ar. 151 Erster Blatt (78. Jahrgang Mittwoch. 6. Juni 1928 »rl^etet täglich,-»tz.r 5orktagt nnb geteriags. Beilegen Gießener g6 «ad Verlag: vrühl'fche UntversilLis-vuch. enö Stelnörndercl R. Lange in Sietzen. Schriftlewmg und Seschästrltelle: Zchullttatze 7. Xuennt oee Xnje.aen für die lagttnnmmeT bis zu» ’Jladimihag oorbtr. Preis fir l mm Hobe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, autwürt« 10 Reichspsenmg- für He» hlameanteigen von 70 mm Brette 35 Reichspsenmg, Platzoorschntt 20' mehr. Ehefredadleur Dr. Fnedr WUH Lange. BerantwonUch TürDolmh Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Stumldicin; für Den Sn» zeigenteil Hurt Hellmann. sämtlich in Giesten IsiuWm spricht über den anßenpoliüschen Kurs Italiens. Vie faszistische „Weltmacht. Rom. 6.3uni. (DB.) Mussolini entwickelte in der heutigen Sitzung des Senat» ein ausführliches Bild der auswärtigen Politik Italiens. Er führte u.a. aus. Italien fei heute eine Weltmacht, es habe heute Interessen, die nicht auf einen bestimmten Abschnitt oder (Erbteil beschränkt seien. Darauf besprach er die Beziehungen zu verschiedenen Lön» dem. Die Beziehungen mit Deutschland feien herzlich. E» bestehe ein Handelsvertrag mit Deutschland, dessen Vorteile während der Inftabili- tdt der italienischen Währung nicht völlig abgeschätzt werden könnte, ferner ein Vergleichs» und Schieds- qerichtsadkommen. Die Beziehungen zwischen den beiden Völkern könnten unendlich viel besser sein, wenn die Sympathie, die in früheren Zeiten zwischen ihnen herrschte, und die sozusagen, naturgegeben war. heute nicht eine Einouße erlitten hätte durch die Handlungsweise gewisser unverantwortlicher Kreise, die den grotesken Anspruch erheben, sich in innerpolitische Fragen Italiens einmischen zu wollen. Wenn diese Wolken, wie ich wünsche, zerltreut sein werden, bann könnte bie Zusammenarbeit ber beiben Völker schon allein auf wirtsck^ftlichem Gebiet imposante Ergebnisse zeitigen. Wie ich hinzusügen müßte, haben sich bie Beziehungen in den letzten Monaten gebessert. Der Empfang, der General Nobile in Siolp unb in ganz Deutschland zuteil würbe, hat in der öffentlichen Meinung Italiens den herzlichsten Widerhall gesunden. Krankreich habe in der Nachkriegszeit die Forderungen Italiens nicht wohlwollend ausgenommen. Derzeit hab« sich die Lage um vieles gebessert. Nus dem Wege der Klärung und der Stabilisierung der politischen Beziehungen zwischen den beiden groben Nationen habe man ein beträchtliches Stück Weg zurückgelegt. AIS strittige Punkte nannte er die Stellung Italiens in Tanger, die Frage der Italiener in Tunis und die Berichtigung der Westgrenze von Tripolis. Ändere Fragen habe man zurückgestellt, um daS Gelingen dieser Verhandlungen nicht zu gefährden. Die inzwischen in den Tanger-Verhandlungen erreichten Zugeständnisse an Italien bezeichnete Mussolini al- zusriedenstel- l e n d unb alS einen vollen diplomatischen Erfolg. Unsere Beziehungen zu Ungarn haben in der letzten Zeit einen besonder- hohen Grad von Herzlichkeit erreicht. Ungarn, dessen ehemaliger Premierminister Tisza den Äricq nicht gewollt hat, hat unter den Folgen deS Kriegs gan,) besonders hart zu leiden gehabt. Zwischen Italien und Ungarn haben jahrhundertelang Fr eundschat^beziehun-en bestanden. Nach den Wechselfällen der Nachkriegszeit hat Ungarn den Versuch gemacht, aus seiner Isolierung herauszutreten. Don Loyalität und Uneigennützigkeit beseelt hat 3 t alien ihm dazu die Hand geboten. Ein förmliches diplomatisches Äktenstück, das im Jahre 1927 unterzeichnet worden ist, hat die Freundschaft zwischen den beiden 0361 fern feierlich besiegelt. Die italienische Freundschaft hat sich betätigt bei der Herbeiführung der Beendigung der MiUtärkontrolle in Ungarn, bei der tragikomischen Episode der Zerstörung der Maschinengewehre. in der Optantensrage und in den Erleichterungen. die Ungarn im Hafen von Fiume eingeräumt worden sind. Ungarn kann auf die FreundschaftItalienszählen. Der FriedenLvertrag von Trianon hat allzusehr ins lebendige Fleisch geschnitten. DaS ungarische Dolk verdient ein besseres Schicksal." Musselin! widmete dann eine eingehende Darstellung den Beziehungen zu Jugoslawien wobei er u. a. sagte: Ich bin der Ueberzeugung. baß zwischen zwei Staaten, bie gemeinsame Grenzen haben, bie Beziehungen immer einen ausge- sprochenen Charakter tragen müssen, ent- weber den ber Freundschaft ober ben der Feind- schäft. Italien hat sich grundsätzlich zu einer Politik ber Freundschaft bekannt, hat sic gegenüber Jugoslawien betrieben unb wollte ihr in dem 23er- trag von 1924 bie letzte Weihe geben. Dieser Vertrag wurde im Jahre 1925 durch die Nc11uno - Konvention ergänzt, die zu beiderseitiger Zu- friedenheit die sehr komplizierten und wichtigen mit den Beziehungen ber beiden Mächte im Zusammenhang stehenden Angelegenheiten regelten. Seit drei Jahren wartet Italien auf die Ratifikation durch Jugoslawien. Italien beabsichtigt keineswegs sich in die im parlamentarischen Leben eines Nachbarstaates eintretenben Wechselfälle zu vertiefen, aber es kagn seine eigene auswärtige Politik diesen Wechseln unb Schwankungen nicht unterordnen. Italien ist außerdem genötigt festzustellen, daß es dem Vertrag von 1924 nicht gelungen ist. jene geistige Atmosphäre zu schaffen, die allein bewerkstelligen kann, daß die Freundschaft, den Bezirk der offiziellen Protokolle verlassend, in das innere Leben der beteiligten Völker übergeht. In sehr vielen fireifen Jugoslawiens überlasten sich sogar Leute, bie selbst im politischen Leben eine verantwortliche Stellung bekleiden, der Hetze gegen Italien. Ein alter kroatischer Abgeordneter, ein Mann, der vielleicht em zukünftiger Minister ist, hat vor kurzem eine Rede gehalten. diezumfirieggegenJtalien aufforderte, und in der er sich die Prophezeiung gestattete, der Waffenstillstand werbe in Venedig un- ter,zeichnet werben. Dies allcd verbindet sich mit völliger Llnwissen- heit über die tatsächlichen Zustände im faszistischen Italien und mit so maßlosen Bekundungen deS Größenwahns. daß sie auf eine politische Kinderei hinauSlaufm. AuS diesem Milieu der Selbstüberhebung und des Llnverständnistes erklären sich ofme weitere- Dorsälle wie die letzten in Spalato. Sebenico und Ägram, die außerordentlich schwer genannt werden müssen, einmal wegen der dabei vorgekommenen Gewalttätigkeiten und Zerstörungen, und anderseits besonder-, weil sie nicht etwa durch angebliche Zwischenfälle in Zara, die niemals vorgekommen sind, oder durch das Derbalten italienischer Studenten hervorgerulen worden sind, denn da- Derhalten der italienischen Studenten war, wie es sich für Mitglieder eine- großen Dolkes gehört, von vollendeter Disziplin, sondern durch nichts veranlaßt worden waren, al- durch die einfache Mitteilung, daß der jugoslawische Minister deS Äeußern. Marinkowitsch. dank seines Mutes und seine- guten Willen- sich entschlossen habe, die Konvention von Nettuno dem Parlament zu unterbreiten. Die jugoslawische Negierung hat ® u t - machung der Schäden zugesagt und vom diplomatischen GesichtSpurckt aus kann deshalb der Zwischenfall al- erledigt betrachtet werden. Man kann sogar in dieser raschen und loyalen Annahme der italienischen Forderungen ein Zeichen des guten Willen- sehen, von dem der Minister deS Auswärtigen. Marinkowitsch, beseelt ist, und ebenso ein Zeichen dafür, daß er gewillt ist, die Freundscha'tspvlitik neu zu beleben. die Italien seinerseits ehrlich zu befolgen bestrebt ist. nicht allein im Interesse der beiden Staaten, sondern auch im Interesse des europäischen Friedens. Oie Geißel Südtirols. Ein Kongretz italienischer Lehrer der Provinz Bozcn. Bozen, 5. Juni. ($U.) In Bozen tagte ein Kongreß der in Südtirol tätigen italienischen Lehrer, an dem etwa 600 Personen teilnahmen. Zarabona stellte mit Befriedigung fest, daß von 800 Schulklassen in den Volksschulen Südtirols nur noch 20 deutsch seien. In den Mittelschulen unb_ den klösterlichen Anstalten gehe wohl das Nänke- schmieden der Deutschen (1) weiter, doch würden auch diese Schwierigkeiten überwunden werden. Am Schluß der Derhandlun- gen wurde an Turati folgendes Telegramm abgesandt: ..600 österreichische Studenten haben sich in Innsbruck als Dorhut deS Deutschtums erklärt. 600 italienische Lehrer haben heute bekräftigt, daß das Deutschtum in der Provinz D o z e n nicht leben kann. Sie versprechen, ihr Werk mit jedem Tag mehr zu vertiefen, damit auch die tiefsten Wurzeln des ausländischen Einflusses ausgerottet werden." Oie Genfer Ratstagung. Voreilige Ausblicke. Don unserer Berliner Redaktion. B e r l i n, 6. 3uni Noch ist die diesmalige sogenannte Jubiläums-Tagung des Dölkerbunds- rat- im Anfang der ersten Besprechungen und schon ergeben sich eine garue Anzahl von Zeitungen oes 3n- und Auslandes in Kommentaren, die wohl zu einem Teil ihre Berechtigung haben, im wesentlichen aber bei weitem über die tatsächlichen Zusammenhänge hin aus- schießen und dadurch in Kombinationen enden, die. zur Zeit toenigftcnä, keinerlei Aussicht auf eine Verwirklichung haben. Veranlassung zu all diesen Kommentaren hat namentlich eine Erklärung des französischen Delegierten P a u l - D o n- cour gegeben, der entsprechend feiner alten Einstellung nicht davon ablassen konnte, wieder einmal mit seinen alten Plänen verstärkter 3n- vestigation, erhöhter Kompetenz des Nats - vräsidenten und dem noch heute so beliebten Ost-Locarno auszuwarten. An und für sich find wir derartige französische Manöver ja zur Genüge gewohnt wir wissen auch, daß Herr Paul-Boncour immer wieder mit diesem Thema aus warten wird. Da nun diesmal ohne die Koryphäen der Locarno-Politik Themen auf der Tagesordnung stehen, die immerhin schon einige Veranlassung geben, die französischen Thesen erneut auszutischen, war eS nicht zu verwundern. daß der französische Dorstoß wieder einmal lanciert wurde. Das alte Inoestigationsproblem, bie 6 t. Gott- Harb-Affäre unb ber litauisch-polnische Konflikt werben beshatb, obwohl sie nur höchst sekundär mit ben französischen Thesen zu tun haben, immer roicbcr so ausgewalzt, daß man eine beliebte Grundlage für b n Angriff zu finden vermag. Der litauische Ministerpräsident muß mit ungleichen Waffen kämpfen. Das steht fest, denn es gibt wohl heute kaum einen Menschen in der Welt, der auch nur bezweifelt, baß Professor Wolbemaros unterliegen werbe. Vielmehr sinb sich alle klar, bah ber polnische Standpunkt von ben führenden Großmächten England unb Frankreich g e st ü tz t wirb. Es wäre aber verfehlt, wollte man hieraus nun schon schließen, baß auf biese Weise bas Ost- Locarno beschleunigt werben soll. Wohl spekuliert man damit, wohl versucht man, jeden Anlaß auszunutzen, um bie Notwendigkeit des Ost Locarnos zu begründen, aber schließlich kann man dasselbe doch nicht durch einen Zwang Herstellen, der doch nur geeignet wäre, das Gegenteil von dem zu erreichen, was er erreichen soll. Mit einem Wort: es wirb biesmal wahrscheinlich recht viel nebenbei über bie Probleme Frankreichs gerebet werben. Für Deutschlanb tommt_ es deshalb darauf an, immer wieder auf die tatsächlichen 23erhältnisie zurückzuweisen. Die Stellung, bie wir einzunehmen haben, ist keineswegs eine einfache. Das gesamte Ostproblem ist in seiner Bcbeu- tung unb im Hinblick auf seine Schwierigkeit in feiner Weise mit dem bes Westens zu vergleichen. Hier liegt auch alles noch völlig ungeklärt. Aber gerabe deshalb gib es, mit erhöh- ter Wachsamkeit bie Entwicklung ber Dinge verfolgen. Unb ebenso liegt es mit ber Frage des Inoestigationsverfahrens. Man kann nur immer wieder darauf Hinweisen, daß es sich am St. Gotthard um kein Investigationsoerfahren handelt, und auch niemals sich um ein solches handeln . konnte. Für Deutschland ist febenfäUs ber Staub- punkt in dieser Frage klar. Und was nun schließlich bie Vermehrung der Kompetenz des Ratspräsidenten betrifft, so ist diese Ibee, bie anscheinenb auch von B r i a n b auszu- gehen scheint, zunächst wenigstens mehr ein Manöver, fehlen boch bis jetzt jebwebe konkreten Dor- schlage. Diesmal wirb es — unb bas barf man nicht vergeßen — zu keiner Lösung all ber Probleme kommen. Im Herbst tagt die Vollversammlung, bis bahin gilt es beshalb mit erhöhter Inten- fität auf eine Klärung hinzuarbeiten, um im Not- falle gerüstet zu fein, unb eventuell Vorstößen entgegentreten zu können. Besprechungen Schuberts. Tie schlesische Minderhcitcnschule. Ter Lptantenftrcit. Gens, 5. Juni. ($11.) 3m Laufe des DienS- tagnachmittags haben zahlreiche Einzelunter- teoungen zwischen dm Ministern unb Delegierten stattgefunden. Staatssekretär von Schubert besuchte dm holländischen Außenminister Delärts van Blockland, um mit ihm die Regelung der oberschlesischen Schul- fragen zu erörtern. Der holländische Außenminister ist Mitglied des hierfür vom Rat eingesetzten Dreier-Ausschusses, der versuchen soll, eine grundsätzliche Lösung der Frage des Besuches der deutschen Minderheitenschulen in Ostoberschlesien zu s Inden. Der Antrag des Deutschen Dollsbundes toegen der Minderheiten- schule in Dirtultau gilt hierbei als der Schul- sall. an dessen Beispiel die Frage grundsätzlich geklärt werden soll. Nach der Entscheidung des Einzelsalles sollen dann auch die übrigen Anträge des Deutschen DolkSbundes über ben Besuch der Minderheitenschulen geregelt werden. Diese Frage wird gegenwärtig in EinzclauS- sprachen zwischen der deutschen Delegation unb ben Mitgliedern des Drei er-Komitees geprüft. Später empfing Staatssekretär o. Schubert ben Besuch bes ungarischen Außenminister Walk*. Wie aus ungarischer Quelle mitgeteilt wirb, will man von französischer Seite bie rumänische unb bie ungarische Regierung durch einen Ratsbeschluß ersuchen, unter Hinzuziehung neutraler Persönlichkeiten bie unmittelbaren Verhandlungen über ben Optanten ft reit roleber auf- zunehmen. Es scheint, baß hierfür ber griech sche Delegierte Politis in Aussicht genommen ist Die ungarische Regierung wirb jedoch einen solchen Vorschlag, sowohl grundsätzlich rose auch wegen ber Per- |on bes griechischen Delegierten ablehnen mit dem Hinweis auf die bisherige Ergebnislosigkeit ber jahrelangen unmittelbaren Verhandlungen mit Rumänien. Die ungarische Regierung wirb stattdessen die Durchführung ber Bestimmungen bes Vertrages von Trianon unb Einsetzung eines Schiedsrichters an Stelle bes zurückgezogenen rumänischen Schiedsrichters fordern. Am späten Nachmittag fand ferner eine Unter- rcdung zwischen Staatssekretär v. Schubert unb Paul-Boncour, dem französischen Delegierten, statt, in der die gesamten schwebenden Fragen, die polnisch-litauischen Beziehungen, die oberschlesische Schulfrage, ber ungarische Optantenstreit, ber Zwischenfall von St. Gotthard unb bie Frage der Erweiterung ber Machtbefugnisse bes Ratspräsidenten erörtert wurden. Das Schicksal Tschangisolms. London, 5. Juni. (TLl.) In London lag am Dienstagabend noch leine amtliche Bestätigung der Nachrichten über den Tod Tschangtsolin- vor. Die letzten amtlichen Mitteilungen sprechen von geringfügigen Verwundungen des Marschal s bei bem Bvnrbenanschlag. Auch die führende japanifch« Nachrichtenagentur meldete gleichzeitig, daß die Gerüchte über den Tod Tschangtsolin- noch nicht bestätigt seien. Nach ihren Srkundi- gungen sei der Marschall noch am Leben. Sem Befinden sei zufriedenstellend. Das Neichslabinett lehnt die Tariferhöhung ab. Tic Antwort der Reichdrestierung auf den «ntrag brr Rcichdbaßnstefellschast Berlin, 5. Juni. (IDIB.) Die Rcidjstcgierung hat ben Antrag der Keich,bahngesellschaft auf Tariferhöhung in wiederholten eingehenben Beratungen einer grünblichen Prüfung unterzogen. Sie Hal ins- bcsonbere auch bie Antwort ber Reichsbahn auf ihre Rückfragen vom 21. v. TH. ernstlich gewürdigt. Hknn die Beichsregierung auch nicht verkennt, daß die Finanzlage der Relchsbahngesellschaft eine gewiße Spannung zeigt, so hat sie doch au» den Unterlagen nicht die lieber,eugu ng gewinnen können, daß die beantragte LrhöhungderPer- jonen- und Gütertarife sich bereits jetzt a I» unumgänglich notwendig erweist. Vie Entwicklung der für die Entscheidung maßgebenden Verhältnisse im taufenden Geschäftsjahr ist nach ihrer Ansicht noch nicht genügend zu übersehen, um zu einer Maßnahme zu greifet^ die gegenüber der Allgemeinwirtschaft nur beim Borliegen eines äußersten Notstandes vertreten werden kann. Insbesondere liegen keine hinreichenden Gründe für die Annahme vor. daß die In den ersten fünf Monaten d. 3. erzielten Mehreinnahmen von 85 Millionen gegenüber 1927 durch Mindereinnahmen In den restlichen Monaten des 3ahres ganz ober zum größeren Teil wieder aufgezehrt werden. Vas Rekbsfabinetf war daher einstimmig der Ansicht, daß jur Zeit dem Antrag auf Tariferhöhung nicht zugestImmt werden kann. Es erklärt sich jedoch bereit alsbald in erneute Verhandlungen mit der Relchsbahngesellschaft einzutreten, wenn die finanzielle Lage, insbesondere wenn die Einnahmeentwicklnng der nächsten Monate es erfordert Die veichsregierung erklärt sich ferner geneigt alsbald in Verhandlungen mit ber Gesellschaft darüber einwfreten, wie Mittet und Wege gesunden werden können, um ihr für ben Rest bes Geschäftsjahres 1928 bie weitere Hereinnahme stärkerer Kapitalmittel zu sichern, unb sie ist bes weiteren grunbsätzlich bereit, mit ber Reichsbahn schon jetzt eine Vereinbarung über bie Tilgung ber firebite zu treffen, beten Lasten sich über ben 1. Januar 1965 hinaus erstrecken. Erregte Zinanzdebatte im pariser Senat. Poincar«; zur Krantenstabilisierung. Paris, 5. Juni. sWTB) 3m französischen Senat kommt es über die Frage der Währungsstabilisierung zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen dem radikalen Senator Hery und PoincarL. H6ry erklärt, die Dank von Frankreich sei schuld daran, daß heute eine zügellose Spekulation eingesetzt habe, die eine gradlinige Preissteigerung Hervorrufen werde Die Dank von Frankreich veröffentliche unverständliche, schleierha'te Ziffern über dir De träge ausländischer Devisen, die auf dem Pariser Markt angeboten und auf» gekauft seien, und deren 'Betrag bis zu 45 Milliarden angegeben werde Der Finanzausschuß müs'e sofort hierüber unterrichtet werden, und der Gouverneur der Dank von Frankreich habe die Derpslichtuntz, einen Bericht zu erstatten. .Wir haben Befürchtungen, die tragisch werden können", ruft Senator Hery aus. Poincarä entgegnet in erregtem Tone, die Interpellation des Senators Hcry könne weder an die Adresse des Finanzausschusses, noch an diejenige des Gouverneurs der Dank von Frankreich. der ‘Beamter sei, gerichtet fein, äleberdies seien die von ihm angeführten Zahlen unrichtig. Es sei eine große Ungeschicklichkeit, hier im Senat gefährliche ‘Behauptungen auszustellen, die alle Spekulanten morgen gegen die französischen Finanzen ausnuhen könnten. Der Senator HHrh ruft dazwischen, die am meisten ernst zu nehmenden Tageszeitungen behaupteten. die Banf von Frankreich habe f ü r 30 Milliarden Devisen gegen sofortige Zahlung und für 15 Milliarden Devisen auf Termin gekauft, die in den Wochenausweisen der Dank nicht in Erscheinung träten. Poincars protestiert gegen die Unterstellung, daß die Ziffern der Dank nicht richtig feien. Die Operationen der Dank seien legal, und sie hätten es gestattet, die de-facto-Stabi- Hf ietung herbeizuführen, die man seit 18 Mo- naten fest stelle. Es sei im höchsten Grade unvorsichtig, so unrichtige Behauptungen aufzustellen. wie Senator Hertz eS getan habe. Dieser erwiderte: .Sie haben uns, Herr Finanzminister, am 7. März erklärt, daß Sie Maßnahmen ergriffen hätten, gegen den Sturz des Franken anzulämpfen und bei dieser Operation höchsten- drei Milliarden in Anspruch nehmen würden. In Wirklichkeit sind für Spekulationen gegen die Erhöhung des Franken Beträge in Höhe von 45 Milliarden ausgegeben worden." Schließlich erklärte Poincar^, daß die Interpellation über die Finanzlage diskutiert werde, bevor der Senat in die Ferien gehe. Hierauf vertagte sich der Senat bis Donnerstag, um Kenntnis von der Regierungserklärung zu nehmen. Oer Oonezprozeß. Moskau, 5. Juni. (WTB.) ' Wie der Vertreter des WTB. über den Schachty-Prozeh be- rich.et, ist die Vernehmung des Oberingenieurs Kusma, der außer wegen Sabotage auch wegen der Annahme von Destechungsgel- d e r n angeklagt ist, desha b besonders interessant, weil Kusma der erste Angeklagte ist, der dem Staatsanwalt ern st haften Wider st and entgegensetzt. De Staatsanwalt wurde sogar, als er sich in eingehenden Feststellungen mit der politischen Haltung Kusmas im Jahre 1919 beschäftigte, vom Vorsitzenden darauf hingewiesen, daß nur das zur Erörterung stehe, was aus den Akten erkennbar sei. Lüe Firma Knapp, deren Ingenieur Dabstieber nach der Anklageschrift auf Veranlassung von Seebold Kusma, der Leiter der Abnahmekommission war, 2 5 00 Rubel gegeben haben soll, damit er die Knapp-Maichinen bevorzuge, hat bekanntlich erklärt, daß Kusma ihr vollständig unbekannt sei. Der vorgestern vernommene Hauptangeklagte Baschkin will von K 5 st e i erfahren haben, daß dieser jene 2500 Rubel an Kusma gezahlt habe Als Staatsanwall Krylenko Kusma vorwarf, daß er sich an der Oktober-Revolution mcht aktiv beteiligt habe, entgegnete Kusma: Ich bin kein Held. Ich ging nicht in den Krieg, war aber immer ein Mann der Arbeit. Gtresemann Ehrenvorsitzender der Liberalen Vereinigung. Berlin, 6. Juni n 5 Juni W2/V 7'•afends Ä e* 9 Scifltii, 6 <6 o 2< ©«#0ÄtnieiO"eirw tjMfe 9*W » 5<»n« e, Veupcie • * lui-onto lUMcwa Za» kn gtOcn 0>t UmptrJlu/ P c UM« #v Oi sjage. gebiet H J4.V it gestern " gl6(tf; FeS*# roturen Wirkung SStfS» , «rmälNJC 8 «JL»» LelslUS- .-u &*■ N^rbt^ Ur-* Aus her Provinzialhaupisiadt. Drehen, den 6. 3uni 1928. OaS ^eichsgencht zur Dachantennen-!?rage. 3u der schon viel behandelten Dachantennen- Frag«. mii der sich in zahlreiä.cn Fällen auch die Gerichte beschöstrgr haben, hat neuerdings das Reichsgericht Stellung genommen. Der Kläger, der als Mieter gegen den Hauseigentümer aus Gestattung der Anbringung einer Hochantenne auf dem Dache des von ihm bewohnten Hauses Hagle, hatte u. a. daraus hln- gewiesen. dah eine sachgemäh angelegte Hoch- antenne nicht nur keine Blitzgesahr verursache, sondern sogar als Blitzableiter wirke. Auch gehe der Rundfunk über d'.e Drenke der Annehmlich- lell und der Unterhaltung binauS und diene jent in hohem Mähe der Belehrung und Fortbildung Degen Schäden, die aus der Anlage entstehen könnten, lasse sich durch eine Der- fichcrung Deckung schassen, die einzugehen der Kläger bereit sei. Das Reichsgericht hat sich den Standpunkt des Berufungsgerichts. des Oberlandesgerichts Homburg, zu eigen gemacht. daS die Interessen der Parteien gegeneinander abgewogen hat und zu dem Ergebnis gelangt ist. das) das Interesse des Beklagten das überwiegende sei, demgegenüber das des Klägers zurüdtreten müsse. Dos Berufungsgericht ha» weiter scstgcsteilt dah aus feiten des Klägers nur ein Annchmlichkeits- tnteresse vorhanden ist, dem bas Interesse des Eigentümers, über feine Sache nach Belieben zu verfügen und andere von jeder Einwirkung aus- zuschllehen. gegenüber steht Sine Hochantenne ist zudem auch geeignet. Wiederhcrsteilungsarbeiten aul dem Dache und Scho, rarbeiten zu bindern. Sie kann auch Beschädigungen des Grundstücks herbeisühren. unter Umständen auch die Btitzgesahr erhöhen, wenn z. B. die Einrichtung nicht sachgemäh ausgesührt und re- gelmähig aus ihren Zustand untersucht wird. Erfüllt der Mieter seine Kontrollpflicht nicht, so wirb der Vermieter der Desahr von Prozessen und der Notwendigkeit, sich gegen sie zu veNeidi- gen. ausgesetzt Die Möglichkeit all dieser dem Vermieter drohenden Vachtcile und Belästigungen, denen lediglich ein Annehmlichkeitsinteresse des Mieters aegenübersteht, liehen dem Berufungsgericht daS Interesse des Vermieters so überwiegend erscheinen. dah ihm Die Duldung der Anbringung der Hochantenne nicht zugemutet werden konnte. 3n dieser sich im wesentlichen auf tatsächlichem Gebiete bewegenden Jnteressenabwägung für den vorliegenden Fall, so führte daS Reichsgericht aus. ist ein Rechtsirrtum nicht zu erblicken. Damit aber rechtsertigt sich daS BerufungSurteil. «Reichsgericht III 337/1927 vom 30 März 1928.1 Bäckertagung in Gießen Am kommenden Samstag und Sonntag, 9. und 10. Juni, findet in Dietzen im Safe Leib der 9. Verbandstag deS Zweigverban- des Hessen des Z e n t r a l v e r b a n d e s Deutscher ‘Bäderinnungen .Derma- n i a ' statt. In Verbindung mit dieser Derbands- tagung begeht dieBäder-Zwangsinnung Dietzen die Feier ihres 4 4. Stiftung-- festes und Fahnenweihe. Am Samstagabend wird die Feier b e S Stiftungsfestes der Diehener Innung deren Mitglieder und die auswärtigen Gäste im Lafä Leib vereinigen. An diesem Abenb wird auch die Mei he der von den Damen der Innungsmitglieder gestifteten InnungSsahne vorgenommen werden. Der Obermeister der Innung, W Lveber. wird in einer Festrede die Bedeutung des Tages würdigen. Gesangliche und turnerische Darbietungen befreundeter Vereine werden diesem Fest- und Begrüftungsabenb der Gietzener Innung noch eine besondere Bereicherung bring en. Am Sonntagvormittag beginnt im Eafö Leib der 9. Verbandstag deS Zweigvcr- bandes Hessen. Auf der Tagesordnung stehen u. a der Geschäftsbericht des Syndikus. Vorträge über .Die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bäckerei auf dem Lande", über .Berufsstandspropaganda und Reklame", über .Pensionskasse'. .Grün- Innungskrankenkassen". dann über .Dringende Aufgaben der Handwerker- organifationen und Handwerkskammern". Be- schluhsassung über die endgültige Fassung der Satzungen der Unterstützung-kaffe. SatzungSände- .Lehrlingswesen duna von rungen, verschiedene Berichte übet Kassen des Verbandes. Vorftandswahl uiw. Am Abend wird ein« gesellige Feier den Ausklang des arbeitsreichen TageS in angenehmer Meise bringen. 3u dem Verbandstag uno $ur- 5". ungSiest der Gietzener Innung wird (tarier Besuch der Berufskollegen aus dem ganzen Heifentande erwarte: Talca jür Toaaerstag 7 Juni. Sonnenaufgang 3 45 Uhr, Sonnenuntergang 20.12 Uhr — Mondaufgang 23 45 Uhr, Monduntergang 6.42 Uhr 1826: der Physiker Joses von Fraunhofer in Mün- chcn geswrben (geboren 1787); — 1S40 Sonig Friedrich Wilhelm III von Prcuften aestorden (geboren 1770); — 184.3 der Dichter jjriebrid) Hölderlin in Tübingen gestorben (geboren 1770); — 1876: die ftanzösische ©chriftftcllcrin George Sand in Nohant gestorben (geboren 1804); — 1905: Aufhebung der Union Norwegens nut Schweden; — 1924: der Theologe Friedrich ©pitio in Göttingen gestorben (geboren 1852). Volnottzcn. — TageskalendersürMittwoch: Licht Ipielbaus, Bahnhosstratzc: „Was Kinder den (Litern verschweigen". — Aftorio Lichtspiele: „Freibeuter der Prärie". •• Das Fronleichnamsfest begeht bie Katholische Kirchengemeinde unserer Stadt am morgigen Donnerstag in der üblichen Weise Wie alljährlich findet auch diesmal eine Prozession durch bie Wilhelm-, Ludwig- und Licbigstratze zur Kirche zurück stall. "Zwecks Schaffung eine» Stadtamtes für Leibesübungen besuchte gestern Millag die in der Versammlung vom vorigen Don nerstog gewählte Momm.ffton unter Führung be» Vorsitzenden des Gietzener Lerkehrsvereins, Stadt- verordneten Schmieder, die Stadtverwaltung, um diese mit dem Standpunkt der in jener Der- sammlung vertretenen Vereine bekanntzumachen. Die Kommission betonte dabei die Bedeutung einer solchen Stelle für die Förderung des Sports in unterer Stadt und' hatte die Genugtuung, daß ihre Anregungen auf Schaffung eines Stadtamtes für Leibesübungen von Oberbürgermeister Dr. Steller und Bürgermeister Dr Seib mit Syympathie auf- genommen wurden. Beide Herren sind bereit, im ©in der sporttreibenden Bereine bei der Stadtverordnetenversammlung zu wirken. Anfangs nächster Woche soll nun eine weitere Versammlung der interessierten Vereine stattfinden, in der man über die nächsten Schritte und die Ausgestaltung des ganzen Planes be chlietzen will. "Heugrasoersteigerungen der Stadt (Rieften finden am Montag und Dienstag nächster Woche statt. Interessenten seien auf die heutige Bekanntmachung besonders hingewiesen. " Stratzenverbesserung im Süd- viertel. Rach Beendigung der Walzarbeiten in der Frankfurter Strafte wurden noch die Sch über ist ratze. Thaerstratze und die erst vor einigen Monaten neu angelegte Strafte „Am Zollstock" eingewalzt. Gegenwärtig wird der seither nicht gerade sehr freundlich ausfehende Platz vor dem HaaSschen Reubau. <8de Frankfurter Strafte und Echubertstrafte, in Ordnung gebracht. Der Hausbesitzer hat an Stelle der Vorgärten einen großen breiten Bürgersteig sauber Herrichten uni) glätten lassen. Einige Zierbäume in Kübeln, auf der Anlage ausgestellt, lassen die Anlagen in recht freundlichem Bild erscheinen, die Stabt läftt die Pfützen vor dem HaaSschen Reubau, die seither einem einzigen Sumpfe glichen, mit Erde auSfüllen und einebnen. •• Zigarrendiebstahl. In einen Städtchen der weiteren Umgebung von Gietzen wurden gestern etwa 1000 Zigarren gestohlen, die nach den Feststellungen der hiesigen Kriminalpolizei nach Gieften verbracht worden sind. Die Polizei warnt vor dem Ankauf des DiebeSguteS und ersucht alle Personen, die Angaben über den Verbleib der Zigarren und über die Täter machen können, sich bei der Kriminalpolizei in Gietzen zu melden. •• Falsche Reichsbanknoten In Frankfurt a. M. sind falsche Reichsbanknoten über 10 und 20 Mk In Umlauf, die von einem etwa 25 bis 28 Jahre alten Mann in guter Kleidung verbreitet werden. Auf seine Ergreifung und die Aufdeckung seiner Falschmünzerwerkstatt hat die Reichsbank eine Belohnung von 3000 Mk. ausgesetzt. "HauptversammlungdesHessischen Landesvereins vom Roten Kreuz. Am Samstag, 23. Juni, hält der Landesverein vom SelUjfllts-ßmpfeQliHigsönjelgeD erfordern stets eine sorgfältige Itpgcbung und SeftausLaiiung. Gute Satzlctftungen find nai erreichbar, wenn die Anzeigen ftülHfitlg Genus oulgegeüeo werden. Der vnnahrneschlutz für alle Anzeigen im Gietzener Anzeiger entfällt auf den Nach mittag vor der Ausnahme. Lmpsehlung». anzeigen müssen, je nach Umfang und Satz, schwierigsteilen, zwei di» drei Tage vorher bestellt sein. Tiur mit Sorgfalt und den: not wendigen Zeitaufwand gesetzte (Empfehlungen fiftiem Den erMMn erfolg! Roten ftreuj in der Bereinigten Gesellschaft in Darmstadt feine diesjährige Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen. Geschäftsbericht des Dorsitzenden, Rechenschaftsbericht des Schatzmeisters, Brjchluftfasiung über die Entlastung, Boranschlag. Dorstandswabl, Anträge und Mitteilungen. w Hessische Bühnenlotterie. Man schreibt uns: Vom hessischen Staat ist brr De- nosfenschast Deutscher Bühnenangehöriger für die Inval.brn und Arbeitsun'ähigen desBr h ien- berusS eine Wohllahrtslottcrie gmehmigt worden Es ist moralische Pflicht a.ler beule noch altio tätigen Künstler, di: Rot ihrer arbeite» unfähigen Kollegen nach Möglichkeit zu lindem. AuS eigener Kraü ist dirs so gut wie unmöglich, darum sehen sich die Bühnenkünstler genötigt, an alle Freund? und (Bonn et Hera ^utreten und sie um ihre tatkräftige Unterstützung zu bilten.'Hkim nur jeder ein Los zum Preise von 50 Ps. erwirbt so wird der Lotterie ein voller Erfolg beschieden sein. ES gibt sicher viele, denen diese Altpensionäre unter den Künstlern durch ihren steten Frohsinn über manch schwere Stund: b n- wegg.hol'cn haben Eingedenk dieser Tatsache sollte auch keiner versäumen, sich ein Los der Dühnenlotterie zu erwerben, zumal er mit dem Wenigen. das er gibt unübersehbare Rot lindem Hilst. Man beachte die gestrige Anzeige. Verband der hessischen Kreise und Provinzen. M Am Montag fand die diesjährige Mitgliederversammlung desVerbandeS der hessischen Kreise und Provinzen in Gieften im Sitzungssaal der Stadtverordneten unter Leitung seines Vorsitzenden. Pro- vinzialdirektor G r a e f statt. Don feiten des Ministeriums de-« Innern waren Staatsrat Dr. Reitz und Ministerialrat Dr. Wehner erschienen, für daS Finanzministerium Ministerialdirektor Dr. Kratz, für den hessischen Etädie- tag Oberbürgermeister Granzin. Offenbach, für di« Stadt Gieften Oberbürgermeister Dr. Keller, für den hessischen Landgemeindetag Bürgermeister Dr. D ö l f i n g . Alsfeld. Anwerbern war der neue Präsident des deutschen Landkreistags Dr. Baron von Stempel anwesend. Zu Beginn der Sitzung gedachte Provinzial- direktor Graes der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder des VerbandeS. wobei er insbesondere der graften Verdienste deS Provinzial- direttorS Kranzbuhler und des Oberbürgermeisters Dr. Göttelmann gedachte. Rach Erledigung der Rechnungsprüfung für das Jahr 1927 und des Voranschlags 1928 hielt der Präsident des deutschen Landkreistages. Dr. Baron von Stempel, einen Vortrag über aktuelle Fragen der Kreiskom- munalpolitik, wobei er die hauptsächlichsten Gebiete der Kommunalverwaltung in kurzen, aber sehr treffenden Ausführungen berührte. Er ging zunächst auf die Einschränkung der kommunalen Selbstverwaltung ein. die er auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und auf die ReichS- sinanzresorm. sowie auf die Tatsache zurud- führte, daft die Parlamente zumeist sich aus städtischen Vertretern zusammensetzten. Redner berührte dann die hauptsächlichsten Fragen der Praxis, insbesondere die in Aussicht genommene Reickskrcisordnung im Zusammenhang mit einer Reichsstädte- und ReichSlandgemeindeordnung, ferner Fragen des Wohnungsbaues, der Land- straftenunterhaltung und der Sozialpolitik, wobei es der Redner bedauerte, daft man bei dem Ausbau der neuen ReichSanstalt für Arbeitslosenversicherung die Gemeinden völlig ausge- fchaltet habe. Der Finanzausgleich wird nach Ansicht des Vortragenden am 1. April 1928 wohl eine gewiss« Acnberung -rsähren, aber eine def'mitive Regelung fei noch nicht zu diesem Zeitpunkt zu erwarten. Rach den mit lebhaftem Beifall au,genommenen Ausführungen, bic Provlnzlalbirek.or Grae, noch ergänzte mit einigen Bemerkungen. begaben sich die Teilnehmer nach der Universitäts- bau'.klinik. wo Professor Dr. Je f tonet einen fesselnden Dort rag über Bekämpfung von Volksseuchen. insbesondere Tuberkulo'e und De'chlechrs- krankhei:en hielt, wobei er die betonte.» typifchen Krankhei:serschetnungen durch Vorstellung von Kraulen m anschaulicher Weif« erläuterte, sowie die Mittel zur Bekämpfung dieser Seuchen unter Mitwirkung der öffentlichen Fürsorge barlegtc. Provinz aidirek'.or Graet sprach namens der Versammlung dem Vortragenden den Dank aus für seinen lehrreichen Vortrag. An den Vortrag schtoft sich eine Besichllgung der neuen AautLlnlf Rach Bcendiaung der Tagung versammelten sich deren Teilnehmer au einem gemeinsamen Mittagessen im Flugha'en. Die nächstjährige Tagung des Verbandes findet in Rheinhessen statt. Gewerbe AuSstellung in Dillenburg. Dielen Anregungen und Wünsche - interessierter Kreise entsprechend, hat der Di. enburger Gewerbevcrein zusammen mit dem ^-e.kehrsver- ein eine Gewerbe-AuS st ellung des getarnten Dillkreifes ins Leben gerufen, die vom 9. biS 17. (Juni in Dillenburg sta.t- finden soll. Die Vorbereitungen gehen ibrem Ende zu. Durch tatlräitig« Arbeit der verfchtede- nen Ausschüs'e ist. wie man uns schreibt, eine Ausstellung zustandegekornmen. die sich nicht nur in jeder aroften Drovinzstadt, sondern auch in jeder Gcotzstadl sehen lasten kann. An der Aus- stelluna beteiligt sich neben dem Handwerk das Gros der Handel- und Gewerbe:reibenden, sowie der Industriellen deS DillkreiseS. letztere nur insoweit, als ihre Erzeugnisse nicht schon durch Händler oder Bertre.er ausgestellt werden. Somit wird die Ausstellung in der Darstellung des kommerziellen, gewerblichen und industriellen Lebens ein abgerundetes Bild der wirtschaftlichen Verhältnisse deS DillkreiseS bieten. Sine besondere „H e i m a t s ch a u^ wird die eigenartige Geologie und das reiche Kulturleben des DillkreiseS aufzeigen. Mit der Ausstellung verbunden ist am 13 Juni eine Tierschau, die mit Rindv eh der Westerwälder und DogelSberger Rasse belchickt ist. Aber auch die Schafzucht des Kreises ist mit gutem Zuchtvieh vertreten. Die Tierschau, zu der sehr viele Rennungen vorliegen, wird be onders die Landl evöllerung interefHeren und für sie ein Hauplanzehungspunkt der Ausstellung werden. Wir verweisen auf die heutige Anzeige. Aus dem Amisverkündigungsblatt. • Das AmtSverkündigungSblatt Ar. 40 vom 5. Juni enthält: Einfuhr von Kirschen nach England; Volks- und Trachtenfest in Leihgestern; SchlachchauSanlage des Ernst Müller I. zu Bellersheim; Bürger kurrde In der Fortbildungsschule; Dienstnachrichten. Berliner Börse. Berlin, 6.Juni. (WTB. Funkspruchll Im Einklang mit dem festeren Ncuyork ist die Tendenz im heutigen grühuerkehr wieder sreundsichcr. Das Geschäft ist zwar vorläufi" noch klein, doch rechnet man mit stärkeren Deckungen der Spekulation. Farben sind 283,50 (Geld) und Siemens 366 (Geld). Am Devisenmarkt nennt man Paris 124,18, Mailand 92,68, Spanien 29,24, da» Pfund 488,40 und den Dollar 4,186250. Al iUf Warum ärgern Sie sich immer wieder, Daft Ihre Zahnpasta beim Gebrauch io spritzt und Ihnen jedesmal Ihre Sachen deichmutzl? Dermchen Sie einmal die BiOX-ULTRA-3aljnpafla, sie besitzt diesen Fehler nicht, sie ist besser und dabei bedeutend ipattamer. BiQXULTDA Die Merk schäum ende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste existierenve Zahnpasta bezeichnet u. telbst benutzt. Kleine Tube 50 Pf. Sind Hämorrhoiden heilbar? Ja und nein! Wenn ein Hämorrhoidenkranker dieses wirklich ernste Leiden vernachlässigt, wird t» ihm immer aröfterc Dual bereiten. Die anfangs unbedeutenden Knoten am Darm wachsen. sie wandern in den Darm hinein und platzen schließlich auf. Dann besteht die Gefahr, daft Blutgerinsel in die Blutbahnen kommen und dort zu sehr gefährlichen Verstopfungen führt. Es kommt hinzu, daft die Schmerzen, das Brennen und das Jucken der erkrankten Teile immer unerträglicher werden und den Kranken körperlich und seelisch zugrunde richten Schlieftlich bleibt dem verzweifelten Patienten nur noch übrig, sich auf dem Dege der Operation unsichere Heilung zu verschaffen. Muft das fein? In den meisten Fällen: Nein! Denn Hämorrhoiden, rechtzeitig als solche erkannt und sachacmäft behandell, können mit großer Aus- sicht auf Erfolg auch ohne Operation beseitigt werden. Reben peinlicher Sauberkeit muft eine geeignete Salbe zur Anwendung kommen, die die Knoten zur Schrumpfung bringt, die Schmerzen lindert, die Entzündungen beseitigt. Die bewährte Humidon - Salbe verbindet die die Eigenschaften in hervor- ragendem Mafte. Schon nach ganz kurzer Anwendung läftt das Jucken und Brennen nach. Damit ist schon viel gewonnen; denn fällt der Juckreiz fort, so verringert sich auch die Gefahr weitergetroaener Infektionen. Nun erst kann der Heilungsprozeft beginnen. Die jjumibon Salbe wird seit Jahren auch in verzweifelten Fällen gebraucht, und unzählige Kranke bezeugen, daft sie fast Wunderdienste geleistet bat. 1530O Aber die chumidon - Kur ist keine Wunderkur, sondern das Resultat einer wissenschaftlich wohl- durchdachten Arbeit. In dieser Salbe sind alle Stoffe vereinigt, die diese tückische Krankheit er- folgreidi zu bekämpfen geeignet sind Die Humidon Gesellschaft will überzeugen und nicht überreden. Sie schickt deshalb jedem umsonst eine ausreichende Probe Humidon nebst ärztlicher Aufklärungsschriil über Hämorrhoidenleidcn Diesen kostenlosen Versuch ist jeder seiner Gesundheit schuldig, und die Humidon Gesellschaft ist überzeugt davon, daft jeder Dersuch ein voller ErfoIa wird. 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Gießen 8( "Arm tt bc: man man es fr BSW nicht da „Ei dem Stü Wnmg in $ «ofen (beste Sdk S Schwank mi kchlag und oßn »" . n’ lonöi es nofüLa 4 r r tfll >dn CT he $ hört. W- fleburt8 । Vvlch.^ -tvej Nr. 151 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 6. Juni (028 60 u. |,w 78immetu.M hör, Zeniraldel« VM qm 0QTL, Io1 behebbar Sief , 30(W a »u pti! | !f n. ll- 13- x» !e. e# r er 18a runRtnIB|, IE : ^;rkung r'illa l-leub-i Mi'.ßiiniittutrlni isuS b(6(Ä f "i 2TRM. fl. BelobnunS * meine» jgM1“ ■ 8lD eflbnWjf^Ü Villa io Lulikuio: löoljniifliionlneur Zlou Stiche, Bade H ilnu relibLBuM. I Beniralbelu ma" | rinitrban lot’ 7500 qm Obflgau folort beyebb, füi 37000 Ji »u rr.! ' tttWatm l'anbbaufDilin m 73imm.ulro, mo am 'chön onaelka Dbüann.micV Cbilbäunu W u- Mtbö'^e.tßOOt) * AnM tufitieir bat- »u veil. t-. itr offer. i Sai Villeu, Üanb- r Veichalttib. itff flutfOiele.lSa: 1 wirlichait.,bai^ PensionSba-'er ' forme ilntocim . geeinn. f. ea«aio rtom.Erbal"«- Heime mw. iet: vreioiv. bei flun't Zahlungibedlng. fluM üt>-n 'Anerbach'Heilen. Deutsch! äuDeitauf.^ü.. «He« alte; Wlesech« Lr°.'w. ^fljeiti-nuiblf |^: | [jäufgesuchej 9ür gettagkie SkWM iablt Htbiie Ht-ik WefsM ftiaAHttn 'arte atmwjfrh j Verschiedenes! \ Ätttzstrahr, r r I jy- pfGr Ein Aachwort zu Lolmar. Don Dr. Wilhelm ttapp, o. Honorarprofessor an der üniDerfildt Freiburg L Ä. Do4 Spiel ift aus. Mit höchster Spannung hat men dem Beginn entgegengesehen. War doch ein Monftreprozeß erster Ordnung angc» tündigt, der .Schädlichkeiten' enthüllen lallte, por denen da» »Hab erschauern wird Sa Poin- corS in seiner Straßburger Dankettrede vom 12. Februar Die Verbrechen, die man den Angeklagten zur Last legte, sind Umtriebe, Machinationen, die die Sicherheit dech Staates gefährden sollten, ein Äomplott. das die Las» reihung des »Hab non Frankreich zum Ziel hat. Was sie als Autonomi-mu- ausgeben, fall Separatismus sein und Separatismus ift Hochverrat. Mehr als drei Wochen währte das hochnotpeinliche Verfahren. Man war gespannt, was für Veweismaterial für das staatSgesährliche Komplott beigebracht würde. Aber zum allgemeinen Erstaunen war von dem Komplott kaum noch die Hebe, umso mehr aber drehte sich Olles' um die von der Anklagebehörde vertretene These, daß die 17 Angeklagten, die man fünf Monate in strenger Untersuchungshaft hielt, im Verdacht stehen, schlechte Franzosen zu fein, die des wahren Patriotismus ermangeln. Sie hätten es früher stets mit Deutschland gehalten und ihr Herz wäre auch heute noch deutsch und nicht französisch. ES sei ihnen älso auch Auyi trauen, dost sie mit Deutschland in Verbindung stehen und mit deutschen Geldmitteln eine sranzosenseindllche Propaganda im Lande betreiben könnten. Um den RachweiS schlechten Franzosen tumS, offener und verschwiegener Deutschgesinnung, um die Gewissenforschung ob sie deutsch oder französisch fühlen, ging es in der Hauptsache in der ganzen Prozeßaktton. Stellte eS sich heraus, daß diese auS der Masse der unzufriedenen Elsässer HerauSgegrifsenen. an denen man ein Erempel zu statuieren entschlossen war. eine deutsche, statt eine französische Mentalität haben, dann sind sie auch verdächtig, daß sie im Solde Deutschland s stehen und bann sind sie a l S Hochverräter zu behandeln, zu bestrafen, wenn auch noch so mtlbe nach der schließlich erfolgten gnädig wohlwollenden Zusicherung deS General staatS- an Walts. Einer solch ungeheuerlichen Gerichtsbarkeit gegenüber konnten die Angeklagten nur ihre französisch-staatsbürgerliche Loyalität bekunden, und ein gesinnungsmäßiges Hinstreben nun Reich bestreiten. WaS sie wollten, sei nur Verteidigung ihrer Heimatrechte und Behauptung deS SigenchorakterS ihres Volkes wider die französischen AssimilierungSmetho- den. W«aS die einzelnen Verteidiger in ihren z.T. ganz glänzenden Reden, dann eine Reihe von Zeugen auS den Kreisen deS elsässischen öffentlichen Leben- zur Bekräftigung der Aussagen der Ange- flaatcn vorbrachten, war so klar und einleuchtend, daß nicht bloß da- auS allen Winkeln und Ecken zusammengeraffte Belastungsmaterial von Klatsch und Kombinationen auS der Polizei- unb Spitzel- werkstätte Näglich dagegen abfiel, sondern vor allem auch die große staatSanwältliche Anklagerede. die alles zermalmen sollte, nicht- weniger al- überwältigend wirkte, sondern in- Leere stieß, auch nach dem Urteil der ausländischen Berichterstatter. ES schien also mehr und mehr unobwei-lich. daß eine allgemeine Freisprechung den Monstreprvzeß beendigte. Am Ende gar mit. .Dire la Francel" Aber waS geschah? SS erfolgte und mußte erfolgen der Freispruch angesichts deS kläglichen Resultates der Dew-e isaus nähme für da- Bestehen eine- Komplotts, aber der Freispruch bezog sich bloß auf die Männer zweiter und dritter Garnitur. Die der ersten Garnitur: Faß Hauer, den Gründer der Autonomistenzeitung .Volksstimme", Schall, den Träger der heimatlichen Opposi- tton-blätter .Zukunft" und Schliffstaan", Ros- ss ben populären Führer in der Lehrer- unb Beamtenrereinigung. diesen stark gefügten elsässischen Block, unb Rick! in, daS Symbol dealten Slsaß-LothringenS. den früheren Landtagspräsidenten. die sprach daS Gericht schuldig damit war blitzartig die ganze großangelegte Aktion beleuchtet Die ganze Kampagne widernden Autonomie- muS sollte wie schmetternder ^Elairoi.klang in- Land w-.rken: .In Staub mit allen Feinden Frankreichs. Und diese Autonomiften, die sich gegen daS unbedingte Ausgehen diese- StückeS germanitcher Erde in das Franzosentum wehren, lind Feinde Frankreichs Wer aber ein Feind Frankreichs ift, den zerbrechen wir!" Unter dem Eindruck diese- unbeugsamen Willen- soll es dem elsäslllchen Volk vergeben, daß es je wieder Köpse stellt für derartige Heimatbewegungen, die Frankreich nun einmal gegen sich gerichtet sühlt. Darum hielt man sich jetzt an diese Köpfe. Sie sollen nie wieder nachwachsen Da- Schicksal dieser Männer wird alle .guten" Elsässer schrecken. Da- war der Wille der Regierenden von Anfang an. Dieser Wille wurde an das Gericht weitergegeben und da- Gericht machte sich zum willfähigen Vollstrecker de- Willen- der Staat-» raifon. So kam eS zu diesem politischen Prozeß. in dem die Justiz indirekt au-sühren sollte, wa- die Politik auf direktem Wege nicht fertig zu bringen glaubte. Daher aber auch die ungeheure Empörung im Volk, weil das Colmarer Schauspiel einen gar zu deutlichen Anschauungsunterricht darüber bietet, baß man eine lebendige Volksbewegung durch Iustizkomödien unb Polizei, Staatsanwalt und GesängniS tot- machen will. Die elementare Erregung, die durch das elsässische Volk geht, wird inzwischen die verantwortlichen Regierungen darüber belehrt haben, daß diese krumme» Wege, die man aufsuchte, fehl gehen. Man kann von außen kaum verstehen, wie die politische Weisheit deS französischen Staate- zu solch verzweifelten Mitteln gegenüber dem Elsaß greifen konnte. Daß der bon senS. auf der die Franzosen sich soviel zugute tun, sie nicht vor solchem Fehlgriff bewahret, kann wohl verwundern. Aber daran hat das Elsaß selber viel Schuld. Frankreich ist vom Elsaß her getäuscht über Stimmung und Gesinnung deS Volkes, und nicht erst seit gestern sondern leider in verhängnisvoller Weise schon in der Vorkriegszeit. Frankreich sieht seitdem das Land nur mit der Drille, die ihm die französische Bourgeoisie aufgesetzt hat. DaS vermögliche 61- sässertum aus Handel unb Industrie, das der ganzen Lebenstradition der französischen Bourgeoisie verhaftet ist. zumal wenn e- noch antiklerikal ist. ist für Frankreich daS Hormal-öl,äffet tum an dem es alle mißt. Wer dieser Rorm nicht entspricht, in dieses Bild der fabricantS und commer^ants nicht paßt, mit dem weiß das bourgeoise, besonders antiklerikale 5r anfrei eß nicht- anzusangen. Das gehört nach ihrer Meinung nicht in daS Elsaß. Diese Meinung reicht weit in die wissenschaftlich gebilbete Welt Frankreich- hinein. Zu deutscher Zeit hat man im Elsaß wohl auch gern unter dem Voll in dem französischen Sprach- und Lebensstil der Oberklasse das Hormalc, daS vorbildlich Elsässische gesehen, aber heute ist da- anberS. Heute weiß man. daß diese .Elite" am Elsässertum vorüberzureden im Begriff ist und sich von ihrem Volle scheidet. Als die schlimmsten Feinde des elsässischen Volkstums erkennt man jetzt diese Elemente der französischen Bourgeoisie, samt den revenantS. die au- dem Innern Frankreichs wiedergekehrten Elsässer, die dort zu Vollblutfran-osen geworden sind und jetzt dem bodenständigen Elsässertum im Kamps um die Heimatrechte bei jeder Gelegenheit in den Rücken fallen. Durch diese Dour» aeoiS-Glsässer, aus denen auch die Geschworenen stammen, die da- Schuldig gesprochen, ist in daS politische Frankreich das Gift des Mißtrauen- gekommen gegen die Elsässer. AlleS Qlnflammcm der Elsässer und Deutsch-Lothringer an ihre deutsche Art soll unb muß jetzt Beweis sein für ba£ Hinüberstreben zum Rhein, Früher war man von dem 100 prozeutigen Franzosentum der Elsässer doch so überzeugt und jetzt wittert man überall die .bochistischen" Bazillen. So peitschten die Franzosen mit Gewalt die Elsässer gegen sich auf, die doch im Grund nicht- anderes begehren, als jetzt im Schoße des französischen Staates zu leben, wenn man sie nur ruhig ihres Volkstums, ihrer Sprache leben Giehener Gtadttheater. Ladislaus Fodor: „Arm wie eine KirchenmauS". Schade: man sieht es drei Akte lang kommen. Wo man eS doch höchstens einen Akt lang kommen sehen dürfte In einem guten Stück überhaupt nicht. In einem guten Stück ist eS eins ach da. ..ES" ist die Pvinle. In dem Stück deS Ungarn Fodor (Uraufführung in DreSlau) liegt die Pointe schon im ersten (besten) Akt. Und wenn e- also schon kein guies Öiüd wurde — statt eines Lustspiels ein Schwank mit ganz leichtem pariserischen Einschlag und ohne die Paprikasauce des Landsmann- Molnar —. so war eS immerhin ein Kunst-Stück, den letzten Aktschluß ..abendfüllend" hinau-zuschieben und dennoch die Leute nicht zu langwellen, sondern amüsierlich zu unterhalten. Dieser Fodor hat ein bewundernswertes Redetalent. Ansprachen hall er, Feuilletons läßt er erzählen (es ist nichts dahinter, rein gar nichts, eS gehört auch alles kaum dazu, aber die Zett vergeht) — fabelhaft. Man sieht eS also kommen: baß die arme Kirchenmau- von Privatsekretärin den reichen Dankbaron kriegen wird. Hach, wundervoll! Sie kriegt ihn sozusagen drei Akte lang. Und man langwellt sich nicht. Man lacht sogar und ist in bester Laune Sommertheater, wie sich'- gehört. Fodors Geheimnis, wie man es macht. Molnar macht eS mit dem Pfeffer. 5pbor mit der Rebegabe unb großer Liebenswürdigkeit. Unb mit der Ratürlichkell. u6o ist das Leben" auf ungarisch. GS tut gar nicht weh. Und die Wedekindsche Formel, daß bas Dasein eine Rutschbahn fei, kann zwanglos beibehalten werben als Motw auch für diese theatralische Frühgeburt, welche das Dad-Rauheimer Kurtheater als südwesldeutsche Erstausführung und zur Einweihung der Gießener Sommerfaifon herauS- brachte. Großer Wedekind! Es gibt zwei Arten von Privatsekretärinnen. Solche, die es mit den hübschen Deinen schaffen wollen, und solche, die sich auf die Tüchtigkeit verlassen. (WaS „eS“ in diesem Falle bedeutet. und WaS geschasst werben soll, bas zu erraten bleibt dem Scharf,'sinn deS geneigten Lesers überlassen) Der Daron Dankdirektor braucht eine, die einfach ein Bestandteil seiner wohlgeölten Schreibmaschine ist. Geschlechtslos gewissermaßen und 300 Silben in der Minute. Seine versucht es mit den Deinen unb so, und wird deshalb prompt hinausgeschmissen Kaum ist sie draußen, steht die zweite schon drin Die Tüchtige, die mit den 300 Silben Die Kirchenmaus. Der Haken ist bloß: sie ist auch nicht von Holz, auch kein Maschinenteil. Sr merkt es nur nicht gleich. WaS er bei der ersten vermeiden wollte und (mit knapper Rot) auch noch gerade so eben im letzten Augenblick vermied: passiert ihm bei der zweiten, zwar erst im dritten Akt. aber unaufhaltsam. Sie kriegen sich wahrhaftigen» gotL Es ist rührend. Es gehört schon eine gewisse liebenswürdige Begabung dazu, aus so wenig etwas zu machen (Fodor h^lt sie). Mit so viel drolligem und nichtigem Drumunddran. Mit soviel künstlicher Verzögerung. Mit soviel Einschiebseln unb Episöd- chen und Anekdötchen unb kleinen Pikanterien und soviel Wiederholungen und harmlosem Geschwätz. Dieser Autor kann kein böser Mensch sein Er muß ein gutes Herz haben Er ift ein Kind, das dem .Leben" die wunderschönsten Seiten abgewinnt, und lächelt dabei ganz lyrisch und ganz träumerisch. — Unter T e l e k y S Führung wurde sehr hübsch, sehr animiert, sehr im Akkord gespielt — mit Grazie über alle Untiefen und alles theatralisch- dramatische Brachland hinweg. Die deine Scherer hat eine Bombenrolle. Die Kirchenmaus, den österreichischen Scampolo, der auf so märchenhaft-lustspielmäßige Weife die Treppe hinauffällt. Sie hat lange nicht so etwas zu spielen gehabt. Und sie spielt es reizend. Himmelhoch jauchzend... zu Tode betrübt Sie darf alle Minen springen lassen und sie veranstaltet ein bengalisches Feuer weiblicher Künste. Sie trägt auf schmalen Schultern (man sieht sie in einem aparten roten Abendkleid) den ganzen Erfolg. Sie rettet das Stück, wie es schon in Breslau von ihrer Rolle gerettet wurde. Es war wirklich allerliebst. ließe. Wollen die Franzosen Ruhe im Land bekommen. fo werden sie auf hören müssen. daS Volk nur von oben, von der ihrem eigenen Fleck ch fremd gewordenen Elite der Bourgeoisie her anzu'ehen. Sie müllen lernen, das von unten 5er. vom kleinbürgerlichen, bäurischen, proletarischem DolsSelement zu verstehen und zu erkennen, daß diese- Elsässertum. wenn es sich selbst behaupten unb wertvolle Stücke seine- früheren politischen Sein- wahren will, noch lange nicht- Staat-ge'ährliche- unb Hochverräterisches im Schild führt Jedenfalls könnte Frankre.ch durch diesen unseligen Prozeß sich dahin belehren lallen, daß man daS elfaß-loth- ring'ckche Volk nicht mehr durch die Marseillaise in die Höhe bringt ES will nicht mehr burd> diese Klänge de- nationalistischen Militari-mu- in Bewegung unb Marsch gesetzt werden. Wo eS solche Zumutung verspürt, da fetzt eS bann al- feine Weise: .Straßburg, o Straßburg" entgegen. Wenn Frankreich fich durch diesen deutschen Heimwehton de- Volksliedes rühren lassen könnte, daß eS Vertrauen faßte zum Elsaß, auch wenn, ober gerade weil e- als Iran- zösisches doch deutscher Art bleiben will. bann, aber auch nur bann fönnic alles gut werden. Ob die französische öffentliche Meinung nicht schließlich ihre Regierung zu solcher Einsicht zwingt? DaS wäre der Anfang zur Gesundung. Leider sieht man kaum Anzeichen, daß Frankreich das Elsaß mit richtigen Augen betrachten lernt. Demonstrationen in Znnsbrnü. Von unserem y-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Innsbruck, Juni 1928. .Man hat Straßen und Märkte und Gemeinden umgetauft, man hat mit Gewalt italienische Schilder auf den Fassaden erz' ungen. man hat die deutschsprachige Prelle unterdrückt. — Aber die Häuser und die Menschen sprechen ihre Sprache, und die ist nicht italienisch." Diese Worte aus einem Artikel HakeS. des süd- tirolcr Berichterstatters vom .Svenska-Dagb!a- det" werden von demonstrierenden Studenten auf Flugblättern unter die Bevölkerung verteilt. Auf der Maria-kheresienstraße stehen Gruppen und Grüppchen, die das .Ereignis besprechen: .Auch das neutrale Ausland lernt jetzt die Schmach kennen, die man uns angetan!" Es ist dies einer jener im Augenblick hingewot» senen und zufällig aufgefangenen Sähe, aus denen sich der objektive Beschauer — falls ein Deutscher hier überhaupt objektiv sein kann — ein Bild von der gegenwärtig in Tirol herrschenden Stimmung zu machen versucht. Diese Bild- konstruktion ist aber, weiß Gott, schwer genug. Selten gab es im österreichisch gebliebenen Tirol ein derartiges Durcheinander von Meinungen, Wünschen und Hosfnungen, nie hat aber auch seit den Tagen Andreas HoserS die Tiroler eine solche Verzweiflung gepackt wie jetzt. Dieses ehemalige Kronland hat zweifellos die besten, bravsten Truppen des ganzen politischterritorial recht bunten alten Oesterreichs: Menschen mit echtem, altem Kaiserjägergeist, wunderbarer Disziplin, bester Tradition, einer Gesinnung, die nicht anerzogen ist. sondern im Blute steckt und sich vererbt hat durch die Jahrhunderte. Und Angehörige dieser Truppen haben jetzt der verhaßten, nein, nicht verhaßten, der verachteten Trikolore eine Ehrenbezeugung erweisen müssen! Was daS bedeutet, das versteht kein Ausländer, auch kein Reichsdeutscher, ja daS begreift nicht einmal der Tiroler, wenn nicht Kaiserjägerblut in seinen Adern fließt .Man hätte ihnen das ersparen sollen", so hört man häufig sagen, und so unrecht haben die Leute nicht. Was die Studenten getan, ist begreiflich, durchaus erfaßbar, wenn man jugendliches Draufgängertum. mit heißer Vaterlandsliebe gepaart in Rechnung stellt. Kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung für das höhnisch-geschmacklose, aufreizende Vorgehen des Italienerkonsuls, der Vertragsbruch und Hinterlist im Herzen deS geschändeten Rumpftirols durch Flaggenhissung feiert. Aber gab es wirklich keinen anderen Weg zu der nach Internationalem Brauch Schwerer hatte es Tannert Der gab den gewaltigen Direktor, graumeliert, vor dem alles zittert und bebt. Er war in bester Form. Aber er hatte doch Mühe, der im ersten Akt famoS angelegten, straf en Figur in den Rückzugsgefechten der beiden andern Aufzüge die Substanz zu wahren. (Bankmäßig und dramaturgisch gelpro<6cn.) Ein paar saubere Chargen: Alix Krahmer. das wandelnde .Gegenbeispiel" (mit den Beinen und so), srech. kokett, in einen raffiniert gelben Pyjama provozierend eingekleidet: mit leicht aufgetragenem Humor und charmanten Gebärden gab Goll den nur unmerklich vertrottelten lebe- gr.ifcnta ten Tenraltmg-rat. B a st c s hr d o kiz als dusse.iges Banllaktotum Schünzl. Ein neuer Raine: Eduard Wefener (Baron Franz): gute Figur, blond, tenoral, im Spiel etwas operettenhaft-konventionell.' Die Rovität sand eine sehr freundliche Aufnahme bei schwach besetztem Hause. Dr. Th. Oie Anschläge auf Kaiser Wilhelm I. Zu dem Artikel über die Attentate auf den alten Kaiser im Familienblatt vom Samstag. 2. Juni, stellt unS eine Leserin noch die folgenden Erinnerungen zur Verfügung. Am Abend, der dem Hödelfchen Attentat folgte, wurde im Königlichen Opemhause .Figaros Hochzeit" gegeben. Gegen Ende des 1. Aktes geht eine Unruhe durch das Haus, ein Raunen, der Kaiser kommt! Alle Blicke richten sich auf die Heine Loge nahe der Bühne. Die Tür geht auf und der alte Kaiser kommt herein mit der Tochter, der Großherzogin von Baden und tritt langsam bis an die Brüstung vor. In der Rebenloge stehl tiefernst und bleich der Kronprinz. Mit einem Schlage erheben wir Zuhörer uns von den Sitzen, füllt sich die Bühne mit Menschen verschiedensten Aussehens, neben dem Sänger im Kostüm steht der Bühnenarbeiter im Leinwandkittel. Der Kapellmeister hebt den Taktstock und durch das ganze Haus braust der Gelang: Hell dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands, Hell Kall« dir! notwendigen Wiedergutmachung al- den. her schließlich diese selbe Flagge unter dem Salut auS österreichischen Gewehren wieder in die reine tiroler Bergluft flattern ließ? Für morgen oder übermorgen ist eine neue Protestverfammlung der deutschen Studentenschaft gegen 3tallen geplant (Diese hat inzwischen bereite ftattgesunden. D. Red.) Aus ißt werden u. a. auch soeben hier eingegangenc Telegramme k und Studentenschaften sowie de- Verbände- Südlla- wischer Rationalisten in Dalmatien verlesen werden. Und daS ift ein ganz neue-, besondere- Moment, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Auch hier gehen aber die Meinungen auseinander Rach dem Zusammenbruch war in Rordtirol der Südslawe oder belfer getagt der Slovene ebenso verhaßt wie der Italiener. Unb mit Recht Denn waS dieser südlich de- Brenner tat, verübte jener in ganz ähnlicher Weite jenseit- des Semmering. Marburg in Riedersteiermark war genau so zum Begriff geworden wie die Stabt WaltherS von ber Vogelweide am Fuße der Dolomiten. Dor noch garnicht langer 3eit hatte auch in Innsbruck bie Rachricht Helle Empörung auSgelöft. daß ein flovenischer Bischof deutsche Friedhöfe einebnen läßt. Wen wundert eS da. wenn angesicht- antiitalienischer Demonstrationen in Laibach nicht sofort Tiroler Herzen für Slovenien schlagen? Die wirlliche politische Bedeutung der Vorgänge in der Krain, Slovenien und Dalmatien liegen für Tirol aber darin, baß die Aufmerksamkeit der Italiener auf Augenblicke von Oesterreich a b g e l c n tt wurde. Aus Augenblicke nur, denn sobald die Rettuno-Verträge gesichert sind, geht - in Südtirol wieder los al- .Antwort aus die Schmach von Innsbruck". Und da gewinnt plötzlich ein Gerücht Bedeutung, das nicht verstummen will unb von Tag zu Tag an Bestimmtheit gewinnt: der Flagaenzwi- f d) e n f a 11 war in Voraussicht ber Folgen mutwillig von italienischer Seite provoziert worden — um den Blick ber Welt von den jüngsten deutschseinblichen unb f i r - chenseinblichen Ausschreitungen in Südtirol (Auslösung deutsch-katholischer Vereine usw.) abzuwenden. Haltet ben Dieb! Und die 200 000 Vogelfreien in Südtirol bekommen noch engere Fesseln, bekommen i elleicht ein zweites italienische- .Siegesdenkmal". Und diese Südtiroler beklagen sich nicht, denn niemanb wagt zu sprechen, wlll er seiner Heimat nicht für immer den Rücken kehren ober in südlicher gelegene Gefängnisse wanden». .Man geht schlimmer vor alS in einer Kolonie", so lautet das Urteil deS Schweden Hake, .irgendein Recht besteht nicht me h r. unb junge Faszisten können sich gegen bie Einwohner Alcbergriffe jeher Art erlauben." Es besteht kein Recht mühr, unb aus dem Bozener Triumphbogen lieft man in GvUrschrift die Worte: .Von hier verbreiten wir unter ben Anberen Sprache, Kunst unb — Gesetz." Liquidation der Zrankfurter Messe (S. m. 6. H. WSR. Frankfurt a. M.. 5. Juni. Dia Frankfurter Stabtverordnetenversamm» l u n g trat heute zum erstenmal nach der Reu- wahl zu einer Sitzung zusammen. Bei der Wahl des Stabtverordnetenvorstehers wurde der bisherige Vorsteher H e i ß w o l f (Soz.) gegen die Stimmen der Kommunisten wiedergcwählk. Den stellvertretenden Stabtverord» netenvorsteher stellt das Zentrum, den ersten Echrifllührer die Deullche Volk-Partei und den zweiten Schrisllührer die Demokraten. Der wichttgste Punkt der Tagesordnung, der sozialdemokratische Antrag auf Liquidation der MesseG. m. b. H. unb die E i n st e 11 u n g ber Vorbereitungen zur Herbst- messe, löste eine lebhafte Debatte auS. Der Frakttonsvorsitzerlde der Sollaldemokraten begründete den Antrag mit der dauernden Unrentabilität der Messe unb den immer wieder notwendigen Zuschüssen von feiten der Stadt. Selbst in Ausstellerkreisen fei man mit dem Ergebnis der Messe in keiner Weite Und dann die Krankheitswochen, die dem Robi- lingschen Attentat folgten. Ter Eingang deS Palais in ber Behrenstraße war ständig von Menschen umlagert, die nach dem Befinden deS Kcanken fragten. Da wurden hohe Würdenträger, die auS dem Tor kamen, umringt, unb belichteten dem großen Kreise treulich, was sie erfaßten hatten. 3m Flur des Palais lag eine Lifte auS. in bie sich jedermann eintragen konnte, und ber freundliche alte Diener versicherte sogar unS Schulkindern: ber Kaiser würde unsere Hamen lesen. Und wir glaubten'- ihm auch. Rach seiner Genesung war 5er Kaiser auf einige Zeit zur Erholung von der Hauptstadt abwesend. An eirem klaren Wintertage kehrte er heim. Unter den Linden standen die dichtgedrängten Menschenmassen und durch dieselbe Straße, in der ihm zweimal der Meuchelmord gedroht hatte, fuhr er im offenen Wagen, ohne Schutz. G. Z. Hochschulnachrichten. Die Ernennung des o. Professor- Dr Paul Merker in Greifswald zum ordentlichen Professor der deutschen Philologie an der Universität Dresla u als Rachsolger von Pros. Walter Brccht ist erfolgt — Prof. Dr. jur. Karl Pribrain, Privatdozent an der Universität Wien, Ministerialrat im Bundesministerium für soziale Verwaltung, zur Zeit Leiter der statistischen Abtellung im Internationalen Arbeitsamte in Gens, hat den Rus auf dadurch die Emeritierung des Geh. Rats A. Voigt an der Universität Frankfurt erledigte Ordinariat für Dolkswirtscha tslehre angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in Frankfurt erhalten. — Pro ellor Dr. Alfred Gü11ich, Direktor der HalS-, Rasen- unb Ohrenklinik in GreisSwalb, hat ben Rus an bie Universität Köln als Rachsolger von Prof. Preising angenommen; zu seinem Rachsolger in Greifswalb ist Pro'esfor Dr. All red Linck von der Universität Königsberg berufen worden. — Der Berliner Literarhistoriker. Gymnatialprosessor a. D. Geh. Studienrat Dr. Johannes Bolte ist zum auswär- tigen Mitglied der Ungarischen Akademie bet Wissenschaften gewählt worden. zufrieden. Demgegenüber wies Oberbürgermeister Dr. Landmann darauf hin, daß jede Mes'e den Konjunkturschwankungen unterwor'en fei und man deshalb auch der Frankfurter Messe die Existenzberechtigung nicht absprechen dürfe. Sollte die Stao'.v rordnetenversammlung sich für die Abschaffung der Mele aussprechen. dann sehe sich der Magistrat gezwungen, die Herbstmesse lediglich aus dem Zuschuß des Reichs (100 000 Mk.) zu finanzieren. 3n der Abstimmung wurde der vlntrag des Zentrums. die Messefrage nochmals im Ausschuß zu behandeln, abgelehnt und der sozialdemokratische Antrag mit 42 Stimmen der Sozialdemokraten. Kommunisten und Nationalsozialisten gegen 40 Stimmen der übrigen Parteien angenommen. Oberheffen. Landkreis ließen. X Klein-Linden, 8. Juni. Nachdem die Blütezeit der Obstöaume vorüber ist, muß leider festgestellt werden, daß ein großer Teil der Blühen durch den Frost vernichtet wurde. Der Fruchtansatz an allen Spätsorten des Stein - und Kernobstes ist als mittelmäßig bis schlecht zu bezeichnen. Frühbirnen zeigen vielfach einen besseren Behang, da zu deren Blütezeit warmes Wetter herrschte —, Das Wintergetreide hat sich sehr gut entwickelt, auch die Sommerfrucht hat einen guten Stand. Auf trockenen Wiesen macht sich das Fehlen eines ausgiebigen Regens bemerkbar, wahrend in feuchteren Lagen ein guter Stand des Graswuchses besteht. Die Kartoffeln haben sich gut entwickelt. Der erste Schnitt des deutschen Klees hat begonnen: die Besitzer von Kleestücken haben reichlich Grün- futter. • Lollar. 6. 3unl Die Buderus schen Eisenwerke, Wetzlar, schreiben uns unter Bezugnahme aus den Bericht in Rr. 124 unseres Blattes folgendes! „Die von 3hnen gebrachten Rachrichten über den ülmfang der Reubautätig- keit auf unserer Main-Wefer-Hütte in Lollar sind erheblich übertrieben, namentlich was die angebliche Errichtung eines neuen Hal- lenbaues mit Schmelzanlage angeht. Es sind lediglich einige Um- bzw. Erweiterungsbauten kleineren Umfanges im Gonge, welche den Zweck einer besseren Aufteilung der Erzeugungsstätten haben. Sine nennenswerte Steigeruna der Erzeugungsmöglichkeit wird dadurch nicht bedingt. Eb^sowenig sind planmäßige Geländeaufkäufe zwecks Wertserweiterung im Dange. Bei den in der letzten Zeit vorgenommenen Grundstücls- käulen handelt es sich um einen Gelegenheitserwerb. wie wir solchen bei günstiger Preisstellung für Grundstücke in für uns geeigneter Ortslage seit jeher betrieben haben. Der. Ausbau unserer Main-W-eser-Hütte ist nach Durchführung der laufenden Arbeiten zu einem gewissen Abschluß gelangt: die Bautätigkeit hat nach unserem Eindruck ihren Höhepunkt überschritten, und die Aufnahmesähiakeit des Daumarktes für die Erzeugnisse unserer Main-Weser-Hütte ist beschränkt." Lollar, ü. Juni. Dieser Tage fand in den Buderusschen Eisenwerken eine Alarmübung der Werksfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr von Lollar statt, bei der die Schlagsertigkeit beider Wehren von Brandmeister Riegel (Wetzlar) geprüft werden sollte. Die Hebung zeigte die Wehren in rascher und umsichtiger Aktionsfähigkeit, bei der auch ein verständnisvolles und gutes Zusammenarbeiten zwischen Werksfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr zutage trat. Noch einer Würdigung der Leistungen der Feuerwehren durch Direktor Iantzen und Brandmeister Riegel sand die Hebung ihr Ende chAusderRabenau,5. Juni. Die wogenden Fruchtselder zeigen zur Zett ein prächtiges Aus- sehen. Winter- wie Sommerfrucht versprechen eine gute Ernte. Bon der ersteren hat der Roggen bereits die Aehren gezogen, an vielen günstigen Stellen blüht er schon. Auch der Wetzen hat sich fast überall gut herausgebildet: die mancherorts vorgekommenen Auswinterungsschäden beeinträchtigen kaum das einheitliche, befriedigende Gesamtbild. Bon der Sommerfrucht kann ebenfalls berichtet werden, daß sie sich infolge der seitherigen günstigen Witterung recht gut entwickelt hat. Die Kar- MMMMWkSSWsW. Vornan von Edgar Wallace. Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig. 24. Fortsetzung Nachdruck verboten. Ihr Blick suchte die Tür. Sie reichte nicht ganz bis zum Boden. Durch die handbreite Spalte fiel ein matter Lichtschein von draußen. Sybil samnielte alle ihre Kräfte und ging schwankend zur Tür. Sie rüttelte am Griff. Umsonst. Die Tür war verschlossen. Sie wandte sich um und starrte zum Fenster hinauf. Es war nur eine Dachluke, unb sie lag fo hoch, daß sie auf einen Stuhl steigen mußte, um sie zu erreichen. Sie halte die Nachtlampe mitgenommen und beleuchtete die staubüberkrustete Scheibe. Es dauerte lange, ehe sie sich öffnen ließ. Als sie endlich oujsprang, war Sybll um eine Hoffnung ärmer. Die Luke war durch ein eisernes Gitter gesichert, das viel zu engmaschig war, als daß sie auch nur ihren Kopf hätte durchzwängen können. Da hörte sie plötzlich schwere Schritte die Treppe herauskommen. Sie drückte das Fenster zu, sprang vom Stuhl herab und trug ihn ans Bett zurück. Draußen wurde der Riegel zurückgeschoben, der Schlüjsel ins Schloß aestcckt und zweimal herum- gedreht. Dann trat Cody herein. Er hielt eine Aktenmappe in der Hand. Sein Gesicht zeigte einen besorgten Ausdruck. ,.Aoer liebes Kind," begann er schon aus der Schwelle, ,,was haben Sie uns für einen Schrecken eingejagt, leiden Sie öfter unter derartigen An- fäUcn?" Sie starrte ihn an. Blitzartig begriff fie, worauf er hinaus wollte. „Anfällen .. .?" fragte sie lanagedehnt. „Nun ja, ich wähle noch eine sehr milde Bezeichnung." Sein Ton kühlte sich merklich ab „Ich will Ihnen keine Vorwürfe machen. Bewahre! Die Sünden der Väter werden an den Kindern gerächt. Ist in Ihrer Familie vielleicht die Epilepsie erblich?" Die uferlose Dreistigkeit dieses kleinen betulichen Mannes benahm Sybtl den Atem. Sie antwortete nicht. ,Lch will natürlich keineswegs behaupten, daß c» ausgesprochen epileptische Krämpfe waren", nahm Eody sogleich wieder das Wort. „Das au beurteilen fehlen mir die psychiatrischen Kenntnisse. Aber ich denke mir, es muß Epilepsie sein, denn wie könnte man sonst ohne jeden äußeren Anlaß in Schrei- krämpse ausbrechen?" tos sein, befonberd die frühen Sorten, sind recht schön aufgegangen 5 Wirberg, 5. Juni. Arn Sonntag fand in um ferm Kirchspiel ordentliche Kirchenvisitation durch den Superintendenten, Oberkirchenrat Wegner statt. Der Pfarrer predigte über Matth. 28, Vers 18 bis 20, von der Bedeutung der Taufe. Der Visitator legte seiner Ansprache 2. Kor. 13, L3 zugrunde. Es schloß sich ein Jugendgotlesdienft an, in welchem der Pfarrer Iona 2 behandelte. Im Anschluß an den Gottesdienst sand auf dem Wirberg noch eine Sitzung der kirchlichen Körperfchaften von Reinhardshain und Göbelnrod statt, zugleich mit dem Gesamtkirchenoorstand und der Gejamtkirchen gemeindeoertretung. Es fand eine Aussprache über das kirchliche und religiös sttlliche Leben des Kirchspiels statt. Der Visitator forderte zur Mitarbett auf. Der Pfarrer brachte Wünsche wegen der Wege und eines Telephonanichlusses vor und bat ebenfalls um Hilfe der Mitglieder bei seiner Arbeit. Nachmittags war in der Kirche zu Harbach noch ein Gottesdienst. Der Pfarrer predigte über Iona 1 und behandelte dieses Kapitel in dem Iugendgottesdienst. Der Visitator hiett eine Ansprache an die Gemeinde, und nach dem Gottesdienst fand noch eine Aussprache mit dem Kirchenoorstand und der Gemeindevertretung Harbach statt. Der Montag brachte die Einsichtnahme in den Religionsunterricht der Schulen Beltershain, Göbelnrod, Harbach und Reinhardshain durch den Superintendenten. % Grünberg. 5. 3unt 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. fol- gendes beschlossen: Der Gemeinderat setzt die Baufluchtlinie in der Londorf er Straße vom Wohnhaus des Karl Schönhals bis zum Wohnhaus deis Daniel Leister so fest, wie sie vom Kreisamt Gießen in dem Lageplan des Bermessungsamles Grünberg vom 15. März 1928 feftgelcgt wurde. — Peter Rock wurde zum Bau des Wohnhauses für H. Krumm ein Teil seines Gartens, den er von der Stadt Grünberg in Pacht hat, genommen. Aus diesem Grunde wird ihm die Hälfte der Pachtsumme erlassen. - Der Gemeinderat beschließt einen Zuschuß in Höhe von 350 Mark zu den Kosten der Teerung der Ortsdurchfahrt für die Provinzialstraße zu bewilligen, falls die Stadt hierzu gesetzlich verpflichtet ist. Da die gesetzliche Verpflichtung von feiten des Gemeinderates in Zweifel gezogen wird, soll die Entscheidung des Provinzialausschusses in dieser Angelegenheit eingeholt werden. — Landtagsabgeordneter Studienrat Maurer -Lauterbach teilt der Bürgermeisterei in einem Rundschreiben mit. daß er die Einlegung eines E i l z u g p a a r e s für die Strecke Gießen— Fulda bzw. Fulda- Gießen bei der Direktion der Reichsbahn in Frankfurt a. M. durch den hessischen Landtag beantragen will. Er bittet um Mitteilung und Stellungnahme zu dem beabsichtigten Antrag Der Gemeinderat begrüßt diese Anregung. Studienrat Maurer soll zustimmend geschrieben werden. s. Utphe, 5.3uni. Hier ereignete sich ein Unglücksfall, der leicht noch schlimmere Folgen hätte gaben können. Zwei Frankfurter Herren, die in Trais-Horloff einen Feuerlösch.» apparat vorgeführt hatten, wollten mit ihrem Motorrad wieder nach Frankfurt zurücklehren. Am Dorfeingang von Utphe wollten sie das Holzfuhrwcrk eines hiesigen Landwirts links überholen in der Annahme, daß dieser zum Dorf hineinfahre. 3m gleichen Augenblick jedoch beabsichtigte der Landwirt, in einen vor dem ersten Hause links abzweigenden Feldweg einzrcbiegen. Der Lenker des Motorrades bremste sofort stark, wodurch die Maschine unmittelbar neben den Pferden stürzte und der Mitfahrer herabgeschleudert wurde. Wahrend der Lenker mit dem Schrecken davonkam, trug sein Begleiter starke Gesichtsverletzungen und eine Gehirnerschütterung davon. Ein herbei« aeruienes Auto brachte beide, samt der stark beschädigten Maschine nach Frankfurt. Zum Glück war der Sturz nach der den Pferden abgewandten Seite erfolgt. Mveiö Ariedberg. • Friedberg, 5.3unt Heber die Arbeitsmarktlage ist zu berichten: Die Zahl der Unter st ützungsempfänger ist iu der letzten Hälfte des Mai im Bezirk wieder gestiegen. Insbesondere sind Entlassungen im Sybil mußte mit aller Kraft an sich halten. Am I liebsten wäre sie diesem Fuchs an die Gurgel ge» fahren. Aber still, still. Sie war ihrer Mutter schul- | big, daß sie ihre traurige Lage nicht noch weiter verdarb. „Ich kann mick durchaus an keine Schreikrämpfe erinnern", sagte sie mit einer Stimme, die wie eine Glocke ausschwang. Eody legte die Aktenmappe auf den Tisch und entnahm ihr einen Bogen Papier. Dazu nickte er kummervoll wie eine chinesische Pagode. „Dachte ich es mir doch — Bewußtseinsstörung, Gedächtnisschwund — erstes Stadium der Epllepsie, das zweite ist Tobsucht!" Sybil ballte dic Hände, daß sie die Schärfe der Nägel in der Handfläche spürte. Sie richtete sich auf. „Geben Sie den Weg frei", sagte fie. „Ich wünsche Ihr Haus sofort zu verlassen!" Cody ftelüe sich vor die Tur. „Gemach, gemach, junge Dame, vorerst harren noch einige kleine rechtliche Förmlichkeiten der Erledigung." Er nahm einen Füllfederhalter aus feiner Westentasche und schraubte ihn umständlich ein. Dann strich er mit der Hand glättend über den Konzeptbogen. „Sic sind frei, wenn Sie das unterzeichnen", sagte er und deutete auf das engbeschriebene Papier. Sie streckte die Hand nach dem Bogen aus, den er sofort wieder zurückzog. „Sie werden begreifen," jagte er in dozierendem Ton, ohne das junge Mädchen dabei anzusehen, „daß Sie mich durch Ihre Hysterie in eine Zwangslage versetzt gaben. Ich lade Sie zu einer hochwichtigen Besprechung ein. Beim ersten Wort bekommen Sie Schreikrämpfe, wälzen sich in Zuckungen auf dem Sofa. Ich trage Sie in diese Kammer und schließe Sie ein, um Sie gegen sich selber zu schützen. Eine Multer kann nicht mehr für Ihr Kind tun. So west ganz schön, aber meine Frau meint mit Recht, daß hysterische junge Damen mitunter an merkwürdigen Zwangsvorstellungen leiden. Vielleicht, jagt fie, setzt sich Miß Lansdown in den Kopf, wir hatten Gift in ihren Tee gemischt und sie gegen ihren Willen hier festgehalten. Was können wir später gegen eine solche irrtümliche Darstellung tun? Nichts! Man würde uns nicht glauben. Staatsanwälte haben die Eigen- tümlichkeil, immer von ihren Mitmenschen das Schlimmste anzunehmen. Sie werden mir nicht verargen, wenn id) beizeiten solchen Möglichkeiten vor- beuge Ich habe daher eine Erklärung aufgesetzt, die mich von lebem Vorwurf sreispricht. Setzen Sie Metallgewerbe zu verzeichnen, die trotz Dermitt- lung in Landwtrtschat und Baugewerbe im alten Umfang und Rückgang der Arae slosen in diesen Beru.en eine Erhöhung der Gesamtzahl der Unterstützungsempfänger hervorgerufen haben. Es waren am 1.3uni vorhanden 1295 Empfänger der Arbeitslosenunterstützung, davon 1017 ün Kreis Friedberg and 278 im Kreis Büdingen, außerdem 57 Krisenunterstützungsempfänger im Kreis Friedberg. WSR. Friedberg. 5. 3uni. Das Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft Mayer 3- Hirsch in Friedberg begeht am 6. 3uni des Fest des 100jährigen Bestehens. Mrcie Büdingen. ]:[ Usenborn. 5 3uni. Am Sonntag fand in feierlicher Weise die Einweihung des Chrendenkmals für die 22 Ge allenen des Weltkrieges aus unserem Orte statt. Um 2 Ufcr stellte sich unter Borantritt der Ortenbergcr Feuerwehrkapelle ein großer Trauerzug auf, an dem acht Kriegervereine teilnahmen. Unter Glockengeläute der beiden Kirchen und unter den Klängen eines Lrauermarsches setzte er sich in Bewegung. An der Spitze marschierten die Schulkinder. @3 folgten der Gemeinderat. die Der- treter der Behörde, die Angehörigen der Gefallenen und die Vereine. Beim Denkmal ange- kommen. spielte die Kapelle zuerst das »Rieder- ländische Dankgebet". Hieraus hielt Pfarrer Lucius von der altlutherischen Gemeinde eine Ansprache mit dem Inhalt, dic teuren Toten nicht zu verges en. Tann fang der Gesangverein,Liederkranz" eine Motette zum Gedächtnis der Gefallenen: »Wie find die Helden gelallen?" Run folgte die Weihcrcdc von P'arrer Werner von unserer Landeskirche. 3n geistvoller Weise stellte er das Denkmal als Sinnbild des Friedens dar und ermahnte besonders die nachkommenden Generationen, das Denkmal nicht zu vergessen. Während die Hülle siel, wurde das Lied »Ich hatt' einen Kameraden" gespielt, t?m die Trauergemeinde entblößten Hauptes zuharte. Rach dem Vortrage eines Gedichtes durch jrL Lina Gerhard übergab Herr Hans K ö d d i n g, Gießen, der Schöpfer des Denkmals, dieses der Gemeinde, und Bürgermeister Müller übernahm es mit warmen Worten des Dankes in die Obhut der Gemeinde. Zwischendurch lang der »Gemischte Ehor" der altluth. Gemeinde die beiden Lieder »Ruhet wohl, ihr Toten" und den 126. Psalm. Rach der Abgabe der Ehrensalve tarnen die üblichen Ansprachen und Kranzniederlegungen. Danach schloß der gemeinsame Gesang des Liedes ..Ein' feste Burg" Vers 1 u. 2 die wohlgelungene Feier stimmungsvoll ab. Kreis Schotten. 5. Lallbach, 5. Juni. Heber das Ehrenmal für unsere Gefallenen dürften noch folgende Mitteilungen von allgemeinem Interesse sein: Bei der ganzen Anlage ist Gewicht auf schlichte, aber eindringliche Wirkung gelegt. Im Mittelpunkt steht eine große Soldatenftgur von einem architektonischen Umbau umgeben, der von zwölf Steinpfeilern mit Mauerwerk gebildet wird. Die Pfeiler werden von einer Balkenlage überdeckt und zusammengehalten. Ursprünglich war ein anderer Einbau vorgesehen. Da dieser jedoch die Figur zu beengend umschloß und von bestimmten Seiten her außerdem die Figur nicht günstig von Mauern überschritten worden wäre, machten sich gegenüber dem ursprünglichen Entwurfsmodell Abänderungen not- wendig. In seiner endgültigen Gestaltung hat das Ehrenmal wesentlich an Größe und Wirkung gewonnen. Der Schöpfer desfelben, Kunstbildhauer Wilh. Arnold (Allendorf a. d. Lda ), besten siche- res Gefühl für architektonische Einfügung und Ausnutzung örtlicher Gegebenheiten man bei all feinen Ehrenmalen bemerkt, hat auch hierin einen guten Griff getan. Zwischen den Pfeilern ergeben sich wechseloolle Durchblicke auf den Schloßpark, an dessen Rand das Denkmal errichtet ist, sowie auf den Teich und die Straße. Bei der Soldatenfigur, die inmitten des pfeilerumschlofsenen, von Bäumen überdachten Ehrenraumes aufragt, ist auf alles Bei- werk und auf jede sentimentale Geste verzichtet und nur das rein Menschliche betont. Gerade diese Schlichtheit läßt diese Figur als wahre Derkörpe- rung unserer Gefallenen empfinden. Der niedrige Sockel trägt das Laubacher Wappen mit den Jah- Ihren Namen darunter — mein Auto bringt Sie sofort nach Hause." „Ich denke, meine Mutter war bereits auf dem Wege hierher?" fragte Sybil, die sich diesen Hieb mit blanker Waffe nicht versagen konnte. Cody war auf solchen Einwand gefaßt gewesen. „Ich habe sie noch telephonisch erreichen können und ftc gebeten, von ihrem Besuch abzusehen", parierte er geschickt. „Das Auto ist noch nicht zurück, aber es muß jeden Augenblick da sein." „Kann ich die Erklärung lesen?" fragte sic. „Wozu? Das würde zu weit führen. Die Zeit drängt. Unterschreiben Sie!" „Es ist ein bißchen viel verlangt, daß ich selber meine Geistesgestörtheit bescheinigen soll", sagte Sybil und trat einen Schritt zurück. „Das sollen Sie durchaus nicht! Wer spricht davon? Was Sie unterschreiben sollen, ist nichts weiter als ein Zeugnis für meine absolute Unversehrtheit und die Ehrcnhaftip'.ll und Sorgfalt meiner Handlungsweise!" „Warum soll ich es bann nicht durchlesen?" „Einfach deswegen, weil die Phraseologie des Juristen jeder Frau fremd ist. Sie würden dies und jenes nicht verstehen, das würde zu Mißver- ftänbniffen und Erörterungen führen. Kommen Sie! Lasten Sie mich nicht langer warten. Ich habe Aufregung genug burch Sie gehabt. Meine Frau bar sich mit schwerer nervöser Ueberreizung ins Bett gelegt. Ich muß ins Dorf unb einen Arzt holen. Er ließ einen Tropfen Tinte in die goldene Feder laufen und reichte Sybil mit überredendem Lächeln den Halter. Sie näherte sich dem Tstck und sah jetzt, daß der Bogen mit sehr kleinen Schreibmaschinentypen bedeckt war. Als er ihren Blick sah, legte er rasch seine Hand über die Schrift Mit der anderen beutete er stumm auf eine freie Stelle. Schon wollte sie bie Feber ansetzen, denn sie war von dem Wunsch bcseett, ihre Freiheit wiederzugewinnen, gleichgültig, um welchen Preis ihres Stolzes. Da los fie zwischen seinen gespreizten Fingern eine verdächtige Zeile: Sollte die besagte Sydil Lansdown vor dem besagten Bertram Cody sterben, so . - „Nein, sagte fie ruhig unb fest, „ich unterschreibe prinzipiell nur, was ich Durber geprüft unb gelesen habe. Da fiel die Maske von seinem Gesich ab seine Kinnlaben verschoben sich, feine Lippen entblößten reszahlen 1914—1918 und die Inschrift: „Gedenket derer, die für uns kämpften, litten und starben.'" An den Pfeilern befanden sich Schrift platten mü den Namen der 70 Gefallenen unserer Stabt Fiaur, Sockel unb Namenplatten finb aus Muschelkalk her- gestellt. Die Maurerarbeiten wurden von der hie- fic’en Firma Rühl, das schmiedeeiserne, kunstvolle Tor von Schmiedemeister Kopp, die Zimmerarbeiten von Zimmcrmeister Franz und die Weihbinderarbeilen von Deißbindermeister Löwer von hier unter Leitung des Künstlers ausgeführt Es laßt sich nunmehr erkennen, daß er wohl daran tat, die uralten, zum Teil mit Efeu umrankten Parkbäume trotz mancher Gegnerschaft zu erhallen. nßflubatb. 5. Juni. Am Sonntag "r lernahm der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenclubs unter Führung von Stadtrechner Schmidt seine 6. Wanderung in diesem Dereinsjahr 3n zahlreicher Wa-derschar martchierte man 9 ilfct morgens vorn Ä.anfen* Hause ab. zunächst durch den .Duchwald" zum »Alten Heuweg", dann durch das .Tiefe TaT auf bc*- linken Seite des SeenbachS zur Alten- bain-S^jttener Straße. Don der vorderen Kuppe des »Fockenhain" bot sich ein herrlicher Fernblick in die Gießener Gegend. Insbesondere der Düns- berg hob sich malerisch von feiner Umgebung ab. Hieraul ging es zum .Petershainer-Hof . wo bei Förster Repp fröhliche Einkehr gehalten wurde. Den Rückweg nahm man über die Betzen- rödcr Höhe, von wo man Gelegenheit hatte das Schottener Auto-Rennen zu beobachten. Hieraus langte man über die .Haurteiler" und das „Sorgenlos“ (der Stä te eines früheren 3agd- schlosses unweit der Wetterquelle' um 7 Uhr wieder im Heimatstädtchen an. — 3n der H a u p t- versammlung des Laubacher Dor* fchuß-Bereins. die im »Colmfer Hof ftatt- fand, konnte eine Steigerung des Gesamtumsatzes von 5,1 Millionen Mark in 1926 auf über 9,5 Millionen Mark in 1927 sestgesteHt werden. Die Reserven sind auf 18 000 Mark an- gewachsen: die Ge amthastsurnme der Mitglieder betrug Ende 1927 : 298 000 Mark. Ts wurde ein Reingewinn von 4623,74 Mark erzielt. Die Bilanz schließt mit 56) 037.57 Mark ab Die Mitgliederzahl hat sich seit 1926 von 200 auf 203 erhöht. i Stümpert enrod, 5. 3unt Bei schönstem Wetter fand am Sonntag in dem zwischen Stumpertenrod, Zeilbach und Unterseibertenrod gelegenen Zeilwald das sogenannte Z e i l to a Id - f e st statt, ein christliches Wald est. da» alljährlich in dieser Zeit unter der Leitung des in der Dorskirchenbewegung weithin bekannten P'arrers Georgi aus Ermenrod veranstaltet wird. Hauptredner war in diesem 3abre der Prälat unserer Landeskirche. Professor t). Dr. Diehl. Er sprach über das Thema. „Uotjeit — Gotteszeit". 3m ersten Teile seines Vortrages führte er in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück, in diese furchtbare Rotzeit, die auch unsere Gegend heimsuchte. 3n anschaulicher Weise zeigte der Redner die furchtbaren Röte dieser Zeit, die hervorgerufen waren durch die Grausamkeit der verrohten Soldateska, durch die Pest deS 3ahreS 1635. durch die Hungersnot des Jahres 1636 und durch die religiösen Bedrückungen, bei denen gar viele ihres Glaubens wegen S>ab und Gut verloren. Diese Rotzeit war eine Segenszeit Es entstanden z. B. die schönsten Lieder unseres Gesangbuches, zu denen auch wir oft greifen, wenn wir in Rot Trost und Kraft suchen. 3n einem zweiten Vortrage behandelte dann der Redner in sehr eindrucksvoller Weise die Frage, waS wir aus dieser Rotzeit der Vergangenheit für unsere Gegenwart lernen könnten. Die ganze Feier war umrahmt von Liedern der Gemeinde, des Frauenchors Windhaufen, des Gesangvereins Elvenrvd, des Männerchors Ermenrod und von Musikstücken des PosaunenchorS ilnterfeibertenrob. Preußen. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, 5. 3uni. Die Spar - lasse der Stadt Wetzlar beging am 1.3uni ihr 25 i übrige« Bestehen. Si» hätte schon 1835 in die Erscheinung treten können, und damit hätte Wetzlar eine der ältesten Sparkassen gehabt, wenn dieser Plan nicht an der alten Wetzlarer Hypothekenverfassung gescheitert wäre. So wurde erst 1857 die Kreis- bie gelben Zähne, bie Augen versanken in bie ßib’ spalte. Er war nicht mehr ber joviale, rebegeroanbte alte Herr, er war ber verstockte, in Sünben ergraute Verbrecher, ber vor keiner Niedertracht zu- rückschreat. „Hnterschreiben Sie," brüllte er Sie an, „ober ich gebe Ihnen Veranlassung, Ihre Weigerung zu bereuen!" „Ich unterschreibe nicht. Bemühen Sie sich nicht länger", sagte sie kost unb ablehnend. Da riß er das Dokument vom Tisch und warf es in die Mappe. Diesen Moment hatte fie erspäht. Mit einem Sprung war sie an ber Tür. Schon hatte sie die Hand am Griff. Da packte er sie am Gelenk und schleuderte sie so kräftig zurück, daß sie zu Boden stürzte Er sah sie höhnisch an. Er gab sich keine Mühe mehr, sich zu verstellen. „jjier bleiben Sie, bis Sie kirre geworden sind, mein Fräulein Ich habe Jett, icn zg August 1928. vormittag» 10j Uhr, durch das unterzeichnete Gericht auf dem Rathaus zu Ober Bessingen versteigert werden. 5582V Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Der Lerftcigerungsoermerk ist am 1. Dezember 1927 In das Grundbuch eingetragen worden Insoweit Rechte zur Zeit der (Eintragung des Versteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gc- richt anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung de» geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Derstetgerungser- loses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgcsetzt werden. Diejenigen, welche ein der Dersteigrung cntgeaenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung ober einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizu- führen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des oer- steigerten Gegenstandes tritt. Sich, den 4 Juni 192«. Hessisches Amtsgericht. Bezeichnung der Grundstücke. Grundbuch für Ober-Bessingen »6.1,251.46: Ordn-Dr. 1, Flur 1, Ar. W Hofreit« im Ort (3ägerg. 1). 646 qm, 9000. - AM. Ordw-Ar. 2. Flur 1 ,Ar. 342.5 10 Grabgarten im Ort, 61 qm, 90. - AM. Ordn.-Ar. 3. Flur 1, Ar. 343, GraS- garten daselbst, 404 qm, 600.— AM. Blatt Ar. 78: Orbn^-Dr. 1. Flur 1, Grabgarten im Ort. 115 qm, 172.- AM. Orbn..Ar. 2, Flur 1, Ar- 267.5/10 Hof. reite im Ort, 184 qm, 1328 - AM- verbunden mit Tierschau am 13. Juni 9. bis 17. Juni 1928 Die Men, bludienverW «... $oi Warbeiter i dtluk' die n, 2?”1. gänzlich JS« volln männlichen forr, pfan Teil h" X ''ne al«r2 fc“*-» SÄ LÄS KiKz ärS« «ätoPlr Wie e Mtff Mansie ÄZS I eintt 2 doppeltem 'immenfttömenbe ^Itutlänbcrn i -M war sreüici nicht durch die Ic soph HäberU blend aus ou bleibt gevckrm methodolowschen tretet brachten t schastliche SymP um abspielte. U schiede Milchen i beiden Nationen Erstaunen klar, i noch, ebenso wie bohrend, nach Ur benb. aewisseonaf gedanllich immer unb auszubauen, deutschen Geistes formen - als E (ophie u|tD. - < Vertreter der I Deutschlands i immer noch als I sich dem einsichtft auf, daß vähreni Einführung in die b«rt aus Berlin kenntnistheorie lc aus Heidelberg s drängte sich schon Wissenschaften gew furfe der Untersch umfassenden Prob lehrten die sranzö abgezirkelte Thrmc 'Stuhl a'ls foen Aenschen" Pari-, »Perceptv del aus Straft! ufw. Die einzig mit seinen Dortr qoeJe r^el?" j über indische $ einer an die Zu stellenden Art L Abgremung dur europäischen Geis geben voraussehk lMhl in der TS. Behandlung war verkembar wie i Problematik und dm Deutschen. -Man könnte dic Lütgen um eine nennen, das fern öt< der forschende Nr. 131 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseii) Mittwoch, 6. Juni 1928 Lugend und Hochschule. Die Hochschulkurse in Davos. Von S. Mutden. Den folgenden Ausführungen fei der wohl unbestreitbare Sah vor ausgeschickt. daß man über die Davoser Hochschulkurse, die ein« wissen- 'chaftliche Veranstaltung ganz eigener Art dar- steilen, nicht auS der Ferne. londern nuv auS unmittelbarer Anschauung urteilen darf. Run. der Schreiber dieser Zeilen war in der glücklichen Lage, den Kursen seit ihrem ersten "Beginn biS zu ihrem Enta be1-.uw2h.1en. Er ist freilich mit einer gehörigen DvfiS von Kritik an diele Kurse herangegangen. Aber je länger er sich die Lache anschaute, desto bejahender wurde seine Stellung zu ihnen. Die Davoser Hvchschulkursc kann und muh man unter doppeltem Gesichtspunkt betrachten alS wissenschastliche Veranstaltung überhaupt und als eine Veranstaltung deutscher und französischer Wissenschaft insonderheit Diese beiden Gesichtspunkte fliehen freilich bei Unmittelbarer Anschauung zusammen. Was hier geboten wurde, reizte viel mehr zu einer völkerpshchologisch-wissen- schastlichen Betrachtung, zu einem Vergleich der Stellung und Behandlung der Probleme hüben und drüben, wir sie sich uni in den hier zusammen strömen den Gelehrten aus den beiden Kulturländern verkörperte. Auch die Schweiz selbst war freilich bei den Kursen vertreten, und nicht durch die schlechtesten Köpfe, wie der Philosoph Häberlin aus Basel, der Ethiker Me- d i c u S aus Zürich u. a. m Allein die Schweiz bleibt gewissermaßen auch im wilsenichastlich- rnethodologischeu Sinne neutral und ihre Vertreter brachten keinen Sonderton in die wissenschaftliche Symphonie hinein, die sich hier vor UNS abspielte. Um so mehr traten die Unterschiede zwischen den gelehrten Vertretern jener beiden Val innen hervor. GS erwies sich zum Erstaunen klar, daß der deutsche Geist immer noch, ebenso wie etwa im Zeitalter KantS, tief- bohrend, nach Umfassung des Unendlichen strebend, aewissermaßen jederzeit bereit ist, die Welt gedanklich immer wieder von neuem zu prüfen und aufzubauen. Die metaphysische Neigung des deutschen Geistes in allen ihren Offenbarung», formen - als Erkenntnistheorie, ReligionSpfri lo- fophie usw. — erwies fich gerade hier, wo die Vertreter der verfchiedensten "Richtungen au» Deutschlands Universitäten zusammenkamen, immer noch als höchst lebendig. Und es drängte fich dem einsichtigen Beobachter der Unterschied auf, das) während HanS Driesch aus Leipzig Einführung in die Metaphysik oder Arthur Lio bert auS Berlin über Grundprobleme der Erkenntnistheorie lasen, oder Erich R 0 t h 0 ck e r aus Heidelberg sich mit der Frage beschäftigte .Weshalb treiben wir Geistesgeschichte?", — es drängte sich schon In dieser ersten den Geistes- Wissenschaften gewidmeten Periode der Hochschul- kurse der Unterschied auf, daß gegenüber dieser umfassen den Problemstellung der deutschen Gelehrten die französischen zumeist ziemlich streng abgezirkelte Themata wählten, wie z. B. Levy- Br u h l aus Pari» .Die Psychologie des primitiven Menschen" oder 'Pieton. gleichfalls aus Paris, .Perception et affcctivitä* oder Blonde l auS Straßburg .Die Kollektivpsyckwlogie" usw. Die einzige Ausnahme bildete Gob lot mit seinen Vorträgen über das 'Thema „Qu’est-ce que Ic r6cl?“ Und wenn Mossvn-Oursel über indische Philosophie und Psychologie in einer an die Zuhörer sehr hohe Anforderungen stellenden Art las, so war doch auch hier die "Zkbgrenzung durch die Vergleichung mit dem europäischen Geist bedingt, den er eben als gegeben vorausseyte. Kurz, ein Positivismus foywfrl in der Wohl der Themata als in ihrer Behandlung war bei den Franzosen ebenso un- verkennbar wie die himmelstürmende Art. die Problematik und methodologische Vertiefung bei den Deutschen. Man könnte dies auf deutscher Seite auch ein Ringen um eine philositzchische Weltanschauung nennen, da» kennzeichnend ist für die Krisis, die der forschende Deist unserer Zeit selbst durch- Die akademischen Frauenberufe. Studienverhältnisse und Berufsaussichten. Von (trief? Brandt, Mitarbeiter im Studentenwerk Berlin. Berufe, die noch vor wenigen Jahren den Frauen gänzlich unzulänglich waren, sind ihnen heute in voller Gleichberechtigung mit ihren männlichen Kollegen erschlossen worden. Zum größten Stil handelt es sich hierbei um solche, die eine akademische Ausbildung erfordern. Es gibt heutzutage fast kein Studienfach mehr, in dem nicht der Frau, wenigstens auf dem Papier, die gleichen Entwlälungsmögllchkeiten geboten würden wie dem Manne. Praktisch werden die Frauen selbstverständlich noch große Schwierig- feiten au überwinden haben, um in den akademischen Berufen festen Fuß zu fassen. Eine Folgeerscheinung der Gleichstellung der akademisch gebildeten Frau ist in den lebten Jahren ein starker Andrang weiblicher Studierender zu den Hochschulen gewesen. Hinzu kam, dah leit 1923 auch die .Reifeprüfung der Ober- lhzeen volle Gleichberechtigung mit denen anderer höherer Schulen erhielt. Bis dahin waren nämlich die Studienberechtigungen für Frauen stark beschränkt. Zählte man vor dem Kriege, un Wintersemester 1913/14, an den deutschen Universitäten nur 3368 Studentinnen, d. h. 5.6 Prozent aller Studierenden, so ist biete Zahl im Sommersemester 1927 aus 9700 angewachsen, so dah die weiblichen Studierenden jetzt 13,3 Prozent der Gesamtzahl ausmachen. Interessant ist auch die Herkunft der weiblichen Studierenden. Fast die Hälfte stammt aus mittleren ober höheren Be- omtcnlreifen. Die also den meisten Wert Darauf legen, bas) ihre Töchter eine akademische Ausbildung erfahren. Aus bet Schicht bet Hanbel- unb Gewerbetreibenden kommen nahezu 3000 Studentinnen, während etwa 1000 den freien Berufen entstammen. Rur einen geringen Bruchteil stellt die Landwirtschaft, und Töchter der Arbeiterkreise sind nur ganz vereinzelt zu finden. Wir wollen jetzt die einzelnen akadentischen Frauenberufe näher betrachten und versuchen, lebt. Diese Krisis war bereits durch den ersten wissenscha'tlichen Vortrag, den Einsteins über die .Grundbegriffe der Physik und ihre Entwicklung? zum Ausdruck gebracht worden. da hier selbst auf dem physikalischen Gebiete auf das Verwogen des Kausalität-begriffs in überliefertem Sinne einer Adäquatheit von Ur- fache und Wirkung h.ngewiesen wurde Was Wunder, wenn dieser kritische Gedanke in den philosophischen SoIIoqukn mit den Zuhörern, namentlich unter Führung des ausgezeichneten philosophischen Pädagogen Arthur Lieber t auf Dem geifteSwissenschastlichen Gebiete erst recht fortgesponncn und auf den verschiedensten Gebieten. wie das Versagen der Erklärung durch das .Milieu" bei vertiefter biographischer For- schung oder die Unzulänglichkeit der Erklärung durch geschichtliche Kontinuität bei historischer Forschung ausgezeigt wurde? Zweifellos sprach fich in afiebern her Geist unserer Zeit aus. wobei nach meinem Geschmack sogar schon zuviel dem Begriff Der .Mystik" gehuldigt wurde. Den auch die Wissenickalt anzuerkennen habe. Allein nicht minder unzweifelhaft ist eS. daß es sich in diesem ganzen Ringen um eine Weltanschauung, um eine Philosophie, die auch die Vorgänge Der realen Welk erklären soll, um einen echt deutschen GeistcSzug handelt. Dieselben Unterschiede liehen sich aber auch — und das ist eine Bekräftigung des Gesagten — selbst in tat zweiten, den positiven Wissenschaften gewidmeten Periode tat Davoser Kurse seststsllen. Während z. B. Franz Oppenheimer ( Fraill- furt a. M.) über Theorie d?s Wertes und Preises laS, während v. Gottl-Ottilienseld (Berlin) über »Theorie d:s Wirtschaftslebens" sprach und frier, wie stets, die Problematik der Grundbegriffe der Rationalökonomie selbst betonte, las Hauser (Paris) über „Les nouveaux aspccts de l’industnc fran^aisc" oder wählte Picard (Lille) das Thema .Arbeitslohn und Arbeiterschaft"". Mit diesen Betrachtungen, die übrigens bte völkerpsychologischen Unterschiede der wisienschast- lichen Methoden, wie sie hier in Davos zutage traten, keineswegs als etwas Starres frin fiel len wollen, soll durchaus nicht der Eindruck erweckt werden, als feien die deutschen Gelehrten auf praktische Probleme überhaupt nicht eingegangen Um die'en Eindruck von vorneherein zu entkräften, fei beispielsweise auf G 0 ttls Vor Nag über den .FordiSmus alS hervvtrag.ndes pral- tifches "Beispiel .technische Vernunft' hingewiesen, der in “Der Einstellung dieses Beispiels als Vor- bild und der Propagierung der 3bet der Dienstleistung tat 3nbu|trie für Die Allgemeinheit (vor allem durch Verbilligung des Massenad- satzes, Verzicht auf Lu»uS-Dividenden und Beu- Investierung des Prosits) gipfelte. Ober aus den hochbedeutsamen Vortrag Mendelssohn- Bartholdys (Hamburg, über .Friedenssiche- rung durch Staatsverträge", der eine notwendige Ergänzung der Vorlesungen deS Schweizer RappardS über Entstehung und Funktionen des Völkerbundes barftellte. Schon auS dem Gesagten dürste sich nicht nur das allgemeine Bild der Hochichuikurte von Davos. sondern auch ihr praktischer Ruhen ergeben. Beide Länder. Deutschland und Frankreich, bieten hier sozusagen den Querschnitt ihrer Wissen- schasten bar. die frier zur Behandlung gekommen sind. Die Vertreter beider Länder. Dozenten wie Studenten, haben hier die einzigartige Möglichkeit, die beiderseitigen Methoden mit ihren Vor- und Rachteilen auS eigener Anschauung zu studieren — und neu zu lernen. Die grobe wissenschaftliche Anregung für alle Teilnehmer, sowohl die von auswärts gelommenen als die Ironien, frier schon früher weilenden Akademiker (insgesamt über 500) ist unzweifelhaft. 11 nb all das im unvergleichlichen Ra tu nahmen der Schweizer Berge, der so. gleichsam binnen Rächt, in Wahrheit aber dank unermüdlicher "Bemühungen des Organisators der Hochschullurse, Prof. Gottfried Salomon (Frankfurt a. M.) und seiner Schweizer Freunde zum Rahmen eines wissenschaftlichen Forums geworden ist. Wer eigne! sich zum Flieger? Von Dozent Di". X W. Schulte, Leiter der psychotechnischen Hauptprüfsielle für Sport und Berufskunde, Berlin. Für den Beruf deS Fliegers taugt nur ausgesuchtes Material: er. der bei aller zunehmenden Sicherheit des Flugbetriebes doch immer Herr des Gelingens ober Versagens ist, der stets durch Situationen gegangen Ist. wo der Tod an seine Schulter rührte und wo er doch mit herrischer Gebärde und eiserner Stirn handeln muhte — er muh stets gegen alle Zwischenfälle gewappnet fein, nie darf er bte Herrschaft über sich und seine Maschine verlieren. — Genaue Unfallstatistiken deS Flugwesens erweisen, dah man zwischen .objektiven", äußeren, und „subjektiven", in der Persönlichkeit deö Flugzeugführers gelegenen Ursachen unterscheiden muh. Trotz widrigster äußerer Schwierigkeiten hat es in Krieg und Frieden doch immer hervorragend kaltblütige und geistesgegenwärtige Flieger gegeben, die, bei schweren Vergaserbränden, mit in Brand geschossener Maschine, ja sogar nach .Abmon- tieren“, daS heiht Abbrechen eines TragdeckS in der Luft, glücklich Ianbeten. Anfänger und ungeschickte Flieger sind allzusehr geneigt, die Bedeutung von Auhenumständen zu überschätzen, während der erfahrene Schulleiter mit Recht immer wieder auf die Bedeutung der Eigenschaften deS Fliegers selbst hinweist und Ent- fcfrulbigungen nur bis zu einem gewissen Grade gelten läßt. Deshalb muh jeder Flieger, besonders aber der eine hohe Verantwortung tragende VerkefrrSsHeger. durch strenge Prüfungen und Schulungen gehen, ehe er endgültig zugelassen wird. Die Beurteilung feiner Tauglichkeit spielt seit dem Kriege eine große Rolle. Franzosen, Amerikaner, wir Deutschen, dann wohl fast alle Armeen haben in zum Teil groß angelegten Prüfungen zuerst ihre Flugzeugführer, bann auch ble Beobachter, untersucht' es ist ja bekannt, bah davon die moderne "Beruf6- eianungSprüsung ihren AuSgana genommen hat. Die Amerikaner gingen sogar so weit, im Experiment ihre Flugzeuganwärter bei künstlich markierten Abstürzen zu untersuchen. Vielfach ist die Widerstandsfähigkeit der AtmungSor- gane gegen das Fliegen in großen Höhen mit Hilfe pneumatischer Kammern bestimmt worden, in denen ßuftberbünnungen erzeugt werden, wie sie in Höhe von etwa 4000 Bietern (der kritischen Grenze) ab vorkommen 3n Deutschland wurden vornehmlich Gleichgewichtssinnprüfungen experimenteller Art vorgenommen, bei denen die Prüflinge mit verbundenen Augen in nach allen Raumlagen kippbare Schaukelstühle gesetzt wurden und stets die normale Hvrizontallaae ihrer „Bla- schine" durch einen Steuerknüppel wieder einzustellen hatten. Die Eignungsprüfung für den Flugzeugführer ist eine doppelte: wegen der hohen Anforderungen sowohl an die Gesundheit der körperlichen Organe wie bann auch besonders an die geistige Widerstandsfähigkeit und TatÜrreitschaft müssen Arzt und Psychologe zusammenarbeiten. Wahrend die ärztliche "Begutachtung der fliegerischen Tauglichkeit auf jeden Fall unerläßlich und im Kriege und heute wieder verschärft behördlich vorgeschrieben, bas negative Auslese- verfahren darstellt. daS alle auch nur irgendwie nicht vollkommen Geeigneten auSscheidet und je- ein Bild von den Aussichten und den Entwicklungsmöglichkeiten in den verschiedenen Fächern zu gewinnen. Fast al- einziges Studium, daS der Frau auch bis freute noch nicht vollkommen ofscnsleht. ist das theologische zu nennen. Wohl ist cs der Studentin möglich, nach einem ordnungsmäßig abgelegten Studium das Ab- schlußeffamen zu machen, aber es steht ihr bann nur Die Stellung einer Pfarrgehillin offen. Als solche kann sie jedoch nur Kinbcrgottesdienste und Bibelstunden abfraltcn, während ihr die Leitung eines HauptgottesdiensteS versagt bleibt. Anders liegen die Verhältnisse schon in der juristischen Fakultät. Hier hat man der Frau die gleichen Rechte wie tarn Manne zuerkannl. ES gibt auch schon mehrere weibliche Richter, jedoch sind sie noch sehr selten und es steht auch zu erwarten, daß sich ihre Zahl in der nächsten Zeit nicht beträchtlich erhöhen wird. Praktisch findet nämlich die Frau gerade hier große Schwierigkeiten, so daß man eigentlich den Richterberuf noch gar nicht alS einen Frauenberuf anfprechen kann. Weit günstiger ist dagegen die Stellung der Rechtsanwältin. AIS solche ist die Frau auf dem besten Dege, sich neben dem Biarme erfolgreich durchyufetzen. Besonder- aussichtsreich erscheint hier bie Ent- wicklungsmöglichkeit. wenn sich die Rechtsanwältin auf Frauenrecht^ebiete spezialisiert. Dem männlichen Kollegen völlig gleichgestellt ist aber die Frau schon lange in der Medizin. Es gibt fast 2000 Aerztinnen, bie ein gutes Auskommen finden. Auch frier ist eine Spezialisierung als Frauen- oder Kinderärztin anzuraten. Obwohl bie Zahl ber weiblichen Mebiziner per- hältnismäßig schnell wächst, sind die Berufsaussichten für sie doch wesentlich günstiger alS für bie männlichen Aerzte. Erschwerenb kommt allerbings für das medizinische Studium die lange Ausbildungszeit hinzu bie nach den neuen Bestimmungen ab 1. Juni 1928 sogar elf Semester erfordert. Ganz besonders aussichtsreich erscheint auch für Frauen das zahnärztliche Studium, bas gleichzeitig mir sieben Semester dauert. Der größte Teil aller Studentinnen wendet fich jebtxfr der Phil 0 l 0 gi.e und den Lehrberufen zu. Auch frier sind in den letzten Jahren grundlegende Wandlungen ein getreten. Der in den meisten Fällen angestrebte Beruf ist wohl ber ber Studienrätin, weil gerade in den Lehrstellen an den Oberlyzeen die Frauen noch lange nicht in dem Maße vertreten sind, wie dies zu wünschen wäre. Das Studium dauert acht Semester und wird durch ein Staatsexamen abgeschlossen. Daran reihen sich noch zwei Jahre praktischer Vorbereitung, nach denen wiederum ein Examen abgelegt werden mutz. Die Aussichten sind aber nicht ungünstig, nach weiblichen Lehrkräften ber naturwissenschaftlichen Fächer herrscht sogar eine rege Rachfrage. Ein völlig neuer akademischer Beruf, ber noch den Frauen offensteht, ist durch bie Reuordnung ber Volksfchullefrrerausbil- b u n g geschaffen worden. In Preußen ist feit 1925 das Reifezeugnis für daS VolkSschullehrer- ftufrium notwendig, das in einem oierfemeftrigen Lehrgang an einer pädagogischen Akademie erfolgt. Bisher sind vier solcher Akademien ge- schassen worden. Es gehen auch viele Bestrebungen dahin, rein weibliche Akademien inS Leben zu rufen. 3n einer Denkschrift deS preußischen Kultusministers wurde zum Ausdruck gebracht, daß in Preußen jährlich etwa 3150 männliche und 1050 weibliche Lehrkräfte benötigt würden. Die Aussichten scheinen jetzt aber noch günstiger zu fein, well durch die Reuordnung der Ausbildung eine mehrjährige Unterbrechung ber fortlaufenden Rachwuchsergänzung ein getreten ist. An weiteren Lehrberufen bieten sich den Frauen noch die der Handels - ober Sportlehre- r i n. Die Ausbildung der ersteren erfolgt an einer der fünf deutschen Handels-Hochschulen, sowie an den ilnioerfitäten Frankfurt. Köln und Hamburg. Sie dauert in Preußen sechs Semester und erfordert außerdem nodfr ein 3afrt praktischer Tätigkeit. In Hessen, Bayern und Württemberg ist ber Studiengang ein ähnlicher. Rach dem Studium legt bie Studentin eine Diplomprüfung ab und erhält nach ifrter Anstellung den Tllel: Handelsoberlehrerin. Erne Zeitlang waren ble Aussichten sehr gut, fraben sich aber letzthin wieder verschlechtert. Die Sportlehrerin findet ihre Ausbildung an ber Deutschen Hochschule für Leibesübungen in (Sfrartottenbürg. Für dieses Stuben Bewerber im wahrsten Sinne taS Wortes biS .auf Her-, unb Rieten" prüft, hat die psy- choiechnische Eignungsprüfung die Aufgabe, .ne positive Veranlagung in bezug auf Die nervösen. seelischen und geistigen Fähigkeiten, die zum Fliegen in gleichem Maße wie körperliche Gesunofre.'. erforderlich sind, festzustellcn. - Betrachten wir zunächst die Anforderungen an die SinneStüchtiglcit des Flieger«, also an die Zuverlässigkeit der Organe, die die Eindrücke bet Außenwelt üvermitteln Die Bedienung der Steuerorgane, der Knüppel- oder Handradsteuerung für Höhcnsteuer und Verwindung Wie der mit tarn Fuß getretenen Seitensteuerung, erfordert besondere« Feingefühl in bezug aus den Tast-. Mustek- und Kraftsinn der Gliedmaßen und ihre Gelenkempsindlichkeit Auch die Ruhe unb Sicherheit der Hand pflegt charakteristisch für die (S-gmmg des Nervensystem« zu fein. Wir prüfen bieie Fädigkeiten mit besonders gebauten Apparaten, ähnl.ch tote bei unseren Kraftfahreruntersuchungen. mit Hilfe von bestimmten 2lpva- raten. die reden kleinen Fehler genau angeben. Das Ohr wird in der psychotechnilchen Prüfung genau auf ^nterscheidungSsäfrigkeit für Motor- geräusche und Propeiiersurren geprüft, weil man beim Fliegen immer wieder daraus angewiesen ist. das AuSsetzen ber Zündung in einzelnen Zylindern sestzustellen und nicht au überhören. An da» Auge werden bie gleich frohen Anforderungen gestellt w,e an die Sinnestüchtigkelt deS .GefüylssinneS" Hier ist insbesondere zu ?'rufen daS Augenmaß, hauptsächlich daS räum- iche oder Entfernungsschätzen, das bei ber sich rasend verringerten Geschwindigkeit ber landenden Maschine eine ausschlaggebende Rolle spielt DaS Vorstellungsleben ist sodann für den Flieger besonders wichtig. Er braucht zunächst eine schnelle, absolut zuverlässige AufsassungS- unb Beobachtungsgabe um in kürzesten Bruchteilen einer Sekunoe die jeweilige Situation zu erfassen unb darauf zu reagieren. Sein unb seiner Fluggäste Leben bangt buchstäblich an seinen Berten unb seinen psychischen Kräften. Der Flieger muß eine .kurze Leitung" haben (er selbst nennt eS trefsend .Frühzünbung"): er muß mit Gebankenschnelle bie Lage beurteilen, ohne sich von Ihr innerlich erschüttern zu lassen, er muß im richtigen Moment die richtige und genau abgewogene Reaktion finden. Er Darf niemals den Kops verlieren, niemals auS ber Fällung geraten, niemals alles verloren geben Guter praktisch-technischer Blick, sofortiges Einfühlungsvermögen für bie Maschine erleichtern ihm fetne Leistung sehr und erhöhen seine Selchstsicherheit. Auch im Laboratorium lassen sich alle diese Gigenschasten, meist experimentell, prüfen. — DaS Gefühlsleben spielt beim Flieger eino besondere Rolle. Der gute Flieger ist zwar von geistig lebhafter Art' aber fein Temperament ist nach außen hin ruhig, beherrfcht. sicher, abae- glichen. „er hat die Ruhe weg". Sensitive. leidenschaftliche, reizbare Raturen sind zum Fliegen ungeeignet. Eiserne Ruhe der inneren seelischen Verfassung, Widerstandsfähigkeit gegen plötzliche heftige Schreckmize (Knalle oder Lichlblitze), auch Widerstandsfähigkeit gegen Monotonie (bei langen Flügen), gegen den lauten, oft unangenehmen Lärm des Motors, llnbeeinflufjbar- reit durch gefühlsstarke Defahrreize — all daS muß ber Flieger in höchstem Maß« besitzen. —- Eng damit zusammen hängt die WillenSbean- spruchung Er muß unwillkürllche. durch Schreckreize ausgelöste Bewegungen unterdrücken können. Mui. perlönlicher Mut. Opfermut, Schmerzüber- toinbung unb andere ethisch-durralterologifche Eigenschaften braucht jeder Flieger. — Glücklich ber, welcher ber .Knochenmühle" des ArzteS unb der _ Folterkammer' deS Psychologen entronnen ist unb nun .schulen" darf, bis eines Tages ber erste Alleinflug bie ernsten Bemühungen krönt. Dann rollt die Maschine zum Startplatz, die Hcniinfchuta fliegen zur Övitc, die Zähne werden zusammengebissen. alle Sinne zusammengenommen, bann wirb Vollgas gegeben unb, ton eigener Hand gelenkt, hebt sich leicht und umnerklich bie Maschine. bi um, das sechs Semester bauert unb durch ein Diplomexalnen abgeschlossen wirb, ist gleichfalls ein Reifezeugnis erforderlich. Die "Berufsaussichten scheinen auch hier nicht ungünstig, obgleich eine solche Sportlehrerin nur bei Vereinen ober an Privatschulen tätig fein kann. Das Diplomexamen berechtigt nämlich bis jetzt noch nicht zur Anstellung als Turn- unb Sportlehrerin an öffentlichen Schulen. Als andere, oft gewählte Studienfächer find noch Landwirtschaft unb Ehem 1 e zu erwähnen. Gerade in ber Landwirtschaft scheinen aber die Verwendungsmöglichkeiten ber akademisch gebildeten Frau überaus beschränkt zu sein. Das Studium dauert hier zur Erreichung des Diplomtitels sechs Semester unb erfordert acht Semester für den Doktorgrad. Roch fchkechter sind bie Aussichten für bie Chemikerin. Die Ston- kurrenz ber männlichen Bewerber ist fo groß, die Rach frage so gering, daß in dieser Richtung für Frauen wenig Entwicklungsrnöglichkeiten bestehen. Hier wurden natürlich nur die wesentlichsten Berufe herauSgegriffen, bie für bie Berufswahl einer angehenden Akademikerin besondere "Bedeutung haben können. Wohl sämlliche akademischen Frauenberufe stehen noch im Anfang ihrer Entwicklung, unb es werben schon in ben nächsten Jahren nod) weitere, beachtliche Fortschritte in bet Gleichstellung ber Akademikerin zu verzeichnen fein. Ehrungen deutscher Gelehrter. Die Akademie der Wistenschaften in Wien zeichnete das 1924 erschienene Werk „ttörperftellung" des im vergangenen Jahre verstorbenen deutschen Phy- fiologcn Rudolf Magnus, Utrecht, mit der Hans- Horst-Meyer-Medaille und dem damit verbundenen Geldpreise aus — Kum Ehrenmitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klaffe wurde Richard H e r t w i g - München ernannt. — Zu korrespondierenden Mitgliedern wurden Erwin Schrödinger. Berlin, Viktor Goldschmied- Göttingen und August H a m m a r - Upfata gewählt. — Zum Ehrenmitglied der philosophisch-bistorischen Klasse ist Wilhelm Meyer-Luebke - Bonn ernannt worden, zu korrespondierenden Mitgliedern Paul Kehr-B«Än und Ainar ßoeffteot-ßunb. Wirtschaft. Oie Konjunktur Ende Mai. Das Snftihit für Konjunkturforschung schreibt in feinem neuen Dierteljahresheft zur Lag« der Konjunktur Ende Mai: Die Beschäftigung hat sich in den letzten Monaten -war saisonmähig gehoben, im übrigen aber ihren Stand nicht allgemein behaupten können. Insbesondere sind Produktion und Beschäftigung in den wichtigeren Derbrauchsgüter- industrien weiter gesunken: bei den Pro- duktionsmlltelindustrien konnte der verminderte Inlandabsah durch verstärkten Auslandabsah in gewissem Grade ausgeglichen werden. Auftragseingänge und A o h st o f f einfuhr halten sich bei sinkender Tendenz noch auf hohem Stande. Jedoch wachsen die Lagervorräte — wenn auch letzthin vielleicht nur saisonmähig — weiter an. Während die Llmsatzmengen bisher stärker gestiegen sind als die Preise, verringern sich jetzt die Ilmsatzmengen bei steigendem Preisniveau. Die kurzfristigen Kredite, namentlich die Wechselziehungen, haben, bei verminderter Inanspruchnahme der Äotenbanken, in Industrie und HandÄ zugenommen. Eine gewisse Erleichterung ergibt sich allerdings durch den Zufluß von Auslchidkapi.al. Im ganzen ist die gegenwärtige Konjunktur- lage dadurch gekennzeichnet, daß die jahreszeitliche Aufwärtsbewegung der Wirtschaft eine Atempause gibt. Eine entscheidende Entspannung ist aber noch nicht eingetreten. Ohne die ausländische Kapitalzufuhr hätten die Spannungen sich wahrscheinlich verstärkt. Bei den in den letzten Jahren angewachsenen Kapitalreserven dec Volkswirtschaft ist es frellich denkbar, daß sich während der saisonmähig gegebenen Atempause die Liquidität der Wirtschaft verstärkt und so ein schärferer Rückschlag hintangehalten wird. * Der Eisenerzbergbau im Lahn- Dillgebiet und Oberhessen im Mo- n a t Mai. Der schwedische Streik hat dem Eisensteinbergbau immer noch keine merkbaren Vorteile gebracht, weil die Hütten infolge Mangels an hochwertigen Schwedenerzen aL8 Ersah in erster Linie andere hochwertige Auslanderze bevorzugen, um das Ausbringen der Hochöfen nicht zu verschlechtern. Erst wenn eine Knappheit an Erzen überhaupt eimritt, kann der Lahn- Erzbergbau mit verstärkten Abrufen rechnen. Eine gewisse Schwierigkeit entstand für die über Oberlahnstein auf den Rhein zu versendenden Erze durch den Schifferstreik. Jedoch war es bisher möglich, durch Heranziehung fremden Kahnraumes den Erzversand aufrechtzuerhalten, wenn auch mit finanziellen Opfern für die Gruben. In der Berichtszeit muhte wiederum eine Grube mangels jeglicher Aussicht auf irgendwelche Erleichterungen in den Produktionsbedingungen stillgelegt werden. * F ra n k für terGasgesellschaft.F rank- furta.M. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Frankfurter Gasgesellschaft wurde der Abschluß für das Jahr 1927 vorgelegt. Der Betriebsgewinn beträgt 10,53 (im Vorjahre 10,31) Millionen Mark. Nach Deckung der Unkosten mit zusammen 5,57 (5,45) Millionen Mark, der Steuern mit 1,06 (0,98) Mill. Mark und der Konzessionsabgabe mit 1,33 (1,27) Millionen Mark, sowie nach 1,07 (1,05) Mill. Mark für Abschreibungen, bleibt einschließlich eines Vortrages von 88 543 (74 467) Mark ein Reingewinn von 1 586 418 (1 634 789) Mark. Die Verminderung dxs Reingewinns ist aus die Belastung durch den Zinsendienst für die 1927 erworbenen Kohlenfelder ^zurückzuführen, die jedoch zum größten Teil durch günstigere Betriebsergebnissc ausgeglichen werden Fonntc. Aus dem Reingewinn sollen 79 321 Mark der Reserve überwiesen und 1 350 000 als kprozen- $tige (7 Proz.) Dividende verteilt werden, wobei die 5 Mill. Mk. neue Aktien nur für ein halbes Jahr an der Dividende teilnehmen. Tantiemen erfordern 60 710 Mark, wonach sich der Vortrag auf 96 388 (88 543) Mark erhöht. Die Gasabgabe erhöhte sich im Betriebsjahre weiter um 3,20 Millionen Kubikmeter oder 4,36 v. H. auf 76 638 200 Kubikmeter. Dje Generalversammlung findet am 30. Juni statt. * Deutsche Contine nt ole Gasaesell schäft, Dessau. Der Aufsichtsrat der Deutschen Continentalen Gasgesellschaft, Dessau, hat beschlossen, aus dem Reingewinn von 6 487 625 Mark (im Vorjahre 5 317 486 Mark) die Verteilung einer Dividende van wieder 8 v. H auf das erhöhte Aktienkapital von 75 000 000 Mark (im Vorjahre 60 000 000 Mark) vor zuschlagen. ' Genehmigung der Zellstoff- bilanz. Die G.-B. der Zellstoffabrik Wald- Hof genehmigte antragsgemäß alle Dorschloge. GS wurde also beschlossen, aus i)em nach Abschreibungen in Höhe von 3153 953 Mark verbleibenden Reingewinn von 3 733 077 Mark eine Dividende von 7 Prozent auf die Vorzugsaktien A., von 6 Prozent auf die Vorzugsaktien B.. von 12 Prozent auf die Stammaktien und von 6 Prozent auf die 590 000 Mark Genuß scheine zu verteilen und 330 977 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. Auf eine Anfrage teilte der Vorstand mit, daß sich der Geschäftsgang nicht viel geändert habe, doh das Geschäft immer noch aut sei und daß die Produktion zum größten Teil verkauft und der nichtverkaufte Rest wohl ohne Schwierigkeiten untergebracht werden könne, auch bei der vergrößerten Kapazität des Kehlheimer Werkes. ®tc Preise hätten sich noch nicht geändert, doch hätten die starken Unterbietungen zum Teil wegen des schwedischen Streikes nachgelassen. Arankfurtcr Börse. Frankfurt o. M., 6. Juni. Tendenz: fest, im Verlaufe schwächer. Die schon vorbörslich in Erscheinung getretene Er h o l u n g konnte zu Beginn des offiziellen Verkehrs weitere Fortschritte machen. Die festere Haltung der gestrigen Neuyorker Börse, die Ablehnung des Tariferhöhungsantroges der Reichsbahn durch die Regierung gaben der Börse eine kräftige Stütze, so daß die Spekulation verschiedentlich Rückkäufe vornahm. Da ober die Beteiligung seitens des Auslandes und des privaten Publikums nicht sehr groß war, beschränkte sich die Umsatztätigkeit im wesentlichen nur auf bevorzugte Werte. Auch sonst waren im allgemeinen gegenüber der gestrigen Abendbörse Kurserholungen bis zu 3 v. Sy zu verzeichnen. Am Montanmarkt waren besonders Rheinische Braunkohle rnit> plus 9 d. Sy lebhafter gehandelt. Mannesmann waren knapp behauptet. Polyphon eher angeboten und ver- nachlässigt. Von Zellstoffwerten machte sich für Zellstoff Aschaffenburg stärkeres Interesse bemerkbar. Im Zusammenhang hiermit waren auch Zellstoff Waldhof mit 4,5 v. Sy gefragt. Am Chemiemarkt konnte sich das Geschäft nur langsam ent- wickeln, doch zogen J.-G.-Farben 1,75 o. Sy an. Scheideanstalt konnten 2,5 v. Sy gewinnen. Trotz des guten Kaliabsatzes blieben Kaliwerte nur gut behauptet. Am Elektromarkt waren Siemens lebhaft gehandelt und mit plus 4,25 d. Sy gefragt. Auch Licht & Kraft konnten 2,5 v. Sy gewinnen. Am Bankenmarkt traten Reichsbank mit plus 5 o. Sy stärker hervor. Am Metallbankkonzern waren Metallgesellschaft 3 v. Sy erhöht. Am Rentenmarkt waren Türken bei kleineren Käufen weiter eine Kleinigkeit fester. Deutsche Anleihen still und eher vernachlässigt. Im weiteren Verlaufe erfuhr die Tendenz eine allgemeine Abschwächung, do sich der Ordermangel stärker bemerkbar machte. J.-G.-Farben wurden mit minus 4,5 o. Sy, Rheinische Braunkohle mit minus 3 d.Sy, AEG. minus 3,5 d.Sy und Siemens minus 5,5 o. Sy angeboten. Auch der Geldmarkt erfuhr eine weitere Entspannung. Am Devisenmarkt lagen Devisen weiter sehr fest. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1855, gegen Pfund 20,434, London gegen Kabel 4,8825, Paris 124,18, Madrid 29,25, Mailand 92,70, Holland 12,10. Berliner Börse. Berlin, 6. Juni. Die Erholung der gestrigen Neuyorker Börse hatte schon im heutigen Dormit- tagsoerkehr zu stärkeren Deckungen geführt. Die Tendenz war entschieden freundlicher, zumal verschiedene günstige Momente vorlagen. Man verwies auf die Ablehnung der Tariferhöhung bei der Reichsbahngesellschaft seitens des Reichskabinetts und auf die in den legten Tagen in der Presse angeschnittene Frage einer evtl. Diskontermäßigung. Man wollte ferner wissen, daß die gestrigen Abgaben größtenteils von der Spekulation ausgegangen waren und heute wieder zu Deckungen geschritten werden wurde, wenn neue Kaufaufträge einträfen. Die Kauflust hat aber doch unter den Schwankungen der letzten Zeit gelitten: das Geschäft, das vorbörslich an einigen Märkten noch recht lebhaft war, ließ zu den ersten Kursen wieder nach. Allerdings hielten die Käufe der Börse selbst schon aus Materialknappheit bei den Spezialwerten an, so daß hier eine recht beträchtliche Erhöhung erzielt wurde. Im allgemeinen uneinheitlich wurde auf gestriger Schlußbasis gehandelt. Papiere wie Berger, Wikina Zement, Beinberg, Glanzstoff, Feldmühle, Konti Kautschuck, Tietz, Rheinische Braunkohle, Schlesische 8-Gas und Polyphon 5 bis 15 u. Sy höher. Besonders schwach lagen Schubert Lc Salzer minus 6,5 v.H. Deutsche Anleihen freundlich. Ausländer ruhig. Mazedonier und Anatolier höher. Der Pfandbriefmarkt lag still. Farbenbonds 153 Geld. Der Geldmarkt war etwas leichter. Tägliches Geld 5,5 v. Sy bis 7,5 v. Sy, Monatsgeld 7,5 v. H. bis 8,5 o. Sy Warenwechsel 6,88 bis 7 v.H. Im Verlaufe gaben die Kurse im allgemeinen 1 bis 5 v. H. nach. Nachdem die Deckungen der Spekulation beendet waren, mochte sich das Fehlen neuer Kauf- Oer Salzburger Zunsteniag. Der berühmte deutsche Iuristentag, der in diesem Jahr Mitte September in Salzburg stattfindet, wird nach seinem jetzt vorliegenden Programm sich mit außerordentlich wichtigen und die deutsche Öffentlichkeit interessierenden Problemen beschäftigen. Im Fragengebiet der öffentlich-rechtlichen Abteilung werden zwei Gutachter, denen dann jeweils zwei Berichterstatter geaen- übergeftefit sind, über das Problem sprechen: „Machen Interessen der Rechtspflege es notwendig, das gesamte Iustizwesen auf das Reich zu übertragen?" Gerade auf diese Debatte, die in den Rahmen der jetzt viel erörterten und umstrittenen Probleme des Uni» tarismus und des Föderalismus sich abspielen Wird, ober die Frage selbst rein theoretisch und sachlich behandelt, darf man sehr gespannt sein. Weiter wird Ministerialdirektor Dr. Dorn aus dem Aeichsfinanzministerium über das Problem sprechen, ob es sich im Interesie einer gesunden Finanzwirtschaft empfiehlt, die bestehenden Grundsätze über die Bewilligung der Einnahmen und Ausgaben für dieHaus- orbers bemerkbar. Trotz der Abschwächung war die Stimmung aber durchaus nicht unfreundlich. Gegen 1 Uhr trat eine allgemeine Abschwächung ein. Stork angeboten waren vor allem Polyphon mit minus 12 d. Sy gegen Anfang. Frankfurter löerrcidctwrie. Frankfurt a. M, 6. Juni. Der Frankfurter Produktenmorkt verkehrte in flauer Haltung. Die schwachen amerikanischen Notierungen wirkten verstimmend. Besonders Weizenmehl war mit 0,50 Mk. billiger angeboten, auch Noggenkleie gab 0,25 Mark nach. Sonst blieben die Preise im allgemeinen behauptet. Umsätze waren kaum zu verzeichnen. Es wurden notiert: Weizen 26,50 bis 26,75 Mark: Roggen 28; Hafer, inländischer, 28 bis 28,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 25; Mais (gelb) für andere Zwecke) 25; Weizenmehl, süddeutsches (Spezial 0) 37,50 bis 38,50: Roggenmehl 39,50 bis 40; Weizenkleie 14,50 bis 14,75; Roggenkleie 17 Mark. Tendenz: flau. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Juni. Trotz bei Festigkeit der gestrigen nordamerikanischen Terminmärttc wiesen die 6if Offerten für nordamerikanischen Weizen keine Veränderung auf. während die argentinischen Forderungen fogar etwas nachgiebiger waren. Westernroggen war sowohl von der ersten als auch von der zweiten Hand in den Forderungen erhöht. Geschäft in Auslandgetreide kam bisher nicht zustande. Das inländische Brotgetveideangebot verringert sich von Tag zu Tag. Von Weizen macht sich namentlich gutes Material kncchper. Der Bedarf der Mühlen ist zwar auch keineswegs groß, das herauskommende An«:bot guter Qualitäten findet aber lausend, auch für den Export nach Polen, Unterkunft. Roggen fehlt in guter Waggonware fast gänzlich, Kahnware ist nur spärlich angeboten. Infolge der Knappheit an passendem Offertenmaterial entwickelte sich bei leicht an^iebenben Preisen nur geringes Geschäft. Am Lieferungsmarkte beeinflußte die etwas festere Meldung vom Verlaufe des Liverpooler Marktes die Stimmung in günstigem Sinne, so daß sich Weizen und Roggen leicht zu befestigen vermochten. Für Weizenmehl macht sich etwas bessere Bedarfsfrage geltend, nachdem die Abschlüsse langsam abgewickelt worben sind. Roggenmehle sind au gestrigen Preisen gefragt, von der Provinz liegt nur wenig Angebot vor, worin sich teilweise die infolge schwieriger Materialbeschafiung vorgenommenen Betriebsstillegungen kleinerer und mittlerer Mühlen zum Ausdruck bringt. Hafer in guten Qualitäten knapper angeboten und vom Konsum reger begehrt, abfallendes Material dagegen weiter vernachlässigt. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märt., 262 bis 265, Juli 283,75 bis 283 Brief, Sept. 272 Vries, Oft. 271,50 Brief (still); Roggen, märk.. 278 bis 280, Juli 274 Bries. Sept. 254, Olt 254,50 (ruhig); Sommergerste 250 bis 280; Hafer, märk., 262 bis 268: Mais, zollbegünstigter Futtermais, 237 bis 240 (stetig): für je 100 kg: Weizenmehl 32,25 bis 36,25 (stetig); Roggenmehl 36,25 bis 39 (stetig): Weizenkleie 16,75 bis 17 (beb.); Weizen!leiemelasse 16.75 bis 17,25; Roggenkleie 18,50 (behauptet); Viktoriaerbfen 50 bis 60: kleine Erbsen 35 bi- 40; Futtererbsen 24.50 bis 26; Peluschken 24 bis 24,50; Ackerbohnen 23 bis 24; Wicken 25 bis 27; Lupinen, blau 14.25 bis 15,50; Lupinen, gelb, 16 bis 17; Serradelle, neu 23 bis 28; Rapskuchen 18.80 bis 19; Leinkuchen 23 bis 23,60; Trockenschnihel 15,20 bis 15,40; Svhaschrot 20,80 bis 21,40; Kartoffelflocken 26,20 bis 26,80 Mark hatte des Reiches und der Länder zu änbernf Auch zu den Fragen der Reform des Strafverfahrens wird Stellung genommen werden, der Senatspräsident am Reichsgericht, Dr. Lobe, und der österreichische Generalstaatsanwalt H öp- l e r. werden zu dem Thema .Mit welchen Hauptzielen wird die Reform des Strafvev- fahrens in Aussicht zu nehmen fein?“ sprechen. Schließlich werden auch wirtschafts- und finanz- rechtliche Probleme auf der Tagung zur Erörto rung kommen. Reaierungsral a. D. Leh nich. der kürzlich ein bedeutsames Buch über daS Kartellprvblem veröffentlicht hat. und der österreichische Generalsekretär Dr. Weih-Wallenstein werden zu dem Problem sprechen, ob sich eine Aenderung und Vereinheitlichung der deutschen und österreichischen Kartell- gesetzgebung empfiehlt? Auch nach den anderen weiteren Programmpuntten ist zu erwarten, daß die diesjährige deutsche Iuristen- tagung wiederum ebenso interessant wie letztes Jahr wird, da man sich im Gegensatz zu Wissenschaftlern und Fachmännern anderer Gebiete hier mit solchen Problemen beschäftigt, die die Allgemeinheit und ihre Lebensinteressen in hohem Maße berühren. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei 'Beranttoortung.) Gießen — Klein-Konstant ttiopel. Ich bewundere von Tag zu Tag mehr, wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen (Strafieiuügen in bezug aus Sauberkeit werden. Während gewisse Straßen und die Anlagen sauber und schmuck aussehen, werden andere Straßen in einer Weise vernachlässigt, daß ihr Eindruck, auf Fremde zumal, besamend für unsere Stadt fein muß. Ich spreche hier insbesondere für „meine" Straße, die Reustadt. Schweigen wir vom Pflaster, das längst bei so starkem Durchgangsverkehr hätte modernisiert werden dürfen. Was aber heute bereits abgestellt werden könnte, ist die Hundeplage. Hunde jeder Art und Größe treiben sich den ganzen Tag in der Reustadt umher. Tagsüber kann man dutzende Male die Tiere vom Haus vertreiben. Macht man morgens sein Geschäft auf. dann kann man zunächst Ladeneingang und Schaufenster reinigen, weil die Tiere in der Rächt und am Morgen ihr Geschäft verrichtet haben. Ich habe schon alle möglichen Mittel versucht, die angeblich Hunde verscheuchen Entweder haben sie nichts getaugt, oder sie sehen — wie z. B. Schwefelblüte — am Haus nicht gut aus. Ich frage nun: 1. Kann die Polizei nicht verhindern, daß Hunde frei herumlaufen? (Leider habe ich auch schon beobachtet, daß ..Herrschaften" ihre Hunde am Haus ihre Notdurft verrichten lassen, und wenn man was dagegen sagt, bekommt man noch freche Antworten, etwa, ob denn das ..arme Tier" eS einhalten solle?) 2. Kann mir jemand sagen, ob es ein unsichtbares und wirksames Mittel gibt. Hunde vom HauS abzuhalten? SM. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 6. Juni. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 7.9unk Fronleichnamsfest. Gießen. 6J0 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Korn- munlon; 9: Hochamt; 9.45: Prozession. 11: Messe; 2: Festandacht mit Segen; 8: Beichtgelegenheit. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. Freitag, den 8. Juni. Feier des Großen Gebets. Gießen. 6 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten; Beginn der Betstunden; 6, 7, 8 und 9: hl. Messe. Die Betstunden werden von morgens 6 bis abends 8 Uhr gehalten; die letzte -stunde ist um 8 Uhr, darauf Prozession in der Kirche und feier- sicher Schluß. Beichtgelegenheit ist morgens von 6 Uhr an. Die hl. Kommunion wird vor und in allen Meßen ausgeteilt. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bl» 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt eingefandte Dlanuffriplc ohne beigefügte» Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die binter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. — ReichSbankdiSkont 7 Prozent. LombardzinSfuh 8 Prozent. ftrauhfurt a. M Berlin Schluh- flure >-Uhr- Kur» Sdjiuh ftnr» Anfang Äure Lamm 5 6. 6.8. 5.6. | 6. «. 5% »t. Reldi4anleU)e o. 1927 H7.26 «7 — Dl. Lnl.-Adlbl.-Lchulb mit 1 nt- lo|.-9trd)lin....... 61.5 — 61.5 51.fi Desai, ohne -luIIol.-Rechtr . . . 7% firanlf. Hnp.-Bk. OolbVf. uu- 19.6 19.75 19.5 kündbar bt» 1938..... 92 — — — 4k% Bihduiw Hyp.-Vant Liqu.- »oibpf............ 77,3 816.0*. abfl. PorttUifli-CMIflarton., rückzahlbar 1933..... — • 4% Schweiz. Bundc4b..«nl.. 4% LeNrrreiMche «olbrte.. — — — — — 30 — 4,80% Lestrrr. LUbernr. . . 3.7 — • 4C„ Cfflcrrddi. einbeitl. flhr — — * 4% NnganiHc »oldrle...... 4% Unaartjwe LiaatSr. ». 1910 26,25 — 36,4 — 4V,% tk-6(il. Don 1913 . . . — 26.6 — 4% Unnatiidic Kronenrie.. . — 1,8 — 4% Tüll. ZoUoiUride v. 1911 13.9 13 13.5 12,9 4°„ Turhfdw iSaadadbabn-ÄnI., kifrtf 1......... 4’,, be4flL Serie 11..... - 13 13.5 12.76 - 13.5 12.7 4"o Rumänen coiivert. Rtc. . • * 4%®o Rumänen Ololbanl. von 1918 81,9 21.75 — MQfl. Deunckc Üilcndahn . . — 169 Hambura-ÄmerUa Palet . . Hamd.-^üdam. Dampstch. . . b t < 3,25 169,4 169.5 . 8 - ZU panch Damptzchty..... 10 - — 214.75 315.5 Biotbbeutfd)« Qloob .... . » 161,9 I6U.9 169,5 Mllfl. TeutldK (IttlHtonfL . . 10 — • 143.5 143 Barmer Banlvrrrta ... 10 151 — IM. 25 161.ti Berliner HandeUael.'lllrb. . . n — — 179 87#.. tSommfq. und Prlval-Banl . 11 195 193 191 192.5 Darm'1. u. ‘JUartonaUxml 19 :m.:ö 284 80 <83.5 DeuUUie Bank ..... 10 175.75 173.75 173.25 174 ttttontwBfltUfdjalt «Nt.. . 10 170.26 168 169 Dresdner Banl .... 10 •71.75 169,j 169.5 l7u ®Hncl6fut|d« ($rtbltbanl . . . 9 — — 214 MelaUdanl........ . 8 158 * 155.5 156,5 Wrtd>4kinl........ 19 •s» «Ü.L «5.5 ?*4 Fraubfurla-M Berlin Schluß, flirre 1-Uhr- flur» SdMufpl »nfang Aure flur. Datum: | 5. 6. 6 6. 1«... । 6 6 U.1T.C4........ 187.25 189,25 187 189 Bergmann ..... ülfttt. Lieferungen. . ■ » . . 9 212 212.5 Z15 10 237.5 — 181.75 183 Licht und Ihoft . . . - ■ ■ 10 240 237 239.25 Hellen A oiufllemimf. . 6 135 135,25 134.25 135.25 9.5 Hamb, ttieftr. Werte . • - 10 — — 162 164 25 Wbrtu. üleltr..... e e ■ . 9 — —1 17.3 174 echieL üiefrr..... • 10 — 247 254.5 cdiucfert...... • . 8 212,5 214 212.5 ZU leiftnen» * Haeffn« . . . Südd. Zocker..... • . 10 . . . 0 . . . 5 . . . 6 . . . 0 ... 6 . . 11 . . . 0 ... 4 . . . 8 . . . 8 . . 10 • . . 8 • . . 8 . . 10 . . . 8 . . . 8 1111 ।। z «a-? " AZ E sli1।«s2i•1äi111। 254 1253,75 85 84.» 127.5 i 32i 327.5 25 > - 71.5 I - I 90 । - — 1 — — । — 155.5 | 154 66.L 114 । 205 209 156.5 । Baufuoten. tkrttn, 5 Onni Veld amrrtlantfttx 9».3J J8.45 KbrifHania 111,95 112,70 111,27 (12,19 .flovendagen 112,14 113,46 112,17 112.39 €t(xfbolm 112,09 1U.JI 112.15 112,37 ßelfinarorl. 10.518 10.538 10.52 10.54 tjtctizr.. . . 42,02 4-*.% 21.02 22,06 jfonbon. . . 40,402 »0,442 30.114 20,454 Wen nett . . 4.1790 4,1870 1.1850 4,1895 Bari». . . . Schwett - . 16,425 16..65 16,435 16,475 50.56 'O.ja M),j6 60,72 Svaliten . . 69.72 bV.86 69.75 69.89 Jovan . . . *to de Fan 1.958 1.963 1,958 1.962 >5015 9.5032 0.502 1.504 Vien in D - Ceft adgett -8.81 58.93 ->8.82 58.94 Prag . . . velirad . . □ ,387 12.401 13,889 12.409 7.35« 7,371 7,35b 7,378 Vndaoest. . Bul arten 72,97 73,11 71.97 73,11 3,01? 3.023 4,022 4,028 Viflabon 18.03 18.07 le. na 18.12 TanUo 51.54 »1,70 41.53 81,69 Äonft.ntin. 4.150 2,1.4 2.151 2,155 Alden . . Tanada 7.415 5,425 5,415 5,415 1.281 4,289 4,174 4.180 Urn non . 4.171 4,179 4.276 4.284 Tatro . . . 30 525 ». 96* 30.935 40.975 llk. 026 %it 5d)flDl a bei tii»nl SelM Don unf Derlin, ■ find, smd die ( Einigung de (anb wieder g" ja auch nahero, hat zumal m o Gründung in schlaggebe.^e veil er sich vm lefiungen nw Acre Trupp« selbständig uiW den nächsten M stets auf Äofl ralenSedan die Kriegsjahrc Richters fanden einigimg und Die sammen, aber de liberalen Partei macht vorden; c Demokraten imir Dasein. 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