Nr. M Erster Blaff 178. Jahrgang Montag, 5. Dezember 1928 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertag«. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Dikd Die Scholle. Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Krankturt am Main 11686. GietzeimAnzeigcr General-Anzeiger für Oberhesien vnttk und Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch' und Lteindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Geschästrstelle: Zchulttratze r. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Die Aussperrung in dernordwestdeutsthen Eisenindustrie ausgehoben Düsseldorf, 2. Dezember. (WB) Die Arbeitgebergruppe Nordwest teilt mit: Nachdem die beiden Parteien des bisherigen Arbeitskampfes auf Vorschlag des Reichskanzlers vereinbart haben, die endgültige Entscheidung über Arbeitslohn und Arbeitszeit dem Herrn Reichsminister Gevering zu überlassen, hat der unterzeichnete Arbeitgeberverband unter Aufhebung der Aussperrung beschlossen: 1. töte Betriebe werden wieder geöffnet. 2. Die Einstellung erfolgt nach Maßgabe der Betriebsmöglichkeit. — Arbeitgeberverband Nordwest. Auch die Metallarbeiter nehmen die Vermittlung an. Die Beratungen des Sonntags. Essen, 2. De). (2DB.) Nach vlereinhalbskündi- ger Beratung hat der Deutsche Metall- arbelterverband kurz vor acht Uhr abends die vermittlungsaklion der Reichsregierung mit 25 gegen 14 Stimmen angenommen. Der Gewerkoereln Deutscher Metallarbeiter (Hirsch-Duncker) hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gesandt: „Die Konferenz des Gewerkocreins Deulfdier Metallarbeiter stimmt der vermlttlungsaktlon der Reichsregierung zu. Der hauptvorstand." Der Christliche Metallarbeiterverband hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gesandt: „hauptvorstand und Bezirksdelegiertenkonferenz des Christlichen Metallarbeiterverbandes stellten heute ihr Einverständnis zu der Stellungnahme der Beauftragten des Verbandes vom 30. November 1923 fest und haben beschlossen, den Vorschlag der Reichsregierung für die Beilegung des Eisenkonfliktes anzunehmen." • Der erweiterte Beirat beS Deutschen Metallarbeiterverbandes erklärt nach eingehender Beratung der Aussperrung im Ruhrgebiet: Die Aussperrung, von den Unternehmern unter Besetzung des geltenden Rechts vorgenommen, ist ein Kampf gegendie Schlich tun gs- orönung und ihre Anwendung durch die Regierung, ist ein Kampf gegen das Recht des Staates auf Beeinflussung der Wirtschaft. Daraus ergibt sich sür die Reichsregierung die Pflicht, dem Recht und dem Gesetz auch gegen die Unternehmer Geltung zu verschaffen zur künftigen Sicherung des ganzen Rechtslebens. Richt nur um die im Schiedsspruch ausgesprochene Lohnerhöhung hat der Deutsche Metallarbeiterverband den aufgezwungenen Kampf geführt, sondern zugleich um die Erhaltung des öffentlichen Rechtes. Um so mehr muhte seine Aufgabe von der Reichsregierung anerkannt und unterstützt werden. Die von der Regierung jetzt unternommene Derrnittlungsaktion kann als eine Unterstützung des Rechts nicht anerkannt werden. Für die sich notwendigerweise ergebenden Folgen für das ganze Rechtsleben lehnt der Deutsche Metallarbeilerverband die Derantwortung ab. Weil der Deutsche Metallarbeiterverband dem in Aussicht genommenen Vermittler, dem Reichsminister S e v e r i n g, mit dem größten Vertrauen gegenübersteht, sieht er sich auherstande, die Derrnittlungsaktion abzu- lehnen. 3n dieser Zwangslage wird aber der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der materielle Inhalt des verbindlich erklärten Schiedsspruches erhalten bleibt. Die Zustimmung derArbeiigeber. Eine Erklärung des Arbeitgeberverbandes Nordwest. Düsseldorf, 1. Dez. (TU.) Der Arbellgeberver- band Nordwest teilte am Samstag mit: „Nachdem das Reichskablnell im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten Bergemann wegen der weitreichenden Auswirkungen des Eisenkonftiktcs auf die deutsche Wirtschaft Vertreter der Arbeitgeber und Gewerkschaften zur Erörterung der Fragen, ob und in welchem Sinne sich eine Vermittlungsaktion zur baldigen endgültigen Erledigung des Eisenkonflikts einleiten lasse, nach Berlin berufen hatte, haben die Arbeitgeber e» für eine selbstverständliche Pflicht gehalten, diesem Rufe Folge zu leisten. Sic stimmten der Auffassung des Herrn Reichskanzlers dahin zu, dah es bei der jetzigen Lage und wegen der Unwahrscheinlichkeit einer unmittelbaren Verständigung zwischen den beiden Parteien geboten sei, dah sich beide Parteien bet Autorität einer mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Bezirks vertrauten Persönlichkeit als neutralem Schiedsrichter fügten. Die Arbeitgeber glaubten, diese Stellungnahme um so mehr verantworten zu können, als nach Wunsch des Reichskabinetts der Schiedsrichter die von ihnen wiederholt angebotene Nachprüfung der w irtfchafslage des Bezirks vornehmen und zur Grundlage feiner Entscheidung machen wird. Auch In der schwierigen Frage der Auswahl dieses Schiedsrichters haben die Arbeitgeber nahe- liegende Bedenken gegenüber den Vorschlag des Reichskabinetts, Herrn Reichsminister S e ö e r i n g mit der Aufgabe zu betrauen, zurückgestellt, dies konnten sie um so mehr, als hierdurch erneut der Beweis erbracht wird, dah die in der vefsentlichkeit vielfach verbreitete Ansicht, der Arbeitskampf bei Nordwest richte sich gegen die gegenwärtige Regierung oder gegen die Staatsautorität, eine durchaus unrichtige Unterstellung war. Die Arbeitgeber verbleiben vielmehr durch die Annahme des vom Reichskabinett gemachten Vorschlages bei der stets von ihnen verfolgten Linie, die strittigen Arbeitsbedingungen ihrer Werke nur unter B e - rücksichtigung der w i r t s ch a s t s l a g e des rheinisch-westfälischen Bezirks geregelt zu sehen." Severings Vemttilungsakiion. Der neue Schiedsspruch nicht vor Ende der Woche. Berlin, 2. Dez. (Privat.) Der Reichskanzler hat sich am Samstagabend, als ihm das Ergebnis der Revierkonferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes offiziell unterbreitet wurde, sofort mit dem Reichsmini st er des I n ne r n in Verbindung gesetzt und ihm das Amt des Vermittlers angetragen. Der Deichsminister des Innern hat sich bereit erklärt, die ihm angetragene Ausgabe zu übernehmen. S e v e r i n g wird bereits am Montagnochmittag in daS Ruhrgebiet abreisen, um sich mehrere Tage an Ort und Stelle über die Situation zu informieren. Der neue Schiedsspruch dürfte kaumvvrGnde der Woche gefällt werden. Mit der Wiedereröffnung der bisher geschlossenen Betriebe ist Agram, 1. Dej. (TU.) Die heutige Feier de» 10. Jahrestages des Zusammenschlusses aller Südslawischen Gebiete zu einem einheitlichen jugoslawischen Staat ist durch blutige Zusammen- stöhe gestört worden. Es fiel vor allem auf, dah nur auf den öffentlichen Gebäuden Fahnen zu sehen waren. Vor dem Dom im Mittelpunkt der Stadt hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Während in der Kirche das Hochamt zelebriert wurde, hatten, wie man behauptet, Mitglieder der kroatischen nationalistischen akademischen Ligen, drei kroatische Fahnen mit Trauerflor im Turm gehißt, die jedoch bald bemerkt und von der Polizei eingeholt wurden. Das Publikum brach in Rufe auf das Andenken Raditschs aus und rief: Nieder mit der Hegemonie, nieder mit Belgrad, es lebe das unabhängige selbständige Kroatien. Daraufhin gab General Vestovic den Befehl: „Bajonett auf!“ und liefe den Platz durch die Soldaten räumen. Die Menge sammelte sich aber wieder und bewarf die Polizei mit Steinen. Ein regelrechtes Feuergefecht entstand, bei dem über hundert Schüsse abgegeben wurden. Ein Student blieb auf der Stelle tot, während ein Polizist und ein Arbeitsloser schwerverletzt nach dem Krankenhaus gebracht wurden. Die Universität auf dem König-Alexander-Platz, in der sich etwa 500 Studenten befinden, wird von Polizei und Gendarmerie belagert Die Studenten haben die Staatsfahne heruntergerissen und eine Trauerfahne gehiht die infolge der Sperre der Universität nicht eingeholt werden kann. Ebenso weht auf dem Gebäude der Kroatischen Bauernpartei eine schwarze Fahne. Die Galavorstellung, die aus Aniah der Zchnjahrfeier gestern abend im National- t h e a t e r stattfinden sollte, gab z u neuen Zwischenfällen Anlaß. 3n dem Augenblick, als der Vorhang sich hob, fing eine Gruppe junger Leute an, zu pfeifen und aufrührerische Rufe auszustofeen. Die Polizei griff ein und vertrieb die Ruhestörer aus dem Theater. Die Direktion des Theaters entschloß sich, die Vorstellung abzu- brechen. Nach den letzten Nachrichten aus Agram hat in der Nacht und am Sonntagvormittag dort Ruhe geherrscht Die Sonderausgabe des radikalnationalistischen Rechtsblattes „hrvatski Borac" berichtet daß angeblich das Kabinett Koroscheh heute )urüon Deutschland alles hätten erreichen können, was wir wollten und fordern sollten, d. h. die volle Erfüllung des Versailler Vertrages, wenn wir imRordenbieRuhrundim Süden Frankfurt besetzt hätten. Wie viele Male haben die großen Magnaten von der Ruhr, aus Düsseldorf und vom Mainzer Bezirk mir wiederholt, daß man uns leicht jährlich vier bis fünf Milliarden hätte zahlen können, und daß sie dabei noch viel gewonnen hätten. Wtr sollten das Jahr 1935 abwarten, bevor wir das Rheinland räumen, um es unseren natürlichen Verbündeten, Jugoslawien, Polen, der Tschechoslowakei und Rumänien zu ermöglichen, sich zu organisieren." General Mordacq schließt mit der Feststellung, daß nad) der Rheinlandräumung Frankreich als Garantie nur der Völkerbund und der ehrliche Wille Deutschlands bleibe. „Das ist wahrlich wenig, was nire* mand bestreiten wird." Ein Kommentar erübrigt sich Die Verhaftungen in Mainz. Eine zufammenfaffende Darstellung. Mainz, 1. Dez. Heber den Verlauf der bereits gemeldeten Verhaftungen er'afjren wir folgende Einzclh iten: Am Mit.wochvormi.tag. kurz nach 10 11 hr, erschienen drei französische Ge- heimbcamte im Gebäude des Reichsvermögensamts, gegenüber der S'.adtha_le. Während einer der Franzosen an der Pforte stehen blieb, begaben sich die beiden andern in die Durcauräume des 5'jährigen Verwaltungsoberinspektors Hans Kratz, der früher als Festungsbaumajor tätig war. Sie ließen einen Beamten aus dem Zimmer und nah.ncm eine eingehende Untersuchung im Schreibtisch, andern Behältern und in der K eibung des Oberinspektors vor. Einen Teil der Papiere beschlagnahmten die Franzosen und er- flärten die Verhaftung der Beamten. Erst nach einiger Zeit erfuhr der Vorsteher des Aeichsvermcgen:amts, Oberrc^i rung rat Lanz, den Sachverhalt und erhob beim französischen Generalstabschef Protest dagegen, daß ohne seine Verständigung eine Durch icht und Beschlagnahme in den Arbeitsräumen dcs Rrichs- vermögensamts vor, e.iommen wurde. Es wurde ihm darauf mitgeteilt, daß eine Verletzung der Ordonnanz 71 der Rhe n'andkommis ion (Spionage) variiere. Der Aiutsvor'leher informierte sofort seine vorgesetzte Behörde. Arn DonnerLtag- oormittag traf der Präsident Kollas vom Reichsvermögensamt Koblenz in Mainz ein. um sich über die Vorgänge zu unterrichten. Sine blutige Miläumsfeier in Agram. Oie Kroaten demonstrieren gegen den großserbischen Staat. Schwere Zusammenstöße mit der Polizei. — Kabinettslrisis in Belgrad? Jcad) der Verhaftung des Oberinspektors begaben sich die französischen Beamten auch in d eisen Prioatwohnung und nahmen dort gleichfalls eine umfangreiche Haussuchung vor. Gegen ein Uhr mittags erschienen drei ftanzösische Kriminalbeamte in der Wohnung des in der Möbelabteiluna des Reichsvermögensamts beschäftigten Heinrich Schilling, in der Josephstraße 52, wo sonst nur französische Offiziere wohnen und Schilling H a us = vermalter ist. Sie hielten hier ebenfalls eingehende Haussuchung ab und erklärten Schilling für verhaftet. Am gleichen Mittwoch vormittag hielten sie bei dem Kasernenwärter Seegräber in Weisenau ebenfalls eine Untersuchung ab — See- gröber ist im Artilleriepark in der Rheinallee beschäftigt —, ebenso bei dem im Fliegerpark in der Rheinstraße tätigen Arbeiter Frenz und bei dem im Hause Hindenburgstraße 49 wohnhaften, als Heizer beschäftigten Arbeiter Schmitt. Das Haus wird gleichfalls nur von französischen Offizieren bewohnt. Am Donnerstagvormittag erfolgte im Zusammenhang mit der Angelegenheit die Berhastung des im Stadtpark in einem französischen Offiziers- Haus wohnhaften Heizers S t e n n e r und weiterhin des im früheren Zeughaus und jetzigen französischen Soldatenheim in der Rheinstraße und in derCoope- rative in der Gerichtsstraße tätigen Heizers Wocker aus der Wallausstraße. Allen Beteiligten wurde zur Last gelegt, sich gegen Ordonnanz 71 der Aheinlandkommtsswn. die von Spionage und Gefährdung der Sicherheit der Besatzungstruppen handelt, vergangen zu haben. Oberinspektor Kratz soll versucht haben, von den Mitverhaftelen Schriftstücke und Plane zu erhal.en. dir von diesen in den französischen Ofsizierswohnun- gen entwendet werden sollten: außerdem sollen die Beschuldigten mit einem Geheimagenten aus dem unbesetzten Gebret in Verbindung gestanden und diesem das Material geliefert haben. Inwieweit die Beschuldigungen zutreffen, ist abzuwar en, west bei den bisherigen eingehenden Vernehmungen alle deutschen Beh o r denve r t r e t e r und Bechtsbeistände 'ferngehalten wurden. Jedenfalls erfolgte aber bereits die Freilassung des Schilling, Frenz und S t e n n e r am Donnerstagabend. Ob diese Beschuldigungen bei den anderen Verhafteten, die noch festgehalten werden, begründet sind, konnte bisher noch nicht fest gestellt werden. Die amtlichen Stellen sind jedenfalls sofort verständigt worden. Nochmals Reform der Ehescheidung. Fortsetzung der Reichstagsdebatte. Berlin, 1. Dez. (DDZ.) Der Reichstag setzte die Aussprache über die Anträge der Sozial- demokraten, Demokraten und Kommunisten zur Reform der Ehescheidung, über die Rechtsstellung der Frau und des außerehelichen Kindes fort. Aba. Ehler mann (Dem.) weist darauf hin, daß die Notwendigkeit einer Reform der Ehescheidung von fast allen Parteien anerkannt werde. Gerade aus Gründen der Sittlichkeit, der Menschlichkeit und des Ansehens der Ehe im Volke sowie aus Gründen des Staatswohls sei eine Verbesserung des EhescheidungsvechlS notwendig. An Stelle des Verschuldungsprinzips mü se das Prinzip der objektiven Zerrüttung der Ehe gesetzt werden. Ernsthaft müsse man auch die Frage prüfen, ob nicht bei beiderseitigem Einverständnis ohne gerichtliche Kststellung der Zerrüttung mit ihrem peinlichen Änhringen in die intimsten menschlichen Bewegungen eine Scheidung ermöglicht werden soll/ Scharfe Kautelen müßten allerdings zum Schuh für Mutter und Kind geschaffen werden, Der Redner erinnert zum Schluß an das Elend und die Verzweiflung, die das heutige Scheidungswefen vielfach verschuldet habe. Die Reformwünsche seien deshalb aus tiefster Ge- wis ensnot geboren. . . Abg. Dr. Hanemann (Dtschntl.): Die letzt vom Reichsrat vorgesehene Aenderung des Rechts der unehelichen Kinder baue sich auf dem Verschuldungsprinzip auf, während man die Verwandtschaft zur Grundlage machen sollte. Der Redner beantragt, alle vorliegenden Anträge dem Rechtsausschuh zu überweisen. Man könne gespannt darauf sein, wie sich die jetzige Regierungskoalition bei den in ihr vorhandenen weltanschaulichen Gegensätzen mit der vorliegenden Materie abfinden werde. Abg. Frau Weber (Zentr.) erkennt an, daß die jetzige Rechtsstellung der Frau viele Härten und Llngerechtigkeiten enthalte. Das Zentrum nehme zum Chescheidungsrecht Stellung nicht unter dem Gesichtspunkt des katholischen Dogmas, sondern aus der Erkenntnis heraus, daß die Grundlage des Staates in der Familie und Einehe liege. Die hier angeregte Cheschei- dungsreform würde zu einer Steigerung der Zahl der Ehescheidungen führen und einen Schritt von der Einehe zur Kameradschaftsehe bedeuten. Diese Reform würde zu La ft en der Frauen und Kinder gehen. Das Zentrum halte an dem Verschuldungsprinzip fest und lehne die hier beantragte Ehescheidungsrefvrm ab. Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) betont der Vorrednerin gegenüber, die Anhänger der Ehe- scheidungsreform ließen sich von der ssttlichen Verpflichtung leiten, durch das Recht den erschütternden Tasachen des Lebens Rechnung zu tragen. In der Frage der Staatsangehörigkeit seien die deutschen Frauen besonders benachtestigt. Diese Frage müsse auf der Haager Internationalen Rechtslonferenz behandelt werden. Die Ehefrau müsse eine eigeneRechts- persönlichkeit werden und auch die damit verbundenen Pflichten und Verantwortungen tragen. Bisher hätten sich die Regierungen bemüht, die den Frauen in der Verfassung gegebenen Versprechungen zu umgehen. Man versuche sogar den Artikel 14 der 2lbbauverordnung zum Dauerrecht zu machen, jenen Artikel, nach dem Beamtinnen entlassen werden, wenn sie heiraten. Der Frau müsse endlich die Gleichberechtigung gewährt werden. Abg. Dr. I ö r i s s e n (Wirtsch.-Part.) meint, eine Reform des ehelichen Güterrechts und des Rechts der unehelichen Mütter und Kinder sei notwendig. Die Wirtschaftspartei werde mitarbeiten an einer Reform, die einerseits den modernen wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung trägt, andererseits aber auch eine Lockerung von Sitte und Moral vermeidet. 216g. Dr. v. Mendhausen (Chriftl.-Rat. Bauernpartei) lehnt eine Erleichterung der Che- scheidung ab. Die Ehe als Grundlage der christ- Italienisch -französische Spannungen. Berlin, 2. Dez. (Eigene Meldung.) Rach- dem vor mehreren LNonaten in Paris das neue Tangerabkommen zwischen Italien. England. Spanien und Frankreich unter Dach und Fach gebracht worden war, hieß es. daß nunmehr die Dahn frei sei für eine italienisch-französische Der ständig nn g.In- zwischen tauchten immer wieder Rachrichten auf. denen zufolge es angeblid) gelungen war. die Grundlage für eine Interessen-Abgrenzung beider Mächte zu finden, dann aber wurde es wieder still und man hörte nur in reaelmätzicen Abständen von neuen G renz- zwischen fallen bei Qkntimigüa und an- derswo, die Zeugnis ablenien von der gereizten Stimmung zwischen beiden Staaten. Die Streitpunkte, um die es sich dabei handelte, sind hochpolitischer Ratur. Einmal ist zwischen beiden Ländern noch kein gegenseitiger Rüstungsstandard vereinbart worden und überdies hat Mussolini beansprucht, daß Italiens Landheer dem jedes anderen Staates gewachsen sein müßte. Schwere Konflsttspunkte liegen in Rordafrita, dort hat der italienische Men- schenüberschutz in dem französischen Tunis staatsitalienische Kolonien insgesamt von mehreren Millionen Menschen entstehen lassen, die darum kämpfen, die italienische Rationalität behalten zu können. Italiens Wünsche nach einer durchgreifenden Grenzberich- tigung zu seinen Gunsten in Rordafrika sind seit langem angemeldet, aber von Frankreich bisher hinhallend behandelt worden, pinklar sind auch die Mächteverhältnisse zwischen den einzelnen Flotten im Mittelmeer. England als traditionelle Mittclmeermacht hat dort bisher seine Stellung zu wahren gewußt. Die italienische Politik der plötzlichen Vorstöße war immer mehr oder minder rvn London her beeinflußt. Frankreich dagegen macht gleichfalls Ansprüche auf die Herrschaft im «westlichen Mittelmeer gellend, zumal es wichtige Verbindungslinien zwischen Marseille und Algier zu schützen hat. Auch auf das östliche Millelmeer erstrecken sich diese Rivalitätskämpfe. Dort besitzt Frankreich das Völkerbundsmandat über Syrien, für das Italien schon längst als Interessent gelten muß. Kürzlich haben in der Pariser Kammer die Sozialdemokraten beantragt, dem Völkerbunde das Mandat zur Verfügung zu stellen, weil die Franzosen in Syrien bisher weniger Lorbeeren geerntet als blutige Aufstände durchzukämpfen hatten. PoincorS hatte es leicht, einen Vorstoß der Opposition zurückzuwetsen. Er brauchte nur mit einem deutlichen Hinweis auf Italien darauf aufmerksam zu machen, daß der Völkerbund einen Nachfolger für Frankreich für das syrische Mandat sehr leicht fmden ^Rein gefühlsmäßig sind die Gegensätze zwischen Frankreich und Italien in diesen Tagen wiederum verschärft worden. In Paris war der Mörder eines italienischen Konsuls vom Schwurgericht zu nur zwei I ahren Gefängnisverurteilt Werder. Darauf gab es in ganz Italien antifranzösische Demonstrationen in einem Ausmaß, wie wir es schon lange nicht er ebt hiben. und Mussolini er« klärte öffentlich, daß er die Empörung Italiens volliommen begr.i e. Dir französische Re ierung hat wohl eingesehen, daß hier etwas geschehen müsse. So hat der Mini'lerrat seine Entscheidung dahin belanntgemacht, daß künsttg die Ausländer in Jranlr ich etwas schärfer überwacht toert en sollen, da unverhältnismäßig viele politische Morde gerade m Frankreich vorgekommen seien. Glüchgüllig. wie diese Angelegenheit geregelt wird, auf alle Fälle bleibt die Atmosphäre zwischen beiden ßänbem in der nächsten Zeit gekannt und erscheint wenig geeignet für eine Lösuni der zwi'chen ihnen schwebenden sach tchen politischen Gegensätze. plebrigens darf man auch bei allen Willlär- debatten, wie sie jetzt in der französischen Kammer geführt worden sind, nie ganz vergessen, daß das ganze Geschrei wegen der angeblich bedrohten französischen Sicherheiten sich zu einem guten Telle nur äußerlich _ gegen Deutschland wendet, denn die Franzosen, auch der Abgeordnete Fabry, wissen ganz genau, daß ihnen von Deutschland her keine Gefahr droht. 2lber sie sagen Deutschland und meinen Italien, und deshalb ist ihnen die Fortsetzung des traditionellen Sicherhellsgeschreis wegen der angeblichen 'Bedrohung ihrer Ostgrenzen eine so willkommene Gelegenheit, um ihren eigentlich politisch-militärischen Aufmarsch zu verschleiern. Sicherlich liegt in der unausgeglichenen und vielleicht gar nicht auszugleichenden italienisch-französischen | Spannung eine der schwersten Bedrohungen des europäischen Friedens überhaupt. lichen Staatsordnung dürfe nicht erschüttert werden. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge werden dem Rechtsausschuß überwiesen. Kleine politische Nachrichten. Das Reichskabinett nahm den Entwurf eines Gesetzes über dreErhöhungdesZucker- zolls unter gleichzeitiger Festsetzung von Höchstpreisen für Zucker an und beschloß, das Gesetz an den Reichswirtschastsrat und an den Reichsrat zu leiten. Reichsjustizminister Koch-Weser hat di, e e r st e Frau ins Reichsjuftizministeriumbe- rufen. Frau Rechtsanwalt Dr. v. Erffa - München ist als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin für die Fragern der Strafrechtsreform in. dieses Ministerium berufen worden. * Im Reichsjustizministerium ist der Gesetzentwurf über die Abfindung der Stande s- Herren f ertiggestellt worden. Es ist gelungen, in den Verhandlungen mit Preußen eine völlige Einigung zu erzielen. 2lls Rachfolger des zum Botschafter in Moskau ernannten Ministerialdirektors v. ©treffen als Leiter der Ostabteilung des Auswärttgen Amtes ist der bisherige Dirigent dieser Abteilung, Vortragender Legationsrat Trautmann, in Aussicht genommen. Schwere Erdbebenkatastrophe in Chile. Annähernd 300 Todesopfer. Santiago,!. Dez. (1BB.) Die Orte Talcaund E h l l l a n sind kurz nach Mitternacht von einem heftigen Erdbebe n heimgesucht worden. Die telephonische und telegraphische Verbindung mit den betroffenen Orten ist unterbrochen. Der Kriegsminifier ist i m F l u g z e u g zur Besichtigung des Erdbebengebietes nach Talca abgereist. Die Truppen der benachbarten Garnisonen wurden zu Rettungsarbeiten aufgeboten, von verschiedenen Behörden wurde die Verhängung des Belagerungszustandes über die heimgesuchten Distrikte nachgesucht. In Santiago in Automobilen eiugetrosfene Personen berichten, dah der Ort Santa Lru; zerstört und die Städte Lurico und Talca schwere Beschädigungen erlitten haben. Soweit die infolge der Zerstörung der Leitungen nur unvollständigen Berichte eine Beurteilung des von dem Erdbeben verursachten Schadens zuiasseu, kann die Z a h l bet loten auf annähernd 300 und die der Verletzten auf mehrere hundert beziffert werden. Zwölf Städte von Südchile sind in Mitleidenschaft gezogen. Besonders schwer hat Talca gelitten, wo die Zahl der Toten hundert überschreitet. Der Kriegsminifier beschreibt Talca als eine Ruinen ft abt, deren Straßen mit Toten und verletzten gefüllt seien, wer fliehen könne, suche Zuslucht auf den Feldern. Auch die Stadt Santa Lru; ist zerstört. Der Schaden auf dem Lande ist noch unübersehbar, da die Brücken und Straßen zerstört sind, und der Verkehr dadurch behindert ist. Vas Arbeiterlager des Teniente-Bergwerks, einer amerikanischen Kupfergesellschaft, ist durch die IDaffermaffen eines Reservoirs vernichtet worden, die infolge e'neö Dammbruches talabwärts fluteten und Brücken und Häuser mitrissen. Die Zahl der Toten in diesem Tal wird auf fünfzig geschäht, weitere durch Flieger und einen improvisierten Funkdienst eingehende Berichte melden, dah die Erdstöße in Talca fortbauern, wo noch zwölf Stunben nach betn Beginn bes Lrbbebens Gebäube burch Erdstöße zum Einsturz gebracht worden sind. Präsident Ibanez ist in die von der Katastrophe heimgesuchte Gegend abgereift, wohin, wie bereits gemeldet. Kriegsschiffe, Truppen und Flieger zur Hilfeleistung entsandt worden sind. Theaierffandal in Hamburg. Mit Stintbomben und Nictzpulver gegen das Publikum. Hamburg, 1. Dez. (WTB.) Im Deutschen Schauspielhaue kam es Fr.itag gegen 9.30 Ahr bei der Aufführung des Stückes „Verbrecher" zu Störungen. Der erftc Akt wurde ohne jede Störung zu Ende gespielt. Kaum hatte sich aber nach der Pause ter Vorhang wieder gehoben, als ein ungeheurer Lärm einfetzte. Die Demonstranten, deren Unternehmen allem Anschein nach sorgfältig organisiert war, so dah sie auf die verschiedensten Plätze verteilt wären, begannen laut zischen. Zu gleicher Zeit sah man einen Teil des Publikums im Par'ett nach Atem ringend, mit trä - nendenAugen. mitDaschm ü5)ern vor Mund und Rase aus den Sitzreihen in die Wandelgänge stürzen, da aus den oberen Rängen und aus dem Stehparterre Stin k bomben ündRietz- Pulverröhrchen ins Parkett geschleudert worden waren. Gleichzeitig veran'ia t.' en die Demonstranten, offenbar Nationalsozialisten, auf Trillerp ei en und Virenen einen wüsten Radau. Das Pubti.um nahm einmütig gegen die Ruhestörer Stellung. Auf der Bühne hatte man vergeblich versucht, weiter zu spielen, sah sich dann abex veranlaßt, den Vorhang fallen zu las en, zumal der Aufenthalt in den durch die S.inkbomben verpe eten und mü Rieß- Pulver ecfu lten Sitzreihen des Pavletls für das Publikum unmlgich war. Es dauerte einige Zeit, bis es der Polizei, die auf den Alarm hin eine Streife von 30 Mann entsandt hatte, gelang, die Haupträdelsführer teilweise gewaltsam zum Verlassen des Theaters zu zwingen. Das Publikum, das lebhaft verlangt hatte, daß die Aufführung fortgesetzt werde, stand während dieser Säuberungsaktion vielfach auf den Sitzplätzen und bezeichnete den Polizeibeamten die Personen, die sich an der gewaltsamen Störung beteiligt hatten. Rach einer halben Stunde war die Ruhe wiederhergestellt und die Vorstellung konnte ohne Störung zu Ende geführt werden. Dor dem Theater hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt, die sich zu einem erheblichen Teil aus den aus dem Theater entfernten Ruhestörern und ihren Anhängern zu- sammensehte. Da sie das aus dem Theater kommende Publikum belästigten, griff die inzwischen noch verstärkte Polizei erneut ein und nahm 16 Personen fest. Unter den Festgenommenen befand sich auch das nationalsozialistische Mitglied der Bürgerschaft, Hüttmann. Aus aller Wett. Lin getjeimnisoo s verbrechen. Ein Wann und zwei Frauen in Düsseldorf veranlaßten am Samstagabend einen Kraftwagenführer zu einer Fahrt nach Barmen. In einem wenig begangenen Bezirk zwischen Ohligs und Wald angelommen, mußte der Führer des Wagens halten. Er hatte mehrfach Stöhnen im Wagen gehört. Die drei Insassen gingen in einen Garten hinein und kamen nach kurzer Zeit ohne die eine Frau zurück. Sie veranlaßten dann den Wagenführer, wieder nach Düsseldorf zurückzulehren. Diesem tarn die Sache verdächtig vor, weshalb er zwei Landjäger, die des Weges kamen, ersuchte, eine Untersuchung einzuleiten. Als die Insassen des Wagens sich in Widersprüche verwickelten, wurden sie in Haft genommen. Der Wann legitimierte sich als ein Zahnarzt Dr. Wohr aus Düsseldorf. Die Frau als eine gewisse Hill)enbrand aus Barmen. Sie verweigerten über die Vorgänge zunächst jede Auskunft. In der Zwischenzeit fuhren die Beamten in dem Auto nach OhligS, holten sich dort einen Kriminalbeamten, worauf der Ort augesucht wurde, an dem die drei Personen ausgestiegen toaren. Unter einem Strauch fand man nur wenig bellet» bet und f a st starr, das Gesicht mit einem Kohlblatt zugedeckt, die vermißte Frau. Diese wurde sofort in das Ohligser Krankenhaus gebracht, wo sie bis jetzt noch besiimungslos öar- niederliegt. Wie die ..Kölnische Zeitung" erfährt, handelt es sich bei der Erkrankten um eine Stühe Elly Weickert aus Barmen. Anscheinend liegt ein gesetzwidriger Eingriff vor. Line Berliner Irauerfeiet für Admiral Scheer. Am Sonntag veranstallete der Gauverband der Marinevereine Berlin und der Provinz Brandenburg eine Trauerfeier für den Sieger von Skagerrak. Bis zum letzten Platz war der Dom gefüllt, so dah Hunderte keinen Einlaß mehr fanden. Diele höhere Offiziere der allen Armee sowie der Reichswehr sah man. Ein Wald von Fahnen umgab den Altar. Eine besondere Weihe erhielt diese Trauerfeier durch die Anwesenheit des Reichsprästdenten, der in Begleitung seines Sohnes und des Chefs der Mcrrine- lettung, Admiral Dr. h. c. Raeder, an der Feier teilnahm. Ferner bemerkte man Vertreter der Behörden, des diplomatischen Korps und der vaterländischen Verbände. Hofprediger v-Doe- r in g legte feiner Gedenkpredigt den Psalm 90 zu Grunde: „ilnfer Leben währet 70 Iahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen". Dor dem Gotteshaus brachte die Menge dem Reichspräsidenten eine begeisterte Huldigung dar und sang das Deutschlandlied. Backhaus in Paris. Wilhelm Backhaus, der im Januar auch in Gießen ein Konzert geben wird, veranstaltete in Paris einen Beethoven-Svnaten- Abend mit einem Erfolg, wie ihn ein deutscher Pianist wohl selten dort erzielle. Das Publlkum bereitete dem Künstler am Schluß minutenlange stürmische Ovationen. Er spielte fünf Sonaten und muhte sich zu drei Zugaben verstehen. Mit besonderem Beifall wurde die Mondfcheßr-Sonate und die Aurora-Sonate ausgenommen. Hochwasser der Schwarzwaldflüsse. In den niederen Lagen des südlichen Schwarzwaldes war am Sonntag Tauwetter eingetreten, so daß riesige Meng en Neuschnee den Schwarzwaldflüssen zuliefen. Insbesondere schwoll die Kinzig in ganz kurzer Zeit erheblich an. Da die Wasser nicht schnell genug in den Rhein abfließen konnten, kam es im unteren Kinzigtal innerhalb der Hochwasserbahn zu U e b e r f ch^w e m m u n» gen. Die Temperatur ist zur Zeit i m S i n k e n begriffen, so daß eine Gefahr weiterer Ueberfhttung nicht bestehen dürfte. Schwere Sturmschäden im Schrvarzmald. Mik welch ungeheurer Wucht in den letzten Wochen der orkanartige Sturm in den Schwarzwaldbergen gewütet hat, zeigen _ die immer zahlreicher eingehenden Meldungen über die großen Verheerungen, die der Slurm i n den Wäldern angerichtet hat. In einzelnen großen Gemeindewaldungen sind bis zu 2X0 Festmeter Holz umgeschlagen worden. So haben die Gemeinden Donaueschingen, Hüfingen u.ib Wolf ach einen Schaden von weit über 100 000 Mark erlitten. von einem Lullen getötet. In Zvwen (Pommem) wurde der 74jährige 2lllsitzer Prechel, der in der Wir schäft seines »Sohnes das Füttern des Viehs Mergle, von einem Bullen so schwer verletzt, daß er bald darauf an den Verletzungen starb. Pr- chel hatte eine schwere Kopfverletzung davongetragen. 2luch waren ihm mehrere Rippen gebrochen. Oie Wetterlage. -InoO- Haparard: Sonntaa, |.2.bezV.1928, ©wontentos. G neuer Q wn> oeaeett. » Möecn < Schnee a Oreuoem a «ehe» K &ewitter.(§)windstiite. -O leichter 0$i P muiiger Suosuawen ^sturmecnei norewes» bte Pfeile fheoen mit dem winde Oie ocoen Stationen itenenden Za* Kn geben die Temperatur an. Oie Limen eeetnodeo Qru Wl alticMIF Mit Mtercm-veaw utnaxrceanelra Lultdreee Wettervoraussage. Das nördliche Ties hat sich südwärts ausgebreitet uni) die Staffel milder feuchter ozeanischer Lustmassen bringt über den britischen Inseln Niederschläge, die beim Erreichen unseres Gebietes ebenfalls stellenweise Niederschläge bringen dürsten. Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig, stellenweise auch aufheiternd, Temperaturen wenig verändert, vereinzelte Niederschläge. W i tterungsaus|id)ten fürMtttwoch: Wolkiges vielfach aufheiterndes Wetter und in der Hauptsache trocken. Lufttemperaturen am 2. Dezember: mittags 6,6 Grad Celsius, abends 5 Grad Celsius; am 3. De- zernber: morgens 4,1 Grad Celsius. Maximum 8,4 Grad Celsius, Minimum 3,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 2. Dezember: abends 4,8 Grad Cetsucs; am 3. Dezember, morgens 3,6 Grad Celsius. — Niederschlag 0,7 Millimeter. Aus der Provinzialbaupistadi. Dießen, den 3. Dezember 1928. Novemberfahrt. Von Dr. Wodaege, Gießen. Hochwasser auf der Lahn. Die massigen Fluten rufen und locken den Kanufahrer. Was schadet's, daß bereits der Novemberwind weht. Warum soll man die Freude an der reißenden Flut, die man im Sommer auf fernen Strömen genossen, nicht auch einmal in der Heimat kosten? Bis mitten in die Stadt hinein lockt und ruft es. Denn auch die W i e s e ck führt flotte Strö- nrung. Zwar ist es schon verstaut, das Faltboot, oben im Speicher. Aber bald liegt es auf- geschlagen vor uns. Auf dem Bootswagen wird es zur nahen W i e s e ck gerollt. Unter altbekannten Drücken hindurch tragt sie »ns zur Mündung in die Lahn. Wie anders i'lt das Bild dort als sonst in sommerlichen Tagen. Seeartig liegt die Wassermasse vor uns. A cht mehr hemmen die Sei enwande des meist • tef liegenden Flußbettes den Blick. Das Wasser trägt jetzt das Doot am oberen Rande des Flußraines, zu dem man sonst von unten hinauf- schaut. Weithin kann nun der Blick streifen, hinüber zum Dünsberg und den Höhen bei Königsberg und Hohensolms, die den Horizont bis nach Wetzlar hin begleiten. Wie die Flut das Doot erfaßt! Dies Tempo liebt der Kajakfahrer. Grau liegt das Land rings um uns. Entblätterte Bäume starren mit ihken Aesten gen Himmel. Fetzenhaft ziehen die Wolken von Westen daher. Und vorwärts, vorwärts sagt uns die Flut dem Winde entgegen. Da Packt uns ein Strudel. Zwei kräftige Pad» delschläge und wir sind dem Gesellen entronnen. Die Wehre bieten keine Hindernisse mehr. Auch sonst muß man oft durch gurgelnde und brodelnde Wassermassen. Sicher führt uns das gut gebaute Doot. Gefahrvoll ist'- nicht. Unb doch spürt man so etwas vom Reiz einer Fahrt im Wild- wafser, der Sehnsucht des Karmfahrers, vom Kampf mit den Elemen'en. Hier und da greift der Fluß weit ins Land und führt uns in die Irre. Das Paddel stößt auf flachen Wiesengrund. Borsichtig tasten wir uns wieder zurück ins Tiefe hinaus. Die Drücken, deren hochragende Pfeiler wir sonst in voller Größe sehen, liegen jetzt nur wenige Meter über dem Wasserspiegel. Immer weiter geht die Fahrt auf einsamer Flut. Ts dämmert. Die Wasserebeire vor uns schimmert Im fahlen Rot des westlichen Himmels. Dann tauchen die Lichter Wetzlars, im Hintergrund die Feuermassen der Industriewerke auf. Das dunkle Wasser spiegelt ihren Glanz wider. Die Rächt bricht herein. Dumpf tosen iroch einmal die Wassermassen vor uns, wie das Brausen eines letzten Wehres. Aber es ist nur der Anprall der Flut gegen Hindernisse, die sich dem Fluß entgegenstemmen mrd uns sich im Dunkeln ver bergen. Wir sah'en mit Dorsicht am Rande des Wassers. Doch dann treiben wir wieder in die Flut. Wie dunkle Streifen ziehen sich die Alfcc dahin. Die Lichter der Stadt weisen uns den Weg. Sechs Glockenschläge erklingen vom Dom, als wir das Weichbild der Stadt erreichen. Drei- Viertel Stunden spater, und wir sitzen bereits im warmen Wartesaal. Das Doot, in Stabtasche und Rucksack verpackt, lehnt neben uns an der Wand. Menschen sitzen an den Tischen im hellerleuch- teicn Saal, Menschen, die nichts wissen von der Schönheit der novemberlichen Flut dort draußen, vom Wind über dm Wassern, von Widerwellen und gurgelnden Strudeln. Wan kann auch heute noch etvxrs genießen von elementarer Romantik, nahe bei Landstraße und Eisenbahn, ganz nahe auch in unserer Heimat — auch heute noch, ganz bei den Deh.rglichkeiten unserer Zivilisation. Liegt nicht darin der Reiz des Lebens, im Gegensätzlichen? Unb sollte es etwa ein uralter Menschheitstrieb sein, der in uns schlummert und dann und wann uns wegzieht von diesen Bequemlichkeiten der Zivilisation, hinaus zu den Elementen, die vor vielen Jahrtausenden unseren Vorfahren die Heimat waren? Volkstrauertag 1929. Der Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertages hielt jetzt in Berlin eine Sitzung ab, in der einstimmig beschlossen wurde, ohne die gesetzliche Regelung abzuwarten, den Volks- t r a u e r t a g zum Andenken an die im Weltkriege aejaHenen Helden auch im kommenden Jahre am fünften Sonntag vor Oftern „Remi - nf fcert* (2 4. Februar 1 929) in ähnlicher Weise zu begehen, wie dies in den Vorjahren der Fall gewesen ist. Der Ausschuß setzt sich aus 23er» tretern der drei großen Bekenntnisse und den großen in Betracht kommenden Körperschaften und Verbänden zusammen. Den Vorsitz führt der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfür- j sorge, weil der Dolksbund es gewesen ist, der den : Gedanken einer Einführung des Volkstrauertages angeregt hat. Die Feier soll in Gottesdienst, Läuten der Glocken im ganzen Reich und Soalseiern bestehen. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. 117er: Monatsversammlung, 8 Uhr, bei Kamerad Sieck, Hammstrahe. — Damenfriseur- und Perücken- machcr-Dehilsenverein, Gießen: OeMntliche Versammlung, 8.30 illjr, „Zum schwarzen Walfisch". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Die tolle Lola". — Astoria-Lichtspiele: „Die Schrek- kensfahrt des Gvldexpreh". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird und berichtet: Morgen, Dienstag, 4. Dezember, findet die erste Wiederholung von Bruno Franks „Perlenkomüdie" statt. Spielleitung: Julius Dafts. — Mittwoch, 5. Dez., wird das mit großem Erfolg erstaufgeführte Drama „Der Patriot" von Alfred Reumann, wegen Erkrankung des.Herrn Ebert-Grasso w am Dienstag, 27. Rov., ausfallen mußte, erstmalig wiederholt. — Das Kriminalstück „Der Prozeß der Mary Dugan" von Dayard Verlier wird am Freitag, 7. Dez., in Gießen erstauf- geführt. Die Inszenierung von „Der Prozeß der Mary Dugan" hat der Intendant. — Das Darmstädter Landestheater wurde von der Intendanz des Gießener Stadtthcaters zu einem einmaligen Operngastspiel für Mittwoch, 12. Dezember (im Abonnement), verpflichtet. Zur Aufführung gelangt die Oper „Fatme" von Friedrich von Flotow, den: bekannten Komponisten von „Martha". Diese fast vergessene Oper Flotows wurde bei der E.-stausführung in Darm- stadt ein großer musikli erarischer Er.olg, der arößte und eigenartigste klassische Musikerfolg des diesjährigen Darmstädter Theater-Winters. Der auffallend stacke Beifall, drn diese neuerweckte Oper gefunden hat, veranlaßte die hiesige In- tendanz, sich „Fatme" als Festvorstellung im Rahmen der Werbewoche „Gießen im Licht" zu sichern. — „Die Entwicklung des Darwinis- mus in den letzten 50 Iahren" ist das Thema eines Vortrages, den der Biologe ?. Wasmann S. J. am Mittwochabend in der Neuen Aula der Universität halten wird. Im Anschluß an den Vortrag soll eine Aussprache stattfinden. Näheres in der heutigen Anzeige. * ** Deutschlandsender auf Welle 1648,3. Nachdem Kalundborg die Welle 1680 für seinen Großrundfunksender verlassen und gleichzeitig die Luftschiffahrt die Welle 1680 Meter, die ihr öisher zu gewiesen war, im Interesse des Rundfunks vorzeitig aufgegeben hat, sS daß nach den Beobochtun- flen des Reichspostzentralamtes und des Deutschen funktechnischen Verbandes Störungen des Deuisch- landsenders auf Welle 1648,3 Meter nicht mehr zu befürchten sind, hat die Deutsche Reichspost sich entschlossen, vom 1. Dezember ab das gesamte Programm des Deutschlandsenders auf dieser Welle (1648,3 Meter) zu verbreiten und die gleichzeitige Aussendung auf Welle 1250 einzustellen, da sonst die Lustschiffahrt auf Welle 1288 gestört werden würde. **OeffentlicheBücherhalle. Im Novern- ber wurden 1234 Bände ausgeliehen. Davon fallen auf: Erzählende Literatur 830, Zeitschriften 74, Iugendschriften 85, Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 8, Länder- und Völkerkunde 60, Kulturgeschichte 4, Geschichte und Biographien 84, Kunstgeschichte 24, Naturwissenschaft und Technologie 33, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Land- wirtsckaft 6, Gesundheitelehre 2, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 7, Sprachwissenschaft 1 Band. Nach auswärts kamen 9 Bände. •* Zunahme der Maul- und Klauen- seu au d. Gteß.Anz. erb. HWiMen nicht unter 18 Jahr., d. schon tn Stellung war, llir tagsüber sofort gesucht 105761) SremöenoenfionSüöel Bahnoosstraste 45. Sauberes f'*441 Lausmädchen ges.Moltkeftr.20v. öu Oftern oder früher wird auf das Kon- tor einer großen Zigarrenfabrik ein auf- geroeefter, braver, junger Mann mit guter Schulbildung lOber-Sekunda-Reisei als MUH UW Scbrtnlitbe Bewerbungen unter 08459 an den Gießener Äiueiget erbeten. [Stellengesuche) Putz fr an Mittwochs u. SarnS- tagS frei.3uetfr.tb. Geschft. d. 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Entzückende Neuheiten In allen erdenklichen Karton- und Papierarten. Ich bitte um Beachtung meiner Auslagen Lang-Oöns, Neuenhaßlau, den 1. Dezember 1928. Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags l1/, Uhr, vom Trauerhause in Lang-Oöns statt. Zum Molaus! Mäntel, Bärte,Masken lmTrauerfalle:Tel.i382 Modehaus Carl Nowack.Seltersweg 85 dient jederzeit sofort bereitwilligst mit Auswahlen: Schwarze Mfintel, Schwarze Kleider ji26a Schwarze Kleider- und Seidenstoffe Bahnhofs- Restaurant Samstag, 8. Dezember Metzelsuppe Schlachtplatte. Vorbestellung von Tischen erwünscht. Telephon Nr. 25 10531A erstklassig In jed.Beziehung. Zahlbar monathnur Rm. 11— trotz bilLPreise. Lieferungerfolgt franko Haus. Lang- jähr.Garantie. Fragen Sied. Postk.an Rich. Langenbach, Bürbach i.W. aus Privathand zu vermieten. SchriftL Anged. unt. 08449 a. d. Gietz. An». Die trauernden Hinterbliebenen: Hugo Weitzel und Fran Elli geb. Dem Otto Weitzel Erna Weitzel Peter Weber und Frau Emilie geb. 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Professor der Geographie an der Universität Gießen. 11. Doch gehen wir zur Frage der Neueinteilung an sich über. Es liegen dafür schon eine große Reihe von Entwürfen vor, von denen diejenigen unberücksichtigt bleiben können, die zu kleine Gebiete als neue Einheiten zusaminenfassen. Als Grundsätze der Einteilung müssen gelten, Wirtschaftlichkeit der Verwaltung, Zusammenschluß volkswirtschaftlich einheitlicher Gebiete, wobei auf Industrie und Landwirtschaft Gewicht zu legen ist, Berücksichtigung der natürlichen Gliederung des Landes und der kulturellen Verschiedenheiten. Bei der praktischen Grenzziehung müssen sich natürlich Gegensätze ergeben, da die einzelnen neuen Länder das Bestreben einer möglichst günstigen Abrundung haben. Andererseits müssen dem Reich Mittel und Wege zur Verfügung stehen, einen Ausgleich zu schaffen und schwächere Gebiete zu stützen. Wenn sich die westlichen Provinzen Preußens heute darüber beklagen, daß sie zur Bestreitung der Knlturausgaben des Ostens beitragen müssen, jo ist bei einer Neu- reaeluna darauf Rücksicht zu nehmen, daß Schwäche- gebiete im Interesse des Ganzen unterstützt werden. Gerade der Osten liefert ja einen Teil jener Industriearbeiter, die dem Westen nötig sind und man darf die landwirtschafllichen Gebiete nicht allein nach ihrem Steuer, oder Wirtschaftsertrag einschätzen, sondern muß auch ihren Volkswert berücksichtigen. Betrachten wir den von A. Weitzel, Frankfurt (Erde und Wirtschaft, 1928, Seite 1) mitgeteilten Entwurf, der in seiner großzügigen Aufteilung manches für sich hat (siehe ..arte 2), so sehen wir das rheinisch-westfälische Industrie- gebiet als Einheit zulammengefaßt. Köln als drittgrößte Stadt des Reiches gebührt der Rang als Hauptstadt, schon im Einklang mit seiner Vergangenheit. Gegen eine Vereinigung spricht der Unterschied in der Stammesart zwischen Westfalen und Niederrheinfranken, der sich aber zu Gunsten der Einheit des größten Industriegebietes über* brücken ließe. Die Grenze wäre etwa so zu ziehen, daß sie von der deutsch-holländischen Grenze auf den Teutoburger Wald zuläust, diesem etwa folgt und dann nach Süden auf das Rothaargebirge hinzieht, das Geoiet der Sieg einschließt, den Westerwald überschreitet, unterhalb Neuwied den Rhein überquert und über die Eifel wieder die belgische Grenze erreicht. Nach Süden anschließend wird von Weitzel ein Gebiet zusammengefaßt unter dem Namen Rhein- fronten, das von der Grenzlinie des rheinisch- westfälischen Gebietes (Niederrhein) bis über Nauheim herausreicht und im Osten über die Fulda yinausgreift. Frankfurt ist Hauptstadt und das Gebiet des Volksftaates Hessen ist ganz einbegriffen, wie auch die Rheinpfalz. Diese großzügige Aufteilung hat den Vorteil, daß sie nicht in Versuchung kommt, die Mainlinie als Grenze einzusetzen, was bei anderer Einteilung geschieht, oder daß das rechts- und linksrheinische Gebiet getrennt wird. Diese Art der Grenzziehung wäre zu verurteilen, denn sie schneidet natürliche und wirtschaftlich zusammengehörige Gebiete mitten auseinander. Derweilen mir bei diesem Hessen am nächsten stehenden Gebiet etwas länger. Bei der Betrachtung dieses neuen Länderraums kann man einerseits von seinem neuen Mittelpunkt Frankfurt ausgehen und fragen, wie groß ist feine Reichweite in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung, oder welches Einzugsgebiet ist nötig als Wirtschaftsbereich. Andererseits ist die Frage auch von der Seite der Eigeninteressen der Landesteile zu betrachten, die sich in das neue Gebilde begeben. Was wird durch das Aufgehen in einer größeren Gemeinschaft an Eigeninteressen evtl, zurückgestellt? Das unter Rheinfranken mit Frankfurt als Mittelpunkt zusammengefaßte Gebiet schließt fränkisches und hessisches Stammeskum ein, geht bis an die Grenze Niedersachsens Das Hessische Stammestum ist durch den Lauf der Geschichte geteilt und wieder vereint ge- —■III», ' ~ — - B Obechefsischer Kunstverein. Weihnachtsansstellung Künstlerhilfc 1928. lieber 30 oberhessifche Künstler haben sich in der diesjährigen, gestern eröffneten Weihnachtsausstellung Künstlerhilfe 1928, deren Durchführung dem Oberhessischen Kun st verein übertragen wurde, mit ihren Arbeiten gufammengetan; man sieht nebeneinander Oelgernälde, Aquarelle. Handzeichnungen, Gra- phik, Plastik und Kunstgewerbe. Die Delmalcret, der Tradition entsprechend, überwiegt weitaus, Plastik ist nur in wenigen Exemplaren vertreten. 3m ganzen ist ein achtbarer Durchschnitt der künstlerischen Leistung sestzustellen, was bei einer Verkaufs- und Terlosungs-Ausstellung wie dieser besonders begrüßenswert ist: es dürfte hier stofflich und stilistisch den verschiedensten Geschmacksrichtungen Rechnung getragen sein: dies scheint uns im Hinblick auj die wirtschaftliche Bedeutung der Ausstellung von erheblicher Wichtigkeit zu sein. 3m einzelnen wäre bei einem Rundgang durch die Ausstellungsräume etwa folgendes zu notieren, woraus sich ein ungefährer Ueberblicf über die Kollektion, jedoch keine erschöpfende Aufzählung ergeben soll, die sich schon im Hinblick auf die begrenzten Raumverhältnisse verbieten würde. Don Barnas z. B., hier bereits bekannt, findet man Landschaften, meist heimatlichen Charakters, und die halbdunklen, sachlichen 3n- terieurs aus einer Eisenhütte. Ein malerisches Schwarzwaldmotiv bringt u. a. List, während von G e i st etwa ein Architekturstück aus der schönen alten Stadt Wimpfen hervorzuheben wäre. Fries, ebenfalls hier kein Reuling mehr, zeigt gute Freilichtmalereien nach oberhessischen Motiven, auch ein tonig behandeltes Stilleben. Lorh wird mit Aquarellen vorteilhaft eingeführt, worunter ein B umenstück und eine Landschaft vornehmlich auffallen. Ebenfalls landschaftliche Szenerien - die motivisch überhaupt ganz überwiegend bevorzugt werden -. findet man von Huth und in vielfachen Abwandlungen von dem verstorbenen Gießener Barthel. Margarete Kranz ist mit sehr sachlich, aber gleichwohl liebevoll ausqeführten Blumenstücken wejen und ist häufig mit den ihm benachbarten fränkischen Gebieten zusammengegangen. Die Stammesoerschiedenheit dürste m. E. kein Grund sein, das fränkische Gebiet südlich des Mains und die südliche Wetterau von dem hessischen Stammes- aebict nördlich davon zu trennen. Das eigentlich hessische Stammesgebiet, von der nördlichen Wetterau bis zur Vereinigung von Fulda und Werra trägt in sich als Gebirgsland mit kleineren Senken nicht die Bedingungen für eine größere wirtschaft liche Selbständigkeit. Ebensowenig ist das fränkische von der Pfalz bis an die böhmische Grenze reichend als stark bewußtes Volkstum hervorgetreten, war es doch unter Bayern, Württemberg, Baden, Hessen und Preußen aufgeteilt, ohne daß aus der starnrn- lichen Verschiedenheit Schwierigkeiten erwachsen wären, im Gegenteil haben sich solche fränkischen zücht von Wichtigkeit und durch seine Waldungen würde Rheinfranken zu den waldreicheren deutschen Ländern gehören. Sind nun auch dies olles Eigen schosten, die auch bei der augenblicklichen Trennung ebensogut bestehen, so darf nicht übersehen werden, daß ein größeres Staatsgebiet manche Kulturaufgabe, die sich auf die Landwirtschaft erstreckt, besser durchzuführen in der Lage ist. An der gegenwärtigen Kleinheit und geringen Finanzkraft der Gebiete scheitert doch häufig die Losung größerer Aufgaben. Die großzügigere Durchführung der Losung bestimmter Fragen Dirat auch wieder die Gefahr in sich, daß Sonderwünsche oft nicht so stark berücksichtigt werden können, doch ist der Vorteil der Wirtschaftlichkeit bei einem größeren Gemeinwesen einleuchtend. In diesem neuen Verwaltungsgebiet liegen industrielle Zentren, vor allem Frankfurt und MannKarte 2. Reugliederung nach Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturgebieten nach A. Weitzel. Die regionale Gliederung Deutschlands nach Wirtschafts- und Verkehrsgebieten (Erde und Wirtschaft 11/1928.) 0 Maßstab 17 Mill. Porr SA] <» c 'S % >e\qD. och e / X 1 / d>. > l Teile den zur napoleonischen Zeit vollzogenen staatlichen Angliederungen sehr gut angevaßt und ihr Stammesbewußtsein gegen das staaniche zurück- gestellt. Konfessionell gehört das Gebiet, in dem frühere geistliche Besitzteile von Mainz, Fulda und Trier liegen, mit zu den zersplittertsten Deutschlands, so daß eine Grenzlinie mit Berücksichtigung der konfessionellen Unterschiede zu ziehen unmöglich ist. Landwirtschaftlich sind folgende Ueberein- ftimmungen wichtig. Im ganzen Gebiet überwiegt der klein- und mittelgroße bäuerliche Besitz weitaus gegenüber dem Großbesitz. Es sind dadurch keine sozial-wirtschaftlichen Gegensätze da, die sich, wie es in Gebieten Norddeutschlands möglich ist, zu Interessengegensätzen auswachsen könnten. Allerdings bestehen Gegensätze im Anbau. Die fruchtbaren Gebiete der Ebene gehören mit zu den klimatisch günstigsten Deutschlands. Im Weinbau vereinigen sich die Interessen des Mosel- und Rheintals. Die fruchtbaren Gebiete der Ebenen reichen allerdings für die Versorgung der Stadtbevölkerung nicht aus, doch bedeutet die städtische Bevölkerung einen günstigen Abnehmer, was allerdings nicht so sehr für die Getreide- und Ackerfrüchte gilt, deren Preis durch die gesamte Marktlage bestimmt wird, wie für Obst, Gemüse, Fleisch und Molkereiprodukte, die günstige Derkehrsbedingungen haben. Die Gebirgsgegenden sind als Gebiete der Vieh- — MR »i —Win» i «i»!■■»■ nmm li ,» iii>,n»7il»irr—im von dekorativer Wirkung zur Stelle. Küchel, Gießen, zeigt diesmal et ich: kunst. ewerb iche Zier- stiicke in Bronze und Silber, ornamentale Kleinarbeit. Scheid, Darmstadt, ist wiederum mit seinen wohlbekannten und mit Recht beliebten Pferde- und Reiterbildern zu nennen: -es sind durchweg gute Sachen, in verschiedenartiger Technik. Don Eimer, Darmstadt, sollte, neben hübschen Radierungen, ein gut gruppiertes, appetitliches Früchtestilleben Beachtung finden. Einige Stücke der Gräfin Solms- Rödelheim erscheinen um ihrer lebhaften Farbwirkung willen bemerkenswert. Handzeichnungen und Lithographien von Walther behandeln vorwiegend landschaftliche Motive: von Reuter, Gießen, sieht man ebenfalls Freilichtmalereien, ein Motiv aus der Gießener Umgebung sei von Rohrbach erwähnt, von Oncken vor allem ein Stilleben mit Tulpen. Unter den Bildern W i l l s gefallt ein groß angelegtes Gießener Stadtbild: apart kolorierte Stilleben unk Bildnisse sind ferner zu erwähnen. Eine ganze Wand gehört Steinbach: er bringt qualitätvolle Malereien von gemäßigter Sachlichkeit, llare und starke Farben. Groß- Haus ist hauptsächlich mit einem vortrefflichen Selbstporträt und mehreren sehr guten Landschaften zu empfehlen. Eine Ditrine vereinigt Aquarelle und Zeichnungen von Steinbach, Will, Kranz, Manz und Scheid: durchweg hochwertige Arbeiten, welche die Aufmerksamkeit aller Besucher auf sich lenken sollten. Auch S o e d e r ist hier im Kunstverein bereits gezeigt worden: wir weisen auf zwei Helle und malerisch belebte Schneelandschaften im Hinteren Ausstellungsraum hin. Der eigenartige und in stets wertvollen Bildern sich ausprägende Walstll des in Lang-Göns ansässigen jungen Alfred K i e h l ist wiederum an einigen neuen Stücken zu beobachten, die zum Besten zählen, was diese Ausstellung bietet. Weiterhin sei auf Blumenstücke von Veite und Zeichner hingewiesen, während von Maus in erster Linie die Aquarell-Landschaften und ein feines und interessantes Stilleben hervorzuheben wären. Müller, Offenbach, bringt u. a. ein starkfarbig gemaltes Motiv aus der heim-Ludwigshafen, die stark in bie Umgebung aus- strahlen. Es ist dies vor allem bie chemische In- buftrie, Maschinenindustrie, das Hauptgebiet für Gerberei, fieber und fieberroaren, sowie Schuhe, welch letztere Industrie auch in der Pfalz stark beheimatet ist. Ferner Papierindustrie in Mannheim und Aschaffenburg; Tabakverarbeitung, Weberei und manch anderes Unternehmen von Wichtigkeit. Diesen beiden großen Industriezentren stehen kleinere gegenüber in Koblenz und Kassel. In der Grenzziehung ist nur ein Entwurf zur Diskussion gestellt. Rheinfranken kommt etwa der heutigen Provinz Hannover an Fläche gleich und würde über 5,5 Millionen Einwohner zählen. Damit würde es die rein landwirtschaftlichen östlichen Länder überragen, wie dies auch bie übrigen In- buftriegebiete tun. Es würde aber ungünstig sein, bie westlichen Gebiete deshalb kleiner aufzuteilen. Man würde eine wesentliche Verringerung der Ein- wohnerzahl ja nur durch das Teilen der volkreichen Industriegebiete erreichen, wodurch Zusammengehöriges zerschnitten würbe. Als Landschaft bildet der Rheintalaraben eine Einheit, da ihm trotz kleinerer Unterschiede klimatische Begünstigung und solche des Bodens und Durchgängigkeit für den Verkehr gleichmäßig zukommt. Wäre Elfaß-Lothringen noch deutsch, so könnte die Aufteilung günstiger getroffen werden. Würde man das ganze Gebiet des Rheintalgrabens als einheitliches totaatengebilbe zufammenfaffen, so Silvretta-Gruppe. Daneben drei hübsche Federzeichnungen von Stephan. Allerlei nützliches Kunstgewerbe in gefälligen Gebrauchsformen und Farben findet man von Thea Schenck. Ein Porträtkopf von Reuter ist schon aus motivischen Gründen zu beachten, desgleichen die Landschaften von Metzger, Viehmann und Stegmeyer: ein Aquarell des Darmstädters Toller wurde aus der vorhergehenden Ausstellung übernommen. Als einziger Plastiker ist Schmidt, Friedberg, mit einem hübschen Putto in Gips zu notieren. — Die Ausstellung wurde am gestrigen Sonntag- vormittag der Oeifentlichkeit übergeben. Der erste Vorsitzende des Kunstvereins, Landgerichksdirek- tor B ü ck i n g, hieß in seiner Eröffnungsansprache die zahlreich Erschienenen will/ommen und gab weiterhin einen kurzen lleberb'.ick über Deran- las ung. Zusammen etzung und Einrichtung der Ausstellung; diese ist Sonntags, Mon ags, Mitwochs, Freitags von 11 bis 1, außerdem Sonntags von 3 bis 6 und Mittwochs von 3 bis 7 Uhr für jedermann bei freiem Eintritt zugänglich. —y— Frankfurter Theater. 3m Schauspielhaus spielte man zum ersten Male „Krankheit der 3ugend" von Ferdinand Bruckner. Anscheinend ist es nicht zu umgehen, daß die Dichter unserer Zeit in so überaus häufigen Fällen ihre Fähigkeiten an Stücken beweisen, die sich mit den widerw irrigsten menschlichen Prob emen befassen. So werden auch hier wieder alle Laster sexueller Art so faustdick zusammengetragen, daß es schon einer starken dramatischen Kraft und einer großen schauspielerischen Leistung bedarf, um uns den @tel überwinden zu las en, der uns überfällt. Dieses starke Talent ist zweifellos vorhanden. Die dramatischen Effekte sind geschickt herausgearbeitet, bie Sprache ist klar und eindringlich, Der Dialog ist gut gebaut. Die schauspielerische Leistung war eine Der besten, die das Schauspielhaus je gezeigt hat. Diese Studenten und Studentinnen, die mit ihrer körperlichen und seelischen Rot ringen, wurden durchweg ausgezeichnet verkörpert. DaS Zusammenspiel war virtuos. Probleme der neuen Tanzkunst. Rudolf von Laban, der bekannte deutsche Choreograph und Theoreirier d?r modernen Tanzkunst, hat sich kürzlich in einem interessanten und instruktiven Vortrag über die Prob teme der neuen Tanzkunst ausgelassen, der bei dem großen Einfluß, den Laban und sein künstlerisches Wirken auf die Entwicklung der Tanzkunst genommen hat, auch das Intereße der Liebhaber Chorrog aphen verdient: „Für uns gibt es keine alte und keine neue Tanzkunst", sagt Laban, „sondern lediglich eine Tanzkunst, die durch alle Zeiten toei:ergebt. Es kann sich höchstens darum handeln, von einer heutigen Tanzkunst zu sprechen, und in ihr wird alles das begriffen sein, was von alter Zeit her in unsere Zeit hineinragt, was sich neu bildet und was keimhaft auf die Zukunft hindeutet. Es gibt aber eine Tanzwissenschaft. die es als Choreo- sophie schon auf pythagoreischen Quellen und Anregungen fußend, bei Plato gab. Die ge- aeschichtliche Entwicklung fuhrt dann weiter zu der berühmten Choreographie des französischen Ballettmeisters F e u i l l e t, die Laban in gewissem Sinne zu seiner eigenen macht. 3m übrigen stellt sich der Theoretiker auf den Standpunkt, daß im Sinne der Derufserziehung. d. h. der Tanzerziehung, das tatsächliche tänzerische Element eine immer größer werdende Rolle spielt, was bei der Betrachtung der Probleme der neuen Tanzkunst außerordentlich erfreulich ist. Die Damen Menz, Daub, Erika Mann (Thomas Manns Tochter) und Winter, die Herren Diberti, Arie und R e w a l t boten charakteristische Figuren in Spiel und Maske. Der schau pielerischen Leistung aller galt mit Recht der Beifall. Mit gleichem Recht ist das S!ück abzulehnen. Man sollte sich ernstlich überlegen, ob man die neuzei liche dichterische Produk.ion nicht in gesündere Bahnen lenken würde, wenn man auf die Aufführung solcher Sriicke verzichtete. Für unsere 3ugend sind diese Krankh:iten, wie sie hier dargestellt werden, got lob nicht symptomatisch. Sie führt in ihrer großen Masse andere Kämpfe, die einem Dichter sicher ein dankbareres Thema bieten können, als eine solche Sammlung von Abnormitäten. Dr. W. würde es zu groß, da man die fruchtbare Ebene nicht von den Gebirgen, die man als besondere Landschaft betrachten muß, trennen kann. Die Teilung kann nicht nach Landschaften in dem Sinne erfolgen, daß Gebirge und Ebene getrennt werden, sondern die Gebirge müssen als Außen- gebiet der Ebene zugeteilt werden, und zwar derjenigen, nach der sie vor allem wirtschaftlich hin« neigen. Dies entspricht auch meist der natürlichen Abdachung. Die Grenzen sind in die siedlungsarmen Gebiete zu legen, welche natürlicherweise meist mit in den Gebirgen zusammenfallen, in Norddeutschland mit den Heidegebietcn. Hier ist die Grenzführung meist eindeutig und man wird leicht zur Einigung gelangen können. Schwieriger ist sie in den Durchgangslandschaften der Ebene und hier sind auch Einsprüche zu Weitzels Entwurf schon gemacht worden oder sind noch zu erwarten. Niedersachsen hat in einem Artikel von E. Obst (Zeitschrift für Geopolitik, 1928, I. S. 33) Kassel beansprucht, neben anderen Erweiterungen gegen Hamburg. Die Stadt Kassel ist dort mit ihrem wirtschaftlichem Einzugs- gebiet zu Niedersachsen gezogen. Das bedeutet, daß das Gebiet südlich Kassel bis zur Schwalm einbe- zogen ist, denn soweit reicht der Marktbereich Kassels. Nur der geringere Teil der Schwälmer beschickt den Marburger Markt, der wie der Gießener, schon teilweise von der Zentrale Frankfurt versorgt wird. Die Frage der Eingliederung der Pfalz wird bei Bayern auf Widerspruch stoßen, bei den Pfälzern selbst sicher nicht in gleichem Maße. Ain schwierigsten liegt die Frage der Grenzziehung in der Rheinebene. Wenn sich Baden und Württemberg zusammenschließen, wird dies neue Land nur schwer zu bewegen sein, auf Mannheim, (ein wirtschaftliches Ausfalltor nach Norden, zu verzichten. Trotzdem bestehen wirtschaftliche Verknüpfungen, z. B. in der chemischen Industrie, deren Leitung nach Frankfurt verlegt wird, zwischen bei- den Städten. Es sind noch eine Reihe von Reibungsflächen wegzuschaffen, doch ist es wichtig, auf sie aufmerk- (am zu machen. In der Verwaltung wird die regionale Zentralisierung günstig sein. Das gilt auch besonders für die Handelskammern, Landwirtschaftskammern ujw., die jetzt in den staatlich getrennten Gebieten nebeneinander existieren, wie auch für die Wirtschaftsverbände jeder Art, die häufig schon über die innerftaatlidjen Grenzen hinweggreifen. Bei der Unterteilung in Kreise kann den totalen Bedürfnissen auf zweckmäßige Einteilung weitgehend Rechnung getragen werden. Der Gedanke der Neueinteilung wird sich in den größeren Län- dem und Provinzen leichter durchsetzen, während er in kleineren Gebieten häufig Durch den Glauben unterdrückt wird, daß man sich den Ast absäge, auf dem man sitzt. Die lledernahme der Beamtenschaft in den neuen Verwaltungsbezirk müßte ohne persönliche Härten geschehen, was auch sicher nfög« lieh ist. Manches wäre noch über die Kulturfragen zu sagen, über das Fortbestehen von vier ober fünf Hochschulen, wobei vieles für die Beibehaltung der Hochschulen in Mittelstädten spricht. Es wird auch im neuen Verwaltungsgebiet selbst wieder eine gewisse Dezentralisation günstig bleiben, soweit sie sich mit Rücksicht auf die Verwaltung durchführen läßt. Don großem Interesse ist auch die Frage, wie wird sich die innerpolitische Sage durch die Neugestaltung verändern, wie wird sich die Politik der preußischen Provinzen im Deutschen Reich gestalten, wenn sie im Reichsrat durch selbstgewählte und ihrem Landtag verantwortliche Vertreter und durch eine Stimmenzahl vertreten sind, die ihrem wirklichen Größenverhältnis entspricht? Die Neueinteilung, von der die Verwaltungsreform erwartet wird, ist lebten Endes nicht ohne Verfassungsänderung möglich. Auch hier Harri noch ein Fragenkomplex der Beantwortung, der sich vor allem um den Grad der Selbstverwaltung der neuen Bundesstaaten dreht und auch hier bedarf es der sorgsamen Abwägung, bevor der Gedanke der Neueinteilung verwirklicht werden kann. Heber* schlägt man die Vorteile und Nachteile einer Neugliederung im Ganzen, so überwiegen meines Erachtens die Vorteile und manche Gebietsteile werden durch sie eine neue Belebung, andere einen weiteren Aufstieg, die Gesamtheit einen nicht nur zweckentsprechenden, sondern auch kulturfördernden Innenbau erhalten. Auch außenpolitisch ist die Neugliederung nicht von Nachteil, wäre dadurch der Anschluß Oesterreichs an das neugegliederte Reich doch wesentlich erleichtert. Als nächsten Beitrag zu diesem Thema werden wir einen Aufsatz "profesior Dr. Aubins über „Geschichtliche Ueberlegungen zur R e i ch s r e s o cm“ veröffentlichen. Gießen und Wieseck. Nachdem in früheren Jahren zweimalwe Verhandlungen über bie Wetterführung der Gießener Straßenbahn nach Wieseck mit einem Mißerfolg geenbct hatten, sind nun, wie wir am Samstag nach einer Wi,?secker Gemeindeversammlung berichteten, auch die erneuten Straßenbahn- Verhandlungen zwischen Gießen und Wieseck gescheitert. Diesen Ausgang der neuen Besprechungen werden mit uns alle diejenigen Bürger Gießens imb Wiesecks bedauern, die schon seit Jahren eine befriedigende Lösung der für beide Gemeinden wichtigen Straßenbahn- srage erhoffen. Wir haben von jeher zu denen gehört, die von Gießen aus mit aufrichtigem Wollen und mit Nachdruck für den Straßenbahnbau nach Wieseck eingetreten sind. Diesen Standpunkt haben wir offen und unzweideutig auch zu einer Zett vertreten, wo in einflußreichen Gießener _ Kreisen noch keine, oder nur geringe Stimmung für dieses Projekt vorhanden war. Ebenso haben wir nach dem Mißlingen der Verhandlungen im Jahre 1925 offen ausgesprochen, daß auf beiden Seiten schwere Feßler gemacht wurden, die dcrnnchas Fiasko zur Folge hatten. Unsere bisherige Stellungnahme in dieser Angelegenheit berechtigt uns, nach dem erneuten Fehlschlag nun ebenfalls ein offenes Wort zu sprechen, ilnb da müssen wir seststellen, daß man der Stadt Gießen diesmal keinen Vorwurf machen kann. Die Gießener Unterhändler kamen mit dem besten Willen, die mm schon seit Jahren schwebende Angelegenheit zu einem für beide Teile annehmbaren Ende zu bringen, d. h. die Straßenbahn nach Wieseck baw- möglichst zu bauen. Daß Gießen durch seine Bevollmächtigten von vornherein offen betonte, der Wiesecker Autobetrieb müsse von dem Tage der Betriebsaufnahme der Wiesecker Straßenbayn ab aufhören, lag im Interesse der Klarheit der Der- handlungsführung, war im übrigen aber nur die Hervorhebung einer glatten Selbstverständlichkeit. Die Uebernahme des Wiesecker Wagenparks konnte für Gießen ebenfalls nicht in Betracht kommen, da es für die großen Kraftomnibusse beim besten Willen keine Verwendung hat. Hm- sichtlich des Baukostenzuschusses, den Wieseck zur Straßenbahn zu leisten gehabt hätte, bestanden zwischen beiden Verhandlungspartnern keine unüberbrückbaren Gegensätze, ebenso wäre eine Verständigung hinsich.lich der Uebernahme des Wiesecker Zweckverbandspersonals in den Gießener Straßenbahndienst zu erzielen gewesen. Daß man Gießen keinen Vorwurf machen kann, ist ja auch von den Sprechern in der Wiesecker Versammlung am Freitag abend, Bürgermeister Schomber und Gemeinderal Benner, zugegeben worden. Für Wieseck wurde die Frage der Verwertung der Kraftomnibusse schließlich zum Angelpunkt der ganzen Angelegenheit. Die Oeffentlichkett erfuhr bei dieser Gelegenheit übrigens zum erstenmal von eingeweihler Wiesecker Seite, daß der Zweckverbandsbetrieb nicht nur keinen Llcberschuß — den man erhofft und anfangs auch verkündet hatte — erbrächte, sondern daß er die Gemeinde Wieseck mtt alljährlichen Zuschüssen in Höhe von mehreren tausenden Mark belastete, so daß man sich jetzt mit aller Krgft bestrebte, diesen Betrieb abzustoßen. Des der nun getroffenen Regelung ist aber die Gemeinde Wieseck u. E. schlecht beraten worden. Man hat jetzt ein auswärtiges Unter» nefonen eingeschaltet, das natürlich in erster Linie aus dem Betrieb verdienen, d. h. Neinüberschüsse machen will. Durch die Weiterführung dieses Betriebs hat man es Gießen natürlich unmöglich gemacht, die Straßen Wiesecks mit der so lange schon erstrebten Straßenbahn auszustatten, obwohl in Wieseck allgemein — auch von Bürgermeister Schomber und Gemeinderat Denner — der hohe Wert der. Straßenbahn anerkannt wird. Wan hat nun von Wieseck aus auch der Lösung der Eingemeindungsfrage, die ja immer der treibende, wenn auch öffentlich absichtlich nicht genannte Hauptfaktor in den bisherigen Verhandlungen war, auf Jahre hinaus die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt, wie man überhaupt die Geneigtheit Die- MM Vajarr» t Roman von 3. Schneider-Foerstl. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten „Da sind Sie ja, liebes Kindl" Eine muskulös durch gebildete Hand hob ihre Rechte an die Lrppen. „Warum ließen Sie mich denn nicht wissen, wo ich Sie finden kann?" Ein weiches melodisches Lachen rief einen warmen Glanz in seine scharfen Augen: „Kaiserliche Hoheit, ich bin von der Prob gleich her- gfahrnl — Hat s meine Garderobenfrau nicht ausgricht? So eine bergeffene Urfchl! — Ich Hab s ihr extra aufs Herz glegt!" „Ans Herz, liebes Kindl Nicht wahr?" „Js eh gleich, Hoheit! — Also, ich hab ihr auftragn: Bitte, wann seine Kaiserliche Hoheit kommt, wem S' ihm bestelln. daß ich zum ©feil* schaftsabend zum Baron Hettingen gfatyrn bin! — Da bin ich doch net schwer zum findn gwesn!" „Aher Sie wußten doch, daß ich bestimmt komme, Sie abzuholen, IsabellaI" „Mein Gott, als wann ich sonst gar nix zum Denkn fjätt! — Mir werdn doch kein Gsichterl schneiden, Hoheit? — Ein Glaferl Wein und eine gute Zigarre kriegn S' da auch. — Geh, fan S' halt wieder liab, Christoph I" Sie faßte ihn unter und zog ihn unter leise begütigendem Flüstern mit sich fort. Belustigt sah ihnen Richthofen nach. „Geht dir ein Licht auf. Joachim? Mir schon I — Von die Dramatischen kriegt jede einen Prinzn. — Da helft dir auch beinc fiebn Zackn im Kronerl nix!" Hettingen umspannte mit feinen Fingern Leopolds Oberarm. „Poldi, ich frag dich auf Ehrenwort!" „Ja? — Hast a Maderl gliabt?" kicherte er vergnügt. „Latz das jetzt", fuhr Joachim auf. „Dars ich auf eine ehrliche klipp und flare Antwort rechnen?" ßens zu Verhandlungen mit Wieseck jetzt sehr stark herabgemindert hat. ülnd alle diese Schwre- rigkeiten haben die Wiesecker Beauftragten, wenn auch unbewußt, nur dadurch hervorgerufen daß sie bei der beabsichtigten Liquidierung des Zweck- Verbandes vor der letzten Entscheidrmg nicht alle Möglichkeiten der Verwertung des Wagenparks erscApftcn, sondern sich nur an eine Losung banden: die jetzige, von der zugestandenermaßen von vornherein feststand, daß die Abnahme der Wagen nur erfolge bei gleichzeitiger Wetterführung des Betriebs un er der neuen Firma, womit aber das Scheiern des Straßenbahnprojekts gegeben war. Glücklich gehandelt war es von Wieseck auch nicht, den neuen Autobus zu einer Zeit noch in Dienst zu stellen, wo die Verhandlungen mit Gießen im Gange waren: diese Maßnahme hat in Gießen schon recht merkwürdig berührt. Wäre es nicht besser gewesen, man hätte diesen Wagen, wenn man ihn wirklich abnehmen mußte, ab Fabrik evtl, auch mit einem kleinen Preisnachlaß verkauft? Dann hätte man doch noch einen guten Preis erzielt, die Wiesecker Kapllalinvestttrung bei dieser Gelegen- heil herabgemindert und die Verhandlungen mit Gießen nicht unnötig belastet. Wie gesagt, unsere Nachbargemcinde Wieseck war in dieser Angelegenheit jetzt nicht gut beraten, und dort liegt auch die Verantwortung für dieses dritte Fiasko der Sttahenbahnfrage. Nunmehr wird Gießen in der Straßen- bahnangelegenheit wohl oder Übel nut an feine Interessen und an die Verpflichtungen gegenüber seiner Bürgerschaft zu denken haben. Schon wiederholt ist an die Stadtverwaltung die Bitte gerichtet worden — u. a. auch durch Eingesandt im „Gießener Anzeiger" —, den Bewohnern des Wiesecker Wegs und den jetzt dort noch bauenden Bürgern die Annehmlichkeit der Straßenbahn zu schaffen. Bekannt ist auch, daß das Gelände zwischen dem Wiesecker Weg und der Marburger Sttaße jetzt einer großzügigen Bebauung zugeführt wird. il. a. kommt dort die große Siedlung der Angestellten (das Bauunternehmen der Gagfah) hin. Um den immer wieder auftauchenden Klagen des Verkehrs über schlechte Beschaffenheit des Wiesecker Wegs abzuhelfen, ist die gründliche Herrichtung dieser Straße, die bis an die Gießener Gemarkungsgrenze vor Wieseck Eigentum der Stadt Gießen ist und auch in städtischer Unterhaltung steht, für die allernächste Zeit in Aussicht ge- nommen. Bei dieser Gelegenheit soll nun d i e städtische Straß enbahn bis an die Gießener Gemarkungsgrenze weitergebaut werden, damit die Stadt einerseits dem berechtigten und immer dringenderen Verlangen chrer bärtigen Bürger nach Straßenbahnverbindung endlich entsprechen kann, anderseits aber bei der durchgreifenden Neugestaltung der Straße gleichzeitig alle zeitgemäßen und erforderlichen Einbauten vornimmt, damit die Straße nicht nach kurzer Zett eventuell wieder aufgebrochen werden muh. Die Baupläne und das Konzefsionsgesuch für diese Wetterführung der Straßenbahn von der Gabelung Marburger Straße—Wiesecker Weg bis zur Gießener Gemarkungsgrenze vor Wieseck lagen schon seit Jahren vor, man hat sie aber zurückgehalten, weil ja die Ausdehnung der Straßenbahn nach Wieseck hinein eine Erweiterung der Pläne notwendig gemacht hätte. Nachdem die Verhandlungen mit Wieseck nun aber gescheitert sind, hat die Stadtverwaltung die Baupläne und das Kdnzessionsgesuch am Samstag der Aufsichtsbehörde zur Genehmigung zugehen lassen. Da unsere Mitbürger im Stadtbezirk Wiesecker Weg leider schon allzu lange auf die Erfüllung chrer berechtigten Straßenbahnforderungen warten und auch die Herrichtung der Straße nicht mehr allzulange verschoben werden kann, soll die Durchführung der Pläne möglichst beschleunigt werden. Man darf wohl hoffen, daß die Sttaßenbahnerweite- rungs- und auch die Straßenarbeiten schon im nächsten Frühjahr beginnen werden. Daten für Dienstag. 4. Dezember. Sonnenaufgang 7.46 Uhr, Sonnenuntergang 15.54 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 13.17 Uhr. 1409: Gründung der Universität Leipzig: — 1795: der Geschichtsschreiber Thomas Carlyle in Eccle- fechau geboren: — 1875: der Dichter Rainer Maria RUke in Prag geboren. „Das weiß eh! — — ©flunkert hab ich nie! — Also, was möchtest wissen?" „Warum deine Schwester nicht mitgekommen ist!" Richthofens Gesicht wurde für einen Augenblick ernst. „Ich hab s' nicht gfragt, Joachim! Wirklich nicht! Ich hab s' eingladn zum Mit- sahm, da hat s' gfagt, daß schon vergehn ist heut abend!" „Svo!" „Ja! Hättst es gern ghabt. daß s' dagwesn wär, d' Mizzerl? Sag, Joachim?" Hettingen biß für Sekmrdenlänge die Zähne fest in die Lippen und ging bann, ohne eine Antwort zu geben, an Richthofen vorüber dem Gaste entgegen, der als letzter eben die oberste Stufe der Treppe nahm. „Endlich, Hans! Ich habe nicht mehr mit deinem Kommen gerechnet. Es geht schon gegen elf Ülhr!" Feßmann schüttelte ihm unter jagendem Atem die Hand. „Ich bin gelaufen, was ich konnte." Joachims Glicht stand zornig verärgert. „Ich bin ein Esel! Es wäre doch so einfach gewesen, dir den Wagen zu schicken. Qtber nun komm, bitte! Wie geht es Schwester Brunhilde?" Ein dankendes „Gut", von einem Hellen Blick begleitet, kam als Antwort. Bon Richthofen und Hettingen flankiert, betrat Feßmann den Salon. Ein Gewirr von Stimmen, Musik und ve hallenem Lachen schwirrte durch den großen Raun. Lautlos schoben zwei Diener die kleinen rollbaren Jmbißtischchen von Gast zu Gast. Der Doktor begrüßte erst die Baronin und deren Gatten, um dann zwischen einer Menge Leute unterzutauchem Nach einer halben Stunde holte ihn Joachim mit einem Wink heraus. „Bitte, Hans, nun sei ein wenig nett! Gib dir den Anschein, als hättest du zu Hause eine Riesenpraxis zu bewältigen ... Es gibt nun einmal Leute, denen das imponiert. Hofrat von Ringler gedenkt seine Praxis auszugeben. Bestes Viertel! Obern ring! Lauter erstklassige jahrelange Kundschaft! Da möchte ich dich hineinlancieren!" Oberheffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 3. Dez. Die Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Konsumvereins, die gestern nachmittag bei Gastwirt Braun stattfand, hatte einen viel stärkeren Besuch aufzu- weisen, als in den letzten Jahren. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Karl R o d e n h a u s e n , eröffnete die Generalversammlung und erteilte dem Verbandsrevisoren Jolk das Wort zur Berichterstattung über die stattgehabten Revisionen. Herr Jolk stellte fest, daß die Gesamtgeschäftsführung in besten Händen ist, was auch durch die Steigerung des Umsatzes im letzten Jahre erwiesen sei. Die Ergänzungswahl zum Vorstand und Aufsichtsrat ergab die Wiederwal)! der bisherigen Mitglieder. Eine Dienstanweisung für Vorstand und Aufsichtsrat wurde mit einem Zusatz angenommen. Zum Schluß wurden noch Vorschläge zur wirtschaftlicheren Gestaltung des Unternehmens gemacht. Geschäftsführer Haack von der Raiffeisen-Hauptge- nvssenschaft konnte mit Befriedigung feststellen, daß der landwirtschaftliche Konsumverein den richtigen genossenschaftlichen Weg beschritten habe, der darin gipfele, auch dem wirtschasllich Schwachen zu helfen durch Gewährung angemessener Kredite. : Beuern, 2. Dez. Unsere im Jahre 1906 erbaute Wasserleitung hat jahrelang die Einwohnerschaft ausreichend mit gutem Wasser versorgt. Da sich nach dem Kriege Wassermangel bemerkbar machte, wurde eine neue Quelle gefaßt und dem bereits bestehenden Netze angefchlofsen. Trotzdem machte sich in den Sommermonaten der letzten Jahre Wasser- mangel bemerkbar. Dieser Mangel bedeutete nicht etwa Nachlassen der Quellen, sondern war auf Roh rbrüche der Hausanschlüsse zurückzuführen. Der sorgfältigen Aeberwachung des Leitungsnetzes fettens des Wafsermeisters ist es nun gelungen, durch Entdeckung und Reparatur der Bruchstellen diesem Siebet in wirksamer Weise entgegenzutreten. Da sich diese Brüche jedoch in wachsendem Matze wiederholen, hat die Gemeinde beschlossen, eine vollständige Neulegung der HauSanschlüsse vorzunehmen, und die schadhaften Zinkrohre durch die jetzt gebräuchlichen und haltbaren Gußrohre zu ersetzen. <5p Großen-Linden, 2. Dez. Eine rege Tätigkeit entfaltet gegenwärtig unser Turnver- e i n. Sämtliche Abteilungen des Vereins wollen am 15. Dezember mit turnerischen Vorführungen verschiedenster Art an die Oefsentlichkeit treten. Zu diesem Werbeabend haben die besten Turner des Gaues Hessen ihre Mitwirkung zugesagt. Da sich auch die hervorragendsten Kunstturner der Turngemeinde „Eintracht" (Frankfurt a. M.) zur Verfügung gestellt haben, so dürste der Abend einen selten gebotenen turnerischen Genuß bringen. ! Lang-Göns, 2. Dez. Nachdem heute nachmittag schon eine Vorstellung für die Kinder statt- gesunden hatte, wurden am Wend von Mitgliedern des Gesangvereins „Frohsinn" in der hiesigen Turnhalle zwei Theater st ücke aufge» führt, die allgemein gefielen. Besonders das längere Stück „Mein Land Tirol", in dem die Darsteller vor schwierigen Aufgaben standen, sie aber glänzend lösten, sand reichen Beifall. Das darauf folgende Lustspiel „Der gewitzte Polizeikommissar", löste allgemeine Heiterkeit aus. > Holzheim, 1. Dez. Die Arbeiten an der Umschaltung des hiesigen Ortsnetzes durch :'as Ueberlandwerk Oberhessen sind in vollem Gange. Durch die vermehrte Anschaffung von Motoren in hiesigen gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben war eine Erhöhung der Spannung unbedingt notwendig, um weitere Motoren an= schließen zu können. Für manche Sttomempsänger entstehen insofern unliebsame Kosten, da vieles Material, das während des Krieges verbraucht wurde, den Anforderungen der neuen Spannung nicht entspricht und dadurch vollwettiges Material (Kupfer) ersetzt werden muß. Man ist bestrebt, die Umstellung auf schnellstem Wege zu vollenden, da während dieser Arbeit kleine Störungen nicht aus- beschlossen sind. Eine gründliche äußere und innere Ausbessrung des Transformatorenhäuschens ging den Arbeiten an dem Ortsnetz voraus. — Bei einer von der hiesigen Jagdgesellschaft abgehaltenen Treibjagd wurden 105 Hasen zur Strecke gebracht. Man kann dies als ein sehr gutes Ergebnis bezeichnen, da auf diesen Jagdbezirk nur die Hälfte unserer Gemarkung entfällt, während die andere Hälfte einem auswärtigen Pächter gehört. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 2. Drz. Nach einer Bekanntmachung im Amtsverkündigungsblatt des KreiSamtes werden Aenderungen an älteren Bauten innerhalb der Stadl Friedberg nur bann gestattet, wenn hierdurch die Erhaltung der Schönheit und Eigenart dieser Bauten nicht gefährdet wird. Die Stadt kann nach Anhörung des Bürgermeisters und des Denkmalspflcgers Qlenberungen, die sich nicht im Rahmen der Vorschriften halten, verbieten. o Friedberg, 30. Nov. Um mit den Arbeitsmethoden bekannt zu werden, die die unter Leitung von Prof. Dr. Blecher stehende heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft des Kreises Friedberg anwendet, besuchte der preußische Dezirkslehrerverein „Saal- burgf unsere Stadt. Nach einer Besichtigung des hiesigen Museums, dessen Sammlungen Prof. Dr. Blecher unter dem Gesichtspunkt ihrer unlerrichtlichen Verwendbarkett erläuterte, fand eine Sitzung statt. In einem Referat behandelte Dr. Blecher zunächst grundsätzliche Fragen der Heimatforfchung und anschließend die Arbeitsmethode, die in der Friedberger Arbeitsgemeinschaft bezüglich der Stoffbeschasfung für die Zwecke des Unterrichts schon erste Erfolge gezeitigt haben. Die vom hessischen Kullus- ministerium an die Arbeitsgemeinschaften der einzelnen Kreise ausgegebenen Fragebogen stehen im Dienste der Materialfammlung, ihre Beantwortung kann aber nicht Endziel der Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaften fein, vielmehr müsse für jeden Bezirk das lebensvolle Heimat b u ch geschaffen werden. In der Aussprache erwärmten sich die preußischen Lehrer sehr für die hessische amtliche Einrichtung der Arbeitsgemeinschaften und zogen in Erwägung, ob nicht auch für Preußen eine ähnliche Organisation zu schäften sei. 2$. Bad-Nauheim, 2. 'Dez. 'Auf Einladung des Heimatvereins fand dieser Tage eine gut besuchte Sitzung statt, die sich mit heimatkundlichen Fragen beschäftigte. Professor Blecher (Friedberg) sprach zunächst über die vorgeschichtlichen Nauheimer Funde unter besonderer Berücksichtigung der jüngeren Eisenzeit. Fundstücke des letzten Jahres wurden vorgezeigt, erläutert und zeitlich in die durch die Arbetten von Pros. Helmke (Dietzen) gut bekannte, vorgeschichtliche Besiedlungsfolge der alten Salz stücke Nauheims eingereiht. In der Aussprache mußte leider von verschiedenen Rednern betätigt werden, daß durch private Sammler die Funde immer noch stark zerstreut würden und dadurch die wissenschaftliche Auswertung erschwert werde. Obwohl gesetzliche Handhaben gegen das Verschleppen der Bodenurkunden angewandt werden können, erwartet man mehr Erfolg doch von er- ziehlicheü Maßnahmen, die darauf hinzielen mühten. daß jeder ginöer Anzeige und Ablieferung eines Fundes bei den Behörden als eine Selbstverständlichkeit im Interesse der Allgemeinheit betrachtet. Bürgermeister Dr. Ahl, der sich auch in diesem Sinne aussprach, machte dazu den beachtlichen Vorschlag. in den Berufsschulen die angehenden ^Bauarbeiter durch Museumsbesichtigungen und Aufllärung zu späteren Mitarbeitern auf dem Gebiete der Bodenforschung zu gewinnen. Die Regesten der Nauheimer Kirchenurkunden sind vom Staatsarchiv in Darmstadt bearbeitet worden und erscheinen demnächst im „Bad-Nauheimer Jahrbuch". Dr. Martin, der Vorsitzende des Heimatvereins, zeigte an einigen Beispielen, wie sie für die Ortsgeschichte auszuwerten sind. Es ergeben sich dabei ganz neue Gesichtspunkte für die Siedlungsgeschichte des alten Nauheims. Die Regestensammlung wird auch über den örtlichen Rahmen hinaus der hessischen Geschichtsforschung wertvolle Dienste leisten. Dorgezeigt wurden im Verlaufe des anregenden Abends noch' mehrere Neuerwerbungen des staatlichen Museums, barunter auch die versteinerten Vogelnester, die — wie wir schon berichtet haben — beim Niederreißen des Rei- nigungsgradierbaues als feltene Naturwunder gefunden worden sind. WSN. Ober-Mörlen, 1. Dez. Gestern abend 17,30 plhr überfuhr ein Auto bei Ober- Mörlen die geschlossene Schranke der Strecke Frankfurt — Gießen und blieb -auf dem Gleis stehen. Ein gerade die Strecke befahrender Personenzug konnte noch recht- zettig zum Halten gebracht werden. Die Schranke wurde beschädigt. Kreis Büdingen. △ Nidda, 2. Dez. Die h efige Ortsgruppe des Aeichsbundes der Kriegsbeschädigten. Kr.egerhint.rbliebenen und chnnaliger „Joachim!" Hochrote Flammen schossen in Fehmanns schmales Gesicht. „Es ist dir wohl zu wenig?" frug Hettingen lächelnd. „Ich möchte dich nicht um alles kränken, Achim! Aber das geht nicht!" „Das wollen wir eben seihen, ob es nicht gesht! Ich bearbeite den Hoftat bereits seit einer halben Stunde. Er ist nicht abgeneigt. Aber er will dich zuvor sehen und sprechen! Das ist ja selbstverständlich. Soll ich in deiner Nähe bleiben? Oder ist es dir lieber, ganz allein mit ihm zu unterhandeln? Wenn du die Portiere dort rechter Hand zur Seite schiebst, kommst du durch ein Derbindungskabinett nach meinem Zimmer. Du brauchst nur den Schlüssel zu drehen, dann seid ihr völlig ungestört." „Ich möchte dich bitten, dich möglichst in meiner allernächsten Nähe zu placieren, Joachim." Feßmanns Hände spielten nervös erregt mit den Quasten der blauen Gobelindecke auf dem ovalen Seitentisch. „Gut! Ich werde also ein halbes Ohr für eure Hnterrebung haben. Du erlaubst doch, daß ich ein Wort dazwischenwerfe, wenn es nötig ist!" „Bitte!" In der folgenden Minute war die Vorstellung zwischen Feßmann und seinem hofrätlichen Kollegen bereits vollzogen. Wie zufällig blieb Hetttngen an einen kühn geschwungenen Marmorsockel gelehnt, der eine Laokoongruppe truj. Der Marineleutnant Dingelstedt verwickelte ihn in eine ilnterrebung über Die genialen Vorzüge eines von ihm selbst erfundenen Tauchapparates. Aus der gegenüber* liegenden Ecke kam Isabellas überschäumendes frohes Lachen. Dazwischen hörte er immer wieder auf die Stimmen der beider: Aerzte. Wie nett und vernünftig Feßmann Antwort gab! Dann ein Aufhorchen! — Nun machte der Hans eine Dummheit! „Ich bin nicht vermögend", hörte er ihn sagen. Jetzt mußte er u/ibebingt einspringen. Mit einem flehenden Blick rief er Isabella herbei. Sie verstand sofort und beschlagnahmte den Marineleutnant. Wie zufällig ging (er an dem Freunde vorüber. Der Hoftat hielt ihn an einem Flügel seines Frackes fest. „Lieber Baron, wir sind auf einem toten Punkte angelangt. Bei der finanziellen Regelung unserer Angelegenheit stockt es." „Ist das so schwierig?" Joachim lächelte sorglos und setzte sich neben Feßmann au, einen breiten Wulst des grünen Klubsessels. Obwohl ihm das Herz fast bis zum Halse schlug, sagte er völlig unbefangen. „Ich habe gedacht —“ „Was haben Sie gedacht, lieber Baron?" Der Hofrat steifte die Rückenmuskeln. „Daß eS am besten wäre, mein Freund würde Ihnen eine monatliche Pauschale — sagen wir lebenslänglich — aussehen. Die Höhe würden Sie am besten selbst bestimmen können, Herr Hofrat, da Sie ja einen sicheren Lieberblick Aben, was Ihre Praxis abwirft." „Das geborene Finanzgenie!" lobte Ringler 'mtt einer Verneigung nach ihm hin. „Also, wenn Sie damit einverstanden sind, Herr Kollege, dann kommen Sie also morgen nachmittag zu mir, bann werden wir's schon kriegen! — Eine Bedingung sähe ich allerdings noch gerne erfüllt." „Bitte!" Feßmann fühlte den Boden unter sich bereits wieder schwinden. „Daß Sie sich verheiraten, lieber Kollege." Hettingens herzliche; Lachen lieh Ringler aufhorche n. „Er braucht nur seine Braut zur Frau zu machen. Herr Hoftat, dann ist die Bedingung erfüllt i" „Schön! Dann ist ja alles gut! — Ihre Wahl ist jedenfalls eine glückliche gewesen!" „Meine Braut ist die Tochter des verstorbenen Majors Paskin!" „Den hab ich sogar persönlich gut gekannt, Herr Kollege. Seine Frau war eine Puienhein- Langenschmidt. Erste Familie! Also auf Wiedersehen morgen. Ich will jetzt ein Glas auf das Wohl Ihrer schönen Mutter teeren, lieber Hettingen!" (Fortsetzung folgt) Kriegsteilnehmer hielt gestern abend in der Turnhalle eine s-hr gut besuchte Wohltätigkeits- Vera n st a l t u n g ab. Der Dorsitzende der Ortsgruppe Rioda. Deklnessungöse.reiäc Storck, begrüßte die Erschienenen mii) erläuterte die Ziele und den Zweck des Bundes und der Veranstaltung. Gesangsvorträge, Mei passende Theaterstückchen, GedichtZvcwtr ge bitei reichliche Llnter- ha.tung bei der wür.iz ver.aufenen Feier. Aus dem Riddatal, 2.Dez. Das B e t t e l u n w e s e n, das in den Sommermonaten so gut wie ganz ausgehört hatte, macht sich seit etwa 14 Tagen wieder so stark bemerkbar, daß es von jedermann als Plage empfunden wird. Es ist keine Sellenheit, daß an manchen Tagen vier bis fünf Bettler an der Türe er sich Mar'elec nannte, nur französisch sprach, und als seine Adresse die französische Botschaft ang.'geben, um einen wertvollen Ring im Werte von 12000 Mark best ohlen wurde. Er hatte eine mit Platin besetzte llhr auf den Tisch gelegt und erklärt, daß er sie gegen einen Ring ein- tauschen wolle. Als ihm dann ein Tablett mit Ringen vorgelegt wurden, es war dasselbe Tablett. das gestern vollständig gestohlen wurde. vertauschte er einen der Ringe geschickt mit einer wertlosen französischen Imitation, worauf er den Umtausch durch einen Vorwand zustande brachte. Auch hier wurde der Verlust erst nach seinem Weggehen entdeckt. In der französischen Botschaft war selbstverständlich von einem Herrn Marlelec nichts bekannt. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. ®ie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Banknoten. Frankfurt a. M I Berlin Berlin. 1 Dereinder (»elö Bries ftriuuoiüdrt J 240 264 1.58,5 280 168.25 260.5 431 184,5 90.25 141,25 125.25 140 244 113,25 134 114,5 93,» 1*3.25 62,76 296 69 193.5 108 IM 193,2a 184 264,75 281,5 -66 137,5 - 127,4 141,25 115,5 134,75 - 174,25 U6,4 103 10» 198.5 192.0 242 18 > 264 156,5 281 154,5 170 241 462 134.65 161,25 89,25 142.75 127.5 126.75 141 136 7a 243 114.75 134 134,13 116.1. 117,75 126.75 93.25 189,25 144 154.v -»4,25 ■4 292 294.25 520,5 -72 128 101,75 t09.25 - 193.5 242.5 184 263.5 157. u 281 154.9 162,5 241.5 263.5 435,9 162 183.7a 90..° 143 128,5 126,75 140.7. 134 249 114.75 131,5 184.5 116.5 117.75 122 94 293.5 147,5 154,a 94,4 »4,2a 29a 295 520,5 274 102.25 109,5 - 4% Oesterreich. einheitl. Rte. . 4% Ungarische Soldne..... 4% Ungarische Slaallr. v. 1910 4Ji% detgl. von 1918..... 4% Ungarische flronenNe.. . 4% tOrt. ßollanleihe v. 1911 . . 4% Lürtisch» Vagdadbahn-Lnl.. Serie 1 . 4% Dtigl Serie II ... 4% Rumänen convert. iRu. . . . Rumänen OoItxmL Doi 1918 ÜUg. »rutsche Üiseo'-lh- . . «ft Hamburg-Amerika Haket ... 8 Hamb -Südam Dampssch. . . 8 Hansa Dampsschiss IO Norddeutscher Llogd .... 8 Allg. Deutsche Credllanst. . . 10 Sarmer Bankverein 10 Berlin« Handelsgcsellsch. . . 12 Lommerz- und Prioat-Banl . 11 Darmil. u Nartovalbanl . . 12 Deutsche Bank ... 10 Dllkonto-Gelellschafr Llrrt.. . 10 Dresdner Bank ... 10 Mitteldeutsch« Sredttbanl . • . S ........ . 8 Schlub-l flure | t-Uhr- flure Sch-usj- flurs 21n|ang Kurs Datum: 1. 12. 3. 12. 1. 12. | 3. 12 Phtltpv Holzmann......7 Heidelberger Cemeat . . 10 Cemenl Karlstadt......8 Wavb t Freitag ...... 10 Schulthell Pabellhofer ... 15 Ostwerke ....... . 12 Ber. Bianzstoff......18 Bemberg ........14 Zellstoff Waldhos.....12 Zellston Aschassenbura ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7 Dessauer ...... 8 Daimler Motoren ...... 0 Demag . . ....... 0 Adlerwerke Klever ...... 6 Lubw. Loewe ....... 10 Rat. Automobil . ...... 0 Orenftein & Coppd . .... 6 Leonhard Tietz ......1 Bamag-Meaui« . ...... 0 Franks. Maichine« ...... 6 chritzner . ...... 11 Heyliaenftaett ....... 0 Hunghanü. . . ....... 4 Lech merke....... 8 Mainkrafttverb» ....... 8 Miag ...... 10 Nekarsulma ....... .8 Beter« Unton .8 Gebr. Roeder . ...... 10 Boigi ck Haeffna......8 Lüdd. Zucker........8 138.7a 138.5 175 135,5 285 407,75 85,5 89,75 20,25 68 15 89,25 114,25 115.5 137,25 22 106 124,75 153 141 140 138.5 289 211,5 84,5 89 155.5 140,2a -35 290.5 565 468 287.1. 130.75 210,25 85 49 260 55.25 108 289 20.1 69.25 119.5 89 137,5 22,9 105 216 153,5 141 -36 290.5 566 47 288,75 209.75 132.5 212.75 84.75 50.4 90 260 56,5 109 292 140 1. Dezember 3 Dezemb r Amtliche Geld 'Jloti-rung Brie» Ämtliche (Selb Notierung 1 Brick timfl-» Non " 11.8,31 168,65 168,33 168,67 Blleri-^Airrö 1-767 1,771 1,766 1,770 Brss.-Ätitw a8,25 58,38 58,205 58.385 Christian ta 111,72 111,94 111,76 111,98 Kopenhagen 111,77 111,99 111,78 112,00 Stockholm 111,98 112,20 111,99 112,21 HelsingforS- 10,64 10,56 10,543 10,5(3 5la!-en. . . 21,95 21,99 21,955 21,995 London. . . 20,327 20,367 20,329 30,369 W enn ort . . 4,1915 4,1985 4,1915 4,1995 Ports.... Schwei, . . 16,375 16,415 16,375 16,415 i0,74 a0,90 10.745 80,905 Spanten. . .7,65 <•7,79 u7,64 07,78 Japan . . mto de Jan. 1,922 1,926 1,921 1,925 »,500a 0,5025 1.500 1.502 Eten tu D-- Ceft- abatfl »»,925 J9.44 58,-3 59,i 5 Prag . 12,417 12,437 12,42 12,44 «elzrad . . 7,364 7,378 7,364 7,378 Dnbapest. . <3,04 73,18 ‘3,67 <3,21 ©ul'orten ,02? 3,033 .,027 -,033 Lissabon 18,70 18,74 18,71 18,75 Danzig. . . Äonftaetta. 51,28 dl,44 61,27 1,43 2,103 2,107 2.101 .,105 Alden . . a,425 5,435 5,425 5.435 Lanada 1,190 4.198 1,1945 4,202.5 Uaiuna» . 1,286 4,294 4,296 4.304 Cato . - • 0.855 20.895 0.855 '0.895 Berlin. 1. Dezember itinei Lmertkantsche 9totm..... 4,173 37193 Belgische Noten ....... Panische Norm ........ 58,08 111.53 58,32 111.97 eeättf* «mm ........ .>0.297 4). 577