iber ni*yQ nui ^er. toirEn' ^renc .Um* BaniPimQU[A eifrig ba. ¥ kbniieriaete ®«fe ^kkljch g€[j[. |e[ Ntteä \e® .^aegunn lM°hnlich E'beinig ist U.^.'nuß, °?"dzw^7-Lsttib °l senden ° verheiraten. $r ;.c,elln 1 «einer (Erfind1 mit *mg^Ncn b!" ÄZW ÄÄÄ LS^.K ben ft Oir (eine ^eger *“■ Und wenn Sie £ ' “er weil, üann W »DMMeger fahren nZ Knilch freuen, Mister - ng folgt.) jalltäten immericher '?A-s eingefubrter ^„bungea werben "'5^ "ebenslaus jenen ausfM j^b unt. Cottbuser «nz^^^ * Nr. 176 (Elftes blatt 177. Jahrgang Samstag, 30. Juli (927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. DTonat$»Be3ngsprei$: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. franf&rtamCmXii68s. vnick und Verlag: vnihl'sche Universitäts-Buch- und Lteindruckerei K Lanze in Liehen. Schriflleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klamean->eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Deutsche wirtschastsaussichten. Dicht ungünstig Im Vergleich zu den Vorjahren scheint das Bild der deutschen Wirtschaft um die Jahresmitte 1927 zu sein. Mit Erleichterung sieht man, rote die Arbeitslosen - Ziffern von beinahe 2 Millionen am 1. Februar 1927 auf rund 0,75 Millionen zurückgegangen sind. Die Produktion aller Wirtschaftszweige zeigt für die erste Jahreshälfte steigende Zahlen; im Bergbau wird die Vorkriegs-Förderung sowohl absolut wie im arbeitstäglichen Durchschnitt nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen, ungeachtet der starken Vermehrung der Braunkohlen-Förderung. Auch die Eisen- und Stahl-Industrie weist Re- kord-Zisfern aus. Die Güter-Zirkulation und der Verbrauch haben zugenommen, wie sich an ver- schiedenen Zahlenreihen zeigt. Allerdings ist mit der allgemeinen Konjunktur- Kurve auch die der Preise nach oben gerichtet gewesen. Die gesamte Großhandels-Indexziffer, die im Jahresdurchschnitt 1926 134,4 betragen hatte, erhöhte sich bis zum Juni 1927 auf 137,9, während der Lebenshaltungskosten-Index von 144.3 im Dez. 1926 auf 147.7 im Juni hinaufging. In etwas stärkerem Maße stiegen die Löhne, so daß der Durchschnittswochenlohn eines gelernten Arbeiters im Juni 49,15 Mark (139,1 Prozent von 1913), der eines ungelernten Arbeiters 36,65 Mark (155,9 Prozent von 1913) erreichte. Die Belebung der Wirtschaft und ihre daraus resultierenden höheren Kreditansprüche läßt die Gestaltung des Geldmarktes, dessen Lage im Vorjahr durch eine außerordentliche Geldflüssigkeit gekennzeichnet war, erkennen. Im Laufe des Jahres 1927 trat eine völlige Umkehrung dieser Lage ein, wie die Steigerung der Zinssätze zeigt. Besonders syinptomatisch hierfür ist die E r h ö h u n g des Deichsbank-Diskontes, der am 11. Januar auf 5 Prozent gesenkt worden war, aus wieder 6 Prozent am 10. Juni. Veranlassung hierzu gab die Veränderung in den Kapitalanlagen der Deichsbank. Ihr Wechselbestand erreichte trotz Abnahme der Valutawechsel am 30. Juni beinahe zweieinhalb Milliarden Mark gegen 1,8 Milliarden am 31. Dezember 1926, während der Doten-Umlauf auf über 3,8 Milliarden Mark gestiegen war, so daß sich wegen gleichze.tiger leichter Verminderung des Gold-, aber sehr starker des Deckungs-Devisenbestandes das Deckungsverhältnis für die umlaufenden Doten, für Gold und Devisen zusammen, von 62,9 Prozent auf 49 Proz. verschlechterete. Bei Berücksichtigung der Rentenbankscheine ergibt sich für die Jahresmitte sogar nur eine Deckung des gesamten Dotenumlaufes von 38,7 Prozent gegen 48 Prvz. 1926. Entscheidend für die Entwicklung war die Gestaltung des Außenhandels, die nur auf der einen Seite, nämlich in bezug auf die Einfuhr, der allgemeinen Konjunktur gefolgt ist, während die Ausfuhr stagniert bzw. sogar einen Rückgang aufweist, nämlich von 815,2 Mill. Mark im Monatsdurchschnitt 1926 auf 796 Mill. Mark im ersten Halbjahr 1927. Insbesondere ist bei dem wichtigsten Exportposten, den Fertigwaren, bei welchen sich im Vorjahre eine günstige Entwicklung anzubahnen schien, kaum eine Veränderung festzustellen. 3m Monats-Durchschnitt 1926 hatte die Ausfuhr hieran 580,4 Mill. Mark betragen; im ersten Halbjahr 1927 waren es 580,5 Mill. Mark, d. h. genau soviel wie die Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren in dem glei-° chen Zeitraum ausmachte, die 1926 monatsdurchschnittlich nur 412,3 Mill. Mark erreicht hatte, 1927 also um mehr als 40 Prozent gestiegen ist. Dagegen bleibt die Ausfuhr der Rohstoffe und Halbfabrikate mit 184 Mill. Mark im Durchschnitt hinter dem Vorjahre mit 194,3 Mill. Mark zurück. Auch bei den Lebensmitteln weist die Einfuhr mit einem Monats-Durchschnitt von 346 Mill. Mark gegenüber dem Vorjahre mit 297,6 Mill. Mark eine stattliche Erhöhung auf. Auf der ganzen Linie sehen wir also bei der Einfuhr steigende Zahlen, bei der Ausfuhr sinkende, so daß sich für das erste Halbjahr 1927 ein Einfuhrüberschuß von beinahe 2 Milliarden Mark ergibt, der selbst unter Zugrundelung berichtigter Zahlen des Statistischen Reichsamtes auf eindreiviertel Milliarden Mark veranschlagt werden kann und damit durchschnittlich größer ist als die Passiv-Salden unseres Außenhandels in den Jahren 1924 und 1925. Diese ungünstige Außenhandelsbilanz bildet die Schattenseite der sonst in fo vieler Beziehung relativ günstig anmutenden Lage der deutschen Wirtschaft. An' sich würde eine passive Handelsbilanz noch nicht allzuviel besagen, wenn nur die Zahlungsbilanz aktiv sein würde, wie sie es vor dem Kriege für Deutschland war. Heute können wir unseren Einfuhrbedarf nicht mehr aus den Erträgnissen unserer Ausland-Anlagen finanzieren, sondern sind auf andere Quellen angewiesen, wie sie uns im Vorjahre nicht nur durch den kleinen Ausfuhr-U eberschuß, sondern vor allem durch Auslandkredite in so großem Umfange zur Verfügung standen, daß die Reichsbank ihren Goldbestand und ihr Devisenpolster erheblich verstärken konnte. Die Umkehrung der Handelsbilanz hat jedoch im Jahre 1927 eine entgegengesetzte Entwicklung herbeige- führt, so daß die Reichsbank im 1. Halbjahr einen Gesamtverlust von Gold und Devisen von rund 900 Mill. Mk. zu verzeichnen haben durfte. Zur Bezahlung des Restes der überschüssigen Einfuhr mußten andere Mittel dienen, vor altem wieder Auslandkredite, die, nach anfänglicher Stagnation in den ersten Monaten, neuerdings wieder in größerem Umfange herbeizuströmen scheinen. Allerdings bestehen gegen eine unbegrenzte Kapital-Hergabe des Auslandes verschiedene D e- viechundM-Zahrseier der lilarburger Universität. Der erste Festtag. Sonderbericht des „Gießener Anzeigers". sch. Marburg, 29. Juli. Endlich ist sie angebrochen, die Vierhundertjahrfeier, das mit Sehnsucht erwartete, das mit ungeheuren Kosten vorbereitete Fest. Die Sonne lacht vom blauen Himmel herunter und freut sich des bunten Getümmels in den von Flaggen und Wimpeln wogenden, mit Girlanden und Blumenschmuck überladenen Straßen, in die sich aus den ständig einlaufenden Zügen flutende Mengen festlicher Besucher ergießen, die widerhallen von Tritten Unzähliger, widerhallen von dumpfem Paukenschlag, schmetterndem Trompetenton und hellem Hörnerklang. Um 16 Uhr versammelten sich die F e st - teilnehmer aus dem Stadion, wo sportliche Veranstaltungen von der Studentenschaft geboten wurden. Schätzungsweise hatten sich 2000 Gäste eingefunden. Pünktlich begannen die 250 Studenten und 80 Studentinnen mit einem Umzug im Laufschritt um das Stadion. Dann folgten über den ganzen Platz verteilt eine Reihe von Einzett arbietungen, die einen Einblick in die Fülle studentischer Leibesübungen gewährten. Den Höhepunkt und den Abschluß bildete die 10- mal-100-m°Staffel, ousgesührt von der ersten und zweiten Mannschaft des Akademischen Turnverbandes, der kombinierten Mannschaft der Turnerschaften und Burschenschaften, des Stö« Jener Verbandes. Die erste Mannschaft des Akademischen Tumverbandes ging mit l,56'/s Sek. als Sieger, die kombinierte Mannschaft mit 1,59,9 Sek. als zweiter Sieger hervor. Das Ehrendenkmal für die Gefallenen. Im Anschluß an die sportlichen Veranstaltungen sand die Enthüllung des Ehrenmals für die 587 im Weltkriege gefallenen Dozenten und Studenten der Marburger P h i l i p p su n i ve r s i tä t statt, zu der nur die Studenten, die Angehörigen der gefallenen Studenten und die Ehrengäste zugelassen waren; doch in unübersehbarer Menge flauten sich die übrigen Gäste unb die Marburger Bürgerschaft in den vom Rudolphsplatz achzweigenden Straßen. Mit klingendem Spiel nahm eine Abteilung des hiesigen Reichswehr- bataillvns und die Studentenschaft vor dem Denkmal Aufstellung. Die Militärkapelle nahm auf der Freitreppe der Universität Platz. Unter den Klängen des Händelschen Trauermarsches zogen die Dozenten der Universität unter Führung seiner Magnifizenz, des derzeitigen Rektors der Universität, Geheimrat Pros. Dr. Busch, sowie die Chargierten der studentischen Korporationen in vollem Wichs mit eingerollten Fahnen auf. In der Luft herrschte Gewitterstimmung, drückende Schwüle legte sich auf den Denkmalsplah. Die Sonne hatte sich wie trauernd hinter einer finsteren Wolkenwand verborgen. Das tiefe und doch so beredte Schweigen brach der Sprecher der Studentenschaft, stud. jur. Otto Stallmann, der das Rednerpult betreten hatte: „Eine feierlichem st eStunde ist es, zu der wir zu Beginn der 400jährigen Jubelfeier unserer alma mater philippina vereint sind, um der Marburger Studenten und Dozenten zu gedenken, die im Weltkriege ihr Leben geopfert haben für die Ehre und Freiheit des deutschen Vaterlandes getreu dem alten Römerspruch: dulce et decorum est, pro patria mori. In furchtbarem Kampf brach die deutsche Front vor der Uebermacht der Feinde zusammen. Einem grausamen Kriege folgten Irrungen und Wirren, und fast vernichtet lag Deutschland am Boden. Doch allmählich kam das Besinnen auf die deutsche Verantwortung zurück und heute sind alle Kräfte darauf gerichtet, ein neues starkes Deutschland zu schaffen. In diesem rastlosen Streben wollen und öürfen wir nicht vergessen, daß wir denen Dank schulden, die im großen Völkerringen für uns gestorben sind. Zu diesem Zwecke ist dieses hehre Denkmal errichtet mit dem Standbild des Löwen, als Symbol deutschen Stolzes unb deutscher Kraft, beim für uns sind fie gestorben. Wenn es überhaupt einen Sinn In der Weltgeschichte gibt, dann können die Opfer nicht umsonst gebracht fein. Uns aber liegt die Pflicht ob, für das zu leben, wofür sie starben: für des Deutschen Vaterlandes Ehre und Freiheit. In diesem Sinne soll das Denkmal geweiht sein, als ein Zeichen unvergänglichen Dankes und zugleich als eine dauernde Mahnun g." Der Vorsitzende des Denkmalsausschusses, Prof. Dr. Erich Jung übergab das Denkmal dem Oberbürgermeister ter Stadt Marburg mit folgenden Worten: „587 Gefallene ist eine erschütternd hohe Z a h l. Dieses Denkmal, unmittelbar vor der Universität, soll im Geben und Verkehr stehen und die Lebenden immer an den Opfer tob der 587 gefallenen Marburger Studenten erinnern. Danach wurde unter dem gemeinsamen Gesang „Ick) hatt einen Kameraden" das Denkmal enthüllt. U. a. wurden Kränze ntebcrgelegt von Kultusminister Dr. Becker. Reichsminister H e r g t, Oberpräsident Dr. Schwander, General Reinhardt und Generaloberst v. S ch u - b e r t. Draus übernahm Oberbürgermeister Müller, mit dem Gelöbnis, daß die Marburger Bürger in Erinnerung an die Toten ihre Pflicht dem Vaterland gegenüber jederzeit erfüllen werden, das Denkmal in ben Schuh der Stadt Marburg. Rach einem Schlußwort des Rektors der Universität, Geheimrat Pros. Dr. Busch, und dem gemeinsamen Gesang „Ich hab mich ergeben", fand die stimmungsvolle Feier ihren Abschluß. Ein Begrüßungsabend. Im Anschluß an die Enthüllung des Gefallendenkmals fand bann vor geladenen Gästen die Einweihung der zum Jubiläum gestifteten Wohnheime, des Carl- Dulsberg-Hauses und des For st Hofes statt. Am Abend versammelten sich die Festteil* nehmer zu einem Begrüß ungsabend ;n der großen Festhalle auf dem Käiirpfrasen. während die Studentenschaft am Bahnhof zu einem Fackelzug antrat, der sich unter Vorantr tt der Chargierten durch die Straßen der Stadt zur Festwiese bewegte. Die Stadt glich am Abend einem Flammenmeer. Sämtliche Häuser waren überreich illuminiert; die gesamte Dürgerchaft brachte so in beredter Weise ihr i n n i g e s V e r - bundenseinmit der Philippsunivcr- s i t ä t zum Ausdruck. So endete der erste Tag der Jubelseier, die am Sonntag ihren Höhepunkt erreichen dürste mit dem historischen Festzug und dem Volksfest auf dem Schloß. Rektor und Kurator der Philipjüna Ehrenbürger von Marburg. II Marburg, 29. Juli. Aus Anlaß des 400= jährigen Universitätsjubiläums ernannte die Stadt Marburg den Kurator der Philipps- Universität, Herrn Geh. Oberregierungsrat Dr. jur. Dr. med. h. c. Ernst v. Hülsen, sowie deren Rektor, Geh. Reg.-Rat Pros. Dr. Wilhelm Busch, zu Ehrenbürgern der Stadt Marburg. Die Wahrheit über Orchies Die deutschen Dokumente über die Greueitaten Berlin. 30. Juli. (WB.) Das urkund- siche Material über die Vorgänge in Orchies im September 1914. auf das sich die vorgestrige Wolffmelbung zur Widerlegung der Re de Poincares vom letzten Sonntag stützte, wirb in ben heutigen Morgenblättern teilweise in vollem Wortlaut veröffentlicht. Es handelt sich um fünf Urkunden, die die deutsche Darstellung durch zahlreiche erschütternde Einzelheiten ergänzen und im Gegensatz zu ben gestern von Havas verbreiteten Schriftstücken eine lückenlose Darstellung ber Vorgänge geben, die schließlich zur Zerstörung von Orchies führten. Bei dem ersten Dokument handelt es sich um einen Auszug aus dem dienstlichen Bericht des Freiherrn von Slolftngen, Führers der bei den Vorgängen beteiligten Abteilung der Freiwilligen Krankenpflege, vom 26. September 1914. Nach diesem Bericht erhielt die Kolonne, zu der die Abteilung des Berichterstatters gehörte, am 23. September ungefähr einen Kilometer von Orchies entfernt plötzlich Feuer. Der Führer der Kolonne, Oberstabsarzt Morgenrot, gab darauf Befehl, umzukehren. Zur Deckung des Rückzuges nahmen mit Karabiner beroaffnte militärische Transportmannschaften und Ehausfeure das Feuer auf. In dem Bericht wird ausdrücklich feftgefteUt, daß die Sanitäter nur mit Seitengewehren bewaffnet waren. Die Angreifer, teils uniformierte Franzosen, teils Franktireurs, feien zahlreich gewesen. Von sieben Krankentransportautos feien vier zurückgekommen; bei der Rückkehr hätten sieben Sanitäter und der Oberarzt Lichtenberger, der zweite Führer der Kolonne, gefehlt. Die am 24. September nach Orchies entsandte Kompagnie des 35. Landwehrregiments habe nichts ermitteln können, da sie an der Ueberfallstelle auf ft a r k e feindliche Abteilungen gestoßen fei und schwere Verluste erlitten habe. Am 25. September fei dann das bayerische Festungs-Pionier-Bataillon Ingolstadt nach Orchies entsandt worden. Der Berichterstatter, der sich dem Bataillon angeschlossen hatte, stellte fest, daß die sorgfältigsten Absuchungen der Umgegend nach den Vermißten und ihrer Ausrüstung o ö 11 i 0 ergebnislos blieben. Auch von Gräbern habe pian keine Spur gefunden. Nachfragen bei Einwohnern von Orchies und einem dort in Orchies. gefundenen deutschen Verwundeten vom 24. September feien ergebnislos geblieben. Auch von den drei fehlenden Autos sei keine Spur zu entdecken gewesen. Das zweite Dokument enthält in wöttlicher lieber» setzung den Bericht des ftanzösischen Krankenpflegers und Geistlichen 3. Laudon vom 26. September 1914. Caudon stellt einleitend fest, daß er die volle Wahrheit sage und gibt dann eine eingehende Schilderung feiner Erlebnisse. Danach sei dem Komitee vom Roten Kreuz in Lille am 25. September gemeldet worden, bah in Orchies infolge des Kampfes vom Tage zuvor hilflose Ver- wunbete unb auf ben Felbern vielleicht noch unbegrabene Toten seien, und daß die Verwundeten mit Rahrung versehen werden müßten. Er habe sich darauf mit Kameraden unter Mitnahme von Lebensmitteln unb ärztlichem Tedarf aus den Weg gemacht. An der Eisenbahnlinie habe man drei Leichen gefunden An ihnen habe er zum ersten Male mit Bedauern die törichten zwecklosen Grausamkeiten fest- gestellt, die an ben Toten zu bemerken waren. Die Unglücklichen seien ganz ausgeraubt worben, sogar bie Strümpfe habe man ihnen genommen. Die Papiere unb Erkennungsmarken habe bie städtische Behörde morgens an fid) genommen; sie habe auch angeordnet mit der Beerdigung ber Toten zu beginnen. Caudon schildert dann das Einrücken ber deutschen Truppen. Er stellt weiter fest, daß der Kommandant befohlen habe, beim Abbrennen der Stabt zur Strafe für die begangenen Verbrechen die Kirche zu schonen. Später sei er vor ben Kommandanten gekommen, ber ihm seine 6 m» pörung über bie begangenen Ge - toalttaten aussprach unb ihm abgeschnittene Finger, zerstörte und ausgerissene Augen zeigte. Er — Caudon — habe dem Kommandanten sein Bedauern ausgesprochen. Caudon erklärt bann wörtlich weiter: ..Wem sind diese Toten zuzusä, reiben? Dreierlei kann ich mit Bestimmtheit sagen: 1. Unter unseren Truppen waren T u r k o s, und man weiß, wieviele Mühe es unseren Offizieren oft macht, diese afrikanischen Truppen von Unmenschlichkeiten und Unvorsichtigkeiten abzu- denken währungspolitischer und auch anberer Art. in ben Vorjahren konnte sie gerechtfertigt werden mit der Rotwendigkeit, ber deutschen Wirtschaft Betriebskapital zur Verfügung zu stellen unb bie Rohstoff-Dorräte aufzufMen. Das ist im großen Umfange geschehen. Sowohl in Form von Gold und Devisen als auch gleichzeitig unb später noch mehr in Gestalt einer; Waren-Einfuhr vollzog sich die ilebertragung der Deutschland eingeräumten Kredite, bie notwen- big zu ber starken Passivität ber Handelsbilanz der Jahre 1924 unb 1925 führen mußte. Wenn damals schon Bedenken gegen diesen reichlichen Kapitalstrom auftauchten, so konnte auf die erwähnten wirtschaftlichen Rotwendigkeiten hingewiesen werden, sowie darauf, daß die deutsche Wirtschaft durch bie Ermöglichung von Rationalisierungs-Maßnahmen unb Produktivitäts- Verbesserungen in den Stand gesetzt werde, in größerem Ausmaße zu exportieren und durch bie hierbei erzielten Ueberschüsse sowohl die Auslandschuld zu amortisieren, wie auch den Deutschland auferlegten Reparationsverpflichtungen zu genügen. Die hieraus gesetzten Hoffnungen haben sich jedoch bisher als trügerifd) erwiesen. Wie oben dar gelegt, stagniert die deutsche Waren-Ausfuhr, nach einem bescheidenen Aufschwung im Jahre 1926, völlig, während die Einsuhr, nach einem Rückgang zu Anfang 1926, immer noch recht hohe Ziffern und bisher in diesem Jahre eine steigende Tendenz zeigt. Sowohl unser dauernd starker Einfuhrbedarf an Lebensmitteln und Rohstoffen wie bie Verzinsung unb Amortisierung ber Auslandschulb unb bte Reparationszahlungen erheischen aber bringend eine Exportsteigerung. Letzten Endes wird hiervon auch bie Krebit- bereitschast des Auslandes abhängig fein. Cs ist ein Beweis für die hohe Einschätzung von Deutschlands Leistungsfähigkeit, daß ihm bisher vom Auslande in derartig großem Umfange Kredite zur Verfügung gestellt worden sind. Dennoch muß im Hinblick auf die schon bestehende Verschuldung unb bie kommende Erhöhung der Reparationsverpflichtungen immerhin mit ber Möglichkeit eines Rachlassens ber auslänbischen Kre- ditbereitschaft gerechnet werben, aber auch damit, daß andere Gründe zu einer Einschränkung des Kapital-Zuflusses aus dem Auslande nötigen, dessen Ventile soeben erst wieder geöffnet iv • r- den sind. Unter diesen Umständen, wegen der Abhängigkeit von zuviel unbekannten Faktoren, u. a. auch dem Ernteausfall, ist eine Konjunktur-Prognose kaum möglich. Das Kredit- Vermögen und die Kreditwilligkeit des Auslan- - des werden wesentlich für weitere Entwicklung bestimmend sein, entscheidend aber die Art, in welcher wir selbst die und zur Verfügung stehenden Kapitalien verwenden unb unseren Export heben. Erst in weiterer Folge kann sich zeigen, ob der Konjunktur-Zyklus, ber nach den letzt- jährigen Erfahrungen erheblich kurzfristiger als vor dem Kriege geworden zu sein fdjeint, wo die Konjunktur durch Jahre hindurch breit an* stieg, sich wieder den aus Friedenszeiten gewohnten Verhältnissen annähert ober ob wis auch fernerhin noch aus Gründen mangelndes Elastizität unseres Kapitalmarktes mit kurzwelligen Konjunkturperioden zu rechnen haben. wachungskörperschaften eine Besatzung auf' rs o> und daß ein Zwang auch zu einem unbrauchbaren lieber die eingegangenen Zeichnungen wird im Gießener Anzeiger quittiert fach ® r< presscdi' fessvr J (affen; Diener < Sage, Mt sammei unb Orbr innert) geschlo schuhvr unterb für die nicht M von Air sein den vorstehende von Hindenburg eigenhändig geschriebene Zeilen hat der Reichs- prästdenc der Geschäftsstelle der Hindenburgspende als seinen Ginnspruch für die Hindenburgspende zugehen lassen. Auch diese Worte kennzeichnen wieder den ganzen Mann Hindenburg, der nichts anderes denkt und will als das Wohl des deutschen Volkes. — Die Annahme für die Hindenburgspende bei der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, Schulstraße 7, eröffnen wir hiermit. im *8 Tic Ge» Dre Ehrenpflicht des deutschen Volkes. Ein Sinnspruch Hindenburgs zur Hindenburgspende. Das Leningrader Sowjets gedäude in die Lust geflogen. Paris, 29. Juli. Aus ZHoslau wird indirekt gemeldet: Der Sowjetregierung ist es bisher gelungen. geheimzuhalten, baß die Mitglieder des Sowjets von Leningrad Opfer eines Attentats geworden find. Rach den umlaufenden Gerüchten wurde das Regierungsgebäude in Leningrad, in welchem gerade eine bedeutsame Sitzung hervorragender volschewistenführer slatlsand. recht zu erhalten. Man wird also gespannt dürfen auf die englischen Kommentare, die Wi hielt he -unächst Äs in das Red baä 6t meint) Ehristlich Lärm eii Lärm vc schal eri tourt daß toerbe n errichtet, ihn der ( gehindert ner betör nachdem Zweck Gemeind lich-svzia und lern meister u Am Schl übet die unter Minvl Aeuherungen Locker Lampsons ihre Deutung in dieser Beziehung erst geben können. Willen beider Parteien zustande gekommen ist, ein« vollständige Veränderung eines vorangegangenen Vertrages herbeigeführt wird, so gilt selbstverständlich dieser vorangegangene nicht neben dem neuen Vertrag, sondern ist durch ihn ersetzt. Dieser neue Vertrag sieht aber niemals und nirgendwo eine Garantie durch Besatzung vor, sondern macht jede andere Art von Garantie dadurch überflüssig und unzulässig, daß er seine eigenen Garantien ganz genau umschreibt und unter die ständig« Kontrolle und Verantwortung eines besonderen, eigens hierfür geschaffenen internationalen Organismus stellt. Deutschland würde niemals den Vertrag unterzeichnet haben, wenn er auch nur im entferntesten die Möglichkeit enthielte, für sein« jahrz«hntelange Lauszeit neben allen Abtretungen, Sicherheitsleistungen und Lieber- Par manitL' bmigen ( Mlten ld)led)t weiger fallen, ui 5 Piopie haben. _ chard m ^umaniic vamilienvl Ihr Verhalten — erinnert sei nur an das gewaltsame Eindringen in ein städtisches Bad — läßt jedenfalls diese Vermutung aufkommen. Aber auch in der R e - aierungsko in Mission, die von den Franzosen völlig beherrscht wird, scheint ein neuer Kurs eingeschlagen worden zu fein, ein Kure allerdings, der sich nur in neuen Peinigungen und Quälereien der Bevölkerung äußert. So ist angeordnet worden, daß die saarländischen Polizisten den Offizieren des Bahnschutzes Ehrenbezeugungen zu erweisen haben. Das wahrscheinlich nur deswegen, um den Saarländern eindringlich zu Oemüte zu führen, wer di« Macht übernommen hat. Nock schlimmer aber ist eine Verfügung der Regierungskommission, wonach den Bahnschutzleuten das Recht der Exterritorialität zuerkannt wird. Damit ist jeder Gewalttätigkeit Tür und Tor geöffnet, ist es doch unmöglich, gerichtlich gegen Mitglieder des Bahnschutzes vorzugehen. Ja, die Exterritorialität ist sogar auf alle fremden Soldaten im Saargebiet ausgedehnt worden. Da ununterbrochen die Grenze von französischen Militärpersonen überschritten wird, und die Gefahr besteht,daß es zu Zwischenfällen kommt, ist die saarländische Bevölkerung ein- etwas als dah der Abänderung ausgegeben vertragliche ,:u5 'Woc, 'ländnis siehe- sah de^ lich" vreutzen aber nid) sondern' und wei als zwe>' weite ru Hiera den Vsipreuv des Rei Dankbar iteidjsp' Dftma ■riwut - loschen tijfi siw sei ixm rückwärts erschossen worden, habe aber auf dem Bücken gelegen; sein« Rasenlöcher seien mit Sägespähnen vollgepfropft ge- Wesen. Vach weiterem Absuchen des großen Feldes habe man noch 20 Solldaten gefunden. Gin Mann, der eine Schuhverletzung am rechten Ohr hatte, habe Zeichen barbarischer Mißhandlung aufgewiesen. Das linke Ohr sei glatt abgeschnitten gewesen. Das Gesicht habe blaurot ausgesehen, eine Folge des Erstickungstodes, an dem der Mann zugrunde gegangen war. Mund, Vase und Augen seien mit Sägespähnen vollgepfrovft gewesen. Am Hals seien Würgemahle zu sehen gewesen. Einem Dizeseldwebel sei das Schädeldach zertrümmert worden. Mn anderer haben an der linken Schläfe eine Stichwunde gezeigt, die nicht Xi ® Jl* tödlich gewirkt haben konnte. Der Goldfinger sei diesem Mann glatt am Knöchel abgefchnitten v r unerfüllt beanstandet werden, Dawesvertrag nicht als ein« der Veparationsverpflichtungen würde. Denn wenn durch ein« Vereinbarung, die frei und m i t halten. Di« Leichen lagen einzeln; die Aufsicht durch die Offiziere war also schwierig. 2. Die Bevölkerung von Orchies hatte ich aus dem Dorfe völlig zurückgezogen und der Tag xxroot scheint also keine Voll« in oer Angelegenheit gespielt zu haben. 3. Soviel ich weiß — es ist mir gesagt worden — haben Landstreicher, die «s ja leider überall gibt, heute früh die Leichen bestohlen." Am Schlüsse seines Berichts schreibt Caudon wörtlich: Auf Wunsch des Herrn Kommandanten füge ich folgendes hinzu: Ich habe etwa 20 Soldaten gesehen, die so verstümmelt waren — ich habe Gesichter gesehen, die mit Instrumenten zerfetzt waren, di« keine Kriegswaffen find. — Bei dem dritten Dokument handelt es sich um die Niederschrift de» französischen Pfarrers Louis Ducroquet aus Flines les VacheS. Er stellt darin fest, daß die Leichname deutscher Soldaten, die er am 25. September in Orchies gesehen habe, Spuren zahlreicher grausamer Verletzu ngen trugen. Es sei möglich, daß gewisse Verletzungen das Ergebnis eines heftigen Äahkampfes gewesen seien. Gr habe eine sehr verstümmelte Hand gesehen. 3m Munde eines Toten habe er weißlichen Pflock gesehen, der vielleicht S ä g e m e h l gewesen sei. Weiter habe er einen Schädel gesehen, der oben eingeschlagen war. — das vierte Dokument enthält den Dienstbericht der beiden Aerzte Jlcumann und vr. Grünfelder vom 26. September 1914. 3n diesem Bericht wird festgestellt, daß bei durch die Explosion einer Tfiint vollkommen zerstört. Man spricht von 100 Toten. Es ist zur Zeit unmöglich, sich nach Leningrad zu begeben. Tagen der Reichsverbands der deutschen Industrie. Königsberg, 29. 3uIL (Tel.) Auf ihrer Ostpreußenreise trafen gestern nachmittag die Präsidial-undVorstandsmitglieder des Veichsverbandes der Deutschen Industrie in Königsberg ein. Bei der Hafenbesichttaung sprach Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer über die in Angriff genommenen Erweiterungsbauten des Hafens. Auf dem Begrüßungsabeick) in der Stadt- Halle wies der Oberbürgermeister in einer Rede auf die wirtschaftliche Eigenart Ostpreußens hin. Die Landwirtschaft beeinflusse in stärkstem Maß« die Ostpreußische Wirtschaft. Die geringe Indu- ftrieentwicklung histg« vor allem mit dem Kapitalmangel Ostpreußens zusammen. Für den Reichsverband der Deutschen Industrie dankte Kommerzienrat Frohwein für die gute Aufnahme in Ostpreußen. Präsidium und Vorstand traten dann unter dem Vorsitz ihres stellvertretenden Vorsitzenden Frohwein zu einer Sitzung zusammen. Vach einer Veihe geschäftlicher Mitteilungen begannen die sachlichen Beratungen mit einem Bericht des Oberregierungsrates Ada - metz über „Arbeiten und Ziele des Veichsverbandes auf dem Gebiete der Verwaltungs- Vereinfachung". Don der Tatsache ausgehend, daß die Gesamtausgaben von Veich, Ländern und Gemeinden seit 1924 dauernd gestiegen sind, und in Kürze weit über 13 Milliarden gegenüber 4,3 Milliarden im Jahre 1913 ausmachen werden, gab der Redner einen ilcber* blick über die gegenwärtigen Verhältnisse in der Verwaltung von Veich, Ländern und Gemeinden. Anschließend daran entwickelte er Weg und Ziele einer Verwaltungsreform, wobei er zu dem Ergebnis kam, daß die für die Wirtschaft und das ganze Volk unerträglichen öffentlichen Lasten nur ermäßigt werden könnten, wenn zunächst eine Einschränkung der Gesetzgebungstätigkeit auch auf sozialpolitischem Gebiete, auf dem die Ausgaben sich von 1,4 Milliarden auf rund 4,7 Milliarden seit dem Kriege 1913 erhöht hätten, erfolge. Es muffe eine Zusammenfassung der ft a a t (i d) e n Ausgaben in der Mittel- und Lokalinstanz neben besserer Abgrenzung der Verwaltungsbezirk« und eine Übertragung von Staatsausgaben auf untergeordnete Instanzen und die Selbstoerwaltungskörper durchgeführt werden. Neue reichseigene Behörden dürften nur dort geschaffen werden, wo die entsprechenden Lanbesbehör- den abgebaut würden. Der Nachdruck sei aber auf den Abbau staatlicher Ausgaben zu legen. Vorschläge hierzu würden den Inhalt einer besonderen Denkschrift bilden, in der auch der Stand der Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich, Ländern und Gemeinden behandelt werden solle. Im Anschluß hieran sprach das geschäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbandes, Geheimrat Kastl, über das Verhältnis des Reichs zu den Ländern. Der Redner ging davon aus, daß eine in jeder Beziehung notwendige Verfassungsreform von d«m Gesamtwillen der Nation getragen fein müsse und daß ein Zwang auch in finanzpolitischer Art nur SU einem unbrauchbaren Ergebnis führen könne. Der versassungsreform vorausgehen mühten die Finanzreform (Reichsrahmenregelung), die Verwaltungsresorm und die Regelung des Finanzausgleiches, um auf diesem Wege zu einem organischen Ausbau zu gelangen. Schon heute mühte sich die Wirtschaft aber über das Ziel Kar werden. Erhaltung der kultur- polittschen Mgenart der mittleren und größeren Lchider und Ablehnung des Weges über ein Grvß-Preuhen. der nur zur Wiederaus- frischung der Mainlinie führen könne, seien nach Meinung deS Vortragenden die Erfordernisse bei der Neugestaltung des Reiches. 3n der Diskussion ergriff zunächst der Syndikus der 3ndustrie- und Handelskammer Duisburg, Dr. M v st, M. d. R., das Wort, der daraus hin- wie«, dah die Finanzreform von der Wirtschaft in erster ßmie nach ihrem leisten wirtschaftlichen Erfolg beurteilt werden müsse. Der Redner warnte vor einer weiteren Herabsetzung der Frei- Grenze bei der Einkommensteuer, ebenso wie vor einer Aenderung der Freigrenze bei den Gewerbesteuern. Dl« Durchführung einer Verwal- tungsvesorm ohne vorherige Aenderung gewisser Verfassungsbestimmungen hält er für unmöglich. Das an sich notwendige Zuschlagsrecht der Gemeinden zur Einkommensteuer müsse unbedingt mit der Heranziehung der steuerfreien Einkommenteile verbunden sein. Die Frage der Umgestaltung des Reiches ist dem Redner eine der bedeutsamsten, sie müsse aber unbedingt entpolitisiert werden. 3n der außerordentlich angeregten Diskussion ergriffen ferner die Industriellen Bücher, Thyssen, Silverberg und andere das Wort. Verschiedentlich wurde mit Vachdruck und Ernst auf die Aeuherungen des Reparationsagenten in seinem letzten Bericht hingewiesen. Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hatten beute die Vertreter der ost preußischen Behörden und der Wirtschaft nach Beendigung ihrer Beratungen zu einem Frühstück in den „Berliner Hof" geladen. Kommerzienrat Dusch begrüßte die Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden sowie die der ostpreußischen Industrie und Landwirtschast. Er wies u. a. darauf hin, daß Industrie und Landwirtschaft auf Gedeih und verderb mit einander verbunden seien. Zvxck der Königsberger Tagung sei es gewesen, die gegenseitigen Beziehungen enger 3u knüpfen. Das Wort des Königsberger Philosophen Kant müßte in der Gegenwart so befolgt Werdern daß jeder vor allen Dingen seine Pflicht am Vaterland« erfülle. Im all- gemeinen könne man Wohl sagen, daß die Verhältnisse gegenwärtig stärker seien als die Menschen, die uns regieren und die uns in den vergangenen Iahren regiert haben. Man dürse aber die Hoffnung nicht verlieren, daß auch wieder einmal ein Mann kommen werde, der die Verhältnisse zu meistern versteh«; denn noch immer mühten wirtschaftlich« Schwierigkeiten durchdie Fähigkeiten von Einzel- persönlichkeiten überwunden werden. Man dürfe deshalb das Vertrauen auf die Zukunft nicht verlieren. Es werde auch wieder einmal die Zeit kommen, dah die Provinz Ostpreußen ohne Korridor und Trennung zu einem freien Deutschland gehören werde. Namens der Gäste dankte Ober Präsident Siehr dem Reichsverband dafür, daß er feine Sitzung noch Sondersitzung des britischen Kabinetts. Schlechte Nachrichten aus Genf. London, 30. Juli. (MTV. Funkspruch.) Gan; unerwartet ist gestern abend das englische Kabinett zu einer Sitzung zusammengctreten. Die von London abwesenden Minister wurden durch Kuriere zu dieser Sonderbesprechung geladen. Den Anlaß zu der Zusammenkunft des Kabinetts bildeten ernste Depeschen aus Genf an Chamberlain. Ihr Inhalt wurde nicht bekanntgegeben, aber es verlautet, dah die britischen Delegierten bei ihrer Ankunft in Genf fanden, dah die Atmosphäre sich nicht gebessert hat. Die Aufnahme der britischen Vorschläge bei der amerikanischen Delegation war alles andere als begeistert. Man hegt Befürchtungen über den drohenden Zusammenbruch der Seeabrüstungskonserenz. Es herrscht die Emp- sindung, dah, wenn die drei Mächte außerstande gewesen sind, fiel) über ein beschränktes See- abrüstungsprogramm zu einigen, die Hoffnungen auf eine Vereinbarung zwischen 20 Mächten über die weiterreichenden Probleme der Landabrüslung sehr schwach sind. Man hält es für möglich, dah die Völkerbundsversammlung im September beschllehen werde, die weltabrüstungskonferen; auf unbestimmte Zeit zu vertagen, und dah sie vielleicht sogar zögern werde, die Wiederaufnahme der vorbereitenden Abrüstungskonferenz im November anzuraten. (Eoolibge lehnt Großbritanniens Genfer Vorschläge ab. London, 30. Iuli. (WTD. Funkspruch.) Eine Exchange-Meldung aus Rapid-City von gestern abend besagt, amtlich wird bekanntgegeben, daß der Präsident Coolidge der Ansicht ist, daß di« Vereinigten Staaten die Genfer Vorschläge Großbritanniens nicht annehmen könnten, da ihre Folge fein würde, daß die Rationen sich noch größere Kriegsflotten zulegen würden alS bisher. sämtlichen Toten, die bei OrchieS gefunden wurden, die immer wiederkehrende Erscheinung aufsiel, daß die Leichen der Schuhe und Strümps« beraubt und sämtlicher Erkennungszeichen bar _ waren. Der erste Tote, den man gefunden habe,*^^V 4 , . nicht in der Lage, sich gegen die Uebergriffe zur Wehr zu setzen. Mit Zusammenstößen muß aber gerechnet werden, was schon aus dem ganzen Auf- treten des Bahnschutzes selbst hervorgeht. Was aber sagt man in Gens zu dieser Einführung der „internationalen" Departements? Wir können nicht glauben, daß der Völkerbundsrat, der der Saarbevölke- getoefen. Fünf Leute hätten nur Verletzungen gezeigt, die nur durch stumpfe Gewalt herbeigeführt sein konnten. Zahlreiche Schußverletzun- gen hätten deutlich erkennen lassen, daß die Schüsse a u ß unmittelbarer Vähe abgegeben worden waren. Am barbarischsten seien die Leute der Gegend mit einem Mann umgegangen, dem die Augen ausgestochen waren. DaS recht« Auge sei vollkommen entseelt gewesen, dcrs linke ausgelaufen. Aus den fest- gestellten Tatsachen habe sich ergeben, daß ein großer Teil der Leute unverwundet in die Hände der Feinde gefallen sei. Die Feinde hätten Fluchtversuche dadurch zu verhindern gesucht, duß sie den Verwundeten die Hosenträger abschnitten und abtrennten und sie der Schuhe beraubten. Kein Marrn habe einen Ring mehr an der Hand gehabt, obwohl die Stelle, wo ein Ring gesessen hatte, deutlich erkennbar waren. Das fünfte Dokument enthält die eidliche Aussage des Hauptmanns Düll vom bayerischen pionierregiment Ingolstadt vor dem Gerichtsoffizier, Leutnant d. N. Neuen- dorff in Wiesbaden, datiert vorn 30. September 1914. In dem Bericht wird feftgefteUt, daß beim Ab- suchen des Geländes um Orchies 21 Tote vom Regiment 35 gefunden worden seien. Sämtliche Leichen seien den in Orchies noch anwesenden Einwohnern gezeigt worden, damit diese sich selbst von dem Zu- stand der Leichen überzeugen könnten. Allen Leichen hätten außer Stieseln und Strümpfen fämlliche Aus- rüftungsftüde, alle Wertgegenstände, der Taschen- Inhalt die Erkennungsmarken, Soldbücher usw. ge- sehlt. Alle hätten Spuren gewaltsamen Todes gezeigt. Auftallend sei es gewesen, daß die meisten noch in der Gliederstarre, die Arme abwehrend, vor den Kopf hielten. Bei fast allen seien die Oesfnungen des Gesichts mit Sägespänen verstopft gewesen. Hauptmann Dull gibt dann genaue Einzelheiten der gräßlichen Verstümmelungen, di« er an den Toten feststellen konnte. Die Zerstampfung der Fundstellen der Leichen habe den sicheren Schluß zugelassen, daß sich der Betreffende jedesmal gegen eine Anzahl Menschen oerteibigen mußte, von denen er wohl langsam zu Tode gemartert worden sei. Hauptmann Düll ertlärte bann weiter, daß hinsichtlich ber sämtlichen vorbeschriebenen Ber- itümmelungsfäüe seitens ber in Orchies Zurückgebliebenen, etwa fünfzig Personen, bie volle unb alleinige Schuld auf den anarchi st Ischen Teil der Ortsbevölkerung und einige nicht näher bezeichnete Frauen geschoben wurde. Hiergegen habe jedoch das Verhalten der Bevölkerung von Dr- chies gesprochen. Anstatt, wie in sämtlichen umliegenden Ortschaften, deren Bevölkerung sich nichts hatte zuschulden kommen lassen, in ihren Wohnungen zu bleiben und ihrer Beschäftigung nachzugehen, sei die gesamte Ortschaft von nahezu 5000 Personen, außer den genanten zurückgebliebenen einschließlich lies Pfarrers unb bes Bürgermeisters ausge- 11 n b e r t. Der Befunb ber Häuser habe Merkmale plötzlichen unb unvorbereiteten Ausbruchs gezeigt. Die Bevölkerung müsse panikartig bei Annähe- rung der deutschen Truppen geflohen sein. Für die rechtzeitige Benachrichtigung hatten wohl die dort üblichen optischen Mittel Verwendung gefunden. Neu« Provokationen des Saargebiets. Unter der Herrschaft des Bahnschutzes. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 30. Juli. Di« französischen Bataillone haben zwar das Saargebiet verlassen, an ihrer Stelle ist der 800 Köpfe starke sogenannte „inter- nationale B u h n s ch u tz" eingezogen-, geändert halt sich aber nichts. Vielmehr ist es sogar noch ' chlechter geworben. Waren bie französischen Soldaten schon keine angenehmen Zeitgenossen, so sinb es die Bahnschutztruppen erst recht n i ch t. Es sieht beinahe so aus, als ob die Regierungen in London, Paris und Brüssel Anweisungen gegeben hä, len, die Leute dein Bahnschutzkorps zuzuteilen, die ionst ständige Gäste ber Arrestlokale zu sein pflegen. rung durch Zurückziehung ber französischen Truppen Erleichterungen verschaffen wollte, diese Entwicklung gutheißen wirb. England und die Rheinlandräumung. Eigener Drahtbericht bes ..Gießener Anzeigers". Berlin, 30. Iuli. Anläßlich der außen- polittschen Debatte im englischen Unterhaus, in der Chamberlain einiges Grundsätzliches zur bri- rischen Außenpolitik m bezug auf Rußland und die Seeabrüstungskonferenz erklärte, gab der parlamentarische llnterstaatssekretärLocker Lampson in Erwiderung einer Anfrage einen Bericht über die Stellungnahme der Bosichasterkonferenz zu den Meldungen der militärischen Sachverständigen über die Schleifung der Ostbefe- st i g u n g e n ab. Er erflärtc dabei, daß die Botschafterkonferenz den Bericht der Sachverständigen gebilligt habe, daß aber das Abkommen mit der deutschen Regierung, (gemeint ist die Genfer Vereinbarung vom vorigen Dezember) noch einige andere Punkte umfasse bezüglich deren die Forderungen nochnichtvölligbe- friedigt feien. Zugleich verwies er mit Bezug auf den Aäumungsanspruch Deutschlands nach Artikel 431 des Versailler Vertrages auf Bestimmungen. wonach die Besetzung des Rheinlandes, bzw. dessen Räumung von der Erfüllung der Vertragsverpflichtungen im allgemeinen und nichtnurmit Bezug auf die Abrüstung abhängig sei. Die englische Erklärung gliedert sich also m zwei verschieden« Teile. Im ersten Teil handelt es sich um Dinge, die durch eine bestimmte Vereinbarung geregelt worden sind, Fragen, wie dre Bestückung deutscher Küstenbefestigungen, wie die Äafemterung der Schupo, bzw. die Verwertung alter Kasernen. Di« diesbezüglichen Vereinbarungen sehen zum Teil längere, selbst mehrere Iahr« laufen de Termine vor die weder verlangt, noch zugestanden sind, ettoa unter dem Gesichtswinkel, daß dadurch die Erfüllung irgendwelcher Verpflichtungen Deutschlands und das Fälligwerden der Gegenverpflichtungen bei den ehemaligen Alliierten um solche Zeitspanne hinausgeschoben wird. Bei dem zweiten Teil handelt es sich um eine Auslegung der Versailler Vertragsbestimmungen selbst. Da sich diese aus ..Reparationszahlungen" mit allem was damit zusommenhängt und aus Abrüstungsverpflichtungen zusammenseyen, so würde nach Erfüllung der Abrüstungsverpflichtungen lediglich unter der Voraussetzung ichch Königsberg und Ostpreußen verlegt habe Er habe uus den verschiedenen Reden von Mitgliedern des Reichsoerbandrr entnomipen, daß durchaus 93er» ständnis für die eigenartige Lage Ostpreußens be- stehe. Wenn einmal der Zettpunkt kommen werde, daß der Korridor beseitigt — und dieser Zeitpunkt müsse kommen, weil dieses Gebilde ein wirtschaftlicher Fehler sei —, dann werd- man auch aus Ost- preußen keine Klagen mehr hören. Ostpreußen leide aber nicht nur unter den wirtschaftlichen Nachteilen, sondern vor allen Dingen unter der Trennung, und weiter darunter, daß sich die R a n d st a a t e n als zweiter Korridor zwischen Ostpreußen und das weite russische Hinterland geschoben hätten. Hieraus wurde folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten verlesen: „Auf der Ostpreußenfahrt gedenken Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie in Dankbarkeit und Treue des hochverehrten Herrn Reichspräsidenten, des Befreiers unserer D st m a r k. Die gemeinsamen Beratungen mit der >'!pceurschen Industrie und Landwirtschaft haben -rneut 7>as unverbrüchliche Trcueoerhältnis mischen dem Reich und der wirtschaftlich wie poli- ih-h sinnlos abgeschnürten ostpreußischen Provinz bestätigt. In diesem Geiste gedenken wir des Siegers von Tannenber g." Lärmszenen im Wiener Gemernderat. Die Gemcindcwache als Dauereinrichtung konstituiert. Wien, 29. Juli. (WB.) Der Gemeinderat hielt heute nachmittag eine Sitzung ab, in der zunächst einige kleinere Vorlagen erledigt wurden. Als in spater Abendstunde Stadtrat Richter das Rednerpult betrat, um. über die Vorlage für das Statut der neugegründetenGe- meindewache zu referieren, setzte bei den Christlich-sozialen und den Grohdeutschen heftiger Lärm ein. Das Referat Richters ging in dem Lärm vollständig unter. Gemeinderat K u n - s ch a k erhob gegen den Bürgermeister den Vorwurf, daß er das Versprechen, die Gemeindewache werde nur für die Tage der Gefahr errichtet, nicht gehalten habe, oder vielmehr daß ihn der Gemeinde rat durch diese Vorlage daran gehindert habe, sein Wort zu halten. Der Redner betonte sodann, daß die Gemeindewache jetzt, nachdem volle Ruhe eingetreten sei, keinen Zweck mehr habe. Während der Rede des Gemeinderats Kunschak wurden seitens der Christlich-sozialen und Grohdeutschen mehrfach heftige und lärmende Zwischenrufe gegen den Bürgermeister und die sozialdemokratische Mehrheit laut. Am Schluß der Rachtsitzung wurde die Vorlage über die Aufstellung einer Gemeindeschutzwache unter dem bürgerlichen Protest der Minorität angenommen. Verbot von Umzügen in Steiermark. Graz, 29. Juli. (WD.) Wie der Landespressedienst nritteilt, hat Landeshauptmann Professor Paul freute folgende Kundmachung erlassen: Mit Rücksicht aus die durch die jüngsten Wiener Ereignisse geschaffene gespannte politische Lage, die d.ie Gefahr neuerlicher Zusammenstöße in sich birgt, wird, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, verfügt, daß innerhalb der nach st en drei Monate geschlossene Aufmärsche von Wehr- schu tzverbänden in Steiermark zu unterbleiben haben. Sollte die Bürgschaft für die feste Durchführung dieser Anordnung nicht gegeben sein, so wird die Einstellung von Ämzügen jeder Art verfügt werden. Die Reservistenrevolten in Frankreich. Paris, 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) „Hu- memite" berichtet über weitere Reservistenkundge- bim gen am 27. Juli in Nimes , wo etwa 90 Reservisten des 19. Artillerie-Regiments wegen schlechter Verpflegung die Arbeit verweigert und die Internationale angestimmt haben sollen, und in Grenoble, wo Reservisten des 4. Piopier-Negiments die Internationale gesungen haben. — Die Vorfälle im Reservistenlager R u - chard in der vergangenen Woche sollen nach der „Humanitö" darauf zurückzuführen sein, daß einem Familienvater der erbetene 48stündige Urlaub ohne Begründung verweigert wurde. Als der Reservist darauf „Nieder mit dem Krieg!" rief, sei er von einem Offizier geschlagen worden, worauf mehrere andere Reservisten mit dem Rufe „Nieder mit dem Krieg!", „Nieder mit Paul-Bon- court!", „Nieder mit Painleos!" ihm zu Hilfe eilten. Die Kundgebungen sollen bis 11 Uhr abends gedauert haben. Auf Anordnung des zuständigen Generals sollen die Offiziere die Front abgeschritten sein, die an den Zwischenfällen beteiligten Reservisten angeblich aber nicht wiedererkannt haben. — Nach dem „Echo de Paris" ist gegen einen Buchdrucker in Le Bourget ein Verfahren eröffnet worden, weil er Plakate hergestellt habe, die zu den Reservistenkundgebungen Anlaß gegeben haben sollen. Aus aller Welt. Ein deutscher Transatlantikpreis. Ein ungenannter Stifter hat, der „D. Z." zufolge, dem Deutschen Luftverband und dem Aeroklub von Deutschland einen Preis von 100 000 Mark zur Verfügung gestellt, der demjenigen deutschen Flieger zufallen soll, der als erster mit einem Flugzeug den Ozean überquert. Sin zweiter Preis in Höhe von 75 000 Mark (in zwei Teilen) ist für den Piloten bestimmt, der den noch von den amerikanischen Fliegern Cham- berlin und Bhrd-Aevsta gehaltenen Rekord im Dauerflug (einund fünfzig Stunden) bricht. Der 100 000-Mark-Preis trägt danach die Bezeichnung ..Deutschland-Rordamerika- P r e i s' und kommt an den Führer desjenigen deutschen Flugzeuges zur Auszahlung, das als erstes von einem beliebigen Punkt des Deutschen Reiches aus nach Reuyork fliegt. Eine gesamte Reisedauer von dreieinhalb Tagen (84 Stunden) darf nicht überschritten werden. Zwischenlandungen sind erlaubt. Die Landung muh innerhalb eines Kreises mit dem Halbmesser von 50 Kilometer um das Stadthaus von Reuyork erfolgen. Richt zugelassen sind einmotorige Landflugzeuge. Die Flugzeuge müssen mindestens zwei deutsche Führer als Besatzung, 150 Kilogramm Nutzlast und Funkgerät für Empfang und Senden mitführen. Die Motoren dürfen ausländischer Bauart, müssen aber in Deutschland hergestellt sein. 50 000 Mk. als erster und 25 000 Mark als zwetter Preis sind ausgeschrieben als „Deutscher Dauer- und Streckenleistungs- P r e i s". Die 50 000 Mark fallen an den Führer desjenigen deutschen Flugzeuges, das in der Zeit bis zum 31. Oktober d. I. in einem mindestens 50stündigen Fernflug den größten in der Luftlinie gemessenen Flugweg ohne Zwischenlandung zurücklegt, wobei die Mindestentfernung 4000 Kilometer betragen muß. Diese Bedingungen gelten auch für das Erlangen des zweiten Preises von 25 000 Mark, der für den zweitgrößten Flvgweg ausgezahlt werden soll. Für diesen Leistungswettbewerb ist keine Einschränkung der Flugzeugart vorgesehen so daß nach Amerika startende einmotorige Landflugzeuge sich gleichfalls um diese beiden Preise bewerben können. Zwei Führer als Besatzung sind auch für diese Fernflüge vorgefchrieben. Botschafter Schurman Dr. h. c. der Mnioerftläf Heidelberg. Die Philosophische Fakultät der Universität Heidelberg hat den Botschafter der Bereinigten Staaten in Berlin, Jakob Gould Schurman. der m Heidelberg unter Cuno und Fischer Philosophie studierte, dann Prof, der Philosophie und langjähriger Präsident der Cornell-Tlniversität war, in Anerkennung seiner Verdienste um die Erweckung und Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke die Würde eines Dr. phil. h. c. verliehen. Die Verleihung ist dem in Heidelberg weilenden amerikanischen Botschafter persönlich bekanntgegeben worden. Reichs auhenmi nist er Dr. Stresemann sandte dem Botschafter sofort ein herzliches Glückwunschtelegramm. Furchtbare Lrdbebenkakastrophe In China. „Westminster Gazette" meldet aus Schanghai, erst jetzt seien nähere Rachrichten über das Erdbeben in der Provinz Kansu vom 23. Mai mit einem Briese des apostolischen Vikars Bud- denrock eingegangen. Sisiang (Bevölkerung 174 000), Liangtschau (200 000 Einwohner) und Kulang (54 000 Einwohner) seien zerstört worden. In Liangtschau hätten mindestens 10 000 Personen das Leben eingebüßt. Die Missionare hätten die Gesamtzahl der Toten auf 100 000 geschäht. Das Schicksal der 11 eberlebenden fei entsetzlich. Es handle sich um eine der größten Katastrophen der Well und Hilfe sei dringend erforderlich. Die llebcrfdjroemmungcn in China. Infolge der lleberschwemmungen des über feine Ufer getretenen Kulingflusses in Tschang- tschaufu, 45 Kilometer westlich von Amoy, sind 1000 Personen ertrunken und 100 000 Personen obdachlos. Sieben Bezirke sind überschwemmt und ihre Ernte stark beschädigt. Der Schaden soll fünf Millionen mexikanische Dollars betragen. Das Schifsvunglück bei Chikago. Nach ergänzenden Meldungen ist die Mehrzahl der an Bord während eines Sturmes auf dem Michigan-See untergegangenen Dergnügungsdainp- fers befindlichen Frauen und Kinder, etwa 40 an der Zahl, ertrunken. Ein Orkan rief unter den Passagieren eine Panik hervor. Sie eilten alle nach der einen Seite des Schiffes, das tenterte. Am. späten Abend waren 27 Leichen geborgen. Der Kapitän und die Schiffsbesatzung wurden verhaftet. Choleraepidemie am Persischen Golf. Aus der Insel 216b a b an ist eine Cholera- epidemie ausgebrochen. Es werden täglich etwa zwölf Todesfälle gemeldet. In Basra sind im ganzen bisher fünfzehn Personen gestorben. Ein neuer Ausbruch des Vesuvs. Rom, 30. Juli. (WTB. Funkfpruch.) Rach Mitteilung des Leiters des Desuv-Observatoriums ist der Vesuv nach 8 Monaten fast völliger Ruhe in der vergangenen Rächt wieder aufgelebt. Der Lavastrom habe eine Schnelligkeit von etwa drei Metern in der Sekunde und fei etwa 15 Meter breit. Ein unterirdisches Feuer bedroht ein Stadtviertel. Durch ein unterirdisches Feuer ist ein ganzes Stadtviertel in F i r m i n h bei St. Etienne bedroht. Das Stadtviertel ist über einer verlassenen und zum Teil unter Wasser stehenden Kohlengrube erbaut. Das unter dem Boden schwelende Feuer bekundet sich an der Oberfläche durch Dampf - und Rauchbildung. 2llle Maßnahmen gegen einen möglichen Einsturz sind getroffen worden. Bergmannslos. Ein schweres Unglück ereignete sich während der Mittagsschicht auf der bei Hamm gelegenen Zeche „Radbv d". Als man beim Kohlenabbau auf der dritten Sohle war. ging plötzlich das Flöz zu Bruch. Zwei Bergleute wurden unter dem Gestein begraben. Trotz der sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten konnten beide nur a l s Leichen geborgen werden. Schwerer Schlepperunfall. Ein schwerer Schlepoerunsall, bei dem vier Menschenleben zu beklagen sind, ereignete sich auf der Unterweser. Der Dampfer „Luleälp" wollte durch den Schlepper „Wietze" nach dem Industrie- Hafen geschleppt werden. Dabei wurde er von dem Dampfer „Luleälp" gerammt und unter Wasser gedrückt. Von der Besatzung des Schleppers wurden der Kapitän, ein Maschinist und der Steuermann, sowie dessen sechsjähriges Kind getötet, während die Heizer und die Frau des Steuermanns gerettet werden konnten. Schwere Ausschreitungen in Berlin-Schöneberg. Auf einem Schöneberger Rummelplatz in der Potsdamer Straße wurden Freitagabend mehrere Passanten von halbwüchsigen Burschen überfallen und ihrer Wertsachen beraubt Als eine Streife der Schutzpolizei die Räuber festnehmen wollte, wurden die Beamten zu Boden geschlagen und durch Messersttche verletzt. 2lls das Heber* fallkommando erschien, drang der Mob, der inzwischen auf mehrere hundert PnHvuen angewachsen war, auch auf diese Polizei beamten ein, so daß sie von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Zehn Personen konnten verhaftet werden. Das Forschungsinslitul für innere Medizin. In der Heidelberger Bürgerausschußsitzung er- klärte Oberbürgermeister Dr. Walz, daß das geplante Forschungsinstitut für innere Medizin nunmehr bestimmt nach Heidelberg kommen wird. Es hätten sich viele Städte darum bemüht, aber Heidelberg hat das Institut erhalten. Das Reich stiftet dazu einen einmaligen größeren Betrag und einen laufenden Zuschuß. Weitere Beiträge uni) Zuwendungen haben das Land Baden und die Stadt Heidelberg zu machen. Das Institut, dem noch einige schon in Heidelberg bestehende Sonderinsttttihe medizinischer Att angegliedert werden sollen, wird von der Kaiser-Wilhelm-Gesell schäft geleitet. Zum Direktor wurde Geheimrat Krehl in Heidelberg bereits ernannt. Finanzkatastrophe einer pornmerschen Stadl. Die pommersche Stadt Gartz ist in ernsthafte Finanzschwierigkeiten geraten. Der im vorigen Jahr erfolgte Einsturz der neugebauten Oderbrücke und die Konkurseröffnung über die ausführende Baufirma hat den städtischen Haushalt in derartige Schwierigkeiten gebracht, daß bei Ausbleiben staatlicher Hilfe eine Finanzkatastrophe unausbleiblich ist, Wettervoraussage. Vielfach heiter, warm, außer lokalen Gewitterstörungen trocken. Gestrige Tagestemperaturcn: Maximum: 23 Grad Celsius: Minimum: 11,5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 17,9 Grad Celsius. Gestrige Sonnenscheindauer: 7,3(1 Stunden. Witterungsaussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung des Witterungscharakters. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der.Radio-Umschau".) Sonntag, 31. 3uti. 8 bis 9 Uhr: Morgenfeier 9.30: Heber* tragung aus der Marburger Fest hatte: Heber* tragung des Festakts der 400-Jahrfeier der Marburger Philipps-Universität. Programm: F.st- rede von Prof. Dr. Otto. Verkündigung der Ehrensenatoren, Ehrenpromotion. — 12.30 bis 13: Die Elternstunde: „Die Erziehung zur sittlichen Reinheit", Vortrag von Mittelschullehrer P. Krupp. — 14.30 bis 15.30. Abschieds-Rundsunk- Konzert der „Mississippi-Jazzers". — 15.30 bis 16.50: ^Übertragung von Hamburg: Funkhnnzel* marm. Technische Märchen. — 16.30 bis 18.30: ^Übertragung aus dem Düsseldorfer Rheinstadion: Zweiter Teil des Leichtathl.tk-Länder- kampfes Deutschland-Schweiz. — 18.30 bis 19.30: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. — 19.30 bis 20: Sportnachrichten. 20.30 bis 22.30: Bunter Abend. — Anschließend bis 0.30: Tanz-Programm. Montag, 1. August. 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausorchesters: Lyrische Opern. — 17.45 bis 18.05: Die Lese- stunde. — 18.15 bis 18.45: „Die Schädlinge des Gemüse- und Feldbaues", Vortrag von Rudolf Vogt. — 18.45 bis 19.10: Dritter Dorttag anläßlich der Koblenzer Ausstellung „Der Rhein, s in Werden und Wirken" — „Zweck, Ziel und Ausbau der Ausstellung", 03ertrag von Beigeordneten Ochs. — 19.10 bis 19.15. Wirtschaftsmeldungen. — 19,15 bis 19.45: „Das neue Oluf tret* tungsgeseh vom 9. Juli 1927", Vortrag von Syndikus Dr. Keim. — 19.45 bis 20.15 „Das italienische Theater", Dorttag von Dr. Rudolf Frank. — 20.15: Ein Besuch der Frankfurter Internationalen Ausstellung „Musik im Let en der Völker" (verschiedene Vorführungen). — Anschließend: Reue Schallplatten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 31. Juli. 7. Sonntag n. Trinilat's. Gießen. Etadtkirche. 8 : Pfr. Becker ßugl. Christen!, f. d. Reukonfirmierten a. d. Marlusgem. 9*/,: Pfarrer Mahr. JohanneSktrche. 8: Plärrer Ausfeld. Zugleich Christenlehre für die Oleufonf. aus der Johannesgemeinde. 7210: Pfr. Bechtols- bebner. — Lich. 91/,: Stiftspfarrer Schorleminer. 8: Abendandacht mit kurzer Predigt. Stiftspsarrcr Schorlemmer. — Kirchberg. 10. 11: Christenlehre f. die konfirmierte, weibliche Jugend. Racdw. 1' : Lollar. — Watzenborn-Steinberg. 10: Chri entehre der männlichen Jugend. - Hausen ' 1. - Garbenteich. 9*/,: Christenlehre. (Dekan Guß* mann-Lollar-Kirchberg). Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 30. Juli. 4’/a und 7: Beichte. Sonntag 31. Juli. 8. Sonntag nach Pfingst n. 67j Beichte, 7 Messe, 8 Kom., 9 Hochamt m. Prcd., 11 Messe m. Pred.» 2 Andacht. Donnerstag nachm. 5 Beichte, Freitag 67, Eegensamt. — Grün berg. 97, Messe mit Predigt. — Hungen. 8 Hochamt mit Predigt. — Lich. 10 Hochamt mit Predigt SonntagSdlentt d.Aerzte u.2tuotbek:n am 31.7.27 Dr. Neumann. Dr. W. Klein Pelikanavollieke. Zahnarzt: Dr. Buchinger D Für den Herrn: la nraunc Rindhox-lSatosdtnhc HSS 3OT 685 6»5 j85 390 490 SeSelhidi Sdinürschahc Branncedif Chevr.-Span^cn Ls,23/24 KroKo Kalblcderspangcnsdinhe braun Gr. 35-38 M «.90. 27-34 M. S S», 25-28 Ldneii-ZiWiunps mit Komteß-Absätzen . . Braune echt Chcvr. - Zugsdiuhc Beiße Lederspangen m. sie&panoe Für Kinder: do. mil Einsdizen 1085 do. Agraflcnssieiei 1256 Für die Häme: Gießen fekersive^ 91 dieser Schuh in la weißem Leinen, beste Verarbeitung, vorzügliche Paßform, alle Größen. Ferner Einspangen in beige rjae und Zugpumps in Sandfarbe £ S. C.H.VH/ G . rn.fe. ... 7090D GARDINEN Kunstseidene Dekorationsstoffel m i für Ueber- • • • | Gardinen Madrasstotte Reste weit unter Preis? Seltersweg 81 m 7045t doppelbreit, moderne Muster, 550425 350 250 HAUS DER HANDARBEIT Friedhofes aus statt. 7035 D I Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem un- erforschlichen Ratschluß gefallen, unseren heißgeliebten, treubesorgten Vater, Schwager und Onkel Herrn Peter Margolf Oberbahnassistent i. R. Veteran von 1866, 1870/71, Ritter vieler Orden, nach kurzem, schwerem Krankenlager, im Alter von 85 Jahren, heute in ein besseres Jenseits abzurufen. In tiefer Trauer: Greta Margolf Elisabeth Margolf. Gießen, 29. Juli 1927. Die Beerdigung findet Montag, den 1. August, nachmittags 3.30, von der Kapelle des Neuen s 7028c Sein Andenken 7023D ■ halten hat bleibt unvergeßlich. Nach schwerem Leiden verschied heute unser liebes und treues Ehrenmitglied, der Mitgründer unseres Vereins Peter Margolf Wir verlieren in dem Verstorbenen einen aktiven Förderer unseres Vereins, der seit Juzendjahren die Ideale der deutschen Turnsache hochge- Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Krankheit und dem Heimgange unseres lieben Kindes, für die liebevolle Pflege der Sch wester Bertha, für die vielen Kranz- und Blumenspenden, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers am Grabe, dem Herrn Rektor Inderthal und seiner Schulklasse für den schönen Gesang, den Schulkameraden, Früulein Frey für die rührenden Worte sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Familie Wilhelm Hahn IX. Großen-Buseck, den 30. Juli 1927. Der Vorstand und Turnrat des M6nner-Turn-Verein Liehen j Gießen, den 29. Juli, 1927 2 Die Beerdigung findet Montag, den 1. August,3Vg Uhr, 3 auf demNeuen Friedhof statt. Wir bitten die Mit- 5 glieder sich hierbei recht zahlreich zu beteiligen. fcfctajaWalifc Auto-Omnibus Sonntaa,3 I. Juli 1927 Mittags 7112 Uhr ab CafS Heiller. Rückfahrt nach der Schlohbeleuchtung. 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Sonntag abend 8 Uhr Familienzusammenkunft im Schälzeniiaasl Der Vorstand. Stadttheater Dienstag, venr.Ang^ aüenös 8 M Gastspi'.i te<4o des üurtheaters Vad-rrauheim Erstaufführung; 9?[(8aiien6öen Komödie in 4 Akten von Rud. Bernauer u. Rud.Oesterreicher Ende nach 10'/, Uhr. Der Vorverkauf findet am SamStag, Montag u Dienslog in den gewöhnlichen Kassenständen statt. *>Urr "(4 n \ *VVV4 Duf 19abr leit ober 'seschasiSmann «eg. me Zinlen und K^erbeil geiutbt -«r. Ang. u M an den Giri^ Ans, Ä) erkläre hiermit meine Verlobung mit tznstnr Karl Balser für anlflcboben. loiiauoa Sdmeider rOM SdjOltiU. 19, 3jg.Iitxehin,iiuben' teln z. cerftbtnten. Zuerst. i.d.Nejchiis' stelle d. G. A. (6545 WAU UhbQu.» be3 I "en, ®ie. melbunn «!, < netNörff^nb?' halb lSel'nn?tl aus, ebenen •Votbe •ö,e "och eimnl0 *6 w.cron6:D»; Ä< «F 3» , fi. AI,h-ff, WWMe-L -IlMritiitlt. 53 \ 1 Eeld. Me 5-10000 Mk. M eaen gute $l£r. ! 'LTrundbesttz Eesunden Damen- - Armbanduhr. A* Abjuholen bei t*fl ? 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Der belgische Kriegsminister, der, nicht zu vergessen, Ministerpräsident im Kriege gegen uns war, hat Vorwürfe gegen die deutsche Entwaffnung erhoben, die durch und durch unbegründet, eigentlich kaum der Widerlegung wert sind. Und weil diese Vorwürfe so schwach waren, hat er sie mit Völkerrechtsfragen verquickt, die damit nichts zu tun haben und in denen der bekannte Untersuchungsausschuß des Reichstages die Dölkerrechtslage auch zwischen Deutschland und Belgien im Kriege objektiv und umfassend bearbeitet hat. Der vom Zaun gebrochene Streit stört die Beziehungen zwischen beiden Ländern, die sich allmählich leidlich anlieHen, und auch zum Beispiel in der Angelegenheit der deutschen Markbestände in Belgien eine Einigung erwarten lieh. Wir verstehen den Streit recht, wenn wir ihn als einen Teil auch der französischen Propaganda und Arbeit gegen Deutschland nehmen, die so gern verhindern will, dah aus der nun vollständigen und bis ins letzte fertigen und bescheinigten Entwaffnung Deutschlands die schlechterdings nicht mehr zu umgehenden Folgerungen gezogen werden. Auch vergessen wir dabei nicht, dah Belgien und Frankreich miteinander nicht so einig sind, wie es scheint. Belgien will sich nicht in das neue französische Defestigungs- shstem hereinziehen lassen und will nicht eine wirtschaftliche Union, weil es zwischen England und Frankreich selbständig bleiben will. Es hat mit diesem Willen, die durch den Weltkrieg errungene Selbständigkeit und Unabhängigkeit auch gegen die Freunde zu wahren, durchaus recht, recht auch im Sinne des europäischen Friedens. So ist diese Auseinandersetzung mit Deutschland nur eine Episode, peinlich und bezeichnend, jedoch nicht gefährlich für den Frieden. Anders aber sieht es aus im Südosten Europas. Zwar vollzog sich der Thronwechsel in Rumänien als Folge des Todes des Königs Ferdinands ohne Erschütterung. Bratianu hatte gut dafür gesorgt und in bezug auf die Regentschaft und das Parlament die Lage so gestaltet, wie sie ihm günstig erschien. Er ist heute zusammen mit der Königin, die von ihm abhängig bleibt, weil er Herr auch über die Dynastie ist, mit der Regentschaft und einer ergebenen Parlamentsmehrheit der Diktator des Landes, das er bis zur Großjährigkeit des fünfjährigen Thronfolgers beherrschen will. Was Rumänien wurde, wurde es durch einen Hohenzollern, den Oheim des eben dahingeschiedenen Königs. Auf rumänischem Boden ist diese Dynastie nicht besser geworden, — man denke an die Rolle, die der eigentliche Thronfolger Prinz Carol gespielt hat! Was Grohrumänien heute geworden ist, wurde es durch den Abfall von seinen Verbündeten, mit denen es ein volles Menschenalter verbunden war und die ihm Schrch und Stütze gegen Rußland gewährten. Ob seine territorialen Erwerbungen: Siebenbürgen, Bukowina und das sogar dem verbündeten Rußland abgerissene Bessarabien, ein Segen für das eigentliche Rumänien werden steht sehr dahin. Die Aufgaben, diese Teile miteinander zu verschmelzen, sind lange nicht gelöst. Run bringt dieser Zustand der Regierung eines fünfjährigen Königs, einer ehrgeizigen Königinwitwe, einer Regentschaft, einer reinen Parteiherrschaft gerade hier eine Unsicherheit in die Verhältnisse, der man nur mit Sorge zusehen kann. So ruhig sich der Thronwechsel vollzog, so sehr hat er die Gefahren- mvmente im Südosten Europas vermehrt! Grell wie ein Blitz beleuchtete die Lage die Wiener Revolution vom 15. Juli. Woher sie kam, woran sie ausbrach, wer sie vorbereitete und förderte — das steht heute im einzelnen noch nicht fest. Ein Maß von revolutionärer Gärung, kommunistischer, linkssozialistischer oder rein banditenmäßiger Herkunft trat zutage, über das Europa erschrak. Tiber ist das eigentlich ein Wunder? Kann ein derartig verkrüppeltes armseliges Staatswesen mit Massen Als Bismarck von uns ging. Persönliche Erinnerungen aus dem Nachlaß von Hans B. Grube. Am 30. Juli 1898, abends 11 Uhr, hatte der größte Deutsche des 19. Jahrhunderts die Augen sirr immer geschlossen, und noch in derselben Rächt verbreitete sich die Trauerbotschaft mit Windeseile durch Stadt und Land. Jeder spürte den schweren Schlag, den das ganze deutsche Volk durch den Verlust des Heimgegangenen Rattonalhelden erlitten, und tieferschüttert vernahm man die verhängnisvolle Nachricht. In der Mitte der letzten Juliwoche brachte mir ein Telegramm die Nachricht von dem bevorstehenden Ende des Fürsten. Ich brach sofort meinen Ferienaufenthalt ab und reiste eilig nach Friedrichsruh. Als ich dort eintraf, erfuhr ich, daß es sich diesmal noch um eine Falschmeldung handelte. Aber das Befinden des Altreichskanzlers war doch derart, dah ich im Sachsenwalde blieb, um abzuwarten, ob es der kräftigen Natur des Fürsten noch einmal gelingen würde, sich aufzuraffen. Fast schien es sö, denn zur Ueberraschung aller seiner Hausgenossen erschien er am Spätnachmiittage des 28. Juli bei der Familientafel. Er nahm lebhaft an der Unterhaltung teil, trank etwas Champagner und rauchte nach Tisch zum ersten Male seit längerer Zeit wieder einige Pfeifen. Am Freitag blieb das bessere Befinden unverändert, auch noch am Samstagmorgen befand sich der Fürst wohl. Er las in den Zeitungen und sprach mit seiner Umgebung über Politik, besonders über russische. Er genoß im Laufe des Vormittags Speise und Trank und beklagte sich dabei scherzhaft über den geringen Zusatz von geistigen Getränken zu dem Wasser, das man ihm reichte. Dann trat plötzlich eine Verschlimmerung ein. Der Puls stockte wiederholt, und im Laufe des Nachmittags verlor der Fürst häufig das Bewußtsein. In den Abendstunden des Samstags nahmen die bedenklichen Erscheinungen zu Der Tod trat leicht und schmerzlos fast auf den Glockenschlag 11 Uhr abends ein. Geheimrat Schwenrn - ger, der erst kurz zuvor in Friedrichsruh em- getroffen war, konnte dem Sterbenden den Tod noch erleichtern. Er entfernte ihm mit einem Taschentuch den Schleim aus dem Munde und 33. Mittelrheinisches Kreisturnfest. Erster Tag: Gedenkfeier und Begrühungsabend. * Darmstadt, 29. Juli. Das 3 3. Mittelrheinische Kreisturn - f e ft macht sich immer stärker im Straßenbilde Darmstadts bemerkbar. Die Hauptstraßen der Stadt prangen schon sett einigen Tagen im Fest- schmuck, aber fast von Stunde zu Stunde wird er reicher ausgestaltet. Die Inhaber der größeren Ge- chäftshäuser an der Rheinstraße wetteifern z. B. ärmlich in der Ausschmückung ihrer Häu- e r f r o n t e n. Vornehmlich werden als Festschmuck Girlanden und elektrische Glühbirnen verwendet. Die leidige Flaggenfrage tritt insofern kaum m die Erscheinung, weil in erster Linie Fahnen und Wimpel in den hessischen Farben rotweiß oder in den Farben der Stadt Darmstadt blau-weiß verwendet werden. Die staatlichen Gebäude zeigen schwarz-rot-gold und die hessischen Farben; auch sie sind mit Girlanden und Flaggen reich geschmückt, namentlich die den Luisen- platz einsäumenden Gebäude des Landtags, des Ministeriums des Innern (im Volksmund „Kanzlei" genannt), das Alte Palais, das heute im wesentlichen das Finanzministerium beherbergt, und die Reichs- poft. Hervorragend durch Schönheit des Materials und durch künstlerischen Geschmack ist die Umgestaltung des Ludwigs-Monuments zu einem' großartigen ornamentalen Gebilde, das weithin ins Auge fällt. Kurz gesagt, man kennt Darrn st adtnicht wieder, der Gesamteindruck, den die Innenstadt bietet, stimmt zur Festesfreude; hinzu kommt noch der überaus rege Verkehr. Der Zustrom der Fremden macht sich schon sehr stark im Straßenbild bemerkbar. Der F e st p l a tz , der ganz in der Nähe des Bahnhofs liegt, zeigt selbst in den stillen Tagesstunden schon einen regen Verkehr; daß die über 5000 Personen fassende Festhalle nicht ausreicht, um die Teilnehmer zu fassen, haben die bisherigen Veranstaltungen schon bewiesen, die vorwiegend von Darmstädtern besucht waren. Die Halle ist dabei so groß, daß ein Redner kaum mit seiner Stimme durchzudringen vermag. Wer einen Sitzplatz erhalten will, muß sich schon etwa eine Stunde vor Beginn einer Veranstaltung einfinden. Daneben sind gleichzeitig die Gaststätten auf dem Dergnügungsplatz sehr stark besucht. Weibab von dem lebhaften Verkehr sanden heute vormittag schlichte, aber höchst eindrucksvolle Gedenkfeiern an den Gräbern hervorragender Persönlichkeiten im Darmstädter Turnverein statt. Hm 10 Uhr versammelten sich die Turner im Friedhof an der Niederramstädter Straße. Im geschlossenen Zug, die Fahnen an der Spitze, begab man sich zum Grabe des unvergeßlichen Schmuck. Die Kapelle spielte das Niederländische Dankgebet, dann ergriff Komm.-Rat Schil l das Wort zur Weiherede für das Grabmal. „Heute, wo die Musik die Turner zum Einzug in Darmstadt und zum ftöhlichen Wettkampf ruft, zieht uns ein Herzensbedürfnis auf diesen Friedhof, der ein heiliger Boden ist für den Kreis und für die ganze Turnerschaft. Denn hier liegen Männer bestattet, die führend und Richtung gebend waren in jeder Hinsicht. Männer der Tumgemeinde waren es, und die Tumgemeinde kann stolz darauf fein, daß der Geist Jahns in ihren Reihen weiterlebt. Hier an Emanuel Schmucks Urne wollen wir es bezeugen: „Und 'die Treue, sie ist doch fein leyrer Wahn!" Weiter arbeiten wollen wir im Sinne des Unvergeßlichen! Und so übergeben wir dies Ehrenmal der Obhut der Geschwister Schmuck zum Zeichen, daß wir unseres Führers ewig gedenken. So lege ich diesen Eichenkranz nieder an deinem Grab und grüße dich, teurer Freund!" Im Namen der Deutschen Turnerschaft sprach Prof. Dr. Berger. Heißen Dank sagte er dem Freund, der allen ans Herz gewachsen. Ueberall, wo Turner wohnen, wird sein Andenken hochgehalten dem ten Johanna am Schneckenberge gegenüber Schlosse zur ewigen Ruhe beigefetzt. erleichterte dadurch dem Fürsten das Atmen. Das letzte Wort, das der Fürst sprach, war an seine Tochter, die Gräfin Marie Rantzau, gerichtet, die ihm den Schweiß von der Stirne getrocknet hatte: „Danke, mein Kind!" An Bismarcks Sterbelager war die fürstliche Familie versammelt und außer den Aerzten, Geheimrat Schweninger und Dr. Chrysander, noch Baronin Merk. In der Frühe des nächsten Tages, eines prachtvollen Sonntagmorgens, führte mich Schweninger an des Fürsten Totenlager. Der Fürst lag noch genau so da, wie im Augenblick seines Dahinscheidens. Da lag nun der gefällte Recke, schlicht und groß wie im Leben, so im Tode. — Rechts und links vom Sterbelager standen im Dienstanzug die die Ehrenwacht haltenden Förster. Das äußere Bild Friedrichsruhs erschien auf den ersten Blick unverändert. Schloß und Park waren abgeschlossen für jedermann. Ausnahmen machte man nur, wo ein ausdrücklicher Befehl des Fürsten Herbert vorlag. Vor dem Parkeingang, wo sonst so viele dem Fürsten Bismarck bei seinen Ausfahrten zugejubelt hatten, standen auch heute viele Männer und Frauen aller Stände, denen die tiefe Erschütterung, über das Weh, das Alldeutschland mit dem Verlust seines größten Sohnes betroffen hatte, auf dem Antlitz geschrieben stand. Zahlreiche Vertreter großer deutscher und ausländischer Zeitungen waren auf der Postdiele mit der Abfassung und Aufgabe von Drahtnachrichten beschäftigt oder standen in halblaut geführter Hnterhallung auf der Landstraße vor dem Parktor in Gruppen beisammen. Diese Herren hatten einen schweren unfruchtbaren Dienst, denn es wurde niemandem Einlaß gewährt. Als die Freveltat der beiden Hamburger Photographen bekannt wurde, die die wachthabenden Forstbeamten bestochen und in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli eine Blitzlichtaufnahme des toten Fürsten gemacht hatten, wurde die Absperrung des Bismarckschen Besihtumes noch strenger als zuvor. Am Montag begann man mit der Ausstattung des Sterbezimmers. Das Totenzimmer war überaus einfach hergerichtet, wie es dem Sinne des Entschlafenen entsprach. Der Sarg stand ungefähr auf derselben Stelle, wo früher das Bett des Fürsten stand, in dem er seinen letzten Der Kalenderturm, Seit Jahrhunderten werden die Kirchtürme und Rathäuser mit großen Uhren versehen, um den Menschen von so hochragender Stelle aus die Zeit zu verkünden. Vielfach hat man seinen Stolz daran gesetzt, Kunstwerke zu schaffen, die nicht nur die Zeit, sondern auch die Mondphasen und dergleichen anzeigen, Glockenspiele in Be- vvn arbeitslosen Arbeitern und abgebauten proletarischen Beamten etwas anderes sein als ein Herd des Bolschewismus? Die Moskauer Regierung selbst war erstaunt über diesen Ausbruch in ihrem Sinne und freute sich natürlich darüber. Die Unterdrückung der Revolte ist gelungen und die Gefahr einer Intervention von feiten Italiens etwa und der Tschechv-Slowakei ist vermieden. Was nun weiter wird, weiß niemand so recht, und wenn man sich auch beruhigt, ist damit die Krankheit nicht geheilt. Die Gefahr bleibt, die Gefahr neuer solcher Ausbrüche in Wien und der sehr begreiflichen Gefahr der Trennung dann der anderen Teile des Staates, die sich schlechterdings nicht von Sozialisten und Kommunisten in Wien beherrschen lassen wollen. Werden die Völkerbundsmächte, die Oesterreich schufen und Oesterreich angeblich „sanierten", sich besinnen, solange es noch Zeit ist? Nach Mitteln suchen, um zu verhindern, daß hier eine bolschewistische Gefahr über die Grenzen hinausflutet und mit dem Auseinandersprengen des kümmerlichen Staates erst recht eine große internationale Gefahr eintritt? Es sieht nicht danach aus, und der Wille, die Augen vor dieser Gefahr zu verschließen und vor den Mitteln, mit dem allein sie zu beheben ist, ist überall bei den Mächten, die den Frieden von St. Germain gemacht haben, schr groß. Was hat nun die Anfchlutzf rage mit dieser Wiener Revolte zu tun? Liest man Herrn Sauerwein, so meint man, dah Deutschland darauf und daran sei, den Anschluß zu vollziehen, und mit allem Nachdruck heißt es dann, dah nur die französische Besatzung im Rheinland die Sicherung Frankreichs gegen solche Gefahr gäbe. Worin liegt denn eigentlich die Gefahr, wenn Oesterreich mit Deutschland verbunden würde, für Frankreich oder für Italien? Oder für die Tschechv-Slowakei? Wo läge die Sicherheit für Frankreich mit der Rheinlandsbesetzung, wenn ein solcher Anschluß irgendwie plötzlich ein träte? Das sind doch hergeholte Gründe und Vorwände, aufgeblasen, um eine bestimmte Stimmung gegen Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Kriegsausgang hat den grohdeut- s ch e n Gedanken wieder möglich gemacht. Das Selbstbestimmungsrccht Deutsch-Oesterreichs weist nach Deutschland. Mit ganz geringen Ausnahmen will jedermann in Deutsch-Oesterreich die Verbindung mit dem Reich. Im Reich hat der grohdeutsche Gedanke gleichfalls die Herzen wieder ergriffen. Es war und ist so selbstverständlich, wie irgend möglich, dah vom reichsdeutschen Volke aus diese Verbindung wieder gewünscht wird, die in der Geschichte zerrissen war und ohne die die Donaudeutschen kulturell und seelisch verkümmern müssen. Dieses Staatswesen mit einer Zweiwillionenstadt und bäuerlichen Alpenrepubliken ist unmöglich, läht keinen Staatsgedanken aufkommen, muh zur politischen Korruption führen und kapselt zugleich ab von den großen Quellen des kulturellen Lebens im gemeinsamen Volkstum. Man wende nicht ein, dah die Schweiz doch auch nicht zu Deutschland gehöre und gleichwohl ein reiches deutsches kulturelles Leben habe! Das Unberechtigte eines solchen Vergleichs liegt auf der Hand. Doch niemand in Deutschland drängt nach dem Vollzug dieses Anschlusses oder wlll ihn herbeiführen mit Gewalt, die niemand hat. Jedermann weih, dah gegen den Willen Italiens und der Tschccho- Slowakei diese Verbindung nicht zu erzielen ist und ohne die Zustimmung des Völkerbundes erst recht nicht. Aber verboten ist, nebenbei und nachdrücklich gesagt, der Anschluß durch den Friedensvertrag nicht, in dem ausdrücklich (Qlrtilel'SO) gesagt ist, „dah Deutschland die Unabhängigkeit Oesterreichs als unabänderlich anerkenne, es sei denn, dah der Rat des Völkerbundes dieser Abänderung zustimme." Und wenn kürzlich in einer Zeitung der Rechten Argumente aus der Innenpolitik, durch geschichtliche Erinnerungen verbrämt, gegen eine Verbindung Oesterreichs mit dem Atemzug getan. Koniferen, Buchsbaum und Lorbeer umschlossen das Kopfende des auf nicht sehr hohem Katafalk stehenden Sarges. Zwei kunstvolle zwölfarmige, silberne Leuchter standen am Ende des Sarkophages, zu Fühen zwei mächtige Altarkerzen. Unweit des Fuhendes des Sarges war ein winziger, mit schwarzem Stoff bekleideter Altar ausgestellt, auf dem eine alte, stark abgegriffene Bibel lag. Der durch die schwarze Tuchdrapierung nicht bedeckte Teil der hellgrauen, mit Oelfarbe gestrichenen Wände war noch mit dem beziehungsreichen Bilderschmuck bedeckt, mit dem sie der Fürst im Laufe der Jahre versehen hatte. Zwei Oelgemälde, die ihn und seine Johanna in jungen Jahren öarftellten, lugten nur zur unteren Hälfte aus dem schwarzen Behang hervor. Ebenso das dazwischen hängende Bild Kaiser Wilhelm 1. Darunter hingen Aquarelle, die Partten aus Schönhausen darstellten, wo Bismarck seine erste Kindheit verlebte. An der Schmalwand des Zimmers hing ein alter Plan von Hanau in Kupferstich und eine Lithographie, Hanau und dessen südliche Umgebung aus der Vogelperspektive. Der Sarg trug vier Kränze, die die nächsten Angehörigen des Entschlafenen dort niedergelegt hatten. Auf die Nachricht vom Tode des Fürsten Bismarck hatte der Kaiser sofort erklärt, dah er den Dahingeschiedenen im Dom zu Berlin beizusetzen wünsche. Aber diesem Wunsche des Kaisers konnte nicht wlllfahrt werden, da Otto von Bismarck die Bestimmungen über seine letzte Ruhestätte selbst getroffen hatte. Der Sarg blieb in dem Sterbezimmer, wo er aufgebahrt war und erst im folgenden Frühjahr nach Erbauung der Grabkapelle wurden die irdischen Ueberreste des Fürsten zusammen mit denen seiner am 27. November 1894 in Varzin gestorbenen gelieb- werden in herzlicher Erinnerung. Er ruhe in Frieden! Vom X. Kreis übermittelte Amtsgerichts-Direktor Dr. Wohlfard Grüße dem verstorbenen Führer und Weggenossen, dem treuen Ekkehard der Süd- roeftmarf. Im Namen aller derer, die nicht antucicnb [ein konnten, dankte er dem Token, der sich als tfreunb in allen Nöten der Turnerschaft bewiesen hat. Sein Fest ist es, das wir heute feiern und seine Arbeit wollen wir sortftihren in herzlicher Dankbarkeit. Nach einigen dankerfüllten Worten von Rechtsanwalt Kalbhenn zogen die Turner zum Grabe Reuters. Hier gedachte Kreisoertreter Pfeif- f e r des verstorbenen Führers und der Zeit, da Reuter die Leitung des Kreises in Händen hatte. Eines eisernen Charakters bedurfte es damals, sich durchzusetzen als Vertreter einer Sache, die vieler- orts unbeliebt war. Seine ungeheure Arbeit müssen wir uns vor Augen halten, wenn wir heute uns all' der technischen Kleinarbeit unterziehen müßten. Dank Dir für Deine Aufopferung! Dank und Liebe bis über das Grab hinaus! Schlaf wohl, stiller Schläfer. „Gut Heil!" Mit schlichten grünen .Kränzen wurden Schmucks und Reuters Ruhestätten bedacht. Auch am Grabe von Spieß wurden Kränze niedergelegt. Turner Kalbhenn widmete Worte der Dankbarkeit dem Begründer des Schulturnens, dem unvergeßlichen Führer Adolf Spieß. Weiter leben soll diese Dankbarkeit in der Jugend bis in alle Zukunft. Im Namen des Mittelrheinkreises legte Turner Pfeiffer dann feinen Kranz nieder. „Nicht nur der Kranz ist das Zeichen der Erinnerung, Tausende und Abertausende von Kinderaugen leuchten auf, wenn sie deinen Spuren folgen. Vielleicht erst in später Zukunft werden die Früchte deiner Arbeit geerntet werden. An Rothermels Grab widmete Turner Pfeiffer dem Verstorbenen einen Nachruf. Er Reich, aufgeführt wurden — wer von den deutschen Anschlußfreunden hat sich denn diese Argumente nicht schon an den Schuhsohlen abgelaufen? Wer von den Anschlußfreunden, der sich die Mühe nimmt, in die ganze Kompliziertheit des österreichischen Problems einzudringen, meint denn, daß ein solcher Anschluß sich derartig mechanisch durch Formierung Oesterreichs zu einem deutschen „Land" im Sinne der Weimarer Verfassung oder einer preußischen oder bayerischen Provinz oder dergleichen vollziehen ließe? Wer nur etwas von der Geschichte weiß, der weih auch, wie zwar die Donaudeutschen mit den Deutschen im heutigen Reich von Urzeiten her durch Blut und Sprache und Geschichte verbunden sind, aber zugleich im 19. Jahrhundert im eigenen Staat eigene Wege gehen muhten, bis König- gräh die Trennung endgültig vollzog. Wie auch der einzelne tm Reich zu diesem Problem stehen möge, nach unserer Ueherzeugung wächst es deutschem Volle zu. wir mögen wollen ober nicht. Aber gerade weil dem so ist, denkt kein politisch Verständiger daran, zu drängen, das Risiko einer internationalen Verwickelung herauszufordern, sondern wünscht jedermann, daß diele Anschlußfrage langsam reife tm großen Zusammenhang europäischer Hkmbhmgen, die dvch einmal sich vollziehen müssen. Aber das wünscht allerdings weder der Anschlußfreund noch bet Anschlußgegner in Deutschland, daß hier an unserer Reichsgrenze in unmittelbarer Nachbarschaft von uns ein Herd des Bolschewismus unter Feuer gehalten werde, aus dem jederzeit die Funken wieder und noch weiter aufspringen können, wie am 15. Juli. Unsere Sache ist es allein, warnen. Pflicht derer, die Oesterreich so geschaffen haben und die glaubten, ihm mit der Dölkerbunbsanleihe auf die Beine zu helfen aber ist es, hier auf den europäischen Frieden und seine Wahrung bedacht zu fein, ehe es zu spät ist! toegung setzen und in früheren Zeiten mannigfache Figuren sich beim Glockenschlag bewegen ließen. Auf den Gedanken aber, das Kalenberdatum und den Wochentag, die doch auch so manchen interessieren, anzuzeigen, ist man bisher nicht gekommen. Einen Vorschlag dieser Art macht nun Ober-Regierungsrat Dock in her „Umschau". Er regt an, bas große Antriebsgewicht des Uhrwerkes, das bisher schamhaft im Innern des Turmes verborgen wurde, dazu zu benutzen, und zeigt, wie diese nützliche Nebenaufgabe ohne große Mehrkosten erreicht werben kann. Wenn man das Uhrgewicht aus dem Turm hervorholt und außen an einer • mittleren Führungsschiene herabgleiten läßt, so muß seine Größe derart gewählt werden, daß seine Fallhöhe innerhalb eines Monats etwas geringer ist, als die Höhe des Turmes unterhalb des Zifferblattes, so bah also nur einmal am Monatsende das Aufziehen nötig ist. Haben wir z. D. einen Turm, der unter dem Uhrwerk noch eine Länge von 35 Meter hat, so kann das Gewicht in 24 Stunden einen Fallweg von etwa 1 Meter zurücklegen. Man teilt bann die Turmfläche neben der Führungsschiene in 31 Abschnitte von je 1 Meter Höhe und setzt in jeden Raum eine Tageszähl. Das Uhrgewicht gibt dann durch seine Stellung an, welchen Tag wir im Monat haben. Hot ein Monat weniger als 31 Tage, so wird die Uhr eben einen Tag früher auf gezogen. Will man nicht nur bas Datum, fonbern auch ben Wochentag anzeigen, so braucht man nur bas Gewicht dementsprechend auszubilden. Man nimmt einen Kasten, dessen Vorderfläche nur zur Hälfte abgedeckt ist und der sechs dünne hintereinanderliegende Blechtafeln mit den Namen der sechs Wochentage enthält. Diese Tafeln werden abwechselnd in ben freien Kastenausschnitt herabgelassen, und zuletzt erscheint dec Name des siebenten Wochentages auf der Hinteren Kastenfläche. Das Heben und Senken der Blechtafeln kann automatisch in derselben Weise erfolgen, wie es bei den Fahrtrichtungs-Anzeigern auf den Bahnsteigen her großen Bahnhöfe der Fall ist. Der „Kalendertum" gibt uns bann nicht nur die Zeit an, sondern em Blick nach ihm unterrichtet uns auch über das Datum und ben Wochentag, ben wir gerade haben. 1-: Schuh m :• ■ rervereins Von Aer Verla gfe. das ancr behriich sewinnb: AeA Vetlang Geüügö RaW odei Konferenz des Bezirksleh Schotten beschäftigte sich in einem Referate des aD&n. nahen D" Heinrich. * liung mit Kopf- E Seligensiai suchung VN such oder 1 Aus -er Prsvinzialhauptftadt. Gießen, den 30. Juli 1927. Erntezeit. Die Ernte hat begonnen. Wir sagen, die „Ernte" schlechthin, denn soviel Gaben und Früchte auch dem Schoße der Erde entsprießen, die wichtigste Frucht für die Nahrung des Menschen ist doch sein tägliches Brot, die Brotfrucht, das Getreide. Wieder stehen aus abgemähten stoppeligen Feldern die Kornmandeln, wie dankend zum Himmel emporgehobene Arme. Eine eigenartig graugelbe Tönung liegt über den großen Halmbüscheln, als wäre das Leben in ihnen abgestorben. Und doch quillt aus ihrer fahlgewordenen Hülle ein Strom, eine Fülle des Reichtums und des Lebens. Auch wer sonst mit verschlossenen Sinnen durch Feld und Flur geht, an der Beredsamkeit eines wo- ? enden Getreidefeldes oder an der erwartungsvol- en Bereitschaft des eben gemähten Kornackers, der zum letztenmal vor der Einfuhr in die Scheune in vollen Garben die Kinder seines Schoßes trägt, kann nicht leicht einer empfindungslos und gleichgültig vorübergehen. Das Kornfeld ist so recht ein Sinnbild des Lebens, eine Stätte der Vergänglichkeit und immer wieder sich erneuernden Werdens. Freilich, — der Dauer, der jetzt in heißer Mühe Dom ersten dämmernden Morgen bis hinein in den versinkenden Abend auf den Feldern werkt und schasst, hat in diesen Erntetagen noch seine ganz besonderen Gedanken. Ihm ist jede Garbe Roggen, jede Fuhre Weizen ja ein unendlich mühevoll erkämpfter und erarbeiteter und mit tau- seird Hoffnungen und Himmelsblicken umgebener Besitz, um den er so in mancher Stunde zürnender Raturgewalten gezittert, dessen Reise er halb mit Bangigkeit im Herzen und halb mit froher Zuversicht entgegensah. Wenn dann aber endlich die Stunde gekommen ist, in der die Sense des Schnitters rauschend durch das Kornfeld fährt, wenn die pralle Erntesonne die Garben bleicht und schließlich der Erntewagen hochbeladen in die Scheune schwankt, dann geht durch die Seele des Land- mann- ein dankbares Stoßgebet zu dem, der ihm den Lohn seines Fleißes behütet und gütig in die Arme getragen hat. Man sieht jetzt leider in den Straßen der Städte, auf Kehrichtplätzen, in Anlagen und Gärten erschreckend ost weggeworfenes Weiß- oder Schwarzbrot, eine Erscheinung, die in den Jahren der Rot und des Mangels aus guten Gründen nicht mehr zu bemerken war. Es tut einem in der Seele weh, sehen zu müssen, daß auch mir ein Mensch dem täglichen Brot nicht die schuld.ge Achtung erweist. Das Brot ist heilig. Und wer immer jetzt vvrübergeht an den Feldern der Ernte und nicht Ehrfurcht empfindet vor diesen Gaben Gottes und dem aufopfernden Fleiß derer, die sie zum Wohle der Menschen in die Scheune brin00 ? Hcrl'sib" auf Sen« H beten §ahre -ine Pmsai len der Ar 3imgbulkn eine Anzahl iung lamnn Zeichnung V rung der stattfinden. ?> Obe fcifter w stücke km ; gegründete sich in ein« M Bürger sanmlung i xöuf;en». LZochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 190, Matte 25 bis 30, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 25 bis 30, gelbe "Rüben 15 bis 20, vore Rüben 15 bis 20, Bohnen, grüne 20 bis 25, gelbe 25 bis 30, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 25 bis 60, Zwiebeln 20, Rhabarber 15 bis 20, Pilze 30 bis 40, Kartoffeln 7, Frühäpfel 30 bis 40, Birnen 30 bis 60, Heidelbeeren 45, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bis 25, Himbeeren 30 bis 40, Brombeeren 60, Pflaumen 50 bis 60, Mirabellen 70 bis 80, Reineclauden 60, Honig 45 bis 50, junge Hahnen 100 bis HO, Suppenhühner 100 bis 110 Pf. das Pfund: Eier 12 13, Blumenkohl 20 bis 80, Salat 5 bis 15, Salatgurken 20 bis 60, Einmachgurken 4 bis 6, Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück, Radieschen Dd. 10 Pf. Bornotizen. — Tages kalen der für Samstag. Gesangverein „Heiterkeit": 8.15 Uhr, Vereinslokal, Generalversammlung. — Schützenverein: 8.30 Uhr, Schützenhaus, Siegesfeier. — Palast-Lichtspiele: „Staatsanwalt Jordan .— Astoria-Lichtfpiele: „Eine Schreckensnacht in Sing-Sing". — Tageskalender für Sonntag. Kavallerieverein: 3 Uhr nachm Kaufm. Vereinshaus, Familienfeier. — Sportplatz 1900: Nachmittags 3.30 Uhr, Fußball-Lokaltreffen V.f. B—1900. — Lichtspieltheater wie Samstag. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei nochmals auf die interessante und spannende Neuheit „Der Garten Eden" von Bernauer und Oester- reicher, die am Dienstag, 2. August, abends 8 Uhr, in Szene geht, hingewiesen. Die Aufführung darf um fg mehr Interesse beanspruchen, als sich eine vorzügliche Besetzung ermöglichen ließ. Die Spielleitung liegt tn den Händen des neuen Bonvivants unserer Bühne. Herrn San» nert, der auch eine der Hauptrollen spielt. ** Personalien. Ernannt wurde am 21. Juli der Polizeiversorguttgscmwärter Hane Spatz zu Gießen zum Polizeiverwaltungsassistenten, mit Wirkung vom 1. August 1927. — Ober- regierungsrat Stammler beim Finanzamt Alzey wurde zum 1. August d. I. als Vorsteher an das Finanzamt Darmftadt-Land versetzt. *• Evangelisch-kirchliche R ach ri ch- teau Der evangelische Pfarrer Otto Pabst zu Darmstadt wurde auf sein Rachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit mit Wirkung vom 1. Sept. 1927 in den Ruhestand versetzt. — Aus dem Dienst der evangelischen Landeskirche wurden auf ihr Nachsuchen entlassen: Pfarrer- Fritz Fresenius zu Essenheim und Pfarrassistent Otto Schultheis zu Gießen. ** Erledigte Stellen. Erledigt fint>: Eilte Lehrerstclle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Lardenbach, Kreis Schotten: Dienstwohnung tft. nicht vorhanden: — eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Lich, Kreis Gießen: Befähigung zur Erteilung von fremdsprachlichmt Unterricht ist erforderlich: — vier Schulstellen für evangelische Lehrer an der Volksschule zu Langen. Kreis Offenbach a. M., Bewerbungen sind an das Kreisschulamt Groß-Gerau zu richten. ** Fräulein Luise Hanstein, eine geborene Gießenerin, Lehrerin der Gießener höheren Töchterschule in Pension, Steinstr. 51, begeht am 2. August in völliger geistiger und körperlicher Rüstigkeit ihren 86. Geburtstag. ** 90jähriges Jubiläum. Am 1. Aug. sind cS 90 Jahre, daß die Familie Lyncker die Domäne Schiffenberg von dem hessischen Staat in Verwaltung übernommen hat. Wenn aus deut Schiffenberg seit Großvater Lynckers Zeiten auch so manches sich geändert, manches der Neuzeit entsprechend sich gewandelt hat, er bleibt doch nach wie vor einer der beliebtesten und schönsten Ausflugsorte für die' Bewohner unserer Stadt Gießen, zumal er jetzt auch für solche, die weniger gut zu Fuße sind, mit dem Autobus leicht und bequem zu erreichen ist. ** Son Verzüge zum Marburger U n i v e r s i t ä t s j u b i l ä u m. Aus Anlaß des 400jährigen Jubiläums der Llniversität Marburg hat die Reichsbahndirektion Frankfurt a. Main zur Bewältigung des Verkehrs für Sonntag, 31 Juli, besondere Maßnahmen getroffen. Die beschleunigten Personenzüge Nr. 769 Frankfurt a. M—Hamburg, Gießen an 10,14, ab 10,19, und 770 Hamburg—Frankfurt a. M., Gießen an 20,21, ab 20,33, verkehren zwischen Frankfurt a. M. und Marburg in zwei Teilen. Vorzug 769 fährt Gießen ab 10,09. Vorzug 770 Gießen ab 20,23. Außerdem verkehren in der Nacht von Sonntag zu Montag folgen De Verwaltungs- svnderzüge: Marburg bis Frankfurt in Marburg ab 0,30, Gießen an 1,19, ab 1,29, Frankfurt a. M. an 3,33. Der Zug hält zwischen Marburg und Frankfurt a. M. auf allen Stationen mit Ausnahme in Ostheim bei Butzbach und Vilbel-Süd. Dieser Zug hat in Niederwalgern Anschluß an einen Sonderzug nach Gladenbach Ferner verkehrt in Der gleichen Nacht ein Verwaltungssonderzug von Marburg nach Kassel mit Anschluß in Kirchhain an einen Sonderzug nach Burg- und Niedergemünden. Marburg ab 0,35, Burg- und Niedergemünden an 1,55. Der Zug hält zwischen Kirchhain und Burg- und Niedergemünden auf allen Stationen, mit Ausnahme in Wäldershausen. Fertter ein Sonderzug von Niederwalgern bis Weidenhau- sen. Ji^ Niederwalgern ab 0,53, tn Weidenhausen ** Militärkonzert. Am Donnerstagabend fand auf der „Liebigshöhe" das 6. Abonnementskonzert unserer Reichswehrkapelle statt. Auch diese Veranstaltung zeichnete sich durch einen außerordentlich zahlreichen Besuch aus und nahm in allen Teilen den gewohnten guten Verlaus. KÄstm Bt "”06, Sr * i*« Mcirft- r fpatet em- Woche verc len werden vr ■A? s hastcm Beifall aufgenommen wurde und durch zahlreiche Einlagen eine willkommene Erweiterung erfuhr. Starken Applaus erzielten besonders die Bravour-Arie für Oboe-Solo (Herr Schubert), die Melodien aus der Operette „Der Dettelstu- dent", das Eharakterbitd „Dlumengeflüster", die Große Fantasie aus der Oper „Rienzi" und das Schluß-Potpourri aus der Operette „Der Zigeu» nerbaron". Der Konzertabend bot im ganzen wieder einige Stunden angenehmer Ablenkung nach des Tages Last und Mi'chen. ** Zurück zu den Volkstänzen! In Köln sind die deutschen Tanzlehrer während ihrer Genossenschaftstagung darüber übereingekommen, in Zukunft alles zu tun, um der Schönheit der alten deutschen Volkstänze neuerdings Geltung zu aer- schaffen. Das ist eine Tat, der mail nur wünschen kann, das; sie aüf der ganzen Linie von Erfolg begleitet sein möge. Die deutschen Tanzlehrer haben mit der Bekundung ihrer Absicht allen denen aus dem Herzen gesprochen, die es mit dem Tanz, insbesondere dem Gesellsä-aftstanz, ernst meinen. WEN. Das Ende Der Hellen Rächte. Mit Ablauf des Monats Juli geht die Zeit der Hellen Rächte, der mitternächtigen Dämmerung, zu Ende. Die Sonne sinkt nachts wieder mehr als 18 Bogengrade unter den Horizont und kann infolgedessen nicht mehr die oberen Schickten der Atmosphäre beleuchten, die in der Periode der Nachthelligkeit den sogenannten Nordschein bilden. Die Nächte werden von jetzt an wieder völlig dunkel. ** Der eiserne Lichtmast an der Straßenkreuzung beim Cafa Hettler, der ein großes Verkehrshindernis bildete, wird augenblicklich entfernt. Dafür wird die Lichtleitung mit zwei anderen, vor den Torhäusern stehenden Masten verspannt werden. Die Straßenkreuzung ist dann vollkommen frei und vor allen Dingen übersichtlicher. ** Postkarten im Ortsverkehr kosten nach dem am 1. August in Kraft tretenden neuen Tarif 5 Pfennig, worauf wir, um Mißverständnisse zu.vermeiden, nochmal Hinweisen: in einem Teil der Auslage unserer Nr. 171, in der wir die neuen Gebühren bekanntgaben, ist versehentlich eine falsche Ziffer eingesetzt worden. Oberhessen. Landkreis Hießen. . Y Mainzlar, 29. Juli. Seit einigen Tagen ist nun die Kornernte bei uns im vollen Gange. Sie verspricht — eine gute Einfuhr vorausgesetzt — in diesem Jahre einen sehr guten Ertrag, man kann sogar den Stroh- sowie den Körnerertrag als ausgezeichnet bezeichnen. Ebenso stehen die Sommerhalmfrüchte sowie die Hackfrüchte vorzüglich. Don schweren Wettern sind wir bis jetzt verschont geblieben. Kreis Friedberg. ,# Butzbach, 29. Juli. Die hiesige Der- etiisbank für Butzbach und plmgegend hielt eine Aufsichtsratsitzung für das verflossene Halbjahr 1927 ab und legte dem Aufsichtsrat den bereits vor genommenen Abschluß vor. Es konnte festgestellt werden, daß sich die Dank, die auch die Sparkasse von dem benachbarten Dorfe Griedel übernommen hat, in dem genannten Zeitraum wieder äußerst günstig entwickelt hat. Der Umsatz ist auf fast 14 Millionen Mark gestiegen. Die Mitgliederzahl hat sich von 176 auf 373 erhöht. Die Bilanzsumme beträgt 649 866 Mark und hat damit diejenige vom 2. Halbjahr 1926 um fast 200 000 Mark überstiegen. Kreis Schotten. WSN. Schotten, 29. 3ult Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung einstimmig beschlossen, für das von der Stadt Schotten zu errichtende Heimatmuseum des Vogelsberges den Saal im Schottener RathawS, das bekamttlich selbst eines der schönsten Fachwerkhäuser Oberhessens ist, zur Verfügung zu stellen. =.= Schotten, 29. Juli. Eine hier stattgehabte sie bei dieser Aufgabe-zu unterstützen und die Briefkasten überwachen zu Helsen. Selbst wenn sich nur einige hundert Personen der Aufgabe unterziehen würden, bei ihren Spazier- und Geschäftsgängen durch die Stadt auf die Briefkasten zu achten, und wenn insbesondere die Bewohner der Häuser, an denen sich Briefkasten befinden, und auch die Bewohner benachbarter und gegenüberliegender Häuser ihr Augenmerk darauf richten würden, so dürfte der Erfolg nicht ausbleiben. Es ist hierbei natürlich erforderlich, die Personalien der Täter so festzustellen, daß gegen diese eingeschritten werden könnte. gen. der ist nicht wert des Segens, der aus dem täglichen Brote quillt Oberbürgermeister Keller Dr, jur. h. c. Die juristische Fakultät der Universität Gießen hat dem Herrn Oberbürgermeister Keller die Würde eines Doctor juris utriusque honoris causa verliehen. Die feierliche Ueberreichung des Diploms findet heute durch den Dekan der Fakultät im Beisein des Herrn Prorektors im Stabt- hause statt, lieber den Verlauf dieser Seier werden wir noch Näheres berichten. 75. Stiftungsfest des Gießener Wingolf. Vom 1. bis 3. August feiert der Gießener Wingolf sein 75. S t i s t u n g s f e st. Er ist am 15. August 1852 auf dem Gleiberg gegründet worden. Seine Stifter fühlten sich getragen von einer durch alle deutschen Hochschulen hindurchgehenden Bewegung, die dem christlichen Gedanken einen stärkeren Einfluß auf das studentische Leben oer= schaffen wollte. Die altüberlieferten Formen des deutschen Korporationswesens mit christlichem Idealismus zu erfüllen, das war die Aufgabe, die sich der Wingolf gestellt hatte. Diese Aufgabe war nicht leicht. Manches Uebcrfommene, das dem neuen Geist nicht standhielt, muhte fallen. So vor allem das Duell. Darüber kam es zu Mißverständnissen und Kämpfen. Aber der Wingolf hat sich durchgesetzt. Heute steht er unangefochten und festgegründet, in feinen Idealen verstanden als charakteristisches Glied inmitten der deutschen Studentenschaft. Er hält der Vergangenheit und ihren ehrwürdigen Symbolen die Treue. Aber er ist aus tiefem sittlichen Verantwortungsgefühl heraus auch aufgeschlossen für die Pflichten, die die Gegenwart in geistiger, sozialer und völkischer Hinsicht von den Studenten fordert. Und er schreitet in dem Bewußtsein, seine Sendung innerhalb der akademischen Welt immer reiner erfüllen zu mässen, frohen Mutes in die Zukunft, dem 100. Stiftungsfest entgegen. Der Gießener Wingolf gehört dem großen, fast über olle deutschen Hochschulen verbreiteten Wingolfsbund an. Aber er fühlt sich dabei doch als ausgesprochen hessische Verbindung. Er wurzelt tief im Heimatvoden. Eine stattliche Zahl weitverzweigter, altansässiger Familien ist ihm sozusagen durch Erbgang zugetan. Seine Mitglieder haben, nun schon bald in der dritten Generation, in kirchlichen und staatlichen Aemtern sowie in freier Berufstätigkeit reichen Anteil am hessischen Volksleben genommen. Das vaterländische Empfinden, das den Gießener Wingolf beseelt, zieht seine beste Kraft aus diesem Verbundenheitsgefühl mit der hessischen Muttererde. Daß der große Krieg die Angehörigen des Wingolf mit in der ersten Reihe sah, daß viele, von dem glühenden Bestreben erfüllt, aus dem Fechtboden der Weltgeschichte ihren Mann zu stehen, die Treue zum Vaterland mit ihrem Blut besiegelten, ist bei der engen Verbindung von Wingolf und Heimat selbstverständlich. Doch nicht nur mit dem Land, auch mit her Stadt Gießen, dem Sitz der alma mater, ist der Wingolf aufs engste verwachsen. Es liegt ja auf der Hand, daß sich im Laufe Der Jahre zwischen einer schon so alten Verbindung und der Bür» gerschaft aus gemeinsamem ernstem und heiteren Erleben heraus zahlreiche Bande schlingen, oft tief bis ins persönlichste Leven hinein. Zumal, seitdem der Wingolf sein eigenes Hans in der Wil- Helm st raße besitzt, fühlt er sich in Gießen heimatberechtigt. Er hat den Pulsschlag des städtischen Lebens immer als feinen eigenen mitempfunden. So wird er auch auf freundliche Anteilnahme rechnen dürfen, wenn mm bei ihrer Jubelfeier die „Schwarz- kappen" die alten Straßen der Stadt dichter bevölkern und die schwarzweißgoldenen Fahnen wehen. Dr. A. Ueberwachung der Ltrahenbriefkasten. Die von der Deutschen Reichspost in den Straßen der Stadt angebrachten Briefkasten sind schon immer ein Angriffsobjekt unreifer und roher Elemente gewesen. Richt nur, daß fortgesetzt die Außenseite der Briefkasten beschädigt und beschmutzt wurde, sondern auch ihr Inhalt ist vor dem Vandalismus und den Zugriffen dieser Elemente nicht sicher ge- wesen. So wurde unter den eingesammelten Briefen dauernd Unrat aller Art, wie Steine, Scherben, Obstabfälle usw. vorgefunden. Weiter ist im Laufe der Jahre mehrfach der Versuch unternommen worden, die Briefkasten zu berauben oder ihren Inhalt in Brand zu stecken. Trotz dauernder Ueber- wachung, an der auch di« Polizeiorgane teilgenommen haben, ist es aber nur in vereinzelten Fällen gelungen, die Täter zu ermitteln und sie der verdienten Bestrafung zuzuführen. In letzter Zeit haben nun gewisse Vorkommnisse so zugenommen, daß es unbedingt geboten erscheint, die Oesfenilichkeit darauf austnerksam zu machen und sie zur Mithilfe bei der Bekämpfung der Mißstände aufzurufen. So ist in den Monaten Juni und Juli innerhalb von 5 Wochen zweimal der Inhalt einzelner Briefkasten in Brand gesetzt worden. In beiden Fällen ist eine erhebliche Anzahl von Brief- sendungen mehr oder minder stark durch das Feuer beschädigt worden. An anderen Tagen unter den eingesammelten Briefsendungen aufgefundene Reste von Zigarren, Zigaretten und angebrannten Streichhölzern lassen darauf schließen, daß der Versuch noch öfters unternommen worden, aber ohne Erfolg geblieben ist. Weiter sind im letzten Vierteljahr zwei Versuche bekannt geworden, Briefkasten zu berauben. In beiden Fällen sind die Täter bei ihrem Tun und Treiben längere Zeit von Bewohnern der Häuser, an denen sich die Briefkasten befanden, beobachtet worden. Unbegreiflicherweise haben aber die Beobachter, beidesmal Frauen, nichts unternommen, um die Täter zu hindern und ihre Persönlichkeit festzustellen, obwohl Zeit und Gelegenheit dazu vorhanden waren. Daß neben diesen Vorkommnissen auch der Einwurf von Unrat und Abfällen aller Art in die Briefkasten nicht geringer geworden ist, braucht wohl nicht mehr besonders betont zu werden. Diese Vorkommnisse gefährden nicht nur die Sicherheit und schnelle ungehinderte Beförderung der Postsendungen, sondern es können dadurch auch Krankheitserreger auf die Sendungen übertragen werden, gegen die insbesondere die Empfänger der Sendungen wenig Schutz haben. Es liegt daher durchaus in den Belangen der Allgemeinheit, daß diesen Uebelftänöen baldigst und gründlich abgeholfen wird. Erfahrungsgemäß reicht hierzu die Ucberwachung durch dos Postpersonal und die Polizeiorgane nicht aus , denn es ist ja selbstverständlich daß die Täter von ihrem Tun ablassen und sich schleunigst entfernen, sobald sie eines uniformierten oder sonst bekannten Vertreters des Staates auch nur von weitem ansichtig werden. Die Poft richtet dankte ihm für alles, was er für den Kreis geeist et hatte und dankte der Familie, die auf manche stille Stunde hatte verzichten müssen, weil die Pflicht den Vater zur Arbeit an seiner .eliebten Turnsache gerufen hatte. Mit Dem Wunsche, daß die gesäte Saat nicht vergehen möge, legte Turner Kalbhenn seinen Kranz auf das Grab. Aü der Ruhestätte von Thierolf sand eben» alls Pfeiffer warnre Worte dankbarer Erinnerung. Mitten aus der Arbeit hat das Schicksal Thierolf abgerufen. Schwer und bitter ist der Tod, doch in den Sielen sterben, ist schön! Die Arbeit war sein bester Freund, seine Pflicht tat er bis zum Letzten. Er ruhe sanft! Eine weihevolle Kundgebung spielte sich am Grabe Felsings ab. Turner Kalbhenn ergriff das Wort: „Bruder FÄlsing, Dich grüßt eine der ältesten Turnerfahnen mit Deinem Symbol, den vier „F", der Helmzier der Deutschen Turnerschaft. Aushalten werden wir in Deinem Sinne und Dein Andenken immerdar wahren. Der „Jahn Darmstadts" soll uns ein leuchtendes Beispiel sein mrd sein Erbe ist uns heilig! In den Nachmittagsstunden war sozusagen die Bevölkerung von ganz Darm- stadt auf Den Deinen; galt es doch, Die Turner aus Dem S aar gebiet zu empfangen. Sie trafen in mehreren Sonderzügen, die reich geschmückt waren, hier ein, wurden mit Musik und Begrühungsreden empfangen und zogen dann durch die Stadt nach ihrem im südlichen Stadtteil gelegenen Quartiere. Die Straßen waren dicht umsäumt von Menschen; alle Schichten Der Bevölkerung waren vertreten. Man jubelte Den Gästen lebhaft zu; immer wieder ertönten die Gut-Heil-Rufe. Die heutige Abendveranstaltung ist als ein Ehrenabend für Die Bewohner des besetzten Gebietes gedacht, insbesondere für die Saarländer. Schon eine Stunde vor Beginn macht sich ein ganz riesiger Zustrom zum Festplah und zur Festhalle bemerkbar. Das Fest vollzog sich in ähnlichem Rahmen wie am Abend vorher. Der Gauver treten Roth entbot Den Saarländern und Den andern Besuchern aus dem besetzten Gebiet herzliche Begrüßungsworie, denen sich Bürgermeister Müller im Namen der Stadt Darmstadt an-> schloß. Schulrat H a s s i n g e r dankte Den Bewohnern des besetzten Gebietes für ihre Treue. Die Tage, Die sie im unbesetzten Deutschland zubringen, möchten ihnen zur seelischen Stärkung gereichen. Der Vorsitzende Der Deutschen Turnerschast. Professor Dr. Berger berichtete über seine Erfahrungen in Den ©renzlanid'en, wo überall das Deutschtum unterdrückt werde. Die Deutsche Turnerschaft müsse den bedrängten deutschen Brüdern und Schwestern beistehen, daß sie ihr Volkstum hochhalten. Es gelte zusammen» zu stehen und im Deutschen nicht erst den Parteimann, sondern Den deutsch en Bruder zu sehen. Kreisvertreter Pfeifer erklärte, die Turnerschast im besetzten Gebiete und in den Grenzgebieten müsse Der Eckpfeiler sein an dem alle Ent deut schungsbestvebungen zerschellten. Er Deutete auf den Äbstimmungstag im Sa ar lande Hin, an dem die Saarländer zeigen müßten, Daß ihre Treue Nicht untergegangen ist. Gauvertreter D u r ck - Saarbrücken dankte im Namen der Bewohner des besetzten Gebietes. Keine noch so künstlich gezogene Grenze würde sie von Dem Deutschen Vaterlande trennen. Der Abend brachte im übrigen wieder turnerische Vorführungen,, darunter auch von Turnerinnen and Dem Saargebiet, und außerdem auch eine Wiederholung des Fe st - spie les. Lehrers Melchior-Darmstadt mit der Neugestaltung des Schreibunterrichtes na di Sütterlin. =.= Hartmannshain, 28. Juli. Ein von hier stammender 55jähriger Mann wurde in der Nähe des Selgenhofes bei Ulrichstein tot auf- gefunden. Man nimmt an, daß die Todesursache in Entkräftigung des Mannes zu suchen ist. Vor etwa 14 Tagen war er noch in der Nähe Ulrichsteins gesehen worden. =.= Ober-Seemen, 29. Juli. Die zur Anschaffung einer neuen Kirchenorgel veranstaltete Haussammlung ergab den Betrag von 500 Mk. Weitere 500 Mk. sind bereits als Orgelbaufonds vorhanden, so daß die hiesige Kirchenge- meinte in der Lage ist, auf die bei der Finna Link-Giengen bestellte Kirchenorgel eine größere Anzahlung zu machen. Für den Restbetrag von 4000 Mk. kommt die politische Gemeinde auf. Da die angesehene Orgelbaufirma eine Reihe von Aufträgen nach Südamerika zu erledigen hat, verzögert sich die anfangs bis zum Herbst d. I. vorgesehene Fertigstellung der Orgel bis 3um Frühjahr des nächsten Jahres. —8— ©e Der n, 29. Juli. Sicherem Vernehmen nach wird Der bekannte Kurzstreckerimeister Dr. P e l h e r im Verläufe Des August zum Besuche eines StuDienfreunDes auf einige Tage hier eintreffen. —S— Herchenhain, 29. Juli. Das I u - gendheim an Der Herchenhainer Höhe erfreut sich bei jungen unD alten Wanderern immer steigender Beliebtheit. Fast jeDe Nacht ist es von Schulklassen und Einzelwandererri stark beseht. Nachdem die Darmstädter Kinder wieder nach einem vierwöchigen Erholungsaufenthalt abgereift sind, ist jetzt eine Mainzer Kindergruppe von 30 Schülern Unter Führung eines Junglehrers zur Erholung hier eingetroffen. Kreis Alsfeld. •*er. Homberg a. D. Ohm, 29. Juli. Seit Donnerstag ist man dahier mit Dem Schnitt Der Gerste beschäftigt; Der Roggen Dürfte erst mit Beginn nächster Woche schnittreif fein Infolge der schweren Gewitterregen haben wir viel Lagerfrucht: das Schneiden mit der Maschine ist dadurch sehr erschwert, toenn nicht ganz unmöglich gemacht. — Der Gendarmeriewachtmeister Heinrich Schneider, hier, Der seit dem 1. September 1926 mit Der Führujng der ©enDarmerieftation Homberg beauftragt ist, wurde durch Verfügung des Hessischen Ministeriums des Innern vom 17. Juli zum ©en« darmerie-Oberwachtmeister befördert. daher an die Allgemeinheit die dringende Bitte, Die Kapelle erfreute die Besucher durch ein vor- ~ ' trefflich zum Vortrag gebrachtes, abwechslungsreich zusammengestelltes Programm, das mit leb- go Umleitung bisaufweiteres Bruchenbrücken bis auf weiteres bis 11. August Burgsolms bis auf weiteres bis 15. August bis 15. August Esch —Tenne Steinfischbach Folgende Straßensperrungen sind aufgehoben worden: Aus unserem Er muri-Sortiment: Werbetrommel 66374 7056V l Mnmtaisdi I IllllUU lllllUÜIl I belebe Zcitickriftenrciicndc, Einzel | IS vaiMwUMiMv • ger, oder Kolonnenangehörige m thron SltorMortft um fiO0 „ prflKÜPtl LzrjaSS Einzelgän- roolien 7050V Bankgeschäft. 0999D 55.00, 34.50, 24.50 Betten Steiners-Paradies Steppdecken 36.50, 18.50, 12.50 Br • Hl-n^-SOL'SpRUDEl.-BAO-“ . In welchem Straßenzug liegt die Strecke? Für welche Fahrz. erfolgt die Sperrung? Voraussichtliche Dauer der Sperre 5EIITNFL0CKEN «SUNLICHT»MANNHEIM Frankfurt - Vilbel- Friedberg Friedberg - Butzbach Leun - Philipp- stein bzw. Burgsolms Biedenkopf - Marburg Limburg - Coblenz Neuweilnau- Idstein Friedberg - Bad-Nauheim - Niedermörlen, Lollar-Landesgrenze, Richtung Sichortshausen. Biedenkopf - Eckelshausen von km 0,3-1,5 Nentershausen-Montabaur von km 15,9-17,6 Leun - Bahnhof Braunfels von km 0,0 —1,5 Welche Strecke wird gesperrt? Butzbach - Niederweisel - Niedermörlen Griedel - Rockenberg - Steinfurth Zuruf wiedergewählt. Alt Stelle deS verstorbenen Vorstandsmitgliedes Friedrich Jung IV. wurde Wilhelm Bonn gewählt. Zum Genossenichafts- vorsteher wurde Georg Franz IV. und $u dessen Stellvertreter Gemeindevorsteher Aor Nebenstraßen bis Eckelshausen Ruppach - Doldhausen - Heilgenroth Bund Deutscher Radfahrer Gau 73 (Lahn) JMWenMM "gÄnWen Ausstossung Mein u.orelswert OleBrtihl föie Aniv.-Drullere!, H. Longe. Gießen. sMslcr. Gelnhausen, 1 Bahnstunde von Frankfurt a.M., herrlich eLage am Hange desVogels- berges, in nächster Nähe des Spessarts. Berühmte Bau-u. Kunstdenkmäler. Barbarossa- burg.Marienkirche.Befestigungsanlagen.Das neuerbauteKurhausinmittendesprächtKur- parks bietet billige Unterkunft in komfortabl. Fremdenzimmern.GutePrivatponsionen.Sol- sprudelbad heilt Nachwirkungen der Grippe, Rheuma, Gicht, Herz- und Frauenleiden wie Nauheim. Bad Mk. 2.-. Fluß- und Sonnen bad. Prospekt frei durch Magistrat. 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Friedrich Dorsch, Georg Lenz VIII. und Ludwig Engel wurden durch das anerkannt erfolgreichste Geflügelfutter ist unentbehrlich für jeden Geflügelhalter, der seine Zucht gewinnbringend gestalten will. Ohne Muskalor-Fütlening keine Leistnngsznchl! Verlangen Sie kostenlos die Broschüre „Rationelle Geflügelzucht“ bei der Raiffeisen-Hauptgenossenschaft Frankfurt a.M. oder dem nächstgelegenen Raiffeisen-Lager. ______________________ 6495 Haltet Sonntag, den 7. August, frei für das Gau - Sommerfest in Bad-Nauheim Lehrling von hiesiger Großhandlung für sofort gesucht. Schriftliche Angebote unter 70240 an den Gießener Anzeiger. Vevüreies redegewandt, die In Kolonialwarengeschäft, bestens elngesübrl sind, zwecks Berkaut» eines neuen, ielbsttätigen Lvaschmittels mit Gutscheinen, das eine große Zukunft besitzt, gesucht. Schriftliche Angebote mit Reser, uni. Nr. 381 (704SD) an d. Greß. Anz. bietet sich durchUebernahme derFabri- kation eines von jedermann tägl. gebr. koSmet Artikels. 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Der Preis für die Kartoffeln beträgt 6 bis 6.50 Mk. je Zentner beim Erzeuger Dillkrcis. bl. S) a i g e r, 29. Juli. Der Gau Hessen-Nassau des Deutschen Schützenbundes veranstalte! in den Tagen vom 6. bis 9. August Hierselbst das 2 9. ® a u» Bundesschießen. Der hiesige Schützenverein, dem die Durst),'ührung des Festes übertragen ist, ist bemüht, durch ein gediegenes Programm allen Schützenbrüdern die Tage angenehm zu gestalten. bl. Dillenburg, 29. Juli. Der Schlosser Karl Orth wurde auf seiner Arbeitsstätte im nahen Eibelshausen von einem Herzschlag getroffen, der den sofortigen Tod herbeiführte. Der Tote hinterläßt mehrere unversorgte Kinder. Unterlahnkreis. LPD. Lahn st ein. 28. 3uli Die Arbeiten der Lahnkanalisation können nur langsam vor sich gehen. Die andauernden Gewitterregen an der oberen Lahn verursachen einen derartig hohen Wasserstand, daß tagelang die Arbeiten eingestellt werden müssen. Die Staustufe bei Aassau ist sehr weit zurück, da die Arbeiten zeitweise ganz eingestellt werden muhten und gegenwärtig auch noch ruhen. Dei Diez dagegen kann in Wechselschicht gearbeitet werden, die Staustufe bei Diez wird in diesem Monat vollendet. Dei Dausenau ruht ebenfalls die Arbeit, da das Sturzwasser die Arbeiten zu sehr behindert und auch die fertiggestellten Teile wieder beschädigt. V Greb en au, 29. Juli. Dieser Tage verunglückte das fünfjährige Söhnchen des Zugführers Groh. Cs kletterte beim Spielen auf die Brüstung der Jossabrücke in der Dahnhof- strahe und st ü r z t e hinab. Dabei zog es sich einen doppelten Armbruch zu Der Junge tourhf' ins Krcisl rankenhaus Alss? iber= führt. regenreiche Sommer hat einen vorzüglichcnStand aller Feldfrüchte, insbesondere des Roggeirs und der Hackfrüchte bewirkt. Doch tritt die Getreidereife recht verspätet ein. Es dürfte mindestens noch eine Woche vergehen, bis der erste Roggen geschnitten werden kann. Starkenburg. WER. Offenbach a. M., 29. Juli. Im nahen Dudenhofen schoß sich der 18jährige Heinrich Kratz mittags in der elterlichen Wohnung mit einem Flobertgewehr in den Kopf. Er wurde schwerverletzt in das Seligenstädter Krankenhaus überführt. Die Untersuchung wird ergeben müssen, ob Selbstmordversuch oder Unglücksfall vorliegt. Kreis Wetzlar. 00 Wetzlar, 29. Juli. Der diesjährige Herbst bullenmarlt findet am 17. August auf dem Haar platze hterselbst statt. Wie in früheren Jahren, so soll auch in diesem Jahre wieder eine Preisauszeichnung auszeichnungswerter Dullen der Vogelsberger Rasse stattfinden. Für Jung bullen im Alter von 12 Monaten ab soll eine Anzahl Ermunterungsbeihilfen zur 'Verteilung kommen. Im Anschluß an die Preisauszeichnung soll auf dem Markte eine Dersteige- rung der zum Verkauf aufgetriebenen Dullen stattfinden. O Oberkleen, 29. Juli. Die bei Gelegenheit der wirtschaftlichen Umlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung im Jahre 1915 gegründete Drainagegesellschaft hat sich in einer dieser Tage unter dem Vorsitze des Dürgermeisters stattgehabten Mitgliederversammlung aufgelöst, nachdem sie die bei der 3n Nachbarort bumf nach Gießen wird von alleinstehendem Ehepaar eine MshNUNg gesucht von 4 oder 3 größeren Zimmern mit Küche und Zubehör. Schrift iche.Angebote unter 6912 gn den Gteß. Anzeiger. Moeser/Giefeen Seltersweg 38 und Filialen besuch», i » o bot m ?T M hfa. Senkung nach S&y KSK •äS» lslanz, ernst ,ns’ e h?' n? seinen. btr in * jetzt $ f?i^braLan.bet®tM' kosten t m Kraft tret* neuen M toir um Mißverstand« ” Hinweisen: in einem y w, in bet wir die ?gaben, ist versehentlich letzt worden. Hessen. üs Gießen. R. Juli. Seil einigen lornernte bei und im spricht - eine gute Anfuhr diesem Jahre einen sehr nn sogar den Stroh« sowie 3 ausgMchnet k^richnen. )mmerhalmsrüchte sowie die ). Ton schweren Wettern erschont geblichen Friedberg. 9. Juli. Die hiesige Der tzbach und Umgegend hick tg für M verstossene Halb« te dem Aufsichtsrat den be- WschhH von Ss konnte & bie W bie auch baroctoßrten Sorfe®riebt! Dem genormten Zeitraum enttoidelt hat. Der SW men Mark gestiegen. Die ch von 1A aus 313 echSht. ragt 649866 Mack und hat 2 Halbjahr 1926 um fast Schotten. . 29. 3ult Die Sto&twr« hat in ihrer letztmStzM für das von der W )2 §eimatmufeumto im Schottener AaiW> eines der W * oft ist, zur Dersügum r» g Juli. Eine hier MH %&£**"* an Juli. Die zur ilN' ien, 29- ^l.chenorgei SÄ'"? it, aus -ne glühen surchenorgel e doö s tfU »** ■sss •*" en- ,n 29. 3uß' ^öhe et> y alten ngenL >rerr rgelicbt^ Wm,6iiuV dein D^igen .7^1^- an i« jetzt e’r Führet .M 3u!l «* ’nÄ«’‘4ü‘t'«■ % W > hi^L ir. etn feinster Deli-Sandblatt-Decker, Sumatra-- und San Felix-Einlage 20Pfg. Eine SpÄtzeqleistung in dieser Preislage Gründung gestellten Aufgaben im großen und ganzen gelöst hat. Soweit durch die Unterhaltung der Drainageanlagen noch weitere Kosten entstehen, werden diese von der hiesigen Gemeinde getragen. 0 Ebersgöns, 29. Juli. Die hiesige Gemeinde besitzt im Distrikt „S)eibe* eine rund 100 MorMm große Kulturlandfläche, die von den Gemeindegliedern als „Gemeindenutzen" pachtweise bewirtschaftet wird. Es handelt sich um die fogena unten „Heidäckerstämme", von denen jedem selbständigen Landwirt zwei Pläne Savsmeister gesucht. & Go. SchuhfabrL 'Brjfzbach Lim ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. Trinkt das gute Mainzer Aktien-Bier! 6222D Emil Scämall Biergrofehandlung Giefcen Frankfurter Strafte 7. Telephon 83 iiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiHiiiiiiHmuiniiiiiiiniMiiiiiiiiiniMMiiiiiiiiiiiiiiiMnnwiiinniiiiininiMnnnnMiiiiiiiiBniinMiniMiniiiniiinwiiiiiininiiiiniiiiniiiiiiiniiiiiniiiniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiinniiHin^^ Bahnhofs-Restaurant Gießen Sonntag, den 31. Juli 1927 MITTAGESSEN zu Mk. 2.20 Kraftbrühe Doria Schweinecarr^e modern Creme Figaro zu Mk. 3.50 Kraftbrühe Doria Fleischpastete, Cumberlandtunke, Hahn im Topf mit jungen Gemüsen Creme Figaro ABENDESSEN zu Mk. 3.50 Gefüllte Tomaten Ostender Steinbutt, Mousselintunke Rehnüsschen nach Jägermeister Art Eisbecher Monte Carlo Vorausbestellung von Tischen erwünscht! 7020a Westdeutscher Spielverband e. B. Gpovivlatz 10CC An der Liebigshöhe / Endstation der Straßenbahn (rote Linie) Sonntag, 31. Juli 1927,15.30 Llhr Kußball-Lokattreffen V.f.B.-lSOO (Ligamannschasten) vorher 14 Llhr: Ligareservemannschaften vorher 13 Llhr: Jugen-mannfchaften 6998D Frankfurt a. M. Restaurant Kölner Hof am Hauptbahnhof rechts Vornehm behagliche Räume Anerkannt erste Küche Dortmunder Aktien -Psts und Münchener Hofbräu Sommerterrasse Große und kleine Räume für Konferenzen u. Festlichkeiten Hotel Kölner Hof ÜberlOOZimmer mit fließend, warm, und kalt. Wasser von Mark 4.- an. 20 Privatbäder 5373»« Wiedersehensfeier in Bersrod Nächsten Sonntag findet eine Wiedersehensfeier aller auswärtiger Bersröder statt, anschließend Kim MIES Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt Hierzu ladet freundlichst ein 70220 Gesangverein „Sängerkranz" und der Gastwirt Ludwig Becker Palast-Lichtspiele Nur noch heute und morgen: Staatsanwalt Jortian mit Hans Mierendorff und Mary Johnson in den Hauptrollen. 6 spannende Akte nach dem bekannten Roman von Hans Land. Die verhängnisvollen Folgen eines Justizirrtums Der Kampf zwischen Pflicht und Neigung. Das spannende Milieu des Gerichtssaals. Die erschütternde Tragödie des Mannes von 40 Jahren Unschuldig verurteilt. Außerd.: Das lustige Beiprogramm Astoria-Lichtspiele Bis einschließlich Sonntag: Eine Mnidil in Sing-Sing das berüchtlgste und größte Zuchthaus der Welt. Der beste und spannendste Detektivfilm aus der internationalen Verbrecherwelt, der je in Gießen zur Aufführung gelangte. — Ferner. Die Lawine der Hölle oder Die Schmiede des Hasses 6 Akte nach der berühmten Dichtung Longfellows mit Virginia Valll und Blssle Dove den beiden schönsten Frauen Amerikas in den Hauptrollen. Statt Karten! Tina Kobel Or. phil. Hans Meuser Studienreferendar Verlobte Gießen (Liebigstraße 9), den 30. Juli 1927 Oie Verlobung ihrer Tochter Tma mit dem Studienreferendar Or.phil. Hans Meuser beehren sich anzuzeigen Karl Kobel u.FrauTheresegeb.Schäfer 65663 IT-C Plockstr. 5. II f Heute abend TANZ 05576 W ff L 9 =T n U. C. Plockstr-5- u. c. 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Ihre Verlobung geben bekannt Irma Weiset Otto Stumpf Garbenteich, den 30. Zull 1927 7015D Margarete Singet Fuffus Frank Verlobte Meder-Walgern Lollar im Juli 1927 .[f[rf[r..rn[..................—T.r,........n......7MD Ihre Vermählung geben bekannt Ernst Kürschner und Frau Marie geb. Dickel Schottstraße 7 Gießen Aeuemveg 42 Ihre vollzogene Vermählung geben bekannt Ferdinand Wagener und Frau Zftofe geb. Seifert Gießen/Oüsseldors Halle a. S. Peter Iansenstraße 5 im Juli 1927 ...............tttiiiHttmiitnttttiiiiittttttttitniittiiitffnt- Statt Karten! Die Geburt ihres Stammhalters zeigen an Or. Hebermehl und Frau Fülle geb. Steding Gießen/Frankfurt a. M, den 29.3ufi 1927 Nr. 176 Drittes Blatt Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Der „Tiger". Eine Unterredung mit Clemenceau. Von unferem Tr.-Äorrcfponbenten. Die Geschichte George Ctemenceaus ist die Geschick).e d^r Dritten Republik. Sein öffentliches Auftreten begann mit der Riederlage Frankreichs durch die Deutschen im Jahre 1871 und endete nach Abschluß des Waffenstillstandes, als Frank- .reich Clsaß-Lothringen zugefallen war. Es gibt wohl nur wenige Manner, die ähnlich reiche Erfahrungen fammeln konnten wie Clemerieeau, oder die mehr Rollen auf der Weltbühne spielten als er. Journalist, Dramatiker, Staatsmann, Lehrer und Autor, ist Clemenceau, der jetzt 86jährige, sicher einer der bedeutendsten Männer, die Frankreich in den letzten hundert Jahren geboren hat, und obwohl seine Ansichten eigentlich die einer vergangenen Generation sind, und er seit seinem Rückzug vom öffentlichen Leben im Jahre 1919 nicht mehr aktiv an der Lösung der Probleme des heutigen Tages mitgearbeitet hat, horcht man auch heute noch auf, wenn die Stimme des „Tigers" ertönt. Unmittelbar bevor er erkrankte, wurde ich von Clemenceau in seinem Hause in der Rue Franklin (Passy) empfangen. Ich werde niemals -den Eindruck vergessen, den sein außerordentlich beweglicher Geist und sein Charme auf mich gemacht haben. Um mich herum standen zahllose Bücher auf den überall angebrachten Bücherborden, und in jeder freien Ecke und an den Wänden hingen moderne Bilder und Abbildungen aus Griechenland und Italien. Dor einem hufeisenförmigen Tisch sah Clemenceau, dürr aber.aufrecht, ein schwarzes Käppchen auf dem Kopf. Sein pergamentartiges Gesicht läßt ihn fast mit dem Aussehen eines chinesischen Götzen vergleichen. Lebhaftigkeit, Genialität, Humor, Witz, beißende Ironie und philosophische Abgeklärtheit, verbunden mit dem Individualismus eines starken Temperaments, das find die hervorstechendsten Eindrücke, die ich bei meiner Unterredung mit diesem alten Manne von ihm empfangen habe. George Clemenceau ist ein großer Patriot, und nach seiner Ansicht ist Patriotismus eine der wichtigsten menschlichen Eigenschaften überhaupt. „Ich kenne nur eine Partei," sagt er, „das ist Frankreich. Das Vaterland ist der lebende Rahmen unserer Gedanken und der Impuls für alles, was uns vom Tage unserer Geburt bis zu unserem Tode bewegt." Und wenn die Liebe zum Vaterlande die oberste Tugend ist, so ist mit ihr verbunden das, was ©lemenceau patriotischen Egoismus nennt. „Selbst individueller Egoismus wird, wenn er nur in annehmbarer und gemäßigter Form zutage tritt, sicher der Wohlfahrt des Ganzen dienen, aber patriotischer Egoismus vollbringt Heldentaten und Stundet zum Heil der Welt." Seine Auffassung vom Leben ist stark individualistisch eingestellt. „Das Recht des Stärkeren wird immer herrschen und niemand kann Vorhersagen, wo ihm eine Grenze gesetzt wird. MoncvHie, Oligarchie und Demokratie sind nichts als Phasen dieses Rechts, Phasen, die unvermeidlich eines Tages durch andere erseht werden." Und nochmals. „Erfolg haben lediglich die stark individuellen Daturen. Damit meine ich, der Mann muß wissen, was er will, und er muß genügend Energie haben, nicht nur zu sagen, t=«8 er für nötig hält, sondern auch um seinen Willen durchzusetzen." Voraussetzungen für den Erfolg, erKärt Clemenceau, sind ferner Aufrichtigkeit und Beharrlichkeit. „Wenn Sie andere Leute überzeugen wollen, müssen Sie sich erst selbst überzeugt haben. Erfolg haben nur diejenigen, welche überzeugt sind, daß sie gewinnen werden, die stets darauf vorbereitet sind zu kämpfen und die nie die Hoffnung verlieren." Rach dem Tiger ist jedoch der Erfolg oft erst nach schlimmen Rückschlägen errungen worden, und auch dann nur, weil 'der Besiegte nicht den Mut verloren und sich nicht dem Schicksal unterworfen hatte. „Es ist besser, man erringt den Triumph nicht zu leicht, weil man dann weniger geneigt ist, sich auf feinen Lorbeeren auszurußen. Viele, die den Erfolg gekannt haben, mußten später erleben, wie dieser Erfolg sich in Staub verwandelte. Die zeitweise Besiegten, soweit sie nur nicht an die Unabänderlichkeit ihrer RiedeÄage glauben, finden Trost in dem Ge- Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. 3 Forifetzung. Nachdruck verboten. Ich befriedigte feine Neugierde. Wir schüttelten uns heftig die Hände, während ich mich zum Fortgehen anschickte. „Mister Law- rencens Bruder" gefiel mir, obgleich mir noch nicht ganz klar war, was ich aus ihm machen sollte. Jedenfalls war er ein lebender Beweis der Zuträglichkeit des Klimas von Louisiana, über das man mir in der Ferne viel Böses gesagt hatte. Sein breites Gesicht lachte harmlos, feine Aeuglein blinzelten listig hinter den roten Wangen und unter den struppigen weißen Augenbrauen. Ein kindlicher Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen Fortschritts schien der leitende Gedanke, die Poesie seines Lebens zu sein und ihn häufig, nach Art der Poesie, in etwas nebelhafte Regionen zu entführen. Wenn jedoch von Dollars die Rede war, hatte er plötzlich festen Grund unter den Füßen. Er hoffte, mich wie- der^ufehen. Wenn mein Dampfpflug ankäme, wolle er der erste sein, der seinen Ruhm in der Crescent City verkündige. Und seinen Bruder wollte er rnit- bringen! „Sie wissen, wir haben dreitausend Acker Land in Zucker. Das ist kein Kinderspiel ein Jahr nach dem Krieg, wenn alles die Arme hängen läßt und die verfluchten Reisesäckler dem Süden den letzten Blutstropfen aussaugen. — General Longstreet, sagten Sie? Sie gehen zu General Longstreet? Das 'st ein Mann, wie e$ sein soll, Mister Eyth, unser bester Soldat und heute der ehrlichste Baumwollmakler in ganz Louisiana. Ich werde Sie begleiten. Cs ist mir eine Ehre, Sie zu General Longstreet Zu begleiten." „Pallen Sie auf!" flüsterte mir Schmettkow zu, per fid/s zur Lebensaufgabe gemacht zu haben schien, mich vor den üblichen Gefahren des Landes zu schützen. Dann gingen wir in die glühende Helle der Kanalstraße hinaus. (Eine Generalversammlung. Die Geschäftszimmer der Firma Longstreet, Da>cn & Co. in der Jacksonstraße bestanden aus zwei geräumigen, Hellen Gemächern mit dem danken, daß sie sich einst wieder erheben können zum nochmaligen Kamps um Sieg oder Riederlage — je nachdem das Schicksal beschlossen hat." ist überzeugt von dem Werte ßarter Arbeit und erklärt, daß ohne dauernde Anstrengungen und schwierige Arbeitsleistung niemand etwas wirklich Lieberragendes vollbringen kann. Ec ist jedoch der Ansicht, daß Arbeit wie Tugend ihren Lohn nur in sich selbst finden. „Gegen die Undankbarkeit von Menschen und Königen zu eifern, ist Ze.taerschwendung und eitles Beginnen,' der Mensch, der es fertig bringt, sein ßebtn einer großen Sache zu weihen, soll nicht lleinl.ch sein und Dankbarkeit erwarten von den Menschen, die von seinen Taten den Rutzen gehabt haben." Aeber die politische Fragen möchte er sich nur ungern äußern, da er sich ja seit langem vom politischen Leben zurückgezogen habe und weil soviel Jahre an seinem Haupte vorübergezogen seien. „Ich bin so gut wie bereits verstorben, ich kann nur noch meinen Erinnerungen leben." „Wenn alle Völker sich darüber klar wären, wie eng miteinander verwandt und verbunden sie sind, so würden die Fürsprecher des Friedens mehr Anhänger haben als die des Krieges." Und dann: „Hm die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft richtig einzuschä^en, wird es unumgänglich fein, die Vergangenheit zu betrachten. Je mehr es uns gelingt, das Leben der Großen zu verstehen, die vor uns gewesen sind, um so leichter wird es uns möglich fein, die Forderungen der Gegenwart zu erfassen. Studieren S.e die Geschichte aller Zeiten, wenn Sie die Zukunft Voraussagen wollen. Ich glaube an große Männer, denn i? allein bestimmen den Laus der Geschichte. Hat es jemals eine Körperschaft gegeben, die das menschliche Wissen in gleichem Maße bereichert hat, wie es beispielsweise Pasteur g&an hat? Gute Bücher zu lesen und sich erhebenden Gedanken h'.nzugeben, ist weit nützlicher, meiner Meinung nach, als seine Energie an die vielen Trivialitäten zu verschwenden, die den Modemenschen beschäftigen. Laßt uns streben und nach Wahrheit suchen — das heißt, versuchen, alle Irrtümer auszuschalten. Eine Aussprache mit Clemenceau ist ein großes geistiges Vergnügen Seine bezaubernde und schneidende Macht der Rede und Gegenrede ist berühmt, auch in seinem eigenen Vaterlande, in dem doch diese Kunst nicht unbekannt ist. L l o h d G e - orge sagte einmal: „Herr Clemenceau ist ein Mann, dem man außerordentlich schwer in einer Konferenz entgegentreten kann." Ich glaube, Clemenceau ist wohl niemals in einem Redekampf weder im öffentlichen noch im privaten Leben der unterliegende Teil gewesen. Folgender Heiner Vorfall sei zum Schluß noch erwähnt als Beispiel für die Feinheit feiner Dialektik: ©fernen» mcnceau sandte vor einiger Zeit an den Abt eines Klosters, dessen Garten er von seinem Studienzimmer überblicken kann, ein Schreiben, in dem er anfragte, ob es nicht möglich sei, einen Daum zu fällen, der seine Aussicht störe. Als die Mönche seine Ditte erfüllten, sandte er dem Abt einen Dankesbrief, der mit folgenden Worten begann: »Mon p&re, - Je ne connais pas votre nom, mais puis vous appeler Pfcre puisque c'est ä vous que je dois le jour.....0 ES scheint beinahe: Jedes Jahr wird der „Tiger" ein Jahr jünger und besitzt eine Pranke mehr. Die russische Schlappe in China. Don unserem 8-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl) Moskau, Juli 1927. Rußland hat in China eine Schlappe erlitten. Die Emissäre der Sowjets haben zum größten Teil chinesisches Gebiet bereits verlassen müssen, und es kann kaum daran gezweifelt werden, daß in wenigen Monaten, ja vielleicht auch nur Wochen, fast alles, was im Auftrage des Außenkommisfariats oder der Komintern im fernen Osten tätig gewesen ist, sich wieder auf sowjetrussischem Boden befinden wird, ober sich in China verborgen halten muß. Alle größeren Machthaber der chinesischen Revolution sind gegen die Sowjets eingenommen, und selbst Leute wie Feng, der bekannte christliche General, der eine Zeitlang geradezu als Vorkämpfer der Sowjets in China von der angelsächsischen Presse freundlichen Ausblick auf einen etwas verwilderten Garten, in dem Palmetten, Kaktusbirnen und Aloes in der weißen Vormittagssonne fchiinmerten. Er mußte vor fünf Jahren ein prachtvolles Bild südlicher Pflanzenüppigkeit geboten haben. Jetzt schien er sich selbst überlassen zu sein, und seine Lianen machten ernstlich Anstalt, über das Haus weazu- kriechen, inn sich dessen Straßenfront anzusehen. Im äußeren, größeren Zimmer hausten die zwei jungen Owen, von denen der eine Major, der andere Kapitän genannt wurde. Dies waren sichllich keine bloßen Ehrentitel: der Major hinkte infolge eines Schusses im Bein, der Kapitän hatte einen tiefen Säbelhieb in der im übrigen rosigen Wange. Das zweite, kleinere Gelaß war das Geschäftszimmer des Generals Longstreet, den Freund und Feind im Süden mit sichtlicher Hochachtung die rechte Hand des Generals Lee zu nennen pflegten, seitdem Longstreet selbst nur noch eine linke hatte. Seine eigne Rechte lag auf dem Schlachtfeld bei Chattanooga begraben. Alle drei waren jetzt ehrsame Baumwollmakler und Generalagenten für alles mögliche, was der Süden brauchen oder nicht brauchen konnte auch für unsere Dampfpslüge. Ich selbst bin ein Mann des Friedens, und als mich der junge Owen mit der liebenswürdigen Höflichkeit des Südländers bat, ein wenig zu warten, da sich General Beauregard und General Taylor augenblicklich bei General Longstreet befänden, wurde es mir doch etwas schwül in dieser kriegerischen Umgebung, trotz der Baumwollproben, die auf allen Tischen und Gesimsen umherstanden. Doch so ist nun einmal das amerikanische Leben. Gestern standen die drei Männer, die im Nebenzimmer das Sinken der Baumwollpreise besprachen, an der Spitze von Armeen und schrieben in olutigen Schriftzügen an der Geschichte der Neuen Welt. Beauregard hatte zur Eröffnung des großen Bürgerkriegs die ersten Schüsse bei Fort Sumter abgefeuert, Taylor war vier blutige Jahre lang der Soldatenliebling aller Damen Louisianas gewesen, und Longstreet, eine mächtige, echt ritterliche Gestalt, hatte bis zum bitteren Ende beim Appomatox-Courthouse mit seiner verstümmelten Rechten an der Seite seines großen Chefs gefochten, wobei ihm die beiden Owen als feine persönlichen Adjutanten zur Seite standen.. Der Kapitän hatte mir schon davon erzählt, wie es ihm und den Tausenden feiner halbverhungerten und halboerschrien wurde, sind von Rußland, oder zum mindesten der Komintern abgefallen. Zwar existiert noch immer die auf Befehl der Moskauer Internationale gegründete Chinesische Kommunistische Partei und auch die H a n k a u r c g i e r u n g hat trotz aller gegenteiligen Behauptungen noch nicht das Feld geräumt, aber die Fortexistenz der Hankauregierung ist zweifellos nur noch eine Frage von Tagen, und die Chinesische Kommunistische Partei ist ohne Einfluß — eine Gründung von „Offizieren" ohne „Soldaten". Allein die von Moskau gestellten Propagandisten, die von den Chinesen immer noch geschätzt werden, sind im Lande geblieben, und vereinzelte Gewerkschaftsführer, die, fern vom eigentlichen Kampfgebiet, „die Proletarier Chinas in der Ißelt- reoolution unterrichten", mögen noch einen Einfluß Moskaus barfteUen, der auch weiterhin wirksam bleiben wird. Das aber ist auch alles, was von dem großen, russischen Programm in China übrig geblieben ist. Sonst — was auch immer die Engländer behaupten mögen — ist f a st nichts „Rotes" mehr an der chinesischen Revolution, und selbst ein Teil der Moskauer Presse ist heute dazu bereit, ganz offen die Schlappe der kommunistischen Politik in China ein- zugestehen. Der Nationalismus hat gesiegt, der Sozialismus hat sich nicht verwirklichen lassen — trotz allem, was an Menschen, Geld und geistiger Energie durch die Komintern aufgewandt wurde. Einzelne Komifsäre verkünden denn auch, wenn auch vielleicht mit etwas künstlicher Gleichgültigkeit, daß China Rußland nicht mehr interessiere, und nur einzelne fanatische Theoretiker halten auch weiterhin in der Oefsentlichkeit daran fest, daß die Weltrevolution in China möglich bleibe und daß die Aussichten Rußlands noch nicht erschöpft seien. Aber diesen Dingen schenkt man im allgemeinen wenig Glauben. Was besagt es» wenn die chinesischen Bauern für den Sowjetstaat fein sollen, wenn die Ergänzung, nämlich die Arbeiter, nicht dafür sind? Aufforderungen, wie diejenige Trotzkis, der dem Rat der Volkskommissare vorschlug, auch in China eine Sowjetregierung zu bilden und Tiraden Radeks, der immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben hat, in seinem orientalischen Institut die Asiaten für die Weltrevolution zu schulen, wirken als Bluff, wenn sie ernst gemeint sind, — ober als Lächerlichkeiten. Besonbers, wenn nun mit einemmal erklärt wirb, bah nicht China, sonbern Indien dasjenige Land sei, das am ehesten „reif für die Weltrevolution" sei.... Diese Ungewißheit der Stimmung in Moskau in bezug auf die chinesischen Angelegenheiten, die natürlich an sich durch den Streit mit England und die innerpolitischen Ereignisse zurzeit einigermaßen in den Hintergrund gedrängt werden, darf jedoch nicht den Eindruck erwecken, als ob die Sowjetleute sich der Konsequenz und der Ursachen der Niederlage ihrer Politik in China nicht bewußt wären. Im Gegenteil, man kann geradezu annehmen, daß z. B. u. a. die Festigung der Stellung des Außenkommis- sars Tsck)itscherin, dessen Sturz eine Zeitlang drohender gewesen ist, als dies Europa ahnte, darauf zurückgeführt werden muß, daß Tschitscherin den asiatischen Dingen immer mit einer gewissen, allerdings nur sehr vorsichtig geäußerten Skepsis gegen- übergeftanben hat und auch während der scheinbaren Erfolge in China immer „westlich" orientiert geblieben ist. Er hat es nun natürlich leicht, sich für Aktivität in Europa und Zurückhaltung in China ein- zusetzen. Immerhin ist es intereffant, auch aus dem Munde von Augenzeugen der kommunistischen Betätigung In China zu hören, wie wenig die Voraänge in diesem Lande dem entsprechen, was die russische ober auch die englische Presse geschrieben hat. Hiernach sinb die chinesischen Generäle in ber Tat meist nicht viel mehr als bessere Abenteuerer unb Laubs- knechtsführer, die ben Bürgerkrieg und bie chinesische Revolution als eine Art besonberen Geschäftes, nicht aber als eine politische, ober gar als eine nationale Angelegenheit ansehen. Sie sind abhängig von den chinesischen Kapitalisten, d. h. den chinesischen Finanziers und Großkaufleuten, die, zumeist in Amerika erzogen, sich für Demokratie und Monroedoktrin auf amerikanische Att einsetzen, und für diese Zwecke bereit sind, ansehnliche Summen zu opfern, die sie nach der Befreiung Chinas von den ungleichen Verträgen wieder hereinzubringen hoffen. Deshalb nehmen bie Generäle Nieberlagen auch nicht übertrieben ernst, solange sie ihnen nicht Kopf unb Kragen kosten, sonbern betrachten solche Ereig- tMi’IIIIH ■■ — verbluteten Kamerabcn am Abend bei ber Lkbergabe ber Armee, bie ben furchtbaren Krieg beenbefe, zu- mute gewesen war, wie ihm unb allen anbern eine Zentnerlast vom Herzen gefallen sei, an ber sie seit Monaten geschleppt hatten, unb wie er in ber nächsten halben Stunbe sein armes, halbtotes Pferb um zweiunbbreißigtausenb Dollar in fonföberiertem Papiergelb verkauft unb ein Paar Stiefel um vierhun- bertachtzig Dollar gekauft habe. So ftanb es bamals um Stiefel, Pferbe unb Gelb. — Etwas besser roar’s nun boch schon geworben. Taylor war Präsident des kleinen versumpften Kanals, der von Neuorleans nach dem Pont Chartriu führt, Beauregard geschäft- licher Leiter einer im Bau begriffenen Bahn nach Texas, Longstreet und feine einstigen Adjutanten Baumwollhändler. Der Major war nicht anwesend. Er sagte mir, sein jüngerer Bruder sei auch in kaufmännischen Dingen noch heute Longstreets rechte Hand. .Lauter rechte Hände', dachte ich, .und doch ist die „große Sache" schief gegangen.' Während mein neuer Freund Lawrence sofort in lebhaftem Gespräch mit dem jungen Owen feine Zuckertüten aus der Tasche holte, sie auf ben Tisch schüttete unb ihn für bie herrlichen Kristalle ber Magnoliaplantage zu begeistern suchte, öffnete sich die Türe des Nebenzimmers, und Longstreets breites, treuherziges Soldatengesicht winkte mir zu, einzutreten. Die beiden andern Heerführer standen um ein Tischchen unb zupften mit jener langsamen, sachverständigen Handbeweguny Baumwollflocken auseinander, die bewies, daß sie wußten, was sie taten. Jedes Gewerbe hat gewiße zünfttge Bewegungen, an denen sich die Eingeweihten sofort erkennen: man weiß, wie der richtige Getreidehändler das Korn von der einen Hand in die andre rollen läßt, der Zuckersieder ben zähflüssigen Zucker zwi- schen Daumen unb Zeigefinger ausfpinnt unb ber Gastwirt seinen Kaviar empfiehlt, indem er Daumen unb Zeigefinger zusammenbrückt unb mit halbgeschloffenen Augen ben Munb zuspitzt, als ob er küssen ober pfeifen wollte. So wußte ich nun auch, daß sämtliche brei Generale aus Familien stammten, bie große Baumwollplantagen besessen hatten. Longstreet stellte mich vor: „Herr Eyth. Ingenieur unb Vertreter ber berühmten Firma Fowler unb Co. aus Leeds in England; Herr Eyth ift im Begriff, ©entfernen, einen Ersatz für unsre Neger in Louisiana einzuführen, so daß die farbigen ©ent- Samstag, 30. Juli <927 niffe als eine Art Zwangsliquidation ihres Geschäftes. Die sie andererseits aber nicht einmal allzusehr befürchten, da sie entweder in den gesicherten Konzessionen der Fremden ober in Japan genügend Geldmittel beiseite gebracht haben, um sich als Millionär zur Ruhe zu setzen! Nur ber General Feng- yusiang und der General Tschiang-kaischek sind Ausnahmen von dieser Regel, da beide aufrichtige Parivten sind und sich für die ©inigimg ganz Chinas einsetzen. Aber auch sie sind eben "von ihren kapitalistischen Landsleuten abhängig. Verständlich daher, daß zunächst," als die Russen Geld und Waffen brachten, alle Leute mit ihnen sein wollte». Begreiflich auch, baß die Chinesen, insbesondere soweit sie national gesinnt waren, begeistert waren von ber Organisation ber Pro- paganba, bie ihnen bie Moskauer Instruktoren brachten. Denn dieses Aufgebot von Massen, dieser geistige Drill einer großen Quantität Mensch mar bas, was man bisher noch nicht gekannt halte, da bie Klassenunterschiede in China immer noch zu groß sind unb bie eigentliche Demokratie ben Chinesen noch heute unverstänblich ist. Aber bicse Duldung der Sowjetpropaganda war für die Drahtzieher hinter den Kulissen immer nur Mittel zum Zweck, soweit es ben Krieg gegen ben Norden, soweit cs den Kampf gegen England und Japan galt. Von einer Revolutionierung oder gar einer S o - zialisieruna Chinas waren die Freunde der Masfenpropaganda weit entfernt — weil dabei die führenden kapitalistischen Kreise nur zu verlieren gehabt hätten. Und erst recht mußte es zum Bruch zwischen den Generälen unb der Sowjet- emissären in bem Augenblick kommen, in dc.n diese, aus Befehl ber Moskauer Komintern, die Sold - ten zu politisieren ober gar zu bolschewisieren suchten, trotz aller Warnungen, die nach Mo:lau gesandt wurden und trotz des Hinweises ber Generale, baß sie sich wohl besiegen ließen, aber nicht sich durch meuternde Truppen absetzen zu lassen qebächlen' Deshalb ist cs albern, wenn bie Moskauer Presse nunmehr auf kommunistischen Befehl von einem Verrat Tschiang-kaischeks, einem Verrat Feng- nüfiangs, usw. spricht. Denn es hat sich in allen Fällen nur barum gehanbelt, baß bie russischen Berater bas ausbrücklich ober stillschweigenb geschlossene Uebereinfommen brachen, bas Propaganda erlaubte, aber Sozialismus verbot! Ebenso ist es aber auch töricht, wenn die Moskauer neuerdings in gelegentlichen Revolten der Bauern gegen die Soldateska, eine revolutionäre Bewegung sehen wollen — denn es ist auch das nur eine menschliche (unb menschlich verständliche!) Haltung, einer sowieso schon allzu armen Bevölkerung, die sich die bare Lebensnotdurft von den Soldaten nicht abnehmen lassen kann, ohne in wenigen Wochen mit Sicherheit Hungers zu sterben. Wie vielleicht überhaupt der Grundfehler der ganzen Moskauer Politik in China der sein mag, daß man im Kreml allzuoft vergessen hat, daß b <. Chinesen normale Menschen mit normalen Empfindungen sind, die noch nicht burch den überspannten Doktrinarismus einer utopischen Heilslehre blind fiegenüber den Erfordernissen des Lebens geworden inb. Wirtschaft. Wochenbericht von der Frankfurter Börse. Am Effektenmarkt war in dieser Woche die Lustlosigkeit und Zurückhaltung wieder sehr groß. Viele Börsenbesucher sind In ben Ferien, so baß schon deshalb bas Geschäft einen engeren Rahmen hatte, aber vor allem litt die Geschäftstätigkeit stark unter fortdauerndem Mangel an Aufträgen aus bem privaten Publikum. Der Drbercingang ift weiter so minimal, baß auch bie Spekulation halb keine Neigung mehr zeigte, sich stärker zu engagieren. Aus ber Jnbustrie lagen verschiebene günstige Melbungen vor, so von ber ft eigen ben Kohlenförderung i m Ruhrgebiet unb bem Rückgang ber Fei erschicbten, von ber Abnahme ber oberschlesischen Kohlenbestänbe. Die Waggongestel- lung bei der Reichsbahn ift wieder gestiegen und die Zahl der Erwerbslosen nimmt weiter ab. Doch alle diese Zeichen einer ständig steigenden inneren Konjunkturbelebung vermochten die Stimmung an der Börse nicht zu heben im Hinblick auf die Weiterentwicklung am Geldmarkt. Zwar ist augenblicklich in Frankfurt das Angebot in kurz- friftigem Geld ziemlich groß und auch Termingeld lernen sich in Zukunft mit größerer Ruhe der Anfertigung unsrer neuen Konstitution widmen können." Beauregard, ein schweigsamer Mann mit meinen Haaren, machte ein finsteres Gesicht und zeigte keine Lust, auf Longstreets Witzchen einzugehen. Der kleine elastische General Taylor dagegen lachte. „Was hilft das Zähneknirschen, Beauregard?" sagte er munter. „Wir sind geschlagen. Darüber ist kein Zweifel. Man muß sehen, wie man sich daran gewöhnt. — Waren Sie schon in unserem Abgeordnetenhaus?" wandte er sich an mich. „Dorthin müssen Sie gehen. Alles schwarz. So etwas hat man nicht gesehen, feit sich ber Erdball um die Sonne dreht. Mein Plantagenhufschmied, der mich seinerzeit dreizehnhundert Dollar kostete, ist erster Schriftführer. Aber reden sollten Sie den Mann hören! Alle sechs Wochen erhöhen die Herren in namentlicher Abstimmung ihre Taaegelder. Bis jetzt war dies ihre einzige gesetzgeberische Tätigkeit. Aber reden muß man sie hören. 0 Jerusalems . . . „Mittlerweile müssen wir jetzt danach sehen, wie man Maulesel beschlägt," meinte Longstreet. „und den Boden aufreißt, Kanalschiffe durch die alten Swamps schleppt und Schienen im Sand von Texas begräbt. Das ist Beauregards Spezialität. — Sie also wollen uns pflügen helfen, Herr Eyth?" „Ich hoffe so, General", antwortete ich mit erwachender Zuversicht und fühlte mich ben brei Helden bes großen Bürgerkriegs mit jeber Minute menschlich näher. „Der Dampf hat schon größere Schwierigkeiten überrounben." "Sie scheinen einen guten Glauben an ben Dampf zu haben", meinte Beauregarb grimmig. „Bor fünf Jahren ging mir's ähnlich: mit bem Pul- oerbampf!" „Wenn einmal bie erste Lokomotive über feine .Texasstranblinie' läuft, wirb fein Glaube wieder febenbig werben", sagte Taylor tröftenb. „Nehmen Sie ihm ein paar hunbert Aktien ab, Herr Eyth, wenn Sie ben alten Bären lachen sehen wollen. Ich habe leider mit dem größeren Teil meines Vermögens meinen Salon tapezieren lassen: alles echte fonföberierte Tausenbbollarnoten, bie bie Pankees für uns fabrizierten. Das müssen Sie sich ansehen, ehe Sie uns verlassen. Verstehen Sic etwas von Kanalschiffahrt? Ich nicht; unb ein unbehagliches Gefühl ist es für einen Soldaten und Kanaldirektor.* (Fortsetzung folgt) ist, wenn auch zu hohen Sätzen, jetzt wieder zu Huben, doch beurteilt man die zukünftige Entwicklung des Geldmarktes verschiedentlich etwas pessimistisch da durcb den Konjunkturanstieg der schon starke Geldbedarf der deutschen Industrie noch wachsen werde. Die verschiedenen Aus - landanleihen konnten auf den Geldmarkt noch keine größere Wirkung ausüben, da bis jetzt erst geringe Beträge effektiv hereingeflossen sind. Die Auflegung der amerikanischen Tranche der 30- Millionen-Dollar-Anleihe des S t a hl- vereins gestaltete sich zwar zu einem großen Erfolg, doch lassen sich im Auslande gewisse Anzeichen einer Emissionsmüdigkeit nicht verkennen, wie der Mißerfolg der Dresdner Stadtanleihe beweist. Etwas anregend für die allgemeine Tendenz war die zeitweilige stärkere Nachfrage nach verschiedenen Spezial papieren: trotzdem sank das Kursniveau um einige Prozent unter das der Vorwoche. Zum Ultimo, den man zunächst für gut vorbereitet hielt, kam doch ziemlich Material heraus, für das sich der Markt bei dem fast völligen Fehlen von Kaufaufträgen nicht aufnahmefähig erwies. Auch später erfolgten noch Abgaben auf unerledigte Ultimocngagements, um zum Zahltag Geld zu beschaffen. Im'Mittelpunkt des Börsengeschäftes standen in dieser Woche die Zellstoffwerte im Einklang mit der Berliner Hausse für die Glanzstoffpapiere. Ein beträchtlicher Teil des Kursgewinnes ging jedoch wieder verloren, als die Modalitäten bet. Kapitalerhöhungen von Vereinigte Glanz ft off und B e m b e r g bekannt wurden, die stark enttäuschten. Immerhin retteten Zellstoff Waldhof noch einen Kursgewinn van 14,5 Prozent und Aschaffenburg einen solchen von 5 Prozent. Gegen die Vorwoche etwas gewinnen konnten noch S ch e i d e a n st a l 1 auf den Zusammenschluß ihres Silberoerkaufs mit Mansfeld, ferner Mitteldeutsche Creditbank, Adlerwerke und Schuckert. Die Mehrzahl der M o n t a n p a p i e r e, der B a n k e n , der Elektrowerte, I. G. Farben und die Del- aktien verloren dagegen bis 5,5 Prozent. Am Renten in arkt waren Ablösungsschuld ohne Dptionsschein wieder stärker rückläufig. Für türkische Fonds bestand vorübergehend etwas Nachfrage auf den Fortgang der türkischen Schuldenver- handlungen. Am Geldmarkt war Tagesgeld in ausreichendem Maße angeboten, in beschränktem Maße stand auch Manatsgeld zur Verfügung, doch sind die Sätze immer noch hoch. Der Devisenmarkt lag ruhig. Der französische Franken erfuhr eine Abschwächung. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Nach wie vor bleibt das Geschäft am Frankfurter Produktenmarkt recht bescheiden. Die Zurückhaltung der Käufer hat eher noch zuge- ncnunen, da die Ernte jetzt in Gang gekommen ist infolge der Besserung der Wetterlage. Die Kurse schwächten sich daher allgemein etwas ab. Weizen wurde nur noch in kleinen Mengen gehandelt, die aber nur noch zu Futterzwecken verwandt werden. Zum erstenmal kam neuer Roggen an den Markt zu einem Preise von-25 Mark, der ober als zu hoch betrachtet wurde. Die Notierung wurde932 .... 4'/»“'o Rheinische 6bP -Bank Ltqn -Goldv! ... — — — - — — .— _ AEG abg Bortrlegs-Lb ligationen. rückzahlbar 1932 — — — 4°Z> Schweiz. BundeSd-Anl. — _ 4% Lelterelchische (Solbrtc — — 25.5 — 4,2/,«/., dl Sgl. von 1913 ... — — 23.13 23.9 4UA- Ungarische Üronturtc . . — — 2 2 4'7, Tuet. „SoUanleibc v 1911 4°/o 2uvt Bagdadbabn-Anl. 14.4 15,65 14,6 16.5 •Serie 1..... — 17,75 18 4°,.. desgl. Serie II 15.6 16.13 15.7 16.9 4uo Rumänen convert 9lte. 4*/iu o Rumänen Goldanl. 6.6 von 1913 , 16.25 — — Allg Deuuche Eisenbahn 4'/, Hamburg-Amerika Pakei. . 6 — 85.65 86,6 145 147 145.5 148 2o •vamb.-Sudam Tamv sch s — — 226.5 231,75 Hansa Damvsschiss . .6 — — 222 225.5 -Jtorbbeutid.'i r Lloyd . . 6 Allg. Deutsche Creditansk . 10 Barm r Bankverein io 144.75 147.75 145 147.75 160 148.5 148.65 148 5 153 154,6 152.1 1 152.5 Berliner Handclöaelellsch. 12 Commerz und Privat^Bk. li 241,6 — 241 242 • 77.5 179 176,25 178, Tarmll. ii. Naiionaldant. 12 431.5 233 431 232.75 Deutsche Bank. . . io 163.5 103,5 162.6 163.6. Diütonlo-Gesellschafi Ani. 10 161,5 160.5 159 6 160,25 TrcSdner Bank . . . . lo Mnkeldeuiichk Ereditbant 9 167 170 166.5 168 260 249 254 Metallbau!........8 143.5 142.5 143.6 142.5 Reichsbank 1. 169.5 170 Frankfurt a M Berlin Schluß- Kurs Schlußk Abendbörse Schlich- Kurs Schlusrb Mittag börse Tatun k*- 29. 7. 28. 7. 29. 7. A. E S......... n 183.7o 183.6 181.75 183.25 Bergmann ........ .8 192 190,5 188 192,5 Elektr. Lieferungen . . . 10 — — — 186,5 Licht und Alraft...... 10 196,6 199 199 199 25 Felten & Guilleaume . . . .6 138.6 138 137.25 136,65 Hel r. Elek:r Untern . . 10 — ■39,75 246 Hamb. Elektr. Werke . . . 10 — — 161.75 16.3,25 Rhein. EleUr. ..... 8 — — 163.5 162,4 Sckles. Elektr........ 10 — — 180.5 188,5 Schmiert ........ . 7 201.5 201.75 198.5 201,5 Siemens «t Halöke .... Tranoradio......... 16 284 -83.5 281.5 281.9 . 8 — — 134 134,25 Labmebcr £ So....... .9 — 17. Buderutz . ...... 0 116.75 117.6 116 117,5 deutsche Erdöl..... .1 154 155 153 156.25 Essener S'einkodle .... (Gelsenkirchener . f. >/, I .8 — 168 170.5 4 165.75 165.4.5 162,65 164.65 Harpener ... ...... Hoesch (Eifert........ .8 .04 e05 202 205.4 .5 — — 178.2.1 180,7 Hlse Bergbau....... .8 270 270 267 .lllöcknerwerke ....... .5 165 U.6 163,75 166.5 Köln-Neuessen .....6' - — — 174.5 175,75 ( anneSmann .f. ’/» 9 Mans elder........ 4 188 189 5 186.75 190,75 ' 6 127.75 129 6 127.75 129 5 Oberschles. Eisenb. Bcdarl 97 99 o 99 lOd Oberschles Kokswerke . . Pbönix Bergbau f V, 9 Rheinische Braunkoblen . 0 — — 96.2. 97 3 124.5 123 123.75 125,13 10 ■65.5 -65 263.6 266 Rheinnahl ...... . 0 220 220,5 215 220 Riebecl Montan...... .6 178. 178 182,6 Bereinigte Etahlw. f. 9 3 136.5 136,6 136 136,25 Olavi Minen......1 sh — 15,25 35 Kali AscherSleben . . IC 178 179 178 KaliWesteregeln . . 10 188 188.5 187 188.7b Kaliwerk Salzdetfurth . 12 233 235 237,5 9 (S Farden-Jndustrie. 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Die Jagd umfaßt 319 Hektar Feld und 123 Hektar Wald. 7052V Die Pachtbedingungen liegen beim Unterzeichneten zur Einsicht aus, auch werden dieselben im Termin bekanntgegeben Obershausen, den 26. Juli 1927. Der Jagdoorsteher. H e n ch e. sterei Krofdorf, nahe der Straße Wald- haus—Crumbach. Das Nadelholz ist geschält und mit Rinde gemessen. 7010V Oberförsterei Krofdorf. Pressen Üß?rpii-Keitcrn llüül ülä Saftbeutel Friedrich HeydcfeSohn Seltersweg 12. 6247a Fichten: Das Holz ist bis auf einige Fichten- Windfallstamme Sommerfällung aus einem Leitungsaufhieb in Distrikt Dreispitz, För- (But durchreparrerter MsMMMMWssl! wird am 3. Auantt, narbmittnnc« 3 Ubr, an Ort und Stelle gegen düchimebvi ncr* steigert. Näheres 929D II. Jentzen, Gießen. Televb. <41. üch vergeben werden, und zwar: 1. Lieferung der Zementrohren von 30 bis 100 cm l. W., der Schacht Seltersweg Nr. 85 7047a M WWWK billig zu verkaufen, ab Geiß Nidda. Dipl. 3ng. Otto Schwab fabrizieren als Spezialität Wilhelm Zimmer G. m. b. 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Gießen, den 30. Juli 1927. ___________Stadtkasse Gießen.___________ Vergebung vonUanalisationsarbeiten Für die Kanalisation der Bahnhof- und Lollarer Straße in Mainzlar sollen nachstehende Lieferungen und Arbeiten öffent Elegante Damenwäsche garnierung, größtenteils mit Handarbeit, aus feinen Macos Frottierhandtücher 4,50 0,90 0,55 m Mk. in allen Wäschefarben, haltbarste 6,50 Bemberg-Kunstseide m Mk. Qualität 1,75 6,25 7018a 6,30 5,40 4,95 Bettbezüge Wischtücher Handtücher 7,50 0,80 1,20 1,50 0,90 1,75 3,60 1,40 2,25 4,95 7,70 7,20 Taghemden . . . Nachthemden . . Hemdhosen. . . . Farbige Macos beste Ware, rein Maco ......Mk. 5,95, 5,45, Mk. 9,90, 9,45, 9,10, 8,65, . . . 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Und es ist nicht zu bezweifeln, daß diese in die Moselberge hineingebaute alte Stadt mit ihren beiden Burgen ein Glanzpunkt des Mosellandes ist. Aber hinter dem „Cochemer Krampen", jenem Bergvorsprung, den die Mosel oberhalb der Stadt umfließt, beginnt eigentlich erst die idyllische Mosel. Einer Fahrt am Abend entsinne ich mich, die uns im Frühsommer von Bullay herab, erst rechts der Mosel und dann links um den Cochemer Krampen führte auf guten Straßen. Es war der Schluß einer Reise, die in Luxemburg begonnen hatte — und die alle Schönheiten des Moseltals erschloß. Wir sind von Paris nach Luxemburg gefahren und dort von Freunden empfangen worden, die uns in ihrem Wagen Plätze anboten. Rach dem Trubel des Wiedersehens mit der Hauptstadt Frankreichs bedeutet schon die französisch abklingende Idylle Luxemburg eine angnehme Entspannung. Ein Blick von der alten Festungsterrasse über das tief unten im Tal der Alzette hingeschachtelte „Grund", übers Pfaffental, wo Goethe sich 1794 auf dem Rückzug von der Campagne in Frankreich recht behaglich fühlte — dieser Ausblick überzeugt, daß es sich hier wohl sein läßt. Und man versichert uns, daß ringsum das Land einen einzigen Park darstelle. Auf der Brücke von Wasserbillig nehmen wir Abschied von Luxemburg und befahren jenseits der Sauer deutschen Boden — an der Mosel. Dieser Grenzwinkel mit der Mündung des Flüßchens Sauer in die Mosel, der wie ein Ausschnitt eines südlichen Sees anmutet, ist landschaftlich von einem Reiz. Hier begegneten sich die beiden alten Kulturen und sind eine Mischung eingegangen. Dann geht's über prächtige Uferstraßen in kühnem Bogen hinein ins T r i e r e r L a n d. Die Talmulde der Mosel ist hier weit, und die Weinberge liegen fern am dunstigen Horizont. Schnell sind die Vororte der zweitausendjährigen Augusta Tre- verorurn, der alten Römer- und Bischofstadt Trier, erreicht. Nun ragen die roten Sandsteinfelsen im Abendsonnenschein wieder nahe über dem breiten grünen Fluß, lieber die „Römerbrücke" rollt der Wagen hinein in die einstige römische Kaiserstadt. Eine grüne Allee entlang, und wir halten vor den gigantischen Ruinen der „Kaiserthermen", des Bäderpalastes, den Konstantin der Große der Stadt schenkte. Zweistöckig ragen noch die Mauern mit den hohen Fensterbögen auf — doppelt so groß waren diese Thermen als die von Leptis magna, der spätrömischen Luxusstadt in der Wüste Nordafrikas. Im Viereck führen heute die schönen Alleen um das alte Trier, so wie Kaiser Augustus es zu Beginn unserer Zeitrechnung anlegte. Bor der vor t a N i g r a , dem vollständig erhaltenen römischen Festungstor aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. endet unsere Fahrt für diesen Tag. Ein Abend- spazlergang führt über den stimmungsvollen Marktplatz mit seinen prächtigen Giebelhäusern aus allen Jahrhunderten vom frühen Mittelalter an zum Dom und der Liebfrauenkirche, die im Mondschein an Italiens Kirchenwunder erinnern ilnö am nächsten Morgen noch einen Blick auf ine kleine Tempelstadt im nahen Altbachtal die jungst freigelegt wurde — der einzige antike Tempelbezirk nördlich der Alpen, ein .Deutsches Delphi" — und dann hinaus nach dem uralten Kaiserhorst Pfalzel und weiter hinab ins immer mehr verengte Tal der Mosel. Die Hauptstrecke der Reichsbahn berührt diese idyllischen Windungen des Flusses oberhalb Bullay nicht. Dafür nimmt eine gemütlich dahm- rollende Kleinbahn den Verkehr zwischen den toeltbefannten Weinorten wahr. Angenehmer ist's freilich, mit dem Wagen an den Weinbergen entlang zu fahren, immer neben dem grünen Flusse her. Drücken und starke Fähren ermöglichen die Erkundung beider Ufer. Und so geht die Fahrt an der Einmündung der Ruwer vorüber, dem bekannten rebenreichen Seitental der Mosel, und dann über Kemm, Longuich, Riol, um die Landzunge gegenüber Clüsse- rath, vorüber an dem auf eine altrömische Meilenbezeichnung zurückgehenden Detzem (decem zehn) nach Reumagen. Hier zei^ man uns im Garten des Schultheißen die letzten Reste des Kastells Roviomagus, das Konstantin erbaute und in dem Ausonius, der römische Moseldichter, den Prinzen Gratian unterrichtete. Im Sonnenschein liegen die knospenden Rebgärten, „Wingerte" hier genannt, und die Mädchen mit ihren weißen Kopftüchern stehen zwilchen den 8»förmigen Reben, die sie an den Pfahl binden — genau noch so, wie es uns zwei- tausendjährige römische Bildwerke aus diesem Lande im Trierer Weinmuseum zeigen. — Dann führt der Weg hoch über die Hügel, abschneidenü nach Winrich, Brauneberg. Mülheim und schließlich nach Bernkaftel, gegenüber Eues, jenem architektonisch überaus reizvollen Städtchen, überragt von der Ruine der Dischofsburg Landshut — in einem Kessel der Moselbiegung, der die köstlichsten Tropfen an feinen warmen Hängen reifen läßt. £)ort oben, in der offenen Fensternische der Ruine, eine Flasche „Dernkastler Doktor" zu teeren auf behaglicher Rast: das gehört zu den echten Erlebnissen dieses Tales I Don hier aus nun empfiehlt es sich, eine Tagestour auf ausgezeichneten Straßen ins waldreiche Hunsrückgebirge zu machen. Durgen und Schlösser, romantische Orte in üppigen Wiesentälern, Tannenforsten, Ducheichallen unb von den Höhen (Erbeskopf) prächtige Fernsichten wechseln einander ab. — Zurück an die Mosel: lieber Graach, Wehlen, Zellingen, Erden — ein weiter Dogen zu dem der Luftlinie nach nur wenige Kilometer von Dern- kastel entfernten Traben-Trarbach, weltberühmt als Stapelplatz des Moselweins. Es lohnt sich, dort eine Kellerei zu besuchen. Heber dem heiteren Städtchen, moberner als Dernkastel, ragt wieder eine Ruine, bie Gräfm-Burg, mit reicher Historie. Ein Seitental führt zu kleinen Luftkuranstalten ... Ein Paradies zwischen steilen Hängen mit Reben, Reben... Enkirch folgt, Burg, Pünderich, Zell. Mell, Bullay. Die Straße an der Mosel entlang ist einzigartig I Und bann von Dullay nach Cochem im finfenben Tagesschein! Stärkstes Erlebnis beut- scher Lanbschaftsromantik! Gegenüber dem großartig pathetischen Rheintal hier reinste Idylle der Schwind- und Richter-Zeit im Bilde... Jenseits, des Flusses das aus dem Mittelalter unversehrt stehengebliebene Beckstein — im Mond- licht wie ein Traumbild... Auf einer Hfertoiefe, von der Mosel silbern umflossen, die gespenstisch ragenden gotischen Ruinen eines Ronnenklosters. Wälder darüber an steilen Hängen aufsteigend. Grillen und das Rauschen der Mosel... Dis Cochem aufsteigt mit tausend Lichtern zum wieder- aufgebauten Schlosse hinauf... Zweitausend Jahre Rebkultur. Kastelle, Schlösser, Durgen, Kapellen unb Dome zwischen Hunsrück unb Eifel — noch immer urtümlich, berau- schenb, wie sie ber Dichter der Mosella, Ausvnius, vor 1500 Jahren befangen hat. Praktische Ratschläge für das Wandern. Mit ben Sommerferien setzt auch bas Wanbern, namentlich auch bie Bergtouren, wieber in erhöhtem Maße ein. Wer weise ist, bereitet sich gut für bie Wanberungen vor. Es sollen hier dabei ein paar Winke gegeben werben, die auf jahrelangen Touren erprobt wurden. Es ist zu allererst bie Dekleibung. Sie muß wetterfest unb wasserdicht sein, was man leicht selbst besorgen kann. Hierzu gehören Tonerde oder Aluminiumseifen. Man bereitet zwei lauwarme Lösungen getrennt. Die eine aus 200 Gramm guter Kernseife in 10 Litern Wasser, die andere aus 200 Gramm gewöhnlichen Alaun, wieder in 10 Litern warmen Wassers, bringt die Kleidungsstücke erst in das Seifenbad, knetet es gut durch unb brückt bie überflüssige Lösung leicht aus. Darauf steckt man das Stück in bie Alaunflüssigkeit, läßt es unter Durchkneten einige Minuten barin liegen, brückt es gut aus unb hängt es zum Trocknen auf. Dann bas Schuhwerk. Zuerst müssen die Schuhe geschmiert toerben. Rizinusöl ober Lebertran ist das beste. Schuhkrem ist zu vermeiben, da er die Poren des Leders verstopft. Um zu hindern, daß das Leder brüchig wird, ist es ratssam, dem Leder von Zeit zu Zeit Gerbstoffe zuzusehen, es bleibt dann wie neu, weich unb geschmeidig. Man mache sich eine Tanninlösung unb tränke bie gut ausgetrockneten Stiefel, auch bie Sohlen, daraus werden die Bergstiefel gut geschmiert. Um bie Sohlen wiberstandsfähiger zu machen, mische man 100 Gramm Firnis oder Leinöl mit 150 Gramm Wasserglas, schüttelte es gut um unb trage es wiederholt auf die schwach angewärmte Sohlen. Auch farm man Risse durch 15- bis 20- prozentigen Azeton und Zelluloid wasserdicht verkleben. Die Ausrüstung des Touristen sei leicht unb auf bas Rotwendigste beschränkt. Je geringer die Last, je größer bie Bewegungsfreiheit. Ein eiserner Bestaub an Zucker, Schokolabe, Speck unb Kognak ist ratsam Ein gutes Mittel gegen Son - nenbranb ist eine 5 bis lOprozentige Lösung bes salzsauren Chinins in einer Mischung von gleichen Teilen Glyzerin unb Wasser. Cs wird mit dem bloßen Finger in bie Haut gerieben. Gegen Hühneraugen löse man lOprozentige Salizylsäure in Kollobium hinein. Es ist bas wirksamste Mittel. Gegen Mückenstiche mische man 6 bis 8 Gramm Eukalyptusöl mit 100 Gramm Talkum. Eine kleine Tajchenapotheke ist selbstverständlich nicht zu vergessen: etwas Derbandstosf, Binde, reinen Alkohol, Baldriantropfen ist Wohl das wichtigste. lind nun Dergheil! WasmanaufderEisenbahn nicht tun soll. Die wenigsten Reisenden machen sich bet einer Eisenbahnfahrt Gedanken darüber, was man tun unb nicht tun sollte. Für bie reibungslose Abwicklung bes allgemeinen Derlehrs, unb letzten Enbes im ureigensten Interesse der Bequemlichkeit und Sicherheit des Reisenden selbst, sind aber gerade manche scheinbaren Kleinigleiten. auf die man zu wenig achtet, vielfach ausschlaggebend. Da ist z. B. das leidige Fragen an den Bahnsteigsperren, die hierzu nicht da sind, das planlose Suchen nach dem richtigen Zug, ohne die Schilder zu beachten, das nervöse Fragen im Zug nach ben Stationen usw. All das ist nicht nötig, wenn man sich vor ber Abfahrt an Hand der amtlichen Fahrpläne über die näheren Einzelheiten des Reiseweges unterrichtet und gegebenenfalls sich an die auf ber großen Bahnhöfen befinblichen Auskunftsstellen bzw. für die Auskunft gekennzeichneten Beamten ober an die Reisekmraus mit Fahr- lartenöerEauf wendet. Auch das überstürzte Losen ber Fahrkarten kurz vor Abgang des Zuges oder im Zug selbst läßt sich vermeiden, da man schon 3 Tage vor dem Reisetage Fahr- und Platzkarten im Reisebureau erhält. Ebenso soll man mit der Ausgabe des Gepäcks nicht bis kurz vor Abfahrt des Zuges warten. Es ist bann leider möglich, daß die Gepäckstücke erst mit Dem nächsten Zug mitkommen. An den Sperren bleibe nicht unnötig stehen, sondern suche so schnell wie möglich den Bahnsteigeingang frei zu machen. Siehst du einen Zug auf dem Bahnsteig stehen, so frage die Beamten nicht, wohin der Zug gehe, sondern wenn du das Schild nicht siehst: „Wo steht der Zug nach T?" Beim Einlaufen eines Gegen Gicht, Stein- und Stoffwechselleiden! / Ermäßigte pauschalluren (mindestens) 3 Wochen: Pauschalpreis Mk. '189.—. Jm Kurhaus: Wochenpauschalpreis Mk. 80.50, im Dadehof: Wochenpauschale Mk.H05.—. / Auskunft auch über Hauskuren durch die Badeverwaltung. EcholunginGchütz (Sin altertümliches, idyllisch gelegenes Äurgstadtchen. Derpfl. von 4 Mk. an. Aüh. durch den Verkehrsverein. Kurgästen unb Passanten hält sich bestens empfohlen Hospiz Bad-Nauheim Telephon 2096 (Dir. 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Obige 16 Wörter sind in der Weise zusammen» zustellen, daß je zwei immer den Namen eines Ortes ergeben. Wie lauten diese? Bilderrätsel. fernher, wird ein täglicher Verkehr mit den Dampfern „Cobra" und .Kaiser" nach Cuxhaven, Helgoland und Westerland aufrecht- erhalten. In Helgoland besteht bis 4. September täglich Anschluß nach W i t t d ü n und Wyk mit dein Dampfer „Adler". Vom 12. bis einschließlich 29. September fährt dann der Dampfer „Cobra" jeden Montag, Mittwoch und Freitag von Hamburg nach Cuxhaven, Helgoland und Westerland. Außerdem werden in der Zeit vom 29. Mai bis 25. September jeden Sonntag Tagesfahrten zu ermäßigten Preisen ab Hamburg 7 Uhr vorm. nach Cuxhaven und Helgoland unternommen. Erholungsheim für junge Mädchen in Nord hol?» Seinem Kindererholungsheim in Rordholz bei Cuxhavon hat das Deutsche Rote Kreuz jetzt ein Jugendheim für junge Mädchen ungegliedert. Dieses Jug ndheim für junge Mädchen befindet sich von dem Kindererholungsheim räumlich vollkommen getrennt in einem in der Rähe liegenden eigenen Gebäude und nimmt junge Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren zur Erholung auf. Gesundes Rordseeklima und schöner Wald begünstigen dieses Erholungsheim ganz besonders. Außer der guten Verpflegung bei mäßigem Preise wird ärztliche Ueberwachung geboten. Wie schwer darf das Handgepäck sein? Kleine Strafkammer Wetzlar. Q Wehlar, 27. Juki. Gegen das Urteil erster Instanz, das ihn wegen Jagdvergehens zu 100 Mk. Geldstrafe Hilfsweife 20' Tagen Gefängnis verurteilte, hatte ein Arbeiter aus Uckersdorf Verusung eingelegt. Wie die Verhandlung ergibt, hörten zwei heute als Zeugen geladene Einwohner aus Uckersdorf aus einem Spaziergang im Walde plötzlich in nächster Rähe einen eochuß fallen. Als sie dem Schall nachgingen, sanden sie ein geschossene- Reh am Boden liegen und in nächster Rähe den die eidlichen Zeugenaussagen als überfuhrt an und erkannte auf 70 Mark Geldstrafe, Hilfsweise 14 Tagen Gefängnis, sowie Auferlegung der Kosten. Recht unangenehme Folgen hatte für einen Landwirt aus Mudersbach die Einweihungs- feier der Groß-2lltenstädter Wasserleitung. Bei dieser Feier gab es eine Schlägerei, infolge derer sich der vorerwähnte Landwirt nunmehr wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatte, da er beschuldigt ist, einem anderen einen Messerstich in die Brust versetzt zu haben, wodurch dieser 4 Wochen arbeitsunfähig war. Auch er versuchte sich rein zu waschen und will nicht gestochen haben, während durch Zeugen die Schuld des Angeklagten bestätigt wird. Das Urteil lautet auf 2 Monate Gefängnis und Auferlegung der Kosten des Verfahrens. schrift „Bei uns der beste Kaffee". Gin schöner Anfang. Belgien sollte auf seinen Marken inserieren: Brüsseler Poularden sind die leichtest- verdaulichen. Frankreich könnte vielleicht in jeder Saison em neues Modebild auf seinen Marken veröffentlichen. Die höheren Werte mit eleganten Abendtoiletten, die kleineren Werte mit leichten Laufkleidchen und Kombinationen. Für Deutschland, das Volk der Denker und Dichter, wäre folgende Reklame zu empfehlen: „GoetheÄ Faust und Kants Kritik der reinen Vernunft Sllben-Wechsel-Rätsel. Gewächs — Arno — Obmann — Sermon — Trope — Monsun — Lotus — Balzac — Erich — Darre — Bastei — Urban. Sonnenschein. Bilderrätsel. Herz nicht verzag. Glück kommt alle Hag. Zu Beginn der Reisesaison macht die Reichsbahn-Verwaltung auf die Beachtungen der Bestimmungen über die Gewichtsgrenzen des in den einzelnen Klassenabteilen zugelassenen Handgepäcks aufmerksam. In der ersten, zweiten und dritten Klasse dürfen Gepäckstücke von mehr als 25 Klg. Einzelgewicht nicht mitgeführt werden, auch dann nicht, wenn mehrere Personen^ zusammen reisen. In die vierte Klasse dürfen Traglasten nur bis zum Gesamtgewicht von 50 Kilogramm mitgenommen werden. Gegenstände von mehr als 50 Klg. Einzelgewicht sind auch hier nicht zugelassen. Wer sich vor Weiterungen und Zahlungen von Zuschlägen schützeir will, wird daran tun, den Umfang feines Handgepäcks dieserhalb zu verantworten. Er war tn erster Instanz mit noch einem anderen Angeklagten, bet sich bei einer Geldstrafe von 40 Mk. beruhigte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden und hatte hiergegen Berufung eingelegt Der Dachverhalt ist folgender: Der Angeklagte war vom Flurhüter dabei betroffen worden, wie er im Feld Furchen absuchte. Dem Flurhüter gab ec an, daß er mit Fallen Raubvögeln nachstellte, um diese seiner Qainmlujig einzuverleiben. Datz sein Suchen einen anderen Zweck gehabt habe, bestreitet er auch heute. Das Gericht gelangt ebenfalls zur Verurteilmig, erkennt aber aus 6 0 M k. G e l d st r a f e Hilfsweife 12 Tagen Gefängnis. Die Berrifung eines Einwohners aus Weide l b a ch gegen das Urteil des Einzelrichters, das wegen Widerstandes, Rötigung und Beleidigung auf 1 00 Mk. hilfsweise 20 Tagen Gefängnis lautete, gelangte zur Verwerfung, da der Angeklagte im Termin nicht erschienen war. Amtsgericht Metzen. Gießen, 26. Juli. Eine Frau H. und eine Frau B. aus Bersrod haben einen gemeinschaftlichen Hof, wegen dessen es schon öfter zu Streitigkeiten unter ihnen gekommen ist. Auch Mitte Mai fand zwischen der Frau H. und der Frau B. ein Wortwechsel statt. Als nun der Sohn der Frau B. bei seiner Heimkehr abends davon hörte, forderte er die Frau H. auf, sie solle Ruhe halten und seine Mutter gehen lassen. Die Frau H. antwortete chm damit, daß sie ihm einen Eimer voll Schmuhwasser, mit dem sie gerade ihre Stube, in der sich ihre kleinen Gänschen aufhielten, ausgewaschen hatte, über den Kopf schüttete, so daß er völlig durchnäßt wurde. B. eilte auf sie zu, die H. floh jedoch schnell in ihren Hausgang imb riegelte die Türe zu. Sie behauptet, B. habe wiederholt fo heftig gegen die Türe getreten, daß sie gefürchtet habe, die Stillung gehe entzwei, deshalb habe sie mit ihrem Knie dagegen gedrückt, so daß dieses stark an- geschwollen fei. Auch habe B. Drohungen und Beleidigungen gegen sie auSgestoßen. B. bestritt dies, und die Beweisaufnahme ergab nichts, was ihn belastet hätte. Die Parteien kamen schließlich zu einem Vergleich, wonach sie die Vorfälle bedauerten und wonach die Frau H. sämtliche gesetzlichen Kosten in beiden Sachen übernahm mH Ausnahme der Gebühren von drei Zeugen, zu bereit Zahlung B. sich verpflichtete. Außerdem versprachen die Parteien, sich in Zukunft in Ruhe Angeklagten. Der Angeklagte bestritt damals, der Schütze gewesen zu sein und bleibt auch heute bei dieser Behauptung. Gr will auch auf einem Spaziergang begriffen gewesen und erst durch den Schuß angäockt worden fein. Das Gericht schenkt aber diesen Angaben keinen Glauben und erkennt auf die gleiche Strafe wie in 1. Instanz. Eck-Stekn; In(nl-Sekt; Salz-Faß: Ei-Land. Nordlandreise. Kreuzworträtsel. Zuge« öffne nicht vorzeitig die Wagentüren, weil dadurch die Mitreisenden auf dem Bahnsteig gefährdet werden können. Umgekehrt dränge vom Bahnsteig nicht unnötig zum Zug und warte, bis das Aussteigen beendet ist. Vor allem sollte niemand auf einen fahrenden Zug auf - oder ab ft eigen, denn gerade diese Unsitte verursacht noch immer zahlreiche Unfälle, zum Teil schwerer Ratur. Eine Vorschrift, deren Richtbeachtung vielfach zu Unstimmigkeiten unter den Reisenden Anlaß gibt, ist, daß auf den Gängen der O-Zugwagen nicht geraucht werden darf, wenn das nicht ausdrücklich erlaubt ist. Bei Wagen, die auf der einen Hälfte Richt- raucherabteile führen, ist natürlich das Rauchen im Richtraucherabteil auch verboten. Will man einen Platz im Zug als „b e - legt" kennzeichnen, so genügt es nicht, Zeitungen oder ähnliches hinzulegen, sondern man muß den Platz selbst, nicht nur das Gepäcknetz darüber, mit irgendwelchen G a r de r ob e stücken usw. belegen. In den Seitengängen der Ö-Zugwagen ist die Unterbringung von Gepäckstücken nicht erlaubt. Eine oft geübte Unsitte ist auch das Hinauswerfen von festen Gegenständen aus den Zugfenstern, das wiederholt schwere Unglticks- fälle im Gefolge hatte. Beim Aussteigen lasse die Abteiltür im Interesse der beschleunigten Abfertigung des Zuges nicht offen stehen, sondern schließe sie ordnungsgemäß, falls du der letzte aussteigende Reisende bist. Laß möglichst nichts liegen, denn die Erledigung der Fundsachen verursacht dem Dahnpersonal unnütze Arbeit und dir selbst Aerger. Gib nicht mehrere Fahrkarten zusammen, sondern möglichst jede 5a fjrtarte-einzeln ab, um dem Schaffner seine Kontrollarbeit zu erleichtern und damit die Abfertigung zu beschleunigen. Und endlich noch eins: Brülle bei Beschwerden oder vermeintlichen Mißständen die Beamten nicht an! Sie sind auch Menschen, meist sogar sehr vielbeschäftigte Menschen, die es jedem der vielen Hunderte von Reisenden recht machen sollen. Wenn also der Reisende mit ihnen in ruhigem, sachlichem Ton verhandelt, dann wird sich alles viel schneller und besser erledigen lassen. Wanderfahrten. Gießen—Kinzenbach—Himberg—Bubenrod— Bieber. Eine sehr lohnende Wanderung in die nähere Umgebung Gießen ist die folgende: Wir gehen die Rodheirner Straße entlang bis zum Abzweig nach der Heuchelheimer Mühle, wo wir auf schwarze Dreiecke stoßen, denen wir nunmehr folgen. Nachdem mir Kinzenbach durchschritten und ein großes Stuck über freies Feld gegangen find, kommen wir in schönen Waldbestand. Bar dem Waldrand präch tiger Rückblick bis zu den Höhen des Taunus und Vogelsberges. In der Nähe einer Jagdhütte zweigen rote Punkte ab, die über den Himberg gehen. Wir folgen dielen und kommen an den Schwedenschanzen, Befestigungshügel aus dem 7jährigen Krieg, vorbei über den höchsten Punkt des Berges, den Köniasstuhl, eine altgermanische Gerichtsstätte. Leider ist Die Aussicht verwachsen. Am Fuß des Berges treffen wir wieder die schwarzen Dreiecke, die uns durch das liebliche Schwalbenbachtal führen. In der Mitte des Tales, durch ein Schild gekennzeichnet, führt nach links ein Waldpfad aufwärts nach der Dicken Eiche, eines über tausend Jahre alten mächtigen Baumes. Von hier folgen wir gelben Strichen über den schön gelegenen Hof Bubenrod, dessen Gastwirtschaft leider eingegangen ist, auf hübschen Waldpfaden, unterwegs reizende Blicke auf den Dünsderg und Königsberg, in das Biebertal, das wir bei der Obsrmühle erreichen. Dem schönen Tale abwärts gehend, gelangen mir alsbald an das Endziel Bieber. Dauer der Wanderung 46 Stunden. Wetzlar—Oberndorfer Hütte—Braunfels. Wir fahren mit Sonntagsfahrkarte Braunfels nach Wetzlar, das wir durchwandern, um am Schützengatten auf schwarze Dreiecke zu stoßen. Diese führen uns über den Stalsnuint, von dessen Turm mir einen hübschen Rundblick auf die alte Reichsstadt und das Lahntal haben. Später kommen mir am Magdalencnhäuser Hof vorüber in schönen Hochwald, an dessen Ende wir einen prächtigen Blick aus Braunsfels genießen, lieber die Oberndorfer Hütte (gute Einkehr) gelangen wir alsbald nach Braunfels, wo wir Schloß und Tierpark be sichtigen können. Der Weg zur Station geht durch den reizenden Mühlengrund. Die ganze Wanderung beansprucht höchstens 34 Stunden. Reifewinke. Zm Fichtelgebirge. lieber die Preisverhältnisse im nordöstlichen Bayern schreibt uns der Verkehrsverband in Sei b, daß in dem gnannten Gebiet, vor allem im Fichtelgebirge, Steinwald, Obcrpfälzer Wald, nördlichen Böhmerwold und Tillenberggebiet, gute Unterkunstsmöglichkeiten und billige Verpflegung zu haben find. Voile Pension ist schon um 4 'Dir. zu erhallen. Komfortable Hotels bieten schon von 5 Mk. an volle Pension. Der Tagespreis von 8 Mk. wird überhaupt nicht überschritten. Dabei handelt es sich um eine landschaftlich äußerst reizvolle Gegend mit vielen historischen Denkwürdigkeiten und kulturellen Besonderheiten. Reichbewaldete, burggekrönte Berge wechseln mit anmutigen Tälern. Eisenbahn- und Kraftpostlinien sorgen für bequeme Anfahrt. Besonders zu nennen sind die Orte Alexandersbad, Arzberg, Bärnau, Hohenberg, Kirchenlamitz, Marktleuthen, Marktredwitz, Rehnau, Selb, Thiersheim, Tirschenrenth, Waldershof, Waldsassen, Weiden, Weißenstadt, Wiesau und Wunsiedel. Der Gcewr-g nach den Nvrdseebädcrn. Infolge der glücklichen Lage der meisten deutschen Rordseebäder auf Inseln kann eine Reife nach diesen Bädern zum Teil mit dem Schiff zurückgelegt werden. Für diese beliebten kurzen Seereisen bestehen Verbindungen über Bremen Bremerhaven, Emden und Hamburg Cuxhaven. Die H a p a g - S ee b ä d e r d len st G. m. b. H. veröffentlicht eine Ueberslcht über den Fahrplan in diesem Sommer, der wir die folgenden Angaben entnehmen: Während der Hauptreisezeit, d. h. vom 20. Juni bis einschließlich 11. Sep- Amtsgericht Wetzlar. Q Wetzlar, 28. Juli. Zwei Arbeiter aus Wetzlar waren wegen Jagdvergehens unter Anklage. Beide Ang> klagten waren beschuldigt, in einem Garten, von dem ihnen betannt war, daß hier viel Schaden durch Feldhasen angcridjtct würde, Schlingen zum Fangen des Wildes angebracht zu haben. Dadurch, daß damals zweimal Hunde in diese Schlingen gerieten, wurde die Sache ruchbar, und man Farn den Tätern auf die Spür. Obwohl die Angeklagten ihr Schlingensteilen als harmlos hinzu- stellen versuchten, sah das Gericht doch beide als durch die Beweisaufnahme überführt an und verurteilte jeden zu 2 0 011 a r I Geldstrafe evtl. 4 Tagen Gefängnis, sowie zur Tragung der Kv- sten des Verfahrens. Ein Arbeiter auS Obertlecn belegte einen Landjägereibeamten, als dieser in einer dienstlichen Angelegenheit bei ihm vorsprach, mit allen möglichen Schunpfwotten und hatte sich daher vor dem Richter wegen Beleidigung zu verantworten, der das Vergehen mit 2 0 M a r t Geldstrafe, hilfsweise 4 Tagen Gefängnis, ahndete. Beleidigung und Körperverletzung ist einem Einwohner von K l e i n - A l t e n st ä d t e n zur Last gelegt. Wie die Verhandlung ergab, erschien der Angeklagte im April d. I. auf dem Rathaus, um seine Arbeitslosenunterstützung in Empfang zu nehmen. Da der Qlngeflagte zu spät gekommen war, und die Beamten schon Kassenabschluß gemacht hatten, wurde der Angeklagte angewiesen, fein Geld das nächste Mal in Empfang zu nehmen, womit er sich auch anfangs zufrieden gab. Auf einmal fing er mit einem Beamten an zu schimpfen, überhäufte diesen mit Beleidigungen, woraus er aus dem Rathaus gewiesen wurde. Dor der Tür ergriff er dann einen daliegenden Schürhaken, trommelte mit aller ©cüJalt gegen die Tür und vollftihrte einen Heidenlärm. Gr Wurde dann von dem Ortsdiener und einem weiteren Beamten, die ihm vorher den Schürhaken abgenommen hatten, aus dem Haus geleitet. Auf der Straße griff Der Angeklagte dann den Ortsdiener, der noch allein da war, an, trat ihn diener, der nock) allein da war, an. trat ihm gegen den Unterleib und bewarf ihn mit Steinen und Erdschollen. Das Geriet)! sah den Angeklagten, obwohl er der Angegriffene sein will, wäy- rend er die Beleidigungen teilweise zugab, durch Silbenrätsel. Aus den 45 Silben: a — cel — di — di — ed — er — folg — gar — gat — gat — gre — hip — i — il — in — tra — le — li — lo — me — mi — mum — na — na — . nau — ne — ne — ner — no — no — pez — po — pot — red — ro — schlitt — schuh — so — soe — tes — tiv — tra — ve — witz — zop sind 17 Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. Vermächtnis: 2. guter Ausgang: 3. Ureinwohner Amerikas: 4. Musikinstrument: 5. griechischer Arzt; 6. Schwebereck: 7. heißer Wind: 8. Stadt in Thüringen: 9. Mündungsarm der Weichsel; 10. Detli- nationsfaU; 11. italienischer Maler: 12. männlicher Personenname; 13. deutscher Dichter; 14. halbseidenes Gewebe; 15. Fluß in Zentralasien; 16. Sportgerät; 17. Ostseebad Wurden die Wörter richtig gebildet, ergeben sie in ihren Anfangsbuchstaben und Endbuchstaben, beide Male von vorn nach hinten gelesen, ein Zitat von Schleiermacher. Kreuzworträtsel. Auslösungen. Silbenrätsel. 1. Idar; 2. Marne; 3. Bankett; 4. ßouie; 5. Ibsen; 6. Chemie; 7. Kalif; 8. Kandis; 9. Dran; 10. Malta; 11. Moltke; 12. Tunnel; 13. Dolde: 14. Indre; 15. Epos. Im Blick kommt die Seele ans Fenster. Rätsel. So rat es — Sokrates. Synonym. 1. Fahne: 2. Liebreiz; 3. Unterhaltung: 4. Grimm; 5. Zwist; 6. Erbarmen; 7. Unkosten: 8. Gischt. Flugzeug. IBort-B Ubungs-Raffel Nacht-Zelt: Obst-Brei; Ruhr-Ott; Dom-Bau; Lauf- Brett; Aar-Gau; Nord-Wind; Dieb-Stahl; Ruck- 1. Von links nach rechts: 1. Stadt in Thüringen, 2. Schweizer Nationalheld; 8. Mandelgebäck; 9. Drama von Goethe; 11. Schmetterlingslarve; 13. biblische Frauengestalt; 15. Schwimmvogel; 17. Luftart; 19. Gattungsbegriff; 20. scharfer Wind: 21. Gehilfe der Apostel Paulus und Petrus: 23. andere Bezeichnung für Postgebühr; 25. kaiserlicher Befehl: 26. Wurmart; 27. Ruhepause; 28. weiblicher Personenname. 2. Von oben nach unten: 2. Laufvogel; 3. abessinischer Fürstentttel; 6. weib- zug eines Theaterstücks; 5. große Tür; 6. weiblicher Personenname; 7. Raubtier; 10. Erdteil; 12. spanisch mexikanische Münze; 13. blauer «Stein;* 14. Kartenwerk; 15. Tierleiche; 16. andere Bezeichnung für Vorgebirge; 17. Gestalt aus der griechischen Mythologie; 18. Priestergewand; 22. Teil des Baumes; 24. fettige Flüssigkeit. Blumcnrätsel. Aster — Begonie — Edeldahlie — Edelweiß — Immergrün — Nelke — Reseda — Rose — Stiefmütterchen — Tuberose — Usambaraveilchen. Für wen der aus vorstehenden Blumen gewundene Strauß der Besteller diesen bestimmt hatte, erfahren innere Leser durch richtiges Aneimmdei> fügen der Anfangsbuchstaben. Rätsel. Wer meine Früchte will genießen, Der suche sie auf Zweigen nie; Er scyüttell, bricht und pflückt sie nicht und findet ste, Wenn er den Stamm zerstört, nur unter meinen Füßen. Buchstabenrätsel. --•--Farbe --•--weiblicher Personenname --■--Stadt im Freistaat Sachsen --•--Kleidungsstück --•--lehrhafte Erzählung --•--heftiger Wind --■--Edelfisch --•--Haustier. Man suche die bezeichneten Wätter, deren mitt- ' len?, durch Punkte angedeutete Buchstabenreihe einen notwendigen Begleiter eines jeden Reisenden nennen. Die Anfangsbuchstaben der Wötter sind: OLPWFSLS. Spiclstlan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Donnerstag, 11. Aug., abends 7 Uhr: Die Zauberflöte. Schauspielhaus. Vom 31. Juli bis 7. August: Das Dreimäderlhaus. Anfang 8, Ende 10V« Uhr.__ Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen Anzeigenausträge find lediglich an die Geschäftsstelle zu richten Verantwortlich für Lokales, Provinz und Wittschaft i. V. Dr. Hans Thyriot. Df Tb A D El ru R I R|O|S> A L D Jrl E r Bl El A R a|l| L I |d1 jp A T IX RI I E II A 0 N eifterbrano