Donnerstag, Mär; V)28 (78. Jahrgang Nr. 52 Erstes Blatt e der bisherigen Abg. Tempel (Soz.) land Gelegenheit erhält, an dem Wirtschaft- lichen Aufschluß der Rohstoffländer teilzunehmen, wodurch neue Kaufkraft zur Aufnahme von Marktwaren geschaffen würde. Eine solche Beteiligung sei nur durch enges Zusammenwirken von Ländern mit Kapital- Überschuß und solchen Ländern möglich, die die erforderlichen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen bieten. Unter den Rationen mit Kapitalüberschuß ständen die Vereinigten Staaten an erster Stelle, während Deutschland über die erforderliche Technik und Wirtschaft in vollem Umfange verfüge. Deshalb seien Deutschlands Augen auf die Vereinigten Staaten gerichtet: das bringend notwendige Zusammen- liche Steuererleichterung muß kommen, vor allem müssen Reich und Staat die Schul- l a st e n übernehmen. Hoffentlich kommt es darüber zu einer Einigung mit dem Reparationsagenten. Die mißbräuchliche Ausnutzung der Er» werbslo enversichecüng muß befcitigt werden. Bei der Kreditverteilung verlangen wir Berücksichtigung der kleinen ländlichen Genossenschaften und vor allem des schwer leidenden Winzer- ift, daß der Landwirtschaft durch eine planmäßige Handelspolitik, die unbedingt erforderliche Sicher- heil und der nötige Rückhalt gegeben wird. Der Mangel an Rentabilität in der Landwirtschaft wirkt ich naturgemäß in Löhnen und Lebenshaltung aus und ist die letzte Ursache für die zunehmende Land- lucht. Während auf dem Lande die Arbeiter- n o t wächst, stehen wir im Bereiche der industriellen " ' ' ' keitals Dauer- Erscheint lügt,ch,ander Sonntag» nnd Feiertag». Beilagen; Metzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats»Be;n8spteis: 2 Reichsmark and 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnach» richten; Anzeiger Hiebe«, postscheckkonro: Frankfurt am Main 11686. standes. (Beifall im Zentrum.) Aög. Janson (D.B.P.) Amerika und der deutsche Wiederaufbau Botschafter von pnttwitz über die Wirffchastsverflechtungen beider Länder. wirken mit den Vereinigten Staaten liege im Interesse beider Länder. Endgültige Annahme der Freigabebiil. W a s h i n g i o n, 29. Febr. (WB.) Das Reprasen- kanienhaus hat der Freigabebill in der gestern vom Senat verabschiedeten Sompromißfassung zuge- stimmt. Die Abteilung Amerika des Bundes der Auslanddeutschen in Berlin, Luisen» straße 27/28, gibt bekannt, daß die Eigentümer in Amerika beschlagnatzmler Vermögen nach dem Inkrafttreten des Freigabegefehcs die nachstehenden Bedingungen zu beachten haben: 1. Die Freigabe erfolgt nicht von Amts wegen, sondern sie ist von derEinreichungeines Antrages abhängig. Die Form des Antrages und der beizufügenden Eigenturnsnach» weise muh den Vorschriften des Treuhänderamtes entsprechen. Der Antrag kann durch eine bevollmächtigte Interessenvertretung eingebracht werden. 2. Der Freigabeanspruch verfällt, sofern der Antrag nicht innerhalb einesJahres nach dem Inkrafttreten des Gesetzes eingereicht und das Besitzrecht nachgewiesen ist. Die Feststellungen haben ergeben, daß für eine große Anzahl beschlaguahm'.er Vermögenswerte der rechtmäßige Eigentümer bislang mdjt ermittelt worden ist. Deutsche Firmen oder Privatpersonen, bei denen die Möglichkeit besteht, daß sie, sei es aus Vorkriegsaußenständen, Warenlieferungen, Erbschaft oder aus anderen Gründen Guthaben in Amerika hacen, sollten demzufolge unverzüglich entsprechende Erkundigungen eiiiziehen. 3. Voraussetzung für jede Freigabe, deren Wert die Grenze von 2000 Dollar übersteigt, ist die Abgabe einer Einverständniserklärung für die einstweilige Einbehaltung von 20 Prozent des Vermögenswertes. Die bisher von dem Treuhänder amt vorgeschriebenen Anträge oder die Vertrctungsvollmachten der deutschen Eigentümer müfien einen dahingehenden Zusatz erhalten. 4. Bei der Ausfolgung der Vermögenswerte ist dem Treuhänderamt eine Entlastungsquittung zu erteilen. Die Eigentümer werden gut daran tun, vorher eine Rachprüf ung der Rechnungslegung des Treuhänderamtes vorzunehmen. 5. Für die Fälle, in denen nicht genügend Barbestände vorhanden sind, um die Abzweigung der einstweilen einbehaltenen 20 Proz. des Vermögenswertes in bar zu ermöglichen, den deutschen Eigentümern aber daran gelegen ist, die beschlagnahmten Sachwerte wie Grundbesitz, Wertpapiere usw. unveraußert in natura Wirtschaft geht. Aög. Aeyses (Z.) meint, die jetzige Hilfsaktion komme reichlich spät, nachdem die Landwirte jahrelang vergeb» abhangig. Deshalb braucht sie Z o l l s ch u tz. Leider ist im Ausschuß unser Antrag abgclehnt worden, die Rentenbank-Grundschuldzinsen für ein b;s zwei Jahre zu erlassen. Allerdings wäre durch feine Annahme das Reparationsproblem neu oufgerollt morden, aber das hätte wenigstens zu dem Nachweis geführt, daß der Dawesplan für die Landwirtschaft untragbar ist. Wir verlangen einen Abbauder Grundsteuern und eine Reform der Arbeitslosenversicherung. Der Ausschuß hat unseren Antrag auf Beseitigung des Oe- friersleisch - Kontingents angenommen. Das Ror- Programm sieht jedoch nur ratenweisen Abbau des Kontingents vor. Wir sind auch damit einoerfbin- den. Wir bekämpfen die polnische Schweineeinfuhr. Großhandel und Agrarhilfe. Scharfer Protest gegen die Genossenschaftskrcdite. Berlin, 29. Febr. (WB.) Der Re ichS» verband des Deutschen Groß- und Ll e b e r s e e h a n d e l s hat sich mit dem Rot- programm der Reichsregierung beschäftigt und in einer Erklärung an die Reichsregierung zum . Ausdruck gebracht, daß der Großhandel an der Besserung der Lage der Landwirtschaft in ganz außerordentlichem Maße t n - teressier t und bereit ist, mit allen chm zu Gebote stehenden Mitteln an der Besserung dieser Lage mitzuarbeiten. Aber mit größter Entschiedenheit müsse der Verband gegen die Absicht der Reichsregierung Stellung nehmen, den Genossenschaften 25 Mill. Mk. als Rotkredite zuzuführen. Es sei keinerlei Gewähr dafür gegeben, daß diese Beträge auch tatsacy- lich der Landwirtschaft zugute kämen. Die jetzt geplante Aktion der Reichs» regierung bedeute nichts weiter als eine Verschleuderung der Mittel der Allgemeinheit und ein einseitiges Eingreifen des Staates in den Konkurrenzkampf zwischen Großhandel und Genossenschaften. erklärt: Die hohen Zinsen der Neuverschuldung, die alle Betriebsgrößen und -arten treffen, sind geradezu erdrückend. Zur Hebung des Milchabfatzes sollte man sich bemühen, die Qualität zu verbessern, damit die Milch zum wahren Volks- und Kindernährmittel wird. Selbst die Nebenbetriebe der Landwirtschaft, die früher einen gewissen Wohlstmd sicherten, sind heute unrentabel. Die Industrie hat sich in ihrer Not kartelliert. Das konnte die Land- Erzeugung der Erwerbslosig Problem gegenüber. An die Stew Notstandsmaßnahmen auf dem Gebiete der Erwerbslosigkeit muß eine produktive Lösung treten dadurch, daß wir durch eine planmäßige Hebung unserer Landwirtschaft neue Arbeits st eilen dauernder A r t schassen. Meine besondere Sorge wird die Schaffung einer geeigneten Form der Wirtschaftsberatung für neu angesetzte Siedler sein, die dringender Unterstützung bedürfen. Das Bauerntum ist stets der treueste Hort bodenständiger Art und vaterländischer Gesinnung, der stärkste Rückhalt und das sicherste Bollwerk des Staates gewesen. Hier liegt die Grundlage un- erer Vergangenheit. Nur in der Besinnung auf liefe Grundlage können wir unsere Zukunft er- olgreich gestalten. Es gibt nur einen Weg zu diesem Ziel: Den Weg über eine wieder gesun- dende deutsche Landwirtschaft. (Beifall rechts.) Das landwiristhastliche MspwMNim vor dem Reichstag. Berlin, 29. Febr. (DDZ.) Aus der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haus- holles des Reichsmi ftfteriums ,ür Ernährung und Landwirtschaft. Reichsernährungsmimster Schiele betont, die deutsche Landwirtschaft stehe an einem Wendepunkt und bedürfe der Hilfe, wenn nicht ein schweres Verhängnis für die ganze deutsche Wirtschaft herauf beschworen werden soll. Die im Rotprvgramm der Regierung vorge,ehen« Um« schuldungso ktion könne den Landwirten nur hinweghelien über die Zeit bis zur nächsten Ernte. Eine dauernde Hilfe könne sie nicht bringen, sie tonne nur bewirkt werten dadurch, daß durch wirtschaftspolitische Mahnahmendie Landwirtschaft wieder rentabel gemacht wird. Die schwierige Betr.ebslage der Landwirtschaft wird wesentlich verschärft durch die Verhältnisse aus dem Viehmarkt. Die Schweine- Preise der letzten Monate liegen 20 Prozent unter dem Crzeugnngspreis. Dadurch werden gerade die Kleinbauern und die Landarbeiter am schwersten getroffen. Unter diesen Umständen bedeutet es geradezu eine Großtat der Landwirtschaft, wenn sie dennoch den Viehbestand aus das Maß der Vorkriegszeit gebracht hat. Das Ziel der Eigenversorgung mit frischem Fleisch in Deutschland ist im wesentlichen erreicht. Der Fleischverbrauch auf den Kops der Bevölkerung hat im letzten Jahre mit 52,42 Kilogramm dem Verbrauch der Vorkriegszeit überschritten. Die sozialwirtschastliche Rot hinsichtlich der Fleischversorgung ist also vorüber. Wollen wir die Existenz unseres Rähr- standes nicht noch weiter gefährden, so müssen wir die Einfuhr an Fleisch und lebendem Schlachtvieh möglichst einbämmen. Die Regierung beabsichtigt in ihrem Rotprvgramm eine ralcnwsise Herabsetzung de» zollfreien Ge- frierfleischkonlingente» und die Ausdehnung des Linfuhrschemsnstems auf die Ausfuhr von Schrveinen und Schweinefleisch. Der Einführung von Viehseuchen aus dem Auslande soll durch eine gleichvnäßige Handhabung der veterinärpolizeilichen Grenzsperren und durch eine Aushebung der bisherigen Einfuhrerleichterungen vor gebeugt werden. Für eine belfere Organisation der Markt Verhältnisse für Vieh und Fleisch ist ein Betrag von 22 Millionen als Reichsbürg- schäft vorgesehen und weiter ein Betrag von 8 Milliorien, der im Ernährungsetat für 1928 angeforix.Tt werden soll. Erreicht werden soll eine Stabilisierung der Viehpreise und eine Verminderung der Preisspanne z toi - schen Erzeuger und Verbraucher. Der Rentenbankkreditanstalt soll die Finanzierung der lcmdwirtschastlichen Produktion erleichtert werden. Zu dem gleichen Zwecke sollen 25 Millionen den Genossenschaften zur Verfügung gestellt werden. Als Rotfonds für die schleunige Durchführung der vorgesehenen Hilfsmaßnahmen sind 30 Millionen vorgesehen. Der deutlichste und sichtbarste Ausdruck für die verlustreiche Entwicklung der vergangenen Zähre ist die riesige Höhe der R a ch k r i e g s v e r s ch u l d u n g, dte feit dem Jahre 1923 bis zum Herbst 1927 allein die erschreckende Höhe von sieben Milliarden Reichsmark erreicht hat. Die Zinslast der Landwirtschaft ist damit einschließlich Verzinsung der Aufwertungsschuld und der Rentenbankarundschuld auf rund eine Milliarde Reichsmark angewachsen. Sie übersteigt also die Dorkriegszinslasten um rund 300 Millionen Mark. Die Verschuldung trägt durchweg den Charakter der Rot. Die Marktverhältnisse, wie sie sich in der Landwirtschaft gestaltet hatten, mußten den normalen Betrieb zum Verlustbetrieb machen. Diese Entwicklung erstreckt sich auf Betriebe aller Größenklassen. Wo bei Kleinbetrieben das Fortschreiten der Verschuldung nicht so stark nach außen hervor tritt, ist dies durch eine schwere Beeinträchtigung berat (gemeinen Lebenshaltung der Kleinbauern und ihrer Familien erkauft worden. Die nächste und dringende Ausgabe ist die Umwandlung der druckenden hochoerzinslichen und kurzfristigen landwirischaftlichcn Schulden in langfristige Realkredite. Zur Beschaffung von langfristigem Leihkapital wird die Reichsregierung an die territorialen Kreditinstitute krafsen- vorschusse in höhe von zunächst 100 Millionen Mack gewähren und nach Möglichkeit darüber hinaus weitere Vorschüsse flüssig machen. Derartige Umschnldnngskredite sollen an bedrängte landwirtschaftliche Betriebe abgegeben werden, deren rationelle .Fortführung bei Gewährung des Kredites zu erwarten ist. Das oorgeschlagene Hilfsprogramm der Regierung wird die Krise nicht beseitigen, sondern nur mildern können. Es bedarf daher notwendig einer Ergänzung durch weitere grundlegende Maßnahmen, die das Mißverhältnis zwischen den Einnahmen des Landwirtes und feinen Betriebsausgaben, Schuldenzinfcn und öffentlichen Lasten de- feitigen und die Rentabilität wiederherstellen sollen. Entscheidend beeinflußt wird die Preisbildung für landwirtschaftliche Erzeugnisse durch die gewaltige Einfuhr von ausländischen Nahrungsmitteln, die im letzten Jahre den Betrag von 4 Milliarden überstieg. Es können hiervon rund drei Milliarden durch eigene Erzeugung ersetzt werden, wobei Voraussetzung l i ch auf die wachsende Rot hingewiesen hätten. Die Rot der Klein- und Mittelbauern ist größer als die der Großgrundbesitzer. Ihnen g:ht es in vielen Fällen schlechter als den Erwerbslosen. Reben auskömmlichem Lohn ist den Arbeitern auch ihre Existenz in Zeiten der Krankheit und Rot gesichert. Davon ist in der Landwirtschaft keine Rede. Die Abwanderung aus landwirtschaftlichen Gebieten ist daher erschreckend, besonders in Ostpreußen und im Westen des Reiches. Das Zentrum erkennt gerne an, daß das Rotprogramm geeignet ist, zur Milderung der Rot der Landwirtschaft beizutragen. Dankbar ist die Landwirtschast für die jetzt versprochene schärfere Handhabung der vetorinärpo iz:ilichen Gre: zkontrolle Der Industrie h t man durch Zoli- schutz die Durchführung der Rational^-erring ermöglicht. Auch sie würde wahrscheinlich heute am Rande des Abarundes stehen, wenn sie diese Auf- gäbe schutzlos hätte durchführen müfien. wie man es von der Landwirt chaft verlangt. Eine wesent- GieheimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvckmrd Verlag: UirtDerfitäts-Biufr mrd Stetnöroderd B. Lange tu Sieben. Schristlettrmg und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Oie. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20 u„ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Dießen. meint, die Erklärungen des Ministers würden die Landwirtschaft teilweise sehr enttäuschen, denn statt der angekündigten neuen Wege der Agrarpolitik sei nur das alte Rezept der Drosse- lung der Einfuhr gekommen. Das fei nicht der richtige Weg. Der Landwirtschaft könne nur geholfen werden durch eine Stärkung der Kaufkraft der breiten Derbrauchermassen. Die Sozialdemokratie sei nicht eine einseitige Vertretung der Arbeiter und Verbraucher. Die Sozialdemokratie weiß längst, daß Bauernnot Volks- not ist. Die Bauernschaft und Landarbeiterschaft bildet eine Vcrbraucherschicht, die für das Ge- ... .....--------- deihen der industriellen Produktion von größter wirtschaft nicht. Sie tft von den Weltmarktpreisen Bedeutung ist. Es ist richtig, daß heute eine Krise in großen Teilen der Landwirtschaft besteht Eine Ursache der landwirtschaftlichen Krise ist die Rückständigkeit der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland. (Große Unruhe rechts.) Wir sind bereit, Mittel für eine bessere technische Schulung zu bewilligen. Eine weitere Ursache ist die Desorganisation deS Marktes, die dazu führt, daß der Bauer seine Ware der Reuhork, 29. Febr. (WB.) Der deutsche Spekulation überläßt und ein teilweise, parasr- Botschafter v. Prittwitz und Gafsron hielt heute tärischer Zwischenhandel die Preisspanne ^nem ihm zu Ehren veranst rlteten Frühstück zwischen Erzeuger und Verbrauchs m ungesun- I deutsch-amerikanischen Han- um Ä 'Ä. Sft »«»l « » m er im Wer ".®ub fünften Bodenverteilung, die ihren Ausdruck eine Rede, in der er missuhrte, die völlige wirt- darin findet, daß östlich der Elbe fünfzig Mag- schaftliche Gesundung Deutschlands hange haupt- naten sitzen, von denen jeder 10 000 Hektar sächlich von der Lösung dreier Probleme ab. besitzt. Die Rot der Landwirtschaft ist großenteils Erstens von der Rationalisierung des verschuldet durch die Politik der jetzigen Re- Produktions» und Derkaufsappa- gierung. die nicht die schädliche P^politirfter zweitens von der Teilnahme an der ffÄÄÄ* S ä kirtf’VaftlidKn 21 u f I =61 i c B u n g bzw im Ruhrgebiet der Milchverbrauch pro Kopf Entwicklung anderer Land er, und drittens und Tag nur Vio Liter beträgt. Zur Regierung von der Möglichkeit der Erfüllung der haben wir nicht das Vertrauen, daß sie die öffentlichen und privaten finanziel- Hilfsmittel gerecht verteilt. Die großen Summen, Hen Verpflichtungen an das Au S - die die Regierung plötzlich zur Verfügung stellt sand. Die Produktionsfähigleit habe unter dem wecken den Verdacht, daß hier Vabanque-Politik aIIfl€meinen günstigen Wirtschasts- getrieben wird, daß man dek kommend en ueuen ^njuicktur des vorigen Jahres wieder einen hohen G-ad-r-eicht. ®ag£flcn Men Me grobe nähme vor. bis wir die Einzelheiten der ge- P a ss lvi t a t der Handelsbi l anz und planten Hilfsmaßnahmen übersehen können. Wir die ungünstige Zahlungsbilanz erken- verlangen Aufhebung der Futtermittelzölle und nen, daß der Einfuhrüberschuß und die in bar Förderung des Fleischexportes. leistenden Reparationen bisher Ahg. Iandrey (£)n.) zweifellos in weitgehendem Maße aus dem erklärt: Die Qiot sei ungeheuer groß in allen Erlös der auswärtigen Anleihen ge» Kreisen der Landwirtschaft, nicht nur bei den deckt wurden, was auf die Dauer nicht fortgesetzt selbständigen Bauern, sondern auch bei den werden könne. Alle privaten und öffentlichen Landarbeitern. Auch der Landarbeiter be- finanziellen Verpflichtungen an das Ausland komme beim Verkauf seines Schweines einen so mü&ten letzten Endes aus den Ausfuhr- niedrigen Preis, daß nicht einmal ferne Selbst- Überschüssen gezahlt werden. Die große j°6tCnu* Sauetnfitmmc’n toir!°To muß man Steuerlast di- Produktion und be- an die Bedingungen erinnern, zu denen die von schränke die Kaufrraft des heimischen Marktes. Sozialdemokraten beeinflußten Länderregierungen Straff durchgeführte Sparmaßnahmen zur Erder Landwirtschaft die Kredite gegeben haben, möglichung der Steuerherabsetzung hätten nur Sie verlangten nur 2 Prozent Zinsen, aber e|ne beschränkte Wirkung, weil der größte Bud- 8 Prozent Amortisation, wie ein Wu- getposten, nämlich die Reparationen, die cherer. Die von der Regierung geplante Hilfs» zische Wirtschaft zudem noch mit anderen dem'Dauernde^Hilfe 'kann erst^gesch?ffen werden, Abgaben schwer belasten, der Kontrolle der deut- toenn die Landwirtschaft wieder rentabel gemacht I schen Regierung entzogen fei. Derartig große wird. Die veterinärpolizeilichen Bestimmungen | Verpflichtungen seien nur erfüllbar, wenn Deutsch- sollten auch bei Gefrierfleisch angewendet werden. Das Kontingent von 120 000 Tonnen zollfreien Gefrierfleisches entspricht einer Menge von 1 200 000 Schweinen. Würden diese Schweine Öer Landwirtschaft abgenommen, so wäre das schon eine große Hilse. Rotwendig ist auch der Abbau der Einfuhr von Sü d f r ü ch t e n und ausländischen Gemüsen. Wenn nicht geholfen wird, dann werden wir Bauern mit unseren Handwerkern und Kaufleuten zusammen nach Berlin kommen, um in ruhiger, stiller Demonstration zu zeigen, wie es der Land- Aurüdguerfraltert, sieht daS FrrfgaVegeseh vor, daß entsprechende Bareinzahlungen *ur Ablösung der Sachwerte vorgenommen werden können. Die Abteilung Amerika des Bundes der Auslanddeutschen stellt sich den Interessenten für sämtliche der oben bezeichneten Fragen zu kostenlosen Auskünften zur Verfügung. Sie hat außerdem durch geeignete Vertrauensstellen in Neu- York und Washington Vorkehrungen getroffen, um die erforderlichen Verfahren durchzuführen oder zweckdienliche Erhebungen anzustellen. Oie präsidenffchastskandidatur in Amerika. Washington, I.März. (WTD. Funkspr.) „Washington Post" will erfahren haben, daß Präsident Coolidge den älnterstaats elretären Mills und Lvafman, die in den letzten Wochen offen für eine "Nominierung Hoovers als Präsidentschaftskandidaten eingetre en sind, größere Zurückhaltung mit der Begründung auferlegt habe, daß sich die Regierung den verschiedenen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gegenüber neutral verhalten müsse. — .,Neuyork Herald and Tribüne" zufolge besteht in mehreren Staaten die Absicht, gleich zu Beginn des republikanischen Kong.esses im Juni Coolidge als Präsidentschaftskandidaten vorzuschlagen, um festzustellen, ob die Mehrheit der republikanischen Partei für eine Wiederwahl ist, und in der Hoffnung, daß der Präsident, falls die Abstimmung eine große Mehrheit für ihn ergeben sollte, sich doch zur Aufstellung bereitfinden werde. Der Cavell-Kilm. Eine Borführung vor geladenen Gasten in London. London, 1. März. (WTB. Funkspruch.) Der Cavell-Film wurde gestern privatim den Filmkritikern der englischen Presse vorgeführt. Aus den Berichten geht hervor, daß die historisch falschen Vorgänge bei der Erschießung der Miß Cavell (erst die Erschießung eines Soldaten, der sich weigert zu feuern, und dann die Erschießung der ohnmächtig gewordenen Miß Cavell durch den kommandierenden Offizier) zwar nicht direkt dargestellt werden, aber durch die Gebärden und den Gesichtsausdruck der handelnden Personen unzweideutig zum Ausdruck kommen, also der von Chancherlain im Unterhaus gegebenen Darstellung entsprechen. 2m übrigen sind sich die Kritiker darin einig, daß der ganze Film die Deutschen in dem sympathisch »n Lichte zeige, lieber die Frage der Zweckmäßigkeit einer öffentlichen Vorführung sind die Ansichten geteilt. Der Korrespondent der „Daily News" meint, der Film sollte gezeigt werden. Gleichviel, ob die Er>cyiehungs- szene der historischen Wahrheit entspreche oder nicht, so enthalte weder diese noch der Rest des Films irgend etwas, was den Angehörigen irgendeiner Nation verletzen könne. Der Korrespondent des Arbeiterblattes »Daily Herald" dagegen meint, bei allen ehrlichen Bemühen nach Gerechtigkeit müsse der Film doch die bitteren Gefühle der Kriegszeit wiederbeleben. Der Korrespondent des konservativen »Daily Telegraph" verhält sich neu und meint, der Film sei im allgemeinen wc inspiriert noch inspirierend, aber bemerkenswert durch die wundervolle Darstellung der Miß Eavell. Marschall Oiaz f. Dom, 29. Febr. (WTD.) Marschall Diaz. der während des Weltkrieges Führer des italienischen Heeres an der Jsonzofront gewesen ist, ist gestorben. Seit zwei Tagen war er an Grippe erkrankt. Marschall Diaz ist 67 Jahre alt geworden. Er war in Neapel geboren, als Sproß einer alten Soldatenfamilie, die schon Napoleon!. gute Offiziere geliefert hatte. 2m 2ahre 1881 trat er als Offizier in das italienische Heer ein und kam später in den Grneralstab, dem er 17 2ahre hindurch angehorte. An dem Krieg in Tripolis beteiligte er sich mit Auszeichnung als Kommandeur des 93.2nfanterie-Regiments. 2n dem Ge echt bei Zanzur (1913) wurde er leicht verwundet. Als 1914 der Krieg ausbrach, wurde er als General wieder im Generalstab verwendet, wo er unter den Generalen Cadorna und Porro die Vorbereitung Italiens zum Krieg betrieb. Mit dem Eintritt Italiens m den Krieg wurde er Chef der Operationsabteilung des Generalstabes. Später wurde er Divisionskommandeur, dann Befehlshaber des 23. Armeekorps, mit dem er auf dem äußersten rechten Flügel der Italiener am Isonzo focht. Nach der großen Niederlage der Italiener Ende Oktober 1916, durch die sie bis an die Piave zurückgeworfen wurden, wurde Diaz an Stelle von Cadorna zum Oberbefehlshaber ernannt. Es gelang ihm, die schwer erschütterte Armee innerlich wieder herzustellen und den Widerstand an der Piave- Linie und im Gebirge zu einem dauernden zu machen. Hierfür wurden ihm allerdings auch, 6 französische und 5 englische Divisionen zur Verfügung gestellt. Einen ersten großen österreichischen Angriff auf die Piave-Linie konnte er Mitte Juni 1918 abweisen. Der Ende Oktober 1913 schließlich erzwungene Liebergang der Oesterreicher über die Piave war infolge ihrer großen Verluste der Anfang vom Ende des alten Oesterreich. Im allgemeinen Gegenangriff und Nachstoß auf der ganzen italienischen Front konnte Draz die Oesterreicher endgültig werfen. Diese D))erahon nennt die italienische Kriegsgefchichts- schreibung den Sieg von Dittorio Veneto und General Diaz wurde'1921 zum Herzog von Vittorio ernannt. Oie Phoebusaffäre. Angeblich über 25 Millionen MarkBcrluste Berlin, 1.März. (Priv.-Tel.) Der heutigen Dechrechung der Phoebus - Angelegenheit im Haushaltsaussc^uß des Reichstags wird von den Blattern größtes 2nterepe entgegengebracht Wie der „Vorwärts" mittcili, we dest die sozialdemo- krairschen Vertreter die Veröffentlichung des Berichtes des Reichssparkom- missars verlangen. Rach dem „D.T." sprach man gestern in Reichstagskreisen davon, daß die Gesamt Verluste aus den Geschähen des Kapitäns Lohmann von der Seetrani'voriabtei- lung des Reichswehrministeriums nicht 20 Millionen, sondern über 25 Millionen betra- | Rheinhessens Not. Staatspräsident Adelung über die bedrängte Lage des besetzten D a r m st a d t, 29. Febr. In der heutigen Sitzung des Finanzausschußes machte Staatspräsident Adelung bei der Etatsberatung zu Kap. 19 (Staatspräsident) längere Ausführungen über das hessische besetzte Gebiet. Er sagte etwa folgendes: Die hessische Negierung weiß sich einig mit den nachhaltigen Bestrebungen der Reichsregierung, die baldige Räumung des besetzten Gebietes zu erreichen, da nach Locarno und dem Abschluß des Dawes-Abkommens eine innere Berechtigung für die Besetzung nicht mehr vorhanden ist. Im Hinblick darauf, daß die Räumungsverhandlungen nur langsam vorangehen und ihrer Schwierigkeit wegen auch nur langsam vorwärts kommen können, ist die zweite Frage der Rheinlandpolitik von besonderer Bedeutung, die Frage der Verminderung der Besatzungstruppen. Es ist bekannt, daß im vergangenen Jahre die Herabsetzung der Besatzungsstärken um 10 000 Köpfe nach langwierigen Verhandlungen erreicht werden konnte. Die Herabsetzungsaktion hat für Hessen eine große Enttäuschung gebracht, weil insbesondere die in dem bekannten Uebermaße unter der Besetzung leidende Stadt Mainz überhaupt keine Erleichterung erfahren hat. Alle erforderlichen Schritte waren rechtzeitig unternom- men worden, um dem Gedanken Gellung zu ver- schaffen, daß die Verminderung der Truppen da cintreten muß, wodieLastenamschwersten sind. Leider haben aber die militärischen Belange den Sieg davongetragen. Mainz ist der Mittelpunkt der französischen Besetzung und wird es bleiben, so lange die Besetzung überhaupt dauert. Die Verminderungsaktion hat sich in Hessen im wesentlichen nur für Worms ausgewirkt, wo die Besatzung um 800 Köpfe vermindert wurde. Es sind dort insgesamt 20 Wohnungen und neun Teilwohnungen, ferner sieben Einzelzimmer freigegeben worden. Ferner wurde das Munitionsdepot in Wörrstadt aufgehoben, dadurch wurde eine Wohnung und rund elf hessische Morgen Ackerland frei. Wenn weiter erwähnt wird, daß in Alzey eine Lazarettbaracke und eine Feldscheune freigegeben worden sind, so sind die Auswirkungen für das hessische besetzte Gebiet erschöpfend aufge- führt. In negativer Hinsicht ist noch zu sagen, daß auch die Vororte von Maknz, Gonsenheim und Weisenau, die durch Beschlagnahmen stark in Mit- leidenschaft gezogen sind, keine Erleichterungen erfahren haben. In Bingen sind zwei Schulsäle von der britischen Besatzung erneut beschlagnahmt worden. Am 15. September 1927 befanden sich von 75 443 Desahungsangehörigen fast 20 000 auf hessischem Loden. Das sind 26,5 Prozent, während die Bevölkerung des hessischen besetzten Gebietes nut 13,1 Prozent der Gesamtbevölkerung der besetzten Gebietsteile ausmacht. Da sich die Verminderung der BefahungStruppen in Hessen kaum ausgewirkt hat, ist der Anteil Hessens an der Besatzung, der im Jahre 1925 noch 25 Prozent betrug, unterdessen noch weiter gestiegen. Wenn man die Beschlagnahmungen betrachtet, so kommen die schwierigen hessischen Verhältnisse noch deutlicher zum Ausdruck. In Mainz waren Ende Januar d. 2. noch 1224 Wohnungen beschlagnahmt mit 3367 Zimmern. 2n 117 Fällen bestand gemeinsame Küchen- benuhung. Weitere 59 Wohnungen mit 199 Zimmern waren in staatlichen und städtischen Gebäuden beschlagnahmt, ferner 857 Wohnungen mit 3058 Zimmern in reichseigenen Gebäuden. Das sind insgesamt 2130 Wohnungen mit 6624 Zimmern. 2n Worms waren Ende 2anuär dieses 2ahres noch beschlagnahmt 115 Woh- nungen mit 338 Zimmern bei der Bevölkerung, 67 Wohnungen mit 190 Zimmern in staatlichen, städtischen und reichseigenen Gebäuden, das sind insgesamt 182 Wohnungen mit 528 Zimmern. 2n Gonsenheim sind zur Zeit bei der Bevölkerung beschlagnahmt 16 Villen mit 26 Wohnungen, ferner 58 Wohnungen mit 160 Zimmern und 48 Einzelzimmer: in Gebäuden der Gemeinde 18 Wohnungen mit 54 Zimmern und in reichseigenen Gebäuden 148 Wohnungen und 52 Einzelzimmer. Das sind in einer Gemeinde von 6000 Einwohnern 250 Wohnungen! Aber nicht nur die möglichste Beseitigung der durch die Wohnungsbe'chlagnahmungen geschaffenen Verhältnisse muh für Hessen gefordert werben, sondern auch die sonst durch die Besetzung entstandenen schweren Belastungen müssen von den Schultern des Landes und des besetzten Gebietes soweit irgend möglich aus die stärkeren Schultern des Reiches übernommen werden. Dabei ist zunächst die Forderung Hessens zu betonen, einen Ausgleich für die durch die Besetzung des Lande entstandenen Einnahmeausfälle vom Reich zu erhalten. Die dahin zielenden Verhandlungen werden hoffentlich bald zu einem befriedigenden Ergebnis kommen. Wei- Gebiets. ter ist aber auf die Notwendigkeit hinzuwnsen, den besonderen Schwierigkeiten Hessens auch durch Mas. nähme, die unmittelbar dem besetzten Gebiet zugute kommen, Rechnung zu tragen. wir fordern eine stärkere Beteiligung des hessi- schen besetzten Gebiets an den für kulturelle und wirtschaftliche Zwecke bereitgestellten Rcichsmil- teln. 3n kultureller Hinsicht muh uns das Reich die Mittel so ausreichend zur Verfügung stellen, daß wertvolle Kulturinstitute auf der bisherigen höhe gehalten werden können. Dies gilt z. B. für das Stadttheater Mainz, dessen Erhaltung unerläßlich ist, zumal Rationalp ierungsmaßnahmen, soweit man es heute übersehen kann, kaum noch möglich sind. Insbesondere wird die Zusammenlegung der Mainzer Buhne mit einem b.r benachbarten Theater aus technischen, künstlerischen und politischen Gründen nicht in Frage kommen. Gerade an einer so gefährdeten Stelle, wie dem h solchen besetzten Gebiet, dem Zentrum der franz. Besatzungszone, müjen die kulturellen Einrichtungen unterstützt und gefördert werden. Cs muß aber auch den wirtschaftlichen Belangen eine größere Förderung zuteil werden. Selbst wenn alle Wünsche des besetzten Gebietes auf wirtschaftlichen und kulturellen Gebieten erfüllt werden könnten, die schwerste Last, die auf der Bevölkerung liegt, kann ihr damit nicht abgenommen werden, das ist der psychische Druck, der infolge der Auswirkungen der Besatzung auf der Bevölkerung lastet. Es muh vor allem auf das bekannte System der Ordonnanzen hlngewicsen werden, die das Leben und Treiben der Volksgenossen im besetzten Gebiet auf das tiefste berühren. Die Verhandlungen des Reichskommissars mit der Rhein! andkommission, das Ordonnanzensystem den durch Locarno veränderten politischen Verhältnissen anzupassen, haben bisher zu einem Ergebnis n i cht ge s ü h r t. Ob und inwieweit die Rheinlandkommission den zahlreichen Vorschlägen des Reichs- kommisfars entgegenkommen wird, die auf dem Gebiete der Militärgerichtsbarkeit, des Vereins- und Derfammlungswefens, der Presse- und Filmfreiheit, der Ausweispflicht, der Luftfahrt, der Verwaltung usw. Erleichterungen bringen sollen, bleibt abzuwarten. Besonders leidet die Devölkerung bekanntlich unter der Tatsache, daß jede unbedachte Aeuße- rung oder sonstige Kleinigkeiten die Gefahr mit sich bringen, verhaftet und vor das Militärgericht gezogen zu werden. Es bleiben weiter zu erwähnen die vielen Schwierigkeiten, die die militärischen Hebungen insbesondere für die Landwirtschaft mit sich bringen. Hierbei sei erwähnt, dah Ende 1927 in Hessen über 3100 Hektar Kulturgelände für Schießplätze und fast 376 Hektar für Flugplätze beschlagnahmt waren. Vor allem aber muh auch hier wiederum auf die unerträgliche Ordonnanz 64 hingewiesen werden, die die Besitzer von Fahrzeugen und Zugtieren aller Art zwingt, in regelmäßigen Zeitabschnitten sich einer Musterung zu unterwerfen. Diese Musterung, die den Betroffenen höchst zeitraubende und unangenehme Verpflichtungen auferlegt, hat den Zweck, ,schon in Friedenszeiten" den militärischen Bedarf an Zugtieren und Fahrzeugen sicherzustellen, d. h. sie bedeutet die Vorbereitung einer Mobilmachung. Der Kampf gegen diese Ordonnanz, die mit Recht als höchst unmoralisch bezeichnet wird, hat einen Erfolg noch nicht gezeitigt. Die deutschen Stellen werden nicht aufhkren. die Aufhebung dieser Ordonnanz zu fordern. Schließlich noch ein Wort zu der Arcmdenleglonswerbung im befehlen Gebiek. Es muß festgeftellt werden, daß die Anweisung der französischen Regierung, die den Ve'ahungs- truppen eine Mitwirkung bei der Zuführung von jungen Leuten in, die Fremdenlegion unterlagt, in der Praxis nicht befolgt wird. Noch immer finden d'e Legionsanwärter im besetzten Gebiet in den Äaferncn Ausnahme, sie werden dort untersucht, um im Tauglichkeitsfalle, mit Fahrgeld und Weisungen versehen, der Grenze zugeführt zu werden. Die Abwehrmaßnahmen der deutschen Behörden sind bekanntlich nicht ohne Erfolg geblieben. Solange jedoch die Besahungs- truppen ihre Anwesenheit auf deutschem Boden I dazu benützen, um der Fremdenlegion immer junge Leute zuzuführen, muß Deutschland die Beseitigung dieses auf die Dauer unerträglichen Zustandes mit aller Entschiedenheit fordern. Die diplomatischen Schritte werden fortgesetzt. Wenn man die vorstehend nur beispielsweise angeführten Auswirkungen der Besetzung überbilckt, so wird man den Wunsch der Volksgenossen im be'e< ten Gebiet ber' ehen, den Wunsch, der auch der unsere ist: Möge bald der Tag der Freiheit kommen! gen, vielleicht an 30 Millionen heranreichen, lieber die Quellen, aus denen die Mittel zu diesen Geschäften geflossen sind, verlautet mehreren Blättern zufolge: Minister ©coener hat von Mitteln aus der Liquidation des Krieges gesprochen, Reichssparlominissar Saennsch von Mitteln aus dem Auhrfond. Drittens ist bekannt geworden, daß Einnahmen aus im Etat nicht verbuchten Verkäufen entstanden find, und dah Gelder aus Etatmittel verwendet worden sind, die für andere Zwecke bewilligt worden waren. Die „Tägl. Rundschau" bedauert es, daß die amtlichen Stellen bisher eine gänzlich falsche Verschwiegenheit in dieser Angelegenheit gezeigt haben. Eine offene Darlegung wäre zweifellos angebrachter gewesen, als der Zustand, daß die Mißstände brockenweise von der Opposition ans Tageslicht gezerrt werden, und dadurch immer neue Beunruhigung he, vorgerufen wird. Man dürfe annehmen, daß diese Auffassung auch bei den Verantwortlichen Stellen, namentlich bei dem Reichswehrminister selbst, Platz gegriffen hat. Die Ausschußverhandlungen, so schließt das Blatt, werden hoffentlich die nötige Klarheit in diese Vorgänge bringen. Oie Wirtschaftshilfe für die Studentenschaft. Berlin, I.März. (Priv.-Tel.) Die Fraktionsführer des Reichstages, mit Aus- nähme der Kommunisten und Völkischen, hielten heute im Reichstage eine Besprechung ab. Es wurde vereinbart, d.e Wirtschaftshilfe für die Studentenschaft in der bisherigen Höhe auch in den Etat für 1928 einzUstcllen. Oer „perfonaletai". Ern Kompromiß zwischen Zentrum und Deutschnationalen? Berlin, 1.März. (Priv.-Tel.) In der Aussprache über die jüngste Regierungserklärung hat der Frattionsvorsitzende des Zentrums, Abgeordneter von GuSrard, van einem Personal- etat gesprochen, der in Vorbereitung fei, dessen genauen Inhalt er aber noch nicht kenne/ jedoch in kategorischer Form hinzufugt. das Zentrum werde weder für neue Beamten st eilen noch für höhere Einstufungen zu gewinnen fein. Mit der Besokdungsreform seien die Beamtenfragen für das Zentrum abgeschlossen. Die „Voss. Zta." weiß heute mitzuteilen, daß die Deutschnationalen sich mit dem Zentrum in Verbindung gefetzt und mit ihm Verhandlungen auf der Basis eingeleitet haben, daß das Zentrum den geplanten Veränderungen im Personaletat, so weit sie von den deutschnationalen Kabi- ' nettsmitgliedern gewünscht werden, z u st l m m t. Dafür soll dem Zentrum angeboten worden lein, daß eoll. von ihm geäußerte Personal- wünsche in jenen Ministerien, die von Zentrums- miraftern geleitet werden, berücksichtigt rom den sollen. Aus aller Welt. Schweres Grubenunglück. Bisher 13 Tote gemeldet. Recklinghausen, 1. März. (wTv. Junf- spruch.) heute morgen gegen 6 uhr ereignete sich auf der Zeche „Ewald" in Erkenschwick bei Recklinghausen ein schweres Grubenunglück. Zwei jör- derkörbe stürzten infolge des Reihens eines Seiles in die Tiefe. Eine Anzahl von Toten wurde bereits geborgen. Das Ausmaß des Unglückes läßt sich noch nicht übersehen, nach vorläufigen Angaben befanden sich in den Förderkörben 43 Mann, von denen 13 tot fein sollen. Todesstur; von der fahrenden Lokomotive. Der Lokomotivführer Ludwig Baumeister stürzte beim Einfahren einer elektrischen Lokomotive in den Münchener Hauptbahnhof von der Maschine ab. Ob er von einem plötzlichen Unwohlsein betroffen ober durch eine Erschütterung hinausgeschleudert wurHe, steht noch nicht fest. Die Lokomotive fuhr mit 30 Kilometer Geschwindigkeit führerlos in die Halle, durchriß die rückwärtige Mauer, überquerte ohne Gleis die Drehbühne, riß eine weitere Mauer ein und kam in einem Raum zum Stehen, in dem zwei Schl osfer anwesend waren, die schwer verletzt wurden. Der verunglückte Lokomotivführer ist nach dem Unfall gestorben. Lindberg erhält den Woodrow-Wilson-Preis. Dem anuruaniicjen Ozeausckeger, Oberst Lindberg, ist eine weitere Ehrung zuteil geworden. Die Treuhänder der Wilson-Stiftung gaben heute abend bekannt, daß sie einstimmig beschlossen haben, dem Flieger im Hinblick auf feinen .Flug des Wohlwollens' nach Mittel- und Südamerika und die dadurch herbeigeführte bessere Stimmung zwischen den Vereinigten Staaten und den lateinischen Nachbarn den W o o - drow-Wilsvn-Preis zuz..eckem.en. Der Preis besteht in einer Medaille und einer Geldsumme in Höhe von 100 000 Mark. Meuterei an Vord eines Fischdampfer«. Das Hamburger Secamt beschäftigte sich mit eigenartigen Vorgängen, die sich am 9. Februar an Bord des Fischdampfers „Senator San. d e r s" in den norwegischen Schären abgespielt haben. Auf dem Dampfer war es nach der Abfahrt von Tranoe zu Streitigkeiten gekommen. Der zweite Maschinist stoppte darauf die Maschine und verwehrte unter Drohungen den Zugang zum Maschinenraum. Der zweite Steuermann wurde dabei von ihm so schwer verletzt, daß er 14 Tage im Hospital bleiben mußte. Die Verhandlung ergab, daß die Meuterei lediglich auf übermäßigen Alkoholgenuß zurückzuführen sei, von dem sich lediglich der zweite Steuermann ausgeschlossen habe. Dem Kapitän sowie dem ersten und zweiten Ma- schinisten wurde durch Beschluß des Seeamts das seemännische Berufspatent aberkannt. llnierschtaaungen bei einem Slmnes-Werk. Nach einer Mitteilung der „Vosi.'Ztg." aus Essen sind bei der „Glaswerke-R-uhr-A. - G." die zum Stlnnes-Konzern gehört, umfangreiche U n - terschlagungen zweier Prokuristen aufgedeckt worden. Die beiden Prokuristen wollten die Abwesenheit des Generaldirektors, der zur Zeit in Amerika weilt, dazu benutzen, um die Akten 3u beseitigen, die ihre Unterschlagung ans Licht bringen konnten. Die Akten waren auf einen Lastkraftwagen verladen worden und sollten abtransportiert werden, als di e Polizei erschien und die Landung beschlagnahmte. Die beiden Prokuristen, die zu einer polizeilichen Vernehmung geladen waren, gingen flüchtig. Oie Wetterlage. CWo Tflittivoch.denZQ Febrja- 7habend} / { ■ \ —Jpn Aayen- OWomentos. O ntntr ®naro otdecti »woixiq, ®oeoecn «ffrgeH * Sehnte a Graupen» • NtDei K 6tw.tter©windstill? -O sen» leichter Ost y massiger Südsüdwest X Uurmiscnet "ordwesl D;e Ptene fliegen mit dem Winde Oie oroen Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an Oie umitn verhrnden Oru mit gleichet® •uf Meeresniveau umatreebntttn Luftdrute Wettervoraussage. Der Einfluß des östlichen Hochdruckgebietes auf die Wetterlage von fast ganz Deutschland hat weiter angeyalten. Nur in Westdeutschland (Aachen) und in Frankreich führten die Rand- ftörungen des westlichen Druckfallgebietes bereits zu Niederschlägen, Unserem Gebiet wurde bis jetzt nur Bewölkung zugeführt. 2m Bereich der westlichen Störung wird zunächst das wolkige Wetter fortbestehen. Dabei ist weiterhin mit vereinzelten Niederschlägen zu rechnen. Wettervorhersage für Freitag: Wolkiges Wetter, Temperaturen zunächst etwas ansteigend, vereinzelt Niederschläge wah sheinlich. W i tterungsaussichten für Samstag: Wolkiges Wetter mit stellenweiser Aufheiterung, Temperaturen schwankend. Lufttemperaturen am 29. Februar: mittags 4,9 Grad Celsius: abends 3 Grad Celsius: am 1. März: morgens 1,4 Grad Celsius. Maximum 5,4 Grad Celsius, Minimum —2,6 Grad Celsius. — Erdtempera turen in 10 Zentimeter Tiefe am 29. Februar: abends 2,8 Grad Celsius; am 1. März: morgens 1,6 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: 2% Stunden. von jof)6r das ögmöok PchsterSlfkmg- Wrpsiichtet auch im WirtfchaftsWen ju immer usu OBERST SA BLAU PUNKT 8*Ä ASTOR-HAUS 6& a KUSCHE innes-fflnl aus 6fln b« rnthLst in .neuer Arösit" nicht nur alles köstliche,was der Orient" an Tabaken Zu ßiehm. vermag -, sie ist auch mit Zeusr zisKeumstten Lchastensfreude stergestellr, die - verbunden Hüt starkemLöllMN-Mw ZuMchsterÄistlMg öesiihigt".- WaLorf-AstoNa. Sigarettenfabrifi. A -L Turnen, Sport und Spiel. Tliebedage Dr. peltzerö. Neuyork, I.März. (WTB. Funkspruch) Beim Wettlauf in der Hallenbahn im Neuyorker Madison- Square Garden, an dem Dr. Peltzer und die Amerikaner Lloyd Hahn und Ray (Songer teilnahmen, wurde Lloyd Hahn erster und Ray Songer zweiter Sieger. -kommen. Der du Maschine 1 Nr w mann mürbe °h « M lagt gonbhing ergab, l{rmögigen |ti.Don bt mfiifi geWn |tk ii) jwtiten Da- i Sfwmts bas ent aber- "O*?.? rih ch , ^m Sau, ° ler te, kP Durber ‘ft nach ■fton-pteis ; Oberst LH h&in) unblUW Kirchliche Nachrichten Evangelische Gemeinde. Freitag, den 2. März. Kapelle des Alten Friedhofs. Abends 6 Uhr: Passionsandacht. Israelitische Religionsgen cinde. Samstag, den 3. Mä Gottesdienst in der Synagoge (Sudanlage). ‘Bor- abend: 6 Uhr; morgens 9 Uhr; abends 6.15 und 6.55 Uhr. Israelitische Rellgionsge-cllfchasl. Sabbatfeier den 3 März. Freitag abend 5.40 Uhr; Samstag vormittag 8.30 Uhr; nachmittag. ' 0 Uhr; Sabbataus- gang 6 55 Uhr. — Dienstag, uc 6. März: Purim. Vorabend 6 Uhr; morgens 6.15 Uhr. — Wochengottesdienst: morgens 6.45, abends 5.30 Uhr. Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 1. März 1928. Häusliches Glück. Unglück, das von außen, oder, wenn man will, von oben kommt, ist nicht immer ab,zulenken, aber die Menschen können sich mit einigem Verständnis und gutem Willen ein glückliches Familienleben schaffen, das über das Schicksal sanft hinweghilft. Unermüdlich müssen die Eltern beflissen sem, m dem Herzen ihrer Kinder den Sinn für häusliches Glück wachzuhalten, müssen jede Herzensroheit im Keime ersticken, mit Milde und Strenge durchsetzen, daß die Geschwister gegeneinander liebenswürdig sind, die Knaben etwas zärtlich und ritterlich, die Zlädchen sonst und liebevoll; sie müssen ihre Kinder a 'fmimtern, daß die Buben wie die Mädchen ein- c der kleine Freuden machen und kleine Opfer b Ingen, daß sie üble Launen tapfer verscheuchen ii ib über Nichtigkeiten, denen im Leben so viel Werl b igelegt wird, als gäbe es gar kein großes Leid f h rneoer ärgern noch grämm, sonder.i fcie e tlei- r, ■ x Widerwärtigkeiten gelassen, womöglich lächelnd e tragen lernen! Freilich sollen die Eltern ihren Kindern mit outem Beispiel vorangehen, indem sie sich um ihr gegenseitiges Wohl, wie um das ihrer K nber ohne Unterlaß besorgt zeigen, indem sie ihre K nder nie Zeugen eines ehelichen Streites, geschweige denn einer ernsteren Uneinigfeit sein lassen. Auf diese und ähnliche Weise lernen die Kmder spielend, daß Eintracht im Hause herrschen muß. daß einzelne Mitglieder der Familie die Pflicht haben, einander glücklich zu machen. Man versäume aber nicht, von den Mädchen zu fordern, daß sie sanft w. aufmerksamer und liebevoller seien wie die K taben, denn das bedingt das Geben, namentlich die Ehe. wenn sie eine friedliche, glückliche sein soll. Ist die Pflicht des Mannes der Kampf mit der Außenwelt, das Schirmen und Schützen des Hauses, so ist es die Pflicht der Frau, durch innige, besänftigende Zärtlichkeit dem Mann die schwere Mühe um die Beschaffung des täglichen Brotes zu erleichtern. Es trage einer des andern Leid und einer des andern Gast, dann wird der Friede am Herd und häusliches Glück gesichert fein! M-G. Hessische Kommunal - Gassernveyorgung. Amtlich wird aus Darmstadt, 29. Februar, gemeldet: Heute haben sich unter dem Vorsitz des hessischen Ministers des Innern die drei hessischen Provinzen und die Städte Darmstadt, Mainz, Worms und Gießen in btt Frage der Gasfernversorgung mit dem Staat Hessen zusarnmengeschlos- f e tt und gemeinsam mit diesem die „Hessische roMmunaleGasfernversorgung"(He° I d g a) gegründet. Die „Hekoga" ist auf rein kommunaler Grundlage aufgebaut und wird die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten. Es ist vorgesehen, daß der „Hekoga" noch weitere Städte und Kommunalverbände, auch bet an Hessen angrenzenden Gebiete, bcltreten. Die „Hekoga" stellt fi:*" die Aufgabe, die Gasversorgung ihres gesamten sorgungsgLbiets nach einheitlichen Gesichtspunt.cn zu fördern und eine Verbilligung des Gases für Haushalt, Gewerbe und Industrie unter Ausnutzung aller durch die moderne Technik gebotenen Möglichkeiten herbeizuführen. Die Gründung dürste für das Wirtschaftsgebiet des rhein-mainischen Städtekranzes von größter Bedeutung fein. Wie wir zu dickser Mitteilung von gut unterrichteter Seite noch hören, ist die hier berichtete Stellungnahme der Stadtverwaltungen natürlich unter Vorbehalt der Z u st i m m u n g d e r b e r u f e n e n städtische. n Körperschaften erfolgt. er sich wieder beim Hochbauamt Offenbach a. M. Später ging er zur Marine-Intendantur und zum Reichsverwertungsamt Wilhelmshaven. Rach einer Tätigkeit vom Mai 1920 bis Juli 1921 bei dem Eigenwert Raschle in Rheinhausen war Herr Gravert einige Jahre selbständig und führte in dieser Zeit eine Reihe Siedlungshäuser, In- dustriehäuser und Einzelwohnungen aus. Seit 1. April 1925 ist ihm die Geltung des Hochbauamtes der Stadt Rheinhausen übertragen. Während seiner dortigen Tätigkeit hat Herr Gravert Vorbildliches geleistet, insbesondere hat er verschiedene größere Bauten ausgiführt und den Bebauungsplan für die Stadt Rheinhausen bearbeitet. Bei Beteiligung an Wettbewerben wurden die künstlerischen Arbeiten des neuen Stadtbaurats in den Iahrep von 1923 bl6 1927 sechsmal besonders ausgezeichnet. Herr Gravert übernimmt feinen neuen Posten am 1. April 1928. — Warnung vor einem Dersiche- rungsbetrüger. Der Polizeibericht meldet: Der Reisende Fritz Höhnes, geboren am 31. Januar 1897 zu Dellwig, Kreis Essen, der unter dem falschen Namen Ludwig Sittig aus Höchst-Sindlingen a. M. im Lande umherreist, nimmt unberechtigt Aufnahmeanträge für die Deutsche Kranken- und Lebensversicherung zu Altona entgegen und läßt sich Aufnahmegebühr und einen Monatsbeitrag auszahlen. Formularmaterial hat Höhnes bei Sittig gestohlen. Höhnes ist 1,70 bis 1,75 Meter groß, glattrasiert, hat blondes Haar, spricht rheinischen Dialekt, trägt neue gestreifte Charlestonhose, dunklen liederlicher und grauen Hut. Dor Höhnes (alias Sittig) wird hiermit gewarnt. Sollte der Genannte in hiesiger Gegend oder in hiesiger Stadt auftreten, so wird ersucht, seine Festnahme zu veranlassen bzw. den nächsten erreichbaren Polizeibeamten zu verständigen. •• D i e Gaubacher Jugendherberge. Die Reuherrichtung der Gaubacher Jugendherberge, die im vergangenen Herbst durch die Ortsgruppe Gießen des Verbands für deutsche Jugendherbergen angekündigt wurde, ist jetzt erfolgt. In Gaubach steht nun den jugendlichen Wanderern eine gut ausgestattete und hübsch eingerichtete Herberge zur Verfügung. Zwei Schlafräume, getrennt für Buben und Mädchen, enthalten 26 Becten. Ein geräumiger Dorraum mit Tischen und Bänken vermag auch größere Gruppen auszunehmen. Elektrisches Gicht, Wasserleitung und ein Kochherd find vorhanden. Besonders den Gießener Gruppen wird diese Herberge, die die erste Etappe zum hohen Vogelsberg bildet, willkommen sein. D.e Herberge befindet sich in der städtischen Turnhalle. Fü' die Herrichtung der Räume hat die Stadt Gaubach in dankenswerter Weise gesorgt, die I.men- ausrüstung fteLte ter Gau Main-Rhein-Gahn- Fulda des Verbandes sür deutsche Iugendher- . bergen. Die Herbe.gslcuuny hat Oberbahnhoss- vorsteher i. R. ©formet übernommen. — Zuchtviehversteigerung in Butzbach. Für die Zuchtvieyverst.igerung in Butzbach am Donnerstag. 15. März, sind endgültig gemeldet: 110 Fleckviehbullen, ein 2' -jäh.iges tragendes Rind der hessischen Fleckviehrasse, und vier Eber des veredelten Gandschweins. Unter den angemeldeten Bullen befinden sich 18, deren Vorfahren aus ihre Milchleistung geprüft sind. Mcyrere Bullen stammen von Elt^rntieren ab, die weit über 4000 Kilogramm Milch im Jahre aufzuweisen haben. — Astoria-Gichtspiele: „Mit Tomahawk und Büchse". — Der Tierschutzverein G i e ß e n beruft in unserem heutigen Anzeigenteil feine diesjährige Generalversammlung auf nächsten Montagabend ein. Interessenten seien auf die Anzeige besonders hin- gewiesen. ** Stadtgärtner i.R. Iohs. Balsers. Am Dienstag ist der langjährige Gießener Stadtgärtner Iohs. Balser nach längerem Krankenlager im 83. Gebens.ahre verstarb m. ©.ine Beisetzung findet heute nachmittag auf dem neuen Friedhof statt. Der Verewigte hat jahrzehntelang unserem Gemeinwesen in vorbildlicher Weise seine Kraft und sein reiches Wissen und Können gewidmet. Er hat sich um die Entwicklung unserer Stadtgärtnerei sehr verdient gemacht; ein bleibendes ehrendes Denkmal für alle Zeiten hat er sich aber durch die Schaffung und Ausgestaltung der Ostanlage und der Südanlage erricht t. Diesem Werke hat er in Gemeinschaft mit dem im Jahre 1924 verstorbenen Stadtbauoberinspektor Kohler seine ganz besondere Giebe zugcwandt. Wenn wir uns heute an diesen schönen Anlagen, darüber hinaus aber auch an der übrigen gärtnerischen Ausgestaltung unserer Straßen und Plätze erfreuen können, so wird man immer gerne und mit Anerkennung die es Mannes gedenken, der heute in den Schoß der Mutter Erde zur letzten Ruhe gebettet wird. ** Zum Bau des neuen Isolierhauses für die Medizinische Klinik, den wir in unserem gestrigen Bericht bereits erwähnten, wurden jetzt vom Hessischen Hochbauamt die Angebote aus die ausgeschriebenen Maurerarbeiten festgestellt. Das billigste Angebot lautet auf 41 742,60 Mark, das höchste Angebot beziffert sich auf 52 196 Mark. Der Zuschlag wird demnächst nach Prüfung der einzelnen Offerten erteilt werden. •• ProvinzialausschußOberheNen. Am nächsten Samstag, 3. März, vormittags 8* 1 2 * * * * * * * 10/? Ubr beginnend, findet tm Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche ©ivung des Provinzialausschu-ses der Provinz Oberhessen statt mit folgende'- Tagesordnung: 1. Klage des Gottfried Lind In Lich gegen den Bescheid des Kre'samts Gießen vom 4. Januar 1928 wegen Versagung einer OegitimationSiarte. 2. Berufung gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen vom 14. November 1927 in Sachen: die Gemeindehebamme in Echzell; hier: Erhöhung des Wartegeldes. 3. Die Besoldung der Gemeindebeamten in Hattenrod; hier: Berufung gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 5. Rovember 1927. 4. Berufung des Heinr. Wilh. Fay III. und anderer zu ©rüningen, sowie des Feldschützen Dender in ©rüningen gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 10. September 1927 in Sachen: Einspruch gegen den Voranschlag der Gemeinde ©rüningen für I 1927 Rj. rs, d« jur M m dir 3/ltn chchloM ans toten mf einen nnd M ob- Polizei ei- Mr. lit beiden 1602 Lndwigttr. 57 1. Ml. MM mtt 1 ob. 2 Betten, eiekrr. L. fep. Gtng^ zu vermieten 01604 Ebelftrahe 3 l. möbl. Zimmer au vermieten 01580 Walltorttr. IS. Lad. Gük mübl. Zimmer für sofort au vermieten. evrl. mit voller Pension „l7t Scterswcg 52 I. mübi. Zimmer fmorl a. verm. 01572 £ o ii Ogk.-Vst.-V'. 10 i.r. Gut möbl Zimmer nut eL V. an Herrn «Danerm.i a. vm. ltrM Gbelftr. 23 v. Möbl. Zimmer m. el. L. a. vrm. ,1,^> Marktvlalr 7. 25qm,mit2-Ztmmer- Wohnnngti.Ncubatt) tn schöner Lage zu verm. Schr. Anfr. n. 23170 a. d.Gieß.Anz. 4—5 = Zimmer- Wohnung evtl, beschlagnahme- sret, mit allem Zubehör. für 1. Juli v. besserem Ehepaar gesucht. Schriftliche Ängeb. unter -350u an den Gieß. AnA. 1 oder 2 kleine Zimmer oder Räume für Burcau f. sofort AU mieien gesucht. Schr. Äugeb. u. 01599 a.d.Gteß. Anz. erbet. 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A.-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Reuhork, 13. Februar 1928. Wenn dieser Aufsatz auch schon vor Ab- schiufz der panamerikanischen Konferenz geschrieben wurde, entbehrt er doch nicht d/s Interesses, da die Gegensätze zwischen d/en Konferenzteilnehmern scharf heraus- gestellt werden. D. Red. Das Fest der schönen, von Freundschaft, gegen- seitigesn Wohlwollen und brüderlicher Zuneigung triefenden Reden in Havana mag sich noch ein, zwei Wochen hinschlängeln. (Es ist inzwischen zu CSnde gegangen. D. Red.) Aber schon jetzt weis- man, was dabei yerauskornrnt: eine Reihe von „Beschlüssen", die alsbald in Vergessenheit geraten, oder ein vertraglich festgelegtes Ab- torumen zwischen Rord-, Mittel- und Südamerika betreffs der Regelung des Handels- und Passagierverkehrs in der Luft — mit gebührender Rücksichtnahme auf die schwächste Stelle im Panzer des biederen Onkel Sam, das Panamakanalgebiet. Greifbares darf man nicht erwarten. Dafür werden die tüchtigen Vertreter Washingtons sorgen. Das Ende wird des Anfangs würdig sein. älnb der drückte der ganzen Konferenz seine Signatur auf. Acht Schiffe zählte die Armada des Präsidenten Coolidge, als sie an einem Sonntagmorgen an dem althistorischen Fort Morro vorbei in den Hafen der kubanischen Hauptstadt einzog. Die Stadt schrie sich heiser — pflichtschuldigst teils, teils aber, weil man sich in Rord-, Mittel- und Südamerika immer heiser schreit, wenn hoher Besuch kommt. Der Präsident der Republik und der Bürgermeister von Havana hatte im Verein mit den „loyalen" Zeitungen lange genug auf das große Ereignis vorbereitet. Man hatte entsprechend geflaggt, ilnö damit sich kein unvorhergesehener Zwischenfall ereigne, hatte Präsident Machado, einer der „schneidigsten" Diktatoren ganz Latein-Amerikas, die Schriftleiter der Havana-Presse nach seinem Palais belieben und ihnen ebenso höflich wie bestimmt Instruktionen erteilt. Zwei oder drei Blättchen, die sich darum nicht kümmerten, hatte man ein bißchen suspendiert: ein paar hundert radikal angehauchte Zeitgenossen oder solche, die im Verdacht standen, sich im Denken, Reden und Tun nicht allzeit auf dem amtlich sanktionierten Gleis halten zu können, hatte man fürsorgliche rweise in Schutzhaft genommen; einer Dissidenten-Delegation aus Haiti hatte man bie Landung verweigert — und so verlief alles programmäßig, unter Kanonendonner und frenetischer Begeisterung des p. t Publikums. Dann hielt Herr C o o l i d g e eine Rede. Die fing mit Columbus an und schloß mit Columbus ab. Das war sinnig und klug. Besonders klug war es, daß Herr Coolidge nichts über Ricaragua zu sagen wußte. R i ch t s über Mexiko. Nichts über die „neue Politik", über „Intervention", über die zahlreichen technischen Fragen von Völkerrechten und Völkerpflichten, die bei den Abgeordneten der Länder am und im Karibischen Meere im Vordergrund des Interesses stehen. Er blieb unbeirrt auf dem sicheren Boden der Gemeinplätze: Friede, Freundschaft, Demokratie — ein kleiner Seitenhieb auf den Völkerbund, eine pastorale Warnung vor zu raschem Tempo. Man applaudierte. Riemand schrie „Ricaragua I" Riemand lachte. Denn man ist höflich. Aber wenn es auch den Anschein hatte, als hätte man im voraus vereinbart, nicht davon ?u reden, was doch aller Denken erfüllte, so pielte sich dennoch eine Szene ab, von der man nur in den wenigsten amerikanischen Zeitungen etwas zu finden vermochte. Das war, als bei der Eröffnungsfeier in der älniversität die Flaggen der 21 vertretenen Republiken aufgezogen wurden. Argentinien, Bolivia, Brasilien, Columbia — dem Alphabet nach erhielt jede den ihr zukommenden höflichen Applaus. Das Sternenbanner der Cstados älnidos wurde lebhafter beklatscht als alle seine Vorgänger. Aber als die Brise das Rotweihgrün Mexikos ent» —KgW■ III,— HH—EMaf—88«Wir,mMI Oie goldenen Berge. Boman von Clara Diebig. Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Näher schon kam er jetzt seinem Dorf, das eng, dicht am Moselufer, sich den Weinbergen anschmiegt. „Zuckerberg, Paradiesgarten, Kirchberg" — sie waren trotz ihrer Namen nicht halb so gut wie seine Krefzenz vom Warmenberg. Er sah den Rauch der Dorfhäuser in dünnen Säulchen sich aus den Schornsteinen heben und, von stark tauig werdendem Abend nach glühendem Tag, sanft nlebei.'egt werden auf die dunkelnden Dächer. Heber all kochte die Abendmahlzeit. Kein Mensch war mehr zu sehen in den Weinbergen. Nun würde auch er gleich daheim fein; andere waren schon eher zu Haus, er hielt immer am längsten aus. Fernblaue Berge verschwimmen im Dämmer- grau, ihre Umritte, die, sich spiegelnd, den Strom geküßt, lösen sich auf. Das Diesseits des Flusses und das Jenseits rücken zusammen, es umschlingen sich Hüben und Drüben, Höhen und Tiefen in zartem Dusst. Ein Himmel ehrfurchtgebietend, andachtheischend, spannt sich hoch voller Majestät, und doch liebevoll menschlich nah, übers nächtlich werdende Moselland. Dom Dunkel gemildert, weht nun sein Atem samtwarm und streichelnd. 2. Kapitel. Porten, das Moselnest, hat alte Häuser. In der Gasse, die vc/m Ufer gegen den Berg hin ansteigt und obeix beim Kirchlein endet, stehen sie sich sehr nah gegenüber. Es sieht aus, als streckten sie alle den Bauch heraus, denn das obere Stockwerk springt rund gewölbt über das untere vor, bari/nnen Haustür und Stalltür sind und das Stuberifenster. Der Misthaufen liegt im Gäßchen vor jc-dem Haus, man wirft den Dung gleich aus der Stalltür darauf und kann vom Stubenfenster »us ihn dampfen sehen; das Hüben in der engen Passe duftet das Drüben an. Aber auch Blumen duften im Gäßchen. Auf jedem faltete, vergaß die Menge jede diplomatische Zurückhaltung, um ihre Begeisterung laut hinauszuschreien, und als gar Nicaraguas Sterne und Streifen am Flaggenstock empor* stiegen, übertönte der Beifall die Musikkapelle, und weit hinten aus der Menge drangen Ruse ganz unpatriotischer und pflichtvergessener Rohlinge, die sich selbst in diesem feierlichen Augenblicke nicht enthalten konnten, den Rebellenführer S a n ö i n o hochleben zu lassen. Nebenbei bemerkt, ist der zum Rebell erst seit der Zeit aufgerückt, als er den amerikanischen Seesoldaten eine Schlappe beigebracht hatte. Früher nannte man solche Leute Banditen. Doch mit Banditen schlägt sich keiner vom ilniteb States Marine Corps — mit Rebellen allenfalls. Aber — was läßt sich gegen solche Vergeßlichkeit tun? Menschenmassen sind keine Diplomaten, sind nicht vom Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit belastet. Der Ton, den der Präsident der Vereinigten Staaten angeschlagen hatte, charakterisierte die ganzen Verhandlungen bis zu dem Punkte, wo das unangenehme Kapitel „Intervention" sich unversehens in den Vordergrund drängte und das Zolltarif- gespenst durch den Saal schritt. Senor Puehr- r e ö o n , Argentiniens Botschafter in Washington, hatte dieses Gespenst herausbeschworen; mit der ihm eigenen Beredsamkeit verfocht er trotz Herrn Hughes' höflicher Andeutung, daß jede Erörterung der amerikanischen Schutzzollpolitik nutzlos sei, seine Kritik, und es fehlte keineswegs an Aeußerungen, die deutlich kundgaben, daß er die Vertreter anderer Länder durchaus auf seiner Seite hatte. Gründe zur älebemahme der Führerschaft in dieser Kontroverse hatte Herr Pueyrredon mehr als genug. Argentinien ist der Vereinigten Staaten bester Kunde in Südamerika und hat mehr auf dem Spiel als alle anderen. Allerdings übertrifft der Gesamthandel Kubas mit den Vereinigten Staaten den aller anderen Mitglieder der Panamerikanischen Union; aber die Wirkungen des H. S. Zc ltarifs auf den kubanischen Export sind durch einen Gegenseitigkeitsvertrag gemildert, und wenn sich andere karibische Länder dadurch benachteiligt fühlen mögen, so ist zu bedenken,' daß ihre Ausfuhr größtenteils aus Tropenfrüchten besteht, die hier zollfrei eingehen, so daß sich die volle Schwere des nord- amerikanischen Zolltarifs hier nicht äußert. Argentinien aber steht auf einem anderen Blatt. Seine Hauptausfuhr besteht aus Bodenprodukten der gemäßigten Zone. Auf ihnen lastet der Fordney-McCumber-Tarif mit schwerer Hand. Unter dem 1913er Tarif standen Schlachtvieh, Fleisch, Mais, Weizen und Wolle auf der Freiliste. Sie müssen heute verzollt werden. Amerika führt jährlich für 40 Millionen Dollar Leinsamen ein. Der Fordney-Mc- Cumber-Tarif hat den Zoll darauf um 100 v. H. erhöht, usw. Tatsächlich hat es den Anschein, als wären gegen die argentinische Einfuhr ganz besonders hohe Schranken errichtet. Absicht hcu.e hierbei kaum vorgelegen, die Sachlage ist lediglich eine Folge des Hmstandes, daß Argentinien so stark mit der Eigenerzeugung der Vereinigten Staaten konkurriert. Aber wie scharf es von den amerikanischen Schutzzöllen betroffen wird, geht am deutlichsten aus der amtlichen Washingtoner Handelsstatistik für 1925 hervor, die zeigt, daß, während nur 37 Prozent der Gesamteinfuhr der Vereinigten Staaten zollpflichtig sind, von Argentiniens Ausfuhrartrkeln 60 (sechzig) Prozent einem Einfuhrzoll unterliegen. Dazu hat Argentinien noch seine Sonder- beschwerde wegen des vom amerikanischen Handelsamt aus „Sanitätsgründen" angeordneten Verbots der Fleischeinfuhr. In England hat man ein solches Verbot nicht für nötig befunden, es irritiert gerade darum am heftigsten, und sein wahrer Grund wird am stärksten angezweifelt, weil ein solches Verbot das Erzeugnis eines Landes ganz unberechtigterweise in Verruf bringt und sein Ansehen auch bei anderen Abnehmern schmälert. Aber gegen Verfügungen der Machthaber in Washington läßt sich nicht ankämpfen, das hat nicht Argentinien allein erfahren, sondern auch Italien, Frankreich und Spanien mit ihrem Obst — Deutschland mit seinen Industrieerzeugnissen. Sims, an jedem Fenster stehen sie: ©eranien, Fuchsien, Nelken, Dalsaminen, Myrten, Fleihig- lieschen und noch viele andere; in Topfen, in Scherben, in Kochgeschirr, in Kübeln, in Kästen, in Zigarrenkistchen sogar und alten Konserven- küchsen. Nie und nimmer würden anderswo so die Blumen gedeihen, aber hier blühen sie in üppigster Fülle, leuchten in glühenden Farben. Simon Bremms Haus stand vorn am Ufer; nur die Schule, die Metzgerei und Gastwirtschaft und noch zwei Häuser lagen hier. Die Häuschen in der Gasse waren alle rosa, grünlich, bläulich ganz übertüncht, Simon Bremms Haus zeigte noch sein braunes, eichenes Fachwerk. Ein altes Haus mit dem Weinstock, der als Laube gezogen ist über den Treppenstufen der Haustür, mit den beiden Oleandern, die alle Jahr blühen in mandelduftenden rosa Büscheln, und mit einem Feigenbaum, der in einen Waschkübel gepflanzt ist. Die Feigen wurden nicht groß wie die jenseits der Alpen, aber süßlich schmeckten auch sie. 1730 stand über Simon Bremms Haustür, aber auch 1621 war deutlich noch zu erkennen über dem Eingang des Hauses, das feinem Ohm, dem Jakob Bremm gehörte. Das lag an der Ecke von Gäßchen und Uferstraße, sehr hoch gebaut und unten ganz ohne Fenster; nur oben waren deren ein paar und im Giebel eine Luke, aus der sich unter einer seltsamen Götzenfrahe, gleich einem Arm, ein Kranen herausstreckte. Aber sein Fachwerk — schwere eichene Dalken — war reich mit Kerbschnitt geziert, und auch die Rahmen der Fensterchen und der Sims, der unter dem Dach herumlief. Unter den blinden Scheiben der Fenster zeigten sich kunstvoll geschnitzte erhabene Sonnenblumen, über der Jahreszahl der Haustür zwei runde Wappen, in dem einen ein Storch, der mit langem Schnabel ein sich krümmendes Schlänglein ausspießt, in dem anderen das Pausbackgesicht eines Wasfergottes, dessen breites Maul ein Schloß verschließt. Hier im Eckhaus wohnte der alte Junggeselle, den Achtzigen näher als den Siebzigen; er wohnte ganz allein. In Porten sagten sie, er hätte Geld. Aker er machte sich alle Arbeit selber, er kochte sich auch allein, nur daß die Schommer, ein schlampiges Weibsbild, seine paar Hemden in Und bann kam man zu dem Kapitel Inter- bention. Das war natürlich auch gegen die Verabredung. Kam ganz unerwartet. Da es ebenso umfangreich wie interessant und obendrein noch nicht abgeschlossen ist, wirb sich ein andermal barüber berichten lassen. Vorläufig broht es noch, bie ganze Derbrüderungskonferenz zum Scheitern zu bringen. Aber Herr Hughes wirb einen Ausweg finden. Mit anderen Worten: er wird obenauf bleiben. Denn in bezug auf die Vereinigten Staaten geht es den meisten Südamerikanem wie Goethes „echtem deutschen Mann, der keinen Franzen leiden mag, doch ihre Weine gern trinkt" — Nordamerika h a t das Kapital, dessen Südamerika bedarf. Hierin liegt, dem scharfblickenden Auge deutlich erkennbar, die bedeutungsvollste und dauernde Beziehung zwischen Rord und Süd. Hierin wurzelt die ganze Panamerikanische Union. Der Weltkrieg hat auch im Verhältnis Europas zu Südamerika so manche Umwälzung hervorgerufen, doch keine radikalere als die Frage der Kapitalbeschaffung für Lateinamerika. Cs ist auf den nordamerikanifchen Bankier angewiesen. Die Finanzierung'seiner großen Unternehmungen geschieht in Wall Street. Hier werden bie neuen Anleihen aufgelegt, hier findet bie Refundierung älterer statt, ilnb man braucht nur an biese Tatsache zu erinnern — bie sich tagtäglich neu verwirklicht — um die panamerikanische Solidarität zu verstehen, die sich seit dem Kriege vor unseren Augen entwickelt hat, trotz gewisser Hindernisse entwickelt hat, die vordem für unüberbrückbar gehalten wurden. Mag man es Dollardiplomatie nennen — und der Name ist vielleicht der bezeichnendste — so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß dieses seit dem Kriege entstandene neue Verhältnis von stärkster Wirkung sein muß auf internationale Fragen und auf die Haltung eines Landes gegenüber den Angelegenheiten eines anderen. Man denkt dabei ganz unwillkürlich an die jüngste Entwicklung der Kontroverse zwischen Washington und Meriko. An die überraschenden Erfolge des Botschafters Morrow in dem Oel- landdisput. Denkt auch an Ricaragua. Es gibt Leute, die es bedauern, daß momentan Wall Street so etwas wie ein Monopol auf das Welt- kapital hat und imstande gewesen ist, während der letzten paar Jahre seine lateinamerikanischen Investierungen um vier auf fünf Dollarmilliar- den zu erhöhen, genau soviel wie England dort angelegt hat. Es gibt aber auch Leute, die behaupten, zwischen der Dollar- und der Sterlingdiplomatie kaum einen Unterschied wahrnehmen zu können. Die Rentenbankkreditanstalt. Tie neuen Pläne der Reichsregierung. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 1. März. In dem agrarpolltischen Hilfsprogramm, das die Reichsregierung am 18. b. Mts. beschlossen hat, spielt als Punkt 9 bie Rentenbank-Krebitanstalt eine gewisse und bedeut amc Rolle. Aus der damaligen Formulierung und aus den bisherigen Rachrichten, die inzwischen über bie Pläne der Regierung zur Rentenbank-Kreditanstalt aufgetaucht sind, kann man sich schwer ein klares Bild über bie tatsächlichen und praktischen Absichten bet Regierung in diesem Falle machen. Sie selber hat bisher nur geäußert, daß ber Rentenbank- Kreditanstalt „die 'Möglichkeit gegeben werden soll, sich an zentralen Unternehmungen zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion zu beteiligen“. Auch in der Regierungserklärung sind keine weiteren Ausführungen über diese Absichten gemacht worden; es wurde nur angekündigt, daß man ein besonderes Gesetz für den oben angebeuteten Zweck schaffen wolle. Wie wir dazu aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen Horen, will man versuchen, die Rentenbank-Kredilanstalt als regulierenden Faktor in den meist stark schwankenden Ablauf der Preisbildung für landwirtschaftliche Erzeugnisse einzuschalten. Zunächst denkt man anscheinend daran, möglichst zusammen- f aff enbe Abfatzorganisationen zu begünstigen und zu bilden. Allerdings auf welchem Wege das geschehen soll, davon hat wohl nieder Mosel mit dem Holzschlegel schlug und dann zum Bleichen auf den UferfieS breitete. Seine Verwandten merkten nicht viel von ihm, er besuchte sie nie. Den Joseph hatte er noch am besten von ihnen leiden mögen, ber ließ sich nicht ab schrecken, keck schrie ber ihm als Junge nach: „Tag älehm!" Der alte Bremm arbeitete noch immer in feinem Weinberg. Seine hagere lange Gestalt, die noch nicht greisenhaft gebückt war, schien ebenso unempfindlich gegen glühenden Sonnenbrand wie gegen erkältenden Regen, und unempfindlich auch gegen- Anstrengung. Er trug noch die Erde, den Dung, den Schiefer in ber Hotte herauf, beschnitt bie Reben unb banb selber die Ruten an. Es war eist Wunder, daß er das noch fertig brachte. „Der Gei; schas t et bei dem," sagten die Portner. Aber war es denn Geiz allein? Simon Bremm hatte sich einmal gutmütig angeboten, dem Oheim zu helfen — der war doch der Bruder des Vaters, so nah verwandt, er konnte eS kaum mehr mit an» sehen, wie ber Alte sich quälte — aber kurz hatte der ihn zurückgewiesen: „Merci, brauchen keinen." Einen anderen in seinen Weinberg lassen?! In seinen Weinberg sollte ihm keiner kommen, an seine Reben kein anderer rühren! Er bewachte sie mit der eifersüchtigen Liebe des Vaters, der seinen Töchtern keinen Freier nahkommen lassen will. Simon Bremms Wingert am Warmenberg hatte die bessere Lage, aber Jakob Bremm gab das niemals zu: fein Zuckerberg hatte die beste Lage, fein Zuckerberger war das feinste Gewächs an der Mittelmofel, nichts Besseres hatte je in einem Winzerkeller gelagert. Er verstand eS großartig, anzupreisen. Weil er selber im Innersten üt erzeugt war von der Güte seines Gewächses — er dachte nicht daran, betrügen zu wollen —, konnte er das auch anderen glaubhaft machen, die es eigentlich besser hätten wissen müssen. „Ach, wenn du doch nur halb so reden konntst wie der alte Filu," sagte die Bremm, halb traurig, halb vorwurfsvoll zu ihrem Mann. „Du hast zwei gute Fuder noch liegen, du tätest mit denen wahrhaftig die Leut nit so anschmieren, wie der mit seinem Zuckerberger. Den Zuckerberg müßt wer eigentlich Sauerlai) heißen." manb eine recht klare Vorstellung. Weiter sieht bann bas neue Rentenbankgeseh, bas das alte Gesetz vom 28. Juli 1925 in einigen entscheidenden Punkten umwandelt, für die Rentenbank- Kreditanstalt bie Möglichkeit vor, auf dem Wege der Kreditbildung und, das muh besonders betont werden, der Mitbeteiligung den Geschäftsbereich des Instituts zu erweitern. Allerdings soll jede Beteiligung nur auf Unternehmungen allgemeinen Charalt rs beschränkt bleiben, sie soll immer noch bie Dank der Danken fein, und ihre Kredite werden auch künftig nur über andere Institute an den Geldnehmer laufen. Im Prinzip aber wird der Kreis der Beteiligung erweitert, wenn auch solche Unternehmungen terr t r alen Chara ters ausgeschlossen bleiben, so soll es nach dem neuen Vorschlag doch gleich fein, ob die Beteiligung der Rentenbank Kreditanstalt bei einem andern Kreditinstitut oder bei einem Warengeschäft erfolgt. Weitex soll die Bestimmung der bisher auf mindestens ein Jahr befristeten Dar - lehnsausnahme aufgehoben werden. Die Rentenbank-Kreditanstalt wird dann nach dem Regierungsvorschlag Darlehn ohne jeg iche zeitliche Begrenzung aufnehmen können, allerdings mit der sehr wesentlichen Einschränkung, daß sie weder das Depositengeschäft, noch den offenen Geldmarkt zum Zweck des Darlehns in Anspruch nehmen bars. Oberhessen. Landkreis (Sieben. # Aus der Rabenau, 29. Febr. In den meisten Gemeinden unseres Bezirks Haden bereits Brenn- und Nutzholzoer st eigerungen stat^esunden. Die Preise bewegten sich fast überall in oer Höhe des Vorjahres. Wohl neigt man allmählich zu der Ansicht, daß sich der Kohlen- brand billiger stellt, und gar mancher ausgesprochene Holzosen wurde gegen einen solchen mit Kohlenfeuerung eingetauscht. Durchschnittliche Preise für Brennholz seien hier genannt für je zwei Raummeter: Buchenscheit 20 bis 28 Mark, Buchenknüppel: 15 bis 24 Mark, Eichenknüppel 14 bis 18 Mk., Fichtenrun'dscheit: 18 bis 20 Mark, Fichtenknüppel: 15 bis 18 Mark, Fichtenscheitholz 17 bis 21 Mark, Kiefernknüppel 16 bis 19 Mark. Buchenreifer 10 bis 14 Mark, Eichenreifer 9 bis 12 Mark, Fichten- Reisholz 4 bis 7 Mark je fünf Raummeter. - Grünberg, 29. Febr. ^ie jüngste Gemeinderatssitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters 3 ö de 1 ergab solg.ndes: Ludwig Weiß aus Lindenstruth, Heinrich ßiftmann, Heinrich Sprankel unb Hans C o n r a b. sämtlich von Grünberg, sinb darum eingenommen, ihre Vorgärten statt 5 Meter nur 4 Meter breit machen zu dürfen. Der ©emeinberat stimmt dem Gesuch zu. Der Turnverein Grünberg hat um Ermäßigung der Vergnügungssteuer anläßlich des abgehaltenen Maskenballes in ber Turnhalle ersucht. Aus prinzipiellen Gründen wirb bies Ersuchen abgeschlagen. Das Daugesuch des Karl Seih um Genehmigung seines Neubaues in der Schul- straße wirb abgelehnt, da in der Schulstraße einstöckige Häuser nicht erbaut werben dürfen. Die Genehmigung ber Holzsubmission wird vorläufig zurückgestellt. Die Stabtoertre* hing lehnt es ab, zu ben Snt- unb Bewässerungsanlagen am Baumgarten, bie sich bort als notwenblg erweisen, einen "Seitrag zu leistens da bie Stabt hierzu keinerlei Verpflichtung hat. Die als notwenblg erwiesene Entwässerung unb Kanalisation im Schloßgarten soll zur Durchführung kommen, jedoch will der ©emeinberat vorher eine Ortsbesichtigung vornehmen. Für die Mitgliederversammlung ber Bezirkssparkasse Grünberg werben für bie Jahre 1928, 1929 und 1930 als ©emeinbeDertreter Karl Böß unb Rudolf Römmer gewählt. Das Gesuch der Firma Fritz- Darmstadt, die für die Dampfheizung in der neuen Oberrealschule geleistete Kaution von 10 Proz. auf 5 Proz. zu ermäßigen, wird vom Gemeinderat abgelehnt. Der Gemeinderat bittet das Kreisamt Gießen um Veranlassung, daß das Bezirksfürsorgeamt in Gießen die Kon- firmationsbekleidung für bie Kmder von Kriegsbeschädigten und Kriegerwaifen aus „Laß, laß ihn nur," wehrte ber Mann. „Willst bu bann nit verkaufen?" Die Frau seufzte. Sie dachte an vieles, das dem Haushalt not tat, an das Schuhwerk besonders, das Peter unb Paul gebrauchten, wenn die nun mit in ben Berg gehen sollten. Winzerschuhe sind teuer, ilnb die Maria wollte auch gern ein Kleid haben, zur Lese bekam doch jede ein neues; und neue Hemden mußten ihr angeschafft werden, bevor man daran denken konnte, daß sie eine Stelle annahm. Man hatte die letzten Jahre kaum etwas kaufen können. „Verkausste jetzt?" fragte sie dringend. Er schüttelte verneinend den Kopf und ging aus der Tür. Bekümmert sah die Frau ihm nach: daß er sich doch immer noch nicht zum Verkaufen entschließen konnte! Unb man hatte doch gerade jetzt soviel nötig. Ja, es würde schon gut sein, wenn bie Maria sich selber etwas Oerbiente! Freilich, ihr würbe es hart sein, wenn sie jetzt schon ihre Aelteste entbehren mußte — bei den anderen war alles noch Kinderwerk — aber bann konnte bie Maria sich selber laufen, was sie gebrauchte. Ach, man sollte boch nicht so viele Kinder haben, es kostete alles zuviel. Ihr Bremm sagte zwar immer: „Dat is bei uns nit wie in der Stabt, ein Winzer muß viele Kinber haben, denn der Weinberg braucht viele Hänb." Freilich, bas sah sie ja ein, unb sie hatte sich auch gebulbig darein gesunden, bah immer wieber ein Kind kam, sie hätte keines von ihnen nicht haben mögen, sie trug schwer genug daran, bah ber Toni unb der Aloisius nicht mehr waren — ach und ihr Joseph?! Aber wenn sie nächtens neben dem Mann lag, den sie von Herzen liebte, bann betete sie jetzt boch heimlich zur heiligen Jungfrau, daß die sie in Gnaden bewahre. Jedes Kind weiter wäre ein ilnglüd — ach, die Zeit, die Zeit jetzt, die war nicht danach! Simon Bremm war nicht so verzagt. Er verlieh sich auf seinen Weinberg. Dieses Jahr lieh ihn ber nicht im Stich. Es war zwar nicht übermäßig, was an den Stocken hing, aber da anberswo sehr wenig war, kam er mit seinem Warmenberger hoch. Er würbe zubem seine noch lagemben zwei Fuder dann sehr günstig verkaufen. (Forts, folgt.) Grünberg und den Orten deS Amtgerichtsbezirks Grünberg in den Geschäften in Grünberg einkauft. ->- Reinhardshain, 29. Febr. Dieser Tage wunde das Bau- und Schnittholz aus dem hiesigen Gemeindewald auf dem Submissionswege vergeben. Den Zuschlag für das Bauholz erhielt als Höchstbietenider der Zimmermeister Kutscher von Bersrod. Es sind die Klassen 1b bis 3a. Für Klasse 3b (Schnittholz war von Schreiner M e n z von hier das Höchstgebot abgegeben worden. Bei Lärchenschnittholz erhielt Sommerkorn (Gießen) den Zuschlag. Die Preise waren folgende: Kiefern: Klasse la = 24,10 Mark, Kl. 1b = 25,10 Mk., Kl. 2a = 32,10 Mk., Kl. 2b = 33,10 Mk., Kl. 3a = 34,10 Mk., Kl. 3b = 51,75 Mk.; für Fichten: Kl.la = 33,10 Mk.. Kl. 2a-38,10 Mk., Kl. 2b = 40,10 Mk., Kl. 3a = 45,20 Mark; Kl. 3b = 45,10 Mk. für Lärche Kl. 3b = 46,55 Mark pro Festmeter. ch Rodheim a.d. Horloff, 29. Febr. Der vor über zwei Jahren gegründete Schützenoer- e i n hat in letzter Zeit einen starken Zuwachs an Mitgliedern erhalten, so daß er unter Leitung des Vorsitzen dev Georg Kröll jetzt insgesamt dreißig Schützen zählt. Im vergangenen Jahre l>at sich der Verein teilweise auf dem Wege der <Älbsthilse neben einem modernen Schießstand ein Schützenhaus am Hasels errichtet. Jeden Sonntag finden unter dem Schießleiter Otto Momberger Uebungsschießen statt für ein im Laufe des Sommers abzuhaltendes Preisschießen. Den Plan, in diesem Jahre ein Schützenfest zu feiern, hat man in anbetracht der Zeitlage fallen lassen. Beltershain, 29. Febr. Dieser Tage veranstaltete der hiesige Kriegeroer^in im Saale des Gastwirts Hoch einen Vortragsabend. Oberstleutnant von Hagen schilderte in feinem Dortrage, durch gute Lichtbild-Kartenskizzen unterstützt, den Aufmarsch unserer Truppen 1914 in Frankreich und kam dann zu seinem eigentlichen Thema, den Verlaus der Marneschlacht im September 19 14. Hier zeigte er an Hand von drei Skizzen die Stellungen der einzelnen Armeen an den einzelnen Schlachttaoen. Rach Ansicht des Redners waren gerade an dem Zeitpunkt, als der Rückzugsbefehl gegeben wurde, die deutschen Truppen an der Marne in gesicherter Stellung. * Holzheim, 29. Febr Der Polizeidiener Reitz von hier feierte gestern in voller Gesundheit fein 30jähriges Dienstjubiläum. K eis Friedberg. Pb. Butzbach, 29. Febr. Unter dem Vorsitz des Regierungs^a's Dr. Andres von Friedberg fand im Singsaal der städtischen Turnhalle die Wahl der Sachverständigen und Sckie^s- männer für die Feldbereinigung statt, wobei als Sachverständige die Landwirte Christof Wendel und Wilhelm Sauerbier II., als Stellvertreter Landwirt E i s f gewählt wurden. Der 2. Stellvertreter wird durch das Ministerium bestimmt, da keiner der anderen Gewählten von den abgegebenen 175 Stimmen die absolute Mehrheit von 88 Stimmen erreichte. Als Schiedsrichter wurden gewählt die Bürgermeister M ö ck e I von Fauerbach v. d. H. und Wetz von Münzenberg, als Stellvertreter die Bürgermeister Fendt (Hungen) und Mobs (Riedermorlen). Ferner wurden noch folgend« Beschlüsse gefaßt: Die Kosten der Feldbereinigung sollen durch Kapitalaufnahme und Ausschlag aus den Flächeninhalt der Grundstücke aufgebracht werden soweit diese nicht aus einem äleberschuh d?s nach Artikel 28 des Gesetzes zu entnehmenden Geländes gedeckt werden. Don den Kosten des Verfahrens sollen von Zeit zu Zeit Ausschläge auf die in Frage kommenden Eigentümer vor» genommen werden. Falls breite Wegeanlagen vorgesehen sind, wird beantragt, diese Wege zunächst nur in der Breite anzuleaen, wie solche zur Benutzung unbedingt erforderlich sind, d. h. in einer Breite von nur vier Meter. Die über dieses Matz hinausgehende Breite — auf beiden Seiten etwa drei Meter — soll besonders aus- gem-ssen, ausgesteint und dem Eigentümer des anstoßenden Grundstücks vorläufig zugewiesen werden. Weiter soll die Bonitierung nach rein landwirtschastiichen Gesichtspunkten mit entsprechenden Zuschlägen für Bau-- und Jndustriege- lä' de stattfinden. s. W o h n b a ch , 29. Febr. Einen schweren 11 i f a 11 erlitt der Sohn des hiesigen Polizei- dieners, der ledige Arbeiter Adolf Berg, der bei bet' Gewerkschaft „Friedrich" in Trais» Horloff am neuen Bagger beschäftigt ist. Er war dabei, zwecks Verlegung eines Geländers am Oer tollste aller Balle. Don Hans Echeffler-Breiienbach. < Berlin, Ende Februar 1928. Berlin ist bekanntlich die Stadt des längsten Faschings. Es soll Menschen hier geben, die drei Tage in der Woche dreifach durch Bälle in Anspruch genommen sind — ob sie nun wollen oder nicht. Bis ins Romanische Cafe kommen bei hellem Sonnenschein die maskierten oder doch verkleideten Menschen. Andere Berufe scheint es überhaupt nicht mehr zu geben. Es ist Zeit, daß es schleunigst Ostern wird. Sitzen da im Cafe zwei Tom Mixe, zum Verwechseln ähnlich. Sie haben ein schweres Problem zu erörtern: auf welchen Ball sie heute zuerst gehen. Auch die Balle der nächsten Aben- oe werden nebenbei besprochen. Da kann einem schon das Gehirn wirbelig werden. Zwei Pierrvts nahen, im Zivilberuf angeblich bedeutende Lyriker, aber sonst unbescholten und von der bürgerlichen Armut, die nun einmal die Lyrik seit Homer und Walter von der Vogelweide auszuzeichnen pflegt. Sie haben sich für alle Fälle,_ nicht etwa für alle Bälle kostümiert. Es konnte doch sein, daß ihnen jemand im letzten Augenblick ein Billet schenkte, sroh, einen Ball auslassen zu dürfen. Die beiden Tom Mixe, ihnen wohl bekannt, scheinen ziemlich mäzenatenhaft auszusehen. „Hallo — auf welchen Ball wollt ihr zwo bode denn heute?", macht sich der eine Pierrot an die beiden heran. Dje gähnen, weil sie noch so erbärmlich übermüdet von gestern, bzw. heute sind. Selbst zum Sprechen scheinen sie zu faul zu sein. Ob sie heute überhaupt noch einmal die Kraft auf- bringen können, immer mal wieder dionysisch zu fein? Endlich antwortet der eine: „Ra — auf den Akademieball!" Wie geistesabwesend hat er das vor sich hingesprochen. „Und ihr?" „Wir haben zwar keine Blllets, aber — wir gehen auch auf den Akademieball. Versteht sich —: inkognito!" Was besagen will: auch ohne Eintrittskarte. Einen Ball in Berlin ohne Eintrittskarte mitzumachen, erhöht nämlich das in Gewichtskasten eine Schraube zu lösen, als das Gewicht sich senkte. Dabei drückte ein Dachvorsprung des niedergehenden Gewichts- lastens dem Mann den Kopf so fest auf den Boden, daß der Unterkiefer schwer verletzt wurde und sehr starker Blutverlust eintrat. Ein Hungener Arzt leistete die erste Hilfe, worauf der Verletzt« in das Krankenhaus zu Hungen verbracht wurde. Kreis Büdingen. g. O b e r - M o ck st a b t, 29. Febr. Der Schachtmeister Kern von Rieder-Mockstadt, der im Wölfersheimer Werk beschäftigt war, muhte sich am Montagabend außerordentlich stark beeilen, um den Zug zur Heimfahrt noch zu erreichen. Während des raschen Laufens brach er plötzlich zusammen; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Um den fleißigen und soliden Mann, der allgemein beliebt war, trauern als nächste Leidtragende seine Fran und fünf unversorgte Zünder. Kreis Alsfeld. fr* Alsfeld, 29. Febr. Stadtvorstands- sitzung. In der gestrigen Sitzung gelangte zunächst die Rechnung für die „Stadt", .^Hospital" und „Armenkasse" vom Rechnungsjahr 1926 zur Vorlage. Die Hospitalrechnung schließt mit 17 843,47 M. in Einnahme uno mit 17 745,64 Mk. in Ausgabe ab, so daß sich ein Rechnungsrest von 97,83 Mk. ergibt. Die Rechnung der Stadtkasse für das Rj. 1926 schließt für den Betrieb in Einnahme mit 593 847 Mk. und in Ausgabe mit 511 608 Mk. ab, so daß ein Rechnungsrest von 82 239 Mk. verbleibt. Die Vermogensrechnung gleicht sich mit 542 721 Mk. aus. Die Rechnung des städtischen Schlachthofes schließt mit 31 613 Mk. in Einnahme und mit 11 964 Mk. in 'Ausgabe ab, so daß sich ein Rechnungsrest von 19 649 Mk. ergibt, von welchem ein Betrag von 10 000 Mk. zur Anschaffung einer Reserve-Luftkühlanlagc verwendet werden soll. Einwendungen gegen die vorgelegten Rechnungen wurden nichc erhoben, die Genehmigung wurde ohne Aussprache erteilt. — Bezüglich des Prä- mienmarktes wurde nach Verständigung mit den beteiligten landwirtschaftlichen Vereinen beschlossen, daß in diesem Jahre das R e i t e r f e ft am Sonntag, 8. Juli, und der eigentliche Prämien markt mit der Bullenauktion am Montag, 9. Juli, abgchalten werden soll. Der Preis der Lose für die damit zu verbindende Lotterie wunde von 50 Pf. auf 1 Mark erhöht und damit die ersten Gewinne entsprechend wertvoller ausgestattet. Der vorgelegte Lotterievertrag wurde genehmigt. — Zu der beschlossenen Abänderung des § 32 des Ortsbau st atuts hatte das Ministerium einen Abänderungsvorsch'ag gemacht, der in der vorgeschlagenen neuen Fassung angenommen wurde. — Die Satzung über d i e Müllabfuhr soll eine Abänderung dahin erfahren, daß die Gebühren erhöht werden, und zwar vierteljährlich auf 1 Mk., 1,50 Mk. und 2 Mk., je nach der Höhe des Brandkassenwertes des bctr. Hauses. Außerdem soll für solche Teilabnehmer der Müllabfuhr, welche diese übermäßig in Anspruch nehmen, ein Zuschlag von 50 bis 100 Proz. der Gebühr erhoben werden. Die Abänderung, die am 1. April in Kraft treten soll, wurde entsprechend den Vorschlägen der Baukommission genehmigt. — Zu der Angelegenheit bctr. die K o st e n der K a » tafteroermcffung teilte der Vorsitzende mit, daß sich etwa 20 Gemeinden in einem Streite m!t dem Landesvermessungsamt bef-nben über die Höhe her angeforderten Katastervermessungskosten und über die Art der vom Landesvermessungsamt vorgenommenen Berechnungen derselben. Die beteiligten Gemeinden sind entschlossen, die Angelegenheit im Wege eines Rechtsstreits zum Austrag zu bringen. Gemäß dem Vorschlag der Finanzkomm llion wurde beschlossen, daß sich auch die Stadt Alsfeld an. den Kosten eines eventuellen Prozesses der an den Katasterverm^sfungskosten beteiligten Gemeinden verhältnismäßig beteiligt. — Ein Gesuch des Vereins ehern Real- und Oberrealschüler wegen Ausstellung eines Ehrenmales in dem Schulhofe her Oberrealschule wurde genehmigt. — Die Gebühren der Feldgeschworenen werden auf ein von diesen e>nge- reichles Gesuch hin von 4 Mk. auf 6 Mk. pro Tag erhebt. — Aus eins Anregung des Kulturbauinspektors Buhl wegen Einpflanzung und Errichtung eines Vogelschutzgehölzes auf dem sog. „Greisch" mu’-be beschlossen, mit der Feldbe- reinigungsgefcHfdjaft in Verhandlung zu treten wegen Ankaufs von drei Massegrundstücken. — Eine Vereinbarung mit einem Anlieger am Lud- ■—wmif iinni i m !!■!■ «rvs-WMr-aa dubio überhaupt nicht vorhandene Vergnügen um mindestens hundert Prozent. Was Mantel oder sonstige Garderobe anbelangt — das muß man freilich bis zum nächsten Tag im Caf^ lassen, und man kann es getrost lassen, weil sich keiner herantraut. Gähnend verschwinden die beiden Tom Mixe — zum Reimann-Dail, wie sie jetzt plötzlich definitiv entschlossen sind. Gähnend beschließen die beiden Pierrots, langsam auf den Akademieball zu gehen und den Kaffee bis morgen schuldig zu bleiben. Fröstelnd stehen sie im nebligen Abend und werden sich ganz unlyrisch über die Tatsache klar, daß ihr Kostüm so ohne Mantel eigentlich nicht recht In die Berliner Winterwitterung patzt. Sie frieren entsetzlich, vor allem, da sie das Abendbrot vorläufig gezwungenermaßen ausfallen lassen mutzten. Lange Zeit zur Heber- legung, wie man denn ohne Karten in die Akademie komme, bleibt nicht übrig. „Ratürlich müssen wir versuchen, von hinten herum reinzukommen", meint der eine melancholisch. „Wozu können wir klettern! Ich kenne das Atelier eines Malers dort. Der vergißt des öfteren seinen Hausschlüssel. Dann klettert er hinten über die Mauer, steigt in einem Lustschacht mindestens so geschickt wie ein Schornsteinfeger herauf. Ich habe die Partie schon einmal mitgemacht, als ich Anfang Januar meine Miete nicht bezahlen konnte. So und nicht anders müssen wir es machen! Ein toller Ball wird das werden! Also marsch, Richtung Tiergarten!" Die Mauer. „Hier muß es gewesen sein, daß wir hinüber stiegen! Oben ist Stacheldraht! Vorsicht!" Zwei Pierrots klettern, haben schon ein wenig blutige Hände, lassen sich auf der anderen Seite wieder herab. Hundegekläff? Ein Wärter naht? Schnell, schnell zum Luftschacht — klettern, klettern! Die erste Gefahr scheint glücklich überwunden. Die Treppe, links herum der Gang — zum Atelier. Richt Licht andrehen l Tasten die Atelierwände entlang. Stolpern über eine Staffelei. Das war unnötig, wegen des Lärms. Die andere Tür zum Korridor — ja, die ist verschlossen! Pech. Lauschen: ja, von weither meckert lustig eine Jazz-Bond. Der Ball ist wohl schon wigsplatz wegen Abtretung von Gelände zur Verbreiterung der Straße bei Errichtung des neuen Postgebäudes wurde genehmigt. Der Preis für das Straßengelände wurde auf 2 Mk für das Quadratmeter festgesetzt — Unter Mitteilungen berichtete der Vorsitzende über das Ergebnis einer am Sonntag in Engelrod stattgehabten Versammlung, die sich mit dem Eisenbahnprojekte einer Eisenbahnverbindung quer durch den Vogelsberg befaßte, und die sich für das Projekt Mücke — Ulrichstein — Rixfeld — Fulda aussprach. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß der Bau noch in weiter Ferne liege. Weiter teilte der Vorsitzende mit, daß infolge der Verringerung der Baukostenzuschüsse das S a u Programm der Stadt im Jahre 1928 eine w e - {entließe Einschränkung erfahren müsse. An diese öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Beratung an. to$ Alsfeld, 29. Febr. Der Verkehrs- und D e r s ch o n e ru n g s ve re in Alsfeld hielt im „Deutschen Haus" seine erste Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz von Forst- rot Schäfer ab. Aus dem von ihm erstatteten Jahresbericht ging hervor, daß der Vertzin im ersten Jahre seines Bestehens ein? erfreuliche Entwicklung genommen hat. Die Mitgliederzahl stieg von 78 auf 282. Es wurden insgesamt zehn Dorstandssitzungen und mehrere Ausschußsitzungen abg-chalten. Die Rechnung des abge- lau'enen Jahres ergab einen Kassenbcstand von 925 Mk. Für den Verkehrsausschuh berichtete sodann Obertelegraphcnbauführer Emmerich, der feststellte, daß der Verein auf dem Gebiete der Verbesserung des Fahrplans besonders tätig gewesen sei und auch befriedigende Erfolge durch Einlegung mehrerer neuer Züge erzielt habe. Für den Werbeausschuh des Vereins berichtete Kaufmann Ludwig, der mitteilte. dach ein sehr wirksamer Werbeprospekt in einer Auflage von 10 000 Stück und ein Kennwort für Alsfeld als Sieaelmarke für den Briesverschluß im vergangenen Jahre hergestellt worden seien. Es wurde beschlossen, jedem Salz- schlirser Kurgast in diesem Jahre ein Exemplar des Werbeprospektes zu übersenden. Für den Verschönerungsausschuh berichtete Stadtbaumeister E g n e r, der über die Mah- nahme zur Verschönerung des Stadtbildes und der Gemarkung sprach. Aus allen Berichten ging hervor, dah reges Interesse innerhalb des Vereins im abgelaufenen Jahre bestanden hat. Es wurde beschlossen, daß der Verein In diesem Jahre einen Wettbewerb für den Fensterblumenschmuck veranstalten soll. Es wurde auch das' Verhältnis zum Hessischen Derkehrsverband be prochen und b sch'o- fen, diesem vorerst nicht bcl’utreten, da der Verein bereits Mitglied des Verkehrsbundes O b e r h e s s e n ist. Der Iah e.b t rag wurde auf zwei Mark festge etzt. für korporative Mitglieder auf mindestens fünf Mark. Mit Worten des Dankes für die geleistete Mitarbeit und Aufforderung zu weiterer eifriger Betätigung schloß Forftrat Schäfer die anregend verlaufene erste Mitgliederversammlung des Vereins. Kreis Lauterbach. =r. Engelrod, 29. Febr. Am Sonntag fand hier, wie schon kurz berichtet, eine große Kundgebung statt, die sich mit der Verkehrs- elsch 1 ießung des Vogelsberges durch den Bau einer neuen Bahnlinie beschäftigte. Zu der Versammlung waren über 600 Personen erschienen, und zwar aus der näheren, wie auch aus der weiteren Umgcaenb: u. a. waren zugegen Vertreter der Städte Gießen und Fulda, des Landratsamtes Fulda, der Industrie- und Handelskammer Fulda, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) und Dürgerineifter M e n‘g c I (Schotten). Der Versammlungsleiter. Bürgermeister Appel (Ulrichstein), gab zunächst dem Vorsitzenden des Ausschusses fiir das Ohmtalpröjekt, Ücevierförfter H a n ( u 11 (Ober-Ohmen), das Wort zu einer Beleuchtung des ganzen Fragenkomplexes. Der Redner untersuchte die M glichke'ten der verschiedenen Projekte und kam dabei zu dem Schluß, daß nur da? Ohmtalprojekt sowohl hinsichtlich seiner leichteren Dermirkl'chu"gsm^glichkeit, wie auch seiner größeren Wirtschaftlichkeit wegen das aussichts- re'chfie und deshalb in erster Linie erstrebenswerteste sei. Der Standpunkt des Referenten fand bei der großen Mehrzahl der zahlreichen Versammlungsbesucher volle Unterstützung. Allgemein wurde mit besonderem Nachdruck hervörgehoben, daß eine schnellere Verbindung zwischen den Städten Gießen längst auf dem bekannten Siedepunkt angelangt. Luftschacht wieder hinab? Da kann ein sehr bissiges, ganz besonders auf Pierrothosen versessenes Hündchen stehen. Dennoch — es muh sein, um einen anderen Luftschacht zu gewinnen. Alles geht gut. Man gelangt in den ersten Stock in ein anderes Atelier. Hier versperrt kein Schloß die Tür. Der lange Gang herunter — eigentlich mühte er doch festlich erleuchtet sein — und man steht mitten im Dalisaal! Ja. — das ist ja doch der Dalisaal, aber ohne Ball, ganz dunkel, ganz ohne Musik und ohne kostümierte Gestalten, bis auf zwei zerknirschte, zerknickte Pierrots, die auf ein gedankenlos dahingesprochenes Wort eines Tom Mix hereinfielen, der jetzt auf dem Reimann-Dall herum- tollt. Nichts anderes bleibt übrig, als heimliches Zurückschleichen in das Atelier, als Hinunter- flettem des Lustschachtes, der — abgeschlossen ist. Der mißtrauisch gewordene Wächter hat das getan, so dah man wohl oder übel den Schacht wieder herauskriechen muh, im Atelier gemeinsam müde auf die schmale Chaiselongue fällt . . . den nächsten Tag zu erwarten und die Stunde der Freiheit. Die bringt gegen neun morgens ein Maier, der Herr dieses Ateliers, der vom Reimann- Dali kommt und sehr erstaunt ist, hier zwei elend verkaterte Pierrots vorzufinden und ihr gestammeltes Märchen kaum glauben will. Auch der Ober im Cafe ist absolut ungläubig; und meine Leser mögen es getrost ebenfalls fein, wenn ich ihnen versichere, daß diese Geschichte vorn tollsten aller Balle wirklich wahr ist. Sie soll in der Berliner Bali-Chronik des Jahres 1928 nicht fehlen. Kann man seine Schrift verftetten? Es ist nicht nötig, dah der Versuch, die Handschrift zu verändern, aus verbrecherischen Gründen unternommen wird. Oft spricht die liebe Eitelkeit das entscheidende Wort. Wer durch Erfahrung gelernt hat, oder sich einbildet, dah er im Leben nicht vorwärtSkommt. well die Menschen seinem verschüchterten Wesen kein Vertrauen entgegenbringen, versucht oft. In der und Fulda, über Mücke—Ulrichstein-'Rixseld direkt nach Fulda, den beiden genannten Siebten bedeutsame wirtschaftliche Vorteile bringe, darüber hinaus aber auch eine wesentlich verbesserte Eisenbahn. Verbindung für den Verkehr zwischen Westdeutschland und Mitteldeutschland herstelle. Das Projekt Schotten —Alsfeld fand nur geringe Für- spräche, und zwar seitens der Bürgermeister der beteiligten Städte. Bei der namentlichem Abstimmung erklärten sich von den Vertretern der 33 in der Versammlung vertretenen Gemeinden 27 für das Projekt Mücke — Rixfeld — Fulda, 3 Vertreter stimmten dagegen, drei weitere enthielten sich der Stimme. Schließlich rouflbe nach Maßgabe dieses Abstimmungsergebnisses folgende Entschließung zur Weiterleitung an die zu- ständigen Stellen angenommen: „Die heutige große Versammlung im Schäferschen Saale in Entzelrod, beschickt aus den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten und dem preußischen Kreise Fulda, sowie besucht von Vertretern der Städte Gießen, ^ulira und des Landratsamtes Fulda, tritt mit über* wältigender Mehrheit der Auffassung bei, daß die B a h n l i n i e M ü ck e—O h m—F e l d a— T a l — U l r i ch st e i n — Engelrod — Rixfeld über Stockhausen nach Fulda Entschieden den Interessen des Dogelsberges Handlungen eingeleitet werden, die den Dau dieser Bahnlinie sicherstellen." Preußen. Kreis Wetzlar. XX Krofdorf, 29. Febr. Kaum hat die Sonne die Feldraine etwas abgetrocknet, so erscheinen auch wieder die Klagen über das Verbrennen der Hecken. Wie sehr sie begründet sind, lehren die Rauch- und Feuerfäulen, die am Samstag vom Südabhang der Haltestelle Krofdorf-Gleiberg und weiterhin am Fuße de- Wettenberges aufstiegen. Richt immer find es Kulturzwecke, denen das Verbrennen der Hecken dienen soll, oft ist es nur die Lust. Hecken anzu- »ünden oder das auf ihrem Grunde befindliche Sürre Gras zu verbrennen. Oft genug ist auch an dieser Stelle auf den Ruhen der Hecken hingewiesen worden. Das Heckenverbrennen ist sogar polizeilich verboten, aber geholfen hat dies auch nichts. Es sind durch die jüngste Verheerung nicht nur die Wohnstätten vieler Vogel und niederen Tiere vernichtet, sondern sicherlich auch die angrenzenden Obstbäume in ihrem ferneren Wachstum gehindert. WSR. Wetzlar, 29. Febr. In der Gießener Klinik verstarb am Dienstagabend Pfarrer Otto Lühl. der zweite Seelsorger der evangelischen Gemeinde Wetzlar, nach längerem Kranksein. Pfarrer Lühl war wegen des Ernstes seiner Berufsauffassung und der ganzen Art seiner Amtsführung sehr beliebt und geschäht. (s) Lützellinden, 29. Febr. Gestern abend fand im Saale der Gastwirtschaft Franz ein Un> terhaltungsabend der hiesigen Ortsgruppe der Kreisbauernschaft statt, der sehr zahlreich besucht war. Die Veranstaltung wurde eröffnet durch den Vorsitzenden Friedrich Schäfer. Anschließend fand ein Ge-dichtoortrag von Frl. Katha- rine Allendorfer statt. Der bekannte Bauernschriftsteller und Heimatdichter Wilhelm Reuter (Dornholzhausen) sprach in einem längeren Vortrage über die heutige Notlage der Landwirtschaft und die damit im Zusammenhang stehenden Fragen. Weitere Ansprachen hielten Dberftieutnant v. Loß - berg (Wetzlar), der 2. Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Gemeindevorsteher a. D. Droh (Katzenfurt), Hauptlehrer Frölich (Lützellinden) und Gemeindevorsteher N o r s ch (Lützellinden). Im übrigen wurde der Abend durch den gemeinsamen Gesang oersch'e- bencr Lieder, Klaviervorträge des Hauptlehrers Frölich und Gedichtvorträge ernsten und beiteten Inhaltes von Wilhelm Reuter verschönt. Bei Kaffee und Kuchen feierte man ein gemütliches Zusammensein. Kreic s'^rbnrg. sch. Marburg. 29. Febr. In der gestrigen Stadtverordnetensihung e fiat eie Oberbürgermeister Mueller Bericht über den vom Magistrat ausgearbei eien Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 192 8. Oberbürgermeister Mueller bezeichne e zu Anfang seiner Ausführungen die Lage der Stadt Marburg als ziemlich günstig. Dem Vermögen der Stadt, das sich auf 12,5 Millionen I " HW II !■■!■■ ■! ■MgOHt Handschrift den Energischen zu spielen. Aber es geht ihm wie im Leben: er vermag die angenommene Rolle nicht folgerichtig durchzuführen. Hnb es ist die Aufgabe der Wifsenscha t, diese theoretisch einleuchtende Erkenntnis durch systematische Experimente als richtig zu beweisen und in allen ihren Einzelheiten bif erenzi"rt zu belegen. Die Durchführung eines solchen Versuches ist so einfach und sein Ergebnis so beweiskräftig, daß sich ein jeder Leser selbst an einen solchen Versuch wagen mag. Robert S a u d e k, einer der wenigen wissenscha'tlich einwandfreien Graphologen, fordert im Märzheft von Velhagen & Kla- sings Monatsheften dazu auf: „Bitte, sehen Sie sich Ihre eigene Handschrift daraufhin an, ob sie klein oiVer groß, steil oder schräg, druckbetont oder druckschwach, in den Buchstabenformen durch Schlingen und Hinzufügungen verziert oder vereinfacht ist, ob die Buchstaben innerhalb der Worte getrennt oder verbunden sind, und versuchen Sie nun bei einer schnellen Riederschrift von sagen wir zehn Zeilen. daS Gegenteil Ihrer natürlichen Schriftmerkmale zu erzeugen. Es ist oollftaVibig ausgeschlossen, daß auch nur einem einzigen! von Ihnen diese Ausgabe vollständig gelingt, aber einige Leser werden es immerhin fertiglsringen, einzelne dieser, ihrer Wesensart widersprechende Schriftmerkmale zu erzeugen. So wenigstens wird es Ihnen auf den ersten Blick erscheinen. Wenn Sie aber gründlich nachsehen, werden Sie bemerken, daß 'Ihnen auch jene Teile nur zu Beginn des Schreibaktes gelungen sind und daß Sie, je länger und schneller Sie schrieben, desto» mehr in Ihre alten Schreibgewohnheiten zurück^efallen sind. Eine willkürliche Schriftveränderumg kann nur eine Zeitlang durchgeführt werden, bei längerem Schreiben (ja häufig schon dpi Ende der ersten Zeile und später sogar gegen Ende der einzelnen Worte) fällt der Schreibende in seine ursprüngliche Schreibart zurück. Auf $runb dieses Gesetzes kann der Graphologe zwischen Sein und Schein unterscheiden. Rur wcwn Beginn und Ende des Schrcibaktes einheitlich sind, haben wir es mit einem durchaus aufrichtigen und habet auch in seinen Handlungen konsequenten Menschen zu tun." 1*/, schläfrig, mit 6 Pfd. Deckbetten . 3.80. 2.75. 1.95 Federn 39.00 Federn gefüllt, 58 -, 45-, Halbdaunen.....«.so. sm. 4.50 zweischläfrig, mit 8 Pfd. ^r. Magnus Hirschfeld. Berlin mit Vortrag des Dr. A. Wagner aus Frankfurt a.M. Vom einfachsten Lebewesen bis zum Menschen. 1. Suchen n. Finden d. Geschlechter. 2.Ans Licht d.Welt. 3. Vom Zwischengeechlecht (Zwitter). 4. Mutterliebe. ■vi'.tjjks Nur für Erwachsene! 1 ■ Pressestimmen: eine äußerst wertvolle kulturelle Arbeit.. als Werk wirklicher Aufklärung eine anzuerkennende Tat.. .Interessant und lehrreich . ein Kulturfilm bester Art. einer der eindrucksvollsten, schönst en und vielseitigsten Kulturfilme, die in den letzten Jahren entstanden sind. vorzüglich geeignet, die sexuelle Verrohung zu bekämpfen. Sichern Sie sich rechtzeit. 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Kein Laden. 245D Fichten-Ltämme N. 23 Fichten-Stämme la-Klasse 15—19 Durchm. — 4,42 fm 1Ä 52,26 „ IM-niget E w5t.9( LLZ gkn Dtot L°nin * über Paare' 6* 9rs W iei N iin$i" *il i nen?eA -A Holzsubmission. Die Gemeinde Wieseck verkauft im Wege schriftlichen Angebots folgende Holzsortimente: Fichten-Abschnitte A. 2 Fichten-Stämme 3a-Klasse 30—34 Durchm. — 1,93 fm 1 „ Stamm 3b- „ 35—39 „ — 0,96 „ 2 „ „ 4a* „ 40-49 „ --- 2,38 „ Fehlporzellan: Tiefe und flache Feston-Teller, weiß Dessertteller (Feston), 19 cm Dessertteller (Feston), 17 cm Suppenterrinen (Feston) Ragoutschüsseln (Feston) Salarieren (Feston), 24 cm Platten (Feston), 30 cm Saucieren, weiß Tassen, hoch und nieder, weiß Tassen, hoch und nieder, Goldrand und Goldband Konfirmations- und Osterbedarf zu decken! yorfklrch )( Lin LorstiO' tag in u" v o r suh Dorsis. Kreisle! ging »«; Mrwur! den letzten Frankfurt Unkraut i sende yre umrahmt wuiMl pause lvare mcin6egl'Cb Terglchen t einem Scriba' den Grub Düraerineo Jeiyandlui trag von die Frage Einflüsse Kirche let heranzubr die Derlv sondern a nur die * Dahrheit lassen, foni der Grohs zuslellen ui Sinn des unverkürzte ftab aller Teisall aus sehr rege ■ tveltlichen ligten. 3Me SeeWe leb Karpfen „ Schleien Saim Hechte empfiehlt ^’D Hamburger Fischhandlung 21. Stod) Nachflgr., MauSbnrg 15, Lelepbon 1612. sollen Sie erst zu (Schmücker gehen, bevor Sie Ihre Einkäufe in Kleidung und Wäsche für die Ks«Mamttsn tätigen? 6ch * Gieh meEn i M iveg' Icijung ein Urkund gesäng Er hatte halten, mi macher ab sich vcrbra Uhrmacher! Hobe das । Auftrag ni hast, da d lundensülsch ^r hätte do 'einerlei U gehlichleit; Drei A lchung ei melt ein Q[- lur einen ll Sohlen, unt Auer-Fiimas stabil, leicht laufend, zuverlässig. Oberh. 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M. hielt über das Gleichnis vom Llnkraut unter dem Weizen eine gewissenschärfende Predigt. Die gottesdienstliche Feier wurde umrahmt von Chorgesang der Schulkinder, Ge- mcindcgesang und Cinzelgesang. Sn der Mittagspause waren sämtliche Teilnehmer Gäste der Ge° mcindeglieder. Lim 722 Lihr begannen in dem Tergschen Saal die eigentlichen Beratungen. Bach einem Chorgesang der Schultinder begrüßte Dekan S c r i b a - Ridda die zahlreiche Versammlung, den Grust der Gemeinde Lindheim überbrachte Bürgermeister S t e d t e r. Sm Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein fast zweistündiger Vortrag von Pfarrer Freundlieb-Vilbel über die Frage: ..Was ist gegen die entkirchlichenden Einflüsse der Grohstadt zu tun?" Aufgabe der Kirche sei es, dos Evangelium an die Menschen heranzubringen. Die Kirche müsse nicht nur für die Verwundeten des Lebens ein Herz haben, sondern auch für die Kämpfer, sie dürfe nicht nur die Liebe pflegen, sondern müsse auch die Wahrheit verkündigen, sie dürfe sich nicht führen lassen, sondern sie müsse selbst führen. Es gelte, der Grostftadt etwas Wertvolleres entgegenzustellen und sich wieder auf den gottgemäßen Sinn des Lebens zu besinnen. Das alte und unverkürzte Evangelium müsse wieder der Maßstab aller Dinge werden. An den mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag schloß sich eine sehr rege Aussprache an, an der sich auch die weltlichen Mitglieder der Kirchenvorstände beteiligten. * Dorsiirchentagung in Münzenberg. • Münzenberg, 29. Febr. Die dritte und letzte Dorfkirchenvorstehertagung im südlichen Qberhessen sindet nächsten Montag, 5. März, in unserem Dorfe statt. Zur Beratung steht das für unsere Dorfgemeinden wichtige Thema: „Fluch und Segen der kirch- lichcn Sitte". Cs sei darauf aufmerksam gemacht, daß morgens und nachmittags von Lich aus Sonderzüge eingelegt sind, so daß es jedem möglid) ist, leicht und bequem an der Tagung teilz- en. Der Sonderzug geht morgens 9.20 Lihr .ch nach Münzenberg ab und fährt dort nach ags 18.36 (6.36) Lihr wieder nach Lich zurück, >o baß die ankommenden und abfahrenden Anschlußzüge in der Richtung G ehen und Gelnhausen passen. Bei rechtzeitiger Anmeldung sorgt der Kirchenvorstand.für Mittagstisch der Gäste. Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Gießen, 29. Febr. Ein früherer Ober- orenadier des hiesigen Snfanterie-Regiments erhielt wegen Unterschlagung unter Verletzung eines militärischen Dienstverhältnisses und Lirkundenfälschung eine Gesamt- gefängnisstrafe von einem Monat. Er hatte von einem Obergefreiten 10 Mk. erhalten, mit denen er eine Schuld bei einem Lihr- macher abbezahlen sollte. Das Geld hat er für sich verbraucht und eine gefälschte Quittung des Llhrmachers vorgelegt. Seine Behauptung, er habe das Geld nicht unterschlagen, sondern den Auftrag nur vergessen, erwies sich als unglaubhaft, da dann die von ihm zugesiandene Llr- tundenfälschung nicht zu erklären gewesen wäre. Er hätte von dem ihn, befreundeten Obergefreiten leinerlei Linannehmlichkeiten wegen feiner Vergeßlichkeit zu erwarten gehabt. Drei Monate Gefängnis wegen Fälschung einer öffentlichen Lirkunde erhielt ein Arbeiter aus Rüddingshausen. Er sollte für einen Bekannten 100 Mk. bei der Post einzahlen, unterschlug von dieser Summe 90 Mk. Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 57 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie nickte Wenger zu unter einem einzigen stummen bedeutungsvollen Blick, nahm den dargebate- nen Arm Bouoiers und lenkte aus dem Saal, auch durch die anstoßenden Salons, hindurch bis zu dem kleinen intimen Kabinett, in dem ihre Großmutter ihre Korrespondenz am Schreibtisch zu erledigen Ste ober in einem der bequemen Gobelin-F.m- 5 einer Lektüre oblag. Fritz Wenger aber glitt in einiger Entfernung hinter dem Paare her. Vor- sicht war geboten, schon aus Diskretion Melusine gegenüber. Doch ein hoher Pfeilerspiegel in der Ecke des letzten der beiden Salons ermöglichte es Wenger, durch eine Wiederspiegelung des goldenen ovalen Rokokospiegels im Prioatkabinett der alten Baronin wenigstens aus geringer Entfernung einen Blick über die äußeren Borgänge zwischen dem Paare! Am Schreibtisch der (Sranbmama löste Melusine den Arm aus dem von Bouvier und stützte sich schwer auf die kostbare große Schreibmappe aus rotem Juchten. Das Herz wallte ihr jetzt dach bis zum Halse heran- . trotz aller Selbstbeherrschung. „Diese Teilnahme heute an der Hochzeit wirb dir ein Opfer sein. Nicht wahr? Du wirst dich nach den Abendstunden sehnen, die bu ohne Zweifel wieder mit deiner pelite femme verbringen wirst?" Er trat einen Schritt zurück, als sei ein Peitschenhieb auf ihn niebergesaust. Mit ber großen Selbstgefälligkeit bes Monsieur Paul Bouvier war es mit einem Schlage vorbei. Was war größer in ihm: die Wut oder das Erschrecken? „Du bist mir vollkommen unverständlich, Melusine!" Sie nagte an ber Lippe. Womit sollte sie beginnen? Was ihm zuerst ins Gesicht schleudern! Aber nur es kurz machen! O, es gab ja gar nichts mehr zu beschönigen ober abzuleugnen ober einzurenken! „Soll ich mich dir noch verständlicher machm? Nun gut! Äch bin vollkommen barüber unterrichtet, daß bu deine Geliebte von Bezay mit hierher- Die Jagd „Sagb im März? — Tote Zeit!'/ denken leider gar viele Säger und sehen darin einen ausreichenden Grund, ihrem Revier fernzubleiben. Ein Blick in den Schonzeitlalender scheint.ihnen recht zu geben. Lind bod) erfordert das Revier im März ebenso die hegende Pflege wie es auch Weidmannsfreuden verspricht. Rotwild hat nun vollkommen Schonzeit (nur in Hessen ist der König der Wälder vor dem Gesetz vogelfrei!). Die Hirsche werfen ab. Das Rehwild ist gut durch den Winter gekommen, und der Bock schiebt sein neues Gehörn. Lleberall beginnt es in der Frühlingssonne zu grünen und zu sprießen, und gierig nimmt das Rehwild nach der langen Trockenäsung der Winterszeit das frische Grün an. Leider bringt dieser Rahrungswechsel mitunter Erkrankungen mit sich, denen erfahrungsgemäß besonders männliche Stücke zum Opfer fallen. Der schneearme Winter hat das Besagen des Schwarzwildes nicht erleichtert. Die Bachen sangen an zu frischen und genießen bann den Schutz des Weidmannes. Denn kein Säger, der ein Herz in der Brust hat, wird ein Muttertier von den Sungen wegschießen und diese dem Hungertode überliefern. Dieser Grundsatz muh auch für den ritterlichen Schwarzkittel, unser einziges wehrhaftes Wild, gelten, mag man es sonst auch mit Eifer bejagen und kurz zu hakten suchen. Allenthalben sehen wir draußen die Mümmelmänner auf den Läusen. Die Hasenhochzeit ist im Gang. Auch fällt im März der erste Hasensatz. Sein Schicksal ist wichtig für das ganze Hasenjahr, da er selbst im Sommer bereits zur Fortpflanzung schreitet. Auf die Witterung hat der Mensch keinen Einfluß, aber gegen vierbeinige und gefiederte Räuber sein Sungwild zu schützen, ist ihm bis zu einem gewissen Gkad möglich. Sm Dachs bau sind Sange, und gegen Ende des Monats wölft mitunter auch die F uch s - sähe schon. Die Waldhühner, von denen leider der Aue r- h a h n und der Birkhahn unserer engsten Heimat fehlen, treten in die Balz. Dagegen ist das H a s e l w i l d in manchen Revieren der anschließenden preußischen Westerwald- und Taunusgebiete noch Standwild. Die Rebhühner paaren sich, und'die Henne schreitet dort, wo sie genug Deckung findet, bald zur Brut. Se früher dies geschieht, um so geringer ist die Gefahr des Ausmähens in Wiesen und Kleeäckern. Der Revierinhaber sollte deshalb darauf bedacht sein, berg Wild Hecken, Ginsterflächen u. ä. erhalten ober auf wirtschaftlich ungenutztem Lande Deckung in Gestalt kleiner Remisen zu schaffen. Auch der Fasan tritt in die Balz. Roch ist die Zeit zum Aussehen von Fasanen günstig. Der Hahn hat noch Schuhzeit. Die Wildente hat Schonzeit. Die Reihzeit geht zu Ende und die Ente beginnt mit dem Legegefchäst. Der alte Weidvers „Reminszere — putzt die Gewehre! — Okuli — da kommen sie!" ist auch in Richtjägerkreisen bekannt, und vom Erlegen der ..Ersten" pflegen sogar die Tageszeitungen häufig Rotiz zu nehmen. So gilt der Vogel mit dem langen Gesicht als ein Frühlingsbote, dessen Beobachtung und Sagb auf bem Abenb- ober Morgenstrich alljährlich immer wieder ihren Reiz und fälschte den Posteinlieferungsschein auf den Betrag von 100 Mk. um. Seiner Llnbescholten- heit wegen wurde auf bie gesetzliche Mindest- strafe erkannt. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 28. Febr. Familienstreitigkeiten bildeten die Grundlage der Privatklage eines Hüttenarbeiters in W i ß m a r gegen seinen Bruder, einen Hüttenarbeiter in Lollar. Bei dem ersteren wohnt auszugsweise seine Mutter, die u. a. auch Anspruch auf freies Licht hat. Sie soll öfters Licht bis spät in die Rächt hinein gebrannt haben, weil ihr dritter bei ihr wohnender Sohn abends häufig mit Kameraden Karten gespielt habe. Die Folge hiervon war, haß der Privat- gebracht hast, trotzdem bu mir gleich beim ersten Wiedersehen hier geschworen hast, bie Sehnsucht hätte dich einzig nach Straßburg getrieben, mich wieber zu sehen! Du Lugner, du charakterloser Phra- seur! Du entblöbeft dich nicht, dich andern gegenüber damit zu brüsten, daß bu dich hier um eine junge Dame aus bester Familie bewirbst und bermeil deine petite femme bei dir hast! Ich sage dir, baß ich für biese Finessen einer echt französischen Moral kein Verständnis habe! O, wenn ihr Franzosen euch hier im großen ganzen und einzelnen nicht achtungswerter urfb nicht imponierender einführt, dann wünschen wir alle euch wieder über die Vogesen hinüber ...!" Er war vollständig erblaßt. Wie häßlich doch Jean Paul Bouvier ausschen konnte, wenn ihm bie Staffage ber selbstgefälligen Selbstsicherheit entglitt und seine wahre Natur zum Vorschein kam: ein phrasenhafter, weichlicher, anmaßender Mensch! „Ach, ich beginne, zu verstehen! Diese Augustine ist bei dir gewesen, Melusine, und hat dir bie Ohren vollgeblasen! Man konnte sichs ja benten, baß es eines Tages so kommen würde! Denn diese Weiber sind alle gleich. Und wenn man einer Heirat zusteuert, glauben sie sich in ber Gefahr, abgeschoben zu werden und pekuniäre Einbuße zu erleiden." Melusine sah ihm regungslos ins Gesicht. Sofort begriff sie, wie vollkommen er sich selbst in seiner Bestürzung verriet! Wie vollkommen er nun selbst bestätigte, was sie erfahren hatte. „Von wem ich bas alles erfuhr, ist belanglos. Die Tatsachen genügen. Du bist selbstverständlich vollkommen und für alle Zeiten für mich erledigt. Wenn dir baran gelegen ist, daß bie ganze Sache mit einiger Diskretion gehandhabt wirb ... bie bu gar nicht wert bist ..., bann oerschwinbest du jetzt!" Er stand mit schlaff herabhängcllben Händen vor ihr. Seine Sippen öffneten sich. Aber er brachte fein Wort heraus. Niemals hätte er in biejer entzückend-liebenswürdigen, fröhlichen Baronesse eine solche Schärfe, eine so unerbittliche Herbheit vermutet! Er war keines Widerstandes, keiner Aeuße- rung fähig. — Was wollte sie beginnen? Sie schritt jetzt in ihren weichen, graziösen Bewegungen durch bas kleine Zimmer und praßte ihren Finger auf eine elektrische Klingel an ber hellgeblümten Sei- bentapete. im März. aufs neue ausüben. Bei dieser Sagbart sollte es aber unbedingt im Frühjahr bleiben. Denn die Beobachtungen sprechen dafür, daß die Waldschnepfe immer mehr Reigung zeigt, in unteren Breiten zu brüten. Auch die Wildtauben sind bereits eingetroffen und bald klingt des Ringeltäubers sehnsuchtsvolles „O du, du, du!" durch den Frühlingswald. Wer pirschen lernen will, wer einen Ersah sucht für das Anspringen des großen Hahnes oder die Lockjagd liebt, der versuche es mit rufendem Tauber. Es klappt nicht immer. Um so größer ist die Freude über drn Erfolg. Den gewandten Schützen reizt die B e k a s s i n e, die besonders in ber Zugzeit an nassen Ufern, an Wiesengräbern unb Sumpfst eilen liegt. Der Raubvogelzug ist im Gang. Die Flugspiele der Bussarde erfreuen das Auge. Auch seltene Gäste können mitunter festgestellt werden. Wo die Räuber der Luft zu zahlreich werdeir, verspricht die Krähenhütte Abhilfe. Aber der Weidmann soll auch Raturfreund sein und nicht auf alles krumm machen, was starle Fänge unb krummen Schnabel trägt. Unsere Ratur ist schon verödet genug. Reben der Pflege der Sagdausübung rufen mancherlei Arbeiten ins Revier. Dor allem sind bie Feinde der Riederjagd, Krähe unb Grohwiesel, zu belämpsen. Das scharfe Auge der „Schwarzen" entdeckt so manchen Sunghasen, so manches Gelege. Sn Hecken und Gestrüpp schlüpft das Hermelin und mordet brütende Henne unb Jungwald. Biel größer ist seine Zahl als der Säger ahnt, dessen Auge es sich durch seine schlüpfenden, jede Deckung ausnuhenden Bewegungen leicht entzieht. Man fängt es in Kastensallen, die in Gräbenränder, Steinhaufen unb Hecken eingebaut werden. Salzlecken sind auszufrischen oder neu anzulegen. Der Salzhunger ist bei Pflanzenfressern meist sehr groß. Das Salz wirkt anregend auf den Stoffwechsel, das körperliche Gesamtbefinden wird gehoben unb bamit z. D. bie vorerwähnten Ernährungsstörungen leichter überwunden. Die günstige Beeinflussung des Gesamtzustandes macht sich bei den Hirscharten auch in besserer Geweihentwicklung bemerkbar. Die Anlage von Lecken in Gestalt von Lehmsulzen, Stocksulzen unb als Lecksteine ist einfach, billig unb ein gutes Mittel, Schalenwild an das Revier zu fesseln. P i r s ch p f ä d e sind neu anzulegen. Sie find ein wichtiges Hilfsmittel, um das Wild ohne Störung zu beobachten, das Revier zu überwachen und den Abschuß zu erleichtern. Aehn- liches gilt von Kanzeln und Hochsitzen. Wer eigenes Land in seiner Sagb besitzt oder ein Stück pachten kann, vermag mit Lupinen, Kuhlohl, Topinambur unb Weiden Remisen zu schaffen, die seinem Wild Deckung unb Winteräsung geben. Besonders scharf ist jetzt in der Brut- unb Sahzeit streunenden Ka^en und jagenden Hunden auf die Finger zu sehen. Die letzteren sind neben dem Wilddieb die größte Geisel eines Reviers, gegen die mit aller Energie vorgegangen werden muß. Vor allem ist auch von der verpachtenden Gemeinde zu verlangen, daß ihr Feldschutzper- sonal die Rechte des Pächters schützt. Leider gibt dieser Punkt recht o't zu Klagen Anlaß. Hubertus. klüger, der Hauseigentümer ist, die Lichtleitung nach den Räumen seiner Mutter abgeschnitten haben soll. Sn diesen Streitigkeiten ergriff der in Lollar wohnende Bruder die Partei seiner Mutter und beleidigte bei gelegentlicher An- wefenheit in Wißmar seine Schwägerin, die Ehefrau des Privatklägers, in schwerer Weise. Vermittlungsversuche, die das Gericht unternahm, scheiterten an der Ablehnung des Angeklagten, der in Abrede stellte, beleidigende Aeußerungen gebraucht zu haben. Das Gericht schenkte jedoch den beeidigten Aussagen des Beleidigten vollen Glauben und verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung gegenüber einer verheirateten, unbescholten:n Frau zu einer Geldstrase von sünfzigMark, Was war ihre Absicht? Die Situation begann ihm sehr ungemütlich zu werden. Seine grenzenlose Feigheit unterjochte jetzt jedes andere Gefühl in ihm. Schon nach wenigen Augenblicken erschien der alte Jacques. Er blieb in seiner geraden Haltung an der Tür stehen, um einen Befehl ber Baronesse zu erwarten. „Jacques, beauftragen Sie einen der Chauffeure, daß er Monsieur Bouvier jetzt losort zur Stadt und in seine Wohnung zu fahren hat. Monsieur Bouvier ist genötigt, sofort das Fest zu verlassen, — da er eine wichtige Mitteilung erhalten hat!" Als der Diener sich unter einer Verbeugung entfernte, kam wieder Bewegung in Bouvier. Er hatte begriffen. Zum Kuckuck! Diese kleine Baronesse setzte ihn jetzt mit einem Schneid vor die Tür, wie er sich nie hätte träumen lassen! Es war doch nichts, wenn man als gewöhnlicher Bürgerlicher seine Hände nach den Sternen streckte. Seine innere Wut, seine Enttäuschung, sich um ein so wertvolles Ziel gebracht zu sehen, — so dicht vor dem Erreichen, schlug bei seiner ordinären Gesinnung in Spott und Gemeinheit um. „Parbleu, ich selbst sehe ein, daß es gut ist, wenn wir uns jetzt trennen, Baronesse! Niemals hätte ich einen so engbegrenzten Horizont hier in der Familie vermutet! Der basiert natürlich auf bem Adelsstolz!" Sie lächelte ihn spöttisch an. Denn sie wurde plötzlich ruhiger. Wenn er sich entschuldigt hätte über seine moralische Schlappheit, wenn er nur einen Hauch von Bedauern darüber ausgesprochen hätte, sie nun zu verlieren, — es wäre ihr eine gewisse Linderung gewesen. Jetzt aber noch Unverschämtheit und Gemeinheit hören? „Ich glaube, Sie tun gut daran, sich Ihren Heber- rock draußen zu suchen, Monsieur Bouvier, der Diener wird ihnen draußen behilflich sein ..." Also an die Luft setzte sie ihn nochmals! Er begriff, daß er vollkommen wehrlos war und tatsächlich am besten verschwand „Eh bien, ich glaube, ich wäre Gefahr gelaufen, ein großer Pantoffelheld bei Ihnen werden zu müssen, Baronesse, angesichts eines solchen Schneides, den Sie schon vor der Hochzeit zeigen!" — warf er noch leicht hin, während er an ihr vorllberschritt und die Tür gewann. hilfsweise 10 Tagen Gefängnis, unb zu den Kosten des Verfahrens. Amtsgericht Wetzlar. Q Ein Kraftwagenführer aus Gießen hatte dadurch gegen die Kraftfahrzeugordnung verstoßen, daß er, als er im Rovernber v. 3. mir seinem Kraftwagen durch Wetzlar fuhr, durch Übermäßige Rauchentwicklung verkehrsstörend wirkte. Gegen eine ihm zudiktierte Polizei- strafe über 10 Mark hatte er gerichtliche Entscheidung beantragt, die aber ohne Erfolg war, denn das Gericht erkannte auf die gleiche Strafe. Ein Krastwagenführer der Verkehrs-A.-G. in Wetzlar, dem zur Last gelegt war, fahrlässigerweise einen Passanten in Wetzlar angefahren unb diesen, glücklicherweise nur leicht, verletzt zu haben. wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 7 0 Mark Geldstrafe, Hilfsweise 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Zwei Einwohnern aus Waldgirmes war Jagdvergehen zur Last gelegt, weil sie im Felde Fuchsfallen ausgefegt hatten. Beide Angeklagten gaben die Tat zu und wurden zu Geldstrafen Don 30 bzw. 10 Mark, evtl, für je 5 Mk. ein Tag Ge ängnis verurteilt. Auch wurden ihnen die Kosten auferlegt. Llnterschlagung beging ein Wetzlarer Arbeiter dadurch, daß er Geldbeträge über 8 unb 3,30 Mk., die ihm vom Arbeitsamt zur Fahrt nach Frielendorf, wo er Arbeit annehmen sollte, übergeben waren, nicht für diesen Zweck benutzte, sondern nur bis Gießen unb dann wieder heim fuhr, ohne das Geld wieder zurückzuerstatten-. Vor Gericht unter Anklage gestellt, gestand er die Tat ein und erhielt 2 0 Mark Geldstrafe, hilssweise vier Tage Gefängnis, unter Auferlegung der Kosten. Gefährliche Körperverletzung, die noch einmal glimpflich abging, legte bie Anklage einem Arbeiter aus Aßlar zur Last. Als der Angeklagte in ber Rächt bes 1. Januar mit seinem Fahrrad durch Raunheim fuhr, wurde er mit Steinen beworfen. Er stieg ab unb suchte in einem Hofe Schutz. Ein gänzlich Llnbeteiligter betrat kurz nachher den Hof, wurde nichtsahnend von bem Angeklagten mit bem Messer angegriffen unb erhielt hierbei einen Stich hinter bas Ohr, welche Verletzung nach den Aussagen des Sachverständigen, sofern sie um eine Kleinigkeit tiefer traf, dessen Tob verursachen konnte. Der Angeklagte will in Aufregung unb in ber Annahme gehandelt haben, ber Verletzte wolle ihn schlagen. Das Llrteil lautete auf 3 Monate Gefängnis unter Auferlegung ber Kosten. Dem Verurteilten wurden 3 Sabre Bewährungsfrist gegen Erlegung einer Geldbuße von 90 Mk. zugebilligt. Sn einem anderen Falle, in bem ebenfalls das Messer eine Rolle spielte, war ein Arbeiter aus Raunheim wegen gefährlicher Körperverletzung unter Anklage. Auch hier waren Streitigkeilen zwischen Raunheimer unb Walbgirmeser Burschen bie Llrsache. Wie bie Beweisaufnahme ergab, waren die Burschen aus Waldgirmes, unter diesen auch der Verletzte, bie Llrheher bes Streites. Der Angeklagte will in Rotwehr gehandelt haben, da er sich von feinen Angreifern — es waren angeblich drei — bedroht fühlte unb in der Aufregung zum Messer gegriffen haben. Die Verletzungen waren glücklicherweise nicht ernsterer Ratur. doch will ber Verletzte noch immer in ärztlicher Behandlung unb arbeitsunfähig sein. Das Llrteil lautete auf 100 M k. Geldstrafe, hittsweise 20 Tage Gefängnis unb Tragung der Kosten durch den Angeklagten. Schöffengericht Wetzlar. Q Gelegentlich einer Revision der Eifenbahnfahrkarten wurde ein Arbeiter aus Holzhau - f e n mit einer Wochenkarte angetroffen, an der offenbar Fälschungen vorgenommen waren. Die Ermittlungen ergaben, daß es sich, wie bie Rümmer bies auswies, um eine bereits ein 3ahr vorher ausg»gebene Wochenkarte handelte, an der die Sahreszahl und die die Woche bezeichnende Zahl mit Kopierstift geändert waren. Der Inhaber der Karte hatte sich wegen Llr- kundensälschung unb Betrugs zu verantworten. Sie aber blieb regungslos stehen. Auf die Platte des Schreibtisches gestützt, mit geschärfter Wachsamkeit draußen alles verfolgend. An der Seitenein- fahrt rollte jetzt eines der Autos heran. Heber das Vestibül klang ber schnelle, leichte Schritt Bou- viers. Hinter ihm der von Jacques, der den Gast bis zum Gefährt geleitete. Der Wagenschiag schlug zu. Der Mowr setzte sich in Bewegung. Das Auto rollte um das große Rasenrondell durch das hohe, schmiedeeiserne Gittertor aus dem Park hinaus. Melusine atmete tief und schwer auf. Sie warf einen Blick um sich. Die Dämmerung war bereits fast dem abendlichen Dunkel gewichen. Drinnen sah man durch die geöffneten Türen im großen Gaal unermüdlich die tanzenden Paave vorübergleiten. Zu ihnen sich jetzt gesellen? Die Harmlose, die Fröhliche spielen? Unmöglich! Da man heute die Fremdenzimmer an der Rückseite des Schlosses zu allen möglichen anderen Zwecken umgeändert und ummöbliert hatte, war das Ameublement ihres Zimmerchens, bas sie sonst bei der Grandmama bei ihren häufigen Besuchen inne zu haben pflegte, in das obere Stockwerk getragen worden. Es fiel ihr jetzt als Rettung, als Ausweg aus ihrer Stimmung ein, nach oben zu gehen, um sich eine kurze Zeit zurückzuziehen unb fassen zu können. Sie verließ das kleine Schreibkabinett der alten Baronin. Draußen das fliesenbedeckte Vestibül tat ihr wohl in seiner Kühle, in seiner hohen Lustigkeit, in seiner Einsamkeit. Niemand war zu sehen. Auch der alte Jacques war bereits wieder verschwunden, um Erfrischungen beim Tanze servieren zu lassen. Von einem Fenster bes Vestibüls aus sah sie noch aus kleiner Entfernung das kalte, weiße Licht der davongleitenden Autolampen blitzen. Da starrte sie am Fenster eine Weile in die Nacht hinaus, ohne darauf zu achten, wie stark der plötzliche Ueber- gang aus den vollen, heißen Sälen in die Kühle hier war, die sich unbaMherzig über ihre dekolletierten Schultern, über ihr dünnes, chiffon-überhauchtes Kleid legte. Zum zweitenmal schied nun eine Liebe aus ihrem Leden! O, wie schmachvoll nxir innerlich dieser Abschluß ihrer zweiten Liebesepisode gewesen! Fürchterlich war es doch, wenn man sich eine Zuneigung in einer plötzlichen Enttäuschung so aus dem Herzen reiften mußte! (Fortsetzung folgt.) DaS Gericht verurteilte den Angeklagten wegen gewinnsüchtiger Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug zu 3 Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten. Ein schwerer Junge in der Person eines vorübergehend in Wetzlar wohnhaft gewesenen angeblichen Landwirtschaftsgehilfen stand wegen eines schweren Diebstahls, zweier einfachen Diebstähle, Widerstands und intellektueller Urkundenfälschung unter Anklage. Er wurde beschuldigt, einen Einbruchsdiebstahl im Juli 1927 in Ahlbach bei Limburg, sowie zwei Fahrraddiebstähle in Wetzlar und Dillenburg ausgeführt zu haben, einem Polizeibeamten auf dem Transport tätlichen Widerstand entgegengesetzt, sowie sich eines salschen Namens bedient zu haben. Unter falschem Namen hat er sich einmal in das Gefangenenbuch des Gerichtsgefängni ses Herborn und das andere Mal beim Gerichtsgefängnis Wetzlar eingetragen, und ein drittes Mal vom Amtsgericht Wetzlar rechtskräftig verurteilen lassen. Daß der Angeklagte ein Mann vom Fach ist zeigte einerseits sein Sündenregister mit bereits 22 Borstrafen, andererseits s:in Auftreten vor Gericht. Das Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von zwei Jahren sechs Mo- notenZuchthaus. Zwei wei ere Personen au3 Wetzlar, die als Hehler angeklagt waren, erhielten Gefängnisstrafen von 3 b z w. 1 M o- u a t. Ein Provisionsreisender hatte, um seinen Verdienst zu steigern, auf Bestellzetteln fingierte Unterschriften aufgeführt und erhielt dadurch ihm nicht zukommende Spesen, durch die er seine Arbeitgeberin um ca. 150 Mk. schädigte. Das Gericht verurteilte ihn wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs zu sechs Monaten Gefängnis unter Auferlegung der Kosten. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein Gärtner aus Frankfurt a. M. Er war geständig, mit einem angeblich unbekannten Komplizen gemeinschaftlich in Herborn einen Einbruchsdiebstahl verübt zu haben. Die Täter entnahmen, nachdem sie vorher die Schaufensterscheibe eingeschlagen hatten, der Schaufensterauslage einen Mantel, sowie einen Ballen Stoff. Durch Alarmschlagcn der Aachbarschaft muhten sie flüchtig gehen. Der Angeklagte ging nach Sinn und fuhr mit der Bahn nach Wetzlar, wo er beim Verlassen des Zuges von der Polizei in Empfang genommen wurde. Don dem angeblichen 5SeIfer war keine Spur zu finden. Da der Angeklagte schon erheblich vorbestraft ist, erkannte das Gericht wegen schweren Diebstahls, begangen im strafschärfenden Rückfalle, auf 2 Jahre Zuchthaus. Wirtschaft. Oie Dresdner Bank im Zähre 1927. Der in der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Dresdner Bank vorgelegte Geschäftsabschluß für 1 9 2 7 weist einen Rohgewinn von 77,22 Millionen Mark (i. V. 70,96) aus. Hiervon erbrachten (alles in Millionen Mark) Wechsel, Zinsen, Sorten und Zinsscheine 32,61 (30,28), Provisionen 42,21 (38,91), Erträgnisse aus dauernden Beteiligungen bei anderen Banken und Bank-irmen 1,46 (1,18), sonstige Einnahmen 0,32 (0,36); d .gen erforderten Handlungsun'kosten einschl. Pensionen und Abfindungen 56,66 (54,52) und Steuern 7,49 (4,52), so daß unter Hinzurechnung des Bortr-ages in Höhe von 628 135 Mark ein Reingewinn von 13 072 564 Mark (11911108) verbleibt. Der auf den 3. April einzuberufenden Generalversammlung soll die Ausschüttung einer D i v i - dende von 10 v.H. (wie im Vorjahr) vorgeschlagen werden. 1,6 Millionen Mark sollen dem Reservefonds zugeführt werden, der sich dadurch auf 32 Millionen Mk. gleich 32 v. H. des Aktienkapitals erhöht; 0,3 Mill. Mark sollen dem Pensionsfonds überwiesen werden. Der Umsatz auf einer Seite des Hauptbuches betrug im Jahre 1927 rd. 185 Milliarden Mk., gegen 141.5 im Jahre 1926. 2n dem Geschäftsbericht werden u.a. folgende 'Ausführungen gemacht: Die Weltwirtschaft hat auch im vergangenen Jahre noch die ungesunden Symptome der Nachkriegszeit aufgewiesen. Die Ueberschuldung einzelner wichtiger Länder durch die politische Zersplitterung bedingte die Unausgeglichenheit zwischen Erzeugung und Absatz und die geschwächte Kaufkraft Europas. Die Erhöhung des allgemeinen Wohlstandes kann nur dadurch erreicht werden, daß man die G ü t e r e r ze u g u n g und den internationalen Handel' von den Hemmungen befreit, die durch die ungesunde Erweiterung des Gedankens wirtschaftlicher Autarkie entstanden sind. In dem Freihandels- b»kenntnis auf der Weltwirtschaftskonferenz in wenf kann nur dann ein Fortschritt erblickt werden, wenn es von den politischen Instanzen der Welt praktisch ausgewertet wird Die Bereinigten Staaten sind in den Mittelpunkt aller Erörterungen über die Gesundung der Weltwirtschaft gerückt. Zweifellos hat die Diskont- und Kreditpolitik der Federal-Reseroe-Banken zu einer Verstärkung der amerikanischen Gold- und Kapitalausfuhr beigetragen und damit die Entwicklung insbesondere der europäischen Länder wesentlich gefördert. Wie das gestörte Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und Europa (die Förderung der eigenen Warenausfuhr und Hemmung der fremden Einfuhr seitens Amerika) hergestellt werden soll, ist ein Problem, ohne dessen Bereinigung die Weltwirtschaft nicht zur Ruhe kommen kann. Infolgedessen gehört auch die deutsche Frage zu den weltwirtschaftlichen Komplexen; die Transferfrage ist eine solche güterwirtschaftlicher Natur. Im vergangenen Jahre brachte Deutschland die erste wirkliche Aufwärtsbewegung bei Steigerung der Umsätze um ca. 14 bis 15 v. H., die sich unter voller Einsetzung der produktiven Kräfte vollzogen hat. Aus dem Charakter der Konsurnkonjunk- t u r 1 9 27 erklärt sich, daß trotz erheblich gesteigerter Umsatzmengen und verbesserter Einrichtungen der Nationalisierungserfolg in der Preisbildung noch nicht sichtbar geworden ist. Die Wirtschaft ist in der zweiten Jahreshälfte in eine Jnvestitionskonjunktur eingetre= ten. Die bedenkliche Preisentwicklung in den Schlüsselindustrien in der letzten Zeit kann für die Fortsetzung dieser Konjunktur maßgebend werden. Zu dem Rechnungswert ist im einzelnen zu bemerken: Die Gewinne auf Effekten- und Konsortialkonto, die einen nicht unerheblichen Buben gebracht haben, sind wieder zu internen Abschreibungen und Rückstellungen verwendet und vorher atecbicht worden. Das Unternehmen war nicht in die Notwendigkeit verseht, auch nur einen einzigen Kunden nach dem Maizusammenbruch zu exekutieren. Die Bank ist in der Hereinnahme von Geldern an sich zurückhaltend gewesen. Da die Geldzuflüsse aus dem Inlands nicht genügten, um das steigende Kreditbedürfnis ausreichend zu decken, wurde die Heranziehung von Ausland- kapital wichtig, wie aus der Steigerung des Postens Gläubiger hervorgeht. In diesem sind 25 Prozent Valutagelder enthalten, die zu 75 Prozent durch Valutawerte, in Wechseln, sowie in Rostrogukhaben bei Banken und Bankfirmen, gedeckt sind. Die lebhafte Einfuhrtätigkcit und besonders die Preissteigerung in einzelnen Rohstoffen (Baumwolle führte zu einer erhöhten Beanspruchung von Rembourskrediten), so daß die Vorschüsse auf Waren und Warenverschi fungen eine Steigerung von nicht weniger als 82,3 Millionen Reichsmark aufweisen. Die Debitoren setzen sich in der Hauptsache an Krediten aus Textilund LeLensmitteluntemchnunzen zusammen, während die Kredite an die Schwerindustrie genau wie in den vergangenen Jahren einen weiteren leichten Rückgang erfahren haben. Die De- amtenzahl Ende 1927 betrug 8470 (8622 Ende 1926), die Zahl der bei der Bank geführten Konten 270 000 gegenüber 260 000 Ende 1926. Im neuen Geschäftsjahr ist das Börsenge'chäft absolut leblos, das Anlagegeschäft weiter befriedigend. Das Kreditgeschäft hält sich infolge der regen Rachfrage auf der bisherigen Hohe. Ein Rückgang im Zufluß von Auslandgeldern konnte die Verwaltung bisher nicht feststellen. Nachlassen -er Eisenkonjunktur. Infolge der großen Verkäufe, die vor der Eisenpreiserhöhung getätigt worden sind, hat, wie die „Deutsche Bergwerkszeitung" meldet, die Abschluhtätigkeit auf dem Eisenmarkt nachgelassen. Der Markt ist mit Material zunächst ziemlich gesättigt. Sa sind Händler und Verbraucher z. B. in Stabeisen bis Ende März versehen. Mit anderem Material geht es ähnlich. Hemmend auf die Verkaufstätigkeit wirken ferner der Kampf im Eisenhandel, der Streik der Metallarbeiter, die Zurückhaltung des Eisenbahnzentralamts, das Nachlassen der Bautätigkeit und anderes mehr. Der Bedarf des deutschen Marktes ist aber noch außerordentlich groß und wird nicht in kurzer Zeit vollständig gedeckt werden können. Die sich der Bedarfsdeckung entgegenstellenden Hemmnisse müssen zunächst überbrückt werden. Es darf ferner nicht unberücksichtigt bleiben, daß nach der Preiserhöhung die Einfuhr von ausländischem Material in verstärktem Maße eingesetzt hat. Die Verkäufe des Stahlwerksverbandes zu neuen Preisen sind noch verhältnismäßig gering. In der Hauptsache hat er Awi-Ceschäfte hereingenommen. Ferner hat er sich gezwungen gesehen, die Werke zu bitten, sich an dem Verkauf von Exportmaterial, welches über den festgesetzten Sah von 20 Prozent hinausgeht. zu beteiligen. Diesem Wunsch ist der größte Teil der Werke nachgekommen. Die Spezifikationen sind bei den Werken gut eingegangen. • D i e R e i ch s i n d e xz i f f e r für die Lebenshaltungskosten im Februar. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung und „sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Februar mit 150,6 gegen 150,8 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 — 100) für Ernährung 151,2, für Wohnung 125,6, für Heizung und Beleuchtung 146,1, für Kleidung 167,9, für den sonstigen Bedarf einschließlich Verkehr 185,8. * Buderussche Eisenwerke A. ©., Wetzlar. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde der Rechnungsabschluß für das Geschäftsjahr 1927 vorgelegt. Der auf den 19 April d. I. nach Wetzlar einberufenen Generalversammlung soll die Verteilung einer Dividende von 5 Proz. (i. V. 0 Proz.) vorgeschlagen werden. * Peters Union 21.-©., Frankfurt a. M. Die G.-D. erledigte die Regularien. Es gelangen für das Gefchä tsjahr 1923/27 für die Stammaktien 8 Proz. und für die Vorzugsaktien 7 Proz. Dividende zur Verteilung. Durch Satzungsänderung wurde das Stimmrecht der Vorzugsaktien vom Dreifachen auf das Einfache und in den drei bekannten Fällen vom 30sachen auf das Ibsache reduziert. Ferner wurde der am 1. Februar 1928 aus dem Vorstand ausgeschie- dene Direktor Heinrich Peter neu in den Auf- fichtsrat gewählt. Ueber die Geschäftslage führ'.e der Vorsitzende aus, daß das Unternehmen gut beschäftigt sei und daß sich gegenüber der korrespondierenden Zeit des Vorjahres der Absatz sowohl in Stückzahl, als auch wertmäßig gehoben habe. Auch für das laufende Geschäftsjahr werde ein befriedigendes Ergebnis erhofft. * Auslandanleihe der Württembergs s ch e n Notenbank. Die Württembergische Hypothekenbank hat an ein holländisches Konsortium von Banken vier Millionen Goldmark 7 proz. kapitalertragssteuerfreie Hypothekenpfandbriefe zum Kurse von 93,5 Proz. begeben. Die Emission soll zum Kurse von 96 Proz. holländischer Usance erfolgen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., l.März. (Eigener Drahtbericht des Gießener Anzeigers.) Tendenz: etwas fester. — An der heutigen Börse machte die Besserung der Stimmung einige Fortschritts. Die Annahme ter Frsigabsbill im amerikanischen Repräsentantenhaus befriedigte. Die U m s a tz t ä t i g k e i t blieb jedoch stark eingeschränkt, da dis Streiklage in der Berliner Metallindustrie zur Zurückhaltung mahnt. Ferner verwies man auf den angespannten Geldmarkt. Der Zahltag bereitete jedoch keine Schwierigkeiten. Da in verschiedenen Spezialwer- ten noch ein beträchtliches Dekouvert bestehen soll, schritt die Spekulation zu Deckungen. Von Publi- kumsscike blieb das Interesse außerordent'ich gering, da aber andererseits auch nur wenig Abgaben vorgenommen wurden, waren bei den ersten Kursen überwiegend Besserungen von 1 bis 2 Prozent zu verzeichnen. Zellstoff Waldhof reger gefragt und plus 3,5 Prozent. Am Elektro- markt zogen Bergmann 1,5 Prozent an, Siemens plus 1,75 Prozent und Licht & Kraft plus 1,75 Prozent. J.-G.-F arben eröffneten trotz größerer Umsätze nur gut behauptet. Auch Scheide- anstalt unverändert. QI u t o a f t i e n weiter gefragt. Kletzer plus 1,25 Prozent, Daimler plus 2,5 Prozent. Rheinstahl zogen 2 Prozent an. Phönix waren nicht ganz behauptet. Am Banke n m a r k t waren Dresdner nur knapp behandlet. Deutsche Anleihen zogen geringfügig an. Dyckerhoff blieben gefragt und plus 4 Prozent. Im weiteren Verlause wurde das Geschäft außerordentlich still, und die Kurse bröckelten etwas ab. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 8 Prozent. Im Devisen- verkehr lag die Reichsmark fest mit 4,1865 gegen Kabel und 20,427 gegen London. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,18, Madrid 28,86. London-Kabel 4,87925. Berlinc. Börse. Berlin, 1. März. Auch heute ging eine feste Grund st immung von Spezialpapieren aus. An erster Stelle lagen Polyphon auf angebliche Auslandkäufe 8,25 Proz. höher. Von einer Beteiligung des Publikums am Geschäft war wieder kaum etwas zu merken. Ungünstige Nachrichten, so über die überall ausbrechenden Lohnkämpfe, Kündigungen und Arbe't r.mtlassun- gen fanden kaum Beachtung. Auch die Annahme der Freigabebill im Repräsentantenhaus wurde nur zur Kenntnis genommen. Für M on» t a n to e r t e stimulierte die Dollaranleihe bei Gelsenkirchen. Die Kurse waren teilweise unverändert, teilweise 1 bis 2 Proz. befestigt. Gewinne bis zu 5 Proz. hatten Schubert & Salzer, Waldhof und Berger zu verzeichnen. Heimische Anleihen unverändert. Ausländer geschäftslos. Pfandbriefe still. Nach den ersten Kursen verhielt sich die Spekulation abwartend. Die Kursgestaltung wurde unsicher. Montan- werte bis 1 Proz. schwächer. Auch Elektrowerte abbröckclnd. Am Geldmarkt ist eine kleine Erleichterung eingetreten. Der Zahltag ist so gut wie überwunden. Im späteren Verlaufe änderte sich wenig, die Tendenz neigte weiter zur Schwäche. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 1. März. Die gesamte Marktlage ist fest, doch ist das Geschäft ruhig. Die Weizenpreise ziehen an, desgleichen die Roggenpreise. Mehl findet nur geringen Absatz. Kleie zur prompten Lieferung ist weiter gesucht. Mais und Hafer sind ebenfalls gefragt und weiter fest. Die übrigen Kraftfutter- mittel haben wenig Nachfrage. Futter- und Nachmehle lustlos. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 25,50; Weizen 3, geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Prozent Feuchtigkeit 22,75 bis 23,25; Roggen 25,25; Sommergerste für Brau- zwecke 29 bis 31,50; Hafer, inländischer 24,50 bis 25; Mais (gelb) für Futterzwecke 23; Mais (gelb) für andere Zwecke 23 70; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 37 bis 37,50; Roggenmehl 34 bis 33,25; Weizenkleie 14,10 bis 14,25; Roggenkleie 15 bis 15,25. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. QU., 1. März. Auf trieb: 95 Rinder, 1195 Kälber, 323 Schafe 407 Schweine. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 72 bis 76 Mk.; mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 71; geringe Kälber 56 bis 64. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mafthämmel (Weide- mast) 51 bis 54; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 50. — Schweine: Vollfleifchige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 57 bis 60; von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 57 bis 59; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 56 bis 59; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 56 bis 57 Mk. — Marktverlauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, ausverlauft; Schweine ruhig, ausverkauft. Vermischtes. Friedhofsschändung. Der jüdische Friedhof in Essinaen (Pfalz) mürbe von zwei jungen Burschen im Alter von 17 bis 19 Jahren verwüstet. 42 Grabsteine wurden umgeworsen und dabei teilweise zerstört. Die Staatsanwaltschaft hat die näheren Ermittelungen ausgenommen. Der Friedhof ist nahezu tausend Jahre alt. Kunst und Wissenschaft. Rainer QHa.ia Rilles Briefe. Vom Insel-Verlag wird uns geschrieben: Nachdem im vergangenen Jahr die „Gesammelten Werke" Rainer Maria Rilkes in der vom Dichter noch bestimmten Gestalt erschienen sind, ist die Zeit gekommen, den Nachlaß Rilkes zu bearbeiten und eine Ausgabe seiner Briefe vorzubereiten. Es entspricht dies auch dem letzten Willen des Dichters, worin er verfügte: „Da ich, von gewissen Jahren ab, einen Teil der Ergiebigkeit meiner Natur gelegentlich in Briese zu leiten pflegte, steht der Veröffentlichung meiner, in Händen der Adressaten etwa erhaltenen Korrespondenzen (falls der Insel- Verlag dergleichen Vorschlägen sollte) nichts im Wege." Zur Förderung dieser Arbeit werden die Besitzer von Briesen und ungedruckten Manuskripten Rainer Maria Rilkes gebeten, diese an die Tochter des Dichters, Frau Dr. Carl Sieber, Garmisch, Oberbayern, O errnühle, zur Ab- schri tnahme einzusenden. Rück endung erfolgt in kürzester Frist. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß jede Veröffentlichung aus der ungedruckten Hinterlas'enfcha t des Dichters der ausdrücklichen Genehmigung dec Rechtsnachfolger bedarf. Singen mit belegter Stimme ist ein Unbing. Sie werben rasch eine flare Stimme haben, wenn Sie einige Pastillen Say'e ©ebener lm munbe zergehen lassen ober in warmer Misch auflöfen unb langsam trinken. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. _______®ie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. 3 anksurt a. M Berlin J anhrurt a. M Berlin F aukfurt a. M Berlin 2^rl>u 29 ^-eor________ (Selb Brief Schluß. Kurs 1-Uhr- Karr Schutz Kurs An'an>> filir Schluß K»rs l'Uhr. fi'TS Sch ufj- fi'irs Ln,ang Kur Schlutz K"rs I 1-Uhr. Kurs ISd) utz- K>r» Ln,ang Kur frro-;,önid)e Roten..... Holländische Noten .... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch.Qesterr-, 2100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Devisenmartt Berlin Telegraphische 15,495 167 98 22 162 111,13 58.85 2.561 112,00 80.425 70,81 12,36 72 90 —Frankfur AuSzah 16,555 168,66 22,242 111,57 59.09 2,581 112.44 80,745 71.09 1 12,42 73,20 Bl Go dvi unkündbar dts 1932 •Wo Nheinnche vuo -Bank Liqu -Go dpi AEG abg BorkrtegS-Lb liQationen. rudAablbar 1932 • "> Schwei; Bundesb.-Anl. 4°/° Oefteretchischc Goldrie Ocftcrr ich Silberne <7o Ctfterrctd) ein ciil Rte •°/o Ungarische Goldrte 4°/,. Ungarische Staattzr d.1910 •*/»’/. desgl von 1913 <% Ungarische Äronenrte . *°l Türk- Soüaulcitje v 191! <°/o Turk Bagdadbabn-Anl Serie I 4°/, deSgl. Serk 11 4° e Rumänen convert Rie •V o Rumänen Goldanl. von 1913 vllg DcunLe Eisenbahn 4’/? Hamburg.Amerila Palet. u Hamb -Südam Tamm sch s Hansa Dampsschiss 6 Norddeutscher lllond 6 Lllg Deutsche Creditanst.. 10 Barm r Bankverein 10 Berliner Handelsgescllsch. 12 Commerz, und Prtoat-Bk. n Darms!, u National!) ank. 12 Deutsche Dank 10 T>> konto-Gelellschaft Lnt 10 Dr. - oncr Bank 10 Äiutcldeutsche Kreditbank 9 pketaUdank........8 tzeichgbank.....to 51,8 14,8 93 96 - 25 24.8 53 16,85 149.9 150,75 146 174 227 164,5 157.5 161 126 197 |®i l | 11(1111111 121 III I 1 T ' K ' A 17-: । 72“? - ” S 3 3 S72 55*" i , . 1 | | i °i | IT2 1 $ - S " 22 2 5 ^52" 2 3" SS ~ "'s* - 52 15 1.4 12.75 150 65 206.75 220.5 151.75 144.75 146 266 174.5 -28,75 165 158 161 197.5 &. s > । । i b । S । । । 8 si i । । § ■ g i 157.75 177 164.75 212.5 120.25 257 156 153,5 188,5 175 ■68 25 154,5 98.9 129.5 140 134.13 184,5 143 1’0,25 143,5 150.25 118 103.5 94.75 102,5 238,5 11'3,5 146.25 104.65 «2,65 168.75 178,5 256 125,5 111 98,75 — w Eia e o> 13 ’s i i i । । ££ । । 's । i । £i । Bbiltvv vot;mann . Dcibcloeracr Lement . s Gement Karlstadt ... 8 .'Yanfi A SVrcitaa . . . 1< SchultdetS Payeudoser. 15 Cftroerfe . . 12 Hier. C.lanjftoff .....15 Bem berg.........8 stellsto ' Daldbof. - . . 12 Jellftorf Aschaft'enbrtra . 10 Ldarlolt nburger Wasser 7 essauer Gas . . 8 Daimler Motoren.....0 Demag ....... Adlenverke Klever. • . . 0 r'ubw «oeice .....1 Rat Automobil.....6 Cnnft in A KovV«! .... < Linke Hotmann .... 0 Leonhard Ticy. . . . . f Bamag- 'beginn ...... 0 Franks M- schlne« .... v friyner ..... 7 k>enligenssaedi ...... 0 ftunabanS ...... f r'echwerke ...... 8 üliamfrafttoette ...... 8 Mtag ......v Rekariulmer . ...... 8 BeterS Union - ...... 8 Gedr Roeder ...... 1' Voigt A Haenner .... 6 Sudd Bilder...... 0 Bau 135.5 138 181 250.5 171 90,5 85 — 25 75 131,25 84,5 115.75 138 93 110 176 131 knoten. $ K § i S 1 1 ■ 1 1 l 1 1 l 1 H 1 1 1 1 i 1 17.1 g 1 1 1 521 1 1 1 y 1 y 1 328 266.25 620 462.5 250,5 169 120.75 168.25 91 62,5 83 251.5 97 136 201,75 25,25 74 5 130 86 137.5 109 179 130,5 329 268.25 619.5 470 254.4 170 121 168 5 93.75 62 85,25 252 96 75 137,13 202,75 137 178 29. Febr- 1. März Ämtlichc (Selb Rott rang Brie- Amtliche v5elb liotierung l Briei Ämn.-Rott Buen^AireS Brss.-Antw Ehristiania Kovendagen Stoddolm . HelsingsorS. (Italien. . . Londo.n. . . 'Reuvdrk . . Boris.... Schwei» . . Sva:ien - Java» . . . Rio de Jan Wien in D - CefL abgeft Prag . Belirad - - Bndavell. Bul arten Lissabon Danzig . Konst, .ntill- Athen. Sanaba Um na© 8*e 168,31 1,790 58.31 111,42 112,09 112,27 10,533 22,15 2U.41 4,1830 16,455 60,54 70,68 1,960 0,504 -8,95 12.40 7,360 73,11 3,022 19,38 81,63 2,100 5,534 4,178 4,276 20.934 168,65 1,794 58,43 111,64 112,31 112,4'1 10,553 22,19 20,15 4,1910 16,495 80,70 71 82 1,964 0.506 69,07 12,42 7,374 73,25 3,028 19,42 81.79 2,104 5,546 4.186 4.284 20 974 168,29 1.789 58,28 111.41 112,09 112,20 10,553 22,145 20,408 4.1830 16,455 80.53 70 73 1.961 0.5035 *8.415 12,397 7,3t 0 73,13 3,022 19,28 81,62 2,094 5,534 4.17! 4,276 20.932 168,63 1.793 58,40 111.63 112,31 112,51 10,553 22,185 20,448 4,1X10 16, .9a 80,69 70.87 1,965 0,50.5 59.07 12,417 7,374 73,27 3,028 19.42 81.78 2,098 5,546 4,182 4,284 20.472 Berlm, 29 ftebr | >velo | ^juei Amerikantsche Roten. . . Belgische Noten ... . Dänische Roten..... Englische Noten .... - | €lb7 58,13 111.78 I 20,377 4,187 58,37 112,22 1 20,457