Ur. 55 Erster Blatt 178. Jahrgang Mittwoch, 8 5ebruar 1928 Erschein» »ügl'ch,außer Sonntags anb Feiertag» Beilagen; Gietzener FamUiendlätler Heimat im Bild Die Scholle MonalL.vezvHrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanfchlüsse: 51, 54 und 112 Anlchrist für Drahtnachrichten Anzeiger «letze». psßscheckkonlo: grantfurtam Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Stetnönideret S. Lange in Sieben. Lchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchnfttraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.Thyriot, ftr den übrigen led Ernst Blumfchein: für den An- zeigenteil Hurt Hillmann, sämtlich in Gießen Nie Aenderung -es Mieterschutzgesetzes. Begründung des Rcgierungscntwurfs im Neichstag. Berlin, 7. Febr. (2. D. Z.) Auf der Tagesordnung des Reichstages steht die zweite Beratung der Gesetzentwürfe auf Aenderung des Mieterschuhgesehes und des Reichsmietenaesetzes. Beide Gesetze sollen nach den Ausschuß an trägen bis $um 31. März 1930 verlängert werden. Die wichtigste Aenderung liegt darin, daß nach der neuen Fassung des Mieterschutzgesetzes der Vermieter das Mietsverhältnis kündigen kann. Gr läßt in diesem Falle den Mieter durch das zuständige Amtsgericht ein Kündigungsschreiben zugehen, für das ein bestimmtes Formular vorgeschrieben ist und das die bestimmte Angabe der Tatsachen enthalten muh, auf die die Kündigung gestützt wird. — Der Mieter kann gegen die Kündigung beim Gericht Widerspruch erheben. Dann wird die Berechtigung der Kündigung im Ferichtlichen Güteverfahren nachgeprüft. Beräumt der Mieter die zweiwöchige Einspruchs« srist, so kann der Räumungsbesehl gegen ihn erlassen werden. Abg. Lipinski (Soz.) erklärt: Der Woh- nungsmaügel sei noch immer katastrophal. Die Annahme, daß ein Abbau der Wohnungszwangs- Wirtschaft zur Belebung des-Baumarktes führen werde, sei längst als falsch erwiesen. Den vorliegenden Entwurf lehne er ab und beantrage die Verlängerung des bestehenden Gesetzes. Heichsjustizminister Hergt bezeichnet die Ausführungen des Vorredners als einen Ausdruck der Kampfstellung: hie Wohnungszwangswirtschaft, hie Wirtschaftsfreiheit und Eigentum! Dieser große programmatische Kamps sei jetzt durch eine schrankenlose Agitation neu entfesselt worden, obwohl der vorliegende kleine Gesetzentwurf gar keinen A n- l ah zur Aufrollung des großen grundsätzlichen Streites biete. (Laute Zurufe links: Sie haben ihn ja mit Ihrem Entwurf entfesselt!) Ich bekenne mich grundsätzlich zu dem Standpunkt daß jede Zwangswirtschaft ein Hebel ist. Der vorliegende Entwurf aber bringt keine Entscheidung nach der einen oder der anderen Seite. Zu grundsätzlichen Entscheidungen ist heute der Zeitpunkt noch nicht gekommen. Der Gesetzentwurf hält genau die Mitte zwischen den Interessen beider Seiten. Gr bringt keine Operation, sondern mildernde Mittel. Die Lockerung der Wohnungszwangswirtschast überlassen wir den Ländern, wir wollen hier keine Zentralisation von Reichs wegen. Richts ist an dem bestehenden materiellen Recht geändert, wir haben lediglich formelle Erleichterungen cingesührt, die beiden Teilen, Mietern und Vermietern, zugute kommen. Der Entwurf erleichtert auch die allmähliche Wiederherstellung der normalen Verhältnisse dadurch, daß er den in der langen Zeit der Zwangswirtschaft etwas verdunkelten Begriff der Kündigung wiederherstellt. Es ist aber falsch, daß nun eine Flut von Kündigungen erwartet werden müßte. Das materielle Kündigungsrecht wird ja in keiner Weise erweitert. Die Vorlage ist nur auf die ganz einfach liegenden Fälle zugeschnitten, in denen gar keine Zweifel an der Kündigun^sberechtigung bestehen. Ich habe zu den Dermieterorganisationen das Vertrauen, daß sie die neuen Bestimmungen nicht in einer die Mieterschaft verbitternden Weise anwenden werden. Andererseits kann man zu den Mieterorganisationen das Vertrauen haben, daß sie ihre Mitglieder genügend aufklärcn, um sie vor schädlichen Wirkungen der Gesetzesanwendung zu schützen. Den Ausbau der Fürsorge für die gekündigten Mieter betrachten wir als eine der vornehmsten Aufgaben der Regierungen des Reiches und der Länder. Der preußische Iustizminister ersucht in einem Schreiben, das Gesetz nicht vor dem 1. April d. I. in Kraft treten zu lassen. Wir werden uns diesem Wunsch fügen müssen und können deshalb an dem vom Ausschuß vorgesehenen Termin des 16. Februar nicht festhalten. Abg. Domsch - Dresden (Dn.) ist mit dem Minister der Meinung, daß die Wirkung des vorliegenden Entwurfs weit überschätzt werde und daß die große Beunruhigung in den Kreisen der Mieter und Vermieter unbegrün- d e t sei. Angesichts der noch immer bestehenden Wohnungsnot sei eine völlige Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft im gegenwärtigen Moment unmöglich. Die Mieter feien über die Bedeutung der Vorlage getäuscht worden. Diejenigen Mieter, die keinen durchschlagenden Kündigungsgrund geboten haben, könnten ruhig der neuen Vorlage entgegensehen: an ihrem Rechtsverhältnis werde dadurch nichts geändert. Abg. Tremmel (Zentr.) betont, die vorliegenden Entwürfe seien keine Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft, sondern nur eine Verbesserung und Vereinfachung des Verfahrens im Rahmen des bestehenden Rechts. Die immer noch anhaltende Wohnungsnot könne nur behoben werden durch die Belebung der Bautätigkeit, durch inländisches und ausländisches Kapital. Diese werde gefördert durch eine weitere Festigung des Eigentumsbegriffs im Wohnungswesen. Das jetzt wieder eingeführte Kündigungsverfahren gewähre dem Mieter größere Sicherheiten, als das bisherige Klageverfahren. Abg. Düll (Dem.) erklärt, es sei unver- .ständlich, wie die Regierung trotz des einmütigen Eröffnung -es britischen Parlaments. Oie Thronrede kündigt Verminderung der britischen Truppen in China an. London, 7. Febr. (WB.) Die Parlamentstagung wurde heute um 12 Uhr mittags eröffnet. Die dabei verlesene Thronrede sagt u.a.: Die Lage in China hat sich soweit gebessert, daß die nach dem äußersten Osten zum Schutz der englischen Untertanen und der englischen Besitzungen in den Konzessionen entsandten Heeres- und Marinekräfte bedeutend vermindert werden konnten, jedoch lassen die Unordnung und der Bürgerkrieg sowie der Mangel an Sicherheit noch Befürchtungen aufkommen. Die Regierung hält ihre früher« Erklärung aufrecht, nach welcher sie sich bereit erklärt, den chinesischen Wünschen zu entsprechen, sobald die Chinesen den Schutz des Lebens und der Besitzungen der Ausländer gewährleisten können. — Die Regierung prüft mit Wohlwollen den von den Bereinigten Staaten überreichten Enwurf zu einem neuen Schied sgerichtsbarkeitsoertrag. Die Rede hebt noch einige Anzeichen hervor, die auf eine allmähliche Besserung des inneren und d?s äußeren Handels schließen und die auf eine Fortsetzung der Besserung im nächsten Jahre hoffen lassen. Die Regierung prüft die Möglichkeit, die Last der örtlichen Steuern auf Industrie und Landwirtschaft zu erleichtern und wird einen Gesetzenwurf zur Aenderung der Landes- und Ortswahlgesetze dem Parlament unterbreiten. 3m Unterhaus übte Macdonald in der Debatte über die Thronrede Krittk an der Dürftigkeit der Thronrede, begrüßte aber die darin enthaltene Aeußerung über die Politik gegenüber China, wobei er der Hoffnung auf baldige Zurückziehung der dort noch stehenden englischen Truppen Ausdruck gab. Mit Bezug auf Amerika erklärte Macdonald, das Scheitern der Genfer Abrüstungskonferenz sei eine Warnung für das Foreign Office, die es hoffentlich niemals vergessen werde. Macdonald erkundigte sich dann nach dem Stand der Untersuchung über die Valutaspekulationen hoher englischer Beamten. — Auch Lloyd George begrüßte die Aeußerungen über China und (teilte eingehende Fragen über die Gestalt, die man den geplanten Schiedsgerichtsvereinbarungen mit Amerika zu geben gedenke. Das Scheitern der Genfer Marineabrüstungskonferenz mache solche Vereinbarungen um so dringlicher. — Premierminister Baldwin begrüßte in seiner Erwiderung die Aeußerungen Macdonalds und Lloyd Georges hinsichtlich der Chinapolittk. Man habe den Passus in die Thronrede eigens ausgenommen, damit er in der ganzen Welt gelesen werde. Er hoffe, daß Macdonalds und Lloyd Georges Zustimmung es ermögliche, diese Sähe zur Grundlage einer nationalen Politik zu machen. In der Angelegenheit der Valutaspekulation hoher englischer Beamten werde der Bericht der älntersuchungskommission dem Parlament zusammen mit der Entscheidung der Regierung vorgelegt werden. 3m Oberhaus gab der liberale Lord Deaucharnps seiner tiefen Enttäuschung über die englische Völkerbundspolitik Ausdrück und bezeichnete als wünschenswert, wenn die englische Regierung für eine Verminderung der Truppenzahl im Rheinlande eintrete. — Lord Salisbury erwiderte namens der Regierung. Hinsichtlich der Truppen im Rheinlande verwies er darauf, daß die englische Regierung in dieser Frage nicht selbständig handeln forme, sondern an d i e Zustimmung anderer gebunden sei. Es sei ihr Bestreben, die Truppenzahl Herabzusehen. Schließlich behandelte Lord Salisbury noch die Verschiebung des Baues von zwei Kreuzern in diesem Jahre und eines weiteren im kommenden Jahr. Vom Standpunkt der Landesverteidigung sei diese Verschiebung, die eine beträchtliche Erspar- n i s bedeute, zweifellos gerechtferttgt. Es dürfe jedoch kein Mißverständnis darüber bestehen, daß keinerlei Veränderung im britischen Schiffsbauprogramm eintreten werde. Cs werde vielmehr in der angekündigten Weise fortgesetzt. Abänberungsanträge. London, 8. Febr. (W.T.B. Funkspruch.) Llohd George und andere Liberale haben einen offiziellen Abänderungsantrag zur Antwortadresse auf die Thronrede eingeöracht, worin erklärt wird, die Thronrede enthalte Leine Anzeichen dafür, daß die Minister die Leiden des Volkes auf sozialem und industriellem Gebiet genügend berücksich- ttgten oder daß sie eine Verbesserung der Lage der Bevölkerung und zur Behebung der Arbeitslosigkeit ins Auge falle. Der Antrag kommt am Donnerstag im Unterhaus zur Verlesung. — Die Arbeiterpartei hat im Unterhaus einen offiziellen Abänderungsantrag angekündigt, worin das Bedauern darüber ausgedrückt wird, daß keine Maßnahmen gegen das dringende Arbeitslosenproblem insbesondere in der Kohlenindustrie erwähnt werden. Hilfe für Ostpreußen. Oie nationale Gefahr an -er -rutschen Ostmark. Berlin, 7. Febr. (DTB.). Mit Rücksicht auf die durch die Friedensverträge gefchaffene einzigartige wirtschaftliche Rotlage O st Preußens war in der unter dem Vorsitze des Herrn Reichspräsidenten Ende Dezember v. 3. abgehaltenen gemeinsamen Sitzung des Reichsministeriums und des preußischen Staatsministeriums die Rotwendigkeit von Hilfsmaßnahmen für diese Provinz grundsätzlich anerkannt worden, lieber die Durchführung dieser Hilfsmaßnahmen sind in der Zwischenzeit eingehende Beratungen unter den Ressorts und mit den Vertretern der ostpreuhischen Wirtschaft in Königsberg und Berlin gepflogen worden. Das Ergebnis dieser Verhandlungen bildete heute den Gegenstand erneuter gemeinschaftlicher Beratungen der beiden Kabinette unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten. Dabei wurde ein volles Einverständnis über die Hilfsaktion erzielt. Diese zerfällt in ein System von einzelnen Maßnahmen, zu denen insbesondere auch die Erleichterung der Aufnahme einer größeren Anleihe gehört. Aus Mitteln des Reichs und Preußens wird für das lausende Jahr ein Betrag von 75 Millionen Reichsmark vorgesehen, von denen 60 Millionen vom Reiche, 15 Millionen von Preußen bereitgeslellt werden sollen. Die Dege, die zur Herbeiführung der Gesundung der ostpreuhischen Wirtschaft beschritten werden sollen: die Eröffnung neuen erskskelligen Realkredits zu günstigen Bedingungen, die Umwandlung der drückenden hohen P e r f o n a l s ch u l d en der L a n d w i r l s ch a f t in einen langfristigen zweistelligen Hypothekenkredit, besondere Kreditmahnahmen für kleinbäuerliche Besitzer, Pächter, Siedler usw. und weitere Maßnahmen zur Erhaltung des Besitzes sowie zur Stützung der o st preußischen Industrie, fanden allseitige Billigung. Zur Senkung der öffentlichen La st en wird das Reich durch Entgegenkommen bei den Reichssteuern und andere Eni- lastungsmaßnahmen, Preußen durch Erleichterung der Schullasten und Realsleuer» beitragen. Schließlich wurden die Vorschläge für eine besondere Berücksichtigung Ostpreußens auf dem Gebiete des Eisenbahngüterverkehrs geprüft und anerkannt. Die Hilfsmaßnahmen werden unverzüglich verwirklicht werden. * Das Unterstützungsprogvcmrm will also in erster Linie der Landwirtschaft helfen uni) deren kurzfristige Schulden in langfristige umwandeln. Weiter soll chr die Möglichkeit gegeben werden, ihr« Betriebe mit Hilfe der Reichs- und Staatsunterstützungen wieder auf eine gesund« ^Balis zu stellen. Daneben ist auch an bk I n • b u ft r i e gedacht, die nur existieren kann, wenn die Landwirtschaft leistungsfähig bleibt. Schließlich hat noch die Reichsbahn Zugeständnisse gemacht, die für den Güterverkehr von und nach Ostpreußen außerordentlich wertvoll sind. Es fragt sich nun aber, ob die Maßnahmen der Reichs- und der preu- hischen Staatsreaierung ausreichend fein werden. Tatsächlich sieht die Situation für Ostpreußen sehr e r nst aus. Namentlich der fleine Bauer und Pächter leidet schwer unter der Ungunst der Zeiten, und hat schon vielfach seine Scholle verlassen müssen. Wer an seine Stelle rückt, ist klar: das sind die Polen, die in den meisten Fällen mit reichen Geldmitteln ausgeftattet über die Grenze kommen und die v^chuldeten landwjrt- schaftlichcn Betriebe in ihre Hand bringen. Sie ziehen bann wieder ihren ganzen nationalen Anhang nach sich, so daß sich die wirtschaftliche Not Ostpreußens zu einer nationalen Gefahr aus zu wachsen droht, die vor allem deswegen eine ganz besondere Beachtung verdient, weil Ostpreußen inmitten eines finnischen Meeres liegt und nach wie vor dem polnischen Zugrif ausgesetzt ist. Ein Bolk aber, das bis zum Halse in Schulden steckt, das seine Arbeitserträgnisse womöglich aus Jahre hinaus verpfänden muß, um das Leben notdürftig fristen zu können, das keinerlei Kapital fein eigen nennt, damit es den Kampf um seine wirschaflliche Existenz durchführen kann, wird unfähig fein, sich gegen äußere Feinde zu wehren. Möge es niemals zu einem neuen lieber« fall auf Ostpreußen kommen. Dunkle polnische Pläne bestehen aber nach wie vor. Sie werden am besten durchkreuzt, wenn es gelingt, Ostpreußen wirtschaftlich wieder in die Höhe zu bringen. Widerstandes der Mieter- und Vermieterkreise und des Reichsrates diese Gesetzentwürfe dem Reichstag vorlegen konnte. Die Hirtsiefer-Verord- nung zur Ausschaltung der gewerblichen Räume vom Mieterschutz habe nach den Feststellungen des Enqueteausschusses verhängnisvolle Wirkungen für weite Kreise des Gewerbes gehabt. Den Ruhen hätten zum größten Teil ausländische Kapitalisten gehabt. Die Angleichung der bestehenden Mieten an die Reubaumieten werde nicht durchführbar fein. Abg. Seiffert (Völk.) fragt, warum die Regierung nicht die Vorlagen einfach zurückgezogen habe, nachdem die Wohnungszählung ein erschreckendes Bild von der bestehenden Woh° nungsnot ergeben hatte. Eine weitere Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft, wie sie tatsächlich mit den Borlagen erstrebt werde, sei im gegentoärtigen Moment ganz unmöglich. Rot- wendig fei vielmehr ein umfassendes Wohnungsbauprogramm. Weiterberatung Mittwoch. Eine Kundgebung -es Thüringer Lan-bun-es. Rudolstadt, 7. Febr. (WB.) Der Thüringer Landbund hatte für den 7. Februar zu einer großen Kundgebung in Rudolstadt aufgerufen. Neunzehn Sonderzüge und zahlreiche Autos und Wagen hatten nahezu 25 000 Thüringer Landwirte nach Rudolstadt gebracht. Auf dem Oberanger sprach Staatsrat a. D. H o e f e r , Borsitzender des Thüringer Landbundes, über die Rot und die Forderungen der Thüringer Landwirte, deren Verelendung ungeheuer fei. Auf die Aufforderung Hoefers hin leistete die Menge mit entblößtem Haupte den Schwur, daß die Bauernschaft treu z u ihren Führern, zurScholleund zum Vaterland« halten werde und daß sie den Führern und ihren Anweisungen bis zum Aeußer- sten Folge leisten werde. Darauf formierten sich Tausende zu einem großen Zuge durch die Stadt, und eine Deputation der Führerschaft begab sich zum Präsidenten des Landesfinanzamtes, um ihm eine Anzahl Forderungen vorzutragen, deren Erfüllung er beim Reichsfinanzminister vertreten solle. 40 000 Landbündler ständen hinter diesen Forderungen. Es handelt sich dabei um die zum Teil schon aus anderen Kundgebungen bekannten Forderungen der Landwirte, so unter anderem um die sofortige Herabsetzung der sogenannten Rein- ertragszahl, der Abschlußzahlen, der Vorauszahlungsbeträge für die Einkommensteuer, um die Befreiung nicht buchführender Verlustbetriebe von der Einkommensteuer, den Fortfall ungerechter Zuschläge, größte Rücksichtnahme bei der Einziehung rückständiger Steuern, restlose Lieber- nähme der Rentenbankzinsen durch das- Reich, Deseittgung der staatlichen Grundsteuer, Fortfall der Kindeserbesteuer usw. und schließlich Veranlagung durch die örtlichen Steuerlommis- sionen. Die Kundgebung verlief in Ruhe und Ordnung. Oie Deutsche Volkspartei Bayerns gegen den Einheitsstaat. München, 8. Febr. (WTD. Funtspruch.) In einer stark besuchten Versammlung der Ortsgruppe der D. B. P., in der das Referat des Abends der frühere Reichstagsabgeordnete Pros. Dr. van (Satter hielt, der unter dem Beifall der Dersammlung ein eindeutiges Bekenntnis zum Bundesstaat ablegte, teilte der Borsitzende der Bersammlung, Rechtsanwalt Beutner, mit, daß die Landesvorstandsschaft der D. D. P. in Bayern in Berlin Verwahrung gegen die Reichstagsrede Dr. Cremers mit der Parole „Für den Einheitsstaat" eingelegt habe, die sie a b l e h n e n müsse. Oer hessische Gesandtenposten. D a r m st a d t. 7. Febr. (Landespressedienst.) Der feit dem 1. April 1927 unbesetzte Posten des hessi- schen Gesandten in Berlin ist dem Zentrum angeboten worden, das hierfür eine Persönlichkeit in Vorschlag bringen wird, deren Jlame jedoch noch nicht offiziell bekanntgegeben wurde. Man rechnet aber bestimmt damit, daß der Zentrumsabgeord- nele Ruh, Rechtsanwalt in Worms, dafür in Frage kommt. Oie Theaterfrage im besetzten Gebiet. Berlin, 8. Febr. (WER.) Im Reichstag s a u s s ch u ß für die besetzten Gebiete wurde die Theaterfrage behandelt. Dabei machte Staatssekretär S cy m i d den Borschlag einer Zusammenlegung der städtischen Theater. So könnte z. D. Mainz Anschluß anWies» baden oder Darmstadt suchen. Bielleicht lasse sich ein Ausgleich nach der Richtung finden, daß die durch die Besetzung und die Grenzverhältnisse besonders belasteten Gemeinden eine gewisse Borzugsquote erhalten. Seit 14 Tagen beschäftigtes das Ministerium die Pläne interlokalen Zusammenwirken s derTheater- und Orchestergemeinden unter der Leitung von Generalintendant Tieften, ebenso die Berhand- lungen mit den Oberbürgermeistern von Koblenz und Trier. Die Wirtschaftslage Rußlands. Verschleierung des kommunistischen Wirtschaftssystems. Paris, 8. Febr. (1DIB. Funkfpruch.) „Mäkln" glbi Aeuhecungen wieder, die der von der japanischen Regierung zugleich mit Baron Goto nach Rußland entsandte Industrielle Kuhara nach seiner Rückkehr in einer japanischen Zeitung veröffentlichte. Die neue Wirtschaftspolitik in Rußland, so erklärte er, sei eine Art Verschleierung der Stellung des Kommunismus. Die von der Regierung betriebenen Fabriken könnten keine Qualitätsware Herstellen. Die Herstellungskosten seien h ö h e r als in den Privatfabriken, infolgedessen müßten die Erzeugnisse zu erhöhten Preisen a b g e s e h 1 werden. Das sei der Grund für die tt n - Zufriedenheit der ländlichen Bevölkerung. Um deren Beschwerden zu beseitigen, habe die Regierung die Höchstzahl dec in den Privatbetrieben beschäftigten Arbeiter heraufgeseht und beschlossen. bis zu einem gewissen Grade Handelsfreiheit zu gewähren. Die gesamte Bevölkerung nehme diese neue wirtschaftssormel. obwohl sie i m Widerspruch zum Geiste des Kommunismus stehe, zustimmend auf. „(Sine offene Wunde." England und die Fortdauer der Rheinlandbesetzung. London, 7. Febr. (WB.) Unter der Ueber« schrist: „Eine offene Wunde", befaßt sich der M a n - chester Guardian heute mit der Rheinlandbesetzung, die das Blatt als eine dauernde und quälende Erinnerung an die Demütigung und die Niederlage bezeichnet, die Unwillen, Verstimmung und Bitterteit in ganz Deutschland verursache. Das Blatt bemerkt: Die Besatzungsheere stellen in den Augen von fast jedem Deutschen die hervor- stechendste Ungerechtigkeit des Versailler Vertrages und eine offenkundige Verletzung der in Locarno und im Vertrage selbst gegebenen Versicherungen dar. Was auch immer die deutsche und die britische Regierung wünschen mögen, Frankreich verläßt sich auf seine Truppen in Deutschland für seine Sicherheiten und wird sie nicht ohne gleichwertige Garantien zurückziehen. Stresemann hat die Fraae aufgeworfen und ist bei Briand auf dieselbe Antwort gestoßen, die noch in der französischen Presse unterstrichen worden ist. Der Manchester Guardian betont, daß Deutschland seine Entwaffnungsbedingungen erfüllt, daß es jeden Heller bezahlt hat, den die Alliierten verlangt und den der Dawesaus- lchuß für angemessen erklärt hat, daß Deutschland daher aber nicht beschuldigt werden kann, den Vertrag nicht erfüllt ju haben. Außerdem hat es jeden möglichen Beweis seiner Absicht zu erkennen gegeben, den französischen Wünschen entgegenzukommen; es hat freiwillig die Verpflichtungen des Locarnooertrages vorgeschlagen und übernommen. Dies war vor zwei Jahren, und abgesehen von einer Verminderung der Besatzung um 10000 Mann ist keine weitere Andeutung erfolgt. Ist es daher überraschend, daß die deutsche Regierung unruhig wird? Es ist wünschenswert, daß die Be- satzung ohne jeden weiteren Schacher beendet wird. Es ist zu hoffen, daß Chamber - lajn Briand klar machen wird, daß England noch nicht den Preis dafür erhalten habe, wofür es die ernste Verpflichtung von Locarno übernommen habe. Japan und die Abschaffung der Unterseeboote. Tokio. 7. Febr. (Reuter.) Die Erklärung K e l l o g g s , daß die amerikanische Regierung bereit sei. mit allen Mächten der Welt einen Vertrag abzuschließen, durch den der Gebrauch von Unterseebooten unter» s a g t werden würde, wird in Tokio mehr als frommer Wunsch denn als praktischer Vorschlag betrachtet. Es scheint, daß das Marine- departement diesen Vorschlag für eine nicht ernstere Sache hält, als das neulich veröffentlichte Programm der Flottenvermehrung, an dessen Ausführung die Marinekreise nicht glauben. Es wird in Abrede gestellt, daß Kellogg vor seinen Erklärungen in Tokio Erkundigung... eingezogen habe und hinzugefügt, daß sich die Ansicht Japans über die Abschaffung der Unterseeboote seit der Washingtoner Konferenz nicht geändert habe. Japan habe den Vorschlag grundsätzlich angenommen, aber nur unter der Bedingung, daß alle Mächte ihn annehmen. Die Zreigabebill. Washington, 7. Febr. (WTB. Funtspruch.) Die Beratungen des Finanzausschusses des Senats über die Freigabebill wurden heute endgültig abgeschlossen. Die gestern noch offengelassene Frage der Einführung einer Sperrklausel, wonach die Freigabe zwar theoretisch erfolgen, die Auszahlung aber aufgeschoben werden sollte, bis die hiesige Schiedskommission über alle nicht rechtzeitig angemeldeten amerikanischen Ansprüche entschieden habe, wurde in ablehnendem Sinne beschieden. präsidentschastswahlen in Portugal. Paris, 7. Febr. (WB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Lissabon sollen am 4. März die Präsidentschaftswahlen stattfinden, was als erster Schritt zur Wiederher- stellung normaler Veryältnisse angesehen werde. Präsidentschaftskandidat sei der bisherige Präsident, General Carmona. Er werde voraussichtlich, dajedeernstlicheOp- Position fehle, gewühlt werden. Die Opposition gegen die Kandidatur des jetzigen Präsidenten soll dadurch beseitigt sein, daß Marschall Gomez C o st a, der Führer der Aufstandsbewegung vom Mai 1926, von der Regierung des Landes verwiesen wurde. Wie Ha- vas berichtet, ist er gestern nach Rom abgereist. * Von Pariser Morgenblättern in Sonderaus- gaben gebrachte Meldungen über einen Ausbruch der Revolution in Portugal hat sich als das Werk eines üblen Spaßvogels herausgestellt. Die portugiesische Gesandtschaft dementiert die Rachricht auf das entschiedenste. Die Radioagentur, die die Rachricht weiterverbreitet hatte, gibt folgende Auskunft: Am Rachmittag wurde der diensthabende Redakteur von Der afghanische Königsbesuch in Verlin. Das Berliner Programm. — Deutschlands politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Afghanistan. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". "Berlin, 8. Febr. Der König von Afghanistan, Aman-Illlah-Khan wird, wie bereits gemeldet, am 21. Februar von der Schweiz kommend in DeutschlaÄ» eintreffen. An der Grenze soll er von Vertretern der Reichsregierung empfangen werden und dann im Sonderzug über Frankfurt o.M. nach Berlin geleitet werden, wo er am 22. Februar morgens auf dem Lehrter Bahnhof ankommt. Hier wird er von dem Reichspräsidenten und den Spitzen der Behörden empfangen werden. Abends ist beim Reichspräsidenten ein Diner vorgesehen, am 23. Februar ein Diner beim Reichskanzler, am 24. eine Galaoper. Am 25. gibt der König seinerseits ein Diner. Das Königspaar mit Gefolge wird dann noch einige Tage inoffiziell in Berlin verweilen, und etwa eine Woche lang im übrigen Deutschland. Es wird insbesondere die deutschen Wirtschaftsverhältnisse studieren und eine Reihe großer industrieller Tlnlernehmunaen besichtigen. Die Bedeutung Afghanistans liegt darin, daß es ein Pufferstaat zwischen England und Rußland ist. Während früher England die auswärtige Vertretung Afghanistans hatte, hat es jetzt seine auswärtigen Angelegenheiten selbst in die Hand genommen. Darüber kam es seinerzeit zum Kriege mit England, der dazu führte, daß Afghanistan dirette Beziehungen zu den auswärttgen Mächten an- knüpste. Aman-Tlllah ist in seinem Lande der Träger des Fortschrittes. Seine reformatorische Tättgkeit ist durchaus bemerkenswert. Mit Hilfe türkischer Ratgeber hat et seinem Lande eine Verfassung und einen geordneten Staatshaushalt gegeben, auch mit Hilfe türkischer Berater feine Armee reorganisiert. Sein besonderes Augenmerk richtet er auf die Entwicklung des Verkehrswesens. Autostraßen durch das Land sind durch seine Initiative geschaffen worden und eine Prachtautvstrahe nach Indien, die von deutschen Ingenieuren gebaut wurde, ist auf seine Initiative hin gebaut worden. Gegenwärtig wird ein Kleinbahnnetz im Süden des Landes geschaffen, an deren Dau deutsche Ingenieure hervorragenden Anteil haben. Eine Autostraße wird über das Hindukuschgebirge gelegt, die ebenfalls mit deutscher Unterstützung gebaut wird. Es wird für die Schaffung anbaufäh ig en Bodens durch Bewässerung der Gebirgstäler gesorgt. Zwei große Talsperren sind unter deutscher Leitung gebaut worden. Instandsetzung alter Kanäle und der Dau neuer wird mit Rachdruck betrieben. Ein altertümliches Bleibergwerk wird gegen- toärtig neu erschlossen. Auch Gold- und Kupferbergbau soll in Angriff genommen werden. Ebenso sind Kohlenlager und Magneteisensteinlager gefunden. Unsere Beziehungen zu Afghanistan beruhen auf einen Freundschaftsvertrag, der feit September 1926 in Kraft ist. Ein Handelsvertrag ist in Aussicht genommen. Die gegenseitige Zusicherung der Meistbegünstigung besteht bereits. Der Warenaustausch mit Deutschland über Indien und Rußland besteht schon lange. Die afghanische Teppichindustrie bezieht ihre Farben aus Deutschland. Ferner werden aus Deutschland eingeführt elektrische Gegenstände, Kanalröhren, Zement ufto. Die Einfuhr beträgt mehrere Millionen Goldmark im Jahre. Wir beziehen hauptsächlich Persianerfelle, die nach Leipzig kommen. Jersranzösisch-MenkanischeIlemdschastSvlltrag Es war zweifellos ein geschickter diplomatischer Schachzug, den Briand versuchte, als er Washington um die Jahreswende vorschlug, einen Friedensvertrag zu schließen, der die Vereinigten Staaten eng an Frankreich gekettet hätte. Der Versuch mißlang, weil der Staatssekretär Kellogg diese enge Bindung ab» lehnte, wohl aber bereit war, ihn zu einem Vertrag zu erweitern, dem alle Staaten hätten beitreten können. Dafür hat Briand nun einen Freundschastsvertrag Paris-Washington ausgetauscht, der der taktischen Heberlegen» heit der unionistischen Diplomatie alle Ehre macht. Daß dieser Vertrag just an dem Tage dem Senat in Washington zuging, an dem vor 150 Jahren der erste Dündnisverttag zwischen Frankreich und den damals neubegründeten "Bereinigten Staaten von Nordamerika abgeschlossen wurde, ist nebensächlich. Wichtiger ist, was dieser neue Freundschaftsvertrag enthält. In der Präambel wird erklärt, daß der K r i e g inskünftig von den Vertragsstaaten nicht mehr als Instrument der nationalen Politik angesehen werden soll. Das ist schön und gut. Run hat Washington in einem Zusatz erklärt, daß diese Einleitung keinen Teil des Vertrages bilde, noch weniger eine Verpflichtung in sich schließe. Aehnlich verhält es sich auch mit den übrigen Bestimmungen des Vertrages. Im ersten Arttkel ist die Einrichtung eines Versohnungsausschusses vorgesehen, der alle Streitfragen zwischen den Der- tragsstaaten schlichten soll. Allein schon der Artikel zwei kommt mit einer Ausnahme: juristische (Streitfragen sind der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes im Haag zu unterbreiten, der aber nicht endgültig entscheidet, sondern abwarten muß, ob der Senat in Washington diese Entscheidung bll gt. Run aber kommt Arttkel drei. Alles Mö^iche kann dem Schiedsgerichtsverfahren unterworfen werden mit Ausnahme alles befen, was die eigentlichen politischen Jnterefscn der Vereinigten Staaten betrifft. Dazu gehören alle Streitfälle, die der nationalen Rechtsprechung eines jeden Landes unt riiegen; weiter Streitfälle, die eine dritte OKacyi angcpen; sodann Streitfälle, die mit der Monroe-Doktrin in Verbindung stehen; schließlich Streitfälle, die mit dem Völkerbund-Statut zusammenhängen. Die französische Presse ist trotzdem zufrieden. Rur der ewig nörgelnde Pertinax gibt im „Echo de Paris" der Befürchtung Ausdruck, daß der Senat in Washington Schwierigkeiten machen werde, da seine Mitglieder zum Teil befürchten, es könne Frankreich beifallen, das Kriegsschuldenproblem auf Grund des Vertrages vor den Internationalen Gerichtshof zu ziehen. Das kann ja Frankreich ruhig tun. Selbst teeren der Internationale Gerichtshof dann eine Entscheidung fällt, die Frankreich günstig ist, wofür indessen keinerlei Gewähr besteht, so genügt ja die Bestimmung im Artikel 2 des Freundschafts- Vertrages, daß der Senat in Washington diese Entscheidung billigen muß. lind das wird der Senat wohl nicht tun, wenn irgendwie Interessen der Vereinigten Staaten nicht genügend durch den Schiedsspruch gewahrst sein sollen. Richtsdestoweniger hat es in Paris ein feierliches Bankett gegeben, um dies Ereignis, d. h. die Llnterzeichnung des Freundschastsvertrages, mit eitel Glanz und Herrlichkeit zu umgeben. Sonst ist das Ereignis nur ein Beweis dafür, te i e bescheiden die Franzosen fein können, wenn sie auf härteres Gestein stoßen. Von Driands Friedensvertrag zu Kelloggs Freundschastsvertrag ist doch ein weiter Schritt. einem ünbefannten angerufen, der sich als Botschaftsrat der portugiesischen Gesandtschaft vorstellte und der die Mitteilung von dem Ausbruch der Revolution machte mit der Bitte, die Rachricht unverzüglich an die Pariser Presse und die Provinz weiterzugeben. Das geschah dann auch. Inzwischen hatte der Unbefannte auch seinerseits einige Pariser Blätter telephonisch angerufen, so daß die Mitteilung von dem neuen Umsturz in Portugal in Paris gleich die größte Verbreitung sand. Die Polizei fahndet nach dem Uebeltäter, der mit seiner Mystifikation ungeheure Verwirrung angerichtet hat. Aus aller Wett. Dec Deutsche Sprachverein. Der Deutsche Sprachverein hat dieser Tage wiederum seine alljährliche Vorstandssit- z u n g in Berlin abgehalten, und nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten und Personenfragen die Richtung seiner diesjährigen Ausgaben vorgezeigt. Der Deutsche Sprachverein hat in seinem neuen 13.P reisausschreiben die Aufgabe gestellt, eine gute deutsche Bezeichnung für den Ausdruck „Elektrische Lokomotive" vorzuschlagen. Die mit dem ersten Preise von 2000 Mk. ausgezeichnete Bearbeitung des 18. Preisausschreibens über „Zeitungsdeutsch" wird demnächst als Sonderheft erscheinen. Wegen einer einheitlichen deutschen Bezeichnung der Monatsnamen wurde unter Leitung des Deutschen Sprachvereins eine Besprechung mit den größten deutschen und österreichischen Turnverbänden und anderen Vereinen abgehalten, in der eine allseitig befriedigend? Einigung auf eine einheitliche Liste von 12 Monatsnamen zustande kam. Die „Sprach- Hilfe" des Deutschen Sprachvereins wird jetzt von Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, sowie von großen Handelsgeschäften in immer stärkerem Maße in Anspruch genommen. Daß die rege Werbetätigkeit des Vereins vom Erfolg gekrönt war, beweist, daß 53 neue Zweig- vereine mit 2500 Mitgliedern gegründet und 1000 neue Einzelmitglieder gewonnen werden konnten. Sämtliche Reichsuiinisterien und fast alle Länderregierungen sind dem Deutschen Sprachverein beigetreten oder gewähren ihm geldliche Beihilfen. Ter Verein zählt jetzt 325 Zweigvereine mit 42 000 Mitgliedern, ist also erheblich über den Vorkriegsstand gewachsen. Sehr erfreulich ist die lebhafte Teilnahme der akademischen Jugend und der Schüler der oberen Klassen höherer Schulen, für die vaterländischen Bestrebungen des Vereins Bemerkenswert ist, daß auch die durch den Krieg gestörten Beziehungen zum Ausland in erfreulicher Weise wiederhergestellt werden konnten. Die Monatszeitschrift „Muttersprache" wurde vom 1. Januar d. I. ab durch eine Unterhaltungsbeilage erweitert. Zuchthaus für einen Bau- und Wohnungsschwindler. Das Große Schöffengericht Berlin-Schöneberg verhandelte gegen den Architekten Gustav Mez und den Kaufmann Willy B c a n b, die Gründer eines „Deutschen Bau - und Sparverein s", der Tausende in kurzer Zeit bezugsfertige Wohnungen und Eigenheime anbot, obwohl die Genossenschaft noch nicht einmal das Terrain erworben hatte und im übrigen auch vollkommen mittellos war. Diele Leute, die auf diese Weise zu einem kleinen Besitztum zu gelangen hofften, opferten ihre gesamten Ersparnisse, die von den Gründern für ihre eigenen Zwecke verwendet wurden. Mez wurde zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, 1500 Mark Geldstrafe sowie zu fünf Jahren Ehrverlust, der Mitangeklagte Brand, der unter dem Einfluß von Mez gestanden hatte, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Gefängnis für einen kceisbankdicekloc. In bem Prozeß gegen den früheren Generaldirektor der Lebuser Kreisbank, Klee mann, wurde der Angeklagte wegen Untreue in Tateinheit mit Unterschlagung und wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Der Angeklagte gab zu, 50 000 Mark unterschlagen zu haben und für insgesamt 75 000 Mark Belege gefälscht zu haben. Kleemann hatte für die Kreisbank das T o u r i st e n h e i m ,.Tannenhorst" im Riesengebirge erworben, dieses Haus mit großem Aufwande ausgebaut und seine Geliebte und deren Dater dort als Geschäftsführer angestellt. Durch den Erwerb dieses Hauses kam die Kreisbank in Schwierigkeiten. holländische Gcündungsfchwindeleien Seit längerer Zeit beschäftigen sich die Leipziger und Frankfurter älntersuchungsbehörden mit der Aufklärung von umfangreichen Grundungs- schwindeleien, die von Holland aus in verschiedenen Städten Deutsch la nds in Szene gesetzt wurden. Die Betrüger traten an kapitalkräftige Leute heran und boten ihnen zu außerordentlich günsttgen Bedingungen gewinn- bringende ^Beteiligungen an Reugründungen auf holländischem Gebiet an. Wohl wurden die in Aussicht gestellten Reugründungen vorgenommen, doch waren die deutschen Geldgeber nicht daran beteiligt. Von den eingezahlten Geldern sahen sie niemals etwas toieber. In Leipzig haben nach den bisherigen Ermittelungen drei Geldgeber zusammen 32 000 Mark verloren. Im Zusammeichang mit den Schwindeleien war Ende Dezember ein Leipziger Ingenieur verhaftet worden, der den Holländern Zutreiberdienste geleistet haben sollte. Wie erst heute bekannt wird, hat der Ingenieur in der Zette des Untersuchungsgefängnisses Selbstmord durch Erhängen verübt. Jugendliche Brandstifter. Die polizeilichen Untersuchungen über die Ursache einer Reihe von Brandstiftungen im Süden von Boston führten zur Festnahme von zwei Knaben, von denen der Än-e sieben, der andere vierzehn Jahre alt ist. Wie die Polizei mitteilt, hat der siebenjährige Knabe eingestanden, eine Kirche und eine Schule in Brand gesetzt zu haben. Der andere Knabe svU zugegeben haben, eine Schule während der Schulzeit angesteckt zu haben. In diesem Falle war es glücklicherweise gelungen, die Kinder rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Tödlicher Unglücksfall. Einen schrecklichen Tod sand in Berlin der 36 Jahre alte Expedient Georg Peter aus Elbing. Peter wollte gegen 12.15 Uhr nachts auf dem Schlesischen Bahnhof einen bereits in Fahrt befindlichen Zug besteigen, dabei glitt er aus und stürzte zwischen zwei Wagen auf die Schienen. Die Räder rollten über ihn hinweg, trennten den Kopf vom Rumpfe und zermalmten den Körper. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhaus gebracht. Es liegt lediglich ein llnglückssall infolge eigner älnvorsichtigkeit vor. Drei Kinder bei einem Brande umgekommen. 3n einem Gutshofe bei Markgrafneusiedei bei Wien brach ein Brand aus, dem drei Kinder eines Arbeiters im Alter von zwei, fünf und zehn Jahren zum Opfer fielen. Ein ausgefeimler IDeftbetrug auf gedeckt. Die Hamburger Kriminalpolizei hat eine in Hamburg ansässige Betrügergesettschaft aus- gehoben, die seit Jahren erfolgreich die Funk- Übermittlung französischer Rennen aufgefangen und die ihnen bekannt gewordenen Rennresultate benutzt hat, um in letzter Minute bei Buchmachern Wetten zu belegen. An den Betrügereien sind mindestens acht Personen beteiligt. Die drei Verhafteten Haupttäter haben eingestanden, den Schwindel auch in anderen deutschen Städten, so in Berlin, Chemnitz, Bremen, Düsseldorf, Leipzig, Hannover, Magdeburg ausgesührt zu haben. Die Betrüger arbeiteten mit einem Dreiröhrenapparat, mit dem sie die Morsezeichen aufnahmen. Die Hamburger Buchmacher sind in wenigen Tagen um 6000 Mark geschädigt worden, die Schadensumme in Leipzig dürfte 10000 Mark betragen. Ein Kriminalbeamter wegen Erpressung verurteilt. Die Geraer Große Strafkammer verurteilte den Kriminalwachtmeister Reumann zu einem Jahr Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, weil er Erpressungsbriefe an einen Greizer Fabrikanten geschrieben und dessen Familie mit dem Tode bedroht hatte. Oie Wetterlage. :y kehrsgebiet der Oberpostdirektton Darmstadt sei z. Zt. außerordentlich zersplittert, die jetzige Einteilung entspreche nicht den verkehrspolitischen Gesichtspunkten. Rach Auffassung des Reichs- postministeriums müsse Offenbach richtiger der Oberpostdirektion Frankfurt a. M. zugeteilt werden; ebenso würde auch Oberbeff en zweckmäßiger von der Oberpostdirektion Frankfurt a. M. aus geleitet. Bei Durchführung dieser verkehrspolitischen Gesichtspunkte würde Darmstadt zu den kleinen Oberpostdirekttonen zählen, deren Aushebung vom Reichstag gefordert worden fei. Für eine gewisse Heber* gangszeit würde die Oberpostdirektivn Darmstadt noch als besondere Abteilung der Ober* Postdirektion Frankfurt weiterbestehen. Ein Abbau von Beamten fei damit nicht verknüpft, sondern nur eine Verschiebung der Arbeiten. Don der hessischen Regierung, dem Landtagspräsidenten, sowie auch vom Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt wurde entschieden gegen die geplante Maßnahme Einspruch erhoben. Es wurde insbesondere auf die politischen Folgen hingewiesen, die die Wegnahme einer oberen Reichsbehörde für das Land Hessen bedeutet, und auf die große Schädigung, die die Stadt Darmstadt treffen würde. Die Hessische Regierung habe durchaus Verständnis dafür, daß Vereinfachungen vorgenommen werden mühten und daß dabei kein Land verschont werden könne, aber sie könne nicht anerkennen, daß die Leitung der für Hessen in Betracht kommenden Oberpostdirektivn außerhalb des Landes zu legen fei. Wiederholt wurden eindringlich die Gründe dargetan, aus denen eine Aufhebung der Oberpostdirektivn Darmstadt unerwünscht und in ihren Folge- Wirkungen schädlich für Land und Stadt sei. Die Wegnahme einer oberen Reichsbehörde für Hessen bedeute eine Maßnahme, die die Not des Landes nur vergrößern würde. Mindestens müsse gefordert werden, daß die Durchführung einer für Hessen in Frage stehenden Zusammenlegung infolange aufgeschoben würde, bis die Vorschläge der anderen großen Verwaltungen vorliegen, um zu verhindern, daß einzelne Länder und Städte von allen Zentralbehörden des Reiches entblößt würden. Staatssekretär S a u 11 c r nahm die Einwendungen zur Kenntnis und stellte in Aussicht, sie in Berlin in vollem Maße zur Sprache zu bringen. Die Frage werde noch im Verwaltungsrat dec Deutschen Reichspost verhandelt werden, in dem das Land Hes cn auch einen Vertreter habe. Oberheffen. Landkreis Gießen. u. Klein-Linden, 7. Febr. Der hiesige Schühenklub „Roland" hielt dieser Tage unter seinem ersten Vorsitzenden, Lokomottvsührer Friedrich Stein, im Turnerheim seine diesjährige Generalversammlung ab. 3m letzten Jahre ist die Mitgliederzahl um 12 gewachsen, ein Beweis dafür, daß dem Schießsport in unserem Dorfe große Sympathien entgegen* gebracht werden. Aus dem Rechnungsbericht, den der Vereinsrechner Keudel erstattete, war ersichtlich, daß das abgelaufene Geschäftsjahr jünstig war. Der seitherige Vorstand touroe ein- irnmig wiedergewählt, außerdem noch drei Beicher. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, ein drittes Gewehr, Kaliber 8,15, anzuschaffen. Auch soll in den nächsten Tagen ein Preisschiehen abgehalten werden. Der Verein plant für dieses Jahr die Beteiligung an den Bundesschiehen in Nieder-Girmes, Großen- Linden und Dillheim. !—! Saubringen, 7. Febr. Am Samstagabend veranstaltete der Gesangverein Saubringen in dem stark überfüllten Saale der Wirtschaft Ludwig Weimer sein diesjähriges Wintervergnügen. Nach einer Ansprache des ersten Vorsitzenden, Herrn Roth, wurden unter der bewährten Leitung von Fortbildungsschullehrer Eberle einige wirkungsvoll vorgetragene Chöre zu Gehör gebracht. Den Höhepunkt des Abends bildete ein Singspiel in drei Akten, das sehr gut aufgenommen wurde. Sie folgenden drei Einakter wurden ebenfalls sehr flott gespielt und ernteten reichen Beifall. Tanz hielt dann die Anwesenden noch einige Stunden in fröhlicher Stimmung beisammen. t Treis a. d. Lda., 7. Febr. Sonntagabend hielt der hiesige Turnverein „Gut Heil" seinen ersten diesjährigen Vortragsabend bei Mitglied Lemp dahier ab. Der erste Vorsitzende, Lehrer Walter, sprach zunächst in eingehenden Ausführungen über die Bedeutung deS Turnens in sportlicher, gesundheitlicher unb erzieherischer Hinsicht, dann wurden von der Hauptgeschäftsstelle der „Deutschen Turnerschast" in Berlin herausgegebene Lichtbilder gezeigt, die von der in der Deutschen Turnerschast geleisteten Arbeit Zeugnis • ablegten und von Turn- toart Kurt Walter sachgemäß erklärt wurden. Reinhardshain, 7. Febr. Am Samstagabend hatte der hiesige Kriegerverein zu seinem diesjährigen Familienabend in den Saal des Gastwirts Roth eingeladen. Die Mitglieder mit ihren Angehörigen beteiligten sich fast vollzählig an der Feier. Nachdem der Präsident des Kriegervereins Georg Müller die Mitglieder und Gäste in einer Ansprache begrüßt hatte, hielt Kam. Kratz (Freicnscen) einen Vortrag über feine Erlebnisse bei d?r Marine. Dabei zeigte er prachtvolle Lichtbilder von unserer früheren Flotte. Besonders eingehend erläuterte der Vortragende das Leben auf den Unterseebooten während des Krieges. Sein mit Humor gewürzter Vortrag fand sehr gespannte Zuhörer, die ihm am Schluffe reichen Beifall zollten. 3m nachfolgenden gemütlichen Teil trugen humoristische Darbietungen des Kam. Kratz noch viel zur Erheiterung ber Versammelten bei. Z Grünberg, 7. Febr. Im „Hessischen Hof" fand jetzt die diesjährige Hauptversammlung des ländlichen Reit- und Fahrvereins Grünberg und Umgebung unter dem Vorsitz des Ehrenvorsitzenden, Rittmeisters a. D. Frhr. Roeder von Diersburg statt. Rittmeister von Roeder begrüßte die gut besuchte Versammlung und dankte den aktiven und passiven Reitern für ihr Erscheinen. Anschließend wurde von ihm der Geschäftsbericht gegeben. Das Vereinsleben war recht rege, wenn auch manche Besserungen notwendig sind. Den Kassenbericht erstattete der Schatzmeister Ehr. Gehringer. - Ergebnis: 107,18 Mark Heberschuh. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt Da Dr. Selzer den 1. Vorsitz aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, mußte der Vorstand ergänzt werden. Die Vorstandsergänzungswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Postinspektor Carle (seither Schristsührer). 2. Vorsitzender: Mühlenbesiher und Landwirt Eisenach, Nie- der-Ohmen. Schriftführer: August Stemm- ler, Beisitzer: Ernst Zimmer und Otto Christ. 3m übrigen befaßte sich die Versammlung mit internen Vereinsangelegenheiten. iS. Steinbach, 7. Febr. Der Landwirtschaftliche Konsumverein e. G. m. b.H., der 1924 vor seiner Auflösung stand, hat sich innerhalb vier 3obren durch seine sichere Führung auf gesunder Grundlage entwickelt. Sie der ordentlichen Generalversammlung vorgelegte Bilanz von 1927 zeigt einen Reservefonds von 1380,69 Mk., eine Betriebs- Wir kommen zur Auszählung der Personen und sind in einiger Verlegenheit, da wir einerseits nicht geradezu den ganzen Zettel abschreiben möchten, auch unser wohlassortterter und allnächtlich griffbereit neben dem Tintenfaß aufgestapelter Vorrat an schmückenden und lobenden Beiwörtern schließlich einmal zur Neige geht — und da andererseits fast das gesamte darstellende Personal auf den Beinen war (zum Teil sogar auf allen Vieren), und männiglich sich bestrebte, sein Möglichstes zu geben. Schauspieler und Schauspielerinnen, Solisten und namenloses „Volk", seien also zuvörderst mit einem Gesamt* lobe bedacht. Immerhin sollen insbesondere erstlich die teils verliebten, teils verlobten Paare genannt fein: ©e ff er 3 unb Baumann, fürstlichen Geblütes für diesen Abend; Sannert und Krahmer, Lysander und Hermia; Hennig und Joch, Demetrius und Helena; W e h r l und H e y m , das schleierwallende Königspaar des Elfenvolkes. Zum anderen aber war Lngeborg Scherer als Puck (auch Droll genannt) eine überaus wichtige und überaus vergnügte Person; ein lustiger, beweglicher, zu Schimpf und Scherz allzeit aufgelegter Waldgeist. kobolzschießend, Liebeszauber ausgiehend, Verwirrung sttftend und anmutig den Epilog sprechend. Zum dritten ist zweier ehrsamer Handwerksmeister zu gedenken, die sich im Rüpelspiel herzlichen Beifall sowohl vor dem Vorhang wie auf der Bühne erwarben, und zwar mit Recht: dies sind der Weber Zettel, den an Stelle des leider erkrankten Herrn Goll Ludwig Link* mann mit ausladenden Gesten und einem prächtig rollenden Komödienton, teils eselsköpfig, teils schwertgegürtet zum allgemeinen Ergötzen verkörperte, — unb der Bälgenflicker Flaut, welcher von Baste gespielt wurde; noch jetzt beim Schreiben kommt uns das Lachen an, wenn wir des biederblonden Pagenkopfes unb des wahrhaft sehenswerten Emdonpoints gedenken, mit dem er seine unglückselige Thisbe ausgestattet hatte. — Nachdem der fünfte Akt beschlossen, ber Epilog gesprochen und die schmetternde Festmusik des Hochzeitsmarsches zum andern Mal verklungen war, hob sich der Vorhang von neuem, unb auf der Treppe des Herzogspalastes erschien zu einer schlichten Abschiedsfeier Hosrat Steingoetter mit feiner Gemahlin vor der stattlichen Schar der an der Rampe versammelten Gratulanten. Als Erster ergriff das Wort im Namen der Stadt Gießen und in Vertretung des durch Krankheit verhinderten Vorsitzenden des Theaterausschusses, Kommerzienrats Klingspor, Bürgermeister Dr. Frey; er schilderte in warmen Worten die durch 25 Jahre bewährte künstlerische, volkserzieherische und soziale Arbeit deS Jubilars, der unsere Bühne, ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns, unter nicht unbeträchtlichen Schwierigkeiten mannigfacher Art zu ihrer heutigen, durch vortreffliche Aufführungen bewiesenen, künstlerischen Höhe geführt und die Theatersreudigkeit eines großen Publikums geweckt und bewahrt habe in hingehender Arbeit für das ihm anvertraute Institut. Ser Redner überreichte dem also Geehrten im Namen ber Stabt zwei Bilder zum Angebinde und zur Erinnerung an Gießen. Namens der Stadt Alsfeld, die der Gießener Bühne manchen wertvollen und genußreichen Abend verdanke, überbrachte Bürgermeister Dr. V ö l - fing (Alsfeld) herzliche Grüße unb Wünsche. Der Vorsitzende des Bühnenschiedsgerichtes, Iustizrat Aschaffenburger, Frankfurt am Main, überreichte unter Hervorhebung der von Hofrat Steingoetter im Schiedsgericht unermüdlich geleisteten Arbeit dem Jubilar zum Abschied ebenfalls ein Geschenk. Als Abgesandter des darstellenden Personals sprach Schubert, der an die Schwierigkeiten und Nöte der Theaterleitung erinnerte, an die über Gießen hinausreichende Anerkennung der von unserer Bühne geleisteten Arbeit, und ganz besonders an die tatkräftige soziale Tätigkeit des Intendanten zum Besten aller Mitglieder; als Geschenk des Personals war ein ansehnlicher Gar- tensonnenschirm an der Palast treppe aufgepflanzt. Für den Bezirksverband der Bühnengenossenschaft überreichte B a st 6 einen Lorbeerkranz unb verlas ein für die künstlerischen und sozialen Verdienste Steingoetters außerordentlich anerkennendes Begleitschreiben. Auch das technische Personal und die Statisterie brachten durch je einen Vertreter Glückwünsche und Abschieds- grühe zum Ausdruck. Zum Schluß ergriff Hofrat Steingoetter selbst, sichtlich bewegt, das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er auf das schöne und ungetrübte Erinnerungsbild der verflossenen 25 Jahre hinwies, in einem kurzen Rückblick auf diese Zeit nicht ohne Humor bie bescheidenen Anfänge des Institutes schilderte, unb die mancherlei Schwierigkeiten, die durch stetige Arbeit und unverdrossenen Optimismus zu überwinden waren; er sprach mit Genugtuung von der inzwischen erreichten künstlerischen Bedeutung unsere- Stadttheaters, wies auf das gute Einvernehmen der Theaterleitung mit dem Personal, der Presse und vor allem auch dem Publikum hin und gab dem Wunsche Ausdruck, das Gießener Theater möge auch fernerhin unter einem glücklichen Stern stehen. Eine zur äußeren Ausgestaltung des Theaterhauses^ bestimmte, von Steingoetter angeregte Spende wurde der Opferwilligkeit des Publikums empfohlen, von dem sich der Jubilar mit einem herzlichen Lebewohl verabschiedete. Dr. Th. rücklage von 1165,75 Mk. und einen Reingewinn von 3297,93 Wk. Die Mitgliederzahl steigt dauernd und erreichte bereits 100. Der Llmsah in 1927 beträgt 35180 Mk., mit Düngerbezug 41 512 Mk. Die vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Warenrückvergütung von 8 Prozent wurde von der Generalversammlung genehmigt. Die gesamte Rückvergütung von 1927 beträgt 2427 Mk. Auf die einzelnen Mitglieder verteilt erhielten vier Mitglieder 50 bis 60 Wk.. sechs Mitglieder 40 bis 50 Mk., 19 Mitglieder 30 bis 40 Mk., 31 Mitglieder 20 bis 30 Mk.. 29 Mit- glieder 10 bis 20 Mk., die anderen unter 10 Mk. * Ober-Bessingen. 7. Febr. Die Ortsgruppe Ober-Bessingen des Land- jugendbundes kann auf eine schöne und eindrucksvolle Feier zurückblicken. Galt es doch am Sonntag, den neu beschafften Wimpel feierlich zu weihen. Zwei gemischte Chöre leiteten den Weiheakt ein. Letzterer wurde von dem Bundesvorsitzenden Robert Schmidt aus Steinheim vorgenommen. Sn gleicher Treue, wie die Hessen im russischen Feldzug 1812 zu ihrer Fahne hielten, die Mannschaften der „Iltis" und die des „Grafen von Spee" die Treue zur Fahne mit dem Tode besiegelten, so möge in Zukunft auch die Ortsgruppe Ober-Bessingen zu ihrem Wimpel stehen. Rach üblicher Ueberreichung kam eine umfangreiche Vortragsreihe zur Abwicklung. Die lebenden Bilder „Germania" und „Die Spinnstube", sowie Tanz- und Volkslieder, nebst einigen Sologesängen fanden begeisterte Ausnahme. Sn seinem Vortrag über unser Wirtschaftsleben mahnte der Dundesführer Schmidt treuer Einigkeit: olle Stände müßten sich schätzen und ehren lernen, wobei aller Partei- Hader beiseite trete. Zwei Einakter, die mit großem Verständnis gespielt wurden, setzten die Lachmuskeln tüchtig in Bewegung. Der gemischte Chor „Der Frühling naht mit Brausen" beendete die Vortragsreihe. Bei seinem Schlußwort betonte der Dundesvorsihende, daß die Landjugendbund-Gruppe Ober-Bessingen die Sdeale des Bundes hochholte, indem sie unter Leitung ihres Lehrers deutsches Lied, deutsche Sitte verherrliche. vor allem die alten schönen Volkslieder zu Ehren bringe und die modernen Gassenhauer verabscheue. Roch lange wird die hübsche Feier in den Herzen nachhallen. -. Lang-Göns, 7. Febr. Die Verbreiterung und Befestigung des hiesigen Bahndammes, der im vorigen Frühjahr bedenklich gerutscht war, haben es bedingt, daß auch die Durchfahrt hinter dem Dorfe, nach dem Hardtwald zu, verlängert werden mußte. Di« Arbeiten sind fast vollendet. Wie man hört, soll nun auch die Unterführung an der Holzheimer Straße erweitert werden. Das würde von einem großen Teil der hiesigen Bevölkerung aufs wärmste begrüßt werden, denn gerade hier tut Hilfe dringend not. Sst doch wohl in unserer Gemeinde keine Stelle, die zur Zeit so schwer passierbar ist, wie gerade die Durchfahrt an der Holzheimer Straße. Rach Beendigung des Krieges ist jenseits des Bahndammes ein ganz neues Viertel erbaut worden. Der Verkehr hat sich dadurch gewaltig vergrößert, und di« schmale Durch- gangspförte hat sich längst als viel zu dürftig erwiesen. Dom Gemeinde rat wurde nun auch beschlossen, daß der neu« Dvrfteil zu beiden Seiten der Straße eine Rinne erhält. Vielleicht wirA bei der Herstellung dieser Rinne und bei der Verbreiterung des Durc^anges auch «in Fußsteig angefegt Denn tote die Verhältnisse eben liegen, rönnen sie unmöglich in Zu- fünft bleiben. — Zu Mitgliedern der Bezirks- sparkasse Gießen wurden die Herren L. Velten unb 3. Henrich vom Gememderat wiedergewähll. Kreis Friedberg. * Friedberg, 7. Febr. Die Zusammenstellung der Zahl der Unter st ützungsemp- fänger beim Arbeitsamt Friedberg- Büdingen am 1. Februar, hat einen erfreulichen Rückgang ergeben. Rund 600 Arbeiter haben sich tells selbst wieder Arbeit gesucht, teils sind sie vom Arbeitsamt vermittelt worden. Die vom Arbeitsamt vvrgenommene Vermittlung verteilt sich etwa zur Hälfte auf die Landwirtschaft und zur anderen Hälfte auf ander« Be» rufe. Cs scheinen auch allmählich die Kreise der kleineren Arbeitgeber, auch außerhalb der Landwirtschaft, sich an das Arbeitsamt zu gewöhnen, wenigstens nimmt die Zahl der gemeldeten offenen Stellen langsam zu. Besondere Schwierig- Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 38 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Leise Schritte gingen über den Teppich. Dietwart wandte sich zum Freund herum. Raymond schien im Begriffe, aus Taktgefühl das Zimmer verlassen zu wollen. „Bleibe hier, Raymond, ich bitte dich darum! Es gibt kein Geheimnis zwischen dir und mir. Was zwischen Melusine und mir jetzt gesprochen wird, kann dich kaum überraschen." Dann straffte sich Dietwart zu seiner schlanken Größe auf und sah Melusine ins Auge. Niemand merkte ihm in seiner vornehmen Selbstbeherrschung an, wie ungemein widerstrebend er jetzt diese letzte Aussprache begann. Wenn es sich, wie er bisher angenommen hatte, einzig um nationale innere Gegensätze gehandelt hätte, die unter der Berschieden- heit der Verhältnisse aufgeklafft waren und vielleicht zwischen ^wei charaktervollen Menschen begreiflich waren, er hätte es leichter genommen! So aber ichob sich der Argwohn ihrer schon begonnenen Untreue, eine Trübung ihres Charakterbildes durch ein U? ,®lene gesetztes Doppelspiel zwischen ihn und die Gebebte. „Wir wollen Klarheit zwisä)en uns beiden schaffen, sagst J>u, Melusine? Das trifft nicht ganz den Kern der oad?e. Für mich lagen meine Beziehungen zu mr m einer einziaen klaren Linie seit damals, seit wir uns auf dem Ballabend verlobten! Ich hatte mich völlig in die glückliche 'Zuversicht eingelebt, ich besäße dein Jawort und du würdest dieses am Schlüsse des Krieges mit einer Verbindung mit mir einlösen!" „Gewiß, Dietwart, das war auch meine Absicht Aber — sieh, jetzt haben sich die äußeren Verhält- nisse so vollkommen verschoben. Der Krieg ist so ganz anders ausgegangen — als ..., Und unter dem Druck dieser großen Veränderungen ist e- mir klar geworden, daß meins innerste Uederzeugung eben doch nicht mehr völlig zur deutschen Seite^hinübergeht!" Raymond hatte sich an die Wand gelehnt, die Hände auf dem Rücken. Er gab sich keine Muhe, je ner Schwester gegenüber seine immer größer mer- keiten macht immer noch die Besetzung der von der Landwirtschaft gemeldeten freien Stellen. Hm den Bedarf auch nur notdürftig zu decken, wird es namentlich im Frühjahr notwendig werden, die im letzten Sahr aus der Landwirtschaft ab- gewanderten Arbeitskräfte zurückzuführen, da bi« Zahl der bis jetzt für den Bezirk genehmigten ausländischen Arbeiter, die durch die Abwanderung entstandene Lücke keineswegs deckt. So erfreulich es an und für sich ist, daß auch in ländlichen Gegenden Werke, wie beispielsweise die Hefrag in Wölfersheim, entstehen, so groß ist auf der anderen Seite die Gefahr, daß gerade in diesen Betrieben frühere landwirtschaftliche Arbeiter eingestellt werden. Das Arbeitsamt ist nach Kräften bemüht, einen tragbaren Ausgleich zwischen den verschiedenen Snteteffen herbeizuführen. Am 1. Februar wurden insgesamt im Arbeitsamtsbezirk 3030 Hauptunterstützungsempfänger gezählt. Davon entfallen 23 0 6 auf den Kreis Friedberg, mit Ausnahme der Stadt Bad-Nauheim, rmd 724 aufden Kreis Büdingen. Außerdem erhalten Krisen- unterstühung 182 Personen im Kreis Friedberg und 5 Personen im Kreis Büdingen. i Steinfurth, 7. Febr. Gestern abend hielt Oberstleutnant von Hagen im hiesigen Kriegerverein einen öffentlichen Vortrag über die Marneschlacht 1914. Sn sehr sachlichen Ausführungen gab er mittels graphischer Darstellungen im Lichtbild einen anschaulichen Äeberblick über die militärischen Operationen bei der Marneschlacht, und versuchte im 2. Teil seines Vortrages der Frage nach der Schuld an der verlorenen Schlacht gerecht zu werden. Mit einer schönen Bilderserie vom Rhein beschloß er seinen Vortragsabend. Philipp Huppert, der Vorsitzende des Kriegervereins, leitete die Veranstaltung und verteilte am Schlüsse an Kameraden die Kriegervereinsabzeichen für 25jährige und 40jährige Mitgliedschaft. Kreis Büdingen. „ ?“ Nidda, 7. Febr. Sn einer Stärke von über 30 Reitern unternahm am Sonntag der hiesige Reit - und Fahrverein einen $ r o- pagandaritt durch die talaufwärts gelegenen Dörfer des Niddatals. Am Ende der Reiterschar, die von dem Publikum lebhaft begrüßt wurde, fuhr ein Sagdwagen. Es ist anzunehmen, daß die Neugründung, die anscheinend gut geleitet ist, aus der ganzen Umgebung wertvoll« llnter* stühung findet. ! Nidda, 7. Febr. Die Oberhessischen Ob st Werke in Büdingen haben sich bereit erklärt, die noch über Bedarf in den einzelnen Orten lagernden Aepfel aufzukaufen und zu verwerten. Damit ist den einzelnen Produzenten, die im Herbst nicht verkaufen konnten, Gelegenheit geboten, ihre Vorräte abzusetzen. Aepfel wie Kartoffeln sind seit Herbst im Preise stark zurückgegangen. Kreis Schotten. S L a u b a ch, 7. Febr. Sicherem Vernehmen wird Kammerdirektor Friedrich Birnbaum, der seit 21/2 Sahrzehnten an der Spitze der gräflichen Verwaltung steht, mit Wirkung vorn 1. April d. 3. aus dem gräflichen DZenst« ausscheiden. Der Abgang des tüchtigen Beamten und liebenswürdigen Gesellschafters wird nach jeder Seite allgemein tief bedauert. — Die heutige Holzversteigerung aus den gräflichen Waldungen, wie auch die gestrige, erzielte normale Preise im Gegensatz zur letzten Versteigerung aus den Gemeindewaldungen. Heute kam das Raummeter Duchenscheit durchschnittlich auf 11 bis 12 Mk.. BuchenprÜHel auf 6 bis 9 ML, Buchenstöcke etwas billiger. Kreis Alsfeld. *«« Alsfeld, 7. Febr. Lus der gestrigen Stad t o o rsta n d s si tz u n g ist außer der schon berichteten Beschlußfassung über die Höhere Bürger-Mädchenschul« noch folgendes mit« zuteilen: Bezüglich der Fortführung der Kanalisation wurde bescksiossen, diese im lausenden Jahre wegen der schwierigen Geldbeschaftung einzuschränken. Es wurde hierfür für einige Sira« ßen ein Betrag von 32 400 Mark bewilligt und die Ausführung der Arbeiten von der Gewährung der beantragten Zuschüsse aus der wertschaffenden Erwerbslosenfürsorge abhängig gemacht. — Die von der Mechanischen Kleiderfaorik Gg. D. Bücking beantragte Erweiterung der Hohl, d. h. der dende Empörung zu verbergen und meinte: „Ja, weil Deutschland den Krieg verloren hat, Melusine! Du handelst in deinem Einzelschicksal als Elsässerin um keinen Preis anders, als das Elsaß es jetzt Deutschland gegenüber tut. Du weißt, wie oft in den letzten Monaten in den elsässischen Kreisen die Phrase, diese Redensart von aofcheulicher Eharak- terlosigkeit wiederholt wurde. „Wir gehören zum Sieger!" Ja, Nationalgcfühl und nationales Zugehörigkeitsgefühl find zur Zweckmäßigkeit erniedrigt!" In Melusine stieg heißblütig ein Bekennermut auf. Die Finger preßten sich ihr leidenschaftlich zusammen. „Maa sein, Raymond! Ich aber muß mich nach meinen Gefühlen richten. Biente, daß französisches Blut in mir rollt! Das hat sich geregt — das ist schon damals erwacht — als ich dich im Hochsommer droben im französischen Lazarett besuchen wollte! Nie habe ich mich auch nur einen Moment fremd oder als Fremde gefühlt, wie ich dort mit der französischen Zivilbevölkerung in Berührung trat!" Die b'den Herren wechselten einen Blick miteinan- der. Sie sah in den Augen ihres Bruders ein Mißtrauen stehen. Im Gefühle eines schlechten Gewissens glaubte sie jetzt nicht anders, als chr Bruder habe durch irgendwelchen Zufall von ihren Beziehungen zu Jean Bouvier erfahren, die schon damals begonnen hatten! ,Jch habe einen jungen Franzosen kennengelernt, der auf mich sogleich einen tiefen Eindruck gemacht hat! Durch seine große künstlerische Begabung. Und um nun gleich zum Ziele unserer Besprechung zu kommen: es ist derselbe Monsieur Bouvier, Len ich euch eben beim Verlassen des Autos hier vorgestellt habe —" Sie stockte, denn sie sah Dietwart eine unwillkürliche Bewegung machen. War es Empörung, war es Ueberraschung oder vielleicht gar Stolz? Raymond aber war so verwachsen mit dem Gedankenleben seines Freundes, daß er die plötzliche Bewegung richtig zu deuten vermochte: „Dietwart, wie soll man das alles nennen? Verhängnis? Fügung? Bestimmung? Allein durch deine vielen Bemühungen bei all den verschiedenen Instanzen ist es damals möglich gewesen, Melusine nach Bezay kommen zu lassen. Nur durch deine Mühe und Umsicht konnte mir damals mein Wunsch erfüllt werden, Schwester ober Mutter nort) einmal sehen zu können, weil mein Zustand hoffnungslos war. Du siehst dick in deinem Fre ichaftsdlenft mir gegenüber nun vurch meine Schwe- Zufahrtstvaße ju der Fabrik, wurde wegen der hohen Kosten und der dadurch erwachsenden starken ftnanziellen Mehrbelastung vorerst zurück- aefteUt. Die Kosten sind auf 65 000 Mark veranschlagt. Die Frage einer eventuellen provisorischen Herstellung der Straße soll nochmals geprüft werden. — Die Festsetzung einer Reihe von Baufluchtlinien zwecks Beseittgung einer Anzahl von Miststätten und Abfallgruben in der Altstadt wurde im Einvernehmen mit dem Denkmalpfleger auf Grund einer Ortsbesichtigung beschlossen. Auf diese Weise sollen die unschönen, teilweise gesundheitswidrigen Zustande in der Altstadt beseitigt werden, da eine gütliche Regelung nicht möglich ist. — Die Stiftung eines Aus- fichtstempels auf dem SBölfingberg durch ven hiesigen Zweigoerein des Vogelsberger Höhenklubs, den dieser dort errichtet hat und der der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden soll, wurde dankend angenommen. — Der Vertrag zwischen der Stadt und der landwirtschaftlichen Schule, welcher das bestehende Rechtsverhältnis bezüglich der Ueberlaffung der Schulräume regelt, wurde ohne Debatte gend>migt. — Ein Gesuch der Freiwilligen Feuerwehr um kostenlose Ueberlaffung der Festhalle für den am 9. und 10. Ium stattfindenden Prvvin- zialfeuerwehttag wurde genehmigt. — Eine lange Debatte entspann sich über die am Schüsse der Sitzung verhandelte Angelegenheit der Errichtung eines neuen Postgebäudes. Währe nd nach dem seicherigen Beschluß des Stadtoor- standes als Bauplatz das städtische Grundstück in der Alicestraße vorgesehen ist, liegt nunmehr eine Eingabe mit mehr als 200 Unterschriften vor, tn der beantragt wird, das Hotel „Zur Krone" zu erwerben, es nieüerzulegen und auf diesem Platze das neue Postgebäude zu errichten, da der Neubau I hier zentraler gelegen sei und viel besser zur Geltung komme, als in dem ziemlich eingeengten Platz in der Alicestraße. Das Reichspostministerium lehnt eine Beteiligung an den Kosten des Erwerbs des Bauplatzes bezüglich der „Krone" ob. Nach einer ausgedehnten Aussprache wurde schließlich beschlossen, über die Frage, ob für den Po st neubau Der Platz in der Alicestraße oder das Projekt bezüglich des Hotels ,Lur Krone" gewählt werden soll, eine Volksabstimmung aller Wahlberechtigten am Sonntag, 12.Februar stattftnden zu lassen. Der Stadtvorstand wird alsdann, je nach dem Ergebnis Der Abstimmung, seinen Beschluß fassen. Dieser ungewöhnlich Weg wurde beschritten, weil man glaubte, in einer so wichtigen Angelegenheit für die Stadt die Gesamtheit der Bürger befragen zu sollen. Kreis Lauterbach. chHörgenau,7. Febr. Eine von Bürgermeister Walz (Lauterbach) hierhin einberufene Versammlung ließ sich von ihm, als dem Hauptredner, zu einem einheitlichen Vorgehen bewegen zugunsten einer neuen Bahnlinie M ü de — Ulrichstein — Engelrod — Hörgenau — Lauterbach. Der Vortragende führte u. a. aus, daß diese OsttWest-Bahn wesentlich leichter zu verwirklichen sei als die andere geplante Linie in Nord-Süd-Richtung, Verbindung von Alsfeld mit Schotten. Sn der Hauptsache wurden fünf Gründe angeführt, die (rtle für die Bahn Mucke — Lttttchstein — Lauterbach sprechen. Den sehr großen Schwierigkeiten der Geländeüberwindung von Schotten aus auf die Höhe steht gegenüber eine viel günstigere Geländegestalt bei der hier propagierten Richtung. Die Strecke ist wesentlich kürzer und darum billiger als die in Nord-Süd geplante. An ihr liegen bedeutend mehr Ortschaften, die darum eine sichere Rentabilität gewährleisten und außerdem zu den Kosten in größerem Mahstabe herangezogen werden können. Die.weitaus größte Strecke dieser Linie sei seinerzeit schon abgesteckt gewesen. Die vorgeschlagene Linienführung gehe mitten durch den Hauptkerrc des gewaltigen Eisenerzlagers mit dem Mittelpunkte Dirlammen, während gerade dieses die Bahn rentabel gestaltende Gebiet von den anderen Projekten höchstens am Rande erfaßt werde. Mit großem Beifall wurden diese Ausführungen aufgenommen und erzeugten den einheitlichen Willen des ganzen Nordost-Vogelsberges, mit einmütigen Kräften dem dargelegten Ziele zuzustreben. um so mehr, als man sich von einer mindestens ebenso starken Bewegung auf der Gegenseite des Gebirges, dem Ohmtal, unterstützt weiß. Von den zahlreichen einheimischen Debatterednern wurden die Ausführungen des Hauptredners iwch toert- ster dadurch belohnt, daß ihr ein Mann in den Weg geführt wird, dem sie ihre Zuneigung zuwendet .. ,?x Gs verging eine lange Zeit, bis Dietwatt sich zu einer Aittwort aufraffte. Er verschloß seine Enttäuschung lieber in sich, als sich in ein Abwägen und fragen und Erörtern über Dinge mit der Geliebten einzulassen, die so subtil und — die so schmerzlich waren! Er sah sich wieder mit Melusine damals am Sonnenmorgen in den Mauern des alten Festungsturmes sitzen und nach dem Grunde chrer leise und langsam entgleitenden Liebe forschen. Ohne zu ahnen, daß in diesem gefährlichen Stadium einer ersterbenden Zuneigung ein Mann ihr begegnete, für den schnell ein neues Gefühl in chr aufwuchs! „Sage es kurz und offen Melusine! Nicht nur die nationale Zwiespältigkeit unserer Ansichten ist es, die dick mir entfremdet: du hast jenem anbem dein Interesse zugewandt? Und du bist überzeugt, mit ihm glücklicher zu werden, als du es an meiner Seite vermöchtest?" Sie stand noch völlig unter dem beherrschenden Zwang dieser frisch durchlebten Stunden mit Jean Paul Bouvier. „3a, Dietwart. Gefühle lassen sich nicht zwingen. Ich habe geglaubt, für dich die ein- Alge, d'« wahre Zunei-gung zu empfinden. Jetzt aber ahn« ich es, es kann noch ein jauchzendes Gluck geben —" Raymond hatte, an die Zimmer wand gelehnt, den Kopf gesenkt, regungslos zugehött. Jetzt hob er den Blick und sah feiner Schwester fest ins Gesicht: „Wenn ich Dietwart wäre, ich würde dir sagen: ,Geh deiner Wege, Melusine, verbinde dein Schicksal mit diesem anderen, der dir fast noch ein Fremder ist! Vielleicht wird dir eine große Ernüchterung nicht erspart bleiben!'" - „Melusine mag sich mit den Konsequenzen ihres Schrittes abfinden! Dietwart griff wieder ein, weil ihn der brennende Drang beherrschte, die Unterhaltung zu beendigen. Er war schmerzlich berührt, es empörte ihn fast, wie beherrscht, wie sicher, wie unbeirrbar Melusine von einem Glück an der Seite des andern sprach, den sie kaum kannte, mit dem sie nichts verband! Rein, Gefühle ließen sich nicht zwingen! Und im Grunde handelte sie in ihrem Ernzel- schicksal gegen ihn, wie chr heimatliches Elsaß es gegen Deutschland getan! „Darum laß uns jetzt Abschied voneinander nehmen, Melusine! Ich will dir nicht im Wege stehen, * voll ergänzt, «in Beweis, tote stark sich die sonst nicht gerade redegewandten Vogelsberger mit der Frage beschäfttgen. Nur der Vertreter von LIlrichstein, Mehgermeister Dehrmann (in Verhinderung des Bürgermeisters Appel, der an einer ähnlichen Versammlung jensetts des Gebirges teiürahm), behielt sich volle Freiheit der Entschließung vor, nicht, wie er ausdrücklich betonte, aus Quertreiberei, sondern um die Möglichkeit eines Bahnbaues durch starreS Festhalten an einem Projekt nicht zu zerschlagen. Er war mehr für ein Festhalten an dem alten Plane der Einmündung in Rixfeld, wegen der von Fulda schon lange angestrengten Weiterführung über Stockhausen—Hanczell bis dorthin. Am Schluffe der Versammlung wurden auö den etwa ein Dutzend beteiligten Ortschaften je drei Kommissionsmitglieder gewählt, die sicher die Verwirllichung des genannten Planes Mücke Lauterbach nach Kräften einsetzen wollen. Rheinhessen. WSN. Worms, 7. Febr. Zwei LJ Jahre alte Sungen spielten in Hofheim mit einem Flobert. Nach Art Wilhelm Tells wollte der Schüler Hans Schaber von hier seinem Gespielen, dem Schüler Heinrich E n g e c1 aus Bobstadt, eine Flasche vom Kops herunterschießen. Der Schuß ging jedoch fehl. Sn die Stirn getroffen, sank Engert zu Boden und erlag alsbald seinen schweren Verletzungen. Preußen. Kreis Wetzlar. Z W e tz l a r, 6. Febr. Am Samstagnachmittag ist Ghmnasialoberlehrer a. D. Ludwig Seyer durch einen Gehirnfchlag plötzlich auö dem Leben geschieden. Mit ihm ist wieder eine der bekanntesten Wetzlarer Persönlichkeiten da- hingegangen, die sich besonders um die heimatkundliche Erforschung unserer Stadt große Verdienste erworben haben. Seine Arbeiten waren vornehmlich den Goethestätten gewidmet: Goethe- brunnen, Lottehaus, Jerusalemhaus und auch dem städt. Museum. Mit viel Liebe hat er hier beim Ausbau dieser Stätten wirken helfen. Dabei war er stets gerne Führer und Berater, wenn es galt, auswärtigen Besuchern ein Bild aus Wetzlars vergangenen Tagen zu^eben. Erinnert sei hier an den Besuch des früheren englischen Ministers Lord Haldane in Wetzlar einige Jahre vor dem Kriege. Neben diesen Arbeiten war Seher noch ein sehr dichterisch begabter Mann, der immer zur Stelle war, wenn es galt, Heimat und Vaterland bei totalen Anlässen in der Poesie zu verherrlichen. Leider hatte den 60jährigen Junggesellen seit zwei Jahren ein schweres Leiden befallen, von dem er durch eine Badekur in Neuenahr vergebens Heilung suchte, und das wohl auch den Grund zu seinem allfeitig bedauerten frühen Heimgang gegeben haben dürfte. Kreis Biedenkopf. bl. Bischoffen, 7. Febr. Der Arbeiter Wilh. Kroh von hier stürzte gestern nachmittag von einem Bulldogg und erlitt dabei schwere Beinverletzungen und Knochenbrüche. Der Verunglückte mutzte dem Krankenhaus in Dii lenburg zugeführt werden. CO Bottenho rn, 7. Fsbr. Dis hiesige Ge- meindeoertretung hat in ihrer jüngsten Sitzung dem vom Kreise Biedenkopf vorgelegien Vertrag über eine Kraftpostlinie Gladenbach — Bottenhorn — Nieder • Ei- f en ba u f en zugettimmt und antragsgemäß einen jährlichen Zuschuß zu dieser Linie in Höhe von 1200 Mk. genehmigt. Mit diesem Beschluß bekundet unsere Gemeindeoerttetung das starke Interesse, das allgemein in unserer Einwohnerschaft für diese Verkehrseinrichtung besteht. Man hofft, daß die neue Autolinie bald in Gang kommt. Dittkreis. * Herborn, 7. Febr. Auf dem gestern abgehaltenen ersten diesjährigen Markt waren aufgetrieben 80 Stück Rindvieh und 120 Schweine. Es wurden bezahlt für Fettvieh, und zwar Ochsen 1. Qual. 56 Mk. per 50 Kilo Schlachtgewicht: Kühe und Rinder 1. Qual, das Stück 500 bis 600 Mk., 2. Qual. 300 bis 350 Mk. Auf dem Schweinemarkt kosteten Ferkel 46 bis 50 Mk., Läufer 80 bis 85 Mk. das Paar. wenn bi^jjtoubft, mit einem andern, der deinen nationalen Gefühlen jetzt besser entspricht, glücklicher gu werden! Ob er dich so lieb hat, wie ich dich liebte? Wer weiß es? Di« Zukunft wird es erweisen. Für mich ist dieses Schlußresultat des Krieges sehr bitter. Zch habe in mühsamen Wochen und Zeiten von Entbehrungen immer das Ziel leuchtend vor mir gehabt: dich einst heimführen zu können! Keinen Augenblick ist mir der Zweifel gekommen, du würdest dein gegebenes Wort nicht einlösen wollen!" Wie ein grauer Schleier wollte es sich bei seinen' Worten über sie legen. Ein eigenartiges Gefühl, das sie sich nicht im Augenblick zu deuten vermochte! Unfaßbar war es, und doch schien es sie sinfpmnen zu wollen, als gäbe es fein Entrinnen. War es eine Ahnung kommender Reue? Eine Ahnung von kommenden Solbstvorwürfen? War es das Gewissen, das ihr zuraunte: wie un recht sie handelte, und wie voller Undank sie ihm seine Liebe lohnte? lieber die nächsten Augenblicke vermochte sie sich keine Rechenschaft mehr zu geben. Sie hörte Dietwart noch einige Worte sagen, die sie selbst plötzlich sehr traurig machten. Für Sekulchen. Dann neigte er sich über ihre Hand und küßte ihre Rechte — fast an demselben Ort hier, an dem er damals zmn ersten Male ihr mit wachen Blicken in die Augen gesehen, um ihr für ihre Mithilfe bei seiner Errettung zu danken. Wie qualvoll und traurig waren doch diese Augenblicke des Abschiedes gegenüber jenen Momenten, in denen ihr gegenseitiges Interesse aufgeloht war —, an jenem Ballabend unter der rings rauschenden Lebenslust, unter dem brausenden Glück der Jugend! Dann sah sie den einst (Beliebten aus dem Zim mer gehen, immer und in jedem Zoll der Mann von tadelloser Haltung, von vornehmster Gesinnung, von Ritterlichkeit. Ihr Bruder geleitete oen Freund aus der Tür. Mit herabhängenden Annen stand sie unbeweglich da. Sie horchte hinaus. 9Uir ganz wenige Worte wurden draußen zwischen den Freunden getauscht. Die Stimme ihres Bruders er klang ihr sehr bedrückt. Er würde am nächsten Morgen zu Dietwart in die Wohnung kommen, glaubte sie als letzte Verabredung zu hören. Dann fiel die Wohnungstür leise hinter Dietwatt zu. Seine Schritte verklangen hallend in der Einsahrt, sie verloren sich draußen in der Stille der Nacht auf der einsamen Straße. — Für -en Büchertisch. Politik und Geschichte. — Ricarda Huch: 3m alten Reich. Lebensbilder deutscher Städte. (Verlag Greth- fein & Co., Leipzig. Preis Ganzleinen 10 Mk.) Acschichtlicher Sinn ist in hohem Mähe Wetens- Dcftanbteil der dichterischen Persönlichkeit Ricarda Huchs. (Sine ganze Reihe ihrer Romane und inderer Dichtungen ist ohne chn undenkbar, chne diese so seltene Synthete von Wissenschatt and Kunst in der Meisterung eine« an sich spröden Stosses durch die seinsten Gesetze der Aesthe- lit. So dursten wir hoffen, in diesem neuen Sande historische Miniaturen zu finden, ae- icichnet aus der Liebe zur Vergangenheit, aber nit dem feinen ©riffel des Aestheten, der Gliederung und Beschränkung des überwältigend auf hn eindringenden Stoffes den Gesetzen des öchönen unterordnet. Wir wollen es offen sagen, infete Hoffnung wird nicht ganz erfüllt. Wir werben entzückt von einzelnen herrlichen Perlen >cr großen Darstellungskunst Ricarda Huchs, zlber wir verirren uns in der ungeheuren Mannigfaltigkeit und dem Vielerlei deS Berichteten und fühlen uns schließlich in die so wenig icliebte Ahnenaalerie verseht, an deren Porträtreihen nur noch genaueste Sachkenner die kleinen Unterschiede in den Zügen des einen oder anderen Ahnherren bemerken. Die Menge des Stoffes trbrütfi. Ein Weniger wäre mehr gewesen. Denn !eine Aufgabe könnte lohnender, aber auch schwieriger sein, als in Form von Einzelporträts äne Kulturgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter zu geben, wie sie sich aus den'. Zusammen- und Wiberspiel von Kaisertum und Bürgertum, von geistlicher und weltlicher Feudal- 'berrschaft entwickelt bat. Für uns find aus Tier Porträtreihe von besonderem Interesse die Miniaturen von Frankfurt a. M., Friedberg. Himburg, Gelnhausen und Wetzlar. Für besonders «jut gelungen halten wir auch noch 'Tangermünde And Lübeck. Quedlinburg, Münster und (5oeft. Eberhard gaben: Berlin imDrei- Higjährigen Kriege. Mit 16 Abbildungen eht an uns vorüber — alles, was wir seit tien Augusttagen 1914 durchlebt haben, hat Berlin «chon einmal gesehen. Lind diese Fülle, mühsam aus Hunderten von amtlichen Berichten und Prozeßakten gesammelt, wird in flüssiger, anschaulicher Erzählung geboten, die in ihrer Lebenstreue den Leser fast vergessen läßt, daß diese Zeit mit ihren Menschen und Häusern längst Mastin geschwunden ist: der rührende Liebesbrief • iner jungen BürgerStochter, der sich im Anhang findet, spricht unmittelbar zu uns, ein Zeugnis einiger Unveranderlichkeit des Menschenherzens, fünfzehn zeitgenössische Stiche, darunter die äl- ttfte, noch nie veröffentlichte Ansicht Berlins, wb Meinhards Plan von 1648, durch ein modernes Flugbilb wirksam erläutert, schmücken das Buch. 47 Unter dem Titel Das Marnedrama 1914 beginnt soeben das Reichsarchiv in der «Lchristenfolge „Schlachten des Weltkrieges" die mit Spannung erwartete Darstellung dieser größten. gewaltigsten und folgenschwersten Schlacht Les Weltkrieges. (Herausgegeben im Auftrage Les Reichsarchivs. Von der 3 Bände umfassenden Darstellung der Marneschlacht liegt vor „Das Marnedrama 1914, 1. Teil", bearbeitet von rUlajor a. D. v. Bose und Archivrat Stenger. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis 7m Halbl. 3,80 Mark.) Haben doch alle bisher «r|d>ienenen Schilderungen — und ihre Zahl äst groß! — sich darauf beschränken müssen, *en großen Zusammenhängen des Ringens nach- Augehen. oder die eine oder andere Frage heraus- aiugreifcn. Daß trotzdem das mystische Dunkel, Las über dem Ringen an der Marne liegt, nicht nestlos erhellt werden konnte, geht am besten «aus der Tatsache hervor, daß selbst die in dem großen Werke des Reichsarchivs „Der Welt- ffrieg 1914-1918" niedergelegte Auffassung im 3n- und im Auslande, ganz besonders aber ,n Frankreich, teilweise auf bas schärfste angegriffen worden ist. Man will hier die deutsche Auslegung, daß die Marneschlacht ein deutscher Sieg gewesen, der nur durch einen verfehlten 'Eingriff in die Führung durch die Oberste Heenesleitung zu einem Mißerfolge gestaltet worden lei. keineswegs gelten lassen. Die Wahrheit kann nur eine Schlachtenbarstellung beweisen, die in alle Einzelheiten der gewaltigen Kämpfe sich vertieft und die Lage festlegt, die bei Abbruch Her Schlacht tatsächlich vorlag. Man wird sest- stellen müssen, welche Reserven auf beiden Seiten verfügbar waren, wie die Verfassung der Trup- >en war, wird die Kampflage unter jedem Gesichtspunkte würdigen müssen. Das ist eine ungeheure Aufgabe, die das vorliegende Werk ;u lösen versucht. Die Art. wie hier zugleich 'ne großen Linien der Ereignisse herausgear- deitet, die Einzelkämpfe in flüssiger Weise dar- ;esteklt, durch Berichte der Mitkämpfer, der Kriegstagebücher, der Feldzugsbriefe belebt werden. ist verblüffend. Dieser erste Band läßt ;ein Urteil zu. warum diese Schlacht Deutsch- ünds Verhängnis wurde. -■ W. von Rheinbaben. Don Der- ailles zur Freiheit. Weg und Ziel der deutschen Außenpolitik. Ganzleinen gebunden 8,50 Rack. Hanseatische Verlagsanstalt. Hamburg 36. Bon hoher Warte, dem Gehege der Paresen entrückt. gibt dieses Buch ein lückenloses und abgerundetes Bild der deutschen Außenpolitik seit dem Tage von Ver- ailles. Dom Kampfe um die Existenz Deutsch- .ands, den wir hinter Drahtverhau gehalten in Versailles von neuem beginnen muhten, geht ., München. — In zehn Stunden zu Wasser von Hamburg nach Reuhork, — so könnte der Untertitel dieses von starker Spannung erfüllten Werkes heißen. Der Roman ist keineswegs das. was man gewöhnlich einen technischen ober einen Zullrnfts- romcm nennt, fonbern er ist aus den nächsten Möglichkeiten unseres Zeitalters heraus geboren, aus der neuen mit der alten Welt. 62 Dramatische Literatur. — Die Wei m arische Dramaturgie. Aus Goethes Schriften gesammelt, erläutert unb ringe leitet von Dr. Eduard Scharrer-Santen. Mit einem Bildnis Goethes. 328 Seiten 8n. Verlag ®ebr. Paetel. Berlin-Leipzig 1927. Geh. 7 Mk., Ganzleinen 9 Mk. — Das deutsche Volk besitzt seinen Goethe in der Geschlossenheit als Lyriker und Epiker, als Dra matiker und nicht zuletzt als geistvollen Betrachter der Naturwissenschaften. Er weiß zwar, bah er seiner Theaterführung überragenbe Physiognomie gegeben hat, aber er weih nichts ober wenig vom Drama turgen. So hat der von eigener Theaterpraxis kom menbe Bearbeiter bes Buches Dr. Scharrer-Santen aus dem großen Gesamtwert Goethes in emsigem Sammeleifer alles Wesentliche zulammengefügt, um zum erstenmal den schöpferischen Theaterkritiker wie den kritischen Betrachter, b. h. ben ganzen Drama turgen Goethe einer späten Nachwelt zu vermitteln. Den beutschen schauspielern ist bas Buch gewidmet, bas frei von verstaubter Historik, als Nachschlagewerk bas heutige Geschlecht ber beutschen Bühne zum ewig lebendigen Quell ber Theaterkunst zurückführen ^sott. — Walter von Molo: Ordnung im Chaos. Schauspiel in 6 Bildern. 91 Seiten 8". Geh. 2,50 Mk., Leinen 4,50 Mk. Verlag von Albert Langen in München, 1928. — Bekenntnis zu Friedrich dem Großen... Vergeistigung feiner Gestalt: das ist die Essenz dieses hinreißend geschriebenen Dramas. In acht knappe Bilder gepreßt wird hier, was der berühmt gewordene Fridericus-Roman aussührlicher, umfassender, in impressionistischem Mosatk der Erzählung unb trotzdem schier unglaublicher Konzentration einer erdrückenden Stofsülle bemeisterte. Der Roman schloß mit der grandios geschauten Schilderung -der Entscheidungsschlacht: hier bringt der Kriegs- lärm des Rotjahres im großen Krieg um Schlesien nur von ferne herein: hier geht es um das geistige Bild, um die menschliche Verklärung Ser Königsgestalt, die Molo hier wie dort, im Drama tote im Roman so gelungen ist, daß wir seinen Gestaltungen kaum etwas Ebenbürtiges an die Seite zu stellen wüßten — es sei denn Thomas Manns glänzend durchdachter und stilisierter Essay über Friedrich und die große Koalition. Im Chaos eines fast verlorenen Krieges, in einem Gewitter von Schlag auf Schlag herein- brechenden Schicksalsgewalten steht unbezwungen die übermenschlich otonenbe, sichtende, regierende, führende, kämpfende Rätselgestalt des preußischen Königs, der alles besteht und alles überwindet: die Enttäuschung über seine Brüder, die verlorenen Schlachten (Fincks Kapitulation!). Englands Abfall, Sen Tod des Dessauers und — das • Llllerfurchtbarfte — den Tod der geliebten Schwester Wilhelmine von Bayreuth. Die Kunde vom Tode der Zarin ist die erste Botschaft, die am Ende die Erlösung aus dem äußeren Chaos bedeutet unb bas Reich in zwölfter Stunde rettet. Für Friedrich selbst freilich kommt diese Meldung ebenso zu spät, wie jene andern zur unrechten Zeit ein traf en: et geht, mit kalt gewordenem Herzen, ein müder Mann, ein Sieger, „ein Held" bet Unsterblichkeit entgegen. — Aus ber Fülle ungemein scharf gesehener, innerlich erlebter Szenen seien nur zwei hervorgehoben, die Anterhand- lung Friedrichs mit Reipperg — ein Meisterstück politisch-diplomatischer Konversation, unb die Begegnung mit Wilhelmine, die zum Feinsten und Zartesten zählt, was Molo je geschrieben hat. - Man muß sich wundern, daß sich seit ber Hamburger Uraufführung nickt mehr beutsche Bühnen um daS Stück zu bemühen scheinen. 36 Heimatgeschichte. — Ludwig Lindenmeyer: Jahrbuch meines Lebens (Hessische Volksbücher Rr. 61 bis 65). Herausgegeben von Karl Esselborn. Darmstadt 1927. Selbstverlag des Prälaten I). Or. Wilhelm Diehl. Für den Buchhandel: H. L. Schlapp, Hofbuchhandlung in Darmstadt. - Die von Prälat D. Dr. Wil^lm Diehl herausgegebenen ..Hessischen Volksbücher" haben mit diesem Bande einen wertvollen Zuwachs erhalten. Lindenmeyer (1762 bis 1820). ein pfälzischer Jurist, schildert fein Leben bis zum Jahre 1803. Seine Aufzeichnungen sind deshalb so interessant, weil der Verfasser die Franzosenkriege am Ende des 18. Jahrhunderts in seiner nächsten Umgebung erlebt hat. Wie die alten Dynastien auf dem linken Rheinufer bei der Invasion der Franzosen untergingen, wie in ben wechselnben Kriegszügen das Volk schwer leiben mußte, wird sehr anschaulich erzählt. Lin- benmeyers Erinnerungen beziehen sich aber auch auf Gießen und Umgebung, seine Mutter war eine geborene Strack aus Groh en-Buseck, der Verfasser hatte in Grohen-Linben, Gießen, Wetzlar unb Marburg viele Verwandte unb Freunbe, bie er oft besuchte. Dadurch kam er in die Lage, die Kriegsereignisse, die sich im Jahre 1796 bei Gießen zutrugen, aus der Rähe zu beobachten und zu schildern. Somit bildet dieses Buch eine wertvolle Ergänzung auch ber oberhessischen Heimatgeschichte. Sehr dienlich sind dem Leser die kurzen Erläuterungen, zumeist biographischer Art, die Professor öffetbom beigegeben hat Im Hinblick auf die wertvollen Darbietungen der Hessischen Volksbücher" wird jeder Freund der hessischen Geschichte wünschen, daß das Unternehmen mit demselben guten Erfolge wie seither weitergeführt werde. 824 — Hans Bumann: Kriegstagebuch be§ Stadt Alzey. Alzey 1927. Verlag von R. ^Psund. — Das vorliegende Buch wird in 50 Jahren unb in noch späterer Zeit als eine Geschichtsguelle ersten Ranges gewürdigt werden es hat aber auch für unsere Zeit große Bedeutung. Hier wird und eine Chronik ber rhein- hessischen Kreisstadt Alzey während des Weltkrieges dargeboten. Der Verfasser hat mit großem Fleiße und mit einem feinen Unterscheidungsvermögen für Wichtiges unb Belangloses beinahe Tag für Tag für die Zeit vom 28. Juni 1914 bis zum 2. Dezember 1918 alles verzeichnet, was sich an seinem Wohnorte zugetragen hat Der ganze Welttrieg, wie er sich in einem deutschen Gemeinwesen gellend machte, zieht hieran uns vorüber, wir erleben bie Begeisterung ber ersten Wochen und die Hoffnung ber beiden ersten Kriegsjahre, wir werben aber auch auf» neue erschüttert, wenn bas Rieder drückende ber bellen letzten Kriegsjahre an uns vorüberzieht: bie Hungerblockade, bie scharfen Bestimmungen über Verbrauch und Ernährung, das Eintreten Amerikas in ben Kampf. Die letzte Aufzeichnung bezieht sich auf den 2. Dezember 1918, alS dis letzten deutschen Truppen die rheinhessische Stadt verliehen, während die Franzosen schon vor den Toren standen. Die Darstellung bewegt sich in einer sehr anziehenden Form, man merkt auf feder Seite, wie der Chronist in vaterländischem Geiste und mit innerer Anteilnahme die Schicksale seines Volkes verfolgt. 823 — Ernst Pasque: Das Griesheimer Haus (Hessische Hausbücherei Nr. 7). Darmstadt 1928. Verlag der C. F. Winterschen Vuch- druckerei. — Ernst Pasqu«, ein geborener Kölner, hat sich in jüngeren Jahren als Theaterkritiker und Erforscher der Theater- und Musikgeschichte betätigt. Nachdem er von 1871 bis 1875 Direktor des Darmstädter Theaters gewesen war, lebte er in Alsbach an der Vergstrahe. Sn dieser Zeit schrieb er viele Erzählungen, die zumeist einen geschichtlichen Hintergrund haben. Die von Professor Esselborn herausgegcbenr Erzählung „Das Griesheimer Haus" knüpft an ein Jagdhaus an, das bis zum Jahre 1770 im Walde in der Nähe von Griesheim bei Darmstadt stand. Wald-, Sagd- und Spukgeschichten sind in dieser Erzählung glücklich miteinander vereinigt. Das Buch bietet eine gute Llnterhaltungslektüre und ist besonders für Volksbibliotheken geeignet. 822 Verschiedenes. — Zum 75. Geburtstage des hessischen Staatspräsidenten ist aus der Feder des Landtagsabgeordneten Karl Storck eine Broschüre erschienen, die sich betitelt: Staatspräsident Carl Ulrich, Aus seinem Leben und Wirken. Die Schrift will ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Voltes und zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie sein. (Verlags- Haus Darmstadt, Darmstadt, Wenkstrahe 31.) 52 Der von der L. C. Wittichschen Hofbuchdruckerei in Darmstadt herausgegebene Kalender auf das Jahr 1928 empfiehlt sich sowohl durch die Originalität des Entwurfs wie durch vir gediegene Eleganz und Sauberkeit der Ausstattung: ein schmaler, apart und gefällig wirkender Leinenband, dec einen reizvoll handkolorierten Stich von Georg Moller (Darmstädter Martt- play von der Schloßhalle aus) als Titelbild bringt, während die Monatstalender jeweils von einem hessischen Städtebild begleitet werden; Reproduktionen nach Bleistiftzeichnungen von F. M. Hessemer erweisen sich für diese Sllustrationsrolie als überaus geeignet und verleihen dem Kalender ein preziöses Ansehen und bibliophilen Wert. Für Entwurf und Text des Kalenders zeichnet Dr. Bräunig-Oktavio verantwortlich. 13 — Ludwig-Richter-Abreihkalen- der 1 928 (14. Sahrgang) mit farbigem Um- schlagbild und mit ca. 160 Bildern nach Zeichnungen des Meisters. Verlag von Georg Wigand in Leipzig. Preis 2,50 Mk. — Der schöne und liebenswürdige Kunstkalender bringt auch in diesem Jahre wieder viel des Neuen, das dem Beschauer eindringlich vor Augen führt, wie glücklich unser Volk sein darf, einen Meister wie Ludwig Richter hervorgebracht zu haben. Die typographische Ausstattung des Kunstkalenders ist vortrefflich. Jedes Bild offenbart restlos die Reize seines künstlerischen Inhalts, und es sei anerkennend hervorgehoben, dah eine sehr geschickte Hand der Mehrzahl der Illustrationen launige und sinnige Verse beigegeben hat. 830 — Deutscher Bierkalender 1 928. Herausgegeben von 9. Schuster. Verlag Knorr & Hirth, GmbH., München, Preis 2,50 Mk. — Der in Form eines Wandabreißkalenders vornehm ausgestattete, mit einem famosen Titelbild von Ludwig Hohlwein geschmückte Bildkalender bringt in Text und Bild eine Fülle kulturhistorisch interessanten Materials über das Bier, seine Geschichte, seine Bereitung, seine Verbreitung, über das Trinken und Schenken, über Gasthäuser und Maßkrüge; dazu ein Gedenktageverzeichnis, Sprüche, Bilder und Schnadahüpfl. Das Motto lautet: „Hopfen und Malz, Gott erhalt's!", und der Kalender dürfte auch außerhalb der Bierresidenz München Eingang und Anklang finden. 8 Wirtschaft. Zur Eisenpreisfrage. Gestern vormittag fanden im Reichswirtschaftsministerium in Berlin unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsministers Dr. C u r t i u s unter Beteiligung der Länderregierungen die angekündigten Verhandlungen mit der eisenschaffenden und eisenverarbeitenden Industrie über die strittigen Fragen in der Preisgestaltung für die süddeutschen Bezieher statt. Zu Beginn der Sitzung wurde von dem Vertreter der eisenver- Oie Jagd im Februar. Der Februar ist ein stiller Monat für den Weidmann. Die wichtigsten Wildarten haben Schonzeit. Die Jagd auf weibliches Rotwild ist sowohl in Hessen, wie in Preußen geschlossen. Ebenso steht es mit dem Damwild. Dagegen sind Hirsche und Schaufler noch frei, wenn auch der Abschuß in der Hauptsache erledigt sein sollte. Gegen Ende des Monats, des .Hornung" unserer Altvordern, beginnt der starke Hirsch mit dem Abwersen des Geweihes. Bringt der Februar, wie das ja öfters vorkommt, einen Witterungsrückschlag, so darf die Fütterung nicht vernachlässigt werden. Schwarzwild wird weiter bejagt, besonders wo es stark zu Schaden geht. Rehwild hat überall Schonzeit und hat bis jetzt unter dem Winter nicht zu leiden gehabt. Auch ihm muß die Fürsorge des Hegers gelten, wenn es die Witterung noch einmal erfordern sollte. Der Januar war heuer außergewöhnlich mild, und die Hasen Hochzeit hat begonnen. Hoffentlich wird nun das Wetter nicht so, daß die Jung- Häschen des wichtigen ersten Satzes daran ein» gehen. Es sind aus den letzten Tagen wieder verschiedene, an Seuchen eingegangene Hasen ein» geliefert worden. Es ist dringend nötig, daß die Revierinhaber darauf mehr achten und auch das Schutzpersonal entsprechend anweiien. Jedes noch untersuchunasfähige Stück Fallwild sollte grundsätzlich zur Untersuchung an das Institut des Herrn Geh. Rat Pros. Dr. O l t eingeliesert werden, von wo aus dann auch eine Beratung über evtl. Abwehrmahnahmen erfolgt. Jede Unterlassungssünde in der Hinsicht kann sich bitter rächen. Es ist festgestellt worden, daß verschiedene Seuchenerreger erst eindringen, nachdem im Darm des Hasen schmarotzende kleine Würmer, die sich in die Darmwand einbohren, durch diese kleinen Wunden die Eingangstüren geschaffen haben. Es wird daher dringend geraten, zur Bekämpfung dieser Würmer Rübenscheiben im Revier auszulegen und diese mit dem in allen Apotheken und Drogerien erhältlichen Wurmpvlver Kamala zu bestreuen. Die Propaganda der Händler mit lebendem Wild für „Blutaufkrischung" ist zur Zeit sehr lebhaft. Es sei nur darauf verwiesen, daß die wissenschaftlichen Stellen, die sich der Bekämpfung der Wildseuchen widmen, davor dringend warnen, da die Verbreitung der Seuchen dadurch sehr gefördert wird. Hühner und Fasanenhennen haben Schonzeit, während Fasanenhähne noch abgeschossen werden können. Auch die Enten jagd endigte in Hessen am 31. Januar. Bleibt das Wetter mild, so beginnt bereits Ende des Monats die Reihzeit. Es empfiehlt sich daher ar*t) dort, wo die Ente noch Schutzzeit hat. lieber daran zu denken, der Ente durch dauerndes Bejagen ein Revier nicht als Brutrevier zu verleiden. Gewöhnlich kommt gegen Monatsende die Nachricht, dah da oder dort der erste .Vogel mit dem langen Gesicht"' geschossen wurde. Die Waldschnepfe beginnt zu streichen, und es beginnt damit eine zwar materiell bei uns nicht ergiebige, aber wegen des Reizes der mit ihr verbundenen Beobachtung der erwachenden Natur sehr beliebte Jagd. Der Dachs richtet seinen Bau zur Wochen- ftube ein. Er hat in Preußen bereits Schonzeit, während sie in Hessen am 15. Februar beginnt. Der Fuchs ranzt. Sprengen aus dem Bau mit scharfen Erdhunden ist jetzt die verbreitetste Sagbart. Dazu kommen Ansitz oder Pürsch, oder kleine Drückjagden in bekannten Fuchsdickungen. Die Februarbetrachtung sei nicht abgeschlossen, ohne einen Hinweis auf eine sehr wirksame Hegemaßnahme zu geben. Die Reichseisenbahn- verwaltiing hat bekanntlich auf ihrem Gelände in vielen Gegenden Hecken als Brutstätten für Vogel angelegt. Ein Gang an einer solchen Hecke jetzt im Winter zeigt überall Nester in mitunter ungeahnt großer Zahl, ein Beweis der Notwendigkeit und des Erfolges der Maßnahme. Nun hat weiter die Reichseisenbahngesellschaft in einem Schreiben an die Arbeitsgemeinschaft des Allg. Dtsch. Iagdschuhvereins und der Iagdkammer mitgeteilt, dah sie grundsätzlich die Genehmigung gibt, daß Iagdpächter, selbstverständlich nur mit Zustimmung des betreffenden Betriebsamtes, Bahndämme und Bahneinschnitte usw. mit Hecken oder anderen Deckung oder Aesung gebenden Pflanzen bestellen. Die Ueberlassung geschieht unentgeltlich. Wir klagen immer über die Folgen der heckenvernichtenden Feldbereinigung für unser Niederwild. Hier ist der Weg gezeigt, wie mancher Beständer billig zu Remisen kommen kann, eine Anlage, die sich hochbezahlt macht. Hubertus. arbeitenden Industrie die Erklärung abgegeben, dah am 6. Februar eine Einigung über die Gestaltung der süddeutschen Marktverhältnisse zwischen der eisenschaffenden und eifennerarbei» tenben Industrie erzielt worden sei. Die Verständigung geht dahin, dah für die Dauer des Bestehens der gegenwärtigen 'Vertragsverbände für Stabeisen und Formeisen die Grundpreis- spanne zwischen Frachtbasis Oberhausen und Neunkirchen in Höhe von 6 Mark Pro Tonne weiterhin unverändert bleibe. Berliner Handels-Gesellschaft. In der Sitzung des Verwaltungsrats der Berliner Handels-Gesellschaft wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1927 vorgelegt. Der Rohgewinn für 1927 beträgt 11 612 087,13 Mk. Hiervon sind abzusehen: Verwaltungskosten (einschließlich der Tantiemen) mit 5 611 803,31 Mark, Pensions-Leistungen mit 598 132 86 Mk. und Steuern mit 1801 269,16 Mk., zusammen 8 011 205,33 Mk. Somit verbleibt, zuzüglich des Vortrages aus 1926 von 1 150 483.53 Mark, ein Reingewinn von 4 751 365,33 Mk. Auf Antrag der Geschäftsinhaber hat der Verwaltungsrat beschloßen, vorbehaltlich der Grneh- migung durch die Generalversammlung, de Dividende auf das Kommandit-Kapitat von 22 Millionen Mark auf 12 Prozent festzusehen und die nach Abzug des Gewinnanteils des Verwaltungsrats verbleibenden 1 910 127,83 Mk. auf neue Rechnung vorzutragen. Die im Vorjahre mit 7.65 Millionen Mark ausgewiesenen verzinslichen Schahanweisungen sind abgestotzen, so daß sie jetzt nicht mehr in der Bilanz erschienen sind. Report und Lombard weisen im Zusammenhang mit dem Rückgang des Börsengeschäftes eine Verringerung auf. Bei den Schuldnern find über 50 Prozent in Valuta voll gedeckt. Die Gesellschaft hat im abgelaufenen Jahre erhebliche Valutabeträge in Reichsmark umgewandelt. Das Wertpapier- und Konsvrtial- konto enthält eigene Wertpapiere im Betrage von 12,6 Millionen Mark und Konsortialbeteiligungen im Werte von 7,6 Millionen Mark. Die eigenen Wertpapiere zerfallen in 9 Millionen Mark festverzinsliche und 3,6 Millionen Mark Aktien, 60 Prozent von den letzteren sind Auslandwerie. D'e Gesamtumsätze stellten sch auf 22,7 Milliarden Mark gegen 19,8 Milliarden im Vorjahre. Die Liquidität zeigt gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang von 61.8 Prozent auf 57,8. Im neuen Geschäftsjahr ist nach Mitteilung der Verwaltung das Effektengeschäft trostlos und das Zinsgeschäft sehr erschwert. Die Verwaltung hofft ohne Inanspruchnahme der Reserven mit einem zufriedenstellenden Ergebnis aus den Einnahmen rechnen zu können. • * Der amtliche Großhandelsindex im Monatsdurchschnitt Januar. Die für den Monatsdurchschnitt Januar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem Vormonat um 0,6 v. H. von 139,6 auf 136,7 zurückgegangen. Der Rückgang ist hauptsächlich auf die saisonmätzig herabgesetzten Preise für Vieh und Vieherzeugnisse zurückzuführen. Bei den Hauptgruppen ist die Indexziffer der Agrarstoffe um 2,5 v. H. auf 132,2 (135,6) zurückgegangen. Die Indexziffer für Kolonialwaren lag mit 130,0 (129,9) nahezu unverändert. Unter den Industriestoffen ist die Indexziffer für Rohstoffe und Halbfabrikate um 0.4 v. H. auf 134.4 (123,9) und diejenige der Fertigwaren um 0,3 v. H. auf 156,1 (155,6) gestiegen. * Allgemeine Rentenanstalt, Lebens- und Rentenversicherung s-A.-G. Stuttgart. Das Institut totli fein Aktienkapital um 2 Millionen auf 3 008 000 Mk. erhöhen. Die neuen Aktien, die mit 25 Prozent einzuzahlen sind, werden den Aktionären im Verhältnis 2:1 zum Kurse von 112,5 Prozent zum Bezüge angeboten. * Zahlungseinstellung der Holex A.-G. Die Holex-Schokoladen-A.-G. in Bad Homburg ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und hat die Eröffnung eines Vergleichsverfahrens beantragt. Soweit bisher bekannt, stehen den Passiven erhebliche Aktiven an Werkeinrichtungen, Rohmaterialien sowie Außenständen gegenüber, so daß zu hoffen ist, daß es gelingt, das Werk wieder flott zu bekommen. * Brauerei Steinhauser-Windecker A.-G., Friedberg. Die Generalversammlung dieser Gesellschaft, deren Aktienmajorität bekanntlich an den Braubankkonzern übergegangen ist, genehmigte den Abschluß für das G:schäfts- jahr 1926,27 mit 5 Prozent Dividende. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 8. Febr. Tendenz: lustlos. Vorbörslich neigte die Tendenz unter dem Druck der andauernden, fast vollkommenen Geschäftslosigkeit allgemein etwas zur Schwäche. Bei Festsetzung der ersten Kurse konnte sich die Tendenz dann etwas bessern, da die Spekulation zu einigen kleinen Deckungen schritt. Eine Anregung gab die Tatsache, daß am Geldmärkte die Erleichterung heute einige Fortschritt« machen konnte. Außerdem verwies man auf den bis jetzt guten Erfolg der Reichsbahn-Emission. Trotzdem konnte sich das Geschäft nicht beleben, do die Börse weiter unter dem Ordersmangel von Publikumsseite litt. Die Stimmung blieb lustlos, wobei man auf die Verschärfung des Metall- arbeitet ft reife in Mitteldeutschland verwies. Gegenüber der gestrigen Abendbörse blieben die Kurse meist knapp behauptet, die Veränderungen gingen selten über 1 o.H. hinaus. Montanwerte verloren überwiegend bis 1 v. H., Phönix blieben gut behauptet, Buderus konnten 1,5 v. H. anziehen Deutsche Bank, Holzmann und Deutsche Erdöl je minus 1 v. H. E l e k t r o w e r t e gut behauptet. I.- G.- Farben wenig verändert. Von Auto- wert e n zogen Daimler etwas an, dagegen Kleyer etwas schwächer. Schiffahrtsaktien, Schcidc- anftalt und Holzverkohlung blieben gut behauptet. DeutfcheAnleihen bei kleinen Umsätzen eher angeboten. Don Ausländern bestand für Türken etwas Interesse. Im Verkaufe konnte sich das Geschäft auf Deckungen der Spekulation geringfügig beleben. Die Kurse erfuhren keine nennenswerten Veränderungen. I.-G.-Farben plus 1 v. H. Am G e Idin a r k t stellte sich Tagesgeld unverändert auf 6 v. H Im Devisen verkehr konnte sich die Reichsmark weiter gut befestigen und stellte sich gegen Kabel auf 4.1902, gegen London auf 20,428. London gegen Kabel 4,8723. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,07, Madrid 28,69. Berliner Börse. Berlin, 8. Febr. Da neue nennenswerte Anregungen heute nicht Vorlagen, hatte sich schon vorbörslich eine kaum mehr zu überbietende Lustlosigkeit ausgebreitet. Auch zum offiziellen Beginn änderte sich hierin nicht-, so daß bei dem stillen Geschäft naturgemäß eher ein Abbröckeln der Kurse eintreten mußte. Die Rückgänge hielten sich in engen Grenzen von 1 bis 2 Prozent. Stärker gedrückt waren Rheinbraun, Harpener, Gesfürel, Salzdetfurth und Zellstoff-Waldhof, die bis 3,5 Prozent nachgaben. Glanzstoff minus 6 Prozent, Bemberg minus 10 Prozent. Trotzdem war die Grund- stimmung ziemlich widerstandsfähig, da immer wieder Gerüchte von einer bevorstehenden Diskontsenkung der Reichsbank auftauchen. Der Geldmarkt zeigte eine Erleichterung. Tagesgeld 6,5 bis 8 Prozent, Monatsgeld 7,25 bis 8,5 Prozent, Warenwechsel 6,90 Prozent. Heimische Anleihen zur Schwäche neigend. Ausländer geschäftslos. Bosnier fester. Pfandbriefe still und eher angebolen. I.- G.-Farben-Bonds 140—141. Nach den ersten Kursen war die Tendenz zunächst leicht befestigt. Später wurde es wieder sehr ruhig. Es verstimmte, daß der Metallarbeiter st reif eine Verschärfung erfahren hat. Die Kurse gingen etwas zurück, nur teilweise waren noch '/-prozentige Gewinne festzustellen. Glanzstvsf plus 3 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 8. Febr. Bei allgemein flauer Marktlage ist Weizen stark angeboten, doch sind Käufer kaum vorhanden. Futterweizen zeigte etwas regeres Geschäft. In Roggen fehlen Angebot und Nachfrage. Mehl weiter geschäftslos. Weizenkleie fest; das Geschäft ist ruhiger. Futter- und Nachmehle lustlos. Mais fester, die amtliche Notierung wurde um 0,50 Mark erhöht. Es notierten: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 v.H. Auswuchs, 24,50 Marc ; Weizen 2, gut, gesund, trocken, bis zu 3 v. H. Auswuchs, 23,25 bis 23,50; Weizen 3, geringere Be schaffenheit, bis zu 23 v. H. Feuchtigkeit, 22,75 bis 23,25; Roggen 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 27,50 bis 29,50; Hafer, inländischer, 23,50 bis 24; Mais (gelb) für Futterzwecke 22 bis 22,50; Mais (gelb) für andere Zwecke 22,75 bis 23,25; Weizenmehl, süddeutsches (Spezial 0), 36,25 bis 36,75; Roggenmehl 33 bis 35; Weizenkleie 14,15 bis 14,25; Roggenkleie 1£ bis 15,25 Mark. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag gefchlosien. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Frankfurt a. M. •Berlin Datum: 104,25 | 164,25 180,5 284 120.5 99,5 166 103 Vanknoten. 259,5 259,75 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. 133.5 186 220 123.5 263 219,5 122,75 103 42 16 .8 .9 165.25 183,75 99.5 130 112,75 95 180 284.25 249 259 25 252,5 260 126.65 111 94,75 103,25 44 175,75 199 198,75 112 111,65 95,5 I 95.25 — I 177,5 99,25 I 233 I 166,5 149,75 i 149,25 118.13 ! - 164 183 ! 169 219.13 123,25 260 150 Babmeoer A So- • BuderuS Deutsche Erdöl . . Essener Steinkohle tieUenfirdKner Horvener voesch Eisen . . . , ylfe Bergbau . . . Klöcknerwerke . . . Äöln-g?tuefTen Mannesmann ManSielder. . . . . .... .6 8 t. v. s 4 . .... .8 . .... .8 . . . .6»/, f. •/, s 4 133.25 185.5 141 98 । 131 134 I >87 j .7 .8 10 10 .6 10 10 . 8 10 220 5 124 263,5 150 155.5 190.75 180,5 284.5 132.4 163.65 97,65 131 140.5 133,5 188.25 142,5 224,75 121.25 143.4 150,5 118,25 1116 65 96.13 99,75 234 166,4 Devisemnartt Berlin—Frankfurt Kur» 7 2. | 8.2. | 7.2. I 8 2. Berlin 7. Febr. ~~ Französische Noten..... Holländische Noten ..... italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Ocsterr., 4100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . Frankfurt a.M Berlin Schluß- l-Uhr. Schluh- Anfang Kurs »urs Kurz Kur. Datum: 7. 2. 1 8.2. 1 ’-2- ! 8.2. F/» Di- Reicheanleihe v. 1927 3)1. Anl Äblös. Schuld mit - — 87 5 - Aurlos.-Rechten . . . TeS^l. ohne AuSlos..Rechten — 51,85 52 52 — 15.95 16.13 15.9 1*1» Aranti. Hyp..Bk, Gv'dvl unkündbar bu 1932 .... 93 — - Schwei;. BundeSb.-Anl. 96 _ — 4°/e Oeftereichische Goldrte — — _ 4.20°/» Deficrtvicb. Silberne Oesterreich tinytiU. Rte 4,25 _ — J <%> Ungarische Goldrte . . 24.9 — 24.9 4®io Ungarische StaatSr. v 1910 24.5 4‘/*% detzgl. von 1913 — 24,13 4% Ungarische Sronenrte . . 1.55 — L65 1,65 4°/j Türk. Zollanleihe o 1911 4°Io Türk. Baadadbohn.rinl 13.325 13.3 13,25 13,4 Serie 1. 4°/» beßgl. Serie 11 14,13 13,13 13.8 13 r< — 4* « Rumänen convert JRte. 4Wo Rumänen Soldanl. . 5.45 — voll 1913 16,85 — 16.5 KUq Deutsche Eisenbahn 4'/, — _ - Hamburg-Amerika Datei. t> 152 151,5 152,75 151,75 Hamb-Südam Damvlsch 8 212 210^75 Hansa Damvlschisf . . 6 216 214 Norddeutscher M(oi)b . . e 155 154,75 155,13 154,2c Allg Deutsche Ereditanft.. 10 — 144,75 144.75 Barm r Bankverein io 146 — 140,75 145,5 Berliner HandelSacsellich. 12 Commerz, und Privat-Bk. 11 — — 268,65 268 175.5 176 176 Darmst. u Nationaldank. 12 231 231 231 Deutsche Bank . lü 163..i 162.63 163.6 162 6 DiSkonto-Sesellschaft Hat. 10 158.5 159 158 Dresdner Bank . • . 10 159,75 159.5 159,75 159.2 . vkuteldeutiche ttrtbltbauf 9 — — 210 209 tociQÜbanr...... . . .8 AeichSbaok ........ 10 127 — 126,25 195.75 — 195,75 195,25 Geld 17^2 168,46 169,14 22,185 22,265 111,20 111.64 58,95 59,19 2,545 2,565 112,15 112,59 80,.50 80,83 70,91 71,19 12,37 12,43 73 10 73,40 Frankfurt a. M Berlin Schlich il'Uhr. Schluh-', Dnsano Kurs 1 Kur, Kurs 1 kur. Datum: 7. 2. ! 8.2. 7. 2. | 8.2 Pbmvp Holzmann . . 12 137 136 137.75 136,25 Heidelberger Tement . . $ 137.5 138 lemrnr Karlstadt.....(. ’lraofi A Freitao . . . n — — — Schultheis Payeuholer. . 15 — — 398,5 396 Leitwerke . ■ . . 12 — — 327,5 327 Ber. (Slatufiofi......,5 — — 569 563 Bemberg.........s E» — 430 425 Zellston Walddoi. . . . 12 — 246 5 249 245,5 Zellstoff Aschaffenburg . . ic 169 168.75 Charlottenburger Wasser. 7 > effauer SaS . . 8 128.5 128 - — 175 174,13 Daimler 1h otorett...... 86 86,9 86,9 86,75 Demag ...... ö 64.5 Adlerwerke Äleoet. .... 0 79,75 78,5 79 75 78,5 Llldw Loewe , 11 — — 254,65 Nat Automobil...... k — — 98 — Oreostrtn 4 Kovvkl . . . . < - — 138 137,25 Linke Hofmann .... c — — —- keondard Tiey .... f, — 199 198 Bamaa-N egum ...... 0 Franks. Maschine« .... k <8riyner ...... 72 28,25 73 — 133 — Hevltgenftaedi ...... c> — — — — IunghanS > ...... f Lechwerke. ...... 8 — 119 86,5 — Moinkraftwerkr ...... 6 — — — — UJhao ■ ....... it — — 139.75 —— Nekarlulmer ..... 8 99.75 — WO Meters Union ....... r- 112 - , 112 — Kebr. Roeder . ...... 10 — — Voigt A Haeffner .... 6 178 — 179,5 — Küdd Zucker ...... 0 143.5 — 142,5 — 7. Febr. 8. F«br. Amtliche Notierung Amtliche Notierung «eld Briet iHeld Brief _ Amst^Noit 168,71 169,05 168,70 !69,0i Bueu^LlireS 1,789 1,793 1.789 1,793 Brff^Antw 58,295 58,415 58,30 68,42 lshriMania 111,36 111,58 111,38 111,60 Snpenbaflcn 112.0S 112,30 112,10 113,32 Stockholm . 112,35 H2.57 112,39 112,61 HrlfiugforS. 10,548 10,568 10,547 10,567 (Halten. . . 22,16 22,20 22,17 22,21 London. . . 20,398 20,438 20,403 20,443 Neunori . . 1,1870 4,1950 4,1865 4,1955 Paris ... 16.445 16,485 16,45 16,49 Schweiz . . 80, o5 0,71 80,56 80,72 Spanien. 11 03 71.17 71,33 71.47 Tapan . . 1,965 1,969 1,964 1.968 'llio de Jan. 0.503 0.505 0.5025 0.3045 Wien in D-- Oest. abgest J8,975 59,095 "8,96 69,08 Prag .... 12,41 12,43 12,408 12,428 Belicad - - 7,361 7,375 7,371 7,385 Dudavrst - - «nlaarieu 3,027 «3,35 3,033 73,21 3,027 3,033 l'ifTabon 19,68 19.72 20.68 20,72 Danzig. . . 81,58 81,74 81,57 81,73 Qonfttintta. 2,125 2,129 2,120 3,124 Athen. . . 5,544 5,556 5,544 5,556 Cauada 4,180 4.188 4,180 4,188 Uruuav ■ 4,276 4,284 4,276 4,284 «4tro 20.922 20.962 20.927 20 967 Berlin, 7. Febr. 1 Weib | Briet Ämerilaniiche Noten..... 4,172 4,19s Belgische Noten...... 58,15 58,39 Dänische Noten...... 111,88 112,32 Englische Noten ....... | 20.37 | 20.45