Nr. 283 Erstes Blatt - 178. Zahrgcmg Samstag, 1. Dezember 1928 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichsp-MAig fir Trägerlohn, a»uch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Liehen, poftscheülonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzmer Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen VrvS «Dv verlas: vrühl'fche Universttätr-Vuch' und Stefnönidcrei K Lange in Sietzen. Zchristleitnng und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20*' , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmamr, sämtlich in Biegen. Zehn Lahre Fremdherrschast am Rhein. Don Dr, Werner Wirihs. Am 1. Dezember 1918 überschritten die alliierten QIrmc?n Frankreichs, Englands und der Vereinigten S.aalen die reichsdeutsche Grenze im Westen und beseiten das Rheinland. Zehn Jahre fmD seitdem vergangen: zehn Jahre bitterster Knechtschaft, an deren Anfang die 14 Punkte Wilsonscher Selbstgerechtigkeit standen. Zehn Jahre, die gekennzeichnet sind durch unablässigen Bruch nicht nur der Versprechungen, auf Grund deren der Waffenstillstand vom 11. Do- vember geschlossen wurde, sondern auch durch dauernde Verletzung der Abmachungen und Verträge, die nachher tarnen und schon von sich aus dem „gerechten Frieden" in jedem einzelnen ihrer Paragraphen Hohn sprachen. Fehn Jahre, an deren Ende noch immer nicht von der Wiederherstellung der Souveränität des Reiches am Rhein gesprochen werden kann. Die Merhoden der Bedrückung änderten sich; aber der Kampf um den Rhein ist nicht ausge- kämpft, solange eine französische, belgische oder englische Fahne über einer rheinischen Stadt weht. Wenn zum ersten die vergangenen Jahre, insbesondere die Zeit bis zum Ausgang des Ruhrkampfes und der Stabilisierung der Mark, die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln durch die Alliierten in brutalstem Ausmaß darstellt, so sind sie zweitens bestimmt durch eine volksdeutsche Leistung, die sich der Leistung im Kriege würdig anschließt. (Zur rechten Stunde erschien in der von Paul Rühlmann herausge- gebeneii Schriftenfolge „Rheinische Schicksalsfragen" die Geschichte der Rheinlandbesetzung von 1918 bis 1928: „Zehn Jahre Fremdherrschaft am deutschen Rhein" (Verlag „Rheinischer Beobachter" Berlin), ein Buch das mit kühler Sachlichkeit und unter Verwendung zahlreicher historischer Dokumente den Ablauf der vergangenen Jahre schildert. Rach der Ratifikation des Versailler Diktates sprach Elemenceau in der französischen Kammer das infame Wort: „der Friede ist Fort- sübrung des Krieges mit anderen Mittel n". Gemas) diesem Wort handelte Frankreich, setzte es gegen den mehr oder minder schwachen Widerstand Lloyd Georges und Wilsons seinen Frieden durch, gab es ihm, wo er seinen Wünschen nicht ganz entsprach, die besondere Auslegung. Vergessen wir nicht zu schnell! Am 12. Januar 1917 wird in der vertraulichen Instruktion, die Briand. der brave, pazifistisch« D r i a n d, an Paul Eambon, den Botschafter Frankreichs in London, ergehen lief), die Befürchtung ausgesprochen, daß „die Rücknahme der rheinischen Provinzen, die uns vor einem Jahrhundert abgenommen worden sind, als eine Eroberung angesehen werden könnte", und es heißt dann: „nach unserer Auffassung darf Deutschland nicht mehr mit einem Fuß diesseits des Rheins stehen". Am 14. Februar des gleichen Jahres bestätigt der russische Außenminister Pro- krowsky dem französischen Botschafter in Petersburg, Pal^ologue, die Zustimmung Rußlands zu Den französischen Wünschen auf das gesamte Rheingebiet. Eigentliches französisches Krregsziel ist, war und blieb der Zugang zum Rhein! Die Wilsonschen Friedensbedingungen standen dem entgegen; so wandelte Frankreich sein Grundziel ab. um die Annektion zu erreichen, propagierte es die „Befreiung vom preußisch- deutschen Joch", wobei es ihm zunächst einmal darauf ankam, das Land am Rhein durch den Waffenstillstand militärisch in die Hand zu bekommen. So steht Denn das Schicksal des Rheinlandes im Mittelpunkt des Ringkampfes um den Wortlaut der Friedensbedingungen. Da diese zwar die französischen Wünsche in Sachen der deutschen Entwaffnung und der Entmilitarisierung des linken Rheinufers voll erfüllten, die dauernde Besetzung aber ablehnten, galt es in den zugestandenen fünfzehn Jahren der Besetzung „do l l - zogene Tatsachen" zu schaffen. Zuckerbrot und Peitsche! Wahrend sonst em Waffenstillstand den Frieden einleitet, wurde mit ihm im Rheinland, ohne jede militärische Rotwendigkeit, der Krieg gegen eine wehrlose Bevölkerung erst begonnen. Ersparen wir uns die Einzelheiten, nrit denen Der „Schutz der De- satzungstruppen" durchgeführt wurde und heute noch durchgeführt wird. Auf Der anderen Seite erhoffte Frankreich die „Separation" der Rheinichrder, Denen französische Sprachkurse, französische Wohltätigkeit, französische Kunst und das französische „Rachrichtenblatt" seligen Angedenkens Die Höhr der französischen Kultur auf friedlichem Wege beibringen sollte. Es war ein besonderes Kapitel, diese Separatistenbewegimg, wenn man den jämmerlichen Landesverrat von ein paar gekauften Subj^ten überhaupt „Bewegung" nennen darf. Am l.Juni 1919 war der Separatistenputsch, General Gerard und der „Separatist" Dr. Haas in Speyer, General Mangln und der Separattst Dorten in Wiesbaden, unter Der Oberleitung des Generals Foch, angesetzt hatten, gescheitert; Die französische Generalität und Polittk hatte sich in den Augen der Amerikaner und Engländer jämmerlich kompromittiert. Run bemüht.n sich, nachdem am 10. Januar 1920 das Versailler Diktat in Kraft getreten war Paul Tirard, der Vorsitzende der Rheinlandkommission, und der französische Oberbefehlshaber Degoutte um eine „Vertiefung" Der Separatistensache. Was erreich'sn sie? Zu Dorten gesellten sich Mathes und Smeets. Sie wurden durch Die Rheinlandkommission, in Der Tirard allmächtig war, Dem Zugriff Der Die Friedensvechandlungen im Eisenkampf. Besprechung des Reichskanzlers mit den Parteien. - Die Arbeitgeber akzeptieren Minister Severing als (Schiedsrichter. — Bedenken der Gewerkschaften. — Voraussichtlich am Montag Wiederöffnung der Betriebe. Berlin. 30. Rov. (DB.) Am heutigen Tage fanden in Berlin jur Beilegung des Arbeitskonflikte» im Bezirk Rordwefl unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eingehende Aussprachen zwischen Vertretern der Reichsregierung und den Vertretern beider Parteien des Bezirks Rordweft stall. Seitens der Reichsregierung nahmen nutzer Reichskanzler Titulier, Reichswirtschaftsminister Dr. Lurtius , Reichsarbeitsminister D i s s e 11 und Staatssekretär Dr. P ü n d e r teil. 3n der Aussprache am Vormittag erklärten sich die Arbeitgeber mit dem Vorschläge des Reichskanzlers einverstanden, die endgültige Entscheidung über Arbeitslohn und Arbeitszeit Herrn Reichsmini ft er Seoering zu überladen. Sie erklärten ferner, datz sie nach Annahme dieses Vorschlages durch die Arbeitnehmer die Betriebe sofort wieder öffnen werden; die Belegschaften würden ohne Maßregelungen mit dem Inkrafttreten dieser Vereinbarung alsbald wieder eInge ft e 111 unter Wahrung ihrer alten Rechte aus den früheren Arbeitsnerträgen; die Einstellung werde nach Maßgabe der betrieblichen Möglichkeiten erfolgen. Reichsregierung und Arbeitgeber waren darüber einig, datz durch die zu treffenden Vereinbarungen die Möglichkeit der Entscheidung der in dem Rechtsstreit aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen durch das Reichs- arbeitsgericht nicht ausgeschaltet werden soll. Der Reichskanzler erklärte den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, datz er unter bet Voraussetzung der Annahme des Vorschlages der Reichsregierung auch durch die Gewerkschaften diese Stellungnahme beider Parteien dem Reichsminister S e o e - ring sofort übermitteln und ihn bitten würde, entsprechend der bereits erfolgten Aussprache im Reichskabinett bei Ausübung feines Auftrages, die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu prüfen, die Arbeitszeit einzubeziehen und feine Entscheidung endgültig und langfrist ig zu machen. Die Vertreter der Gewerkschaften erklärten in der Rachmittagsfihung, datz sie sich die Entscheidung noch bis zu einer am kommenden Sonntag- vormittag statlfindenden Sitzung ihrer Gewerk- schaftsinstanzen Vorbehalten mühten. Sie fegten die Mitteilung der endgültigen Lntfcheidung an die Reichskanzlei bis Sonntagabend zu. Das Zögern der Gewerkschaften. Am Sonntag fällt die Entscheidung. Berlin, 1. Dez. (Priv.-Tel.) Jrn Reichstag verlautet, daß bei Den Gewerkschaften noch Bedenken gegen den geplanten Modus bestehen. Man rechnet aber damit, daß es gelingen wird, diese Bedenken angesichts des außerordentlichen Ernstes der ganzen Lage zu beseitigen. Die Verhandlungen mit Den Metallarbeiterverbänden haben noch kein positives Ergebnis gebracht, da die Vertreter der freien Gewerkschaften erklärten, daß sie nicht in Der Lage seien, die Verantwortung für die Entscheidung zu übernehmen. Es wurde deshalb vereinbart, daß sie bis Sonntagabend 8 tilhr ihre Antwort erteeilen. Inzwischen wird d i e Revierkonferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes für Sonntag einberufen werden, und bei ihr liegt jetzt die nächste Entscheidung. Die Vertreter des Christlichen und des Hirsch-Dunckerschen Verbandes hatten erklärt, daß sie dem Vorschlag der Regierung z u st i m m e n würden, wenn sich eine einheitliche Gewerifchaftsfront für diese Haltung ergebe. Da die Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes ihre Antwort aber hinaus- geschoben haben, ruht die Entscheidung also nun vis Sonntag. Während des letzten Teiles der heutigen Abendverhandlungen haben übrigens die freigewerkschaftlichen Vertreter noch eine Sonderberatung abgehalten, an der auch Reichskanzler Müller und Reichsarbeitsminister Wissell teilnahmen. Der Wunsch, die Entscheidung noch heute zu treffen, ist auch hierbei jedoch nicht Durchgedrungen. Berlin, 30. Rov. (VDZ.) Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der Anträge der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten zur Resirrm Der Ehescheidung, der Rechtsstellung der Frau und des unehelichen Kindes. Die Sozialdemokraten beantragen eine Rovelle zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Die die Heirat von Ehebrechern zulassen und bei Ehescheidungen wegen tiefer Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses, wegen Abneigung oder Geisteskrankheit die bisherigen erschwerenden Voraussetzungen beseitigen will. Ferner soll die bisherige Bestimmung beseitigt werden, daß eine Ehescheidung nicht mehr möglich ist, wenn dem Schuldigen verziehen worden ist. Bei beiderseitiger Schuldlosigkeit soll gegenseitige tilnterhal- tungspflichst nach Maßgabe Der Billigkeit vorgesehen werden. — Die Kommunisten beantragen, daß Ehescheidungsprozesse künftig überhaupt nicht mehr möglich sein sollen und daß an chre Stelle ein freiwilliger Eheauf- lösungsvertrag treten soll, der staatlich bestätigt wird. — Die Demokraten beantragen eine Aenderung des Ehescheidungsrechtes in Anlehnung an die Vorlage des Rechtsausfchusses. — Weiter verlangen Die Sozialdemokraten die Vorlegung eines Ausführungsgesehes zu Artikel 119 Der Reichsverfassung, der die Gleichberechtigung der Geschlechter, Fürsorge für kinderreiche Familien und für die Mutterschaft vorsieht. Auch Die Demokraten ersuchen um eine Vorlage, Die Der beränDerten staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Stellung Die Stellungnahme Per Arbeitgeber. Bedingungslose Zustimmung. Berlin, 30. Nov. (VDZ.) Die Verhandlungen beim Reichskanzler mit den Arbeitgebern, an denen auch der Wirtschaftsminister Curtius und der Reichsarbeitsmin.ster Wissell teilnahmen, dauerten bis 14 Uhr. Von den Unternehmern waren u. a. Klöckner, Vogler und Huck erschienen, lieber den Inhalt der Besprechungen verlautet, wie der „Vorwärts" erfährt, daß die Unternehmer dem Vorschläge des Reichskanzlers grundsätzlich zu gestimmt haben. In maßgebenden Kreisen ist man der Auffassung, daß die bedingungslose Annahme des Schiedsrichters Reichsm.nifters Seve- ring durch die Arbeitgeber beweist, daß diese sich bei ihrem Kampf im Ruhrkonflikt nurvonwirt- schaftlichen Beweggründen haben leiten lassen, daß ihnen also jegliches Vorgehen gegen den Staat oder die Staatsform bzw. das Reichskabinett, insbesondere die Person des Reichsarbeitsministers, ferngelegen hat. Der Frau entspricht. Artikel 121 Der Verfassung fünbigt ein Gesetz an, Das für Die unehelichen KinDer Dieselben VorbeDingungen für ihre körperliche, geistige imD gesellschaftliche Entwicklung schafft tote für Die ehelichen KinDer. Sozial- demokratische unD Demokratische Anträge fordern Die Vorlegung Des längst zugesagten Ausführungsgesehes zu Diesem Artikel. Aba. Frau Pfülf (Soz.) erklärt: Die in Der Reichsverfassung öeriünDete Gleichberechtigung Der Frau stehe bisher nur auf Dem Papier, sie müsse ins praftische Recht überführt werden. Wenn Das Eherecht in seiner ganz veralteten Form bestehen bleibe. Dann toerDc Die Wirkung sein, Daß viele Paare auf Die offizielle Eheschließung verzichten. DringenD erfor- Derlich sei eine verbesserte Rechtstellung Der unehelichen KinDer. Ein Achtel aller in Deutsch- lanD geborenen KinDer fei unehelich (Hört, hört!), in Bayern betrage Der Anteil sogar 15,6 Prozent (lebhaftes Hört, hört!). ^eichsjustizminister Koch erfläct, zerrüttete Ehen könnten, auch wenn Die Schuld eines An'.ragstellers nicht seststeht, auf Die Dauer nicht wider Den Willen der Beteiligten aufrechterhalten bleiben. Die Lösung einer solchen Ehe sei aber heute entweder ganz unmöglich ober sie erfolge nur unter Manipulationen, Die für Die Autorität Der Richter enttoürDigenD seien. Er habe deswegen auf Grund Der Beschlüsse des Rechtsausschusses des vorigen Reichstags eine Vorlage auSarbeiten lassen, die dicht vor der Vollendung stehe. Eine Reform der Ehescheidung. Oer Reichstag erörtert die Stellung Per Frau im Rechtsleben. deutschen Polizei entzogen; der französische Franken rollte, die Mark sank, doch kein Rheinländer stand hinter den neuen „Führern", Die von „rheinischer Unabhängigkeit" schwatzten, abgesehen von ein paar hundert bezahlten Lumpen, und — der französischen Soldateska und Gendarmerie. Indes holte die französische Gewaltpolitik zum entscheiderrden Schlage aus. Die Sanktionen setzten ein; Die vorübergehende Beseh ung Frankfurts kam, die über hundert Deutschen Menschen, wie Der Veranstalter dieses „militärischen Spaziergangs", General Mordacq selbstgefällig berichtet, das Leben kostete; das Londoner Ultimatum folgte, die Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort, die Beschlagnahme der deutschen Zölle an Der Westgrenze, Die Errichtung einer neuen Zoll- linie an Der Ostgrenze Des gesamten alt- unD neubesetzten Gebietes: kurz die wirtschaftliche Durchdringung unD Ausbeulung. Rach Der „Generalprobe" der Sanktionen von 1921 erreichte der Kampf um Den Rhein Den Höhepunkt: Die Ruhrbesetzung. England protestierte, das englische Mitglied der Reparationskommission erklärte: „niemals seit den Zeiten des trojanischen Pferdes ist Holz äu so verächtlichen Zwecken mißbraucht worden!" Die Amerikaner teilten ihren Abzug vom Rhein mit. Wegen 20 000 Fest- metern Holz wurde der Krieg ins Ruhrgebiet übertragen. Der passive Widerstand stand dagegen auf. Wieder starben viele, viele Deutsche, darunter jene 14 Krupparbei.er in Essen, den Tod für deutsche Freiheit und französischen Frieden. Der passive Widerstand wurde auf gegeben; aber er hatte das Selbstgefühl Der Rheinländer trotz allem gewaltig gestärkt, älnd wenn auch die Franzosen äußerlich Sieger blieben. Der letzte Trumps, den sie für die politische Gewinnung Der Rheinlande und damit für Die Berechtigung ihres Daseins am Rhein brauchten, versagte: Der große Separatistenputsch Des Herbstes 1923 scheiterte an Der Selbsthilfe Des Volkes — trotz Rheinlandkommission, trotz Tirard, General Degoutte und Der französischen Armee. In Aachen und Den Städten Der belgischen Zone war er schnell erledigt. Auch in Koblenz, Trier und Mainz brach Die Regierung Dorten unD Ma.hes am Hohn Der Bevölkerung zusammen. UnD in Der Pfalz, wo der General de Metz am liebevollsten seine Hände über die Verräter breitete, klärten die Schüsse, die am 9. Januar 1924 im Hotel Wittelsbacher Hof zu Speyer den „Präfekten der autonomen Pfalz-Republik" Heinz-Orbis niedcrstreckten, erfreulich Die Lage. Wo sich Die Separatisten noch zu stellen toag'en, wie in Pirmasens, verfielen sie Dem gleichen gerechten Gericht. Das Ende ihrer Herrschaft war unaufhaltsam. Der Bericht des englischen Generalkonsuls Clive aus München stellte fest, daß ohne französische Hilfe Die ganze Komödie nicht möglich gewesen wäre. Es kam: die Liquidation des Ruhrunternehmens. Unter brutaler Richtachtung Der Deutschen Verhandlungsberei.schast, beutete Pvincarö Die Ruhrwirtschaft aus, erzwang er Die Micumverträge. Aber Das letzte Ziel der französischen Politik, die Zerreißung des deutschen Volksbodcns im Westen, war nicht erreicht. Die Reparationskommission sah sich gezwungen, einen Sachvecständigenausschuß einzusetzen. Das Kabinett Herriot löste Poincare ab. An Die Stelle Der Poincareschen „PfänderPolitik" trat das Dawesgutachten. Und vor allem: Deutschland führte aus eigener Kraft Die Stabilisierung Der Währung Durch Eine neue Phase im Kampf um Den Rhein setzte ein, äußerlich beruhigter, nachdem Der volkspoli tische Wider- stanD an Rhein unD Ruhr Den Rückzug Der Franzosen erzwungen, das Londoner Abkommen an die Stelle der französischen Willkür Die nüchterne Geschäftspolitik des Dawesabkommens gesetzt hatte; gleichsam in verbindlicheren Formen, doch nicht minder gefährlich Die Franzosen stellten sich um; aber sie gaben ihr Ziel nicht auf» Was ihnen mit Zuckerbrot und Peitsche nicht geglückt war, wurde nun über politische Spitzfindigkeiten gesucht: die Rhnnl.rndfrage mit Der Deutschen Entwaffnung und D:r sogenannten französischen „Sicherheit" neu verbunden. Die Räumung Der ersten Zone wurde raffiniert verzögert — und nach wie vor wird das deutsche Recht auf sofortige und unentgeltliche Räumung, das sich unbezweifelbar auf Den Artikel 431 des Friedens Diktates und insbesonders auch aus jenes von Wilson, Elemenceau und Lloyd George gezeichnete Dokument vom 16. Juli 1919 stützt, von Frankreich bestritten. Trotz dieser einwandfreien Rechtslage, trotz Deutschlands Eintritt in Den Völkerbund, trotz Locarno und Kellogg-Pakt fordert Frankreich für Die Räumung der Rhern- lande weitere Deutsche Opfer. Die letzte Genfer Zusammenkunft hat Die Räumungsfrage nicht vorwärts gebracht, und die kommende Auseinandersetzung steht unter dein peinlichen Eindruck Der englisch-französischen Annäherung. Das gesamte deutsche Volk aber, vor allem die Rheinländer selbst, sind sich einig darin, daß die Freiheit der Rheinlande nicht durch neue Bindungen des Reiches erlauft werden darf. Keine Sonderkontrolle am Rhein! Kein Loskauf des besetzten Gebie'es! Bleibt als Bilanz von zehn Jahren: Frankreichs Bestrebungen, die politische Rheingrenze zu gewinnen, wurden an deutscher Vollskraft zunichte. Aber der Kampf um die Wiederherstellung des deutschen Rechts am Rhein geht weiter — bis der letzte französische, englische und belgische Soldat rückwärts gewandt Die Grenze passiert hat, über welche die Alliierten vor zehn Jahren, im Ramen eines „gerechten Friedens" Willkür, Rot und Unfrieden in deutsches Land brachten. Vorlage wegen Reuorvmmg -er Rechtsstellung des unehelichen Kindes sei bereits vor längerer Zeit dem Reichsrat zuge- gcrngen und dort verabschiedet worden. Sie werde dem Reichstag in den nächsten Tagen zugehrn. Die Sicherung der Rechtsstellung der Frau sei nach Ansicht des Ministers am dringendsten auf dem Gebiete des ehelichen Güte r r e ch t e s. Die Bestimmungen des B.G.B., die bei der Heirat den Mann zum Verwalter deS Vermögens feiner Frau machen, finl> nach Ansicht des Ministers mit den heutigen Anschauungen nicht mehr vertrag- l i ch. (Jin» Vorlage über die Reuregelung dieser- Frage hoffe er in absehbarer Zeit dem Reichs- tag zu geben lassen zu können. Auch sonst sei die in der Verfassung vorgesehene Gleichstellung der Frau mit dem Manne nicht in allen Deziehun- gen erreicht. Verschiedene Gesetzesänderungen seien hierzu noch erforderlich. Abg. Or. Kahl (OB.) stimmt der Tendenz der Anträge zu, die eine Verbesserung der Rechtsstellung der Frau in der Ehe erstreben. Eine ganz große Ungerechtigkeit liegt vor allem in der Rückwirkung der jetzigen Rechtsstellung auf die Staatsangehörigkeit der mit Ausländern verheirateten deutschen Frauen. Absolute rechtliche Gleichstellung des unehelichen Kindes mit dem ehelichen wird sich kaum durchführen lassen, well sonst geradezu die Grundlagen des Erbrechtes und Familienrechts erschüttert würden. Ich habe schon im Ausschuß zahlreiche erschütternde Beispiele für die Tatsache anführen können, daß es eine schuldlose objektive Ebe Zerrüttung gibt. Wenn eine solche Che bisher rstcht geschieden werden kann, so zeigt sich hier eine klaffende Lücke zwischen Leben und Recht. (Beifall.) Die Ehenot steigt, die Kluft zwischen Recht und Lebenswirklichkeit erweitert sich immer mehr. Eine so zerrüttete Ehe ist e i n U n - glück nicht nur für die Ehegattin, sondern ganz besonders für die minderjährigen Kinder. Da das geltende Recht zur Lösung dieser unerträglichen Ehen nicht ausreicht, kommt man zu der schamlosen Selbsthilfe durch künstliche Schaffung von Ehescheidungsgründen. (Lebhafte Zustimmung.) Die weltanschaulichen Argumente gegen eine Reform des bestehenden Zustandes sind nicht durchschlagend. Man sagt, die Ehegatten sollten auch schlimme Eheverhältnisse ertragen. Es kann aber die Rechtsordnung nicht abgestellt werden auf die h ö ch st e sittliche Straf tfeiftung. (Sehr wahr!) Die Rechtsprechung muß rechnen mit einer gewissen Durchschnitts- [ leistung, sonst tritt an die Stelle des Rechtes die Selbsthilfe. Die zwanglose Aufrechterhaltung einer sittlich ruinierten Ehe kann unmöglich der Heiligkeit der Ehe entspreck)en. (Lebhafte Zustimmung.) Die Volksgemeinschaft selbst hat kein Interesse an der Aufrechterhaltung eines Eheverhältnisses, das z u r L ü g e geworden ist. Durch eine Reform in dem von mir angedeuteten Sinne würde das katholische Dogma von der Unlösbarkeit der Ehe nicht verletzt. Lassen sie uns die Dinge im Rechtsausschuß in aller Ruhe und lediglich im Hinblick auf die Dolksnot behandeln. Wenn es gelänge, eine gesetzliche Neuordnung zu schaffen, so würden Sie dem deutschen Volk einen ganz außerordentlich guten Dienst geleistet haben. (Lebhafter Beifall.) Weiterberatung Samstag. Das Mißtrauensvotum gegen Gevering abgelehnt. Enthaltung der Kommunisten. Die Wirtschaftspartei gegen die Regierung. Berlin, 30.Roo 3m Reichstag wurden die mißtrauen »anträge der Deutschnationalen und der fidmmunlffen gegen den Reichsinnenminister 5eoc- ring zur Abstimmung gebracht. vor der Abstimmung erklärt Abg. Stöcker (fiom.), angesichts der von den Deutschnatlonalen eingenommenen Haltung würden die Kommunisten nicht für den deulschnationalen Mißtrauensantrag stimmen. (Lebhaftes Höri, hört! rechts.) — Abg. Drewlh (wirtsch. Part.) erklärt, seine Freunde wollten endlich einmal Klarheit schaffen, von welchen Parteien die Regierung gestützt wird. Durch ihre bisherigen Handlungen habe sich die Regierung nicht das vertrauen der TDirt- schaftspartei erworben. Die Tvirtschaftspartei werde daher für den deutschnationalen Antrag stimmen, (hört! hört!) 3n namentlicher Abstimmung wird darauf der deutschnationale Antrag mit 269 gegen 101 Stimmen der Deulschnationalen der wirtschaftspaclei, der Lhrislllch-Ratlonalen und der Rationalfozia- listen bei 42 Enthaltungen der Kommunisten a b - gelehnt. 3n einfacher Abstimmung wird auch der kommunistische Mihtrauensanlrag abgelehnt. E neKundgebungdesSandwettS Der Reichswirtschaftsminister spricht. Verlin, 30. Rov. (MTV.) Der Reichsver- banb des Deutschen Handwerks veranstaltete in Verbindung mit einer Tagung seines großen Ausschusses einen parlamentarischen Abend, dem sich ein geselliges Deisammensein anschloh, zu dem auch der Reichswirtschastsminister Dr. Curtius und der Relchsarbeitsminister WisseH noch zu später Stund« erschienen. Dr. Curtius dankte auch im Ra men des Reichsarbeitsministers für die freundlich« Einladung und wies darauf hin, daß sie beide von sehr schweren Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Verlegung des Konfliktes in der Eisenindustrie hierher gekommen seien. Er machte Mitteilung davon, daß die Unternehmer hofften, wenn irgend möglich, am Montags ihre (Betriebe bereits toi«* d er öffnen zu können. 3m Interesse aller Wirtschaftskreise und auch des Handwerks hoffe er, daß di« (Beilegung des Streits nunmehr auch bestimmt «intreten werde. Der Reichswiri- schaftsminister wies dann darauf hin, daß er bereits 1926, als die Preissenkung drohte, sich dagegen ausgesprochen habe, und daß seit dieser Zeit seine innige Verbundenheit mit dem Hand* Werk datiere. Die Abmachungen, die damals mit dem deutschen Handwerk getroffen worden seien, seien von diesem immer in loyaler Weise gehalten worden. Wir werden uns, erklärte Dr. Curtius, in der nächsten Zeit des öfteren mit dem Handwerk zu beschäftigen haben. Reben einer deutsch- nationalen Intervellation sei eine große Anzahl von Anträgen aller Fraktionen, die das Handwerk betreffen, dem Reichstage zugegangen. Der Minister schloß mit einem dreifach^ Hoch aus ein lebensfähiges deutsches Handwerk und auf einen starken deutschen Mittelstand. Blutrache im Gerichissaal. Oer Mörder des albanischen Gesandten Lena Beg auf der Anklagebank erschossen. Prag, 30. Rov. (WTB.) während der Schwurgerichtsverhandlung gegen den Albaner Bebi, der im Oktober 1927 den albanischen Gesandten in Prag, Lena Leg, einen Schwager König Achmed Zo- gus, ermordet hat, wurde der Angeklagte Bebi während der Sitzung mitten im Gerichlssoal von einem Unbekannten erschaffen. Der Präsident des Gerichtshofes hatte gerade eine Unterbrechung der Verhandlung angekündigt und während Richter und Geschworene sich von ihren Sitzen erhoben, drängte sich aus den Reihen der Zuhörer ein etwa 35jähriger Mann nach vorn, hob einen Revolver und feuerte auf den Angeklagten, auf den er lm ganzen ca. 27 Schüsse abgegeben haben soll. Bebi wurde mehrfach in den Kopf getroffen und stürzte sofort tot zu Boden. Der Unbekannte traf mit seinen Schüssen weiterhin den italienischen Journalisten Adrianp del viecchio, Redakteur des Blattes „31 Piccolo" aus Triest, welcher sich gerade mit dem Gerichlsdolmetscher unterhielt. Del Viecchio wurde schwer verletzt. Durch die Schüsse im Gerichtssaol entstand eine unbeschreibliche Panik. Dos Publikum stürzte rasch aus dem Saal, der so- fort geräumt wurde. 3m Saal verblieben nur der tote Bebi, der blutüberströmt mit zertrümmertem Schädel auf dem Boden lag, der schwerverletzte italienische Journalist, um den sich verschiedene Aerzte bemühten, die Richter und einige Journalisten. Der Attentäter wurde sofort nach der Tal nach geringem widerstand verhaftet und ihm die Waffe abgenommen. 3n dem Täter wurde auf Grund feiner Personalausweise der im Jahre 1901 im Dorfe Kossowo bei Tirana geborene Ziga vucikerno festgeslellk, der ein Diener des Kapitäns der eesaB albanischen Armee, (Sana Beg, des Bruder» des ermordeten Gesandten Z e na Beg, ist. Auf die Jrage, aus welchen Gründen er die Mordtat verübt habe, erklärte der Mörder, er habe nicht mit vorbedacht gehandelt; er habe nicht die Absicht gehabt, Bebi zu ermorden; als er aber den Klang i talienischer Worte gehört habe, habe er die Besinnung verloren und die Schüsse abgefeuert. Aus die Frage, warum er einen Revolver in den Verhandlungssaal mltgebrachl habe, erklärte vuciterna, dies fei albanische Sitte. Der Bruder des ermordeten Gesandten Lena Beg, Gaul Beg, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Verdunkelungsgefahr in haft genommen. Lr leugnet die Mitschuld an dem Morde und erklärt, er fei über die Schüsse auss äußerste bestürzt gewesen. Der verdacht gegen (Sani gründet sich hauptsächlich auf eine Rachricht der Belgrader „Polittka", in der es heißt, daß die Familie der Krysziu an Lena Begs Todestage bei einer prunkvollen Todesfeier dem Mörder Blutrache geschworen habe. Rach der Meldung dieses Belgrader Blattes war Gaul Beg bei dem Schwur anwesend. (Sani erklärte, daß nach den albanischen Gesehen jeder, dessen verwandter ermordet wurde, zur Blutrache verpflichtet fei. Er aber und seine Familie, die zum größten Teil im Westen erzogen wurden, hielten sich nicht an diese mittelalterlichen Gesetze. (Sani Beg ist etwa dreißig Jahre alt, war Major in der albanischen Armee und Lhef der gesamten Artillerie, die damals aus flehen Geschützen bestand. AMOurß und die DeuWen. Ein französisches Blatt über die Stellung des Reichspräsidenten. Paris, 30. Rov. (Tel.) In einem Artikel „Deutschland weiß was es will" schreibt das „Journal": Wer sich von Deutschland eine klare Vorstellung machen Wolke, solle sich Hindenburg ansehen. Hindenburg bedeute ganz Deutschland. In ihm spiegele es sich wider und er spiegele sich in Deutschland wider. D i e entscheidende Autorität, die er in allen Angelegenheiten zeige, nehme er nicht allein aus der Verfassung von Weimar und den ihm übertragenen Befugnissen. Was seine Kraft ausmache, was ihm souverän in allen großen Fragen einzugreifen gestatte, sei die Zustimmung des Volkes. Der Deutsche liebe es, einem Führer zu folgen. Rach einigen Jahren des ScAvankens habe es den Mann gefunden, den es suchte. Deutschland schwöre auf ihn und sei bereit, ihm zu gehorchen. Aufrecht wie eine Siche trotz seiner 81 Jahre, der Blick fest und die Gedanken klar, sei Hindenburg den Deutschen zugleich Ioffre und Clemen - ca u. Alles was er sage, halle tief in der Seele aller Deutschen wider, toeU er nie ein Wort ausspreche, das nicht vorher von allen Deutschen gedacht worden sei. Man begreife ihn sewst dann, wenn er zweifele. Die Reparationsdebatte. London an den Rechtsfragen uninteressiert. London, 1. Dez. (WTB. Funkspruch.) Laut „Daily Telegraph", hat gestern bis zum späten Abend keine der in Betracht kommendem alliierten Regierungen endgültig auf di« britischen Vorschläge Über eine gemeinsam« Antwort auf das deutsche Reparationsmemorandum vom 30. Oktober geantwortet. Es sei jedoch möglich, daß der britische Botschafter in Paris, der Donnerstagabend aus Paris in London ein» getrpffen ist, und das Wochenende als Gast des Premierministers in Chequers verbringt, die Ansicht übermitteln könnte, die Poincare, wir erwartet wird, sicherlich bald formell zum Ausdruck bringen wird. Der Korrespondent betont, daß die britische Regierung einen sehr praktischen Standpunkt einnehme und daß rechtliche, sowie Prozedurfragen für die englischen Finanzsachverständigen wenig Interesse hätten, deren einzig» Sorge sei, ob die geplante Untersuchung zu einer Lösung führen und Deutschland etwas entlaste, ohne den britischen Steuerzahler zu schädigen. London sei geneigt, es Paris oder Berlin zu überlassen, weniger wichtige Fragen, wie die, durch wen die alliierten Sachverständigen ernannt werden sollen, zu regeln. Die Beisetzung des Admiral Scheers. Weimar, 30. Rov. (WTB) In der thüringischen Landeshauptstadt wurde h?ute Admiral Scheer zur letz en Ru^e ge> t:L 3.i der Herder- Kirche war vor dem großen Altar.i d unter der Marin.flagge mit d.m Admirals:mb>emen d:r schlichte Sarg aufgebahrt, umgeben von einer großen Fülle von Kränzen mit Schleifen, letzte Grüße der Kameraden und Freunde. Angehörige der Marin.l.llung und des Marin vcriins hielten die Ehrenwache. Ein unaufh lr icher Menschenstrom defilierte durch das Gotteshaus, bis um die Mittagsstunde die ersten Teilnehmer der Trauerfeier eintrafen. Um V32 älhr war die Herder Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Orgelspiel und Gefangsvorträgen wurde die Feier eingeleitet. Die Gedächtn.sansprache hie't Marine tationspfar'er Ronneburger (Wilhelmshaven). Er legte ihr die Psalmen 21 und 42 zugrunde: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufeI“ und „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin." Pfarrer Ronneburger gab einen Rückblick über 'das reichbewegte Leben des Verstorbenen, der nicht nur ein vorbildlicher Seemann und Vorgesetzter, sondern auch ein Mensch von wahrer innerer Größe gewesen sei. Pflichttreue bis zum äußersten, aber auch kameradschaftlicher Geist und menschliche Güte adelten fein Leben. Rach der Feier wurde der Sarg unter gedämpftem Trommelwirbel und den Klängen eines Chorals zum Leichenwagen getragen, der mit sechs schwarzverhängten Pferden bespannt war. Die Truppen erwiesen dem Toten die militärischen Ehren. Dann setzte sich der Zug unter Dorantritt des Trompelerkorps des Reiterregiments, gefolgt von den Ordensträgern, zur Friedhofskapelle in Bewegung. Hinter dem Leichenwagen, links und rechts flankiert von Marineangehori- gen, folgten die nächsten Anverwandten des Admirals, hinter diesen die Admiralität und die Generalität, die Vertreter der Behörden, darunter die thuriirgische Landesregierung, Abordnungen und Verbände. Trotz des strömenden Regens umsäumte eine große Menschemnenge die Straßen bis zur Friedhosslapelle. 'Sie Einsegnung des Enttchlafenen in der Friedhofskapelle nahm Pfarrer W e y r i ch (Weimar) vor. Er toibmeie Admiral Scheer als Weimarer Bürger herzsiche Absch'.edstoorte. Rach Gebet und Segen wurde die irdische Hülle des Admirals unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden dem Feuer übergeben, während die auf- gestellte Infanterielompagnie eine Ehrensalve abgab. Als Vertreter der Reichsregierung war der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. R a e b c r, bei der Trauerfeier an* wesend. Das hessische Gewerbeschulgesetz. WHP. Darmstadt. 30. Rov. Der Gesetzgebungsausschuh des Landtags behandelte zunächst einen Antrag des Abg. Kaul (Soz.) zum Gewerbeschulgesetz, wonach die Richtsatz- gemeinden zu den Ko st en der 11 n ter» richtsanstalten herangezogen werden sollen, wenn aus ihrem Gemeindebezirk Schüler in diese Anstalten gehen. Die Regierung hatte hier einen entsprechenden Vorschlag ausgearbeitet. Es entspann sich eine längere Aussprache über die prinzipielle Frage, ob diese, Heranziehung der Richtsitzgemeinden berechtigt sei. Ramentlich der Bauernbund wandte sich gegen diese Heranziehung. Da durch diesen Antrag die Materie sehr erschwert worden wäre, wurde der Antrag Kaul zurückgezogen, die Regierung aber ersucht, diese Frage durch eine selbständige Vorlage, die auch die höheren Schulen einschließen soll, besonders zu regeln. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtages. Schlußberatunq dcS Stellenplanes. Sondergebäudcsteuergesetz. Darmstadt, 30. Rov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages kam heute mit der (Berit ng des St lle Pa.es in d r toci cn esu g zu End«. Verschiedene Beschlüße dec e.sten Lesung, die Konsequenzen zur Folge gehabt hätten, wurden in der zweiten Lesung revidiert. Bei einigen Anträgen war sogar eine dritte Lesung erforderlich. Folgende bemerkensw.rte Aenderungen wurden heute noch vorgenommm: Bei Artikel 31 werden auf Antrag 2I.it/c3 (S.) bei den Der- waltungsobersekretärcn fünf Inhaber nach Gruppe A 4b cinge'tuft. Bei A tikel 83 werden auf Antrag Lu? (S,) 5 Oberbausekretäre für ihre Pe.soiz in die Gruppe 4b ein» rangiert. Bei Arti el 112 werden auf Antrag Reiber (D.) ein weiterer Oberbaurat genehmigt. Außerdem werden b:i dem g eichen Artikel auf Antrag Wecker (Z.) 14 Oberbaus tretäre als Inhaber in die Gruppe 4b einger iht. Darauf füllt der Ausschuß die bei der Beratung des Sondergebäudesteucrgeset- z e s entstandenen Lucken aus. Bei Artikel. 4 wurden vier Anträge des Abgeordneten Best (DDP.) abgelehnt, die sich mit der steuerlichen Belastung von Grundstücken befassen, die vor der Inflationszeit unbelastet oder mir teilweise belastet waren und für di« eine dem AuswerA igsgesetz entsprechende steuerliche Erfassung gewünscht wurde. — Angenommen wurde ein Zentrumsantrag, der für Steuerpflichtige mit einem Einkommen bis zu 1300 Mark sowie für Sozial- und Kleinrentner, Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene und andere bedürftige Personen steuerliche Erleichterungen vorsieht, — Bei Artikel 7 findet ein Reg.erungs- vorschlag Annahme, wonach bei Grundstücken, die am 31. Dezember 1918 entweder unbelastet waren oder die damalig« privatrechtliche Belastung nicht mehr als 30 Proz. des Friedenswertes betrug, der (Betrag der Steuer auf Antrag des Steuerpflichtigen soweit herabzusetzen ist, daß er einschließlich der Steuer nach Artikel 13 bei unbelasteten Grundstücken 0,60 vom Hundert des Friedenswertes, bei einer Belastung bis zu 10 Proz. des Friedenswertes 0,85 v. H., bei einer Belastung bis zu 20 Proz. des Friedenswertes 1,10 v. H. und bei einet Belastung bis zu 30 Proz. des Friedenswertes 1,35 v. H. des Friedenswertes ausmacht. Zu Artikel 9 liegt ein Antrag Kaul (Soz.) vor. dessen Annahme von der Regierung bei der ersten Beratung energisch bekänrpft wurde und zu dem sie heute eine neu» Fassung vorschlug die Annahme fand. Der Antrag Kaul touroe zurückgezogen. Runmehr soll der bebaute Kleingrundbesitz weiter entlastet werden, und zwar um 40 Proz., mit 10 Proz., wenn dec ungekürzte Friedenswert höchstens 4000 Mark beträgt und um 20 Proz., wenn dieser Wert mehr aü 4000 bis höchstens 6000 Mark beträgt (Bei Berechnung dieses Friedenswertes werden aber die gewerblich benutzten Räume nicht berücksichtigt, falls der ungekürzte Friedenswert den (Betrag von 12 000 Mark übersteigt. Aus aller Wett. Das englische Volk beerbt eine ertrunkene Ozeanfllegerin. lieber das Vermögen von Fräulein Elfie M a ck a y. die in diesem Jahre bei dem Versuch, den Atlantik im Flugzeug zu überqueren, ertrank, ist nunmehr nach den Wünschen des Vaters, Lord Inchiape. verfügt worden. Der Schatzkanzler Churchill teilt mit, daß ihm eine Summe von etwa 10,5 Millionen Mark ausbezahlt worden fei, di« Treuhändern zu übergeben ist, mit der Bestimmung. sie fünfzig Jahve liegen und Zinsen ans ammeln zu lassen. Alsdann soll der Gesamtbetrag zur Verminderung der englischen Rationalschuld verwandt werden. Zu Treuhändern find ernannt worden der englische Schatzkanzler, der Gouverneur der Dank von England und der Generalkontrolleur des Bureaus für di« englische Nationalschuld. Jünf Tote butrf) Pilzvergiftungen in Frankreich. AuS verschiedenen Teilen Frankreichs liegen Meldungen über schwere Pilzvergiftungen von, In Toulouse sind zwei Kinder einer italienischen Arbeiterfamilie nach dem Genuß von selbst- gesammelten Pilzen gestorben, während vier andere schwer krank damiederliegen. In einet anderen Familie ist ein sechsjähriges Mädchen unter fürchterlichen Qualen gestorben. In Revers fiel ein Mann und dessen Frau der Vergiftung zum Opfer. Oie Wetterlage. L :rhorjlt ö. Wreirtu ifran« Freitag, d.3O,rjoVt>, 1928.7* at?ds. y $ H ÄÖr- llen< §5 Knyf / fi Hör (g)WeftÄh> 10M1D OPALINE MOTOR-OEL (Eingetragene Schutzmarke) Fernruf Nr, 1066 Aulweg Nr. 112/114 M'WWW I SÄÄ 1 * wurde eingetragen: 1051 Abteilung A, 10517V Wohlfahrtsamt, Garste beim tenslrahe 2, Zimmer Ile. 8. Gießen, den 10. November 1928. Gießener Winternothilfe. als öertietcr von führender Qel-Rafst- neue gesucht. Offert, unt. FM 11783 an ALA Haasenitetn L Vogler. Franklorl a. K. Verlangen Sie bei uns oder in Ihrer Garage unsere sehr Interessanten und neuartigen Broschüren: „Die Sinclair-Theorie der Motor-Oelung“ und „Die Automobil-Oelung In Wort und Bild“ Bezirks-Vertretung und Lager: Hermann Weicker L Co., Gießen SINCLAIR ♦ Die Theorie der Motor-Oelung: „Für jede Maschine, je nach Abnutzung, existiert ein wissenschaftlich ermitteltes Sindair-Oel, welches der Geschwindigkeit der Maschine anyepaßt ist und größte Krafterzeugung gewährleistet“ - Sinclair - Klubmöbel nur eigene Qualitätsarbeit 6ebr. Seelbach Telephon 1027 105270 Bekanntmachung. Der nächste viehmarkl in Gießen findet statt: 10516C Dienstag, 4. Dezember 1928; Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt; Mittwoch, 5. Dezember 1928: Schweine- markt. Austriebszeit an beiden Markttagen von 8XA bis 10 Ahr vormittags. Auf dem Rind- viehmarkl wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 1. Dezember 1928. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Hutterltoff-Grobbaudlung lucht bei der Maßschnetderet gut emgefüptten Vertreter *ur Mitnahme ihrer handitchen fiel- lekrton. Angebote erbet, an Echlteß- lach 6 Eisenberg t. Tb. 10496V Gme Beüöoij-Berfteigernng in der Veilelüil. Montag, den 10. Dezember, werden auf dem Feldbereintgungsabtrieb bei Oppershofen versteigert: Festmeter Stammholz: Kiefer 276, Fichte 40. Darauf kommt folgendes Brennholz zum Ausgebot: Raummeter Scheitholz: Kiefer 22, Fichte 5; Knüppelholz: Kiefer 75, Fichte 6; Stock- Holz: Kiefer 68, Fichte 12; Reisholz: Kiefer 610, Fichte 20 (letzteres nicht aufgearbeitet). Zusammenkunft 9*4 Uhr vormittags auf der Kreisstrahe Oppershofen—Södel, Waldanfang. 105150 Das $oh muh bis 1. Februar 1929 abgefahren sein. Nähere Auskunft erteill Fürstlich- Oberförfkrei Lich. geführt. •* Die Museen sind Sonntag. 2. Dezember, zwischen 11 imb 1 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. *• Oberhess ischer Kunst verein. Wie im vorigen Jahre, so ist auch fetzt wieder auf Veranlassung und mit Mitteln des Staates eine „Hessische K ü n st le r h i l f e" eingerichtet worden, die der mit der wirtschaftlichen Äot schwer ringenden hessischen Künstlerschaft einen belcheidenen Ertrag für ihr künstlerisches Schaffen sichern will. Es finden zu diesem Zweck in Den drei Provinzen Weihnachts-Ausstellungen statt, die jedem Kunstfreund Gelegenheit geben, für niedrig gehaltene Preise originale Kunstware von künstlerischer Qualität zu erwerben. Für die Provinz Ober Hessen liegt di« Veranstaltung dem Oberbessischen Kunst- verein ob. Die Ausstellung wird Sonntag, 2. Dezember, vormittags 11 Uhr, im Turmhaus am Brandplatz eröffnet werden und bis 23.Dezember dauern, bei freiem Eintritt für jedermann. Als Ergänzung dieser Ausstellung ist wieder eine Ausspielung eingerichtet worden, deren Gewinne in Kunstwerken bestehen, die von den ausstMenden hessischen Künstlern angekauft werden. Der Preis deö Loses beträgt 50 Pf. Hierdurch ist jedermann Gelegenheit gegeben, zur Besserung der wirtschaftlichen Laa« unserer Künstlerschaft beizutragen und sich gleichzeitig eine Gewinnchance zu sichern. Die Ziehung findet am 19. Dezember im Turmhaus am Brand- Platz statt. Die Gewinnliste wirb tm „Gießener Anzeiger" veröffentlicht werden. Die Ausstellung, Vertreter Aiim Verkauf von Konservendosen unb Dosenverschlubmafchinen gesucht. Herren, die bereits bei Ettenwarengeschäften, Slempnereten, Schlossereien Hauoschlach- teretei'. Kotomalwaren- unb ähnlichen Geschäften emgesührt find, werden benorAugt. Btcchwarenfabrik Fritz Zllchner G. m. b. H.. Seele« a. H., Postfach SS. ** Der Gepäckmarsch der Gießener Studentenschaft, der morgen vormittag 10J Uhr vor dem Universitätsgebäude seinen Anfang nimmt, wird von 15 Gruppen zu je fünf Mann aus- Nur ech$ mit dem Stilleben im Bit kett. H.C.Könio, SleinHaocn VWestf. UoQlfaOrtsbTtennaitenDPrtaaf durch das Städtische Wohlfahrtsamt Gießen. 9m ganzen Deutschen Reiche findet zur Linderung der in vielen Kreisen deutscher Volksgenossen herrschenden Not in der Zeit vom 17. November 1928 bis 31. Januar 1929 ein Wohlfahrtsbriefmarkenverkauf statt. Die postalische Güttigkeit der Marken erlischt am 30. April 1929. Es werden aus- gegeben: 5-, 8-, 15-, 25- unb 50-Pfennig- Marken zum Verkaufspreis von 10 Pf., 15 Pf., 30 Pf., F0 Pf. und 1 Reichsmark, eir künstlerisch ausgestattete amtliche Bildpostkarte (Glückpostkarte) mit eingedruckter 8-Psennig-Marke zum Verkaufspreis von 15 Pf. und Markenheftchen mit je vier 8- und drei 15-Pfennig°Marken zum Preise von 1,50 Reichsmark. Die Marken sind im gesamten In- und Auslandoerkehr an Stelle der gewöhnlichen Briefmarken gültig und außer an den Post, schaltern auch beim Städtischen Wohlfahrtsamt, Gartenstrabe 2, Zimmer Nr. 8, erhältlich. 101200 Den Freimachungswert erhalten die Deutsche Reichspost und von dem lieber- schuß die Gießener winiernothilse 80 v. h., aber nur dann, wenn die THarten vom Wohlfahrtsamt bezogen werden. Verwende jeder und insbefondere für die Weihnachs, Neujahrs- und Ofterpoft not die Wohlsahrtsbriefmorken und kaufe er BerptmiiiDgooirMetgiQoöitöitoi Mittwoch, den 5. Dezember d. 3., werden 63 Lose „An der Kannwiese", ,Hohe Triesch^' und „Wischbeil" des fiskalischen Grundbesitzes in der Gemarkung Watzen- born-Steinberg auf neun Jahre an Ort und Stelle öffentlich verpachtet. 105100 Zusammenkunft: 8S Uhr vormittags bei der Schiffenberger Mühle. Gießen, den 28. November 1928. Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus. *• Diehmärkte In Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet hier Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt, dem sich am Mittwoch Schweinemarkt fpielhauseS, Dr. Friß Pcler Buch gefcfrrieBm hat. zur Aufführung angenommen. Führ^.rd? ' deutsche Bühnen haben sich die Aufführung dieses Märchens für den diesjährigen Theaterwinter gesichert. Intendant Dr. P r a s ch hat mit der Einstudierung von Dahard Deillers „Der Prozeß der Mary Dugan" begonnen. D's Stück kommt am Freitag, 7. Dezember, heruuO. — Gesellschaft fürErd und Völkerkunde. Am nächten Donnerstagabend finde: in der Neuen Aula der ünin?r ität ein Dortrag von Dr. K. C. von Loesch über „Europa von innen heraus" statt. 3n'er:f cnten seien auf die heutige Anzeige besonders aufmerlfam gemacht. — Eine Veranstaltung zum Besten der Sjudentenhilfe. Das Kul.uramt der Gießener Studentenschaft veranstaltet am kommenden Dienstag in der Reuen 2 u'a einen Klavier- und Melodramenabend. Dem Künstlerehepaar Dr. Blaß und Elsa Blaß-Rau- s che n b u s ch geht — wie man uns schreibt — die beste Kritik voraus: vollkommene Sprachtechnik und größte Crlebniskraft, technisch und seelisch gereifte Kunst. 2lls alter Gießener E.udent hat sich Dr. Blaß in den Dienst einer guten Sache gestellt: Der Reinertrag fließt der Studentenhilfe zu. Der 2lbend dürste ein Erlebiris eigener Art werden. (Siehe heutige Anzeige.) — Der Damenfriseur- und Peruk- kenmacher - Geyilfenverein Gießen beruft im hurtigen Airzeigentell eine öffentliche Dersammlung auf näch ten Won.ag ibend ein. Sn dieser Dersammlung soll Bericht über die Tarif- Verhandlungen mit der Innung erstattet werden. (Siehe heutige Anzeige.) Daten ffir Tonnkag, 2. Dezember. Sonnenaufgang 7.44 Uhr, Sonnenuntergang 15.55 Uhr. — Mondaufgang 21.36 Uhr, Monduntergang 12.38 Uhr. 1915: der Geograph Fritz Regel in Würzburg gestorben. Daten für Montag, 3. Dezember. Sonnenaufgang 7.45 Uhr, Sonnenuntergang 15.54 Uhr. — Mondaüfgang 22.56 Uhr, Monduntergang 13 Uhr. 1818: der Hygieniker Max von Pettenkofen in Lichtenheim geboren; — 1860; der Geograph Wilh. Sievers geboren. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarit das Pfund: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stuck) 60 bis 140, Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 8 bis 15. Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 20, rote Rüben 10 bis 20, Spinat 25 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 20, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bte 60. Kartoffeln 5, Aepfel 20 bis 40, Birnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40 Honig 40 bis 50, junge Höhne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 120, Rüsse 60 bis 80: das Stück: Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 10 bis 20, Endivien 10 brs 20, Lauck) 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pfennig: der Zrntner: Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 12 bis 15, Aepsel 20 bis 35, Birnen 10 bis 20, Kartoffeln 4,30 bis 4,60 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. D. D. QL Weihnachtsfeier 8.30 Uhr im Katholischen Vereinshaus. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „Gabelsberger": Dereinsabend 8.30 Uhr. — Verein ehema.iger Kavalleristen: Monatsversammlung 8.30 Llhr im „Postkeller". — Artilleristenvercin: Monatsverfammlung 8.30 Uhr. — Verein Rudersport: Generalversammlung 8.30 Uhr im Bootshaus. — Ruderklub Hassia: Mitgliederversammlung 8.30 Ahr im Bootshaus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Marter der Liebe". — Astoria-Lichtfpiele: „Ein Bandit von Ehre". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: -Die Dollarprinzessin", 18 Uhr. — Lberhessischer Kunstverein: Weihnachlsausstellung „Künstlerhilfe 1928", 11 Uhr vormittags im Turmhaus am Brandplatz. — Missionsbund: 6. Glaubens- und Missionskonferenz im Saal der Stadtmission, Löberstraße 14. — Gießener Konzertverein: 3. Konzert (Emmy von Stetten), 17 Uhr, Universitätsaula. — Wohltätig.eitskonzert des Kriegervereins Gießen, t/,8 Uhr Cafe Leib. — Lichtspielhäuser: wie Samstag. — Stadttheater Gießen. Ans dem Stadt- theaterburcau wird und geschrieben: Das morgige Operettenaastspiel „®ic Dollarprinzessin" beginnt um 18 Uhr und geht als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpveisen in Szene. »Die Dollarprinzessin" kommt bei dieser einmaligen Wiederholung wieder in erstklassiger Besetzung heraus und ift auf vielseitigen Wunsch des Publikums angefetzt worden. Die Intendanz kann die erfreuliche Mitteilung machen, daß Hem: 3en 5 Rad 0 r, einer der zukunftsreichsten deutschen Te-- nöre, die Partie des „ Fredy" singt. — Am Dienstag, 4. Dezember, findet die erste Wiederholung von Bruno Franks „Perlenkomödie" statt. Spielleitung hat Julius D a st ä. — Die Intendanz hat daS Weihnachtsmärchen „Pinkepunk", das der Oberspielleiter deS Frankfurter Scharr- Rühriger Vertreter gesucht für ©leben und Umgebung vo« letstungSsäbiger Allgäuer ftäfeftrma. Angeb, a. H ans Straoll, Dletmannarled im A llgän, 10657D Wir suchen IDcbllge Ubens-Faehleole gegen tSebalt, Retieivese« und Pro- vistou. Erstklassige Ürgantfaioren und Akautsiteure wollen ihre Bewerbung etnretchen an 10496V Schlesisch-Kölnische LebenSversi l erungSbank A. G. DlrektlonegeachStteatelle Frankfurt am Main Gutleutttraße v 42. Aus der provinzialhaupisiadi. Gießen, den 1. Dezember 1928. Oie Beilagen -es Gießener Anzeigers werden von heute Samstag, den 1. Dezember, ab an folgenden Tagen erscheinen. Montags und Freitags: „JamilieDblätter“; Dienstags: „Die SdjoUe“; Donnerstags: „Heimat im Bild“; Samstags: die neue Illustrierte des Gießener Anzeigers: Mittwochs: die Sondersei4en „Aus Aalur und Technik , „Jugend und Hochschule^, „Aus der wett des Films". „2tus dem Reiche der Frau" und „Aü den vüchertifch- in wechselnder Rechenfolge. Advent. 3ni llnterschiede von den übrigen christlichen Festen ist es fyne besondere geschichtliche Tatjache, auf die die Adventsfeier sich grüntet. Die Mschnitte aus der Bibel, die man in alter Heit für die einzelnen Sonn- und Feiertage avsgewäbtt hat — die Theologen nennen diese Abschnitte Perikopen —, entrollen in der Adventszett Biwer der verschiedenst' . Art. Jesu Einzug in die alte Königsstadt Jerusalem eröffnet diese Reche. Da liegt es wie Frühlingssonnenschein über dem Ganzen, eine frobberoegte Menge Drängt sich auf den Straßen zusammen und schwingt Pal- menzweige in den Händen, taufenftimmig erschallt ihr Ruf: „hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei. Der da kommt in dem Namen des Herrn! hosianna in der höhe!" So mag es in alter Zeit in deutschen Städten zugegangen fein, wenn ein Kaiser aus Krieg und Fehde heimkam und dem Dolle Huld und Treue versprach. Mit diesem freundlichen Bilde steht im Gegensatz, was der zwette Adventstag vorführt. Da wird das Kommen Jesu zum jüngsten Gerichte geschildert: die Sterne fallen vom Himmel, das Meer und die Wasserwogen brausen, die Menschen vergehen vor Furcht und vor Erwartung kommender Ereignisse. Am dritten und vierten Adventssonntag steht eine ernste Gestalt im Vordergründe: Johannes der Täufer, der Prediger in der Wüste, der bedürfnislose Mann, zu dem Die im Wohlleben verkommenen Männer und die durch den Luxus verweichlichten Frauen der Großstadt kommen, um von ihm zum Lebensernst ermahnt zu werden. Auch Paulus spricht in der Adventszeit zu den Christengemeinden. Er kündet den nahen Tag an, da nach den Schatten der Nacht und den Nebelschleiern der Morgendämmerung die Sonne leuchtend aufsteigt, er mahnt zum Frieden, zur Freude, zur Lindigkeit, er ermuntert die Sorgenvollen. Also eigenllich keine festumrissenen Tatsachen, sondern Stimmung, Gefühl, heilige Ahnung, frohe Er- roartung geben Der Adventsfeier ihr charakteristisches Gepräge. Das kommt in den Adoentsgebräuchen zum Ausdruck: man hängt grüne Kränze auf und schmückt sie mit Lichtern. Das kommt in den Adventsliedern zur Geltung. Von den Dichtern an, die in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gelebt haben, bis zu Novalis, Rückert und Schenkendorf ist alles Glanz, Freude, Schönhett. Zwar soll das Christentum nicht bloße Stimmungsreligion fein, die ihr Genüge in harmonisch angeorDneten Kirchenräumen, in stilvoller Innenausstattung und weihevollen Oratorien findet, das Christentum ist im wesentlichen Entschluß, Tat, Liebe. Aber auch die Stimmung darf in ihm zu ihrem Rechte kommen. Das geschieht namentlich in der Adventszett, in der hie Freude darüber, daß nach Jahrtausenden des Dunkels der Menschheit das Licht aus der höhe aufgegangen ist, die Herzen erfüllt und die Hoffnung sich regt, daß hinter den Leiden und der Unvollkommenheit des Irdischen eine Welt unvergänglicher Herrlichkeit steht.H. B. in beten Raum Losse erfjMfWb fbtb. ist zu bet im Anzeigenteil der vorgestrigen Hummer angegebenen Zeiten zugänglich. Wöge die Veranstaltung von Dem gewünichten Erfolg begleitet sein! " Die städtische Gemäldesammlung im Reuen Schloß, Eingang Senckenbergstrahe, ist morgen, Sonntag, bei freiem Eintritt von 11 bis 13 Ähr geöffnet. •• Rudern, der Sport für alle. Einen sehr interessanten Vottrag veranstattetc die Gieße ner Rudergefellschast 1877 am Donnerstagabend im Großen hvrsaal der Landesuniversität. Dort sprach Dozent Borrmann von der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin über den Wert des Rudersportes für die Ertüchtigung unserer Jugend. Der Redner behandelte seinen Stoff an Hand zahl reicher Lichtbilder, wobei er zunächst unter Zugrundelegung von Tabellenmaterial und dann unter Vorführung von allerlei Aufnahmen dev praktischen Ruderns die verschiedensten Fragen der Rudertechnik eingehend behandelt. Am Schlüße zeigte er einen Film, der den Ruderbetrieb in der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in vielfachen interessanten Bildern darstellt. Der Vortrag, der als eine recht glückliche Werbung für den Rudersport anzusprechen ist. sand verdientermaßen lebhaften Beifall. In seinem Schlußwort, im Anschluß an Dankesworte für den Redner, bedauerte dex Vorsitzende der Rudergesellschaft, Kaufmann Ernst Niemann, mit besonderer Betonung, daß die Eltern Der jungen Ruderer und die Lehrer unserer höheren Schulen, obwohl sie zu dem Vortrage besonders eingeladen aewesen seien, durch ihr Fernbleiben diese wertvollen Ausführungen versäumt hätten. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß von diesem Abend aiuh in unserer Stadt ein guter Nutzen für den Rudersport ausgehe. 7—Was ist Togal?—-s Togal-Tabletten find ein hervorragendes Mittel bei Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, ! Nerven- u. Kopfschmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel. 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Franktori a. M. ÄLrbeitsverqebuttg. Für die wasfergen ssenschaft Garbenteich soll auf Dem Rathaus zu Garbenteich die Herstellung von etwa 10 000 Meter Drainagen in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf hessischer Bürgermeisterei offen, woselbst die Angebotsvordrucke erhältlich und wohin diese verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin am 105450 Donnerstag, dem 6. Dezember 1928 vormittag» 9 Uhr einzureichen find. Zuschlagsfrist drei Wochen. Gießen, Den 28. November 1928. hessisches Kulturbauamt. h. Steinbach, Regierungsbaurat. in bet Wetterau. | Montag, den 3. Dezember 1928, nachm. lUhr, versteigere ich im Löuten, Neuenweg 28 dahier, zwangsweise geg.Barzahlung: 2 elektr. Kochherde, 1 elektr. Eisenbahn, 6 Service Emaille für Puppenküchen. 1 Herdständer mit Herd, 8 Dampfma. schinen, 4 Kinomaschinen, 2 Rucksäcke, eine Partie Lederwaren: wie Damenhandtaschen, Besuchstaschen, Brieftaschen, Lederlalchen, Einkaufstaschen, Aktenmappen, Lackkoster und Zigarrenetuis. Die Versteigerung stndet bestimmt statt Hebbel Gerichtsvollzieher, 10519D Gießen, Dammstraße 241, Del. 239. 5 iMk Die trauernden Kinder Gießen, Garten Straße 20, den 30. November 1928. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Für den Weihnachtsvedars 10343D Zunghühner Däonn und Sühne rlallU Fabrik Gießen, den 1. Dezember 1928. Schuhhaus L.Sernhari>t,Gießen 08406 verkamen. 08413 Gchulfiraße 10 Fernsprecher 1435 WWkk MMliW Teppidie Expedition Stehen, plockstraße 5. 08427 | Sehr bequeme mcnatlicheZahlungisw«lBe! j Jür das Labngebiet e. b. d. Apochek. u. Drog. nachwetSd. eingefühner 10534V Stütze 8419 itrn&e 16. 8417 verkanten. Gr. - Huseck. stratze 16. 6785D Lager. 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Va üJsaT», „kkiene himBuigS« y- Samstag, r. Dezember <428 lich die staats- und verfasjungsrechtlichen, vor allem die wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen, die den Anstoß zur Neueinteilung gaben, während jene Fragen der Stammeseigenart in geistiger und materieller Kultur von offizieller Seite md)t stark her- vorgehoben wurden. Sie sind auch durch ein Jahrtausend unberücksichtigt geblieben und wo sie sich jetzt melden, sind sie durch ihre eigene Kraft und durch eine gewisse Abgeschlossenheit stärker erhallen geblieben. Allerdings gilt das nur bedingt, denn in vielen Fällen ist die Stammesart in der ver- schiedensten Weise übertragen worden Hat sich bei den Friesen und Niedersachsen, bei Westfalen und am Niederrhein noch ein Volkstum erhalten, das nach seinen körperlichen (somatischen) Eigenschaften einigermaßen einheitlich ist und sich in seinen Kerngebieten dieser Einheitlichkeit auch in geistiger und kultureller Beziehung mehr oder weniger bewußt ist, so ist letzteres aud) bei den Alemannen, Schwaben, Bayern und Thüringern der Fall, wobei hier allerdings somatisch mehr Fremdes ausgenommen und spater der kulturellen Eigenart unterworfen wurde. Dieser Prozeß der Angliederung vollzog sich im Mittelalter. Ihm liefen allerdings dynastische Grenzen mit ihrem vereinheitlichenden Einfluß entgegen und besonders sind die neueren Staatenbildungen in Süddeutschland weit über die Stammes- grenzen hinausgegangen und haben ftammlich Fremdes vereint. Dies war in den mittel- und süddeutschen Gebieten schon im Mittelalter der Fall, doch läßt sich fränkisches von bayerischem und alemannischem, auch vom hessischen Wesen noch heute unterscheiden. Dieser Unterschied ist aber im Volks- bewußtsein meist schwächer als das Bewußtsein der staallichen Zugehörigkeit, die hier erst aus der napoleonischen Zeit stammt. Gerade das ursprünglich fränkische Gebiet ist dabei aufgeteill worden, und in diesem hat sich aus der dynastischen Zugehörigkeit zu dem neuen Staate feit 120 Jahren eine Gesinnungszugehörigkeit entwickelt, die stärker ist, als das Bewußtsein der alten Stammeszugehörigkeit, die hier schon früh übergangen wurde. Sie wurde zwar auch in anderen Gebieten nicht gepflegt oder als solche stärker politisch berücksichtigt, doch überschneiden in norddeutschen Gebieten die heutigen Grenzen die ursprünglichen Stammesgebiete nicht so sehr, wie dies im fränkischen Gebiet von Böhmen bis zur Pfalz der Fall ist. Auf jeden Fall ist dieses Eigenbewußtsein der Bevölkerung, sich von den Nachbarn zu unterscheiden, im Norden und im Süden teilweise stärker, wozu noch manche Gründe beitragen, wie z. B. die schon erwähnte geringere dynastische Aufteilung im Norden und vielleicht auch der geringere Verkehr, die geringere Zahl von Städten und durch die Hörigkeit eine längere Seßhaftigkeit. Die Bewohner der fränkischen Gebiete, die zu Bayern gehören, fühlen sich als Bayern, wenigstens in Ober-, Mittel- und Unterfranken, weniger die wesensverschiedenen Rheinpfälzer Die zu Baden gehörigen Franken fühleir sich als Badener oder die zu Hessen gehörigen als Hessen, wobei sie zu den alemannischen Badenern oder den eigentlichen Chatten-Hessen nicht in Stammesbeziehung stehen. Als Anstoß zur Neueinteilung sind praktische Gesichtspunkte in erster Linie zu nennen, wie Verringerung der Verwaltungskosten, Verschwinden innerstaatlicher Reibungsflächen, Zusammenleaen wirtschaftlich zusammengehöriger Gebiete u. a. Die mittelalterliche Zersplitterung, die bis in die Neuzeit angedauert hat und der Hauptgrund für die frühere Ohnmacht Deutschlands war, hat durchaus nachteilige Folgen gehabt. Ihr ist die konfessionelle Zersplitterung mit zuzuschreiben, die so groß ist, daß sie heute bei der Neueinteilung zur Grenzziehung in keiner Weise mit berücksichtigt werden kann. Ferner ist der Mangel kolonialer Betätigung darauf zurückzuführen, denn während in Deutschland innere Gegensätze ausgetragen wurden, haben Länder wie England, Frankreich, die Niederlande und andere den Grund $u ihrem Außenbesitz gelegt, der neben tropischen Ländern, die als Wirtschaftsgebiete wertvoll sind, auch wirkliche Siedlungskolonien in sich schließt. Wir konnten nur einen Teil der Auswanderer für fremde Kolonialländer liefern und haben für Millionen von Menschen die Erziehungskosten getragen, ohne den Gewinn ihrer gefang dieses Menschen, von dem man eben nicht viel mehr weih als dem Hamen: Theodor Kramer. Ein ungewöhnliches Buch. Zu den Gedichten ist eine Worterklärung notwendig, denn es kommen südlich beheimatete Mundartausdrücke darin vor und Brocken aus dem Rotwelsch der Zigeuner und Landsahrer. Richt jeder weih gleich, dah ein „Janker" eine Joppe ist, dah der „Kotter" mit Dorfarrest, und der „Schränker" als Gin* brecher zu verdolmetschen ist. Und ein „Seiler-' köpf" ist einfach ein Sellerie. Aber das alles liest man erst hinterher, man „versteht" jedes Gedicht — wie es bei einem guten Gedicht immer sein soll — sofort; erst später, wenn man alles gelesen hat, schaut man das „Register" durch und betrachtet sich die Gaunerzinke, das Haus mit der Hand, die als Titelbild, Wegweiser und bildnerisches Merkmal der Sammlung gelten soll. Muß man noch erzählen, wovon diese Gedichte handeln? „Handeln" ist ja in der Lyrik kaum das richtige Wort. Also sie singen und sagen, berichten und musizieren — als Bänkelsang, Moritat. Reiselied — von den Jahreszeiten, vom Säen und Ernten, vom Korn und von der Traubenlese, von der Wanderschaft und der Landstrahe und der Schenke und der Heimkehr aus fern großen Krieg. Die Menschen aber, um die alle diese Verse kreisen, finb Taglöhner unb Pfründner, Gemeindekind und Bäckerbub, Donauschiffer und Wein- händler. Schusterlehrling und Maurerpolier, kleine Leute, Landvo.k, Dauern und Soldaten. Es geht ein starker, frischer, herber Wind in den Gedichten, Landluft, Ackerduft, Kornduft und Weindust; sie sind vollgesvgen vom Geruch, gesätttgt vom Bild, von Farbe und Form der Wanderstraßen, Landschaften, Felder, Aecker, Weinberge und Gehölze, die alle einmal gesehen, durchstreift und mit wachen Sinnen erlebt worden sind. Alles ist nah und wirklich, alles kommt aus dem Herzen und aus dem unruhigen Blut, nichts schmeckt nach Schreibtisch und Tintenfaß. Diese Verse sind int Grunde ganz unliterarisch, llnd das ist vielleicht das Beste daran; das macht sie unverdächtig und des Preises so würdig wie der QInteilnaI)me einer ernsthaften und geistigen Leserschaft, die sich inmitten unserer wilden und verstörten Zeit die reine Freude am Gedicht bewahrt hat. — y— initolttt von btt naDkammka j Der VoritMt et ütn 2.12. bendS?, Uhr, nbeitiw bl.a’IiettUS' raaftflUuno MLttb. biititi um anteilige aomt mit An- flcn, 10N7® ■r iSori/aad. tflen Sonntag, 2, rezrmber. ndö 8% Udr: MA- MfflW , Polikcller. 'ö. r. W.Ubr: utlid/ts Mnseill Bomvauit Wtlili iolaus« lnzchen 'kölag, len ' obenbj im fläbiet, 17er tag abenb Ut»r: onae- ammlnng imerab Emil 6ammfira6e. eiches Erlchei« wünscht. '*UD er Portland. Hab °ffeln Werter mbenüotüeuung , 18 inß 21 M Emmallae ffiieöerboluno mM Sag- güSt -W M -WM8 «WAS rb.fB von 'ft SÄ -Ztz !'Ä- JjSfc httbetg, 61 mit Br. iutüd, > ieiiim reiiwl Wu-S.‘,27 I Karte 1. (AuS Wirtschaft und Statistik 1927). noch eine das •) Theodor Kramer: Die Gaunerzinke. Gedichte. 64 Seiten 8°. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Lütten & Loening, Verlag, Frankfurt a.M.. 1929. (653.) Ach. ich liebe die Rüsse. Wir werden Sie in Silber wickeln, daß sie funkeln am Weihnachtsbaum. Auf dem Tisch steht ein kleiner Rußknacker, ein Ungeheuer seiner Art, wild und heidnisch, mit rotem Maul und blitzendem Gebiß. Alles wird müde. Sn den Oefen singt das Feuer. Der Wind ist um das Haus. Horche in der Rächt; der ungeheure Atem, der Atem eines furchtbaren Tieres bläst an das Gemäuer! Am Morgen ist der Weg, der zum Hof führt, mit Blättern und Astwerk bedeckt. Eine kleine Bogelleiche liegt starr unter ihnen. Die Gebietseinschlusse bzw. Gebietsausschiüsse in den deutschen Ländern „Oie Gaunerzinke." Ein preisgekröntes Gedichtbuch. Für die auf einigen sechzig Setten seiner lyrischen Sammlung „Die Gaunerzinke'") vereinigten drei Dutzend Gedichte erhielt der Dichter Theodor Kramer den Lyrikpreis der Stadt Wien für 1928. Vor dieser (übrigens sehr verdienten) Auszeichnung wurde Kramers Rame schon einmal mit Ehren genannt: man erwähnte ihn anläßlich eines Berliner Preisausschreibens für Lyrik, das kürzlich von einem reichen Privatmann veranstaltet worden ist. Eine sehr hohe Summe sollte ungeteilt vergeben werden. Unter 2000 — zweitausend! — Einsendungen wurden da die Gedichte von Curt Wesse auserwählt. Ein paar lobende Erwähnungen haben sich die selbstlosen uni) wohl bemitleidenswerten Preisrichter noch abgerungen; unter ihnen war auch dieser Kramer, der jetzt seinen ersten Band Lyrik herausbrachte. Ein verschimmeltes gelbes Licht glüht ganze Rächt hinter einem Fenster, über schräg ein Dach fällt Einmal trete ich vor meine Türe. Es ist nicht fünf Uhr und schon hängt die Dunkelhett herunter. Sch höre die Glocke schlagen, schwermütig und weither, aber der Turm steht ganz nahe. Aus dem Flußtal steigt unaufhaltsam der Rebel. Schneegänse schreien in der Luft. Von seinem Leben wissen wir nichts zu berichten, die Aachschlagebücher geben keine Auskunft. Wenn man aus seinem Buche allein urteilen darf, ist er seiner Herkunft nach Oesterveicher, seines Zeichens Landstreicher, und im Herzen ein Dichter, der dazu helfen kann, das heute leider immer mehr entwertete, verachtete, verlachte und außer Kurs gekommene lyrische Kunstwerk, die stille, Helle Freude am Gedicht wieder zu Ehren zu bringen. Wollte mgn an die Stelle einer biographisch- menschlichen Einführung, die aus Mangel an greifbarem Material nicht gegeben werden kann, eine literarische Wesensbestimmung versuchen, so könnte man sagen, diese Gedichte stehen etwa in der Mitte zwischen Zuckmayer und Bert Brecht. Zwischen der kräftigen, bodenständigen, durchdufteten Lyrik des Rheinhessen und dem straff rhythmisierten, wachen und wirklichkeitsnahen Balladenton des Augsburger Dramatikers. (Auch an den immer noch wenig bekannten Balten Siegfried von Vegesack fühtt man sich öfters erinnert.) Aber all dies macht den Charakter des Buches nicht aus, all dies wird überwuchert vom Eigenen, vom Reuen, vom Dagantenlied und Landstreicher- 4ES9- Zugleich Enklaven und Exklaven lag am norddeutschen Flachland nicht der Sch«-rpunkt kultureller und wirtschaftlicher Cnt- wicstng, wenigstens nicht in seinen östlichen Tellen. In ieser Beziehung war der fruchtbare und mildere 5ß,ten und Süden von der Natur begünstigt und w-rde dieser Begünsttgung gerecht. Zwischen Norddeutschland und Süddcutschland legt die mitteldeutsche Gebirgsschwelle, die weniger kurch ihre Höhe als durch chre Ausdehnung und Zewaldung einen Querriegel bildete. Sie war schon den Römern ein Hindernis, an dem chre Ausdehnung Halt machte. Hier liegen in das Gebirge eingelassen kleine Beckenlandschaften, wie z. B. die Wittlicher Senke, das Koblenz-Neuwieder Becken, das Limburger Bocken und eine Reihe von kleinen Senkungsgebieten, die sich von Gießen über Kassel nach Norddeutschland ziehen. Don Norden greift die Kölner, Münstersche und Leipziger Bucht in das Gebirasland hinein, wie auch Schlesien. Diese Beckenlandschaften im Gebirge sind klein, und wenn sie auch die Kernlandschaften für die Besiedlung der umliegenden Gebirgsteile waren, deren Mittelpunkt sie noch heute sind, so sind sie durch sehr schwach besiedelte Gebiete voneinander getrennt, es fehlt ihnen mit einem Wort die Großräumigkeit. In Süddcutschland sind die Gebirge höher, aber die sie umgebenden Ebenen und Flachländer find ungleich größer, als die mllteldeutschen Beckenlandfchaften, und mit den größeren Lebensräumen sind die Bedingungen einer kräftigeren kulturellen und wtttfchaftlichen Entwicklung auf breiter Basis gegeben. Im Süden sind die Oberrheinebene, das fchwä- bisch fränkische Stufenland, die oberdeutsche Ebene als besondere Lcbensräume herauszugreifen, mit mannigfachen natürlichen Verkehrsmöglichketten, die in ihrer Bedeutung je nach dem Austauschbedürfnis, auch nach politischen Gesichtspunkten, gewechselt haben, aber infolge der Macht ihrer geographischen Begünstigung nie zur Bedeutungslosigkeit herabfinken konnten. Die burgundische Pforte, der Kraich- gau, das Maintal im weiteren Sinn und ebenso die Donau u. a. waren verkehrsgeographisch richtung- Lage vor dem Schnee. Von Anton Schnack. Biele sagen, der Herbst mache sie voll Schwermut; besonders im Rovember, wenn die Dämmerung schon am frühen Rachmtttag sich über die Erde hinzieht, werden viele von einer unsäglichen Traurigkeit und Derschlasenheit befallen. Aber ich war, wenn die schweren langen Abende mit ihren Dämmerungs-- und Rebelfittichen kamen, immer voll einer guten Heiterkeit gewesen, von einer verspielten Träumerei, voll einer klaren Lebhaftigkeit der Sinne, weil alles sich verborgen gab, versteckt hinter einer blauen gedämpften und leichten Zartheit ... gebend, wenn auch die Straßen bei der Durch- gänaigteit der Landschaft in vielen Fällen nicht den Flüssen, sondern nur ihren Richtungen folgten. Die Nordwestrichtung, die durch die Flusse Nord dcutschlando vorgezeichnet ist, wird in Süddeutschland nur nofn Rhein eingehalten, stößt aber auch in der übrigen Landschaft kaum auf Berkehrsschwierig- ketten. Der Rhein behält diese Richtung auch durch die mitteldeutsche Gebirgsschwelle bei. Aber hier müssen wir zwischen Verkehrslinien und Siedlungs- ftreifen unterscheiden. Erstere haben ihre Bedeutung für den Verkehr, letztere sind Gebiete, in denen sich der Mensch ausbreiten kann. Bei den ersteren können die Siedlungen, die dem Verkehr dienen, zahlenmäßig gering sein und wie die Perlen, die auf einer Schnur aufgereiht sind, dem Verkehrsweg folgen. Bei den Siedlungsstreifen handell es sich um langgestreckte Landschaften, die mtt den Verkehrslinien Er 283 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Arbeit zu teilen. Der Rückblick auf die Vergangenheit hat noch trostlosere Seiten und er sollte wenigstens dazu führen, daß wir der Eigenbrödelei und dem kleinlichen Egoismus endlich entsagen, um eine Neichseinheit zustande zu bringen, die durch ihre innere Ausgeglichenheit das Gebäude nach außen Bismarck Vermochte nur den äußeren Bau zu schaffen, die Innenarchitektur anders zu gestalten, war damals nicht möglich. Heute, wo dynastische Rücksichten wegfallen, sollte ein sinngenmger Ausbau bei einigem Einsehen möglich sein, denn wenn man eine neue Staatsform anerkennt, ist man in keiner Weise gezwungen, gerade das Nachteilige der ehemaligen Form hochzuhalten und weiterzuführen. Werfen wir nur einen Blick auf die poli- tische Karte Deutschlands (siehe Karte 1), so fallen uns jene staatlichen Splittergebiete auf, die sich besonders in Mitteldeutschland häufen. Sie sind als Wirtschafts- und Verwaltungsgebiete zu klein, um beut.' noch selbständig existieren zu können. In dem Bestreben, den Ansprüchen ihrer Bewohner an Verwaltung und kulturellen Leistungen zu genügen, sind sie einem Kleinbetrieb zu vergleichen, dem die Pflichten und Kosten eines Großbetriebes auf- erlegt find. Wohl sind unter ihnen einige, wie z. B. Hamburg, die als Gemeinwesen dieser Aufgabe gerecht werden könnten, aber hier fehlt es der Stadt an Wirtschafts- und Lebensraum. Sie ist als Großstadt frei von einem Hinterland, das evll. Kosten verursachen könnte, cs fehlt chr aber die Möglichkeit, räumlich auszugreifen. Solch territoriale Zerschneidung, wie sie uns zwischen Hamburg und Altona entgegentritt, finden wir ebenfalls zwischen Frankfurt und Offenbach, Mannheim und Ludwigshafen, Ulm und Neu-Ulm. Hier bestehen noch heute verwaltunaswirtschaftliche Rivalitäten, die nicht nur auf das Mittelalter zurückzuführen sind, sondern ihm eigentlich angehören sollten. Bei den Exklaven und kleineren staatlichen Einheiten, deren ungünstige Lage schon oben gestreift ist, fehlt es besonders an dem Ausgleich, der in größeren Gebieten zwischen finanziell schwächeren und stärkeren Teilen geschaffen wird. Eine Vereinheitlichung ist ja schon aus einigen Gebieten gelungen, so haben die Zeiten aufgeyört, wo die preußischen Bohnen in Konkurrenz zu ondersstaatlichen liefen, die Elektrizitätsversorgung zieht in großzügigen Linien über die innerstaatlichen Grenzen, die Ferngasversorgung, das Rundfunkneß, das Fernkabelnetz, die Großschiffahrtslinicn, Lufthansa, Telegraphenunion und Wolffs Telegraphisches Bureau, betrachten praktisch Deutschland als Einheit. Dabei sind alle diese Einrichtungen nicht rein zentralisiert, sondern partiell zentralisiert oder regional aufgeteilt wie Weitzel (Erde und Wirtschaft 1928, S. 1) das nennt, allo im Rahmen des Ganzen betrachtet, dezentralisiert. Damit kommen wir aus eine der Kernfragen der Neueinteilung: Soll eine Zentralisation oder Dezentralisation stattfinden? Wir kommen aus der Zeit größter Dezeiüralisa- Hon, man kann schon sogen Zersplitterung, und es ist langsam eine partielle Zentralisation unter dynastischen Rücksichten eingetreton. Die Zersplitterung hatte gegenüber einer frühen Zentralisation, wie sie z. B. in Frankreich durch die straffe Königsgewalt geschaffen wurde, den einen Vorteil, daß bei den vielen Hunderten von Staatsgebieten und freien Reichsstätten, deren Entwicklung durch künstliche Grenzen und Zollschranken hochgehalten wurden, diejenigen, die wirklich durch die Natur des Landes und ihre Lage bedingt waren, sich entwickeln konnten, während Hunderte von anderen zu der Bedeutungslosigkeit herabsanken, oder vielmehr auf ihr stehen blieben, die ihnen von Natur zukam. Sie konnten, da sie nur lokal verankert waren, bei der Erweiterung des Wirkungskreises durch Industrie und Weltwirtschaft nicht mit jenen Schritt halten, die nach Lage zu den Verkehrswegen und zu ihrem Wirkungskreis günstiger gestellt waren. Allerdings macht sich bei allen eine latent wirkende Kraft geltend, die früher auch künstlich Gewolltes noch einige Zeit fortdouern läßt, doch sind die geographischen Faktoren in ihrer Wirkung durchaus vorherrschend, wenn sie auch langsam wirken. Diese Dezentralisation hat sich wirtschafllich von einem Uebermaß zwangsläufig auf ein Normalmaß zurückgeschraubt, und die oben angeführten privaten und staatlichen Wirtschaftsmrternehmen, die sich über das gesamte Reichsgebiet oder größere Telle erstrecken, fyaben in wirtschaftlichen Mittelpunkten ihre Zentralen zweiter Ordnung, besitzt doch' das Deutsche Reich zwanzig Städte mit mehr als einer Viertel Million Einwohner. Durch die industrielle Entwicklung ist überhaupt der Schwerpunkt in einer Landschaft mehr den Städten zugekebrt. Ist doch seit 1871 die Zahl der Städte mit über 100 000 Einwohnern von 8 auf 45 gestiegen und ihre Einwohnerzahl von rund zwei Millionen auf nahezu 17 Millionen und ein ähnliches Wachstum zeigen die Mittel- und Kleinstädte so daß mit einem Wort die städtische wie die industrielle Bevölkerung heute überwiegt. Es ist auch damit der von ihnen benötigte Umkreis landwirtschaftlicher Art ausgedehnter als früher. Schon aus diesem Grunde sind die neuen Einzelstaaten nicht zu klein zu wählen. Dieses Erfordernis geht auch aus Verwaltungsgründen hervor. Eine Ersparnis in der Verwaltung läßt sich nur erzielen, wenn die neuen Einzelftaaten eine gewisse Größe nicht unterschreiten. Dabei muß auch die Frage gestellt werden, welche verfassungsmäßige Stellung den Einzelstaalen zu- kommt. Wir sprachen vorher von einer partiellen Zentralisation oder regionalen Aufteilung und damit ist eine Dezentralisation in dem Sinne gemeint, daß die neugebilbeten Einzelstaaten oder Länder für ihre besonderen Belange Selbstverwaltung besitzen, ihre internen Fragen söweit alleine lösen, wie dies einer starkgefügten Reichs- rinheit nicht zuwider lauft. Die Gefahr eines Auseinanderfallens des Reiches, die nach Kriegsende befürchtet wurde und einer Neueinteilung Schranken ouferlegte, kann als überwunden gelten. Eine solche Lösung ist möglich, und die Schwierigkeiten, die ihr entgegenstehen, liegen nicht allein bei den kleinen Ländern, sie liegen auch nicht allein in den Süddeutschen Staaten, die dem Anschluß an die Reichseinheit nur bedingte Sympathie cntgeaenbringen. sondern sie liegen auch in Preußen, das sein« Hegemonie gefährdet sieht, wenn es seinen Provinzen oder daraus erwachsenden größeren „Landern" in einem neueingeteilten Deutschland Selbstverwaltung und Eigenvertretung im Reichsrat geben muh, die den Provinzen bis jetzt praktisch nur bedingt zusteht. Denn darüber muß man sich klar sein, daß eine Neueinteilung nur dann einen dezentralisierten Einheitsstaat schafft, roenn Preußen als Zentralstaat sich dezentralisiert. Solange dies nicht geschehen ist. und ein zentralisiertes Preußen weiterbesteht, hat die Selbstaufgabe der jetzt noch bestehenden Länder (der früheren Bundss- itaaten) keinen anderen Sinn als den einer Stär, kung her preußischen Zentralmacht. (Fortsetzung folgt ) Oberhessen. Landkreis Gietzen. (D Watzenborn-Steinberg, 30. Slov. Als Nachfolger des in den Ruhestand versetzten Leh- rers Bausch wurde Lehrer Zimmer, früher in Wisselsheim (Kreis Friedberg) tätig, ernannt. 00 Klein-Linden, 30.Nov. Das Forst- i n ft i t u t der Landesuniversität Gießen, das die Jagd in unserer Gemarkung als Lehrjagd vom hessischen Staat übernommen hat, veranstaltete in diesen Tagen seine Treibjagd. Von rund einem halben hundert Jäger wurden 62 Hasen und einige Hühner zur Strecke gebracht. Das Jagder- qebni-3 der früheren Jahre war bedeutend geringer. • Grohen-Llnden, 30. Rov. In stark besuchter öffentlicher Versammlung sprach am Donnerstag auf Einladung der Gefolgschaft Grohen-Linden des Iungdeutfchen Ordens Hauptmann a. D. S t ö ß n e r über den „Kampf und Ziele des Ordens". Der Redner verstand in sehr überzeugender Weife, den Kampf des Iungdeutschen Ordens um den deutschen Dolkssiaat darzustellen. Er erntete für seine Ausführungen reichen Beifall. f Treis a. d. Lda., 30. Nov. Die seit einigen Jahren übliche Gedächtnisfeier auf dem Friedhof fand dieses Jahr wegen der Unbill der Witterung in der Kirche statt. Der evangelische Kir- chengesangverein und die erste Schulklasse trugen durch ihre Chöre zur Vertiefung der tfeicr bei, die sehr zahlreich besucht war. bau im Siedlungsgelände in der Rombach wurste die Bedürfnisfrage bejaht. Hierzu lag eine Eingabe des Sastwirtevereins von Alsfeld und Umgegend vor. in welcher gegen die weitere Errichtung von Wirtschaften in Der Stadt Alsfeld Einspruch erhoben wird mit der Begründung, daß genügend Wirtschaften vorhanden seien. — Ein Gesuch um weitere Gewährung. eines Zuschusses zu den Kosten der Drucklegung für die Gemeinde- orchive im Kreis Alsfeld wurde abgelehnt mit der Begründung, daß die Stadt bereits zweimal hierzu Beträge bewilligt habe, zumal auch der Krrisausschuh eine weitere Erhöhung seines Zuschusses abgelehnt hat. — Für die Ilmpflasterung der Kaplanei- gaffe ist von den Anliegern ein Geländeerwerb notwendig zur Herstellung eines beiderseitigen Bürgersteigs. Die mit den Anliegern hierüber getroffenen Berei.ibarungen wurden genehmigt. Soweit die Anlieger das Gelände unentgelllich an die Stadt abtreten, werden sie von der Zahlung der sahungsgemäßen Anteile für die Kosten der Herstellung der Bürgersteige mit Mosaikpflaster befreit. 3m übrigen wird für das abzugebende Gelände 2 Wk. pro Quadratmeter bezahlt auf Grund eines allgemeinen Beschlusses. — Die Gemeinde-Hundesteuer für das Fahr 1 929 wurde in derselben Höhe, wie früher, festgesetzt und betragt, wenn der Beginn des Hundebesitzes fällt in die Zeit vor dem 1. Juli bis 12 Mk.. pom 1. 3uli ab 6 Mk. für siCpluflrierte des Siebenen Jtiassei^eis erscheint von heute an als zwölsseitige, im Tiefdruckverfahren hergestellte Samstags - Beilage Oie Äezugsgebühr für den Gießener Anzeiger einschließlich seiner vier regelmäßigen Sonderbeilagen wird in der Folge alle zwei Wochen erhoben in Höhe von 1 Mark nebst 15 Pfennig für Trägerlohn f Alle ndorf a. d. Lda., 30. Nov. Der G c« flugelzuchtoerein Allendorf und Umgebung wird am 8., 9. und 10. Dezember seine diesiähriae Geflügelausstellung im Saale des Gasthofs zum Bahnhof dahier abhalten. -j- Aus der Rabenau, 30. Nov. Das frost- freie Wetter des diesjährigen Spätherbstes brachte es mit sich, daß die Feldarbeiten fast zu Ende geführt werden konnten, was als eine Seltenheit bezeichnet werden kann. Die Winterruch t steht durchweg saftig grün da. Wenn einer- eits das günstige Wetter dem Auslaufen der Frucht ehr förderlich war, so konnten sich anderersells auch die Schädlinge, die sich an der jungen Saat gegenwärtig sehr stark bemerkbar machen, vortrefflich entwickeln. So sieht map an besonders feuchten Stellen auf den Fruchtfeldern, wie die Schnecken die zarten Spitzen des Korns und Weizens in immer größerem Umfange abgefressen haben. Sehr viele Stellen, gerade tiefer gelegene Ackertelle, stehen infolge der starken Niederschlage der letzten Wochen unter Wasser, sv daß schon an diesen Plätzen die junge Saat als halb verloren gelten kann. Auch hat die günstige Witterung die Vermehrung der F e l d - mäuse sehr gefördert', an besonders geschützten Stellen in der Nahe ausgestellter Aecker sind sie sehr zahlreich vertreten. Hauptschaden richten sie natürlich an dem jungen Klee an. In verschiedenen Gemeinden ist zur Bekämpfung dieses schädlichen Nagers Giftweizen, mitunter auch in Form der „Zelio- Eörner", ausgelegt worden. Vereinzelt wurde auch das Veroasungsoerfahren mit großartigem Erfolge angewandt. Im Vorherbst wurden nicht in dem Umfange an den Bäumen Klebgürtel angelegt, wie es im Jahre zuvor nach der Rekordobsternte der Fall war. Nur vereinzelt sieht man solche an Gemeindeobstanlagen. Sehr merkwürdig empfindet man es, daß bis jetzt kaum Frostspannerweibchen, infolge des verhältnismäßig warmen Wetters, daran zu finden find. Kreis Schotte». e. Ulfa, 30. Tkov. Bei den hiesigen kirchlichen Wahlen wurden als Kirchenvorsteher gewählt: Bürgermeister Hofmann. Frredr. Jüngling. Rechner Döll, 3ohs. Ludwig HL, Lehrer Ludwig Magnus, Heinrich Karl Lenz. Die Kirchengemeindevertretung setzt sich zusammen aus: Gg. PhiL Döll, Georg Ludwig Hl.. Phil. Ludwig HL, Georg Gerhardt HIL, 3oh. PhiL Fuchs. Karl Lehr, Georg Ludwig I-, Karl Rau, Konrad Schmidt V„ Phil. Karl Möser, 3ohs. Heine. DiehL PhiL Döll UL, Heinr. Konr. Döll, 3oh. Ludw. Zimmer, Lehrer Schön- beit, Karl Krchbast, Phil. Bach H-, 3oh. Gust. Ludwig. Gg. Heinrich Krahl IL, Karl Krahl. Otto Krahl I. Heinr. Döll HL, 3oh. Konrad Jäger IV.. Heinr. Dipp L, Heinr. Lotz IV., Karl Ludwig IL, Heinr. Knobloch I. Otto Bach L. Phil. Fleischer L. PhiL Reitz. — 3n dem Filialort Stornfels wurden in den Kirchen- Vorstand gewähll: Bürgermeister Schneider. Wilh. Dang. 3ohs. Christian Schneider, Friedr. Lauster, Ludwig Schneider IL, Wilh. Weisinger. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 30. Rov. Aus ber Stadt - vorstandssitzung: 3n der am Dienstag stattgehabten Sitzung wurden zunächst verschiedene kleinere Vorlagen über Vergebung von Arbeiten und Lieferungen, sowie verschiedene Rechnungen, die voranschlagsmäßig nicht vorgesehen waren, entsprechend den Beschlüssen brr Daukommis.ion, erledigt. Dec Bürgermeisterei wurde die Ermächtigung erteilt, Arbeiten und Lieferungen bis zum Betrage von 200 Mk. freihändig zu vergeben. — Zu einem Gesuche des Landwirts Karl Arnold um Erteilung von für feinen Reujeben Hund. Es wurde grundsätzlich beschlossen, einen Hof- bzw. Wachhund von dec Gemeindehundesteuer für solche Gehöfte zp befreien, die außerhalb des Ortsbauplans der Stadt Alsfeld und mindestens 200 Meter von dessen Ende entfernt liegen. Diese Regelung soll, sofern keine gesetzliche Aenderung eintritt, auch für die folgenden Jahre gelten. — Eine längere Debatte entspann sich über den Punkt: Erlaß einer Ortsbaupolizeiverordnung für die Stadt AlSfeld. Der Vorsitzende begründete in längeren Ausführungen die Rotwendigkeit einer derartigen Verordimng. einmal um das Stadtbild vor einer weiteren Verunzierung. insbesondere durch den immer mehr zunehmenden Schilder- und Reklameunfug zu schützen, sodann aber auch seien praktische Gesichtspunkte für den Erlaß ausschlaggebend. Rach dem Inhalt der Verordnung werden künftig genaue Vorschriften über die Grötze. Form und Anbringung von Firmen- und Rellameschildern. über die Aufstellung von Reklametafeln auf unbebauten Grundstücken, über Anbringung von Lichtreklamen usw. erlassen, ebenso über die Mn- friedigung von Vorgärten und Bauplätzen an größtenteils bebaute Straßen usw. Bei der Beratung wurden mehrfache Abänderungsanträge gestellL Rach längerer Aussprache wurde der Entwurf der Verordnung in der von der Dau- tommif.ion durchberatenen Fassung mit den in der Sitzung Dorgenommenen Abänderungen angenommen. Wie der Vorsitzende dabei mtteilte, sei auch der Einzelhandel mit der vorliegenden Fassung einverstanden und habe seine zuerst gegen die Verordnung geäußerten Bedenken fallen lasen. Der Entwurf der Verordnung geht nunmehr an das Kreisamt zwecks Erwirkung der ministeriellen Genehmigung. Innerhalb eines Jahres nach seinem Inkrafttreten müssen die in der Verordnung erwähnten Vorrichtungen entsprechend deren Vorschriften geändert werden. — linier Mitteilungen gab der Vorsitzende ein Schreiben des Landwirtscya.tZkammeraus.chusses für die Provinz Oberhes en bekannt, wonach im Januar eine Zuchtviehs er st eigerung in Alsfeld abgehalten werden soll. Hierdurch wird einem aus Züchterkreisen mehrfach geäußerten Wunsche Rechnung getragen, da sich erfahrungsgemäß die ZuchlDiehauttionen in Alsfeld eines guten Absatzes erfreuen. An die öffenlliche Einung schloß sich eine nichtöffentliche Beratung an. L Ober-Oh m.e n, 30. Aviv. Heute ereignete sich gegen 13 Uhr zwischen hier und Ruppertenrod wieder ein Automobilunglück. Durch das heftige Schneetreiben war die gut geteerte Ohmstraße sehr glatt. Ein Auto kam, von Ulrichstein kommend, in einer Kurve ins Schleudern. Der Wagen sauste mit großer Wucht in den etwa einen Meter tief liegenden Straßengraben. Zuerst nahm er einen starken Apfelbaum mit, ihn einfach ans der Erde reißend. Durch die Splitter der Windschutzscheibe und der Fensterscheiben wurde einer der Insassen, Herren aus Elberfeld-Barmen, an ©e- sicht und Händen stark verletzt: auch wurden ihm eine Reihe Zähne eilige stoß cm. Der Wagen wurde stark demoliert. Reben abgenssenem Trittbrett zeigte er abgerissene Kotflügel und einen Federbruch. Das Lastauto der Firma Keil (Ober-Ohmen) schleppte den schweren Wagen ab. • Rieder-Ohmen , 30. Rov. Der Geflügel- und Vogelzucht-Verein für Rieder-Ohmen und Umgebung hielt dieser Tage Im Saale des »Hessischen Hofes" seine diesjährige Lokalgeflügelschau ab. Unter der rührigen Geltung des 1. Vorsitzenden, Karl Fihler, dem keine Mühe zu groß war, Bezirkssparkaffe Büdinge lauf. Sb Am der versciedei nahm bi< Veranstaltung ehrten recht schönen Der- *"£ Ar‘-a6 dlung, die mit etww200 Tieren m Rassen beschickt |Dar, wurde 3|t hier und hn auswärts feljr jgut besucht Preirichteilwirkte Otto Soedkr, Rieder- ^Wünben Stefcreife verteilten stz wie folgt: t.?,^au^reiT&cr Tchau, Dcrtzmdsrnedaille, ert)i0L Otv Hatznann, Rirder-Öhricm. ©leget- prelle ank Blumhof, Walau, Rouen» Ente: ^to yartiuxn, Rieder-Ohmyr, gelbe 3t» liener, MZ. Bow^s, Laubach, «ss. Kröpfe« blau; H^. Wohr, ^jeder-Ohmen. Brieftauben blaugeh.. W. Dock-Äteder-Ohmev. Kanarienvogel, geLEK Harzer, ^ppreise. ‘Bewertung sehr ^tArCr^lCtt& 21 Rieder-Ohmen, Stamm Italiener, schvarz: K. Stockhausen, Rhode» Janter. derse^: LanE weiß? Ad. Maus, Ruppertenrod Rheinland- $ Theiß, ©toefbaufen, 3 Wiener, rc.,far6i6 Q Äraudf Rieder-Ohmen, Italieners G Hchudt. Rieder-Ohmen, desgleichen q steift Stockhausen, Hamburger SUderla^ Plumhof, Mer- lau. Leghorn, weih-, K. M Rieder-Ohmen, Zwerge WyandotteS, weitz» < Zwerg- Bantam. schwarz-, Alb. Don^sew^. n Kröpfer: Karl Braun, ßaubad,^Lnßcracr Lerchen: W. Böck, ÄanarlenDögCße Sarget; Ad. Maus, Ruppertenrod. ZS^yandolles. rebhuhnfarbig. Hieran anschlie. tQnt> hqz diesjährige Wlntervergnüg Auch hier kamen die ‘Besucher voll und aut qjTC Rechnung. Der Abend wurde öurl Ten Digen Marsch der Feuerwehrkap, eröffnet. Dann hieß der 1. Vorsitzende im^^^ Vereins alle herzlichst willkommen. tÄ[le6enb folgten zwei Theaterstücke „Der ®Vquft zu Breslau" und ..Sie kriegen sich". bv~n t>en Milfplelenden m bester Form wi^geben wurden. • Büdingen, 30. Rov. Gestern fon oberen Rathaussaal unter dem Vorsitz be^par- kassenbirektors Kmlet sch und in Anw^hel-? des Kreisdirektors Dr. © a h n e r als Der^rs des Hessischen Kreisamts Büdingen die ocn> liche Mitgliederversammlung devz«, zirksfparkasse Büdingen für das 1927 statt. Aus dem Verlauf einer größer Tagesordnung konnte von ben Vertretern 33 ©arantiegemeinden mit Genugtuung ein y treulicher Aufschwung der Kasse festgestellt w^ den. Die Rechnung für 1927 weist einen G <» samtümsatz von nahezu 21 Mlllione auf. Der Gesamteinlagebestand weis, für Spareinlagen rund 1 Million Mark nachj hinzu kommen an Scheck- und Giroguthaben 250 000 ML Die Steigerung des Retto- zugangs an Spareinlagen beträgt 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für das zur Zeit lausende Geschäftsjahr kann ein Retts- zuwachS in gleichem Ausmaß erwartet werden. Es konnte sm Rein er t rägn is von 13527 Mark erzielt werden. Die Entlastung für die Geschäftsführung und die Genehmigung der Rechnung wurde erteilt. Eine durch die Kreditsicherungsverordnung des Reichsfinanzmlnrsters notwendig werdende Satzungsänderung wurde be- fchlofsen, ebenso eine Erweiterung der Besngnisse für den Direktor zur Uebernahme von Avalbürgschaften usw. für die Sparkasse. Die anregend verlaufene Versammlung konnte nach anerkennen-' den Worten für die erfolgreiche Tätigkeit der Kasse aus dem berufenen Wunde des Vertreters der Aufsichtsbehörde geschlossen werden. Starkenburg. WSN. D a r m st a d t, 30. Nao. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung, die zeitweise einen recht lebhaften Charakter annahm, iftble geplante Errichtung eines städtischen Milchhofes gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Frak- tion 'abge 1 ehnt worden. In der erregten Debatte machten sich die Meinungsverschiedenheiten häufig durch persönliche Aeußerunaen und Zwischenrufe Lusc. Auch die Galerie beteiligte sich zeitweise durch Beifalls- oder Mißfallsäußerungen an der Verhandlung, so daß Oberbürgermeister G l ä s s i n g ehigreifen mußte. Preußen. Kreis Wetzlar. CO Wetzlar, 30. Nov. Die im Jahre 192 9 hier stcutfindenden Märkte find wie folgt festgesetzt worden: 16. 3anuar Viehmarkt, 27. Februar Kram- und Viehmarkt, 13. März Vieh- marit, 27. März Kram- und Viehmarkt, 17. April Kram- und Viehmarkt, 1. Mai Kram- unb Viehmarkt, 19. 3uni Kram- und Viehmarkt. 17. 3uli Fohlenmarkt, 31. Juli, 14. August. 25. Scplember, 16. Oktober. 13. Rovember, 27. Ro- vember und 11. Dezember Kram- und Diehmärkte. ch Hochelheim, 30. Nov. Bel einem gestern in ber hiesigen Feldmark abgehaltenen K e s s e 1 t r e l - b c n wurden 31 Hasen zur Strecke gebracht. <> Dornholzhausen, 30.Noo. DieBau- tätigt eit in unserer Gemeinde, die in den Nach- kriegsjahren fast vollständig lahmgelegt war — es wurde in den ganzen Jahren nach Dem Kriege nur ein Wohnhaus erbaut —. hat in diesem Jahre eine außerardentlicheBelebung erfahren. Fünf neue Wohnhäuser sind in diesem Jahre errichtet war-- den, davon drei am Dorfausgange nach Niederkleen, wozu in zwei Fallen die Gemeinde das erforderliche Baugeläiche zu verbilligtem Preise zur Verfügung gestellt bat Zwei weitere Wohnhäuser sind am Dorf, ousgange nach Klein-Rechtenbach erbaut worden, davon eins nach modernem Stil und mit ollen neuzeitlichen Einrichtungen durch den bekannten Bauern- schriftsteller und Heimatdichter Wilhelm Reuter. Kreis Limburg. WSR Limburg, 29. Rov. Aus dem 3. Stockwerk eines Hauses stürzte heute vormittag das 22jährige Dienstmädchen Margarethe Stahl aus Frickhofen, das mit Fensterputzen beschäftigt war, rückwärts ab und schlug auf den äußeren Staketenzaun auf. Durch die ungeheure Wucht des Aufpralls wurde die Ungückllche von einer dreizackigen Spitze des Gitters völlig durchbohrt und buchstäblich auf gespießt. Da die Eisenspitzen als Widerhaken wirkten, gelang es den herbeigeeilten Männern erst nach längerer Zelt, die Unglückliche auS dem Gitter zu befreien. Kurz barnach ist bas Mabchen seinen schweren Verletzungen erlegen. Aus dem Amtsverkündigungsblati. • Das AmtSverkünbigungs blatt Rr. 86 vom 30. Rovember enthält: Die Ausstellung von Wandergewerbeschemen. — ©e- werbeägitlmationskarten. — Statistische Erhebung über die Zahl der Lehrlinge. 10551A NWK Sternwolle s oute 'olle NWK Weite W der «estrigen eünMije einen [ die geplante )!ilchho|er atifchen Frak- erregten De* rjtbieheJ^etten und Zwilchen- I sich zckwch mgen an der ?r®lä||infl • Net: Ndoll.es, >d das t Auch iu| ihn i schnei. öffnet, en SeS Hebend >uh zu in den l.b im L^ov .-Net» k»e Omp 8 betj*r ' da-chr c grobm Totem t ag ein . istellt tov linen @t illione inö toeil Aari noch, rsgllthoben i Hetto- beträgt 80 uch tüt das ein Hetto- cid werden. ton 13527 ing für die ng bet Lech- die Stebit* ilwzminisiets ig wurde be* r 'Betognifjc n Adawurg- io anregenb aner/emim- Ifigfcit bet ■Sertretetf sn. Ubre 1929 Die folflt fett' larft, 27. ft* Wär; 2Ä' Liehmarki. . Vai Ät«®' nt> Vehwack. u Lugun, JeX» ) JüHmarkto icm gestern in teffeltrei- Macht . DieVau finden Nach |6m W* t'nc ‘[faire''- »■* |3Sft rr.sr '*r*5 und t^un aul- wurde <Äe; re^-xt und ^MnE M yff-" -'S' HPPKi Ab Montag, XDezember, beginnt mein WEIHNACHTS-VERKAUF in meinen erweiterten Geschäftsräumen und gewähre vntl dA®/ bis einschließlich 7. Dezember auf alle Artikel einen Wil /o» Auf einzelne Markenteppiche entfällt kein Rabatt * Beachten Sie bitte meine sehenswerten Schaufenster Dr. Roese | Goethe -Blind Auch für Sie gilt Goethestr. 34 p. RADIO nur beim Fachmann Ter Vorstand. Rathenauplatz 14 1O559D mann. Südanlage 4. und Abendkasse. 10423D JOHANNISSAAL 108422 der 08438 Voranzeige: 10548D Nikolaus zu unseren lieb. Kleinen 10536D Jakob Steinbach 10522D Ituerieren bringt Gewinn Besucht die Handel»- schale Kunzeimann f Kuklrol-Hühneraugen-Pflaster Original-Packung 1 Mark Bahnhofs- Restaurant Am 5. Dezember, nachmittags kommt der auf weiteres aus. 10523D_____________ Kuklrol-Streupuder. Karton mU t Bledutrcudoee t Met Männer-Bade-Verein 1836 d. 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Ein Streichorchester trägt zur Ausschmückung des Abends bei. Läuferstoffe / Bettvorlagen / Chaiselongue-Decken 6ebr. Seelbach Telephon 1627 iosztd Der Verein Der Freunde des tinmanistisflien Gymnasiums macht seine Mitglieder auf die Aufführung am 4 Dezember 1928 (Aula der Universität, abends 8 Uhr) zu Gunsten der Studentenhilfe aufmerksam und empfiehlt den Besuch wegen des Zwecks und des Programms der Aufführung aufs wärmste. Der Vorsitzende: Weicker, Ober'Regierungsrat I0526D Kuklrol-Fufibad-Sparpadrung mit 5 Bädern 1 Mark KUK1ROL - FABRIK KURT KRI5P. BAD SALZELMEN» Restaurant Postkeller Dienstag, den 4. Dezember Großes Schlachtfest Ab 10 Uhr: Wellfleisch mit Kraut Bis 4 Uhr nachts geöffnet Eisu-^:Betten": Stahlmatratzen, günstig an Private. Katalog 565 frei. Ei*cnmöbelfabrlk Sahl (Thüring.), Gießener Theatervereinigung aear. 193G, Sovanreiser Sonntag, den 9. Dez., 8 Ubr abends Weihnachtsfeier > V GABLER S.C2 22L2±. FRANKFURT A M HANAUERLANDSTRASSE 18 CnhlnR Pnfd Marhlirn Herrl. 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Teil: Melodrama: Hektors Bestattung u u m- virat" und meint damit, daß die augenblicklich wichtigste Frage der französischen Außenpolitik die Revara'ionsfrag«, von zwei Männern bearbeitet werde, nämlich von Poincarö und D r i a n d. Don einem solchen „Duumvirat" kann man erst recht in England sprechen, wobei der Kopf und Leiter der anderen Rich ung wohl der heutige Do.schafter Englands in Paris, Sir William Tyrrel ist. So ist eine nächste und freilich recht schwierige Ausgabe der deutschen Politik nach der Rückkehr Chamberlains, das Verhältnis Englands zu der europäischen Situation, zu Locarno und zu Deutschland zu klären. Lind treffen sich die Minister wirklich anläßlich der Ratssitzung, so ist im Gespräch zwischen Stresemann und Chamberlain diese Klärung die erste und dringendste Aufgabe.___________________ Von selbst geht sie dann auf die Repara- tionsfrage über. Für Frankreich ist jenes Doppelverhäl'.nis in der Lei ung der Außenpolitik, wenn Herr Driand sich damit abfindet, ja kein Vachteil. Die beiden Männer ergänzen einander, und Briand sichert sich Pen doch immer noch vorh.ndenen, sehr großen Einsluh Poin- caräs für die Fälle, daß die De.Handlungen über Reparation und Räumung zu Kompromissen führen, die der offen.litten Meinung Frankreichs, hochgespannt und ausgepei scht wie sie heute in der Frage ist, gegen den Strich gehen. Für Deutschland ist es na ürlich eine groß« Erschwerung, daß Poincare die Führung der Reparationsverhandlungen sich Vorbehalten hat. Das haben wir ja gleich in dem diplomatischen Dorspiel gemerkt, das jetzt zu Ende geht und an dessen Schluß noch, vier Wochen nach dn: deutschen Initiative in bezug aus die in Genf beschlossene Dachverständigenkommis ion, mit einem Mele d i e Re pa r a t i ons k om m i f f i o n wieder belebt wurde, von der man meinte, sie sei längst tot. Es wird jetzt gesagt, daß es sich dabei um eine Formalität handle, infofern ja nicht nur England, Frankreich, 3 allen, Belgien, die ihre Dertretung in dem Sachverständigenausschutz haben werden, unsere Gläubiger seien, sondern noch andere Staa en, wie Rumänien, Portugal, Jugoslawien, Polen und Griechenland, und weil der Reparaiionskommission so wie so nach dem Friedensvertrage die Aufgabe gestellt sei, von Zeit zu Zeit »die deutschen Hilfsmittel unb Leistungsfähigkeit zu prüfen" (Ar ikel 234). Auch wenn es wirklich nur eine Formalität wäre, so ist das charakteristisch für den Buchst '.benmen- schen und Advokaten Poincare, der auch hier nicht einen Schritt von dem abgeht, was er für sein Recht hält. Aber es ist nicht nur eine Formalität! Es wird durch diese Anregung einfach bestritten, dah mit dem Sachverständigenkomitee von 1923 und dem Dawesplan, oder noch genauer getagt, mit der Teilnahme Amerikas an diesem gan er Werk unzweifelhaft die Si.uation verändert worden ist, die der Versailler Vertrag geschaffen hat, daß mit ihr, da mögen die Franzosen ,ich nun Dreien wie sie wollen, tatsächlich an einer wich.igen Stelle, nämlich der Frag« der K.egskontribuüon. der Der^ai.ler Ter- trag revidiert worden ist. Davon wollen wir uns auch nicht formell herun e. bringen laf.cn, und deshalb ist selbstverftänd ich, dah Deutschland eine Ernennung d r Sachverständigen und die Berufung des neuen Komit.es durch die Reparationliomnis i^n gatt ab lehnt. Die neue Koinmi, ion ist doch mit freiwilliger Zustimmung Deutschlands, in einer Beratung mit einem gleichberechtigten Deu tschland geschaffen to;rt> n. Die Lag« ist heute auch wieder anders als sie 1923 21 gegenüber dem Dersailler Dertrag war. Gewiß war formell der erste Dawesausschuh ein Lin «raus- schuß der Reparationsko.nmi.sion und enthielt keinen Vertreter Deutschlands. Jetzt ist die Sach« aber anders. 3n Genf, wo doch angeblich nur gleichberechtigte Mächte spr:ch n sollen, hat man die Reparationsfrage in Gang gebracht, und daraus entwickelt sich ein neuer Sa v verstau- digenausschuß. Poincarö hat heute wirtlich noch die Vorstellung, daß er sozu agen Deutschland vor den neuen Ausschuß laden will, um ihm seine Schuldverpflichtung vor^uhal.en, und dann darüber ohne Deutschland aozuschliehen. Kein Wunder, dah man bei uns daran denkt, dah er wahrhaftig noch nicht einmal die unf.nnige Vorstellung aufgegeben hat — die er ja im vorigen Jahre toiebec einmal wachrief —, dah Deutschlands Gesamtschuld von der Reparationskom- mission 1921 auf 132 Milliarden Mark festgesetzt sei. Das finb nicht nur Formalitäten. Die bringen von vornherein Deutschland in eine sehr schwierige Lag«. Sie locken es auf ein Terrain, auf dem es im Llmsehen ausgleiten kann. Sie ziehen und sollen es in ein Vetz ziehen, aus dem bann Deutschland schließlich nicht wieder heraus kann, sondern in dem es annchmcn mühte, was die anderen beichliehen. Gleichzeitig erschwert alles das den Männern in Amerika die Arbeit, die eine vollkommen klare Liebersicht haben und die die Frage des Tawesplanes wirllich werterführen wollen Es bedarf keines Wortes, daß das für Deutschland erst recht nachteilig ist. Einer der wichtigsten Wegweiser, der wichitste eigentlich in diesen ganzen Verhandlungen, wie sie mit dem Genfer Beschluß vom 16. September begonnen worden sind, ist und bleibt die Rücksicht auf Vordamerika. Llnfere Chancen in dieser Beziehung sind gar nicht ungünstig. Aber diese Tatsache ist kein Ruhebett, auf das man sich getrost niederlegen kann, in der Erwartung, dah das bekannte Interesse der Amerikaner schon von selber die Dinge in unserem Sinne tociter- treiben toürb?. Cs ist gar nicht gesagt, dah sie von selber laufen, wenn Deutschland nicht mit größter Sicherheit und ganz f e ft e in Willen gleich von Anfang an seinen Weg geht. Es ist wirklich nicht so schwierig und die Sache ist im Grunde auch wirklich nicht so verwickelt, wie man sie allerdings sehr leicht machen kann. Was als deutsches Interesse formuliert und gefordert werden muh, ist einfach. Aber mit der Klarheit darüber muh man den festen Willen verbinden, von seiner Linie nicht abzuweichen. Konunen also in der zweiten Dezemberwoche die drer Außenminister in bet Ratssitzung in Genf oder anderswo zusammen, so haben sie genug Stofs nicht nur zu besprechen, sondern auch genug der Gegensätze, die ernst geworben sind. Diese auszusprechen und mit allem nachdrücklichen Ernst und aller Entschiedenheit aus- und durchzusechten, wird die Aufgabe des deutschen Vertreters fein- pomcare schreibt Memoiren. Aus den Flitterwochen der Entente cordiale. — Ein Besuch des Präsidenten der Republik in England. — Begeisterte Empfänge, glänzende Banketts. — Trübsalblasen beim Hofball. Einige Monate nach dem ersten Band des Memoiren-Werkes Poincares, das die Erstehung der Entente behandelte, erscheint schon die Liebersetzung des zweiten Werkes, das sich mit dem kritischen Jahre 1913—14 besaht. (Raymond Poincars: Memoiren 1913—1914.) Poincarö, der mihtrauischte Hüter der Entente, spinnt hier die letzten Fäden zu dem Rehe, das sich um Deutschland schließen wird. Da er selbst in Frankreich von vielen als der Hauptverantwort» kiche des Krieges angesehen wird, liegt ihm alles daran, sich zu verteidigen. Der Ministerpräsident greift wahllos Zitate auS deutschen Blättern, aus dem Zusammenhang heraus, um Kriegsabsichten Deutschlands zu konstruieren. Trotzdem man den Memoiren nur einen völlig einseitig historischen Wert zusprechen muß, sknd sie wegen der zahlreichen Einzelheiten, die sich auf das Geben und Treiben innerhalb der französischen Regierung beziehen und auch wegen der Schilderungen über Zusammenkünfte, Empfänge interessant. Wir geben hier einen Auszug wieder, der sich auf den Besuch Poincarss in London, 3uni 1913 bezieht: 3n Portsmouth wurde ich vom Mayor und vom Alderman empfangen, die mir eine schön gemalte Adresse überreichten. Sie war die erste einer reichen Sammlung, die sich bald vermehren sollte. Während der Fahrt nach London konnte ich ziemlich ruhig mit dem Prinzen von Wales plaudern, den ich ebenso schlicht wie früher, aber schon gereift fand. Ebenso wie Pichon (der französische Außenminister) bewunderte ich seine Liebenswürdigkeit und seinen munteren Sinn. 3n Victoria Station erwartete mich der König mit dem Herzim und dem Prinzen Arthur von Connaught. 3d) sah ihn zum ersten Male und war sofort durch seine Aehnlichkeit mit seinem Detter, dem Zaren, betroffen. Indessen war er weniger bläh, sein Blick weniger verträumt, sein Lächeln weniger traurig, seine Gebärden weniger schüchtern. Er begrüßte mich sehr herzlich und lud mich ein, dem Vorbeimarsch der Ehrengarbe beizuwohnen: dann führte er mich zu einem Galawagen, auf dessen vier ä la Daumont angespannten Pferden Dvrreiter in prächtigen, scharlachroten und goldenen Livreen faßen, die von meinem schwarzen Rock stark abstachen. Sobald der Wagen sich in Bewegung setzte, brach die ungeheure Menge, die den Bahnhof umringte, in stürmische Hochrufe arrs. In Frankreich hätte ich bei den Straßenkundgebungen bisweilen versucht sein können, zu vergessen, dah die Popularität, vorübergehend oder dauernd, viel mehr meinem Amt als meiner Person galt, aber in England verschwand solche Illusion vor dem Augenschein. Frankreich selb st war eS, das man in London begrüßte: ich war für diese begeisterte Wenge nur ein Symbol mit Zylinder und weißer Halsbinde. Der König und der Prinz von Wales geleiteten mich nach Dork House, wo dieselben Gemächer, die der Präsident Loubet 1903 und Fälliges 1906 bewohnt hatten, für mich eingerichtet waren. Vachdem ich mein demokratisches Galalleid wieder in Ordnung gebracht hatte, fuhr ich mit einer Eskorte betreßter Reiter zum Buckingham Palace, um den König und die Königin zu begrüßen, dann nach Marlborough House, um der Königin Alexandra meine Aufwartung zu machen. Der ihr traf ich die Kaiserin-Witwe von Rußland. Die ganze Königsfamilie wetteiferte in Liebenswürdigkeit, um mir diese Reihe offizeller Pflichten möglichst angenehm zu machen. Am Abend gab das Königspaar im Buckingham Palace ein großes Festmahl. 2n dem weiten Saale, in dem die mit blauen, weißen und roten Blumen geschmückten Tafeln standen, bildeten die Veomen des Hofes mit ihren Hellebarden Spalier. Große, mit goldenem Geschirr geschmückte Anrichten strahlten im Scheine der elektrischen Lampen. Ich saß zur Rechten des Königs, zu seiner Linken die Kronprinzessin von Schweden, die Königin rechts von mir. Während der Tafel berührte unsere Llnterhaltung nur ziemlich gleichgültige Dinge. Die Königin, die das Französische völlig beherrschte, versprach mir gütigst, den König zu begleiten, wenn er in ein paar Monaten nach Paris käme. Der König, der unsere Sprache etwas spät gelernt hat, sie jedoch sehr gut versteht, dankte mir dafür, dah ich ihm 1912 den Wortlaut meiner Reden in Vizza und Cannes auf Viktoria und Eduard VII. übersandt hatte. Er wiederholte diesen Dank in besonders warmer Weise bei dem Trinkspruche auf mich, den er mit den wohlwollendsten Komplimenten für meine Person begleitete. Meine Antwort war in völlig gleichem Ton gehalten. Am Mittwoch, dem 25., besuchte ich während des Vormittags die französischen Anstalten, das französische Krankenhaus in der Shaftesbury Avenue, das Home der französischen Erzieherinnen in Lancaster Gate, das französische Institut in Marble Arch. Pichon und Cambon (der französische Botschafter in London) begleiteten mich stets, und der Botschafter empfing mich mit berechtigtem Stolze in diesen Anstalten, zu deren Begründung er so nutzbringend beigetragen hatte. Die Straßen strotzten noch immer von Menschen, und meine Ohren dröhnten vom Schall der Hochrufe. Rückfahrt nach Saint James Palace und nach Bork House, brillantes Präsentieren der Horse Guards in roten Dolmans, Empfang des diplomatischen Korps, Abfahrt zur Guild- h a l l. Während der ganzen Fahrt halten Truppen die Menge zurück. Die Pfeifer der Linientruppen mischen ihr fröhliches Spiel in das Trompetenschmettern der Horse Guards und in die scharfen Dudelsackklänge der Hochländer. Die Stadtviertel, durch die ich komme, Holborn Bo- rough und Marhbone Borough, schicken mir Abordnungen, die meinen Wagen aufhalten und mir Adressen überreichen. Die Männer nehmen ihre Hüte ab, die Frauen schwenken ihre Tücher. Am Portal der Guildhall empfängt mich der Lord Mayor, Sir David B e r n e 11, und Lache Vaßazzo! Roman von J. Schneider-Foerstl. llrbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 10 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er wunderte sich, wie ruhig der Vater ihn empfing, als sie beinahe gleichzeitig den breiten Kiesweg zur Villa hinau, schritten. Der Bankier tarn eben aus dem Geschäfte, aber es war ihm nicht mehr das geringste Über die am Vachmittag gehabte Aufregung anzumerken. „3d) wünsche, daß die Mama von Geschästs- fotgen verschont bleibt!“ sagte er befehlend, ehe der alte Diener, welcher die Flügeltüre öffnete, «in Wort aufzufangen vermochte. „Du hast mich verstanden, Achim „Gewiß, Papa!" Der junge Hettingen sah den Vater in das Ankleidezimmer der Mutter treten, deren dunkles, warmes Lachen ihm entgegenllang. Dann einen Ausruf des Entzückens. „Wie wundervoll, Artur! — Ich danke dir, du Guter! — Ist das nicht aber zu kostbar für mich?" Darauf des Vaters ruhig sicheres Organ, zärtlich, ganz von tiefinnerster Liebe durchschwängert. „Ich kenne nur ein Ziel im Leben: dich glücklich zu sehen, Margot!" Die Türe öffnete sich Die schöne Frau sah den Sohn mit ernstem Gesichte und vorgeneigten Schultern stehen. Ihre beiden Hände streckten sich ihm entgegen. „Hast du Sorgen, mein armer Bub?" „Ja, Mama! — Ich habe heute zwei Absagebriefe auf einmal bekommen. Das ist ein bißchen viel, nicht wahr?" Eine weiße, sammetweiche Hand strich über seine Wangen. „Mein lieber Junge! Papa wird gewiß nicht grausam sein, wenn du ihn um Fristverlängerung bittest." Beinahe drohend ruhten die Augen des Bankiers in denen des Sohnes. Rur die der Mutter lagen mit stolzer, heißer Zärtlichkeit auf ihm. Als man sich nach zehn Minuten beim Abendtisch« gegenübersah, sah Joachim am Halse seiner Mutter ein Kollier aus prachtvoll ebenmäßigen Perlen schimmern, das er bisher noch nie an ihr bemerkt hatte. Etwas Llnwillig-Schmerzhaftes zugleich zuckte in seinem Inneren auf. Wenn sie wüßte, wie riesenhaft die Verluste waren, die der Vater heute erlitten hatte — ob sie dann nicht lieber daraus verzichtet hätte? Müdigkeit vorschützend, bat er schon nach einer Stunde, sich zurückziehen zu dürfen. Der Vater nickte, ohne aufzusehen. Frau Margot aber zog ihren Einzigen zum Küste zu sich herab. „Schlaf alle Sorgen weg, mein Bub!" Er fühlte den tröstend zärtlichen Druck ihrer Hände noch, als er in seinem Zimmer am Fenster stand und in die Lichterhelle starrte, die das große, lachende Wien hinaus zum nächtlichen Hrmmel schickte. Empfangsabend im Hause Hettingen! Seit feinen frühesten Kindertagen trug Joachim dies immer gleiche Bild in feinem Gedächtnisse. Vur daß er eben jetzt als erwachsener Sohn des Hauses daran beteiligt war, die Gäste zu begrüßen und sich den einzelnen zu widmen. Als erster kam Gras Dolmisch über den fransenbesetzten Perser der Halle. 3n der straffen Haltung des ebenmäßig schlanken Körpers verriet sich der ehemalige Offizier und in der Sicherheit des Auftretens der langjährige Hofbeamte. Er streckte dem Sohn des Hauses mit gewinnender Herzlichkeit die Rechte entgegen. „Mein lieber Baron, warum sind Sie gestern nachmittag nicht zum Herrenrennen gekommen? — Cs war ein Ereignis. — Der „Dodenstätter" hat um eineinhalb Längen gewonnen. Lind zwar mit Glanz! Lind keine Seele hat auf ihn gesetzt. Ich auch nicht! Ich hätte mir die Knochen ent- zwcischlagen können!" Während Joachim an seiner Linken di« Trepp« hinausschritt, hörte er hinter sich Leopold Richthofens Stimme. „Wartens a Rucker 1, Graf! Ich hab eine Vciigkeit für Sie! Ich hab den „Dodenstätter" kauft, um hunderttausend Schilling!" „Vein, wirllich, lieber Richthofen?" „Aber ja! Ditte! Mit einem einzigen Schlag kann mir das wieder herinnen sein. Den Trainer hab ich auch gleich mit erworben. Is gar kein schlechtes Gschäst? Was? Wann's einmal Lust habn, Graf, zum Anschaun, dann fahrn wir miteinander naus auf8 Gstüt." „Geld! — Geld! — Geld!" — Dolmisch verdrehte di« Augen, daß nur mehr das Weiß« zu (eben war. „Ja! — Vet wahr, Gras, es laßt sich was machn damit!" Die Baronin Hettingen stand an der Schwelle des Salons und reichte den beiden Herren die Hand zum Kust«. „Wo ist deine Schwester," raunte Joachim dem Freunde zu. „D' Mizzl?" Ehe er noch weitersprechen konnte, füllte sich Richthofen von hinten gepackt. „Verehrter Herr RichthofenI Welch ein Glück, daß ich Sie hier treffe." „Ja? Is das so ein Glück, Herr Präsident, wann's mich treffn?“ lacht« Richthofen „Kann ich mit was helfen? Ihr ganz ergebenster Diener! Das wissn S' eh!" „Weiß ich, verehrter Richthofen! Weiß ich. — Ich hab ein Anliegen: Mein Reffe hat sein Ingenieur-Examen gemacht. Vote 3. Hätte ein bißchen besser ausfallen können, wenn er nicht so viele Semester geschwänzt haben würde. Aber nichts mehr zu machen jetzt. Lind nun sitzt er schon ein halbes Jahr zu Hause meiner armen Schwester auf der Schüssel. Sie kennen doch meine Schwester, die verwitwete Oberstin Birkner?" „Aber ja, Herr Präsident! Ich hab einmal die Ehr ghabt, auf einer Redout mit ihr zu tanzen." „Sehen Sie, lieber beretjrter Richthofen, was soll ich da noch lange Herumreden: Wrtwen- pension! Meine Richte, die Schwester des Herrn Dreier-Kandidaten, möchte bitter gerne heiraten, und der große Schlingel sitzt zu Hanse und ißt den beiden Frauen das bißchen Geld weg, das sie für die Aussteuer und so gebrauchen Kirnten. — Wenn Sie vielleicht eme vakant« Stell« für ihn hätten?" Richthofen strich bedächtig an seinem Frack herunter, der die etwas stark ausgeprägte Korpulenz tadellos umspannte. „Schickn S' mir 'n halt! Es wird sich schon was finden für ihn! Bei tri« Maschinen oder in der Kanzlei." „Verehrter Herr Richthofen.--" In die Stimme des Präsidenten mengte sich die lachend helle einer Frau, die hinter ihn getreten war. „Wie ein wandelnder Tintenllex schaun S' aus, Herr Richt Hof en! Ein 3-Tüpferl glangt nimmer!" Drei^Männerhände zugleich griffen nach ihren kleinen weihen. Drei Männerlippen suchten in derselben Sekunde darauf Platz. „Aber bitte! — Verrechn S' mich net, meine Herrn!" Wieder dieses hell« Kinderlachen. „Warum machn S' denn a so ein Gvscherl, Baron?" Sie strich Joachim zärtlich über die linke Wange. Ein« wundervoll zarte, herrlich durchgebildete Sopranstimme trällerte auf: „Hast a Maderl gliabt? Hat's ein andrer rriagt? Hast a Schätzer! ghabt? Hat's ein andrer tappt?" Joachims Hände drückten die Finger Isabella Ieskas, der vergötterten Diva des Durgtheaters. Dann neigten sich seine Lippen Darüber. Als er aufsah, forschte sie in seinen Augen, sah das leise Flimmern darinnen und suchte über ihn hinweg nach den Gästen, welche plaudernd zum Salon gingen. „Herr Richthofen, wo bleibt Denn 's Schwester!?" „Ach, die Frauen haben Launen!" trillerte er mit komischem Augenaufschlag und warf einen zündenden Blick zu ihr hinüber. „Aber geh! Lügn S' doch net a so! Ham 6* mich schon einmal mit Launen gsehn? — Pst!" machte sie leise und verneigte sich vor einer imponierend hohen Gestalt, die eben an der Seite eines ergrauten Militärs über den roten Läufer ging. (Fortsetzung folgt.) , Tagrmß dss Obechessischen LandgememdeverHandes. die Lady Mahoretz, von einer Wolke glänzender | Trachten umgeben. Auch der Lord Mayor hat. > wie üblich, einen prächtigen, ganz mit Hermelin besetzten Mantel angelegt. Die Aldermen tragen rote, pelzverbräinte Roben. In feierlichem Zuge schreiten wir zur Bibliothek, voran, aus vollem Halse blaset, die Stadttrompeter in feuerroten Kleidern, hinter ihnen die Stadtmarschälle, dann grohe Saaldiener mit Perücken, ein Stabträger und ein Schwertträger. Ich reiche der Lady Mayo- reß den Arm. Pichon, Cambon und Mollard haben Diplomatentracht angelegt, um nicht zu viel schwarze Flecke in einer so farbigen Zeremonie zu bilden. Von brausenden Hochrufen begrüßt, betreten wir die Bibliothek, eine Art gochische Kapelle, die an beiden Enden durch Glasfenster erleuchtet und mit zwei großen Bildnissen Karls II. und Jakobs II. geschmückt ist. Die Gtadträte in blauer Seide, mit einem friedlichen Stabe bewaffnet, stellen sich zu beiden Seiten des Mittelganges auf, und wir schreiten zwischen ihnen bis zu der im Hintergrund aufgeschlagenen Estrade, auf der sich Ehrengäste befinden, unter ihnen ein paar Franzosen im schwarzen Rock, besonders die Pariser Stadträte, lediglich an ihren schlichten Insignien erkennbar. Alle Engländer jedoch sind tote schöne Gemälde, die aus alten Rahmen herausgestiegen sind. Selbst Asquith (der britische Premierminister) hat ein goldgesticktes Kleid mit Epauletten angelegt: ein großer Säbel hängt an seinem Gurt. 3n Rußland halte ich mich im letzten Jahr in eine halb asiatische Welt versetzt gefühlt. Heute, in England, glaubte ich mich in eine Vergangenheit zurückversetzt, die Frankreich bei sich zerstört hat, die wir aber trotz allem im flüchtigen Schein unserer Erinnerungen als die unsere erkennen. Ich nehme neben dem Lord Mayor an einem Tische Platz, auf dem ein ziseliertes Kästchen steht, ein Geschenk der Zunft der Goldschmiede an mich. Rach der Tradition, die in dieser Umgebung alles beherrscht, wird dreimal mit dem Gavel gestopft. Der Stadtrat tritt zusammen, er beschließt, mir s ofort im Rainen der Stadt London eine Adresse zu überreichen. Der Recorder in schwarxer Robe und weißer Perücke verliest diese Adresse: dann wird das Pergament zusammengerollt und in das Kästchen eingeschlossen. Reues Trompetengeschmetter, ein neuer Festzug. Mit dem gleichen Zeremoniell schreiten wir in den Speisesaal, wo etwa dreißig große Tafeln gedeckt find. Auch hier umaibt uns gotische Architektur, altes Eichengestühl. Galerien aus Holzschnitzwerk, getäse'.te Decken, und überall zwischen den Spitzbögen die farme inroten oder königsblauen Zunstfahnen... Bevor jedoch die Gäste ihr Mahl beginnen, gebiet:t der Zeremo- niemneisbec, der hinter mir neben dem Lord Mayor steht, mit stärker Stimme Schweigen und verkündet, daß der Kaplan das Tischgebet sprechen wird. „Pray. be silent! Ladies and Gentlemen!" Diesmal bringt der Lord Mayor das Hoch auf den König aus. Alle Anwes nden wi der- holen, ihr Glas erhebend: „King! King!" Dann setzt man sich wieder. »Pray, be silent. Ladies and Gentlemen!" Der Trinkspruch auf den Präsidenten der Republik. Der Lord Mayor spricht englisch. Da er mir jedoch eine Tlebersetzung seiner Rede hat überreichen lassen, macht er mich durch seine Lobsprüchr verlegen. Pray, be silent. Ladies aird Gentlemen!" wiederholt der Zeremvnienm.'ister. Letzt bin ich dran. Leider muß ich ftanzösi ch sprechen. Später sollte ich in der gleichen Guildhall, in der League of Help, in den Universitäten von Glasgow und London mit lahmer Aussprache englische Reden riskieren, ohne es allzusehr zu bereuen. Aber heute, am 25.3um 1913, vollbringe ich ein ganz anderes Wunder. Die Zuhörerschaft ist so nachsichtig, daß sie mir dröhnenden Beifall zollt, als wäre Französisch ihre Muttersprache. Abends Diner in der französischen Botschaft. Der König und der Prinz von Wales tragen dm Großkordon der Ehr nlegion. 3ch habe die Halske te d's Diktoria-O.d ns an» ge'egi, den K nig Georg mir am Morgen hat überreichen lassen. Rach dem Cs'en im'erhalte ich mich mit ein gm Gästen, d e Paul Eambon mir vorstellt, mit dm Mitg ied rn d's Kabine'.ts uni) mit Doirar Lato, dem Marquis of Lans- downe, dem Count Roseberry, Mr. Winston Chur- chtll, dem Marschall French... Rach Bork House zurückg'kehrt, empfange ich dort auf Anraten Pichons und Paul Cambons Sir Edward Grey (den b.i ischen Staatssekretär des Aeußern). Sir Edward Grey erscheint mir ganz so, wie ich ihn mir vvrgestellt hatte. Ein hoher Geist von großer Rechtschafsm- heit und von kluger Vorsicht. Er versteht so ziemlich Französisch, spricht es aber nicht, und in den Unter re t>ung?n zwisHen ihm und Paul Cambon gebraucht ein jeder feine Muttersprache, ohne daß daraus je das fcc'ngfte Mi'-verst indnis entstünde. Sir Arthur Richo son, der sehr gut Französisch kann, begleitet Sir Edward Grey und beteiligt sich an der Un'erha tung. dir er mehrfach durch seine Dolmetsch rgabe er eiHtert. Bei aller Anhäng'ichfeit an die Eatmte ist Sir Edward Grey bemüht, kein Wort zu sagen, k ine Gebärde zu machen, die das europ ische Einvernehmen stören könnte. 3n einer Mit eilung an die Agentur Reuter erllärt Pichon, die beiden Staatskanzleien stimmte r in ihren Ansichten über die allgemeine Politik wie über die Fragen betreffs bet Erhaltung des Friedens überein, und er seht hinzu: »Der Besuch des Präsidenten blldet einen neuen Faktor der Befriedung unter den Rationen der Welt." Am selben A.eid gibt Sir Edward Grey mir im Foreign Office ei n Diner, zu dem u. a. Prinz Ludwig von Dattenberg, dec Herzog von Connaught und Asquith geladen sind. G eich daraus begeben wir uns nach Buckingham Palace zum H o f b a l l. Aus besonderer Gunst darf ich in langen Beinkleidern erscheinen, obwohl das Zeremoniell, wenn man kein of izislles Kostüm hat. Kaiestrümpfe erfordert. Pichon hat seine diplomatische Tracht ange eit. Paul Cambon. der in einer Quadrille mit der Königin tanzen soll, hat tapfer Kniehosen angezogen und trägt sie elegant. Vor dem weiten, für die Tanzend.n bestimm!en Raum ist ein Podium aufqefchlagen, auf dem drei Lehnstühle für das Königspaar und für mich stehen. Aber ich sitze dort allein die ganze Zeitlang als etwas trübsinniger Zuschauer. Die Königin tanzt viel, der König seltener, um mich nicht zu lange allein zu lafen; aber obwohl niemand es mich füh'en läßt, kann ich nicht umhin, zu denken, daß die Befürchtung, der Präsident der Republik könne sich, in Frankreich lächerlich machen, ihn in England etwas lächerlich gemacht hat. Am Freitag, dem 27. 3uni, morgens, verlasse ich London, stets mit Beifall und Hochrufen be- Am gestrigen Freitag hielt der Provinzialverband Oberhessen des Hessischen Landgemeindetages im Saale des „Katholischen Vereinshauses" in Gießen seine 2. ordentliche Mitgliederversammlung ab, die von nahezu 300 Bürgermeistern und Gemeindevertretern aus ganz Oberhessen besucht war. Als Vertreter der Provinz Oberhessen war Provinzialdirektor Graes erschienen, ferner waren die oberhessischen Kreisämter sämtlich vertreten. Rach einleitenden Degrüßungstoorten des Vorsitzenden. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld), erstattete dieser zunächst den Bericht überdieTätigkeitdesVorstandesim abgelaufenen Geschäftsjahr, ausdem zu entnehmen war, daß der Vorstand sich mit einer Reihe wichtiger gemeindlicher Angelegenheiten zu befassen hatte, bei denen es sich insbesondere auch um oberhessischc Angelegenheiten der Gemeinden handelte. Das erste Referat erstattete Direktor von Stadler vom öleberlandwerk Oberhesfen über „Tie Elektrizitätsversorgung der sberhessischen Gemeinden". Er gab zunächst einen kurzen äleberblick über die Entwickelung d?r Stromversorgung der Provinz Oberhessen, die nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage sei. Zur Zeit tonne die gesamte Provinz Oberhessen, abgesehen von einigen kleinen Hofgütern, als mit Strom versorgt gelten. Direktor von ©taktier gab sodann Aufklärung über die einzelnen Energiequellen der Provinz und deren Reserven, die in dem Anschluß an verschiedene umliegende große äleberlandwerke bestehen, und die eine ungestörte Stronrbelieserung heute ermöglichen. Er verbreitete sich sodann weiter über den Umbau und Ausbau des Strom verteilungs- Netzes, das man allmählich von 5000 Volt aus 20 000 Volt umbauen werde. Dieser Umbau sei sehr kostspielig, aber notwendig im 3ntereffe des wachsenden Betriebes, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Ebenso sei der Umbau des Ortsnetzes auf die erhöhte Spannung von 227 Volt notwendig gewesen, welche der Provinz Oberhessen rund eine Million Reichsmark kostet. Es seien damit auch die modernsten Einrichtungen für die Stromversorgung geschaffen worden. Rotwendig sei aber, daß der Stromverbrauch eine bedeutende Erhöhung beiden Abnehmern erfahre, denn dies fei die einzige Möglichkeit, die Strompreise noch weiter herabzusetzur 3m Zusammenhang hiermit gab der Redner interessante Ausschlüsse über die Auswirkungen des neuen Grund- und Arbeitsgeb ührentariss, dessen Rotwen- bigfeit er eingehend erläuterte. Dabei war von Interesse die Mitteilung, daß 85 v. H. aller An- schlüsse im Stromverforgungsgebiet der Provinz für landwirtschaftliche Zwecke erfolgt seien, die aber nur 1.5 v. H von dem gesamten Stromverbrauch entnehmen. Dieser Ausfall müsse auf andere Weise wieder hereingebracht werden. 3n der Provinz Oberhessen sei im Vergleich zu anderen öcmbedteilen der Stromverbrauch außerordentlich gering. Während in Oberhesscn der Stromverbrauch aus den Kopf der Bevölkerung 25 Kwst. betrage, mache er in ganz Deutschland 200 Kwst. auf den Kopf der Bevölkerung aus, in der Schweiz sogar 800 Kwst. Diese Tatsache müsse bei den vielen Beschwerden, die immer noch über die Strompreispoli ik der Provinz Oberhessen erhoben würden, berücksichtigt werden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen streifte der Redner auch die Gasfernversorgung, die zu begrüßen sei, sofern sie wirtschaftlich fei. Die bis jetzt vorgenonnnenen Ermittelungen von Grupp eng asw Dicken batten aber hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit ein sehr ungünstiges Resultat gezeitigt. Es kämen manchmal noch nicht die Kosten der Verzinsung des Anlagekapitals heraus. Für Licht- und für Mittel- und Kleinbetriebe sei die Elektrizität die einzig rrchtige Energiequelle, die das Feld hier behaupten müsse. An den sehr interessanten Vortrag schloß sich eine ausgedehnte Debatte an, in welcher insbesondere von einer Anzahl von Bürgermeistern die jetzige Regelung der Bezahlung der Sttaßen- beleuchtung scharf bemängelt wurde. 3m Verlaufe der Debatte machte Provinzialdirektor Graes die Mitteilung, daß die Einführung des neuen Grund-und Arbeitsgebüh- r e n t a r i f 3 für die Provinz jährlich eine Mindereinnahme von 600 000 Mark ausmacht. welches Opfer die Provinz im Interesse der Gemeinden bringe. Auf Antrag von Bürgermeister Stamm (Eudorf) wurde ein einst immiger Beschluß gefaßt, wonach der Vorstand des Oberhessischen Landgemeindetages beauftragt wird, mit der Provinz in Verhandlung zu treten wegen Aenderung des der- »eiligen Stromtarifs unter besonderer Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Verhältnisse und der sich ungünstig auswirkenden Regelung des Tarifs für die Straßenbeleuchtung. Alsdann folgte ein Referat von Regierlmgsrat Grein (Friedberg) über „Die Durchführung der Fürsorgepflicht» Verordnung". Der Vortragende erläuterte die hauptsächlichsten Bestimmungen des neuen Rechts, im Vergleich zu dem früheren Rechtszuftand. Er verstand es, an Hand praktischer Beispiele eine lehrreiche, flare und übersichtliche Darstellung des ganzen Gebietes des Fürsorgerechtes zu geben. Die Versammlung banite für den interessanten Vortrag mit lebhaftem Beifall. Hierauf hielt Bürgermeister Alexander (Gonsenheim) ein Referat über „Die Haftpflichtversicherung der hessischen Gemeinden", deren Rotwendigleit er eingehend begründete. Wie aus seinen Ausführungen %u entnehmen war, hat der Hessische Landgemeinoetag mit der Rassauischen Land:sversicherungsbank in Wiesbaden einen Vertrag über die Haftpflichtversicherung der Gemeinden abgeschlossen, der allmählich an die Stelle der Kollektivversicherung treten soll, welche durch die Kreisämter in den einzelnen Kreisen vorgenommen worden war. Be- zirlsdirellor Walz von der genannten Dank erläuterte die näheren Bestimmungen noch in technischer Hinsicht. Die Prämie betrage 1 Mark pro 100 Einwohner, der Mindestsatz 5 Mark. Der neue Vertrag gewäh.e den Gemeinden einen weitgehenden Versicherungsschutz. Linier d:m Punkt „Verschiedenes" der Tagesordnung führte Bürgermeister Fendt (Hungen) lebhafte B.schwerde über dieGeruchsbelästi- gung, welche durch die im Entstehen begriffenen neuen Schwelwerke in Wölfersheim und Trais-Horloff sich jetzt schon bemerkbar mache. Es bestehe die Befürchtung, daß diese Geruchsbeläftigung derart stark sein würde, daß sie für die benachbarten Gemeinden geradezu unerträglich werde und unter llmständen sogar den Besuch der Bäder Bad-Ran he im und Salzhausen ungünstig beeinflussen könne. Die Bevölkerung verlange, daß dieser Zustand bese i t i g t werde. Landtagsabgeordnrtec Dr. R i e p o t h (Schlitz) erklärte dazu, daß man dieser Angelegenheit auch im Landtag die erforderliche Aufmerksamkeit schenke. Rach Erledigung verschiedener Heiner Anfragen schloß der Vorsitzende, gegen 2 Ahr die in allen Teilen anregend und sachlich verlaufene Versammlung mit der Aufforderung, die Sache des Hessischen Lc.ndgemeindetages auch fernerhin tatkräftig zu unterstützen. grüßt. 3n Dover beste'ge ich d n „Pas de Calais" und sage dem englischen Boden Lebewohl. Die dichte Menge am Strand und auf den Molen sendet mir Hochrufe nach. Badende Männer und Frauen umringen unser Schiff, und bewimpelte Barken geben ihm das Geleit. Die Forts und das britische Ge chwader. das zu Ehren Frankreichs auf der Reede ankert, schießen Salut. Der „Pas de Calais" verläßt die Kaste, von einem französischen und einem englischen Torp:doboot2ge- schteader umrahmt und von den d ei Pan er chiffen „Gloirc", ..Condä" und „Marfeillai e gefolgt. Gegen Abend traf ich in Paris ein. Eine be- weg'e Menge umlagerte den Rordbahnhof. Angesichts ihrer frohen Stimmung konnte ich nicht bezweifeln, daß sie g'eich mir von meiner Reise nach England neue Bürgschaften für die Eintracht Europas und die Sicherheit erhoffte. Turnen, Gpori und Spiel. V. f. B. Am nwrgigen Sonntag trägt die Liga- Mannschaft ihr letztes Spiel der Vorrunde der diesjährigen Verbandsspielserie aus. 3hr Gegner ist die Liga von Rieder-Girmes. Es steht noch in Frage, ob das Tressen auf dem dortigen Platz stattfinden kann, da dieser durch Heber* schwemmung zur Zeit noch nicht spielfähig ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte dann als Austragsort das Wetzlarer Stadion gewählt werden. Rieder-Girmes tritt in verstärkter Aufstellung an und darf al£ Gegner nicht unterschätzt werden. Seine im letzten Spiel gegen die hiesige Spielvereinigung erlittene knappe 4:5-Rieder- lage beweist, daß die Mannschaft zu kämpfen versteht. V. f. D. wird den Kamps in der bestmöglichsten Besetzung bestreiken, wird aber gut tun sich vor lleberraschungen zu schützen. Wenn die Mannschaft ihre Spitzenstellung weiterhin behaupten und befestigen teilt, muß sie von vornherein alles aus sich herausgeben und das Spiel so früh tote möglich zu entscheiden versuchen, da Rieder<-Girmes als zähe und energische Mannschaft bekannt ist. * Die Ligareserve hat ebenfalls auf dortigem Platz die gleiche von Rieder-Girmes im fälligen Verbandsspiel zum Gegner. Rach ihrer hohen Riederlage gegen die Ligareserve des Wetzlarer Sportvereins sollte man von ihr erwarten, daß sie diesmal die Gelegenhett ergreift, die Scharte wieder auszuwetzen. Wenn sie sich einigermaßen findet, kann sie Sieg und Punkte mit nach Hause bringen. Die dritte und vierte Mannschaft sind spielfrei. Die erste Jugendmannschaft hat auf eigenem Platz die gleiche des Wetzlarer Sportvereins zum Gegner. Ihre Leistungen waren in letzter Zeit alles andere denn überzeugend. Wenn sie sich nicht sehr anstrengt, dürste sie um eine Rieder läge kaum herumkommen. Auch die z w e i t e 3 u g e n d hat in der ersten Jugend Heuchelheims einen sehr schweren Gegner. Von ihr ist dasselbe zu sagen wie von der ersten 3ugenb. Sie dürfte wenig Aussicht auf einen Sieg haben. Die dritteJugend tritt in Leihgestern der dortigen neuaufgestellten zweiten Jugend gegenüber und sollte ein günstiges Resultat erzielen können. Einen schweren Stand wird auch die erste S ch ü l e r e l f im Pflichtspiel gegen die Schüler des Sportvereins Aßlar haben, gegen die sie im Vorspiel die einzige Riederlage in der diesjährigen Saison erlitt. Allerdings war Aßlar damals durch eine ganze Anzahl Jugendspieler verstärkt und wird, wenn es diesmal nur mit einer reinen Schülermannschaft antritt, trotz körperlicher lleberlegenheit den technisch besseren V. f. Bern den Sieg überlassen nrüssen. Vermischtes. Der Jestungsplau von Port Arthur. Vor mehreren Jahren diente der russisch-japanische Krieg und der Fall von Port Arthur einem Schwindler in der Schweiz zu umfangreichen Betrügereien. Ein Baron v. Zielinski spiegelle vielen Leuten vor, daß er von der japanischen Regierung 4 3 Millionen V e n zu bekommen habe. Dieser Betrag sei ihm zugesichert worden dafür, daß er den Japanern den Zestungsplan von Port Arthur verschafft habe. Viele trauten auch den angeblichen japanischen Gutscheinen und gaben viel Geld her. Enküich wurde der große Schwindel entdeckt, und Zielinski erhielt in Zürich 6 Sabre Kerker, die er noch verbüßt. Diese Geschichte war schon so gut wie vergessen, da tauchte in der Schweiz neuerdings der Kaufmann Kurt Mahler auf, der ebenfalls Forderungen an die japanische Regierung stellte. Wie Zielinski, so hatte auch er guten Erfolg. Eines Tages aber verschwand er mit 70 000 Schweizer Franken. Die Züricher Staatsanwaltschaft erließ einen Haftbefehl gegen ihn und wandte sich auch an die Berliner Kriminalpollzei. Diese errett» teile Mohler in einer Fremdenpension im Westen der S.adt, wo er mit einer Freundin Wohmmg genommen hatte, und nahm chn fest. Die Schweizer Regierung beantragte die Auslieferung, der jetzt entsprochen wird. Die größten Männer im Wanoel der Zeilen. Rach einer Zusammenstellung der Ergebnisse von Zeitungsrundftagen nach dem größten Mann der Gegenwart haben sich auf die Rundfrage eines Düsseldorfer Blattes im Jahre 1900 von 150 000 Antwortgebern 110000 für Äa if er Wilhelm II. entschieden. Eine große Anzahl von Stimmen wurde im Westen für Papst Leo XIII., Virchow, Mommsen, Zola, Warconi, Krupp, Edison; im Osten für Tolstoi, Ibsen und Hauptmann abgegeben. Im selben Jahr veranstaltete die Londoner „Daily Chrvnicle" eine Rundfrage über dasselbe Thema: von 700 000 Antwortenden entschieden sich 500 000 für die Königin Viktoria, an die zweite Stelle trat der Philosoph Spencer, dann folgte der Gründer der Heilsarmee Booch, Warconi und der Schöpfer des antiseptischen Verfahrens. Lord Lister. 1911 ergab sich bei einer Rundfrage einer Dresdner Zeitung Richard Strauß als größter Mann der Gegenwart, bann folgten Hauptmann, Wedekind und Shaw. Als 1921 die „Chicago Tribüne" auf eine Rundfrage 4 000 000 Antworten erhielt, entfielen 1,5 Millionen aus Ford, eine Million auf Rockeseller, der Rest: auf Carnegie und Morgan und nur Leine Stimm* refte auf Madame Curie, Shaw und Richard Strauß. Im Dezember 1918 ermittelte die „Wotld" auf diese Weise mit 4,5 Millionen von 5 Millionen abgegebenen Stimmen den Präsidenten Wilson als den Heros der Zeit, während bereits ein Jahr später bei einer Rundfrage der Reuhorrer .Times" nur mehr knapp 1000 Stimmen sich für ihn entschieden, an der Spitze standen diesmal Einstein und Steinach, auf dessen Derjüngungsmethode man damals überschwengliche Hoffnungen setzte. Die Heerführer des Weltkrieges erhielten mir wenige Stimmen. 1922 entschied sich die überwiegende Mehrheit anläßlich der Rundfrage der „Reu- Yorker Post" für Len Boxer Dempsey: danrv erst folgten Ford und Stinnes. Räisel-Ecke. Auflösungen, kranzrölsel. Iris — Nelke — Tulpe — Rose — Edelweisz — Usambaraveilchen — Efeu — Myrte — Geranie — Ehrenpreis — Dahlie — Erika — Narzisse — Kamelie — Enzian — Nachtviole. In treuem Gedenken. Kreuzworträtsel. QRQIHnHaaiCi tiraaßi *QBSt3 fliQQßi I3B0B a ninrara VA I3BI113 O rn sraa araa I3BG3Q nram Pflaslersleinrätfel. Scharade. Wildfang. J e d e r h a t 8 e i n e e i g n e n s 0 r g = n Die Rätsel, die bisher regelmäßig am Samslag an dieser Stelle veröffentlicht wurden, werden unsere Leser von jetzt ab in der heute zum erstenmal erscheinenden illustrierten Beilage finden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 2. Dezember. 1. Advent. Stadtkirch«. 9.30 Uhr: Professor Dr. Schmoll: Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Mar- kusgemeinde: 11.15: Kinderkirche für die Markus- gemeinde: Pfarrer Becker: 5: Pfarrer Mahr. — Oohanneskirche. 9.30: Pfarrer Ausfcld: Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde: 11.15: Linderkirche für die Johannesgemeinde: Pfar- rer Ausfeld; 5: Pfarrer Bechtolsheimer; 8: Bibel- besprechung im Johannessaal: Pfarrer Lenz. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — Elisabeth - üleinkinderfchule. 9.45: Pfarrverwalter Dotzert. — ülein-Linden. 11: Kindergottesdienst; 1.30: Hauptgottesdienst. — Wieseck. 9.30: Beichte; 10: Prc-- digtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; Opfer für den Verband Eoanael. Frauenvereine. — Alten-Luseck. 10; 1. — Sirchberg. 10: Kirchberg; Konfirmandenchor; Verpflichtung des neug:wählten Kirchenvorstandes; 11: Feier des hl. Abendmahls für die Fugend von Ruttershausen; 1.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenlelch. 10: Hausen, hl. Abendmahl: 1: Garbenteich. — Watzenborn-Stein- berg. 10: Predigt; 11: Kinderkirche. — Lich. 10: Stiftspfarrer Lic. Schorleminer; hl. Abendmahl; Kollekte für Traubibeln; 12.45: Kindergottesdienst; 2: Stiftsdechant Kahn. Dienstag, den 4. Dezember. Kirchberg. Abends 8.30 Uhr: Bibelstunüe in Lollar. Mittwoch, den 5. Dezember. Cid). 8 Uhr: Bibelstund Katholische Gemeinden. Samstag, den 1. Dezember. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, . en 2. Dezember. 1. Adoeiüsonntag. Gießen. 6-30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Manner; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 5: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 18: Adventsandacht. — raubad). 10: Messe mit Predigt. — Cid). 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Donnerstag, den 6. Dezember. Gießen. Abends 5.30 Uhr: Beichte. Freitag, den 7. Dezember. Gießen. Vormittags 6.30 Uhr: Segensamt. Samstag, den 8. Dezember. Gießen. Vormittags 6.30 Uhr: Segensamt. SonuranSdreutt ler-.ten. llöotb-fen am 2.12.28 Dr. Mocb. Dr. W. Siem. PeUkanavolheke. Zahnarzt: Dr. Adam. 0 Bieten imLithi 08157 gibt ab 80/D Edelwdsz Damenwäsche Nachtviole. Herrenwäsche 783 ID Tischwäsche Hauswäsche Bettwäsche BECKSTEIN 70 0,75 ): Psaner Röhr&c 1O49IAI BLÜTHNER Goethestra^e 941 liefert komplette Schank - Büfetts In jeder GrflBe und I. nur la Ausführung K Ak Betuch« und Beratungen kostenlos und unverbindlich. Handtücher, Geschirrtücher Kissenbezüge, Bettücher, Bettbezüge, Ueber- schlagtücher Kapok für Kissen Hemden, Nachthemden, Flakköperwäsche, Schürzen, Unterkleider und Schlüpfer Oberhemden, Kragen, Krawatten Unterzeuge Für diese Veranstaltung empfehlen die hiesigen Drogisten den Hausbesitzern. Geschäftsleuten und Privaten elegante Gedecke Tafel, ücher Decken ybDt unrnnmnüin Reflil $ mit $r<* Breite Rm. 78 GLS Besichtigen Sie unsere Weihnachfs - Dekoration Nr. 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Sonst iit niemand berechtigt zu sammeln, auch wird keine besondere Sammlerin beauftragt. G eben, den l. Dezember 1928. 10501D Frau Ella Giese, Molikestrane 24, Frau Marie Schwan, Wilhelmurahe 41; Frau Eliiabetb Schwieder, Molikeftr. 1; Frau Kiesel Schulze, SelierSweg 1; Fran Marie Störiko, Nordanlaae 27; Iran Karoia Waltber, Neuen Baue 29; Fräulein Klara Wolff, Am NahrungSberg 47; die technischen Lehrerinnen der Ltudienanttalt sowie Pfarrer AnSfeld und Piarrer Bechtolöbeimer._________________________________ Drucksachen allerAtt KBSffSMS hie Srübl'sche UnioerfifStr-Vruckerei. R. cange, Sieben. 5chottlr. Z. Ä; M8S «W Wh an der '"und 6l ei. W nun ty, BL W«. At M nm übenoiegAbe age der • mt>fef); dann Dampfvulkanisieranstalt Wilhelm u. Albert Ruhl Gießen, Liebigstraße 58 Heinrich REGER Nacht. Inhaber: Fr. Heinrich Müller Eisschrank- und Büfett - Fabrik Gegründ.1888 LICH/Oberh. 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Die Persönlich'.eii des Redners, der durch seine Mitarbeit am „Gießener Anzeiger" ja auch in weitesten DevöllerungZkreisen Oberhessens bc- kanntgeworden ist, hatte einen so starten Besuch des Abends herbeigesührt. daß die Aula vollbesetzt war. Auch einem kurzen EinleitungLwort des Vorsitzenden der Gießener Ortsgruppe, Studienrats Dr. König, der dabei die Wich.lgkeit der Mitarbeit und Mi Hilfe aller Reichsdeutschen an den Ausgaben des D. D. A. zur Stützung und Förderung unserer national und vielfach auch wirtschaftlich bedrängten deutschen Volksgenossen im Aus lande hervorhob, begann Dr. Rohrbach seinen Vortrag. 3n zahlreichen rhe arischen Einzelbildern zergte er seinen gespannt lau» schrnden Hörern den „Amerikanismus" auf den mannigfachsten Gebie.en des ame.iranischen Dvlls- und Einzellebens. Er behandelte zunächst aus Grund eigener Beobachtungen und Feststellungen in zahlreichen ameritanischen Städten die bevölkerungspolitische Seite des „Amerikanismus". Dabei wies er auf die starke Beschränkung der Kinderzahl in den angelsächsischen Kreisen des amerikanischen Dolles hin, eine Kinderarmut, eine Abneigung gegen das Kind, die sich — alles natürlich im Durchschnitt gesehen — von der Reichtumsspihe bis herab zu den niedrigen Schichten des angelsächsischen Amerilanertums in gleicher Weise zeige. Diese Erscheinung habe ihren Grund vor allem in der QCbneigimg der Frau gegen das Kind, in der Ansicht der Durchschnittsfrau, daß sie ihren An'eil an den Annehmlichkeiten des Bebens zu fordern berechtigt sei, wobei das Kind von der Frau geradezu als Beschränkung der persönlichen Freiheit empfunden werde. Mit dieser Kinderarmut des angelsächsischen Ameriianer- tum5, das natürlich um seine Zukunftsstellung und -geltung in Amerika besorgt sei, erklärte der Vortragende die Hal ung der gesetzgebenden amerikanischen Faktoren in der Einwanderungs- Politik. Um die ausschlaggebende Stellung Der Amerikaner angelsächsischer Rasse zu sichern, werde die Einwanderungsquote für die Ange- origen anderer Völker, insbesondere für die romanische und slawische Rasse scharf herabge- drückt, damit ein Ueberf kugeln des angelsächsischen Ameriknnortums durch andersrassige Volksteile hintangehalten werde. Uebrigens ständen, so hob der Redner hervor, bei der von Amerika zugllassenen jährlichen Einwanderungszif er von 153 003 Menschen wir Deutsche mit einem Kontingent von 50COO Köpfen gar nicht schlecht da; Deutschland stehe hinter Großbritannien, von dem jährlich 60COO Menschen zur Einwanderung in Amerika zugelas en werden, an zweiter Stelle. Der Vortragende machte weiter in vielen fesselnden Einzel- fchilderungen, die den feinen Beobachter verrieten, mit dem „Amerikanismus" In den verschiedenartigsten Lebensgewohnh iten des Amerikaners bekannt. Zusammensassen kann man diesen „Amerikanismus" des Durchschnittsmenschen in folgende Worte: Unlteschränktec Lebensgenuß, Vermeidung alles Prvblemhaften. Plätschern an der Oberfläche des geistigen Lebens, wofür die amerikanischen Zeitungen mit ihrer nur auf Sensation eingestellten Tendenz am bezeichnendsten sind, Herrschaft des Autos, Kinos. Theaters und Tanzes an Stelle des Kindes, Unterschätzung der geistrgen Faktoren und ihrer Werte gegenüber.ben rein materiellen Dingen. Mangel an geschichtlichem und historischem Sinn, le ne innere Ver- wachsenhc.il des amerikanischen Landbewohners mit dem Grund und Boden, strenge Pflicht (auch wider besseres Wissen) zur Unterorbnung der eigenen, der Einzelmeinung unter die Macht der öffentlichen Meinung, eine recht gefährlicheVolks- eigentümlichkeit. die sich namentsich in posi'i chen Dingen sehr bedenklich zu äußern vermag. Beweis dafür ist ja die Art, wie Amerikas Beteiligung am Weltkrieg zustande gekommen ist und wie sich das amerikanische Veli dann der Deren Wortung für die durch die amerikanische Kricgshll.e herbeigeführte Kriegsentscheidung bedenkenlos entzogen fat Aus Di ser Betrachtung des „Llmerikanismus" zog der Redner für uns Deutsche die Schluh- folgernng, daß wir bei der Behandlung unserer politischen Lebens fragen keine falschen Hoffnungen auf Amerika setzen dürften, fonbem daß wir diese Mentalität der Amerikaner in Rechnung zu stellen hätten und uns stets bewußt sein muhten, daß dem amerikanischen Volke, bei seiner geringen Einschätzung aller geistigen Beweggründe, das Verständnis für unsere politischen Gesichtspunkte völlig ab gehe. An dieser Sachlage könne auch eine Einzelperson in Amerika nichts ändern, da dort eben die einzelne Meinung gegen die Stimmung der Oessentlichkeit sich nicht durchsetze. Der geistvolle und in feiner Rhetorik gesprochene Vortrag sand lebhaftem Beifall. Gin dringender SlenerNunsch der hessischen Wirtschaft. Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben sich in einer Eingabe an bas Hesfische Finanzmini terium, bas Landesfinanzamt und sämtliche Lanblagsabgeorbneten gewanbt und eine beschleunigte Durchführung der hessischen Gewerbesteuerveranlagung gesorbert. Sie haben dabei folgendes ausgeführt: ..Rachdem nunmehr 4 Jahre die deutsche Währung stabilisiert ist und sämtliche Länder eine geregelte Gewerbebesteuerung haben, muh es in den Kreisen von Handel und Industrie berechtigtes Befremden erregen, daß allein im Volksstaat Hessen eine normale Steuerveranlagung nochnichtzur Durchführung gebracht werden konnte. Ganz unverständlich ist es aber, daß. nachdem im Mai endlich ein Ge- tverbesteuergcsctz mit gerechten Grundlagen Gesetzeskraft erlangt hat, nunmehr wiederum^ ein Vorauszahlungsgesetz für das Jahr 1929, also für die Zeit nach dem L April 1929, dorgelegt werden soll. Die hessische Regierung scheint also nicht damit zu rechnen, baß ein Oahr nach Erlaß des Gewer^efteuerg.setzes dessen De- stimmuncen burchgesührt fein werben und eine gc- Das Güaßenbahnprojekt Gießen — Wieseck gescheitert. £ Wieseck. 1. Dez. Der Gesamtge - meindevor st and QBiefed-'“.‘ *,»v- - v s - / hatte die Bürger auf gestern abend zu einer öffentlichen Versammlung im Saale von Heinrich Herrmann eingelaben, die sehr stark besucht war. Bürgermeister Schomber eröffnete die Versammlung und dankte für Den zahlreichen Besuch. Zur Sache selbst führte er aus: Zur Regelung Der Derkehrsfragen zwischen Wieseck und Gießen hat der Gemeinderat Die Einladung zu einer öffentlichen Dürgerversammlung beschlossen. Die elektrische Straßenbahn ist das Schmerzenskind für Wieseck schon sehr lange. Rachdem Wieseck und Gießen bereits im Jahre 1913 sich über Den Dau Der Bahn zum Wert von 32 000 Mk. im Grunde einverstanden erklärt hatten, scheiterte Der Plan durch den Krieg. Die Verhandlungen von 1925 verliefen ergebnislos. Ein Verkehrsmittel mutzte geschaffen werden, da die Bürger Wiefec's Darauf Drängten. Um Dem Allgemeinwunsch Rechnung zu tragen tourDen zwei Autos angeschasft. Der Verkehr war gut, was allgemein anerkannt tourDe. Später tourDe Der Zweckverband mit Alten-Duseck gegründet unb> Der Dritte Wagen angeschafft. Bürgermeister S ch o m b e r fühlte sich in Diesem Jahre verpflichtet. Die Verhandlungen mit der Stadt Gießen wegen des Baues der Straßenbahn wieder aufzunehmen, was allgemeine Zustimmung durch den Gemeindevorstand fand. Es wurden je drei Kommissionsmitglieder von Wieseck und Gießen ernannt. Die die Verhandlungen aufnahmen. Die Stadt Gießen forderte von Wieseck 50 000 Mk., was aber im Laufe Der DerhanDlungen auf 40 000 Mk. ermäßigt tourDe; Wieseck bot 30 000 Mk. und stellte Die weitere Frage: „Wie steht es mit Den Autos und wie veräußern wir Die Autos?" Gießen erklärte. Die Frage Der Autos müsse beiseite gestellt to erben und sei eine Sache für f i ch. Durch einen Artikel, im „Gießener Anzei- a e r", überschrieben „DefihwechselimWie- secker Autobetrie b?“, veranlaßt, fragte Die Stabt Gießen in Wieseck an. Dir Kommissionen verhandeln abermals, doch Gießen erklärte, die Autos nicht übernehmen zu können, was für Wieseck nicht in Frage kommen kann, da Wieseck diese Last nicht tragen kann. So verlaufen die Verhandlungen abermals ergebnislos. Ein Gerücht, das von Gießen verbreitet wiro, über den Weiterbau der Straßenbahn kann kaum Glauben finden. Zum Schlüsse bemerkte Bürgermeister Schorn* ber, daß die Stabt Gießen im eigenen Interesse genau so gehandelt habe, wie Wieseck. Gemeinderat Benner begann seine Ausführungen mit der Bemerkung, daß verschiedene Leute wegen des Zusammenbruches des Zweckverbandes nicht mehr hätten schlafen können; deshalb habe er den Auftrag erhalten, hier Aufklärung zu geben. Er ging in seinen Darlegungen von 1913 aus und wiederholte zunächst das von Bürgermeister Schorn- b e r Gesagte. Zu den Verhandlungen von 1925 betonte er besonders, daß die Stadt nicht wollte, da sie Die Verhandlungen lange hinzog. Die von Der Stadt geforderte ®arantiefumme konnte Wieseck unmöglich bezahlen. Zu den Autoverbindungenüb rgehend, fa t_*Benner, daß dies seit 1925 daS meist umstrittene Problem für Wieseck sei. Das erste Detriebsjahr war nicht besonders günstig, was durch die hohen Anschaffungskosten der beiden ersten Wagen begründet war. ihn dieses Unternehmen für Wieseck zu retten und der Gemeinde die Lasten zu ersparen, erfolgte die Gründung des Z w e ck v e r- bandes. Alten-Buseck, das mit 32000 Mark eintrat, ermöglichte die Anschaffung des dritten Wagens. Das erste Jahr des Zweckverbandes brachte ein gutes Ergebnis, von der Gemeinde waren nur Zinsdifferenzen zu tragen, die etwas über 4000 Mark ausmach en. Hierbei stellte Der Redner fest, daß alle Gemeinden Zu- fchüfse zu den Verkehrsmitteln leisten müßten und auch die Stadt Gießen andere Unternchmun- gen bei Verkehrsmitteln unterstützt habe. Als sehr hart empfindet Benner Die P reis - Vorschrift des Fahrpreises der rechte Veranlagung vorgenommen wirb. Demgegenüber müs en wir mit Rachdruck die Forderung aufstellen, daß die ordnungsgemäße Veranlagung zur Gewerbesteuer baldigst zur Durchführung gebracht wird, wenn nicht die Ungerechtigkeiten und Härten von 4 Jahren noch weiter Die Betriebe belasten und diese weiterhin völlig im llngetoif en darüber sein sollen, wie hoch ihre voraussichtliche Sterer?elastung fein toi b. Diese Kenntnis ber Voraussicht ichen De astung ist aber ein wesentliches Moment für jede Betriebs,üh- ning, und auf bie Dauer unentbehr ich. Es kommt noch hinzu, daß es gerabe bie schwächeren Betriebe sind, bie unter ben Härten bes Dorauszah- lungsfystems zu leiden haben. Wir ersuchen daher ben Herrn Finanzminister auf das dringendste, sofort mit dem Landesfinanzamt in Verbindung zu treten und auf eine beschleunigte Durchführung der Gewerbesteuerveranlagung hinzutoirken. Sollte Die Veranlagung der Vermög nssteuer. Die die Grundlage für bie Gewerbekapitalsteuer HL et, noch nicht volltommen zu Enbe gebracht sein, so mühte in Anbetracht ber bringenden Rotwendig-- feit unbedingt dafür Sorge getragen werden, bah die Gewerbestcuerveranlagung wenigstens bei den Steuerns ichttgen vorzenommen wird, für bie bie Vermögen- unb Einkommensteuerver- anlagung bereits abgeschlossen ist. Wir werben uns erlauben, dieses Schreiben auch dem Lanbes- finanzamt Darmstadt unb bem Herrn Reichsminister ber Finanzen zur Kenntnis zu bringen, unb knüpfen daran bie feste Hoffnung, bah bei der besonderen Lage in Hessen bie Reichs sinanz- behörben bie Durchführung der Gewerbe- steuerveranlagung ebenfalls als eine dringende Rotwendigkeit anfehen unb sie mit aller Energie vollziehen. Die Betriebe würden es nicht verstehen, wenn tatsächlich auch Autos für das Stadtgebiet von 30 PL während die Straßenbahn nur 15 Pf. erhebe. Heber ben Versuch des Bürgermeisters, mit den Verhandlungen mit ber Stabt könne man geteilter Meinung sein. Die größte Sorge ber Stadt bei den Verhandlungen sei bie Auflösung bes Zweckverbandes gewesen, denn die erste Frage, bie gestellt wurde, war: wann kann der Zweck- verband frühestens aufgelöst fein? Diese Frage wurde aus Anregung Wiesecks zurück- gestellt, um die Bedingungen zu erfahren. Wentt man auch die Forderung von Vig ber Bausummen ber Straßenbahn = 40 000 Mk. als nicht schlimm bezeichnen könne, so wäre doch die 5ix g? au gutoerfen: waZ toi d mi dem Wagen <».k, da voch die Stadt erkläre, die Uebernahme ber Wagen komme nicht in Frage, was man — objektiv beurteilt — als richtig anerkennen müs e. Aber auch Wieseck könne d.n Verlust nicht tragen, unb deshalb sei hier der Punkt des Scheiterns. 3n seinen to.iteren Aus Ehrungen beschäftigte sich Denner mit dem, was hätte werden können, wenn bie Straßenbahn gebaut worden wäre und Wieseck die Wagen nicht hätte abfe^cn können, da es doch dann ab 1. Januar 1930 für Wieseck keine Einnahmen mehr gebe, und bie Autoinstandsetzung, außerdem bie Versicherung noch Kosten verur acht hätten. Durch die Erhaltung der Autolinie könnten sogar bie bell'en ersten Wagen noch 5 Jahre Dienst tun, unb eS wäre erreicht, bah Wieseck baburch 45 000 Mk. und Alten Daseck 15 030 Mk. gespart hätten. Außerdem habe A ten Du eck sein Verkehrsmittel behalten, da Gießen an Alten- Dufeck kein Interesse habe. Die Gesamtkosten für Wieseck durch Den Dau ber Straßenbahn errechnete Denner mit 65 000 Mk., und zwar bar an bie Stabt 40 003 Mk., Verlust an Dem Wagenpark 45 000 Mk., was einer etats- mäfjigen Ausgabe von jährlich 10 000 Mk. gleichkäme. hierauf tarn Benner auf die Verhandlungen mit der Kraftverkehr * A.-G.» Sih Frankfurt, zu sprechen und teilte mit, daß am Freitagabend der Vertrag auf Uebernahme des Ge- samtwagenparks für 100 000 Mark abgeschlossen worden fei unter der Bedingung, daß die Kon- Zession für fünf Jahre auf die Gesellschaft übergehe. Hierdurch fei der Verlust für Wieseck nur 20 000 Mark, was gleich zu rechnen sei mit dem Zins- zuschriß für fünf Jahre. Auch fei das Personal sicher- gestellt, wofür die Stadt Gießen nicht hätte garantieren können. Benner freut sich, daß er abgelöst wird und hofft, daß Der Betrieb wirtschaftlicher gestaltet werden kann. Die Stadt Gießen solle Wieseck den Schritt nicht verübeln, denn jede Gemeinde tue für sich das Beste. Zum Schluß teilte er mit, daß die Erhöhung des Fahrpreises für die Winter- faljraäfte ab 1. Dezember wieder falle, da dieser Beschluß wenig Sympathie heroorgerufen habe. Dann tarn eine Entschließung zur Der- lesung, die einftimmia angenommen wurde; sie lautet: „Die am Freitag, 30. November, statt gefundene stark besuchte öffentliche Bürgeroersammlung billigt die Entscheidungen des Gemeindeoorstandes in der Verkehrs- rage zwischen Wieseck und Gießen. Die Bürger- chaft ist sich mit dem Gemeindeoorstand einig darin, daß die elektrische Straßenbahn das gegebene Verkehrsmittel für Wieseck ist, daß die Errichtung derselben jedoch auf einer Basis geschehen muß, die für die Steuerzahler Wiesecks tragbar ist." Eine Aussprache fanb nicht statt, Da bie Bürgerschaft vor vollendete Tatsachen gestellt war. Verschiedene Anfragen wurden von Bürgermeister S ch o m b e r und Gemeinderat Denner beantwortet. Dürgermeister S ch o m b e r teilte zum Schluß mit, bah er kein Freund von Dürgerversammlun- gen sei, aber es mühten auch unberechtigte Vorwürfe durüdgetoiefen werden. Er stelle fest, dah nun volle Aufklärung gegeben sei und jeder befriedigt nach Hause gehen lönne, wenn er auch anerkenne, daß vom Gemeindevorstand, tote von jedem anderen Fehler gemacht würden. Die Verhandlungen mit der Stadt wären zum Abschluh gekommen, wenn die finanzielle Spannung mcht zu groh war. im Rechnungsjahr 1929 wiederum Vorauszahlungen auf ben alten, ben Erfordernissen einer gerechten Steuerveranlagung Widers brechenden Unterlagen gefordert würden." Oie Mainzer Cingemeindungspläne. WER. Mainz, 30. Rov. In Der Stadt- verorDnetenfihung äußerte sich Bürgermeister Dr. Ghrhard zu den Mainzer Eingemeindungsplänen. Er führte u. a. aus: Unter Den heutigen schwierigen Verhältnissen müssen alle Kräfte eines Wirtschaftsgebiets angespannt werben, um mit möglichst geringem Qluftoanb an Mitteln möglichst große Erfolge zu erzielen. Da ist es nicht mehr möglich, bah man sich auf einem Gebiet, wie es Das hessische Gebiet an Der Rhein-Main-Mündung ist, ben Luxus einer Vielheit von Gemeindeverwaltungen leistet. Der Zusammenschluß der Gemeinden dieses Gebiets zu einer einheitlichen politischen Gemeinde ist daher eine unbedingte Rotwendigkeit. Die Stadt steht daher schon seit längerer Zett in mehr ober minder eingehenden Zusammenlegungsverhandlungen mtt den Gemeinden Weisenau, Hechtsheim, Bretzenheim, Gonsenheim, Budenheim und Gustavsburg-Ginsheim. Sie hat neuerdings auch Laubenheim unb Bischofsheim aufgeforbert, mit ihr Verhandlungen aufzunehmen. Ob noch andere Gemeinden in diese Verhandlungen einzubeziehen sind, toitb durch Die zuständigen Körperschaften noch zu prüfen fein. Die Stadtverwaltung ist nunmehr getoillt. Die Frage jetzt mit aller Energie einer Lösung entgegenzuführen. Die Stabt darf Dabei mit Befriedigung feststellen, bah sie in diesem Vorgehen das volle Verständnis bei Der hessischen Regierung unb der Provinzialbirektion findet. Oer Fern-v-Zug Verkehr wird beträchtlich erweitert. Die Reichsbahnverwaltung beret et, tote ber „Berliner Lok.-Anz." erfährt, für den nächstjährigen Sommerfahrplan eine Reihe bedeutungsvoller Verbefser ungen im Schnellzugverkehr vor. Das wertvollste wird bie Einführung neuer, besonbers schnell fahrender llv-Züge do.i Berlin und Hamburg nach ben Hauptstäb.en des rheinisch- westfälischen Jndustriegebie.es unb nach Paris und Brüssel sein. Diese Expreßzüge (mit 1. und 2. Klasse) werden auf längeren Strecken eine Reisegeschwindigkeit von 92 Kilome er entwickeln und ein? Reihe besonderer Eigenschaften zeigen, durch bie sie eine führende Rolle im gesamten inte'rnationalm Sch.ellzugvertehr übernehmen Dürften. Infolge ihrer passenden Lage von 8 Ubc von Berlin, zurück an Berlin kurz nach 24 Uftr, wird es zum ersten Wale möglich fein, eine Reife nach Köln unb zurück in einem Tage ohne Rachtfahrt zurückzulegen. Zum erstenmal wirb man aber auch in reiner Tagesfahrt (ohne Rach reise) von Berlin und Hamburg bireft nach Paris sah.en können unb hier schon kurz nach 23 Uhr einrreffen, während man Brüssel bereits gegen 20 Uhr erreich'. Auch der Südosten wird nun llv-Züge erh.len, allerdings un er Umtoanblung der bestehenden Brei* klassigen Schnellzüge. Die künftigen FD-3ügc werden die S.recke Berlin—Breslau in vier S un- Den durcheilen und bie vorhandenen Verbindungen Berlin—Wien und zurück um etwa Drei* viertel Stunden beschleunigen. Umfangreichere Verbesserungen werden im südlichen Reiseverkehr getrojen werden. Die Ra ch- mittags-llv-Züge Berlin — Frankfurt a. 21t. — 'S a i e l werden künstig das ganze Jahr hindurch laufen, mit verbesserten Anschlüssen über Bern—Lö schberg—Simplon- bahn nach Turin—Riz'a—San Remo. Roch Fertigstellung der Elek risizierung auf der Drenner- bahn soll" der Schn:llzug Berlin—2iom bettächt- lich beschleunigt werden, teilweise um mehrere Stunden. An sonstigen beinerkenswerten Reuerungen sind neue direkte V-Züge Paris—Wien über Stuttgart—München zu nennen. Wirtschaft. Wechseikredit und Kreditsicherheit. Die Neubeanspruchung von Wechselkrediten hat nach dem Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung im Oktober stark juaenom- men. Dre Wechselziehungen sind von 4276 Millionen Mark im September auf 4742 Millionen Mk. Im Oktober gestiegen. Indes pflegen alljährlich die Wechselziehungen im Oktober unter dem Einfluß des gesteigerten Kreditbedarfs der Wittschaft zur Finanzierung des jahreszettlich hohen Umfatz- volumens (Ernteumschlaa, Vorbcreitunaen auf das Weihnachtsgeschäft) sich stärker zu erhöhen. Schöltet man die übliche Saisonbewegung aus, so zeigt sich, daß sich die Neubeanspruchung in diesem Jahre durchaus in normalen Grenzen hält, daß also die Neubeanspruchung des Wechselkredits — von den saisonmäßigen Momenten abgesehen — annähernd die gleiche Höhe, wie im Vormonat hat. Die Tatsache, daß die Wirtschaft nicht mehr, wie bis Mitte des Jahres, in steigendem Umfang zur Finanzierung der Umsätze Wechselkredite in Anspruch nimmt, ist ein deutliches Zeichen Dafür, daß die konjunkturellen Spannungen allmählich abnehmen. Die Kreditsicherheit hat sich in den letzten Wochen etwas vermindert; jedoch ist die Zunahnie Der Konkurse, Wechselproteste und Vergleichsverfahren, die feit September anhält, nach Den Erfahrungen aus früheren Jahren — ebenso wie der Rückgang in den Sommermonaten — als faisonmäßige Bewegung zu betrachten. Trotz der jüngsten Steigerung halten sich die Insolvenzen unter dem in den ersten Monaten des lausenden Jahres erreichten Höchststand. Im Vorjahr wurde dagegen infolge der zunehmenden konjunkturellen Spannungen schon im September das (saisonmäßige) Maximum vom Frühjahr 1927 beträchtlich überschritten. Die Zunahme der Zahlungseinstellungen darf daher kaum als Symptom verschärfter Konjunkturspannungen betrachtet werden, so lange sie sich int bisherigen Umfang hält. Bis März ist aus rein faifonmäfjigen Gründen mit einer Steigerung der Konkurse, Vergleichsverfahren und Wechselproteste zu rechnen. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Angeregt Durch sich veroreitenDe Spezialbetoe- gungen war Die Haltung an Den Effektenmärkten in Dieser Woche allgemein recht f e st. Die bisherige Ergebnislosigkeit Der Besprechungen zur Beilegung Des Eisenkonsliktes vermochte Die Aufwärtsbewegung Der Kurse nicht zu hemmen, trotzdem bie Situation sich eher noch verschärft hat unb eine Einigung in weitere Fernen gerückt ist. Die Börse lieh sich hierburch unb Durch andere ungünstige Momente wie schon in Den vergangenen Wochen nicht wesentlich beeinflussen, unb Die Divergenz zwischen schlechter wirtschastlicher unb politischer Allgemeinsituation und Dem Optimismus der Börse wurde von Tag zu Tag auffälliger. So fanden Die neuerdings bei Den Reparationsbesprechungen zutage getretenen Schwierigkeiten an Der Börse zwar Beachtung, blieben aber ohne sichtbare Einwirkung auf Die TenDenz. Zeitweise einigen Einfluß im ungünstigen Sinne konnte nur Die Ultimoabtoidlung ausüben. Am Tage vor Der Prämienerllärung kam auf verschiedenen Marktgebieten in größerem Umfange Material heraus, Da vielfach Positionslösungen Dorgenom* men tourDen, um bie hohen Prolongationskosten zu sparen. Daneben Dürfte aber auch Die Baissespekulation Durch Bianco abgaben versucht haben, Das Kursniveau zu erschüttern. Dies gelang jedoch nicht; bie weitere starke Beteiligung des Auslandes an dem lebhaften Geschäft auf einigen Spezicllrnärkten zwang Die Spekulation bald, zu Deckungskäufen zu schreiten, zumal auch das private Publckum wieder, wenn auch nur zögernd, mit kleineren Kaufaufträgen an Den Markt kam. Die ilebertoinöung des Ultimo wurde wesentlich erleichtert durch bie I relativ flüssige Veranlagung des Geldmarktes. Die Reportgeldbeanspruchung war nicht übermäßig groß, und auch der Tagesgeldmarkt blieb leicht. Auch für den bevorstehenden Sahres- ultimo scheint man am Geldmarkt bereits größere Vorkehrungen zu treffen. Soweit aus den letzten Monatsbilanzen der Großbanken er- sichtlich ist. scheint die kurzfristige Aus- landverschuldung aber weiter beträchtlich zu sein. Die Außenhandelsbilanz für Oktober blieb gänzlich ohne Einfluß: infolge neuer Erhebungsmethoden ist ein Vergleich gegen den Vormonat unmöglich. Die allgemeine feste Haltung stützte sich in der Hauptsache auf die anhaltende Hausse in Elektrower- ten, die in dieser Woche wieder stark in den Vordergrund traten. Nachdem anfänglich auf die Kapitalerhöhungsbeschlüsse bei Licht & Kraft und Siemens eher etwas Abgabeneigung bestand, da dos beschränkte Vezugsrecht die Erwartungen der Börse offenbar etwas enttäuschte, setzten später in verstärktem Maße die Käufe wieder ein, fo daß verschiedene Werte neue Rekordkurse erreichten. Sn großen Posten aus dem Markte genommen wurden vor allem AEG., Bergmann, Licht & Kraft, Gesfürel, Lahmeyer, Schuckert und Siemens, die 10 Prozent und darüber gewinnen konnten. Ziemlich lebhaft war das Snteresse ferner für S.-G.-Farben: die vagen Dividendenerhöhungshoffnungen erhielten sich, anregend wirkten auch die aus Aeußerungen des Geheimrats v. Weinberg in 2lmsterdam bekanntgewordenen Produktionsziffern des Leunabenzins. Namentlich auch seitens des Auslandes stark verlangt waren außerdem wieder Reichsbankanteile. Stärker hervor traten noch Deutsche Linoleum, Kaliaktien und Hoch- und Tiefbau. Montanwene und Schiffahrtsaktien waren stark vernachlässtgt. Am Markte der Autoaktien überraschte ein Plötz- lich aufgetretenes starkes Angebot in Kleyer, die bei geringer Aufnahmewilligkeit des Marktes bis auf etwa 88 Prozent absanken. Man verwies in Börsenkreisen auf die immer noch sehr hohen Bankschulden des Unternehmens und be- fürchtete einen Dividendenausfall. Da das Geschäftsjahr erst am 30. 9. abgelaufen ist, ist jedoch nach Verwaltungsäuberungen die Divi- dendenfrage noch vollkommen offen. Die Anleihemärkte lagen unverändert still: nur Anatolier waren in Erwartung des baldigen Abschlusses der Verhandlungen teilweise etwas gefragt und fester. Wochenbericht vom Sranffurter produktenrnarki. Sn der neuen Derichtswoche blieb das Geschäft am Frankfurter ProdukteTunarkt weiter sehr klein. Nachrichten, die einen ungünstigen Einfluß hatten ausüben können, lagen nicht vor, auch waren die üb'rseeischen Märkte wenig verändert, so daß auch von dieser Seite keine Anregung aus ging. Die Händler übten daher weiter große Zurückhaltung. Die allgemeine Geschäftslage ist lustlos und läßt sehr viel zu wünschen übrig. Die allgemeine Lage der internationalen Getreidemärkte, die als nur mittelmäßig zu bezeichnen ist, übte einen starken Druck auf den hiesigen Markt aus. Das wenige angebotene Material von feiten der Provinz fand ohne Schwierigkeiten Aufnahme, aber zwar nur von den Mühlen Von einer Deteiltgung des Exports war kaum etwas zu bemerken Sm Verlaufe der Woche bestand jedoch etwas Deckungsbegehr von Expvrtseite. so daß die Grundstünmung etwas zuversichtlicher wurde. Die daraufhin höheren Forderungen der Provinz konnten sich aber nicht durchsetzen, da niedriger lautende Auslarrdnotie- rungen die vorübergehende Hoffnung auf eine Geschäftsbelebung bald wieder zunichte machten Die Preisgestaltung wurde jedoch kaum davon berührt, vnZ> es erfuhren nur einzelne Getreidesorten geringere Abschwächungen Sm Zusammenhang mit dem schleppenden Mehlgeschäft war Weizenmehl vernachlässiat und rückgängig. Roggen blieb dagegen auf vereinzelte Nachfrage knapp behauptet. Sommergerste für Brauzwecke, die verschiedentlich noch von Brauereien gekauft wurde, blieb aus diesem Grunde gut behauptet. Snländischer Hafer war angeboten, und zwar besonders geringe Sorten. Wei» zenmehl war schleppend bei nachgebendenr Kurs. Roggen mehl dagegen gut behauptet. Am Futtermittel markt machte sich von feiten der Landwirtschaft wieder größerer Dek- kungsbegehr geltend. So konnte Roggenkleie, die in größeren Posten gehandelt wurde, bis 050 Mk. anziehen Auch Weizenkleie war daraufhin gefragt und erhöht. Mais für Futterzwecke hatte dagegen minimale Umsätze bei aber gut behauptetem Preis. Zum Wochenschluh war das Geschäft eng begrenzt. Die Stimmung war im allgemeinen ziemlich lustlos, da schwache Auslandrwtierungen weiter auf das Niveau drückten Die Provinz zeigt ich aber ziemlich entgegenkommend. Auch die Mühlen waren wieder stärker zurückhaltend. Nur ür 'Weizen- und Roggenkleie besteht werter einige Nachfrage. . Sm Vergleich zu den Notierungen der vergangenen Woche gaben Weizen und Weizenmehl e 0,25 Mk. nach. Sommergerste, inl. Hafer, Mais ür ’ Futterzwecke und Roggemnehl blieben gut behauptet. Roggen gab 0,12 Mk. nach, Noggen- kleie konnte dagegen bis 0,50 Mk. uni) Weizenkleie bis zu 0,25 ML anziehcu. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 22,85, Roggen 2185. Sommergerste 24 bis 24,25, inl. Hafer 22 25 bis 23,25, Mais für Futterzwecke 22,25, Weizenmchl 33 bis 33,75, Roggenmehl 29,25 bis 30 Weizenkleie 13,60 bis 13,75 und Roggen- kle'ie 14.25 Mk. Wochenbericht oom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Eine Belebung des Geschäftes am Frankfurter Schlachtviehmarkt war auch in dieser Woche nicht zu verzeichnen. Am Schweinern arft blieb das Geschäft schleppeiid. Sn Rindern hatte der größere Austrieb ein allgemeines Nachgeben der Preise zur Folge. Die Märkte wurden jedoch an beiden Markttagen fast vollkommen geräumt. Die Beteiligung des Exports am Handel war mittelmäßig. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1700 Rindern, Darunter befanden sich 390 Ochsen, 87 Bullen. 634 Kühe und 458 Färsen, ferner aus 1690 Kälbern. 532 Schafen und 5232 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 157 Rinder und 175 Kälber mehr angetrieben: während 240 Schafe und 355 Schweine weniger zum Verkauf standen. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen AI 53—56. II 46—52. B 1 40-45. Bullen A 46—50. B 40—45. Kühe A 40-44, B 35—39, C 28—32, D 21—27, Färsen A 53—56, B 45—52, C 39-44, Kälber B 62-66. C 54-61. D 45-53, Schafe A i 44—49, B 40—43. C 30—39. Schweine B 74—77, C 75-78, D 74-77. Sm Vergleich zu den Notierungen der vergangenen Wock^ gaben Rinder bis zu zwei Mark, Kälber bis zu vier Mark nach, vchafe zogen Dagegen bis zu vier Mark, und Schweine bis zu einer Mark nach * Die Reichsindexziffer für die Le - benshaltungskosten im November. Die Reichsindexziffer für Die Lebenshaltungskosten (Ernährung Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Sratistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats November mit 152,3 gegen 152,1 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. Die Inderziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 - 100): Für Ernährung 152,0, für Wohnung 125,9, für Heizung und Beleuchtung 150,6, für Bekleidung 172,0, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 190,9. * Dyckerhoff & Widmann A.-G., Wiesbaden. Wie der Fwd. erfährt, fand am Freitag die Halbsahressitzung des Aufsichtsrates statt, die Bericht über das bisherige Geschäftsjahr, sowie Vorscylaae für besondere Transaktionen entgegennahm. lieber die Angaben des kürzlich veröffentlichten Börsenprospektes hinaus ist neben der Bs- kanntgabe der Durchführung von evtl. Trans, afttonen auch über die Dividendenaussicht eine Verlautbarung am Samstag zu erwarten. Alan rechnet für das Geschäftsjahr 1928 mit einer Dividendenerhöhung von 6 auf 8 o. S). • Der Zusammenbruch Der Hanauer Gewerbebank. Der in Dem Konkursverfahren über das Vermögen Der Gewerbebank Hanau e. D. m. b. H. abgehaltene Termin zur Beschlußfassung über D'.e von Dem Konkursverwalter eingerichtete Vorschußberechnung gestaltete sich zu einer recht erregten Sitzung. Der Fehlbetrag beträgt 512 315 Mk. Wenn Die haftpflichtigen Genossen — kleine Handwerker unD Gewerbetreibende — alle ihre 400-Mark-An teile bezahlen, kommen erst 226 800 Mk. zusammen, also noch nicht 50 Prozent Der unterschlagenen und veruntreuten Summe. Dis Konkurs^sten sind mit 75 000 Mk. veranschlagt. Die Wiesbadener Dmck hat 195 000 ML, Die DresDner Dank 27 000 Mk. SorDerungciL 750 Gläubiger haben Durch Die • Mittelrheinischen Genossenschaften 229 975 Mk. ForDerungen gestellt und 40 Prozent von Der Hanauer Vereinsbank erhalten. Zwei Genossen haben Strafantrag gegen den Aufsichtsrat gesteift. 160 Genossen gaben eine Erklärung ab, Daß sie Die Zahlung Der Haftsumme verweigern unter Hinweis auf Die Llnterschlagung Des VorstanDes. Soweit Dieser nicht haften rann, müßte Der Verband Der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften am Mittelrhein heran- gezogen werden. • Schubert & Salzer Maschinenfabrik A.-G. Der Aufsichtsrat beschloß, aus Den zur Verfügung Der Gesellschaft stehenden 1 750 000 Mk. Aktien aus Der Kapitalerhöhung vom Frühjahr D. 3. nicht ganz Die Hälfte als Kaufpreis für ein Grundstück zu verwenden. 875 000 Mk. Aktien sollen dm Aktionären im Verhältnis von 20:1 zu 175 v. H. zum Bezüge angeboten werden. Diese 2lktien nehmen an Der Dividende ab 1. Sanuar 1928 teil und fiixD an Den Börsen bereits lieferbar. Der alsdann noch verbleibende Rest der Aktien soll, Da er für ein Bezugsangebot an Die Aktionäre zu gering ist, bestmöglich zugunsten der Gesellschaft verkauft werden. Der Umsatz hat sich im Lause des Geschäftsjahres durchaus befriediaend entwickelt, so daß, vorausgesetzt, daß unvorhergesehene Ereignisse nicht ein treten, auf das erhöhte Aktienkapital mit der gleichen Dividende tote für 1927 (16 v. H.) gerechnet werden kann. Franisurtcr Börse. F r a n k f u r t a. M., 1. Dez. Tendenz: fest. — Bom Spezialmarkt ausgehend, eröffnete die heutige Börse weiter in f e st e r Haltung. Das Geschäft war sehr rege, da sich das Ausland und das Publikum weiter lebhaft am Markt beteiligt haben soll. Der etwas flüssigere Geldmarkt und der glatte Verlauf des Zahltages gaben dem Markte eine gewisse Anregung. Auch die Hoffnung einer baldigen Beilegung des Eifenkonfliktes erhielten sich, und die Spekulation schritt aus Anlaß der bestehenden günstigen Momente zu weiteren Deckungen. Der unregelmäßige Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse fand keine Beachtung. Gegenüber der gestrigen Abendbörse waren im allgemeinen Kurserhöhungen bis zu 2 v.H. zu verzeichnen, doch waren heute die Umsätze nicht so groß, wie an den Vortagen und beschrankten sich nur auf Spezialwerte. Im Vordergrund des Interesses standen Z e l l st o f f w e r t e. die lebhaft gefragt waren, und von denen Zellstoff Waldhof 6,5 v. H. gewinnen konnten. Auch Aschaffenburger Zell st off waren im Zusammenhang damit 3,5 v. H. erhöht. Wie schon an der gestrigen Wendbörse, bestand auch heute wieder lebhaftes Interesse für Farben mit plus 3 v. H. Am Elektrornarkt waren nur Licht und Kraft mit plus 2 v.H., Elektrische Lieferungen mit plus 1,9 v. H., Siemens mit plus 0,5 V.H. und Schuckert mit plus 2 v. H. lebhafter verlangt, während die übrigen Papiere im Hintergrund standen. Auch am Montanina r k t waren gegenüber der gestrigen Börse die Umsätze etwas kleiner, jedoch üoerwogen die Kurserhöhun- gcn bis zu 2 v.H. Nur Rheinische Braun- kohlen auf die Realisationen vorübergehend an- geboten und etwas schwacher. Am Banken- markt blieben Reichsbank mit plus 3 v.H. und Berliner Handelsgesellschaft mit plus 2,5 d: H. gesucht. Kleyer konnten sich nach der gestrigen Abschwächung wieder etwas erholen. Die Rentenmärkte lagen still. Ausländer eher schwächer. Im Verlause wurde das Geschäft sehr ruhig und beschränkte sich nur noch auf einzelne Werte, die teilweise auf Realisationen ange- boten waren, so daß kleinere Kursrückgänge ein- traten. Rhsinstahl blieben gut behauptet. Reichsbank konnten weiter etwas anziehen. Farben dagegen 0,25 v. H., AEG. 0,75 v. H. und Schuckert 1 v.H. niedriger. Die Grundstim- mung blieb jedoch freundlich, und die erneut cmfgetauchten Schwierigkeiten, die eine Verzögerung der Verhandlungen im Eisenkonflikt nach sich ziehen, machten feinen großen Eindruck. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1951, gegen Pfund 20,358, London gegen Kabel 4,851250, Paris 124,11, gegen Mailand 92,60, Madrid 30,00, gegen Holland 12,07. Bc. icr Börse. Berlin, 1. Dez. Obwohl wider Erwarten gestern in der Dermittlungsaktion des Reichsinnenministeriums S e v e r i n g feilens der Arbeitnehmer Schwierigkeiten gemacht wurden und durch Den Widerstand der Gewerkschaften erneut eine Verzögerung in dieser wichtigen Angeleaenheit eingetreten war, ließ sich auch die heutige Börse nicht beeinflussen und blieb im Grundtone weiter f e st. Obwohl Samstag war, lagen bei den Banken doch schon wieder Orders in größerem Umfange vor. Besonders für S p e z i a l w e r t e traten erneut gute Käufer auf. Farben wurden heute auch vom Auslande bevorzugt, und seit langer Zeit zum erstenmal ruckte dieser'Markt in Den Mittelpunkt Des Interesses und wurde tendenzführend. Das lebhafte Geschäft verzögerte naturgemäß wieder die Kursfestsetzung. Am El e k t r o m a r k t konnte man anfänglich wieder Realisationen der Spekulation beobachten, so daß hier Kursrückgänge weiter anhielten. Dagegen lagen Montanwerte erneut 1 bis 2 v. H. über gestern mittag, zum Teil sogar noch über dem gestrigen Abendkurs. Essener Steinkohlen gewannen 3,5 v. H, Ho h e n l o h e 2^ v. H. und L a u rah ü 11 e ogar 5,5 v.H. Sonst hallen noch Norddeutsch« Wolle mit plus 6,4 v. H., F e l d m ü h l e mit plus 4,5 v. H., Waldhof plus 7,4 v. H.» Chemische Heyden plus 3,4 v. H. und Chadeaktien mit plus 4 Mark größere Gewinne aufzuweisen. Warenhausaktien und Kunstseiden- werte notierten eher schwächer, Reichsbank- ante i l e , die schon anfänglich 2,75 v. H. gewannen, wurden im Verlaufe bei größerem Geschäft prozentual höher eingesetzt. Anleihen befestigt. Ausländer ruhiger. Pfandbriefe wenig verändert. Die Tendenz wurde auf das Fehlen neuer Limite etwas undurchsichtig und das Geschäft ruhiger. Der Geldmarkt lag wenig verändert. Tagesgeld nannte man mit 8 bis 9,5 v. H., Monatsgeld 8 bis 9 v. H. Der Verlauf wirkte weiter kursbefestigend. Die schon erwähnten Reichsbankanteile gingen 3 o. H. höher um, Schuckert gewannen 2 o. H., Konti Kautschuk 2,50 v. H., H o l z m a n n plus 4,5 v.H., Spritwerte plus 2 v.H., Schiffahrtsaktien unter Führung von Hansa und Hamburg-Süd waren ebenfalls bis 2 v. H. höher. Später fonnten sich aber diese Kurse nicht immer behaupten. Realisationen zum Wochenschluß schienen einen Druck auszuüben. Hochschulnachrichten. Zur Hochschulreform. Sn letzter Zell sind mehrfach BorschLge zur Errichtung neuer technischer Hochschulen gemacht worden. Diese Bestrebungen stützen sich auf Die Tatsache, Daß Der Andrang zum technischen Studium heute gegenüber Der Vorkriegszeit toefenf- lich gestiegen ist, und daß infolgedessen toegen Der Aebersüllung Der vorhandenen Snstllute wei- tere Hochschulen dringend notwendig seien. Solche Pläne treffen nicht Den Kern Des unbestreitbar vorhandenen Uebsls. Es wird Dabei nicht genügend berücksichtigt, daß Die Ausblldung Des tschnisch-naturtoilsenschaftlichen Akademikers _ an Den bestehenden Hcchschulen und Universität^ mit Der moDernen Entwicklung Der Technik seit Dem Kriege nicht mehr Schritt gehalten hat, denn es kommt nicht darauf an, möglichst viel« technisch-nalllrtoissenschaftliche Akademiker heran- zubllden, sondern erstklassige Kräfte zu gewinnen. Die den ständig wachsenden Anforderungen der Setztzell auch wirklich folgen können. ' Der „Bund angestellter Akademiker technisch-naturwissenschaftlicherBe- rufe" steift Daher folgende Forderungen auf: l.Der Zugang zum techn'rfch-naturwissenschafb- lichen Studium ist Durch Steigerung Der QIn* forderungen auf natürliche Weise zu beschr tfen. 2.Die vorhanDenen Snstitute an Den Hochschulen und Universitäten sind, um Die Erfüllung Der ihnen obliegen Den Unterrichts- aufgaben zu ermöglichen. Den moDernen Anforderungen entsp rechen d auszustatten. Die Zahl Der Lehrkräfte ist in ein angemessenes Verhältnis zur Zahl der zum Studium Zugslassenen zu bringen. 3. Es ist ein Beirat bei Den zuständigen Ministerien zu bilden, in «welchem Die technisch-naturwissenschaftlichen Akademiker über Fragen Der Hochschulreform gehört werden, Damit Die Erfahrungen Der Praxis berücksichtigt wer Den können. 4. Die bereits im Wirtschaftsleben stehenden technisch-naturwissenschaftlichen Akademiker müssen Gelegenheit erhalten, sich an den bestehenden Anterrichts - Snstituten weiterzubilden. Auch muß mehr als bisher ein Gedankenaustausch in geeigneter Form zwischen Hochschulprofessoren, Studierenden und technischen Akademikern der Praxis ermöglicht werden. 5. D>e Errichtung neuer technischer Hochschulen und Lln'verslläten ist abzulehnen. Letzte Nachrichten. Zu den Verhaftungen in Mainz. Mainz, 1.Dez. (HL Drahtmeldung.) Zu den Mainzer Verhaftungen non der französischen Be- sahungsbehorde ist ergänzend mitzulellen, daß von den Erstverhafteten noch der Festungsmajor a. D. Kratz und dreiArbeiterin haft sind. Von den am Freitag Neunerhofteten sind alle freigelassen bis auf zwei, darunter ein gewisser prü h, der am vormittag noch in Frankfurt a. Bl. weilte. Prüß kam am Jreitagnachmittag in Mainz an und wurde f o - fort bei feiner Ankunft am Hauptbahn h a f festgenommen. Zu den Gründen der Verhaftung erfahren wir neuerdings, daß es sich darum handelt, daß kratz durch Vermittlung de» prüß Mitteilungen über Neuerungen an heeres- materlal weitergegeben hat. Bei kratz und Priitz soll belastendes Material gefunden worden fein, weitere Verhaftungen find beab- fichtigt. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Lerlt'.i 30. November" 140 13977 136.5 Devisenmarkt Berlin—Frank'-rt Telegrap hische Auszahlung. 85,5 88,25 88.5 20 88 i->7,25 22 Banknoten. Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombard;inSftiß S Prozent. Sie hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt 216 153 . ? . ? io . 8 . 8 10 . 8 . 8 287 109. 7 10 . 8 10 15 12 18 14 18 18 8 0 v 5 10 0 6 6 , 0 c 11 0 281.5 2UH 137.5 176 136.0 107.75 283 29 285 561 134.5 29 285 2j 564 471 .78.6.5 203.5 130.4 206.75 85 49,5 260.5 54 106,0 284,5 20.13 68 U9 140 .> 138 ! 286 >208 7j 1131.25 I 209.5 85 49.25 89,75 262.25 Holländische Noten ...... ftt.lienifcbe Noten...... Norwegische Noten . . . • Deulsch-Lcsttrr. 5100 Zkronev Rumänische Noten Schwedische Noten...... Schweiler Noten ...... Svanische Noten...... . Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Noten Phiitvp fuLsuiann . . . Heidelberger Gement . . Temen! Karl'tavt . • Wayß 4 Freitag . . . Schullbetü Pa-eirhof« . Oftroette . . . . Ver. Glanzttoss . . . Bemberg . . . . . Zellstoff Waldhos . . . RellfloM Ajchassenbura . Charlottenburger Walia Dessauer Gas . . . Daimler Motoren . . . Demag . . . . Cblerwede Sleva . . . Lubw. Loewr . . . . < Rat. Automobil . . . < Orenstein 4 Koppel • < Leonhard Tietz . . < Bamag.Megum . . • < Nranls. Maichine» . . < Sri-ncr . . . . Hediigenitaebt . • e < Jungbant . • • • < Lechwerte . • • • < «ainkaitwerk» . . . Mtag ■ • • • ■ Netariulmer . . ♦ • Peter« Union . . • • Aebr. Roeder . . . «oigi 4 Haettner . . Südd. Buder . . 119.25 j »,i| 113 I H_6 21.6 I IM 124.7. 220 । 143.5 r —ictit 168,69 12 00 111.96 58.995 -.53 112,17 80,91 7.59 12,44 73.17 a. m. । 6.5 23.9 105 Äeid s«>, 168.01 21.92 111.52 58.755 2.51 111.73 80,59 67,31 12,38 72.87 Frandlurt a. M Berlin Schluß vUhr. flure | ftnrs Sdj.uä । tUniang flurA | Äur» Datum: 30. 11 ! 1. 12 30. 1t. ! 1. 12 Zranbsuri a. M Berlin srauhfurt a. M | Berlin Lchlub-I 1-Uhr- Kur» । Kur» Sd).ub-| ’jlniang Kur» , Kur» Schluh-s Kur» | 1-Uhr- Kur» Schluß! Kur» Ansang Sur» Datum 30 11. | 1. 12 30 11 1 12. Darum: 30. II. | 1 12. "0. 1t. 1 12 6% Dt «eichranlethe o 1327 DL Snl.-Äbiös.-Schulv mb ilufr io,.-Rechten De Sgl ohne -iuows^Rechie 7% 8tantf Hyp.-Bl «olbps. unkündbar bis 1932 4K% Rheinische Hov.-Banl Stau »olvvl L.S.B aba Bortriegit-Vbltgakiou. rüchabtbai 1932 4% Hchweiz löunDeib^flnl.. 4% Oesterrclchische Goldrte.. 4,20% Ceften Sllbentc. 4% Oesterreich einhetu Rte 4% Ungarische ®ol6rte. - • 4% Ungarische StaakSr o. 1910 4^% otegl von 1918 4% Ungarische KronenNe.. 4% lütt Aollanleitje o 1911 . 4% Türmche Baadadbabn-Ant.. Serie 1 4% deogl. Serie 11 4% Rumänen fonoert Rte. . 144% Rumänen (Solbanl von 1913 SUg Deunche iLiteo'^chv Hamdurg'smerilo Solei t Aamb.-SüDam Damvilch . 8 Hansa Danwllchtll U> Norvbrutschet lilogB • ■ • 8 fillfl Deutsche iSreDttanft. 10 Barmer läanhnreln l< Berliner Handel-geseUsch. . 18 Kommerz- unD Prtvoi'BarU \ Dar mit u Runonolbonl > Deutsche Boni J' Dielonio-cheielltchasr flnt • J1 Dreovner Boni l* vititetdeuische Lreditda» . . • tReiallbanl ...... • • ' 87.25 , 51 15 14.825 00 i 80,7 1 96.5 2.5 1.85 _ i -I 25 1.7 12,9 10.55 20.65 147.9 145,75 292,5 194 02,9 173.u 164.9 173.75 - 144-75 M.75 । ii । i । | i i l 1 1 1 | i i 1 M > K 1 S l 1 S53c2ß?» । 5” «7.5 I »1,1 1 14.65 - 32.25 2.6o 25,9 25.13 1,75 12.9 13,6 12.65 30 147.9 183.5 183.75 146 140.25 144. u -92 194.5 302.2.1 75.25 t 4.5 i73..> 420 144,25 .35 1 «oo , I I -1 I 1- « 1 1 1 « Ä.S.G .......8 Bergmann • ....... 9 Elekrr. Ltelerunge».....io Lickt und firafl . . . » . 10 Hellen & Guilleaume. .... 6 Des. s. Slettr. Untern.. • • • 10 Hamb. 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L- 433 2. 163.. 182 4 89 141,25 124,2.5 126 137 137 244 112 So 133.7« 132 116.25 115.75 121.1. 93 5 286 ■42,25 94 -1.9 29.. 294 o20.5 266.1 126.25 99,4 107 194.75 242.1. 183.5 264,9 157.9 283 153,9 168 241.5 .62.25 435 164 183.5 69,6 142.75 127.75 127 138.4 137.7. 245 114.25 135 130,lo 115.1 116.4 122.75 288.T >44 154 Ja 2,4 294.5 296 523 71 128 100.75 PK) 30. Novemb.r 1 Dezemb r Amtliche Geld ttori rung 53vier Amtliche Jioueruno Geld Ärte Lmst--RoN Buen.-AtreS Brss.-Äntw ttbrtfHanla Kovendaa-n P!tnrfho(m 155729 । i,7u6 j8.245 111,76 111,77 112,00 103,63 1,770 58.385 111,98 111,99 112,22 168,31 i 1,767 98.25 | 111.72 111.77 111.98 168,65 1.771 58,38 ULM 111,99 112,20 HelünaiorS. 10.54 21,955 10.5o 21,995 lu.54 21.95 10,56 21,99 20,o26 30.„86 20.-27 20,567 'Veimorf • . 1,1905 4,1985 4.19iö 4.1985 P ci ri- . • » . 16,375 16,115 16.375 16.415 Schweiz • . >0.735 S0,d95 >0.74 0,90 tzvantea - 17,55 o7,69 .7,6-5 u?.7ft yavan Rio de San. 1 924 1.92« 1.922 1.926 1.5005 >.5025 <,500. 0.5025 Wien in D.» Ctft- abqeft o»,-25 61», 4o JÖ.V25 o9,44 Prag 12,418 12,4:16 12.417 12,457 Belsrad 7.ob4 7.378 7.-04 7,378 Budavcll - -3,04 •6.18 <3,04 <3.18 Bui aricn .027 «,0.3 ',037 j,ü.2> 1'ifTabon 18.71 18.75 18.70 18.74 Tamtg 81,28 1,44 M.28 81.44 ftonftunttn l, 104 .,108 2,103 2,107 Alben 5.425 5,435 >, 425 5,4-w 6-anaba 1,1945 1,2025 4,190 4,198 Um am» • 4,296 1 4.304 | 4.286 4.2M S-rtre - 10.855 | !0.895 -0.855 20.895 Berlin. 30. 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Mag es nun gelingen, die gesetzliche Beschränkung der Einfuhr von Ausland- filmen durch Eigmton.ingennerung des Verleihs und der Theater zu ersetzen — die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit des dsrtschrnFilms im eigenen Lande und im Auslände blerbt bestehen. Die Entwicklung des deutschen Fillns kennt kaum eine Zeit normaler Verhältnisse. Vor dem Kriege gab es keine nennenswerte deutsche Film- industrie. Während des Krieges entwickelte sie sich im Schutz der Blockade; so durfte sie unwidersprochen behiupten, die beste der Welt zu sein. Dann kam die Scheinblüte der Inflationszeit, die alle möglichen Ansätze zur Solidität verdarb. Die Festwährung zer.igte allenthalben Zusammenbrüche auch der groben Produzenten (erwähnt feien nur Ufa und Dewesti), trotz des Schutzes der Kontingentierung, ohne die es Matthäi am letzten gewesen wäre. Der amerikanische Film, im Ganzen besehen, war stärker, gesünder, besser. Er wurde nicht „auf Krampf" gedreht, hatte große Darsteller, mit denen sich die deutschen nicht vergleichen lassen. Er betrieb eine kluge und rücksichtslose Ausdehnungs- Politik mit HUfe seiner finanziellen Kraft, indem er alle irgendwie bedeutenden Darsteller nach Hollywood zog, weniger, um sie für sich zu verwenden, vielmehr, um die zu erobernden fremden Märkte zu en Blößen. Es gelang ihm, die schwedische, dänische, italienische Industrie völlig zu zerstören, die französische und deutsche entscheidend zu schwächen. Es kann nicht gleichgültig sein, was aus dem deutschen Film wird. Es geht auch nicht ausschließlich um dir Erh ltung des wirtschaftlichen Instruments und die Ausfuhr sehr belangvoller Mengen deutschen Geldes — es handelt sich um die Gefahr geistiger äleberfremdung. Der Film ist ein Suggestionsmittel ersten Banges, das bei weitem die Formungskraft des Wortes zu überbieten schein.. Der Film erreicht die Massen mit einer Intensität, die alle anderen Ernwirkungs- kräfte weit hinter sich läßt. Tom Mix und Douglas Fairbants, Adolph Wenjou und Duster Keatvn, Mary Pickford und Rorrna Talmagde sind zu Vollsheldm uni) Volksliebtingen geworden; Charlie Chaplin ist der mäch.igste Clown der Welt und entfesselt allabendlich Millionen- gelächtec. Der Film ist der große Trost geworden, absorbiert die Sehnsüchte, mildert die Röte der Dölkermassen. Die Frage nach der Zukunft des deutschen Films ist die nach seinem heutigen Zustand. Film ist reines Leistungsgeschäft. Schlägt er ein, so verzinst er sich schnell und gut. Die Gewinnspanne ist bei sehr kurzer Frist die denkbar größte. Es ist etwas Vabanque dabei — das lockt nicht immer die solidesten Geldgeber. Zum Filmgeschäft gehört Phantasie — nicht immer ein Vorzug gerade der solidesten Kaufleute. Hier liegt das deutsche Dilemma. Die deutsche Film- produktion, die es sich am wenigsten gestatten kann, haut am meisten daneben. Auf den einzelnen Erfolg kommen zu viele Bieten. Die älfa ist dafür typisch. Technisch ist alles ein- wandfrei, hier sind wir den Amerikanern völlig ebenbürtig, älnfere Operateure sind ausgezeichnet. Doch schon bei den Regisseuren hapert es; die ungesund schnellen Entwicklungen haben ein Gros von älnzulänglichkei'en hochgetragen. Zuerst die Stümper, dann die Prätentiösen („Metropolis"). Die Manuskripte sind ein böses Kapitel. An Darstellern haben wir weder ausreichenden, hochwertigen Bestand, noch aussichtsvollen, zu größeren Hoffnungen berechtigenden Rachwuchs. Die Komparserie ist mi.leiderweckendes Proletariat; es fehlt an der guten „Type" und völlig an den so wichtigen „Solisten" und „Edelkomparsen". Der deutsche Film bietet eben wegen seiner Leistungsunsicherhnl guten Kräften zu wenig Aussichten und zu wenig Lebrnsgewähr. Mit der Absicht, sich möglichst einmalig „gesund zu stoßen", kann keine gesunde Industrie entstehen, die sich erst einmal auf gute Spielregeln einigen müßte, um den Krampf zu verlieren und auf weite Sicht ernsthafte Arbeit zu unterbauen. Der große Konzern wiederum unterliegt der ©e» fahr, daß die frische und wirlliche Leistung durch Dureaukratie überlastet und erstickt wird; begabte Arbeitstemperamente haben leine Lust, sich am Instanzenzug zu erschöpfen. So kommen die entscheidenden Pole einer einzig möglichen Dauerleistung, der selbstbewußte Künstler und der, solide Kaufmann, höchst selten zueinander. So ist „die Branche" heute das, was der Berliner einen „dollen Laden" nennt: Leerlauf und unsichere De- (Ort der Hairdlung: Reubabelsberg, älfa-Ate- liers. Zwischen Mitternacht und Morgen. Beste Zeit für ungestörtes Filmen und — Zuschauen. Die Dekoratron steht. Stimmen surren. Signalpfiffe. Buntlebendiges Hin und Her, das dem Laien planlos erscheinen würde.) „Also, wenn Herr May pfeift, lauft ihr über den Damm, hier herüber zu dem Dankgebäude — aber langsam, wre gesittete Menschen! Wenn da auf der Verkehrsinsel der Sipo den Arm hebt, dann kommt Leben in die Dude und die Autos fahren los — dann rennen noch schnell ein paar von euch rüber, genau so schnell wie ihr lauft, wenn ihr euch eure Gage holt — habt ihr verstanden?" Der Statistenführer fragt mich und ich antworte bejahend, zugleich im Ramen aller meiner neuen „Kollegen", von denen ja keiner weiß, daß ich nur ein „Eingeschmuggelter", einer von der Presse bin, der mal zu seinem Vergnügen „mitmachen" will. älnd ich laufe los mit den anderen — mit den jungen Erwerbslosen, mit den Mädels in billigen Klerdchcn, mit den alten Leutchen, die sich hier ein paar Groschen verdienen wollen, mit den Hungernden und Frierenden, die einst von Stargagen und Divadasein träumten und heute zufrieden sind, wenn sie als „Komparserie" zwei, drei Tage in der Woche Arbeit und Verdienst finden. Einzelne sind darunter, die adrett gekleidet und nicht ungeschickt geschminkt sind, die sich Mühe geben, aufzufallen, weil ihr Traum von Glück und Ruhm, vom .Entdecktwerden" noch nicht ausgeträumt ist. Fünfhundert Menschen, engagiert zum Spazierengehen zwischen 10 Ühr abends und 6 älhr morgens... Ich schreite über den Damm und gehe rechts den "Bürgersteig herunter. Diszipliniert wie ein braver Staatsbürger. Gehe an hellerleuchteten Schaufenstern vorbei, lese Ramen bekannter Berliner Firmen, bleibe vor einem Strumpfladen stehen, in dem ein hübsches Mädel hauchfeine, seidene Gewebe über seine schlanken Beine zieht, schreite weiter. Mir zur Seite fährt ein drehbarer Turm, auf dem. verstellbar montiert, die Kamera steht, die Günther R i 11 a u bedient. Cs ist dies eine Reukonstruktion, die sich zweifellos — besonders bei weit ausgedehnten Szenen — bewähren wird. Auf der solide gebauten, langen „Straße", die richtig asphaltiert ist, rattern, fauchen, duften und tuten eine Unmenge Autos: die schweren, aus Sparsamkeitsgründen neuerdings nur mit Puppen besetzten Autobusse, ein- und zweistreifige Taxen und schnittige Privatwagen. Eine reguläre Großstadtstraße mit Feuermeldern, Verkehrs- triebsamkeit, Kraftvergeudung und Pfennig- fuchscrei, Willkür und Dureaukratie, Angst und Prahlerei. Die Lustbarkeitssteuer, gewiß eine sehr fragwürdige Angelegenheit, wird zum Sündenbock aller Röte ausgeschrien. Daß trotzdem zuweilen Filme herauslommen, die alle Hoffnungen auf deutsche Filmzukunft wieder erquickend beleben, ist fast ein Wunder — das Wunder des deutschen Trotzalledem, das wir ja nicht nur im Film erleben. Es wird hier nicht zum erstenmal verlangt, daß sich ernsthafte Leute um den deutschen Film zu kümmern haben; meist tun sie es falsch, indem sie den Film von der sogenannten Kulturwarte und der gänzlich unangebrachten „Thea ereinstel- lung" her mit Forderungen belehren wollen, die ahnungslos am Wesen des Films Vorbeigehen. Damit machen sie es den zynischen Routiniers leicht, die alle Misere fortzuwursteln. Die Zukunft liegt ausschließlich im wagnisbewußten Des- sermachen — und der Weg dazu ist nur da, wo Raubbau und Dureaukratie gleichermaßen ausgeschaltet bleiben! infein, mit plakatbeklebten Bauzäunen und tausend Lichteffekten in den Schaufensterauslagen und an deir Hausfronten ist unter Joe Mays künstlerischer Leitung in dem bis auf das letzte Fleckchen ausgenuhten Riesenatelier der Ufa in Reubabelsberg entstanden, und wenn der Film „Asphalt" fertiggestellt ist, wird niemand ahnen, was Außenausnahme und was Atelierszene ist. Atelierszene, die von 2000 Scheinwerfern beleuchtet wird! Mit der wohlgemeinten Aufforderung, uns nicht so dämlich anzustellen, werden wir zurück an den Strumpf laden dirigiert. Cs ist dort, offen- gestanden, am nettesten — von wegen der schlanken Mädchenbeine! Eine Anrempelungsszene soll steigen. May erklärt, erklärt mit Lammsgeduld. Ein Megaphon brüllt — ein dufter Berliner Junge, dem keß eine Haarlocke unter der „Bombe" hervorguckt, und ein echter Friedrichstraßenkava- [ier erscheinen, entpuppen sich bei näherem Hinschauen als Paul Hörbiger und Hans Albers. Das kleine Mädel, das Joe May aus der „Masse" hervorzerrt, ist stolz, auf Minuten des großen Albers Freundin zu fein — Hörbiger setzt feine echteste Dreigroschenjungenmiene auf. Wir müssen weiter — der Kameramann hält uns für echte Komparsen, will loswettern. Curt Despermann, eben — mitten in der Rächt, nach Beendigung feiner Dühnentätigkeit in Berlin — erschienen, begrüßt uns. Rittau ahnt Zusammenhänge, läßt uns lächelnd ziehen. Wir kommen zur Straßenkreuzung, die der Sipomann beherrscht. Mit seinen rhythmischen Armbewegungen. „Das ist doch...?" — „älnsinn — das ist ein echter...!"— ?— ? — I — Cs ist aber wirklich Gustav Fröhlich, der hier den gewaltigen Auto-- und Passantenverkehr regelt Rach den Vorschriften ferner „echten" Kollegen, die ihm Stunden zuvor Unterricht erteilten. Seit sechs llhr nachmittags toinft er „Halt!" und „Weitergehen!" — Jetzt ist es ein lllhr nachts! — Er lächelt grüßend zu uns herüber, wir denken sekundenlang an seinen eleganten Sportwagen, der draußen vor der Aufnahmehalle „parkt". Berlin ist imposairt — aber im Film ein wenig zusammengedrängt. Dreißig, vierzig Schritte bringen uns durch den Schwibbogen von „Cords" aus der Gegend der Leipziger Straße nach dem Halenfeer Westen, vor das „Universum", das jünaste Großkino der Ufa. plnd da gerade wieder die Signalpfeife der Regie ertönt und der Atelierhimmel sein gleißendes Licht erstrahlen läßt, mimen wir schnell noch ein bißchen Kinobesucher, die auf die Freundin! warten. Auf dem Rückweg befuchen wir noch einmal Dee Amann, den neuen weiblichen Ufa-Star^ der feit Stunden bei einem Juwelier (Karl P l a t e n) seine Auswahl trifft und auf seine „Szene" wartet. Sie begrüßt uns mit schönstem Divalächeln und spricht sehr gut Deutsch. Im Hintergrund probt man auf einem Autobusverdeck eine kleine, solide Keilerei. Film ist Bewegung, ist Stiinmungsmalerci, ist Arbeit. Anstrengende, aufreibende Arbeit und Mühe. In vielen Stunden, in ungezählten Proben werden Szenen aufgebaut, ausgeleuchtet und geschaffen die dann in ein. zwei, drei Minuten im Lichtspielhaus vorüberhuschen. Das bewies uns erneut diese interessante, von fünf Operateuren aufgenommene Rachtaufnahme zu dem neuen 3oe- May-Film der Erich-Pommer-Produktion. Sie werden sich natürlich den Film „Asphalt" ansehen, nicht wahr? Dann dmken Sie bitte an mein Filmdebüt vor dem Strumpfladen. Der am wurschtigsten aussieht — das bin ich Hoffentlich wird nicht gerade diese mehrmals geprobte und gedrehte Szene — als unbrauchbar herausge- schnitten... „Johanna von Orleans." Der Film der ungeschminkten Köpfe. Aus Derlin wird uns geschrieben: Als die französische Socitie Generale de Filme den Film „Johanna von Orleans" m jahrelanger Arbeit drehen lieh, kann sie — und das ist ihr nicht hcch genug anzurechnen — an den Kassen- und Publlkumserfolg kaum gedacht haben. Sie ließ ihrem Regisseur Carl Th. Dreyer weiteste Vollmacht, die er in seinem Sinne brauchte, ebenfalls ohne Rücksicht auf ?3ublihim und Kasse. — Also, das zuvor, dieser ranzösische repräsentative Film wird kein internationales Geschäft, vielleicht nicht einmal nationales, obwohl die französische Heldin in seiner Mitte steht. Es fehlt ihm alles, was das Publikum fordert: die Spannung, die äußere, das Massenaufgebot der reisigen Knappen und Ritter, die schimmernden Panzer, die tobenden Schlachten, die Sentimentalität und das „Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude". Denn das Manuskript hält sich streng an die vorhandenen Akten deS Hexenprozesses, den man der Jungfrau machte, nur, daß das Verfahren, das einige Wochen dauerte, m eine Handlung von etwa eineinhalb' Stunden zusammengedrängt wurde. So besteht denn der ganze Film eigentlich nur aus Fragen und Antworten juristischer oder theologischer Art. Zum Schluß der Scheiterhaufen. Roch einmal ein wütender Kampf zwischen den empörten Franzosen („Ihr habt eine Heilige verbrannt!") und der englischen Desatzung. Ende. Auf alles, womit man gemeinhin das Publikum bewegen und reizen kann, ist verzichtet worden. Cs gibt keine „Darrten", keine Spannung. Auch die Sprache der Körper, der Arme und Hände ist nahezu ausgeschaltet, der Film besteht — ein gewagter Versuch — fast nur aus den Groß- aufnahmen der Köpfe. Die Kamera gleitet immer nur an den Gesichtern Johannas oder iljrer Richter entlang, zeigt die Gestalten nur als Brustbilder, meidet Hintergründe und Architektur, ilnb alle diese Köpfe sind mrgeschminkt und perückenlos. llnd die Handlung so unromantisch — wie soll das Publikum an diesem Frage- uird Antwortspiel Gefallen finden? Aber dieser Versuch, in seiner Art der erste, ist geglückt. Wo der ganze Film sich so stark auf die Köpfe konzentriert, brauchte es um so hervorragenderer Darsteller. Das ist die Spielerin der Johanna, Fräülein Falconetti, ein männliches, unschönes Filmgesicht mit kurzgeschorenem Kops, aber sehr sprechenden Augen und unendlicher Wandlungsfähigkeit; nur, daß sie nach dem Willen des Manuskripts keine Steigerungen hervorbringen kann und sich alles vor- ----.----- I !>■ Achtung — Aufnahme! Von Erich (Wer, Äerlin. mal wirlliche Menschen sehen. um unsere blühenden Schönheiten, unsere technische Forlschrittlich.eit, um a leZ daZ, was jedem einen tiefen Eindruck gibt von unferm Volk und seinen Sühnen, von dem Land, das in jahrhundertelangem zähen Kampfe dem Meere ab» gerungen ist, das, obwohl man es heute für fast unmöglich hält, noch jetzt mit dem Was ec im Streit liegt Unter Land in all seiner Zerrissenheit und all seiner Vielseitigkeit in einem großen Film vereinigt — dieser Gedanke muß unsere Sympathie erwecken, und wir hoffen, daß diese drei Deutschen Erfolg haben und uns ein Bild unseres Landes geben, das die Karikatur Hollands verdrängt, die so oft aus unterem Lande gemacht wurde. B. D. Dr. L. K, ' y' > 1 Was wir im Film nicht mehr sehen wollen. Wie oft noch müssen wir das Landhäuschen sehen, in dem nachher eine ausgewachsene Vierzimmerwohnung verborgen ist. wie oft noch mutet man uns den Grafen mit dem Dienertroß eines regierenden Fürsten und dem Residenzschloß eines mittleren Königreiches zu. Auch die Komtesse, die sich benimmt, als ob sie früher einen anderen Beruf ausgeübt habe, wollen wir nicht mehr sehen, wir lassen uns nicht gern täuschen und die halbe Welt für die ganze vorsetzen. Erheiternd wirkt auf uns nicht nur der Apache, der selbst im trauten Kreise der Genossen höchst sittsam mit Messer und Gabel umgeht, sondern auch her hochvornehme Kavalier, der immer noch nicht weih, daß man bei uns jungen unverheirateten Damen nicht "die Hand küßt und daß man ihnen auch nicht, selbst wenn man sich später in sie verlieben soll, schon bei der Vorstellung minutenlang mit beleidigender Eindeutigkeit ins nicht einmal errötende Antlitz stiert. Wir toi'F?en immerhin, daß sich die Liebe selbst in ernsteren Fällen nicht ganz so rapide auswirkt. Auch die Diva rn der Badewanne ist uns peinlich, Liebe zur Reinlichkeit glauben wir ihr gern auch so und daß sie nur hinter einem Laken verborgen heraussteigt, wissen wir vorher; schöne Badewannen können wir uns außerdem im Schaufenster viel besser wurde, wie es stark und fest, vereint und ehrenhaft im Reich der Völler steht. S. A l l g e i e r — bereits seit sechzehn Jahren Operateur — war Maler in Freiburg im Breisgau und ein bekannter Skiläu.ec, der o tmald fein Land bei in tarne ticn_ len Ski Wet lä.rp en er.o gr ich vertrat. Seiner Liebe zur Ratur. zum Sport und besonders zu seinen Bergen verdankt er seinen Operateurberuf. Bereits als Achtzehnjähriger machte er im Jahre 1913 feinen ersten selbständigen Film „Mit der Kamera im Ewigen Eis", in dein er die verunglückte Schröder-Strantz- Pol-Expedition (Spitzbergen) schi berte. 1914 filmte er den Balkan krieg an der griechischen Front, danach einen Film „Auf Skiern auf den Monte Rosa". In die em Film spielte Dr. Fanck zum erstenmal als Schauspieler mit und kam hierdurch auf den Gedanken des Regis'eurberufs, der ihm später so viele Erfolge brachte. Rach dem Kriege wurde Allgeier der Operateur Faucks. unter des en Regie er die Filme „3m Kampf mit dem Berg", „Wunder des Schneeschuhs",„Fuchsjagd im Engadin", „Der Heilige Berg" und „Das weiße Stadion" drehte. Selbständig machte Allgeier den Film „Die Weiße Kunst, der selbst in Amerika großen Erfolg hatte und lange im dortigen „Capitol" lief. 1926 machte Allgeier für die Ufa auf Hundeschlitten und Robbenfängern eine Expedition nach Spitzbergen, Grönland und Island. In diesem Sommer drehte er den jetzt in Derlin herauskommenden Film „Kampf ums Matterhorn". llnd jetzt ist Holland an der Reihe. Die Deutsche Filmgesellschaft hat die Absicht, einen Film von Holland zu machen, wie es sich zeigt, wenn abends auf dem Coolsingel in Rotterdam die Lichtreklamen blinken, wenn die Drücke von Koningshafen in die Höhe gebt, wenn die Watten trocken liegen, wenn der Sturm gegen Westkapelle schlägt, wenn Alkmaars Käsemarkt in vollem Sange ist. wie es sich zeigt mit seiner neuen Baukunst, feinem Glockenspiel in seinen schönen Kirchen... auf tau end Weisen wird es sich uns zeigeiu Doch nicht in der Art von Baedekers Reiseführer, nicht als eine Aufzählung von Gebäuden, Städten und Sehenswürdigkeiten. nicht als „Postkartenfilm", der eintönige Bilder leblos aneinander reiht. Es geht hier um das lebendige Bild unseres Landes. Es geht hier Deutsche Jilmexpedstion in Holland. HetDaterland, Ende Rovember. Holland mit seinen Dünen und Deichen, seinem Meer, seinen wunderbaren Wollen, seinem langen weihen Strand... Holland mit seinen großen Ha.enwerken. seinen Schleppkähnen und Bagger- maichinen, jeinen Kranen, Schleusen, Drücken und großen Dauwerken... Holland mit feinen Flughäfen und Radiostationen... Holland mit seinen vielen Merkmalen aus großer Vergangenheit... Hollands stolze Fassaden aus vergangenen Jahrhunderten, das lebende Holland von heute mit feinet kernigen Jugend, seiner starken Devölke- nmg... fürwahr ein lohnender Filmstoff! Holland ist ein Land der weiten Mächen; Wiegen, Weidland, Aecker und Felder. Jeder Bauernhof darin ist ein Monument, in weiter Ebene wuchtig emporragend. Holland ist ein Land, dessen Grenzen — von einem Schnellzug gesehen — fast grotesk wirken, das uns jedoch eine reiche Menge von Eindrücken aller Art bietet: Das blühende Waschern und der Moerdyk, die mittelalterliche Pforte des tausendjährigen Amers- fort, die Philipp-Fabriken, d e einsamen Dünen untVbie Heerengracht Amsterdams. Holland, das Land — sehenswürdig und interessant — als Zipfel Europas, als starke Ratton... das ist ein Filmstoff, der so gut ist, daß er keinen Heid und keine Heldin braucht, keine Intrigen und kein „happy end“. Holland mit seinem Onde Delft und feinem Giethorn, seinen Ijmuider Schleuscn und seinen EnHnizer Tünnen, seinen Zuidersce Werken, seinem Stadion Amsterdams, seinem Blumenhoof Haags ist es wert, verfilmt zu werden. Dies sind die Gründe, die Dr. Arnolo Fanck auf den Gedanken brachten, einen Film unseres Landes zu machen. Dr. Fanck ist Regisseur und Autor vieler großer Filmwerke. u. a. von „Der Heilige Berg". Eine kleine Filmexpeditton ist hierher gekommen, um in Holland zu filmen, nicht — wie es der Ausländer so gerne sieht — mit langen Pfeisen, weiten Hosen und Holzschuhen, sondern wie das Land dem Wasser abgerungen ansehen. Wit können ferner nicht verstehen, weshalb das gefilmte Publikum in einem gefilmten Theater, durch eine Tanznunrmer, die uns höchst mittelmäßig vorkommt, in Raserei und Entzückung versetzt wird, nur weil die betreffende Tänzerin auch die Hauptrolle spielt. Wenn uns schon eine Filmdiva etwas vortanzen soll, dann fehen wir es lieber, wenn sie auch was kann und wenn das filmende Publikum in Begeisterung ausbricht, dann erwarten wir eine außergewöhnliche Ur» fache, sonst kommen wir auf den Gedanken, man habe uns die Klaque gezeigt. Ferner sind uns unangenehm die Militärs-llme, in denen kein einziger richtiger Soldat vorkommt. Am liebsten sehen wir ja überhaupt fürderhin weder die Köchin uird ihren Ulan oder die Anna mit ihrem Kürassier, noch die Wihblatthpen von Rekruten, noch den Leutnant, der nicht weiß, wie man einen Vorgesetzten grüßt. Da diese Dinge aber doch Konjunktur sind, mögen die Regisseure sich wenigstens militärische Berater zulegen. Wir können auch nicht glauben, daß der Oberst des berühmten und vornehmen Regiments Deutschmeister in einer Portierswohnung gehaust hat und daß seine Töchter die Allüren einer solchen Wohnung an sich hatten, ebensowenig wie wir es für wahrscheinlich hallen, daß das gesamte Offizierkorps dieser feudalen Truppe an chronischem Dalles litt. Lebensecht kommt uns meistens nur der Sergeant vor, offenbar sind Sergeanten leichter zu spielen als Offiziere. Im übrigen möchten wir im Film das Leben sehen, wie es wirklich ist, wir möchten Damen sehen. die sich wie Damen benehmen, Zofen, die wie 3ofen aussehrn, Verkäuferinnen, die man nicht für verkleidete Filmdiven, und Filmdiven, die man nicht für verkleidete Kokotten hält. Wir wünschen uns ferner Lustspiele, bei denen man auch wirklich lachen kann und Schauspiele, die nicht in einem Wollenpanorama enden, Gerichtsverhandlungen, in denen die Leute auf wirkliche Beweise hin verurtellt werden und jugendliche Helden, die nicht nur bummeln und autofähren sondern auch noch irgendeinen plausiblen Beruf haben. Wir möchten gern vor allem, ja, was möchten wir. — wir mochten am liebsten im Fllm wegnehmen muh. Dorr bic Auswahl such der anderen Gesichter — Bischö.e, stRönche. Henlers- knechte und fahrendes Do.k - ist hervorragend ausdrucksvoll zusammengesetzt. Man erlebt Xy.tr: der Kaps genügt, um die dem Film erreich-« baren Stimmungen auszudrücken, wenn dieser Kopf nur zu einem wir. ich n Schau-SN ster gehört. Die Kopse sind sämtlich ungeichmintt. So verlieren sie dos Theatralisch-Zurechtgestuhte, die gleichmäßige kreidige Weiße der Haut, die jetzt mit allen ihren Tönungen lebensvoll mitspielt, fort fällt der immer unnatürliche Aufsatz der Perücken, dos Auge blickt klar, die Brauen und Wimpern sind nicht verstärkt und erinnern nicht mehr an kosmetische Bemühungen: insgesamt haben die Köpfe eine natürliche hvlzgeschnitter.e Härte und eine tiefere Plastik o/ls bisher. Stück ungeschminktes Leben rollt vorüber. — Man fragt sich nach den Aussichten älter dieser Reue» rungen, die wahrhaft revolutionär sind. ©W scheinen groß. Rur, sie sind hier nicht an einem richtigen, d. h. durchdringenden, erfolgreichen und daher überzeugungsvollen Objekt versucht worden. Dieser wunderbare Film wird, noch einmal muß es bedauert werden, kein großer Erfolg sein. Aber man kann seine Technik an anderen, lohnenderen Fabeln erproben. Ein solcher zweiter Der- such dürfte dann auch das Publikum mittelstem „Llngarische Rhapsodie." Ein neuer Grotzsilm Aus Berlin wird uns geschrieben: Der neue mit vieler Reklame angekündigte Film „Ungarische Rhapsodie" enthält einmal alles, was die sehr ausgiebige Propaganda verheißen hat. Die Textbuchverfasser, Fred Majo und Hans Szekely, haben sich nicht sehr weit von den Motiven entfernt, welche immer üblich waren, |iü) aber stets ols ungemein filmwirksam erwiesen haben: Der Leutnant Graf Turoczy liebt die Guts- nerwalterstochter Marika, kann aber weder die Kau- tion aufbringen, noch mag er die Uniform aus» ziehen, aber als die Frau seines Generalfeldmar- schalleutnants seinen Weg kreuzt, er eine schwule Lollmondnacht mit ihr verbringt und der Borge, setzte benachrichtigt wird und herbeiellt, opfert Marika, welche diese Vorgänge bebend verfolgt hat, ihren Ruf und rettet den Geliebten, der nun mit ihr ein neues Leben beginnen wird — auf der Scholle und bei heißer Arbeit. Das ist alles üblich, ober ausgezeichnet gemocht. So wundervoll, daß den Besuchern der Uraufführung kaum zum Bewußtsein kam, daß sie da eine alte Filmfabel ablausen sahen, nur in einem anderen Milieu, nur in einer vorbildlichen Ausführung. Ungarn ist der Hintergrund, m» einer Symphonie des rauschenden Getreides beginnt der Film, mit einem Hymnus auf die Arbeit ^des Sämanns. Schon dieser Auftakt verändert den -ton de<-' Ganzen, .das Filmpublikum der Großstadt, an Großstadtumgebung und Salonetikette auch un 3ilm gewöhnt, sieht sich plötzlich in eine andere Landschaft, in fremdes Land ver etzt, das immer mit romantischen Borstellungen verbunden wurde. nb dann beginnt Llngarn die Phantasie zu reizen: eine durchtanzt» Csardasnacht der Offiziere, langsam bis zu einem wilden feurigen Taumel anschwellend — kühle Morgenstimmung über den Feldern, frischer Wind vor Sonnenaus- gang, während sich die Sonne allmählich in bto schlafenden Dorsgasten schiebt — der Ausbruch der Honvedhusaren zu einer Hebung, dl» feierliche Pracht eines Erntefestes und der ^-anz der ungarischen Bauern - dazwischen aber immer der Zigeunerprimas, der ^ine Weisen ins Ohr geigt... da ist alles versammelt, was die Wn- • tafle von Ungarn fordert, und ledes Detail ist von dem Regisseur Hans Schwarz mit sorg- fäUipcr Liebe überdacht und ausgewcihft und von dem Kameramann Carl Hoffmann et,aßt worden. So ist dann aus dem Uebttchen des Stoßes ein ganz Aeues in der Aus.uhrung geworden. So ist denn aus dem lieblichen des für Leistungen dieser Art schon geschult ist auch wenn sie sich unausdringlich darb.ecen —, bewies der stürmische Beifall, der bei der Urauf» sührung immer wieder in die Bilder hlneinbrauste Darstellerisch wird die Handlung von Willi Fritsch, dem jungen Grasen, getragen, der fetzt, -nach den „Spionen" seine lächelnde Jungen- baftiqtcit abgelegt hat und männlich-reif geworden ist, von Dita Parlos Marika und von Lil Dagovers verführerischer Frau. 3n einer oanz kleinen Rolle wird H ö r b i g e r als Kellner öejubelt, obwohl er sicher nicht länger als zehn Filmmeter vor der Kamera steht, em Beweis, tote liebevoll und sorgfältig auch die Kleinigkeiten dieser Rhapsodie bedacht worden sind. Vertretertagung der Berkehrswachten. Rach längerer Pause hatte die Deutsche Berkehrswacht ihre Bczirksgruppen dieser Tage zu einer Tagung nach Berlin eingeladen. zu "der über 100 Vertreter, darunter auch aus Gießen, erschienen waren. Der Vorsitzende, Generaldirektor Kaufmann, Berlin, eröffnete die Sitzung mit einleitenden Worten über Zweck und Ziel der Verkehrswachtbewegung, die bekanntlich darin besteht, an der Verkehrsregelung durch die Mittel der Selbstzucht und des Selbstschutzes mitzuwirken und dadurchdie Verkehrssicherheit zu heben. Weiter begrüßte er die Vertreter der Behörden, Körperschaften, Auto- und Derufsverbände und die Presse. Vertreten waren u. a. das Reichs-Ver- kehrsministerium, die Reichsbahndirektion, der Deutsche Dtädtetag, der Automobilklub von Deutschland, der ADAC., der Deutsche Tourmg- [1116, der Deutsche Veikrhrsbund (Abteilung Be- rufskraftfahrer), der Arbeilecradfcchrerbund „Solidarität", die Arbeitsgemeinschaft von Reichsversicherungsträgern von Groß-Berlin, der Reichsverband der Fnhrbetriebe und der Berufsverband Deutscher Kraftfahrer. Rach den Ausführungen des Vorsitzenden hat sich die Deutsche Derkehrswacht, die die Dachorganisation für die in allen Teilen des Reiches bestehenden 71 örtlichen und bezirklichen Dev- kehrswachlen bildet, in den letzten Jahren neben der Verbreitung von Aufklärungsschriften, Vorführung von Derkehrsfilmen und ähr lihem, vorwiegend der Unfallverhütungspropa- ganda unter be r Jugend gewidmet. Rackerem das Reichsverkehrsministerium in diesem Jahre erstmalig in dgnkeaswerter Weise einen namhaften Be^ag zur Verfügung gestellt Hit wird die Tätigkeit der Zentrale auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Hauptsächlich Die Jagd im Dezember. wird drn örtlichen Der kehrs wachten reichliches Material für die Unfallverhütungspropaganda zur Verfügung aestclll. Sie werden außerdem durch Vortrage des Geschästsfühiers auf dem Gebiet der Ver- kehrsbrlehrung der Bevölkerung unterstützt. Der Geschäftsführer der Deutschen Verkehrs- Wacht verbreitete sich über die Aufgaben und das Tätigkeitsgebiet der Deutscher Deriehr^^^ als Dachorganisation und der örtlichen Verkeyrs- wachten. Dabei kam zum Ausdruck daß die Tätigkeit der Derkehrswacht ^selbstloser Weise einzig im Interesse der Bevölkerung geleistet würde und sie deshalb all- seitige Unterstützung verdiene. Die Berkehrswacht will nicht nur dem Publikum Leiterin, fonbern auch den Behörden sachverständige Beraterin sein. Reben der Aufklärung über die Verkehrs gefahren und 'v re Verhütung muh Wert daraus gelegt werden, alle am Straßenverkehr Beteiligten von der Rotwendigkeit der gegenseitigen Rücksichtnahme zu überzeugen. Rektor Hauer, Berlin, sprach unter dem Beifall der Versammlung über die Derkehrs- erziehungderJugend. An Hand treffender Beispiele aus dem Leben führte er den Bo- weis bet Unentbehrlichkeit einer planmäßigen Derkehrsbelehrung unserer Kin- der. Er konnte mitteilen, baß die Anfang dieses Jahres gegründete Deutsche Schnl-Verkehrswacht, die in enger Fühlung mit der Deutschen Verkehrs- Wacht arbeitet, so erfreuliche Fortschritte macyt, daß ihre Mitgliederliste bereits 500 Lehrkräfte umfaßt. Die örtlichen Berkehrswachten werden in ihren Bezirken die Bestrebungen der Deutschen Schul-Verkehrswacht unterstützen. Ihre Zusammenarbeit wird durch ein Mitteilungsblatt, bas von der Zentrale in Berlin herausgegeben wird, wirksam ergänzt. In der Aussprache wurde eine Reihe von Wünschen vorgebracht, deren Erfüllung in der Hauptsache zu gesagt werden konnte. Allgemein war von den Vertretern zu hören, daß im ganzen Reiche und in allen Kreisen der Devöllerung der Derkehrswacht-Arbeit lebhaftes Interesse entgegengebracht wird. Oie Natur im November. Schweigsam ist jetzt die Ratur, schweigsamer als in irgendeinem anderen Monat. Rrgen- s-ckwere Wol.en zieh.n täglich, von Westen kommend. In den Pausen des ewigen GetröpfelS aber macht der Rebelmond seinem Ra.nen Ehre und hemmt mit dichten, weißen Schleiern den Blick in die Weite. Lastend hängt sich die Feuch- tlgfeit an die letzten gelben und braunen Blätter und drückt sie zu Boden. Ueberall herrscht Todesruhr, wenn nicht Frau Sonne für einige Stunden Molken und Rebel vertreibt. Dann freilich ändert sich daS Blld. Dann wirbeln Außergewöhnlich mild ist der November verlaufen, nirgends hat das Wlld Not gelitten, und der Weidmann konnte sich ohne Sorgen den Freuden des Weidwerts bingeben. Rasch kann das Bild sich ändern, wenn der gestrenge Herr mit Frost und Schnee seinen Einzug hält. Dann mag der Jäger -eigen, was er wert ift „Das Schießen allein macht den Jäger nicht aus, wer weiter nichts kann, bleibe lieber zu Haus", mahnt Hermann Löns in seinem prächtigen „Mit Kraut und Lot", das er ein Buch für Jäger und Heger genannt hat. Leider ist die Zahl der „Weidmänner nicht ganz klein, für die das Revier feinen Reh verlor, wenn die Treibjagd vorbei ist und wenn bie Witterung auch einmal an ihr körperliches Wohlbehagen einige größere Anorderungen stellt. Ihnen schreibt Löns ins Stammbuch „Wer bloß um das Schießen hinausging zur Jagd, zum Weidmann hat er es niemals gebracht". Für den echten Weidmann von rechtem Schrot und Korn, außen hart lind rauh, doch Innen rveick und voller Liebe für die Kinder des Waldes und der Flur, ist Hege und Pflege felbstoerständliche Pflicht. Wenn der Winter sein weißes Tuch au-gebreit-t hat, dann zieht es ihn hinaus, um in dem Buch der Natur zu lesen, das nie fo offen vor ihm aufge- schlagen lag. Mit dem Reä)en legt er Heidekraut, Besenpfriem oder Heidelbeere frei, damit das Wild Aefung findet. Die Fütterungen hat er fckon vorbereitet. Nun werden sie regelmäßig beschickt. Heu oder Grummet sind leicht zu beschaffen, Laubheu konnte im Sommer gewonnen werden, Lupinen- und Haferstroh werden gern angenommen. Rüben, Kartoffeln, Apfeltrester, Eicheln, Bucheckern, Roßkastanien und Vogelbeeren sind wertvolle Futtermittel. In gleicher Weise werden trockene und nasse Futtermittel nebeneinander verabreicht, Einseitigkeit wird vermieden. Werden diese Futtermillel immer nur in einer Menge geboten, die für zwei bis drei Tage ausreicht, fo ift ein Verderben nicht zu befürchten. Auch wird man zweckmäßig Stellen aussuchen, die von Natur einen Schutz gegen die Nässe bieten, oder man füttert in überdachten Raufen und Krippen. Mehrere kleine Fütterungen sind besser als wenige große. Sie werden leichter gefunden, schwaches Wild kommt auch zu seinem Recht, und das Wild ist gezwungen, umherzuwechseln, sich zu bewegen, eine wichtige Voraussetzung für fein Wohlbefinden. Kommen Weichhölzer, wie Espen, Pappeln ober Weiden vor, fo schlage man etwas davon. Sie werden von allen Hirscharten und von Hasen dankbar angenommen. Wild an den Fütterungen abzufchießen, ist eine jagdliche Gemeinheit. Der Abschuß cchrsckt sich beim Rcnwild vor allem auf das Kahlwild. Auch der Hirsch ist wieder besser bei Wildbret. Die Brunft des Damwildes gina zu Ende, und auch der Schaufler ist wieder jagdbar. Das Schwarzwild findet im Walde art Eicheln und Bucheckern reiche Mast und ist feist. Im Laufe des Monates tritt es in bie Rauschzeit. Voraussetzung für ein erfolgreiches Besagen ist Schnee. Die Schußzeit des Rehwildes ist in diesem Jahr nicht verkürzt worden, offenbar ein Zeichen dafür, daß die Bestände sich in den meisten Revieren wieder gehoben haben. Um so bedauerlicher ist cs daß die Presse dauernd Berichte von großen Rehstrecken auf Treibjagden bringt. Wahllos Dock, Altreh und Kitze mit Schrot zu bespritzen muß doch ein besonderer Genuß sein! Neben der Fütterung, falls sie notwendig wird, bedarf das Rehwild vor allem des Schutzes gegen wildernde Hunde und gegen zweibeinige Räuber. Die Wechsel sind öfters auszugehen? gleich Schneeflocken bie Frostspannermännchen um Hecken uni) Baumkronen, während bie slugun- fäbiflen Weibchen unten an den Stämmen auf die Hochzeit warten. Dann ertönt im abgeernte- ten Garten eines Rotkehlchens w-hlnuttges Herbstlieb, ober der frischschmetternde Schlag eines Zaunkönigs, bann klingt noch einmal fo hell bas „Pink bibibi" der Kohlmeisen, bas „3i bäbä“ der Sumpfmeisen, bie bie stehengebliebenen Sonnenblumen nach einem letz- ten Korn absuchen. In biesen Tagen mag der Vogelfreunb beginnen, die Weisen in werter- inib spatzensicheren Geraten sparsam mit Hanf- ober Sou aenblumensarnen zu füttern. Zwar leiden bie Tierchen noch keine Rot, aber sie Lernen bann beizeiten die Stellen kennen, an denen, ihnen bei Schnee und Eis der Tisch gedeckt ist. Aus den Risthohftn müssen jetzt bie alten, meist von Ungeziefer wimmel-den Rester entfernt wer- beit — nur ber Star besorgt biese Reinigung im Frühjahr selber — und neue Höhlen werben vorteilhaft schon jetzt ausgehängt. Je zahlreicher diese vorhanden sinb, desto geringer werden die Verluste sein, bie Frost und wildernde Katzen im Winter dem Meiscnbestanb einer Gegend zufügen. älnd wer möchte nicht mithelfen, bas bunte muntere Meisenvoll in schwerer Winterzeit zu erhllten. Wie leuchten bie Kinderaugen hinter ben Fensterscheiben, wenn bie kleinen Kobolde am Futterhäuschen Herumturnen, und wie reichlich vergelten bie nützlichen Gartenpolizisten durch ' Schäblingsverlilgung bie geringen Olaf- weno ungen für Winterfutter und RisthohlenI Wo Vogelschutz, da Erntesegen! Schützt Vie Hunde und Zugtiere! Der Gießener Tierschutz- Verein, Kaiserallee 2, tellt uns mit: Man kann wiederholt beobachten, bah die Hundehütten nicht genügend Schutz gegen Rässe und Zugluft bieten unb bah bie Freß-und Saufgefäße ber Hunbe verschmutzt sind. Wan decke bie Hütte mit Dachpappe, verstopfe sorgfältig alle Ritzen unb nagele vor daS Schlupfloch einen Sach ober eine Decke als Schutz vor Wind unb Kälte. Das Innere ber Hütte lege man reichlich mit Stroh aus, bas öfters erneuert werden muß. Wasser in einem reinen Gesäß muß dem Hund auch in der kalten Jahreszeit immer zur Verfügung stehen. Rach Möglichkeit gebe man ben Hunden Gelegenheit, sich frei zu bewegen. . , -. Bei ber jetzt herrschenden Witterung sind die nicht gepflasterten Fahrwege, Zu- unb Absahrt- flraßen bei Reubauten, Straßenanlagen, Sandgruben usw. z. T. in so mangelhaftem Zustand, baß sie wenig mttfühlenben Menschen Anlaß zu lleberanstrengung unb Mißhandlung ber Z u g * tiere geben. Das Publikum wirb dringend gebeten. Mißhandlungen und überhaupt Mißstande in ber Behandlung von Tieren dem Tierschutzverein zu melden. Di« Anzeigen werden streng vertraulich behandelt. Die Waldtrciben auf Hafen sind meist beendigt, und die Feldtreiben stehen heran. 3m Felde ist es ruhig geworben, und der Hase hat seine Sasse im alten Gras, auf dem Sturzacker ober am Feldrain bezogen. Die Strecken fallen in diesem Jahre etwas besser aus als in den vorhergehenden 3ahren. Den Hafen als unser wirtschaftlich wichtigstes Wild, das auch für die Iagdkaffe die Hauptrolle spielt, sollte man auch wirtschaftlich besagen, d. h. Methoden wie die Suchjagd oder ausschließliches Kesieln oermet» ben. Die beste Art der 3agb bleibt bas Stadtreiben, weil hierbei immer ein gewisser Bestand bleibt. Wo nur gekesselt wird, sollte ein Revierteil stets unbe» jagt iiegenbleiben. Auch Meister Lampe leidet unter bem Winter. Für Kleeheu, Rüben, Weichholz und Obstbaumabfallholz ist er dankbar. Seine Gewohnheit, einen bestimmten Paß einzuhalten und bei Wintersnot in Gärten einzudringen, erleichtern dem „stillen Teilhaber" seine Arbeit. Man versäume nicht, die Gartenzäune um die Dörfer einmal abzugehen. Es lohnt sich und man lernt seine Leute kennen! Auch Hecken feien dabei nicht zu vergessen. Wo F a s a n e n im Revier sind, müssen die Fütterungen schon angelegt und beschickt sein, bamif der Fasan sie kennt, wenn die Zeit der Not kommt. Ausreichende Winterfütterung ist Voraussetzung für fein Verbleiben im Revier. An eine Winterhege des Feldhuhns denken viele Seftänber überhaupt nicht. Es erweckt ihr 3n« teresse, fo lange die Hühnerjagd Erfolg verspricht. Dann ist es vorbei bis zum kommenden 3ahr. Von 3ahr zu 3ahr wiederholt sich bann das gleiche Lied vom Abnehmen der Hühner. Dabei waren im letzten Jahr Besatz unb Beschuß in unteren Revieren so, daß wohl überall sich ein ausreichender Stamm am 1. Dezember in die Schonzeit hinüberretten wird. 3hn nach Möglichkeit zu erhalten, vor Frost und Wintersnot wie vor Raubzeug zu schützen, muß die nächste Sorge sein. Retten mir recht viele Hühner über den Winter hinüber, bann dürfen auch Gelege ausgemäht ober sonstwie zerstört werden. Wir be- kommen immer noch genug Ketten. Doch von nichts kommt nichts, sagt das Sprichwort. Wo es möglich ist juche der Säger die Anlage von Vogelschutzgehölzen zu fördern und helfe mit. Das kommt auch seinem Federwild zugute. Fehlen die Hecken, so ist Deckung im kahlen Feld, wo die Hühner jedem ge- fieberten Räuber preisgegeben sind, künstlich zu schaffen. Man kann Reisighausen lose aufschichten ober aus Reisig, Schilf unb Stroh kleine Schutzhüllen errichten. Auch können Strohbächer, bie wie Mistbeetfenster an ber Wetterseite auf bem «oben liegen, sonst aber auf niederen Pfählen ruhen, Verwendung finden. Sie haben alle bas gemeinsam, daß sie' gegen Feinde und Witterung schützen zugleich aber auch als Fütterung benutzt werden. Heu- abfall, Getreide, Hinterkorn werden geschüttet. Die 3agb auf ben Fuchs ist befonbers reizvoll. Sein Balg ist gut, auch die Rücksicht auf bie Nieder- jagb erfordert, das er kurz gehalten wird. So jagt man ihn vor Treibern, reizt ihn mit ber Hasenklage ober mit dem Mäusepfiff, kirrt ihn am Luderplatz ober schießt ihn vor dem schneidigen Erdhund am Bau, alles Methoden, bie mehr Weidmannsfreude bereiten als der Fang im Eisen. Die Enten pflegen sich mit dem Frost zahlreicher bei uns einzustellen. Auch Gänse kommen bei strengem Winter gelegentlich bei uns vors ^So verspricht ber letzte Monat des 3afjres noch einmal Sagbfreuben in großer W aber augleid) mahnt er den Beständer an seine Pflicht, bie er als Pächter und braver Weibmann übernommen hat. „Der Heger, der Pfleger kann Säger nur fein . Hubertus. Rundfunkprogramm veS Scanff artet Senders. (Aus ber „Radio-llmschau".) Sonntag, 2. Dezember. 8.30 bis 9.30 Von Kassel: Morgenfeier. 11 bis 11.30: Eltern stunde. 11.30 bis 12.00: Stunde der Jugendbewegung. 12 bis 13.00: Cello-Sonaten. 13.10 bis 14.10: Stunde der Jugend. 14 bis 16.45 Dvm Stadion: Aktuelle Sportübertragung. 16.45 bis 17.45 Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 17.45 bis 18.45: Stunde des Landes: »Dom deutschen Lied", Dortrag von Haup lehrer Willy Arndt, Eitelborn, mit Volks- lieder-Gesang. 18.45 bis 19.45 Stunde des Rhein- Wainischen Verbandes für Volksbildung: ..Alfred Reumann und sein Patriot", mit Doresung aus ReumannS Rovllle „'2er Patriot' von Intendant Hans Meißner: 19.45 bis 20.15: „Hymnen an das Leben". 20.15 bis 21.15: Musik der Jahrhundertwende. 21.15: »Das Marien- leben", von Rainer Maria Rilke. Anschließend: Bunter Abeird. Darauf bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 3. Dezember. 6.30: Morgenghmnastic. 13 bis 14.00: Mittags- tcürdchen des Rundfunkorchesters. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 16.35 bis 18.05 Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Operetten. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 19.00: Dortragsz. klus d:r Industrie - unb Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau: „Aktuelle Steuerfragen, 2. Teil", Vortrag von Dr. Köbner. 19 bis 19.30: Zauber der Südsee. 19.30 Dom Frankfurter Opernhaus: „Cosi fan tutte" Komische Oper von Mozart. Anschließend: Schall- platten-Konzert. Bon einem Juxplatz. Dienstag, 4. Dezember. 6.30: Morgengymnastik. 13 bis 14.00: Schall- Platten-Konzert. Buntes Programm. 15.05, bis 15.35: Stunde der Jugend. 16.35 bis 18.05 Bon Stuttgart: Konzert des Rundfuickorcheslers. 18.10 bis 18.30: Lesestundc. 18.30 bis 19.00: »Zeitung und Öffentlichkeit", Bortrag von Dr. K. F. Baberadt. 19 bis 19.30: Hans Philipp Weiftest aus eigenen Werken. 19.30 bis 19.45: Englische Literaturprobrn. 19.45 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15: Bon Stuttgart. Konzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. Anschließend: Von Kastel: „Set Flieger". Posse von Hans Brennert. Mittwoch, 5. Dezember. 6.30: Morgengymnastik. 12.45 bis 13.15: Schulfunk — Praktische Staatsbürgerkunde:. „Der preußische Landtag, wie er zustande kommt und wie er arbeitet“, Vortrag von Landtagsabgeord- neten Schulrat Schwarzhaupt. 13.15 bis 14.15: Schäl platten'on er . Aus Opern 15.^5 b.s 15.35: Stunde ber Jugend. 18.35 bis 18.05: Ä ndert des Rundfunkorchesters. Mozart. 18.10 bis 18.30: Bücherstunde. 18.30 bis 18.45 Don Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für Mutter unb Krad. 18.45 bis 19.15: Stenographischem Fortbildungs- kursus für Anfänger unb Fortgeschrittene (Dittat von 60 Silben aufwärts). 19.15 bis 19.30: Senckenbergviertelstunde: „Meeressäugetier- II“. Vortrag von Dr. R. Mertens. 19.30 bis 19.45: Französische Literaturproben. 19.45 bis 20.15: Frmrzösischer Sprachunterricht. 20.15 Rach Stuttgart: .Der arme Jonathan", Operette von Karl Millöcker. Donnerstag, 6. Dezember. 6.30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Mittags- fon'ert des Rundfunkorchesters. 15.05 bis 15.35: Stunde ber Jugend. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Kon^rt des Rundfunkorchesters. 1810 bis 18.30: Lesestunde. 13.30 bis 18.45: Don Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund. 18.45 bis 19.15: Don Kassel: Dortrag. 19.15 bis 19.45: „Der Einfluß Deutschlands auf das Wiener Theater", Borlrag von Redakteur Ludwig Klienenleraer. 20.15: Aus acht St"dlen. Dlmter Dialekt-Abend aus S-uttgar!. Kastel. Freiburg. Mainz, ‘Dlaraifcim, Ulm. Karlsruhe unb Frankfurt a. M. Freitag, 7. Dezember. 6.30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Schallplatten Konzert. Aus Operetten und Revuen. 15.05 bis 15.35: Stunde ber Jugend. 16.35 bis 17.35: Haussrauen-Rachmittag. „Wie und wo studiert man Hauswirtschaft?". Dorirag von G.ed Freu- denibal. 17.35 bis 18.05: Bon Stuttgart: Kon'ert des 'Rundfunkorchesters. 18.10 bis 13.30: Lesestunde. 18.30 bis 19: Stunde des Sübwefcdeutichen Radio-Clubs. 19 bis 19.30: Schachstunde 19.30 bis 19.50: Zwan-ig Minuten Fortschritts ,n Wissenschaft und Technik. 19.50 bis 20: Stirn« Wochenschau. 20: Don der Lied?rhalle Stuttgart: Konzert. Ansch'.ießend: Rach Stv.tzart: Tangos. Samstag, 6. Dezember. 6.30: Morgengymnastik. 12.45 kls 13.15: Schulfunk — Musik, rorgetrapen von Studienrätin Cäcilie Geis: Weistnacht'iche Dolksfteder. 1 .15 bis 14.15: Rach Stuttgart: Mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 1505 bis 15.35: Stunde bet Jugend. 16.35 bis 18.05: Olad> Stuttgart. Konzert des Rundfunkorchesters: Die ven tstche Oper 18.10 bis 13.30: Lesestunde. 1.8.33 bis 19. Bries lasten. 19 bis 19.33: Espe an!o ^"te .rchi. 19 5^ bis 20.15: Stunde des Frankfur e- ^ndes ftic Dolksbildung. „(Sine Slud.enreift beä 3.ant für er Bundes für Bo ksri d-ing na 5> der S. w i > . Dortrag von Maria Schlee. 20.15. .De rott Robe", Drama von Drieux. Ansa)lce,zeno bis 0.30: Tanzmusik. Spielplan der Franksnricr Theater. Overnbaus. Sonntag, 2. Dezember, 19 bis nach 22.30 übt: „Carmen". - Montag 3., 19.30 bis gegen 22.30: „Cosi fan tutte“. — Drenstag. 4 20 bis gegen 22.30: „Tvsca". - Mttwoch. 5-, 19.30 bis räch 22.30: „Dio Macht das Schicksals . — Donnerstag, 6., 19.30 bis 22.15: „gibcJO - - 5?reitaa 7- 18 bis gegen 21: „Trtlltrall und feine Brüder". — Samstag, 8., 20 bis gegen 22: „Die toten Augen". — Sonntag. 9., 17.30 Ws 22 30' „Götterdämmerung. — Montag, 10., 20 ors aeaen 22.30: „Der Dtttator'-, „DaS geyenne Königreich"; „Schwergewicht" ober „Die Chre der Ration". , Schauspielhaus. Sonntag, 2. Dezember, 15.30 bis 18 Uhr: „Alt-Heidelberg": 20 bis gegen 22.30: „Der brave Soldat Schweik". — Rttmlag, 3., 20 bis gegen 22.30: „Der brave ©oltßt Schwejl". — Dienstag, 4., 20 bid gegen 22: „Krankheit der Jugend". — Mittwoch, 5^ 20 bi« gegen 22: „Ehen werden nn Himmel geschlossen . — Donnerstag, 6.. 20 bis gegen 22: „Eyen werden im Himmel geschlosten". - .Srettag^ 7. 20 bis nach 22: „The second man“. — Samstag, 8., 20 bis nach 22: „The return journey“. — Otyruv tag, 9.. 15.30 bis 18: „Ma? der Prominente' : 20 bis gegen 22: „Krankheit der bugaiö . -- Montag, 10.. 20 bis nach 22: ..Dandons Too. 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