Nr. 157 Erstes Blatt 178. Jahrgang Zreitag, 6. Zull 1928 Erscheint täglich, ouher Sonntags anb 5md Verlag: VrÜhl'sche llRiversi1Sk.vvch mb Stetnörutferet B. Lanze in Sietzen. 5chriftlettvng und Geschästrftelle: Schulftratze 7. Annahme von Lnzelaen für die Tagrsnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange für Feuilleton Dr H.Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen Der Reichstag billigt die Regierungserklärung. Vertrauensersah. Don unserer Berliner Redaktion. Das Reichskabinett hat also, wie erwartet, am Donnerstag von dem Reichstag zwar kein Vertrauensvotum, aber doch eine Zustimmung zur Regierungserklärung erhalten, die nach der Verfassung di« Voraussetzung für ihre weitere Tätigkeit ist. Es war eine starke Mehrheit, die sich zusammengefunden hat: 261:134 Stimmen bei 28 Enthaltungen, also beinahe eine Zweidrittel- Mehrheit. 3n der Minderheit blieben Kommunisten. Deutschnationale und Rationalsozialisten, während die Wirtschaftspartei sich der Stimme enthielt. DiS man soweit gedieh, gab es noch eine stundenlange Unterhaltung, die allerdings wenig Positives erbrachte. Der Reichskanzler fühlte daS Bedürfnis, sich mit der deutschnationalen Kritik auSeinander- zu/elzen. Er war aber dabei außerordentlich vorsichtig, offenbar wett er durch irgendein voreiliges Wort di« Mittelparteien kopfscheu zu machen fürchtete. So begnügte er sich mit der Feststellung, daß die koaftttonsmähiae Umbildung der Regierung möglichst bald erfolgen solide und gab einige Ergänzungen zur Regierungserklärung. die von Bedeutung nur sind, soweit die auswärtig« Politik in Frag« kommt, weit Herr Müller sich hier zu dem bisherigen Kurs bekannte und ein Ost-Locarno ablehnte. Das ist an sich eine Selbstverständlich- beit. kann aber nichts schaden, wenn das vor der Welt öffentlich ausgesprochen wird, und gerade bei dem Nachsatz, daß das Kabinett in der kommenden Woche sich mit den deutsch-polnischen H a n de ls ve r tr ags vc rh a n d lu n- gen beschäftigen wird, gewinnt dieser Wink an besonderer Bedeutung, lieber den Dau des Panzerkreuzers hätte die Regierung offenbar gerne jedes offene Wort vermieden. Die Anfragen waren aber zu deutlich geworden. So deckt« Herr Müller wenigstens insoweit seine Karten auf, als er eine rechtzeittge Prüfung vor dem 1. September zusagte. Man wird daraus entnehmen dürfen, daß die Sozialdemokraten es schwer haben werden, im Kabinett ihren Wunsch auf Vertagung des Panzerkreuzers duvchzusetzen. Die Deutfchnattonalen schickten noch einmal Herrn Oberfohren vor, der nicht mit Unrecht dem Kabinett vorwarf, daß es überall Formulierungen brauche, die wie eine theoretische Fortsetzung der Arbeiten der früheren Koalition sich anhörten. Merkwürdiger Weise wirkte der Finanzminister Dr. H i l f e r d i n g, der sich gegen den Vorwurf verteidigte, als habe er seinerzeit nichts gegen die Inflation getan, auf die Kommunisten wie ein rotes Tuch. Sie schlugen wiederholt Lärm und ernteten dafür zahlreiche Ordnungsrufe. Roch wilder allerdings gebärdeten sich die Rattonalsozialisten. Es erübrigt sich auf daS merkwürdige Verhalten der Rativnalsozia» listen hinzuweisen. Billigung oder Richtbilligung, das ist eine Frage des Standpunkts, den man politisch einnimmt: man wird aber auf jeden Fall, ob in Zusammenarbeit oder in Opposition für eine fortschrittliche Arbeit eintreten müssen. Auch die Opposttion muh prv- dukttv sein. Ja Bismarck selbst hat immer den gröhten Wert auf eine solche gelegt. (Sitzungsbericht. Berlin, 5.3uIL (DDZ.) Die Besprechung der Regierungserklärung wird fortgesetzt. Präsident Löb« teilt mit, dah der Aeltestenrat des Reichstages all« Anträge, also auch den nattvnalsvzialistischen, z u g « l a s s e n hat. Reichskanzler Müller wendet sich in seiner Antwort auf die Ausführungen verschiedener Debatteredner, zunächst gegen den Abg. Graf Westarp. Ein« Aufhebung des Reichsjustizministeriums wäre kaum zwecl- mähig, zumal manch« Länder ihr« Iustiz- hvheit dem Reiche übertragen wollen. Wir sollten froh darüber sein, dah. soweit die Führung der auswärttgen Politll in Frage kommt, wesentliche Differenzen zwischen den großen Parteien nicht vorhanden sind. Graf Westarp vermißt weiter daS Wort „national“ in der Regierungserklärung. Wenn dort aber ständig von der „deutschen" Politik und der ..deutschen" Wirtschaft die Rede ist, dann ist die besondere Anwendung des Wortes „national" nicht notwendig. Wenn Gras Westarp sozialdemokratische Parteifvrderungen in der Regierungserklärung vermiht, so erinnere ich ihn nur an seine Rede in Ostpreußen, in der er von dieser Partei sagte, sie habe erst den Mund recht vollgenommen uni> hätte dann Abstriche machen müssen, ft« hätte viele Versprechungen nicht durchführen können (Heiterkeit). Etwas anderes, was Graf Westarp vermiht«, ist tatsächlich in der Regierungserklärung enthalten. Es ist dort deutlich jeder von dritter Seite unternommene Versuch einer unberechtigten Einmischung in die Aage der Rheirrlandräumung zurück- gewiesen worden. 3n der Frage des Ost- Locarno steht die Regierung ganz auf dem Standpunkt, den Reichsaichenminister Dr. Strese- mann in Uebereurftinummg mit fast allen Par- teien bisher eingenommen hat. Ob der Panzerkreuzer gebaut werden kann, wird von den Besprechungen des Reichswehrministers mit dem Reichsfinanzminister abhängen. Die immer wiederholten Angriffe gegen die Weimarer Verfassung sind unberechtigt. Bei der letzten Wahl hat das deutsche Volk sich nicht für die deutschnationalen Aenderungswünsche entschieden. Wir verdanken es der Weimarer Verfassung, wenn wir die Zeit der Putsche und die furchtbare Inflationszeit so gut überwinden konnten. Aus der Regierungserklärung geht deutlich hervor, daß die Regierung noch nicht auf koalitionsmähiger Grundlage beruht; es geht aber auch deutlich daraus hervor, daß die feste Absicht vorhanden ist, die notwendige U m b i l d u n g der Regierung alsbald vorzunehmen. Das ist auch notwendig, wenn das umfangreiche Regierungsprogramm in Angriff genommen wer- den soll. Abg. Dr. Oberfohren (On.) meint, aus den Erklärungen der bürgerlichen Parteien habe wenig Vertrauen zu der neuen Regierung geklungen. Di« Ausführungen deS Abg. Dr. Scholz über das Verhältnis der Deutschnationalen zur Sozialdemokratie müssen scharf zurückgewiesen werden. Die Mittelparteien sollen nicht glauben, dah wir ihnen gegen die Sozialdemokraten beistehen werden, wenn sie deswegen Schwierigkeiten haben: die von der Regierung geplante Racherhebung der Vermögenssteuer würde mehr kosten, als sie einbringt. (Abg. Keil (Soz.): Das ist die Vorlage der Rechtsregierung.) 3n der Steuerfrage werden wir so lange nicht vorwärtskommen, wie diejenigen, die Steuern beschließen, die sie selbst nichtzahlen. Die von der Regierung angekündigte Mitte standspolitik widerspricht dem sozialdemokratischen Parleftrogramm (Lachen und Zurufe bei den Sozialdemokraten). Wenn dem Mittelstand geholfen werden soll, muh vor allem di« Konkurrenz der reichseigenen Betriebe verschwinden. Wir wollen ein von den Parteien unabhängiges, entpolitisiertes De- rufsbeamtentum. 3n der Sozialpolittk lassen sich große Ersparnisse ohne Kürzung der Leistungen erzielen. Bei der Arbeitslosenversicherung müssen für bi« Landwirtschaft diejenigen Bestimmungen beseittgt werden, di« die Arbeitsunlust fördern (Unruhe und Zurufe bei den Kommunisten). Die gegen di« Kartelle geplanten Maßnahmen müssen auch gegen di« sozialdemokratischen Konsumvereine angewandt werden. Di« Arbeitszeitbestimmungen be- einträchttgen die deutsche Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt. Ein Kohleneinfuhrverbot ist notwendig zum Schutze des oberschlesischen Bergbaues. Der Dawes-Pakt hat nicht zur Abtragung, sondern zur Anhäufung der deutschen Schulden geführt. Die Revisionsmöglichkeiten des Dawes-Planes müßten auS- genuht werden. Die Regierungserklärung ist das Anerkenntnis des außenpolitischen Bankerotts, der hinter uns liegt (Gröhe Heiterkeit bei der Mehrheit und Rufe: Sie reden ja gegen die Rechtsregierung.) Die Ursache der auhenpoliti- scheu Riederlagen ist der Eintritt in den Völkerbund und der Dawes-Plan. (Rufe: Den Sie ermöglicht haben!) Wir dürfen nicht auf Hilfe von draußen Höften, sondern müssen uns selbst helfen. Reichsfinanzminister- Ör. Hilferding: Die Angriffe des Vorredners richteten sich zum größten Teil gegen die vorige Regierung. der die Deutschnationalen angehörten. Diese Regierung ist für das verantwortlich, was der Vorredner hinsichllich der Steuerpoli- ttk uni) des Dawes-Planes kritisiert hat Der Minister geht bann auf die Behauptung ein, bah die Stabilisierung ber Währung das Werk HelfterichS gewesen sei. Unter großer Unruhe und fortwährenden Zwischenrufen bet Kommunisten führte er aus, bie von Helff erich geplante Verknüpfung der Währung mit bem Roggenpteis würde ein Unglück gewesen sein. In seiner Finanzmrnisterzeit 1923 habe er, Dr. Hilferdimg, diese Gefahr beseitigt und mit Unterstützung des ausgezeichneten Staatssekretärs v. Schließen die Währung stabilisiert Ich will eine bösartige Legende zerstören, bie bie französische Ehauvinistenpresse von der beutschen Rechtspresse übernommen hat Das einzige Argument der französischen Chauvinisten gegen bie jetzige deutsche Regierung ist das. dah bie Sozialdemokraten f eine Gewähr für bie Si ch« rhei t der Währung böten. Dieses Sttchwort haben die Feind« Deutschlands von den Deutschnationalen erhalten. Um solchen auhenpolittschen Schaben abtzuwehren. will ich das Gleichgewicht des Budgets aufrechterhalten und unsere Währung gegen Verleumdungen schützen. In diesem Sinne will ich mein Amt führen. (Lebhafter Beifall). Abg. Straffer (Rats.)) bezeichnet die R«> gierungserllätung alls eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Die wirkliche Regierungserklärung sei durch den Zwischenbericht des Repa- rationsagenten Parker Gilbert gegeben worden. Der jetzige Reichskanzler habe in Versailles das Todesurteil unterschrieben, bas jetzt am deutschen Volk« vollzogen wird. Richt dem Volle wolle die Regierung helfen, sondern den Verbrechern durch Aufhebung der Todesstrafe. Ein Rationalfeiertag werd« von dieser Regierung geplant zur Feier der Darmat- R «publik. Präs. Lobe: Wegen der Bezeichnung .Barmat-Republik" für unser Heimatland rufe ich Sie zur Ordnung. (Beifall.) Abg. Straffer (Rats.) begründet bann ben nationalsozialistischen Dertrauensantrag „3nbem der Reichstag über alle anderen Anträge zur Tagesordnung übergeht, spricht er der Reichsregierung das Vertrauen aus." Der Redner erklärt schließlich: Es ist eine Schande, daß ein in Ostgalizien geborener negroider 3uöe hier als Reichsfinanzmini st er auftritt! (Große Erregung bei der Mehrheit.) Präs. Löb«: Auf diese ungewöhnlich beschimpfende Bemerkung gegen ein Mitglied der Reichsregierung wende ich den § 91 der Geschäftsordnung an. Ich kann Ihr weiteres Verwetten in der Sitzung nicht mehr dulden und fordere Sie auf, den Saal zu verlassen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Strasser trinkt nod) ein Glas Wasser nud verlaßt dann unter Entrüstungskundgebungen der Sozialdemokraten langsam den Saal. Rach längerer Geschästsorbnungsdebatte wird in namentlicher Abstimmung mit 266 gegen 131 Stimmen bei 24 Enthaftungen beschlossen, dah a n erster Stell« nicht über ben Dertrauensantrag bet Nationalsozialisten, fonbem über ben Billigung San trag ber in der Regierung vertretenen Parteien abgesttmmt wirb. Für den Vorrang bes nationalsozialistischen Antrages haben bie Deutschnationalen. Nationalsozialisten und Kommunisten gestimmt. Die bann folgenbc namentliche Abstimmung ergibt bie Annahme des Antrages: n5)cr Reichstag billigt bi« Erklärung der Reichsregierung unb geht über alle anderen Anttäge zur Tagesordnung über." Für den Anttag sind 261 Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten, des Zentrums, ber Deutschen Vollspartei unb ber Bayerischen Dollspartei abgegeben worben. Dagegen sink) 134 Stimmen abgegeben: bie Kommunisten. Deutfchnationale, Nationalsozialisten, Christlich-Rationale Dauern unb Deuftch-Hannoveraner. Stimmenthaltung übten 48 Abgeorbnete ber Wirtschafts- Partei unb ber Deutschen Bauernpartei. Damit finb alle weiteren Vertrauens- unb Mißtrauensanträge erlcbigt. Um 16,15 Uhr vertagte sich das Haus auf Dienstag. Auf der Tagesordnung stehen die Vorlage über den Rationalfeiertag, daS neue Strafgesetzbuch und kleiner« Vorlagen. Löwensteins Sturz ins Meer. ©er mysteriöse Tod des belgischen Finanzmanneö: Unfall oder Selbstmord. Paris, 6. Juli. (IDIB.) Die schon im gestrigen Börsenbericht gemeldet, ist das dem bekannten Brüsseler Großindustriellen der kiunstseidenbranche A l - sred Löwenstein gehörende Flugzeug Mittwoch abend gegen 8 Uhr am Strande westlich von Dünkirchen niedergegangen, weil sein v e - s l h e r , als er sich während des Uebersliegens des K"nal» In den Toilettenraum begeben wollte, sich in derlür irrte, die Augangstür öffnete anb i n s Meer fiel. Das Flugzeug war außerdem noch beseht von einem Piloten, einem Mechaniker, einem Kammerdiener und zwei Stenotypistinnen. Sofort nachdem bat verschwinden Löwensteins bemerkt worden war, steuerte der britische Pilot der Küste bei Dünkirchen zu, wo er auf dem Strande n i e b erging, bie französischen Behörden benachrichtigte und dann nach dem Flugplatz St. Jngatoerf bei Dünkirchen weiterflog. Niemand hatte ge- sehen, wie Löwen st ein aus bem Flugzeug fiel. Er hatte sich nach bem Hinteren Ende ber Maschine begeben, wo sich der Toilettenraum befindet. Als er nicht zurückkam, suchten die anderen Fahrgäste nach ihm und sanden, daß d i e Eingangstur des Flugzeuges, bie ins Freie führt, o f f c nft a n b. Die Gattin des Bankiers Löwenstein ist gestern abend nach Calais abgereist. Rach den Erklärungen des Fliegers Diaro, der das Flugzeug Löroenstein» mehreremat führte, befand sich das Flugzeug roahrscheinlich in einer höhe von 500 Meter, als der Finanzmann den Toilettenraum aufsuchte. Man vermutet, daß er sich unwillkürlich an die äußere Tür anlehnte, daß diese plötzlich nachgab und daß Löroenstein i n s Leere stürzte. Andererseits wird in verschiedenen Kreisen die Version von der Verwechslung der Tür angezroeifelt. Ls wird darauf hingewiesen, daß die Ausgangstüren bei allen Flugzeugen so angebracht finb, bah währenb der Fahrt infolge des äußeren Luftdrucks ein Oeffnen nur mit beträchtlicher Anstrengung möglich ist. Löwenstein hätte also, so wird erklärt, wenn es sich nur um Gedankenlosigkeit gehandelt hätte, seinen Irrtum sofort einsehen müssen. Das Flugzeug Ist inzwischen in Calais gelandet, von wo aus Nachforschungen nach dem vermißten angestellt werden. Löwenstein, der als der drittreichste Mann der Mett galt, hatte bie Gewohnheit, seine häufigen Geschäftsreisen im Flugzeug auszuführen unb dabei ein ganzes Bureau zur Erledigung feiner Korrespondenz mitzunehmen. Oer fliegende Bankier. Seit ber Rame Stinnes, ber jahrelang im Mittelpunkt bet europäischen Wirtschaft gestanden hatte, mit bem Tobe seines Trägers verklungen ist, steht derjenige Alfred ßoetoen- steins. des belgischen Grohspekulanten, Finanzmannes und Barons wenigstens in unserem Erdteil im Vordergrund des Interesses aller Grchwirftchaftskreise. Straßenbahnen und Elek- trizitäts - Industrie, Währungsstabttisierung, Bankbranche unb, in ber letzten Zeit, bie Kunst- feiben-3nbuftrie waren bas Arbeitsfelb dieses genialen, großzügigen, aber mitunter auch leichtsinnigen Finanzmagnaten. Sein Sturz aus der Kabine eines der Flugzeuge, die er feit Jahren als fein einziges Beförderungsmittel selbst besah und betrieb, bedeutet zugleich einen Sturz wohl aller europäischen Börsen, ein Auffliegen hvchsliegender Fusionierungspläne und, darüber darf man sich auch nicht täuschen, den Wegfall der stärksten spekulativen Triebkraft für die europäisch« Finanzwelt. Ob Loewenstein einem kaum erklärlichen Unfall zum Opfer gefallen, oder ob er — wahrscheinlicher —• auf diese romantische Art unb Weise freiwillig aus dem Geben geschieden ist, wie z. B. der berühmte Erfinder des Diesel-Motors, der auf der Höhe feiner Erfolg« durch ein Kabinensenster während bet Lieberfahrt nach önglanb im Kanal verschwand, wird sich kaum mehr aufklären lassen. Es sei denn, baß ber Listen» unb Einfallsreiche irgendein« ganz großzügige Detektiv-Geschichte inszeniert unb gar nicht sein Leben eingebüht hätte, wofür freilich angesichts ber jetzt bekannten Umftänbc kaum irgendwelche Anzeichen sprechen. Der Ausstieg dieses finanziellen Meteors ist ein sehr seltsamer gewesen. Sein Vater betrieb unter der Firma Dansaert & Löwenstein ein seit Generationen bestehendes mittelgroßes Bankgeschäft, das über Brüssel hinaus kaum Bedeutung besah. Aber schon mit 20 Jahren entfaltete der junge Löwenstein, der ttoh seines deutichen Ramens mehrere belgische Dor.ayren hatte, eine ebenso geniale wie verblüffende Aktivität auf eigene Faust. Er kaufte damals, vor noch nicht 20 Jahren, bie Aktien ber verschiedenen argentinis chen Straßen- bahngesellschasten, die von jehcr einen europäischen Dörsenmarkt in Brüssel hatten, in der Stille zusammen, bis er die Majoritäten besah, ging bann nach Südamerika, verschmolz die konkurrierenden Unternehmungen und rationalisierte ihren Betrieb (obwohl man damals diese Bezeichnung für eine zweckmähigere Betriebsführung noch nicht einmal kannte) und verdiente innerhalb 3ahresfrist eine oder mehrere Millionen. Auf dieser Grundlage und nach diesem Stiftern hat er bann weitergearbeitet. Zunächst vorwiegend auf dem Gebiete der E1 ektrizi - täts-3nbustrie, wo er vor einigen 3ahren den genialen Plan einer Zusammenfassung aller europäischen Großkraftwerke und bie Vereinheitlichung des ganzen europäischen Sttomversor- gungsnehes, allerdings mit negativem Erfolg, zu verwirklichen suchte. Ein andermal machte er von sich reden, als er der ftanzösischen Regierung vor zwei 3ahr«n bie □Mittel anbot, um unter feiner Führung ben Franken z u stabilisieren. In bieser Zeit hatte er seinen Arbeitssitz zeitweilig in bas südfranzösische See* bab Biarritz verlegt, von wo aus vier eigene Flugzeuge mit luxuriösester Einrichtung, Schreibmaschinen, Radio usw. fein« Sekretäre und Vertrauensleute zwilchen allen Hauptstädten und dem baskischen Babeplay hin- unb hertrugen. 3m vorigen 3ahr erlitt er eine schwere finanzielle Niederlage, von der er sich aber durch ein planmäßiges Eindringen in die europäische Kunstseiden-Industrie zu erholen suchte; babei bemühte er sich, teilweise mit Erfolg, in beäug auf die Danque be Bruxelles aber vergeblich, feine geschworenen Gegner, die alten Großbanken Belgiens durch Majorisierung in ihren eigenen Unternehmungen auf bie Knie zu zwingen. Ob ein Zusammenbruch vor liegt ober wirklich ein tragischer Unfall, werden bie nächsten Tage zweifellos ergeben. Eine Erklärung ber Löwenfleingruppe. Kein ttrund zur Beunruhigung. London, 5.3uIL (WTD.) Heute nachmittag wurde von dem Deratungsausschuh ber International Holding anb Investment Co. unb der Hhdro Electric Securities Corporation, bereu Präsident Löwenstein war, folgendes Kom- munique veröffentlicht: Angesichts des bedauerlichen Todes Löwensteins siebt sich der Deratungsausschuh der beiden Gesellschaften zu bet Erklärung veranlaßt, bah die finanzielle Lage beider Gesellschaften gesund und der große Aktienbesitz des Verstorbenen nach unserem Wissen Nicht belastet ist. Es ist noch zu früh. Reichsernährungsministers nun weiter mit der F Oie Wetterlage. Donnerstag, Den 5. Vu^ /$2. i*-.* — 5t.0^ v» ct'vj'ia 122 sterS krank- m ausIrr- Bon der fjatt* gestürzt. Gin schwerer Unfall ereignete sich auf der „Konkordia"-Grube der DonnerSmark- Hütte. Beim Abtransport von Schlacken auf eine Halde entgleiste eine Lokomotive und stürmte mit ihrem Führer und dem Heiner die Halde herunter in einen Tümpel. Der Führer wurde sofort getötet, bet Heizer erlitt schwere Knochenbrüche und Verbrennungen. Sein Zustand ist hoffnungslos. Das Urteil im Donezprozeß. DieDeutschenvtto und Meyer frelgesprochen. Bewährungsfrist für Badstieber. Moskau. 6. 3ulL (Wolff. Stmtfpr.) Das Urteil int Donezprozeß wurde gestern vom Obersten Gerichtshof nach insgesamt S2stündiger Beratung ver- kündet. Bon 53 Angeklagten wurden elf zum lobe verurteilt. Rämllch: Gortetzki. Voba- rinow, Krschischanowski, Vuffewitsch, Budny, Ma- toro, Vratanowski. Beresowski. Bojarschinow, fta- ' sarinow. Schadlun. Das Gericht beschloß jedoch in Anbetracht ihrer Reue und hohen technischen Fähigkeiten beim Zentral. Exekutiv-Komilee der Sowjetunion um Milderung der Strafen zu ersuchen. 34 Angeklagte erhielten Gefängnis st rafen ccn ein bis zehn Jahren, darunter Rabinowitsch sechs und Susma drei Jahre. Bier Angeklagte wurden unter Zubilligung von Bewährungsfrist verurteilt. Der Deutsche Bad stiebet erhielt ein Jahr Gefängnis mit Bewährungsfrist wegen Bestechung, er wurde jedoch von der Beteiligung an der gegenrevolutionären Organisation freigesprochen. Bier weitere Angeklagte, darunter die Deutschen Otto und Meyer, wurden frei gesprochen. In der Begründung des Urteil» wurde ausgeführt. das Oberste Gericht habe es al» erwiesen angesehen, daß eine weitverzweigte gegenrevolutionäre Bewegung entstanden wäre. Der Freispruch Meyers und Ottos wäre nur deshalb erfolgt, weil es nicht erwiesen werden Oie Steuersenkung. Ein neuer Plan deS Reichsfinanzministeriums. ihn unaufhaltsam höhwärts führt Charlotte von Stern war seine Geliebte, feine irerin, seine einmal aus: „Ich komme mir jetzt selber mythisch vor, da ich so allein übrigbleibe". Goethe mutzte die Frauen, die in seinen Lebenskreis traten, ganz er- forschen, in einer Frauengestalt konnte er die Frauen nie völlig erkennen. Nicht leichten Herzens gab er dem Verglimmen einer Liebesglut nach. Das Genie in seiner berechtigten Selbstzucht brauchte die voUkommcne Konzentrierung für sein Werk, er brauchte immer neue Luft in neuen Liebeszonen. Goethe war der Schweifende, der Tastende, der Ungestüme, der ewig Suchende. In Marie Beaumarchais erkennen wir Friederike Drions Bild aus anderer Perspektive. Das wirkliche Riekchen war nicht die. die uns in „Dichtung und Wahrheit" entgegentritt. Ebensowenig entsprechen WertherS Erlebnisse dem, was sich in Wetzlar zwischen Goethe und Lotte Buff im Hause ihres Vaters abgespielt hat. Friederike Brion schloß sich mit schwesterlicher Vertraue lichkeit an den Straßburger Studenten Goethe an, Eltern und Verwandte sahen in ihm Friede- rikens erklärten Liebhaber. In dem Augenblick, da "Friederike ihm ihre Liebe gesteht, kling m die holden Töne in ihm ab. Er fühlt, Hatz er sich nicht binden darf. Glühende Liebe zu Lotte Duff durchströmt mit heißen Wellen sein Herz, er beneidet Kestner den glücklichen Bräutigam. Er reiht sich los. Die Erregungen seiner Seele formen sich zu ..Derthers Leiden". Lili entflammt lein Herz. Sobald er die Gewißheit hat, daß er sie gewonnen hat, wird die Empfindung in ihm wach, er hat die Höhe erreicht, er muh sich wieder befreien, muß feinem Genius folgen, der' Berlin, 5. Juli. (TU.) Der Reichsjustiz' Minister Koch-Weser hatte am Donnerstag- oormittag im Reichstag eine weitere Besprechung mit den Führern der hinter der Regierung stehenden Parteien über die Amnestiefrage. Wie die Tele- graphen-Union zuverlässig erfährt, ist bei der Aussprache eine Einigung über die errage tm wesentlichen herbeigeführt worden. Die vorgesehene Amnestie soll einen Schlußstrich unter die Erei^ nisse der Inflationszeit und der erregten Jahre nach der Revolution setzen. Für die sog. Fememörder " ' ' der Strafe in Frage. tümern zur Wahrheit führte. Er erquickte sich an ihrer Reinheit und Güte, war sich bewußt, daß sie sein Schassen förderte. Charlotte will, daß er vor aller Welt als der größte, berühmteste Dichter gefeiert wird. »Dein Beifall," schreibt er ihr einmal, »ist mein höchster Ruhm. Vollende dein Werk und mache mich recht gut.* Iphigenie, Prinzessin von Este zeichnete er nach ihrem Bild. Ganz von der Schönheit Italiens erfüllt, wandte er sich, nach Weimar heinmekehrt, von Eharlotte ab. In der Erscheinung SbristianenS, dem blühenden Kind auS dem Volk mit dem dunklen Gelock und den dunklen strahlenden Augen lebten die italienischen Frauen wieder in ihm auf. Dem Verhältnis zu Christiane war Dauer und Glück beschießen. Sie war keineswegs so ungebildet, sie suchte mit wachsendem Verständnis in seine GeisteSwell einzudringen. Der tiefgekränkten Charlotte von Stein ward es deutlich, daß sie Goethe verloren hatte. 3n tiefster Seele getroffen sprach sie es aus, er habe sich an eine Minderwertige weggeworfen. Doch quoll später die Liebe zu Goethe wieder in ihr auf, eine Liebe, die auch verzeihen konnte. Eine ganze Reihe von Frauengcstalten, in Goethes magischen Kreis gezogen, läßt der Redner an uns vorüberziehen. In fesselnder, sein- durchdachter Form wird eine Atmosphäre von Anmut, Geist und Schönheit wach Die Bilder Marianne Willemers und Ulrike von LevetzowS werden al fresco gezeichnet. GS leuchtet ein, daß der Frauenkultus zu den feinsten Ausstrahlungen Gvethcschen WefenS gehört. Die Zuhörerschaft dankie dem Redner mit s^rzlichem Beifall. Ministerialdirektor Urstadt und der Rektor der Uni» versität. Prof. Dr. Hofenberg, wohnten der eindrucksvollen Feier bei. Dr. K. ' Eigene Drahimeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 6. Juli. 2m Mittelpunkt der Verhandlungen um die Lohnsteuersenkungsaktton, die bereits unter dem Vorsitz des Reichsfinmumini- sters Dr. Hilserding begonnen haben, steht ein Plan, der bisher noch von keiner Seite vor- g^racht wurde und der deshalb immerhin einiges Aufsehen erregen dürfte. Die Durchführung der ursprünglich geplanten Heraufsetzung des lohn steuerfreien Einkommens scheint, — jedenfalls haben das die bisheriger Besprechungen ergeben, — doch manche Schtoi e- rigreiten zu bereiten. Man hat deshalb erwogen, ob eS nicht möglich wäre, das Gesetz zur Aenderung des Einkommensteuergesehes vom 22. Dezember 1927, das am 1. Januar d.I. in Kraft trat, abzuändern. Dieses Gesetz besagte bekanntlich, daß die Lohnsteuer insofern ermäßigt werden solle, daß der nach den alten Vorschriften berechnete Steuerabzug vom Arbeitslohn um 15 v. H, höchstens aber um 2 Mk. monatlich, 50 Pf. wöchentlich, 10 Pf. täglich und 5 Pf. bei Entlohnung für je zwei angefangene oder volle Arbeitsstunden herabgesetzt werden solle. Dieses Gesetz hat aber nur Gültigkeit für Einkommen, die den Betrag Goethebund. Jahresfeier am 5 Juli in der neuen Aula der Universität. Die Jahresfeier d-s GvechebundeS wurde mit einem Prolog von Alfred Bock eröffnet. In dichteri'ch erhobener, anschaullch gestalteter, von musikalischem Rhythmus getragener Sprache wurde Goethes Persönlichkeit in ihrer Tiefe und Klarheit lebendig. Den Prolog sprach Fräulein Trude Heß vom Gießener Stadttheater und trug daran anschließend Gedichte von Goethe (Der Gott und die Bajadere, Willkommen und Abschied, Rettung, Liebhaber in allerlei Gestatten) vor. Die junge Künstlerin, eine schlanke, biegsame Gestatt mit beweglichen Zügen, wurde dem Geiste der Dichtungen in vollem Maße gerecht. Sie sprach ohne rhetorische Uebertreibung. Sie verstand es, ihre Rede zu retardieren und zu steigern. Pathos und Temperament sind verschwistert bei ißt, so daß ihr Dortrag zu vor- trefflicher Wirkung gelangte. Danach ergriff Direktor Franz 91 e u b e r t aus Leipzig zu seiner Rede „Goethe und die Frauen" das Wort. Goethe knüpfte Bande, um sie wieder zu zerreiben. Ueberall dieselbe Erscheinung: eine kurze Zeit der Blüte, bann Mattwerben, Verwelken. Jeder neuen Liebe, ble ihn berührte, wandte er seine volle Persönlichkeit zu. Wir gewahren, datz ihn eine ganze Schar schöner geistreicher Frauen umgibt. Er hat sie in. den Tempel der Unsterblichkeit gesühtt. Das Kleine, AUzumenschliche bet seinen Herzenskämpfen beschäftigt uns beute nicht mehr, wir wissen, daß die Frauen um Goethe ihm Schicksal und Lebensideal waren. Der Greis, sternweit von allen Herzenskämpfen, seinem Tode nahe, ruft Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 6. Juli. Recht interessant find die Aufgaben, die sich der neue Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, der Demokrat Dietrich (Baden) geftellt hat. Die Durchführung des 9tt>t- programms ist im wesentlichen ja festgelegt. Bei der U m s ch n l d u n g s a k t i o n ist bereits über 110 Millionen Kredite verfugt worden, ebenso ist verfügt über die 30 Millionen für die Milchwirtschaft, Molkereiprodukte, Obst und Gemüse. Dagegen sind die Mittel für die Neugestaltung und die Rationalisierung des Genossenschafswesens noch nicht angegriffen. Diese Ausgabe durchzuführen, liegt dem neuen Reichsernährungsminister noch ob. Dieses Problem scheint noch mannigfacher Beratungen zu bedürfen. Mit besonderem Interesse beabsichtigt der neue Reichsernährungsminister an die Standardisierung der landwirtschaftlichen Produktion überhaupt heranzugehen, verspricht er sich doch dadurch auch eine wesentliche Erweiterung der Absatzmöglichkeiten, deren Beschränkung dadurch bedingt ist, daß die bisher noch nicht durch- geführte Standardisierung und Typisierung keinen glatten Absatz gewähren konnte. So wird auch Dietrich (Baden) sein Hauptaugenmerk darauf legen, daß Produkte, die in Deutschland hergestellt i werden können, auch hier hergestellt werden sollen und datz sie dann auch einen gewissen Schutz gegenüber den ausländischen Sorten erhalten müssen. Auf diesem Wege verspricht sich der neue Reichsernährungsminister auch eine wesentliche Berbesse- rungderbäuerlichenExistenzmogllch- t eit en. Schließlich verbleibt ihm noch die llmschul- bungsattion restlos durchzuführen, wobei er beab- sichtigt, eine Liste über die Vergebung der Um» schuldungskredite anlegen zu lassen, um damit eine klarere Kontrolle über dieselben zu erreichen. Oie Meliorationskredite. Noch »eine Auslandanleihe aufgenommen. Berlin, 5. Juli. ($.-11.) Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: In der Oeffentlichkert sind Klagen laut geworden, daß die angekün- Oie Unwetterkatastrophe in Ostoberschlesren. Ueber die Unwetterkatastrophe in Ostoberschlesien laufen erst jetzt die ersten Nachrichten ein, da die Telephonverbindungen unterbrochen sind. Die Ernte ist zum größten Teil vernichtet. Im Rybniker Gebiet wurden etwa dreihundert Dächer abgedeckt. 16 Personen erlitten Verletzungen. In den Waldungen ist der Schaden außerordentlich groß. In einer Maschinenfabrik in Kattowitz stürzte ein Gerüst ein, wobei ein Arbeiter den Tod fand. Ein Gerüst am neuen Wojwodschaftsgebaude wurde ebenfalls zertrümmert. Don den dort beschäftigten Arbeitern konnten sich sämtliche bis auf vier retten, die sich in einer Höhe von etwa zwanzig Meter am Gesims feftllammerten und in dieser verzweifelten Lage etwa zwanzig Minuten ausharren mußten, bis sie von der Feuerwehr gerettet werden konnten. Nach den bisherigen Schätzungen wird der Schaden auf ungefähr 25 Millionen Zloty geschätzt. Nach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" hat das Unwetter in Oberschlesien, soweit bis jetzt zu übersehen ist, zehn Tote und 32 Schwerverletzte gefordert. zu sagen, welche Arrangement« getroffen werden, um Löwensteins Platz auszufullen iedvch wird der Angelegenheit vom Aufsichtsrat m Kanada die ihr gebührende Beachtung geschenkt. Jedenfalls braucht die Lage nach unserer -Meinung keine Veranlafsungzur Beunruhigung zu geben. Der in Erwägung ge- zogen« Verkauf von noch nicht ^geberien Aktien der International Holdings and Investment Company wird seinen Fortgang nehmen. Oer Eindruck in Berlin. Wirtschaftliche Schwierigkeiten? O*ontenioi e neuer » Mit) ordern. • venia • Dtdecet eiregr^ * Schn« airaupeirx e Ncocl K or«'-t'<'^)Ulndll|ne *O> sdt leicht« Oil d »Msifler sodsuoweii q MOrwiecM- nord wert Oie Piene fliegen mit dem wrndu P‘t »o6,w 3l>t«°Ren »tencooen len grDcn öfeite beeinflußte unser Debiet und brachte neben BewollungS-ur.d Temperaturanstieg bereits vereinzelt Riederschläge. Da an der Rückseite unter Darometeranstteg kühlere Luffmafsen folgen, so wird die Wetterlage nach anfänglich veränderllchem Charalter sich freundlicher gestalten und die Dewöllung zurückgehen. Die Temperaturen erfahren zunächst wieher einen geringen Rückgang, dürsten aber später unter dem Einfluß der Sonneneinstrahlung wieder ansteigen. Wettervoraussage für Samstag: Aech wechselnder Bewölkung und vereinzelten Regenschauern ruhigeres Und aufheiterndes Wetter. etwas kühler, um West drehende Winde. Lufttemperaturen am 5. Juli: mittags 22,9 Grad Celsius, abends 18,5 Grad Celsius: am 6. Juli: morgens 13,3 Grad Celsius. Ma imum 26,7 Grad Celsius, Minimum 10 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 5. Juli: abends 22,2 Grad Celsius: am 6 Jul:: morgens 17,3 Grad Celsius. — Niederschlag 0,8 Millimeter. — Sonnenscheindauer 11% Stunden. von 8000 Mark nicht überschreiten. Es gilt aber auch für die veranlagten Einlommen, soweit sie 8000 Mark nicht überschreiten. Man hat nunmehr die Absicht, die löprozenttae Ermäßigung auf eine solche von 25 Prozent zu erhöhen, womit die Durchführung der geplanten LohnsteurrsenkunaSaktion auf schnellstem Wege gewährleistet sein dürfte, so daß vielleicht schon mit dem Inkrafttreten der neuen Regelung für den 1. August zu rechnen ist. wird nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß diese Steuersenkung immerhin einen Ausfall von 100 Millionen Mark an dem Steuereinkommen betragen würde. In welcher Form dieser Ausfall wieder ausgeglichen werden wird, steht noch dahin. Aach dem letzten Haushaltsplan, den Reichssinanzminister Dr. Kohler vorlegte, war eine solche Steuersenkung für unmöglich erklärt worden. Die Lex Brüning, deren Voraussetzungen jetzt allerdings erfüllt sind, gibt der gaiuen Aktion Wohl die rechtliche Degründimg. Leider war Brüning selbst in der Sitzung nicht anwesend, so daß noch abgewartet werden muß, bigte Meliorattonskreditaktion verzögert werde. In der Tat hat die von der Deutschen Rentenbankkreditanstalt geplante Ausland- a n l e i h e für Meliorationszwecke bisher noch nicht auf genommen werden können, weil die Verhältnisse am amerikanischen Kapitalmarkt derart gelagert waren, daß die Rentenbankkreditanstalt sich nicht zum Abschluß der Anleihe entschließen konnte. ES darf aber jetzt mit dem Abschluß einer Teilanleihe in nächster Zeit gerechnet werden, lieber die Unternehmen. für die die Zinsverbilligung bewilligt werden soll, ist mit sämtlichen in Betracht kommenden Ländern bereits eine Einigung erzielt. In dringlichen Fällen hat bisher die Deutsche Bodenkultur-A. G. nach Möglich- leit mit Darlehen ousgeholsen. Der Nationalfeiertag. Der Gesetzentwurf im Reichstag eingebracht. Berlin. 6. Juli. (WT2.) Dem Reichstage ist jetzt der vom Reichsrat bereits beschloffene Entwurf eines Gesetzes über den Rational- f e t e r t a g zugegangen. Er tragt die Unterschrift deS neuen Reichsinnenministers Severing und steht auf der Tagesordnung der Dienstagssihung des Reichstages. Der Entwurf hat folgenden Wortlaut: § 1 Rationalfeiertag des deutschen Voltes ift bei '11. August als Ve r f assung s t a g. Er ist Fest- oder allgemeiner Feiertag tm Sinne reichs- und landesrechtlicher Vorschriften. 8 2 Am Rationalfeiertag sind alle öffentlichen Gebäude in den Reichs färben zu beflaggen. In allen Schulen sind für Lehrer und Schüler verbindliche, der Bedeutung deS Tages entsvrechende Feiern zu veranstalten Fallt der Rattonalfeiertag in die Schulferien, so fmoen diese Gedenkfeiern bei Schluß oder Wiederbeginn des Unterrichts statt. . In der Begründung wird ausgeführt. In den letzten sechs Jahren sei der Tag stets von der Reichsregierung unter Beteiligung des Reichspräsidenten und von der Mehrzahl der deutschen Länder durch Beflaggung der Dienstgebäude und Veranstaltung besonderer Feiern festlich begangen worden. Einigung über die Amnestiefrage. kommt eine Ermäßigung Der Rechtsausschuß wird sich Angelegenheit beschäftigen. konnte, daß sie beteiligt gewesen seien. Alle Freigesprochenen und unter Zubilligung von Bewährungsfrist Bcturicilfen wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. Die Belgrader Kabinettskrisis. Raditsch mit der Regierungsbildung beauftragt. Belgrad, 5. Juli. (TU.) Stanvjewitsch, der Vizepräsident des Vollzugsausschusses der Radikalen Partei, hat dem König den Auftrag zur Kabinettsbildung zurückgegeben, nachdem ihm Stefan Raditsch erLärt hatte, daß seine Partei jede Verbindung mit einem Vertreter der bisherigen Regierungsmehrheit a b» lehne Die kroatische Opposition will durch ihre Haltung offenkundig die Auflösung der Skupschtina erzwingen. In WehrheitSkreisen besteht man dagegen darauf, die wichtigsten Gesetzentwürfe, so die Ratifizierung der Rettuno-Derträge, noch durch das alte Parlament verabschieden zu lasten. _ Rach dem Scheitern der Mission Stanojewllschs wurde heute nachmittag in Vertretung Stefan Ra - ditschS, der sich noch immer im Krankenhaus befindet, Wetofar P r i b i t s ch e w i t s ch in fast zweistündiger Audienz vom König empfangen. Der König übertrug gelegentlich dieser Audienz Stefan Raditsch bie Regierungsbildung. Pribitschewitsch überbrachte den Auftrag sofort Raditsch. Man nimmt jedoch in politischen Kreisen an, daß Raditsch die Bildung der Regierung, die mit der jetzigen Rationalversammlung Weiterarbeiten soll, ab lehnen wird, da er an dem Standpunkt festhalten werde, daß die bäuerlich-demokratische Koalition mit dem jetzigen Parlament nichts mehr zu tun haben will. Derlin, 5. Juli. (TTl.) Der plötzliche Tod des belgische?'. FinanzmanneS Alfred Löwen stern erregt in berliner W i r t s ch a f t s k re i se n ungeheures Aufsehen und hat die Börse ft a r £ beeinflußt. Brsher hegen noch keine zuverlässigen Rachrichten darüber vor. ob es sich um einen 11 nglücksfal l oder um einen Selbstmord handelt. Vach allem, was ^nweieno, ,o oav nvu; uugviuuLcci wciw» über das Schicksal der l^^L^oßen finanziellen sich aus dazu zu sagen hat. Transaktionen Löwensteins bdaimt Wrrd, ist die Annahme eines Selbstmordes Diel wahr- Oer neue Kurs, scheinlicher. Löwenstein, der stark an der rnter- vva «vwy 5W**,*e nationalen Kunsffeidenindustrie beteiligt war. Aussichten für Severrngs Personalpollttk wollte zuletzt für die Holdinas-Gesellschaft, in im ReichsiunenministerMM. rrchtä^dcis ^DÄin^^ s-’fi ä.» i käP riJ«n hielt iedvch Löwen- sehr bemerkenswerte Aeuherungen gemacht. In fcsssÄ«»: tot di- feines M 58 S-w°-d°n w°-. -»b d°Et »en Stase lufagm: »J^‘^»’nunfl maept hat. des ©taatäfefretär« dahin: Auf die Gefahr Oftiffrrtffitnfi in JVrÜffeL aId unbescheiden angesehen zu tm-rden^önne aJIC «*4UhO!TU”9 111 er sich mit der Liebe zum Staat nicht zufrieden Brüssel 5. Juli. (211.) Der geheimnisvolle geben. In dem Reichsinnenministerium, dem Der- Tod des belaischen Finanzmannes Löwenstein fassungsministerrum, dem der Schutz der Republik hat in Brüssel allergrößtes Aufsehen erregt obliege, müsse er mehr fordern: Die Liebe In Brüsseler Finanzkreisen bespricht man viel zur Staatsform, dre LtebezurRepu- die Taffache, daß Löwenstein in letzter Zeit in b l i k. Wer in diesem Amt Verfastungsfragen be- finaivtelle Schwierigkeiten geraten war. Sein handele, müsse mit dem Herz e n b e i der Besuch in London, von dem er nun nicht Verfassung fern. Ohne eine solche tnnere mehr nach Brüssel zurückgekehrt ist, soll dem Einstellung sei eine gedeihliche Arbeit von den ^>weck gegolten haben, einen Kredit von 200 Beamten des Verfassungsminiftenums nicht zu Millionen zu erhalten, um entstandene erwarten. Man darf wohl annehmen, so fügt das Schwierigkeiten in Brüssel zu decken. Dieser Kre- Matt hinzu, daß der neue Reichsinnenminister btt soll ihm verweigert worden sein. Auch aus diesen Worten auch Konsequenzen für das Scheitern seiner Verhandlungen mit seine Personalpvlitik ziehen wird, dem deutschen G l anzst of f shnd ika t soll ihn sehr entmutigt haben. Auch m Brusteler VkS Finanzkreisen ist bereits die Ansicht aufgetaucht, ‘ ‘ daß Löwenstein Selbstmord begangen hat. Alle Rachforschungen nach dem Verbleib von Löwensteins Leiche sind bisher vergeblich gewesen. An der hiesigen Effektenbörse toirtlc Löwensteins Tod stark beunruhigend. Die von der Löwenstein-Gruppe abhängigen Werte erlitten beträchtliche Kurseinbuhen, und diese Baisse teilte sich auch den anderen Marktgebieten mit. Besonders stark gedrückt waren Tubize und Heliopolis. Irn Verlaufe schien ein Hall in die Abwärtsbewegung zu kommen, und verschiedene Papiere vermochten einen Teil der anfänglichen Verluste wieder aufzuholen, dann überwog jedoch neuerdings das Angebot. Freundin, seine Vertraute, seine ? | Beraterin. Sie war es, die deS 5 I haste Exaltationen niederhielt, die Th das Tauchen und das Wasserballspiel. Die Stimmung ter Zuschauer dürfte diesmal besser sein, denn je; dafür werden eine Reihe von originellen humoristischen Einlagen sorgen. Aussehen wird vor allem Mohanalaku, ter schnellste Schwimmer ter Welt erregen, der sich zur Zeit auf einer Deutschlandreise befindet und seinen Start fest zugcsagt hat. Die Reichswehrkapelle wird ebenfalls wefentlich *um Gelingen ter Ver- wird von vielen anstaltung beitragen. Abends wird sich dann > Pasta bezeichnet Greiling Typ 5 ist eine Sensation. Der fabelhafte Geschmack, der vollkommene Rauchgenuß, das ganz neue, gesetzlich geschützte Mundstück erregen bei allen Feinschmeckern höchste Bewunderung. Schon wenige Tage nach der Einführung werden bereits Millionen tägl. geraucht. Kein Raucher kann sich den Vorzügen dieser neuen 5 - Pfennig • Zigarette auf die Dauer verschließen. jM M sensationell billige« Meisen Sein: An 6380a 3 Karital.Schr.Ang.u. 05003 a. d.Gieb.Anz. 63750 Inserieren bringt Gewinn 6393D beten. 04937 ’m ** * nadjjti F JTur noch kurze Zeit! *) 3r ermäßigt zurütfigcselxlen fdiuftwaren ) Wüh. Nflrahflrh Karolinenstr. 36, Allersberger Str. 72 niUIlBuIg Fleischbrücke3. Landgrabenstr. 144 6300a » Spiel-Vereinigung 1900 lelchlalhleOk-Ablellang. ■Webern enthalte auf die 1 JRestposten und tinzelpaare teilweise bis zur Hälfte des früheren Preises HHWHHH Suche alSl.Hypothek zur Erbauung eines Einfamilienhauses Sonntag, 8. Juli, nachmittags 2 Uhr: Jugend-Gaumeisterschaften. AiiejugendlichenMtt' nheber der Abteilung haben tetUu- nehmen. Die aktiven Mitglieder werden als Kampfrichter ge- D< über cinsac die s> 1929 (9 3i reiche Jiüleni Die Ai uni r fönitei Au den S 1. 16. D bevor vteut MÜtffi weis Hofe nl den L schränk Stammtisch Samstag, 7. Juli, Ittllt aus. Samstag, 14. Juli, mit Damen: 3lugöofen-dafe. Treffpunkt 7.30 abds. LudwigSvlatz. •"'D Jluf alle im Preise nidit Förth Schwabacher Str. 6 Würzburg Augustinerstraße 1 beilgeb fiieieru beldjrä' 1927 - nafjme -Ille zu der für do stärker Rirdje vom '< die g Raten mögt! ihnen der 6 belrä für Rate matt Ws betei mir Iprei l lafhh nm oorflei leiste, gegen. ,c unj Danksagung. Für die uns in so reichem Maße bewiesene Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Kavallerieverein und dem Mandolinen- und Gitarrenverein „Neapolita“ auf diesem Wege herzlichsten Dank. Im Namen aller: Frau Margarethe Bruß Wwe. Frankfurt a. M., den 5. Juli 1928. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir hierdurch herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Wagenbach Wwe. geb. Rinn und Angehörige. Heuchelheim, den 4. Juli 1928. 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Man schätzt die Zahl der Amerikaner, denen der Rundfunk den Verlauf des republikanischen Parteikonvents in Kansas City ans Ohr getragen hat. auf dreißig bis vierzig Millionen. Was immer auch die Zahl gewesen sein mag. so darf man als sicher annehmen, daß niemand die Aeiherwellen aufmerksamer belauscht, nie- nand die seitenlangen Zeitungsberichte aufmerk- firner gelesen hat, als die politischen Gegner der ..Grand Old Party", die Demokraten, kie sollten aus dem Gehörten und Gelesenen t.cl gelernt haben. Sollten sich vor allen Din- «en darüber klar geworden sein, daß sie keinen schlimmeren, keinen verhängnisvolleren Fehler machen können, als wenn sie hoffen, daß ihnen der Sturm, der die Konventshalle am Missouri umtobte, die reiche politische Ernte von den Bäumen schütteln wird. Die in Stürmen erfahrenen Meister dec republikanischen Porteiregie haben es verstanden, den befürchteten Tornado von der großen Halle auf ein benachbartes Vereins- lokal, in dem der Ausschuß für die Entschließungen, dos sogenannte „Plattform-Komitee", tagte, äberzulciten, wo er sich austoben konnte, ohne die Harmonie der Vollversammlung zu gefährden. Snd als die ergrimmten Agrarier einmal verrichten, eine Anti-Hoover-Kundgebung vor der Halle zu veranstalten, wies ihnen die hechwohl- löblicbe Polizei höflich aber darum nicht minder -riergisch den Weg nach einem benachbarten Park. Hubert tau send Mann stark wollten die „re- .'omtionierenden" Farmer aus den Weizen- und Mais-Staaten in Kansas City einrücken, um allein schon durch die Zahl ihren Forderuirgen Nachdruck zu verleihen! Ganze dreihundert zo- Än mit Bannern und Plakaten in die Vereins- Kalle ein, wo unter dem Vorsitz des Senators Reed aus dem Mormonenstaate Utah der Plattform-Ausschuß sich mit der Formulierung der Iarteiprinzipienerklärung und des Parteiprogramms zwei Tage lang abquälte. Die anderen 99 700 waren daheim geblieben: die Ernte ist ihnen wichtiger als eine Demonstration auf : i*em Parteitag. Läßt dies auch keinen Schluß M aus die Stimmung der Agrarier, so zeigt es wieder einmal, daß die amerikanischen Land» rirte Individualisten sind, die es nicht einmal Hassen können, unter ihren eigenen Verbän- > Menilmontart, in die Gassen um die Bastille, 'tot gar hinunter zu den Kanalbewohnern oder i«. jenen, die m den verschwindenden einstigen jnctifikationen sich umherlreiben. 7Ür das, was als ..Grohfürstenrundreise" durch 15 Pariser Laster allen Kundigen bekannt war, m)cn sich abwechselnde Gelegenheiten; denn so- ein Lokal allzu bekannt geworden ist, wie ächer einige des Hallenviertels, so bemerft bet 5pob, daß er gar keine richtige Sensation für & erstanden hat, daß die ihm gebotenen 7a<9cn .nur für ihn eine Rolle übernommen ui, Tauf- und Sterbe- rcgister zu vernichten oder zu verfälschen, Blätter, die geeignet waren, ein Licht auf die Beziehungen zwischen den Stockwells und Angells zu werfen, herausgerissen, und piesc Arbeit wurde so gründlich verrichtet, daß man bis heute nicht mehr die geringste Spur von Dokumenten aufgefunden hat, die über Geburt, Verehelichung, Tod und Begräbnis des Erblassers Stockwell Auskunft geben könnten. Auch die nachfolgende Generation setzte dies verbrecherische Treiben fort, um in den Besitz des reichen Nachlasses zu kommen. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging man endlich zu der friedlicheren Methode deS Prozessierens über. Aber da war die ganze Sache schon derart verwickelt, daß sich die gewiegteste» Juristen jahrelang, jahrzehntelang ver- geblich den Kopf darüber zerbrachen. Inzwischen wurde noch 1850 ein Stockwell, der behauptete, noch im Besitze wohlversteckter Familienpapiere zu sein, erwürgt in einem schottischen Sumpfloch auf- gefnnden, ohne daß es bis heute gelungen wäre, des Mörders habhaft zu werden. Damit endete die blutige Chronik dieser Erbschaft jedoch noch nicht. Obwohl sich allmählich, was leicht zu verstehen ist, aller Mitglieder der Familie Stockwell eine abergläubische Furcht bemächtigt hatte, die sie veranlaßte, mit ihren Ansprüchen nicht mehr allzulaut hervorzutreten, erschien in den achtziger Jahren ein unternehmender junger Mensch aus Australien, um seine Rechte auf den Nachlaß geltend zu machen. Leider brüstete er jich vor aller Oeffentlichkeit mit seinen Urkunden, die er dem Gericht vorzulegen willens war, — und eines Morgens entdeckte man ihn mit ausgeschnittenem Halse tot im Pferdestall eines obskuren Londoner Hotels. Der Mörder, ein schwachsinniger Hausknecht, >vurde ermittelt und gehängt; die Urkunden waren spurlos verschwunden. — Auf diese Erbschaft, die von so vielen Schrecken, Blutgeruch und Geheimnissen umwittert ist, erhebt nun der vierundachtzigjährige Allery Anspruch. Er behauptet, nachweisen zu können, daß er in direkter Linie von John Stockwell abstammt. Tumen, Sport und Spiel. Gautmnsest -er O. T. zu Butzbach. —v— Die Kraft zu seinem glanzvollen Erfolg zog Has 5 5. Gauturnfest der Hessenturner, über dessen Hauptergebnisse wir schon kurz berichteten, aus der reichen turngeschichtlichen Vergangenheit der Feststadt Butzbach. Die feierliche Eröffnung des Festes am Samstagabend auf dem Marktplatz stand im Bannkreis dieser stolzen Turnertradition, auf die alle Redner in begeisterten Worten hinwiesen. Bürgermeister Dr. I a n s e n wünschte auch diesem Fest einen vollen Erfolg, zugleich im Auftrag des Kreisdirektors. Der erste Sprecher der Butzbacher, K. Schneider, legte die Leitung des Festes mit zündenden Worten in die Hände des Gauvorstandes und schloß mit einem begeisterten „Gut Heil" auf das Vaterland, dem das Deutschlandlied folgte. Der erste Gauvertreter, Arthur Pfeiffer (Wetzlar) dankte der Bürgerschaft für ihre innige Anteilnahme und sprach in ernsten Worten von den Zukunftsaufgaben der deutschen Turnvereine. Die seelische Einstellung der Festgemeinde wurde vertieft durch feierliche Musik, weihevolle Chöre der vereinigten Gesangvereine Butzbachs und nicht zuletzt durch den altehrwürdigen Marktplatz mit fernen anheimelnden Fachwerkbauten und seiner einheitlichen, großangelegten Ausschmückung. 3m großen Festzelt am Lustgarten sammelte sich eine dichtgedrängte Zuschauermenge, um den Meisterschaftskämpfen unter Leitung des Gau- vberturnwartes Wilhelm Will (Gießen) mit lebhafter Anteilnahme zu folgen. Anschließend folgte unter starker Begeisterung ein melodramatisches Festspiel, das die vier Jahreszeiten in sinnigem Gleichlauf mit den entsprechenden Lebensabschnitten des Turners darstellte und von Är. Wilhelm Wämser, dem Sohne des bekannten früheren Butzbacher Turnerführers, zusammengestellt war, fern« den T- und Sp.-Der- ein Butzbach auf der Höhe seiner umfassenden Ausbildung zeigte. Das Wetturnen am Sonntagvormittag umfaßte 23 Riegen und verlief unter der straffen Leitung des Gauoberturnwartes in glatter Weise. Ein färben- und musikfroher Festzug durch die reichlich und zum Teil einheitlich geschmückten Straßen ließ erkennen, daß die gesamte Bevölkerung das Gausest als das ihre empfand. Anschließend zeigten die wohlgelungenen Frei- . Übungen, die Hebungen der Kölner Gau- r i e g e und über 50 Musterriegen aus den Gauvsreinen im Gegensatz zu den Einzelkämpfen des Vormittags eine gute Ausbildung der breiten Masse der Turner. Bei der Siegerverkündigung auf hem Marktplatz überbrachte Schulrat Hassinger vom Hessischen Ministerium für Kultus und Dildungswesen die Grüße der Staatsregierung, die. wie er unter lebhaftem Beifall versicherte, die Deutsche Turnerschaft in ihren Bestrebungen gern unterstützt, da sie in ihnen einen wertvollen Faktor zur Erziehung der deutschen Jugend erblickt. Gleichzeitig brachte er auch den Brudergruß vom Gauturnfest des Rhein-Rahegaues zu Gaubickelheim, und ein Drahtgruß kam voip Lahn-Dill-Gau vom Gaufest in Weilmünster. Der Montag gehörte den Volks- turnern und Spielern. Rachstehend geben wir einen Auszug aus den Siegerlisten: Meisterschaftskämpfe der besten Turner des Gaues. Dazu stellte der Tv. 1846 Gießen 4 Bewerber, Mtv. Gießen 1, Turn- und Sportv. Marburg 3, Tgde. Butzbach 1, Bad-Rauheim Tv. 1860 2, Großen-Linden Tv. 3, Ridda Tv. 1, Dorn-Assenheim Tv. 1, Krofdorf Tv. 3 Bewerber. — Es waren zu turnen die erste Hebung aus dem Zwölfkampf der Oberstufe am Reck (Schwung), Barren (Schwung) und Pferd (Seit) und je zwei Kürübungen; Kampfrichter waren die ersten De- zirksturnwarte H e b e r l e i n (Marburg), Schüler (Wetzlar), Bastian (Alsfeld) und H a r t- m"Q n n (Bad-Rauheim). — Reck, 1. Sieger und Gaumeister Willi S i n n w e l l, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 111 P. — 2. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 109 P. — 3. Karl Schellhase, T.- und Sp.-B. Marburg, 107 P. — B arren: 1. Sieger und Gaumeister Adolf Fint, T.- und Sp.-B. Marburg, 112 P. — 2. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 108 P. — 3. Hans Rehn, Tv. Ridda, 103 P. — Pferd: 1. Sieger und Gaumeister Gotthard Kühn, T.- und Sp.-B. Marburg, 115 P. — 2. Hans Rehn, Tv. Ridda, 100 P. — 3. Adolf Fink, T.- und Sp.-V. Marburg, 99 P. Turner-Oberstufe, Zwölfkampf: Drei Hebungen am Reck lSchwung, Kraft und Kür), zwei am Barren (Schwung und Kür), drei am Pferd (Seit, Sprung und Kür), eine aus den allgemeinen Freiübungen auLgelvste Hebungsgruppe, Weichochsprung (mit Brett) beginnend mit 1 Meter Höhe bei 2 Meter Weite, Kugelstoßen 7V< Kg. aus dem Kreis von sechs Meter ab, Laufen über 100 Meter von 16 bis 12 Sek. — Mindestleistung 160 Punkte. — 18 Teilnehmer, 15 Sieger. — Ehrensieger: Heinrich Keller, Tv. Burgsolms, 201 P. — 1. Sieger Willi Be aupain, T.- und Sp.-V. Marburg, 196 P. — 2. Peter Dolh, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 195 P. — 3. Martin Weitz, Tv. Dorn-Assenheim, 192 P. — 4. Karl Keßler, Tv. Großen-Linden, 189 P. — 6. Albert Würtz, Tv. Krofdorf, 180 P. — 7. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 177 P. — 9. Eduard Heyer, Tv. Krofdorf, 171 P. 10. Wilhelm Hofmann, Tv. Krofdorf, und Kurt Katz, Tv. Hungen, 170 P. — 11. Karl Würtz, Tv. Krofdorf, 164 P. Turner-Oberstufe, Geräte-Zehn- k a m p f: Je drei Hebungen am Reck, Barren und Pferd, eine Freiübungsgruppe. — Mindestleistung 133 P. — 10 Teilnehmer. 8 Sieger. — 1. Sieger Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 185 P. — 2. Adolf Ahrens, Tgde. Marburg, 168 P. — 3. Franz Reuschiing, Tv. Heuchelheim, 161 P. — 6. Heinrich Mehl, Tv. Großen-Linden, 146 P. Turner-Mittelstufe. Zwölfkampf, wie oben, entsprechend abgeändert. — 38 Teilnehmer, 38 Sieger. — 1. Sieger August Ebers- pächer, Tgde. Marburg, 210 P. — 2. Aloys Burkart, Tv. 1846 Gießen, 207 P. — 3. Walter Loh, Tv. 1846 Gießen, 195 P. — 6. Rudolf Spuck, Mtv. Gießen, 188 P. — 7. Karl Otto Beppler, Tv. Heuchecheim, 185 P. — 8. Karl Dort. Tv. 1846 Gießen, 184 P. — 10. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 182 P. — 11. Albert Leun, Tv. Großen-Linden, 181 P. — 18. Karl Schmadel, Tv. Grünberg, 169 V. — 19. Heinrich Schaaf, Tv. Treis a. d. Lda., und Ludwig Frank, Tv. Grünberg, 168 P. — 20. Theodor Rinn, Tv. Heuchecheim, 166 P. — 22. Wilhelm Brandenburger, Tv. Hungen, 162 P. — 24. Heinrich Adolph, Tv. Klein-Linden, 160 P. Turner-Hnter stufe, Zwölfkampf, wie oben, entsprechend abgeändert. 305 Teilnehmer, 237 Sieger. — 1. Sieger Christian Dönges, Tv. Wallau, 219 P. — 2. Karl Strauch, Tv. Homberg a. d. Ohm, 216 P. — 3. Ernst Mölcher, Tv. Freienseen, 212 P. — 4. Karl Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda., 210 P. 6. Kurt Horehseck, Tv. 1846 Gießen, 208 P. — 10. Richard Frank, Tv. Grünberg, 204 P. — 11. Karl Volz, Tv. Lich 1860, 203 P. 12. Heinrich Mosbach und Heinrich Zammert, Mtv. Gießen, 202 P. - - 14. Fritz Speck, Mw. Gießen, 200 P. — 15. Richard Laux, Tv. 1893 Leihgestern, 199 V. — 18. Wilhelm Hofmann, Tv. Hungen, Wilhelm Rinn, Tv. Heuchelheim, 196 P. — 19. Wich. Dreier, Tv. Lang-Göns, Heinrich Steinnagel, Tv. Großen-Linden, 195 P. — 20. Hch. Hettche, Tv. Treis a. d. Lda., 194 P. — 21. Karl Gehringer, Tv. Grünberg, Gustav Bausch, Tv. Langsdorf, 193 P. 22. Hugo Bartel, Tv. 1846 Gießen, Wich. Kehr, Tv. Treis a. d. Lda., 192 P. — 24. Hch. Jung, Tv. Lützellinden, 190 P. — 26. Ernst Degen, Tv. Großen-Linden, Otto Matthies, Tv. Grünberg, 188 P. — 27. Willi Sem, Tv. Lang-Göns, Wich. Weller, Tv. Heuchelheim, 187 P. — 28. Fritz Hermann, Tv. Lich, 186 P. — 30. Wich. Hfer, Tv. 1846 Gießen, 184 P. — 31. Wilh. Wagner und August Schott, Tv. 1846 Gießen, Hch. Falk, Tv. Hungen, 183 P. — 34. Philipp Will, Tv. Treis a. d. Lda., Otto Rinn, Tv. Heuchelheim. Karl Korndörfer, Tv. Lich, 180 P. — 35. Karl Trechsler, Tv. 1846 Gießen, Adolf Leib, Tv. Krofdorf, 179 P. — 37. Eduard Volk, Tv. Lich, Walter Schimmel, Tv. Heuchelheim, Richard Ritz, Mtv Gießen, 177 P. — 40. Jakob Bingel und Heinrich Hofmann, Tv. Grüningen, 174 P. — 41. Peter Schrimpf, Tv. 1846 Gießen, Rudolf Stille, Mtv. Gießen, Paul Kuhl, Tv. Langsdorf, Hch. Marten, Tv. Klein-Linden, 173 P. — 43. Hans Vogt, Tv. 1846 Gießen, Hch. Schmidt, Mtv. Gießen, 171 P. — 45. Paul Schmidt, Tv. Heuchelheim, Willi Gilbert, Tv. Dutenhofen, 169 P. — 46. Otto Kern, Tv. 1846 Gießen, 168 P. — 47. Max Hardt, Tv. 1846 Gießen, 167 P. — 49. Fritz Arnold, Tv. 1846 Gießen, 165 P. — 51. Wilh. Weber, Tv. Grünberg, Willi Arzbächer Tv. 1846 Gießen, 163 P. — 52. Ernst Block, Tv. Tettenhausen, 162 P. Altersturner, Reunkampf, 35 bis 45 Jahre, je zwei Hebungen am Reck, Barren und Pferd, eine Freiübungsgruppe, Kugelstoßen (10 Kilogramm, 4,60 bis 8,60 Meter), Laufen (75 Meter in 14 bis 10 Sek.), — Mindestleistung 120 Punkte. — 11 Teilnehmer, 9 Sieger. — Ehrenfieg Hans T h ö t, Tv. Alsfeld, 163 P. 1. Sieger R. Burkholdt, T. u. Spv. Marburg, 144 P. 2. Karl Grimmel, Tv. Großen-Linden, 143 P. 3. Albert Rinn, Tv. Heuchelheim, 142 P. 4. Fritz Henkelmann, T. u. Spv. Butzbach, 136 P. 5. Jean Fleischhauer, Tv. 1860 Bad-Rauheim, und Ferdinand Künstler, Tv. Rieder-Mörlen, 133 P. 6. Adolf Jung, Tv. Wetzlar, und Otto Hofmann, Tv. Großen-Änden, 126 P. — Heber 4 5 Jahre, wie oben, entsprechend abgeändert. 4 Teilnehmer, 4 Sieger. 1. Sieger Georg Thierolf, Tgde. Friedberg, 155 P. 2. Bernhard Pfeffer, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 144 P. 3. Konrad Bücking, Tv. Alsfeld, 143 P. 4. Willi Henes, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 132 P. Fechter (Florett), 15 Teilnehmer, 10 Sieger. — 1. Sieger Kart Mulch, Tv. Wetzlar. 2. Peter Pfeffer, Tv. Bad-Rauheim. 3. Horst Förster, Tv. Bad-Rauhevn. X Edgar HogH, Mtv. Gießen. 5. Hermann Hennig, Mtv. Gießen. — Auszeichnungen erhielten u. a.: Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen mit vier Siegen. Karl Hergenröther, Tv. 1846 Gießen mit drei Siegen. Musterriegen: A l t e r s t u r ne r: Tv. 1846 Gießen, Stützreck, 9 Teilnehmer, 105 P., sehr gut. — Turner: Mtv. Gießen, Darren. 9 Teilnehmer. 112' . P , sehr gut. — Tv. Krofdorf, Barren, 7 Teilnehmer, 104 P, sehr gut. — Tv. 1846 Gießen, Reck, 23 Teilnehmer, 101 P., sehr gut. — Tv. 1846 Gießen. Pferd, 10 Teilnehmer, 991/s P.. gut. — Tv. Treis a. d. Lda., Barren. 13 Teilnehmer, 93 P. gut. — Tv. Lang- Göns, Barren, 9 Teilnehmer. 891 P„ gut — Tv. Grünberg. Stabübungen. 7 Teilnehmer. 87> ? P., gut. — Tv. Klein-Linden. Reck. 6 Teilnehmer. 87 P.. gut — Tv. Heuchelheim. Reck. 10 Teilnehmer. 84«,j P., gut. — Tv. Lich Barren, 6 Teilnehmer. 76 P.. genügend. — Schüler: Tv. Lang-Göns. Pferd, 6 Teilnehmer, 96> v P., gut. — Sondervorführungen: Ak. Tv. Marburg, Bodenturnen. 14 Teilnehmer, 52' ? P. sehr gut. — Tgde. Friedberg, Freiübungen, 10 Teilnehmer, 49 P., gut. Sondervolksturnen: Dreikampf (Kugelstoßen. Weitsprung. Laufen 100 Meter): 1. Sieger Oskar Petersson, Ak. Tv. Marburg, 238 P. - 2. Wilhelm Busch, Ak. Tv. Kur- Hessen, Marburg, 208 P. — 3. Theo Koch, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 207 P. — 6. Wilhelm Reitz. Tv. 1846 Gießen, 182 P. — 9. Heinrich Rother- mel, Mw. Gießen. 175 P — 11 Willi Rehren, Ww. Gießen, 170 P. — 12. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 169 P. Meisterschaftskämpfe:Kugelstoßen: 1. Sieger Fritz Weitershaus. Tv. Großen- Linden, 17,50 Meter. — 2. Heinrich Arndt, Mtv. Gießen, 17,01 Meter. — 3. Albert Weichei, Mtv. Gießen, 14,90 Meter. — S t e i n sto h e"n: 15 Kilo: 1. Sieger Willi Roth, Tv. 1860 Bad- Rauheim, 8,04 Meter. — 2. Heinrich Arndt, Mtv. Gießen, 7,64 Meter -- 3. Fritz Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 7,53 Meter. — 4. Albert Weichel, Mtv. Gießen, 6,93 Meter. — 2 0 0» Meter-Laufen: 2. Sieger Walter Weigand, Mtv. Gießen, 25,/c Sek. — 15 0 0- Meter-Laufen: 3. Sieger Beruh. Kompp, Tgde. Laubach, 4,537; Min. — Hochsprung: 4. Sieger Lorenz Schlamp, Tv. 1846 ©iefeen, 1,60 Meter. — Stabweitsprung: 2. Sieger Fritz Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 7,78 Meter. — Speerwerfen: 3. Sieger Hermann Koch, Tv. Grünberg, 39,70 Meter. — 4. Otto Matthies, Tv. ©rünberg, 38,70 Meter. Volkstümliche Wettkämpfe der Turnerinnen: Dreikampf (100-Weter- Laufen, Kugelstoßen und Weitsprung): 1. Siegerin Else Bickelhaupt. Mtv. Gießen, 245 P, — 2. Gusti Gaudes, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 198 P. — 3. Tilli Espach, Mw. Gießen. 196 P. 4. Erna Althaus, Mtv. Gießen, 194 P. — 6. Charlotte Amend, Mtv. Gießen, 164 P. — Einzel k ä m p f e: 1 00 - Me ter-L a u f: 1. Elss Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 13,2 Sek. — 2. Gusti Gaudes, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 13,2 Sek, (Brustbreite zurück). — 3. Erna Altbaus. Mtv. Gießen, 13,4 Sek. — Weitsprung. Erna Altbaus. Mtv. Gießen, 4,62 Meter. - 2. Tilli Espach, Mw. Gießen. 4,62 Meter (durch Stechen entschieden). — Hochsprung 1. Else Bickel» Haupt, Mtv. Gießen, 1,45 Meter. — 2. Tilli Espach und 3. Erna Althaus, Mw. Gießen, je 1,30 Meter (durchs LoS entschieden). Spiele: Handball: Gießener Turnerschast gegen Marburger Turnerschaft 1:1. — Faust» ball: Akad. Tv. Kurhessen Marburg gegen Tv. 1846 Gießen 42:30. — Akad. Tv. Kurhessen Marburg gegen T.- und Sp.-D. Butzbach, 32 : 46. Oie Vorrundenkämpfe um die deutsche Fußballmeisterschaft. Später, als in jedem anderen Jahre — durch die Vorbereitungen zur Amsterdamer Fuhball- olhmpiade bedingt - beginnen am kommenden Sonntag die Kämpfe uni b i e deutsche Fußballmeisterschaft zwischen den aus» erwählten Vertretern der sieben Landesverbände das Deutschen Fuhballbunbes. Die beiden größten Landesverbände, 6 üb- und Westdeutschland, haben je drei Vertreter, die übrigen Verbände je zwei Mannschaften in der Konkurrenz. Diese tragen in 8 Paarungen am kommenden Sonn» Blau. „Wenn der Himmel nur wenigstens so viel Blau zeigt, wie man braucht, um eine Hose zu flicken, dann ist die Hoffnung noch nicht verloren." Dies alte Dauernsprichwort hat in den letzten Wochen wohl so manchen getröstet, wenn er zum Himmel aufblickte und ihn immer von Wollen verhangen sah. Das Himmelsblau ist ja nun einmal die Farbe der Hoffnung, zugleich die Farbe des reinen Glücks, wenn sie uns, wie in den letzten Tagen, in überirdischem Glanz von der Riesenkuppel über uns entgegen» strahlt. Der blaue Himmel, der von jeher den Menschen so sehr erfreute, hat dem Blau den Klang eines heiteren Glückes gegeben. „Rach so viel grauen Tagen kam nun ein blauer Tag," sagt der Dichter, ober man schwärmt: „Ich habe bei ihr himmelblaue Minuten genossen." Zugleich aber hat das Blau, das uns aus so weiter Ferne winkt, etwas Geheimnisvolles, Fabelhaftes erhalten, den Zauber der „blauen Ferne". Aus der unergründlichen Tiefe des wolkenlosen Himmels, aus der Dämmerung des dunstver- fchleierten Horizonts taucht das Blau als etwas Unbestimmtes, Rebelhaftes auf, das schwärmerische Sehnsucht, träumerische Ahnung, den Glauben und daS Wunder weckt. Richt anders ist es mit dem blauen Meer, dessen verschwimmende Formen uns zum Sinnen und Brüten einladen. So ist daS Blau die Farbe der Romantik geworden, die Farbe des Märchens: nach der ..blauen Blume" suchen die Träumer, und das Blau hat in Wald, Feld und Garten immer den tiefsten, verheißungsvollsten, geheimnisvollsten Ton. Aber diese Reigung aum Rebelhaften und Phantastischen hat dem Blau auch einen üblen Beigeschmack gegeben. Es ist nicht gut. wenn einer „ins Blaue hinein schwatzt", wenn er den andern „blauen Dunst" vormacht. Der alte F. Th. Bischer rief einmal im Tübinger Kolleg einigen srcchen Studenten, die in den hintersten Bänken rauchten, zu: „Meine Herren, ich mache Ihnen hier keinen blauen Dunst vor: machen Sie mir auch keinen I" Dies Verschwimmende der Farbe, die so oft nicht rein aus tritt, verleiht ihr bisweilen einen Stich ins Häßliche. Bei Prügeleien gibt es „blaue Flecken", und wenn einer beim Boxen die Sehkraft behält, dann kann er froh sein, „mit blauem Auge" davongekommen zu sein. Der faule Schüler wird „durchgebläut", seine Qhifgabe wird ihm „eingebläut", der Rük- ken wird ihm „blau angestrichen." Durch die bläuliche Farbe, die das Gesicht in dec Kälte oder bei starken Erregungen erhält, sind Wendungen entstanden, wie „blauer Reid" oder Heines „Sie haben mich gequälet, geärgert blau und blaß." Den Blitz nannte man früher „Blaufeuer" und verwandte daher das Blau beim Fluchen, so im Götz: „Potz Blaufeuer", und der Engländer spricht gar von „blauen Teufeln", wenn er die Einbildungen des „Spleens" bezeichnen will. Goethe hat in seiner Farbenlehre dies Zwiespältige des Blau angedeutet, wenn er sagt: „Cs ist als Farbe eine Energie, allein sie steht auf der negativen Seite und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Richts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick. Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns bringt, sondern weil es uns nach sich zieht. Das Blaue gibt ein Gefühl von Kälte, so wie es uns auch an Schatten erinnert." Diese schwankende Hngewih- heit des Blau, die sich in zahllosen Rüancen darstellt, hat die Farbe stets zu einem Liebling de.v Höheren Kultur gemacht. Der naive Mensch hält sich an so ausgesprochene Farben wie Rot und Gelb: der Empfindsame, der Aesthet. verliebt sich in die zarten Hnendlichkeiten des Blaus. So wurde das Blau zu einem Sinnbild seltener und zärtlicher Stimmungen, und die ..preziösen Frauenzimmer" um das Fräulein von Scudery, die Möllere verspottete, versammelten sich in einem „ sterbeblau" tapezierten Salon, während die weiblichen Schöngeister Englands blaue Strümpfe trugen und daher selbst den Ramcn „Blaustrümpfe' erhielten. Das „blaue Blut" ipurbc zum Zeichen der edlen Abkunft, und zwar ging diese Benennung von Spanien aus. wo man die „Ritter vom blauen Blut" von den. .Geeiten vom roten und vom weißen Dlui" unterschied. Den merkwürdigen Ausdruck hat man am einleuchtendsten so erklärt, daß der alte spanische Adel, der auf seine Abkunft von den hellfarbigen Germanen stolz war, das Durchschimmern des blauen Venenblutes durch die weiße Haut als Zeichen seiner edlen Abkunft betrachtete im Gegensatz zu den dunkelhäutigen Mauren und den mit Maurenbtut durchsetzten Spaniern. Deshalb erfchrjüt auch das Blau, das zunächst im Altertum hauptsächlich der Keramik vorgehalten ist, sehr spät als beherrschender Ton in der Malerei und gewinnt erst seine ganze reiche Skala im Rokoko, entfaltet sich hier zu seinem ganzen Glanz, wie es etwa Gainsboroughs „blauer Knabe" zeigt. Die moderne Landschaftsmalerei hat dann die blauen Schatten entdeckt und die Wunder der „blauen Stunde", der Zeit des Zwielichts, geschildert. Don den blauen Rebeln Turners führt der Weg zu den blauen Tiefen Cezannes, und das flare Himmelblau, daS zuerst im Mantel der Madonna iin Quattrocento wie ein Heller Jubelton llanq, löst sich in ein Orchester unendlich zarter Rüancen auf. Gibt es Wahrträume? Die Traumdeuterei, die wohl fast so alt ist wie die Menschheit, ist lange für ein Zeichen des Aberglaubens gehalten worden. Aber seitdem durch die psychoanalytischen Forschungen die Shmbolbedeutung des Traumes erkannt worden ist, kann man der Traumdeulerei nicht mehr jede Berechtigung absprechen, und die Wissenschaft hat genügend Material gesammelt, um die Wahr- träume erklären zu können. Einen solchen Erklärungsversuch unternimmt Dr. Bruno Alt- mann in Scherls Magazin". Die Mehrzahl der Wahrträume ist unhellverkündender Art. Der Schläfer träumt, daß er an einem bestimmten Tage an einem bestimmten Leiden erkranken werde. Im wachen Zustand hat er noch keine Anzeichen von der Erschütterung seiner Gesundheit gespürt; trotzdem ersaßt ihn wirklich zu der vom Traum festgesetzten Zeit die von ihm erlebte Krankheit. Diese Dorherverkündigung im Traum beruht nach der heutigen Auffassung in der außerordentlichen Erhöhung der Reiz- und Emp- sindungsquelle im Tiefschlaf und auf der Eigenart des Traums, Organempfindunaen in em Erlebnis umzudeuten. Der Tiefschläfer scheirrt zwar nichts zu hören und nichts zu empfinden, aber in Wirklichkeit hort uird spürt er schärfe^ was von außen auf seinen Körper eindringt oder was als innerleiblicher Organzustand gefühlt wird. Daher wird er, wenn eine Krankheit im Anzug ist, die Organempfindungen, die darauf Hinweisen, ün Schlafe eher inerten, als im Wachen. Solche „Reiz-Traume" taffen sich durch den Versuch erzeugen. Wenn man z. B- einen kleinen Gegenstand mehrmals neben einen schlafenden Soldaten fallen läßt, dann träumt dieser von einer Schlacht, von Sieg oder Tod. Wacht sich nun in diesem überempfindlichen Zustand des Tiefschlafes eine organische Störung bemerkbar, so besteht die Traumarbeit in der Verdeutlichung dieser Störung durch den Hinweis auf die entsprechende Krankheit. Der Traum erscheint also als Prophet, während er in Wirklichkeit nur der Diagnostiker ist, der zuerst erkennt, was dem Panenten fehlt. Daß die Krantheit genau in bet vom Traum angekündigten Stunde eintritt, kann man zum Teil auch durch diese Schärfe der Beobtuhtung im Traum erklären, sodann aber auch durch die Suggestion. Der Mensch gerät in die geheimnisvolle Macht des Traumes und handelt unbewußt nach seiner Aussage. Bei vergessenen und verlorenen Gegenständen, deren Ort im Traum entdeckt wird, handelt es sich um eine Erinnerung, die er aus tieferen Schichten des Bewußtseins hervorholl. Im Wachzustand ist der Geschädigte nicht darauf gekommen, wo er etwas hingelegt hat, aber der Traum enthüllt es ihm. Ebenso ist eS bei Verbrechen, die durch ein Traumerlebnis enthüllt werden. Im Wachen kommt der Geschädigte nicht darauf, wer bei ihm eingebrochen haben könnte, aber der Traum nimmt eine gründlichere Musterung hervor unb findet den Schuldigen heraus. So lassen sich für viele Wahrträume die psychologischen Gründe anfuhren: es gibt aber freilich Mich andere deren geheimnisvollen Verftiüpf ungen man noch nicht auf die Spur gekommen ist, und so bleibk der jungen Wissenschaft der Traumdeutung noch ein weites Feld. - — des heimischen Platzes in Anspruch SüddeutschlandS attteiic Waffe, die Scan!* j r t c r Eintracht, hat ebenfalls nach ben außerhalb O |Ganz außer Gefahr d-'' • ® -< ist Ihr Eingemachtes, denn ein Verderben durch Schimmef Die Gebrauchs - Anvueisiino ist i r d c m Päckrh ist Ihr Eingemachtes, denn ein Verderben durch Schimmef Die Gebrauchs - Anweisung ist jedem Päckchen dem um Dr. August Oetker, Bielefeld. Eigene FUrdieHPeife bürg. Ii347 D Preis 2.7k Mk. Meine Schälkur. 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Bei dem guten Material, über das die gröberen Vereine rerftiflfn, wird man in ncr- schiedenen Disziplinen sehr gute Leistungen 311 sehen bekommen. Zn erwähnen sind hier Sj. Müller, Ö c i (in a n 11 und (straf 190U in den Wursubungen. schik (D. f. L-), c d) ü 3 und Baller 1900 in den Lausen und Sprüngen. Sportverein Wetzlar und L s. B. Gieften werden ebenfalls mit guten lauten in die Entscheidungen eingreifen. Ai-beiier-Tum' und SportSund. Am kommenden Sonntag wartet Diesten» 1. Mannschaft mit einem interessanten Spiele auf. Der süddeutsche Meister. Frankfurt* W e st e n d. tritt zu einem Freuirdschaftsspiel gegen die 1. Mannschaft deS Platzvercins an. Wenn auch die Meisterelf nicht in der Aufstellung an tritt mit der sie um die Dundesmei- chen, hat in Halle gegen Wacker Halle an- utreten (Schiedsrichter: Gerlach-BreSlau). Ge bc- tcht hierbei kein Grund, an dem Siege der tapern zu zweifeln, wenn sich auch die Sachsen 1 jüngster Zeit merklich gebessert haben und den fterlchaft kätizpfde so muh sich Dieben doch sehr anstrengen, wenn es eine hohe Niederlage Per- hindern will. Aaunhei m S 1. fährt nach Alsfeld, um gegen die dortige erste Mannschaft ein Qxr- bandslpiel auÄAutragen. Auch dieses Spiel wird die Gäste al- Sieger sehen, wenn sich die Fülle, wie im Spiel AiSseld WieseiL, nicht wiederholen. 3n der «Weiten Klaffe fahrt Diesten» 2. nach Beiistein und wird aller Voraussicht nach eine Aieverlage beimbringen. Fronhausen hat Burkhardsfelden zu Daft. Der Ausgang dieses Spieles ist offen zu lassen. Aaunheims Jugend bat Treis Jugend Aum Gegner und wird auf eigenem Plahe Sieger bleiben Alten-Vuseck Jugend hat Heuchelheim Jugend zu Gast. Hier wird der Glücklichere Sieger bleiben. W a er München ha! die große Ai. lchm» l'dFcit, seinen ersten Gegner, drn D t e i t> n c r Sportklub, zu Hause c npsangen zu dürfen. < Schiedsrichtei. Zander-Berlin 1 hiernach sind Oie Vackerleute nicht ohne GewinnauSsichten, wenn auch der Gegner als ziemlich gleichwertig gilt. Tennis-Borussia Berlin hat schon eir? wesentlich schwierigere Aufgche denn eS sollte ihr nicht leicht fallen, Preußen Hre» seid auf fremdem Platze zu besiegen. 'Schiede- richter: Fritz, Oggersheim.) Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. ö. Um ihren zahlreichen jungen Mitgliedern auch wieder einmal einen Wettkampf zu bieten, veranstaltet die opiflocreimgung 1900 um kommenden Sonntag Gau-Jugend m ei st erschuften. Die meisten Gauoereine haben ihre b sten Kräfte gemeldet. Die Wettkampf werden in vier Klassen ausgetragen, damit auch die Ziingsten zu (frfolgcn gelangen können. In allen Klassen werden Staffeln biinblung, SellerSweg 33, । rau Datz fSchwab» Nächs t LelterSweg 23...... AeltereS yiitininflödien zum 15. 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Der organisierte regelt die Produktion. Der Verbraucher, welcher sich dem Konsumverein als Mitglied anschliefet, trägt ' -> W 3/ f ■"..•.jä deshalb zu einer besseren und gesünderen Wirtschaftsform bei, und die Vorteile des Zusammenschlusses kommen restlos den Mitgliedern zugute. Deshalb muh jede Verbraucherfamilie dem als Mitglied angehören. Konsumverein Giehen und Umg. Nr. 151 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen) Freitag, 6. Juli 1928 Die Jagd im Juli. 3m 3uli beginnt der Rothirsch zu fegen, doch setzt sich diese Tätigkeit auch noch je nach Stärke bis in die Feistzeit hinein fort. Der Abschuß sollte jedenfalls nicht vor Eintritt der Feiste, also Mitte August beginnen. Dia 3agb auf den heimlichen Fristhirsch gilt immer noch als die gerechteste 3agd auf den Hochgevxihten. Tier und Kalb sind vor Beunruhigung durch Mensch und Hunde zu schützen. Der Damhirsch tritt schon zu Monatsende in die Feistzeit. Das Schwarzwild hat gute Zeit, besonders der reisende Hafer, den ja auch das Rotwild sehr schätzt, hat es ihm angetan. Früher alS sonst wechselt es jetzt häufig aus, nimmt auch im Feld mitunter seinen TageSstand. Bei Trockenheit werden Suhlen gern angenommen. Das Rehwild steht bis zum Erntebeginn noch gern im Getreide, wo es weniger dem 3n- sektenvolk auSgesetzt ist. Beginnt dann die Ernte, wächst die Unruhe im Feld und wird die Deckung immer weniger, so wechselt es zum Wald zurück. 3m Lause deS Monats tritt es in die Brunst. Die ..Blattzeit", die Zeit, wo der Dock auf daS .Blatt" springt, beginnt. Es ist zu empfehlen, mit dem Blatten nicht zu früh zu beginnen, damit der brave Bock sich noch vererben kann. Denn manch alter Schlaumeier, der sich immer durchzumogeln wußte, dem stundenlanger Ansitz und mancher Pirschaang ohne Erfolg galten. läßt sich durch daS Blatt betören. Der Erfolg ist um so günstiger, je mehr das Zahlen» rcrhältnis von Dock und Ricke sich einander angleicht. Auch ohne Lockinstrument bietet jetzt der Aufenthalt im Revier häufig Aussicht auf Weidmannsheil. weil der Dock zu allen Tageszeiten nach Ricken sucht oder treibt. Hitzige Schützen müssen besonders bei dem Dlatten die Ruhe zu bewahren suchen. Denn auch die Ricken springen auf das Blatt. Der Erfolg kann sehr peinlich sein! — Ricke und Kitz sind weiterhin au schützen. Deerensammlern und Pilzsuchern ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Unser Federwild hat sein Drutgeschäft beendigt und genießt den Schuh des Gesetzes. Rur die 3agü auf die Ente beginnt. Allerdings werden viele 3ungenten noch nicht jagdbar sein. Man sollte es sich zum Grundsatz machen, die Mutterente zu schonen. Erpel sind immer in der Mehrzahl da. Die Mutterente aber erhält den Destand. Aber auch mit Rücksicht auf die Verbreitung der Leberegelfeuche sollte jeder verantwortungsbewußte 3äger die Ente schonend bejagen. Das katastrophale Auftreten der Seuche unter den Rehwildbeständen badischer Reviere am Rhein wird in Zusammenhang gebracht mit der aaSjägerischen Ausübung der Entenjagd durch gewisse 3äger von der anderen Rhein- feite. Me Ente nimmt eine Unmasse der kleinen Schnecken auf, die die Zwischenformen des Leberegels beherbergt. Wegen des gewaltigen volkswirtschaftlichen Schadens, den diese Seuche unter Haustieren und Wild anrichtet, wird daher von zuständiger Seite bereits eine mehrjährige vollständige Schonung der Ente befürwortet. Die 3 u n g f ü ch f e find meist schon selbständig geworden und stecken gern im Getreide. Ueberall im Wald hat der Dachs gestochen und zeigt unS, daß wir in unteren Revieren jedenfalls noch einen ganz guten Destand dieses Feindes der Rachenbremsenlarve haben. Er hat reichlich Aesung und seht Feist für die fckMale Winterszeit an. Für den Ausfall der Hafenjagd ist der Monat von wesentlicher Bedeutung. Sind die Hasen des ersten Satzes gut durchgekommen, so tragen sie jetzt schon ihr Teil zur Erhaltung der Hasensippe bei. Wird die Deckung infolge der Erntearbeiten geringer, so seht die Häsin gern in Kartoffel» und Rübenschlägen. Auch Geireidehaufen auf dem Feld werden als Wochenstube auSgewählt. Der Schuh der Riederjagd in Gestalt des Kampfes gegen Krähen, Elftem, Wiesel, Katzen und herumstrolchende Hunde muh weiter aua- geübt werden. HubertuS. Möwe im Sturm. Vornan von Sophie Moerß. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Alsa du bedienst die Baroneß Erdmannsdorf — ja, der Name wird dir Zungenschmerzen schassen — just so wie mich selber, mein Kind. Und läßt ihr hier nebenan ein Bett machen — seht zu, wie ihr das schafft. Und —“ sie lauschte auf: „Da kommt Sergei.“ Wie sie das sagte, wurde ihr Gesicht hell. Maria dachte: sie muß ihn immer noch sehr lieb haben, und bann hörte man schon ein Klopfen an der Zimmertüre. „Entrez." Groß, schmal, in dem regelmäßigen Gesicht den allen unsagbar hochmütigen Ausdruck. Einer, der nichts gelernt und nichts vergessen hat, durch und durch der Typ des feudalen russischen Grand- Seigneurs, so kam Sergei Wladimirowitsch in die »Ah, du hast Besuch.“ Ein ganz kleines Heben der Brauen, das so etwas wie Erstaunen ausdrückte, denn Elena hatte niemals Damenbesuch, und dann: „Diese Zöpfe sollte ich doch kennen. Es gab einmal eine kleine Dame, die den Namen der Himmels- königin führte. Die schlug um sich wie ein Panther- kätzchen, wenn man sagte: ,Rot ist dein Haar/“ „Eine große Ehre für mich, daß Sie es nicht vergessen haben, Sergei, es ist auch immer noch rot“ »Cs ist wie goldene Bronze, über die roter Wein hingelaufen ist. „Er kann immer noch hübsche Komplimente drechseln.^Elena.“ „Und Sie sind hierher gekommen mit der Tante Jnnozentia, der gestrengen alten Hoheit ? Wollen Sie Venedig besehen?“ Aermlich muß es Ihnen gehen, kalkulierte er im stillen. Mein Gott, die Sachen wüsten geradeswegs aus einem Warenhaufe stammen. »I*ie Tante ist tot,“ sagte Elena, ehe Maria antworten konnte. „Das Kind haben sie in ein Kloster nm wollen. Da ist sie lieber hierher gefahren zu »Ta ta. So selbständig? Ja, die Zeit hat unsere harnen viel gelehrt. Möchte es Ihnen in unserem ärmlichen Heim gefallen, liebe Schwägerin.“ Oberhessen. Landkreis Gies;en. 00 Klein-Linden, 5. . ili. Einer der ä 11 e. sten Männer unseres Dorfes wurde gestern zu Grabe getragen. Es war der im 83. Lebens- lahre stehende Kaspar Klein II. Der Ge'ang- verein ..Eintracht" begleitete fein langjähriges Mitglied und einstigen Mitbegründer auf dem letzten Wege und lang am Grabe den letzten Gruß. / Mainzlar. 5. 3uli. 3n der jüngsten Sitzung deS Gemeinderats stand u. a. her Voranschlag für 1 928 zur Beratung. Dieser schließt in der Betriebsabteilung in Einnahme und Ausgabe mit 13 798,20 Mk, in der Vcrinögensabteilung mit 460,75 Mk. ab. Die Dorsehungen in den einzelnen Rubriken zeigen ungefähr die vorjährigen Deträge, mit Ausnahme der Waldungen, bei denen in Einnahmen gegen das Vorjahr ein Mehrerlös von rund 6000 Mk. zu erwarten ist. Für das in den vorhergehenden Jahren gewährte Losholz sind in Ausgabe für jeden Ortsbürger 16 Mk. vorgesehen. Dem Ausgleichsonds werden 2000 Mk. zugeführt: der feitherige Ausgleichfonds ist durch die Kanalisation eines Teiles des Ortes vollständig aufgebraucht. Allgemein wurde bemängelt, daß für die Unterhaltung und 3nftanb- fetzung der Gemarkungswege nur 2450 Mk. vorgesehen sind, da der Zustand dieser Wege sehr viel zu wünschen übrig läßt. Der Voranschlag wurde genehmigt. Eine Umlage wirb, wie in den vorhergehenden Jahren, nicht erhoben. ---- L i ch. 5. Juli. Die schon seit längerer Zeit mit der Postbehörde geführten Verhandlungen über den Reubau eines Postamtes wurden durch Bürgermeister Geil zum endgültigen Abschluß gebracht. Das neue Postamt, das mit einem telephonischen Selbstanschluß- a m t verbunden wird, kommt an den schon früher bestimmten Platz an der Wetter zu stehen. Mit bei, Ausschachtungs- und Fundamentierungsarbeiten soll sofort begonnen werden, damit daS neue Amt zum 1. Oktober nächsten Jahres bezugsfertig ist. D L i ch, 5. Juli. Dem 39 Jahre alten Landwirt Karl Weisel von hier stieß dieser Tage ein schwerer Unglücksf a ll zu. Er fuhr mit Pferd und Wagen auf der Rieder-Dessinger Straße, als ihm ein Motorradfahrer begegnete. Das fönst sehr ruhige Pferd scheute und ging durch. Während der Fahrt wollte sich Weifel retten und sprang von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen. Mit schweren Verletzungen blieb er auf der Landstraße liegen. Dr. mcd. Schadt, Lich, leiste.e die erste ärztliche Hilfe und lieh den Verunglückten in die Chirurgische Klinik nach Gießen überführen. Hier wurde ein dreimaliger Druch des rechten Deines und schwerer Dlnterguh im rechten Knie festgestellt. ■-=- Hungen. 5. Juli. 3n feiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat den Voranschlag beraten. Obwohl unumgängliche Reuaus- gaben und erheblicher Kostenaufwand verschiedener Art in Ausgabe gestellt werden muhten, war es möglich, den Voranschlag so auszu- gleichen, dah eine Erhöhung der Steuersätze n i ch t einzutreten braucht. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 160 569,84 Mark ab. Die auS Gemeindesteuern aufzubringenden 35 000 Mk. werden nach folgenden Sähen ausgeschlagen: Von 100 Mk. Steuerwerk bei land- und forstwirtschaftlich benutzten Grundstücken 31 Pf., vom Anlage- und Betriebskapital des Gewerbe- 60 Pf., an Steuerwert der Gebäude 15 Pf., an Sonder-Gebäudesteuer 39,9 Pf. # Bellersheim, 5. Juli. Gestern wurde der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Samuel Wetterhahn, zu Grabe getragen. Der Verblichene hat ein Alter von über 91 Jahren erreicht. # 03iIIIngen, 5. 3uli Der hiesige Gesangverein .Eintracht" feierte am Sonntag sein 50jähriges Jubiläum, verbunden mit dem Dundesfeft des Horloff-Wettertalsänger- bundes. Das ganze Dors prangte in schmuckem Festkleid. Rach einem am Samstagabend harmonisch verlaufenen Festkommers und einer in feier- lichen Weife verlaufenen Gefallenenehrung auf »Wir wohnten in Wien auch schon lange nicht mehr im Palais. Die Tante mußte heraus. Das war Volkseigentum, sagte man. Und wir hatten eine kleine Wohnung in einem alten Kasten in der Dorstadt, sieben Stuben, ja, und alle so niedrig. Und nur noch zwei Domestiken. Und —" Ein fünftes Lachen. „Das ist nun vergangen. Ich habe mein Bestes gefunden, mein« geliebte Schwester. Und nicht einmal hat sie uns von Rumänien aus geschrieben, wie traurig sie es da hatte — nur daß sie fremdes Brot essen müßte und daß es bitter schmeckte. Wie gut, daß Sie sie dort fanden und fortnahmen, Sergei." „Ja ja. Direkt aus dem Konzentrationslager in Japan kam ich. Uebcr London. Und konnte lang« forschen und fragen, bis ich erfuhr, wer sich als Baronin Biron in Bukarest von einer alten Tatarin kujonieren lieft. Aber bann das Glück — meine Liebe?“ „Ja,“ sagte die Frau, und ihre Augen strahllen auf. „Mein Goll, er war ein ganz leichtsinniger Bruder. Er war, wie sie alle in Petersburg gewesen, die auf dem Vulkan tanzten und das Feuer nicht ahnen wollten, das schon aus allen Ritzen züngelte. Aber er rift mit feiner persönlichen Liebenswürdigkeit immer wieder die Menschen in feinen Sann, fo sehr sie ihn kannten. Und wer kannte ihn so genau wie feine Frau?“ — Irgendwo, vielleicht unten in der Halle schlug eine Uhr mit langen dröhnenden Schlägen acht. „Es ist höchste Zeit für das Theater,“ sagte der Mann. „Du bist fertig, meine Herrin? Sind Sie sehr böse, verehrte Schwägerin, wenn wir Sie am ersten Abend verkästen? Aber die Loge ist bestellt und es handelt sich um ein Zusammentreffen mit — hm — Geschäftsfreunden. D ja, wir find alle sehr geschäftstüchtig geworden, wir Herren vom Parkett. Es wird viel Wert darauf gelegt, daft Elena mich begleitet, daß ich nicht nur so ganz von oben her mit den Leuten verkehre. Peinliche Zugeständnisse an inferiore Menschen, aber was will man machen? Und Sie sind sicher müde von der langen Reise?“ „Ach, Sergei, fei gut. Kann ich nicht bleiben? Denk' doch, Maria hier so allein in dem alten un» heimlichen Hause.“ „Sie roirt) Schlimmeres durchgemacht haben als ein paar Stunden in einem warmen Zimmer mit Giulietta als Bedienung für etwaige Wünsche.“ dem Friedhof erreichte die Festlichkeit mit >?m großen Festzug. an dem 30 Vereine teilnah nen, ihren Höhepunll Rach der üblichen Deg: ang durch den Vorsitzenden des Vereins un? den Dundesvorsitzendcn Dächer (Ruppertsbu.g) überreichte Frl. L e s ch h o r n eine von den Frauen und Jungfrauen gestiftete prachtvolle Zahnenfchlcife. Einen starken Eindruck machten die unter Leitung des Bundesdirigenten Lehrer Dietrich iRodl) im a. d Horloff» vor getragenen Masiencböre auf di« meß. als 2000 Festteilned- mer. Dem Dichter und Komponisten Rektor Schad von Hungen wurden für fein op. 24 „Tu herrliches Land, du mein Vaterland" stürmische -Beifallskundgebungen gezollt. Als zweiter Mal- senchvr e. scholl au über 400 Sänger kehlen .Die Sonn' erwacht!" Dre Desangsvor träge der Bundes- uird Gastvereine bewiesen, daß die Leistun- aen in stetem Aufstieg vorwärtsfchreiten und daß mit viel Fleiß und Liebe gearbeitet worden ist. * Aus der nördlichen Wetterau. 5. Juli. Infolge des günstigen Wetters ist die Heuernte in verhältnismäßig kurzer Zeit gut eingebracht worden. Wenn auch die Güte des heurigen FutterS dem vorjährigen infolge des Fehlens der zarten Untergräfer etwas nachsteht, so wird dieser Mangel durch die diesjährige gute Aufbereitung voll ausgewogen. Da man aus dem Vorjahre noch Heuvorräte bat, sind die Preise für neue Ware sehr gedrückt: für erstklassiges -Hcu bieten die Händler 2 bis 2,20 Mk Einen herrlichen Stand weisen die Getreidefelder auf, nur macht sich in Gemarkungen, die seither noch verschont waren, die Weiterverbreitung des Hederichs bemerkbar. Frlls nicht noch schwere Unwetter Schaden anrichten, steh', eine ausgezeichnete Körnerernte bei allen Fiustarten in Aussicht. ttrcis Friedberg. WSN. Wölfersheim, 5. Juli. Bei den Neubauarbeiten auf dem fiefragOelänbe stürzte heute morgen der 28jährige Montagearbeiter Hermann Elaus von Billingen bei Hungen von einer Eisenkon iktion ab. Dabei erlitt er schwere Schä - deloerletzungen, denen er bald daraus e r • legen ist. Kreis Büdingen. h. Dad Salzhausen, 5. Juli. Mit Beginn der Schulserien in den Städten Frankfurt. Hanau, Gelnhausen usw. hat hier in den letzten Tagen die Zahl der K u r g ä st e sich erheblich vermehrt und der Hochbetrieb des Bades eingesetzt. Alle Gast- und Logierhäuser sind fast vollständig bewohnt. Das Kaufmanns- Erholungsheim ist ganz belegt. Dre in diesem Frühjahr vom hessischen Landtag bewilligten Der- besserungen der Kurmittel durch Reueinrichtung des Inhalatoriums, Errichtung einer Lichttherapie und Beschaffung von Duschen in einigen Bade zellen werden von den Kurgästen gerne benutzt. Auch die Pumpwerke für den Gradierbau und die Süßwasserleitung haben die not- wendiae Erweiterung erfahren. Für Unterhaltung der Badegäste ist durch Veranstaltung von Konzerten. Vortragsabenden, eine reichhaltige Bibliothek und ein freundliches Lesezimmer im Glockenhause gut gesorgt. Von heute an wird die Straße von hier nach Ridda bis zur Drücke, die über die Dahn nach Ulfa fuhrt, auf mehrere Wochen gesperrt, weil der Straßenbau vollständig auf gerissen, neu gestellt, gewalzt und dann mit einer kräftigen Asphaltteerschicht von 200 Grad Celsius übergossen werden soll. So begrüßenswert diese Erneuerung für die Autofahrer und für die Fußgänger wegen Verminderung der Staubplage ist. so hätte man doch gewünscht, daß die Ausführung entweder schon im zeitigen Frühjahr, oder erst im Herbste erfolgt wäre, weil gerade im Juli und August der Auto- und Wagenvrriehr hierher am stärksten ist und vielen Fahrern von entfernten Orten, die hier zur Kur weilende Angehörige besuchen wollen, nicht bekannt fein kann, daß der ganze Verkehr nach Ridda über Geih-Ridda oder Dorsdorf erfolgen muß. Kreis Alsfeld. H Alsfeld. 5. Juli. Am nächsten Sonntagnachmittag wird ein großes Reit- und Fahrturnier als Eröffnung des am Montag Seine Worte klangen verbindlich, aber in den Augen war ein Drohen. Maria erinnerte sich plötzlich, wie er einmal, dam vor der Hochzeit, einen Reitknecht so angesehen hatte, der ihm den Steigbügel nicht richtig gehalten. Der Mann war ganz bloß geworden und hatte die Schullern zusammen- gezoaen, als spüre er schon den Schlag der Gerte, die fein Herr in der Hand hielt. Sie hatte Sergei gefürchtet von dem Augenblick an. Und nun sah er feine tfrau an mit diesen Augen — großer Gott. »Also dann —“ Elena drückte auf eine zierliche Klingel, die auf dem Toilettentisch stand — „Giulietta — den Theatermantel. Und sorge gut für die Baronesse. Und daß du nicht nach unten läufst, o ich weiß, du witschst immer um die Treppe herum. Da hast du nichts zu suchen. Du bleibst hier oben. Wenn Herrschaften kommen, ehe wir zurück sind — Du hast dich nicht darum zu kümmern.“ „Nein, nein, Frau Baronin.“ Die fileine stand mit niedergeschlagenen Augen. „Was Elena nur für lange Reden hält,“ dachte Maria. „Ob das Mädchen hier oben ist in meiner Nähe ober nicht — ich bin nicht ängstlich.“ Und sie küßte die Schwester herzlich zum Abschied. »Lege dich hin. Liebes. Ich sehe zu dir hinein, wenn ich komme. Es ist hier still auf unserer Seite. Sergei hat seine Zimmer drüben, der stört uns nicht, wenn er noch spät Besuch hat. Schlafe wohl.“ Maria war allein. Sie hatte sich auf das Bett gelegt, das man ihr im kleinen Vorzimmer bereitet, dort, wo sich die Loggia vor den Fenstern hinzog, sie halle Giuliella fortgeschickt, nun lag sie und suchte vergebens den Schlaf. Die Ereignisie der letzten vierundzwanzig Stunden tanzten vor ihrem überreizten Gehirn. So viele Gesichter, so viele Geräusche, Rasteln von Eisenbahnen, Lärmen auf überfüllten Perrons, drohende Stimmen, die Dinge von ihr wollten, vor denen sie sich fürchtete. Sie scheuchte bas alles fort unb dachte: ..Elena. Ich bin bei bir. Bei dir, Elena.“ Unb spürte eine Leere unb eine Enttäuschung tief im Herzen. Erfüllung unb Hoffnung haben oerschiebene Gesichter. Sie mußte es schmerzhaft erkennen. Aber war bie Schwester nicht voll Liebe gewesen? Halle sie sie nicht in bie Arme genommen unb zärtlich geküßt? — Ja, ja — aber zuerst , was war bas ba gewesen? Und wenn cs nur eine Sekunde gewesen, in jener ersten Sekunde war sie nicht erfreut gestattfindenden Prämien- und Pferde- markteS dahier abgehalten Als einzige Veranstaltung in OtcrbeTfen, bei der ein richtiges Pferderennen für Galopp unb Trab damit verbunden ist. das fönst U.W. nur noch der Wetter- aucr Reiterverein in Friedberg veranstaltet, erfreut sich diese jedesmal ei.ieS besonders starken Besuches, da Daa Pferderennen über 1300 Meter auf der dafür besonders hergerichleten Bahn r.amentlidj auf die Jugend der landwirtfchast- lichcn Devöllerung der Kreises eine große Anziehungskraft ausübt. zumal recht wertvolle Preise gestiftet worden sind. Für das lumier liegen 58 Meldungen vor. fo daß es ein interessantes sportliches Ereignis zu werden verspricht. Vor Beginn der Veranstaltung werden sämtliche ländlichen Reitervereine einen Zug mit Musik durch die Stadt veranstalten. Die Leitung liegt in den bewährten Händen des Gute-besitzerS Graf von Bredow in Altenburg. Auch der tags darauf stattfindendc Prämienmarkt weist im Vergleich zum vergangenen Jahre eine weit größere Anzahl von Meldungen zur Prämiierung auf. Die Zahl der gemeldeten Pferde ist fast doppelt so groß, wie im letzten Jahre, ähnlich tft es mit dem Rindvieh. Auch die mit dem Markte verbundene große Bullenauktion der Landwirtschastskammer wird für die zahlreichen Interessenten aus ganz Obechesjen ein besonderer Anzichungspunlt werden. Bei der mit der Marktveranstaltung verbundenen Verlosung hat die städtische Markt- loimmssion insofern für dieses Jahr eine Aende- nmg getroffen, als die ersten Gewinne in einer wertvollen Schlafzimmereinrichtung und Kücheneinrichtung bestehen. Rachb-em die Heuernte soweit beendet ist. dürfte mit einem starken Besuch bei beiden Veranstaltungen am Sonntag und Montag zu rechnen fein. Rheinhessen. WER. Albig, 5. Juli. Der Landwirt Strubel in Albig zündete seine bis unter das Dach mit eigenen und fremden Vorräten gefüllte Scheune an. 3n betrunkenem Zu- stand blieb er bei der Brandstätte und erfreute sich an den Flammen. Darauf wollte er auch das Wohnhaus an st ecken, wurde aber von den Rachbarn an der Ausübung der Tat verhindert. Der Brandstifter wurde verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis in Alzey eingeliefert. Die Scheune ist total vernichtet, ebenso die darin lagernden Vorräte und sämtliche Maschinen. Preußen. Mrctö Wetzlar. —Aus dem Kreise Wetzlar, 5.Juli. Nach dem Ergebnis der amtlichen Schweine- zwischenzählung vom 1.Juni sind in unserem Kreise insgesamt 25 170 Schweine vorhanden gegenüber 27 974 Schweinen im Vorjahr. Der außerordentlich starke Rückgang von über 2000 Schweinen innerhalb eines halben Jahres beweist, in welch ungünstiger Weife die Schweinezucht von den niedrigen Preisen für fette Schweine vor kurzer Zeit be- einf'ußt wurde töveie Vicdenlopf. & Gladenbach, 5. Juli. In der Sitzung der Gemeindevertretung machte der Bürgermeister die Mitteilung, daß das elektrische Ortsnetz überlastet fei und deshalb entweder eine Verstärkung der Leitungen, oder die Umschaltung auf 220 Volt notwendig sei. Direktor R e b a ch vom Kreiselektrizitätswerk Frankenberg hielt einen Vortrag, wobei er auch für die Umschaltung eintrat. Anschließend sand noch cine allgemeine Aussprache statt. Die Arbeiten sollen in Kurze in Angriff genommen werden. Gestern abend gegen 9,30 Uhr entlud sich auch über unseren Ort ein heftiges Gewitter, das längere Zeit andauerte. Gegen 10 Uhr setzte 'ein ftarler Sturm ein, wie er in den letzten 3ahren hier nicht auf getreten ist. Ein Wirbelwind riß das Dach eines Wohnhauses Der Gewerkschaft Erin, in welchem 2 Familien wohnten, ab. Durch Den heftigen Regen waren die Decken der Zimmer bald auf geweicht und der Verputz fiel herab. Die sofort alarmierte Freiw. Feuerwehr nahm die Rettungsarbeiten vor. Das wesen, nur schwer erschrocken. Der Eindruck hastete lujtart in Marias Hirn. War sie den beiden eine Last? Hatten sie Sorgen? Es sah nicht so aus. Wenn auch das Haus schlimm war, so von außen, unb bie ganze Gegenb, aber hier drinnen war es wie bei wohlhabenden Leuten. Nicht fürstlich, gewiß nicht. Aber doch nicht ärmlich. Mochte Sergei nicht, Daft jemand kam? — Aber sie gingen aus, sie sprachen von Gästen, die sie erwarteten. Was half das Grübeln. Still liegen und schlafen. Unb langsam verbämmerlen bie Gebauten. Bisweilen fuhr sie zusammen, ber hallende Schlag des Türringes ging durch das Haus. Einmal war ihr, als würde die Tür geöffnet — „Elena“ wollte sie sagen — ba war es schon wieder dunkel uni sie her. Unb bann — aber am nächsten Morgen wußte sie nicht, ob bas nicht ein Traum gewesen — eiiwnal braußen vor ber Tür zur Loggia, dort gleich am Fenster flüsternde Stimmen, bie zärtliche einer Frau, bie leibenschaftliche eines Mannes, leises Lachen, erregte Worte, plötzlich bie Stimme der Schwester: „Bitte, nicht dort sprechen, meine Herrschaften. Dort schläft jemand.“ Unb bann war alles roicber still geworben. 21m Morgen, als sie erwachte, zeigte bie kleine Armbanduhr ein Viertel auf acht. Alles im Hause schien noch in Schlaf zu liegen. Wie sie klingelte, kam Giulietta, halle mübe Augen, sah sehr unorbentlich um ben Stopf aus, fragte müde: „Will die Baronesse schon bie Schokolabe haben? In ber Küche ist noch kein Feuer. Die Herrschaften stehen erst um zehn auf.“ „Saft nur. Ich werbe erst ein wenig hinausgehen. Hilf mir nur bie Haare ordnen.“ Das war immer eine Last gewesen und bas einzige, was sie nie recht lernen konnte. Die bitte Florentine hatte jeben Tag bie langen Zöpfe glätten müssen. »Dh, wie schönst sagte bas Mäbchen unb löste bie rotbraune Pracht auseinanber. „Solch Haar habe ich noch nicht kämmen biirfen." „Wirst schon beine Last bamit haben, Kind. Kämm' es nur unb schling es zum Knokn, man kann nichts weiter damit anfangen. Unb wenn ich hinausgegangen bin, öffne bie beiben Koffer, da find bie Schlüssel; es wird hier wohl ein Schrank fein, wo bn bas unterbringen kannst, was brinnen ist. So nun will ich mir eure alte Wasserstabt einmal am Morgen besehen.“ (Fortsetzung folgt.) Wasser hatte in kurzer Zeit die Wohnung Les Ober'andjägerineisters Dahls vollständig zerstört Durch tatkräftiges Eingreifen der Feuer- wehr gelang es, das Inventar noch rechtzettlg in Sicherheit zu bringen. Anschließend verrichtete die Feuerwehr Aufräumungsarbeiten innerhalb der Ortsstrahen. Auch hier bot sich stellenweise ein Mld der Verwüstung 3n Öen äugten- -enden Garten und auch außerhalb deS Ort»- bereichs hat dos Detter unter den Obstbau- ,ncn großen Schaden angerichtet. Dillkreis. bl. He r b o r n , 5. Juli. Das Unwetter der [eilten Tage hot besonders im Ahrtal erheb- iichcn Schoden nn den Bäumen und auf den Feldern ongerichtet. In Tringenstein schlug der Blitz in ein Haus ein. Es entstand Feuer, dem einige Fensterrahmen, Vorhänge und em Bett zum Opfer fielen. In Bischoffen wurde ein im Bau befindliches Haus zerstört, so daß der ganze Dachstuhl neu aufgebaut werden muß. Ebenso^wur- den in Ballersbach einige Dächer vom «türm teilweise abgedeckt. Lberlahnkreis. DSD. Weilburg, 5. Juli. 3n dec vergangenen Dacht brachen Diebe in die Geschäftsräume der hiesigen Ortskrankenkasse em. Sie hatten aber wenig Glück, da die Kassenräume selbst hinreic^nd gesichert waren. Als Entschädigung nahmen sie eine Partie Medikamente mit. Hierauf brachen sie in dos im gleichen Stock liegende Bureau L-es Rechtsanwalts Dr. Wiens ein, wo ihnen ein kleinerer Geldbetrag. Brief- und Stempelmarken usw. in die Hände fielen. Schon vor etwa drei Wochen wurde versucht, in die Geschäftsstelle der Allgem. Ortskrankenkasse einzubrechen. Der Versuch scheiterte aber damals an der Wachsamkeit des Geschäftsführers. Mreiö Fulda. WSN. Bad Salzschlirf, 5.Juli. In diesem Jahr kann S a l z s ä) l i rf auf ein 6 5 0 j ä h r i g e s Bestehen zurückblicken. Das Bad kam 1860 an den kurhessischen Staat. Seinen Aufschwung nahm das Bad seit 1900, wo es von einer Aktiengesellschast übernommen wurde. Maingau. WSR. Frankfurt a. M.. 5. Juli. Eine in der Bergener Stvahe wohnende Ehefrau wollte heute morgen auf einem Spirituskocher Kaffee bereiten. Hierbei explodierte der Spirituskocher und die Kleider der Frau fingen Feuer. Auch der Ehemann der Frau, der seiner Frau z u H i l f e kommen wollte, wurde von dem Feuer ergriffen. Beide Ehegatten erlitten schwere Brandwunden und mußten in das Krankenhaus verbracht werden. - Einem Frankfurter Graphiker sind aus seinem Atelier im Haus Lichtenstein, in dem gegenwärtig ein Teil der Ausstellung „Aus Alt-Frankfurter Bürgerhäusern" untergebracht ist. 2 0 0 R a - Vierungen entwendet worden. Bon dem Dieb fehlt jede Spur. Aeuorganisation des Automobilklubs vonDeutschland. Die seit Jahren als notwendig erkannte Reu- Organisation des Automobilclubs von Deutschland ist jetzt Tatsache geworden. Die bisherigen deutschen Kartellclubs haben sich auf Grund der neuen Satzungen des A. v. D. durch Erwerbung der korporativen Mitgliedschaft organisatorisch mit dem A. v. D. vereinigt, so daß nunmehr die rnber ganz Deutschland verstreuten, über 50 Einzel- rlubs zusammen mit dem alten QI. v. D. eine feste Kinheit bilden und zur Erreichung der gesteckten Ziele geschlossen vorgehen werden. Das traditio- «nelle Ginzelleben der Klubs, insbesondere in gesellschaftlicher Beziehung, wird durch diese Reuregelung nicht berührt. Qllle anderen Aufgaben jedoch unterliegen der gemeinsamen Durchführung nach den Richtlinien, die das hierfür zuständige Zentralorgan, der Vertreterausschuß des A. v. D, herausgibt. Das Reichsgebiet ist in 14 Verwaltungsbezirke eingeteilt, von denen einige, wie beispielsweise Bayern, mit großen Landesklubs zusammenfallen, die meisten jedoch eine größere Anzahl von Einzelklubs vereinigen. Qlm Sitze jedes Verwaltungsbezirkes befindet sich eine QI. v. D.-B e - zirkSgeschäftS stelle, bei den Einzelklubs sind QI. v. D.-Anterhezirksgeschä tsstellen eingerichtet. die wiederum innerhalb ihres Gebietes Ortsgruppen bilden. Der Verwaltungsbezirk IV Hessen und Hessen- Rassau des A. v. D. umfaßt die gesamte prru- ßische Provinz Hessen-Rassau mit Ausnahme derjenigen Gebietsteile des Regierungsbezirkes Wiesbaden, die sich westlich der ungefähren Linie Hattcrsh?im— W.'ilburg befinden, außerdem die drei hessischen Provinzen Starlenburg. Rheinhessen und Oberhessen, den Kreis Wetzlar der Rheinprovinz und das Land Waldeck. Der Verwaltungsbezirk grenzt also im Rorden an die Provinz Westfalen und Hannover, im Osten an Thüringen und Bayern, im Süden an Württemberg und die Pfalz. In dem 'Verwaltungsbezirk sind folgende Klubs zufammengefaßt' Frankfurter Automobil-Club E. V.. Sih Frankfurt a M Automobilclub Kurhessen E. V., Ditz Kassel Hessischer Automobil-Club E. V.. Ditz Darmstadt: Hess. Automobil-Club ..Rheinhessen" E. V., Sitz Mainz: Oberhessischer Qluto- mobilclub E. V.. Sitz Gießen. Die Be- zirksgeschäftsstclle befindet sich beim Frankfurter Automobil-Club E. V. in Frankfurt a. M.. die Anterbezirksgeschäftsstellen befinden sich an den Sitzen der Einzelklubs. In dem Vorst aird LeS Verwaltungsbezirkes ist je ein Vorstandsmitglied der fünf zusammengeschlossenen Klubs vertreten. Der dem Oberhessischen Automobil- club zur Bearbeitung zugewiesener ^lnterver- waltungsbezirk umfaßt das Gebiet der hessischen Provinz Oberhessen, und ferner der preußischen Kreise Wetzlar, Dillenburg und Biedenkopf, sowie den südlich der Linie Wetter—Kölbe Reustadt a. d. Mainweserdaßn Ii?gen- den Teil des Kreises Marburg. Ti- slnt?rbe- zirksgeschäftsstelle befindet sich beim Ol'crhZfischen Automobilclub in Gießen, Postanschrift Postfach 95,'Fernsprecher 1112 1113. Wirtschaft. Die Trustbestrebungen in der deutschen Nutomobilmöustrie. Die deutsche Automobilindustrie hat in letzter Zeit das Interesse der Oeffentlichkeit in erhöhtem Maße auf sich gezogen. Dies steht vornehmlich mit den Bemühungen um einen großzügigen Zusam- m e n s ch l u ß der maßgebenden Werke der deut- chen Automobilindustrie (Daimler-Benz, Bayerische Motoren, Adler - Werke, Hansa - Lloyd. N. A. G., N. S. U., Gothaer Waggon-Fabrik, evtl. Horch und Magerns) in Zusammenhang. Die Vertrustungs- Bestrebungen der Kraftfahrzeugindustrie sind nicht neu; bereits vor Jahresfrist sah man in dem Zusammenschluß Daimler-Benz den ersten deutlich markierten Ausgangspunkt der Rationalisierungsbewegung. Die Gründe für diese Bestrebungen liegen in erster Linie in der Notwendigkeit einer Bereinigung der gesunden Teile und Kräfte der Automobilindustrie mit all den Vorteilen, die sich für die zusammengeschlossenen Werke aus einer solchen Bereinigung ergeben. Das Problem, um das es sich hierbei dreht, ist die Erreichung der Wett- bewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie mit den riesigen Auslandkonzernen, und zwar nicht nur auf den Auslandmärkten, sondern auch auf dem innerdeutschen Markt. Ein B'ick auf die Einsuhrstatistik des letzten Jahres zeigt klar und deutlich, wie cs der kapitalstarken Autoindustrie des Auslandes gelungen ist, auf pro- duktionstechnischem und absatzorganisatorischem Gebiete eine Bormachtstellung zu erringen, und auf dieser Basis sich auch den deutschen Absatzmarkt zu erobern und ihren Absatz ständig zu vergrößern. Dieser Vorsprung der ausländischen Automobilindustrie soll nun durch eine Zusammenfassung der Kräfte eingeholt werden. In der Richtung dieses Zieles ist allerdings in den letzten Jahren schon sehr viel geschehen, indem jetzt fast alle großen Automobilfabriken auf die Serienfabrikation und damit nur die Entwicklung von Normaltypen sich eingestellt haben, so daß es schon vielfach gelungen ist, der ausländischen Konkurrenz Abbruch zu tun. Die Lösung der Aufgabe einer Zusammenfassung innerhalb der Automobilindustrie ist bei ihrer Struktur eine sehr schwierige. Syndikate, Werksoereini- gungen, Absatzregelungsverträge sind in der Automobilindustrie nicht in der Weise durchzuführen, wie beispielsweise bei Kohle, Kali, Stickstoff usw. Hinzu kommt, daß sich gerade unter den großen Werken mehrere Familienunternehmungen, wie z. B. Büssing, Breimabor, Opel befinden, die, abgesehen von der in ihrem Charakter an sich begründeten Abneigung gegen Fusionen gerade in den letzten Jahren Produktions- und Absatzerfolge aufzuweisen haben, die diese negative Einstellung unterstützen. Mit diesen Werken ist für eine Vertrustung daher nicht zu rechnen. Andererseits hat die Berständi- gungsbereitschaft der oben angeführten bedeutenden Werke weiterhin gewisfe Fortschritte gemacht, zumal von Großbankseite (Deutsche Dank, Darmstädter Bank) erheblicher Einlluß geltend gemacht wird. Im Zusammenhang mit diesen Darlegungen ist die rückläufige Preisbewegung für Automobile, die einen ständigen Rückgang seit dem Jahre 1925 aufzuweisen hat, als Folge der außerordentlich stark verbreiterten Produktions- und Absatzbasts der Automobilindustrie n Bedeutung. Die Statistik der Preisentwicklung ? H gewannen. Am Geldmarkt herrschte heute stör- der Kraftwagenindustrie zeigt, daß die Preise ter- Nachfrage nach Tagesgeld zu unverändert 8 von o. H. Am Devisenmarkt war das Interesse weiter in der Kraftwagenindustrie zeigt, daß die Preise der Automobile im Gegensatz zu denen der meisten Fertigwaren und zu dem Stand des allge- meinen Preisniveaus sich in den Jahren 1924 27 um rund 34 v. H. im Vergleich zum letzten Dorkriegsjahre gesenkt haben. Bei den Personenautomobilen hat sich diese Preisentwicklung in außerordentlich schnellem Tempo durchgesetzt, die Indexziffer für 1926 betrug 78,3 v. H., für 1927 67,7 v. H. (1913 gleich 100). In dieser Ermäßigung der Automobilpreise um ein volles Drittel kann man wohl den besten Beweis für den bisher erreichten Erfolg der Rationaiisierungsbestrebungen seitens der deutschen Automobilindustrie erblicken. Verkehrsordnung! erfordert Rechts geheut ; * Reuse st setzungdes P r i v a t d i s k o n t . a tz e s. Der Berliner Prioatdiskont für kurze Sicht ist mit 6,75 o. H. unverändert geblieben, während der Satz für lange Sicht um % o. H. auf 5% v. H. ermäßigt wurde. * Vorläufig leine Auslandanleihen ü r Gemeinden. Die Beratungsstelle für Auslandkredite im Reichsfinanzministerlum hat die Begutachtung der ihr vorliegenden Auslandanleiheanträge der Gemeinden und Gemeindeoerbände nunmehr abgeschlossen und die Auflegung einiger Einzel- auslandanst'ihen und der Sammelauslandanleihe des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes gutgeheißen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, führt der preußische Minister des Innern in einem Runderlaß hierzu aus, mit der Zulassung weiterer Auslandanleihen könne bis auf weiteres nicht gerechnet werden. Nach dem 19. Mai d. I nor- gelcpte Anleihepläne von Gemeinden und Gemeinde- verbänden können daher zunächst an die Beratungstelle für Auslandkredite nicht weitergeleitet werden. * Heinrich Lanz QI.-®.. Mannheim. Rach Lösuna des Jnteressengemeinschaftsvertra- ges mit der'R. Wolf QI.-®. Magdeburg-Buckau legt die De-sellschaft nunmehr ihren Bericht vor. demzufolge sich her Umsatz gesteigert hat. Besonders günstig lagen die Verhältnisse im Trak- torbou, wo die Rachfrage nicht befriedigt werden konnte. Die Umstellung auf moderne Her- stellungsweise ist fast vollzogen. Rach 955 960 Mark Abschreibungen verbleibt ein lleberschuß von 89 318 Mark, der auf neue Rechnung vorgetragen wird. Das Jahr 1928 hat in den ersten zwei Monaten eine weitere Steigerung des Umsatzes gebracht. Spater machten sich die Folgen der Rotlage der Landwirtschaft bedenklich geltend. Grund zur Beunruhigung vorliege. Der Vergleich mit der Situation bei dem Tode Stinnes' fet ebenfalls nicht zu ziehen, wie es geftem wiederholt getan wurde, da es sich bei den Beteiligungen Löwensteins um sicherlich gute Unternehmungen handele. Die Nachwehen von gestern sind aber doch noch zu spüren, das Geschäft hat noch nicht wieder eingesetzt. Der Orderseingang ist sehr lanasam, doch scheint das Ausland für Spezialwcrte größeres Kaufinteresse zu haben. In erster Linie handelte es sich bei den Kursgewinnen um An fangsnotierungen der Spekulation, die gestern ver- schiedentlich Blankoabgaoen vorgenommen hatte. Während gestern 1- bis 3.-o. H. - Gewinne gezählt wurden, zogen bk Spezialwerte bis zu 9 v. H. - an. Polyphon, Glanzstoff und Deutsche Linoleumwerte gewannen mehr als 20 v. H. Anleihen fester. Ausländer überwiegend schwächer. Pfandbriefmarkt geschästslos. Geldmarkt wenig verändert. Tagesgeld 7,5 bis 9 o. H. und Monatsgeld 7,75 bis 8,75 v. H. Warenwechsel etwa 7 v. H., im Verlaufe meist ruhiger und etwas schwächer. Polyphon, Norddeutsche Wolle und Deutsche Linoleum blieben lebhafter. tarf abgeschwächt. Man hörte Mark gegen Dollar 4,1871, Pfund 20,403, London gegen Kabel 4,8715, Paris 124,23, Mailand 92,75, Madrid 29,50, Hol- land 12,0925. Berliner Börse. Berlin 6. Juli. Auch heute ist der Tod des Bankiers Löwenstein noch das Hauptgefprachs- thcma der Börse, nur sind die Erwägungen ganz andere» Art wie gestern, und die Stimmung ist wesentlich beruhigter. Viel hierzu beigetragen hat die feste Haltung der gestrigen Neu- yorker Börse und die Erklärung des Beratung»- ausschusses der Löwenstein-Bankverblndung, daß kein Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 6. Juli. Tendenz: weiter beruhigt. Nachdem schon an der gestrigen Abendbörse auf Deckungen der Spekulation sich eine merkliche Erholung durchsetzen konnte, war die Stimmung zu Beginn der heutigen Börse weiter beruhigt. Man verwies auf die Erklärung der Löwenstein-Gruppe, jedoch war die Besorgnis, was mit den Löwensteinschen Engagements und Verpflichtungen geschehen werde, einigermaßen zerstreut, wenn auch natürlich eine gewisse Zurückhaltung bestehen blieb. Weiterhin hat der Markt in der Tatsache eine Stütze, daß auch die Auslandbörsen im Verlaufe des gestrigen Taaes den Rückschlag dis zu einem gewissen Prozentsatz überwunden hatten und die Neuyorker Börse in ausgesprochen fester Tendenz verkehrte. Sodann wurde betont, daß Löwenstein in Deutschland wohl kaum Verpflichtungen gehabt habe und die deutsche Börse also nur indirekt von der Katastrophe betroffen wurde. Die Spekulation, die gestern in großem Umfange Blanko-Verkäufe vorgenommen haben soll, schritt daher weiter zu Deckungskäufen. Von außen her lagen jedoch Or- ders wieder kaum vor, so daß das Geschäft au ein Minimum beschränkt blieb und die Kurs- erhöhungen nur in einzelnen Papieren über 2 o. H. hinausgingen. So war in Kaliwerten das Interesse auf einen gesteigerten Juniumsatz etwas reger, und Westeregeln zogen 4 v. H. an. Am Elektromarkt waren naturgemäß die meisten Werte stärker gedrückt. Stärker erholt waren Gesfürel 5,25 v. H., Chade waren 6,50 Mark, Siemens 1,5 v. H. und elektrische Lieferungen 2,25 o. H. gebessert. AEG. blieben nur glatt behauptet. Am Chemiemarkt waren Farben und Scheideanstalt weiter recht erholt. Von den Montanwerten lagen Rheinische Braunkohlen 1,50 v. H. erhöht, Mannesmann dagegen etwas gedrückt. Banken konnten sich bis 2 v.H. erholen. Zellstoffwerte waren 1,25 v. H. gebessert. Renten blieben weiter stark vernachlässigt. Deutsche Anleihen lagen freundlicher. Im Freiverkehr waren die amerikanischen Werte weiter etwas erholt. Enka 72, Demberg 142 bis 145, Glanzstoff (Kommen Shaere 96,50 Dollar. 3m Verlaufe blieb die Stimmung freundlich, doch tarnen nur wenig Umsätze zustande. Siemens konnten weiter 2 v. H. anziehen. Starkes Interesse bestand für A. G. für Verkehrswesen, bk schließlich 6ch o. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Juli. Es wurden notiert: Weizen 26,15 ‘Ult.; Roggen 28,50; Hafer, inländischer 27,75—28,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 24,25: Weizenmehl, süddeutsches Spezi ctt 0, 36,50—37: Roggenmehl 38—39; Weizenkleie 13,50: Roggenkleie 16,25 QHt Tendenz: ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Juli. Von den überseeischen Märkten lagen hier heute nur wenige Anregungen vor. da Chikago infolge Feiertages geschlossen hatte. Soweit neue Offerten für Weiten herübergelegt waren, lauteten diese etwas hoher, Umsätze in Auslandgetreide waren bisher nicht zu verzeichnen. DaS Jnlandangebot von Weizen und Roggen ist weiter nur gering, Rachfrage besteht lediglich für guten Waggonroggen. der von Provinzmühlen begehrt ist. Forderungen für In- landgetreide wurden gegen gestern unverändert genannt. Am Lieferungsmarkte war der Grundton sowohl für Weizen als auch für Roagen etwas fester. Für Weizen machte sich der Einfluß der festeren Liverpooler Meldungen geltend. Don Roggen war namentlich der laufende Monat gefragt, da bei den gegenwärttgen Preisverhältnissen Schwierigkeit bei der Erfüllung besteht. Auch spätere Sichten vermochten sich zu befestigen. Mehl hatte sehr ruhiges Geschäft. Hafer fast gänzlich vernachlässigt, ebenso liegt Gerste sehr still. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märk.. (7i$t, östliche Stationen über Rotiz) 249 bis 250, Juli 263 bis 250, Sept. 262,50 bi« 263 Oft. 263 bis 263,50 G. (fester): Roggen, märk., 268 bis 270, Juli 270 bis 271,50, Sept 248,50 bis 249,25, Ott 248.50 D. (fester): Sommergerste 243 bis 263 (still): Hafer, märt.. 251 bis 261, Juli 258 (matter): Mais, zollbegünsttg- ter Futtermais. 246 bis 248 (rubia): für je 100 kg: Weizenmehl 31 bis 34,75 (fester): Rog- genmchl 35 bis 37,75 (fester): Weizenkleie 15,50 bis 15,75 (stetig): Weizenlleiemelasse 16,40 bis 16,75; Roggenkleie 17.75 bis 17,90 (stetig); Dikto- riaerbsen 46 bis 61; kleine Erbsen 35 bis 40; Futtererbsen 24 biS 25.50; Peluschken 26 bis 27: Qlckerbohnen 24 bis 25; Wicken 25,50 bis 28; Lupinen, blau, 14 bis 15,50; Lupinen, gelb, 16 bis 17; Rapskuchen 18,80 bis 19. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse FS Berlin, 5 jhdl Frankfurt 95.75 Baufuoten. 65.751 466.25 263,76 -: _ - "5 S >9.6 । 97,5 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzins fuß 8 Prozent. 52,13 .'69.5 <70 <51,5 465.5 93 295 151 295 152,75 93 i94 152.5 259 <67 450 260.5 271 92,75 489 151 155 95,25 31.65 255 263.5 444 98.25 98.65 207 j 407.25 98 ! 168.94 22,14 112,22 59.37 2,56 112.47 81.91 69.04 12.455 73.07 a. TL - i¥i . . 6 . . 8 . 10 . - 8 . 10 . 10 . 12 . 11 . 12 . 10 . 10 98.25 98.6 ftranjöhfdK Jiotcn..... Holländische Noten ..... Italienische Noten...... Norwegische Noten Trnilch-Lcsterr. ä 100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten ..... Schweizer Noten . Svcmischc Noten TichechoUowakische Noten . . Ungarische Noten 5>et>;1enmarfi Berlin dllfl. Deutsche Itileiümbn . Haindurg-Amertta Patel . pamd.-Diidam. Dampfsch. Hansa Damvlichiss Norddeutscher Lloyd . . vdlg. Deutlet UrebHaniL . yarmer Bankverein ■ - Brrliuer Handel sgesellsch. . Commerz- und Prival-Banl Darmst. u. Nattonaldant . Deutsche Bank • • • DMonko-Geielllchasi Ont. Dresdner Bant • • ytUtelbeutldic (UebUbanl » .................. RetckXbant....... Telegrapbi « n g. Aell>" lö.5i 168,26 23.06 111,78 59,13 2,54 112.03 M.M 68,76 0,875 72.77 Datum Philwo Hofmann . Heidelberger Tcment .... ttement Karlstadt..... Wayh & Freitag Schultheis Va»enhoser . . - ......... Ber. ®lanjttoH...... Bemberg gellstoss Waldhos Zellstoss Aschassenbura . . - Charlottenburger Wasser . - Telsauer was....... Daimler Motoren . . • • - Demag • • • Adlerwelle Nieder Ludw. Nat. Automobil ...••• Crenfteht 4 stoppel • • • • Leonhard Tiey . .... Bamag-Megutn ..... Franks. Maschinen .... Sritzner . ,..•••• Heyligeostaedt .••••• Iunghan». - Lechwertc. ....... Mainlrasl werte ...... Mag Nekars ulmer ....... Beter« Union ...... chebr. Roeder....... Voigt 4 Haessrra Südv. Zucker Frankfurt o. M Berlin Sd)lu6-i flurs l>Uhr- Kur» Sch.ug Kur. ; Ansang stur» 5. 7. 6. 7. | 5. 2. 6.7. . 7 14 .5 — Ha — 10 110 140 — . 8 173 *■ 10 146.5 146.25 — -* 15 - — 349.5 855 12 — — 310.5 316 18 — 635 656 14 — 590 595 12 211.75 313 ,07.5 314 12 .'32.5 433.25 230 234 . 7 - — 127 >29 . 8 — — 200.5 •»4 . 0 108,5 109 107 108.75 . 0 — — 56.25 57.4 . 6 tut) IU9.5 108.5 — 10 — — 232 237 . 0 • 85 —— . 5 — 119.25 109.5 . « 267 268.5 . 0 25 — - . 6 .75.25 — 76 11 134 — 135 - . 0 25 • - 85 — 85,5 - . 8 113 — - . 8 120 - 10 NS — 146 147 . i 64 * 65 — . 109 ** 109 V — — — — * 222 — . 153.75 155 152.5 Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Schluh-I kur» 1-Uhr. kur» öthtuh-1 Ansanq Schlutz- Knrs l.Uhr- K»r» Schiug , Kur» | 'Anlang Kur» kur» kur» Datum 5.7. 6.7. 5 7. -.7. Tfltmn: 5. 7. 6 7. | 5.7. 6 7. 6% D«. «eich»anlethe v-1987 . . 87 ] — 87.5 — ...............b 175,75 | 175.5 173.75 175,5 Dt. Anl.-8lblös.-Schuld mii Mu* los.-Rechten 202 — 1119 '02.25 61.25 — 51 61.4 Eleltr. Lieferungen..... 10 168,5 170.25 170 171.75 Desai. ohne Aukws.-Rechle . . - 7% Rtanll. Hyp.-Bt «oldps. un> 17.65 17,6 17,8 Licht und Kraft .....10 2-'l 322 2211 421.25 Felten & Guilleaume.....6 131 257 130 — kündbar Vit 1932 .... 90.75 * • Ges. f. aietir. Untern..... 10 451,75 251 — — — — Gelsenkirchener ... f. Vi 3- 4 139.5 137,75 130 4% Ungarische fttonentte..... 1,8 ■■ 1,75 1,75 Harpencr ........6 159 - »58 184.75 157,75 4 Jtafi Westeregeln.... . 10 273 275 371 473,65 Kaliwerk Lastdetstirt- . • . 15 164,5 160 166 161,25 164.5 160.25 166.5 161.25 5- *8. 8