Ur. 286 Erstes Blaff 178. Zahrgang Mittwoch, 5. Dezember 1928 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Siebener FamilienblStler Heimat im Dill» Die Scholle. Bezugspreis siir 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Krantfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vrvS und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch' und Zleindruckerel «.Lange in Gietzen. Schristleltung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gieszen. Die Agrarkrisis. Abschluß der LanbivirtschaftSdebatte im Reichstag Berlin, 4. Dez. (DDZ.) Der Reichstag setzte Sie Aussprache über die Rot der Landwirtschaft fest. Qlbg. Freybe (Wirtsch.-Part.) führte aus. die Rot der Landwirtschaft sei eine Folge Zkr verkehrten Wirtschaftspo itik. die seit der Staatsumwälzung getrieöen worden sei. Die Siedelvng von Bauernsöhnen in der Ostmark müsse gefördert werden. 3n der Milchwirifchast sollte die Landwirtschaft zur Standardisierung ihrer Waren übergehen. Sie sollte auch bei anderen Produkten sich mehr den Bedürfnissen der Verbraucher anpas'en, um dem Ausland gegenüber konkurrenzfähig zu bleiben. Das zollfrei« Ee riersleischkon'.ingent mü se vollkommen aufgehoben werden unter allgemeiner Herabsetzung des bestehenden Zollsatzes. Vor allem müsse dem im Ausschuß abgelehnten Antrag der Wirischastsparlei entsprechend das jetzige System der Gefrierfleischverteilung geändert werden. 2Ibg. langen (Dem.) meint, der deutschen Landwirtschaft könne nur geholfen werden, wenn die Landwirte sich selbst verständigen und über die Parteigrenzen hinweg die Landwirtschaftspolitik nach rein sachlichen Gesichtspunkten treiben. Man darf nicht Klein aegen Groß, Norden gegen Süden, Pächter gegen Verpächter ausspielen wollen. Andererseits muß die Landwirtschaft ein» sehen, daß sie nicht isoliert vorgehen, sondern nur in Verbindung mit allen anderen Wirtschaftsgnip- pen vorwärtskommen kann. Dem Bauern gleitet das Stück Boden, mit dem er durch Generationen verwachsen ist, unter den Füßen weg, und er kann trotz aller Arbeit gegen diese zunehmende Verschuldung nicht ankämpfen. Alle landwirtschaftlichen Produkte liegen unter dem Preisniveau der übrigen Waren, nämlich weit unter den sonst üblichen 150 bis 160 Prozent der Vorkriegspreise. 5ür_ den Großgrundbesitz ist eine Sanierung nur möglich durch Abstoßung von Grundbesitz zu Siedlungszwecken. Der Landwirtschaft Ist nicht allein im wesentlichen mit Zöllen zu helfen. Solange aber an den europäischen Grenzen, die zum Unheil Europas um 13 000 Kilometer verlängert worden sind, noch Zölle bestehen, kann Deutschland nicht eine Oase der Zollfreiheit bilden. Allzu pessimistisch ist die landwirtschaftliche Verschuldung nicht anzusehen. Die deutsche Landwirtschaft ist in der Lage, die Zinsen zu tragen, wenn b e r Staat i h r entgegenkommt. Der Finanzminister sollte verzichten auf die jetzt von den kleinen Bauern aufgebrachten 60 Millionen Einkommensteuer; sie lohnen nicht die Erhebungskosten. Die Realsteuern müssen beschränkt werden auf (i,75 v. $). des Einheitswertes. Die Rentenbankzinsen müßten davon abzugssähig sein. Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.): Man spricht immer von der Rot der Landwirtschaft. Die erkennen wir nur bedingt an. Wir wenden uns aber gegen Uebertreibungen. Man kann nicht jahrzehntelang behaupten, daß man in jedem Jähre 15 bis 20 Prozent von der Substanz zu- seht. Große Spekulationsgewinne, wie in Industrie und Handel, werden in der Landwirtschaft nicht gemacht. Aber es trifft nicht zu. daß die Landwirte ihren Lebensunterhalt nicht finden könnten. Die deutsche Arbeiterschaft will nicht durch chre ©teuergroschen eine Subventionspolitik für unwirtschaftlich geleitete Landwirtschaftsbetriebe ermöglichen. Durch die Bauemdemonstratio- nen lassen wir uns nicht verblüffen. Wenn es zu toll kämmt, dann wird die Arbeiterschaft sich einmal überlegen, was dagegen zu tun ist. Für die Erhöhung von Getreidezöllen ist die Sozialdemokratie nicht zu haben. Aber sie stimmt für einen höheren Zuckerzoll unter der Bedingung, daß dadurch der Zucker für den Verbraucher nicht verteuert wird. Wir sind für ein Getreidemvno- pvl. um eine Stabilisierung der Preise zu erreichen. Wenn der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrats. Dr. Brandes, sogar für ein Viehmvnopol eintritt, dann treten totr Sozialdemokraten diesem Vorschlag unseres politischen Gegners bet ^eichseniähnrngöminister Dietrich beantwortet dann die Interpellationen zugunsten des Weinbaues. Er weist darauf hm. daß die Finanzämter von sich aus nach Eingehen der ersten Rachrichten über die Frost- sthäden bereit# Steuererleichterungen gewährt hätten. Der Minister ersucht weiter um Ablehnung des Antrags der Wirtschaftspartei auf Aenderung der Gefrierfleischvertei- lang. "Bei Annahme des Antrags würden bje Fleischer nur ein Fünfhundertstel ihres Fleischverbrauchs mehr erhalten. Die angeregte Erhöhung der Getreidezölle würde nach dein Ergebnis der Preisstatistik die erwartete Wirkung auf die Getreidepreise nicht haben. Mit dem sozialdemokratischen Redner bin ich ganz darin einverstanden, daß die Subventionspolitik auf- hören muß. Man kann es aber kaum Subventionen nennen, wenn Kredite gegeben toerben zu Zinssätzen, wie sie die Landwirtschaft nicht erschwingen kann. _ , _ Abg. Reddenriep (Chr.-Ratl. Dauernp.) verlangt eine grundsätzliche Aenderung der Wirtschaftspolitik im Sinne größeren Zollschutzes für die Landwirtschaft. Die Revision des Dawesplanes müsse mit allen Kräften erstrebt werden. Notwendig sei auch die steuerliche Entlastung der Landwirte. Der Reichstag habe gar nicht den ehrlichen Willen, den deutschen Dauern zu helfen. Bnand spricht über die Locarnoenttäuschung. Frankreich hat keine Versprechungen gemacht, die nicht erfüllt sind — sagt Briand. Paris, 4. Dez. (WTD.) In der Kammer ergriff Außenminister Driand das Wort und dankte zunächst dem Berichterstatter dafür, daß er die Tätigkeit der ftanzösischen Diplomatie als eine Tätigkeit für den Frieden, für die Organisation des Friedens, für die Aufrechterhaltung des Friedens bezeichnet habe. Man hat eine tendenziöse Kritik an meiner Rede in Genf geübt. Eine gewiße Propaganda hatte die Deutschen dahin gebracht, anzunehmen, es wäre möglich, schon letzt Dinge zu erzielen, die eben noch nicht erzielt werden können. 3m übrigen darf man meiner Genfer Rebe nicht den Sinn geben, den sie nie gehabt hat. Ich habe nur geantwortet, weil der Reichskanzler Müller mit viel Mäßigung nicht weniger gesagt hatte, als daß Driand eine doppelseitige Politik betreibe. Die gesamte deutsche Presse sagte am anderen Tage: Run hat Frankreich endlich die Worte gehört, die man sagen mutzte. Da ich Frankreich vertrete, so habe ich das Bedürfnis empfunden, den Vertretern aller Rationen zu erklären, dah Frankreich ebenso sehr wie jedes andere Land den Frieden wolle, dah es Anhänger der Entwaffnung fei. Aber wenn, so fährt Driand fort, zwei große Länder, wie Frankreich und Deutschland, die Cadres eines Heeres besitzen, eine mächtige Industrie, Millionen von Menschen, die einen großen Krieg durchgemacht haben, ist es ihnen immer möglich, Krieg zu führen. Rach dieser Rede waren alle Mih - Verständnisse beseitigt und die Verhandlungen, die Sie fernten, konnten eingeleitet werden. Driand spricht alsdann van der Locarno- Politik. In Deutschland habe man erllärt. sie habe Bankrott gemacht, während sie tatsächlich einen Erfolg erzielt habe. Man habe den Pakt von Locarno etwa so dargestellt, wie dcn Hut eines Zauberers, aus dem man alle möglichen Gegenstände hervorholen könne. keinerlei Bedingung sei vor dem Abschluß gestellt, und als Reichskanzler Dr. Luther im Laufe der Verhandlungen habe ein Memorandum über die deutschen wünsche unterbreiten wollen, habe er es nicht in (Empfang genommen. damit er keine Verpflichtungen über- nehme, die er nicht halten könnte. Jetzt aber, nachdem er nach der Unterzeichnung Kenntnis von den deutschen wünschen genommen habe, müße er erklären, daß diese Probleme i n ihrer Gesamtheit durchgesührt worden seien und daß Frankreich nach dem Pakt von Locarno alle deutschen wünsche ersüllt habe. Es fei im Rheinlande ein Regime errichtet worden, das nicht mehr denselben Charakter trage wie früher. Kein gutgläubiger Mensch könne dies ab- leugnen. Deutschland habe aus Locarno einen großen Nutzen gezogen, der viel größer sei, als es ihn vor den Verhandlungen über den Pakt erwartet habe. Als der Reichskanzler in Genf den Wunsch ausgesprochen habe, Verhandlungen mit Frankreich über das Rheinland ein» zuleiten, habe sich Frankreich zu diesen Verhandlungen bereit erklärt. Die Vertreter der Alliierten seien zusammen- getreten und Reichskanzler Müller habe zu ihnen gesagt, Deutschland hat das Recht, d i e sofortige Rheinlandräumung z u fordern. Frankreich und England haben darauf mit dem vertrage in der Hand geantwortet: „Das ist nicht richtig. Deutsch- land hat dieses Recht nicht." Driand spricht alsdann von der Einsetzung militärischer Kontrollmissionen. Es h.ndele sich hier nichc um eine MUitärkontrolle im eig.n lichen Sinne des Wortes. Die Militärkontrolle sei durch den Vertrag von Versailles vorgesehen, imb wenn ein Land sie nicht verstärkt wissen wolle, so gewih Frankreich, well es der Meinung sei, daß eine solche für beide Länder erniedrigend sei. Etwas anderes sei die in Lvcarito vorgesehene Kontrolle, die auf die Schaffung von Ausgleichsausschüssen abziele, die in der Lage wären, die Schwierigkeiten zu lösen, die zwischen beiden Ländern entstehen könnten, ohne daß sie vor den Völkerbund gebracht werden würden. Das wäre ein Zieh das man zu erreichen wünschen müsse. Driand beschäftigte sich dann mit Ausführungen des radikalen Abgeordne.en Francois Albert über die A n s ch l u h f r a g e. Man könne den Anschluß nicht durchführen ohne Zustimmung des Völkerbundes. Die Rationen vor eine vollende.a Tatsache zu stellen, wäre ein ernster Akt, eine Lleberraschung dieser Art könnte Rückwirkungen auf die Aufrechterhaltung des Friedens haben. Wenn es auch berechtigt sei, wie man das ja getan habe, vom Selbstbestimmungsrecht der Völker zu sprechen, so habe man niemals das Selbstmordrecht der Völker ins Auge gefaßt. Wenn in einem Lande 9/10 der Bevölkerung es auf den Selbstmord abgesehen habe und als Ration verschwinden wolle, und wenn nur Vio der Bevölkerung diesen Gedanken ab lehne und an den Traditionen sesthalten wolle, dann habe man nicht das Recht, dieses Vio zu zwingen, den anderen zu folgen. Driand appellierte schließlich an das europäische Gewissen des österreichischen Dolles, damit es nicht unter Verkennung der gegenüber dem Völker- I bund und gegenüber den zivilisierten Rationen übernommenen Verpflichtungen den Weltfrieden störe. Chamberlain im französischen Schlepptau. Berlin lehnt die Ehamberlainsche These ab. Unter Berufung auf das Protokoll der „Großen Drei" und spätere Auslegungen. BcrHn, 4.Dez. (1DIB.) Die Deutsche Diploma- tisch-Poutische Korrespondenz hält den Ausführungen Chamberlain« über die juristische Seite der Räu- mungrftage du» bekannte Protokoll der „Großen Drei" vom 17. Juni 1919 entgegen, worin erklärt wird, dah die verbündeten Mächte die Erhaltung der militärischen Besetzung bis zur vollständigen Erfüllung aller Reparationsbestimmungen nicht gefordert haben, weit sie der Ansicht gewesen seien, daß Deutschland dazu genötigt sein werde, vor dem Ablauf der Frist von 15 Jahren die Beweise guten willens und die notwendigen Garantien zu geben. Solche Garantien, fährt die Korrespondenz fort, sind, und zwar gerade für die Reparationsverpflichtungen i n einer unanzweifelbaren und unantastbaren Form und in einem Ausmaß durch das Dawesabkommen gegeben worden, wie man das bei Abfassung des Artikels 429 oder des erwähnten Schreibens der drei alliierten Staatsmänner noch nicht einmal ahnen konnte. Demgemäß ist die Ansicht der konsultierten Juristen, einschließlich der Mehrzahl der englischen Kronjuristen, eine der Ehamberlainschcn These, der alten Behauptung der französischen Rationalisten, durchaus entgegengesetzte. Und erst am 8.November hat der britische Schahkanzler L h u r ch i l l Im Gegensatz zu dieser Lhamberiainschen Auffassung an der gleichen Stelle formell erklärt, als er gefragt wurde, ob die Reparationsregelung mit der Räumung des Rheinlande» verknüpft sei: e i n . d a s ist eine getrennte und auch wünschenswerte Angelegenheit". In jedem Falle kann man die Darlegungen de» britischen Außenministers nur aufs allerentschiedenste zurückweisen, wie die» die englische Presse selbst übrigens schon getan hat. Bei Aufrechterhaltung einer solchen Auffassung würde man gegendenwortlautdes vertrage», gegen seine eigene Interpretation durch seine Urheber, gegen die Ansicht der meisten Juristen, gegen den Sinn aller Garantien und Verträge der letzten fünf Jahre den Vorwand nicht nur für die Aufrechterhaltung, sondern auch für eine Verlängerung der Rheinland- bcsehung aus Jahrzehnte erheben, wenn es der Zweck dieser Erklärung gewesen sein sollte, auf die Reichsregierung einen Druck in der Reparations- frage auszuüben, so sei schon jetzt festgestellt, daß diese ev kategorisch ablehnen wird, irgendwelche Konzessionen in dieser Frage unter dem Druck der Räumungsfrage zu machen. festige Angriffe der Opposition. Eine unbeschreibliche Zumutung für Deutschland. London, 4. Dez. (WTD.) Unter der Hebet- schrift „Ein neuer Schnitzer" schreiben die liberalen „Daily Rew s and Westminster Die meisten der vorliegenden Anträge werden den Ausschüssen überwiesen. Sofort angenommen wird ein Zentrumsantrag, der eine Erleichterung der Belastung der Landwirtschaft durch Rentenbankzinsen fordert. Weiter ein Zentrums antrag, der vorbeugende Maßnahmen gegen die Einfuhr ausländischer Lebensmittel wünscht. Hebung der Geflügelzucht, Anschluß der Lohndreschereien an die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften, einheitlichere Viehseuchenbekämpfung und schnei- lere Veröffentlichung der Diehzählungsergebnisse find die Forderungen weiterer Anträge der Deutschen Vollspartei. die sofort angenommen werden. Ein weiter angenommener Antrag der Deutschnationalen ersucht um schleunige Vorlegung des Berichtes über die Gesundheitsverhältnisse der Landarbeiterinnen und über die St ra>lingssterblichkeit in den Landarbeiterfamilien. Anträge auf Erhöhung des zollfreien ®e- frierfleischkontingentes werden abgelehnt, ebenso der Antrag der Wirtschaftspartei auf andere Verteilung des Kontingentes. Das Haus vertagt sich auf Dienstag, den 11 Dezember. Oie Notlage der älteren Angestellten. Berlin, 5. Dez. Der Gewerkschafts- bund der Angestellten hat sich in einer längeren Eingabe an den Reichstag gewandt, in der eine durchgreifende Hilfe für die älteren Angestellten gefordert wird. Die Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, alle freien ©teilen vorzugsweise mit älteren Angestellten zu besetzen. Die Begrenzung der Krisenunterst ü tz u n g für ältere Angestellte soll auf 52 Wochen festgesetzt und die pleoerführung in die Wohlfahrtspflege beseitigt werden. In einem einge’ügten Gesetzentwurf über die Unterbringung erwerbsloser Angestellter wird verlangt, daß sich die Bevorzugung bei der Be'etzung freier Stellen auf Angestellte beiderlei Geschlechts, die das 40. Lebensjahr überschritten haben, beziehen soll. Diese Verpachtung der Arbeitgeber soll ruhen, wenn der Arbeitgeber mehr <üs 30 Prozent aller Angestelltenstellungen in genanntem Sinne besetzt hat. Severing unterrichtet sich. Berlin, 4. Dez. (Priv.-Tel.) Reichsinnenminister ©e bering ist heute in Essen mit Vertretern des Deutschen Metallarbeiterverbandes und in Duisburg mit den christlichen Metallarbeiter-Gewerkschaften in Fühlung getreten. Rachmittags fand in Düsseldorf eine Besprechung mit dem Arbeitgeberverband Rordwest statt. Der Innenminister wird morgen nach Berlin zurückkehren. Man nimmt an, daß er im weiteren Verlauf seiner Prüfung die Parteien nochmals einzeln und später gegebenenfalls gemeinsam zu Besprechungen laden wird. Heute nachmittag fand eine Besprechung der freien Gewerkschaften in Essen statt. Wahlen in der Tschechoslowakei. Prag, 4. Dez. (Priv.-Tel.) Zum erstenmal feit der Verwaltungsreform find in der Tschechoslowakei am Sonntag Wahlen zu den Landesund Dezirks'oertretungen vorgenommen worden. Sie haben den Oppositionsparteien rund 3,4 und den Regierungsparteien etwa 3.1 Millionen Stimmen gebracht. Bei Parlamentswahlen wäre der Regierungsblock also unterlegen; in diesem Fall jedoch kann die Prager Regierung auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen ein Drittel der Landes- und Bezirksvertreter ernennen und damit in diesen Körperschaften eine ihr günstige Mehrheit zustande bringen. Diese Bestimmung ist seinerzeit aber in der Hauptsache angenommen worden, um nirgends nichttschechische, namentlich deutsche Mehrheiten zuzulassen. Das Deutschtum selbst versuchte sich gut zu halten. Die Erfolglosigkeit der Mitarbeit deutscher Parteien an der Regierung hat jedoch zu einer starken Abwanderung deutscher Wähler zu den deutschen Oppositionsparteien geführt. Die Wahl des Bundespräsidenten in Oesterreich. Die Lozialdemokraten für Hainisch. Die Haltung der Christlich-Lozialen. Wien, 4. Dez. (WTB.) Der sozialdemokratische parlamentarische Klub hat sich bereit erklärt, dem Vers assungsgesetz zuzusrim- men, das die Bestimmung der Bundesverfassung, wonach die Wiederwahl eines Bundespräsidenten für die unmittelbar folgende Funktionsperiode nur einmal zulässig ist, für die gegenwärtige Präsidentenwahl außer Kraft sehen würde. Als Begründung wird angeführt, daß der Klub die Wiederwahl des gegenwärtigen Bundespräsidenten für die ganze Wahlperiode ermöglichen wolle, um die Wahl eines klerikalen Parteimannes zum Bundespräsidenten zu verhindern. Der Beschluß wurde durch den Abgeordneten Dr. Danneberg im Christlichsozialen Klub mitgeteilt. Wie die „Reue Freie Presse" erfährt, hat dieser Beschluß im Christlichsozialen Klub große Verstimmung hervorgerufen. Die Christlichsozialen erklären, daß sie einer Verfassungsänderung nicht zustimmen könnten, die die Wahl des klerikalen Parteimannes verhindern solle. Ein solcher Beschluß bedeute für sie eine Herausforderung, auf die sie nur ablehnend antworten könnten. Im übrigen werde im christlichsozialen Lager bezweifelt, daß Dr. H a i n i f ch unter solchen ilinftänben die Wiederwahl annehmen werde. Der Obmann des Christlichsozialen Klubs begab sich zu Bürgermeister Dr. Seih, um ihn von den Bedenken der Christlichsozialen Partei zu unterrichten. Die Lage wird durch den Beschluß der Sozialdemokraten und die ablehnende Haltung der Christlichsozialen sowohl hinsichtlich der Präsidentenwahl wie auch im Rationalrat selbst wesentlich erschwert. .ßAren-ln$.. -üiflö. •Röst Seydtsl «jeK IbM U Coruna Dienstag, 14,Dezt>.l928.7h aWs. WT, Seit euer Steuerdebatte im Hessischen Landtag Winterbeihilse für Erwerbslose und Fürsorgeberechtigte bewilligt den Augen Deutschlands, sondern in denen der ganzen Welt außerhalb Frankreichs. „Daily News" schreibt ferner in einem Leitartikel: Indem der britische Staatssekretär des Aeußern P, mcares phantastische Auslegung des Versailler Vertrages formell akzeptiert, gibt er der französischen Regierung das Recht, ihre Truppen auf derllschem Gebiet zu behalten, bis der letzte Pfennig der Reparationen bezahlt ist, d. h. für 30, 40 oder 50 Jahre. Das ist eine ungeheuerliche Zumutung, die auch bei engster Auslegung des Vertrages nicht haltbar ist. Sie widerspricht in gleicher Weise dem gesunden Verstand und den Verpflichtungen politischer Ehre. Wenn Chamberlain nur ein Zehntel der Weisheit und dcS Mutes besähe, die er seinem hohen Amt schuldig ist, würde er offen und ohne Bemäntelung sagen, daß Großbritannien sich weigert, Frankreich Aus atter Welt. Opfer der Berge. Montag werden zwei Münch Winterbeihilfe für die Erwerbslosen und Zürsorgeberechtigten, denen durchschnittlich 40 Mark bewilligt werden sollen, wofür die Mittel den Gemeinden als Darlehen aus der Staatskasse gegeben werden sollen. Abg. LeuchtgenS (Bbd.) erklärt, daß die Regierung über die reichsgesetzlichen Vorschriften hinausgehe, wogegen er Verwahrung einlege. Die Regierung dürfe aus die Gemeinden und Fürsorgeverbände nicht einwirken. Gr erblickt hierin eine Irreführung und einen Mißbrauch. — Abg. A x t (Vrp.) verlangt Fürsorge namentlich für die Rentner. Minister K o r e l l stellt fest, daß ein Verstoß gegen Reichsgesehe nicht vorliege. Rach seiner Auffassung komme die Regierung im Rahmen der letztjährigen Unterstützung, ihrer Fürsorgepslicht nach. Eine Anrechnung auf die Kteinventner- fürsorge werde er nicht anordnen. Ser Werkspionageprozeß in Ludwigshafen Wirtschaftliche Hintergründe der Rheinlandbesehung. weiterhin schwächlich Gefolgschaft zu leisten in einer gefährlichen Politik des aggressiven Mili- tarismus, der unter der üblen Redensart von der nationalen Sicherheit verborgen ist. Der Pariser Berichterstatter der „Daily Rews" meldet: Chamberlains Rheinlanbserklärung hat in Frankreich ungeheuren Jubel erregt. Es ist feiten einem britischen Minister in den letzten Jahren so großes Lob gespendet worden, wie jetzt Chamberlain. Das Arbeiterblatt „Daily Herold' schreibt: Die Wirkung der ganzen Erklärung Chamberlains auf die Deutschen besteht darin, bei ihnen den Eindruck zu erwecken, daß die in Locarno erregten Hoffnungen dreiIahre späterwiedervereitelt worden sind und daß man zu einerPhnse pedon- tischen Äeharrens auf den Bestimmungen (oder vielmehr auf der rücksichtslosen Auslegung der Bestimmungen) des Versailler Vertrages zurückkehrt. Gazette": Chamberlains gestrige Erklärung über die Reparationen wird mit Unbehagen gelesen weroen. Auf die Dauer werden die meisten Leute denken, daß es wesentlicher für uns ist. unsere eigene Ehre z u wahren, als Frankreich gefällig zu sein. Er ist daher eine ernste Angelegenheit, daß der Staatssekretär des Aeuhern diese völlig neue Doktrin verkündet, daß die Räumung des Rheinlandes nicht ein Recht sei, das sich aus der regelmäßigen Erfüllung aller laufenden Reparationsverpflichtungen durch Deu.sch'and ergibt. Einen solchen Standpunkt einzunehmen, h:ißt einfach, den Versailler Vertrag zu einem Trugbild und zu einer Falle machen. Die Franzosen haben dem Artikel 431 stets eine Auslegung gegeben, die ihm jeden Sinn nimmt, aber wenn wir ihrer Führung folgen, dann machen wir uns unehrenhaft nicht nur in Sie meine Kenntnisie über die J.°G. verwerten, wie Sic wollen", das war so der Grundgedanke der Aeußerungen Schwarzwälders gegenüber dem Fran- zosen. Schwarzwälder war aber keineswegs billig in seinen Forderungen. Er verlangte 30 000 Mark, um seine Familie sicherzustellen. Schwarzwälder habe bei einer dritten Zusammenkunft den Franzosen einige Kontakte übergeben, damit sie sehen sollten, wie Schwarzwälder informiert sei, um auf die 30 000 Mark einzugehen. Als ihm 300 Mark auf den Tisch gelegt worden seien, von denen 100 Mark für Hellmann bestimmt waren, erwiderte Schwarzwäl- der: „Ich aroeite für Trinkgelder nicht". Schwarzwälder erklärt, leider habe er nicht gewußt, daß der Glyzerinverfuch Millionen wert sei. Der dritte Angeklagte, der Laboratoriums- arbeiter Richard Müller, will durch Hellmann mit den Franzosen bekanntgeworden sein. Hellmann habe ihn auf seine schäbige Kleidung aufmerksam gemacht und ihm gesagt: „Ich kann dir Verbindungen mit den Franzosen verschaffen. Du kannst doch Geld brauchen." Einige Zeit darauf bekam Müller einen Brief, in dem er gebeten wurde, ins Kleine Bürgerbräu in Ludwigshafen zu kommen. Im Lokal habe sich ein fremder Herr dem Müller genähert mit der Frage: „Sie arbeiten doch vornehmlich in Phosgen?" Der Herr habe erklärt.' er sei von der Konkurrenzfirma. Müller könne schönes Geld verdienen. Später habe er einen Ausweis hervvrgezogen. Darauf habe „Stoeßel" gestanden. Stoeßel habe hauptsächlich Interesse für Phosgen gehabt. Unter anderem habe er die Frage gestellt ob das Phosgen für Kriegszwecke hergestellt werde und au3 welchen Jahrgängen die Bestände seien. Müller lieferte in der Folgezeit den Franzosen Angaben. Er habe insgesamt 90 Mark bekommen. WSR. Ludwigshafen, 4. Dez. Heute morgen begann vor dem Erweiterten Schöffengericht Ludwigshafen der Prozeß wegen Werkspionage zugunsten Frankreichs bei der I.-G.- Farbenindustrre. Der Angeklagte Hellmann bestreitet, gewußt zu haben, daß es sich um Fabrikgeh^imnisse handelte. Er führt seine Bekanntschaft mit den Franzosen auf die Bemühung um eine Stellung in Toulouse aunicE, da ihm die Verhältnisse bei der I.-G.-Farbenindustrie zu „rigoros" gewesen seien. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie er dann in Ludwigshafen mit den Franzos en Verbindung bekam, gibt Hellmann an. eines Tages im Dürger- bräu zeitungSiesend gesefsen zu haben, als ihn plötzlich vom Rebentisch her jemand ansprach: „Sie sind doch in der Anllinfabrik beschäftigt" und weiter: „Für Sie wäre doch eigentlich eine Menge GeLb zu verdienen, ich wüßte für Sie eine gute Sache." Dieser Mann war der Inspektor der Dur et 6, Stoeßel. Ern zweites Treffen sei auf der Straße in Ludwigs» Hasen erfdlgt. Stoeßel sei hier unvermutet in Arbeiterkkleidung neben Hellmann hergegangen, habe ihn als den Herrn aus dem Dürgcröräu begrüßt und für Sonntag in seine Wohnung, Kaiseralllee 35, eingeladen mit dem Hinzufügen: „Sie wissen doch so ungefähr, um was es sich handelt; Sie können viÄ Geld verdienen." Hellmann sagte zu. Bei dem Besuch in Stoeßels Wohnung habe er diesen zunächst gefragt, woher er ihn kenne. Stoeßel meinte: „Lieber Herr, Sie würden nicht staunen, wenn Sie wüßten, woher ich Sie kenne. Ich bin ganz genau über Sie und Ihr ganzes Leben unterrichtet!" Und weiter: „Für uns kommt es vor allen Dingen darauf an, über bereits gelieferte Sachen eine Kontrolle zu erhalten." Stoeßel legte Wert darauf, Verbindung mit Akademllern zu erhalten, was ihn, Hellmann, in Erstaunen verseht habe, da er Akademikern derartiges nicht zutraue. Stoeßel habe ihn beruhigt: „Wir haben auch Verbindung mit solchen!" Hellmann möge auf Laboranten in seinem Dau achten, die irgendeine Schwäche für Weiber oder Vergnügen zeigten, sie könne man am leichtesten fangen. Die zweite Zusammenkunft in Stoehels Wohnung war dann am Gründonnerstag 1928 in Gegenwart von Frau Stoeßel. Später kam R o r d e s c hinzu, der Hellmann fragte, ob er über synthetischen Benzin, Formanit, Ratrium Zyanit u. dgl. Angaben beschaffen könne, und dann von Hellmann einen Versuch über Braunkohle erhielt, den Rordesc spöttisch lächelnd angenommen habe als etwas schon Bekanntes. Merkwürdigerweise habe Nordesc genau gewußt, welche Herren im Bau 140 beschäftigt waren, ja sogar die einzelnen Doktoren genannt. Er sei in Höchst gewesen und habe dort gearbeitet. Stoeßel habe mit Nordesc sehr vertraut getan. Nordesc äußerte den Wunsch, auch Skizzen des Leunawerks bei Merseburg au erhalten. Später habe sich aus Hellmanns Unterhaltung mit Schwarzwälder ergeben, daß Nordesc von der Pariser Regierung komme. Hellmann war später neuerdings in Stoeßels Wohnung und lieferte Nordesc einen Braunkohlen- und zwei For- man-Dersuche ab, ohne Bezahlung zu erhalten, wenn man dem Angeklagten glauben will. Wieder vierzehn Tage später nahm Nordesc in Stoeßels Wohnung einen Bericht Hellmanns (Fonnan- und Methon-Spaltungsoersuchel entgegen. Hellmann bemerkt, Andeutungen der beiden hätten auf militärische Spionage abgezielt. Es kamen dann noch weitere Zusammenkünfte zustande und die Franzosen schlugen insgesamt fünf Berichte heraus. Erst beim sechsten (Bericht über die Gewinnung synthetischen Benzins mit genauen Angaben über den Kontakt) erfolgte der Zugriff der deutschen Behörde. Der Angeklagte Sc warzwälder war als Iso- licrer in den verschiedenen Laboratorien der Aniltn- fabrik tätig und lernte den französischen Surets- Beamten Stoeßel bereits im Jahre 1924 in Straßburg kennen. Stoeßel habe an Schwarzwälder nie das Ansinnen gestellt, für ihn Zu arbeiten. „Geben Sie mir einen Paß oder eine Stelle, dann können Abg. Späth (Zentr.) verlangt, daß eine konziliantere Behandlung seitens der Fürsorgeverbände Platz greisen möge. — Abg. Dr. Müller (Bbd.) iron.ftert die Rolle be£ Landtages, der seit Jahren den Weihnachtsmann markiere und fragt, welche Mittel angewandt werden konnten, daß die Unterstützung nicht in Alkohol umgesetzt werden würde. Die älnlust zur Arbeitsaufnahme dürfe durch solche Zuwendungen nicht gesteigert werden. Während der folgenden Rede des Abgeordneten Hammann (Kom.) kommt es zu lärmenden Kundgebungen, bei denen auch beleidigende Zurufe der Kommunisten gegen die sozialdemokratischen und Zentrumsabgeordneten fallen. Der Redner wird zur Ordnung gerufen. Bei der Abstimmung wird der Ausschußantrag mit allen gegen die Stimmen der Dolkspartei, sowie des Bauernbundes angenommen. — Fortsetzung der Debatte am Mittwoch Darmstadt, 4. Dez. Der Landesforstmeister Hasse stellt auf 2lnfrage Gußmann (Bbd.) fest, daß bezüglich der übergroßen Wildschäden umfangreiche Erhebungen veranlaßt wurden, aber von einer allgemeinen Vermehrung des Wildbestandes und der Wildschäden könne nicht gesprochen werden. Die Schadenregelung sei stets reibungslos erfolgt. Die Regierung werde auf stärkeren Abschuß hinwirken. Nach einigen weiteren Kleinen Anfragen folgt die Beratung des Gesetzes über die Besteuerung des Gewerbebetriebes im ttmherziehen. Abg. Dr. Niepot h (D. Dp.) begrüßt die von seiner Fraktion gewünschte Borlage. Trotz des Schönheitsfehlers, daß seiner Anregung, für die Besteuerung der Wanderlager die Einwohnerzahl der Umgebung zu berücksichtigen, nicht stattgegeben worden- sei, stimme er der Vorlage zu. — Abg. Anthes (S.) erklärt für seine Fraktion Zustimmung, verlangt aber Anweisung an die Finanz- und 'Kreisämter, daß in allen gegebenen Fällen die Mindestsätze angewandt würden, damit keine Schädigung der kleinen Wandergewerbetreibenden und Schausteller eintrete. — Die Abg. Dr. Müller (Bod.) und Winkler (Z.) stimmen der Vorlage ebenfalls zu. Sie erhoffen davon eine Säuberung auf dem flachen Lande, besonders von unsicheren Elementen, die oft unter dem Vorwand des Hausierens in die Gehöfte eindringen, um Unredlichkeiten zu begehen. — Der Arbeitsminister sagt au, den Anregungen des Abg. Schott (D. Vp.) Folge zu geben, die Besteuerung von Warenwanderausstellungen mit Auftragsannahme ins Auge zu fassen, deren Besteuerung heute allerdings wegen der ungeklärten Begriffsbestimmungen noch nicht möglich sei. — Aba. D o n a t (Dem.) stimmt der Vorlage zu und wünscht starke Heranziehung namentlich der Ausländer, d. h. der nichthessischen Gewerbetreibenden. — Abg. Lux (S.) regt an, die Regierung möge prüfen, ob nicht eine Umwandlung in eine Gemeindestempelsteuer erfolgen könne. Das Gesetz wird darauf in erster Lesung angenommen. Zur Beratung gelangt dann das GteuervorauszahlungSgeseh. Abg. Winkler (Zentr.) erklärt feine Zustimmung, wünscht aber rasche Beendigung der Gewerbesteuerveranlagung 1928, damit hier endlich Klarheit geschaffen werde. — Abg. Best ' (Dolksrpt.) begründet seinen Abänderungsantrag bezüglich der Dondergebäudesteuervorauszahlung für gering belastete Grundstücke. — Ministerial'- diVektor Dörr erläutert die technischen Schwierigkeiten, die bei der Veranlagung zu überwinden seien. Eine verschiedene steuerliche Behandlung der Grundbesitzer wäre ungerecht. — Abg. H a u r y> (D. Vp.) wünscht, daß endlich mit den Vorauszahlungsgesetzen Schluß gemacht und klare Verhältnisse geschaffen würden. Sv stimmt zu, daß eine verschiedenartige Behandlung der Steuerpflichtigen nicht eintreten dürfe, verlangt dagegen größere MÄde bei allen hart belasteten Grundbesitzen. — Abg. Leuch tgens (Bbd.) kritisiert, daß immer noch, zehn Jahre nach dem Kriege, nach Friedenswertsätzen besteuert werde und die Bewertung nach den Einheitswerten nach den Reichsgefetzen nicht erfolge. Der Antrag des Bauernbundes bezwecke in erster Linie eine Verminderung deS Aufkommens (heute 7,2 Millionen Mark) aus der Grundsteuer. Finanzminister Kirnberger erklärt, nicht über die Höhe der Steuern sprechen zu wollen, sondern über die zur Debatte stehende Form der Steuererhebung. Die Finanzämter seien leider nicht in der Lage, jährlich mehr als eine Steuerart zu veranlagen. 1928 werde die ® etoerbe (teuer, in Lleoereinstim- mung mit der Mehrheit der öffentlichen Mei- nung als vordringlichste Steuer, veranlagt, 1929 die Sondergebäude st euer die dem Staat 2 Millionen Steuer weniger einbrtnge, weil die Steuer gesenkt worden sei. Für 1930 sei mit der neuen Grundsteuer Veranlagung auf Grund eines Grundsteuerrahmengesehes zu rechnen. Die Reichsbewertung entspreche auch noch nicht den Wünschen der Landwirte, denn der Landbund selbst habe im Reichstag jetzt eine Rachprüfung der Bewertungssätze verlangt, die auch der Abg. Dorsch (Oberhessen) unterzeichnet habe. Abg. Lux (S.) glaubt, daß die Reichsregierung ihre Deranlagungswerte nach dem Reichs- bewertungsgcsetz wegen des entstehenden Widerstandes werde zurückziehen müssen. — Abg. G l a- s e r (Bbd.) weist darauf hin. daß zur Zeit bei öet Reichsbewertung in Oberhessen gerade die besten Betriebe ausgesucht würden. — Abg. Winkle r (Z.) stimmt der Umtoanblung zu. Die Ertragsbewertung namentlich brauche aber eine gewisse Anlaufszeit. Abg. Leuchtgens (Bbd.) vergleicht einige Ziffern aus dem neuen Steuervereinheitlichungsgesetz ent Wurf der Reichsregierung mit der jetzigen Regelung. Auf einige Klarstellungen des Re- gieninggücttretevS erklärt der Redner daß Staatssekretär Papih vom RcichSfinanzministe- rium wiederholt erklärt habe, die Realstcueim Mühten gesenkt werden. In der Einzelberatung werden alle Abände- vungsanträge abgelehnt. Das Gesetz wird in der Ausschuhsassung in erster Lesung angenommen. Es folgt die Beratung der Anträge auf Gewährung einer Skifah rer vermißt uird es scheint, daß sie ein Opfer der schlimmen Schneeverhältnisse oder einer Lawine geworden sind. Die am Montag alarmierte Bergwacht mußte am Dienstag abend die Suche als ergebnislos ab- brechen, da eine weitere Suche bei den augenblicklichen Schneeverhältn issen aussichtslos erscheint. Es handelt sich um den Chauffeur Baßler und seine Schwester, die am Samstag trotz der außerordentlich ungünstigen Verhältnisse — es herrschte schwerer Sturm bei wässerig-lockerer Schneelage — eine von ihnen gepachtete Alm am Trainsjoch aufsuchen wollte. Sie wurden noch spät nachmittags in der Rähe einer anderen Alm gesehen und dürften dann an die Steilhänge geraten sein. Wie man vermutet, haben sie ein Schneebrett losgetreten und wurden von diesem mitgerissen und begraben. Lawinenspuren lassen auf diesen Hergang schließen, doch macht die starke Reuschneelage die genaue Feststellung des ÜnglüdSorteö und weitere Grabungen unmöglich. Der Schneefall in Tirol. Der Schneefall in Tirol ist überall von selten beobachteter Ausgiebigkeit gewesen. In Innsbruck liegt der Schnee 40 bzw 50 Zentimeter hoch, in Seefeld 1,20 Meter. Die Passanten in Innsbruck sind durch Dachlawinen gefährdet. Die Schneehöhe auf dem H a f e l e k a r erreichte gestern 4 Meter, uni) der Betrieb der Seilschwebevahn mußte eingestellt werden. Auf der Mittenwald- b a h n konnte gestern abend der Verkehr wieder auf« genommen werden, nachdem Militär die Strecke frei- gemacht hatte. Am Arlberg sind die Räumungs« arbeiten in vollem Gange. Die Weiterführung des seit dem 2. Dezember in Wald am Arlberg festgehaltenen Perfonenzuges Innsbruck—Feldkirch dürfte nunmehr möglich werden. Die Wetterlage hat sich etwas gebessert, und es ist Aufklärung eingetreten. Spezialrichter für Verkehrvunfällc. Am 1. Januar wirk) beim Amtsgericht Berlin-Mitte eine besondere Zivilabteilung eingerichtet, die sich lediglich mit der Entscheidung über Verkehrs Unfälle zu befassen haben und unter Wir beti Leitung eines AmtSgerichtSrateS stehen wirb der die nötige besondere Vorbildung für dieses Gebiet besitzt, nämlich das Führerexamen für elektrische Triebwagen abgelegt hat und im Besitz eines Führerscheins für K r a f t w a g en ist. Tumultszenen im Berliner Theater des Westens. Zu recht unliebsamen Dorkommni sen kam es im Theater des Westens, wo gegenwärtig die Regerin Josephine Daker in b:r Revue »Ditte einsteigen!" ein Gastspiel gibt. Laut Kontrakt war die Künstlerin bereits Montag zum letzten Male aufgetreten, wurde aber von der Direktion des Theaters darum gebeten, auch noch in den nächsten vier Tagen die Hauptrolle in der Re^ue zu spielen. Dir em Verlangen kam Josephine Daker zunächst nach, forderte aber plötzlich gestern abend fürjede Vorstellung eine Gage von 1 000 Mark, die gleich für die vier Abende auf einmal ausgezahlt werden sollte. Als man diesem Verlangen nicht Nachkommen konnte, erklärte die Tänzerin, daß sie gar nicht daran denke, fernerhin aufzutreten. Sie nahm ihre Kostüme, warf sie in den auf dem Hofe bereitstehmden Privat- kraftwagen und fuhr davon. Das Publikum verlangte unentwegt, Josephine Daker zu sehen. 'Als der Tumult nicht enden wallte. entschloß man sich, das Geld für die Eintrittskarten an der Kass« zurückzuzahlen. Unterdessen war auch ein größeres Aufgebot von Polizeibeamt n im Theater erschienen. Dor dem Theater kam es noch bis in die späten Rachtstunden zu Ansammlungen, so daß die Polizei mehrmals ein- schreiten mußte. Stellvertretung des englischen Königs. Verbesserung deS AttgemeinbeNndcn». London, 4. Dez. (TU.) Am Dienstag wurde das erste Bulletin über das Befinden des Königs Georg erst am Rachmittag ausgegeben. Es lautete: Der König verbrachte einen ruhigen Vormittag. Obwohl die Temperatur 100,2 Grad Fahrenheit (38 Grad Celsius) betragt, hält die im letzten Bulletin festgestellte Verbesserung im Allgemeinbefinden an." DaS Bulletin ist diesmal von fünf Qlenten unterzeichnet worden. 2wn Dienstagvormittag war der König in der Lage die notwendigen ^Interschriften für die Schaffung eines besonderen Staats- rates für die Dauer der Krankheit zu leisten. Ministerpräsident Baldwin gab in dtesem Zusammenhang im Unterhaus bekannt, daß die Königin, der Prinz von Wales, der Herzog von Vork, der Erzbischof von Canterbury. der Lordkanzler und der Ministerpräsident für die Dauer der Krankheit zu Staatsraten mit der Befugnis der Einberufung des Kronrates und der Durchführung aller übrigen dem König zustehenden Befugnisse ernannt worden seien. Der stellvertretende Führer der Arbeiterpartei. C l h n e s, gab namens der Opposition im Unterhaus der Hoffnung Ausdruck, daß der König seine volle GesuNdhÄt bald wieder zurückgc Winnen möchte. Der Prinz von Wales wird, wie man allgemein erwartet, an Bord des Kreuzers „Enterprise" am Freitag in Suez eintreffen Die süd- afrrkanische Regierung hat nach Berichten aus Kapstadt am Dienstag eine Sondersitzung deS Kabinetts nach Pretoria einberufen, um die sich auS der Krankheit deS englischen Königs ergebenden Fragen au erörtern insbesondere im Hinblick aus die Möglichkeit einer etwaigen ungünstigen Wendung im Krankheitsverlauf. Oie Wetterlage. er T-f« Sf Jikolrus fMs gern & grosM teM v"" * WKL eo ein fit v'cle ®«i itrem Vater Soah. ... Olm glüalic «A ZiiMlserM foäutn sie a wie glaui ve froh s'nü fcinmen, dafür Keinen fefrtew txm Aock drr p>t, dah der t de lachende Lsung ist W nein vieriah aut an bet ö erschien. Ade trb hatte i Auszug. Sie nid) ersann gelegentlich ■ nial verkleid viel Dergnü. Meistens I Männer, die dann, wenn vesenheil iHv fammenyong Ihnen. Ls find g< unsere Kleiner Ms ich ““ -- L? Für d oabme b Khhlene 'nen he fcVöntenfOT.© »eitet o naro oeaetit e *t>nuo eoeoeexi «Regt* # 5 itieresitiveew eeaireeeaete» Lettorec» Wettervoraussage. Das mit seinem Kern gestern abend über Island gelegene Tief hat sich rasch ostwärts nach Skandinavien hin fortbewegt und dabei an der Rordseite des west- unb mitteleuropäischen Hochs eine Abschwächung des Hochdrucks hrrbei- geführt. Da es keinen stärkeren Einfluß mehr auf unsere Wetterlage gewinnen dürfte, so wird im wesentlichen der Witterungscharakter fort- bestehen bleiben oder nur vereinzelt geringe Rie- derfchläge auftreten. Wettervoraussage für Donnerstag: Rebelig wolkiges Wetter, ftellemoeise auch ausheiternd, Temperaturen do;läufig wenig Der* ändert, keine oder nur vereinzelt geringe Rieder- schläge. Lufttemperaturen am 4. Dezember: mittags 5,6 Grad Celsius, abends 2,5 Grad Celsius: am 5. Dez.: morgens —0,2 ^rad Celsius. Maximum 5,8 Grad Celsius, Minimum —0,5 Grad Celsius. — Erdlem- peraturen in 10 Zentimeter Tiefe am 4. Dezember: abends 4,3 Grad Celsius; am 5. Dezember: morgens 2,8 Grad Celsius. Gebell KÜr die K’ÄDff Un danken bÄ j*» Ä*’ äftj* MÄ1“1' Uf einmal'* lc’ Jjjj“"». toor V^PrLZ 2 Vublik^ TAL ffe hÜ'!liu 2i meynnal- ein. «9 vmgs. fmbefUtbem, Q«$Ä om AochM^g ^omg verbrat $ die Lempe. 1 ®raö Lelsiuti dtn fcftgeftelllt imelnbefin. W vtm fünf örr König e ntnlimften für rtn Ltaalz. nlhrit )u kiffen lb in biefem 3n- tfannt, dah di, i Haie», te of bon 6anter« md bet Tin/, ier btt Ärftjh't 5 btt SüwAivj 'hrufig M übri- (*fugn,% emmt ende Ahm der « kt Oppv' inj Mdruck, dah heil bald triebet iirb, Vie man all« fftviyert ,®ntcr- reffen. Ste Ito« ArlKen aus des \ ritsderlaus ige. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 5. Dezember 1928. Morgen kommt der Molaus! .Don drauh' vom Walde komm ich ich muh euch lagen, eS weihnachfet feyrl So spricht K-recht Ruprecht, wie drr RttolauS in manchen Gegenden genannt wrro, bei Theodor Clctm. Wenn es auch Heuer in d:r Ratnr noch licht .weihnachtet", wenn noch Schneeflocken und D intertLite fehlen, so macht das uN ern K,etnen at nichts aus. Die Wethnachtsslr.nmung kommt hon der Rtkolaus sorgt dafür. E-s klingt wie ?i7nes Weihnachtsgeläute durch dre kindliche ir^Ie- Dach erscheint der Tannenbaum, dir Llch- 1C werden brennen, die Gesch.mke werden da egen das schönste Fest des Jahres hält seinen trzua. Wunschzettel, Werynachtsgebäck! Welch -rrliche Stimmung lösen diese Worte aus! Die •; lac werdeir gezählt, und der schmalbrüstige ibreißkalender Dort 1928 ist dec beste Freund. Rnd den Zauberschlü sei zu all dieser Herrlich- fit hat der RikolauS, der morgen o m m t. Gr gibt den Ruftakt, er führt kleine ; b große Kinder für kur-e Wochen in feine Märchenwelt! Wobl dem, d.r .ichnun sr u n kann! Cm fast allen Dörfern unserer Gegend kommt tec Rikolaus am 6. Dezember in die Häuser, be» Haders gern in solche, in denen Kinder sind. k>ie groben Stiefel, d.r lange Mantel und der »eihe Dart sind leine Kennzeichen. Die Haupt- siche aber ist der Sack, den er auf dem Rücken higt und aus dem die Rute hervorschaut. Ilepfel. Rüsse, Gebäck werden unter die Kinder terleilt, trenn sie ihr Sprüchlein gesagt haben. Die Groben aber ernten meistens nur Schläge. 6o ein bihchen Theater ist ja immer dabei, und fie viele Darsteller des Rikolaus ist gerade das tchlagen daS schönste. Halbecwach ene Burschen bauen dabei auch einmal ihrem Onkel, oder gar S. Dater eine verabreichen, und daS macht Am glücklichsten sind aber unsere Kleinen, die noch fest und steif an den Rikolaus als an eine HimMclserscheinung g'auben. Mit welchen Rügen shduen sie den fremden, weihbärttgen Mann an, wie gläubig sagen sie ihr Gebetchen, und Vie froh sind sie, wenn fie keine Schläge br° kommen, dafür aber allerlei zum Essen! Die ganz Keinen schreien viell.icht und verstecken sich h.nter dem Rock der Mutter. Allerdings kommt es auch kor, dah der verkleidete Dater erkannt wird, oder Kc l achende Mutter verrät alles. Auch diese Lösung ist schön. Ich erinnere mich noch, dah mich nein vierjähriges Töchterchen seinerzeit ganz mit an der Stimme erkannte, als ich als Rikolaus erschien. Aber sie glaubte, das mühte so sein, und hatte doch große Freude an dem ganzen Aufzug. Sie verriet mit keinem Wort, dah sie nich erkannt hatte. Erst später erfuhr ich es xc^gentlich aus ihrem Munde. Ihren Daler einmal verkleidet zu sehen, macht den Kindern immer fiel Vergnügen. Meistens sind es ja Rachbarsknaben oder auch Männer, die gern einmal auShelfen, besonders dann, wenn die Kinder gefühlsmäßig die Abwesenheit ihres DaterS mit dem Theater in Zu- sammenhang bringen und anfangen, etwas zu ihnen. Es sind gewiß unvergeßliche Augenblicke für unsere Kleinen, wenn das Poltern auf der Treppe (und das gehört dazu!) anfängt. Wie dann auf einmal a.les verstummt, wie ängstlich die Augen nach der Mutter schauen! Es klopft sehr stark an die Tür, nein, cs rumprlt. Riemand getraut sich, «Herein!" zu rufen. Die Knaben die sich vorher noch rühmten, was sie alles dem Rikolaus sagen wollten (Mein lieber, lieber Rikolaus, was willst du denn von mir? Ich pack dich an der Zipfelkapp' und werf dich vor die Tür!), haben jetzt die größte Angst. Aller Herzen pochen. $ti geht die Türe auf, und mit dem tiefsten Basse sagt der RikolauS: Gott grüß euch, lieben Kinderlein, ihr sollt Vater und Mu. ter gehorsam sein, so soll euch was Schönes becheret sein. Wenn ihr aber dasselbige nicht tut, so bring ich euch den Stecken und die Rut. (Wunderhorn.) Wir sollen unfern Kleinsten den Glauben an den Rikolaus, an das Ehristkindchen nicht rauben. Sie sollen sich in ihrer älnschuld recht lange daran erfreuen. Wenn sie dann eines Tages die Wahrheit hören, sind sie gewiß sehr stolz darauf und fühlen sich wieder ein Stückchen erwachsen. Aber sie wissen ja nicht, daß sich dann für sie eine Tür zum Kinderparadies geschloßen hat. und daß sich diese Tür für sie nie wieder öffnet. Wir Eltern lachen ja wohl, wenn sich so em kleiner KnirpS noch dec Aufklärung vor uns hinstellt und sagt: „Jetzt weiß ich alles. Du bist der Rikolaus und das Ehristkindchen!" Im Herzen aber bedauern wir doch, daß unfern Kindern wieder ein Stückchen Iugrndland ver.orenge- gangen ist. Es ist ja die glücklichste Zeit ihres Lebens, wenn noch der Osterhase die Eier legt, wenn noch der Rikolaus „von drauß' vom Walde" herkommt! Ladet deshalb für eure Kleinen, den Rikolaus zu Gastei G. W. Gegen die Verunreinigung derSiraßen. Das Polizeiamt Gießen Hot nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung und mit Genehmigung des hessischen Ministers des Innern !m Zusammenhang mit der neuen Verkehrsregelung in Gießen (vgl. den Artikel im heutigen Beiblatt) eine Polizeiverordnung erlassen, nach welcher das Wegwerfen von Papier, Pappschachteln,Ob st schalen und ähnlichen Gegen- ständen auf die Straße verboten ist. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mit Geldstrafen bis zu 150 Mark bestraft, die im Falle der Uneinbringlichkeit in Haft umgewandelt werden. Die neue Polizeiverordnung wird noch im dies- wöchigen Amtsverküudigungsblatt veröffentlicht werden und damit sofort Rechtskraft erlangen. Bornotizcn. — TageskalenderfÜrMittwoch. Stadttheater: „Der Patriot", von 19.30 bis 22.30 Uhr. — Pater E. Wasmann S. J.: Vortrag „Entwicklung des Darwinismus in den letzten 50 Jahren", 8.15 Uhr, In der Neuen Aula der Universität. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die tolle Lola". — Astoria-Licht- spiele: „Die Schreckensfahrt des Goldexpreß". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Heute findet die erste Wiederholung von Reumanns „5>er Patriot" statt, die wegen Erkrankung des Herrn Ebert-Grassow verschoben werden mußte. — Am Freitag, 7. Dezember, geht unter der Spielleitung des Intendanten Dr. R. P rasch „Der Prozeß der Mary Dugan" von Dahard Deiller m Szene. „Dec Prozeß der Mary Dugan" hat bei seiner Erstaufführung m Berlin einen sehr starken Erfolg gehabt: das Stück wurde 300mal gegeben. — 21m Sonntag, 9. Dez., wird zum letztenmal „Ingeborg" von Kurt Götz als Svcm* denvorstellung zu ermäßigten Preisen gegeben. Das Lustspiel hat bei seiner jetzigen Aufführung am Hamburger Thalia-Theater wieder einen außrrordcn lichen Ersolg gehabt. — D. H. D. Gießs n. Am morgigen Donnerstag, 6. Dezember, abends 8.15 Uhr, veranstaltet die hiesige Ortsgruppe im Deutschnationalen Handlung«- aehilfen-Berband trtn vierten Vortragsabend des diesjährigen Winterhalbjahres. Heinz E l o o s (Kassel) singt „Alte und neue, ernste und heitere Volksweisen, Spielmanns- und Schelmenliedec zur Laute". Wo Eloos bisher auftrat, wurde ihm zugejubelt, so daß auch der Vortragsabend in Gießen ein Erfolg für den Künstler werden durfte. Man beachte die gestrige Anzeige. — Gefangenenfürsorge und sozial« G e r i ch t s h i l f e. Der Ortsausschuß der Arbeiter- Wohlfahrt Gießen veranstaltet am morgigen Donnerstag, 6. Dezember, abends 8 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses einen zweiten öffentlichen Vortrog ans dem Gebiete der sozialen Fürsorgetätigkeit. Das Thema lautet: „Gefangenenfürsorge und soziale Gerichtshilfe". Als Vortragende ist Frau Polizeifürsorgerin Erkelenz (Frankfurt am Main) gewonnen. Do die Referentin im praktischen Dienste der sozialen Fürsorge der Stadt Frankfurt tätig ist, dürfte sie manches Wissenswerte über dieses Gebiet der Fürsorgetätigkeit zu sogen haben. Man beachte die heutige Anzeige. * " Personalien. Ernannt wurden der Amtsarzt Mediz'.nalrat Dr. Friedrich K u l l - mann In Bad Salzhausen unter Belassung der Amtsbezeichnung „Med'.zinalrat" ?um Amtsarzt bei dem KreiSgesundheitsamt Offenbach a. M. mit Wirkung vom 1. Dezember 1928 ab; der An- staltsorzt bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Heppenheim, Medizinalrat Dr. Karl Otto Ferdinand Meyer in Philippshospital bei Goddelau unter Belassung der Amtsbezeichnung „Medizinalrat" zum Amtsarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Büdingen in Salzhausen mit Wirkung vom 1. Dezember 1928 ob. “ Der Lahngau des hessischen Sängerbundes hielt im Schipkapah unter Leitung des Gauvocstehecs E. Koch, Gießen, eine Sitzung ab, deren Tagesordnung sich in erster Linie mit dem 2. Hessischen Sänger-Bun- desfest am 12. bis 15. Juli 1929 in Darmstadt befaßte. Gs wurde beschlossen, daß sich die Gau- vereine am Bundesfest beteiligen und unter Leitung des Gauchormeisters K a st e n, Gießen, in Darmstadt ein besonderes Konzerts veranstalten. Hierzu wurden u. a. zwei Pflichtchöre bestimmt: „Hymne an die Rächt" von Lachner und „Rheinweinlied" hon Mendelssohn. Die Wahl der übrigen Ehöre bleibt den Vereinen überlafsen. Der zweite Beschluß betraf die Aufnahme des Bauer» schen Gesangvereins Gießen und des Gesangvereins „Arion" Klein-Linden. Außerdem wurde der Sängerbund „Ehattia", Vorsitzender Ioh. Opper, Ettingshausen, ausgenommen und dem Gau als Bezirk 6 angegliedert. Mit diesen zwölf Vereinen zählt der Lahngau jetzt 88 Gesangvereine, so daß er der stärkste Gau im Hessischen Sängerbund ist. Er gliedert sich in sechs Bezirke 1. Vereine, die keinem Bund angehöceu, 2. Lahntalsänaerbund (22 hessische und preußische Vereine), 3- Ohm-Lumdatal-Bund, 4. Lumdatalbund, 5. Oberhessischer Sängerbund (Sih Lang- Göns) unb 6. Sängerbund „Ehattia". ** Elternabend der Oberrealschule. Am Sonntag fand in der Turnhalle der Oberrealschule der dritte Elternabend dieser Schule statt. Gs wurde schon bei früherer Gelegenheit darauf hingewiesen, wie ersprießlich für die Erziehung eine angemessene Aussprache von Öttern und Lehrer ist. Warnt, wie es nach dem Programm geschah, Kinder liebliche Gedichtletn au*- sagen, so öffnet sich zugleich die junge Seele und redet in oft sehr eindringlicher Weise. And wenn die Jungens ihren Ueberschwang der Begeisterung in das Reich der Töne tauchen, so bedienen sie sich als ost sehr beredten Boten ihrer Gefühle der hehren Sprache Euterpes. Waren nicht alle Hörenden ergriffen, manchmal hingerissen von dem vielen Schönen, das gerade durch die Eigenart der Jugend besonderen Reiz erhielt? Wie herzig hörten sich die Gedicht lein „Der Künstler", die „Patscherlemusik" an! Wie überraschend präzis und dynamisch abwechselungsreich klangen nicht die dem Verständnis und der Lei- stungSkrast der Spieler entsprechend ausgewählten Musikstücke! Im Schubertjahc gab’8 selbstredend Schubertsche Musik. Ein Kreis ausgewählter jugendlicher 'Kunstjünger ließ durch das Salonorchester vor dem erstaunten Publikum die Ouvertüre zu Rosamunde erklingen. Die Sonatine op. 137 Rr. 3 sand einen begeisternden Interpreten, der das Instrument voll und weich erklingen lieh, besonders in dem lieblichen Menuett. Gin kleines neckisches Theaterstückchen entfesselte die Lachmuskeln und zeigte unsere jungen Leute als gewandte Mimiker. Der unermüdliche Leiter des musikalischen Teils behandelte in seiner Ansprache die Jugend Schuberts und wußte gar manches Ergreifende und Lehrreiche zu berichten. Obwohl der Taktstock zum Salonorchester in den Händen eines Schülers lag und mit Schneid geführt wurde, so wissen wir doch, dah der Spiritus rector der von hingebender Liebe zur Jugend beseelte Studienrat Dr. Hillen brand ist. Allen Mitwirkenden, ganz besonders ihm aber herzlichen Dank für den genußreichen Abend! ** Eine Reise nach Paris veranstaltet die Gießener Vertretung der Hamburg-Amerika-Linie, das Reisebureau Loeb, vom 29. Dezember bis 3. Januar. Die Reise wird Besichtigungen und allerlei weitere aesellige Darbietungen bringen. Interessenten seien aus die heutige Anzeige hingewiesen. (weitere Lokainachrichlen im 2. Blatt) Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 87 vom 4. Dezember enthält: Die Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebietsteilen. Merkmale der falschen Renten bank scheine. — Den Jakob Theobald (Theobald), geboren am 4. Ja- nuar 1882. — Vergütung für den nebenamtlichen FortbrldungSschulunterricht. — Dienstnachrichten. >FTONII£ÜLUS< Einzelmöbel in großer Auswahl und in allen Preislagen. Extra-Anfertigung zu jedem Zimmer passend Karl Hahn 10628A Polstermöbel Club-Kautschformen, Sofas für Wohn-, Speisezimmer, Sessel, Chaiselongues In großer Auswahl und in allen Preislagen Adam Wehrheim esses Ober-Ofleiden, den 5. Dezember 1928. 10642D 10236V Mextreter 500-1000 M im 65. Lebensjahre. danken wir herzlichst. Familie Gf* Röder Gießen, den 4. Dezember 1928. 08469 Sofas, Chaiselongues Klubsessel 10251V Heuchelheim, den S. Dezember 1928. jähr.Garantle. 06305 Rich. Langenbach, Bürbach i.W. Heute morgen entschlief nach kurzem schweren Leiden in der Med. Klinik zu Gießen mein Heber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grobvater, Bruder, Schwager und Onkel hellB ZimmeF als Vureau» ob. Geschäftsräume qcettk z.oerm. Schr.Ana.u. OSMH o. b. (»lest. An» Deutschen Larno-Gesellschafi, Berlin, Male Frankfurt a.M. Borstellung: Hotel Schütz, Mittwoch, von 17 bis 19 Uhr tvevbedame« I 5 Mark u.Provision Deutsche Larno-Gesellschafi nu b.S., Wale Frankfurt a.m. Vorstellung: Hotel Schütz, Mittwoch, von 17 bis 19 Ubr Geilshausen. Erfurt, Worms, den 4. Dezember 1928. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 6. Dezember 1928, nach mittags 2 Uhr statt. In tiefer Trauer: Rudolf Scriba Helene Scriba geb. Römheld und 2 Enkelkinder. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teil nähme bei dem Heimgang unserer lieben Ent schlalenen sagen wir allen auf diesem Wege un seren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Heinrich Hofmann. Gießen, den 3. Dezember 1928. 1..«- '"S Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir innigsten Dank. Jakob Reuschling 111. nebst Angehörigen. erstklassig in jed.Beziebung. Zahlbar monatl nur Rm. 10.— trotz bilLPrelse. Lieferung erfolgt franko Haus. Langragen Sie d. Postk. au lllllllllllllllllllllllllllllllllll) Gr. Laben t. bett. Lage fof. z.vm. J.Baer,DftonL29. iiiniiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Monalsverdtenst. — Näheres durch Verwaltungsletter der Bestellungen aus la Weihnachts- puten ä Pmnd 1.50 Rm., nimmt an und zwar am 4, 8. u. 11. Dez. Gmsvmv. siifenöorf, b LanterbaehLSefien Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres Heben Entschlafenen sagen wir unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Käthe Metz geb. Schild. Für die vielen Beweise der Teilnahme beim Heimgang unsere! lieben Werner mit und ohne Aulo für Gießen und Umgebung Södel, den 4. Dezember 1928. Die Beerdigung findet Freitag, 7. Dezember, nachm. 3 Uhr statt 08500 la Ifa* liefert rvaggon- und 'uhrenwetse “*D Friedrich Löwer, Laubach, ?eleph. L Wir betrauern das Ableben unseres Heben A H. Ludwig Krauß Pfarrer i. R. Heute morgen 2 Uhr entschlief sanft in der Medizinischen Klinik zu Gießen nach kurzem schweren Leiden unser Innißst- gellebter, treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Mtätsrat Dr. Franz Scriba praktischer Arzt Mer Wallenfels, Förster lm 63. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Marie Wallenfels Der Giefoener Wingolf I. N. u. A. Karl Ringpfeil x iur. 10640D Slvbettev - wohtfabvt Gieße« Am Donnerstag, dem 6. Dezember, abends 8 Uhr, im großen Gaale beS GewerkschastShauseS Gießen. 2. öffentlicher Sorirag der Arbeilerwohlfahrt Gießen grau pollzcifürforzerin Erkelenz, Frankfurt a.JRain spricht über das Thema: Gesangenensürsorge u. soziale Gerichtshilfe Eintritt 20 Pfennig $ür Inhaber von Losen der Arbeiterwohlfahrtslotterie ist dec Eintritt frei. Alle Männer und Frauen sind zu zahlr. Besuche dies.Dortrags freundl. eingeladen. 9er Ortsausschuß Siesten 11)6440 | Vermietungen | km. Brandl bnä Senn. möbl. Zimmer, gute KSehs. Tel. 1865. 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Als im Jahre 1919 der deutsche Schutzbund gegründet wurde, lag die staatliche Organisation sowohl des deutschen Reichs wie Oesterreich-Ungarns zerschlagen am Boden. Die große Katastrophe drängte die Frage auf, ob nicht doch eine bleibende Grundlage deutschen Lebens vorhanden sei, von der derNeuaufbau auszugehen habe. DieAnt- wort war von Oesterreich, von den deutschen Grenz- und Außengebieten, von den v o l k l i ch empfindenden Menschen des deutschen Binnenbereichs her: das deutsche Gesamtvolk so wie es über Europa und die Welt zerstreut ist. Im Zusammenbruch der Reiche stieg die Vision von dem 100- Millionenvolk der Deutschen in der Welt, von dem 80-Millionenvolk der Deutschen in Europa auf. Man hatte erlebt, wie Polen und Tschechen sich in den vergangenen Jahrzehnten, ohne einen Staat zu besitzen, ihre große Volkstumsorganisation geschaffen hatten, so daß sie im Augenblick des Zusammenbruchs ihrer Herrschaftsstaaten in voller volklicher Rüstung dastanden und den Griff nach dem Eigenstaat wagen konnten. Sollten die Deutschen aus der Notzeit des Zusammenbruchs heraus nickt auch die Kraft zum v o l k l i ch e n Zusammen- schlösse finden, um ihren Besitzstand: ihren geschlossenen Dolksboden sowohl wie ihre Außenposten volklich halten zu können, das war die Frage, die sich im Jahre 1919 der schnell wachsende Kreis um den Schlesier 5)ern von Loesch herum stellte, der in jenen Jahren das Kristallisationszentrum für die Deutscktumsarbeit, die theoretische sowohl wie die praktische, wurde. Daraus ist der d e u t s ch e Schutzbund entstanden, der in den bald zehn Jahren seines Bestandes, ohne viel von sich reden zu machen, segensreichste Arbeit geleistet hat. Die grundlegenden Gedankengänge waren die folgenden: „Absage an die Engstirnigkeit des Nur-Staatsbürgers, der in den staatlichen Derwaltungs- und Erziehungsmaßnahmen sein Heil sieht; die Erkenntnis, daß wir unser Volk wiederfinden und alle unsere Arbeit auf die Vertiefung der Zusammenhänge innerhalb des gesamtdeutschen Volkes lenken müssen ohne Rücksicht und Einschränkung durch staatliche Grenzen und Formen, ferner die Erkenntnis, daß die Aufgaben der staatlichen Gestaltung er st aus dieser neuen, viel tieferen Verbindung aller Volksgenossen erwachsen können." Was aber hat der Schutzbund unter Führung seines Gründers Herrn von Loesch getan? Er hat sich zunächst 1919 seine organisatorische Grundlage gegeben. Er hat keinen neuen Verein gegründet, er hat die größten der bestehenden Volkstumsverbände zusammengeschlossen und eine besondere zentrale Geschäftsstelle geschaffen. In dieser Geschäftsstelle sollten sowohl die binnendeutschen Organisationen wie die zahlreicken alten und neuen Selbsthilf^organisationen des Grenz- und Außendeutschwms das Zentrum finden, in dem die bisher isoliert arbeitenden Kräfte miteinander in Verbindung und in Gemeinschaftsarbeit treten könnten. Dies gelang überraschend schnell. Die Folge war, daß zwischen allen Dolksteilen und Siedlungsgruppcn außerhalb der politischen Grenzen und dem Reichsdeutschtum geistige Derbindun- gen hergestellt wurden, die so bisher nicht bestanden hatten. Daraus erwuchs eine Stärkung des Abwehrwillens der Grenz- und Außendeutschen, die sich nun von der Gesamtheit des deutschen Volkes getragen fühlten. Während sich damals die Deutschen tnnerpolitsch zu zerfleischen drohten, entstand so hier ein großer geistig-seelischer Zusammenschluß von Führern und Organisationen abseits von allem staats- und parteip olitischen Streit, Das Ohnvaschl. Don Peter von Haus. Bartholomäus Hopfinger aus Heuern in Ober- ba ern wurde wegen Körperverletzung un'er Zubilligung mi dernder älmstände zu vierzehn Tagen Haft verurteilt. Der Verurteilung lag der folgende Tatbestand zugrunde: Am 12. Februar wollte der Jäger Andreas Zach im Wirt haus zu Heuern, das, da Sonntag war. starken Besuch hatte, feine Zeche bezahlen. Hierbei fiel einiges Kleingeld auf den Fußboden. Der Wirt und der Jäger bückten sich gleichzeitig und stieben heftig mit den Kuppen aneinander. Der Wirt verlor das G eichgewrcht, fiel hin, geriet mit einem Fuß unter den Stuhl, auf dem der Jäger sah und rih beim Versuch, aufzustehen, ein Stuhlbein mit. Der Stuhl frei um und der Jäger auf den Wirt. Beide brüllten und schimpften. Die anderen Gäste, die, wenigstens der Mehrzahl pach, in Gespräche und Bier vertieft, den Vorgang nicht beachtet hatten, waren durch das Geschrei aufmerk,am geworden und hielten das Ganze für eine im besten Gange befindliche Rauferei, insonderlich, da Wirt und Jäger als ebenso kräftig wie streitlustig bekannt waren. Run haben die Heuerner als echte Bayern kein so mildes Gemüt, daß sie einer vermeintlichen Rauferei untätig zusehen könnten, ohne sich zu beteiligen und zwei Parteien zu bilden. Da in unserem Falle Entstehung, Sinn und Zweck der scheinbaren Rauferei unbekannt waren, so konnten sich auch die leidenschaft ichsten Anhänger der Gerechtigkeit kein Urteil bilden, wem Hilfe und wem Züchtigung gebührte. So kam es. daß die Parteibildung nach einem mehr äußerlichen Merkmal erfolgte. Die Gäste von drr einen Seite des Gastzimmers stürm ten sich zu den beiden in der Mitte auf dem Boden liegenden Verunglückten und sahen sich da jenen Gästen gegenüber, die von der anderen Seite gekommen waren. Bevor irgendeiner Klarheit über die Sachlage hätte gewinnen können, waren die zwei Parteien längst in einen gewaltigen Kampf verwickelt. Alles Erdenklich« flog durch die Luft: Bierfilze, Schimpfworie, Tischbeine, 'Beleidigungen, Maß- krüge. volkstümliche Zitate aus Goethes Götz, Sa^fäf er. wi d Grobheiten, Bierflaschen, fürchterliche Drohungen, Stühle und anderes mehr. allein und ausschließlich der Erhaltung, der Verlebendigung der Gesamtoolkheit dienend. Der Drang des Tages zwang aber gleich zur Inangriffnahme entscheidender praktischer Aufgaben: der Schutzbund wurde die große Zentrale für die Abstimmungsarbeit der Jahre 1919/20. Da die amtlichen Stellen des Reichs durch die Abstimmungsstatute auf bestimmte technische Fragen der Abstimmungen beschränkt worden waren, ohne selbst Abstimmungsbewegungen herbeiführen zu können, so trat Herr von Loesch mit seinem Schutzbund in die Bresche, der nun alle ihm angeschlossenen Organisationen als Kanäle ins Volk hineinbenutzcn konnte. Großzügige Aufklärung des gesamtdeutschen Volkes und auch der Neutralen war zu leisten, eine ganz große Pressetätigkeit zu entfalten; die Abstimmungsstatute mußten erläutert und verarbeitet werden; in den Abstimmungsgebieten selbst mußten die lokalen Hilfsorganisationen aufgebaut werden, vor allem mußten die außerhalb des Gebietes wohnenden Abstimmungsberechtigten aefammelt und zum Tage der Abstimmung in die Heimat gebracht werden; in der Heimat selbst mußten besondere Einrichtungen zur Aufnahme und Sicherung der .Heimattreuen" geschaffen werden. Zugleich aber mußte das Volk zu großen Geldsammlungen aufgerufen werden, um die Durchführung des Abstimmungs- werks finanziell zu sichern. In den Abstimmungs- gebieten entstanden damals die vielen .Heimatdienste" und .Heimatoereine", die die lokale Arbeit zu leisten hatten, im Reiche ober entstanden mehr als tausend Arbeitsgemeinschaften des „Deutschen Schutzbundes für das Grenz- und Auslanddeutschtum". Wenn das gesamtdeutsche Volk in jenen Tagen einen gewaltigen Auftrieb in der Richtung volklichen Gemeinschaftserlebens erhielt, es hat es dem deutschen Schutzbund zu danken. Aber die Zeit der Abstimmungen ging vorüber. Die Dolkstumsarbeit mußte auf lange Sicht eingestellt werden. Es schält sich die Tatsache heraus, daß das deutsche Volk in 21 von 31 Staaten Europas zu leben gezwungen ist, es ward offensichtlich, daß auch Teile anderer europäischer Völker Minderheiten in fremden Staaten bilden würden. So ward denn, gefördert durch Wilsons abstrakte Lehre vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, da» Problem von Volk und Staat so grundsätzlich durch die Ereignisse gestellt, wie noch nie zuvor. Wenn irgendwo, so ist diese Problematik in den Kreisen des deutschen Schutzbundes erörtert und weitergetrieben worden. Der Gedanke der Kulturautonomie der Minderheiten gewann Gestalt, wobei diese selbst die Verantwortung für ihre kulturellen Aufgaben und deren Erfüluing zu tragen hätten, der Staat aber sich auf ein Aufsichtsrecht zurückzuziehen habe. Ein neues Ideal volklicher Freiheit steigt hier auf. vor dem sich der Staat zu beugen habe, wenn er ein Staat mehrerer Dolks- tümer ist. Insbesondere in Ostmitteleuropa. dem Gebiet der Gemengelage der Völker vom Finnischen Meerbusen bis zum Schwarzen Meer sind die Freunde und Mitarbeiter des Schutzbundes hierin führend und tragend gewesen und haben durch ihre Gedankenarbeit neues Geistesgut geschaffen, über das auch unsere Gegner nicht mehr hinweggehen können. Schon im Herbst 1926 wurde im Verein mit der „Deutschen Liga für den Völkerbund" ein ständiger „Ausschuß für Minderheitenrecht" geschaffen, der sich durch die theoretische Klärung und Wetterführung des Minderheitenproblems außerordentliche Verdienste erworben hat. Wenn in Estland feit 1925 die nationalkulturelle Kulturautonomie Wirklichkeit geworden ist, wenn sich die deutschen Minderheiten in dem „Kongreß der organisierten deutschen Volksgruppen Europas", wenn sich die europäische Minderheitenbewegung in dem „Kongreß der organisierten Volksgruppen Europas" zusammengefunden haben, so ist das Geist vom Geiste des Schutzbunds und seines Führers, dem sich das deutsche Volksproblem immer mehr zu einem europäischen Völkerproblem weitet, das zu einem Neuaufbau Europas unter volklichen Gesichtspunkten früher oder später führen müsse, wenn der alte Kontinent genesen soll. Der Deutsche Schutzbund hat keine Einzelmitglieder, er ist keine Organisation gewöhnlichen Stils, er ist zwar ein Verband von Verbänden, er ist aber in der Hauptsache ein Kreis, der durch eine Idee zusammengehalten wird, die aus gemeinsamem Dolkstumserleben und gemeinsamer Volkstumsarbeit erwachsen ist. Was das Wort: „Wir vom Schutzbund" bedeutet, das kann man vor allem auf den großen Schutzbundtagungen erleben, die doch wohl ihresgleichen in der deutschen Geschichte noch nicht hatten. „Es ist eines der größten Erlebnisse, das einem Grenz- oder Auslanddeutschen zuteil werden kann, mit zahlreichen Vertretern der verschiedenartigsten deutschen Außenschicksale zusammen vor das Ganze und Gemeinsame dieser Schick- salslage gestellt zu werden", so schrieb Emil Lehmann, der bekannte sudetendeutsche Kulturpolitiker im Hinblick auf die Tagung vom Jahre 1924. Wenn irgendwo, so wurden auf diesen großen Pfingst- tagungen (sie müßen von den V. 2. A.-Tagungen unterschieden werden) Menschen des gesamtdeutschen Bereichs zur Erkenntnis ihrer wesensmäßigen Einheit, zum Bewußtsein der Verpflichtung zum Opfer, zur Freude an der geistig-seelischen Gemeinschaft aller deutschen, geführt. Diese Menschen aber sind auch die besten Brückenbauer zur lieber- Windung der schweren inneren Gegensätze. Neben den großen Bundestagungen ging aber in den vergangenen neun Jahren eine Fülle kleiner Arbeitstagungen für engere, sei es territoriale, sei es sachliche Mitarbeiterkreise, her. Hier wurden di« Probleme geklärt und die Formulierungen für die deutsche Volkspolitik im ganzen, für Einzelfragen deutscher Volkspolitik, für eine deutsche Europapolitik (von den Völkern her) gefunden, über die der Deutsche Schutzbund wie keine andere Stelle heute verfügt. Nicht minder wichtig war die Der- oindung, die der Schutzbund in den letzten Jahren zwischen der praktischen Schutzarbeit und der Wissenschaft herzustellen verstanden hat. Wir Deutsche leben heute schon in einer anderen Atmosphäre wie vor zehn Jahren. Der Blick hat sich geweitet, wir haben sowohl ein anderes Verhältnis zu unserer großen gesamtdeutschen Vergangenheit wie zu dem Gcsamtraum gewonnen, über den sich in Europa deutsche Siedlung erstreckt: wir sind auf dem Wege, deutsche Volksbürger zu werden, Verständnis für die Notwendigkeiten äußerer und innerer Volkspolitik zu gewinnen. Wir verdanken dies, vor allem andern, der stillen, liefen und nachhaltigen Arbeit des deutschen Schutzbundes und insbesondere feines Gründers und Leiters, Herrn von Loesch. Seinen Vortrag über: „Europa von innen heraus" im Verein für Völker« und Erdkunde mitanzuhören, sollte niemand verfehlen. Die neue Gießener Verkehrssrdnung. Auf Grund der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen ist vom Polizeiamt Gießen nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung und mit Genehmigung des Hessischen Ministers des Innern die nachstehende Polizeiverordnung über die neue Verkehrsregelung in der Stadt Gießen festgelegt worden. Die neuen Bestimmungen werden im dieswöchigen Amtsverkündigungsblatt vom Polizeiamt veröffentlicht und treten damit sofort in Kraft. Vom gleichen Zeitpunkt ab werden alle bisherigen Polizeiverordnungen auf diesem Gebiete außer Kraft gesetzt. Die neue Verkehrsordnung schreibt vor: Den IDeifungen der Polizeibeamken ist zu folgen. Den Anordnungen des Polizei amts, sowie den Weisungen und Zeichen der Polizeibeamten zur Regelung des Fahrzeug- und Fußgängerverkehrs ist Folge zu leisten. Die allgemeine Derbolsoorschrift. Verboten ist der Verkehr von Fahrzeugen aller Art. sowie das Radjahren in allen als polizeilich gesperrt bezeichneten Straßen ober Straßenteibm. Das Gleiche gilt für den Fußgängerverkehr, soweit sich die Sperrung auch auf ihn bezieht. Gesperrte Straßen. Für den Verkehr von Fahrzeugen aller Art, auch mit Fahrrädern, sind gesperrt: 1. Mäusburg, 2. Marktstrahe, 3. Marktplatz, ausgenommen zwischen Kirchenplatz und Schulstraße, 4. Oswaldsgarten, 5. Erlen- gaff«, 6. der enge Teil der Dammstraße zwischen Walltvrstoaße und Haus Rr. 22, 7. Lindenplatz, soweit er als Marktplatz benutzt wird, Marktlaubenstraße, Drandplatz, Kanzleiberg und Schlotzgasse wähnend der Marktzeit (s. § 12), 8. Boolshausstraße. Den Anliegern ist die Zu- und Abfahrt gestattet, desgleichen die Anfahrt an die an der Straße gelegenen Grundstücke. Die Sperrung ist gekennzeichnet durch ein weißes Schild in Pfeilform mit totem Rand mit der Aufschrift: „Gesperrt für Fahrzeuge aller Art"; in der Mitte fünf schwarze Punkte. Die Spitze des Pfeiles zeigt nach unten. Der Verkehr In den Einbahnstraßen. In Einbahnstraßen ist der Verkehr von Fahrzeugen aller Art einschließlich des Rad- fahrverkehrs und des Verkehrs marschierender Abteilungen (Umzüge usw.) nur in einer Richtung gestattet. Kraftfahrzeuge dürfen sich in Einbahnstraßen nicht überholen. Radfahrer dürfen nur einzeln hintereinander und nicht nebeneinander fahren. Die Einbahnstraßen sind wie folgt gekennzeichnet: 1. An dem Ende, an dem die Einfahrt verboten ist: Ein weißes Schild in Pseil- form mit rotem Rand und der Aufschrift: „Gesperrt für Fahrzeuge aller Act"; in der Mitte des Schildes fünf schwarze Punkte; die Spitze des Pfeiles zeigt nach unten. 2. An den Ein- nflinbungen anderer Straßen auf die Einbahnstraße: Ein weißes Schild in Pfeilform mit rotem Rand; im Innern der roten Umrahmung die schwarze Aufschrift: „Einbahnstraße''; der Pfeil zeigt in die für den Verkehr freigegebene Richtung. Einbahnstraßen find der Seltersweg und die Kaplansgaffe. Das Umwenden mit Fahrzeugen in den Einbahnstraßen ist verboten. Für Radler und Kraftfahrer gesperrt. Für den Radfahr- und Kraftradverkehr find gesperrt: 1. die Auffahrtswege zum Slad-t- theater, 2. Rittergasse, 3. Dreihäusergasie, 4. Sandgasse (enger Teil zwischen Marktstraße und Haus Rr. 5), 5. Durggraben, 6. Weg von der Lahnbrücke über Bleiche zur Schühenstraße. Die Sperrung ist gekennzeichnet durch ein weißes Schild in Pfeilform mit rotem Rand und der Aufschrift: „Gesperrt für Fahrräder und Motorräder". Im unteren Teil des Schildes ein schwarzer Punkt. Die Spitze des Pfeiles zeigt nach unten. . Parkplätze für Fahrzeuge. Parkplätze sind Plätze, die zum Warten und Halten von Fahrzeugen dienen. Sie sind kenntlich gemacht durch ein rundes Schild, das auf weißem Grund mit roter Umrandung ein großes schwarzes ,P“ trägt. Soweit Straßen und Plätze durch weiße, rot* umränderte, runde Schilder mit der Aufschrift »Parken verboten" kenntlich gemacht sind, dürfen Fahrzeuge aller Art nicht länger halten als bei Personenwagen zmn Ein- und Aus st eigen von Personen und bei Lastfahrzeugen zum Ent- oder Beladen erforderlich ist. Parkverbot« bestehen in Gießen: a) für den Teil der Südanlage von der Ecke Frankfurter Straße bis 100 Meter in südlicher Richtung; / b) für den Teil der Bahnhofstraße zwischen Alicenstraße und Westanlage. Auf diese mehr vorbereitenden Handlungen folgte die erste Etappe des Rahkampfes, in welcher Fäuste und Ellbogen auf Köpfe und Brüste, Füße und Knie, auf Schenkel und Bäuche klatschten, hierauf der Kampf Leib an Leib. Jeder kämpfte gegen jeden, jeder suchte den Rächsten zu Fall zu bringen, jeder bemühte sich nach bestem Können, mit den gerade noch beweglichen Gliedmaßen zu schlagen, zu prügeln, zu drücken, zu stoßen, zu zwicken, zu quetschen, zu reißen. Einige fielen hin. andere stolperten über sie, fielen auf sie oder neben sie. schließlich stand keiner auf den Deinen, alle lagen kreuz und quer, nebeneinander und übereinander, ausgestreckt oder gekrümmt, auf dem Bauch oder auf dem Rücken, in einem dichten wilden, wirren Kniuel. Kein artikuliertes Wort war mehr zu hören, sondern bloß wilde Schreie und Aechzen, Stöhnen, Röcheln und Schimpfen, nur unterbrochen durch Gebrüll, das wie Jubel und Frohlocken klang und ein Ausdruck der Kampfeslreude war. Als nach einer geraumen Welle die gewaltige Schlacht infolge allgemeiner Erschöpfung ein Ende gefunden hatte, zeigte es sich, daß die gesunde Konstitution der De ei igten die Entstehung ernster Körperschäden verhindert hatte. Rur dem Korbinian Lockl fehlte das lin.e Ohrläppchen. Da er stark blutete und die Wunde beschmutzt schien, wurde er in das Spital der benachbarten Markt- gemeinde gebracht. Durch diesen betrüblichm Umstand kam die Verletzung zur Kenntnis des Oberarztes, welcher von seinen Derllner älniversitäts- japren her eine ausgeprägt preußische Aufsa sung von Ordnung und staatsbürgerlichen Pflichten hatte und gerichtliche Anzeige erstattete. Dei der Verhandlung, die vor kurzem ftattfanb, entspann sich die folgende Zwiesprache zwischen dem gut bayerischen Amtsrichter und dem inzwischen als Täler festgestellten und auch geständigen Dartholomäus Hopfinger. „Warum hab'n S' denn dem Lockl das Ohr ausg'rissn? War 'n 6’ mit ihm oerfeinEet?" „Ra, Herr Amtsgericht, dös gar net. Söll war mir schon recht." „Oder hab'n Sie sich damals mit dem Lockl g’ftritten g'habt?" „2Iber wia denn? Mir toar’n ja an ganz verschiedene Ti,ch' gesessen. Und ieberhaupts, Herr Amtsgericht, ich hab' doch gar net g'wußt, wem das Ohrwaschl g'hört, ja bei dem Durchanand, wie's da war, hätt' ich s ja gar net wissen linna." „Oder waren Sie betrunken gewesen?" „Ich 6’fufia? I war ja erst beim dritten Maß." „Oder sind Sie bösartig und hab'n a Freid, wenn S' an andern recht Weh tun fenna?' »I bin net bös. Alle Zeig'n wer'n sicher sag'n, daß i a guter Kerl bin." -3a, warum haben Sie dann dem Lockl das Ohrwaschl auseinandergerßsen?" „Alsdern, Herr Amtsgericht, Sie wissen ja, wie's zur Rauferei kemma is und wia selbige sich abg spult hatr' ,3a.“ .Alsdern, Herr Amtsgericht, beim sölbigen Handgemeng' bin ich zu unlerst zu liegen kemma. A ganz a großes Knäuel war auf mir. Zehne reichen net. die wo auf mir g'leg'n fan. Vüll Epülraurn hab' i da net g habt. Und wie s so hin und her ganga is', da merk i plötzlich, daß ich ein Ohrwaschl in der Hand halt, und dös müssens doch selm zugeben, Herr Amtsgericht, bal man einmal so was in der Hand hat, nacha laßt man's nimma gern aus." Hochschulnachnchien. Mit der Vertretung des Lehrstuhls der Psychiatrie an der deutschen Uninerjität in Prag (an Stelle des nach Wien berufenen Pros. O. Pöhl) ist der Privatdozent und erste Qlf.iftent Dr. med. Georg Herrin ann beauftragt worden. Dem Assistenten am Physikalischen Institut 11 In 2) a r m ft a b t, Dr. Oeorg Reutlinger, ist die venia legendi für technische Physik an der dortigen Technischen Hochschule erteilt worden. Der Lehrstuhl für Mathematik an der Leipziger Universität ist dem ordentlichen Professor Dr. Heinrich T i e tz e an der Universität München angeboten worden. — Der zum planmäßigen außer- ordentlichen Professor für Straf- und Prozeßrecht an der Universität Jena berufene Professor Dr. Hellmuth von Weber in Prag ist zum persön- lichen ordentlichen Professor in Jena ernannt worden. — Professor Dr. Franz Gutmann in Jena hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der wirtschaftlichen Staatswissenschaften an der Universität Breslau von Professor W. Mttscherlich angenommen. Oie Shakespeare-Ausgabe eines berühmten Dichters. Ein wertvoller Fund, der in die Entwicklung des großen englischen Lyrikers K e a t s tiefe Einblicke gestattet, ist der Professorin der englischen Literatur an der Universität London, Caroline Spurgeon, gelungen. Sie entdeckte bei einem Düchersammler in Princeton, George Armour, eine unscheinbare Taschenausgabe der Werke Shakespeares aus dem Jahre 1814. die sich nicht nur durch die Inschrift auf dem Titelblatt, sondern auch durch zahllose Randbemerkungen und Aufzeichnungen als früheres Eigentum des Dichters Keats heraus st eilte. Shakespeare hat in dem .kurzen und schweren Leben und Schaffen dieses genialen Poeten eine große Rolle gespielt. Wenn er der Verzweiflung nah« war, dann rettete er sich immer wieder in die Welt feinen „guten Genius", der ihn über alle Mißgeschicke und älnbequemlichkeiten des Daseins in das Reich der Phantasie einporhob. Man wußte bereits aus seinen Driesen von dieser Taschenausgabe, die er stets mit sich führte, und die er sich an- schaffte, bevor er sich auf die Insel Wight zurückzog, um dort seine große Dichtung »Cndymion" zu schassen. Auf dieser Reise muß er besonders eifrig den „Sturm" gelesen haben, denn man kann aus den Randbemerkungen verfolgen, wie sehr die Vergleiche und Ausdrücke dieses Werkes ihn zum eigenen Schaffen anregten. Reben dem „Sturm" ist der „Sommernachtslraum" dasjenige Stück, das Keats am eifrigsten studierte. Außerdem enthalten noch „Antonius und Cleopatra" und „Maß für Maß" die meisten Bemerkungen. Die Stellung hes Romantikers zu Shakespeare kommt am schlagendsten zum Ausdruck in der Verachtung, die er dem beigefügten Kommentar von Dr. Johnson angedeihen läßt. Da finden sich am Rande Ausrufe wie „Harr und wider .Rarri", „Pfui, pfui" usw. Die Verfasserin hat auch ein bisher unbekanntes Dildnis von Keats entdeckt, ein Aquarell von der Hand seines Freundes Severn, der später im De itz der Shakespeare-Ausgabe war; es bietet eine viel natürlichere Vorstellung von dem Dichter als alle andern Porttäts. Die Ergebnisse ihres Fundes für die Keats-Forschung hat Caroline Spurgeon in einem Buch niedergelegt. Beschränkter Loskfnhrrverksverkehr In der Innenstadt. Lastkraftwagen und La st fuhrwerken , die in den von der Rord-, West-, Ost- und Südanlage eingeschlossenen Stadttei- 1 e n weder auf- noch abladen, ist es verboten, diese Stadtteile zu befahren. Radfahrwege nur für Radler. Auf den als Radfahrwege bezeichneten Wegen ist jeder sonstige Fahrzeugverkehr und der Fußgängerverkehr verboten. Das Befahren der wochenmarklplähe. Lindenplatz, soweit er als Marktplatz benutzt wird. Drandplah und Kanzleiberg dürfen während der Marktzeit mit Fahrzeugen nur zum Transport von Marktwaren für den Wochenmarkt befahren werden. Der Aufenthalt dec Fahrzeuge auf den Plätzen darf dabei nur solange dauern, als für das Auf- und Abladen der Marktwaren erforderlich ist. Ausnahmen kann der Marktmeister gestatten. Der rieilverkehr. Die einschlägigen Bestimmungen gelten sinngemäß für den Reitverkehr. Der von dieser Regelung ausgenommen ist. Die bisherigen Bestimmungen finden keine Anwendung auf Telegraphenboten bei der Bestellung von Telegrammen und Eilbriefen, auf die Fahrzeuge der Polizei, Feuerwehr und des Krankentransportdienstes, sofern Gefahr im Verzüge ist. Ferner unterliegen diesen Bestimmungen nicht die elektrische Straßenbahn, die Fahrzeuge der städtischen Reinigung, sofern letztere ihrer eigentlichen Bestimmung dienen, sowie Kinderwagen. Probefahrten nur im Durchgangsverkehr. Die Straßen innerhalb des bebauten Ortsteiles dürfen zu Probefahrten nur im Durchgangsverkehr benutzt werden. Ungefederte Fuhrwerke nur schrillfahren. Alle Fuhrwerke, welche nicht auf Federn ruhen und infolge ihrer Beschaffenheit ein übermäßig starkes Geräusch verursachen, haben im Schritt zu fahren. Die Bestimmungen für Umzüge. Marschierende Abteilungen haben sich auf der Fahrbahn zu bewegen und dürfen höchstens di« Hälfte der Fahrbahn einnehmen. Der Verkehr der elektrischen Straßenbahn darf nicht behindert werden. Den Fahrzeugen her elektrischen Straßenbahn ist in angemessenen Abständen die Durchfahrt durch die Abteilung zu ermöglichen. Don marschierenden Abteilungen mit mehr als zwanzig Teilnehmern dürfen nicht begangen werden die obengenannten, für jeden Fährverkehr gesperrten Straßen und Plätze. (Mäusburg, Marttstraße usw. usw.) Genehmigung kann auf Antrag erteilt werden. Die Pflichten des Fußgängers. Fußgänger Huben die Fahrbahn zu meiden, und den Bürgersteig zu benutzen. Fehlen Bürgersteige, so ist die äußerste rechte Straßenseite einzuhalten. Das Stehenbleiben auf den Bürger- st eigen ist verboten, wenn hierdurch der Verkehr gestört wird. Die Fahrbahn ist rechtwinklig so rasch als möglich zu überschreiten. Das Stehenbleiben auf der Fahrbahn ist verboten. Beschränkungen für das Rollerfahren. Das Fahren mit Rollern, Rollschuhen und ähnlichem Spielzeug auf dem Seltersweg, dem Kreuzplatz, der Mäusburg, der Marktstraße, Bahnhofstraße bis zur Liebigstrahe und der Reuen Baue ist verboten. Der Dürgersteiz ist keine Fahrbahn! Auf Bürger st eigen dürfen Wagen jeder Art, Karren, Schlitten oder Fahrräder nicht gezogen oder gedrückt werden. Ausgenommen sind Kinder- oder Krankenwagen, wenn Kinder oder Kranke darin befördert werden. Das Rebeneinanderfahren von Kinder- oder Krankenwagen, das Auf und Abfahren auf derselben Strecke, das Anhalten, soweit der Fußgängerverkehr hierdurch behindert wird, ist auf Bürgersteigen verboten. Vorsicht beim Lleberfahren des Bürgersteigs. Das Lieberfahren des Bürgersteiges zwecks Ein- und Ausfahrt zu Hofreiten und Grundstücken mit Fahrzeugen jeglicher Art darf nur langsam erfolgen. Fahrräder müssen g e d r ü meister des Ordens, Artur Mahraun, in ban „Iungdeutschen Manifeste" geschildert hat." Die Aussprache, die sich an den Vortrag anschloß, war von strenger Sachlichkeit und von Ackstnna des gegnerischen Standpunktes getragen. Gründe und Gegengründe wurden ruhig und sachlich behandelt. Die Versammlung war sehr gut besucht: die Teilnehmer folg en allen Ausführungen mit größter Aufmerksamkeit. Onenl-Teroidie 98&5A ! Inkasso - Institut und Auskunftei 08518 Technikum Ilmenau Thür. Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Wissenschaftliche Betriebsführg. Werttmelaterabtellung SPEISEZIMMER in schöner Auswahl. Rudolf Leisler, Neuenweg 23. Bei Barzahlung 10 Prozent Rabatt, I0625A Aufruf! Zur tatkräftigen Unterstützung der Veranstaltungen des Verkehrsvereins Gießen im Licht werden die Bürgerschaft und die Behörden gebeten, in der Zeit von dem 8. bis 16. Dezember 1928 ihre Häuser mit dem Anbruch der Dunkelheit wirksam zu beleuchten. Der Oberbürgermeister: Dr. Keller. I0594 C Warenabgabe nur1IK | an die Mitglieder! 10617A Konsumverein Kietzen und IM e.ß.m.b.H. 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Vergewaltigung, einer vom der- führerischen Schein des Erotzstadt.'eb.ns beherrsch- ten Gesellscha,tsklasse gegenüber. Die schweren inneren Kämpfe jener Gruppe von Menschen, deren Gewissen gegen die Hnwahrhaftigkeiten konventioneller Lebensform unermüdlich anzu- kämpfen versuchen, erhält in der dichterischen Gestaltung und in der geistig-tieigründigen Behandlung des Problems eine Plastik von großer Heberyugu.igÄtraft — Fell? Broun. Der unsichtbare ® a st. Roman. F. ©. Speide.sche Verlagsbuchhandlung. Leipzig. Tanzt. 6 ML (585.) — Das Eheleben eine- Mannes, der an der Liebe zu einer ecdgebundenen Frau zugrunde geht. Im Inner- sten gepackt, folgen wir der rückhaltlosen Offenheit d.eses Bekenntnisses, eines zermürbenden Kampfes zwischen Ge.st und Sinnlichkeit. Viele« auch von uns Erlebtes legt der Dichter bloß. Die Qual des einem seiner Seele fremden Weibs Verfallenen finden in diesem Buch, aus dem ein gütiges Herz schlägt, Ausdruck. — Heinrich Federer: Aus jungen Tagen. Nachgelassene Kapitel zur Lebensgeschichte. Mit einem Iuaendbildnis des Dichters. (Grotejcbe SaMm. hing von Werken zeitgenössischer Schriftsteller. Band 175). Geh. 3,50, Ganzleinen 5, Halbfranz 8, Ganz- lederband 12 Mark. Berlin, G. Grote. (635). — In seinem letzten Buche, der Erzählung seiner Kindheit „Am Fenster", hatte Federer die Fortsetzung seines Lebensberichtes versprochen. Der Tod nahm chm während der Arbeit daran die Feder aüs der Hand. Im Nachlaß fand sich ein Blatt, auf dem Federer die Kapitel für den Fortsetzungsband ausgezeichnet hatte. Was von diesen fertig geworden ist, wird zu- sammen mit einigen im gleichen Lebensalter spielenden Erzählungen in diesem Nachlaßbonde vereinigt der großen Gemeinde des unvergeßlichen Dichters dargeboten. Ein warm empfundenes Borwort des von Federer selbst bestimmten Nachlaßverwalters leitet den Band ein, der mit einem Bilde des jungen Federer von seinem Jugendfreund Anton Stockmann geschmückt ist, und dem auch einige Gedichte bei- gefügt sind. — Sliza, Historischer Roman von Rudolph Strotz. Verlag Scherl, Berlin. Halbleder 7,50 Mark. (424) — Vollendet formt Rudolph Dtratz wieder einmal den Stoff aus der preußisch-deut- schert Geschichte zu diesem seinen neuesten Werk. Es geht in die bewegte Zeit nach dem Tilsiter Frieden zurück und schildert die Rot und das Elend des von Rapolron geknechteten und zertretenen Preußens. Wir erleben die Mutlosigkeit und Verzweiflung des einen Teiles des Volkes, sehen aber anderseits die Zuversicht und Vaterlandsliebe einzelner Führer und ihrer Anhänger. So ragt unter diesen der ostpreutzische Hufschmiedssohn und Rechtskandidat Juel Wisse» linck hervor. Außerordentlich spannend erzählt Stray die Geschichte dieses glühenden Patrioten, dessen ganzes Leben der Befreiung seines Vater- londes und seines Volkes vom französischen Joch gewidmet ist. Sein einziges Streben ist neben dem freien Preußen die Errichtung des größeren einigen Deutschlands. Mutig schläft er bei allen seinen Unternehmungen, die auf die Vernichtung Aopoleons und feiner Gewaltherrschaft abzielen, sein Leben für diesen, ihn ganz beherrschenden ® .hänfen in di: Schanze. Reben Wisselinck stellt Stratz die meisterhaft gezeichnete Gestalt der schönen Reichsgräfin Eliza von Praunheim in den Mittelpunkt der Handlung, die, eine treue Anhängerin Rapoleons, durch Juel im langen, harten Ringen der deutschen Sache wiedergewonnen wird. Klar und scharf umrissen zeichnet der Autor den Widerstreit der Gefühle, die beide beherrschen. Aus der einen Seite der Kampf zwischen der Liebe zu Gliza und der Treue zum Vaterland, auf der anderen die Zuneigung zu Juel und die Bewunderung für Rapoleon. In eindrucksvollen, buntwechselnden Szenen ersteht ein getreues Bild jener für unser Volk so schmachvollen Zeit, aber zum Schluß läßt Strotz m den Hauptträgern seines Romans m Glitza und Wisselinck die kommende (Sintgung und Befreiung Preußen-Deutschlands vorausahnen. In diesem 'Werk hat der Dichter den Freunden guter deutscher Erzähler-Literatur wieder einen Roman geschenkt, der ganz vom deutschen Geist beseelt ist und der deshalb vom ganzen Volke gelesen zu werden verdient. — Paul Oskar Höcker: „Im Hintergrund der schöne Fri tz". Deriag Hilft ein, Berlin. Broschiert 3 Mk. (606). — Paul Oskar Höcker ist einer der produktivsten und lebendigsten Darsteller des gesellschaftlichen Lebens, das ihm immer wieder originelle und typische Figuren liefert. Er kennt die selbständige, berufstätige Frau, den früheren Offizier, der unter neuen Verhältnissen keinen Boden unter den Füßen finden kann, das arme Proletariermädchen: er weiß um die Macht des Sports, der Börse, des gesteigerten Tempos unserer Tage. So ist auch das vorliegende Buch ein liebenswürdiger, echt menschlicher Roman. — Rudolf Herzog: Kornelius Vanderwelts Gefährtin. Roman. Ganzleinen 6,50 Mk. Verlag I. G. Cotta, Stuttgart. (523.) — Mit dem sicheren Gefühl des Routiniers für aktuelle Probleme wählt Rudolf Herzog für seinen neuen Roman das Problem der Kameradschaftsehe, das ja nach dem starken Stoß, den Familie und Ehe durch Krieg, Devolution und Inflation erhalten haben, viel erörtert und umstritten wird. So wird das hier geschilderte Schicksal eines niederrheinischen Reeders, Glück und Ende einer Familie, der nur die Tatkraft der „Kameradin" einen Ausblick auf eine neue Zukunft gibt, auch ein literarisch anspruchvolles Publikum fesseln, das im allgemeinen die moralisierende, pathetische Art Rudolf Herzogs ab» lehnt. Ein guter Wurf ist die Schilderung der von rastloser Arbeit durchpulsten Ruh.stadt. Auch psychologisch ist manches scharf und tres end beobachtet der überraschende Schluß allerdings ein billiger Theatereffekt, den man gerne vermißt hätte. — Drei Bücher des Lachens. Verlag Ullstein, Berlin. Ganz'einen 5 Mk. (522) — Dieses lustige und bunt ausgestattete Buch, das die schönsten heiteren Gc'chichten von heute gesammelt bringt, kommt einen tiefen Bedürfnis entgegen, denn unsere Gegenwart hat das ke freiende. die Alltag ls.r^en verscheuchende Lachen besonders nötig. Die stattliche Auswahl beweist aber auch, daß hmte der Humor nicht spärlicher fließt und ebenso reizeolle Schöpfungen zeitigt wie in früheren Epochen. Al e seine Spielarten sind vertreten und alle Völ er, deutscher Humor findet sich in charakteristischen Ausprägungen ebenso wie amerikanischer oder russischer. So kommt jede Geschmacksrichtung auf ihre Kosten. Dom Zarten zum Derben, vom Schlicht- Definnlichen bis zum Uejermütig Grotesken lauft die tönereiche Skala, und dementsprechend ist die Wirkung auf dm Leser: bald lach.lt er und schmunzel. behag ich, bald lacht er herzlich und bald schwill sein Gelächter zu ei em wah en Dröhnen. Ti: Ramen einig r b.teit g ee Auto en werden das Gesagt.' b fr .fti en: 3.a i n Rin el nah. Roda Roda, Sling, Jerome K cerome Egon 5r e. Ii, O'Hend , Peter Pant r, Mi ael Sostschento, A. M. Frey. Maurice Daring. Kinderbücher und Iugendschn'sten. — Waldemar Bonsels: Himmelsvolk. Ein Märchen von Blumen, Tieren und Gott. Reue, illustrierte Ausgabe. Mit 12 mehrfarbigen Bildern von Franziska Schenkel. In Leinen gebunden 7 Mk. Deutsche Detlags-An- flalt, Stuttgart. (731) — Mit dieser neuen Ausgabe von „Himmelsvolk", die mit zwölf farbigen Bildern von Franziska Schmkel geschmückt ist wird ein langgehegter Wunsch der Jugend erfüllt. dieses Buch nun auch mit Bildern neben die ttlustrierte Ausgabe der „"Biene Maja" stellen zu können. Als dir „Dime Riaja" vor zwei Jahren in ihrem neuen farbigen Bilderschmuck erschien, eroberte sie sich rasch die Herzen der Krnderwelt. „Himmelsvoll" wird mit gleicher Freude ausgenommen werden. Die Bilder sprechen zu den Worten des Dichters eine eigene Sprache und zeigen die Künstlerin als eine empfängliche und verständnisvolle Mitarbeiterin, tie sich in die dichterische Gedankenwelt Vertiefte und ryr in Form und Farbe ebenbürtig bildliche Auferstehung gab. — Das Reue Universum. 49.Jahrgang. Die interessantesten Ersindungen und Entdeckungen auf allen Gebieten, sowie Reiseschilderungen. Erzählungen, Jagden und Abenteuer. Ein Jahrbuch für Haus und Familie, besonders für die reifere Jugend. Mit einem Anhang zur Selbstbeschäftigung: „Häusliche Werkstatt". 480 Seiten mir 427 Abbildungen im Text und 13 Beilagen. Ganzleinenband 8,50 Ml. llnlon Deutsche Der- lagsgesellschaft, Stuttgart (539). — Wie viele junge Leser freuen sich wohl jedes Jahr auf das „Reue Universum"! Ein farbiges, frisches, lebenssprühendes Gemisch von Erzählungen, Reiseschll- derungen, technischen Darstellungen aus allen Gebieten bietet einen Hnterhallungs- und Lehrstosf, wie er nicht besser den Reigungen unserer düngen, älterer wie jüngerer, angepaßt sein kann. Dabei ist das Werk überreich mit vortrefflich ausgeführten Abbildungen ausgestattet, so daß man sich schwer ein preiswerteres Geschenk denken kann, zumal „Das Rene Universum" auch für Mädchen und sogar für Erwachsene fesselnden Lesestosf bietet. — Frida Schanz: Gute Freunde. Reue Schulkindergeschichten. Großoktav. 240 Seiten Mit vier farbigen Vollbildern und reichem Buchschmuck von M. Grengg. Ganzleinen mit farbigem Deckenbild von M. Grengg und farbigem Schuhumschlag 6,50 Mk. Levy & Müller, Stuttgart. (552) — Frida Schaiu hat im Anschluß an ihre „Schulkindergeschichten eine neue Sammlung von sechzehn allerliebsten Kindergeschichten unter dem Titel „Gute Freunde" herausgegeben Da lacht und plaudert, tolll und quirlt es durcheinander, daß es eine Lust ist, und die jungm Leser sind wirklich unter „Guten Freunden". Jede Erzählung ist eine „schöne Geschichte", wie eö im Kindermund heißt, stets mit einer feinen Lehre darin, die wie ein wahres Goldkorn in die jungen Herzen gestreut wird. — Tony Schumacher: Das Findel- 11 n d. Eine Erzählung für die Jugend. Ottav. 220 Seiten Mit einem Titelbild und 33 Testbildern von Richard Schaupp. Ganzleinen mit farbigem Deckenbild von Richard Schaupp und farbigem Dchuhumschlag 5 Mk. Levy & Müller, Stuttgart. (o49) — Die beliebte Verfasserin führt uns in ihrem neuen Buch in eine ganz neue, aber äußerst interessante Umgebung. Wir lernen die Insassen und das Leben m einem Dorfarmenhaus kennen, zu denen eines Tages ein von der Mutter ausgesetztes, von der Dvrfjugend am Wege auf» gesmrdenes Kind gebracht wird. — Wie in diesem recht eigenQtrigen Krris das kaum eiiüge Wochen alte FmdelkiiÄ», das den Dorfnamen .Zaun- christel" erhält, hereing.'schneit kommt und trotz der oft etwas merkwürdigen Erzi hungsversuche aller möglichen Leute zu einem braven Menschenkind heran wächst und schließlich als glückliche und geachtete Kaufmannsfrau In den Ort Aurücft-fjrt, wo sie ihre Kindheit verlebte, schildert Tony Schumacher in diesem Buche in der ihr eigenen geschickten Weise. — Rudyard Kipling: Staaks und Genossen Lebersetzt von Rorbert 3a:que8, illustriert von Curt Weerth. In Leinen gebunden 6,50 Mk. Verlag Pau List in Leipzig. (578.) — Der englische Humor ist em Ding für sich. Ein wirkliches Verständnis scheitert meistens schon an der Schwierigkeit der Hebersetzung. Und wenn troydem einige angelsächsische Autoren wie Mark Twain oder Dickens mit seinen unsterblichen Pickwickiern auch bei uns heimisch geworden sind, so sind das Ausnahmen, die Die alte Regel bestätigen, daß der Humor eines Volkes sein größtes Geheimnis zu sein pflegt. Kiplings Pennälerstreiche, denn um solche handelt es sich in diesem neuen Tuche, werden es nicht ganz leicht haben, in unserer Jugend Fuß zu fassen, obwohl sie in einer flotten Heber- setzung geboten werden und mit vielen Bildern In altenglischer Manier illustriert sind. Rauh aber herzlich ist der Grundton dieser britischen Düben. die sich in stetem Kriegszustand mit ihren Lehrern und ihrer sonstigen ilmtoclt befinden. Wir halten den deutschen Jungen im allgemeinen für gutmütiger und glauben auch deshalb nicht recht, daß ihm diese „Pennälcr- streiche", die Kipling hier mit zweifellos viel Humor, Witz und Anschaulichkeit erzählt, sehr imponieren werden. Aus fremden Literaturen. — Georges Duhamel: Gewitternacht. Roman. Heber tragen von Wilhelm Friedmann. 3m Insel-Verlag, Leipzig 1928 (714). — Duhamels Roman ist beste französische Tradition, die Darstellung eines seelischen Geschehens von großer ErndrinLichreit. 3n die Seele eines jungen Gelehrten, der sich in seiner Laren rationalistischen Weltanschauung vor allen Anfechtungen sicher glaubt, bricht das „Wunderbare" ein Es hatte bislang keinen Platz in der Ordnung seines Geistes, er ist der Sohn des Raturwrssenschasllers, Atheisten, Rationalisten, Freidenkers der alten schule, bis nach dem Kriege, bis zu seiner glücklichen, auf DerstLndt- nis, Vertrauen und Liebe aufgebauten Ehe glaubt auch er in denselben Dahnen des Geistes zu wandeln. Da bricht durch eine seltsame, von den Aerzten nicht erkennbare Erkrankung seiner Frau triefe ganze klare wohlgeordnete Welt zusammen Der Freidenker wird abergläubisch, der Atheist ringt um Gott, der Rationalist muß an das Wunderbare glauben. Er ergibt sich nicht, er sucht aus den Trümmern seines alten Glaubens zu retten, was er kann, um in Immer neuen Kämpfen die alte schöne klare Ordnung der Dinge wieder zu erringen; in seinen Kindern hofft er sie wieder aufxubauen — Duhamel will in seinem Roman fernen Einzel fall schildern, er setzt sich mit der geistigen Verfassung der ganzen Generation auseinander, die von der alteren durch das Eriebnis des Krieges getrennt ist. Alle jungen Glieder der Familie erleben diese innere Zersetzung, sie müssen dem Hebersinnlichen, das für chre Väter einfach nicht existiert, seinen Platz gönnen. Sie reagieren auf verschiedene Weise, der eine sucht neues Beben in der Mystik des Orients, der andere wirft sich der katholischen Kirche in die Arme und rettet sich in einem verzweifelten Gottes glauben, die Frau ergibt sich still, sie hofft und wartet ohne Kamps. — Es ist ein Buch von großer Meisterschaft in der Zeichnung der Charaktere, der verwirrenden und leidenschaftlichen Kämpfe der Seelen, voll Verständnis für beide Generationen, ohne Haß und Parteinahme. Gin Hauch von Wärme, die lyrische Haltung des RomanS unterscheiden Ujn von den großen Seelen gemä^Cen der Raturalisten, mit denen er das Dloßlegen der feinsten Regungen des inneren Lebens gemeinsam hat. — Die Hebersetzung ist gut, wenn auch die Sprache des Originals biswellen durchklingt. — Pierre Valmigöre:Otani. Roman. Aus dem Französischen von Karl Federn. 160 Selten. Ganzleinen Mk. 4.50. Adolf Sponholtz, Verlag, G. m. b. H., Hannover. (646.) — „Otani“ ist eines dec merkwürdigsten Bücher, die im letzten Jahre In Frankreich erschienen smd. Ein grontoffuler erzählt, feinen nahen Tod ahnend, aus dem Llnterbewuhtsein heraus, seinen Kameraden von einem früheren Leben, das er einmal in Gegenden, die er nie betreten, in einem Lande, dessen Sprache er nie gelernt hat, lebte. Es ist der uralte Seelenwanderungsglaube. Die Erzählung dieses zweiten Lebens ist der Inhalt des Buches: eine japanische Liebesgeschichte, zart und duftig wie die Kirschblüte und seltsam gemischt mit der Grausamkeit einer Teu- selsfrahe. — Das Buch erhielt den französischen Auto.enpreis, der durch Abstimmung der Schriftsteller selbst verliehen wird, einstimmig. — Knud Andersen, Brandung. Roman. Ganzleinen 7.50 Mark. Verlag Georg CEBeftermann, Braunschweig. (513.) Die Orgel des Meeres rauscht und tlingt In diesem Buche des dänischen Seemannes, das Meer als Fluch und Segen des Menschen, der mit der unstillbaren Sehnsucht nach dem Meere geboren wird, wie es Ture Bester ergeht, dem Fischersohn, dessen Vater in Sturmesnacht in Opferial sein Leben ließ, den die Mutter freibeten möchte vom Meer, dem er von erster Stunde an gehört und dem er verfallen ist mit allen Wünschen und Verlangen. Gin wilder Bursch wird er, trotzig und verwegen, ein „verfluchter Wallänger", wie er sich selber nennt, der durch hartes Seemanns- tum das Weiche m sich, Die Liebe zu Heimat und Mutter ersticken möchte —, bis sie eines Tages doch übermächtig wird und ihn zurückführt. Der Trotz des Seefahrers bestimmt auch fein Verhältnis zu dem Mädchen, das er liebgewinnt und heiratet und in die wilde Brandung seines stürmischen Gemüts hineinführt. Es ist kein leichtes Los, Ture Desters Kamerad fürs Leben zu fein, die Brandung tost so wild, daß ihrer beiden Lebensschiff zu zerschellen droht, aber die harte Trennung schwerer Jahre zwingt sie von neuem zusammen, sturmerprobt, wetterfest. — Joseph Conrad: Sonderbare Käuze. Drei Rovellen. Preis gebunden 5 Mk. Verlag 3. Engelchsrns Rachf., Stuttgart. (458) Es sind seltsame Menschen, die Joseph Conrad in diesen Seefahrcrgeschichien schi'dert, und geheimnisvoll sind ihre Schicksale. Etwas ge penster- haftes vom Zauberwesen des Klabautermanns haben sie alle, mit ihren absonderlichen Vorstellungen, ihren Ahnungen und Einfällen. „Sonderbare Ääuze", die lange in unserer Erinnerung haften bleiben. Politik und Geschichte. — D i e Kreuzzüge, in den Dildern von Gustav Dor6. Mit einer geschichtlichen Einführung von Andreas Dusch. 100 Vollbilder in Kupfertiefdruck. 12.50 Mk. Verlag Joseph Müller, München 23. (554) — 3n den morgenländischen Kreuzzügen stießen zwei Welten aufeinander: Der Westen, vertreten in seinen höchsten Gewalten, in der ungezählten Masse niederen Volkes, in seiner glänaenbften Erscheinung, dem aufblühenden Rittertum, und der Osten, zum Teil in der Gestalt der alten byzantinischen Kultur, zum Teil in den aus dunklen Gebieten vordrängenden Selbschukken. Es war eine Zett höchster Glau- bensbegeistcrung und zugleich eine Zett mit graften kolonialpolttischen Plänen, eine Zeit mit jubelnden Siegen und furchtbaren Riederlagen, mit strahlenden Heldentaten und — wie könnte das auf der Erde anders fein — auch mit Hnrecht und Untat, eine Zeit, in der das Abendland von Osten her wirtschaftlich, wissenfchaftlich und künst- lerifch tief und reich befruchtet wurde. Eine solche Zett verdient es, in dem Bewußtsein der Menschheit weiterzuleben und immer wieder neu beleuchtet zu werden. Das geschieht durch die treffliche Wiederaabe des großen Dildwerkes, das Gustav Dore mit der chm eigenen großen Erfindungsgabe zu den Kreuzzügen schuf. Zur Einführung in die Bilder dient eine Abhandlung über die Kreuzzugsbewegung. Wort und Dild wirken Zusammen, um uns jenen taten- und wechselrelchen Abschnitt aus dem alten und immer neuen Kampfe zwischen dem Osten und dem Westen nahezubrrngen. — Harold Lamb: Dsching is Khan, Beherrscher Der Erde, übersetzt vyn D. v. Mikusch, 5. Aufl. Leinen 10 Mk. Verlag von Paul List, Leipzig. (740) — Don den Taten der Großen dieser Erde sind uns wohl die eines Cäsar, eines Rapoleon bekannt. Gegenüber jenen Helden der europäischen Bühn« ist Dschingis Khan ein Eroberer von weit gewaltigerem Ausmaß. Die Märsche seiner Krieger erstrecken sich nicht (Über Meilen, sondern über Längen« und Breitengrade. Großstädte wurden aus feinem Weg hinweggewischt und Flüsse aus ihrem Lauf gedrängt. Aber Dschingis Khan war nicht nur die „Geißel Gottes", ein Stürmer ohne Zweck und Ziel, er war auch zugleich der „Vollkommene Held", der „Herrscher über Kronen^und Throne", und hier stoßen wir auf das Rätsel, das ihn umgibt. Ein Romade, ein Jäger und Hirt bricht die Macht dreier Kaiserreiche; ein Darbar, der nie eine Stabt gesehen hat und des Schreibens unkundig ist, stellt für fünfzig Völker Gesetze auf. Sein Reich dehnte sich über ganz Asien aus, vom heutigen China und 3apan bis in d4e Türiei, vom Tibet bis zur Wolga — so fest zusammen- geschmiedet, daß sein Sohn das Erde widerspruchslos antreten konnte und noch der Enkel, Kubilai Khan, diesen Machtbesitz ertozt'emb, unseren Erdteil heimsuchte, um durch seinen Sieg auf deutschem Boden bei Liegnitz die Völler Europas in Schrecken zu setzen. Mit einer Intensität ohnegleichen schlldert die Biographie des L^chingis Khan jenes ungeheuere Drama der Weltgeschichte, das gegenwärtig infolge des Wiedererwachens der Kräfte im Osten eine starke Aktualität gewonnen hat. — Lassalle. Die Macht der Illusion und die Illusion der Wacht, von Arno Schirokauer. 10. Aufl. Mit zahlreichen Bildern. Leinen 10 Mk. Verlag Paul List, Leipzig. (675). Das 19. Jahrhundert hat vielleicht kaum einen so leidenschaftlichen, von Machthunger und Dik- tatorengelüften getriebenen Lebenslauf aufzuweisen, wie den Ferdinand LassalleS. Dieses Leben ist so intensiv und so mächtig, der Kreis seiner Interessen unt> Wirkungen so riesig, das dieses Leben beschreiben heißt, die Inhalte des Zett- alters von 1840 bis 1864 erzählen. Es ist dies die eigentliche Epoche der großen Staatsmänner. Disraeli wird der Letter des britischen Weltreiches und Lassalle, der Richelieu des Proletariats, wird der heimliche Mttverschwo- rene Dismarcks; Lassalles Lebenssphäre reicht von Garibaldi bis Karl QUarj, von Hegel bis in die Salons uni) von der Staatskunst bis in die Boudoirs. Seine politische Wirkung ist bedeutend, und die Geschichte seiner politischen Gedanken ist die grandiose Vorwegnahme Der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Lassalle ist der deutsche Disraeli; wenn England heute noch das Signum Disraelis trägt, so zeigt ebenso das Deutsche Reich von 1928 unverkennbar den Stempel Lassallescher Staatsgedanken. — Robel. Dynamit, Petroleum, Pazifismus. Autorisierte Ausgabe des Robel- Instituts. Hebersetzt von Dr. W. H. v. d. Mülbe. 10. Auflage. Wit zahlreichen Bildern. Leinen 10 Mk. Verlag Paul List, Leipzig. (676). Röbels Ramen kennt freilich jeder aus der großzügigsten aller Stiftungen, und es ist auch bekannt, daß er der Erfinder des Dynamits und anderer Sprengstoffe war. Aber wenige wissen, auf wie weiten Gebieten sich das Genie dieses Mannes betätigte, der bei seinem Tod 1896 neben einem Vermögen von über 33 Millionen 345 Patente hinterlieft. Vieles dürfte auch dem Fachmann neu fein. Die Biographie, die auch das Leben seines Vaters und seiner Brüder schildert, insbesondere auch deren Organisation eines ungeheuren Petroleum- reiches in Rußland, wird jeden fesseln, denn sie ist voll dramatischer Spannungen, zeigt den Ausstieg eines unermüdlichen Hauses und bringt dem, der sich für die Entwicklung von Erfindungen für die Geschichte der Technik interessiert, eine Fülle von Ausschlüssen über wichtige Einzelheiten und Zusammenhänge. — Werner Beumelburg: Flandern 1917 (Schlachten des Weltkrieges Dd. 27). Verlag Gerhard Stalling. Oldenburg. Preis 6.50 Mk. (735) — Das charakteristische Erleben der Flandernschlacht psychololisch herauszuarbeiten ist eine Ausgabe, wie sie schwieriger kaum gestellt werden kann. Beumelburg hat sie gelöst. Er hat mit einer geradezu verblüffeirden Geschicklichfett einen gefühlsmäßigen Einblick in das ungeheure Ringen vermittell, das den Leser von Anfang bis Ende in Spannung hält, ihn zu hoher Begeisterung fortreiht, um ihn im nächsten Augenblick äu seelischen Qualen herabzudrücken und ihn schließlich in Andacht vor der Größe deutschen Heldentums die Lektüre beenden läßt. Auch vom historischen Stundpunkte aus mutz eine derartige Dav- stellung persönlichen Erlebens, die Vermittelung menschlichen Empfindens, seelischer Eindrücke, die Zeichnung von Wirklichkettsblld^m, die jeder nachempfindet, der an den Kämpfen teilgenommen hat, als berechtigt anerkannt werden. Sie gestattet eigentlich erst, eine wirklich« Vorstellung von der Gröhe der vollbrachten Taten zu gewinnen, sie gibt einem Heranwachsenden Geschlechte die Möglichkeit, di? Schwere unseres Dingens zu. erfassen, den Begriff „Materialfchlacht" jedenfalls überzeugender in sich aufzunehmen, als das eine noch so vortreffliche Aneinanderreihung der Kampsbegebenheiten vermag. Der im Aichang beigefügte klare ^leberblick über die Schlacht aus der Feder des Obersten a. D. Lange ergänzt Deumelburgs künstlerische Leistung in vorzüglicher Weise. Der Verlag hat auch diesem Bande eine ausgezeichnete Ausstattung an Bildern und Karten zuteil werden lassen. — Gasi Mustafa Kemal Pascha. Die Nationale Devolution 19 2 0/27. Verlag K. F. Koehler in Leipzig. Ganzleinen 16 Wk. (642) — Die nationale Devolution hat Kemal Pascha in der durch jahrzehntelangen Krieg völlig erschöpften Türkei praktisch verwirklicht. Sieben Jahre, von 1920 bis 1927, dauert das Dingen gegen den äußeren und inneren Feind. 1923 erzwingt er nach erbitterten Kämpfen gegen Engländer, Franzosen, Griechen und Armenier im Frieden von Lausanne die nationale Selbständigkeit der Türkei. Fast schwieriger noch ist der aufreibende Kampf gegen die eigene Regierung, der schließlich zur Absetzung des Sultans, zur Abschaffung des Kalifats, zum Bruch uralter Traditionen führt. Kemal Paschas eisenharter Wille spricht aus jedem Kapitel seiner temperamentvollen Ausführungen, er hat das fast Llnglaub- liche fertiggebracht, seinem in Fatalismus erstarrten Volk, das um Jahrzehnte zurückgeblieben war, durch wahrhaft großzügige Deformen zu einem modernen Staatswesen zu verhelfen. Das fesselnde Werk schließt an den vor einigen Monaten erschienenen Band „Der Weg zur Freiheit 1919/20“ an. Die beiden Werke gemeinsam enthalten die Geschichte der modernen Türkei, wie sie Kemal Pascha in seinem Rechenschaftsbericht wiedergegeben und durch zahlreiche Dokumente belegt hat. — Alfred v. Wege rer: D ie Widerlegung der Versailler Kriegsschuldthese. Verlag Reimar Hobbing, Berlin SW 61. Preis 7 ML (608). — Zn diesem Buch hat der langjährige Leiter der Zentralstelle für Erforschung der Kriegsursachen und Herausgeber der Monatsschrift „Die Kriegsschuldfrage" alle offiziellen Schuldanklagen, die während der Frie- densverhandlungen und im Versailler Vertrag gegen Deutschland vorgebracht worden sind, zu- sammengesaßt und überzeugend widerlegt. Es wird auch der Nachweis gebracht, daß das gegen uns von den Alliierten abgegebene Urteil in der Kriegsschuldfrage auf Grund eines völlig unzureichenden falschen und sogar gefälschten Doku- menten-Materials aufgebaut war. Schon damit fällt das Urteil in sich zusammen. 3m übrigen geht das Buch aber auf alle Anllagen und Beschuldigungen Punkt für Punkt ein, und findet die Widerlegung nur an Hand von einwandfreiem Dokumenten-Ntaterial statt. Wegerer kommt zu dem Ergebnis, daß das Urteil in der Kriegs- fchuldfrage, wie es in der Versailler Kriegsschuldthese zum Ausdruck kommt, falsch ist und im 3n- teresse unseres Ansehens, sowie um die notwendige moralische Grundlage für eine Revision des Versailler Vertrages zu schaffen, beseitigt werden muh. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 4.Dez. Der Besuch der Technischen Hochschule stellt sich für das laufende Wintersemester auf 2511 Studierende und 27 Hörer. Diese Zahlen verteilen sich auf: Architektur 267, Bauingenieurwesen 309, Maschinenbau 779, Papier-Ingenieurwesen 85, Gasingenieurwesen 10, Elektrotechnik 545, Chemie (einschl. Elektrochemie, Pharmazie) 145, Mathematik und Naturwissenschaft 160, Slaatswissen- schaften 238. Zu diesen Studierenden kommen noch 218 Gäste, so daß sich die Gesamtbesucherzahl der Technischen Hochschule für das laufende Wintersemester auf 2756 stellt. 3m Vergleich zum letzten Wintersemester 2651 und zum Sommersemester 2551 ist ein Zuwachs zu verzeichnen. WSN. Pfungstadt, 4. Dez. Gegen 11 Uhr spielte sich hier vor der neuen Volksschule ein aufregender Vorfall ab. Ein Auto aus D a r m st a d t fuhr vor dem Schulhause vor, und der Insasse ließ sich ein siebenjähriges Mädchen herausrufen, das er gegen fernen Widerstand zum Auto schleppte und mit ihm davonfuhr. Durch das Schreien des Kindes war die Nachbarschaft aufmerksam geworden. Ein Kaufmann notierte sich die Nummer des Wagens und» verständigte bh Polizei. Dieser gelang es, den Entführer festzustellen. Es war der von seiner Familie getrennt lebende Vater des Kindes. SeuMtiatlonale Krelsvertre'er-Tagllng. * Lauterbach, 4. Dez. Am Sonntag hielt hier dieDcutschnationaleDolkspartei eine Kreisvertretersitzung des Kreises Lauterbach unter der Leitung des Kreis- Vorsitzenden, Sartorius (Lauterbach), und in Anwesenheit des Provinzvorsihenden, Studienrats Dr. Lenz (Gießen), ab. Zunächst wurden organisatorische Fragen und die Aufgaben der nächsten Zeit erörtert, wobei wiederholt die Ueberzeugung zum Ausdruck kam. daß nur ein festes organisatorisches Gerippe die Grundlage für den weiteren Ausbau der Partei bilden könne. Das Abspringen von vielen bäuerlichen Wählern, welche bisher immer in der Deutschnationalen Dolkspartei eine gut«Vertretung für ihre 3nteressen gefunden hätten, zur neugebildeten Christlich-Na ionalen Bauernpartei wurde außerordentlich bedauert, und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß diese Trennung keine dauernde sein möge. Bei der anschließenden satzungsmäßigen Neuwahl des Kreisvorstandes wurde mit kleinen Aenderungen der bisherige Kreisvorstand mit Herrn Sartorius als Kreisdvr- sitzendem Wiedergewählt. Sodann behandelte Studienrat Dr. Lenz in längeren Ausführungen, die mit größtem 3nter- esse verfolgt wurden, verschiedene akute Fragen: Zum bedauerlichen Falle des Austritts von Prof. Werner, der gerade auch im Kreise Lauterbach großen Eindruck gemacht hat. schilderte der Redner die Ursachen, die schließlich zum Austritt führten Die Wahl Hugenbergs zum Parteivorfitzenden sei nur zu begrüßen Hugenberg, der eine allgemein, auch von den Gegnern anerkannte Führernatur fei, habe in feinem arbeits- und erfolgreichen Leben bewiesen, daß er in allen Sätteln gerecht sei. Als jahrelanger Direktor der Raiffeisen-Genossenschaften und Leiter der Posenschen Landesgenossenschafts- bank habe er besonders auch die landwirtschaftlichen Verhältnisse und die Nöte und Sorgen des Bauernstandes kennengelernt. Wenn irgend jemand, so sei er der richtige Mann, aus der Partei einen starken nationalen Block und Sammelpunkt für alle national Gesinnten zu bllden Nachdem zum Schlüsse noch die Frage des Stahlhelm-Volksbegehrens und die Stellung der Partei dazu kurz erörtert worden war, wurde die Verfanrmlung geschlossen. Wirtschaft. Oie Dresdner Ba ck zur Wirtschaftslage Nach den Ausführungen des Monatsberichts der Dresdner Bank hat sich die Konjunktur- l a g e kaum geändert. Die Abschwächungs- erscheinungen haben auch im November nur langsame Fortschritte gemacht, wobei saison- mäßige Einflüsse wirksam blieben, die in verschiedenen Derbrauchsgüterindustrieir. namentlich im Bekleidungsgewerbe und in den für das Weihnachtsgeschäft arbeitenden Geschäftszweigen zu verzeichnen waren. Da mit fortschreitender 3ahreszett eine weitere Abschwächung der Tätigkeit in den Auhenbetrieben zu erwarten ist, und um die 3ahreswende aui> die Beschäftigung In den meisten Verbrauchsgüterindustrien eine Einschränkung zu erfahren pflegt, ist für £:e nächsten Monate mit einem stärkeren Rückgang des industriellen Beschäftigungsgrades zu rechnen. Hinzu kommt, daß sich noch nicht über,etzen läßt, welche Rückwirkungen sich auZ dem Konflikt in der nordwestlichen Eisenindustrie auf die übrigen 3n- dustriezweige ergeben werden. Auf dem A r b e i t s m a r k t hat sich im Oktober die Lage bereits leicht verschlechtert. Daß sich der Konjunkturrückgang bisher in den Preisen nicht hat durchsetzen können beruht darauf, daß in Deutschland die Preise dem allgemeinen Konjunk- turverlauf erst mit einer verhältnismäßig starken Verspätung zu folgen pflegen. Während z. B. der Index der Industrieproduktion während der Krise 1925/26 bereits im März' 1925 zu sinken begann, zeigten die Preise für Ändustrieworen erst vom September 1925 an eine Senkung. Zur Zeit desKon- junkturaufschwungs 1926'27 stieg die Produktion bereits vom Mai 1926 an, während die Industrie- Warenpreise erst im Februar 1927 zu steigen begonnen. Da die Industrieproduktion im Verlaufe der letzten Konjunkturabschwächung erst vom Frühling ab einen merklichen Rückgang aufweist, so würde es der bisherigen Erfahrung nicht widersprechen, wenn jetzt die Preise für Jndustriewaren noch keine scharfe Senkung erfahren haben. Da aber die Konjunkturabschwächung bereits verhältnismäßig weit vorgeschritten ist, und sich auf die Wirtschaftslage auch die saisonmäßige Entwicklung nunmehr sichtbar auswirken dürfte, so könnte man in den kommenden Monaten mit dem Beginn einer Abschwächung der Preise rechnen, soweit sich nicht Lohn- und preispolitische Faktoren wieder störend bemerkbar machen. Auf dein Geldmarkt ist nunmehr eine nickt unbeträchtliche Erleichterung festzustellen, die sowohl in einer starken Verminderung der Beanspruchung des zentralen 9lotenmftituts seitens der Wirtschaft, als auch in den weichenden Zinssätzen zum Ausdruck gekommen ist. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als die maßgebenden ausländischen Geldmärkte im vergangenen Monat eher Neigung au einer Versteifung aufwiesen. Die allmählich einsetzenden Vorbereitungen für den Iahresultimo dürften allerdings eine Unterbrechung der fortschreitenden Entspannung auf dem Geldmärkte bringen. Mit der Erleichterung am Geldmarkt hot der verfloßene Monat auch der Börse eine bessere Tendenz gebracht. Trotz des sehr ernst zu nehmenden Konfliktes in der Eisenindustrie und einiger anderer ungünstiger Momente, wie Dividendenausfälle und Sanierungen, ließ die Börse eine bemerkenswerte Widerstandskraft erkennen. Die Belastungsprobe der letzten Zeit wird in naher Zukunft durch die Reparationsverhandlungen oller Voraussicht nach von neuem erheblich verstärkt werden. Die letzt- monatige Kursbesserung und Geschäftsbelebung erstreckte sich zunächst zwar vorwiegend auf einige Spezialgebiete, wie auf den Markt der Elektrizitätsaktien, sowie auf chemische Werte, griff aber allmählich auch auf andere Marktgebiete über. Bemerkenswert war auch die Kursentwicklung der Reichsbtmk-Anteile, die auf große Auslandkäufe hin mit etwa 334 v. H. ihren bisherigen Höchstkurs erreicht haben. * Von der Frankfurter Börse. Dom 8. Dezember ab werden die Aktien der Hirsch Kupfer- und Messingwerke, A.-G, im Verkehr au veränderlichen Kursen, statt wie bisher in Mindestbeträgen von 1200 Mark, in Mindeftbeträgen.von 1000 Mark und einem Mehrfachen hiervon gehandelt und notiert. • Echo , se hof - Dinding - Bürger- bräu-A.-G, Frankfurt a. M. Der Auf- sichtsrat d.r Schö.f^hof - Tindi g - Dürge b.äu- A.-G., Frankfurt a. M., beschloß, der auf den 28. Dezember einzuberufenden Genevalversamm- lung die Verteilung einer Dividende von wieder 20 Prozent vorzirsHagen. • Auflegung der Ruhrgas-2l.-G.- Anleihe. Der 1,50 Millionen Dollar betragende holländische Abschnitt der 6V»pro- zenttgen Obligationen der Ruhrgas-A.-G. wird am 7. Dezember zu 94 Prozent in Amsterdam aufgelegt. Emissionsbanken sind: die Nederland- sche Handel Mj.. die Amsterdamsche Credit Mj., sowie die Banklirmen Mendelssohn & Co. und Pierson & Co., Amsterdam, und R. Mees en Zoonen, Rotterdam. * Kammgarnspinnerei Stoehr, QL - G. Der Aufsichtsrat der Kammgarnspinnerei Stoehr in Leipzig beschloß, die Erhöhung des Qlktienkapitals um 4Vz auf 22 Mill. Mk. zu beantragen. Den Aktionären wird ein Dezugs- recht im Verhältnis von 4:1 zu pari geboten. Die verbleibenden 125 000 Mk. Aktien sollen im 3ntereffe der Gesellschaft verwertet werden. Außer der vorzufchlagenden Dividende für das Geschäftsjahr 1928 soll aus dem Freigabefonds eine Sonderzuweisung von 10 Prozent deS jetzigen Stammaktienkapitals empfohlen werden. — 3n der gleichzeitig abgehaltenen Sitzung des Aufsichtsrates der Kammgarnspinnerei Gautzsch, QL- ©., in Leipzig wurde beschlossen, der auf den 28. Dezember einzuberufenden ao. G.-V. die Fusion mit der Kammgarnspinnerei Stoehr mit Wirkung ab 1. 3anuar 1928 durch Austausch von 640 Mk. Gauhsch-Qlltien gegen 250 ML Stoehr-Qlltien vorzuschlagen. Der Austausch erfolgt beiderseits ohne Dividendenschein für 1928, doch übernimmt Stoehr bei Durchführung der Fusion die Vergütung des den Gautzsch-Aktien anhängenden Dividendenscheines mit 8 Proz. Die den Aktionären der Kammgarnspinnerei Gautzsch zu liefernden Aktien enthalten die Stoehr- Bezugs- und Bonusrechte. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 5. Dez. Tendenz fest. Nachdem an der gelingen Abendbörse im Grund- ton der Tendenz eine eher freund i Here Stimmung zu bemerken war, eröffnete der heutige Markt in fester Haltung. Die Spekulation fch-ritt in verstärktem Maße zu Deckungen^ da das Ausland und die Privatkundschaft stärker am Geschäft beteiligt sind. Der unsichere Verlauf der gestrigen Neirhorker Börse wurde nur wenig beachtet, doch übte die Kulisse zeitweise noch Zurückhaltung. Das Geschäft konnte sich im all- gemeiren nicht sehr lebhaft gestatten und beschränkte sich i.i der Hauptsache nur auf Spezial- werte. 3m Vordergrund standen am Elektromarkt Licht und Kraft mit plus 6,25 Proz., Schuckert mit plus 3,5 Proz. Auch am Farbenmarkt bestand bei lebhafterem Geschä t für 3. G. Farben mit plus 4,5 Proz. größeres 3ntrres,e. Scheide- anstalt etwas gefragt und 2 25 Proz. fester. Am Montanmarlt blieben de Umsätze Bei mftst nur knapp behaupteten Kerfen minima'. Etwas bevor- $ugt und 1,5 Proz. höher eröf.n-trn Rheinische Braunkohlen. Trotz gestelgerten Ka.iabsatzes im Monat November waren Kaliwerte nur wenig verlangt. Weste.egeln tonn en 1,5 Prozent an» ziehm. Nachfrage bestand noch für Zellstoff Waldhof mit plus 3,25 Prozent und Deutsche Linoleum mit plus 3,5 Prozent. Bon Baa- unternehnrungen waren Holzmann mit plus 2 Prozent verlangt. Hoch- und Tiefbau dagegen eher angeboren und bis 1,5 Prozent niedriger. Olm Au.omarkt unle.lagen Adlerwerke weiteren Schwankungen, sie waren eher angebo.en und etwas schwächer. Schisfahr.swerte lagen etwas erhohL Olm Elektrornarkt waren die Umsätze klein. Deutsche Anleihen waren behauptet. Von Ausländern Türken auf angeblich erneut eingetretene Schwierigkeiten in der Schuldrnregelung stark vernachlässigt und schwächer. Rach der elften Kursfestsetzung schränkte sich das Geschäft ejn. Don den schon zu Anfang bevorzugten Papieren waren vereinzelte Werte weiter gefragt Die Tendenz blieb freundlich Olm Geldmarkt war Lagesgeld zu 6 Prozent unverändert. Olm Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1960, gegen Pfund 20.358, London gegen Kabel 4.8503. gegen Paris 124.16, gegen Mailand 92.68, gegen Madrid 30.02, gegen Holland 12.0813. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 5. Dez. Der Frankfurter Prvduktenmarkt verkehrte zum heutigen Haupttage in ruhiger Haltung. Das Qlngebvt tu Aus- landware, hauptsächlich für Weiten, ist reichlicher geworden, aber Olbsatz ist kaum vorhanden. Stärker angeboten war Weizenmehl und etwas schwächer. Sonst sind die Umsätze bescheiden. Es wurden notiert: Weizen 22,75 ML: Roggen 21,75 bis 22; Sommergerste (für Brauzwecke) 23,75 bis 24: Hafer (inL) 22,75 bis 23,25: Mais (gelb, für Futterzwecke) 22,75; Weizenmehl süddeutsches. Spezial 0) 32,75 bis 33,25; Roggenmehl 29,25 bis 30; Weizenkleie 13,75 bis 13,85; Roggen- kleie 14,25 ML — Tendenz: ruhig. Kunst und Wissenschaft. Zum Fall hafenclever. Auf eine Anzeige hin hatte die Staatsanwaltschaft gegen den Dich er Walter Hasenclever Ermittlungsverfahren toejen Gotteslästerung eingeleitet. Anlaß zu diesem Verfahren gab dis Ausführung der Komödie „Ehen werden im Himmel geschlossen". Nach Prüfung des Sachvevhal s ist jetzt dieses Ermittlungsverfahren eingestellt worden, da „beschimpfende Äeuhe- rungen", die nach dem Wortlaut des 8 166 SLG.B. die Voraussetzung der Strafbarkeit der Gotteslästerung sind, als nicht vorliegend erkannt wurden. Letzte Nachrichten. Von einem Leitungsmaft des Lleberlandwerkes abgestürzt. Ein schwerer Llnglücksfall ereignete sich heute vormittag zwischen 11 und 12 ttlhr in Alten-Buseck. Dort war der 28 3ahre alte, verheiratete Elektromonteur Willy Gelse- b a ch aus Gießen bei dem Sehen neuer Leitungsmasten für das Lleberlandwerk der Stadt Gießen beichästigt. Als der Mann an einem der neugesetzten Maste in etwa 10 Meter Höhe arbeitete, brachen ihm die Steigeisen und gleichzeitig riß auch der Sicherungsgurt, mtt dem er sich an dem Mast befestigt hatte. Der Bedauernswerte stürzte, sich überschlagend, aus der großen Hohe ab und blieb mit schweren inneren Verletzungen und einem Bruch des linken Unterarms und des rechten Schullerblattes besinnungslos am Boden liegen. Ein rasch herbeigerufener Arzt leistete dem Verunglückten die erste Hilfe und lieh ihn dann durch die Freiw. Sanitäts-Kolonne vom Boten Kreuz in Gießen mit dem städtischen Sanitätsauto der Chirurgischen Klinik in Gießen zuführen. BT Einem Teil der beuiinen ShiHane Hent eine EnwfehlnniS-Beilaae der Firma Brüder Sckmidt. (Ließen. LelterSwea 83, bet [IU653D Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Brief Hcio Berlin 4 Detemver Devisenmarkt Berlin—Frank' rt a 21L Telegraphische Auszahlung. Banknoten. der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Die hinter den Papieren angeführten die Frankfurt a. M | Berlin ftramönidw Jioten poUäitötldie Holen . . . . Atnltenische Noten ...... Norwegische Noten . . . ■ Demich-Oesterr, ä 1OO Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...*•• Schweizer Noten ...»•• SvanisHe Noten....... Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Noten Jraiihiurl a. M Berlin Frandsurt a. M Berlin Lchlutz-j fiure l-Uhr- ft'irs Sch ub ! iZinjang Kurs Kur» Schluß l-Uhr- Aure , Aure Sch.rch i An,ang A’trs Aurs Datum 4 12 5. 12. 4 12. 5 12. Datum: 4 12 | 5 12 4. 12 | 5 12. 6% Dt Reldieanieibc o 1927 Dl. Lnl.-Äbloi -S-duIV mti flus- U>).-iHfd)ten Destzl obnr Lu«Io>.-Rechte 7% Frankl Hyv -Bt »oldvt tm- kündbar bis 1932 Rheinische Hov -Bank Lion ®UlDDi 42.5 146 197 .00 173.0 l»5 -73.71 ■42 340 * * S | - • L- II s '^1 I I ' ' ' ' I I ' - ' ' ' I Sl 1 «7.5 al.4 15 32.1.' 26,13 25,2 1.75 13.1 13,1 13.2 20 >44.25 183.75 183.75 143 140.73 14. .4 -90.23 97,5 298.3 '77,5 >5 L> ■73.2. <20.5 142 39,9 | | 1 i °* 1 1 11 i 1 - i 1 ,o. 1 । K 22 5* e; —§ Z LE.G ...... Bergmann . ..... (tieta Lieterunge«..... Licht und Krasi ..... zellen & Gutlleauine.... Gel. ©etti Untern.. • • . Hamb. Elektr. Serie .... Rhein. Elektr. ..... Cchles. Elektr. ...... Schuckert . ..... Slernend 4 Hal?ko ..... Dronsradto . ..... Labrnever »Eo. ..... Buderus ..... Deutsche Erdöl ...... ®fenei Steinkohl»..... Gelsenkirchener ... t H tzarpener . ...... Hoesch Eisen. ....... Alse Bergbau ...... plöcknerwerie . ...... Röln-SReuelfea. ...... Mannesmann ...... Mansselder ...... Lderichles Eilend. Bedarf . . Oberschlei Sokswerie Lbönir Bergbau Rbeinische Braunkohlen RheinstakU f. % 3<* Riebeck Montan . . . Bereinigte Stabil». . . . . Otcwl Minen ..... 9all Aschersleben . . . . ftart Westeregeln . . . • . Kaliwerk SaüvetkuriH ■ • - 3 G zarbeo.IavriSri» . . - Sunamit Nobel . • • • LcheideanstaU . • • • • Goldschmidt . . . • • • Nütgertwerir ..•••• 6 . 9 10 10 . 6 10 10 . 9 10 . 8 12 . 8 10 . 6 - 6 . 8 3 < 6 . 8 . 8 . 7 . 9 . 8 . 7 . 6 . 6 10 240.2a I12.a 128.7. 130,1 115 4 115,5 118.7a 91.65 286,5 145.2.) 156 ,-3.u •3.2a 291 294 .16,7a -72.25 128,5 101.5 • '■7,75 203 244 4a 191 267.. 158 281 156-7., 178 239. a 266.7a 144.7 a 162.75 184 142 126 124,5 139 129.4 242 75 112.. 129.5 115.13 ila.9 i20.a 91.7a 290 14.8 93,5 •3.2) 295 295.7. ,22.7a :78 7a 130.2- 102.5 108,4 16,355 16,415 ' 168.01 168,69 41.91 21.99 111.55 111.99 58.78 69.02 2.4« 2,50 111.78 H2.22 • 80.61 80,96 67.51 7.79 12.38 12.44 72.87 71.17 Schlutz-s I-Uhr- Sch usz Wniang Aur» i Aur» Aurs Aure Datum: 4. 12 5. 13 4. 12. | 5. 12 Bhrlwv vu.jmann..... . 7 142 144 142.a 144. v Heidelberger Cemertt . . • . 10 - 138.a — — Lement Karlstadt .... . 8 — — — — ®at>6 4 Freitag .... 10 139,25 — 139.25 — Schultheis -La-endos« . . . 15 — — 331.75 32.6 Cftroerff ..... 12 —— — :86.ö 287.5 Ber. Gianzstoss ..... 18 — — >60,25 500.5 Bemberg ....... 14 — — 465 — ßellftoff Daldhos .... 12 286,2. 280 5 J>6 289 75 Zellstosl Alchassenbrrrg . . . 12 414 215 213 25 213.a Charlottenburger Waller . . . 7 131.7a 132 Dessauer Gas ..... . 8 212.5 215 Daimler Motoren ..... . 0 »5 öb •>4.a 84. a Demag . ..... . 0 — — 48-75 48.75 Adlerwerke Llever ..... . b 92 91.5 92.5 9 ,25 Ludw. tioeroe . ..... 10 259 259.5 Nat. Automobil . . • • • • . 0 58-> Crenftein 4 fiooDel .... . 6 — 2 1'41,25 — Leonhard Tietz ..... . 6 — 293 293.75 Bamag-Meguin . • • • • . 0 20 — 20 — grants Maschine,» . . • • • . 6 10.7- 70,9 71 — Britzner ...... 11 119 — 120 W Heyliaenstaedt ...... Iungoan» .••••• . 0 . 4 89 — 89 Lechwerte . ...... . 8 117 — Mainkraltwerie ...... . ti 116.25 — - — Miag ...... 10 - — 110 140 Nekmsulmer . ...... . 8 22,1 — 22 — Beter« Union ...... . 8 108.2a — 108 — 10 125 7a — - Boigt & Haeskna ..... . 8 216 217 — 6ÜBb. Zucker ...... - 8 15«, a 157,2. 156 — 4 Dezcmb.r 5 Dezemb r rimrlicbe Nori rung Slmtltdie 'Jiottcruna Gew Bne> Geld 1 Bctrt äinft-» Rott 168,38 lu3,72 168.29 168,63 Bucn.AirrÄ 1.166 1.770 l,?60 1.770 a8.27 a8,59 J8.27 58,-9 Kbriftiairia H1.76 111.98 111.75 111.97 Sooenbaneti 111,79 112.01 111,82 112.04 Stockholm 112.00 112,22 112.02 112.24 feelftnfltort. 10.545 l0,5ti5 10,345 10.a.5 Italien ■ • 21.94 21,98 21,94.5 21,985 Bonbon. . . 2U,o34 20,a74 20.a31 40.-71 Neurwrk .. 4.1925 ».2005 4,192a 4,2005 BariS ... 16.37a 16.415 la...75 16.H5 Schwei, . . >0,76 At.92 >0.76a 50,925 Svaaiea • • 7,66 "7.80 37,66 Ui. 80 Java» . . • 1.926 1,930 1,931 1,935 Rio bt Aav .500 0.502 1.500 -.5u2 Wien io D-- Ceft abaeft 'ü.95 -9.07 58, aa »9,-7 Prag • 2,422 12,442 12,422 12,442 Bel trab . 7.364 7,37ö 7.a65 7,379 Vudaveft. 73.08 73.22 • 3.18 «3,22 Bul arieo .024 j.ÜLO ',024 >,0.0 t'iflabon 18.70 18.74 18.70 18.74 Donrig 51.28 81,44 81.29 1.45 Konnimtn 4.096 2,110 2.093 .,697 Ätben J.42a 5.435 5.425 5,435 tanaba 4.190 4,198 1.187 1.195 U ru ms 4,286 4.291 4.286 4.294 Ian 41.855 20.895 41.85 41.89 Berlin, 4 Dezember '»elb Brre- Amerikanische No«, ..... 074 054 Belgische Noten ....... a8.08 58,32 Daittlche Noten ....... 111,50 411,91 Eugirsche Noten........ iO.SU 41.391 nr.: L öeM 1 » Mch lohn, schein« insolg Fero Anschl Achten Nach blNötf Sur die, Jjjjt für taget de brutzln; Juchen, Donars droblento bd) ?° hoch tannfe o? fttf der uY nahe Jfe! jungen. 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