Nr. 263 Erstes Blatt 178. Jahrgang Mittwoch, 7. November 1928 Lrlch«,»' logitd),cufcet Sonntag* «nb feiertags. Betiegtn; Cltfotncr JJamUienblftttet Hetmal im Bild Die Scholl» moiatfBcjeesprrtt; 2 TteidHmarh unD 20 Retchspfennty für Trüge» lohn, and) bei Nichterscheinen etnzelnerNummern infolge höherer^ Gewalt. Fernfprechanlchlülse: 51, M und 112 Anschrift für Drahtnach' richten »njelger Oietzc». PoBfdfecffonto; ^renffurr am Main 11686. Glchemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vn-S Md Verlag: vrühl'sche rinlversttRr-voch. and Sttinörudertl B. rangt in Siegen. Schristlettnng und Seschästrftelle: Schillftrage r. üiiabee von Snjeigci» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig. für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchnst 20° , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Tüili) Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein i für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in (Biehen Das Kabinett poincare zurückgeireien. Oemifsion der radikalen Minister. — Rücktriitsgesuch des Gesamtministeriums. — llngeklarte Lage. poincar^s (Sturz. Der Sturz des Kabinetts Poincarü, das seit dem kurzen Intermezzo Herriots, also seit dem 23. Juli 1926 am Ruder mar, ist nun doch üb^.aschend gekommen. Den Anlatz bilden die Artikel 70 und 71 des neuen französischen Budgets, die eine Rück- w ä r t * r e v i d i e r u n g der weltlichen Gesetzgebung gegenüber der Kirche bedeuten. Sie waren von Poincarü vielleicht nicht ohne Absicht in das Budget hineingcschmuggelt worden. Aber es schien schon ein Kompromiß bereitzu- stehen, ban den Radikalsozialistcn die Zustimmung ermöglichte und damit das Kabinett rettete. Bon Samstag bis Montag hat nun in Angers der Parteitag derRadtkal-Sozialisten beraten, er brachte schon am Sonntag in der Kommission einen Beschluß, der den Rücktritt der radikal-sozialen Minister notwendig machte. Es gelang dann aber in der Vollsitzung, diesen Beschluß so abzuwandeln, daß die Krise vermieden schien. Im Vertrauen darauf ist dann auch Herriot ruhig abgereist. Wahrscheinlich haben die Gegner des S£a- binetts darauf nur gewartet. Jedenfalls kamen sie am Montag urplötzlich mit einem neuen Antrag, der ziemlich schmucklos den Satz enthielt, daß die Durchführung des Programms der Radikal- Sozialen mit der Aufrechterhaltung des Kabinetts der nationalen Einheit unvereinbar sei. In der Nacht vom Montag zum Dienstag ist in der Vollsitzung des Parteitages dieser Satz auf Eingreifen des Vorsitzenden zwar wieder unter den Tisch gefallen, und nur in der verwässerten Formel auf- recht erhalten, daß der die Existenz des radikal- sozialen Proaramms nicht mit der nationalen (Ein- heitsfront sichergestellt werden könne. Aber auch diese Abschwächung enthielt doch noch ein verkapptes Mißtrauensvotum, wenn nicht gegen die radikal-sozialen Minister, so doch gegen das Kabinett Poincarä. Herriot und seine Freunde haben daraus die Folgerung gezogen und ihre Demission eingereicht, sie haben das gönze Kabinett nach sich gezogen. Der Giftpfeil, den E a i l l e a u r gegen feinen intimsten Feind, Poinca-rS, seit Wochen präpariert hatte, hat also direkt ins Zentrum getroffen. Denn hinter diesen ganzen Beschlüssen von Angers steht Eailleaux, wenn er auch persönlich klugerweise nicht in den Vordergrund getreten ist. Es fragt sich aber doch, ob er sich selbst dadurch den Weg ins Ministerium wieder frei gemacht hat. Erschüttert war das Kabinett Poincare eigentlich schon seit den Wahlen, es war nur eine Frage der Zeit, wie lange es sich hielt. Aber Poincarö wird kaum freiwillig von der politischen Bühne verschwinden wollen, wahrend im Hintergründe schon seit Monaten die nächsten An- Wärter, vor allem Briand, sich als Nachfolger empfehlen. Die Demission. Paris, 6. Rov. (2BB.) Dor dem THiniffcrrat, der heule vormittag slattfindel, haben die vier radikalen 2H i n i ff e r herriot, Sarrauf, Oucuille und Perrier sich ins Finanzministerium begeben und eine lange Unterredung mit Ministerpräsident poincarS gehabt. Sie haben ihm mifgefeilt, daß sie auf Grund der Beschlüsse des radikalen Kongresses von Angers sich gezwungen sehen, ihm ihre Demission zu übergeben. Rach dieser Unterredung hat Ministerpräsident p o i n e a r e sich ins Llysee begeben, wo der Minlsterraf sfafffinden sollte. Der Präsident der Republik hat die übrigen Minister allein gelassen, damit diese unter sich in voller Freiheit über die Lage beraten, die durch die Demission der vier radikalen Minister geschaffen ist. Die Minister haben beschlossen, dem Präsidenten der Republik die Gesamtdemission des Kabinetts zu übermitteln. ♦ Das Dernissionsschreiben. das Poin- rare an den Präsidenten der Republik gerichtet hat, lautet: „3d) habe von meinen Kollegen Sarraut, Herriot, Queuille und Perrier beiliegendes Demissionsschreiben erhalten. 3n der Absicht,. die Z u s a m m e n a rbeit au rechtzuerhalten, die ich für nützlich für das öffentliche Wohl glaubte, habe ich seit langem allen Kabinettsmitgliedern gesagt, daß, wenn eines von ihnen sich zurückziehen würde, ich mich gezwungen sehen wurde, unsere Gesarntdemifsion 'n erklären. 3ch habe die Ehre, Ihnen diese Gelarnt- demission zu überreichen." gcg. Poincare. Das Demissionsschreiben, das Un'ercichtsmini- ster Herriot im Namen der vier radikalen Minister dem Ministerpräsidenten überreichte, laufet wie folgt: »Am letzten Sonntag hat der Kongreß der Radikalen Partei nach einer langen Diskussion zwischen zwei Thesen zu wählen gehabt. Die erste These enthält die Forderung an die radikalen Minister, sofort aus der Regierung auszutreten. Die zweite These gibt rms Aktionssreiheit, solange sich nicht eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Werk der Regierung und den Doktrinen der Radikalen Partei zeigt. Auf Grund der 3nter» denkton eines von uns wurde die erste These durch einen einstimmigen Beschluß des Kongresses ausgeschaltet. Gestern ist nach unserer Abreise, die durch den Ministerrat und den Wiederzusammentritt des Parlaments, der heute erfolgt, notwendig geworden war, im Lause einer im Programm des Kongresses nicht vorgesehenen Rachtsihung die am Tage vorher aus- geschaltete These in der Form des ar der Parteierklärung eingefügten Satzes wieder aufgenommen worden. Unter diesen Umständen haben wir künftighin keine Autorität und sogar keine Qualität mehr, um bei den Beratungen der Regierung die Radikale Partei zu vertreten. Wir haben daher die Ehre, Ihnen unsere Demission zu überreichen. Wir haben länger als zwei Jahre unter recht schwierigen Umständen und ohne daß unsere Lieberzeugungen verletzt wurden, im nationalen Interesse unseren Beistand der An gabe geliehen, die Sie in so glücklicher Weise durchführen. Wir wünschen, daß Ihnen unsere Mitarbeit auch so loyal erscheint, wie sie eS nach unserer Auffassung war." gez. Herriot. Auf dieses Schreiben hat P o i n c a r 6 folgendes geantwortet: Ich bedauere lebhaft, daß die Llmstände uns dazu führen, die Zusammenarbeit einzustellen, die beiderseits loyal und vertrauensvoll war und nicht ohne Ruhen für das Land gewesen ist. Sobald ich von den Abstimmungen des radikalen Kongresses in AngerS vom Sonntag Kenntnis erhielt, kam ich zu der Ansicht, daß sie in mehreren Punkten mit der In vollem Einverständnis von der Regierung befolgten Politik unvereinbar toaren. Ich habe gestern abend zu Albert Sarraut gesagt, daß ich mich dem Parlament, das uns stets sein Vertrauen bezeugte, nur vorstellen tonnte, wenn ich namens des gesamten Kabinetts Gesetzesentwürfe und Ideen, auf die wir uns geeinigt hatten, vertreten dürste. Ich wollte vor allem die Verantwortung der Regierung einsetzen können hinsichtlich der Ausgaben für Heer und Marine und hinsichtlich der von Ihnen angenommenen neuen Bestimmungen bezüglich der Missionen im Auslande, hinsichtlich der Pflichten der Beamten und hinsichtlich der Außenpolitik. Da diese Möglichkeit nicht mehr besteht, konnten weder ich noch meine Kollegen, die sämtlich meine Ansicht teilen, sich anders verhalten." gez. Poincar6. Doumergue beginnt die Verhandlungen. Paris, 6. Rov. (WB.) Der Präsident, der R e p u b l i k hat das zurückgetretene Kabinett Poincarö mit der Führung der laufenden Geschäfte beauftragt. Der Präsident der Republik beginnt heute nachmittag seine Verhandlungen zur Bildung einer neuen Regierung. Er wird, wie üblich, zunächst mit den Präsidenten von Kammer und Senat verhandeln. Das französische Publikum wurde über die wichtigen Ereignisse am Dienstagvormittag erst sehr spät unterrichtet und erfuhr den Rücktritt seiner Regierung gleichzeitig mit dem Ausland in den frühen Rachmrttags- stunden. In politischen Kreisen verbreitete sich die Rachricht über den Rücktritt der Minister wie ein Lauffeuer und fand je nach der politischen Einstellung Zustimmung oder Ablehnung. Vom französischen Standpunkte würde der Rücktritt Po.ncarcs und sein etwaiges Ausscheiden aus der politischen Arena — bis er eines Tages erneut als Präsident der Republik <.n das Elysee einzieht — einen schweren Verlust bedeuten. Durch seinen Rücktritt wird das von ihm entworfene und der Finanzlommission der Kammer bereits vorgelegte Budget für 1929 auf das ernsteste bedroht. Die Reparationsver- Handlungen, die demnächst zwisck-en Deutsch- lanb und den Alliierten beginnen sollen, würden durch das Ausscheiden Po.ncarös den energischsten und hartnäckigsten Verfechter des französischen Standpunktes der völligen Llnnachgiebig- leit verlieren. In den Wandelgängen der Kammer hat die durch die Demission des Kabinetts geschaffene Lage besonderes Aufsehen erregt, weil heute das Parlament wieder zusammentreten sollte. Der Senat hatte bereits heute vormittag eine Sitzung abgehalten. Nach Havas beurteilt man in den Wandelgängen der Stummer die Lage als vollkommen ungeklärt. Es ist möglich, daß mehrere Tage vergehen werden, bis der Präsident in der Lage ist, den künftigen Ministerpräsidenten zu bestimmen. Wenn man nur die Kräfteverteilung im Parlament berücksichtigt, so widerspricht nichts der Annahme, daß Doumergue aufs neue Poincar 6 zur Bildung der Negierung aufforbert, zumal er stets das Vertrauen der Kammer erhalten hatte. Gefetzt den Fall — was bei weitem nicht sicher ist —, daß Poincarö die Kabinettsbildung übernimmt, darf man sich nicht verhehlen, daß er auf e r n st e Schwierigkeiten stoßen wird angesichts der von den Radikalen eingenommenen Haltung. Man saßt unter diesen Umständen die Möglichkeit der Bildung eines Kabinetts auf neuer politischer Grundlage ins Auge, entweder ein Ministerium der republikanischen Konzentration ober ein in sich geschloßenes Ministerium der Linken oder der Mitte. Pomcore bleibt der Meister der Stunde. Die künftige Haltung der Radikalen. pari». 7.Rov. (1DIB. Funkfpruch.) Heber die durch die Demission des Kabinetts poincarö geschaffene Lage, berichtet der ..Malin": poin- c a r 6 bleibt der große Mel st er der Stunde. Ob er sich nun entschließt, bereits jetzt das Ministerium wieder zu bilden, in dem er sich darauf beschränkt, die vier zurückgetretenen radikalen Minister zu ersehen, ober ob er die unvermeidlichen Mißerfolge der anderen Kombinationen. die man vielleicht ins Auge fasten konnte, a 6 ro a r t e L Tlur eines könnte eine vollkommen neue Lage schaffen, das wäre eine Spaltung ober wenigstens eine Absplitterung, sei es in der sozialistischen, fei es in der radikalen Partei. Seit einiger Zeil ist viel vom A u s t r I f f Paul-Boncours aus der sozialistischen Partei die Hebe gewesen, bie ihm seine Mitarbeit beim Völkerbund zum Vorwurf macht. Man muh daran erinnern, mit welcher Beharrlichkeit der Harne Päul-Boncour auf dem radikalen Parteitag in Angers von den „verfchwörern" genannt worben ist. Aber es heißt, bah Paul-Boncour nur einige feiner Freunbe nach sich ziehen würbe. Es stehl auher Zweifel, bah ein neues Ministerium poincare bie Unter st ützung von wenig st ens sechzig Habikalen, selbst wenn ihre Haltung eine Spaltung innerhalb ber Partei zur Folge haben sollte, erhalten würbe. Anbererseils haben bie rabifalen Minister bei ihrer gestrigen Beratung einmütig festgeslelll. bah die Parteierklärung burch ein illoyales Manöver zustanbegebracht würbe. Sie haben tzssschlossen, an den parleivorstanb zn appellieren, ber auf ihr Ersuchen sehr bald zusammentrelen wirb, um ihre Erklärungen anzuhören unb dazu Stellung zu nehmen. Hoovers Wahlsieg. Die Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten. — Die Mehrheit für den republikanischen Kandioaten. Heuyork. 6.Tloo. (MTV. Funkspruch.) „Ehi- kago Tribüne" bezeichnet in einer Sonberausgabe den republikanischen präsibentschastskanbibaten Hoover als gewählt. Rach ber Berechnung des Blattes erhält Hoover 340wahlmänner- st l m m e n. Auch die demokratische „World" gibt den Sieg Hoovers zu. Hoover erhielt in seinem heim von der „Associated preh" bie Wahlergebnisse. Um 7.15 Uhr abrnbs paclsiczeit waren auf einer Wanblafel In ber Wohnung Hoovers solgenbe 16 Staaten mit 2 0 6 Dahlmänner st im- men in die Siegkolonnen Hoovers eingctrelen: Illinois, Ohio, Pennsylvania. Maine, Michigan, Washington, Indiana. Kansas, Oklahoma, Westvirginia. Kentucky. Süddakalo. Oregon, Kalifornien. Smith beglückwünscht Hoover incuy 0 rk, 7.Tloo. (WTV. Funkspruch.) Gouverneur Smith, der die Wahlresultale im Tleu- yorker Hauptquartier der Demokraten entgegennahm. ohne sich zunächst dazu zu äußern, sandte gegen Mitternacht, als sich bas Ergebnis ber Wahlen herumsprach, folgendes Telegramm an Hoover: „3 ch beglückwünsche Sie herzlichst z u Ihrem Sieg unb bitte Sie meina beften und aufrichtigsten Wünsche für Ihr körperliches und seelisches Wohlergehen unb f ü r ben Erfolg Ihrer Regierung enfgegen- zunehmen." Starke Wahlbeteiligung im ganzen Land. Ruhiger Verlauf. N e u tj o r f, 6. Nov. (WB.) Das in Neuyork unb in den meisten Landcsteilen herrschende schöne Wetter läßt eine Wahlbeteiligung erwarten, bie einen Rekord barstellen dürste. Berichte aus den Neuyorker Wahlbezirken melden eine außerordentlich starke Stimmenabgabe. Seit ben frühesten Morgenstunden herrscht auf ben meisten Waylplätzen großer Andrang. Hunderte von Wählern, darunter viele Frauen, warten in Reih unb Glied vor den Wahllokalen. Allein in der City- von Neuyork wird die Abgabe von etwa zwei Millionen Stimmen erwartet. Der Neuyorker Polizeikommissar hat 8000 Polizisten, etwa die Hälfte der gesamten Polizeimacht, sowie 1500 Spezialbeamte zur Ueberwachung der Wahltätigkeit aufgeboten. Auch aus den übrigen Icik.. des Staates Neuyork sowie aus anderen Landesteilen bis zur Küste des Stillen Ozeans wird stärkste Wahlbeteiligung gemeldet. In Chicago waren zweieinhalb Stunden nach Eröffnung des Wahlakts von einer Gesamtstimmzahl von 1385 000 bereits über 300 000 Stimmen abgegeben. Kansas City meldet nach zweistün- diger Wahltätigkeit die Abgabe von über 50 000 Stimmen, was etwa ein Viertel der Gesamtstimmenzahl ausmacht. Die Stimmabgabe schreitet allenthalben unter stärkster Beteiligung fort, jo daß mit einer frühzeitigen Bekanntgabe des Endergebnisses gerechnet wirb. Es laufen bereits Teilergebnisse, namentlich aus bem Süden unb bem mittleren Westen, ein, wobei im Süden, hauptsächlich in den ländlichen Bezirken, Smith die Führung hat, während im mittleren Westen und in einigen Ailantilstaaten anscheinend Hoover an er st er Stelle steht. Teilergebnisse aus Texas weisen einen scharfen Kampf zwischen beiden Kandidaten auf. In Atlantic City, Philadelphia und einigen anderen Orten ist es zu geringen Zufarnrnen- stöhen zwischen republikanischen und demokratischen Arbeitern getommen, da bei der Stimmenabgabe angeblich Betrügereien verübt worden sind. Die Ruhestörungen wurden jedoch rasch beigelegt, nachdem einige Hauptschreier verhaftet worden waren. Ein ernsterer Zwischenfall ereignete sich in Charleston (West-Virginia), wo ein Wähler, der in der Rähe von Lefthand Hill, einem ländlichen Wahlplah, mit einem anderen Wähler in ein politisches Wortgefecht geriet, von seinem Gegner angeschossen und so schwer verletzt wurde, daß er sich in einem kritischen Zustand befindet. In der Stadt R euh o rk wurden etwa 100000 Stimmen stündlich abgegeben. Die Stimmabgabe ging besonders schnell vonstatten in den Bezirken, in denen Wahlmafchinen benutzt wurden. Dis 3 Uhr nachmittags hatten etwa 75 Prozent aller Stimmberechtigten ihr Wahlrecht ausgeübt. Die Wahlbeteiligung in den Südstaaten war ungewöhnlich stark, namentlich seitens der Frauen. Die bis 5 LIHr vorliegenden Teilergebnisse aus verschiedenen Landesteilen liehen feine ungewöhnlichen parteipolitischen Verschiebungen erkennen. Die tote Bundeshauptstadt. In Washington darf nicht gewählt werden. Washington 6. Rov. (WB.) Während heute vom frühen Morgen bis in die späte Rächt jeder noch so kleine Flecken in den Vereinigten Staaten vom Fieber des Wahltages erfüllt tft, und während in allen Städten und Dörfern bie Straßen von Wählern oder auf Wahlergebnisse Wartenden belebt sind, herrscht in Amerikas über eine halbe Million Einwohner zählender Bundeshauptstadt Grabesstille. In Washin- ton darf versassungsgemäß nicht gewählt werden, und die hiesigen Bürgervereinigungen haben daher gemeinsam mit den Zeitungen den 6. Rovember xum Tag der Erniedrigung erklärt. Es wurden Protest Versammlungen vor dem Rathaus abgehalten. In einem plmzug wurden mit Trailers lor umwundene leere Wahlurnen mitgesührt. Lastwagen mit lebenden Bildern, die die der Bürgerrechte beraubten Washingtoner Steuerzahler darstellen, fuhren vor dem Weihen Hause vor und wurden dort photographiert. Die oft abgelehnte Rovelle zur Aushebung dieser seinerzeit mit der Notwendigkeit, im politischen Zentrum der Vereinigten Staaten die Ruhe und Ordnung ausrechtzuerhalten, begründeten Maßnahme soll auch im nächsten Kongreß wieder eingebracht werden. Sie hat allerdings nicht viel Aussicht auf Annahme, da Washington t m Parlament nicht vertreten ist. Bis gestern um Mitternacht waren die R u n d- s u n k f e n d e r der Vereinigten Staaten damit beschäftigt, Wahlreden beider Parteien in schöner Llnparteilichleit Im ganzen Land> zu verbreiten. Zunächst war eine Stunde auSge- süllt mit einer Rede Hoovers, dann eine weitere Stunde mck einer Rede Smiths. Es folgten Darbieiungen der Demokratischen Partei und schließlich letzte Ermahnungen bjr republikanischen Wahlfeldzugführer. Mit Recht hoben „Washingtoner Star" und andere führende Blätter rühmend hervor, daß auch die Presse während des ganzen Wahlselozugcs in ihrem Rachrichtenteil durchaus unparteiisch geblieben ist und insbesondere alle Reden, auch die der Gegner, ungekürzt veröffentlicht hat. A-reß-ebatte in England. Macdonald kritisiert im LlnterhauS die Außenpolitik der konservativen Negierung. Die pariser presse zur Kabinettskrise. Paris. 7. Rov. (WTD. Fuarkspruch.) Die gesamte Morgenpresse, mit Ausnahme der linksstehenden Blätter, verurteilt das Vorgehen der Radikalen. Das „Echo de Paris" erklärt: „Sache des Parlaments, das allein der Dolts- souveränität Ausdruck gibt, ist eS, zu sagen, ob es diesen Gewaltftreich dulden und vor der Diktatur einer Minderheit kapitulieren will. Sach« Poincarös ist es, zu zeigen, ob er noch der Staatsmann unb Patriot ist, aus den Franlreich in den schlimmen Stunden seiner (beschichte hat rechnen können." — Das „O e u v r e" vertritt den Standpunkt, daß in Wirklichkeit die nationale Einigung schon läng st überlebt war, daß aber der Zeitpunkt, sie aufzukündigen, verfrüht gewesen ist. Die Sozialisten seien weniger denn je entschlossen, an einer Regierung teilzunehmen, und der letzte mit dem sie Zusammenarbeiten würden, sei jedenfalls C a i l l a u x. infolgedessen rechnet das Blatt mit einem Ministerium der Mitteiparteien, das links, bei den Radikalen eine Stühe finden werde. Für diese Kombination nennt das Blatt PoincarL oder Tardieu. — Das Gewerkschaftsblatt „L e Pe u p le" erklärt: Di? Wahrheit ist, daß die Nationale Einigung un- wiederbringlich zerbrochen war, seit die geplante Z u - l a s s u n g d e r r e l i g i ö s e n O r d e n, die wie ein Peitschenhieb wirkte, die radikalen Massen in Bewegung gesetzt hatte. Herriot selbst hat mit der Energie, mit der er die gegen die Gesetzgebung geplante Verschwörung ausd"ckte, auf dem Parteitag d i e Sturmglocke geläutet. Poincarö wird ohne Zweifel heute ins Elysee berufen werden. Wenn er, was wahrscheinlich ist, ablehnt, das neue Kabinett zu bilden, wird die Krise nicht so rasch gelöst werden können. — Im sozialistischen „Populaire" schreibt LLon Blum: Der Bruch zwischen der Nationalen Einigung und der Radikalen Partei ist vollzogen. Alles, was sich gegenwärtig saaen läßt, ohne Wider- spruch befürchten zu müssen, ist, daß eine radikale Regierungskombination, wenn die Krise zu einer solchen führen sollte, der Unter- st ü tz u n g d e r s o z i a l i st i s ch e n St i m m e n bei der Durchführung aller von dem radikalen Parteiprogramm geforderten Reformen sicher sein kann. Oer Eindruck in Berlin. Keine Verzögerung der Neparations- verhandlungcn. Berlin, 6. Nov. (Privati..formation.) In Berliner politischen Kreisen betrachtet man die Situation nach dem Rücktritt des Kabinetts Poincars durchs a u s r u h i g. Man rechnet damit, daß P o i n c a r e auch das neue Kabinett bilden wird und damit auch das Finanz- und auswärtige Ministerium wieder in der bisherigen Form besetzt werden. Die Fortführung der Reparationsverhandlungen würde damit gesichert sein, und es ist auch nicht anzunehmen, daß eine wesentliche Verzögerung dieser Verhandlungen durch die französische Regierungskrise eintritt. Lleberraschung in England. Kurssturz französischer Werte. London, 6. Rov. (LU.) Der Sturz deS französischen Kabinetts kam allen politischen Kreisen in.England völlig unerwartet. Die Rachricht vom Rücktritt heS Kabinetts selbst wurde, wie in allen Pariser Berichten hervorgehoben wird, mehrere Stunden zurückgrhalten. Die Abendblätter enthalten sich vorläufig noch jeden Kommentars und beschränken sich auf eine ausführliche Berichterstattung über die mit dem Rücktritt zusammenhängenden Vorgänge. An der Börse hatte der Sturz PoincareS bereits eine starke Auswirkung. Alle französi.chen Anleihen und Bonds fielen um mehrere Punkte. Die französischen Werte wurden durchweg beträchtlich angeboten. „Graf Zeppelin" wieder im Heimathafen. Dr. Eckener in Berlin geblieben. Friedrichshafen, 6.Rov. (WTD.) Der „Graf Zeppelin" ist um 15.30 Llhr glatt gelandet. 14.30 Uhr kam der „Graf Z«ppolin", aus nordöstlicher Richtung kommend, und von einem Doppelt decker begleitet, in Sicht. DaS Schiff gibt bei dem sonnigen Herbstwetter einen prächtigen Anblick. Es steuert direkt auf den Landungsplatz zu, auf dem sich bereits die Haltemannschasten und die zur Absperrung angesorderte Polizei befanden, überflog ihn jedoch zunächst, immer noch begleitet von dem Flugzeug, und wandte sich dann dem See zu. Rach einer längeren Kreuzfahrt über Stadt und De« erschien das Schiff gegen 15.30 älhr wieder über dem Werftgelände. Um 15.23 Uhr fielen die Haltetaue aus dem Bug, und um 15.30 Uhr war das Schiff, von zahlreichen Zuschauern begrüht, gelandet. Das Luftschiff wurde von den beiden Führern Lehmann und Flemming nach Friedrichshafen zurückgeiührt, während Dr. Eckener in Berlin geblieben ist, um hier noch Verhandlungen zu führen. Heute vormittag machte Dr. Eckener einen Besuch auf der amerikanischen Botschaft und hat auch dem argentinischen Gesandten einen Besuch abaestattet. Dabei handelt es sich aber um reine HoflichkeitS- und Freundschaftsbezeugungen. Die Rachrichten über alle möglichen Verhandlungen von außergewöhnlicher Bedeutung find falsche Richtig ist. daß Dr. Eckener morgen eine Besprechung im Reichsverkehrsmini- sterium haben wird, die keineswegs den von anderer Seite vermuteten sensationellen Inhalt haben dürfte. Eine sensationelle Versteigerung. Bremen, 6. Nov. (WTB.) In Gegenwart aller bremischen Baumwollfirmen und zahlreicher Vertreter vieler anderer bremischer Wirtschaftskreise fand heute mittag in den festlich hergerichteten, mit den bremischen und den deutschen Flaggen reich geschmückten, Proberäumen der Bremer Baumwollbörse die Versteinerung des mit dem „Graf Zeppelin noch Deutschland gebrachten Rundballens amerikanischer Baumwolle auf amerikanische Art statt deren gesamter Ertrag für die Mannschaft des „Graf Zeppelin" bestimmt ist. Aus dem hessischen Finanzausschuß. Darmstadt, 6. Rov. (WHP.) Zu Beginn der Sitzung gedachte der Vorsitzende, 2ll»g. W t ö- mann, zunächst des verstorbenen Abgeordneten Kindt, zu dessen Ehren sich di« Mitglieder des London, 6. Nov. (WTB.) Die Parla ° mentseröffnung durch den König in Anwesenheit der Peers, der Unterhausmitglieder und der fremden Diplomaten bot das gewohnte glän- zende Bild. Die Minister und Parteiführer wurden durch lebhaftes Händeklatschen begrüßt. Zu Beginn der Aussprache im Unterhaus über die Antwort- adrefse auf die Thronrede ergriff Macdonald als Führer der Opposition das Wort, um scharfe Kritik an der Haltung der englischen Regierung auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik zu üben. Durch die Vorbehalte der englischen Regierung zum Antikriegspakt, so erklärte er, sei dieser in seinem Kern zerftört worden. Die Regierung habe ihr Bestes getan, um den TätigkeUs- bereich des Völkerbundes einzuschränken und der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz alle nur möglichen Hindernisse in den Weg zu legen. Ich kann nicht annehmen, so erklärte Macdonald, daß den Urhebern des englisch-französischen Flottenabkommens unbekannt gewesen sein sollte, daß jeder der Punkte, in dem wir Frankreich Zugeständnisse gemacht haben, bereits von Amerika, Italien oder Deutschland a d g e l e h n t worden ist. Macdo- nald sagte weiter, der Vorhang wehe hoch über dem letzten Akt eines sehr traurigen Dramas, das die konservative Regierung während der letzten vier Jahre gespielt habe. Baldwin habe feine Versprechen gebrochen und goldene Gelegenheiten verpaßt, um den Nationen Europas Sicherheit zu geben, damit sie zu einer gemeinsamen Vereinbarung über die Abrüstung gelangen könnten. Baldwin bemerkte in seiner Erwiderung, der Angriff auf die Handlungsweise der Regierung von feilen der Opposition sei während der letzten Monate so allgemein gewesen, daß es für die Regierung unmöglich sei, zu erwidern, bevor sie nicht auch den Standpunkt des Führers der Liberalen Partei, Lloyd Georaes, gehört habe. Im Hause herrschte einige lleberraschung, als zutage trat, daß dies alles war, was der Premierminister zu sagen hatte. Macdonald erhob sich sofort und fragte, ob die Regierung denn gar keine E r - k l ä r u n g über auswärtige Angelegen- betten und über das englisch-französische Abkommen zu machen habe, die ihre Haltung klarstelle, ohne Rücksicht darauf, was Lloyd George oder er selbst zu sagen hätten. Baldwin erwiderte: „Wir haben ein Weißbuch veröffentlicht. Wir wissen, daß wir in dieser Frage einen Mißtrauensantrag zu gewärtigen haben. Dies wird die Gelegenheit fein, bei der die Regierung ihren Standpunkt klarmachen wird." Ausschusses von ihren Plätzen erheben. Der Ausschuß nahm sodann gegen die Stimmen der Kommunisten den Gesetzentwurf über die Besteuerung der Gewerbebetriebe im cklmherziehen an, über den wir Im einzelnen noch berichten werden. Mit 6 zu 4 Stimmen genehmigte der Ausschuß «inen Betrag von 40 000 Mk. -ur Verbesserung der Forst«inrichtungen in den Staatsund Gemeindewaldungen des Dolksstaates. 8200 Mark bewilligte der Ausschuß zum Ausbau der Heilstätte und Rervenklinik bei Gießen. Von der Deichsregierung sind -um Zweck der Forderung von Maßnahmen für die Wertschafsende Arbeitslofenfürsorge (öffentliche Rotstandsarbeiten) 1 738 800 Mk. für Hessen zur Verfügung gestellt worden unter der Bedingung, daß das Land den gleichen Betrag aufbringt. Einer dahingehenden Regierungsvorlage wird -ugeftimmt. Die Nichtigkeitsklage der Arbeitgeber. Die Gewerkschaften reichen Gegenklage ein. Duisburg. 7.Rov. (Priv.-Tel.) Die Begründung des Arbeitgeberverbandes ju der beim Arbeitsgericht in Duisburg eingereichlen Nichtigkeitsklage liegt nunmehr vor. Der Arbeitgeberverband führt in feiner Klageschrift an, daß die Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches keinerlei Rechtswirkungen zwischen den Parteien heroorbringe, da der für verbindlich erklärte Schiedsspruch sowohl gegen zwingende Vorschriften des formellen als auch des materiellen Rechts verstoße. Da er vom Vorsitzenden allein gefällt roorben ist, verstoße er gegen die Bestimmungen des § 5 der Schlichtungsordnung. Sollten die Bestimmungen jedoch so ausgelegt werden, daß der Vorlihende den Schiedsspruch allein sollen kann, so sei die Aus- sührungsbestimmung zur Schlichtungsver- orbnung ungesetzlich, weiter wird ausgeführt, der verbindlich erklärte Schiedsspruch greife materiell in die Bestimmungen des noch geltenden Rah- mentarifvertages vom 16. Mai 1927 ein. Eine weitere eingehende Begründung behält sich der Arbeitgeberverband vor. wie die „Germania" von autoritativer Seile aus dem Aktionskomitee der Arbeitgeber erfährt, werden sich diese dem Spruche des Arbeitsgerichtes bzw. der höheren Instanz unterwerfen. würde also die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches als rechtmäßig ergangen anerkannt, dann würde die Aussperrung auf gehoben, wie das Blatt weiter hört, ist die Arbeitgeberschaft jederzeit zu V e r st S n d i - gungsverhandlungen bereit. Ihr Hauptstreben geht dahin, zu einer langfristigen Sicherung und Fixierung der gesamten 2k- beitsverhältnifse in der Eisenindustrie zu kommen, vor allem also auch der Arbeitszeitverhältnisse. Am Dienstag haben die Gewerkschaften durch ihre Anwälte die Gegenklage beim Ar- beitsgericht in Essen eingereicht. Die Gewerkschaften sind vorn Arbeitsgericht ausgesordert worden, sich zur Klageschrift der Arbeitgeber zum 10. November zu äußern. Oie Kosten des Ruhrkampfes. Essen, 7. Rov. (Priv.-Tel.) 3n einet Versammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde die Höhr der cklnterstutzungssätze für die Ausgesperrten be- fannfgegeben. Es wurde weiter mitgeteilt, daß der Verband bei diesen Sätzen m der Lage sei, den Kampf unter llmftänben 20 Wochen durchzuhalten. Die cklnterftützung der Aus- gesperrten erfordere wöchentlich fast oine Liberale Kritik im Oberhaus. Gegen die konservative Aheinlandpolitik. Auch im Oberhaus fand eine Debatte über die Thronrede statt. Der Konservative Lord Cro- b o o k, der die Antwortadresse einbrachte, hob hervor, daß die Zukunft des internationalen Friedens nur durch beträchtliche Verminderung der Rüstungen der Rationen erzielt werden könne. Die Zukunft des internationalen Friedens könne nicht sehr gefördert werden, fro lange Streitkräfte auswärtiger Mächte ein Land beseht halten, mit dem sie sich im Frieden befinden. Der Liberale Lord V e a u - champ fragte, ob sich die Regierung der in Frankreich vertretenen Ansicht anschließe, daß die Reparationsfrage mit der ALu- mungsfrage zusammenhänge. Außerdem fragte er, ob die Teilnahme eines britischen Kavallerieregimentes an den französischen Manövern auf Anweisung des Foreign Office hin erfolgt sei, oder ob sie nur eine Handlung des Generalkommandos darstelle. Lord Salisbury, der für die Regierung antwortete, wandte sich gegen den Ausdruck -Flottenpakt", da es sich nur um eine „vorläufige Vereinbarung" gehandelt habe, di« mit der französischen Regierung erzielt worden war und die die britische Regierung sofort jeder anderen Macht mi t g et ei 11 habe „unter der ausdrücklichen Bedingung, daß, wenn die anderen Mächten ihr nicht zustimmen, sie sofort fallengelassen wird". Di« Lösung der Abrüstrmgs- frege sei außerordentlich schwierig, aber es müsse bill.gerweise zugegeben werden, daß die Schwierigkeit nicht nur in England liege. So sei er § es ragt worden, ob die Reparationen die rheinlandräumung bedingen. Es fei voll- tommen wahr, daß praktisch gesprochen ein gewisser Zusammenhang zwischen beiden Fragen bestehe. Aber soweit die britische Regierung in Betracht komme, sei sie stets für die Rheinlandräumung gewesen und sei immer bestrebt gewesen, auch die französische Regierung zu dieser Haltung zu beftimmen. Die britische Regierung behalte sich das Recht vor, in der Räumungsfrage unabhängig vom Repara- rationsproblem vorzugehen. MillionMark. Von der Sozialdemolratischen Partei werde eine cklnterstützungsaktion für das ganze Gebiet emgsleitet. Rückwirkungen auf Wetzlar und Hannover. Berlin, 7. Nov. (Priv.-Tel.) Der Arbeitskampf in der Metallindustrie Nordwest greift jetzt auch in den hannoverschen Bezirk über. Die Lohnoerhandlungen mit der Ilseder Hütte und dem Peiner Walzwerk sind ergebnislos verlaufen. Das Angebot der Arbeitgeber wurde von den Gewerkschaften abgelehnt. Die Verhandlungen vor dem Schlichter wurden nicht mehr abgewartet, sondern der Belegschaft beider Werke wurde sofort ge- kündigt. Von der Kündigung werden rund 6000 Arbeiter betroffen. Auch die Eisensteingruben im Kreise Wetzlar, bereit Absatzgebiete im Ruhrrevier liegen, haben unter dem großen Arbeitskampf in der westdeutschen Eisenindustrie zu leiden. Infolge großer Absatzstockungen sahen sich die Gruben- Icitungcn veranlaßt, der gesamten Belegschaft zu kündigen. Von dieser Maßnahme werden etwa 200 Bergleute betroffen. Bolkspatteiliche MRonssiHlW. Berlin. 6. Rov. (Privatinformation.) Wie in politischen Kreisen verlautet, war die heu'ig« volksparteilichr Sitzung im Reichstag in erster Linie als eine Aussprache zwischen Reichs-undLandtagsfraktion gedacht, um die politische 2 u faffung in der Partei weitgehend zu klären. Der Eintritt der Dcu schen Bvlkspartei in die preußisch« Regierung ist natürlich auch heut« zur Erörterung gekommen. Daneben galt die Aussprache dem Arbeitskampf im Ruhrgebiet, wobei auch Reichswirtschastsminister Dr. Curtius über die Situation berichtete. Ferner wu.de die Frage des Weiterbaues des Panzerkreuzers au 3giebig besprochen, außerdem naturgemäß die aktuellen Fragen der Außenpolitik, darunter vor allen Dingen das D e - parationsproblem. Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der über diese Dinge referierte, war — wie bereits berichtet — bei feinem Erscheinen außerordentlich stürmisch gefeiert worden, und der Fraktionsvorsihende, Dr. Scholz, gab in herzlichen Worten der Freude Ausdruck, daß Dr. Stresemann nunmehr feine Kräfte wieder den großen Aufgaben widmen könne. Tschechische Ärinderhettenpolilik. Der Ausschluß der Deutschen vom Staatsdienst. Prag, 6. Rov. (WB.) 3m Senat erklärte der beutsch-christlich-soziale Senator Hilgen- reiner, daß in der Umgebung des Präsidenten der Republik, in der obersten Leitung des Militärs, unter der Beamtenschaft, ja Dienerschaft des Parlaments, unter sämtlichen Präsidenten und Ministerpräsidenten der Allerhöchsten Be- Hörde kein einziger Deutscher zu finden sei. 3n allen Ministerien ist nicht ein deutscher Sektionschef. Unter mehr als 100 shstemisierten Stellen der ersten Besoldungsgruppe ist keine einzige einem Deutschen verliehen worden. Unter den etwa 350 der zweiten Besoldungsgruppe wird man etwa aus ein Dutzend ft offen, dre deutschen Räte der Ob^rftcn Gerichtshöfe miteingerechnet. Unter etwa 2530 Beamten aller Ministerien ist kaum ein Prozent deutscher Beamter zu entdecken. 3n man- chen Ministerien ist überhaupt kein einziger deutscher Beamter. Auch im Schulministeriam befindet sich fast fein Deutscher. Der Senator stellt d.e Frage, ob dre Kammern es selbstverständlich fänden, daß Öxe Deutschen von der Verwaltung beinahe ausgeschlossen sind. Srnd wir in Indien, daß man uns fremden Beamten unterstellt! Allein finanziell bedeutet das für die Sudetendeutschen alljährlich einen Riesenschaden, wenn diese gleich den anderen Bürgern den: Staate Steuern zahlen, ihre Kmder aber in staatlichen Diensten nicht unterbringen können. Die Deutschen bilden 27 v. H. der D.völlerung, zahlen aber ein Drittel der Steuern. Seit dem Vorjahr ist in der Deamtensrage nichts beffer geworden. Aus aller Wett. Feuer im Hamburger Krematorium. Äur$ vor Mitternacht brach im Hinterbau des Hamburger Krematoriums in Ohlsdorf ein Fcmer ans. 3n dem Fahrstuhlschacht der Versenk- bühne hatten Oelrückstände Feuer gefangen — wahrscheinlich liegt Selbstentzündung vor — und m der Rächt konnte sich in dem verlassenen Gebäude das zunächst langsam schwelende Feuer zu eener hellen Flamme entwickeln. Kurz nach! Mitternacht wurde die Feuerwehr durch Anwohner alarmiert. Sie bekämpfte mit sieben- Rohren den Brand. Es gelang ihr, vier Särge die zur Verbrennung in den nächsten Tagen eingestellt waren, unversehrt in Sicherheit zu bringen. Das Feuer tonnte nach einer Stunde gelöscht werden. Ban einer Seilbahn auf den Dachstein. Die Generaldirektion der Bayerischen Wasserkraftwerke beabsichtigt, eine Seilbahn auf den Dachstein zu errichten, und zwar über d i e Südwände. Von Schladming im Ennstal soll zunächst eine Auto st raße bis Schönbühen errichtet werden, und von dort soll die Seilbahn über den Gletscher zur Dachsteinwand geführt werden, die 2740 Meter hoch liegt. Bis zum Gipfel sollen die letzten 250 Meter einen bequemen Weg erhalten. Gegen diesen Plan hat nach der erwähnten Korrespondenzmeldung der Zweig Austria des Deutschen und Oestereichischen Alpenoereins energisch P r o t e st erhoben. Llagr gegen „Monte Cervantes". Der schwere Anfall des Hamburger Touristen- schisfes „SRontc Cervantes" auf feiner diesjährigen Rordlandreise an der Spitzbergen-Küste wird, nachdem bekanntlich die Seeamtsverhandlung die Schuld den besonders schwierigen Gis- verhältnissen zu geschoben hatte, nun noch die ordentlichen Gerichte beschäftigen. Don einem Passagier ist bei den Hamburger Gerichten eine Schadenersatzklage gegen die Hamburg-Südamerllm.i.che Dampftchiftahrtsge- sellschaft anhängig gemacht worden. 2/ie Klag« stützt sich vornehmlich darauf, daß infolge des Einfalles das von der Reederei versprochene Reiseprogramm nicht durchgeführt werden konnte. Von der Dreschmaschine zerstückelt. 3n Rassig bet Wertheim a. M. ereignete sich ein entsetzlicher Unglücks fall. Die Frau drs Landwirts Beck geriet aus bUfcr noch unbekannter cklrsache in die Strohpresse der Dreschmaschine. Der Kops der Unglücklichen wurde vom Rumpfe getrennt. Während es bis zum Mittag gelang den Körper zu bergen, war eS noch nicht möglich den Kopf aus ter Waschin« zu betreten. Die Frau war etwa 2»/s 3ahr« verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie Wetterlage. 55 2 «tot 8 U (oarna . Dienstag, d. 6. NoVtX 1928,7h.aDdS t n tpwtmenros ©wuei ®nai»eecetRu» *oikio e » Sthnte aVsupein ■ ntDei IC cxntr» O$i flMSiQf» Sudsuowtst »turmoenet tordwejfc Ott Plcnt fheoen mit dem um« vir coctn Manonen itenendtn Za» i«n oesen die Ttmptratur an Pit Limen ittBinde» O/tr mit IlcuStte eit n*trts«i*eau umätrrrho-ttn VJlUUet* Wettcrvo.i Umlage. Die Atlantikstörung, die sich gestern über das Meer von Biscaya und der Wcstlüste Frankreichs erstreckte, ist bereits südostwärts abgewandert, ihr Kerngebiet lag heute morgen über Südfrankreich und den Pyrenäen. Kontinentale Lustmassen an der Nordscite der Störung überfluten infolgedessen den größten Teil Deutschlands. Sie dürften in unserem Gebiet zunächst zu trockenem und nach fteUen- roeifen Frühnebelbildungen zu stärker aufheiterndem Wetter führen. Die Temperaturen werden weiter zurückgehen und besonders nachts besteht die Gefahr verbreiteter leichter Fröste, die sich auch über das nördliche Deutschland erstrecken dürsten. Wettervoraussage für Donnerstag: Stellenweise Frühnebel, tagsüber vielfach aufheiterndes Wetter, leichte Nachtfrostgefahr, trocken. Witterungsaussichten für Freitag; Zunächst noch wenig Aenderung oer Wetterlage. ßufitemperaturen am 6. Nover ier: mittags 7,9 Grad Celsius, abends 1,9 Grad Celsius: am 7. Noo.: morgens 0,9 Grad Celsius. Maximum 8 Grad Celsius. Minimum 0,7 Grad Celsius. — rbtempera» turen in 10 Zentinreler Tiefe am 6. November: abends 7,3 Grad Celsius: am 7. November: morgens 5,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer eine Stunde. Aus der Provinzialhaupistadi. Gießen, den 7. November 1928. Geheimrat Pros. Or. Pasch. Dem Senior der deutschen Mathematiker, dem 86iährigcn Alexander Brill in Tübingen, steht an Jahren zunächst unser (Siebener (Seheimer Hofcat MorikPasch, der am 8. d. M. sein 85. ß e b e n s- j a h r vollendet, und zwar in wunderbarer geistiger Frilche, immer noch in Gedanken beschäftigt mit den Problemen, denen er sich seit Jahrzehnten unaus- gefeilt gewidmet hat, den Fragen nach den Grundlagen des mathematischen Denkens überhaupt und des geometrischen insbesondere. Er l)at nicht auf- gehört wissenschaftlich zu arbeiten, obgleich ihm die Augen schon se.t längerer $cit nahezu den Dienst versagen, so daß er fast gar nicht mehr lesen kann, sondern genötigt ist, sich vorlesen zu lassen. Allen feinen Freunden ist er dabei ein Vorbild durch den Humor, mit dem er diese so lästigen Beschwerden seines Alters trägt, während er zugleich voller Teilnahme ifrfür die Leiden und Fredden seiner Freunde und nicht minder für die Nöte des Vaterlandes. Sein äußerer Lebenslauf ist rasch erzählt. Geboren am 8. November 1843 in Breslau, hat er an der Universität feiner Vaterstadt studiert und 1865 promoviert. Er setzte dann mit feinem, schon 1922 verstorbenen Freunde N o s a n e s die Studien in Berlin fort, habilitierte sich 1870 hier in Gießen, wurde- 1873 außerordentlicher, 1875 ordentlicher Professor, nachdem er ein Extraordinariat in feiner Vaterstadt ausgeschlagen hatte, doch erhielt er erst 1888 das damals einzige planmäßige mathematische Ordinariat, als Nachfolgei R i ch a r d B a l tz e r s. Im Frühjahr 1911 trat er in den Ruhestand, um sich ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen zu können. Im Verlause seiner 38jährigen amtlichen Tätigkeit hat er sich große Verdienste um die Landesunioersität erworben, nicht nur 1893—94 als Rektor, sondern überhaupt bei all den zahllosen Gelegenheiten, wo man seiner Erfahrung, seiner Geschäftsgewandtheit und feiner nie erlahmenden Arbeitskraft bedurfte, um schwierige Fragen und Geschäfte zu erledigen. Besonders geschätzt war seine Mitwirkung bei Umarbeitung alter und Abfassung neuer Satzungen. Als väterlicher Freund und Berater der Studenten hat er sich während seiner langjährigen Lehrtätigkeit jederzeit bewiesen, in ganz besonderer Weise aber als Vorsitzender der wissenschaftlichen Prüfungskommission, ein Amt, das er volle 18 Jahre innegehabt hat. Aus einer überaus glücklichen Ehe, die der Tod leider schon vor Jahren getrennt hak, sind zwei Töchter hervorgegangen, die ihn jede mit zwei Enkeln beglückt haben. Doch ist ihm die eine Tochter bald nach dem Verluste der Gattin durch den Tod ?eraubt worden, und schwere Sorge um die Gesandelt der andern und um die des einen Enkels bedrückt ihn schon feit längerer Zeit. Ein Glück, daß er sich in seiner Einsamkeit treuer Fürsorge und Pflege erfreut, wie eine Tochter sie ihm kaum besser würde bieten können. Das hier beschriebene, äußerlich so einfache Leben hat sich seit 58 Jahren ohne Unterbrechung im Rahmen unserer Landesuniversität und in unserer Stadt Gießen abgespielt. Trotzdem werden die wenig- sten Gießener wissen, daß sie in Moritz Pasch einen Mitbürger besitzen, der, so anspruchslos er ist und so wenig er jederzeit aus sich macht, doch in den Kreisen der" Mathematiker der ganzen Welt allgemein bekannt ist. Die wissenschaftlichen Leistun- !ien, die ihm diesen Ruf erworben haben, können reilich hier nur ganz kurz angedeutet werden. Durch eine 1882 erschienenen „Vorlesungen über neuere Geometrie" hat Pasch eine ganz neue Art der Betrachtung der Grundlagen der Geometrie entwickelt und ist so Vorläufer, ja Vorbild der großen Zahl derer geworden, die sich in den letzten Jahrzehnten mit den Fragen nach den Grundlagen der Geometrie beschäftigt haben. Die große Rolle, die die Axiomatik in neuerer Zeit auf allen Gebieten der Mathematik gespielt hat und noch immer spielt, ist letzten Endes auf den Anstoß zurückzuführen, den er gegeben hat. Wenn (ein Werk längere Zeit nur bei wenigen die Beachtung fand, die es verdiente, so wurde es dafür nachher um so allgemeiner anerkannt. Man sah ein, daß er für derartige Untersuchungen die Bahn gebrochen hatte. Der Nome: „Vater der Axiomatik", den man ihm wohl scherzweise gegeben hat, wird ihm vielleicht im Ernste verbleiben. Hat er doch selbst noch die Grundlagen der Analysis in ähnlicher Weise behandelt, wie die der Geometrie, und in neuerer Zeit durch eine Reihe kleiner, scharfsinniger Abhandlungen die einfachsten Bestandteile alles mathematb schenDenkens herauszuschälen versucht. So ist ihm auch bei den zahlreichen Jubiläen, die er hat feiern dürfen, bei seinem 70. und 80. Geburtstage, bei feinem 50sährigen Doktorjubiläum usw. die allgemeine und uneingeschränkte Anerkennung seiner Fach- genossen zuteil geworden. Zum Beispiel haben ihn im Jahre 1923 die Universitäten Freiburg i. B. und 'Frankfurt a. M gleichzeitig ehrenhalber zum Doktor der Naturwissenschaften ernannt. Möge dem verehrten Jubilar seine geistige Frische unverkürzt erhalten bleiben und uns die Freude, ihn unter uns zu sehen. Daten für Donnerstag, 8. November. WSR. Sonnenaufgang 7.05. Sonnenuntergang 16.22. Mondau'gana 2.22. Monduntergang 15.22 1866: Der Schriftsteller und Politiker Heinrich Rippter in Kempten geb.: 1842: Der Sänger Eugen Gura zu Pressern bei Saaz In Böhmen geb. (gest. 1906). Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheaier: „Die Ballerina des Königs". Beginn 19.30 Ahr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Charlie Chaplin in „Zirkus". Große Do f3* und Kinder-Dorstellung. — Astoria-Lichtspiele: „Der ileberfall auf den Südexpreß". — K a m me r s p ie lz Yk lu s im Stadt- thea ter Gießen. Die Intendanz teilt uns mit, daß wogen der großen Rcch rage und des außerordentlichen Erfolges der erste Tag des Kammerspielzyklus „Sorrnade in D-Dur für Streichorchester und Pauken" von W. QI. Mozart und „Die Mitschuldigen", ein Lustspiel in Dersen des jungen Goethe, am Sonntag. 11. November, nachmittags 3V2 Ahr einmalig wiederholt wird. Die Spielleitung hat Intendant Dr. Prasch. Die musikalischen Darbietungen werden vom Collegium musicum der Universität unter Leitung von Dr. T « m « svarh ausgeführt. Das goethe^che. preziöse Kammerspiel wird auch an diesem Nachmittag in der Besetzung der Erst- auftührung gespielt: Goll sWirt), Scherer (Sophie). Arzdorf (Söller). Tannert (Alcest), ßinf- mann (Kellner). Diese einmalige Wiederholung ist auf Sonntag nachmittag 3Vt Uhr angeseht, um auch auswärtigen Besuchern Gelegenheit zu geben, diese literarisch-künstlerische Veranstaltung zu besuchen. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß diese Kammerspielaufführungen trotz des großen Presse- und Publikumserfvlges zu ganz billigen Preisen (0,50—1,50 Wk.) statt- linde t. — Im Goethe-Bund liest am morgigen Donnerstag der bedeutende flämische Dichter Felix Timmermans. Der Dichter verdankt feinen Weltruf vor allem dem herrlichen »Pallie- ter". Seine bedeutendsten Romane sind: „S>aS Jesuskind in Flandern", „Der Pfarrer vom blühenden Weinberg" und sein soeben im Inselverlag erschienener Roman „Pieter Druegel". Die hiesigen Literaturfreunde werden diesen vom Goethe-Bund vermittelten Dichterabend sicherlich begrüßen. (Siehe heutige Anzeige.) *• Gruß aus dem „Graf Zeppelin" an den „Gießener Anzeige r". Der Bordmon- teur Philipp Lenz an Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin", der — wie kürzlich von uns berichtet — aus dem benachbarten Klein-Linden stammt und die Amerikafahrt des Luftschiffes mitmachte, hat am Montagfrüh auch an der Fahrt Friedrichshafen—Berlin über Gießen teilgenommen. Herr Lenz übermittelte uns von diesem Flug einen Kartengruß folgenden Wortlauts: „Dem „Gießener Anzeiger", sowie allen Bekannten in Gießen und Klein-Linden recht herzliche Luftpost-Grüße vom „Graf Zeppelin". Philipp Lenz, Bordmonteur auf L. Z. 127 Graf Zeppelin." Herr Lenz bemerkt weiter auf der Karte, daß er die MU' lung infolge der Dunkelheit über Gießen leider nicht abmerfen konnte. Die Karte ging uns vom Berliner Lufthafen Staaken aus zu. Die Grüße dieses treuen Sohnes feiner Heimat, über die wir uns gefreut haben, geben wir hiermit an feine Bekannten weiter. •• Q3erbefferung unserer Fe u er - siche rheits-Einrichtungen. Um bei Drandsällen in unserer Stadt noch besser als bisher gerüstet zu fein, hat die Stadtverwaltung nach Beschluß der Stadtverordnetenversammlung jetzt einen neuen Feueclösch-Qlpparat getauft, der gestern nachmittag auf Oswaldsgarten den Vertretern der städtischen Körperschaften, den Feuer- wehrsachverständigen, der Presse usw. im praktischen Gebrauche vorne ührt wurde. Es handelt sich dabei um den Minimax-Schaum-G^ ercttor, bei dem die Bekämpfung der Flammen durch Einwirkung von Schaum vorgenommen wid. Der von unserer Si cht eutooebene Apparat ermöglicht eine Schaumleistung bis 3003 Liter in der Minute. Der Apparat wird durch die übliche Schlauchleitung an dm Hydranten angeschlos.en. In ein Kesselgefäß im oberen Test des Apparates wird das Dchaumpulver eingeschüttet, das bei der Inbetriebnahme der Apparatur durch einen Trichter in den unteren Kessel des Apparates geleitet wird, sich dort mit dem einströmen- den Wasser vermischt und dann als dicker Schaum auf die Flammen gespritzt wird. Durch die Schaumentwicklung werden di« Flammen im Handumdrehen erstickt, so daß di« Brände sehr rasch gelöscht werden können. Dieses Löschverfahren bietet auch den Vorteil, daß bei Hausund Zimmerbränden die Einwirkung des Wasters stark herabgemindert werden kann, da der Lösch- schaum nut 10 Prozent Wasser enthält, nach der Ablöschung des Brandes von der Brandstelle weggenommen werden kann und mithin der Wasserschaden als minimal anzusehen ist. Bei der gestrigen Dorführung hatte man einen riejigen Scheiterhausen errichtet und dicht daneben einen großen Kalibottich, der mit Benzin und Del gefüllt war, aufgestellt. Gewalttge Flammen loderten unter riesiger Rauchentwicklung empor. Zunächst wurde beim Löschen der Botttch mit Benzin und Oel aufs Korn genommen, dessen Flammen wenige Sekunden nach dem Einströmen des Schaumes bereits unterdrückt toaren. Dann kam der Scheiterhaufen dran, der ebenfalls innerhalb weniger Minuten abgelöscht war. Das neue Löschversahven hatte damit feine volle Leistungskraft klar erwiesen. Allgemein wurde der Apparat als sehr brauchbar und zweckmäßig anerkannt. Die neue Einrichtung, die man im Interesse der erhöhten Feuersicherheit in unserer Stadt nur begrüßen tann, wird namentlich bei der Bekämpfung von Flüs igkettsbcänden. wie Petroleum, Benzin, Benzol usw. sehr gute Dienste leisten können. •• D i e automobile Müllabfuhr. Für die Umstellung unserer städtischen Müllabfuhr auf automobilen Betrieb hat die Stadt bekanntlich zwei Automobil-Müllabfuhrwagen erworben. Gestern nachmittag hatten wir ®dcgenf>ett, eines dieser Fahrzeuge im Depot der Städtischen Feuerwache am Oswaldsgarten zu besichtigen. Die Wagen, die bekanntlich in nächster Zeit in Dienst gestellt werden, sind In ihrem Oberbau kesselartig gestaltet. In diesem Kessel arbeitet, unter Antrieb vom Motor des Wagens her, eine sog. Schnecke, die den an der Rücksette des Wagens eingeschütteten Müll nach vorne treibt und allmählich lagen weise zusammenpreßt. Sobald der sechs Sonnen fastende Wagen gefüllt ist, wird er auf dem Abladeplatz durch Rückwärtsdrehen der Schnecke, wiederum unter Antrieb vom Motor her, entleert. Die Einfüllung des Mülls ist dank der sinnreichen Konstruktion unter Vermeidung aller Staubentwicklung möglich. Das Entladen der Wagen geht viel rascher als bisher vor sich. Die Vorteile der neuen Einrichtung sind also recht beträchtlich. ** Dienstjubiläum. Gestern begingen di« bei der Güterabfertigung Gießen tätigen Reichsbahn- oberfetretäre L. Bernhard und Hcb. Schmidt in voller Rüstigkeit ihr vierzigjähriges Dienstjubiläum. Der Vorstand der (Güterabfertigung überreichte den Jubilaren im Beisein aller Beamten die von, Reichspräsidenten, vom Generaldirektor der Reichs- bahngesellschaft und dem Präsidenten der Reichsbahn- direktion Frankfurt a. M. eingegangenen Anerken- nungs- und Glückwunfchlchreiben, beglückwünschte sie selbst und sprach die Hoffnung aus, daß ihnen dieser Jubeltag noch viele Jahre in froher Erinnerung bleiben möge. Die Kollegen schlossen sich dem Glückwunsch an und erfreuten die Jubilare noch durch Ueberreichung von Geschenken. ** Straßensperre. Di« Alice st raße zwischen Frankfurter Straß« und Ludwigstraße wird vom Mittwoch ab auf di« Dauer von 14 Tagen zur -Dornahm« von Ettaßenbauarbeiten gesperrt. Die Sperrung der Wilhelm st raß« wird nach Llblauf dieser Woche aufgehoben. »IFTOHHOJMS« . zf Sptefirarenfiaui CT- dv. J/Utw n ’Sxyrvtt&Mfcr. 2 5. ______________________________________________________- 9807D Gießener Radfahrer-Vereinl885 e.V Wir setzen unsere Mitglieder davon in Kenntnis, dafe unser lieber, treuer Freund Herr Adolf Deibel innerhalb weniger Stunden durch eine tückische Krankheit aus unserer Mitte gerissen wurde. Als einen der Eifrigsten unseres Vereins werden wir ihn nie vergessen. Der Vorstand Die Beerdigung findet Donnerstag, 8. Nov., nachtn. 2 Uhr statt. Wir bitten um recht zahlr. Beteiligung Gesangverein Heiterkeit Gegründet 1878. Unser treues Mitglied Herr Adolf Deibel ist nach kurzer, schwerer Krankheit sanft entschlafen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. November, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Der Vorstand. 07908 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die so zahlreich erwiesenen Blumen- speuden beim Heiinganffe unseres lieben Entgeh iftfenen sauen wir auf diesem Wege unseren herzlichen Dank Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Helene Pfeil upd Kinder. Gießen, den 7. November 1928. WeimMSleilMer! Hobelmesser werden auf Naiurinndifeln sehr billig automat. geschliffen u. abgezogen Groh-Schleiferei Fr. Brücker ___________PtSmarckstrane 10_______ Donnerstag, den S. November 1928, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier zwangs» weise gegen Barzahlung: 1 Flurgarderobe, i komplette Ladeneinrichtung, 1 Klubsofa, 1 Kredenz, 1 Tisch mit 6 Stühlen, 1 Wanduhr, 1 Regulator, 1 Dertiko, 1 Waschtisch, 1 Chaiselongue, 1 Nähmaschine, 1 gr. Wagen, 1 Lett, 2 Kleiderschränke, 1 Damen- fahrrad, 150 Ff. Likör, 100 m Kleiderstoffe, 1 Marktstand. osbd Oern Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstraße 13. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Jaber & Schreiner G. nt b. f). in Gießen wird zur Prüfung der angemeldeten Forderungen Termin auf 9805D Donnerstag, den 15. November 1928, vormittags 9 Uhr vor dem Amtsgericht in Giehen, Zimmer 106, anberaumt. Gießen, den 27. Oktober 1928. Hessisches Amtsgericht. Gießen (Ludwigstraße 11), den 6. November 1928. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. November, nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. im Alter von 30 Jahren. Frau Gretel Deibel geb. Börner nebst Kind Familie August Deibel Familie Adolf Börner. Gestern abend 7 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet mein innlgstgeliebter Mann, der gute Vater seines Kindes, unser Heber Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Adolf Deibel Geübte und Ins‘Hin empfiehlt sich. Nah. in d. GeschättSneUe d. Gieß. Anz. 07922 IsSruchsteme GraiiM • ' 1 Arininnl.Ailp* Beim Kauf einer Tube Eleltiromeisier »almolive * Rastercreme ’ür 1.40 Mk. erhalten Sie Kirchstraße 16 807D Fernsprecher 1669. 97940 Vorbereitungskurse (theoretische und praktische). Anmeldung und Besprechung Sonntag, den 18 November, vorm. 10 Uhr, Saal 9 der Gewerbe- and Maschinenbaaschale, Gießen Rur solange Vorrat Geoerg Wahl / Kerrfiadt 33 Damen- und Herren-Fttsier-Galons 1 Sriginal-GIIette-Raflerapparat mit Klinge gratis 07914 für Bauten stets vorrätig Anfuhr promot und billig C. Rü bf amen, Gießen Reparaturen von HashiH schnell und billig, Auf Wunsch Abholung Singer Nähmaschinen Aktiengesellschaft Hießen, Marklpiatz 22, Telephon 204. Eigene Werkstätte. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste unserer Heben Tochter Else sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers und die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden, sprechen wir aut diesem Wege, da es uns leider unmöglich ist, jedem einzelnen zu danken, unseren innigsten Dank aus. In tiefem Leid: Familie Friedrich Schäfer. Glefien, den 7. November 1928. 07919 07900 Herzlichen Dank für die zahlreichen Aufmerksamkeiten anläßlich unserer goldenen Hochzeit. Otto Gaßmann und Frau. Großen-Linden, den 7. November 1928. 0791S Machen auch Sie einen Versuch mit meinem Fisch-Filet! Fisch-Spezialhaus Cuxhaven Harktitr. 14 Trente.mann Tel. 2417 Noniursversahren. lieber das Vermögen der Firma 3. öllmann, Inhaber Alfred Brumlif, Möbelwacen - Versandhaus in Giehen, Bahnhofstraße 29, wird heute, am 6. November 1928, nachmittags 4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. 9808D | Der Kaufmann Louis AUHoff sen. la Gießen, Walltorstraße 16, wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 26. Rovemver 1928 bei dem Gericht an- zumelden. Es wird zur Beschlußfassung über dia Beibehaltung des ernannten oder di« Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubiaeraus- schuffes und eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Donnerstag, den 6. Dezember 1928, vormittags 9 Uhr vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer 106, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz hoben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen ober zu leisten, auch die Verpflichtung auserlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 26. November 1928 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht in Gießen, j Besuchen Sie die HERBST-MESSE im Kaufhaus Sie genießen bestimmt große Vorteile 9804A Jeder Kunde erhält ein Messe-Geschenk ____ gratis Aufwertung! Die Lieber Bank e. G. m. b. IL, in Lieh i. 0. als Aufwertungsstelle der 1. Spar- und Darlehenskasse e. G. m. b. H. in Lieh 2. Lidier Spar- und Credit - Aktiengesellschaft in Lieh 3. Volksbank Lieh e. G. m. b. H. in Lieh hat die alten Spareinlagen, Geschäftsanteile und Aktien der vorstehend genannten Kassen freiwillig, jedoch ohne Anerkennung eines Rechtsanspruches mit 14% v. 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Vereinzelte schwarz gellcidrte Gestalten stehen an frisch aufgeworfenen G abhügttn. unter die kurz vorhrc ein teures Familienmitglied zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Doch duften die frischen Kränze, die treue Liebe als letzten Gruß an den Heimgegangenen niedrrgelegt hat. Mit tränennassen Augen blicken die Menschen auf den Hügel, sie können nicht fassen, daß sie den stummen Schläfer dort unter für immer verloren haben. Langsam füllt sich der Friedhof, immer mehr Trauernde, tiefen Ernst in den Gesichtszügen, wandern über die wohlgepslegten Wege zu den ihren teuren Grabstätten mtt_ Kränzen in den Händen, um die letzte Ruhestätte ihrer nie vergessenen Lieben damit zu schmücken. Verhaltenes Schluchzen aus gram gepreßter Brust verweht in der naßkalten H'rbsilust. Fleißige Hände entfernen ein dürres Blatt, einen herabgefallenen Zweig von bei teuren Grabstätte. Heiße Gebete steigen zum Himmel! In wehmutsvoller Trauer geben.'en die Angehörigen ihrer in einer besseren Wett weilend m Lieben, in etwa wenigstens getröstet durch das Bewußtsein, an ihrem Grabe mit ihnen stumme Zwiesprache halten zu können. Wie unendlich schwer lastet aber auf vielen der niederdrückende Gedanke: da draußen, in weiter Ferne, In ehemaligem Feindesland liegt dir noch ein Grab, das die teuren Liederreste eines im Kampfe fürs Vaterland gefallenen, geliebten Angehörigen birgt, und gerade an diesem kannst du nicht stehen, kannst es nicht mit eigener Hand schmücken, nicht ein stilles Gebet verrichten. Und doch ein schwacher Trost zieht in das schmerzgebeugte Gemüt der Gattin, des Vaters, der Mutter, der Geschwister: das ferne Grab konnte wenigstens, wenn auch von fremden Händen, geschmückt werden. Der Dolksbund Deutsche Kriegsgräber- f ü r s o r g c h .t, wie in den vergangenen Jahren, den Ang Vorigen in ber H ttmat bie Möglichkeit gegeben, an den beiden Totmgedenktagen einen Kranz an der letzten Ruhestätte ihres geliebten Toten niedeilegen zu lassen. Sehr viele haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, unb so zeugen bie fernen Gräber von ber treuen, dankbaren Liebe der Heimat. Unterzeuge IMmiIII — 11IIMill M i ■ III III I rFIITI lim HIHIHIII Die Lichter verlöschen, langsam leert sich der Friedhof, leise raunt's in den entblätterten Zwei- gen der BäuMe des Friedhofes, der nun wieder stillen Frieden atmet. Das Aooemberhest der „KrieasgräbersüZorge", der Bundeszeitschrift des Volksdundcs Deutsche Kriegsgrawrfürsorge, e. V., Berlin, ist in der Hauptsache den beiden kommenden Totengedenk- togen gewidmet. Amtsgericht Gießen. ' Gteßsn, 2. Nov. Eine enge Gasse im Innern der Stadt war häufig der Schauplatz von allerlei bösem Unfug und von nächtlichen Ruhestörungen, die ein gewisser f). L.. ein vielfach vorbestrafter, dort wohnender Gelegenheitsarbeiter, verübte. Deshalb gingen ihm in letzter Zeit wiederum einige auf Haftstrafen lautende Strafbefehle zu, gegen die er Einspruch erhob. Doch zog er es vor, die Einsprüche vor der Hauptoerhandlung, für die die Vernehmung von 16 Zeugen vorgesehen war, zurückzunehmen. Er muß daher seine Strafen absitzen, und die belästigten Anwohner haben eine Zeitlang vor ihm Ruhe: sie werden überhaupt Ruhe vor ihm haben, denn er ist inzwischen in einen entlegenen Stadtteil verzogen. Die Einspruchzurücknahmen kürzten wesentlich die heutige Sitzung. — Zu Geldstrafen verurteilt wurden u. a. noch ein von der Frankfurter Straße kommender und in die Westanlage einbiegender Motorradfahrer, weil er den vorgeschriebenen Bogen beim Einbiegen viel zu kurz nahm; dann ein Fuhrmann, weil er bei einer Steigung auf der Straße Klein- Linden-Dutenhofen seine beiden, vor einen stark beladenen Wagen gespannten, nur schwer fortkommenden Pferde mit Peitschenhieben in einer Weise an- getrieben hat, die das zulässige Maß erheblich überschritt und Aergernis erregte, so daß Tierquälerei im Sinne des Strafgesetzbuchs anzunehmen war; schließlich ein Autofahrer, weil er sein Auto, für das er eine Zulassungsbescheinigung noch nicht in Händen hatte, mit ihm nicht Anstehenden, roten Kennzeichen, offensichtlich zwecks Äiuschung der Verkehrspolizei, versehen hat, die er in durchaus nicht einwandfreier Weise sich aus dem Betriebe des früheren Eigentümers des Kraftwagens verschafft hatte. Er erhielt 80 Mark Geldstrafe. Der Frankfurter Bühnenprvzeß. WSV. Frankfurt a.M., 6.Aov. Am heutigen 7. Verhandlungstag rn bem Prozeß gegen Mü ll e r-W i e l a n b sollte mit beit Plädoyers begonnen werben. Staa'sanwalt- schaftsrat Dr. Berndt erklärte jedoch, infolge starker Erkältung nicht in der Lage zu fein, heute pläd eren zu können. Die Verhandlung wurde darauf auf Mittwoch vertagt. Berliner Börse. Berlin, 7. Roo. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Bormittagsoerkehr zeigt bis jetzt wieder ein Bild vollkommener Geschästsstille. Die Tendenz scheint bei starker Zurückhaltung im Anschluß an Frankfurt eher etwas schwächer zu sein. Man nennt Farben 252, Siemens 402,50 bis 403. Am Devisenmarkt hört man Daris 124,16, Mailand 92,60, Madrid 30,0750, das Pfund 4,8485 und den Dollar 4,1985. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Alchr Licht in die südliche Frankfurter Straße. Die südliche Frankfurter Straße hat eine neue Fahrbahn erhalten. Wie man hört, sollen auch die Bürgersteige vor Winter noch hergestellt werden, ein Beginnen, das nur zu begrüßen ist und von allen Anwohnern sehnlichst erwartet wird. 3m Bericht über die letzte Stadtverordnetensitzung ist gesagt, daß dem Elektrizitätswerk die nötigen Mit- tel zum Ausbau derStraßenbeleuchtung oewilligt sind. Die letzte Lampe der Frankfurter Stxaße hängt an der Thaerftraße, alles, was weiter südlich liegt, ist auf den Mond angewiesen. Bei dem jetzigen Zustand ter Bürgersteige, dem lebhaften Auto-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr ist es geradezu lebensgefährlich, im Dunkeln den Fahrdamm zu überschreiten. Drei bis vier Lampen würden genügen, diesem unhaltbaren Zustande u begegnen. Bildet doch die Frankfurter Straße das Haupteingangstor von Gießen. Wie schön wäre es, wenn die Stadtverwallung dort für baldigste Abstellung der setzt bestehenden Mängel sorgen wollte! Die Anwohner. Unhaltbare Zustände an der Ecke Marburger Skraße-Rordanlage. In diesen Tagen war ich Zeuge, wie ein Passant an der Eck« ber Marburger Straße unb Aordanlage um ein Haar von einem Lastauto erfaßt worden wäre; nur ber Geistesgegenwart des Chauffeurs, dem es im letzten Augenblick gelang, den Wagen zum Stillstand zu bringen, toar1 es zu verdanken, daß kein Uiiglüd geschah. Wenn an der Ecke der Marburger Straße und Bord- > an läge noch keine, größeren Derkehrsunfälle fest- zuste.len sind, darf man bas als ein wahres Wunder bezeichnen. Man stelle sich vor: vier Straßen vereinigen sich auf einem gerabezu kläglich kleinen Platz, der Tag und Rächt von starkem Verkehr überflutet wird, den überdies noch die Trambahn befährt. Hier muß Abhilfe geschaffen werden, wenn größeren Anglücksfällen vorgebeugt werden soll. An die Stadtverwaltung ergeht die dringende Ditte, die Angelegenheit alsbald in Behandlung zu nehmen. R. AMOL hilft bei Rheuma, Fschio«. ibexenschutz. 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Vielleicht steckt in dir ein Köhl, dessen Fahigkc t gelingt, was andere vergeblich versuchtem Vielleicht gibst du einen tüchtigen Verkehrs,lieger ab, der alle Proben der harten Schule und scharfen Auslese bestehl, der jedes Wetter zwingt und jede S.recke meistert. Oder du steuerst ein Flugzeug, das Luftbilder aufnimmt, Forsten mit Streugift entfeucht, werbende Damen an den Himmel schreibt. Auch bist du etwa ein junger Ingenieur, der später Flugzeuge berechnen und entwerfen, bauen und betreiben will: lerne fliegen, damit du weißt, wie es dem zumute ist, der am Steuer deiner neuesten Erzeugnisse sitzen und sie einflfegen muß: damit du ihn verstehst, wenn er dir berichtet, was geändert werden müßte. Bist Lu aber Zurist und willst dich mit Luftrecht oder mit der Verwaltung eines Luftfahrtbetriebes befassen, so wirst du fliegen lernen wollen, um dereinst dem Gegenstand deines Berufes vertrauter zu sein. Ebenso geht es ja dem Beamten, Kaufmann und Statistiker. Auch wenn du ein slugbegeisterter junger Lehrer bist, wirst du den Wunsch haben, deine Zöglinge auf Grund eigener Erfahrung mit der Luftfahrt belannt zu machen, Wissenschaft-' lich und nach Möglichkeit auch praktisch: so ferne denn fliegen, damit du es erst selbst richtig verstehst. Wenn du aber keinen solchen Beruf hast, dann treibe di« edle Fliegekunst als Sport, der dich stählt, der deinen Charakter festigt, der dich lebensfroher macht und dich heißt, das Leben bejahen. Bist du gar in der glücklichen Lage, dir ein Keines Sportflugzeug (nicht teurer als ein mittleres Auto) leisten zu können, so hast du nicht nur ein prachtvoll bequemes, unerreicht rasches und genußreiches Deifemittel zwischen den vorhandenen Flughäfen und Landeplätzen, deren Zahl beständig zunimmt, sondern auch ein treffliches Gerät für kurz dauernde, aber weit reichende — im wahrsten Sinne des Wortes — „Ausflüge" aufs Land. Acht wahr, da läuft dir das Benzin im Vergaser zusammen? Da möchtest du gleich den Führersitz besteigen und zum Alleinflug starten! Aber so einfach ist die Sache nicht. Auch vor dies« Tugend haben die Götter den Schweiß gefetzt. Zunächst kostet das Fllegenlernen leider eine Wenge Geld, zwischen 900 Mk. für Leichtflugzeug« und 3500 Mk. für die Gesamtausbildung bis zu 5000 Mi., von denen freilich bei der privaten Deutschen Luftfahrt löst das Problem keineswegs. Einmal muß her- vorgehvben werden, daß die Ausdrücke Lern- und Arbeitsschule den Gegensatz nicht erschöpfen, weil in der alten Schule auch gearbeitet und in der neuen doch auch gelernt werden soll. Es fehlt den beiden Begriffen der eindeutige Inhalt, als daß sie zur vollen Charakterisierung der beiden Richtungen brauchbar wären. Der Arbeitsschulunterricht ist in erster Linie ein didaktisches Problem, als solches also eine Methöbe n f r a g e. Auch di« Methode hat ihre Geschichte, auch die Arbeitsschulmethode chre Entwicklung seit der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens. Das Arbeitsschulproblem ist stetes Problem und muß es bleiben, wenn der Gedanke nicht seinen tieferen Sinn auch für den Lehrer verlieren soll: ständig an der Vervollkommnung der Methode zu arbeiten. Auf dem Wege zur Arbeitsschule sind wir in den letzten Zähren ein gut Stück weitergekommen. sondern Jurist werden. Geschenke und Küsse tauschend, trennen sie sich endlich. Aber Corne.ius zeigt auch hier, daß er es faustdick hi.ttrr den Ohren hat. „Ist das Glück gut, wenn ich komme hin, so kömmt mir ein ander in Sinn', meint er. linier luter u„en, stud.eiunden Landsleuten taucht Cornelius in Rostock auf. Sir schiinpfen, daß ihre Väter, die dummen Greise, ihm kein Grid für fie mitgegeben haben. Aber Cornelius ist ja ein stinkender Dran (Delling, heute Fuchs), der erst durch die Deposillon zum Studenten gemacht werden muß. Einer von dem sauberen Kleeblatt verspricht, durch ein gutes Trinkgeld den Depositor mild« stimmen zu wollen. Cornelius gibt dafür einen Taler, aber kaum hat er den Rücken gewendet, da wird das Geld unter Hohnlachen verjubelt. Run folgt die drastisch veranschaulichte Depo- sition. Cornelias und sein Schicksalsgenosse Simon erhalten einen Strick um dm Hals, den Geckenhut und das Rarrenlleid. Auf falsche Antworten werden sie mit dem Dul'enpesel geprügelt. Eine scheußliche Medizin soll ihnen d e Verliebtheit aus hem Kopfe ziehen: denn in der Tasche des Cornilius hat sich ein Brief der Eugenie gefunden. Hierauf wird ihnen der Ele'antenzahn ausgebrochen, sie müssen sich nieterlegen, und Schultern, Rücken und Gesäß werden gehobelt. Cornelius zahl als Trinkgeld an den Oberpedell eine Lübecker Mark. Dann muß sich Cornelius vor dem Dekan der phllosophi'chen Fakultät über seine Kenntni,se der Schriftsteller und der Altertümer auswcisen, was ihm ganz gut gelingt, und wird für eine Gebühr von zwei Gulden immatrikuliert. Bald ist et nun mitten drin im studentischen Saus und Braus. Er bestellt für sich und seine Freunde Grillus und Sorgius ein Mehl: Hwei Kapaunen, zwei Enten, eine Gans, eine tüchtige Hammelkeule, zwei Karpfen, Krammetsvögel und Wurst. Gegen ein gutes Angeld wird die Wirtin sehr gefügig. Die Tochter Gubentia soll mit der Magd Trullulallula auf hen Markt gehen. Sie muß sich aber erst die Haare ordnen, und Cornelius benutzt die Gelegenheit, ihr einige Schmeicheleien zu versetzen, ilm sechs 11 br erscheint er wieder mit seinen Genossen. Inhalt erhält der Begriff, wenn wir uns den Bildungsvorgang im Sinn« der Arbeitsschulpädagogik vergegenwärtigen. Die alte Schule war in erster Linie auf Uebermittlung von Wissen eingestellt. Es wurden die Stofsmassen an den Schuler herangebracht in der Meinung, der Unterricht hätte sein Ziel am besten erreicht, dec die meisten Stoffe erledigte. Wir bezeichnen diese Bildungsidee als die materiale Bildungsidee. In der lanbläufigen Auffassung vom Wesen des Gebildeten als demjenigen, der einen möglichst weiten Umfang an Bildungsgütern beherrscht, tritt uns diese Ansicht soziologisch wert- behaftet entgegen. Mit dieser Auffassung verbindet sich weiter die, als verlaufe der Dlldungsvorgarrg in der Weise, daß die Seele des Schülers dadurch geformt würde, daß von außen der Stoff an ihn herantret«. In dieser Auffassung wird der Schüler zu sehr nur als Objekt betrachtet, der den Bildungsgütern Passiv gegenübertritt. Die unterrichtlichen Interessen waren In erster Linie auf den Stoff gerichtet. Zn dieser Theorie der Bildung wird ferner der Anteil, den die Umwelt des Kindes an dem geistigen Werden des Kindes hat, zu gering geschaht. Die alte Methode kannte zuerst den Stoff und dahinter stand der Lehrer. Der Schüler kam erst in zweiter Linie. Im Gegensatz hierzu will die Arbeitsschule den Schüler in den Mittelpunkt stellen. Sie will in ihm Kräfte frei machen und zielt darum nicht so sehr auf die Uebermittlung von Wissen als vielmehr auf die Entwicklung von Fähigkeiten, auf die Bildung von Dispositionen zum freien und selbständigen Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten, Das materiale Prinzip ist durch das formale abgelöst, Selbständigkeit und Selbsttätigkeit sind die obersten Ziele, denen der Unterricht zuzustreben hat. Das Kind soll von innen wachsen. Es soll nicht durch einen nur von außen herantretenden Stoff geformt werden. Das fetzt voraus, daß in weitgehender Weise auf die Eigenarten des Schülers Rücksicht genommen wird, wenn der Schüler selbsttätig mit schaffen soll. Es sollen ihm in erster Linie solche Aufgaben zugernutet werden, die seiner geistigen Entwicklung angepaht sind. Wesentlich ist hierbei, daß die Aufgabe in der Form innerer Anteilnahme an den Schüler herantritt. So wird der Unterricht zum Erlebnisunterricht, in dem stark intereffebetonte Inhalte auf den Schüler wirken. Man hat in diesem Zusammenhänge auch von Erlebnisschul« geredet und darunter einen Unterricht verstau- Mittwoch, 7. November (928 und das Mahl beginnt. Rach allen Regeln des Komments kommen sich di« drei Genossen Ganze und Halbe, ohne abzusetzen, in drei Zügen, in di« Welt usw. Als keiner mehr essen kann, müssen Musitanten kommen, und Comelius geht, um die Wirtstochter zu holen. Der Wirt und die beiden andern zechen indes weiter und kommen sich den „lateinischen Humpen" und „Kurie murle, buff“. Cornelius toi d mit einem „Schulzen schopp en" begrüßt, worauf G.ilius Ragel- probe fordert. 'Beim Karte.'.feil verliert Cornelius an Gutentia Eugenias Abschied.g.schenke, einen Ring und ein gölten eo Kreuz. Inzwischen sind die Genossen elngeschlafen. Er weckt iie und verlangt, daß sie entweder „frisch aussaufen“ oder sich nach Hause packen. Grillus jammert über Kopfweh, Sorgius „gott aus dem Hals“. Endlich gelingt es, die Gesellschaft auf die Straße zu schaffen, wo die kühle Rachtluft den Weindunst etwas zerstreut. 3a, man findet, daß der Durst noch nicht ganz gelöscht ist und sucht einen Krämer Asmus auf, ter einen Wein- scharck betreibt. Als er nicht öffnen will, überschütten ihn die Studenten mit einem Hrgel von Schimpfwörtern und g.hen dazu über, ihm Tür und Fenster einzuschlagen. Da kommt ter „Scher- gant“ Hansius mit seiner Mannschaft. Die „nassen Gäste“ werde;, überwältigt und Cornelius und Grillus in das „Finkenbauer“ ab- gefüh t, während So gttrs enttomml Bei den Berh rndlungen vor Reitor und Assessor erllären sich die Angeklagten natürlich für ganz unschuldig, ilnb als ter entronnene D itte erwähnt wird, hat der alles allein begangen. Wie er heißt, davon haben ffe feine Ahnung. Der „Schergant" ist ein Lügner und Stutenten- seind. Aber die Beweise sind erdrückend, und die llebeltäter werden zu dreißig Gulden Strafe oder acht Tagen schweren Gefä rgnisseö De . urteilt Auf die Frage, welche Strafe sie vorziehen, anttto-tet Cornelius, daß ihnen beide nicht gefallen, doch entscheiden sie sich schlleßlich für die Geldbuße, die auf ihre Bitten um die Hälfte ermäßigt wird. Auch müssen sie ilrfefjte schwören: „Zch Cornelius und ich Grill Bekenne gern und freiwillig, Daß ich oem Wei schenk fre enllich Die Tür gestürmt, Fenster ze.-schic gen, Ihr gelästert, geteeut zu schlagen, Daß ter Wachtmeister recht getan. Daß er mich gelinget an, -Und daß ter Herr Magnifikus Mir auferlegt ein billig Ge'deuß llnb daß ich's nimmermehr will rächen Solch's tu’ ich an Eidesstatt versprechen. So wahr mir Gott Helf in sein Reich." Der nächste Akt spielt etwa ein Iahr iDäter, Cornelius verachtet schon das Studium und tollt lieber mit einem alten Kommilitonen, der toeni- S?r mit Duhm und Geld als mit ungarischen äufen aus dem Türkenkriege heimgekehrt . ist, das Leben genießen. Wieder veranstaltet er ein Gelage. Aber jetzt ist das Trinken di« Hauptsache, und Dom Wein ist man zum Bier herabgestiegen. Rostocker, Hamburger, 3 erb ft er und Droihan (aus Hannover) werden für die besten Sorten gehalten. Don seinem Famulus und dem 3ungen erfahren wir, toi« Cornelius jetzt fein Geben führt. Wenn er die Rächt durchgezecht hat, schnarcht er bis drei Ahr im Bett, dann bringt er ten Rest tes Tages mit dem Spiel hin. bis es Zeit ist, wieder zur Kneipe zu gehen. Aber während man lustig den Decher schwingt, zieht sich das Unwetter über Cornelius zusammen. Es kommt ein Bote aus der Heimat und berichtet, daß die Eltern den Sohn wegen seines Lotterlebens enterbt haben. Der Krämer, bet dem Cornelius hat anfreiten lassen, ist in 33er- zweiflrnrg und trommelt auch die enteren Gläubiger zusammen. Vereint zieht die Schar der kwiiimi rawniMunmsmiirriitwMMMMMWi i den, der die Stoffe in erster Linie nach dev Interessiertheit und dem Verhältnis, das der Schüler auf Grund eigener Erlebnisse zum Stoffe gewinnen kann, auswählt. Das hat dazu geführt, die Dildungsgüter zu bevorzugen, welche durch eigene Erlebnisse im kindlichen Gedankenkreise und seiner Gefühlswelt verankert sind. Wir rtennen da die heimatlichen Stoffe, mit denen das Kind schon vor der Schulzeit in Erlebnis- gemeinschast stand, die es auch außerhalb des Unterrichts umgeben, ihm Probleme stellen und «s zu dauerndem Forschen und damit zum geistigen Wachsen antreiben. So ist auch für die Arbeitsschule das Stoff Prinzip nicht ganz belanglos, aber aus einem anderen ©tunte als in ter alten Schule. Der Stoff ist vom Kinde aus orientiert. Der Grundsatz der Entwicklungstreue bestimmt Auswahl und Anordnung der Lehrgüter. Die Berücksichtigung ter kindlichen Eigenart und die Auswahl der Bildungsgüter sind die wichtigsten Grundlagen für die Arbeitsweise, welch« in ter Arbeitsschule herrschen soll. Der Unterricht muh in freudiges Mittuen der Schüler münden. Die Arbeit soll nicht erzwungen, sondern freie und interessierte Eigentätigkeit sein. ■ Mit der Freude an der Arbeit wachsen die kindlichen Kräfte. Das Kind kommt nach der Eigengesehlichkeit seines Seelenlebens zu seinem Rechte. Was immer die großen Erzieher erstrebt haben, die Kräfte des Kindes zu entfalten, es von innen wachsen zu lassen, das sind wichtige Grundgedanken der Arbeitsschulpädagogik. So wird dann auch die Schule zu einem Ort der Freude für das Kind, und Freude und Frohsinn steigern die geistigen Kräfte. Mit dieser Einstellung ist nicht, wie wohl von mancher Seite befürchtet wird, ein Zurückdrängen der ernsten Arbeit zugunsten des Spiels verbunden. Es läßt sich auf der Grundlage der Arbeitsschulgedanken sehr wohl eine strenge Arbeit von den Kindern neben dem freudigen Schaffen fordern. Di« erste Stufe tes Anfangsunterrichtes knüpft freilich an ten Spieltrieb tes Kindes, an seine liebgewonnenen Beschäftigungen an, sie malt, klebt, zeichnet, singt, erzählt, schneidet aus, führt Spiele auf, kurz, sie wählt Arbeitsstoffe und Arbeitsweise aus dem kindlichen Lebenskreise. Im weiteren Verlauf treten bann die übrigen Bildungsgüter an den Schüler heran. Die Form der Spielgestaltung wird abgelöst durch die Arbeitsgestaltung in freier Eigentätigkeit und interessierter Schaflensfreute ter Schüler. Manichäer zum Rektor und beklagt sich: der Wirt sordevt 100 Gulden, der Krämer 111 Mark, ter Buchhändler 100 Mark, der Apotheker 18 Gulden, der Weinhändler 30 Taler, der Schneider 12 Gulden, der Chirurg für das Verbinden von Wunden 3 Taler, der Weinschenk Asmus 6 Taler, die Waschfrau 3 Taler. Cornelius wird einen Tag lang in allen Kneipen gesucht. Die schlimme Aachricht hat ihn niedergeschmettert und er zerfließt In Reue. 3n einem Winkel verborgen, hört er, wie ihn der Pedell bei Strafe der Exklusion vor den Rektor zitiert. Er wird dort auf ?sehn Jahre relegiert und muh über alle Schulden Verschreibungen ausst.llen. Wild fluchend, entfernt er sich. Auf seiner Bude erscheinen die Gläubiger, raffen alles zusammen, was sie fassen können, und als er dazwischmtritt, reihen sie ihm die Kleider vom Leibe und bläuen ihn tüchtig durch. Obendrein kommt schließlich noch Lubentia, um ihn mit einem kleinen Cornelius zu beglücken. Er verspricht, für ihn zu fragen und reist nach Hause. Dort findet er es noch schlimmer, als er erwartet hat. Die Eltern sind tot. 3n den leeren Räumen haust ein Gespenst. Er schaut , sich nach einem Strick um. Das Gespenst macht ihn durch Brummen auf einen aufmerksam. Dieser Strick ist der einzige Hausrat. Cornelius hängt sich auf. Aber der Dichter will ihm Gelegeicheit geben, ein neues Leben zu beginnen, und verwendet dazu ein uraltes, aus dem Orient überkommenes Märchenmotiv. Der. Haken, an dem ter Strick befestigt ist, gibt nach, und als Cornelius aus der Betäubung erwacht, findet er sich zwischen gefüllten Geldsäcken wieder, die aus der entstandenen Oesfnung nachgestürzt sind. Die Lust zum Leben kehrt wieder, ober Cornelius will nun auch einen musterhaften Lebenswandel führe'n. Er wirft sich dem alten Herzog, der m der Dähe der älniversllätsstadt des Weges konrmt, zu Fühen, erhält Verzeihung und wird wieder als Student ausgenommen. Das neue Leben kann beginnen. Hessisch'Baieklandischer Block. Der Hessisch-Vaterländische Block — Prooinzialverbaud Oberhessen — ver- anstallete nm Sonntagnachmittag auf der „Liebigs- höhe" eine gut besuchte amilienzusammen- fünft- Nach einigen Musikvorträgen begrüßte Ober- telegraphcninspektor Spies die Erschienenen, dabei besonders auf die Verantwortlichkeit des Volkes dem Vaterland gegenüber hinweisend. Er forderte Mitarbell zum Zwecke der inneren und äußeren Befreiung unser.'s Volkes und Zusammenfassung aller nationalen Kräfte. Hierauf hielt Freifrau von H a d e l n (K'ottbus) einen von tiefem Verständnis für die heutige Not der Jugend zeugenden Vortrag über „Die sittliche Verantwortung der Jugend". Die Rednerin zeigte zunächst in kurzen Zügen die Eigenart der Heranwachsenden Jugend, welche mehr den Zeitkäufen ausgesetzt sei, wie Kinder und Erwachsene, bedauerte die oft falsche Erziehung, welche den Er- Werbsinn schon in frühester Jugend fördere und Berechnung sowie Profitgeist erzeuge. Die Sehnsucht nach materiellen Gütern sei größer, wie das Streben nach Ehre, Erwerbsinn sei Wertobjekt im Sinne des Staates, er dürfe aber nicht in Gewinnsucht ausarten. Die Eltern hätten die Pflicht, ihren Kindern Liebe zu den Menschen beizubringen. Pastor B o - d e l s ch w i n g h müsse hier als leuchtendes Beispiel gelten. Im zweiten Teil des Vortrags behandelte die Rednerin Sport und Körperpflege der Jugend, die für viele leider als Ersatz für Religion angesehen werde. Es sei bedauerlich, daß sich das Sportleben neuerdings meist i.ur auf Rekord einstelle. Die edlen Motive dürften nicht verkannt werden, allerdings dstrfe der Sport nur Diener des Volkes, nicht Götze fein. Im letzten Teil beschäftigte sich die Vortragende mit Fragen der Erotik (Liebespoesie). Sie behandelte dabei zunächst die Frage der Kameradschaft zwischen jungen Männern und Mädchen, bei der auch Liebe nicht zu entbehren sei. Alle dings müsse diese Liebe von heiligen sittlichen Motiven durchdrungen sein. Die Jugend müsse sich dabei der großen Verantwortung gegen sich selbst und das Vaterland bewußt fein. Falsche Erotik zeuge Elend und innere Zerrissenheit. Das Vaterland verlange von der Jugend Gesundheit. Die Jugend müsse mehr Seele und Körperscheu haben, mehr Ehrfurcht. Der junge Mann müsse wieder Kraftideal fein, das junge Mädchen müsse wieder das Wesen werden, vor dessen Seele der Mann niederknie. Die heutige Jugend sei schwankend im Wollen, schwankend im Können. Es sei ein Führer notwendig, welcher die bestehende Unruhe beseitige. Dieser Führer müsse höhere Sittlichkeit verkörpern, eine Idee repräsentieren. Es gäbe nur ein Sittengesetz: das Gewissen, und dieses fei Former der Führer. Vorbild der Jugend sei nur Gott, würde die Menschheit erst das begreifen, dann hätten wir die Grundlage zur wahrhaftigen Sittlichkeit. Nach dem mit begeistertem Beifall aufgenommenen Dortrage erfreute der Damenchor der Ortsgruppe Herborn des Königin-Lui fen- Bundes durch zwei Lieder: „Nimm deine schönsten Melodien" und „Treue Liebe bis zum Grabe!" Als Vorsitzende der hessischen Organisation des Königin Luifen-Bundes sprach Frau v. Ulrich in kurzen Zügen über Zweck und Ziele dieses Bundes, dessen Motto: „Ich biene!" sich auswirkc in dem Bc streben, einander ?u dienen, dem Vaterland zu bienen und Gott. Die besondere Fürsorge des Bundes gelte der Jugend, an deren Wohl mitzuarbeiten die Aufgabe aller deutschen Frauen sei. Nach einigen weiteren Musikvorträgen fanden noch interessante Filmvorführungen über den 9. Reichsfront- soldatentag in Hamburg und den Empfang der Ozeanflieger in Berlin statt. Die Vorführungen wurden durch entsprechende Musikstücke begleitet. Kunst und Wissenschaft. Professor Echroers -f. Der Dozent der Rheinischen Friedrich-Wil- helln-Universität in Bonn. Prof. 3ohann Heinrich E ch r o e r s . ist in der Rächt von Montag auf Dienstag, wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag, gestorben. Nachdem er mehrere Jahre in der praktischen Seelsorge in München tätig war. habilitierte er sich 1885 ün Freiburg für Kirchengeschichte, wirkte dann von 1886 bis 1916 in Tonn. Er war lange 3ahrc Vorsitzender des Historischen Vereins für den Riederrhein, Verfasser zahlreicher Werke und nach längerer Pau^r der erste Rektor der ITniberfitat aus der katholisch-theologischen Fakultät. Wirtschaft. Zellstoff Waidbof in Finnland. 3n der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Zellstoff-Fabrik Waldhof A. - G. in Mannheim wurde die Errichtung einer Zellstoffabrik in Koxholm in Finnland beschlossen unter der Voraussetzung, daß die mit einer englischen Gruppe eingeleiteten Verhandlungen zum Abschluß führen. Das Werk Koxholm soll in Form einer selbständigen finnischen Aktiengesellschaft mit einem Kapital von Finnmark 120 MilT betrieben werden. Die englische Finanzgruppe wird bei endgültigem Abschluß des Vertrages 60 Mill. FW. Vorzugsaktien mit einfachem Stimmrecht übernehmen, außerdem dem neuen Unternehmen eine Anl.ihe von etwa 500 000 Pfund Sterling gewähren. Sie hat sich das Recht des Umtausches der von ihr zu übernehmenden finnischen Titces gegen Zellstoff-Fabrik Waldhos Stammaktien bori e.;al» ten, was bei etwaiger völliger Ausübung nom. 5,72 Mill. Mk. Zellstoff-Fabrik Wa.dhos-Stammaktien erfordern würde. Als ülmtauschrelation sind vorgesehen FM. 10 020 Vorzugsaktien gegen 400 Mark Zellstoff-Fabrik Waldhos-Stamm- aktien (entsprechend einem Kurse von etwa 260 Prozent für die Waldhof-Stamma.tien), sowie 600 Pfd. Sterling Obligationen gegen nom. 4000 Mart Zellstoff-Fabrik Waldhof-Stammaktien (entsprechend einem Kurse von etwa 300 Prozent für die Waldhof-Stammaltie). Die Zellstoff-Fabrik Waldhof übernimmt das Stamm* llrpital ■ der neuen Gesellschaft in Höhe von FM. 60 Millionen. Die Sicherung der Aktienmajorität der finnischen Gesellschaft für die Zellstoff-Fabrik Waldhof erfolgt durch vertragliche Vereinbarungen mit der englischen Gruppe. Zum Erwerb der Stammaktien der anzugliedernden finnischen Gesellschaft soll der Erlös der der Zellstoff-Fabrik Waldhof aus der letzten Kapitalserhöhung vom September 1927 zur Verfügung stehenden 2 Millionen Mark Vorratsaktien verwandt werden. Ferner ist für den Fall des Abschlusses mit der englischen Gruppe eine Kapitalserhöhung der Zellstoff-Fabrik Waldhos in Aussicht genommen. Es sollen 10 Millionen Mark Stammaktien und 700 000 Mark Vorzugsaktien Lit. A neu geschaffen werden. Don den 10 Millionen Mark neuen Stammaktien sollen 3,2 Mill. Mark den alten Stammaktionären in der Weise angeboten werden, daß auf zehn alte eine junge Stammaktie mit Dividndenberechtigung ab 1.3a* mtar 1929 zum Kurse von 200 Prozent bezogen werden kann. 1,08 Mill. Mk. junge Stammaktien sollen der Mannheimer Gesellschaft als Verwertungsaktien zur etwaigen weiteren Kapital- arrsstattung des finnischen Unternehmens verbleiben. Die restlichen 5,72 Mill. Mark neu zu schaffenden Stammaktien sind für die den englischen Geldgebern zu gewährenden Umtausch- rechte zu reservieren. Die neu zu schaffenden Vorzugsaktien Lit A werden von den bisherigen 3nhabern der Vorzugsaktien Lit. A übernommen. Die Einladung der ao. G.-V. der Zell- sto.^Fllteik Waldho,. die für den 10. Dezember in Aussicht genommen ist. wird nach Abschluß der englischen Verhandlungen er,t>Igen. * KraußK Co., Loko motivfabrik A.--G. Wie verlautet, wird das Ergebnis des laufen* detz Geschäftsjahres nicht hinter dem des Vorjahres zurückbleiben, das mit einem Gewinn von etwa 60 000 Mk. abschloh. Die Beschäftigung des Werkes sei nicht übermäßig groß, was darauf zurückgeführt werden müsse, daß die Gesellschaft keine Aufträge hereinnehme, die keinen Ruhen ließen. Die Verwaltung hofft, auch weiterhin die Selbständigkeit des ^Internehmens erhalten zu können. • 3- P. Be mbe r g - A. -G. Wie WTB.- Handelsdicnst erfährt, ist das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr der 3. P. Bemberg- A.-G. im allgemeinen günstig verlaufen. Der 2lb'ah ist wiederum gesteigert worden. Die abschließenden Arbeiten sind noch nicht soweit gediehen, daß das zahlenmäßige Ergebnis zu überblicken ist. 3m Vorjahre wurde ein Reingewinn von 3 120 977 Wk. erzielt, aus dem eine Dividende von 14 Prozent zur Verteilung gelangte. * Hamburg-Amerikanische Paket - fahrt 2L-G. Die gestrige Aufsichtsratssitzung der Hapag tehcrndclle nur laufende Geschäfte. Es wurden leine besonderen Beschlüsse gefaßt. Ein offizieller Bericht wurde nicht ausgegeben. • Gründung einer deutsch-französ. Handelsgesellschaft. Unter dem Rainen Deutsch-Französische Handelsgesellschaft wurde in Köln eine Gesellschaft gegründet, die sich die Vermittelung von Jndustrielieferrmgen, von Bauaufträgen namentlich auf Reparationskonto zur Aufgabe gestellt hat. Den Aufsichtsrat bilden Bankier Dr. Sy Wirtz-Köbr, Generaldirektor Welge vom Lloyd Royl Beige, und Senator Stuhl, Vorsitzender der Kommission für Landwirtschaft im französischen Senat. Zwei wettere Aufsichtsratsposten sollen je einem Vertreter der beiden Länder angeboten werden. Aranlfurter Börse Frankfurt a. M., 7. Rov. Tendenz: fester. — Trotz 6er Fortdauer des Konfliktes in der Eisenindustrie und der plötzlich cingetretenen Regierungskrise in Frankreich eröffnete die Börse in überwiegend festerer Haltung, angeregt durch die ziemlich lebhafte Rachfrage nach Spezialwerten, vor allem wieder nach Elektri- zitätsattien. Die Ämsatztätigkeit war jedoch im allgemeinen weiterhin nicht groß, da das private Publikum in seiner 3ntei^sselosigkeit verharrte. Die hohen Vorbörsenkurfe konnten sich daher meist nicht behaupten, doch waren gegen die gestrige Abendbörse auf den meisten Marktgebieten noch 1- bis 2prozentige Kursgewinne zu verzeichnen. Am Slectromarkte waren die Kursbesserungen etwas größer. Siemens mit plus 3 Prozent und Schuckert mit plus 2,75 Proz. waren bevorzugt. AEG., Verger, Gessürel gewannen 1 bis 2 Proz. 3.-G.° Farben eröffneten 1 Proz. höher, Scheideanstalt wenig verändert. Holzverkohlung weitere 1,5 Proz. anziehend. Deutschs Linoleum 2 Proz. höher. Don den Bauuntemehmungen lagen Philipp Holzmann 1,13 Proz. höher. Zellstoffwerie lagen eher angeboten unb etwa 1,5 Proz. schwächer, da das Dezugsrecht bei Waldhof (10:1:200) enttäuschte. Montanwerke lagen still und meist knapp behauptet, nur Buderus 1,40 Proz. fester. Auch Danken- und Schiffahrtswerte waren vernachlässigt. bei wenig veränderten Kursen. Kaliaktien konnten weiter etwas anziehen. Autowerte leicht erhöht. Rur ASLL auf dem niedrigen Kursstand behauptet. Deutsche Anleihen waren kaum verändert. Von Ausland- ronten Türken weiter abbröckelnd. 3m Verlaufe wurde das Geschäft noch stiller. Verschiedentlich bröckelten die Kurse auf Realisationen leicht ab. Siemens waren weiter gefragt und erneut 1 Prozent fcjter. Tagesgeld war zu 6 Prozent weiter ziemlich flüssig. Am Devisenmarkt nannte man: lilarf gegen Dollar 4.1973, gegen Pfund 20.353. .London gegen Kabel 4.8484, gegen Paris 124.15, gegen Mailand 92.60, gegen Holland 12.0875. DL re irrer Börse. Berlin,?. Nov. Nach der sichr ruhigen unb eher schwächeren Abendbörse hatte sich heute morgen etwas Abgabeneigung gezeigt, doch würbe es im Laufe des Vormittags wieder überwiegend fester, da Käufe in Elektrowerten allgemein an- regten. An der Vorbörse wurde es fest. Es ergaben sich Kurssteigerungen von mehreren Prozent, doch war trotz dieses festen Grunbtons eine gewisse Nervosität unverkennbar. Die sichere Wahl Hoovers wurte hier mit Befriedigung aufgenommen unb hatte die Spekulation befonbers am Elektromarkt zu Deckungen veranlaßt. Der Beginn des offiziellen Verkehrs zeigte nicht immer ein so festes Aussehen, da auf Grund der höheren Kurse wieder Abgaben vorgenommen wurden. Die französische Negierungskrise wurde stark erörtert. Man hegte Befürchtungen, baß die Erörterung des Reparationsproblems dadurch verzögert würde. Sie Kursgeftaltung war infolgedessen nicht einheillich, doch lagen die ersten Notierungen über der Frank- furter Abendbörse, zum größten Teil auf der Basis der gestrigen Schlußkurse. Es zeigte sich wieder für Spezialwerte stärkeres Interesse, und nur in diesen war das Geschäft etwas lebhaft. Elektrowerte, Kali- und Spritaklien .,atten stärkere Nachfrage zu verzeichnen. Die angeblichen Auslandskäufe am Elektro- markt sollen noch immer anholten, doch scheinen die anfänglichen Käufe heute eher wohl Deckungen gewesen zu sein. Schuckert unb Siemens konnten bis 2 d. H. anziehen, dagegen Pöge wieber schwächer. Von den Kaliwerten beanspruchten das stärkste Inter- esse die unnotierten, von denen Krügershall etwa 8 v. H. unb Kaliinbustrie etwa 4 v. H. gewannen. Spritwerte konnten bis 3,5 v. H. anziehend ebenfalls Kunstseibeaktien, Svenska unb vor allem Tietz. Deutsche Anleihen waren gehallen. Ausländer ziemlich uneinheitlich. Der Pfandbriefmarkt mar ge- fchäftslos. Nach den ersten Kursen mürbe es über- miegenb fester. Tietz konnten erneut 2 v. H., vorübergehend sogar 3,5 v. H. anziehen. Allgemein mar en 1 bis 2 v.-H. Besserungen gegen Anfang festzustel len. Im späteren Verlaufe schritt die Börse jedoch wieder zu Realisationen, so daß das Anfangsniveau zum Tell unterschrillen wurde. Der Geldmarkt zeigte ein etwas leichteres Aussehen. Tagesgeld 6 bis 8 v. H., Monatsgelb 8 bis 9 o. H., Warenwechsel etwa 7 v. H. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 7. Nov. Der Frankfurter Probuktenmarkt verkehrte in ruhiger Haltung. Die Tendenz war ziemlich lustlos, da die schwächeren Auslandnotierungen zur Zurückhaltung mahnten. Angeboten und stärker vernachlässigt waren Weizen, Sommergerste unb am Fullermillelmarkt Mais für Futterzwecke, wahrend - seizen- und Roggenkleie gut behauptet blieben. Auch für Roggen und Hafer (inländischer), sowie für Weizenmehl bestand bei gut behaupteten Kursen einiges Interesse. Die Umsätze waren minimal. Es wurden notiert: Weizen 23,40; Roggen 22,25 bis 22,50; Sommergerste für Brau- zwecke 24 bis 24,25; Hafer, inländischer, 23 bis 23,25; Mais (gelb) für andere Zwecke 22; Weizen- mehl, süddeutsches Spezial 0, 33,75 bis 34,50; Roggenmehl 29,75 bis 30,50; Weizenkleie 13,75; Roggenkleie 14,25 Mark. — Tendenz: matt. Der Gießener Beirugsprozeß. 9. Verhandlungstag. * Gießen 6. Rov. Die heutige Sitzung des Erweiterten Schöffengerichts war im Vergleich zu der Verhandlungsdauer der bisherigen Sitzungen verhältnismäßig kurz. Auch war heute einer der Düchersachverständigen am Erscheinen verhindert. 3n der Hauptsache war die Sitzung mit der Erörterung einiger Punkte des in der letzten Sitzung erstatteten Gutachtens der Düchersachverständigen ausgefüllt. Darauf erstattete der Sachverständige ein Rach - tragsgutachten Sellens der VerteDigung tourten noch einige Betoeisanträge gestellt insbesondere auch di« Beiziehung der Grunoakten über ten Grundbesitz des Angeklagten H. beantragt. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Darauf tourte die Verhandlung auf morgen vormittag vertagt, an dem voraussichtlich gleich die Plädoyer beginnen werden. Lehie Nachrichten. Oer Strafantrag im Frankfurter Bühnenprozeß. Frankfurt a. IN., 7. Roo. (MTV. Drahimel- bung.) 3n dem Prozeß gegen ten früheren Verwaltungsdirektor ter frankfurter Bühnen- A. - G., Müller-wieland, beantragte ter Staatsanwalt neun Monate Gefängnis und taufend Mark Geldstrafe. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Gefchäftsstelle zu richten. Für unverlangt eingefandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Ärict Geld Sd)lub< I-Uhr- liur« | Kurs Datum: 6. II. 7. 1L 132 133,6 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a.M. 325 276 575 -21,5 274.5 572 ’J3I)Uu>D .peymann . . fjeiBcfberger (Scntetrt . dement Sailftabt . . Wayh & Freitag . . Sckultdeir Pahenboser Oftmcrfe ..... Sei. Glanzstoss . . 5djiu(j-l Unjang .stur« | ftur* . 7 10 . 8 10 15 12 18 Froupsttrt . 11. | 7. 11. KursZeiieZ der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe ter zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reicbsbankdiskont 7 Prozent, Lvmbarbainssuß 8 Prozent. ' 132 1133.1- 1.36.2j 136,5 175 ! Berit.',. 6 November '.Jrantöniche Noten Holländische Noten ...... Hlolienttche Noten...... Norwytsch: Noten..... Demkch-Ocsterr-, i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schwester Noten....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Roten • • Ungarische Noten Frankfurt a. M Berlin Schlub-1 flurs | 1-Uhr- Kur» Sdj.ub- stur. Aniang Sur* Datum G 11. | 7. 11 6 11. | 7 1L 6% Dt Refd)üanleif)e o 192? 87.25 — 87.5 _ Dt. SnI.-LLlöl.-SckuIo mll LlliS- | to|.-$e49,25 149.5 149.75 149 tzamb.-Südam. Damvstch - - 8 * Hansa Dampsschiss . - 10 -- 182.5 182 Storddeulscher Lloyd .... 8 IM —— 144.25 143.6 ffllfl Deutsche dreoitanft. - . 10 — — 1(6 136,25 Barmet Bankverein 10 140,6 — 140,75 Berliner vandeltgesellsch. . 12 — —• Z86.5 287 tommeq» unb Privat-Bank 11 Io8 188.5 l«8.7o lö8,9 Darrn st u. Nationalbanl 12 .-91.5 '91.75 m.5 292,5 Deutsche Bank 10 166 — 106,75 1 6.5 ®telonto-0eleUldiaft Slot. 10 l»2 — h-2 162,5 Dresdner Bans ... 10 168 Iu8 108 1-8 nUtelbeutldte (kebtttrotf . - v • — 09.5 21U Betonbau! ........8 134,6 134.75 135,5 302,5 *«12.25 304,75 ijrraiibfurt a. M Berlin Schluß Kurs | r-Uhr- Kurs Sch.ub .sturr Anfang fturs Tatmn: 6. 1L j 7 11. !>. 1L I 7 11. LS.S. ... . . . . L 183 185 183.75 184.a Bergmann .... . . . . S — 218. K 217.25 218,5 ßlette Lieferungen. . ... 10 — 165.75 — Licht und fiiaft . . ... 10 235 — 235 235.5 ijelteu 4 Guilleaume. Ges. f. ®efti. Untern.. . . . . 6 IM 151,5 151.13 . . . 10 771 271,5 270.75 271 Hamb. (Sefti. Werte . ... 10 — — 149,5 — Rhern. Elekte . . . . . . . 0 — — 157.5 158.5 Schlei- Elektr. . . . ... 10 — 226 226 (-chuckert . . • . . . . 8 227,25 230 228,65 230,25 Gtemeni 4 Hallte . . ... 12 403 406 404 406 . . . . 8 — — 148 148.75 Üadmever 4Lo.. . . ... 10 — — 163,5 165 Suderuf . . . . . . . b 85,25 86.6 86.25 86,75 Deutsche Erd5I . • • . . . . 6 — 136,5 135.7. 135.5 Essener Steinkohie . . . . . . 8 k 4 — — — — Gelsenkirchener . . • 122,5 — 123,5 122.5 Harpener .... . . . . 6 136.75 136.75 137 136,5 Hoesch Nsen. . . . . . . . 8 - 132 130.25 Ilse Bergbau . . • • Möcknerrverke . . • • . . . 8 239 238.5 — • ... 7 109 109 109.7a — ltö!n-9?eueilen . . . . • ... 8 - —- 129 128.25 Äkannesmonu . . . . . . . 8 127 126,5 125.7a 125,9 Mansselder . . . • • • • 7 — — 115,9 115.4 Oberschies. Eisenb. Bevors . . 6 —- 109 — Oberschl-s. 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