Ur. 25| Erstes Blatt 178. Jahrgang Donnerstag, 4. Moder 1928 Erschein, lüg UH,nutzer Sonntage and Feiertag» Beilagen. Gtetzener Famtlienblätter Hermat im Bild Die Scholle monats-Eeingsptei»; 2 Reichsmark und 20 Netchspfenntg für Trüge» lohn, auch bei Richter» Schemen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsfe: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach, richtew Anzeiger Gietze«. postscherNonto: grantlurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen VrvSmid Verlag: vrühl'sche Unwerfitütr-Vuch- und Ztetndruckeret H. Lange in Gießen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20u , mehr. Thefrcdakteur Dr Fricdr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyrrot. für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen Vor Beginn der Räumungsverhandiungen. Genf vor dem Auswärtigen Ausschuß. Reichskanzler Müller berichtet. Berlin, 4.Oft (VDZ.) Während über Berlin der Zeppelin kreiste, versammelte sich im Reichstag um 10 Uhr der Auswärtige Ausschuh unter dem Vorsitz des sozialdemokratischen Abg. Scheidemann. Mil dem Reichskanzler Mül- l e r und Staatssekretär o. Schubert, den deutschen Vertretern bei den Genfer Verhandlungen, waren auch Reichsinnenminisler S e v e r i u g, Reichsfinanzminlster h i l f e r d i n g, Reichsver- kehrsminister v. Guörard und Reichswirlschasls- minlster L u r t l u s erschienen. Zahlreiche Vertreter des Reichsrates, unter ihnen der bayerische Gesandte v. P r e g e r, sowie der badische Ministerpräsident R e m m e l e, der würitembergische Innenminister Bolz und der thüringische Minister Leuthäuser nahmen an der Sitzung teil. Aer- ucr sah man den Rclchsiagspräsidenlen L ö b e und den Botschafter a.D. Grafen Bernstorfs. Reichskanzler Müller ergriff sofort das Mort, um über die Genfer Verhandlungen wegen der Räumung der Rheinlande Bericht zu erstatten. Lr gab ferner davon Kenntnis, dah nach den neuesten Nachrichten der Aerzle der Relchsminisier des Auswärtigen, Dr. Slresemann, wahrscheinlich schon Ende dieses Monats soweit wieder- hergesiellt sein werde, um seine Amlsgeschäfle in vollem Umsange aufzunehmen. Rach einer Rede des Slaalssekrelär v. S ch ub e r t begann die allgemeine Aussprache. In ihr ergriffen das Morl die Abg. Ulihka (Zenlr.), Graf Westarp (Dntl.), David (Soz.), v. Rheinbaben (D. vp.). während der Aussprache brachte der volksparteiliche Jrak- tionsführer Dr. Scholz eine Entschließung ein, die von allen Parteien mit Ausnahme der Deulschnationalen und Kommunisten unlerzelchnek wurde. Sie bringt zum Ausdruck, daß die Haltung der deutschen Delegation in Genf gebilligt wird; andererseits wird bedauert, dah in den wichtigen Fragen der Räumung und Abrüstung keine Fortschritte erzielt seien. Pariser Girenenklänge. Rechtsforderungen oder Handelsgeschäft. Paris, 3. Oft. (LU.) Der „Excelsior" nimmt, anscheinend offiziös beeinflußt, anknüpfend an den Besuch General G u i llaurnats, des Oberkommandierenden der französischen Rhein- armes, bei Driand am Dienstag Stellung zur Frage der Rheinlandräumung. Dieser Besuch fei bezeichnend für die formellen Absichten der französischen Regierung. Sie wolle die Frage der vorzeitigen R Hein l a n d r ä u m u n g in technischer und politischer Beziehung soweit klären, daß bei den im vergangenen Monat in Genf vorgesehenen Verhandlungen keine Verzögerung cintretc. Nachdem die Ministerpräsidenten der deutschen Gliedstaaten die Haltung der deutschen Völkerbundsdelegation gebilligt hätten, werde wahrscheinlich der deutsche Botschafter gegen Ende der kommenden Woche seinen Posten wieder antreten und ein Memorandum überreichen, das gleichzeitig in Paris, London, Rom und Brüssel übergeben werde. Es handele sich ja nur um eine Mitteilung, ob Deutschland die Rheinlandfrage auf dasjuristischeGe- biet übertragen wolle, indem es Art.431 des Dersailler Vertrages anrufe und die Räumung des besetzten Gebietes als ein Recht verlange, das keine Gegenleistungen einschließe — oder auf das politische Gebiet, indem cs einwillige, daß als Gegenleistung für die Räumung finanzielle Abmachungen getroffen und ein Feststellungs- und Dersöhnungskomitce zur Prüfung aller Streitigkeiten in der entmilitarisierten Rheinlandzone eingerichtet werde. Auf jeden Fall dürfte die französische Regierung nicht von dem von Poin- carä in seiner Rede in Chambery klar sormu- .lierten Standpunkt abgehen, der Deutschland (wenn die öffentliche Meinung in Deutschland so vernünftig sei, ihn zu begreifen) vorteilhafte Aussichten für die baldige Befreiung eröffne. Frankreich fordert 30 Milliarden. Kriegsschulden und Reparationen. Paris, 3. Oft. (WB.) Der „3ntranfigeanf‘ veröffentlicht eine Betrachtung über dir Regelung der Schuldenfrage, wobei das Blatt erklärt, daß es auf Nachrichten aus autorisierter Quelle fuße. Das Blatt stellt die ausländische Schuld Frankreichs von rund 183 Milliarden Franken — davon 102 Mrll.arden bei Amerika und 81 Milliarden bei England — verteilt auf 62 Jahre in den Vordergrund seiner Ausführungen und berechnet dm gegenwärtigen Wert dieser Schuldsunrme mit 80 Milliarden Franken. Diese 80 Milliarden Franken wünsche Frankreich von Deutschland zur Regelung seiner eigenen Schulden zu erhalten, zuzüglich etwa 100 Milliarden Franken für Kriegsschäden, von denen Frankreich aus eigener Kasse bereits 89 Milliarden für den Wiederaufbau gezahlt habe. Die Gesamtsumme, die Frankreich zu erhalten wünsche, würde also 180 Milliarden Franken oder 30 Milliarden Goldmark ausmachen. Da der Anteil Frankreichs an den Reparationszahlungen 52 Prozent betrage, würde d i e Summe der deutschen Zahlungen, damit Frankreich 30 Milliarden Goldmark erhalte, sich aus etwa 60 Milliarden Goldmart beziffern müssen. Die englische Regierung habe aber offiziell bekanntgegeben, dah sie von den kontinentalen Nationen, die ihr Geld schulden, nur die Beträge fordern wolle, die zur Begleichung ihrer eigenen Schuld bei Amerika notwendig seien. Unter diesen Llmständen könnten die Qtniierten sich sehr wohl mit einer Forderung von 4 0 bis 45 Milliarden Gvldmark höchstens begnügen. Das sei wenigstens die in diplomatischen Kreisen verbreitete Auffassung. Cure Verständigung zwischen Deutschland imd den Alliierten auf der Grund- Wien, 3. Okt. (WB.) Die Verhandlungen über die Sicherheit, Ruhe und Ordnung bei den für den 7. Oktober angesehten Kundgebungen in wiener- Neusladt haben zu einer Vereinbarung geführt, die im wesentlichen dahingeht, daß der hauplplah in Wiener-Neustadt bis zum Mittag für den Aufmarschder heimwehren zur Verfügung steht, und am Nachmittag die Sozial- bemot raten sich dort versammeln. Von beiden Seiten wurde den vom Landeshauptmann Dr. B u - risch als dem Lhef der politischen Verwaltung des Landes Niederösterreich gemachten Vorschlägen über die Regelung der Aufmärsche am 7.Oktober zu- gestimmt. Demgemäß wird der Aufmarsch der heimwehr um 9 Ahr beginnen und um 11.30 Aht beendet sein, worauf sich die Heimwehrformationen nach ihrem Sammelplatz begeben. Der Aufmarsch der Sozialdemokraten erfolgt nachmittags von 13 Uhr an, worauf auch diese Gruppen sich auf ihren Sammelplatz begeben. Der Aufmarsch der beiden Teile, der durch die btabt und ihren hauptplah führt, muh auf vorgeschriebenen Aufmarschlinien durchgeführt werden. Zwischen beiden Aufmarschgebieten wird eine neutrale Zone geschaffen werden. Das Ueberschreiten dieser Zone wird nur mit einem Ausweis gestaltet sein. Erregte Debatte im Nationalrat. Der Bundeskanzler über die „innere Abrüstung". Wien, 3. Okt. (WTB.) Die Sozialdemokraten haben im Nationalrat eine dringliche Anfrage eingebracht, in der betont wird, die Heirn- wehren seien in der letzten Zeit allmählich zu faschistischen Formationen geworden und bedrohten die Verfassung mit gewaltsamem Tlmsturz. Die republikanische Bevölkerung und insbesondere die Arbeiterschaft sei gezwungen, sich gegen die drohende Gefahr zu wappnen. Die Regierung wird gefragt, ob sie bereit sei, mit den parlamentarischen Parteien Der- handlungen über eine innere Abrüstung einzuleiten. Abg. Renner (Soz.) wies auf die Ursachen hin, aus denen gerade die Wiener-Neustädter Bevölkerung sich durch den angekündigten Heimwehraufmarsch geradezu Physisch bedroht fühle. Die Sozialdemokratische Partei hatte eine Gegenkundgebung in Wiener-Neustadt or- ganimieren müssen, um einen wilden und unorganisierten Ausbruch der Leidenschaften zu verhindern. Gerade im letzten Jahre habe sich eine beruhigende Entwicklung bemerkbar gemacht, die aber jetzt durch das Eingreifen der Heimwehren gestört werde. Hinter der Heimwehr stehe eine kleine Minorität der Industrie, welcher die neue Arbeitsverfassung ein Dorn im Qhige fei und die entgegen allen demokratischen Grundsätzen durch GÄd sich eine Privatarmee schaffe. Die Sozialdemokraten hätten sich wiederholt bereit erklärt, ihre Schutzbundformationen a u f z u l ö f e n, wenn auf der anderen Seite dasselbe geschehe. Wenn aber ein Herr Pabst, der vom Reichsgericht gebrandmarkte Verräter an der deutschen Nation, der Staatschef der Heimwehren sein könne, dann müßten auch die Arbeiter ihren Schutzbund aufrechterhalten. Der Redner begrüßte die heute erzielte Vereinbarung bezüglich des 7. Oktobers, erklärte sie aber als nicht befriedigend, da noch immer ein Zufall oder ein Verbrecher stören könne. Es wird, erklärte er, eine geordnete Demonstration werden, wenn wir Glück haben, aber die Verantwortung für einen Zufall trägt die Regierung, öa sie den natürlichen Ausweg eines Verbots nicht gewählt hat. . Bundeskanzler Dr. Seipel erklärte, er wisse nicht, woraus hervorgehen solle, daß etwa die Heimwehren das Ziel eines gewaltsamen Umsturzes bedeuteten. Es sei ferner den Heimwehren vorgeworfen worden, daß ihre Führer sich gegen das parlamentarische System läge einer Regelung in Höhe von ungefähr 40 Milliarden Goldmark sei wahrscheinlich möglich, von denen Frankreich etwa 30 Milliarden Goldmark zufallen würden. Diese Schuld könne restlos erst nach einer gewissen Zeit, vielleicht nach sechs oder acht Jahren oder noch später, mobilisiert werden, und zwar in Serien von zwei bis fünf Milliarden Goldmark. Man würde zunächst durch internationale Anleihen alle Industrie- und Eifenbahnobligationen des Dawesplanes unterzubringen. versuchen. Die Räumung der beiden noch besetzten Zonen des Rheinlandes würde jedoch, so erklärt das Blatt, vollkommen noch vor Ablauf von 18 Monaten erfolgen. Falls Qümerila und England in Zukunft ihre Ansprüche an Frankreich ermäßigen würden, werde Frankreich ebenfalls seine Forderungen an Deutschland herabsetzen. ausgesprochen hätten. Der Bundeskanzler sei gewiß dagegen, daß die Arbeit des Parlaments herabgesetzt werde. Aber gerade die Opposition sei es, die seit Jahr und Tag an den Grundlagen des Parlamentarismus rühre. Er beschäftigte sich sodann mit den von Reimer erhobenen Beschuldigungen gegen den jetzt vielgenannten Staatschef der Heimwehren, Pabst. „Ich habe Pabst", sagte Seipel, „einige Male gesehen aber alle die Vorwürfe glaube ich nicht, denn wenn sie wahr wären, mühte die deutsche Regierung bei uns dagegen protestieren, daß dieser Mann hier eine solche Rolle spielt." Äebrigens sei seines Wissens Pabst eine zeitlang in der Ämgebung des seinerzeitigen Reichswehrministers R o s k e gewesen, vielleicht habe er dort sozialdemokratische Methoden gelernt (Stürmische Entrüstungsrufe links.) Zum vorliegenden An- trage erklärte Seipel dann: „Wenn von der Regierung verlangt werde, sie möge erklären, ob sie bereit sei, Verhandlungen mit den Parteien über die innere Abrüstung einzu- leiten, so sage er ja." „Ich werde meine Bereitwilligkeit", sagte Seipel, „schon itt der nächsten SMMrtei und Preußenkabinett. Von unserer Berliner Redaktion. Berlin, 4. Okt. Der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius hat, wie gestern gemeldet wurde, einen Schritt bei dem preußischen Ministerpräsidenten B r a u n unternommen, um die Frage der Erweiterung der preußischen Koalition in Fluß zu bringen. Ministerpräsident Braun hat, wie man erfuhr, eine grundsätzlich vorhandene Bereitwilligkeit zur Umbildung seiner Regierungsgrundlage bekanntgegeben; er hat erklärt, er halte nach wie vor für seine Politik eine möglichst breite parlamentarische Mehrheit für wünschenswert. Aber er hat formell eine Einwirkung auf diese Entwicklung abgelehnt, da es nicht feine Sache sei, gleichsam amtlich eine Abänderung oder Erweiterung der Koalition herbeizuführen, sondern Sache der Parteien. Er hat also gewissermaßen der Deutschen Volkspartei nahegelegt, mit den bisherigen preußischen Koalitions Parteien, SPD., Zentrum und Demokraten in Verhandlungen zu treten, um deren Geneigtheit zur Aufnahme der Deutschen Volkspartei festzustel- len oder herbeizuführen. Der Landtag hat seine Tagungen begonnen. Es wäre also an sich die Möglichkeit gegeben, zwischen den Parteien Verhandlungen über eine Große Koalition herbeizuführen. Das Gegeben^ scheint, daß man zunächst mit der SPD. Fühlung nimmt, oder daß diese sogar von sich aus eine Initiative entfaltet. Denn diese Bemühungen in bezug auf Preußen sind ja in erster Linie bedingt durch das Bestreben, nunmehr im Reiche eine feste Koalitiousgrundlage für die Regierung herbeizuführen, deren Führer der sozialdemokra- 'tische Reichskanzler Müller ist. Das Interesse an der Umbildung in Preußen liegt also primär bei der Reichsregierung, bzw. bei deren Führung. Von besonderer Dedeudung werden die Entschließungen sein, die noch im Verlauf dieser Woche in der Vorstandssihung des Zentrums gefaßt werden, das sich durch feine verschiedenen und sehr vorsichtigen Kundgebungen der letzlton Zeit alle Wege offen gehabten hat. Man soll in diesen Fragen nicht prophezeien, denn die früheren Verhandlungen über die Regierungsbildung im Reiche und über eine gleichzeitige Umbildung der preußischen Regierungs- Eoalition sind viel weniger aus prinzipiellen Gründen als wegen irgendwelcher persönlicher Mißgriffe und Mißstimmungen gescheitert, und man muß auch jetzt angesichts der vielfältigen Bestrebungen persönlicher Art, die in manchen Fällen selbst bis xur Anmeldung versteckter Kandidaturen für dre Nachfolge des er» Zeit zeigen, wenn der 7. Oktober vorüber und eine größere Beruhigung eingetreten sein wird. Aber sowohl als Kanzler, wie als Parteimann erwarte ich einen guten Erfolg nur, wenn wirklich ernstgemeinte Vorschläge zur inneren Abrüstung gemacht werden ohne Vorbehalt unb ohne Hinterhalt. Oer Sozialismus in England. AuSeinandcrfctzungcn in derArbciterpartei London, 4. Okt. (T^l.) Während des heutigen dritten Verbandlungstages der Jahreskon- ferenz der Arbeiterpartei in Birmingham wurde das Programm für die kommenden Parlamentswahlen erörtert. Im Verlaufe dieser Verhandlungen kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen der Parteileitung und dem linken Flügel, als dessen Ver- treter, der Abgeordnete Maxton, sprach. Macdonald brachte das Parteiprogramm ein. Er betonte, daß durch das Programm eine neue Gesellschaftsordnung solange nicht geschaffen werden könne, als die Mehrheit der englischen Wähler die Ziele.der Arbeiterpartei nicht richttg erkennten. Bei der Aufstellung des Programms habe man sich daher davon leiten lassen, die Ziele der Partei den Wählern näher^ubringen. Es sei keineswegs nur ein einfaches Wahlprogramm, sondern zugleich ein Au'-- bauprogramm für die nach den Wahlen kommenden Jahre. Die Lage im Kohlenbergbau, die hohen Arbeitslosenzisfern und die Daupolittk hätten den Fehlschlag des gegenwärtigen Systems erwiesen. Die Arbeit müsse das Kapital, die Produktion und die Verteilung kontrollieren. Die Gewerlschastsgesetze der Konser- batiben würden von der Partei bekämpft und die Wiederherstellung der Gleichberechtigung der Arbeiterschaft mit dem Kapital verlangt. Zwischen reich und arnt müsse ein Ausgleich geschaffen werden. Der Abgeordnete Marton wandte sich sehr nachdrücklich gegen das Programm, das den Eindruck erwecken müsse, als ob die Arbeiterpartei den Sozialismus nur durch einen schwierigen und langsamen Prozeß des gradlveisen, friedlichen Wechsels im Parlament erstrebe. Die Zeit der Propaganda sei vorüber und am Vorabend der Wahlen müsse sich die Partei für den vollen Sozialismus entscheiden. Auch der Abgeordnete W h i t l e h erklärte, dah die Partei lieber die Macht als ein Programm wünsche. Nach Schlußworten Macdonalds wurde das Programm als Ganzes angenommen. krankten Reichsaußenministers gehen, mit persönlichen Ambitionen rechnen, die sich als hemmend in eine derartige Auseinandersetzung hineinschieben. Immerhin scheinen sich die kommenden Verhandlungen in einer verhältnismäßig ruhigen und konzilianten Atmosphäre abzuspielen, so daß die Personalfragen in Preußen kein entscheidendes Hindernis für eine. Regierungserweiterung bilden werden. Es ist rein Geheimnis, dah die verhältnismäßig starke Beteiligung der Deinokraten an den preußischen Portefeuilles schon voriges Mal einige Schwierigkeiten verursachte, weil die SPD. natürlich entsprechend den neuen Stärkeverhältnissen von sich aus nicht geneigt war, für zwei volksparteiliche Minister Raum zu schaffen. Andererseits konnte auf die gute Bewährung der demokratischen Kabinettsmitglieder Preußens verwiesen toerben. Es wird also zunächst wohl die Frage zu klären fein, welche Portefeuilles den einzelnen Koalitionsparteien theoretisch zufallen sollen, und zwar sowohl in Preußen wie im Reich, wo die Besetzung ja auch keine definitive und den Stärkeverhältnissen angemessene war, bevor man sich zur Abfassung gemeinsamer Richtlinien über eine Regierung der Großen Koalition in beiden Berliner Parlamenten zusammensetzt. Mit Rücksicht auf die drängenden Geschäfte, auf die Komrnunalwahlen in Preußen usw. darf man abet mit baldigem Beginn konkreter Verhandlungen rechnen. Eine Znitiative der VoKspartei. Verhandlungen mit den Parteien. Berlin, 4. Okt. (Priv.-Tel.) 3m Anschluß an die Besprechung des Reichswirtschaftsministers Dr. C u r t i u s mit dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun hat laut „D. T." die Volks Part etliche Landtagsfrakrion die Abgeordneten Stendel und Schwarz Haupt zu ihren älnterhändlern bestimmt, die mit den bisherigen preußischen Regierungsparteien über die Erweiterung der Koalition verhandeln ' sollen. Der vofksparteiliche Reich5tazsabgeordnete Scholz wird an diesen Verhandlungen insofern beteiligt sein, als er als Verbindungsmann zwischen der voiksparteilichen Landtagsfraktion tu nd der volksparteilichen Reichstags- sraklion fungieren soll. Die demokratische Landtagsfraktion und die demokratischen Minister im preußischen Kabinett werden, so fährt das D.'att fort, gewiß nichts tun, was die Verhandlungen erschweren könnte, werden sich indes ihre Entschließungen noch Vorbehalten. Ein wichttger Gegenstand der Koalitions- Verhandlungen wird das Konkordat fein, das von dem preußischen Llnterrichtsrninister Dr. llm den inneren Frieden in Oesterreich. Eine Vereinbarung zwischen Heimwehren und sozialistischem Schutzbund über den Aufmarsch in Wiener-Neustadt. Aene KoMionsvechandlnngen in Men. Oelkampf in Rußland. Gescheiterte Verhandlungen mit Moskau. London, 3. Oft. (WTB.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" erfährt, dah die wichtigen Verhandlungen, die seit einiger Zeit »wischen der Shell gruppe, der Angl o- Perfian-Oil Company, der Angl o- Amerlcan Oil Company und den ihnen angeschlossenen Gesellschaften auf der einen Seite uno den Vertretern der Sowjetregierung und der Sowjetpetroleuminterrsienten auf der anderen Seite geführt wurden, zusammengebrochen seien, zum mindesten für den Augenblick. Der Abbruch sei am vorigen Freitag erfolgt. Ob 'die Verhandlungen in einigen Wochen wieder ausgenommen werden, lasse sich noch nicht sagen. Der Korrespondent sagt: Zweck der Verhandlungen war, ein Abkommen zu erreichen, das den Ankauf, die Verteilung und den Verkauf russischen Petroleums in Großbritannien auf einer die beiden Parteien befriedigenden Grundlage regeln sollte. Die Klippe, an der die Verhandlungen scheiterten, war die Forderung der Londoner Kombination nach einer G n t s ch ä - d i g n n g der britischen Eigentümer der von der Eowjetregierung enteigneten P e t r o l e u m u n t e r n e h m e n. Die Entschädigung sollte in Form eine« Sprozentigen Diskontss erfolgen. Die Ablehnung der rusftschen Regierung hat rine Annäherung zwischen der Standard Oil und Shell zur Folge gehabt. Es ist daher damit zu rechnen, daß beide Konzerne gegen die Lowjetregierung in der Form vorgehen werdcn, daß die obgelaufenen Lieferungsverträge nicht mehr erneuert und neue Verträge nicht mehr eingegangen werden. Da die Standard Oil jährlich dem Raphthasyndikat bis zu 220 000 Tonnen Erdvlerzeugnisse abnehme, würde rin solches Vorgehen der Erdölkonzerne gegen die öotojctitnion einen harten Schlag für das Raphtha-- syndikat bedeuten. Decker in Verhandlungen mit den: Vatikan ziemlich weil gefördert ist. Das Kabinett hat den Gegenstand noch nicht beraten. Das preußische Konkordat. Abschluß der Verhandlungen mit dem Vatikan. Berlin, 1. Oft. (III.) Wie der „Lokalam." aus gutunterichtctcn Kreisen erfahren haben will, sind die in der Konkordatsfrage zwischen dem preußischen Kultusminister und dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Pacelli, geführten Verhandlungen abgeschlossen. Die Konkordatsvorlage sei im Kultusministerium fertiggestellt und werde voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen in Preußen stehen und wahrscheinlich schon in den allernächsten lagen das Staatsministerium beschäftigen. Es verlautet, daß die Vorlage nicht mir die Regelung der finanziellen Frage vorsehe, sondern durchaus kulturpolitischen Charakter trage. Da der Entwurf des Kultusministers auch auf Schulfragen zurückareife, so ständen die Koali- tionsparteien in Preußen mit Ausnahme des Zentrums vor schwierigen Entscheidungen Die Lohiwerhandluriaen in der westdeutschen Eisenindustrie. Noch keine Einigung. Essen, 3. Oft. (TU.) Am Mittwoch fanden die Verhandlungen zwischen den Vertretern deS Arbeitgeberverbandes für den Bezirk der nord- tocftlidjten Gruppe und den drei Metallarbeiter- verbänden statt. Die Gewerkschaften hatten für alle Arbeiter über 21 Jahre eine Erhöhung des Lohnes um 15 Pfennig je Stunde auf die bestehenden Verdienste verlangt und sämtliche 2ll>machungen, die über die Akkord- berechnunaen, die Erhöhung der Akkordlöhne und Lehrlingslöhne getroffen waren, gekündigt. Die Gewerkschaften begründeten ihre Forderungen im wesentlichen mit dem Hinweis auf die in anderen Gebieten und Industrien fest- gelegten reinen Tariflöhne. Diese Hinweise wurden von den Arbeitgebern als nicht stichhaltig bezeichnet, da schematische und rein formelle Vergleiche verschieden ausgebauter Tariflöhne irreführend seien und es nur auf den t a t s ä ch - Lichen Verdien st ankomme. Die effektiven Verdienste hätten seit Dezember 1927 nachweisbar die Erhöhung der tariflich gesicherten Steigerungen erheblich überschritten. Bei einer solchen Sachlage könne von der Berechtigung der Lohnforderungen nicht gesprochen werden. — Die Gewerkschaften verharrten auf ihren Lohnforderungen, obwohl auch sie anerkannten, daß die wirtschaftliche Loge nicht mehr so g ü n st i g sei wte zu Beginn deS Jahres. Die Arbeitgeber beantragten schließlich die Anberaumung einer neuen gemeinsamen Sitzung auf Donnerstag, den 11. Oktober. Oer Geburtstag desReichspräsidenten. Berlin, 3. Okt. (WTB ) Dem Herrn R e i chs- Präsidenten sind aus Anlaß seines 81. Geburtstages, den er in der Stille o u f d e m L a n ö e verbracht hat, mehrere tausend Glückwunschschreiben und -Telegramme sowie viele Blumengrüße zugegangen. Namens der Reichsregierung hat der Reichskanzler, namens des Reichstages und feines Präsidiums der Reichstagspräsidont, namens der Wehrmacht der R e i ch s w e h r m i n i st e r telegraphische Glückwünsä)e übersandt. Die Mitglieder des Diplomatischen Korps, die Vertreter der Länder im Reichsrat haben sich ebenso wie eine große Anzahl führender deutscher Persönlichkeiten in die Besuchsliste im Hause des Reichspräsidenten eingetragen. Der von dem Luftschiff „Graf Zeppelin" für den Reichspräsidenten abgeworfene Blumengruß traf nicht das Dach des Präsidentcnhauses, sondern ging in einer der Seitenstraßen nieder. Ein Mitglied des ADAC., Gau Berlin-Brandenburg sowie ein Polizeioberwachtmeister konnten den Strauß greifen und ihn Frau Major v. Hindenburg übergeben. Der Reichspräsident selbst weilt noch auf dem Jagdgut in Schorfheide: er wird dort noch einige Tage verbleiben. Der Reichspräsident erfreut sich im übrigen entgegen anderslautenden Gerüchten der b c Jt e n Gesundheit. Er hat Dr. Eckener durch nachstehenden Funkspruch gedankt: „Danke herzlich für Blumengruß und sende beste Glückwünsche zu neuem Erfolge und für weitere Flüge, gez von Hindenourg, Reichspräsident. WÄiche Heimkehr des „GrafZeppelm". Von Berlin nach Friedrichshafen. Friedrichshofen, 3. Off. Die Rückfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" verlief am gestrigen Mittwoch durchaus program mäßig. Dos Luftschiff, dos noch um 9 Uhr über dec Reichshauptstadt weilte, erschien bereits 10.20 Uhr über Leipzig, von Mockau waren drei Flugzeuge aufgestiegen um dem Luftschiff das Geleit über der Messestadt zu geben. 3n der Sonne glänzend fuhr der „Graf Zeppelin- in ruhiger Fahrt über die Vororte nach dem Stadlinncrn, wandle sich dann nach dem Völkerschlachldenkmal und entschwand kurz darauf langsam. Die Bevölkerung, die die Dächer dicht besetzt hielt, bereitete dem Luftschiff einen begeisterten Empfang. Um 11.15 Uhr wurde der „Gras Zeppelin- über Meißen gesichtet. Bereits eine Viertelstunde später führte er einige Schleifenfahrten über Dresden aus. Die Fahrt ging dann über Freiberg, Zwickau nach Plauen, wo er um 13 Uhr eintraf. 3n rascher Fahrt ging es dann über Thüringen. Ansbach wurde 15.08 Uhr mit Kurs Südsüdwest überflogen und die württem- bergische Stadt Ellwangen wurde bereits um 15.30 Uhr erreicht. 16.05 Uhr wurde das Luftschiff von Ulm aus in direkter Richtung auf Friedrichshofen gesichtet, wo es um 16.40 Uhr erschien. Die Landung. Rach einigen großen Schleifen über dem Bodensee näherte es sich um 17.20 Uhr der Luftfchiffwerft. Kurz vor 17.30 Uhr stand das Schiff über dem Landungsplatz, senkte sich langsam, die Landungslaue fielen langsam aus den Bugklappen. Die Landungs- mannfchaften sprangen hinzu und zogen das Schiff zur Erde herunter in die Halle hinein. Friedrichshafen ist heute noch überfüllter als sonst. Alle Hotels sind mehr als vollbesetzt. Selbst von weither kommen Leute, um sich das imposante Schauspiel der Landung aus der Nähe anzusehen. So ist denn der Platz vor der werft von einer großen Menschenmenge umsäumt. An den Toren staut man sich ebenso. Die Menge wird reich belohnt. Das Luftschiff bietet bei dem herrlichen Herbstwetter gegen den tiefblauen Himmel ein wundervolles Bild. Es ist allerdings ziemlich windig. Der Ostwind wird von den Wetter- sachverständigen aus etwa sechs Meter Sekundengeschwindigkeit angegeben, wahrend das Schiff über der Werft kreist, wird ein riesiger Strauß herbstlicher Feldblumen zur Halle gebracht, offenbar ein Gruß für den Führer des Schiffes. Die Probe bestanden. Der „Graf Zeppelin" am Moniag zur Amerikafahrt klar. Friedrichshafen, 3. Ott (Vom Sonderberichterstatter de« WTB.) Der .Graf Zeppelin" liegt jetzt, nachdem er von der großen Menschenmenge mit Jubel begrüßt worden ist, wieder in der Halle. Gr hat mit dieser Dauerfahrt die große Probe für Amerika bestanden, Dr. Eckener sowie die anderen Herren von ‘bet Führung erklärten, daß das Schiff s i ch glänzend bewährt habe. Sm ganzen hat das Schiff 2800 Kilometer zurückgelegt. Die größte Höhe war 2375 Meter während der Rächt über der Rordsee. Während der ganzen Dauer der Fahrt haben die Motoren ausgezeichnet gearbeitet, eS ist nicht die geringste Störung vorgekommen. Auch die B l a u g a s - versuche, die während dieser Fahrt fortgesetzt wurden, haben allen Erwartungen entsprochen, und es hat sich gezeigt, dah auch das gemeinsame Lausen der Motoren auf Blaugas vollkommen einwandfrei funktioniert. Während des größten Teiles der Fahrt ist noch Benzin zum Antrieb verwandt worden, weil das Dlaugas noch Möglichkeit für die Ame rikafahrt auf gespart werden soll. Ein wichtiges Ergebnis, ist ferner, daß das Schiff keinerleiDeformierung zeigte. Gerade bei einer so langen Fahrt können sich an einem neuen Schiff mit dieser riesigen Konstruktion leicht Verbiegungen oder Verlagerungen zeigen. Aber nichts davon ist ausgetreten, obwohl der „Graf Zeppelin" auch mit starkem Wind zu kämpfen hatte, so namentlich im Rhrinlande und über der Nordsee. Das Interessanteste waren diesmal die navi - gatorischen Hebungen während der ganzen Rächt. Der Steuerraum war von dem dahinterliegenden Kartenraum vollkommen abgeschlossen und dunkel, damit die ^Navigation ausschließlich nach den Instrumenten durchgeführt wurde. Es war ein seltsamer Eindruck, sagte jemand, der Dabei war, in «dem dunklen Raum stehend nur das bunte Aufleuchten der Apparate und unten das weite dunkle Meer zu sehen. Mit diesen Hebungen ist die Besatzung für die Amerikafahrt geschult. Dr. Eckener hat sie zum großen Tell s e l b st geleitet. Er hat auf der ganzen Fahrt nur eine Stunde geschlafen, machte aber beim Verlassen des Schiffes einen durchaus frischen Eindruck. Auch der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, Ministerialrat M ü h l i g - H o s f m a n n, hat den Hebungen beigewohnt. Gr erklärte sich von der Fahrt ebenfalls außerordentlich befriedigt. Das Schiff wird jetzt ü b e r h o . , es wird außerdem jetzt das Nachziehen der Hülle beendet. Im Aufenthaltsraum der Besatzung im Innern des Schiffskörpers muß eine Umänderung vorgenommen werden, weil sich gezeigt hat, daß die Ventilation sich zu stark auswirkte. Ueber der Nordsee herrschte in der Nacht fünf Grad Kälte, und dieser eisige Wind setzt die Mannschaft natürlich gesundheitlichen Gefahren aus. Die Aenderung ist aber im wesentlichen bereits durchgeführt. Am Montag wird das Schiff dann für die Amerikafahrt klar sein, so daß die Reise über den Ozean dann sofort angetreten werden kann, wenn das Tief, das augenblicklich zwischen den beiden Kontinenten liegt, vorüber ift. Post und Ver- Pflegling werden vorher an Bord gebracht werden. Die Briefe bekommen den Post tempel vom 7. Oktober. Vorher wird das Schiff voraussichtlich noch eine kurze Werkstättenfahrt machen, um auszuprvbieren, ob die Aenderung der Schlafgelegenheit für die Mannschaft genügt. Die Fahrtteilnehmer schildern ihre Eindrücke in begeisterten Worten. Die Nachtfahrt sri wundervoll gewesen, und einer der schönsten Eindrücke war Rotterdam in der Abenddämmerung. Das Schiff ist überall, auch in Holland und England, wo es sehr niedrig flog, herzlich begrüßt worden. Die Begeisterung in Deutschland ist unbeschreiblich gewesen. sofortige Veröffentlichung deS Testes des Abtommens nunmehr für unbedingt notwendig angesehen werde und nach der Zustimmung des französischen GesamtkabinettS hierzu erfolgen werde. Eine Antwort der britischen (Regierung auf diesen weiteren Schritt wurde bis Mittwoch nachmittag vertagt. Wie Driand dem Ministerrat noch weiter mit* •teilte, werde er sich auf eine Empfangsbestätigung der amerikanischen Note in der Frage der Rüstungsbeschränkungen zur See beschränken und es den amerikanischen, enallschen, französischen, italienischen und japanischen Sachverständigen, die die Vorbereitende Abrüstungskommission bilden, überlassen, die Diskussion, toenn der Augenblick gekommen sei, wieder aufzunehmen. Aus aller Welt. Ein gutes Beispiel. 3n Anllam wird am Sonntag ein Gefallenendenkmal ein geweiht. Erfreulich ist. daß, wie der „Lok.-Anz." meldet, alle Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, an der Feier teilnehmen werden. Dem Denkmalausschuh gehören.Mitglieder der Rechtsparteien, der Demokraten und der Sozialdemokraten an. Vicht nur die Kriegervereine, sondern auch das Reichsbanner und die zum Verbände der vaterländischen Vereine gehörenden Gruppen werden sich an der Feier beteiligen. Geistliche der drei Konfessionen werden sprechen. Bersuchsfohrlen de» Raketenwagens Eisfeld-vallier-Rok II. Auf einer bei Blankenburg gelegenen Strecke der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn .fanden zwei Versuchsfahrten mit dem neuen Raketenwagen „Rak II" statt. Bei den Probefahrten handelte es sich nicht um Erzielung größerer Geschwindigkeiten, sondern um die Prüfung der Betriebssicherheit der Raketen. Die beiden Probefahrten haben nach Ansicht der Sachverständigen vollen Erfolg gehabt Die erste Fahrt wurde mit 25 Raketen durchgeführt. Man erreichte eine Geschwindigkeit von 1 00 Kilometer. Die zweite mit 36 Raketen ergab eine solche von 210 Kilometer. Wichtig war die außerordentlich glatte und ruhige Entzündung der Raketen. Der Antrieb ging nicht ruckweise, sondern langsam vonstatten. Bei der zweiten Fahrt sprangen fast gleichzeitig alle vier Räder ab, so daß der Wagen, der nicht aus dem Gelois sprang, nur auf den Achsennaben weiterlief. Die Schuld liegt daran, daß die Speichen der Räder zu schwach waren. Rückenflug mit Passagier. Der Kunstflieger (Starben hat in Kassel erstmalig einen Versuch unternommen, mit einem Passagier einen längeren Rückenflug auszuführen. Cs gelang ihm unter Anspannung aller Kräfte. 13 M in ulten und 3 2 Sekunden mit Passagier auf dem Rücken ausz-uha'liten. Besondere Schwierigkeiten bereitete Hm das Halten des Steuers, das durch öife Last der Maschine so sehr drückte, daß er es mit beiden Händen hatten mußte. Er kam ebenso wie sein Passagier völlig erschöpft wieder zur Erde. Generaloberst von Scholl f. Dor frühere Generaladjutamt des Kaisers unb Generallapttän der Schloß- um-b Leibgarde, Generaloberst Friedrich v. Scholl, ist in Potsdam kurz vor Vollendung seines 82. Lebensjahres gestorben. Englands Außenpolitik zwischen Frankreich und Amerika. Sobald schon? Zwischen Paris und London scheint ilicht alles zu stimmen. Man hört eigentlich aus den verschiedensten Ecken von Spannungen, die zwischen den Kabinetten entstanden sind, ja sogar von einer beginnenden Entfremdung, die für die Zukunft auch für eine aktive deutsche Politik größere Möglichkeiten eröffnet. Das klingt sehr schön. Aber wir tun doch gut daran, auch wenn die Quellen auf den ersten Blick unverdächtig aussehen, uns sehr skeptisch zu zeigen und nicht in der erstell besten Falle uns fangen zu lassen. Natürlich kann man an den Dingen herum- geheimnissen, und der englischen Politik unterstellen, sie habe von vornherein gewußt, daß Amerika dieses Flottenlompromiß nicht anneh- men würde, habe also so ruhig eine Verständigung mit Frankreich auf dieser Grundlage suchen können, um Zeit zu gewinnen und sich dann nachher wieder mit Anstand zurückzuziehen. Wir haben sicher vor Herrn Chamberlain keine allzu große Hochachtung, ebenso wie hie meisten seiner Landsleute über das, was er Außenpolitik nennt, ziemlich ironisch lächeln. Aber die englische Diplomatie hat doch ein starkes Beharrungsvermögen in sich, sie hat Tradition und arbeitet auf so kurze Sicht nicht. England hat durch die Rachkriegsentwicklung einen Teil seiner DcwegungSfrei-- heit verloren. Es muh Bundesgenvs- s c n suchen, wenn es den Amerikanern gegenüber nicht endgültig die Vorhand verlieren will, und hat deshalb nach her Theorie von den Heineren Liebeln die Freundschaft Frankreichs neuerdings gesucht. Rur soll uns niemand weismachen, daß diese Freundschaft auf Grund eines Flottenkompromifses zu haben gewesen wäre, das England alle Vorteile gibt, während die Franzosen eigentlich so gut wie gar keinen Ruhen davon haben, Weil für sie das Problem der Kreuzer fast gar keine Rolle spielt. Frankreich muh also von England Zugeständnisse auf anderen Gebieten bekommen haben, wenn es sich zu diesem Flottenkompromiß verstand. Dafür spricht auch noch eine andere Erwägung: England bat den Franzosen dadurch den Bau von kleinen Unterseebooten unbegrenzt freigegeben. Man muß sich doch einmal vorstellen, was das bedeutet. Die einzige Basis, von der aus ein Aushungerungskrieg mit U-Booten gegen England im großen Stil geführt werden kann, ist eigentlich Frankreich, weil von da aus die Möglichkeit besteht, die ganzen überseeischen Trans- portwege Englands zu verlegen und fo die Nah- runqsmittelzusuhr mindestens teilweise zu sperren. Nach den Erfahrungen, die England schon mit dem deutschen U-Bootlrieg gemacht hat und die doch haarscharf an den Abgründ beranführten, kann die englische Diplomatie ein solches auch nur theoretisches Zugeständnis nicht gemacht haben, wenn sie nicht greifbare Beweise dafür in der Hand hat, daß die Drohung, die damit in die Hand Frank" reichs gelegt wird, nicht effektiv werden kann bis zu dem Zeitpunkt, wo die amerikanisch- englischen Beziehungen so ober fo gereinigt find. Das ist eine so simple Auslegung, daß hier eigentlich der Schlüssel für das Verständnis des englisch-französischen Kompromisses liegt Und wenn alle mit Engelszungen redeten, um zu beweisen, daß lediglich das Abkommen über die Flottenabrüstung vorliegt, so müssen doch Vernunftgrüirdo zu der Vermutung führen, daß die geschriebenen oder nicht geschrisbenen Abmachungen auch auf das politische Gebiet sehr stark hinüber- greifen; genau in der Form, wie das vor 1914 der Fall war. Das ift eine Tatsache, mit der auch die deutsche Außenpolitik in den nächsten Jahren zu rechnen haben wird. Mmungsverschiehelcheiten zwischen Paris und London. Um die Veröffentlichung des Flottenparts. Paris, 3. Oft. (MD.) Havas bestätigt, daß der gestrige Mtnisterrat sich auch mit der Frage des französisch-englischen Flottenkompromifses beschäftigt habe. Driand habe seine Kollegen über die zwischen London und Paris eingelriteten Verhandlungen wegen der Veröfseullichung des Kompromisses imt errichtet. Die englische Regierung, die vorgestern Über die gleiche Frage beraten habe, scheine gegen die Veröffentlichung zu fein, solange die japanische unb die italienische Regierung, die bisher nur eine provisorische Antwort gesandt hätten, nicht ihren endgültigen Standpunkt bekannt gegeben hätten. 3n voller lleber- elnfthrmmng nut feinen Ministerkollegen wird Briand in London daraus bestehen, diese Veröffentlichung zu beschleunigen, die für notwendig erachtet wird, um jedes Mißverständnis mit Washington zu beseitig en. Der französische Botschafter in London war beauftragt, die Zustimmung des britischen Außenministeriums zur Veröffentlichung des Abkommens zu erlangen. 3m Falle der Ablehnung sollte der Botschafter darauf Hinweisen, daß der Ouai d'Orsay sich dann veranlaßt sehen würde, von sich aus den Schriftwechsel zu veröffentlichen. Arn Dienstag abend traf in Paris bereits die Antwort des Botschafters rin, daß die englische Regierung es a b l e h n e, der fron- zösischen Anregung zuzustimmen and eine Veröffentlichung des Schriftwechsels erst nach Zusammentritt deS englischen Parlaments erfolgen könne. Daraufhin wurde der französische Botschafter beauftragt, der britischen Regierung belanntzugeben. daß in Paris die Oie Wetterlage. locfch-' •Atxrdeen- uTörune Hapjra fAlttv/och, g 3. Okt. 1928,7naMS. MöK * ß © woixemoi Q neuer. ® naiB ocdeckL » volKi» ß oedecet • Rede* * Schnee atraupem e Nebel KWindstille. O-« sch» •eichte» q$i ^5 najjipe» Südsüdwest 0 tiOnuBche» lordtfesl Ole Pfeue iheflcn m>i dem winde. Die beiden Stationen stenenden Zahlen (leben die Temperatur an. Die Limen verbinden OrU eu.flidtiic* tatneeresniveau umac.-eehneteo Luftdnui Wettervoraussage. Der hohe Druck wandert ostwärts nach Rußland ab, zieht aber Deutschland noch mit in sein Bereich. Seine Luftmassen, sowie Aufllarung führten ftum Sinken der Temperaturen die wäh- rand der Rächt vielfach unter Rull lagen. Hannover meldete heute morgen minus 1 Grap, Celsius. Vom Atlantischen Ozean rückt rin Druckfallgebiet nach dem Kontinent vorwärts, daß. wenn auch zunächst die aus dem Hoch ausfließen- den Luftmassen noch die Vorherrschaft behalten, später unter Zufuhr maritimer Warmluft einen Witterungsumschlag herbeiführen dürste. Wettervorhersage für Freitag. Rach kühler Rächt morgens stellenweise nebelig- wolkig, tagsüber wolkig mit Aufheiterung, wärmer, noch trocten. Witterungsaussichten für Eams- t a g. Bei weiterer Erwärmung Witterungsumschlag wahrscheinlich Lufttemperaturen am 3. Oktober: mittags 12,2 Grad Celsius, abends 3,5 Grad Celsius, am 4. Ott: morgens 1,6 Grad Celsius. Maximum 12,9 Grad Celsius, Minimum —0,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 3. Oktober: abends 9,2 Grad Celsius: am 4. Oktober: morgen» 5,8 Grad Celsius. — Son- nenfcheindauer 7% Stunden. SB tJ unbtz^rkt 00 unb °J n n t Usä * •wShi ? »ertagi" y^Äj^ ‘*5 CT®« Ll^L in K A 5 Aalrkn. Sie Ansicht d.'rLach. l g gehabt. Die erste n NflefüM Nm nlb.akeit J" Mt 36 Lairtm meKr-Uchttg^ ^.ruh'ge SntMdung ffing n^t ruckweise, De> der jtodten ™S alle hier Ader o« Nicht aus dm ?n Ächsennaben »aran, daß die Spei, arm. MN«. den U in W Lnwmmen, mit einem uckenflug DiLzuführen. 'Mmmg aller Ätöffe, ' Sefunben mit Südtn Mchrtten. weitete ihm Mi Hal, teMbit MMnr 1 mit beiden Händen (o vir sein Passagier Erde. Scholl f. int bei fatieti und infb Seifyarte, Sc« sll, ist in Potsdam i 82. LebenSsahrei Aus der provinzialhauptstadi. I l^^^.TkLMch^ Pf. das Stück! Vornotizen. Donnerstag. D3ÖH Störung im Theater durch Husten und Räuspern wird vermieden durch Gebrauch von §ag's echten Sodener LNineral-Pastillen. historisches Drama von Shakespeare Hegte: Intendant Dr. Rolf P r a s ch. — Tageskalender für Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Angst". — Astoria« Lichtspiele: „Der größte Gauner des Jahrhunderts . Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 220. Matte 30 bis 35, Wirsing 15, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20. gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 30 bis 40, Römischkohl 10 bis 12. Dohnen (grüne) 30 bis 40, Dohnen (gelbe) 60 bis 70, Unter-Kohlrabi 8 bis 12, Rosenkohl 40 bis 50, Feldsalat 100, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 12 bis 17, Meerrettich 50 bis 150, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 5 bis 6, Falläpfel 8 bis 10, Aepfel 20 bis 30, Dirnen 10 bis 25, Zwetschen 12 bis 15, Preiselbeeren 60 bis 65, Dromboeren 60 bis 65, Hagebutten 15. Russe 100, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bi« 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Eier 16 bis 17, Blumenkohl 50 bis ISO. Salat 15 bis 25, Salatgurken 20 bis 50, Ein- machgurken 3 bis 6. Endivien 10 bis 30, Ober- Kohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15. Rettich 10 bis 20. Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pf. das Dund. Iing, aber nur ibm allem, als zwischen- ! Ölung aus eigener selbstschöpferischer Sprach- traft auch Oba oder sonst etwas Aehnliches gern zugestanden sein, aber „Großvater" sollte das Ziel seiner Bemühungen bleiben. Ruch die „Omina“ will nun mit dafür sorgen, daß ihr liebes Kleines recht hübsch „Großmutter" — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Freitag wird das Lustspiel „Ingcborg" von Kurt Goetz, der den Gießener bereits durch sein Gastspiel »Hokuspokus" bekannt ist, er st auf geführt. Das Lustspiel machte nach seinem außerordentlichen Erfolg in Berlin den Weg über dir ganzen deutschen Bühnen. Oberspielletter Hans Tannert führt Regie. Er spielt selbst die Hauptrolle des Peter Peter. Es wirken ferner mit Ingeborg Scherer, die die gleichnamige: Heldin des Stückes „Ingeborg" darstellt. Die Rolle der Tante Ottilie spielt Luise Jüngling. Es wirken ferne? mit Hans Harser Ottokar, Julius Basis: Conjunktiv. Der Laubfrosch Hadrian... Bühnenbild Karl Löffler. — Sn Dorbereitung ist „Richard IN"., Gießen, den 4. Oktober 1928. Oba. Es wäre kaum zu verwundern, wenn Dorstellungsmassen, die unter dem Einfluß der seltsamen Laute dieser Ueberschcrft in Bewegung geraten, erst dann zu einem vorläufigen Ruhe- punkt kämen, wenn sie bei dem Wortschatz primitiver Naturvölker und der mutmaßlichen Bedeutung solcher Klangbilder angelangt sind, llnö poch gehen diese scheinbar exotischen Schallwellen auch auf unserem aItenN heimischen Kulturboden um. Hier bilden sie nicht etwa Bestandteile einer urwüchsigen oberhessischen Mundart, sind vielmehr hier ebenso zuhause wie darüber hinaus. Es mag dahin gestellt bleiben, bis zu welcher Höhe gesellschaftlicher Schichtung diese zwei klangreichen Silben anzutresfen sind, und bis zu welcher Breite sie die einzelnen Stufen durchdringen: überall, wo sie austreten, finiten wir sie vornehmlich im Hausgebrauch, aber auch in seinen Ausstrahlungen auf gute Freunde, getreue Nachbarn und dergleichen. Doch hier im häuslichen Kreise vollendet sich ihr Schicksal, je nachdem — der Großvater, modern ausgedrückt. Stellung dazu nimmt. Der Fall hat begonnen, für mich „praktisch zu werden". 3d) bin nämlich zum erstenmal Großvater geworden. 3n einem solchen Augenblick gehen Wandlungen vor sich: der Dater konnte seinen Stolz nicht verbergen, ein seliges Lächeln verklärte die Gesichtszüge der jungen Mutter, und die Großmutter wischte mit einem hörbaren Seufzer der Erleichterung an den Qluacn, kurz, alles war froh, und so glaubte auch ich Grund zur Freude zu haben, einmal zur Mitfreude mit allen anderen, dann aber auch zu einer eigenständigen Freude, denn ich war doch — Großvater Ae- worden, voraussichtlich mit allen Ehren und Würden, die diese Stellung in einem auf einigermaßen geordneten Beziehungen auf gebaut en Familienbild mit sich zu bringen Pflegt. Allerdings vollzog sich dieser Eintritt in die neue Familienstellung nicht, ohne daß ein dunkler Schatten über meine freudige Gemütsbewegung glitt: dennGroß- vater werden, heißt ja auch — alt werden! Aber mit diesem Problem hoffe ich schon allein fertig zu werden. Schwerer lastete bald ein anderes auf mir. In dankbarer Freude war die Kunde von dem frohen Ereignis hinausgegeben worden, und nun kamen die Glückwünsche herein: schriftlich waren sie noch zu ertragen, aber mündlich — soweit sie auch mir persönlich galten! „Ah, guten Morgen, Herr....! Was habe ich denn da gehört? Ich gratuliere Ihnen auch herzlich zum — Ob al" So und ähnlich ging es die nächsten Tage weiter, immer waren diese zwei klangreichen Silben primitiv-exotischen Gepräges der Höhepunkt. Eine kleine Pause mit einem erwartungsvollen Zublick ließ mich fühlen, daß ich selbst nun an der Reihe war, mich zur Sache zu äußern. Aber der übliche Dank blieb mir In der Kehle stecken, es würgte mich dieses ewige Gestammel von Oba und Oba, oder gar der temperamentvolleren Abwandlung O b b a. Keine Frage, daß ich in solchen Augenblicken innerer Qual trotz aller Anstrengung nicht gerade voll- freudig erschien, und auch eine Erklärung war bald dafür im Umlauf: „weil es ein Mädchen sei.....", Und dabei hätten doch diese Seelenkünder bei einem einigermaßen hellen Blick in die Welt wissen müssen, daß zwischen einem Mädel von heute und einem Ölungen kaum noch ein Unterschied besteht, geschweige denn nach weiteren 17 Iähren. Dem Fasse aber schlug es den Boden aus, als ich eines Tages nach Hause kam und die junge Mutter mit ihrem Liebling im Arm mich empfing mit den freundlichen Worten: ..Sieh' einmal, wer da kommt! Da kommt ja dein — Oba!": und als das kleine Wesen anfing, mit Händen und Fußen zu zappeln und dazu zu krähen, fügte die glückliche Großmutter noch freudestrahlend hinzu' „Hör' doch mal, was das liebe Wädi dem 0%a schon all erzählen will!" Zwar hielt ich noch krampfhaft an mich, um die Atmosphäre des Augenblicks nicht zu stören: aber sobald wir im Familienkreis« wieder ruhig zusammensahen, er» klarte Ich liebevoll, aber bestimmt, daß ich nicht gewillt fei. mein Leben in einer so verkrüppelten Dasetnsform abzuschliehen, daß ich weder ein Oba, noch ein Obba, sondern nach gutem deutschen Brauch ein Großvater sein und bleiben wolle, ohne daß deshalb irgendwie Gemütswerte verloren zu gehen brauchten. Im Gegenteil. Und ich hatte das Glück, allmählich die rest- lvse Zustimmung meiner Hausgemeinschaft zu sangverem „Liedertranz" (Tßeltburg) begrüßte durch gut oorgetragene Chöre: dem Glockenlied von Lendvai und Wiegenlied von Mozart. Don den Verhandlungen ist zu erwähnen: Begrüßung, Iah- resbericht und Leitung der Verhandlung erfolgten durch den Vorsitzenden, Berufsschullehrer Sengnagel (Grünberg), die Iahrcsrechnung durch Eise (Gießen) und die Niederschriften durch Dber- poftfetretär Liebou (Butzbach). Der vergangene Sonntag war der 68. Geburtstag des Bundes. Das nächste Bundesfest findet am 22. bis 24. Juni 1929 in Weilburg, anläßlich des 100jährigen Bestehens des Gesangvereins „Liederkranz" daselbst, statt. Der Antrag des Vorfitzenden, das Wertungs- singen zu einem Volksliedertag auszugestalten, fand einstimmige Annahme. Desgleichen findet das Wertungssingen erftmalig in zwei Sälen, also geteilt, statt. Als Gesamtchöre wurden festgelegt: 1. mit Orchester: „Weihegruß des deutschen Liedes", komponiert von Goßler: 2. ein noch zu bestimmendes Volkslied. Längere Zeit beanspruchten die Beratungen über die Organisationsfragen, wie Beiträge zum Hessischen Sängerbund, die „Sängerwarte", Beiträge an die Tonsetzergesellschaften und das zweite hessische Sängerbundesfest 1929 in Darmstadt. _ c *• Der Hessische Landes-Lehrer- verein wird in der zweiten Oktoberwoche in Darmstadt zu seiner Iubiläumslagung aus Anlaß des 60)ährigen Bestehens des Dereins zu- sammentreten. Die Tagung wird am Montag, 8. Oktober, durch einen Festakt eingeleitet werden, bei dem der Obmann des Landes-Lehrsrvercins, Rektor Reiber (Darmstadt), in einer Rückschau die leitenden Ideen der Lehrerbewegung in Hessen während des vergangenen Iahrhun- derts beleuchten wird. Verbunden mit dem Festakt wird eine Ehrung der Iubilare fein, von denen noch 140 am Leben sind, davon 18 aus der Gründungszeit des Iahres 1868, weitere 122, die dem Derein über 50 Jahren angehör'N. Am Dienstag wird die geschäftliche Hauptversammlung ftattlinben. Gesellige Veranstaltungen werden an beiden Tagen die freien Stunden in bester Weise ausfüllen. = Der Tierschutz verein für Hessen im Dienste des Vogelschutzes. Eingedenk der großen ethischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung des Vogelschutzes will der hessische Lierschuhverein alle Bestrebungen tatkräftig unterstützen, die der Erhaltung oder der Vermehrung der bei der Schädlingsbe.'ämp|ung so nützlichen Dogelwelt dienen, vor allem durch Schaffung-geeigneter Ristgelegenheiten. Der Verein beabsichtigt, die Beschaffung von geeigneten Risthöhlen zu ermöglichen. 3n Aussicht genommen ist zunächst, für die Schulhöfe und Schulgärten von etwa 900 hessischen Gemeinden Nisthöhlen verschiedenster Art zu ermäßigtem Preise zu vermitteln. ** Zur Richtigstellung. Die Gesangsabtei- (ung der Gießener Polizeibeamten teilt uns mit, daß ihr Chormeister, unter dessen Leitung die Gesangs- obteilung bei der Jubiläumsfeier des Polizeiamtes gesungen hat, nicht Herr Wigger ist, sondern Herr Anton Wickert, der Wirt des Katholischen Der- einshauses. ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Scylachtoiehmarkt: Eine Kub, ein Fresser, eine Färse, 1020 Kälber, 605 Schafe, 534 Schweine. , (wettere Lokalnachrichlen im 2. 'Blatt.) " Wichtige Umbe setzungimHesii- schen Verwaltungsgerichtshof. Das hessische Gesamtministerium hat durch Entschließung vom 27. September den Vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Oberregierungsrat Ludwig >2 ch w a m b in Darmstadt, und den Kreisdirektor Karl Hemmerde für die Dauer des von ihnen bekleideten Amtes zu Mitgliedern des Verwaltungsgerichtshofes ernannt. ** Die Feuermeldesirenen werden morgen nachmittag um 3 Uhr ertönen. Es handelt sich dabei um eine Ausprobierung der Anlage nach dem Abschluß der regelmäßig wiederkehrenden Ueberprü» fungsarbeiten. Zur Beunruhigung der Bürgerschaft ist also kein Grund vorhanden. •• Erster HauSbau an einem neuen Etrahenzug. Für Wohnungszwecke und für ärztliche Praxis wird an der Ecke der Stephan- straße und der Verbindungsstraße zwischen dieser und der Ludwigstraße, entlang dem Bahndamm, ein Reubau errichtet, dessen Rohbau in einigen Tagen fertiggestellt fcin wird. Durch die Errrch- tung dieses Baues ist die obere St-ephanstvaße ausgrbaut, während die Verbindungsstratze mit dem ersten Haus bebaut wird. Aus verschiedenen Gründen empfiehlt es sich, diese Straße alsbald auszubauen: einmal wird gegen den Bahndamm hin ein entsprechender Abschluß geschahen, anderseits ist es wünschenswert, die Straße alsbald zu befestigen. Es fei hierbei bemerkt, daß die Anwohner der Gnauth- und der in nächster Rähe liegenden Straßen schon längere Zeit diese Straße als Zugang zum Bahnhof benutzen. Dieser wird nach der Artigstellung des FinanzaantS- gebäudes sicher noch stärker in Anspruch genommen werden. Das Passieren dieses Weges war seither, insbesondere bet Rachtzeit, keine An» nchmlichkeit, weil die Unterhaltung, Reinigung und Beleuchtung fehlten. " Der Raubüberfall im Wetzlarer Weg bestätigt. Der am Dienstag vom Po- lizei^richt auf Grund einer Selbstbezichtigung des Täters als mutmaßlich gemeldete Raubüber- sall auf eine Sterne im Wetzlarer Weg findet jetzt seine Bestätigung. Die Dame, eine verheiratete Frau, hat bei der Kriminalpoltzet An- z-vigr gegen den Täter erstattet. Bekanntlich ist dem Räuber bei feinem Verbrechen, bet dem er es auf die Geldbörse der Dame abgesehen hatte, der Erfolg versagt geblieben, da die Lieberfallene sich zur Wehr setzte und um Hilfe rief, worauf der Kerl flüchtig ging. Der Täter befindet sich jetzt im hiesigen Untersuchungsgefängnis. Zur Zeit wird nachgeprüft, ob ein anderer Aaubüberfall, der am 11. Sechernbsr in Friedberg stattfand, auch auf sein Konto zu setzen ist. " Diebstähle. Der Polizeibericht meldet: Am 21. September wurde in der Rothol aus ebnem dottt stehenden Auto eine Mappe mit itachstehendem Inhalt entwendet: 1 Fieberthermometer, 2 Rickel-etuis mit Tabletten, Spritzen und Ampullen. 1 Füllfederhalter und ein Paar neue Lederhandschuhe. Am 27. September wurde in einem Hause im Seltersweg an der Dampfheizungsanlage im Kellergeschoß der Manometer (Wasserdruckmesser) gestohlen. Personen, frie über den Verbleib der Gegenstände Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, der Kriminalabteilung in geeigneter Weise OEitteilung zu machen. . . , •• 50jährige8Arberts!ubilaum. Am 2. Oktober konnte der Vorarbeiter Paul Wiedermann aus Launsbach auf eine 50jäh- rige Tätigkeit bei der Firma Soh. Balch. Roll, 3igarrenfabri!en, Gießen, zurückblicken. Bei einer schlichten Feier im Kontor sprach Kommerzienrat Roll diesem braven Veteran der Arbeit seinen Dank aus für die treu geleisteten Dienste und überreicht^ ihm ein Geschenk. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Wiedermann noch viele Iahre bei bester Gesundheit in der Firma tätig sein werde. Reichspräsident v.Hindenburg hatte dem Iubilar In einem Schreiben seine Glückwünsche zu diesem dentwürdigen Tage ausgesprochen. Auch die Angestellten und Arbeiter der Firma überreichten dem wackren Mitarbeiter Geschenke. Der 3u6Har. der auch heute noch sehr rüstig ist und zweimal täglich die Strecke Launsbach-Gießen zu Fuß zurücklegt, ist ein tüchtiger Mensch von lauterem Charakter, dem noch viele Jahre bester Gesundheit beschieden sein mögen. \ ** Der Lahntalsängerbund hielt am Sonntag feinen ordentlichen Sängertag in Weilburg a. d. L. ab. Von den 23 Bundesvereinen mit über 1200 aktiven und 2300 passiven Mitgliedern waren Vertreter vollzählig erschienen. Der Ge- fagen lernt, zumal ja Rotkäppchen auch zur Großinutter zu Besuch gegangen sei. lind schließlich sind wir alle übereingekommen, als Gegenleistung unser Enkelkind selbst auch stets bei seinem vollen Ramen zu rufen, dreisilbig und klangreich, so wie ihn der Standesbeamte in seinem Wörterbuch bestätigt sand und wie ihn die Gote ernst und feierlich mit über die Taufschüssel gab. Wer von den Großvätern und Großmüttern zieht in dielet Sache mit mir an dem gleichen Strang? R. B. ZremdenvorsteUung im Siadttheaier. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Arn Sonntag, 7. Oktober, 18 älhr, finöet die erste Fremdevorstellung dieser Spielzeit statt. Zur Aufführung gelangt „2Irm wie eine Kirchenm aus", Lustspiel in drei Akten von Ladislaus Fodor, deutsch von Siegfried Geyer. Ladislaus Fodor hat mit seinem Landsmann Molnar, dessen „Spiel im Schloß" einen Welterfolg errungen Hai, die Leichtigkeit der Dialogführung gerne. 1: Das Gießener Stadttheater hatte die süd'o.D rutsche Erstaufführung von „Arm wie eine Kirchenmaus" erworben. Der glänzende Erfolg erwirkte, daß sehr viel größere deutsche Dühnrn das Lustspiel ebenfalls zur Ausführung erworben haben. Das Stück unterhält vom ersten bis zum lebten Wort, bringt einen Vorwurf aus dem Leben des Alltags und streift moderne, soziale Probleme, wie Arbeit, Arbeitslosigkeit, Rationalisierung, Arbeitstrab, RLann und Weib und Liebe. Die liebenswürdige, chararnnte Art des Sttls zeigt echtes Thraterblut. Daten für Freitag, den 5. Oktober. Sonnenaufgang 6.07 Uhr, Sonnenuntergang 17.30 Uhr. — Mondaufgang 21.06 Uhr. Monduntergang 13.48 Uhr. 1582: Einführung des Gregorianischen Kalenders: — 1609: der Dichter Paul Fleming in chattenstein (Sachsen) geboren; — 1813: Eleonore Prochaska. Heldin des Befreiungskrieges, in Dannenberg gestorben; — 1857: der Schriftsteller Fedor von Zobel- titz in Spiegelberg geboren; — 1862: der Kolonial« Politiker Wilhelm Sols in Berlin geboren; — 1908: Bulgarien wird Kör-'-»reich. Gieszerrer Wochenmarktpreise Das größte Vermögen für jedermann ist Gesundheit, Schaffenskraft und Wohlbehagen - Durch den Gebrauch von Ferromanganin können Körper und Nerven gekräftigt und widerstands- fähiger werden. In vielen Fäl- len ist es möglich, den Zustand w des Blutes aiifzufriachen und zu verbessern. Durch das alt- bewährte ärztlich empfohlene Ferromanganin wird der Appetit angeregt und besseres Aussehen und Wohlbehagen kann herbeigeführt werden. Sehr angenehm von Geschmack und leicht verdaulich. Original flasche Mk. 3.35 in Apotheken und Drogerien. [8/05V Ferrcmangamn-fieseHschaft Frankfurt a. M. r-fessa ostv^'A in nZ> m, MJJJ hir tixfr raen tintnt vvrwa flicht L jfiS- * " Mar'wui" Ulk'". t’n. DER geben — das Rezept der wunderbaren (Fortsetzung folgt.) Heute in Deutschland in allen Spezialgeschäften für 5 PJ. erhältlich Als Gefangene der Menschenfresser wurden wir scharf bewacht. Aber als unser Wächter eines Tages in der Mittagssonne eingeschlafen war, erstach ich ihn mit meinem Dolche und floh. Todmüde und hungrig traf ich im Walde auf einen alten Said, der eben im Begriffe war, sich aufzuhängen. Auf Befragen erzählte er: „O Fremdling, ich bin Ibasid, der Obertabakmeister meines Königs Nabopolassar, und fiel in Ungnade, weil meine Cigarettenmischungen'meinem Herrn nicht mundeten.“ Dieses hörend, sagte ich: „O Ibasid, bleibe am Leben! Wenn du mich aus diesem Urwald führst, will ich dir ein herrliches Tabakrezept CIGARETTE SALEM AUSLESE £ 87581 t Gestern nacht um 1 Uhr wurde mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Johannes Böcher II. nach kurzem schweren Leiden, im Alter von 55 Jahren, durch einen sanften Tod erlöst Die trauernden Hinterbliebenen: Katharine Böcher geb. Döring und Kinder nebst allen Angehörigen. Bersrod, den 4. Oktober 1928. Die Beerdigung findet Freitag, den 5. Oktober, nachmittags um 2.30 Uhr statt Kreitag, -en 5. Oktober 1928, nachmittags 2 Llhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 4 Sofas, 3 Vertikos, 4 Tische, 2 Stühle, 2 Plüschsessel, 1 Teppich, 4 Regulatore, 2 Warenschränke, 4 Schreibtische, 3 Näh. Maschinen, 3 Fahrräder, 1 Schreibmaschine, 2 Flurgarderoben, 1 Spiegel, 1 Gras, und Getreidemäher, 1 Gasherd, 1 Kommode, 2 Büfetts, 1 Kredenz, 2 Diwans, 1 Ledersessel, 1 Kleiderschrank, 2 Schränk- chen, 1 Partie Lederwaren, Puppen und Spielwaren, 1 Bücherschrank, 1 Kassen- schrank, 1 Schweißapparat, 1 Motorrad, 1 Sprechapparat mit 8 Platten, 1 Schreibladenkasse, r Waschtisch mit Splegelaufsatz, 1 Scbrank, 1 Holzbadewanne, eine Bohr- maschine, sechs Dutzend Handtuchsgebilbe, 29 Kilo Wolle, 1 Strickmaschine, 1 Bild, 17 Bde. Brockhaus Konversations-Lexlkon, 1 Klavier, 2 Pferde. 87450 2. Voraussichtlich bestimmt: 1 Bild. Adhftof Gerichtsvollzieher in Gießen yvVvvl Dammstraße 241, Telephon 2Z9. Einladung an alle Hausfrauen Die kluge Hausfrau versäumt nicht, sich die praktischen Vorführungen von "Labov-ßac" das Polierwunder, von Montag, 1., bis Samstag, 6. Oktober, in der Haus und KüchengerLtehandlung 3* 33. Häuser am Oswaldsgarten anzusehen. — Sie werden über den "Labor-fac" so entzückt sein, daß Sie ihn nicht mehr missen möchten. - Die Vorführungen finden täglich von 10.30 bis 1 Llhr vormittags nnb von 3 bis 7 Llhr nachmittags statt. - Keine Hausfrau versäume, sich die praktischen Vorführungen anzusehen. 8674a "Labov-fae" kostet nur Mk. 1.50 MnMMetl928 nachmittags ab 2 Llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: 1 Büfett, 1 Bücherschrank, Küchenschränke, Kleiderschränke, 1 Nähmaschine (neu, versenkbar), 1 Waschtisch, 1 Ausziehtisch. 5 Oefen (gut erhalten), zwei Schreibpulte, Einmachtöpfe, 5 Weinfässer, 3 Oelgemälde, 1 elektr. Klavier, 1 Diwan, 2 Sofas, 1 Ehatselongue, Gamaschen, Schuhe, Zigarren, Spiegel- glas, Dezimalwaage, Betten, Sessel, 2 Schreibmaschinen, mehrere Küchen- Waagen, Herren» und Damen-Räder und noch vieles andere. Sämtliche Gegenstände kommen bestimmt zur Versteigerung. 8/52D Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28 Telephon 1414 Bekanntmachung. Die auf den 5. Oktober 1928 bekannt- gegebene freiwillige Versteigerung der Maschinen fällt aus. 87470 Danse Gerichtsvollzieher in Nidda. Freh. Gaiitie Feuerwehr Gießen, gegjr. 1855 Feier des 73. Gründungstages im Saale des Katb. Vereinsbauses Samstag. 6. Oktober, 8 Uhr abends Abend-Unterhaltung Gesangsvortrflge.mnsikal.Darbietungen Humoristische Vorträge und Tanz. Nur vom Vorstand durch Karte eingeladene Gäste haben Zutritt. 8586V Der Vorstand. Lithisoieliiaus,Balinlioistr.34 Eröffnet am Montag, dem 8. Oktober. seine Winter-Saison. Als erster Großfilm erscheint: Anna Karenina Nach dem berühmten Roman von Graf Leo Tolstoi. Es folgen dann in kurzen Abständen Unterwelt Der größte Abenteurer- und Kriminalfilm Sein letzter Befehl mit Emil Janninge In der Hauptrolle. Alt-Heidelberg in ganz neuer Aufmachung. Die Heilige u. ihr Narr mit Wilhelm Dleterle in der Hauptrolle. 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Man hat es ferner erlebt, daß einer auf der Bühne tobsüchtig wurde: man muß es abermals mit ansehen, wie der Arme unter die kalte Brause geschleppt wird und vom Polizeirevier zurückgewankt kommt. Es wird einem nichts geschenkt. Aber auch nichts. Goll hatte die Regie und das unbestreitbare Verdienst, daß wenigstens in den ersten beiden Alten Schlag auf Schlag und hinterem- anderweg gespielt wurde. Der dritte zog sich, offenbar ungestrichen, arg in die Länge, bis der Aktschluß mit Ach und Krach unter Dach und «zach gebracht war. (Die Autoren haben sich vermutlich zuletzt in ihrem entfesselten Theater selbst nicht mehr zurechtgesunden.) Goll spielte auch den Buchhalter Haselhuhn aus Merseburg, welcher nach Berlin berufen wird, um eine drohende Pleite abzuwenden, und dem statt dessen das mit dem Anfall, mit der Llnter- hose, der Brause und der Polizei zustößt (siehe osten!), — er war in seinem Element und hatte seinen Erfolg. Aber er sollte doch wieder einmal in einer wirklichen, anständigen, guten Rolle herausgestellt werden:- in einer komischen, versteht sich, denn das ist sein Fach, aber in einer komischen, die man ernst nehmen kann. Jngeborg Scherer war das Pomeränzchen aus Ostpreußen, bewältigte den schwierigen Dialekt mit löblicher Fertigkeit und hatte sich auch entsprechend aus getakelt. — Maria Koch ist viel zu sein für die aufgekratzte Revuediva mit dem Feigenblatt und dem Apfel, aber sie spielte munter drauflos und holte heraus, was zu holen Hochschulnachrichien. — Aus Anlaß der 100-Jahr-Feier des »Hamburger Framdcnblatbes" ist vom Hamburgischen Llniversitätssenat dem Verleger Kurt Brosche! und dem Derlagsdirektor Mast W i e h n e r die neugeschaffene Ehrenmünze der Universität verliehen worden. Kunst und Wissenschaft. Tagung des Reichst erbandes Deutscher Tonkünstler. 3n Darmstadt wurde am Dienstag die Jubiläums tagung des Reichsverbandes Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer im LandeSmuseum eröffnet. Der Ehrenvorsitzende, Generalmusikdirektor Prof. Max v. Schilling gab in seiner Ansprache einen kurzen Lieberblick übet Entwicklung und Ziel des Verbandes. Die Festrede hielt Prof. Dr. Arnold Schering (Berlin), der über die Geschichte des Verbandes sprach. Der Vorsitzende, Arnold Ebel, begrüßte die Teilnehmer sowie die Vertreter des Reichs, der Länder und der Staatsund Kommunalbehörden, die dann ihrerseits die Glückwünsche zur Jubiläums tagt ng aussprachem Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell, überbrachte die Grütze der hessischen Regierung und wies in seinen Darlegungen auf den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Kunst hin. Ramens der Stadtverwaltung begrüßte Bürgermeister Müller die Gäste. Dem Glückwunsch zur Jubiläumstagung fügte er die Mitteilung hinzu, daß die Stadt Darmstadt den prominentesten Mitgliedern des Verbandes die Preismünze in Silber verliehen habe, eine Anerkennung, die vor einigen Jahren geschaffen worden sei, um Höchstleistungen auf ideellem Gebiete zu belohnen. Die Feier war umrahmt von musikalischen Darbietungen. Im Rahmen der Iubiläumstagung „Reichsverbandes der deutschen Tonkünstler Mufiillhrer" fand die Uraufführung dreiattigen heiteren Oper »Die schwarze Kammer" von Ernst R 0 t e r s statt. Dem matten Textbuch, das auf der Bühne fast nichts geschehen läßt, hilft die Musik nicht so recht auf die Beine: Roters steht allzusehr unter dem Einfluß seiner Vorgänger: Puccini ist der Vater der Melodik, soweit diese nicht in bedenkliche Rähe der Operettenbanalität gerät, Richard Strauß der Berater der harmonischen Gestaltung und Franz Schrecket der unverkennbare Pate Der allerdings gekonnten Instrumentation. Dieses Stillonglomerat wirkt denn auch entsprechend uneinheitlich. Was aber an dem Werk versöhmlich stimmt, und was für Roters cin- nimmt, das ist die Hoffnung, die er erweckt: wird er einmal selbständig im Denken geworden sein, wird er einmal aus den Regionen des billigen Operettenmelodiechens zum geschliffenen Edelstein der Volks tümlichen Lustspielmelodie emporgestiegen fein, dann wird Roters sehr wohl in der Lage sein, uns das wirkliche Musiklustspiel zu schenken. Der nur sehr zögernd einsetzende Beifall dürfte als Hauptgrund die mangelhaften Dühnenqualitäten des Librettos haben, Henn die auf hohem Gesamtniveau stehende Wiedergabe hätte sicher viel stärkeren Applaus verdient. Stellen leichter mit hervorragenden Persönlichkeiten beseht werden: wir wissen doch, wie schwer es. ost ist, in kleinen Ländern dafür wirkliche Größen zu finden: aber gerade von ihnen geht immer eine starke Wirkung auf die gesamte Rechtspflege aus. Welcher Ansporn wird es auch für energische wertvolle Raturen, aus dem engen Kreis hinauszustreben. Es ist kein Zweifel, daß in der Reichsjustiz die oft recht engen Bindungen, Heinen ileberliefetungen und Eigenarten, die sich in der Rechtspflege eines kleinen Kreises geltend machen, viel eher überwunden werden. Auch in Der Strafverfolgung und Strafbemessung können Dann erst einheitliche Gesichtspunkte maßgebend werden. Gewiß sind das alles zum Teil noch starke, empfindungsmäßige Erwägungen. Sicher ist vieles in der Frage erst im Anfang der Heber- legung. Das merkte man auch stark in der Beratung des Salzburger Iuristentages über die Frage. Aber die Frage ist einmal aufgeworfen und wird nicht mehr sterben. Cs wird mit ihr gehen wie mit vielen anderen: zuerst wird die Forderung laut abgelehnt: plötzlich wird ihr nicht nut kein Hemmnis mehr entgegengestellt, sondern fiie wird fast als selbstverständlich bejaht. Es darf doch zu denken geben, daß hervorragende Richter des Reichsgerichts, die die Dinge von höherer Warte zu sehen pflegen, tote der Berichterstatter am Iuristentag, SenatSpräsident Reichert, die Frage rückhaltslos bejahen und den Sah sprechen: „Ein Reich, ein Recht, ein Richter!" Reisebnes aus Island Von Or. Hellmut Loh, Gießen. Auf Islands Vogel-Inseln. Daendas Köliun Sept. 28. Hoch oben, im äußersten Rordwesten des Sagenlandes Thule, waren wir am späten Sommerabend mit einem modernen _ Verkehrsmittel, nämlich einem „Auto", nach mühsamer, zerrüttender Fahrt über Stock und Stein, durch Bäche und Flüsse, über Reitpfade und wegelose Berg- wiesen angekommen und hakten int- kleinen Handelsplätze am inselteichrn Fjord wirklich noch ein Plätzchen im „Gestihüs", d. h. Hotel, ausfindig gemacht. Mit Windeseile hatte sich unser Plan tm Städtchen verbreitet, daß wir die vogelreichen Inseln im Fjord besuchen wollten, und während des frugalen Abendessens aus Lachs- und Forellengerichten aller Art, die Fjord und nachbarliche _ Sützwässer überhaupt aufbringen konnten, begrüßte uns schon der amtierende, hilfsbereite Distriktsarzt, um uns noch eine angenehme, freundlich beratende Abend- unterhaltung in deutscher Muttersprache zu ermöglichen. Arn nächsten Morgen erschien in aller Frühe, noch bevor wir Kaffee getrunken hatten, die hohe Geistlichkeit der Stadt, in würdevollem langen Rock, gestreiften Beinkleidern und dem in Island unbedingt Respekt gebietenden, harten Hut, um mir und meinem lieben Freund und Begleiter zu unserer angenehmen Ueberraschung ihr Segelboot für den Inselbesuch zur Verfügung zu stellen. Dankbar nahmen wir an und nachdem wir gemeinsam den Kaffee eingenommen hatten, lieh es sich Sjera Sigurdur nicht nehmen, in hoher Amtstracht das Boot flott und startbereit zu machen. Durch diese segensreiche Handlung eingeführt, konnten wir schon wagen, in unbekannte Gewässer des Eismeeres hinaus zu segeln und die von Land angewiesene vogel- reichste Insel zunächst anzusteuern. Ie weiter wir aber hinaus kamen, umso beängstigender entwickelte sich der Seegang. Wir waren uns einig, daß eine Segelpartie in der Rordsee keineswegs mit einer solchen in den Polarmeeren verglichen werden darf, noch viel weniger mit einer Sonntags-Spritzfahrt auf den Havel-Seen bei Berlin. Die mächtigen Wogen -schlugen immer wilder gegen unsere Bootswände, der Segelmast ächzte, daß wir uns fragten, ob wir wirklich bei dieser Brandung an den senkrechten Felsen der Dogelinseln, die von Ferne drohten, anlegen könnten. Schließlich erreichten wir, nach eifriger, in der frischen Morgenbrise erwärmender Arbeit die Westseite der Felseninsel, wo wir eine Heine Schotterbank zwischen Eine wesentliche Verbilligung wird die Iustizeinheit kaum bedeuten: immerhin wird doch manche Landesinstan; wegfallen und durch eine rationellere Verteilung Der Gerichte und Be- amten allerhand gespart werden. Dieser heute gern hervorgehobene Gesichtspunkt dars nicht Den Ausschlag geben; bei ihm mutz auch beachtet werden, datz die Reichsjustiz eine völlig neue Verteilung der Finanzen zwischen Reich und Ländern bedingt. Eine wesentliche Verringerung der Iustizpersonen soll niemand erwarten. Ob die R e ch t s s p r e ch u n g besser wird ver- mag niemand zu sagen; sie kann es auch bei Den heutigen Einrichtungen werden. Iedoch kann sie jedenfalls großzügiger werden. Denn ein Reichsrichtertum kann und wird von weiteren Gedanken getragen sein, als das Beamtentum kleinerer Staaten. Man muß nur wissen, wie eng oft Der Gedankenkreis vieler Länder- beamten ist. Aber hier seht nun gerade die Gegnerschaft entschieden ein; sie verlangt ein „bodenständiges" Richtertum. Das tut sie mit vollem Recht: ein Mecklenburger könnte in Oberbaden als Richter geradezu verhängnisvoll wirken. Aber wer denkt an solche Uebertreibungen! Jedenfalls müssen sie vermieden und muh ihnen vorgebaut werden. Aehn- liche Schwierigkeiten bestehen übrigens heute schon in mehreren Ländern. Ebenso braucht hier eine im Reich nirgendwo beliebte Berlinerei nicht befürwortet zu werden. Dagegen ermöglicht die Reichseinheit am leichtesten das lange erstrebte .einheitliche Richterdifzipl in ar- recht; sie macht es möglich, daß die höheren Die Ltebernahme der Justiz aus das Reich. Von Geh. Zustizrai Or. W. Mittermaier, o.£i ofeffor derVechte an derUmversitätGießen. Es gibt Fragen, die scheinbar plötzlich aus Dem RichtS auftauchen, während sie in Wahrheit lange vorbereitet sind und in untrennbarer natürlicher Verbindung mit den allgemeinen Verhältnissen stehen. So ist es mit Der Frage, ob es zu wünschen oder gar notwendig ist, dah das Reich die Iustiz übernimmt, daß also Die Richter vorn Reich angestellt werden und im Ramen des Reiches rechtsprechen. Jeder bemerkt sofort, daß es sich hier um Abbau der Lände r f 0 u d e r ä n i t ä t handelt, daß diese lieber- nähme der bisher wohl bedeutendste Schritt zur ilnitarifierung wäre. So ist also die ^rage eine eminent politische. Daneben taucht die Frage der Finanzen auf: ist eine reine Reichsjustiz billiger und wirtschaftlicher? Of.enbar toirD das Problem heute vielfach gerade unter diesem Gesichtswinkel betrachtet. Aber nicht weniger wichtig ist doch auch die Frage, ob nut diesem Schritt die Rechtsprechung verbessert werde. Man sieht, die Frage ist eine unendlich schwere, und daher ist eines sicher: ihre Lösung wird nicht von heute auf morgen erfolgen; soll sie gut sein — und das muß jeder verlangen! —, Dann beDarf sie sorgsamster Heberlegung. Vor allem muh beachtet werden, dah bei der Frage die Verwaltungsgerichtsbar- leit außer Betracht bleibt, soweit die Verwaltung Landessache ift Dann muh wohl überlegt werden wieweit das Reich auch d. e freiwillige Gerichtsbarkeit rnft übernehmen soll insbesondere das Notariat. Im wesentlichen handelt es sich doch um die streitige Gerichtsbarkeit in Zivil- und Strafsachen. Run muh daran erinnert werden dah schon vor 55 Jahren die damalige Reichsregierung die Justiz selbst übernehmen wollte aber sofort dem lebhaftesten Widerspruch der Länder begegnete. Und heute? Die Frage ist noch zu neu, um geklärt zu sein: wie die Stimmung im Volk, in den Parteien, in den Länderregierungen ist, ist schwer zu sagen, besonders bevor die Tragweite der Regelung deutlich geworden ist; auf dem Iuristentag in Salzburg, wo die Meinungen recht scharf auf» einanderstießen, wurde die Uebernahrne auf das Reich im Verhältnis von 3.2 bejaht, immerhin ein beachtenswertes Ergebnis! Vorläufig geben wohl die politischen Erwägungen den Ausschlag; das zeigt Die ganze bisherige Erörterung und ebenso die Behandlung auf dem Salzburger Iuristentag: hie Zentralismus, hie Föderalismus mit alt ihren Beweisgründen. Und ich meine, auch der Anhänger des Einheitsstaates muß zugLben, daß eineallzu- schrofse Durchführung der Vereinheitlichung die größten Bedenken hätte und das Zutrauen ut die Rechtsprechung bei vielen Volksgenossen nicht stärken würde. Denn mit der Rechtsprechung verbinden sich 31a viele Empfindungen alter Välereinrichtungen. Andererseits muß doch bemerkt werden, dah eine Reichsjustiz äußerlich kaum anders als alte Länderjustiz aussehen wtrd. Aber kaum bedeutet die Reichssinanzverwallung einen so tiefen Eingriff in die Ländersouveränität wie Die Reichsjustiz. Wir erinnern uns, daß auf dem Weg Der Gerichtsbarkeit im Mittelalter viele Staaten geschaffen wurden. Sicher ist, daß die Reuerung weitgehend in unsere Reichsvrrfassung eingreift, die von Dem Grundsatz der Ländergustiz ausgeht; aber das wäre dir geringste Sorge. Doch wäre schon in diesem Punkt eine Ueberstürzung vom Liebel. Allmähliche Vorbereitung kann und wird vieles erleichtern, so die Llebemahme der Justiz eines Landes (Mecklenburg!) aufs Reich, die Freizügigkeit der Richter, Justizbeamten (Staatsanwälte!), Rechtsanwälte, ja schon dir bisher noch ganz fehlende Einheitlichkeit der Justizprüfungen, die Verwischung der Landes- qreruen in der Gerichtszuständigkeit. Der Vorschlag vorerst einmal nur die Richter vom Reich anstellen zu lassen, wurde vom Iuristentag verworfen. Dgtz in dieser Frage das Verh 511 - nis zu Deutsch-Oesterreich eure große Aolle spielt, ist sicher: wenn auch die Deutschösterreicher sich kaum vor einer deutschen Reichs- rustiz fürchten, scheint mir eine Justizeinheit zwischen den zwei Bruderstaaten auf lange Zeit undenkbar. _______________ einen zauberhaft schönen Ausblick über den Fjord mit den unzähligen großen und kleinen Felseninseln. Wir halten unser Picknick hoch oben auf der Grasterrasse des steil aufstrebenden Dogelberges, um den die Wogen schäumen und spritzen, Den so zahllose Flugkünstler mit vielfältigem Stimmengewirr umkreisen, dessen Lebewelt uns äußerst interessante Erlebnisse und Beobachtungen ermöglicht. Ein ewiges Kommen und Gehen rings um uns, überall ein Leben voller Freude und Sorge. Da fliegen und eilen Seepapageien davon und stürzen mit raschem Flügelschlag hinunter in Die schaumgekrönten Wogen, au 3 denen schon wieder viele andere, nicht minder eilig, herauf schwirren und mit einem Fischlein im krummen Schnabel flink in Die Höhlen in unserer unmittelbaren Rähe hineinschlüpfen, um ihren hungri ^en Psleg- ling zu laben. Dort auf Den Felssocke in unterhalten sich Dutzende von Mantelmöven, um ganz plötzlich wieder hinab in die Fluten zu stürzen und ihren Pflichten der Fischerei nachzugehen. Aus einem einzelnen Rifs, dicht neben Der Insel, stehen zwei prächtige Raubmöven und schauen mißvergnügt dem Treiben ihrer Verwandten zu, während eine Drutkolonie K 0 r - morane (Phalacrocorax carbo L.) wie Soldaten in einer Reihe ausgerüstet auf ihrem Hvrst- selsen ohne Unterbrechung ihr merkwürdiges Fächeln mit den Flügeln zeigen. Rings um Die Inseln schwingen in behendem Fluge die schneeweißen, gabelschwänzigen Seeschwalben, unermüdlich ihr „kriäh" rufend und plötzlich den mit mächtigen Flügelschlägen und leisem „göd, gbd“ sich nähernden Kolkraben mit toütenDenStimmen und im Verein mit allen anderen Besiedlern des Eilandes aus dem Bereich ihrer Brutstätten zu vertreiben. Rur gaiu vereinzelt ober paarweise zieht die herrliche Elfenbeinmöve (Pagophila ebumca Phipps) in größerem Abstand um unseren Standplatz hemm und streicht schließlich wieder nach den benachbarten, ungestörten Felsllippen im Fjord, um von dort aus neue Beutezüge zu planen. In großes Erstaunen versetzte uns ein isländischer Jagdfalke (Hiero- falco gyrfalco islandus Brünn.), Der unvermittelt auf Der weit im Fjord gelegenen Insel erschien, sich einen Jungvvgel holte und so schnell er gekommen, auch wieder verschwand. Ich hatte den tu Island so selten gewordenen und nun geschützten Hiervsalco auf meinem halbjährigen Aufenthalt nur wenige Male auf ganz einsamen, hochgelegenen Heiden zu Gesicht bekommen und hier erschien er so unerwartet und in allernächster Rähe auf der Dogelinsel, mitten im regen Fjordverkehr. Interessant war Die Beobachtung, daß nicht einer Der vielen tausend Vögel auf dem Fe.sen irgendein Schreckenszeichen beobachten ließ, auch feiner^i Veränderung war in Den vielen Stimmen zu vernehmen, wie Dies bei dem Erscheinen Des Kolkraben Der Fall gewesen war. Sicherlich kannten sie ihn hier gar nicht, er mochte wohl nur zufällig auf seinem Beutezug über Den Kord geraten sein. Lange lagen wir auf dem Grasplateau im warmen Sonnenschein und beobachteten all Das viel- geschäftige ßeben um uns und unter uns. Die lieblichen Papageitaucher hatten durch ihre eifrige Tätigkeit der Futtersuche und ihre niedlichen Figuren vor den Hohlen im Grase unser besonderes Jntevesse erweckt, so datz wir uns mit einigen, unter Sorgfalt gelungenen Photographien von Den bekümmerten Alten, nicht begnügten, sonDern auch ihre tn den tiefen Erdlöchern versteckten Jungen kennenlernen wollten. Aber Die Röhren in dem Torfboden waren ziemlich tief, alle Versuche, einen Heinen Vogel mit Der Hand herauszuholen, schlugen fehl. Sie hatten vielfach eine Länge von eineinhalb bis zwei Meter. Schließlich beobachteten wir einen vom Meere zurückkommenden „P r e st u r 0 d e v L u n d i", wie ihn Die Isländer wegen ferner würdigen, pfarr- herrlichen Haltung nennen, bis er tn einer Rachbarhöhle verschwand, und versuchten, eventuell mit Hilfe des Vaters auch den Sohn zu erhalten. Da uns ja Die von Den Isländern sonst zum Fang gebrauchten Fanggeräte — Schaufel und Stock mit einem Fanghaken an der Spitze — fehlten. Ich versuchte kurzerhand, mit Dem ganzen Ann in Der Höhle, Den alten Herrn „Prestuck herauszuziehen, aber schon hatte er sich so fest in meinen! Zeigefinger verbissen, Daß ich, schmerzhaft gerührt, wieder herausfuhr. Lind siehe da, Herr „Prestur" hing so fest an meiner Hand, daß er ebenso schnell mit herauskam und nun wirklich in unserer Gewalt war. Hinter ihm hatte sich Der junge Vogel ent Stück dem Aus gang feiner Burg genähert, so daß ich ihn nun mit Der anderen Hand auch er- Gießener Gtadttheater. Arnold undBach: „UnterGeschaftsaufficht". Am zweiten Abend des Winterprogramms ereignete sich ein Schwank, an den Haaren herbev gelogen und breitgetreten von Arnold und Bach, welche seit vielen Jahren m Schwanken machen. Dieser hier ist in Berlin wie glaubhaft versichert wird, zweihundertundfunfzigmal gesprelt worden. Den Schauspielern, welche dazu ver- donnert sind, an zwechundertundfunfzig Abenden diesen ... Text zu sprechen. Wird kern redlrch Denkender sein aufrichtiges Mttsefu^vorentha^ ten können. Aber jeDeö Publlkum bekommt Die Schwänke, Die es verdient. Lind solange es sich solche Fabrckate gefallen laßt, ist natürlich Die Fivma Arnold und Dach weit davon entfernt, unter die Geschäftsaufsicht gestellt zu werden, Die ihr seit geraumer Zeit dringend not täte. Es kann aus mancherlei Gründen nicht vom Referenten verlangt werden, dah er Den Inhalt erzähle. Es ist auch nicht nötig, Denn Schwanke sehen sich leiDer seit Llrgroßmutters Tagen so ähnlich wie ein faules Ei dem andern. Es ist ja gesund und aus vielen Llrsachen zweckdienlich, wenn im Theater des öfteren recht bersliÄ gelacht wird. Aber man mutz sich den Kops Darüber zerbrechen, warum nur immer und immer wieder über dieselben alten, schlechten, geschmacklosen und unwahrscheinlichen Dinge gelacht werden soll und muß. mit denen man schon vor Zeiten keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken konnte. Man muh also bekümmert feststellen, dah die Krone des unterernährten Witzes Der beiDen Autoren — man malt sich schaudernd aus, was einer allein zustandegebracht hatte! noch immer Der Mann in Unterhosen ist. Wan kennt nun diesen Anblick zur Genüge. Er ist tm Privat- Den senkrecht aus Dem Meer aufsteigenden Rissen entdeckten. Es gelang auch wirklich über Die hohen Wellenberge in Die kleine Bucht zu gelangen, wo wir uns und unser wertvolles Doot zunächst vor der tosenden Brandung zu beiden Seiten sicher wußten. Lind schon standen wir mitten in dem geschäftigen Treiben des 03ogelbe r g e 8, obwohl wir an dieser Stelle nach Der geblichen Kletterversuchen ohne alpine Ausrüstung bald einfehen mutzten, datz sich die Insel so nicht bezwingen lieh. Rechts und links und auch an Der Rückwand der schmalen Bucht hängen zahllose Rester von Möven aller Art auf den Sockeln, den Vvr- fprüngen und in den Rischen der steilen Wände. Die Felsen sind weithin leuchtend übertüncht von Vogeldünger, injeder Spalte hängen Federn und Daunen aller Wasservrgelarlen und aus der kleinen Geröllbank kriechen und krabbeln unbeholfene Resthocker zwischen den Leichen ihrer Artgenossen davon. Rings um uns, über uns und auf dem Meere ist trotz Der vorgeschrittenen Jahreszeit noch so reges Leben, wie ich es zu Anfang der Brutperiode auf Den Inseln im Borgarfjord im Westlande und überall an Der Rordküste Islands beobachtet hatte. Eiderenten führen ihre behenden Jungen durch die schäumenden Wogen, dreizehige und Mantelmöven find geschäftig bei der Futtersuche und wo das Auge hinfchaut, tauchen und schwirren Die zierlichen Papageitaucher (Fratercula arc- tica glacialis St.) und kehren mit reicher Deute zu ihren Drutplätzen auf den vielen Inseln im Nord zurück. Eine vieltausendstimmige Musik ist hier ununterbrochen über den Wassern, so laut und urwüchsig, wie Die Der wilden Wogen mit ihrer tosenden Brandung an Den kahlen, steil empor- ragenDen Felsllippen. Nachdem wir einige der herrlichen und seltenen Bilder mit Der Kamera festgehallen haben, müssen wir eine andere Stelle zum Aufstieg unter Dem Windschutz des Vogelberges suchen. Rudernd gelangen wir zur Südspitze, wo bald das Doot an einigen Bosaltvorsprüngen sicher festgelegt ist, dann gelingt auch der Aufstieg. Lind welches Leben hier oben! In der torfunterlegten Grasnarbe des oberen Felsplateaus sind tausende von Druthöhlen Der P a vageita uch e r, Die fast alle noch bewohnt sind. Die nieDlichen Burschen habe,: sich hier mit ihren starken Schnäbeln richtige Festungen in den Torfboden gegraben. Fast bei jedem Schritt gerät man in ein solches Eingangsloch, das etwa Die gleiche Größe wie eine Karnickelhöhle besitzt. Die liebe Sonne bricht sich langsam Dahn vertreibt Die über Rächt aufgezogenen Wolkenmassen und beleuchtet war. — Auch Trude Heß, die sehr sauber Konversation machte, hätte erheblich besser in ein ordentliches Lustspiel gepaßt. Aus Dem Ensemble seien noch K n u r, 03 a ft e, Gareis (Der leider stimmlich indisponiert war) und Luise Jüngling genannt. Der Beifall flaute zuletzt stark ab. Dr. Tn. reichen konnte. Neben dem prächtigen Scepopagei mit seiner schneeweißen Brust, den tiefschwarzen Flügeldecken, den orangenen Echwimmfüßen und dem hüvschen roten und gelb gestreiften Papageischnabel, über dem zwei äirgstliche und zugleich feindlichbtitzende Aeugletn leuchteten, lag nun ein undefinierbarer schwarz-erdfarbener Daunenball, der junge „Lundi". Beide muhten nochmal der Kritik t)cr Kamera standhallen und durften sich dann weiter ihres Lebens freuen, wie cs nicht gerade Prinzip isländischer Vogelbergbesucher ist. Spät out Qlbenb verliehen wir den immer noch lebendigen, viel umflatterten Felsen und segelten wieder ‘ westwärts unserem Ausgangshafen und dem abendgeroteten Horizont entgegen. Alle Wolken waren verflogen, die ernt frühen Morgen so drohend das Himmelszelt bedeckt hatten. Die Mitte'.^achtssonne war schon wieder in das Reich der Vergangenheit zurückgetreten, dafür zieht langsam der Herbst in das Eisland, dem so schnell die lange Winternacht folgt. Wieder stehen funkelnde Sterne am tiefblauen Himmel, die während des einzigen, monatelangen Sommer- tages nicht einmal zu sehen waren. Hnt> heute nacht leuchtet uns mit wundersamer Farbenpracht wieder ein Nordlicht, gleichfalls das erste, das ich seit Mitte April wieder am Nordlandshimmel bewundern kann und das uns den schonen Sommertag um ein Erlebnis bereichert. Aus der provinzialhauptssadi. Gießen, dmi 4. Oktober 1928. Kürssrge- und Versorgungswesen in der „Hassia". — Der Verbandstag der Kriegerkante- r a d s ch a f t »Hassia" in Wimpfen hat m der Kriegsbeschädigtenorganisation einige Änderungen gebracht. Die Kriegsopferorganisation führt von nun an die Bezeichnung „Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerh'nterbliebenen der Kriegerkameradschaft Hassia, Landesgruppe Hessen, im Rcichskriegerbund Ktzffhauser'. Der Landesverband zerfällt in Bezirks- und Ortsgruppe, die ihre Versammlungen getrennt von denen der Hassiabezirkc und Vereine abhaltcn. Der B-zirlsobmairn ist Mitglied des Dezirtsvor- standes. Kri:gerwitwen und Kriegereltern können ordentliche Mitglieder der Vereine werden. 3n Gießen befindet sich für Oberhessen eine Geschäftsstelle. Am 10. und 11. November hält die Landesgruppe Hessen des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbltebenen d"r Krieger- rameradschaft „Hassia" in Giehen den Lande s v e r t r e t e r t a g ab, der aller Voraussicht nach aus dem ganzen Lande zahlreich besucht wird, da außer den Vertretern der Bezirke und Vereine auch alle Kriegsbeschädigten und Ktneger- hinterbliebenen, sowie Unfall-, Invaliden- und Sozialrentner des Bundes leilnehmen können. Die Bundes lei tung in Derlut, die Regierung und die Staats- und VersorguügSbehörden werden zur Tagung Ringelnden. Der SamStag (10. Nov.) ist ausgesüllt mit wichtigen Beratungen des Gesamtvorstandes, der Bezirksobmänner und bringt vier die Fürsorge und Versorgung betreffende Referate. Die Hauptversammlung am Sonntag (11. Nov.) wird m l einer Gcf. Ilenene'^rung einge ei et. hat dann außer der üblichen geschäftlichen Angelegenheit die Neuwahl des gesamten Vorstandes vorzunehmen und die Anträge zu beraten. 3m Mittelpunkt der Hattptversammlung steht ein Referat von Major G ö d i ck e (Berlin), dem geschäftsführenden Vorsihenden des Verbandes Der Kriegerhinlerbliebenen und Kriegsbeschädigten, über „Unsere Forderungen zu Rcichsversorgungs- gesetz, Verfahrensgeselz, Fürsorgepflichtverord- nung, Schwerbeschödigtengeseh und sonstigen Gesehen". • ' ** Aus dem Gießener Standesamts- r e g i st e r. Es verstarben in der Zeit vom 16. bis 30. September: 16.: Magdalena Baumann, geb. Straub, Witwe, 60 Fahre alt, Schanzen- strahe 1; 17.: 3ohann Anton Walldorf, 3 Monate alt, Margaretenhütte: 19.: Marie Schnabel geb. Philipps, 74 Jahre alt, Dammstraße 20; Marie Schmalz, geb. Thomas, 49 3ahre alt, Bahnhofstraße 52 A.; 22.: Ferdinand Wiedmeyer, Schreinermeister, 76 3ahre alt, Wolkengasse 19; Elisa- Geld M vom Himmel. Vornan von Paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 8. Fortsetzung Nachdruck verboten. Brodersen wohnle in einer der Höhenstraßen der Stadt, da, wo sich noch vergessene Wein, und Obstgärten gegen die andringenden Steinmassen wehrten. Das große gelbe Haus saß auf einer Bergnase, weit vorgeschoben, die Stadt unten beherrschend. Brodersen erklärte jedem Besucher, daß er nur wegen der romantischen Aussicht das Haus gekauft habe. Bielleicht hätte es der andere geglaubt, wenn nicht Broderfens verkniffenes Lächeln gewesen wäre, das die messerscharfen furchen um die Mundwinkel zeichnete. Er machte nicht den Eindruck, als ob ihm an solchen Dingen viel gelegen märe. Uebrigens war er viel in der Welt umhscge- schweift und hatte wohl Schöneres, Farbigeres, Romantischeres gesehen als diesen süddeutschen Winkel. Dieser geborene Däne hatte fein Geld in allen Zonen erworben. Zn Java, in Rußland, auf den Molukken, in der Türkei, in Australien, wer weiß noch, wo — er hatte längst keine Nationalität mehr und sprach in allen Sprachen, nur nicht in seiner Muttersprache. Jedenfalls war er an keine Stelle der Erde gebunden. In der klatscheifrigen Stadt liefen allerlei abenteuerliche Gerüchte über den Ursprung seines Reichtums uni. Keiner wagte au bestreiten, daß Broder- sens brutale Fäuste blutige Revolutionen empor- gerüttelt hatten, daß ihm aus Blut, Schmach und Niedertracht Gold und immer wieder Gold geflossen war. Aber keiner hätte gewagt, in feiner Gegenwart auch nur die leiseste Andeutung zu machen. Wenn nicht der düstere Mann, den sie heimlich den Gorilla nannten, in seiner immer sprungbereiten Kraft daran gehindert hätte, dann märe es Inge gewesen, die schöne kühle Inge, mit ihrem altmodisch vollen Haarknoten und den tiefen Augen, die auch den Derwegensten entwaffneten. Inge Bro- dcrsen war der Magnet, der die männliche Jugend zu dem gelben. Haus in der Rückertstraße hinaufzog und sie bändigte. Als Kurt Grolteck an diesem Freitag den Vorgarten durchschritt, scholl ihm schon Stimmengewirr entgegen. In der Halle kam Blinsky auf ihn zu, Lrodersens Prioatsekrctär. beth 3oseph, geb. Goldschmidt, Witwe, 70 3ahre alt, Liebigstraße 47; Katharina Heinstadt, geb. Horst, 80 Fahre alt, Wolfstraße 20; 23.: 3ost Ziliox, Fuhrmann, 67 Fahre alt, Wetzlarer Weg 80; 24.: Marie Winckler, geb. Köhler, Witwe, 79 Fahre alt, Frankfurter Straße 5; 25.: Erna Anna Buchenau, 2 Tage alt, Bahnhofstraße 20; Fohannes Fink, ohne Beruf, 81 Fahre alt, Rodheimer Straße 47; 27.: Katharina Wei- ßenstein, geb. Walther, Witwe, 74 Fahre alt, Molttestraße 28; 30.: Katharina Walther, geb. Bauer, Witwe, 68 Fahre alt, Hillebrondstrahe 3. Der Kreisverein der Bürgermeister des Kreises Gießen hielt dieser Tage unter der Leitung seines Vorsitzenden, Bürgermeisters F e n d t-Hungen, im Hotel Hopseid eine Versammlung ab. Dor allem beschäftigte man sich mit der Vergütung der Bürgermeister und der Besoldung her Beamten in den Landgemeinden. Fm Anschluß an einen Bericht des Vorsitzenden über den derzeitigen Stand der De- soldungsregelung entwickelte sich eine lebhafte Aussprache, die sich auf die Ausschreiben des Ministers des Fnnern, des Kreisamtes Gießen und die vom Landesverband der hessischen Bürgermeister herausgegebenen Grundsätze bezog. Man beschloß, dafür einzutreten, daß der vom hessischen Landgemeind-tag herausgegcbene Plan für die lleberleihtng der Gemeindebeamten in die neuen Besoldungsgruppen, sowie die besonderen Vereinbarungen zwischen Landgemeindetag und der Gewerlschaft hessischer Gemeindebeamten und die vom Landesverband hessischer Bürgermeister herausgegebenen Grundsätze für die Äeberleitung der Bürgermeister der Landgemeinden in die Besoldungsgruppen des Landes- beamten-Besoldungsgesetzes als allgemeine Grundlage für die neue Besoldungsregelung dienen sollen. Da eine solche Regelung in vielen Gemeinden noch nicht erfolgt ist, wurde der Vorstand mit einer persönlichen Rücksprache beim Kreisamt Gießen beauftragt. Fm weiteren Verlaufe der Versammlung wurden Angelegenheiten interner Verwaltungsarbeit erörtert. ** Lehrausflug zum Rhein und zur Pressa. Unter Führung des Gewerbelehrers Le ich um unternahmen dieser Tage Schiller zweier Oberklassen der Berufsschule Gießen einen dreitägigen Lehrausflug an den Rhein und in die „Pressa". Die Fahrt ging durch das liebliche Lahntal mit seinen malerischen Städten, Burgruinen, Schlossern und alten Kirchen nach Koblenz und von hier nach Besichtigung der Stadt mit der links- rheinischen Bahn bis zum Rheinstädtchen Nieder- breifig. In Niederbreisig wurde der Dampfer bestiegen, der die Schiller in vierstündiger Fahrt durch den schönsten Teil des unteren Rheinlaufes führte, vorbei an den lieblichen Orten Linz, Re- magen, Honnef, dem Siebengebirge, Königswinter, Bonn, Rheydt bis nach Köln. Schön war die Ankunft in Köln, denn es war inzwischen dunkel geworden und Tausende von Lampen erhellten die User und die Ausstellungsgebäude der „Pressa" am Rhein, dunkel hoben sich Kölns Türme vom hellerleuchteten nächtlichen Himmel. Wahrend der Fahrt wurde auch der Dampfer, ein ganz neuer Typ der Köln—Düsseldorfer Schiffahrtsgesellschaft, ausgestattet mit Dieselmotoren und allen technischen Neuheiten, eingehend mit all seinen Einrichtungen und Maschinen, besichtigt. Der zweite Tag war aus- Smit Besichtigungen in der „Pressa" und dem j der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Kölns. Die „Pressa" mit ihren vielen gewaltigen Darbietungen aus allen Gebieten, welche nur irgendwie mit dem Nachrichtenwesen und der menschlichen Verständigung aller Zeiten zufammenhängen, machte auf alle Teilnehmer der Fahrt einen großen Eindruck. Die Rückfahrt erfolgte am dritten Tage durch das Tal der Apper, der Sieg mit seinen 38 Brücken und 13 Tunnel, der Dill, über Siegburg, Betzdorf, DillenbMg, Wetzlar nach der Heimatstadt Gießen. Der Lehrausflug mit all den vielen Eindrücken und Erlebnissen wird allen Teilnehmern fruchtbringend jein und unvergessen bleiben, hat er doch die Schüler mit einem schönen Teile ihres engeren Vaterlandes bekanntgemacht und ihnen die Betriebsamkeit und den Fleiß Jahrhunderte alter deutscher Städte vor Augen geführt. ** Familien tag der FamilieScriba. Dieser Tage fanb in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz von Dekan S c r i b a (Nidda) der 12. Familientag der Familie S c r i b a statt, an dem nahezu 100 Glieder der Familie teil* „Sie kommen spät, Herr Baron." Grolteck berührte vorsichtig die schlaffe, immer etwas feuchte Hand des Russen. „Den Baron müssen Sie sich jchon abgewöhnen! Dazu habe ich es bis jetzt nicht gebracht, na, und nun sind die Aussichten ja herzlich schlecht." Blinsky lächelte sein kühles, dürftiges Lächeln. „In Deutschland hot ja jeder Mensch einen Titel. Es ist, als ob der Name nicht angefaßt werden dürfte." „Immerhin ist es vielseitiger als in Ihrer Heimat." Blinsky nickte. „Da genügt das Wort ,Genosse'." „Na, jedenfalls erlauoe ich die Abnützung meines Namens — Genosse Blinsky!" Ein böses Lächeln zuckte über die Züge des Russen. Er sagte mit einer übertriebenen Gebärde der Devotion: „Sie haben ja solche Titel auch nicht nötig. Sie sind ein musikalisches Genie. Das adelt in allen Ländern." Grottcck empfand jedes Wort wie eine Beleidigung, doch er schob es auf feine Nerven, die nicht ganz intakt und etwas zu empfindlich waren. Er war froh, als er abgelegt hatte und in das große Zimmer treten konnte, wo Brodersen breit und schwer in einem altdeutschen Lehnstuhl wuchtete, umgeben von einer Schor Herren, die seinen Worten ergeben lauschten. Inge stand im Hintergrund des Roums auf. „Vater, Herr Grotteck ist do." Brodersen hielt im Sprechen inne, beugte sich leicht vor und sagte, ohne sich zu erheben: „Seien Sie gegrüßt, junger Freund. Sie haben es übrigens nicht nötig, sich rar zu machen. Sie sind in meinem Hause immer willkommen." Nur dos leichte Lispeln beim Sprechen erinnerte etwas an feine dänische Herkunft. Nun stand Inge vor ihm. „Was Sie mir neulich für einen Schreck eingejagt haben! Es war, als ob der Wind Sie auf meinen Wogen geweht hätte." „Ich hatte eben Glück." Er folgte ihr bis zum Platz des Hausherrn, der ihm seine harte, schwere Hand entgegenhielt, diese Hand, die noch immer an die Bauern und Arbeiter unter seinen Vorfahren mahnte. Dann nahm er in einem der entferntem freien Sessel Platz, das bunte Durcheinander der Gesellschaft musternd. Alle, die hier versammelt waren, trugen eine erkünstelte Behaglichkeit zur Schau. Es war, als ob sie jedesmal wie Schüler vor dem Lehrer zu sammenfnhren, weim sie unaufmerksam genahmen, die zum Teil auZ weiter Ferne (Bremen, Schlesien, Rheinland, Westfalen, Waldeck) yerbctgeeilt waren. Der Familienbund sieht auf eine Dauer von 47 Fahren zurück und ist einer der ältesten unter allen bürgerlichen Familienvereinigungen. Er besaß ein bedeutendes Familienstipendium, das nunmehr wieder auf die Höhe gebracht werden soll, eine gedruckte Genealogie, die bereits in drei Auflagen (1824, 1883 und 1910) erschienen ijt und seit 1900 ein eigenes Familienblatt. Fm Mittelpunkt der Feier stand diesmal neben geschäftlichen Verhandlungen und dem geselligen Beisammensein ein Vortrag des Schriftleiters des Familienblatts, Professors P r ä t o r i u s (Darmstadt), aus der Geschichte der Familie, der durch prächtige, eigens dazu angefertigte Lichtbilder eine feine Ergänzung fand. Die Lichtbilder zeigten hervorragend^ Glieder und denkwürdige Stätten der Familie, genealogische Statistiken und Ahnenreihen. Die Festrede hielt Pfarrer S c r i b a (Groß-Gerau). Tie Familie stammt aus dem Waldeckschen, wo der Ahnherr im 16. Fahrhundert evangelischer Pfarrer war. Seitdem hat sie sich über ganz Deutschland ausgebreitet. Glieder der Fanrilie wohnen in Fndien, Fapan. Südafrika, Amerika und Mexiko. Das 50jährige Fubiläum der Familie soll in drei Fahren in größerem Stile gefeiert werden. Oberhessen. Lanrkreis Gietzetr. -> Aus dem oberen Lumdatal, 3.Oft. Fn unseren Dörfern summt jetzt die Dreschmaschine. Der Ertrag an Stroh und Kornern ist befriedigend. Die Kartoffelernte geht ihrem Ende zu. Der Ertrag ist trotz der langen Trockenheit besser ausgefallen als man erwartete. * Ettingshausen, 3. Oft. Fn diesen Tagen werden es 25 Fahre, daß Pfarrer N i e s in itnferm Kirchspiel wirkt. Die beiden Gemeinden empsinden es mit großer Dankbarkeit, was er in dieser langen Zeit ihnen als Prediger, Seelsorger und Fugenderzieher geleistet hat. Ohne sich zu schonen, hat er sich allezeit für die Ausgaben und Pflichten seines Amtes eingesetzt. Klar und eindringend waren seine Predigten, offen und ehrlich die ganze Art, wie er sich gab. Immer und gegen jedermann war er hilfsbereit, und es werden nicht viele sein, denen er nicht durch kluge Beratung und tatkräftige Hilfe wertvolle Dienste geleistet hat. Die beiden Gemeinden werden es sich nicht nehmen lassen, dem Jubilar in geeigneter Weise ihren Dank für alle Mühe und Treue abzustatten. Seit einigen Fahren ist er über die Grenzen seiner Pfarrel hinaus bekannt geworden durch seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Dekanatserziehungsvereins. Es ist eine schwere, viel Opfer an Zeit und Kraft erfordernde Arbeit, die er damit leistet. Nahezu 200 Zöglinge betreut er hierbei jahraus, jahrein, für die er geeignete Dienst» unb Pflegestellen im weiten Umkreis des Dekanates Grünberg schafft. Daß diel Aerger und Enttäuschungen damit verbunden sind, ift keine Frage, aber er darf auch die Genugtuung haben, manchem von seinen Zöglingen wieder zurecht- geholsen und auch mancher Famllie geeignete Hilfskräfte zugeführt zu haben. Möge es ihm vergönnt fein, diese wertvolle und sowohl kirchlich wie sozial ungeheuer wichtige Arbeit noch weitere Jahve zu leisteni gr. Grüningen, 3. Oft. Erst in den letzten Tagen begann bei uns die Kartoffelernte. Das Obstabmachen, insbesondere die überreiche Zwetschenernte, und die zum Teil noch recht grünen Kartoffelsträucher hielten die Leute bisher noch davon zurück. Das Ausmachen ist in diesem Fahr ein Vergnügen, da die gesunden Knollen (es gibt fast leine faulen) sich ohne besonderes Abreiben recht sauber aufl.'fen lassen. Fm allgemeinen ist man mit dem Ertrag recht zufrieden; hatte man doch nur infolge der anhaltenden Trockenheit int Juli und August mit einer geringen Ernte gerechnet. Nur ganz trockene Aecker liefern schlechten Ertrag, während feuchtes, schweres Land zum Teil eine recht gute Ernte bringt. Wir können also für unsere Gemarkung eine gute Durchschnittsernte verzeichnen. — Bereits zwei Wochen werden hier Z w e t - scheu durch Händler auf gekauft. Die Preise bewegten sich von 8 Mk. auf 8,50 Mk. 9, 10 bis 10,50 Mk., um in den letzten Tagen auf 10 Mk. zursickzugehen. DLich, 3. Oft. Während in früheren Jahren alljährlich um diese Zeit reger Handel mit Obst getrieben wurde, steht dieser Handel jetzt fast still. An der Bahn wird wegen der nur sehr geringen Obsternte überhaupt nichts berlaben. en und der katholischen ige Zierde unserer Stadt > auf annähernd 150000 tvechung des neuen Sot- krachte ein Schuh, und nndieganzeSchrot- ehr feite der Daseins echten Wnersäger dürste 'chmerzliche Folgen haben. Südir.g:». innerhalb dieses Jahres rer nach Erreichung der igrmy m den Buhe« Sie Haden alle drei hier , einer sogar seine ganze i verbracht jür Lehrer Studienassessor CuU" e hiesige Realschule lö. )rer M T-iservon ■ erledigten Lehrerstellm feine 'n. «ro*1 «n» Sau|e W ey&ig ■ fP—zB. und V in dem 0 §on, ichtum, der u X stand, g flen, be Makern <*nC" ^auAs^rb -OS LxZ w Erna Jeldhausen i Ludwig Laer Verlobte | Weilburg ^Lahn Gießen (G Übanlage 15) | Ottober 1928 o7ooi ; zwei weißen Zetteln au s zwölf Fahre wie» dergewählt. Die Wiederwahl des Beigeordneten Tremöhlen wurde mit 27 gegen 26 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen a b g e - lehnt. Um die hessische Landes-Gewerbeschau. WSN. Darmstadt, 3. Okt. Die Generalversammlung des hessischen Landesverbandes für Handwerk und Gewerbe halte vor geraumer Zeit beschlossen, im Fahre 1929 oder 1930 eine große Landesausstel- lung von Handwerk und Gewerbe im Keistaat Hessen, und zwar in Darmstadt, zu veranstalten. Als in der letzten Sitzung des Der- bandsausschusses über die Angelegenheit Bericht erstattet wurde, hörte man, daß Darmstadt sich große Mühe gibt, die Ausstellung mit der Feier seines 600jährigen Stadtjubiläums zu verbinden, und daß auf der anderen Seite auch Mainz Anspruch auf die Ausstellung erhebt, ja schon positive Vorschläge gemacht hat. Fn der letzten Sitzung des Landesausschusses zeigte sich nun plötzlich wieder geringere Neigung für die Veranstaltung der großen Landesgewerbe- schau. Man war verschiedentlich der Auffassung, daß der Veranstaltung von Lokalschauen an möglichst vielen und selbst kleineren Plätzen der Vorzug zu geben sei. Eine erweiterte Sitzung des Landesverbandes, die in etwa sechs Wochen in Offenbach stattsinden soll, wird nun über das Schicksal der Landesgewerbeschau entscheiden und gegebenenfalls sagen, ob Darmstadt oder Mainz die Stadt ist. Das Endergebnis der Frankfurter Herbstmesse. WSN. Frankfurt a. M., 3. Okt. Bereits gestern stand das Urteil über das geschäftliche Ergebnis der Frankfurter Herbstmesse fest. Es kann dahin zusammengefaht werden, daß ihr Erfolg ziemlich gleichbedeutend ist mit dem der vorjährigen Herbstmesse, allerdings mit einigen Einschränkungen, die sich bei der Textilabteilung aus Konjunkturverhältnissen ergeben und bei der Schuh- und Ledermesse aus dem Sperrverbot von Derbandsseiie. Sehr gut abgeschnitten haben die Abteilungen Hauswirtschaftsartikel, weniger gut die Möbelmesse, ine nur in einigen Abteilungen recht befriedigend war, sowie die Lebensmittelgruppen, und zwar hier vor altem die deutschen, italienischen und österreichischen Aussteller. Wie schon früher erwähnt, hat sich diesmal ein weiteres Wachsen des Einflußgebietes der Messe gezeigt, auch der Ausländerbesuch hat zugenvmmen. Der letzte Tag hat nur hin und wieder einiges Geschäft gebracht, im großen und ganzen stand die Messe unter dem Zeichen des Aufbruches. Nur die Lebensmittelausstellung bleibt für weiteren Besuch bis zum 9. Oktober zugänglich. Berliner Börse. Berlin, 4. Okt. (WTD. Funkspruch.) Nach- dem die gestrige Abendbörse im Zusammnchang mit dem Ausland auf Abgaben der Spekulation einen schwächeren Verlauf genommen hatte, läßt sich heute früh eine Tendenz noch nicht erkennen. Das Geschäft ist vorläufig sehr ruhig. Man taxiert die Kurse wenig verändert (Siemens 397 und Farben 266), glaubt aber, daß' der kräftig erholte Schluß der gestrigen Neu- yorker Börse hier ebenfalls zu einer freundlicheren Stimmung beitragen dürfte. Am Devisenmarkt nennt inan: Paris 124.03, Madrid 29.76 zu 29.78,. Mailand 92.72 zu 92.76, das Pfund 484.85 zu 484.92 und den Dollar 4.20. Schon wSsdev fcte alte« SevdakrrngMösstnsetr? Lassen Eie sich einmal raten: Essen Eie regelmäßig Diese bringen und hallen Ihre Verdauung in Ordnung. Als man sie mir varschlug, war ich auch ungläubig, aber die ver» bauungeregclnbe und -fordernde Wirkung van „fiufele' hat mich bald eine« besseren belebet und wirb auch Eie überzeugen. Llberbles schmecken die Kusekc-Euvpen ganz delikat, gar nicht zu Dergleichen mit den sonst wohl üblichen Echleimsuvpen. Kochrezepte für Abwechselung bietende Suppen liegen jeder Dose bei. bis 4 Mk., Honigbirnen der Baum etwa 1 Mk. 3ct der Versteigerung der Aepfelbäume in der 2ähe des Wasserhochbehälters des Gutshofes leu-ällrichstein tarn es zwischen einem Obstaufiufer aus dem Kreise Gießen und dem Auf- iufer der Obstverwertungsstelle Luckau (Nieder- Lcrisitz), die zur Zeit hrer Obstauskäufe tätigt, u Streitigkeiten mit angeblichen Beleidigungen, <3 zum Abbruch der Versteigerung führten: ie Angelegenheit dürfte Wohl ein gerichtliches kachspiel haben. Bemerkenswert ist, daß die tafcolferung des hiesigen Bezirks wegen der lielfad) preisverteuernden Aufkäufe der, Obst- kLk Luckau, des Entzugs besserer Sorten Obst mö der vielfachen älnmög.ichkeit des Obststeigerns viv ärmere Kreise sehr erregt ist. | ges “I* Ruppertenrod, 3. Okt. Gestern fand l W m den Provinzialstrahen die diesjährige O b st- Ile L bet Volksschule hier übertragen, während Ille andere durch die Pensionierung des bisheri- o n Lehrers freigewordene Stelle von Schul- - ilsanwärter Röhrig aus Pohl-Göns veröltet wird. Kreis «chotten. -Rudingshain, 3. Okt. Ain Sonntag bc- nug der hiesige Kriegerverein zusammen Kit dem Kirchweihfest die Feier seines 50j ah- . qen Bestehens. Vormittags fand gemein- -tätlicher Gottesdienst statt, in dem Pfarrer 1 ® m e r besonders der Gefallenen gedachte. An- iiiliehend wurde auf dem Friedhof am Gesallenen- kntmal von dem Krieger- und dem Ge- 'la na verein das Andenken der gefallenen 5 iameraben geehrt, wobei Bürgermeister H a ri- «nn namens der Gemeinde, Karl Lang i ^henrvd) für den Dezktsvrrband der „Hassia" ni3> L. Straub für den Kriegerverein Kränze 1; - iertegten. Nachmittags bewegte sich ein statt- (fjer Festzug durch die Ortsstraßen. Der Ver- | n-Vorsitzende L. Straub begrüßte auf dem -fplatze die in großer Zahl zu Gast erschienenen irksvereine, weitere Ansprachen hielten dann •CG ,Hassia"-Dezirksvorsitzende Scriba und Zehrer Link von hier. Bei froher Geselligkeit )>iiren die folgenden Stunden des Tages in an- tneunter Weise ausgefüllt. ' D Lardenbach, 3. Oktober. Der Landwirt ;oc i Schwanke wäre beinahe ein Opfer der Lichtleitung geworden. Als er einen Sack mit .arrtosseln in den feuchten Keller trug und an I ie tragbare Kellerlampe griff, blieb er hän - !,LN und tonnte sich nicht vom Platze bewegen. O Versuche, sich zu befreien, blieben erfolglos, luf sein verzweifeltes Rufen eilte die Frau des !n glücklichen herbei und riß den Stecker aus der -keckdose. Wieder eine ernste Mahnung zur Vorsicht mit der Elektrizität in feuch- m Räumen! l Burkhards, 3.Okt. Der Zweigoerein Hotten derGustav-Adolf-Stiftung iertc hier am Sonntag sein Fahresfest. nt Festgottesdienst predigte Pfarrer R v o s - Üernheim und wies mit eindringlichen Worten m die Pflicht evangelischer Bruderliebe hin, chm die evangelisch-kirchliches Leben in der Dia- |:r>Ta nicht gedeihen kann. Die Festkollekte betrug 132 Mk., ein für die kleine Gemeinde recht an- fihvlicher Betrag. 3n der Nachversammlung brich zuerst der Vorsitzende des Zweiavereins Cctyotten, Hosprediger Widmann, welcher bte 'ruße des Hessischen Hauptvereins und des De- mots Schotten überbrachte und dann noch aus riiter eigenen Tätigkeit in der Diasporagemeinde ber-Mörlen erzählte. Der Fe st Prediger gab rbonn ein lebensvolles Bild seiner Gemeinde iittenseld, in deren Frühgeschichte und Wachsen c Zuhörer eingeführt wurden. Der Schrift- ihrer des Zweigvereins Schotten, Pfarrer ir itsch-Herchenhain, erstattete den Fahres- richt und hob hervor, daß trotz anerfcnnenS- Girier Leistungen im Gebiet des Zweigvereins cif den Kopf der evangelischen Bevölkerung nur er bescheidene Betrag von 4 Pf. für die Zwecke es Gustav-Advlf-Derenis geopfert werde: es ri unbedingt erforderlich, daß die Gaben reich- tz« flöhen, wenn der Gustav-Adolf-Verein seine ten Fahr zu Fahr sich steigernden Ausgaben er- " finden wolle. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Breun- lirt, sprach das Schlußwort und gab dorn Dank |ter Festgemeinde Ausdruck. Kreis Alsfeld. '< Homberg a. d. Ohm, 3. Oft Bei der bbstversteigerung an der Provin-ialstrahe honiberg — Dannenrod waren die Obstpreise ücht so hoch Es waren eine große Zahl Steigerer von hier und Dannenrod, außer zwei Obst- afkäusem, erschienen. Der Zentner Tafel- umd Dittschaftsäpfel kostete 5 bis 8 Mk., Kelteräpfel E/anefen: ) Venus '§&Mars (TjjJi/fl/ter |kA,Äpifp v.Vlxrmeyer'SMedizinal- HCk0U ’vCljC beseitigt, nachdem bis dahin all« anderen an» gewandten Mittel versagten. Doslass. D. in D. Der St. M. -.65, 30% verstärkt M. 1— Zur Nachbehandlung ist Lerba-Ereme besonders tzu empfehle». Zu hab. In all. Apache Drog. u. Darf. 6. Oktober, 2'/, Uhr nachm. 7. Oktober, 2 Täglich frische Seefische! Qualitätsware in großer Wahl M-SMlMW.MMU'' Tel. 2417 7944a Marktstraße 14 4 Tafeln Vollmilch ä 100 Gr. nur Mt. 1.00 ütAlinen: in reicher Auswahl und schönen, ansprechenden Packungen ioo Gramm p" Mk. 0.25 500 Gramm zu Mk. 1.30 MeS garantiert fabrikfrisch Alles garantiert fabrttfrlsch Emmericher Waren Expedition 83240. 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Auf diese Fragen gibt eine Zusammenstellung des Deichsverkchrsministe- riums erschöpfende Antwort. Am 1. Februar d. 3. belief sich die Gesamtzahl der in Deutschland amtlich zugelassenen Flugzeuge auf 475, die Zahl der in die Flugzeuge eingebauten Motoren 554. Die Zulassungsnummern für Flugzeuge laufen von 1—1315, von denen aber nur der dritte Teil von Flugzeugen besetzt sind. 3n der Liste der Flugzeughalter steht dre Deutsche Luft-Hansa mit 145 Flugzeugen an der Spitze. Die regionalen Gesellschaften der Luft-Hansa besitzen zusammen 21, die Bayerische Derkehrsflug-G.m.b.H. 4 Flugzeuge, so daß der deutsche Luftverkehr mit 170 Flugzeugen, 35 v. H. aller zugelassenen Flugzeuge, innehat An zweiter Stelle steht die Deutsche Verkehrsfliegerschule mit 76 Flugzeugen. Es folgen die Deutsche Versuchsanstalt mit 44, die Deutsche L u f t f a h r t - G. m. b. H. mit 20, S « v « ra mit 18, die Junkerswerke mit 14, die Raab-Katzenstein-Werke mit 12, der Aero-Expreß, die Stadt Leipzig, die Alb atrosflugzeug werke, die S p o r t f r u g - G. m. b. H. und die Stadt Würzburg mit je 6. Von Flugzeughaltern, di« nicht Luftfahrtunternehmungen sind, steht der Zirkus Sarrasani mit 5 Flugzeugen vor dem Ullstein-Verlag mit 3 Flugzeugen. Der bayerische Staat besitzt als einzige deutsche Landesregieruna 2 Flugzeuge. Unter den privaten Flugzeughaltern sind alle möglichen Firmen und Kaufleute vertreten. Als Frugzeugfirmen sind gegenwärtig in Deutschland neben den Äunkerswerken, die den Hauptanteil an der deutschen Produktion mit 51 Prozent haben, die Heinckel-Werke, Raab- Kahenstein, die Bayerischen Flugzeugwerke, Albatros Daimler, Fokker und Focke-Wolf tätig. Die Motoren bauen in der größten Lieber- zahl die Bayerischen Motorenwerke, aber auch Junkers, Siemens, Daimler, Daimler-Benz und Stöwer sind für den Flugmotorenbau tätig. Alle Firmen, die für die deutsche Luftfahrt tätig sind, liefern Spitzenleistungen und sie haben sich damit einen internationalen Ruf für die gesamte Luftfahrt geschaffen. Reben dieser hervorragenden deutschen Luftfahrtindustrie nehmen aber auch die Deutschen bei den Fluglei st ungen einen weiten Raum ein. Das trifft ganz besonders für die Zeit nach dem Kriege zu, iv der sich die Deutschen im Wettfliegen und Aufstellung von Rekorden trotz aller Luftfahrtbeschränkungen hervorgetan haben, wenn auch gerade während des Krieges hervorragende Einzelleistungen deutscher Flieger, di« sich an di« Rainen Doelcke, Jmmelmann, Richthofen und viele ander« knüpfen, erzielt werden. So ist gerade im jetzigen Augenblick die im Oktober 1924 stattgefundene Ozeanüber- queruno des Zeppelins „Z R III“ von Deutschland nach Amerika wichtig, die in der ganzen Welt größte Bewunderung erregte. 3m 3 ah re 1926 führte dann di« Deutsche Lust-Hansa vom 24. 3uni bis 26. September einen S t recken- f i u g Berlin — Peking — Berlin aus, um damit die Grundlage für einen regelmäßigen Ostastenluftvertehr zu schaffen. Die deutsche Luftfahrt hat seit ihrem Bestehen das Hauptgewicht auf di« Ausgestaltung eines Luftverkehrs gelegt, und so liegen gerade auf diesem Gebiet Zagd auf Gegenwart. Von Or. $. Baas, i. Das moderne Zeitungswesen hat eine seelische Dominant«, die es von aller Publizistik der Ver» gangercheit scharf unterscheidet. Diese Dominante heißt „3agd auf Gegenwart". Die charakteristischen Merkmale der modernen Tageszeitung werden am treffendsten dadurch gekennzeichnet, daß wir ihr Verhältnis zur Zeit ins Auge fassen. Früher, als die periodisch« Spanne zwischen dem Erscheinen der einzelnen Zeitungen noch ziemlich groß war, umfaßten frte Zeitungsartikel darsteltend und betrachtend einen viel größeren Zeitraum als heute. 3hr« Gegenwärtigkeit war mehr eine Verbindung von Vergangenem und Zukünftigem. Darum war damals di« Schreibweise der Zeitungsaufsätze mehr verbindend und reflektierend, tendierte viel mehr als heute der Erkenntnis überzeitlicher Wahrheiten zu. Das Geschehen lieferte einige Tatsachen als Material: der Journalist zeichnete unter Verwendung dieser lückenhaften Berichte, die bestenfalls nur eine Skizze lieferten, das Geschehen nach. Psychologisch-bildlich gesprochen hatte also die Presse in den hinter uns liegenden Zeiten di« Funktion reflektierenden Rachdenkens: des Rachdenkens im wörtlichen Sinne der Bedeutung: denn über was man „nach"denkt, das ist bereits vorüber und die gezogenen Folgerungen erstrecken sich bereits auf die Zukunft. Ein anderes Bild äus der Psychologie gebrauchend, könnte man dagegen ein« modern« Zeitung mit dem unmittelbaren Bewußtsein vergleichen Wie unsere Sinneswerkzeuge dem Bewußtsein di« Wahrnehmung vermitteln, so läßt uns die Zeitung Geschehnisse, die weit jenseits der räumlichen Peripherie unserer Sinne liegen, bewußt werden. Sie verstärkt gleichsam die Fähigkeiten unseres Ohrs und Auges, läßt unsere Rerven di« Erde umspannen, dringt weiter mit Teleskopen in unendliche Räum«, projiziert alles, was früher der Mensch nur in der Form der Erzählung von Vergangenem erfuhr, in die immer gewaltiger anschwellend« Sphäre der Gleichzeitigkeit. II. Der Kosmos des Weltgeschehens, früher von Denkern auf Grund zurückliegender Ereignisse ausgedacht, wird mehr und mehr gefühlte Wirklichkeit. In dieser Richtung liegt di« eigentliche Kulturaufgabe der heutigen Presse. ihre besonderen Verdienste. Auch der Flug Hauptmann Koehls nach Amerika, sowie der Langstreckenrekord Risticzs und Zimmermanns im Juli d. 3. sind, vom deutschen Lustverkehrsgedanken aus betrachtet, Pionierarbeit für den Luftverkehr. Mit dem Bau und den geglückten Versuchen des neuen deutschen Luftschiffs beginnt für die deutsche Luftfahrt nunmehr «ine neue Etappe, nämlich die Verwirklichung der verkehrsmäßigen Ausnutzung von Langstreckenflügen. Verkehrsnachrichten. Der neue Ivinlerfahrplan. Der 7. Oktober ist in diesem Jahr für das reisende Publikum von doppelter Bedeutung, beim er bringt gleichzeitig mit dem Beginn der Winterfahrpläne das 3nkrafttreten der neuen Fahrpreisfestsetzungen und das Zwei-Klassen- System. Soweit es sich bisher übersehen läßt, zeigt der neue Fahrplan, abgesehen von den beiden grundsätzlichen A«nderungen, große Abweichungen, die das Fahrplanzahlenbild der neuen Kursbücher stark verändern. Trotz dieser Umstellungen, die naturgemäß zu ihrer Berücksichtigung ein« gewisse Zeit erfordern, werden sämtliche Storm-Kursbücher rechtee itig erscheinen und bei den zahlreichen Verkaufsstellen ausliegen. Der Verlag teilt uns mit, daß die große Storm-Ausgabe für das gesamte Reichsgebiet (5 Mark) durch Beigabe zahlreicher UebersichtSkarten innerhalb der Fernverbindungen mit tabellarischen Angaben über Fahr- und Dettkarlenpreife und Schlafwagen ergänzt worden ist. Di« praktische Reuerung wird dem Benutzer die Möglichkeit geben, die gewünschte Fern- verbindung nicht nur im Fahrplanzahlenbild, sondern auch in der übersichllichen, rascher orientierenden graphischen Darstellung zu sehen. Für unser Drrkehrsgebtet kommt neben der großen Ausgabe fürs Reich noch die kleine und billigere Teilausgabe für West- und Süddeutschland in Frag«, die 2 Mark kostet. Alle europäischen Staaten sind in den großen Kursbuchausgaben Hendschels Telegraph und Hendschel 3nternational mit ihren Eisenbahnfahrplänen vertreten. Man kann also mit einer Hendschel-Ausgabe nicht nur ganz Deutschland, sondern das gesamte europäische Ausland und sogar andere Erdteile bereisen. Auf rund 1500 Seiten sind in Hendschels Telegraph (6 Mark) etwa 6000 Fahrpläne untergebracht. Die kleinere Ausgabe Hendschel International (3.50 Mark), enthält nur trie durchgehenden deutschen Verbindungen, dagegen das gesamte Ausland in der gleichen Reichhaltigkeit wie Hend- schels Telegraph. Die dritte der deutschen großen Ausgaben mit internationalem Verkehr ist das Lloyd-Kursbuch. Es bringt die wichtigen deutschen Verbindungen und alle die Rachbarländer berührenden Expreß-, Schnell- und Eilzuge. Wer sich über di« großen Verkehrszusammenhänge orientieren will und auf ein überraschend leicht zu lesendes Kursbuch Wert legt, dem wird „Lloyo" di« besten Dienste leisten: der Preis beträgt 5 Mark. — Der Winterfahrplan beginnt am 7. Oktober. Rechtzeitig vor diesem Termin werden, wie uns der Verlag mitteilt, die drei Kursbücher erscheinen und bei den bisherigen Verkaufsstellen ausliegen. Die Jagd im Oktober. „Und könnt' es Herbst im ganzen Jahr« bleiben, das wär' es, was mein Herz begehrt", heißt es in einem schönen, vielgesungenen Jägerlied. Im bunten Herbstkleid prangt der Wald und erfreut das schönheitsdurstige Auge des Weidmanns, der fein Revier durchstreift und sich freut, die Früchte seiner Hege ernten zu können. Denn die meisten Wildarten haben Schußzeit. Die Brunst des Rotwildes, die im September begann, dauert an, um gegen Ende des Monats abzuflauen. In kalten Herostnächten dünkt der Schrei des edlen Hirsches dem Weidmannsohr liebliche Musik. Im Laufe der Brunft kommt der starke Hirsch rasch ab, so daß der folgende Abschuß vor allem schlecht veranlagten oder kümmernden Stücken gelten sollte. Hinzu kommt der Kahlwildabschuß, der in Preußen ab 16. Oktober, in Hessen schon bei Monätsbeginn möglich ist. Auch er sollte wie der Hirschabschuß unter dem Gesichtspunkt überlegter Auslese erfolgen, wobei starke Tiere und Kälber unbedingt zu schonen sind. Salzlecken und Fütterungen sind in Ordnung zu bringen. Das Wild beginnt, sich zu verfärben. Gegen Ende des Monats tritt das Damwild in die Brunft. Das Schwarzwild tritt auf die Kartoffelfelder aus, findet aber vor allem im Wald an Eicheln und Bucheckern reiche Mast und ist feist. Besondere Beachtung verdient bei unseren heimischen Jagdverhältnissen die Jagd des Rehwildes. Rach dem Sa)onzeitkal«nder beginnt in Hessen mit dem 16. Oktober die Jagd auf weibliches Rehwild. Es ist allerdings mit der Möglichkeit zu rechnen, daß auch in diesem Jahre eine Schußzeit- verkürzung eintritt wie vor zwei Jahren, da leider im vorigen Jahre die Erwartungen, die man an die Einsicht der Revierinhaber knüpfte, vielfach enttäuscht wurden. Während es vor wenigen Jahren in unseren Gegenden noch fast allgemein üblich war, den Abschuß auf Treibjagden vorzunehmen, hat die Erkenntnis der Schäden dieses Jagdbetriebes dazu geführt, daß zahlreiche gute Jäger ihn weder auf ihren eigenen Jagden gestatten, noch sich als Gäste auf anderen Jagden daran beteiligen. Gerade die Hebung der Rehwildbestände ist das Hauptziel der in den letzten Jahren entstandenen Heaerinae, und diesem Bestreben läuft ein Treib- jagdabschuß geradezu entgegen. Ein Abschuß von weiblichem Rehwild muß genau so erfolgen wie ein Bockabschuß, aber er soll planmäßig erfolgen. Das ift bei dem Treibjagdabschuß, wo Bock, Altreh, Schmalreh und Kitz wahllos zur Strecke kommen, nicht möglich. Häufig werden dabei gerade die stärksten Stücke beschossen und damit die wertvollsten Stücke des Bestandes gestreckt oder zu Schan- oen geschossen. In Hesien, wo der Kitzabschuß allgemein erlaubt ist, ist die beste Gelegenheit gegeben, durch Abschuß von weiblichen oder schwachen Kitzen den notwendigen Abschuß vorzunehmen, wozu noch Schmalrehe oder Geltricken (ein schwieriges Kapitel!) kommen können, während die Grundlage des Bestandes, die führende alte Ricke, erhalten bleiben muß. Ebenso gewährt der Abschuß des Bockes erst Freude, wenn er als abschußreif erkannt auf dem Höhepunkt seines Lebens im roten Rock die Kugel erhält, anstatt als Kitzbock oder Spießer die Strecke einer Treibjagd zu „zieren". Allerdings erfordert der Abschuß des weiblichen Wildes mit der Kugel mehr Zeit und stellt auch an den Jäger sonst höhere Ansprüche, als wenn Schützen höchst verschiedener Qualität auf einer großen Treibjagd auf unser lieblichstes Wild losgelassen werden. Aber wirtschaftlich ist der Treibjaadabschuß so verkehrt und widerläuft fo sehr der Absicht, unsere Wildstände als einen wertvollen Teil unseres Bolksvermögens zu erhalten und pfleglich zu verwalten, und bringt fernerhin bei unsicheren Schützen so viel Qualen für das Wild mit sich, daß er immer wieder bekämpft werden muß, wie es Braunschweig, Thüringen unb Sachsen schon durch die Gesetzgebung getan haben. Der Dachs ift feist und richtet sich für den Winter ein. Man sollte in allen Reh- und Rotwild- revieren in ihm einen Feind der Rachenbremse bzw. ihrer Larve sehen und daher den Bundes- Das toiti) so oft übersetz rn, wenn man vo-n der „Weltmacht der Presse" spricht und darunter die Presse als meinungsbildenden Faktor ver- stetzt. Meinungsbildung und Beeinflussung bedeuten jener großen Aufgabe gegenüber eine Verengung. Gewiß ist diese Verengung nicht nur berechtigt, sondern sogar unumgänglich notwendig. Sie ist im Interesse des menschlichen Wollens und Handelns: als handelnd« Wesen vermögen wir eben nicht den ganzen Kosmos auf einmal zu umfassen, sondern wir stehen da und dort in begrenzten Räumen und Verhältnissen. Doch darf die Zeitung nicht in dieser Frage verharren und über dem agi-ta torischen Moment ihr« allgemeine und darum wichtigere Ausgabe übersehen: Erweiterung des Gegenwartsbewuht- seins. Von dieser Wirkung, die den Menschen der Deschrärcktheit seines Gesichtskreises enthebt. Vorurteile und starre gedanklich« Einstellungen zerschlägt, hängt letzten Endes die im allgemein menschlichen Sinn« kulturelle Beudeutung der Presse ab. Der Mensch wird sachlicher durch die Zeitung. — Sachlichkeit, das heißt nicht etwa, toi« postume Romantiker immer behaupten, Begeisterungsunfähigkeit und Kälte, sondtzrn es bedeutet, daß an di« Stell« des rein 3ndividuellen der schicksalhafte Rhythmus des Weltgeschehens tritt, der (nicht weniger lebendig als der vom einzelnen erdachte Kosmos) frei ist von der Unehrlich* feit des Selbstgeformten und von der natur- fernen Brutalität gedanklicher Konstruktion. 3n diesem Sinne verstanden heißt sachlicher werden: sich von den Ambitionen eingebildeter göttlicher Autorität freimachen, bescheidener, menschlicher werden. III. Die moderne Zeitung ist das Rervensystem, welches di« Vorgänge draußen dem Bewußtsein vermittelt. Dieses Rervensystem wird dann seiner Funktion am vollkommensten gerecht, wenn es möglichst rasch und zuverlässig arbeitet. Wenn die Ereignisse das Gehirn erreichen, dürfen sie nicht schon der Vergangenheit angehören. Richt Rekordwut und Konkurrenzkampf gebieten dem Schnelltelegrarchen morgen rascher als heute zu arbeiten, dem Redakteur die Schnelligkeit und Konzen trationsfahigkeit seines Gehirns ständig zu steigern, der Drucktrommel ihre Hm» drehungszahl zu beschleunigen: sondern die 3dee der modernen Zeitung selbst will es so, die 3dee, Geschehnisse der Vergangenheit zu Gegenwärtigem umzuschaffen. Ein phantastischer Schriftsteller schrieb einmal von einer Zeitmaschine, die es ermöglicht, vor 3ahrtausenden von der Erde ausgesandte Lichtstrahlen einzuholen und zurückzuleiten, di« Ereignisse von damals wieder sichtbar zu machen. Di« moderne Tageszeitung und ihre technische Ginrichtrmg hat ettvas von der Phantastik dieser Zeitmafchine an sich. Gehirn«, Telegraphen, Maschinen stürzen sich aus die Gegenwart, sie zu fassen, «he sie Vergangenheit wurde. 3mrn«t kleiner wird die Spanne Zeit, die zwischen dem Ereignis und dem gedruckten Berichte liegt. Do ist di« Grenz« des Erreichbaren? — Di« phantastische Möglichkeit reizt zu immer neuen Rekorden in Rachrichtenübermittlung, geistiger Spannkraft und Drucktechnik, und die mo-> berne Zeitung erfüllt von Tag zu Tag vollkommener ihre Funktion als Rervensystem im Dienste des GegenwartsbewuhtsLins. Das tollste Zlugerlebnis. Der heutige Luftverkehr verläuft bereits in so Sordneten Bahnen, daß sen ationelle Ereignis e um noch vorkommen. Der Mensch reist heute im Flugzeug mit derselben Selbstverständlichkeit wie in der Eiseirbahn. Aber der Sport- und der Kunstflug btetet noch immer d:r aufregenden Abenteuer genug. An eine Anzahl bekannter Flieger unb Fliegerinnen hat sich „Scherls Magazin" mit der Frag« nach ihrem „tollsten Flugerlebniö" gewendet und veröffentlicht die Antworten im neuesten Heft. Einige Flieger, wie Ernst pl d e t oder Gerhard F i e s e l e r, öertoeiten auf di« Anforderungen der Kriegsjahre, in denen das Ungeheuerlichste geleistet werden mußte und geleistet wurde. Der Flugkapitän Willi Polte, der seit 10 Fahren als Verkehrsf.reger tätig ist, greift eine Fahrt aus dem Jahre 1920 zur Leipziger Frühjahrsmesse heraus, bei der er vier feuchtfröhliche Passagiere hatte, die sich in der Luft mit Kognak einen schweren Rausch an» tränten und dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch den Piloten in eine furchtbare Situation brachten. Lola Schröter-Dorsscou, die schon 60 Fallschirmab prünge glücklich vollendet hat, geriet bei einem dieser Absprünge in große Gefahr. Es war bei einem äld:t Flugtag, als sie aus einer Höh« von 500 Meter herabsprang. „3ch falle ein, zwei Sekunden," schreibt sie. „Doch was ist das? Der Fall wird immer schneller, die Luft pfeift mir um die Ohren. Ich sehe nach oben und erkenne das Flugzeug, es ist schon so weit, und — mein Schirm ist nicht aufgegangen. 3LH erkannte ich meine Lag«: Ich sauste kopfüber unheimlich schnell nach unten. genossen im Kamps gegen diese Plagegeister unseres Schalenwildes schonend behandeln. Der Fuchs steht im Haarwechsel wie alles Raubzeug. Dann ist auch für ihn die ruhige Zeit vorbei und freudig legt ihn der glückliche Schütze neben Hav und Schnepfe zur Strecke der Treibjagd. Am 1. Oktober begann auch des Hasen Leidenszeit wieder. Der Termin ist reichlich früh. Es werden bei früh einsetzendem Abschuß gerade in diesem Jahr noch häufig kleine Halen zur Strecke kommen. Zu früher Hasenabschuß ist durchaus unwirtschaftlich, da der Hase noch an Gewicht zunimmt und auch der Balg noch unterwertig ist. Es sollte daher zunächst beim Küchenhasen bleiben, bis dann in der zweiten Hälfte des Monats die Wald- treibjggden beginnen. Die Ernte der Hackfrüchte, die Herbstbestellung der Felder hat ihn in den Wald getrieben, oder er hat sich im Feld an Rainen, in Hecken usw. seine Sasse angelegt. Enten liegen auf Teichen und Gräben. Je nach der Entwicklung der Witterung im Norden ist auch schon mit dem Zu.zug fremder Enten au rechnen. Der Zug der Waldschnepfe ist hn Gang. Hat man einen ruhigen, kurz suchenden Hund, so kann die Suchjagd zum Erfolg führen. Bei gutem Wetter liegt sie gern im niederen Laubholz, wäh- renb sie sonst Nadelholz bevorzugt. Schließlich hat auch der Fasan Schußzeite Freuen wir uns, daß wir wieder häufiaer den schönen Vogel, der für eine Hoge jo dankbar ist, antreffen, und strebe jeder danach, ihn an fein Revier zu fesseln, anstatt ihn möglichst rasch in den Rucksack zu befördern. Dann werden wir auch bald wieder überall alljährlich einen gewissen Fasanen- abschuß betätigen können. Hennen sollten grundsätzlich geschont werden. Der Oktober ist wichtig zur Vorbereitung der Win- terhege. Kastanien und Eicheln sind zu sammeln oder aufzukaufen. Aus Dreschmaschinenabfall bereitet man jetzt schon Futterplätze für Fasanen und Hühner unter Hecken vor, damit sie rasch ausreichend beschüttet werden können, wenn der Winter mit seiner Not über Nacht seinen Einzug hält. Fasanenschüttungen sind jetzt schon regelmäßig zu versehen, um den leicht auswandernden Vogel ans Revier zu ketten. Schließlich fei noch angesichts der beginnenden Gesellschaftsjagden darauf hingewiesen, daß es' Pflicht jedes Schützen ist, sich im eigenen wie im Interesse seiner Angehörigen und auch aus Rücksicht auf Bestände und andere Gäste ausreichend gegen Jagdhaftpflicht zu versichern. Jede Jagdvereinigung vermittelt sie zu so niedrigen Prämiensätzen, daß diese Ausgabe neben anderen, mit der Jagd verbundenen faum ins Gewicht fällt. Hubertus. Zweiter Tag des Goziallehrganges in Friedberg. WER. Friedberg, 3. Oft Die gestrigen Beratungen des Soziallehrgangs des Svang. Wohlfahrcks- und Jugenddienstes im Kreise Friedberg wurden durch eine Andacht von Dekan Vogel eingeleitet. Der Vorsitzende, Pfarrer Weber, dankte dem ersten Referenten des Tages, Regierungsrat Grein vom Kreisamt Friedberg, für die Uebernahme des Referats „5>ie Aufgaben der öffentlichen Fürsorge und ihr« praktische Durchführung". Der Redner sprach in klaren und sachkundigen Ausführungen über die Materie, schilderte Entstehung, praktische Durchführung und gesetzliche Regelung der öffentlichen Fürsorge. Er unterscheidet drei Hauptgruppen: Wirtschasts-, Er- ziehungs- und Gesundheitsfürsorge, über die er eingehende Ausführungen machte. Der Referent erhofft eine weitere segensreiche Zusammenarbeit zwischen staatlicher rrnd kirchlicher Fürsorgetätigkeit 3n der Nachmittagssitzung hielt Direktor R ö r i ch t - Darmstadt ein Referat über „Die Aufgaben der evangelischen freien Liebestätigkeit und ihre praktische Durchführung". 3it ausgezeichneten Ausführungen gab er zunächst einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung der Jirneren Misten, den Umfang ihres Die Fachleute unten sahen mich schon zerschmettert am Erdboden liegen. Blitzschnell, halb gefühlsmäßig, überlegte ich jeden Handariff (hierbei kam mir meine gründlich« Ausbildung in der Fallschirmhandhabung zugute), spürte, tote ein Ctoffzipfel des Schirmes neben meinem Ohr flatterte, griff nach dem Rückensack und packte mit einem kräftigen Ruck den Stoff: der ztoeite Griff war viel leichter — und der Schirm kam aus der Hülle heraus, blähte sich im Handumdrehen auf und riß mich mit einem starken Ruck, der mir bald die Besinnung nahm, zurück, knapp hundert Meter über dem Erdboden. Als der Schirm auf war, lugte ich sofort, wo ich mich befand, und entdeckte zu meiner sehr geringen Freud«, daß ich über der Fahrleitung der Eisenbahn trieb, direkt auf eine Fabrikanlage mit vielen Blitzableitern zu. Da ich keine Lust hatte, mich aufspießen zu lassen, schwang ich mich nach Leibeskräiten vorwärts und kam zwar nicht auf das Fabri.dach, aber immerhin wenig sanft herunter — in einen Schutthaufen voller Glasscherben." Oberst von Abercron berichtet von einem Ballonaufstieg im Jahre 1908 mit dem 2000 Kubikmeter fassenden Ballon „Düsseldorf 2". bei dem eine neue Erfindung, der sog. Gassack, ausprobiert werden sollte. Sein Miifahrer war ein Husarenteuinant. Plöblich entdeckte er, daß der Gassack sich nicht füllte, und bei dem Versuch, den Schaden zu reparieren, platzte der Ballon in 2000 Meter Höhe durch den starken: Üeberdruck. „Run galt es." schreibt der Oberst, „mit der großen Stof fläch« des Ballons eine Fallschirmuiriung durch di« Verlang amung des sofort einfetzenden starken Falls zu erzielen. Der Ballon zog sich immer mehr in die Lange. Ich kletterte sofort auf den Korerand und durchschnitt die Reiß-, Venlll- und Füllansatzleinen. Wir hatten bald die höchst« Fallgeschwindigkeit erreicht. Sämtliche Sandsäcke wurden abgeschnitten, der ganze Proviant, Mäntel, Decken usw. flogen über Bord. Endlich legten sich die flatternden Stosfetzen der Ballonhülle nach oben in das Retz: di« Fallschirmwiriung war erreicht, unsere Rettung. Eine Verlangsamung des Falles war spürbar. Bis auf die Instrumente und den Photoapparat war alles geopserl worden. Wir hatten gerade noch Zeit, auf den Korbrand zu steigen, uns in den Korbring zu hängen und mit einem Klimmzug die Deine bis an die Brust zu ziehen. Dann erfolgte der harte Aufprall. Die ganze Stvfffläch« stürzte auf uns. Keiner war verletzt. Zum Glück fielen wir auf einen Sturzackev und nicht in einen Ort“ Arbeitsgebietes wtt) schilderte dann die erfolgreiche Fortentwicklung bis zum Kriege. Dec Redner tritt für Gleichberechtigung der Inneren Mission und ihrer Anstalten mit den staatlichen Instituten ein. Er befürwortet aber gemeinsame Arbeit und behandelte zum Schluß das Verhältnis zwischen Innerer Mission und Kirche, das freundlich, aber unklar sei. Die Kirche wolle selbst viele Arbeiten der Inneren Mission übernehmen, die Innere Mission wolle ihre Freiheit belvahren, jedoch in enger Zusammenarbeit mit der Kirche. Heute folgte abschließend der Vortrag des Vorsitzenden und Gründers des Evang. Wohlfahrts- und Iugenddienstes im Kreis Friedberg, Pfarrer Weber (Kaichen), über diese seine Gründuirg. Nachdem er die Menschen unserer Zeit gekennzeichnet hatte als Wanderer in der Wüste, die aus einem gesegneten Land der Vergangenheit konunen, das Land nicht kennen, dem sie entgegen» gehen, schilderte er auf diesem Hintergrund die Svzialarbeit des Staates und der Kirche als dre Hilseleistung an dem irrenden Volk. DerStaat, der die großzügige Organisation schafft, d i e Kirche, die das Licht trägt in der Finsternis der Zeit: sie sind aufeinander angewiesen, im 3ufammeniDirf en finden sie die Vollendung ihrer Arbeit. Oberkirchenrat Magner (Gießen) betonte anschließend, daß er die starke Teilnahme der kirchlichen Behörde an dem Ev. Wohlfahrtsund Iugenddienst und seiner Arbeit zum Ausdruck bringe. Pfarrer B e ck e r (Büdesheim), der den Tag mit einer Andacht eröffnet hatte, schloß sodann mit Worten des Dankes die Derhand- lungen, nachdem aus der Versammlung heraus ein Ausschuß bestimmt worden war, der an die Kirchenregierung mit dem Ersuchen um Einrichtung eines sozialen Amtes der Kirche herantreten soll. Am Nachmittag beschloß eine Besichtigung des Elisabethhauses in Bad-Aauheim die Tagung. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 3. Oft. Die Ehefrau eines Arbeiters aus Bensheim hatte in einem Prozeß vor dem Amtsgericht Bad-Nauheim, den sie mit Verwandten um ihr Erbteil führte, beschworen, daß sie gewisse Zahlungen nicht erhalten hätte, obwohl dies tatsächlich der Fall gewesen war. Die Staatsanwaltsch ift H.7 te daraufhin Qln Iige wegen fahrlässigen Falscheids gegen sie erhoben. Die Angeklagte wurde jedoch vom Dezirlsschöffengericht Gießen freigesprochen, da das Gericht annah n, daß sie ihren geistigen Fähigkeiten nach Wohl nicht in der Lage gewesen sei, das Strafbare ihres Tuns zu erfassen. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde jedoch das Urteil erster Instanz aufgehoben, zumal der Sachverständige ausgesagt hatte, daß die geistigen Fähigkeiten der Angeklagten durchaus nicht so gering seien, wie dies vom Gericht erster Instanz angenommen worden sei. Das Urteil lautete auf einen Monat Gefängnis. Ein Arbeiter aus Ober-Rosbach hatte auf einer Bescheinigung der Krankenkasse, die er zum Zwecke der Steuerrückerstattung erhalten hatte, eine Zahl verändert, um einen höheren Betrag zu erhalten. Die Fälschung war jedoch bemerkt worden und hatte eine Anklage wegen Urkundenfälschung zur Folge. Das Gericht erster Instanz verurteilte den Fälscher zu zwei Wochen Gefängnis. Seine hierauf eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg, vielmehr wurde das Urteil erster Instanz durch die Strafkammer, bestätigt. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 3. Oft. Ein hiesiger Handlungsgehilfe hatte im Mac d. I. auf der Kontrollkarte des Arbeitsamtes von ihm tatsächlich nicht geleistete Pflichtarbeit eingetragen und sich so etwa 18 Mk. verschafft. Wegen Urkundenfälschung und Betrugs erhielt er unter Einbeziehung einer früheren Strafe von 18 Tagen eine Gesamtgefängnis strafe von drei M o na t e n , zehn Tagen. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen einen aus Breslau stammenden Schweizer verhandelt. Er wurde zuzehnMonatenGe- f ängnis verurteilt, weil er sich an zwei kleinen Mädchen sittlich vergangen hatte. Aus Grund eines umfangreichen Indizienbeweises hielt das Gericht einen Wachtmeister der Butzbacher Schupo für überführt, in diesem Frühjahr einem Kameraden zwei Unterhosen, und in diesem Sommer einem anderen Kameraden einen Ring aus dessen gewaltsam geöffneten Spind gestohlen zu haben. Dem An krag der Staatsanwaltschaft entsprechend wurde auf eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten zwei Wochen erkannt. Wirtschast. 3ur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Krise des Arbeits Marktes hat in diesem Jahre schon außergewöhnlich frühzeitig eine Verschärfung erfahren. Bereits am 1. August wurde mit 544 000 Arbeitslosen der vorläufig niedrigste Stand der Arbeitslosen- zifser in diesem Jahre erreicht, während im Vorjahre erst am 5. Oktober mit 330 000 der Tiefstand erreicht wurde. Im Vorjahre trat also erst am 5. Oktober eine Zunahme der Arbeitslosen ein, in diesem Jahre jedoch schon anfangs August. Die bedeutend ungünstigere Beschäftig n n g s - und Konjunkturlage in diesem Jahre geht aus diesem 'Vergleich deutlich hervor. Deutschland geht, nach den bisher vorliegenden Anzeichen und Entwicklungen zu urteilen, also wieder einmal auf dem Arbeitsmarkt einer kritischen Zeit entgegen. Rechtzeitige Maßnahmen zur Bekämpfung müssen deshalb getroffen werden. Besondere Erfahrung auf diesem Gebiet hat England, wo angesichts des chronischen Zustandes dec ferneren Arbeitsmarktkrise (am 30. Juli d. I. 1 470 000 Arbeitslose — 17 Prozent der gesamten in der Industrie beschäftigten Arbeiter, gegenüber 9,2 Proz. zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahre) sich alle interessierten Kreise mit dieser Frage befassen. Es lohnt deshalb eine Darstellung der von England bisher ergriffenen Maßnahmen, um sie zu prüfen und ihre eventuelle Nutzanwendung auf Deutschland zu ziehen. Nach Angaben des Internationalen Arbeitsamtes wird die Zahl der Berufsschulen, die insbesondere auch eine Berufsumschulung der Arbeitslosen und eine Berufsausbildung von Arbeitslosen, die in überseeische Länder gehen wollen, bezwecken, ständig vermehrt. Die Angehörigen von verheirateten Arbeitslosen werden während des Besuches der Berufsschulen staatlich unterstützt. Eine weitere Verbesserung des Arbeitsmarktes verspricht man sich in England durch eine systematische Organisierung der Auswanderung englischer Arbeitskräfte nach den Kolonien und Dominions. Arbeiter, die zur Ausübung eines landwirtschaftlichen Berufs geeignet erscheinen, können Vorschüsse erhalten, um sich niederzulassen. Zur Zeit berät die englische Regierung mit den Behörden der Dominions eine Reihe von Plänen, die eine endgültige Ansiedlung von 21 000 Bergarbeitern in der Landwirtschaft der betreffenden Länder gestatten. Weiter ist beabsichtigt, Arbeitslose aus dichtbesiedelten Gebieten in For st bezirke zu bringen, die neu aufgeforstet werden sollen. Die englische Regierung beabsichtigt, zu diesem Zweck für die nächsten 10 Jahre einen Kredit von 5V2 Millionen Pfund zur Verfügung zu stellen. Ferner ist beabsichtigt, arbeitslose Bergarbeiter zur Ernte nach Kanada zu bringen. Bis zum 10. Aug. dieses Jahres sind über 25 000 diesbezüglich Anträge von Arbeitslosen aus Bergbaubezirken zugelassen worden. Neben den Hilfsmaßnahmen zur Unterbringung der Arbeitslosen wird in England gegenwärtig auch die Frage der I n d u- ftrieförberung und desIndustrieschut- zes erneut diskutiert. Auch die Frage der Währungspolitik und ihres Einflusses auf die Arbeitslosigkeit sind Gegenstand dieser Beratungen. Im Hinblick auf das bedrohliche Ansteigen der Arbeitslosenziffer in Deutschland wird man auch hier nicht umhin können, in aller Bälde ein klares Programm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aufzustellen. Die Art, wie England an das Problem der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit herangeht, dürfte zweifellos manche Anregung geben. * 'Ermäßigung der Kohlentarife für das bestrittene Gebiet. Angesichts der Bestrebungen der Vertreter aller Kohlenausfuhrgebiete Englands, die Organisation für die Ausfuhr von Kohle zu verbessern, ist es von Bedeutung, daß die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Ruhrbergbaus und der Reichsbahn über weitere Erleichterungen in bezug auf die Tarifberechnung für die Verfrachtung von Ruhrkohle nach den norddeutschen Küstenplätzen nunmehr abgeschlossen sind. Mit Rücksicht auf die durch die Subventionspolitik der englischen Regierung begünstigte Absatzlage der englischen Kohle im deutschen bestrittenen Gebiete hat die Reichseisenbahnverwa-ltung auf Grund der Eingabe des Rheinisch-Westfälischen Kohlenshndikates verfügt, daß die Ausnahmetarife für Bunkerkohle unter gleichzeitiger Aushebung der für die Ausnahmetarife zugelassenen Mindestmengen um 2,40 auf 5,80 Mk. pro Tonne für das gesamte Gebiet der norddeutschen Küstenplätze ermäßigt werden. Wie dazu noch verlautet, wird sich die Reichsbahn in absehbarer Zeit noch zu weiteren Herabsetzungen verstehen, vielleicht sogar zu einer völligen Abschaffung des Mindestmengensystems, bei dem schweren Kampf um den Absatz der Ruhrkohle im bestrittenen Gebiet eine wünschenswerte Maßnahme. * Verein für Chemische Industrie. A. - G. Frankfurt a. M. Wie der DHD erfährt, soll der Aufsichtsrat in einer Sitzung am Donnerstag die von der Verwaltung. bisher erreichte gütliche Beilegung der aus der vor- zeitigeil Auflösung der Interessengemeinschaft mit der Allgemeenen Norit Mij. entstandenen Streitigkeiten ratifizieren. Die Genehmigung des Aufsichtsrates vorausgesetzt, kann wieder mit einer Zusammenarbeit mit der holländischen Gesellschaft gerechnet werden, deren Form jedoch noch nicht feststeht. Es ist fraglich, ob dabei eine Interessengemeinschaft zugrundegelegt wird. * Braunkohle- und Brikett-Indu- st r i e A. - G. (B u b i a g). In der Aufsichtsratssitzung der Braunkohle- und Brllettindustrie A.-G. (Dubiag), Berlin, wurde beschlossen, der auf den 1. November einzuberufenden Generalversammlung vorzuschlagen, für das Geschäftsjahr 1927/28 für die Vorzugsaktien eine Dividende von 7 Prozent (wie im Vorjahre) auf das eingezahlte Kapital und für die Stammaktien eine solche von 10 Prozent (wie im Vorjahre) festzusetzen. FrMtksurter Börse. Frankfurt a. M., 4. Okt. Tendenz: freund- l'ich. — Nachdem an dec QEöenöbörfe auf (Statt- stMungen der Spekulation die Tendenz etwas schwächer geworden war, konnte sich zum heutigen Dörsenbeginn wieder eine feftere Tendenz durchsetzen, wobei die unverändevt starke Nachfrage nach Spezi al werten den Märkten wieder die Hauptanregung bot. Na- menitlich das Ausland soll mit großen Kauforders hervorgetreten sein, aber auch aus dem Inlande waren etwas größere Kauforders erschienen, so daß die Spekulation zu Deckungen und neuen Käufen schritt. Ferner wurde die Stimmung von der gestrigen festeren Neuyorker Börse beeinflußt, und auch die Tatsache, daß die Bank von England entgegen den gehegten Be- fürchl'ungen ihren Diskont heute unverändert beließ, wir.tr anregend. In den bevorzugten Werten^ war das Geschäft lebhafter bei be - krächtlichenKurs st eigerungen. In größeren Posten aus dem Markte genommen wurden vor allem Siemens, die 7,5 Prozent gesteigert waren. Davon angeregt gewannen die übrigen Clektrowerte 2 bis 3 Prozent. Wesentlich erhöht waren wieder Deutsche Linoleum mit plus 8 Prozent, später setzte sich die Aufwärtsbewegung dieses Papieres um weitere 4,5 Prozent auf 392 Prozent fort. Lebhafter gefragt waren außerdem wieder Karstadt, die erneut 5 Prozent gewannen. Stark hervor traten ferner noch die Kaliaktien, die 3,5 Prozent bis 4 Prozent anzogen, und Zellstoff Waldhof mit plus 3,5 Prozent. Am Dankenmarkt waren Danatbank und Reichsbank mit je plus 2,5 Proz. beachtet. I.-G.-Farben eröffneten 1,40 Prozent befestigt. Montanwerte und Schiffahrtswerte waren meist gut behauptet. Am Markte der Autoaktien gaben Kleyer 1 Prozent nach, Daimler dagegen toaren leicht erhöht. Verein für Chemische Industrie blieben knapp behauptet. Deutsche Anleihen lagen still. Von ausländischen Renten Anatolier und Rumänen weiter beachtet. Im Verlaufe nahm die Tagesspekulation Realisationen vor, und die höchsten Kurse konnten sich nicht behaupten. Meist traten Abbröckelungen von etwa 1 Prozent ein. Der Geldmarkt war weiter erleichtert. Tagesgeld 6 Prozent. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1988, gegen Pfund 20.164, gegen London-Kabel 4.8487, gegen Paris 124.00, gegen Mailand 92.75, gegen Madrid 29.68, gegen Holland 12.0913. Berliner Börse. Berlin, 4. Okt. Das anhaltende Interesse für einige Spezialwerte konnte heute die Gesamttendenz in günstigem Sinne beeinflussen. Schon dec Dormittagsverkehr hatte im Anschluß an den wieder kräftigen Schluß der gestrigen Neuyorker Börse ein freundliches Aussehen gezeigt, zumal auch sonst Nachrichten, die die Börse ungünstig hätten beeinflussen können, nicht Vorlagen. Man hielt die Befürchtungen betreffend einer Diskonterhöhung in England für verfrüht, und di^ Dank von England hat auch tatsächlich leine Erhöhung des Diskontsatzes vorgenommen. Nicht so fest, wie es vorbörslich noch aussah, kam es zu den ersten Kursen aber doch überwiegend zu Kursbesserungen. In Spezialwerten war das Geschäft sehr lebhaft, da Aus- landkauforders für diese Papiere eingetroffen waren. An den übrigen Märkten kam zu den ersten Kursen eher etwas Ware heraus. Sonder- betoegungen hatten Danatbank, Berger, Warenhauswerte, Kaliaktien. Oberkoks. Siemens, Polyphon und Deutsche Linoleum bei Kursgewinnen bis zu 6,5 Prozent. Bemerkenswert schwächer eröffneten dagegen Braubank mit minus 3 Prozent, Bemberg minus 5 Prozent. Deutsche Anleihen freundlich. Ausländer geschäftslvs. Pfandbriefmarkt wenig verändert. Roggenpfandbriefe eher schwächer. Der Geldmarkt erfuhr im Einklang mit bem Auslande eine Erleichterung. Tägliches Geld 7,25 bis 9 Prozent. Monatsgeld 8,25 bis 9.25 Prozent. Warenwechsel etwa 7 Prozent. Im Verlaufe bröckelten die Kurse überwiegend etwas ab. Das Geschäft ließ auch in Spezialwerten nach. Die Spekulation schritt zu Gewinnmitnahmen. Mll Ausnahme von Polyphon, Waldhof. Deutsche Lmoleum, Bergmann und Rutgerswerke und einiger Nebenwerte, lag das Kursniveau unter An- fang. Glanz st off hatten 7 Prozent verloren, Deichsbank 3,5 Prozent. Das Fehlen der zweiten Hand trat wieder stärker in Erscheinung. Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 4. Okt. Der Fvanfurter PrvduktVnmarkt verkehrte gegen Wochenende nach dem gestrigen Anziehen der Preise heute in ruhiger und stetiger Haltung. Das Auslandangebot war weiter gering und es kamen heute kaum Umsätze zustande. Namentlich für Weizen und Roggen hövte man teilweise etwas niedrigere Preise. Es wurden notiert: Weizen 23 bis 23,25 Mk.; Roggen 22,50 bis 22,75; Sommer- Serste für Brauzwecke 25.50; Hafer., inländischer 22,50 bis 23; Mais (geöd) für Futterzwecke 21 bis 21,25; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 33,50 bis 34; Roggenmehl 30,75 bis 31,25; W.eizenklleie 14,75; Roggenkleie 14. — Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. Okt. Auftriebr 66 Rinder, 1071 Kälber. 605 Schafe. 604 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 73 bis 77 Mk.: mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 72; geringe Kälber 60 bis 67. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Ma sitz ämmel (Weidemast) 44 bis 48; mittlere Mast- lärnrner, ältere ..Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 43; fleischiges Schafvieh 30 bis 37. — Schweine: Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 78; von etwa 200 bis 240 Psimd 75 bis 78; von etwa 160 bis 200 Pfund 74 bis 77; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 70 bis 75 Mk. — Marktverlauf: Schweine schleppend und aus- verkaust. Kälber und Schafe mäßig rege, ausverkauft. Berliner Produktenbörse. Berlin, 3. Okt. Die Produktenbörse zeigte heute eine etwas freundlichere Haltung, wozu auch die festen Meldungen von lieberfee und aus Liverpool beitrugen. Das Inlandangebot von Brotgetreide bleibt weiter klein. Für Wei- ' zen zeigte sich an der Küste nach wie vor Interesse zu Exportzwecken, auch für Roggen sind leichte Ansätze zu neuem Exportgeschäft zu beobachten. Die Inlandrnühlen sind ziemlich schwach versorgt und auch zu Reportagezwecken wurde Weizen ausgenommen. Sie Forderungen lauteten etwa 1 bis 2 Mark höher. Das Mehlgeschäft ist noch ruhig, und für Weizenmehl waren Forderungen nicht durchzusehen. Hafer wird sehr wenig angeboten und bleibt an der Küste für den Export gefragt, am Platze hält sich die Umsatztätigkeit in engen Grenzen. Gersten in unveränderter Marktlage. Am Lieferungsmarkt konnte Weizen in der Dezembersicht um 2 Mark anziehen, Roggen lag gleichfalls bis 1,50 Mark fester. Die heute besichtigten 210 Tonnen Weizen und 120 Tonnen Roggen wurden für kontraktlich lieferbar erklärt. Aus dem Amisverkündigungsblaii. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 71 vom 2. Oktober enthält: Vierteljahresausweis über die Einnahmen unb Ausgaben des Kreises Gießen und der Provinz Oberhessen. — Senkung der Lohnsteuer. — Das Ergebnis der Hauptkörungen 1928. — Die Tagung des Verbandes Deutscher Geschichtsforscher. — Dienst- nachrichten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) E. D. Anonyme Einsendungen werden grundsätzlich nicht berücksichtigt. Falls keine Namensnennung und Adressen an gäbe erfolgt, kann die ' Redaktion für das Manuskript keine Gewähr übernehmen. KurszeiieL her Berliner und Frankfurter Börse. __binter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, LombardzinSfuß 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Berlin,.) Oktober________ Geld L_ Brief | Schlug- Äurs 1-Uhr» Kurs Schlich; Aut» Anfang Aurs Schlrch- Kurs 1-Uhr- Sure |Sd)iu[p 1 Surs Anfang Kurs Styluh- Surs 1-Uhr. Äur» Sd)iufp Kurs Anfang Kurs i^ranzomche Holländische Italienische Norwegische Vtoten . - . Noten . . . lö.äaö 167.93 22,01 111,58 58,93 2,54 16,455 168,61 23,09 113,02 59.17 2,5« Datum 3. 10. 4. 10. 3.10. | 4. 10. Datum: | 3. 10. 4 10. | 3. 10. | 4. 10. Datum: 3. 10. 4. 10. | 3. 10. I 4. 10. Note» . v . . , B% Dl. «eichranlethe v. 1927 . . Dt. Snt.-M>löi.-SchuU> mit Lus- 87,26 87.6 - A.E.G...........6 189.75 192.0 191,13 193 Philipp Holz mann......7 142,;» 143 14t ™ -1 । i , a IW «HTUHEU Rumänische Noten ...... 63 16,7 Bergmann...... • . . 9 Elektr. Lieferungen. • • • « 10 Licht und Kraft ...... 10 Fellen & Guilleaume..... 6 Ges. f. Elektr. Untern- ... 10 — 211 208 209,75 Heidelberger Eemcat .... 10 — 137 Schwedische 111,98 113,43 Deigl. ohne Buslos.-Rechte . . . 7% Frankl. Hyp.-Bk. Goldps. Ufr kündbar btt 1932...... iy*% Rheinische Hyv.-Bank Liqu - 16,7 90 — 53 16,6 227 157.6 273 229,4 275 183.5 221.6 158 275.5 181 75 229.5 158.25 275 153.6 (Semem Karlstad« . .... 8 Watch 4 Freitag......10 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwerke . .... 12 170 142,25 142 344 380,0 344 299 Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten..... 80,55 68,11 12,35 72,92 80,87 68,39 12,41 73,23 Goldps. . . . 75 Rhein. Elektr. . ...... 9 Schlei. Elektr........10 Schlickert ........ 8 163,76 244 215,5 Ner Glanzstoff ...... IS — 561 487.5 297 659.5 485 -99 Devisenmarkt Berlin —Frankfurt a. M. S.E.G aba. BorkriegS-Obligalion., rückzahlbar 1982 — — 164 24«.25 216.5 Bemberg . ........ — _ 85 — — — 214 216,25 Zellstoff "Waldhof ..... 12 Zellstoss Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7 217.6 300.5 Telegraphische Auszahlung. 1% Schweiz. BundeSb.-Aul.. . . *% Lesterreichlsche Goidrte.. . . — 32,4 _ Siemens & Halske ..... 12 Transradio . ...... 8 397 104.5 399.5 164 6 105 219 129.76 202.75 93,4 52 127 25 129,25 203,75 94.25 129 51,25 3. Oktober 4. Oktob r 4,20% Ceften. Silberne. ... 4% Oesterreich, einheist. Rte. . . 27.65 — — — Lohmener L So...... . 10 Buderus . . ....... 6 171 88 — 176 87.9 87.75 Daimler Motoren ...... 0 Demag ..... 0 Adlerwerke Stiebet ...... 5 93 93,6 Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amtliche Notierung Geld i Briet 4% Ungarische ©olbrte..... 4% Ungarische Slaaisr. v. 1910 4¥t% deSgl. von 1913 . . — 27,4 27,4 Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle ...... 8 _ 144,25 144,25 127,5 126.5 Amst.-Rott. 168,23 1,763 58,285 168,57 1,767 168,17 1,763 168,51 1,767 — — Gelsenkirchener ... t H 3- 4 Harpen er . ........ 6 HoW Eisen. ........ 8 Ilse Bergbau ....... .8 128.5 — 129,9 154.5 138,5 259 129,75 Ludw. Loewe . ...... 10 Rat. Automobil ....... 0 Lrenstein & Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 6 —■ — 263.5 261,5 Brss.-Änkw- 58.405 58,29 58,41 112.01 112,09 112,4t 4% Ungarilche ftronenrte..... 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% türfildje BagdadbahN'Anl., 2,45 11,6! 2,5 11,4 2,45 74.75 117.25 276 111,79 111,84 112,21 11,5 260 1 1 1 154.75 138 257,6 — — 116 25 280 Chrtstianta - Kopenhagen Stockholm . 111.06 112,43 111,83 112,19 Serie l 11,8 —— 1’3 123 123.25 134,5 133.9 Bamag-Meguin ....... O Franks. Maschine» ...... 6 — 18.5 — HelniigsorS. Italien. . . London. . • 10,56 11,93 20,34.- 10,58 21.97 20.382 10,66 21,94 20,342 10,58 -1.98 20,382 4% beSgl Serie II....... 4% Rumänen amtiert. Rte. . . . 11,5 — 11,6 11,4 133.75 133.5 76. r 77 77,25 _ — — Mannesmann . ....... 8 133,5 117 133,75 117.6 Gritzner ...... 11 126 127 — tV*% Rumänen (SoIbanL von 1913 24,65 - 24 _ Mansseldor.........7 117.75 117,25 Heyttocnsiaedt ....... (i 19 Neuyoick .. 4,1955 1,1955 4,2035 FungöanS ........ 3 90 89 Oberschlei. Eilend. Bedarf... 5 112.5 113.75 — —— Paris. . . . 16,40 16,44 16,41) 16,44 Wg- Deullche üisen'xihn . . 4% Hamburg-Amerika Paket ... 8 Hamd.-Südam. Dampfich, . . 8 160,75 161,13 — — Oberschles. KokSwerke ... 6 Phönix Bergbau .... 5^ 95.75 96 115,6 117 Lechwerke. ...•••••. S WmnfrrJItni-rfu 114 — — -* Schwei» .. Spanten. . >0,76 68,32 so, n 68,46 80,73 68 45 80,89 160 161,5 96.13 96.75 Miog. - ...... 10 140,5 68.59 Rheinische Braunkohlen. . . 10 Rheinstahl f. % Jahr *'/. 288,5 — 288,5 288 • — 141.25 Japan . .. Rio de Jan. 1.915 1,918 1.1)15 1.919 Hansa Damvsschiss . . 10 — — 192,9 194 — 149,75 149,25 150 Nekarsulmer ....... .8 34,25 — 34 — 0.5015 0.5036 '1,5015 0.5035 Norddeutscher Lloyd.....8 153 153,4 153.26 163,25 Riebeck Montan ..... 7,2 — 151 'beiers Union . ...... ,8 — ■ 169 — Wien In D.« 59,04 Ping Deutsche Ereditanst. . . 10 140,25 139,6 138,6 Bereinigte Stahl». . Otavi Minen . . .... 1 sh 96.25 .— 96.65 96.6 (tzcbr. Roeder . ...... 10 Voigt 4 Haesfner......8 128 — — — Ceft abgefi. 09,16 -'»,02 •>9,14 Barmer Bankverein . . 10 145.6 145.75 145,6 146 — — 64.5 54.75 -V — 214 —• Prag ... Belgrad . . 12.43 12,45 12,43 12,45 Berliner Handelrgeseltsch. . . 12 305 306.6 105,76 306,5 Kali Aschersleben ..... 10 297 300,5 298 301 r Sudd. Zucker . ...... .8 150 — 149 — 7,373 7,3 t 7 7,370 7,884 Commerz- und Prival-Baal. 11 193 193.6 193 193.2-, Kaki Westeregeln...... 10 299,5 303,6 298 803 Budapest. . Bulgarien . 73,13 73,2 73,15 73,29 Darmst. u. Nationalbauk . 12 2j6,5 299 297.75 299 Kaliwerk Salzdetfurth ... 16 492 — 490,25 494,6 Bantnoten. 3,027 18,93 81,29 2,173 6,435 4,193 4,266 20,865 3,01 3 3,027 3,033 Deutsche Bank .... 10 DiSkonto-Gesellschast Int.» . 10 Dresdner Bank . , , 10 Mitteldeutsche (Zubitbanl . • . 9 Metallbank......... 8 VdMtatf........12 170.5 165,75 172,75 140 306,5 165,25 172,76 309 170 75 l< 5,65 172,35 211.5 140.75 306,75 171.26 165.26 172,25 211,6 141 308 3- G. Farben-Zadustr* ... 12 266,5 266,9 266,75 266,25 Lissabon Danzig. . . Konstantin. 18.9 81,4 2,17 5,44 4,20 4,27 20.90 18,9) 81,32 2,170 5,425 4.19 4,26 20,8« 18,97 61,48 2,174 5,43» 4,20 4,27 20.90 Dynamit Nobel ....... 5 — — Berlin, 3. Oktober (Melb Briet 7 5 l 4 5 Scheideanstalt. ....... 0 Goldschmidt . ....... 6 RIllgerswerle ...... ..8 MetoNgelellichaft. ..... U 104 106,66 192,5 214 106,76 104,75 107 104.9 106,9 Amerikanische Wote» . . , , , Belgische Noten ....... Dänische Noten........ Englische «Raten ........ 4,176 58.18 111,63 20.305 4,196 58,42 112,07 20,385 Athen. . . Kanada . . Uruguay. . Sain ■ . .