!tr.28 Erster Matt |78. Jahrgang Donnerstag, 2. Zebruar 1928 Grjchelnriügllch, außer Sonntage nnb feiertags. Betlagen: ötefeener JJamiltenblätter Heimat im Bild Die Scholle monat$»Be)ug>preU: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: $rantfnrt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen trefl «nd Verlag- vriihl'lche Uittverfilütr-Vuch. und Stchtöredtrei B. Lange in «iefcen. Lchristlettung und Seschästrstelle: Schnlltraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re* hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20e/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedl. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriol, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An« zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Stresemann an seine Kritiker. Eine zweite Rede des Reichsaußenministers im Reichstag. Berlin, 1. Febr. (VDZ.) Der Reichstag setzt Die zweite Beratung des Haushalts des Auswärtigen Amts fort. Abg. S t o e ck e r (Komm.) meint, die Rede des Abg. Freytag-Loringhoven sei den Deutschnationalen sichtlich unangenehm gewesen. Tatsächlich liegen die Deutschnationalen ebenso wie die Sozialdemokraten in inniger Liebe an den Brüsten des Herrn Stcesemann. (Heiterkeit.) Stresemann treibe ebenso Abrüstungssabotage wie die Auhenpolttiker der übrigen Staaten. Den einzigen ernsthaften Ab- rüstungsvorschlag habe Ruhland gemacht. Abg. Graf Reventlow (Aat.-Soz.) bezeichnet die deutsche Auhenpolitik als eine konsequente älnwahrhastigkeit dem deutschen Bolle gegenüber. Das Volk sei darüber getäuscht worden, daß mit dem Dawespakt die deutsche Souveränität verlauft wurde. Stresemann habe mit seiner Völkerbundspolitik vollständig bankrott gemacht. Das Auswärtige Amt sei geradezu eine Filiale von Briand. Die jetzige Außenpolitik sei ein niederträchtiger, infamer Berrat des Volkes. (Der Redner erhält einen Ordnungsruf.) Abg. Graefe (Böll.) sicht in dem Dawes- Pakt die Tlrsache des jetzt beginnenden Untergangs der deutschen Landwirtschaft und des Verfalles der übrigen Wirtschaftszweige. Die jetzige Auhenpolitik verursache den Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft. Bei der ge.r.gen Rede des Abg. Ulitzka sei manchem die Erinnerung gekommen an Bismarcks Mißtrauen gegen die Politik in langen Kleidern. Das Zentrum habe immer Politik mit doppeltem Boden getrieben. Die Deutschnationalen sollten endlich erkennen, dah sie mit ihrer Unterstützung der Stresemannpvlitik einen falschen Weg gegangen sind. Heichsaußenminister Or. Stresemann betont, er könne nicht mit dem Abgeordneten von Lindeiner die Rede des Abgeordneten von Freytag als eine wertvolle Ergänzung der Ministerrede betrachten. Die Deutschnationalen haben die Locarnopolitik nicht etwa terminiert anerkannt. Der Vertreter Dr. Hoetzsch hat in Genf loyal mitgearbeitet. Wenn Abg. von Freh- tag eine Abkehr von der deutsch-französischen Verständigungspolitik fordert, so liegt darin ein Gegensatz zu dieser Haltung seiner Fraktion. Es trifft nicht zu, dah diese Politik in eine Sackgasse geführt hätte. Herr von Freytag hat nicht den neuen Weg angegeben, den wir nach seiner Meinung einschlagen sollen. Den Rechtsgedanken im Völkerbund durchzusehen, ist immer unser Bestreben gewesen. Das wäre also nicht ein neuer Weg unserer Politik. Der Locarnovertrag hat uns die Freiheit des Luftverkehrs uni) viele andere Erleichterungen gebracht. Der Fortschritt geht natürlich nur schrittweise. Ich habe darauf hingewiesen, dah es sich in Locarno nicht nur um das Vertragswerk handeln sollte, sondern um den Anfang einer gemeinsamen Politik zur Erhaltung des Friedens. Deutschland ist schon um seiner Selbsterhaltung willen zu einer solchen Politik genötigt. Von einem neudeutschen Imperialismus kann wirklich nicht gesprochen werden. Ratürlich ist seit Locarno noch nicht jede Spannung beseitigt, aber ich betrachte es als meine Aufgabe, daran zu arbeiten. Darum kann ich auch an die französische Adresse die Mahnung richten: Run tut auch das Eure, dah die Idee von Locamo Gemeingut des deutschen Volkes werden kann. (Beifall.) Ein französischer Senator hat gesagt, Deutschland habe durch den Versailler Vertrag das modernste Heer der Welt bekommen. (Lachen) Wir empfehlen allen Mächten der Welt, sich ein modernes Heer dieser Art anzujchaffen. (Sehr gut.) Die von sranzösischer Seite gegen eine Rhem- landräumung angeführten Argumente treffen nicht den Kem. Ganz unverständlich ist die Erklärung, Deutschland mühte erst seine Reparationsver- pflichtungen erfüllen. Die Rheinlandbesctzung soll doch auch nach dem Versailler Vertrag nicht so lange dauern, bis die letzte Million bezahlt ist. Wenn aber Frankreich die Fortdauer der Besetzung als einen Machtfaktor betrachtet, so wäre nicht zu verstehen, dah es diesen Machtfaktor für irgendeine Gegenleistung aus der Hand geben will. Wir hoffen, dah die leitenden französischen Kreise zu der Einsicht kommen, dah eine schnelle Räumung des Rheinlandes die allerbeste Wirkung für die Verständigungspolitit haben würde. Es ist nicht zu verkennen, dah der Gedanke der Verständigungspolitik seit der Blldung der jetzi- gen Regierung im deutschen Volke wesentliche Fortschritte gemacht hat. Dieses wachsende Verständnis wird nicht erschüttert werden durch eine parlamentarischeEnt- q leis ung, wie wir sie gestern hier erlebt haben. Ich hoffe, dah es uns gelingen wird, bald die letzten Hemmnisse zu beseitigen, die ^ner wirkungsvollen Zusammenarbeit mit Frankreich dem Werke des Weltfriedens noch entgegenftehen. (Beifall.) . x _ _ , Abg. Dr. Wirth (Zentr.) meint. Dr. Stresemann habe gesprochen wie ein Minister der loyalen Opposition. Der gestrige Zwischenfall habe wieder gezeigt, welch falsches Spiel die Deutschnationalen spielen. Wenn der Minister für die Regierung spricht, dann muß er auch für die Parteien sprechen können, die hinter der Regierung stehen. Wenn er das nicht kann, so ist er in seinem Friedenswerk nicht nur kompromittiert, sondern auch sabotiert (Beifall links und im Zentrum). Die Deutschnationalen Agitationsreden draußen liefern das Material, mit dem die französischen Reaktionäre und Militaristen die Ehrlichkeit der deutschen Verständigungspolitik verdächtigen. Wir, die wir i n Opposition zu der jetzigen Regierung stehen (Bewegung), wir wollen das parlamentarische System in Deutschland zu einem brauchbaren Instrument der Außenpolitik machen. Die Welt ist willens, auf dem Wege der Verhandlung mit dem Deutschen ^olk voranzuschrei- tcn. Die Politik des Außenministers stützt sich auf die Regierung der Großen Koalition, die außenpolitisch schon vorhanden ist. Das ist der beste Beweis für die Rotwendigkeit, schleunigst mit der jetzt nur noch formell bestehenden Regierungskoalition Schluß zu machen. Der Etat wird nach den Vorschlägen des Ausschusses mit den Ausschußentschließungen angenommen. Berliner Presseecho. -Berlin, 2. Febr. (Pr.-Tel.) Die konservative „Kreuzzeitung" bemerkt zu den gestrigen Ausführungen Dr. Stresemanns im Reichstage: Bei aller Betonung des Gemeinsamen in der Beurteilung Lee außenpolitischen Lage muhte er doch bald an dem Punkte an- fommen, an dem sich die Wege scheiden: Festhalten an der Locarnopolitik oder Reuorientierung. Er glaubt noch immer an die Möglichkeit, auf dem Wege von Locamo xur Verständigung zu kommen, und da scheiden sich die I Geister. Wir unterschreiben voll und ganz die Feststellungen des Freiherrn v. Freytag-Loring- I Hoven, dah wir mit Locamo in eine Sackgasse geraten sind und neue Wege gehen müssen. — Anders urteilt die „Deutsche Tageszeitung'-: Gewih suchte er in einzelnen Punkten sich von den Ausfassungen des deutschnationalen Redners zu distanzieren, anstatt sie zur Verstärkung der von ihm auch gestern wieder an die französische Adresse gerichteten Mahnungen zu benutzen. Aber er bagatellisierte doch zug^ich die Differenzpunkte und hob verschiedentlich das Gemeinsame hervor. — Die „D. A. Z." hebt hervor, dah am Schluß der außenpolitischen Reichstagsdebatte das einzige kommunistische Mißtrauensvotum gegen eine Handvoll Radikaler abgelehnt, also mit einer kompakten Mehrheit, der man demnach — trotz aller Vorgänge — einen gemeinsamen Willen unterstellen muß, etwas Positives: die Billigung der Grundlinien unserer Außenpolitik. — Die „G e r m a n i a" begrüßt es aufrichtig, daß Stresemann nochmals so klar und unmihvcrständ- lich den Weg der deutschen Außenpolitik gezeigt hat, und der Beifall der Mehrheit des Hauses dürste auch den Herren in Paris deutlich machen, dah wir es mit unserer Friedenspolitik ernsthaft meinen. Run aber hat Frankreich das Wort. — Im „Vorwärts" heißt es: Zur Politik der europäischen Friedenssicherung durch deutsch-französische Zusammenarbeit hat sich Herr Stresemann gestern leidenschaftlicher denn je bekannt. Er hat auch sehr richtig hervorgehoben, daß wir Verständigungspolitik treiben, nicht um die Räumung zu erreichen. sondern daß wir umgekehrt die Räumung fordern, um der Verständigung willen. Das alles hat er so gut gesagt, dah es auch ein Sozialdemokrat nicht besser hätte sagen können. Glimmen -es Anstands. Dawesplan und Besetzung. I Die Ncuyorker „World" über die Beweggründe Frankreichs. Reuyork. 1. Febr. (Wolff.) Die „World" erklärt, wenn Stresemann die Fortdauer der Rheinlandbesetzung als dem Locarnogeist zuwiderlaufend betrachte, so sei diese Haltung theoretisch unangreifbar. Indessen sei zu berücksichtigen, dah Frankreichs wirklicher Beweggrund ein m a t e ri e 11 e r . nämlich die Reparationsfrage, sei. Frankreich wisse, dah die Räumung der Rheinlande für das deutsche Kabinett eine Prestigefrage darstelle. Es wisse aber auch, daß dieses Jahr das Jahr der ersten Probe aus den Dawesplan sei, und dah unter ilmftänöen eine Revision der Reparationen nach unten notwendig werden könne. Jedenfalls werde die Festlegung des Reparationsbetrages in nächster Zukunst Gegenstand von Verhandlungen sein. Frankreich s i ch e re s i ch daher durch die Besetzung e i n Handelsobjekt. Deshalb liege eß französischerseits durchaus nicht in der Absicht, vor Locarno den Rücken zu drehen. Zustimmung in England. „Keine Einwendungen gegen die Argumente Ltrcscmanns." London, 2. Febr. (W. T. B. FunkspruchZ „Times" sagt in einem Leitartikel zur Strese- manntebe: Für Frankreich ist die Besetzung nicht nur ein militärischer Vorteil, sondern auch ein Tauschgegen stand, den es aus Klugheitsgründen nicht preisgeben will, wenn Deutschland nicht etwas wirllich Wertvolles dafür bietet. Herr Stresemann verkennt offenbar diesen wesentlichen Faktor in der französischen Haltung nicht und ist bereit, etwas zu gewähren, um einen Tausch zustandezubringen. Diel interessanter als die Bereitschaft einer Vökkerbunds- kontrolle im Rheinlande bis 1935 zuzustimmen, ist die Anregung, daß die Frage der Räumung mit einer allgemeinen Lösung der verbleibenden wirtschaftlichen und finanziellen Verpflichtungen verbunden werden könnte. Diese vorsichtige Andeutung ausgedehitter wirtschaftlicher Möglichkeiten mühten der ganzen Erörterung eine neue Wendung geben. — „Daily Retos' schreibt: „wenn auch die französische öffentliche Meinung Dr. Stresemanns erneute Forderung nach sofortiger Räumung des Rheinlandcs übel nimmt fo gibt es doch keine wirklichen Einwendungen gegen die von ihm vorgebrachten Argumente. Mir glauben nicht daß die britische RegienM, oder irgendein T^l der britischen öffentlichen Meinung versuchen würde, die orm internationaler Knechtschaft", wie die Anwesenheit einer französischen Armee unter den gegenwärtigen Umständen zu rechtfertigen. Denn die Unterzeichner des Locarnopaktes die Absicht hatten, ihre Verpflichtung einzuhalten, dann ist die Fortsetzung der Besetzung eine Beleldl- g ung des gesunden Menschenverstands und des Gerechtigkeitsgefühls, ferner eine Beleidigung des deutschen Volkes und eine dauernde Gefahr für den Frieden. Es kann kaum bezweifelt werden, daß die britische Regierung die britischen Truppen bereits morgen mit Freuden zurückziehen würde. Die französische Regierung hat immer wieder ihren Wunsch nach wahrem Frieden mit Deutschland verkündet, aber sie wird niemals den wahren friedlichen Geist hervorbringen, wenn sie eine große, militärische Streitmacht nicht mir an der Grenze ihres Nachbarn läßt, sondern auch ansiedelt, und den Eindruck auß- kommen läßt, daß dies bis zum jüngsten Tage so weitergehen soll. — Auch „Daily Telegraph" schreibt: Rach britischer Ansicht habe der Locarno vertrag die im Versailler Vertrag geforderten Garantien gegen einen nicht herous- geforderten Angriff durch Deutschland gegeben. Frankreich habe auch zur Zeit des Abschlusses des Locarno-Paktes Großbritannien nicht zu verstehen gegeben, daß es die Bestimmung des Paktes als unzulänglich betrachtet. Wann antwortet Briand? Verlegenheit in Paris. - Ein neues Angebot zur Lenkung der Besatzungsziffer? Paris, 2. Febr. (WTB. Funkspruch.) Wie bereits berichtet, wird im Verlause der Finanz- dcbatte Ministerpräsident P o i n c a r e heute nachmittag in der Kammer das Wort ergreifen. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Besprechung der Interpellationen betr. die Auhenpolitik der Regierung. „Petit Pari- sien" glaubt zu wissen, dah unter diesen Ihn» ständen und angesichts der Tatsache, dah Briand den stenographischen Wortlaut der zweiten Rede Stresemanns noch nicht durchgearbeitet haben dürfte, die Rede des Auhen- ministers auf morgen oder vielleicht sogar a u f kommenden Dienstag verschoben werden würde. „Matin" dagegen nimmt an, daß Briand heute nachmittag seine angekündigte Rede halten werde. „Echo de Paris" schreibt: Die Rede Stresemanns habe Briand ernstlich in Verlegenheit gebracht. Man bemerke dies an der Vertagung seiner Rede, die er gestern im Senat hatte halten sollen. Stresemann habe Briand vor die Alternative gestellt: Entweder ist der Locarno-Vertrag etwas wert, und in diesem Falle ist die Sicherheit Frankreichs garantiert und die Rheinlandräumung muh in Kürze erfolgen oder aber die Rheinlandbesetzung bleibt bestehen und Locarno ist als w e r t - und wirkungslos anerkannt worden. Man müsse zugeben, daß dieses Argument der Stärke nicht entbehre. Rach Ansicht des Blattes beabsichtigt Briand. Deutschland als Lösung eine weitere Herabsetzung d er Besatzungsstärke von 60 000 auf 50 000 Mann vorzuschlagen. — Das „3 o u r n a l" schreibt: Stresemanns Begründung sei unwiderleglich, 1 wenn man sie lediglich vom Standpunkt des Rheinlandes aus ansieht. Der wahre Faktor der europäischen Stabilität aber liege in einer Sicher st ellung der Ostgrenzem. Erst wenn Deutschland Garantien auch in d lese r Hinsicht gegeben habe, werde man die Rheinlandräumung ins Auge fassen können, ohne das wäre sie eine Torheit. — Die „Volonte schreibt: Der deutsche Minister des Aeuhern willigt ein, daß einei nternationale Kontrolle an die Stelle der Besatzung trete, aber lediglich bis 1935. Man macht sich in Berlin nicht recht klar, daß es unmöglich erscheint, eine derartige These für d ie öffentliche M e i - nung in Frankreich annehmbar zu machen, die — mit Recht oder Anrecht — die Besetzung als eine Garantie ansieht, die besser ist als die Kontrolle in dem Augenblick, in dem man fordert, dah die eine und die andere gletchzeitla verschwinden solle. Zur zweiten Rede Stresemanns am Mtttwoch schreibt der „Petit Parisien": Der Reichsminister des Aeuhern habe erklärt, wenn er ine Rheinlandräumung fordere, so tue er dies nicht nur deshalb, weil er dem deutschen Volke eine Befriedigung geben wolle sondern auch, weil er eine vollkommene ‘Bee ständigung zwischen Frankreich und Deutschland erzielen möchte, eine aufrichtige und dauerhafte Annäherung, die er mit der Besetzung für unvereinbar halte. Ablehnend verhält sich der „G a u l v i s", der die These _ Stre.emanns in die Formel zusammenfqssen möchte: „Schwamm über die Folgen des Krieges." Aber eine ,derartige Großmut könne Frankreich nicht üben. Wir müssen, so fährt das Blatt fort, durchaus den Zinsendien st der Anleihen für di« besetzten Gebiete durchführen, die unser Budget so schwer belasten. Wir sind also gezwungen, so lange am Rhein zu bleiben, bis wir Gewißheit haben. 2m übrigen gibt es entgegen der Behauptung Dtvesemann keinen eisernen Vorhang zwischen Frcrnk- reich und Deutschland. Die Be.etzung, die auf ihre einfachste Formel zurückgesührt wird, bekundet zur Genüge die Einstellung der französischen Regierung zugunsten der >. eutich-sranzösi- schen Annäherung. Wenn Zweifel hinsichtlich der Aufrichtigkeit der Politik von Locarno aufkommen können, so werden sie viel eher durch die Haltung Deutschlands veranlaßt werden, das die Locarno-Politik als einfache Befreiung von den Verpflichtungen des Versailler Vertrages auslegt. Oas Ergebn der Präger SicherheiLsionferenz. Prag. 1. Febr. (WB.) Die ‘Beratungen der erichterstatter des Sicherheitskomilees wurden .ute nachmittag abgeschlossen. Die in der sechs- tugigen Aussprache fertiggestellten drei Berichte stellen ein organisches Ganzes dar und gelangen zu praktischen Anregungen, die den Gegenstand eingehender Diskussion in der Februartagung des Sicherheitskomitees in Genf bilden werden. Die Berichte werden durch das Generalsekretariat des Völkerbundes allen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes und den im Sicherheitskomitee vertretenenRichtmitgliedsstaaten zugestellt werden. Vor Abschluß der jetzigen Tagung gab Politis der Auffassung Ausdruck, dah die Prager Beratungen zu einer Präzisierung der Aufgaben und zu einer klareren Formulierung der Anregungen geführt haben, womit sie auch die Lösung des Hauptproblems des Völkerbundes, des Abrüstungsproblems, beschleunigen werden. Gegen Ruffenanleihen in Amerika. Washington, 1. Febr. (WB.) Das Staatsdepartement veröffentlicht ein Kommunique: „Das Staatsdepartement ist gegen Verabredungen über die Auflegung einer Anleihe in den Vereinigten Staaten oder die Verwendung von Krediten zwecks Gewährung von VorschüssenandieSowjetregierung. In Uebereinftimmung mit dieser Politii mißbilligt das Staatsdepartement f inanzielle Maßnahmen, die bezwecken, den Verkauf von Sowjetobligationen in den Vereinigten Staaten zu ermöglichen oder zu erleichtern. Das Staatsdepartement hofft, daß die Banken und anderen Finanzinstitute mit der Regierung der Vereinigten Staaten zur Durchführung dieser Politik zusammenarbeiten werden." 2m Staatsdepartement wurde betont, daß die am 30. Rovember 1927 abgegebene Erklärung über die Tlnbedenklichteit lang* fristigerKreditezwecksAnkaufame- rikanrscher Waren durch die Sowjetregierung durch die heutige Kundgebung nicht geändert werde. Man wolle lediglich verhindern, daß die Svwjetregierung auf dem Umtoege über den Verkauf von Sowjetobligationen auf dem amerikanischen Markt Anleihen aufnehme. Oie Aussichten der Jreigabebilt. Washington, 1. Febr. (WB.) Die Annahme der bisher am meisten umstrittenen Punkte der Freigabevorlage durch den Senatsausschuh, der im vorigen 2ahre nur 60 Prozent des deutschen Eigentums und nur 60 Mlllionen Dollars für Schiffe und Patent« zurückgeben wollte, totrb ht Kongreß- kreisen dahin gedeutet, bah die größten Schwierigkeiten nunmehr überwunden sind und daß di« Vorlage in der Fassung, die ihr das Repräsentantenhaus gegeben hat, Mitte Februar dem Plenum des Senats fast unverändert vvrgelegt werden wird. Noch keine Klarheit über das Liquidationsschadengesetz. Gegensätze im Reichskabinett. Berlin, 2. Febr. Auch das Liquidations- schädengeseh ist in den Strudel geraten, der noch keine Klärung über das Schulgesetz und andere wichtige Entscheidungen zutage gefördert hat. Wie man hört, steht der Reichsfinanzmini st e r, vor allem unterstützt von dem Reichsaußenminister, im Kabinett nach wie vor auf seiner alten These fest, dah er keinesfalls über seine Entschädigungssumme, die im Endergebnis nach den bisherigen Vorschlägen für den Haushalt 1 Milliarde macht, hinausgehen will, während die Forderungen der Parteien und besonders die der Regierungskoalition ja wesentlich höhere Entschädigungssätze vorsehen und gegenüber der ungefähren Entschädigung von 20 Proz. rund 40 Proz. im Endergebnis verlangen. Allem Anschein nach ist es besonders der Reichswirt- schaftsnrinister Dr. C u r t i u s, der die weiter-» gehendey Forderungen der Parteien im Kabinett unterstützt. Man gewinnt daher den Eindruck, dah man unter diesen Umständen doch wieder nur zu einem provisorischen Liquidationsschäden- gesetz kommen wird und erst später mit einem neuen Reichstag ein endgültiges Gesetz versuchen kann. Ein Kompromiß könnte etwa, wie man hört, auf der Linie liegen, dah die jetzt vorgesehene 1-Milliarden-Ausgabe des Reichshaushalts für die Liquidationsgeschädigten sich einstweilen um weitere 300 Millionen erhöht. Die Finanzreform. Zusammentritt des finanzpolitischen Ausschusses der Länderkonferenz. Berlin, 2. Febr. Ein Stück soll es also nun weiter gehen, in den Beratungen nämlich, die mit der Länderkonferenz eingeleitet worden sind. Programmähig tritt heute der von der Länderkonferenz eingesetzte Finanzausschuß unter dem Vorsitz des Reichsfinanzministers zusammen. Diesem Ausschuß gehören bekanntlich die Finanzminister Preußens, Badens und Thüringens an sowie der Präses der hamburgischen Finanzdeputatton. Aber auch der bayerische Finanzminister ist nach Berlin abgereist, um diesen Beratungen beiwohnen zu können. Thema der Beratung heißt in der umständlichen Amtssprachei Prüfung der Maßnahmen zur Sicher st ellung sparsamster Finanzgebarung in Reich, Ländern unB Gemeinden. Eine genaue Tagesordnung steht noch nicht fest. Man will sich zunächst lediglich mit den Aeuherungen des preuhiscken unö badischen Finanzministers befassen, die diese in der letzten Zeit im Anschluß an die Länderkonferenz gemacht haben. Wie lange diese Beratungen dauern werden, ist auch noch nicht zu übersehen. Man wird allem Anschein nach zum Schluß eine eingehende Erklärung über den gesonderten Gegenstand ab- oeben. Irgendwelche weitergehende Schlüsse dürften aber wohl kaum zu erwarten sein. Zentrum und AeichsschulgeseH. Fühlungnahme zwischen Marx und Strefemann. Berlin, 2. Febr. (V. D. Z.) Die dem Dil- dungsausschuh angehörenden Mitglieder der Zentrumsfraktion haben dem Reichskanzler Dr. Marx die Forderungen des Zentrums hinsichtlich der bisher noch umstrittenen Paragraphen der Schulvorlage, insbesondere des § 20 der die Simultanschulländer betrifft, noch einmal vorgetragen und den Reichskanzler gebeten, auf Grund dieser Forderungen mit den Kabinettsmitgliedern der übrigen Parteien inDerhandlungen einzutreten. Die erste Fühlungnahme hat zwischen dem Reichskanzler Dr. Marx und dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann am Dienstagabend stattgefunden. In Zentrumskreisen wird versichert, daß, wenn mit der Deutschen Volkspartei nicht vor der zweiten Lesung im Ausschuß eine Einigung über den § 20 erzielt wird, es voraussichtlich überhaupt nicht mehr zur zweiten Lesung kommen werde, da das Zentrum dann kein Interesse mehr an der Vorlage habe. Sollte eine Einigung über den § 20 zustande kommen, so sollen die Verhandlungen über die weiteren Punkte (§ 9 und § 14) während der zweiten Lesung im Ausschuß zu Ende geführt werden. Das Schankstättengeseh. D"li n, 1. Febr. (V. D. Z.) Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde heute § I des Schankstättengesehes gegen die Stimmen der Bayrischen Volkspartei, der Demokraten, der Wirtschaftlichen Vereinigung unv e nes Teiles der Deutschnattonalcn angenommen. Rach diesem Paragraphen dars dieErlaubniszum Ausschank geistiger Getränke nur erteilt werden, wenn ein Bedürfnis nachte w i e s e n ist. Den Gemeinden, in denen auf ie 400 Einwohner mehr a ls eine Schank- stätte entfällt, ist das Bedürfnis für neu zu errichtende Betriebe oder zur Ausdehnung bestehender Betriebe aus den Ausschank von Brannt» wein zu verneinen. In Gemeinden mit w»° Niger als 400 Einwohnern kann beim Vorlieaen eines besonderen Bedürfnisses Erlaubnis für insgesamt zwei Schankstätten mit Ausschank qciftrer Getränke erteilt werden. Anträge, die den Zlaschenb i erhandel in die Konze'sionS- pflicht einbeziehen wollien, wurden a b g e t e h n 1 ebenso ein Antrag, alkoholfreie Gaststätten von der Konzessionspslicht freizuhalten. Sei- Begriff „Bafertmtb". München, 1. Febr. lWLD.) Im Haus- haltsausschuh des bayrischen Landtages beantragten die K o m m u n i st e n bei Beratung des Kultusetats die Streichung des ersten Zuschuftes zur Förderung der vaterländischen Jugendpflege, wobei der Sprecher es unbegreiflich fand, daß die Sozialdemokratie der Forderung z u st i m m e, obwohl sie vom Kaiser seinerzeit als vaterlandslose DasAotprogramm desReichölandbundes. Berlin, 1. Febr. (Wolff.) Die Dertreterver« sammtung des Reichslandbundes stellte zur Behebung der Notlage der Landwirtschaft eine Reihe programmatischer Forderungen auf. Zu diesen gehören aus dem Gebiete der Zok- und Handelspolitik u. a.: Kein neuer handelsoertraA mit weiterer Dreis- gäbe des landwirtschaftlichen Schutzes oder mit allgemeiner Meistbegünstigung, keine autonome Herabsetzung landwirtschaftlicher Zollsätze, Verbot der Einfuhr solcher Agrarprodukt«, die im Inlande her- gestellt werden: Verbot der Einfuhr von lebendem Vieh, Kündigung aller die Landwirtschaft schädigen- den Handelsverträge und Neugestaltung des Zolltarifs. Als finanzpolitische Maßnahmen werden gefordert: Abdrosselung der Austandkredite, beschleunigte Einleitung von Kreditmaßnahmen zur Umschuldung und Entlastung >der fanierungsfähiaen und sanierungsbedürftigen Betriebe aller Besitz- arößen, keine Einschränkung des jetzigen Personalkreditvolumens, kein Mißbrauch der Kreditmittel und der Kreditorganisationen für politische Ziele, Unterstützung aller Selbsthilfemaßnaymen der ämd- wirtscyaft, Entlastung von allen Schulausgaben, weitere Hilfe für die durch Unwetter geschädigten Landesteile und Tarifzuschüsse für frachtungünsttg gelegene Gebiete. Auf steuerpolitischem Gebiet wird verlangt: Beseitigung der Rentenbank-Grundschuldzinsen, Be^itigung der staatlichen Grundvermögenssteuer, Senkung der kommunalen Grundsteuern, keine Nacherhebung der Vermögenssteuer für die Landwirtschaft, Wiedereinführuna eines mehrjährigen Durchschnitts bei der Einkommensteuer, keine periodische Grunderwerbssteuer, An- Passung aller Steuersätze an die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft, schonende Behandlung gestundeter und rückständiger Steuern und Vereinfachung des Kastenwesens in Reich, Ländern und Ge- meinden. Bezüglich der Sozialpolitik enchält das Programm folgende Forderungen: Ra- ttonalisierung der Sozialversicherung zwecks Erhaltung leistungsfähiger, mit geringsten Kosten arbeitender Versicherungsträger, systematischer Abbau der Wohnungszwangswirtschaft, soforttge Schaffung einer den Verhältnissen des platten Landes Rechnung tragenden Neugestaltung der Arbeitslosenversicherung, Aufhebung der Ausnahmebestimmungen über die Komingentierung ausländischer landwirtschaftlicher Saisonarbeiter. Schließlich verlangt das Programm in der Frage von Siedlung und Bodenrecht eine gesunde Siedlungspolitik zur Auffüllung der weniger volkreichen, insbesondere der national gefährdeten Reichsteile, und die Abwehr aller, insbesondere der im preußischen Städte- baugesetz und anderen Landesgesetzen enthaltenen Gefahren für Grund und Boden. v • Oie Bauernvereine beim Reichskanzler Berlin, 1. Febr. (WTD.) In Vertretung des erkrankten Reichskanzlers empfing der Vizekanzler Hergt im Beisein der Reichsminister Schiele, Curtius und Brauns und des preußischen Landwirtschaftsministers Steiger, die Vertreter der deutschen Dauern- vereinsorganisationen, in deren Ramen der Vizepräsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine. Hofbesitzer Stamerjohann (Schleswig-Holstein) über die maßlose Erbitterung der bäuerlichen Bevölkerung berichtete und eindringlich sofortige Hilfsmaßnahmen forderte. Alle anwesenden Mitglieder der Reichsregierung sagten angesichts der Rotlage der Landwirtschaft zu, geeignete Maßnahmen unverzüglich in die Wege zu leiten. Gesellen bezeichnet worden feien. Von sozialdemokratischer Seite wurde hierauf erwidert, daß die sozialdemokratische Partei eine staatsbejahende Partei sei und den Begriff des Vaterlandes keinesfalls verneine. Der kommunistische Antrag wurde darauf mit allen gegen die kommunistischen Sttmmen abgelehnt. Oie Novelle zum Mieterfchutzgeseh. Neuregelung des Kündigungsverfahrens. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 2. Febr. Die Oppositionsparteien, die sich schon seit langem auf di« kommenden Reichstagswahlen vorbereiten und infolgedessen keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um die Reichsregierung und die hinter ihr stehenden Parteien um jeden Kredit zu bringen, haben auch die Dovelle zum Mieterschutzgesetz benutzt, um aus ihr nachzuweisen, daß die Re-- gierung bestrebt sei, den Mieterschutz zu beseitigen. Ratürlich ist dadurch in breitesten Schichten der Bevölkerung ein« nicht unerhebliche Unruhe entstanden. Demgegenüber erscheint es notwendig, zumal auch die Beratungen im zuständigen Reichstagsausschuh beendigt stnd. darauf hinzuweisen. dah die alten Schutzbesttmmun- g en nach wie vor weiter bestehen. Reu ist lediglich das Recht des Hauswirtes, zur Aufhebung des Mietsverhältnisses dem Mieter ein formularmähiges Kündigungsschreiben senden zu dürfen, allerdings immer nur unter den Voraussetzungen, die das Mieterschuhgeseh für Kündigungen zulähl. Das Kündigungsschreiben wird dem Mieter vom zuständigen Amtsgericht mit dem Hinweis auf das Recht, binnen zwei Wochen Widerspruch erheben zu dürfen, zugeleitet. Erfolgt kein Einspruch, dann tritt automatisch ein Räumungsbefehl in Kraft. Es handelt sich also lediglich um eine Vereinfachung des Kündigungs- und Räumungsvorganges, wobei aber wiederum zum Schutze der Mieter — und das ist für ihn außerordentlich wichftg — die Sicherung eines befristeten Einfpruchrechtes eingeschoben ist. Von einer Benachteiligung der Mieterschaft zugunsten der Vermieter kann also unter keinen tlmständen gesprochen werden. Oie Rückkehr der Weimarer Koalition in Hessen. Eine letzte Besprechung mit derBolkspartei. D a r m st a d 1, 2. Febr. Wie die Landesgeschäftsstelle der Deutschen Volkspartei mitteilt, fand am Mittwoch ein« Zusammenkunft der Fraktionen der Deutschen Dolkspartei, der Demokratischen Partei und der Sozialdemokraten im Landtagsgebäude statt. Dor Eintritt in die sachlichen Verhandlungen wünschten die Vertreter der Deutschen Volkspartei mit Rücksicht auf die tor- angegangenen Pressemeldungen eine Erklärung der Sozialdemokraten, ob die heutige Verhandlung die Grundlage für die endgültige Entscheidung der sozialdemokratischen Fraktion bilden werde, oder ob dies« Entscheidung bereits im Sinne der Wei» marcr Koalition gefallen sei. Da di« sozialdemokratische Landtags,raktion eine klare Erklärung im ersteren Sinne nicht ab» geben konnte, brachen die Vertreter der Deutschen Volkspartei die Verhandlungen ab, da sachliche Erörterungen irgendwe.cher Einzelfragen in diesem Kreise für die Deutsche Dolkspartei kein Interesse hatten. Aehnliche Erklärungen wie diejenigen des Vertreters der Deutschen Volkspartei wurden, wenn auch aus anderen Erwägungen heraus, von den Vertretern der d e m o k r a t i - leben Fraktion abgegeben. Damit sind die Verhandlungen mit der Sozialdemokrattschen Partei endgültig gescheitert. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Landtagsfraktion versicherte vor Eintritt in die Verhandlungen noch einmal, im Gegensatz zu veftchie.enen Vresscäußerungen und Gerüchten mit großem Rachdruck, daß die Sozialdemokratie diese Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei von Anfang an in der ernten Absicht einer Re.ieeungsoildung aus dreier Grundlage geführt habe und keineswegs zu dem xjtoed, öie eine Partei gegen die andere auszuspielen. — In einer späie- ren Besprechung der Mitgl.eder der Sozialdemo- trattschen Fraktion des Landtags wurde end- gulirg beschlossen, die Regierung auf der Grundlage der Weimarer Koalition zu bilden. Aus aller Welt. Gemeinsamer Bolkstrauertag mit Oesterreich. Unter Führung des österreichischen Schwarzen Kreuzes in Wien, der Schwesterorganisation des Bolksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge wird auch in diesem Jahre in Oesterreich der Volkstrauertag an demselben Tage, am 4. März nämlich, und in ähnlicher Weise wie in Deutschland begangen werden. Dem österreichischen. Volke gebührt herzlicher Dank dafür, daß es brüderlich mit uns diesen einen Tag im Jahre dem Gedenken an unsere Gefallenen im Weltkrieg widmet. Dort wie hier schweigen an diesem Tage alle religiösen, politischen und sozialen Gegensätze. Einig reichen sich über den Gräbern unserer teueren Toten die Ueberlebenden die Hände mit dem Willen, ihnen an diesem Tage in Liebe und Dankbarkeit nahe- zusein, und aller Welt zu zeigen, daß wir trotz alles Schweren, das auf uns lastet, unsere gefallenen Brüder nicht vergessen haben. Der Tag wird keinen Zweifel darüber lassen, daß der Gedanke des Dolkstrauertages tief in den beiden Völkern wurzelt. Wuchtig und einbeutig werden sie zu erkennen geben, daß sie diesen einen allein dem Gedenken unserer Toten aus dem Weltkriege gewidmeten Tag verlangen. Der Bergmann-Tkandal. In den Vernehmungen im Bergmann-Skandal machten die beiden Zeugen, Direktor Rösch von der Treuhand-Gesellschaft für Handel, Industrie und Gewerbe, und Major a. D. Hintze Aussagen. die nicht nur Staatsanwalt Iakoby, sondern auch die Beamt en. des für das Berg- mannsche Unternehmen zuständigen Polizeireviers belasteten. Beide Zeugen gaben an, daß das Polizeirevier auf Anfrage der Treuhand-Gesellschaft erklärt habe, dah Bergmann und sein Llnternehmen sich des besten Rufes erfreuten. Darauf habe die Treuhand- Gesellschaft dem Lombardhaus für über 2 0 0 000 Mk. Einlagen vermittelt. Als bei Auftreten von Zweifeln an der Solidität des Unternehmens Major Hintze den ihn befreundeten Staatsanwalt Iakoby befragt habe, wie die Anzeige gegen Bergmann einzubringen sei, habe Iakoby ausdrücklich erklärt, daß ein solcher Schritt der Treuhand-Gesellschaft und ihren Kunden sehr gefährlich werden könnt«, und daß man von Schritten bei der Staatsanwaltschaft lieber absehen sollte. Auf eine spätere erneute Anfrage Hintzes, ob die Staatsanwaltschaft nicht endlich einzuschreiten gedenke, da Bergmann damals bereits zwei Millionen Mark fremder Gelder ausgenommen hätte, habe Staatsanwalt Iakoby geantwor'.et. daß es Aufgabe des Staates wäre, sich um derartige Dinge zu kümmern, nicht aber die Aufgabe von Privatleuten. 8ur~ die Konkursmasse kommt zunächst nur der persönliche Besitz Bergmanns in Frage, seine Liegenschaften In Friedrichshagen und Gar» misch-Partenkirchen, die drei Autos, der Schmuck seiner Frau, das Geschäftskonto bei der Mitteldeutschen Creditbank und das aufgefundene Geheimkonto bei einer Privatbank. Voraussichtlich wird es noch mehrere Wochen dauern, bis der Konkursverwalter die Aktiven und Passiven fest- gestellt hat, da die Bücher bis zum Jahre 1924 zurück revidiert werden müssen. Der neue Präsident des candkreistages. Als Rachsolger für den verstorbenen Landrat a. D. Constantin ist durch einstimmigen Be- schluß des Vorstandes der Landrat Baron von Stempel zum Präsidenten deS Deutschen und Preußischen Landkreistages gewählt worden. Landrat von Stempel steht im 46. Lebensjahre. Rach einem juristischen Studium in Genf. München, Leipzig und Königsberg bestand er 1909 das Gerichtsassessor-Examen. Während des Krieges betätigte er sich im Dienste der freiwilligen Krankenpflege . e der Milüärverwal.ung für Kurland als Derwaltungsreserent und 1916 in der Rachrichten-Aoteilung des Auswärtigen Amts und der Reichskanzlei. Herr von Stempel war Landrat der Kreise Wirsitz und Kolberg. Seit längeren Jahren Mitglied des Vorstandes des Lanotreistages, ist er auf dem Gebiet der kommunalpolitiscyen Literatur sowohl in der Fach- wie auch Tagespresse iein Unuetannter. Die „Großherzogin Elisabeth" in pernambuco. Das Schul.ch.fi d.s Deuts.,en S^ruftchiffvercins ..Großherzogin Elisabeth" ist am 31. Januar wohlbehalten in Pernambuco angekommen. Es wird am 2. Februar die Heimreise nach der Weser antreten. Warnung für Revolverhelden. In dem Prozeß gegen die Berliner Revolverhelden Scharfe und S ch l a b b a ch, die bei einer Schießerei am Teutoburger Platz den Schuh- machermeister Reumann und den Bezirksvorsteher Schulze erf chossen und zwei andere Personen durch Schüsse schwer verwundet haben, wurde das Urteil gefällt. Das Schwurgericht nahm in allen vier Fällen Totschlag und versuchten Tottchlag an bzw. erschwerten Totschlag und erschwerten Totschlagsversuch unb verurteilte Otto Scharfe zu einer Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte Joseph Schlab- bach wurde wegen versuchten Totschlages unter Zubilligung mildernder ^Imstande zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Zuchthaus für Räuber. Das Schöffengericht B ü h o w hat die Arbeiter Haufe, Sukau und Berndt wegen Raubes und Körperverletzung zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt. In der Rächt zum 23. Rovember v. 2. hatten die Angeklagten den schlafenden Hofbesitzer Schmidt in seiner Wohnung in Warnow mit einem Knüppel niedergeschlagen und versucht, ihn zu berauben. Der achtzehnmal vorbestrafte Verbrecher Sukau wurde zu fünf 2ahren Zuchthaus und wegen Mundraubes zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Bei Haufe erkannte das Gericht auf fünf 2ahre und fünf Monate Zuchthaus. Berndt erhielt vier 2ahre Gefängnis. Tragische Folgen einer Unsitte. Die Familie des Chauffeurs Friedrich Hartmann in Walsheim (Saargebret) wurde von einem schweren Unglüd betroffen. Die Frau benutzte Petroleum zum Feueran- machen. Die Flamme schlug plötzlich aus dem Ofen zurück und setzte die Kleider der Frau in Brand. Auf die Hilferufe der lichterloh brennenden Frau eilte der Mann herbei und versuchte die Flammen zu ersticken. Leider kam seine Hilfe zu spät. Rach der Einlieferung ins Krankenhaus starb die grau. Der Mann selbst erlitt bei seinem Rettungsversuch lebensgefährliche Brandwunden. 90 000 Mark unterschlagen. Der bei der Reichst,anknebenstelle B r i e g beschäftigt gewesene Reichsbankpraktikant Haselbach verschaffte sich im Sommer vorigen Jahres einen Girooordruck und erwirkte mit Hilfe dieses Vordruckes im Juni die Auszahlung von 90 000 Mark bei der Reichsbank in Beuthen an einen Freund feiner Frau. Dieser Freund ist als Mittäter bereits verhaftet worden. Haselbach selbst, gegen den ebenfalls ein Haftbefehl erlassen wurde, ist vorläufig, da er wegen Krankheit nicht haftfähig ist. auf freien Fuß belassen worden. Zwei Todesopfer eines Aulounfalls. Ein Auto der Firma Kreske aus Sonneberg (Thüringen) erlitt in der Aähe von Mönchröden einen Reifenbruch und überschlug sich. Die beiden Insassen, ein Spielwarenfabrikant aus Reustadt bei Koburg und ein Kreisamtssekretär aus Sonneberg, waren sofort t o t. Der Chauffeur kam mit einer nicht lebensgefährlichen Kopfverletzung davon. Oie Wetterlage. Mittwoch,den 1 Februar 192& Jan Ha, 323- iydisf. *Berd«n. Gen, tr Paris _ o 5 7 (d) H O , KteOCTt ©womemoi Qnener. <>naro aedecn ® wolkig, ® t>edecwi eireoew * Schnee ^Graupeirt «Medel "KGew>tvr^)Winjstille.«Q-.sdt leichte» Qsi p nissige» Südsüdwest Q stürmische» »lordwesl öie Piene fliegen mit dem wmdc Pie oei den Stationen stehenden Zafr len geden die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte mit gleichet» euf Meeresmveau umaerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die mit der Ostwärtsweiterbewegung des nördlichen Tiefs verbundene Verlagerung seiner Warmluftwelle ließ im östlichen Deutschland die Temperaturen ansteigen. In Westdeutschland dagegen haben die folgenden kühleren ozeanischen Luftmassen bereits wieder zu Temperaturrückgang geführt. Don Spanien her breitet sich bis über Frankreich hoher Luftdruck aus. der. wenn auch nur vorübergehend, zur Beruhigung der Wetterlage führen wird. Eine neue Storung rückt gleichzeitig von Westen heran. Wettervoraussage für Freitag: Reblig-wolttg, auch vielfach aufheiternd, Temperaturen nachts um Rull und auch darunter, meist trocken. W i t t e r u n g s a u s f i ch t e n für Samstag: Woltiges Wetter, etwas milder, Reigung zu Riederschlägen. Lufttemperaturen am 1. Februar: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 3,2 Grad Celsius; am 2. Februar: morgens 2,6 Grad Celsius. Maximum 3,8 Grad Celsius, Minimum 0,5 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 1. Februar: abends 0,2 Grad Celsius; am 2. Februar: morgens 0,2 Grad Celsius. — Niederschläge 3,2 Millimeter. Wintersport im Vogelsberg (hoherodskopf): Nordwind; Wetter: neblig; Temperaturen: —1 Grad Celsius; Schneehöhe: 20 Zentimeter; Pulverschnee; Sportmöglichkeit: ziemlich gut. Aus der Provinztalhaupistadi. Gießen, den 2. Februar 1928. Verkehrsbund Oberheffen. Der Vorstand und der Ausschuß des V e r - kehrsbundes Oberhessen hielten am Montag Im hiesigen Stadthaus eine gemeinsame Sitzung ab, in der der Dundesvorsihende, Beigeordneter Dr. Hamm- Gießen, zunächst dem kürzlich verstorbenen Bundesrechner, Bürgermeister Böller- Lich, einen ehrenden Nachruf widmete. Der Entschlafene habe sich immer in vorbildlicher Weise in den Dienst der Dundes- arbeit gestellt und sich um den Bund hohe Verdienste erworben. Das Andenken an den Heimgegangenen wurde von der Versammlung in üblicher Weise geehrt. Darauf erstattete der geschäftsführende Vorstand seinen Tätigkeitsbericht über das verflossene Geschäftsjahr. In dem Bericht wird u. a. darauf hingewiesen, daß es dem Bunde möglich war, durch seine vorjährige große Fahrplaneingabe an die Reichsbahndirek- tion Frankfurt und das dankenswerte Entgegenkommen der Frankfurter Direktion sehr wesentliche Verbesserungen des Fahrplanes auf den oberhessischen Strecken herbeizuführen. Mit großer Befriedigung wird sodann an die vorjährige Pressefahrt durchOberhessen erinnert, bei der die Vertreter der Presse viele Schönheiten unserer Provinz gesehen haben, die dann von den Herren der Feder in ihren Zeitungen in zahlreichen Artikeln der breitesten Oeffentlich- keit geschildert wurden. Der Bundesvorstand ist zur Zeit mit der Herausgabe eines illustrierten Führers durch Oberhessen beschäftigt, der sich gegenwärtig in der Druckerei in der Herstellung befindet und in einigen Wochen dem reisenden Publikum zur Verfügung stehen wird. Man hofft, mit diesem Werbemittel den Fremdenverkehr in unserer Provinz auch in den kommenden Jahren weiterhin zu steigern. Der Schriftverkehr der Dun- oesleitung mit zahlreichen Behörden und vielen Sommerfrischen-Interessenten war im verflossenen Iahre außerordentlich umfangreich. Die Feststellung sei berechtigt, daß durch das geschlossene Auftreten der oberhessischen Städte, Kreise und Bäder durch den D e r - kehrsbund Oberhessen erfolgreiche Arbeit zur Hebung des Verkehrswesens und der Wirtschaft in unserer Provinz geleistet worden sei. Für das neue Jahr plant der Bundesvorstand die Durchführung einer zweiten Pressefahrt, die diesmal dem südlichen Teile unserer Provinz Oberhessen gewidmet sein wird. Diese Fahrt wird voraussichtlich im Frühsommer stattfinden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden dann eine Anzahl Eisenbahn-Fahrplanwunsche vorgebracht und von dem Bundesvorstand zur Kenntnis genommen. Diese Wünsche unserer Provinz sollen in Kürze in einer neuen Fahrplaneingabe an die Reichsbahndirek- tion vorgebracht werden. Zum Schlüsse der Verhandlungen wurde an die Stelle des verstorbenen Bundesrechners Bürgermeister Meng el- Schotten zum neuen Bundesrechner einstimmig gewählt. Kirchenmusikalische Feierstunde der Markusgemeinde. hr. Seit einigen Iahren mit besonderer Liebe gepflegt, sind die kirchenmusikalischen Feier st unden in unserer Stadtkirche, die in jedem Winter stattfinden, nun schon zu einer stehenden Einrichtung geworden. Die dieswinterliche Feierstunde der Markusgemeinde stand unter dem Thema „Jesus, das Licht, das in die Welt gekommen ist", so auch dem Charakter des 4. Epiphanien-Sonntags Rechnung tragend. Um sie hat sich neben dem G e - metndepfarrer insbesondere der Organist der Stadllirche Heinz Simon, 'in dessen Hand die mühevolle Vorbereitung zu diesem Abend lag, verdient gemacht. Er selbst hatte neben dem gesamten Orgelpart und der Begleitung der Gemeindegesänge verschiedene Solos übernommen, t so Max Regers Choralvorspiel „Erfüllt sind Stund und Zeiten, der neue Tag bricht an". Wie verwachsen er mit seinem Lieblingsinstrument, der Orgel, ist, was er selbst an Feinheit der Auffassung in den Vortrag hineinzulegen versteht, das zeigte sein Spiel der fünsstimmigen Fantasie in L-Moll von Ioh. Seb. Bach, die mit den zartesten Klängen anhebt und allmählich sich steigert zu den höchsten Schwingungen und stärksten Tönen zum Lobpreis des Höchsten. Dieser meisterhaft dargebotene Vortrag gab der ganzen Feierstunde den festlichen Abschluß, der ihr not war. Frl. C h r i st l e n e Partenheimer-Gießen, eine in der Ausbildung stehende jugendliche Künstlerin, begabt mit weittragender, klangreicher Sopranstimme, sang unS zwei Soli: Die Bach-Arie , JesuS soll mein erstes Wort in dem neuen Iahre heißen", ferner ein Wiegenlied aus dem 16. Jahrhundert „Schlaf mein Söhnchen" von Alex Winterberger. Zusammen mit der Mezzo-Sopranistin, Frl. Hedwig Gunderloch-Darmstadt, die uns aus dem Vorjahr noch in bester Erinnerung steht, und begleitet von Violine und Orgel, folgten die im Charakter gleichen Choräle unseres hessischen Kirchenmusikmeisters Arnold Mendelssohn-Darmstadt „Gelobet seist du Iesus Christ" und „Run laßt uns gehn und treten", in denen beiden die Sopranstimme die Melodie führt, während die anderen die schwingende Begleitung haben. Das dritte Duett für zwei Frauenstimmen, Viollne und Orgel war der Bachschen Kantate „Wer nur den lieben Gott läßt walten" entnommen, hier führt die Viola die Melodie; und als Bekenntnis und zugleich Mitanteilnahme der Gemeinde folgte gemeinsamer Gesang je einer Strophe dieser herrlichen Choräle, während Pfarrer Decker es verstanden hatte, die passenden Verbindungs- Worte im Schriftwort zu finden, das stets den Klang vom „Licht der Welt" anheben ließ. G. F. Händel kam zum Wort in dem Adagio aus der 4. Sonate in O°Dur für Violine und Orgel; Musiklehrer Franz Bauer jun.» Gießen, der ja schon oft sein hohes, künstlerisches Können zur Verfügung gestellt hat, gilt es, einer andächtig lauschenden Gemeinde durch sein Instrument zur See'e zu sprechen; auch sein zweites Solo, Andante aus der tl-Woll- Sonate von Dach, stand ganz unter diesem Zeichen. Ein besonders feierlicher Augenblick war die Fortführung des schlichten Gemeind ege bets „Hinunter ist der Sonnenschein" in dem Dater-Unser von Arnold Mendelssohn. Was der Komponist, gleich Doch, durch die Musik wollte, das schlichte Dienen am Werk des Herrn, kam hier zum demütigen Ausdruck. Frl. Hedwig Gunder- lvch hat es mit ihrer warmen Stimme und guten Aussprache verstanden, sich in ihrer Auffassung ganz der gottesdienstlichen Stätte anzupassen: wie die Komposition, so hat sich auch die Sängerin völlig unter die Worte gestellt. Rur wenn Musik selbst zum Dienen wird und wenn die hehren Klänge solch „heiliger Musik" auch Widerllang und lebendiges Echo und beredten Ausdruck in den Herzen der Gemeindeglieder finden, tragen solche „Feierstunden" Örn Wert in sich. Daß Altmeister Dach und neben ihm der andere Meister, A. Mendelssohn, die völlig in solch dienender Musik als unbedingt notwendigen Ausdruck der gotterfüllten Seele leben, im Mittelpunkt des Abends standen, das gereicht der Veranstaltung zur hohen Ehre und läßt den Wunsch auf Fortführung dieser „Feierstunden" berechtigt erscheinen. Daten für Freitag, den 3. Februar. Sonnenaufgang: 7.37 Uhr, Sonnenuntergang: 16.52 Uhr. — Mondaufgang: 13.54 Uhr, Monduntergang: 6.19 Uhr. 1721: Der Reitergeneral Friedrich Wilhelm v. Sehdlitz in Kalkar geb. (gelt. 1773). — 1809: Der Komponist F. v. Mendelssohn-Bartholdy in Hamburg geb. (geft. 1847). — 1813: Aufruf zur Bildung der freiwilligen Jägerkorps. — 1845: Der Dichter E. v. Wildenbruch in Beirut geb. (geft. 1909). — 1917: Die Vereinigten Staaten brechen die Beziehungen zu Deutschland ab. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse 10 Stück 60 bis 140, Wirsing 40, Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 30 bis 35. gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15, Spinat 35 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 25, Rosenkohl 50. Feldsalat 150, Tomaten 130, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 51/». Aepfel 8 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Eier 15 bis 16, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 20 bis 40, Endivien 30 bis 35, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pf. das Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 8.15 Uhr, Neue Aula der Untoerfltitt, Lichtbildervortrag. — Damen-Altersoereinigung 1877/78, „Stadt Marburg", Versammlung. — Konsumverein: 8 Uhr. Palast Lichtspiele, Filmoorträge. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königin Luise". — Astoria Lichtspiele: „Der Todesritt von ßittte Big Horn". — Hessische Vereinigung für Volkskunde. Man schreibt uns: Am nächsten Montag spricht in der Hessischen Vereinigung für Volkskunde der Metropolitan Lic. Dr. Werner B o e 11 e aus Marburg über .Das Heimweh des Volkes". Der Redner, einer der besten Kenner des hessischen Volkstums, ist hier kein Fremder mehr. Durch sein Buch „AuS einer vergessenen Ecke" und durch verschiedene Vorträge über das Leben, Denken und Fühlen der hessischen Bauern hat er hier schon manchem Freunde der Volkskunde Köstliches geboten. Auch der nun angekündigte Vortrag verspricht allen, die für unseres Volkes Art und Wesen Verständnis und Interesse haben, neue Bereicherung und Anregung. Der Besuch wird darum warm empfohlen. (Näheres siehe heutige Anzeige.) * Internationales Schach-Meister- turnier in Gießen. Es wird uns geschrieben: Der in Verbindung mit der 70jährigen Jubelfeier des Schachklubs für Ostern geplante Wettkampf hat, wie schon in der ersten Notiz dargelegt wurde, seine Bedeutung darin, daß er weit über den Rahmen einer lokalen Veranstaltung hinaus die Aufmerksamkeit der bereitesten Oessentlichkeit auf sich und die Stadt, in der er stattfindet, lenkt. So ist die Veranstaltung ein ausgezeichnetes Reklamemittel für unsere Stadt, das auch insofern unmittelbare Vorteile verspricht, als mit einem lehr starken Besuch von Schachfreunden aus der näheren und weiteren Umgebung (Frankfurt!), ja auch aus weiter entfernten Orten zu rechnen ist; Bad Homburg, das im vorigen Jahre ein Tleifterturnier veranstaltete, konnte ziffernmäßig eine bedeutende Steigerung feiner Einnahmen im betr. Monat verzeichnen. Der Gedanke, auch in Gießen, wo ja Veranstaltungen von allgemeiner Bedeutung nicht häufig find, ein Schachturnier höheren Ranges zustande zu brinnen, fand daher in weiteren Kreisen der Bürgerschaft Anklang; es hat sich zum Zwecke der Sicherung der Finanzierung ein Hauptausschuß gebildet, dessen Ehrenvorsitz Oberbürgermeister Dr. Keller übernommen hat und dem eine größere Zahl von bekannten Persönlichkeiten angehört, die, soweit möglich, alle Stände und Berufe vertreten. Er wird sich demnächst mit einem Aufruf an weitere Kreise der Bürgerschaft wenden und die Empfänger bitten, das geplante Unternehmen, ein jeder nach seinen Kräften, durch einen Beitrag zu unterstützen. Es wird natürlich Garantie geboten, daß die eingehenden Beträge lediglich zur Finanzierung des Meisterturniers und der dadurch bedingten besonderen Veranstaltungen verwendet werden; die Kosten für die anderen Turniere usw. trägt der Verein. So darf wohl erwartet werden, daß die Bürgerschaft aus lokalpatriotischem Empfinden heraus das Unternehmen, das Gießen unter die großen, Schachmeisterturniere veranstaltenden Städte und Badeorte einreiht, in einem Maße unterstützt, welches das Gelingen sicherstellt. ** Die Ruhebän ke im Stadtwald. Im vergangenen Jahre ließ die Stadtverwaltung in anerkennenswerter Weise im Stadtwald sowohl, als auch an den verschiedenen Spazierwegen in der näheren Umgebung der Stadt zu den vorhandenen Ruhebänken noch mehrere neue auffteUen. Es war damit ein schon längere "Zeit von der Einwohner- schäft gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Wer aber jetzt an diesen Ruhebänken oorbeikommt, muß zu seinem Bedauern die Wahrnehmung machen, daß ein Teil der Bänke durch rohe Gewatt mutwillig zerstört ist, indem der Sitz oder die Rücklehne oder die Seitenlehne abgerissen und verschwunden sind. Hoffentlich können die Täter zur Bestrafung gebracht werden. ** Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege. Dem Jahresbericht des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege entnehmen wir folgendes: Die 5 Gemeindc- diakonissen pflegten im Jahr 1927 in 959 Familien mit 25 052 Krankenbesuchen, 21 Tagepflegen und 131 Nachtwachen. Im Evang. Schwesternhaus wurden 851 Kranke an 10 616 Pflegetagen verpflegt. Die Kleinkinderkrippe nahm 45 Kinder an 3504 Pflege tagen auf. Im Hospiz fanden 63 Personen an 125 Tagen Aufnahme. Die Zuflucht hatte 580 Aufnahmen mit 3454 pflege tagen zu verzeichnen. Der schon lange geplante unö dringend erforderliche Neubau der Krippe an der Stelle, an der jetzt das alte Hospital steht, konnte auch im vergangenen Jahre noch nickst begonnen werden, weil sich in dem baufälligen und ungesunden Hospi ’gebäuöe immer noch Wohnungen befinden. Es steht zu hosten, daß sie demnächst geräumt werden und dann nach Ab- bruch des Hospitals mit dem Neubau begonnen werden tarnt •• D ie Allgemeine Ortskrankenkasse Giehen-Land gibt im heutigen Anzeigenteil die neue Zusammensetzung des Vorstandes und des Ausschusses der Kasse bekannt. Interessenten seien auf diese Bekanntmachung besonders aufmerksam gemacht. " Personalien. Ernannt wurden der Schulamtsanwärter Johannes Breuer aus Bad-Nauheim zum Lehrer an der Volksschule zu Udenhausen, Kreis Alsfeld; der SchulamtS- anwärter Georg Schön aus Butzbach zum Lehrer an der Volksschule zu Lich. *• Verlängerung der Gültigkeit der Hindenburgmarken. Die Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken und Jubiläumskarten werden, wie schon kurz gemeldet, wegen der anhaltenden Nachfrage noch bis Ende März bei den Postanstalten und bei den Vertriebsstellen der Deutschen Nothllfe. den Wohlsahrts- ämtern und bekannten Organisationen der freien Wohlfahrtspflege, verkauft. Ihre postalische Gültigkeit endet erst am 31. Mai. Zahlreiche Anträge, die aus dem Mittelstand und von Sozialund Kleinrentnern schon jetzt eingingen, beweisen immer von neuem die grohä Not, die bekämpft werden muh. Hierfür weitere Mittel zu schaffen, möge jeder, der einen noch so geringen Betrag zur Linderung der Not entbehren kann, nach Kräften Hindenburgmarken und -Postkarten kaufen und benutzen. •* Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter S ch l a ch t v i eh m a r k t: 1080 Kälber, 329 Schafe, 469 Schweine. Berliner Börse. B e r l i n , 2. Fedr. (WTB. Funkspruch.) Die Nachricht, daß der Finanzausschuß des amerikanischen Senats die Freigabevorlage, betr. die sofortige Rückgabe von 80 o. H. des deutschen Eigentums und die Zahlung von 100 Millionen Dollars für Schiffe, Patente usw., angenommen habe, hatte im heutigen Frühverkehr zu einem Tendenzumschwung geführt. Das Geschäft ist wesentlich lebhafter als sonst. Umsätze tarnen Hu 4 bis 5 v. H. über gestern abend liegenden Kursen zustande. Man hörte J.-G.-Farben mit 262 bis 263, Rheinstahl 165,5, Hapag 149 und Nordlloyd 152,5 bis 153. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92, Madrid 28,45, Reichsmark gegen Kabel 4,1950 und London gegen Kabel 4,873/io. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 4. Februar. Vorabend 5.15 Uhr; morgens 9 Uhr; abends 5.35 und 6.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 4. Februar. Freitag abend 5 Uhr; Samstag vor mittag 8.30 Uhr; nachmittags 3.30 Uhr; Sabbataus- gang 6.15 Uhr. Wochengottesdienst morgens 7 Uhr, abends 5 Uhr. Briefkasten der Redaktion. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik ftebenben Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum c-ca .-i’' r te'wr'c' ' .anttoorhmg.) Teppichklopfer. In der Stadt Gießen besteht nach unseren Erkundigungen keine Polizeiverordnung, die das Teppichklopfen für bestimmte Stunden verbietet. Ob durch übermäßig lautes oder langes Teppichklopfen „ruhestörender Lärm" verursacht wird, hängt vom Einzelfalle und seiner richterlichen Würdigung ab für den Fall, daß Strafanzeige gegen den rücksichtslosen Ruhestörer erstattet wird. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschloffen Aur unverlangt eingefandte THanuf f ripte ohne beigefügte? Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Unser Rat für Korpulente ist folgender: Nehmen Sie tfiorgenS nüchtern, nach dem Miüaaessen und vor dem (Sdilafenoeben jeweils 2 dis 3 Totuba-Kerne. Diese Kerne wirken sekt- zehrend und ansavverhlndernd und und fürs Herz unschädlich. Sie erhallen Toluba-Kerne mit genauer Beschreibung über Wirkung, Zusammensetzung. deS- nletcben mit ärztlichen Urteilen in den Avoiheken. £ W LrsltnqertVoNe Tchke EssImgßrtVoIk ernennt man an dieser ttlarte prägen Sie sich die beiden schwarren grauen mit dem Esslinger Turm recht eindriogUch ein, wenn Sie wolle kanferr. So gehen Sir sicher, daß Sir später mit den gestrickten Sachen auch zu- frieden find. Venn Esollager wolle hat stch im Trogen bewährtl Sie Hot die Eigenschaften einer guten wolle, die ohne einzoloufen stch waschen lägt und die Zorbe nicht verliert. wenn Sie stch selber schsne Wollsachen aafertigen so verlangen Sie im nächsten Spe-iaige- schäst das Eos- Ungerwollduch,es bringt Vorlagen zur Selbstanfertigung von Dumpern, Strickkleidern, Kisten, Sportstrümpfen und anderen nützlichen Geschenken. ^^IssIlinserWolle = ■ I Nahrhaft &Pfd. 50 PH. Sparsam za sehen. Ist ein ästhetischer Genuß. Nur gesunde Kinder können Irisch aussehen. Gib Deinen Kleinen häufig die vitaminerelche Scotfs Emulsion und Du wirst über die Wirkung erstaunt sein. In ihr ist der hochwertige Dampftran mit Kalk- u. Phosphorsalzen zu einer angenehm schmeckenden Form verarbeitet Zu haben in allen Apotheken und Drogerien. Niederlagen: Central-Drogerie Kam, Sehulstrafle Neustadt-Drogerie Roll, Neustadt Viktoria-Drogerie Guth, Darktstr. 6 327 Drogerie Wluterhon, Kreuxpiata 9 10. Drucksachen aller Art Rottung stilrein und preiswert die Vrühl'sche UniversttStr-Druckerei, B. Lange, Gießen, §chulstr. r 5000 Meter weifte Stoffebeilpiönös billig! fürWäfche, Betten, Ausfteuer ca.2000m Stoffe fürBettwäiche ca.3000m Stoffe mr Leibwäidie Salomons 1-50 AnsftaMbaus per Meter Mk. 2.00, Qualitäten 2.50 o.9O Gielen per Meter Mk. 3.-, nur la Qualitäten per Meter Mk. 1.25, edle Qualität Wr Die trauernden Hinterbliebenen. 1217D| 0828 1055$$ r ■ VqntrMi iV#i gesucht. 0797 vermieten 0815 fllllllllllllillllUHIUIIlllllliil Ein Wurf schöne ** • Ferkel und HOOIO 2 Zuchtgänse gesucht 0824 Rabatt! M* G* Grode Rabatt! 1235a V’K-?. X- - WM Reine Mako-Tuche aus la ägyptifcher Baumwolle, für elegante Leibwäfche, voll 80 cm breit. Bett-Damait, 130 cm breit, fchöne Blumen- mufter; Halbleinen, Linon u. Kretonne, 160 cm breit, für Ueberfchlag- und Bettücher, Sohlleder Gummiabsätze Schuhputz Einlegesohlen empfiehlt Köhler Neustadt 79 am Oswatds- gartcn. 10675D Verlref‘" Rechenmaschinen Gießen und Umgegend, gesucht. Offerte unter F. J. N. 603 (1224ss) an die Geschäftsstelle des Gieß. Anz. Bett-Satin, 130 cm breit; Bett-Damaft, gestreift und geblümt; Linon, 130 cm breit; Neffel, 160 cm breit (für Bettücher), griffige Kaffee-Import mit(*3cohröftcrci in Bremen sucht sleifeigen. möglichst branchekundigen, beim mittl. Grosz- ünnbel u. grüszeren Stlcmbnnbcletnncf. Vertreter. 9iur Zerren mit besten Sief, mon.9inncb.il. B. V. 1486 nnUndelf Mossa, Bremen, einretchen. luDflss GrGnberg, Gießen, Hunsrück, den 30. Januar 1928. Auf Wunsch der lieben Entschlafenen findet die Beerdigung in aller Stille in Gießen statt. -VW* Mädchen für halbe Tage ges. o*3 Marktplatz 2. Technikum Jlmenau i. Thür. Ingenieurschule 10r Maschinenbau und Elektrotechnik. Wlseen- achaftliche Betneb.-führunrj. Werkrruio erabtedung Pflege Dein Haar mit -sMMSL- Es Ist das vollendete Haarpflegemittel für Leute von Kultur. Javol mit oder ohne fett RM Z.—, 3.— und 4.75. Javol-Gold (starker moderner Duft) RM 2.25 und 4.50. au verkaufen. 0803 Nieder-Beisinaen, Hauvtfirafee 75. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Auf Grund unfrer Zugehörigkeit zu einem der größten Textilkonzerne hatten wir Gelegenheit, einige 1000 mWäfcheftoffe all. Art bef. günftig zu erwerben und bringen folche zu nachstehenden Senfationspreifen zum Verkauf Es handelt fich nur um garantiert erstklassige, süddeutsche Bleich war en । Verkauf ab heute Stadttheater ßtcxloo, 3. Scbr., 17. Sceilog-iW.-Borff. u.i9l, b. gcg. 2J1/?* Peer Gynt Dramatische Dick' tun । tn ’4 Bildern von Ibsen unter Benutzung eines rciles ber GrtegschenMnfi' EclterSwcg 40. ONMMUm Braves, ehrliches Mädchen für halbe Tage gesucht 0814 Wetzlarer weg 17 I. Tüchtig., erfahrener AÄUWl beraUceinschlfiglgeii Arbeiten selbstäilbig und zuverlässig ans- sähren kann, gesucht, vdertz. llufo- nnO 3öbrrao-3nöuflTie Otto Göbel. Glichen, Schiffen- berger Weg 21. ,rziv Gute Hemdentudie, Kretonnes, Linons, /Q Renforc^s, voll 80 cm breit, für Wäfche, fein- « und mittelfädlge Qualität, per Meter Mk. 0.95, Am 31. Januar d. J. entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit unsere treusorgende Mutter Elisabethe Schaub geb. Schubecker im fast vollendeten 70. Lebensjahre. Maskenkostüme (9?cuOetten) Alt verleihen. 0760 Bergstraße 5 Gartenhaus. Aufo-Neeb 1790. ,„,D WSW wmmssr Gis ZhrenDcwerbungen auf Slnjelgen ohne Namm Zeugnisse, Urkunden ob. fonft wichtige Papiere bdjufügen; Abschriften genügen zur Ginleitung o. Anssellungsverhanb' lunacn. OU iss un« der Auftraggeber unbefannt und in blcsenFäNen können wir nichts tun für d. Wiedererlangung der 23ttoCTbungdnnterlagtn GietzLnev ÄnseLgev Gießen (Krofdorfer Straße 21), Frankfurt, Schlitz, Fellingshausen, den 2. Februar 1928. Die Beerdigung findet Freitag, den 3. Februar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. | Empfehlungen! Frische Seefische lebende Karvsen „ Schleien Fluschechte Heilbutt Grüne Heringe nur i ie. Qualität empfiehlt 1231D Hamburger Fischhandlung A. Koch Nachflar. Man? bürg 15.__ Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute abend um */f6 Uhr meine liebe Gattin, unsere gute Mutter, Großmutter u. Urgroßmutter Frau Dorothea Druschke geb. Meyer im 77. Lebensjahre, nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leidet), versehen mit den hl. Sterbesakramenten, zu sich zu nehmen. In tiefer Trauer: August Druschke, Lokomotivführer i. R. Familie M. Schietzel Familie Wacker Familie Heinrich Druschke. Geschäftsbursche Madsahrer» gesucht Marktttr. 4.__ltnnp Intelligenter, zuverlässiger Junge nicht über 16 Jahre alt s. leichte Bureau- arbeileu unb Boten- gänne sofort gesucht. Elektrolux G. m. b. H., Gictzcn, Tiezstr. 4. I1210L) Mehrere tüchtige Reisende für Privatklinbschaft bei sehr hohem Verdienst sofort gesucht. Schrlltl che Angebote unter 12160 an den Gienener Anzeiger erdeten. > 673a a^er in Sorten und bewährten Mischungen sowie Vogelkäfige und sonstige Utensilien; Vogelsand „Extur" usw. kaufen Sie vorteilhaft im Samenharus Heinridi Hahn Bahnhofstrafee / Ecke Wolkengasse » Telephon 1403 Sehr gut erhalt. 08,7 Blißliersciirank zu verk. Anzujed. v. *>—4. Näh. tn b. Ge- schäftöst. d. G. Anz. 1 eisernes, neu herg. Kinderbett weis;, mit Matratze, l elcktr. Zuglampe, fast neu, 1 eich. Kin dcrpnlt biü. z. uetf. 07!» Tieaftr. 13 1. Universal - Gardlnenciseo sciwnen bte Wände. Wichtig füi 9h uban« ten, Baugeschaste, Architekten empfiehlt 60a EdgarBorrmann Hans undKücken- geräte, Gietzen. L-Damen- Maske-n Kostüme Neuheiten zu verleiden. [600D Löberftr. 11, Part. 3.50 Seltersweg Nr. 81 1227a Flock-Köper, vollwelfi gebleicht, 80 cm breit, fchwere, einfeltig gerauhte Ware n per Meter Mk. 1.25, U» \Jj 3 Röhren «Apparat mit Zubehör, sehr billig zu verf. oel"2 FrledriclistraBe 10 p. | Verkäufe | Einen 12 Mon. alten Bogelsb. Bnllen und eine hochträck- tige BogelSb. Kuh verkauft 1223 D Heinrich Flscbbaeh I. (LrkelSbanfcn bei Biedenkopf. Wir suchen für einen Teil von Hoffen einen Bezirksbeamten Wir bieten: Zeitgemäße Bezüge In Form von. Gehalt, Reisespesen u. Beteiligung am Äezirlsgeschäst, unmittelbaren Verkehr mit der Direktion, vorteilh. neuzeitliche Dersicherungssormen. Wir verlangen: pflegeunb Ausbau der vorhandenen Organisation durch arbeitsfreudigen, verkehr^gewandten Fachmann Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Resullaisnachtvelsen u. Lichtbild an uns direkt erbeten Leipziger Lebensversicherung Leipzig / Postschließfach 104 Bleichttr. 11 11. Gros,., schön miibl. Zimmer mit sep. (Llngaug an rubiocn Mieteritnl , sofort abzugebeit Roonstr. 29 II. Mil hi. Zimmer mit Morgenkaffee zu vermieten. Wo? sagt die Geschästsst. des Giefe. Anz. 0810 | Mietgesuche j Junges Ehep. sucht 33lmmet,9P.®e unö Ziideliör »um 1. März oder später. Schriftliche Angeb. uni. 0811 an den ffltefe. Anz. erb. Dauermietcr fucht 1 biS 2 möblierte Zimmer mi: elektr. L. In der Nähe der .tllmltcn. Schr. An geb. unter 0795 a. b. «liefe. Anz. | Kaufgesuche j Zirka 40- 50 cbm 7io Kl-in- pflastersteine unb 20 cbm (7/9) zu kaufen gesuch. Schr. Angeb. tn. PreiSang. p. cbm u. 0818 an b. G.Anz.btS z. ü. 2.28. Illllllllllllillllllllllllllllllllll Gut erhaltener Rohrplatten- Koffer zu kanscn aefncht. Schr. Angeb. n. 0817 an den Giefe. Anz. lIMWIjlWIWIIM (ibn erhaltene Rettgarnitur zn kaufen gesucht. Schr. An geb. u. 0799 an bett Giefe. Anz. Für getragene ArMMk zahlt höchste Preise I,. RoNcnzwelp: 6le6en.6elier5ro.58l. Karie genügt. si8a m Bett-Damait, 130 und 160 cm breit, rein Mako, modernfte Mufter, Rein-Leinen, Halbleinen, 160 cm breit, tür Bettücher, befonders ftarkfädlge Qualitäten, p.m 4.50, [Stellengesuche) M.kkuwrrn tätig in einem ersten Geschäft Oberhess.. ,'ncht Stellung tn einem ^cbenSintttel- unb Dellkatefsen-Ge- fchäft als erster Verkäufer. Schr. Angeb. u. 0820 an b. Giefe. Anz. erb. Kinderliebes Fraulein mit Koch- und Näh- kenttiniffen sucht Stellung z. lö.Febr. Schr. Angeb. u. 0804 an ö. Giefe. Anz. erb. Georg Schwan, Wngnermetfier, Neustadt 75. Tüchtiges, älteres RWM oder iiimühängige Frau für tagsüber tn kl. HattSH. t2Pers.l ges. Schr. Angeb. unter 0800 an b. Giefe. Anz. Jung.,orbentl. [,177D Mädchen f. alle HauSarb. ges. Krau Lehrer Kretzer, Crumbach iPoft Nodh.-Biebers. Sauberes, ruhiges Mädchen für tagsüber gesucht. Btt erfragen In der Geschäftsstelle bes Giefe. Anz. 0826 Tüchtiges Hausmädchen gegen hohen Lohn Gesucht für alsbald kräftiges, fieifetgeS, sauberes, älteres Mädchen (nicht unter 24 I.l. am Nebst, das schon in befi.HauJe gedient. Ü-rdl. Behandlung, guter Lohn. 1225D Bnrapsarrbauö Ariedberg b. Bnd- Nauhetm IHeffens. Köchin. Aeltere, tüchtige Köchin, die in ber NenanrationSkücke beniQubert ist, für sofort ober später gesackt. Schriftliche Angeb. mit Gehaltsansprüchen u. Zeug- ntsabsckriften unter 1207D an ben Giefe. Anzeiger erbeten. Samölag, 4. &ebr„ abenbs 8 Uhr. ttomoii auf der llardtterra»*e. «AutobuSverlehr ab OSrvnldSgarten.s Ginlafekarteu nut gegen Porzetguttg d?r Einladung bei Hnt-BieL'ter, A.arkf ftrafee. _______1230P Hl. II. Tlt Dir I.-R. 7' Uhr T. III. Erh- fl. Brr. St. n. W. Ab 9 UhrKräczchon.n «D Miss. Wn-«. SWsMM (evtl, teils möbl.,mit Küchettbeniabzugeb. Schr. Ansr. unt. 0816 an den Giefe. Anz. sMes, gnt Hiäül. Zimmer mit voller guter Pension ab 1. 2. an zwei Herren oder Damen zu vermieten, a. I. an Dauerm. Näheres Krankt. Str. 113V. tMetzgereil. 1152D Ml. Simmet mit Zentralheizung und elektr. Licht für sofort oder spsüer zit vermieten. Näheres in ber GeschästSsteUe d. Giefe. Anz. 12360 Gemütt. Wohn- u. Schlaszimmcr ztt ^Vöuschisäenes^ Alle Büö0altMfl5- Bilanz u. Steuer- arbeiten, stunden- rveis ob. im monat- Itdjen Abonnement. Billig u. zuverlässig durch unbedingt vertrauenswürdige Persönlichkeit. Gefi. schr. Anfr.ig. n. 0771 an den Giefe. Anz. Gutgebende Metzgerei fi ankbeiltSh. in ein. VQiioftäbicbcn sofort zu verv. 2. Baer, Ostanlage Ä. 07Ä s Vei-eine s Briesiauben- Mub. Samstag, 4. gebt.: Aunerordcntl. Generalversammlung bei Mitglied Henkol, WaUtorfir. 27. , j’ä S «in 2- bnt SolU ®u Adeabur^ beinli^ „ öireilM" •yauer N So l^re'bt - rnini|U'r ein grober füllte einen, fjjtnerliffl o .innen." Sari W jyaifl of De> L scho"ii Mre schon tinetn Studtn Wier m tod des Kni ^Sudansel. Mtnkriege. If.Lanciers Wien. Vcn siabes der Mandant d» Aldershot. I1 mandeur des Ztenchs. trr ber schweren Schlacht bei Deden, Spat Diderstand i trat er an d al« Ober bete wurde er Z Märziagen der auf e öchasfun f ommanl unter den rals Foch die militär wohl, toie mehr an e glaubten. Truppensei es Wieben der Osfensi munterte, der Selbn in den Pe aus dem seinem La Die Ope mährend j; an der M nierung üb schienen ur Westsro »an Genet mit einem des Marsch len einen t (beschichte b AW 6in ber 400]abt UtätM Kunstin Wtoeifc prägen ni Sr erfahr ”n ttahlrei fo[l Abstellung »ns v Sntliches Äessen-Aas, M to ^rite ein r ?ie dem ^euiungz ö,e reit. Kldss^ Werken. ö Jlc auch j b JnÖ lainei Jiencn. $iC führend | Regungen > Sfr» *mb ikg »>« s? <5 OieN Die Miii Hmänberun nehmen, hc mitleidiges Reformen < ^eformbera Nnnfäll durstig. Vorwurf e Durchsührn> I t L Thür. chnlk. Minen- ibteilung en die tiänbe. Hfl lüi Si.udau- Soiincliniie, ArLiiekien ieblt 60a arBorrmann is undSüchen- 'äte, (Sieben. icöamew kaske-n ostüme Nenbeiten trieiben. [GOOD rftr. 11, pa rt •schiedenes ile hhw- am- n- »tturr tittn, ftunöcn' ob. im miinni1 n Adonnewkin. 10 u. zuner/Og 1) unbtiiMivw oi/f/itoiitoiae Wfctt. M ■anltag.U.^1 icn Oie«- An» Msebende ietzgerei LheitlSb- *" «J )imb(cticnfoin ierp- >nlnnP Ä W M % M )rE"^S'v§ :Oß flS** ^Vereine___j Irlefia* M mstag^rM lußerordcv«. [Zenerai- »rsamwluns 51ltflliebHeik .ninr tr. 2<- 1J8 al^ZlDl W W Nr. 28 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberheffen) Donnerstag, 2. Zebruar 1928 Keldmarschall Haig f. Aach einer Meldung aus London ist dort 67 Jahre alt Lord Sjaig, Oberbefehlshaber der britischen Armee in Frankreich während des Weltkrieges, einen, Herzschläge erlegen. Lord Haig war namentlich seiner außerordentlichen menschlichen Qualitäten wegen der populärste britische Feldherr des Weltkrieges, dem von allen Schichten des britischen Volkes eine ähnliche Verehrung gezollt wurde, wie in Deutschland unserem Hindenburg. Hierzu trug namentlich auch seine peinliche Zurückhaltung in allen politischen Streitfragen des Tages bei. So ist heute di« Trauer um den Feldmarschall in England allgemein, und die Aachrufe der englischen Presse sind sich darin einig, daß das britische Reich einen seiner bedeutendsten Söhne verloren hat. So schreibt Lloyd George, Englands Premierminister zu der Zeit, als Lord Haig den Oberbefehl an der Flandernfront innehatte: „Er war ein großer Soldat ifnö ein großer Patriot und füllte einen Platz im Leben der Nation aus, den schwerlich irgendein anderer hätte einnehmen können.“ Earl Douglas Haig, Viscount Dawick Baron Haig of Vemershde war der Sproß einer sehr alten schottischen Familie, die dem britischen Heere schon viele Offiziere gestellt hat. Aach einem Studium in Oxford wurde Douglas Haig Offizier im 7. Husarenregiment, nahm als Adjutant des Kavallerieführers unter Lord Kitchener am Sudanfeldzug teil, und im Stabe Frenchs am Durenkriege. Dann wurde er Kommandant der 17. Lanciers und später Kavallerieinspekteur in Indien. Von 1909 bis 1912 war er Ehef des Stabes der indischen Armee und seitdem Kommandant des großen Truppenübungsplatzes Aldershot. 1914 zog er in den Krieg als Kommandeur des 1. britischen Armeekorps der Armee Frenchs. Er löste die schwierige Aufgabe, nach der schweren Aiederlage der Engländer in der Schlacht bei Mons den Rückzug der Armee zu decken. Später dankten ihm die Alliierten den Widerstand in der Vpernschlacht. Dezember 1915 trat er an die Stelle des Feldmarschalls French als Oberbefehlshaber der britischen Armee. 1917 wurde er Feldmarschall. In den entscheidenden Märztagen des Jahres 1918 war es Lord Haig. der auf einer Konferenz der Alliierten die Schaffung eines einheitlichen Ober- I ommandos vorschlug und sich bereitwillig unter den Oberbefehl des französischen Generals Foch stellte. Und im September 1918, als die militärischen Autoritäten in Versailles sowohl, wie auch die Londoner Regierung nicht mehr an einen Sieg vor dem kommenden Jahre glaubten, bevor nämlich stärkere amerikanische Truppensendungen herübergekommen wären, war es wiederum Lord Haig, der zur Fortsetzung der Offensive gegen die deutschen Stellungen ermunterte. Aach Beendigung des Krieges kehrte der Feldmarschall nach England zurück, wurde in den Peerstand erhoben, trat jedoch schon 1920 aus dem aktiven Dienst und lebte seitdem auf seinem Landsitz. Die Operationsberichte, die dec FeldmarichallHaig mährend seines Oberbefehls über die britische Armee an der Westfront in Frankreich der britischen Regierung übersandt hat, sind später in Buchform er* ichienen und unter dem Titel „England an der Westfront" (Verlag für Kulturpolitik, Berlin) von General Hoffmann auch in deutscher Sprache mit einem Vorwort des alliierten Generalissimus, des Marschall Foch, veröffentlicht worden. Sie stellen einen der wichtigsten Beiträge zur militärischen Geschichte des Weltkrieges dar. Oie Reichspost rationalisiert. Die Mitteilung der Reichspost, sie wolle eine Umänderung der Uniformen ihrer Beamten vornehmen, hat in der Öffentlichkeit ein etwas mitleidiges Lächeln erweckt. So oft war schon von Reformen gesprochen worden, das Ergebnis der Reformberatungen, durch die Unisormänderungen sinnfällig gemacht, erschien aber doch recht dürftig. Es wurde gegen die Reichspost der Vorwurf erhoben, durch den Verzicht auf die Durchführung von Rationalisierungsmaßnahmen Ausstellung Religiöse Kunst aus Hessen-Nassau". Ein bereits im vorigen Jahr anläßlich des 400jährigen Jubiläums der Universität Marburg bestehender Plan, t as neue Äunftinftitut durch eine große Ausstellung einzuweihen. seinerzeit infolge anderer dringender Fragen nicht verwirklichbar, hat nunmehr, wie wir erfahren, greifbare Gestalt gewonnen. In den zahlreichen schönen Räumen des Jubiläums- baues soll kurz vor Pfingsten dieses Jahres eine Ausstellung zur Eröffnung gelangen, die nach den uns vorliegenden Mitteilungen ein außerordentliches Ereignis nicht nur für die Provinz Hessen-Rassau, sondern auch weit darüber hinaus zu werden verspricht. Selbst das Ausland dürste ein lebhaftes Interesse an ihr nehmen. Die begrüßenswerte Idee verfolgt mehrfache bedeutungsvolle Zwecke. Zum ersten Male soll die religiöse Kultur H e s s e n ° R a s s a u s geschlossen vorgeführt werden. Und zwar in Werken, die auf hessischem Boden entstanden, wie auch in Arbeiten, die von außen her ins Land kamen und feit Jahrhunderten dem Kultus dienen. Die beiderseitigen Ausstrahlungen werden gebührend berücksichtigt werden. Reben den Anregungen, die der Import dem engeren Kreise selbst geboten hat, sind Wirkungen nach außen feststellbar und zu würdigen. Die Werke des ..Lettnermeister s" und „Kappenberg-- Meisters" in der Marburger Elisabeth- kirche und im Museum sollen beispielsweise zusammengebracht werden, gerade auch, soweit sie außerhalb genannten Gebietes liegen. Man wird bestrebt fein, Lokalmeister, wie Iuppe, Sol- dan, Thle von Frankenberg nach Möglichkeit charakteristisch vertreten zu haben. Die berühmten Domschätze von Fritzlar und Fulda werden in den besten Stücken figurieren und die mittelalterliche Blütezeit in ein hervorragendes Licht rücken. Das Kunstgewerbe bis in neuere Zeit wird in selten gezeigten Exemplaren «Teppichen, Meßgewändern, Goldschmiedearbeiten) zu reicher Wirkung gelangen. Durch das Zusammen führen so vieler Werke, die nie bei* werde sie ihren Betrieb nicht so leistungsfähig gestalten, wie man berechtigterweise erwarten dürste. Diese Angriffe wehrt sie ab. indem sie Zahlen veröffentlicht, nüchtern wirkende Zahlen, die eine eindringlichere Sprache reden, als langatmige Beteuerungen. Seit dem letzten Friedensjahre ist eine ganz erhebliche Zunahme des Verkehrs und eine Erweiterung der Verkehrseinrichtungen sestzustellen. Alm 21 Prozent ist allein die Zahl der beförderten Sendungen gestiegen, der Geldverkehr bei der Post ist sogar auf mehr als das Doppelte angewachsen. Berücksichtigt man dann noch, daß die Post ganz neue Betriebszweige, wie das Kraftfahrwesen, die Luftpost und das gesamte Funkwesen übernommen hat und seht nun den Personalbestand des Unternehmens in Vergleich zu dem der Vorkriegszeit, so ergibt sich aus der Tatsache, daß nur eine ganz geringe Vermehrung stattgefunden hat, wie umfangreich die Reformen der Reichspost gewesen sein müssen, wenn es trotzdem gelang, die gesteigerten Aufgaben zu erfüllen. Dec Reichspostministei hat in gemeinsamer Arbeit mit dem Reichssparkommissar zunächst eine ganz gründliche Der walt ungsre- f o r m vorgenommen. Heute gibt es nur noch eine Gliederung in drei Instanzen. Mit dieser Reform wurde eine Zuständigkeitsänderung vorgenommen, durch die es gelang, die Tätigkeit des Reichspostministeriums auf rein ministerielle Ausgaben zu beschränken. Jetzt liegt also der Schwerpunkt aller Verwaltungstätigkeit bei den Oberpostdirektionen, dennoch wird es noch möglich fein, ihre Zahl von 45 auf 31 zu vermindern. Die erhöhten Verkehrsleistungen. die vermehrten Verkehrseinrichtungen hätten sich längst nicht erreichen lassen, wenn die Post nicht zu einer umfangreichen Mechanisierung und R o rniu n g. zur Vereinfachung der Betriebs- und Geschäftsformen geschritten wäre. Diese Entwicklung ist dabei noch keineswegs abgeschlossen. Es wird von der Reichspost ehrlich zugegeben, daß das Verkehrsnetz noch lange nicht auf der Höhe sei. Rach Maßgabe ihrer finanziellen Kräfte wird sie in den nächsten Jahren unter Benutzung modernster Arbeitsmethoden die Ausgestaltung verwirklichen. Dabei werden die Arbeiten, die eine Vermehrung und den Ausbau der örtlichen Verkehrseinrichtungen bezwecken, keinesfalls vernachlässigt werden; unter Benutzung des Kraftverkehrs wird in absehbarer Zeit bereits der Plan verwirklicht sein, auch die entlegensten Wohnstätten in den werktäglichen Zustellungsdienst einzubezichen. Die Vervollkommnung des Fernsprechverkehrs wird durch die Einführung des typisierten automatischen Selbstwählapparates so gefördert, daß in etwa zehn Jahren die Arbeiten abgeschlossen sind. Ein solches Reformprogramm hört man gern, noch lieber würde man es freilich hören, wenn auch Andeutungen gemacht werden könnten, daß in absehbarer Zeit die im Vergleich zum Frieden übersetzten Gebühren ermäßigt würden. Um den Verwattungsraissitz der Reichsbahn. Ein Schreiben Dr. Luthers an den preußischen Ministerpräsidenten. Berlin, 1. Febr. (WB.) Reichskanzler a. D. Dr. Luther hat an den preußischen Ministerpräsidenten Braun ein Schreiben gerichtet, in dem er sich mit der D e r t r e 1 u n g Preußens im V e rwaltungsrat der Reichsbahn- gesellschast auseinanderseht, soweit er sich persönlich durch diese Aufzeichnungen berührt fühlt. Dr. Luther erinnert daran, daß er während der dreiviertel Jahre vom Tode des Geheimen Kommerzienrates Arnhold bis zum Ausscheiden Dr. Luthers aus der Reichsregierung den Ministerpräsidenten Braun zu toie- derholten Malen im Ramen der Deichsregierung auf das dringend st e gebeten, ja geradezu beschworen habe, als Rachfolger für Herrn Arnhold eine Persönlichkeit vorzuschlagen, die geeignet sein würde, in den großen wirt- samrnen waren und somit zum ersten Male zum Vergleich stehen, sind neue wissenschaftliche Resultate zu gewärtigen. Das kun st historische Institut unter Leitung von Professor Hamann hat sämtliche Vorarbeiten bereits übernommen und bürgt für eine gewissenhafte Zusammenstellung und Auswertung. Besonders wichtig wird es sein, auch sämtliche kleinen Orte der Provinz zu erfassen, soweit sie Denkmäler von Wert haben. Dazu wird das gesamte Land bereist werden, um eventuell auch verborgene Stücke ans Licht zu ziehen. 2m Interesse der Sache ist daher weitestgehende Unterstützung der politischen und geistlichen Behörden aller Konfessionen wünschenswert. Denn es handelt sich bei der Ausstellung nicht in erster Linie um eine Angelegenheit der Stadt Marburg. Vielmehr sollen sämtliche Städte nach Möglichkeit gesonderte Räumlichkeiten für ihre Schätze zur Verfügung gestellt erhalten, um so nach außen hin für die zahlreichen Besucher sofort zur Geltung zu gelangen. Marburg ist gleichsam nur der Gastgeber, der selber bescheiden zurücktritt und den zu Gast Weilenden eine repräsentative Stätte bereitet, nur von dem einen Wunsche erfüllt, Hessen-Rassaus religiöse Kultur einmalig wie in einem Brenn spiegel einzufangen und sichtbarlich vor alle Welt zu stellen. Goethe-Bund. Vortragsabend Wilhelm von Scholz. Wilhelm von Scholz begann feinen Vortragsabend in der Reuen Aula mit einem umfangreichen Prosastück, einem Kapitel aus dem Buche „Perpetua". Dies ist der Roman der Schwestern Breitenschnitt, die Schicksalsgeschichte der Zwillinge Katharina und Maria, um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts. 2n Den Schwestern stehen sich, koie ein die ftoffltdpen Grundlagen entwickelnd s Einleitung k Ixtel a)il= dert, ein gutes und ein böses Prinzip gegenüber: die eine nimmt als Hexe ein schlimmes Ende, indes die andere, als Rönne Perpetua, Wunder tuend und weissagend, zu hohen Ehren gelangt. Das Hauptstück des ersten Teiles handelte von der Entdeckung der Heiligen; Scholz entwirrte schaftlichen und besonders wirtschaftspolitischen Aufgaben des Verwaltungsrats den Verstorbenen mit seinem hohen, auch im Auslande anerkannten Ansehen wenigstens einigermaßen zu ersetzen. Die preußische Regierung habe trotzdem nicht das qeringfte Entgegenkommen gezeigt, sondern sei bei dem Vorschlag immer derselben Persönlichkeit eines preußischen Fachbeamten im aktiven Dienst verblieben. Die Entsendung von Fach beamten würde jedoch nicht eine Verbindung der Reichs- vahngesellschaft mit den freien wirtschaftlichen, wirtschaftspolitischen tmd eisenbahntechnischen Kräften darstetlen, auf die es nach der Ansicht der Reichsregierung ankomme, sondern einen Zu - satz zu den in der Reichsbahnhauptverwaltung tätigen fachlichen Kräften, die einer Ergänzung nicht bedürfen. „Gerade in meiner Eigenschaft als früherer Reichskanzler," so fährt das Schreiben fort, „kann ich meine Aufgabe nicht darin erblicken, durcy mein Handeln der Entscheidung der Reichsregierung über eine andersartige Zusammensetzung des Verwaltungsrates vorzugreifen. Der für Die deutsche Gesamtpolitik so wichtig ist." Weiterhin bemerkt Dr. Luther zu der preußischen Aufzeichnung, daß eine j u - ristische Möglichkeit bestehe, wonach Mitglieder des Verwaltungsrates jederzeit ihr Amt niederlegen können, erscheine ihm selb st.- verständlich. Er habe aber ausdrücklich seine Erklärung dahin gefaßt, daß die Verwaltungsratsmitglieder die zwar nicht juristische, aber politisch-moralische Pflicht hätten, das ihnen anvertraute Amt d u r ch zu s üh r e n. parlamentarisches aus Hessen. Die Fraktion des Bauernbundes hat folgenden Antrag im Landtag eingebracht: Die R o t der Landwirtschaft wird mit jedem Tag großer. Es müssen alle Maßnahmen ergriffen werden. Die eine Besserung der Wirticpasts- und Einkommensverhältnisse in der Landwirtschaft ermöglichen. Besonders schwierig ist die Lage auch im Vogelsberg. Die klimatischen Verhältnisse und die eigenartige Parzellenwirtschaft in diesem Gebirge erschweren eine notwendige Umstellung der bäuerlichen Betriebe und Die Herbeiführung einer zur Zeit vollständig fehlenden Rentabilität derselben. Die Erhaltung des Bauernstandes im Vogelsberg ist nicht nur erforderlich im Hinblick auf die Bauern selbst, sondern steht ebenso im wohlverstandenen Interesse des gesamten Landes. Eine Hilfe auf steuerlichem Gebiet allein kann hier — so notwendig sie erscheint — keine dauernde Besserung herbeiführen. Es dreht sich vor allem darum, die Einnahmen aus der bäuerlichen Wirtschaft im Vogelsberg durch Aenderun- gen Der Wirtschaftsweise zu heben. Die Möglichkeit dazu ist bei entsprechender Mitwirkung des Staates vorhanden. Wir beantragen daher, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, sobald als möglich die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um den Fortbestand der Landwirtschaft im Vogelsberg zu sichern. Der volksparteiliche Abg. Dr. Riepoth beantragt. Dem Artikel 96 l des Gesetzes über die Wahlen für Gemeinden und Gemeindeverbände folgende Bestimmung hinzuzufügen: Bürger - meister von Landgemeinden, deren Wahl in der Zeit vom 1. April 1925 bis zum Inkrafttreten des Gesetzes stattgefunden hat oder eingeleitet war. gelten als auf 9 Jahre gewählt, falls es sich um eine Wiederwahl handelt. AnsredlungSmöglichkeiien in Kärnten. In letzter Zeit sind wiederholt in verschiedenen Zeitungen Berichte aus dem österreichischen Bun- deslände Kärnten erschienen, die sich sehr günstig über Die klimatischen unD wirtschaftlichen Verhältnisse Dieses landschaftlich schonen unD anziehenden LanDstrichs aussprechen und ihn a l s Sied- lungsland für auswanDerungs- lustige Deutsche den unbedingten Vorzug vor überseeischen Gebieten geben. Wer Die Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt, kann diesen Rachrichten nur zustimmen. Tatsache ist und gliederte in sehr klarer und gelassener Diktion die überaus kunstvoll gefügten Perioden der Erzählung von dec seltsamen Errettung Der StaDt Augsburg durch das Wunder Der Perpetua vor einer schon dicht vor den Toren drohenden Pestseuche. Das Ganze klang manchmal wie aus einem alten Chronikbuche vorgelesen; doch dafür war alles und jedes zu fein erzählt, zu bewußt und von künstlerischem Willen ineinander verflochten und komponiert, zu plastisch, fast schauspielerisch gerundet in der Wiedergabe; Scholzens Vortrag wirkte oft so nachdenklich, immer und überall so sehr vergeistigt, daß man zuweilen den Eindruck einer intuitiv beherrschten, schöpferischen Reugestaltung des Stosses gewann. Dieses eine, in jedem Satz stark und überzeugend wirkende Kapitel gliedert sich wie Der ganze Roman mit Der visionären Formung und Deutung jenseitiger Vorgänge durchaus harmonisch in das Weltbild, in Umkreis und Ausmaß der geistigen Bemühungen ein, wie sie das gesamte Werk des Dichters Wilhelm von Scholz charaktergebend und abgrenzend aus- zeichnen. Den tiefsten Eindruck des Abends hinterließ unferm Gefühl nach die im Anschluß an das Prosastück gesprochene Lyrik: wenige, sprachlich vollendete Gedichte, denen ihre gedankliche Schwere nichts von Der MeloDik, Der BilDkrast unD Dem hauchzarten Aroma Des spezifisch lyrischen Kunstwerkes raubte. Wir erinnern uns insbesonDere an Die impressionistisch lockere unD gleichwohl geschlossene Stimmung im „Heimweg", Der in zwei MonDliedern moDulierten Gegensätze und der im „ Frühlingsregen" eingc» fangenen Magie des Zeitgefühles. Rach Diesen Versen eine Handvoll Lkphorismen: anschaulich, geschliffen im Stil, ohne „geistreich" zu sein; eine Art Philosophie in der Ruß. 2m zweiten Teil kehrte Der Dichter abermals mit einem Kapitel zum Roman „Perpetua" zurück, schilDerte in kraftvoller Prosa Die Begegnung Der inzwischen zur Aebtissin aufgerückten Perpetua mit Dem Kaiser Maximilian zu Augsburg im Jahre 1518; im politischen Gespräch, Das alsbald über das weltliche Thema ins Zeitlose und Imaginäre sich erhebt, wurde wiederum ferner, daß Kärnten sich im Jahre 1927 eines erhöhten Zuzugs seitens Reichsdeutscher. Die Dort Land zu verhältnismäßig günstigen Preisen gekauft oder gepachtet haben, zu erfreuen gehabt hat. Rach Aussage eines dieser Neusiedler, der zur Zeit besuchsweise in Deutschland weilt und nur die brieflichen Berichte anderer Deutscher bestätigt, fühlen sich diese reichsdeutschen Siedler in Dem kernDeutschen Lande mit seiner liebenswürdigen, frohsinnigen und sangeslustigen Bevölkerung, Die die Reu- cintoanbcrnDen nicht als Fremdlinge, sondern als wertvollen Zuwachs betrachten, durchweg wohl und kommen wirtschaftlich gut vorwärts. Die Reichsdeutschen werden auch wegen ihrer fortschrittlicheren und intensiveren Wirtschaftsweise, namentlich gegenüber den östlich Klagenfurt um Völkermarkt und Bleiburg herum- sitzenden windischen (slowenischen) Bauern gern gesehen. Wenn die Wiesen durchschnittlich jährlich vier Schnitte ergeben und der Acker zum großen Teil eine zweimalige Ernte gestattet, so spricht dies schon an sich für die Güte des Klimas. Die Absatzverhältnisse sind wegen Der günstigen Verbindungen nach Städten wie Klagenfurt und Villach und des jährlich zunehmenden Fremdenverkehrs gut. Oberheffen. Landkreis Gießen. • Ruttershausen, 1. Febr. Unser Gesangverein hielt dieser Tage in Der Wirtschaft von Otto Sch ö n seine diesjährige Generalversammlung ab. Die Ver^ins- tätigfeit im verflossenen Jahre war recht zu- friedenstellenD. Es wurde beschlossen, auch in diesem Jahre wieder einen Gesangwett- streit zu besuchen und im Spätherbst ein Konzert zu veranstalten. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt, mit Ausnahme des zweiten Vorsitzenden, für den ein anderes Mitglied in den Vorstand geschickt wurde. Dem Verein, der unter Leitung von R. Rico 1 ai - Grohen- Duseck steht, gehören gegenwärtig 81 Mitglieder an. : Oppenrod, 1. Febr. Die durch Den Weggang .des Lehrers Schlaudrass freigetoot- benc Lehrer st eile an unserer einklassigen Schule wurde vergangenen Herbst zur Wieder- befetjung ausgeschrieben. Es fand sich jedoch nur ein Bewerber, und zwar 'in Dem hier amtierenden Schulverwalter Crößmann. Allgemein war man erstaunt, daß Die Stelle so wenig umworben war. Vor einigen Tagen wurde nun Dem Schulverwalter Crößmann die Stelle definitiv übertragen. :—: Beuern, 1. Febr. Sonntag fand im „Holländischen Hof" dahier ein Vortragsabend des hiesigen Volksbildungs - Vereins bei gut besetztem Saale statt. Vortragender war Lehrer Dr. Balser-Daubrin- gen, der an Hand von Lichtbildern über das Thema „Bei deutschen Kolonisten in Brasilien" sprach. Der Redner, Der selbst einige Jahre in Ioinville in Brasilien als Lehrer tätig war und Land und Verhältnisse aus eigener Anschauung kennengelernt hat, schilderte in ausgezeichneter Weise Land und Leute, Tier- und Pflanzenwelt in diesem wunderbaren Lande, das infolge seines feuchtwarmen Klimas das Land des Wachstums genannt wird. Dieses Land in seiner ungeheuren Größe, ist es doch 18 mal so groß wie unser deutsches Vaterland und nur mit 31 Millionen Einwohnern bevölkert, bietet für die Zukunft große Siedlungsmöglichkeiten für unser übervölkertes Land. Jeder Deutsche, der jedoch hier einigermaßen Lebensmöglichkeit hat, sollte es sich reiflich überlegen, diese gegen eine ungewisse Zukunft in fremdem, unkultiviertem Lande mit anderen ungewohnten Verhältnissen und Klimas einzutauschen. Denn groß sind nach den Schilderungen des Redners Die Schwierigkeiten, Die Die SieDler Dort zu überwinDen haben. Eiserne Arbeit, zähe Energie und Ausdauer einerseits, Entbehrung jeglichen Genusses und Abgewöhnung jedweder kulturellen Einrichtung anderseits sind erforderlich, um dort im Laufe Der Zeit eine Existenz zu erringen. Der Vortrag wurde von Den zahlreichen Zuhörern mit die beseelte Form und Oie ins Innere der Dinge dringende Vergeistigung Der Gestalten und Ereignisse DeS Romans auf das Glücklichste bewährt. Cs war ein anregender unD wertvoller Abend, der allen, die an ihm teilhatten, etwas gegeben haben und vielen lange Zeit unvergessen bleiben wird. - y— Ein Vorläufer des Schneiders von Alm. Der durch den Roman von Max Eyth bekannte Schneider von Ulm war keineswegs Der erste. Der das Problem des Gleitflugs praktisch zu lösen versuchte. Derartige Ideen liegen gleichsam in der Lust, und sicher haben sich Hunderte mit ihnen befaßt, von denen mangels Publizität keine Kunde auf uns gekommen ist. In einer alten Schrift berichtete Gilles Regrier de la Croche- ardiöre von einem solchen Erfinderschicksal: der Schlosser Besnier in Sable (im heutigen Dep. Garthe) versuchte mit Erfolg Flügel zu konstruieren, Erst von einem niedrigen Fenster, Dann vom Dache herab erprobte er die Tragfähigkeit einer Maschine; schließlich fliegt er vom Schloß- türm herab, über das Sableflüßchen und landet, vom Sturz bewußtlos, aber sonst unbeschädigt, auf einer Wiese. Bei bewegter Luft gelang es ihm sogar, zu steuern und den Landungsplatz zu wählen. Rachdem er aber einmal bei plötzlich eintretender Windstille gestürzt war und ein Bein gebrochen hatte, verlor er Die Lust an weiteren Versuchen. Bemerkenswert ist, daß weder Aberglaube noch Spottlust sein Unternehmen behinderten, das freilich auch keinerlei tatkräftige Förderung sand. Allerdings achtete das angesehene Journal des Savants seine Versuche hoch genug, um sie einer Besprechung zu würdigen: leider ist diese technisch ganz unzulänglich, wohl kaum von einem Augenzeugen versaht; auch die beigegebenen Abbildungen können unmöglich der Wirklichkeit entsprechen, da Die Dargestellten Tragflächen viel zu klein sind. Besnier ist in der gesunden Hoffnung auf künftige glücklichere Versuche 1690 in seiner Heimatstadt gestorben. grober Aufmerksamkeit ausgenommen unv erntete reichen Beifall. =*.*. Watzenborn-Steinberg, 1. Febr. GS waren einige recht genußreiche Stunden, die der hiesige Gesangverein .Eintracht" in dem von ihm veranstalteten Konzert in seinem Vereinslokal den Zuhörern bot. Anter der Leitung seines bewährten Chvrmeisters Georg Harnisch zeigte der Verein im ersten Teil deS Programms, dah er in schwereren Chören und einem Kunstchor recht anerkennenswertes leistet. 3m zweiten Teil der Vortragsfolge kam das Volkslied und das Lied im Volkston zu seinem wohlverdienten Recht. Konzertvorträge umrahmten die gesanglichen Darbietungen in wirkungsvollster Weise. Der Verein kann seine Veranstaltung als einen recht schönen Erfolg buchen, was ihm der Beifall der Zuhörer schon bestätigte. Der Erfolg des Konzerts wird dem Verein ein Ansporn zu weiterem Dorwärts- schreiten sein. 3n diesem Jahre beteiligt er sich an dem Gesangswettstreit zu L r ch. Sein 60sähriges Bestehen im nächsten Iahte gedenkt er durch einen Gesangswettstreit festlich zu begehen. # DiHingen. 31. Jan. Der Schulsaal derMittelklasse entspricht schon seit Jahren nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen in bezug auf Höhe und Ausdehnung und war bei Errichtung der 3. Schulstelle nur als Rotbehelf gedacht. Auf Drängen der Behörde hat die Gemeindeverwaltung beschlossen, eine Dienstwohnung im Schulhause als Saal umzubauen und dafür ein Einfamilienhaus als Lehret- dienst Wohnung zu errichten. Run ist noch die Bauplahfrage zu regeln. Gegen den passendsten Platz bestehen Bedenken, da der Stollen eines alten Bergwerks drunterher verlauft und dadurch voraussichtlich ein großer Aufwand für Fundamcntierungsarbeitcn entsteht. Es ist beabsichtigt. die Angelegenheit so zu beschleunigen, dah im Frühjahr mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. — Zu der hier abgehal- "tcnen Holzversteigerung der Fürstlich Solms-Braunfelsschen Forstverwaltung hatten sich über 200 Kaufliebhaber aus den benachbarten Dörfern und der Wetterau eingefunden. Die Preise hielten sich etwa auf gleicher Höhe wie im Vorjahre. Cs kamen nahezu 500 Raummeter Hartholz, etwa 430 Raummeter Reiser und 400 Stück Fichten-Reisstangen zum Ausgebot. Für 2 Raummeter Buchenscheitholz wurden 24 bis 29 Mk. bezahlt, für die gleiche Menge Buchenprügel 14 bis 18 Mk., 1 Raummeter Eichenprügel kostete 5 bis 6 Mk., Fichtenprügel 4 bis 5 Mk., Buchenstocke 4 bis 6 Mk, Buchenreisig 80 Pf. bis 1,50 Mk. Auch die Fichten- Reisstangen 4. und 5. Klasse erzielten die üblichen Preise. # Langd, 30. 3an. Gestern fand im Saale von Ronthaler ein Familienabend statt, zu dem sich fast die ganze Bevölkerung unseres Dorfes eingefunden hatte, so daß der Saal überfüllt war. 3m Mittelpunkt des Abends stand ein Lichtbildervortrag über den Untergang der „Titanic". Die Bilder wurden mit dem neuen Leihschen Epidiaskop, das die Schule für Zwecke des Unterrichts und zu Vorführungen im Dienste der Volksbildung angeschafft hat. gut wiedergegeben. Lehrer Müller gab zu den einzelnen Bildern die nötige Erklärung. Gemeinsame Lieder und mehrere gut wieoergegebene Mannerchöre des Gesangvereins unter Leitung seines Dirigenten, Schneidermeister Appel, verschönten die in allen Teilen anregend verlaufene Feier. • Großen-Linden, 1. Febr. Der hiesige Gesangverein „Germania" hat in seiner Generalversammlung vom 22. 3anuar beschlossen, mit der Feier seines 50jährigen Bestehens am 9. 3uni 192 9 einen Gesangswettstreit zu verbinden. Kreis Büdingen. -/* Ortenber.g, 31. 3an. Einen sehr schönen Anterhaltungsabend bot am Sonntagabend der Veteranen- uni) Militärverein „H assi a", dem verschiedene Rach- bargerneinden angeschlossen sind, seinen Mitgliedern und Freunden. Rach einem schneidigen Er- öflnungsmarsch der hiesigen Feuevwehr- kapelle, die den musikalischen Teil des Abends bestritt, und nach einer von echt vaterländischem Geist getragenen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Landwirt Hr. Streuber, ging das Volksstück „Der Schmied von Ruhla" von Martin Pfeiffer über die Bretter, das die Helge Lindberg zum Gedächtnis. Der große finnische Bariton ist nicht mehr unter den Lebenden. Mitten aus dem vollsten Schaffen wurde er durch eine heimtückische Grippe hinwcggerafst, gerade, als er im Begriff war, seiner Kunst auch im südlichen Europa, in Griechenland, Auswirkung und Geltung zu verschaffen. Am Silvestertage erkrankte er an einer leichten Grippe, zu der infolge eines veralteten Herzleidens Herzschwäche sich hinzugesellte, und so wurde der 3. 3anuar, den er als Ausgangspunkt neuer Pläne sich ersehen hatte, sein Todestag. Die beiden 3ahre, die dem Gedächtnis der.beiden großen Wiener Meister gelten, ließen Hetge ßin&berg an der gleichen Stätte sein Leben beenden. Es läßt sich nicht ermessen, welche neuen Anregungen und befruchtenden Eindrücke ihm, dem Beleber klassischer Kunst, diese Fahrt gebracht hätte I Ans bleibt nur das Gedenken an das Große, das er uns in seinem Leben zu geben vermocht hatte, an all die tiefen unvergeßlichen Eindrücke. Jegliche Sensationssucht lag Helge Lindberg Zeit seines Lebens fern, ihm galt nur Das eine Ziel: der Kunst zu dienen in reinster sachlicher Art mit vollster Einsetzung der Persönlichkeit. Die ersten 3ahre seiner Ausbildung ,n Helsingfors toarcn dem Studium der Violine gewidmet. Als Zwanzigjähriger ging er nach München und dann nach Florenz, um die ihm von der Ratur reichlich verliehenen stimmlichen Mittel zu entwickeln und zu schulen. Stuttgart wurde für einige Zeit sein Wirkungsort, selbst auch an der Oper betätigte er sich, später war er dann in München und Wien zu treffen. 3n ihm hatte feine nordische Heimat der Gegenwart eine der stärksten Künstlernaturen geschenkt. Das mystische Einfühlungsvermögen des Rordländers einte sich bei ihm mit der ungeheuer straffen Selbstdisziplinierung des Großen im Reiche der Kunst. Gerade das Studium des Violinspieles führte ihn an die Quelle des Gesanglichen im 3nftru- mentaten, und so kann einem die Entwicklung bekannt« Sage von dem hartgeschmiedeten chürrn- gischen Landgrafen Ludwig dem Qklteren dar> bietet und geeignet war. die Zuschauer in jene Zeit zurückzuführen. Ausgezeichnete Darstellung, wirkungsvolle Bühnenbilder und prächtige Kostüme verhalfen dem Stück zu einem vollen Erfolg. Die Zuschauer, die so zahlreich erschienen waren, dah viele mit einem Stehplatz sich begnügen mußten, spendeten mit Recht lebhaften Beifall. Der Verein hat für den 15. 3uli das Bezirkskriegerfest übernommen, an dem sich etwa 30 Vereine beteiligen werden. An diesem Tage soll auch die neue Vereinsfahne geweiht werden. — Für das für die Gefallenen des Welttriegs zu errichtende Kriegerdenkmal liegen bis jetzt zwei Entwürfe vor. Die Einweihung soll am 26. August erfolgen. # Echzell, 31. 3an. Die jüngste G e - meinderatssitzung sand unter dem Vorsitz des Regierungsrats Weber vom Kreisamt Büdingen statt. Es waren außerdem erschienen Vertreter der Bergwerksdirektion Wölfersheim, der Hesrag, des Staates und des Kulturbauamtes Friedberg. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt: Einwendungen gegen das Stauwerk auf der Teichwiese des Schwelkraftwerkes Wölfersheim. Rach eingehender Aussprache schloß die Verhandlung mit einem für beide Teile befriedigenden Ergebnis ab. I Lißberg, 31. 3an. Gestern wurde die Arbeit im Steinbruch der Firma Scherer wieder ausgenommen. Der Steinbruch lag 5 Wochen lang aus Mangel an Aufträgen still. Die Übrigen hiesigen Steinbrüche haben bereits vor einer Woche den Betrieb wieder ausgenommen, nachdem auch sie ihre Arbeiter für mehrere Wochen hatten entlassen müssen. Einzig im Steinbruch der Firma Krebs an der Mauerstoigstraße kam die Arbeit nie zum Erliegen. Es ist sowohl im Interesse der von hier und aus den umliegenden Ortschaften stammende Belegschaften, als auch in dem der Gemeinde sehr zu begrüßen, daß die Betriebe nunmehr wieder voll beschäftigt sind. Kreis Schotten. V Gedern,'31. 3cm. Für die Beamten, Angestellten und Arbeiter an der Reichsbahn der Strecke Stockheim — Gedern — Lauterbach veranstaltete die Reichsbahnver- waltung dieser Tage einen Lichtbildervortrag über Hygiene des täglichen Lebens. Dr. Simon (Grebenhain) sprach an Hand von 60 eindrucksvollen Bildern vom ärztlichen Standpunkte aus über die am häufigsten vorkommenden Fehler in der Wohnungspflege, Kleidung, Lebensweise, Rahrung sowie einseitig sportlicher Betätigung. Der Redner wies darauf hin, wie auf leichte Art unvernünftige und den Körper schädigende Maßnahmen durch vollwertige hygienische zu ersetzen sind. — Der Gesangverein .,L i e d e r k r a n z" (gegr. 1842) hatte für Sonntagabend feine Freunde und Gönner zu einem Liederabend im Gasthaus „Zum Löwen" eingeladen. Der Verein gilt als ein rühriges Glied der Vogelsberger Sängervereinigung und ist seit 3ahren bemüht, nicht nur Chöre neuerer Komponisten zu Gehör zu bringen, sondern auch unseren alten Meistern, sowie dem deutschen Volksliede die gebührende Stellung einzuräumen. So konnte es nicht wundern, daß sich eine große Zahl von Gästen einfand, die den Klängen des stimmlich gut begabten Chores unter der ziel- bewußten Leitung feines Dirigenten, Lehrer Riedel, lauschte. Das musterhaft zusammengestellte Programm, das außer Volksliedern nur Chöre hervorragender Komponisten, wie Schubert, Mozart, Mendelssohn-Bartholdy, enthielt, vermied die in den letzten 3ahren vielfach aufgekommenen, leicht sentimental wirkenden Lieder. Reben dem Doppelquartett und einem für diesen Abend eigens zusammengestellten Gemischten Chor mit gutem Stimmaterial verdienen die auf künstlerischer Höhe stehenden Leistungen von Frau Eleonore Kuhl (Klavier) und de? Herrn H. Glitsch, Grebenhain, (Violine) besonders hervorgehoben zu werden. Reicher Beifall wurde mit Recht sämtlichen Darbietungen gezollt. Wingershausen, 31. Jan. Unsere im Herbst des vergangenen Jahres erbaute Wasserleitung wurde in der abgelaufenen Woche i n Betrieb genommen. Das Wasser wird aus einem tief gelegenen Wiesengrunde mittels Elektromotors, der selbsttätig ein- und ausgeschaltet wird, in ein nach Schotten zu gelegenes Hochbaffin gepumpt. Die Gesamtkoften der Anlage belaufen sich auf etwa 26 000 Mk. des Sängers Lindberg ein typisches Beispiel sein für das Ringen um die Beherrschung des Technischen im Dienste des Gestaltens. Es ist sicherlich fein Zufall, dah Lindberg auch als Bildhauer recht Bedeutsames leistete; jedenfalls beftätigt sich feine künstlerische Befähigung auch von dieser Seite. Er verlor sich nicht in romantischem Genietum, das bermeint, die Welt aus den Angeln heben zu müssen und die positive Leistung vermissen läßt. Gerade der Bildhauer Lindberg hat den Kampf mit der Sprödigkeit des Stoffes, das Ringen mit dem Material kennen gelernt. Die Entwicklung, die er als Sänger in den letzten Jahren genommen hatte, kann man schlechthin wohl als einen Weg zur Selbstbeherrschung ansehen. Es mögen nun nahezu 10 3ahre her sein, als ich Helge Lindberg zum ersten Male hörte. Er fang damals Schuberts „Winterreise", jenen von Resignation, Schauer und Schmerz durchwühlten Zyklus, und tagelang schwebte mir die hagere Gestalt vor, und lange klangen die Töne des Schmerzes nach. Roch aber war er nicht Herr seiner selbst; noch stand er unter dem Eindruck des Studierten, noch halte er den Weg zur Freiheit des 3chs im Gestalten nicht gefunden. Zwar bewunderte zu jener Zeit die Presse seine eminenten technischen Fähigkeiten, besonders seine „Rekordleistungen" in der Beherrschung des Atems. Brachte ihm auch damals die Interpretation von Dach und Händel vielseitige Anerkennung, feinen Höhepunkt hatte er noch nicht erreicht. Wenige Iahte später stand er als ein ganz anderer auf dem Podium, nun war er zum Beherrscher des Gestaltens geworden. Wenn Helge Lindberg vor feine Hörer trat, fo war er frei von jeglicher Eitelkeit und Berechnung der Gebärde. Lang aufgerichtet stand er dort, fein Blick ging über das Publikum, mariant schien sein Gesicht, beherrscht, unbeweglich seine Maske. Ein Ricken zu seinem Begleiter .hm — bei den ersten Tönen des Klaviers belebten sich seine Züge und nun wurde seine Geste äum Spiegel dessen, was in ihm vorging. Jeden Gedanken konnte man aus ihr ablesen, nirgend eine Verzerrung, eine vollendete Harmonie mit (Starkenburg. LPD. Rüsselsheim, 1. Febr. Die Opel- Werke haben mit dem Einsatz einer neuen Prvdultionsquelle mit der Einstellung größerer Arbeitermassen begonnen. Besonders die Städte Mainz, Frankfurt und Darmstadt haben Ruhen von diesen Arbeiteranforderungen, die sich täglich auf fast 100 Mann belaufen Innerhalb mrzer Zeit ist die ArbeitetKahl von 7000 auf 9400 gewachsen. Da noch größere Arbeiten bevorstehen. vor allem mit den Reubauten schnell begonnen werden soll, wird die Belegschaft binnen kurzer Zeit noch erheblich gesteigert werden müssen. Von den Arbeitsämtern der umliegenden Städte werden noch dauernd Arbeitskräfte angefordert. Rheinhessen. LPD. Mainz, 1. Febr. Die Stadt Mainz hat sich entschlossen, zur Gewinnung von Jndustriegelände vorerst einmal im Hafenviertel den Floßhafen aufzuschütlen, um hierdurch Flächen für die Ansiedlung von Industrien zu schaffen. Diese rigorose Maßnahme hat sich als notwendig erwiesen, weil die Stadt bei dem Fehlen jeglichen brauchbaren Siedlungsgeländes für die Industrie in die heikle Situation verseht war, Anternehmen, die um Geländezuweisung nachsuchten, ablehnende Antworten geben zu müssen. Das wenige, evtl, brauchbare Gelände wird z. T. von der Besatzung beansprucht, ebenso macht sich die Beschlagnahme einer Anzahl Gebäude, die für 3n- dustrieunternehmungen verwandt werden konnten, wirtschaftlich sehr schädlich bemerkbar. — Lpd. Worms, 1. Febr. Der 29 Jahre alte Ernst Drell er wurde an der pfälzischen Grenze wegen Kokainhandels in Untersuchungshaft genommen. Preußen. Kreis Wetzlar. —Z— We tz l a r, 1. Febr. Der Obst undGar - tenbauoerein für den Kreis Wetzlar hat nach feinem Jahresbericht auch im letzten Jahre bedeutenden Zuwachs erfahren; er zählt jetzt 786 Mitglieder. Die Rechnungsablage ergab 3395,93 Mark in Einnahme und 3179,78 Mark in Ausgabe, so daß ein Barbestand von 216,05 Mark verbleibt. Der gemeinsame Bezug von Obstbäumen ergab 3226 Stück gegenüber 2245 Stück im vorhergehenden Jahre. Bei günstiger Obsternte ist für dieses Jahr eine Obst - ausftcllung in der Bürgermeisterei Schöffengrund geplant. Zur Förderuna des Vogelschutzes sollen an sämtliche Schulen des Kreises je drei Stück N i st h ö h l e n unentgeltlich geliefert werden; die Kosten hierfür tragen je zur Hälfte der Verein und der Kreis. In Aussicht genommen ist ferner zur Herbeiführung eines geregelten Obstabsatzes die Gründung einer Obstverwertungsgenos- senfchaft in Gemeinschaft mit der Kreisbauernschaft. Zwecks Aufstellung eines neuen 0 b ft • Anbausortirnentes für den Kreis Wetzlar hat der Verein gemeinschaftlich mit der Kreisbauernschaft Fragekarten an die Obstzüchter des Kreises geschickt, auf welchen die drei besten Apfel- und die zwei besten Birnensorten verzeichnet werden sollen. 6" Wißmar, 31. Jan. Bei der am Samstag hier stattgehabten Jagdoerpachtung blieb Fabrikant Ernst Leitz in Wetzlar mit 7400 Mk. Meistbietender und wurde ihm der Zuschlag erteilt. Dillkreis. bl. Dillenburg, 1. Febr. Beim Spielen mit anderen Kindern stürzte das fünfjährigeTöch. t e r ch e n des Schreiners Herzog so unglücklich zu Boden, daß cs sich eine Gehirnerschütterung zuzog, an deren Folgen das Kind nach kurzer Zeit starb. bl. B e i I ft e i n bei Driedorf, 1. Febr. Der Schießmeister St' o o b von Rodenroth verunglückte am Montagabend im S t e i n b r u d), vermutlich durch einen zu früh losgegangenen Schuß tödlich. bl. Uckersdorf bei Schönbach, 1. Febr. Der Spenglermeister Schnell von Herborn stürzte am Dienstagvormittag bei Dach arbeiten ab und erlitt schwere Kopf- und Beinverletzungen, die seine sofortige Ueberführung ins Krankenhaus notwendig machten. D Roth, 31. Jan. Die Westdeutsche Basalt-Industrie beabsichttgt, ihren Betrieb in unserer Gemarkung in vollem Umfange wieder aufzunehmen. Das Unternehmen hat im vorigen Jahre eine Anlage zur Mischung von Klopfsteinen mit Teer in dem Sleinbruch eingerichtet. 3m Interesse unserer dem, was mit dem Klang der Stimme aus dem Innern strömte. Dabei stand er äußerlich unbeweglich da; eine völlige Ueberwindung des letzten Restes körperlicher Abhängigkeit. Da konnte er lachen, da konnte er alles mit sich fort- reißen in der Aufwallung seines starken Gefühls, wie seinerzeit auch hier in Gießen bei der Arie aus dem „zufriedengestellten Aeolus" von Joh. Seb. Bach: „Wie will ich lustig lachen". Da wurden Töne religiöser Versunkenheit mit ihrem mystischen Schauer wach, da wurde ein Dach- Arioso zur dramatischen Szene, da strahlte sich die hehre Erhabenheit aus in dem scheinbar unendlichen melodischen Dogen von Händels „Grazie Signor". Da hingen . aller Augen an seinen Lippen, da quoll der letzte Urgrund des Musikalischen empor, und jeder wurde in seinen Dann geschlagen. Da wurde die Kunst des Delkanto in ihrer ursprünglichen zwingenden Gewalt wieder wach und das, was von mißverstehender Tradition nur noch als etwas Instrumentales, Gekünsteltes angesehen wurde und in seiner Urtümlichkeit verschüttet worden war, zum lebendigen realen Erlebnis voll innerlich überzeugender menschlicher Gesühlskraft und Echtheit. Da rang er der Stimme das Letzte ab, da wurde Gesang zur Seelenoffenbarung. Lindberg war eben ein Crlebniskünstler des Wahren. Stets war die Situation der Ausgangspunkt des stark bewegten dramatischen Rachschaffens. Da wurde die Dallade wieder lebendig mit ihrem elementaren kraftvollen Erschauern. Und wenn sich der Meister des Gestaltens auch hier und da über die Aufzeichnung des Komponisten hinwegsehte, es galt nur dem einen Ziele, das Kunstwerk in voller Gröhe durchleben zu lassen. Cr konnte anpacken, was er wollte, war nur das Kunstwerk echt ursprünglich geschaffen worden, fo wurde es stets zum fruchtbaren Erlebnis für die Hörenden. Selbst die Gesänge aus Mozarts Opern, die er in letzter Zeit gern in seiner Vortragssolge brachte, fesselten trotz der Loslösung von der Szene durch die intensive Kraft der geistigen Einstellung. Da wuchs die Gestalt Leporellos zu einer Größe heran, die weit über die übliche Dühnenverkörperung hinausging, so daß ein Arbeiterschaft ist die Wiederaufnahme dieses Betriebes zu begrüßen. Kreis Biedenkopf. Gladenbach,!. Febr. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde der vor- gelegte Vertrag mit dem Kreise Biedenkopf über die Gewährung eines Bauzuschusses von jährlich 600 Mark zu den Kosten der Kraft- postlinie Gladenbach — Nieder-Eisen- Hausen genehmigt. Wenn auch die übrigen Gemeinden, die an dieser Linie liegen, den Vertrag anerkennen, ist damit zu rechnen, daß der Wag'en ab 15. Februar d. I. in Betrieb genommen werden kann. — Am nächsten Freitagnachmittag findet die Nutz - und Brennholzversteigerung statt. K Hartenrod, 31. 3an. Das Schöffengericht in Marburg verurteilte gestern einen vielfach vorbestraften Händler, der erst die Gastfreundschaft seines Schwagers in Hartenrod genossen und diesen dann auf der Landstraße überfallen und ausgeraubt hatte, wegen dieser Sache und einigen anderen Straftaten zu 5 Jahren und 7 Monaten Zuchtha u*8. UnLerlahttLreis. WSR. Reckenroth, 1. Febr. Auf der Straße zwischen Reckenroth und Michelbach geriet der Vergaser eines viersitzigen Personenautos in Brand. Der Benzintank explodierte und flog haushoch in die Luft. Rur unter größter Lebensgefahr gelang es den vier Insassen, sich aus dem in Hellen Flammen stehenden Auto zu retten. Obcrwestcrwal-krcis. WSR. Langenhahn. 1. Febr. Gestern nachmittag brach in der Scheune des Stellhaltermeisters Groschen hier ein Brand aus. Im Ru griffen die Flammen um sich, fo daß bald auch das Wohnhaus und die W e r I ft a 11 in Flammen standen. Die Ortsfeuerwehr und vier Rachbarwehren konnten es trotz größter Anstrengungen nicht verhindern, dah das ganze Anwesen bis auf den Grund nieder- brannte. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 1. Febr. Die Gerüchte, daß der frühere Direktor der Städt. Bühnen, Müller-Wieland, sich nach dem Ausland gewandt hat, wollen nicht verstummen. Man ist erstaunt darüber, daß die städtischen Behörden seine Abreise nicht verhindert haben, zumal es ihnen nicht unbekannt geblieben sein dürfte, dah Müller-Wie- land inzwischen fein HauS verkauft hatte. Man wird vielleicht behaupten wollen, eS fei sonderbar, dah nicht die Staatsanwaltschaft in die Sache eingegriffen und einen Steckbrief gegen den Flüchtling erlassen hat. Hierzu erfahren wir aber, daß dieser Behörde kein Vorwurf zu machen ist, da sie erst auf Grund des ihr vom Magistrat übergebenen Materials einschreiten kann, und dieses Material ist bis heute noch nicht vollständig im Besitz der Staatsanwaltschaft. — In der Rächt zum 29. v. M. wurde in der Rheinstrahe ein schwerer WohnungSeinbruch ausgeführt. Die Diebe erbeuteten einen großen Hutkarton mit Autolackleder, 11 Stilkleider, seidene Damenleibwäsche und Strümpfe. Der Gesamtschaden beträgt 4000 bis 5000 Mk. Silber- und Wertgegenstände ließen die Diebe unberührt. Am gleichen Tage mürben aus einer Wohnung in der Friedberger Anlage zwei Vulkanfibrekofser mit einem Anzug, Stiefel, verschiedener Herrenwäsche und Papieren nebst Pah gestohlen. — Mit dem Ruf: „Jetzt stirbt ein Mens ch!" brachte sich gestern abend in einer Wirtschaft der Darmstädter Landstraße ein 22jähriger Arbeiter aus Bürgel bei Offenbach einen Schuß in die rechte Schläfe bei. Die Rettungswache verbrachte ihn in das Städtische Krankenhaus, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb. WSR. Hanau, 1. Febr. Am 2. Februar jährt sich zum 6 2 5. Male der Tag, an dem Kaiser Albrecht I., der älteste Sohn von Rudolf von Habsburg, Hanau zur Stadt erhob, indem er den Bewohnern dieselben 5reibetten, Rechte, Gewohnheiten und Vergünstigungen zu- sicherte, deren sich die Bürger in Frankfurt erfreuten, und ihnen insbesondere einen Wochenmarkt bewilligte, an dem alles Beliebige verkauft werden durfte. Ruhig verläuft in diesem 3ahr der denkwürdige Tag und läßt die Gedanken zurückschweifen zu jenem glanzvoll verlaufenen 2. Februar 1903, an dem das 600. Jubiläum mit rauschenden Festen begangen wurde. leises Bedauern wach wurde, daß man diesen Künstler nicht auch einmal auf der Bühne sehen konnte. Törichterweise hat ihm Voreingenommenheit zum Vorwurf machen wollen, daß er die verschiedenartigsten fremdsprachlichen Gesänge in seinem Programm brachte. Bewies er sich aber gerade mit dieser Tatsache nicht als der vollendetste Gestalter, der stets den Weg zum innersten Kem des Kunstwerkes fand? Änd selbst dem. der diese Sprachen nicht beherrscht, wurde doch daS gebundene Grunderlebnis völlig klar und anschaulich durch die über den Rattonalitäten stehende Kraft des Künstlers. Meist legte sich Lindberg nicht auf längere Zeit hin für ein bestimmtes Programm fest. Änv nur selten trug er allen Wünsc^n der ihn verpflichtenden Instanzen in bezug auf die Dor- tragssolge Rechnung. Er konnte keine Fesseln für feine künstlerische Individualität dulden, weil ihm die Wahrhaftigkeit des Oeftaltend, die innere Verbundenheit mit dem Volk, als oberstes Gesetz galt. Fast mochte man an Schaljapin, den großen russischen Sänger, denken, der in Berlin das Podium betrat und aus seinen auf dem Flügel aufgestapelten Rotenschähen das auswählte, was im jeweiligen Moment feiner inneren Stimmung am meisten entsprach. Hotte Helge Lindberg den Kontakt mit dem Publikum gefunden, und das war wohl stets der Fall, so war er willig im Geben, Zugabe folgte auf Zugabe, ilnb das war für ihn oft die Gelegenheit, Werke, die et für spätere Programme ausgewählt hatte, auf ihre Auswirkung auf die Hörer zu erproben. Ein feiner Zug der Selbstkritik bei diesem Großen. Wir alle, die wir diesen trefflichen Künstler des öfteren gehört haben, die wir uns an feinem Geben begeistert haben, können nunmehr nur noch aus der Erinnerung zehren. Seine junge blühende Kraft ist dahin, und wir hätten kaum einen, den wir ihm im Augenblick würdig zur Seite stellen können; ihm, der rein in seiner Kunst aufging, ein berufener Hüter am heiligen Gral. Dr. H. KON Fi RM AN DIEN Taffet Mark 13 0 Wie kleiden wir sie gut, schön und preiswert ? Ein Blick in meine Schaufenster wird Sie sofort informieren! — Meine Auswahl in Koniirmanden- und Kommunion-Kleidern aus Lindener Samten, Seiden, Rips- und Popelinstoffen, sowie Stückwaren in den neuesten Webarten ist sehr reich sortiert und in Preisen konkurrenzlos! J. Pfeffer ♦ Marktplatz 6 Köper-Samt M />oo xlark J.O mit langem Arm Mark 1850 Herein liir taepppiele e. V., Heu (Gegründet 1908) Samstag, den 4. Februar 1928, findet der große V.f. B.-Maskenball verbunden mit Prämiierung der schönsten Masken in sämtlichen Räumen der LiebigshÖhe ab 1943 Uhr statt. Eintrittskarten werden von den Vorverkaufsstellen nur gegen Vorzeigung von Einladungskarten abgegeben. Vorverkaufsstellen sind: Sporthaus Schneider, Neuenweg • Schuhhaus Süß, Marktstraße Friseurgeschäft Tränkner, Neuen Säue Goldwarengeschäft Gümblein, Neuen Bäue 5 J232O Der Vorstand. WMSMlMll Hemdentuch 1.10,0.90,0,75,0.48 Nessel 0.76,0.68,0.60, 0.48 Nessel 160 br, 140 br. 1.70,1.55, 1.40 Flockköper i.so, 0.95,0.78 Damast 130 breit 2.50,2.20,1.90 0aD5tufl)p.0anörodjer,3nlet(5 t. best. Qualitäten Etagen-Geschaft 5011MW1W1 1233a Keine neuzeitliche Küche ohne Grudefeuerung Volksgrudeherd Mk. 22 (Reklamepreis) Praktische Vorführung im Laden SS la Grudekoks stets ab Lager lieferbar SS Emil Pistor, Nach! / Marktstrake UWlS-NlWW Ab l.Febr. befinden sich unsere Verkaufs- und Bureauräume Diezstratze 4 (Mtolni sä I2I0P ZumSchipkapaß Morgen, Freitag, den 3. Februar M lefimitt Maskenball mit grohen Ueberraschungen, Prämiierung der schönsten und originellsten Masken usw. Nur Mitglieder und durch diese eingelad. Gäste haben Zutritt. Einlagearten und bei Mitnl. Z-rtseur Lot«, Sadadotstr. erhältlich. Sauerscher Gesang-Verein e.V. Samstag, LFebrnar, 7.59 Uhr abds., 1. Besellschallsvereln Von Morgens 10 Uhr ab LVeUfteis» mit Strout wozu entladet Jean Arnold 0823 Zum Tannhäuser Frankfurter Straße Morgen, Freitag WMkH Wein-oml Mate Mer" Crednerstra&e 34 / Telephon 1604 Morgen, Freitag: 12140 Schlachtfest ErstkLKünstlerkonzert Jazz Jazz Jazz Medizinal-Lehertran ist ein Vertrauensartikel Sie kaufen denselben in nur feinster Qualität immer frisch t und billigst, ebenso Lebertran-Emulsion bekannte Marken in der Lndwigsplatz-Drogerie und Neustadt-Drogerie HANS NOLL »215a Schubeiärben in allen modernen Farben, gar. haltbar. *fcbcrfof)lcnflcrt u. KrcvPfchubbeioblen werden in kurzer Zeit auogettthrt. öF- Nur ieinstc -Landarbeit! Werkstätte für neuzeitl. Futzbekleidung Karl Echeuerlein / Gießen Neustadt 55, im Hof link». 0809 tato «'taersrf im Lichte des Evangeliums. H Eintritt frei. Gäste willkommen. Der Vorsitzende: Dr. Faber. 1228P Cali Ernst Ludwig Telephon Nr. 190 Telephon Nr. 190 1107 Samstag, den 4. Februar 1928: nickt Neue Kurse Gleisen Herborn beginnen am 16. April! Vogtsche Handelsschulen auhr Bunter Abend allkl Hella Delonle, Stimmungs-Sängerin Harr) Wilden, Vortrags-Künstler. TANZ! / Bis um 4 Uhr geöffnet! Surcftten $ie oicö noeft vor der g roMsn Xöädcfte Verlangen Sie ausführliche Oruckschrift G 44 von der Schulleitung Glehen, Goethestrafie 32 1237a Allgemeine ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie Dr. Aigner, Nervenarzt aus Freiburg i. Br.r MStlWWikMkMMM Vortrag für Aerzte am Freitag, dem 10. Februar 1925, abends 6'/i Uhr, im Hörsaal der Univ.-Nerventlinit,Gießen, am Steg 18. - Alle Aerzte sind freundlichst eingeladen. Ser BorfiWe: Brot K Sommer, Geheimer MeWaolrol. tuwerbindt I Nur KMK. räiO Teily Sherlock -Gesellschaft m. b. H„ Berlin Niederlage Martin Heft, Hießen Schulstrabe 11a > MM-WM Md IWINS Große Auswahl in neuen, eleg. Sachen zu verleihen. Alle übrigen Karnevalartilel sehr billig. Wiederverkäufer zu Katalogpreisen. Damen - Frisiergefchäft Karnbach » Kaplansgaffe 27 tolMMeZiie mit separatem Eingang, 1. Etage, geeignet für Anwalt, Arzt, Zahnarzt ob. Bureau« zwecke, nächste Nähe vom Marktplatz, zu vermieten. Neflektanten belieben thre Adresse unter Nr. 1209V an den Giehener Anzeiger gelangen ztt lassen. lltthnikmnlaoe Inbehieur-Schule I I Masch/nenoauEientro- lecnnit.Hoctf-u.rigftun, Tonintfusrna. s- Wer e men ter-Ab feile* ee*. Ste^KeeinelahfpUmlrOL i Vortrag prcitag, den 3. Februar, abends 8 Ubr im Gciangiaal dcS Realgvmnasiums, Vudwigstrabe. — Eintritt frei! Referent: L. Schmoll. im Hörsaal 44 der Universität Vortrag von Herrn Metropolitan ßic. Dr. Werner Boette aus Marburg an der Lahn über • WWlWkSMS" Radi°4nlaaew ft.*’ • £5Röhrenapparate, jnitLautsprecher la. FABRIKATE ^cß. KaSc ja eme„Miete. Jn den einschlägigen Geschäften zu haben. Auf Wunsch bequeme Ratenzahlungen. MielewerkeA-.G.,Gütersloh hv. ärgste beseitigen sofort 51a Winterhoffs extra starke Eucal/Menthol-Bonhons aus der Drogerie Winterhoff, KreoZDl, 10 ‘usten PH 'M 5Reste-Tage! 2 4- weit unter Preis! *0» s 30 Marktstrabe 30 ALTONA «0U5TO1« FLEISCH Nutzholzversteigerung Versteigerung: Zervelatwurst, I l.Kla 2. Kla se 3. Kla je ie 880 ©tfict, 26,40 km bach. 1220V Zleischwarenfabrik in Oldenburg, die grösste Europas 30 Marktstrafae 30 GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG GEG Leberwurst Leberwurst Leberwurst Blutwurst I I .. U in 2 99 8 Stück, Stück, Stück, 1,66 km 3,69 km 4,74 fm Durch meinen Ausverkauf haben sich eine Menge Reste aller Warengattungen angesammelt und verkaufe ich solche per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund per Pfund 5 Schinkenplockwurst .. per Pfund Holsteiner Plockwurst, per Pfund Berliner Mettwurst.... per Pfund Braunschw. Mettwurst, per Pfund fi m. s 4- ■w es 0?: to s Blutwurst II . Blutwurst in Preftkopf Fleischwurst. per Pfund per Pfund per Pfund Stämme. 115 Stück, 1 Stück, 85 Stück, 48,80 fm 0,54 fm 16,96 fm 0,54 fm 60,58 fm 2,88 km e L Eiche Buche Esche Elsbeere Kiefer Lärche Fichte Holz zur 1228V Garnelen, Fischmehl. Krissel, Muschelkalk. Wen Scheel / Mänshnrg 17. GEG Salami, la GEG Salami, I GEG Zervelatwurst, la Esche te te te GEG Dörrfleisch.... GEG Schinkenspeck GEG Speck Fichte Fichte Fichte Vertreter der Arbeitgeber. Schieferstein, Hermann, Fabrikant in Lich. Preis, Heinrich, Bürgermeister in Daub- ringen. Fendt, Julius, Bürgermeister in Hungen. Rehberg, August, Direktor auf Abendstern bei Heuchelheim Bergen, Gustav, Direktor in Heuchelheim. Deibel, Heinrich II., Maurermeister in Lollar. Schmiedeknecht, Max, Steinbruchbesitzer in Londorf. Formhals, Justus, Zigarrenfabrikant in Großen-Linden. Schmidt, Heinrich III., Wollwebereibesitzer in Grünberg. Schmidt; Wilhelm, Dr., praktischer Arzt in Hungen. Gießen, den 30. Januar 1928. Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Land. Hk. 1.30 Mk. 2.20 Mk. 1.20 Mk. 2.00 Mk. 1.80 Mk. 2.00 Mk. 1.80 Mk. 2.10 Mk. 1.70 Mk. 1.25 Mk. 1.50 Mk. 1.40 Mk. 0.90 Mk. 0.70 Mk. 1.20 Mk. 0.90 Mk. 0.70 Mk. 1.40 Mk. 1.10 Reisstangen. 4. Klasse 1008 Stück, 20,16 fm 5. Klasse 1404 Stück, 18,29 fm 6. Klasse 988 Stück, 5,93 fm 476 Stück, 250,00 fm (darunter Schnittholz). Ein grob. Posten trüb gewordener Damenwäsche u. Bieberbettücher zu Spottpreisen! Damenlieniden 0.95 Prinzeßröcke 1.95 Verkauf nur gegen bar! MHeHHtHHWHHMH« Größeres, gutgehendes HandelS-llnternehmen sucht zur Verstärkung seiner Betriebsmittel Mtten oder tätigen Teilhabe« mit 35000 - 40000 Reichsmark Bareinlage. Schriftliche Angebote unter Nr. 0807 an die Expedition des Gießener Anzeigers erbeten. Konsumverein Gießen allmSegenil e. G. m. b. H. Peischinöustrie fNtona Wir empfehlen unteren Mitgliedern aus unteren eigenen moderntt eingerichteten FleitchWarenfabriken bei nur erftklaffiger Qualität und günftigftem Tagespreis: Autz- und drennholzversteigeruna der Stadt Laodach am Samstag, dem 4. Jebruat 1928, im Forstort Strauches. 1174V Langholz (Güteklasse N). sichte: la 8 St.. 1,19 fm; 1b 11 St., 3,04 fm; 2a 7 St., 2,73 fm; 2b 2 St., 1,73 km; 3a 1 St., 1,20 fm. Lärche, la 3 St, 0,37 fm; 1b 3 St, 0,64 fm. Abschnitte. Kiefer: 2a 1 St., 0,28 fm (N); 3a 0,51 fm (F). Derbstangen. Fichte: 22 St. I.Kl.; 13 St. 2. Kl.; 92 St. 3. Kl. Reisslängen: 162 St. 4. Kl.; 614 St. 5. Kl.; 887 St. 6.Kl. 1715 St. 7. Kl. (Bohnenstangen). Brennholz, rm Scheiter: 69 Buche. Knüppel: 325 Buche. (Stammknüppel); 42 Hainbuche; 14 Eiche; 10 Kiefer; 4 Kirschbaum. — Reiser. Buche: 34 I.Kl. (Knüvpelreiser); 473 2. u. 3. Kl. (Stamm- und Astreiser). — Stöcke. 2 Eiche. Anfang 10% Ahr auf der Straße ßaib bach—Röthges, Waldeingang auf der Lau bacher Seite. Für mit dem Zug 9 Uhr 50 Min. Haltestelle Wetterfeld eintreffende Steigerer Führer an der Haltestelle. Das Nutzholz kommt unvorhergezeigt beim Feuer zum Berkaus. Laubach, den 31. Januar 1928. hessische Bürgermeisters Laubach. Zagdverpachtung. Die Jagdnutzung des gemeinschaftlichen Jagdbezirkes Dornholzhausen soll am Samstag, dem 18. Februar 1928, nachmittags 3 Ahr, in der Gastwirtschaft Schis- ferstein zu Dornholzhausen auf eine neun* lährige Zeitdauer, und zwar vom 1. April 1928 bis zum 31. März 1937, öffentlich meistbietend verpachtet werden. 1238V Der Jagdbezirk hat eine Größe von 542 Hektar, davon sind 356 Hektar Feld und 186 Hektar Wald. Die Jagd hat einen guten Rehwildbestand. Schwarzwild kommt ständig als Wechselwild vor. Der Jagdbezirk ist von der Bahnstation Lang-Göns in etwa einer halben Stunde erreichbar. Außerdem besteht Privatautoverbindung von Butzbach nach Dornholzhausen und umgekehrt. Die Pachtbedingungen werden im Verpachtungstermin bekanntgegeden. Nähere Auskunft erteilt der unterzeichnete Jagdvorsteher. Dornholzhausen (Kreis Wetzlar), den 30. Januar 1928. Dienstag, den 7. Februar, kommt im hiesigen Gemeindewald, Forstorte Großer und Kleiner Hausberg, Langscheid und Bomm* röderschloß, nachverzeicynetes Anfang und Zusammenkunft vormittag« 9 llhr am Eingang des Waldes an den drei Hohlen. Das Eichen- und Eschen* Stammholz kommt zuerst zur Versteige* rung, während alles übrige Holz im Gro* tzen und Kleinen Hausberg gegen 11 Uhr zur Versteigerung kommt. Von Der Station Butzbach ist Autoverbindung des Autoverkehrs Butzbach und Umgegend um 8.45 Uhr und 10.30 Uhr nach Hochweisel. Hochweisel, den 1. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei. Diehl. Frei tag, den 3. Februar 1928z nachmittags 2 Llhr l229 versteigere ich im soweit", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. zwei Schranke, zwei Büfetts, einen Diwan, zwei Schreibtische, eine Schreibmaschine, zwei Sofas, zwei Waschtische mit Spiegel* aufsah, eine Schreibladenkasse, eine Chaise* longue, einen Ofen, einen Eisschrank, einen Handwagen, zwei Küchenschränke, eine Auf* schnittmaschine, 20 Flaschen Wein, einen Kleiderschrank, ein Vertiko, eine Kommode, zwei Warenschränke, einen Kastenwagen, eine Partie Spielsachen, fünf Bilder. 2. Voraussichtlich bestimmt: ein Fahrrad. Gerichtsvollzieher in Gießen Oammstr. 24 I.,Teleph. 239. Arbeitsvergebung. Für die Feldbereinigungs-Gesellschaft Harbach sollen auf dem Rathaus zu Harbach 1222V Fuhrleistungen, zu RM. 393,— Drainagearbeiten, zu RM. 4000,— Liefern von Pflöcken, zu RM. 30,— veranschlagt, in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen aus Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postsrei bis zum Eröffnungster- mm am Mittwoch, dem 8. Februar b.3^ vormittags 10 Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist: drei Wochen. Gießen, den 27. Januar 1928. Hessisches Kulturbauamt. I. V.: Mangold, Regierungsbaurat. Fünf Hosen-Tage §L^der Mk. 6.40 Mk. 5.80 Mk. 4.80 Mk. 3.80 Bekanntmachung. Nachdem die Wahlen zu den Organen unserer Stoffe durchgeführt sind, geben wir hiermit deren Zusammensetzung für die Wahlperiode 1928/32 bekannt: vocstaud. Vertreter der Versicherten. Herber, Friedrich, Lagerhaller in Großen- Buseck. Müller, Heinrich, Wagner in Lich. Hofmann, Friedrich, Lagerhalter in Heuchelheim. Becker, Ludwig, Kistenmacher in Wieseck. Pfeiff, Adolf, Lagerhalter in Wieseck. Stecker, Heinrich II., Farbmüller in Alten- Buseck. Vertreter der Arbeitgeber. Allmendinger, Georg, Fabrikant in Grünberg. Kreiling, Georg, Bürgermeister in Heuchelheim. Nuhn, Balthasar, Zimmermeister in Lollar. Ausschuß. Vertreter der versicherten. Steiniuüller, Friedrich, Erdarbeiter in Heuchelheim. Sack, Karl, Metallarbeiter in Heuchelheim. Stein, Johann, Obermälzer in Lich. Möckel, Georg Willi, Lagerhalter in Watzenborn-Steinberg. Stiehl, Christian, Schießmeister in Alten- Buseck. Reitz, Georg, Schreiner in Langsdorf. Laucht, Wilhelm, Zementarbeiter in Gleiberg. Schmidt, Karl X., Schleifer in Rodheim an der Bieber. Hantel, Albert, Lagerhalter in Großen- Linden. Alles, Heinrich, Maurer in Lich. Gerlach, Karl IV., Ziegeleiarbeiter in Rod- heim an der Bieber. Görnert, Heinrich, Sägewerksorbeiter in Hungen. Zehner, Karl, Brenner in Fellingshausen. Reitschmidt, Balthasar, Werkmeister in Watzenborn-Steinberg. Bremer, Georg, Metallarbeiter in Fellingshausen. Waaenbach, Ludwig, Schaffner in Wieseck. Mählich, Wilhelm, Zementarbeiter in Detz- berg. Knorr, Fritz, Hilfsarbeiter in Gießen. Schreiner, Heinrich, Werkmeister in Wieseck. Arnold, Johannes, Zimmermann in Stein- SMfffoo oof BoWongeo Zu den bei der hessischen Staatsforstver- wallung üblichen Kaufbedingungen stellen wir zur Submission: 1173V 25 000 Stück Bohnenstangen nach hessischer Sortierung; Reisstangen 5. bis 7. Klasse. Es handelt sich ausschließlich um Erd- stämmchen und gesundes Holz. Die Stangen lagern in den Försterbezirken Schotten-Süd, Eichelsachsen, Burkhards und Kaulstos und können jederzeit vorgezeigt werden. Angebote mit der Aufschrift „Boh- nenf(angcn-Submiffion“ werden erbeten bis Montag, den 13. Februar, vormittags 10 Ahr, auf unserem Amtszimmer. Schotten, den 30. Januar 1928. Hessisches Forstamt Schotten. Derbstangen. 2. u. 3. Klasse 37 Stück, fe 41 Stück, 79 Stück, Donnerstag, 2. Februar 1928 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Nr. 28 Drittes Blatt Mragen der Gießener KommunalpoM ie Möchten eL sich jetzt nur alle noch fernstehende Vereine und Verbände zur Aufgabe machen, sich der Organisation anzuschliehen und mitzuhclfen an dem groben Kulturwerk der Hebung und Förderung des deutschen Männergesanges und zur Pflege des deutschen Liedes. E. K. Der finanzielle Theaterskandal in Zranksurt WER. Franksurt o M., 31. San. Inder ceut-ei St d ver r'neter. ve sarnm- lung entspann sich im Anschluß an den gedruckt vorliegenden Bericht des Hntersuchungs- ausschusses über das städtische Theater- Wesen und die Verfehlungen des Direktors Müller-Wieland eine lebhafte Debatte, in der Redner aller Parteien das Wort ergriffen. Es wurde dem Magistrat zum Vorwurf gemacht, daß er, trotzdem die Verfehlungen von Müller-Wieland schon seit längerer Zeit bekannt waren, nicht gegen den Direktor eingeschritten sei, sondern ihn geradezu noch geschützt und in anerkennenden Worten über seine Tätigkeit gesprochen habe. Es sei unverantwortlich, dab man nicht sofort gegen ihn vorgegangen sei, sondern erst endgültige Beweise habe abwarten wollen. Es wurde auch die Forderung eines Volkstheaters, das ohne Zuschüsse arbeite, erhoben. Der Unter» suchungsausschus; soll noch einen zweiten Bericht ausarbeiten, der Pläne zur Verminderung des Defizits enthalte. Die Bewilligung des Rachtrags für das erste Vierteljahr 1928 in Höhe von 460 000 Mark wurde von der Mehr- Wirischast. Oer Reichswirffchafisminister und die Eisenpreise. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat der R e i ch s wir t sch a f t s m t n i ste r auf Grund deS 8 4 Abs. 1 Ziffer 3 der Verordnung gegen Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen vom 2. Rovember 1923 im Hinblick darauf, dah die Art der Durchführung der weiter unten genannten Kartellverträge, die in der im Januar 1928 beschlossenen Festsetzung von Preisen und Geschäftsbedingungen für Walzerzeugnisse zum Ausdruck gekommen ist, die Gesamtwirtschaft und das Gemeinwohl gefährdet, angeordnet, daß dem Reichswirtschaftsminister künftig Abschrift aller zur Durchführung der nachgenannten Kartellverträge getroffenen Beschlüsse. Vereinbarungen und Verfügungen. soweit sie Regelungen der Preise oder Geschäftsbedingungen betreffen, einzureichen sind, und daß Maßnahmen dieser Art erst nach Zugang der Abschrift in Kraft treten. Die Der- ordnung bezieht sich auf folgende Kartell- ver träge und die zu deren Ergänzung ergangenen Beschlüsse und Anordnungen: 1. Vertrag der Rohstahlgemeinschaft (te Kraft getreten am 1. Rovember 1924), 2. Derbands- vertrag betreffend Halbzeug, Eisenbahn-Oberbau- material und Formeisen (in Kraft getreten am 1. Mai 1925), 3. Vertrag des Stabeisenverbandes (in Kraft getreten am 1. August 1925), 4. VerbandSvertrag betreffend Bandeisenvereinigung (in Kraft getreten am 7. August 1925), 5. Vertrag betreffend Grobblechverband (in Kraft getreten am 26. Juli 1927), zu 1 bis 5 einschließlich der Verträge, welche diese Vereinigungen bzw. Verbände mit dem Stahlwerksverband A.-G. Düsseldorf alS ihrer Geschäftsstelle geschlossen haben. Es wird also hier seitens des ReichSwirt- schaftSmtnisteriumS für die Folg« eine Kontrolle über die Preispolitik der Eisenverbände auf Grund des Kartellgesetzes eingerichtet, wenngleich der Reichswirtschaftsminister ein Vetorecht gegenüber den Eisenverbänden nicht hat. wie er es gegenüber dem Kohlensyndikat besitzt. Der Reichswirt chafts- inmister folgt damit der in der Oes'"ntlicbkeit an der Cisen-Prei er ö)ung geübten Kr ti , all r- dings erstreckt sich die von ihm angeiund-gte Maßnahme erst auf die Zukunft. Wichtig ist jedoch, daß nach seiner Mitteilung eine Nachprüfung der letzten Preiserhöhung im Flusse ist, die schon seit längerer Zeit in die Wege geleitet ist. Von dem Ergebnis dieser Untersuchung wird es abhängen, ob der Reichswirtschaftsminister von dem ihm nach der Kartellverordnung zustehenden Recht, die Verbände der Eisenindustrie zu kontrollieren, in dem Sinne habe entwerfen lassen, die Durchführung aber an der Finanzfrage bisher gescheitert sei. Ferner beschäftigte man sich noch in sehr eingehender Debatte mit der Frage der R u h b a r - machung der Volkshalle. Es wurde gefordert, daß diese Einrichtung nicht wieder an zweifelhafte Unternehmungen vergeben werde, die nur das Ansehen unserer Stadt gefährden und außerdem auch die Dürgerfchaft schädigen würden. Den Vereinen solle man für die Volkshalle n i ch t m e h r e i n e s o h o h e M i e t e abfordern, wie es bisher geschehen sei, damit eher einmal die Möglichkeit gegeben sei, eine Veranstaltung in der Volkshalle durchzufuhren. Bei dieser Gelegenheit wandte man sich auch dagegen, dah Veranstaltungen von Behörden und manchen Vereinen in den Räumen eines Privatunternehmens veranstaltet werden, anstatt in den Hotels und Gasthausbetrieben, die doch mit steuerlichen Lasten gerade genug bedacht seien. DieW ochenendbestrebungen hätten bisher für unsere Stadt wenig Ruhen gebracht, es sei zu überlegen, ob man diese Bemühungen weiter fortsehen solle. Das gewohnte Gießener Jugendfest wurde von mehreren Rednern dringend gewünscht, man solle es zu einer traditionellen Gießener Veranstaltung ausbauen. Lebhaft beklagt wurde von verschiedenen Rednern die mangelnde Zusammenarbeit der Vereine mit dem VerkehrsverEr wandte den Kopf sinnend aus dem Fenster. Es war auch sein geheimster Wunsch, bei der jungen Baronesse die Faden jetzt wieder anknüpfen und weiterleiten zu können, wo sie die Trennung im Spätsommer schied. „Meine Großeltern haben sofort Vorkehrungen getroffen, um wieder ins Elsaß uberzusiedeln. Die achtundoierzig Jahre, die sie seit ihrer Auswanderung aus dem Elsaß aus Opposition gegen die Herrschaft der Preußen in Frankreich verbrachten, haben die alten Leute im stillen doch immer als eine Art Verbannung betrachtet. Jetzt bin ich ihnen vor- ausgefahren, ich möchte sagen: als Quartiermacher. Ich suche ihnen inzwischen Wohnung, und dann werden sie hier auch eintreffen." „Und Sie, Monsieur Bouoier? Sie werden bann wieder in Ihre Heimat, in die schöne Provence zu- rückkehren? Dort werden Sie kaum unter so grauen Dezembertagen stehen wie wir hier! O, ich möchte auch die Provence kennen lernen!" Er war klug genug, ihre letzten Worte als das- jenige richtig einzuschätzen, was sie waren: die Aeußerung einer impulsiven Lebensfreude, die sich nach südlicher Sonne, nach Glanz und Licht und Melodie sehnte. Monsieur Jean Paul Bouvier war ein gewiegter Frauenkenner. Sein Instinkt riet ihm, sich eine gewisse Reserve in seinen geheimsten und persönlichsten Wünschen im Augenblick aufzuerlegen. Melusine hatte ihm schon damals bei ihren Begegnungen im Hause seiner Großeltern den vornehmsten Eindruck gemacht. Jetzt aber, wo er sie so vollkommen in ihrem Rahmen sah, in den sie gehörte, und aus dem sie heraus ausgewachsen war, grenzte seine Bewunderung und sein Staunen für sie ans Märchenhafte. Alles sagte ihm nicht nur, daß sie eine sehr hübsche, vornehme junge Dame sei, sondern auch zweifellos sehr wohlhabend. Er würde es durchaus als Glücksfall zu betrachten haben, wenn dieses entzückende junge Wesen tatsächlich seine Zuneigung erwidern würde. Denn schließlich war er selbst doch nur im Grunde ein Musiklehrer, der in einer mittelgroßen Stadt der Provence ein allerdings lebhaftes Interesse genoß. Aber neben seiner unleugbaren musikalischen Begabung verdankte er den Erfolg seiner angeschwärmten Persönlichkeit auch zum großen Teil seinem Aeußeren, das für französische Begriffe bestechend war, und der etwas nonchalant-cheva- e l n nach der Richtung hin, daß eine ! Verteilung der Dereinssest ten zum Rutzen aller Beteiligten stattfinde. Der Vorstand des Verkehrsverei"S habe sich in dieser Sache wiederholt an die Vereine gewandt, ebenso auch die Stadtverwaltung, aber beide hätten mit ihren wohlgemeinten Vorschlägen bei den Vereinen bis jetzt kein Gehör gesunden. Sehr beklagt wurden ferner die Mißstände in unserem Bahnhossgebäude, die trotz aller Vorstellungen seitens des Verkehrsvereins noch unverändert fortbestehen. Von d»r Reichsbahnverwaltung müsse endlich einmal den berechtigten Forderungen der Gießener Bürgerschaft auf die Beseitigung der unhaltbaren Zu» stände in dem> Bahnhofsgebäude (Verlegung der Gepäckabfertigung. Beseitigung der jetzigen Sperre inmitten der Halle, bessere Anordnung der Abortverhältnisse usw.) Rechnung getragen werden. Auch die Hinausverlegung der oberhessischen Bahnen aus dem Stadtbereich wurde bei dieser Gelegenheit sie mit leichtem Griff über die Knie von ihnen beiden. Dann glitt der Wagen auf die Straße hinaus, und das Zimmermädchen war über diese ganze Begegnung so beruhigt, daß sie es nicht für nötig fand, der Frau Baronin hier Mitteilung über dieselbe zu machen. Die ersten Momente saßen die beiden schweigend nebeneinander. Sie mußten erst zu dieser ganzen Situation, die sich mit solcher Urplötzlichkeit über sie gestürzt, eine Distanz gewinnen. Monsieur Bouoier, der seinerseits wenigstens auf ein Wiedersehen mit Melusine vorbereitet gewesen war, brach zuerst das Schweigen. „Welch eine Liebenswürdigkeit, Baronesse, mir Ihre Begleitung während Ihrer Fahrt zu gestatten. Sie erraten, wenn Sie vermuten, daß mein Besuch dem Hause Welzin, in der Hauptsache Ihnen persönlich galt." „Ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu können, Monsieur Bouoier! Denn — — sie stockte. Sie fand die weiteren Worte nicht. Sie konnte chm nicht sagen, wie oft sie inzwischen die welken Rosen- blätter der La France aus ihrem Taschentuchbehälter genommen, um den süßen, ersterbenden Duft der gepreßten Blätter einzuatmen! „O, Baronesse, meine Prophezeiung hat sich schnell erfüllt. Entsinnen Sie sich noch? Wir ließen unsere Gläser erklingen auf ein Wiedersehen in der Heimat! Auf ein baldiges Wiedersehen im Schatten des Straßburger Münsters! Jetzt hat sich das alles erfüllt" „Was wird nun?" platzte sie aus ihren unklaren Gedanken heraus. Sie mußte Klarheit haben über den Grund seines plötzlichen Auftauchens hier! „Es geht eine ungeheure Welle der Begeisterung durch Frankreich, seitdem unsere Truppen das Elsaß besetzt haben! Alle Journale sind voll von den Beschreibungen des glänzenden Empfanges, den unsere Truppen im Elsaß, ganz besonders hier tn Straßburg gefunden." „ya, es war gewaltig", stimmte sie zu. Seine lebhaften dunklen Augen leuchteten in dem Halbschatten des Wagens. Draußen begann nach einem kurzen Nachmittage die Dämmerung des De. zembertagcs früh hereinzusinken. „Wundervoll ist dieser Glaube an Frankreich! Man wird alle Faden hier da wieder anknüpfen können, wo sie vor achtundvierzig Jahren durch das Schicksal so grausam abgerissen worden sind!" zahl als nicht zu umgehen in Aussicht gestellt. Von der sozialdemokratischen Stadtverordneten- frattion wurde der Antrag gestellt, die Bühnen in städtische Regie zu nehmen, dem sich auch Dr. Rhode von der Wirtschaftspartei anschloh. Als Vertreter des Magistrats ver- teibigte Stadtrat Dr. Michel die Stellungnahme des Magistrats, der nicht eher gegen Müller-Wieland habe vorgehen können, bis vollgültige Beweise für seine Verfehlungen erbracht waren. Der Untersuchungsausschuß habe sich nur mit den Ausgaben der Städtischen Bühnen A.-G. befaßt und sie kritisiert, während er die Einnahmen. die teilweise eine Rechtfertigung für die Ausgaben darstellen, überhaupt nicht in Betracht gezogen habe. Der Magistrat werde natürlich Vorschlägen, die die Kommission über die rentablere Gestaltung des Dühnenbetriebs noch zu machen habe, gern nähertreten. Rach mehrstündiger Debatte fanden die Abstimmungen statt. Die Anträge der Hntersuchungskommission wurden angenommen. Desgleichen fand der Antrag der sozialdemokrattschen Partei auf Heber» sühru n g der Theater in städtische Regie eine Mehrheit. Ein Antrag Gemein- der (Rat.-Soz.). den Aufsichtsrat zu ersuchen, sofort sein Amt niederzulegen und Stadtrat Meckbach und Oberbürgermeister Dr. Land- mann für den durch Müller-Wieland entstandenen Schaden regreßpflichtig zu machen, sowie dem Magistrat ein Mißtrauensvotum auszusprechen, wurde ab» gelehnt. leresfen Art, mit jungen Mädchen und Frauen um- zugehen. „Ich weiß noch nicht, wie sich mein eigenes Schick- jal gestalten wird, Baronesse. Don meinen Quartier» gebern hier — es sind alte Freunde meiner Großeltern wurde mir gestern abend angeraten, mich als Professor der Musik niederzulassen. Jftidjt nur, um Unterricht an hochwertig begabte Schüler zu geben, sondern um mich auch als Orchesterdirigent zu betätigen. Auch das musikalische Leben wird hier großen Umwälzungen entgegeggehen. Selbstoer- stündlich werden die deutschen Musikgrößen hier sofort aufhören, ihre Rolle zu spielen. — Und da hieß es, klug sein, wenn man sofort bei Beginn der großen Verschiebungen den Fuß hier hereinsetzte: Ja, das war die Meinung meiner Straßburger Getonnten hier." Melusine hörte ihm schweigend zu. Er war sich nicht sicher, ob sie tatsächlich noch das Interesse für ihn besaß, wie es damals im Spätsommer den An- schein gehabt hatte. Ihr Schweigen, ihr Nachdenken, ihr« vollendete gesellschaftliche Sicherheit und Reserve reizte ihn rm stillen nur noch stürmischer, um sie zu werben. Anscheinend glitt ihr Blick über all die Bilder, die draußen an den Fenstern des Wagens vorüberhuschten und jetzt in der winterlichen Nachmittagsstunde alle etwas Schemenhaftes hatten. Im Grunde jedoch hörte sie ihm mit wacher Aus- merksamkeit zu. Sie zog plötzlich einen Vergleich zwischen ihm und Dietwart. In der Unterhaltung war Dietmar! geift» reicher, klüger, interessanter, er bot mehr Positives und Gediegenes. Aber dieser eigenartige Wohlllang in der Stimme von Monsieur Bouvier? — Sonderbar, sie begann sie wieder einzuspinnen, wie damals in Frankreich. — „Meine eigenen Zukunftspläne kommen erst in zweiter Linie. Es hieß jetzt erst: für meine greifen Großettern hier Pionierdienst tun und ihnen Obdach besorgen. Und dann — ich kann es Ihnen nicht verhehlen, Baronesse, dann lockte mich der Gedanke: Sie Wiedersehen zu "tonnen! Das vielleicht rvar der ureigenste Grund meines Kommens, schon so schnell nach dem Einzug unserer Truppen. Ich habe es kaum erwarten können, bis es mir heute möglich war, mich nach Ihrem Hause durchzufragen, um Ihm en meine Aufwartung zu machen. (Fortsetzung folgt.) Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 33 Fortsetzung Nachdruck verboten. „Monsieur Bouvier?" Und als er nun mit einigen Schritten unmittelbar vor ihr stand, um sich über ihre Hand zu neiaen, fragte sie mit einer Stimme, die durch ihren starken Herzschlag in diesen Augenblicken zitterte: „Monsieur Bouvier? Sind Sie es wirklich? Wie ist es nur möglich?" Er hatte ihre ausgestreckte Rechte geküßt und trat einen Schritt zurück. Auch er war tief erregt. Man horte seinen Atem sich leise senken und heben. Da wurde ihr die Anwesenheit von Chauffeur und Zimmermädchen lästig. Was brauchte man ein Wiedersehen unter den neugierigen Blicken der Demostiken zu feiern? Die verschiedensten Erwägungen zuckten ihr durch den Sinn. Aber sie war nicht nur eine gewandte Weltdame, sondern auch eine kluge Evastochter, und als diese übersah sie sofort die ganze Situation. Ein Entschluß, jetzt hier zu bleiben, war nicht ratsam. Dann konnte sein unvermutetes Kommen ihrer Mutter nicht verheimlicht bleiben. Auch wurde ihr Bruder jeden Moment zurückerwartet. Ihm durfte der junge Franzose jetzt erst recht nicht begegnen, wo die Stimmung gerade in ihrem engsten Familienkreise seit Tagen so unharmonisch, so zerrissen, so voll Unklarheit und Unoffenheit war! Und um den neugierig fragenden Blicken der beiden Domestiken mit einem Schlage zu entgehen, jagte sie mit großer Gewandtheit: „Welche Ueberraschung ist Ihr Kommen! Gewiß sind Sie auf dem Wege, sich die Abresse meiner Großmutter hier holen zu wollen? Da trifft es sich vorzüglich! Ich stehe eben im Begriff, ihr einen Besuch abzustatten. Ich glaube, es ist vielleicht das Einfachste, und das Beste, Sie besteigen gleich den Wagen und begleiten mich nach Schloß Hammerschlag hinaus!" Monsieur Jean Paul Bouoier war nicht auf den Kops gefallen. Er begriff sofort die Situation und den Grund ihres Vorschlages. Deswegen nahm er mit einigen höflichen Dankesworten an und bestieg hinter der Baronesse das Auto,. Das Zimmermädchen reichte die Wagendecke herein. Melusine zog 3n der kommunalpolitifchen Erörterung gelegentlich der Jahreshauptversammlung des Gießener Verkehrsvereins am Dienstagabend wurde zunächst aus der Mitte der Versammlung an den Beigeordneten Dr. Hamm die Frage gerichtet, wann die jetzige Verkehrsregelung im Seltersweg eine Aenderung erfahre, die den berechtigten Wünschen der Bewohner Rechnung trage. Beigeordneter Dr. Hamm antwortete darauf in der gestern schon berichteten Weise. Darauf wurde von Herrn W o h l m u t h zur Sprache gebracht, daß nach Aufzeichnungen in den Akten des Gleibergvereins schon vor etwa SCO Jahren der erste Ritter von Gießen genannt werde, so daß unsere Stadt im nächsten Jahre mindestens 800 Jahre alt sei. Auch der Schiffenberg und der Gleiberg könnten dann auf ein 700- bzw. lOOOjähriges Bestehen zurückblicken. Der Gleibergverein plane aus diesem Anlaß die Veranstaltung eines dreitägigen Festes mit historischem Festzug. Beigeordneter Dr. Hamm warnte davor, aus der Erwähnung des ersten Ritters von Gießen allein schon auf das 800jährige Bestehen unserer Stadt zu schließen. Für eine Stabtgründung im mittelalterlichen Sinne sei diese Aufzeichnung nicht ausschlaggebend: maßgebend sei vielmehr, ob unsere Stadt damals schon nach den seinerzeitigen Vorschriften eine Mauer, eigene Gerichtsbarkeit, eigenen Markt und eigene Verwaltung, d. h. Stadtrat, gehabt habe. Rur wer dieS nachweisen könne, habe den Beweis geführt, daß eine Stadtgründung Im mittelalterlichen Sinne nach den Gesetzen der wissenschaftlichen Forschung vorgelegen habe. Für unsere Stadt Gießen sei dies noch zweifelhaft, und infolgedessen fei auch davor zu warnen, etwa eine Jubiläumsfeier zu veranstalten, die wissenschaftlich nicht begründet sei, denn sonst würde man sich vor der wissenschaftlichen Welt lächerlich machen. 2m weiteren 03erlaufe der Aussprache wurde aus der Mitte der Versammlung heraus der Wunsch laut, auf dem W o ch e n m a r k t p l a h endlich eine Markthalle oder doch wenigstens einen überdeckten Stand für die Marktverkäufer zu schassen, damit diese nicht allen Hnbilden der Witterung preisgegeben seien. Stadtv. S ch w i e» der und Beigeordneter Dr. Hamm wiesen darauf hin, daß ersterer eine solche Einrichtung schon früher beantragte und letzterer ein Projekt eingehend erörtert. Beigeordneter Dr. Hamm machte hierzu die interessante Mitteilung, daß die Stadtverwaltung vor längerer Zeit deswegen mit der Reichsbahndirektion Frankfurt verhandelt habe. Die Reichsbahnverwaltung sei bereit, diesem Verlangen der Stadt Gießen zu entsprechen, ein Projekt über die Verlegung der oberhessischen Dahnen sei ausgearbeitet worden, die Kosten hierfür beliefen sich auf 8,5 Millionen Mark. Wenn die Stab tGi eßen sich bereit erkläre, diese 8,5 Millionen Mark z u bezahlen, dann wolle die Reichsbahn die oberhessischen Strecken aus der Stadt hinausbringen. Daß unter diesen Hmständen natürlich auf Jahre hinaus nicht an eine Beseitigung dieses großen Mißstandes zu' denken ist, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Schließlich wurde noch von einem Gastwirt, zugleich im Auftrage mehrerer Vereine, gefordert, dah der VerkeAsverein sich gegen die jetzige hohe Bemessung der Vergnügungssteuer wenden solle. Die Aussprache hat gezeigt, dah das kommu- nalpolitische Interesse in weiten Kreisen der Bürgerschaft sehr rege ist. Der Derkehrsverem hat dabei eine Fülle von Anregungen erhalten, die ihm für baS neue Geschäftsjahr ein reiches Arbeitsprogramm mit auf den Weg geben. Die Organisation des Sefs.SängerbundesinOberhessen Mit dieser wichtigen Frage, mit der eine gedeihliche Weiterentwickelung des Männerchorwesens im allgemeinen in engster Verbindung steht, hat sich der Vorstand des H. S. B. schon wiederholt und eingehend befaßt. Immer wieder standen die zu dieser Arbeit Berufenen vor einer Ausgabe, die zu lösen die Heberwindung von großen Schwierigkeiten erforderte, die zum Teil in der geographischen Lage der Provinz selbst, als auch den beiden anderen hessischen Provinzen gegenüber zu erblicken waren. Die größte Klippe zur Erreichung einer geschlossenen Einheit bildeten jedoch immer wieder die in unserer Provinz bereits bestehenden Sängerverbände, die zum größten Teil auf eine langjährige, traditionsreiche 03 ergangen» heit zurückblicken und mit Recht auf ihrer unbedingten Selbständigkeit neben jeder anderen Organisation beharrten. Ein am 4. September v. I. in Gießen im Cafö Leib stattgehabter Provinzialsängertag, zu dem der Hauptbundesvorstand erschienen war, faßte nach'langer Aussprache den Beschluß, alle bis jetzt bestehenden Bünde als selbständige Gaue bestehen zu lassen und neben diesen die sechs geographischen Kreise der Provinz als sog. Sammelgaue zu bilden, in denen sich alle die Vereine zusammenschliehen sollten, die keinem Hnter- bunb des H. S. D. direkt angehören wollten. Man schasste also 11 selbständige Gaue deren Bildung man damals schon von verschiedenen Seiten mit großem Bedenken gegenüberstand. Am vorigen Sonntag fand nun abermals eine Sitzung des Provinzialvorstandes unter der Leitung des Vorsitzenden Lehrer Gengnagel (Grünberg) statt, zu der auch die Vorsitzenden der einzelnen Bünde (Gaue) erschienen waren. Auf der Tagesordnung stand wieder einmal das Schmerzenskind, die Organisation des Hess. Sängerbundes in der Provinz Oberhessen. Rach reichlicher Aussprache im kleinen Kreise stand die Versammlung einmütig auf dem Standpunkt, dah die auf dem Provinzialsängertag am 4. September geschaffene Teilung der Provinz in 11 Gaue von theoretischen Gesichtspunkten aus wohl für richtig gehalten wurde, jedoch eine praktische Durchführung sich als vollständig unmöglich erwies. Außerdem konnte man feststellen, daß außer den bis jetzt gegliederten 11 Gauen noch 15 weitere, dem H. S. B. bis jetzt fernstehende Sängerbünde bestehen, die nach eventueller Erfassung und Angliederung die stattliche Zahl von 26 selbständigen Gauen repräsentieren würden, eine Heberorganisation, die sich für die edlen Bestrebungen der Gesangvereine nicht fördernd, sondern unbedingt hemmend auswirken mühte. AuS all diesen Gründen schritt man zu einer neuen Gliederung und teilte die Provinz Oberhessen in 4 grobe Gaue, und zwar den Gau (Siebener Decken, Gau Wetterau, Gau Vogelsberg-Rord und Gau Vogelsberg-Süd. Diesen vier Gauen wurden die entsprechenden Dünde mit Einverständnis der anwesenden 03er» treter als geschlossene Bezirke eingegliedert. Hier» mit dürfte wohl auch diesen in weitgehendstem Mähe Rechnung getragen, sowie deren unantastbare Selbständigkeit voll und ganz gewährleistet sein. Die in aller Kürze beabsichtigten Gausängertage wählen ihren Gauvorstand, dem auch alle jeweiligen Bundesvorsitzender! der Hnterverbände ohne besondere Wahl angeboren sollen. Alle Vereine innerhalb des Gaues, die keinem Hnterbunbe angeschlossen sind, unterstehen dem Gauvorstande direkt. Die Versammlung stand geschlossen auf dem Standpunkt, durch diese neue Gliederung mm endlich eine Organisation geschaffen zu haben, durch die wir uns in Oberhesfen würdig an unsere Rachbarprovinzen anreihen können und durch die eine gedeihliche Weiterentwicklung des H. S. B. gegeben ist, wodurch auch er als ein, fest geschossenes Glied der großen Kette des mächtigen Deutschen Sängerbundes gebucht werden kann. Gebrauch macht, bah er die jüngst vorgenom- mene Erhöhung der Gisenpreise verurteilt. Wenn der Minister es für notwendig hält, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen. ein Warnungssignal aufzuziehen. um für die Zukunft ähnlichen Heber- raschungen vorzubeugen, so liegt gewiß in diesen Worten bereits eine Verurteilung der letzthin vorgenommenen Eisenpreiserhöhung. Den Grund zu dieser immerhin überraschenden Stellungnahme des Reichswirtschastsministers. der bekanntlich selbst früher vor der Hebernahme seines hohen und verantwortlichen Amtes zu der Schwerindustrie in engsten Beziehungen gestanden hat, mögen wohl in erster Linie die süddeutschen Proteste der dort ansässigen eisenverarbeitenden Industrie abgegeben haben, die auch politisch in der Befürwortung der bayerischen Regierung eine starke Stütze gefunden haben. Dieser Schritt ist um so bedeutungsvoller, als unsere Konjunkturentwicklung, wenn auch nicht rückgängig, so doch bestimmt gedämpft ist. Wir hoffen, daß die von einer objektiven Stelle, dein Reichswirtschaftsministerium, vorgenommenen Untersuchungen nach den vielen Erörterungen für und gegen die Preiserhöhung für Eisen die Frage entscheiden, ob sie berechtigt oder nicht berechtigt war. Eine Verteidigung der Eisenpreiserhöhung. Wenn in einer so bedeutenden Gesellschaft wie der Rheinisch-Westfälischen Stahl- und Walzwerke A. G. der Auf- sichtsratsvorsitzende seinen Standpunkt in der Frage der Eisenpreiserhöhung und über die Loge der Eisenindustrie ausspricht, so kann man annehmen, daß seine Verteidigungsrede für den größeren Teil der Eisenindustrie Gültigkeit hat und maßgebend ist. Da es sich hierbei um grundsätzliche Probleme handelt, die sich überhaupt aus der Entwicklung der durch internationale und nationale Kartellverbindungen zusammengeschlossenen Rohstofsindustrien ergeben, so verdienen die Ausführungen nicht nur die Beachtung der an dem Unternehmen selbst interessierten Aktionäre, sondern der Oefsentlich- feit. Der Aufsichtsratsvorsihende der Gesellschaft wirft dem Reichswirtschaftsminister im Hinblick aus den Eingriff in die Eisenindustrie Rückfall in die Zwangswirtschaft vor und sieht darin, daß die Eisenindustrie „unter Kuratel" gestellt werde, nicht nur eine Schädigung ihrer Kreditaufnahmefähigkeit, sondern auch ihres internationalen Ansehens. Hnseres Erachtens werden mit solchen Ausführungen, die im Interesse und vorn Standpunkt der Eisenindustrie berechtigt sein mögen, vollkommen die allgemein wirtschaftlichen Belange außerhalb der Betrachtung gelassen, die gerade in einem solchen Falle, wie dem der Cisenpreiserhöhung, doch zweifellos ein Eingreifen des Reichswirtschastsministers als dem berufenen Vertreter der allgemein wirtschaftlichen Interessen erfordert haben. Der Reichswirtschaftsminister sieht zunächst eine Gefährdung, und die von ihm eingeleitete Untersuchung dürfte ja wohl erweisen, ob tatsächlich eine Schädigung der Gesamtinteressen vorliegt. Oer Geldbedarf der Reichsbahn. Schon in dem Bericht deS Kommissars für die Reichsbahn wird auf den steigenden Geldbedarf dieses Instituts aufmerksam gemacht und auf die Möglichkeit hingewiefen, daß weitere Tarifhinoufsetzungen notwendig werden. Wie es aussieht, ist die Reichsbahn im Augenblick von dem Gedanken, der unzweifelhaft erwogen wurde, wieder abgekommen, die Wirtschaft mit gesteigerten Tarifen zu belasten. Sie sagte sich nicht mit Unrecht, daß Tariferhöhungen nur wieder die Materialkosten in die Höhe jagen würden und daß weiter jede Verschlechterung des Güter- oder Personentarifs eine verminderte Beanspruchung der Reichsbahneinrichtungen zur Folge haben müßten. Es blieb also unter diesen Umständen zunächst nichts anderes übrig, als sich auf den in - und ausländischen Geldmärkten nach kapitalkräftigen Bankgruppen umzusehen. Die im Ausland seit langem geführten Verhandlungen sind bisher ergebnis- l o s verlaufen, dafür ist es aber gelungen, mit einer deutschen Gruppe zum Abschluß zu kommen. Die Reichsbahn gibt für 200 Millionen Mark Dorzugsaktien-Zerti- f i k a t e her und erhält dafür den entsprechenden Gegenwert. Ueber die ersten Geldnöte wird sie also Hinwegkommen. Diese Röte hängen in der Hauptsache mit den Reparationslasten und den Mehraufwendungen für die Veamtenbesoldung zusammen. An den Reparationsagenten sind in diesem Jahre 70 Millionen Mark mehr abzuführen, das Gehaltskonto wird mit rund 280 Millionen Mark mehr belastet. Hinzu kommen vermutliche Lohnerhöhungen der Reichsbahnarbeiter. Ferner müssen wichtige Bauten vorgenommen werben, die in diesem Jahre wegen der gestiegenen Materialpreise wesentlich teurer sind als im vorigen. Dem standen zwar im Vorjahre Einnahmen von rund fünf Milliarden Mark gegenüber, die aber voraussichtlich nicht wieder erreicht werden dürften. Die gestiegenen Abgaben haben die flüssige Mittel der Reichsbahn so zusammenschrumpfen lassen, daß sie jetzt die Hilfe eines Dankkonsortiums in Anspruch nehmen mußte. Dabei besteht die Gefahr einer Tariferhöhung weiter, weil der Geldbedarf der Reichsbahn etwa 400 Millionen Mark betragen dürste, von denen nur 200 Millionen zunächst beschafft werden konnten. e • D i e Zahl der Konkurse im Januar. Rach den Mitteilungen des Statistischen Reichsamtes wurden im Januar 1928 durch den „Reichsanzeiger" 766 neue Konkurse, ohne die wegen Masfemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung, und 191 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für Dezember 1927 sind 619 und 187. • Zur bevorstehenden Emission der R e i ch s b a h n a k t i e n. Zu der bevorstehenden Emission von Reichsbahnaktien erfährt der WTB.-Handelsdienst, daß die Einzahlungen des Konsortiums an die Reichsbahn derart über eine ganze Reihe von Monaten verteilt seien, daß der Geldmarkt irgendwelche Störungen durch sie nicht erfahren wird. Auch für die Zeichner ist die Verteilung ihrer Einzahlungen auf mehrere Monate vorgesehen. *MitteldeutscheCreditbank, Frankfurt a. KL Wie wir erfahren, findet die Dilanz- sitzung der Mitteldeutschen Creditbank am 16. Februar statt. • Vom Petroleummarkt. Zu den Meldungen über die Vorgänge auf dem deutschen Petroleummarkt erfährt der WTB.-Handelsdienst, daß die Derunapht und Gallia eine neue Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 10 Millionen Mark gegründet haben, die sich mit der Erdölindustrie QI.-®, fusionieren wird. Die neue Gesellschaft wird sich ausschließlich mit dem Vertrieb russischen Petroleums beschäftigen. Polnische und französische Bezugsquellen und polnisches und französisches Kapital kommen für die neue Unternehmung nicht in Betracht. *■ Vereinigte Glanzstoff-Fabriken 01.=®., Elberfeld. Anläßlich der an der gestrigen Börse eingetretenen scharfen Kursabschwächung der Qlftien der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken 01.=©., Elberfeld, erfährt der WTB.-Handelsdienst von der Gesellschaft nahestehender Seite, daß die für den Kurseinbruch als Motive genannten Gründe nicht stichhaltig sind. Zunächst fei festzustellen, daß die Dividendelosi^keit bei der Snia Viseosa-Turin bereits feit etlichen Wochen bekannt ist und auf die Ertragsgestaltung der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken selbst ohne jeden Einfluß bleibt. Die Gerüchte über Differenzen zwischen Glanzstoff und Courtaulds aus Anlaß der Acetal-Seidenherstellung entsprechen nicht den Tatsachen. Wahr ist, daß feit längerer Zeit zwischen Courtaulds und British Celanese Gegensätze bestehen, die jedoch nicht Glanzstoff berühren. Eine Produktionseinschränkung bei Glanzstoff hat weder stattgefunden, noch ist eine solche geplant. Die Produktion bewegt sich infolge des günstigen Qlbsatzes im Gegenteil in auf- steigender Richtung. Was die Frage der Dividende anbelangt, so könne von einer Dividendenreduktion nicht die Rede sein, vielmehr stark mit einer erhöhten Dividende gerechnet werden. • Zur Bildung eines europäischen Zinkhüttensyndikats. In der gestern in Berlin abgehaltenen Besprechung der deutschen Zinkhütten-Interessenten sind die von belgischer Seite vorliegenden Anregungen zur Bildung eines europäischen Zinkhüttensyndikats als eine geeignete Grundlage für die Fortführung der Verhandlungen angenommen worden. e Diskonterhöhung der Bank von Rorwegen. Die Bank von Rorwegen hat den Diskontsatz von 5 auf 6 Prozent erhöht. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Febr. Tendenz fest. Die Börse eröffnete in allgemein festerer und zuversichtlicherer Haltung, da von der Meldung, daß die Freigabebill im Finanzausschuß des amerikanischen Senats angenommen worden ist, eine starke Anregung ausging. Die Spekulation schritt zu starken Deckungskäufen. In den letzten Tagen dürften die Blankoabgaben der Baissepartei ein ziemlich großes Ausmaß angenommen haben. Von privater Seite blieb der Orderseingang bei den Banken weiter außerordentlich gering, so daß das Geschäft allgemein nicht wesentlich lebhafter werden konnte, als an den Vortagen. Anregung bot auch der Bericht des Röhrenverbandes, wonach sich das Inlandgeschäft lebhafter entwickeln konnte. Bei den ersten Rotierungen ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse meist Erholungen von 2 bis 4 Proz. Sehr lebhafte Hmsähe verzeichneten naturgemäß Freigabewerte. Hapag Plus 6.13 Proz., Rordd. Lloyd plus 7.5 Prozent und Baltimore plus 4 Prvz. I. G. Fa r b e n blieben etwas vernachlässigt (plus 3,75 Prozent). Für Scheide» anstalt machte sich starkes Interesse bemerkbar. Zum ersten Kurse ergaben sich bereits Besserungen von 7,5 Prozent. Von Elektrowerten konnten Gesfürel 3,5 Prozent anziehen, Licht und Kraft plus 4,25 Prozent, Siemens plus 4,75 Prozent. Am Montanmarkt war das Geschäft ziemlich still, doch gab es auch hier Besserungen bis zu 4 Prozent. Am Banken- markt traten Danat mit plus 4,5 Prozent etwas stärker hervor. Gleich nach den ersten Kursen machte sich bei der Tagesspekulation etwas Reali- sationsneigung bemerkbar, und die Kurse bröckelten bis 1 Prozent ab. Heimische Anleihen lagen still und wenig verändert. Von ausländischen Renten bestand für Türken einiges Interesse. Im weiteren Verlaufe kam dos Geschäft fast vollkommen zum Stillstand. Man verwies auf die weiterhin angespannte Geldmarktlage. Die Kurse blieben jedoch im allgemeinen behauptet. Tagesgeld stellte sich auf 7,5 Prozent. 2m D e v i s env e r ke h r konnte sich die Reichsmark weiter befestigen, der Kurs stellte sich gegen Kabel auf 4,1919, gegen London auf 20,428 Paris gegen London 124,02, Mailand 92,05, Madrid 28,425 und London- Kabel 4,8715. Berlinc Börse. Berlin, 2. Febr. Erstmalig seit längerer Zeit hatte die Börse wieder eine größere Anregung. Die überraschenden Meldungen über den Stand der Freigabeangelegenheit mußten nach dem gestrigen Baiisevorstoh besonders stark wirken, da die Spekulation teilweise über Schluß deckte. Raturgemäß waren die direkt mit der Freigabe zusammenhängenden Papiere bevorzugt u. konnten 6- bis 8prozent. Gewinne verbuchen. Hapag, Rordd. Lloyd, Berliner Handel und Orenstein waren ziemlich gleichmäßig erholt. Auch Glanzstoff konnten ihren gestrigen Verlust aufholen, das Papier zog 11 Prozent an. Sonst gingen die Gewinne nur selten über 5 Prozent hinaus. Heimische Anleihen ruhig. Ausländer behauptet. Mazedonier und Anatolier fester, dagegen Bosnier bis 1 Prozent schwächer. Pfandbriefe ruhig. Liquidationspfandbriefe und Anteile verkehrten in fester Haltung. Der Geldmarkt blieb unverändert. Auf eine Diskontermähigung in London dürfte heute kaum noch zu rechnen fein. Rach ben ersten Kursen machte sich das Fehlen neuer Publikumsaufträge stärker bemerkbar. und die Kurse gaben ziemlich einheitlich 1 bis 1,5 Prozent nach. Später blieb die Tendenz auf dieser ermäßigten Basis widerstandsfähig. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Febr. Die Marktlage ist unverändert, vielleicht noch schwächer als seither. Weizen ist stark angeboten und ohne Kauflust. Mehl weiter geschäftslos. Futtermittel liegen wesentlich ruhiger; prompte Weizenkleie ist noch gesucht. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 v. H. Auswuchs, 24,75; Weizen 2, gut, gesund, trocken, bis zu 3 o. H. Auswuchs, 23,25 bis 23,50; Weizen 3, geringere Beschaffenheit, bis zu 23 v. H. Feuchtigkeit, 22,75 bis 23,25; Roggen 24,50; Sommergerste für Brauzwscke 27,50 bis 29,50; Hafer, inländischer, 23,50 bis 24; Mais (gelb), für Futter- zwecke 21,75 bis 22; Mais (gelb), für andere Zwecke, 22,50 bis 22,75; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 36,50 bis 37; Roggenmehl 33,50 bis 35,25; Weizen- fieie 14,15 bis 14,25; Roggenkleie 15 bis 15,25 Mk. Tendenz: flau. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 2. Febr. Auftrieb: 67 Rinder, 1080 Kälber, 329 Schafe, 469 Schweine. Es notierten: Kälber, beste Mast- und Saugkälber 72—76 Mk.; mittlere Mast- und Saugkälber 65—71; geringe Kälber 54—64. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthäm- mel ('Weidemast) 48—52; mittlere Mastlämmer, ältere Wasthämmel und gut genährte Schafe 42—47; fleischiges Schafvieh 37—40. — Schweine: vvllfleischige von zirka 240 bis 300 Pfd. (Lebendgewicht) 59—60; von zirka 200 bis 240 Pfd. 59-60; von zirka 160 bis 200 Pfd. 58—60; fleischige Schweine von zirka 120 bis 160 Psd. 56-58 Mk. - QHarftO erlauf: Kälber und Schweine ruhig, Schafe rege, alle Diehgattungen ausverkauft. — Berliner Produktenbörse. Berlin, 1.Febr. In der Lage des Weizenmehlmarktes ist immer noch keine Aenderung eingetreten, der Druck der unverkauft hier ankommenden Auslandweizenpartien hält an und auch vom In- lande liegt weiter aus Mitteldeutschland, Mecklenburg und Pommern reichliches Osfertenmaterial für Weizen vor. Die Verkäufer von Inlandweizn 'eigen sich nur selten geneigt, zu den vorliegenden Geboten Ware abzugeben, so daß eigentlich das Hauptmotiv für die Verstauung die Veranlagung des Weizenweltmarktes darstelll. Roggen ist in mittleren und guten Qualitäten im normalen Angebot, aber unter dem Druck des schwachen Weizenmarktes waren die Preise gleichfalls 2 bis 3 Mark rückgängig. Geringes Material ist dringend angeboten imd findet nur bei starken Preiskonzessionen Aufnahme. Arn Lieferungsmarkte waren beide Brotgetreidearten um 1,50 bis 3 Mark rückgängig. Das Mehlgeschäft ist im allgemeinen sehr still; einige Mühlen offerieren Roggenmehl zur sofortigen Verladung; ' Anschlüsse finden jedoch nur bei großem Entgegenkommen in den Preisen statt. Für Hafer zeigt sich hier nur geringe Kauflust, während die Provinz auf ihren hohen Forderungen beharrt. Gerste im allgemeinen ruhiger. Es notierten (1000 kg): Weizen, märkischer (74,5-kg/kü-Gewicht), 225 bis 228, März 255,25 bis 255,75, Mai 264,50 bis 265, Juli 270 bis 270,50 (matt); Roggen, märkischer (69-kg/hl- Gewicht), 228 bis 231, Marz 255 bis 256,50, Mai 262,50 bis 263,50, Juli 253,50 bis 254,50 (matt); Sommergerste 220 bis 270 (behauptet); Hafer, mär kischer, 200 bis 211, März 22-5 (Geld), Mai 234.50 (matter); Mais, La Plata, 212 bis 214 (zollbegünstigter Futtermais, beh.); Raps 345 bis 350 (stetig), (100 kg): Weizenmehl 29 bis 33,25 (matt); Roggen mehl 30 bis 33,25 (matt); Weizenkleie 15,25 (etwas fester); Roggenkleie 15,20 (behauptet); Viktoriaerb [en 48 bis 55; kleine Erbsen 32 bis 35; Futtererbsen 21 bis 28; Peluschken 20 bis 21; Ackerbohnen 20 bis 21; Wicken 21 bis 24; Lupinen, blau, 14 bis 14,75; Lupinen, gelb, 15,50 bis 16; Serradelle, neu, 21 bis 25; Rapskuchen 19,90 bis 20,10; Leinkuchen 22 bis 22,20; Trockenschnitzel 12,90 bis 13) Soya- schrot 21,30 bis 21,70; Kartoffelflocken 24,20 bis 24,60 Mark. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Professor Dr. Rehmke 80 Zähre all. Geheimrat Pros. Dr. Rehmke, der bekannte Greifswalder Philosoph, feierte, wie aus Marburg gemeldet wird, dort am 1. Februar in Gesundheit und Frische seinen 8 0. Geburts- t a g. Geboren in Elmshorn — einer westholstein- schen Bauernfamilie entstammend — als Sohn eines Lehrers, studierte er nach dem Besuch des Gymnasiums Christianeum zu Altona in Kiel und Zürich Theologie und Philosophie, war nach dem Bestehen der theologischen Staatsprüfung in Kiel (1871) und Erwerbung der philosophi- scheu Doktorwürde in Zürich (1873) von 1875 bis 1883 Gymnasialprofessor in 6L Gallen (Schweiz), habilitierte sich 1884 in Berlin für Philosophie und wurde bereits 1885 Professor in Greifswald, wo er bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand (1921) gewirkt hat. Seitdem lebt Geheimrat Rehmke in Marburg a. L., wo er an der Universität vor einer zahlreichen Zuhörerschaft noch feine philosophischen Vorlesungen hält. Geheimrat Rehmke, ein echter Holsteiner, ge- i hört zu den seltenen Persönlichkeiten, in benen 1 sich Klarheit und Scharfsinn des Geistes mit 1 Lauterkeit des Charakters und Güte des Herzens verbindet. Allseitig geschätzt und verehrt, ist es ihm jetzt vergönnt, zu sehen, wie sein Lebenswerk, die in zahlreichen Schriften (z. B. Philosophie als Grundwissenschaft; Lehrbuch der Psychologie; Logik der Philosophie als Wissenslehre; Grundlegung der Ethik als Wissenschaft) niedergelegte grundwifsenfchaftliche Philosophie, die seit mehreren Jahren durch die von der Johannes- Rehmke-GeseUschaft (Greifswald) herausgegebene Zeitschrift „Grundwifsenschaft" verbreitet wird, im In- und Ausland sich einer steigenden Beachtung erfreut. Letzte Nachrichten. Müller-Wieland verhaftet. Frankfurt a.M., 2.Febr. (W.S.N. Draht- melbung.) Der frühere Verwaltungsdirektor der Städtischen Bühnen - A. - G., Müller- Wieland, ist gestern auf Veranlassung der hiesigen Staatsanwaltschaft in Leipzig f e ft g e n o m » men worden. Gegen ihn ist die Voruntersuchung wegen Untreue, Betrug, Unterschlagung, Urkundenfäls chu n g und Verstoß gegen das Handelsgesetzbuch eröffnet worden. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Frankfurt o. M Berlin F.anksurr a. M Berlin Schlich- Kur» 1-Uhr- Sure Sch-rch-l Kurs 1 'Ansang Kur Schlich. Kn,s l'Uhr- Kurs Ä?.rs Anjanq Kur Datum: 1 2. 2.2. 1 2. 2. 2 Daimn: 1 2. ! 2 2. ! >•» | 2 2. p/, Di RrtchSanlethe v 1927 — — 87,5 _ «.ES 7 164 166.75 164,25 166.5 Dl uni tibloi Schuld mit Bergmann ..... .8 182 9 185. .5 183 75 185.75 Uuslol -Rechten DcSgl. ohne AuSl.s-Rechten — 52.1 52.3 52,2 Elekir Lieferungen 10 — 170 169 170.5 IG.3 18,4 16,25 16.5 Licht und Kratt . . . 10 218 222.25 218 222 5 f*i.. itranh Hiw -Bi. ®o bpf unkündbar bis i932 Felten & Guill anme Ges ' Elek-r Untern . 6 124.5 125 124,25 125 93 — _ 10 262,5 266 262 5 266,25 1'/,°/« Rheinisch» tznv -Bant _!3iqu -Go dpi Hamb Elekrr Werke ■ • 10 — 148.5 83 _ * Ädern Elekrr 8 — 153 155,5 KEG obo !Öorhteg6-Cb- Schics. Elekrr- .... 10 — _ 189.5 I9l (iaationen. rudiablbar 193'2 85 — - — Schurken ...... . 7 • — 179 182,5 <•/, SchwcU Bundcsb.-Anl. 95,5 Siemens A HalSk» . . . 16 279.75 284,5 •280 285 <°/o Oefterelchilche Goldrte — _ Tran rabio . . * » . 8 — — 132.25 — •.20°/, Ceftcrr ich Silberne <% Oesterreich einieitl Rke 1,2.) 4,25 Lalnneoer * Lo- ... - 9 166 — 161 — — _ 0 99 100.5 98.25 101 <°/o Ungarisch» Goldne 25,2 — 25,13 _ Deuiiche Erdöl..... .6 130,25 133 130.75 132,5 4°/« Ungarisch« Staoror v 1910 - — * —- Essener 5 einkodke ■ 8 — 142.5 146 <*/«°- btßQl Don 1913 4% Ungarische Kronenrte — Gelsenkirchener f. *4 9 Harvener . . - 4 8 1.38,5 186 136 189 25 133.25 186 190 <°/ Turk Zollanleche v 1911 4% Türk Vogdadbahn-Anl Serie l 4°/. desgl. Sertr !l 4°, Rumänen converi R«e 4*/«° o Rumänen Goldonl. von 1913 12.9 12,9 13 Voesch Eisen ....... Zlse Bergbau...... .5 .8 — _ 139.25 222 140,5 227.5 13,75 — 13.75 iklöcknerwcrse ..... .5 — — 120,25 121,25 13 5,7 — 12,8 — Köln-Neuesten . . 51., Oannevinonn -f '/, I 4 Man« eldcr 7 148 150.5 120 140.75 148 75 118.25 14 ,75 150.5 120 16,75 — 16.75 — Obcrschles Eisend Bedarl 0 —- - 104.75 106 25 vllg Deutsch. Eisenbahn 4*/, — Lberschlei Koköwerke Pdönii Bergoau f */, 9 0 — — 95 5 97,5 Hamburg-Amerika Palet u 113,5 149 65 143 149.5 3 100 100 99.75 101,25 vamd «Südam Damv ich k Hansa Dann fichtst 6 Norddeutscher Lloyd 6 — - 210.5 213 Rheinische Braunkohlen 10 232 236 233 25 236,75 — 207,75 211 Rberniradl iHkbtd Montan 0 164 167.75 163,75 167.0 146.5 153.75 146,7 153 2.) 6 — 149 — tiUg Deutsche Lrediianst 10 144.5 - 144,75 145 2 Bereinigte Sradlw f. ’/» 9 3 103,25 — 103.75 103.75 Barm t Bankverein io 147 148.75 146 I47..> Vtaot Minen i Sh — <2 9 43 Berliner HanoelSg^cllsch- 12 — 459 25 467 75 ftttU «schcrSlede ' IG 174 177.75 175 . 178 5 186.75 Commerz- und Privat.Bk i 124 5 175.75 173,ö 175 KoliWeneregein 10 184 187.5 185 5armfL u Rationalbank 12 229,5 2.13 75 429,5 233.5 Kaliwerk SoUdetiurld 12 252 255 Deutsche Bank 10 Dislonto-Gesellschaft flnt 10 161 157,5 163, n l ,9.75 161.5 157,75 164 160 9 G üac en.Industrie Dnnami« Nobel . . l< 0 59.5 263 25 259,4 126.5 262,5 Dresdner Bartl 10 1'8 160.25 158 1160,25 Scheib annali . . 8 185 192.6 115.13 n7 b Litirrldeuriche Creditbank 9 — — 21Ü 411 "oldlchmidt .... . 5 113 9 113 JWttaUbaiil ..... 8 127 130 128.5 Ruigrrswerte ..... .0 96 96^9 - Hetdibanl ....... lu 193 195 193,5 195 Merallaeiell chatt..... 10 177 180.5 F.andsurt a. M Berlin Schluß- Kur« »'Uhr. Kur» Sch.uk > Anfang Kur» Kur- Datum: 1. 2. 1 2.2. 1 ' - | i.8 Ptnirpp Hoijmann 139 141 0.5 139 141 Heidelberger Eemcnr 8 137 138.5 Lement Karlstadt 8 179.5 — .Ivan6 SchalrderS Payen hoirr 15 — — 395,25 399.5 Istwerte 12 — — 340 25 344 Ber. Glanzstoff 15 — — 544 555 Bem berg........ • 8 — — 415 430 Zellston Walddos. . 12 248.3 231,5 248.25 249,75 Zellstoff Aschaffenburg 10 171.5 — — Edarlon. nburger Easfer 7 — — 129,25 130 5 cssaner GaS 8 — ♦ 174.75 176,5 Daimler Motoren . . . 0 81 83.5 82 83.75 Demag ... — 65.25 67 Adlerwerke ÄltDer. . . . 0 —- 82 82.5 82.5 >_'udw rotirt ■ . . . 1 — — 254.5 257.75 •J?at Automobil 6 — — 98,25 100 5 Orenstein A Soppel . . . . 4 — —» 130 136 lltnkr Hv'mann . . . . 0 — — — — sjeondard Tied . . Bamag- " egntn ... . 6 — — 199.5 200 0 — 29.5 — Franks ichineo . . . . 0 75.75 - 73.5 — '^riynn . . . . . 7 127,5 129 — Hevligenftaedr ..... . 0 30 — * IungbanS ..... . 6 86,1 85 5 * llechrverke ..... . 8 121 — — — Moinkrainverke ..... . 8 — — — — Miag ..... . IC 139 — 138.25 — Nekarlulmer ...... 8 100 100 101 — PereiS Union . . • . 8 112.5 — 112 — Gebr Roeder .... . 11 — — — 5‘mot A Haefiner .... 6 — — 180 — Sudd .Redet 0 140 — 141,76 — Banknoten. Berlin. 1 Fevr 1 ueib I tönet Llmerikantiche Roten. . . 4J71 4,191 belgische Noten ... . .Daniiwe Noren..... • - 58.29 111.93 58,53 112,37 Englische Noten . . . . 20.38:3 1 20.463 Telegraphische Auszahlvng. Berlin l. Febr. Geld Bries Hraruüiische Noren..... TO8 Holländische Noten . 168,61 169.29 Italienische Noten..... 22.225 22.305 Norwegische Noten...... 111.20 58,97 111.64 Deutsch-Lcsterr., ä 100 Kronen 59,21 Rmnauische Noten...... 2.58 2.60 Schwedische Noten...... 112,18 112.62 Schweijer Noten....... 80.66 80.98 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 70.14 71.42 12.385 12.445 Ungarische Noten - - 73 05 73.35 Devisenmarkt Berlin —Frankfurt a. M. 1 Febr 8. Febr. Amtliche Nori, runa Ärmliche Notierung Geld Briet Äeld Brief Ämrr.'Nott 168,92 169,26 168,85 169,19 Bucn^LtreS 1.791 58,34 1,795 1.790 1.794 Brsi.-Äorw 58,46 58,31 58,43 Edristiania 111,41 111.63 111,36 111.58 Vovenbagen 112,18 112.40 112,14 112,36 Stockdolm 112,44 112,Gb 112,441 112.62 Helsingforö. (ktalieo. London. . 10,552 22,195 10,572 22,235 10,545 22,19 10,565 20,413 20,453 10, «04 al,444 Wem)ort . . 4.1910 4.1990 1.188.5 i, 196.« Paris... 16,46 16,50 16,4u 16,49 Schweiz . . 80,63 80,79 80,<)6 0,72 Sva »ten . 71,31 71.45 71,58 71,72 Japan . . 1,965 1,969 1.960 1.970 stto de Fan Wien In D - 3.505 0,507 3.5025 d.5045 59.12 Ceft. abgest -9,05 d9,17 □9,00 Prag . Bel irad 12.423 12,443 12,414 12,4.34 ;,87t 7.38C 7,363 7,377 Budapest. 73,30 73,44 73,21 73,38 Bul arien 1,030 3,036 3,037 3,03:4 Lissabon 20.86 20.91 19,78 19.82 Danzig 81,62 81,78 81,59 81,73 Konst nttn. 1,125 2,129 i, 125 2,129 Vltben >,544 5,556 5.574 5.58» Eanada 4.184 4.192 1,180 4,188 Uru uav 4,286 4,294 4,27b 4,284 «stro 20.935 20 975 20.932 20.972