationen erleben kann, samt Assoziationen an fremdartigste Tierlaute. Mein Radio-Apparat zum Beispiel ist so dressiert, daß er einen ganzen zoologischen Garten ersetzen kann. Der Seelöwe schweigt; und nun hört man eine vernünftige Stimme, sie kommt aus Berlin, von dort aus der Hochschule für Musik. Denn es han- sich darum, sestzustellen, ob es möglich ist, mit Hilfe der technischen Mittel auf solche Entfernung hin eine derartig gute Verbindung zu erzielen, daß ein richtiger Gesangsunterricht möglich ist. Die vernünftige Stimme ist die eines bekannten Gesangspädagogen. Und die Dame hier auf Dem Podium ist seine Schülerin. Was sie in das Mikrophon hineinsingt, hört jener m Berlin aus Wechsel der Temperaturen? Muß doch das Flugzeug bald tiefere, bald höhere Schichten aufsuchen, in Denen es mitunter empfindlich kalt ist. Merkwürdigerweise vertragen die meisten Leichtmetalle, auch das Elektron, diesen jähen Temperatur- Wechsel sehr gut, während manche Edelstahle dagegen ziemlich empfindlich sind. Auch gegen die Korrofionserfcheinungen, das Zerfressen des Metalls durch die Atmosphäre, muß man sich feien. Duralumin wird zu diesem Zweck mit einer ganz dünnen Schicht völlig reinen Aluminiums überzogen und ist Dann gegen die Unbilden Der Witterung geschützt. Reben Junkers macht sich in des Wortes wahrster Bedeutung der Rohrbach-Metallflugzeugbau breu; stellt er doch das zur Zeit größte Flugboot der Erde aus. Sein „Romar" verfügt über drei Motore von je 780 P. S. und bietet sechzehn Personen Platz; es schleppt 9000 Kilogramm Brennstoffe, dazu erstaunliche Mengen Fracht, und hat eine Reich* weite von mehr als 5000 Kilometer. Auch Dornier wartet mit Riefenvögeln auf; unter den Flugbooten gewahrt man den zehnsitzigen „Delphin 3" und den viermotorigen „Superwal" für 21 Fluggäste. Selbstverständlich finden wir unter den 13 5 deutschen Firmen, Die sich zu friedlichem Wettbewerb zufaminengefunden haben, zahlreiche Vertreter des Motorenbaus. Da zeigt Die Siemens-A.-G. neben ihren Sternmotoren auch Den „Jupiter". Die Bayerischen Motorenwerke stellen ihre lüft- und wassergekühlten Erzeugnisse aus, die Argus-Motor-en-Gesellschaft hat den Bau von Triebwerken für Flugzeug? wieder ausgenommen, und Die Daimler-Tenz-A.-G. überrascht mit manchen Reuschöpsungen. Kaum möglich, all die Schul-, Verkehrs- und Spezialflugzeuge einzeln aufzuzählen. Da sehen wir z. B. einen Grostverkehrs-HochDecker „Möwe", das Zubringerslugzeug „Habicht" sowie das Schul- und Llebungsflugzeug GL. 22. Betrachtet man die Gruppe der Verkehrsflugzeuge, so fällt sofort auf, wie stark das Leich- metall dem Holz in Deutschland als Baustoff vorgezogen wird. Reben den durch viele Erfolge bekannten Daumustem Junkers' ist in diesem Zusammenhang vor allem der neue Hochdecker des Diplomingenieurs W. Messerschmitt zu beachten. Dies einmotorige Verkehrsflugzeug ist ganz aus Duralumin gebaut; Stahl wurde nur für Beschläge, Achsen, Motoreinbau, Lager usw. verwendet. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, dah das Holz aus dem Flugzeugbau ver- schwnnden ist. Zahlreiche Propeller aus Hölz sind vorhanden, daneben solche aus Leichtmetall mit Stahleinfassung. Da in größeren Höhen der Motor anders arbeitet, so muß sich auch der Propeller verstellen lassen. Tatsächlich sicht man verschiedene Propeller, die sich während der Rotation verstellen lassem. Frankreich, das über eine Ausstellungsfläche von mehr als 1100 Quadratmeter verfügt, hat 22 Firmen ins Treffen geschickt. Der Besucher erblickt das Flugzeug, mit dem C o st e s und Lebrix ihren Flug um die Erde ausführten. Bilancourts Großverkehrsflugzeug mit zehn Sitzplätzen und acht Betten. Auch eine Dar fehlt nicht. Italien führt zwei Landflug- und zwei Wasserflugzeuge vor. Auf einem von diesen stell.e Major de Bernardi am 30. März 1928 den Weltgeschwindigkeitsrekord von 512,7 Kilometer in der Stunde auf. Daneben sieht man eine reiche Zahl von Flugmotoren. Die Tschechoslowakei bringt Schulflugzeuge, ein einsitziges Sportflugzeug, auch ein Kurierflugzeug, die früheren Skoda-Werke zeigen zwei lüft- und einen wassergekühlten Flugmotor. Die Königlich Holländische Luftreederei, die sich mit berechtigtem Stolz als die älteste Luftverkehrsgesellschaft der Erde bezeichnet, gibt aufschlußreiche Einblicke in ihren Betrieb. Man darf nicht vergessen, daß Holland noch immer ein sehr bedeutendes Kolonialgebiet hat; das Hauptziel der K. L. M. ist nun die Schaffung einer Luftver- bindung zwischen Amsterdam und Batavia; während ein Dampfer vier Wochen dazu braucht, legt man die Strecke im Flugzeug in 12 Tagen zurück. Man hofft, die Flugdauer allmählich auf acht, vielleicht sogar auf sechs Tage zu beschränken. Während sich der holländische Staat so wenig dem Lautsprecher; und was er Dort ins Mikrophon hinelnspricht, kommt auf, dem gleichen Wege hierher. Das Ganze ist als' Beweis dafür gedacht, welcher Feinheiten schon heute Die Wiedergabe auf diese und ähnliche technische Weise fähig ist; als Widerlegung der Radiomiesmacher, die erklären, man könnte die Einzelheiten einer künstlerischen Leistung im Rundfunk nicht erkennen. „Atmen Sie tief“, befiehlt die Stimme aus Berlin. Die Sängerin tut es. „Jetzt eine Tonleiter auf dem Laut to gesummt!" Die Sängerin gehorcht. Lind kaum hat sie einen kleinen Fehler gemacht, in der Atemgebung, in der Tonführung, kaum hat sie ein Intervall auch nur ein wenig verfehlt, so korrigiert es die Stimme aus Berlin. Der Versuch ist gelungen. Wie so viele Versuche auf den verschiedensten Gebieten hat er zunächst keine praktische Bedeutung. Die mehr oder minder jungen Damen und Herren, die Gesangsunterricht haben wollen, werden es sicherlich zunächst vorziehen, sich persönlich an den Ort zu begeben, an dem ihr Lehrer wirkt. Aber es ist gar nicht ausgeschlossen, daß die Technik auch hierin eines Tages Wandel schafft. Vorläufig sind ja die meisten Menschen besonders in Deutschland, auf das Empfangen von Rundsunkdarbie- tungen angewiesen; selbst senden können und dürfen sie nicht. Dabei gäbe es schon heute die technische Möglichkeit, dres mit verhältnismäßig geringen. Mitteln und erstaunlich gutem Effekt selbst zu tun: mit Hilfe der Kurzwellentelevhonie. In anderen Ländern, besonders in Amerika, gibt es ja zahlreiche Amateure, die auf diese Weise, wenn auch zunächst nur auf dem Wege der Telegraphie, mit sehr weit entfernten Partnern, zum Beispiel solchen in Europa, oder Australien, in Verbindung «treten; und Die Entwicklung wird sicherlich allmählich dahin führen, daß eines Tages einem jeden mit Hilfe verhältnismäßig einfacherer und billiger Apparate Die telephonische Verständigung mit anderen, in gleicher Weise ausgerüsteten Personen ohne Vermittlung eines Amtes oder sonst einer postalischen Institution gelingt. Dann könnte tatsächlich der Gesangslehrer, der sich in Sidney oder San Franzisko aufhält, einen Kreis von Schülern unterrichten, Der über die ganze Erde verstreut ist. Ein Radio- kuriosum, aber, wer weiß, vielleicht eines Tages ein ganz praktisches. als möglich um den Luftverkehr kümmert, hat in der Sowjetrepublik der Staat das entscheidende Wort auch bei den privaten Verkehrsflugzeugen zu sprechen. Es lohnt sich, dem Stand b«r Russen, der einen Einblick in den Entwicklungsgang der russischen Luftflotte gibt, einen kurzen Besuch abzustatten. Reben den beiden von Laien angefertigten Leichtflugzeugen „Sturmvogel" und „Drei Freunde" sieht man ein Flugzeug der Ukrainischen Luftverkehrs-Gesellschaft, ein Postflugzeug, einen Schul- und Sportdoppeldecker, sowie einen originellen Metall-Motor- schlitten. Gewissermaßen eine Ergänzung zu dem allen bieten die verschiedenen Abteilungen. Oer Zubiläumskongreß der Inneren Mission. Man schreibt uns: Ende September tagte in Königsberg der 42. Kongreß für Innere Mission. Am 22. September blickte der Zentralausschutz für Innere Mission auf ein 80jähriges Bestehen zurück. So war es eine Iubiläumslagung, die 400 Vertreter der verschiedensten Zweige der Inneren Mission aus allen deutschen Ländern über den polnischen Korridor in die abgeschnürte Ostmark führte. Brudersinn und der Wille zur Stärkung deutschprotestantischen Volkstums halte die Leitung der Inneren Mission bestimmt, freudig die Einladung der Stadt Königsberg anzunehmen. Vor 80 Jahren war W i ch e r n s gewissenweckender Heroldsruf von Wittenberg aus ins deutsche Land ergangen. Es war ein Weckruf zur Tot rettender Bruderliebe in schwerer Volksnot. Damals bildete sich der Zentralausschuß für Innere Mission. Das kleine Reis, das aus der Erde schoß, ist in 80 Jahren ein mächtiger Baum geworden, unter dessen Zweigen viel Volksnot und Elend Zuflucht gefunden hat. Heute vertritt der Zentralausschuß 12100 Anstalten und Einrichtungen evangelischer Liebestätigkeit mit 390 000 Betten und Plätzen. Alle zusammen: eine Stadt der Barmherzigkeit von der Größe Hannovers. Was wäre wohl Deutschland heute ohne diese „Stadt der Barmherzigkeit"!? — Wahrlich ein eigenartiges Jubiläum! Aber kein Feiern wars, kein Ausruhen in Selbstgefälligkeit. sondern -ein neuer Weckruf zu nie rastender Liebestat in größerer Volksirot denn zuvor. Schon der Ort der Tagung gab dem Kongreß eine ganz besondere Rote in dieser Richtung. Die Rot der deutschen Volksbrüder in der vom Vaterland abgetrennten Grenzprovinz zitterte durch alle Verhandlungen. Der Ruf nach Stärkung der so gefährdeten Volks- und Glaubensgemeinschaft begleitete als Anterton den Be- grühungsabend, den die Stadt dem Kongreß in der großen schönen Stadthalle bot. Die ganze Tagung stand unter dem Gedanken des Dienstes, des Dienstes ün- Geiste und in der Kraft Jesu Christi, des Dienstes am ganzen Volk in allen seinen Röten. Innere Mission ist nichts anderes als Dienst. Schon der Eröffnungsgottesdienst in dem altehrwürdigen Dom teilte in der Predigt von Generalsuperintendent ). Zänker-Breslau über 2. Kor. 8, 9, diese Lo- üng klar und kernig über den ganzen Kongreß. Durch Dettelarmut zum höchsten Reichtum. Die erste Hauptversammlung zeigte dann in dem Vortrag des Diakonissenvorstehers von Reuen- dettelsau in gewissenpackenden Ausführungen grundlegend, daß unser Geschlecht im Grunde nichts anderes braucht, als was noch jedes Geschlecht gebraucht hat: den selbstlosen, opferfreudigen, jesusmäßigen Dienst. Lind alle übrigen Vorträge und Verhandlungen in Haupt- und Sonderversammlungen gipfelten in diesem einen Ziel: der Inneren Mission und Kirche neue Wege zu weisen für diesen Dienst auf den verschiedensten Gebieten besonderer heutiger Volksnot. Von hier war auch die Auswahl der Themen bestimmt: in Mitarbeit der Kirche und der Inneren Mission an der ländlichen Siedlung im deutschen Osten, Auseinandersetzung mit den modernen Erziehungstheorien und mit den Vorschlägen zur Ehereform, die Gegenwartsaufgaben in der heute sehr umstrittenen Gesundheitserziehung. Die Stunde ist ernst! Daß sie nur nicht ungenutzt entei«le! Das war der Herz und Gewissen anpackende Eindruck, plnd darum wandelte sich der Aufruf zur Tat in die dringende Mahnung Dodelschwinghs: „Rur nicht zu langsam, sie sterben sonst!" Geld W vom Himmel. Vornan von Paul Enderling. Copyright by Corl Duncker, Verlag, Berlin. 11. Fortsetzung Nachdruck verboten. Immer verwunderter blickte Grotteck seinen schwärmenden Begleiter an. „Offen aestanden, nein. Aber ich bin ja auch kein Dichter. „Aber sie sind doch Künstler. Sie haben doch Einfühlungsvermögen. Sie müssen durch ihren Anblick doch aus dem Alltag geweckt werden?" „Ich finde es sonderbar, daß ich Ihnen so etwas gestehen soll." „Si ist der Grund, warum ich zu Brodersen gehe", fuhr Surrmann fort, ohne auf den Einwurf zu achten. „Si ist der Magnet. Denn sonst gehöre ich ja wahrlich nicht dorthin. Nicht wegen des Abstands, den der Reichtum schafft. Den erkenne ich nicht an. Ich bin ja innerlich viel reicher als all diese Finanzleute dort, und mein Reichtum ist keiner Kursschwankung unterworfen. Ist es nicht so?" „Ich gratuliere", sagte Grotteck lächelnd. „Und was stört sie sonst bei Brodersen?" „Die Politik. Dieses gefährliche, lauernde Ungeheuer." „Wird dort mehr politisiert als anderswo?" Surrmann lachte sehr überlegen. „In Ihrer Gegenwart nicht. Wenn Sie kommen, schweigt das Gespräch, oder es nimmt eine kühne Wendung ins Ethnologische. Ist Ihnen das noch nicht ausgefallen?" Grotteck mußte zustimmen. „Aber warum?" „Weil man Sie nicht für so harmlos hält wie mich. Ja, mich nimmt man in diesen Streifen nicht für ganz voll. Wenn ich dabei sitze, hält man cs nicht für nötig, ein Blatt vor den Mund zu nehmen." „Nun, und was haben Sie denn so Gefährliches entdeckt?" Surrmann preßte Grotiecks Hand. „Gefährlich... das ist das richtige Wort. Ich alaube, daß Brodersen an einen gefährlichen Zirkel gebunden ist." „Ich glaube, daß er mit seinen starken Fäusten jedes Netz zereißt. Sie sehen zu schwarz. Ihre übrigens recht beachtliche Phantasie geht mit Ihnen ein bißchen durch." „Aber ich bitte Sie, was ist das für ein Verkehr in diesem Hause! Sind Ihnen noch nicht diese AeichMgmg des Zvndes „Haus und Schule". liege, sei sehr dankbar dafür, daß die BundeS- treunde hierher gekommen seien. In Hessen hätten wir zwar keine Religions- und Schulkämpse erlebt, wie in anderen Gegenden unseres Vaterlandes, aber die Kirchen- und Gottentfremdung habe sich auch hier gezeigt. Daher sei diese Tagung in Hessen und Gießen notwendig, und man wolle aus ihr neuen Mut und neue Kraft entnehmen, neuen Zuwachs gewinnen, um die Ausgaben des Bundes voll erfüllen zu können: «christliches Haus, christliche Schule! Feldpropst D. Schlege l-Derlin sprach für den deutsch-evangelischen Kirchenausschuh and den evangelischen Oberlirchenrat der altpreußischen Plnionslirche herzliche Grüße und aufrichtige Segenswünsche für die Arbeit der Tagung aus. Die herzlichen Beziehungen zwischen dem Bunde und den beiden kirchlichen Oberbehörden seien für diese immer eine besondere Freude gewesen. Der Superintendent für Oberhessen, Ober« kirchenrat Wagner (Gießen), sprach in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Oberhauptes unserer Evang. Landeskirche in Hessen, Prälaten D. Dr. Diehl, der Tagung die herzlichsten Wünsche und Grüße der hessischen Landeskirche und der Provinz Oberhessen aus. Er begrüßte diese Reichstagung in Hessen und würdigte mit dankbarer Anerkennung die praktische Arbeit des Bundes für unser evangelisches kirchliches Leben. Cs möge nicht verschwiegen sein, daß wir in Hessen auf schulpolitischem Gebiete eine besondere Stellung einnehmen. Wir haben unsere Simultcrnschule, die nicht etwa eine Gemeinschaftsschule ist, sonderir eine Schule, die nach dem grundlegenden § 1 des Gesetzes ausdrücklich auf religiös-sittlicher Grundlage ihre ganze Erziehung und den Unterricht auszubauen hat. Die hessische Evangelische Landeskirche, die in engem Verbände mit der evangelischen Lehrerschaft bestrebt sei, diese Simultanschule zu erhalten, werde die Elternrechte nicht in dem Maße betonen, wie das in anderen deutschen Ländern nötig sei, wo man kämpfen müsse um die Erhaltung der christlichen Schule. Aber darin stimme man in Hessen mit dem Bunde völlig überein, daß es wesentlich und wertvoll sei — was der Bund sich zur Aufgabe gemacht habe —, die Einheit zwischen Schule und Elternhaus in der evangelischen Erziehung herzustellen. Das sei ganz im Sinne unserer hessischen Evang. Kirche. Wenn der Bund seine Aufgabe darin sehe, den evangelischen Eltern das Gewissen zu schärfen, sie in diesem Sinne zu leiten und zu führen, dann sei er auf der Bahn, auf der unsere evangelischen Kirchen arbeiten müßten an dem Aufbau unseres evangelischen Christentums. Möchten Schule und Haus ein Garten Gottes werden, in dem Gottes heiliger Geist sein Werk treiben könne, daß Menschenkinder zu Gotteskindern werden. Ramens der kurhessischen evangelischen Landeskirche sprach dann Kirchenrat Eisenberg, Kassel, herzliche Grußworte, der dabei u. a. ein warmes Bekenntnis für die im dortigen Bezirk bestehende konfessionelle Schule ablegte, die man behalten wolle und für deren Aufrechterhaltung er die Unterstützung und Mitarbeit des Bundes erbat. An der Arbeit des Bundes nehme die kurhessische Kirche mit Freude herzlichen Anteil. Weitere herzliche Begrüßungsansprachen hielten noch Kirchenrat Lic. Dr. Ziemer, Breslau, für die lutherische Freikirche in Preußen: Pfarrer Lic. Riehl, Frankfurt a. M., für den Verband der Deutschen evangelischen Pfarrvereine: Pfarrer Ausfeld, Gießen, für die evangelische Gesamtkirchengemeinde Gießen, in der seit 400 Jahren das Evangelium unverboten und frei gepredigt worden sei und die jetzt noch 85 Prozent der gesamten Gießener Bevölkerung ausmache, die von dieser Tagung des Bundes für Haus und Schule reichen Segen für die evangelischen Familien erwarte: Stadtv. Kirchner, Gießen, für den Gießener Evangelischen Arbeiterverein und den Verband mittelrheinischer Evangelischer Arbeitervereine: Stadtverordneten-Vorsteher Geck, Kassel, für die Landesgruppen des Bundes. Bundesdirektor Winkler gab dann bekannt, daß noch Begrüßungen eingegangen seien von dem Herrn Dekan der theologischen Fakultät der Llni- versität Gießen, der leider durch eine Reise am Erscheinen verhindert ei, vom Reichsinnennnnißer, vom hessischen Minister für Kultus und Dil- Seit dem gestrigen Sonntag weilt der Deutsche Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule in Gießen zu Gast, um hier seine diesjährige Reichstagung vom 7. bis 9. Oktober zu halten. In wochenlanger emsiger Vorarbeit haben führende Persönlichkeiten der Gießener Ortsgruppe des Bundes die Wege bereitet, auf denen die Reichstagung zu dem erhofften Erfolg geführt werden soll. Aus allen Teilen des Reiches sind die Vertreter der Landes-, Bezirks- und Ortsgruppen in großer Zahl hier erschienen. Die Reichstagung wurde am gestrigen Sonntag mit sehr stark besuchten Gottesoien st en in unseren beiden evangelischen Kirchen eingeleitet. Irn Festgottesdienst in der Johann eskirche hielt Feldprobst D. Schlegel- Berlin, im Fest- aottesdienst in der Stadtkirche Kirchenrat Eisenberg- Kassel die Festpredigt. Anschließend an die Gottesdienste fand in beiden Kirchen die Feier des hl. Abendmahls statt. Am Rachmittag folgte vor Eltern und Erwachsenen Christentumsunterweisung für Kinder durch Bundesdirektor Winkler im Saale der Iohanneskirche. Den toürbigen Abschluß des ersten Tages bildete in der Reuen Aiila der Universität der Eröffnungs- und Vegrüßungsabend. Der weite Raum der Aula war vollbesetzt, als der Abend in weihevoller Weise mit Beethovens Trio 6-Dur Allegro con brio, vorgetragen von den Herren Dingeldey, Birnbaum und Richter aus Gießen, eröffnet wurde. Ein von Frl. Rennert (Gießen) verfaßter, von Frau Mendelssohn-Bartholdy (Gießen) mit starker Wirkung gesprochener Prolog bildete bann die Ueberleitung zur Schriftverlesung und Gebet, gesprochen von Bundesdirektor Winkler. Nach dem anschließenden gemeinsamen Gesang „Wachet auf, erhebt die Blicke!" folgte die Eröffnung der Reichötagung mit einer Ansprache des Bundespräsidenten Grafen v. Schwerin. Der Redner gedachte zunächst der weihevollen und unvergleichlichen Gottesdienststunden am Vormittag, die eine herrliche Einleitung der Reichstagung gewesen seien. Er gab dann seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Tagung nun in Gießen stattfinden könne und dankte allen Freunden und Mitarbeitern des Bundes in Gießen für die alte Treue und Freudigkeit, mit der sie die Vorbereitungsarbeit für diese Tagung geleistet haben. Was wolle der Bund ,^Haus und Schule" mit seiner Reichstagung? Er wolle aufwecken, das evangelische Volk zum Wachen aufrufen und das ganze liebe Hessenland mit an seine Arbeit heranziehen. Seit 1921 werde in der Landesgruppe Hessen und in Gießen für die Bundessache treue Arbeit geleistet von vielen eifrigen Mitgliedern unter der Führung durch Landgerichtsrats K n a u ß. Der Bund danke herzlich für diese Arbeit. Die Reichstagung wolle auch Anregung dazu geben, daß nicht nur neue Mitglieder die Reihen des Bundes fänden, sondern auch Arbeiter und Kämpfer für die Bun- oessache entstünden. Immer wieder müsse eine Erweiterung und Vertiefung der Arbeit allerorten stattfinden. In dem Kampfe, der heute gegen das Evangelium geführt werde, wolle der Bund seine Waffenrüstung starkmachen. Jeder evangelische Christ könne für diesen Kampf sich beim Bunde Hilfe holen. Das Programm der Gießener Tagung enthalte eine Fülle von Kraftquellen, die ausgenutzt und ausgeschöpft werden mußten, damit es Im Leben und in der Arbeit weiter vorwärtsgehe. Wenn weiter gearbeitet werde in Liebe und Treue, dann werde das Hauptthema dieser Tagung Wahrheit werden: ,Ich will heute in deinem Hause einkehren." Im Anschluß an die Eröffnungsansprache des Bundespräsidenten erfolgten zahlreiche Begrüßungen. Landgerichtsrat Knau h-Giehen hieß im Rainen der Landesgruppe Hessen des Bundes und der Ortsgruppe Gießen die Tagung herzlich willkommen. Die Bundesgruppe Hessen als die Westmark des Bundes, die toeitab von der Zentrale und von den Dundeszeirtren Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Schlesien und Sachsen Hände usw." Er lachte laut in die Nacht und lud, noch lachend, den Verdutzten zu einer Tasse Tee ein. Die beiden saßen die halbe Nacht in Grottecks Zimmer, und Surrmann schüttete sein Herz aus. Menschen aufgefallen, die ein- oder zweimal dort auftauchen, ein halsbrecherisches Deutsch sprechen und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden?" „Bei Brodersens internationaler Art ist das doch nicht so verwunderlich, daß allerlei landfremdes Volk bei ihm auftaucyt." „Landfremdes Volk ... wißen Sie, wie man das früher nannte? Unehrliche Leute! Sie hatten kein Recht. Sie waren geächtet. Sie konnten nicht in die Zünfte eintreten. Sie durften nicht in die Kirche. Sie wurden hinterm Zaun verscharrt." „Stimmt. Das wollen wir in der Zeit des Flugzeugs und der elektrischen Schnellzugslokomotive aber doch gern jener Zeit überlassen, die man die gute nennt." „Es war eine gute, Grotteck. Zum mindesten in diesem Punkt. Was wollen die Landfremden bei uns? Sie wollen ihr Gift in unsere Furchen streuen, das Untraut ihrer fremden Ideen zwischen unsre Saat schmuggeln... ist es nicht so?" Grotteck lachte in das aufgeregte Gesicht seines Begleiters. „Sie sehen zu schwarz, Surrmann, oder Sie haben ... entschuldigen Sie schon ... zu heftig dem sündhaft guten Wein oben zugesprochen/ „Nein, nein. Ich fühle die Atmospäre dort wie einen Alpdruck. Aber das könnte mich ja reizen, wenn ich objektiver märe. Und Brodersen ... sieht er nicht wie das Prinzip des Bosen aus? Wie die Wiederverkörperung des Tamerlan oder einer andern Gottesgeißel?" Grotteck zuckte die Achsel. „Geschmacksache." Und er setzte nach einigem Zögern hinzu: „Und Inge Brodersen?" Er erwartete ein schwärmerisches Aufleuchten in den Augen des jungen Mannes und war erstaunt, als dieser düster wie bisher fortfuhr: „Auch sie bedrückt mich. Auch sie trägt Geheimnisse in ihren Falten." „Aber eben sagten sie doch, daß sie Sie zu den schönsten Phantasien anregt?" „Kein Wort habe ich von ihr gesprochen", fuhr Surrmann auf. „Ich versichere Ihnen, daß sie gar nicht für mich existiert." Grotteck blieb verblüfft stehen. „Ja, wovon sprachen Sie denn die ganze Zeit?" „Von Si natürlich. Von der malaiischen Dienerin. Haben Sie sie nicht bemerkt?" Fast hätte Grotteck den Poeten umarmt. „Sie sind das prächtigste Kind, Surrmann, das mir je über den Weg gelaufen ist. Mir ist, als ob ich die „Das Arbeitsamt ist jetzt meine Zufluchtsstätte", klagte er. „Ist mir das wohl an der Wiege gesungen worden? Ach, ich glaube, an meiner Wiege ist überhaupt nicht gesungen worden. Denken Sie: ich bin wie jeder anständige Mensch ein Langschläfer von Natur aus, und ich muß jeden Morgen, den Gott wachsen läßt, um acht Uhr pünktlich in meiner Schreibstube fein. Aber es ist mir bisher noch nie geglückt, früher als fünf Minuten nach acht aufzutauchen. Gestern hat mir der Rech- nungsrat vorgerechnet, daß ich die Stadt in fünfundzwanzig Arbeitstagen monatlich um einhundertfünfundzwanzig Minuten betrüge." „Er trägt also seinen Titel mit Recht." „Und das Sonderbare ist, daß ich gar nicht durch sein Zimmer 47 hindurch muß. 47a hat feinen eigenen Ausgang. Aber unter einem dunkeln Zwang verlaufe ich micy jedesmal." „Ist es denn unbedingt nötig, daß Sie in diese Fron gehen?" „Denken Sie, ich kann von meinen Gedichten leben? Ein Mäzen hat mir diesen Posten verschafft, wo ich in achteinhalb Stunden täglich soviel verdiene, daß ich nachts Sonette feilen kann." Grotteck dachte froh, daß er ja nun helfen konnte. Das Geld bekam einen Sinn. Aber lag es denn noch in feinem Versteck? Unruhig gina er zur Kommode, aber er wagte nicht, sie zu öffnen. In diesem Augenblick unterbrach Surrmann feine Klagen. „Ich werde aber einmal reich, das fühle ich, und wenn es durck ein Verbrechen fein müßte!" „Durch ein Verbrecyen?" fragte Grosteck, irgendwie beunruhigt. „Haha, jetzt sehen Sie mich schon ganz anders an, wie? Trauen Sie mir keins zu? Wissen Sie nicht, daß Hebbel von sich sagte, er wäre zu jedem Ver- brechen fähig gewesen?" „Er hat aber Feins begangen, soviel ich weiß. Und er meinte es auch wohl nur geistig." „Was weiß einer vom andern?" begann Surrmann mit wichtiger Miene. „Ick hatte eine Zeitlang sogar einen ganz bestimmten Plan." Er rückte näher an Grotteck heran und flüsterte: „Von meinem Fenster im Arbeitsamt sehe icy in allerlei Geschäfte und Bureaus der tiefergelegenen Straßen, und in einem, dungstvesen, vom hessischen Minister des Innern, vom Oberbürgermeister der Stadt Gießen, von Oberstudiendirektor Henk, auch namens der Leiter der anderen höheren Schulen unserer Stadt, vom Evang. Dekanat Gießen, vom Polizeiamt Gießen und vom Kommando der Gießener Garnison. Vertreten in dieser Versammlung seien die Stadt Gießen durch ein Mitglied des Stadtparlaments, ferner das Kreisamt Gießen und das Kreisschul- amt. Telegraphische Grüße habe der Zentralaus- schuß für Innere Mission übermittelt. Der Bundesvorsitzende Graf v. Schwerin dankte hierauf für die herzlichen Begrüßungen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Segen Gottes die Arbeit des Bundes begleiten möge. Unsere Gießener Konzertsängerin Fräulein Ida Stammler bereicherte den Abend in schönster Weise durch den Vortrag zweier feiner Kompositionen („Harre meine Seele" von Alexander Winterberger und Rezitativ und Arie aus „Paulus" von Mendelssohn-Bartholdy). Oer erste Hauptvortrag. Äunmehr hielt Pastor Wo11rich - Breslau den ersten öffentlichen Hauptvortrag über das Thema: „Warumihat das evangelische Haus heute die entscheidende Bedeutung für unser Volk?" Die Ausführungen des geistvollen und tiefschürfenden Redners sind in folgende Sähe zusammenzufassenr Die Familie ist Ursprung und Träger des Volkes, Von ihr hängt des Volkes physische und psychische Lebenskraft ab. Seit alter Zeit wurzelt die Sitte des deutschen Hauses in der Ehrfurcht vor Gott: Autorität der Alten und Pietät der Jungen sind seine Pfeiler. Diese Bedeutung des Hauses für das Volk steht heute in Gefahr, verlorenzugehen. Die wirtschaftlichen und furchtbaren Wohnungsnöte, der Parteigeist, Sport und Technik, die di« Jugend allzu ausschließlich beherrschen, drohen den Geist und die einigende Kraft des deutschen Hauses zu zerstören. Die erschütternde Weltanschauungsnot im Volke untergräbt das uralte Fundament der Familie, den Gottesglauben. Demgegenüber hat das evangelische Haus heute entscheidende Bedeutung. Cs ist mit dem immer lebendigen Evangelium unlöslich verbunden und bringt Christus in die Familie: dort wirkt er ein Haus, das Ratürliches und Göttliches vereint, weltoffen und Gott zugewandt ift. Solch Haus ist ein Damm gegen alle zerstörenden Kräfte im Volke. Die entscheidende Bedeutung des evangelischen Hauses für unser Volk liegt darum in dem Bunde der Familie mit Christus, der in ihr einkehrt. Der Abschluß des Abends. Im Anschluß an einige Mitteilungen des Bundesdirektors Winkler brachten die Herren Dingeldey, Birnbaum und Richter in wundervoller Weise Beethovens Trio Ls-D.ur Allegro ma non troppo zu Gehör. Darauf wurde mit einem Schlußgebet und dem gemeinsamen Gesang „Ich und mein Haus, wir sind bereit" dir Feier geschlossen. Iubiläumstagung des Hessischen Landeslehrervereins. Lpd. Darmstadt, 7. Oft. Am heutigen Sonntag begann hier die2 ubiläumstagung desHessischenLandeslehrervereins. Am Vormittag fand an den Gräbern der beiden Vereinsführer, Johann Schmitt und Karl Backes, feierliche Kranzniederlegung statt, Obmann Reiber sprach über das Wirken Johann Schmitts um die hessische Schule und den hessischen Lehrerstand, wahrend der Vertreter des Deutschen Lehrervereins, L ü b k e, die Verdienste Johann Schmitts als eines Mitbegründers des ersten deutschen Lehrervereins schilderte. Am Grabe Karl Backes, dem langjährigen Führer des Hessischen Landeslehrervereins, widmeten Reiber und Lübke gleichfalls Worte der Er- hmentng. Anschließend wurde in der Morneweg-Schule die Lehr - und Lernmittelschau eröffnet. Lehrer Horn begrüßte dir Erschienenen und ging auf das Wesen und die Einzelheiten der Ausstellung ein. Er übergab dann die Ausstellung dem Obmann Reiber, der sie im Flamen des Landeslehrervereins übernahm. denken Sie, erkannte ich Banknoten in Bündeln. Uebrigens sah ich sie nur, wenn ich den doppelten Kneifer aufhatte." „Banknoten in Bündeln?" Es war schwer, diese wenigen Worte zu wiederholen. „Sie müssen geträumt haben." ,Zn Bündeln", triumphierte Surrmann. „Und eines Tages oder besser Nachts werde ich sie mir holen. Wollen Sie dabei fein? Es müßen nämlich zwei fein: derjenige, der das Geld holt, muß es einem andern übergeben, damit es nicht bei ihm gefunden wird." Ein Verdacht stieg in Grotteck auf. „Haben Sie mit jemand darüber gesprochen?" „Wo denken Sie hin?" meinte der andre gekränkt. „Man ist doch kein Anfänger!" Da mußte Grotteck wieder lachen. „Nun, ich hoffe, daß Sie es auf diesem Gebiet doch sind! Das ist wohl eine Kriminalgeschichte, die Sie mir da skizziert haben, wie?" Surrmann stimmte in das Lachen ein. „Ein Phantasieprodukt, versteht sich. Leider werde ich zu diesen Dingen nie die nötigen Nerven aufbringen." Grotteck goß feinem Gast Tee ein und sagte ruhig: „Nun wollen wir aber von Dingen reden, die nicht unsre Träume beeinflussen. Erzählen Sie noch ein bißchen von Ihrem Arbeitsamt." „Schön. Oder vielmehr nicht schön. Wir haben doch da einen Abreißkalender mit schönen weißen Rückseiten, gerade groß genug, um ein Gedicht herauf zu schreiben. Ein Gedicht an den Frühling, an malaiische Wälder, an ein junges Mädchen. Glauben Sie, daß man es dort gern sieht, wenn ich darauf meine, Verse schreibe? Man ist so pedantisch, daß man sich daran stößt, wenn plötzlich der 7. Mai oben steht, während es erst der 22. April ift." „Unglaublich, in der Tat." „Mit den männlichen Kolleaen dort stehe ich mich gut. Sie halten mich für blödsinnig. Das macht mich ihnen sympathisch. Aber die Damen ..." „Nun, mit denen sollten Sie doch fertig werden." „Nein!" rief Surrmann in ehrlicher Empörung. „Seit sie Bubiköpfe tragen, ist ihnen jede Achtung vor der Poesie verlorengegangen. Das eine Fräu- (ein wollte neulich ein Polterabendgedicht von mir für ihre Freundin, die einen Katasterkontrolleur heiratet!" Er leerte vor Wut die Tasse mit einem zu großen Schluck und prustete eine Weile vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) Stinten, Sport und Spiel bereits übernommen. T Aus der nördlichen Wetterau, 7.Oktober. Eine Rekordernte haben in diesem Jahre die T o m a t e n, in ländlichen Kreisen vielfach Paradiesäpfel genannt, erbracht. Während man sie vor etwa 15 Jahren in den Gärten unserer Gegend fast kaum kannte, sind sie heute Allgemeingut aller Volksschichten geworden. Der heiße Sommer war ihrem Wachstum besonders günstig. r. Aus dem südlichen Kreise Gresten, 7. Oktober. Die Kartoffelernte ist, bis auf einige Rachzügler, so ziemlich beendet. Die Landwirte sind mit dem Ausfall der Ernte recht zufrieden. Es gab zwar keine so großen Knollen, wie im vorigen Jahre, dafür aber sind die Kartoffeln dieses Jahr alle gesund und konnten bei schönstem Wetter eingekellert werden. In der kommenden Woche wird an den Stationen mit dem Verladen begonnen. Ein fester Preis ist nirgends zu erfahren. Man wartet ab, spricht aber von 4,50 bis 5 Mark. Die Regenfälle der letzten Wochen haben den Voden so gut durchfeuchtet, dah man allgemein mit dem Säen der Winterfrucht begonnen hat. Die Mäuseplage, die man wegen der langen Trockenheit befürchtete, ist nicht gekommen. Rur hier und da — an Rainen und Abhängen — sieht man die schädlichen Rager. Kreis Friedberg. Dad-Rauheim, 7. Olt. An der heute stattgch-bten Wahl zur evangelischen Kirchengemeindevertretung beteiligten sich 8cy Wahlberechtigte, das sind rund 26 Prozent. Cs wurde gewählt vom Wahlvorschlag 1, der in der Hauptsache die Mitglieder der seitherigen Kirchengemeindevertretung auswies, 52 Mitglieder, von der von der Opposition eingereichten Liste 2 die Zahl von 28 Mitgliedern. Die neue Kirchengemeindevertretung zählt demnach 80 Mitglieder, darunter nur eine Frau. Rheinhessen. WSN. Mainz, 7. Okt. Die städtische Pressestelle teilt mit: „Es besteht der Verdacht, daß ein Beamter des städtischen Einquartierungsamts Gelder, die durch'die Kaffe zu vereinnahmen gewesen wären, unterschlagen hat. Gegen den betr. Beamten wurde das Disziplinarverfahren er- Höhung der Kopfsteuer auf 0,85 Mark balanciert der Haushalt von 1929 mit 830 950. — Mark. Aus der Götzstiftung gelangen 83900.— Mark zum Vau für Turnhallen und Spielplätze zur Verteilung. Der nächste Turntag findet am 4. und 5. Oktober nächsten Jahres wahrscheinlich in Berlin statt; für diesen wurde Dr. Meyer- Hamburg als Vorsitzender des Wahlausschusses eingesetzt. ÄieAusbilbungsardeilimGauSessenD.T. Der reichhaltige älebungsplan des Gaues Hessen (D.T.) liegt nunmehr vor. Aus ihm ist zu ersehen, daß der Gauturnaus- chust zu zwei älebungsstunden zusammengerufen wird. Hier holen sich die einzelnen Dezncksturn- warte den für das kommende Jahr vorgesehenen älebungsstosf, um ihn in vier Vezirksvorturner- tunden an die Vereinsturnwarte heranzubringen, ne ihn dann in ihrem Wirkungsfeld in turneri- cher Kleinarbeit mit den Turnern be- und verarbeiten. Eine Einrichtung, die im letzten Jahre ich als recht wirkungsvoll erwiesen hat, die Zu- ammenkunst der Dereinsschülerturnwarte und Vorturner, ist wieder ausgenommen worden. Das Gebiet des Frauenturnens erfordert wieder — wie alljährlich — vier Gauübungsstunden. Zu drei Tressen wird der Gauschwimmwart seine Schwimmer u. Schwimmerinnen zusammen bestellen, um mit ihnen turnerisches Schwimmen und Springen, vor allem aber auch das Rettungsschwimmen, zu üben. Auch der Gauwart für das volkstüm- I liche Turnen (Gausportwart) lästt seine Getreuen zweimal zu älebungsstunden zusammen tret en. Der Gausechtwart hält, wie üblich, mehrmals Fechb- stunden ab. Dem Gauspielwart liegt es ob, je nach Bedürfnis Spielerzusammentünfte und Schiedsrichterlehrgänge einzuberufen. Diese, sagen wir, Pflichtarbeit, kann aber durch jeden Fach- | wart erweitert werden, da es jedem Bezirks- oder Fachturnwart unbenommen ist, noch weitere älebungsstunden einzulegen. Am wertvollsten werden jedoch die in Aussicht genommenen Lehrgänge zu bewerten sein, die im Laufe des Winters für das Männer- und Frauenturnen zur Durchführung kommen sollen. Diese turnerische Ausbilbungsarbeit soll im nächsten Jahre bei folgenden Veranstaltungen Früchte tragen, sofern diese von dem Gauturntag Genehmigung finden. 1. Wintergerätewettkämpfe in den einzelnen Bezirken bis 1. April. 2. Volkstümliche Beziiksturnfeste bis l.Juli. 3. Gauturnfest in Alsfeld, verbunden mit Volks- turnen, Fechten, Schwimmen und Spielen vom 20. bis 22. Juli. 4. Gausrauenwe»turnen am ersten Sonntag im Juli. 5. Gauturnfahrt, rüöglichst auf einen Berg, Anfang September. Fußball in Hessen-Hannover. Im Bezirk Hessen-Hannover leistete sich gestern Hessen Kassel gegen Tura Kassel ein sicheres 3:0. Sp. C. Göttingen kam gegen den S. D. Kassel mit 3:6 in Nachteil. Sport Kassel schlug Germania Marburg 4:2. Die Iußballlampse in Süddeutschland Bezirke TNain-hesfen. Hier zeigt die Tabelle der Gruppe Main jetzt insofern eine Veränderung, als in dem Ortstreffen zwischen den beiden Spitzenvereinen, Rotweiß und Eintracht Frankfurt, die Bockenheimer, die seither innegehabte Führung an die wesentlich bessere Eintracht abgeben mußten. Rotweiß verlor vor etwa 20 000 Zuschauern mit 1:2 Toren und liegt nun an zweiter Stelle. F. Sp. V. Frankfurt ließ zwar erstmalig den Internationalen Knöpfte spielen, mußte aber trotzdem den zu Gast weilenden Unionleuten aus Niederrad mit einem knappen 1:1 einen öffnet. Auch ist er vorläufig vom Dienst enthoben worden. Die Angelegenheit wurde der Staatsanwalt» chaft zur weiteren Verfolgung übergeben." Wie wir hierzu noch erfahren, handelt es sich um den Verwaltungsoberassistenten Sa m e s von hier, der etwa 6000 Mark veruntreut haben soll. Es besteht die Möglichkeit, daß die Summe bedeutend höher ist. Preußen. Kreis Biedenkopf. * B i e d e n k o p f, 7. Okt. Auch in der hiesigen Gemarkung ist jetzt der K a r t o f f e l k r e b s festgestellt worden. Ä , ,, , T Waldgirmes, 7. Okt. Die Kartoffelernte ist zu Ende. Der Ausfall war viel besser, als erwartet wurde. — Die Spielplatzfrage bei unserer Grundstückszusammenlegung, die hier schon viele Sorgen bereitet hat, ist nun dahin entschieden, daß der Spielplatz unterhalb des Dorfes zu liegen kommt, entgegen dem Wunsche des Turnvereins, des Schulvorstandes und der Gemeindevertretung. Die beiden Projekte oberhalb des Dorfes kamen je an 18 000 Mark, denen die Gemeinde kein gleichwertiges Land stellen konnte. Wirtschaft. Die Geldmarkilage nach dem Ultimo. Der Quartalsultimo ist überraschend leicht verlausen, besonders wenn man berücksichtigt, daß der Oktobertermin im allgemeinen außerordentlich große Geldansprüche, insbesondere auch für die Erntefinanzierung stellt. Wenn erwartet wurde, daß an den Tagen nach Ultimo, wir das früher häufig der FaU war, eine Versteifung des Marktes eintreten würde, so ist diese ^Erwartung nicht eingetreten. Infolge der außerordentlich starken Vorsorge der Reichsbank, aber auch der Danken ist eine relativ schnelle Entspannung nach dem Ultimo eingetreten. Die Möglichkeit der starken Vorsorge der Danken war vor allem dem reichlichen Angebot von Auslandgeld, insbesondere aus Frankreich und England, zu verdanken. Darüber hinaus wird aber auch die relativ günstige Lage der Landwirtschaft und wahrscheinlich auch dec Rückgang der Wirtschaftswnjunktuc an der Entspannung mitgewirkt haben. Im Handel mit täglichem Geld kam die Entspannung bisher am wenigsten zur Geltung, was im wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dah die Rückflüsse noch nicht in vollem Umfange eingesetzt haben. Tagesgeld kostet daher immer noch 7,5 bis 9 Prozent. Einer Entspannung am Tagesgeld wirken vorläufig noch die am 10. Oktober fälligen Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer entgegen, doch kommen hierbei auch die Rückflüsse aus dem Oktobercoupontermin in Betracht. Auf den Warenwechselmärkten war die Entwicklung durchweg ruhig; vereinzelte Posten sollen ss^Proz. unter dem Bankdiskont placiert worden fein. Am Privatdiskontmarkt konnte der Sah am 29. September bereits von 6,75 auf 6/55 Prozent ermäßigt werden. Eine weitere Ermäßigung kam bisher nicht in Frage, da die Rach- ftage nicht sehr groß war. Monatsgeld hatte nur geringen »Umsatz. Der Zinssatz für derartige Abschlüsse lag bei 8 bis 8,5 Prozent. Im allgemeinen seht sich die Auffassung durch, dah die Lage am Geldmarkt eine langsame Erleichterung erfahren dürfte. Man rechnet vor allem auf stärkere Rückflüsse von Erntekrediten, da der bessere Ausfall der diesjährigen Ernte auch der Landwirtschaft einen wertmäßigen Mehrertrag bringen werde, was auch für die allgemeine Geldlage eine Erleichterung bedeutet, da der Einfuhrbedarf dadurch entsprechend vermindert werde. Ferner hofft man auf eine allmähliche Besserung der langfristigen Kreditversorgung. Das kurzfristige Auslandkreditgeschäft hat für den Geldmarkt nur insofern eine Rolle gespielt, als seine Gestaltung den Geldmarkt Ultimo Oktober nicht in Unruhe gebracht hat. Die Abzüge amerikanischer Guthaben konnte infolge der I Flüssigkeit des europäischen Geldmarktes durch Inanspruchnahme kurzfristiger französischer und englischer Kredite finanziert werden. 3m übrigen soll sich die kurzfristige Kreditschuld tri I letzter Zeit vergrößert haben, da man hoff«, fit Steuerrecht und Turn- und Sportbewegung. In den letzten Jahren haben die Klagen der Turn- und Sportvereilne über ihre Behandlung durch die Steuerbehörden einen ganz erheblichen Umfang angenommen. Reben der Lust backe i t s st e u e r kommt für die steuerliche Belastung der Vereine für Leibesübungen haupt- sächHiiich die Gruppe der Realsteuern, Grundvermögens- und Hauszinssteurr, Grunderwerbsund Werttzuwachssteuer in Frage. Immer wieder haben Vereine z. D. gegen die Veranlagung ihrer turnerischen und sportlichen Veranstaltungen zur Luslbarkeiltsste-uer gegen Stadtverwaltungen angehen müssen und, soweit wir übersehen können, auch fast überall im Verwaltungs- strei'tveLfahren ihren Standpurckt durchgesetzt. 2lber diese und ähnliche Erfolge im Einzelfall nützen der Gesamtheit der Turn- und Sportvereine wenig, da sie keine Aenderung der allgemeinen Praxis der Steuerbehörden herbeiführen können. Was die Turn- und Sportbewegung braucht, ist die grundsätzliche und für alle besteuernden Körperschaften gleich verbindliche Anerkennung der Gemeinnützigkeit ihrer Bestrebungen und ihrer Zusammenschlüsse. Der in diesem Jahre gegründete Steuerausschuh des DRA. hat in seiner jüngsten Sitzung deswegen die Forderung ausgestellt, dah jeder Verern und Verband, der hauptsächlich Leibesübungen betreibt, in steuerlicher Hinsicht als gemeinnützig anzusehen ist. Es ist damit nichts vollkommen Reues verlangt worden, sondern nur die Ausdehnung eines in manchen Gesetzen, wie z. D. dem Körperschafbssteuergesetz, bereits eindeutig ausgesprochenen Grundsatzes auf die gesamte Gesetzgebung. Dieser Leitsatz, der an Wichtigkeit kaum hinter den bekannten Forderungen nach der tätlichen Turnstunde und ausreichender Spiel- flcühen zurücksteht, muß durch ein Reichsgesetz verwirklicht werden. Dies wird tunftig das Endziel der gemeinsamen Bemühungen des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen Und der Zentrallommission für Arbeitersport und Körperpflege sein. Erst wenn dieses Reichs- gesetz geschaffen worden ist, wird der Turn- und Sportwelt in der kommenden Steuerreform die besondere Stellung gesichert sein, die sie wegen ihrer anerkannten Bedeutung für die Vollsgesamtiheit beanspruchen kann. Wann dieser Zustand erreicht sein wird, ist aber noch unbestimmt. Es gilt deswegen, bis dahin bie Härten und Unbilligkeiten der bestehenden Steuergesetze nach Möglichkeit aUszugleichSn. Dies wird, wie bisher, der DRA. und die Zentrallommrssion durch gemeinsame Anträge bei den zuständigen Ministerien des Reichs und der Länder und den parlamentarischen Ausschüssen für Leibesübun- oen zu erreichen suchen. Dies genügt aber nicht, es müssen auch Unterlagen für eine Aenderung der gegenwärtig so zersplitterten und uneinheitlichen Steuergesetzgebung und für eine Rechtsprechung. die den Belangen der Turn- und Sportwelt Genüge leistet, gewonnen werden, um bei künftigen Reformen nut Erfolg den Stand- punSt unserer Bewegung geltend machen zu können. Der DRA. hat sich deswegen entschlossen, den ihm angeschlossenen Vereinen und Verbänden, sobald es sich um Rechtsstreitigkeiten grundsätzlicher Avt handelt, R e ch t s s ch u tz zu gewähren. Jeder Verein und Verband kann also zukünftig die Hilfe des DRA. 6et Steuerstreitigkeiten in Anspruch nehmen; allerdings unter der Vorbedingung, dah die Prozehführung von der ersten Instanz an in den Händen der Beauftragten des DRA. liegt. Die Kosten der von ihm übernommenen Prr^esse tragt der DRA. selbst. Weihe der Deutschen Turnschule. Am Samstag wurde auf dem Gelände des Deusichen Sportforums die Deutsche Turnschule in feierlicher Weise ihrer Brstirnnrung übergeben. Vor zahlreichen Gästen, Vertretern der Reichs-, und Staatsregierung, hielt der Vorsitzende der D. T., Professor Dr. Berger, eine Begrüßungsansprache. Es folgte dann die feierliche Ueber- rcichung der Schlüssel der Turnschule, im Anschluß daran hielt Oberturnwart Steding (Bremen), der neue Direktor der Turnschule, die Weiherede. Rach weiteren Reden und Vorträgen der Berliner Liedertafel wurde der stimmungsvolle Akt mit einem Rundgang durch die Turnschule beschlossen. Tumeriagung in Berlin. Im Anschluß an die Weihe der Deutschen Turnschule fand in Berlin die fällige Haupt- ausschußfitzung statt, die durch die Berichte des 1. Vorsitzenden und des D. T.-Geschäftsführers eingeleitet wurde. Die Zusammenfassung der Sänger und der Spieler wurde den Kreisen überlassen; bei den Skiläufern wird sich die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Skiverband segensreich auswirken. Den Olympischen Spielen gegenüber behält die D. T. chre abwartende Hal- hmg bei. Der Turnfestbericht sand allseitigen Beifall, da auch finanziell mit einem zufriedenstellenden Ergebnis zu rechnen ist. Durch Er- Punl't überlassen. Die Offenbacher Kickers gelangten durch ein verdientes 3:1 gegen ihre Nachbarn, die F. V. 03 Fechenheim, auf den dritten Tabellenplatz. Das Hanauer Ortstreffen zwischen dem F. C. 93 Hanau und der Sp. Vgg. 60/94 Hanau brachte ein 4:0 zugunsten der 93er und bewies, daß die Gleichwertigkeit der 60er mit den älteren Ligavereinen vorläufig noch in weiter Ferne steht. Auch die Aschaffenburger Viktoria machte erneut einen sehr schlechten Eindruck und verlor fast' widerstandslos gegen Germania Bieber mit 0:5 Toren. In der Gruppe Hessen war der Spitzenverein Wormatia Worms spielfrei. Sein Ortsrivale, Alemannia Worms, behaupetete sich gegen V. f. L. Neu-Isenburg mit einem 1:0, den sie hierdurch von dem zweiten Tabellenplatz verdrängte. Der F. Sp. V. 05 Mainz hielt sich gegen die Sportgemeinde Höchst stets sicher und gewann fast nach Belieben 4:0. Der F. C. Langen nutzte gegen die Sp. Vgg. Arheilgen den Vorteil des eigenen Platzes aus und gewann mit 4:2 Toren. Eine große Ueberraschung bereitete Hassia Bingen, da sie den Sp. V. Wiesbaden mit 3:0 glatt schlagen konnte. Bezirk Bayern. In der Gruppe Nordbayern erhielten die beiden bis jetzt ungeschlagenen Spitzenvereine nur knappe Siege. Der 1. F. C. Nürnberg konnte näm- sich den F. C. Würzburg nur 3:1 schlagen, die Sp. Vgg. Fürth holte sich bei Bayern Hof mit dem noch knapperen 1:2 die Punkte. 1. F. C. Bayreuth Oberhessen. Landkreis Wietzen. OO Klein-Linden, 7.Okt. Im überfüllten Gotteshause hielt heute am Erntedankfest unserer ev Kirchengemelnde der nach hier versetzte Pfarrassistent Bremmer seine 21 n t r j 115 p r e b i g t, ber er den Text aus Apostelgeschichte Kap. 17, von Vers 24 ab, zugrunbe legte. Der K i r ch e n g e s a n g v e r- ein unb der Posaunenchor, beide unter Leitung von Kreisbaumwart Germer, verschonten durch passende Chöre die Feier. Psarrassistent Bremmer war seither in Griesheim bei Darmstadt als Geistlicher im Amte. D Sich, 7. Olt. Aus dem Etadtvorstanb: Die Stadt Lich hat in den Jahren 1921/22 dem Siedlungsunternehmen eine abgetriebene Waldsläche im Plattenfeld in Größe von etwa 40 Morgen xur Verpachtung an hiesige Landbewerber zur Verfügung gestellt. Von einem Pächter dieses Geländes ist Antrag auf Drai- nierung gestellt worden. Das Kulturbauamt hat festgestellt, dah ein Teil des Geländes entwässerungsbedürftig ist. Rach einem früheren Beschluß will der Stadtvorstand die Drarmerung ausführen lassen, toenn sämtliche Pächter dre Verzinsung und Tilgung des aufzuwendenden Kapitals durch Zahlung eines Zufch:ags zum Jahrespachtprcis übernehmen. Der Zuschlag je Morgen wird sich bei gleichmäßiger Verteilung auf ettoa 7 Mk. jährlich stellen. Eine mehrmalige Anfrage bei den Pächtern dieses Geländes hat ergeben, dah nur wenige bereit sind, den geforderten Zuschlag zu entrichten. Tlnter Berücksichtigung dieses Umstandes beschloß der Stadt - r orstand, die Drainierung nicht zur Ausführung zu bringen. — Gegen die Unterbringung der Ziegenböcke in einem Gehöft tm Weichbild der Stadt sind Beschwerden eingelaufen. Da eine sonstige geeignete Unterbringungsmöglichkeit zur Zeit nicht vorhanden ist, beschloß der Stadtvorstand, die Böcke während der jetzigen Sprung- periode an ihrem Standort zu belassen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, dah die Rachbarschaft durch Gerüche nicht allzusehr belästigt wird. — Die Dorkriegsmieten in städtischen' Gebäuden wurden angemessen erhöht. — Ein alter Rotviehbulle muhte wegen Un- tauglichkeit abgeschafft werden. Der Erlös betrug 633,60 Mk. Gelegentlich des Rotviehmarktes in Gießen am 11. September d. I. ist als Ersatz ein junger Rotviehbulle zum Preise von 1020 Mk. angeschafft worden. Der Stadtvorstand erteilte zu der An- und Abschaffung seine Genehmigung. — Der Stadtvorstand hat durch einen früheren Beschluß die Anerkenntnisgebühren fürTankanlagenmit Wirkung vom 1. April 1928 auf jährlich 200 Mk. erhöht. Die Interessenten weigern sich, eine Anerkennungsgebühr in dieser Höhe zu entrichten und suchen um Revi- dierung dieses Beschlusses nach. Der Stadtvorstand konnte sich nicht dazu entschließen, die beschlossene Anerkennungsgebühr zu ermäßigen. — Die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft in Frankfurt a.M. hat die Absicht, in einer Hofreite in der Langgaffe eine Dapolin-Pumpanlage zu errichten. Der Stadtvorstand beschloß, die Genehmigung hierzu unter dem Vorbehalt zu erteilen, daß die Schlauchleitung nach der Straße in geeigneter Weise in den Fußsteig zu verlegen ist, damit der Fußgängerverkehr bei Inbetriebnahme nicht gehindert ist. Sie Erteilung der Genehmigung erfolgt widerruflich gegen Revers und Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 200 Mk. Gleichzeitig gab der Bürgermeister bekannt, dah ein weiteres Gesuch auf Errichtung einer Tankanlage für die Ecke Schlohgasse—Draugasse in Auslicht stehe. Der Stadtvorstand behielt sich Stellungnahme zu dem Gesuch bis zur Vorlage der Pläne vor. — Das Ueberlandwerk Oberhessen hat bei dem Dau der Fernleitung nach Kolnhausen bei Lich einen eisernen Mast direkt auf einen schmalen Feldweg entlang der Wetter in der Lohmühle gestellt, ohne die Genehmigung der Stadt hierzu emzu- holen. Der Fuhrverkehr ist durch die Aufstellung des Mastes behindert. Es wurde beschlossen, dem UebeUandwerk Friedberg aufzugeben, einen ausreichenden Fahrweg links oder rechts des Mastes zu schaffen:. — Im Anschluß hieran fand eine nichtöffentliche Sitzung statt. — Bürgermeister G «i l ist zum Standesbeamten und Orts- gerichtsvorsteher der Stadt Lich ernannt und verpflichtet worden und hat diese Geschäfte zfx- zÄ{fifz4 'XXAUAt.HMtAtt I verlor gegen A. S. D. Nürnberg 1:4, Franken Nürn. jUtC *)öUCrn|U)Of< | berg würbe von V. f. ER. Fürth 1:6 geschlagen, so JUS* Ümschuldungsaktion. baß auch biefe beiben Spiele ben Platzbesitzern ver- WSR. Lauterbach, 6. Sept. Die Hessl* In ber Gruppe Sübbayern entspricht bas sche Bauernschaft hielt hier ihre diesjährige z-i DOn Bayern München gegen D. S. V. München Herb st Vertreter tag ung ab, die nach aus- I &em Stärkeverhältnis. Auch Schwaben Ulm kann führlicher Debatte zu der aktuellen Um schul - I sich über sein 2:6 gegen S. V. 60 München nicht be- dungsaktion zugunsten der Landwirtschaft klagen. Das größte Erstaunen muß bte haushohe folgende Entschließung faßte: »Die hessische I Niederlage Hervorrufen, bie Wacker München von Bauernschaft hegt schwere Bedenken gegen Schwaben Augsburg mit nicht weniger als 0:5 die geplante Turchfuhnrng der Umschuldung, denn Toren bezog. Das ist für ben Spitzenverein ber jeder Bauer ist auf dem Dorfe moralisch und I Gruppe eine ziemlich bittere Pille, wirtschaftlich geliefert, wenn bei der , . „ — K Umschuldungsaktion feine Lage bis in alle Ginzel- läuft Hellen geprüft und gar mit seinen Gläubigern _ . . ’ , „ „ . in Unterhandlungen wegen Kürzung der Der- Husen deutsche Rekorde. Pflichtungen getreten wird. Er verliert das für Das gestrige große internationale Sportfest Kreditfähigkeit notwendige Ansehen. Diese Um- fcS S. C. Eharlottenburg, in dessen Mittelpunkt schul düng ist daher keine Hilfe für den! Start Rurmis stand, brachte den 15 000 Bauern. Wir bitten die hessische Regierung, Zuschauern aufregende und nicht leicht zu ver- Schritte bei der Reichsregierung zu unternehmen, Essende Momente. Im Stundenlaufen stellte der daß von den bereitgestcllten Geldern der größere Finne nicht weniger als drei neue Weltrekorde Teil zur Ermöglichung eines Moratoriums I auf und zwar: 15 Kilometer, 46:49,5, 10 englische für die Schulden der landwirtschaftlichen Meilen 50:15 und 1 Stunde 19,21082 Kilometer. Genossenschaften verwandt wird." Auch der Hamburger Husen wuchs über sich ........ । । । selbst hinaus und stellte mit 48:50,6 für die 15 Kilometer und mit 18,21120 Kilometer für die Stunde neue deutsche Rekorde auf. Körnig gewann die 200 Meter in 21,9, S torz-Halle bie 400 Meter, Kivi - Finnland das Diskuswerfen, H i r f ch f e l d das Kugelstoßen, L o u- k o l a - Finnland die 5000 OIL ter vor Schaumburg- Münster, und Larva, der finnische Olympia-Sieger die 1500 Meter in 3:52 vor dem Berliner Turner Wichmann, der mit 3:52,6 einen neuen Turnerrekord auf stellte. Pelher gab 200 Meter vor dem Ziel auf. Handball im Bezirk Main-Hessen. Ergebnisse der Gruppe A. Polizei Butzbach — Sp.-D.98 Darmstadt 4:7. Kickers Offenbach — Polizei Darmstadt 2:6. Rotweiß Darmstadt, — V. f. R. Schwanheim 3:4. H. Sp. V. Frankfurt — Post-Sp. V. Frankfurt 2:4. Sp. Vg. 04 Arheilgen — V. f. B. Friedberg 3:0. Ergebnisse der Gruppe B. Sp. V. Wiesbaden — Pol.-Sp. V. Wiesbaden 4:10. Wiesbadener Sp. C. — Germania Wiesbaden 5:1. Polizei-Sp. V. Worms — F. Vg. 06 Kastel. Dieses Spiel wurde beim Stande 6:0 abgebrochen. Die Kafteler Mannschaft hatte nur sieben Mann im Spiel und ließ sich außerdem Ausschreitungen gegen den Schiedsrichter zuschulden kommen. F. Sp. V. 05 Mainz — Alemannia Worms 3:2. Kiippers-Blersen schwimmt Rekord. Bei dem am gestrigen Sonntag abgehaltenen Schwimmfest des Krefelder Schwimmvereins 1893 | konnte der deutsche Meister und Rekordmann Ernst Küppers (Viersen) den von ihm gehaltenen Rekord im 100/ZNeter-Rückenschwimmen auf 1:11,2 Minuten verbessern. Deutsche Gehermeisterschast. Bei günstigem Wetter wurde gestern bei Mühl- Hof bei Rürnberg die Deutsche Gehermeisterschaft über 50 Kilometer ausgetragen. Wie im vergan- I genen Jahre, konnte auch diesmal wieder der deutsche Meister H äh ne l-Erfurt in glänzendem Ssil den Meistertitel erringen. Er lag vom fünften Kilometer an in Führung und gab die Spitze bis zum Ziel nicht mehr her. Beim Endspurt sicherte er sich einen Vorsprung von fünf Minuten vor dem zweiten. Ergebnisse: 1. Hähnel- Erfurt 5:01,21,3; 2. Reichelt-München 5:06,59; 3. Preßler-Flensburg 5:12,27. aus neu hereinkommenden, langfristigen Auslandkrediten abzudecken. Man sollte sich hier aber größerer Zurückhaltung befleißigen, denn eine Erhöhung der ohnehin schon großen Beträge umschuldungsbedürftigen ausländischen Zwischenlredits ist für die Konsolidierung der deutschen Auslandschulden ohne Zweifel von Nachteil. Gewiß berechtigt die Begebung der RNE°Anleihe zur Hoffnung auf weitere ausländische Emissionen, aber eine Schwalbe bedeutet noch keinen Sommer; nach der bisherigen Politik des Federal Reserve Boards ist für die Zukunft an eine Ermäßigung der hohen Geldsätze vorläufig nicht zu denken. Auf dem englischen Kapitalmarkt sind bei der gegenwärtigen Schwäche des Pfundkurses keine allzu hohen Hoffnungen zu setzen, und Frankreich kommt bei der dort noch herrschenden Mentalität für langfristige Kredite an Deutschland nicht in Frage. * * Die amtliche Grohhandelsindex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 3. Oktober berechnete Großhandelsind^xziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche um 0,4 v. H. auf 140,4 (139,8) gestiegen. Don den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,0 v. H. auf 135,1 (133,7) und diejenige für Kolonialwaren um 0,2 v. H. auf 134,3 (134,0) angezogen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren war mit 133,5 (133,4) gegenüber der Vorwoche nahezu» unverändert, während die Indexziffer für industrielle Fertigwaren sich um 0,3 v. H. auf 159,9 (159,5) erhöht hat. Im Monatsdurchschnitt September ist die Gesamtiirdexzifser gegenüber dem Vormonat um 1.1 v. H. auf 139,9 (141,5) zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat insbesondere die Indexziffer für Agrarstoffe um 2,5 v. H. auf 134.2 (137,6) und diejenige für K lonial- waren um 3.3 v. H. auf 131,0 (135,5) nachgegeben. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist um 0,6 v. H. auf 133,5 (134,3) zurückgegangen, während die Indexziffer für industrielle Fertigwaren mit 159,5 gegenüber dem Vormonat unverändert war. * 52 502 deutsche Genossenschaften am 1.Oktober. Nachdem der Schlußmonat des dritten Vierteljahres noch 113 Neugründungen brachte, denen 94 Auflösungen von Genossenschaften gegenüberstehen, und fünf Konkurse, zeigt sich für das abgeschlossene dritte Vierteljahr wieder ein Aufstieg in der Zahl der Genossenschaften von rund 150. Für nichtig erklärt wurden im letzten Vierteljahr 42 Genossenschaften, so daß sich ein Gesamtbestand der deutschen Genossenschaften aller Gruppen am 1. Oktober 1928 von 52 502 ergibt. Es hat danach eine Erhöhung des Bestandes gegenüber dem 1. Januar 1928 von genau 300 sta tgefunden. Im September zeigten die Kreditgenossenschaften keine Vermehrung, auch die Handwerkergenossenschaften wiesen eine wesentliche Destandsveränderung nicht auf. Bei den Produktivgenossenfchaften gab es einige Zugänge (Brauerei-, Druckerei-, Schokoladenbranche). Neue Händlergenossen schäften entstanden im Seifen - handel und Fahrradhandel. Ausgelöst wurden solche im Milch- und Butterhandel. Die Baugenossenschaften zeigten im Bestand keine wesentliche Veränderung. Sie gehen der Zahl nach nur noch langsam auswärts. Größer war aber die Zahl der neuen Siedlungsgenossenschaften. Die Konsunrvereine zeigten der Zahl nach einen Rückgang. Ganz wesentlich erhöhten sich im Bestand die landwirtschaftlichen Genossenschaften mit 63 Neugründungen, denen 35 Auslösungen gegenüberstanden. • Ein Versicherungskonkurs ohne Masse. Das Konkursverfahren über das Vermögen der 1923 mit einem A.--K. von 1 Mill. Mk. gegründeten Westland-Rück- und Mitversiche- rungs-A.-G. in Düsseldorf tour mangels Masse eingestellt. * Der Saaten st and aßen anfang s O k t o b e r. Nach de -ußischen Statistischen Landesamt in der .jen Korrespondenz" veröffentlichten Zusarnnmi ß.llung konnte die Getreideernte frühzeitig, schnell und trocken eingebracht werden; sie ist im allgemeinen besser ausgefallen als im Vorjahre, und wurde oft als eine gute Mittelernte, oft als äußerst günstig bezeichnet. Die Grummeternte war dagegen in der Regel wenig befriedigend; als gut ist sie nur selten bezeichnet worden. Die Kartoffelernte hatte schon zum größten Teil begonnen. Die Erstbestellungsarbeit konnte allgemein erst im letzten Septemberdrittel begonnen werden. Die Viehweiden haben in den von der Dürre betroffenen Gegenden sehr gelitten. Von den Feldschädlingen sind im September weitaus am stärksten die Mäuse hervorgetreten. Plötzliche Schädlinge sind kaum gemeldet worden. Unter Zugrundelegung der Begutachtungsziffern 2: gut, 3: mittel und 4: gering ergibt sich folgendes Bild: Spätkartoffeln 2,9 (September d. I. 3,0, Anfang Oktober 1927 3,0), Zuckerrüben 3,3 (3,0 bzw. 2,8), Futterrüben 3,1 (3,0 bzw. 3,0), Kohlrüben 3,0 (3,0 bzw. 3,1), Mohrrüben 3,1 (0 bzw. 2,9), Zwiebeln 2,9 (0 bzw. 3,0), andere Kohlarten 3,2 (0 bzw. 3,0), Klee 3,3 (3,4 bzw. 2,6), Rieselwiesen 3,2 (3,2 bzw. 2,8), andere Wiesen 3,5 (3,5 bzw. 3,5). * Elektrizitäts-A. -G. norm. W. Lahme y er & C o., Frankfurt a. M.'Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres der Elektrizi- täts-A.-G. norm. W. Lahmeyer ist, wie mitgeteilt wird, befriedigend. Die dem Unternehmen nahestehenden Gesellschaften haben im allgemeinen nur dieselbe Dividende wie im Vorjahre gebracht; daneben würden aber hinreichende Ueberschüsse erzielt durch Bauarbeiten, Zinsen usw., um die gesteigerten Unkosten decken und das Disagio nebst Kosten der letztjährigen Anleihe abschreiben zu können. Die Bauabteilungen waren während des ganzen Jahres gut beschäftigt und sind auch jetzt noch für längere Zeit mit Aufträgen versehen. Das Pumpspeicherwerk des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks bei Herdecke und das Vermuntwerk der Vorarlberger Jllwerke, die die Gesellschaft als Generalunter, nehmer ausführt, schreitet programmäßig vorwärts. Hinzugekommen ist neuerdings ein neues Dampfkraftwerk für die Stadt Memel. Die. Abteilung Leitungsbau hat erhebliche Abschnitte der in Ausführung befindlichen 220 000-Volt-Nord°Südleitung zur Verbindung der Werke des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes mit den Vorarlberger Wasserkräften in Auftrag. Außerdem sind Erweiterungsanlagen für nachstehende Unternehmungen in Arbeit. Der Gesamtanschlußwert bei den angeschlossenen Unternehmungen stieg insgesamt von 384 220 auf 436 491 Kwh. im Jahre 1927, verkauft wurden im Jahre 1927: 404 952 935 (i. V 319 450 207) Kwh. Der Geschäftsgewinn beziffert sich auf 4,465 (3,57) Mill. Mark, Zinsen beanspruchten 560 129 (35 861) Mark, Unkosten 1 918 979 (1552 673) Mark. Nach Abschreibung von 43 755 (43 070) Mark auf Gebäude bleibt ein Ueberschuß von 2 032 869 (2 011 117) Mark, aus dem wieder 10 o. H. Dividende auf die Stammaktien und 6 v. H. auf die Vorzugsaktien vorgeschlagen werden. Zum Vortrag bleiben 110 869 (90 397) Mark. In der Bilanz sind insbesondere durch die oben bereits erwähnte 6proz. schweizerische Anleihe von 15 Mill. Franken erhebliche Verschiebungen eingetreten. Wertpapiere und Beteiligungen erhöhten sich durch Vollzahlungen auf Aktien der Bayerischen Elektrizitäts-Lieferungsgesellschaft, sowie durch Zukäufe. Die allgemeine Baurechnung ist durch die Abrechnung eines großen Teiles der im letzten Aahre als noch im Bau befindlich bezeichneten Anlagen erheblich vermindert, ebenso wie andererseits tue Anzahlungen auf in Ausführung begriffene Bauwerke. Die Guthaben, der dem Unter- nehmen nahestehenden Gesellschaften sind zum größten Teil, die in Anspruch genommenen Bankkredite vollständig getilgt, dagegen ist das Bankguthaben auf rund 9,2 Mill. Mark gestiegen. Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr werden als befriedigend bezeichnet. Generalversammlung am 19. Oktober. * Kapitalerhöhung der Faber & Schleicher A.-G. Der Auffichtsrat der Faber & Schleicher A°G., Offenbach am Main, hat beschlossen, einer außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals um 408 000 Mar? aus 1 400 000 Mark vorzuschlagen. Die neuen Aktien sollen von einem Bankenkonsortium unter Führung von S. Merzbach, Offenbach am Main, dem ferner die Deutsche Effecten- und Wechselbank und die Darmstädter und Nationalbank Frankfurt am Main, ange- hören, übernommen werden, das sie zu einem später festzusetzenden Ausgabekurs den Mtio- nären im Verhältnis 5 : 2 anbieten soll. Der gestiegene Umsatz in Verbindung mit den von der Kundschaft verlangten ausgedehnten Zahlungszielen mache, tote der Aufsichtsrat zur Begründung ausführt, eine Verstärkung der Betriebsmittel erforderlich. Der vorliegende Auftragsbestand sichere der Gesellschaft volle Beschäftigung auf mehrere Monate. Frankfurter Börse. F r a n k fu r t a. M., 8. Oktober. Tendenz: etwas schwächer. — Di« Börse eröffnete die neue Woche in außerordentlich stiller und ziemlich unsicherer Haltung. Die Umsatztätigkeit war minimal, da die Teilnahmslosigkeit des inländischen Publikums eher noch zugenommen hatte und auch aus dem Auslande keine Orders vorgelegen haben dürften. Die Kulisse bekundete daher eher Abgabeneigung, und bei uneinheitlicher Kursentwicklung traten gegen die Schlußkurse vom Samstag überwie- aend Rückgänge von 1 bis 3v. H. ein. Die unein- Zeitliche Haltung der Neuyorker Samstagsbörse konnte dem Markte feine Stütze geben. Etwas Interesse bei leicht anziehenden Kursen bestand für Montane im Zusammenhang mit der erhöhten Produktion und den Absatzziffern im Bericht des Stahlvereins. Gelsenkirchen eröffneten 0,5, Klöckner 1 v. H. höher. Phönix setzten unverändert ein, zogen aber im Verlaufe etwas an. Siemens zogen 1 v. H. an. J.-G.-Farben stark vernachlässigt, so daß ein offizieller Kurs zunächst nicht zustande kam. Scheide- anstalt konnten 1 v. H. anziehen. Zellstoffwerte, Banken und Schiffahrtsaktien gaben überwiegend leicht nach. Autowerte lagen auf die Verstimmung über die Rückgänge bei Daimler schwach. Adlerwerke und Daimler gaben je 2,5 v. H., NSU. 2,90 v. H. nach. Auch Kaliaktien waren auf Realisationen ab geschwächt. Aschersleben büßten 2,5 v. H., Gelsenkirchen 2 o. H. ein. Angeboten waren ferner Deutsche Liyo- leum mit minus 3,5 v. H., Farben wurden schließlich 1,5 v.H. niedriger festgesetzt. Deutsche Anleihen waren merklich abgeschwächt. Ablösung für Neubesitz 0,25 v. H. niedriger. Ausländische Renten still. Im Verlause wurde die Tendenz ausgesprochen schwach. Die Spekulation nahm weiter Abgaben vor, und bei der herrschenden Aufnahmeunlust traten meist weitere Kursrückgänge ein. Am Elektromarkt waren vor allem Siemens mit minus 5,5 v. H. und AEG. mit minus 2,25 v.H. angeboten. J.-G.- Farben waren 1,5 v. H. schwächer. Tagesgeld war zu 6 v.H. flüssig. Am Devisenmarkt war die Mark weiter abgeschwächt. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2012, gegen Pfund 20,377, gegen London-Kabel 4,8493, gegen Paris 124,13, gegen Mailand 92,53, gegen Madrid 29,78, gegen Holland 12,0925. BerUner Börse. Berlin, 8. Oktober. Noch vorbörslich sah es so aus, als ob es, von den Spezialwerten ausgehend, allgemein etwas freundlicher werden würde. Man hatte mit Befriedigung gehört, daß der angejagte Bürgerkrieg gestern in Wien ruhig verlaufen ist, verwies auf den festen Grundton in Neuyork und auf den hiesigen leichten Geldstand. Da aber sonst keine 1 besonderen Anregungen Vorlagen, und besonders das i Publikum in seiner abwartenden Haltung verharrte, konnte sich zu den ersten Kursen keine einheitliche Tendenz herausbilden. Mit Ausnahme weniger Spezialwerte war das Geschäft klein. Im allgemeinen behauptet, lagen Spezialwerte etwas gebessert. Andere Märkte dageaen still oder gar schwach. So eröffneten Schlesische 8-Gas 4 v. H. niedriger. Kaliaktien minus 2,5 v. H. Autowerte weiter gedrückt. NAG. 2,5 v. H. niedriger, auch Daimler eröffneten mit 85 auf ihrem niedrigsten Nachbörsenkurs vom Samstag. Für Montanwerte bestand ebenfalls eher Abgabeneigung, da der Ouartalsbericht des Stahl- werksverbpndes enttäuschte. Durch höhere Anfangkurse fielen Karstadt mit plus 3,5 v. H. Mitteldeutsche Creditbank mit plus 3 o. H., Glanzstoff mit plus 7,5 v. H. und von Nebenwerten Thorls Del mit plus 3,13 v. H. auf. Deutsche Motoren waren 4,5 v. H. höher. Deutsche Anleihen nach ruhigem Geschäft plötzlich stärker nachgebend. Ablösungsschuld für Neubesi'tz 15,10 nach 15,60 anfangs. Angebliches Auslandinteresse blieb unberücksichtigt. Ausländer behauptet. Anatolier weiter schwacher. Pfandbriefmarkt undurchsichtig. Der Geldmarkt war leicht. Tagesgeld 5,5 bis 7,5 v.H. und vereinzelt darunter. Monatsgeld 8,25 bis 9,25 v. H., Warenwechsel etwa 6,90 o. H. Im Verlause gaben die Kurse ziemlich einheitlich bis 2 v. H. für die schweren Werte nach, nur der Montanmarkt mar sehr lebhaft und unter Führung von Phönix bis 1 v. H. höher. Man konnte in diesem Papier Kaufe einer interessierten Großbank beobachten. Im weiteren Verlaufe gaben die Kurse meist noch eine Kleinigkeit nach. Daimler gaben 2,5 v. H., Phönix 5 v.H. nach. Anleihen wurden mit 15,30 bis 15,35 gehandelt. F Inksuvter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 8. Oki. Am Frankfurter Produktenmarkt konnte sich die Auswärtsbewe- gung der letzten Woche auch heute wieder fort- fetjen. Die Stimmung war auf die etwas erhöhten Nuslandforderungen ausgesprochen fest jedoch das Geschäft bewegte sich in sehr engen’ Grenzen, da die Händler in den Vormonaten 3U höheren Preisen stark vorgesorgt haben und der Preis namentlich für Weizen und Roggen künstlich gehalten wird. Für Futtermittel herrscht weitere rege Nachfrage. Namentlich Weizenkleie ist sehr gesucht, auch in Hafer war heute etwas besseres Geschäft zu verzeichnen. Es wurden notiert: Weizen 24 Mk.; Roggen 23 bis 23,25 Sommergerste für Brauzwecke 25,50; Hafer (inl.j 23,25 bis 23,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,75 bis 22; Weizenmehl (südd. Spezial 0) 34,25 bis 34,50; Roggenmehl 31,25 bis 31,75; Weizen- kleie 14,50; Roggei-.kleie 14,50 bis 15; Erbsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 32 bis 59; Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 55 bis 115; Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 4,50; (gebündelt) 3 bis 3,25; Treber (getrocknet) 19,50 bis 20 Mk. — Tendenz: fest. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 8. Okt. Auftrieb: 1652 Stück Rinder, darunter 260 Ochsen, 81 Bullen, 733 Kühe, 430 Färsen; 584 Kälber, 75 Schafe, 6039 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: oollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 55 bis 59 Mark; ältere 51 bis 54; sonstige vollfleischige, jüngere 48 bis 50; ältere 43 bis 47. Bullen: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 49 bis 53; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 45 bis 48. Kühe: jüngere, oollfleischige, höchsten Schlachtwerts 44 bis 48; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 39 bis 43; fleischige 33 bis 38;'gering genährte 25 bis 32. Färsen-(Kalbinnen und Jungrinder): 56 bis 59; voll- fleischige 51 bis 55; fleischige 45 bis 50..— Kälber: besie Mast- und Saugkälber 73 bis 77; mittlere Must- und Saugkälber 68 bis 72; geringe Kälber 58 bis 67. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 80; oollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund 78 bis 80; von etwa 200 bis 240 Pfund 77 b.s 80; von etwa 160 bis 200 Psuuk» 76 bis 79; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 73 bis 76; Sauen 64 bis 70 Mark. — Marktverkauf: Rinder ruhig, geringer Ueberftanb» Schweine ruhig, Ueberftanb. Kälber und Schafe ruhig, ausoerkauft. Kunst und Wissenschaft. Rheinlandtagung der deutschen Geschichtsforscher. Der letzte Tag der rheinischen Studientagung des Verbandes Deutscher Geschichtslehrer in Heppenheim galt den abgetrennten deutschen Brüdern in Eupen und Malmedy. Der Vortragende, Dr. Hans Berger (Berlin), verstand es, dem in der Öffentlichkeit oft behandelten Thema neue Seiten.abzugewin- nen; Professor Dr. Behn (Mainz) hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über seine Ausgrabungen im Kloster Lorsch bei Heppenheim. Nach einem kurzen geschichtlichen Abriß gab er ein sehr lebendiges Bild von den Methoden moderner Grabungstechnic, die hier in Lorsch zu so außerordentlich weittrageni^n Ergebnissen geführt haben. Mit Lichtbildern erörterte er die Probleme, die sich an die vermeintliche Torhalle, die Ausweitung des Atriums, die Türme, die Apsiden und die Ecclesia Varia anknüpfen. Von höchstem Interesse war die Beschreibung der entdeckten Stuckmalereien und ein Schaubild von dem vermutlichen Aussehen der berühmten Klosteranlage. Der Vortrag, der Historiker einmal in die Werkstatt des Archäologen blicken ließ, fand reichen Beifall und regte eine große Zahl der Teilnehmer an. nach Schluß der Tagung das nahe Lorsch zu besuchen. Dr. S. Kloevekorn (Saarbrücken) behandelte am Nachmittag die Saargebietsjrage. Die Behauptungen. daß die Bewohner des Saargebiets wiederholt in der Geschichte den Anschluß an Frankreich gewünscht und zu Zeiten der Zugehörigkeit zu Frankreich sich außerordentlich wohlgefühlt hätten, seien durch die Ergebnisse der Forschung widerlegt. Den Abschluß der Tagung bildete der Vortrag des Professors Harald Stein acker. (Innsbruct) über das Thema „Rhein, Donau und Weichsel als deutsche Schicksalsströme". Vom Gesamtsinn der deuffchen Geschichte aus wies der Vortragende die Verbundenheit der Rheinlands mit den Donau- und Weichsellanden auf. Er behandelte das Thema nicht gevpolittsch, sondern universalhistorisch. Die drei Ströme würden nicht als geographische Wesenheiten gefaßt, sondern als Symbole für Altdeutschland, Oesterreich und Preußen. Letzte Nachrichten. Lleberfall auf Graf Hardenberg in Darmstadt. Darmstadt, 8. Oft (WTV. Drahtmeldung.) 3n der Nacht von Sonntag auf Montag wurde auf den Grafen Hardenberg in seiner Wohnung im Neuen Palais ein IkberfaU verübt. Gegen 2 Uhr schleppte sich der Gras in halb bewußtlosem Zustande zum Polizeiamt und alarmierte das llebersallkommando. 3n seiner Wohnung entdeckte man vor seinem Bette eine Blutlache. Vermutlich ist der Graf von Einbrechern niedergeschlagen worden als dieser sie bemerkte. Die Verletzungen sind nicht lebensgefährlich. Er erhielt Stich- und Schlagwunden und wurde in das Städtische Krankenhaus verbracht. Ob Gegenstände geraubt oder der Ueberfall politischer Natur ist — der jetzt 57 Jahre alte Graf Hardenberg ist hos- marschall in der großherzoglichen Verwaltung, weiter Erster Präsident der „Schule der Weisheit" und vor- sitzender des Vereins der hessischen Bücherfreunde und mit dem Hause des Grohherzogs eng verbunden — konnte noch nicht festgestellt werden. Es sind Fingerabdrücke seftgestellt. Jedoch konnte Graf Hardenberg noch nicht über die oder den Täter vernommen werden, da er noch nicht vernehmungsfähig ist. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angesübrten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Frankfurt a.M Berlin" Schluß»! Kur» 1 1-Uhr- kur» Schlug Kurs Anfang Kur» Datum 6. 10. 8. 10. 6 10. | 8.10. 6% tt «eichranleihe o. 1927 . . 87,35 — 87.5 Dt. Anl.-Ablös.-Schuld mit AuL- _ — _ —- $e8gL ohne Auslos^Rechte . . . 16,2 16 16,5 16,1 7% Frankl. HyP^Bk. Goldvt. uw kündbar bis 1932....... 90 — <* —- <¥i% Rheinische Hyp.-Bank Liqu-» Goldps......... 75,4 —— — A.E.G. aba. 3ortrtegfr Obligation rückzahlbar 1932 ..... 85 4% Schweiz. BundeSb.-Anl.. . . 95.5 — — — 4% Oesterreichische Goldrte.. . . 31,75 — 32.5 — 4,20% Oekierr. Silberne. .... 3,26 3,3 — 4% Oesterreich, einheitl. Rte. . . — — —■ 4% Ungarische Goldrte..... —- — 27,4 — 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 — — — 4%% desgl. von 1918..... —— E— — —* <% Ungarische Kronenrte..... 2.4 — 2,45 — 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., 11,26 — 11.25 — Serie 1 11.6.' - 11.65 11,4 4% desgl. Serie II 11 25 — ll.1 11,2 4% Rumänen convert. Rte. 8.4 — Rumänen öolBanL von 1918 24,13 — 24,25 — Wg. Deutsche Eiseudabn . . 8.5 89.5 114.75 120 139.5 34 109 127.6 216 148,75 noten. । i i i s i । । 11 । । i 11 i । g । s i । .• ii । >iii 140 388 294 565 481 .95 213.75 128.76 '00.75 87.75 52.5 123.75 261.5 69.5 115,25 275 19 75 126,5 139,5 35 109.76 216 148 335.22 295 568 483 296 130 85 52 124 261 67 115.ö 276,5 139.5 ___ Berlin, 6. Oktober tönet Amerikanische N»tt» ..... Belatftte Roten ........ Därmche Roten........ •netiftte ftxau..Hilt 4,17 t 58,21 111,68 20,31 58,45 113,12 20,89 Telegraphische Auszahlung. Berlin. 6 Oktober Äeld Ä^'-f " französische Noten..... 16,46 iM‘4 ” Holländische Noten...... 167,93 168,61 Italienische Noten...... 22,10 22,18 Norwegische Noten. ... 111,59 112,03 Deutsch-Oesterr, 5100 Kronen 58,88 69,12 Rumänische Noten...... 2,545 2,565 Schwedische Noten ...... 111,95 112,39 Schweizer Noten....... 80.64 80,96 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 68,20 68,48 12,38 12,44 Ungarische Noten . ... 73.00 73.30 DevifenmarU Derlm —Frankfurt a. M, 6. Oktober 8. Oktob r Amtliche Notierung Amtliche Notierung i»eiö «örter (dcld I Brief Aorst.-Rott. 168,25 168,n9 168,34 168,68 Buen^AireS 1,763 1,767 1,764 L<68 Brss.-Antw. □8,315 58,435 58,32 58,44 Thristiania. 111,50 112,02 111,88 112,10 Kopenhagen 111,87 111,09 111,y4 112,16 Stockholm • 112,19 U2.4, 112,25 111,47 HelsingforS. 10,564 10,584 10,568 10,588 Italien. . 11,99 41.03 22,00 .22,04 London. . . 10,345 20,385 20,358 20,398 Neuyork . . l,196.i 4,2045 4,1985 4,-065 Paris.... Schwei, .. 16,395 16,435 16,40 30,805 16 44 «0,77 80,93 80,965 Spanten . . 68 32 68.46 68,25 68,39 Japan . . . Rio de Jan. 1,9,6 1,920 1.926 1,930 1.501 0,503 0.5015 0,5035 Wien io Cdt. abgest. J9,015 □9,135 59,055 59,175 12,436 12,455 12,442 12,463 7,378 7,391 7,378 7,392 Budapest. . Bulgarien . 73,165 73,305 73,215 73,355 3,030 3,036 3,030 3,086 Lissabon 18,88 18,91 18,88 18,92 Danzig. . . Konstantin. 81,30 2,173 81,46 2,177 81,35 2,168 81,61 2,173 Athen. . . 5,425 6,435 6,425 6,435 Conada . . 4,194 4,202 4,197 4,205 Urnüaay. . 4,266 4,274 4,266 4,274 Ctfco .. . 20.865 20.905 20,876 20.916