178. Jahrgang Nr. 258 Erstes Matt Donnerstag, 1. November 1928 Erich« «n > >agUch,nutzer Sonntags and Feiertag» Beilagen: «Lietzener Familiendlätter tzeimat im Bild Die Scholle Mo^als.vezngrrrrls-. 2 N »mark und 20 Reick «M ennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerlttummern infolge höherer Gewalt. I-ernsprechonlchlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnache richten Anzeiger Sietzea. Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UnwerfitSts-vuch- und Sleindruckerei R. Lange in (Sieben. Schriftleitnng und Geschäftsstelle: Schulstrahe?» Lni:ahme von Hnjeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig^ für Re. klameanjcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen glücklich gelandet. Schwierige Nachtfahrt über die Biscaya und Frankreich.—Fm Morgengrauen Ankunst über dem Bodenfee.-Um 2 Uhr früh glatte Landung. - Stürmische Kundgebungen einer ungeheuren Menschenmenge für Eckener und die Besatzung. Glückliche Heimkehr. Die Geister der Luft haben bis zum letzten Augenblick das Reich, das ihnen durch Jahrtausende allein gehörte, gegen den Eroberungsdrang der Menschen mit allen Mitteln verteidigt. Sie haben es dem „Graf Zeppelin" nicht leicht gemacht, weder auf der Hinfahrt, noch auf der Rückfahrt. Orkanartige Stürme, Regen, Gewitter stellten sich dem Luftschiff in den Weg, aber daß es alle diese Hindernisse überwand, ist der beste Beweis für seine Lebensfähigkeit. der beste Beweis, daß das Luftschiff für den transozeanischen Verkehr ein vollwertiges Verbindungsmittel — und bis auf weiteres auch das einzige — ist. Töricht zu leugnen, daß noch vielerlei gebessert werden muß, aber der Anfang ist gemacht, und wenn es gelang, die ungeheuren Schwierigkeiten zu überwinden, die sich diesem ersten praktischen Versuch entgegen- fteilten, dann ist die Hoffnung berechtigt, daß jetzt die Entwicklung rascher und reibungsloser sich vollziehen wird. Deutschland grüßt das siegreiche Luftschiff, grüßt den tapferen Kommandanten und die Besatzung, die durch ihren Mut und ihre Tatkraft die Eroberung des Luftraumes über dem Weltmeer für immer mit dem deutschen Ramen verbanden. Fesseln genug sind uns angelegt worden. Es hat eines harten Kampfes bedurft, um den Dau des Luftschiffes den siegreichen Gegnern überhaupt abzuringen, der Mangel an finanzieller Bewegungsfreiheit machte sich mehr als unangenehm bemerkbar. Trotzdem ist es weder den Engländern noch den Amerikanern, die von allen solchen Bindungen frei sind, gelungen, den Vorsprung, den Deutschland hatte, auch nur annähernd einzuholen. Aber gerade deshalb ist es auch selbstverständlich, daß wir uns b i e Führung nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen. Roch weiß man nicht, was Dr. Eckener drüben erreicht hat, es scheint aber, als ob die Amerckaner sich sehr zugeknöpft gezeigt haben, vielleicht weil sie die Vorteile des neuen Verkehrsmittels gegenüber den finanziellen Kosten nicht richtig einzu- schähen wissen. Lieber sechzig Millionen braucht Dr. Eckener, um den nordamerikanisHen Verkehr regelmäßig durchhalten zu können. Das ist auch für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine Summ', die nicht im Handumdrehen zu bekommen ist. Schlägt dieser Plan fehl, dann muh man versuchen, mit anderen kleineren Mitteln zunächst auszulommen, und dieser Zwang weist dann auf die Linie Spanie n— Südamerika. Mag fein, daß Li? Zeitersparnis gegenüber den Schiffen nach Aeuyork unter Um- ständen zu gering ist, nach Südamerika bedeutet sie mehr als eine Woche, also für den Handel eine wes ntliche Verbesserung. Dazu die Aussichten, die sich für den Verkehr nach O st - asien und nach Australien ergeben; auch wenn die Finanzgrößen von Wallstre.t ihre Taschen ängstlich zuknöpfen sollten, braucht Dr. Eckener das Spiel dann noch nicht verloren zu geben. Das deutsche Volk und die deutsche Regierung müssen Wege finden, um ihm das Geld zur Verfügung zu stellen, daß er weiter bauen und durch Ausschöpfung der letzten Erfahrungen auch in den Gröhenmaßen den Beweis erbringen kann, daß in dem Zeppelin-Luftschiff die Vorbe- dinaungen für eine neue Qlera der Weltverkehrs- Politik gegeben sind. Die letzte Fahrtstrecke. Friedrichshafen, 1. Noo. (WTB. Funkspr.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat auf dem letzten Teil seiner Heimfahrt mit schlechtem Wetter zu kämpfen gehabt. Infolgedessen hat es die Fahrtroute über die Biscaya nicht so schnell zurücklegen können, wie es gehofft hatte. Am Mittwochnachmittag 17.56 Uhr (mitteleuropäische Zeit) befand sich „Graf Zeppelin" 4 Grad westlicher Länge, 47 Grad 20 Min. nördlicher Breite, 120 Kilometer südlich Brest, 180 Kilometer westlich Nantes. Die Witterung war im allgemeinen günstig, Wind 10 Sekundenmeter aus Norden, Sicht auf 10 Kilometer. Um 19 Uhr abends wurde in Friedrichshafen bekannt, daß die noch zu- rückzul^gende Entfernung rund 1500 Kilometer be^ trage, fo daß die Landung des Luftschiffes nicht vor Donnerstag früh zu erwarten fei. Um 19.35 Uhr überflog das Luftschiff die französische Küste bei der Loiremündung, um 20.20 Uhr wurde es bereits in etwa 200 Meter Höhe über der Stadt Tours gesichtet. Die Bevölkerung konnte deutlich das Surren der Motoren und die Lichter der Gondeln wahrnehmen. Um 23 Uhr kam das Luftschiff in den Gesichtskreis der Stadt Orleans. Am Donnerstagfrüh 1 Uhr wurde Dijon passiert. Mit dem Flugplatz Le B o u r g e t war ständige Funkverbindung. Um 2.55 Uhr royrbe der „Graf Zeppelin" bei B a s e l bemerkt. Das Luftschiff selbst war infolge des starken Nebels nicht zu erkennen, doch das Propellergeräusch war deutlich wahrnehmbar Basel blieb rechts liegen. Um 3 Uhr befand sich der „Gras Zeppelin" über W a l d s h u t, um 3.40 Uhr über Schaffhausen. Um 4.15 Uhr wurde die Stadt Singen und der Hohentwiehl überflogen. Um 4.33 Uhr Ueberlingen. Wenige Minuten später erschien der Zeppelin zum erstenmal über Friedrichshafen. 3n gespanntester Erwartung. Zum Empfang des „Graf Zeppelin" waren bereits Mittwoch mittag zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten in Friedrichshafen eingetrof- fen, darunter Reichsverkehrsminister v. G u e r a r d und Geheimrat Fisch vom Reichsverkehrsministerium, Direktor S t a u ß , der Vorsitzende des Aussichtsrates und Direktor Milch von der Lufthansa. In Friedrichshafen hat sich die Spannung und Erwartung lebhaft gesteigert. Auf den Straßen, namentlich vor den Zeitungs- Häusern, steht man in Gruppen zusammen. Inzwischen legt die Stadt Flaggenschmuck an, um das Schiff bei seiner Heimkehr zu begrüßen. Friedrichshafen bietet ein Bild, daß man das sonst so ruhige Städtchen gar nicht wiedererkennt. Vor den Türen der Werft stauen sich die Menschen. Richt nur die hiesigen Hotels, sondern alle Orte der Umgebung sind überfüllt mit Fremden. Im Lause des Rachmlttags sind zahlreiche Mitglieder des Bayrischen und des Württembergischen Automobilklubs eingetroffen. Beide Klubs haben bekanntlich eine Sternfahrt zur Begrüßung des Luftschiffes nach Friedrichshafen veranstaltet. Bis gegen Abend waren bereits 100 bayrische und 50 württem- bergische Wagen gezählt. Der Bayrische Automobilklub beabsichtigt eine besondere Ehrung für D r. Eckener. Ein bekannter reicher Amerikaner hat übrigens der hiesigen Polizei telegraphisch mitgeteilt, daß er für alle Unkosten, die dem blinden Passagier bei seinem hiesigen Aufenthalt entstehen und für d i e Rückfahrt nach Amerika aufkomme. Wahrscheinlich wird die deutsche Polizei einen provisorischen Personalausweis für den Jungen aus stellen mit der Staatsangehörigleitsbezeichnung: „Angeblich Amerikaner". Der amerikanische Konsul in Stuttgart, der ebenfalls in Friedrichshafen eingetroffen ist, wird den Jungen unter seine besondere Obhut nehmen. In Friedrichshafen hatte der Verkehr Mittwochabend geradezu beängstigende Formen angenommen. Roch immer kamen zahlreiche Autos an, so daß bei den engen Straßen kaum ein Durchkommen war. Tausende von Fremdere mußten wieder u m k e h r e n, um sich in irgendeinem anderen Ort Unterkommen zu suchen. In der Werft waren inzwischen bereits Unmengen von Glückwünschen und Blumengrüße für Dr. Eckener und die Besatzung eingegangen, übrigens auch zahlreiche Telegramme aus Amerika für den blinden Passagier. Lieber Friedrichshafen. Als um 4 Uhr Böllerschüsse und Sirenengeheul die Stadt alarmierte, strömte ganz Friedrichshafen in Helten Scharen zum Flugplatz hinaus. Aus allen Häusern stürzten die Menschen, schrien und riefen. Ls ist ein wilder Taumel der Begeisterung, der alle erfaßt hat. Wieder verschwand das Luftschiff, nm dann nochmals über der Stadt zu kreisen und sich bald darauf wieder in Richtung Bodensee zu entfernen. 2Han späht suchend den Himmel ab, der in der aufgehenden Morgendämmerung immer fahler wird. 3eben Augenblick muh das Luftschiff wieder erscheinen. Kur; vor 7 Uhr wird es wieder sichtbar. Die Landungsmanöver beginnen und gehen flott vonstatten, so daß um 7.15 Uhr der „Graf Zeppelin" sich wieder auf heimatlichem Boden befindet. Ein fast seltsamer Kontrast in fast allen Gesichtern: Tränen in den Augen und das Lachen einer Freude, die der Leistung des Schisses, die den Wiederkehrenden galt. Aber immer noch lieh Dr. Eckener sich nicht sehen. 3n die Fenster wurden Blumen hereingereicht. „Es war eine herrliche Fahrt", sagte jemand, „und es ist ein braves Schiff". Am Fenster wurde der blinde Passagier sichtbar. Man lachte und wollte ihn sehen. Dann wurde bekanntgegeben, dah Dr. Eckener nach dieser Nachtfahrt müde sei und deshalb nicht die Presse empfangen könne. Endlich wird Dr. Eckener sichtbar. Er macht trotz seiner angeblichen Müdigkeit mit seinem gebräunten Gesicht einen frischen und lebendigen Eindruck. Wer ihn kennt, bemerkte, wie ihm, dem sonst so gleichmäßig ruhigen Mann, dem die Zeichen innerer Erregung anzusehen sind. Freude über den Erfolg aus den Augen leuchtet und wie auch ihn die Begeisterung aller ans her; greift. Er dankt und grüßt nach allen Seiten. Rur schwer konnte er sich durch die schmale Gasse durchringen, die vom Schupospalier zwischen der Menge gebildet wurde. Als er später gefragt wurde, was der schwierig st e Teil der Fahrt gewesen fei, meinte er lächelnd: Das Aus st eigen. Unterdessen wurden drauhen die letzten technischen Vorkehrungen, die nach der Landung notwendig wurden, getroffen. Die Menge verlief sich nur langsam und noch Stunden nach der Landung hörte man vor den Fenstern des Arbeitszimmers Dr. Eckeners nicht endenwollende Hochrufe. Die Landung. Friedrichshafen, 1.Rov. (TU. Drahtbericht des Giehener Anzeigers.) Nachdem das Luftschiff mehrfach über dem Landungsplatz gekreuzt hatte, und es schon einmal kurz vor 6.30 Uhr so ausge- sehen halte, als ob die Landung sofort erfolgen würde, zog sie sich doch noch längere Zeit hin. Dr. Lckener wartete offenbar ab, bis es ganz hell geworden war. Dann aber erfolgte die Landung mit einer Genauigkeit, mit der man das vom Zeppelin gewöhnt ist. Kur; vor 7 Uhr wurde das Luftschiff wieder sichtbar und näherte sich mit abgestellten Motoren dem Landeplah. Der Bug neigte sich ;iemlich stark. Kur; nach 7 Uhr wurde vom Bug die erste Landeieine herunter- geworfen. Dann wurden die Positionslaterne und auch die Lichter der Kabine gelöscht. Unmittelbar danach fiel die Hintere Landeleine, so dah das Luftschiff um 7.05 Uhr zehn Meter über dem Boden stand. Damit war die Landung vollzogen. 3m Augenblick der Landung strömte die auf dem Flugplatz befindliche Menge auf den Zeppelin zu, der in wenigenAugenbiicken von einer dichten Menschenmenge umgeben war, Absperrungsmannschasten waren gestellt worden, ein ernsthafter Versuch, die Menge zurückzuhatten, wurde aber gar nicht gemacht, da dies doch zwecklos gewesen wäre. Die Menge tobte förmlich vor Begeisterung und rief zeitweilig so stark, dah der auf dem Platze befindliche Lautsprecher nicht mehr zu verstehen war. Vie Menge stimmte das Deutschlandlied an und begrüßte Dr. Eckener mit nichtendenwollenden hoch- und Hurrarufen. Böllerschüsse ertönten und der Platz rings um den Zeppelin schien zeitweilig weih von winkenden Taschentüchern. In der Halte. Die Menge schiebt mit. Friedrichshafen, 1. Rov. (Dom Sonderberichterstatter des WTD.) Das Schiff ist nun» mehr in der Halle und ruht sich aus von den Anstrengungen der beiden schweren Fahrten über den Ozean. Die Bergung nach der Landung war außerordentlich schwierig, das lag daran, daß das Schiff zweimal gedreht werden mußte, bis es vor dem Osttor stand und in dre Hatte gezogen werden konnte. Außerdem erschwerte die ungeheureMenschenmenge. die die pol'.zeiliche vorschriftsmäßige Absperrung •überrannt hatte, die Einbringung, da sie die Gondeln dicht umlagerte. Es blieb nichts anderes übrig, als einfach den Befehl zu geben, mirzu- schieben. Die Menge gruppierte sich zu beiden Seiten vor den Laufkästen vor dem Hattentor. als das Schiff sich in Bewegung setzte, gab es einen außerordentlich kritischen Augenblick. Dor das Tor war nämlich ein dickes Tau gespannt, an dem die Beamten Unbefugten den Eintritt in die Halle verwehrten. Als nun das Schiff sich näherte, war es unmöglich, das Tau und bannt den Weg in die Laufkästen freizubekommen, weil die Menge selbst es mit» hielt. Wenn nicht jemand die Geistesgegenwart gehabt hätte, das dicke Seil mit dem Taschenmesser zu zerschneiden, so hätte leicht eine Beschädigung des Schiffes eintreten können. Als das Schiff barni geborgen war, stimmte die Menge draußen erneut das Deutschlandlied an, das in der weiten Halle ein Echo fand. Die Beneideten, die sich m der Halle aufhalten durften, die Frauen und sonstigen Angehörigen der Besatzung, die Ehrengäste und die Presse, brachten dem Schiff und seiner Besatzung eine besonders herzliche Ovation dar. Erste Unterredung mit Dr. Eckener. Schwere Aebelsahri. - Oie ganze Nacht kein Auge zugetan. Erst einmal ausschlafen. Friedrichshafen, 1. Rov. (WTB. Funk- spruch.) vom Sonderberichterstatter des WTB. Kurz nach Verlassen des Schiffes hatte der Sonderberichterstatter des WTB. eine Unterredung mit Dr. Eckener, in der dieser erklärte: „Wir haben eine schwere Rebelfahrt hinter uns. Der letzte Teil der Fahrt führte durch schwere Rebel, so dah die Ravigation nicht ganz leicht war. 3ch habe infolgedessen die ganze Rächt kein Auge z u g e t a n. Schon bei Brest fuhren wir in die ersten Rebelsehen hinein. Aus diesem starken Rebel erklärt sich, dah wir verschiedene Positionsmeldungen von Land erbaten. Genau haben uns auf Lee auch die Dampfer in der Ravigation unterstützt. Das Schiss hat sich glänzend bewährt und wir können als praktisches Hauptergebnis dieser Ozeanreise feststellen, dah der Beweis für die Möglichkeit eines Ozeanverkehrs erbracht ist. Ratürlich brachten die Beschädigungen auf der Hinfahrt für die Führung eine schwierige Situation mit sich. Aber gerade die Tatsache, daß wir trotzdem ohne fremde Hilfe weiterfahren und die erste Reparatur ausführen konnten, ist ja der befte Beweis für d i e Sicherheit des Schiffes. Offenbar haben Leute, die einmal das Schiff ein bihchen fchlinzern fahen, unzutreffende Schlüffe gezogen. Sie hätten aber einmal sehen sollen, wie bei diesem Wind und diesem Seegang die Dampfer rollten. Auch d i e Maybachmotoren haben sich glänzend bewährt. Wir haben auf der ganzen Fahrt nicht die leise sie Störung an den Maschinen gehabt. Zum Schluh erklärte Dr. Eckener: Er sei müde und müsse fid) e r ft einmal ausschlafen. Auch die Besatzung müsse zunächst ruhen und wäh- rendde'en werde das 5d iss überholt werden. Anter diesen Umständen lasse sich über den Zeitpunkt der Berliner Reife noch gar nichts sagen." Ratürlich wurde Dr. Lckener von allen Seiten beim verlassen des Schiffes bestürmt, bis er sich in sein Arbeitszimmer retten konnte. Das Zimmer war wundervoll mit Blumen ausgeschmückt. Spenden und Grütze von allen Seiten, die Dr. Eckener sichtlich Freude machten. Wittkommgruß des ReichSpräsid-mien. Berlin, 1. Rov, (WTB. Funlspruch.) Der Herr Reichspräsident hat an Dr. Eckener folgendes Teiezrarnrn gerichtet: herzlichen Wi.I.vmrnensgruß zur g^üdii/en Rückkehr in den Heimathafen! Mit mir freut sich das ganze deutsche Volk der wohlgelungenen großen Fahrt-des sturmerprob en »Gras Zeppelin", vereint in dankbarer und bewundernder Anerkennung der hervorragenden Leistung, dir Erbauer, Führung und Besatzung des Luftschiffes vollbracht haben. In der Hoffnung, Sie bald i n Berlin persönlich beglückwünschen zu können, und mit freundlichen Grüßen gez. v. Hindenburg, Reichspräsident. Die Passagiere über ihre Eindrücke. Begeisterte Schilderungen. Friedrichshafen, 1. Rov. (WTD. Vom Sonderberichterstatter.) Die Passagirre äußern sich alle begeistert über ihre Eindrücke während der Fahrt. Die einzige Frau an Bord sagt, daß sie die Fahrt m'.t dem Schift durchaus nicht als Heldentat ansehe, denn sie sei mit allen nur erdenklichen Bequem! ich» leiten gereist. Allerdings sei sie jetzt ziemlich erschöpft und müsse sich zunächst ausruh.n. Ein anderer amerikanischer Fahrgast erklärte, einer der schönsten Eindrücke der ganzen Reise sei der Blick auf das erleuchtete Friedrichshafen gewesen. Alle amerttanischen Fahrgäste seien so begeistert von dem Schiff und der Fahrt gewes n, daß sie heute nacht überhaupt nicht zu Bett gegangen seien, um möglichst die Eindrücke auszukosten. Großes Interesse habe die Heb erflieg ung von Dijon gefunden, das Schiff sei aber sehr hoch gew.sen, so daß man nur das Lichtermeer e^c.nnen konnte. Besondere Bewandtnis hat es mit dem Fahrgast William HH- mann, der sich kurz vor dem Aufstieg unter den Zuschauern befand und halb im Scherz eins Prämie von 4000 Mk. über den Fahripreis anbot für den Fall, daß er mitfahren könne. Zu seinem Staunen wurde dieses Angebot angenommen, und so begaä sich HUmdrm ohne Paß und Reisegepäck an,Bord. Es liegt aber bereits eine behördliche Anweisung aus Amerika vor, daß der Generakonsul in Stuttgart Hllmann sofort aufsuchen muß und ihm die nötigen Papiere besorgt. Der blinde Passagier. Friedrichshafen, 1. Nov. (WTB. Funk- spruch.) Bei der Ankunft des Luftschiffes wurde Clarence Terhune, der sich als blinder Passagier eingeschlichen hatte, besonders begrüßt. Man hob ihn auf die Schultern und ließ ihn hochleben. Er mußte sich darauf einem Verhör beim amerikanischen Konsul und beim Polizeidirektor unterziehen. Wie wir schon vorgestern angekündigt, sind das lediglich Ins.« Seyrftsf. ’doyan Thor; Mittwoch, d. 31. Okt. 19287"aMs. ---------------jf - -- JanM^en— Ser Schiedsspruch in der Eisenindustrie für verbindlich erklärt Sie neue SachverstSodigrnkonferenz Frankreichs Einstellung zu den deutschen Wünschen. Zum Tode Minister Henrichs. Beileidsschreiben des St^ltspräsidenten und des Reichskanzlers. Lpd. Darmstadt, 31. Okt. Staats- Präsident Adelung hat an Frau Mb- nister Henrich folgendes Beileidsschreiben gesandt: „Sehr verehrte gnädige Frau! D r e hessische Staatsregierung hat mit dem Gefühl tiefster Trauer die Kunde von dem Ableben 2hres hochverehrten Gatten erhalten. 2m- Aamen des hessischen Gesamtminister', ums übermittele ich Ihnen und den Ihren den Ausdruck unserer wärmsten und ausrichtigen Teilnahme. Herr Finanzminister Henrich hat während langer Jahre seine ganze Kraft und sein ganzes Können in den Dien st des Volkes gestellt. Ohne Rücksicht auf Gesundheit und Wohlergehen hat er dem Vaterland sein Bestes gegeben und mit unbeirrbarer Energie das, was er als richtig erkannte, verfolgt um in schwerster Zeit die äußerst bedrohte Heimat vorwärts und aufwärts zu führen. D a s W o h l des Vaterlandes und seiner Bevölkerung in all seinen Schichten war ihm Ziel und Richtschnur. Mit den GesiHien herzlichen Dantes und schmerzlicher Trauer stehen wir an der Bahre eines vortrefflichen Menschen, des treiuen Führers und sicheren Wegbereiters. Das Go'chick hat es Ihrem Gatten versagt, nach wohlgeüaner Arbeit auszuruhen im Kreise der Seinen. Eine tückische Krankheit hat seinem Le- bein allzu früh ein Ende gesetzt, Unvergessen wird er allen bleiben, die sein Leben zwischen Volk und Vaterland, seine unermüdliche Arbeit, sechn heißes Streben für eine bessere Zukunft des Heissenlandes und des ganzen deutschen Vaterlandes kannten. In unserem Herzen hat sich der Verstorbene ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Die uneingeschränkte Anerkennung, die das Wirken Ihvrs Herrn Gemahls in allen Schichten unseres Volkes gefunden hat, möge Ihnen und den Ihren ein Trost im schweren Leid sein. Mit dem Ausdruck aufrichtiger Ergebenheit! gez.: Adelung. Reichskanzler Müller hat der Witwe des verstorbenen Ministers zugleich namens der Reichsregierung telegraphisch fern herzlichstes Beileid ausgesprochen. Die Deutsche Demokratische Partei, Landesverband Hessen bittet uns mitzuleilen, daß auf persönlichen Wunsch des verstorbenen Ministers Henrich die Beisetzung in aller Stille und im allerengsten Kreise erfolgen wird. Die Partei wird jedoch in der nächsten Zeit in Darmstadt eine öffentliche Traue rkundgebung für den Verstorbenen veranstalten. Minister den Schiedsspruch nicht für verbindlich erüärt hätte, denn es hätten neue Verhandlungen eingelettet werden müsen, um zu einem neuen Schiedsspruch und damit wahr- scheinüch zum Arbeits, rieben zu gelangen. Die Lage sei gewiß besorgniserregend, aber doch keineswegs hoffnungslos. Ter S^aat sei, weil er nicht Partei sei, in der Lage, nach beiden Seiten hin zu vermitteln. — Die »D e u t s ch e Tag^sztg." nennt den Aussperrungsentschluh einen schweren, aber nach Lage der Singe unvermeidlichen Entschluß, der im Intrres.'e nicht nur der Werke selbst, sondern der ganzen deutschen Wirtschaft hätte gefaßt werden mü sen, die eine abermalig« Preiserhöhung für eine der wichtigsten Produktionsmittel nicht vertrage. Oie Aussperrung beginn». Essen. 31. Okt. (WIB.) Soweit bisher bekannt, haben die Jitmen ßrupp in Rheinhausen. Thys- s e n in Hamborn und R h e i n st a h l in Duisburg der heutigen Nachtschicht die Papiere bereits ausge- händigt uckd damit mit der Aussperrung begonnen. Oer Sturm gegen den Panzerkreuzer. Berlin, 1. Rov. (Priv.-Tel.) Der Vorwärts rechnet mit einer Mehrheit für die Annahme des sozialdemokratischen Antrages, den Dau des Panzerkreuzers A einzustellen. Das Blatt erinnert daran, daß der Abgeordnete Fehr herrscht aber unter ollen beteiligten Regierungen in der Beurteilung der Teilnahme der Vereinigten Staaten, ohne die man einen Erfolg der Sachverständigenkommission für aus- geschlossen erachtet. Den Vereinigten Staaten diese Teilnahme zu ermöglichen, sind alle sechs Regierungen gleichmäßig bestrebt. stellung gehe klar und deutlich hervor, daß es sich bei diesem Kampf, ob gewollt oder nicht, um ein Ringen um prinzipielle Fragen handele bei aller Wichtigkeit, die man auch der Lohnfrage als Streitpunkt zuerkennen möge. Das Blatt hofft, daß we'terhin alles unternommen wird, um so bald wie möglich zu einer friedlichen Beilegung zu kommen. — Der »Lokal - Anz." schreibt, dieser Arveitskcunpf werde in seinem Umfange nur von dem großen englischen Kohlen- streik vor zwei Jahren übertroffen. In seinen Ursachen unterscheide er sich aber wesentlich von ihm und anderen Konslikten. Die von der Arbeitnehmerschaft der westlich:n Eisenindustrie gestellten Lohnforderungen seien nämlich von rein politischen Gesichtspunkten diktiert. Hoffentlich komme man bei der Arbeitnehmerschaft bald zur Einsicht, damit nicht neben den infolge wachsender Absatzschwierigke 1 n wachsenden Kohlenhalden auch noch längere Zeit ausgeblasene Hochösen ständen. Der „Börsencourier" ist der Auffassung, daß die Aussperrung schon in kurzer Zeit aufgefangen worden wäre, wenn der Reichs arbeits- den zahlreichen geschäftlichen Angeboten, die ihm bei seiner Ankunft ausgehändigt wurden, auch eine Möalichkeit für eine b a l d i g e R ü ck k e h r gegeben werde. „baut dem Zeppelin eine Halle!" Ein Frankfurter Aufruf zu einer Zeppelinhallen-Tpende. WSR. Frankfurt a. M., 31. Okt. Eine Reihe von führenden Persönlichkeiten des Frank- j-urter öffentlichen Lebens veröffentlichen einen Aufruf zu einer Zeppelinhallen-Spende des deutschen Volkes, in dem es u. a. heißt: Wieder hat das Luftschiff „Graf Zeppelin" den Ozean überquert: wieder hat es in aller Welt den Ramen seines ersten Konstrufteurs zum Ruhme getragen, wieder hat die Welt sich vor dem Genie Deutschlands, seiner Arbeit und Zähigkeit verneigt. In diesen Stunden bescheidenen Stolzes ergeht die Anregung, dem Luftfchiff „Graf Zeppelln" und seinen Rachfolgern im neuen Weltverkehr eine Halle zu bauen, die ihm Abfahrt und Landung erleichtern und sichern soll. Wir wollen den Zeppelinen ein bewegliches Haus errichten, das ihnen bei jeder Windrichtung die Paris, 31. Okt. (TÜ.) Der Gedankenaustausch zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die Einberufung einer Sachverständigenkommission, der durch die Vermittlung des deutschen Botschafters am Dienstag und Mittwoch in Paris in den Unterredungen mit Briand und Poincars stattfand, hat zur Klärung der beiderseitigen Auffassungen wesentlich beigetragen, wenn er auch noch nicht als Abschluß der Verhandlungen zu betrachten ist, da er positive Resultate noch nicht zeitigte. Die Zusammensetzung der Sachverständigenkommission und das hierzu zu erteilende Mandat dürste im Mittelpunkt der Besprechung gestanden haben. Die Auffassung der deutschen Regierung ist bekannt. Sie wünscht die Zusammensetzung der Kommission aus völlig unabhängigen Finanzsachverständigen d. h. aus Persönlichkeiten, die keine Beamten sind und nicht im Dienste der Regierungen stehen, die vielmehr durch üjr Ansehen in ihrem Heimatland« und in der Welt über ein genügendes Maß von Autorität verfügen und einer derartigen Sachverständigenkommission die Bedeutung geben, die ihr zu kommt. Die Regierungen hätten dann ihrerseits die Möglichkeit, zu dem Beschluß der Sachverständigenkommission, falls sie zu einem solchen Beschluß gelangen sollte positiv oder negativ, jedenfalls aber vollkommen unbeeinflußt, Stellung zu nehmen. Die französische Presse, die den Standpunkt der Recchsregierung in den letzten Tagen mit außerordentlicher Heftigkeit bekämpft hat. hat am Mittwoch den Rückzug angetreten, anscheinend auf eine Weisuna hin von oben. Auch jonft liegen Gründe zu der Annahme vor, daß die französische Regierung sich vielleicht doch noch bereitfinden wird, den Wünschen der deutschen Regierung über die Unabhängigkeit der Sachverständigen nachzugeben. Auch über das Mandat, das die Sachverstän- digen von den sechs Regierungen gemeinsam erhalten sollen, d. h. die genaue Festlegung und Umgrenzung der Aufgabe der Sachverständiden, ist verhandelt worden, ohne daß man auch hrer eine endgültige Einigung erlangte, doch scheinen die Gegensätze nicht allzuweit auseinanderzuklaffen. Die französische Regierung hat bisher die Taktik verfolgt, die Oeffentlichkeit auf ihre Forderungen in der Reparationsfrage in einer bestimmten Weise vorzu bereit e n. Poincars persönlich hat mehrfach in seinen großen politischen Reden darauf hingewiesen, daß Frankreich von Deutschland den Gegenwert der französischen Schulden an Amerika erhalten wolle, und hat außerdem noch bestimmte Forderungen in der Wiedergut- machungssrage ausgestellt. Die deutsche Regierung hat es dagegen bisher vermieden, irgendeinen positiven Standpunkt einzunehmen und als wichtigsten Maßstab für eine Neuregelung der Reparationen nur d i e deutsche Leistungsfähigkeit hingeftellt. Sie hat diese zurückhaltende Stellungnahme vor allem deswegen eingenommen, weil sie der Sachverständigenkommission völlig freie Hand für ihre Beratungen lassen will Heber den Zeitpunkt des Zusammentritts der Sachverständigenkommission verlautet noch nichts Bestimmtes, da erst der Gedankenaustausch zwischen Deutschland und den interalliierten Regierungen beendet sein muß, bevor Ort und Zeit festgelegt werden können. Jedenfalls aber teilt die französische Regierung die deutsche Auffassung, daß es keinen Zweck hätte, die Angelegenheit noch allzulange hinauszuzögern. Auch die Hoffnung, daß die Kommission in Berlin zusammentreten wird, erscheint zur Zeit noch nicht unbegründet, doch wird, was die Auswahl des Ortes anbelangt, auch die Anschauung von London, Rom und Brüssel und Tokio gehört werden müssen. Mebereinftimmung Formalitäten auf deutscher und auf amerikanijcher Seite. Er erklärte dem Sonderberichterstatter des WTB., er hätte an Bord gut zu Essen und - ii Trinken bekommen, man habe ihn aber z u Arbeiten herangezogen und zwar zum Geschirrwaschen, Tassensäubern und Dienstleistungen für die Passagiere. Schon von Kindheit an habe er einen starken Reisetrieb verspürt, und als er nun hörte, daß der Zeppelin komme, habe es ihn nicht mehr gehalten. Schon zwei Stunden nach der Abfahrt sei er aus dem Versteck hervor gekrochen. Ob Dr. Eckener böse gewesen sei, oder gelacht habe, schüttelte er nur den Kopf und fagte „b e smiled". Auch die anderen Herren der Besatzung und die Passagiere seien recht freundlich gegen ihn gewesen, schwierig sei nur das Schlafen gewesen. Er habe sich immer hinleaen müßen, wo gerade Platz war, ob im Innern des Schiffes ober im Salon. Nach feiner Ankunft wurde er natürlich von allen Journalisten und Phowgraphen gesucht. Er entzog sich diesen Nachstellungen, indem er mit geheimnisvoller Wichtigkeit darauf hielt, daß er „ein Arrangement" mit Dr. Eckener hätte, das ihm nicht erlaube, irgend etwas zu sagen. Er will übrigens nicht lange in Deutschland bleiben, sondern hofft, daß unter sichere Aus- und Einreise möglich macht. Wir sind der Gewißheit, der Ruf: „Baut dem Zeppelin eine Hallei" werde nicht vergeblich in die Lande gehen. Jeder Beitrag ist willkommen, auch der kleinste wird Zeugnis dafür ablegen, daß sein Spender auf das Werk am Bodensee vertraut! Oie Universität Freiburg ehrt die Lusthelden. Eckener tinb Dürr zu Ehrendoktoren pronwviert. Friedrichshafen, 1. Rov. (TLI.) Die philosophische Fakultät der Universität Freiburg L Br. hat Dr. Eckener und dem Chefkonstrukteur des Luftschiffbaues Graf Zeppelin, Dr. Dürr, die Würde eines Dr. phil. h. c. verliehen. Die Promotionsurkunde wird am Donnerstagvormittag 11.30 ilfjr In einem Festakt in den Räumen des KurgartenhotelS durch den Rektor her älniversität Freiburg, Professor Dr. Ll h l e n b u t, und Professor Dr. Gustav M i e vom Physikalischen Institut der älniversität Freiburg feierlich überreicht werden. Oie Entscheidung des Reichsarbeitsministers. Berlin, 31.Oft (WB.) Im R e i ch s a r b e i t s- Ministerium Haden gestern die Verhandlungen über die Verbindlichkeilserklärung des Schledsfprochs für die Eisenindustrie der nordwestlichen Gruppe stattgefunden. Sie zogen sich unter persönlichem Vorsitz des Reichs- arbeilsministers bis In die Morgenstunden des heutigen Tages hin. Ls gelang jedoch nicht. zu einer Verständigung der Parteien zu kommen. Der Reichsarbeitsminister hat daher heute vormittag seine Entscheidung treffen müssen und hat den Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Die Parteien sind telegraphisch benachrichtigt. Wie wir erfahren, wird der schriftlichen Ausfertigung eine Begründung beigefügt sein. Oie Stellung des Arbeitgeberverbandes. Die Berbindlichkeitserttärung gesetzlich unzulässig. - Die Aussperrung wird anf- rechlcrhalten. Berlin, 31. Okt. (WTB.) Von dem Arbeitgeberverband der nordwestlichen Gruppe wird zu der gegenwärtigen Sachlage im Eisenkonslikt u. a. mttgeteilt: Die Auffassung des Arbeitgeberverbandes geht dahin, daß der für verbindlich erklärte Schiedsspruch aus formellen wie materiellen Gründen nichtig ist. Er ist entgegen den Bestimmungen der Dchlichtungsvervrdnung lediglich vom Schlichter allein und nicht mit einer Kammermehrheit gefällt worden. Er greift sodann in die bestehenden Bestimmungen des noch laufenden Rahmentarifvertrages ein. Die Derbindlichkeitserk.ärung war daher gesetzlich unzulässig und konnte somit einen rechtsgültigen Tarifvertrag nicht schaffen. Wirtschaftlich bedeutet dieser nach Auffassung der Arbeitgeber rechtsunwirksame Schiedsspruch eine Belastung des Lohn- konlvs der Werke, die bei der schon stark an* gespannten Selbst kost en läge der Werke der eisenverarbeitenden und eisenschaifenden Industrie die weitere Aufrecht Haltung des gegenwärtigen Preisniveaus nicht möglich machen würde. Angesichts der Lage in der Eisenindustrie können die Arbeitgeber aus rein rechtlichen wie wirtschaftlichen Gründen die bereits durchge führte Kampf Maßnahme der Aussperrung nicht zurückziehen. Eine schnell« Beendigung dieses Kampfes ist nur dann möglich, wenn es gelingt, durch eine freie Vereinbarung den Schiedsspruch zu beseitigen. Wie wir weiter erfahren, beabsichtigt der Arbeitgeberverband der nordtvestlichen Gruppe als- -^oald eine Feststellungsklage beim Reichsarbeitsgericht einzurerchen. Tendenz und Grundsatz des ilrteild sind nach Ansicht der Arbeitgeber auch auf den Fall des Eisenschiedsspruchs antoenbbar. Oie Meinung der presse. Berlin, 1. Nov. (TU.) Die durch die Berbind- lichkeitserklärung des Eisenschiedsspruches geschaffene Lage wird von den Berlin r Blättern eingehend besprochen. Die „D A Z" schreibt, die Parteien hätten jetzt die Entwicklung in der Hand. Vielleicht ständen wir jetzt vor einer Reinigungskrise, die wirksamer sei als alle theoretischen Versuche eines Schlichtungsverfahrens. — Die Börsenzeitung sagt, es werde nunmehr von den Arbeitern bzw. den Gewerkschaften abhängen, ob sie die Bereitwillig- ligkeit der Arbeitgeber zur Schaffung eines neuen Arbeitsverhältnisses annehmen und in neu« Verhandlungen eintreten würden, ober ob sie gewillt seien, den Kampf bis zur Entscheidung der Gerichte über den Schiedsspruch durchzuhalten. — Die „Voss. Z t g." schreibt, in Wahrheit sei es nicht nur ein Lohnkampf, sondern ein Kampf um das Schlichtungswesen. Die Unternehmer der Eisenindustrie scheinen es auf einen Großkampf nicht nur gegen die Arbeiterschaft, sondern auch gegen die Regierung ankommen lassen zu wollen. Der „Vorwärts" ist der Meinung, daß die Kampfmaßnahme der Unternehmer nicht nur ein Verstoß gegen die Schlichtungsordnung und vielleicht gegen^die Stillegungsverordnung sei. Sie sei darüber hinaus ein direkter Angriff auf das verfassungsrechtlich gesicherte Koalitionsrecht. Die Auflehnung der Schwerinbustriellen zeige, baß die Staatsautoritat nicht aufrechterhalten sei, wenn es einer Unternehmergrupve gestattet werben könne, unter Vermeidung des Gesetzes bas Wirtschaftsleben stillzulegen. Alle Staatsgewalt, die vom Volk ausgehe, müsse sich demgegenüber Geltung verschaffen. Die „Germania" sagt, neben ben schweren Schädigungen für alle Wirtschaftszweige sei auch die schwere Schädigung nicht zu übersehen, die den Schlichtungsbehörden und damit der Staatsautorität aus der Richtachtung der Verbandlich- fettSerflänrng erwachse. Schon aus dieser Fest- in einer Rede die Abneigung der Deutschen Bauernpartei gegen den Dau des Panzerkreuzers zum Ausdruck gebracht hat und daß die Deutsche Bauernpartei in Fraktionsgemeinschaft mit der Reichspartei des deutschen Mittelstandes steht. Auch das B. T. halt eine Mehrheit für den sozialdemokratischen Antrag für wahrscheinlich. Heber die Stellung der Demokraten zu dem Antrag sagt das Blatt: Die etwas zweideutige Haltung, die der demokratische Parteiausschuh einnahm, indem er erklärte, die graft ton nicht binden zu wollen, wird zweifellos nicht dazu führen, daß etwa mit demokratischen Stimmen der Kreuzerbau durchgeführt wird. Die »German i a" bezeichnet den Erfolg des Antrages als durchaus unsicher. Der Antrag sei eine im Parlament selbst vollzogene Korrektur der eigenen Minister. Man könne sich vorstellen, daß es der Sozialdemokratie in erster Linie daraujf anfomnü, den Antrag überhaupt eingebracht zu haben. Abzuwarten bleibe, ob er je nach fernem Ausgange besondere politische Folgen nach sich ziehen werde. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" spricht von einem Sieg der Agitation um jeden Dreis, auch um den Preis einer Regierungskrise. Das Blatt hält es für selbstverständlich. daß das Panzerschiff weiter gebaut werden wird. Die im Etat des Reichswehrministeriums enthaltene Summe für öie zweite ‘Baurate werde auch ohne die Sozialdemokratie bewilligt werden. Schließlich spricht die Zeitung von schwerster Gefährdung der Koalitionsverhandlutzgen durch den Antrag. Die Sicherungsverwahrung. Berlin, 31. Oft. Der ReichstagsauSschutz für die Strafrechtsreform setzte feine Beratungen über den § 59 (Sicherungsverwahrung) fort. Abg. Landsberg (Soz.) bittet bringend, die Sicherungsverwahrung nur bei Verbrechern auszufprechrn, di« mehrfach zu Zuchthausstrafen verurteilt find. Aba. Dr. Wunderlich (D.V.) beantragte, den Passus im § 59 zu streichen: „Wenn der Täter bei Begehung b:r neuen Tat über 21 Jahre alt ift“ 2n der Abstimmung wurde der Antrag Dr. Wunderlichs angenommen. § 59 selbst wurde unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge mit Stimmengleichheit angenommen. Zu § 62. wonach der älnteraebrachte, solange die vom Gesetz oder vom Gericht festgesetzte Zett der Unterbringung noch nicht ab gelaufen ist. nur mit Zustimmung des Gerichts entlassen werden darf, begründete Abg. Dr. Zapf (D. V.) den im Interesse der Eugenik von ihm im Einvernehmen mit den Abgeordneten Emminger (B. V. P.), Lobe (Hospitant der Demokraten) und Dr. Wunderlich (D. V.) gestellten Antrag, dem § 62 anzufügen: »Die Zustimmung des Gerichts Eann insbesondere dann erteilt werden. wenn der älntergebrächte sich der Sterilisation unterzogen hat." In seiner Begründung wies Dr. Zapf (D. V.) darauf hin, daß in Amerika bereits 25 Staaten gesetzliche Vorschriften hätten, die die Fortpflanzung von Menschen, die für die Gesellschaft schädlich seien, verhindern. Reichsjustizminister K o ch - W e s er nannte es dankenswert, daß das Problem der Sterllisat'.on hier zur Erörterung komme. Aus dem Gesichtspunkt der Eugenik und der Rassenhygiene sei die Frag« allgemein von großer Bedeutung, aber an diese Stelle des Entwurfes als Bedingung für di« Entlassung aus der Siche- rungsverwahrung sei die Sterilisa.ion verfehlt. Es sei unmöglich, di« Entlassung eines durch die Verwahrung Gebesserten noch von der Untertoerfung unter die Sterilisation abhängig zu machen Oberregierungsrat Hesse (Reichsgesundhecks- amt) bemerkte, die berufensten Sachverständigen Oie Wetterlage. ©wotxcimn. onr««er. anal» oidecei® Nomg. g otaem entgeh * Zehnte a 6r»DPCla e M(6tl R Gewitterst« cKnif» Osi massige» tuOsuowcsi q sturm»tnc» nordwcA OK »feile megen mii oem winde. Die Beiden Stationen stenenden Za» •en geien die Temperatur an. Die Urnen rerpmden Orte mit gieiOcM in! 'Meresaweau umaereenoaire Lulldmce Wettervoraussage. Der Luftdruck im Raume von Island hat sich infolge weiterer Kaltluftzufuhr weiter verstärkt und nach dem Rorvmeer ausgebreitet. Gleichzeitig hat sich das britische Druckfallgebiet nach Mitteleuropa verlagert. Di« Druckstörung hat bereits zur Eintrübung und stellenweisen Riederschlägen geführt. Der Einfluß ihrer Rückseite läßt es zunächst noch zu unbeständigem Wetter kommen, wobei einzelne Regenschauer auftreten. Wettervoraussage für Freitag: Anfänglich wechselnd wolkig, einzeln« Regenschauer. spater mehr Aufheiterung des Wetters, Temperaturen nachts vielfach um Rull. Witterungsaussichten für Samstag: Zeitweise bewölkt und Temperaturen schwankend. 11 «3 «® > M beule Ä bah bmd den, Old®: ’S fielen uni 6 [cnlidy enifchr Slntrai üb«, aussä trägt schuß M Iw ob Ä N blei! W v» M. bi# 5 W 2 aax3f ratu Li-H trag M ■ ictlcn beä ' fyiilx M sckk hon i Loch Sich eingt Siche fügt« lang ift im utxa noch tintla gesah dem weise ihn l Do er s stra Tvr rnbeb der | Dr. daß Tvk zur nom so rm der 5 also r anbei Wfti beteil Wt mung 2e lchen chen hm ben 5 A Aich früh ÖGBli tung tonn । Ministerialdirektor Dr. 'S um!« der Sterilisierung nach Berlin. 31. 0!t. (D.D.Z.) Der Reichstags- anS'chuh für die Strafrechtsreform setzte feine Be- catungcm über den § 62 (Entlassung aus der Sicherungsverwahrung usw.) und über den Antrag betr. Sterilisation von Verbrechern fort. Ministerialdirektor Dr. Dumke logt dar. wie die Frage der Sterilisierung nach fron Vorschriften des Strafgesetzbuches zu beurteilen sei. Ob eine Sterilisation mit Zustimmung des Verletzten gegen die guten Sitten verstößt oder nicht, könne nur nach den Um- ständen des Einzels alles beurteilt werden, wcchei selbstverständlich die allgemeinen wissenschaftlichen Erfahrungen über, die Wirkungen der Sterilisation maßgebend berücksich igt werden müssen. 2n diese Frage greife der Antrag ein. 2hm stehe zunächst die grundsätzliche Erwägung gegenüber, daß die ganze Frage der Vererbung wrssen- schaftlich noch nicht soweit geklart sei, um jetzt schon eine reichsgesetzliche Regelung erfahren au können. Weiter stehe entgegen, daß die Sterilisation die Gefahr, der durch die Unterbringung entgegengewirkt werden soll, gar nicht ab wendet. Ein ganz schweres Ve- denten liege ferner darin, daß der Antrag zwar die Einwilligung des Untergebrochien voraussetze, dah aber die Einwilligung in der Hoffnung, dadurch wieder die Freiheit zu erlangen, keineswegs als eine wirklich freiwillige angesehen werden könne. LnnschlandS feien gegen eine Zwangssterilisation, weit die Vererbungswiss-nschaft noch eine Reihe von Lücken au-zufüllen habe. Die frei- willige Sterilisation könne gelegentlich von 3n- teresse sein. Einen Ersatz für die 3ntermenmg bedeute die Sterilisation nicht. Abg. Dr. Moses (Goa.) führte aus, dah der Verbrecher trotz der Sterilisation doch asozial bleibe Trotzdem wollten die Sozialdemokraten dem Anträge zustimmen, um nach außen hm den Bestrebungen der Wissmschast eine gewisse Berechtigung einzuräumen. Oie Todesstrafe. Aus der yrovmzialhaupistadi. Dießen, den 1. Rovember 1928. Oie Flucht ins Leichtere. Es ist Wohl niemand, der sie nicht an sich selbst, oder an anderen schon beobachtet hat, sei es tm Alltagsleben, sei es bei besonderer Gelegenheit. Die Ausreden, unter denen sie sich vollzieht, sind so mannigfaltig, wie die Anlässe zu ihr. Wieviel Gründe finden sich z. D., um einen langweiligen Besuch, einen unangenehmen Gang aufzuschieben! Groß ist die Skala von plumper Vogelstrauß- polltik bis zur raffinierten Selbsttäuschung, die Skala der Vorwände, die nichts anderem dienen, als der Flucht in® Leichtere. Schon die Kinder kennen sie. Was für Erfindungskraft wird da nicht aufgewandt, um srch beispielsweise vor dem Aufgabenmachra so lang wie nur möglich zu drücken! Mit wievielerlei Künsten wird versucht, gefürchtete Stunden zu schwänzen! Man glaube aber beileibe nicht, daß die Erwachsenen um einen Deut besser wären Seren Drückebergerei ist nur mannigfaltigerer Datur. da ihre verschiedenen Veranlagungen sich ausgesprochener geben, als die der Kinder. Da gibt es Frauen, die eher ihr ganzes Haus von eben bis unten putzen, als dah sie svch hinsetzen und einen wichtigen Brief schreiben, und umgekehrt kann die gleichgültigste Korrespoichenz als höchstnoiwendig zur Entschuldigung dienen, um möglichste Hinauszögerung einer anderweitigen Verpflichtung zu motivieren. Was kann nicht alles Flucht ins Leichter« fein? Hingaoe an die Macht der Gewohnheit, aber auch gewaltsame Erzwingung eines Wechsels zur Beendigung unerträgli^en Zustandes. Güw kann Flucht ins Leichtere fein, ebensowohl wie Strenge, Hörte ebensowohl wie Weichheit, Offenheit wie Verstellung. Auch als Krankhrit sehen wir die Flucht ins Leichtere auftreten. Feine Beobachter stellen oftmals fest, daß sie sich gerade zu Zeiten, wo ihnen die Anforderungen des Lebens an Arbcit und gesellschaftlichen Verpf ichtungen über den Kopf zu wachsen drohen, z. D. in der Trambahn an- stecken und durch eine Grippe, »die sie sonst nie bekommen hätten", acht Tage Bettruhe diktiert erhalten. Man unterschätze die Gefahr nicht, die die fortgesetzt geübte Flucht ins Leichtere darstellt, und gebe sich Rechenschaft darüber, daß sie in letzter Steigerung auch zur freiwilligen Flucht aus dem Dasein führen kann. Wo immer sich Wahl des Schwereren feststellen läßt, um eines Ehrgeizes, eines Werkes oder eines anderen Menschen willen, da darf man aus mehr als gewöhnliche Stoßkraft, Begeisterungs- fähigkeit ober Herzen- wärme und demgemäß auf verstärkte Erfolgsau. sichen fchliesten. Für Pädagogen besteht hier vielleicht die aufschlußreichste Ansatzmöglichkeit. Gewiß kann bei Kindern Flucht ins Leichtere aus äußerer und innerer Entwicklung heraus bedingte Gründe haben, die zu achten sind. Immerhin dürfte heute, wo man vielfach dazu neigt, die Konflikte der Jugend In verderblicher Weise zu verwöhnen, eine maßvolle Tendenz, die grundsätzlich auf Inangriffnahme und Bewältigung des Schwereren hinarbeitet, nur von Ruhen fein. Es wird sich ja für den Einsichtigen ohnehin um nrchtS weiter als um ein ehrfurchtsvolles Belauschen von Aaturgesetzen bandeln, deren tiefste Verwurzelungen dem typgebundenen Einzelnen Geheimnis sind und wohl auch bleiben müssen. 2. v. D. Daten für Freitag, 2. November 1928. Sonnenaufgang 6.55 Uhr, Sonnenuntergang 16.32 Uhr. — Mondaufgang 19.59 Uhr, Monduntergang 12.42 Uhr. _ 1766: der österreichische Feldmarschall Graf Radetzky in Trzednitz geboren; — 1827: der Orientalist Paul de Lagarde in Berlin geboren. Notschrei aus dem Sowjetparadies. Ein ehemaliger russischer Kriegsgefangener, der aus der deutschen Wolga-Kolonie am Schwarzen Meer stammt, hat sich feiner ehemaligen Arbeitgeber in Deutschland erinnert. Der Landwirt Ludwig Decker in Wieseck erhielt dieser Tage einen Brief, der in seinem rührenden Ber- trauen auf die Hilfe der deutschen Landsleute ein schönes Dokument ist für die guten Beziehungen, die während des Krieges zwischen den Kriegsge'angenen und chren deutschen Arbeitgebern herrschte. Der Dref schildert, erschütternd in seiner knappen, wortkargen Art. die schwere wirtschaftliche Rotlage der deutschen Kolonisten im Wolgagebiet. Sie müssen Boot und Kartoffeln kaufen, ohne das nötige Geld zu haben und wissen nicht, wo sie ihr Futter für die Kühe und Pferde auftreiben sollen. Run, wo der Winter vor der Tür ist, haben sie keine Kleidung und leiden Hunger. Der ehemalige Kriegsgefangene erinnert sich bann mit großer Liebe des schönen Wiesecks und einer Reihe dortiger Bekannten und bittet um HAfe für sich und seine notleidende Familie. Gewiß werden viele Wie- feder gerne Gelegenheit nehmen, sich des Jakob Bachmann in Rohrbach, Station D-resowka, Kreis Odessa, Gouvernement Cherson, in Rußland zu erinnern. ^Lv.encr Wochenmarttpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 40, Unter Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 100 bis Abg. Frau Weber (Z.) erklärt namens -ihrer Parteifreunde, den Antrag auf Sterilisation von Verbräm ablehnen zu müssen aus Gründen, die die Person des Verbrechers und die Der- antwort!.chkctt des Menschen betreffen, wie aus staatsrechtlichen Gründen. Abg. Dr. Hanemann (Dn.) bemerkt, die Ansichten auch feiner Freunde feien sehr schwankend und die Mitglieder könnten nur nach ihrem persönlichen Empfinden und ihren Erfahrungen sich entscheiden. Er persönlich stehe dem Gedanken des Antrages nicht von vornherein ablehnend gegenüber. Er beantrage Ueberweifung an einen Unterausschuß. Nach weiterer Debatte werden die Anträge mit dem Paragraphen 62 einem Unteraus- schuß überwiesen. Nunmehr soll nach den früheren Abmachungen im Ausschuß über die Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt werden. Vorsitzender Abg. Dr. Kahl (D. 23p.) hatte zur Sicherungsverwahrung noch einen Antrag eingebracht, der in die Paragraphen bezüglich der Sicherungsverwahrung folgenden Paragraphen ein- fügen wollte: ..Ein wegen Mordes zu lebenslanger Zuchthaus ft rafe Verurteilter ist im Falle einer Begnadigung In Sicherungsverwahrung zu überführen. Das Gericht hat nach Ablauf von drei Jahren zu prüfen, ob durch Entlastung des Verwahrten die öffentliche Sicherheit qesährdet wird. Bei der Entlastung kann das Gericht bem Verurteilten einen Aufenthaltsort an- weifen, ihm besondere Pflichten auferlegen oder ihn unter Schutzaufsicht stellen.- Vors. Abg. Dr. D. Kahl (D. V.) erklärte, daß er für die Aöschafsung der Todesstrafe stimmen werde, aber nur unter der Voraussetzung, dah später sein Antrag zur Sicherungsverwahrung angenommen werde. Sollte dies nicht der Fall sein, so müsse die Abstimmung über die Abschaffung der Todesstrafe wiederholt werden. Es soll sich also nur um eine vorläufige und bedingte Abstimmung Handelm Da einige Ausschußmitglleder daran festh.elten dah jetzt unbedingt tot Behandlung des Kahlschen Antrages zur Sicherungsverwahrung erst über die Frage der Beibehaltung oder Abschaffung^ der Todesstrafe abgestimmt werden solle, so erklärten andere Ausschuhmitglieder, dah sie sich an der Abstimmung über die Todesstrafe zunächst nicht beteiligen wollten da sie geschäftsordnungömäßig gegen die augenblickliche Vornahme der Abstimmung feien. Bei der Abstimmung über den sozialdemokratischen Antrag, die Todes st rafe zu streichen. stimmten für den Antrag die Sozialdemokraten und die Kommunisten, von den Demokraten stimmte für den Antrag Frau Abg. Lüders und schließlich stimmte unter der bekanntgegebenen Voraussetzung für den Antrag der Vorsitzende des Ausschusses, Abg. Dr. D. Kahl (DVP.). Die übrigen Ausschußmitglieder beteiligten sich aus geschäftsordnungs- mähigen Gründen an der Abstimmung nicht, so daß formal der Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe mit 14 (vierzehn) Stimmen im Ausschuß angenommen ift. Abg. Dr. Hanemann (Sn.) sieht in dem Antrag Kahl eine Abschwächung gegenüber den früheren Erklärungen des Abg. Dr. Kahl, denn damals habe er dauernde Sicherungsverwahrung solcher Verbrecher gefordert. Seine Freunde könnten deshalb dem Anträge nicht zu st im» 120. Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 biS 15, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 70. Kartoffeln 5 bis 6. Aep.el 20 bis 40, Birnen 10 bis 30, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 120, Russe 60 bis 100, Hagebutten 15 Pf. das Pfund! Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 30, Ober Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 15 Pf.; Weißkraut der Zentner 6 bis 7 Mk., Wirsing 10 bis 12, Rotkraut 15, Kartoffeln 5, Aepfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 20 Mk. Borrwtjzcn. — Taaeskakender für Donnerstag. Vortrags-Vereinigung: Experimentaloortrag, 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität. — Gießener Ruderaefellschaft 1877 e. V.: Generalversammlung, 8.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Heilige und ihr Narr". — Astoria-Lichtspiele: „Der Löwe des Hafenviertels". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die morgen stattfindende Aufführung von Shakespeares „Richard UL* beginnt um 19.30 Uhr. Spielleitung hat der Intendant. — Am Sonntag, 4. November, findet als Sonntu^gaftfpiel des Frankfurter Neuen Operettentheaters zu ermäßigten Preisen die in Frankfurt mit großem Erfolg uraufaesührte Operette „Liebe und Trompetenblasen* nach Hans Sturms und Hans Lachwitz' bekanntem gleichnamigem Lustspiel statt. Diese Operette war einer der durchschla- ge..dften Saisonerfolge des Frankfurter Neuen Operettentheaters. — Hefsifch-DaterländifcherBlock. Am nächsten Sonntagnachmittag spricht auf der.Liebigs- höhe* Freifrau von Hadeln über „Die sittliche Verantwortung der Jugend". Anschließend sollen zwei bemerkenswerte Filme gezeigt werden. Näheres in der heutigen Anzeige. — PrufungS-Konzert der Klavierschule von Marie Körner. DaS Programm des am Sonntag, 4. Rovember, vormittags 11 üfjr im Saale der Schule, Westanlage 48, ftattfinbenben Prüfungs-Konzertes bringt Werke von Händel, Mozart, Schubert, Bellini, Schumann, Kirchner, Weber, Windsperger und Kompositionen für die Jugend. Das Konzert findet zum Besten der Schwesternhäuser statt. — Der Mandolinen- und Gitarrenverein „Reapolita" Gießen wird am Sonntag 11. Rovember, nachmittags 4,30 älj>r, in der Reuen Aula der älniversität sein diesjähriges Herbstkonzert abhalten. Das Konzert gewinnt eine besondere Rote dadurch, daß es dem Verein gelungen ist, dir Mcrndolinmvereine von Fraickfurt-Bockenheim, Hanau und Wieseck zu einem Massenchor zu vereinen. Unter der Leitung von Hans Sonntag (Gießen) werden Werke von Mozart, Th. Ritter, Liprandi, Garton u. a. zum Vortrag kommen. Es werden hier erstmalig in Gießen Massenchöre auf Saiten» inftrumenten zu Gehör gebracht. Man beachte die heutige Anzeige. — Der .Wandervogel Höhenflug", Gießen, behördlich anertannler Verein für Jugendpflege, veranstattet am Sonntag, 4. Roo., nachm. 3Vg älhr, im Restaurant .Postkeller'' ein Werbe Konzert, bestehend aus Strich- und Zupf- mufit Das Konzert soll der wandernden und musikliebenden Jugend Gelegenheit geben, sich mit den Bestrebungen der Jugendpflege befannt- zumachrn. Siehe heutige Anzeige. • •* Provinzialausschuß Oder Hessen. Am Samstag, 3. Rovember, vormittags 8.30 älhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Ludwig W e h r u rn, Architekt, Gießen, gegen die Stadt Gießen wegen Heranziehung zu den Straßenbaukosten des Leihgesterner Weges. 2. Klage des Bezirksftirsorgeverbandes Wiedenbrück gegen den Dezirkssürsorgeverband Friedberg wegen Erstattung der entstandenen und noch entstehenden Kranlenhauspflegekosten für Georg Schutt. 3. Klage des Dezirkssürsorgeverbandes Frankfurt a. M. gegen den Dezirksfürsorgever- band Friedberg auf Erstattung von Unter- stützungskosten für Paul Schellenberger. ** Gesperrt-« Vieheinfuhr. Der hessische Minister deS Innern hat dir Regierungsbezirke Hannover, Oberbayern, Schwabm und den Donaukveis bis auf weiteres als stark verseucht bezeichnet. Alles aus diesen Gebietsteilen nach tessen einaesührte Zucht- und Ruhvieh (Rinder, chafe, Schweine, Ziegen) unterliegt demnach dec fünftägigen Absonderung nach Maßgabe der gegebenen seuch.npolizeilichen Vorschriften. ' Straßensperre. Wegen Walzarbeiten ist der Hohl Eichweg von der Rodheimer Straße ab auf eine Länge von etwa 500 Meter bis auf weiteres für allen Fährverkehr polizeilich gesperrt. Personalien. Ernannt wurden durch Entschließung des Ministeriums für Ka.tus und Bildungswesen die ©tub ".enref erenbare Ot.i.ie Weber und Alice Ackermann in Gießen zu Studienassessoren. ** Rücktritt der Oberschwester Marg. H a st e r. Für die Frauenklinik und die Medizinische Klinik hat der heutige 1. November seine besondere Bedeutung. In der Frauenklinik verlaßt heute die seitherige Oberschwester Margarete H,ast er ihre leitende Stellung, um sich im Aller von über 74 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zurückzu- ziehen. 35 Jahre lang war sie an der Frauenklinik in musterhafter, vorbildlicher Weise tätig. Ihre großen, unvergeßlichen Verdienste um diese Anstalt hat deren Direktor, Professor Dr. v. Iaschke, kürzlich bei einer internen Feier mit herzlichen Dorten der Anerkennung und des Danke» hervorgehoben. Oberschwester Margarete Ha st er wird ihren Lebensabend im Mutterhause des Alice-Frauenoereins vom Roten Kreuz in Darmstadt zubrinaen. * Feuerbestattung. Än den fünf im Freistaat Hessen bestehenden Krematorien fanden im dritten Quartal im ganzen 201 Ginä'cherungen statt (gegen 167 im gleich:n Zeitraum 1927). Es entfallen davon auf Darmstadt 25 (22), Friedberg 12 (9), Gießen 25 (15), Mainz 71 (57), Offenbach 68 (64). •• D ä s Hotel Hindenburg im SelterS- weg eröffnet heute feine neu hergerichteten Re- staurationsräume. Rach etwa vierteljähriger 11m* bauarbeit entsprechend einem Entwürfe und unter der Bauleitung des Architekten Daurai Metzer kann der Bauherr, Hotelier G l g e S. seine Gäste nun in einem Lokal empfangen, daS sich in vorteilhafter Weise präsentiert. Durch «v- heblichen Srmenumbau wurde ein räumlich größerer und lichter Restaurationssaal geschaffen, dem sich seitwärts ein kleiner Saal für Veranstaltungen interner Art anschließt. Beide Rostaurat wnsräume haben durch die Verwendung von Holzverkleidung in heller Eiche bis zu etwa Wanneshöhe und durch lichte Farbengebung der Wände eine angenehme Rote erhalten. Die Beleuchtung entspricht großstädtischen Maßstäben. Gleichzeittg mit der inneren Umgestaltung des Hauses wurde der Eingang zu den Gasträumen modernisiert und an der Frontseite des HauseS eine Reuherrichtung öor genommen, die daS Unternehmen auch nach außen hin in würdiger Weise in Erscheinung treten läßt. •• an 11 dem Motorrad verunglückt ist gestern nachmittag gegen V22 Ahr in der Räbe des Forstgartens im Stadtwald ein Motorradfahrer aus Gießen. Der bedauerndtoette Mann hat dabei erhebliche, .anscheinend innere Verletzungen davongetragen. Die Arbeitersamariter- Kolonne leistete die erste Hilfe und verbrachte ihn mit dem städtischen Sanitätsauto nach seiner Wohnung. Das Motorrad wurde zertrümmert. Lieber die Ursache fr?ä llnglücksfalles ist bis jetzt noch nichts Bestimmtes bekannt geworden. * Richtigstellung. 2n dem De>richt über die Padd-er-Gilde Gießen (Gieß. Anz. v«m vorigen Freitag) muß es richtig heißen, dah die von dem einzelnen ausübenden Paddler zurückgelegte durchschnittliche Paddelstrecke sich auf 300 bis 400 Kilometer beläuft, nicht -000 bis 5000 Kilometer. Mangelnde Auiobusverbindung Klein-Linden — Gießen. Aus Klein-Linden wird uns geschrieben: älnsere gegenwärtige AutobuSverbtn- dung mit Gießen ist völlig unzureichend. Ramentlich an den Gießener Markttagen, Dienstag, Donnerstag und Samstag, ist der Autobus von Hochelheim und Lützellinden her so ft aal besetzt, daß er oft, ohne in unserem 2000 Seelen zähleirden Dorfe haltzumachen, direkt nach Gießen durchfährt. Erst wenn der Hauptwagen dort ankommt, wird von Gießen aus ein zweiter Wagen nach Klein-Linden, vielleicht sogar erst nach Lützellinden geschickt, um die dort wartenden Personen abzuholen. Ratür* lich kommen die Fahrgäste ohne ihr Verschulden zu spät an ihre Gießener Arbeitsstätte, bzw. die Kinder, die nach Gießen In die höheren Lehranstalten gehen, zu spät zum Unterricht. Dah unter diesen Umftän&en viele Leute unser einziges Verkehrssahrzeug, den AutobuS, überhaupt nicht benutzen können, liegt auf der Hand, denn ein Verkehrsmittel, das seine Fahrgäste mW halbstündiger Verspätung an die Arbeitsstelle bringt, wird von vielen abgelehnt und darf nicht darauf rechnen, von der Allgemeinheit benutzt zu werden. Die abendlichen Fahrten ab Gießen sind direkt mit Gefahren verbunden, da in das Auto, das nur etwa 30 Personen saßt, dutoeilen 60 Personen hineingepfropft werden. 3m Führersitz sitzen und stehen zuweilen biS zu 6 Personen, so daß sich der Führer selbst kaum bewegen kann. Man muß sich wirtlich Wundern, daß bis jetzt die Fahrten immer so glatt ab gelaufen sind. (Die Bewohner Klein-Lindens konnten sich fetzt eine ausreichende und regelmäßige K ra f t o rn n i b u s ve rb i n d u n g mit Gießen schaffen, wenn sie sich in weitblickender Weise an der Autolinie beteiligen würden, die schon in allernächster Zeit von der Stadt Gießen eingerichtet werden dürste und — nach den bisherigen Dispositionen — vom Stadtzentrum aus bis an die südliche Stadtgrenze versehren soll, sehr wohl aber auch bis nach Klein-Linden fahren konnte. D. Red.) Berliner Börse. Berlin,!. Nov. (WTD. Funkspruch.) Auch heute ist wieder vollkommene Zurückhallung bei den Banken zu beobachten. Man scheint weiter zur Schwäche zu neigen, da anregende Momente nicht vorliegen, und die Aussperrung in der nordwestdeutschen Eisenindustrie, schwache Auslandbörsen usw., zur Zurückhaltung mahnen. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt hort man: Paris 124,11, das Pfund 484,88, den Dollar 4,197750, Madrid 30,08. __ DteAubmNch gevkmr imMrgen des Säug, lings zu groben Klumpen, die viel schwerer zu ver- bauen sind alS die feinen Flocken, die sich auS der Muttermilch b.lben. Denn Sie der Kuhmilch einen Zusah von „Kufeke" geben, so tritt auch bei dieser eine feinsiockige Gerinnung dn, gleichzeitig wird der Nährwert der Milch erhöht, und Ihr Kind bleibt vor Derdauungsbeschwerden bewahrt. Dein Kaffeekränzchen kommt zu Gast, Weit heut'an Dip die Runde, Das Backen wird Dip nicht zur „ „ Last- Wenn „Oetker mit im Bunde. Dr Oetkers Backpulver wodwi Ans Dr. Oetker’* Rezeptbuch F. Überall für 15 Pfennig erhältlich, wenn vergriffen, gegen Einsendung von Marken von mir direkt. Zubereitung: Zu erat bereitet man den Teig. Die Butter röhrt man zu Sahne, fügt Zucker, El. da» mit dem Backrti gemischte und gesiebte Mehl, Milch und eine Prise Salz hinzu. Diesen Teig rollt man auf dem Blech der gefetteten Springform reichlich H Zentimeter dick aus. Die Butter zum Belag laßt man schmelzen, fügt den Zucker, VanllHn-Zucker, die gemahlenen Mandeln und 2 EB- Idffel Milch hinzu, läßt alles noch einmal gut durch kochen, streicht die Masse auf den Teig und backt den Kuchen bei Mittelhltze reichlich *4 Stunde. Zur Füllung bereitet man eine Buttercreme, indem man I Päckchen Dr. Oetkers Vanille-Soßenpulver mit */io Liter MUch und 60 g Zucker unter ständigem Umrühren zum Kochen bringt und dann die Creme bis zum Erkalten rührt. Man läßt 20 g Kokosfett über schwachem Feuer zergehen, rührt dieses bis zur butterweichen Beschaffenheit, gibt nach und nach die Butter hinzu und rührt löffelweise die Creme darunter. Den erkalteten Kuchen schneidet man in 2 Scheiben, streicht die Buttercreme dazwischen und letzt sie aufeinander. Es empfiehlt sich, den Kuchen erat am Tage des Gebrauche» zu backen. Dr. August Oetker, Bielefeld. Zutaten zum Telgr 100 g Butter, 1 Ei, 100 g Zucker, % Pfund Mehl, y, Päckchen Dr. Oetker’s Backin-Backpulver, 3 Eßlöffel Milch, etwas Salz. Zutaten zum Belag: 100 g Butter, 100 g Zucker, 60 g Mandeln, y, Päckchen Dr. Oetker’s Vanillin-Zucker. Zutaten zur Füllung: l Päckchen Dr. Oetker e Vanille-So ßen- Ei'.ver, •/* Liter Milch, 60 g Zucker, 20 g Kokosfett, 100 g utter. Sensations-Preise ^ererTextil-Abteilung im zweiten Stock unseres Hauses Schulstraße 4 WÄSCHESTOFFE 0.95 Bettwäsche 0.38 Leibwäsche A 1.50 0.78 B 0.88 p. m 1.25, 1.10, rauhte Ware Modehaus Salomon-Gießen-Schulstr 9610A i It Herr Rektor 1. R. Peter Hoffmann fr Tauscht alte Rasierklingen! a Mulcuto-Werk. SoUs««xu Dinslaken, den 31. Oktober 1928. 961 ID re tragen Sie nur Gießen, 1. November 1928. 07735 ALLEINVERKAUF: [Stellenangebote ( Mietgesuche 9569A Zu Hause waschen? 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Nr 258 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, November (928 Freiheit oder Tod. Mit versiegelter Ordre zum Führer der mazedonischen Komiiadschi. Don unserem WEB.-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Sofia, Ende Oktober 1928. Wer in alten bulgarischen Zeitschriften blättert, findet häufig Photographien, die bärtige Männer in wallendem Haupthaar in abenteuerlicher Kleidung zeigen. Man könnte an Apostelköpfe denken, wenn nicht jeder d'.eser bärtigen mit einem Arsenal von Schieß- und Stichwaffen behängt wäre und mit wilden Augen um sich blickte. Es sind Bilder der gefürchteten Kornttadschis, unter denen die Allgemeinheit auch heute noch halbpolitische Ballanräuber zu verstehen gewöhnt ist. Zn Wirklichkeit handelt es sich nm Angehörige der Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation, kurzweg Imro genannt, die im Jahre 1893 von Götze Deltschesf, Dame Grueff und Pere Toltscheff nach dem Borbild der italienischen Karbonari gegründet wurde. Die Imro besteht somit seit 35 Jahren; ihr Ziel ist no-ch heute laut den Statuten von 1893 die Erlangung Völl ger politischer Autonom e für Maze7on'en und jeder Einwohner der damaligen europäischen Türkei kann, ohne Rücksicht auf die Rationalität, Religion und Geschlecht ihr Mitglied werden. Selbst Ausländer, wie der russische Fürst Tagaeff und der amerikanische Korrespondent Haies, haben in ihren Reihen gekäinpft. Heute richtet sich der Kampf der Imro, an deren Spitze ein dreiköpfiges Zentralkomitee steht, gegen Griechenland und hauptsächlich gegen Jugoslawien, denn _ zwischen diesen beiden Staaten ist seit den Verträgen von 1918 Mazedonien aufgeteilt. Auch Bulgarien besitzt einen kleinen Teil Mazedoniens, die beiden Kreise Gorna-Djumaia und Petritsch. Da aber die Mazedonier in Bulgarien frei und ungehindert leben können und sogar im Sobranjie elf Abgeordnete haben, so besteht wenigstens hier keine Reibungsmöglichkeit. Dazu liegen Er- Körungen bulgarischer Staatsmänner vor, wonach Bulgarien jederzeit bereit ist, die genannten Bezirke an ein freies und selbständiges mazedonisches Staatswesen abzutreten, wenn ein solches einmal gebildet werden sollte. In den letzten Monaten ist auch in der europäischen Presse häufig von der Imro die Rede gewesen. Der Anlatz hierzu war die Ermordung des Generals Protogeroff, Mitglied des Zentralkomitees. Der Mord warf em grelles Licht auf die Zerwürfnisse, die seit längerem rn der Organisation herrschen und als deren Hauptursache der ehrgeizige und mißtrauische General bezeichnet wird. Rach dem Attentat auf Protogeroff begannen sich innerhalb der Bewegung zwei Kreise abzuzeichnen, die sich gegenseitig mit Presseerklärungen und besonderen Kommuniques bekämpften. Der eine Flügel, anscheinend der kleinere, setzt sich aus den Freunden des ermordeten G-enerals zusammen, während der andere unter der Führung des jüngsten Mit- ?liebes des Zentralkomitees, Iwan M i ch a i- o f f steht. Die erwarteten blutigen Auseinandersetzungen stellten sich nicht ein; lediglich zwei bewaffnete Zusammenstöße fanden im Gebirge statt und beide endeten mit dem Siege der Truppen Michailvffs, dessen Position damit natürlich an Stärke gewann. Es ist nicht leicht, den Befehlshaber einer revolutionären Truppe, die sich, merkwürdig genug, seit 35 Iahren im mobilen Zustand befindet, zu Gesicht zu bekommen. Mazedonien ist weniger groß als unwegsam; es erstreckt sich vom bulgarischen Küstendil zum griechischen Saloniki, vom Schargebirge an der albanisch-jugoslawischen Grenze zum Pirinmassiv in Südbulgarien. In diesem Gebiet galt es, Michai- loff zu treffen. Die Vorbereitungen, die erforderlich sind, um zum Chef der Imro zu gelangen, sind verwickelt und langwierig: nur einer kleinen Zähl Auserwählter ist es bisher gelungen, Zu- Funkspruch. Von Alfons poquef. Gruß euch, die ihr bereit seid, zu hören, mit dem elastischen Stahlband über dem Kopfhaar und den schwarzen Muscheln an beiden Ohren — um in der plötzlichen Stille die eine Stimme auszufangen, die im Weltraum zu euch hineilt tote das Schiffchen auf seiner Welle, gerade zu euch, aber auch dort hin, wo fein Ohr ist. Ihr seid aß getrennt von der rauschenden Umwelt, nur euer Auge ist, wo es immer ist, und ihr selber seid da, der eine in seiner Sofaecke bei der Lampe, der andere am Röhren-Apparat im physikalischen Kabinett. Oder hoch im Gebirge eingeschneit in der Hütte zwischen Tannen unter der Schneelast, die der kommende Sturm herabreiht. Oder bei der Kerze im niedern Zimmer des weitläufigen Schlosses, das einst viele dienstbereite und unterwürfige Besucher kannte und jetzt leersteht mit seinen Gängen doll alter Schränke, mit den Familienbildern in Gala und Perücken. Bei euch knistern die (Sfcßeite im Ofen, und draußen im nächtlichen Park knarrt die Eiche im melancholischen, schneidenden deutschen Winter. Gruß an jene, die an den kleinen Marmortischen sitzen im überfüllten Kaffeehaus mitten im Toben unb Klingen der Großstadt, berührt von einem Blick der Rachbarin oder des Rachbars hinter der Zeitung, oder gestört durch eilten Wortwechsel nebenan oder durch den abrechnenden Kellner, das Klappern der Tassen. Trotz der ßeghmenben Kaffeehausmusik brechen meine Worte aus dem Guttaperchamund des Lautsprechers aus der Wand gerade auf euch zu. Gruß an jene, die ausgestreckt daliegen im schmalen weihen Krankenhauszimmer, mit Ala- basterhänben auf bet Decke, bei bet Rachtlampe. Es geht bester, ber Arzt ist fortgegangen, der Wächter hat erlaubt, den Hörer ein Viertel- stündchen anzulegen. Wie gut, in dieser Stille eine Stimme zu hören, die von was anderem spricht. Gruß an den Knaben, der die Kupserfäden aus- gespannt hat und seinen Apparat in die Luke des Speichers eingebaut in der Zeit zwischen den Schularbeiten und dem Spiel mit Schlangen tritt zu dem stets wechselnden Lager Michai- loffs zu erhalten. Wie im Kriege die Schiffe, m i t versiegelter Order reisten, so fuhren wir durch Mazedonien, wurden von Ort zu Ort dirigiert, ohne das Endziel der Fahrt zu kennen. Die letzte Etappe war das Gebirgsstädt- chen D., am Fuße dreitausend Meter hoher Berge gelegen. Auf dem Friedhof dieses Städtchens reihen sich die Gräber der im Kampf gefallenen Mazedonier, die selbst in ereignislosen Iahren wenigstens 500 Mann Verluste haben. In dem bescheidenen Gasthof sah an unserem Tisch eine seltsame Frau: Mentsche K a r n i t s ch e w a, die im Herbst des Iahres 1925 im Wiener Durgtheater den Mazedonier Paniha erschoß. Sie lebt heute unter ihren Landsleuten und ist die Gattin Iwan Michailvffs. Beide Umstände verleihen ihrer Person ein besonderes Gewicht. Auch aus den tiefschwarzen Augen dieser Frau mit dem mageren, von Wind und Sonne gebräunten Gesicht, sprüht der unbeugsame Wille dieses Volkes, das im Kampf um seine Freiheit keine Hindernisse kennt. Seit meinem Eintritt in den Gasthof ist um uns ein stetes Gehen und Kommen. Gedrungene, kräftige Gestalten in Lodenröcken, tauchen auf und verschwinden, halblaute Worte werden mit meinen Begleitern gewechselt, Befehle erteilt, Abmachungen getrrffen. Im frühen Morgengrauen des felgenden Tages klappern Pferdehufe vor dem Hause, in dem ich Dank der Fürsorge Frau Mentsches gute Unterkunft gefunden hatte. Gin schweigsamer Dauer dient uns als Führer durch waldreiche Schluchten, in benm nur der Hus- schlag der Pferde die völlige Stille unterbricht. Stundenlang reiten wir bergan. Endlich, gegen Mittag taucht eine Gestalt zwischen den Bäumen auf. Ein Mann in grauer Pelerine, über dem Rücken einen Karabiner, um den Leib einen doppelten Patronengurt, an den Füßen Opanken, ber Wachtposten der Tscheia (Bande) Iwan Michailoffs. Da er mich militärisch grüßt, scheint er von meinem Kommen unterrichtet zu sein. Ein paar Schritte weiter und wir stehen vor der Truppe. Es ist eine Truppe und ihr Anblick allein genügt, um den Beobachter davon zu überzeugen, daß es sich wahrlich um keine Bande von Balkan räubern handelt. Ieder Mann sauber rasiert, tadellos gepflegte Monturen, wie man sie etwa bei einem Schützenverein findet, gleichmätzig mH automatischen Karabinern, Revolvern und Eierhandgranaten bewaffnet, lederner Brotbeutel, Feldflasche, doppelter Patronengurt, Signalpfeife — alles in bester Verfassung, wie eine gutgebrHlte Mannschaft, die ber Besichtigung harrt. Aus der Gruppe löst sich ein Mann, gekleidet und bewaffnet wie die anderen: IwanMichailoff. Herzliche Händedrücke werden ausgetauscht, denn selten ist ber Besuch eines Fremden in diesen Einöden. Das Lager ist in einem Dergsattel gelegen, durch einen dichten Kreis von Posten vor jeder Heber« raschung geschützt. Iwan Michailoff ist ein junger Mann, mit dem scharfkantigen Gesicht eines modernen Sportsmannes; er spricht französisch und handhabt seine Muttersprache, das Bulgarische, mit einer Kunstfertigkeit, wie man sie selbst unter Bulgaren selten findet. Zwingend ist die Logik, mit der er die Entstehung, Entwicklung und die Zukunft der Imro auseinanderseht. Während der angeregten Unterhaltung wurde uns von einem älteren Tschetnik, der vertraulich „Onkelchen" genannt wurde, das Mittagsmahl aufgetragen. Ein paar Schnitten Brot in einem großen Taschentuch serviert, dazu Schafsfleisch am Rost gebraten, mit Pfefferschoten garniert, Schafskäse und Aepsel, als Getränke Pflaumenschnaps und Quellwasser. Den Luxus von Tellern ersetzten ein paar Gabeln. Rach dem anstrengenden Ritt mundete das Essen und Meerschweinchen. Sein Herz klopft vor Spanmmg dort oben unter dem staubigen Dachse rüst. Gruß dem Arbeiter, der gerade nach Haus gekommen ist, die Schicht ist vorüber, er tritt mit feuchttrockenen Händen von ber Waschschüssel in die Küche, gleich wirb zu Qlbenb gegessen; er nimmt noch einen Augenblick den Hörer, den andern bekommt der Knabe, der auf dem Knie des Vaters sitzet, die Mutter hanttert am Herd. Gruß ber alten Frau mit bem Arbeitskörbchen auf dem Schoß in ihrem Lehnstuhle am Fenster mit der kleinen Glasscheibe des Spions davor, durch den am Tag die ganze Straße wandert. Für den Abend ist der Hörer da. Ihr Sohn aus der Großstadt, der kürzlich auf einen Sprung bei der Alten einkehrte, hat ihr das eingerichtet. Gruh an den Zauberkünstler, ber bie Antenne auf dem Spaziergang bei sich trägt, er probiert es mit einer Tabakspfeife, die Saiten hat wie eine Harfe und Stimmen auffängt von irgendeiner Sendestation in ber Entfernung. Gruß euch allen, auch wenn wir uns nicht kennen. Iebe Stimme ist durch das Lauschen geworden. auch bie meine, bie jetzt knistert wie eine Bogenlampe. Menschenstimme, bie bie Membrane berührt, um auszustrahlen nach allen Seiten durch die Vermittlung der dürftigen Erfindung. die lange genug auf sich warten lieh in jenem Teil der Schöpfungsgeschichte, an denen ber Mensch mehr Anteil nimmt als irgendeines seiner Witgeschöpfe. Dünne, eintönige Stimme des Rufers auf dem Minarett gedenket, o chr Menschen, des Lichtes, das klarer als die Sonne des frühen Morgens an der unbewölkten Ostseite des Firmaments! O ihr Menschen, hört bie Stimme bes Allbelebenden. des Allmächtigen^ des Allerbarmers! Ieder hat gelernt zu lauschen auf das, was sich von selbst versteht. Er sieht das Schimmern des Lebensrades und hört das Dröhnen ber Räder. Alle haben warten gelernt auf den Ton, der das Herz trifft, auf den Brief, der alles sagt, mit Siegel und Unterschrift, auf den Wein aus der Rebe, auf die Botschaft der guten Stunde, auf das Bild, das sich hervorhebt aus allem trügerischen Schimmer. Gruh denen, die jetzt schlafen gehen mH einem satten Gähnen. ausgezeichiret; ich habe auf mannigfachen Reisen im Balkan nicht oft so gut gegessen, wie aus der Maidküche ber Komitadschis. Iwan Michailoff hegt wegen der Lebensfähigkeit der Imro keine Vrsorgnisse mehr, er ist überzeugt, daß in kurzer Zeit alle Angehörigen der Imro die Ansicht des Kongresses teilen werden. der im Iuli nach ber Ermordung Proto - geroffs tagte und die Maßnahme Michailoffs gut- hieh. mit ber Begründung, dah es besser war. einen Mann der Imro zu opfern, als das ganze Gebäude der Organisation dem Zerfall auszusetzen. Die Mittel, die die Imro in der kommenden Zeit antoenben wird, hängen von den Umständen ab. Sie werden aber solange illegale, d. h. revolutionäre Mittel sein, als das Ziel der Imro nicht erreicht ist, denn die 35jährige Vergangenheit hat bewiesen, dah mit legalen Mitteln nichts auszurichten ist. Ein Volk, das um seinen Bestand kämpft, wie das mazedonische hält in dieser Selbstverteidigung jedes Mittel für erlaubt. Die Zugehörigkeit zur Imrv steht unter der Losung „Freiheit oder Tod" — ihre Angehörigen stehen immer mit einem Fuh im Grab und, wie sich Michailoff ausdrückte, „nicht nur aus Liebe zur Kunst führt die Kampf- ttuppe der Imro seit 35 Iahren ein so hartes und zumeist mit gewaltsamem Tode endendes Leben". — Und um jeden Zweifel darüber zu beheben, daß dieser Kamps, der bei der Beurteilung der Balkanlage stets in Rechnung gestellt werden muh. nicht um des Kampfes willen geführt wird, fügte Michailoff hinzu, daß in dem Augenblick, da das mazedonische Volk seine kulturelle Selbständigkeit erlangt habe, die Komitadschis ihre Waffen nieberlegen würden. DieIrauunddasAnswandemWroblem. Erfahrungen in Südamerika. Von unserem 8.-Korrespondenten. Santiago (Chile), Ende Oktober. Ein älterer deutscher Diplomat, ber besonders in südamerilanischen Ländern reiche Erfahrungen sammeln konnte, sprach mir neulich sehr ernsthaft von der Rotwendigkeit, bei jeder Förderung des deutschen Auswandererwesens vor allem auch bie weibliche Beteiligung nicht zu vergessen. Sein erstes Argument war dabei bie zweifellos richtige, immer wieder beobachtete Tatsache, daß die deutsche Sprache und das deutsche Vollstum am besten bei den deutschen Muttern aufgehoben und geschützt sind. Es ist ost geradezu erschreckend, wenn man etwa in Santiago oder Buenos Aires einen deutschen Landsmann kennengelernt hat, dessen Heimattreue, Gesinnung und vielseittge deutsche Interessiertheit höchst erfteillich hervoctreien, und dann in seinem Hause wohl Frau und Kinder begrüßen mutz, die überhaupt kein Wort Deutsch verstehen und in ihrem ganzen Gebühren zeigen, daß sie bereits einem fremden Volkstum an gehören. Das Arbeitsleben in diesen neuen Ländern ist meist für den.Deutschen, der vorwärtskommen will, recht hart, und besonders in den Großstädten kommt er wohl abgespannt und müde erst am Abend nach Hause, wenn die Kinder schon im Bett sind, so daß sie seiner deutschen Einwirkung, auch wenn diese ehrlich erstrebt wird, so gut wie gänzlich entzogen bleiben. Hinzu kommt bie große Schwierigkeit ber deutschen Sprache für fast alle Ausländer und für die Heranwachsenden Kinder die Gewohnheit der Straße und überhaupt die selbstverständliche Anpassung an die allgemeine Umgebung. Ganz anders, wenn die Hausfrau und Mutter selbst deutsch ist. Auch dann werden die Kinder in ber Landessprache oft ihre eigenfliche Muttersprache empfinden, und es wird ganz von den persönlichen geschäftlichen Bedingungen abhängen, in welchem Grade sie ihrerseits dem Deutschtum wirksam erhalten bleiben. Auch hierfür findet ber Besucher der südamerikanischen Länder zum Glück genug zahlreiche erfreuliche Beispiele. Und recht oft, wie absichtlich hier verraten werden soll, sind deutsche Mädchen, die aus oft traurigen häuslichen Gründen den Mut aufgebracht und irgenbeine Stelle in biesen Ueberfeelanben angenommen haben, rasch zu prächtigen deutschen Hausstauen in angenehmsten. oft großzügigen Verhältnissen gediehen. Zugleich eben bester Gewinn für bie deutsche Sache im allgemeinen. Von solchen Mädchen mit leidlich guter Kinderstube und taktvoller Tüchtigkeit gilt uneingeschränkt das lapidare Wort, das kürzlich hier in einer deutschen Vereinsrunde siel: „Die gehen weg wie warme Semmel!" Dabei kann man natürlich noch die verschiedenen Unterschiede und sozialen Bedürstisie durchaus berücksichtigen. Die besten Aussichten hat heute vielleicht der Typus des unkomplizierten, in ländlicher Umgebung ausgewachsenen Mädchens mit gesunden Gefühls- und Verstandesträften und daneben in freilich geringerer Anzahl die ganz moderne, kör)>erlich und seelisch durchtrainierte grau, die sch ohne überflüssige Hemmungen jeder Situation anzu passen Weitz und dem passenden Mannpartner in jeder Weise eine wertvolle Lebensgefährtin werden kann. Der deutsche Diplomat hat also vollkommen recht, wenn er deutsche Mädchen zum Heiraten heraushaben will. Wobei von anderen, mehr sentimentalen und etwas altmodischen Gesichtspunkten hier nicht gesprochen werden soll. Denn daß jedes Mädchen einmal Kinder haben will, was in dem übervölkerten Deutschland doch auf so manches berechtigte Aber stößt, während hier in verhältnismäßig menschenleeren Gebieten immer noch von einem Kindersegen gesprochen werden darf, ist einmal wohl selbstverständlich, kann aber doch wohl nicht recht als Auswanderungsargument benutzt werden. Fragt sich nur, wie dieser weibliche Ver Sacrum praktisch organisiert werden kann. Es ist sogar eine sehr ernste und penible Frage, denn jede Art von reflameßafter Ermunterung würde wahrscheinlich ganze Armeekorps mehr oder minder wünschenwerter Weiblichkeit mobil machen. Das beste wäre natürlich, wenn einmal bei der methodischen Organisierung der deutschen Auswanderung, wie sie z. B. jetzt für Chile von verschiedener Seite betrieben ober doch vorbereitet wird, gleich von Anfang an bie gesamte weibliche Verwandt! cha ft der Kolo- msten mit in Betracht gezogen würde. Dabei soll nebenbei schon hier darauf hingewiesen werden, wie wünschenswert ein landsmannschaftlicher Zusammenschluß bei solchen Siedelungsversuchen ist. Das neue Ein leben auf fremdem Boden geschieht schneller und reibungsloser. Und auch die Drücke zur alten Heimat, die doch fast immer nach dem alten Dorf ober Stammesland führt, bleibt dauerhafter. Oie Ehescheidungen in Hessen im Jahre 1927. WER. Die nunmehr vorliegenden Ziffern über die Ehescheidungen im «Volksstaat Hessen im Iahre 1927 ergeben einige interessante Einzelheiten. Don den insgesamt 509 Ehescheidungen (1916 nur 424) entfielen auf bie Stadt Mainz bie meisten, nämlich 101, bann folgen Offenbach-Stadt 89, Darmstadt- Stadt 82, Offenbach-Land 36, Kreis Friedberg 35. Die meisten Ehefcheidungen entfallen auf Ehen, die zwischen 5 bis 10 Iahren dauerten, nämlich 102, 68 Ehescheidungen auf Ehen von 1—5jähriaer Dauer, eine auf eine einjährige Ehe, 41 auf 10—15jährige Chen, 26 auf 15—20jährige Ehen, 30 auf 20—25jährige Ehen und 17 auf Ehen, die schon länger als 25 Iahre dauerten. Rach der Konfession waren 248 geGruh dem Reisenden, hingeweht in bunter Rächt, ausgestreckt oder gepreßt in den anetn- anber vorüberpfeisenden Zügen. Gruß an bie auf See im hellbeleuchteten Ge- sellschaftssaal bei der Iazzmusik ber weißgekleideten Dordkapelle und baren in wankender Kabine oder beim Dordspaziergang auf den Planken deS Seitenganges und denen, die an bei? Reling stehen und hinausschauen auf das schaumknirschende, schwachleuchtende, viel zu viele Wasser. Gruß den Schlaflosen, deren Zimmer dunkel ist, nur ein Licht scheint durch die Ritze der Läden, das Dich weggelegt unter der ausgeknipsten Rachttischlampe. Gruß den Bekümmerten und Sorgenvollen, dem Richter und dem Verurteilten, dem Freien und dem Gefangenen. Feierlichen Gruß, die von uns scheiden werden in dieser Rächt. Frohen und feierlichen Gruß denen, die sich nahen, noch im Schoß der Mutter, bereit, geboren zu werden. Leicht und herrlich sei ihr Anteil am Trunk des Lebens, den die Gestirne mischen. Gruß den Unbekannten, deren Füße draußen vorübereilen auf dem leis knarrenden, mit Teppichen belegten Gang, und an jene, die unten vorüberschweben, Rücken neben Rücken hinter den Scheiben der Elektrischen. Keiner, der nicht gemeint wäre, keiner, der nicht überflutet wäre von Gedanken, jeder umrandet von dem Schimmer eines allgemeinen Wohlwollens. Gruß allen und dem Endsieg des Guten, bem Endsieg aller frohen Dinge. Allen Trägern des Lebens diesen Gruß! Kleine Erinnerung. Von Ernst Wehlau. Cs regnete und es war Abend. Ich war jung und sah in der Sttaßenbahn. Sie war sehr voll. Elleichogen an Ellenbogen gedrängt hockten wir im Wagen, dessen Beleuchtung förmlich durch das schlechte Wetter beeinflußt wurde. Trotzdem las ich. Ich war wie versessen aufs Lesen und konnte mein Duch natürlich auch in ber Straßenbahn trotz des allgemeinen Zuscunmenaequetschf- seins nicht zugeklappt in der Tasche lassen. Was ich las, fesselte mich und rührte mich gleichzeitig. Trotzdem spürte ich, dah ein Arm sich an meinen preßte, womöglich noch näher an mich heran- rüdte, als es die Situation schon an sich machte. Und früh erwachender Instinkt: ich spürte, daß es ein weiblicher Arm sein muhte! Das spürte ich so im Unterbewuhtsein. Vorsichtig hob ich seitwärts den Dlick, um in das Gesicht nebenan zu spähen. — Ich hatte mich nicht getäuscht ... ein schmales, junges Mädel, vielleicht eine Verkäuferin, blickte mir in mein Duch. Und sie las, — las mit solchem Eifer, dah sie nicht bemerkte, wie ich sie beobachtete. Sie hatte ein angenehmes, zartes Gesicht und ihre Augen, die ich nicht sehen konnte, waren gesenkt. Und sie las und las. Da kam auch sie an die rührende Stelle im Duch. Ich fühlte, wie eine leise Dewegung durch ihren Körper ging, und — nein, ich täuschte mich nicht! — ihre Wimwern wurden feucht. Da fühlte ich eine starke innere Bewegung. Mein Herz klopfte. — Ich versuchte nun abzuschätzen, wann sie Wohl die Seite zu Ende gelesen haben konnte und wandte dann vorsichtig um. Da ahnte sie doch etwas. Ich glaubte das bestimmt zu spüren. Aber ihr Blick, der auf eine Sekunde vom Buch geschweift war, heftete sich nun um so fester wieder auf die Zeilen. Und so sahen wir, Arm an Arnr, spürten die körperliche Wärme des anderen, hatten die Gesichter dicht beieinander — und erlebten mit den gleichen jugendlichen Gefühlen die gleiche Geschichte aus einer erdichteten Welt, die uns ergriff ... An einer der nächsten Haltestellen mutzte sie den Wagen verlassen. Wie aufgestört und doch schüchtern tat sie es. Ich blickte ihr nach und sie sah sich nicht um. Durch die Menschen, die hinten auf dem Wagen standen, wurde sie aufS Trittbrett und bann auf bie Strahe gebrängt. Meine Augen verfolgten sie, wie sie unter den Laternen dahinschritt. Da — vorsichtig hob sie die ihren und blickte durch bie Scheibe des Wagens zu mir hin. Unsere Augen ruhten ineinander. Ich griff unwillkürlich zum Hut und sie dankte mir, ... dankte, wie man einem Menschen einen Gruh sendet, mit dem man sich verbunden fühlt. Es war nur eine Sekunde, über als ich weiterfuhr, schlug mein Herz noch stärker, und ich lieh das Buch in meinen Händen auf bie Knie sinken; ich fühlte diese kleine Begegnung als großes Ereignis, das nun, durch Iahre der Ferne, noch seltsam wuchs ... Ia, wenn man noch jung ist ... schiebens Ehegatten evangelisch, 92 .römischckatho- lisch, 5 israelitisch, 165 Ehegatten standen in Mischehen. 3n 209 Fällen war der Mann der Kläger, in 300 Fällen die Ehesrau. Schuldig gesprochen wurden 249 Männer, 120 Frauen. 140 beide Parteien. Wegen Ehrbruchs wurden 188 Ehen geschieden, wegen Verletzung der ehelichen Pflichten 302, wegen Geistesstörung 10. Das Programm des Konzertvereins. Wie aus den Anzeigen ersichtlich, veranstaltet der Kon^ertverein — wie er uns schreibt — auch in dem neuen, seinem 138. DereinSjahr, die üblichen zehn winterlichen Konzerte, trotz der Ungunst der Zeit und des in den letzten Jahren zuweilen zu beklagenden unzureichenden Besuchs. Es soll gern und dankbar anerkannt werden, daß eine größere Anzahl treuer Anhänger seiner Sache immer vorhanden waren: allein der Verein bedarf zur Sicherung seiner Existenz noch tätigerer Teilnahme aus weiteren Kreisen. Auf solche förderliche Unter- stützuna kann s chlechterdings nicht verzichtet werden: ihr Ausbleiben kann sogar verhängnisvoll für eine musikalische Gemeinde werden, bei deren Veranstaltungen weder ein geldlicher Gewinn angestrebt, noch erzielt wird, aber zum mindesten Deckung der unvermeidlichen und großen Ausgaben erreicht werden muß. Für die bevorstehenden zehn Konzerte sind Künsller von anerkannter Meisterschaft gewonnen worden, deren Namen nicht nur in Deutschland und überhaupt auf dem Kontinent, sondern auch jenseits des Ozeans besten Klang haben. Das gilt vornehmlich von Joseph Szigeti, dem Liebling unserer Musikfreunde. Der jetzt in Paris wohnende Künstler hat kürzlich eine große Konzertreise durch Rußland gemacht, auf der ihn gewiegte Kenner als einen unter den vielen Musikern bezeichnet haben, die man nicht als bloße Instrumentalisten bewerten darf, sondern deren seltene, einzig dastehende Gaben das Instrument überragen und vergessen lassen, weil alles Materielle samt der Technik verschwindet. Die freundlichen Beziehungen zu seiner Gießener Gemeinde find Herrn Szigeti Veranlassung gewesen, ihr den Sonntag. 4. November, freizuholten, cbwohl er so vom In- und Ausland in Anspruch genommen wird, daß seine Gastspiele auf die Musikzentren beschränkt werden müssen. Sein großer Rivale auf dem Klavier, Wilhelm Ballhaus, hat gleichfalls seine Zusage erteilt und wird bei uns am 6. Januar musizieren. Er darf wohl als unser Freund, ja ehemaliger Mitbürger angesprochen werden, denn er ist schon in den 90er Jahren vorigen Jahrhunderts als Knabe in Gießen aufgetreten, hat seitdem manch anderes Mal jyiet mu i'iert und sich gelegentlich seines zweijährigen Aufenthalts als Landsturmmann im Gießener Ae'ervelazarett durch seine Kunst im Dienste der Wohltätigkeit uneigennützig und erfolgreich bewährt. Seit wir ihn nicht gehört haben, weilte der Klkistler auf Gastspielen in Italien, Nord- und Südamerika imd sogar in Australien: eine Tätigkeit, nicht nur reich an Ehren und «rohen Erfolgen, sondern auch verlockend für ihn durch die glänzenden Angebote, mit denen man ihn dauernd an die Fremde zu fesseln versuchte. In einem weiteren Solistenabend wird Frau Emmy von Stetten aus Berlin eine Reihe von Liedern Vorträgen und dabei von unserem Dr. Temesvary bege'et werd n. Eine seltene Gelegenheit wird das Orgelkonzert des bekannten und zur Zeit wohl größten deutschen Organißen, Günther- Ramin aus L«p'ig bieten. Ce: hervorragende Musiker, der die Ldrgel der altehrwürdigen Tho- maskirche in Leipzig, der Wirkungsstätte eines Bach und seiner Rachfolger, betreut, wird hier Werke von Bach und Reger zu Gehör bringen. Die K a m m er musik wird vertraten sein durch das Leipziger Gewandhaus- Quartett mit dem Pringeiger Pros. Woll - gandt an der Spitze. Es hat vor Jahren hier zusammen mit Meister Reger ge pielt. Das diesmalige Programm birgt inso ern eine Uebey- rafchung, als es durch ein K tttter Quin ett bereichert wird. Unsere ei ch i nische Künstlerin Paula Hegner will dm Klav'e Part übernehmen und auch solistich zu dem Konzert beitragen. Daß das beliebte Wendlin-Quartett wiederkehrt, wird sic'er ich den München seiner vielen Verehrer enj -rechen. Die Orchester-Konzerte werden auch in diesem Winter von dem ttef lichen Frankfurter Shmphonie-O rchestera s e uhrt. Es musi'i rte in te' te: Zeit vitt ach unte- P o'. Wendel und Scher e n 1 feier e gr e ri '.rnphe. Ueber fein Programm soll näch enö näheres mitgeteilt werden cs wird hi:r w ederum der Leitung unseres ver hrten Dr. Temesvary untersteh«!, der wie bekannt, gllichzei ii ©irr gent der städt scheu Chor- und Orchesterkonzerte In Offenbach ist. Den Abschluß des Zttlus bildet d'e ebenso bewunderte, al» Hegen ihrer Schri rtg et en ge furch* te Missa solemnis von Beethoven. Ueber die ein'einen Daten und sonstiges Wissen'werte werden zu rechter Zeit nähere Angaben folgen. Oberhessischer Missionsverem für Basel. y. Bad-Nauheim, 29. Oft. Gestern und heute tagte in unseren Mauern die Jahresversammlung des Oberhess ischen Missionsoerern für Basel. Unsere Gemeinde, in der ein blühender Missionsfrauenverein besteht, stand am Sonntag unter dem Zeichen der Mission. Im Gemerndeabend sprach Missionar Lank (Frankfurt a.M.), nachdem er auch im Gottesdienste eine Missions- Predigt gehalten hatte, über das zeitgemäße Thema: .China im Kampf um den neuen Geist". Die heutige Jahresversammlung, zu der auch der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, und der Vorsitzende der Hessischen Missionskonferenz, Professor Werner (Frredberg), erfdjienen waren die mit herzlichen Worten die Versammlung begrüßten, und an der auch hiesige Gemeindeglleder teilnahmen, fand im Gemeindehause statt. Pfarrer Fischer (Nieder-Weisels hielt die Andacht, in der er Parallelen zwischen Mission und Reformation zog, weil wir nahe vor dem Reformationsfeste stehen. Darauf begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Dekrn Guß mann (Kirchberg), die Versammlung, erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß zur Zeit 105 oberhessische Gemeinden dem Missionsverein angeschlossen sind, und schilderte die Vereinsarbeit des vergangenen Oer frankfurter Bühnenpwzeß. WSR. Frankfurt a. M.. 31. Oft. Am dritten Derhandlungstag gegen Müller-Wieland wurde die Vernehmung Alois Resnis fortgesetzt, der sich über die Sommergastspiele äußerte, die 1926 veranstaltet wurden. Nach einer Zusammenstellung seien an den Zeugen insgesamt 4800 Mk. gezahlt worden, doch erklärte R e s n i, daß das nicht stimme, er habe nur 3350 Mk. erhalten. Der Angellagte wurde aufgefordert, sich dazu zu äußern, und erklärte, es sei vorgekommen, daß eine Ausgabe auf einen anderen Namen gebucht worden sei. Der Vorsitzende verwies auf das Merkwürdige dieses Verfahrens und erkundigte sich, ob außer der Aufstellung auch noch ein Kassenbuch bestehe. Der Angellagte bejahte das, aber er äußerte, daß es nicht mehr vorhanden sei und bezeichnete die F a l s ch b u ch u n g als ein Versehen. Als die Vernehmung des Magistratsrats a. D. Dr. ©edel, der Justitiar der Bühnengesellschaft ist, erfolgen sollle, beantragte der Verteidiger Dr. Fürst Aussetzung der Vereidigung, da der Verdacht bestehe, daß der Zeuge in seiner Eigenschaft als Justitiar durch Schweigen die Fortsetzung der durch den Revisionsbericht gerügten Verfehlungen geduldet habe. Der Staatsanwalt widersprach und das Gericht beschloß die Ver- eiöigung, da keine Anhaltspunkte bestehen, daß der Zeuge dem Ang^lagten Beihilfe geleistet haben könnte. Der Zeuge wurde dann im Kreuzverhör vernommen. Er gab eine ausführliche Darstellung über seine Tätigkeit als Justitiar uyd betonte dabei, daß er eine Art Rechtskonsulent für die Bühn engesellschaft war und zu irgendwelchen Kontrollrechten nicht befugt gewesen ist. Auf den Zeugen hat der An- geftagte den Eindruck eines außerordentlich fleißigen Beamten gemacht, der in Theaterdingen durchaus erfahren war. Anderseits hatte der Zeuge Bedenken gegen seine Aufrich- Jahres. Er gab Mitteilung, daß nach dem Beschlüsse des Vorstandes der Verein sich an der Wiedereinrichtung des durch die Inflation verlorengegangenen »Leydhecker-Preises"der LandÄuniversität beteiligen wird. Als Mitglied zum Vorstände wurde Reallehrer D e g g a u (Rockenberg) gewählt, der die Wahl annahm. Die Rechnungsablage durch Pfarrer S t a wb a ch in Watzenborn-Steinberg ergab einen Vermögens- stand von 401,40 ML Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete der Vortrag des Mis- sionssekretärs Iehle (Basel): „Welche Anforderungen stellt die neue Zeit an b i e Basler Missio n?“ Der Vortrag beleuchtete blitzllchtartig die Umwälzungen, die die neueste Zeit (man braucht nur an den fernen Osten zu denken) überall daheim und draußen gebracht hat, und die gewalttgen Aufgaben, die für die Missionsgemeinde in der Heimat daraus folgen. Die Aussprache war, der Fülle des Dar- gebotenen entsprechend, sehr lebhaft und anregend. Sie betonte noch einmal auf das ernsthafteste die Erscheinungen der neuen Zelt in der Heidenwelt und in der Christenheit, die zum Teil ganz gleichartig sind, und der gespanntesten Aufmerksamkeit und Mitarbeit aller, die mit Ernst Christen fein wollen, bedürfen. Oberheffen. Landkreis Gienen. Z Allendorfa. d. Lda., 31. Oktober. Am Sonn- tag wurde hier oas Erntedankfest gefeiert. Der Haupigo.tesdienst war so stark besucht, daß fast jeder Platz besetzt war. Die Konfirmanden führten ein Erntefestspiel auf, in dem sie mit Bibelsprüchen und sinnigen Begleitwvr en die Früchte des Gartens und Feldes zum Altar brachten. Verschönt wurde die Fe er noch durch den Vortrag einiger von Lehrer Strack mit den Konfirmanden und der ersten Schulklasse recht gut eingeübter mehrstimmiger Lieder. Bei der Nachfeier. die abends wiederum in der Kirche stattfand und die ebenfalls sehr gut besucht war. wies der Ortsgeistliche, Pfarrer Andres, in seiner Ansprache noch darauf hin, daß 2 00 Jahre verflossen seien, seitdem der größte Brand, der jemals Allendorf heimgesucht, In unserer Stadt gewütet habe. Wie die Chronik erzählt, seien bei diesem Brande, der am 21. Sonntage nach Trin.tatis 1723 während des damaligen Nachmittagcgo tesdienstes auOgebrochrn, innerhalb zweier Stunden über 200 Hofreiten dem verheerenden Elemente zum Opfer gefallen und nur 32 Wohnungen, meistens an der Stadtmauer stehend, verschont geblieben. Die Tcller- sammlung nach den Gottesdiensten, d e ein gutes Resultat ergab, war für das Ettsabethenstift (n Darmstadt bestimmt. — Da für die Wahl der hiesigen Kirchengemeindevertreter nur ein Wahlvorschlag eingegangen war, brauchte die vorgesehene Wahl nicht stattzufinden. Die In dem Wahlvorschlag Genannten sind gewählt. Die meisten von ihnen gehörlen der Vertretung seither schon an, nur an Stelle einiger Herren, die eine Wiederwahl abgelehnt hatten, trat Ersatz. — Zu Fleischbeschauern unserer Stadt wurden, nachdem der seitherige Beschauer, Dr. Harth, dieses Amt niebergeiegt hat, unter vier Bewerbern der Kriegsbeschädigte Andreas Merkel, sowie Heinrich Weiß von hier bestimmt. -(Großen-Linden, 1. Noo. Das hiesige, über 100 Morgen große Pfarrgelände wurde dieser Tage in einzelnen Losen verpachtet. Die Preise waren allgemein recht hoch. Pro Morgen wurden bis 100 Mark an Pacht geboten, und dann kommt noch die Grundsteuer hinzu. — Die hier schon seit vier Jahrzehnten im Witwenstande lebende Christina Weiß geb. Wagner vollendet am 3. d. 2R. itjr ac^t- 3 l g ft e 6 Lebensjahr. * Grohen-Linden, 1. Nov. Der Strumpfwarenfabrikant Otto Gaß mann und Ehefrau, geb. Schrader, begehen morgen im Kreise ihrer Kinder und einer großen Enlelschar das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten sind noch sehr rüftig; der alte Herr ist 71 Jahre, seine Frau 72 Jahre alt. s. Hungen, 31. Oft. Am Montag wurde hier, wie alljchrlich, ein Waggon mit Liebes - gaben für das Elisabethen st ist In Darmstadt verladen. Man hat in den Vorjahren die Erfahrung gemacht, daß eS nicht vorteilhaft ist, wenn zuviel verschiedene Lebensmittel in einen Wagen geladen werden. ES wurde darum gebeten, von Gemüse un6 Obst abzusehen und sich auf Kartoffeln, Mehl und Frucht au beschränken. An der Sendung beteiligen sich alt» tlgfeit. Daß der Angellagte sich materiell bereichern würde, daran hat der Zeuge nie geglaubt. Es folgte dann die Vernehmung des Opernintendanten Professor Clemens Krauß. Dem Zeugen wurde ein von ihm an den Angeklagten gerichtetes Schreiben vorgehalten, in dem sich der Passus befindet: „Ich hoffe, daß Sie durch die Operettengastspiele ein reicher Mann geworden sind." Diese Auslassung deutete der Zeuge dahin, daß er damit den Angeklagten in feiner Eigenschaft als Verwaltungsdirektor meinte, der durch den Zufluß von Eintrittsgeldern in eine gute Lage versetzt werde. Daß der Angellagte privat reich würde, hat der Zeuge nicht zum Ausdruck bringen wollen, weil er ja nicht des Glaubens war, daß Müller-Wieland die Spiele in eigener Regie ausführte. Professor Krauß bekundete dann weiter, daß er in künstlerischen Fragen immer eine Stühe an dem An- gesagten hatte, dec sehr rührig gewesen sei. Den Eindruck, daß Müller-Wieland viel Geld verdienen wollte, hatte der Zeuge nicht. Es sei dem Angeklagten gelungen, die Logen für das Theater zu interessieren, und man führte ein neues Abonnement ein, von dem er wisse, daß es recht günstig war. In der Nachmittagssitzung wurde Verwaltungs- oberinspektor Ernst Gelhaar vernommen, der mehrfach die Bücher der Bühnen-A.-G. geprüft hat. Dabei habe sich eine Differenz zuun - gunsten der Städtischen Bühnen-A.°G. von 6744,58 Mk. ergeben. An diese Feststellungen reihten sich längere Ausführungen der Verteidigung, die eine andere Rechenmethode vorschlug als die, die von dem Revisor angewandt wurde. Dadurch wurde die Vernehmung über zwei Stunden hinausgezogen, ohne daß ein positives Ergebnis gezeitigt werden konnte. Die Verhandlung wurde schließlich auf Freitagvormittag vertagt. jährlich die Gemeinden Hungen, Langd, Rodheim mit Rabertshausen und Steinheim, Billin- gen mit Nonnenroth und Trais-Horloff mit Utphe und Inheiden. In Utphe war die Beteiligung an der Spende besonders rege: es konnten aus dem kleinen Ort etwa 35 Zentner Speisekartoffeln nach der Bahn gebracht werden. Das Anfahren an die Bahn bereitet allerdings oft Schwierigkeiten, da wegen der landwirtschaftlichen Arbeiten schwer Fuhrwerke zu haben sind. r S teinh eim, 31. Oft Im vergangenen Jahre wurden um diese Zeit in der Nacht des Kirmesmontags 6 junge, wüchsige Ob st bäume geknickt und dermaßen beschädigt, daß sie fast alle eingingen. Kurze Zeit darnach wurden an der Unter-Widdersheimer Straße zwei stärkere Iungbäume verschniht, die jedoch nach sorgsamer Behandlung leidlich weiterwuchsen. In diesen Tagen wurden nun an der Bahnhofstraße drei im Vorjahre gepflanzte, in bestem Trieb stehende Apfelbäume von gewissenlosen Frevlern wieder abgeknickt, so daß sie vollständig verloren sind. Auch ein in der Nähe befindlicher Lattenzaun mit Brtonpsosten wurde umgerissen und die Latten demoliert. Obwohl alle diese Vorfälle der Polizei gemeldet wurden, ist es bis jetzt noch nicht gelungen, der üblen Patrone habhaft zu werden. Hier wäre eine exemplarische Bestrafung am Platze. U Rodhelm bei Hungen, 31. Oft. In sinniger Weise feierten wir in unserem Kirchspiel am vergangenen Sonntag das Erntedankfest. In se.ner Urform wahr.cheinttch tm Jahre 1851 von dem damaligen Pfarrer Bernhard Ferdinand Müller eingeuhrt, wurde es, nachdem es eine Zeitlang in anderer Weise begangen worden war, von Pfarrer R. Schlosser im Jahre 1910 erneuert und ausgestattet und 1922 von Pfarrer Dr. H e 0 m a n n ■ wieder aufgenommen. Aus beimatlu'em Boden gewachsen, wirkte es besonders volkstümlich. Bereits am Freitag vor dem Fest rief ein jugendlicher Herold mit der Ortsschelle die Leute an die Fenster, um dann mit lauter Stimme um Früchte des Gartens und des Fel des zu bitten, dis von der ihn brg'ei'enden Kinderschar eingesammelt wurden und später teils dem Elifabethen- stift In Darmstadt, teils dem Hungener Krankenhaus zugeführt wurden. Das Sammler- sprüchlein lautete: „Das Ern e est steht vor der Tür! Ihr Leute alle, helfet mir! Gebt eine Aehre cder zwei, von Weizen, Korn und was es sei, die Kirche froh zu schmücken, es wird wohl keinen drücken. Kartoffeln, Rüben auch ein paar, und sonst, was auf dem Felde war: ein wenig jeder, wie er will, es würde sonst uns viel zu viel. Und möge Gott dann feinen Segen auf alle eure Früchte legen!" Der dann am Sonntag stattfindende Gottesdienst war recht zahlreich besucht. Das Gotteshaus war mit Blumen und Früchten aus Garten und Feld reich ausgeschmückt. Der erste Teil der Feier wurde aus- gefüllt von dem Rodheimer Erntefest- spiel, das ein in Text und Melodie wahrscheinlich auch von Pfarrer Müller stammendes Erntedanllied enthält. Das Festspiel, wie auch die daraus folgende Predigt hinterließen bei allen Gottesdienstbe uchern einen tiefen Eindruck. Anschließend an den Gottesdienst fand die A m t s- elnführung der neuen Kirchen- gemeindevertreter statt. Die Versammlung wählte sodann den Kirchenvorstand. Bis auf Heinrich Kröll VI., der Infolge seines hohen Alters auf eine Wiederwahl verachtete, traten alle wieder in ihre seitherige Stelle ein. In Dankbarkeit gedachte der Vorfitzende, Pfarrer Kornmann, bet segensreichen Mitarbeit des Zurücktretenden. Für ihn trat sein Sohn, Heinrich Kröll IX.. auf einstimmigen Beschluß der Versammlung in Den Kirchenvorstand ein. s. Trais-Horloff, 31. Oft. Eine Haus» sammln ng für die S p i le p t i sch e n-An - sta11 in Äieder-Ramstadt ergab in unserem Kirchspiel den Betrag von 91 Mk. Davon entfallen auf Trais-Horloff selbst 27 Mk., auf die Filialen Inheiden 34 Mk. und Utphe 32 Mk. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 31. Oft Gestern abend fand im großen Hörsaal des neuen Polytechnikums die Eröffnungsfeier der Volkshochschule Friedberg statt Beigeordneter Repp begrüßte die Gäste und erläuterte die Ziele der Kurse. Wie der Leiter der Volkshochschule Gießen, W. H e g a r, mitt eilte, soll versucht werden, in ganz Oberhessen in verschiedenen Orten Volkshochschulen zu errichten. WSN. Ober-Mörlen, 31. Oft. Im kommenden Frühjahr wirb hier mit einer Regulierung der Usa begonnen. Gleichzeitig soll eine neue Detonbrücke über die Ufa gebaut und ein Wehr errichtet werden. Die Gesamtkosten der Regulierung werden auf 62 000 Mark veranschlagt Kreis Büdn gen. 4 Ortenborg, 31.Oft Der allbekannte, weit über 600 Jahre alte Ortenberger Kalte Markt vom 28. bis 31. Oktober erfreute sich auch in diesem Jahre eines guten Besuchs. Die Eisenbahn hatte Sonderzüge eingelegt, um den Zustrom der Auswärtigen, hauptsächlich aus der Wetterau und dem Vogelsberg, bewältigen zu können, der besonders stark war am Dienstag, dem Haupttag des Marktes. Die noch neue Autobusverkehrslinie nach Bergheim—Usenborn—Gelnhar einerseits, nach Wippenbach—Bellmuth—Babenhausen—Schwickartshausen andererseits wurde fleißig benutzt, so daß der Wagen meist überfüllt und tagsüber dauernd in Verkehr war. Auch von Büdingen und anderen Orten waren Autobusse eingestellt. Schönes Wetter, mit lachendem Sonnenschein begünstigte das Marktgeschäft. Der Pferdemarkt am Montag wies — wie schon kurz berichtet — eine Schau gutgepflegter, vortrefflicher Pferde auf — an 900 Stück war der Bestand —, doch war die Kauflust nicht so groß, wie sonst, wohl infolge des allgemeinen Geldmangels mit der in diesem Jahr in unserer Gegend ungünstig ausgefallenen Obsternte. Für gutz Pferde wurden höchste Preise bezahlt. Am Dienstag zum Rindviehmarkt waren 500 Stuck Vieh auf- getrieben. Für eine ftischmelkende Kuh wurden 600 bis 800 Mark bezahlt. Zum Schweine markt waren 370 Ferkel und Läufer angefahren worden. Das Stück kostete 18 bis 20 Mark. Auf dem Krame r m a r k t waren 200 Stände mit Manufakturwaren, Lederwaren, Kleidungsstücken und Küchengeräten. Die üblichen Zucker- und Spielzeugbuden waren stark vertreten. Bemerkenswert waren die Ausstellungen landwirtschafllicher Maschinen und Geräte verschiedener Firmen. Als Neuheiten auf diesem Gebiet sind zu erwähnen, verstellbare Pflugttansportkarren, Viehfutterschnelldämpfer, Strohpressen, Kartoffelwaschmaschinen, Erntemaschinen sowohl für Gras wie für Getreide verwendbar. Für Vergnügen war ausgiebig gesorgt. Zahlriche ©dum» buben, darunter ein Zirkus, ein anatomisches Museum, ein mit Motoren getriebenes Karussell, eine Menagerie wurden stark besucht. In den Wirtschaft ten und Vergnügungsstätten der Stadt herrschte reger Betrieb. oto. Ober-Widdersheim, 31. Oft. Am letzten Sonntag fand im Konfirmandensaal des Pfarrhofs die erste Sitzung der neugewählten Kirchengemeindevertretung statt Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden wurden zunächst die wiedergewähtten Mitglieder an ihre frühere Verpflichtung erinnert und die neugewählten Mitglieder, Lehrer Ganz und Schachtmeister K l i p p e r t von Ober-Widdersheim und Beigeordneter Spengler von Grund- schwaiheim verpflichtet. Alsdann wurde die Wahl des Kirchenvorstandes vorgenommen. Es wurden sämtliche bisherige Kirchenvorsteher wiedergewähtt, nämlich aus Ober- Widdersheim Bürgermeister Heinr. Schäfer I., August Jockel, Untererhcber und Gemeinderechuer Karl Grünbein, Ludwig Hofmann II.; auS Unter-Widdersheim Bürgermeister Ludwig Wichel III. und Adam Binding VI. Der Vorsitzende gab auch bekannt, daß am 18. November eine ordentliche Kirchen Visitation durch Dekan S c r i b a aus Nidda erfolgen wird. Sodann wurden noch einige Posten der Kirchen- umbaurechnung erledigt. Am gleichen Tage fand auch in der Filialgemeinde Borsdorf die erste Sitzung der neugewählten Kirchengemeinde- vertretung statt; Lehrer Reitz und Karl Micheli, traten als neugewahlte Mitglieder ein. Nach deren Verpflichtung geschah die Wahl des Kirchenvorstandes, bei der sämtliche bisherige Mitglieder wiedergewählt wurden, nämlich Altbürgermeister Johannes Weih I., Otto Döll I.» Louis Widdersheim L, Otto Belzer I., Gemeinderechner Heinrich Michel III. und Bürgermeister Richard Widdersheim. # Unter-Widdersheim, 31. Oft. 3n den Wäldern ist in diesem Jahre ein Eichel- ertrag herangereift, tvie seit vielen Jahren nicht. Nach den ersten Frösten sind nun die Früchte heruntergefallen, und sie liegen tote gesät unter den Bäumen. Die Forstbchörde hat in der letz.en Woche durch d e Wal, ar bei. er Eicheln le en lassen, um sie als Saatgut in den Kulturgärten, aber auch zum Verkauf zu verwenden. Einzelne Sammler brachten es täglich auf über einen Zentner gesammelter Eicheln. Für das Pfund werden 10 Pf. vergütet. Hauptsächlich kommen die Früchte der Stein- oder Traubeneiche bei der Sammlung in Betracht, da diese bei uns sehr gut fort geht, glattrindig ist und zartes Holz besitzt. Bucheckern gibt es dieses Jahr nur ganz vereinzelt. s. Berstadt. 31. Ort. Dieser Taae kamen am hiesigen Bahnhof die ersten Zuckerrüben für die Zuckerfabrik in Friedberg zur Verladung. Sie wurden hauptsäch.ich von Landwirten aus Wohnbach. Berstadt und Utphe an- gefahren. Um die Fabrik nicht zu überfüllen ist der Versand so organisiert, daß an unsrer Station die Verladung der Zuckerrüben nur in Zwischenräumen von 14 Tagen vor sich geht. Die Ernte ist infolge der noch rechtzeitigen Spätsommerregen als gute Mittelernte anzufprrchcn. Kreis Schotten. X. Schotten, 30. Oft. Dieser Tage fand der Abschluß des diesjährigen hauswirtschaftlichen Fortbildungsschulunterrichts, der unter Leitung von Frl. Döh erteilt wird, statt. Die geladenen Gäste, KreiZanrt, Kreisschulamt, Rekior, Bürgermeister formten sich von dem Wert uni) den Leistungen im Unterricht überzeugen. Etwa 30 Mädchen legten Proben ihrer Kochkunst ab, ein ausgezeichnetes Mittagessen, billig und vorzüglich hergestellt, mundete allen Teilnehmern vortrefflich. Die Gäste sprachen sich außerordentlich befriedigt über das Gebotene aus. — Eine Besichtigung unserer städtischen Jugendherberge tvurde durch eine besondere Kommission unter Führung von Schulrat Hasst n ge r (Darmstadt) und Teilnahme des 3ugenb- Herbergsverbandes vorgenommen. Die schön und bequem gelegene, sehr praktisch ausgebaute und eingerichtete Herberge fand allgemein großes Gefallen. Der Stadt wurde ein Dauzuschuß von 500 Mark als Anerkennung für den schönen Dau geschenkt. — In der Stadtkirche fand im Beisein des Denimalpslegers, Geh. Rat Walde (Darmstadt), des Dauamts Schotten und deS Kirchenvorstandes eine eingehende Besichtigung und Besprechung über die in der Kirche vorzunehmenden Renovierungsarbeiten statt. Ein schöner Mittelgang vom Haupteingang direkt auf den Altar zu wird geschaffen werden, daS Sintere wirb dadurch außervrbentllch viel gewinnen. Die Emporen werben nach vorn gesenkt und mit Holz neu verkleidet werden. Dadurch wird die Kirche mehr Licht bekommen, der Ge- famteinörud unserer schonen gotischen Kirche wird dadurch wesentlich verbessert. Auch die West- empöre wird verbreitert und gesenkt werden, ferner noch eine Reihe kleinerer Verbesserungen angebracht. Mit den Arbeiten wird baldmöglichst begonnen. Ein großer Teil der Baukosten ist bereits durch Sammlungen aufgebracht, einige Zuschüsse stehen in Aussicht. Die Gesamtkosten belaufen sich vielleicht auf etwa 10 000 bis 12 000 Mark. — Der AlicefrauenvereinSchot- len unter Leitung von Frau Direktor H e r t s ch hat das Verdienst, hier einen Kindergarten ins Leben gerufen zu haben, der schon sehr segensreich gewirkt hat. Etwa 60 Kinder nehmen daran teil. Die Räume waren seither in der Schützenhalle untergebracht, sie sind jedoch besonders im Winter nicht ausreichend und unzweckmäßig. Der Alicefrauenverem will daher mit Unterstützung der Stadt an einen R e u b a u her antreten. Der Gemeinderat ist auch weitgehend entgegengekommen und stellt dem Verein die Verzi-nsung und Tilgung des Vaukapitals, sowie den Platz zur Verfügung. — Die Arbeiten am neuen Krankenhaus schreiten rüstig vorwärts. Am 1. Dezember soll die Einweihung stattfinden. — 3m Quellengebiet der städtischen Wasserleitung am Ludwigsbrunnen läßt die Stadt eben große Ausgrabungs- und Quell- fssungsarbei1en vornehmen. Diel neu gewonnenes Wasser wird der städtischen Wasserleitung zugeführt. Die Wasserknachpheit, die in trockenen Jahren ab und zu eintrat, wird damit endgültig behoben sein. — Die Freiwillige Feuerwehr Schotten hielt unter Leitung ihre- Kommandanten Stang ihre diesjährige Schluß- fibung ab. Die Vertreter der Behörden. Reg.-Rat Dr. Helmrei ch,Krcisseu?rw.h.-insp:ktor Eberheim, Bürgermeister und Stadtvertretung wbhn- ten den Hebungen und dem BrandanHÄff bet Reun angelegte Schlauchlinien sorgten für rasche Brandbekämpfung, die Motorspritze der Stadt funktionierte ausgezeichnet und schleuderte ungeheure Wassermengen aus. Die hiesige Feuerwehr hat wieder ihre altbewährte Schlagfertigkeit bewiesen. Mit Musik zog man nach der Hebung auf das »Posthäuschen", wo sich bald eine sehr schone Rachfeier anschloß. Die neuen Fanfaren der Feuerwehrkaprlle erklangen in schneidigen Märschen. Eine Reihe von Ansprachen, Vorträge der Kapelle, des Gesangvereins sorgten für Abwechselung. Die Versammlung beschloß, das 50- jährige Jubiläum am Gründungstag, am 9. März 1929, sowie am darauffolgenden Sonntag in würdiger Form zu feiern. g Laubach, 30. Okt. Am Sonntag unter- n der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs seine zehnte Wanderung in diesem Vereinsjahr. Der Weg führte unter Leitung von Juwelier Karl P o t h durch das lieblich Horlofftal an Ruppertsburg und Langd vorüber nach dem in idyllischer Waldeinsamkeit gelegenen Fvrsthaus Glaubzahl. Die herrlichen Waldgebiete, die man durchwanderte. boten eine ungemein eindrucksvolle Farbenwirkung vom hellsten Goldgelb bis zum tiefsten Grün und leuchtenden Braunrot Sn Glaubzahl bot Professor Dr. Roeschen einige bemerkenswerte Mitteilungen zur Geschichte dieser Stätte, über die bis jetzt nirgends etwas ver- öfsenllicht ist. Das nahegelegene Rodheim, wozu „der Glaubzahl" gehört, bildete früfjer den Mittelpunkt eines eigenen Gerichtes, worin der Sohannitervrden, wie auch in der Stadt Ridda, beträchtliche Güter hatte. Don diesem Orden stammt wohl die frühere Klosteranlage auf dem Glaubzahl, die noch heute deutlich zu erkennen ist. Man kann die Abscheidung einzelner Zellen Der Betrugsprozeß in Gießen. 7. Derhandlungstag. * Gießen. 31. Okt. 3n der heutigen Sitzung des Erweiterten Schöffen^richts wurde die Verhandlung über den bereits gestern begonnenen Fall zu Ende geführt. Es handelt sich um einen hiesigen Fuhrunternehmer, der auch erheblichen Schaden erlitten hat. Dieser lernte Ende 1924 die Angeklagten H. und R. kennen. Da er durch einen Pferdekauf sich damals in Zahlungsschwierigkeiten befand, setzte er sich mit den Angeklagten in Verbindung. H. versprach ihm gleich zu helfen. Am folgenden Tage erhielt er schon 500 Mark. Als nun H. Sicherheit verlangte, ließ der Zeuge auf seinen schuldenfreien Grundbesitz eine Sicherungshypothek in Höhe von 4000 Mark zugunsten der Volksbank Philippstein eintragen, mit der H. damals in Geschäftsverkehr stand, und auf die er Schecks ausstellte. Daraufhin erhielt er von H. auf Wechsel über 2800 Mar? einen Betrag von 2400 Mark, womit er seine damaligen Gläubiger bezahlte. Am Verfalltage mußten aber die meisten Wechsel prolongiert werden; so wuchs in kurzer Zeit die Wechselschuld des Zeugen auf 3950 Mk. an. Hm einen Teil dieser Schuld zu tilgen, vermittelte H. für den Zeugen bei einem hiesigen Geldgeber ein Darlehen von 2000 Mark. Da nach der Bekundung des Rendanten sowohl H., als auch R. bei Einzahlung dieses Betrages keine besondere Weisung gaben, wurden die 2000 Mark dem Konto H. gutgeschrieben. Weiter veranlaßte R. den Zeugen noch durch Täuschung über den Inhalt einer von diesem unterschriebenen Erklärung — es handelte sich um ein Hebertoei- sungsfvrmular — zur Hebemahme von 4000 Mk. auf fein Konto, womit bisher das Konto H. belastet war. Zwecks Tilgung feiner dadurch entstandenen Schulden war der Zeuge genötigt, auch die ihm aus dem Verkauf seines Grundstücks zu- stehende Forderung von über 6000 Mark noch an die Dvlksbank Philippstein zu zedieren. Ein Kaufmann benötigte Ende 1924 einen größeren Geldbetrag. In der Zeitung versprach er demjenigen eine Provision von 500 Mk., der ihm auf hypothekarischer Grundlage ein Darlehen von 5000 Mk. auf 2 Monate besorgen könne. Daraufhin meldete sich H.. der dem Zeugen versprach, aus Akzepte gegen Verpfändung des Grundbesitzes das Geld zu beschaffen. Der Zeuge ließ zugunsten H. seinen Grundbesitz mit einer Briefhypothek über 5000 Mk. und. da er noch mehr Geld brauchte, mit einer Sicherungshypothek über 10 000 Mk., die später auch in eine Brieshypothek umgwandelt wurde, belasten. Der Zeuge erhielt in bar und Schecks etwa 3200 Mk. und ungefähr 9000 Mk. in Akzepten, die aber später nicht eingelost wurden. Inzwischen hatte H. aber den Hypothekenbrief über 5000 Mk. an die Gewerbebank und den über 10 000 Mk. an die Volks- banf Philippstein abgetreten, von denen der Zeuge nunmehr in Höhe der Hypothekenbeträge in Anspruch genommen wird. H. behauptet bezüglich des letzten Brieses, diesen nur in Höhe von 2000 Mk. abgetreten zu haben, während der als Zeuge vernommene Rendant von Phi» lippftein dies entschieden bestreitet. Damtt sind sämtliche unter Anklage stehenden Fälle verhandelt. Es sollen nun zunächst durch die Büchersachverständigen an Hand der Kontoauszüge die Bücher in Anwesenheit der Prozeßbeteiligten nachgeprüft werden. Die öffentliche Weiterverhandlung wurde daher auf Samstag vormittag vertagt. noch heute genau feststellen. Prächtige alte Linden umgeben die anziehende Stätte, die von einer starken Mauer umschlossen ist. Im 17. Jahrhundert war das Hosgut im Besitz der Familie Schrautcnbach, deren in Stein schön gearbeitetes Wappen noch oberhalb des Portals prangt. Auch die Hniversität Gießen hatte hier Besitz; ein Wald ist noch nach ihr benannt. 3m gastlichen Fvrsthause genoß man ein treffliches Glas süßen „Rauscher". Sann ging es weiter durch die schöne Landschaft über Bad Salzhausen, dessen Park sich ebenfalls höchst reizvoll im Herbstschmuck darstellte, nach Ridda. Hier zeigte Professor Dr. Roeschen die einzelnen Sehenswürdigkeiten des Städtchens, den stimmungsvollen Marktplatz, die von dekorativer Kunst im Innern zeugende Kirche, die altehrwürdigen Heberreste des Schlosses, das noch in einzelnen Teilen an die alte Grafenburg erinnert. Nachdem man sich hierauf in der „Krone" mit Speise und Trank erquickt hatte, nahm man, nach jeder Seite tief befriedigt, den Abendzug zur Heimkehr. § Hlrichstein, 31. Okt. Das Hmschalte- w e r k für die elektrischen Lichtanlagen unseres Ortes und der ganzen Umgebung befand sich bisher in Freienseen. Das hatte leicht Hnan» nehmlichkeiten im Gefolge, da Störungen im hiesigen Ortsnetz meist von dort aus behoben werden mußten. Die nächstgelegenen Hmschalte- werke waren erst in Schotten und Lauterbach. Daher ist es sehr zu begrüßen, daß im Sommer jetzt ein eigenes Werk hier errichtet wurde. An der Ohmstraße ist von zwei auswärtigen Firmen, Theodor Mörschel und Gg. Werner, beide in Friedberg, ein schmuckes Haus erbaut worden. Außer den technischen Anlagen enthält es eine Familienwohnuung, die dieser Tage von Obermonteur Knobel und seiner Familie bezogen werden konnte. Sobald noch die maschinelle Einrichtung dort Aufstellung gefunden hat, werden die elektrischen Leitungen im hiesigen Bezirk von unserem neuen Hm- schaltewerk aus bedient werden können. V Ober-Seemen. 31. Okt. Hier fand unter dem Vorsitz von Lehrer Häusel- Gedern eine aut besuchte Lehrerkonferenz statt. De* Vorsitzende berichtete über seine Eindrücke auf der großen Iubiläumstagung deS Hess. Landes- lehrervereins in Darmstadt. Rach Erledigung verschiedener Dereinsangelegenhetten ergriff dev fett längerer Zett erkrankte Obmann Lehrer Keller, Oberfeemen, das Wort zu einer Ansprache. Er schilderte die Zustättde des Vereins vor nunmehr etwa 39 Jähren, wie er als junger Schulverwalter nach Sichenhausen kam, dort drei Icchre blieb, und seitdem feine ganze Lebenskraft der Schule in Oberfeemen gewidmet habe 20 Jahre lang war Keller Rechner, die letzten 9 Jahre Obma. des Vereins. Tief gerührt sah sich der allsetts beliebte Obmann wegen feiner Krankheit gezwungen, sein Vereinsamt niederzulegew Der Vorsitzende widmete ihm warme Worte der Anerkennung und deS Dankes für die dem Verein geleistete Arbeit. Kreis Alsfeld. L_ Ober-Ohmen, 31.Oktober. Die zweit- älteste Frau Ober--Ohmens, Frau Witwe Brost am Kirchberg, feiert heute ihren 8 5.Geburt s ta g in geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Aus diesem Anlaß waren ihr von den Der- schiedensten Seiten Glückwünsche und Geschenke zu- gegangen. Auch die älteste Frau unseres Dorfes, Frau Witwe Kratz, erfreut sich trotz ihrer 87 Jahre noch großer Rüstigkeit. x» Otterbach, 31. Okt. Am Sonntag fand hier Biirgcrrnei st erwähl statt. Als Nachfolger des Dcrjtorbcnen langjährigen Bürgermeisters Heinrich Loch wurde dessen Sohn Ernst Loch zum Bürgermeister unseres Ortes gewählt. Auf das neugewählte Ortsoberhaupt entfielen 36 Stimmen, auf den Gegenkandidaten, den Beigeordneten 3 o ft, 29 Stimmen. Bon 67 Wahlberechtigten übten 65 ihr Stimmrecht aus. * Appenrod, 29. Okt. Hier fand der zweite Bezirkstag des ,^H a f f i a" -Bezirks Hom- berg a. d. Ohm statt. Die Kriegervereine des Bezirks wurden durch den 1. Vorsitzenden, Oberamtsrichter Gundrum (Homberg) begrüßt. Trotz des schlechten Wetters waren sämtliche Vereine vertreten. Die Rückvergütungen wurden ausbezahlt refp. verrechnet, da verschiedene Vorsitzende überzahlt hatten. Sodann streifte der Vorsitzende verschiedene Punkte des Delegiertentags in Wimpfen. Hiernach erstattete der zweite Vorsitzende, Gemmer (Schadenbach), als Bevollmächtigter Bericht über den Delegiertentag in Wimpfen. Er hob besonders hervor, mit welcher Frische Medizinalrat Vogt (Butzbach) ttotz seiner achtzig Jahre die Versammlung leitete-. Die Errichtung eines Krieger- heims wurde ab gelehnt; Wimpfen erbot sich, Kameraden für 4,50 Mark pro Tag aufzunehmen. Ebenso wurde die Schaffung eines „j)affia"- Groß - Ehrenkreuzes von der Versammlung abgetönt. Die Erhebung eines höheren Beitrags an den Verband wurde nach einem Vorschlag von Professor Äraemer (Gießen), jährlich fünf Pfennig pro Kamerad zu erheben, um die Kriegsbeschädigten die Kosten nicht allein tragen zu lassen, gntgeheißen. Der 1. Vorsitzende dankte hierauf dem Kameraden G e m m e r für seinen ausgiebigen Bericht. Es wurde danach zur Wahl des Bezirksvorstandes geschritten. Durch Zuruf wurden sämtliche Mitglieder des Vorstandes auf die Dauer von drei Jahren wiedergewählt. Der Vorsitzende der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen war durch Krankheit am Er- scheinen verhindert. Der fehr gut verlaufene zweite Bezirkstag wurde nach dreistündigen Verhandlungen durch den Vorsitzenden mit einem dreifachen Hoch auf die ,Maffia und das deutsche Vaterland geschlossen. Preußen. Kreis Wetzlar. WSD. *25 eß la r, 31. Ott. Gestern abend gegen 7 Hhr fuhr der Gleiskraftwagen des Be- triebsamtes Wetzlar, von Althausen fonunenb. kurz vor dem Bahnhof Wetzlar aus eine dort hottende Lokomotive auf. Bei dem Zusammenstoß wurde der Vorstand des Betriebs- amtes Wetzlar, Reichsbahnrat Hoffmann, schwer verletzt. Der Wagenführer und zwei weitere Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Reichsbahn rat Hoffmann mußte sofort ins Krankenhaus Wetzlar verbracht werden. Die übrigen konnten ihre Wohnungen aussuchen. Der Gleiskraftwagen wurde stark beschädigt; die Hrsache des Hnfalls ist noch nicht aufgeklärt. Dillkreis. bl. Breitscheid, 31. Okt. Heute nachmittag wurde unser neues Schulhaus in Gegenwart von Behördenoertretern sowie einer großen Anzahl Einwohner von hier und au» der Umgegend in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben. Das neue Schulhaus ist am Wege nach Erdbach zu in landschaftlich schöner Lage errichtet worden. E» hat sechs Klassen, Badeeinrichtung und Lehrerwohnung. Man kann es als eines der schönsten Schulgebäude im Dnitreife bezeichnen. Ihr Fettansatz wird vermindert bet Gebrauch derechtenToluba-Kerne. Zu haben «schon in Packa. »u 80 Gramm» in den Apotheken. «K'MZumVentilcheWsiezWM über das Vermi nen Morgen Freitag, U7724 Met) WI.EM.li 9600A 2. AohhoS Gerichtsvollzieher in Gießen Vkvvrit Dammflraße 24 l, Telephon 239.1 E Besucht die Handels- schale Knnzelmannl ist es ganz besonders wichtig, solide gearbeitetes, starkes und dabei doch elegantes Schuhwerk zu tragen. 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Die Bevölkerung dieses neuen Staates besteht aus den Tschechen Böhmens und Mährens, dem weitaus größeren Prozentsatz Slowaken aus den früher ungarischen Ländern, sowie den Karpatho- russen und Ruche neu Galiziens. Trotz chrer geringeren Anzahl haben die Tschechen die Regierung in den Händen, da sie in ihrer Kultur durchaus nach Westeuropa gerichtet sind und ein bewußtes Rationalgefühl besitzen, während die zahlenmäßig stärkeren Slowaken, die erst seit 1830 sich eine eigene Schriftsprache geschaffen haben, nur allmählich zu erstarken beginnen und chr kulturelles Vorbild nach wie vor in Ungarn sehen. Drei größere Gruppen deutscher Ansiedelungen liegen in diesen slowakischen Gebietsteilen eingesprengt. Indessen sind die um Preßburg herumwohnenden Deutschen als äußerste Vorposten der kompakten deutschen Volksteile Oesterreichs anzusehen, während das Gebiet um Kremnih und die Zips vollkommene Deutschinseln sind. Leider zeigt sich im Preßburger- land eine immer mehr zunehmende Verslowaki- sierung. Preßburg selbst, eine früher vollkommen deutsche Stadt, zahlt heute nur 25 000 Deutsche bei einer Gesamteinwohnerzahl von 70—80 000. Ein weit geringeres Vordringen der Slowaken zeigen die alten Rodungsgebiete um Kremnitz, deren stark wachsend« Devölkerungszahl nicht genügend Rahrung fand in dem kargen Gebirgsland und sich daher seit Jahrzehnten in der un- ?arischen Tiefebene als Landarbeiter zu per- ingen gewohnt war. Infolge der Lastrennung von Ungarn und dem Verbot der tschechischen Regierung blieb diese Hilfsquelle verschlossen und der Mangel wurde immer drückender, bis es in diesem Jahre dem deutschen Schutzbund gelang, an Stelle der.sonst eingestellten polnischen Ernte- avbeiter diese Deutschen auf den großen Gütern Ostdeutschlands anzuwerben. Die segensreich« Tätigkeit des Bundes versucht damit einerseits die Schwierigkeit der Landarbeiterfrage in Deutschland zu lösen und bietet anderseits deutschen Volksgenossen im Ausland materielle Hilfe und kulturelle Unterstützung. Rach wie vor schwierig indessen bleibt die Lage der Kremnitzer Hüttenindustrie, die seit alther Gold, Silber und Kupfer gräbt und verarbeitet, nun aber infolge des Anschlusses an die Tschechoslowakei ihren alten Absatzmarkt in Ungarn verloren und mit Aussuhr^chwierigkeiten zu kämpfen hat. Da die tschechische Regierung einseitig ihre böhmische Industrie fördert, ja sogar die Münze von Kremnih nach Prag verlegen will, ist wenig Hoffnung aus Aenderung. Sozial und wirtschaftlich am feinsten durchgebildet ist die Struktur der deutschen Zips, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig mehr- noch als die übrigen Deut^chgobiete mit dem Magharenreich verknüpft gewesen war. All diese von ihrer fernen Heimat vergessenen Deutschen hatten in Ungarn Beschützer und Vorbild gesehen, und als erstrebenswertestes Ziel galt es ihnen, chr überall verachtetes Deutschtum bewußt in magyarischer Wesensart ausgehen zu lassen. Daß indessen die deutsche Kultur sich trotz dieser starken Belastung ald tragfähig erwiesen hat, zeigen jene deutschen Siedelungen, die außer einem dünnen magyarischen Firnis ihre deutsche Eigenart behalten haben. Bei dieser Vevökerung hat sich ein Besinnen auf ihre deutsche Abstammung und ein bewußtes Bekennen zu diesem Deutschtum ergeben. Da sie infolgedessen gleich den Slowaken Autonomie fordern, mußten sie in Gegensatz zur tschechischen Regierung treten, und diese ihre Eigenschaft als deutsche Oppositionspartei brachte ihnen auch den Zustrom der magyarisch gesinnten Kreise der älteren Generation. Während letztere wiederum den Anschluß an Ungarn erftreben, gedenkt die junge Generation auch mit einer ihnen günstig gesinnten tschechischen Regierung zu paktieren, bis einst ihre Hoffnung nach einem kommenden, friedlichen „Mitteleuropa" erfüllt sein werde. Die kluge Politik der tschechischen Regierung jedoch will den deutsch Gesinnten gerne entgegenkommen (deutsche Schule in Kaesmar! und anderen Städten), um der drohenden Gefahr eines Großungarn zu entgehen. Ungarn, das infolge der Beschneidung nach dem Kriege eine Anzahl Minderheiten in anderen Staaten hat, sieht allmählich ein, daß es nur dann wieder zu einem Großungarn werden kann, wenn es den noch heute in seinen Grenzen lebenden Minderheiten (also auch den 5—600 000 Deutschen). Autonomie gewährt. Seine Politik wird entschieden minderheitenfreundlich. Der kleinen, aber festgeschlossenen Schar bewußter Deutscher in der Slowakei, die selbst die konfessionellen Gegensätze in ihren eigenen Reihen überwunden hat, um sich vereint für ihr Deutschtum einzusetzen, gebührt unsere Bewunderung und tätige Unterstützung. Man muß es nur begrüßen und zur Rachahmung empfehlen, daß zu der Zeit, als Prof. König dort war, schlesische Jugend in größerer Anzahl die Verbindung mit den bortigen Volksgenossen ausgenommen hatte. Das Land bietet ja auch Schönheiten genug, wie die gezeigten Lichtbilder erläuterten, nicht nur landschaftlicher Art, sondern auch auf dem Gebiete der Kunst, und Archive, Bibliotheken und Kirchen bergen noch eine Fülle ungehobener Schätze. gedacht werden, und die not leidenden Schriftsteller werden sich mit ihren Gesuchen noch einige Zeit gedulden müssen. Werm man bedenkt, daß den staatlichen ^Heatern beträchtliche Subventionen zufliehen, wird man zu der Annahme berechtigt fein, daß sich die amtlichen Stellen zur Bewilligung größerer Beträge entschließen werden. Wie unzulänglich bisher die Mittel waren, die aus Stiftungen den deutschen Dichtern zugeflossen sind, kann man daraus erkennen, daß der Schic- l e r - P r e i s, der zuletzt im Rovcmber vorigen Jahres zur Verteilung gekommen ist, ganze 70 0 0 Mark betragen hat, und 6ieje „fürstliche Summe" wurde noch unter drei Schriftsteller verteilt. Franz Werfel, Fritz von Unruh und Hermarm Burte erhielten je ein Drittel, und der Betrag wirkte um so ärmlicher, als er seit dem Jahre 1920 nicht mehr vergeben worden ist. Dabei handelt es sich um einen Staatspreis, der gewissermaßen der „Pour le merite“ der deutschen Dramatiker sein soll. Die Stiftung wurde am 10. Rovember 1859 durch den damaligen Prinzregenten Wilhelm von Preußen zum hundertsten Geburtstag Friedrich von Schillers gegründet und betrug 1000 Taler in Gold. Diese Stiftung schien aber unter keinem guten Stern zu stehen, denn schon die Berufung der Prüfungskommission brachte eine aufsehenerregende Sensatton: Grillparzer lehnte es ab, beizutreten. Auch später, im Jahre 1896, kam es zu einem ähnlichen Zwischenfall, als Theodor Fontane eine Berufung in das Komitee ablehnte. Auch sonst kam es öfter zu unerquicklichen Reibereien, denn Wilhelm II. versagte in mehreren Fällen dem Vorschlag W Komitees die Genehmigung. Ludwig Fulda, Gerhart Hauptmann und dem nunmehr prämiierten Burte wurde die Zuerkennung des Preises verweigert. Daß der Beruf eines Schriftstellers auch in früheren Jahren nicht allzu ertragreich gewesen ist, geht daraus hervor, daß viele deutsche Dichter einem Erwerbsberuf nachgingen. Ernst von W i l- d e n b r u ch hielt zäh an seiner Stellung im Auswärtigen Amt fest. Schiller wirkte als Professor in Jena, Goethe bekleidete die Aem- ter eines Staatsministers und Intendanten. Grillparzer war Archivdrrektor der Wiener Hofkammer, und Herder war erst Lehrer, dann Hofpvediger und zuletzt Konsistorialpräsident. Grabbe schuf seine bedeutendsten Werke als „Dataillonsauditeur" in Detmold, Gottfried Keller war Staötschreiber von Zürich, und Anzengruber Redakteur einer kleinen Wiener Zeitung. ilnh zahlreichen zeitgenössischen Schriftstellern geht es ganz ähnlich. Volkshochschultaglmg in Gießen. In der Fachsitzung am Sonntag hatte es der Leiter der VvlkshoMchule Thüringen, Regie- rungsrat Dr. B u ch w a l d, Jena, übernommen, Grundsätzliches und Praktisches über alte und neue Wege der Volksbildung zu sagen. Der Redner ging bei seinen Darlegungen von den Fragen aus, welche sowohl die Schule, als auch die Volksbildung gemeinsam betreffen, und zeigte zunächst geschichtlich die Lieberwindung der Lernschule, des „Dildungs- materialismus" durch Ratorps Lehren von der Aktivität der menschlichen Seel«, der Möglichkeit des Sichbildens, der Erziehungsgewalt der Schulgemeinschaft, der Familie, der Vielgestaltigkeit der Menschen, wonach jedem das ihm Gemäße zu geben sei. Darüber hinaus schilderte der Dorttagende in umfassender Weise di« Wandlungen des Schul- und Dildungswesens bis zur Zeit nach dem Kriege, als deren Tendenz er die Einstellung auf rationale Besinnung gegenüber dem irrationalen Ausbau der Vorkriegszeit bezeichnete. Denn gerade die letzten Wandlungen stellten uns einer unproblematischen Jugend gegenüber, welche lediglich durch sachliches Lernen und Charaktererziehung im ethischen Chaos zu lösen seien. Zur Frage der Verwirklichung solcher Aufgaben verwies der Redner vor allem auf die Rotwendigkeit der intellektuellen und logischen Bildung, wobei ihm der Vorttag der Arbeitsgemeinschaft solange gleichberechtigt erscheint, als er den Hörern die Teilnahme am Gang solcher wissenschafllichen Denkarbeit möglich macht. Auch DeoMkmdsDWemsollgcholsenwerden! Oie neue Rotgemeinschast des Deutschen Schrifttums. - Berühmte Autoren im Elend. - Wertvolle Werke, die nur Geld kosten. - Aber sie sollen doch gedruckt werden! - Unzureichende Staatshilfe. - Wie anerkannte Schriftsteller ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Von Dr. Erwin Krug. Kürzlich wurde in Berlin die Notgemeinschaft des Deutschen Schrifttums gegründet, in der die maßgebenden Schriststellerorganisa. Honen und literarischen Stiftungen vereinigt sind, und die jetzt ihre Arbeiten aufnimmt. Kürzlich hat sich der bekannte Schriftsteller Herbert Eulenberg in der Öffentlichkeit dagegen verwahtt, für einen reichen Mann gehalten zu werden; er hat daraus hingewiesen, daß auch Dichter von Rus nur wenig Geld verdienen. Die öffentliche Meinung neigt dazu, das Schreiben von Büchern als mühelosen, einttäglichen Berus zu bettachten, und sie ist erstaunt, wenn die Hilferufe berühmter Persönlichkeiten bekannt werden, die trotz Talent und Begabung bitterste Not leiden und nicht wissen, wovon sie ihr Leben fristen sollen. Jeder bekannte deutsche Autor weiß von Briefen zu berichten, die täglich in Stößen bei ihm Eintreffen, und in denen er um schleunige Unterstützung angefleht wird. Unter den Hilfesuchenden findet man neben unbekannten Schriftstellern auch Autoren, deren Werke an deutschen Theatern mit Erfolg aufgeführt worden sind und deren Bücher di« Auftn.ttsamkell des Publikums erregt haben. Immer bedrohlicher ist die Lage der freien Schriftsteller in Deutschland geworden, und immer unzulänglicher wird di« Hilfe, die die Schriftstellerorganisationen den Bedrängten leisten können. Run hat man eine Rotgemeinschaft des Deutschen Schrifttums gegründet, um dem Elend der geistigen Arbeiter systematisch zu steuern. Die deutsche Schillerstiftung und der Reichsverband des Deutschen Schrifttums haben sich zu dieser Rotgemeinschast zusammengeschlossen; die Vertreter der deutschen geldwerbenden literarischen Stiftungen und Die Spitzenorganisation der schriftstellerischen Derufsverbände Deutschlands haben sich damit zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. zu der mittelbar auch die Kleist-Stiftung und die Klaus-Rochs-Stiftung gehören. Rur die geringfügige Summe von einigen tausend Mark läßt der Staat jährlich seinen darbenden Schriftstellern zuteil werden; auch die ‘Beträge die den Organisationen von großen Städten oder Stiftungen zufließen, sind bei der wirtschaftlichen Rrllage, in der sich die freien Schriftsteller befinden, nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Man hofft nun, daß reich« Kunstfreunde, großzügig« Mäzene der neuen Zentralstelle größere Beträge zur Verfügung stellen werden. Die Tatsache, daß maßgebende Organisationen die einkommenden Gelder verwalten, bürgt dafür, daß die Spenden gerecht verteilt werden. Schon jetzt, wenige Tage nach der Gründung, gibt di« Rotgemeinschaft ein genaues Programm für di« Organisation des Hilfswerkes bekannt. Zwei Arten von Hilfsmaßnahmen werden darin genannt: man will dem hungernden Schriftsteller persönlich helfen, und es soll auch dafür gesorgt werden, daß das Wett der Autoren nicht durch wirtschaftliche Rot unbekannt bleibt. Durch Gewährung von Renten, durch Ehrengaben und Darlehen w'.ll man dcm ins Elend geratenen Schriftsteller helfen. Kranke Dichter sollen Mittel erhalten, di« ihnen Hellung ihrer Leiden ermöglichen, an Rekonvaleszenten will man Erholungsbeihilfen verteilen, an die nicht mehr arbeitsfähigen Autoren soll gedacht werden. Durch Ehrengaben will man junge Schriftsteller aufmuntern. Da Dichter meist nicht in der Lage sind, hohe Lebensversicherungen abzuschliehen, sollen auch die nächsten Hinterbliebenen armer Autoren unterstützt werden. Man weiß, daß es zu allen Zeiten Dichter gegeben hat, die gern hungetten, wenn nur ihr Werk in die Menschheit drang. Cs gibt auch heute noch solche Kämpfer des Geistes, die mehr als persönliche Unterstützung eine Förderung ihres Wettes begrüßen werden. Manchem Autor ist nicht damit gedient, daß man ihm eine einmalige Hilfe gewährt; wichtiger ist es ihm, von Autoritäten gefordert zu werden und einen Ramen zu bekommen. Ist es doch eine alltägliche Erscheinung, daß große Vettagshäuser ein künstlerisch wettvolles Buch nicht anzunehmen wagen, weil sie bei einem jungen, wibekannten Autor einen geschäftlichen Mißerfolg fürchten Da will nun die Rotgemeinschaft eingreifen, die bisher unveröffentlichte Werke darauf prüfen will, ob sie es verdienen, gedruckt und verbreitet zu werden Wenn die Prüfungskommissionen das Wett für wertvoll halten, so will die Rotgemeinschaft nicht nur Druckkostenzuschüsse zahlen, sondern sich auch am Au t or en hon o r a r beteiligen oder Mittel zur Verfügung stellen, um das Erscheinen des Werkes zu ermöglichen Außerdem denkt man daran, dem Verlag den Absatz einer bestimmten Anzahl von Büchern zu garantieren, die übernommenen Exemplare sollen dann an Vollsbüchereien Dort eilt werden Ferner sollen neue Preise für Schriftsteller geschaffen werden, die hoffnungsvollen, in Rot befindlichen Schriftstellern zugute kommen sollen Eine andere wichtig« Aufgabe der Rotgemeinschast wird dattn bestehen. Rachlässe und Archive zu verwalten, die Bedeutung für die deutsche Kultur besitzen Gerade auf diesem» Gebiet wird die Rotgemeinschaft sich bald betätigen müssen, denn schon km nächsten Jahr werden die Wette Fontanes von der dreißigjährigen Schuhfttst frei, und da die Familie aus diesen Wetten feine Einkünfte mehr beziehen werden, wird das Bestehen des Fontana-Archivs, das aus diesen Mttteln finan- ziett wurde, in Frage gestellt. Aehnlich wird es in kurzer Zeit mit dem Riehsche-Archiv be- bestellt fein, und gewisse Anzeichen deuten daraus hin, daß man im Ausland sehr geneigt wäre, diese beiden Archive zu hohen Preisen zu erwerben Zunächst müssen öffentliche und pttvate Stellen für die vielseitigen Bestrebungen der Rotgemeinschaft Mittel zur CBerfügung stellen Bei dem Umfang des Ausgabentreises, den sich die neue Organisation gesetzt hat, wird mindestens ein Betrag von einer Million Mark im Jahr« nötig sein Bevor diese Summe beisammen ist, faiyx an eine praktische Tätigkeit kaum Geld fällt vom Himmel. Roman von Paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag. Berlin. 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Keine Bohne, gnädiger Herr. Wenn man die Well mit Banknoten überschwemmt, werden sie ja wohl weniger wert als damals in der seligen Inflationszeit. Aber erst muß man sie doch haben, und zwar zum richtigen Wert. Außer man macht sie nach. Dann läßt es sich gut überschwemmen." Grotleck steckte den Zettel ein. Die alte Unruhe kam wieder über ibn. Die Notenfälschungen in Rumänien — dieser Ausschnitt, der seinem Geld beigelegen hatte und der irgendetwas mit Brodersen zu tun hatte —, was bedeutete das alles? Wo war da ein Zusammenhang? Seine Banknoten mären echt. Er fand leihen Ausweg aus dem Irrgarten. Wer dieser bäuerliche Schlauberger hatte am Ende richtig kalkuliert. Es mochte in einem fanatischen Hirn so ein Gedanke schon geboren sein. Wenn es in großem Stil geschah, konnte es die beabsichtigte Wirkung haben, eine Geldpanik zu erzeugen und die Vermögen zu entroerten — namentlich, wenn es in einem Schlag durchgeführt wurde. Und den Sowjets standen wohl genug Hilfskräfte zur Berfüg-anq. Aber wer wagte diesen Angriff aus die festesten Fundamente der Gesellschaft? Nun, ihn ging" es nichts an. „Zunächst wollen wir mal uns überschwemmen", sagte er zu dem Inspektor, dessen verwunderten Blick er auf sich ruhen fühlte. „Prost, Specht! Auf gute Zusammenarbeit! Sagen Sie, gibt es hier in der Nachbarschaft keine neuen Zeitungen?" „Die gnädige Frau hält ja das Kreisblatt." „Nein, nein, das bringt die Nachrichten aus dem öoriaen Jahrhundert." „Das soll wahr sein. Wer im Krug drüben in Niederstein werden drei Danziger Zeitungen gehalten." „Schön. Ich gehe gelegentlich mal rüber. Heute ist es schon zu spät." Er verabschiedete den Inspek- tor und entschloß sich, den geheimnisvollen Ausschnitt nicht mehr zu beachten. Er ging hinaus, der Mutter entgegen. Auf der halben Chaussee kam ihm der Wagen entgegen. „Papendick hat mich begleitet, hoch zu Pferd. Schade, daß du es nicht erlebt hast. Mit Mühe und Not habe ich ihn zu seinem Sonntagsstammtisch treiben müssen. Wie gefällt er dir eigentlich?" „Besser, als du ihn geschildert hast. Auf alle Fälle paßt er hier gut in die Landschaft, und das ist doch eigentlich ein Lob für ihn." Sie nickte. „Ein sehr hohes, sollte ich meinen." ,/Ist er dir je lästig gefallen?" „Nein, nie. Obgleich schüchterne Männer die Lästigsten werden, wenn sie ..." Sie hielt errötend inne. „Ich verstehe. Du brauchst mir nichts mehr zu sagen." „Doch. Ich muß. Es soll Klarhell sein zwischen so guten Freunden, wie wir es sind." „Nicht in diesen Dingen, Mutti 1" bat er. „Die muß jeder selbst entscheiden. Heber sich selber ist man nur selber Souverän." „Würdest du mir solche Dinge auch verschweigen?" Er drückte sich fester in die Polster des Wagens. Sein Blick folgte einem krächzenden Krähenschwarm, der die Straße überquerte. „Diesmal kamen sie von links, Mutti ..." „Ja, ich verstehe. Und diesmal brauchst d u nichts zu sagen." Dankbar nahm er ihre Hand. Schweigend fuhren sie weiter, bis Pluto blaffend herbeirannte, der am Feldweg gewartet hatte. ,Hch hatte ihn eingesperrt, sonst wäre er mir in die Kirche nachgelaufen." „Das wäre schlimm gemef n; denn unser guter Pastor ist fein Franziskus, der den Tieren predigt ... Viech freches!" Das galt Pluto, der mit einem Satz in den Wagen gesprungen war und nun ©rot» teck umarmte. / Zu dritt gingen sie ins Eßzimmer. „Ich muß dir etwas gestehen", sagte Frau Karola mit schuldbe- wußtem Gesicht. ,Hch habe Austern da. Aber nur ein kleines Fäßchen. Durfte ich es nicht?" Sie blickte scheu zu dem großen Sohn empor. „Ich muß wohl schon verleihen, und am deutlichsten kann ich es ja, indem ich möglichst viele Dutzend aufbreche. Wer zu Austern gehört Rheinwein ober Sekt." Sie druckste eine Weile umher, ehe sie gestand: „Es ist beides da. Der Reisende hat mich regelrecht beschwatzt. Weißt du, ich kann immer so schlecht widerstehen, wenn ich einen feinen Mann betteln sehe." Lachend umarmte er sie . „Meine liebe kleine Mama, du paßt zur Gutsfrau wie ich zum Schnee- schaufeln. 9ta, künftig müssen sie sich an mich wenden." Als sie mit dem Essen fertig waren — es wurde viel gelacht dabei — fragte Frau Karola: „Und wie steht es nun mit den Buchern ? Sind sie jetzt wieder in Ordnung?" „Ach, Mutti, frag' lieber nicht!" Eine kurze Zeit schwieg sie, bann tarn es leise heraus: „Wir könnten ja einiges verkaufen." „Was denn zum Beispiel?" „3d) buchte an bie alle Bibel, bie mit ben Silberspangen. Der Pastor erzühlle, solche Bibeln seien sehr wertvoll." „Sicherlich. Wenn wir Glück haben, kriegen wir drei Mark fünfzig bafür." Ihre Miene wurde kläglich. „Er sagte, ein Neu- yorker Millionär habe für eine alte Bibel hunderttausend Dollar gezahll." „3a, er hat nun wohl aber genug an der einen." ,Hch sehe schon, du hälft mich für ein dummes Esulein", klagte sie. Er ging zu ihr und strich über ihr Haar. Wie voll es noch war! Und bie graue Strähne darin stand ihr eigentlich ausgezeichnet. „Du bist göttlich unpraktisch, meine Freundin!" „3a, sei gut zu mir. Kein Mensch ist gut zu mir." „Und Papendick?" scherzte er. Sie entgegnete nichts und begann nach den Hypotheken zu fragen. „Die Zinsen müssen doch be- zahtt werden." „Heberlaß es nur mir. Hoffen und glauben!" „Du sprichst wie der Pastor. Aber Geld fällt doch nicht vom Himmel, nicht wahr?" „Vielleicht doch", sagte er ernst. „Nein, jetzt redest du wie ein rechtes Schaf." Dann nach kurzem Besinnen: „3ch glaube doch, daß es Menschen gibt, denen bie Sterntaler in ben Schoß fallen. Dir könnte es zum Exempel passieren." „Mir?" fragte er erschrocken. „Weil bu ber beste, liebste 3unge bist. Deshalb." Sie lief von. dem Sohn fort, klappte das Klavier auf, das immer wie ein Spinett klang, und fang, sich im Stehen begleitend: „Weil bu min ßeeroften bist wie du wohl rreeßt ..." Lachend warf sie den Deckel wieder zu. „Ach, es wird sich schon was finden. Unb jetzt trinken wir gerabe ein Gläschen Sekt." Kopfschüttelnb ging er auf sein Zimmer. Es hatte keinen Zweck, mit Mutter über schwere Dinge zu sprechen. Sie würbe zusammenknicken, wenn er sie in sein Geheimnis einweihte. Aber Grotthausen mußte gerettet werben. Es war bie Insel im ra= fenben, aufgepeitschten Meer. Er nahm Inges Brief vor. Riet sie ihm nicht ba» zu, als ob sie alles wüßte? „Das Erbe ..." War hier nicht ein Sinn in all ber bunkeln Verworrenheit, bie ihn fett jenem unseligen Abcnb um und um getrieben hatte? Auf bie m^chtige Krone bes Kastanienbaumes vor bem offenen Fenster starrend, flüsterte er Inges Namen. Ein Kratzen an ber Tür schreckte ihn auf. Ein bump^s Jaulen tarn unmelobisch herüber. Er schloß auf, und Pluto stürmte ins Zimmer und an ihm empor. Diesmal wehrte er den Hund nicht ab. „Muß Grotthausen erhalten bleiben, Plillo? Soll ich das Gelb angreifen unb ben Kampf aufnehmen mit allen Bebenken unb allem, was noch kommen mag." „Wust! Wuff!" machte Pluto. Unb ba war es entschieben. * Kurt Grotteck war nach Rosoggen hinübergeritten, bem Gut Papenbicks. Er traf ben Gutsbesitzer am Walbeck, bas bie Grenze bildete, unb erzählte offen von ben Soraen, bie Grotthausen ihm mache. Es hatte keinen Zweck, Dinge zu verhehlen, bie jeder Nachbar besser kannte. „Sie haben sich rasch hineingefunden", meinte Papendick anerkennend. „Na, Sie werden sich auch schön hineingekniet haben." „Hab' ich. Es war ja auch meine verflucht« Pflicht unb Schuldigkeit." Als ber anbere lächelte, fehte er hinzu: „Sie wollen sagen, baß sie bas schon längst gewesen wäre, wie?" „Bewahre." Aber fein Gesicht mürbe doch um eine Schattierung brauner. (Fortsetzung folgt.) die Vermittlung von Wissen erscheine dringend notwendig, soweit es der geistigen Bewältigung des Lebens diene. Wesentliche Bedeutung wird der Entfaltung nicht rationaler Anlagen. durch Basteln, Laienspiel, Sprechen, Musik beigemessen. So soll überhaupt über die volksbildnerische Arbeit der gemeinschastsfähige einzelne werden und dazu daS lieben in Heimen, Gruppen, in gut gestalteten Freizeiten und auf Wanderungen möglich gemacht werden. — Die Aussprache kreiste um den Gegensatz der politisch-kollekti- vist.schen und pädagogisch-individualistischen Form der Dolksbildungsarbeit. Am Rachmittag folgte die Tagung für »die Stunde des Landes" im Südwestdeutschen Rundfunk. Dr. Gebhardt stellte fest, daß der Kopfhörer aus mehreren Ursachen durch den Lautsprecher verdrängt werde. Dadurch werde die Volksbildungsarbeit vermittels des Rundfunks erleichtert, denn über den heute schon bestehenden Schulrundfunk hinaus sei nur noch ein kleiner Schritt zum Gemeinde autsprecher. Der Rhein-Main.sche Verband für Volksbildung hat im Sinn seiner kulturpolitischen Ziele den Versuch unternommen, durch den Gemeindelaut- fprecher den Bauerndörfern im Gebiet des Südwestdeutschen Rundfunks eine Stunde des Landes zu vermitteln. Eine Reihe von Vorträgen, z. D. .Warum siedeln unsere nassauischen Dauern nach dem Osten um", »Von unseren alten Dorfbäumen", »Die Rhön, gesehen durch ein Rhönkind", »Was geht in der Welt vor und was geht es mich an". »Rachbarschaft und Dorfgemeinde" sollen zu einem Zwiegespräch mit dem Lande werden, indem ein örtlicher Dolksbildner als Mittler zwischen Rundfunk und Gemeinde den angehörten Vortrag erläutert und mit den Hörern bespricht. Durch diefes System der Mittlerschaft wird die Darbietung vecpersönlicht, in die örtliche Volksbildungsarbeit eingefügt und der Empfang der Sendung volksbildnerisch sichergestellt. W. Dr. Wirtschaft. * Die ReiHsinde xztffer für die Lebenshaltungskosten im Oktober. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und »sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistische Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Oktober mit 152,1 gegen 152,3 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913 bis 1914 — 100): für Ernährung 151,8, für Wohnung 125,9, für Heizung und Beleuchtung 149,7, für Bekleidung 171,5, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 190,7. ’ D ie deutsche Goldeinfuhr vom 1. Januar b i s 30. September. Die deutfche Goldeinfuhr scheint sich in den letzten Tagen wieder lebhafter zu gestalten. Don dem am Montag von der Dani von England abgegebenen 245 000 Pfund Sterling Barrengold waren 200 000 Pfund für Deutschland bestimmt. Aus den jetzt erschienenen monatlichen Rachweisen über den auswärtigen Handel Deutschlands geht hervor, daß die Einfuhr an Feingold im Monat September 51 709,3 Kg. (September des Vorjahres 1646,7 Kg.) mit einem Wert von 143 950 000 Mk. betrug, und in der Zeit vom 1. Januar bi- 30. September 200120,3 (45 774,7 Kg.) mit einem Wert von 555 831 000 Mk. Von der September- «infuhr von 51 709,3 Kg. stammten 35 453,3 Kg. aus Grohbritannien, 15 529,8 auS Rußland, 401,0 Kg. aus den Vereinigten Staaten, 230,4 Kg. aus der Schweiz. Von der Gesamteinfuhr vom 1. 1. bis 30. 9. d. 3- von 200120,3 Kg. entfällt der größte Teil mit 85 767,5 Kg. auf Ruh- land. Dann folgen der Reihe nach England mit 67 255,2 Kg., Vereinigte Staaten mit 41 839,5 Kg., Schweiz mit 2794,3 Kg. und Belgien mit 1936,5 Kilogramm. 3m September d. 3. kamen außerdem 3820,9 Kg. deutsche Goldmünzen mit einem Wert von rund 10 Mill. Mk. aus Dänemark zur Einfuhr, sowie 292,8 Kg. fremde Goldmünzen mit einem Mert von rund a/4 Mill. Mk., die zum größten Teil aus Schweden kamen. Die deutsch: Ausfuhr an Gold fiel gegenüber der diesjährigen starken Einfuhr nicht ins Gewicht. • Erntevorschätzung der Hackfrüchte im Deutschen Reich Anfang Oktober. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Erntevorschätzung der Hackfrüchte im Deutschen Reich Anfang Oktober 1928. Danach stellt sich der Ernteertrag für SpätkavtoffÄn bei einer Erntefläche von 2,61 Millionen Hektar auf 349,21 Millionen Doppelzentner, was einem durchschnitti- lichen Hektarertrag von 133,9 Doppelzentner entspricht. Für 1927 ergab sich bei einer Erntefläche von 2,56 Millionen Hektar ein Ernteertrag von 348,49 Millionen Doppelzentner bei einem Durchschnittsertrag von 136,4 Doppelzentner. Der Grn.eertrag von Zuckerrüben beträgt bei einer Srnlefläche von 0,45 (0,43) Millionen Hektar insgesamt 100,78 (108,54) Millionen Doppelzentner, also 221,8 (250,0) Doppelzentner pro Hektar. Für Runkelrüben ergibt sich bei einer Erntefläche von 0,71 (0,71) Millionen Hektar ein Ernteertrag von 199,08 (243,89) Millionen Doppelzentner, d. h. 278,6 (345,0) Doppelzentner pro Hektar. * Faber L Schleich er A.-G., Offenbach a. M. 3n der gestrigen ao. G.-D. wurde einstimmig beschlossen, das Aktienkapital um 408 000 Mark auf 1,4 Mill. Mark zu erhöhen. Die neuen Aktien werden unter Ausschluß des gesetzlichen BezugSrechls der Ak.ionä:« von einem Konsortium, bestehend aus dem Bankhaus S. Merzbach, Offenbach a. M.. der Deutschen Effekten- und Wechselbank, Frankfurt a. M. und der Darmstädter und Rationalban? K. a. A, Filiale Frankfurt a. M. zu 103 Pro;, übernommen und den Aktionären im Verhältnis 5:2 zu 107 Proz. plus Vörsenum'atzstempel zum Bezüge angeboten werden. Der Geschäftsgang ist. tote mitgeteilt wurde, weiterhin günstig. Die Kapitalserhöhung erfolgt lediglich zur Schaffung von Betriebsmitteln entsprechend dem erweiterten Geschäftsumfang. ♦ B. M. W. — Gothaer Waggonfabrik. Zu Meldungen über Verhandlungen der Gothaer Waggonfabrik mit einem Süddeutschen Werk wegen Verkaufs der Eisenacher Fahrzeugfabrik teilen die Bayerischen Motoren-Werke A.-G. dem WTB.-Han- delsdienst mit, daß die bekanntlich nach verschiedenen Seiten geführten Unternehmungen und Ueberlegun- gen noch keinesfalls abgeschlossen sind, so daß zur Zeit noch keine definitiven Beschlüsse vorliegen. * DieBremer Hansa-BankG. -G. ein gemeinnütziges 3 nstitut. En Ergänzung der über d'e Gründung der Bremer Hansa Bank A.-G. in Bremen bereits gegebenen Mitteilung erfahren wir noch, daß von dem volleingezahlten Grundkapital im Betrage von 10 Mill. Mark die Kaiser Brauerei Beck & Co., K. a. 2L, Bremen, 1 600 000 LMark, die Darmstädter und Rationalbank 1 700 000 Mark, der Rorddeutsche Lloyd 1 700000 Mark, die Rorddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei 1 600 000 Mark, d e 3. F. Schröder-Bank, K. a. A. 1 700 000 Mark und die Sparkas e Bremen 1 700 000 Mark zu pari ü.er- nommen haben. Um die Durchführung des gemeinnützigen Zweckes der Gesellschaft, die Förderung der bremischen Wirtschaft i n tot esten Sinne zu sichern, soll die Bremer Hansa-Bank A. G. Gewinne nicht erzielen. Alle Erträge, die sich nach Ab'.ug der Unkosten und nach Dotierung der Reservefonds ergehen, fließen ausschließlich dem bremislven Staate zu. 6 D ie Abschlüsse im Klöckner-Kon- zern. Rech Verrechnung der Erträgnisse innerhalb der in der Interessengemeinschaft verbundenen Änternehmen ergibt. sich für die Maschinenbauanstalt Humboldt nach Berücksichtigung der sozialen Lasten mit 1 460 514 Mark, der Steuern mit 616228 Mark und der ALfchveibungen mit 1 105 757 Mark ein Reingewinn von 27 987 Mark, wodurch der im vorigen Zähre vorgetragene Verlust von 334 836 Mark auf 306 849 Mark herabgeminbert wird: Motorenfabrik, A. - G. .Deutz nach Verrechnung der sozialen Lasten mit 1 248 444 Mark, der Steuern mit 534 854 Mark und der Abschreibungen mit 979 803 Mark ein Reingewinn von 18 658 Mark, wodurch der Derlustvortrag des Vorjahres von 223 224 Mark auf 204 566 Mark ermäßigt wird; Motorenfabrik Oberursel nach Verrechnung der sozialen Lasten mit 159 064 Maick. der Steuern mit 252117 Mark und der Abschreibungen mit 410 905 Mark ein Reingewinn von 626 849 Mark. Don dem Reingewinn sollen 250 000 Mark einer besonderen Reserve überwiesen und 8 (i. V. 6) Prozent Dividende verteilt werden. Die o. H.-V.'der drei Gesellschaften werden auf den 14. Dezember einberufen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.^ 1. Mod. Tendenz: schwächer. Die Börse stand, wie schon gestern abend, vollkom. men unter dem Eindruck der durch die Aussperrung verursachten Verschärfung der Lage in der rheinischen Eisenindustrie. Dazu kam die Verstimmung über die Mitteilung der Verwaltung der J.-G.- Farben in du st rie, daß augenblicklich die Farbenaktieneinführung än Neuyork nicht mehr erstrebt werde. Die Spekulation nahm daher auf den meisten Marktgebieten neue Verkäufe öor, <&umal auch die Tendenz an den meisten Auslandborsen schwach war. Verschiedentlich machte sich auf dem ermäßigten Kursniveau etwas Aufnahmeneigung bemerkbar, so daß sich die Kurse verschiedener Werte behaupten konnten. Das Geschäft war im allgemeinen aber nicht umfangreich, da infolge des katholischen Feiertags Aufträge aus dem Rheinlands und aus Süddeutschland vollkommen wegfielen. Meistens traten etwa 1- bis 2-v. H.» Kursrückgänge ein. Gut behauptet blieben nm Elektromarkte Licht und Kraft, Festen, Schuckert und Siemens, während AEG. 1 v. H., Gesfürel 2,5 v. H. und Elektrische Lieferungen 4 o. S). einbüßten. J.-G.-Farben waren weiter leicht gedrückt, Scheidcanstalt minus 1 v. H. Etwas stärker angeboten waren Zellstoff Waldhof mit minus 2,75 o. H. Banken, Schiffahrtswertc und Montonaktien gaben etwa 0,5 bis 1,5 v. H. nach. Auch Kali-Westeregeln verloren 1,5 v. H. Von den Bnuwerten lagen Holzmann 1,25 o. 5). und Wayß & Freytag 2 o. H. niedriger. Deutsche Linoleum und Süddeutsche Zucker je minus 1 v. H. Adlerwerke konnten um 0,75 v. H. erholen. Deutsche Anleihen lagen still und eher schwächer. Ausländische Renten vernachlässigt. 2m Verlaufe konnte sich die Tendenz leicht erholen, da namentlich am Farbenmarkt In- teroentionskäufe vorgenommen wurden. Z.-G.-Far ben waren 0,5 v. H. gebessert. Der Geldmarkt war wester angespannt. Tägliches Geld 8 v. H. Am Devisenmarkt zogen Devisen weiter etwas an. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1993; gegen London 20,359, London gegen Kabel 4,8495, gegen Paris 124,13, gegen Mailand 92,60, gegen Madrid 30,08, gegen Holland 12,09. Bc "ner Börse. Berlin, 1. Roo. Die heutige Börse stand unter dem Eindnick der Aussperrung der nordwest. deutschen Eisenindustrie, trotz der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches. Schon am Vormittag bestand nur Neigung zu Abgaben, und die Aufnahmelust war sehr gering. Außer diesem eben angeführten Moment lagen noch andere Nachrichten vor, die eine starke Verstimmung Hervorrufen mußten. Die I.-G.-Farbenindustrie hatte erklärt, daß ihre Aktien vorläufig in Neuyork nicht eingeführt werden sollten. Ein Kommunique der Verwaltung der J.-G.-Farbenindustrie über die Geschäftslage und ein Dementi der Mitteilung in der Presse über die Rede von Geheimrat Dulsberg konnten die Verkaufsneigung auch hier nicht verhindern. Der Monatsbericht der Dresdner Bank war mit seinen Betrachtungen über die Konjunktur ebenfalls eher dazu angetan, die schlechte Stimmung noch zu verstärken, und die Mitteilung vom Abbruch der Verhandlungen zur Bildung einer internationalen Kunstseidenkonvention verstimmte ebenfalls stark. Es tarn noch hinzu, daß durch den katholischen Feiertag das Rheinland und Süddeutschland vollkommen fehlten. Auch die gestrigen Auslandbörsen waren bis auf Paris überwiegend schwächer. Die ersten Kurse waren zwar nicht so schwach wie Dormittags, doch lagen sie überwiegend 2 bis 5 v. H. uhter dem gestrigen Schluß. Stark gedrückt waren Chadeaktien, Glanzstoff, Polyphon, Deutsche Linoleum, die bis 8 v. H. verloren. Die anfänglich herauskommende Ware hatte keinen so großen Umfang, es war säst nur die Börse selbst, die Abgaben vornahm, wahrend van Publi'umsseite Derkaufsorders kaum var- gelegen haben dürften. Auf Drenftein blieb die Nachricht von der Auszahlung von 2,3 Millionen Freigabegeldern ohne Einfluß. Nur im Verlaufe konnte der Kurs daraufhin leicht anziehen. Deutsche Anleihen und Ausländer waren überwiegend schwächer. Der Pfandbriefmarkt neigte ebenfalls zur Schwäche. Der Geldmarkt war wenig verändert. Tägliches Geld 8 bis 9,25 v. H., Monatsgeld 8 bis 9 v. H., Warenwechsel etwa 7 o. H. 2m Verlaufe ergaben sich bet anhaltenden Abgaben weitere Kursrückgänge bis etwa 1 v. H. R. W. E. verloren 2,5 v. H., Elektrowerte und J.-G.-Farben nicht wesentlich verändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 1. Rov. Der Frankfurter Prvduktemnarkt verkehrte In sehr ruhiger Weise, jedoch gut behauptet. Die Prtise sind ganz unverändert. bis auf Mais für Futterzwecke, her im Preise um 0,25 Mark anziehen konnte. ES wurden notiert: Wei'en 23,65 bis 23,75; Roggen 22,50 bis 22,60; Sommergerste für Brauzweckr 24,50 bis 25; tat. Hafer 23,25 bis 23,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 22 bis 22,23; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33,73 bis 34,50; Roggenmehl 30 bis 30,50; Weizenkleie 13,75; -Roggenkleie 14,25 Mark. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt, a. M.. 1. Rov. Auftrieb: 60 Rinder, 955 Kälber, 800 Schafe. 484 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 74 Mk.; mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69; geringe Kälber 56 bis 63. — Schafe. Mastlämmer und jüngere Wast- hämmel (Weidemast) 44 bis 48; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 36 bis 43: fleischiges Schafvich 26 bis 35. — Schweine: Vollsleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 72 bis 75 Mk. — Marktverlauf: Sperrmarkt. Schweine schleppend, öleberstanü. Kälber und Schafe langsam, ausverkauft. Berliner Produktenbörse. Berlin, 31. Ott. Das Rachgeben der Preise an den Auslandmärkten und die Zunahme deS Angebots von Brotgetreide aus dem Znlande liehen die Produktenbörse heute in schwächerer Haltung verkehren. Die Preise für Weizen und Roggen waren um 1 bis 2 Mark ermäßigt, jedoch hielten sich die Exporteure und Mühlen, die wieder über schlechten Mehlabsatz klagen, ziemlich zurück. Am Lielerungsmartt für Brotgetreide bewirken Realisationen einen Preisrückgang von 1 bis 2 Mark für Weizen, Roggen lag sogar bis zu 2,50 Mk. schwächer. Für Weizen- und Roggenmehl sind die Mühlenofserten ver- soned endlich ermäßigt, ohne dah die geringe Belebung der letzten Ta^e anhalten konnte. Es werden erneut nur Anschaffungen für den dringenden Bedarf tror genommen. Für Hafer hat sich das Angebot gegenüber den letzten Tagen verstärkt, und die Eigner sind angesichts der Zurückhaltung des Konsums xu Preiskvnzessionen bereit. Am Serstenmarkt hat sich wenig verändert. ES wurden notiert (1000 Kilo): Weizen, märkischer. 74,5lL 0nU-abU)l.-SdiuU) mit «ufr lol.-Sediten 50.75 50, b 50,9 De-al ohne AuSwf.-Rechte . . . 7% ßtanfl. Hop.-Bk «oldvt. tm- tünobai M3 1932 14.2 14.15 14.4 14,1 90 — .. — 4K% Rheinische Hyp.-Vank Clou.- Goldvt- 75,6 — — ILC.® abg SortrtegfrübHßation.. tüdiablbai |939 — — - — 4% Schwel- Bunbeab.-A»!.. . . —• — —» — 4% Ccfterretdiddir üSolorte.. . - — — 32,3 —* 4,20% Ctflett Silberne..... 8,8 — — 4% Cefteneid) etntjeiU. Rte. •W —- — 4% Ungarische @olDrte. . . • 26,5 — 26,6 4% Ungarische Sisal,r. o. 1910 — — -* —- 4yt% btegl von 1013 26 — 25.75 w— 4% Ungarische KronenNe..... — — — 2 4% Türl. Zollanleihr o. 1911 . 12,9 — 12,9 12.5 4% Türkische Bagdavbahn-Anl-, Serie 1 . . . - 12,75 12.4 4% <5erir II ..... 4% Rumänen converi. Site. . . — 13 12,5 9,9 — €V4% Rumänen Oiolbonl box 1913 83,4 23.13 — dfl. Deurfche lMleo'xihn . . Hamburg-Amerika Solei . . . 8 —- ‘43,25 147 145.5 Homb.'Südam Tamvssch. . 8 — — — Hansa Damvllchlll - . 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Ungarische Noteo Devisenmarkt Berlin 16,36 167,86 21,91 111.53 58.87 2.53 111.88 80,48 67,36 12.89 78.87 -Frankfurt 16,42 168,54 21.99 111.97 59,11 3,55 112,32 80,80 <>7,64 12,46 73,17 a. 2fi. 31. Oktob.r 1 Novemb r Amtliche Non runp Amtliche Notierung i^eld «ne: rÄeld | Brie' Amst-»Roti 168,16 168,50 168,17 168751 Bucn.'Aires 1.767 1.771 l,?u7 1,771 Brff-'ÄMM jS,28 -8,40 58.27 58.39 CdriKianlo 111,74 111,96 111,76 111,98 Kopendrigen 111,79 112,01 111,82 112,04 Stockholm 112.10 112,32 111.98 112,30 HelsinaiorS. 10,54 10,5b 10.34 10,53 tjtalitn - . 21,96 22,00 21.96 22.00 London. . . 20,335 20.-75 20.039 20,379 Weuoorf .. 4.1935 4,2013 1,1945 4.2025 Pari». . . . 16,38 16,42 16,-75 16.415 Schwei, . . 80, b» 80.85 60.695 80,8-5 Sva.iteu. . >7,57 07.71 07.68 07,83 Jovan . . . 1.981 1,985 1.953 1.957 *to de San 0.5005 0.5025 3.5005 0.562.3 toten tn D-» Cefl odgesk j8,«8 a9.1- 38,-8 49.10 Prao 12.42 12.44 12.12 12.44 Belgrad - . 7.367 7,:>81 7,367 7,881 Budavelt. . 73.06 73.20 73,07 73,21 Bul arten -.1)2? 0.03- >.027 -,033 Lissabon 18,90 18.94 18.98 19.02 Danzig . 81,31 81.47 81.30 01,45 Nonftauitn. 2,118 2.122 2.116 4.120 Athen 5.435 b.U1) 5.422 5,435 Lanado 4,1915 4,199.5 1,192 4,200 Itrn non 4,256 4.264 4,25b 4.264 Uteo . - 20,86 20.90 20.86 20.90 3.60, 7.75, 2.50, 1.25, 1.10, 8654 A 2.00, 1.90, Cafe Astoria 07726 Nur gute, erprobte Qualitäten 30t Soleis, Monate, Beftrotailonen empfehle meine 9609A 9554A Eintritt frei! 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