Nr. 79 Lrste8 Blatt 178. Jahrgang Montag, 2. April 1928 Erschein, lagUch.autzec Sonntags anb (feiertags Beilegen (Bießener FamiliendlaNei Heimat im Bild Die Scholle. menati-Beiugspreu. 2 Reichsmark und 20 Reichspfenntg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Jlumm em infolge höherer Gewalt. Fernsprrchanfchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße». poßfcherNonlo: frteitffnrt am Main 11686. Sietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefjen Vru6 vnd Verlag, vrühl'sche UniversilatL-vuch- vnd Steintruderd R. Lange in Siegen. Schristleitung und Se»chäft§jtelle: Zchnlftratzr 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für *Re- klameanseigen von 70 mm Breite 35 Relchspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich Lange, für Feuilleton Dr. h Thynot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil fiurt hillmann, sämtlich in Gießen Oie Auslösung des Reichstags. Reichstagsbilanz. Ungefähr ein Jahr vor feinem natürlichen Ende hat der am 7. Dezember 1924 gewählte Reichstag am 31. März 1928 fein Leben beschlossen. Das Ende erfolgte zwar gewaltsam durch eine Auslösung. war aber seit geraumer Zett erwartet und diskontiert worden. So bunt auch die Geschichte der deutschen Republik seit dem Zusammenbruch im Rovember 1919 und so bunt die I Geschichte ihrer Volksvertretungen seither gewesen ist. so war doch die des soeben gestorbenen Reichstag- mit die bunteste. Man sehe sich nur einmal die Liste der verschiedenen Kabinette an, die er auf die Deine gestellt hat. Anfang Dezember 1924 war der Reichstag gewählt worden, am 15. Januar 1925 war das erste Kabinett zustande gekommen, das durch die Kanzlerschaft Dr. LutherS und den ®in- tritt der Deutschnationalen in Die Regierung unter der Führung Schieles als Reichsinnenminister sein Gepräge erhielt. Zum erstenmal waren die Deutschnationalen bereit gewesen, sich aktiv an den Regierungsgeschästen zu beteiligen. Als Vorbereitung hatte dazu der vorangegangene Reichstag gedient, der im Mai 1924 gewählt worden, dem ledoch nur eine kurze Lebenszeit beschiedcn gewesen war und dessen Hauptaufgabe darin bestanden hatte, das D a • wesabkommen von London anzunehmen. Die Halste der Deutfchnationalen hatte damals dasür gestimmt, sich also bis zu einem gewissen Grade mit der noch unmittelbar vorher so erbittert und leidenschaftlich bekämpften Aussenpolitik Strese- inanns einverstanden crtlärt und damit war die Vorbedingung für ihren Eintritt in die Regierung geschaffen Das vollzog sich, wie gesagt, im Januar 1925 im Schost des neugewählten Reichstags Anfangs ging die Geschästssührung ziemlich glatt dank der Energie Dr. Luthers. Vielleicht aber war infolge der von früheren Wahlkämpfen her noch allzu Harten ovpositionel- le'n Stimmung in der deutschnationalen Wähler- I schäft der Eintritt in die Regierung verfrüht gewesen Es machte sich immer stärkerer Wider- standsgcist geltend und dem trug die deutsch-- nationale Parteileitung dadurch Rechnung, dass sie bei Abschluss des Locarnopakts ihre Mitglieder aus dem Kabinett wieder zurückzog. Run begann eine andere Epoche. Ernsthafte Vestrebungen zur Rückkehr der Grossen Koalition scheiterten daran, dass der Gegensatz zwischen Deutscher Volkspartei und So- zialdcmokraten in Erinnerung an die Zeit der Kanzlerschaft Stresemanns noch zu gross war. Schon wurden abermals Möglichkeiten einer Aus- lofung und Reuwahl des Reichstages erörtert, da gelang es Dr. Luther, ein neues Ra- [ binett zustande zu bringen, das auch als ein Kabinett der Mitte bezeichnet worden ist und sich im wesentlichen aus Zentrum. Deutscher | Volksparlei und Demokraten zusammenfetzte. ®iA I ilebernabme des Rcichssinanzministcriums durch den Demokraten Reinhold verlieh dieser Regierung eine eigene Signatur. Dieses Kabinett wurde abgelöst durch eine andere Minderheits- regierung unter Reichskanzler Marx, der als Vertreter der Demokraten Dr. Külz als Reichs- innenminiflcr angehörte. Der Sturz Luthers war herbeigefüfort worden durch die Flaggen- vcrordnung des Reichsaussenministers, die für die diplomatische und konsularische Vertretung des Reiches in überseeischen Ländern die Handelsflagge der Reichsflagge gleichsetzte. Das war ein entschiedener Schritt zur Sicherung von Schwarz-weiss-rot und hätte als ein Anfang in der rechten Richtung zur Lösung der Flaggen- ;rage überhaupt dienen können, wenn der Vorstoss der Linken dagegen abgelehnt worden wäre. Völlig unverständlicherweise verhalfen die Deutschnationalen dadurch, dass sie sich der Stimme enthielten. Sozialdemokraten und Demokraten dem Misstrauensantrage gegen das Kabinett Luther zur Annahme. Auch dem Kabinett Marx-Külz war keine lange Lebensdauer bestimmt. Die Deutschnationalen sahen ein, dass sie als Opposition schliesslich auch nicht auf die Dauer bestehen könnten, sondern als zweitstärkste Partei einen Teil der Verantwortung tragen müssten, welchen Grundsatz sie freilich bei Zurückziehung ihrer Minister aus dem ersten Kabinett Luther verleugnet hatten. Sie setzten nun alle Hebel in Bewegung, um ihrem Machtwillen Geltung zu verschaffen. Die Deutsche Dolkspartei hatte eine wiche Lösung von jeher befürwortet und vermittelte auch jetzt wieder durch den Reichswirtschalts- minifter Dr. Eurtius zwischen Deutschnationalen und Zentrum. Rach unendlich langen und schwierigen Verhandlungen kam eine Einigung zwischen den beiden grossen Parteien endlich zustande. Das Zentrum suchte seinen linken Flügel und dessen Misstrauen gegen die Deutschna'i^nalen dadurch zu beruhigen, dass es diese zur Unterzeichnung der sogenannten R i ch t- I i n ie n -Wang, die von keinem geringeren als Dr. Wirth selbst entworfen waren. Die Deutsch- nationalen sicherten sich dafür vier Minister- sitze. Der eigentliche Sinn dieser neuen Koalition war die im stillen erzielte Verständigung zwischen Deutschnationalen und Zentrum über das Reichsschulgesetz mit dem Konkor - da t im Hintergrund Sobald die Frage des Schulgesetzes, auf das vom Zentrum immer stärker hingedrängt wurde, in den Vordergrund trat, zeigte sich immer stärker die drohende Spaltung in der Koalition durch die Haltung der Deutschen Dolkspartei. für die ein reaktionäres Schulgesetz im Sinne des Zentrums und des alten konservativen Flügels der Deutsch- nationalen unannehmbar war. Lange wogte der Kamps hin und her. bis das Zentrum in der Erkenntnis, dass das Ziel, dessen Erringung allein der Lohn des Bündnisses mit den Deutschnationalen gewesen wäre, unerreichbar sei. die Koalition kündigte. Man hatte in den beiden grossen Parteien die Widerstandskraft und das Selbständigkeiisgesühl der Deutschen Dolkspartei gewaltig unterschätzt, wie man nun zu seinem Schaden erfahren musste. Und nun geschah das Seltsamste: während die Deutschnationalen gern an der Macht geblieben teuren, verlangte das Zentrum, das an Stelle des erkrankten Reichskanzlers ausschliesslich von dem Fraktionsvor- Oie letzte Berlin, 31. März. (V. D.Z.) Kurz vor 12 Uhr betritt Reichskanzler Dr. Marx mit einer schwarzen Aktentasche den Sitzungssaal, um an der Spitze des Regierungstisches Platz zu nehmen. Der Aktentasche entnimmt er eine grüne Mappe, die er auf seinen Platz niederlegt. Rach ihm nehmen sämtliche Kabinettsmitglioder am Regierungstische Platz. Als zweiter Punkt steht auf der Tagesordnung: „Entgegennahme einer Erklärung der Reichs- regierunfl". Reichskanzler Dr. Marx: Meine Damen und Herren! In der Sitzung des Reichstages vom 27. Februar b. 9. hat mein Stell- Vertreter, Herr Vizekanzler Hergt, dem Hohen Hause das Rotprogramm der Reichsregierung vorgelegt. Die parlamentarische Erledigung des Notprogramms bat dieses Hohe -Haus fast einen Monat in Anspruch genommen. Ich darf am heutigen Tage, nachdem die letzten Abstimmun«n des Reichstage- ty'ienil gestern vollzögen uioiDen sind, namens Der Reichsregierung mii Befriedigung feststellen, dass die gehegten Erwartungen voll in Erfüllung gegangen sind. Mik diesem Ausdruck der Befriedigung verbindet sich für mich und die ganze Reichsregierung der Ausdruck des Dankes an das Hohe Haus, seinen Herrn Präsidenten und alle Fraktionen, die sich — unbekümmert um ihre politische Einstellung — dieser positiven Arbeit bereit- willigst unterzogen haben. Es kann keinem Zweifel I unterliegen, bass durch die bedeutsame pnrlamen- I larifch? Erledigung des Arbeitsprogramms bringen b]'t en Bedürfnissen des deutschen Volkes, ja vielfach bitterster Not in den verschiedensten BevöUe- rungsgruppen und Lebensnotwendigkeiten der beut- jd>en Wirtschaft auf wichtigsten Gebieten Rechnung getrogen worden ist. Vor allem darf ich in diesem Augenblick mit innerer Befriedigung feststellen, dass e ■ dank der aufopferungsvollen und hingebungsvollen Mitarbeit aller dazu berufenen Stellen in diesem Jahre gelungen ist den Reichshaus - halt für 1928 zuzüglich des Nachtragsetats 1927 rechtzeitig jertigzustellen. Das deutsche Volk hat damit vor dem 3n- und Auslande den zähen Willen bekundet, über alle I politischen Schwierigkeiten hinweg die Ordnung in seiner eigenen st aatlichen Wirtschaft zu erhalten und immer weiter zu befestigen. . Wie bereits in der vorerwähnten Regierungserklärung vom 27. Februar d. 3. hervorgehoben worden ist, soll sich nach der in voller lieber- einftimmung mit dem Reichspräsidenten erfolgten Kundgebung der Reichsregierung vom 18. Februar 1928 der parlamentarischen Erledigung des Arbritsnotvrogramms die Auflösung des Reichstages anschliessen. Rachdem diese Voraussetzung mit drm heutigen Tage erfüllt ist. hat der Herr Reichspräsident meinem Anträge entsprechend folgende Verordnung vollzogen. die ich die Ehre habe, dem Hohen Haufe | zu verlesen: Verordnung des Reichspräsidenten über die Auflösung des Reichstages vom 31. Mär; 1928. Rachdem der Reichstag mit den gestern verabschiedeten Gesehen bas sogenannte 97 o t Programm erledigt hat, und da nicht zu erwarten ist. bah noch weitere gröhere gesetz- geberifcl)e Arbeiten in dieser Wahlperiode zum Adschiuh gebracht werden können, löse ich auf Grund des Ark. 25 der Reichsverfassung den Reichstag auf. Berlin, den 31. März 1928. Der Reichspräsident: (gez.) v. Hindenburg. Der Reichskanzler: (gez.) Dr. Mac x. Abg. Dr. Scholz (D. Dp.) spricht hierauf dem Präsidenten Lobe den Dank aus für seine liebenswürdige, humorvolle, aber auch straffe Zügel- führung. Er dehnt diesen Dank au;- auf die Vizepräsidenten und die Beamten des Reichstages. — Präsident Loebe dankt für die Anerkennung feiner Tätigkeit und führt dann im Schlusswort aus, die Arbeit des sitzenden von Guerard geführt wurde, die sofortige Auflösung und Reuwahl in der Hoffnung, durch die Parole des Schulgesetzes die scharten Gegensätze innerhalb der eigenen Partei überbrücken zu können. Dem widersetzte sich der Reichspräsident, und er erzwang unter Zustimmung der Deutsche Vvlkspartei und dec Deutschnationalen die Durchführung eines Programms, zur Hebung der Rot der Landwirtschaft und Fertigstellung des Etats. So arbeitete die eigentlich gesprengte Koalition mit ihrem Kabinett noch monatelang in mehr ober weniger grosser Einmütigkeit zusammen, und es gelang, ein ziemlich umfangreiches Programm in verhältnismässig kurzer Zeit auszuführen. Run ist diese Aufgabe erfüllt, und die deutsche Wählerschaft wird am 20. Mai zu entscheiden haben, wie sich in der nächsten Zukunft unser Geschick gestalten soll. Sitzung. Reichstags werde draussen in der Oessentlichkeit kaum richtig gewürdigt. Die viele, aber intensive Arbeit b er Ausschüsse, vor allem bes Haushaltsausschusses unb des Sozialpolitischen Ausschusses sei von ben Publikumstribünen aus nicht erkennbar. Es sei in bet Parlamentsarbeit eine Verschiebung vom Plenum zu ben Auss chüs s em eingetreten, der eine künftige Parlamentsreform auch die formale Fassung geben müsse. Zu dem Wunsch des Abg. v. Kardorfs, dass die Verlesung ausgearbeiteter Reden unterbleiben möge, bemerkt dcrPrä- sidenk, er werde Vorkehrungen treffen, die seinem Rachlolger die Durchführung dieser Resorm ermöglichtem (Heiterkeit.) Der Präsident dankt dann seinen Mitarbeitern, vor allem bem Vizepräsidenten Dr. Riesser. der jetzt wegen seine« Alters ausscheiden wolle, und spricht weiter ben Wunsch aus, dass der Wahlkampf so sach- Lid) geführt werden möge, dass l-ic Abgeordneten nach ihrer Rückkehr sich ruhig in die Augen blicken können. Der Präsident schliesst seine Rede mit den Worten: „3d) bitte Sie, deutsche Reichstagsabgeordnete, mit mir einzustimmen: „Das deutsche Volk, dem wir zu dienen bemüht waren, die Deutsche Republik, sie leben hochl" Die Abgeordneten, mit Ausnahme der wenigen anwesenden Kommunisten (die Dölki- sck)en hatten nach der Kanzlerrede den Saal verlasfenl, erheben sich von den Sitzen und stimmen dreimal in das Hoch ein. Einige Kommunisten rufen nach dieser Kundgebung: „Riederl" Geflüchtete Kommunisten. Reichstag cabgcordncte, die ihreJmmunität verloren. Berlin. 1. April. (Priv.-Tel.) Die Berliner Kriminalpolizei fahndet seit gestern nach Den kommunistischen Rcichstagsabgeord. Stöcker, Könen. Hörnle, Heckert, Remmele und Pfeiffer, die auk Veranlassung des Oberreichsanwaltes verhaftet und nach Leipzig übergeführt werben sollen. Die Abgeordneten die mit bet gestrigen Reichstaasauflösung ihre 3mmunität verloren haben, sind wegen Hochverrates angeklagt und sollen sich am 9. Mai vor dem Reichsgericht verantworten Da der Oberreichsanwalt annimmt, dass die kommunistischen Parlamentarier der ihnen zugestell- ten Ladung freiwillig nicht Folge leisten werben, hat er um ihre Verhaftung ersucht. Bisher hat die Berliner Kriminalpolizei keinen der genannten Abgeordneten ermitteln können. An bet gestrigen Schlusssitzung bes Reichstages hat keiner von ihnen mehr teilgenommen. Es wirb vermutet, bass sich die genannten Abgeordneten bereits ins Ausland begeben haben. Der „Montag Morgen" vermutet, dass sie sich damit begnügen werden, am 9. Mai vor dem Reichsgericht durch einen Verteidiget eine Er- llärung abzugeben, die ihr Nichterscheinen aus politischen Gründen rechtfertigen soll. Sozialdemokratische Reichstagskandidaien in Hessen. Wie wir erfahren, hat bet am Sonntag in Michelstadt ftattgefunbene Parteitag der Sozialdemokratischen Partei für Hessen folgende Kandidaten zur Reichstagswahl aufgestellt: 1. Ulrich, Darmstadt 2. Dr. David, Berlin, 3. Dr. Quessel, Darmstadt: 4. Beckmann, Giessen: 5. Frau Rudolf, Offenbach: 6. Thomas, Mainz. 41 Millionen Stimmberechtigte. Die Aufstellung der Wahllisten. Berlin, 1. April. Wie der „Demokratische Zei- tunasdienst" milteilt, sind die Behörden zur Zeit mit der Aufstellung dec Wählerlisten be- schaftigt. Auch von feikn des Statistischen Reichsamtes unb der statistischen Lanbesämier werben die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Die Zahl b e r Wahlberech tigten für bie Reichsiags- wahl kann aber vorerst nur schätzungsweise etmiltelf werben. Für bie Dezemberwahl 1924 waren 38 375 000 Wahlberechtigte in bie Wahllisten eingetragen. Für bie biesjährige Reichslagswahl tuirb biefe Zahl schätzungsweise 41 250 000 Stimmberechtigte umfassen. Dabei ist zu berücksichtigen, bass die Zahl bet in bie Wahllisten Eingetragenen höher ist als bie auf Grunb bcr Volkszählung ermittelte, weil bie Stimmlisten nicht in bcr nötigen Weise jortluufenb bereinigt unb zum Teil burch Tob Ausgeschiebene nicht sofort gestrichen werben. Für bic jetzige Reichstagswahl wirb bie Zahl bcr Wahl berechtigten auf Grunb ber Volkszählung auf 40 700 000 geschätzt, bas ist um 480 000 Stimmen nichtiger, als in bie Stimmlisten eingetragen sinb. Die Zahl ber Er st wählet, b. h. btrjenigen Wählet, bie bas wahlfähige Alter seit bcr letzten Reichstagswahl erreicht haben unb zum erstenmal bas Wahlrecht ausüben, betrug im Dezember 1924 zirka 3 037 000; für bic jetzige Reichstagswahl wirb bie Zahl ber Erstwähler schätzungsweise 2 875 000 betragen, sie ist also um 162 000, bas sinb 5,3 Pro;., zurückgegangen. Schweres Erdbeben in Smyrna. Biele Dole. - (trotze Verwüstungen Angora, 1.April. (WTV.) 3n bet Rach! ;um Samstag Hal ein starkes Lrbbeben Smyrna unb Umgebung heimgefucht; es würben neun Siöhe wahrgenommen. der erste um 2.20 Uhr dauerte eine Minute, der folgenbe um 3 Uhr bauerte fünf Se- kunben unb ein anderer um 6.52 Uhr zehn Sekunden. Dazwischen hatte man Stösse von ber Dauer von einer Sefunbe zu verzeichnen Zwanzig Ge bäube und der Uhrturm sinb cingeslurzt. Zahlreiche Gebäude unb Fabrikschornstcinc würben beschädigt. (Eine unter dem Vorsitz des Gouverneurs slchcnbe Kommission leitet die Hilfsaktion. Das Erdbeben wurde gleichzeitig in Mughla, Denizli, Uibin, Ma- nifla, Balilefra unb Konstantinopel wahrgenom- mcn. Sein Herd befanb sich in Torl> aIi bei Smyrna. Von 10 Uhr ab hörten bic Erbstoße im ..ttflcinelueu eus. Ruc hi Iwtafi dc netten sie, roenn auch statt abgeschwöcht, bis zum Abenb an. Der Kai im Hafen von Smyrna ist geborsten. In Smyrna wurden 1 6 Personen getötet und 50 verletzt, davon 10 schwer. Rach den letzten Funksprüchen wurden durch das Erdbeben in Smyrna 29 Wohnhäuser unb 10 Lagerhäuser zerstört, währenb 189 Wohnhäuser, 130 Lagerhäuser, 6 Schulen, 5 Moscheen, 6 Fabriken, zwei Druckereien unb ein Lichtspieltheater Beschäbigungcn erlitten. 3n dem am schwersten heimgcsuchlen Bezirk Torbali sind fünf Dörfer unbewohnbar geworden. 3n vier weiteren Dörfern sind gleichfalls fchwcre Schaden zu verzeichnen. — Auch gestern abend und heute früh haben sich in Smyrna neue Erdstösse ereignet durch die jedoch keine neuen Verluste an Menschenleben unb auch kein neuer Sachschaben herbeigeführt wurden. Rach ben neuesten Meldungen wurde das 150 Häuser zählende Dorf Torbali vollständig zerstört Es waren 50 verletzte zu verzeichnen. 3n anderen Dörfern des Bezirkes Torbali wurden 8 Personen getötet und 60 Personen verletzt. Die Bewohner brachlcn die Rächt im Freien zu. Der Pcüsibenl der Republik hat für das vilajek Smyrna 100 000 türkische Pfund gestiftet, zur Bestreitung der dringendsten Bedürsnisse der betroffenen Familien. Oie Fndusiriesaboiage im Donezbecken. Säuberung der kommunistischen Parteiorganisationen Moskau, 31. März. (Telegraphenatzenttir ber Sowjetunion.) Das norbkaukafische Bezirkskornitee der Kommunistischen Iflartei hat im Zusammenhang miz der Aufdeckung der gegenrevolutionären Verschwörung in der Kohlcninbustrie bes Donezbeckens eine Untersuchung bei ben Parteiorganisationen bes ^chachtyreviers Dorgcnommcn unb daraufhin beschlossen, das Bureau des Schacksiykomitees ber Kommunistischen Partei aufzulö|en, da es sich in der Leitung in ben wichtigsten Fragen bes wirt- schastlichen Wieberaufbaues als unfähig erwiesen habe ein neues Bureau zu wählen. Das Bezirkskornitee hat ferner beschlossen, eine Reihe non Parteifunktionären abzusetzen. Das Präsidium des norbkaukasischen Bezirksrates ber Gewerkschaften hat ben Beschluss gefaßt, das Präsidium bes Bergarbeiteroerbandes des Schachty- bezirkes a u f 3 u I ö f e n unb ein neues Präsidium zu wählen so wie eine Reihe von Gewerkschaftsfunktionären a b 3 u s e tz e n. Rach halbamtlichen Melbungen sinb weitere Entlassungen von leiienben Kommunisten in ber Ukraine vorgesehen. Desonbers wird das Mitglieb bes Zen- traltomitees der kommunistischen Partei der Ukraine, Mihalenko. beschuldigt, m i t ben verhafteten Ingenieuren in Sßerbinbung gestanden zu haben. — Der Leiter ber G. P.U. in der Utraine ist wcgen Zugehörigkeit zur Opposition seiner Stellung enthoben worden. Außerdem wirb bie ganze Abteilung ber G. P. U. in Rostow aufgelöst unb bucch neue Kommunisten ersetzt werben. Oie polnisch-litauische Konferenz. Litauens Wünsche. Berlin. 1. April. (Priv.-Tel.) Die ..Dofs. Zeitung" veröffentlicht Erklärungen, die ihrem Vertreter in Königsberg vom litauischen Mi- nisterpräsidenten Woldernaros gegeben wurden. WoldernaraS führte u. a. aus, es habe sich bei einer Besprechung mit Zaleski ergeben, daß die polnischen Vollmachten sich nur auf einen geringen Teil der Genfer Entschließung erstreckten, nämlich lediglich auf die „Herstellung von den Frieden erhaltenden Beziehungen". Eine solch« Einengung des Verhandlungsstoffes haße nach litauischer Lieberzeugung wenig Wert. 3m engen Zusammenhang mit diesen Fragen stände doch die Klärung der von Litauen aus den Schäden des Zeligvwski- Handstreiches h^rgeleiteten Ersatzansprüche und die Sicherheitsfrage, die durch die gegen Litauen tätigen Emigrantengruppen aufgeworfen werde. Dies berühre eng das Wilna- Problem, über das nach dem Völkerbunds- beschluh nicht gesprochen werden solle. Unerträglich wäre es für Litauen, Briefe nach Wilna, ter alten litauischen Hauptstadt, mit Auslandporto zu frankieren. Auch könne kein Litauer ins Wilncmebiet mit polnischem Visum fahren. Außerdem bestünde zwischen beiten Staaten keine Grenz«, sondern nur eineDemarkations- l i n i e. Es würde daher Schwierigkeiten haben, eine Zollgrenze zu schaffen. Von ter polnischen Delegation wurde Oem Vertreter ter „Voss. Ztg." erklärt, sie sei grundsätzlich bereit, jeden von litauischer Seite im Rahmen der Dölkerbunbsentfchließung vorgebrachten Vorschlag zu diskutieren. Auch einer Erörterung der Frage des Schadenersatzes aus den litauisch-polnischen Kämpfen werte sie sich nicht entziehen, zumal auch Polen eine Liste von Schäden voi^ulegen habe, die ihm damals von litauischer Seite zugefügt Worten seien Ebenso könne man auch auf die Frage der Sicherheit der litauischen Grenzen in den Verhand lungen eingehen. Diele Sicherheit erscheine zwar ter polnischen Regierung schon durch das Völker- bundsrecht gewährleistet, wenn aber Litauen darüber hinaus noch eine besondere rechtliche Sicherung anrege, so werde dies von polnischer Seite nicht abgelehnt werden. Auch die litauischen Wünsche nach Ordnung der Paß- gebühren und des Portowesens für den Wilnaverkehr seien im Rahmen eines Postabkommens und einer Paßkonvention erfüllbar. Ein Interview mit Zaleski. Polen toiH im Falle des Lchciterns der Konferenz den Völkerbund anrnfen. Der Führer ter polnischen Delegation. Außenminister Z a l e f k i. gewährte dem Vertreter ter Tekrmion eine längere Unterredung, in der er di« augenblickliche Situation dahin schilderte, daß die pmnische Delegation Len litmrttchsn Unter* Händlern genau ausgearbeitete Konventionen über die Aufnahme des Grenzderkehrs, de« Post* und Telegraphenverkehrs und des Eisenbahnverkehrs zwischen beiden Landern überreicht hab«. Die Entwürfe seien so weit vor* gearbeitek. daß rate noch die Unterzeichnung zu vollziehen fei. Bezügkich der Wiederaufnahme teS Transitverkehrs aufdemMemel* fkutz habe die litauische Delegation erwidert, daß Stauen soeben auf dem Verordnungswegs eine ^Regelung dieser Frage im Einklang mit den internationalen Verträgen geschaffen habe. Die yvlnffche Delegation habe darauf um Einsicht- nahnze in diese Verordnungen ersucht und werde sich morgen mit ter Prüfung dieser litauischen Verordnungen m ter Schiffahrtsfrage befassen. Im übrigen hätten die Litauer bisher nur Vorschläge bezüglich öeS Schadenersatzes für das Zeligowski-Unternehmen eingereicht, deren Hohe sich auf 10 Millionen Dollar belaufe. Die Vorschläge über die Staatssicherheit und auch cifLE Antwort auf die polnischen Konvrn- tionSentwürfe ständen noch aus. Polen werte die Schatenersahansprüctze eingehend prüfen und 'einerseits Gegenansprüche für dis durch litauische Bantenüberfälle auf polnisches Gebiet im polnisch-russischen Kriege von 1920 entstan* Menen Schäden stellen. Er halte eine Erörterung dieser Frage für durchaus möglich, ohne daß dabei Die rein territoriale Wilnafrage erwähnt werte. Auch Ministerpräsident Wolde-- maras habe erklärt, daß er die territoriale Frag- dabei ouszuschalten bereit sei. Leiter lasse die Haltung ter litauischen Delegation fernen Schluß über den Ausgang ter Konferenz zu. Auf Die Frage, was er zu tun gedenke, falls die Litauer die polnischen Vorschläge ablehnen sollten ober ihrerseits unannehmbar e Vorschläge machen sollten, erklärte Außenminister oaleffi, daß er dann Wvltemaras auffordern werde, sich gemeinsam mit ihm an den Völkerbund zu wenden und die Vermittlung des Referenten zu dem Wilnakonslitt. des holländischen Außenministers, enuurufen. Sollte Woltern a ras dies abkshnen, so würde er, Zaleski, diesen Schritt allein von sich aus unternehm im. Geringe Hoffnungen. Keine Einigung über die Berhandlungsgegcnftän-c. Kenigsberg, 2. April. (TU.f Im Laufe tes Sonntags haben keine Verhandlungen zwischen den Delegationen stattgefunden. Die nächste gemeinsame Sitzung, die öffentlich sein wird, sinder Mon lag um 11 llhr vormittags statt und dürfte wohl ''ine Klärung der Loge ergeben. Die allgemeine Stimmung ist recht gedrückt. Es bat den An- ichein, als ob man in Kreisen ter litauischen Delr- iiation mit einem baldigen Abbruch ter Der- tzimdlungen rechnet. Die litauische Delegation har bis beute noch leine Antwort auf die polnischen Konventionsewtwürfe erteilt und auch ihrerseits mir einen Gegenvorschlag, über die Zesigvwfki-Entschädi- gung eingereicht, während die Vorschläge über die Staatssicherheit noch ausstehen. In Pressekreisen sicht man bte Lage als hofsnungslo s ar, da bte Parteien sich überhaupt nicht zu gemeirsismen Perbairdlurrgen sinter und sich nicht darüber klar wersen könnet- worüber verhandelt werten soll, 'bisher Hot im wesentlichen nur ein Austausch von Schriftstücken stattgefunden. Man ist der Ansicht, daß die Konferenz ungenügend vorberei t e t war. Die Prüfung ter im wesentlicher rechni- • eben Vorschläge über Verletzrssiagen. um die es iich in erster Linie dreht, hätte erfolgen fönuen. ehe die Delegation sich überhaupt an den ^erbanbiun,:. . lisch fetzte. Auch die Verhandlimgspiml'te hätten bereits vor der Konferenz eindeutig feftgefegt wer den können. Der Königsberger Konferenz wird man daher im wesentlichen mir einen vorbereitenden Charakter bermessen können. England und Aegypten. Eine Erklärung des ägyptische« Premierministers London, 2. April. (WTD. Funlspruch.) Dem Vertreter des »Daily Expreß" erklärte ter ägyp- tifche Premierminister Nahas Pascha: Aegypten fei niemals ein Teil des britischen Reiches gewesen, wünsche aber, mit Großbritannien auf ter Grundlage freundschaftlicher Beziehungen zu leben. Die britischen Interessen seien keineswegs unvereinbar mit der vollkommenen Unabhängigkeit Aegyptens. Das ägyptische Heer werte stark genug sein, um den Suezkanal zu verteidigen, und England selbst, als Verbündeter Aegyptens, werte in Der Lage sein. Aegypten bei dieser Verteidigung zu unterstützen, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergäbe. Britische politische Beobachter in Kairo erflaren, daß Nahas Pascha durch die Fassung seiner Note an Sie britische Regierung politischen Selbstmord begangen habe. — In einem Leitartikel schreibt „Daily Erpreß": „Wenn die ägyptische Regierung vollkommen un- Paris, 1. April. (WTB.) In einer heute in Carcassonne in Südsrankreich gehaltenen Rete unterstrich Poincare die Bedeutung seiner bisherigen Verdienste um die finanzielle Sanierung, die durch ein Ministerium ter nationalen Einigung ermöglicht worden feien. Was noch zu tim bleibe, fei ebenso schwierig wie das bereits Geschehene. Was man erzielen müsse, sei die Rückkehr zu einer gesunden Währung. Deshalb müsse vermieden werden, daß man wieder in die parlamentarischen Krisen verfalle. Alles müsse dieser Finanzsanierung untergeordnet werten. Poincare sprach alsdann von ter Notwendigkeit steuerlicher Ausgleichsreform sowie von den wirtschaftlichen Reformen. Die deutschen Sachlicferungen würden die Durchführung eines rationellen Programms ermöglichen. Auch die Landwirtschaft und der Weinbau müßten Reformen unterworfen werten. Nach scharfen Ausführungen gegen den Kommunismus, dessen Bekämpfung er für notwendig erklärte, kam Poincare auf den äußeren Frieden zu sprechen, von dem er sagte: Wir haben unglücklicherweise hierüb?': nicht allein zu bestimmen, sonst würde er für immer sicher gestellt fein. Aber wir wollen unsererseits tun. was von uns abhängt, nm Siefen sicher* zustellen. Man wird imS niemals eine Handlung, eine Geste ober ein Wort verwerfen kennen, die ungenügend pazisistifch sind. Wenn man uns irgenSwelcher Hintergedanken bezichtigt, so ist das verlemnterifch oder töricht. 'Als totr mit Paris, 31. Mürz. (WTB.'» Die Note, die Außenminister Brisnd gestern durch den französischen Botschafter in Washington im Staatsdepartement überreichen ließ, ist heute nachmittag veröffentiichl morden. Die französische Regierung stellt mit Befriedigung fest, baß die amerikanische 'Regierung di e Teilnahme oller Regierungen der Welt an dem Vertrage zulaffe. Wenn man ans dem Vertrage ein Instrument tes Fortschrittes und des Friedens, nicht aber ein Instrument ter Unterdrückung machen wolle, fei es klar, daß, wenn einer der nnterzeichnenben Staaten feine Versprechen nicht erfülle, die anderen Unterzeichner gegenüber einem versagenden Staat ihrer eigenen Verpflichtungen lebig erklärt werden würben. Außerdem entnehme man aus ter amerikanischen Roke vom 1. Mär; die Versicherung, baß der Verzicht auf den Krieg nicht für die Unterzeichner des neuen Vertrages bas Rechtz urlegitim en Verteidigung a u ch l i e ß e. Wenn über diese drei fundamentalen Punkte die Vereinigten Staaten gleicher Ansicht seien, und wenn er wohlverstanden sei, baß die Verpflichtungen bes neuen Vertrages in nichts die Verpflichtungen mternatümcler Verträge, wie tes Statuts des Völkerbundes, bes Abkommens von Locarno und der Garantie- und Neutralrtäksoer- iräge ersetzen wolle, noch ihnen Abbruch tue, bann hätten sich die Meilnmgsverschiedenheiten, die im Laufe 6er früheren Derhandlungsphasen sich ergeben batten, viel mehr nuf Worte als auf die Sache selbst bezogen. Die 'ranzöl'iiche Regierung erklärt sich ferner damit einverstanden, daß die amerikanifche Regierung den Regierungen von Deutschland, Großbritannien, Italien und Japan, die bis jetzt ansgetauichte Korre- fpontenz übermittelt und die'e Regierungen zur Zustimmung zu einem mehrseitigen Pakt ausfordert, vorausgesetzt. Sah die unterzeichnenden Mächte feierlich erklären, daß sie den Krieg als Instrument ter nationalen Politik, b. b. als Aktionsmitbrl ihrer persönlichen, spontanen und miabhänchgen Politik verurteilen. Sie verpflichten sich ferner, gegeneiminter fernen Angriffskrieg und keinen Einfall Ki unternehmen und nur durch friedliches Mittel Äe Regelung aller Meinungsoerfchietercheiten unb Kon flirte, welcher Natur und »reichen Ursprungs sie auch fein mögen, die Zwilchen ihnen entstehen könnten, zu suchen. Es muß jedoch als jetbstverständsich angesehen werten, daß diese Verpflichtungen für tee Unterzeichnenden nur dann bindend sind, wenn fic non allen Staaten übernommen werten, d. h. wenn der Vertrag auch allen Staaten zum Beitritt offenstes.. Sobafb eine ter kontrahieren den Machtgegen den Vertrag verstößt, würden die anderen tonfrabierenten Mächte cnimmasisch gegenüber bieicin »taste von den im Vertrage enthaltenen , Derpsiichningen entbunten. Die Aufnahme in Amerika. Wajhi n g ton, 1. 'Jlprtf. (WB.) Die amtikchen Streik enthalten sich jeden Kontmentars zur Briand- Note. Dir Blätter geben der Hoffnung Ausdruck, daß i sich eine Formel für einen Antitriegsvertrag finten I loffen mcfhc, die nicht nur Frankreich, sondern alle abhängig bas Recht, den Huezkanal mit ihren eigenen Truvpen zu verteidigen und eine unbedingte Gleichberechtigung mit Großbritannien als ein Alliierter außerhalb des britische« Reiches fordert, so ist es klar, daß die Zeit fürwei- tere Unentschlossenheit vorbe i ist. Dies ist eine Herausforderung, die im» zweideutig beantwortet werten muß. Die Zeit ist jetzt gefomme«. um Aegypten und die Welt wieder wissen zu lassen, daß Englands Sonder- i n t e r e s s e n und Sontervcranlwortlichkeiten in Aegypten von keiner britischen Regierung aufgegeben werten können. Die Lage in der Wolgarepublik. Kowno, 1. April. (XU.) Wie aus Mos.au gemeldet wirb, erstattete auf der Tagung des Zentralvollzugskomitees der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare in der Wolgarepublik einen Bericht über die politische und wirtschaftliche Entwicklung ter Wolgarepublik in ten letzten zehn Jahren. Seit ter Mißernte im Jahre 1921 habe sich die wirtschaftliche Lage bedeutend gebessert. Die Zahl der armen Wirtschaften sei erheblich zurückgegangen. 88 Prozent ter Saatfläche würden jetzt durch Traktoren bearbeitet. Auch in kultureller Hinsicht sei viel geleistet Worten. Zahlreiche deutsche Schulen seien in den letzten Jahren entstanden. Die Wolxwrepublik fei hinsichtlich der Zahl ter Schreib- und Lesrtundigen unter Der männlichen Bevölkerung an Die erste Stelle in ter SotDfetunion gerückt. allen Westmächten in ten letzten Lagen den Sowjetantrag ablehnten, geschah eS nicht, weil wir gegen irgendjemand Angriffsmittel haben wollten, sondern weil wir nicht ein Verfechten eingehen konnten, das die zahlreichen geschwächten Völker den stärkeren ausliefern würde. Frankreich hat keine Gelegenheit vorübergchen lassen, ttm seine friedlichen Absichten kimdzuttm. und jeden Tag bemüht es sich, Konflikten im Völkerbund vorzubeugen. Poincare streifte bann bas Kriegs schul- denproblem und sichr fort: Es ist auch möglich, daß aus Anlaß einer temnächstigen Dawescnmuität man prüfen mutz, wann die Eisenbahn- und Industrieobligationen. die Der Dawesplan Vorsicht, plaziert werden können. Dieses Finanzproblem wird wahrscheinlich noch andere gleicher Art zur Folge haben. Es wäre dersrüht. sich nach dieser Richtung hin auf Voraussagungen einzulassen. Es muß gesagt werden, daß vorbehaltlich der fran- zösiscten Sicherheit und tes Rechtes Frankreichs auf Reparationen, mir. wenn die Stunde gekommen ist, Kombinationen a n n e h m e n werden, Die durch die Unterbringung ter Obligationen eS ten früheren Alliierten und Deutschland und Frankreich selbst gestatten werten, so rasch als möglich ihre Schulden zu b e g l e i ch en. Keine Nation hat mehr als Frank- reich das Gefühl für die wirtschaftliche Solidarität, Die affe Völker ter Wett miteinander verbintet. doch, daß die Vereinigten Staaten wohl nicht in der Lage fern würden, alle von Frankreich oor- gefchlagenen Bedingungen anzunehmen. Einige Schwierigkeiten Dürften beispielsweise im Zusammen Hang mit Briante Vorbehalt hinsichtlich gerechtfertigter Verteidigungskriege entstehen. Staatssekretär Kellogg bemerkte, er erinnere sich nicht, daß jemals festgestellt worden wäre, wer der Angreifer im Weltkriege mar. Schiedsspruch im Bankgewerbe. Berlin, 31. März. l'WTB.) Wie uns ter Deutsche Bantbeamtenverein mitteilt, ist heute am zweiten Verhandlungstag vvm Schlichter, Regierungsrat Dr. Br ahn ein Schiedsspruch gefällt worden, welcher den Reichstarifvertrag bis zum 31. März 193 0 verlängert. Die Geholtsregelung. die eine Erhöhung von 8 Prozent vorsieht, soll bis zum 31. März 1929 dauern. Die äleberstun - denbezahlung beginnt nach ter 48. Wochenstunde, und zwar unter Zusammenfassung zweier Wochen, für die ersten Drei lleberftunten ’'«». dann Y'ioo tes Monatseinkommens. Die Orts- fonderzufchlage werten in ter jetzt beim Reiche geltenden Höhe weitergeführt, die zulässigen Lehrlinaszahlen werten herabgesetzt, die ^Irlaubszeiten bleibe« unverändert. Der Schiedsspruch wurde sür jede ter vier am Reichstarif beteiligten Arbeitnehmerverbaute einzeln gefällt: sowohl die Vertreter ter Bankleitriuoen gls auch die ter Angestellten lehnten ihn ab. Die Er - klärungssrist für die Organisationen selbst wurde auf Den 16. April festgesetzt. Gegen die parieipolitische Besehunq von Beamtenstellen in Hessen. Mainz, 31. März. Die Arbeitaeöer- vereinigung von Mainz. Wiesbaten und Umgebung hat in Gemeinschaft m:t dem Mittel- rheinischen Fa'orikantenverein eine Entschließung an die Parteien tes hessischen Landtags gerichtet, in ter sie Protest erhebt gegen die Besetzung höherer Beamtenstellen nach Grundsätzen der Parteipolitil. ES fei zu fordern, daß die Beamtenstelleu nach Vorbildung und Berus ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit befstzt werden. Zur Lohnpolitik wurde bemerkt, daß die immer häufiger wertenden Lohnbewegungen stärksten Befürchtungen für die deutsche Wirtschaft Anlaß geben. Besonders wenden sich beide Verbände gegen die Lohnforderungen bei Reichsbahn und Reichspoft, weil hierdurch zu befürchten ist, daß neue Tariferhöhungen eintreten. Derer. Folge zweifellos eine neue Teuerungswelle und Steigerung der Produktionskosten ist. Eine neue Gonntagsrede poincares Die stWöstsch-amenkamschen pakivechandiungen Sine neue Ttofe Briands fordert das ^echt zum BerieidigungSkrieg. Regierungen befriedige. Die Blatter bemerkten je Aus aller Welt. schwere Explosionsgefahr für Wilhelmshaven. 3u der Kaiserftratze in IVilhelmshaven bemerkten die Anwohner, wie plötzlich aus der fiana- iifatien große Rauchwolke« aufftiegen. Da sich zwei Arbeiter in ten Röhrenleitungen befanden, so eilte man herbei, sie zu reffen. 3n dem Augenblick, als man eine Leine zu ihnen herablafsen wollte, ereignete sich eine ftarke 6$plo|ian, und es erschollen verzweifelte Hilferufe Es skellie sich heraus, das Benzol oder Benzin in die Kanalisation etngebrungen war. das nun in Hellen Jlamtnen stand. Die anliegenden Häuser gerieten in grötzie Gefahr, da alle Augenblicke weilere Explosionen stattfanSen. Rur dem schnellen Eingreifen der Marinewertt'JeuerwLhr war es zu verdanken, daß das Sladlvierlel gerettet wurde. Ungefähr 50 000 Liker Jcucr- löschschaum wurden unter starkem Druck in die Ka- nnlisation gepumpt, und so gelang es innerhalb einer Viectelslunde, das Jeuer, das sich auf uahe - 5 u zwei Kilometer ausgedehnt hatte, zu löschen. Die beiden unglücklichen kanalisationvarbeiter konnten nicht mehr gerettet werden. Erweiterungsbauie n ter Heidelberger Aniversitälsklinilen. Der Dürgerausschuß bewilligte- in seiner letzten Sitzung zur Erweiterung ter neuen medizinischen Klmrren um ehren Absonderungsbau einen Beitrag in Höhe von 1 70000 Wk. Oberbürgermeister Dr. Walz betonte hierbei die Berei twilligkert Der Stadt, für Die kommenden Erneuerungsbauten ter Üniversität nach Möglichkeit Mittel beizustenera. Mehr als eine Million könne allerdings Heitel- gerg sich nicht leisten. Der deutsche Transozeanflug. Dublin, 1. April. erggpetn. TSGrv--a:-r ^v e®nrFe.<^ a» «rcntt» C5i ■ncsige» $Mscowt:t q j'.armettw »v Pfere Wec’1’ imi «r. wioce. CTe ot»aen 5w!'MCT sienemren Z«> (*n cesc-. «r Tcnperztsr an. aic Llniei «.-urdeu orte trflt iitichcaw tut Mecrani/eau aciaererrintte^ Wettervoraussage. Das .mftaugreiche Tfefdruckgebier, testen baro- »newsiches Minimum »eftern über Westfrairkreictz lag, hoi sich nach tem Mittelländischen Meer roetfer temegt und Westdeutschland und nnferem Gebiete verbreitere imb ergiebige Riederfchläge gebradjt. Im östlichen Devstchianü dagegen führten die 'lachen Tiesqebilde nur zu Bewölkung, sowie stellenweifszu Nctelbilduna und ganz rcrcinzelten leichten Rfe ten'djteqen. Die kühleren Lu st masten an der Rim feire haben fast ganz Deutschland üterflufet und lemperalurrütfgang terbeigerührt. Wenn auch die Temperaturen zunächst noch etwas weiter .yirüd gehen, »o hat doch d-te "Abkühlung bald ihr Ente erreicht, denn das sich ausbreitende neue isländische Tiefdruckgebiet brachte Warm in st mit sich. Wettervoraussage für Dienstage Wolkig, aber langsamer Temperaiuranstieg, nur noch vereinzelt geringe Niederschläge. Witter ungsaussichten für Mittwoch Zsttweift stärker bewölkt, weiterer Tempern hi r anstieg. Lufttemperaturen am 1. April mittags 8 Grad Eelfius, .idends Grad Celsius: am 2. Avni morgens 5,3 Grad Celsius. Maximum 8,2 Grad Celfiu?, Minimum 4^ Grad Celfms. — Erdtempera turen in 10 Zentimeter Tiefe am 1. April: abends 0,8 Grad Celsius, am 2. April: »norgens 8,8 Grad ffeffiu - — Niederschläge 7,5 Millimeter. Gute Jdiuhe pultf man der Schreiner ASPIRIN TEN 3 AYER beliebt, bewährt und überall vertreten wie „Duniop-Re^en’* Für Ostern! Jn Preis und Qualität 35460 38 Telephon 165G 3540D [35MD sucht. 37» Rabatt! ft Original - Packung " <9oyefc ' mit der violetten Banderole In allen Apotheken erhältlich Wir such, ver sofort ein mrelligenteS v. Munchow'ichc toriK • Trader ci Cito Kindt. 6 Ina. berufstätige Dame sucht 2—3 - Zimmer- Wohnung mit Küche Sch ritt l. 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Bahnhofstraße 40, Weierstraste 1 Dkismgülhtil für tlcintn Haushalt i3 Erwachlenei sofort gesucht 3M9D Iran Br. Giienach, Liebiästrntze 87. mater. ob. sonst, trtel PlatzerfGew.-Belr Anzahlg. 8000-Nlk. Schritt! Angeb. unt and chten An- Saubere mu für HauLarbett und Wäsche für zeitweife gesnchr 02974 Krau Joel, Wetzlarer Weg 39. das Deutschtum im Auslande dem müwirkcnden Schülerorchester der Oberrealschulc ein Glockenspiel, bestehend aus hölzernem Kasten mit querfiegen&en Metallplatten, entwendet. Die Tat ist zweifellos wahrend der Vorstellung cmsgeführt worden. Die Kriminalpolizei fordert den Täter zur Abtieierung des Instruments auf, bittet aber gleichmütig alle Personen, die sachdienliche Angaben über den Verbleib machen können, trm Mittestung. Berschwiegen heit wird .zugesichert. Seim Bferdefüttern »erunglüitt Der von Wiefeck gebürtige Otto Sommerlaü wurde heute morgen beim Füttern der Bierde von einem Pferde gegen die Brust geschsagen und dabei ziemlich erheblich verlegt, so daß er mir dem städtischen Sanitätsaido nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden mußte, wo innere Verletzungen festgestellt wurden. Sommerlad war bei der Baufirma A b e r m a n n beschäftigt und nach Längerer Krank heit wieder einen lag an der Arbeit. '* Eine rohe T a t wurde in dec letzten Lacht gegen 12 Uhr von einem Burschen aus Höhereprivai-Schule Oarmstaöt, H. "Rupp Wriinet'IÖcö 19, Fernsprecher 1512. Höhere Lehranstalt mit dem Lehrplan des bum. (YtzmuasiumS, deö Real fttiuniaiiumd u.öer über iKcalidjulc. Beamn b. neuen SdmtiahreS 23. Avril 1 2orechstunden jeden Nachmittag von 3—3 Uhr. Besondere Abendkurse. Heuchelheim oerübt. 2lls sich Ewald Oestreich auf dem Aachhausewegr nach Kinzenbach befand, wurde er von dem Heuchelheimer Burschen derart zugerichtet, daß er mit dem städtischen Sanitätsauto und der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Boten Kreuz in die Chirurgische Klinik transportiert werden trachte. Der rohe Mensch wird sich demnächst vor dem Gericht zu verantworten haben. Moderne Bauweisen in Hoch und Tiefbau, lieber dieses Tbema sprach am Samstagnachmittag aaf Veranlassmu, verschiedener tech- nifchcr Verbände Dip.-Ing. v. «e n g von der Baubcratungsstelle Frankfurt a.«. des Deutsche« Zement-Bundes. Der Bodner ging zunächst auf die Bedeutung des Betons ein, der beim heutigen Bauen eine immer größere Rolle spielt, zumal man ihn jetzt in stärkerem Maße zum Wohnungsbau verwendet. Die Rot der Zeit, die eine möglichst rasche und billige Befchaffuckg von Wohnungen erheischt, hat biefa stärkere Verwendung des Betons beim Wohnungsbau, insbesondere bei der Schaffung großer SieMungen gebracht. Im allgemeinen falt die Verwendung des Betons zu einer Verbilligung des Wohnungsbaues geführt; ein abschließendes Urteil läßt sich aber darüber noch nicht fällen. Der Vortragende beschäftigte sid) dann mit den verschiedenen modernen Bauweisen, bei denen der Beton eine Hauptrolle spielt: es sind dies die Bauweisen von Gropius-Dessau, Maii-Frankfurt a. TL, di- Occident-Bauweife und die des Schweizers Corbusier. Alle diese Methoden haben das eine gemeinsam, daß sie durch weitgehendste Jndustriali- fierung des Wohnungsbaues die Arbeitslöhne auf em Minimum herabdrücken wollen. Der Redner zeigte in einer großen Anzahl guter Lichtbilder öis Eigenart jeder der angeführten neuzensichen Ban mechoden. Er ging dann ein ach die verschiedenen Hohlbauweisan, sowie aus Spezialsystemc, die teils Holz, teils Eisen oder Eisenbeton als Wandtrag kanstruktionen benutzen. Dann verbreitete er sich über die fetzt so häufige Benutzung des Gußbetons bei den fugenlosen Massivbauten. In längeren Aus inhrungen erörterte er die Zusammensetzung des Betons. Es Hst die Erfahrung gezeigt, daß die Zu- schlagsmateriatien gut gekörnt ton müssen. Alle zur .SKritcüung des Betons nötigen Materialien (Ktes. Land, Schlmke, SdMer, Zement) müssen rein fein. Vorsicht ist vor allem bei der Verwendung der Schlacke geboten, die häufig schwefelhaltige Ein schlöffe besitzt, die später die Ursache erheblicher Bauschäden bilden können. Je weniger Wasser der Mischung zugesetzt wird, desto besser wird der Beton. Reuerdings stellt man den Leichtbeton her, der auch Zellenbeton genannt wird, weil man auf fünft siche Weise Hvhlraume in ihn hineinbringt. Er hat den Vorteil, daß er sehr isolierend wirkt. Der Redner zeigte barm, daß die rationelle Verwendung des Betons nicht nur bei den Großbauten, sondern auch bei Kleinhäusern möglich ist. Zum Schkufse veran schaulichte er an einer Reihe non Lichtbildern Vie vielseitige Verwendung des Betons auch im Tiefbau: selbst zu Plastiken kann eine besondere Art Beton, der sog. ..Betonwerkstein", verwandt werden. Rach dem Vortrag wurde in einem breiaktigen Film die fabrikmäßige Herstellung und die Zusammensetzung der zu de« oben angeführten Bauweisen notwendigen Bauelemente gezeigt. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. April 102k Gutes Sehen mit schlechten Augen. Don Or. med. Karl Albrechi Diele Menschen tinb eS gewohnt, schon bei verhältnismäßig geringen körperlichen Beschwer- den den Arzt um Bat zu fragen. Sagegen farm man immer wieder die Wahrnehumna machen, daß nur allzu viele ihre Augen sträflich vernachlässigen, obwohl friefe Träger bei wichtigsten Sinnes, des Gesicht-tziunes. ttnb. 3i<6er wirb jeder Leser diesen Leichtsinn verurteilen auch, toenn er, um diese Zeilen lesen zu können, feilte Zeitung beinahe einen Meter entfernt ober auf wenige Zentimeter vor eaS Gesicht halten muß und damit gegen feine Augen sündigt Denn er trägt entweder kein Augenglas obwohl er ein solches nötig hat, ober das AngcnglaS, welches er trägt, ist viel zu schwach. Meistens ist das erste der Fall, nicht immer .i,td Nachlässigkeit, denn wie ein Aberglaube hat .ich vielfach die Anschauung festgesetzt, daß ein Augenglas ein schwaches Auge mehr und mehr schwäche und daß es daher besser sei. sich so lange als nur irgend möglich ohne Augenglas zu 'behelfen. Die augenärztliche Wissenschaft hat im Ge- qenteil durch sorgfältige Studien zu der Er- irnntniä geführt daß für nicht normale Augen, korrigierende Gläser nicht nur gänzlich unschädlich, sondern dringend notwendig sind, damit das Auge nicht Schaden leide. Denn die Fehlsichtigkeit ist nicht irgendeine Erkrankung des Auges eine solche läßt sich durch Gläser nicht beheben sondern beruht lediglich auf einem anormalen Dau desselben, dessen störende Wirkungen mrr durch das Dorsehen entsprechender Gläser zu behebe» sind. Es hat sich gezeigt, daß kurzsichtige Augen, die längere Zett ohne kdrrigierendes Glas belassen werden, mit der Zeit überhaupt die Fähigkeit verlieren, scharf letzen zu können — sie werden .schwachsichtig" was feinen Grund in einem Abstumpfen der Sehnerven und Aichtgebrauch hat. ähnlich wie ein Muskel, der lange nicht ober nur wenig gebraucht wird, erschlafft. Unforrigierte übersichtige Augen erfordern eine ständige lieberanftrengung bestimmter Augenmuskel. Wie aber jeder lange Zeit überspannte Muskel von Krampf befallen wird, so ermüdet ber insbesondere beim Nahe sehen überspannte Akkomobationsmechanismus des müotrigterfen übersichtigen Auges, und die Folge ist die so» genannte Äugenschwäche, welche oft heftige Kopfschmerzen und völlige Verschleierung der zu lesenden Schrift zur Folge falt. Beschwerben. die erst nach längerer Buhe des Auges wieder verschwinden. Auch Schwachsichtigke't kann die Folge imtomgiertcr Hebers,chtigkeit sein. Di» 5/inl« des Auges verhärtet mit zunehmcn- dem Alter nnd kann sich infolgedessen immer weniger auf verschiedene Entfernungen scharf einstellen. Man nennt dies Alterssichtigkeit oder Weitsichtigkeit. Don ihr wird jedes Auge betroffen, ob es nun kurzsichtig, übersichtig ober normal war. Lei den ursprünglich fehlsichtigen klugen macht sich dies dadurch geltend, daß andere Gläsertrnummern notwendig werden, weshalb jeder Gläser tragende von Zeit zu Zeit — wenigstens einmal hn Jahre - feine Äugen vri.fen lassen sollte. Bei bisher Aormalsichtigen hat die Alterssichtigkeit, welche, wie man feft- qcUellf hat, bereits etwa mit bem vierzigsten Lebensjahre beghutt, zur Folge, daß sie ihren Akkomobationsmechanismus überanstrengen müssen. wenn sie Näharbeiten. wie Lesen, Schreiben nsw. verrichten. Beschaffen sie sich nicht rechtzeitig ein Augenglas, so ist wie bei dem lieber- sichtigen Schwachsichtigkeit und Augenschwäche die Folge. Eine besondere Art der Fehlsichtigkeit ist der Aftigmatismus (Punktlvsigleit). Dieser vererbt sich oft und ist in jedem Lebensalter vorhanden. Das astigmatische Auge vermag infolge unregelmäßiger Form der Linse oder der Hornhaut oder beider einen Punkt nicht als Punkt zu sehen. Es sieht ihn vielmehr als kürzen Strich. die besten Eier zum Essen und Färben! ge Unsere iämtlic6cii Torten (vier kommen £3 E stets in frischester Qualität z«m Berkans ■ W HÄ... 10 51080.95.» I E I£i AM Bornern. 16 stilif 1.15 8 W ||f I Bloufferg 10Slfll 1.25 <- ■ E ®J.Sg | eitra iiüfflere irinleiet -f WlVt 10 6(661.35.» ■ 3809- WW mit Handels sch ul- btlbuna sucht An fangsstcllung aus kaufrn. Bnrean. Schr.Angeb. u. 02576 an d. Tietz. Auz. erb. | Verkäufe | Zweifamilienhaus mit beziehbar, beff. 4-Zim -Wohn^ Büro u. Lag. ioro. ca. 3001 taleErnstUM ah heute spielt die neue Kapelle unter Leitung des Kapellmeisters H. Rudolph WSA. Zum Oste rvertehr bti der Aeichsbah«. Die Aeichsbahndtrektton Frankfurt a.W. hat zur Bewältigung des zn erwartenden starken Reiseverkehrs an Ostern umfangreich« Vorkehrungen getroffen. Anher den notwendige« Verstärkungen und Doppelführungen der dem Personenverkehr dienenden Züge ftnb an beiden Osterfewrtagen Sonderzüge vorgesehen. die auf folgenden Strecken vertehren. Frantiurt — Fulda. Frankfurt — Aschaffenburg. Frankfurt - - Wiesbaden. Frankfurt — Mainz, Frankfurt -- Höchst — Königstein und Hanau — Friedberg. • Bachs end nag d e r Po st. Zu Amrageu aus Rachsendung von Pchtsendtrngen sind möglichst die amtlkben Vordrucke yi benutzen, die an b«n Poslschakter« und von btn Postzustellern zur Abgabe berettgehaltt« werden. Die Verwendung dieser amtlichen Vordrucke gewährleistet die pünktliche Nachsendung der Post und liegt daher im Vorteil der Empfänger. " D i e n st j u b i l ä u m. Am gestrigen 1. April waren 25 Jahre verfloffen, daß der Oberbuchhalter und Handelsbevollmächttgte Karl Fei- ) e r seine Tätigkeit bei der Firma H. Schaff- staedt G.m. b. H. in Gießen aufgenommen hat unb seitdem in treuer Pflichterfüllung feinen Arbeiten nachgegangen ist. Infolge seines schlichten Wesen« erfreut sich der Zubilar allgemeiner Beliebcheit. Bei einer heute veranstalteten kleinen Feier im Haufe des Unternehmen- wurden ihm von allen Leiten reiche Ehrungen dargebracht. •* 0 e f f e n tl t die Bücherhalle. Im März wurden 1445 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 802, Zeitschriften 132, Jugend«cqrsiten 122, Literaturgeschichte 10, Gedicht« und Dramen 25, Länder- und Völkerkunde 47, Änl turgeschichtc 17, Geschichte und Biographien 102, Kunstgeschichte 24, Raturwinenschast und Technologe 56, Heer- und Seewesen 1h, Haus- unb Landwirtschaft 10, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 29, Staatswissenschaft 11), Sprachwrifenschast 8, Fremdsprachliches 31 Bände. Rach auswärts kamen 13 Bände. *• Diebstahl. Wie der heutige Polizeib er ich! mitteilt, wurde am Sonntag, 25. März, im Caf6 Leib gelegentlich der Verauftaltung des Vereins für Dadurch leidet natürlich die gesamte Sehschärfe. Korrigiert man nicht rechtzeitig und genügend durch entsprechende Augengläser, ko ferbet das Auge ähnlich wie bei nicht korrigierter Kurzsichtigkeit. Besonders groß ift die Gefahr, wenn nur cm Qüty stärker astigmatisch ift. da man sich bann baren gewöhnt, nur mit dem normalen zu setzen. Das astigmatiiche wirb nur ju leicht überanstrengt, da es dauernd Mehrarbeit leisten muh. Diele L^atsschen zeigen, wie wichtig es ch. feine Augen rechtzeitig mit richtigen Gläsern zu bewaffn«« 3« der heutige« Zeit ist jeder «s sich selbst schuldig, denn die Zeit fordert in steigendem Maße volle Erhaltung und volle Ausnutzung jeder Arbkitskraft. also auch der Sehschärfe der Augen. Schlechtes Sehen beein- trächtigt unsere Leistung-fähig leit und gefährdet unsere Sicherheit. Aber schlechte Augen sind gar kein Grund daß wir ichlecht kehen muffen. Denn durch eine richtige Brille wird erreicht, daß wir den Leuten mit guten Augen nicht mehr unterlegen sind unh selbst wieder gut sehen können Talen für Dienstag, 3. April. Sonnenaufgang 5.-32 Uhr, Sonnenuntergang 18.35 Uhr. — Mondaufganq 10.42 Uhr, Mouduntergong 5.30 Uhr. 1834: der Dichter Emil Ritterhnus in Barmen geboren (gefiorben 1807); — 1838: der Staatsmann Leon Gambekta in Lahors geboren (gestorben 1882); — 1862: ber Seefahrer Sir James (Harfe Roß In Aglesburn gestorben (geboren 1800); — 1863: der belgische Maler Henri van de Velde in Antwerpen gebaren; — 1897: der Komponist Johannes Brahms rw Wien gestorben (geboren 18-33). Vorirotrzen. — Tageokolentzer für Montag. Licht jpielhans, Bahnhofstraße: „Luther". — Astoria-Licht spiele: „Belphegor", 2. Teil. Die Motten kommen • 1 Lchützeu Eie deshalb Kleider und Pelze rechtzeitig Sichere Mittel staden Sie i« der C e ntral-Drogerie, Schulstr. Dienstag, »en 3. April 1*28, uachm. 2 Nhr, versteigere ich im „Löwen", Seiten- meg 28 bnbicr, zwmrgsweife gegen Par- >cchlu«g: 3539D l Büche rjchrank, 2 Tiplomatichreib tistbe, 24 Bände Metzers Lonversanons- [enfon, 1 stkeidtnschrank, l Sofa. I ' Schreibmch mit Aufsatz, 1 Näh- maichine, I Wintermantel, I Bilder rtaitdei, 3 Warenfchränke, 1 Ladcnkaffe, I Bertiko, I Diwan, 1 Stanbiange acuarat. 2 Büfett-, 2 Klubsessel, 24 Baar Schneeschuhe, 8 Paar Fußballstiefel, 10 Paar Zuastxfcl. 20 Paar Herren- sdmhe, 1 Regtckator, 1 lküchemrhr, 1 Kommode, 1 Vilderschrank, 2 Schreib Maschinen, 1 stofstnscknank, l Siedens, I Waschmaichine, 1 Küchenbüfett, 1 Eis ichran', l Klavier, ) Oelgcmälde, l Chaiselongue, 1 Trumeauspiegel. Moll, Gerichtsvollzieher kr. A. in Gießen, Zheringstrahe 7 — Telephon 1230. KßlhkLMWll zmn 16. Avril «sucht Provüttial Licher Straße 74. dir hnbcrteftn vauSbalt fncht Mädchen tri dH unter IS obren Atnn 15. d. M. [.3535D Stau BM.-Krt Stonf Hell- u. 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In den letzten Jahren wurde das größte landwirtschastliche Kulturwerk seit Jahrzehnten, Kreisausschuß Gießen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen schäftiate sich in seiner Sitzung vorn Samstag folgenden Angelegenhiten: die Diedenlwässerung. in großzügiger Weise gefördert. Ruch für sonstige Meliorationen, den durch ilntoctter Geschädigten, zur Errichtung von Landarbeiterwohnurrgen und zur Förderung des Frühgemüsebaues wurden Darlehen gegeben. Die hessische Regierung betont, daß sie entschlossen ist, soweit es die Finanzen des hessischen Staates irgend zulassen, auf diesem Wege sortzusahren. Im Zusammenarbeiten mit der berussständigen Organisation der Landwirt- schast, der Landwirtschaftskammer, will die Regierung die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft. produktionstechnisch und organisatorisch soweit fördern, als es überhaupt möglich ist. Die Sorgen der hessischen Landwirtschaft sind auch die Sorgen der hessischen Regierung und des hessischen Volkes. Die Besichtigung ging dann los: und da so etwas nun mal dazu gehört, sing es erst schüchtern, dann heftig an zu regnen, schließlich goß es mit Mollen. „Laschen Schie doch mal meinen Mantel ausch dem Hotel holen", sagte der Wauwau zum Führer der Landwehrkompagnie. „Der Mann scholl aber ruhig gehen, nicht laufen I" Natürlich wehte der Mann, der den Auftrag bekommen, wie von der Tarantel gebissen, los. „Isch habe doch auschdrücklich befohlen, der Mann scholl nicht laufen!" fuhr der Wauwau den Häuptling an. „Laschen Schie dasch dem Mann schofort schagen!" Run sauste der Zweite los — Beine in der Hand — was er winden konnte, den anderen einzuholen. Doch der konnte besser. „Himmeldonnerwetter!" schrie der Wauwau. Also schickte der Hauptmann in seiner Not noch einen, dann noch einen und noch und noch — die ganze Kompagnie lief schließlich, einer hinter dem anderen, dem Städtchen zu, und man sah nur noch den Wauwau, einsam auf weiter Flur die Hände über seinem grauen Haupte ringen: flüsse ernstlich in Betracht gezogen werden könnten. Wir nennen in diesem Zusammenhang etwa ein Selbstbildnis mit Pfeife, den Musikprofessor, die „Bauern am Abend" (besonders die Frau vorne ist ausgezeichnet erfaßt: man gehe den Linien nach und beobachte den „sprechenden" Gesichtsausdruck). Ferner: ein vornehmer, ganz sparsam behandelter Frauenkopf (1922), „Meine Hanna", „Dr. Beckers Eltern" und das Porträt Geheimrat Woermann. Es gibt dann einige Radierungen, die keine Porträtmotive behandeln und die unferm Empfinden nach die beste Ueberleitung zu den Aquarellen, zum malerischen Stil Döckstiegels darstellen. Wir meinen hier etwa den „Sommerabend in Werther", dann die „Ruhenden Schafe", die in der Haltung an gewisse Tierbilder von Franz Marc erinnern, und vor allem, der sehr merkwürdigen Proportionen halber, den „Feiertag in Dornburg". Die Aquarelle präsentieren durchweg und in unverfälschten, typischen Cinzelzügen einen Stil, den wir heute bereits-als eine vollkommen historisch zu bewertende Ausdruckssorm empfinden: den Expressionismus nämlich. Interessant ist an diesen Malereien mancherlei. Zunächst die entschieden großzügige Behandlung von Farbe und Form' daneben die sichere kompositorische Begabung. Ferner eine auf all diesen Blätter wiederkehrende (eben typisch expressionistische) Unwirklichkeit im Gegensatz zu der soliden, erdgebundenen Realität der allermeisten Zeichnungen und Radierungen. Wir sehen heute nicht mehr so. Das heißt: wir geben uns keine Mühe mehr (wie noch vor fünf, sechs, zehn Jahren), so zu sehen: wir bilden uns auch nicht mehr ein, so zu sehen. „So" bedeutet im Einzelnen und zum Beispiel etwa den schwankenden Sinneseindruck, daß ein schlichter Bauersmann aus Bückeburg einen blaugrünen Hin ter- köpf haben könnte. Wir sind inzwischen u den guten alten Fleischtönen normaler Menschlichkeit reumütig zurückgekehrt. Historisch also äußerst interessant, diese Bilder: aber auch nicht nur historisch. Selbst wer heute nicht mehr „so" sieht oder nie gesehen hat, wird den linear,in llmrif) und Ausdruck unbedingt treffenden Zuschnitt dieses Bückeburger Kopfes nicht ernstlich zu leugnen vermögen. Und das ist eben eine An- Lyoner Eindrücke. Don unserem ^-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Lyon, Ende März 1928. Unser Pariser ^-Berichterstatter bereist zur Zeit Südfrankreich, um sich über d i e dortige Stimmung vor den Wahlen zu unterrichten. Die Red. Schaut man sich zur Zeit des Wahlkampfes in französischen Prorinzstädten um, so wundert man sich, welche beschränkte Rolle sie in der Wahlpolitik spielen. Wahrend auf dem stachen Lande der Wahlkampf bereits in aller Heftigkeit entbrannt ist, merkt man in allen französischen Städten kaum etwas von ihm. Eine Ausnahme bilden nur einige Pariser Bezirke. Sonst gilt der Sah, je größer die Stadt, umso ruhiger die Politik. Unmittelbar vor den Wahlen wird sich dies selbstverständlich ändern, dann verlegen sich die Parteien auf die Städte. Das Land ist dann bereits bearbeitet. Gerade bei Lyon aber überrascht diese Tatsache ganz besonders. Lyon war immer ein hochpolitisches Zentrum, das lehrt schon die Geschichte. In der nahen Vergangenheit galt Lyon als Domäne der extremen Linken: eine Zeitlang hielt man im Stadtrat sogar Herriot für einen Reaktionär. Diese Zeiten haben sich jedoch geändert. Herriot ist wieder Prophet in Lyon — entgegen dem bekannten Sprichwort. Die Lyoner sind ganz entschieden stolz auf ihn. Das bedeutet weder eine Rechts- Wendung Lyons noch eine Linksschwenkung Her- riots. Die Radikalen — wenn man ihnen glauben darf — haben wieder etwas stärker Fuß ge- ^Die Rechte steht in Lyon recht schwach. Die außerordentlich starke Kaufrnannschast ist gemäßigt links eingestellt, wenn auch die zähe Arbeit der Rechten gerade in den letzten Wochen manche Erfolge gehabt hat. Aber die Kaufmannschaft lebt in einer ständigen Angst vor der Revalorisierung, vergebens beruhigen sie alle gewesenen Finanzminister tn den Lokalblättern. Und da die Rechte bei den Wählern die Hoffnung auf Revalorisierung zu erhalten sucht, hat sie kein leichtes Spiel bei den Lyoner Kaufleuten. Die Industrie in Lyon hat nach | dem Kriege einen riesigen Aufschwung genommen — besonders die elektrotechnische und chemische I sowie die Kraftwagenindustrie. Ganze neue Industrieviertel sind entstanden, und das bedeutet für die Sozialisten einen starken Zuwachs an Kräften. Die Sozialisten stellen ihre Wahlchancen wahrscheinlich etwas besser dar, als sie in der Wirklichkeit sind. In Paris sind sie voll Zuversicht und auf dem Lande schneiden sie sauere Gesichter. Sie fürchten sich etwas vor den Kommunisten, wenn auch andererseits die Radikalen wieder einige Mandate zu Gunsten der Sozialisten abgeben sollen. In bezug auf Wahltaktik ist das Vorgehen der Sozialisten so un- Oer Wauwau. In der D. A. Z. findet man die folgenden kleinen Scherze. Der alte General von Barnekow war Kommandierender des 1. Armeekorps in Königsberg gewesen. Die Truppe nannte ihn den Wauwau, warum und weswegen wird sich wohl m-3mtig- lich denken können. Also der Wauwau besichtigte einmal weck draußen auf dem Exerzierplatz eine Landwehr- kompagnie. In feinet Art fuhr er auf den Flügelmann los: „Wie heischt du und wasch bischt du?" „Freiherr v. Senden, Rittergutsbesitzer, Euer Exzellenz!" c „Hm hm." Der Wauwau wandte sich an den Nebenmann. „Und er?“ „v. Kalkreuth, Assessor, Euer Exzellenz!' „Scho, scho — der Nächste! — und Schie?" „Buttjereit, Kutscher beim Baron v. Senden, Euer Exzellenz!" Befestigung des Flutgrabens der Gemarkung Queckborii im Grundstück des Gas- und Wasserwerks der Stadt Gießen. Die Stadt Gießen, a s Eiq. i- tümerin des Wieseigruiidstucks Flur IV Nr. 4 . er Gemarkung Queckborn, beabsichtigt, bon durch dieses Grundstück ziehenden F utgraben neu h.r- zustellen. und zwar durch ei en Zement rohr.cwal. Gegen dieses Projekt bat d r Mü ler Frey von der Sommersmühle Einspruch erhöbe Er ae* einig und opportunistisch wie man es kaum für möglich hält. An einer Stelle unterstützen sie die Radikalen, an einer anderen wieder die Kommunisten. Dieser Vorwurf trifft übrigens alle Parteien: sie passen sich stets allzu weit- gehend den lokalen Verhältnissen an. Cs ist auch wahr, daß man in Frankreich mehr Per- fonen a l s Parteien wählt, was gerade jetzt ganz, besonders zutrifft. Eben deshalb wird es auch nicht leicht möglich fein, aus den Wahlergebnissen Folgerungen auf dir kommende französische Außenpolitik zu ziehen. Aber zurück zu 21)011. Mit ihrer letzten Er- rungcnschaft, mit der Einführung der sozialen Versicherung, hat die Regierung in Lyon nur wenig Beifall geerntet. Die Kritik aus allen Lagern ist aufsallend scharf. Als die Regierung in einer der letzten Sitzungen der Kammer das Versicherungsgesetz votieren lieh, war die Rechte außerordentlich stolz. Sie hat darauf hingewiesen, daß erst die „Union nationale" die großen Versprechungen des Kartells der Linken verwirklicht hat. Das stimmte vielleicht, wenigstens für diesen Fall. Aber den Lyonern gefällt dies nicht. Die Fabrikanten find geradezu verbittert, und was am überraschendsten wirkt, sogar die Arbeiterschaft ist verstimmt. Man behauptet in den Arbeiter- kreisen, '.daß das Versicherungsgesetz zu einer Herabsetzung der Löhne führen wird, und was die Fabrikanten betrifft, so prophezeien sie eine Verteuerung der Produktion. Jeder fühlt sich benachteiligt:, und hört man die verschiedenen Gründe, so glaubt man, daß beide Teile recht haben. Jedenfalls ist das Thema sozialer Versicherungen in Lyon recht beliebt — toirft aber auf die Dauer recht langweilig. In Lyon nimmt man alles leidenschaftlich — aber nichts tragisch. In einer Stadt mit so guter Küche ist fein Platz für Tragödien. Die Lyoner sind em liebenswürdiger und heiterer Menschenschlag, ihre Stadt ist schön und über die Unbill der Po- litik — Lyon hatte und hat tausend unerfüllte Forderungen und wird auch immer welche haben trotz Herriot — tröstet das Lyoner Selbstbe- wuhtsein hinweg. Um die Provinz kümmert man sich nicht, und während in Dijon und selbst in Avignon große polittsche Akttonen in Szene gehen, bleiben die Lyoner ruhig bei ihrer Arbeit und ihren Vergnügungen. Und sie vergnügen sich ziemlich viel! Die Behauptung, daß der Lyoner kühl und zurückhaltend fei. scheint mir gänzlich unzutreffend. Auch vom berühmten Mystizismus Lyons ist nicht viel zu merken, wenn man nicht gerade auf dem 5ourt>icrc pilgert, und doch sollen die politischen Kreise gerade vor den Wahlen dem Mystizismus zu- neigen. . . Die zwei Flüsse, die Rhone und die Saöne — eigentlich gibt cs noch einen dritten, den Ionage-Kanal — die sich hier treffen, geben der Stadt eine eigentümliche Gliederung und zusammen mit den hohen gleichförmigen Häusern eine eigentümliche Stimmung. Im Wmter soll es hier, wegen des dichten Nebels, der von gelegenheit des Könnens, nicht des Stils, der stets zufällig und zeitbedingt sein kann. Dann ist, in innigem Zusammenhang mit der ganzen, so beschaffenen Malweise, eine oft geradezu leidenschaftliche Farbigkeck in diesen Bildern, von einer Leuchtkraft und Intensität, die in Aquarellen nicht häufig anzutreffen ist: hierin erinnert Docksttegri übrigens an Christian Rohlfs, Führer der feg. Soester Schule, „Maler der Türme und der Blumen", auch an verschiedene Expressionisten, wie Pechstein und Nolde. Im einzelnen wirkt die quellende, satte Fülle von gelbroten und violetten Nuancen bei einem verhältnismäßig unkomplizierten Motiv wie „Dauer, ruhend auf Stuhl" fast beklemmend: förmlich wild, phantastisch, unwirklich und ungezügelt er- scheint das Kolorit auf zwei Landschaften tm Hinteren Teil des Ausstellungsraumes. Die Frauenbilder an der selben Schmalwand schließen sich übrigens eng und stilistisch durchaus entsprechend an. (Bon geradezu suggestiver Ausdruckskraft die hervorragend komponierte Mädchengruppe links.) Auch die meisten anderen, hier zusammengestellten Aquarellporttäts. Ueberraschend aber finden sich da und dort in dieser unwirklichen, farbentriefenben Malerei Einzelheiten von verblüffender Realität und unleugbarer Lebensnähe, wie etwa im Bildnis des Vaters, einem Bauernkopf (1923) und vor allem in den Gesichtern der beiden Greise. — 3m ganzen vermittelt die neue Ausstellung die interessante Bekanntschaft mit einem Waler von Eigenart und Qualität, dessen Name vermutlich manchem Besucher zuvor kaum ober gar* nicht vertraut war. Der Plan, Töckstte^el bei späterer Gelegenheit abermals in einer größeren Kollektivausstellung vorzustellen, in welcher sein malerisches Schaffen noch ausgiebiger als hier zur Geltung kommen soll, ist baher zu begrüßen. fürchtet, daß durch einen Rohr'.a cu die lieb r- schwemmungsgZahr wesentlich erhöht werde dadurch. daß der g.schlossene Ka:ial feste Geg..:* stände nicht durch ässe. die bei ei icm Dienen Graben unbehindert pasfi: ren lönntm. Dadurch werde seine Scheune und der Brunn:n. aus dem er fein Trinkwasser beziehe, wesentlich gefährdet. Der Vertreter des Kultur bauamts vertrat die Ansicht, daß durch die An egu g eines Rohrkana's die Aufnahme- und Desöme- rungsmöglichleit von überschüssigem Wasser bedeutend verbessert werde, gegenüber einem o! e ien mit Gestrüpp bewachsenen Graben. Vom technischen Standpunkt aus müßten die Bedenlcn des Einsprucherhebers als unbegrii/.b t bezeichnet werden. Durch Anlegung eines Absallschae-is und Anbringung eines Gitters zum Absangen von Gestrüpp und Anlegung von Dämmen werden die Gebäude und auch der Brunnen nach Möglichkeit vor Schäden geschützt. Die zu dem Konzessionsgesuch gehörigen Pläne bedürften in dieser Richtung noch einer Ergänzung. Das Verfahren wurde hierauf ausgesetzt. Turbinenanlage des Mühlenbesit- zers ZimmerzuGrünberg. Der Mühle i- besiher H. K. Zimmer zu Grünberg Hit in seiner Mühle eine Turbinenanlage eingerichtet. Während der Offenlage der Pläne und Beschreibungen hat der Mühlenbesiher Otto C h r i ft zu Grünberg Einspruch erhoben mit der Begründung, daß durch die Turbinenanlage des Zimmer das Wasser ungefähr alle Tage zwei bis drei Stunden gestaut und er infolgedessen in seinem Mühlenbetrieb geschädigt werde. Der Der- tretet des Kulturbauamts hält eine Schädigung des Mühlenbesihers Christ für vorliegend. Bei dem in 1913 erfolgten Umbau des Mühlrads habe Zimmer versäumt, um Genehmigung nachzusuchen. Hierdurch fei es gekommen, daß eine größere Turbinenanlage eingebaut worden sei, als sie den Wafferverhält- nifsen entspreche. Das von Zimmer zum Mahlen benutzte Wasser werde nicht rasch genug an den Unterlieget Christ weiter gegeben. Dem könne nur durch Einbau einer zweiten, kleineren Turbine, ober durch Anbringen eines Schwimmers an der größeren Turbine abaeholfen werden. Mühlenbesiher Zimmer erklärte, daß er zur Zeit nicht in der Lage sei, eine zweite Turbine ein- bauen zu lassen. Durch Einbringen eines Schützen habe er feinen Wasserverbrauch nach Möglichkeit geregelt und dem Betrieb des Unterliegers dadurch Rechnung getragen. Der Schaden, den Christ erleide, könne nicht groß sein. Der Vertreter des Kulturbauamts ist der Ansicht, daß durch den Schützen die Klagen nicht beseitigt würden. Auch hier wurde das Verfahren ausgesetzt und dem Müller C h r i st aufgegeben, den ihm durch den Mühlenbetrieb des Zimmer angeblich entstehenden Schaden nach Grund und Höhe nachzuweifen. den Flüffcn aufsteigt, recht melancholisch auL- sehen. Jetzt ist dies aber nicht b:r Fall: wo man aucl> hingeht, ob man vor dem Jour- tiitre auf die Stadt hetabblickt, die Quais entlang spaziert, oder eine bet schönen Brücken überquert — gebaut unter der Dürgcrmeister- schast des Herrn Herriot. wie eine bescheidene Marmortafel an jeder Ecke der einen Brücke verrät - überill sieht es gemütlich aus. Man bezweifelt dann sogar, daß die Gegmfähe zwischen den Parteien wirklich so gefährlich sind. Oberhessischer Kunstverern. Kollektiv-Ausstellung Peter August Böüstiegel, Dresden Die neueröffnete Ausstellung des Kunstvereins, die von gestern ab zu den üblichen Besuchszeiten zugänglich ist, wurde diesmal dem Schassen nur eines Künstlers gewidmet: die Kollektion vereinigt Aquarelle und graphische Arbeiten des westfälischen Bauemmalers Peter August Bockst i e g e l. der jetzt in Dresden anfäffig_ ist. Der hier vorgeführte Ueberblid über Dockstiegels Schaffen ist insofern von besonderem Interesse, als er den Künstler gewissermaßen von zwei Seiten zeigt, ober mit zwei Gesichtem: der Graphiker ist vom Maler deutlich geschieden (schärfer, als es gemeinhin zu beobachten ist), und im künstlerischen Ausdruck wirken hier wie dort sehr verschiedene, in manchen Dingen geradezu entgegengesetzte Stiltendenzen. Der Gesamtein- -ruck des unbefangenen Detrachters wird jedenfalls nicht vollkommen einheitlich sein, und es mag Leute geben, die diese Radierungen und jene Aquarelle, die ja doch von einer Hand stammen, innerlich nicht zu verbinden wissend In den Radierungen wird das Porträt bevorzugt: Bildnisse nehmen den größten Raum ein in dieser Kollektion. Döckstiegel, seiner westfälisch-bäuerischen Herkunft eingedenkt und der roten Erde seiner engeren Heimat tief verwurzelt, kehrt hier zur vertrauten Umgebung, zu vertrauten Gestalten und Gesichtem immer wieder zurück. So zeigen die Bildnisse, die man zu sehen bekommt, in der überwiegenden Mehrzahl Dauemkopse und Bauemgesichter, und hierzu paßt vorzüglich der schwere, gedrungene Stil Böckstiegels, der grohlinig, groblinear und von schwerkantigen Konturen ist. Männer und grauen, Kinder und Greise, zumeist Nachbarn und nahe Angehörige des Künstlers, sind alle mit einer großen Ehrlichkeit, Einfachheit und einer Sachlichkeit abkonterfeit, die in ihrem künstlerischen Wesen etwas durchaus Lieberzeugendes an sich hat. Es ist hier aber mit „Sachlichkeit" nichts gemeint, was sich in gewissen starren und erkältenden Formen der allerjüngsten Stilrichtung ausdrückt. Uebrigens liegen auch die in Betracht kommenden Stücke chronologisch zu weit zurück, als daß derartige Parallelen oder Ein- Regierung uni) Landwirtschaft in Hessen. Darmstadt, 32. März. (Landespressedienst.) In der Regierungsanrwort auf den Antrag der AbW. Dr. v. H e l m o l t und Genossen zur Notlage der Landwirtschaft heißt es u.a.: D^r Notlage der Landwirtschaft, insbesondere sow .t sie in den vorjährigen Ernteschäden be* grürdet ist, wurde auf dem Gebiet der La'i des steuern weitgehend berücksichtigt. Na< dem bereits im vorigen Herbst Grundsteuer- erm'ßigungen bewilligt worden waren, die je nack/ der Höhe des Schadens bis zu 5/c der Iahesgrundslruer ausmachten, hat sich die Re- gienng entschlossen, noch weitergehende Ermäßig ungen anzuordnen. So beträgt nunmehr in den erntegeschädiglen Gemeinden die gerirgfte Grundsteuerermäßigung -'/« der Iahres- fteucr: die Ermäßigung kann steigen bis zu 6/s. also bis zum vollen Betrag der einem landwirt- schaf.lichen Betrieb angeforderten staatlichen Grundsteuer. Hierdurch erleidet der Staat einen Gru dsteuerausfall in einem früher niemals erreich en Umfange, der über den Betrag von eine) halben Million Mark bestimmt ganz be- träck lich Hinausgeyen wird. D' landwirtschaftlichen Betriebe wurden gegenüber anderen Wirtschaftsgruppen steuerlich nichts unbeträchtlich begünstigt. Die landwirtschaftlichen Odonomicgebäube unterliegen weder der Grund- nock der Sondergebäudesteuer, während die gewerblichen Wirtschaftsgebäude beiden Steuern unterworfen sind. Auch ist das landwirtschaftliche Anlage- und Betriebskapital von der Gewerbesteuer freigestellt worden, ohne daß für das gewerbliche Vermögen eine entsprechende Erleichterung zugestanden worden wäre. Ferner ist die Grundsteuer auf Antrag ganz zu erlassen, wenn das gesamte Gmndvermögen nicht mehr als 3000 Ml. beträgt. Die ungeordneten Sondersteuervergünstigungen wirken sich in jefonöerem Maße zugunsten des flachen LankeS aus. , „ rr Wenn der Antrag besagen soll, oah von Fall zu Fall bei Abschluß von Handelsverträgen die Interessen der Landwirtschaft berücksichtigt werden sollen, so weisen wir darauf hin, daß die Regierung des Dolksstaates Hessen mit Rücksicht auf die bedrohte Existenz der hessischen Winzer, Gärtner und Obstzüchter gegen den französischen und den spanischen Handelsvertrag gestimmt hat. Ebenso ist die hessische Regierung entschlossen, in Zukunft bei Dertragsverhandlungen durch Einwirkung auf die Reichsregierung d i e wohlverstandenen Interessen der hessischen Landwirtschaft zu berücksichtigen. Ferner soll durch Propaganda und Erziehung der Verbrauch inländischer Produkte aller Art gefördert werden. Die eigentliche Ausgabe der hessischen Regierung gegenüber der Landwirtschaft liegt auf dem Gebiete der Produktionsverbes- ferung und »fteigerung, der Bodenmelioration, der Hmftellung auf rationelle Betriebsweise, der besseren Organisation der Märkte, der landwirt- schaslliche'i Schulung u. a. mehr. Nachstehend wird ctm Liebersicht darüber gegeben, was in dieser Richtung geschehen ist: Gegenüber einer regelmäßigen Iahresausgabe für die Förderung der Landwirtschaft von 700 bis 800 000 Mark in den Vorkriegszeiten wurden für die Zwecke der Landwirtschaft im Rechnungsjahre 1924 rund 1 282 000 Mark, im Rechnungs- I jähre 1925 1 346 000 Mark, und im Rechnungsjahre 1926 1 300 000 Mark für landwirtschaft- I liebe Zwecke bingegeben: die voraussichtlichen tatsächlichen Ausgaben des laufenden Budgetjahres werden diese Beträge noch überftciacn. Daneben gaben in der Folge auch noch andere Umftänbc Veranlassung, der besonderen Bedeutung der Landwirtschaft für die hessischen Belange Rechnung zu tragen. r r Der Herbst 1924 brachte der Landwirtschaft eine Enttäuschung in den Emteerträgnissen: Wirt- schaslliche Reserven waren infolge der Inflation nicht mehr vorhanden. In diesen kritischen, für die Gesamtwirtfchaft bedenklichen Verhältnissen Die Ausstellung wurde gestern vormittag in der üblichen Weise der Oeffentlichkeit übergeben; Landgerichtsdirektor Bücking, der erste Dor- sitzende des Kunstvereins, begrüßte die Er- schienenen und gab in kurzen Worten eine Einführung in den Lebensgang und die künstlerische Eigenart des Ausstellenden. hth. Stenographische Wettkämpfe. Die 1. Reichskurzschriftgesellfchaft „Babelsberger" u. Damenabteilung e.D. Gießen veranstaltete in der Pestalvzzi- schule, als Auftakt zu den diesjährigen Wettschreiben, ein VereinSwettschreiben, verbunden mit einem Schon» und Richtigschreiben. Die Teilnehmer-abl betrug 73. Sämtliche Teilnehmer schrieben in der deutschen Ginheitskur^ schrift in den Abteilungen 60 biS 220 Silben. Es wurden glänzende Leistungen erzielt. A. Dettschreiben. Abteilung 60 Silben: 1. und Ehren-» preise: Aenne Thein. Alwin Gerbig. Luise Müller: 1. Preise: Willi Volland, Ernst Heiberts- hausen, Lotte Rathenow, Willi Schuhmacher, Eduard Loose: 2. Preise: Hermann Buchner, Heinrich Adolph. 80 Silben: 1. und Ehrenpreise: Heinz Wagner, Heinz Theisebach: 1. Preise: Marte Magolb, Aenne Reuter, Wilhelm Schardt: 2. Preise: Fritz Dörfner, Glly Zipp. 100 Silben: 1. und Ehrenpreise: Karl Berg, Karl Reih: 1. Preise: HanS Bellos, Ludwig Schwinn, Richard Hock, Friedrich Hof, Alfred Bormuth, Berta Eisenbach. 120 Silben: 1. und Ehrenpreise: Heinrich Iodt, Mathilde Hamel: 1. Preise: Dora Heß, Fritz Möller, Erna Franz. 140 Silben: 1. und Ehrenpreise: Emil Wolf, Dora Rickel, Martha Potyka; 1. Preise: Gretel Decker, Johanna Flamme, Emmi Schüler, Heinrich Preußer, Otto Wahl. 160 Silbe,i: 1. und Ehrenpreis: ' Friedrich v. LemmerS: 2. Preis: Anna Lotz. 180 Silben: 1. und Ehrenpreis: Emilie Dellof: 2. Preis: Bruno Schneider: 3. Preis: Hugo Baumann. 220 Silben: 1. und Ehrenpreise: Georg Wahl, Kurt MovSdorf und OttiNe Treser. B. Schön - und Richtigschreiben. DerkehrSschrift: 1. und Ehrenpreis: Johanna Flamme: 1. Preis: Friedrich v. Lemmers; 2. Prtzise: Richard Hock, Willy Volland, Emil Wolf, Aenne Thein, Willi Schuhmacher, Heinrich Adolph: 3. Preise: Franz Trauth, ßubtoig Schwinn, August Schott, Hermann Buchner. Redeschrift: 1. und Ehrenpreis: Friedrich v. Lemmers: 2. Preise: Hugo Baumann, Kurt Moosdorf. Aprilausschüttung aus der Hindenburgspende. Entsprechend den vom Kuratorium derHinden- burgspende festgesetzten Richtlinien werden im Jahre 1928 am 1. Avril und am 2. Oktober je 450 000 Mk. in Beträgen von durchweg je 200 Mk. an besonders ausgesuchte schwere Fälle aus den Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kricgerhinter- bliebenen ausgeschüttet. Die Auswahl erfolgt durch die Kriegsbeschädigtcnfürsorge und die Hauptver- sorgungsämter. Eine kürzlich unter dem Vorsitz dee Reichspräsidenten abgehaltcne Sitzung hat die von den genannten Stellen gemachten 2250 Vorschläge gebilligt. Bei der Aprilausschuttuna wurden besonder» kinderreiche Kriegerwitwen berücksichtigt. Demgemäß werden zum 2. April 1689 Kriegcrwit- wen und Waisen, 351 Krieasbeschädigte und 88 Alt« Veteranen aus der Hindenvurgspende bedacht. Da« mit belauft sich der bisher aus der Hindenburg« spende an Kriegsopfer zur Ausschüttung gebrachte Betrag auf rund 850 000 Mk. Für die nächste, am Geburtstage des Reichspräsidenten stattfindende Ausschüttung von 450 000 Mark machen wiederum die Krlegsbesckädigtrnfür- forge tunb — soweit ehemalige Heeresoeamte und Offiziere in Frage kommen — die Hauptversor« gungL'mter die entsprechenden Vorschläge. Unmittelbare Anträge an den Reichspräsidenten oder die Geschäftsstelle der Hindenburgspende sind daher unzweckmäßig. Einmalige ReichsSeihilfe für Kleinrentner. 2m Haushalt deS Reichsarbeitsministeriums für 1928; ist wiederum ein Betrag von 25 Millionen Reichsmart Eingesetzt, der zur unmittelbaren Beihilfe an die Kleinrentner verwendet werden soll. Rach einem gemeinsamen Erlaß des Reichsarbeitsministers und des Reichs- Ministers deS Innern vom 29. März erhalten aus diesen Mitteln die Kleinrentner, die sich Kochlehrling-Prüfung. Von Alfred Richard Meyer. Roch ein großer Tag int Zoo — der gast- ronomrsche Prufungs- und Bildungsau.'schuß für daS GastwirtSgewerbe in Groß-Berlin hält seine diesjährige Lehrlingsprüfung ab. Lieber hundert Kandidaten, davon ein Drittel zukünftige Oberkellner, zwei Drittel zukünftige Küchenchefs. Ich, als Leiter des gastronomischen Klubs „Gasterea", darf am Ehrentisch mitsihen. Morgens um neun il^r schon hat dieser Großkampftag angefangen. Die ganze Front wird von den Lehrlingen eingenommen. Mit der Anforderung der Materialien, genau nach Portionen berechnet, fängt es an. Bald glühen alle Köpfe genau wie di« Kochherde. Richt nur auf die Zubereitung kommt es an. von den Dorfpeisen über Fisch, großes Fleischstück bis zum Dessert: auch das Menu selbst, von drei verschiedenen Gruppen verschieden in Angriff genommen, hat eigenste Erfindung der Lehrlinge zu sein. An jedem Herd ein Prüfungsnteister wie nachher abends an jedem Tisch, an dem die Speisen ausgetragen werden. Vorher aber hat die große Parade vor dem langen Tisch der Prüfungskommission zu erfolgen und sehr kritische Blicke zu bestehen, ob auch alleS dem Auge wohlgefällig angerichtet ist. Ein großer Tag mit viel Aufregung und, wie bei jeder Prüfung, mit mancher Enttäuschung: Gerasselt, erst im Herbst wieder zugelasfen. Solch ein Prüfungsessen unterscheidet sich gar sehr von anderen, wie man sie gewohnt ist. Man hat von acht Ahr bis erheblich nach Mitternacht auf seinem Stuhl und vor seinen Tellern zu sitzen — woran gewiß nicht die Bedienung durch die Kellnerlehrlinge schuld ist. Prüfungs- kommissionen haben bekanntlich immer sehr viel Zeit: selbst wenn sie wie hier stundenlang essen und schmecken und probierst müssen, so empfinden sie daS nicht als „Prüfung". Vielmehr hängt von ihrem gewichtigen Votum ab, ob man oll diese jungen Leute, die eine zweiundeinhalb- bis dreijährige Lehrzeit in ersten Hotels und in bekanntesten Restaurants Berlins hinter sich haben, olS Kellner oder als Köche auf die ansonsten schon weidlich geplagte Mitwelt loSIassen zur Zeit der Auszahlung der Beihilfe in Klein- rentnerfürsvrge befinden und bereits am 1. März 1928 in dieser Fürsorge standen, eine einmalige Beihilfe in Höhe des doppelten Betrages des ihnen für den Monat März 1928 tatsächlich gewährten fortlaufenden Unter» stühungSbetrages. Liegt dieser Betrag unter dem für Kleinrentner für den Monat März 1928 festgesetzten Richtsatz, so ist der doppelte Betrag dieses Richtsatzes zu gewähren. Mindestens sind in jedem Falle auszuzahlen für Ehepaare 90 Mk., für Alleinstehende 50 Mk. und für Zuschlags - berechtigte Kinder je 20 Mk. Die Beihilfe soll durch die Fürsorgcverbände unverzüglich, tunlichst noch vor Ostern auSgezahlt werden. Oberheffen. Land—ris Gief;en. xp Wieseck, 2.April. Am Samstagabend fand bei Gastwirt Wilhelm Dorfeld, die Generalversammlung des landwirtschaftlichen Konsum-- Vereins statt. Aus dem gegebenen Geschäftsbericht für 1927 ist besonders zu erwähnen, daß der Warenumsatz mit 273 665,03 Mark eine Erhöhung gegenüber 1926 aufweist. Der Reingewinn beträgt 20 348,35 Mk., so daß wieder, wie im vergangenen Geschäftsjahr, 7 Prozent an Rückvergütung gewährt und außerdem 1191,80 Mk. dem Reservefonds bzw. der Betriebsrücklage zugeführt werden, trotzdem die im Dezember fwttgehabtc 40-Jahrfeier die Unkosten um einen größeren Betrag erhöhte. Der Mitgliedcrstand ist im letzten Jahre stabil geblieben und beträgt 576. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Vom Vorstand und Aufsichtsrat vorgelegte Satzungsänderungen fanden Annahme. Eine länger« Aussprache nahm der Ankauf von Baugelände, der von einer Anzahl Mitgliedern angeregt wurde, in Anspruch. Es handelt sich um die Sicherung eines Grundstückes des im derzeitigen Ortsbauplan gelegenen Geländes. Bei der Entwicklung, die unser Ort und auch der Verein in den letzten Jahren genommen haben, muß auf alle Fälle dafür gesorgt werden, daß im gegebenen Augenblick der Verein eine weitere Verkaufsstelle errichten kann. Zu diesem Ankauf wurde dem Vorstand und Aufsichtsrat die Ermächtigung erteilt. Hieran an« schließend wurden noch einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt. t Treis a. d. L d a., 1. April. Am Freitagabend fand im Saal der ersten Schulklasse dahier die feierliche Entlassung der zu Ostern aus der Schule kommenden Kinder, 29 an der Zahl, statt, zu der die Ellern der Kinder und die Mitglieder deS Schulvorstandes fast vollständig erschienen waren. Passende Gesänge und Deklamationen der Schüler umrahmten die eindrucksvolle Ansprache des Klassenlehrers Walter, in der er u. a. die Rotwendigkeit der einträchtigen Zusammenarbeit der drei Erziehungsfaktoren, Haus, Schule und Kirche hervorhob. Den Dank der Versammlung für daS Gebotene sprach Lehrern und Schülern Pfarrer Buchner aus. — Die hiesige Pfennigsparkasse, die seit 1. Januar 1924 wieder im Betrieb ist, hat jetzt 57 Einleger mit einem Barbestand am 31. Dezember 1927 von 2140,07 Mark. <5 Allendorf a.d.Lda., 1.April. Bei der jüngsten Brennholzoersteigerung im hiesigen Swdtwald wurden folgende Preis« erzielt: Buchenscheit 24 bis 29 Mk., Eichen-Scheitholz 14 bis 16,50 Mk., Buchen-Knüppelholz 23 bis 25 Mk., Eichen-Knuppelholz 16 bis 18,40 Mk. für je zwei Raummeter: Züchen - Reisholz 10 bis 15,20 Mk., Eichen-Reisholz 10,40 Mark je fünf Raummeter Buchen-Stockholz 20 bis 24,40 Mark, Eichen-Stock- holz 10 bis 20 Mk. je zwei Raummeter. CO Klein-Linden, 1. April. Vergangene Woche wurden allabendlich in unserer Kirche durch Volksmissionar Schäfer von fynifen bei Butzbach Eoangelifationsvorträge gehalten. Di« Vorträge erfreuten sich einer von Abend zu Abend wachsenden Besucherzahl. Posaunenchor, Kirchen- aesangoerein und eilt Mädchenchor umrahmten die sehr interestanten Vorträge mit passenden Chören. Die allabendlichen Kollekten kommen der Rheinischen Mission, in deren Dienst Missionar Schäfer steht, zuaute. — In der jüngsten nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats wurde als einziger Punkt auf der Tagesordnung über die B^etzung der Stellen eines Feldschützen unb eines Totengräbers für unsere Gemeinde verhandelt. Mit Stimmenmehrheit wurden Heinrich Weber beide Aemter, vorbehaltlich der Zustimmung des Kreisamts, übertragen. kann. Das Publikum ist es müde, we,m nun schon einmal täglich immer und immer wieder von Aufbau gesprochen wird, sich recht und schlecht, wie es Krieg, Inflation, Deflation mit sich brachte, über den kulinarischen Löffel weiter barbieren zu lassen. DaS gastronomisch« Gewissen schlägt. Deutschland erinnert sich seine eigene Gastrosophie. Auch hier ist Aufbau zu leisten, und er muß geleistet werden, der internationalen Konkurrenz wegen. Reben mir sitzt Herr Direktor Heßler. Der internationale Austausch der Köche, wie er vor dem Krieg freundschaftlicher Usus war und in dem der Deutsche entschieden am besten abschnitt? Da gibt es heute noch Hemmungen und Schranken. England macht überhaupt nicht mit; seine Köche meiden Deutschland. Die guten französischen Köche vor und nach dem Kriege im Ausland — wenn man sie einmal näher auf ihre Rationalität nachprüft, so entpuppen sie sich durchweg als Elsässer. Die ersten Köche in Paris waren vor dem Krieg oft Deutsche, Oesterreicher, Schweizer. Der Austausch heute muß Mann gegen Mann vorgenommen werden. Hat ein Berliner Hotel den Ehrgeiz, sich einen berühmten Koch aus Paris engagieren zu wollen, so hat es einen guten deutschen Koch an Frankreich abzugeben und dafür zu sorgen, daß jener drüben eine gute Stellung erhält — und umgekehrt. Die Vorherrschaft des guten deutschen Kellners und Kochs im Ausland, wie sie vor dem Krieg an der Tagesordnung war — damit ist es vorläufig noch nichts wieder. Was nicht ist, kann aber eines TageS mal wieder werden. Darum haben wir weiter unsere guten gastronomischen und gastrosodbischen Forderungen zu stellen. Um kulturelle Dinge geht c8 hier, nicht um Fragen dec Ernährung, die leider für viele unserer Mitmenschen noch wichtiger sein müssen. Die jungen Lehrlinge, die nun Kellner werden möchten — heute tragen sie durchweg zum ersten Male den Frack, und sie bemühen sich, trotz aller begreiflichen Aufgeregtheit, um Würde und Diensteifrigkeit. Wirklich schön ist ihre Begeisterung, wie sie uns allen wohlgefällig sein möchten! Welch« Höflichkeit, welche Gewandtheit! WO daß ctoig grünen bliebe..möchte man lyrisch Mustern und vergißt all die kleinen unangenehmen Szenen, die dan in den letzten 2ahren mit einem ausgewachsenen Kellner hatte. War wohl nur ein '* Klein-Linden, 1. April. In der Gastwirtschaft von Friedrich Epeier versammelten sich am Samstagabend die Mitglieder der in letzter Zeit neuaufblühenden hiesigen Freiwilligen Feuerwehr zu einer Generalversammlung. Die Verhandlungen wurden von dem vor einiger Zeit neugewählten ersten Kommandanten. Rangietführer Friedrich M ü l l e r. geleitet. Durch Bürgermeister Jung wurde die Ehrung derjenigen Mitglieder vorgenommeit, die auf eine 15jährige aktive Tätigkeit zurückblicken, und dielen das Feuerwchrehrenzeichen überreicht. Rach- stehende 13 Mitglieder erhielten das Ehrenzeichen: Karl Jung I.. Ludwig Schaum, Heinrich Ufer, Friedrich Speier, Friedrich Schimmel, Wilhelm Schaum, Friedrich Müller. Wilhelm Klingelhöfer. Anton Weller, Philipp Rinn, Konrad Lotz, R. Wagner und Ludwig Jung i. X Klein«Linden, 1. April. Der Eisenbahn- schlosser Wilhelm S c n 3 VI., dahier, kann heute, ain 1. April, auf eine 25jährige Tätigkeit Im Dienste der Eisenbahnverwaltung zurückblicken. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 1. April. 3n der jüngsten Stadtverordnetensihung widmete der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Seyd, zunächst dem verstorbenen Rektor Koch einen warm gehaltenen Rachruf, in dem er die außerordentlichen Verdienste dieses Mannes um die Stadt Friedberg hervorhob, und teilte sodann mit, daß der Prokurist Wilhelm Ludwig an Stelle Kochs in die Versammlung eintcete, und daß ab 1. April das Referat über die technischen Betriebe von ibm selbst, statt wie bisher von dem Beigeordneten Langsdorf, übernommen werde. Die Tagesordnung lief ohne größere Debatte ab. 3n der Hauptsache wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 2m Laufe des Sommers wird ein neues Ortsbau st a t u t vom Stadtbauamt auZgearbeitet werden. Für das Maschine nlaborato- rium des Polytechnikums wurden je 420 Mark bewilligt, zur Herstellung einer kleinen Heizungsanlage und von drei Lüftungsklappen. Zum Dau des Elektrolaboratoriumß wurde die Ctatüberschreitung von 3500 Mark nachträglich bewilligt, e&enfo für Inneneinrichtung 8000 Mark. Die Herstellung eines Antennen- holzmasteS hat sich als notwendig erwiesen, die Kosten (1730 Mark) hierfür wurden genehmigt. Für die städtische Schillerschule wurde ein Elektrolaapparat angeschafft. Für die neu- eingerichtete Handelsschule stellt die Stadt daS Lokal, die Einrichtung und die Heizung. Rach weiterer Erledigung verschiedener ilcineret Punkte wurde erneut ein Gesuch deS hiesigen Verkehrsvereins behandelt, der einen Kostenzuschuß für den von ihm jetzt neu herausgeaebenen Führer im Betrage von 800 Mark wünscht. Dieser Antrag war schon einmal abgelehnt worden, weshalb Stadtverordneter Gebhard mit Rücksicht auf alte Gepflogenheiten erneute Ablehnung forderte. Hierbei verwahrte er sich auch gegen die Berichterstattung über diesen Punkt in einer hiesigen Zeitung. Beigeordneter W i n d e ck e r stimmte diesen Ausführungen grundsätzlich zu, bat jedoch um Annahme des Ausschußantrags, der 400 Mark bewilligt. Mit 10 gegen 6 Stimmen wurde dem beigetreten. Die hiesige Turngemeinde hatte um EigentumSüberschreibung für das Gelände, auf dem ihre Turnhalle steht, gebeten. Aach dem Bericht des Beigeordn. Windecker geht auS den Akten hervor, daß der Grund und Boden nach wie vor der Stadt gehört. Der Turn» gemeinde wurde deshalb nur daS Erbpachkrecht eingeräumt. Kreis Büdingen. L Nidda, 1. April. Gestern wurde an der hiesigen Gewerbeschule das Wintsrsemester mit einer schlichten Feier im „Gambrinus" geschlossen. Die Eltern der Schüler, der Aufsichterat der Anstalt und viele Handwerksmeister und Freunde der Schul» hatten sich zu der Feier einge- funden. Der Vorsitzende des Aufsichtsrate, Geh. Justizrat R ö m h e l d , entbot ihnen herzlichen Gruß und Willkomm und trug dann in großen Zügen dis Geschichte der Gewerbeschule seit ihrer Gründung im Jahre 1841 vor, bis sie auf den heutigen Stand kam. Mit Freuden konnte er den Dank an die Lehrer und Schüler für gewissenhafte, fleißige Arbeit im zurückgelegten Semester und für die ansehnlichen Zuwendungen von Geldmitteln seitens einiger Gemeinschaften und größerer Gewerbetreibenden aussprechen. Hierauf erstattete der böser Traum! Uni> auch das ist Täuschung, daß dieser lächelnde Junge die Weinflasche, oie er eingießen möchte, oben am Flaschenhals anpackt? Schon hat er von einem Prüfungsmeister einen Wischer und einen Minusstrich weg. Ja ja, die sogenannten Gäste hier haben überall Augen und dürfen schon eine Lippe ri-kieren, ohne Gesahr zu laufen, von dem jungen Herrn Ober darob ungebührlich angeblafft zu werden. Die Köche — stundenlang hat sich ihr mannigfaltiges Weck unten in der großen Küche des Zoo unsichtbar vorbereitet. Ansonsten erreicht eine Reklamation eines simplen Gastes kaum den eigentlichen Hebet tätet. Das hat sonst der bratenrockgeschmückte Herr Geschäftsführer auf seine breiten Schultern zu nehmen. Wie anders heute! Der kleine Tadel lauft rückwärts bis zu der unglücklichen Stelle, die verantwortlich ist. Da sind die Kartvffelklöße nicht geraten. „Schlecht!" notiert ein Prüfungsmeister schlicht. Da wird das Irish Stew zu weich befunden, desgleichen ein Apfelreis, Monitum, Monitum. — das raunt sich Weiler von Kellnermund zu Kellnetmund und weiter herab in die Küche bis zu einer bestimmten Hummer. Wie hier überhaupt alles numeriert ist, damit jeder Irrtum ausgeschlossen bleibt. Die anderen guten, sehr guten dagegen — wie gern setzte ich hier recht zahlreich« Namen her, den Weg eines zukünftigen deutschen Brillat-Savarin mitzubereiten. Ich begnüge mich, nut die ganz besonders Prämiierten zu nennen: Paul Majewski (Dodenburg, Danzig) mit drei Servis Vorspeise: Kurt Nüri- nicke (F. W. Dorchardt, Berlin) mit einer Noisette de chcvreuil bigarde; Heinz Genh (Uhland- eck, Berlin) mit Seezungen Müllerin Art und einem Kolbssteak Gourmandise. Das soll man steudig anerkennen. Zum Schluß ein kleines PrivatgestandniS: solch ein PrüfungSessen ist eine schwer zu ertragende Angelegenheit, namentlich für den Mitesser. Ich tröste mich mit dem Umstand, daß man so etwas nur zweimal im Jahre miizumachen braucht. In dreifacher Auflage betafelt zu werden, geht schon über jede Gourmandise hinaus. Schrecklich, daran zu denken, daß so etwa- unter Ludwig XIV. zur täglichen Lebensnotwendigkeit gehörte. Punktrvller perl Leiter der Gewerbeschule, Rekwr Ditk den Rechenschaftsbericht über das al-ge lufene Schuljahr. Die Schule umfaßt drei Klassen. le von 96 Schülern besucht wurden. 32 Schüler der! Oberklasse wurden jetzt entlassen. Von ihnen hv-t-n sich 14 mit Erfolg der Abgangsprüfung, die untq dem Vorsitz von Dbcrbaurat Frey in Büdingen statt- gefunden hatte, unterzogen. Ein Schüler" hä die Note „sehr gut", 7 haben die Note „gut* erwlten. Dos Hauptziel der Schule bildet die Heranbchung tüchtiger Meister. Der Leitung der Gewcrbeftule Nidda unterstehen noch die gewerblichen Fcbtbil- dungsschulcn Nidda, Schotten, Ulrichstein, Larbach, Hrmg^n, Echzell und Reichelsheim i. d. W. mit etwa 550 Schulern, die zur Gesellenprüfung vorbereitet werden. An diesen Schulen unterrichten auch hesige Gewerbelehrer. Nach väterlich gemeinten Erwähnungen und den besten Wünschen für die Zukurkt an die abgehenden Schüler, verteilte der Anstaltgciter die Zeugniste und lud die Anwesenden zu «jnern Rundgang durch die in der Gewerbeschule befiniliche Ausstellung von Zeichnungen, Modellen und imfti« gen Arbeiten der Schüler ein. Die Besucher aaren erstaunt über die Reichhaltigkeit der Leistunaen und olle sachverständigen sprachen sich lobend ütrfr-bic genaue und saubere Ausführung der Schüleranciten aus. Die Anstalt hat ihrem guten Rufe wiedep volle Bestätigung verschafft. -> Bad Salzhausen 1. April. Vier Wochen vor beginnender Badesaison hat das hiesige staatliche Kurhaus seinen Betrieb eröffnet. Damit wird die Oed« und Stille, die der Winter über unseren Bbdeort legt, unterbrochen, und der Aatursreund 6er sich an dem Grünen und Knospen des *3arte erfreut, findet auch in gesellschaftlicher Hnsicht Leben vor. Aus dem Niddatal, 1. April. Die Regentage nach der langen Trockenheit paben im Felde alles verändert. Die Winterfrucht .wgt üppig grün von den Aeckerl und zeigt in ihrer Entwicklung, daß die hier ukd da gehegten trüben Befürchtungen über Auswinterung im allgemeinen sich nicht bestätigen. Die früh gesäte Sommerfrucht ist im Auigeben begriffen. Hier und da haben die Hävnchen schon eine Länge von einigen Zentimetern. Fast über Nacht haben sich die Wiesen in einen grünen Teppich verwandelt. Die Knospen der Dirn- und Kirschbäume stehen vor dem Auf- springen. In den höher gelegenen Gemarkungen des TaleS, etwa von R a i n r 0 d ansangend, hat man kaum oder noch nicht mit der Aussaat begonnen. Sie wird durch die Nässe deS BvdenS eine weitere Verzögerung erfahren. * DisseS, 1. April. Gegenwärtig werden in unserer Gemarkung große Ent wässern Nysarbeiten vorgenomnren. Dabei stieß man in nicht unbeträchtlicher Tiefe auf ein v 0 r- zeitliches Urnengrab. Unser Lehrer Göry nahm den Inhalt, vor allem Knvchen- reste, in Gewahrsam und führte Urne mit Inhalt dem Museum in Friedberg zu. rL Dleichenbach, 1. April. Am Freitagabend gegen 11 Uhr verunglückt eder Müller K. von Wolf mit seinem Personenkraftwagen kurz vor unserem Dorfe. Er hatte, die ziemlich steile Straße von Selters herabkom- mend, an der Kurve vor der Brücke über die Bleiche auf bisher unerklärte Weise die Herrschaft über seinen Wagen verloren und fuhr mit großer Wucht gegen die Brückenmauer. Nur dem Abweiser am Drückenende ist es zu verdanken, daß der Wagen den hinabgestürzten Steinen nicht fiadjfolgte. Herr K. muh den Wagen nach längere* Arbeit wieder in Gang gebracht haben; jedoch schon 150 Meter weiter dem Dorfe zu scheint c*. einen Vergaserbrand bemerkend, aus dem Wagen gesprungen zu sein, der dann die Böschung hi nun ter fuhr und sofort in hellen Flammen stand. Herbeigeeilte Leute brachten den bewußtlos am Wege liegenden Bescher in 6a8 nächste HauS, wo er bald teilweise daS Bewußtsein wiedererlanate. Sanitätsrat Hahn (Ortenberg) verbrachte ihn nach dem Büvinger Krankenhaus. Der Wagen ist vollständig verbrannt. Kreis Schotten. ch AuS dem Kreise Schotten, 1. April. Die Sammlung der Flurnamen hat. während der Wintermonate rasche Fortschritte gemacht. Bon einer ganzen Reihe von Gemeinden liegen bereits vollständig abgeschlossene Sammlungen mit den nötigen Flurkarten vor. -flut ht Oie kleine Birke. Von Manfred Hausmann. Nur drei Worte! Nein, du mußt nickst Her- Hören! Ich will der kleinen Birke, die ich hier am Bahndamm getroffen habe, etwas sagen. ES ist schon Abend geworden, manchmal rauscht ein Windstoß über die Felder, die febnurge- raden Gleise verlieren sich fern in der Dämmerung, daS Bahnwärterhäuschen dahinten hat schon Licht. Aber der Himmel schwebt grün und rosa über dieser Erde. Und da schvümmen zwei Vögel in der grünen Klarheit. V ielleicht sind «S zwei Habichte. Sie schwimmen in -großen, langsamen Kreisen dahin, über den Bahndamm und weit, weit über die Walder hin. Iesdesmal, wenn sie sich nach Westen herumsch)wingen, glänzen ihre Brüste golden auf. Ich blicke ihnen nach, wie sie immer, weiter reisen. Du, sage ich leise, siehst du die g oldenen Vögel da oben, kleine Dirke? DaS Getreide schlägt Wellen, der Wi nd fegt heran. Da wirft die kleine Birke ihre Arme tst'ild und krank in die Höhe den Vögeln nach uftb läßt sie wieder sinken. Und bann neigt sie »sich ermattet gegen den Bahndamm. » Ich stelle mich gan,; dicht neben Wie und streichle ihr dünneS Stämmchen. Kleine Dirke, slüstere ich vor mich frtn, wir beiden, kleine Birke . . . Ich bin heu te auch so traurig, weißt du . . . Und dann stehen wir eine Zeillmig mit gesenkten Häuptern nebeneinander und ruhten unS nicht, biS es so weit ist, daß ich weiter schlurfen mutz. Ich schlurfe langsam weiter. Hochschulnachrichien. Dct Frankfurter Lektor für Ro«manische Philologie, Dr. Hellmuth Petticon i, wird im Sommetsemester an der Universitä t Madrid aus Einladung der spanischen R egieruna Vorlesungen halten. Wit seiner Vertretcung und Abhaltung der Vorlesungen an der Fra n k f u t* ter Universität ist seitens des Pteußis^hrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und DoNISbildung Dr. phil. HanS Jeschke beauftragt | toorfoen. Stirnen, (Sport uni) Spiel Nachdruck verboten. 29. Fortsetzung. Rheine werfen, so punktgleich daß Sülz und Krefeld fetzt wieder in dec Tabelle führen. Fußball in Kassel. tcn. die sich ober dato veyeoen tauen, nnu die- die Gemeinden, in denen zur Zeit die Feld- bereinigung durchgesührt wird. Ss dürfte jedoch in Kürze auch hier gelingen, die begonnenen Arbeiten zu vervollständigen, damit das Gesamt- werk für den ganzen Kreis abgeschlossen werben folgte dagegen Berufung. Er war in das Lokal eines mit ihm verfeindeten Wlrts eingedrungen und hatte diesem in schreiendem Ton wüste Bor- Würfe wegen angeblichen unsittlichen Verhaltens gemacht. 3n der heutigen Verhandlung suchte er den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Antrag wurde abgelehnt. da sich das Vorhandensein einer Beleidigung au» dem gesamten Verhalten des Angeklagten ohne wettere» ergab. Mit Rück- sich auf die schon vom Amtsgericht hervor- gchobene üble Gesinnung de» Angeklagten wurde die Berufung zurückgewiesen. wenigen Gemeinden stößt man auf Schwierigkei- die sich ober bald beheben lassen. Es sind Berliner Börse. Berliner. April. (MTB. Funkspruch.) Der erste Frühverkehr des neuen Monats ist, da er zugleich mit dem Wochenbeginn zusanuncnsallt, äußerst ruhig. Kurse werden noch nicht genannt. Als günstige Momente wären vielleicht der Monatst'ericht der Dresdner Bank und die Erhöhung der Beleihungsgrenze für Wertpapiere bei der Preußischen Seehandlung zu nennen. Am Devisenmarkt hört man Parts gegen London 124,1)2, Mailand 92,60, Spanien 29. Reichs mark gegen Kabel 4,1815, London gegen Kabel 4,8830. L)»e gowenen Berge. Vornan von Clara Viebig. Lophrtght bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 3m Westdeutschen Spielverba n de rechtfertigte die S p. Dg g. 0 7 K öln - Sülz gestern La» in sie gesetzte Vertrauen und schlug Hagen .872 mit 4:1 ganz deutlich und ohne jegliche Mühe. Dagegen enttäuschte Preußen Krefeld, in dem man vielfach schon den mutmaßlichen Westdeutschen Meister gesehen hatte, ganz erheblich und lieh sich von Borussia " ' ’ mit 2:3 Toren aus dem Rennen Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 150 Marl verurteilt worden. Nachdem er vom Amtsgericht hier wegen Mißhandlung de» Sohnes eines Koniurrenten bestraft worden war. hatte er diesen bei der Polizei wegen Meineids angezeigt. 3n der Berufrinasverhandlung behauptete er wiederum, unschuldig zu sein, gab aber zu. mit einem Genossen, der ebenfalls bestraft worden war. aber keine Berufung verfolgt hatte, am Tatort gewesen und nach der angeblichen Tat weggelaufen zu sein. Die umfangreiche Deweis- außtahme ergab wiederum, daß an der Schuld des Angeklagten kein Zweifel bestehen kann: die Berufung wurde zurückgewiesen. Wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Widerst and» gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zweier Gen- dannen war ein mehrfach vorbestrafter Arbeiter aus Bad -Nauheim vom dortigen Amtsgericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe auf vier Monate erhöht. Lin vielfach vorbestrafter Arbeiter von hier war vom Amtsgericht wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung zu fünf Wochen Gefängnis verurteilt worden und vcr» Sie holte tief Luft, über ihr Gesicht jagte etwas, sie öffnete den Mund — jetzt — wollte sie jetzt sich aussprechen?! Aber nur ein flüchtiges trübes Lächeln huschte um ihren Mund, ihre Lippen schlossen sich wieder. Und dann, ihm kurz zunickend, ging sie schnell an ihm vorbei und ihres Wegs weiter. Und er ließ sie gehen. Er hielt sie nicht länger zurück. Eine Bestürzung lähmte ihn: was, was war das mit ihr? Er stand wie vor den Kopf geschlagen. Es war etwas mit der Maria — über was, was?! Hatte sie ihr Herz an einen gehängt ,' Und der wollte sie nicht? Das konnte nicht fein, die Maria wollte ein jeder. Vertrug sie sich zu Haus mit den Ihren nicht, nicht mit Vater und Mutter? Unsinn, die Dremms waren alle stets einig. Und wenn auch einmal ein Verdruß wäre, solch ein Unglück war das dann doch nicht. Grämte sie sich über die Lage, in der ihr Vater war, über die jetzige schlechte Lage im allgemeinen? Ach was, davon verstand ein so junges Mädchen ja kaum etwas, für die Rot der Zeit hatte das noch kein Ohr und kein.n so liefen Kummer. Und Kummer, den hatte die Maria. Es mußte etwas ganz anderes sein: etwas für sie weit Schlimmeres. Kaspar starrte trübe vor sich aus den steinigen Pfad, allerlei Gedanken durchschossen ihn, plötzlich ivilde Einfälle. Er verwarf sie gleich wieder — unmöglich! Er hatte sich noch einmal nach ihr umgesehen: da ging sie, erst langsam, fast schlorrend. wie mühsam sich schleppend — und nun rannte sie, rannte, als würde sie gejagt. Rach ihm sah sie nicht mehr zurück. Aber Marias Gedanken sahen zurück. Sie fühlte: oh, wie gut ist der zu mir! Niemand auf der Welt hielt mehr von ihr. Aber gerade darum scheute sie ihn: vor ihm schämte sie sich am allermeisten. Er hatte sie immer jo hochgehalten — und setzt? Wie niedrig stand sie vor ihm, wenn er es erfuhr! Sie scheute seinen Blick, der in thr forschte, scheut jedes Wort von ihm, das ihr bis ans Herz ging. Oh, daß sie ihm alles hätte gestehen tonnen, erzählen, wie alles gekommen war! Ader Rtoria hatte keine Worte dafür, selbst im Gebet mit sich und mit Gott allein konnte fit die nicht finden. Stumm mußte sie das chr Verhaßte tragen, stumm, bis sie den Mui finden würde, es so von sich zu werfen, daß kam Mensch davon mertte. (Fortsetzung folgt) Rorddeutschland — Westdeutschland 2:1 (1:1). Da» weitaus wichtigste Fußballspiel im Reiche war gestern wohl das erneute Wiederholungsspiel um den Dundcspokal des D. F. V., das in Altona zwischen Nordbeutschland und Westdeutschland stattfand. Anfangs lag der Westen im Vorteil, konnte aber nach Ablauf der ordnungsgemäßen Spielzeit nur übet ein 1:1 quittieren. Die erste Verlängerung brachte ebenfalls keine Entscheidung, und erst nach abermaliger Verlängerung konnte Rorddeutschland, daS inzwischen erheblich besser geworden war. durch Rave den Siegestreffer erzielen. Ergebnis also 2:1 für Rorddeutschland. Westdeutscher Fußball. Mannheim, der mit 2:1 Toren allerdings sehr mager auSfiel. Qlad) ihrem Unentschieden am vergangenen Sonntage gegen Waldhos erlebten die Stuttgarter KickerS diesmal eine noch herbere Enttäuschung, da sie vom F.V. Saarbrücken 0:1 geschlagen wurden. Die Begegnung zwischen WormatiaWorms und dem K. F. D. Karlsruhe fiel der schlechten Wetter- und Bodenverhältnisse wegen aus. Auch in der Runde der Zweiten und Dritten war am gestrigen Sonntage Dollbetrieb, da alle Vereine zum Kampfe angetreten waren. 3n der Gruppe Rvrdwest hat sich die Lage weiterhin zu Gunsten deS F. Sp. V. Frankfurt gebessert Die Frankfurter haben zur Zeit 4 Punkte Vorsprung und nur noch 3 nicht allzu schwere Spiele auszutragen. Diesmal gewannen die Frankfurter in einem sehr Hartmr Kampfe mit 2:1 Toren gegen 6 a a r 05 Saarbrücken. Der V.s. L. Reu-Isenburg erkämpfte sich gegen den F. Sp. V. Mainz sein 7. Unentschieden, diesmal allerdings mit ziemlich viel Glück, denn die Isenburger waren ihrem Gegner nicht gleichwertig. 2:2 lautete der Spiel- auSgang. Zum V.f. L. Reckarau war Rot- Weiß Frankfurt mit 5 Ersatzleuten gefahren und holte sich dort eine Riederlage mit 0:2 Treffern. Der F. G. 1S03 Ludwigshafen hatte man gegen Borussia Neunkirchen einen Sieg zugetraut, es kam jedoch mit 2:2 Toren zur Punkteteilung. Keine nennenswerten Aenderungen in der Tabelle. — 3n der Gruppe Südost gewann der 1. F. E. R ü r n - berg erstmalig wieder mit hohem 6:0 über den V. f.B Stuttgart, der sich bi» Halbzeit auf 0:1 gehalten hatte. Phönix Karlsruhe überraschte durch sein 4:3 gegen D. f.R. Für th. Union Böckingen erlitt auf eigenem Platze eine hohe Riederlage durch Wacker München. Ergebnis 0:4. S.E. Freiburg riß mit 3:2 Toren den Sieg über S.V. München an sich. Süddeutsche Hondballmeisterschast der O. S. B. S.v. München — Sportverein 98 Darmstadt 4:4. Darmstadt Süddeutscher Meister. DaS Spiel um die Südd. Meisterschaft im Handball in der S. S.B., das gestern in München zwischen D. S. V. München und S. D. 98 Darmstadt stattfand, hatte einen unentschiedenen Verlaus mit 4:4, zeigte aber die vorzügliche Darmstädter Mannschaft durch den Vorsprung eines Punktes als nunmehrigen Süddeutschen Meister. Das Spiel stand auf einem sehr guten Riveau. München fand sich in der ersten Halbzeit nicht gut zusammen, und mit einem Halbzeitresultat von 2:1 für Darmstadt wurden die Seiten gewechselt. Rach der Pause erhöhten die Darmstädter Stürmer, die ein großes Spiel lieferten. auf zwei weitere Tore. In der letzten Viertelstunde kamen die Münchener etwas mehr auf. bedrängten die etwas ermüdeten Darm- gelauftn war, Blumen gesucht hatte, daß sie bann vor ihm gestanden halte, die Hände mit dem Sträußchen an seine Brust gelegt, und wie ein Kind gefragt hatte: „Bist du mir bös?" Ach, böse konnte er ihr auch heute noch nicht sein! Mer warum riß sie sich so heftig los von ihm, warum (o trotzig, warum jo verkehrt? Sie tat ihm auf einmal sehr leib. Er hätte nicht sagen können, warum, aber ein Mitgefühl war plötzlich ba, und es verstärkte sich noch, als er sah, wie unter ihren gesenkten Libern jetzt etwas vorquoll und über ihre Wangen nieder- rollte. Sie meinte? Herrgott, was war mit dem Mädchen geschehen? Wer hatte ihr etwas getan? „Warum weinst du, Maria?" „Ich wein ja gar nit." Hastig strich sie sich mit dem Handrücken über die Augen. „Hast du Kummer?" Er dachte, wie oft sie früher alles, was sie an kindischem Kummer gefühlt, bei ihm ausgeschüttet hatte, und wie rasch er sie immer getröstet hatte — sollte es ihm nicht auch diesmal gelingen? „Sei doch nlt traurig, Maria. Et is nix so schlimm in der Welt, bat et nit uorüberging. Sag mir, warum du traurig bist, und bat hilft dir bann schon." . Sie schüttelte ftumm verneinenb ben Kopl. „Sag mir, wer hat dir etwas getan? Der Teufel fall den holen. Sag et mir doch!" Sie schüttelte wieder stumm. „Du willst inir’t also nit sagen." Er holle lief Lust: „Dann muß et also wat Schreckliches sein." „Nein, nein!" Abwehrend schrie sie, die freie Hand gegen ihn streckend, ihn traf ein entsetzter Blick: „Et is gar nix Schlimmes — ich — ich — ich bin nur so dös, bat ich nit mehr mit in den Rott gehn darf — und babran bist du schuld!" Er sah sie ftumm einen Augenblick an: wirklich darum? Aber dann mußte er aufiachen, trotzdem es ihm eigentlich gar nicht zum Lachen war: das war ja zu dumm! Aber die Maria konnte nicht lügen, sofort wieder ernst werdend, sagte er traurig: „Mir machste nix vor, Maria. Dafür kennen ich dich viel zu lang. Und viel zu gut Und hab dich zu lieb. Du bist ja nit bös — du bist mehr als das. Ich weiß nit, wie ich et nennen soll, aber ich fühl et. Du bist ja so anders, du bist in Unruh. Dat Herz is dir schwer. Laß mich dir doch helfen!" Er hatte es, ängstlich geworden, über ihre Veränderung wahr- hast erschrocken, aus tieffter Seele heraus gesprochen, nun wartete er: würde sie nun etwas sagen?! kann. =r. Bobenhause n II. 1. April. Dieser Tage hielt Kreisobstbauinfreltor Metternich von Büdingen hier einen Vortrag über Obstsorten und planmäßiges uni - pfropfen. Er forderte Abkehr von dem un- übersichtlichen Sortenwirrwarr, dafür Uever- aang zur Zucht großfrüchtiger Marktware wie Schöner von Boskop", .Goldrenette von Blenheim", .Gelber Sbrlapsel", selbstverständlich immer unter Berücksichtigung kaufmännischer Gesichtspunkte des Absatzes. Der Uebetgang sei nur durch Umpfropje.i. zu dem die Regierung Zuschüsse gewähre möglich. Unter eingehender Würdigung der Obstbaumpflege und Schädlingsbekämpfung schloß der Vortragende seine be- lehrend^i Ausführungen. - Bei bet jüngsten Fichtennutz- und Drennholzverstei- gerung wurden folgende Preise erzielt: ein Schichthaufen (ungefähr 100 Stangen) kostete 11 bi» 16 Mk. - im Gegensatz zum Vorjahre mit 30 bis 35 Mk. — und fand dies Holz nur sehr schlechten Absatz. Ruyholz kostete- der Festmeter 34 bis 40 Mk. Brennholz kosteten zwei Raummeter 11 bis 17 Mk. Trotz der schlechten Kauflust konnten sämtliche Bestände abgestohen werden. Kreis Alsfeld. Burg-Gemünden, 1. April. Das S P i e l mit der Schußwaffe hat gestern abend in unserem Orte wieder einen tragischen Un- gl ü ck s f a l l zur Folge gehabt. Ein 16 Jahre alter Bursche zielte mit dem R e v o l v e r in dem Glauben, dieser sei nicht geladen, auf feinen Freund und brückte ob. Der Schuß traf den Freund, Karl Stein, unglücklicherweise in den Bauch. Der junge Mann wurde schwer verletzt und mußte auf ärztliche Anordnung sofort in die Klinik nach Gießen überführt werden. < Ober-Ohmen, 1. April. Durch Vermittlung de» Vertreter« deS Norddeutschen Lloyd Bremen. Herrn Kraft in Alsfeld, konnte die Sammlung unserer Schule wieder erweitert werden. Eine Tafel zeigt uns einen Schnitt durch einen modernen Ozeanriesen. Klar veranschaulicht werden daraus Grötzenver- hälttttsse und Raumeinteilung eines solchen Doppelschraubendampfers. Die in klarem Druck gehaltene Weltverkehrskarte ist als Ergänzung des Kartenmaterials unserer Schule sehr zu bc- § rußen. Das Chilesalpeter-Syndikat erweiterte le Lehrmittelsammlung der Fortbildungsschule um weiteres Anschauungsmaterial. Auf den einzelnen Tafeln werden das Liebigfche Gesetz des Minimums, der Rähr° stoffbedarf der einzelnen Kulturpflanzen, sowie die Wanderung de« Stickstoffes aus dem Boden in die einzelnen Teile der Pflanzen und der Verbleib desselben erläutert. =r. Ober-Ohmen, 1. April. Ein hiesiger Landwirt sand beim Pflügen seines Ackers einen leuchtenden Gegenstand. Bei näherem Besehen entpuppte dieser sich als die Taschenuhr seines Vaters, die dieser vor zehn Jahren bei Erntearbeiten auf diesem Grundstück verloren hatte. Die Uhr nxir innen und außen noch völlig unbeschädigt. — Schon mehrfach ist in unserem Dorfe der Gedanke aufgetaucht, das Dorf zu kanalisieren. Auch im Gemeinderat wurde schon dazu Stellung genommen, doch aus finanziellen Gründen wurde der Plan noch nicht verwirklicht. Jedoch der Gedanke marschiert. Die Kanalisation tft eine bringende Notwendigkeit, da das Dorf siellenweise tiefer liegt als der Wasterfpiegei der Ohm, und so infolge Versumpfung der Fundamente und Abflüsse eine Anzahl ungesunder Wohnungen vorhanden sind. Wie nun verlautet, wird sich der Gemeinderat in Kürze nochmals eingehend mit der Angelegenheit befassen. Fachleute berechnen die Kosten auf 60 000 Mk., die sie Vorschlägen, im Wege einer Anleihe flüssig zu machen unb durch Erhebung entsprechender Kanalanschlußgebühren abzutragen, so daß sich die Anlage nach 35 Jahren amortisiert haben würde. Streik Lauterbach. ^Lauterbach, 1. April. Die F i l m v o r s ü h - tungen des Kreisschulamtes, d i e in der letzten Schulwoche ftattfanden, gestalteten Als einziges Spiel von Bedeutung fand gestern in Kassel ein treffen zwischen Dresdener Sportklub und Sportklub 03 Kassel statt. Es endete mit einem verdienten Siege der Dresdener mit 5:4 Toren. In der 2. Bezirksklasse fand ein Ausstieg- spiel statt. Es standen sich Hessen H e r 6 f e l b unb B.D.V6 Kassel gegenüber. Das Spiel enbete unentschieben mit 2:2 Toren. Die süddeutschen Fußballspiele. Die Runde der Meister hatte gestern ihre bei weitern wichtigste Veranstaltung nach Franksurt anberaumt, wo sich Eintracht Frankfurt und die Sp. -Vgg. Fürth in heißem Kampfe um den zweiten Tabellenplatz trafen. Dis zur Pause war Fürth ziemlich ununterbrochen im Vorteil und führte 1:0, später erkämpfte sich die mit einem Ersatzmann und dem noch verletzten Schalter nicht ganz aktions- fähige Eintracht manche schöne Torgelegenheit, glich aus und führte sogar kurze Zeit mit 2:1 Toren. Dann aber kamen die Gegner wieder zur Geltung unb rissen in dem überaus spannenden Kampfe, der.beiderseits sehr gute Leistungen getilgte, einen ganz knappen Sieg von 3:2 Treffern an sich. Hierdurch gelangte Fürth aus den 2. Platz und liegt nunmehr 1 Punkt vor Eintracht. Die Bayern München behaupteten sich aus dem 1. Platze durch ihren Sieg au eigenem Platze über S p. - D. Waldhos Aber sie traf ihn doch. Als sie am wenigsten an eine Begegnung dachte, stand er plötzlich vor ihr. Er kam von unten herauf, sie kam von oben herab: weit über ihnen schwelte der Rott, er sandte seinen Rauch auf sie herab, und bas benahm ihnen ben Atem. Der junge Mann war so überrascht, baß er zuerst kein „Guten Tag" hervorbrachte, eine so hohe Glückswelle überflutete ihn, baß alles, was er an Grimm, an Eifersucht, an Beleibigtsein gefühlt hatte, in dieser Welle ertrank. In ihr Haus wäre er nicht gegangen — wenn sie ihn nicht rief, suchte er sie incht auf —, aber daß er sie hier, ungerufen, ungesucht antraf unb bazu ganz allein, bas war mehr als Glück. Stumm streckte er ihr die Hand entgegen, und dann erst brachte er es heraus: „Guten Tag, Maria!" Sie hatte Vater und Brüdern bas Essen hmaui- gebracht: bas Dlechgeschirr, bas sie Heimtrug, klap- perte, so sehr fuhr sie zusammen: „Du —?!" Sie konnte ihm nicht ausweichen, ber Weg, ber sich um die Felsnase bog, war zu schmal bagu. Ihre Augen suchten: unb auch ein Versteck war nirgenbiuo. Allein, ganz allein, ragten bie zwei sich beaegnenben Gestalten einsam aus ber Unbegrenztheil hier oben. „Wo willst bu benn hin?" fragte sie mit bleichen Lippen. In Ihrer Frage lag bas ganze Erstaunen unb ber ganze Schrecken, ihn hier zu treffen. „In bie Eifel, mir Mäbchen hingen zur Lese. Ich hab grab geflucht, ber Weg is so weit, aber nu bin ich froh, bat ich hier geh. Wie geht et bir, Maria?" „Gut", sagte sie kurz. „Unb bir?" „Ich bin froh, bat bu wieher hier bist, Maria! Er ließ ihre Hanb noch nicht los. Eie versuchte, ihn anzulächeln, aber bas Lächeln mißlang ihr, es mürbe nur eine Grimasse, in ber sich ihr Munb oenog. Wenn er boch nur gleich wetterginge!" „Du hast bu't aber weit — noch en gut Stück bis bahin. Da mußte voran machen." Aber er zeigte gar keine Eile. Kaspar fühlte, bis zum jüngsten Tage hier stehen unb bas Mädchen ansehen, bas möchte er. Kleine (Straffammer Gießen. • Gießen. 30. März. Ein erwerbsloser Schmieb aus Schlitz verfolgte Berufung gegen ein Urteil des dortigen Amtsgerichts, durch das er wegen Körperverletzung und Be- brvhung zu einer Gesamtstrafe von einem Monat Gefängnis verurteilt worben war. Er hatte, in einen belanglosen Kinbetstteit ein* gteifenb, dem Sohn eines Rachbarn eine Hacke an den Fuß geworfen unb ben Vater des Jungen mit erhobenem Beil schwer bedroht. Da die Hauptvcrhandlung heute, in der eine Reihe von Zeugen vernommen wurden, daS gleiche Beweis» etgebnis hatte unb die Strass im ^inbüd aus bie schwere Störung des Rechtsfriedens angemessen erschien, wurde die Berufung zu- rückgewiesen. Wegen wissentlich falscher Anschuldigung war ein Weißbinder von hier vom Maria senkte die Liber, es war ihr peinooll, wie er sie anjah. Um Gottes willen, er würbe jetzt boch nicht noch von ihrem Brief anfangen? Wenn er ihr bös war besroegen, bas wäre ihr lieber, tausenb- mal lieber geroejen, als baß sie fühlte, wie glücklich ec über ihre Begegnung war. Ach, weglaufen, abwehren: fieh mich nit jo an, sieh mich boch nit so an! Das war berselbe Blick wieher, mit bem er sie angesehen hatte, batnals auf bem Wege vom Kloster- berg — ganz beutlich sah man von hier bissen Weg, er lief vom Kirchlein hinab durch den Wald und von da in die Wiese. Damals, an jenem Tag — Frühling unb erste Veilchen, oh, sie erinnerte sich jo ganz genau — ba hatte sie biejen Blick nicht verstauben. Jetzt aber verstand sie ihn. Sie wandle sich ab: „Ich muß jetzt gehen." Er legte die Hand auf ihren 21 rm, er hielt sie nicht je ft, aber ihr war es, als würde sie sestgehalten, sie blieb noch stehen: jetzt, jetzt karn's heraus! Er jagte: „Warum hast bu mir jo häßlich geschrieben? Wat hab ich getan, bat bu auf einmal uit mehr wolltst, bat ich dich besuchen kam? Du schreibst vom Herrn Doufemont — o wat, der Herr Doufemont, ber hall' damit nix zu tun! Du hattest ’nen andern — sag .nein’ Mana, fag ,ncin‘". Heftig ergriff er ihre beiden Hände, brachte jein Gesicht ganz nah an das ihre. Alles, was er an Liebe für dies Mädchen sühlle, an Treue, an Hingabe, war hineingepreßt in dieses angstvolle „Sag .nein !" „Rein." Eine Sekunde hatte sie mit der Antwort gezögert, bann es laut gesagt. „Rein —?!" Er schrie ganz hell auf, es klang wie Jubel: .nein' sagte Maria, sie hatte keinen anberen! Rein! Unb bie Maria log nicht. Er wollte ben Arm um sie schlingen. Sie aber machte sich unsanft frei: „Wat fällt bir ein? Wenn ich auch keinen anbem hab, darum bin ich doch lang noch nit dein. Wat ich dir geschrieben hab, dal bleibt stehn: Mein Schatz bist du nie gewesen unb wirst et auch nie nit sein. Jetzt erst recht nil." Das letzte hatte sic ganz tonlos gesprochen und ben Kopf habet tief gesenkt. Zitterte sie? Was war nur mit ihr? Plötzlich ernüchtert, aus allen Himmeln gerissen, forschte ber junge Mann mit seinem burch Liebe geschärsten Blick. Ueber Maria lag es wie Trauer, oie war nicht bie gleiche mehr. Ach, nicht viel mehr als ein unb einhalbev Jahr war es der, baß sie hort unten, drüben auf ber Wiese ums Klostergemauer jubelnd sich zu einer umfassenden. fruchtbaren Unter» Weisung' über das Deutschtum im Aus - lande. An Hand des Goslar-Films des V. D. A. bekamen die Schulkinder eine Ahnung von der Allverbundenhelt. die In deutscher Sprache unb Sitte begründet ist. Der Film warb auch in ausgedehntem Maße unter den anwesenden Lehrern, von denen mancher der diesjährigen PUngsttagung beiwohnen dürste. Sin Harz-Film gab beredt Zeugnis von der Schönheit deutscher Landschaft. Die gesamten Sin- nahmen aus den diesmaligen Vorführungen fließen in die Kasse de» Gaurs Hessen des D. D. 21. und kommen damit dem Deutschtum in der Dobrudscha ^Rumänien) zugute, für Welches Gebiet der hessische D. D. A. die Betreuung übertragen bekommen hat. Preußen. Verhaftung in der Offdillner Mordsache. WSR. Offdilln bei Dillenburg. 31. März. Gestern nachmittag ist der 40 Jahre alte Handelsmann Jakob Schadt aus Hirzenhain verhaftet worden, der unter dem dringenden Verdacht steht, den Mord an der Witwe O r t m a n n verübt zu haben. Rach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung ist die Frau durch Beigabe von Gift in den Kaffee vergif - t e t unb bann zu berauben versucht worden. Der Verhaftete ist erst kürzlich au» dem Gefängnis, wo er eine vierjährige Strafe wegen Falschmünzerei verbüßt hatte, entlassen worben. Kreis Wetzlar. ex) Klein-Rechtenbach, 1. April. Vor für- zem wurde im „Gießener Anzeiger" berichtet, daß bie hiesige Gemeinbe seit Jahren ohne jeglichen Ga st-undSchank Wirtschaftsbetrieb sei. Diesem Zustanbe ist nunmehr baburch ein E n b e bereitet, baß her Lanbwirt Wilhelm Krämerin bem von ihm erworbenen, an ber Provinzlalstraße Wetz- lur—Butzbach bclegenen Helmschen Anwesen bieser Tage eine Schankwirtschaft eröffnet hat. Q Dornholzhausen, 1.April. Ostern bic- jes Jahres kommen hier sechsKonfirmanden zur Schulentlassung, unb zwar vier Knaben unb zwei Mädchen. In bie Schule neu ausgenommen werben zehn Kinber. — Die Neubautätigkeit, die hier in ben Nachkriegsjadren fast vollständig lahmgelegt war — nach dem Kriege ift nur ein einziges Wohnhaus neu gebaut worden — erfährt in diesem Jahre eine außerorbent- l i d)e Belebung. Es sollen neben dem Neubau unb der Reparatur landwirtschaftlicher Gebäube fünf neue Wohnhäuser erbaut werben, bavon brei am Dorfausgange nach Niederkleen unb zwei am Dorf- ausgange nach Groß-Rechtenbach. An zwei Bauherrn hat bis Gemeinde von ihrem Eigenbesitz Bau- gelänbe zu verbilligtem Preise abgegeben. <> Ebersgön s,l. April. Die hiesige unb bie benachbarte Gemeinbe Oberkleen haben ber Butz- Vach L i ch e r E i s e n b a h n zur Deckung bes D e - f i 3 i t s aus bem Betriebsjahre 1926 aus Genieinbe- mitteln je einen Zuschuß unter ber Bebingung be willigt, baß ber S o n n t a g s v e r k e h r auf ber Strecke Butzbach—Oberkleen roieber endgültig ein- geführt wirb. Die Berliner Verwaltung ber Butz- bach-Licher Eisenbahn hat ben Gerneinben mitgeteilt, baß sie bie versuch sw eise eingelegten Sonntagszüge auf ber Dbertleener Strecke vorläufig weiter verkehren lasten will. städter sehr und konnten bis zum Schluß gleichziehen. Damen-Posisporiverein Frankfurt a. 2H. gegen Mannheim 2:1 (1:1). Zum Rückspiel und gleichzeitig um die Entscheidung der südd. Meisterschaften für Damen der DSB. weilte der Frankfurter Postsportverein gestern bei dem CB. f. R. Mannheim. 2m Gegensatz zum Vorspiel, das durch den Schnee stark die Leistungen beeinträchtigt hatte, war das Entscheidungsspiel fast immer vollkommen ausgeglichen. Es wurden sehr schöne Angriffe au' beiden Seiten gezeigt, und bis zur Halbzeit stand das Spiel noch unentschieden 1:1. Rach Halbzeit drückten die Frankfurter Damen sehr stark, und nach prachtvoller Gegenwehr mußten sich die Mannheimer Sportlerinnen mit 2:1 geschlagen geben. Postsportverein Frankfurt ist somit Süddeutscher Meister. Oer Iußballänderkampf Belgien gegen Holland der nm Sonntag in Antwerpen ausgetragen wurde, endete 1:0 für die Belgier. Während des Spieles stürzte die Mitteltribüne ein; etwa 40 Personen wurden verletzt. Neuer Oauersiug-Weltrekord. Der Weltrekord im Dauerflug, der mit 52 Stunden 22 Minuten 32 Sekunden von den deutschen Fliegern Edzard und R i st i c z auf einem Iunkersflugzeug in einem Pendelflug zwischen Dessau und Leipzig vom 3. bis 5. August aufgestellt worden war, ist nach einem Telegramm aus 2 a ck s v n v i l l e von den amerikanischen Fliegern Haldeman und Stimson gebrochen worden. Die beiden Flieger landeten am Freitag mittag um 1 Tlhr 14 Minuten 10 Sekunden und eine Meile vom Startpunlt in 2 acksonville entfernt. Als die Piloten den deutschen Weltrekord erreicht hatten, befanden sie sich nahezu in 4000 Fuß Höhe und sieben Meilen vom Startplatz entfernt. Sie stießen jedoch hier auf widrige Luftströmungen unter dem wolkenbedeckten Himmel und gingen nach Erreichung ihres Ziels nieder. Die amtlichen Messungen ergaben, daß Haldeman und Stimson auf ihrem EinkxÄer 53 Stunden 36 Minuten und 41 Sekunden in der Luft gewesen waren. Der Weltrekord von Edzard und R i - sticz mit 52:22:32 Stunden ist damit um 74 Minuten 9 Sekunden übertroffen worden. Bei ihrer Landung hatten die Flieger noch Benzin- vcrrat in Reserve. Haldeman ist der bekannte Pilot, der im Vorjahre mit der Amerikanerin Ruth G l d e r s einen Ozeanflug wagte. Der Apparat muhte damals vor der portugiesischen Küste niedergehen, beide Insassen konnten aber unter glücklichen Umständen gerettet werden. Der zweite Pilot. S t i m s o n, ist Flugzeugfabrikant. Heuer Schnelligkeits-Flugwelirekord. De Bernardi erreicht 512,776 Stundenkilometer. Auf dem drei Kilometer langen Dreieckskurs der vorjährigen Schneiderpokalstrecke am Lido unternahm am Freitag der Italiener de Bernardi den Angriff auf den von ihm gehaltenen Schnelligkeits- Flugweltrekord. Der Versuch ging in Gegenwart der Amtlichen Sportzeugen sowie in Anwesenheit englischer und amerikanischer Luftsachverständiger vor sich. De Bernardi erreichte auf seinem Maechi M 52« Wasserflugzeug, das mit einem Fiat->8-3-Motor ausgerüstet ist, eine Durchschnitts-Stundengeschwin' digkeit von 512,776 Kilometer und übertraf damit seinen eigenen am 14. November v. I. aufgestellten Weltrekord für Wasser- und Landflugzeuge mit 4t9,290 Kilometer um 33,486 Kilometer. f Oxford — Cambridge. Gpmbridge gewinnt überlegen den Ruderwettkampf. Auf der traditionellen Rennstrecke auf der Themse erfuhr der klassische Ruderzweikampf der Universi- tätcmannschaften von O.xsord und Cambridge im Achter am Samstag seine 79. Wiederholung. Das Interesse der Londoner für den populären sportlichen Wettkampf war, wie in den früheren Jahren, außerordentlich groß. Trotz der frühen Morgenstunde, zu der der Start erfolgte, umsäumten Hunderttausende die Ufer der 6850 Meter langen Rennstrecke. Die Unioersitätsmannschaft von Cambridge startete als Favorit, und die Hellblauen erfüllten durch einen glatten Sieg die Hoffnungen ihrer zahlreichen Anhänger. Bom Start bis zmn Ziel lag Cambridge in Führung, und schon auf halber Strecke mar ihnen der Erfolg sicher. Alle Anstrengungen des Oxfordachters blieben wirkungslos. Auch ein letzter verzweifelter Spurtversuch konnte die Niederlage nicht verhindern. Cambridge siegte leicht mit zehn Längen Vorsprung in 20 Minuten 25 S e - 'und en. Während die Siegermannschaft das Rennen frisch und in bester Verfassung beendete, machten die Oxforder einen vollständig erschöpften Eindruck. Trotz des Sieges der Universität Cambridge lautet das Verhältnis für die bisher aus- getragenen Rennen immer noch 40:39 zu Gunsten Oxfords. Wirtschaft. Oie Lage des Handwerks im März. Die winterliche Geschäfts stille ist auch im Monat März noch nicht in allen Handwerksberufen überwunden. Zwar ist in einer Anzahl von Handwerken eine geringe Besserung des Auftragseinganges zu verzeichnen, jedoch erfolgte die Belebung des Geschäfts nicht in dem sonst um diese Jahreszeit üblichen Mähe. Für das Baugewerbe wird im allgemeinen von einer leichten Zunahme der Aufträge berichtet. Die Bautätigkeit erstreckte sich aber zum großen Teil auf die Fertigstellung von Bauten aus der letzten Bauperiode. Reue Bauvorhaben konnten zunächst infolge der am Ende des Etatsjahres verminderten Aufträge seitens der Behörden nur in geringerem Umfange begonnen werden. Die Lage des Handwerks in den überwiegend ländlichen Gemeinden, wo sich die Rotlage der Landwirtschaft in besorgniserregender Weise auf das Handwerk auswirlt, war sehr ungünstig, es wird vor allem über schlechten Zahlungseingang geklagt, und die Dorgwirtschaft hat wieder zugenommen. Mit Beginn des Frühjahrs hat mit wenigen Ausnahmen die Lohnbewegung auch das ganze Handwerk ergriffen. Es ist bei dieser Lohnbewegung zu bedenken, daß das Handwerk in ganz anderem Maße an Lohnveränderungen interessiert ist, als viele andere Berufsstände, da in den meisten Handwerkszweigen der Lohn einen außerordentlich großen Teil der Gestehungskosten ausmacht. Der Höhepunkt der wirtschaftlichen Konjunktur gilt in den Kreisen des Handwerks als überschritten. Die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes hat keine wesentliche Besserung erfahren, lediglich im Baugewerbe und im Schneiderhandwerk sind Arbeitereinstellungen erfolgt. Die Preise für Rohstoffe und Materialien waren überwiegend unverändert. Rur für Textilien zeigten die Preise steigende Tendenz. * * Die Rcichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten im März. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats März mit 150,6 gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben. * Die amtliche Großhandelsindex- zisf e r. Die auf den Stichtag des 28. März berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes war gegenüber der Vorwoche mit 138,9 unverändert. * Erhöhung der Effektenbeleihungen bei der Preußischen Staatsbank. Mit Wirkung ab 2. April erhöht die Preußische Staatsbank (Seehandlung) im Lombard- und Kontokorrentverkehr die Beleihungsgrenze für: 1. Gold- und Reichsmarkanleihen sowie diejeigen Goldpfandbriese, Goldrentenbriefe, Goldschuldverschreibungen, Mobilisierungs-, Liguidationspfandbriefe, die nicht mit 75 v.H. bestehen werden,7-v.H.-Berliner Hochbahn- Zertifikate von bisher 66,66 vH. auf 70 v.H.: 2. Sach- wertanleihen und Anteilscheine zu Liguidations- Pfandbriefen von bisher 60 auf 70 v. H.; 3. Aktien, die zu fortlaufenden Kursen und im Terminverkehr gehandelt werden, von bisher 60 v. H. auf 66,66 v. H. Bekanntlich hatte die Seehandlung die Beleihungsgrenze für Aktien angesichts der gestiegenen Kurse bereits Ende April 1927, also vor dem Eingreifen der Reichsbonk bzw. vor dem schwarzen Freitag (13. Mai 1927) von 66,66 auf 60 v. H. ermäßigt. Die nunmehr erfolgte Erhöhung bedeutet also die Wiederherstellung des früheren Zustandes. * Verbesserung der G eldmark t- organisation in Frankfurt a. M.Dom 2. April ab können sämtliche Banken und Bankfirmen. welche bei der Frankfurter Bank ein Girokonto unterhalten, bis 10,-^5 Uhr vormittags Beträge von 50 000 Mark unö mehr auf verzinsliches Girokonto einzahlen. Die Frankfurter Bank behält sich vor, von Fall zu Fall die Beträge nach oben zu limitieren oder aber unter älmständcn die Annahme von solchen verzinslichen Geldern vorübergehend abzulehnen. Die Beträge werden bis aus weiteres mit 2 Proz. verzinst und können auf Wunsch bereits am nächsten Tage dem unverzinslichen Girokonto wieder gutgeschrieben werden. Die beiden verbündeten Institute Frankfurter Bank und Preußische Staatsbank, Berlin, wollen durch diese Reueinrichtung eine Verbesserung des Geldausgleichs zwischen Berlin und Frankfurt erreichen und Gelder, die in Frankfurt vorübergehend frei sind, und deren Einzelüberweisung nach Berlin sich nicht rentiert, einer, wenn auch bescheidenen Verzinsung zuführen. * „M i a g" Mühlenbau und Industrie A.-G., Frankfurt a. M. Die Generalversammlung der „Miag" Mühlenbau und Industrie A.°G. beschloß die Verteilung von 10 v. H. Dividende auf die Stammaktien und von 7 v. H. auf die Vorzugsaktien. * Kaiser-Friedrich-Quelle A.-G. in Offenbach a. M. Die Generalverjaminlung genehmigte debattelos den bekannten Abschluß von 7 v. H. Dividende auf die Vorzugs- und 10 o. H. (im Vorjahre 8 v. H.) auf die Stammaktien aus 100 469 Mark Reingewinn. Zum Vortrag gelangen 15 918 Mark. — Die Generalversammlung der der Kaiser-Friedrich-Ouelle A.-G. nahestehenden Aachener Thermalwasser „Kaiserbrunnen" A.-G., Aachen, beschloß, aus 2025 Mark Reingewinn 5 v. H. Dividende auf die 12 000 Mark Vorzugsaktien zu verteilen und die restlichen 1299 Mark vorzutragen. Die 270 000 Mark Stammaktien bleiben dioidendenlos. • Norddeutsche Grund-Eredit- Bank. Weimar. Die zur Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken gehörige Bank legt anläßlich des Anlagetermins Teilbeträge von je 3 Millionen Goldmark ihrer an der Berliner Börse bereits eingeführten Zprozen- tigen Gold-Pfandbriefe Emission XX (amtlicher Kurs auc Zeit 80 Proz.) zum Vorzugskurse von 97,75 Proz. und Lprozentigen Gold-Kommunal- Schuldverschreibungen Emission XVIll (amtlicher Kurs zur Zeit 95,50 Proz.) zum Vorzugskurfe von 95 Proz. zur Zeichnung auf. Zeichnungen bis 20. April. Wir verweisen auf die heutige Anzeige. ' Allgemeine E l e k t r i z i t ä t s - Gesellschaft. An der Berliner Börse sind 30 Mill. Stammaktien der AEG. zum Handel und zur Rotiz zugelassen worden. In dem Prospekt wird u. a. ausgeführt, daß bisher aus dem Agio 6 Mill. Mk. dem Reservefonds zugeflossen sind. Am 1. Oktober 1927 beschäftigte die AEG. 16 410 Beamte und 43 304 Arbeiter. Der vorliegende Auftragsbestand ist wesentlich höher als im Vorjahre. t Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. April. Tendenz fester. Zu Beginn der neuen Woche erhielt sich die schon einige Tage herrschende Festigkeit der Stimmung. Wieder waren es Spezialbewegungen, die dem Markte die Haupt- anregung boten. Für verschiedene Werte machte sich regeres Interesse von Auslandseite bemerkbar, während das private Publikum sich nach wie vor nur in geringem Maße am Geschäft beteiligte. Die Stimmung war allgemein wieder zuversichtlicher, im Zusammenhang mit der glatten Tieberwindung des Quartalultimos. Ferner verwies man auf das Wieder- ingangf ommen der Auslandanleihen. Dabei wurde der Monatsbericht der Dresdner Bank viel besprochen und günstig ausgenommen. Da zu den ersten Kursen verschiedentlich etwas Material herauskam, da die bevorstehenden Osterfeiertage zur Zurückhaltung mahnten, war die Kursgestaltung zunächst nicht ganz einheitlich. Lieberwiegend ergaben sich jedoch Kursbesserungen von ein bis zwei Prozent. Besonderes Interesse machte sich wieder für die Rheinischen Kohlenwerte geltend. Rheinische Braunkohlen lagen zu den ersten Rotierungen 7,75 Prozent höher. Bergbau gewannen 3 Prozent, Hirpener 3,5 Prozent. Die anderen Mvntanwerte waren etwas vernachlässigt und teilweise leicht abgeschwächt. So lagen Phönix minus 1,25 Prozent. Am Montanmarkt soll namentlich das Ausland wieder als Käufer ausgetreten sein. Gesfürel zogen 1,13 Prozent, Schuckert 2,5 Prozent, Rheag 3,25 Prozent, Lahmeyer 2,5 Prozent an, während Licht und Kraft und Siemens nur behauptet blieben. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Fa rben 1,5 Prozent höher, I.-G.-Bonds 143,75 bis 144,25 Prozent. Stark gefragt waren die Zellst o f f w e r t e, von denen Aschaffenburg 4 Prozent und Waldhof 4,5 Prozent gewannen. Von den Werten der Metallbankgruppe zogen Metallbank, 1,5 Prozent an, während Metallgesellschaft im Angebot und 2,5 Prozent schwächer lagen. Etwas niedriger eröffneten ferner Kaliwerte. Holzmann gaben leicht nach. Watzß & Frehtag setzten ihre Kurssteigerung um 1 Prozent fort. Reubesitzanleihe war rege verlangt und 1 Proz fester. Von ausländischen Renten bestand für Mexikaner weiter einiges Interesse. Ferner waren Türken etwas gefragt. Rach den ersten Rotierungen blieb die Stimmung f e st. Die Kurfe konnten meist weiter anziehen. Später war das Geschäft allgemein ziemlich still, und die Kurse bröckelten verschiedentlich leicht ab. Gefragt waren Rordd. Lloyd plus 1,25 Proz., und Karstadt, die um 2,5 Proz. anzogen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 Prozent weiter knapp. Arn Devisenmarkt lag der Dollar leicht erholt. Mark gegen Dollar 4,1818, gegen Pfund 20,406. London gegen Kabel 4,8815, Paris 124,02, Mailand 92,40. Madrid 28.95, Holland 12,12. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. April. Zu Beginn der neuen Woche ist das Geschäft sehr ruhig. E» wird allgemein Zurückhaltung geübt. Etwas schwächer liegt Hafer, der 25 Pf. im Preise nach- gab. Auch Weizen- und Roggenmehl ist 25 Pf. billiger. Auch Futtermittel liegen still. Weizenkleie ist etwas abgeschwächt. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs, 26,50 bis 26,75; Roggen 27,50; Hafer, inländischer. 26,50 bis 26,75; Mais (gelb) für Futterzwccke 24,25 bis 24,50; Mais (gelb- für andere Zwecke 25 bis 25,25; Weizenmehl, südd., Spezial 0, 37,50 bis 38,50; Roggenmehl, 37,50 bis 38,50; Weizenkleie 14,75; Roggenkleie 15,75 bis 16,25; Erbsen, je nach Qualität, fnrLpesie- zwccke 34 bis 60; Linsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 45 bis 110; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 8; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht 4,50; Weizen» und Roggenstroh, gebündelt 3,25; Treber, getrocknet, 18 bis 18,25. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachwiehmartt. Frankfurt a. 3)1., 2. April. Auftrieb: 1472 Rinder, darunter 292 Ochsen, 76 Dullen, 720 Kühe, 376 Färsen; 1151 Kälber; 67 Schafe; 6660 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen, vollfleischige, aus- gemästete höchsten Schlachtwerts: jüngere 58 bis 62 Mark, ältere 54 bis 57; sonstige vollfleischige: jüngere 50 bis 53, ältere 43 bis 49. Bullen: jüngere, vollflei' fchige höchsten Schlachtwerts 50 bis 55; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 45 bis 49; fleischige 40 bis 44. Kühe: jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts 44 bis 49; sonstige vollfleischige oder aus- gemäftete 40 bis 43; fleischige 33 bis 39; gering genährte 25 bis 32. Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts 58 bis 63; vollfleischige 53 bis 57; fleischige 48 bis 52. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 77 bis 82; mittlere Mast und Saugkälber 68 bis 76; geringe Kälber 58 bis 67. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 50 bis 54; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 45 bis 49. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 54 bis 56; vollflei schige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 55 bis 57; von etwa 200 bis 240 Pfund 55 bis 57; von etwa 160 bis 200 Pfund 55 bis 58; fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 50 bis 54; Sauen 45 bis 50 Mark. — Marktoe'-laus: Rinder ruhig, geringer Ueberftanb. Bullen schwer verkäuflich. Kälber ausverkauft. Schafe langsam, Ueberftanb. Schweine mäßig rege und geräumt. Kunst und Wissenschaft. Hans von Gumppenberg t. Der Dichter Hans Freiherr von Gumppenberg ist, einer Münchener Meldung zufolge, dort im Alter von 62 Jahren einem langwierigen Herzleiden erlegen. Der Verstorbene zählte nicht zu den großen Talenten der naturalistisch-impressionistischen Zeit, aber er war einer der kleineren, leichteren und zarteren Talente, welche jede Zeit begleiten. Er steht geistig dem Kreise Bierbaums und Hartlebens nahe, deren anmutige Rokoko-Tändeleien, Pierroto- Lieder und Chansons dann den ersten deutschen Kabaretts, deren ernsthafte Art bald genug abstarb, willkommenen Stoff zu Spielen und Ausführungen gegeben hat. Auch Gumppenberg dankt seinen Aufstieg der literarischen Bühne der „Elf Scharfrichter" in München, dem einstmals bekannten Sprungbrett für viele Talente. Damals, vor ungefähr dreißig Jahren also, schrieb Guinv- penberg für diese Bühne viele Stücke und ©biete, sogenannte „Ueberdramen", an welchen er seine Laune und seine virtuose Sprachbegabung glänzend entfalten konnte. Von diesem Talent der Rachempfindung der Form zeute dann seine köstliche Parodienfammlung „Das teutsche Dichterroß. in allen Gangarten", in welcher er alle lyrischen Zeitgenossen lustig parodiert aufinar- schieren ließ. Sprechstunden der Dkbattion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte ZR a n u | f t i p t e ohne beigefügte? Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. tyranjoincDe vcoien . . Holländische Noten . Italienische Noten . . Devisenmarkt Berlin—Franks«« Telegraphische Auszahlung. Sattfnotea. '.".'ar, ^ronjöniche bloten . . . Norwegische Noten...... Deutsch-^efferr-, 4100 Kronen Romanische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Svanische Roten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten - ■ • "*?rtcT 16, M 168,59 22,23 111.77 58,9< 2,65 112,34 80,68 70.60 12,407 73,0» a. HL wclv 16,51 167,91 22,17 111,33 58,70 2,63 111,90 80,36 70,32 12.347 72 75 Ed 4,169 58,18 111,75 20,855 Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. 3nr 4,189 68,42 112,19 20,485 Amerikanische Noten '7 Lelgsschc Noten . . . Dänische Noten .... eogtifÄt Noten . ... $rau6furt a. M Berlin Schluh. ftur» 1-Uhr- Äure Schluß- Kurv Infang Kur-^ Datum: 31.3. 2. 4. | 31.3. 1 2.4. Philipp Holtmann .... 12 164 165 160,5 165.9 Heidelberaer Lernen! . . 8 Lemrnr Lackstadt......8 WavH k streitaa ... 10 148,5 177 148,75 _ _ 139,75 140.75 — — SchtcktdckS VaweMer. . 15 — — 350,75 354 Oftweck, .....12 — 219.9 295.5 Ber. Slanzstost ......15 — 728 730 öaobCTG........8 — — 51b,5 517.75 Zellstoff Datdhos. . . . 12 Zellstoff Äschaffenbrrru • 10 LbackoNentmraer Waffe, 7 273 173 278.5 178 274.4 171 122 277.5 178 123,9 195,5 Tcffaeer GaS ... 8 — — 195.75 Daimler MoLorro.....o 89 25 —— 90.75 91 Demao ...... o — — 51 53 Sdlcrwecke flfcixt. ».. . v 87 37,5 86.25 — tiibtp. Loew, . .... 10 — — 252 254.5 Rat. Automobil......6 Orenstrin & Lovvel .... 4 -M» 91,25 95 • — 134,75 135,5 ** — —■» Leonhard Lies....... 6 — —> 220 225 Bamao-Meyinn ...... 0 ffrartf. Maschinen .... v 25,75 — 26 — 72,13 74 73 137 — tirfena ...... 7 136 — — 6-vltaenstacdr ....... 0 24 ■e HungbanS ...... 6 88 — 87,75 — Lech werke . ...... k 119,9 — — Muiokrastwerke ...... k — — — •— Miag ....... io 147 — 145.25 146,5 Nckackolmer ...... 8 60.5 59 57.5 — ■?9 100 _ ötebt Roeder ...... 10 voiat k Ho-ffnrr ..... 6 131.75 — — 174 — 179,5 — Cebb ävln ...... . v 183,5 134.25 133(25 — »rankfurt a.M. Drrlin Frankfurt a.M. Berlin Schlnh- Nur» l-Uhr- Kurs Schlutz- Äure Anfang Kur» Schlug» Äure '-Uhr- nur» Schluh Äur» Datum 31.3. 2.4. 31.3. i- >■ Davon: 31.3. 2 4. | 31.3. 1 2-4. Fl« ®t. -KtchSanleihe v. 1927 Dt- Anl Bbloi Schuld mit Auslos -Rechten . .. . Dcsal. ohne SuSlos.-Rechten <*/•> Franks. Hvp.-Bk. Gowvl- unkündbar vis 1932 . . 4'/,"/» Rheinische Lvv -Bank 2fju -Goldvt . fl- E- G abg DorkrtegS-Ob ligationen. ruckjadlbar 1932 IVo Schwei;. BundcLb.^Anl. 4’/• Oefteretchische Goldrte. i.2O°/o Oestcrr. ich. Silberrte i'7o Oesterreich, cinbeitl. Rte <°/o Ungarische Goldrte. 4% Ungarische Staalkr. v. 1010