Nr. 259 Lrftes Blatt 178. Jahrgang Zreltag, 2. November 1928 Ct|$«tei täglt^,«fett Sonntag» nnb Feiertag» Beilagen; lvietzener FamiliendlLtt« Heimat im Bild Die Scholle Dlonats-Bejogipreli: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanichlüffe: 61, 64 und U2. «nfchrist für Drahtnach' richten. Anzeiger Oieste«. poSschecklonto: LranNurt am Main 11688. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS vnd Verlag: vrMsche UNiverfttütr-Vuch« und Stetnöraderd v. Lange in Sietzen. Schristlettvng und Geschäftsstelle: Zchnlftratze l. Lnvahme von Injetgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzoorfchrift 20°/„ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr tz.Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen Ser Riesenkampf im rhemisch-weMischen Wustnegebiel. 0 bann wurden wir Herr der erkannken aus den Eis- u n 5, daß die Tücken dieses worden sind. Aber Situation und -ergen unter Nister Wissel jedoch allein dem Parlament gegenüber die volle Verantwortung trägt. Der Reichswirtschaftsminister hat hingegen keinen Einfluß auf die Gestaltung der Dinge bei Schiedssprüchen. Arbeitsminister Wissel hat sich vom Reichswirtschaftsministerium lediglich das für die Beurteilung der Lage notwendige Material beschafft. Die Behauptung, daß der Reichswirtschastsminister ebenfalls der Ansicht sei, dah der neue Lohntarif für die Wirtschaft tragbar ist, ist demnach unzutreffend. -4 Die Reform des Schlichtungswesens. Ein Vorschlag der Arbeitgeberverbande. Berlin, l.Rov. (WTB.) 3m Anschluß an die am 16. Oktober d. 3. im Reichsarbeitsmini- Zerium abgchaltene Besprechung u.er das Schlichtungswesen hat heute die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände dem Reichsarbritsrninistecium die wesentlichen Dor- Schläge zu ter von Arbeitgeberseite erstrebten Reform des Schlichtungswesens übergeben. Die Vorschläge beschäftigen sich mit dem Umfang der Künftigen Verbindlichkeitserklärung und mit dem Verfahren, unter dem sie ausgesprochen werden f gebeten har, dem heimkehrenden Führer itnj der Besatzung auch im Ramen des Deutschen Reichstages herzlichen Glückwunsch auszudrücken. Ich darf wohl sagen, daß ich befugt bin, Ihnen die Wünsche des ganzen deutschen Bolles zu übermitteln, da Ihre Fahrt über den Ozean zu dem befreundeten amerikanischen Volke ■ eine Herzenssache war. ReueEntwicklungs- Möglichkeiten eröffnet dieser glückhafte Flug, der trotz Ungunst der Jahreszeit und der Elemente gelungen ist. Sie haben der Welt erneut bewiesen, daß es nicht htttzen darf: „Luftschiff oder Flugzeug", sondern „Luftschiff und F l u g z e u g". Das deutsche Volk hat es einhellig gefühlt, daß Sie eine neue geschichtliche T a t im Sinne des Grafen Zeppelin aus- aeführt haben, eine Fahrt, die deutsches Können, deutsches Wollen und deutsche Tatkraft geformt haben. Möge diese glücchafte Fahrt auch ein Symbol fein, ein Symbol der deutschen Einigkeit in nationalen Fragen, die uns allen eine glückliche Zukunft sichern kann." Zum Schlüsse fernes Schreibens bekräftigte der Minister den Wunsch der deutschen Reichsregierung, daß Dr. Eckener selbst an der Spitze der Besatzung mit dem neuen Luftschiff auch der Reichshauptstadt elften Besuch abstat- ten möge. Amerikanisches Lob. DieFahrt des „Graf Zeppelin" ein Triumph für Deutfchland. Washington, 2.Roo. (WTB. Funkspruch.)'! „Washington Post" erklärt in einem Leitartikel: ' Der „Graf Zeppelin" wird der Vater einer großen Flotte ähnlicher Luftschiffe werden. Das Starrsystem I hat sich glänzend bewährt, nur müssen, wie Dr. Eckener sagt, Geldleute einspringen und' seinen Plan verwirklichen. Diese Rundreise des. „Graf Zeppelin" zeigte, daß der Luftlchiffoerkehr sich rentiert, selbst, wenn der Reiz der Neuheit der Art der Beförderung abgeschwächt fein wird, und daß vor allem die Zahl der Passagiere und Post- aufträge groß genug sein wird, um den Uebersee--' flug zu einem guten Geschäft zu machen. — Sogar, der sonst nicht leicht in Begeisterung zu versetzendei „Evening Star" schreibt, daß die Reise e t n, Triumph für Deutschland sei und das:, deutsche Volk mit Recht auf diese Glanzleistung stolz ' sein dürfe. Don welchem Gesichtspunkte aus man fiq auch immer betrachte, diese erste kommerzielle Re- kordrundreise habe die Möglichkeit der Jeid)ter--nls=1 die-Luft-Flugfchiffe" überzeugend dargetan. Trotzt aller Schwierigkeiten, die die Fahrt nach Amerika verlangsamten und zur Aufgabe des geplanten:, Ueberlandfluges in Amerika zwangen, stehe bie- Fahrt als epochemachende Leistung deü Weltgeschichte dar und ihr Ruhm werde nie oer-» blassen. Dr. Eckener habe 124 Personen mit vieler,, Post und Fracht über eine Strecke von fast 15 000) Kilometer mit nur einer Zwischenlandung in etwa 180 Flugstunden von Deutschland nach Amerika und' zurück gebracht. Die Rückfahrt habe die staunen- erregende kurze Zeit von zwei Tagen 21 Stunden^ gedauert. Die ganze Well beneide Deutschland in dieser Stunde um feinen Ruhm. pariser Echo. Die Leistung des Rückflugs mutz anerkannt werden. Paris, 2. Aov. (TU.) Die Pariser Presse bemüht sich im großen und ganzen, dem Rückflug des „Graf Zeppelin" objektiv gerecht zu werden, sieht aber auch in ihm nicht den schlüssigen Beweis für die Verwendbarkeit von Luftschisfen für den Transozeanverkehr. Der „Temps" schreibt,, der Rekord der Ozeandampfer sei diesmal reichlich geschlagen worden. Di« Zeit von drei, Tagen für di« Ueberquerung des Oz«ans werde auf die Oeffentlichkeit Eindruck machen. Das Ergebnis eröffne neue Gesichtspunkte füp die Möglichkeit, di« Erdteile auf dem Luftwegs schnell zu verbinden. Das Blatt fahrt dann sort< man dürfe nicht vergessen, daß di« fr an-' zösisch« Luftverbindung nach Süd- amerika den Weg vorgezeichnet habe. In einem halben Jahr werd« man erkannt haben,, daß dem „Schwerer als L u f t" Im Vergleich [ zu den „Leichter als Luft" der Vorzug zu geben-) fei. (Der „Temps" erwähnt jedoch dauer nicht/ daß für die Verbindung Frankreich—Südamerika, auf einer großen Strecke Torpedoboot«, eingesetzt worden sind.) Das Gesamtrisiko,, mit dem Luftschiff, so meint das Blatt, sei beträchtlich größer als mit dem Flugzeug. Trotzdem müsse man dem geglückten Unternehmen Eckeners Beifall spenden. — Das „Journal'^ schreibt, daß Dr. Eckener den Beweis dafür abgelegt habe, daß er zur Zeit das Aß der Asse der Luftschifführer sei. Das Blatt bleibt aber' auch dieses Mal ebensowenig wie früher von dem Wert des Luftschiffes als Verkehrsmittel im regelmäßigen Handelsverkehr überzeugt. Zum, Flug« Dr. Eckener« über Frankreich schreibt ba& Das päpstliche Friedensangebot im Jahre 1917. Reichspräsident von Hindenburg sagt als Zeuge aus. Berlin. 2. Rov. (Priv.-Tel.) In einem Prozeß des Ritter von Lama gegen den Hvf- prebiger Döhring, den Reichskanzler a. D. ^Michaelis, den Evangelischen Bund .und andere, der den Vorwurf Lamas zum Gegenstand hat, daß der Reichskanzler Michaelis sich rm Jahre 1917 hinter die oberste Heeresleitung gesteckt und aus konfessionellen Grün- Jen die Friedensvermittlung des Davstes abgelehnt habe, wurde der Reichspräsident v.Hindenburg über die Ablehnung ,ßes Friedensangebotes des Papstes vernommen, ,und zwar fand diese Vernehmung heuie vormittag im Relchspräsidenten-Palais statt. ^Rechtsanwalt Lütgebrune, Göttingen, hat nomen« der Angeklagten unter Beweis gestellt, spaß die Behauptung, Michaelis habe sich bei sder Behandlung des Papst Friedensangebotes nicht an Kaiser unb Reichstag, sondern an d ie Oberste Heeresleitung gehalten, eine ifllatte Geschichtsfälschung fei. Michaelis .habe niemals der obersten Heeresleitung das Feld geräumt, sondern sich streng an den iKronratsbeschluh vom 11.September 1917 «gehalten. 1 In der Zeugenvernhmung betonte Reichs- Präsident v. Hindenburg mit aller Entschiedenheit, daß weder er noch General Hudendorff, der Reichskanzler Michaelis oder der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Kühlmann, ihre Maßnahmen ipegen des päpstlichen Fri.densangebotes durch konfessionelle Beweggründe hätten Lest Immen lassen. Das Angebot des Papstes fei vielmehr endgültig in der Kronrats- sihung vom 11. September 1917 unter Vorsitz i. ..■■■ .................... - ■ - — des Kaisers im Schloß Bellevue eingehend erörtert worden. Der Verlauf der Kronratssitzung sei in dem Buch von Michaelis „Für Staat und Volk" zutreffend wiedergegeben worden, in dem der Verfasser betont, daß auf feine Einwirkung hin der Kaiser, der iwch tagS zuvor wieder von der Rot wendig kett des Besitzes der flandrischen Küste gesprochen hatte, zu dem Beschluß der Verzichterklärung auf den Besitz von Belgien gebracht worden stt. Den Bedenken der Obersten Heeresleitung sei damit Rechnung getragen worden, daß das Friedensangebot deS Papstes mit dem Ablauf des Jahres 1917 limitiert worden sei. Ritter von Lama hatte weiter die Behauptung aufgestellt, daß der Reichskanzler Michaelis nach der Kronratssitzung sich durch die Oberste Heer.sleitung habe bestimmen lassen, gegen den Kronraisbeschiuß Minen glatten Verzicht auf Belgien nicht auszufprechen, um so die Bemühungen des Papstes zu vereiteln. Hierzu hat Reichspräsident v. Hindenburg sich dahin geäußert, daß seit der Kronratssitzung vom 11. September in der Frage der Friedenseedingungen irgendwelch' Disier nzen zwischm der ReichScegie- nmg und Der Obersten Heeresleitung nicht mehr bestanden hätten. Die Oberste Heeresleitung habe sich vielm.hr d.-m Kronratsleschiuß gefügt. Staais- sekretär v. Kühlmann habe vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstages mit Recht daraus hingewiesen, daß der Briefwechsel zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler Michaelis im September 1917 nur privater Ratur gewesen fei, und nur dm Fall im Auge gehabt habe, daß die Situation s i ch ändere, falls ein Frieden biS Ende 1917 nicht zustande gekommen fein sollte. GroßeKoaliiion mr-panzerkreuzer Oie Kraftprobe Don unferer Berliner Redaktion. Alles Zureden hat dem Zentrum nichts genützt, der sozialdemokratische Frakttonsvorstand ist bei seinem Trotz geblieben unb hat wirklich den Antrag auf Einstellung des DauS des Panzerkreuzers im Reichl tag ein» zubringen beschlossen. Die Fraktion wird dem MelfelloS zustimmen. Der Antrag wird am 13. Rovember, wenn das Parlament seine Arbeiten aufnimmt, bereits vorliezen, und wenn es nach dem Willen der Sozialdemokraten geht, soll et schon in einer der ersten Sitzungen beraten werden. Wesh lb? Die Taktik der Sozialdemokraten ist sehr durchichttg. Sie müssen sich ihren Wählern gegenüber eine Rückendeckung schassen, um im Kabinett und späterhin im Plenum die zweite Rate bewilligen zu können, nachdem ihr Antrag auf Einstellung des Ba ies abgelehnt ist. Sie glauben auch mit dieser Hilfe den ganzen Kampf beenden zu können, um bann die Bahn für die neuen Verhandlungen über die „Untermauerung des Kabinetts Müller" frei zu haben. Ern sehr einfaches Rechenexempel. Wir können uns nur nicht recht vorsteilen, daß die bürgerlichen Parteien bereit sein sollten, den Sozialdemokraten dieses Spiel zu erleichtern. Herr Müller hat an der Spitze feiner Partei die Unkosten des Wahlkampfes im wesentlichen mit dem Kampf gegen den Panzerkreuzer bestritten, er hat dann, als er Kanzler war, Im Kabinett gegen den Beginn des Baues keinen Einspruch erhoben. Der Fehler, der in den Organisationen große Beunruhigung hervorrief, soll nun w i e- der gutgemacht werden, und dazu darf die bürgerlich: Mitte guädigst aushelsen. In dem unbegrenzten Vertrauen auf die sta atsbürgerliche Gesinnung b:r anderen Regirrungspa t ien glauben sich die Sozialdemokraten den Seitensprung leisten zu können, in dem unerschütterlichen Vertrauen auch, daß die De itschnationalen btt ihrer Einstellung zu den Weh.fragen ebenfalls den svzialdemokrattschen Antrag ablehnen. Aber das ganze Exempel kann doch ein Loch haben. Der „Vorwärts" tut so, als wenn die Sozialdemokraten auf eine Annahme ihres Antrags hoffen, er rechnet sogar aus, daß zweihun- dertvierzig Stimmen dafür seien und höchstens zweihundertfünfzig dagegen, wobei er noch die Möglichkeit eines Zuzugs aus dem Zentrum und der Bauernpartei ofsenläßt, die dann aus der Minderheit ein« Mehrheit machen würden. 3m Innern aber haben die Sozialdemokraten eine Himmelangst davor, daß es so kommen könnte. Sie wissen genau, daß sie leichtfertig mit einer Krise spielen, denn der Reichspräsident wird nicht daran denken, sich nun einfach dec v^^ änderten Willensmttnung des Reichstags zu' fW gen, er wird das dann unvermeidliche AP-' schiedsgesuch des Reichswehrmin stets ablehnen, womit wir dann glücklich in einer Regierungskrise mit folgender Auflösung des Reichstags drin wären, älnd das alles nur, well die Sozialdemokraten auch als Regierungspartei auf die Vorteile der Opposition nicht verzichten wollen. Das wird doch auch dem Zentrum und der Dolkspartei zu denken geben und sie veranlassen, den Sozialdemokraten sehr deutlich zu verstehen zu geben, daß man so keine Politik machen kann. Das Zentrum gibt die Abstimmung frei. Berlin, 2. Rov. (Privattel.) Die Zentrumsfraktion wird die Abstimmung über den im Reichstag eingebrachten so,ialbemolta i chen Antrag auf Einstellung des Panzer lreuzerbaues freigeben. Die ZenttumssraMon hat bereis bet der Abstimmung über d e erste Baurate im früheren Reichstage auf die Ausübung des Fraktionszwanges verzichtet. Man erwartet, daß noch mehr Zentrumsabgeordncte als bisher sich der Abstimmung enthalten werden. Kommunismus hier und dort. K o w n o, 31. Oft. (TU.) Wie aus Moskau ae= meldet wird, wurde in der gleichen Zeit, als die Kommunistische Pattei Deutschlands das Volksbegehren gegen den Panzerkreuzer durchzudrücken suchte, in der Sowjet» union mit Hilfe der von Arbeitern des Nordkaukasus gesammelten Mittel ein Schlachtschiff in die Dien st e der baltischen Kriegsflotte eingestellt. Die Hissung der Flagge auf dem neuen Schlachtschiff, das mit den modernsten Mitteln der Technik ausgerüstet ist, soll am Tage der Reoolutionsfeier stattfinden. Der Inbetriebnahme des neuen Schiffes werden Vertreter der Sowjetregierung beiwohnen. Es ist dies das erste Kriegsschiff, deren Indienststellung feit der Revolution von den Sowjetbehörden zugegeben wird. „Journal", daß di« Bevölkerung von Paris bi« Anstrengungen und den Mut voll zu schätzen wisse. Wenn Dr. Eckener den Opemplah überflogen hätte, so wär« ihm sicherlich derselbe Beifall zuteil geworden, wie ihn Paris den Fliegern Coste und Le Drix spendete. — Der ,,„Ma- in" nennt den Rückflug eine der schönsten Fahrten der Luftschiffahrt. Der „Graf Zeppelin" habe fein Unternehmen mit vollem Erfolg beendet. Telegrammwechsel mit dem französischen Lustfahrtminister. Paris, 1. Rov. (WB.) Dr. Eckener hat während der Fahtt deS „Graf Zeppelin" über Frankreich an den französischen Luftfahrtminister Laurent-Eynac folgendes Telegramm gesandt: Aach Ueberquerung des Ozeans in drei Tagen überfliegen wir Frankreich von Rankes nach Basel. Diele Grüße! Dr. Eckener. LuftschifsahrtSminister Laurent-Eynac hat darauf mit folgendem Telegramm geantwortet: Dank« Ihnen für Ihre Grüße bei Üeberfliegen französischen Gebietes und sende ihnen lebhafteste Glückwünsche für prachtvolle Leistung. Laurent-Eynac, Lustschiffahrtsmlnister. Gewinne der Arbeiterpartei bei englischen Gemeinderatswahlen. London, 2. Rovember. (WTB. Funlspruch) Gestern wurden in über 300 Städten und Gemeinden in England und Wales di« Gemeinderatswahlen abgehalten, die verschicdenilich a l s Generalprobe für die Parlamentswahlen bezeichnet werden. Bis Mitternacht lagen die Ergebnis,« von 85 Städten und Gemeinden vor. GS ergibt sich, daß di« Arbeiterpartei bisher einen außerordentlichen Erfolg erzielt hat. Eie hat einen Nettogewinn von 101 Sitzen zu verzeichnen, von denen mehr als die Hälfte den Konservativen verloren gingen. Alle übrigen Parteien haben Rettoverluste zu verzeichnen. Neue Demütigungen für Südtirol. Bozen, 31. Oft. (TU.) Am 4. November finden aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Zusammenbruches der österreichischen Front in ganz Südtirol von den Italienern ver- anstallete Siegesfeiern statt. In der Bevölkerung erregt es große Empörung, daß nach dem veröffentlichten Programm an diesem Tage auf den öffentlichen Plätzen der Wortlaut der Kriegserklärung gegen Oesterreich und das Siegesbulle- t i n über den Zusammenbruch der Oesterreicher verlesen werden sollen. Auf der Suche nach neuen Gteuerquellen. Das Defizit im Reichsetat. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 2. Rov. Im Reichsfinanzministerium rechnet man. Das Defizit im neuen Haushaltsplan läßt sich eben nicht mehr toegleugnen. Irgendwie müssen also neue Einnahmequellen erfaßt werden. Die Steuererhöhungen sind natürlich dabei immer wieder bas bedeutsamste Objekt der Untersuchungen. Ob man mit der Erbschaftssteuer Gluck haben wird, steht noch sehr dahin. Jedenfalls ist hier die So- zialdemokratte, die die deutsche Erbschaftssteuer dem englischen System analeichen will, ohne Freunde. Sowohl die Deutsche Volkspartei als auch die Demokraten, und, wie nunmehr verlau- tet, auch noch das Zentrum lehnen eine Erhöhung dieser Steuer in jeder Beziehung ab. Zudem würde sie auch herzlich wenig etnbringen und dazu noch die Kapftalsbildung, die ja jetzt in Deutschland noch im ersten Anfang begriffen ist, untergraben. Gegen die Biersteuerer- Höhung wendet sich nach wie vor Bayern, das auch einer Erhöhung deS Branntweinmonopols nicht günstig gesinnt ist. Man verlangt ht diesen Kreisen in einem solchen Falle ebenfalls wieder eine Einführung der Weinsteuer, die auch nicht viel bringen würde und außerdem dem deutschen Winzerstande Schaden zusügen müßte. Kurzum, das Relchssinanzmmisterium wttß heute noch nicht, woher es eigentlich das fehlende Geld nehmen soll. Da die Zttt drängt, denn der Etat muß in diesen Tagen in Druck gehen, ist Elle am Platze. Wie wir erfahren, wird deshalb das Reichskabinett in Kürz« dazu endgültig Stellung nehmen. Aus aller Wett. Panik bei einer Schülerlnuenvorführrmg. Bei der Vorführung des Lutherfilms, zu dem sich sämtliche Klassen des Kasseler Oberlyzeums eingefunden hatten, fing der Film nach dem ersten Akt Feuer. Durch den Feuerschein wurden die 600 anwesenden Schülerinnen in Helle Aufregung versetzt. Wildes Rennen von den Galerien unb Rängen nach den Ausgängen setzte ein, wobei eine Anzahl Schülerinnen zu Boden geworfen und leicht verletzt wurde. Nur dem besonnenen Eingreifen der anwesenden Lehrer gelang es, Schlimmeres zu verhüten. Der Operateur erlitt schwere Brandwunden. Tödlicher Jagdunfall. Btt der vom Iagdvennklub Leipzig im Muldengelände bei G.imma veranstalttten $ar> forcejagd hat sich ein tödlicher ^Inglücks'all zugetragen. Die bekannte Turnierreiterin F au Stock aus Leipzig stürzte auf brr Wiese am Eingang des Ri.nbschmec Fußwegs vorn Pferd. Eie ritt ein junges Pferd, daS sie abwarf. 'Bei dem Sturz ist Frau Stock jedenfalls auch von dem Hufschlag eines anbeien Pferdes g21.-offen worden, so daß sie mit einem doppelten Schä delbruch in das Grimmaer Krause h us eingeliesert werden mußte, wo sie nach einigen Stunden starb. Meineidsoerfahren gegen Buchrucker. 21 u f Antrag des Reichswehrmini st e- r i u m s ist gegen Major Buchrucker die Einleitung eines Verfahrens wegen Abgabe einer falschen Erklärung unter Eid erfolgt. Es handelt sich um die Frage, ob die Truppenzusnrnmenziehun- gen bei Berlin im September 1923 m 11 oder ohne Wissen des Wehrkreiskommando s erfolgt feien. Major Buchrucker erklärte im Stettiner Fememord-Prozeß, daß nach seiner Ansicht das Wehrkreiskommando darum aewuht habe, während der Vertreter des Rcichswehrministe- riums, Oberst von Hammerstein, dies bestritt und erhärte, daß Major Buchrucker das Wehrkreiskommando hintergangen und gefälschte Gestellungsbefehle ausgegeben habe. Zweite Kirschen- und Kartoffelernte in den Llbmarschen. Die über öem Durchschnitt liegenden Temperaturen und die linden Herb st nächte haben in diesem Jahre in vielen Gegenden «ine zweit« Baumblüte hervorgebracht. So hat ein Dauer in Borstel bei Achim in die'en Tagen eine zweiteKirschenernteh« ein gebracht Di« neuen Früchte sind ein wenig kleiner di« der ersten Ernte. Ein Gartenbesitzer hat sogar eine zwttte Kartoffelernte erzielt. Er pflanzte nach Qlbemtung feiner Frühkartoffeln sofort neue Pflanzkartofseln alter Ernt«. Knollen der neuen Pflanzung gleichen denen bet ersten an Geschmack und Größe vollkommen. Die Metterlaae. Donnerstag, 1^1 •Jan Röst Thors«. frdeen- la Corunä 3 9 SP • Alb 4b ** wie« °/o fr 0worxenros o neuer, o nero etoecm. ® *omo. • oeaecei «neqeM • Schnee a draopein. • ncoei R6ew>trrr.(§)winfl5iiiic«<>. seir etentr» Os» flassiac* Sudsoowest b stürmet ne* «tordwesO Oit »reue fliegen mit dem winde Pie oeidtn Marionen stenenden Ze» ien gehen die Temperatur an Pie Linien eerömden Ort» mit gleicMA ■Nf N*»resfli»f4u umoerrrMrir« Loftdrate AZettcrvo .uvsage. Unter Biscaya erstreckt sich in nordösllicher Rich- tund Über Frankreich und Deutschland das Druckfallgebiet, in dessen Bereich vielfach nebeliwwolkigeS Wetter herrscht und weiterhin einzelne Regenfälle ouftreten. Der Hobe Luftdruck im Norden ist mit seinem barometrischen Maximum nach Skandinavien gewandert, obwohl das gesamte Hochdruckgebiet noch an Ausdehnung gewonnen hat. Seine Kaltluft dürste auch in unserem Gebiet unter Luftdruckanstieg ein Nachlassen der Niederschläge Hervorrufen und zur Durchbrechung der Wolkendecke führen. Ferner bringt sie weitere Tempcraturrückaänge, der sogar nachts stellenweise leichte Frostgefahr verursachen dürste. Wettervoraussage für Samstag: Nebelig-wolkiges Wetter mit Aufheiterung, Temperaturen weiter finkend, nachts vielfach um Null, nur vereinzelte Niederschläge. Wttterungsaussichten für Sonntag: Mellt trocken und vielfach stärker aufheiternoe» Wetter, Temperaturen wenig oerändett. Lufttemperaturen am 1. November: mittags 10,2 Grad Celsius, abends 9,4 Grad Celsius; am 2. Nov.: morgens 9,8 Grad Celsius. Marimum 10,4 Grad Celsius Minimum 9,2 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 1. November: abends 8,8 Grad Celsius; am 2. November: morgens 8,7 Grad Celsius. — Niederschlag 5,1 Millimeter. KtiKl'S »s l,gt Li tlhiög, «“ dein sich Muins ersten den die 600 M?S Der- & tin» ,® b'l ein, Henunh SJWfc «e SBtanb. lernte irmlnffte. r die Einlei« einer fatfdmi 1 s«h um die rr-iehun. 1923 mir t e i 5 f otn» J. toarf Lei ' auch von ’ O-Mfen 'ddrUrn dran.r M) einige^ •en Äocheia- ächte haben enden eine acht. 6o hat diesen Tagen t e.ngtbtafy. einer ati die er har sogar Er pslanzt, »ffdn sofort • Smit Die Ti denen der 'Minen. ■> H -15 O ,M<« **‘5 ,n {•* uw r °/o ) 7o I c !ä 4 srZ SG §Ä‘ - S?S; D- : r-'A JSW •* % 4 ®taft >55 Grad Lelfiu»- Aus der Pwvinzialhaupistadi. Gießen, den 2. Rovember 1928. Das Schielen der Kinder. Äon Or. Ilaschenträger, Augenarzt. Die Blickrichtungen beider Dugem beim Gesunden sind parallel tote die Echrinwerser eines Autos; wenn ein Auge sich nach der rechten Seite dreht, macht ganz automatisch das andere Qluge die Dlickbewegung mit. Uete cf reuten sich aber die Sehrichtu.lgen beider Qlugen in Form eines groben lateinichen X bet Dllck geradenus, dann schaut ein Qhige nach innen Mir Olafe, während das andere geradeaus ger.chtet ist, ein Auge schielt dann, es steht schief. Otudattiger Blick- wech'el tritt beim Schielauge ein, nicht aus das Kon.mando „Auaen geradeaus", sondern bei wechselndem Verdecken ball) des einen, bald des anderen Auges, wobei immer ein Punkt geradeaus angeftarrt werden mutz. Wenn man teine eigene Rasenfvttze betrachtet, so schieben beide Augen nicht, denn beide Augen arbeiten zusammen, während das schielende Auge die De- wsgungen des anderen Auges fast so wenig mitmacht. wir ein GlaSauge. Das Lchtelen tritt in den frühesten Lebensjahren aut, am meisten nach Kinderkrankheiten, Masern, Scharlach, deutlich bemerkbar ist es nach Ermüdungen, nach seelischen Gleichgewichtsstörungen, z. S. Aerger, Zorn: eine gewisse nervöse Veranlagung ist mit dorn Schielen vererbt. Bet den Linkshändern schielt nicht das linke führende Auge, sondern daS rechte. Die Ursache des Schielees liegt in hoher Uebersichtigkeit. Cin solches Auge muh dauernd seinen Muskel- appavat zu stari anspannen, sowohl den für die tote Gummi elastische Linse zum scharfen Ein- ftellen für die Ferne — ein gesundes Auge ist tote ein Photoapparat für die Ferne bereits eingestellt — als auch den des Augapfels, der daS Auge Mir Aase dreht, wie es beim Aabelesen notwendig ist. Die erste Hilfe für das Schielen ist eine Drill« mit Plusgläsern, die bei genauer Anpassung das Schieten zum Schwinden bringen. 2n den meisten Fällen sind die Augenmuskeln nicht im Gleichgewicht, es fehlt das Streben des beidäugigen Sehens, auch hier kann der Fehler mit einer Drille, diesmal mit Prismengläsern, ausgeglichen werden. Immer soll man bei schielenden Kindern in den ersten Lebensjahren, angefangen mit dem 4. Lebensjahre, mit einer Drille versuchen, den Schön- -leitSseh^er zu beseitigen. Gelingt es nicht, dann fann man vom 10. Lebensjahve an durch eine Operation, Abchneiten des Schielmuskels vom Augapfel nach Kofainbetäubung der Schleimhaut den Fehler beheben. Früher ist ste nicht notwendig, denn im Lauf« des Wachs bums ändert sich das Schieten. Zum Operieren ist es nie zu spät. Die Schieloperation ist eine reine kos- metischr Operation, wenn ein Auge sehschwach ist. denn durch die Operation wird das Auge kein besseres Sehen erlangen, nur bei beiderseitigem guten Sehen wird durch die Operation rin Zusammenarbeiten beider Augen erleichert. Di« Cchieloperation ist der letzte Versuch, wenn alte anderen Hilfsmittel, Drille, Sehübungen mit Stereoskop, Atropin-Einträufelungen versagen. Auch ist die Operation nicht so toitffam, daß die Vererbung beim Schielen nicht mehr stattfindet. Die Dehandlung eines sehschwachen, ost praktisch blinden Schielauges ist möglich und <4 gelingt, daS Auge wieder sehtüchtig zu machen, doch steht di« notwendige Geduld und Energie In keinem Verhältnis zu dem geringen Grfolg. Durch tägliches Verbinden des s-rh- tLchtigen Auges kann man durch monatelanges Ueben biS zu einem Jahr daS schlechte Auge zum Sehen erziehen, die Sehschärfe bessern und ztoar je früher der Versuch am kindlichen Auge gemacht wird, desto besser. Die Destimmung der jeweiligen Dehandlung des Schielauges (Plusgläser, Prismengläser, S.-Hübungen. Operationen) kann nur von einem Fachmann getroffen werden. Da das Auge im Dau einem exakt ausgearbeiteten optischen Instrument gteichkommt, wenn e-s in der Leistung auch die menschliche Technik übertrifft, sv läßt sich ebenfalls an optischen Apparaten bei Unter.'uch.mg des Auges aufs genaueste z. B. die Stärke eines notwendigen Brillenglases abtesen. Weil aber der menschliche Körper keine Maschine ist und das Auge nicht jedes Glas verträgt, vermag die hoch- entwickelte Technik nicht den Augenarzt durch einen bis ins feinste berechneten optischen Apparat zu ersetzen. Aufklärung. Äon Hans Schrader, Köln. Wirksam für sein Geschäft oder seine Ware zu werben, ist eine Kunst, freilich, aber diese Kunst iß doch nicht so schwer, tote es vielleicht scheinen mag. Man muß nur einmal den richtigen Grund- q-tbanten haben. Man vergegenwärtige sich also Me Situation: Jeder Mensch bedarf heute zu einer vernünftigen Lebensfüyrung unzählig viele Dinge. Was offen wir von den Dingen, die wir gebrauchen? Das toiffen wir von dem 'Bett, in dem wir schla- fan, von drm Stuhl, auf dem wir sitzen, von der Kabel, vom Messer, vom Löffel, womit wir eisen, von dem Ofen, der uns wärmt? Im allgemeinen wird es unS gar nicht be» Duht, tote wenig Kenntnis wir von den Dingen fabtn. die uns täglich umgeben. Wozu auch? Wir haben soviel damit zu tun, unsere tägliche Berufsarbeit mit der notwendigen Sorgfalt zu erfüllen, und all die Dinge, die dazu gehören, p studieren und tin Kopfe zu behalten, daß wir i-iS wirklich nicht damit. beschäftigen können — ‘□lange wir es nicht nötig haben — auch noch Befen und Werdegang all der Sachen zu er» orschen, da als Hilfsmittel unser Dasein auf )rstand der Süd- westdeutschen Konferenz für Innere Mission berufen. Es würde zu weit führen, wollte man hn einzelnen die Arbeit verfolgen, die der Oberhessische Verein für Innere Mission in dm 50 Jahren seines Bestehens geleistet hat. Es sei nur auf die Werke Hingewi äsen, die ihm ihre Entstehung verdanken, bzw. die er fördert und betreut Da ist zunächst das Rettungshaus in Arns- bu r g, das so manchem verwahrlosten und gefährdeten Mädchen schon eine wirkliche Rettung und ein Heim geworden ist. Weiter ist da das Elisabeth-HauS in Dad-Rauheim, das, unter der ausopfernden Fürsorge des Kirchenrats Wissig zur Blüte gelangt, jetzt unter selbständiger Verwaltung auf eigenen Fußen steht. Ferner ist — ebenfalls in Dad-Rauhnm — das Eleonoren-Hospiz zu nennen, das auf Anlaß von Pst Ter Schlosser (Gießen) ins Leben gerufen, sich jetzt auch selbst erhält, und von dem der Oberhessische Verein für Innere Missten noch Mitbesitzer ist. Allgemein bekannt ist die trefflich eingerichtete und geleitete Herberge zur Heimat inGießen. zu der jetzt auch noch die Herberge in Friedberg gekommen ist. Diese hatte im Kriege ihren Betrieb einstellen müssen und ist vor kurzem durch den Oberhessischen Verein für Innere Mission von der evangelischen Gemeinde Friedberg käuflich übernommen worden. Sie wird nach notwendigen Wiederherstollungsarbriten in wenigen Wochen den Betrieb unter der bewährten Leitung des früheren Hausvaters eröffnen. Es sei noch hingewiesen auf ein Merk der Inneren Mission, das zwar nicht vom Oberhessischen Verein ausgeht, sondern ein, Werk des Landes Vereins, verbunden mit dem Elisabethenst'.ft in Darmstadt ist, aber in unserem Oberhessen liegt und sehr segensreich zu werden verspricht. Das ist das Fürsorge- Heim für schulentlassene Mädchen In der Glauburg bei Rieder-Erlenbach, das vor kurzem eingeweiht wurde. Blicken wir noch auf die K 1 e i n k i n d e r s ch u l e n, die im Laufe der letzten 50 Jahre in unserem Oberhessen entstanden sind, uttd auf die Krankenhäuser, die die oberhessischen Standesherrn hx Büdingen, Lich. Laubach, Schlitz und Lauterbach ins Leben gerufen haben unb zum Teil heute noch tatEräftig unterstützen, denken wir weiter auch an die staatliche Wohlfahrtspflege und ihre Einrichtungen in den letzten Jahren, so müssen wir dankbar anerkennen. daß der Geist tätiger Bruderliebe den der Oberhessische Verein für Innere Mission durch 50 Jahre hin eifrig gehegt und gepflegt hat, unserem Lande reichen Segen gebracht hat. nügend Fachkenntnisse besitzt, um alle diese Käufe ganz objeltiö au vollziehen. Wir sind also gezwungen, mehr oder weniger gefühlsmüßig einzukaufen unb dieser Zwang flößt uns allen beim Einkauf jenes bekannte Ünluft- gefühl ein, welches man allgemein mit Mißtrauen bezeichnet. Denn bei jedem Einkauf finden wir uns Leuten gegenüber, die jahrelang den Qlrtilei studieren und verkaufen, der für uns nur einer von den vielen ist, die wir gebrauchen. Der Verkäufer ist der Fachmann und wir sind die Laien. Jeder Kaufmann fjat daS größte Interesse daran, dieses natürliche Mißtrauen zu befei- tigen. Hierfür gibt es ein ganz ausgezeichnetes Mittel: Aufklärung. Wo sollen wir Laien bei einem Einkauf uns Rat holen, wenn nicht bet Ihnen, der Die doch Fachmann sind? Da es jeden Tag wieder andere Menschen sind, die gerade Ihren Arttkel benötigen, so brauchen Sie auch nicht jeden Tag etwas ganz Neues zu sagen. Wenn Sie mit der Art der Darstellung etwas abwechseln. um den verschiedenen Temperamenten gerecht zu werden, so genügt das vollkommen. Ich will Ihnen eine Bezugsquelle für gute Anzeigentexte verraten: Lassen Sie in Ihrem Geschäft täglich alle Frage der Kundschaft notieren, und beantworten Sie diese Fragen sachlich und in schlichter S rache durch Zeitungsanzeigen. Diese Anzeigen werden bet den Lesern immer auf großes Interesse stoßen. Der Tip ist gut! Versuchen Sie'S einmal. £offerietofe pünktlich bezahlen! Daß es ratfam ist, Lotterielose immer rechtzeitig zu bezahlen, lehrt ein interessanter Fall, der zwar zugunsten des Lotteriespielers entschieden ist, aber dennoch erkennen läßt, auf welchen besonders unsicheren Grund derjenige sein Glück baut, der jahrelang in der Lotterie spielt und die Lose nicht vorschriftsmäßig bezahlt. _ Kläger spielte bei einem Loterieeinnehmer In Schmiedefeld (Thürinaen) zwei Achtellose der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie. Die Ziehung der 5. Klaffe begann am 5. August 1926; aber erst am 13. 21 u g u ft 1926 bezahlte Kläger die Lose dadurch, daß er das Geld für die Lose in einem Briefe einsandte. Das Los Nr. 223 243 wurde am 3. September 1926, dem letzten Ziehungstage, m i t 3 000 Mark und einer Prämie von 500 000 Mark gezogen. Aks Kläger die Auszahlung des Gewinns verlangte und das Los einfanbte, verweigerte der Lotterieeinnehmer die Auszahlung des Gewinns, weil der Kläger im Gegensatz zu den Bestimmungen des Loterieplanes das Los nicht an dem letzten zulässigen Tage, dem 4. August 1926, bezahlt habe. Landgericht Meiningen unb Ober - landesgericht Jena erkannten den Anspruch des Klägers auf Auszahlung des Gewinns als berechtigt an. Das Reichs- geriet ist jetzt dem Oberlandesgericht beigetreten und hat ebenso zugunsten des glücklichen Lotteriespielers entschieden. In den reichsgerichtlichen Entscheidungsgründen wird zunächst ausgeführt, daß die Klage mit Recht gegen den Lotterieeinnehmer erhoben worden ist, da der Gewinn von der Loteriedirektion an diesen ausbezahlt wurde. Obgleich nun der Kläger die Planvorschriften verletzt haoe, so sei doch mit dem Oberlandesgericht anzunehmsn, daß der L o 11 e r i e e inne h m e r sich st i 11 s ch w e i g e n d mit der Erneuerung des Loses nach Eingang des Geldes einverstanden erklärt habe. Denn er habe erst am 3. September der am 13. August erfolgten Zahlung widersprochen. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn er der verspäteten Zahlung sofort widersprochen hätte. Eine besondere Annahmeerklärung des Beklagten war nicht notig, da der Kläger, der das Los in Händen hatte, durch Einsendung des Geldes auf die Annahmeerklärung des Kaufs verzichtete. Laten für Samstag, 3. November 1928. Sonnenaufgang 6.56 Uhr, Sonnenuntergang 16.30 Uhr. — Mondaufgang 21.13 Uhr, Monduntergang 13.32 Uhr. 1500: der italienische Goldschmied unb Bildhauer Benvenuto Cellini in Florenz geboren; 1802: der Buchhändler Karl Baedeker in Essen geboren; — 1871: der Schriftsteller Hans Heinz Ewers in Düsseldorf geboren. Dorrrotizen. — TageSkalender für Freitag. Stadtthrnter: „Richard HL“, Anf. lOVe. Ende 227a — Evangelischer Bund: Luther "Abend, in der Iohannesrirchr. 8 älhr. — Lichtspiechaus, Bahnhofstraße: „Mary Lou'. — Astoria-Lichtspiele: „Der Löwe des Hafenviertels^. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend, 7.30 Uhr, findet eine Aufführung von Shakespeares „Richard 111." statt. — Sonntag, 4. November, Gastspiel des Neuen Operettentheaters, Frankfurt, „Liebe und Trompetenblafen". Die Intendanz weist ausdrücklich darauf hin, daß die Operetten, die Sonntags erstmalig herauskommen, nicht durch das Abonnement gehen. Die Vorstcllung beginnt um 18 Uhr. — Vom Konzertverein werden rpir gebeten, darauf hinzuweifen, daß das Szigeti- Konzert am Sonntag, 4. November, bereits nachmittags um 4.30 Uhr beginnt. Es soll damit gründ- sätzlich nichts an der besherigen, durch langjährigen Gebrauch eingebürgerten und in Rücksicht auf auswärtige Besucher gebotenen Einrichtung geändert werden, nach welcher die Konzerte erst um 5 Uhr an- Anfängen pflegen. Es handett sich vielmehr um einen Ausnahmefall und um Erfüllung einer Bitte des Künstlers, der anberroeitiaer Verpflichtungen halber sofort nach Beendigung des etwas früher gelegten Konzertes von Gießen abreifen muß. — Evangelischer Bund. Man schreibt uns: Für den Luther-Abend in der Iohannes- kirche, der h eu te stattsindet, zeigt sich ein erfreuliches Interesse in der evangelischen Bevölkerung der S adt. Mit Recht! Denn ein Weihe-Abend von Gustas H i l d e b r a n t ist, tote wir von früheren Veranstaltungen toiffen, kein alltägliches Ereignis, sondern ein tiefgreifender Genuß, eine Stunde reiner Weihe religiöser Grienntnis und künstlerischen Erlebens; er vermittelt den Hörern Werte von bleibender Bedeutung. Diesmal hat Hildebrant sich den „Reformator" von Bartels auserfehen, der überall den stärksten Eindruck gemacht hat und der durch Stücke aus Kohdes „W i 11 e nbc r gisch Rach t i ga l l" abgerundet wird. — Daß zwei Tage nach dem Refor- mativnsfest der Evangelische Bund eine Refor- mationsseier veranstaltet, bedarf keiner Begründung; daß unter den großen Männern unserer Geschichte, bei denen unsre Zeit antnüpfen muh, Luther mit an erster Stelle steht, ist unbestritten. An seinem Geiste und seiner Glaubenskraft kann eine gesunkene, kraftlos gewordene Welt sich wieder aufrichten. — Volkshochschule. Die Intereffenten des Kurses „Weltanschauungsfragen" (Pros. Messer) roeroen auf die Anzeige in der heutigen Nummer hingemiesen. — Deutscher Sprachverein. Am Montag, 5. November, abends 8.30 Uhr spricht Professor Dr. Götze im Deutschen Sprachverein über die mittelhochdeutsch« Schriftsprache. Gäste sind willkommen. (Hörsaal des Geographischen Instituts, Brand- platz 411). Man beachte die gestrige Anzeige. — Der Gießener Radfahrer-Verein 18 8 5 veranstattet morgen, Samstag, abend in der Turnhalle am Oswaldsgarien fein Winterfest Set Verein wird dabei mit ausgezeichneten radsportliche» SHuführungen aufwarten. Zur MUwirkuna bei dem sportlichen Teil sind hervorragende Meistersahrer gewonnen worden. Auch die Mannschaften des Vereine werden vortreffliche Leistungen zeigen. — „Das Auge d e r W e l t , die Bühne für Kunst und Leben im Film, veranstaltet ihr erstes Gastspiel mit dem ersten deutschen Querschntttstlm „Henny Porten", Leben und Laufbahn einer Filmkünstlerin, im Zusammenspiel mit fast allen bedeutenden Filmkünstlern, am Samstagabend und Sonntagoormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraß,» Näheres Im Anzeigenteil. • *• Dis erste i eierlich« Immatrikv- lation findet morgen, Samstag, mittag 12 Ufrn im Großen Hörsaal des älniverfttätSg^bäudeM statt. *♦ Besichtigung unseres Krematoriums. Morgen nachmittag 4 älhr faxtet bte letzte Führung in diesem Jahr durch die Anlage des hiesigen Krematoriums statt. Da die Besichtigung im Oktober eine große Zahl von Anhängern der Feuerb.stattOng vereinigte, ist auch morgen wohl guter Besuch zu erwarten. Die Besichtigung ift kostenlos und beginnt pünktlich 4 Llhr. Siehe heutige Anzeige. ** Gin falscher Kriminalbeamter. Wie der heutige Polizeibericht mittcllt, erschien am 26. Oktober in einem hiesigen Uhrmacherladen und in einer Wirtschaft ein fremder Mann, der sich in einem Falle als Schutzpolizeibeamter ausgab, im andern Falle sich als Kriminalbeamter bezeichnete. Der Mann ist etwa 1,65 Meter groß, hat blondes Haar, frffche» Gesicht und trug eine Mütze und Autpfchugbrille. Falls er hier nochmals auftreten sollte, möge man seine Festnahme sofort veranlassen. ** Wieder ausgefunoen. Die vor einigen Tagen im Polizeibericht als vermißt gemeldete 17jährige MargareteWieth von Heer tourte infolge der Mitteilung durch die Presse von ter Butzbacher Schutzpolizei auf der Kirmes in ®rittet ermittelt und zunächst in S^utzhist genommen. Das Mädchen tourte bann vom Vater nachhausO- geholt. *• AufgeklärteKellereinbrüch«. Der heutige Polizeibericht meldet: In letzter Zait trieb ein Einbrecher in unserer Stadt fern Hn» wesen. Bei mehreren Keliereinbrüchen stahl et eingelegte Eier samt den Töp en, ferner Würste. Speckseven und Butter. Der Kriminalpolizei gelang es gestern frühmorgens, den Tä.er in seiner Wohnung zu {teilen. Eme sofortige Durchsuchung brachte eme Anzahl Würste, sowie die gestohlen«« Eiertöpse und Dauerware heraus, die von ten Geschädigten als ihr Eigentum anerkannt wurde«. Ferner fand man noch 50 Schlüssel aller Größen, die als Einbrecher-Werlzeug anzusehen sind. Sichergestellt wurden ein Schinken, übet dessen Herkunst noch nichts bekannt ist, ein Stück dicke Schinkenwurst und eine Flasche Malaga, ferner eine braune Kiste, in der sich allerlei Werkzeuge (iAlemmeisen, Steinmeißel mit dem Zeichen H. K. und zwei Hobel, sowie ein neues Zweimelermah) befanden. Dermullich stammen diese Sachen zum Teil aus früheren Bauhütteneinbrüchen. Sachdienliche Mittellungem die zur Aufklärung ter Diebstähle geeignet sind, nimmt die Krimincch» Polizei entgegen. *’ A u s der Straße gestorben. Am Mittwochabend wurde in der Wilhelmstraße eine Frau auf der Straße liegend aufgefunden. Die Bedauernswerte wurde sofort mittels Auto» nach der Klinik verbracht, wo aber nur der Tod durch Herzschlag fest- gestellt werden konnte. ** Scheuende Pferde oerursacbten gestern vormittag in der Ludwigstraße einen Unglücksfall, bei dem ein Straßenwärter von den rasenden Tieren überrannt wurde, zum Glück aber mit leichteren Verletzungen davonkam. Dr. med. Knauf leistete dem Verletzten die erste Hilfe. Dem tatkräftigen Eingreifen eines Polizeiwachtmeisters gelang es, die Pferde bald zu stellen und weiteres Unheil zu verhüten. Da» Fuhrwerk stammte aus Wieseck. "Hessischer Handwerkertag. Hessische Handtoeris- und Getoerbc-Verbcmd hält am 10. und 11. Rovember seine diesjährige Tagung in Offenbach a. M. ab. Am 10. Rovember wirb die Tagung des LandesausschusseS ftattfinten, in ter vor allem Wahlen vorgenommen toecten sollen. Am 11. Rovember wird die Hauptversammlung abgehalten, in der ter Vorsitzende Rohl (Darmstadt) den Jahresbericht erstatten wird. Anschlich.n) so.gen Referate des Land;agS- abgeordncteir La Utenbacher über „ Alters- sürsorge für das Handtoeri" und des Handtoerks- kammerd.rektors Schüttler (Darmstadt) über ten heutigen Stand ter das Handwerk berührenden Gesetzesvorlagen. ** Eine Verkaufsausstellung von Gemälden findet zur Zeit, bis einschließlich Samstag, im Hotel Schutz statt. Es handelt sich um eine Wanderausstellung Münchner und Düsseldorfer Künstler der älteren akademischen Richtung, die zusammen etwa hundert Gemälde vorführen, sämtlich zu angemessenen Preisen oerläuflich. Man findet hier hauptsächlich Landschaften, See-, Tier- und Jagdftucke, einige Stilleben und Genrebilder von Malern wie Schüchting (jetzt in Berlin), Müller-Kämpf, Walch, Schubert, Berger, Zimmermann. Liptai, Wolf, Holz, Lindemann, Prager und Prüssen. Leider sind die Raum- und Beleuchtungsoerhältnisse im Ausstel- lungssaal nicht besonders günstig. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. (Siehe Anzeige.) XOttEISE RM. 0,20-1,20 Für die Geiundheit SOttSSMLOSES MSIEREN DURCH VORHERIGES EINREIBEN MIT NalMichu Mftaah«sranksurter Str. 94. Student sucht möblierles Zimmer wünschenswert tn der Vinbe b.Stltnifcn. Schr.Ang. unt.077iil nn den Gteh. Anzetg. Student sucht gimmer für sofort. Schriltl. Angeb. u. 07763 an den Gteh. Anz. erb. Sektion Giehen. Ausnahmsweise ist morgen Samstag, 3. Uv 8'-, Uhr, unsere Monats- Verdammung. Bericht d. Verkehrs« fom-Cbmann. __Der Vorstand. <7711 verein M.'Fröhlichkeit Gießen Morgen abend Sueloe mit Atteo- hetren - Aveav. Vollzähliges Erscheinen erwünscht. *“•[) Der Vorstand. Wer erteilt Stunden im Boxen? Schrtstl. Angeb. unt. 96451) a.d. Gteh. Anz. Garten eingezäunt, zu dachten gesucht. Klimt-, Wartwegvienel. Sckr. Angebote unt. 07770 an d. G. Anz. Stellengesuche Solider, selbständ. Bäcker- gehilfe sucht Stellung in gemischtem Betrieb. Eintritt kann nach Wunsch erfolgen. Ctto Kaufmann, Viedeukovi a. b.tf. Aeliere und jüngere Mädchen ll.lMSMUN suchen Stellen. «<«0 GetverbSmähtge Stellenvermtitlung Sovllie Dülicr, Neustadt50, Tel. 1103 Ä. färbt nach neuestem Verfahren. Färberei Braubach & Fischer I * ■ K ’l - Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Nr. 259 Zweites Blatt Frankreichs afrikanische Sorgen. Militär- oder Wirtschaftspolitik in den Kolonien? Don unserem — -Berichterstatter. Nachdruck. auch mH Quellenangabe, verboten! Paris, Ende Oktober 1928. Wenn man in Deutschland an Frankreichs kolonialen Besitz denkt, so meint man vor allem das Menschenreservoir, das Nordafrika für Uri c französische Armee darstellt. Obwohl diese Dorstellung etwas einseitig ist, trifft sie d^ch auch für das französische Empfinden zu, da die geschlossene große nordwesb- afrikanische Landmasse mit kriegerischen Dölker- fchaften, die noch dazu in der Nähe des Mutterlandes liegt, schlechthin in Frankreich als die Kolonie gilt. Die Werke Mangins und Lyauteys, die sich beide für eine besondere Pflege Afrikas eingesetzt haben, taten denn auch das ihrige, diese Vorstellung im Bewußtsein d-s französischen Volkes zu verankern. So recht eigentlich ist dies aber er st nach dem Kriege geglückt, nachdem 'Frankreich den ungeheuren Wert seiner Kolonien für seine Versorgung mit Rohstoffen kennengelernt hatte. Zeigte doch gerade der damals einsehende Mangel an Kautschuk, Getreide, Fetten, Hölzern und Fellen, daß in Zeiten des Ueberbedarfs die Angelsachsen nur mit Schwierigkeit dazu zu bewegen waren, auch Frankreich etwas abzugeben, so dah die Franzosen dazu gezwungen wurden, der wirtschaftlichen Entwicklnng ihrer Kolonien ein gröhcres Augenmerk zuzuwenden als vorher. Dieser in der Weltwirtschaft wenig beobachtete Dorgang, der während des Krieges als Aus- nähm^ustand bewertet wurde, hat nun überraschenderweise zu einem Meinungsumschwung in Frankreich geführt, der neben die „alte“ militärische Kolonialschule eine ökonomisch-administrative Richtung zur Geltung kommen läßt. Diese, in der Hauptsache von Dolkswirtschaftlern und Geographen geschaffene „Schule“ sieht das Problem der kolonialen Betätigung und das Kriterium für ihre Bewertung nicht mehr in dem militärischen Gewicht eines Menschenreservoirs, sondern in den von der Handelsbilanz zu erfassenden Ueber- schüssen, die die einzelnen Kolonien abwerfen; also nach englischem Muster den Gewinn, den die koloniale Betätigung abwirft. Das ist naturgemäh nur möglich, weil die Anschauungen über den Wert der Massenheere auch in Frankreich eine starke Wandlung erlitten haben und weil man nach den Erfahrungen des Weltkrieges nicht mehr allzu viel von farbigen Truppen hält. Zwar ist kein Kolonialer, d. h. kein in den höheren Stellen der Kolonialverwaltung erfahrener Offizier dazu zu bewegen, eine derartig ketzerische Ansicht in der Oeffenllrchkeit zu äußern, aber der Generalstäbler zuckt nur noch die Achseln, wenn man ihn nach Dem Wert schwarzer Truppen fragt. Für die Besatzung erschienen sie zweifellos gut genug; aber Tanks, Schnellfeuergeschühe und Flugzeuge lassen sich eben nicht von primitiven Dölkern bedienen. Dazu kommt ein anderes, in Deutschland bisher tauSi beachtetes Moment. Das ist die in Frankreich neuerdings mächtig wachsende Tendenz, auch das kleinbürgerliche und bäuerliche Frankreich zu einem Industrielande, wenn nicht zu dem Hegmonialstaat Europas auf wirtschaftlichem Gebiete zu machen; nicht zuletzt, um damit Deutschland auf einem Gebiete zu übertrumpfen, auf dem es bislang immer noch führend ist. Der „Rückerwerb“ Elsaß- Üothringens hatte ja schon eine gute Basis gegeben. Und die französischen Kolonien sind für Wirt- schaftsexperimente besonders geeignet. Sie stellen nicht nur bei pfleglicher Behandlung einen geradezu Unwahrscheinlich ausbaufähigen Reservat- markt für französische Waren bar, sondern vermögen zugleich auch Rohstoffe und billige Arbeitskräfte für die französischen Industrien in Afrika und Europa zu stellen. Schon ijn Frieden spielten die Kolonien als Abnehmer stanzösischer Waren eine beträchtliche Rolle im französischen Außenhandel. Heute, nach dem Kriege, find die französischen Kolonien trotz der kapitalver- zehrenden Inflation mit rund einem S e ch - ste l am französischen Außenhandel beteiligt, wobei Via del Mare. Von Gustav W. Eberlein. R o m, im Herbst. In jenem Staate, wo tutto va benone, wo alles ausgezeichnet geht, in dem Lande, dessen Helle und Heiterkeit schon unsere Schulweisheit rühmt, im Italien der Schwarzhemden hat jetzt sogar Mussolini einen punto scuro entdeckt, einen schwarzen Punkt: die Straßen. Ein punto scurissimo, mit Derlaub zu sagen. Rach einer englischen Statistik kann man bei gleicher Reifenabnützung in England 100 Kilometer fahren, in Frankreich 80, in Deutschland 70, rn Oesterreich 40, auf dem Balkan 30 ... ja, und dann kommt erst Italien. Kreuzfahrer, die den Weg südlich von Rom unter ihre Gummi nehmen, oder gar über Neapel hinaus abenteuern, werden ob ihrer Tollkühnheit nach Gebühr bestaunt. Und dieses nämliche Italien hat dazwischen jene ,Autostraßen gebaut, die an Sicherheit — Einzäunung, Fuhrwerkverbot, lieber- oder Unter- fühmrna de? kreuzenden Straßen usw. — mit einem Ersenbahndamm konkurrieren können, die jedem Besucher Mailands als Sehenswürdigkeit vorgeführt werden, als Wunder der Technik. Was den Olorditaliener begreiflicherweise noch mehr aufblähte, wenn er auf den Süden zu sprechen kam: Was wollen Sie, es gibt eben zwei Italien — das unfrige liegt noch in Europa I Wir in Rom, wir hatten voll schweigendem Reid unsere Sach auf nichts gestellt, in optimistischen Anfällen vielleicht noch auf die Straßen- unterhaltungssdeuer, zu der jeder Autobesitzer herangezogen wird und vertrauen im übrigen auf den Mann, der versprochen hat, diesen schwarzen Punkt wie eine feindliche Front in Angriff zu nehmen, auf Mussolini. Das Vertrauen schien gerechtfertigt durch die verblüffende Einfachheit, mit der er eine Erbschaft von Ingenieursgenerationen liquidierte: die sagenhafte Dahn ans Meer, nach Ostia. Eines Tages berief er die Ingenieure zu sich und fragte, warm die Dahn endlich fertig werde. Achselzucken. Dielleicht in fünf, vielleicht in zehn Französisch-Afrika allein (natürlich unter Einschluß von Marokko, Algerien und Tunis) wieder fast fünf Sechstel dieses gesamten kolonialen Handels stellte. Wieviel läßt sich da also noch in Zukunft herausholen, wenn erst die Eisen-, Kohlen-, Mangan-, Kupfer- und Zinkerze auggebeutet werden, und die geplanten Baumwoll-, Kakao- und Kaffee-Plan- tagen ihre Erträgnisse abwerfen und zu dem Holzreichtum und der Oelpalme hinzukommen! Aber, so wird man in Deutschland fragen, hat denn Frankreich nicht auch Schwierigkeiten, die dieses Programm hindern, oder gar aussichtslos erscheinen lassen? Gibt es keine Eingeborenen- frage, fein, um ein Schlagwort zu gebrauchen, „Afrika den Afrikanern?" Auf eine derartige Frage kann man, heute wenigstens, nur mit einem glatten Nein antworten. Irgendein Eingeborenenproblem, das mit der Unzufriedenheit mit der französischen Herrschaft zusammenhängt, gibt es in den französischen Kolonien Nordafrikas nicht, einfach aus dem Grunde, weil der kulturelle Abstand zwischen den Franzosen und Negern so groß ist, daß niemand darüber im Zweifel sein kann, wer der Ueberlegene. ist. Und in den Gebieten, wo es die Franzosen mit einer relativ höherstehenden Bevölkerung zu tun haben, wie in Tunis, Algerien und Marokko, da hat man von vornherein derartige Gefahren vermieden, indem man Eingeborene und Franzosen gleichstellte. Ja, um diese Frage ganz ungefährlich zu machen, ist man in Frankreich sogar noch weiter gegangen und hat — eine äußerst bedeutungs- Iahren — die unzuverlässigen Arbeitskräfte, die Malaria, kein Geld vorhanden, Exzellenz wissen ja. ... Ja, ich weist, antwortete Mussolini. Ich weist, daß am 1. August dieses Jahres die Dahn fährt, verstanden?! Am 1. August fuhr die Bahn. Fehlte noch die Strasts nebenher. Besserer Saumweg das, auf und ab, weich wie Pudding, voll Schafherden, immer in undurchdringliche Staubwolken gehüllt. Dabei nahm der plötzlich entdeckte Lido in Ostia einen ungeahnt raschen Aufschwung. Weit mehr Menschen haben das Bedürfnis, im Meer zu baden, als durch das antike Ostia, das römische Pompeji zu schlendern. Das alte Travertirrpflaster wurde dort seit der Einstellung des Digaverkehrs kaum mehr abgenützt, für die einsamen Ruinen schien jeder Zugang gut genug. » Nölens Polens fing man nun an, an der Landstraße hemunzumurtsen. Dort wurde ein Loch zugemacht, hier eines aufgemacht, links ein Baum gefällt, rechts ein Stacheldrccht gezogen. Die Leute von Ostia grollten, die Autofahrer platzten vor Wut wie chre Reifen. Die Amerikaner sagten: Wenn eine Hauptstadt bei uns zwanzig Kilometer in der Luftlinie vom Meeresstrand entfernt liegen würde, Dann wäre dazwischen längst kein malariaverseuchter Steppengürtel mehr, dann wäre — — nun, es ist ja bekannt, wie Amerikaner das ausdrücken. Mussolini winkte sich die Herren Ingenieure heran. Im notigen Sommer fuhr man mit der Dahn nach Ostia, in diesem Frühjahr wichen die Autofahrer der Straße noch in großem Dogen aus, heute sieht das Bild folgendermaßen aus: Rom ist mit Dem Meer durch eine fast schnurgerade, überaus breite Straste verbunden, eine nur für Automobile freigegebene Straße. Links und rechts laufen andere Straßen für den übrigen Verkehr. Die Steigungen wurden nahezu ausgeglichen, wie die Kurven. Jede Geschwindigkeit ist erlaubt. In wenigen Minuten saust man von seiner Arbeitsstätte ans Meer. Nachts ist die Straße durch ein besonderes Deleuchtungs- shstem so erhellt, daß man nur mit Stadtlichtern £ volle Neuerung — für die primitiveren Gebiete eine Klasse von Eingeborenen geschaffen, „indigönes d’61ite", die mit diesem Titel auch das Recht auf Gleichstellung mit den Franzosen erhalten. Dagegen kennt die neue koloniale Richtung in Frankreich eine andere und wie es scheint sehr viel berechtigtere Sorge: das ist die Frage, ob denn Frankreich auch allein die Kapitalkraft und den kolonialen U n t e r n e h m e r m u t aufbringen wird, um seine Kolonien zu erschließen. Das ist allerdings ein Problem, das nicht so leicht zu lösen sein wird, da diese Art der Wirtschaft 'den Franzosen nicht übermäßig liegt. Er ist zu vorsichtig und mißtrauisch, um sein Geld für Unternehmen herzugeben, die erst in Jahren Gewinne abzuwerfen vermögen. Das bringt natürlich die Gefahr mit sich, daß andere Völker, also vor allen Dingen Angelsachsen und Amerikaner, sich für die französischen Kolonien und ihre Erschließung interessieren werden und so einen Einfluß gewinnen, der den politischen Plänen der Franzosen nicht paßt. Hiergegen gibt es allerdings ein Mittel, von dem Gebrauch zu machen die Franzosen sich auch nicht gescheut haben, nämlich Vorzugszölle und hohe Schutz, zolle für ihre Kolonien. Aber es ist eben doch die Frage, ob das auf die Dauer nützt. Denn die Tendenz der Weltwirtschaft wird zweifellos diesen Versuchen der Franzosen, sich eine Art eigenes Rohstoff- und Absatzmarkt-Reservoir in Nordafrika zu schaffen, auf die Dauer entgegenwirken. fährt und fahren darf. Keine Blendgesahr mehr. Kein Staub. Amerikanisch, diese Via del Mare. Am 28. Oktober, dem Jahrestag des Marsches auf Nom wurde sie elngeweiht. Dald wird ihr eine Via del Monte folgen, auf den Monte Eavo hinaus; tausend Meter über dem Meeresniveau Roms. Oie Sekretärin. Von Bernhard Zebrowski. Sie weiß es besser. Aber sie sagt es nicht. Sie sagt es nun gerade rricht. Und weil sie es nicht sagen will, ist sie beleidigt. Sie ist überhaupt immer beleidigt. Aber auch das sagt sie nicht. Sie gibt es nur zu verstehen. • Sie hat eine Uhr. Die Uhr geht falsch. Bemerkt man beiläufig, die Uhr gehe wohl nicht ganz richttg, so ist die Sekretärin beleidigt. Aber sie sagt es nicht. Sie gibt es nur zu verstehen. Sie führt einen zähen, stillen Krieg gegen, gewisse Worte. Sie haßt das Wort „unerbittlich". Sie schreibt: „unerbitterlich". Man belehrt sie, man bittet, man dwht. Die Sekretärin bleibt unerbitterlich. Sie weist es besser. Sie haht das Semikolon. Dikttert man ein Semikolon, so ist sie beleidigt. Aber sie sagt es nicht, sie gibt es nur zu verstehen. Die Sekretärin lacht, wenn es nichts zu lachen gibt. Will man ihr Veranlassung zum Lachen geben, so ist sie beleidigt, sie gibt zu verstehen, daß sie verlobt ist. Seit drei Jahren. Mit einem Ingenieurstudenten. Bisweilen kauft sie sich ein neues Kleid. Sie tut so, als sei ihr das nicht wichtig. Tut man auch so, als sei einem das nicht wichtig, ja,_ als sähe man es gar nicht, so kündigt die Sekretärin. Wegen Mißhandlung. Aber sie sagt es nicht. Sie gibt nur zu verstehen, daß sie beinahe gekündigt hätte. Sie kocht einen bemerkenswert miserablen Tee. Aber sie sagt, ihve selige Mutter habe den Tee Sie Kmstschätze der Zaren unter dem Hammer. Berliner Ausverkauf der Leningrader Eremitage. — Als für einen Tizian noch 150 Taler gezahlt wurden. Von Albert Müller. Demnächst wird das Berliner Kunst- Haus Lepke das Jubiläum seiner 2000. Auktion feiern können. Bei dieser Gele- genhett werden Kunstwerke aus den Leningrader Museen und Schlössern, aus der Eremitage, dem Palais Michailow und vielen anderen öffentlichen russischen Sammlungen zur Versteigerung gelangen. Die großen Sammler und mächtigen Händler, die sich in nächster Zeit in dem stattlichen Haus der Firma Lepke an der Potsdamer Straße in Berlin versammeln werden, heben nur einen Finger, wenn sie das vorliegende Gebot um 10 000 Mk. überbieten wollen, und sie begnügen sich, leicht mit dem Kopf zu nicken, wenn es sich um 1000 Mk. handelt. Bei den Gemälden alter Meister, den Italienern, Holländern und Franzosen, und wahrscheinlich auch bei den wundervollen Wandteppichen des 17. und 18. Jahrhunderts, wird es sich zweifellos niemals um geringere ileberbietungen als um 1000 Mk. handeln, obwohl es im Reglement nur heißt, daß bei Objekten bis zu 100 Mk. um eine Mark, und bei wertvolleren Gegenständen um 5 Mk. gesteigert wird! Aber mit Kleinigkeiten gibt man sich bei dieser 2000. Auktion nicht ab, die eigentlich schon eine höhere Ziffer tragen müßte, da inzwischen einige Versteigerungen mit der fortlaufenden Nummer 1999 A, 1999 B usw. statt- gefunden haben. Bei einer so großen Zahl von Auktionen gibt es natürlich nicht allein Höhepunkte; es ist ein erstaunlicher Weg von der zufälligen „Auktion antiker Spitzen aus Brüssel" und der Versteigerung von Kunstgegenständen aus der Konkursmasse des Sparkassenrendanten Voß aus Verden bis zum Kunsthandels- kauf von Weltruf zurückgelegt worden, bis zu einem Haus, das in seinen Ausstellungsräumen jetzt als Auktionator der russischen Regierung neben den erwähnten alten Gemälden kostbare französische Ziermöbel des 18. Jahrhunderts, Prunkgefäße, goldene Tabakdosen, Die mit Brillanten und Edelsteinen übersät sind, und hervorragende Plastiken zeigen kann. Die zweitausend Auktionen, die das Haus Lepke während der sechs Jahrzehnte seines Bestehens veranstaltet hat, stellen ein bedeutendes Stück europäischer Kunst- und Sammlergefchichte Dar. Die' Firma, Der es heute gebührt, mit Christie und Setheby in London und den weltbekannten Amsterdamer Auktionshäusern auf gleicher Stufe gestellt zu werden, hat sich aus sehr bescheidenen Anfängen enttoidett; sie hat ursprünglich Auktionen jeder Art veranstaltet, dabei aber zweifellos stets einen guten Griff gehabt — wie z. D. 1872 mit der Versteigerung des Nachlasses von Alexander von Humboldt in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit. Gerade dieser Nachlaß, der Humboldts Kainmerherren- uniformen, seine 17 Orden, die Arbeitslampe, ein Geschenk Friedrich Wilhelms IV., Sextanten. ein Mikroskop, Thermometer, Fernrohr und als Kuriosum seinen Reisepaß au^ Paris vom Jahre 1798 enthielt, lockte die Sammler mächtig; einige Stücke aus Der letzten Abteilung des Humboldtschen Nachlasses wanderten sogar in Die Hand eines Petersburger Liebhabers. Aus den Preisen, die für Den Nachlaß erzielt wurden, ersieht man, daß die Berliner Liebhaber, obwohl sie zum Tell aus den Kreisen des Hofes stammten, für ihre Passionen noch nicht sehr viel Geld anzulegen hatten; brachte doch die zweite Abteilung, obwohl sie auch einen Pokal, ein königliches Geschenk und wertvolle Stücke chinesischen Porzellans enthielt, nur 166 Taler uno 20 Groschen. Ueberhaupt die Preisnotizen der Kataloge! Auf der Versteigerung der Sammlung Costa im Jahre 1872 wurden für den „Juwelier" von Tizian 150 Taler bezahlt, und diesen Preis hat Lepke als besonders bemerkenswert in seinem Katalog dreifach unterstrichen; „Zwei Türken" von Tie- p o l o brachten zusammen 99 Taler, was gleichfalls ein Ereignis war, „Narciß" von van Dyck ergab 49, ein Pousfi n 24 und ein Canaletto ganze 34 Taler. Im Jahre 1912 dagegen brachten bei Lepke zwei Bilder von Tiepolo aus der Galerie Weber, die freilich künstlerisch Wertpoller waren, zusammen 130 000 Mark, unö ein Tizian 22 500 Mk. Typisch ist ferner, daß bei der ungefähr gleichzeitigen Betz-, fteigerung der Naumannschen Sammlung neben CBerfen von Dürer. Rembrandt, van der Meer, Murillo usw., die alle nicht anpriesen, sondern höchstens mit der Bemerkung „keck gemalt“ versehen werden, der Katalog sehr viele Bllder aufweist, deren Maler einfach als „Unbekannt" bezeichnet wird — eine schlichte Bezeichnung, die Den heutigen Leiter des Hauses, Herrn Krüger, dessen besonderes Verdienst die Srtitag, 2. November 1928 wissenschaftliche Exaktheit Der Auktionskataloge ist, zu der etwas melancholischen Frage veranlaßt: „Was mag sich hinter jenem „Unbekannten" nicht alles verborgen haben?" „Die Ausstattung 4unb sorgfältige Durcharbeitung der Kataloge, wie sie kein anderes Land für seine Kunstaukttonen aufweilen kann" — wie Wilhelm von Bode einmal schrieb — hat dem Ansehen des Hauses außerordentlich genützt. Sie erleichtert den Liebhabern und Händlern den HebcrElid und die Bewertung der Objekte, und wer gezwungen ist, seine Sammlungen zu veräußern, erhält durch sie eine letzte Genugtuung, weil sein der Zerstreuung verfallenes Werk wissenschaftlich noch einmal zu einer Einheit zusammengefaßt wird. Wenn man Lepkes große Kataloge der Sammlung Lanna, der Sammlung von Gerhardt und der Galerie Weber mit ihren genauen Beschreibungen, ihrem ungeheuren Bil- Dermaterial heute durchsieht, dann kann man sie wirklich als Denkmäler jener nun nach allen Himmelsrichtungen zerstreuten Kollektionen betrachten. Die Auktion, durch die eine mit vieler Mühe geschaffene Einheit zerrissen, wird, scheint eine besondere Härte zu fern. Dieses Gefühl schien selbst die Leiter des Hauses Lepke zu beschleichen, als der Freiherr von Lanna in Prag, einer der berühmtesten Sammler der Vorkriegszeit, im Jahre 1909 sich eines Teiles seiner Bilder und Porzellane entäußern mußte, während er den Rest, allerdings noch etwa 1700 „Nummern“ nicht aufgeben wollte, sondern bis zu seinem Tod, der wenige Monate nach der erften schmerzlichen Versteigerung eintrat, buchstäblich darin lebte. Als nun nach dem Tode des Freiherrn auch der Rest bei Lepke zur Auktion kam (1910). fand der Katalog in der Wehmut über den Zerfall nur ein Trostmittel: daß nämlich, seit amerikanische Sammler eine der berühmtesten Kunstsammlungen des Kontinents nach ter anderen als Ganzes über Den Ozean entführten, nur die Versteigerung die Möglichkeit zulasse, die wichtigsten Kunstdenkmäler in Europa zu behalten. Diese Klage über die amerikanische Kaufwut vier .Jahre vor dem Kriege ist sehr bemerkenswert; inzwischen ist es noch schlimmer geworden, da auch auf Auktionen nicht immer die Mittel vorhanden sind, um die wichtigsten Kunstwerke für Europa zu erhalten. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Auktionshauses von Lepke war die Versteigerung Der berühmten Galerie Weber in Hamburg wenige Jahre vor dem Krieg. Der Konsul Weber hatte im Jahre 1864 das erste Bild, das „Pantheon" von Bernardo Bellotto, als Grundstock seiner späteren Sammlungen erworben. Schon in den achtziger Jahren waren sie umfangreich geworden. Daß Die große Villa des Konsuls an Der Alster nicht mehr ausreichte, und ein Nachbarhaus in eine Galerie umgewandelt werden mußte. Einige Jahre nach seinem Tode sah sich Die Witwe zur Aufgabe des wertvollsten Teiles der Galerie genötigt; so kam es 1912 zu der berühmten Auktion bei Lepke. Das Gesamtergebnis betrug 41/* Mill. Mark; das war ein Rekord für Lepke und den deutschen Kunsthandel überhaupt. Das Resultat vermag auch neben dem Erlös der vor wenigen Monaten bei Cassirer und Heldin g versteigerten Sammlung Huldschinsky zu bestehen. Der höchste bezahlte Preis auf der Auktion der Galerie Weber war 590 000 Mark für einen Mantegna, übertraf also sogar die 570 000 Mark für einen Rembrandt aus Der Sammlung Huldschinsky. Von den Rembrandts der Galerie Weder brachte im Jahre 1912 einer 117,000, ein äußerer 225 000 Mark. Die Galerie Weber und Die Erinnerung an ihren Gründer ist noch einmal lebendig geworden, als im Februar dieses Jahres nach Dem Tode der Witwe des Konsuls auch der Rest Der Sammlungen. Darunter jener Bellotto, bei Lepke versteigert wurde. Einen Höhepunkt konnte dieser Rest aber nicht mehr bedeuten. Wenn man die Kataloge der letzten zehn Jahre durchblättert, fällt es auf, wie sehr sie besonders in den Inllations- jähren zusammengeschrumpft sind, als es wenig Sinn hatte, wirklich wertvolle Kunstgegenstände in Deutschland zu versteigern. stets auf diese ganz vorzügliche Weise zubereitet, und im übrigen..., und geht beleidigt hinaus. Manchmal verliebt sie sich. Dann kann sie plötzlich „unerbittlich" schreiben. Dann liebt sie plötzlich das Semikolon. Dann wartet sie beim Diktat auf das Semikolon und bringt es mit wohl- lüftigen Demutsgefühlen zu Papier. Dann war es auf einmal nicht so ernst mit dem Ingenieurstudenten. Sie ist verliebt, aber sie sagt es nicht. Sie gibt es nur zu verstehen. UnD dann muß man ihr kündigen. Unerbift erließ. Mediziner-Anekdoten. Der berühmte Berliner Arzt und derzeitige Rektor der llniberfität Prof. Dr. W. H i s veröffentlicht im Novemberheft von V e l h a g e n & Kinsings Monatsheften Erinnerungen an Leipzigs medizinische Größen, u. a. an Carl Ludwig, der als bahnbrechender Physiologe ein wahrer Praeceptor mundi war. Groß, hager. Glattrasiert, flößte er schon durch sein QleußereeS iespekt ein. Seine Vorlesungen waren sachlich, klar und knapp. Auch über sarkastischen Witz verfügte er. Eines Tages zeigte er den Studenten einen Frosch. Dem das Großhirn entfernt war. Das hat beim Frosch geringe Folgen; das Tier hüpfte munter auf dem Tisch herum und siel schließlich zu Boden. Alles lachte. Ludwig sagte: „Sehen Sie, meine Herren, wie wenig Gehirn dazu gehört, eine Menschenmenge zum Lachen, zu bringen." — Auch von Carl Thier sch, dem großen Chirurgen, der die Antisepsis und den Darackenbau in Krankenhäusern einführte, erzählt His u, a. eine nette kleine Geschichte. Thier sch war verheiratet mit einer Tochter des Chemikers Justus von Liebig, einer Frau, Die ihre Schönheit und Jugendlichkeit bis ins höchste Alter bewahrt hat. Gelegentlich einer Feier stellte er sie Körrig Albert vor. Galant meinte dieser, man müsse fragen, welche die Mutter, welche die Tochter sei. „Majestät," erwiderte Thiersch, „die ältere ist die Mutter, Die jüngere die Tochter.“ parlamentarisches aus Krähwinkel. Auch ein Beitrag zur tzerfaffungsreform. Berlin, I.Dov, (Eigene Meldung) Se kleiner die deutschen Läirder, desto häusiger die Re- gierungslrisen. Es wäre doch gelacht, wenn der durch die Reichsversassung garantierte Parlamentarismus es nicht fertig bringen sollte, selbst in Mecklenburg-Strelitz ab und zu eine ausgewachsene Regierungskrisis herauszu- bringen. Dieses Musterland für die Schönheiten der parlamentarischen Demokratie hat sich inzwischen eine Dauerkrisis zugelegt. Das liegt daran, daß die Mehrheitsverhältnisse im Mecklenburg-Strelitzer Parlament durchaus ungeklärt sind. Hinzu kommt, dah die Stellung der politischen Parteien, vorsichtig ausgebrückt. etwas von derjenigen abweicht, die dieselben Parteien in gröberen Ländern und im Deich einzunehmen pflegen. Man sagt, daß hierbei persönliche Stimmungen und Verstimmungen eine gewisse Rolle spielen. So konnte es geschehen, daß die Deutschnationalen und überhaupt die Rechte dort im engsten Einvernehmen mit den Demokraten, insbesondere mit Herrn Hustädt, leben, während der einzige Volksparteiler im Meck.enburg-Strelitzschen Parlament sich mit den Sozialdemokraten verbündet hat. Rach der letzten Krise kam nicht einmal eine vollständige Ministerwahl zustande, indem zwar Herr v. R e i b n i tz mit einer Nasenlänge Vorsprung vor seinen Gegenkandidaten zum Mecklenburg-Strelitzschen Etaatsminister gewählt wurde, in dem aber der zweite Bewerber (zwei Minister gibt es in diesem Land) mit Pauken und Trompeten durchfiel. So muhte Mecklen- burg-StreliH es ertragen, dah seine Geschicke nur durch einen Mann gttenkt wurden. (Sn einem ähnlich großen, preußischen Kreise macht dasselbe übrigens ein Landrat, der von den Mehrheitsbeschlüssen seines Kreistages unabhängig ist.) Run hatte sich aber Herr v.Reibnitz die Unzufriedenheit zahlreicher Leute zugezogen. Das hing mit dem berüchtigten Fall Sacu- b o w s k i zusammen, an dem der Demokrat Hustädt als ehemaliger Mecklenburgischer Sustiz- minister irgendwie beteiligt ist. Die Fraktion Hustädt, ein Sammelsurium aus Demokraten und Mittelstandsleuten, brachte ein Mißtrauensvotum ein, das mit Stimmengleichheit ab - gelehnt wurde. Herr v.Reibnitz kann also vorläufig bleiben. Die Regierungskrise in Mecklenburg ist damit natürlich nicht beendet. Man fragt sich aber, ob es auf di« Dauer so weitergehen kann, daß in einem so Leinen Lande, das längst nicht mehr imstande ist, seinen Pflichten als Land finanziell zu genügen, ein derartiger parlamentarischer Aufwand getrieben werden darf. Wenn irgend etwas die Forderung nach einer gründlichen Reichsreform berechtigt erscheinen läßt, dann sind es diese Vorgänge in den deutschen Duodezstaaten, die als Heberbleibsel einer früheren staatsrecht- lchen Entwicklung in unsere Zeit hineinragt. Wenn überhaupt von einer Verwaltungsverein- fachuna die RÄ>e ist, dann ist es notwendig, in Deutschland die Gnklavenwirtschaft zu beseitigen und dafür Sorge zu tragen, daß die leistungsunfähigen kleinen Länder endlich eine Verwaltung erhalten, die ihren Möglichkeiten und Notwendigkeiten entspricht. Dabei braucht es keineswegs zu geschehen, dah wirkliche oder vermeintliche Kulturzentren lahmgelegt und einem falsch verstandenen Zentralismus und Bureaukra- tismus zum Opfer fallen. Man sollte endlich dazu übergehen, diese verwaltungs- und wirt- schaftspolitrschen Realitäten stärker ins Auge zu fassen und nicht mit falschen sentimentalen Gründen die Verwirklichung dringender staatspolitischer Notwendigkeiten hintanhallen. Oberhessen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 2. Nov. Der Zweckoerband Wieseck-Alten -Buseck stellt ab heute einen neuen Wagen in Betrieb. Dieser Wagen ist. genau wie sein Vorgänger, mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehen. Er ist als Ersatz für den am Himmelfahrttage bei Leidenhofen verunglückten Wagen beschafft worden. 8 Grünberg, 1.Nov. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist u. a. folgendes zu be- richtens Die Gießener Straße soll vom Färb- graben bis an die Metzgerei und Wirtschaft Schmitz. Londorfer Straße, kanalisiert werden. Das Kulturbauamt Gießen soll um sofortige Ausarbeitung eines Kofkenvoranschlags gebeten werden. Auf Anregung des Oberstudienbirektors Angelder- g e r wird eine Kommission gewählt, die die Errichtung eines Badeplatzes beraten soll. Gewählt wurden in diese Kommission: Oberstudiendirektor Anaelberger, Rektor B e i n l e r, Heinrich Robert, der Vorsitzende des Eisvereins, Lehrer Wenzel, der 1.Sprecher des Turnvereins, Beig. Keller, die Gemeinderäte Zin- ßer, Haas, Schmidt, Roth und Rühl. Am nächsten Sonntag soll die Kommission die in Betracht kommenden Gelände besichtigen. * Lich, 1. Nov. Der Snitiative tes Volksbildungsvereins haben wir es zu danken, daß nach einer Reihe von Jahren wieder einmal das Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main für einige Gastspiele in unserem Städtchen verpflichtet worden ist. Als erstes Stück gingen am Mittwoch Ludwig Fuldas „Gegenkandidaten" über die Bretter. Wir konnten mit Vergnügen feststellen, daß die Leistungen der Künstler durchaus auf einer recht beachtenswerten Höhe standen. Kräftiger Bei,'all toste in der lachlustig gestimmten zahlreichen Zuschauermenge. Di« weiteren Veranstaltungen die.er vorzüglichen Künstlertruppe versprechen nach dieser ersten Kostprobe gewiß noch recht Wertvolles. L Hunaen, 1. Roo. Heute fand hier der starkbesuchte Allerheiligen-Markt statt. Auf dem Schweickemarkt standen 428 Ferkel zum Verkauf, von denen nach gutem Handel geringer lieber» stand verblieb. Es kosteten: Ferkel bis sechs Wochen alt 12 bis 15 Mark, sechs bis sieben Wochen 15 bis 19 Mark, acht bis zehn Wochen 20 bis 30 Mark je Stück. Zum ersten Male wurde auch Schafmarkt abgehalten, der sich eines guten Besuches seitens der Kaufinteressenten erfreute. Aufgetrieben waren hier 152 Tiere. Man bezahlte für Schaflämmer 30 bis 40 Mark, Mutterschafe 40 bis 60 Mark, Schlacht- Hammel 40 bis 50 Mark. Abgesehen von dem Handel in Mutterschafen, der flau war, verlief das Handelsgeschäft gut. Es verblieb nur in Mutterschafen etwas Ueberstand. Der Krämermarkt, aus dem Die Jagd im November. „Das ist des Sägers Ehrrnschild, Daß er beschützt und hegt sein Wild, Weidmännisch jagt, wie sich's gehört, Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt. Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, Die Lieb' zum Wild den Stutzen führt: Drum denk' bei deinem täglich Brot, Daß auch dein Wild nicht leide Rot. Schütz' es vor Mensch und Tier zumal, Verkürze ihm die Todesqual. Sei außen rauh, doch innen mild. Dann bleibet blank dein Ehrenschild." Dieser Leit- und Mahnspruch Riesenthals an den Weidmann möge jedem, der diesen Ehrentitel führen will, immer im Ohre klingen, wenn mit dem Hubertustag (3. Novbr.) die Winter- jagden beginnen und wenn der gestreng« Herr mit Eis und Schnee seinen Einzug hält und des Wildes Not droht. Es ist eine schiine Zeit, „wenn im Wald die Hunde lustig jagen", aber auch eine Zeit, in der sich der Revierrnhaber einer Verantwortung gegenüber Weidwerk und Wild bewußt sein muh. Das Rotwild hat seine Brunft beendet und ucht die warmen Dickungen auf. Der starke Hirsch hat sich vom Rudel getrennt, bei dem nur schwache Hir'che geblieben sind. Sn pfleglich behandelten Sagten ist die Sagö auf den Geweihten, so weit es sich nicht um cchschußreise Stücke handell, die im Interesse des Wildstandes weggenommen werten sollen, nach Feiste und Brunft vorüber. Der planmäßige Abschuß erstreckt sich jetzt auf das Kahlwild, Gelttiere, Schmaltiere und Kälber. Die Fütterungen sind in Ordnung zu bringen unb zu beschicken, damit sich das Wild an sie gewöhnt und im Falle der Wintersnot weiß, wo ter Tisch gedeckt ist. Das fesselt es ans Revier und verhindert ein Ilmherwechseln über gute und schlechte Grenzen, wie auch ein Auswechseln in Reviere, wo man besser für es sorgt. Damwild steht noch in ter Brunft, die im Laufe des Monats zu Ende geht. Das Schwarzwild ist seist. Sein Tisch ist in diesem Jahr überall, wo es in Eichengebieten vorkommt, bei ter reich:n Eichelmast reich gedeckt. Sollte ter Monat schon Schnee bringen, so wird man ihn zum Festmachen und Treiben benutzen. Rehwild hat Schußzeit, und zwar in beiten Geschlechtern. Sn Preußen sind im allgemeinen Kitze vom Abschuß ausgeschlossen. Der Dock wirft ab und verliert damit für den Weidmann seinen Reiz. Gestattet die Stärke des Wild- stantes einen Abschuß von weiblichem Wild, oder verlangen ihn ein ungünstiges Geschlechtsverhältnis, oder forstliche oder landwirtschaftliche Rücksichten, so sollte er planmäßig erfolgen uni) sich auf Schmalrehe, kümmernde oder schwache Stücke und Kitze erstrecken. Die starke Rick« ab» schießen, heißt das Kapital vernichten und vielleicht auch noch die Zinsen einbüßen, wenn die mutterlosen Kitzen einem ftr engen Winter zum Opfer fallen. ist vielfach unbekannt, dah diese bis in den Dezember hinein von der Ricke gesäugt werden. Planloser Abschuß bedeutet also jagdliche Mißwirtschaft. zahlreiche Budengeschäkte zugegtzn waren, hatte gleichfalls lebhaften Besuch: es wurde rege gekauft. ^Obbornhofen, 1. Nov. Die N e u b e schiefe r u n g des Kirchturms ist vollendet. Gestern wurde der schmucke Turm mit einem neuen Wetterhahn gekrönt. Der neue Wetterprophet ist seinem Vorgänger nachgebildet und besteht aus Kupferbronze. Nach altem Brauche wurde er heute, bevor er in luftiger Höhe angebracht wurde, den Dorf- b.'wohnern gezeigt, wobei zwei Konfirmandinnen und ein Dachdecker von Haus zu Haus gingen und Eier und dergleichen in Empfang nahmen. Die Neudeckung des Turmes ist in altdeutschem Stil durchgeführt. Die Arbeiten wurden durch Dachdeckermeister Eber- s o hn von Hungen unter Leitung des hessischen Hochbauamts Gießen durchgeführt. Kreis Büdingen. * Nidda, 1. Nov. Sn der hiesigen Gewerbeschule nahm jetzt das Winterseme- st e r seinen Anfang. Es hatten sich zu der Eröffnungsfeier außer dem grsamten Lehrpersonal die Mitglieder tes Aufsich srats und 88 Schüler eingefunden. Von letzteren besuchen 21 di« Unter- klafie und sind neu eingetreten, während die beiden Oberklafsen von früheren Schülern ae- bildet werden. Sm Namen tes Aufsichtsrats der Anstalt begrüßte Pfarrer Laut in herzlichrn Worten die Schüler und richtete an sie beherzigenswerte Ratschläge und Ermahnungen zu eifrigem Streben in ihrer Berufsausbildung. Rektor Vitt, der Leiter der Gewerbeschule, erläuterte alsdann tert Lehrgang in den einzelnen Klassen, die sich wieder in Abteilungen für Dauhand- werker, Maschinenschlosser, Elektroinstallateure, Möbelschreiner, Maler und Weißbinder teilen, so daß eine gründliche Ausbildung für zukünftige Handwerksmeister erworben werden kann. Außer tem Schulleiter unterrichten an der Gewerbeschule noch vier Gewerbelehrer und drei Lehrkräfte im Nebenamts. Mit der Gewerbeschule ist eine gewerbliche Fortbildungsschule verbunden, die die Lehrlinge in fünf Klassen mit elf Schülern zur Gesellenprüfung vorbereitet. An dieser Schule unterrichten außer einem Berufsschule (ehrer noch zwei Gewerbelehrer. Der größte Teil ter Schüler kommt von auswärts. Günstige Bahnverbindung nach Nidda kommt den Schülern hierbei gut zustatten. Der Gewerbeschule Nidda find außerdem noch die gewerblichen Fortbildungsschulen in Reichelsheim, Echzell, Hungen, Laubach und Schotten angegliedert. Den Fachunterricht an diesen erteilen hiesige Gewerbelehrer. Dur in Schotten hat ein solcher fernen Wohnsitz. # Ober-Widdersheim, 1. Nov. Bei der Treibjagd des Iagdpächters Karl E i s e r I. von hier, die dieser Tage im Steinheimer und halben Ober-Widdersheimer Gemeindewald unter Beteiligung von 18 Jägern stattfand, wurden zwei Rehe und 14 Hasen zur Strecke gebracht. Während der Bestand an Rebhühnern in diesem Jahre gut ist — es wurden vor Beginn der Schußzeit Ketten von 14 bis 16 Stück gezählt — entspricht der Hasenbestand nicht den gehegten Erwartungen. Die Fasanen haben sich in den letzten Jahren gut vermehrt. Kreis Schotten. - Ginartshausen, 1.Nov. Das in unserer Gemarkung liegende PachtgutSchellenhof, tem Grafen von Solms-Rödfiheim zu As enh im gehörend, hat sich seit zwei Jahren auf reine Wiesen- und Weidenwirtschaft um» gestellt. Für dies« Maßnahme war bit Umstand bestimmend, daß das Ackerland, auch bei Allen vorgenannten Wildarten gegenüber aber sollte ausnahmslos ter Grundsatz gelten: „Allem Wild, das auf Schalen zieht, gebührt die Kugel." Nur dadurch wird dem Stück ein langsames Sichhinquälen erspart, wie es der Schrotschuh häufig zur Folge hat. und eine erfolgverspre» chente Nachsuche gewährleistet. Die Hasenjagd hat im Oktober schon begonnen, doch die Hauptzeit beginnt jetzt erst. Sst es im Felde noch unruhig, so rückt Lampe gern ins Holz. Seht aber dann dort der Dlattfall ein, so wechselt er gern wieder ins Feld zurück, wo er ältere Sturzäcker, Gras, Hecken u. ä. für seine Sasse aufsucht. Damit beginnt denn auch me-fjr und mehr sein Abschuß im Felde. Dieser wird gern auf ter Suche oder in kleinen Streifen über das Feld ausgrübt. So beliebt diese Sagbart auch sein mag, so wenig wirtschaftlich ist sie und für Reviere mit einem nennenswerten Hasenabschuh mi verwerfen. Sie bringt Unruhe ins Revier und veranlaßt den öfters hochgemachten, von Hunten gehetzten, vielleicht auch an» geflickten Mümmelmann, gastlichere Gefllte auf- zusuchen. Der Schuh auf den vom Schützen fortftüchlenten Hasen veranlaßt zu schlechten und Weitschüssen, die häufig das Stück nicht zur Strecke Bringen und es trotzdem eingehen lassen. Drum erzielt ter Revierinhaber den besten Erfolg, der den Abschuß auf einer Winter- tret&iagb erledigt und sonst sein Revier in Ruhe läßt. Wir haben Beispiele aus der Umgebung von Gießen, wo in bestimmten Revieren früher bei Suche 30 bis 40, heute beim Treiben 1Ö0 bis 200 Hasen geschossen werten. • Wo sich der F a s a n « n^bestand wieder erholt hat, können Hähne abgeschossen'werten, während Hennen überall geschont werden sollten. Die Fütterungen sind nunmehr unbedingt in Ordnung zu bringen. Man fertig« Schutzdächer aus Fichtenreisig oder Ginster von 4 bis 6 Quadratmeter Größe an, die fich auf kleinen Pfählen so hoch über den Boten erheben, dah die Tiere gut darunterlaufen können. Hier sollen sie Dreschabfall oder Heublumen finden, in die man die eigentlichen Futtermittel: Mais, Sonnenblumensamen, Holunderbeeren, zerstückelte Rüben oder gekochte und zerkleinerte Knollen von Topinambur streut. Bei keinem anderen Wild ist rechtzeitige und regelmäßige Fütterung so wichtig, wie bei ihm. Das Rebhuhn hat noch Schuhzeit, hält aber nicht mehr. Auch seine Fütterung sollte zum mindesten vorbereitet werten. Die Waldschnepfe liegt gern in gemischten Destänten, bevorzugt tagsüber trockenere Lagen, um abends auf Wiesen oder Feldern einzufallen. An solchen Stellen kann sie mit kurz suchendem Hund gejagd werten. An Gräben und ilfern liegt die Bekassine, auf Bächen und Flüssen fällt die Ente ein. Bringt der Monat Kälte, so ist mit einem Zuzug nordischer Enten zu rechnen. Der B^g tes Fuchses ist nunmehr gut. Freudig 'gt ter Schütz« den roten Räuber zur Strecke der Waldtreibjagd, deren Zierde er bildet. Hubertus. intensivster Düngung, weit geringere Erträge abwarf als die gleiche Fläch« in der Ebene. Ungünstige Erntezeiten verschlechterten noch das Ergebnis. Deshalb sah sich ter derzeitige Pächter veranlaßt, das vorhandene Ackerland in Wiesen umzuwandeln und damit die Grundbedingung zu einer ausgedehnten Viehhaltung zu schaffen, worauf Klima und Höhenlage hinwiesen. Das Personal konnte stark reduziert,, ein Teil des Zugviehs abgeschafft wertem Die Milch wird täglich direkt den Verbrauchern in Schotten zu- geführt, so dah ter Zwischenhandel ausgeschaltet ist und ter erhöhte Preis dem Produzenten zugute kommt. Das über Bedarf geerntete' Heu wird abgesetzt. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, wirkt sich die Umstellung auf Wie'en- und Weidewirtschaft günstig aus. Der landwirtschaftliche Betrieb ist wesentlich vereinfacht, die Rentabilität wird gesteigert und ter Produzent ist weniger abhängig von dem Erntewetter. Wenn diese Umstellung auch für den Landwirt im Vogelsberg mit seinen vielen kleinen Parzellen, die über de ganze Gemarkung verstreut sind, ungleich schwerer ist, so wird die kommende Feldbereinigung auch hier günstigere Bedingungen schaffen und den Entschluß erleichtern. Kreis Alsfeld. L Ober-Ohmen, 1. Nov. Die Freiherrllch Riedeselsche Revierverwaltung m Lauterbach trug sich seither mit dem Gedanken, das hiesige Revier aufzulösen und von Engel - rod aus mitverwalten zu lassen. Erfreulicherweise ließ man diesen Plan fallen. Unser Revier bleibt also selbständig. Da Rev'.ersörster Eckerts (Engelrod) in gleicher Eig.nfchaft nach Maar versetzt wurde, HÄ in diesen Tagen Revierförster H a n s u l t (Ober-Ohmen) die Verwaltung tes Reviers Engelrod mitübernommen. — Unsere Schule bekommt nun einen ideal gelegenen Sportplatz. Auf ein Gesuch des Gemeinderats hin erteilte das Forstamt Grünberg di« Erlaubnis, den im Kirchberg gelegenen „Se- dansplah" durch Abholzung des Eschenbestantes beträchtlich zu erweitern. Unsere Sugenb wird sich nun in Bälde mitten im Wald tummeln dürfen. — Die Organistenfrage unserer Gemeinte ist nun geregelt. Seither muhte Frl. Priester von Lauterbach hierherkommen, um die Orgel zu spielen. Um diesen unhaltbaren Zustand (Lzustellen. hat sich Lehrer Strack bereit- erklärt, den musikalischen Teil des Gottesdienstes zu übernehmen. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 1. Nov. Der Eisenbahnbetriebsunfall bei Wetzlar, bei dem xein Gleiskrafttoagen auf eine Lokomotive ausfuhr, wobei 4 Personen verletzt wurden, hat schwere Folgen nach sich gezogen. Im Wetzlarer Krankenhause ist der Leiter des Reichsbahnbettiebsamts Wetzlar, Reichsbahnrat Dipl.-Jng. Hoffmann, an den erlittenen Verletzungen Mittwoch abend gestorben. Reichsbahnrat Hoffmann stand erst im 50. Lebensjahr. Er zählle zu den fähigsten und beliebtesten Beamten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Kreis Biedenkopf. T Naunheim, 1. Nov. Unsere Gemeinte ist noch eine von den wenigen des Kreises Biedenkopf, die fein« W a f f e r l e i t ung hat. Nun soll aber dem Uebelstande ein Ente gemacht werden. Aus die Ausschreibung der Quellfassung in „Kochs Grund" nach Blasbach zu sind mehrere Offerten eingegangen. Den Zuschlag erteilt das Tiefbauamt D:edrnkopf. Dillkreis. bl. H e r b o r n f e e I b a d), 1. Nov. Don einem schweren Schicksalsschlage wurde die Familie des Bergmanns H. Bender von hier betroffen. Der Mann war auf der Erzgrube mit einer Spreng» (Übungsarbeit beschäftigt. Plötzlich ejplobierte die Ladung, und der bedauernswette Mann wurde so schwer verletzt, daß er im Krankenhause starb. Er hinterläßt Frau unb zwei Kinder. Oberwesterwaldkreis. WSN. Hachenburg, 1. Nov. Das in diesen Tagen vollendete 80. Erscheinungsjahr der „Westerwälder Zeitung" hat Verlag und Redaktion veranlaßt, neben einer umfangreichen Festnummer eine Subiläums schr.fi h. rauszugeben, die nicht nur eine bemerkenswerte typographische Leistung darstellt, sondern auch inhaltlich eine Fundgrube für alle diejenigen ist, die die natürlichen und landschaftlichen Schönheiten unb Eigenarten tes Westtrwaldes in ihrer Mannig- falttgkeit lieben und einm tiefen Einblick in das kulturelle und wittschaftliche Leben des Wester- waltes gewinnen wollen. Das Wnck ist ein beweiskräftiges Dokument für den HrimÄsinn ter „Westerwälder Zeitung". Keine Einbehaltung von Versicherungskarten. • Durch § 1425 der RVO. und § 181 des AVG. ist es den Arbeitgebern verboten, Der- ficherungskarten wider den Willen des Snha- bers zurückzubH alten. Die Arbeitgeber hasten den Arbettnehmern für den Schaden, der ihnen durch das Zurückbehallen der Versicherunaskar- ten entsteht. Gegen diese Vorschttften wird seitens vieler Arbeitgeber insofern immer ttAe» der verstoßen, als sie den aus der Beschäftigung ausscheidenden Dersichetten die Versiche- rungskarten, sei es wegen Lohnstrmtigketten, oben sei es aus anderen Gründen, nicht sofort behändigen. Dadurch setzen sich die in Frage kommenden Arbeitgeber regelmäßig der großen Gefahr aus, haftpflichtig gemacht zu werden. Es ist im Laufe der Sabre in weitesten Arbeitgeberkreisen Hebung geworden, daß sie von! Arbeitsuchenden vor Einstellung die Vorlage der Dersicherungskarte verlangen. Kann nun ein Versicherter die Karte nicht vorlegen und wird, er aus diesem Grunde nicht zur Arbeit eingestellt, dann haftet der frühere Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für den dem letzteren dadurch entstandenen Lohnausfall. Neuerdings hat nun auch das Landesarbeitsgericht in Berlin in einem Streitfall einen Arbeitgeber verurteilt, dem Arbeitnehmer den Schaden zu ersetzen, der diesem durch den Nichtbezug der Arbeitslosen- unterftüljung entstanden ist. Sn diesem Falls konnte der Arbettnehmer dem zuständigen Arbeitsamt bei der Arbeitslosmeldung die vom» Arbeitgeber zurückbehaltene Snvalidenkar*.? nicht vorlegen: das Arbeitsamt hatte deshalb diel Arbeitslosmeldung nicht angenommen und Arbeitslosenunterstützung nicht gezahlt. Die Arbeitgeber handeln deshalb nur im eigenen Snter- esse, wenn sie die oben angezogenen Vorschriften, über die Aushändigung der Versicherungskarten genauestens befolgen. .Hessen an der Dänengrenze. Sn Flensburg, ter Geburtsstadt Dr. Eckeners, ter „Schönen" am Ostseestrand oben in Schleswig, warten in den letzten Wochen durch das Sägewerk einer Gießener Daufirma zwei Funitürm« gestellt. Diese Türme ausPitch- pine-Holz stehen auf der Bodenwelle über der Stadt und bilden bei ter flachen Bauweise in der dortigen Gegend ein weit hinausragentes Merllnal. Die zum Aufbau ter Türme in Flensburg weilenden Zimmerleute bekamen unerwartet eine Einladung von tem dortigen Hessenverein, ter aus etwa 60 Mitgliedern besteht, und sie leisteten dieser Einladung gern Folge. Der Vorsitzende begrüßte mit herzlichen Worten seine „Funkturmleute" aus ter Heimat. Ein besseres Denkmal hätten sich seine hessischen Landsleute nicht sehen können, als die beiden Funktürme, di« fortan das Wahrzeichen ter Stadt Flensburg fein würden. Di« Hessen in Flensburg seien erfreut, dah es gerate Landsleute waren, die dieses Wahrzeichen schufen. Meister Hellman n dankte im Namen seiner Landsleute für den freundlichen Wi llommengruh und gab einen kurzen ^eterblick über die schwierigen Aufbauarbeiten, die ohne Unfall verlausen- sind. Vaterlands- und Heimatslieter erflangen, auch das am Schluß dieses Dettchts to’.etergegetene Lied der Hessen in ter Fremde. Die fröhlichen Stunden gingen rasch vorüber, und am Schlüsse lieh ter Vorsitzende seinen Abschied ausklingen in die Wotte: „Landsleute, grüßt uns unsere schöne Heimat." Das Hessenlied lautet: Sind wir auch in weiter Ferne Von tem schönen Hefienland, Sind wir doch ganz eng verbunden Durch ter Heimatliete Band: Unser Herz wird stets nur schlagen Für das schöne Hefienland, Unser Mund, ter wird stets sagen Was das Herz als gut erkannt. Ließ' und Treu' tem Hessenlande, Lieb' und Treu' dem Dale.haus, Lieb' und Treu' tem Deutschen Reich Rufen wir mit Freuden aus, Daß es schalle durch d'.e OIucil. Dah es tön’ durch Tal und Wald, Dis auch aus dem Hes enlante Antwort uns entgegenhallt. Berliner Börse. Berlin, I.Noo. (WTB. Funkspruch.) Das Ge- schäft ist heute vormittag wieder äußerst gering. Ine Stimmung scheint sich aber ttotz einer gewissen Un» sicherheit doch etwas gebesiett zu Haban, da man auf eine baldige Beilegung des Eisenkonflkktes^ hofft. Kurse sind aber noch nicht zu Horen. Man schatzt^vie erhöhten Frankfurter Abendbörsekurse Am Dem en> markt nennt man Paris 124,12, das Pfund 4,8488, den Dollar 4,19825, Mailand 92,60, Madrid 30,60. Sprechstunden der Redaktion 12 bis 1 rihr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag gefchlosieu. 2.50, la reine Wolle la Bemberg-Seide(1 .Wahl, Strap.-Strumpf Kinder- und Mädchenstrümpfe ganz besonders billig Julius Schulze, Kreuzplatz Statt Karten! geben. 07753 07777 F E INE Q U A L 11 T'AT Gratisverlosung Gäste willkommen 9634V Gießener Radfahrer-Verein 1885 e.V Kühler ü Ball 9650 tvllh. Moblesmann S-ctnruf 1676 Neustadt 12. Das beste Weihnachtsgeschenk! Preise Restauration 07771 Der Vorstand 9651V 9662V brauctierfretfen 07783 Kräuterbaus Juno. 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In den fünf Proben, die daS Deutsche Turn- und Sportabzeichen Mann und Frau zumutet, soll die AVgemeinleistung des Körpers unter Beweis gestellt werden. Die Leistungen sind so abgemessen, daß sie auch m der Blütezeit des Lebens nicht ohne werteres gezeigt werden können, ja selbst berühmte Sportsleute haben trainieren und sich strecken müssen, um alle fünf Prüfungen zu bestehen. Anderseits ist das geforderte Maß wieder abgewogen genug, um auch im vorgeschrittenen Alter bewahrt werden zu können, wenn man sich nur die Jugend des Körpers, der Seele und des Willens erhalten hat. Ein Beweis dafür ist, daß der Deutsche Reichs- auSschuh für Leibesübungen bis zur Stunde das ?oldene Turn- und Sportabzeichen 659 mal auSgeben konnte, und zwar an 1607 Männer und 52 Frauen über 40 Jahren. Ganz besonders erfreulich ist, daß gerade die letzten Jahre eine beachtliche Zunahme dieser Auszeichnung von Veteranen der Leibesübungen gebracht haben. In den beiden letzten Jahren vor dem Kriege erwarben 118 Männer das goldene Abzeichen, in den sieben Jahren von 1919 bis 1925 weitere 778, also im Durchschnitt 111 jährlich. 1926 wurden 226, 1927 266 goldene Abzeichen cm Männer verliehen, und in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bereits 219. Das Turn- und Sportabzeichen für Frauen wurde bekanntlich erst 1921 eingeführt. Bis 1926 erwarben das goldene Abzeichen 31 Frauen, also etwa 5 jährlich. 1927 waren es 8 und von Januar bis Oktober 1928 bereits 13. Die volle Bedeutung der Leistungen dieser Männer und Frauen wird erst dann klar, wenn man sich die folgende Zusammenstellung, die über das Alter der Erwerber des goldenen Turn- unb Sportabzeichens in den letzten neun Vierteljahren Auskunft gibt, nachdenklich betrachtet: von den Erwerbern standen bei der Verleihung im Lebensjahre bis zum 45. 46.—50. 51.—54. 55. 57. 59. Männer 387 80 15 1 1 1 Frauen 19 1 — 1 — — Jeder, und gerade der Spvrtsmann und Turner, wird die bis ins Alter bewahrte Leistungsfähigkeit, die aus diesen Zahlen spricht, nur bewundern können. Hier zeigt sch, daß planmäßige LeibeS- übung ein Jungbrunnen ist, der Frische und Rüstigkeit bis in späte Jahre spendet. Heute sind es noch unverhältnismäßig wenige, die ihre Rüstigkeit durch den Erwerb des goldenen Turn- und Sportabzeichens bewiesen haben. Dies sollte anders werden. Besser als alle Reden von den Vorzügen des Sports und als alle Er- innerungSansprachen, welch vorzüglicher Turner man früher gewesen sei, wirkt die Persönlichkeit deS Menschen, der durch seine Leistungen selbst das darstellt, was er verspricht. Ein solch Junger in grauem Haar schafft mehr Rachfolger, weckt mehr Gewissensbisse, verbreitet mehr Jugend um sich, als ein Sportredner. Wir sollten allmählich dahin kommen, daß es zum Ehrenpimkt jedes Vereins gehört, möglichst viele Besitzer des goldenen Sportabzeich.ns unter seinen Mitgliedern aufweisen zu können. Wert über die Vereinskreise h.naus haben sich schon Freunde der Turn- und Sportsache um dieses Abzeichen mit Erfolg beworben. 2llle Derufsklassen. vom ein- fachsten Arbeiter bis zum höchsten Beamten, sind unter den Inhabern vertreten. Dadurch entwickelt sich eine Gemeinschaft von Vorbildern, die sich Geld W vom Himmel. Vornan von Paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 33. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Grotteck wippte nachdenklich die Reitpeitsche in der Hand. „Jeder muß sein Gesetz leben. Da ist nichts zu machen. Ich mußte erst die Kunst an mir ablaufen lassen, die mir nun mal in den Adern saß und rumorte. Glauben Sie mir, daß andre ihre Hörner bei schlechtem Gelegenheiten einrennen." „Das weiß ich. Ich verstehe von diesen Dingen auch so wenig und maße mir da kein Urteil an. Von Kunst verstehe ich verflucht wenig. Auch wenn Ihre Frau Mutter sprell, fühle ich nur, daß es schön ist, aber warum ..." „Unser Klavier ist miserabel. Es muß mal gestimmt werden." Er hörte nicht gern, daß das Gespräch auf seine Mutter kam. „Lieber Papendick, Sie müssen mir Hessen und raten, als rechter Nachbar: ich will nämlich mein eigner Inspektor werden." „Bravo. Ihr Specht ist ein ausgekochter Spitzbube, und es ist ja auch sonst das Netteste, was es gibt. Ihre Frau Mutter ist nun mal nicht dazu geschaffen, so was zu überblicken. Da gehört ein Mann hin." „3a", fiel Grotteck schnell ein. „Da gehöre ich hin. Aber ich verstehe davon ungefähr soviel wie Sie von der Kunst." „Sie können ja lernen." „Haben Sie geeignete Bücher?" Papendick wurde verlegen. ;,(Ein Landwirt und Bücher? Nun, ein paar landwirtschaftliche Schwarten habe ich wohl noch aus meiner Elevenzeit her. Ich will sie raussuchen und bringen. Aber die Praxis? Wißen Sie was? Lernen Sie bei mir!“ Entzückt wollte Kurt Grotteck zugreifen. Dann aber fiel ihm ein, daß diese Freundlichkeit nicht ihm aalt, sondern dem Sohn seiner Mutter. Sein Blick fiel auf die rasierte Oberlippe, und er mußte lächeln. ^Zuerst mal die Bücher, und dann will ich mir Ihren freundlichen Vorschlag durch den Kopf gehen lasten." „Aber Geld gehört auch dazu", sagte der andre ernster. „Die Hypothekenzinsen und so was." „Sie sind für diesmal gestundet", wich Grotteck aus. Die Dank In Dayzig halle die fremden Scheine Turnen, Sport und Spiel. ihre Jugend bewahrt haben, von Vätern und Müttern, deren Kinder an ihren Eltern den Segen dauernder Jugendlichkeit verspüren, von Eltern, die ihre Jugend fort erb en auf Kinder und Klndeskinder. Handball-Lokattreffen in Gießen. 5. Nachdem vor drei Wochen die Fußballmannschaften der beiden führenden Gießener Sportvereine, V. f. B. und Sp. Ng. 1900, einander gegenübertraten, stehen sich am nächsten Sonntag auf dem 1900er Platz die Handballer gegenüber. Es finden Spiele der ersten aktiven Mannschaften, der ersten Jugend- und Schülermannschaften, statt. Seither konnten die 1900er beweisen, daß sie den Leuten vom Waldsportplatz ein gutes Stück voraus waren, besonders bei den Senioren. Inzwischen hat aber Der V. f. B. eine Junge, äußerst eifrige Mannschaft auf die Beine gebracht, die alles daran setzen wird, um sich gut aus der Affäre zu ziehen. Dazu kommt, daß die Spielvereinigungsleute auf einen so wichtigen Posten, wie den des Mittelläufers, einen Ersatzmann stellen müssen, was sich besonders hinsichtlich des Spielaufbaues nachteilig auswirken dürfte. — Bei den Jugendmannschaften läßt sich kein Maßstab anlegen, da die Mannschaft der Bewegungs- Ipieler bislang noch nicht an die Oeffentlichkeit getreten ist. — Der - geringste Kräfteunterschied wird fich wohl bei den Schülern bemerkbar machen. Die oeiden Mannschaften standen sich schon einige Male in Privatspielen gegenüber und trennten sich nach hartem Kampf unentschieden bzw. mit einem Tor Unterschied. Im Anschluß an das Ortstrefsen kämpft die zweite Mannschaft der Sp. Vg. 1900 mit der ersten Mann- chaft des D. f. L. Wetzlar um die Punkte. Daß diese »en Gästen zufallen werden, kann nicht im gerina- ten in Zweifel gezogen werden. Es interessiert also ediglich, in welcher Manier die Leute um Paulus das Spiel gewinnen werden. Handball im T. 23.1846. Das am vorigen Sonntag in Wetzlar erzielte 1:1 gegen den dortigen Turnverein war eine Heberraschung. Wird die 1. Mannschaft der 46er ihre gute Form erneut beweisen, oder geht Wetzlar aus dem Rückspiel als Sieger hervor? Gießen ist auf alle Falle ein beachtenswerter Gegner, und die Wetzlarer werden am nächsten Sonntag alles daransehen müssen, um zu gewinnen. Die 2. Mannschaft hat Heuchelheims 1. zum Gegner. Die Spielstarke beider Mannschaften lst, nach den letzten Spielen zu urtellen, ziemlich gleich. Die Jugendmannschaft hat in der Wetzlarer Jugend einen gleichwertigen Gegner. Da beide Mannschaften dre Verbandsspiele nicht mitfpielen, wird das Spiel als Freundschaftsspiel auS- getragen. Handbatt-Verbandsspiele im Männeriurnverein (ö. T.) In der Vorrunde der Mei terklast«. konnten sich die Männerturner gut durchsetzen. Am nächsten Sonntag beginnen nun die Rückspiele. Die 1. Mannschaft hat als Gegner den Tv. 1860 Bad-Nauheim. Beide Gegner sind als aleichwertia anzusehen. Die Männerturner werden alles aus sich hcrausgeben müssen, um sich den Sieg nicht nehmen zu lassen. Die 2. Mannschaft fährt nach Butzbach und spielt gegen die 1. Mannschaft des dortigen Turnvereins. Die Männerturner werden einen schweren Stand haben, denn die Spielweise der Butzbacher hat sich sehr gebessert. Die letzten Spiele konnte Butzbach sämtlich gewinnen. Wenn die Männerturner auf gleicher Höhe sind wie im letzten Spiel, dürfte Butzbach der Sieg nicht so leicht fallen. Das interessanteste Spiel des Tages wird wohl das Jugendtreffen in Friedberg um die Entscheidung in der Gaujugendklasse fein. Der Mtv. steht unge- schlagen an der Spitze der Tabelle, Friedberg folgt mit 2 Punkten Unterschied. Friedberg hat wohl den anstandslos genommen. Man war ja dort an Geld aus aller Herren Länder gewöhnt, und dann stammten sie von seinen internationalen Konzertreisen —. Der alte Herr dort hatte ja auch seinerzeit bei jenem Konzert im Danziger Schützenhaussaal gesessen, das er als Wunderkind von elf Jahren gegeben hatte. Nur die Prüfung der Scheine hatte einige Zeit gekostet. „3a, bann können Sie also an die Arbeit gehen." Der Gutsbesitzer begleitete ihn noch ein Stück. Beim Abschied sagte er zögernd: „Grüßen Sie 3hre Frau Mutter von mir herzlich und sagen Sie ihr ..." „Was soll ich sagen?" „3ch wäre froh," stotterte Papendick, „ich wäre so froh ..." „Wenn wir mal zu Ihnen kämen?" fiel Grotteck ein. „Aber gewiß. Wir werden uns ja nun oft zu sehen kriegen, vielleicht öfter, als Ihnen lieb ist. Schönen Dank." Papendick wandte das Pferd. Gesenkten Kopfes ritt er weiter. In der nächsten Zeit hatte Frau Karola nicht viel von ihrem Sohn. Er saß oben auf seinem Zimmer und büffelte sich tapfer durch die Bücher durch. Er hatte keine Zeitung nachkommen lassen und wollte keine lesen. Es mußte ein Strich gemacht werden. Die Arbeit an Grotthausen würde alles rechtfertigen: einmal würde er alles ausgleichen können. Bis dahin mußte er Ruhe haben: nicht rechts noch links sehen, wie der Mann im Märchen. Aber die Ruhe hielt nicht an. Mitten im eifrigen Studium des Kunstdüngers und seiner Methoden überfiel ihn ein Heißhunger nach Nachrichten aus der bewegten Welt, die er verlassen hatte. Die alle Unrast überfiel ihn, und es half nichts, daß er die Finger in die Ohren steckte, wie einst als Kind, wenn er beim Lesen nicht gestört werden wollte. Die Stimmen von draußen waren lauter. Sie durchdröhnten das stille Grotchausen wie Posaunenton. Er mußte Zeitungen haben — es half nichts. Er stürmte hinunter, ließ den Braunen satteln und ritt zum Krug in Niederstein. Denn bas Blättchen, das man zu Hause wegen der Märkte und der behördlichen Anordnungen hielt, brachte nur dürre Notizen. Es hatte auch die Meldung des Berliner Blattes wie eine eigene Meldung aus Bukarest gebracht, aber so verstümmelt, daß kein Mensch Daraus klug werden konnte. Vorteil des eigene) Platzes, aber die Männerturner werden alles aufbteten, um den Sieg und Damit Die Meisterschaft mit Vach Hause zu bringen. Handball d. Tv. 1899 Großen-Buseck. Der Turnverein Großen-Duseck, erst vor kurzem in die D. T. eingetreten, spielt als sechster Verein in der Meisterllasse des Lahnbezirks. Zum ersten Derbaudsspiel fährt Buseck am nächsten Sonntag zum Tv. 1860 Marburg. Normalerweise wäre mit einem Punktgewinn der Grohen- Dusecker zu rechsnen. Aachdem jedoch die beiden Halbstürmer durch Unfa.I bzw. Operation längere Zeit spielustfähig wurden, wird sich Großen- Buseck sehr anstrengen müssen, um ehrenvoll zu bestehen. Handbail in Großen-Linden. Vergangenen Sonntag spielte die Schülermannschaft des Tv. Großen-Linden nicht gegen die Gleiche des Mtv. Gießen, wie aus Der Dienstagnummer des „Gießener Anzeigers" hervorging, sondern sie war Gast der Schüler des Tv. Wetzlar-Niedergirmes und kehrte mit einem 1:0-Siege nach Haufe zurück. Turngau Lahn-Oünsberg. Auf dem in Wißmar abgehalteren Gauturn- tag wurden durch einstimmigen Beschluß nachstehende Derattstaltungen für 1929 folgenden Vereinen zur Abwicklung übertragen: Gerätewettkämpfe TM Lollar, Gauturnsest TD. Wißmar, Schülerwetturnen TD. Londorf und Berg»' fest TD. Hausen. Es wurde ferner ein Geräte- turnlehrkursus eingelegt, der am Samstag,! 3. Rovember, beginnt und in den Lokalitäten' des TD. Wchseck durch einen auswärtigen Turnlehrer abgehalten wird. Fußball in Güddeutschland. Bezirk Main-Hessen. Am nächsten Sonntag trägt die Gruppe Main einige besonders wichtige Spiele aus. Eintracht Frankfurt will sich gegen Union Riederrad von der ün Vorspiel erlittenen Riederlage rehabilitieren. Bei ihrer derzeitigen Form kann ihr dies gelingen. Auch F. Sp. V. Frankfurt hat bei der erstejn Begegnung mit Rotweih Frankfurt eine knappe Riederlage hinnehmen müssen. Diesmal sollte die wesentlich stärkere Mannschaft aus' Boacheün das bessere Ende für sich haben. Die Ottenbacher Kickers werden sich vor dem zur Zell in guter Form befindlichen F. C. 1893 Hanau inachtnehmen müssen, dagegen wird die F. Dgg. 03 Fechenheim auch auf eigenem Platze gegen Germania Bieber wenig auszurichten haben. Viktoria Aschaffenburg und Sp. Dgg. Hanau werden sich gegenseitig auf den letzten Tabellenplatz verweisen wollen. In der Gt-uppe Hessen sicht der D.D. Wiesbaden mit dem F. C. 03 Langen relativ punktgleich. Gin kleines Plus mag man den Wiesbadenern für den kommenden Sonntag einräumen. Worfnatia Worms wird in Reu-Jsen- burg gegen den D. f. L. einen schweren Stand haben, aber schließlich doch gewinnen. Wesentllch leichter sollte es Alemannia Worms auf eigenem Platze gegen Hassia Bingen haben. Für die Sp. Dgg. Arhellgen ist gegen den F. Sp. D. 05 Mainz keine Aussicht herauszurechnen. Bezirk Dahern. Die Gruppe Rordbahern wird Franken Nürnberg gfgen den 1. F. C. Rürnberg, den 1. F. C. DayLuth gegen die Sp. Dgg. Fürth und Bayern Hof gegen den A. S. D. Rürnberg verlieren sehen, trotzdem die mutmaßlichen Sieger sämtlich auf fremden Plätzen anzutreten haben. Rur das Tressen D. f. R. Fürth gegen den F. V. 04 Würzburg hat ungewissen Ausgang. Beide Vereine haben in letzter Zeit Gutes gezeigt, sind auch bis jetzt punktgleich in der Tabelle. Die Gruppe Südbayern hat ihr wichtigstes Spich in dem Treffen D. S. D. München gegen Schwaben Augsburg. Die Münchener könnten hier allenfalls den Vorteil des eigenen! Platzes ausnühen, sonst spricht alles für die Augsburger. S. D. 1860 München wird den Himer Schwaben nicht zu den ersten Punkten verhchsen wollen, dagegen bleibt bei Jahn Regensburg und Teutonia München das Kampfende ab- zuwarten. V. f. B. Am kommenden Sonntag fährt die Liga- Mannschaft nach Burg, um gegen dessen Liga zum fälligen Devbandsspiel anzutreten. Die dortigen Plahverhältniffe sind für die heimiche Mannschaft ein außerordentlicher Vorteil, während sie jeder derartig kleine Ausmaße ungewohnten Elf schwer zu schaffen machen können. D.f.D. sollte sein Spiel von vornherein entsprechend einstellen. Wan darf Gießen aber doch einige Chancen auf einen knappen Sieg zusprechen, zumal sein Sturm aller Voraussicht nach durch Völliger wieder verstärkt fein wird. Immerhin wird es alles aus sich herausgeben müssen, wenn es seine Spitzenstellung behaupten will. Der Plahverein gehört in diesem Jahre zum erstenmal der Kreisliga an und hat sich in dieser durch fein b^her verhältnismäßig günstiges Abschnciden einen guten Romen gemacht. Die Mann.cha.ft versteht es, das ihr mangelnde technische gönnen durch Wucht und Energie zu ersehen, und sie ist besonders auf eigenem Platz ein schwer zu schlagender Gegner. Bei den Ligareservemannschaften ist das Kräfteverhältnis ein wesentlich anderes. Hier darf man mit ziemlicher Sicherheit der V.f.B- Elf einen klaren Sieg Voraussagen. Die 3. und 4. Mannschaft sind spielfrei. Die I uig e n d- und Schülerabteilung ist wieder mi|: fünf Mannschaften auf dem Plan. Die erste 3ug«nd trägt auf eigenem Platz gegen die gleiche des V. f. B. Butzbach ein Vflichtspiel aus und sollte, wenn sie sich anstrengt, gewinnen können. Sehr hoch wird der Sieg allerdings nicht werden, da Butzbach von jeher immer eine recht spielstarke Jugend stellt. Die 2.3ugend ist in Steinberg Psiicht- spielgegnejr Der Dortigen 1.3ugendrnann, .jaft und hat etwas weniger Aussicht auf Erfolg. Wenn sie die Leistungen des Vorsonntags wiederhott, kann sie immerhin ein Unentschieden herausholen. Die 3.3u- gend hat ip einem Gesellschaftsspiel Die 1.3ugend von iHermannstein zu Gast. lieber Den Ausgang dieses Irenens kann nichts vorausgesagt werden, da Hermannstein zum erstenmal gegen eine V. f. B.- Mannschaft antritt, und über seine Spielstärke nichts bekannt ist, Dasselbe gilt von dem Spiel Der 2. Schü- lermannschpst gegen Die 1. Schüler Hermannstein. Für die 1. Schülermannschaft ist eine Iugendelf Des Turn- unh Sportvereins Lollar als Gegner verpflichtet worden. Es will scheinen, daß hier den kleinen D.^s. B.ern etwas zuviel zugemutet worden ifL Spiirlvereinigung 1900 Gießen. ö. Am nächsten Sonntag find alle Seniorenmannschaften spielfrei. Die Jugend tritt bereits in die Rückserie Der Pflichtspiele. Sv muß 1900s 1. Jugend zur 1. Fugend von ©rünberg. Die 2. Jugend empfängt auf eigenem Platz Lechgesterns 1. Jugend. Die 3. Jugend trägt in MarbUrä gegen D. f. B. Kurhessen 4. 3ugenD ein Gesellschaftsspiel aus, während die 1. Schülerelf Die Schüler in Steinberg besucht. Auf Grund der Mann- schast^ufstcllungen könnten Die Blauweißen mit allen Mannschaften erfolgreich sein. Kußball in Heuchelheim. Im Derbandssplel tritt am kommenden Sonntag Dvubringens Erste gegen die Erste vom Sportverein Heuchelheim an. Obwohl Daubrin- gen bis jetzt noch kein Spiel gewonnen hat, ist die Mannschaft doch von Spiel zu Spiel bester geworden. Wenn die Heuchelheimer keine Heber» rcstchung erleben wollen, dürfen sie den Gegner nicht zu leicht nehmen. man;—Um ■ imTiiarMn— ■—ob— Der Krugwirt begrüßte den jungen Herrn von Grotthausen freudig. „Rare Gäste sind Die liebsten Gäste, Herr Baron!" Auch hier „Baron"! Wie leicht hätte er es als Hochstapler haben können! „Und wenn Sie mich. Fürst unD Durchlaucht nennen, ich trinke Doch bloß ein Lagerbier." „Macht nichts. Einmal muß man anfangen. Eins nach Dem anDern, sagte Der Fuchs, als er in Den Hühnerstall stieg." Die Danziger Zeitungen Des Krugs waren zerfetzt, beschmutzt, voller Bier- und Kaffeeflecke. Einzelne Seiten fehlten, bei anderen hatte man Stücke herausgeschnitten. Er gab es bald auf, hier nach Neuigkeiten zu suchen. Aber eine Notiz peitschte ihn auf. Auch in Stockholm war man groß angelegten Fälschungen auf Die Spur gekommen. Diesmal waren es schweizerische Franken und Scheine der Bank von England gewesen, Die in meisterhafter Nachahmung ins Publikum geworfen waren. Einige Leute hatte man verhaftet, bald aber als harmlos entlassen. Nur zwei Russen hatte man einstweilen zurückbehalten, weil ihre Pässe nicht in Ordnung waren. Der Titel hieß: „Rußland im Spiel?" Grotteck sah — er wußte nicht, warum — sofort Blinsky vor sich. Und Daneben BroDersen, Dessen Name sich ja auf jenem Zeitungsausschnitt abgepreßt hatte. Warum Dachte er immer an BroDersen? Er war ja blind, also ein willenloses Werkzeug in Der Hand seines Prioatsekretärs. Unsinn — Brodersens Wille war stark wie Diamant. Um so schlimmer war aber Dann alles. Er ertrug es nicht in Der kleinen gemütlichen, verräucherten Wirtsstube mit Den OelDrucken an den Wänden und Der vergoldeten Germania aus Gips. Er stellte Den Braunen ein und fuhr mit Der nächsten Kleinbahn nach Danzig. Auf Dem Bahnhof kaufte er Die neuesten Blätter, aber das genügte nicht. Er muhte wissen, was in Dieser Zwischenzeit geschehen war, wo er Davon geträumt hatte, Grotthausen aufzubauen, um Dann merbenD vor 3nge zu treten. Die alten Straßen, Die gleich an Dem moDer- nen Bahnhof begannen, unb die er so gut von Der Schulzeit her kannte, durchschritt er eilends, um zu Den Zeitungen selber zu gehen. 3n Der Breitgasse, Die auf bas Wahrzeichen Danzigs, bas Krantor, mündete, in Der Ketterhagergasse, der Hunde- gaffe — mein Gott, gab es Diese Namen noch immer? —* am Epenbhaus, überall kaufte er Die Zeillinüsnummem der letzten Zeit zusammen. Der Schweiß rann ihm nieder, als er mit seinem Riesen- pak« in ein Kellerlokal am Langenmarkt nieder- flieg. Einen Augenblick zögerte er auf Den ersten Stufen, als Das Glockenspiel vom Ratsturm ' zu spielen begann: „Nun Danket alle Gott .. 2!Jb®.- gleich Danach lief er Die Stufen abwärts, stolpernd unD ausglejtenb: Der Friede, der aus dem alten, frommen Lied strömte, war nicht in ihm. Er bestellte Porter wie alle ringsum und blät- tertp d e Zeitungen auseinander. Jetzt fühlte er erst, wie zeitlos er auf Grotthausen gelebt hatte: alarmierende Nachrichen schrien überall in Sperr- drück aus Den Spalten. Wie Raketen am AbenDhimmel schossen sie auf« Auch in Prag waren Fälschungen entdeckt worden. 3n Brüssel. 3n Mailand. 3n London. 3n Smyrna. 3n Kopenhagen. 3n Hamburg. Unb immer waren es 'Scheine verschiedener Länder gewesen, meisterhaft nachgeahmt und nur dem Eingeweihten als Fäl- fttyjiig kenntlich. Hier und Da hatte man Leute verhaftet. Die sie in Umlauf gesetzt hatten, aber sie hchtvn nur wenige Falsifikate neben zweifellos echten bei sich gehabt. Sie galten als reingefaüene Bt.tvogene. Eine Zeitung warnte vor Senfationsftimmung u»d Nervosität unb fuhr fort: Es liegt nahe, an eüie Zentrale zu denken, von Der aus diese Fäl- fdpungen geleitet werben. Aber es ist nicht einzu- schen, was diese Zentrale damit bezwecken sollte. Der Gedanke an Rußland, der ja hier und da cmfaetaucht ist, muß wohl fallengelassen werden, seitdem auch russische Papiere gefälscht aufgefunden wurden. Man kann der Räteregierung alles möa« liche zutrauen, nur nicht, daß sie ihre eigne Wäh- mng entwertet in einem Augenblick, wo sie ausländische Kredite mit allem Eifer erstrebt. Wahrscheinlich liegt hier der Fall vor, wo ein gelungenes Verbrechen ansteckend wirkt, wo Die „Serie31 beginnt Die geringen Erfolge, Die man bisher bei der Ver- flplgung und Befragung Der Ertappten gehabt hat, 6r$yn in der Tat die Befürchtung nahe, daß Der Anreiz eines bequemen, wenn auch nicht ungefährlichen Gelderwerbs noch einige „Talente" zur Nach- eInnung verlocken wird. Auf alle Fälle werden die Banken unb Regierungen aut tun, bie Augen offen zu holten, wenn nicht tatsächlich Der Geldmarkt in Werroirrung gebracht und jenes Vertrauen erschüttert werden soll, ohne daß ein internationaler wirt- jchaftlicher Verkehr unmöglich ist. (Fortsetzung folgt.) Gpielvereinigung 1926 Leihgestern. Am kommenden Sonntag hat tu« 1. Mannschajt der Spielvereinigung Leihgestern die 1. des F. CS. Steinbach zu Gast. Da beide Mannschaften ziemlich gleichwertig find und es um die Tabellen-, spitze geht, wird es einen spannenden Kampf geben. Der Ausgang des Spieles bleibt offen. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Für nächsten Sonntag i|t eine Begegnung der ersten und zweiten Mannfchaften von Grohen- Buseck mit den gleichen des Sportvereins „Teutonia" La u b ach auf dem Sportplatz in Großen- Buseck vorgesehen. „Teutonia" Lvubach gehörte in den Borjahren zu den stärksten Vereinen der unteren Klasse, doch scheint in diesem Jahre ein Rückgang in spielerischer Hinsicht eingatreten zu sein. Ob sich der Verein mit seinen beiden Mannschaften In Großen-Buseck behaupten kann, ist fraglich. Die Platzmannschaft hat den Vorteil des eigenen Platzes und spielt in der nun schon zwei Jahre zusammen- gestellten Mannschaft. Die zweiten Mannschaften werden ziemlich gleichwertig sein und sich wohl in die Punkte teilen. Das Spiel der 1. Mannschaft van Daubringen gegen die gleiche vom F. d. 1926 Großen-Buseck am vergangenen Sonntag ist nicht 1:3, sondern 3:3 ausgegangen. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Am kommenden Sonntag hat Gießens erste Mannschaft die erste Mannschaft Dorheims im Rückspiel zu Gast. Das Vorspiel in Dorheim endete unentschieden 2:2. Ob es den Einhoimlschen gelingt, jetzt die Scharte vom Vorsonnlag auszugleichen, hängt von dem Siegerwillen der Mannschaft ab. Alsfeld 1. Mannschaft fährt nach Raunheim. Ob es ihr gelingt, ebenso günstig abzuschneiden wie am Sonntag in Wieseck, hätzgt von den Platzverhältnissen in Naunheim ab, die bei nasser Witterung schon mancher Mannschaft zum Verderben wurden. Lollars 1. Mannschaft hat Marburgs 1. Mannschaft zu Gast. Zieht es Marburg vor, wiederum unvollständig anzutreten, so dürften sie abermals mit einer Niederlage nach Hause fahren. Tagung der NcbunaHwart^. Am kommenden Sonntag treffen sich in Gießen die Uebungswarte der Vereine zur Herbstübungs- stunde. Als Uebungsplan sind vorgesehen: Gymnastik, Geräteturnen und Hebungen mit dem Medizinball. Anschließend findet eine Tüigung der Uebungswarte statt, in der ein Rückblick über das verflossene Jahr gegeben und die Neuwahl der Bezirkstechniker vorgenommen werden soll. Kursus für Bereinssvortivarte In Krofdorf findet am Samstag und Sonn- 1 rag ein Kursus für Vereinssportwarts statt. Ale Lehrplan wird Hallentraining im Winter geboten. Zußballstädtekampf Oslo — Derlin. Zum Fußballstädteiampf Oslo — Berlin am kommenden Sonntag in der Aeichshcmptstadt hat das Auswahlkomitee zur Aufstellung .per Mannschaft wieder ans die Spieler der beiden führenden Vereine Tennis Borussia und HerSfm D. S. C. zurückgeariffen. Die beiden Vereine haben in diesem Jahre schon viermal ihre Spieler zu repräsentativen Veranstaltungen hergeAeben und bestimmt, daß sie für das am Buhtag geplante Spiel gegen die starke Wiener Bermssfpieler- mannsc^lft wieder in Anspruch genommen werden. Sie sind deshalb beim Bundesvorstand vorstellig geworden. Dieser wird sich dem berechtigten Wunsche seiner Vereine nicht verschließen können und dem Auswahlkomitee den Auftrag erteilen müssen, die Berliner repräsentative Elf für das Spiel Oslo — Derlin aus Spielern der anderen Vereine zirsammenzustellen. Der Mordprozeß Gioth in Frankenthal. 3m Mordprozeß Gioth erstattete Obvrmedizi- nalrat Dr. Franz (Frankenthal) den Sektionsbefund. Der Sachverständige bekundete, daßGioth bet der Sektion des Meisters Schneider dabei gewesen sei und geweint habe. Gioth habe die Leiche erkannt und habe erklärt, er k^nue die Sektion nicht mit ansehen. Dec Sachverständige schloß daraus, daß Gioth damals genau gewußt hätte, was er getan habe, während er sich heute an nichts mehr erinnern teil'. Drr Vorsitzende hielt dieS nun Gioth vor, woraus Gioth erwiderte, er habe damals niemand umbÄngen wollen. Die Zeugen, Meister und Donggsetzte Gioths, sowie Totzeugen, können we entlich Neues nicht bekundm. Ein Teil der Zeugen gab umlangreichen Aufschluß über das dienst lichs Verhalten des Angeklagten vor drr Tat, das zu Klagen keinen direkten Anlaß gegeben habe, Wirtschaft. Schwierige Lage des Siegerländer Bergbaus Bei den Siegerländer Gruben hat sich nach dem W.T.D.-Handelsdienst seit Beginn des Jahres die Belegchift um ein Zehntel bet» mindert, ohne daß es gelang, die Förderung mit dem Absatz in Einklang zu bringen. Die Bestände haben sich weiterhin erhöht, und neue Arbeiterentlassungen werden die Folge sein. Das preußische Handelsministerium hat durch einen Beau, fragten die Bücher der Grubenverwaltungen prüfen lassen, um festzustellen, ob bzw. in welchem Umfange ein Notstand bei den Gruben vorhanden ist. Dringend zu wünschen ist, daß die Entscheidung in Derlin baldigst fällt, da hiervon das Schicksal einer Anzahl Gruben und deren Belegschaft abhängt. Die Geschäftslage in der Siegerländer Hüttenindustrie hat sich nicht nennenswert geändert. Der Abruf an Roheifen, der sich im großen und ganzen im Rahmen des Vormonats bewegte, war noch immer unbefriedigend. Das Halbzeuggeschäst war ein wenig lebhafter als im Vormonat. Dagegen lag das Stabeisen- ge chäit ruhig. Im Grob- und Mittelblechmarkt herr chte fast durchweg Stille, nut zu Beginn des Monats war eine größere Eindeckung seitens des Handels zu beobachten. Die Preise für Feinbleche waren nach wie vor unbefriedigend und der Eingang an Spezifikationen ließ sehr zu wünschen übrig. Der Delegraphen-Univn zufolge sollen nach einer Verwastungsmeldung die zum Konzern der Ve.einigten Stahlwerke A.-G. gehörigen Eisenerz- aruben St. Andreas, Vereinigung Petersbach und Vingertshardt am 15.Rovember stillgelegt werden. Den Belegschaften dieser drei Gruben ist am 1. Rovember gekündigt worden. Don dieser Maßnahme werden etwa 1 200 Bergleute betroffen. Große Haldenbestände und Absatzmangel bilden die Ursache dieser Maßnahme. Die Erzgrube Friedrich Wilhelm, von Krupp (Essen) betrieben, ist ebenfalls infolge Absatz- schwierigkei en am 1. Rovember stillgelegt worden. Etwa 250 Bergleute wurden In diesem Falle arbeitslos. Eine Anzahl kleinerer Erzgruben im während andere Zeugen, die fei Ausführung der Tat selbst zugegen waren, über diese so berichten, wie die Anllage sie Gioth zur Last legt. Die Zeugen, die mit den getöteten Meistern im gleichen Zimmer waren, haben alle den Eindruck gehabt, daß Gioth ganz genau gewußt habe, wen er treffen Wolle. . Der Betriebsingenieur Antan Muller gibt in sachlicher Weise ein günstiges Urteil über seine Erfahrungen mit Gioth ab und bezeichnet ihn als dcn Affekten leicht unterworsen. HifiS- meister Heinrich Dlsque aus Oggersheim, drr bekanntlich von Gioth einen Streifschuß erhielt, gibt eine Schilderung des Angriffs, bei dein er sofort auf Gioth zu'prang und M,en beide Hände mit den Sä ichwafen hrruntrrdrückte und längere Zeit festhielt, bis Gioth versprach, nicht zu schießen, woraufEioth unbehelligt weitergehen und seine weiteren Antaten verrichten konnte. Der mit Dlsque zugleich im Zimmer befindliche Elektroinstallateur ©tra'-ner (Ludwigs- Hasen) war sofort bei An ichtigwerlen der Mordwaffen hinter einen Schrank gesprungen, statt Disaue zu Hilfe zu kommen. HilfSmeister Engelmann, der mit dem Gioth den Zusammenstoß hatte, der zu Gioths Entlassung führte, erklärt, Gioth sei den anfallenden Arbeiten nicht gewachsen gewesen, da ja Gioth g'.-rnter Elektriker sei und es sich hier um Aus- ning von Schlosserarbeiten gehandelt habL Er, Zeuge, habe wohl einmal früher den Gioth einen Dauer genannt, aber anbtre Schimpf Worte habe er nicht gebraucht: keinesfalls habe er je- doch seine Stellung zürn Schikan eren seiner Untergebenen benutzt. Diplomingenieur Müller be- ftätigte, daß Gioth gesagt habe, er brauche keinen Arbeiterrat, er sei selbst Rechter er helfe sich selbst, er ginge aus dem Leben und zwanzig andere dazu. Der Engelmann habe ihn zugrunde gerichtet, der ging auch mst. Es wurden hierauf mehrere Arbeitskollegen und Bekannte des Gioth vernommen, die sämtlich nur Günst.ges von Gioth berichten können, während sie zum Teil den Hilfsmeister Engelmann als nrcht angenehmen Vorgesetzten brzeichnrn. Der Elektriker Rölher nennt den Angeklagten freundlich und zuvorkommend. Er hat am 16. April ihn wegen seiner Entlassung bedrückt befunden und von ihm den Streit mit Engelmann erfahrrn. Der Dureau- vorsteher Schmitt (LudwigLhafen) als Leiter des Lohnbureaus gibt Aufschluß über die später als berechtigt erklärte Lohnreklamatkvn Gioths. Kreise Siegen kommt in Kürze gleichfalls zum Erliegen. Den Belegschaften ist bereits gekündigt worden. Der Konslitt in der westdeutschen Eisenindustrie steht mit diesen Stillegungsmaßnahmen nicht in Verbindung, denn schon seit Monaten leiden die Siegerländer Erzgruben an einer sich immer mehr zuspitzenden Krise. • • Zunahme der Konkurse im Ok- tobe r. Rach Mitteilung des Statistischen Deicks- amtes wurden im Oltober 1923 durch den Reichs- anzeiger 685 (Sevtember 530) neue Konkurse ohne die wegen Mangels an Masse angelehnten Anträge aus Eröffnung des Konkursverfahrens und 264 (257) eröffnete Vergleichsverfahren be- tan*ntS?flb»C21 bschluß für Amerika. Die Ufa hat soeben mit der Firma World Wide Pictiures Inc. in Neuyork einen Vertrag abgeschlossen, der den Vertrieb ihrer gesamten Produktion in den Vereinigten Staaten und Kanada auf eine Reihe von Jahren sicherstellt. Die World Wide verfügt in Amerika und Kanada durch ihre kontraktlichen Bin- düngen mit der Educational über nicht weniger als 36 seit Jahren bestehende Derleihfiliale. Die Ufa-Filme werden nunmehr in den Vereinigten Staaten und Kanada durch die Paramount Famous Lasky Corporation, dis Metro Goldwyn Pictures Corporation, die World Wide Pictures Inc. und die Ufa Castern Division Distribution vertrieben. Zum ersten Male in der Geschichte des Films ist es einer deutschen Firma gelungen, ihre gesamte Produktion restlos in den Theatern der Vereinigten' Staaten unterzubringen. » lleberzeichnung der Amerika- Anl-eihe der Ilseder Hütte. Die Anleihe der Jlseder Hütte in Reuyork ist überzeichnet worden. Es gingen Zeichnungen aus den verschiedensten Landestcilen ein. Auch bei dieser Anleihe hat die Darmstädter und Rationalbank neben der Rational City Bank als Treuhänderin fungiert. * Das Kapital der Opel A.-G., Rüssels, heim. Wie die „Franks. Ztg." erfährt, sind die Gründungsvorbereitungen der A.-G. bei Opel, Rüsselsheim, nunmehr so weit gediehen, daß in nächster Zeit die Gesellschaft zur Uebernahme der Werke ins Leben treten kann. Wie WTB.-Handelsdienst hierzu weiter hört, werden sich die Vorbereitungen noch einige Wochen hinziehen, da im Anschluß an die letzten Todesfälle in der Familie Opel noch Erbaus- einandersetzungcn schweben. Immerhin sei damit zu rechnen, daß die neue A.-G. in etwa vier bis sechs Wochen mit 60 Millionen Mark Kapital und 10 Millionen Mark Reserven eingetragen werden kann, ' Schuhfabrik Herz A.-G., Frankfurt a. M. Die G.-D., in drr der dividendenlose Abschluß für das abgelau ene Geschäftsjahr zur Genehmigung vorgelegt werden soll, ist nunmehr auf dm 26. Rovember einberufen worden. Die Versammlung soll außerdem noch eine Aenderung der Aktienstückelung, sowie die Umwandlung der Vorzugsaktien in auf den Inhaber lautende Stammakt'en beschießen, sowie schließlich die Sitzverlegung von Frankfurt nach Ofsenbach. wo die Gesellschaft bereits vor längerer Zeit die Baulichkeiten der liquidierten Schuhfabrik Heroux & Liander für einen Preis von etwa 250 C00 Mk. erworben hat. * Kein Rückgang der Farbstoffherstellung bei der I.-G.-Farbenindustrie. Gegenüber Presse-Mitteilungen über angebliche Aeußerungen von Geheimrat D u i s - berg vor der Solinger Industrie- und Handelskammer über die Lage der chemischen Industrie hat WTB.-Handelsdienst durch Rückfrage bei Geheimrat Dulsberg sestgrstellt. daß diese Rachrichten unrichtig sind. 6eit Herausgabe des Kommuniques über die letzte Aufsichtsratssitzung der J.-G.-Farbenindustrie D.-G. hat sich in der Geschäftslage nichts geändert. Insbesondere kann von einem Rückgang in der Farbstoffherstellung nicht die Rede sein. Der Farbstoffabsatz bewegt sich vielmehr trotz der schlechten Lage der deut- schen Textilindustrie in aufsteigender Richtung und übersteigt den des Vorjahres.wesentlich. • 3, P. Demberg A.-G., Barmen. Der Reubau der Siegburger Kunstseidrspinnerei beginnt, wie die .Rhein.-Westf. Ztg." auf An- frage von der Direktion erfährt, in der ersten Rovemberhälste. Eine spätere Vergrößerung der mit zunächst 1 5—16 000 Wann Belegschaft binnen Jahresfrist zu eröffnenden Fabrik wird von vornherein vorgesehen. Die Finanzierung des Bauvorhabens Siegburg an sich erfordert keine Kapitalerhöhung. FrarEurter Börse. Frankfurt a.M., 2.Nov. Tendenz: uneinheitlich. _ Infolge der vollkommen unklaren Lage in dem Konflikt in der Eisenindustrie war die Stimmung zu Beginn der heutigen Börse zurückhaltend und das Geschäft wieder recht still. Symptome des weiteren Konjunkturrückganges, xxAt die Zunahme der Konkurse im Oktober und die Erhöhung der Arbeitslosenziffer, waren da^u angetan, die bestehende Zurückhaltung noch zu verstärken. Die Börse erwies sich jedoch als recht widerstandsfähig, da die Spekulation nach den Angaben der letzten Tage Deckungsneigung bekundete. Dazu kam eine regere Nachfrage nach einigen Spezialwerten am Elektromarkt. Hier konnten Bergmann 2,5 v. H. und Schuckert bei weiter etwas größeren Umsätzen erneut 2,75 v. H. anziehen, während Licht & Kraft und Siemens gut behauptet, AEG. leicht gedrückt waren. Die Kursentwicklung war im übrigen vollkommen uneinheitlich. I.-G.-Farben eröffneten unverändert, Scheideanftalt weiter etwas rückgängig, Zellstoff Waldhof dagegen 1,5 v.H. erhöht. Am Montanmarkt ergaben sich meist Kursbesierungen, doch war das Geschäft minimal. Klöckner lagen 1,75 v. H« Mannesmann 125, Phönix 0,5 v. H. höher. Von den Autoaktien gaben Adlerwerke etwas nach, Daimler konnten sich jedoch gut behaupten. Banken waren ebenfalls gut behauptet. Danatbant aber minus 1,25 v. H Schiffahrtswerte waren leicht abgeschwächt. Deutsche Linoleum minus 1 v. H. Deutsche Anleihen und ausländische Renken waren oernachläf- sigt. Im Verlaufe traten die Schuckertaktien noch stärker in den Vordergrund, bei fortgesetzten Käufen konnte der Kurs erneut 2 v.H. anziehen. Dadurch angeregt wurde die Tendenz allgemein freundlicher, und bei weiteren Deckungen waren die Kurs« meist leicht erhöht. Der Geldmarkt blieb unverändert angespannt. Tägliches Geld 8 v. H. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1975, gegen Pfund 20,359, gegen Daris 124,12, London gegen Kabel 4,8490, gegen Mailand 92,59, gegen Madrid 30,08, gegen Holland 12,09. Berliner Börse. Berl,in, 2. Noo. - Nach der gestrigen erholten Frankfurter Abendbörse war auch im heutigen Vor- mittagsverkehr eine etwas besser- Tendenz, doch schon an der Dorbörse waren erneut stärkere Kursrückgänge zu verzeichnen, da man da- mit rechnet, daß aus dem Rheinlande und aus Süddeutschland Derkaufsorders, die gestern infolge des Feiertages nicht eintrafen, vorliegen werden. Als jedoch bei Festsetzung der ersten Kurse diese Der- kaufsorders nicht in dem erwarteten Maße Vorlagen, ja sogar in verschiedenen Werten Kauflimiten eingegangen waren, wurde es wieder etwas fester als vorbörslich, wenn auch die Kursgestaltung infolge des kleinen Geschäftes ziemlich uneinheitlich war. Die Spekulation nahm verschiedentlich Deckungen an den Märkten, an denen sie gestern starke Abgaben getätigt hatte, vor. Die vorliegenden Nachrichten waren zwar nicht günstig — die Kon- kurse haben stark zugenommen, die Arbeitslosenziffer ist weiter im Steigen begriffen —, dock traten diese Momente in den Hintergrund, da man hofft, daß der Konflikt in der Eisenindustrie in kurzer Zelt beige» legt werden dürfte. Die Kursschwankungen betrugen im Durchschnitt 1 bis 2 v. H. Ueberroigenb fester war der Elektromarkt für den sich gestern abend schon größeres Interesse gezeigt hatte. Im Vordergründe standen Schuckert, in denen die Käufe in der letzten Zeit wieder stärker geworden sind. Der Kurs konnte sich um 3 v. H. befestigen. Bergmann, Rhel- nisch-Westfälische Elektro und Siemens waren auch stärker gefragt, während Chade, angeblich für Schweizer Rechnung, angeboten waren und schwa- cher lagen. Berliner Tiefbau konnten sich bei kleiner Nachfrage um 4 v. H. erholen, dagegen lagen Sckle- fische Zement und Bemderg schwächer. Polyphon befestigten sich ebenfalls um mehrere v. H. Leonhard Tietz auf gute Käufe wieder fester, auch Stöhr fast 3,5 v. H. höher. Der Geldmarkt war etwas leichter. Tägliches Geld 7 bis 9 v. H., Monatsaeld 8 bis S v. H., Warenwechsel etwa 7 v. H. Deutsche Anleihen etwas fester. Ausländer uneinheitlick. Mexikaner schwächer. Der Psandbriefmarkt war fast gesckäftslos. Nach den ersten Kursen zeigte sich etwas stärkeres Deckungsbedürfnis. Am Elektromarkt hielten die Käufe in Siemens und Schuckert an, so baß sich allgemein Kurserholungen von 1 bis 2 v. H. gegen Anfang ergaben. Glanzstoff 5 v. H. höher, Farben plus 1,5 o. H.; Chade dagegen weitere 3 Mark schwächer. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Rov. Zum Wochenschluß verkehrte der Frank'urier Produktenmarkt in stefiger Haltung. Das Geschäft war sehr still und Umsätze kamen kaum zustande. Die weiter etwas erhöh en Auslandnv ierun en blieben ohne Einfluß. Etwas Interesse bestand für Brotgetreide. Auch für Mais und Futtermittel bestand einige Nachfrage. Die Presse blieben unverändert. GS wurden notiert: Weizen 23.65 bis 23 75; Roggen 2253 biS 22.60; Sommergerste für Brauzwecke 21.50 bi» 25; Hafer, inländischer. 23.25 bis 23.50; Mais (gelb) für Futterzwecke 22 bis 22.25; Weizenmehl, süddeutsches, Spez. 0, 33.75 bis 31.50; Roggenmehl 30 bis 30.50; Weizenkleie 13.75; Roggenkleie 1425. Tendenz: stetig. Frank'urra. M Berlin Berlin ftraukfutt a. M schluh-l i-Uhr- Sch.u[j I Wlang finr» ftitr» Kur«. Unflarifcbf »Holen a. M. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Telegraphische Auszahlung. 145 HM Banknoten. 1 2 t f VD1 $ahnn: 145 131,5 300 144.5 m . 8 10 . 6 10 10 12 u 12 10 io io OolDldimiBt • iRüigetfroeite . . Ö?*lnIlflelein<6d|U 184 286.75 165 161 Vol.i 178.25 143 .35.25 139,5 280 1-3.25 287,5 165.25 i»1.5 167,5 139,73 480.4 183 386 1-1.25 107,5 amvfld)tft KorboeuHdift vlotjb . . Alls fctutidw llrttHtanfc . Barmer Bantverein Berliner -anvelsgeieillch. . Sommeti- unO Pttvat-Banl Darmii u Nattonalbant Deutsche Bant SUtonto-tyrklhtbalt flnt. trflbnet Cant »rebttixmf • Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papinm angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt befchiostenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7 Prozent, LombardzinSfuh 8 Prvzentz i it.! r. ii I t it. 2 ti. Datum tt «klch«anltchr o lft27m 8üil.-vriet_ Franziiniche Jloten - • Holländische ’JZoten • • . • . ytnlitnifdie Violen ...... Norwrackche bloten . .... Denito'ürflert. i 100 Äronen Rumänische Noten...... Schwedische ’JZoten ...... Schweiler 'Jloten ...... Svanilche 'Jlorcn....... Ttchechoilowakische Noten . . lß,:t6 LG7.91 21.-05 111.58 58.83 2.535 111,83 80,4» 87.48 11,89 18,42 168,59 21.985 112,02 50,07 2,555 112,27 80,81 67,79 12,4» Frankfurt a. M | Berlin Sd)!uR« i-Uhr- Sch.u^ s ttinlang Nur» Kur» Rur» Datum: 1. IL 3. 11 1.11. _ä_H. -Lhillpv ......i Oelöelbci stiemen» .... 10 — 129 — —— 133,75 •* Temen) Slatlftobt ...... 8 177 — —• Waytz & i'TteUaa -.....10 — 130 — Schultheis Dayen Hofer ... 15 _ _ 314.5 M 315 266 Der. 91 6 — 141,25 142,25 10 161 160.5 160.o — 6 6 .8 132 131J S — — 118,5 120 )■ < 121.6 121,5 121 6 135 — 1*5 134.5 . 8 — 127,u 129 . 8 241.5 — 334 . 7 107 108.75 107,5 109.25 . » - — 124,9 — . 8 123.26 124,5 123.a 125 . 7 M— 123.5 115,73 . 6 — 106.65 106,25 . 6 — — 109 107 »y. 90.5 91,13 90,6 10 271,75 271.5 270.5 271 »y. 1-2,5 132,. 131 131 7.5 — * 138 139,4 6 — 92 vl,l> — »sh * —— ><>.65 56,» 10 274 274 ■273.25 272 10 274,5 275 278.u 273 IS 480 - 179.1b 180 IM 146,75 16,75 246 245,5 . 6 — 115,25 — . i iO5,75 205 * . 6 96.25 96 96 96 . < 100 *- 98,9 99.4 U 182,5 - 87,2o *- 87.5 — «.E.G....... « k SO,8 -* 50,9 60,o Bergmann . ...»•• Slelrt. tiklemngea.... 14,13 — 14,13 Uvl Lichl unD ftlart ...» 90 sielten & Guilleaume. • • Gei. s (Bellt. Untertu. • • damo. ©rftt. 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