Nr. 285 Erstes Blatt 178. Jahrgang Dienstag, 4. Dezember 1928 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags, keilaacn Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Träger« lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnitk und Verlag: vrühl'sche UniversitStr-Vuch- und Steindruckeret R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20“ „ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigcnteil Äurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Das Schicksal der Technischen Nothilfe. Reich oder Lander? - Die Stellungnahme der Fraktionen. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Sinzigers*. Berlin, 4. Dez. Nachdem die Verhandlungen im Reichstag über die Absicht des Reichsinnen- Ministers Seoering, die staatlichen Gelder in Höhe von zwei Millionen für die Technische Nothilfe zu streichen, noch zu keinem Ergebnis geführt haben, find, wie wir hören, von verschiedener Seite Vorschläge über eine anderweitige Gestaltung der Teno eingereicht worden. Einmal will man über das Schicksal dieser Institution, deren Angestellte bereits zum 1. April 1929 gekündigt sind, möglichst bald Klarheit schaffen, da nach dem ganzen Stand der Etatsberatungen, die in diesem Jahre außerordentlich verspätet sind, mit einer Klärung der Teno-Frage im Parlament erst Ende Januar oder gar im Laufe des Februar zu rechnen ist. Diesem unerträglichen Zustand will man entgehen, indem man sich vielleicht schon vorder über eine Umgeftaltung der Teno einigt. Und wei- ter stößt diese Absicht auch in weiten parlamentarischen Kreisen, vor allem der bürgerlichen Parteien auf Sympathien, die gerne eine politische Diskussion im Reichstag um dieses sachliche Problem mit Recht vermeiden möchten. Wie wir hören, laufen die jetzt vorliegenden Vorschläge zur UmgestaUung der Teno in der Richtung ihrer Ueber nähme durch das Reich. Es wird aber auch bestätigt, daß von feiten der Länder trotz aller Dementis Aeußerungen vorliegen, nach denen hier eine Bereitwilligkeit vorliegt, einen Teil der Teno-Kosten zu übernehmen, wenn der Reichstag sich, was aber kaum zu erwarten ist, zur Streichung der Reichsgelder entschließen sollte. Zu all diesen Vorschlägen müssen aber erst die Reichstagsfraktionen Stellung nehmen, von deren Ergebnis der weitere Lauf der Verhandlungen.abhängig ift Es ist zu hoffen, daß der Versuch, zu einem Kompromiß,zu kommen, erfolgreich sein wird. Ein „Bund bayerischer Heimatschutz". Eine neue Gründung Escherichs. München, 3. Dez. (WB.) Auf dem diesjährigen hier abgehaltenen Heimattag des Wehroerbandes Ifengau erklärte dessen Führer, Amtsrichter Dr. Essel, es für notwendig, im Interesse der bayerischen Heimat der bayerischen Staatsregierung in ihrem Kampfe um d i e Erhaltung der Selb- st ä n d i g k e i t Bayerns alle Kräfte zur Verfügung zu stellen, damit nicht mit papieruen Protesten, sondern mit dem insatzderPerson für diese Schicksalsfrage des bayerischen Volkes gekämpft werden könne. Forstrat E s ch e r i ch forderte zur Gründung eines „Bundes Bayerischer Heimatschuß" auf. Die Bayern müßten sich, wie seinerzeit in den Einwohnerwehren, wiederum zu- sammenschließen, um unbeschadet ihrer sonstigen parteipolitischen Einstellung unbedingt und geschlossen fest zur Regierung zu stehen. Der Führer des Chiem- gaues, Major Breitung, erklärte hierauf namens des Deutschen Frontkämpferbundes und Bezirksführer Rauh namens der vereinigten vaterländischen Verbände ihren Anschluß an den neuen Bund. Einstimmig wurde Forstrat E s ch e- r i ch als Führer bestimmt. Auch der Führer des Schwabenbanners gab die Erklärung ab, daß dieses sich Forstrat Escherich unterstelle. Die Richtlinien für die Beamtenlaufbahn. Berlin, 4. Dez. (Priv.-Tel.) Der Bundesaus- schuß des freigewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat in Berlin zur beamtenpolitischen Lage Stellung genommen. Im Vordergründe der Verhandlungen standen die Laufbahnrichtlinien. Es wurde beschlossen, beim Reichsinnenministerium dafür einzutreten, daß im Sinne der Reichsverfassung derAufstieg in die mittlere und höhere Beamtenlauf bahn nicht künstlich erschwert wird. In der D i e n st- zeit frage der Beamten soll das Reichsinnenministerium ersucht werden, die vom Reichskabinett beschlossenen Richtlinien abzuändern und die 48- ftünbige Dienstzeit anzuordnen. Kein Rechisbeistand für die verhafteten Mainzer. Anklageerhebung des Militärstaatsanwalts Berlin. 4. Dez. (Priv.-Tel.) Nach einer Koblenzer Meldung des „Verl. Lokalanz." ist das Verfahren gegen die wegen angeblicher Spionage verhassten Deutschen so weit abgeschlossen, daß in den nächsten Tagen die Mili.ärstaatsanwalt- schaff Anklage aus schweren Einbruchsdieb stahl und militärische Spionage erheben wird. Den Angeklagten wird während der ganzen Zeit der Untersuchung keinRechts- bei st and bewilligt. Erst am Tage der Hauptverhandlung darf ein Verteidiger bestellt werden. Nach den Bestimmungen des Militär- rechts im besetzten Gebiet muh dieler Verteidiger aber ein Franzose fein. Deutsche werden wegen Gefährdung der Slaatssicherh.it ab- gelehnt. Wie dem Blatt von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat die französische Kriminalpolizei in der Angelegenh.it auch drei Franzosen verhaftet, darunter einen Offizier. Der Hessische Landtag stimmt dem Stellenplan zu. Darmstadt, 3. Dez. Präsident Delp eröffnete die Sitzung und gedachte zunächst der während der Ferren verstorbenen Mrt- g l r e d e r des Landtages, des Finanzministers Henrich und des Abgeordneten Kindt, denen er einen Nachrrff widmete, während sich das Haus von den Sitzen erhob. Es folgte eine Anfrage des Abg. Haury (D. V.) wegen angeblicher Mihstände bei der Heffsifchen Wohnungsfürsorgegesell- schäft. Ministerialrat Klump antwortet, daß die gerügten Mißstände nicht vorlägen, sondern daß die Hessische Wohnungsfürsorgegesellschaft recht nützliche Dienste bei der Beschaffung von Wohnungen geleistet habe. Abg. Hofmann (3.) gab für alle Parteien des Hauses mit Ausnahme der Kommunisten folgende E n t s ch l i e * hung für das besetzte Gebiet bekannt: Nachdem zehn Jahre der Besetzung deutschen und hesssischen Gebietes verflossen sind, spricht der Landtag den heimgesuchten Brüdern und Schwestern seinen innigsten Dank aus für die Treue, die sie dem Deutschtum und dem Hessenlande gewahrt haben. Die Kraft, mit der sie jedem Angriff auf ihr Deutschtum abgewiesen, der Mut, mit dem sie so viel Leid ertragen in einer Zeit des Hungerns nach Kriegsende, in der Zeit des Nuhrkampfes und der Ausweisungen, in der Zeit der Separatistenherrschaft bedeuten eine gewaltige geschichtliche Tat. Der Landtag wird auch weiterhin für das besetzte Gebiet seine ganze Kraft einsetzm in dem Bewußtsein gegenseitiger Verbundenheit. Es folgt die Beratung des St^lenplans. Abg. Or. Keller (O.B.P.) stellt fest, dah er die überstürzte Annahme des Besvldungsgefetzes bereits bedauert habe. Nach seiner Ansicht werde die Besoldungsnovelle wohl erst zehn Meilen hinter dem Spargutachten kommen, das die älteren Abgeordneten hoffentlich noch erleben dursten. Seine Partei sei nie gegen das Aufrücken unterer und mittlerer Beamten aufgetreten und wolle diese chinesische Mauer beseitigt wissen. Einem Stande sei aber besser gedient, wenn alle seine Glieder eine Stufe höher rückten, als wenn ein einzelner als Ausnahme ein ganzes Stockwerk hinausfalle. Namentlich bei den Zentralstellen seien die Beamten gut davongekommen. Den Gründen der Regierung könne er nicht zustimmen. Es sei eigenartig, daß man immer dem preußischen Vorbild oder dem Vorgehen des Reiches folgen müsse. In Hessen entfalte z. D. auf 38 500 Einwohner ein Ministerialrat, in Preußen auf 175 000 Einwohner. Er glaube, hier fei ein wenig zu weit gegangen worden. Bei den mittleren Beamten fei gewiß stellenweise ähnliches sestzustellen. Trotz aller Versuche, den bei der Einstufung maßgebenden Einflüssen auf die Spur zu kommen, sei ihm das nicht gelungen. Früher seren z. V. 27 Ministerialbeamte in der Gruppe XIII gewesen, jetzt 35 in Gruppe la und lb; früher 23 in Gruppe XII, jetzt 32 in Gruppe 2a und 2b; früher 17 in Gruppe XI und 3 in Gruppe X, jetzt lediglich 3 in 2c. Man könne sich hier nicht unbedingt auf das Besoldungsgesetz berufen. Nach der Ansicht des Redners müsse im republikanischen Staat hei der Beförderung der Beamten das Dien st al ter unbedingt Derücksichttgung ftnden, weil sonst häufig der Eindruck entstehe, daß derjenige, der sich den gerade bestehenden Verhältnissen am besten a n p a s s e, auf diese Art rascher befördert oder besser eingeftuft werde, als wenn er vielleicht Charakter zeige. Mit schematischer Einstufung könne man nicht auskommen. Dadurch feien namentlich bei den Forstbcamten, den Landes- theatermusikern und den Vermessungsbeamten Härten entstanden. 3n den Streit zwischen Dolks- schullehrern und Berufsschullehrern wolle er sich nicht einmischen, aber es fei jetzt möglich, daß ein Rektor niedriger ein gestuft sei, als der am gleichen Orte befindliche Berufsschullehrer. Der Redner trat der in Kreisen dec Privatwirtschaft aufgetretenen Meinung entgegen, daß es sich hier um neue Forderungen der Beamtenschaft handele, es feien alte Forderungen aus alten Versprechungen. Durch das zu erwartende Spargutachten werde die Arbeit bei der Desoldungs- novelle nicht erleichtert werden, doch dürfe man sich dieser Arbeit nicht entziehen. Zinanzminister Kirnberger widerspricht der Behauptung der Beamten, daß er im Finanzausschuß erklärt habe, die Beförderung der Beamten erfolge nach G e f i n - nungstüchtigkeit. Gr habe erklärt, dah die Beförderung in die normalen Beförderungsstellen nach ihrem Dien st alter und in Die Sachste.len nach ihrer Qualifikation erfolge. Bezüglich der unteren Beamtenschaft bitte ich, unsere Desoldungsordnung und unseren Stellenplan mit denjenigen vergleichbarer Länder zu betrachten. Man wird dann finden, daß die unteren Beamten, denen wir gerne noch mehr geholfen hätten, zum mindesten nicht schlechter gestellt sind wie in anderen Ländern. Soweit totr glaubten, eine Lleberschreilung verantworten zu können, ist eine äleberschreitung erfolgt Cs ist geklagt worden, daß das Ausmaß der Aufbesserung bei den Mini sterialbeamten ein höheres sei als bei den Lokalbeamten. Das ist nicht richtig. Ich darf feststellen, daß die durchschnittliche Aufbesserung bei den Beamten 25 Prozent, bei den Ministerial- beamten 20 Proz. ausmacht, und daß die Mini- sterialbeamten an der Gesamta. sb s erung nur mit 5 Proz. beteiligt sind. Ich darf daran erinnern, daß unsere Ministerialbeamten im Gegensatz zu anderen Landern die Ministerialzulagen nicht erhalten. Es ist weiter geklagt worden, daß eine scharfe Scheidung einzelner Berufsgruppen untereinander erfolgt sei. Es ist aber London, 3. Dez. (WB.) 3m Unterhaufe wurde an Chamberlain die Frage gerichtet, ob die Regierung der Ansicht fei, daß die deutsche Regierung die Bestimmungen des Artikels 431 des Versailler Vertrages durchgeführt habe, und wenn dies nicht der Fall sei, ob Einzelheiten darüber mitgeteilt werden könnten, in welchen Punkten sie sie nichterfüllt habe. Chamberlain antwortete, die Frage sei unter zwei Gesichtspunkten zu betrachten. Line besondere Antersuchung bezog sich auf die Interpretation des Vertrages und behandelte die Rechtsfrage. Der zweite Gesichtspunkt sei politischer Art. Das die Rechtsfrage betreffe, so fei die britische Regierung dahin beraten worden, daß noch kein rechtsverbindlicher Nachweis für die Behauptung geführt worden sei, Deutschland habe alle vertragsmäßigen Verpflichtungen in der Deise erfüllt, dah es auf Grund des Artikels 431 oder fonstwie als Recht beanspruchen könnte, die Zurückziehung der das Rheinland zur Zelt beseht haltenden Truppen vor dem Ablauf der in dem vertrage festgesetzten Frist zu fordern. Die hauptsächlichste Verpflichtung, die D"ulschland noch nicht erfüllt hat, ift die der Reparationen. Nach Auffas- funq der Regierung kann das in Artikel 431 des Versailler Vertrages vorgesehene Zugeständnis nur dann wirksam werden, wenn Deutschland die Gesamtheit feiner Repara - doch selbstverständlich, dah in einer Besoldungsordnung alle Gruppen von der untersten bis zur obersten erscheinen mü sen, damit ist aber über bie Desörderungsmöplich eit der Beamten nichts gesagt. 6ben,o wie bisher mittlere Beamte in höhere Stellen gekommen sind und untere Beamte in mittlere Ste len, wird das auch in Zukunft toci:er gehandhabt werden. Abg. Böhm (Sn.) erklärt hierzu, die Botschaft höre er wohl, allein ihm kehle der Glaube, daß bei der Beförderung fo verfahren werde, wie der Minister gesagt habe. Er möchte das erst durch Taten bewiesen sehen. Der Stellenplan fei undurchsichtig und unübersichtlich. Abg. Leinstadt (3.) erklärt für die Koalitionsparteien, daß sie dem Stellenplan zustimmen würden. Aber alles, was die Beamtenngruppen und die Parteien gewünscht haben, ließe sich nicht erfüllen. Durch den Beschluß des Finanzausschusses, jetzt keine Aenderuna der Besoldungsordnung vorzunchmen, sei eine Anzahl von Eingaben vorläufig erledigt worden, die aber bei der Besoldungsnovelle wieder vorgelegt würden. Die unteren und mittleren Beamten hätten eine große Sorgfalt in der Behandlung von feiten der Regierung und der Regierungsparteien erfahren. Die Ausfchußmitglieder seien über die Wünsche der Beamtenschaft genau im Bilde gewesen, auch ohne daß Beamtenvertreter bei den Sitzungen selbst anwesend waren. Die Ausführungsbestimmungen zum Stellenplan würden von der Regierung dem Finanzausschuß vorgelegt werden, damit dieser rechtzeitig eingreifen könne, wenn Unbilligkeiten oder Unklarheiten vorlägen. Der Stellenplan wird als Ganzes in der Ausschußfassung in erster und zweiter Lesung gegen die Stimmen der Kommunisten, der Deutschnationalen und des Bauernbundes angenommen. — Fortgang der Beratungen Dienstag 10 Uhr: Steuergesetze. tionsverpfllchtvngen erledigt und abgetragen hat. Ls ist nicht hinreichend, wenn Deuffchland den Verpflichtungen, die es hinsichtlich der laufenden Reparationszahlungen übernommen hat, regelmäßig Genüge leistet. Der Sah des vertragslextes, der auf die pünktliche Erfüllung der laufenden Verpflichtungen Bezug hat, ist der Sah, der als Einleitung jenes Artikels des Friedensvertrages dient, in dem die in Zeiträumen von fünf 3ahren vorzunehmende Verringerung der Besatzungszone vorgesehen ist, d. h. des Artikels 429. 3n diesem Artikel heißt es: „Denn die Bedingungen des vorliegenden Vertrages getreulich beachtet werden." So viel über die juristische Seite der Frage. Die politische Seite der Frage ist von gleicher Dichtigkeit, obwohl hier ganz andere 21 eberleg u n g e n für die Entscheidung maßgebend sind. 3ch möchte wiederholen, daß die britische Regierung es begrüßen würde, wenn das Rheinland von den französischen, britischen und belgischen Truppen ohne Rücksicht auf das den ehemals Alliierten zustehende Recht, die Besetzung bis zum Ablauf der im Vertrag festgesetzten Frist weiterbestehen zu lasten, bald geräumt werden würde. Kenworthy fragte daraus hinsichtlich der juristischen Seite der Frage, ob die Ausführungen Chamberlains so aufzufassen seien, als betrachte die britische Regierung nunmehr die Frage der Reparationen Chamberlain bestreitet Deutschlands Käumungsanspruch. Oer britische Außenminister als Zranlreichs getreuer (Sekundant. Erst volle Zahlung der Reparationen, dann Räumung. Botschafterwechsel in London? Bor einem neuen diplomatischenRevirement Eigene Drahtmeldung des „Gieß. Anz." Berlin, 3. Drz. Obgleich von zuständiger Stelle erklärt wurde, daß der Besuch des deutschen Bolschafters in Angora, Radolny, in Berlin im Rahmen der üblichen Besprechungen zwischen dem Außenminister und den Botschaftern zu beurteilen sei, so erhält sich doch in politischen Kreisen das Gerücht, daß Nadolnys Besuch der Vorbereitung eines neuen Dotschas- terwechsels diene. Es heißt, daß der bisherige deutsche Bo schafter in London, der Hamburger Senator Dr. Friedrich S t h a m e r, der diesen Posten 1920 übernahm, heute im Alter von 72 Jahren steht, und sich vor allem großer Beliebtheit in den Londoner Hofkreisen erfreut, nunmehr, wie schon öfters gesagt wurde, in den Ruhestand treten solle. Als sein Nachfolger wird der jetzige deu.sche Botschafter in Rom, Fchr. Konstantin v. Neurath genannt, der 1922 diesen Posten übernahm. Bei der großen Bedeutung, die der deutschen Vertretung in London zukommt, ist die Auswahl besonders schwierig. In diesem Zusammenhang wird davon gesprochen, dah Herr N a d o l n y der seit dem Mai 1924 Deutschland in der Türkei vertritt, dann den fteiwerdenden Posten in Rom übernehmen soll. Für den Londoner Botschafter- Posten, der ja sicherlich über kurz ober lang frei wird,_ ist gelegentlich schon der jetzige Staatssekretär v. Schubert genannt worden, und auch Stresemanns Name fiel in diesem Zusammenhang. VomKrankenlegerKönig Georgs Anlatz zur Besorgnis. London, 3. Dez. (TLl.) Nach dem heute vormittag um 11 Llhr veröffentlichten Bulletin hat der König von England in den Morgenstunden etwas Schlaf gehabt. Seine Temperatur betrug 37,6 Grad. Dem um Mitternacht ausgegebenen Bericht der Aerzte zufolge sind dem König kleinere Mengen von Sauerstoff zur Belebung der A t m u n g s t ä t i g k e i t zugeführt worden. Cs wird jedoch erklärt, daß diese Taffache nicht als beunruhigendes Zeichen zu betrachten sei. Im großen uni) ganzen hat sich das Befinden des Königs, wie auch das heu'.e früh veröffentlichte Bulletin zeigt, etwas gebessert. Nur feine Herztätigkeit gibt im Augenblick einigen Anlaß zur Besorgnis. Die Königin, die als erste den letzten, etwas günstigeren Bericht über das Befinden des Königs erhalten hatte, wurde dadurch etwas beruhigt. Sie hatte die ganze Nacht mit ihrer Tochter, der Prinzessin Mary, besorgt die Entwicklung verfolgt. Wie verlautet, ist im gegenwärtigen Augenblick die erste Sorge der Aerzte, daß der König bei Kräften bleibt. Heute vormittag sprach wieder der Innenminister Sir Johnson Hicks im Buckingham Palast vor. Der Herzog und die Herzogin von Dort haben verschiedene, für diese Woche geplante Besuche außerhalb Londons abgesagt. Kurz nach 12 Llhr sprach Premierminister Baldwin im Buckingham Palast vor und blieb etwa eine halbe Stunde im Gespräch mit den Aerzten. Die Aerzte des Königs fanden sich heute kurz nach Mittag zu einem zweiten Besuch im Buckingham Palast ein. In einer Rede auf einem Frühstück sagte heute der Innenminister Sir I o y n s o n H i ck s u. a.: Es besteht natürlich ein Gefühl der Besorgnis, aber doch auch em Gefühl großer Hoffnung. Die Berichte heute sind etwas besser. Ich will auch keinen Augenblick lang irgendeinen von Ihnen täuschen oder sagen, daß die Krankheit vorüber sei. Gestern nacht war die Lage e r n st, aber ich war heute vormittag im Palast und es ist zweifellos sozusagen ein Gefühl in der Luft, daß es S. Majestät heute besser geht als gestern. Der Innenminister drückte die Hoffnung aus, daß die leichte Besserung anhält und daß die Konstitution des Königs der augenblicklichen Schwache Herr wird. und die der Besetzung als miteinander in zwangsläufiger Verbindung sleheud. Chamberlain onlwortele. er habe eine reiflich überlegte Antwort gegeben, worin er aus die ihm gestellte Jrage in vollem Umfang eingegangen fei, ja, er sei in seiner Antwort noch über den Inhack der Anfrage hinaus- qcgongen, weil er es für nötig gehalten habe, zwischen dem rein juristischen Problem und dem Problem zu unterscheiden, welche Pm tik die Regierung zu verfolgen wünsche. Er beabsichtige nicht, seiner Antwort irgend etwas hinzuzusügeu. Kenworthy stellte bann die Anfrage, ob sich der Staatssekretär des Auswärtigen bewußt sei, daß am 8. November Schahkanzler Churchill eine ganz andere Darstellung der von der Regierung hinsichtlich der Angelegenheit gehegten Anschauungen gegeben habe. Chamberlain antwortete: Churchill Hal eine andere Seile der Angelegenheit behandelt. Ich bin nicht der Ansicht, daß ein Widerspruch zwischen seinen Ansichten und der wohlüberlegten Anschauung besteht, die ich eben dargelegt habe, obwohl dies zeigt, welche Schwierigkeiten es Hal, sich mit solchen Dingen in der Antwort auf eine ergänzende Anfrage zn befassen. Eine fatsche Methode. Liberale Kritik an Chamberlain. London, 4. Dez. (WTB. Funkspruch.) „Daily Expreß" schreibt in einem Leitartikel: Chamberlain hat gestern die Rheinlandräumung vom recht' lichen und vom politischen Standpunkt behandelt. Wenn man bedenkt, daß Deutschlands Reparations- Verpflichtungen, von denen Chamberlain sprach, niemals voll formuliert worden sind, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß es sie noch nicht erfüllt hat. Rach dieser Methode ist k e i n e Aussicht darauf, daß sich die Lage in den nächsten 50 Jahren ändert. Wir werden dieses Problem niemals lösen, solange wir es i m G e i st e v o n Advokaten verhandeln. Chamberlain hat auf viel festerem Gtünde gestanden, als er wiederholte, daß die britische Regierung eine baldige Räu- mungohneRücksichtaufformaleRechte begrüßen würde, aber der einzige Weg zur Räumung ist, daß man Truppen zurück- .Zieht. Die Ratstagung von Lugano. Das politische Programm. Paris, 3. Dez. (Lsil.) 3it französischen diplomatischen Kreisen sieht man mit großen Erwartungen der nächsten Ratssitzung in Lugano entgegen. Man glaubt, daß neben den Privatbesprechungen zwischen Driand, Chamberlain und Stresemann auch politische silnterhaltun- gen in größerem Kreise stattfinden dürsten, an denen die fünf Großmächte Deutschland, England, Frankreich, 3taüen und Japan teilnehmen werden. Der wichtigste Gegenstand der Genfer Kulissenverhandlungen werde aber die Besprechungen über eine vorzeitige Rheinlandräumung und die Einsetzung der F e st- stellungs- und Versöhnungskvmmis- sion sein. Die französische Regierung soll die Absicht haben, die Lebensdauer der Kommission niicht begrenzen zu lassen, da ihrem Wunsche nach der Völkerbundsrat in voller Freiheit beschließen soll, wann die Kommission ihre Aufgabe erfüllt haben wird. Falls bis zur Ratstagung in Lugano die Vorverhandlungen über die Einberufung des Sachverständigenausschusses nicht beendet sein sollten. — und man zweifelt ernstlich daran, daß sie es nicht sein werden — würden die in Lugano versammelten Außenminister auch in dieser Frage die letzte Entscheidung $u fällen haben. An den Beratungen in Lugano in der Rheinlandfrage wird die belgische Regierung nicht teilnehmen, da sie im Völkerbundsrat nicht vertreten ist. Um so verständlicher ist es, bah der belgische Botschafter in Paris während seiner Montag-Unterrevung mit Außenminister Driand seine Auffassung über die vorzeitige Rhernland- räumung ausgesprochen hat, wobei es kaum der Erwähnung bedarf, daß Belgien und Frankreich die Rheinlandfragr vom gleichen Gesichtspunkt aus betrachten. In amtlichen französischen Kreisen hat es sympathisch berührt, daß 'Botschafter v. Hösch den Dank Dr. Stresemanns dem französischen Außenminister Driand für seine Zustimmung zur Wahl des Tagungsortes von Lugano ausgesprochen hat. Reue Giudentenunruhen in Agram. Keine Teilnahme der Kroaten an dem Belgrader Attcntatsprozeß. Belgrad, 4. Dez. (TU.) Wie aus Agram berichtet wird, hielten die Studenten im Uni* versitätsgebäude eine Der ammlung alb, in der das Vorgehen der Behörden am vergangenen Samstag einmütig verurteilt wurde. Die Studenten sämtlicher Parteien erklür.en sich m i t den Demonstranten solidarisch und sprachen ihre Dereitwil igkeit aus, die Bestrafung der Verhafteten auf sich zu nehmen. Sie beschlossen zum Zeichen des Protestes in den Streik zu treten, bis die Verhafteten aus freien Fuß gesetzt wären. Rach der Ver, ammlung zogen sie vor die Kathedrale, wo sie die kroatische Hymne sangen und Hochrufe auf Dr. Matschek, den Dor ihenten der kroatischen Bauernpartei, ausbrachten, der vom Balkon aus eine Ansprache an die Studenten hielt. Auf dem Iellacic-Platz wurde an der Stelle, wo bei den Demonstra.ionen ein Demonstrant erschossen worden war, eine Gedenkfeier abgrha.ten, wobei der Zug bei dem Gebäude der Kroatischen Bauernpartei von der Polizei zerstreut wurde. Zu Zusammen itößen ist es nicht gekommen. Ter Agramer Overgespan Dr. Zerelez "ber- rerchte dem Ministerpräsidenten Korosetsch sein Rücktrittsgesuch Dieser Schritt ist a6 eine Folge der Agramer Vorfälle anzusehrn, sowie der Meinungsverschiedenh.ilen über die Zwischenfälle zwischen ihm und dem Plahkvmmandanten in Aaram. älzun-Kirkowisich. Der Ministerpräsident lehnte das Gesuch des Obergespans ab und berief ihn zur Berichterstattung nach Belgrad. Rach dem ruhigen Derlauf des aeft eigen TageS ist heute in Agram eine gewisse Erregung wahrzunehmen. Die erregte S immung wurde erhöht durch eine heute mittag erschienene Extraausgabe des Organs der Paditsch-Partei „Rarodnh Bal", m der mitgeteill wird, daß die Parteileitung der kroatischen Bauernpartei beschlossen habe, an der Belgrader Hauptverhandlun g des Prozesses gegen Punischa Ratschitsch und Genossen, die Mörder Stefan Radilschs, nicht t e i l z u n e h m e n. Dieser Beschluß wird damit begründe!, daß der siln eFuchungsrichter des Belgrader Gerichts die Untersuchung wegen des Attentates vom 20. Juni nicht auch auf die eigentlichen Urheber und Hel-s Auch wurden einige Telegraphen- und Sx»T*. fers Helfer ausgedehnt habe, wes.f, alb die kroatische Dauernpar ei an der Verhandlung des Prozesses nicht tellnehmen wolle und die Angehörigen der Opfer des Attentates auf'ordere, bei der Hauptverh^indlung nicht zu erscheinen. phvnverbindunc.en mit dem Erdbebengebiet wieder in Betrieb genommen. Rach vorläufigen Schätzungen bemißt man d e Zahl der Opfer des Erdbebens auf 218 Tote, 257 Schwerverletzte und mehr als 2000 Leichtverletzte. 20 000 Per- Tonen sind ohne Obdach. Mderaiisliahme der Weil in der Eisenindustrie. Essen, 3. Dez. (DTR.) Die Belegschaft der kruppschen Werke ist von der Verwaltung aufgefarderl worden, sich morgen zum Beginn der jeweiligen Schicht in den Betrieben eiuzu finden. Die Wiederaufnahme erfolgt dort noch Maßgabe der technischen B e t r i e b s b e r e i t s ch a s t. Mil der Anheizung der Kesselanlagen ist bereits heule früh begonnen worden. Die Bereitstellung der nötigen Mengen Dampf und Strom erfordert etwa 16 Stunden. Die mechanischen Werkstätten können voraussichtlich morgen früh bereits den vollen Betrieb aufnchmen. Damit kommt etwa Dreivieriel der Delegfchafl der Essener Werke wieder in Arbeit. Schwieriger gestaltet sich die Betriebsausnahme in den Feuerbetrieben. Das hochheizen der Martinsösen dauert je nach Größe mehrere Tage. Es ist jedoch zu hoffen, daß bis Ende dieser Woche die Gesamtbelegschaft der Guß- slahlfabrik wieder in ihrer alten Tätig- keit ist. Die Firma hat sich bereiterklärl. ihren Werksangehörigen den Aebergang durch Gewährung von Vorschüssen sowie durch Stundung der fälligen Mietbeträge und der sonstigen regel- mäßigen Abzüge zu erleichtern. Wie die vereinigten Stahlwerke. Abt. Dortmunder Union, milkeilen, wird morgen früh die Arbeit zum Teil wieder ausgenommen. Ls werden zunächst Hochöfen, Maschinenbetriebe und Kraftzentralen in Betrieb genommen. Die anderen Betriebe werden im Laufe der Woche bis spätestens Monkag die Arbeit wieder aufnehmen. Ebenso wird die Arbeit in demselben Umfange bei der Phönix A.-G., Abt. hörder Verein, am Mittwochfrüh ausgenommen. Auch im Düsseldorfer Bezirk wurde heule die Arbeil in den von der Aussperrung betroffenen Betrieben der Rordwcstgruppe wieder ausgenommen. 3n den mechanischen Betrieben dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach morgen die Arbeil schon voll ausgenommen werden. 3m Duisburger Bezirk arbeiten in der Schwerindustrie seit heule vormillag wieder alle Hochofenanlagen der rheinischen Stahl- werke, vorläufig wurde allerdings erst ein Teil der Belegschaften eingestellt. Rach Erledigung der Vorarbeiten sollen weitere Teile der Belegschaften in den nächsten Tagen wieder eingestellt werden. Die Alfred-Hütte in RhÄnhausen der Firma Krupp begann bereits kurz nach Lekannlwerden des Le- schlufses des Arbeitgeberverbande» über die Oeffnung der Betriebe am Sonntagabend wieder mit der Arbeit. Die Maschinenfabriken werden erst am Dienstag mit der Arbeil beginnen. Severing bespricht sich mit Vogler. Dortmund, 3.Dez. (WD.) ReichsministSr des Innern, Severing, hatte heute abend eine Besprechung mit Generaldirektor Bögler, die bis gegen ein Uhr dauerte. Ueber den Inhalt der Besprechung ist nichts bekannt. Der Minister fährt morgen früh über Essen nach Düsseldorf weiter. KmdwirWastsdebatte im Reichstag. Berlin, 3. Dez. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen und die Anträge der verschiedenen Parteien, die sich mit der Rotlage der Landwirtschaft beschäftigen. Es liegen nicht weniger als 137 Anträge vor, 40 allein von der Ch.istlich-Rativnalen Bauernpartei. Mit der Beratung ist verbunden der Bericht des volkswirtschaftlichen Ausschusses, der einen Antrag der Wirtfch.iftspartei auf Aenderung der Gesrier- fleischverteilung abgelehnt hat. Abg. Hermes (Zentr.) bezeichnet als eine der wichsigften Aufgaben drr Wirtschaftspolitik die Wiederherstellung der Rentabilitäts- Möglichkeit der Landwirtschaft. Das landwirtschaftliche Rotprogramm sei zwar eine dankenswerte Hilfsmaßnahme, aber es reiche nicht auS zur Behebung der allgemeinen Rotlage der Landwirtschaft. Rach den Feststellungen des En- aueteausschusses feien im Wirtschaftsjahr 1926/27 42 Prozent aller landwir schädlichen Betriebe Verlustbetriebe gewesen, im Dauernlande Bayern sogar 53 Prozent. (Hört, hört!) Die Verschuldung der Landwirtschaft habe den Vorkriegsstand schon wieder erreicht, die jährliche Zinslast ihn sogar um über ein Drittel überschritten. Die verzweifelte Lage der Landwirt- chaft beschwöre die große Gefahr herauf, daß der Landwirt die Produktionsfreudigkeit verliert und zur extensiven Betriebsweise übergeht. Die Preise der landwirtschaftlichen Produkte dek- ken heute nicht entfernt die Produktionskosten. Die Einfuhr von Fleisch und Fleischwaven hat ich gegenüber der Vorkriegszeit vervierfacht, die Einfuhr von Milch verzehnfacht. (Hört, hört!) Die erforderliche schleunige Staatshilfe muß vor allem in einem stärkeren Schutz gewisser Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft vor der übermächtiacn Auslandskonkurrenz bestehen. Der Redner bringt dann Zollwünsche für bestimmte Produkte vor und verlangt Zinsverbilligung für landwirtschaftliche Kredite. Die deutsche Landwirtschaft stehe hinter dem Staat und lehne jeden Angriff gegen die Staatsautorität ab. Abg. Bachmann (Dtschntl.) begründet die deutschnationale Interpellation, in der Maßnahmen verlangt werden, welche eine Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung und des Instanzenweges unter gerechterer Verteilung der öffentlichen Lasten herbeiführen. Weiter wrrd eine Vereinfachung und Derbllligung der Sozialversicherung und der Erwerbslosenversicherung verlangt und die Forderung aufgestellt, daß die im Dawesplan vorgesehene Dachprüfung der Lei- tungssähigkeit der deutschen Wirtschaft beschleunigt herbeigeführt werden möge. Der Redner bedauert, daß die deutsche Derbraucherschaft viel- ach Auslandsprodukte den Erzeugnissen der deutschen Landwirtschaft vorziehe. DieHeichs- regierung sollte wenigstens von der Ermächtigung Gebrauch machen, den Roggen- und Weizenzoll heraufzusetzen. Der deutsch-polnische Handelsvertrag. bei dessen Abschluß Deutschland hinter die von der früheren Reichsregierung aufgestellten Bedingungen zurückweichen würde, hätte für die Landwirtschaft die Bedeutung einer neuen chweren Gefahr. Bei der Verteilung der öffentlichen Lasten werde die Landwirtschaft in ungerechter Weise benachteiligt. Bei den bevorstehenden Reparationsverhandlungen mühten auch aus den Kreisen der deutschen Landwirtschaft Sachverständige herangezogen werden. Die Selbst- hilfemahnahmen der deutschen Landwirte zur Verbesserung ihrer Produktions- und Absatzme- thvden könnten nur Erfolg haben, wenn sie ergänzt werden durch Handels- und zollpolitische Maßnahmen der Reichsregierung zum Schutz der heimischen Landwirtschaft. Reichsernährungsminister Dietrich Trotz des Rotprogramms ist die Lag« der Landwirtschaft schlecht. Geradezu gefährlich wird die Lage durch die Entwicklung der Verschuldung und ter Zinsen. Dom 1. Oktober 1927 bis 1. Oktober 1928 ist abermals eine Mehrbelastung von rund 800 Millionen festen siellen (hört, hört!). Die Gesamtverschu'dung der Landwirtschaft ohne Rentenbank-Grundschu d wird auf 11,5 Milliarden geschätzt, die Zinjenlast auf über eine Milliarde. Das Kreditproblem wächst sich immer mehr zmn Hauptstück der 'Agrarfrage aus. Rur eine vernünftige Lösung der Reparationsfrage kann einen kräftigen Anstoß zur Kapitalbildung geben und dl« Landwirtschaft entlasten. Der Minister bespricht dann die vorliegenden Anträge. Eine Zollerhöhung würde das Gelreideproblem nicht lösen: vielmehr müsse man mit Te'ch'eunigung eine Einrichtung schassen, welche die Entwicklung der Getreidepreise und dir Marttverhältnisle studiert und ausglricht. Soweit verlangt werde, die Zolle für lebende s D i e h zu erhöhen, sei die Regierung zu einer Prüfung bereit. Zur Bekämpfung der Verhältnisse auf dem Zu vermarkt sei dem Reichsrat bereits eine Vorlage zugegangen, die den Zoll für Verbrauchszucker um zehn Mark erhöht. Diese Maßnahme sei allerdings verbunden mit einer energischen Wahrung der Rechte der Konsumenten. Der Finanzminister werde ermächtigt, den Zoll hecuntLrzusetzen, wenn der Preis an der Magdeburger Börse für den Zentner Gebrauchszucker im Monatsdurchschnitt über 21 Mark steige. Es sei etwas Krankhaftes, wenn man im übrigen glaube, alle Schwierigkeiten nach zöllnerischen oder sonstigen gesehgebe- rischen Maßnahmen beheben zu können. Der Minister kündigt an, daß das einmalige Rvtprv» gramm durch ein laufendes Produktion-- und Absatzförderungspro- Stamm ersetzt werden solle. 3m Kernpunkt dieses Programms stebe die Hebung der Produktion und die Verbesserung des Absatzes won Vieh und Schweinen sowie die vollkommene Umgestaltung des Milch- und Molkereiwesens. Auch ein Milchgcseh werde baldigst vorgelegt werden. Trotz der ungeheuren Rot der deutschen Finanzen habe die Reichsregierung beschlossen, auf fünf Jahre den Betrag von 20 Millionen, zusammen also hundert Millionen für diese Zwecke bereitzustellen. Auf steuerlichem Gebiete werde das Steuervereinheitlichungsgesetz eine gee'gnete Grund.age für eine Reform des landwirtscha glichen Steuerwesens abgeben. Der Minister tritt weiter für die Reorganisation des Genoß enschastswesens ein. Wohl kann der Staat helfend eingreisen, aber die Agrarkrise kann nur der deutsche Bauer selb st überwinden, wenn er einen klaren Kopf hat, eine unvoreingenommene Meinung zu den Dingen und den Willen, sich auf der Scholle, die ihn -wei Jahrtausende getragen hat, zu erhalten (Beifall). Rbg. H am ke n s (D. D.) betont, die Derminde- ri'.ng des zollfreien Gefrier l ischkon.ingents habe die erhoffte Wirrung nicht g.habt. Die Diehprrise seien vielmehr ge,unken. Eine Erhöhung des Kontingents würde die Entwicklung noch verschsim- merr. Die Ueberschwemmung Deutschlands mit ausländischem Fleich sei jetzt schon so bedenklich, daß Schutzmaßnahmen dringend erforderlich seien. Aus aller Wett. Oie Erdbebenkatastrophe in Chile. Santiago de Chile, 3. Dez. (WTB.) Die nur bruchstückweise eintreffenden Berichte aus der Erdbebenzone machen vorläufig die Feststellung der Gesamtzahl der Opfer unmöglich. Doch wird der Sachschaden der Stadt Talca allein auf über zwölf Millionen Dollar geschätzt. Die Einwohner, die eine Wiederkehr der Erdstöße befürchten, wagen nach der Schreckensnacht, in der ganze Familien unter den Haustrümmern begraben wurden, nicht, zurückzukehren. Das Krankenhaus in Talca geriet während des Erdbebens in Brand. Das Gefängnis stürzte ein. Andere Städte in der Erdbebenzone litten weniger. Rach der Stadt Con- stitucion gingen drei Kreuzer ab. Der Botschafter von Argentinien und die Gesandten von Uruguay und Paraguay haben Hllfe angeboten. In den Gegenden, die in der Rocht zum Sonntag vom Erdbeben heimgesucht wurden, sind neue Erdstöße von geringerer Stärke verspürt worden. Privaten Berichte zufolge beläuft sich d.e Zahl der Toten in Talca auf 108, die der Verletzten auf 330. In Chlllan sollen 30 Personen getötet und ebensoviele verletzt worden sein. 3n Teniente, wo infolge des Erdbebens in einer drr Branden Copper Company gehörenden Grube ein Wasserreservoir geborsten ist, wurden bisher 17 Tote geborgen, jedoch ist anzunehmen, daß noch zahlreiche unter den Trümmern begraben sind. Auch aus anderen Orten werden zahlreiche Todesfälle gemeldet, so 30 Tote aus Santa 6iu\ und 5 aus Pelequen. Der normale Zugverkehr ist wieder hergestellt worden. Schwere Schneefälle und Lawinenabgang in Skrrdiirol. In Innsbruck schneit es seit einigen Tagen fast ununterbrochen. Der Schnee liegt in Inns- oruef 20 Zentimeter hoch und im Lande weit botycr. Auf fast allen Straßen in Tirol, besonders auf den Bergstraßen, muß.e der Auto m o b i l ver k e h r eingestellt werden. Der Zugverkehr erleidet fast durchweg größere Verspätungen. Infolge von Lawine n a b g ä n g e n ist der gesamte Dahnverkehr auf der Strecke Innsbruck—Scharnitz einge- stellt wordrn. Sonntag abend gingen auf der Arlvergstrecke mehrere Lawinen nieder, eine da- von in Salavon 150 Mer er Länge und 4 bis 5 Meter Tiefe, die den ganzen Bahnkörper verlegte. und eine zweite Lawine auf dem Bahnhof von Langen mit 200 Meter Länge und 3 Meter Tiefe. Die Lawine drang durch die Fenster in die Derkchrskanzlai und richtete dort bedeutenden Schaden an. ©in A.agestell.er wurde leicht verletzt. Die Schnell- und Erpreßzüge zwischen S lzburg und Feldkirch müssen infolgedessen über Süddeutschland umgeleitet werden. Andere Züge über Arlberg entfallen ganz. Durch die starken Schneefälle im Arlbergaebiet wurden zwei Züge aufgehalten. Der ^ne Zug, der seit Sonntag in Dalaas steh!, konnte •"tontafl durch Schneeschleud.n-er freigemacht werden. Der andere Zug. der schon 24 Stunden un Wald am Arlberg festliegt, mußte auch noch dts Rächt zum DienZtag dort verbringen. Der Zug ist gehcizt, die Reifenden konnten sich von der nächsten Ortschaft aus verpflegen. Die Arlberg- strecke ist wegen 5?awinengefahr gesperrt. Gefangene im eigenen Hause. Die Deriiner Kriminalpolizei beschafllgte sich mit der Aufllärung einer sond.rbaren Ange- legercheil. Bewohner des Hauses Lübbener S rrße Rr. 13 teilten der Polizei mit, daß di? 62iährige Witwe Ienn.) des früheren LandtagsabIeord- neten und Stadtverordneten Goldschmidt von ihrem Untermieter Sadow,kl in ih.er im eigenen Hause gel.g?nen Wohnung gewaltsam zurückgehalten werde. Beamte begaben sich nach der bel-rLfsenden Wohnung und fanden die Angaben der Hausbewohner zum Tell bestätigt. Sadowsli wird auch beschuldigt, die Frau, die gelähmt ist und sich auch sonst in einem hilflosen Zustande &c intet, um ihr gesamtes Hab und Gut in arglistiger Weise gebracht zu haben. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, daß Sadows.i von Frau Goldschmidt folgendes zu erlangen v rflauten hrt: Einen Erbvertrag, in dem ihn die Frau zum älniversalerben macht und ihm 10000 Mark für die Pflege ihres Grabes zur Verfügung stellt: einen Kaufvertrag durch den Sadowsli in den Besitz der Wohnung und ihrer gesamten Einrichtung gelangt ist und schließlich vier Dlanko-silnterschriften, d rch die er sich die' ge amte bewegliche Habe der Frau verschaffte. Al.es in allem dürfte sich Sadow, it für folgende Verfehlungen zu verantworten haben: Freiheitsberaubung. Rlltigung. Drohung, Erpressung. Betrug, schwere Urkundensälichung und falsche eidesstattliche Versicherungen. Oie Wetterlage. Rtot- ■Seydtil. fO o :nf (1 ve Hör. \O Montag. d.3.Dezt?.1928,7° abds. °7 7 < W jprwraenros® nette» dnero oeeecu ewotitg. eotfletitt •iteoen V Sehnte » Greepcin • netxi K 6rWitter.(^windstille. •O' sete eiCMtr Ost !y> -nissige» Suisuflwtsi q stürmet hei nordwesl 6it Pfeile finden mit atm wind« 0* oroen Station«» stentnoen za» en gehen dir temprralui an 0>< Limen rtrhuideo Oru cut gleithc* toit nderesnivea» emoarecooeno i#n*ete Wettervoraussage. Der hohe Luftdruck im Westen hat sich nach dem europäischen Feslland ausgebreitet. Tanz Deutsche land liegt im Bereich von 770 Millimeter Luftdruck und darüber. Die winterliche Hochdruckwetterlagc fuhrt bereits zu vielfacher Nebelbildung, die auch morgen die Wetterlage kennzeichnen wird. Tagsüber dürfte es gelegentlich zur Auflösung der Nebeldecke kommen und Aufheiterung eintreten. Die Temperaturen gehen noch etwas zurück, fo daß sie nachts vielfach den Gefrierpunkt überschreiten werden und Bodenfröste auftreten. Auch tagsüber dürften sie nur wenige Grad über Null zu liegen kommen. Wettervoraussage für Mittwoch: Nebelig, wolkig, stellenweise auch aufheiternd, Temperaturen langsam sinkend bis nachts unter Null Grad, trocken. Witterungsausfichten furDonners- t ag : Wieder allmählicher Uebergang zu schlechterem Weller wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 3. Dezenrber: mittags 5 Grad Celsius, abends 3 8 Grad Celsius; am 4. Dezember: morgens 2,2 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 3. Dezember: abends 4,8 Grad Celsius; am 4. Dez.: morgens 3,3 Grad Celsius. Aus der yrovmzr'alhaupistadi. Gießen, den 4. Dezember 1928. Nicht ärgern! Ollein lieber Freund ich kann Deinen dorn voll und ganz verstehen. Tun hast Du int Sommer auf Deine Badereise verzichtet, wolltest Deinen Urlaub im Winter nehmen, u n Dir die »Keichs- Hauptstadt anzusehen lich hatte mich schon auf Deine Berichte gefreut), das Geld lag auf der Sparkasse, bis Dein guter Bekannter Dlüller kam und es unbedingt haben muhte, wegen Er- wellerung seines Geschäftes: es war todsicher, dah Du am 1. Oktober Dein Geld nebst guten Zinsen wieder hättest, und nun macht der Herr Muller ein bißchen Bankrott, und Du bekommst, Wenns hoch kommt. 25 Prozent Deines Geldes. 5g. da könnte man aus der Haut fahren, und ich habe volles Verständnis für Deine Stimmung. Aber etwas in Deinem Briefe hat mich tief bekümmert. DaS ist die Tatsache, daß Dich diese unangenehme Geschichte vollständig verwirrt hat. Du bist ja mit allem verfallen, glaubst an nichts mehr und pfeifst auf die Welt, schreibst Du. Das ist schlimm, sehr schlimm. Daß ich Dir finanziell nicht helfen kann, weiht Du. aber einen Rat will ich Dir doch geben. Du kennst meine Vorliebe für Holland. Seine breit dahingelagerien Weidenslächen mit den stillen, dunklen Wassergräben, daneben grasende Küße, hier und da eine Windmühle, die meistens still steht: das hat mir immer gefallen. Eine großartige Ruhe strömt von dieser ganzen Landschaft aus und auch von den Menschen, die dort wohnen, heben und leidem Richt nur die bekannte Reinlichkeit der Holländer ist es, die ich so schätze, sondern diese durch nichts zu erschütternde Ruhe: böse Leute gebrauchen dafür sogar das Wort Phlegma. Aber die Holländer haben ein wunderbares Sprichwort, das ich neulich auch in einem neuzeitlichen Schauspiel mehrmals hörte. ES heißt: Wundere dich allenfalls, aber ärgere dich nicht! Du ahnst schon etwas? Roch ein kleines Erlebnis: Als ich während des Krieges einmal auf eine Kompagniestube abkommandiert wurde, um die Karten und Briese der Soldaten zu prüfen, was damals verlangt wurde, sah ich u. a. die Karte eines biederen Handwerlers, der seiner Frau von seiner Aus- blldung schrieb. Zum Schluß hieß es da: „Mir acht's noch gut. wenn's' auch schwer fällt." Das sollte sicher kein Witz sein. Daß aber ein grimmiger Humor darin steckt, wirst Du mir zugeben. Er hätte ja auch schreiben können: „Es füllt mir furchtbar schwer, deshalb geht mir's nicht gut." Aber nein! Er stellte den Satz so: „Mir geht's gut." Das ist der Hauptsatz, der zweite Tell tritt ganz zurück, kommt kaum zum vollen Bewußtsein. Run habe ich nur die eine Ditte: Rimm Dir einmal das erwähnte holländische Sprichwort vor und er-änze es durch den Zusatz dieses wackeren Landsturmmannes, dann heißt es: Rur nicht ärgern, allenfalls wundern, Wenns auch schwer fällt! Das ist das richtige Rezept für Deine Krankheit. Aber fasse die Sache auch wirklich ernst "auf. Mache es nicht wie jener Mann, der neben seinem Bett den schotten Spruch von Flaisch- len hängen hat: Hab' Sonne im Herzen! und jeden Morgen dumpf knurrend seinem warmen Federbett entsteigt, aus die Vorwürfe seiner Ehehälfte aber beschwichtigend sagt: „Ja, ich kann doch ohne Drille diesen Spruch nicht lesen!" Oder soll ich Dich an die Spielerei von den ein- gerahmten Weisheiten: Mann, ärgere deine Frau nicht, und umgekehrt! erinnern? So darfst Du eS nicht machen. Olein! Du mußt Dir jeden Tag. wenn Deine Gedanken unwillkürlich auf den ärger- lichen Verlust gelenkt werden, das obige Sprichwort nebst der Verlängerung laut und deutlich vorsagen. Cs muß in Dein Gehirn eingehümmert. muß ganz Dein geistiges Eigentum werden. 3a. es muß so in Dich eingehen, dah Dir selbst als Echo des GrußeS: Guten Morgen. Herr Direktor! das holländische Heilmittel nachllingt: Rur nicht ärgern, allenfalls wundern! Denke doch an Deine Mitmenschen? Was soll denn der arme Ehemann machen, dessen Frau sich den Pelzmantel neuzeitlich ändern lieh? Es könnte etwa 5—6 Mark kosten, hatte der Geschäftsmann gesagt, und als die Rechnung tarn, stand da der zehnfache ‘Betrag. Half ihm das holländische Sprichwort nicht? Oder als im vorigen Jahre Freund Ludwig den Entschluß faßte, zu bauen? 18 000, höchstens 20 000 Mark, versicherte der Baumeister. Alles genau berechnet. Dann kam dies und das hinzu. ..Richt der Rede wert, das kann nicht viel kosten." Der Dallon wurde vergrößert. hier und da etwas geändert. Die Rechnungen liefen ein. Ludwig wäre ein toter Mann, wenn ihm nicht das Sprichwort: Rur nicht ärgern. allenfalls wundern! geholfen hätte. Dein Fall liegt ähnlich. Die Geschichte darf nicht Herr übet Dich werden. Also Kops hoch! Wenn Du Deinen Urlaub hast, komm doch zu uns. wir laden Dich hiermit herzlichst ein. Vielleicht kannst Du in einigen Wochen schon berichten, ob Dir das Rezept geholfen hat. Es grüßt Dich in alter Freundschaft Dein E. M. Bornotizorr. — Tageskalender f ü r Dienstag. Stabt- theater: „Perlenkomödie", 20 bis 22 Uhr. — Klavier- unb Melobramenabenb mit Rezitationen zugunsten der Gießener Studentenhilfe, 8 Uhr, in der Neuen Aula. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die tolle Lola". — Astoria-Lichtspiele: „Die Schreckensfahrt des Goldexvreß". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stabt- theaterbureau wird uns gesch-rieben: Heute, 20 Uhr, erste Wiederholung von „Perleirkomödie", Druno Franks erfolgreichen Lustspiel. Spielleitung: Julius Baste. — Morgen, Mittwoch, 5. Dezember, findet die erste Wiederholung von Alfred Reumanns Drama „Der Patriot" statt. Spielleitung: Waller Ebert-Grasso w. — Die Vorbereitungen zur Aufführung des Kriminalstückes „Der Prozeß der Mary Dugan" sind im Gange. Die Ti elrolle spielt Trude Heß, den jungen Rechtsanwalt Jimmy Dupan Eduard Wesen er. Die übrigen Hauptrollen liegen in den Händen von Maria Koch, Franz Arzdorf, Edrlbert G a r e i s und Hans Tannert. Spiellei ung hat Intenda ;t Dr. Rolf Prasch. Der Saal im Gerichtsgebäude ist von Karl Löffler entworfen und gestellt. LU. Bon der Landesunivcrsität Gießen. Nach endgültiger Feststellung beträgt die Zahl der Studierenden im laufenden Wintersemester 1550; hierzu kommen 5 Hospitantinnen und 164 Gasthörer und -Hörerinnen. Im Wintersemester 1927/28 betrug die Zahl der Studierenden 1473, im Sommersemester 1928 1629. Einen Aufruf zur Gießener Lichtwoche veröffentlicht die Stadtverwaltung in unserm heutigen Anzeigenteil. Man darf wohl hoffen, daß die Bürgerschaft der Aufforderung der Stadtverwaltung und des Verkehrsvereins in weitem Maße Folge leistet. ** Das O f f e n h a lt e n der Verkaufs- läden an den Sonntagen vor Weihnachten und am Sonntag vor Neu- jahr. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Auf Grund des Paragraphen 105b Absatz 2 der Reichsaewerbe- ordnung ist für alle Gewerbezweige des Hcmdels- aewerbes der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufs^ stellen, die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern am Sonntag, 9. Dezember, am Sonntag, 16. Dezember, am Sonntag, 23. Dezember und am Sonntag, 30. Dezember 1928, in der Zeit von 12 bis 18 Uhr gestattet. ** Zugun st en der Gießener Studenten h i l f c findet heute abend in der Neuen Aula ein Klavier- und Melodramenabend mit Rezitationen statt, auf den auch an dieser Stelle noch einmal besonders hingewiesen sei. Näheres in der heutigen An- zeige. Durchgehende Pferde. Ein Der- kehrsunfall, bei dem zum Glück keine Menschen zu Schaden kamen, ereignete sich heute vormittag kurz nach 10 Uhr am Marktplatz, Ecke Schulstraße. Ein Pserdegespann von Karl Biehler, das sich vor einem halbbeladenen Kastenwagen befand, war in der Reuen Däue scheu geworden unb raste nun. obwohl bet Fuhrmann die Stiere mit aller Kraft zu bändigen versuchte, die Reuen Baue und Schulstraße entlang. Die scharf galoppierenden Pferde kamen an der Engel-Apotheke um die Kurve nicht herum, so dah die Deichsel des Wagens in die Schaufensterauslage des Geschäfts von Gg. Wallenfels hin- emtannie. Die Pferde stürzten und erlitten durch die großen Splitter der geborstenen Schaufensterscheibe Schnittwunden, die namentlich bei dem einen Pferde erheblicher waren. 3n der Schaufensterauslage wurden natürlich allerlei Dev- wustungen angscichtet: Likör- und Kognakslaschen, diverse Konservenbüchsen usw. flogen auf das Trottoir, wo sie zertrümmert wurden. Der Sachschaden der Firma Wallenfels ist natürlich recht Mrsehnlich. Eine große Menschenmenge fand sich im Ru an der Unfällstelle zusammen, jedoch konnte der Verkehr aufrechterhalten werden. ** Die Hessische Bereinigung für Volkskunde hält am nächsten Samstag in Lich ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Die Der- hanblungsgegenstänbe sind aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. ** Literarische Abendfeier. Zu einer literarischen Abendfeier im Iohannissaal hatte gestern abend die Buchhandlung der Pilgermifsion in Gießen eine Zuhörerschaft versammelt, die im Hinblick auf das gute Gelingen der Veranstaltung noch weit zahlreicher hätte sein dürfen. Im Vordergrund des Abends stand ein Bortrag über „Zeit unb Buch" des Syndikus H. G a e d e (Leipzig) von der Vereinigung evangelischer Buchhändler Deutschlands. In beinahe einstündiger, fein durchdachter Rede verstand er es, die eigene Begeisterung für das gute Buch den Zuhörern zu vermitteln und die Zusammenhänge von Zeit und Buch klar zu machen. Gerade in der Adventszeit biete das gute Buch Gelegenheit zur Rechnungsablage mit dem eigenen Ich: wie keine andere Zeit des Jahres zeige sich ihre Auswirkung auf das Buch. Im Hinblick auf den jetzt vorherrscl)enden Bekenntnisroman des modernen Dichters, der im wesentlichen die Zeit des Krieges unb darnach auswerte, zeige sich, wie der Mensch mit seiner Zeit verflochten, daß er ihr aber auch verpflichtet fei. Wenn freilich der äußere Erfolg über dem inneren Erlebnis stehe, bann scheine die Zeit dem Menschen in seiner Beziehung zum Buch keine Verpflichtung mehr aufzuerlegen. Demgegenüber bestehe aber in weiten Kreisen die Sehnsucht nach der Freiheit des Weges zum Himmel über das gute Buch. Am Abend gelesen, gestalte es den Weg über die Arbeit des Tages leichter und lichtvoller. Wie das Buch Ausdruck der Zeit sei in steter Wechselwirkung zum Menschen, so gewinne das gute Buch den Sieg über die Herzen. Es fei die Welt des Geistes, die im Buche lebt. Mit Dichtern, die man liebe unb lese, erlebe man Menschliches. Mehr Herz, mehr Liebe, dazu wolle das gute Buch verhelfen. Gut sei das Buch, das zur Zündung führe zwischen Mensch und Gott, bas Buch der evangelischen Wellanschauung, das aus dem inneren Ruf des Verfassers heraus entstan den sei. Die gute Literatur walle Liebe und Entschiedenbeit wecken. Umrahmt von Musikvorträgen des Orchesters der Stadtmission bot Gaedc im Anschluß an seinen Vortrag Lesungen aus der zeitgenössischen evangelischen Literatur, die der Zuhörerschaft eine Reihe guter Bücher eindringlich nahe brachte. Der Abend war wohl allen Teilnehmern ein Erlebnis und dürfte, wiederholt und für eine breitere Oeffentlichkeit ausgezogen, auch später einmal sein Ziel nicht verfehlen, nämlich die Förderung des guten Buches. Kb. M e hilft b«l Rheuma. Ischias, vexenschuh, ■fwi n1 wH R«rv«n- und ErkaliungSschmrrzen.— ÄarmeKttrgelft «mol Ist In allen ■ Apotheken unb Droqrrlen «rhSMIch. neigte auch heute früh, beeinflußt durch die schwächere Veuyorker Börse, die Tendenz eher zur Schwäche. Kurse werden aber noch nicht genannt. Am Devisenmarkt hört man Pa.is 124.12, Mailand 92.67, Spanien 30.05, das Pfund 485.07, und den Dollar 4.196250. Üdach- gegen batte. Berliner Börse. Berlin, 4. Dez. (WLB.-Funlspruch.) dem schon gestern abend in Frankfurt Schluß eine Unsicherheit Platz gegriffen durch Gabol-Spezisl-Ghampoon für blondes unb dunkles Haar 10202V leas Weisel, Oie&eo, Sonncnetra&c 6, Telephon Nr. 8S XPÄEISK RM. 0,20-120 Für däe Gefiundheit SCHMERZLOSES MEIEREN DURCH VORHERIGES EINREIBEN MIT NelUrfkhes ySoiJ/v Zauslanolinuj puriss. 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Dezember, nachmittags 4 Uhr, statt. 10008V Gießen, den 4. Dezember 1928. Die Beerdigung fand in aller Stille statt 105910 Sofas, Chaiselongues Mn Im Licht Klubsessel 10251V erbeten. 108474 heim a. d. Bieber: 10606V 10614D backofen. Neuenweg 28 4a-Kla Telephon 1383. Voelhestr. 29 eine Drehbank. 105690 X>h- erstklassig in jed.Beziehung. Zahlbar monatLnur Rrn. 10.— trotz bill.Preise. Lieferungerfolgt franko Haus. Lang- jähr.Garantie. Fragen Sie d. Postk. an Rich. Langenbach, Bürbach i.W. chätzt, und zwar: se 10 km, lb°Klasse 80 hn se 150 km, 2b-Klasse 80 km bindlich ge 1a-Kla 2a-Kla Krofdorf, den 3. Dezember 1928. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 6. Dez., vom Sterbehause, Schulstraße 69 a, nachmittags 4 Uhr statt. MlenstaniWizWiulWii. Die Gemeinde Hochweisel, Post Butzbach (Oberhessen), verkauft aus der Winierfäl- (ung vor dem Einschlag nachstehend verzeichnetes Aichienstammholz, na(^ &er Horna sortiert; die Mengen sind unver- Wegen Aufgabe der Drescherei sind folgende Maschinen zu verkaufen: ein Lanz-Selbstfahrer V. L. O. (VouZahr 1920), eine Lanz-Strohpresse (1913), ein neuer Vadenia-Dreschwagen, 60 Zoll, Kugellager laufend (1926), ein allerer Vadenia-Dreschwagen (1900), Farben- und Laekiabrik, Frankfurt ~ am Baln-Sfid, derbermtiblatr. 34-36 | im 60. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Kaiser geb. Schick. Nutzholzversteigerung Die Oberförsterei Strupbach versteigert am 12. Dezember b. 3., von vormittags 10 Uhr ab, in der Wirtschaft Gerlach in Bieber aus dem Abtrieb Distrikt 29b, Bös- wieswäldchen, Försterei Königsberg — Hilfsförster Krieger in Hof Haina bei Rod- Die zu fällenden Hölzer sind bezeichnet und können durch den Förster Lautenbach oorgezeigt werden. Entfernung von der Bahn, Station Butzbach, zirka 7 Kilometer. Die Gebote sind nach Klassen je Fest- meter in Reichsmark und vollen Pfennig in verflossenem Umschlag mit der Aufschrift „Fichtenstammholzsubmission" unter der Erklärung, daß sich Käufer den Bedin- gungen, wie sie für staatliche Verkäufe in Hessen oorgeschrieb n sind, unterwirft, bis zum 18. Dezember 1928 an die Bürger- meisterei Hochweisel einzureichen. Eröffnung der Gebote am gleichen Datum, nachmittags 2 Uhr, auf dem Bürgermeisteramt. 10598V Hessische Bürgermeisterei Hochweisel. Diehl. _____ Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karola Koch. Tief beklagen wir den schweren Verlust unserer langjährigen Hausangestellten Fräulein KatharineVelte die 49 Jahre in 4 Generationen unserer Familie eine hingehende, liebende, treue Gefährtin war und Freud und Leid mit uns teilte. Wir werden ihr ein bleibendes Andenken bewahren. Familien Adolph und Wilhelm Lyncker. Mittwoch, den 5. Dezember 1928, nachmittag- 2 ilhr versteigere ich Neuenweg 28 (im ,^Löwen") zwangsweise gegen Larzahlung: 2 Lüfetts (nußbaum poliert), 1 Sofa, zwei Singer-Nähmaschinen, 2 Schreibtische, drei Vertikos, 1 Partie Gemüsekonserven, einen Opel-Personenwagen (4-Siher), 1 kompl. Herrenzimmer, 3 Chaiselongues, 2 Tru- meauspiegel, 2 Sofas, 2 Ausziehtische, einen Sckschrank, 1 Küchenanrichte, ein Konsol- schränkchen, 1 kleinen Zimmerteppich, drei Schreibmaschinen, 1 Kredenz, 2 Ledersiühle, 1 antiken 2tür. Kleiderschrank, 1 Damen- Fahrrad, 1 Kleiderschrank, 1 Kommode, 1 Registrierkaffe (Zürich), 2 Ladentheken mit Schubkasten, 1 Kaffenschrank, 1 Gas- Heute nachmittag 4 Uhr entschlief nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Großmutter Frau Elisabethe Gerlach geb. Bender im Alter von 58 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Gerlach, Pflastermeister. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Dlpl.-Ing. sucht sofort out möbl. 106130 Zimmer in der Nabe d. Frankfurter Straße. Angebote an Firma I. Nobl, Darmstadt. MaUimtr^24. Am Freitag, dem 30. November, entschlief sanft meine treue, herzensgute Pflegemutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Karolina Schon geh. lenz In aller Stille, wie es der Verstorbenen Wunsch war, haben wir sie zur letzten Ruhe geleitet. Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied heute früh mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Kaiser MeM Mittwoch früh 9 Uhr eintreffend. Feinste große Schellfische, Cab- ltau u. Seelachs im Ausschnitt Ferner irische norweg. Schellfische o. ft., das Pfund 40 Pf. ff. vorweg. Cabliau, das Pfund 45 Pfennig Arische Nordsce-S chellfische -um Backen, Pfund 35 Pfennig Arische Bücklinge, P,d. 60 Pf. Arische Sprotten, Psd. Mk. 1.— riWSmemld Balmbofllr. 27 Fcrnspr.1631 __10605A | Vermietungen ( veschlagnahmesrele 4-gimmer- Wohnung mit Bad ».Mädchenzimmer, sofort beziehbar, t.Grünberg zu vermieten. Eduard Gondner, Gieffeu, Fernruf 326. ®teilt» straffe 81/86. s,m»,l) Fichten: Langholz A, Klasse 2a, 2b, 3a, 3b: 26 Stück mit 36,4'1 km; Langholz N, Klasse la—3b: 547 Stück mit 361,07 km, davon Klasse 3a und 3b: 15 Stück mit 27,03 km; Abschnitte A, Klasse 2b—4a: 9 Stück mit 9,39 km; Abschnitte N, Klasse 1b—5: 47 Stück mit 45,27 km; Derbholzstangen 1. Klasse: 31, 2. Klasse: 5, 3. Klasse: 5 Stück. Das' Langholz ist durchweg sehr lang- schäftig. Alte angesehene Firma sucht zum 1 Jan. ev:l. später M-tüdOeisenilen auö der Trtkotagen- u. Kurzwarcnbranche. Nur solche Herren tra Atter bis au 30Satiren rool'en fich meiden, die bereits gerefft haben und Erfolge nachweisen können. Schrift!. Angeb. u. 08431 a. d. Gieß. Anz. MMHHMWOOMWHOm« W eihnachts-Ausstellung der schönsten Geschenke in JCol(Te, ZcugnKabschnst., £1 d;t» bttderu.dgl.sschneNstm« lurüÄuf.DieCttllung- futbenben sind bantbar bafür, wenn man ihre Bemühungen zur (?r- atm- geeigneten laus diese Delse unlerfiüht und sind auf diese selbstverständliche pstlchl auch angewiesen. Gietzenev Änrersev We IMmWq Mittwoch, 5. Dez., ob 11 Uhr, versteigere ich im gefl. Auftrage des Herrn Or. Langreuter im Lager der Fa. Stückrath e Äender, Walltorstraße, Eingang auch Asterweg, folgendes Mobilar: 10593V ein Klavier (schwarz poliert, Marke Stein- way), drei Rohrsessel, zwei Kleiderständer, eine spanische Wand, einen Registratur- schrank, eine massiv-vernickelte Äadewanne mit Wand-Gasbadeofen, zwei Gihbade- wannen, eine kl. Truhe, ein Sauerkrautfaß (neu), zwei kl. Tische, eine Puppenküche, ein (Zcksofa, einen Spieltisch, eine Äank, zwei Wandschränkchen, zwei Lieaestühle, einen Schreibtischsessel, zwei Gartenseffel, drei eiserne Gartenstühle, einen Veranda- fessel, einen Serviertisch, einen Nachttisch mit Marmor, drei Chaiselongues, zwei Kronleuchter, eine Llumenbank, einen Älumentisch, zwei Luthertische, drei große Vasen, zwei Stehleitern, zwei Tischlampen, einen elektr. Lüster, 15 Lüder, einen Cck- schrank, ein Cckbüfett (Ciche), eine gr. Flur- garderobe, einen Äabykorb,einenHutschrank, einen Weinschrank, zwei Tische, zwei Äücher- bretter, eine Wäschemangel, einen Leiterwagen, zwei eins. Wandschränkchen, ein gebr. Damenrad, zwei Einkochapparate, einen Spiegel, ein Sofa, eine Kommode, einen Lücherschranf, zwei große Oelbilder, einen gr. Glasschrank mit versch. Arten ausgestopften Vögeln und noch verschiedene Haus- und Gebrauchsgegenstände. • Versteigerung bestimmt. 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Dez., 10.MlNlv0lV-AV.Vrll. von i9'/,btsL2'/,Uhr Der Patriot Drama tn 5 Akten von Al fr. Neumann. Dienstag, 4. Dezember (928 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesieu) Itr. 285 Zweites Blatt Mexikos neuer Präsident. Don Isidro Fabela, Professor für Internationales Recht, an der Universität Mexiko. Herr Professor Fabela, früherer Außenminister Mexikos. Auster- ordentlicher Gesandter in Frankreich. England und Italien. Bevollmächtigter Minister in Deutschland. Argentinien, Brasilien. Chile und Aruguay, hatte die Liebenswürdigkeit. uns den nachstehenden Artikel -ur Verfügung zu stellen, der in Anbetracht des soeben erfolgten Amtsantritts des neuen Präsidenten der Bereinigten Staaten von Mexiko von besonderem Interesse ist. Aach dem tragischen Tod des neuerwählten Präsidenten Obregon, der bekanntlich von einem fanatisch gesinnten Studenten ermordet wurde, hat der mexikanische Kongreß den früheren Gouverneur d?s Staates Tamaulipas und Minister des Innern im Kabinett Calles, Dr. Emilio Portes Gil zum Präsidenten der Bereinigten Staaten Mexikos einstimmig gewählt. Dr. Portes Gil, früherer Rechtsanwalt, ist weder politischer Parteiführer, noch Miliiärchef. Für Mexiko, wo sich stets die Dorherrschaft des Milü- tärs fühlbar machte und von jeher Militärführer die obere Staatsgewalt an sich rissen, ist diese ungewöhnliche Wahl ein untrügliches Zeichen dafür, dast sich im Lande ein ernstes Bedürfnis nach innerer Ruhe fühlbar macht. Dr. Portes Gil verdankt seine Wahl zum Staatsoberhaupt seinem eigenen Verdienst. Er hat verstanden, als hoher Staatsbeamter, sich über jede Porter zu stellen und jede Parteilichkeit zu vermeiden. Seine Kandidatur wurde von allen in der mexikanischen Kammer vertretenen Parteien unterstützt. Sowohl die Arbeiterschaft Mexikos, wie auch die Dauern haben ihn unterstützt: die bürgerlichen Parteier, und die Industriellen haben sich ebenfalls für den gewandten Staatsmann ausgesprochen, der während seiner vierjährigen Amtsiättgkeit als Gouverneur eines der reichsten industriellen Gebiete Mexikos cs verstanden hat. die scharfen Konflikte zwischen der Arbeiterschaft und den Unternehmern zu schlichten. Die älnterstützung. die Dr. Portes Gil als Gouverneur von Tamaulipas dem Cenossensch-fts- wesen gewährte, hat die Arbeiter- und Dauern- Kooperative zu einem glänzenden Aufblühen geführt und den breiten Schichten der Bevölkerung eine groste ökonomische Unabhängigkeit ver.iehen. Auch die Volksbildung wurde durch ihn stark gefördert und während «er beim Amtsantritt in Tamaulipas bloß 280 Volksschulen vorfand, verstand er während seiner vierjährigen Amtsperiode ihre Zahl zu verdreifachen. Ebenso ist seine Tätigkeit auf dem Gebiete der moralischen Volks- aesundung bekannt. In seinem Staat verbot er strikt die Hasardspiele, denen sich die Mexikaner so leidenschaftlich hingeben und reduzierte den Ausschank der Alkoholgetränke so stark, daß er eigentlich ein ^trockestcs Regime", ohne jedoch die ^lebertreib ungen, durch welche die Rord- amerikaner die „Prohibition" zum Scheitern brcvchten, einführte. Diese vielseitige und Weitblickende administrative Tätigkeit Dr. Portes Gil bietet eine sichere Gewähr dafür, daß in der Persönlichkeit seines neuen Präsidenten Mexiko den Mann gefunden hat, welchen es für seine politische und materielle Entwicklung braucht: einen weitsichtigen Führer, dem das Wohl des Gemeinwesens am Herzen liegt und desien Tätigkeit als Staatsoberhaupt durch die modernen politischen, sozialen und kulturelle,-, Ideen geleitet wird. Die Wahl Dr. Portes Gil zum Präsidenten Mexikos ist ein politisches Er.ignis, dessen Tragweite die Grenzen seines Landes weit übersteigt und auch für Europa von großer Bedeutung ist. Das reichste Land der Welt, das wirkliche „Dorado" Gießener Konzertverein. Drittes Konzert: Emmy von Stetten. Unter den Oratoricnsängerrnnen der Gegenwart nimmt Emmy von Stetten ohne Zweifel eine sehr beachtenswerte Stellung ein. Durch ihre Fähigkeiten und ihre Veranlagung ist sie für dieses Fach besonders prädestiniert. Don ihrer Persönlichkeit geht ein gewisser vornehmer Zug aus, der zum Ernsten. Erhabenen, zum Religiösen hin tendiert. Ihr liegt es ganz besonders, sich in das Mystische der geistlichen Musik zu versenken und diese mit einer ungewöhnlichen Innigkeit und unverfälschter Reinheit zu erleben. Gerade in dieser Schlichtheit, frei von allem Gewv/uen. liegt ihre besondere Stärke im Ora- tociengesang. Es scheint, als Wirte die kirchliche älmwelt bei geistlichen Musilau, führungen ganz besonders auf sie ein und ließe tiefinnerste Gefühlswelten bei ihr wach werden. Am vergangenen Sonntag lernten wir Emmy von Stetten als Konzertsängerin kennen. Mochte es cm der äußeren .Umgebung liegen, mochte es sein, daß sie hier ganz auf sich gestellt war ohne weitere Mitwirkende, jedenfalls waren die Eindrücke, die sie hinterlieh, nicht so stark und gleichmäßig nachhallend, wie bei kirchlichen 2llrf- führungen. Zeitweilig konnte es den Anschein haben, als vermöchte sich ihre Persönlichkeit nicht frei und gleichmäßig hemmungslos m allen Stoffgebieten zu entfalten. Stark imb wirkungsvoll, aus innerstem Erleben heraus gestaltete sie alle die Gesänge, die ihrer Gefühlswelt besonders nahe standen. Schuberts „Verklärung" und Hugo Wolfs „Verborgenheit" wurden so zu besonderen Höhepunkten. Die Auswirkung dieser beiden Lieder könnten der Sängerin Wegweiser sein bei der Aufstellung fünftiger Programme. Don inniger, liebevoller Versenkung zeugten Schuberts „Wiegenlied" (.Wie sich der Aeuglein kindlicher Himmel") und Wolfs ' „Wie glänzt der helle Mond". War auch „Gretchen am Spinnrade" fein empfunde so tf) tt doch ein Letz es an hinreißender Leidenschaftlichkeit. Die weichen Stimmungen in Mahlers „Dank für den Lindenzweig" erschloß sie mit Wärme. An den Anfang des Programmes hatte die Kon- zcrtgeberin Koloraturgesänge gestellt (Mozart: Arie der Königin der Nacht aus der „Zauberflöte": Rossini: Kunzone und Tirolese). Der Largoteil der Arie gelang ihr überzeugend; für das nachfol- Oesterreich sucht einen Vundespräsideisteu. Die politischen Parteien Deutsch-Oesterreichs sind in gelinder Verzweiflung, sie sollen innerhalb Wochenfrist durch ihre Vertreter in Bundes- und Rationalrat einen Bundespräsidenten wählen, und wissen nicht, wen sie mit der Führung des nur repräsentativen Amtes betrauen können. Denn die Verfassung des Landes. 1919 in aller Eile zusammengezimmert unter überragendem Einfluß der Sozialdemokraten, laßt dem ersten Beamten des Landes so gut w ie gar kein Recht, ihm fehlt jeder Einfluß auf die Kabinettsbildung, er besitzt nicht die Macht, den Rationalrat aufzulösen, wie es in anderen Ländern üblich ist, ihm bleibt als einzige Aufgabe die Repräsentation des Staates. Dazu die sonderbare Art seiner Wahl: nicht das Volk in seiner Gesamtheit wählt den Dundes- präsidenlen. sondern die Abgeordneten des Rationalrates und des Bundesrates, die zur ver- asiungsmäßigenBundesversammlung zu- jammentrelen. Wenn wenigstens noch die Stärke- Verhältnisse der Parteien Har herausgearbeitet wären! Aber feine verfügt über die absolute Mehrheit, und so ist die Wahl eines Politikers zum Dundespräsidenten beinahe unmöglich. Dliebe also nur die Wiederwahl des bisherigen Repräsentanten Oesterreichs, Dr. Harnisch, der acht Jahre das Amt bekleidet hat. Gegen ihn, den stillen Privatgelehrten, hat eigentlich niemand etwas einzuwenden, aber er ist bereits im Jahre 1924 wiedergewählt worden, und nach der Verfassung ist eine Wiederholung unmöglich. Wie soll also das Problem gelöst werden? Die Regierung hat durch den Bundeskanzler einen vernünftigen Vorschlag gemach!, sie stellt dem Parlament anheim, die Amtszeit Dr. Hai- nischs, der sich während seiner Funkttonsdauer ein hohes Maß von Sympathien erworben hat, um 1 Jahr zu verlängern und Liste Zeit^zu benutzen, um eine gründliche Reform der SLllung des Dundespräsid n en vorzunehmen. Dem Bundes- Präsidenten soll in Zukunft das Recht eingeräumt werdcn, den Rationalrat aufzulösen, wenn dieser feine Ausgaben nicht erfüllt — gehässige Leute behaupten, er wäre immer auslösungsrcif — er soll künftig die Bundesregierung nach feinem Willen ernennen, die bisher vom Rationalrat gewählt wurde, und schließlich wird vo -geschlagen, seine eigene Wahl nicht mehr indirekt durch die Abgeordneten des Volkes vorzunehmen, sondern durch allgemeines Volksvotum wie in Deutschland. Dieser Regierunasvorschlag scheint aber viel zu Vernünftig, als daß er Aussicht auf Verwirklichung hätte. 5 ie Opposition behauptet, es beständen keine sachlichen Gründe, die Verfassung in der vorgeschlagenen Weise abzuändern, sie hätte auch allerlei persönliche Bedenken gegen die Resonn. Den Sozialdemokraten ist es ganz klar, daß die Erweiterung der Desugnisie des Bundespräsidenten ausschließlich für den jetzigen Bundeskanzler Dr. S e i p e l gemacht würden, der bei passender Gelegenheit als außerordentlich populäre Persönlichkeit seine Wahl zum Staatsoberhaupt durchsetzen könnte, um dann wirklicher Herr über Oesterreich zu sein. Dr. Seipel bestreitet zwar Derartige Amoitioiren energisch, aber die Sozialdemokraten wissen es eben besser. Da zu verfassungsändernden Gesehen eine Zweidrittelmehrheit der Bundesversammlung notwendig ist, besteht angesichts der ParteizLrspstfterung kaum Aussicht auf Verwirklichung des allein plausiblen Vorschlages zur Lösung der Krise. Amerikas. Mexiko, war bis jetzt durch die Poll- llschen Pinruhen so stark erschüttert, daß es für das europäische Kapital und die europäische Auswanderung fast gar nicht in Betracht kam. 5>ie neuen Wahlen haben einen Mann ans Staatsruder berufen, dessen frühere Amtsführung eine Bürgschaft für dm Verzicht auf jede Gewaltpolitik bietet. Mit ihm betritt Mexiko die Bahnen einer friedlichen inneren Entwickelung, die dem fabelhaft reichen Lande eine glänzende Zukunft sichert, an welcher die ganze Welt interessiert ist. Mittelstand und Sozialversicherung. Das deutsche Voll ist mit Recht auf die Leistungen seiner Sozialversicherung stolz. Deutschland ist führend gewesen, als es galt, den Gedanken der Sozialversicherung gegenüber den Widerstanden der individualistischen Wirtschaft in einer Zeit durchzusetzen, in der alle Staaten mehr oder weniger hilflos den unerfreulichen sozialen Begleiterscheinungen des Kapitalismus und der Industrialisierung gegenüber ft anben. Der Grundgedanke bet Sozialversicherung, nämlich das Bekenntnis zu der Hilfsverpflichtung gegenüber dem wirtschaftlich Schwachen und die Organi- fation dieser Hilfe unter maßgebender Mitwirkung des Staates ist heute In Deutschland nicht mehr anzutasten. Wohl aber bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten über Ausgestaltung und Umfang der Sozialversicherung und über den Weg, den sie künftig zu gehen hat. Soweit diese Gegensätzlichkeiten mehr technischer Ratur sind, soweit sie sich also auf das rein organisatorische Gebiet beschränken, wird darüber unter den Praktikern wohl eine Verständigung zu erzielen sein. Daneben aber gibt es Meinungsverschiedenheiten, die auf das grundsätzliche Gebiet übergreifen. Man kann nämlich sehr verschiedener Qluffaffung darüber sein, ob es aus volkspsycho- ,7,——II, Sende Allegro reichte ihre Stimme hinsichtlich des mfanges nach der Höhe hin nicht aus. Ebenso vermochte sie in den Rofsinischen Gesängen nicht alle Erwartungen zu erfüllen. Rossini fordert für seine Gesangsmusik vollendete Belcantokunft mit glockigem, leicht anschlagenden Ton, eine pointierte Vortragsart und plastische Textgestaltung. Bei der besonderen Veranlagung der Sängerin für das Getragene gelangten die Gesänge mehr heiteren Inhalts nicht zur restlosen Auswirkung. Sie kann wohl innig und gefühlvoll empfinden, aber nicht schelmisch und neckisch sein. Die Breite ihres Gefühlsstromes läßt eine leichte Beweglichkeit ihres Dortrages nicht aufkommen. Wenn sie diesen Faktor bei der Aufstellung ihres Programmes berücksichtigt hätte, so wäre ihr ein noch bedeutenderer Erfolg beschftden gewesen. Am Flügel waltete Universitätsmufikdirektor Dr. Temesoary. Wie schon so oft, bewies er sich auch hier als ein Gesangsbegleiter mit besonderen Fähigkeiten. Stellenweise schien es, als risse er die Sängerin durch den Impuls des Klavierpartes mit sich fort („Gretchen am Spinn- rode"). Den Klangzauber in der Begleitung der Mahlerfchen Gesänge und auch bei Hugo Wolf lies; er in duftiger Schönheit erstehen. In charakteristischer Profilierung arbeitete er die Klavier- stimme in Mahlers „Ablösung" heraus. An dem Erfolg des Abends hatte er bedeutsamen Anteil. Oss Hartjeburs Stierkampf. Don August Hinrichs*). Die beiden halbwüchsigen Stiere stehen mit gesenkten Köpfen voreinander. Die kurzen Hörner ineinander verschränkt, die hohen Stirnknochen fest zusammengepreht, verharren sie scheinbar in völliger Ruhe, nur der glatte, in einem Dszen nach vorn um die Schenkel gekrümmte Schweif, der gleichsam die ganze Wucht ihres gedrungenen Körpers aufnimmt, verrät den harten Willen, der ihnen den Racken steift. •) Die folgende Szene entnehmen wir dem fesselnden Dauernrornan „Die Ha tjes". in dem uns der niederdeutsche Heimatdichter in einer dichtgeschlossenen Kette dramatischer Bilder das Schicksal der Hartjes und ih-es jüngsten Sprosses Goy vor Augen führt. (Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. 11.—14. Tausend. In Leinenband M. 6.-.) logischen und individuell-psychologischen Gründen richtig und notwendig ist. den Gedanken bet Sozialversicherung so weit auszudohnen, baß die Idee des ..tisllolosen Menschen" verwirklicht wird. Selbstverständlich sind wir heute aus praktischen, grob gesagt, aus finanziellen Gründen weit davon entfernt, solche Gedanken restlos durchführen zu können. Cs bleibt aber darüber hinaus die Frage, ob es überhaupt wünschenswert wäre, die Entwicklung in dieser Richtung vorwärtszutreiben, ob es also einen Idealzustand herbeifuhren würde, wenn jeder Deutsche, gleichgültig welchen Standes oder Berufes, gleichgültig ob selbständig oder im Arbeitsverhältnis. gleichgülttg ob wirtschaftlich leistungsfähig oder leistungsunfähig. t>on_ der Geburt bis &Tode gegen alle Wechselfälle des Lebens irgendeine Versicherung gedeckt ist, ob man ferner den Gedanken der kollektiven Derant- toortung so weit ausdehnen darf, daß man auch diejenigen Kreise mit in den allgemeinen Der- sicherungszwang einbAieht, die ihrer wirtschaftlichen Stellung und ihrer Lebensauffassung nach dieses Schutzes nicht bedürftig sind und ihn ab- lshnen. Aus der Tagung des HauptverbandeS deutscher Krankenkassen in Breslau vom 5/—7. August b. I. wurde zum Ausbau der Sozialversicherung eine Reih« von Forderungen formuliert, die deutlich in die Richtung der allgemeinen Dolks- versicherung weifen. Hierhin gehört die allgemeine Erhöhung der Versicherungsgrenze, die die Ortskrankenkassen in einem Umfange an- streben, der mit den sozialen und wirtschaftlichen Erfordernissen nicht mehr vereinbar ist. Hierhin gshört weiter die Forderung der Ortskrankenkassen, daß die Ersatzkrankenlafsen, Innungs-, Betriebs- und Landkrankenkassen und schließlich auch di« mittelständischen Selbsthilfe-Organisationen künftig eingeschränkt werden sollen. Man darf darin den ersten Versuch sehen, diese Kassen- arton, in denen der Selbstverwaltungswille einer I ganzen Anzahl deutscher Berufsstände seinen Ausdruck gefunden hat, zugunsten der allgemeinen Gleichmacherei der Ortskrankenkassen abzudrosseln. Goy sieht an den Hornern des Schwarzen einen Fetzen roten Tuches und reißt sie auseinander, aber sie schütteln unwillig die Köpfe, um sofort wieder zufammenzustoßen. ilnb jetzt verdoppeln sie ihre Kraft, der Schweif peitscht von einer Seite auf die andere, und der gestrammte Körper mit den stämmigen Schenkeln ist eine einzige, nach vorn gerissene Wucht. Plötzlich krümmt der Schwarze den Schweif, als sollte er brechen, und gleichsam von dieser federnden Bewegung geschnellt, stemmt er sich mit einem Ruck nach vorn, daß dem Scheckigen der Kopf zwischen die Beine gedrängt wird. Will er das Genick nicht brechen, so muß er schon seinen Trotz aufgeben und einen halben Schritt zurück einen neuen Stand suchen. Aber kaum löst er den Fuß, da trifft ihn ein weiterer Ruck, daß er verblüfft nach der Seite springt, um nicht ganz über den Hausen geworfen zu werden. Selbstbewußt hebt der Eleine Schwarze den Kopf, indes der Scheckige ihn verdrossen ansieht und bann beleidigt zu fressen beginnt. Auch der Sieger rupft ein Maul voll Gras, aber er frißt es nicht, schlägt übermütig den kurzen Kopf ein paarmal hoch in die Luft und will von neuem auf seinen Gegner los. Goy hält ihn auf: „Latz nur gut fein, Meß, ich weiß schon, daß du der Stärkere bist!" Bleh bleibt zwar stehen und läßt sich ein wenig graulen, aber das geschieht wohl zu sanft für seine raube Ratur, und ihn juckt die harte Stirn, so reibt er sie denn kräftig an Gohs Dein. Der stößt ihn zur Seite: „Geh wegl" Aber Dleß senkt den Kopf, mib als er einen Widerstand spürt, stemmt er los. „Oho," ruft Goy, „wenn du es so meinst, nur zu!" ilnb plötzlich fühlt Dleß sich an ben Hörnern gepackt und seinen Schädel seitwärts gedreht, daß ihm Hören und Sehen vergeht. Wütend reißt er ben Kopf in die Höhe, bekommt bas eine Horn frei und stößt mit blitzschneller Bewegung jju. Goy schreit auf und taumelt einen Schritt zurück, aber als Dleß seinen Do teil nutzen und und einen neuen Stotz ausführen will, sitzen ihm jäh die Hörner wieder fest. Dann wird fein Kopf unbarmherzig hin- und hergeschüttelt, als sollte er ihm vom Leibe gGriffen werden, und ein Hagel von Schimpfwörtern prasselt auf ihn nieder. Scheltend und lachend gibt Goy ihn endlich frei. Aber Bleh fbürt nach dieser Gewalttat Eine solche Entwicklung müßte in ihrer Wirkung dahin führen, dem deutschen Mittelstände fchweren Schaden zuzufügen. Der Mittelstand hat durch die Organisierung seiner Selbsthilfc- einvichtungen ben Beweis geliefert, daß in ihm der Wille und die Kraft lebt, durch genossenschaftlichen Zusammenschluß die schweren Schick- falsschläge zu überwinden, die ihm die Inflation und zum Teil auch die Rachkriegs-Gesetzgebung zugefügt haben. Wenn nun der Gesetzgeber dazu übergeben wollte, diese Einrichtungen zu zer- schlagon. dann wäre damit ein gewaltiges Stück mittelständischer Arbeit zerstört. Obwohl in Deutschland die Tendenz immer weiter vordringt, möglichst viele Wirtschaftsbetriebe unter die öffentliche Hand zu bringen, gibt es noch weite Kreise des deutschen Dolles, insbesondere mittel- ständischer Kreise, di« der Uebenjcugung sind, daß die deutsche Volkswirtschaft verkümmern müßte, wenn sie aller der Antriebe beraubt würde, die in dem privaten Wirtschaftssystem liegen. In erster Linie würden natürlich von einer solchen Entwicklung zum . Derficherungs- sozialismus diejenigen mittelftänbischen Kreise bettoffen werden, bie in irgendeiner Form mit Leistungen und Lieferungen an der Sozialversicherung beteiligt sind, also Aerzte. Apo- theker. Zahnärzte, sowie alle Erzeuger pharmazeutischer und Krankenpflege-Artikel, denn es ist klar, daß bie Ortskrankenkassen nach den bisherigen Erfahrungen immer mehr dazu übergehen würden, alle diese Ding« in eigene Bewirtschaftung zu nehmen, zumal sie gleichzeisig bie Forderung stellen, daß der bisher rein vereins- mähige Zusammenschluß der Krankenkassen zu einer öffentlich-vechtlichen Körperschaft mit freier Finanzgebarung unter Ausscheidung des Aufsichtsrechts des Staates erhoben wird. Hierin zeichnet sich vielleicht bie schwerste Gefahr ab, bie ber deutschen Sozialversicherung droht, wenn nämlich die Sozialversicherung allmählich zu einem wirtschaftlich und rechtlich unabhängigen Gebilde innerhalb des Staates wird und dadurch die verfassungsmäßig gewährleistete wirtschaftliche Freiheit des einzelnen zugunsten einer Zwangsversorgung unter dem Scheine ber Selbstverwaltung völlig aufhebt. Der bureaulratische Schematismus, der sich hieraus zwangsläufig ergeben wurde, wäre ein 'Verhängnis zunächst einmal für den ärztlichen Stand, dessen Beruss- ftel-heit und Berufsfreudigkeit er vernichten müßte, und damit mittelbar für sämtliche Versicherten, die hierbei in jedem Fall um den Anspruch einer individuellen ärztlichen Behandlung kommen müßten. Antikes Keldherrntum. EinBortrag desGeneralobersteu vonTecckt. Im Rahmen der 22. Versammlung der „Freunde des Humanistischen Gymnasiums" in Berlin sprach der Schöpfer der deut schen R ichswehr, Generalober st vonSeeckt, über „Antikes Feldherrntum". Mit dem Ausdruck des Dankes für die Wegzehrung, die ihm das humanistische Gymnasium auf seinem Lebenswege mit gegeben habe, begann er seine Ausführungen. Zunächst gab er eine Begriffsbestimmung des antiken Feldherrn, und dann zogen sie vorüber: A l e x ander, der königliche Feldherr, der alle Macht und alle Mittel in seiner Hand hält: Hannibal, der politische Feldherr, der scheitert an der Kleinlichkeit und Kurzsichtigkeit der Parteien in Karthago, und Cäsar, der über die fitit zum Feldherrntum kommt und durch fein Genie beides zwingt. An allen leuchtet die menschliche Größe und menschliche Tragik. Als Gegenbild erschien dann noch Napoleon, der in seinem Feldherrngenie und seinem Streben nach weltumspannender Herrschaft Alexander gleicht, an dem Uferlosen und Fanatischen seiner Pläne aber scheitern mußte. Bei dem Wort des Sophokles „Viel Gewaltiges lebt, doch ist nichts ge= wattiger als der Mensch!" wollte der Beifall nicht enden. Ein Feldherr hatte das Wesen und Streben des Feldherrn als Menschen gegeben. eine heiß« Welle seinen Körper durchrieseln. Sie springt ih.n in bie Schenkel, bie sich zuckend straffen, sie läßt seine Flanken erzittern und schießt einen Kraftstrom in seinen Racken. Ein böses Leuchten tanzt in seinen Augen, unb in einem plötzlichen, rasenden Wutanfall stürmt er vor. Mit einem Satz springt ihm Goy aus bem Wege, und im nächsten Augenblick hält er die drohenden Hörner umtLammert. Ein rascher Satz burch bie Hecke hätte ihn in Sicherheit bringen können, aber bas kommt ihm nicht in den Sinn. Alle Muskeln eifern gespannt, bald links, bald rechts hin geschleudert, tanzt er vor dem wütenden Dleß, der sich im Kreise dreht, jetzt ein paar Schritte vorstürmt, jetzt wieder mit jähem Ruck den Kopf in die Höhe wirft. Aber die Fäuste an feinen Hörnern kaffen nicht locker. Beide am ganzen Körper fliegend, mit Schweiß bedeckt, schnaufend unb stöhnend, fetzen sie ihre jungen Kräfte gegenetnanber, ber eine mit blutunterlaufenen Augen in finnloser Wut, nur plumpe Kraft, der andere schmal und sehnig, gelenkig und zäh, mit hellem Blick jeden Vorteil erspähend. Goy ist zurückgedrängt worden bis an eine schmale Grüppe, die, nur etwa fuß tief, quer über die Weide läuft, um das Wasser abzuleiten. Fast wäre er gestrauchelt, als plötzlich sein rückwärts tastender Fuß feinen Boden findet. Aber blitzschnell begreift er seinen Vorteil, weicht hinüber, ohne den Griff zu lockern, und im nächsten Augenblick steht Dleß mit beiden Deinen im weichen Grabengrund. Er will den Rand erklettern, aber indem er einen Fuß hebt, sinkt der andere nur um so tiefer, und da er, verdutzt über dies Mißgeschick, ihn nachziehen will, bekommt er einen so jähen Stoß, daß er bas Gleichgewicht verliert unb auf die Seite rollt. Jin Ru wirft Goy bas ganze Gewicht seines zähen Körpers auf ben äleberrumpelten, reißt sich bie Jacke vom Leibe unb wickelt sie dem wütenden Tier dicht um den Kopf. Bleß taumelt hoch, fühlt sich plötzlich in völlige Finsternis gehüllt unb stößt ein klägliches Gebrüll aus. Goy, noch zitternd vom Kampf, antwortet mit einem jauchzenden Schrei. Hoch reckt er sich auf, alle Muskeln und Sehnen noch federnd gespannt, unb sein helles Haar glänzt in bet Sonne wie Gold Oberhessen. Krankenhaus-Eröffnung in Scholten. a Schotten, 2. Dez. Untere Stadt hatte gestern einen großen Tag: Das von der Stadt neuerrichtete Krankenhaus wurde seiner De- st im mu ng übergeben. Zu der Einweihungsfeier hatte sich in der Turnhalle eine sehr große Zahl Teilnehmer eingefunden. Nach dem Do^piel eines großen Streichorchesters der Ouvertüre zu Rosamunde von Schubert hielt Bürgermeister Menge! eine wohldurchdachte Begrüßungsrede, und gab einen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des Hauses. Der Jahrzehnte alte Wunsch der Bürgerschaft, in unserer abgelegenen Gegend ein den modernen Anforderungen entsprechendes Heim für die Kranken zu besitzen, ist nach vielen Bemühungen, dank der Opferwilligkeit vieler Spender, des Gemeinderats und der ganzen Bürgerschaft endlich in Erfüllung gegangen. Allen Mithelfern an dem großen Werk wurde aufrichtiger Dank ausgesprochen. Die Rede hinterließ einen tiefen Eindruck. Der neue leitende Arzt des Krankenhauses. Dr. Koe- n i g e r. ein Sohn des lange Iahre in Schotten tätig gewesenen Kreisarztes Ober-Med.-Rat Dr. Koeniger, Offenbach, gab dann einen Rückblick auf die Entwicklung der Chirurgie aus alter Zeit bis heute unter Dorsührung der modernsten Instrumente und Apparate, die die Wissenschaft von heute geschaffen hat. Eine Reihe von Glückwunschansprachen folgte: für das Kreisamt Schotten sprach Reg.°Rat Dr. Helm re ich. für das Kreisgesurrdheitsamt Med.-Rat Dr. Orth, zugleich auch für das Ministerium des Innern Abteilung Gesundheitspflege, Dr. Lucius für den Aerzteverein Büdingen-Schotten. Ober-Med.- Rat Dr. Koeniger. der seitherige Kreisdirektor Geh. Reg.-Rat B o e ck m a n n, Lehrer K. Link für den D. H. C., Bez.-Lehrerverein und Bogelsberger Bolksbank, K. Zeschky für das Handwerk. W. K r v m m für Handel, O. Stang für die Ortskrankenkasse: besonderen Beifall fanden die freundliche Ansprache der Frau Oberin vom Alicefrauenverein Frau von Pflugk, Darmstadt, sowie die Worte des 33er- tcetera der Stadt Ridda, Beigeordneten Rull- ntann. Rach dem Dank für alle guten Wünsche und nach einem schönen Orchesternachspiel begab man sich zum neuen Krankenhaus. Hier übergab Baurat Kessel mit trefflichen Worten die Schlüssel an den Bürgermeister, der sie mit den besten Wünschen an den neuen Arzt des Hauses weitergab. Dr. Koeniger führte durch das Haus und erklärte eingehend die einzelnen CRäume, Apparate, besonders die Röntgeneinrichtung, die mit einem sehr großen Röntgen- apparat sowohl sür Durchleuchtung, wie für Bestrahlung eingerichtet ist. In außerordentlich geschmackvoller Weife sind die Krankenzimmer ausgestattet: die Besucher waren entzückt über die gesamte, bis ins einzelnste wohldurchdachte, zweckmäßige und vornehme Einrichtung. Rur eine Stimme des Lobes herrschte. Die Sage des Hauses, Südhang mit dem wundervollen Blick ins Gebirge, das tn seiner ganzen Schönheit offen vor uns liegt, ist ideal, besonders schön von den beiden Veranden, die für Licht-, Luft- und Sonnenbäder bestimmt sind. Eine völlig abgeschlossene Wöchnerinnenstation ist eingerichtet. Das neue Haus sucht — so kann ohne Rühmens gesagt werden — weit und breit seinesgleichen. Die Besucherzahl, die sich das Haus am ®tn- weihungstag und auch heute, am Sonntag, ansah, war ganz außerordentlich groß. Das Lob über das von der Stadt geleistete Werk ist allgemein. Am Samstagabend sand in der überfüllten Turnhalle ein Wohltätigkeitsabend unter Mitwirkung der verschiedenen Vereine mit Gesang, Musik, Theater und derlei Darbietungen statt. In launigen Worten dankte der D ü r ger- meister allen Witwirkenden, vor allem auch den vielen edlen Spendern, die freudigen Herzens so bioTe Gaben für das Haus, Lebensmittel, eingemachtes Obst, Gemüse u. dgl. gebracht Rotten. Auch die Rachbargemeinden haben Rahcungs- mittel, Kartosfeln, Gemüse gern hergegeben. So ist die Stadt um ein wertvolles Gebäude bereichert, vor allem aber ist für die leidenden Kranken unserer Stadt und Umgebung in hoch anzuerkennender Weise ein Heim geschaffen worden, das unserer ganzen Bevölkerung zum Segen gereichen wird. Landkreis Gießen. u. Klein-Linden. 3. Dez. Der hiesige Mannergesangverein „Eintracht',der ülleste am Platze (gegründet 1865), trat heute mit einem Konzert in der „Deutschen Eiche" vor die Oeffentlichkeit. Das sorgfältig zusammengestellte Programm brachte Chöre von Werth. Pracht, Sonnet. Schiebold, Kirchner, Brahms und Silcher. Der Chorleiter, H. Köhler (Grohen- Linden), der den Verein erst einige Monate dirigiert, hat es verstanden, den Verein in der Gesangskunst weit zu fördern. Die Chöre waren fein ausgearbeitet und zeugten von hohem künstlerischen Empfinden des Dirigenten. Der Chor „Sehnsucht nach dem Rhein" mit einem Solo, vorgetragen von Herrn L u h, war wohl die beste Leistung des Vereins. Ramentlich die im Piano gehaltenen Stellen fielen besoitders wohltuend auf. Auch in dem „Abendständchen" von Schiebold und in dem „Wiegenlied" von Brahms zeigte der Verein eine angenehme Zartheit des Vortrages, ohne dabei an Tonreinheit und Klangfarbe zu verlieren. Erfreulicherweise fanden im Programm das Volkslied und im Bolls- fon gehaltene Lieder besondere Berücksichtigung. Als Musikkapelle wirkten einige Mitglieder des Musikkorps des 1. Bll. 15. Inf.-Rgt. Gießen mit. Daß der Verein mit dieser Kapelle einen guten Griff getan hatte, bewies der stürmische Beifall auf jeden Musikvortrag. Alle Stücke fanden dankbare Aufnahme, die leichten Strauß- schen Walzer sowohl, wie auch die besonders gut durchgeführte Ungarische Rhapsodie Rr. 2 von Liszt. Unterfeldwebel Vogl, der die Äa- belle leitete, erntete mit seinem Diolinsolo von Beriot brausenden Beifall. Auch das Flöten- solo des Unteroffizier Meyer aus der Oper „Faust" und ein Posaunensolo eines weiteren Mitglieds der Kapelle wurden beifällig aufgenommen. Der Gesangverein „Eintracht" und sein Dirigent können mit dem künstlerischen Ergebnis des Konzerts zufrieden fein. QJ Lollar, 3. Dez. Das dreiaktige Singspiel „Glockentürmers Töchterlein" wurde gestern abend als zweiter öffentlicher Theaterabend hier aufgeführt. Widerum mar der Saal „Zum Schwanen" dicht besetzt. Die Darstellung war in allen Teilen sehr gut und fand verdientermaßen starken Beifall. Der Schlußg^sang von „Freiheit und Vaterland" mußte auf stürmisches Verlangen wiederholl werden. Die Aufführung des Singspiels erfolgte durch Mitglieder des Turn« und Gesangverein Lollar und deren Angehörige. gr. Grüningen, 3.Dez. Die beiden Lichtbildervorträge des Hauptmanns a.D. M o f e r aus Darmstadt im hiesigen Kriegeroerein haben ungeteilten Beifall gefunden. Der rege Besuch, auch von auswärtigen Kriegervereinsleuten, war erfreulich. Die zahlreichen Besucher folgten zunächst dem interessantesten Vortrag des Abends „Die Skagerrakschlacht von 1916". Sehr schönes Bildermaterial illustrierte die lehrreichen Worte des Vortragenden. Einleitend wies dieser auf die Unterschiede zwischen Land- und Seeschlacht hin. Das Starkeverhältnis der deutschen und der englischen Flottenstreitkräfte betrug ungefähr 2:3, während die englischen Verluste fast doppelt so groß waren, als die der Deutschen. Der zweite Vortrag zeigte ohne größere Erläuterungen die Waffen des Weltkriegs. L Hungen, 3. Dez. Der heute hier obgehallene F e r k e l m a r k t war, unter Berücksichtigung der Jahreszeit, gut befahren. Es waren 217 Ferkel auf- getrieben. Der Preis stellte sich pro Stück auf: sechs bis sieben Wochen alle Tiere 14 bis 21 Mark, acht bis neun Wochen alte 22 bis 26 Mark, zehn bis 12 Wochen alte 27 bis 32 Mark. Der Handel war gut, es blieb wenig Ueberftanb. — Bei der am 1. Dezember vorgenommenen Diehzä hlung wurden dal)ier gezähll: 130 (143) Pferde, 392 (403) Stück Rindvieh, 318 (286) Schafe, 430 (659) Schweine, 75 (90) Ziegen, 2972 (3305) Stück Federvieh und 61 (63) Bienenstöcke. Die eingeklamf erten Zahlen sind das Ergebnis der Zählung vom 1. Dezember 1927. Kreis Friedberg. WSN. Nieder-Florstadt, 3.Dez. Bei der am Sonntag stattgehabten Bürgermeister» wa h l wurde der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Anton Lux mit 789 Stimmen zum Bürge r m e i ft er gewählt. Sein Gegenkandidat W. Stelz brachte es nur auf 340 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 96 v. H. Kreis Schotten. cp Lardenbach, 3. Dez. Seit 2Vs Jahren wurde die hiesige Pfarrstelle durch Pfarrer König in Groß-Eichen mitverwaltet. Gestern nahm nun Pfarrer König Abschied von der hiesigen Gemeinde. Wir sehen ihn sehr ungern scheiden, hatte er doch durch sein freundliches, schlichtes Wesen schnell alle Herzen gewonnen. Am kommenden Sonntag übernimmt Pfarrer Beyer aus Ossenheim die Pfarrstelle. — Die geplante und beschlossene elektrische Kirchenheizung wird vorläufig noch nicht ausgeführt, da das Dauamt zunächst die Erfahrungen anderer Gemeinden unseres Bezirks abwarten will. )—( Ruppertsburg, 3. Dez. In der vorigen Woche fand in unserer Gemeinde eine Evangelisation statt. Der in weiten Krei-- sen bekannte und beliebte Missionar Walther aus Beuern behandelte in sieben Abendgottesdiensten, die stark, einige sogar sehr stark besucht waren, sehr zeitgemäße Themen. In anschaulicher Weise zeigte er am ersten Abend, welch wichtige Rolle die Kleinigkeiten im Leben spielen, um bann in seinem zweiten Vortrag in ernster eindringlicher Weise den Wert von fünf Minuten vor Augen zu führen. Zu einer erschütternden Bußpredigt gestaltete sich die Predigt über das Sprichwort „Tue recht und scheue niemand!" In den drei folgenden Vorträgen, die der Erziehung unserer Kinder, dem wahren Glück unserer Iugend und unseres FarnLienlebens, gewidmet waren, zeigte er, wie gründlich er sich gerade mit diesen Fragen beschäftigt hatte und gab wichtige Ratschläge, die nicht nur in die Ohren, sondern auch m die Herzen gedrungen fern mögen, um nun in die Tat urngeseht zu werden. Die letzte Evangelisationspredigt beantwortete in ergreifender, zu Herzen dringender Weise die Frage: „Wo ist unsere und unseres Volkes Rettung?" Richt allerlei gesetzliche Maßnahmen allein können uns retten, wenn wir nicht uns wenden zu dem wahren Seelenarzt, unserem Heiland Iesus Christus. Für die Dölksmission gingen bei den einzelnen Gottesdiensten rund 80 Mk. ein. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 3. Dez. Dieser Tage hielt der Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Alsfeld unter dem Vorsitz von Kreisdirektor Dr. S t e m m l e r feine Mitgliederver- fammlung ab, die gut besucht war. Landesobstbauinspektor Pfeiffer (Darmstadt) hielt einen Vortrag über „Mittel- und We^e zur Steigerung der Einnahmen aus dem landwirtschaftlichen Obstbau". Er ging davon aus, daß die richtige Auswahl der Sorten die Grundbedingung des Ertrages sei, darum sei es unbedingt notwendig, bei der Auswahl Fachleute zuzuziehen. Einen breiten Raum nahm In dem Vortrag die Obstoerwertung ein. Der Redner wies an zahlreichen Beispielen nach, daß der Zusammenschluß der Obstzüchter im Kreise zu Derkaufsgenossenschaften unbedingt notwendig fei. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache. Den Dank der Versammlung für den interessanten und lehrreichen Vorttag sprach der Vorsitzende aus. — Der hiesige Krieger- und Deteranenoerein veranstaltete am Samstagabend im kleinen Saal des „Deutschen Hauses" ein kameradschaftliches Zusammensein mit einem Lichtbilderoortrag „Eine Rheinfahrt", den Lehrer Hartmann (Alsfeld) hielt. Dieser verstand es, den Vortrag durch entsprechend einaelegte gemeinsame Rheinlieder in ungemein belebender Weise zu gestalten. Er ging Im Rahmen des Vortrages besonders auf die in der Oeffentlichkeit in erster Linie genannten Orte für das vorgesehene Reichsehrenmal, die laten in jein bei Lorch am Rhein und Bad Berka in Thüringen, ein, und zeigte deren beabsichtigte Ausgestaltung an Hand von zahlreichen Lichtbildern. Die Entscheidung, welcher Platz für das Reichsehrenmal genommen werden solle, liege bei der Reichsregierung. Die hessischen Verbände hätten sich für die Toteninseln bei Lorch a. Rh. entschieden. Racy dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage blieben die Teilnehmer noch einige Zell im kameradschaftlichen Kreise gemütlich zusammen. — Das Gießener Stadt- t he a t e r brachte heute abend vor einem sehr gut besetzten Hause als dritte Vorstellung der diesjährigen Winterspielzeit „Die Ballerina des Königs" von Rudolf Presber und Walter Leo Stein und erntete bei dem sehr beifallsfreudigen Publikum leb-- hastesten Dank. — Am nächsten Freitag veranstaltet die Reichszentrale für Heimatdienst, Landesabtellung Hessen, in Alsfeld eine staatsbürgerliche Bildungstagung für Stadt und Kreis Alsfeld. Oberstudiendirettor Dr. Weiner CDlid)elftabt) spricht über ^„Weltpolitische Spannungen der Gegenwart". Studienrat Dr. Wagner (Frankfurt a. M.) wird einen Vortrag • hallen über „Die wirtschaftsgeographische Gliederung Deutschlands und ihre Bedeutung für die Entwicklung zum Einheitsstaat". Als briiter Redner spricht Professor Dr. Körber von der Pädagogischen Akademie Frankfurt a. M. über „Der deutsche Reichsgedanke in Vergangenheit und Gegenwart (Gedanken zur Reichsreform)". Maingau. 2B69L Frankfurt a.TI., 3.Dez. Die Fassadenkletterer haben wieder eine ganze Reihe Wohnungen heimgesucht, wobei ihnen Bargeld und SchmuckgeAenstände in größerer Menge in die Hände fielen. So wurde vor kurzem in der Beethooenstraße eingebrochen, wobei die Einbrecher den Kassenschrankschlüssel fanden und aus dem Kassenschrank bann 1800 Mark, die zur Auszahlung von Gehältern bestimmt waren, stahlen. Am andern Tage holten sie in der Mendelssohn- stiaße einen wertvollen Brillantring und zwei Herrenmäntel. Wieder einen Tag später wurde gleich zweimal eingebrochen, und zwar m der Frei- herr-oom-Stein-Straße und in der Beethooenstraße. Bei diesen beiden Einbrüchen erbeuteten die Täter Brillantringe. Platinkolliers, Platinringe, Broschen, Armbänder und andere Schmucksachen im Werte von etwa 10 000 Mark. — Der Kriminalpolizei ist es gelungen, einen der vielen Einbrecher festzunehmen, die es hauptsächlich auf Mansarden und Dachstockwohnungen abgesehen haben, und die fast nur noch in b e f f e • renHotelswohnen. Es handelt sich um einen aus Krimmitschau stammenden 21jährigen Wirtschaftsgehilfen namen Kätsch. Oberkonsistorialrat D. Or. Nebel f. WSR. Darmstadt, 2. Dez. Im Alter von 71 Iah-en ist gestern der Oberko.isistorialpräsident D. theol., Dr.-Ing. h. c. Karl Ludwig Rebel, Exz., an einem Herzleiden gestorben. Er entstammte einer alten hessischen Familie, deren beurkundete Stammreihe in den Anfang des 17. Iahrhunderts und nach L i ch führt, und die dem Hessenlande eine lange Reihe von Pfarrern und Beamten geliefert hat. Geboren wurde Karl Ludwig Rebel am 17. Februar 1857 in Dreieichenhain als Sohn des Pfarrers Wilhelm Cgid Rebel, des späteren Geheimen Kirchenrats in Groß-Gerau. Rach absolviertem Studium war er 1884—86 Regierungsassessor in Schotten und Gießen, vom 1. Oktober 1886 Kreisamtmann in Friedberg und vorn 1. Mai 1888 in der gleichen Stelle in Gießen, von wo er am 1. Iuli 1893 als juristisches Mitglied in das Oberkonsistorium berufen wurde. Hier rückte er am 1. Ok ober 1895 zum Oberkonsisto- rialrat, am 25. Rovernber 1905 zum Geheimen Oberkonsistorialrat und schließlich am 1. April 1907, nach dem Abgang von Exzellenz Buchner, zum Präsidenten auf, als welcher er am 14. März 1917 den Chrrak er als Wirklicher Geheime Rat mit dem Titel Exzellenz erhielt. Auch sonst hat es ihm an anerkenneirden Ehrungen nicht gefehlt. Bei der Calvin-Feier des Iahres 1909 verlieh ihm die Theologische Fakultät in Gießen die Würde eines Doktors der Theologie, die Technische Hochschule in Darmstadt zelchnets ihn im Iahre 1922 durch die Verleihung des Dr.- Ina. h. c. aus. Was Exz. Rebel in der Verwaltung der Evangelischen Landeskirche und insbesondere als Präsident des Oberkonsistoriums geleistet hat, wurde bei seinem durch die neuen Derhäl.nisse veranlaßten Rücktritt am 1. August 1922 allgemein und insbesondere in dem Landeskirchentag anerkannt. Eine -ganze Reihe von Kirchengesetzen ist unter seiner Leitung oder Mitwirkung zustande gekommen, und seine konziliante Art trug dazu bei, den Frieden in der Kirche und unter den verschiedenen Richtungen zu wahren. Hatte Exz. Rebel während des Wcl k.ieges im stellvertretenden Vorsitz des Hessischen Roten Kreuzes seine vaterländische Pflicht erfüllt, so durste er sich später mehr den von ihm immer gepflegten historischen Interessen zuwenden, die ihm vom Großvater und Vater her im Blute lagen. Der Historische Verein für Hessen, dessen Ausschussmitglied er schon lange war, wählte ihn zu Beginn des Iahres 1922 nach dem Tode von Ed. Anthes zu seinem Vorsitzendem Exz. Rebel war verheiratet mll einer Tochter des Landgerichtspräsidenten Dr. Ludwig Knorr, Exz., mit der zwei Söhne und eine Tochter den Tod des Gatten und DaterS betrauern. Landes Ausschußsihung der hessischen Demokraten. * Mainz, 2. Dez. Heute tagte hier der L a n de s a u s schu tz der Deutschen Demokratischen Partei Hessens, der einen außerrrdenllich starken Besuch aufzuweisen hatte. Zunächst gedachte der Landesvvrsihende, ■21hg. Schreiber, des Todes des Ehrenvorsitzenden der Partei. Finanzminister Dr. h. c Henrich, und des 10jährigen Bestehens der Partei. Er gedachte auch der Tatsache, daß hcrtte vor 10 Iähren die ersten französischen Truppen in Mainz eingerückt sind. Im Anschluß an seine Ausführungen fand eine Entschließung zur Räumung des Rheinlandes einstimmig Annahme. An d e beiden Vorträge .Reue Probleme in der Deutschen Demokratischen Partei" von H. Roos, Wiesbaden, und «Was erwartet die Wirtschaft von der. Politik?" von Dipl.-Ing. Weniger. Bad-Rauheim, knüpfte sich eine rege Aussprache, in drr auch die Stellung der Reichstagsfrccktton zur Panzerkreuzerfrage eingehend behandelt wurde, und ihre besondere Rote durch die Anwesenheit von Frau Abg. Dr. Gertrud Bäumer, als Vertreterin der Reichstagssraktton. erhielt. Zum Schluß wurde zur Frage des Einheitsstaates ein Antrag der Herren Schreiber. Dr. May und Gilmer angenommen, die Landtagsfraktion zu ersuchen, folgenden Antrag einzubringen: „Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, in sofortige Verhandlungen mit der Reichsregierung und den zur Derreichlichung bereiten Ländern wegen lieber- nahme der Iustizhoheit und Iustiz- verwaltung einzutreten." Kirche und Schule. nd. Ridda. 3. Dez. Die gestrige Einweihung unserer wiedertzergestelllen Kirche gestaltete sich zu einer eindrucksvo Un Feier, ichett für das ganze Kirchspiel. D.r vor- mit ags abgeha Lene Wc ihe go t te s d ie n st war so stark beiucht, daß das geräumige Gotteshaus völlig von Andächtigen g.'füllt war. Während des Einzugs des Kirchenvorstan'res mit bzn Vertretern des Landeskirchmantts und des Hochbauamtes Büdingen spie.te die Feuerwehrkapelle Ridda unter Leitung des PostsekretärS Bäcker .Wir irrten zum "Selen ?. Dann folgte ein sinnvoller Dorspruch, ver.aßt von Ge.> Iustizrat R ö m he l d hier, vorgetragen von Fräulein Erna 11hl von Kohden. Der Kirchenchor sang hierauf unter Leitung des Musi l hrers Ackermann dahier „Hoch tut euch auf, i.jr Tore der Welt!" Rach dem Lied der Grm.inde: »Wunderbarer K nig“ nahm der Super'nte.rdent von Ooerhesien, Oberkirchenrat Wagner aus Ci.'hen, die Wei <» Handlung vor und legte dec Gemeinde die Deien-- hing des Gotteshauses aus. Zum Schlüsse des Weihes. c3 ertönte G ockengeiäute, während stillen Gebets der Gemeinde. Dekan S c r i b a brachte darauf die Grüße und G ückwünsche des Dekanats zum Ausdruck. Die Festpredigt hielt Pfarrer Laut. Er führte aus. was das Gotteshaus der Gemeinde bisher war und zukünftig sein soll. Frärllttn Haubach von her sang alsdann die Arie aus Elias: „Höre Israel" von Menbettsohn-Dartho d'. Mit den Ge-ncinde- gesang „Run danket alle Gott", schloß der Weihegottesdienst. Rach einem gemeinsamen E sen in der „Traube", woran die Kirchen- und Gemeinde- Vertreter des Kirchspiels und mehrere auswär.ige Gäste teilnahmen, begann um 3 älhr nachmittags eine wieder außerordentlich stark besuchte Gemeindeversammlung. die von Pfarrer L a n t herzlich begrüßt wurde. Die Männer- ges.ngvercine von änt r Schmitten un ct Lei.ung von Lehrer Wolf, und dec Arbrttergesang- vevein „Cinirachi"-Ridda bracher mehrere CH re in wirkungsvoller Weise zu Geh^r. Eine Urkunde über die WiederherstellangsaroettSn der Kirch« wurde verlesen und Gedichte von Schülern und Gliedern der Mädchenv:r.i.i.;ung Ridda vorge- tragen. Großes Interes. e bot by: Dort rag deS Prälaten D. Dr. Diehl aus Darmstadt rtter „Geschicht iches über den Kirchenbau zu Ridda". Der oft mit Humor gewürzte tiefgründige Dortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Mit einem liturgischen Festgottesdienst wurden abends die Feierlichkeiten geschloßen. Auch hierbei wirkten die Gesangvereine von Ridda und die Mädchenver-inigunZ durch ® Junge mit Die renovierte Kirche bietet außen und innen einen erhebenden Eindruck. Die weihen Außenwände sind von rotgestrichenen Quadern eingefaßt. Innen sind die Ho'zt ile in dunklem Ton: gehalten und die Felder der Emporen enthaiten in öilber» schrift die Ra men der 81 Opfer des Welttriegss aus dem Kirchspie'. Die Querempore ziert ein großes „Eisernes Kreuz". Die S uckarbJten der kunstvollen Decke mit Wappen der Grafen von Ridda sind prächtig erne.ett. Die Baute tang lag in den Händen von Oberöaurat Frey in Büdingen. Die Ma erarbeit hat Wa ermeister Kienzle aus Gierstädt bei Darmstadt, die übrigen Bauarbeiter ha^en Handwerker aus dem K.rchspiel musterhaft auZgesühtt. De ond re Anerkennung verdienen die zahlreichen öliflungen zur K rchcn rneuerung von aesrarts wohnenden Riddaern, die u. a. in batem Gelbe über 3000 Mk. bestehen. Daten für Mittwoch, 5. Dezember. Sonnenaufgang 7.47 Uhr: Sonnenuntergang 15.53 Uhr. — Mondaufgang 12.11 Uhr: Monduntergang 13.31 Uhr. 1585: Der französische Staatsmann Herzog von Richelieu in Paris geboren; — 1791: Wolfgang Amadeus Mozart In Wien gestorben: — 1825: die Schriftstellerin Eugenie Äohn-Marlitt In Arnstadt geboren; — 1835: der Dichter Graf August von Platen in Syrakus gestorben. Kunst und Wissenschaft. Ein großer Erfolg Rudolf Alexander Schröders. In den Kammerspielen des Bremer St aöt- 1 heaters hatte Rudolf Alexander Schröder mit einer anmutreichen und frisch lebenden Liebertragung von Moliöres „Schule der Frauen" vor einem erlesenen Zuschauerkreisr einen sehr lebhaften, ehrlich verdienten Erfolg. Der Deutsche hat dem Franzosen nicht nur auf den Mund gesehen, sondern ins innerste Herz, und so ist eine Liebertragung von schöpferischer Prägung entstanden, die die unmittelbare Blut- warme eines Originals ausströmt und die Hörer sofort aufs lebhafteste fesselte. Schröder hat das Vermaß des Urtextes beibehalten, und es erwies sich, daß die gereimten Alexandriner durchaus nicht ermüdend wirkten, wie eine starrköpfige Schulpolllik immer wieder behauptet, sondern daS lustige Spiel von dem betrogenen Hagestolz sogar fröhlich beflügelte und ihm den besonderen Reiz eines harmlosen Gelegenhettsspiels gibt Dementsprechend hatte Adolf Rampelmann am Ende des Saales ein paar stusenarttge Aufbauten angebracht, auf denen er unter Verzicht auf jegliche Dekorationen feine Darsteller bewegte. Göldene Wandschirme und ein paar _ Lorbeerbäume waren die einzigen Dersehstücke. Die Sousleuse sah im Kostüm der Zeit an einem goldenen Tischchen und hatte in einem artigen Vorspruch ansagen lassen, daß sie ihres Amtes zur Zufriedenheit eines verehrlichen Publikums walten werde. Don den Darstellern zeichneten sich vor allem PHUiPP O r lemann, Trude Borchardt und Erik Frey aus. Zum Schluß muhte Rudolf Alexander Schröder in ihrem Kreise auf der Bühne erscheinen, um einen herzlichen und andauernden Beifall entgegen zu nehmen. K. N. Vollendung eine» großen Uebersclzungswerkes. Die im Jahre 1918 von dem bedeutenden Orientalisten Enno Litt mann im Auftrage des Insel- Verlags. Leipzig, begonnene Uebertragung der E r -- zählungen aus den 1001 Nächten nach dem arabischen Urtext der Ealcuttaer Ausgabe von 1839 liegt mit dem 6. Bande nunmehr abge- chloffen vor. Mit dieser Ausgabe ist ein lieber« etzerwerk entstanden, das den Meisterleiftungen deut« cher Uebersetzungskunst an die Seite gestellt werden darf. Die Erzählungen aus den 1001 Nächten gehören zu denen, die man, mit Stendhal zu reden, immer wieder vergessen sollte, um sie mit erneuter Lust immer wieder zu lesen. Wir wissen nicht, wer diese Märchen ersann, die seit Hunderten und Hunderten von Jahren von Mund zu Munde gehen, und denen man stets begierig lauscht. Das Verlangen nach der in tausend Farben spielenden Wunderwell des Morgenlandes, die sich in diesen Erzählungen vor uns auftut, die Liebe zu einem Werke, das mit feinen bunten Abenteuern über unserer Kindhell glänzte, ist so aroß, daß diese neue Ausgabe der berühmtesten Märchensammlung des Orients von vielen willkommen geheißen werden wird. _____ Sprechstunde» der Redaktion 12 bis t Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. »Jen in 'inber. nenuntergdu>- Uhr; l wch-enoen «MM fytrn M Bolfgar.g - 1825: tt In Sm« x* w. tt bchrodttk. «r 61 aöt# : Schiöder Ich lebenden Zchule bet ^lchauerlreif: aitcn Erfolg, licht nut auf nnerste Herz, schöpferischer elbare Zlut' tb die Hörer >der das nb es erwies ner durchaus . starrköpfige sondern daS Hagestolz so- m besonderen tsfplels gwc. mpelmann enartigeM- mier M# -Her beugte. MC Loweer» chM. 2J ü an e-nem inen artigen , Ellölirums 7« z^Lchi-» Tin Ü" einen he^ entgeh/ «ftkj MietGiJ ^rbar« Hi ^end L-d- .rukünftig )«, lang W b0J ^rgefang« lrereChre Urkunde oer jtirctf ’ükrn uni) öa borge- tltofl tflot ü.er u Wa\ ^oiitog nmen. W eebient Sefchlosfv. rdonDbda '-IN mit, und innen en Außen« ; eingefaßt • 8 Mm w öilöer* Destlriegrs r ziert ein rbäten der Trafen von ule tung lag eh in Lü« Ua etmtLct mllabt, die Lt aus dem onb re An« Werkstalle rar Damen-D.Klnder KiejoM flandijewebie Stolle. Schürzen and Decken, sowie Bänder u. Dflrtel nach Angabe. Helene Roese, Sfldanlage 22 H. Ohne M'WUlr! liefert answ. Sve- ztachauS Teppiche Zahlbar in 12 Monatsrate«. Erbitten Sie unncr- binbl. Bertreierbe- fuch u. 104^4 Va.b.W. Hl. /rarnisiolleX Zflygienische ArilkßlA [sämtliche Gummiwarer; \Drogerie Wlnterhoh/ \ Kreuxplatt 10 / Hygiene leeeebl die Handels- sehale Knuselmano; SfflneiöEttii nimmt noch Kunden an in und au her dem Hause. Ku er- frag. in d. Geschäns- ftefle d. G. 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Zu den unglaubwürdig abwechslungsreichen Romanen, deren Dersasser bekanntlich das Leben selbst ist, gehört die Geschichte einer Amerikanerin, die zur Zeit in Deu.schland weilt und an der Berliner Universität Dorträge über ihre Heimat hält. Es ist Mrs. Pearl D. Metzel- thin, die Witwe eines deutschen Diplomaten, die ihr Leben in bunter Abwechs u.rg in den verschiedensten europäischen Ländern, in Amerika und in China verbracht hat. Eie wurde in Baltimore geboren und kam im Alter von achteinhalb Jahren zum erstenmal nach Europa. Damals machte ihr Dater in Ruhland eine große Erbschaft, zu der u. a. sibirische Bergwerke gehörten- er fuhr mit seiner Frau und seinen Kindern nach Warschau, wo seine Familie blieb, während er selbst nach Sibirien reiste. In der Abwesenheit des Baiers starb die Mutter und die Kinder blieben unter dem Schuh einer schwarzen Amme und des amerikanischen Kon uls in Warschau zurück. Da der Konsul Rußland nicht als geeigneten Aufenthalt für alleinstehende Kinder ansah, brachte er sie in eine deutsche Pension in Danzig, wo sie zwei Jahre blieben. 3m Jahre 1905 traf sich das junge Mädchen mit ihrem Baier, der bald darauf eine Ocsterreicherin heiratete und sich von dieser Zeit an nur noch wenig um seine Kinder au? erster Ehe kümmerte, in Warschau, wo sie in die Wirren der ersten russischen Devo u.ion hineingerisjen wurde. Sie sah, tote Kofaken demonstrierende Studenten erschlugen, und, nun begann das abenteuerliche Leben, das ihr manchen ähnlich schrecklichen Anblick bringen sollte. Ohne Mutter, von ihrem Dater fast vergessen, wurde sie für eineinhalb Jahre in eine Pension in Reuilly bei Paris gebracht, und im Alter von 14 Jahren kehrte sie nach Baltimore zurück. Auf amerikanischem Boden stellte sich heraus, daß das junge Mädchen zwar der deutschen, französischen, polnischen und russischen Sprache mächtig war, aber englisch fast verlernt hatte. Dafür hatte sie auf den europäischen Schulen einen solchen Dorsprung vor ihren amerikanischen Altersgenossinnen gewonnen, daß sie, fast noch ein Kind, in ein Lehrerinnenseminar ausgenommen wurde und mit 16 Jahren die jüngste Lehcerin im Staate Maryland war. Ein halbes Jahr unterrichtete sie an einer Regerschule; noch heute spricht sie mit Degc/sterung von den lieben kleinen Regern, obwohl sie den heftigen Gegensatz zwischen Weißen und Schwarzen in Amerika gut begreift. Als sie die Regerschule verließ, wurde sie verpflichtet, an einer höheren Schule Französisch und Latein zu unterrichten. Das junge Mädchen fühlte sich dieser schwierigen Aufgabe aber nicht restlos gewachsen und wünschte, zu ihrer weiteren Ausbildung Medizin zu studieren. Der puritanische Groß- Vater war dagegen, aber mit Hilfe eines Onkels setzte sie ihren Willen doch durch. Mit 17 Jahren ging sie wieder nach Europa, studierte an deutschen und französischen Universitäten Medizin und ernährte sich durch Sprachunterricht. Gleichzeitig schrieb sie auch für einige amerikanische Zeitungen sog. „Sonntagsbriefe" über europäische Theaterfragen in deutscher und englischer Sprache. Als Studentin lernte sie dann den deutschen Konsul Metzelthin kennen, mit dem sie sich verheiratete, und der sie mit nach China nahm. Dort lebte sie abwechselnd in Hankau, auf der Insel Hainan und m Pakhoi, im südlichsten Teil des Riesenreiches. Sie arbeitete dort medizinisch, half als freiwillige Kraickenschwester den Chinesen, und wundert sich noch heute, wie es ihr gelungen ist, ohne gut ausgebildete Chirurgin zu sein, Knochenbrüche und ähnliche schwierige Dinge zu heilen. Auch auf den Mls- fionsflationen im Innern des Landes war sie als Helferin tätig. Sie erlebte Pestepidemien und Choleraseuchen, und sie war mutig genug, zusammen mit französischen Aerzten in den Pestlazaretten zu arbeiten. Im Jahre 1911 sah sie zum zweitenmal in ihrem Leben den Ausbruch einer Revolution. Die Mandschus wurden verjagt, und mancher hohe chinesische Beamte, mit dem sie noch am Tage zuvor an einem Tisch gespeist hatte, wurde am nächsten Tage hingerichtet. Damals waren die europäischen Häuser die Zufluchtsstätten der Bedrängten beider Parteien, und auch im Hause des deutschen Konsuls Metzelthin hatte man ein privates Hilfslazarett eingerichtet, in dem die Verwundeten von der tapferen _5rau gepflegt wurden. Der Kriegsausbruch überraschte den deutschen Konsul in Südchina, und mit Schrecken erinnert sich Frau Metzelthin an die ersten Kriegsjahre, in denen sie von den Angehörigen der feindlichen Mächte „geschnitten" wurde. Dom August 1914 bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland bekam sie keinen einzigen Brief ausgehändigt, auch die Post der amerikanischen Verwandten war von den Engländern beschlagnahmt worden. Rach der chinesischen Kriegserklärung erhielt der deutsche Konsul den Befehl, binnen acht Stunden mit seiner Frau und seinem Personal sein Haus zu verlassen. Die Englän- der hatten für Hongkong freies Geleit bewilligt, aber man traute damals diesem Versprechen nicht recht, und so unternahmen der Konsul und seine Frau von Pakhoi eine Landreise quer durch China von Schanghai. 45 Tage dauerte diese Reise, die durch aufständisches, vom Bürgerkrieg erregtes * Gebiet führte. Frau Metzelthin hatte Männerkleidung angelegt, da sie durch Dörfer kamen, deren Bewohner noch niemals eine Weiße Frau gesehen hatten, und da sie nicht gern wie eine Gauklertruppe bestaunt werden wollten. In Schanghai brach die Frau des Konsuls erschöpft zusammen und muhte sich drei Monate in ein Krankenhaus begeben. Run begann eine anstrengende Rückreise nach Deutschland. Sie fuhren quer durch Amerika über Halifax nach Vorweg en und von dort über die neutralen skandinavischen Länder nach Berlin, wo der Konsul in das Auswärtige Amt eintrat. Es war Anfang 1918. Deutschland hitte sich allmählich an Hungerra.ionen gewöhnt; aber dos Ehepaar Mehelchin, das viel erlebt hatte, ohne jemals den Hunger kennenzulernen, mußte diese Umstellung aus die Kciegsernährung von einem Tag auf den andern vornehmen, und das erschütterte die Gesundh.'it des Konsuls und seiner Frau. Dennoch betätigte sich Frau Metzelthin sofort tm deutschen Roten Kreuz und später in den Organisationen für Kinderhilse, indem sie in vielen deutschen Städten zugunsten dieser Gesellschaften Vorträge über China und ihre Erlebnisse im Reich der Mitte hielt. „Am Ende der Hungerperiode", sagt Frau Metzel hin ganz offen, „wog ich 92 Pfund." Damals erlebte sie auch zum dritten M. le den Ausbruch einer Revolu.ion. und zwar wieder unmittelbar vor ihren Augen, da sie in dm kritischen Rovern bertagen des Jah.es 1918 mit ihrem Mann im Qluätoärtigen Amt weilte. Im Jahre 1922 starb der Konsul, erschöpft von den Aufreibungen eines abenteuerlichen Lebens. Ein Jahr darauf kehrte Frau Metzelthin noch Amerika zurück, wo sie als Journalistin und in Vorträgen aus klärend über den tatsächlichen Zustand in Mittelruropa berich ete. Man wird sich wohl erinnern, daß damals in der ganzen Welt und auch in den Vereinigten Staaten noch merkwürdige Vorstellungen über Deutschland lebendig waren, und es ist ein Verdienst der deutschen Diplomatengattin, in ihrer Heimat vielen Lügen entgegengetreten zu sein, die sich dort besonders während drs letzten Kriegsjahres ungestört aus- breiten konnten. — In dein Wunsch, über die Fortschritte der Wissenschaft stets un'.ernchtet zu fein, begann sie aus der Columbia-Universität noch einmal bad Studium, das sie vor dem Krieg in Europa un.erbrochen hatte, und hörte dort alle Vorlesungen über Ernährungslehre. lieber das Thema, durch richtige Körperpflege so gesund und elastisch zu bleiben, wie bet Amerikaner in seinem aufreibenden Geschäfts leben fein muß, hat sie Bücher geschrieben, von denen eins vielleicht bald in deu scher Sprache erscheinen wird. Außerdem hat sie, großenteils für philan- tropische Zwecke, Vortrags reisen durch alle Staaten der Union unternommen und zum Beispiel int vorigen Jahr in acht Monaten 243 Reden gehalten. Reben den englischen Vorträgen an der Berliner Universität wird Frau Konsul Metzelthin voraussichtlich auch im Berliner Rundfunk sprechen. Sie ist vor wenigen Tagen mit dem „kleinen Umweg" über Schweden imb Dänemark nach Deutschland, ihrer zweiten Heimat, zurückgekehrt, wo sie einige Monate bleiben wird, um bann über Frankreich nach Qünetifa zu reisen. Aber das ist nur ein kurzer Llbstecher, denn schon jetzt erklärt sie, daß man sie im kommenden Jahr wieder in Berlin sehen wird. Turnen, Sport und Spiel. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die Ligamannschaft der 1900er stand am Sonntag der Liga der Sportvereinigung Dillenburg auf hiesigem Platze gegenüber. Dillenburg entsprach mit feinen Leistungen den (5rtoOrtungen. Erne schnelle, körperlich gut disponierte Elf, die auch zu kämpfen versteht. Spielaufbau und Stellungsspiel waren recht annehmbar, lediglich beim Jnnensturm haperte es mit dem fieber:n placierten Torschuß. Die Blauweihen enrtäufchten ihre Anhänger abermals. Die Mannschaft ist zur Zeit nicht auf der Höhe. Diel spricht dabei wohl der ewige Ersatz Mit. Die Mannschaft war mit wenigen Ausnahmen den Dillenburgern körperlich unterlegen, was sich besonders im Kampf um den Ball sehr bemerkbar machte. Die Einheimischen konnten infolge Erkrankungen nicht mit stärkster Vertretung antreten, dazu kam noch, daß drei Stürmer bis kurz nach der Pause schon kampfunfähig wurden, und dieser Ausfall sich in der Gießener Stürmerreihe besonders stark auswirkte. Konnte der Platzverein vor dem Wechsel das Treffen zeitweise leicht überlegen gestalten, so war es nachher umgekehrt. Gicßens Crsatz.orhüter war aber auf dem Posten. Er hielt sogar einen wuchtig geschossenen, jedoch zu knapp placierten Elfmeterball famos. Bei Halbzeit hatte 1900 einen 1:0 Vorsprung, den es später auf 2:0 erhöhte, nachdem Dillenburg durch den Elfmeter nicht zum Erfolg kam. Erst mit dem Schlußpfiff kamen die Gäste durch eine Hereingahe des Linksaußen zum Ehrentor, eine Folge des öfteren falschen Stellungs- spiels in der Gießener Hintermannschaft. Das Spiel endete somit 2:1 für 1900, ein Unentschieden wäre aber eher den Leistungen beider Parteien gerecht geworden. Bei den ßigareferoen behielt 1900 mit 2:0 (Halbzeit 0:0) die Oberhand. 1900 verwandelte einen Elfmeter, was den Dlllenburgern, die Gelegenheit dazu hatten, nicht gelang. Auch diesen hielt der spätere Ligaersatztorwart. 1900 dritte Mannschaft erkämpfte sich in Lich einen bemerkenswerten 5: 1-Sieg (Halbzeit 2:1), obwohl wieder einmal nur zehn Spieler die Fahrt angetreten hatten. Der 1. Jugendelf war für das ausgefallene Pflichtspiel in Laubach die 1. Jugend vom V. f. B. Kurhessen-Marburg in letzter Minute verpflichtet worden. Das Spiel fand auf dem morastigen, wenig spielfähigen Marburger Sportplatz statt. 1900 unterlag In den letzten Spielminuten erschöpft 2:0 (Halbzeit 0:0). Die 2. Jugend spielte gegen Grohen-Busecks 1. Jugend 0:0. Dor dem Ligaspiel traten 1900 Illa und Dillenburgs 2. Jugend einander gegenüber. Die durchweg älteren und größeren Dillenburger gewannen 1:0 (Halbzeit 10). D. f. 35. Das Spiel der L i g a m a n n s ch a f t gegen Rieder-Girmes kam nicht zustande. Rieder- Girmes trat mit der Begründung, daß der Platz nicht spielsähig fei, nicht an. Der für das Treffen bestimmte Schiedsrichter, den der Plah- verein nicht abbejMlt hatte, war jedoch bezüglich der Dodenbeschaffenheit des Spielfeldes gegenteiliger Meinung und erklärte den Platz für bespielbar. Da D.f.D. komplett zur Stelle und bereit war, das Spiel auszutragen, dürften ihm von der Gaubehörde die Punkte zugesprochen werden. Der Ligareserve erging es ebenso. Auch sie war vergeblich nach Rieder-Girmes gefahren, darf aber ebenfalls mit dem kampflosen Gewinn der Punkte rechnen. Die erste Jugend hatte auf eigenem Platz die gleiche des Wetzlarer Sportvereins zum Gegner. Wider Erwarten zeigte sie sich in bedeutend besserer Form, als in den letzten Spielen, Und gewann verdient mit 3 :0. D.f.D. war seinem Gegner in jeder Weise überlegen und führte einen recht guten Fußball vor. Wetzlar dagegen glaubte anscheinend seine spielerische Un» terlegenheit durch fortgesetztes, sehr unangenehm berührendes Rufen und Schreien ausgleichen zu können. Das Spiel hat gezeigt, daß die D.f.D. - Jugend wieder im Kommen ist. Das Spiel der zweiten Jugend gegen Heuchelheims erste Jugend kam nicht zum Austrag, da Heuchelheim trotz vorheriger fester Zusage nicht antrat. Die dritte Jugend Mannschaft sollte vereinbarungsgemäß in Leihgestern gegen dessen neuausgestellte zweite Jugend antreten, fand aber die erste Jugend als Gegner vor- D.f.D. kam gegen die körperliche Ueberlegenbeit der Platzmannschaft nicht auf und muhte sich trotz allem Eifer mit 7 :3 geschlagen bekennen. Die erste Schülerma n n schaf t ha te im fälligen Pslich.fpiel die Schülerei s Aßlars, von der sie die einzige Riederlage der diesjährigen Saison bezogen hat, zum Gegner. Es gelang ihr nach prächtigem Spiel, die erlittene Schlappe durch einen klaren und verdienten 2 :0-Sieg wieder we'tzumachen. Die Platzmannschaft verdient für ihre vorzüglichen Leistungen ein uneingeschränktes Gesamtlob. Heuchelheim — Laubach. $p. v. 1920 Heuchelheim — $. C. Teutonia Laubach 7:4 (3:4). Am Sonntag weilte die Erste des <5p. 23. Heuchelheim zum fälligen Verbandsspiel in Laubach. Der Platz war infolge des in der letzten Woche niedergegangenen Regens in sehr schlechter 23er< sassung, wodurch an die Spieler sehr große Anforderungen gestellt wurden; das hohe Resultat ist auf diesen Umstand zurückzuführen. Laubach hatte zuerst die bessere Spielhälfte und konnte bis zum Seitenwechsel das Spiel auf 4:3 für Laubach stellen. Sn der zweiten Halbzeit schoß Heuchelheim in den ersten 20 Minuten 4 Tore und stellte somit feinen Sieg sicher. Laubach fiel immer mehr ab und verlegte sich nur noch auf die Verteidigung. Fußball in Lollar. Lollar I — Daubringen I Gauklasse I 2:0. Das mit Spannung erwartete Treffen am Sonntag endete mit einem klaren 2: 0-Siege der Platzmannschaft. Daubringen, das in stärkster Aufstellung erschienen war, war sehr eifrig am Ball und suchte in der ersten Hälfte des Spieles unter Einsatz seiner ganzen Kraft zu Erfolgen zu kommen. Lollar war jedoch jeder Situation gewachsen, so daß sich der Seitenwechsel torlos vollzog. Rach der Pause ging Lollar aus seiner Reserve heraus und konnte sich in Daubringens Spielfeld festsetzen. Daubringen leistete zwar zähen Widerstand, konnte aber nicht verhindern, daß Lollar zweimal einschoh. Einzelne Durchbrüche Daubringens brachten keinen Erfolg. Der Schiedsrichter leitete gut und hatte das Spiel, das hart, aber fair war, jederzeit in der Hand. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Auf die Begegnung des 23. f. R. Lich mit dem F. C. 1926 Großen-Buseck am vorigen Sonntag war man gespannt. Leider mußte der Kampf Lache VaSmzo l Roman von I Gchneider-Foerfil. Ürßeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 12. Fortsetzung Nachdruck verboten. Als er außer Sehweite war, faßte Joachim den Freund unter den Schultern, warf einen raschen Blick auf die Gäste und zog ihn nach seinem Zimmer. Den Riegel vorschiebend, druckje er ihn im ilebermaße feiner Freude gegen die mattviolette Wandbespannung. „Mensch, du hast das Glück beim Schöps gefaßt." Heber Fehmanns bleich erregtes Gesicht irrte eine verräterische Träne. . „Hansl Alter, du weinst, statt einen Kniefall vor dem Leben zu machen." „Dor dir, Achim!---“ „Sei so gut! Was ist da auch viel dabei. Du hättest es für mich ebenso getan, wenn ich in dieser Lage wäre. Jetzt laß ich ein Glas Champagner holen für uns beide allein.“ „Ja! Ein Glas! ilnb dann, wenn ich dich bitten darf, Joachim: Lech mir für eine Viertelstunde deinen Wagen oder laß mir einen besorgen. Die Tram fährt mir heute zu langsam." „Soll geschehen, Alter. Ich gebe sofort den Auftrag, den Chauffeur zu verständigen. Aber erst iwch den Sekt!" Er lief selbst nach dem Büfett und tarn mit zwei überschäumenden Kelchen zurück. „Stoß an, Hans! Auf deine Zukunft! älnd auf dein schönes Wech zu-Hause!" nynt)--auf dein Glück, mein Lieber!" Mit einem leisen Klirren sprang Hettingens Glas in abgezirkelter Schärfe am Rande des schlanken Fußes ab. „Siehst du, Hansl Scherben -bedeuten Glück —oder Endel" Eine blutende Schramme stand in Hettingens linker Handfläche eingezeichnet. Fehmanns Gesicht stach grell von der Wandbespannung ab. „Ich verbinde sie dir, Achim I" Der preßte lachend fein Taschentuch darüber. „Woher doch, Alter! Diese Kleinigkeit!" Auf ein leises Klopfen steckte er den Kopf zur Türe hinaus. „Cs ist angekurbelt, Hans! Der Wagen ist der erste an der Auffahrt. Komm gut nach Hause und grüße deine Frau und laß mich wissen, ob du günstig abgeschlossen hast mit Ringler." „Gewiß! Ich rufe morgen gegen Abend an. Vielleicht kannst du kommen, daß dir Brun- Hilde danken kann!" „Dann komm ich nicht!" „Aber ihre Freude sehen!" „Das will ich, ja! — ilnb —" Das Klopfen des Dieners unterbrach ihn. Frau Jeska sprach den Wunsch aus, mit dem Sohn des Hauses den ersten Walzer zu tanzen, hatte er zu vermelden. Am Treppengeländer vorgeneigt, sah er dem Freunde noch nach, bis hinter diesem die Hallentüre ins Schloß fiel. Dann ging er mit raschen Schritten nach dem Salon, um den Wunsch der Diva zu erfüllen. Soviel er auch spähte, er konnte sie unter den Gästen nicht entdecken. Erzherzog Christoph sah in einem anstoßenden Zimmer mit vier anderen Herren am Spieltisch. Den konnte er jetzt nicht fragen, wo er sie suchen sollte. Vielleicht war sie in einem der Rebenräumc. Den Speisesaal durchquerend, trat er in den kleinen Wintergarten und, blieb in halber Erstarrung am Eingang lehnen. Auf der niederen Bank, deren weißer Marmor durch das schlingende Grün des Blattwerkes schimmerte, saß fein Vater und, eng an ihn gedrückt: die Jeska. Ihr wundervoll gemeißeltes Gesicht wurde von der Linken des Bankiers emporgehoben, bis es dicht an dem feinen. lag. Dann boten sich ihm ihre Lippen In brennend demütiger Hingabe. Wie an einer köstlichen Frucht fog sich der stolze Mund des Mannes daran fest. Joachim stand wie zu leblosem Erz geworden. — Hein Vater treulos!--— Der Bankier fuhr kosend die weichen, pfirsich- farbenen Wangen der Sängerin herab und legte den einen Arm um ihren schlanken Körper. „Wenn du glaubst, Liebling, daß er dich glücklich macht, will ich gerne auf jedes Recht für mich verzichten!" „älnd ich darf auch als seine Frau wieder in dein Haus und in deine Arme kommen?" Es klang wie Schluchzen zu Joachim herüber. „Immer, Isa! Du weiht, dah dir der Platz an meinem Herzen zu jeder Stunde offen ist!" „Ich habe solche Angst, dah deine Frau und Joachim einmal davon erfahren! Dann bin ich in Schanden ausgestohen aus der Gesellschaft!" „Rein! Ich werde mich ehrlich zu dir bekennen, wenn es soweit kommen sollte, du kannst dich auf mich verlassen, Liebes! So lange ich lebe, werde ich dich vor jeder Verleumdung zu schützen wissen. Brauchst du Geld?" „Ich danke dir! Ich habe mehr, als ich benötige." Wiens angebetete Bühnendiva warf mit einem wilden Aufschluchzen beide Arme um den Mann an ihrer Seite. „Kommst du zu meiner Trauung, daß ich nicht Ho ganz mutterseelenallein ins Leben gehen muß?" „Ich werde kommen. Auch wenn mir das Herz dabei entzweibricht." „Dann bleib! Ich könnte dich nicht leiden sehen." 'Aufspringend strahlten ihre eben noch verweinten Augen in die seinen. „Ich habe ganz vergessen, daß ich mit deinem Sohne die erste Walzertour zu tanzen wünschte. Herr Joachim wird warten. Darf ich dich noch einmal küssen zum Abschied? Hernach geht's so nicht mehr." Sie neigte sich über den Baron, küßte ihn erst auf Stirn und Augen und lieh dann ihre Lippen lange auf den seinen ruhen. „Gute Rächt, du mein Allerliebstes, bad ich habe!" flüsterte sie zärtlich. „Gute Rächt, Liebling, lind komm mir wieder. Und Dergib nicht, dah mir dein Glück noch über dem meinen steht." Als Isabella Jeska im Salon nach Joachim fragte, wurde ihr von der Baronin der Bescheid, er habe sich nicht wohlgefühlt und sich bereits zurückgezogen. Mit einem forschenden Blick tauchten die Augen Frau Margots in die der Diva. Isabellas tiefschwarze Sterne wurden unsicher. Schuldbewuht senkten sich die beiden seidenen Wimpern darüber. Ein Zittern lief über ihre Lippen. Und wieder schrie in ihrem Herzen die schon so oft gefühlte Schmach. „Ausgestohen — trotz aller Giene, die der Mann dieser schönen Frau ihr entgegenbrachte." • Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen: Dr. med. Hans Fehmann Brunhilde Fehmann, geb. Putkin. Maria Richthofen starrte auf die blau schwarzen Buchstaben, die auf das graue Bütten eingegraben standen, setzte mit einem Ruck beide Fühe aus dem Bette ihres Hotelzimmers und rief nach der Zofe, die im Rebenraum ihre Garderobe auszupacken begann. „Hanna, lassen Sie alles in den Koffern! Fahren Sie sofort zum Flughafen und fragen Sie, wann das nächste Flugzeug nach Wien geht. Aber es hat Eile! Wenn wir den Anschluß iwch erreichen, sollen Sie das blaue Tuch- kleid haben, das Sie kürzlich bei Sonnenfeld so sehr entzückt hat, und einen passenden Hut dazu." Das junge, hübsche Mädchen knöpfte bereits den (Sürtei des Mantels fest. „Ich telephoniere vom Flugplatz her, gnädiges Fräulein! so haben Sie am raschesten Bescheid. Die Kofier kann ich dann immer noch packen, wenn ich zurückkomme." „Ja! Aber mm gehen Sie. Wenn ich einen Platz neben dem Piloten bekommen kann, ist es mir angenehm. Es kann aber auch ein anderer sein! Die Hauptsache ist, daß ich mitfonune.“ „Gewiß, gnädiges Fräulein." Die Doppeltüre schnappte ohne jeden Laut ins Schloß. Maria Richthofen preßte die Finger gegen die Schläfen, versuchte, ruhig zu denken, und fühlte, dah doch alles ein einzig fürchterliche« Chaos m ihrem Gehirne war. (Fortsetzung folgt.) nach zehn Minuten unentschiedener Spieldauer abgebrochen werden, da der Ball nicht mehr spielfähig war und der schnell beschaffte Reseroeball den Anforderungen nicht genügte. Dadurch sind an Großen-Buseck zwei wichtige Punkte ohne große Mühe abgeaeben worden. Großen-Buseck hätte wohl sowieso gewonnen, denn die Mannschaft zeigte gleich zu Beginn ein besseres Spiel und mehr Durchschlagsfähigkeit. Sportvereinigung 1926 Leihgestern. Das spannende Spiel, Leihgester.n I gegen Steinberg I auf dem Leihgesterner Platz am Sonntag endete mit einem knappen, aber verdienten 4:3 (2,-2)°Siege der Platzmannschaft; der vorausgesagte Sieg der Gästemannschaft ist also nicht in Erfüllung gegangen. Leihgestern zeigte Einheitsleistung, während bei den Gästen besonders die linke Sturmseite gefiel. Durch diesen Sieg hat Leihgestern seine Spitzen- stelle in der Tabelle erneut gesichert. Sessen-Sannov.r und die Aeulovorschiage In einer Aussprache haben die Fuhballführer des hes^isch-hannoverschsn Bezirks in Kassel zu dem Problem des neuen Spielst) stems und den Aeukovorfchlägen Stellung genommen. Man faßte nach längerer Sitzung folgenden Der Bezirk Hessen-Hannover sieht auf Grund der im Laufe der Jahre bei den Meister» schasts'pielen gemachten Er ahrungen eine un- bedingte Abänderung des seich rigen Spielsystems nicht ein. Er ist aber bereit, einer Aenderung zuzustimmen, wenn den Verhältnissen entsprechend zum Außen des Westdeutschen Spielverbandes und der Sache des Sports überhaupt umgeändrrt wird. Er erkennt die Vorteile des Reukogedanlens an, glaubt aber, daß es gut sein wird, die Ausarbeitung jedem einzelnen Bezirk zu überlassen. Handball der Sp.-Bg. 1900. ö. Von den für die Spielvereinigung 1900 an» gesetzten Handball Pielen kamen am Sonntag nur die beiden Jugendtreffen zum Austrag. Die zweite aktive Mannschaft mußte wegen Beteiligung des größten Teils ihrer Leute am Gepäckmarsch der Studentenschaft absagmu Die erste Iugendmannschaft (nicht zweite, wie in der Vorschau irrtümlich angegeben) hatte in dem Wetzlarer Sportverein einen gleichwertigen Gegner; der Spielausgang wäre durch ein 1:1 richtig wiedergegcben grwesen, wenn der Gießener Hüter — ein" Renting im Handballtor — nicht noch drei durchaus haltbare hohe Bälle hätte pafferen lassen. Die zweite Iugendelf zog sich gegen die gleiche des D. f. L. Wetzlar weit besser aus der Affäre; sie holte in den letzten zehn Minuten den 2: 0° Vorsprung der Gäste auf und gestaltete das Spiel 2:2. Handball im Lahn - Oünsberg - Gau. Z. v. Kinzenbach I — F. v. Garbenteich I 2:1 (1:0.) Der Ausgang des am Sonntag in Kinzenbach ausgetragenen Derbandsspieles überrascht etwas, da man allgemein, nach den letzten Resultaten zu urteilen, mit einem Siege Garbenteichs gerechnet hatte. Trotz des stark aufgeweichten Platzes lieferten sich beide Mannschaften ein schönes, spannendes Spiel. Aachdem Garbenteich zu Beginn des Spieles leicht überlegen spielte, kam Kinzenbach durch einen Strafwurf des Linksaußen in der zehnten Minute zum ersten Tor, dem Garbenteich trotz größter Anstrengungen bis zur Pause nichts entgegensetzen konnte. Aach der Pause war es wiederum Gar- .benteich welches anfangs leicht überlegen spielte, um den Ausgleich zu erlangen. In der 40. Minute fiel nach schöner Kombination der linken Sturmseite durch den Linksaußen das zweite Tor für Kinzenbach Durch dieses Tor war der Sieg noch nicht sichergestellt, denn bereits in der 45. Minute holte' Garbenteich ein Tor auf welches auch das Ehrentor bleiben sollte. Die letzten Minuten war Kinzenbach leicht überlegen. Beim Sieger waren einige Umstellungen voc- genommen worden, die sich bewährten. Garbenteich war stets ein gleichwertiger Gegner, der dem Sieger nicht nachstand. Arbeiter-Turn- und Gporibund. Praunheim I — Gießen 11:2. Gießens erste Mannschaft hatte am Sonntag ihr letztes Serienspiel der diesjährigen Kreis- Lassenspiele in Praunheim auszutragen. Auf den Ausgang dieses Spieles war man gespannt, sollte es doch darüber entscheiden, ob die Mannschaft Weiter in der Kreisklasse verbleiben, oder dem Abstieg verfallen sollte. Gießen gelang es nach । lottern Spiel, das Resultat zu seinen Gunsten zu stellen und so zu verhüten, daß der einzige Vertreter des 3. Bezirkes aus der Kreis- Lasse ausscheiden mußte. Wieseck I — Lollar l 1:3. Aach längerer Ruhepause hatte am Sonntag der Bezirksmeister Wieseck sich Lollars erste Mannschaft verpflichtet. Lollar stellte sich ui> vollständig mit nur zehn Mann, während Wieseck m bunter Ausstellung mit unfähigem Ersah antrat. Aach Anstoß entwickelte sich ein slottes Spiel, in dem Wieseck etwas überlegen war. In der fünften Minute brachte ihnen ein wegen unfair gegebener Elfmeter' die Führung. Im weiteren Verlaus war Wieseck sichtlich überlegen, jedoch wurden die sichersten Sachen durch Verlegenheitspfiffe des Unparteiischen unterbunden. Lbllar war inzwischen vollständig geworden und brachte eine schärfere Rote in das Spiel. Kurz vor der Pause erzielte es den Ausgleich. Aach Seitenwechsel war Lollar etwas überlegen und konnte durch einen Fehler der Wiesecker Verteidigung in Führung gehen. Im weiteren Spielverlauf wurde nichts besonderes mehr gezeigt. Bei regulärem Spielende stand das Spiel 2:1, Ecken 5: 4, für Collar. In der übersehenen Spielzeit konnte Collar ein einwandfreies Abseitstor erzielen, das von dem aufgeregten Unparteiischen anerkannt wurde. Wetzlar I — Saubtingen I 2:2. Ium Freundschaftssptel trafen sich die Gegner am Sonntag in Wetzlar. Die Gäste traten komplett, Wetzlar nur mit zehn Mann an. Aach flottem Sp.el, in dem die Gäste durch großen Eifer die technische UebeLlegenheit der Einheimischen ausglichen, trennten sich die Mannschaften mit dem obigen unentschiedenen Resultat. Süddeutscher Kunstturn-Mannschastskampf. Zum fünftenmal fam am Sonntag — in München — der Kunst urnrnannschastskampf der größten süddeutschen Vereine Mtv. München, Mtv. Stuttgart u ib Tv. Ulm zum Austrag. München gewann den Kampf überlegen mit 857 P. vor Hirn, 752 P., und S.n.tgart, 749 P.,- und hat damit bisher drei Siege davvngetragen — dreimal gewannen die Stuttgarter ddn Mannschaftskampf. Durchgeführt wurde der Wettkampf in Hebungen am Barren, Lang- und Seitpferd, Reck und in einer Marmschastssreiübu ig. Beste Einzelturner waren die Münchener Christ 141 P., Loibl 140 P., Forster 139 P. Neue Schwimmrekorde. Bei den am Sonntag in Stockholm oeranstal- teten internationalen © d) ro i m m ro e 11 - kämpfen stellte die Amerikanerin Martha N o - r e l i u s einen neuen Weltrekord im 200« Meter-Freistilschwimmen auf. Sie schlug mit 2:39,4 den bisher von ihr gehaltenen Weltrekord von 2:40,0. Wie aus Aachen gemeldet wird, griff der deutsche Meister Küppers am Sonntag den von Schumburg in 2:46,6 gehaltenen deutschen Rekord im 200-Meter-Rückenschwimmen an. Der Versuch gelang; denn Küppers konnte in 2:40,7 die bisherige Höchstleistung verbessern. Ein neuer französischer Rekord im 200-Meter- Rückenschwimmen wurde am Sonntag bei den internationalen Schwimmwettkämpfen in Straßburg aufgestellt. Der Franzose Z e i b i g verbesserte den bisherigen Rekord um 6 Sekunden auf 2:54,0. irffchast. Oie Reichsbank Ende November. Wie der Ausweis der Reichsbank vom 3 0. November zeigt, hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 586,3 Millionen auf 2 474,3 Millionen Mark erhöht. Die Bestände an Wechseln und Schecks für sich allein stiegen um 452,4 Millionen auf 2211,5 Millionen Mk. und die Lombardbestände um 76,6 Millionen auf 113,1 Millionen Mk. An Reichsschatzwechseln wurden 57,3 Millionen Mark aus dem Verkehr hereingenommen. Die Effektenbestände blieben mit 92,3 Millionen Mark weiterhin nahezu unverändert. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 703,9 Millionen Mark neu in den Verkehr abgeflossen, im einzelnen hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 680,8 Millionen auf 4724,0 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 23,1 Millionen auf 524,3 Millionen Mark erhöht. Dementsprechend hat sich der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 12,9 Millionen Mark vermindert. Die fremden Gelder zeigen mit einem Bestände von 473,4 Millionen Mark eine Abnahme um 115,3 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungs- sähigen Devisen insgesamt stiegen um 32,6 Millionen auf 2796,6 Millionen Mark, und zwar sind die Goldbestände mit 2623,5 Millionen Mark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 173,1 Millionen Mark ausgewiesen. Die Deckung der Noten durch Gold allein betrug 55,5 v. H. gegen 63,6 v. H. in der Vorwoche, die durch Gold und deckungsfähige Devisen 59,2 o. H. gegen 68,4 v. H. Oie Llmgründung der Opeiwerke. Gestern erfolgte die Eintragung der Ada m O p e l A k t. - G e s. in das Handelsregister des Amtsgerichtes Groß-Gerau. Der Sitz der Gesellschaft ist Rüsselsheim. Gegenstand des Unternehmens ist die Uebernahme und Fortführung des bisher unter der Firma Adam Opel Kommanditgesellschaft in Rüsselsheim betriebenen Unternehmens, insbesondere die Herstellung und der Vertrieb von Automobilen, Fahrrädern und anderen Erzeugnissen der Fortbewegungsindustrie. Das Grundkapital beträgt 60 Mill, Mark und ist eingeteilt in 6000 Inhaber-Aktien zu je 10 000 Mark. Als einziges Vorstandsmitglied ist Fritz v. Opel bestellt worden. Die Gründer der Gesellschaft sind: 1. Gebrüder Opel GmbH., Rüsselsheim, 2. Opel, Automobilzentrale GmbH, in Magdeburg, 3. Fr. Engelhardt GmbH, in Rüsselsheim, 4. Geheimer Kommerzienrat Dr. Wilhelm v. Opel in Wiesbaden, 5. Dr. Fritz Opel in Rüsselsheim. Auf das Grundkapital werden keine Bareinlagen gemacht. Die Gebrüder Opel GmbH, bringt das Vermögen der Kommanditgesellschaft Adam Opel in die A -G. ein und erhält hierfür 59,78 Mill. Mark in Aktien. Die Opel-Automobilzentrale GmbH, bringt ihr gesamtes Vermögen in die Aktiengesellschaft ein und erhält hierfür 160 000 Mark in Aktien, die Fr. Engelhardt erhält für die Einbringung ihres Vermögens 40 000 Mark in Aktien. Die Einlagen der Herren Geheimrat Wilh. v. Opel und Dr. Fritz Opel werden durch das Sacheinbringen der Gebr. Opel gedeckt. Zugunsten der Gebr. Opel GmbH, ist als Gründervorrecht ein Anspruch auf 3 o. H. des in der Bilanz ausgewiesenen, nach der Zuweisung an die gesetzliche Reserve verbleibenden Reingewinnes, mindestens 150 000 Mark aus dem Reingewinn, bedungen. Er erlischt mit dem Tode des bevorrechtigten Gründers. Der Gesellschaftsvertrag, der die vorstehenden Bestimmungen enthält, ist gestern festgestellt worden. Als Mitglieder des ersten Aufsichtsrates wurden gewählt: Geheimrat Dr. Wilhelm v. Opel, Dr. Fritz Opel, Hans v. Opel in Rüsselsheim, Fritz Jay in Berlin-Wannsee. Die Eröffnungsbilanz weist auf der Aktivseite aus: Anlagekapital 37 539 394 Mark, Betriebskapital 68 875 987 Mark, auf der Passivseite neben dem A. K. von 60 Mill. Mark Kreditoren, Anzahlungen und Familienguthaben 36 072 485 Mark sowie Rücklagen und Reserven 10 342 896 Mark. * * Ermäßigung der Kunstseiden- preise. Die belgische Kunstseidenfabrrk Tubize wird sämtliche Kunstseidrirpreise ermäßigen, um der durch die englischen Preisrabatte hrrvorge- rufeneu Wirkung auf die Marktlage entgegenzuarbeiten. Rindermarkt in Gießen. Der Auftrieb auf dem heutigen Gießener Rindermarkt bezifferte sich auf 751 Stück Großvieh und 302 Kälber. Der Handel war schleppend, so daß sich der Markt bis zum Mittag hinzvg. Bezahlt wurden für Kühe 1. Qualität 500—600 Mk., 2. Qualität 300—400 Mk.. 3. Qualität 100—250 Mk. Rinder, 1° bis 2jährig, 100 bis 200 Mk., Kälber je Pftmd Lebendgewicht 55 bis 65 Pfennig. Frankfurter Börse. F rankfur t a.M., 4.Dez. Tendenz: zurückhaltend. — Die sich schon an der gestrigen Abendbörse bemerkbar machende Unsicherheit nahm zu Beginn des heutigen Marktes eher noch zu, da die Börse von vorliegenden ungünstigen Momenten stark beeinflußt wurde. Es bestand größere Zurückhaltung bei der Spekulation, da von dem unsicheren Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse, den stark gesteigerten Tagesgeldsätzen am dortigen Platze und dem Standpunkt der englischen Regierung, der in der Rede Chamberlains über die Rheinlandfrage, wonach Deutschland kein Recht besitzt, die sofortige Räumung zu verlangen, zum Ausdruck kommt, eine ungünstige Wirkung ausging. Es wurden größere Abgaben vorgenommen. Das herauskommende Material fand nur mit Verlusten bis zu 2,5 v. H. Aufnahme. Auf der anderen Seite machte sich jedoch für einzelne Werte weiter Deckungsbegehr bemerkbar, da der flüssige Geldmarkt eine Stütze bot. Die Tendenz zeigte im Grundton eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Starke Realisationsneigung bestand hauptsächlich am Elektromarkt. Siemens waren bis 5 o. H., Schuckert bis 3,25 v. H., ©effürel bis 3 v. H. und Bergmann bis 2,25 v. H. schwacher. Verstärktes Interesse bestand dagegen aus den schon erwähnten Gründen für AEG-, die 2 v. H. gewannen, für Lahmeyer plus 1 v. H. und Rheag mit plu? 1,25 v. H. Am Chemiemarkt hatten I.-G.» Farben bei gut behauptetem Kurse lebhafteres Geschäft. Scheideanstalt 0,75 v. H. niedriger. Am Montanmarkt waren Rheinische Braunkohlen mit minus 2,25 v. H. und Mannesmann im selben Ausmaße angeboten. Arn Bankenmarkt waren ebenfalls bis 2L-v. H.-Kursrückgänge zu verzeichnen. Von Bauunternehmungen waren Holzmann gefragt. Am Automarkt büßten Adlerwerke 2 v. H. ein. Daimler konnten im Kurse weitere 0,75 v. H. höher eröffnen. Süddeutsche Zucker und Schiffahrtswerte vernachlässigt und schwächer. Renten still. Ausländer eher angeboten und etwas niedriger. Im Verlaufe wurde das Geschäft klein, die Abgaben verstärkten sich eher noch, so daß in den meisten Werten erneut Kursrückgänge eintraten. Im großen und ganzen war die Kursentwicklung uneinheitlich, da sich für die anfangs- bevorzugten Werte das Interesse erhielt und diese teilweise weiter etwas anziehen konnten. AEG. weiter plus 1 o. H., Siemens konnten 2 v. H. zurückgewinnen, Schuckert und I.-G.-Farben erneut je 1 o. H. schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 6 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1965, gegen Pfund 20,357, London gegen Kabel 4,8505, gegen Paris 124,10, gegen Madrid 30,03, gegen Holland 12,0760. Bc—»ner Börse. Berlin, 4. Dez. Entgegen den Erwartungen der Vorbörse hatte die heutige Börse zu Beginn ziemlich lebhaftes Geschäft. Die Tendenz war zwar nicht einheitlich schwächer, aber doch rechtunregelmäßig. Eine Stütze für den Markt boten einige neue Auslandkäufe in Spezialwerten. Das Gros der Papiere litt aber unter Realisationen seitens der Spekulation, die auch Tauschoperationen gegen zurückgebliebene Werte vorzunehmen schien. Hiervon profitierten besonders AEG., die man für billig hielt, und J.-G.-Färben. Außerdem fielen noch Rheag. Fahlberg List, Elektrische Lieferungen, Transradio, Schlesische Zink, Hohenlohe, ferner Herz Kupfer durch 2- bis 6-v. H.-Steigerungen auf. Der Montanmarkt eröffnete schwach. Besonders Essener Steinkohle, Mannesmann, Ilse Bergbau, ferner Siemens und Schuckert auf das Dementi eines Zusammengehens. Im Verlaufe wirkten sich die ungünstigen Nachrichten mehr aus. Die Schwierigkeiten, die der englische Außenminister Chamberlain in seiner gestrigen Erklärung betreffs der Rheinlandfrage machte, wurden Gegenstand lebhafter Erörterungen, die Kursrückgänge in Neuyork wurden plötzlich beachtet, und der heute erschienene Reichsbankausweis fand ebenfalls eher ungünstige Beurteilung. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer ruhig. Bosnier bis 0,5 v. H. schwächer, auch Anatolier rückgängig. Der Pfandbriefmarkt war unverändert. Liquidationspfandbriefe und Anteile gesucht und fester. Im Verlaufe blieb es uneinheitlich, überwiegend wurde es etwas schwächer. Rückgänge bis zu 3 v. H. waren keine Seltenheit. Nur die anfänglich gebückten Elektrowerte Siemens und Schuckert konnten sich etwa 2 v. H. erholen. Auch Elektrische Lieferungen gingen 1 bis 1,5 über Anfang um. Schwache Haltung hatten im Zusammenhang mit dem unsicheren Gesundheitszustand des Königs von England alle Auslandwerte. Polyphon gaben auf stärkere Abgaben von London 4,5 v. H. nach. Frankfurter Getreidebörse Frankfurt a. M., 4. Dez. Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrte in ruhiger Haltung. Die schwächeren Auslandnotierungen drückten auf die Stimmung, so daß Umsätze kaum zustande, kamen. Weizen war angeboten und billiger von feiten der Provinz zu haben. Rur für Roggen bestand einige Rachfrage, bei etwas erhöhtem Preise. Am Futtermittelmarkt bestand für Roggenklcre einige Rachfrage. Es wurden notiert: Wci-en 22.75, Roggen 21,75 bis 22, Sommergerste für Brauzwecke 23,75 bis 24, .Hafer, inländ. 22,75 bis 23,25, Mais (gelb) für Futterzweck. 2', 5. W i ,n- mehl, südd. Spezial 0 33 bis 33.53, Roggenmrhl 29,25 bis 30, Wci'enLeie 13,75 bis 13,85, Roggen- kleie 14,75. Tendenz ruhig. Letzte Nachrichten. Oer Reichspräsident an das Kreuz Berlin, 4. Dez. (WTB. Funkspruch.) Reichs- Präsident von Hindenburg hat, wie die Wohlfahrtskorrespondenz erfährt, an den Vizepräsidenten im Deutschen Roten Kreuz, Draudt, der gleichfalls Vizepräsident der Liga derRotekreuzgeseUschaften in Paris ist, ein Schreiben gerichtet, in dem er seiner Genugtuung über die auf der dreizehnten internationalen Rote-Kreuz-Konferenz in Paris erzielte Einigung des internationalen Roten Kreuzes Ausdruck gibt und VizepräsidentDraudt Dank und Anerkennung für seine hierbei geleistete Arbeit ausspricht. Gleichzeitig ließ der Reichspräsident dem Vizepräsidenten sein Bild zugehen. — Brief Fraudsurt a. M | ‘Berlin Devisenmarkt Berlin—Franks >rt a. 2H. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Hranzömche Noten . . . - Holländtsche Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten..... Deutsch Lester? . ä100 Strtmtn Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...••• Schweiler Noten ....».» Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Frankfurt a. M Berlin Fraiibsuri a. M Berlin Schlub-1 Kur» | 1 .Uhr- Kur» SdjiufeH Amana Schluh-l Kur» ; 1-Uhr. Kur» Sch.uh Kur» lllnsang Kur, kur» kur» Datum 3 12. 4. 12. 3 12. | 4 12. Datum: 3. 12. | 4 12. 3. 12. 4 12. 6% tt »eichlanleihe o. 1927 87.25 — «7,5 - Ä.E.D. ........8 I98,ü 200 .' 197,9 202 tt «nt..Äblöi..SLuld mü AuL- 51(3 Bergmann.....«... 9 246.75 243 246.25 246 los^Rechien — >1,4 51,6 Elektr. Lieferungen.....10 186.75 186 2.) 181,7.) 187.5 Deigl. ohne Aurws.-Rechle . . . <% Franls. Hyp.-VI Soldps. toi- 15 _ 15 15 266 264-5 267.65 267.75, gelten 4 Guilleaume. • • • . 6 Ges. s. Elektr. Unterm. . « . 10 159 158 158,1 158.7o kündbar bt3 1932 so — — - 283.25 280.25 283 282.5 4%% Rheinisch» HvV^Bank Liau.- Oulopj. Hamb. Elektr. Werke .... 10 — 177 156.2o 156,5 — —- • Rhein. Elektr. ......9 176 176 178 S-E-tS abg. LorkttegS-Obltgattmi tüctiablbrn 1932 - — — Schlei. Bekir. ..•••• 10 Schuckert - ....... 8 -6'3.25 265.5 243 267.7o 241 -64 4% Schweiz «unbesd.-üal,. . . 4% DefteneidiUdje Boldrte.. . . 4,20% Gelten Silberne..... 97 2.75 32,3 — Siemens 4 Hallk» • • • • • 12 TranSradio ........ 8 Lahmeyer 4 Co. ■ • • • • • 10 »76 186 441 187 136.25 162 185 441 164 184,9 4% Defterttid) etnhdti. Rte. - • - — — — Buderus ....... 5 90,5 - 89.75 68.5 4% Ungarische öolbrte. . . - 4% Ungarische StoarSr. v. 1810 26,15 — 26.13 —• Deutsche Erdöl ....... 6 142 141.5 142.75 142.5 — — — — Stiener Stein ko hl» ...... 8 — — 128 75 125 be«gl. von 1918 — 25.4 -* Gelsenkirchener ... $. H 3- 4 126,4 124-75 126,4 124.2:, 4% Ungarische Kronen Ne.. . 1,725 — 1,75 1.8 Harpener ....... 6 141,5 139.75 14.2 141 4% Türk Zollanleihe o. 1911 4% Türwche Bagdadbahn-Lnl-, 13,4 13,05 13 13.1b Hoesch Eisen. ..... 8 Ale Bergbau ........ 8 248 — 134 - 247.75 133- 245 Serie 1 13 — 12.9 13.1 Slöcknerrverke . ....... 7 115 —- 114.9 113 4% desgl. Serie II 13 — 13 13.2. KSln-Reuesseu........9 — — I32.2o 131 4% Rumänen conoert. Die. . . . 10,8 — Mannesmann .......8 134 131.25 134.13 130,o Rumänen Soldanl. von 1918 20 * 20 — Mansselder .......1 Oberschlei- Eisend, vedars... 6 116.5 — 117 117.25 117 2j — 116.5 117 Mg. Deutsche Sisen'-ahn . . Hamburg-Amerika Carei ... 8 Hamb -Silvam. Dampssch. . . 8 yansa Dampsschtsl ... 10 Norddeutscher Llohd .... 8 146.75 144 .42,75 146.5 185 186-0 144.76 144,25 185.25 143,5 Oberschles. Sokswerke 6 Phönir Bergbau Oft Rheinstche Braunkohlen 10 Rheinllahl |. % 4% Mebeck Montan .... 7,2 93 293.7o 148.5 9o,75 '1.5 290.: • 46,5 155.2o 120.75 93.9 293.5 • 49 155.0 94,5 I20.2o 92.25 490.75 148,5 158 u4 Nllg Deutsche Credilanst. . . K 141 — 141,6 I41.o Bereinigte Stahlt», .... 6 Oiaot Minen . . . • . Ish krall Aschersleben.....10 Sa» Westeregeln ..... 10 Kaliwerk Saüdetinra ... 15 Barmer Bankverein ... 10 Beniner Hanveltgeiellsch. . . 12 Eammeq- und Drival-Batl • U Darmsl u Nationalbank 12 146.7. 295 199 303 146.76 i»8.5 <00.b 146.75 <93 198.75 303 146.- 491,9 ,99 302 1 ZS' 294 3,9 294.7. -96.25 •»24 >3,1 295 298.o 525,5 Deutsche Bank - 1° 176 176 75.65 175,25 ,y <8 Farden-IaduiM» ... 12 73,5 73.5 73.2. -75.5 Dilkonto. Gesell,ckiaki Int. • 10 166,75 l»6.5 1 6 7u "6.25 Dynamit Nobel . ..... 5 — — 129.75 129,9 Dresdner Bank . . 10 175 174.. 175.25 >74.70 Scheibeanstall . ...... 9 1-6 19.. 4 vitneldeutsche dreOttbaal . . . » - — rZ2 222 «oldschmid, . ..... » 103 102.5 103.25 102.75 BteuilWaal ThiitiHwl ........ 12 144 >44 41,5 341,76 143.5 o41 140 42 BstigerSwerke .«•••••«* ....................... 109,5 iO9 109.2. lu8,4 16,343 te.4Ö3 168.00 168.68 21,915 21.995 111,53 111,97 58.76 59.00 2,53 2,55 111.68 112,12 80,66 80,98 67.51 07.79 12,38 12,44 72.87 73,17 Schluh-I l-Uhr. Sch.uh Tlnjang Kur» ! Kur» Kur» Kur» Datum: 3. 12. | 4. 12. 3. 12. | 4. 12 'llhillvv Holz manu . . . • . . 7 142 142.a 142.7a 144.a Heidelberger Cemenk . e e • 10 140 139.75 — — Tement Karlstadt . . e e e . 8 — - — Waub 4 Freitag . . 10 140 139.75 137.75 — Schultheis Pätzendster MM» 15 — — ■ 35 — 12 289 290 18 — — 568 565 Bemberg - . . 14 470 465 Aellstofs Waldbus . . • • • 12 288 216 286,. 207.75 289 75 214 132.5 290 214,9 133 yeuiton Viiaianenmng . . • Eharlouenburger Wasser . • 12 . 8 — — 215.0 216.5 Daimler Motoren . . M M M . 0 S6 t>6 86 >4-7-. Demag ... M M M . 0 — —> 49.75 49,4 ülblerwede ftleeex . . MM» . 6 93 91 91.75 90,8 UuBto. Loewe ... M M M 10 — — 263.5 262 Rat. Automobil . . « M M M . c — 59.5 59 Orenftein 4 ÄoDDd • M M M . 6 d. — 108 107 Leonhard Tietz . • M M a . 6 — — 295 295,5 Bamog-Megnin . . MM» . 0 20.25 -- 20 — Franks. Maichine» . . MM« . 6 — 70,7; ,0 — Aritzner . . . MG» 11 —■ — 120 — Heoligeustaedt . • • IunghanS . . • • • • • . 0 . 4 89,1 — 88.13 — gediroerfe .... . S d — — Mainkraitwerk» . • • . k 115,5 — 40.25 — Mtag . • • • MM» 10 140 — 140 Nekarsulmer . » . »GM . 8 22.1 — 21.75 ** Beter, Union . • • MM» . k 108 — — Gebr. Roeder - . • • »MM 10 125 —- — — Voigt 4 Haessuer . . MM» . t — 216 *■ Südd- Zucker .... • • • . 8 154.5 157.5 155 — 3. Dezember 4 Dezemb r Amtliche Geld Norirung Briet Amtliche Geld -totieruny Briet Ämft.» Stolt- Buen--LtreS 168,33 1,766 •>8,215 168,67 1,770 58,385 168,38 1.766 J8.27 168,72 1,770 j8,^9 111,76 111,98 111.16 111.98 Kopenhagen Stockholm 111,78 111.99 112.00 112,21 111.79 112,00 112.01 112,22 Helnngior-. Italien - - - 10.543 21,955 lU,5t3 41,995 l0.o45 81,94 10.5t5 21.98 öonvon. . . Neavork .. Paris ■ • * . 20,329 40,369 20,ü34 2o,.,i 1 1,1915 4,1995 4,1925 4,2005 16,375 16,415 16,375 16,415 Schweiz .. »0,745 80,905 30,76 -0,92 Sva itca ■ •»7,64 07,78 .7,66 u7.80 Japan - . . 1,921 1,925 1,926 1,930 Nio de Jan -.500 J.502 ».500 0,502 Wien in D-- Cert- abflcft. Prag J8,i>3 12,42 59, vö 12,44 uo,95 12,422 *>9,07 12,441 Belgrad . . 7,301 7,378 7,364 7,378 Bnbavest. .3,07 <3,21 <3,08 73.23 Vnleariro Lissabon ,027 18,71 ■>.033 18.75 »,024 18,70 1,0-0 18.74 Danrig 51,27 4.43 61,28 61.41 Konüamüt. 2,101 .,105 4.096 2.110 Athen 5.425 5.435 j.42j 5.435 Lanada 4,1945 4,2025 4,190 4.198 Lira nao ■ 4,296 10.855 4.304 4,286 4.294 6*8 • . 20.895 .0.855 20.895 Berlin. 3. Deiember «leid Bnei , Amerikanische Nom» ..... 4, IfS I7T^3 Äelgtsche Noten ....... 68.08 58,32 Dänische Noten . ....... 111.53 Ul,97 Hllglischr Norrn........ -0.295 -0.575