Nr. 253 Erstes Via« 178. Jahrgang Mittwoch, 3. Gttober 1928 (Etläjeini ld glich,außer Sonntag» and Feiertag» Beilagen; Gießener Famlliendlätter Heimat im Bild Di» Scholle Monais-BezogLprelr-. 2 Reichsmark and 20 Retchspfenntg für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern Infolge höherer Gewalt. Fernsprechanf chlüsse: 51, 64 and 112 Anschrift für Drohtnach^ richten; Anzeiger Eietzew postfcherttonto: frranffurtam Main 11686. GietzenerAnzeign General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vn- Verlag: vrühl'sche Untverfität§-Vuch- und Zteindrnckeret R. Lange in Sieben. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstrahe L Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrist 20",, mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich sür Politik Dr. Fr Wich Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Ted Ernst Dlumscheini für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Biegen Die Deutschlan-fahrt des „Graf Zeppelin". Die Aenderung des Kurses. Neber Frankfurt am Main dem Rheine zu. Friedrichshafen. 2. Ott Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet wurde, Hot dos Luftschiff „Graf Zeppelin" auf feiner geplanten Deutschlandfahrt mit dem Ziel Berlin infolge des ungünstigen Wetters feinen Kurs gegen 10 Uhr vormittags über Bamberg ändern müssen. Es erschien kur; vor 11 Uhr über Würzburg und ganz überraschend für den größten Teil der Bevölkerung gegen 12 Uhr über Frankfurt a. M. Da hier die Zeitungen auf das wahrscheinliche Erscheinen des Lustriesen durch Extrablätter aufmerksam gemacht hatten, befand sich eine immerhin beträchtliche Menschenmenge auf Dächern und Türmen, von wo aus sie das Luftschiff mit Tücher- schwenken und lebhaften Bravorufen begrüßte. „Gras Zeppelin", der sichtlich gegen Gegenwinde anzukämpfen hatte, hielt über der Stadt ungefähr eine höhe von 400 Meter. Infolge -er widrigen winde blieb das Luftschiff ziemlich lange im Blickfeld der Bevölkerung. Es folgte dann der 2Uain- lir.ie, wurde gegen 12.40 Uhr von Mainz aus in östlicher Richtung gesehen, passierte 1255 Uhr Wiesbaden und folgte dann haarscharf dem Laufe des Rheins bei trübem Wetter über Koblenz — Andernach in Richtung Köln. Das um 3.15 Uhr in mehreren Schleifen überflogen wurde. Von drei Flugzeugen begleitet überflog das Luftschiff 3.50 Uhr bereits Düsseldorf in geringer höhe von der auf den freien Plätzen versammelten Menschenmenge lebhaft begrüßt. Uber Essen. Duisburg und Wesel ging die Fahrt in Richtung auf die hollän- difche Grenze zu. Lieber Holland. Um 5.50 Uhr deutsche Zeit wurde die holländische Stadt Rymwegen überflogen und von hier aus, dem Lauf des Waal folgend, Kurs nach Westen in Richtung Rotterdam genommen, wo es um 19 Uhr gesichtet wurde. Das Luftschiff flog ziemlich niedrig und war trotz der eintretenden Dunkelheit deutlich sichtbar. Die Fahrt ging dann auf die englische 6 ü st e zu. An der englischen Küste. Um 21.05 Ahr wurde die englische Stadt Lowestoft in geringer hohe mit mächtigen Bug- kichtern überflogen. Das riesige Luftschiff, das von vorn bis hinten erlei chtet war, bot einen fesselnden Eindruck. Das Motorengeräusch war in der ganzen Stadt vernehmbar. Hunderte beobachteten die Fortschritte des Luftschiffs, das mit größter Geschwindigkeit flog. Der Eindruck in England. Unangenehme Erinnerungen. Die Friedensaufgabe des Luftschiffs. London, 3. Ott. ($11.) Das starke Interesse, bas in England die Entwicklung der deutschen Zivilluftschiffahrt findet, hat nach der Ankündigung des Besuches eines Zeppelin eine Art Höhepunkt erreicht. Diesmal kreist das Luftschiff friedlich über englischem Boden, während der letzte Besuch eines deutschen Luftschiffes am 12. April 1918 noch in die Kriegszeit fiel. Seit der Zeit der deutschen Zeppelinangriffe auf London während des Krieges ist das Luftschiff eine Art Verkörperung des deutschen Angriffsgeistes in England geworden, und obwohl nirgends mehr eine Spur von Kriegseindrücken festzustellen ist, hat es dennoch irgendwie eine Erinnerung an die Zeppelinangriffe ausgelöst. Vierzehnmal gelang es, wie die Spätabendblätter erinnern, deutschen Zeppelinen, während des Krieges London zu erreichen und insgesamt 570 Personen fielen ihren Angriffen zum Opfer. Wieviele Zeppeline ihre deutsche Basis mit dem Ziel England verließen, ist noch unbekannt. Einige von ihnen find englischen Angriffen zum Opfer gefallen und ein Zufall will es, daß der Kommandeur des Kriegszeppelin L 14, eines der hev- abgeschossenen Luftschiffe, Kapitänleutnant Breithaupt, sich heute an Bord des ,,©_r a f Zeppelin" befindet. Die L 14 war im Frühjahr 1916 bei einem Zeppelinangriff über London abgeschossen und Kapitän Breit- Haupt später als Schiffbrüchiger ausgenommen worden. Das Interesse an der jetzigen Zeppelinfahrt ist allerdings ganz anderer Art. Auch in England besteht kaum noch Zweifel über die rein friedlichen Aufgaben des 2ufh> schiffes und seit der großen Leistung Dr. Eckeners durch seinen Flug über den Ozean hat der Luft- fchisfbau in England immer stärkeres Interesse gefunden. Zwei britische Luftschiffe, die selbst die Ausmaße des „Graf Zeppelin" weit übertreffen, harren ihrer Vollendung. Nur seiner Länge nach kann sich das deutsche Luftschiff mit den englischen Rivalen messen, die auch in der Aufnahmefähigkeit von Passagieren weit überlegen sind. Hier zeigt sich allerdings, daß die Erkenntnis der friedlichen Aufgaben des Luftschiffes einstweilen noch Theorie ist, da Deutschland in der Praxis noch starke Fesseln auserlegt sind. Auch jetzt ist es leider selbst den Optimisten nicht immer möglich zu glauben, daß Deutschlands Leistungen zur Uebcrwindung der Luft im friedlichen Dienst der Völker als solche anerkannt werden. Schritt für Schritt ist nur ein Fortschritt möglich, bis die den breiten Massen in jahrelanger Hetzarbeit eingeimpfte Uebcrzeugung von der Gemeingefährlichkeit aller deutschen Errungenschaften — solange sie von den anderen nicht übertroffen oder wenigstens nicht erreicht sind — beseitigt ist, und die maßgebenden Persönlichkeiten sich zur Beseitigung der Hemmungen für die deutsche Zivilluftfahrt verstehen werden. Vor zwei Jahren hat die Amerikafahrt eines Zeppelin Deutschland große moralische Hilfe geleistet; es ist zu hoffen, daß das, wenn auch vermutlich in kleinerem Ausmaß, von der heutigen Englandfahrt des „Graf Zeppelin" der Fall sein wird. Die herzliche Anteil, nähme am Werdegang des Luftschiffes, die Beteili- gung von Engländern an den späteren und jetzigen großen Fahrten werden vielleicht mit dazu beitragen, daß man in England die Leistungen und Erfolge eines deutschen Luftschiffes ebenso würdigt, wie man auf deutscher Seite den Engländern stets einen vollen Erfolg für ihre beiden Riesenluftschiffe gewünscht hat. Nachtfahrt über der Nordsee. Das Luftschiff hat dann wieder die englische Küste verlassen und Kurs auf Deukfchland genommen. lieber der Rordsee wurde es von dem Datnpfer „Cap Ancona" gesichtet; um 12 Ahr nachts war es bereits über Borkum. Am 2.25 Ahr wurde O st - fr i e s l a n d überflogen, um 2.55 Ahr die alte hanfastadt Bremen. Bei der mondklaren Rächt war das Luftschiff, das mittels feiner Geräusche bemerkt worden war, außerordentlich gut zu fehen, schon durch seine hell erleuchteten Kabinen. Das Luftschiff nahm, nachdem es die Stadt überflogen, sofort Kurs auf Hamburg, bog jedoch nach Rordwesten ab und steuerte Schleswig-Holstein an, wo es um 4.45 Ahr S ch l e sw i g überflog. Die Fahrt ging dann über Flensburg, die Geburtsstadt Eckeners, nach Kiel, dessen Einwohnerschaft durch das Surren der Propeller aus dem Schlafe geweckt wurde. Roch ehe die meisten zur Besinnung kamen, war das Luftschiff, das an dem klaren Morgenhimmel einen prächtigen Anblick bot, nach Süden verschwunden. Am 6.45 Ahr wurde es bereits über Hamburg gesichtet. Lin Flugzeug gab ihm auf dem Fluge über die Stadl, in dec sich trotz der frühen Morgenstunde auf Dächern und in den Straßen schon ein zahlreiches Publikum angqammell Halle, das Geleit. Der „Graf Zeppelin" flog dann weiter über die mecklenburgische Stadt Ludwigslust und Wittenberge auf Berlin zu. Am 9 Ahr pünktlich traf das Luftschiff über der Reichshaupl- stadt ein. Lieber der Michshaupisiadt. Ein Geburtstagsgruß an den Reichspräsidenten. Schon lange vorher waren die Dächer der Stadt, die reich geflaggt hat, dicht von Menschen besetzt. Das klare Wetter ermöglichte auch eine gute Sicht, so daß man das Luftschiff mit einem guten Glase schon bald nachdem es Staaken passiert hatte, sehen konnte. Eine Verkehrsfliegerstaffel von fünf Flugzeugen, sowie zahlreiche andere Flugzeuge waren dem Luftschiff entgegengeflogen und begleiteten es auf seinem Rundflug über Berlin, il e b e r dem Reichspräsidentenpalais warf das Luftschiff einen an einem Fallschirm befestigten Strauß roter Rosen ab, der sich aber an dem Dache eines Häuserblockes verfing. 3n niedriger Höhe zog das Luftschiff seine Schleifen über der Stadt, von der Menschenmenge begeistert begrüßt. Oberbürgermeister Böß hatte auf funkentelegraphischem Wege an L. Z. 127 folgenden Gruß gelangen lassen: „Den „®raf Zeppelin", seine Erbauer und seine Führer grüßt die Reichshauptstadt, ihre Bevölkerung imb ihre Verwaltung. Das neue deutsche Luftschiff möge als willkommener Gast bald bei uns einkehren, gez. Oberbürgermeister Böß." Eckener spricht zu den Berlinern Während der „Oraf Zeppelin" über Berlin dahinflog, versuchte Alfred Braun von der Funkstunde wiederholt sich mit dem Luftschiff in Verbindung zu sehen. Zur allgemeinen Freude gelang es ihm, während das Luftschiff über Schöneberg dahftrflog, beim dritten Versuch die Verbindung herzu st eilen. Es lag nicht etwa eine Störung des Senders vor, sondern die Luftschiffleitung brauchte ihren Llpparat, um Wetterberichte entgegenzunehmen. Alfred Braun teilte mit, daß Dr. Eckener selbst sprechen werde, übermittelte aber vorher noch den Gruß der Reichshauptstadt, den Oberbürgermeister Böß auf funkentelegraphischem Wege über Rorddeich an den „Graf Zeppelin" hatte gelangen lassen. Darauf hörte man die klare Stimme Dr. Eckeners: Werte Hörer und Hörerinnen! Ich danke herzlichst für den freundlichen Willkommgruß, den Sie mir dargebracht haben. Ich mochte zu Ihnen sprechen, um meinem tiefen Bedauern Ausdruck zu geben, daß wir Sie gestern schmerzlich enttäuscht h b.m. Die Wetternachrichten, die wir gestern Vormittag um 10 Ähr erhielten, waren so ungünstig, daß wir ernsthaft befürchteten, daß weder Sie uns, noch wir Sie hätten sehen können. Es ist leider unser Los, Enttäuschungen zu bereiten. Wir können nicht nach jeder Stadt kommen, die um unseren Besuch gebeten hat, und wir können auch nicht über jeder Stadt längeren Au,enthalt nehmen und müssen auch Rachtbesuche ma- Von unserer Berliner Redaktion. Die Ankündigung des Stahlhelms, daß er einen Vrllsentscheio anrufen wolle zur Beseitigung von Mißständen der Verfassung ist von links her — aber überraschenderweise auch vom Zentrum — ausgefaßt worden als die Einleitung eines Generalangriffs, der sich gegen die Verfassung als Ganzes richtet mit dem Ziel ihrer Rückwärtsrevidirrung und Heber» holung. Das heißt, die Dinge ganz gewiß falsch sehen, wenn auch zugegeben werden muh, daß der Stahlhelm sich in der Form schwer vergriffen und der Sache, der er dienen wollte, durch den falschen Ton der Fanfare mehr geschadet hat. Ser Iungdeutsche Orden hat einen sehr viel besseren politischen Blick bewiesen, indem er Hemmungen, die aus dem Vorgehen des Stahlhelms entstehen muhten, wieder beseitigen will. Er stellt sich, wie er in fernem Schreiben an den Reichspräsidenten betont, auf den Boden des Staates. „Der Botschaft des Hasses, fetzen wir", so heißt es in diesem Brief, „unser jungdeutsches Bekenntnis des Dienstes am Volke entgegen." Der Iungdeutsche Orden unterstreicht in diesem Zusammenhang, daß gerade Reichspräsident v. Hindenburg in dieser Beziehung das beste Vorbild staatsbürgerlicher Pflichterfüllung ohne jede Rücksicht auf bie jeweils herrschende Parterrichtung abgäbe. Seine Forderung schließt deshalb mit dem Motto: Hinein in den Staat, um für die Fortentwicklung der deutschen Republik zum V o l k s st a a t e zu kämpfen. Diesem Ziel entsprechen auch die Forderungen, die das Hochkapitel des Iungdeutschen Ordens jetzt ausgestellt hat. Einmal wendet sich der Iungdeutsche Orden scharf gegen jedes Spiel mit der Wiederherstellung der Dynastien auf dem Boden des Legitimismus, verlangt dann in Verfolg ferner bisherigen Einstellung die politische Gleichheit aller Staatsbürger, verwahrt sich gegen plutokratische Einflüsse auf die Volksvertreter und verlangt schließlich das Koalitions- recht aller Stände und Berufe für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer. Gewiß ist dieses Programm nicht einheitlich, zum Teil auch unklar und an manchen Stellen sogar den tatsächlichen Rotwendigkeiten nicht entsprechend, trotzdem läßt die Gesamthaltung des Iungdeutschen Ordens den Willen erkennen, den derzeitigen Zustand evolutiv fortzuentwickeln. Worauf es ankommt, ist dies, daß ein sehr starkes Mißfallen über die politische Komödie besteht, die im Reichstag aus falsch verstandenem Parlamentarismus heraus ausge.ührt wird, daß deshalb, wahrscheinlich bei der Mehrheit aller Wähler der Wunsch besteht, ein System zu ändern, das zu solchen Auswüchsen führen konnte und es den Bedürfnissen deutschen Wesens an^upasfen. Wie das im einzelnen geschehen soll, darüber werden nermut- lich die Meinungen auseinandergehen. Der Weg aber, der zur Gesundung führt, kann nur an einem Umbau des Reiches und eine vernünftige Umgestaltung des Par lamen - t a r i s m u s gehen, wobei vielleicht der Hebel am besten beim Wahlrecht anzusetzen hat, durch Wiedereinführung einer Ordnung, die engere Beziehungen zwischen dem Abgeordneten und seinem Wahlkreis schafft und dadurch Persönlichkeitskandidaturen an bie Stelle der Parteikandidaturen stellt. Damit aber sind die Parteimaschinen nicht einverstanden, die sich unter dem herrschenden Verfahren geradezu als allmächtig fühlen. Hier sind daher Widerstände zu erwarten, die nicht immer nach außen in die Erscheinung treten werden — aus Angst vor Unpopularität —, die aber jede Aenderung des Systems auf dem normalen gesetzlichen Wege hintertreiben. Abhilfe kann also nur geschaffen werden durch die in der Verfassung vorgesehene Form gegen das Parlament, also durch Volksbegehren und Volksentscheid. Dazu ist die Hälfte aller Stimmberechtigten erforderlich, die auch zu bekommen fein wird, wenn es gelingt, über die Parteirahmen hinweg alle diejenigen zufammenzufaffen, die bessern und helfen wollen. Voraussetzung dafür aber ist, daß eine solche Aktion von jedem extrem en Ueberschwang sich chen. So mußten wir um 3 Uhr nachts Bremen passieren, aber auch um die Zeit hatte man uns entdeckt, denn wir erhielten um 4 Uhr früh ein Radiotelegramm von einer Gesellschaft, die noch in einem Lokal in Bremen versammelt war, und ihrer Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß wir über Bremen geflogen find. Ich glaube aber, daß wir Ihnen ein um so schöneres Bild geboten haben, nachdem wir ihnen den „Graf Zeppelln" in schönster Beleuchtung £c>:n konnten. Wir haben inzmischan einige Uebun- gen über der Rordfee veranstaltet und waren vor genau 12 Stunden über L'aj englischen Stadt Barmouth. Wir kehren jetzt nach Friedrichshafen zurück, wo wir vor Eintritt der Dunkelheit anzukommen gedenken. Damit möchte ich mich von Ihnen verabschieden." frei halt. Das ist der schwere Fehler, den der Stahlhelm beging, der Hunderttausende miß-, iranisch gemacht hat, die er zur Erreichung seines Zieles nicht entbehren kann. Roch ist es Zeit, daß der Stahlhelm von seinen Haßgesä..gen — die ihm bereits den Bruch mit der Deutschen Dollspartei eingetragen haben — abrückt und zu einer Linie zurückfindet, etwa wie sie der Iungdeutsche Orden vorgezeichnet hat. Volkspariei und Stahlhelm. Austritt der volksparteilichen Parlamentarier aus dem Stahlhelm. Berlin. 3. Oft (Prio.-Tel.) Die RalionaMbc- ralc Korrespondenz, der parteiamtliche Presfediensk der Deutschen Bolkspartei. meldet: Der Vorstand der Reichstagsfraftion der Deutschen Volkspartei hat sich in Anwesenheit von Mitgliedern der Fraktion, die auch dem Stahlhelm angehören, eingehend mit den letzten Vorgängen im Stahlhelm und insbesondere seinen letzten Kundgebungen beschäftigt Die Anwesenden sind einstimmig zu folgender Auffassung gelangt: Die Deutsche Volkspartei hat seither die überparteilichen Bestrebungen des Stahlhelms mit Sympathie verfolgt und es begrüßt, daß auch ihre Mitglieder sich an diesen Bestrebungen beteiligten. Mit den neuerlichen Vorgängen hat sich der Stahlhelm indef, auf dos Gebiet einer von seiner früheren Zielsetzung abweichenden politischen Betätigung begeben. Mit Rücksicht auf die sich hieraus mit Notwendigkeit ergebenden Konflikte zwischen Partei- und Stahlhelmzugehörigkeit hält es der Vorstand für politisch nicht mehr möglich, daß Mitglieder der Fraktion weiterhin dem Stahlhelm angehören. Aus den Kreisen der Fraktion der Deutschen Volkspartei des Preußischen Landtags wird geschrieben: Bei dem heute erfolgten Zusammentritt des Preußischen Landtags haben die zum Stahlhelm gehörenden Mitglieder der Fraktion dec Deutschen Volkspartei diese erste Gelegenheit benutzt, um in einer eingehenden Aussprache das Verhältnis zum Stahlhelm zu klären. Bereits kurz nach der Wahl hat die Vundesleikung des Stahlhelm für die als Parlamentarier tätigen Mitglieder des Bundes Bindungen beschloßen und veröffentlicht, die von den volksparteilichen Mitgliedern sofort zurnckgewiesen wurden. Daraufhin ist auch von der Bundesleitung eine einschränkende Erklärung abgegeben worden. Durch die verschiedenen Botschaften und Verlautbarungen des Stahlhelms werden für die Abgeordneten, die zugleich Mitglieder des Stahlhelms find, Konflikte heraufbeschworen, die vermieden worden wären, wenn der Stahlhelm seine ursprüngliche, von den Abgeordneten der Deutschen Volkspartei stets begrüßte überparteiliche Einstellung beibehalten hätte. Solange eine Abkehr von dieser neuen Richtung im Stahlhelm nicht erfolgt, sind die 2(6- gcordneken der Landtagsfraktion der Deutschen votkspartei zu ihrem Bedauern nicht mehr in derLage, imStahlhelm mitzuarbeiten, und werden deshalb ihren Austritt aus dem Stahlhelm erklären. Die Antwort -es Stahlhelms. Berlin, 3. Okt. ((£H.) Zu brr Stellungnahme brr Reichstags- und Landtagsftakllon der Deutschen Vollspartei gegenüber bem Stahlhelm erklärt bie Reichspressestell e bes Stahlhelm s. baß bi feCntrickll'nz voraus- gesehen worben sei. Rachbrm sich ber Stahlhelm vor zwei Jahren als politische Bewegung erllärt habe, bie politische Ziele mit politischen Mitteln betreibe, habe er notwendig in Grenzstreitigkeiten mit ben älteren politischen Bewegungen geraten müssen, bie ihren Monopolan- fpruch nicht aufgeben wollten. Die gegenwärtige Stellungnahme ber Deutschen Dolkspartei fei lediglich baraus zu erklären, daß bie Deutsche Dolkspartei ben ® in tritt in bie sog. Bünde und Reichsreform. Große Koalition getan habe. Die Parteien würden sich daran gewöhnen müssen, die im Stahlhelm verkörperte politische Bewegung als gleichberechtigt an-uerkennen. Der Stahlhelm denke nicht daran, seine bisherige überparteiliche Haltung oufzugeben weder zugunsten noch zu silngunsten der Deutschen Dolks-- Partei oder irgendeiner anderen Partei. Echo der presse. Berlin, 3. Ott. (LH.) Bon den Berliner Blättern nintmt die der DBP. nahestehende 21 -3“ zu der Trennung der Partei vom Stahlhelm ausführlich Stellung. Das Blatt bedauert diese Entwicklung, von der es hofft, daß sie nicht endgültig sei. Es glaubt, der Stahlhelm habe mit dein Verlassen seiner ursprünglich überparteilichen Linie der großen nationalen Sendung, zu der er berufen sei. keinen guten Dienst erwiesen. Es sei für den Außenstehenden schwer zu entscheiden, ob es nicht möglich gewesen wäre, durch eine nochmalige Aussprache diese äußerste Konsequenz doch noch zu vermeiden oder wenigstens hin- auszuschieben. Jetzt ständen wir vor der bedauerlichen Tatsache, daß in einer Zeit wichtiger Entscheidungen die politischen Faktoren rechts vom Zentrum zu einer gemeinsamen Aktion nicht in der Lage feiern — Die „Deutsche Zeitung" sagt, der Beschluß der volksparteilichen Abgeordneten stelle einen neuerlichen Sieg Stresemanns innerhalb der Deutschen Bvlkspar- t c i dar. der damit die Politik der Partei nicht nur außenpolitisch, sondern vor allem auch inner- politisch erneut auf seinen Kurs festlege. — Der „Vorwärts" nennt den Beschluß ein „freibleibendes Abrücken vom Stahlhelm", man bedauere und möchte eine Rückkehr Vorbehalten. In der Sache selbst bedeute der Beschluß eine neue Isolierung des Stahlhelms und seiner Dolksbegehrcnspläne. Die übrigen Blätter beschränken sich darauf, die Entschließung der volksparteilichen Landtagsfcaktion und die Erklärung des Stahlhelms wiederzugeben. Bolkspariei und preußenkabineti. Berlin, 3. Ott. (Priv.-Tel.) Der volksparteiliche Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius hat lt. „Vorwärts" einen persönlichen Schritt bei dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun unternommen, um diesen zu bewegen, die Umbildung der preußischen Re- gierirng im Sinne der Großen Koalition herbeizuführen. Ministerpräsident Braun hat darauf geantwortet, daß er nicht in der Lage sei, sozusagen von 2lmts wegen diese silm- bildung herbeizusichren. Er müsse vielmehr die Initiative in dieser Richtung den Parteien überlassen, besonders der Bolkspartei, die vo n sich aus die notwendigen Verhandlungen mit den bisherigen preußischen Koalitionsvar- leien anstreben muffe. Braun hat aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß er nach wie vor für die von ihm geführte Politik in Preußen eine möglichst große parlamentarische Mehrheit für wünschenswert halte. Wie Frankreich abrüstei. 1072 Millionen Franken Mehrausgabe für militärische Zwecke. Varl». 10M. (IlL) 3n der Finanzkommission der Sammer teilte der Generalberichterstatter für den haushalt mit. daß im allgemeinen das Gleichgewicht gewahrt fei und die Einnahmen die Ausgaben um 45 Millionen Franken übersteigen. Das A n - wachsen der Ausgaben um rund 27 89 Millionen Franken gegenüber 1928 sei in der Hauptsache auf die Steigerung der Militarist en Ausgaben um 1 0 7 2 Millionen Franken zurückzufuhren. Die Einnahmen Frankreichs aus dem Dawesplan feien mit e i ne r Milliarde Franken in die laufenden Einnahmen eingestellt. Er bejahte die Berechtigung der Einsetzung dieses Betrages, da kein Grund vorhanden sei. dem französischen Steuer- zahler diese Erleichterung seiner eigenen Last zu versagen. Auch England und die Vereinigten Staaten sähen in ihren laufenden Budgeieinnahmen die Beträge vor. die sie von Frankreich auf Grund der interalliierten Schuldenabkommen erhielten. Die in das Budget eingesetzte eine Milliarde aus dem Dawesplan verbliebe reichlich nach Abzug der an Amerika und England zu leistenden Betrage, der Soften für den Unterhalt der Rheinlandlruppen und den Wiederaufbau der während des Weltkrieges zerstörten Gebiete. KommandowechselbeiderMrme Ein Tagesbefehl des neuen Chefs der Marinelcitung. Kiel, 1. Oft. (TU.) Der Wechsel des Chefs der Marinestation der Ostsee vollzog sich am Mvntagmorgen. Auf dem Stationsgebäude wurde die Vizeadmiralsflagge des scheidenden Stativns- chefs. Vizeadmiral Dr. h. c. R a e d e r, nietet* geholt und von dem auf der Kieler Förde liegenden Linienschiff „Hessen" mit 15 Schuß salutiert. Dann wurde die Konteradmiralsflagge des neuen Stationschefs, Konteradmiral Hansen, gesetzt, die das Linienschiff „Hessen" mit einem Salut von 13 Schuh begrüßte. Diesen Salut erwiderte die Salutbatterie Friedrichsort mit 7 Schuh. Vizeadmiral Dr. h c. Raeder verabschiedete sich von seinem bisherigen Wirkungskreise mit folgendem Tagesbefehl: „Bei meinem Ausscheiden aus dem Stationsbereich spreche ich den Soldaten, Beamten und Angestellten der Marinestation der Ostsee Dank und Anerkennung aus für die treue Pflichterfüllung und das verständnisvolle Zusammenarbeiten. denen ich bei allen Dienststellen begegnet bin. Ich hoffe, daß auch in Zukunft gute Manneszucht und fester kameradschaftlicher Zusammenhalt, die die Grundlage der militärischen Leistung jeder Truppe bilden, überall hochgehalten werden. Dann werden wir auch unsere Aufgabe, die festeste Stütze des Staats und seiner Verfassung zu fein, am besten erfüllen." Der sozialdemokratische Aufmarsch in Wiener Neustadt zugelaffen. Wien, 2. Oft. (Privatmeldung.) Wie verlautet. haben die Besprechungen innerhalb der niederösterreichischen Landesregierung zur Aufhebung des Verbotes des sozialdemokratischen Aufmarsches in Wiener- Reustadt geführt. Die Verhandlungen wegen Festsetzung einer Ab grenzungS linke für die beiden Aufmärsche dauern fort. 3n Lleber- einstimmung mit dem Willen der Veranstalter beider Kundgebungen ist man in leitenden Kreisen der politischen Parteien und in der Regierung voller Zuversicht, daß die Kundgebungen ohne Zwischenfall verlaufen werden. Südafrika. Neue UnabhangigkeitsMue des Dominions? Die südafrikanische Regierung hat in London den Wunsch aussprechen kiffen, daß als Gene- rabgouverneur für Südafrika das nächste Mal ein Mitglied der Königsfamilie ernannt werden sollte, sonst ein Geborener Südafrikas. 2lber das erste ist wohl die Hauptsache, und es scheint, als wenn sich dahinter sehr weitgehende politische Absich- t e n verbergen. Die Südafrikaner haben die Persönlichkeit des Herzogs von Gloucester im Auge, des dritten Sohns des englischen Königs, der demnächst seinen Bruder auf einer Fahrt durch Südafrika begleiten wird. Da er gerüchtweise auch als Verlobter der holländischen Thronerbin in Aussicht genommen ist. können sich dahinter Pläne verbergen, die eine stärkere Unabhängigkeit Südafrikas zunächst im Rahmen des englischen Dominions beabsichtigen und gleichzeitig eine Versöhnung des Burenelements verfolgen. Aber es ist verständlich, wenn die Engländer wieder die Sorge haben, daß das nur der erste Schritt auf dem Wege sei zu einer vollständigen Loslösung Südafrikas von England und zur Bildung eines eigenen Königreiches. Jedenfalls besteht die Gefahr, daß das Gefüge des englischen Imperiums durch die immer stärker werdenden Selbständigkeitsbestrebungen der einzelnen Kolonien weiter aufgelockert wird. Das Locarno des Geschäfts. Rhernbaben über die Räumungs- und Reparationsdsbaite Paris, 2. Oft. (WB.) Der Berliner Vertreter des „Excelsior" hatte mit dem volksparteilichen Abgeordneten v. Rheinbabsn nach feiner Rückkehr aus Genf eine ünterreihmg über die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen. Herr v. Rheinbaben ist der Ansicht, daß eine Aera in den deutsch-französischen Beziehungen Schlossen sei und eine neue begonnen x*. Das sentimentale Locarno, an i das deutsche Volk beharrlich geglaubt habe, sei zu Ende, ihm folge das Locarno des Geschäftes, und das sei gut so. Das wohlverstandene Interesse beider Rationen erfordere zwangsläufig eine Zusammenarbeit, die man mit einigem Lyrismus verschönern könne, ohne jedoch seine Bedeutung oder Rützlichkeit übertreiben zu dürfen. Die kommenden Verhandlungen würden sehr verwickelt sein. Man müsse mit mehreren Monaten rechnen, bevor es den Sachverständigen gelungen fein werde, überhaupt nur einen Plan für einen endgültigen Entwurf auszuarbriten. Für das deutsche Volk handele es sich darum, auf dem Gebiete der Reparationen mit der größten Vorsicht vorzugehen, da es endgültige Verpflichtungen zu unterzeichnen habe. Weder in Frankreich noch in Deutschland dürfe inan damit rechnen, daß die vorliegenden Schwierigkeiten sich nur dank einer Bemühung gegen* fettigen guten Millens berlegen taffen würden. Zuviel Faktoren kämen in Frage und es genüge nicht, die Sachverständigen anzurufen, um zu glauben, daß der Milli ardenfampf beginnen werde. Er seinerseits teile nicht den Optimismus derer, die glaubten, baß man, wenn die deutschen Zahlungen auf 62 Jahre verteilt würden, alles cretan habe, um ohne die Vereinigten Staaten fertig zu werden. Gewiß, die theoretische Lösung des Problems müsse zwischen Deutschland, Frankreich und auch England zunächst erfolgen, aber für die Realisierung sei eine Mitwirkung der Vereinigten Staaten unerläßlich. Was die Räumungsfrage anbelange, so erkläre sich Deutschland mit einer Sonderkommission im Rheinland einverstanden, die an Stelle der Besät- zungstruppen treten würde, aber nur bis zum Jahre 1935. Die Länderkonferenz billigt die Genfer Politik. Berlin, 2. Ott (WV>) Am heutigen Vormittag sand unter dem Vorsitz des Reichskanzlers und in Anwesenheit aller in Berlin weilenden Minister des Reichskabinetts die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder über den Verlaus und das Ergebnis der Genfer Verhandlungen statt. An den eingehenden Bericht des Reichskanzlers, der durch Ausführungen des Staatsselr:tärs des Auswärtigen Amtes, v. Schubert, für einige Spe-- zialfragen ergänzt wurde, schloß sich eine Aussprache. Sie ergab völlige Hebe rein st immun g in der Auffassung über die Haltung der deutsci^n Delegation in Genf, die einmütige Billigung fand. Frankreich meldet seine Forderungen an. Ein Kommentar zur Poincarercde. Paris, 2. Oft. (WB.) Der „Temps" warnt die deutsche Presse davor, die von Poincare in seiner Rede am Sonntag über die Kriegsschulden- und Reparationsregelung gemachten Ausführungen als für Deutschland unannehmbar anzusehen, mit der Begründung, daß Deutschland nach dem Wortlaut des Versailler Vertrages nur zur Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten materiellen Schäden verpflichtet sei, nicht aber zur Rückzahlung der von Frankreich seinen Alliierten gegenüber eirt gegangenen Schulden. Poincare habe deutlich zum Ausdruck gebracht, daß jede Regelung, um gerecht zu fein, Frankreich seitens seiner Schuldner außer der restlosen Zahlung dessen, was Frankreich selbst seinen Gläubigern zahlen müsse, eine bestimmte Entschädigung für die Kriegsschäden garantieren müsse. Auf keinen, Fall würde Frantreich neue Opfer bringen können, die jeder Gerechtigkeit Hohn sprechen. Die vernünftigen Geister in Deutschland könnten sich nicht über den klaren Sinn der Rede PoincarsS täuschen, die den Friedenswillen Frankreichs imb den Wunsch der französischen Regierung bekunde, die kommenden Verhandlungen in einem für eine gerechte Regelung günstigen Geiste und zur Befriedigung sämtlicher in Frage kommender Parteien in Qlngriff zu nehmen. Wenn Berlin die gleiche Einstellung besitze, könne man vertrauensvoll in die Verhandlungen gehen, aber man dürfe sich in Deutschland nicht mit der trügerischen Hoffnung tragen, daß man alles erhalten könne, ohne etwas zu gewähren, und daß es genügen werde, die Forderungen zu stellen, mit denen die Rationalisten bereits allzulange die öffentliche Meinung in Deutschland irrcgeführt hätten, damit die Alliierten die Pfänder loslassen, die sie aus dem Friedensvertrage besäßen, ohne elementare, Garantien für d i e Zukunft hinsichtlich'der Sicherheit imb hinsichtlich der Reparationen zu beanspruchen. Aus dem Finanzausschuß. Darmstadt, 3. Oft. In seiner Sitzung am Dienstag behandelte der Finanzausschuß des Hessischen Landtages zunächst die Regierungsvorlage über die Erhöhung des staatlichen Kapitalanteils bel der Wohnungsfürsorge- gesellschaft für Hessen um 160000 auf 200 000 Mk. Ein Mitglied der Gesellschaft. 'San- meister Malzi, gab dem Ausschuß Aufklärungen über die Pläne der Gesellschaft. Der Ausschuß stimmte dann der Regierungsvorlage gegen die volksparteilichr Stimme zu. Einstimmig angenommen wurde dazu ein Antrag He'mst-adt (Z.), i n den Aufsichtsrat und Arbeitsausschuß der Wohnungsfürsorgegesellschaft eine Vertretung des Landtages zu entsenden. Für Heizung und Lüft-ung im staatlichen Kurhaus Bad - Äauheim werden gegen eine Stimme 61 500 Mk. aus dem Erneuerungsfvnds zur Verfügung gestellt. Für den Ausbau und Die Anschaffung von wissenschaftlichen Apparaten im medizinisch-wifsenschaftlichen Institut in Bad- Rauheim werden zusammen 85 000 Mk. bewilligt. — Zur Förderung des Absatzes von Obst und Gemüse in Durchführung des landwirtschaftlichen Rotprogramms verlangt der Minister für Arbeit und Wirtschaft die Genehmigung zur Garantieübernahme des Staates bis zu 500000 Mk. für aufzunehmende Darlehen der wirtschaftlichen Unternehmungen der Erzeugerkreise. Der vom Reich zur Verfügung gestellte Betrag von 200 000 Mk. ist zur Zinsverbilligung auf 5 Prozent für die Aufnahme von Darlehen im Betrage von einer Million Mark für die Dauer von höchstens vier Jahren bereits aufgebvaucht. Der Ausschuß stimmte der Regierungsvorlage zu mit der Maßgabe, daß in erster Linie die Interessentenkreise und Gemeinden zur Garantieübernahmr für die in ihrem Bezirk wohnhaften Interessenten herangezogen werden. Zum Ausbau des rechten Flügels des Schlosies Lichtenberg im Odenwald werden gegen eine Stimme 14 800 Mk. zur Instandsetzung und zum Ausbau, 79 000 Mk. zum inneren Ausbau des Schlosses hereitgestellt mit der Bedingung, daß die Stu deuten Hilfe Hessen, die dort ein Erhvlungs- tmb Ferienheim für Studenten ein* richten will, einen erheblichen Betrag zum inneren Ausbau beisteuert. — Die Eingabe der medizinischen Fakultät der Universität in Gießen betreffend die Heranziehung der Aerzteschaft zur Gewerbesteuer ist durch das Gewerbesteuergesitz selbst erledigt, das die Regierung ausjühren muß. — Eine Eingabe der Pächter von fiskalischem Grundbesitz in der Gemeinde R i d d a auf Herabsetzung der Pacht- berräae und Befreiung von Kosten des Siedlungs- Verfahrens wird nach der Regierungsantwort abgelehnt. Die Wshnrmgsfürsorgs- gesellschast für Hessen. Scharfe Kritik an der Geschäftsführung. Dem Hessischen Landtag ist heute folgende Anfrage des Abg. Haury (D. Vp.) zugegangen: „Das Gebaren der Wohnungsfürsorgegesettschaft für Hessen (gemeinnützige G. m. b. H.) fordert schärf st e Kritik heraus. Ich frage an, ob her Regierung bekannt ist, daß die Wohnungs- für fovgeges ellschaf t: 1. Bauten durchführen läßt, die nicht ausreichend finanziert find, wodurch die am Bau beteiligten Handwerksmeister, die der Treuhändereigenschaft dieser staatlich unterstützten Gesellschaft doll vertrauen, von Verlusten bedroht sind: 2. durch das von ihr geübte Verfahren der Vergebung an Generalunternehmen die ausführenden Bauhandwerksmeister einer ungenügenden und zudem überaus schleppenden Bezahlung aussetzt: . 3. unzulässige Bedingungen cm Bauunternehmer stellt, z. B. in einem Falle die Forderung, daß der Bauherr in einem zu erstellenden Renbau keine Geschäfte betreiben werde, die dem Konsumverein Konkurrenz bereiten: 4. von Bauvorhaben einseitig die Bauhütte Darmstadt in Kenntnis gesetzt hat, wie aus vorliegenden Akten geschlosien werden muß: 5. wie gerüchtweise verlautet, ihre n Beamten von jedem beigebrachten Auftrag einen Prozen tsatz (zehn Prozent) gibt? Billigt die Regierung ein solches Gebaren esiies staatlich subventumierten Instituts? Glaubt sie gar die Verantwortung für eine Erhöhung des Staatsanteiles tragen zu können, oder ist sie bereit, die Staatsmittel zurückzuziehen? — Der Finanzausschuß hat am Dienstag die Erhöhung des staatlichen Kapitalanteils um 160 000 Mark auf 200 000 Mark beschlossen. Der verlangt einen parlamentarischen Sparansschnß. _ Iw Zusammenhang mit der Debatte über den Stand der Arbeiten des Reichsspartommissars in Hessin ist heute fotgenter Antrag der Abg. Leuchtgens und Glaser (Dbd.) etngegangen. der wahrscheinlich schon am Mittwoch im Finanz- ausschuß zur Entscheidung kommen totrb: „Aach einer Mitteilung des Herrn Finanzministers im Finanzausschuß ist der vollkommene Abschluß der Prüfung der hessischen Jinanzverhältnifse durch den Reichssparkommissar und der dann in Tätigkeit tretenden Kommis, ion voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Andererseits wird die Finanzlage des hessischen Staates infolge der Steigerung feiner Ausgaben und infolge der Vergrößerung der Fehlbeträge immer schwieriger. Wir beantragen deshalb: Der Finanzausschuß wolle beschließen, dem Landtag, der alsbald zusammentreten soll, folgenden Antrag zur Annahme zu unterbreiten: Sobäld der in Kürze zu erwartende Bericht der in Hessen tätigen,, vom ReichSsparkommissar beauftragten Beamten über den Reichsspartommissar der hessischen Regierung zu geleitet worden ist, tritt ein aus Landtags- und RLgierungSmitgliedern gebildeter Ausschuß zusammen, um dem Landlag an Hand der Vorschläge der Beauftragten des Reichsfparlommissars und eigener Anträge alsbald einen Plan zur Durchführun g einschneidender Sp armahnahmen in Hessen vvrzulegen." Aus aller Wett. Todesstur; eines Diebes. Angestellte einer Berliner Firma in der Köpe- nicker Straße in Berlin fanden in einem Lagerraum der unter dem Hof liegt, und durch ein Glasdach Licht empfängt, die Leiche eines Mannes, der eine klaffende Schädelwunde aufwies. Die Kriminalpolizei stellte fest, daß der Mann am Mittwoch nach Arbeitsschluß auf das Dach des Hauses geklettert und durch eine offene Luke eingeftiegen war. Dann hatte er aus einem Vorratsraum sechs Meier Leinen gestohlen. Behindert durch die Last mißlang ihm der Abstieg. Er verlor das Gleichgewicht, stürzte in einen Lichtschacht und durchschlug ün Fall das Glasdach des Lagerkellers. Da niemand seinen Sturz bemerkt hatte, ist er hilflos gestorben. Um 350 000 Mark geprellt. Dis Kriminalpolizei in Chemnitz verhaftete den 43 Jahre alten Agenten Karl Stumpf, der verschiedenen Fabrikanten Strumpfwaren im Werte von 350000 Mark abgeschwindes hat, die er sofort in Berlin wieder wett unter dem Preise weiterverkaufte. Aktiven sind nicht vorhanden, so daß sämtliche Fabrikanten ihr Geld verlieren, wenn es nicht gelingt, die Berliner Käufer zu Schadenersatz zu veranlassen. Dteser Fall ähnelt durchaus den Betrügereien des Guido Behrens, der im Sommer sächsische Wäschef abrikanlen um fast eine Million schädigte. Die Wetterlage. Ödenstä^ d. 2. OKI. 1928,7naDdS. Wien ° O A /i UarZ © WKtntns ö neuer. Q naio »edem ® woMo. ® oedecn • *«0°* * Schnee »Oraupcin e HeDel "R 0ewater.(g) Windstill» •Q-' 5ade* Orte ou «et Heereinive*» umaerechneten ^e^crvoraussage. Mit dem Abzug der Dänemarkstörung sand eine Ostwärtsausbrettung des hohen Luftdruckes statt. Sein Kem erstreckt sich heute morgen von England über dem Kanal. In Ost- und Sud- deutschland wurde ein Barometerstand von 7t0 Millimeter gemessen. Die Wetterlage hat bereits eine Beruhigung erfahren und heute morgen herrscht vielfach heiteres Wetter. Zu leichten Riederschlägen kam es während der vergangenen Rächt nur in Rorddeutschland. Der hohe Luftdruck dürfte zunächst aufheiterndes und trockenes Wetter bringen. We tter v or aussaae für Donnerstag: Teils nebelig wollig, teils aufhetterndeL Wetter, trocken, Temperaturen ter Jahreszeit entsprechend. Witte rungsaussichten für Freitag: Keine wesentliche Aenterung. Lufttemperaturen am 2. Oktober: mittags 9,4 Grad Celsius, abends 5.7 Grad Celsncs: am 3. Oktober: morgens 5,5 Grad Celsius. Maximum 10,4 Grad Celsius, Minimum 3,0 Grad Celsiirs. — Grbtempertr- kuren in 10 Zentimeter Tiefe am 2. Oktober: abends 8,9 Grad Celsius: am 3. Oktober: morgens 0,9 Grad Celsius. — Niederschlag 0>2 Millimeter. — Sonnenscheindauer eine Stunde. «MtaT Wooa ' Weli. esri»«. ! SiM in bet S by nn Aasdach nes ®flnne$, der eine )Ie3- ^>e firiminolpoli- nn om Mittwoch nach ?. b OOO 3Hatl abge« sofort in DeM wieder rerterverlavstr. Morn dah sämtliche Fabrv- en, venri es nicht ste- icr zu Schaöenersatz zu I äMt durchaus -eu Schrms, der imComiircc kanten um fast eint erläge. *Mc?**i , J*SW[ Lftf* N f®ettetlag|T morgen rcn und leichten Detter, ^gene" *? *®5 1*4/5*tT0(t^ L -■£ G-O« 5%«ÄS5 Aus der PrsvWzmlhaupistadr. Gießen, den 3. Oktober 1928. Prof. Dr. Rudolf Erb t- Mit Studienvat Prof. Dr. Rudolf Erb ist em bedeutender hessischer Schulnrcmn aus dein Sieben geschieden. Der Heimgegangene war am 18. Mai 1859 als Sohn des Kulturtechnllers Ludwig Erb in Zwingenberg a. d. Berg str. geboren. Er besuchte das Realgymnasium zu Darmstadt, wo er Mitte September 1879 die Reifeprü- fimg bestand. Sodann bezog er die technische Hochschule zu Darmstadt und später unsere Landes- universttät. Hier legt« er int Juli 1883 die Staatsprüfung ab und erwarb in den sämtlichen von ihm gewählten Studienfächern, Chemie, Physik. Mine- raloai-e, Botanik und Zoologie, die Lehrbefähigung für oie Oberstufe. Nachdem der Verstorbene den Vorbereitungsdienst für das höhere ßebranrt absolviert hatte, wirkte er mehrere Jahre als Assistent am mineralogisch-geologischen Institut der Landesuniversität unter Prof. Streng und promovierte während dieser Zeit mit einer chemisch- mineralogischen Arbeit. Zu Ostern 1887 trat er als provisorischer Lehrer in den Lehrkörper des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen ein, und am 1. Juni 1889 erfolgte seine definitive Anstellung. 3m Jahre 1894 übernahm Pros. Erb die Leitung und Verwaltung des chemischen Instituts des Realgymnasiums und hatte diese bis zu seiner zu Ostern 1924 erfolgten Versetzung in ben Ruhestand inne. Während dieser langen Zeit von 30 Jahren hat er in rastloser Arbeit das Institut zu einer solchen Höhe gebracht, daß seine (3inrid)iimgen noch heute als mustergültig und vorbildlich bezeichnet werden dürfen. Richt nur durch Anlegung von Schau- und Lehrsammlungen auf den Gebieten der Mineralogie und Geologie in einer Vollständigkeit und Reichhaltigkeit, wie sie auf anderen Schulen wohl kaum zu finden sind, sondern auch durch Zusammenstellung und Selbst- anfertigung einer sehr großen Anzahl von Apparaten für chemische Versuche nach seinen eigenen Ideen hat er in unermüdlicher Arbeit viel Wertvolles für den Chemieunterricht geleistet. Seine schöpferische Tätigkeit erstreckte sich ferner auf die Anlage und Pflege des Schulgartens, der zahlreichen Lehranstalten als Vorbild gedient hatte, sowie des biologischen Instituts, das er ebenso mustergültig ausbaute wie das chemische. Insgesamt 37 Jahre wirkte der Entschlafene ununterbrochen — abgesehen von der Zeit, in der er als Hauptmann der Landwehr während des Weltkrieges Heeresdienst tat — am Gießener Realgymnasium. In der Geschichte dieser Lehranstalt wird das Andenken dieses hervorragenden Lehrers und trefflichen Mannes fortleben. Daten für Donnerstag, den 4. Oktober. Sonnenaufgang 6.05 Uhr, Sonnenuntergang 17.32 Uhr. — Mondaufgang 20.13 Uhr, Monduntergang 12.34 Uhr. 1515: der Maler Lukas Cranach d. I. in Wittenberg geboren (gestorben 1586); — 1669: der Maler Rembrandt in Amsterdam gestorben (geboren 1606); — 1865: der Schriftsteller Max Halbe in Güttland (Westpreuhen) geboren. Vornotizerr. — Tageskalenber für Mittwoch. Stadttheater: „Unter Geschäftsaufsicht". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Mein Freund Harry". — Astor'a -Lichtspiele: „Der größte Gauner des Jahrhunderts". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der Schwank „Unter Geschäftsaufsicht" von Arnold und Dach, der heute abend das erste Wal in Szene geht, erlebte in Berlin 250 Aufführungen. Cs Wirten mit die Damen Brack, Heß, Jahn, Jüngling, Koch, Scherer, und die Herren Baste, Gareis, Goll, Haeser, Knur, ßinnnann, Volck, Wesener. Regie Rudolf Goll. — Die Intendanz weist nochmals ausdrücklich darauf hin, daß mit Rücksicht auf das Theaterpublirum aus werktätigen Kreisen die Vorstellungen an Wochentagen jeweils um 20 Uhr beginnen, es sei denn, daß die Vorstellung wesentlich länger als zwei Stunden dauert, — Turnverein von 184 6. Nächsten Samstag abend ordentliche Hauptversammlung im „Postkeller". Näheres in der heutigen Anzeige. “ Ein Zusammenstoß zwischen Auto und Straßenbahn ereignete sich gestern mittag gegen 1.15 Uhr in der Licher Straße. Von dec Endstation (Vollshalle) kommend bog der Straßenbahnwagen beim Restaurant „Stadt Lich" gerade in die Fahrstraße ein, als ein aus der Stadt kommender Lieferwagen die Gleise kreuzte. Infolge der geringen Uebersichtlichkeit an dieser Stelle war es dem Führer des Strahen- bahnwagms nicht mehr möglich, den Zusammenstoß zu verhindern. Der bereits stark abgebremste Wagen fuhr dem Lieferwagen doch noch in die Flanke, so daß er gegen den um Einige Meter seitwärts stehenden eisernen Stromzuleitungsmast gedrückt wurde und sein erfrischender Inhalt (Mineralwasser) sich lellweise auf die Straße ergoß. Beide Wagen wurden beschädigt, blieben jedoch betriebsfähig, so daß die Straße nach kurzer Zeit wieder frei war. ” Reue Betriebsräume in der Zigarrenfabrik Bock. Die Firma S. Bock & Co. G. m. b. H., die zu den ältesten und bedeutendsten Zigarvenfabriken Hessens gehört, hat auf ihrem Grundstück Marburger Straße-Rord- anlage-Schottstraße umfangreiche Reu- und Umbauten vorgenommen und in diesen Tagen den bisher in der Kaiserallee unterhaltenen Betrieb mit dem Stammbetrieb vereinigt. Auch das Kontor der Firma befindet sich künftig Schott- stratze 2/6. Wie wir erfahren, beträgt die Belegschaft des Unternehmens gegenwärtig etwa 400 Personen, die in insgesamt fünf Fabriken beschäftigt sind. Die Firma ist auf längere Zeit mit Aufträgen versehen. *• Geschäftsjubiläum. Die Firma Gebr. Grieb, Inh. Hans und Martin Grieb, rann heute auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Im Jahre 1903 errichteten die Gebr. Grieb in Dors-Gill einen Molkereibetrieb. zwei Jahre später eine zweite Molkerei in Kirtorf, Kreis Alsfeld. Nachdem die girma im Jahre 1906 die erste Verkaufsstelle in Gießen eröffnet hatte, erwarb sie 1908 die bereits feit 1884 bestehende Dampfmolkerei Gießen. Es erwies sich im Laufe der Jahre aiä zweckmäßig, die drei Molkereibetriebe in Gießen zusammenzulegen. Die Inhaber der Firma haben ihren Betrieb zu einem der angesehensten im Molkereifach entwickelt. Bei der Standardisierung der Molkereierzeugnisse zur Zurückdrängung der ausländischen Konkurrenz beteiligte sich die Firma als eine der ersten Molkereien in Hessen. *• Gieße ner Ferienkurse. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, wird der 3ntenbant unseres StadtkheaHers, Dr. Prasch, am nächsten Dienstag mit einem Re zi tat io ns- abend die Darbietungen der Ferienkurse bereichern. Am Mittwoch, 10. Oktober, findet ein Deethovenabend statt. Räheres in der Anzeige. *♦ D e f f e n t f t d) e Bücherhalle. Im September wurden 958 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 612, Zeitschriften 73, Jugendschriften 71, Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 24, Länder- und Völkerkunde 47, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 64, Kunstgeschichte 14, Naturwissenschaft und Technologie 23, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesund- hritslehre 1, 'Religion und Philosophie 12, Staats« Wissenschaft 2, Fremdsprachliches 4 Bände. Nach auswärts kamen 16 Bände. 2 5 Jahre Meister. Am Sonntag versammelten sich, wie man uns berichtet, hier in der Gastwirtschaft von Seniler, Frankfurter Straße, eine Anzahl Meister, die ihre Meisterprüfung im Jahre 1903 bestanden hatten, zur Besprechung über die Veranstaltung einer Wie- dersehmrsfeier. Insgesamt sind es 99 Meister, die vor 25 Jahren ihre Meisterprüfung vor dem Prüfungsausschuß der Provinz Oberhessen abgelegt haben. Der provisorische Vorsitz dieser Meistervereinigung wurde Schlossermeister Heinrich Schön, Gießen, übertragen. Die Veranstaltung einer Wiedersehens feier wurde beschlossen. *• D ie Zimmermeister ° Zwangsinnung für Stadt- und Landkreis Gießen hielt am Sonntag in Gießen eine Innungsversammlung ab. Nach Begrüßung durch Obermeister Ri n k e r (Nonnenroth) wurden eine Reihe Satzungsänderungen beraten und darüber Beschluß gefaßt. Weiter berichtete Geschäftsführer Kirchner (Gießen) über die Einrichtung einer Buchführungsstelle für Jnnungsmitglieder. Nach Erledigung weiterer geschäftlicher Angelegenheiten hielt Geschäftsführer Kirchner ein Referat über „Fürsorgeeinrichtungen für kranke und erwerbsunfähige Handwerker". Der Redner besprach zunächst die reichsgesetzlichen Fürsorgeeinrichtungen, soweit sie auch für Gewerbetreibende in Frage kommen (Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung), um sich dann mit den pri» Daten Versicherungsmöglichkeiten zu beschäftigen. ** Der Katholische Gesellenverein feierte, wie man uns berichtet, am Sonntag sein 31. Stiftungsfest. Die religiöse Feier fand unter sehr reger Teilnahme der Gesellen statt. Am Abend vereinigte eine kleine Veranstaltung die Gemeinde im Katholischen Vereinshaus. Musikvorträge und Reden wechselten ab. Hochwürden Dr. H e m m e s warnte in zündenden Worten vor der falschen Freiheit, und mahnte, festzustehen im Glauben. Das Ereignis des Abends war die dramatische Wiedergabe des „Theophilu s", eines mittelalterlichen Festspiels in zwei Teilen. Die große Tragödie der Menschheit: Verstrickung in die Fallstricke des Bösen und Befreiung aus der dadurch entstandenen Not wird in diesem Faust des Mittelalters, der auch Goethe vorlag, ergreifend vor Augen geführt. Die 2lrt der Lichteffekte und Darstellung, die unter der Spielleitung des Hochwürdigen Kaplan G r e m m dem Publikum geboten wurde, ragte vielfach weit über den Durchschnitt hinaus, so daß man versucht ist, den Maßstab einer ernsten .Kunstkrittk anzulegen. Die Rolle des Satans entfaltete ein hoch dramatisches Talent. Ihre Schwierigkeit liegt darin, daß der Darsteller immer llnterweltliches bieten muß, ohne durch Einförmigkeit zu ermüden. Aber nicht bloß das starke Pathos, auch die Ruhe, die Pause wirken zuweilen unheimlich, nicht bloß die hoch aufgerichtete drohende Geste, auch die gekauerte, die am Wenn Ihre Empfehlungs-Anzeige in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige und gut wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens am Donnerstag in der Geschäftsstelle auf! Boden kriechende Art der Schlange sind Teufele- künste. Die Madonna zeigte viel Anmut und Gra- zie. Am schönsten war ihr Flehen zum Kinde. Jede Geste ist genau cinzustudi-eren, so daß z. B. das mit langsam ausgebreiteten Armen huldvolle Herab- neigen der Himmelskönigin zu dem am Boden liegenden Theophilus unter leicht anschwellender Mu sik, wie z. B. Humperdinck zu Vollmöllers Mirakel geschrieben hat, von hinreißender Wirkung sein muß. Vielleicht darf man an den Spielleiter, Kaplan G r e mm, die Bitte richten, das, was er Sonntag abend geboten hat, mit einigen unschwer zu erzielenden Hinzufügungen zu wiederholen und einem breiteren Publikum darzubieten. •• DieDriefpost für den Sch uIkre u - Kt „Barlin". Die Äachsendung der Briefpost für den Schullreuzer „Berlin" sindet tm Monat Oktober vom Marinepostbureau Berlin C 2 aus an folgenden Tagen statt: Rach Sabang am 3. Oktober, nach Colombo (Ceylon) am 9.. 10., 15.. 16., IT. und 18. Oktober und nach Karachc (Brittsch-Indien) am 23., 24., 30. und 31. Oktober. *• Zucht v ieh Versteigerung. Die letzte große Zuchtviehversteigecung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen fü. dieses Jahr findet am Mittwoch, 10. Oktober, tmrrnlt- tags 11 Uhr, in Lauterbach statt. Ange- melöet sind rund 90 Bullen der hessischen Fleck- Viehrasse, die vorwiegend aus den bekannten Hochzuchtgebieten der Kreise Lauterbach und Alsfeld stammen. Bei 24 Dullen stehen die Mutter unter Milchleistungskontrolle. Die Zuchtviehversteigerung ist eigene Veranstaltung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen. Geschäftliches. Die Frau als Verwalterin des HauSwefenS handelt nach den Regeln der Svarsamkett. Zett tst auch bei ihr Geld. Darum verwendet sie in der Küche Maggt's Fleischbrühwürfel. Mit ktetnstenr Aufwand an Heiästoff und Stocbaeit stellt man auS ihnen eine irlnffertine und reinschmeckende tfleifcb- brühe der. Diese etnnet sich auch zur Zubereitung von Soßen. Ragouts, Slllzen, Gemülen usw. sowie zum Verlängern und Verbessern vorhandener Supve. ^WHW\VA\''ns\VA''U\uww\\\»\w\ In Amerika gibt es nur wenige Standard-Marken? diese sind aber so preiswert und gut im Geschmack, daß sie von allen Bevölkeriangsschiichten ausnahmslos, oh arm ob reich, geraucht werden. Dreiling Typ S ist in wenigen Wochen zur deutschen Standardmarke geworden» l>urch ihre mit der größten Sorgfalt aus- gewählten und gemischten Tabake hat diese Zigarette nach kurzer Zeit bei Millionen von Rauchern Begeisterung* hervorgerufen. Be- sonders gerühmt wird an ihr der wundervoll milde Geschmack und das gesetzt, geseh. Edelweiß-Miindstück. Es ist erstaunlich«, wie günstig dieses Mundstück den Geschmack beeinflußt. Meine Zigarettenfabrik in ganz Deutschland kann diese Zigarette nachahmen. 8732D| GieBen, den 3. Oktober 1928. 0700» | Verkäufe | den bet 06976 gesucht 06)95 Dern 8723V Gerichtsbollzieber in Gichen, Steinstr. 13. Gine Wilerin f. Heute frisch von der See! Fernsprecher 1659. 897D Schellfisch ohne Kopf, Pfund 38 Pf Bücklinge Pfund 38 Pf Schade&Füllgrabe Filialen in allen Stadtteilen 3734D gesucht. 8716D PVermietungen | Möbliertes Zimmer gibt ab 18722V empfiehlt 06990 Kätzchen in nute Hände zu geben. 06969 Hammsiraste 1. 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Oktober (928 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für lvberhessen) Ht.255 Zweites Blatt allein IjVlUlCieiU -tiUUJ UIW U.llVX.l.x-11 . mit löblichem Eifer bei der Spieler waren Sache. — hin zu sprechen. (Wer etwa den vor kurzer Seit erschienenen Renaissance-Roman „Borgia' gelesen hat, eine der letzten Dichtungen Klabunds, wird erschüttert empfunden haben, wieviel unbändige, glühende Lebenssehnsucht mit dem gebrechlichen, fi^ernden, tottranken Körper dieses Menschen bis zuletzt gekämpst hat.) Die Gedenkwvrte, die von Tannert gesprochen wurden, sind freie fliehende Rhythmen, von Melodie und Bildkraft getragen, der Weise des Toten gemäß und eine sinnvolle Deutung seines Ramens: Klabautermann und Vagabund Klabund. Ruch die Besetzung steht und hat nur geringe Veränderungen erfahren. Ein neues Gesicht und eine neue Stimme unter den schon bekannten: Walter Ebert-Grassvw spielte den Wortführer der drei Greise. Es ist nur eine kleine Rolle, die wenig Enthaltung gestattet; aber in den paar knappen Szenen war ein sehr wohlgeformtes, volles, musikallsches Organ zu vernehmen, und man darf der ersten großen Aufgabe dieses neuen Schauspielers (im„Patrioten") mit besonderer Aufmerksamkeit entgegensehen. Den Kanzler Matsuo gab diesmal Franz Arzdorf, der sich in die seltsam schillernde Gestalt des greisenhaften, schicksalbeladenen Tyrannendieners leidenschaftlich versenkt hatte. Im übrigen sei auf die lyrisch zarte und innige Zwiesprache des jungen Liebespaares (Ingeborg Scherer, Otto Knur) und auf den wuchttgen Schwerttanz des berserkerhaften Dorfschullehrers Genzo (Edelbert Gareis) abermals mit besonderer Anerkennung hingewiesen. Auch alle anderen hing entrissen und die Führung der Politik unmöglich gemacht. Vor der Beantwortung der Rote Wilsons habe der Kaiser darauf gedrungen, daß man den Llnterseebootkrieg, die einzige wirksame Waffe, nicht ohne ein bindendes Versprechen der Entente aufgebe. Er reiste zu diesem Zweck am 20. Oktober zu einer Besprechung mit dem Prinzen Max von Baden von Potsdam nach Berlin. Die Antwort Graf Lerchcnfelds, daß das Ministerium die Forderung Wilsons auf Abdankung des Kaisers, welche jeden Augenblick einlaufen könnte, bedingungslos annehmen müßte, zeigte, daß jede Verbindung zwischen der Regierung und dem Kaiser zerrissen war. Der Kaiser sei zu jedem Opfer für Volk und Heer bereit gewesen, glaubte aber nicht, die eigene, ehrvolle Vergangenheit und die Zukunft der Dynastie den heuchlerischen Phrasen des Gegners opfern zu müssen. Auf Ersuchen Hindenburgs habe sich der Kaiser nach Spa begeben, wo er seine Anwesenheit für wichtiger hielt, als bei dem Ministerium in Berlin, das seine Ansichten in den Wind schlug. Auf die Einwände des Prinzen Max von Baden meinte der Kaiser, daß die Waffenstillstandsverhandlungen doch rein militärischer Ratur seien und daß man ihn stets telephonisch erreichen konnte. Jede andere Darstellung seiner Abreise sei Erfindung. Möge der also wvhlgelungene erste Abend ein günstiges Vorzeichen sein für die kommenden Monate! Dr. Th. Kameradschaft. Don Frank F. Braun. Der Westwind pfeift bon_ der See herein, Er bringt einen salzigen Sprühregen mit. Man merkt diesen Regen erst, wenn man durchnäßt ist. Die Laterne vor dem Kellerlokal schaukelt, aber sie ist so aufgehängt, daß sie auch im Sturm nicht mehr die Hausmauer erreicht. „Zum Blauen Engel" steht über dem Eingang, der ein Stollen ist und steil in die Tiefe führt. Ein Orchesttion lärmt ohrbetäubend. Rur 3int ' Knuff erkennt den Walzer; er sitzt am blankgescheuerten Tisch und wiegt im Takt den Kopf. Ich nicke ihm zu. Wir kennen uns flüchtig; vor geramner Zeit haben wir einmal in Altona beim Grenzfah Sette an Seite gefochten. Heute ist er noch nicht betrunken; Messer und Gabel weisen auf seine Absicht, erst zu speisen. Bald kommt auch der Kellner im glänzenden Frack und weißer Schürze, türmt ein Beefsteak vor 3im auf; riesig den Teller fast bedeckend droht das Fleisch, ein schmaler, weißer Rand schimmert schüchtern. Den bepackt 3im Knuff mit Kartoffeln aus der Schüssel. Er fegt das Spiegelei von dem Fleischkloß, setzt an und ißt. . . mir läuft das Wasser im Munde zusammen. Als das deutsche Beeffteak nur noch ein knappes Viertel seiner anfänglichen Große hat, spuckt 3im auf den Teller, schreit auf, schlägt mit der Faust auf den Tisch. „Hallo! Kellner!" Der Kellner kommt herangeweht. 3ini weist ihm seinen Tellen. 3n dem zerdrückten Fleischreft steckt ein abgebrochener Hufnagel. Der Kellner ist erschüttert; er begreift nicht, beteuert. . . 3im winkt gnädig, schiebt nur den Teller zurück. Der Kellner enteilt Rach fünf Minuten sitzt 3im vor einem neuen, riesigen Beefsteak. 3ch beuge mich vor; ich habe Appettt; aber dies Erlebnis hält mich zurück. „War es ein Hufnagel?", frage ich leise. 3im Knuff sieht mich an. Er kneift ein Auge zu. Ich reagiere auf die Vertraulichkeit und tue das Gleiche. Da faßt Jim Knuff in die Lasche, sieht sich um, gewahrt den Kellner bi einer entfernten Ecke, — und drückt mir schweigend einen weiteren, abgebrochenen Hufnagel I in die Hand. v- So wurde die neue Ausführung nicht ein festlich klingender Prolog, sondern zugleich auch eine späte und würdige Totenfeier. Ehe das Spiel anhob, teilte sich der drachen- besttckte schwarze Vorhang, und der Spielleiter Tannert trat hervor, Gedenkworte und Epilog über ein junges, reiches, früh vollendetes Leben unentbehrlichsten waren zweifellos die 365 Einsätze in Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken; ist doch die Fortführung dieser Werke in ihrer neuzeitlichen Entwicklung und bei der immer mehr fortschreitenden Konzentration der Kraftquellen für das Wohl und 'Wehe immer größerer Gebiete und Massen von Menschen eine unerläßliche Lebensnotwendigkeit. Roch im Herbst 1927 während des mitteldeutschen Braunkohlen- arbeiterstrci s mußte die Technische Rolh.l c Gruben und Großlra.t werke aufrechte halten, von denen die Versorgung eines dicht bevöl erten und wirtschaftlich bedeutsamen Geöittes abhing. Was von der Technischen Rothilfe auf dem Gebiet der Katastrophenhilfe geleistet worden ist, zeigen am besten die umfangreichen Hilfeleistungen in den an LIeberschwemmun>en. Wald- und Moorbränden und ilngliidd, allen leider allzu reichen letzten Jahren. In dem Tätigleitsjahr 1925 allein mußten beinah: in 100 Einsatzstellen 3 350 Rothcher zur Hilfeleistung eingesetzt werden. Das markanteste Beispiel für die gro ,c Bedeutung der Technischen Rvthil e zur Abwe.;r von Elementarereignissen ist der achttägige Einsatz von 2 700 Rythelfern anläßlich der Llnwctter- tata'.ropheim s chischen Erzgebirge im Juli 1 27. So hat sich die Technische Rot Hilfe w äh. end ihres neunjährigen Bestehens immer als ein unentbehrliches, überparteiliches Instrument in der Hand des Staates erwiesen, mit dessen Hilfe Staat, Wirtschaft und Volksgemeinschaft in ihren elementaren Lebensbedingungen gesichert wurden. Cs ist deshalb schwer zu verstehen, wenn das gegenwärtige Richskabinctt nach Mitteilung d^s Reichsinnenministers Severing beabsichtigt, . ie bisher zur Verfügung gestellten Reichsmittel in Zukunft der Technischen Rothilfe zu entziei/m. Der ehemalige Kaiser über die demsche KriegsührNng im Weltkrieg. Aus Gesprächen Wilhelms II. mit feinem Adjutanten Alfred Niemann. Rettung durch zwei Hühner, Butterbrot und Rotwein. Dichter Walter v. Molo veröffentlicht im Oktvberheft von Velhagen & Klasings Monatsheften interessante Kindheitserinnerungen; insbesondere auch erzählt er von einer schweren Krankheit, in die er verfallen war. 0d>on war der Geistliche erschienen, um dem Jungen die letzte Wegzehrung zu geben. Molo beschreibt, wie er fast stolz gewesen sei, daß man so viel Umftänbe mit ihm machte. Dann verfiel er in Bewußtlosigkeit, und als er erwachte, hörte er den Arzt sagen: „Lassen Sie mich nicht noch einmal kommen, es ist schade ums Geld, das Kind ist morgen tot“ Da bekam Molo Milleid mit der Verzweiflung der Eltern und Wut auf den Professor, rappelte sich hoch und verlangte — zu essen: „Fleisch und Butter." Das war allerdings für einen Sterbenden ein kühnes Unterfangen, denn fein von vielen Medikamenten kaputter Magen vertrug seit Tagen überhaupt nichts mehr. Da gebar der Professor den Ausspruch: „Machen Sie ihm ruhig die letzte Freude, es schadet ihm ja doch nichts mehr," und ging. „Run kommt," fährt Molo fort, „eine sonderbare Sache: zum erstenmal wurde ich mir meiner Liebe bewußt, meiner Liebe zu den weinenden Meinen, denen ich den Schmerz nicht antun wollte, zu sterben. Ich bäumte auf, zum erstenmal erfuhr ich, daß die Liebe etwas Mächtiges ist, daß sie wahrhaft auch den Tod besiegen kann. Ich atz, nein, ich fraß in tragikomischem Eifer, mit ungeheurer Energie zwei Hühner und dazu dickaufgestrichene Butterbrote und trani viel Rotwein, dann verfiel ich, wie man meinte, in meinen letzten Schlaf, es war aber der Genesungsschlaf. Einige Wochen später begann ich wieder gehen zu lernen, denn ich hatte ebenso auf meinem Krankenlager das Gehen verlernt, wie ich mir im Fieber büschelweise auf dem Kopf wirbel die Haare ausgerissen hatte. Ich gesundete humpelnd und mit einer Kinderglatze ..." Der Amsterdamer „Telegraaf" beginnt mit der Veröffentlichung einer Reihe von Gesprächen, die Wilhelm 11. mit seinem früheren Flügel- adjutanten Alfred Riemann in Doorn geführt bat. Das erste Gespräch beschäftigt sich mit den Beschuldigungen, die gegen die deutschen Staatsmänner und Heerführer wegen der Art ihrer Kriegführung erhoben werden. Hierbei warnte der Kaiser vor leichtsertiger Krittk. Selbst Bis- mord und Moltke hätten nie vergessen, daß die Entscheidungen über Sein oder Richt sein eines Staats an einem dünnen Faden hangen, obwohl sie über zahlenmäßig überlegene Truppen verfügt hätten. E r sei stolz, 25 Jahre an der Vervollkommnung des deutschen Heeres gearoeitet äu haben. Die deutschen Streitträfte seien nicht voll entwickelt worden und es wäre besser gewesen, wenn die Heeresmacht Deutschlands von Anfang an auf der Durchführung der allgemeinen Wehrp,licht aufgebaut gewesen wäre. Man hätte dann jährlich mit einem sicheren Prozentsatz der Devötterung rechnen können, der mttltärisch ausgebildet worden wäre. Weder Deutschland noch seine Gegner hätten sich zu Beginn des Krieges eine richtige Vorstellung von einem modernen Krieg machen können. Man habe geglaubt, daß ein moderner Krieg nicht lange dauern würde, und erst zu spät habe man das Gegenteil erfahren. Der glänzende deutsche Feldzugsplan sei in der Hand Moltkes zunichte geworden. Moltke sei ein glänzender Theoretiker im Frieden gewesen, dem es aber im Kriege an Geisteskraft und rascher Einsicht gefehlt habe. Gegen den Vorwurf, daß er Moltke aus Gesundheitsrücksichten habe entlassen müssen, führte der Kai,er die klassischen Beispiele von Cäsar und Rel'on an, die auch körperliche Fehler gehabt hätten Rein körperliche Schwäche könne für die Lei- stungssähigleit eines Generals nicht ausschlaggebend sein. Der Kaiser wandle sich dann dem Doppelgestirn Hindenburg-Ludendorff zu und führte dabei aus, daß Hindenburg trotz der vielen Dienstjahre, die er hinter sich hatte, eine verblüffende Leistungsfähigkeit gezeigt habe. Die Rede von Meinungsverschiedenheiten, die im Frieden z wischen dem Kaiser und Hindenburg bestanden hätten, seien absoluter Unfinn. Daß beide nicht schon im Jahre 1914 die Führung erhalten hätten, habe daran gelegen, daß das Hauptgewicht damals bei den Operationen im Osten gelegen habe. Eine Aenderung an dem Oberbefehl im Osten hätte den Untergang bringen können. General v. Fallenhayn, der Rachfolger Moltkes, habe die Entscheidung im Westen erwartet und dort versucht, dem Feinde möglichst große Verluste beizubringen. Er habe dadurch den Gegner für eine baldige Beendigung des Krieges be- ftimmen wollen. Lieber die vielumstrittene Frage, ob eine Entscheidung zur See möglich gewesen wäre, sagte der Kaiser, daß die deutsche Flotte dann zu einem Angriff an der flandrischen Küste hätte übergehen muffen. Trotz der glänzenden Leistung der deutschen Flotte bei Jütland hätte man kaum erwarten können, daß die deutsche Flotte fern von der deutschen Küste in fremden Gewässern einen Sieg hätte erringen können, zumal England von vornherein dabei im Vorteil gewesen wäre. . Die deuffche Flotte sei nicht für eine entscheidende Seeschlacht bestimmt gewesen, sondern als Stütze für den il n t e r f e eb o® tf r i e g, zur Erleichterung der Rohstvsseinfuhr und als Gegengewicht gegenüber England bei den Friedensverhandlungen. Jede Wögllchkeit, die englische Flotte zu schwächen, mußte ausgenutzt werden, um das Machtverhältnis zugunsten Deittschlands zu beeinflussen. 3m Gegensatz zu den Führern in der Schlacht von Jütland habe es den beiden ersten Befehlshabern an Wagemut gefehlt. Was die Aufführung angeht so ist sie ebenfalls seinerzeit besprochen worden. Sie ist, seit damals, geschmeidiger und runder geworden, sie hat, aus der engen Rauheimer Kammerbühne in das breitere und tiefere Spielfeld des heimischen Hauses gestellt, an Raumfülle und Bewegungsfreiheit wohltuend gewonnen. Lind endlich — wir stellen dies mit Befriedigung fest —: man hatte, unserem Vorschläge folgend, kurzerhand den schwächlichen Ausklang getilgt. Lind man sah (so hoffen wir), daß es gut war; das Spiel hat in dieser freieren Form an Kraft und Wirkung und Geschlossenheit entschieden zugenommen. Gießener GiaSitheater. sgtzund: „Das Kirschblütenfest". „An deine Bahre treten, Klabund, in langer Reih', die Rarren und Propheten, die Tiere und Proleten, und ich bin auch dabei.. Zuckmaher. Die Spielzeit ist eröffnet. Das Theaterschiff fahrt mit vollen Segeln und bunten Wimpeln in die märchenhaften Länder eines neuen Winters hinein. Drei Premieren sind angesetzt in dieser ersten Woche. Große und geheimnisvolle Dinge ftef>en uns bevor. Ein farbenprächtiges, vieltönig klingendes Vorspiel war das „Kirschblütenfest". Gin guter Beginn. Da2 Stück wurde im Frühjahr schon in Rau- Heim gespielt; wir haben es seinerzeit (Rr. 121 vom 24. Mai) ausführlich besprochen und wir haben heute zur Sache selbst kaum etwas hinzuzufügen. Aber damals hat auch von denen, welche wußten, wie krank der Dichter wcn^ wohl keiner geahnt, daß ein paar Monate spater Klabund gestorben sein würde. Lind jetzt nun, da wir seine zarte und Weiche Stimme von der Bühne herab wiederum zu uns sprechen und singen und jubeln und klagen hörten, ist er schon lange stumm unb beigesetzt mit einer stillen rührenden Feier in seiner Keinen Heimatstadt Krossen. Lind seine Freunde haben ihm den letzten Gruß nachgerufen: „ ... Es kommen alle Vögel und zwitschern ohne Ruh. " sie decken dich wie junge Brut mit flaumigen Federn zu. Es kommt auf Beinen wie ein Reh ein dünner grauer Mann, der stellt zu deinen Füßen die Himmelsleiter an.“ Rem Jahre Technische Aothilfe. Am 30. September 1928 konnte die Technische Rothllse auf neun Jahre erfolgreicher Tätigkeit zurückblicken. 3 n diesen neun Jahren, d. h. in der Zeit vom 1. Oktober 1919 bis 30. September 1928, ha t die Technische Rothilfe in 5 383 Einsatzstellen mit 103 695 Rothelfern 6031 702 Ar- beits stunden oder rund 750 000 Arbeitstage geleistet. D. von entfallen 3993 Ein» satzsttllen auf leb.ns vichtige Betriebe und 1385 aus Elementarercigniffe. wie Hochwasser^ und Lln- wettrr.'atastrophen, Wald- und Moorbrände u._ a. Die Einsätze in lcbmswichtnen Bettie et lassen deutlich ertcnnen. wie oft Staat und Wirtschaft von schweren Krisen heimgesucht wo^dei sind und wie wichtig das Vorh n der. sein der Technischen Roihilfe für di se e wesen ist. Erinnert sei an d. I'gemeinen Generalstreik 1920, wo 13 000 Roth elfer gleichzeitig in 196 Betrieben der verschiedensten Art eingesetzt waren, an den politischen Steuer-Generalstreik in Württemberg. 1920, bei dem die Technische Rvthilfe 27 Gas-, Wasser- und Elek- ttizitätswerke aufrechterhalten mußte und an den Eisenbahnerstreik 1922, durch den über Rächt der gesamte Eisenbahnverkehr still gelegt worden war und wobei 15 000 Rothrlfer zur Durchführung eines Rotbetriebes zum Einsatz gelangten. Von ebenso großer staatspolittscher Bedeutung war der Einsatz in der Reichsdruckerei im Rovember 1923 mit 700 Rothelfern, die den Druck der aus schlimmster Inflation erlösenden Rentenmark bewerkstelligten. In diesem Zusammenhang sind ferner die Einsätze der Technischen Rothilfe während der Generalstreiks in Bremen, Oldenburg und 3nfterburg (Ostpreußen) und während des mitteldeutschen Kommunalarbeiterstreifs im Herbst 1924 noch besonders zu nennen. Der Erhaltung der ®runölagen der im Wiederaufbau sich befindlichen Volkswirffchast bzw. der Sicherung der Ernährungsgrundlage des Volkes dienten eine Reihe weiterer bedeutender Einsätze, wie die in der Landwirtschaft in 2 096 Einsahstellen, in der Binnenschiffahrt, in Hasen- betrieben, in 79 Zechen und Hüttenbetrieben, in 828 Einsahstellen im Transport» und Verkehrswesen und in 496 2bctrieben deS Rahrungs- mittelgewerbes. Wenn man beispielsweise darauf hinwcist, daß allein die Werterettung an Nahrungsmitteln die Ziffer von 100 Millionen Reichsmark übersteigt, so bekommt man ungefähr ein Bild der von der Technischen Rothilfe in schweren Rotzeiten geleisteten wertvollen Erhaltungsarbeit. Für ben einzelnen am sichtbarsten und auch am empfindsamsten, für die Allgemeinheit am Was mit der Flotte unmöglich war, sollten die ilnierfeeboote erreichen. Ihre uneingeschränkte, erste Anwendung hätte eine Aenderung gewisser Seerechtsbestimmungen gebracht. England hätte sich hieran wenig gestoßen, wie der berühmte Brief von Admiral Fisher an Admiral v. Tirpih zeige, vorin er sag', der deutsche Seemann verstehe, daß Krieg heiße, den Feind töten ohne selbst getötet zu werden. Er, Wilhelm II., lönne Tirpih wegen des Llnlerseebovt- krieges nicht tadeln. Aber Bethmann-Holl- w e g hätte den Unterseebootkrieg mit den bestehenden Vorschriften in Einl.ang bringen wollen, er habe hierdurch den Feldzug behindert und den Gegnern eine glänzende Gelegenheit gegen den Llnterseebo'tkrirg in die Hand gegeben. Der Hauptfehler sei gewesen, daß man mit dem Llnterseeboo krieg zu früh begonnen und nicht gewartet habe, bis man genügend Boote für einen entscheidenden Schlag besessen habe. Die Idee, England und Frankreich durch eine Operation lahmzulegen, scheine allerdings heute im Rachhinein kaum ausführbar. 3m Landkrieg sei es nach der resultatlosen Offensive in Frankreich vom Jahre 1914 deutlich geworden, daß der Krieg lange dauern würde. Mit Rücksicht auf die Lebensmittelversorgung und das obersch e ische Industrie Ke. wurde die Ostfront außerordcintlich wichtig. Eine entscheidende Schlacht gegen Rußland sei infolge der großen Ent errungen unmöglich gette en. Das russische Heer sei aber im Jahre 1915 so geschwächt gewesen, daß Aussicht für einen Sonderfrieden gegeben gewesen sei. Rasputin sei ein Verfechter deZ Friedens gewesen, er sei aber auf die Gegnerschaft der Ctt.ß- fürften gestoßen, des in der Duma organisierten Mittelstandes und Englands. Rasputin sei ermordet worden, und der Zarismus fiel durch die von England unterstützte demokratische Revolution. Die als Stütze für eine entscheidende Operation im Westen gedachte Ausrufung des Königreichs Polen sei insofern ein Fehlschlag gewesen, als man nicht damit gerechnet hatte, daß sich der polnische Patriotismus, angefacht durch 6en geringen Widerstand in Rußland, auch gegen Deutschland wenden würde. Die Dolschewisierung des russischen Heeres sei von Deutschland auf Ersuchen des Oberkommandos gefördert worden, man habe aber die Rückwirkung auf die eigenen Leute unterschätzt, welche soviel wie möglich bekämpft wurde. Demoralisierung und die Konkurrenz der Parteien führten zur Disziplinlosigkeit. Die günstige Lage an der Westfront im Sommer 1917, wo man einer Entscheidung nahe war, sei durch die Veröffentlichung des Berichtes über die Lage In Oesterreich und die Friedensresolutivn des Reichstages zunichte geworden 3m Jahre 1918 wäre es vielleicht noch möglich gewesen, die Westmächte von ihrem Plan, Deutschland zu vernichten, durch eine entscheidende Operation abzubringen, wenn nicht Amerika eingegriffen hätte. Deutschland habe feine Gelegenheit versäumt, um die freundschaftlichen Beziehungen zu Amerika aufrechtzuerhalten. Wilson sei aber von Anfang an entschlossen gewesen, einen Sieg der Zentralmächte zu verhindern. 3m August 1918 habe der Kaiser dem Reichskanzler Auftrag gegeben, mit der Entente Friedens- unterhandlungen auf Der Basis des status quo anzulnüpfen. 3m September merkten die Gegner ein Schwächerwerden des deutschen Widerstandes und waren nun zu einem Durchhalten bis zum endgültigen Siege entschlossen. Der Lieber gang zum Parlamentarismus, welcher als Vorspiel zu einer letzten großen Anstrengung des ganzen deutschen Volles gedacht war, habe dem Kaiser die Lei» Obrrheffen. !t!c. Gicfien. )( G rohen-Linden, 2. Ott. Die hiesige Feldbereinigung ist nunmehr, bis auf Cr- .ed'.guing der eingereichten Reklamationen, vollen- 'cet. Das Kullurw.rl wurde hier verspätet, zum Rachteil der Grundbesitzer, in Angriff genommen. 3m 3ahre 1005 beantragte eine Minderheit der Grundbesitzer das FeldbereinigungS- verfahren, sie konnte aber nicht soviel Eigentümer für die Sache gewinnen, daß die gesetzlich vorgeschriebene absolute Hälfte des Besitzes erreicht wurde. Erst im Jahre 1920 fand der Antrag die nötige Llnterstühung. Die verspätete Einsicht hat sich bitter gerächt, denn jetzt müssen die Eigentümer Raine, Gräben, Hohlwege usw. selbst planieren, während dies damals durch die Feldbereinigungsgesellschaft ausgeführt wurde. Der vierte Teil von 688 Grundbesitzern hat Reklamation eingereicht. 180 Morgen Land sind als Massengrundstücke ausgeschieden, durch Verkauf derselben hofft man die etwa 200 000 Mk. betragenden Kosten zu decken. Man klagt darüber, daß die neuen Grundstücke zu lang seien, was unwirtschaftlich ich, weil die Länge der Furchen zu groß wird. Berechtigte Klage wird auch Darüber geführt, daß man unregelmäßige Grundstücke zuteilte, während diese doch als Massen- grumdstücke hätten Verwendung finden sollen. D L i ch, 2. Ott. Das Haus des Pianohändlers Wilhelm Förster von Gießen, in der Butzbacher Straße gelegen, ging für den Preis von 19 000 Mk. in den Besitz des Dentisten Herbert Küster'von hier über. Dieser hat seither schon seine Praxis in diesem Hause ausgeübt. ch Lich, 2.Ott. Das Frankfurter Kunst- lertHeater für Rhein und Main (Hessisches Künstlertheater) beabsichfigt, im Einvernehmen mit der Bürgermeisterei und dem hiesigen Vollsbildungsverein, in diesem Winter in der Turnhalle eine Reihe von Vorstellungen S. geben. Der Spielplan verzichtet auf wert- se Stücke. Cs sind Stücke von Fulda, Björn- son, Schiller, Lessing u. a. vorgesehen. Kreis Büdingen. nd. Ridda, 2. Oft Die Erneuerungsarbeiten an der hiesigen Stadtkirche haben in den letzten Wochen bedeutende Fort- schritte gemacht. Der Außenputz und Oel» anstrich des Gotteshauses sind kürzlich vollendet worden. Die großen graugelben Wandslächen, umrahmt von rotgestrichenen Quadern, heben sich recht gefällig in der Umgebung hoher Zier-- bäumc im anschließenden Spielgarten der Ätein- tindeLschule hervor und geben dem mächtigen Gebäude einen würdigen Anblick. Das offenbar Aach längerer Vollendung der Kirche erst aus Fachwerk angebaute Sakristeizimmerchen, das dem Ganzeir keineswegs zur Zierde gereichte, ist abgerissen worden. Die Sakristei wird in den Thor verlegt, wodurch die seither darin befindlichen Stühle für den Kirchen- und Stadtvorstand weggefallen sind. Das Orgelgebäube steht ebenfalls jetzt auf einer Bühne im Chor. Das Orgelwerk wird voir der Firma Aikolaus & Förster in Lich einer gründlichen Reparatur unterzogen. Bon der Anschvffung einer ganz neuen Orgel muhte wegen der hohen Kosten abgesehen werden. Die Weihbinderarbeiten im Innern der Kirche werden von den Weißbindermeistern Walther S p r u ck und Paul hier, ausgeführt, die Schreinerarbeiten ebenfalls von hiesigen Meistern, währe. d di.' Gemäld.' M t r.relfter Künzel, Darmstadt, erneuert. Man hofft, daß Anfang Qlobeni« ber das Gotteshaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden kann, was umso wünschenswerter ist, als die Kasinoräume für die große Kirchspielgemeinde recht beschränkt imh für die Abendmahlsfeiern, die jetzt begonnen, wenig geeignet sind. Um hierbei Entlastung zu schaffen, sollen demnächst in den Filialgemeinden Unter» Schnitten und Michelnau besondere Abendmahlsfeiern stattfinden. — Zur Wahl der Kirchen- gemein ded er tre t e r des Kjchspiels Nidda war nur e i n Wahlvorschlag eingegangen, demzufolge erübrigte sich eine Wahlhandlung. Die Bvrgeschlagenen, 30 Männer und 2 Frauen, gelten als gewählt. A Aidda, 2. Oft Die Stabt hatte zur Milderung dir Wohnungsnot am Ende des Stadtteils Raun ein Doppelwohnhaus errichten lassen. Dieses ging durch Kauf an die beim hiesigen Postamt angestellten Postbeamten L u d- w i g und Hofmann über. Der Kaufpreis beträgt für das Doppelhaus nebst Hausgarten 18 000 Mark. Die Stadtverwaltung will mit diesem Gelde wieder neue Wohnungen erbauen lassen. — Die hiesige Schühengesellschaft hielt an den letzten Sonntagen beim Schühenhaus ihr diesjähriges Herbstschiehen ab, das mit einem Preisschiehen auch für Kleinkaliber verbunden war. Gerade das letztere erfreut sich einer starken Beteiligung. Die Folge war ein starkes Ringen um die einzelnen Preise und Ehrengaben, die größtenteils von Gönnern des Vereins in dankenswerter Weise gestiftet waren. Auch auswärtige Gäste waren zahlreich vertreten, die verhältnismäßig gute Schuhresultate erzielten. Die Hauptpreise errangen: Freihand, 175 Wcter. Sauer (Gießen) 51,19; Hahn (Lich) 49, 14" Appel (Gießen) 46,14. Aufgelegt 175 Meter Appel (Gießen) 53, 17; Hahn (Lich) 54, 19; Pfeiffer (Aidda) 53, 19. Aufgelegt 100 Meter Brauns (Aidda) 59, 19; Sauer (Gießen) 58,20; Hahn (Lich) 58, 20. Festscheibe Appel (Gießen) 40, 39, 38; Spamer (Aidda) 40, 39, 37; Pfeiffer (Aidda) 40,38, 36. Freihand 100 Meter Georg Willy (Gießen) 58, 19; Appel (Gießen) 55, 19; Sauer (Gießen) 53, 18. Glücksscheibe Spamer, Listmann und Schuster, alle in Aidda. Kleinkaliber 50 Meter Struck (Aidda) 30. 9; LeinS (Aidda) 30, 6; Aaumann (Gettenau) 29, 10. # Bingenheim, 2. Oft. Auf Anregung von 2ef>rer i. R., Bürgermeister Hensel von Hirzenhain, stifteten die Bienenzüchter des Kreises Büdingen für das hiesige Kreiskinderheim eine größere Menge Bienenhonig, der dieser Tage zur Ablieferung gebracht wurde. # Aus der We11erau, 2. Oft. Da vielerorts der dürftig gewachsene dritte Klee- und Luzerneschnitt aufgebraucht war, hat man hier bereits Dickwurz geerntet und zur Bersütterung verbraucht. Als Folge der F u 11 e r n o t sind die Biehpreise um etwa 30 Prozent zurückgegangen, da in den letzten Fuiterjahren oft mit übersetztem Vi h'tand gewirtschaftet wurde. Zur Streckung des Rauhs öfters werden die teueren Krastsuttermittel, wie Sojabohnenschrot und Daumwollensaatmehl viel gekauft. Die Kartoffelernte geht ziemlich ihrem Ende entgegen. D r Ertrag mutz c ls :ine M i 11 e l e r n t e bezeichnet werden. Für einzelne Wirtschaftskar- toffeln, z. D. Siegerin, Pepo, ist sie über Mittel. I» ■'m F-'fMinTii ■.■iwnu'iRmn W W vorn Hinmel. Vornan von paul Enderling. Copyright by Carl Duncfpr, Verlag, Berlin. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Eilig öffnete er sie. Ja, hier war eine Möglichkeit. Vorläufig wenigstens. Das Rasseln von Kochtöpfen in der Küche zeigte an, daß der Besucher beschäftigt war. Er verschloß die Stubentür, riß die Banknotenbündel auz dem Bett und stopfte sie in eine kleine Ecke der Schublade — Wäsche darauf, so war es gut. Als er die Lade zurückgeschoben haste, blieb er einen Augenblick in der hockenden Stellung. Warum tat er das? Warum besprach er sich nicht mit Fährmann? Hatte das Geld schon Macht über ihn uni) feine Bedenken gewonnen? Bestimmte es schon seinen Willen? Mußte er Wege gehen, auf die ihn ein dunkles Ungefähr wies? ~ Unsinn, er hatte sich völlig in ber Gewalt. Aber Fährmann wäre der letzte gewesen, mit dem man über solche Dinge sprach: in der nächsten Kneipe hätte er alles weitererzahlt. Das Rütteln an der verschlossenen Tür schnitt die Gedankenreihe ab. Während er öffnete, empfand er erleichtert: ich will wenigstens einige Stunden auskosten, wie einem reichen Mann zumute ist nur einige Stunden. In der Zeitung stand nichts. Auch die Anzeigen brachten keine Losung. Ein Tag stand vor ihm, wo er im Besitz des Reichtums war. Er rechnete nach, daß in der späten Stunde keine Benachrichtigung der Presse möglich gewesen war. Man mußte auch die Verwirrung und Aufregung und Unsicherheit eines Angestellten bedenken. Der Mauergang begann bei der Städtischen Sparkasse. Sollte das Geld von da stammen? Nun, die Abendblätter würden Aufklärung bringen. „Sag mal: Lernst du eigentlich den Anzeigenteil auswendig?" Grotteck ging achselzuckend zum Waschtisch und wusch sich flüchtig. Ich werde es in einer Bade- Die Preise für Ferkel beginnen demzufolge langsam zu steigen. 3m privaten Handel werden eben für 7 Wochen alte Jungtiere bereits 14 bis 15 Mark geboten, gegen 10 Mark vor gut vier Wochen. Die Preise für Fettschweine halten sich auf seitheriger Höhe. Es kostet das Lebendgewicht 72—74 Pfennig je Qualität. Aach durchgemästeten Schlachtschweinen besteht einige 'Nachfrage. Kreis Schotten. 0 Gedern, 2. Oft. Da für ksie Wahl der Kirchengemeindevertretung nur e i n Wahtvorschlag eingegangen war, braucht die auf den 7. Oktober angesetzte Mahl nicht stattzufinden und die auf dem Wahlvorschlag verzeichneten Gemeindeglieder gelten als gewählt. Alle bisherigen Kirchengemeindevertreter, darunter brei Frauen, sind wiedergewählt; einige wurden neu- gewählt, da durch Todesfälle Ergänzungen notwendig geworden waren. — Mit ber Durchführung des Rotekre uztages am 7. d. M. tourito vom Kreisveroand Schotten vom Roten Kreuz der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz beauftragt, der die Sammlungen bi sämtlichen Gemeinden des Kreisbezirks Gedern vornehmen wird. Die Sammlungen werden durchgesi'chrt mit Hilfe ber Mitglieder ber kürzlich hier gegründeten Freiwilligen Sanstätskolonne vom Roten Kreuz. -o- Born Oberwat d, 2. Akt. In den Waldern, die mit Fichten bestanden sind, zeigt sich, durch die feuchte Witterung begünstigt, zur Zeit ein g r o ß e r P i l z r e i ch t n m. Besonders wirb der Steinpilz und der CHampignon von den Fremden gesucht, während die einheimische Bevölkerung aus Furcht vor Vergiftungen sich nur wenig um die Pilze kümmert. Hoffentlich gelingt es, durch Austlärung den Wert der Pilze und ihre Erkennungsmerkmale auch der Allgemeinheit deutlich zu machen. Kreis Alsfeld. 3 Dannenrod, 2. Oft. In der hiesigen Gemeinde fand dieser Tage die Ob st v erst ei p gering statt, wozu sich außer zahlreichen hiesigen Leuten Bieter von Nieder Gemünden und Niederklein, sowie einige Obsthändler eingefunden hatten. Der Behang war gering, dahei die Preise recht hoch. So kosteten pro Zentner: Tafeläpfel 10 bis 15 Mk., Wirtschaftsäpfel 6 bis 10 Mk., Kelteräpfel 5 bis 8 Mk., Tafelbivnen 8 bis 10 Mk., Wirtschaftsbirnen 6 bis 8 Mk., Honigbirnen 3 bis 5 Mk. Der Sesamterlös betrug rund 900 Mk., der im Hinblick auf die knappe Ernte einen recht hohen Betrag darstellt. — Seit ein'gen Tagen ist hier die Dreschmaschine in ^Betrieb. Der Körnerertrag bet allen Fruchtarten ist in diesem trockenen Jahre recht gut, wenn auch der Ertrag an Stroh geringer ist. (—) Ermenrod, 2. Oft. QJm Sonntag fand in unserer Kirche bas Iahresfest des Gustav-Adolf-Zweigvereins Grünberg ftatt. Bei reger -Zhuziinat-m? der ganzen Gemeinde erwies sich unsere Dorflirche infolge von auswärtigen Teilnehmern fast zu klein, um die Kirchenbesucher alle zu fassen. Um 1.15 ilfjr sand ber Hauptgvttesdienst, um 3.15 Uhr die Nachversammlung statt. 3m Hauptgotteldienst sprach Pfarrer Nürnberger (Ober-Ofleiden). Als langjähriger Pionier in der Gustav,-Adolf- Sache wußte er fesselnd zu reden von der Wichtigkeit dieser Sache, und er verstand es meisterhaft, dafür die Herzen warm zu machen. 3n der Nachfeier svrachen Pfarrer Matthäus (Ehringshausen), Pfarrer Graulich (Grünberg) und Dekan Schmidt (Grünberg). Alle stellten sich die Aufgabe, den großen Gedan^n der wichtigen Gustav-Abolf-Sache der andächtig lauschenden Gemeinde näherzubringen. Dieses Ziel vermochten sie auch vollkommen zu erreichen. Verschönert wurde dje Feier durch einen gut vox- getragenen Chor des hiesigen Männergesangvereins ienb durch einen Ähülerchor. Gtarksnvurg. WSN. Darmstadt, 2. Oft. Ein schwerer Autounsall ereignete sich heute mittag gegen Vj3 Ahr an ber Fabrik Merck. Ein Personenauto der Firma Merck wollte in die Fabrik ein» biegen und stieß babei mit einem Motorrad, das von einem Darmstädter Studenten gelenkt wurde unb in der Richtung Arheilgen fuhr, zusammen. Der Motorradfahrer wurde schwer verletzt und muhte in das Darmstädter Krankenhaus gebracht werden. Die Autoinfassen kamen mit dem Schrecken davon. anftalt nachholen, dachte er, wenn dieser lästige Mensch fort ist. Sorgsam wischte Fährmann indessen die Sardinenbüchse mit einem Brotrest aus. „Du ißt wie ein Schwein", sagte Grotteck überzeugt. Der andere lachte gemütlich. „Ich bin kein Baron, brauche mich also auch nicht aut zu benehmen. Außerdem hat das Oel das meiste Geld gekostet. Hast du übrigens Mammon?" setzte er unvermittelt hinzu. Grotteck betrachtete fein bleiches Gesicht mit den umrahmten Augen in dem halbblinden Spiegel. „Keinen Pfennig", beteuerte er. „Nimm Vorschuß," riet Fährmann, „dein Spiel gestern hat mächtig gefallen. Ich verstehe ja nicht viel davon, aber ich schließe mich der Majorität an. Weißt du übrigens, was die Ida morgen vorhat?" Während Fährmann Rundfunkanekdoten erzählte, bemerkte Grotteck plötzlich erschreckt, daß aus der untersten Kommodenschublade ein Stück Zeitungspapier hervorlugte. Es war nur ein kleines Stück, das auf dem schmutzigen Anstrich des Möbels kaum auffiel. Aber ihm schien es das Auffälligste im ganzen Zimmer zu fein. Das Papier konnte nur zu den versteckten Notenbündeln gehören. „Erzählte ich dir schon, daß ich gestern im Abend- vrogramm angesagt habe? Man ließ mich einen Augenblick ohne Aussicht, da geschah das Unglück: .Verehrte Unsichtbare/ sagte ich, .teure Zweimarkgemeinde, geliebte Schwestern und Brüder jn Bredow —‘ Da schmiß man mich raus." Grotteck hatte sich vorsichtig auf ein Knie niedergelassen. Er öffnete die Lade so leise wie möglich und stopfte das Papier zurück. Aber es war wider- fpenftig, wellte sich und richtete sich auf. Wütend steckte er es in die Tasche, die Lade zuknallend. Fährmann betrachtete belustigt das seltsame Gebaren feines Freundes. „Hast du da einen Strumpf mit Geld verstaut?" „Du scheinst mich nur des Geldes wegen besucht zu haben", entgegnete Grotteck schrqff. „Stimmt. Gerade dir hatte ich die Ehre zugedacht, dem fähigsten Journalisten der Stadt unter die Arme zu greifen." „Denke: ich bin gar nicht ein bißchen stolz auf diese Ehre." Ein zorniger Blick flog zu Fährmann Preußen. Kreis Biedenkopf. XX Aus dem Biebertal, 2. Oft. Die abgelaufene letzte Septemberwoche stand auch hier im Zeichen der Kartoffel- und D b ft e r n i c. Fabriken unb Schulen sind geschlossen, und zu keiner anderen Jahreszeit sieht man die Felder unb Obst- gärten so belebt als jetzt, wo es gilt, biefe Guben einzuheimsen. Die Kartoffeln finb infolge des regen- armen Sommerhalbjahres nicht so dick als in den Vorjahren, sie finb aber durchaus gesund gewachsen unb zeigen nicht ben geringsten Ansatz von Fäulnis. Eingeführte neue Saatkartoffeln bringen auch diesmal wieder die besten Erträge. Aeußerst stark umworben werben die diesjährigen Dbftoerfteigerungen sowohl hei ber Gemeinde, als auch auf dem Schmitter Hofgut und an der Staatsstraße. In der sog. Grupp wurde ein Baum Wirtschaftsäpfel mit 100 Mark bezahlt. Kreis Wetzlav. ” Q a it n 6 b a ch, 2. Oft. Der Geflügel- zuchts-Vetein Launsbach hielt am Sonntag bei Wirt Neul seine diesjährige 3 u n g - geflügel-Schau ab. Das Richteramt hatte Herr C. Rübsamen-- Gießen übernommen. Es würbe durchweg gutes Material gezeigt, ein Zeichen dafür, baß unser kleiner Verein auf ber Hohe ist. Ehrenpreise erhielten: Albert Becht- h o l b (rote Island und schw. Italiener), Otto S ch i e s e r st e i n (amerif. Leghorn), Wirt Kar- 5er»Odenhauselr (Barnevelder), Karl Storck (Zwerg-Whandottes). Rudolf Winter (Khaki Campbell-Enten), Hch. Pfaff (Änd. Laufenten). ~ Groh-Rechtenbach, 2. Oft. Gestern sand hier die Versteigerung des Gemeindeobstes statt. Srs war nicht so gut besucht wie die vorjährige. Die Ernte kann man als knapp bezeichnen. Es kamen vorwiegend Aepfel zum Verkauf. Die Preise bewegten sich je nach Sorte und Qualität auf 10 bis 20 Mark je Zentner am Daum. Daß dieser Preis ein außerordentlich hoher ist, ergibt sich daraus, daß der Gesamterlös trotz ber knappen Ernte nicht wesentlich hinter dem vorjährigen zurück- bleibt. ch Oberkleen, 2. Oft. Jagdaufseher Eic^elittet t e r von hier hat im Distritt „Fahs" des hiesigen Gemeinbewalbes ein weiteresWild- s ch w e i n erlegt. Diesmal handelte es sich um einen Frischling, ber aufgebrochen ein Gewicht von 13 Kilo hatte. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 2. Oft. Ein großer Einbruch.sdieb stahl ist in einer Parterrewohnung der Sofienstraße in den Abendstunden verübt worden. Gestohlen wurden Schmuck- und Wertgegenstände, Uhren, Kleidungsstücke unb Wäsche im Werte von etwa 1400 Ml. öie Sranffurfer Messe. WSN. Frankfurt a. M., 2. Oft Erfahrungsgemäß ist der Montag einer jeden Frankfurter Messe sowohl in Besuch, wie auch im Geschäft relativ schwach gewesen. Um so erfreulicher ist die Feststellung, daß, wenn man dieses immer wiederkehrende Abflauen am zweiten Messetage in Rechnung stellt, über den Verlauf des gestrigen Tages nicht geklagt werben kann. Naturgemäß lagen einzelne Geschäftszweige, so in der Lextllausstellung, im Hause Werkbund, unb in der Abteilung „Schuh und Leber ', die schon gestern fein außergewöhnliches Geschäft hatten, heute rwch bedeutend stiller, Abschlüsse kamen nur vereinzelt vor (wenigstens solche in größerem Umfange). Weiterhin ist zu bemerken, daß sich der Wirkungsbereich der Frankfurter Messe weiter aus-ude-hneu scheint. Während man gelegentlich der Frühjahrsmesse Einkäufer aus einem Umkreise von ungefähr 150 Kilometer sehen konnte, waren bisher aus der Herbstmesse tintereffenten und Einkäufer anzutreffen, die 200 Kilometer, teilweise noch viel weiter von Frankfurt ihren Geschäftssitz Haden. Vereinzelt wird von Einkäufern aus dem Munsterlande, aus Mitteldeutschland und vornehmlich aus dem badischen Lande, und zwar aus Südbadsn und Württemberg, berichtet. Der heutige dritte Messetag war insofern bemerkenswert, als entgegen der sonstigen Gepflogenheit etwas mehr Seßhaftigkeit bei ben Ausstellern festzustellen war. 3m all- hinüber. Hundert lustige Stunden verdankte er ihm, aber heute wünschte er ihn zu allen Teufeln. Der andere schien seine Gedanken zu erraten. „Du möchtest mich wohl gern rausgraufen, he?" fragte er grinsend. „Bewahre. Ich möchte dich etwas fragen. Was tätest du, wenn du plötzlich reich würdest?" „Si j’etais roi? Hochgehen würde ich, natürlich, lieber allem Menschlichen, Allzumenschlichen schweben. Geld macht nämlich leicht." „Das glaube ich nicht", meinte Grotteck grüblerisch. „Zieht Geld nicht hinab? Ist es nicht Ballast?" „Run, die Philosophie des Geldes hat ja schon ein andrer geschrienen. Was mir viel mehr Kopfzerbrechen verursacht, ist die Frage: Welche Möglichkeiten hätte ich wohl, plötzlich reich zu werden?" „Es konnte ein Zufall sein, den du jetzt nicht voraussehen kannst." „Ja. Entscheidend für den Menschen ist nicht das, was in feinem Zentrum liegt, sondern die Dinge an her Peripherie." „Aber es ist trotzdem richtig. Notabene konnte es einem ja gehen wie dem Berliner Chauffeur, der in feinem Wagen fünfzigtausend Mark fand. Ich werde jetzt eifriger Autos benutzen." „Soviel ich weiß, wurde er verhaftet?" „Weil er sich eselhaft benahm. Er hätte übrigens auch mit dem Finderlohn zufrieden fein können." „Dq müßte man aber wissen, wem das Geld gehört." Fährmann lachte dröhnend. „Das pflegt der Verlierer ja gewöhnlich anzugeben." „Das ist der springende Punkt", warf Grotteck ein. Fährmann blickte ihn verwundert an, entschloß sich dann, dem Sinn dieser rätselvollen Worte nicht nachzudenken, und erzählte: „Euer technischer Berater hat mir gestern zu später Stunde einen langen, tiefschürfenden Vortrag über Anodenbatterien und Kristallempfänger gehalten. Da ich gleichzeitig gut temperierten Rotspon von ihm empfing, bin ich oem Problem ziemlich auf die Spur gekommen " Nein, er wurde den Besuch nicht los. Er saß wie angegoffen da, und es machte ihm womöglich noch Spaß, die Ungeduld Grottecks auf eine gediegene gemeinen waren auf den früheren Messen in dielen Abteilungen die Stände am dritten Tage zum überwiegenden Teil geräumt. Die Neigung hierzu ist auf der jetzigen Messe weniger stark hervorgetreten. Besonders in der für gewöhnlich geräumten Schuh" und Ledermesje ist noch ein großer Teil ber Stände am dritten Tage belegt gewesen. Der Besuch ist, wie zu erwarten stand, gegenüber Montag noch schwächer geworden, was aber nicht gleichbedeutend ist mit einem Nachlassen des Geschäftes in beni gleichen Umfange. 3m Gegenteil, in einzelnen Abteilungen erschienen heute mehr ernsthafte Reflektanten, als an den bisherigen Tagen, und es tarn auch vielfach zu recht befriedigenden Abschlüssen. 3m ganzen kann gesagt werden, daß jetzt schon das elrteil über den ‘Verlauf drr diesjährigen Herbstmesse feststcht in der Richtung, daß sie besser abzuschneiden verspricht, als die Frühjahrsmesse. Franffutts „Gsmmer der Musi?". WSN. F r a n k i u r t a. M.. 2. Oft. Die Frankfurter Stahtverrrdneten-Versamm- lung bem;u.agte sich t).aue mit dsnz Ausschuß- bericht über die Untersuchung der Abrechnung sur den „Sommer der Musik". Der Berichterstatter des Ausschusses, Dr. Schnorr, betonte dabei besonders, daß man weniger über die Höhe des Defizits von 1,6 Millionen Mark entrüstet sei, als über den llmftanö, daß man die Stadtverordneten vollkommen darüber im Unflaten gelassen und die Etaisrechte der Stadtverordneten berührt habe. Danach ergriffen Direktor Sutter von der Ausstellungsleitung und der Oberbürgermeister das Wort zu ausführlichen Verteidigungsreden. Direktor Sutter ging dabei von der Feststellung aus, welch kulturelle Werte die Ausstellung für Frankfurt gehabt habe. Auf die Einwände verschiedener Abgeordneten, endlich zu den Vorwürfen zu sprechen, verbreitete er sich über die einzelnen Vorwürfe. Die Frage einer ordnungsgemäßen Buchführung sei deshalb nicht vollkommen gelost worden, weil es nicht möglich war, die Buchhaltung beizutragen. Das Revisionsamt habe die Buchführung dann geführt, und er habe es mit allen Mitteln unterstützt. Eine Verschleuderung der Repräsen- tattvnsmittLl habe nicht stattgefunden, im Gegenteil sei man damit sehr sparsam umgegangen. Daß mit einem Defizit gerechnet werden mußt«, ergebe sich schon aus einem Vergleich mit anderen großen Ausstellungen, z. B. mit der Gesplei in Düsseldorf. Er ging dann noch auf einige andere in dem Ausschußbericht erwähnte Mißstände ein und suchte diese zu entkräften. Der Oberbürgermeister stellte in längeren Ausführungen fest, daß die Rechte der Stadtverordneten in keiner Weise berührt roorbsn seien. Statt der Ausstellungsleitlmg den Dank der Stadt für ihre kulturelle Tat auszusprechen, begegne man ihnen mit Mißtrauen und mache ihnen jetzt Vorwürfe, Hn der anschließenden Debatte, zu der die Redezeit auf 15 Minuten verlängert wurde, sprachen die Vertreter aller Parteien, die zum Teil recht scharfe Angriffe gegen den Magistrat richteten und Einzelbeispiele zu den erhobenen Vorwürfen beibrachtem Die kulturelle Lat der Ausstellung wurde nicht be- ftritten, aber man hätte nicht so aus dem Dollen wirtschaften sollen, wie man es vielfach getan habe. Die Nationalsozialisten stellten die Forderung auf, der Oberbürgermeister sylle sein Amt niederlegen. Nachdem dann nochmals Direktor Sutter die Angriffe im einzelnen zurückgewiesen hatte und sich in großer Erregung verteidigt hatte, schritt man zur Abstimmung. Der Ausschußbericht wurde mit großer Mehrheit angenommen. Der wichtigste Punkt jedoch, die Bewilligung des Defizits, toirrbe ausgesetzt, so daß also nochmals barüber eine Beratung stattfinden wird. Goziallehrgang in $rieö6»rg. WSN. Friedberg. 2. Oft Gestern begann im evangelischen Gemeindehaus der Sozial- lehrgang des Evangelischen Wyhl- fahrts- und Iugenddienstes für den Kreis Friedberg. Direktor Röricht - Darmstadt eröffnete die Verhandlungen mit eines Andacht. Professor D. Dr. Frick-- Gießen verbreitest: sich in längeren Ausführungen über das I MIWW1T!HW— Probe zu stellen. Ich muß das Bett noch einmal untersuchen — empfand er erschrocken —, ich habe das Geld viel zu eilig herausgenommen. Vielleicht hat sich ein Geldschein aus den losen Bündeln gelockert und ist drinnen geblieben und wird zum Verräter. „Ich mache dir einen Vorschlag", unterbrach er den schwatzenden Gast. „Ich lade oich zu einem solennen Katerfrühstück ein. Aber nur unter der Bedingung, daß du dich wäschest. Ich muß auch noch eine Karte schreiben." „Dos hättest du auch gleich sagen können", meinte Fährmann vorwurfsvoll, aber endlich ging er. n»r- gnügt den neuesten Schlager vor sich hin pfeifend. Grotteck wartete ab, bis er bia Jür drüben zuschlagen horte. Dann durchstobe.-^"'^ das Bett, alles betastend und durchforschend- Es wilr. nichts zurückgeblieben. Neugierig nahm er das Papier vor, das er vo^ hin zu sich gesteckt hatte. Es war bedruckt, aus einer russischen Zeitung sauber viereckig ausgeschnitten. Der Räuber mußte es in der Eile mitsamt den Geldscheinen mitgenommen haben. Denn einen Wett hatte es wohl kaum. Haste es einen Zusammenhang mit dem Geld? Er verstand kein Ruisisch, obwohl Gratthsulen Nicht weit von der russischen Grenze lag. Offenbar war das Papier aus einem Zeitungsartikel mitten herausgeschnitten, da keine lleberschrift da war, ein kurzer Absatz, dessen Inhalt irgendwen interessiert hatte. Ein Wort war sauber mit Rotstift unterstrichen: „Slowo" entzifferte er. Aber damit war nicht viel anzufangen. e Unruhig betrachtete er den Fund. Als er die Rückseite, die offenbar Reklamenotizen enthielt, prüfte, entdeckte er halboerwischte Spuren von einem Stempelabdruck. Er hielt das Blatt gegen den Spiegel und las: „Broder Hier hatte die Schere den Rand und damit die Fortsetzung des Worts abgeschnitten. Sollte der Zettel auf einem frisch gestempelten „Brodersen" gelegen haben? Oder war es nur ein Zufall? Gedankenvoll verwahrte er das Papier in der Brieftasche. (Fortsetzung folgt.) Hühneraugen- ik Vertilger Tots/c/zer“! rmrtfamiteS Radtkalmttiel! 65l2D I Sreu» Drogerie Babnbofstraße 51. Kartofseltteserüng. Die Lieferung von etwa 1000 ein- kaufend — Zentner Speifekarkofseln — ..Industrie^ — soll im Wege des unbeschränkten Wettbewerbs vergeben werden. Die Anlieferung muh im Oktober 1928 erfolgen. 8573V Die Bedingungen liegen während der Dimststunden aus der Kanzlei zur Einsicht offen, sie können auch abschriftlich zum Preise von 8Q Pf. bezogen werden. Für das Angebot ist die Benutzung eines besonderen Formulars vorgeschrie- ben, das zum Stückpreis von 10 Pf. auf der Kanzlei erhältlich ist. Angebote mit der Aufschrift „Kartoffel- (ieferung" sind verschlossen bis spätestens zum Eroffnungstrrmin am 10. Oktober 1928, vormittags 11 llhr hier einzuroichen. Es können auch Teil- Neuerungen, jedoch nicht unter 56 Zentner. srfölZen. Hufchlagsfrist eine Woche. Mqrienschkotz, den 19. September 1928. Die Direktion des gestischen Landeszuchthauses. Am Nachmittag sprach Professor Keller- ,scheu Landeskirche und ihren Ge- Friedberg über das Thema: „Warum hat die erwarten?" Sein Referat brachte Evangelische Kirche so spät mit ihrer sozialen igen: 1. Die Kirche sei die Zuflucht Arbeit begonnen?". Der Redner schilderte den Kapitalismus. Turnen, Sport und Spiel Speer: mit 3EB0*S WemeMeiitW ItMimgl tiE! Achlung! ^IlNNSlsxllkll Der arobe GeleaenheitSkauf in Der grobe GeleaenhettSkauf in 06977 sucht Ätitazfltl.-UBi! 11.50 A. Holterhofi, Söhne in allen modernen warben, grobe Auswahl JÜ SwWMWMMen VuÜkllUsllS kl» h»„ Sn. fSHrthf Hnv«»Urli>h<>n finh W' Gründlichen Unterricht im Fein« u. Glanz. bügeln erteilt: wnianE Iwem/eur-Schule aäLÄS'ÄilWt eene •h Nebltngsstttndett ber Geräteiuvner. An der Hebungsstunde der Geväbeturner in Launsbach nahm «in« stattliche Zahl Oberstufen- turn-er teil. Durchgcttirut wurden die Hebungen zum Kreismeisterschaftsturnen. Allgemein wurde die Ansicht geäußert, das) die Hebungen zu viele Schwierigkeiten im Aufbau aufweisen. 6m noch stattfindendes Ausscheidungsturnen wird die sechs Besten des Bezirks ermitteln, die dann am Kreismeisterschaftscurnen teilnehmen. Es wurden weiter m>ch die sieben Teilnehmer zum Geräte- Wettkampf des 3. und 6. Bezirks bestimmt. Thema: „Welcher besondere soziale Dienst ist yyn der hessischen Landeskirche und ihren Gemeinden zu i... *' drei Forderungen: 1. Dre Kirche fei bi« Zuflucht her Gerechtigkeit. 2. loyale Mitarbeit oct allen anderen sozialen Organisationen, 3, die Kirche muh ihre Piomerstellung behalten, immer die Qlot da suchen, wo sie von niemand gesehen und in Angriff genommen wird." Hod.5chlafzEf-Ampel mitSeide zugespannt Frau M. dalser Me. Landgraf'Pbtlivv Platz 6 H. yernr. 1372. Anmeldungen jederzeit erbeten. Träger Stuhlgang beeinträchtigt Gesundheit und Wohlbefinden und. verursacht häufig lästige Beschwerden wie Beklemmungen, Blähungen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und nervöse Depressionen. Deshalb gebrauche man rechtzeitig die von den Aerzten wegen ihrer stets gleichmäßig und zuverlässig abführenden Wirkung hochgeschätztenApothekerAichard Brandt's Schweizerpillen. Erhältlich zu einer Mark und fünfzig Pfennigen die Schachtes 4115V Nm freundliche Bestellung bittet Gdgav Bovvmann Eilenhandlung Telephon 165. Entwicklungsgang der kirchlich-sozialen Betätigung in tiefschürfendem Ausführungen und erhob zum Schluß die Forderung nach kirchlichem Eingriff zur Beseitigung der Mißstände des übersteigerten Alsfeld i—Aauheim I 0:2. Raunheim hatte die Reise nach Alsfeld unter- uommen. Beiderseits wurden gute Chancen her- ausgearbeitet. Alsfeld gelang es, in Führung zu gehen. Halbzeit 1:0. Aach Seitenwechsel dasselbe Spiel. Bereits In der 15. Minute erzielte Alsfeld sein zweites Tor. Bei Schluß mutzte sich Raunheim einwandfrei 2:0 geschlagen bekennen. Heuchelheim I—Marburg ! 5:1. Marburg erschien in Heuchelheim in etwas bunter Aufstellung. Heuchelheim lieferte ein bef- serös, aber überlautes Spiel. Bis Halbzelt konnten sie vier Tore erzielen. Rach Seitenwechsel kam auch OLarburg durch Umstellung besser auf unb lieferte jetzt den Einheimischen ein gleichwertiges Spiel. Roch einmal konnte Heuchelheim erfolgreich sein unb auch Marburg durch ein Selbsttor zum Ehrentor verhelfen. Wetzlar l—Lollar I 0:4. Lollar war nach Wetzlar gefahren. Wetzlar fiel nach der kurzen Erholung wieder in seine alten Schwächen zurück: auch bei diesem Spiel. Lollar dominierte während des ganzen Spieles und konnte bis Schluß obiges Resultat erzlebm. Kinzenbach!—Raunheim ll 2:1. Raunheim II war in Kinzenbach zu Gast. Während die Einheimischen mit Ersatz antraten, betrat Raunheim nur mit neun Mann das Spielfeld. Kinzenbach gelang es, zweimal einzusenden, dem Raunheim sein Ehrentor entgegensetzen konnte. Oppenrod I—Burkhardsfelden I 10:0. Rlemand hatte erwartet, daß dieses Spiel so ausgehen würde. Oppenrod war den Gasten stark überlegen. Alsfeld II —Daubrlngm I 1:4. Doubriugen holte sich in Alsfeld, wie erwartet, zwei wertvolle Punkt«. Großen-Linden I—Hachborn l 4:0. 3n Grotzen-Linden trafen sich beide Mannschaften. Grotzrn-Lindon war etwas überlegen, fo-nnte jedoch bei der zahlreichen Verteidigung der Gäste nichts erreichen. Gin Elfmeter gab ihnen die Führung. Rach Seitenwechsel'wurden di« Einheimischen mehr und mehr überlegen und konnten dies auch in weiteren drei Toren aus» drücken. 3. Stang 5,16 Meter. — Stabhoch: 1. Steines 3 Meter, 2. Schmidt, 3. Stang. Steines erreichte auf seinem Spezialgebiet trotz der Hindernisse eine beachtliche Höhe. Jugend (Jahrgang 10/11). 1 00Meter: 1. Kirchheimer 13 Set., 2. Croon 13,1 Sek., 3. Heil. Kirchheimer lief ein gutes Rennen und dürfte in den Kurzstrecken noch Zukunft haben. — 200 Meter: 1. Kirchheimer, 2. Croon, 3. Rübsamen. Auch hier gewann Kirchheimer durch seinen kraftvollen Laus. — Hochsprung: 1. Croon 1,41 Meter, 2- Rühsamen. Von dem Zugendlichen Croon eine beachtenswerte Leistung. — Wettsprung: 1. Croon 4,77 Meter, 2. Kirchheimer 4,46 Meter, 3. Heil. — Kugelstoßen: 1. Croon. — Speer: 1. Croon. Der vielseitig veranlagte Croon dürfte hei fleißigem Wintertraining in der nächsten Saison noch von sich reben machen. — 1500 Meter: 1. Rüb- die von der Stadt vorgeschrieben find. Für Haushaltungen 93 Liter 7.50 Mk. Für Horels, Behörden. Kliniken ufro. a v 60 Liter 10 Mark Tlfaa beanspruchen. Handball in Treis. Zum Verbandsspiel der Jugendklasse trafen sich am Sonntag in Treis die Zugendmannschaft der Tgmde. Friedberg und die des Turnvereins Treis a. d. Lda. Die körperlich stark überlegene Mannschaft der Tgmde. Friedberg konnte das Spiel mit 7:0 gewinnen. (Halbzeit 3:0.) Friedberg leistete ein sehr gutes technisches Spiel, halte jedÄh auch große Schwierigkeiten durch die sehr fleißige und flinke Treiser Mannschaft. Handball T.-B. 1899 Großen-Buseck. In. GroßenBufeck komb. — To. Herbora I 7:3 (2:0). Eine Mannschaft aus sechs Aktiven und fünf Jugendlichen konnte nach starker Feldüberlegenheit dieses Resultat erzielen. Bei dem tieferliegenden Tor gingen den Großen-Buseckern ungezählte Bälle knapp über die Pfosten, wogegen S)erborn nur wenige Male gefährlich vor dem feindlichen Tor werden konnte. A.f.B. Leichtathletik. Die am Sonntag von der Leichtathletikabteilung veranstalteten Dereins-Meisterschafts- Wettkampfe standen im Zeichen denkbar ungünstiger Witterung. Wenn trotz der gänzlich aufgeweichten Kampfbahnen verhältnismäßig gute Resultate erzielt wurden, so stellt dies dem Können der Athleten das beste Zeugnis aus. Die Konkurrenzen gingen wie folgt aus: Aktive. 100 Meter: 1. Schmidt 12,4 Sek., 2. Steines 12,5, 3. Stang Brustbreite zurück. — 200 Meter: 1. Schmidt 25 Sek., 2. Stang, 3. Müller. Aufgeweichte Bahn, Regen und starker Gegenwind ließen in diesen beiden Läufen feine bessere Zeiten zu. — 1500 Meter: 1. Müller 4,58 Mm., 2. Schmidt 40 Meter zurück, 3. Monkel 1 Meter zurück. Müller in guter Form. — 3000 Meter: 1.Müller 10,42 Min., 2. Wankel, 3. Rübsamen. Aub hier ging Müller in der letzten Runde bem sonst gleichwertigen Felde davon und erreichte eine feine Zeit. — Kugel: 1. Wohl 11,47 Meter, 2. Steines 10,24 Meter, 3. Fett 9,11 Meter. — Sps«r: 1, Wohl 32 Meier, 2. Lachmann, 3. Fischer. — Diskus: 1. Mohl 29,83 Meter, 2. Berg 25,85 Meter, 3. Steines 25 Meter. Diese drei Konkurrenzen litten besonders stark unter den Witterungsverhältnissen und ihren Folgeerscheinungen. — Hochsprung: 1. Steines 1,55 Meter, 2. Fett 1,55 Meter, 3. Mohl 1,35 Meter. Das Los entschied für Steines, der sich sowohl, wie Fett, in prächtiger Form zeigte. — Weitsprung: 1. Steines 5,53 Meter, 2. Schmidt 5,37 Meter, kaum zu schlagen sein. Schüler (Jahrgang 18 und jünger). 50 Meter: 1. Heinz Fischer 7,4, 2. Dunkel. Der kleinste Fischer läuft «inen bewundernswerten Stil. Auch sein Gegner war nicht minder gut. — Speer: 1. Dunkel, 2. H. Fischer. — W« itsprung aus dem.Stand: 1. H. Fischer, 2. Dunkel. Der Eifer, den die beiden kleinsten D. f.B.er an den Tag legten, war vorbildlich. Alles in allem darf die Leichtathletitabteilung und ihr Trainer Fischer mit der Abschlußveranstaltung ihrer ersten Saison zufrieden sein. B. f. B.-Irchball. Liga—Herborn Liga 6 : 0 Ligoreserve—Herbon Ligarcserve 6 : 2 Dritte—Gr. Duseck II. 9 : 1. Der erste Sonntag der diesjährigen Verbandsspielserie erbrachte für V. f. D. einen vollen Erfolg, da in allen drei Spielen die V. f. B.- Mannschasten Sieg und Punkte, zum Teil mit recht hohen Resultaten, an sich bringen konnten. Im Ligatresfen sah man ein lahmes Spiel zweier sehr ungleichstarker Gegner, das jeglichen Kampfcharakters entbehrte. Herborn war unerwartet schwach und nicht imstande, sich auch nur Jür kurze Zeit durchzusetzen, um als ernst- zunehmender Gegner angesprochen werden zu können. Während die Elf sich bis zur Halbzeit noch einigermaßen zu wehren verstand, klappte sie nach der Pause fast ganz zusammen und brachte keine einheitliche Aktion mehr zustande. | Die V. f. B.-Manuschaft enttäuschte insofern, als sie nie recht aus sich herausging und sich eine gewisse Reserve auserlegte. Wohl kombinierte sie zeitweise recht schön zusammen, ihrem Spiel fehlte aber jeglicher Schwung und Kampfgeist. Mit all diesem versöhnte jedoch wieder die Ruhe und sportliche Anständigkeit, mit der beide Mannschaften das Treffen von Anfang bis Ende durchführten. Der Verlauf des Treffens der Ligareservemannschaften war bedeutend abwechslungsreicher. Herborn imponierte anfangs durch seine Schnelligkeit und Wucht, gegen di« Gießen vorerst nicht aufkam und bald mit 0 : 2 im Hintertreffen lag. Erst dann sand sich die V. s. B-°Elf besser zusammen und zeigte ein ganz prächtiges Kombinationsspiel, dem die Gäste, die sich in der ersten Hälfte zu stark verausgabt hatten, nichts mehr entgegensetzen konnten. Die dritte Mannschast erzielte in ihrem Verbandsspiel gegen Gr. -Dusecks Zweite das höchste Resultat des Tages. Trotz eifriger Gegenwehr der Gäste, gelang es der D. f. B.° Elf mit 9 : 1 zu siegen. Sie fand sich dank ihrer besseren Technik und größeren Spielersah.ung mit Handball rrn Männer-Turnverein. Mit einem überragenden Siege kehrte die erste Jugend mann schäft von Butzbach zurück. Gelang es ihr doch, mit einem Torverhältnis von 12:0 über die Butzbacher Jugend Sieger zu bleiben. Die zweite Mannschaft verlor erwartungsgemäß gegen die erste von Friedberg mit 4:1. Ohi«- Has Verdienst der smedbergec zu schmckleim, must gefaxt werden, daß die Mamr- schäft zwar verdient gewonnen hat. aber nur Sieger bleiben konnte durch einige Schmtzer der Verteidigung und durch daS latente Benehmen des Mittelläufers. Der Ausbau des Spieles b»i den Männerlurnern war nicht dazu angetan, irgendeinen Erfolg herauszuschälen. Don denk mit großer Spannung erwarteten Zusammentreffen der beiden Gießener Mannschaften, Tv. 1 846 und M t v., ist der ruhige und vornehme Verlaus des Spieles rühm» sich zu erwähnen. Schade war es, daß die Mannschaft des Männerturiwereins infolge des Fernbleibens eines Spielers fast die ganze erste Halbzeit nur mit zcHn Mann spielen mußte und auch für den sonst sehr guten rechten Läufer, der bei einem Echulspiel eine stärkere Verletzung dgpvn- trug, einen Ersatzmann einstellen mußte. Die Mannschast des Tv. 1846 schwang sich besonders in der zweiten Halbzeit zu einer ganz beachtlichen Leistung auf. Man konnte sich das Eindruckes nicht erwehren, als ob die Männerturner das SAel von Anfang an zu leicht genommen hätten. Stremmel und Rothärmel im Sturm waren, wie immer, geschickt im Zusammenspiel, gut im Tore- werfen und dürsten wohl das Hauptveldimst an dem 2: 3-Siege für die Mw.-Mannschaft für sich dem aufgeweichten Boden leichter ab und schnürte den Gegner längere Zeit in seine Hälfte ein. Das Resultat entspricht dein Spielverlauf. Das Verbandsspiel der vierten Mannschaft gegen die Zweite Da ub ringe ns fiel infolge Verlegung auf einen späteren Termin aus. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Wegen schlechten Wetters konnten am Sonntag eine Reihe der geplanten Spiele nicht ftattfinoen. Lediglich die dri t te Seniorenmannschast trug aus dem Sportplatz an der Liebigs- höhe ihr erstes Verbandsspiel in dieser Saison aus und konnte es mit 3:0 Toren (Halbzeit 1:0) siegreich gestalten, somit die beiden Punkte in Gießen behalten. Die 2. Elf der „Teutonia" L a u b a ch gab den Gegner ab. Das Spiel wurde von Anfang an unter der guten Leitung des Schiedsrichters Mandler (Grohen-Buseck) fair durchgeführt. Es glich eher einem Freundschafts' treffen. Die 1900er waren weit mehr überlegen, als es das Resultat zum Ausdruck bringt. Das Eckballverhältnis war 15:3 für Gießen. Kußball in Grohen-Buseck. Das erste Verbandsspiel in der .X-Klasse gegen den Fußballklub Grünberg gewann der F. C. 1926Großen-Buskckam Sonntag auf eignem Gelände mit 7:0 Toren. Das Spiel war recht lebhaft, in einzelnen Teilen wurden gute Leistungen gezeigt. Stand bis zur Halbzeit 2:0 für den Platzverein. Das Spiel war fair und verlief im allgemeinen ruhig. Bücher (V.f. B.) Schiedsrichter. Die Kleinsten trennten sich 3:3 im Spiel gegen die Schüler des Sportvereins Wetzlar auf dem Platze an der Nauborner Straße. H. f. X Lich. Die erste Mannschaft weilte am Sonntag in Rieder-Weisel und konnte von dort die ersten Punkte mit nach Hause bringen. Trotz lieber« legeuheit konnte die Mannschaft nur 3 Tore erzielen; Halbzeit l;0. Arbeit^-Turn- und GAvriHund. Jsc nbarg I—Gießen I 5:1. Gießens I. Mannschaft (Kreisklasse) hatte Ersah die Reise nach Rew-Jsenburg unternom- men. Auch Qsenbuxg trat in veränderter Aufstellung an. Isenburg gelang es bis Halbzett, zwei Lore vorzulegen. Rach Seitenwechsel bekam Isenburg einen Elfmeter zugesprochen, der verwandelt wurde. Gießen war durch diese Entscheidung sichtlich deprimiert; hierdurch ange- souerk, kam Isenburg mehr in Form und erzielte noch zwei Tore. Durch ein Selbsttor kamen die Gäste zum Ehrentor. samen. Jugend (Jahrgang 12/31). 1. Kirchheimer. — Kugel: Rübsamen, 2. Kirchheimer, 3. Heil. Schüler (Jahrgang 14/15). 50 Meter: 1. Stroh 6,8 Sek., 2. Happ 7,4, 3. Paulus 8. Stroh siegte in vorbildlich gutem Stil in einer ganz hervorragenden Zeit. — Weitsprung aus dem Stand: 1. Stroh 2,43 Meter, 2. Happ 2,25 Me er, 3. Paulus 1,88 Meter. — Speer: 1. Simon, 2. Paulus, 3. Happ. Schüler (Jahrgang 16/17). 50 Meter: 1. Happ 7,4. — Speer: 1. Happ. — Weitsprung: 1. Happ. Der klein«, talentierte Happ sichert« sich in der Konkurrenz seines Jahrganges die drei ersten Plätze; er dürfte in seiner Klasse Buntes Allerlei. Die Betrügereien mit Kriegsanleihealtbesitz. Gegenüber den in der Oeffentlichkeit in der letzten Zeit wiederholt aufgetretenen Gerüchten, das Reich lei in großem Umfang um Hunderte von Millionen bei der Anmeldung von Anleihealtbesitz direkt ge - schädigt worden, wird amtlich u. a. folgendes festgestellt: Zum Umtausch im Anleihcablösungsver- fahren kamen Markanleihen des Reiches im Gesamtbeträge von nahezu 55 Milliarden Mark in Betracht. Als Altbesitz find hiervon rund 39,5 Mil- lwrden anerkannt worden, so daß Auslosungsrechte von nicht ganz einer Milliarde Reichsmark gewährt worden sind, eine Summe, die sich auf etwa 4,5 Millionen Gläubiger verteilt. Bei dem Reichskommissar für die Ablösung der Rcichsanleihen alten Besitzes sind von den Altbesitzanmeldungen im Inland etwa sieben Prozent, im Ausland etwa zehn Prozent der Anträge a b g e 1 e h n t worden. Unter diesen abge- lehnten Anträgen befinden sich auch diejenigen, bei denen S t i n n e s, Kuhnert, Bela Groß, Ealrnon, Rothrnann, von Waldow usw. beteiligt sind und bezüglich deren das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter bei dem Landgericht I Berlin geführt wird. Roch den bisherigen Ermittelungen ist also dem Reich in diesem Falle fein Schaden entstanden. Es stehen vielmehr vorläufig nur Fälle versuchten, nicht vollendeten Betruges zur Untersuchung. In einigen mit der obigen Betrugssache nicht in Zusammenhang stehenden Fällen, bei denen Auslosungsrechte im Gesamtbeträge von 128 000 Mark bereits gewährt waren, ist festgestellt worden, daß die Zuerkennung der Auslosungsrechte z n Unrecht erfolgt ist. Die Auslosungsrechte sind zurückgefordert und bereits zu einem großen Teil, z. B. in einem Falle im Betrage von 55 975 Mark dem Reich zurück gegeben worden. Opfer des amerikanischen Son .iagsverkehrs. Der Reuhorker Morgenblätter heben die ungewöhnlich große Anzahl der Todesfälle hervor, die auf Automobilunfalle zurückzusichren sind. Diese sind in Amerika Sonntags stets sehe zahlreich. Sonntag wurden in der Umgebung Reuyorks durch Automobisimfalle über 10 Personen getötet und mehrere schwer verletzt. Sämtlich« Unfälle ereigneten sich bei Versuchen, Bahngeleise zu kreuzen, wobei die Automobile von herannaheudrn Eisenbahnzügrn erfaßt wurden. In Long Island wurden gestern fünf Personen getötet und vier verletzt, die alle, mit einer einzigen Ausnahme, noch nicht 20 Jahre alt waren. In Bristol • (Pennsylvania) wurden durch einen Reuhorker Schnellzug Jed>6 junge Leute getötet, der ihr Auto vollständig zertrümmerte. In der Umgebung von Philadelphia kämen 13 Personen in ähnlicher Weise nmS Leben. Rundfunkprsgramm. Freitag, 5. Oktober. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Schallplat- ten-Konzert, volkstümliche Orchesterwerke. 1505 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 17,35: Hausfrauen- Rachmittag: „Heber Ofenheizung", Dortrag von Paula Friedrich, Darmstadt. 17,35 bis 18,05: Don (Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30; Lesestunde. 18,30 bis 19: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs. 19 bis 19,30: Don Kassel: „Mit Wenig Kohlen ein warmes Zimmer", eine wärmetechnische Plauderei von Herrnann Moeller, erster Teil. 19,30 bis 19,50: Zwanzig Minuten Fortschritte tn Wissenschaft und Technik. 20: Don der Stuttgarter Lieder- halle: Konzert Erika Morini. Anschließend: Don Kassel: Spätkonzert: Rachklänge von Ossian. Für 1005Rm. ab Köln (einschließlich Bahn, Dampfer,Hotels und Verpflegung) können Sie eine vierwöchige Vergnügungsreise nach AMERIKA und zurück machen mit gleichzeitiger Besichtigung von London und Paris WHITE STAR LINIE Beta. 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Gießen, den 28. September 1928. Verwaltung der Veterinärkliniken und Institute. ’od.Speisez-Beleuchrung BeleaWslaisAlmann Bismarckstraße - Ecke Ludwigstrafie ui!...........................■■■■■ n~ Vi GIESSENER FERIENKURSE Gießenden 3. Off ober 1928 06994 Gießen Steinstrafee 56, 58, 60 Asterweg 47 Haltestelle der elektr. Straßenbahn Astervveg (grüne Linie) Hans Kögel und Frau 652D Gießen, den 2. Okiober 1928 0698 8629a Wleseck, den 1. Oktober 1928 zum Kurse von 6. Verschiedenes. 8728D Um zahlreichen Besuch bittet derVorltand jeden 5a Wiesbaden, im September 1928. lireklion derliassauisclien Lanfebank Dr, Lammers. Hartmann. 6707c 8384D Gestern wurde uns ein gesunder Zunge geboren Uj3D Elga, Brink Henry Edwards Vivian tiibson Gnntav Fröhlich Bruno Kastner Margit Manstad Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und nreiswerf die Brül.l’sche Univ.-Druckerei. R. Lane« Schlafzimmer Speisezimmer Einzel-Möbel Polstermöbel Gen'chisaffeffor Dr. Ed. 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Beginn der Versteigerung um 11 11 br vormittags Gemeinden und Zuchtgenossenschasien sind am” Ankauf «ungeladen Giessen. den 29. Se uember 192S cavSwtMÄcsiskßm-tter-Ailssüllib f. 9öer heilen Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 FF! LPLO^CHF für Mäntei und Besätze g REBklAßh Plock- »1 WSÄ WSF A S ÄfflBI in erlesener » uswahl erstaunlich billig H^ggg K# Rn 0 Stfa *16 Dienstag, 9. Oktober. 8V< Uhr abends, Im großen Ilörsnal der Universität abend Dr. Rolf Prasch „Die Leiden des jungen Werfhers“ von Goathe Eintrittskarten 1 Mk. an der Tageskasse des Theaters und bei Ernst Challier, Neuen weg 9. Telephon 671. Für Kursteilnehmer Eintritt fiel. Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Auf. merksamkeiten banken wir herzlichst Friedrich Herchen und Frau Luise geb. Oßwald Einladung an alle Hausfrauen Die kluge Hausfrau versäumt nicht, sich die praktischen Vorführungen von das Polierwunder, von Montag, 1., bis Samstag, 6. Oktober, in der Haus- und Küchengeräte!) andlung 3-B. Häuser am Oswaldsgarien anzusehen. - Sie werden über den „Laboi>fac* so entzückt sein, daß Sie ihn nicht mehr missen möchten. - Ole Vorführungen finden täglich von 10.30 bis 1 Uhr vormittags nnd von 3 bis 1 Uhr nachmittags statt. — Keine Hausfrau versäume, sich die praktischen Vorführungen anzusehen. 3674g Lab0v-fonate op. 10 Nr. 2 — Andante favori — läVariationen op. .35 — Sonate op. 5/ tAppassionatat 1' antasie op. /7 — Rondo a capriccio op. 1-9. Konzertüagel Seohstein aus dem Magazin Rob. Schönau. Seltersweg 91. Eintrittskarten Mk 1.50 bei Ernst Challier, Neuenweg 9, Telephon 671. Für Kursteilnehmer Eintritt frei ' CAFE AMEND Heute und morgen 2 außergewöhnliche Gastspiele des Meisters der heiteren Muse Wilhelm Meves abends 8‘/j Uhr. und unsere ttli-tammtteitoeli Zur KapitaLAnlage empfehlen wir unsere n H-fianiÄ Wr z Q«°/ zum Kurse von /0 Vorteile der Landesbank - Gold-Pfandbriefe und Gold-Kommunalanleihe. - Sic sind: 1. reidasmündelsicher 2. lombardfähig 3« Residiert: a) als Pfandbriefe durch Gold-Hypotheken und als Kommunal, anleihe durch Gold-Kommunal-Darlehen und zwar zu jeder Zeit in gleicher Höhe und von mindestens gleichem Zinsertrag. Diese Hypotheken bzw. Kommunaldarlehen hatten den Pfandbrief- gläubigem vorweg nach dem Gesetz über die Pfandbriefe und verwandten Schuldverschreibungen öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten vom 21.12.1927 (R.G.B1.1, S. 492), b) durch das gesamte Vermögen der Nassauischen Landesbank, deren Grundkapital am 15. Juni 1928 PK 5 000 000. — und offene Reserven RM. 1 000 000. - betrugen, c) durch die Garantie des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Wiesbaden, 4. seitens der Anstalt bis zum Jahre 1934, also länger als 5 Jahre unkündbar, 5. bei Fälligkeit mit 100% einzulösen — ohne Rücksicht auf den dann geltenden Börsenkurs — bieten also bei dem angebotenen Kurs gute Gewinnaussichten und schützen vor Kapitalverlusten. Die Gold-Pfandbriefe und Gold-Kommunalanleihen sind als sichere und leicht realisierbare Wertpapiere anerkannt und gesucht Sie sind in Stücken von 500, 1000, 2000 und 5000 GM. erhältlich, wodurch auch dem kleineren Sparer die Möglichkeit gegeben ist zur hochverzinslidien, sicheren Kapital-Anlage! Verkaufsstellen; Sämtliche Banken, Sparkassen, Kreditgenossenschaften und unsere Kassen. Hauptgeschäft: Wiesbaden. Hauptfiliale: Frankfurt a, M^ Rheinstraße 42-44. Zeil 127. Donnerstag und Freitag eintreffenb: Schellfische o. K. 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Don den drei Manteltypen, dem Vormittags-, dem Rachmittags- und dem Abendmantel hat sich der Lauf mantel, der gleichzeitig für alle sportlichen Gelegenhetten, für Autotouren und Wochenendfahrten getragen wird, am wenigsten gewandelt. Interessant sind da die neuen Stosse, bei denen die original englischen Gewebe eine außerordentliche Vielseitigkeit in Farbenstusammenstellung und Webart zeigen. Diagonal gemusterte Homespuns werden von mehr oder weniger kontrastierenden Karos durchzogen, schwarzgrundige, rauhsadige Stoffe von seinen weißlichen Spiralen, andere Arten bevorzugen das ganz unauffällige Genre und verweben Braun mit Beige und schmutzigweißen Tönen, und für die sehr Farpebegeisterten sind Stoffe gemustert, die ungefähr 50 verschiedene Ruancen zeigen. Man hat also bei aller Einsach- heit über Monotonie nicht zu klagen. Die Schnitt- form der sportlichen Mäntel blieb unverändert gerade, knapp, uird läßt den direkten Verschluß vermissen. Um die Hände frei zu haben, wird der Mantel durch den Gürtel zusammen gehalten, der in der Höhe der Taille sitzt und ziemlich breit geschnitten ist. Mit dieser breiten Gürtelform, die für dieses Jahr beinahe obligatorisch ist, werden sich kurztaillige „vollschlanke" Figuren noch extra auseinanderzusehen haben, gedacht ist er nur für schlanke Frauen. Ein wenig weicher im Eindruck ist der ebenfalls schlank gearbeitete Paletot, der eine größere Stoffutle hat, die ut nach innen gehende Quetschfalten gelegt und durch „Fliegen" gehalten wird. Sonst vermeidet man für diesen Manteltyp alles, was nicht ausgesprochen zweckmäßig ist. Von diesem Gesia)cs- punkt aus ist auch der Pelzkragen gewählt. Man entschließt sich mir selten zu den weichen, nicht sehr widerstandsfähigen Imitationen, fordern nimmt strapazfähige Edelfelle, die Rässe vertragen können. Die größere Ausgabe für den ech.en Pelz wird durch die längere Lebensdauer und das gute Aussehen reichlich ausgewogen. Als Favorit der nachmittäglichen Eleganz gilt der C ape mantel. Er ist bezaubernd, unbestreitbar. Rur, wieviele können ihn tragen, dürfen ihn klugerweise tragen I Aber man weiß Äon* jeffionen zu machen; einerseits dieser sehr mondänen Schnittform, andererseits der nicht ganz dafür prädestinierten Figur. Es gibt da sehr charmante Mäntel, die ein Eapeteilchen einseitig, größtenteils links, eingearbeitet haben, das wie em Flügel bis zur Taille hinunterfällt und andere, die schmalere Stosskeile in der Mitte des Rückens eingesetzt haben, die wie breite, flatternde Bänder wirken. Diese Arrangements können sich auch Frauen gestatten, die nicht durchaus schlank sind, vorausgesetzt, daß ihr ganzes Exterieur überhaupt auf aparte Schnittform gestimmt ist. Reben Schöpfungen dieser Art zeigt man eine andere Spezies, die große Beachtung findet: den schwarzen Phantasiemantel aus schwerer glänzender Seide, der warm gefüttert wird und den Mantel aus Zibeline und Velours anglais mit Pelzbesatz. Mit R a u ch w e r f scheint man dieses Jahr, abgesehen von den großen Kragen, etwas sparsamer umgehen zu wollen, wählt es aber von besserer Qualität. Das gibt diesen Mänteln aus dem an sich schon eleganten Material eine sehr vornehme Rote, die häufig den Pelzmantel überflüssig werden läßt, zumal man auch hier außerordentlich aparte Ideen in der Anordnung des Stofies und des Pelzes entwickelt. Weiches schmiegsames Material wird in Dust und Dame. Von Hanna Sitte-Hutter. Ein Tropfen genügt — das vergessen viele Frauen und schütten mehr als gut und nötig ist, in das Taschentuch, in den Revers des Jackett- oder Mantelkragens. Oder sie betupfen endlos mit dem Glasstöpsel des Flakons Dessous und Kleider, Haar und Arme; solbst die Strümpfe müssen gehorsam die duftende Essenz aufsaugen. Resultat: eine atembeklemmende Atmosphäre, abstoßend in ihrer Aufdringlichkeit, von dem ersehnten zarten Wohlgeruch keine Spur. Selbst wenn das Parfüm teuer ist (je teuerer, desto ausgiebiger ist es meist), genügt ein Atom, ist das Zuviel gefährlich. Das Parfümieren bietet mehr Klippen als man schlechthin für möglich hält. Erst wenn der Duft wirkt, empfindet man den Mißgriff. Besonders im Theater und Kino. Die Rachoarin in „einer Wolke von Parfüm", das auf unsere Geruchsnerven abstoßend wirkt, kann uns die schönste Arie nicht genießen lassen, kann uns im Kino an den Bildern jedes Vergnügen vergällen. Speziell die schweren mondänen Mode- paffüms sind ganz dazu angetan, das Parfüm unbeliebt zu machen. Sich parfümieren heißt — experimentieren, denn parfümieren, richtig parfümieren, ist eine Wissenschaft. Wie vielerlei gibt es da zu beobachten: Vor allem Studium des eigenen Typs. Zum „Gretchen" paßt kein „Ambre", zur mondänen rafjtgen Frau kein Veilchen- oder Maiglöckchenduft. Man ist ja längst davon abgekommen, die Parfüms simpel nach den Blumen zu benennen, deren Duft sie täuschend ausströmen sollen. Die Parfümindustrie, die immer vielseitiger und raffinierter im Erfinden von Gerüchen wird, macht Anleihen im Orient, kramt alte bewährte Rezepte aus und entlockt ihren „Retorten" wahrlich wundersame berauschende Düfte. Ein exotischer Rame besiegelt oft das Geheimnis des Duft- wasfers und verbürgt den Erfolg am Parsummarkte. 11 nb noch eines ist zu bedenken. Es gibt heute ausgesprochene Tages- und Abendparfüms. Das erstere herb und frisch, sogar an das typische Herrenparfüm (Juchten-, Spanisch-Leder usw.) erinnernd, letzteres weich wie die fließende grande toilette, süß und bezaubernd wie die Frau am Abend: loSgelöst vom Alltag, im Schmuck des großen Flächen weit verarbeitet, in der Weise, daß es die Linienführung der Toilette unterstreicht und ergänzt. So arbeitet man vielfach die eleganteren Mäntel mit der typischen verlängerten Seitenlinie, der einseitigen Raffung, auch verkürztem Vorderteil, das die Kleider zeigen. Eine Rolle spielen hier Raglan- und K i m o n o f o r m, eingearbeitete Passen, breite Sättel, aus gesteppte Rähte, Schweifungen jeder Art, die trotz aller scheinbaren Hnmottvierlheit doch einen gut auäba:ancierten ruhigen Stil Haren und erstklassige Sehneiderarbeit erfordern. Die Rückenpartie ist ein besonderes Kapitel der diesjährigen Mode. Man wendet ihrer Gestaltung dieselbe Aufmerksamkeit zu wie den Pelz- verbrämungen, und hat eine recht phantasievolle Art für beides gefunden. In erster Linie machen hoch hinausreichende, weichliegende Pelzkragen die Rücken interessant und die kleinen Eapes oder Capeteilchen, die Diesenpartien und Knopfarrangements. Der Kragen geht oben so hoch, daß er den Hutrand berührt und zeigt die runde Form, die das Gesicht weich bettet, ihm Kolorit geben soll. Große Sorgfalt wird auch auf den A e r m e l verwandt. Man sieht die Pelzmanschette als kleine Tonnen wrm, auch als weilfallende Glocke, sowie als hohe Stulpe, die fast bis zum Ellenbogen reicht, und am Unterarm beginnend schräg oder gezackt etwa 15 Zentimeter hlnaufführt. Wie weit man farblich abweichend, wie weit man es gänzlich übereinstimmend mit dem Stoff wählen soll, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Zweifellos ist der Pelz in Tonverbindung mit dem Mantel eine sehr vornehme Kombination; ob dabei der Teint zu seinem Recht kommt, ist eine andere Frage. Me HaMrüMikmOeiien md ihre Srmeidung Von Or. med. Edith von Lölhöffel. Der Hausfrauenberus ist wahrhaffig nicht ungesund. Gerade die Dreifältige stets wechselnde körperliche Arbeit, die auch im modernen Stadt- Haushalt trotz des Staubsaugers noch übrig bleibt, ist für den Frauenkörper ja viel gesünder als die fitzende Lebensweise der meisten anderen Frauenberufe. Die Hausarbeit braucht auch keine Kraftproben zu fordern, denen die Körperkraft der Frau nicht gewachsen ist. denn immer gleich- bleibende Armritssormen und Arbeitsnormen giät es hier nicht. Jede einzelne Hausfrau hat vollkommene Freiheit, die Qlrbeit selbständig nach ihrem eigenen körperlichen Zustande einzurichten. Hausarbeit ist auch keine täglich gleichlaufende Tretmühle, wie irgendeine unpersönliche Bureauoder Fabrikarbeit. Ihr Arbeitsrhythmus läßt sich dem Lebensrhythmus der Frau individuell an- gleichen. Und doch gibt es Krankheiten bei den Hausfrauen. die offenbar in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen. Sind sie wirkliche Berufskrankheiten oder kann man sie vielleicht durch die Erkenntnis falscher Arbeits- und Lebensweise ganz vermeiden? Das Hin* und Herlausen zwischen warmen Zimmern und kalten Fluren — auf dem Lande der Wechsel zwischen glühender Herdhitze und naßkaltem Keller — bringt leicht Erkältungskrankheiten und Rheumatismus. Deshalb sollte jede Hausfrau. die nicht richtig abgehärtet ist, lieber warme luftdurchlässige Unterwäsche tragen. Besser noch ist es aber, wenn sie gleich im nächsten Sommer versucht, ihre Haut durch Lust- und Sonnenbäder langsam an Temperaturschwankungen zu gewöhnen. Tägliche Abreibungen des ganzen Körpers zuerst mit warmem, später mit kaltem Wasser müssen ihr zur Gewohnheit werden, ebenso tüchtiges Rachfrottieren oder, Selbstmassage. Dann wird nicht nur die Haut frisch und straff, sondern der ganze Körper widerstandsfähig gegen Krankheit. Viele Krankheitsfälle sind auch auf Verletzungen bei der Arbeit zurückzuführen. Wieviel Brand-. Riß- und Schnittwunden gibt es im Haushalt! Die Hausfrau muh taffächlich immer für einen Unfall mit Verbandszeug gerüstet fein. Die modernen Schuhverbände kann man sich sogar schnell selbst machen. Das Auslutschen der Wunden ist verboten, ebenso das Entfernen von Splittern mit Sicherheits- oder Broschennadeln. Viel schneller und gefahrloser faßt man den Splitter mit einer feinen in Spiritus oder Kölnisch Wasser desinfizierten Pinzette. Jede größere Verletzung aber nmß in ärztliche Behandlung kommen. Wie steht es nun mit den typischen Frauenkrankheiten. die in der Hausarbeit so viel Beschwerden machen können. Darf man noch von gesunder Arbeit sprechen, wenn Krampfadern, Senkfuß. Hängeleib und Unterleibssenkung entstehen? Wenn abends der Rücken schmerzt und die geschwollenen Füße schwer w.e Blei sind? — Fast immer ist falsche Arbeitsweise daran schuld. Soviele Qlrb.i en. z. B. Abwaschen. Wäsche waschen. Plätten, kann man in einer seiner Körpergröße entsprechenden Höhe ausführen, ohne stundenlang gebückt stehen zu müfien. Viele Küchenarbeiten. ja sogar das Plätten, kann man im Sitzen erledigen. Man soll sich seine Arbeit immer so leicht machen, toie nur irgend möglich. Das ist keine Faulheit, sondern beste Sparsamkeit! Ueberanstrengung rächt sich immer. Mit schlaffen Bauchmuskeln und beginnender Senkung, ganz besonders vor und nach den Entbindungen, darf man eben nicht schwv heben oder sich aus- recken. Man Eann ja eine große Last auch in mehreren kleinen Teilen sorffchafsen und statt hoch hinaufzulangen, auf eine Fußbank steigen. Die großen Wäschekörbe müßten für Hausfrauen und Hausmädchen, die ihre Wäsche allein besorgen. eigentlich verboten werden, denn das Schleppen solcher schweren Last auf dem Leib ist selbst für den geschulten Körper eine recht ungesunde Arbeit, für schlaffe Muskeln aber geradezu gefährlich Aber wo sieht man einmal im Haushalt zwei Henkeltörbe für den Wäschetransport? Man kann Kraft sparen, wenn man den Wasser- eimcr durch einen Gummischlauch füllt, anstatt ihn zum Wasserhahn hochzuheben. Auch das Kohlentragen läßt sich in einer großen Wohnung durch einen kleinen fahrbaren Kohlenkasten zweckmäßig vermeiden. Und jede schwere Arbeit wird dem schwächlichen Körper durch gutsitzende Leibbinden erleichtert, besonders während der Schwangerschaft. i Man kann sich aber zu den körperlichen An- forberungen der Hausarbeit auch durch Hebung genau so in feiner Leistungskraft steigern wie beim Spork. Die Hausfrauen müssen nur ihren Körper wirklich beherrschen lernen, ihre Muskeln richtig gebrauchen und ein lebendiges Körpergefühl wiedergewinnen. Wer mit gespanntem Fußgewölbe und straffen Beinmuskeln geht und geht, bekommt weder Senkfuß noch Krampfadern. Aber per äußere Fußrand muh fest aufgesetzt und bei der Arbeit dürfen niemals schief getretene Sonntagsschuhe verbraucht werden. Das ist eine schlechte Sparsamkeit, die körperliche Schäden einbringt. Es gibt so viele schöne, kraftvolle Bewegungen in der täglichen Hausarbeit, die für den Körper im besten Sinne „Körperschule" fein könnten. Aber man muß nicht nur hauswirtschaftlich richtig. d. h. schnell und sauber, sondern auch gymnastisch richttg arbeiten. Man muh aus der Schulter heraus tragen beim Markteinkauf. Man muß seine Betten tüchtig mit Oberarmkraft durchschütteln, mit gespannten Beinmuskeln und federnden Gelenken seine vielfältigen Laufereien besorgen. Beim Bücken müssen die Kniegelenke, die bei älteren Frauen so leicht versteifen wirklich gebraucht werden. Die Hausfrau sollte mit ihren Kindern im Park lausen und springen und mit den Kleinen in der tiefen Hocke am Boden spielen. Das gibt prachtvolle Hebungen für die Bein- und Bauchmuskeln und hält den Körper geschmeidig und leistungsfähig. Denn ein ge- schulter Akensch kann sich ohne Gefahr hoch auf* strecken, kann von den Fußspitzen bis zu den Fingern die Streckung durch den Körper laufen lassen und hat seine Freude an dieser Hebung. Wieviel Gelegenheit gibt es dazu beim ©taub* wischen auf hohen Möbeln, beim Wäschehängen! Sicherlich werden viele Frauen eine Anleitung brauchen, um ihren Körper wieder in ihre Gewalt zu bekommen. Ließe sich nicht das Kaffeekränzchen in einen Turnzirkel umwandeln? Wir müssen es doch erreichen, daß her gesundeste und schönste Frauenberuf auch der Frau die Körperschönheit am vollkommensten erhalt. Die Hausfrau muß aber auch an die Schonung ihrer Rervenkraft denlen. Denn nirgends wirkt suh Rervofität so verhängnisvoll aus wie im eigenen Hause. Die Hausfrau kann eben ihre Verstimmung nicht mit dem Dureaustaub abschütteln oder in den Dienstschreibllch einschlle- ßen. Ihre gereizten har.en Wolle bieiben an ben Wänden hangen, die ih.e Welt umschließen und können sich immer wieder ins Gedächtnis einschleichen. Rur Ruhepausen in her Arbeit bewahren vor Rervofität. Eine halbe Stunde völlige Ruhe in entsprechender Rückenlage gibt wieder neue Arbeitskraft. Auch ein Hausfrauenurlaub einmal im Jahr wäre den überanstrengten Müttern zu wünschen. Rechte Kraft- und Zeiteinteilung sind die Grundpfeiler unserer Arbeit. Und nur eine gesunde, frische, lebenskräftige Hausfrau kann ihrer Familie wirklich ein Heim voll Glück und zukunftsfrohem Leben schaffen. Äss Schlafengehen des Kindes. Von Frau Or. Maria Zahr, Freiburg. Ost hört man Eltern sagen: „Unfer Kind will gar nicht recht schlafen. Es ist unruhig, schlaft schlecht ein und wacht des Rachts oft auf. Cs ist schon ganz nervös geworden." — Woher mag das temmen? Könnt ihr Eltern den Schlaf eurer Kinder günftig beeinflussen? Gewiß, — indem ihr alles fernhaltet, was störend auf den Schlaf des Kindes wirken kann, und alles tut. dem Kinde zu einem guten, ruhigen und gesunden Schlaf zu verhelfen. , Das gesunde Kind im Alter von 2 bis 10 Jahren braucht eine Rachtruhe von wenigstens 12 Stunden. Auch Rachmittags läßt man es vorteilhaft noch 1 bis 2 Stunden ruhen. Es ist aber durchaus nicht einerlei, in welche Zeit wir die Rachtruhe des Kindes legen. Erste Bedingung für schnelles Einschlafen und einen guten, gesunden Schlaf ist, daß man ein für allemal eine bestimmte Zeit innehäll, und zwar am besten von abends 7 bis morgens 7 Ahr. Ost sieht ■ man spät abends noch solche Heinen Geschöpfe übermüdet außer Bett, und die Mutter glaubt besonders wenn es ihr gerade so paßt, es sei gleichgültig, ob das Kind um 7 oder 9 Hhr zu Bett komme, wenn es dann entsprechend später aufstehe und so die nötige Stundenzahl Schlaf habe. Das ist eine ganz falsche Annahme. Richt nur die Schlaf zeit, sondern auch die Stunde des Schlafengehens muß mit absoluter Regelmäßigkeit cingebalten werden, wenn das Kind gut und ruhig schlafen soll. Leider gibt es soviele „Gründe", die uns immer wieder verleiten, unser Kind unpünktlich zu Bett zu bringen. Z. B.: Man ist gerade so nett mit Bekannten zusammen und mochte sich noch nicht trennen, obwohl das Kind schon längst fein Köpfchen müde in Mutters Schoß gelegt hat. Oder: Man möchte doch, daß der Vater, der den ganzen Tag nicht zu Haufe war, wenigstens Abendkleides in gehobener Stimmung, angeregt von heiterer Gesellschaft, Musik und Tanz. Ein Milieu, in welchem der zarte Duft eines zugestanden schweren Parfüms nicht fehlen darf. Richt zuletzt muß ein Unfug gegeißelt werden: das schnelle Parfümieren vor dem Weggehen. Wohl wechselt man je nach Stimmung und Jahweszeit ab und zu das Parfüm, etwa in drei oder vier Qllonaten. Im allgemeinen aber ist die Dame konservativ, was ihr Parfüm anbetrifft. Alle Kleider werden planmäßig gleichstark parfümiert, desgleichen die Wäsche. Bei Hellen, heillen Abendkleidern näht man in den Rocksaum ein Parfümsäckchrn, nicht größer als ein Geldstück ein. Das Parfüm ist dann bereits eingezogen, wenn die Dame das Kleid anzieht, richttg verteilt und fast — ein Stück der Frau selbst. Wie sie ihr Schatten begleitet, so begleitet sie stets der gleiche, kaum spürbare und doch angenehm empfundene unaufdringliche Duft. Viele, speziell Sport ausübende, und berufstätige Frauen haben einen goldenen akzeptablen Mittelweg geschaffen. Sie benutzen tagsüber nur Kölnisch-Wasser. das in verschiedenen Gerüchen (reines Kölnisch, Lavendel, Farnkraut, Chypre, Klee oder uralt Lavendel usw.) erhältlich ist. Dieses erfrischende Toilettewasser belebt, ist dezent und angenehm im Geruch und stellt sich durchschnittlich billiger als Parfüm, das erst am Abend ungeschmälert in seine Rechte tritt. Da allerdings ist es ein Attribut mehr zur Vervollkommnung der schönen, gepflegten Frau, wenn es, mit Vorsicht klug gewählt, sie in einen Hauch von Wohlgeruch hüllt, ein Sttmulans- mittel, das von den Herren der Schöpfung nicht unterschätzt werden darf: dezent wie die vornehme, zärtlich umschmeichelnd wie die liebenbe und berückend wie — viele Frauen. Das Haushaltsgeld. Von Henny pleimeö. Ich mochte gleich mit einer schlimmen Ketzerei beginnen. Ich halte nämlich das durch Tradition geheiligte Haushaltsgeld, das wöchentlich oder monatlich in b e st i m m t e r Summe an die Hausfrau vom Hausherrn ausgehändigte Wirtschaftsgeld für eine unzeitgemäße und un- wirtschaftliche Einrichtung. Vielleicht gibt diese Meinung hie und da Anlaß zu einer häuslichen Revolution. Darum soll sie nicht mißverstanden und — horribile dictu — als Frauen- rechte lei auf gefaxt werden. Aber was früher richtig war. ist beute vielfach falsch. And Hausfrauen, die nicht den Mut auf bringen, sich veränderten Verhältnissen anzupassen, werden die schwere Zeit schwer meistern. Das feste Wirtschaftsgeld paßte in eine Zeit, in der sich mit allgemeiner Wohlhabenheit eine öteHgfeit der Preise und der Dedürfniffe verband. Da konnte man nach bewährtem Schema bestimmte Summen von den Einnahmen für bestimmte Zwecke fest legen. Heute sind die Antell- sätze für die einzelnen Lebensbedürfnisse schwankend und durchweg höher im Verhältnis zu dem Einkommen als früher. Vor allem fordern Ernährung und Kleidung einen weitaus höheren Anteil am Einkommen als früher. Das fordert schärferes Rechnen, sorgsames Abwägen der notwendigen Ausgaben und Aus- nutzen aller Möglichkeiten zu prakttschem Einkäufen. Das wöchentliche Wirtschaftsgeld aber zwingt die Hausfrau, von der Hand in den Mund zu leben, kleinlich einzukaufen und viel Zeit zu verlausen. Es führt zu kurzsichtiger Wirtschaftsführung und zu der Hnmöglichkeit, rechtzeittg einen Ausgleich zu schaffen für in Aussicht stehende große Ausgaben: Familienfeste, Anschaffungen, Reparaturen, ober auch Lebensmittel in größeren Mengen einzukausen, einzulegen oder einzumachen. Rach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist der Hausrau die sogenannte Schlüsselgewalt ge- jeben und damit das Recht, die eigentlichen Ge- chäfte des Haushaltes selbständig für den Mann mit zu erledigen. Dieses Recht schließt nach dem Gesetz den Anspruch auf „angemessenes Wirtschaftsgeld" ein. Die Frau kann in einem Streitfälle über das Wirtschaftsgeld den Klageweg beschreiten, während der Mann nach dem Gesetz das Recht hat, von der Frau Auskunft über hie Verwendung des Wirtschaftsgeldes und Rechnungsablage zu verlangen. Wo aber schon ein Streit um diese Dinge eintritt, ober wo Haushaltsgeld und Dechnungsablage „gefordert" werden, ist ein Zustand eingetreten, der keineswegs dem Sinn der Ehe, der von ihr bedingten Lebensgemeinschaft entspricht. Die Hausfrau von heute, die zumeist vor der Ehe eigene Einnahmen zu verwalten hatte, will Lebenskameradin des Mannes sein, auch in den äußeren Dingen des Lebens. Daraus ergibt.sich ein ungeschriebenes Recht auf das Wissen um die Gesamteinnahmen und auf gemeinsame Ver- fügung über diese Einnahmen. Ist doch die Frau durch chre Arbeit, durch ihre Sorge für Rahrung. Kleidung und Wohnung, durch Geschicklichkeit und Sparsamkeit ebenso sehr werbendes Glied der Lebensgemeinschaft wie der Mann, vorausgesetzt natürlich, daß die Frau selbständig. erfahren, tüchtig und praktisch ist. Es soll ja auch Frauen geben, die deshalb das feste Haushaltsgeld ohne Buchführung schätzen, well es die Mog- ttchkeit gibt zu Ausgaben, von denen der Mann nichts wißen soll. Hm der Hausfrauenarbeit hie lange versagte Anerkennung als Beruf zu sichern, sind in der letzten Zeit vielfach Forderungen aufgetaucht, der Mann habe über das Wirtschaftsgeld hinaus seine Frau für die im Hau^alt geleistete Arbeit zu besolden. Dann könne 'sie als „Angestellte" Angestelltenrechte in Anspruch nehmen und bedürfe nicht der Einwilligung des Mannes für Anschaffungen, Vergnügen, Reisen im eigenen Interesse. Solche Lllfffassnng aber entspricht keineswegs dem Ideal, einer Lebensgemeinschaft auf Gedeih und Verderb, wie es auch die moderne Ehe sein soll. Die Frau als bezahlte Kraft ihres Mannes — das ist wahrlich keine Freiheit. Das ist Llbhängigkeit. die der Frauenwürde und der Bedeutung der Hausfrauenarbeit ebensowenig angemessen ist wie die Abfindung mit regelmäßigem Haushalts- und Garderobegeld. Die Ehe. wirtschaftlich betrachtet, sei, um ein Bild aus dem kaufmännischen Leben zu nehmen, etoie Firma, in der beide Teilhaber gleichbevech- tbgt zeichnen, mit dem gleichen Interesse am reibungslosen Aufstieg dieses Staates im Stieb* nen, wie es jedes Familie>lleben darstellt, mit dem gleichen Recht, über Erworbenes und Erspartes zu Rutz und Frommen der Gemeinschaft zu verfugen. Klingt das nach Fvauenrechtelei? — Gemewll ist's nicht so, vielmehr als ein Weg zu vertiefter und verantwortungsbewußter Auffassung der heute so schweren Hausfrauenarbeit, zu freudiger Bejahung aller damit verbundenen! Sorgen imb Mühen. abends noch etwas Freude an seinen Kleinen hat. Man Läßt dann die Kinder zu lange auf, der Vater spielt und tollt mit ihnen und die Kleinen, die längst im Bett sein sollten, werden vom Schlafe abgeholten und künstlich aufgekratzt. Hat dann der Vater genug, so sollen die Kinder möglichst schnell von der Bildfläche verschwinden. Meist geht es dabei nicht ohne Geschrei ab. Und zum Trost, und um sich Ruhe zu verschaffen, steckt die Mutter dem Kinde den so beliebten und weitverbreiteten sogenannten „Betthupfer" ins Mäulchen, ohne zu bedenken, wie schädlich diese Bonbons oder Schokoladeplähchen vor dem Schlafengehen für Zähne und Magen sind. — Einen anderen sehr betrüblichen, auf elterlichem Egoismus beruhenden Fehler beobachtete ich erst kürzlich wieder. Die betreffenden Eltern erzählten mir voll Stolz allerlei niedliche Tagesleistungen ihrer kleinen Tochter. Plötzlich verschwand der Vater, um gleich darauf mit dem ganz schlaftrunkenen Kind auf dem Arm zurückzukehren. Er hatte in törichter Eitelkeit, um das kleine „Weltwunder" dem Gaste zu präsentieren, das Kind seinem ruhigen Schlaf entrissen. -Und das Resultat war, daß Die Mutter stundenlang am Bett des schreienden Kindes sitzen muhte, um dieses mit allen erdenklichen Mitteln wieder zum Schlafen zu bringen. Hier möchte ich gleich an eine andere ilnfitte erinnern, die sehr stark verbreitet ist und den ruhigen Schlaf des Kindes manchmal gefährden kann: das abendliche M ä r ch e n e r z ä h l e n. Es gibt Mütter, die Abend für Abend am Beite ihres Lieblings sitzen und des Kindes Phantasie künstlich erregen durch Märchen und sogenannte Wiegenlieder. Wie soll das Kind den nötigen Schlaf finden, wenn das kleine Hirn sich noch durch den Wust solcher Märchenbilder durcharbeiten muh? Der Erfolg ist meist, daß der kleine Wicht, statt zu schlafen, immer munterer wird. Kommt aber endlich der Schlaf, so plagen unruhige Träume das Kind und schrecken es oft auf. Die Tageseindrücke auf das kindliche Gemüt sind so reich und mannigfach, daß die Stunde vor dem Schlafengehen frei sein muh von jeglichen Aufregungen auch körperlicher Qlvt.i Das Kind sollte vielmehr in dieser Zeit irgendeiner ruhigen, gleichgültigen Beschäftigung nachgehen. (Leichte Handarbeit, leichte Spiele.) Ist das Kind zu Bett gebracht, so soll cs im verdunkelten Zimmer ruhig sich selbst überlassen sein. Es wird unbedingt gleich einschlascn, wenn es weiß, daß sich niemand mehr mit ihm beschäftigt. Um dem Kinde einen ruhigen Schlaf zu sichern, gebe man ihm abends nur leichte Speisen, wie Eier. Breie Puddings und gekochtes Obst usw. und vermeide möglichst Zufuhr von größeren Mengen Flüssigkeit. Auch ist es für den guten Schlaf erforderlich, daß die Abendmahlzeit mindestens 3/4 Stunde vor dem zubettgchen eingenommen wird. Man überzeuge sich, bevor man das Kind zu Bett legt, ob seine Füßchen schön warm sind. Ein warmes Fußbad ist gegebenen Falles gut. Das 'Bett des Kindes Wärme man stets etwas an. Auch hat eine kühle Waschung des ganzen Körpers mit nachfolgendem Frottieren oft über- raschend gute Schlafwirkung. Riemals soll eine gewissenhafte Mutter vergessen, das Kind vor dem Schlafengehen auss Töpfchen zu setzen. Kunst und Wissenschaft. Die Tagung der Bibliophilen in Wien. Anläßlich des 30jährigen Bestehens der Gesellschaft der Bibliophilen in Weimar hatte diese in Gemeinschaft mit der Wiener Dibliophilen-Gesellfchast die diesjährige Tagung nach Wien einberufen. Die Teilnehmer^ der Tagung wurden vom Bürgermeister der Stadt Wien empfangen. Der Präsident der Weimarer Gesellschaft, Freiherr von Zobeltih, dankte für die freundliche Aufnahine. Am Sonntag fand die Hauptversainmlung der Gesellschaft im Festsaal der Präsidentschaftsianzlei statt. Der deutsche Gesandte, Graf L e r ch e n f e l d, wies in einer Ansprache auf die tiefe kulturelle Bedeutung der Bibliophilen hin. Rach Entgegennahme des Jahresberichtes wurde der Antrag, die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft von 1200 auf 1800 zu erhöhen, nach lebhafter Debatte abgelehnt. Am Montag empfing Dundes- präfident Dr. Hainisch die Teilnehmer der Sagung. Ein neues Institut für hirnsorschung. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften plant gemeinsam mit der Stadt Berlin die Errichtung eines Instituts für Hirnforschung und einen Ausbau der hierfür bereits besteh:ndrn Einrichtung. Das Institut soll den Aerztcn Gelegenhell zu wissenschaftlicher Arbeit geben und ihnen bei der Lösung besonders schwieriger Fragen der Diagnose und Therapie behilflich sein. Das Forschungsinstitut beschäftigt sich mit der Erforschung des feinen Aufbaus des Gehirns, besonders der Gehirnrinde beim Gesunden und Kranken. Das Institut steht unter der Leitung von Prof. Oskar Voigt. Oie Reichsbank Ende September. Wie der Ausweis der R e i ch s b a n k vom 2 9. September zeigt, hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 622,3 Millionen auf 2 784,9 Millionen Mark erhöht. Die Bestände an Wechseln und Schecks für sich allein stiegen um 541,3 Millionen auf 2 576,1 Millionen Merk, die Lombardbestände um 67,5 Millionen auf 101,6 Millionen Mark. An Reichsschahwechseln wurden 13,5 Millionen neu rediskontiert. Die Esfeltenbestände bleiben mit 93,8 Millionen Mark weiterhin annähernd unverändert. An Reichsbanknoten und Renten- b a n k s ch e i n e n zusammen find 759.5 Millionen Mark in den Verkehr abgeflofsen, und zwar hot der Umlauf an Reichsbanknoten um 730,1 Millionen auf 4 830,2 Millionen Mark, derjenige an Rentenbanlscheinen um 29,4 Millionen auf 570,3 Millionen Mark zugenommen. Demzufolge ist der Bestand der Reichsbank an Rentcnbmvscheinen auf 6,3 Millionen Mark gesunken. Die fremden Gelder zeigen mit 503,0 Millionen Mark eine Abnahme um 72,2 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen zeigen eine Zunahme auf 2 576,3 Millionen Mark; im einzelnen haben sich die Goldbestände auf 2 397,0 Millionen Mark erhöht und die Bestände an deckungsfähigen Devisen auf 179,4 Millionen Mark vermindert. Sie Deckung der Roten durch Gold allein betrug 49t6 Prozent gegen 57,0 Prozent in der Vorwoche, diejenige durch Gold urd deckungsfähige Devisen 53,3 Dozent gegen 61,6 Prozent. Llrisere Maschinenausfuhr nach Skandinavien. In Anbetracht der Tatsache, das; die Gestaltung des deutschen Außenhandels Symptome einer A b s ch w ä ch u n g der Aufnahmefähigkeit des Blnnenmarktes^ zeigr, muß sich das Hauptaugenmerk des deutfu-eu Kaufmanns auf die Forcierung der Ausfuhr, besonders dec hochentwickelten Fertigfabrikate, richten. In diesem Zusammenhang ist deshalb eine Veröffentlichung des Instituts für Konjunkturforschung über die Maschineneinfuhr der nordischen Länder von Interesse. Danach ist es Schweden und Finnland in den Rachkriegsjahren möglich gewesen, ihren industriellen Produttionsapparat weiter aus- zubauen, wahrend Rorwegen noch bis zum vergangenen Jahre unter einer langwierigen Depression zu leiden hatte. Diese verschiedenartige Entwicklung äußert sich auch in der Maschineneinfuhr der drei Länder. Sv betrug die norwegische Eins uh r von Maschinen und Apparaten 1926 nur wenig mehr als 1913 (35,7 Mill. Kr. -- 29,6 Mill. Goldkr. gegenüber 27,6 Mill. Kr. im Jahre 1913), davon im Jahre 1926 15,8 Mill. Kr. = 13,2 Mill. Goldkr. aus Deutschland. Die Maschineneinfuhr Schwedens dagegen stieg von 29,8 Mill. Kr. im Jahre 1913 auf 67,5 Mill. Kr. im Jahre 1926, davon im Jahre 1926 35 Mill. Kr. aus Deutschland. Die Maschineneinfuhr Finnlands nahm von 33,1 Mill. Mk. im Jahre 1913 auf 385,4 Mill. FMk. (= 50,8 Mill. Mk. Vorkriegswährung) zu, davon im Jahre 1926 175,6 Mill. FMk. 23,0 Mill. Mk. Vorkriegswöhrung) aus Deutschland. Rachdem neuerdings eine Besserung im norwegischen Wirtschaftsleben eingetreten ist, hat man Wohl auch hier mit einer Zunahme des Maschinenimports zu rechnen. Vor dem Kriege stand Deutschland als Hauptlieferant sür Maschinen in diesen Landern an der Spitze vor Großbritannien, den Vereinigten Staaten und — bei Rorwegen und Finnland — auch vor Schweden. Dieser Vorrang ist mit geringen Einbußen nach dem Kriege behauptet worbrn. Dagegen ist Großbritannien anteilsmäßig über aß stark zurückgetreten, in Schweden und Rorwegen zugunsten der Vereinigten Staaten, in Finnland zugunsten Schwedens, das hier sehr stark, aber auch in der Ausfuhr nach Rorwegen getoonnen hat. Schwedens Ausfuhrsteigerung ist eine Folge des kräftigen Aufstiegs brr schwedischen Maschinenindustrie, die vor allem Separatoren, elektrische Maschinen und Kugellager liefert. Auf dem norwegischen und finnischen Markt für Maschinen entwickelt sich Schweden immer stärker zu der bedeutendsten Konkurrenz Deutschlands. Wenn sich der deutsche Anteil auf dem norwegischen und finnischen Markt zu behaupten vermochte, so war dies bei der Zunahme der Gesamteinftchrzahlen nur durch eine entsprechende absolute Steigerung der deutschen Maschinenausfuhr möglich, wie dies auch aus der deutschen Statistik hervorgeht. Ihre Zahlen sind jedoch mit den Einfuhrzahlen der Aufnahmeländer nicht vergleichbar, da die deutsche Statistik nur die Maschinen in einer Summe umfaßt, während jene unter Maschinen auch Apparate und Geräte einbeziehen. Die deutsche Maschinenausfuhr nach Schweden stieg von 1925 bis 1927 gegen die Vorkriegszeit sehr stark; von 3 3 Mill. Mk. im Jahre 1913 über 15,9 Mill. Mk. im Jahre 1925, 19,7 Mill. Mk. im Jahre 1926, auf 21,4 Mill. Mk. im Jahre 1927. Dabei handelt es sich vor allem um Textil- nnd Werkzeugmaschinen, sowie deutsche Spezialitäten. Auch die deutsche Ausfuhr nach Finnland hat von 1925/27 um mehr als 100 Prozent zu- genommen; von 0,7 Mill. Mk. im Jahre 1913 über 5,0 Mill. Mk. im Jahre 1925, 8,8 im Jahre 1926, auf 11,7 Mitt. Mk. im Jahre 1927. Die Ausfuhr nach Rorwegen hat gegen 1913 und von 1925/27 erheblich langsamer zugenommen; von 3,7 Mitt. Mk. im Jahre 1913 über 8,3 Mill. Mart im Jahre 1925, 7,4 Mitt. Mk. im Jahre 1926 auf 9,2 Mill. Mk. im Jahre 1927. KonjnnkLm rückgang. Nach den Berichten der Preußischen Zndiistric- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertags ist ein Rück- gang der Konjunktur, wenngleich schwere Krisenerscheinungen im Berichtsmonat nicht fest- zustellen sind, noch deutlicher als bisher in Erscheinung getreten. Allerdings konnten sich die Auswirkungen der guten Ernte noch nicht wesentlich bemerkbar machen. Der Außenhandel, der im August nur mit 58 Millionen Mark passiv ist und somit die Handelsbilanz eine starke Besserung aufweist, zeigt im Rückgang der Rohstoffeinfuhr und in der an sich erfreulichen Zunahme der Ausfuhr, daß die Aufnahmefähigkeit des Binnenmarktes abgenommen hat. Die Arbeitslosenziffer ist, früher als sonst, saisonmähig bedingt, ober nur ganz gering gestiegen. Die Bausaison scheint sich bereits ihrem Ende zuzuneigen. Der Geldmarkt hat sich weiter verschlechtert. Verhältnismäßig günstig war auch im Berichtsmonat die Lage der chemischen Industrie und von Teilen der Nahrungsmittelindustrie. Während in der Kohlenwirtschaft keine wesentlichen Aenderungen eingetreten sind, gestaltete sich die Lage der Eisenindustrie weiter ungünstig. In der Textilindustrie ist die erwartete Herbstbelebung bisher nur in geringem Umfange eingetreten. / *WeiteredeutscheGoldkciufeinLon- d o n. Aus Südafrika traf im Laufe der Woche Gold im Werte von ungefähr 1 Million Pfund Sterling in London ein, das vom freien Markte aufgenommen wurde. Die Bank von England übernahm hiervon nichts. Die Hauptmenge ging nach Deutschland. Da die Bank von England gestern rund 2 Millionen Pfund Sterling Gold nach Deutschland verkauft hat, beträgt die jetzt nach Deutschland gehende Goldmenge annähernd 3 Millionen Pfund Sterling. * Glatte Unterbringung der R. W. E.- Aktien in N e u y o r k. Die gestern in Neuyork durch die National City Co. zur Zeichnung aufgelegten 80 000 amerikanischen Aktienzertifikate der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk A.-G. wurden sofort verkauft. Wie es heißt, sind die Aktien in den verschiedensten Teilen des Landes placiert worden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 3. Olt. Tendenz: uneinheitlich, überwiegend freundlicher. — Rachdem noch vorbörslich unter dem Eindruck deS flauen Schlusses der gestrigen Rcuyorker Börse eine gewisse Unsicherheit und eher Abgabeneigung bestanden hatte, wurde die Stimmung zu Beginn des offiziellen Verkehrs etwas freundlicher, da nach einigen Spezialwerten die Rachfrage anhielt. Außerdem b^ciedigte der Reichsbankausweis, der eine verhältnismäßig geringe Anspannung zum Quartals ultimo aufweist. Anderseits wurde der Bericht der Preußischen Han- delskammcrn, nachdem der Konjunkturrückgang im September deutlicher geworden ist, wenig beachtet. Die älmsatztätigke'll war im allgemeinen nicht bedeutend. Die Kursentwicklung blieb uneinheitlich. Mit einer merklichen Kurs- besserung traten wieder Karstadt hervor, die 5 Proz. gewannen, ferner Verein sür Chemische Industrie mit ebenfalls plus 5 Proz. Am Elektromarkt waren Siemens mit plus 3,5 Proz. ke.orzugc, waren Siemens mit plus 3,5 Proz. bevorzug'.. AEG. zogen 0,75 und Schuckert 1,25 Proz. an. Chade-Aktien dagegen 4,50 M. und Lahmeyer 1,25 Proz. schwächer. Am Chemiemarkt waren Farben knapp behauptet, während sich Scheideanstalt 1,5 Pro-, erholen konnten. Zcllstoffwerke eröffneten auf die Rachricht, daß auf eine Dividendenerhöhung bei Aschaffenburger Zellstots nicht zu rechnen sei, 0,5 bis 1,5 Proz. gedrückt. Am Markte der Autoaktien lagen Daimler ein und Kleber weitere 1,25 Proz. höher. RSÜ. knapp behauptet. Wayß & Freitag gaben 1,5 Prozent nach. Deutsche Linoleum waren weiter verlangt und 1,5 Proz. fester. Im übrigen hielten sich die Kursbesserungen und -vevluste bis 1 Prozent etwa die Waage. Deutsche Anleihen still. Am ausländischen Rentenmarkt waren Türken weiter befestigt. Anatolier auf öiA bevorstehenden neuen Verhandlungen steigend. Im Verlause schrumpfte das Geschäft stark zusammen. Für Spezialwerte erhielt sich Rachfrage. So konnten' Deutsche Linoleum weitere 3,5 Prozent und Karstadt 1 Prozent anziehen. Lebhafteres Interesse machte sich auch für Dana!bank beincrtbar, die 2,5 Prozent gewannen. 'Ser Geldmarkt war etwas leichter. Tägliches Geld 6,5 Prozent. Devisen zogen weiter an. Spanien blieb an geboten und schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1986. gegen Pfund, 20,254, London-Kabel 4,8490, Paris 124,02, Mailand 92,73, Madrid 29,78, Holland 12,0925. Berliner Börse. Berlin, 3. Oft. Die gestrige Abendbörfe und der heutige Vormittagsverkehr lagen im Einklang mit dem Ausland überwiegend schwächer. An den westeuropäischen Börsen scheinen Zwangsabgaben für die Kopenhagener Privatbank die Tendenz beeinflußt zu. haben, während in Reuyork vor allem die undurchsichtige Geldmarkllage ausschlaggebend gewesen ist. Ratürlich traten hierdurch auch für den hiesige» Geldmarkt Befürchtungen auf. Man sprach, wie immer am Mittwoch, von der Möglichkeit einer Diskonterhöhung der Bank von England für morgen. Die preußischen Handelskammern sprechen von einem deutlichen Konjunkturrückgang, dagegen ist der Kaliabsah nach wie vor gut. Die ungünstigen Momente wurden aber besonders gemildert durch einen für den Quartalsultimo besonders guten Reichsbankauswcis. So besserte sich die Stimmung zu Beginn der heutigen Börse ganz erheblich. Die zu den ersten Kursen herauskommende Ware sand ziemlich glatt Ausnahme. Mit wenigen Ausnahmen waren die Veränderungen gegen gestern Schluß gering. Ilse Bergbau, Lahmeper und R. W. E. eröffneten verhältnismäßig schwach; Bömberg, Karstadt und Siemens einige Prozent höher. Salzdetfurth gewannen 7, Polyphon sogar 9,5 Prozent. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer behauptet. Anatolier etwas fester. Der Pfandbriefmarkt war unverändert. Rentenbriefe eher gesucht. Die Geldsätze waren toi# gestern. Tagesgeld. 7.75 bis 9,50 Prozent, Monatsgeld 8.25 bis 9.25 Prozent. Warenwechsel zirka 7 Prozent. Der Verlauf blieb widerstandsfähig. Die Kursentwicklung war allerdings keine einheitliche. D^e anfangs stärker erhöhten Werte Salzdetfurth und Polyphon gaben 2 bis 3 Prozent ihres Gewinnes wieder her, dagegen Karstadt und Leonhard Tietz ziemlich lebhaft^und bis 3 Prozent höher. Clektrowerte bis 1 Prozent gebessert. Deutsche ßinoleum plus 4 Prozent. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber leinn-le. V^m.llvo.ting.) Zum Umbau der Prodinzlol-Pflegeanstalt. In der Samstagnummer des „Gieß. Anz." ist durch die Prooinzialdirektion Oberhesscn eine Arbeitsvergebung für den Umbau der Proll i n z i a l - P f l e g e a n st a 11 i n G i e ß e n ausgeschrieben. wonach die Verdingungsunterlagen (also auch sonstige Auskünfte) in Friedberg, Hanauer Straße dir. 9, zu haben sind. Ich habe mich an den Kopf gegriffen, doch will ich sachlich bleiben — heiliger Bureaukratismus! D-e Arbeit wird in Gießen ausgeführt. Interessenten stellt doch hauptsächlich die Stadt Gießen und Umgegend. Die Provinzialverwaltung sitzt in Gießen. Sie hat auch ihre Sachverständigen am Ort, die Auskunft geben können. Waru.n legt man denn nicht die Unterlagen mindestens auch hier aus. Das Handwerk muß mit aller Entschiedenheit dagegen protestieren, daß man ihm unnötige Kosten macht und wertvolle Zeit nimmt, um auf eine Arbeit hier am Ort zu fubmittieren. Nochmals: heiliger Bureaukratis- mus! -x- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Bsrse - (Seid 80 Devifenmarkl Berlin—Frrmkfirrl 32.5 97.5 27.2b 11 tt,l 11.6 11 11,1 22.35 23.25 161 161 161 161,25 153 133,75 Bantnotea 172 Telegraphifche Auszahlung. 10 1" 10 v 8 12 165.5 173 12 5 0 6 6 U 140.25 308.5 193,75 153.75 139,75 27,4 23.5 140.5 tiOb 2.5 11,6 7,2 . 6 8 sh 10 10 16 303,5 193.25 2->5 170.25 2.5 11.25 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlossenen Dividende an. — Reichöbanldiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. . . 6 . . 8 . . 8 . . 7 . . 9 . . 8 . . 7 . . 6 . . 0 . e y: . 10 '04,9 192.25 <194,5 170 25 1'5,25 172,25 211.5 141 108,25 145.75 301-5 193 295 15,42 167,80 21,96 111,25 58,93 2,537 111,85 60,50 68,10 95 32,25 193 151.5 139,75 145.65 304 192.6 294.6a 1,0.5 165.6 172,5 211,5 142 2o 309,5 ManSselder • • • • Oberschles. Eilend. ®ebaxf Oberschles. Kokswerte Olig. Deutsche (EtjeiCchn Hamburg-Amerika Safet . Hamb.-Südam. Dampsich. Paula Dampfschiff . . Norddeutscher Lloyd . . . Slllg. Deutsche Creditanst. . Barmer Bankverein . . . Berliner Handelögesellfch. . Lommerz- und Prioat-Bank Darmst. u. Nationalbanl . Deutsche Bank . . DislontoG-sellschaft Ant.. Dresdner Bank Mitteldeutsche Lreditbant . Melallbanl....... V.tWbanl....... A.E.Ä. Bergmann . . . (Siehr. Lieferungen. . Licht und Kraft . . Nellen & Guilleaume. Ges. s. Eiektr. Untern^ Hamb. Eleltr. Werke . Rhein. Eiektr. . . . Schles. Eleltr. . . . Schuckert . . . • Siemens & Halske . • Dranöradio . . . . • Lahmeyer S To.. . . Buderur . . . Deutsche Erdöl . . . Essener Steinkohle . . Gelsenkirchener . • • Harvener• Hoesch Eisen. . . • • Ilse Bergbau . • • « Klöctnerwerke . • • « Köln-Neuessen. . • « Mannesman» . . . . ... 8 . . . V . . 10 . . 10 . . . 6 . . 10 . . 10 , . . . 9 . . 10 , . . . 8 . . . 12 , . . . 8 , . . 10 , . . . 6 , . . . 6 , . . . 8 t H 9- 4 4% . b . 8 10 . 8 16 10 12 11 4% Schweiz. Bundesb.-Snl.. 4% L österreichische Äoldrte. 4,20% Gelten. Silberne. 4% Oesterreich einheiU Rte. 4% Ungarische Goidne. 4% Ungarische Staatör. v. 1910 116 25 117.25 Leonhard Tietz ...... 6 Bamag-Meguin . ...... 0 Franks. Maschine» ...... 6 — — 273 273,75 18.5 — 18.5 — 78,25 78.71 77 — Griyner ...... 11 126 — 127 — Heyligenstaedt ....... 0 19 - - Junghans ...... 4 Lechwerke. . . ....... 8 114 - 89 _ Mainkrastmerke ....... 8 Mag - ...... 10 — — 141 141 Nekars ulmer ..... 8 35,4 34 34 — Beters Union ........ 8 — HO - Gebr. Roeder ..••••• 10 Voigt & Haessner ......8 128 — - — 216 — 215.25 — Südd. Zucker ........ 8 149,75 152 150 Frankfurt a.M Berlin Schluß 1-Uhr- Kurs ; Kurs Sch uf; I 2111 iang Kur; । Kur» Datum 2 10. 3. 10. 2 10. j 3. 10. 5% tt. Retchsanteihe o. 1927 Dt. Lnl.-Mlöi.-Schuld mit Aus lof.-Rechien Desgl. ohne Äuslos.-Rechte 7% Franks. Hyp.-Bl Goldpf. unkündbar bis 1933 4y,% Rheinische Hyp.-Bank Liau. Goldpf. S.E.G afia. BorkriegS-Obligation.. rücdoblbar 1933 87,2a 53 lh.8 90 75,1 16,75 16,75 52,9 16.7 Frankfurts. M Berlin Schluß 1-Uhr- Kurs ; Kurs Sd)iti5 i Anjang Ki r; | Kur» 190 2i 191 L'JO. 25 । l9U.2u 206,5 । >06 75 18'2.25 226.5 226.5 227 158.5 158 158.65 158,4 274 - 274.75 275 — — 152 - — — 164.5 164 — 213.25 244 212 213.75 212.13 212 394 397.5 393.25 105,5 396,25 — 177,75 178,25 176 88 — »8 88 144.7a 44.5 144.75 144,5 — — 130 — 129,5 — 129 153 129.25 — 153.5 154.75 — — 139 139 .63 — 26t 256,5 — — 124 12: — — 135 135,75 — — 135 — 118,25 117.5 118,25 122 — 113.5 113 — — 113 75 113.75 96,25 95,75 96 96.35 289 — 290 288.5 150 150,25 150,6 I50,7o — —— —— — — 96 96.75 — — 54.9 54.5 302 — 300 300 304.5 304.75 302 303.25 495 — 493 500 267 266,5 267.25 266,5 — — 127 — 212,5 214 - - 103,5 — 104.75 105.13 107,6 — 107 107 193 — — — 2. Oktob.'r 3. O kt ob r Lutlliche 'jäUtmtiifl Amtliche Nolierullg Geld Lrre> 'veld ©riet Amft--Rotl Buell.-AireS Brss.-Alltw- (Sllriftiania ttopenbagcn 168,18 1,763 j8, 26 168,52 1,767 58,38 168,23 1,763 58,2m 160,57"" 1,707 58,405 111,74 111,80 112,13 112,96 112,02 112.35 111,79 111.84 112,21 112,01 111,06 112,43 pelnnaiorö. 10,655 10,575 10.56 10,58 Italien. . . 21,915 H. 955 21.93 21,97 öondoll. . • 20,331 20,371 20,34- 20,382 Neuvork . . 4,1935 1,2015 4,1955 4,2055 Paris.... 16,395 >6,415 16,40 11., 44 Schweiz .. 60,71 6« 47 80,87 • 0,76 80,-2 Spanien - yapan . . - 'Kto de Fan. 68.61 68,32 68.46 1.919 1,923 1.915 1,918 1.501 0.503 0,5015 0.50--5 Wien ia D-- Oeft- abgelt -9,01 59,13 59,04 09,16 Prag . 13,^27 12,447 12,43 12,45 Belgrad . • 7,368 7,382 73,20 3,033 7,373 7,387 Budapest. ■ Buigarrell 73,06 3,027 73,13 3,027 73,27 3,033 Lissabon 18,93 11,28 18.97 18,93 18,97 Danzig. . 61,41 81,29 81,45 Konstantin. 2,172 2,176 2.173 2,177 Sltuen. . . >,435 5,445 5.435 5,445 Lanada 1.192 4.200 4,193 4,201 LlrmaoD . 4.266 4,274 4.266 4,274 Cdro . . . 20 854 20.894 20.865 •20.005 Berlin, 2. Oktober Geld Briet Slmcrikamsche Note» ..... 4,175 4,195 Belgische Noten ....... 58,08 68,32 Dänische Noten........ 111,65 111,99 Englische Notnr........ 20.31 -0.39