Montag, 5. Mörz 1928 178. Jahrgang Er. 55 Erster Blatt Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,mcher Sonntag» und Feiertag». Beilagen; Gießener Familiendlätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatS'vezvgrprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hieße». Postscheckkonto: Zranlfutt am Main 11688. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn«r »nr> Verlag! vrühl'sche UatverMb--vuch. enb Stebibrnflerd K Lang« in Sieben. Schristleitung und GeschWrst-ll«: Schalltratze r. Italiens Politik gegen Südtirol. Mussolini antwortet -em Bundeskanzler Dr. Seipel auf die deutschen Beschwerden. Rom. 3. März. (Priv.-Tell) Dor vollbesetztem Hause hielt heute der Premierminister Mussolini seine Antwortrede an Seipel. Der Ministerpräsident betonte, wenn Seipel, der so manche hervorragende Eigenschaften habe, nicht selbst das Wort ergriffen hätte, hätte er die Sache schwimmen lassen, aber heute antworte er zum letzten Male, denn wenn solch ein Dorfall sich noch einmal wiederholen sollte, würden die Tatsachen reden, und das möge genügen. Mussolini fuhr dann fort, „dies ist ein Kapitel der Geschichte, das ich schreibe, nicht für die Italiener, die sie kennen, sondern für die Welt, die von dieser Geschichte nichts weih oder sie vergessen hat. Ich beabsichtige zu zeigen und ich werde zeigen, daß die österreichische Kundgebung nicht berechtigt ist und eben deshalb provokatorisch ist. Sie ist keineswegs gerechtfertigt durch die allgemeine Politik, die Italien von 1918 bis 1928 hinsichtlich der österreichischen Republik befolgt hat. Sie ist nicht gerechtfertigt durch die Politik, die die saszistische Regierung in der Provinz Bozen befolgt hat, die eine der 92 Provinzen des känigsreiches ist und von der faszistischen Regierung wie alle anderen Provinzen behandelt wird, mit gleichen Rechten und mit gleichen Pflichten. Wenn ich heute an die zahlreichen Freundschaftsbeweise erinnere, die Italien Oesterreich seit dem Waftenstillstand bis heute hat zukommen lassen, so tue ich das nicht, um Oesterreich seine Undankbarkeit vorzuwerfen. Wir sind hinreichend Grandseigneurs, um die große Tugend der Zurückhaltung zu kennen. Ich tue es nur, damit dies ein für allemal vor der Welt dargelegt wird. Nach zehn Jahren dieser Politik erleben wir eine Kundgebung, die die verehrten Interpellanten ganz richtig als ein unerträgliches Eingreifen in die innere Gesetzgebung unseres Staates bezeichnen. In der Tat existiert wegen der kleinen fremdvölkischen Minderheit de- Oberetsch keine internationale Frage. Diese Minorität ist ein Faktor, der gegenüber der geschlossenen Masse von 42 Millionen Italienern durchaus nicht ins Gewicht fällt. Er fällt ferner nicht ins Gewicht angesichts der vielen Millionen Deutscher, die an andere Staaten gekommen sind. Wenn diese Frage existierte, würde man sie in irgendeinem Friedens- vertrage oder einem diplomatischen Uebereinkommen finden. Davon ist keine Spur zu finden. Die österreichischen Redner behaupten, daß B e r s p rech u n g e n und Versicherungen seitens der Regierungen bestehen, die der faszistischen Regierung vor- ausgegangen sind. Ich erkläre das nicht für ausgeschlossen, aber es läßt sich auch annehmen, daß diejenigen, die solche Versicherungen gegeben haben, es später bereut haben angesichts der übertriebenen Auslegung, die man gewissen Versprechungen gegeben hat. Indessen Höll sich die faszislische Regierung, auch wenn sie zeigte, dah sie die Verträge respektiert und sorgfältig zur Durchführung bringt, durchaus nicht gebunden an die mehr oder weniger vagen und retorischen Versicherungen von Leuten, die Systeme und Regierungen vertraten, die inzwischen durch die faszislische Revolution hoffnungslos überholt worden sind. Da man begriffen hat, daß man das diplomatische Gebiet nicht beschreiten kann — Bundeskanzler Seipel selbst hat sich geweigert dies zu tun — versucht man. die Frage auf das Gebiet politischer Sentimentalität zu tragen und spricht von einem System der Tyrannei, von gemarterten Brüdern, von Personen, die durch die barbarische saszistische Diktatur hingeschlachtet worden sind. All dieses ist nicht nur falsch, sondern vor allem in höchstem Maße lächerlich. Die faszistischen Greueltaten sind die Erfindung einer ungesunden Phantasie. Don den beiden einzigen Personen fremder Herkunft, die in einen Zwangsaufenthalt verschifft worden sind, ist der eine fast unmittelbar danach freigelassen worden, dem anderen wurde die Strafe vermindert und er wäre in Freiheit gesetzt worden, wenn im Auslande kein Heh- feldzug eingesetzt hätte. Kein Staat, der Achtung vor sich selbst hat, duldet derartige ausländische Einmischungen. Die Personen, von denen ich spreche, wurden nicht in Zwangsaufenthalt verschickt, weil sie Deutsche waren, sondern weil sie Antifaszisten waren, d. h. Antirevolutionäre. Was den Druck auf Die Fremdstämmischcn angeht, muh man wissen und allgemein zur Kenntnis bringen, daß noch 376 anderssprachliche Beamte in Bozen selbst und 664 in Der Provinz tätig sind. Rach Lage der Dinge werden alle anderssprachlichen Elemente demnächst vor das Dilemma gestellt werden, daß sie entweder in andereProvinzen des Königreichs verseht werden, oder daß sie entlassen und durch andere Beamte ersetzt werden. Die extremen Elemente des Pangermanismus erheben ein verzweifeltes Geschrei, um eine Frage, die schon geschlossen ist, zu galvanisieren. Jenseits des Brenners begreift man, daß in wenigen Jahren die in der Provinz Bozen ansässigen Elemente deutscher Abkunft stolz darauf sein werden, Bürger des großen faszistischen Da - terlandes zu sein, und daß sie dann nur noch durch die abweichende Bildung der Ramen erkennbar sein werden, wenn sie sie behalten haben sollten. Dies werde eintreten, weil es in der logischen und schicksalgebenden Ordnung der Dinge beschlossen sei. eine Ordnung der Dinge, die durch die Gipfel der OScr^e, durch den Laus der Flüsse, durch die Prophezeiungen Dantes und Mazzinis. durch das Opfer der Märtyrer früherer Zeiten und der neuesten Zeit, durch das von ganzen Generationen Italiens während eines schweren dreijährigen Krieges vergossenen Blutes geschaffen ist. Der Völkerbund? Genf? vergebliches hoffen! Wenn der Völkerbund in Genf sich in das Labyrinth der sog. „Minderheiten" vertiefen würde, würde er aus diesem Labyrinth nicht mehr herauskommen. Soweit es In unseren Kräften steht, wollen wir die Freunde der germanischen Welt sein, deren Wert wir anerkennen, aber unter der Bedingung, daß die Sicherheit von 42 Millionen Italienern niemals auch nicht andeutungsweise in Frage gestellt wird. Daß es sich u m u n s e r e S i ch e r h e i t u n d n i ch t u m Schulfragen handelt, das ergibt sich aus dem, was jenseits des Brenners feit der denkwürdig gewordenen Sitzung des Nationalrates geschieht. Der antiitalienische Feldzug geht in voller Stärke weiter. Zum 5. März ist eine Versammlung in Innsbruck angesetzt worden, um gegen die faszistischen An- maßungen und die Bedrückung der Deutschen zu protestieren. Diese Versammlung istvondenSo- zialisten einberufen worden. Das zeiat, daß die Frage der Deutschen an der oberen Etsch nur ein Vorwand ist, um den Faszismus zu be- kämpfen. In einer im Innsbrucker Gemeinderat gehaltenen Rede wurde die künftige deutsche Generation ermahnt, dafür zu kämpfen, dah Nord- und Südtirol von Sufftein bis Saturn wiedervereint würden. Diese Erklärung ist von einer brutalen Aufrichtigkeit, die wir schätzen. Mit ebensoviel Aufrichtigkeit teilen wir aber heute den Tirolern, den Oester- reichern und der Welt mit, daß ganz Italien mit seinen Lebenden und seinen Toten aufrecht am Brenner steht. (Brausender Beifall.) Das Wiener Echo. Wien, 4. März. (WTD.) Zur Rebe Mussv- linis weist die christlich-soziale „R e i ch s p o st" darauf hin, daß Mussolini fast ganz über das Wesen der Beschuldigungen im Rationalrat bezüglich der kulturellen Unterdrückung der Deutschen hinweggegangen ist. Seine Ausführungen seien bis auf wenige Stellen im Tone maßvoll. Um so klarer zeige sich aber der Gegensatz der Auffassungen in nationalen Angelegenheilen. Die „Reichspost" will die Worte der Achtung vor dem Deutschtum, die Dersicherung, daß sich Italien mit dem deutschen Volke gut stehen wolle, durchaus ernst nehmen. Ein unübersteigbares Hindernis sei nur die Der- schiedenheit der Begriffe und Ideale auf beiden Seiten. — Die liberale „Reue Freie Presse" legt dar. das Mussolini Oesterreich Anrecht getan habe und die Worte des Bundeskanzlers von den moralischen Kräften, vom Well gewissen, das stärker sei als das in Kraft gesetzte Recht, diesen Kernpunkt der Debatte im Ralionalrat, nicht berücksichtigt habe. Dieses moralische Recht forme man Oesterreich nicht nehmen. Die „Reue Freie Presse" schließt mit einem Appell zum Frieden. — Das liberale „Reue Wiener Tagblatt" erklärt, Mussolini wolle nicht Oel ins Feuer gießen, ebensowenig wie Oesterreich. Die Rede wäre aber eindrucksvoller gewesen, wenn d i e Drohungen weggeblieben wären. — Die „Arbeiterzeitung" polemisiert lebhaft gegen die Erklärungen Mussolinis und schreibt: Die Deutschen in Südtirol haben einen Bundesgenossen, der stärker ist als die kleine ostervei- chische Republik, nämlich die unsterbliche Seele der italienischen Demokratie und der Haß der 2-rbeiter aller Länder gegen den Faszismus. Britische Kritik. LoidonerPresscftimmen zur Mussolinirede. London, 5. März. (WTB. Funkspruch.) Zur Rede Mussolinis über Südtirol, die in der gesamten Presse viel beachtet wird, schreibt der konservative „Daily Expreß" in einem Leitartikel: „Der saszistische Staat redet von Vorteilen (in diesem Fall den eroberten Provinzen), die von seinem Vorgänger erworben wurden und weist alle die Verpflichtungen zurück, die diese Vorteile b e- dingen. Eine solche Handlungsweise würde bei einer Einzelperson mit einem sehr deutlichen Ramen bezeichnet werden. Die Ansicht über den Wert der rtalienischen Kriegsdrohung als Antwort auf Reden wird verschieden fein. Mussolini gebraucht diese Wendung so häufig, daß sie nicht mehr in demselben Grade als Drohung aufgefaßt werden farm, wie auf den Lippen eines anderen Staatsmannes. Mussolini kann eine Haltung, wie er sie jetzt gegenüber Menschen deutscher Rationalität an den Tag legt, nur deshalb ungestraft einnehmen, weil Deutschland traft derselben Fricdensverträge entwaffnet gehalten wird, durch die er, Mussolini, sich nicht für gebunden ansieht. Der ebenfalls konservative „Daily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel: „Seipels Rede war zum großen Teil eine Art von W a r« nung an seine Landsleute gegen die übertriebene und notwendigerweise unfruchtbare Agitation in dieser Frage. Daraus in einer Sprache erwidern, die, obgleich unbestimmt, die der Drohung ist, trägt in keiner Weise dazu bei, die moralische Stellung zu stärken, deren Geltendmachung Mussolini den größeren Teil seiner Ansprache an die Kammer gewidmet hat." — Ein Schreiben deS Verfassers des bekannten Buches über Südtirol, Herford, wendet sich scharf gegen einen früheren Leitartikel des „Daily Telegraph", der die Anstrengungen der italienischen Regierung entschuldigte, die deutschen Einwohner von Südtirol mit Gewalt z u Italienern zu machen. Er betont, daß Deutsch-Südtirol im Friedensvertrag trotz der leidenschaftlichen Proteste seiner Einwohner Italien durch einen Tauschhandel Angewiesen worden ist. Die polnischen Sejmwahlen. Niederlage des nationalistischen Blocks. Warschau, 5. Wär;. (WTv. Funkspruch.) Die Dahlen zum polnischen Sejm sind Im allgemeinen ruhig verlaufen. Die wahlbekeiligung betrug etwa 70 Prozent, in einzelnen Teilen, so in Pomerellen und Oberschlesien bis 80 Prozent. Die vorläufigen Teilergebnisse aus allen Tellen des Landes lassen deutlich die schwere Riederlage des nationalistischen, sogenannten katholischen nationalen Block erkennen. Sogar in Posen, wo bisher sämtliche Wandale im Besitze der Ratio- naidemokraten waren, hat der katholische nationale Block nur 50 Prozent der bisher gezählten Stimmen erhalten. In Oberschlesien hat die Liste des Regierungsblockes das Uebergewicht gegenüber fior- fanh) erreicht. Wan rechnet damit, daß die polnische Liste zehn Wandale, die deutsche sieben erhalten wird. Bis jetzt sind vorläufige Gesamtergebnisse aus siebzehn Wahlkreisen in Warschau eingetroffen. Von 101 Wandalen entfallen auf den Regierungsblock 34, aus die R a t i o n a l d e m o k r a t e n 14, Witos - Partei und korfanty - Partei zusammen 4, Sozialisten 11, Jüdische Parteien 3, Ukrainische Parteien 6, Kommunisten 4, Minderheiten-Block 11. — Einzel- ergebnlsse: Posen: Regierungsblock 2 Wandale, Ralionaldemokraten 2. Bei der letzten Wahl erhielten die Ralionaldemokraten alle vier Wandale. — Königshülle: Reg.-Block 2, Winderheilenblock 2, Korfanly-Parlei 1 Wandal. — Kottewitz: Re- glerungsblock 2 Wandale, Winderheilenblock 2 Wandale, Korfanly-Parlei 1 Wandal. — Bromberg: Rationale Arbeiterpartei 1 Wandal, Winderheiten- Biock 1 Wandal, Rationaldemokralen 1 Wandal, Regierungsblock 1 Wandal, Linksfozialistcn 1 Wan- dal, Ehriflliche Demokraten 1 Wandat. Wahlumtriebe in Oberschlesien Bruch des Wahlgeheimnisses. Zeiiungsverbote. G l e i w i h , 5. März. (WB.) Rach einer Meldung der „Oberfchlefifcyen Vollsstimme" aus Kattowih war an die Wahlkommission die offizielle Mitteilung des Generalwahllommifsars in Warschau ergangen, öle Wahlzellen zn verbieten. Die Wähler sind demnach gezwungen, den Wahlzettel vor dem Tisch der Wahlkommission in den Umschlag zu stecken. Damit ist das durch die Verfassung garantierte Recht deS Wahlgeheimnisses nicht mehr gewahrt. Am Vortag der Wahlen wurde übrigens die Ausgabe des „Oberschlesischen Kurier" und der „Kattowiher Zeitung" beschlagnahmt, die erste Ausgabe des „Oberschlesischen Kurier" bereits tn Der Rotationsmaschine. Der .Kurier" muhte eine dritte Rotausgabe herausbringen. Eine Angabe von Gründen für die Beschlagnahme erfolgte nicht. Bei der „Kattowiher Zeitung" soll die Beschlagnahme erfolgt sein wegen eines Artikels mit der Tleberschrift: „Staatsbürger zweiter Klasse wählen die Liste 18 der Deutschen Wahlgemeinschaft!". , Deutsche Flolteupolitik vor dem WelSnegr. Interessante Auslassungen des Reichsministers Ör. Groener. Berlin, 3. März. (DDZ.) Der Haushalts- ausschuß des Reichstages setzte die allgemeine Aussprache über den Etat der Marine fort. Abg. Weg mann (Zentr.) kritisiert die den Ersahbau verzögernde Haltung der Sozialdemokratie. Wie solle eine moderne Ausbildung der Marinemmmschaften erreicht werden, wenn sie nur veraltete Schiffe mit veralteten Einrichtungen zur Dersügung hätten? — Admiral Zenker begründet die Forderungen der Marineleitung. Die Grenzen des Versailler Vertrages für Ersahbauten seien bei weitem nicht erreicht. Ihre Ausfüllung sei auch nicht erstrebt, nur nach Maßgabe der absoluten Bedürfnisse würden Ersatzbauten Dorger.ommen. Der jetzt auf- gestellte Bauplan reiche bis 1932. MLchswehrminister Dr. Groener führte aus, er wolle das ehrliche Geständnis ablegen, dah er unsere Flottenpolitik vor dem Kriege für einen Fehler gehalten habe, nicht allein aus politischen Gründen, die ihn als Soldaten nichts angingen, sondern in erster Linie aus militärischen, und er verrate kein Geheimnis, wenn er mitteile, daß- diese Ansicht im Großen Generalstab vorherrschend war. Der alte strategische Grundsatz, daß man zur Entscheidung nicht stark genug sein könne, und die Tieberzeugung, dah die Entscheidung auf dem Lande fallen müsse, sei die Ursache dieser Einstellung des Generalstabs gewesen. Selbst S ch l i e f f e n habe im Jahre 1900 bei der Chinaexpedition sein Votum dahin abgegeben, dah die Entscheidung über die Machtstellung unseres Vaterlandes nicht auf dem Meere und in fernen Ländern, sondern einzig und allein ander West-undOstgrenzedes Reiches fallen werde. Der Minister erinnert dann daran, daß er 1913 hier im Reichstag die Wehrvorlage mitbegründet hätte. Rach meinem Vortrag, so sagte der Minister, kam so mancher Abgeordnete zu mir mit Fragen. Der interessanteste Mann, d r mich gefragt hat, war der damalige Abgeordnete F r a n t (der sozialdemokrattsche Abgeordnete, der als einer der ersten Freiwilligen im Felde gefall n ist). Er hat sich sehr eingehend über alle Punkte Aufklärung geben lassen, und am interessantesten war mir feine Schlußsrage: „Warum sind Sie in Ihren Anforderungen so bescheiden?" Rach dem Gesagten ist es nicht verwunderlich, dah während des Krieges beim Generalstab der Glaube verbreitet war, bei einem weniger starken Ausbau der Flotte zugunsten des Landheeres hätten vermutlich die entscheidenden Armeekorps auf dem rechten Flügel der Marneschlacht nicht gefehlt. Das mag dahingestellt bleiben. Die Gerechtigkeit gekittet aber festzustellen, daß der oft getadelte und in der Armee schmerzlich empfundene, vom militärischen Gesichtspunkt aus unverständiche Richteinsah der Flotte in der ersten Phase des Krieges mit Der meiner Ansicht nach verfehlten Flottenpolttir nicht das geringste zu tun hatte, sondern ganz anderen, gerade von der Flottenführung am meisten beklagten Motiven entsprang. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß die hervorragenden Leistungen der Flotte im Kriege nicht genug anerkannt werden können, und dah sie im Rahmen des Möglichen alles getan hat, was man billigerweise von ihr verlangen konnte. Wenn er, so fuhr der Minister fort, trotz allem aus vollster ilebcr- jeugung für den Reubau des Panzer- ! ch i f f e s eintrete, so leiteten ihn Dabei rein militärische Gesichtspunkte. Er wo le dem bereits von ihm Gesagten nur noch hinzufügen, daß selbst wenn wir kein einziges Schiff mehr auf See hätten, uns das nicht die geringste Verstärkung unseres Landheeres g statten würde. Andererseits bedeute eine im Rahmen des Versailler Vertrages modernisierte Flotte eine erhebliche Unterstützung für das Land- Heer. Sie stelle in einem Konfliktsfall ein ganz entscheidendes Plus der Führung dar. Der Minister ctFIärte, daß er entschlossen sei, unter allen UmftänDcn die Marine von O. C.- Leuten zu säubern. Das Verhalten der O. C.- Leute, wie es aus den veröffentlichten Briefen spreche (ein Brief Ehrhardts an die Mutter des in Gießen abgeurteilten Ernst von Salomon, in dem Ehrhardt jede finanzielle Hilfe für die Prozeßforderung in schroffster Form a b lehnt), sei der Gipfel der Treulosigkeit und TIndankbarkeit gegenüber alten Kameraden, die ihnen aus wirtschaftlicher Rot helfen wollten. Er könne dieses Verhalten und die aus den Dokumenten sprechende zynische Hinterlist, mit der die Reichswehr bespitzelt werden sollte, nur aufs schärfste brandmarken und als Soldat seinen Abscheu über dieses unehrliche Verhalten gegen ehemalige Kameraden und Vorgesetzte zum Ausdruck bringen. Oer -riiisch-ägyptischeVertrag Demission deS ägyptischen Ministerpräsidenten. Kairo. 4. März. (IDB.) Ministerpräsident Satroai Pascha hat angeblich aus Gesundheitsrücksichten seine Demission gegeben. In gut unterrichteten Kreisen wird nicht daran gezweifelt, daß Sarroat Pascha tatsächlich zurückgetreten ist, weil es ihm nicht gelang, seine Kollegen zur Annahme des englisch-ägyptischen Vertrags- entwurses zu überreden. Sarroat Pascha soll vor dem Rücktritt dem britischen Oberkommissar tnif- geteilt haben, daß die ägyptische Regierung die Vorschläge sür einen neuen Vertrag a b g e l e h n t habe. Die Minister sind gestern abend zu einer Beratung zusammengetreten, an der Sarroat Pascha nicht teilnahm, und haben sich über eine schriftliche Antwort an den englischen Residen- t e n geeinigt, die heute dem britischen Oberkommissar Lord Lloyd überreicht werden soll. Wie verlautet, wird in der Antwort des Kabinetts erklärt, dah die englischen Vorschläge unannehmbar und mit der Unabhängigkeit Aegyptens unvereinbar seien, da die Vorschläge die Anerkennung eines britischenRechtes. Aegypten zu besehen, einschlössen, was niemand zulassen könne. Dl'eAendenmg des Tangerstatuts Ein spanisch-französisches Abkommen unterzeichnet. Paris, 3. März. (WD.) Außenminister D r i a n b und der spanische Botschafter Quino n e d d e Leon haben ein französisch-spanisches Abkommen über einige Aenderungen im Statut von Tanger aus dem Jahre 1923 unterzeichnet. Dieses Statut bestimmte für die Dauer von sechs Jahren einen französischen Verwalter und zwei stellvertretende Verwalter, von denen der eine spanischer, der andere englischer Nationalität fein muhte, während der Befehlende der Gendarmerie ein Belgier war. Das heute unterzeichnete Abkommen läßt verschiedene Aenderungen eintreten. Vach der Havasagentur wird zum Befehlshaber der Gendarmerie ein Spanier ernannt und Spanien wird in der Verwaltung eine umfassende Volle eingeräumt werden, während der Verwalter nach wie vor ein Franzose bleiben wird. Das Abkommen respektiert die Souveränität und laßt die ganze Bedeutung des Tangerstatuts intakt. Cs vermindert weder die Rechte noch die Prärogative der Behörden von Tanger, also die Rechte des Mendoub, der gesetzgebenden und der Verwaltungsbehörden, sowie der Kontrollbehörden, hält also das Gleichgewicht, das durch bas Statut zwischen diesen einzelnen Instanzen hergestellt worden ist, aufrecht. Das Abkommen bezweckt, Waffenschmuggel und Unternehmungen gegen die öffentliche Sicherheit in Marokko und im Auslande wirkungsvoller als bisher zu unterdrücken. 3m übrigen wird Mthenminister Briand den heute in Paris eintreffenden britischen Außenminister Sir Austen Chamberlain empfangen und ihm von dem Inhalt des Abkommens Kenntnis geben. Eine Stellungnahme Chamberlains dürfte heute nicht zu erwarten sein, denn die Havasagentur kündigt bereits an, daß englische und italienische Sachverständige in Paris erwartet werden, die von dem Inhalt des französisch-spanischen Tanger-Abkommens Kenntnis nehmen sollen. Wie Havas berichtet, wird eine Unterredung Sir Austen Chamberlains mit dem spanischen Botschafter in Paris auch auf die Eventualität eines Wiedereintrittes Spaniens in den Völkerbund Bezug nehmen. Oer Tiroler Klerus bittet um päpstliche Intervention. Innsbruck, 3.März. (WB.) Der deutsche Klerus der Diözese Trient hat an den Fürstbischof Endrizzs das Ersuchen gerichtet, beim Vatikan einen Visitator für Südtirol zu erbitten. Dieser müsse politisch neutral fein und die deutsche Sprache können sowie womöglich einem neutralen Staate angehören, damit er das Vertrauen gewinne. In der Konferenz der deutschen Dekane der Diözese Trient erklärten sämlliche Anwesenden dem Fürstbischof, daß die Erteilung des Religionsunterrichtes in italienischer Sprache von der gesamten deutschen Geistlichkeit a b g e l e h n t. werde. Die Dekane ersuchten Len Fürstbischof um Intervention beim Vatikan. Der Klerus des Dekanats Mals hat beschlossen, sich durch kein Verbot von der (Erteilung des Religionsunterrichtes in der Muttersprache abbringen zu lassen. Verbot der „Vossischen Zeitung" in Italien. B e r l i n , 3. März. (WB.) Die „B o s s i s ch e Z e i- t u n g" ist durch Verfügung der italienischen Behörde für das ganze italienische Staatsgebiet verboten worden. Als Grund wurde dem Korrespondenten des Blattes die angebliche n * i ’ t Q I i e n i j oft e und a n t i f a s z i ft i s ch e" m „VossischenZtg." angegeben. Die „Vossische Zeitung" bestrettet demgegenüber, jemals eine antiitalienische Haltung eingenommen zu haben und stellt fest, daß sie lediglich die berechtigten deutschen Kulturinteressen der Süd- tlroler verfochten habe. Verlag und Redaktion haben sich beschwerdeführend mit der Bttte um Schutz und Vermittlung an das Auswärtige Amt gewendet. Der $oll der Miß Cavell. London, 5 März. (WLD. Funifpruch.) .Limes veröffentlicht ein Schreiben des Kaplans der brittschen Christuskirche in Brüssel vom 2lahre 1914/1922. Gahan, zur Angelegenheit der nach kriegsgerichtlichem Urteil in Belgien erschossenen Vurse Cavell. in dem er berichtet daß einige der geflüchteten britischen Soldaten' nachdem sie die holländische Grenze sicher passiert hatten, Dankpostkarten an Vurse Cavell sandten, in denen sie ihre Ankunft mitteilten Einige dieser Postkarten seien, von der deutschen Feldpost an Vurse Cavell ausgehändigt worden, als — wie der Kaplan glaubt „eine freundschaftliche Warnung". Im Juni 1915 sei Miß Cavell von der Militärpolizei nach strengem Verhör ernstlich verwarnt worden. Vach Ansicht Gahans hätte man Miß Cavell, die bis fast Ende Juli in Freiheit gelassen worden sei, gestattet, nach England abzuretsen mit vielen anderen Frauen, die es taten, wenn sie gewollt hätte. Das Gprengstoffaiieniai im Entschädigungsamt. Die Vernehmung deS Attentäters. * Berlin, 3. März. (WTB.) Der Urheber des aufsehenerregenden Sprengstoffanschlages im Reichsentschädigungsamt, der ehem. Ostafrikafarmer Langkopp, wurde gestern abend nach Abschluß des ersten Verhörs auf dem Polizeirevier dem Polizeipräsidium z./.geiührt, wo heute die eingehenden Vernehmungen begannen, die in Anbetracht der begleitenden Umstände von der politischen Polizei durchgesührt werden. Langkopp will die Höllenmaschine nur mitgenommen haben, um damit die Beamten des Reichsentschädigungsamtes zu erschrecken und so zur Herausgabe des Geldes zu veranlassen. Bei dieser Darstellung blieb Langkopp trotz aller Vorhalte, daß er doch nicht die umständlichen Vorbereitungen, den Einbau der 15 Pfund Sprengpulver und des auf diese Sprengmasse zielenden Revolvers hätte vorzunehmen brauchen, wenn er mit diesem Apparat nur einschüchtern, aber nicht tatsächlich hantieren wollte. Gegen Langkopps Behauptung, dah er nur Selbstmord verüben wollte, sprechen die Angaben aller beteiligten Beamten, insbesondere des Geheimrats Bach, der eingehend schilderte, wie er von Langkpp drei Stunden hindurch absolut ernstlich bedroht worden fei und wie dieser schließlich seine Drohungen auch sofort wahrgemacht habe, als der Geheimrat die Flucht ergriff. Irgendwelche Beweise dafür, daß es sich vielleicht um einen von mehreren Personen verabredeten Plan handelt, mit be,sen Ausführung Langkopp betraut war, oder dah er sonst irgendwelche Hintermänner gehabt hat, haben sich bisher nicht erbringen lassen, obgleich die polizeilichen Ermittelungen in dieser Richtung noch andauern. Auf jeden Fall dürfte der gestrige Anschlag, der nur durch einen Zufall ohne schwerwiegende Folgen blieb, zu b e - sonderen Schutzmaßnahmen für die Beamten des Reichsentschädigungsamtes Anlaß geben. Oer Volkstrauertag in Berlin. Der Reichspräsident bei der Feier im Reichstag. Berlin, 4. März. (WTB.) Die Gedenkfeier des Dolksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge ist am Sonntag im ganzen Lande in zahlreichen Veranstaltungen unter Beteiligung aller Schichten der Bevölkerung begangen worden. In Berlin hatte der Volksbund sieben große Feiern veranstaltet, von denen diejenige im Plenarsaale des Reichstages durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten von Hindenburg eine besondere Note empfing. Vor dem Hauptportal des Reichstagsgebäudes waren die Fahnen des Reiches auf Halbmast gefetzt und eine tausendköpfige Menge erwartete hier bei schönstem Frühlingswetter den Reichspräsidenten. Der Plenarsaal war in tiefes Schwarz gehüllt. Gewaltige silberne Kränze hoben sich leuchtend von dem dunklen Hintergrund ab. Von zwei hohen Opferschalen züngelten Flammen empor. Zahlreiche Chargierte in Wichs waren mit ihren Bannern erschienen. Die Reichswehr hatte 16 Fahnen der alten Armee entsandt. Reichs- und Staatsminister, Vertreter der städtischen Behörden, der Geistlichkeit aller drei Konfessionen, Schülerverbände und Korporationen waren ebenfalls anwesend. Pünktlich um 12 Uhr betrat der Reichspräsident in Begleitung von Staatssekretär Dr. Meißner und seinem Adjutanten, Major v. Hindenburg, des Reichsministers des Innern, v. K e u d e 11, des Reichstagspräsidenten L ö b e , der beiden Vizepräsidenten, G r a e f und Esser, des Reichswehrministers G r o e n e r und der Ehefs der Heeres- und Marineleitung die frühere Hofloge, erfurchts- voll begrüßt von der sich erhebenden Menge. Pfarrer Siems, der Präsident des Volksbundes, gab eine Uebersicht über die ständig wachsende Arbeit und Entwicklung des Volksbundes. Dann hielt Monsignore Dr. Kreuz (Freiburg i. Br.), der Präsident des Deutschen Charitas-Verbandes, die Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck auf die Versammlung machte. Dumpfer Trommelwirbel er- HQU(HVSSRHflSDnBPrEflBGHBEBKSBKflnDDU0BijXUCs. 2 des Einkommensteuergesetzes zu verteilen sind. Es kann sonach kein Zweifel bestehen, baß auch der Betrag von 2142 Mk. als unter die abzugsfähigen Werbungskosten fallend zu behandeln ist. Die Vorentscheidung, die den Abzug dieser Aufwendungen abgelehnt hat. beruht insoweit auf Rechtsirrtum und war daher aufzuheben. Die Sache war zurückzuverweisen, damit das Finanzgericht unter Anwendung der Grundsätze vom 28. Mai 1927 prüft, in welcher Weise der Abzug der Kosten zuzulassen ist. öfeuertafenber für März. 5. März: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer). Abführung der für die Zeit vom 16. — Ende Februar 1928 — einschl. der in der ersten Februarhälfte einbehaltenen noch nicht abgelieferten Beträge, ohne Rücksicht auf deren Höhe: gleichzeitig Abgabe einer entsprechenden Bescheinigung über die Richtigkeit der im Februar 1928 einbehaltenen Beträge. Ohne Schonfrist. — Abgabe nach dem Aufbringungsgesetz. Ohne Schonfrist. — Ablauf der Zahlungsfrist für die am 25. Februar 1928 fällig gewesene Landessteuer (staatl. Grund-. Gewerbe- und Sondergebäudesteuer) 6. Rate für Rj. 1927. 10. März: Börsenumsatzsteuer: Entrichtung derselben durch die im Abrechnungsverfahren zugelassenen Pflichtigen. Ohne Schonfrist. 15. März: Ablauf der Zahlungsfrist für 1. Ziel Hundesteuer 1928. — Ablauf der Zahlungsfrist der Brandversicherungsbeiträge für 1927. 2 0. März: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer). Abführung des für die Zeit vom 1. bis 15. März 1928 einbehaltenen Betrages, sofern er mehr als 200 Mk. beträgt. Ohne Schon- frist. Vortrag im Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein. Die Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins hatte für Freitagäbend ,8U einem Vortrag eingeladen, den Prof. Dr. Erhard (Gießen) über „5>ie Berchtesgadener Alpen" halten wollte. Wegen Erkrankung des Referenten sprach Degierungsrat K r e tz s ch - mann (Frankfurt a. M.) über „Die Hohen Tauern", und zwar über die sog. „Engeren Hohen Tauern", das ist das Gebiet zwischen Gerlos und dem Ankoglbezirk. Die höchsten Erhebungen dieses Gebietes, den Groh-Venehiger und den Groß-Glyckner, behandelte der Redner ausführlich. Unter Benutzung einer großen Zahl prächtiger Lichtbilder schilderte er eine Reise, die er im vergangenen Sommer in das Tauerngebiet unternahm. Schon das erste Bild führte die Besucher in die grandiose Welt des Hochgebirges. Es zeigte ben Blick von der Schwarzkopf-Scharte nach der Venediger-Gruppe. Die Tour führte dann über die Alte Prager Hütte, von der aus man einen herrlichen Einblick in die Schönheit der Bergr gewinnt, zur Reuen Prager Hütte. Sie führte weiter in das Gebiet der Reichenberger Hütte, ein Stück Bergwelt, das seither noch im Dornröschenschlaf sich befand. Es gehört zu den Teilen der Alpen, die am wenigsten von Touristen besucht werden. Wer Wert darauf legt, abseits der großen, vielbegangenen Touristenwege für sich allein in Ruhe und Beschaulichkeit die erhabene Schönheit der Berge auf sich wirken zu lassen, der muh dorthin gehen. Von der Reichenberger Hütte aus hat man einen prachtvollen Ausgangspunkt nach den Berggruppen dieses schönen Gebietes. Don ihr aus hat man auch eine herrliche Fernsicht auf die Dolomiten, eine Fernsicht, die ihresgleichen in den Alpen sucht, sieht man doch alle die großen Berge der Dolomiten. Wunderbar wirkt die Einsamkeit: man begegnet kaum einem Menschen, die Dörfer liegen oft 10 bis 12 Stunden voneinander entfernt. Gewaltig waren die Eindrücke, die der Redner von seiner Tour aus den Groß-Glockner schilderte. Er unternahm den Aufstieg von Süden her, und gelangte über den Stüdl-Grat zum Gipfä. Man sah von oben neben vielem andern mit freiem Auge die Iulischen Alpen. Der Abstieg führte über die Stüdl- Hütte, und man kam hierauf über das Pasterzenkees, den größten Gletscher der Ostalpen, der eine Fläche von nahezu 3200 Hektar bedeckt. Genächtigt wurde in der Hofmanns-Hütte, die 2400 Meter hoch gelegen ist. Die Tour fand ihre Fortsetzung in einer Wanderung nach dem Iohannisberg, wobei man prachtvollen Fernblick nach den Bärenköpsen hatte. Das Wandern war hier oft schwierig und nur für geübte Bergsteiger möglich. Das Wiesbachhorn, ein alleinstehender Bergkegel, der allen Winden preisgegeben ist, wurde später erreicht. Don hier aus g >ng's in das Schobergebiet, das selten von Touristen besucht wird. Erst in letzten Zeit haben Diener Sektionen die Erschließung diese- Gebietes für den Bergsteiger ermöglicht. Heber den Kaindlgrat kam man nach dem Moserboden. Er ist von einem Kranz von Bergen und Gletschern umgeben: von chm aus kann man schöne Wanderungen unternehmen. Die Täler in den Tauern haben meist die Form eines Trogs. Lohnend ist ein Ausflug in das Kapruner-Tal: erwähnenswert ist das Habach-Tal mit einem in 2000 Meter Höhe liegenden Smaragd-Bergwerk. Der Vortrag fand starken Beifall. Talen für Dienstag, den 6. März. Sonnenaufgang: 6.35 Uhr, Sonnenuntergang: 17.49 Uhr. — Mondaufgang: 17.42 Uhr, Mond- untergang: 7.07 Uhr. 1475: Der italienische Maler und Bildhauer Micheangelo Buonarroti in Caprese geb. (gest. 1563). — 1629: Kaiser Ferdinand II. erläßt das Restitutionsedikt. — 1787: Der Physiker Ioseph v. Fraunhofer in Straubing geb. (gest. 1826). — 1831: Der Philantrop Friedrich v. Bodelschwingh in Haus Mqrk in Westfalen geb. (gest. 1910). — 1867: Der Maler Peter v. Cornelius in Berlin gest. (geb. 1783). — 1898: Kiautschou wird aa Deutschland auf 99 Iahre verpachtet. Bornotizen. — Tagestalender für Montag. Tierschutzverein Gießen: 8 Uhr, Kaufmännisches Vereinshnus, Generalversammlung. — Heilsarmee: 8 Uhr, Saalbau Sauer, öffentliche Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Alte Fritz". — Asto- ria-Lichtspiele: „Der schwarze Satan". * • • Ein prächtiger V o r fr ühlin g s ta g wurde uns am gestrigen Sonntag geschenkt. Die Sonne meinte es verhältnismäßig schon sehr gut, so daß ein Spaziergang ins Freie zu einem köstlichen Feiertagsgenuß wurde. Da in Feld und Wald die Wege gut abgetrocknet sind, konnte man allenthalben große Scharen von Spaziergängern bemerken, die nach dem wochenlangen Gebundensein an die Stuben sich gerne von der würzigen Luft der freien Ratur umfangen ließen. Vielfach tonnte man an Bäumen und Sträuchern auch schon die ersten Zeichen des Wiedererwachens der Ratur feststellen. Hoffentlich kommt nicht etwa verspäteter Schneefall oder Frost, um der sehr rasch zum Vorschein gelangten jungen, grünen Herrlichkeit ein rauhes Ende zu machen. * * P e r s o n a l i e. Ernannt wurde der Justiz- Praktikant Karl Koch aus Laubach zum Oberjustizsekretär bei einem noch zu bestimmenden Gericht mit Wirkung vom l.März ab. * * Oeffentliche Bücherhalle. Im Februar wurden 1409 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 760, Zeitschriften 121, Jugendschriften 107, Literaturgeschichte 11, Gedichte und Dramen 36, Länder- und Völkerkunde 70, Kulturgeschichte 20, Geschichte und Biographien 97, Kunstgeschichte 26, Naturwissenschaft und Technologie 38, Heer- und Seewesen 21, Haus- und Landwirtschaft 7, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 31, Staatswissenschaft 17, Sprachwissenschaft 16, Fremdsprachliches 27 Bände. Nach auswärts kamen 19 Bände. ** Auszeichnung desHessis-chen S ä n gerbundes. Dem Hessischen Sängerbund wurde die Ehrenplakette des Museums des Deutschen Sängerbundes verliehen. •• Vorsicht beim Hühnerauge n- schneiden! Wie vorsichtig man beim Beschneiden von Hühneraugen sein muß, zeigt ein Vorfall, der uns aus Rieder-Mock st adt berichtet wird. Dort hatte sich die Gattin des Zimmermeisters G o t t w a l s im vorigen Iahre beim Beschneiden eines Hühnerauges an der Fußsohle eine Verletzung zugezogen, die zunächst nicht weiter beachtet wurde und dann eine Eiterung zur Folge hatte. Da der Ernst der Sache nicht rechtzeitig erkannt wurde, ging die Eiterung immer tiefer, so daß auch eine später vor- genommene kleine Operation keine Heilung bringen konnte. Dpr einigen Wochen mußte die Frau, deren Befinden sich immer mehr verschlimmerte, auf ärztliche Anordnung der Klinik in Gießen zugeführt werden, wo aber auch eine Operation keine Rettung mehr bringen konnte, da die Entzündung und Eiterung schon zu weit vorgeschritten war. Die bedauernswerte Frau verstarb an der Vergiftung. Um die auf so tragische Weise aus dem Leben geschiedene Frau trauern der Gatte und eine Anzahl Kinder. •• Deutschnationale Dolksparter Man berichtet uns: Dieser Tage hielt die hiesige Frauengruppe eine sehr stark besuchte Monatsversammlung ab. Die Vorsitzende sprach über die Reichspolitik und über die bevorstehende Reichstagswahl. Sie betonte die Rotwendigkeit der Erziehung unseres Volkes auf nationalvölkischer und christlich-sozialer Grundlage und mahnte zur Geschlossenheit und Einigkeit gegenüber dem Zerfall in einzelne Berufs -und Wirtschaftsgruppen, die nur materielle Vorteile erstreben und die großen, weltanschaulichen Ideale und Ziele außer acht lassen. Rachdem die Vortragende noch das Rotprogramm durchgesprochen hatte, schloß sich eine lebhafte Aussprache an, besonders auch über das Reichsfchulgesey. Die Frauen forderten eine Schule auf christlicher Grundlage gegenüber der weltlichen Schule, lehnten aber eine Trennung in evangelische und katholische Bekenntnisschulen grundsätzlich ab. Die zweite Vorsitzende richtete ein ernstes Mahnwort an die Frauen, fest zu bleiben in ihrem nationalen Wollen. Iede Generation trüge die Verantwortung für die Zukunft der kommenden Geschlechter: m die Hand der Frauen aber sei in erster Linie die Entscheidung gelegt, ob Deutschland leben könne oder untergehe. Aus dem deutschnationalen Rachrichtenblatt „Der Vertrauensmann" wurde noch eine sehr treffende Abhandlung über die Regierungsbildung in Hessen zur Kenntnis gebracht, die betonte, daß leider aus parteitaktischen Gründen das Innenministerium und damit auch das Berufsbeamtentum an die Sozialdemokratie ausgeliefert worden sei. ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 345 Ochsen, 76 Bullen, 588 Kühe, 358 Färsen, 537 Kälber, 63 Schafe und 6787 Schweine. Grünlandkurse der Landwirtschafiskammer. Die Fragen des Futterbaus finden bei den Landwirten in neuerer Zeit wieder besondere Beachtung, da das ungünstige Preisverhaltnis der meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu | einer Rationalisierung der Betriebe zwingt. Es müssen Mittel und Wege gesunden werden, die Ausgaben zu vermindern und die Einnahmen zu erhöhen, um die Rentabilität der Landwirtschaft wieder herzustellen und den Landwirten ein bescheidenes Entgelt für ihre harte Arbeit zu sichern. Eine Hebung des Futterbaus ermöglicht einerseits, mit den teuren zuzukaufenden Kraftfuttermitteln zu sparen und andererseits mehr Milch und Fleisch zu erzeugen. Hinzu kommt noch, daß der Futterbau in Form eines neuzeitlichen Weidebetriebs den Arbeitsaufwand wesentlich heradsetzt und Ersparnisse bei dem besonders drückenden Lohnkonto und Gespannkonto ermöglicht. Alle diese Gedanken, die seit einigen Iahren wieder von der Landwirtschafts- kammer und dem Verein zur Förderung der Grünlandwirtschaft in Hessen verbreitet werden, find vielen Landwirten bisher noch fremd. Um sie allen Landwirten näherzubringen, veranstaltet die Landwirtschaftskammer in diesem Winter wieder eine Anzahl Grünlandkurse, bei denen mit Vorträgen und Filmvorführungen die Grundsätze neuzeitlichen Futterbaus dargestellt werden. Daß diese Vorträge reiche Anregungen bieten können, betoiefen die lebhaften Aussprachen, die sich an die bisher in verschiedenen Gegenden abgehaltenen sechs Grünlandkurse anschlossen. Der siebente Kursus, der am 6. März für den nördlichen Vogelsberg und die Randgebiete in Homberg a. d. Ohm stattfindet, verdient deshalb auch größtes Interesse aller Landwirte der betreffenden Gebiete. berliner Börse. Berlin , 5. März. (WTB. Funkspruch.) Der erste Frühverkehr der neuen Woche ist sehr ruhig, aber freundlich. Man taxiert die Schlußkurse vom Samstag eher Geld. Nachrichten von Belang liegen nicht vor. Arn Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,01, Mailand 92,35, Madrid 28,86, London gegen Kabel 4,8780 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1865. Saßorf-Slstoria M .HUSCHE Ker vielgR.empfiW auch viel!" r (Fine alle Weisheit-, ein guter Geschaftsgrundjatz. Äns solcher Erkenntnis und hohem sachüchem Können schufen wir in unserem OBERST 5/Ä ~//NEUE eine Gabe vou gmy besonderem Wert. Laden in Gießen: Marktplatz 8, Telephon 1459 2469 Gießen, 3. März 1928. 01655 Waschmaschinen aJrocken-Ienirifu^n mit eingebautem Motor 01685 r 01672 GutLeutstraße 8/12. 2506D sucht. »D mobilbesitzer. Anfragen an 25U1D 6# l| tlnem «ahr - Danksagung. Für die vielen Beweise der Teilnahme, die guten Worte des Herrn Pfarrers und der Vertreterin des Frauenvereins beim Heimgange unsererlieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. 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Es ist gen der 90er, t Die Lüös SfÄjr feine Archive fesS deren und vi heute schon sst laus genomme Lücken im Qw Moriker der' wandte und rungsverttag i ber' erneuert ti liner Politik 51 und Frankreiä talbunö rätj nis mit En beiden Kvntir sronteckiegrs; zu twben, wu lungen von chinesischen Äi Lolisburhs t Enttäuschung, hinderte Holstl _ ) Fried oes deutsch blems 1890 bourg^Mnchc 9er .gut Kleiner Kn 2on unserem Nachdruck, ai £ n6ti! folge, t soviel hei Stilen des Lcv ?!B>rische gt Mi’iel duldsa dahingestellt : S*« lernen. "4 nichts h, ^Nmendfoct a t# n»ch ft Muwtere & Mmmt") 2 Völker ro ilib nit u DU s-K lo sS's, SuheÖKma Balten. Ä Aan M.S ft. lle-nen ( KrichtL> LO- »4# s Nr, 55 Zweites Vlatt — II «Illi ■ IIIMIII Hl ■—C_- —1 Eichener Anzeiger (Eenerai-Anzeigsr für GSerhchen) Montag, 5. März '928 Das deutsch-englische Bündnisproblem. Eine Buchbesprechung. Die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege wird weder mit papiernen Protesten, noch mit geharnischten Dersammlungs- resolutivnen wirksam bekämpft. Wir haben darin vielleicht schon reichlich zuviel getan, und es ist gut, daß nun die Historiker, als die berufenen Wegbereiter der geschichtlichen Wahrheit, mit aller Kraft darangehen, zu zeigen, „wie es wirklich war". Das ist ihnen bis heute noch ungeheuer erschwert, da zwar das Deutsche Reich feine Archive lückenlos und ohne Rücksicht der Forschung geöffnet hat, diese Tat aber bei unseren ehemaligen Kriegsgegnern vorläufig noch keine Nachahmung gefunden hat. Solange also noch der Forschung ein großer Teil des wichtigsten Quellenmaterials vorenthalten wird, ist es natürlich außerordentlich schwer, von der Vorgeschichte des Krieges eine Darstellung zu geben, Die den Anspruch auf Vollständigkeit und Gründlichkeit erheben kann. Richt minder schwierig ist es, heute schon über einzelne Abschnitte in Der Geschichte der Vorkriegspolitik abschließend zu urteilen. Zweifellos eines der wichtigsten Kapitel, dessen Klarstellung für die Beurteilung der internationalen Politik in den Jahrzehnten vor dem Ausbruch des Weltkrieges von ausschlaggebender Bedeutung sein muß, dreht sich um das deutsch-englische Bündnisproblem. Es ist zweifellos: wenn die Verhandlungen der 90er Jahre zu einem anderen Ergebnis gekommen wären, wie sie tatsächlich gekommen sind, hätte die Geschichte einen wesentlich anderen und vielleicht — das kann man wohl heute schon sagen — für uns günstigeren Verlauf genommen. Trotz der oben skizzierten Lücken int Quellenmaterial hat es der bekannte Historiker der Berliner Universität, Friedrich R! e i n e ck e, unternommen, in einer glänzend geschriebenen Monographie das deutsch-englische Bündnisproblem in allen Phasen seiner wandlungsreichen Geschichte, von Bismarcks Rücktritt bis zum Scheitern der letzten Verhandlungen zu schildern, und er hat sich auch nicht gescheut, die deutsche Politik dieser Jahre einer sachlichen Kritik zu unterwerfen.*) Obwohl sein Buch also nur einen Teil des gesamten Quellenmaterials berücksichtigen konnte, wird es für lange Zeit unentbehrlich sein für jeden, der sich mit der deutschen Vorkriegspolitik und der Kriegsschuldfrage irgendwie beschäftigt. Das Dismarcksche Dündnisshstem, in das England durch seine Bindungen mit den beiden Mittelmeermächten Italien und Oesterreich eingegliedert war, verlor in dem Augenblick seinen inneren Halt, in welchem Englands Interesse von den Dardanellen sich nach dem fernen Osten wandte und der deutsch-russische Rückversicherungsvertrag durch den „neuen Kurs" nicht wieder' erneuert wurde. Seitdem schwankte die Berliner Politik -wischen dem Wunsch, mit Rußland und Frankreich zusammen einen Kontinen- talbund einzuaehen, oder durch ein Bündnis mit England den Druck des von den beiden Kontinentalmächten drohenden Zweifrontenkrieges zu paralysieren. Der Versuch, mit Rußland und Frankreich zusammen Weltpolitik zu treiben, wurde bald in den Friedensverhandlungen von Shimvnofeki nach dem japanisch- chinesischen Krieg und in den Verhandlungen um Salisburys türkischen Teilungsplan zur argen Enttäuschung. Mit England ins Klare zu kommen hinderte Holsteins fixe Idee, daß Englands Poli- *) Friedrich Meinecke: Geschichte des deutsch-englischen Dündnispro- blems 1890 bis 1901. (Verlag R. Olden- bourg, München. Halbpergament 11,50 Mk.). M—III■ WM Mj Oer „gute Ton" in Schweden. Kleiner Knigge für Schwedenrcisende. Don unserem ständigen v. M.-Berichierstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Stockholm, Ende Februar 1928. „Ekik folge, eller Land fly", sagt der Däne — was soviel heißen soll wie: „Schicke dich in die Sitten des Landes, oder verlasse es!" Ob dieser kategorische Imperativ nun gerade als Musterbeispiel duldsamer Gastlichkeit gelten darf, bleibe dahingestellt. Jedenfalls können wir unbeschadet davon lernen, denn uns Deutschen ist ja befonnt* lich nichts verehrungswürdiger, unantastbarer, nachahmenswerter als fremde Sitte (selbst wenn sie sich noch so plump gebärdet). Der sehr viel konziliantere Schwede begnügt sich mit dem höflichen Hinweis: „Man ta'r seden dit man kom- mer!" („Man nimmt die Sitte an. wo man hinkommt") — meint jedoch ungefähr dasselbe. Beide Völker aber geraten vollkommen aus ihrem nordischen Gleidmewicht. wenn man n unschuldsvoller Älnto: fenpeit gegen den Pate .- tiert-landesüvtlchen „guten — o n" verstößt. Wie leicht das geschehen kann, dürsten folgende Erfahrungen eines durch Schaden klug gewordenen Zeitgenossen, was Schweden anbelangt, außer Zweifel stellen: Wer im deutsch-schwedischen Wörterbuch den entsprechenden Ausdruck für unser „Sie" als Anrede sucht, wird unschwer das Wörtchen „ni" finden. Es ist wirklich leicht zu behalten, und was läge daher näher, als es nunmehr — möglichst an passender Stelle — auf den schwedischen Mitmenschen loszulassen. Richt wahr? Trotzdem muß ich, im Interesse der Wohlanständigkeit und des guten Eindruckes, dringend davor warnen, sich von vornherein eine so schwere Entgleisung zu leisten. Cs gilt nämlich als Gipfel der Unhöflichkeit, jemandem in der Anrede den ihm zuste^nden Ramen, Titel oder Stand vorzuenthalten. Man frage also auf schwedisch beileibe nicht „Sprechen Sie deutsch?", sondern mache den kleinen älrnwcg über die dritte Person mid sage: „Spricht Herr Svensson (resp. der Minister — die Waschfrau — der Gutsbesitzer — der Grohkauf- mann) deutsch?" Wenn irgend möglich, verschaffe man sich vorher die Personalien. _ Das macht immer den besten Eindruck und läßt auf gediegene Erziehung schließen. Im Rotfalle aber ist es empfehlenswert, nach kurzer Abschätzung der Persönlichkeit, „Herr Carlsson", „der Ingenieur", oder „der Direktor" zu sagen. Rach der Wahrscheinlichkeitstheorie hat man bei „Carlsson" etwa 50 Prozent Chance, ins Schwarze zu treffen, „Ingenieur" ist schließlich auch keine Beleidigung tik in erster Linie immer darauf gerichtet sei, die Kastanien durch andere aus dem Feuer holen zu lassen. Es war ein unzerstörbares Mißtrauen in die Ernsthaftigkeit der englischen Dünd- nisverhandlungen, das sich im Laufe der Verhandlungen auch dem Kaiser und Bülow mit- teilte, ohne daß stets ein plausibler Grund hierfür hätte vorgebracht werden können. Holsteins verzwickte und in ihren eigentlichen Motiven für den gesunden Menschenverstand kaum noch begreifliche Politik vor und während des Burenkrieges, ging nach Meineckes Ansicht darauf hinaus, durch die Drohung mit einem Kontinentalbündnis England für den Anschluß an den Dreibund reif zu machen. Aber man schien dabei in der Wilhelmstraße zu verkennen, daß bei diesem überfeinen Spiel nicht England, sondern im Gegenteil Deutschland in Gefahr stand, isoliert zu werden, weil Frankreich und Rußland, mit denen man zusammenzugehen gedachte, die Gelegenheit benutzen konnten, um Deutschland gegen England vorzuschieben und zu kompromittieren. Die Geschichte der Krügerdepesche zeigte bereits eklatant, wie groß diese Gefahr war. Holstein prägte nun das neue Stichwort von der Politik der freien Hand, durch die man die kontinentale Sicherungspvlitik mit der neuen überseeischen Erwerbspoliti? am besten kombinieren zu können glaubte, indem man die Gegensätze zwischen England und den Mächten des Zweibunües geschickt auszunutzen und durch Gefälligkeiten nach dieser oder jener Seite hin sich Zugeständnisse zu erlaufen suchte. Diese Politik formte solange gut gehen, als die von Holstein und Bülow vertretene Meinung zu Recht bestand, daß der Weltkampf zwischen Rußland und England unvermeidlich und eine Einigung zwischen Bär und Walfisch über den Rücken Deutschlands unmöglich sei. Rußlands Konkurrenz in China, Frankreichs Aspirationen in Aegypten und gleichzeitig die Furcht vor neuen Kämpfen in Südafrika veranlaßten 1898 den älteren Chamberlain zu einer ersten Fühlungnahme in Berlin. England wünschte anfangs ein deutsch-englisches Aggressivbündnis gegen Rußland, war jedoch schließlich auch bereit zu einem Devensivbündnis, nach dem beide Mächte sich zu gegenseitigem Beistand verpflichteten, sobald eine von ihnen gleichzeitig von zwei Seiten angegriffen wurde. Die Verhandlungen versandeten, weil die deutschen Staatsmänner die Gefahren dieses Bündnisses überschätzten und — und dies nach Meineckes Ansicht mit Recht — eine zwingende Notwendigkeit, sich zu binden, diesmal nixh nicht anerkennen wollten, da eine Verständigung Englands mit Frankreich oder Rußland noch in weitem Felde zu liegen schien. Meinecke schildert dann Deutschlands Politik in Vorderasien, die mit dem Stichwort „Bagdadbahn" hinreichend gekennzeichnet wirb, die Versuche, zu einer Allianz mit Rußland zu kommen, die merkwürdigen Irrwege der deutschen Politik während des Burenkrieges und die Geschichte des Jangtse-Abkommens. Im Jahre 1901 empfand Chamberlain von neuem und diesmal wesentlich drängender die Notwendigkeit, die Politik der splendid Isolation zugunsten der Bildung eines großen weltpolitischen Konzerns aufzugeben. In den jetzt erneut aufgenommenen Dündnisverhand- lungen ließen sich die deutschen älnterhändler wiederum von dem Grundirrtum leiten, daß Englands Allianzbedürfnis viel größer fei, als das deutsche, und daß England, wenn es in Not komme, nur in Deutschland seinen Alliierten finden lonne. Holstein glaubte, England müsse es erst noch schlechter gehen, bevor es für Deutschland bündnisreif werde. Aber der Kaiser hatte diesmal das richtige Gefühl für die Gefahren der Lage, als er zu dem Botschafter Grafen Metternich äußerte: „Ich kann doch nicht immerzu zwischen Russen und Engländern schwanken. Ich würde mich darm und „Direktor" von irgendetwas dürfte erfahrungsgemäß jeder dritte achtbare Durchschnitts- schwede fein. (In meiner Stockholmer Studienzeit nannten wir nachts jeden Schutzmann Carlsson und sind immer gut dabei gefahren.) Den Titel „Doktor" benutze man nur, wenn sich beut- l i ch Jodoform geruch feststellen läßt, denn andere Doktoren gibt es in der Praxis gav nicht. Bei einer Dame genügt es übrigens keineswegs zu wissen, dah ihr Gatte Herr T. heißt, denn sie führt den Titel ihrer Geburt und muß eventuell Gräfin oder Freifrau T, genannt werden. Wenn man in eine fremde Gesellschaft kommt, lasse man sich vorher doch lieber die Einladungslifte geben und lerne sie auswendig. Wenn man mit einem guten Bekannten gemütlich beisammensiht irnd etwas außerordentlich Alkoholisches trinkt, (wann täte man das in Schweden trotz der halben Prohibition wohl nicht?!), dann tritt bald nach Mitternacht der psychologische Moment ein, wo der wackere Schwede sein Glas erhebt und einen auffordert, „die Titel abzulegen". Ist der Mann Akademiker, dann nennt er wohl auch nur das Jahr, in welchem er „Student wurde". Wer die Formel nicht kennt, wird mit der mystischen Jahreszahl nicht viel anzufangen wissen und seinen guten Belannten dadurch schwer verletzen. Es handelt sich natürlich um die Duzbrüderschaft, in die, bei sehr vorgerückter Stimmung, auch wildfremde Menschen und der Oberkellner — „Wachtmeister" genannt — in Bausch und Bogen mit eingeschlossen werden. Zum guten Ton gehört letzteres allerdings nicht unbedingt! Auf der Straße muß stets hartnäckig danach getrachtet werden, die linke Seite des jeweiligen Begleiters zu gewinnen. Im Zweifelsfalle _— in bezug auf höheres Alter oder größere Würdigkeit — pflegt ein edler Wettstreit zu entbrennen, dem nur durch kluge Abschätzung des Terrains ein räumlich bedingtes Ende bereitet werden kann. In guter Gesellschaft ist natürlich jedweder Kraftausdruck, und ganz besonders jede unsachliche Erwähnung des Teufels, strengstens verpönt. Angesichts unbezwingbar-explosiver Notwendigkeit darf man gelegentlich „siebz e h n" sagen, was einen salonfähigen Hinweis auf die „7000 Teufel" des gemeinen Mannes enthält. Wenn meine Eltern, gelegentlich meiner Geburt, sich bewogen gefüllt hätten, eine Wiege anzuschassen, dann hätte sie unter den östlichen Deutschen Europas gestanden. Ich führe das hier nur an, um begreiflich zu machen, daß Zigaretten in kleinen Mengen für mich „vogelfrei" sind und nicht eigentlich unter den Begriff des Privateigentums fallen. Anläßlich eines Besuches bei schließlich zwischen zwei Stühle setzen." Bulows Ideal war nicht ein deutsch-englisches Bündnis, sondern eine Angliederung Englands au den Dreibund. Hierfür war England nicht zu haben. Oesterreich war für die englischen Staatsmänner eine Großmacht, deren Lebensdauer nicht mit Sicherheit zu berechnen war. Man wollte sich nicht enger, als die bestehenden Verträge es forderten, an diese wankende Macht binden. An diesem Punkt scheint noch Ausfassung Meineckes der letzte Versuch, zu einem Bündnis zu kommen, gescheite r t zu sein. Zweifellos war die Zukunst des verbündeten Oesterreich-älngarn der dunkelste Punkt der deutschen Politik. Er war um so dunkler und schwieriger für uns, je abhängiger wir von Oesterreich waren. Das hat man damals in Berlin nicht etiännt, weil man Oesterreich für lebensfähiger hielt, als es war. Hätte man in Berlin den selben Instinkt für die prekäre Zukunft Oesterreichs gehabt, wie in England, so würde man leinen Augenblick gezögert haben, die Hand Englands zu ergreifen und den Schwerpunkt unserer Politik vom deutsch-österreichischen auf das deutsch-englische Bündnis zu verlegen. Dieses letztere hätte auch in der eingeschränkten Form nach Meineckes Ansicht geschlossen werden müssen, weil die bisherigen Hilfsquellen des Dreibunds bei der zunehmenden Schwäche Oesterreichs und der Unzuverlässigkeit Italiens schon für die Aufgaben der kontinentalen Zukunft und Sicherheit nicht mehr genügten. Weltpolitik aber, die über die Sicherung des vorhandenen Kolonialbesitzes hinausstrebte und ein größeres Kolonialreich schaffen wollte, war in Zukunft nur entweder mit oder gegen England zu treiben möglich. Den evidentesten Fehler unserer Politik vor dem Kriege sieht Meinecke darin, daß sie Flottenbau und Bagdadbahn gleichzeitig betrieb und dadurch die beiden 'Weltrivalen England und Rußland, auf deren Unversöhn- lichkeit wir unsere Politik ausgebaut hatten, erst recht reizte, ihre ohnehin schon mögliche Annäherung und Ausgleichung mit einander zu vollziehen. Die Reform des Eides. Abschluß der Arbeiten des Sirafrechtsausschusses. Berlin, 4. März. Der Reichstagsausschuh für die Strafrechtsreform trat am Freitag zu seiner letzten Sitzung zusammen, um die dem älnterausichuh überwiesene Frage der Eides- r e f o r m zu verabschieden. Entsprechend dem Vorschläge des Unterausschusses wurde im § 184 der Meineid mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren, der fahrlässige /Falscheid mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bedroht. Wer als Zeuge oder Sachverständiger uneidlich falsch aussagt, obwohl er auf die Strafbarkeit hingewiesen worden ist, soll auf Grund des § 187 mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft werden. In besonders leichten Fällen kann jedoch das Gericht von Strafe absehen. Einstimmig wurde sodann vom Strafrechts- ausschuh eine Entschließung angenommen, die die Regierung ersucht, im gesamten Gerichtsverfahren auf eine wesentliche Eins chränkung der Eidesabnahmen hinzuwirken. Dabei soll eine Reihe von Grundsätzen beachtet werden: An die Stelle des Voreides soll der R a ch e t d treten. In Privatklagen oder Prozessen wegen Hebertrehmg soll das Gericht eine Beeidigung nur beschließen können, wenn ein öffentliches Interesse ober wichtiges Interesse einer Partei vorliegt. Unterbleibt die Beeidigung in der Hauptverhandlung, so hat der Richter vor der Vernehmung auf Die Strafbarkeit falscher ober unvollständiger Aussage hinzuweisen. 2n der Voruntersuchung und im Vorverfahren darf einem hochbeamteten schwedischen Staatsmann, mit dessen Sohn ich eng befreundet war, unternehmen wir eine längere Autotour. Mein Freund und ich — vielversprechende Jünglinge um die Zwanzig — hatten unseren Rauchvorrat ausgebraucht und da ich wußte, daß ber. alte Herr stets mindestens hundert Zigaretten bei sich führte, bat ich ihn ebenso harmlos wie höflich, uns auszuhelfen. Natürlich zog er sofort sein Etui, sah mich dabei aber so befremdet und mißbilligend an, daß ich eine konfuse Entschuldigung hervorstotterte — ohne recht zu wissen, warum. Der Gouverneur schwieg einige Minuten und wandte sich mir bann wieder in altgewohnter Freundlichkeit zu: „Ich hatte vergessen, daß Sie Ausländer sind. Sie haben aber sicher nicht darüber nach- gedacht. baß Sie mir burch Ihre Ditte inbirelt ben Vorwurf machen, nicht aufmerksam und höflich genug gewesen zu fein, um Ihnen von selbst eine Zigarette anzubieten. Entschuldigen Sie mich." Auf ben Gedanken war ich wirklich nicht gekommen, habe es mir aber für die Zukunst gemerkt. In Schweden gibt es in allen Restaurants in der Mitte des Raumes eine lange Tafel, auf der mindestens fünfzehn verschiedene Vorspeisen, einschlietzlid) Hummermayonaise, stehen. Man bediente sich früher selbst und atz für 50 Oere oder gar kostenlos, soviel man wollte, um bann natürlich seinen Platz einzunehmen und etwas Warmes zu bestellen. Während des Krieges — als ungezählte Fremde nach Stockholm tarnen — muhte man plötzlich vorher ein Menu bestellen ober für die Vorspeisen höhere Preise zahlen. Ich fragte den mich bedienenden Kellner, was diese Neuerung zu bedeuten habe und erhielt die peinliche Antwort: „Was soll man machen — die Ausländer essen uns alles auf und gehen dann fort — ohne ein Mittagessen zu bestellen." Uebrigens präzisierte der Kellner die Ausländer näher, und das war noch vor der Rahrungsmittelnot... Aber die gute alte Sitte ist aud) heute noch nicht wieder eingeführt. Die schwedischen Trinksitten sind ein umfangreiches Kapitel für sich und beanspruchen daher auch eine „Sonderbehandlung", die hier nicht in den Rahmen paßt. Ein richtiges „Festessen" in gutem schwedischen Hause ist ein äußerst komplizierter und durch die Tradition geheiligter „feierlicher Akt", der keinerlei Willkür duldet. Ganz beifällig will id) nur noch verraten, dah das Diner stets mit einer Ansprache des Hausherrn beginnen und mit einer Dankesrede des Tischherrn der Hausfrau (der man übrigens niemals zutrinken darf) schließen muß. Da darf es einem natürlich nicht passieren, dah man aus lauter Allwissenheit friedlich neben der Gastgeberin sitzen bleibt und zehn Minuten lang gar ein solcher Hinweis nur im Umfange der heutigen eidlichen Vernehmung erfolgen. Nach seinen Vorstrafen Darf ein Zeuge nur gefragt werden, wenn es zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit notwendig ist. Sachverständige sollen nicht beeidigt werden. Bei der Reform der Zivilprozeßordnung soll namentlich geprüft werden, inwieweit der P arte i e i d entsprechend der österreichischen Regelung durch uneidliche und eidliche Vernehmung der Parteien zu ersetzen ist und der Offenbarungseid eingeschränkt werben kann. Auch sind die Vorschriften über die Beeidigung von Zeugen und Sachverständigen den vorstehenden Rick)tlinien für den Strafprozeß anzupassen. Ueber § 195, der einen Rechtsbeistand, wenn er eine ihm anvertraute Rechtssache wissentlich zum Nachteil seines Auftraggebers führt, mit Gefängnis bestrafen will, wirb ber Straf- rechtsausschuh nochmals mit ber Reichsregierung beraten. Ferner beschloß der Ausschuß, ben allgemeinen Teil des Strafrechts noch auf bie Beschlüsse ber deutsch-österreichischen Strafrechts- konferenz abzustimmen. Ohne Widerspruch wurde das gesamte Werk en b I o c angenommen. Mit den Mitgliedern der österreichischen Strafrechtskommission soll nochmals eine Besprechung herbeigeführt werden. Die NenLenbank-Mditanstatt. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 5. März. Die Neugestaltung der Rentenbank-Kreditanstalt, über die wir neulich an dieser Stelle schon eingehend berichten konnten, sollte eigentlich eine Angelegenheit der rein wirtschaftlichen Betrachtungsweise bleiben. Das ist aber leider nicht mehr möglich, schon allein deshalb nicht, weil bie Neuordnung auf Grund eines Vorschlages eines parlamentarischen Ministers bereits dem Reichskabinett zugegangen ist und nächstens vor den Reichstag kommen wird. Der Minister hat sich zwar nur mit Andeutungen begnügt und man muß befürchten, daß diese ganze Angelegeicheit im Rahmen deS Notprogramms im Reichstag eine etwas erzwungenermaßen eilige und oberflächliche Behandlung erfahren wird. Zunächst einmal erheben sich zweifellos Bedenken in banktechnischer Hinsicht,besonders bezüglich der geplanten Grenzverwischung zwischen Real- und Personalkredit und bezüglich der gedachten direkten Beteiligung der Rentenbank-Kreditanstalt am CEÖarengefdJäft. Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen wissen, fehlt bei ber Neuregelung vor allem eine klare Definition für die zum Geschäftsverkehr mit der Rentenbank- Kreditanstalt zugelassenen anderen Institute. Es besteht also, und darüber muh man sich klar sein, zweifellos die Gefahr, daß dem bisher so scharf und klar umgrenzten Geschäftsbereich der Renten- bank-Kreditanstalt die eindeutigen Grenzen genommen werden. Auf der andern Seite werden die Versuche, die von allen Seiten und ziemlich allen Parteirichtungen gefordert werden, nämlich zu einer möglichsten Rationalisierung unseres Genossenschaftswesens zu kommen, durch die neue Konstruktion nicht gerade gefördert. Es läßt sich noch schwer übersehen, wie sich das Nebeneinander von Rentenbank-KrediLanstalt und P reu ß e n ka s s e, ber eine Kapilalserhöhung wahrscheinlich unter Beteiligung des Reichs bevorsteht, prccktisch klar aborenzen läßt. GS dürste interessant sein, daß gerade bi diesem Zusammenhänge die „Germania" ernste Sorgen äußert und vor einem Konkurrenzkampf zwischen den beiden Instituten warnt, aus dem die Gefahr erwachsen könnte, daß einseitig die kapitalkräftigeren Genossenschaften bevorzugt und die stühungsbedürstigeren vernachlässigt werden. Aber zweifellos wäre cs bedauerlich, wenn die Politisierung der agrarischen Kreditfrage so west gehen nicht begreifen kann, warum alle einen so erwartungsvoll anstarren. Kürzlich hat sich bei einer Derartigen Gelegenheit das Entsetzliche ereignet, daß ein allgemein geschätzter deutscher Ehrengast absolut nicht zum Reden zu bewegen war und schließlich — auf bie nervös-befangene Frage ber liebenswürdigen Wirtin, ob man nicht vielleicht bald aufstehen sollte, — bie joviale Antwort gab: „Von mir aus schon lange, gnäbige grau!“ Gastspiel im Giadtiheater. In ber gestrigen Aufführung von Wallaces ausgezeichnetem Kriminalstück „Der Hexer" spielte Frl. Liselotte Fuhrmann, Stadttheater Krefelb, bie Rolle der Cora Ann Milton als Gast auf Anstellung. Da die junge Dame für das Fach der ersten schweren Heldin in Frage kommt, kann es sich hier nur Darum hanDeln, Den allgemeinen Eindruck wiederzu- geben, Den sie in einer nicht in iljw Fach gehören Den Rolle hinterließ. Der Eindruck war, kurz zusammengefaßt, durchaus vorteilhaft: sehr gute Erscheinung, tadellos angezogen: flüssige Konversation, angenehm ruhige und sichere Bewegungen: der etwas eigenartige Typ von Dame, ber hier in einer merkwürbigen Mischung von Eleganz, Raffinement, kühler Ueberlegenheit, Angst, auffladernbem Temperament und nicht gerade einwandfreier Vergangenheit unaufdringlich zusammengesetzt werden mutz, war mit Geschick und Geschmack getroffen. Was diese Sd)auspielerin auf ihrem eigentlichen Felde zu leisten vermag, kann von hier aus natürlich nicht beurteilt werden: jedenfalls war die knappe Probe sehr vielversprechend. AIS zweiter Gast des Abends spielte Herr M o m b e r vom Staatstheater in Wiesbaden ben Polizeiarzt Dr. Lomond. Es ist uns nicht bekannt, ob es sich hier ebenfalls um eine Engagementsvorstellung oder um eine Aushilfe handelt: immerhin war auch diese Umbesetzung von Interesse. Herr Momber spielte die Rolle — die im hiesigen Ensemble Herr Tannert hat — so, wie man es von der gepflegten Tradition des Wiesbadener Hauses erwarten konnte: übrigens mit Unterstreichung des typisch schottischen Charakters Der Figur, behäbig, nüchtern und mit etwas Dickflüssigem Humor: an einigen Stellen, •bie trotz ihrer Bedeutung im Zusammenhang beiläufig gesprochen werden müssen, zu pointiert. Im ganzen eine respektable, persönlich gefärbte Leistung. Doch muß billigerweise zugegeben werden, daß uns die Auffassung unb Darstellung ber Rolle von Tannert mindestens gleichwertig erscheint. Dr. Th. würde, daß man im Reichstag unter dem fälschlichen Schlagwort' Preußenkasse gegen Renten- bank-Kredilanstalt, links gegen rechts, eine unproduktive Diskussion begönne. Finanzausschuß des Hessischen Landtags. D a r m st a d t, 4. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags führte am Freitag die Verhandlungen über Kapitel 6 des Staatsvoranschlags (Bad Rauheim) zu Ende. Ein 'Antrag der Koalitionsparteien ersucht die Regierung, die Frage zu prüfen, ob die Wiedererrichtung eines ständigen Kurorchesters für die Geltung des Bades in künstlerischer und für die Provinz Oberhessen in kultureller Hinsicht vorteilhaft oder vonnöten ist: auch soll die finanzielle Auswirkung dieser Maßnahme berechnet und sollen Vorschläge gemacht werden, ob durch eine auswärtige Tätigkeit des Orchesters eine etwaige Mehrausgabe beseitigt werden kann. Der Antrag wurde gegen drei Stimmen angenommen. Ein Antrag Schäfer und Gen. will, daß die Kurmusik auch auf die W i n t e r m o n a t e ausgedehnt wird; der Antrag wurde gegen eine Stimme a b gelehnt. Ein Zentrumsantrag, der will, daß 200 000 Mart nicht, wie vorgesehen, dem Erneuerungsstock. sondern der Staatskasse zugeführt werden, wurde a b g e l e h n t. desgleichen ein Eventualantrag derselben Abgeordneten, daß der Cr- neuerungsstock auch tatsächlich seinem Zweck dienstbar gemacht wird und alle Erneuerungen aus dem Erneuerungsstock bestritten werden. Ein Antrag der Koalitionsparteien, sog. Mittelstandskuren von angemessener Dauer in Bad- Rauheim und Bad Salzhausen zu ermöglichen, wurde angenommen. Das Kapitel selbst wurde gegen drei Stimmen angenommen, ebenso Kapitel 6a (Bad Salzhausen). Hierauf wandten sich die Beratungen dem Kapitel 27 (M inist e r i u m des Innern) zu: es lag hierzu eine Vorlage der Regierung vor, die sich auch auf die Kapitel 53 (Landcsamt für das Bildungswesen) und Kapitel 108 (Ministerium der Finanzen) erstreckt. Es wird vorgeschlagen, eine Ministerialrats st elle aus dem Ministerium des Innern auf das Landesamt für das Dil- dungswesen (jetzt Ministerium für Kultus und Bildungswesen) zu übernehmen und dafür eine Stelle für einen Vortragenden Rat aus Kapitel 53 (Landesamt für das Bildungswesen) auf Kapitel 27 zu übertragen. Die Bearbeitung der Finanzstatistik erfordere, daß der bisherige Direktor der Zentralstelle für die Landesstatistik in das Ministerium der Finanzen übernommen werde. Es soll deshalb in dem Ministerium der Finanzen eine neue Ministerialrats stelle errichtet werden. Die Regierungsvorlage wurde mit 7 gegen 3 Stimmen angenommen. Die Kapitel 29 (Postgebühren) und 30 (Regierungsblatt) wurde einstimmig angenommen. Kapitel 31 (Provinzialdirektionen und Kreisämter) wurde ebenfalls angenommen, und zwar unter Ablehnung von kommunistischen Anträgen, die Provinzialdirektionen aufzuheben und die Gehälter der Beamten über Gruppe 10 auf die Hälfte herabzusehen. Hierauf wurden die weiteren Kapitel bis 40 genehmigt und in die Beratung des Kapitels 41 eingetreten. Rundfunkprogramm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Llmschau".) Dienstag, 6. Mär;. 12,30 bis 13,30: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hausiapelle. 15,30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16,30 bis 17,45: Konzert des Rundfunkorchesters. 17,45 bis 18,05: Die Lesestunde. 18,30 bis 19,15: Don Kassel: Dr. phil. Fritz Michel, Schleswig: Vorlesung aus eigenen Dichtungen. 19,15 bis 19,45: Die Sch ach - stunde. 19,45 bis 20,15: „Bei den „wilden" Tschamakoko-Indionern im Gran Chaco", Vor trag von Herbert Baldus. 20,15: Rju, Drama von Ossip Dymow. Anschließend: Schallplatten- Konzert: Aus Richard Wagners „Ring beä Ribelungen". Eingemachtes. Äon Anton Schnack. Es ist die stille, erstarrte Poesie des Winkels, verehrt und behutsam auf Fensterbrettern auf- gebaut, in kleine Kaminerfchränke gestellt, aus denen ein säuerlich-süßer Duft quillt, als blühe der Sommer am Rain und ein reifender fruchtgoldener Herbst verwese die Gärten. Die wunderlichen Großmütter haben diesen Duft in ihren Schürzen, wenn sie aus den Vorratskammern treten, wo der Reinetteapfel verfault, der Saft der Butterbirne vermorscht, und die Maus funkelnd und klein über die Walnüsse klappert. Dor diesen Türen hat eine fahle, irrträumende Kindheit geglüht. Hinter diesen Schlüssellöchern war der grüne Dampf schwermütiger Abendschatten, aus denen Glasgesichter blutrot und gelb herblitzten. Am funkelnden Apfelmus saß die Septemberwespe vertrocknet, den Ringleib zusammengeschlossen, mit gebrochenen Fühlern, ertrunken und erstickt im süßen und schwabbelnden Fruchtseim. Latwerge. In den kühlen Wandnischen standen die blau- bäuchigen irdenen Topfe, mit Drachenzungen be- ringelt, zugebunden mit knitterndem Pergamente Papier, das nach Salizylsäure roch: darunter war erstarrt, manchmal von einer Schicht weißen Schimmels übersprenkelt, die braune und zähe Masse der Latwerge. Fahlblau war der Herbst der Frankenzwetschgen, durch die Hügelmulden und Steingärten ging der Rachmittag mit traumhafter Sickle und Blätterfall. Oh Septembermelancholie, die wir durchlärmten, wenn die Leiter an die Wipfel der Bäume gelegt wurden. Die Goldschnur der Wespen stob auf, die an den aufgeplatzten honigtropfenden Früchten saßen. Erinnert euch der Mehelarbeit, wenn die Magd die Korbe, darin die tiefblauen und schon etwas runzligen Zwetschgen lagen, schwer und niederziehend as, das Knie gepreßt, in die Küche schleifte. Ihre dunkelbraunen Finger schnitten eins, zwei, drei die Früchte durch, und der harte braunholzige Kern fiel klappernd auf den Tisch. Die lächelnden Schwestern halfen, aber ihr Schnitt war langsam und zögerte, den saftigen Leib der Früchte aufzuschneiden. Die Großmutter, mit der vorspringenden Adlernase und Der Gedenktag an Wie überall im deutschen Daterlande, so wurde auch in Gießen unserer im Weltkriege gefallenen Brüder in würdiger Weise gedacht. Bereits am Samstag nachmittag hatte der engere Vorstand der unter der Leitung von Bürgermeister Dr. Frey stehenden Gießener Ortsgruppe des Bundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge durch Kranzniederlegung am Denkmal auf dem Gießener Ehrcnfriedhof unsere auf dem Felde der Ehre gebliebenen Helden feierlich geehrt. Am gestrigen Sonntag waren auf den öffentlichen Gebäuden und an zahlreichen Privathäusern die Fahnen zum Zeichen der Trauer auf Halbmast gesetzt. 3n den Kirchen wurden die Gemeinden durch die Predigten an die gefallenen Volksgenossen erinnert, mittags von 1 älhr ab erklang von den Türmen der Kirchen eine Viertelstunde lang feierliches Trauergeläute. Den Mittelpunkt der Erinnerung an die Opfer des Krieges bildete die Gedenkfeier zu Ehren unserer gefallenen Krieger, die auf Einladung der Ortsgruppe Gießen des Dolksbundes Deut cher Kriegsgräberfürsoige gestern mittag in der Reuen Aula der Llniversität stattfand. Wie in früheren Jahren, so hatte sich auch gestern wieder eine sehr große Trauergemeinde versammelt, die den weiten Raum der Aula füllte. 'Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden wohnten der Gedenkfeier bei. Der Bauersche Gesangverein unier der Leitung seines Chormeisters O. Görlach leitete die Feier mit dem Gesänge des Sanctus von Schubert würdig ein. Anschließend trug der Vortrag des Adagio aus dem Trio op. 1 Rr. 2 von. Beethoven durch Frau Dr. Fischer (am Flügel), Musiklehrer Franz Bauer jun. (Violine) und Studienrat Dr. Hillenbrand (Cello) sehr zur Vertiefung der feierlichen Stimmung bei. Der Bauersche Gesangverein lieh sodann in packender Weise den Gesang des 23. Psalms (Gott ist mein Hirte) von Franz Schubert folgen. Hieraus folgte als ergreifender und ernstmahnender Höhepunkt die nachstehende Ansprache von Professor Dr. Koch: Hochgeehrte Feierversammlung, deutsche Brüder und Schwestern! Es war mitten im Kriege. Ich wurde an den Fernsprecher gerufen. Ein mir sehr nahestehender, junger Kriegsfreiwilliger, der in den Karpathen kämpfte, war soeben gefallen. Noch kann ich mich, als wäre es heute, in die Empfindung jenes Augenblicks zurückversetzen. In der elementaren Erschütterung des ersten Eindrucks trat es mir auf die Zunge, und um ein Haar hätte ichs in den Fernsprecher hineingerufen: „Es ist ja gar nicht wahr, es ist ja gelogen!" So lehnte sich alles in mir aus gegen die Anerkennung ber furchtbaren Tatsache. — Es ist nur ein Beispiel für ungezählte. So schrie es in jenen Tagen durch Deutschland, so durch die Welt: „Es ist ja gar nicht wahr! Es darf ja gar nicht wahr sein!" ... Die Zeit ist eine andere geworden. Heute, zehn und mehr Jahre nach dem furchtbaren Geschehen, lehnen mir uns nicht mehr auf. Wir i>aben uns mit der Wirklichkeit abgefunden, so wie nur zu viele sich ak^efunden haben mit dem ganzen Jammer ihres Daterlcm-des. Mit Leid haben wir uns abgefunden, mit tiefftem Leid bis heute, aber doch mit stillerem, mit sehr viel gefaßterem Leid. „Es ist nun einmal nicht zu ändern," sagen die einen, — „Dein Wille geschehe," die andern. Aber, hochgeehrte Versammlung, darf das jein ? Darf es fein, daß wir uns, auf die eine ober die andere Weise, abfinden, nur abfirtben? Daß >das Abfinden das Einzige bleibt? Lassen Sie uns in bieder ernsten Stunde in Gedanken hinaustreten an das Denkmal, das jetzt draußen vor der Stadtkaserne zu uns reden will von unseren Gefallenen. — Es gibt Kriegserinnerungs- male, die sprechen $u dem Beschauer von dem großen Sterben jener Zeit, von der erhabenen Majestät des Todes. Ergreifend manche. Und es ist recht so, nur im Tode gebiert sich wahres Leben. Aber wehe einem Volle, dem seine Denkmale nur vom Tod, nur oom Vergangenen redeten; dem sie gar redeten vom den scharfen Dogelaugen, warf sie in die Kessel, daS Wasser unter dem heißen und harzduftenden Herdseucr sang und sirrte. Seht ihr sie noch vor euch, die schweigsame Alte, nur mit den Augen lebendig den Brei rührend, immer rührend, ohne Unterbrechung und mit unermüdlicher Beharrlichkeit, während auf der braunen gluckernden Masse die Blasen platzten. Dann warf sie, ernsten Gesichtes, die Spitze eines zertrümmerten Zuckerhutes hinein und aus der Blechbüchse lange Zimtstangen. Süß und frucht- haft dampfte es heraus. Gewürz- und Honig- wolke zugleich, die an den grünen Küchenscheiben in langen Wasserschnüren sich auflöste. Oh herbstliches Abendgeläut, das bann herein- sang. Oh schweigsame Großmutter, die das Kreuz über der faltigen Stirne schlug. Oh mystische und begnadende Apotheke der Küche, vorsorgend für die kleinen Krankheiten des Winters: für den trockenen Husten in Kinderkehlen, für die Atemnot der Alten, für die Schlemmereien am Weihnachtstag: wie heilsam ist es, den Saft des Apfels dem fieberheißen Mund zu geben.» Apfelgelee. 3m Hause gab es ein Fenster, in dem sich der tiefe Garten rahmte. Da standen die Gläser, zehn, fünfzehn, zwanzig, gefüllt mit einem rot erstarrten Blut: eine zitternd süße Masse: hell wie Bernstein oder fröhlich rosa und blitzend wie ein Kristall. Das Haus danach roch, im Gang zog tagelang die Duftwolke von Zimt und Zucker, der auf der Herdplatte verbrannte. 3m Garten lag, vom Rachtwind abgeschüttelt, der kleine grüne Apfel, kühl und frisch ün Morgentau. Die Mutter wusch ihn mit vielen anderen, bohrte ihn aus, wo ein kleiner rosa- gelber Wurm herauskam, zerschnitt und warf alle in einen Topf, dessen Boden sie mit ein wenig Wasser bedeckte. Da schwärmten die Wespen um den Sack, darein die rosa Apfelmasse geschüttet war: langsam tropfte ein brauner Saft in die Schüssel. Sommer. Sommer jubelten die Tropfen, wenn sie mit einem klingenden Geräusch auf dem Spiegel der gelben Brühe auffielen. Damals, als der Apfel vom Geäst fiel, äste die Schafherde am Rain, und ein paar Wolken trieben am Himmel entlang. Das kleine Mäd- unsere Gefallenen. bloßen Sich-ab-sinden mit dem Tode! Der ernste Mann aus Stein, der sich dort draußen vor der Kaserne von der Erde, auf die er niebergefunten, mächtig emporringt, ist auch ein toter Krieger, und doch kein Toter, der nur tot ist, von dem man sonst nichts sagen kann, als er fei tot. Nein, er ist ein Toter, der leb t, mächtig ringend lebt, leben will! Er will leben in den Seelen der Lebendigen, in unseren Seelen! Es ist, als wollte er in jenen Ruf erster Erschütterung „Es ist ja gar nicht wahr" mit einftimmen: „Und es i st auch nicht wahr, daß ich tot bin, nur tot bin, es darf nicht wahr sein! Ich m u ß leben, leben in dir, mein deutscher Bruder, meine deutsche Schwester! Muß leben in dem deutschen Volke dieser Friedensjahre!" Wir mögen über den Sinn des Krieges sonst denken, wie wir wollen, mögen ihn den großen Erzieher nennen oder den großen Verderber oder vielleicht auch beides zugleich, — in einem find mir wohl alle einig: daß er der große Offenbarer ist. 3m Feuer bewährt sich das Gold, verbrennen die Stoppeln. Wie auf der einen Seite das Dose und das Kleine, so tritt auf der anderen das Echte und das Große in einem Volk hervor, das größer wird in her steten Vertrautheit mit dem nahen Tode. Von dem Allergrößten, Allerinnersten, das solche stete Todesnähe in den Tagen, derer wir heute gedenken, in Mannes- und Jünglingsseelen emporgetrieben hat, können mir hier nicht reden. Aber wir denken zweier Dinge, in denen jenes Allerletzte besonders wunderbar sich offenbart. Wir denken jenes bedingungslosen Willens zumOpfer.in dem die T r e u e, jene allertiefste, jene elementar-ewige Kraft in der Seele, sich zu vollenden trachtet. Für sein Volk sterben können, nicht im Rausch, sondern in der Treue, nicht in ’rijebenben Liedern nur, sondern in aller wirklichen Su.rbensnot: das ist und bleibt doch wohl höchstes Menschentum, unendlich höher noch als alles, was wir gemeinhin Menschheitskultur nennen. Und es ist nicht allein der Heldentod im Sturmangriff — nein, auch wenn jener schlichte Soldat und Unteroffizier, einer von den Stillen im Lande, mit hei ich über die verwüsteten Felder Französisch-Flanderns ging, nach fast vier Jahren harten Frontlebens sagen konnte: „Ich habe mich für meine Person jetzt mit dem Kriege ausgesöhnt!" — auch das ist jene Treue, ist jenes Opfer, in dem der Mensch hinauswächst über sich selbst, das gebrechliche Geschöpf. Und gleich daneben die zweite große Offenbarung jenes Allerletzten: es ist die Kameradschaft, die Bruderschaft. Es sind ja — daß mir das doch niemals vergäßen! — nicht bloß einzelne, nicht noch so viele einzelne, an deren Sterben mir heute denken. Es ist ja eine große Lebens- undSter- bensgemeinschaft! So rnar's in jenen denk- rnurdigen Augusttagen, so ist's in Ungezählten und in den Besten oben und unten geblieben bis ans Ende: ein „Volk von Brüdern". Was waren auch alle Unterschiebe des Standes, der Bildung, der Partei, der Meinung vor der Majestät des Todes"? BruderMensch! Bruder Deutscher! Ein Freund erzählte mir: Als ich mit meinem Zug gegen den russischen Feind vorging, warf mich eine Kugel zu Boden. Unfähig, mich zu bewegen, lag ich zuletzt hilflos zwischen den feindlichen Linien, auf einem vom Feuer bestrichenen Felde. Da holten mich zwei meiner Leute zurück, unter Einsetzung ihres eigenen Lebens brachten sie mich ?llücklich wieder zu den Meinen. Und was waren's ür Leute? Der eine ein geistig Minderwertiger, der andere ein moralisch Gebrandmarkter, einer aus der zweiten Klasse des Soldatenstandes. Ich fragte sie später: „Warum habt chr mich denn nicht im Feuer liegen gelassen?" „Das hätten wir nicht gekonnt", war die Antwort. Bruder Leutnant! Bru- der Soldat! Bruder Akademiker! Bruder Armer am Geiste! Bruder Deutscher! Das ganz Schlichte, das ganz E men t a r e ist das bleibend Große: Opfer treue! Bruder sinn! Nicht noch so hohe Geistigkeit, nicht Wissenschaft noch Wirtschaft, nicht Fortschritt noch Kultur, sondern das ganz Schlichte: Opfertreue, Brudersinn. So hat es in jener ganz ernsten Zeit, so hat es im Kämpfen und Sterben unserer Manner und Jünglinge leuchtend sich offenbart. Und das ist und bleibt das große Leuchten, das von jenen Tagen her das Dunkel unserer Tage immer wieder durchbrechen will. Das ist es, was in uns chen wird es nicht mehr wissen, da es nach dem Samtflug eines Trauermantels sah. Aber wenn es am langen Winternachmittag die süße Apfelspeise ißt. wird es die Lerchen fingen Horen und einen Schmetterling im Brombeer- strauche schaukeln sehen. 3ch weiß es noch: denn ich stand am Fenster und sah wie in einem Bild den Daum, das Mädchen und die weißen Schafe. Hagebutten. Die Männer, als wir am Hagebuttenstrauch standen, schossen mit blauen Flinten in die Kette der Rebhühner. Kullernd versanken sie im kühlen Grün des Herbstklees. Traurig sahen wir den braunen Hunden nach, die im fliehenden Bodennebel verschwanden, um die geschossenen Vogel zu suchen. Der alte Doktor Bcchtist erzählte immer meinem Vater, wenn er ihn sah, von dem berauschenden und dicken Wein, den er aus Hagebutten gegoren hatte. 3n seinem Keller war ein riesengroßer Grabstein. Keiner wußte, wer darunter lag. 3ch liebe das Mark der Hagebutte, weil es etwas rauh ist und den Gaumen mit feinen Stachelhaaren ritzt. Wie seltsam: der Dorn der Aeste kehrt, feiner, biegsamer, zärter im Gehäuse, glitzernd und hundertfach um die Kerne geschart, in der kleinen gelben Wölbung des Inneren wieder. 3n einem alten Arzneienbuch, das die Jahreszahl 1753 tragt, steht, daß das Hagebuttenmark das Blut reinige und, in bösen Fiebern, dämpfe. 3ch weiß nicht, ob sie es auch in der Bretagne essen. Die Bauern in Franken füllen es in kleine Steintopfe: ein Geschmack von Erde kommt in das Mark. Ich wußte einen wilden Rosenstrauch, der am Weinberg blühte. 3m Herbste war er wie von großen Tränen Blutes betropft. Ach, das Mädchen Ane wird sich an den Strauch noch gut erinnern: denn damals, es war ein milder vogelfroher Herbst, ging ich mit ihr am Strauch vorbei: dabei flatterten ein paar Blätter leise zu Boden... Johannisbeeren. Auf den weihen Zetteln der Gläser steht mit stahlblauer Tinte, in kleiner und scheuer Mädchen- fchrift: Gepflückt am 15.3uli, eingemacht am 16. Juli 1924. Ueberlebenben, in unseren Kindern immer wieder lebendig werden will, damit, was damals geschah, auch für uns und kommende Geschlechter nicht vergeblich gewesen fei. So wollen unsere Gefallenen, wollen ihre Besten heute und täglich neu hinein auch in unsere Seele, auch in unserer Seele mächtig sich auf ringen aus der Tiefe zur Höhe. So wollen sie eine le. -idig fortwirkende Macht werden in uns: eine Macht der Treue und des Opfers in einer Zeit, die wieder so klein werden will in Selbstsucht und Selbstgenügen und schaler Vergnüglichkeit: eine Macht des Brudergeistes in einer Zeit, da die Seelen wieder so eng werden wollen in lieber- Hebung der Menschen, der Stände, der Parteien übereinander, in der Kälte, mit der der Deutsche neben dem Deutschen steht, auch neben feiner Not. „Deutscher Bruder, deutsche Schwester," so sprechen unsere Kriegstoten zu uns, „es ist nicht wahr, es darf nicht wahr fein, daß wir tot, nur tot sind! A n d i r liegt's, ob wir unserem Volke tot sind ober ob wir ihm leben. W i r sind gestorben, sind in ein höheres Leben gegangen, d u aber sollst die Kraft, in der wir einst starben, heute offenbaren in deinem Leben unter deinen Brüdern und Schwestern, deinem Volke!" Wir Horen, verehrte Freunde, nun schon zehn Jahre die alte Klage: „Und all dies Sterben, all dies Leiden für nichts! Alles ohneErfolgl" Sine Klage, so menschlich begreiflich und doch sv menschlich klein! 3st denn wirllich Erfolg dieses Lebens letzter Sinn? 3st ein Leben und ein Sterben in Opfertreue und Brudersinn denn nicht etwas in sich selbst, nicht groß in sich selbst, nicht hoch erhaben über allen äußeren Erttag. allen Erfolg? Wenn wir jetzt bald wieder unsere Seele baden im leuchtenden Grün des Maienwaldes, ist. was uns stärkt, der Gedanke an das Holz der Bäume, das im Winter unseren Ofen Heizen soll, an den Ertrag des Waldes? — Rein, nur ein Ertrag, nur ein Erfolg jenes großen Sterbens ist es wert, ganz und bedingungslos ernst genommen zu werden: daß in uns, den Gebliebenen, ihr, der Toten Geist a u f l e u ch t e und wie dort im Denkmal mächtig sich aufringe, — der Geist des Opfers in Treue, der Geist der Bruderschaft im Dienste aneinander, aller aneinander, im Dienste am Reuwerden unseres an Leib und Seele tief leidenden Volkes, am Reuwerden einer tiefkranken Kulturmensch- beit. Das sei heute und immerdar unser lebendiges Gedenken an unsere teuren Kriegstoten, bad unser Dank, das unser heiliges Geloben. Mit dem feierlichen Spiel des ersten Verses des alten Soldatenliedes „3ch hatf einen Kameraden" durch das Trio Frau Dr. Fischer. Wusik- lehrer Bauer und Studienrat Dr. Hillen- brand, fand die erhebende, in würdigster Weise auf den tiefen Gehalt des Gedenktages abgestimmte Feier ihren Ausklang. Oberheffen. Landkreis Gießen. CJ Klein-Linden, 4. März. Die Verpachtung der Grundstücke der Erben des verstorbenen Landwirts Georg 3 ä g e r am Samstag hatte viele Interessenten angelockt. Die Stücke, die auf neun 3ahre verpachtet wurden, erzielten mittlere Preise, Wiesenland stellte sich im allgemeinen höher als Ackerland. Ackerland, in der Gemarkung Klein-Linden gelegen, galt der Rormalmorgen (2500 Quadratmeter) 32 bis 66 Mark, je nach Qualität und Lage, eine Wiese von 675 Quadratmeter kam auf 24 Mk. Für Wiesenland, in der Gemarkung Gießen gelegen, wurden für einen halben Morgen 16 Mk. und für einen Acker von 1306 Quadratmeter 27 Mk. geboten, die zur Gemarkung Allendors a. d. Lahn gehörigen Wiesen erzielten als Pachtpreis für den Morgen 55 bis 70 Mk. Der Zuschlag wurde erteilt. gr. G r ü n i n g e n , 4. März. Zu dem kürzlichen Eingesandt" aus Hausen betr. Post- bestellung sei ergänzend mitgeteilt, daß eS noch mehr solcher stiefmütterlich behandelter Orte in der Rahe Gießens gibt. So benötigt beispielsweise ein Brief, der hier am Samstag- morgen kurz nach 7 41hr in den Briefkasten eingeworfen wird, mehr als drei Tage, um an seine Adresse nach Gießen zu gelangen. Voraussichtlich wird es aber mit der Post- bestellung in unserem Dorfe und in allen an der Autolinie gelegenen Orten bald besser Wie leicht und schnell Otc Jahre vergehen, von den Sommerwundern ist nur eine Reihe von Gläsern geblieben, in denen die törnigen Beeren gleich toten Perlen mit schwarzsunkelnden Punkten eingepreht sind. Morgen vielleicht bringt sie die Köchin zum Rindfleisch auf den Tisch. Ach, ich werde nachdenken müssen an einen Garten, an eine zerfallene Steintreppe, an blühende Sonnenblumen und an dich. Schwarzbeeren. Wenn ich sie betrachte, Heine Gläser, große Gläser, Gläser mit runden Bäuchen, Gläser mit schlanken Hälsen, angefüllt mit einem schwarzen dunklen Safte, fällt mir ein Waldrauschen in das Ohr. Eine junge Magd saß in der Küche. Ein brauner Waschkorb, ausgelegt mit undurchlässigem Papier, war angefüllt von den blauen Perlen und Kugeln der Beeren. Ein langer Holzlöffel lag auf dem Tisch. Rauchende und dampfende Töpfe standen auf dem Herd, der die Abenddämmerung der Küche mit absonderlichen Flackerlichtern durchzuckte. An der Straße rauschte der Wald im Abendwind. Daraus, aus Wind und Wald waren wir gekommen, die Schwester, die Magd und ich. Cs ist mir unvergeßlich, wo ich die Spuren meines Fußes im Moos gelassen habe. Es ist mir unvergeßlich, wo die Lichtung voll Sonne lag. Zwerge und Rehe sah ich in der blauen Dämmerung hinuntergehen. 3m grünen Gesträuch der Beeren saßen wir, kniegebogen, mit mühseligem Eifer und schwarze« Fingerspitzen die Früchte pflückend in blau und weihe Tassen, deren Emaille die Sonne erwärmte. Ich seh es noch: der Mund der Schwester war schwarz und verfärbt, und auch die Magd, deren Eltern Bauern im Thüringischen waren, war überrot am Mund. Das Geheimnis von Frauenlippen schrie mich mit glühender Schwermut an. Mein Herz klopfte: locke die Magd hinter die Büsche. Aber schweigend, müde Pflücker, trugen wir die Körbe durch das Waldtal... Wenn ich sie betrachte, kleine Gläser, große Gläser, Gläser mit runden Bäuchen, Gläser mit schlanken Hälsen, angefüllt mit einem schwarzen dunklen Safte, sehe ich den wilden überroten Wund der Magd, der nach mir rief. Aber ich lieh ihn unberührt. Ach, unverständlich find hie Beklommenheiten und Lethargien junger Herzen. M. »iegen. L Mrz, Die 8er- üdc der Erben bei eorg Jäger tun ifetdat ongdodt Die ; verpachtet wurden Riesenland stellte ili) Ickerland. Ackerland, kn gelegen, galt bei :aKneterI 32 bis 6t 2a«, eine Diese vo? 24 Wk. Für Di» Ziegen g.-legen, vur« gen 16 Ak. unö für >r» *Ä* legt mit M blauefl illt J g MS- M ^ herd. der 5üch« ^Kftabe J! *.^«4*5*. i« »? 3»«»t 5 J #•** *jif«1$ &> eöV Sö)ve> deren ^xrt MN Ji« ■ 2-JS» gss «jw; h b*1-;r A Hnb b1 werden. Der Besitzer der Autoltnie Gießen — Gambach steht z. 3- in (Verhandlung mit der Post wegen Llebernahme der Postbeförderung. Morgens soll dann, wie verlautet, die Post zugestellt werden und abends abgehen. : Albach, 4. März. Schon 1900 wurde in unserem Dors eine Wassergenossenschaft gegründet, um die nahgelegenen Fluren zu entwässern. Die Kosten sollten sich damals pro Morgen auf 75 Mark belaufen. Zur Ausführung kam der Plan jedoch nicht. Dor drei Jahren wurde wieder eine Wasscrgenossenschaft gegründet und iit der Entwässerung sogleich begonnen. Für dieses Jahr sind die Fluren Buchwaldsfeld und Münchsfeld vorgesehen, die Arbeiten sind bereits int Gang. Die Kosten für diese Lntwässerungsarbeiten sollen sich auf 18 000 Marl belaufen. Doch dürfte diese Summe überschritten werden, da der Boden an einigen Stellen felsig ist. Die Kosten für den Morgen kommen jetzt auf 200 Mark zu stehen. ch Grünberg, 4. März. Die letzte H 0 l z v e r - steigerung ergab folgende Preise für einen Raummeter: Fichtennutzfcheit 15 Mk., Kicfernnutz- scheit 17 Mk., Fichtennutzknüppelreisig 10 Mk. Fichtenreisig 2 Mk., Fichtenknüppel 8 Mk., Fichtenstöcke 8 Mk., Fichtenscheit 10 Mk., Kicsernscheit 8 Mk, Kiefernknüppel 8 Mk., Kiefernstöcke 7 Mk., Aspenreisig 2 Mk., Aspenknüppel 5 Mk., Buchenscheit 16 Mk., Duchenknüppel 12 Mk., Buchenstöcke 10 Mk., Buchenreisig 2 Mk. 5. Bellersheim, 4. März. Der Drescherei- besitzer Ernst Bopp hat eine Saatgutreinigungsanlage angeschafft. Es bricht sich mehr und mehr die Erkenntnis Bahn, daß die Kosten für Saatenreinigung, die die größeren Güter schon längst durchführen, auch in kleinbäuerlichen Betrieben durchaus rentieren. Jeglicher Unkrautsamen, sowie alle schwächlichen und beschädigten Körner werden ausgeschieden, so daß nur Körner mit starker Keimtriebkraft und hoher Ertragsfähigkeit zur Aussaat gelangen. Außerdem wird der Derunkrau- tung der Felder vorgebeugt. Der Abfall kann wieder zu Futterzwecken Verwendung finden. Die Verwendung von Edelsaatgut muß sich bis in die kleinsten Betriebe hinein zu den beiden anderen Faktoren neuzeitlicher Landbewirtschaftung gesellen, der künstlichen Düngung und intensiveren Bodenbearbeitung durch neue Maschinen. s. Trais-Horloff, 4. März. Dieser Tage erlitt der Arbeiter Rudolf Schneider aus Utphe, der auf der Gewerkschaft „Friedrich" beschäftigt ist, einen schweren Unfall. Der jetzt fertiggestellte Gaskessel wird zur Zeit von innen angestrichen. Schneider war mit dem Anstrich der gewölbten Deckenfläche des Kessels beschäftigt und stand zu diesem Zweck auf einer hohen Leiter. Diese geriet ins Rutschen und fiel um. Durch die Wucht des Falles erlitt Schneider einen schweren Oberschenkelbruch des linken Beines und zog sich außerdem Verletzungen im Gesicht und am Gebiß zu. Es war nicht leicht, ihn aus dem hohen Gaskessel herauszuschaffen. Schließlich gelang es mittels eines an einem Tau befestigten Stuhls, auf welchem er innen hochgezogen und außen herabgekaffen wurde. Er wurde sofort ins Hungener Krankenhaus eingeliefert. s. Utphe, 4. März. Einen merkwürdigen Fund machte dieser Tage der hiesige Gemeinde- rechner Karl Schäfer. Beim Ausschachten von Erde für einen Schuppeneubau stieß er in etwa 50 Zentimeter Tiefe auf ein menschliches Skelett, das noch vollständig war. Diese geringe Tiefe läßt darauf schließen, daß der Tote nicht auf normale Weise hier bestattet worden ist. Dem Gebiß nach zu urteilen, handelt es sich um eine ältere Person. Aus welcher Zeit das Skelett stammt, ist wohl schwerlich festzustellen, da der Grad der Verwesung sehr vom Boden abhängt. Vielleicht stammt es aus Kriegszeiten, oder rührt auch von einem Verbrechen her. M ?is Friedberg * Friedberg. 4. März. Die Zahl der beim Arbeitsamt Friedberg unterstützten Arbeitslosen ist in der letzten Februarhälfte leicht, und zwar um etwa 140 zurückge- gangen. Ausgeschieden sind insgesamt 400. Reu in die Fürsorge ausgenommen wurden 260. Die Statistik am 29. Februar ergab 2046 Haupt- unterstützungsemvfänger im Kreis Friedberg und 606 im Kreis Büdingen, zusammen 2652. Außerdem wurden 192 Krisenunterstühungsempfanger gezählt, von denen 185 auf Friedberg und 7 auf Büdingen entfallen. .In den genannten Zahlen sind 208 Aotftandsarbeiter mit enthalten. Eine Erhöhung der Zahl der Aotstandsarbeiter ist für Anfang März in Aussicht genommen. Krr'.S Büdingen. < Büdingen, 4. März. Der hiesige Geschichtsverein veranstaltete dieser Tage wiederum einen seiner beliebten Vortrags' a b e n d e. Studienassessor Dr. Lad e-Büdingen sprach über das für Büdingen sehr aktuelle Thema „Denkmalpflege und die Kunst- denkmäler im Kreise Büdingen“. Daß der Vortragende in der Auswahl seines Vortragsthemas keinen Mißgriff getan hatte, kam bereits in dem überaus zahlreichen Besuche der Veranstaltung deutlich zum Ausdruck. Der Vorsitzende des Vereins. Geh. Rat Mohr, begrüßte die Versammlung im Ramen des Vorstandes und gab zugleich seiner Freude darüber Ausdruck. daß den Vorträgen des Geschichtsvereins immer große Beachtung und sich ständig steigerndes Interesse entgegengebracht werde. Der Vortragende, Dr. Lade, gedachte in seinen Ausführungen zunächst des Ursprungs der Denkmalschuhbewegung und der Organisation des Denkmalschutzes, besonders aber der verdienstvollen Männer Hessens, die bereits im vorigen Jahrhundert durch Gesetzesentwürfe, Anregungen und tatkräftige, wie vorbildliche Arbeiten dazu beigetragen haben, daß den derzeitigen Generationen so manches kostbare Kulturgut erhalten bleiben konnte. Die vorgeführten guten Lichtbilder konnten den aufmerksamen Beschauer in jeder Hinsicht überzeugen, welche unschätzbaren Werte gerade in unserem Kreise auf diese Weise gerettet wurden. Leider seien jedoch auch bei uns im Kreise Büdingen viele wertvolle Kunstdenkmäler stark gesährdet. Der Redner sprach hier im besonderen von dem traurigen Schicksale der Ronneburg, und wohl alle Anwesenden waren in dem Wunsche mit ihm einig, daß sich doch in letzter Stunde noch eine Möglichkeit ergeben möge, den schnellen Verfall dieses prachtvollen Baudenkmals aufzuhalten. Auch das wunderschöne barocke Altarwerk der Klosterkirche in Engelthal bei Altenstadt sei in allerhöchster Gefahr. Der Holzwurm sehe mit immer größerem Erfolge sein Zerstörungswert an dieser selten schönen Holzschnitzarbeit fort, da Mittel zur wirksamen Bekämpfung des Schädlings nicht vorhanden seien. Ein besonderes Kapitel de» Vortrages war dem Friedhofschutz und den liturgischen Kunstwerken gewidmet. Der Redner bat auch hier wieder um Schutz für die zahlreich noch vorhandenen alten „Wehrfriedhöfe" im Kreise Büdingen, insbesondere aber um Erhaltung der prachtvollen Grabsteine und Denkmäler, denn der amtliche Denkmalschutz könne unmöglich alle die vielen Cinzelfälle übersehen und überwachen. Hier müsse jeder einzelne mithelfen. Auch der Baumschmuck sei auf den Friedhöfen nicht zu vernachlässigen. In einem weiteren Llbschnitte sprach Dr. Lade über die leider immer noch sehr zahlreichen „Verschandelungen" von Kunstdenkmälern, und zeigte in mehreren Lichtbildern deutliche Beispiele hiervon. Es ist leider nicht möglich, alle wertvollen Anregungen, die der Vortragende den größtenteils von ihm selbst gemachten Aufnahmen beizugeben wußte, an dieser Stelle erschöpfend zu behandeln. Büdingen und Ortenberg fanden, ihrem historischen Werte entsprechend, besondere Würdigung. Reicher Beifall belohnte die hochinteressanten Ausführungen, die geeignet waren, die zahlreichen Freunde der Kunstdenkmäler in unserem Kreise er. eut zu einen und im Willen zur tatkräftigen Mitarbeit am Schuhe unserer wertvollen alten Kulturgüter zu festigen. —/— Büdingen, 4. März. Am Freitag fand am hiesigen Wolfgang-Ern st-Gy m- n a f i u m unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Dr. Keller die diesjährige Reifeprüfung statt, der sich 24 Oberprimaner unterzogen. Sämtliche Prüflinge bestanden. y. Aid da, 4. März. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr kann in diesem Jahre ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern. Am 15. Juli wird eine würdige Feier stattfinden, wozu die Feuerwehren des Kreises Büdingen eingeladen werden sollen. ]:| Gelnhaar, 4. März. Bei der im hiesigen Gemeindewald stattgshabten H 0 lzver - steigerung wurden folgende Preise erzielt: Für je 2 Raummeter Buchenscheit 36 bis 40 Mk., Buchenknüppel 25 bis 30 Mk., E'chenscheit 15 bis 20 Mk., F chtenrundscheit 10 bis 12 Mk., Buchen- reifer durchschnittlich 1 Mk. pro Raummeter. Kreis Schotten. nz Groß-Eichen, 4. März. Durch Unvorsichtigkeiten beim Abbrennen von Hecken entstand am Freitag im „Eichholz" ein Waldbrand. Es fielen dem Feuer ungefähr 4 Morgen zweijähriger Fichten des Gemeindewaldes zum Opfer. (Kur dem baldigen Eingreifen der Ortsbewohner ist es zu verdanken, daß die Flammen sich nicht noch weiter ausbreiteten. Kreis 'Alsfeld. < Atzenhain, 4. März. Dieser Tage hielt Landwirtschaftsassessor Dr. B ö ch e r vom Landwirtschaftsamt Grünberg in der Gastwirtschaft Krug einen Vortrag über „Pflanzenschutzmahnahmen bei der Frühjahrsbestellung". Bürgermeister Erb leitete die überaus zahlreich besuchte Versammlung. Der Redner betonte u. ichorienkaffee - Erzeugung Mtläw in allen Größen aus üiimo Lärchendolz. sowie eiche Waich- biittcngtbtbintflitab Heinrich Böts, Stuterei, Bersrod Inletts u. Bettieflern unter Ladenpreis. TE1T1ER Dammstr. 25 p., sesrenüb.d.höh. Mädchensch. Kein Laden. Dienstag a.d. Wochenmarkt: ff. Schellfisch 0. K. das Psd. 40 Ps. ff. Kabeljau 0. K. das Psd. 28 Pf. Grüne Heringe 15 Pf. 017,7 01732 Karl Schmidt, Gießen, Neuenweg 4r,Tel.(t0IS DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl'sche Druckerei Waagen und Gewichte aller Art empfiehlt u. stellt eichsahig her zm-Mm Wcicrmüube-dt. Anker-Re filtrier kaffen 01734 für Gefchäfte aller Branchen in Hebel- oder Taftenaustührung. 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Astoria-Lichtspiele, Selters weg Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Ein Die unberührte Frau Und deshalb die Devise: 2485$$ Auf in die Festhalle zu BEN HUR Eine dramatische Liebeskomödie in 7 Akten. In der Hauptrolle: Imogene Robertson. 2490 este mit wenigen Unterbrechungen regelmäßig statt. Früh schon sehen wir Turner aus Gießen und Butzbach unter den Organisatoren und auch unter den Wettkämpfern des Feldbergfestes. In diesem Jahre findet das Feldbergfest zum 7 5. Male statt, wird also zu einem denkwürdigen Jubiläumsseste. Seiner Vorbereitung galt der 8 7. Feldbergfe st-Turntag, der heute bei gutem Besuche aus den: ganzen Mittelrheinkreis der D. T. in der Turnhalle des Turnvereins zu Aiederrad abgehalten wurde. Die Eröffnung der Tagung stand im Zeichen des Dolkstrauertages. Feierliche Musik trug der Stimmung der Stunde Rechnung, und PH. R ö b i g (Rödelheim), der Vorsitzende des Feldbergfest-Ausschusses, gedachie in tiefempfundenen Worten der Toten des Weltkrieges und der verstorbenen Turnersührer des abgelaufenen Jahres. Aus der Berichterstattung über das verflossene Feldbergfest ist besonders heroovzuheben die Anerkennung, die der Feldbergfest-Ausschuß bei der Regierung gefunden, die in dankenswerter Weise den Ausbau des alten Bergfestes materiell und ideell unterstützt Hot, vor allem auch durch Bekämpfung des Juxplatzunwesens, das sich gegen Brauch und Üebeclieserung auf dem Bergesgipsel eingenistet hatte, sich mit dem Charakter des Feldbergfestes aber nicht vereinbaren läßt. In der Aussprache zum Geschäftsberichte wurde lobend erwähnt, daß in der Ausgestaltung des Festes allgemeine Fortschritte zu verzeichnen sind und daß besonders die Neuanlage der Kampfplatzumfriedigung die Abwicklung der Wettkämpfe erleichtert. Als Tag des 75. Feldbergfestes wurde der 2 4. Juni 19 28 bestimmt. Es soll als Jubiläums- feier würdig ausgestaltet werden. Am Vorabend findet auf dem Bergesgipfel eine Sonnenwendfeier statt, die durch Lienhardts „Sch-wertweihe- spiel" und durch einen Fackeltanz verschönt wird. Ein Scheinwerfer soll vom Fekdbergturm aus die ganze Nacht weit ins Land hinaus Kunde von dem Feste geben. An die Sieger im Wettkampfe werden zur Erinnerung an dos 75. Feldbergfest fein ausgestattete Siegerkränze ausgegeben werden. Als Wettkampfübungen wurden für das 75. Feldbergfest bestimmt: Männer (19 Jahre und älter): 100-Meter- Lauf, Kugelstoßen (7,25 Kilogramm aus dem Kreise), Wettsprung, Freiübung. Jugend turner (17 bis 18 Jahre): 100» Meter-Lauf, Kugelstoßen (5 Kilogramm aus dem Kreise), Weitsprung, Freiübung. Altersturner (Klasse 35 bis 39 Jahre und Klasse 40 Jahre und älter): 75-Meter-Laus, Kugelstoßen (7,25 Kilogramm aus dem Kreis«), Weitsprung, Freiübung. Frauen (17 Jahre und älter): 75-Meter- Laus, Kugelstoßen (4 Kilogramm aus dem Kreise), Hochsprung, Freiübung. Außerdem finden die üblichen Mannschasts- kämpfe um den I a h n s ch i l d (4X100-Meter- Staffel), den Brun Hilde nschild (4X75- Meter-Stasfel) und das Völsungenhorn (Wurf, Stoß, Sprung, Freiübung) statt. Der Dölsungenkampf soll immer mehr einen volkstümlicheren Charakter bekommen: außer örtlichen Die goldenen Berge. Vornan von Clara Dieblg. Copyright bh Deutsch« Verlags-Anstalt Stuttgart. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. In Simon Bremms Weinberg lachte jetzt wenigstens die Maria. Ihre gute üaune war wiedergekehrt, ihrer Jugend machte es nicht viel aus, daß das Wetter naß war und unfreundlich, ein schöner Tag war's doch. Die Lese war nun einmal zum Freuen da, und so freute sie sich denn, obgleich sie im Grunde nicht recht wußte, warum; freute sich über das Krachen der Böller diesseits der Mosel und jenseits, über die vielen Karren, die von und zu dem Weinberge fuhren, über all die Menschen, deren inan sonst nie soviele beisammen sah. Oder freute sie sich, daß der Kaspar sie heute abend ab- holen kam? Am Klosterberg hatten sie schon eher begonnen, die Lese war da weiter voran, in Man- ten war heute schon Tanzmusik. Wenn sie ihm auch nichts versprochen hatte von dem, was die Mäd.chen fönst alle dem versprechen, der sie „bei di« Muhsik" holt, sie wußte, er holte sie doch. Sie fing an zu singen. Hell stieg die klare Mädchenstimme in den nebligen Tag und schien dessen nioderdrückende Schwere leichter zu machen. Ha, das tat wohl! Aus den benachbarten Rebstöcken fielen noch andere Stimmen jetzt ein, immer mehrere und mehrere fanden sich zu, es hatte nur des Anstoßes bedurft, der einen führenden Stimme: „O Mofetland, o selig Land, Ihr grünen Berge, du Fluß im Tal" — Simon Bremm lächelte stolz: seine Maria, ja, die verstand es, froh zu machen! Auch Frau Anna lächelte. Seit Wochen schon hatte sie gebetet, daß der Joseph heimkehren möge, zuletzt hatte sie alle Nacht von ihm geträumt und ihn jetzt ganz bestinunt erwartet. Zur Lese kommt doch jeder aus der Familie nach Haus, nicyt nur, daß man da jede Hand gut gebrauchen kann, man weiß auch, da gehört man zusammen. Vorige Lose war er noch hier gewesen, obgleich er auch damals schon nicht mehr gut mit Vater stand. Der Joseph war dazumal in Kochem gewesen, bei einem, der Gastwirtschaft hatte und Wein verkaufte und einen Schleppkahn Mannschaften können auch Bezirke und Gaue dazu melden. Deutsche Kußballsiege in Paris. Der deutsche Fußballmeister gewinnt glatt 4:1. Der deutsche Fußballmeister, der 1. F. C. Nürnberg, spielte am Samstag zum ersten Male in Paris. Als Gegner traf er auf eine aus den Vereinen Cercle Athletic und Red Star (Paris) kombinierte Mannschaft, die in ihren Reihen gute Einzelkräfte aufwies. In der ersten Spielhälfte lieferten die Pariser dem deutschen Meister eine ziemlich gleichwertige Partie. Temperamentvoll und schnell kamen sie oft vor S t u h l f a u t h s Heiligtum, aber im Schießen war ihre Kunst schlecht gepflegt. Nürnberg spielte taktisch und technisch hervorragend. Vor allen Dingen wurde sehr haushälterisch mit den Kräften umgegangen. Zehn Minuten vor der Pause zog R e i n m a n n in prächtiger Kurve vor das französische Tor und schoß unhaltbar den Führungstreffer für Nürnberg. Mit 1:0 für den Club wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause zog die deutsche Meisterels alle Register ihres großen Könnens. Mit zentimetergenauem Paß wanderte der Ball von Mann zu Mann. Die Torerfolge ließen daher nicht lange auf sich warten. Hochgesang schoß den zweiten Treffer, und der in prächtiger Form spielende Kalb erhöhte durch zwei wuchtige Schüsse aus dem Hinterhalt das Ergebnis für Nürnberg auf 4:0. Da der Sieg Nürnbergs nunmehr unstreitig feststand, wurde von selten der Deutschen nicht mehr so stark auf das Tempo gedrückt. Die letzten Minuten gehörten daher den Franzosen, die dann auch durch Baron ihren Ehrentreffer erzielten konnten. Die Aufnahme der deutschen Meisterelf war überaus herzlich. S t u h l f a u t h überreichte vor Spielbeginn dem Spielführer der Pariser Mannschaft einen Wimpel. 1. F C. Nürnberg schlägt Red Star Olhmpique in Paris 3:2 (1:1) Bei schönem Wetter standen sich am gestrigen Sonntag im Pariser Stadion Buffalo der 1. F. C. Nürnb erg und der Red Star Olhm- Pique im Fuhballwettkamps gegenüber. Das Spiel endete mit dem Sieg der Rürnberger, die mit 3:2 gewannen. Zu Beginn griff die Red Star-Mannschaft an. Das erste Tor schoß Martin für die Franzosen. In der 25. Minute gelang es Hochgesang, den Ausgleich yerzustellen. Das Spiel verlief ziemlich scharf. In der zweiten Halbzeit schoß Hochgesang ein zweites Tor. Mehrfache Vorstöße des Franzosen R i c o l a s konnte die deutsche Verteidigung jedesmal vereiteln. Auch das dritte Tor für Nürnberg schoß Hochgesang. Kurz vor Spielschluß gelang es dem Franzosen Frna - m o r e, einen gut zugespielten Ball in daö Nürnberger Tor zu köpfen, so daß das Echluß- ergebnts 3:2 für Nürnberg lautete. Um die süddeutsche Fußballmeisterschaft. Die Runde der M e i st e r hat die Spiele der Vorrunde beendet und diesmal einen spielfreien Tag eingeschoben. Nur das rüdftänbige Spiel der beiden Tabellenletzten, des Sp. V. W a l d h o f und F. V. Saarbrücken, kam zum Austrag und wurde, wie erwartet, von Waldhof mit 5:2 Toren gewonnen. An der Tabelle ändert sich durch dieses Spielergebnis nichts. In der Runde der Zweiten und Dritten, Gruppe N o r d w e st , gewann der F. Sp. D. Frankfurt gegen Saar 05 Saarbrücken mit 4:2 Toren. Das für den 2. Platz der Tabelle sehr wichtige Treffen zwischen F. G. 03 Ludwigshafen und F. Sp. V. 0 5 Mainz wurde in einem harten Kampfe von Mainz gewonnen, der aber erst im Endkampf den Sieg sicherstellen konnte. Mit 3:2 für Mainz ist das Torverhältnis so knapp ausgefallen, wie es der Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften entspricht. hatte auf der Mosel fahren. Es war Bremm ärgerlich, daß der Joseph nicht Weinbauer werden wollte und mit ihm arbeiten in den Bergen. Aber der Joseph hatte ausgespien: „Winzer —?! Psui Deibel! Nä, so dumm sein ich doch nit!" Darüber hatten sie Händel bekommen. „Faulheit," schrie Bremm, und „Frechheit!" Ach, daß Bremm sich doch nicht so aufgeregt hätte darüber! Das war ja nicht so bös gemeint gewesen und auch nicht geringschätzig, es war nur dumm. Aber Bremm war gleich das Blut zu Kopf gestiegen, er hatte den Jungen, der da- stand, die Hände in den Hosentaschen, wütend angefahren: „Lach nit so dreckig!" „Ich lachen ja gar nit." Aber der Junge hatte doch wohl gelacht, denn der Vater hob die Hand und schlug ihm eins auf den Mund, daß es klatschte. Da hatte der Joseph sich die Kappe aufgestülpt, hatte sich umgedreht und war aus der Tür gegangen. Seither hatten sie ihn nicht mehr wiedergesehen. Er schrieb auch nicht. Ein paar Monate, fast ein halbes Jahr hielt die Mutter das aus, dann machte ii# sich heimlich auf, fuhr nach Kochem. In seiner früheren Stelle war er nicht mehr. „Ein ganz anstelliger Bursch, nicht dumm, aber nicht arbeitsam, fanl/ sagt« der Prinzipal. O Jesus! Betrübt machte di« Mutter die Türe wieder hinter sich zu. Und wo sollte sie ihn nun suchen? Von Beschämung und Unruhe übertommen, stand sie unschlüssig noch vor dem Haus, da streckte ein Küfer den Kops aus der Kellerluke: „Suäst Ihr den Joseph? Den is nit mehr hier. Den is nach dem Rhein erunter." Der Rhein, der Rhein, der war doch nicht aus der Welt, die Mosel floß in den Rhein. Das war nicht zu weit, um zurückzukommen. Oft wenn jemand im Dunkeln am Haus vorbei- fam, hatte die Mutter ausgshorcht: roar das nicht fein Tritt? Er kam sicher nur, wenn alles still war am Abend, wenn er wußte, der Vater war müde vom Weinberg und schlief schon. Er stand vor der Tür, er traute sich noch nicht herein — ach, der arme Jung! Sie hatte beständig großes Mitteid mit ihm. Oh, wie ist das so traurig, wenn ein Kind sein Elternhaus verloren hat! Aber der Joseph hatte es ja nicht verloren, sie war doch noch da. Und sie legte es sich zurecht, was für gute Worte sie ihrem Mann geben wollte, was sie tun wurde, um die beiden zu versöhnen. Auch die Gruppe S ü d o st hatte nur drei Kämpfe auf dem Programm. Der Tabellenerste, Wacker München, triumphierte natürlich über die Karlsruher Reservemannschaft des Phönix sehr hoch, nämlich mit 8:0 Toren. Ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Treffen lieferten sich Union Böckingen und Sp. D. 1860 München, das den Leistungen entsprechend 3:3 endete. Gin hartes, aber faires Spiel kam zwischen dem Sp. El. Freiburg und dem V. f. R. Fürth zustande, in dem die Freiburger sehr stark versagten, wahrend die Fürther in bester Verfassung spielten und mit 5:1 Toren für die im Vorkampfe erlittene Niederlage Vergeltung übten. Süddeutsche Handballmeisterschast. Stuttgarter Sickers — D. 5. v. München 3:3 (2:2). Das Spiel wurde beiderseits mit größtem Tempo durchgeführt. Beide Mannschaften ’eigten sich gleich wertig, was auch in dem Endresultat zum Ausdruck kommt. Leichtathletik. Bolhe läuft 3000 Meter in 8.47,6. Bei dem am Sonntag in Nürnberg veranstalteten Hallensportfest zeigte sich der deutsche 1500- Meter-Meister, B o l 1; e • Hamburg, in großer Form. Er gewann das 3000-Meter-Lausen in der ausgezeichneten Zeit von 8.47,6. Lloyd hohn läuft Weltrekord. Amerikas bester Mittelstreckenläufer und Hallen- spezialift, Lloyd Hahn, konnte am gestrigen Sonntag bei einem Hochschulwettkampf in Neuyork einen neuen Hallenrekord über eine halbe englische Meile aufstellen. Lloyd Hahn lief die glänzende Zeit von 1,51z und unterbot damit Peltzers Weltrekord über 800 Meter um | Sekunde. Rem Erkens schwimmt Rekord. Bei dem am Donnerstagabend in Ruhrort abgehaltenen Schwimm werbeabend verbesserte Die deutsche FreisMmeisterin Fräulein Reni Erkens (Oberhausen) den von Lotte Lehmann (Dresden) gehaltenen deutschen Rekord im 100-Meter- Damen-FreistiIschwimm«n um zwei Zehntel Sekunden. Fräulein Erkens schwamm die ausgezeichnete neue Rekordzeit von 1:14. Hallenschwimmrekord Der erste Tag der internationalen Schwimmwett- fämpfe des Schwimmklubs Borufsia-Silesia Breslau brachte einen neuen Hallenrekord. Karl Schubert vom veranstaltenden Verein konnte das 100-Meter-Freistil-Schwimmen in der Zeit von 1:01,4 vor Eckstein (Leipzig) und Dahlem (Breslau) gewinnen. Ann! Rehborn In Paris zweimal geschlagen Beim Schwimmfest des Pariser Damenschwimm. Vereins „Lesmouettes" wurde die deutsche Schwim- merin, Fräulein Anni Rehborn, von der holländischen Europameisterin, Marie Braun, im 100-Meter-Freistilschwimmen (1,15) und 200-Meter- Rückenschwimmmen (13.17,3) geschlagen. Gießener Radfahrer-Verein 1885. Dei den Gaumeisterschaften im Saalsport des Gaues 73 Lahn, Bund Deutscher Radfahrer konnte der Verein einen großen Erfolg verbuchen, da es ihm gelang, bei schärfster Konkurrenz hiesiger und auswärtiger Vereine, in den von ihm gemeldeten vier Wettbewerben nach wiederholten Vorspielen als Sieger hervorzugehen. Die Jugend kämpfte im 2er Radball um den C. C. Waldeck-Herausforderungspreis. Die Mannschaft Gramlich- F a u st kam in den Gndkampf mit der Mannschaft der Radfahrergesellschaft „Die Wanderer 1896“ Gießen. Letztere mußte sich mit dem Resultat 5:0 geschlagen bekennen. Der Preis kommt nunmehr zum zweiten Male in ten Besitz des Vereins. Die Mannschaft A. D e ib e l- K. R i e g e r erkämpfte sich nach aufregendem Kampfe, ter zeitweise alle Zeichen eines Lokaltreffens aufwies, die Gaumeisterschaft im 2er Radball von ter Mannschaft des Radclubs „Gerinania" Gießen mit dem Ergebnis: 3:2 Toren. Die gleiche Ach, wenn der Joseph doch heute tarn’! Anna Bremm wischte sich über die schwer« Stirn und gähnt«: vor allem Lauschen war sie heute nadjt sehr wenig zum Schlafen gekommen. Ihr wehmütiges Lächeln war verschwunden, ihre Miene wie immer gelassen, scheinbar unbewegt, aber tief in ihren Augen saß Trauer. Und sie fühlte sich müde. Trotzdem war es ihr lieber, mit hier draußen zu sein — nur nicht so allein zu Haus! So sah sie, wie emsig der Peter und der Paul ihre Stöcke absuchten. Die beiden würden ganz recht, sagte Bremm — aber wer konnte das für gewiß sagen? Steckt man in einen Kindern drin? Ach, man sollte lieber incht o viele Kinder haben! Es war eine große Un- icherheit in der Frau. Wtaria kam gesprungen, das blasse Gesicht der Mutter mochte ihr auffaüen: „Bist« arg müh?" Sie "ahm der Mutter das Traubenbüttchen ab und leerte es in den Beschoß den sie sich aufgehuckt hatte. Sie trug den jetzt herunter zum großen Traubenbottich auf dem Karren: leichtfüßig und aufrecht, als spüre |ie bie Last auf ihrem Rücken gar nicht, lief sie di« fteiten Treppchen und den noch schwerer zu gehenden, durch die Nässe glitschigen Pfad hinab. «om Zuckerberg her plötzlich lautes Geschrei. Die vchominer roar ausgerutscht beim Heruntertragen, «i« war zwar zu sitzen gekommen, aber blitzschnell sauste sie abwärts wie auf der Rodelbahn, mit dem Hinterteil den glatten Schiefer scheuernd. Aus ihrer Hotte schwuppte es — i rauben zerplatzten — schreiend und strampelnd suchte sie irgendwo anzuhalten. Zuletzt gab sie es auf; nun rollt« sie vollends das letzte Stück. Ei, war das schade, daß es keine Hübschere war! Eine ganz Junge! Da hätte man andere Waden zu sehen gekriegt und rundere Knie, als die mageren nackten, die sich über den zu kurzen, mit alten Lei- nenbandeln umwundenen blauen Strümpfen zeig- ten. Ein paar Witzbolde versuchten ihren Witz, die Mädchen kicherten und versteckten ihre Gesichter. Di« Schommer, nicht faul, war gleich wieder auf den Beinen. Oh, sie hatte sich gar nichts getan, man mufj einen Puff vertragen können! Sie lachte selber am allermeisten. Jetzt war überall Lachen. Die allgemein etwas gedruckt« Stimmung hatte sich vollends gehoben. Dian hatte schon so vieles überstanden: Krieg, BeMontag, 5. März (928 Mannschaft, verstärkt durch den Führer K. Keß- ler, errang auch die Gaumei stersch af t im 3er Radball. Der Gegner, die Mannschaft des Radclubs „Germania" Gießen, mußte sich mit 3:1 Toren geschlagen bekennen. Die 6er Kun streigen Mannschaft (Gebr. Keßler, Deibel, Kern, Gärtner und Lehfeld) fuhren ihren Reigen in vorbildlicher Weise und errang den Titel „Gaumeister" wie alljährlich, mit 12.016 Punkten vor den Mannschaften von Wetzlar und Marburg. Wirtschaft. Oie Konjunktur Ende Iebruar. Das neueste Vierteljahrheft des Instituts für Konjunkturforschung behandelt neben einer ausführlichen allgemeinen Untersuchung der deutschen Konjunktur die Konjunktur der wichtigsten Wirtschaftszweige, sowie die der bedeutendsten ausländischen Wirtschaftsgebiete. In dem zusammenfassenden lleberblick über die Konjunktur Ende Februar 1 9 2 8 wird gesagt: Ende Mai 1927 lautete die Diagnose des Instituts: die Wirtschaft nähere sich der Hochspannung. Ende August wurde konstatiert, sie sei in die Hochspannung eingetreten. Ende November wurde für wahrscheinlich erklärt, daß die wirtschaftliche Aktivität ein Maximum erreicht habe. Nunmehr — Ende Februar 1928 — laßt sich feststellen, daß das Maximum überschritten ist. Die Beschäftigung ist wesentlich zurückgegangen. Zum großen Teil beruht dies freilich auf jahreszeitlichen Einflüssen. Jedoch läßt sich auch eine konjunkturelle Abwärtsbewegung beobachten: die Verbrauchsgütererzeugung hat sich um 4,6 v. Sy, die Erzeugung bei den Produktionsmittelindustrien um 2,4 v. H. vermindert. Die Spannungen jedoch dauern in der Hauptsache noch unverändert an. Die Lagerbildung scheint sogar einen Höhepunkt erreicht §u haben. Der Rückläufigkeit der Noten- bankkredttO die nur zum Teil saisonbedingt ist, steht eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Wechselziehungen gegenüber. Der Geldmarkt ist zwar etwas flüssiger geworden: der Kapitalmarkt zeigt aber nach wie vor nur eine beschränkte Aufnahmefähigkeit. Wenn die Konjunktur also noch immer durch starke Spannungen gekennzeichnet ist, so ist anderseits zu berücksichtigen, daß in den letzten Jahren große Kapitalreserven geschaffen worden sind, Die dem Wirtschaftskörper eine erhöhte Festigkeit verleihen. Die veränderte Wirtschaftsstruktur könnte auch eine Veränderung in dem konjunkturellen Rhythmus, wie wir ihn seit Ende der Inflation beobachten, d. h. längere Phasendauer und verminderte Ausschläge, herbeiführen. Von einer Stabilisierung der Konjunktur kann aber nicht gesprochen werden; die Lage ist durchaus labil. Verkauf der Himmelsbach-Werke. Kleber den Verkauf der Werke der Gebr. Himmelsbach A.-G. werden dem W. T. B. aus Freiburg folgende zutreffende Angaben gemacht: Der Konkursverwalter errichtet gemeinsam mit der Gesellschaft für Holzhandel G. m. b. Sy in Freiburg, die bekanntlich zwecks Fortführung der Geschäfte während ter Geschäftsaufsicht gegründet tourte, eine neue Gesellschaft unter ter Firma Jmpreva Holzimprägnierungs-und Holzver- wertungs-A.-G. mit dem Sitz in Freiburg. 3n die Jmpreva werden die zur Konkursmasse gehörigen Werke mit wenigen Ausnahmen und auherdein das Vermögen ter Gesellschaft für Holzhandel als Ganzes eingebracht, gegen Gewährung von Aktien der neuen Gesellschaft, deren voll eingezahltes Aktienkapital nominell zwei Millionen Mark beträgt. Gleichzeitig gehen die von ter Gesellschaft für Holzhandel zur Fortführung der Betriebe eingeiauften Holzbestände auf die Jmpreva über. Nach Durchführung der Gründung svird die Jmpreva von dem Konkursverwalter die restlichen Warenbestände der Masse hinzuerwerben, zugleich mit dem Auftragsbestand per 1. Jcniuar 1928. Der Konkursverwalter wird seine bei der Gründung übernommenen Jmpreva-Aktien an ein unter Führung der jafcung, Inflation, was jetzt noch kam, konnte nicht halb so schlimm mehr sein. Ein« Wolke hatte überm Weinberg gehangen, das Lachen hatte sie sortge- scheucht. Ha, war das komisch gewesen, urkomisch! Zum Totlachen war's! Als der alte Bremm zu schimpfen anfangen moUte, wurde ihm von allen Seiten Ruh« geboten. Was, schimpfen wollte der noch? Froh sollte er lein, teß die Schommer sich nichts getan hatte bei der „üf9Pn’;tle' hatte er schöne Kurkosten zahlen muffen. Mer freilich, er konnte das ja, er war reich, er hatte seinen Wein ja so gut verkauft! Wieder hob lautes Gelächter an. Simon Bremm lachte nicht mit, er sah nach dem Alten hin und füllte, etwas Grausames war in diesem Lachen. Aber der Jakob tat, als höre und sähe er nicht mehr. Die Kinder, die mit in den Berg gekommen waren, sich da unnütz aufführten, machten's der «chommer nach, fi« rutschten unter lautem Gekreisch Die toteile hinab: andere haschten sich zwischen den stocken. Waren sie hier fortgejagt, tauchten sie dort wieder auf. Als fei der trübgraue säuerliche Trau- benjaft den sie naschten, schon goldklarer lüßer Weny ,o gebärdeten sie sich. Sie torkelten, schrien, kreischten, fielen übereinander und lachten unbändig. Ob gute oder schlechte Ernte, so war's bei der «efe eigentlich immer - allerlei Späße und Neckereien, verstohlen« Kusse hinter schützenden Rebwänden, und Hofinungen, die wie die Beeren der Traube am Weinstock am Himmel der Zukunft hängen. Wem so oft die Krankheit, die das Blatt versehrt, die ~ raube vertrocknen oder verschimmeln läßt, in den Wemberg gekrochen ist, wem allezeit Frost, Hagel. rutsch über den Hals kommen können, der ist bescheiden. — Als Simon Bremm in schwarzsinkenter Nacht mit feinen beiden Jungen den Traubenbottich in den Helterraum jchafste, war er für heute zufrieden. Da horte er plötzlich vom Haus her einen lauten Auf- frfireu Gr erschrak: was war? Die Frau war allein, die Mana nach Munden, die Kleinen schliefen — ivar etwas passiert? Er rannte ins Haus. Da stand leine rau in der Küche und hielt ein Mannsbild umschlungen. (Fortsetzung folgt.) Dresdner Dank stehendes Konsortium verkaufen, an dem die Firma 2 oh. Jacob Dowinckel- Charlottenburg erheblich beteiligt ist. Dieses Konsortium übernimmt gleichzeitig die restlichen Impreva-Aktien von der Gesellschaft für Holzhandel und den übrigen Gründern. Der Konkursverwalter beruft eine Gläubigerversammlung auf den 15. März 1928 ein, in der er über die Auswirkungen der Transaktion für die Konkursmasse Bericht erstatten wird. Exz. v. Glasenapp f. Berlin, 4. März. (WTD.) Exzellenz von Glasenapp, der frühere Vizepräsident der Reichsbank, ist gestern abend 9 älhr am Herzschlag gestorben. Otto v. Glasenapp wurde am 30. September 1853 in Schievelbein geboren. Er war ursprünglich im preußischen Iustizdienst, kam dann 1883 ins Reichsschahamt und trat 1896 als Geh. Oberfinanzrat ins Direktorium der Reichsbank ein. Seit dem Rücktritt Dr. Gallenkamps im Jahre 1902 war er deren Vizepräsident. In dieser Eigenschaft stand er dem Präsidenten Havenstein und später auch Dr. Schacht erfolgreich zur Seite und war so an der Schaffung der Renten-, der Golddiskont- und der neuen Reichsbank hervorragend beteiligt. Im Oktober 1924 trat er von seinem Amt zurück. Rachfolger wurde Geh. Ober- sinanzrat Kauffmann. * Die amtliche Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 29. Februar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat sich mit 137,9 gegenüber der Vorwoche nicht verändert. Von den Hauptgruppen hielt sich die Indexziffer der Agrarstoffe mit 130,0 auf dem Stand der Vorwoche. Eine leichte Steigerung um 0,5 auf 129,9 hatte die Gruppe der Kolonialwaren gegenüber der Vorwoche (129,2), aufzuweisen, während die Gruppen industrielle Rohstoffe und Halbwaren mit 133,7 (133,8) und industrielle Fertigwaren mit 157,2 (157,0) nahezu unverändert blieben. * Preiskonvention der Lahn-Kalk- werke. Nach der Auflösung der Verkaufsvereinigung der Grau- und Weißkalk-Werke im Jahre 1926 arbeiteten die Kalkerzeuger an de^ Lahn mit starker gegenseitiger Unterbietung. Die ^Bestrebungen der Erzeuger, sich erneut zu einer festen Verkaufsvereinigung zusammenzuschließen, sind gescheitert. Stattdessen soll eine Art Preiskonvention getroffen werden, in deren Rahmen sich sämtliche Kolkerzeuger an der Lahn verpftichten, die bisherigen, zum Teil unter den Gestehungskosten liegenden Preise zu annullieren und entsprechende Normalpreise einzuführen. * Berliner Handels-Gesellschaft. Die Generalversammlung der Berliner Handels-Gesellschaft, in der 12 502 800 Mk. Kommanditkapital vertreten war, beschloß aus dem 4,75 Mill. Mk. betragenden Reingewinn eine Dividende von zwölf Prozent für das Geschäftsjahr 1927 zu verteilen und 1,91 Mill. Mk. auf neue Rechnung vorzutragen. * R. S. äl. Vereinigte Fahrzeugwerke A.°G. Die R. S. 11. Vereinigte Fahrzeugwerke 2I.--G. hat die Verhandlungen wegen der Aufnahme einer amerikanischen Anleihe abgebrochen, da die Auflegung nicht innerhalb der von ihr verlangten Frist möglich war. Die für das Fabrikationsprogramm erforderlichen Geldmittel sind von den im Aufsichtsrat vertretenen Banken zur Verfügung gestellt worden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 5. März. Tendenz: Behauptet. Auch zu Beginn der neuen Woche bot die Börse ein unverändertes Bild der G e- s ch ä f t s st i l l e. Das Privatpublikum blieb dem Markte weiter fern, und auch die Spekulation hielt sich stark zurück, dia Die Ausbreitung des Kampfes in der Berliner Metallindustrie eine stärkere Verstimmung hrrvorrief. Außerdem verstimmte die M u s s o l i n i r e d e und der pessimistische Wirtschaftsbericht der Dis- conto-Gesellschaft. Vor allem aber mahnte der weiter angespannte Geldmarkt,dessen Entwicklung unübersichtlich ist, zur Zurückhaltung. Da an den Effektenmärkten nur in geringem Maße Abgaben vorgenommen wurden, blieben die Kurse bei der ersten Votierung meist behauptet, wobei die Veränderungen gegen die Somstagsbörse nur in seltenen Fällen über 1 Prozent hinausgingen. Eine Ausnahme bildeten \ Harpener, die auf die befürchtete Dividendenreduzierung sehr stark angeboten waren und 9,5 Prozent verloren. Angeboten waren ferner Rheinstahl (minus 1,5) und Scheideanstalt (minus 2 Prozent). Am Elektromarkt büßten Licht & Kraft ca. 1,5 Prozent ein, Siemens minus 2 Prozent. Die übrigen Werte dieses Marktes blieben behauptet. I.-G.-Farbeit eröffneten vollkommen unverändert. Auch Banken waren bei kleinen Umsätzen behauptet. VSU. verloren 2 Prozent auf das Scheitern der Anleiheverhandlungen, während Kleher und Daimler leicht anziehen tonnten. Deutsche Anleihen lagen still und knapp behauptet. Ausländische Renten fast geschäftslos. Im Freiverkehr waren Russen wieder lebhafter gefragt. 2m Verlaufe nahm die Spekulation einige Abgaben vor, und die Tendenz schwächte sich allgemein ab. Die Kurse gaben bis 1 Prozent nach. Harpener blieben weiterhin angeboten. I.-G.-Farben verloren 1,5 Prozent. Am R e n t e n m a r k t waren Anatolier stärker gefragt und merklich fester. Am Geldmarkt hielt die Vachfrage nach Tagesgeld an, der Sah stellte sich auf 8 Prozent. Im Devisenverkehr setzten sich die Käufe in Reichsmark weiter fort, die Reichsmark lag gegen Kabel mit 4,1849 und gegen London mit 20,418 sehr fest. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,35, Madrid 28,87. London-Kabel 4,8780. Bert ine . Börse. Berlin, 5. März. Vach unsicherem Vormittagsverkehr eröffnete die erste Börse der neuen Woche in uneinheitlicher und eher schwächerer Haltung. Der Reichsbankausweis und der Bericht der Disconto- Gesellschaft, der zu beweisen sucht, daß die öffentlichen Lasten für die Wirtschaft zu hoch seien, wirkten nach und hielten das Publikum weiter fern. Verstimmend wirkte außerdem die Musso- linirede und der Konflikt in der Berliner Metallindustrie. Das Ausland bekundete für verschiedene Spezialwerte etwas Interesse, so daß vereinzelt 1 bis 2proz. Kurserhöhungen eintraten. Reichsbank konnten ihren am Samstag erzielten Gewinn fast voll behaupten, auch Rheinbraun lagen 1,75 Proz. höher. Schadeaktien plus 3 Mark. Recht schwach lagen dagegen Harpener, die zunächst minus-minus notierten und zum ersten Kurse 7 Proz. verloren. Schubert & Salzer behauptet. Don fremden Renten waren Anatolier gesucht und 0,5 bis 0,75 Proz. höher. Pfandbriefe sehr still und kaunt verändert. Am Geldmarkt war Tagesgeld immer noch knapp. Der Sah stellte sich auf 7,50 bis 9 Proz., Monatsgeld 7,25 bis 8,50 Proz., Warenwechsel 6"/s Proz. Die schwache Haltung von Harpener verstimmte im Verlaufe auch die gesamte übrige Dörse und das Kursniveau ging um 1 bis 2 Proz. zurück. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 5. März. Die allgemeine Stim- ntung ist sehr fest, alle Waren anziehend. Im Geschäft kam dies zwar noch wenig zum Ausdruck. denn bei den erhöhten Preisen halten die Käufer zurück, weshalb die Umsätze klein sind. Weizen ist etwa 0,50 Mark teuerer, desgleichen Roggen. Weizen zu Futterzwecken war nicht am Markte. Gerste für Brauzwecke wird nur noch wenig angeboten bei unveränderten Preisen. Hasec ist sehr gesucht und im Preise anziehend. Mais liegt fest bei geringem Angebot. Mehl liegt bei ganz kleinem Geschäft etwas fester. Kleie unverändert. Biertreber stark steigend. Es wurden notiert: Weizen 1 (gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs) 25,75 bis 26 Mk., Roggen 25,50 bis 25,75, Sommergerste für Brauzwecke 29 bis 31,50, Hafer (int.) 25 bis 25,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 23, Mais (gelb) für andere Zwecke 23,70, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 37,25 bis 37,75, Roggenmehl 34,75 bis 36,75. Weizenkleie 14,10 bis 14,25, Roggenkleie 15 bis 15,25, Erbsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 34 bis 60, Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 55 bis 110,-Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocken) 8 bis 8,50, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 4,50. Weizen- und Roggenstroh (gebündelt) 3,25, Treber (getrocknet) 18 bis 18,25 Mk. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 5. März. Auftrieb: Rinder 1367 Stück, darunter 345 Ochsen, 76 Bullen, 588 Kühe, 358 Färsen, 537 Kälber, 63 Schafe, 6787 Schweine. — Ochsen: vollst., ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 58 bis 60, ältere 55 bis 57, sonstige vollst, jüngere 51 bis 54, ältere 45 bis 60. Bullen: jüngere vollst., höchsten Schlachtwerts 52 bis 55, sonstige vollst, oder ausgemästete 48 bis 51. Kühe: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 45 bis 49; sonstige vollst, ober ausgemästete 40 bis 44, fleischige 33 bis 39, gering genährte 25 bis 32. Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollst., ausgemästete, t)'öd) ftcn Schlachtwerts 58 bis 62, vollfleischige 53 bis 57, fleischige 44 bis 52. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 72 bis 76, mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 71, geringe Kälber 56 bis 64. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast, 51 bis 56. Schweine: Fettschweine über 300 Pfd. Le bendgewicht 53 bis 55, vollst. Schweine von 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 52 bis 55, von ca 200 bis 240 Pfd. 50 bis 54, von ca. 160 bis 200 Pfd. 50 bis 52, von ca. 120 bis 160 Pfd. 48 bis 51, Sauen 44 bis 50 Mk. Marktverlauf: Rinder ruhig, nahezu geräumt. Kälber und Schafe mäßig rege, ausoerkauft. Schweine belebt, nahezu geräumt. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinssuß 8 Prozent. Frankfurt a.M Berlin Frankfurt a. M Berlin Schluß- Kurs 1-Uhr. Kurs Schluh- fiurs Anfang Kurs Schlich- Kurs '-Uhr- Rurs Schluß Kurs Anfang stur» Datum: 3. 3. 5.3. | 3.3. | 5.3. Datum: 3 3. | . 5. 3. | 3.3. | 6.3 Vie Dt ReichSanleihe v. 1927 Tk Hnl Ablös Schuld mit Auslos -Rechten . . Desai, ohne ÄuSlos.Rechten 770 ftranlf. Hhp.'Bk. Go dps. unkündbar dis 1932 .... Vlflo Rheinische Lvp.Bank Ligu-Soldps ..... V E. G abg DorkriegS-Od- ligattonen. rückiahlbar 1932 <•/) Schweiz. Bundesb.-Anl. 4°/, Oeftereichtsche Goldrie. ■ 4,20°/. Oesterreich. Silberrie. . **lp Oesterreich, einbeiil. Rte 4% Ungarische Goldrte. . . . Ungarische EiaatSr. 0.1910 4'/,% desgl. von 1913 . . . 4% Ungarische flronenrte . . 4% Türk. Zollanleihe v 1911 4°/0 Türk. Bagdadbahn-Anl. Serie l. ...... . 4®/o desgl. Sertr !I..... 4°,e Rumänen convert Rte. 4V«0/» Rumänen Soldanl. . von 1913 , . Ullg Deutlche Eisenbahn .4'/, Hnmburg.Amerika Paket. . C Hamb-Südam Dampfsch .8 Hansa Dampfschiff • . .6 Norddeutscher Lloyd . . 6 vllg. Deutsche Treditanst.. 10 Bararr Bankverein 10 Berliner HandelSgesellsch. 12 Commerz, und Brivat-Bk. 11 Darmst. u. Nationalbank. 12 Deutsche Bank.....10 Dlsfonto-Gesellschaft Hnl. 10 Dresdner Bank . . . . lo Mitteldeutsche Trrditbank v petatlbant.........8 Weichtbauk lu 87,3 51,85 14,9 24,9 23,8 13,05 13.5 13 151 25 155 144 116 264 174,25 227 165 157 160.5 .214 127 196 8? *1 2 Sc» iSiaviiwiSigiiaii 1 £। 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 , , 87,5 52 14,9 30,8 3.8 24,9 18,9 151.25 212,25 228.5 155.25 144,25 145,75 264.25 174.5 228.75 165.25 158,5 160,65 214 127,25 52 14,8 24,8 153 211,25 227,5 144.75 146 264.5 174,5 228 164.25 157,5 160 212,5 126 199,52 LE S..........7 Bergmann .........8 Elektr. Lieferungen.... 10 Licht und .Kraft ...... 10 Selten k Guilleaume ... .6 Ges. r- Gicht Unten». . . 10 Hamb. Elektr. Werke ... 10 Rhein- Elektr........8 Schles. Elektr. ....... 10 Schlickert . ....... 7 Siemens k HalSkle . ... 16 Transradio..... .8 Labmever k So . ..... .9 BuderuS ....... .0 Deutsche Erdöl ...... .6 Essener Steinkohle .... .8 Gelsenkirchener . f. *4 S 4 Harpener..........8 Voesch Eisen ....... L tflfe Bergbau ....... .8 fllöcknerwrrke ....... .5 Köln-Neuesten ......kV, Mannesmann > .f. •/• I 4 ManS'elder.........7 Oberschles. Eisend. Bedarf 0 Lberschles. KokSwrrkr . 0 fgböntj Bergbau f •/• 3 3 Rheinische Braunkohlen . 10 Roeinftahl . . .0 Riebeck Montan.......6 Bereinigt» Stahl», f. 9 3 Olavi Minen......1 ih flalt Aschersleben.... .10 flaliWesteregein ... 10 Kaliwerk SaUdetkurth 12 9 ® 9arben=9u»nftrtt 10 Dynamit Nobel ... .0 Scheideanstalt ...... .8 Goldschmidt ..... .6 RütgerSwerke ...... .v Metallgeiellfchgk,.....10 156.25 179,5 167 215.25 119.5 258 153,5 177 271 157 97,6 129,5 133,25 179 232,5 121 150 117,5 101,5 101.75 242 164 147 105 43.75 168 178 249 256 198 111.75 SS 175 156,75 213,5 — - 26M — 96 133 170.5 I 120,75 2 102,25 244.5 163 104,26 44,4 t56,75 198 175 157 178.5 167 214,75 120,25 259.5 157.75 151.5 188,5 1765 270,25 128,5 97,75 129.75 140 133.13 178.5 145.75 237.5 121,75 145,5 150,5 117,5 104.4 94,75 102,9 244 25 164,75 104,75 44,5 168,75 178,75 254 257,5 111,25 99.75 154 65 176 165.5 119 157,25 ti~ 175,5 128.9 158 96 128.9 ' - 133 171,5 143,5 239 120.5 144 150,5 116.25 104.5 94 103 246 163.5 147 104 44.9 170,75 357,25 111 99,5 Banknoten. Frankfurt a. M. | Berlin Schlich Kurs ! 1-Uhr. | Kurs Schluh- sturs Anfang Kurs Datum: 3.3. | 5.3. | 3."3. | 5.3, Bbilwp Holzmann . ... 12 137,5 — 136,25 — Heidelberger Ecmeni . . 8 Tement flaclstadt.....8 142.5 180 144,5 _ Wavß k Freitaa ■ . . . lö 135 130 — — Schultheis Patzen Hofer . IS — —— 332,5 332 Ostwcrkr.........12 — —— 270,5 270,5 8er. Glanrstoff......15 *— — 617 615 Bemberg..........8 — — — — Zellstoff Balbbof .... 12 Zellstoff Lschaffenbura . . 10 Charlottenburger Wasser 7 258 259,75 269 260 173 — — Ul — 119.5 119,5 Dessauer Gas......8 — —— 171,75 171 Daimler Motoren...... 92,5 93 65 94,75 94,25 Demag ..... . . 0 Sdlerwerke Kleve».....0 — — 62,25 61,75 84 84,25 — — Ludw. Loetre ..... lo — 251,5 251,25 Rat. Automobil ..... 6 — — 93.75 93.5 Orenstein & flovvel .... 4 137.5 136 Linke Hofmami . .... 0 * — — — Leonhard Tietz . « « . 6 •— — 206 206 Bamaa-^.'eguin . . * . . c Fronts. Maschinen .... 0 25,5 — 25,25 — 75,5 — 74 — (^riyner . . . . . 7 133 - —— — Hevliaeustaed' ...... 0 25.5 — — — Kunghans ...... 6 Lechwerke ....... 8 84 116 _ 86 _ atiantfrafttoerte ...... 8 114,25 — — — Mtag ....... 10 139 — 139.5 Nekariulmer ...... 8 80 — 80 PeterS Union ....... 8 103 78 103 Gebe. Roeder . ...... 10 Voigt k Haeffner .... 6 — — — — - — 178 — Südd Zucker ......0 135 13,45 134,5 — Berlin, 3 März I i^elö Orter Amerikanifche Roten..... 4,166 1,18« Belgische 'Roten...... 58,15 58.39 Dänische Roten..... 111,83 112,27 Englische Roten . . . . 20.365 20.465 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Berlin. 3 März «Selb Brief Franjösische Roten...... IM9 16,55 Holländische Roten .... 167,88 168,56 Htalienische Roten...... 22,15 22,23 Norwegische Noten...... 111,15 111,59 Deutsch-Oesterr, 5100 Kronen 58,81 59,05 Rumänische Noten...... 2,56 2,58 Schwedische Noten...... 112,00 112,44 Schweizer Noten....... 80,35 80,67 Spanische Noten....... 70,61 70,89 Tschechoslowakische Noten . . 12,355 12,415 Ungarische Noten - - - 72 90 73.20 Telegraphische Auszahlung. 3. März 5. März Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Artet weid 1 Briet Smst^Roti 168,21 168,55 168,18 168,52" Buen^AireS 1,788 58,285 1,792 1,788 1,792 Brst-.Antw 58,405 58,26 58,36 Lhrtstiania - 111,31 111,61 111,33 111,53 112,23 Kopenhagen 112,04 112,27 112,26 112,01 Stockholm . 112,49 112,22 112,44 6tlfingfor3. 10,535 10,555 10,527 10.547 Italien. . . 22,095 22,135 22,075 22,115 London. . . 20,40 20,44 20,395 20,435 Reuvork . . 4,1825 4,1905 4,1805 4,1885 Paris.... Schweiz .. 16,45 16,,9 16,445 16,485 80,635 80,51 80,67 80,475 Spanien . . 70 63 70,77 70,65 71.79 Japan . . - 1,961 1,965 1,961 0,6035 1,965 0,5055 Rio de Fan. Wien in Oeft. abgest 0,5035 0,5055 58,91 59,03 58,89 59,01 Prag .... Belzrad . - 12,394 12,414 12,392 12,412 7,358 7,372 7,353 73,12 3,022 19,33 81.53 7,367 Budapest. . Bulgarien 73,12 3,022 73,26 3,028 73,26 3,028 Lffsabon . 19,32 61,56 19,37 81,72 19,37 81,69 Danstg. • . Konstantin. 2,095 5,534 2,099 2,096 2,100 Athen. . . 5,546 5,534 5,546 Eanado 4,174 4,182 4,173 4,181 Hat ato 4,276 4,284 20.96 4,276 4,284 SW» 20.92 20.919 20 959 Bekanntmachung Betr.: Beschaffung freier Lernmittel für die Volks- und Fortbildungsschulen. Der Bedarf an freien Lernmitteln — Schreibmaterialien, Federn, Tafeln, Reißbretter, Reißzeuge, Bücher usw. — für das Rechnungsjahr 1928 soll auf dem Submissionswege vergeben werden. 25028 Auskunft über die in Frage kommenden Materialien und Mengen wird auf dem Stadthaus, Bergstraße Nr. 20, Zimmer 13, erteilt. Angebote mit Mustern (die nicht den Namen der liefernden Handlung tragen dürfen) sind bis spätestens zum 20. Mär; 1928, vormittags 10 Uhr, daselbst einzureichen. Gießen, den 28. Februar 1928. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr, Fre y. Dienstag, den 6. März l. 3., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Jleucn- roeg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung. 2504 D vier Darenschränke, zwei Ladentheken, eine Waschmaschine, fünf Paar Zug- stiesel, zwei Büfetts, zwei Diwans, ein Dertiko, einen Regulator, einen Luther- tisch, einen Spiegel, ein Tischchen mit zwei Sessel, zwei Chaiselongues, einen Lis- schrank, einen eintürigen Kleiderschrank, einen Bücherschrank, einen Diplomatenschreibtisch, ein 3aadbild, einen Dinter- palelot, eine Schreibmaschine, einen Karbidgasentwickler, eine Krupp-Laden- kasse, eine Kopierpresfe mit Tisch, eine Stahlstanze. Müll, Gerichtoollzieher tr. 21. in Gießen Jheringstraße 7 — Telephon 1239. Bau- und Nutzholz-Versteigerung. Nächsten Dienstag, den 6. März 1928, vormittags 10 Uhr, soll im Steinbacher Gemeindewald, Distrikt Ameisenkopf und Hengheck nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 2437D Kiefernstämme: ^-Klasse: 3a-Kl. 2 St., 1,55 km, 3b-Kl. 8 St., 7,38 km, 4s-Kl. 3 St., 3,21 km, 4d°Kl. 1 St., 0,96 lw. Abschnitte: 3b-Kl. 17 St., 11,23 km, 4a-Kl. 10 St., 8,33 km. tt-Klasse: Ib-Kl. 3 St.. 0,79 km, 2u-Kl. 16 St., 6,19 km, 2b-Kl. 12 St., 6,72 km, 3s-Kl. 5 St., 3,81 km, 3b-Kl. 1 St., 0,72 km. Abschnitte: 2b-Kl. 9 St., 3,77 km, 3a-Kl. 11 St., 5,71 km, 3b-Kl. 3 St., 1,77 km. Jirfjfenberbffangen: 1., 2. und 3. Klasse 18,48 km. Der Anfang ist an der Straße Steinbach—Annerod am Rothacker. Die Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgemacht. Es wird noch bemerkt, daß bei den Kiefern nur erstklassige Schnittstämme zum Ausgebot kommen. Steinbach, am 1. März 1928. Hess. Bürgermeisterei Steinbach Krämer. NlllksMkll Öllet Alk "L7L Ausslollung slilrekn u.oreiswerl Ole Brühl w Unlü.-Drutferel. H. fange. Sieben. Schulstr. 7. Nutzholzversteigerung Donnerstag, den 8. März 1928, vormittags von 9 Uhr an, kommen aus den Waldungen der Gemeinde Großen-Buseck, Distrikte Hoheberg, Wellersloh, Schwalbenwald und Kirschbaum, zur Versteigerung: Lichenstämme: 1. Klasse 82 Stück, 6,58 km; 2. Klasse 67 Stück, 15,38 km; 3. Klasse 9 Stück, 5,88 km; 4. Klasse 9 Stück, 7,61 km. Buchenstämme: 3. Klasse 3 Stück, 2,44 km; 4. Klasse 10 Stück, 12,77 km; 5. Klasse 6 Stück 7,37 km; 6. Klasse 1 Stück, 2,23 km. Kiefernstämme: 3-t-Klasse 8 Stück, 7,79 km; 3b-Klasse 3 Stück, 4,51 km; 4d-Klasse 1 Stück, 1,78 km. Fichtenstämme: la-Klasse 13 Stück, 1,41 km, Id-Klasse 6 Stück, 1,25 km; 2a-Klasse 3 Stück, 1,75 km; 3b-Klasse 16 Stück, 30,29 km; 42-Klasse 3 Stück, 9,30 km; 4b-Klasse 1 Stück, 2,11 km. 3b-Klasse 1 Stück, 0,36 km; 4a-Klasse 4 Stück, 2,24 km; 4b-Klasse 2 Stück, 1,04 km. Fichtenderbstangen: 1. Klasse 118 Stück, 11,50 km; 2. Klasse 24 Stück, 1,31 km; 3. Klasse 5 Stück, 0,24 km. Buchennuhscheil: 6 rm. Die Zusammenkunft ist am Eingang vom Hoheberg. Auskunft erteilt Förster Wagner, Großen-Buseck. 2515V Großen-Buseck, den 3. März 1928. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Gans. Zwangsversteigerung V Am Dienstag, dem 20. März 1928, nachmittags 3 Uhr, werden auf dem Dienstzimmer des Ortsgerichts zu Wieseck, die im Grundbuche von Gießen, nachstehend ausgeführten, auf die Namen des Ludwig Krieger II. und dessen Ehefrau Marie geb. Phepper in Wieseck, eingetragenen Grundstücke: 1363V Flur 24, Nr. 99 = 2840 qm Acker, geschätzt auf 710 Reichsmark; Flur 24, Nr. 11 - 1398 qm Acker, geschätzt auf 490 Reichsmark. versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 2.Februar 1928. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Bekanntmachung Der Voranschlag der Gemeinde Deickarts- hain für Rj. 1928 liegt vom Dienstag, dem 6. d. M.» ab eine Woche zur Einsicht der Interessenten auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll während der üblichen Dienststunden vorgebracht werden. 2492V Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Weickartshain, den 5. März 1928 Hessische Bürgermeisterei. Hock. Am Mittwoch, dem 2. März, findet in Lauterbach im Gasthaus zum Johannesberg in der Zeit von 10 Uhr vorm. bis 1 Uhr nachm., und am Donnerstag, dem 8. März in Grünberg im Gasthaus zum Rappen in der Zeit von 10 Uhr vorm. bis 1 Uhr nachm. ein Saatzutmarkt statt, wozu alle Landwirte eingeladen werden. Ausgestellt sind Proben von anerkanntem Saatgut aus den Saatbausiellen der Landwirtschasts- kammer, sowie Grünlandsämereien. Äestellun- gen können auf dem Saatgutmarkt erfolgen. Landwsttschastslammer für Hessen Die Gemeinde Bellershaln verkauft am Mittwoch, dem 7. März, vormittags 10 Uhr, einen abgängigen Bullen, einen Eber und einen Ziegenbock. 2490V Angebote hierauf können unter vorhergehender Einsichtnahme der Bedingungen bis zum genannten Termine abgegeben werden. Hessische Bürgermeisterei. Nachlaß-Versteigerung Dienstag, den 6. März, von 2 Ubr ab, versteigere ich Schillcrstraßc 19: 1 vollständige Küche. 1 Kleiderschrank, 1 Ausirelstisch tPrunkstuck», 1 Schreibtisch. 1 vollständiges Bett, zwei Kinderbetten' 1 Sviegelschrank, 1 Eiöschrank. 1 Regn laior, 2 Kinderwagen, 1 Bücherregal, Polster' und andere Stühle usw. 101738 Henner ii,Mionfltot u. Wir Sine hochmiereffanie Weltreise für mir 30 Pfennig pro Woche Der möchte nicht erfahren, wie die weite Welt mit all »en Wandern der Statur aussieht und wie die Menschen daraus Ltbem *Ar Reisen gehört geil und Geld! Soll darum der Wunsch d e fremden Länder und Völker kennen ,u lernen, für weite «reise auf immer unerfüllbar bleiben? — — Reinl «elfcnbe und Künstler first) deshalb hinausgegangen, tief in die entlegensten Länder hinein, um uns in Wort und Bild von dem ,u berichten, was schön und sehenswert ist. Sie s» Handatlas gratis Sobald Sie den angefügten Bestellschein au-rgesüllt und «in- I flefanbt haben, wird die Reise angetreten/ ■423s, Sämtliche Mosten nur 30 BL pro Woche Mnr&nül o81? band, von Ort ,u Ott reifen. , Über LSndet. Städte Gebirge. Ströme. Seen, die besucht netsvrechen unseren Cefern ge nutz reiche Stunden und | werden Eg erhalten daher alle Abonnenten in Lieferungen wollen ihnen ein freuiwlicker. aufmerksamer Führer sein , “ “ Trete Itber mit uns getrost die Weltreise an und lerne durch 1 unsere Zeitschrift JDuich alle Welf die Pracht der Statur, die ' Sitten und Gebräuche der verschiedenen Menschenrassen ohne Reisebcschwerden. teure Ausrüstungen und Reisegelder kennen. — gu einer Reise gehört aber auch eine allgemeine Orientierung ; Bestellschein. An die Expedition „Durch alle Welt", Berlin Schöneberg V. 9. Zch abonniere hiermit „Durch alle Welt" auf *4 Jahr, jede Woche ein Heft für 30 Pf frei ins Haus. Staute: .1- I Ort und Sti-ake