Nr. 75 Erste; Blatt ITT. Zahrgang Mittwoch, 50. März 1927 Eriche«*» tägh*. traget Sonntag» unb feiertags. Beilagen: Gletzener Jamthenblättet Heimat im Bild Die Scholle Blewati-Bejngsprtl»; 2 Netch»mark und 20 5teid)spfenntg für Träger» lohn, auch bei Nichter- tteincn einzelner Nummern infolge höhere! Gewalt. $ern|prtic Abgeordneten der verschiedenen Parteien vertreten deren Anträge, _ die bekannt und bereits im Finanzausschuß cntsführ- lich behandelt worden sind. Abg. Kindt (Sntl.) bemängelt an der Regierungsvorlage hauptsächlich Den Derlei- lungSmodus der durch die Wietsteigerung sich ergebenden Steuererträge. Er empfiehll den Antrag seiner Partei, vom Steueraufkommen 8 Prozent den Hausbesitzern zuzüweisen. während me Regierungsvorlage nur 2 Prozent deS Steueraufkommens den Hausbesitzern überlassen will und 8 Prozent für den Staat beanfprucht. Qtbg. Leuchtgen- (Dbd.) wendet fich dagegen. daß überhaupt die Mieterhöhung besteuert wird; werde diese immer, wie jetzt, to egge ft e u e r t, fo komme man aus der Wohnungsnot nicht heraus und Aeubauten würden doch mit dem Steuererträgnis kaum errichtet. Man müsse dahin konnnen, daß allmählich wieder eine Rente auS dem Hausbesiy erzielt werde. 2lbg. H a u r tz (D. Vp.) fordert ebenfalls ^frie llebertDeifung der 10 Prozent des ©teuer- aiufkommens an den Hausbefitz. Auf Einwendungen von der Linken des Hauses wendet sich der Redner scharf gegen jede Soziali- sierungsbestrebungen. die fich gegen den Hausbefitz richten. Aba. Mann (Soz.) entgegnet, daß die Hausbesitzer noch große Vermögensteile aus der Inflation gerettet hätten, wahrend andere Leute ihr ganzes Vermögen verloren haben. Abg. Galm (Komm.) crflätt, seine Partei werde gegen den 'Derteilungsmodus und gegen I das ganze Vorauszahlungsgesetz stimmen. Abg. Dr. Ai epo th (D. Dp.) fragt u. a.. j wie es denn mit den Hausbesitzern gehalten werde, die keine Miete erhalten? Diese dürften nicht von der neuen Steuer getroffen werden. Abg. Sein ft ab t (Ztr.) meint, der Staat müsse neue Einnahmequellen haben, denn er wolle den Beamten das WohnungSgeld erhöhen und auch die Bautätigkeit mit Geldmitteln fördern. Dasselbe wollten auch die Gemeinden, darum müsse man ihn auch Mittel zuweisen. Die Verteilung des Steueraufkommen^ fei am besten fo | vorzunehmen. daß die Hausbesitzer die tälf te erhalten und die andere Hälfte f ür ffentlkche Zwecke verwendet wird. Für die । Besitzer von Eigenheimen und für gewiss« andere Fälle müßten Erleichterungen zugelassen werden. Wie sie in einem Antrag des Zentrums festgelegt Rnb. Abg. Reiber (Dem.) weist nachdrücklich darauf hin. daß die Reichsregierung an der Mieterhöhung schuld ist. Die Neubautätigkeit I könne nur angeregt werden, wenn die Regierung | einen größeren Betrag aus der Steuer erhalte. | Seine Partei stimme der Regierungsvorlage zu. 2tbg. Kindt (Dn ) macht darauf auhncrl- fam. daß der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt erklärt habe, wegen der Finanznot müßten die Zahlungen für Wohlfahrtszwecke eingeschränkt werden. Anscheinend fange jetzt die Stadt mit den Kleinrentnern an I Seine Partei werde mit allen Tüt ein dagegen I vorgehen, wenn die Darmstädter Stadtverwaltung I auf Kosten der Aolleidenden und Kleinrentner I ihren Haushalt zu balancieren verbuche. Von den Kommunisten ist inzwischen e n I Antrag eingegangen, wonach die Regierung er- nächtigt werden soll. Mittel bereitzustellen, um bedürftigen Mietern Unterstützungen zu gewahren, damit sie ihre Miete bezahlen I können. In der weiteren Debatte sprechen noch die Abgeordneten Haurn. Dr. Müller. Hcinstadt. Lux und der Finanzmir.ister über Einzelheiten der Vorlage. Es folgen die A b ft i m m u n g c n; die Aus- schußantrage werden angenommen. Die Regie- rungsvorlage wird sodann gegen die Stimmen ter Rechtsparteien und der Kommunisten an- Die Wehrdebatte im Reichstag. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin. 29. März. Der Hcereselat blldet in jedem Lande und von jeher den Anlaß zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung der Parteien, weil selbst bei sonst weitgehender kleber- einstimmig hier die pazifistische und militaristsche die nationale und Die interna'ionale. die auf Macht und die guf Recht gestellte Weltanschauung aufeinanderplatzen. In Ansehung dieser Grundtatsache ist die Debatte tm Deutschen Reichstag. die der neue Wehretat ausgelöst hat. zunächst recht glimpflich abgelaufen. Zwar haben die Sozialdcri'.okraten einen Abstrich von 50 bis 70 Millionen, also von etwa 12 bis 15 Prozent an dem Etat für wünschenswert und möglich bezeichnet, zwar sind einige Vorwürfe an den Reichswehrminister gerichtet worden, weil er die innere Einstellung bet Reichswehr und besonders des Offizierskorps in den langen Jahren feiner Wirksamkeit nicht in eine ausgesprochen republik- reundliche zu verwandeln gewußt habe, zwar ist ein durch feine Erfolgsaussicht getragenes Mißtrauensvotum der Sozialdemokraten gegen Dr. Geßler einaebracht worden, aber im großen und ganzen geyt doch auS der Debatte hervor, daß man allgemein die Reichswehr nicht etwa als ein notwendiges Hebel, sondern als eine wünschenswerte und nützliche Einrichtung betrachtet, beten Mangel im wesentlichen Schuld der Verfasser des Versailler Vertrages und nicht der Institution selbst find. In einem Blatte der Linken ist das tressend mit den Worten charakterisiert worden: ,Det Kamps der Linken geht nicht gegen die Reichswehr. sondern um die Reichswehr". Hnd in diesem Kampfe hat man in neuerer Zeit die Frage des Offiziers- und deS Mann- schaftserfatze« Dorangeftelll. Aus demokratischer Seite fordert man, daß eine Mitwirkung ziviler, parteipolitisch neutraler oder paritätisch zusammengesetzter Stellen, etwa nach dem Muster der früheren Etsatzkommissionen entscheidend bei der Auswahl der Anwärter für die militärische Laufbahn mitwirken, daß die Einrichtung gewisser .Tradifionsfamifien", besonders deS Adels bei der Stellung von Offiziers-Anwärtern nicht mehr weiterhin au frechter halten werde, ’tnb men bemängelt den verhältnismäßig hoben Anteil Adliger am Offizierskorps einzelner Regimenter. Aber wenn dabei auch das eine ober andere berechnet fein mag und eine gewisfe Hmgeftal- tung in der Richtung auf einen Querschnitt aus der Gesamtheit des deutschen Volkes schon aus dem Grunde wünschenswert wäre, weil damit das (leine Heer enger mit der DolkSgesantt- beit verwachsen würde, so bleibt doch das Wichtigste an der ganzen Diskussion, daß jene Kritik, die vom Ausland her,an der deutschen Reichswehr als einer für den Frieden und die Ruhe unserer Rachbam irgendwie bedrohlichen Institution geübt wurde, schlagend ad absurdum geführt wurde. Was in dieser Beziehung der Reichswehrminister ausführen und durch Zahlen belegen konnte, war für jedermann überzeugend: das englische Volk und das französische ebenfalls geben je 3> z. daS italienische sogar 4 Prozent des Volkseinkommens für militärische Zwecke aus, das deutsche nur V/8 Prr^ent, obwohl wir zur Unterhaltung einer Berus sarmee und durch die Beschränkung der freien Rüstungsindustrie auf wenige zugelassene Betriebe, durch das Verbot der Ausfuhr von Waffen usw. auf eine unrationelle und teure Heeresversorgung angewiesen sind. Der Reichswehrminister hat zugleich schlagend die Behauptungen widerlegt mit denen noch vor kurzem französische Journalisten krebsen gegangen waren, wonach hinter der Reichswehr große kriegsbrauchbare Reserven stünden, und er hat mit seinen AuSsüh- nmgen, die nach Lage der Lache vorwiegend außenpolitisch wirken mußten, der Reichswehr erfolgreich jede Entlastung verschafft. Am zweiten Tage der Reichswehrdebatte zeigte der Reichstag ein ganz verändertes Dtid Das Interesse der Abgeordneten hatte merklich nachgelassen, und die zu Worte gelontn.enen Redner der kleineren Parteien fanden nur einen kleinen KreiS von Zuhörern. DaS mangelnde Interesse ist vor allem darauf zurückzuführen, daß nunmehr nicht der geringste Zweifel an der Ablehnung der MthtrauenS- a n t r ä g e gegen Geßler und der Annahme deS Etats bestehen Für bie Anträge werden ausschließlich die Sozialdemokraten und die Äommuniftrn stimmen, während sich die Demokraten zumindest der Stimme enthalten dürften. Denn, obwohl Dr. Geßler nicht mehr Mitglied der Demolratischen Partei ift, bestehen doch noch fo viele persönliche Beziehungen zwischen ihm unb den demokratischen Abgeordneten. daß eine offene Kampfansage der Demokraten gegen ihn nicht anzunehmen ist. Sitzungsbericht. Berlin. 29. März. (DDZ.) Im Reichstag wird der R o t - E t a t ohne Aussprache in erster und zweiter Lesung angenommen. Daraus wird die zweite Lesung des Wehr-EtatS fortgesetzt. Abg. Dr. Bredt (Wirtschaftl. Dgg.) betont die Bek^utung des alten Heeres als Grziehungs- föfter. Zur Qkticibigimg eines großes Landes sei nur ein Heer der allgemeinen Wehrpflicht geeignet. Wenn man die Reichswehr populär machen wolle, dann stoße man nicht die eine Hälfte des ganzen Dolles derart vor den Kops, wie es General Reinhardt getan habe. (Minister Dr. Geßler: Es war sehr ungeschickt.) Der Minister müsse über den Offiziers-Ersatz persönlich wachen. (Minister Dr. Gehler: Das tue ich!) Abg. Loibl (Bayer.Vp.) erklärt: WaS das Wehr-Etat enthalte, sei gerade nur ausreichend. Hebrigens sei ja dieser Etat, an dem die Demokraten streichen wollten, von einem Kabinett ausgestellt worden, dem die Demokraten angehörten in dem sie sogar den Finarumtmfter stellten. (Sehr gut! bei der Mehrheit.) Im Volk merke man nichts von einem Mißtrauen gegen die Reichswehr. Dieses Mißtrauen werde künstlich geschürt. Reichswehrminister Dr. Gehler: England Hai große Munitionsbestände nach dem Kriege von Amerika übernommen. Wir dagegen haben unsere Bestände zerstören müssen. Sogar Halbfabrikate Haben wir im Werte von einer halben Milliarde vernichten müssen. (Hört! Hört! rechts.) Wir haben also keinerlei Reserven. Bis 1926 haben wir auch keine Munition anfert.gcn dürfen. Dagegen wissen wir gar nicht, welche gewaltigen Bestände England noch hat, und wieviel mit Hilfe von Krediten hinzugearbeitet wird. Für die chinesische Expedition find z. B. besondere Kredite bewilligt, während die Kriegsindustrie der andern Länder auch für daS Ausland arbeitet und ihre Zabrikationsmögllchkeit voll ausnuyt, darf unsere Industrie nicht exportieren. Sie arbeitet also unter viel ungünstigeren Verhältnissen. Die Zahl der Stabsoffiziere ist nicht größer als die der Leutnants. Man muh ferner bedenken, daß wir früher große Osfiziersrescrvcn hatten, aus denen Verluste im Ernstfall ersetzt werden konnten. Heute können wir wohl Leutnants und Oberleutnants aus dem Hnteroffizierstand ersetzen, für die Stabsoffiziere müssen wir die Reserve aber schon im Frieden haben. Meine erste Unterredung mit dem neuen Ehes der Heeresleitung galt der Vereinfachung der Verwaltung. Aber 10 Prozent streichen kann man in einem Etat wie dem meinigen nicht Wenn es nicht mehr möglich ist, die Mittel aufzubringen, mag ber Reichstag beschließen: Wir wollen nicht 100 000, «ondem nur 80 000 Mann. Aber ich kann nicht 10 Prozent kürzen an der Verpflegung, der Unterbringung oder der Kleidung (Heiterkeit) unserer Mannschaften. Der Ausschuß ist auch nicht mit allgemeinen Redensarten abgespeist worden. Das hätte sich Herr Stücklen gar nicht gefallen lassen, t Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Schreiber (Zentrll: Zufriedenheit und Interefie am Dienst ist abhängig davon, daß die Versorgung nach der Dienstentlassung gesichert erscheint. Wir begrüfteu deshalb die Fachschulen der Reichswehr zu? Ausbildung von Beamten, Kaufleuten und Handwerker. Außer dem landwtrlfchaftlichen Unterricht inuh den auS der Reichswehr Scheidenden auch Stedlungsmöglichkeit geboten werden. Wir würden es aufs schärfste verurteilen wenn etwa eine Legitimationskarte von irgendwelchen vaterländischen Verbänden für die Anstellung als Schulleiter verlangt würde. (Sehr richttg! im Zentrum.) Die Bezahlung der Lehrer muh besser Werdern Eine zentrale Regelung wird aber Wohl nicht möglich sein. Abg. Rönneburg (Dem.) weist darauf hin. daß beim Innenministerium sogar 20 Prozent gestrichen worden seien; ohne die Schlagkraft deS Heeres zu mindern, könne man sparen am Pferdeetat. an der aufgeblähten Verwaltung, an den Waffenpreisen usw. Die Garnisonen könnten stärker zusammengelegt werden. Die technische Entwicklung mache eine völlige Modernisierung der Flotte nötig, sobald wir wieder in unseren Entschließungen frei fein würden. Richt mehr Hochseeflotte, sondern U-Boot, Luftflotte und Torpedoboot müßten auSgebaut werden. Dafür brauche man nicht soviel Stäbe und Verwaltungsstellen Hier könne man sparen. Die beiden neuen Lldmiräle könne man nicht be- williaen. Abg. Schmidt-Hannover (Dn): Dia Abrüstungsverhandlungen des Grafen Bernstorf in Gens wären besser durch Annahme des Wepr- etats nach kurzer Debatte unterstützt worden, als durch Feilschen um Prozente. Deutschland könne sich nicht dadurch schützen daß es sich wie der Heine Cloton im Völkerzirkus selbst ohrfeige. Der Redner zitiert eine Rote der interalliierten Kommission in der gesagt wird, ohne die Hilfe der deutschen pazifistischen Kreise würde die Kommission außerstande sein, ersprießliche Arbeit zu leisten (Lebhaftes Hört! Hört! und Pfuirufe rechts.) Wenn Bebel und Eugen Richter' heute noch die Linksparteien leiteten, dann würden fie ganz energisch von den radikalen Pazifisten abruden unb ihre Pressemeute zurüch)feisen (Unruhe links.) Im Reichsbanner unb im Roten Fronlkämpferbunb gäbe eS Taufende von Männern, die in ihrem wehrhaften Streben der Rechten durchaus nahe ständen «Lachen links.) Hoffentlich werde der Gegensatz zwischen Theorie und Praxis, der über dem politischen Geben der Linken liege, zu einem Zusammenstehen aller Vaterlands- und Wahrheitsliebenden führen. Das M i 1 i z s y ft e m sei unmöglich. Das zeige das österreichische Beispiel. (Widerspruch links.) Deutschland, das Land der Mitte, brauche den Schutz der Wehr; auf den Waffen und den Opfern ruhe der Staat. (Lebhafter Beifall bei den Deutschnationalen) Weiterheratung Mittwoch. Die Regierungskoalition. Eine Unterredung mit Rcichsjustizministcr Hergt. Berlin, 30. März. (Priv.-Tel.) Der „Lokal- anzciger" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Relchsjustizminister Hergt, in deren Verlauf dieser noch Betonung der Notwendigkeit der Herbeiführung ruhiger gesicherter Entwicklung es als notwendig bezeichnete, daß man sich auch in den Parteien der Regierungskoalition ein über die Parteien hinausgehendes Gemeinfchaftsgefühl ange- wohne. „Selbstverständlich keine Aufgabe der Grundsätze, kein Aufgeben der weltanschaulichen Untermauerung unserer praktischen Politik! Aber diele so natürliche Koalitionsgemeinschaft, die erst nach so großen Schwierigkeiten Aufammcngefommen ist, diese Zusammenarbeit der staatsbürgerlich eingestellten Dolksparteien, die die Klaffen als solche unb ihr» genommen. Der eben eingebrachte kommunistische Antrag wird abgelehnt. Hierauf wird eine Regicrungsvorlage über die einstweilige Zurverfügungstellung der im Staatsvoranschlag für 1927 vorgesehenen Baukredite beraten Ein Antrag Dr. LeuchtgenS und Glaser tollt eine zehnprozentige Kürzung der angeforderten Kredite. Abg. Haury bittet als Berichterstatter, die geforderte Summe der Regierungsvorlage zu bewilligen, damit möglich st bald gebaut werden kann. . Abg. Dr. Leuchtgens begründet seinen Abstrich an der Forderung mit der Absicht, auf diese Weise die Bauverwallung zum sparsamen Bauen zu zwingen. Es sprechen zu dieser Angelegenheit noch die Abg. Galm, Engelmann, Rechticn, Hemstedt unb Mann, die in der Mehrzahl der Bauverwaltung bezeugen, daß sie sparsam baut. Die Regierungsvorlage wird angenommen und der Antrag Dr Leuchtgens und Glaser abgelehnt. Das Haus stimmt den Regierungsvorlagen über den Beitritt Hessens zur Kreditgemeinschast gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen Deutichlands in Berlin zu : dem A r b e i t s b e s ch a s f u n g s Programm 1926 27, den Steuererleichterungen nir Winzer (Ermäßigung der Landc-grundsteuer für 1926) sowie der Staatsbeihilfe für den notleidenden Eisenerzbergbau in D b e r b e f f en. Anträge auf Aufhebung der Immunität der Landtagsabgeordneten Sturmfels und Mann werden abgelehnt. Die Regierungsvorlagen über die Kunstausstellung im Sommer 1927 in Darmstadt, über die Beiträge der Ge- meinben und Privaten zu den Kosten der Forstoer- roaltung für das Jahr 1924 unb 1925, sowie für die Regulierung der Seü werden angenommen. Ein Antrag der^Abg. Roth u. Gen. über eine Schulent- laksungsbeihilfe wird abgelehnt und ein Antrag der Abg. Angermeier u. Gen. wegen Ersatzes der Roftcn für Lernmittel wird für erledigt erklärt. — Nächste Sitzung Mittwoch, 10 Uhr vormittags. Vie neuen hessischen 5ieuergesetze Darmstadt. 28. März. (Prav.-Tel.) Der Kommunalpolitische Ausschuß der Deutsch e n V o l k s p a r t e i (Landesverband Hessen) hielt in Frankfurt eine Tagung ab. auf der Landtags- abgeordneter CBürgcrmeifter Dr. Riepoth - Schlitz über die dem Landtag vorliegenden Gesetzentwürfe Bericht erstattete; es sind dies die Grund - und Gewerbesteuergesetze. das Gesetz über die ©cmcinbcumlagcn, das Gesetz über die Sondergebäude st euer, sowie das Steuervorauszahlungs- gesch. Der Redner machte u .a. darauf auf- merksam, daß der hessische Staat seit dem Jahre 1920 für sich eine Grund- und Gewerbesteuer erhebt unb in bezug auf die Höhe an ber Spitze der deutschen Länder steht. Die Realsteuem müßten aber, das fei eine gerechte Forderung, den Gemeinden üderlafien bleiben. Weiter wandte sich der Redner u. a. gegen das Ei11empo. mit dem die Gesetzentwürfe verabschiedet werden sollen. Dem Gemeindeumlagegesetz sei noch nicht einmal eine Begründung beigegeben worden. DaS ReichSbewert ungs- g e s e y werde von großem Einfluß auf die hessischen Steuerverhältnisse fein; man solle dies erst abtoarlen, denn bann werbe ein ganz anderes Deranlagungsverfahven kommen. Bei der Crortcrunfl des Gewcrbesteuergefehes wurde verlangt. daß die Konsumvereine zur Steuer herangezogen werden. Der Entwurf zum Sonder- gebäudesteuergeseh. wie er jetzt vorliege, fei ein Erfolg der Opposition. schon weil auS der Verordnung ein Gesetz geworden fei Der Entwurl erkenne nun. was ebenfalls ein Erfolg sei. eine Beziehung der Erträge vom Gebäude zu der Steuerhöhe an und geb« auf der anderen Seite auch die Ermäßigungen, die er auf Grund des ReichLgesehes für unbelastete und gering belastete Gebäude geben fann. Dr Riepoth sprach dann noch über ein künftiges Gemeinde- beamtengefet) und bemerkte dazu, ein etwaiger Entwurf, der diese Materie regelt, müsse mit der Derwaltungsreform ' verbunden sein. Im Zusammenhang mit dem Gemeinde- beamtengefet) sei auch eine gerechte Regelung der Militäranwärterfrage vorzu- nehmen. Kampfe ablehnt uud jede m stch die verschiedenen Dolksschichten auf eine Gemeinsamkeit in ihren Rechen geeint haben, sie muß sich auf die größere Gemeinschaft aller staatsbürgerlich eingestellten Dolksparieien stärker einstellen, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist und sein konnte." Aus dem haushaltsausschutz -es Reichstages. Berlin. 29. März. (B.D.Z.) 3m Haus- haltsausschuh wurde die Aussprache über die allgemeine Finanzverwaltung fortgesetzt. Abg. D i e d r ich - Baden (5)em.) erilärte. daß das Ergebnis der Reinholdfchen Wirtschaft lange nicht so schlecht toar. wie es hingestellt wurde. Insgesamt seien noch Reserven von 6 6 0 Millionen Mark vorhanden. Die notwendige Deamtenbesoldungsverbesse- r u n g könne bei einigermaßen günstiger Entwicklung der Wirtschaft aufgebracht werden. Es sei aber auch gleichzeitig eine Besserstellung der Kriegsbeschädigten nottoenbig. Abg. Äoenen (Komm.) verlangt genaue Auskunft darüber, wie hoch die Rückstände bei den direkten Steuern seien. Die Streichung der Etats'umme für Kinderspeisungeic und andere soziale Ausgaben seien auf das schärfste zu verurteilen. Staatssekretär Popitz bezifferte die Ruck- stände am I. Januar 1927 an Besitz- unb 13er- kehrssteuern, einschließlich der Umsatzsteuer auf insgesamt 553 Millionen Mark. Die Rückstände aus den Zigarettensteuern von 40 Millionen Ml. müßten zum größten Teil als verloren gelten. Abg. Dr. Pfleger (Bayer. Bp.) wünscht bei Einziehung der Steuerrückstände weitestgehende Schonung öermittleren undklei- nen Existenzen. Er forderte Bereitstellung weiterer Mittel im nächsten Etat siir die bedrängten Grenzgebiete. In der Abstimmung wurden die Etats- a n s ä tz e für die Einnahmen an Einkommensteuer auf 2620 Mill. Mk. u. an der Körperschafts- steuer auf 400 Millionen Mk. e r höht. Weiter wurden neu eingesetzt' 190 Millionen Mk. aus der Rücklage zur Verstärkung der Betriebsmittel der Reichshauptkasse und 200 Millionen aus Aeberschüssen des Rechnungsjahres 1925. Bei den Ausgaben tourbe bet Ansatz für die ilcbcrtocifungcn aus Einkommen-. Körper- schaftS- und Umsatzsteuer an die Länder aus 2600 Millionen Mk. e rhöh t. Ebenso wurden die ikbertDeijungen an die Länder aus der Bier steuer auf 70 Millionen und 700 000 Mk. erhöht. Bewilligt wurden zur Unterstützung allgemeiner Fürsorgeeinrichtungen zwei Millionen Mark. Die Etatsposition zur Förderung von Anstalten und Einrichtungen der privaten Wohlfahrtspflege wurden von 2,5 aus 2 Millionen Mart herabgesetzt. Angenommen wurde eine Entschließung, die öringenben Bedürfnisse der freien Wohlfahrtspflege erneut zu prüfen und gegebenenfalls im Äachtragshaus- halt eine angemessene Erhöhung anzusordern. Alsdann wurde der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung verabschiedet. Das Handelsprovisori^m mit Frankreich. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 29. Marz. Wie gemeldet wird, hat das Reichskabinett, bevor es sich endgültig über die Annahme des Provisoriums schlüssig werden • will, noch wegen einzelner unwesentlicher Punkte eine Rückfrage nach Paris aerichtet. Doch darf l man wohl annehmen, daß es sich dabei nicht um Dinge handelt, die auf den Entschluß zur Billigung * des Provisoriums entscheidenden Einfluß haben , werden. An den Bestimmungen des Provisoriums selbst, soweit sie bisher bekannt geworden sind, wird von einem Teil der deutschen Wirtschaft bereits Kritik geübt. Das ist selbstverständlich und bei jedem Abschluß eines Handelsvertrages oder eines Wirtschaftsabkommens üblich. Immerhin find die Einwendungen zum Teil nicht unbeachtlich, weil sie die - Richtung zeigen, in der sich die Bemühungen für den Abschluß eines definitiven Handelsvertrages werden bewegen müssen. Entgegen den französischen Tendenzmeldungen ist die Deutschland zugestandene Contre-Partie nicht kleiner, sondern erheblich größer als das deutscherseits bewilligte Einfuhrkontingent französischer Weine. Das Verhältnis scheint 60 Millionen Franken für deutsche Erzeugnisse gegen 40 Millionen Franken für französische Weine zu betragen. Die Zugestöndnisie an die deutsche Wirtschaft betreffen vorwiegend die chemische, elektro- technische und Maschinenindustrie, wobei besonders um die Forderungen der E h e m i e gerungen wurde. Die ersten französischen Angaben find auch in bezug auf die zugestandenen Sätze unzutreffend gewesen. Denn der Satz für Wein beträgt 32 bis 45 Mk., wie für italienische und spanische Weine. Aber es bleibt die Tatsache natürlich bestehen, daß es leichter ist, für 40 Millionen Franken französische Weine innerhalb der Laufzeit des Provisoriums in Deutschland abzu setzen, ober mindestens in voller Höhe nach Deutschland einzufiihren, als Abnehmer für die ein Zelnen Erzeugmsie, der an dem Kontingent beteiligten deutschen Industrien innerhalb dieser kurz bemessenen Frist in Frankreich zu gewinnen. Deshalb auch die Spanne zugunsten des deutsche» Kontingents. Di.' Einwendungen richten sich nun z. T. gegen die Dauer Provisoriums, die aber von den Rücksichten auf die deutsche Landwirtschaft, besonders den Gemüsebau, diktiert toat; die Industrie würde es natürlich vorziehen, eine Frist zur Verfügung zu haben innerhalb de- ren das Kontingent mit Sicherheit aus - genützt werden könnte. Ferner betreffen die Anstände die Tatsache, daß nicht auch andere Gewerbe in dem Kontingent berücksichtigt worden färb, wobei man ebenfalls mit dem Argument arbeitet, daß solche Industrien, wie die der Metallwaren und des Papiers eher in der Lage gewesen wären, die Einfuhrmöglichkeit mit f o - fort lieferbaren W areur auszu- nutz e n. Weitere Einwendungen richten sich gegen das nicht grundsätzlich aufgehobene fron- 5 ösische Einfuhrverbot für Teer- färben und befürchten dadurch. Hindernisfe in der Praxis. Endlich wird mancherseits darauf hingewiesen, daß der Unterschied in den geltenden Zollsätzen und denjenigen der sran^osifchcn Zolltarifnotzelle die Franzosen reizen könnte, diese Rovelle schnellstens in Kraft zu setzen und dadurch die Möglichkeit wegsiele. die Periode der Emfuhrbegünstigung zur Sicherung lünitiger Absatzmöglichkeiten auszunuhen An diesen Ein- Die Lage in China. Schanghai, 29. März. (Havas.) General Tschangkaischek hat den Pressevertretern erklärt, daß die Verhandlungen mit den ausländischen Behörden nur von dem Innen- und Außenminister Tschcn ausgenommen werden formten, dessen Ankunft in Schanghai bevorstehe. In Ranking hätten die Ausländer keine Gewalt aix- wenden Dürfen. Die s remdenseindliche Bewegung unter den Ehinesen sei durch die gewaltigen Verluste an Menschenleben auf chinesischer Seite nur noch verschärft worben. Tschangkaischek hat wegen der fortgesetzten Stra- henlämpfe im chinesischen Stadtviertel von Schanghai das Standrecht verhängt. Der General hat übrigens dem amerikanischen Admiral Williams an Bord des Flaggschiffes einen Besuch abgestattet. Die Kanlvnef-en sind sehr ungehalten darüber, daß bei seinem Empfang an Bord die Ehrenbezeugungen durch die Besatzung unterblieben seien. Rußlands Politik in China. Moskau, 30. März. (WTB.-Funkspruch.) In einer Rede erklärte R y k o w, der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare (Ministerpräsident) zu den Ereignissen in Nanking: „Wenn auf einem Gebiet der internationalen Politik die Kanonen zu sprechen beginnen, so gibt es genug Gründe zu Besorgnis um das Friedenswerk. Bei der gegenwärtigen, überaus verwickelten internationalen Lage kann eine derartige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas einen großen Krieg in China hervorufen, der seinerseits in seiner logischen Entwicklung zur Quelle von Verwickelungen nicht allein auf dem asiatischen Kontinent, sondern auch in der ganzen Welt werden kann. Für die Sowjetunion besteht die Gefahr, daß politische Gruppen zu beweisen suchen, daß zur Unterdrückung der nationalen Freiheitsbewegung in China und anderen Ländern in erster Linie die Moskauer Revolution unterdrückt werden müsse. Gegenwärtig kann ziemlich sicher angenommen werden, das direkte Kriegsabenteuer gegenüber der Sowjetunion und eine evtl. Intervention in nächster Zeit wenig wahrscheinlich sind, wenn das gegenwärtige Verhältnis der Kräfte bestehen bleibt." Zu den englisch-russischen Beziehungen erklärte Rykow. „Obwohl englische Regierungsverlrctcr amtlich hartnäckig behaupten, versönlich keinerlei sachliche Verhandlungen zur Organisierung eines sowjetfeindlichen Blocks geführt au haben, :o werden dennoch die Versuche, einen derartigen Block zu bilden, kaum von irgend jemanden angezweifelt. Vielleicht strebt Chamberlain tatsächlich nicht die Schaffung eines sowjetfeindlichen Blocks an, sondern ist womöglich sogar bemüht, einen sowjet f r e u n d l i ch e n Block zu schassen. Jedenfalls bestätigen alle seine Maßnahmen Hinsicht lich der Entwicklung der englisch-russischen Beziehun- gen diese Bestrebungen nicht. Ferner fühlen sich olle, die den Sturz der Sowjetmacht anstreben, hierin mit Chamberlain vollkommen solidarisch. Wir sind am wenigstens dafür verantwortlich, daß eine derartige Lage entstanden ift/ Die amerikanische Intervention. Washington, 29. QRära. (WB.) Wie das Weiße Haus heute bekannt gibt, sollen die amerikanischen Streitkräfte in China nicht den Streitkräften der anderen Großmächte angegliebert werden. Präfi - dentCoolidge steht auf dem Standpunkt, daß die Vereinigten Staaten von Amerika ein eigenes Kommando unterhalten sollen, so daß eine unabhängige Aktion seitens der amerikanischen Militärtruppen durchführbar bleibt. Dennoch hat der Präsident das Empfinden, bah die amerikanischen Streitkräfte mit den Truppen der anderen Mächte zusammenarbeiten müßten, da die amerikanischen Flüchtlinge namentlich in Schantung zerstreut innerhalb der Konzession untergebracht sind. Schwierigkeiten sind dadurch entstanden, daß die französische Konzession in Schanghai entschlossen ist. sich selbst zu verteidigen. Es bleibt dem amerikanischen Kommandeur überlassen, unabhängig nach den Erfordernissen der Lage zu handeln. Der amerikanische Gesandte in Peking Mac Murray hat telcgraphrsch das Staatsdepartement bringend ersucht, scharf vorzugehen, um eine Wiederkehr der Ausschreitungen von 07anfing an anderen Orten innerHÄb des von den Rationalisten besetz len Geistes zu verhindern. Diesem Ersuchen ist ein Bericht des Admirals H v u g h beigefügt, in welchem dieser erflärt, die Lage in Wuhu werde ständig kritischer. Im übrigen erklärt Mac Murray, daß nach einem Bericht aus Ranking die Ausschrei - tungen dort noch schlimmer waren, als man ursprünglich angenommen bat. Der Terrorismus und das Vorgehen gegen die Fremden fei nicht nur offiziell begünstigt und geleitet, sondern sogar vorbereitet worden. Der Gesandte fordert schließlich die sofortige Abreise aller Amerikaner aus dem von den Rationalisten besetzten Gebiet. Werbungen ist das eine oder andere ganz gewiß berechtigt. Wer aber die Schwierigkeiten kennt, mit denen nun schon seit Jahren das Bemühen um ein Wirtschaftsabkommen mit Frankreich zu leiben hat, der wirb auch das Erreichte als einen Forts chr i tt und ein Symptom dafür begrüßen, daß sich in Frankeich die Erkenntnis von der Rotwendigkeit eines wirt- schaftsdolitiso:«n Einvernehmens mit Deutschland allmählich durchsetzt. Voten nnd die O;tpahte. Tic Verhandlungen mit Rußland Warschau, 29. März. (WTB.) Der polnische Außenminister Zaleski gewährte einem Vertreter j | des sozialistischen „Robotnik" eine Unterredung über das Problem der Ostpakte. Der Minister führte aus, ; Polen sei gern bereit, in Form eines Paktes seinen friedlichen Absichten in seinen Beziehungen zur I Rate-Union Ausdruck zu geben. Unter Hinweis | auf die Paraphierung der bisherigen Verhandlungs- I ergebnifie über einen tujsisch-leltländi- , schen Pakt erklärte der Minister, daß die beste Sicherung der Unabhängigkeit der baltischen Staa- | ten in dem Völkerbundspakt erblickt werden ; iönne. Es sei anzunehmen, daß die lettländische Re gierung in ihren weiteren Verhandlungen mit der Sowjetunion auf keinen Fall ihr Verhältnis zum Völkerbund abjchwächen werden. Für die Unabhängigkeit der Politik der baltischen Staaten sei die Aufrechterhaltung der inneren Solidarität Zwischen Lettland und E st l a n d die beste Garantie. Sofern die lettländische Regierung die Bedeutung der Solidarität der baltischen Staaten gebührend cinschätze und in den weiteren Verhandlungen mit der Sowjetunion diese Grundsätze aufrecht erhalte, könne die polnische Regierung keine Ursache zur Beunruhigung sehen. Polen sei Anhänger einer Festigung friedlicher Beziehungen aus dem Wege von Pakten, die eine wahrhafte Friedensgarantie in ganz Europa bieten. Die Verhandlungen, die Polen mit Sowjetrußlond auszunehmen beabsichtige, würden hoffentlich dieses Friedensprogramm verwirklichen. Die EnLdentfchung Ostoberfchlesiens. Berlin. 29. März. Wie wir erfahren, scheint die von dem polnischen Abgeordneten Ianitzly bei einer großen Versammlung der KorsantY-Partei in Kaltowitz gemachte Mitteilung über ein Gesetz, das in allernächster Zeit im schlesischen Sejm eingebracht werden soll, und auf Grund bdfen der schlesische Wojewode zur Auslösung derjenigen Stadtverwaltungen ermächtigt würde, deren Mitglieder sich gegen die Staatsbürgerpflichten a u f le h n e n wurden, auf Richtigkeit zu beruhen. Die Tendenz dieses Gesetzes ist ja in jeder Beziehung durchsichtig. Man will sich damit gegen die als Ergebnis der letzten K o in m u * nalwahIen in den Städten Ostoberschkesiens gewählten deutschen Mehrheiten in den Stadtparlamenten wenden, und sie in ihrer Handlungsfreiheit in jeder Beziehung beschränken. Daß dieses Gesetz einen Rechtsbruch schlimmster Sorte darstellt, braucht wohl nicht erst unterstrichen zu werden, mit der Denkungsart der polnischen Behörden in Ostoberichleften läßt es sich aber sehr gut vereinbaren. Rach in Berlin vorliegenden Rach richten wird ferner in einer Interpellation des Ost- obctschlesischen christlich-demokratischen Abgeordneten S o s in s k i und Gen. an den polnischen Ministerpräsidenten und den Arbeltsminlster verlangt. daß bei Arbeiterentlassungen in Ostoberschlesien zunächst die deutschen Optanten und diejenigen Arbeiter entlaßen werden, die i h c Deutschtum kund tun Die Interpellation hat alle Aussicht auf Erfolg, denn bk Polen haben bisher mehr als einmal bewiesen. daß sie sich um das Genfer Abkommen, das jede unterschiedliche Behandlung der Sogenannten deutschen Minderheit, in WirlliHkeit Mehrheit, verbietet, nicht kümmern Nachdem die ober» schlesischen Kornmnnaiwahlen gezeigt haben, daß alle polnischen Entdeutschungsmaßnahmen ohne Erfolg geblieben find, versucht man allo jetzt, die Deutschgesinnten durch Arbeitslosigkeit und Hunger zum Polentum zu bekehren Auch auf dem Gebiet« der Schulpolitik wird die Unterdrückung des Deutsch- tu7ns von den Polen systematisch fortgesetzt. Irgendwelche Folgen des in Genf geschlossenen Kompromisses haben sich noch in feiner Welle bemerlbar gemacht. „Die Schulproz«sse taufen weiter, die Strafen werden sogar härter und oon irgendwelchen Vorbereitungen zur Eröffnung der Minderbeitsschulen ist absolut nichts zu merken", so schreibt ein Kattowitzer feutsches Blatt. Leider ist auch noch nicht der schweizerische Pädagoge ernannt worden, der die nahezu 2000 umstrittenen Schulfälle prüfen soll. Wenn auch die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, in Ostoberschlesien direkt einzugreifen, so sollte sie doch Wenig-Stens dafür sorgen, daß die Ernennung des Pädagogen schnellstens vollzogen wird, damit dadurch wenigstens c-.nem Teil der pplnischen Entdeutichungspolitik ein Riegel vorgeschoben wird. Das Instruktionsbuch der tschechischen Armee. Prag, 30. März. (WTB. Funkfpruch.) Don einem Berliner Blatt veröffentlichte Enthüllungen über ein deutschfeindliches Instruktionsbuch zur Erziehung der tschechischen Soldaten hoben unter den sudelendeutschen Parteien und in der gesamten Presse Erregung hervorgerufen, die sich mit Rücksicht auf den Umstand steigert, daß eben jetzt verschiedene Wehrgesetze, insbesondere dos über die Verlängerung der Militär- di en St 3 eit, mit den Stimmen der deutschen aktivistischen Abgeordneten im Plenum der Kammer genehmigt werden soll. Auch innerhalb der deutschen Regierungsparteien macht sich wegen des chauvinistischen Lehrbuches, das einen Tell der Dienstvorschriften der tschechische» Armee bildet, Erregung bemerkbar und man plant in dieser Angelegenheit eine Interpellation eingubrmgen Luzzatti f. 3n Rom ist der frühere Premierminister 2uigi Luzza tti im Alter von 85 Jahren gestorben. Luzzatti entstammt einer wohlhabenden israelitischen Familie Venedigs. Er studierte in Padua Volkswirtschaft, wurde 1862 wegen Gründung einer Genossenschaft der Gondolieri in Venedig von bcu österreichischen Behörden verfolgt und lieh sich infolgedessen am Technischen Institut in Mailand als Professor der Volkswirtschaft nieder. Daneben begründete er 1864 die Mailänder Volksbank und nahm an der Entwicklung des Genossenschaftswesens teil. Im Jahre 1867 schon wurde er an die Universität Padua berufen und 1869 in die Deputierten- komm er gewählt, der er dann 52 Jahre hindurch, bis zu seinem 1921 erfolgten Hebert ritt in den Senat angehörte. Luzzatti hat während seines langen Lebeirs infolge feiner in wirtschaftlichen und finanziellen Fragen kaum bestrittenen Mrtorität vielfach bestimmend auf die wirtschaftliche Lage seines Landes cinpetwrft. Fünfmal war er jinan^minifter. Im Marz 1910 bildete er ein eigenes Kabinett, m dem er selbst das Portefeuille des Innern übernahm, der Gras di San Giuliano aber die auswärtige Politik leitete. Luzzatti hat dann während des Krieges eine umfangreiche Tätigkeit als wirtschaftlicher Be- ratet der alliierten Regierungen entfalte! Rach dem Kriege trat er politisch weniger hervor, befaßte sich vielmehr mit der Herausgabe einer Gesamtausgabe feiner zahlreichen Schriften sowie mit der Abfassung seiner Gebenderimierungen Kleine politische Nachrichten. Wie das „Lerl. Tagebl." von unterrichteter Seite erfahren haben will, beabsichtigt Reichsinnenminifter o. K e u d e l l unmittelbar nach den Osterferien im Reichstag den Entwurf für das neue Reichs- schulgesetz vorzulegen. In den Kreisen der Regierungsparteien nimmt man nn, daß das Gesetz noch vor bem Beginn der Sommerferien verabschiedet werden kann. Die Generalversammlung der Fra nfen» t hLl er Metallarbeiterhat beschlossen, am 1. April in den Streik zu treten, an bem insgesamt etwa 3500 Arbeiter beteiligt sind Die Schlich- tungsverhandlungen sind gescheitert. Der Streik- beschluh wird auch auf die Haltung der badischen Metallarbeiter einen bestimmenden Ginfluh haben. Aus Bukarest wird gemeldet, daß das Finanzministerium, um die Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland zu erleichtern, die Liquidierung der Besitzungen deutsch^ Bür- ger einzustelfen beabsichtige. Preuhrrcher Landtag. Berlin, 29. März. Im Preußischen Land- lag wurde am Dienstag zunächst der Antrag der Koalitionsparteien übet die Verteilung dererhöhtenBeträgezurHauszinS- steuer beraten. Fincmzminister Dr. Höpker - Aschoff empfahl den Antrag der Koalitions- Parteien und erklärte, daß eint Erhöhung der Hauszinssteuer nicht zu umgehen sei. Das Mehraufkommen fei mit 120 biS 130 Millionen zu veranschlagen. Es sollen der Qleu- 6 a u tä ti g leit fünf Sechstel und den gemein ben «in Sechst«! zugute tomrnen. Der Antrag wurde schließlich dem Hauptousschuh überwiesen. Sodann setzte bas Haus die zweite Beratung des Haushalts des Innenministeriums fort beim Abschnitt über die Polizei. Auch am Mittwoch soll dieser Etat weiter beraten werden. Aus aller Welt. Der neue Intendant des TNainzer Sladtthcaters. In nichtöffentlicher Sitzung wählte, wie aus Mainz gemeldet wird, die Stadtverordnetenversammlung den Schauspieloberregisseur des Darmstädter Landestheaters Klitsch zum Intendanten des Mainzer Stadttheaters. Der Fall Schnoor. Wie die „Voss. Zig." meldet, hat ©eneralSuperintendent D. Dibelius zu feinen Aeherungcn über bas Vorgehen bet Polizei berichtigend mit- geteilt, daß er nicht behauptet habe, der in Frage stehende Mord fei vor acht Jahren von den Kommunisten begangen worden. Auw habe er nicht behauptet, daß die gegen den Pfarrer Schnoor erhobenen Anschuldigungen an und für sich -haltlos seien, ober bah em Nachspiel im Landtag stattfindev werde. Von einem Eingreifen in ein schwebende Berichten fei also keine Rede. Er habe es für fein, Ritterpslicht als Dorgefetzter gehalten einem Geistlichen, gegen ben der ungeheuerliche Bor wurf, er habe mit morbbeflecklen Händen acht Jahre lang feines Pfqrramtes gewaltet, zur Seite zu treten. Einen Vorwurf habe er nur insofern erhoben, als burd) bie Abholung zur Vernehmung das Gerücht verbreitet worben ist, der Pfarrer sei unter Mordverbacht verhaftet worben. Dazu Hobe es nicht kommen dürfen und nicht $u kommen brauchen. Wenn tat übrigen eine Verfehlung anderer Art. die bisher den Vorgesetzten nicht bekannt war, aufgedeckt worden iei. so würbe diese unverzüglich ihre Sühne Huben. Aus der provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. März 1927. Aus der Giehener Bevölkerungsstatistik. Bei verschiedenen Gelegenheiten — u. a. bei Jahresruckblicken, Betrachtungen über die Lage auf dem Wohnungsmartt, Erörterungen über die Gefundheitsverhältnisfe in unserer Stadt ufw. haben wir früher schon Anlaß genommen, unseren Lesern Mitteilungen über di« Bewegung in der Gießener Einwohner- st a t i st i k deS jeweils im Mittelpunkt der Besprechung stehenden Jahres zu machen. Um unserer Lesergemeinde nun auch einmal einen Ueberblid über die Bevölkerungsbewegung i n - nerhalb eines größeren Zeiträume s zu geben, haben wir und von der zuständigen Stelle die nachstehenden Angaben über die Eheschließungen, Geburten und St er besä Ile für dre Zeit von 1913 (letztes volles Friedensjahr vor dem großen Kriege) bis Ende 1 926 erbeten. Danach war die Bevöllcrungsbewegung in der Gießener Einwoh- nerstaliftik wie folgt: Jahr 6 befehl- Geburten: Sterbefälle: |abl । I betet. . Orts- fremb« «»iamt-i 1 labl | i orai;ofaßc. Wolkig, etwas wärmer unb stellenweise Weber- schlage. Gestrige Taaestemperaturen: Maximum: 11,0 Grab Celsius, Minimum: 4,4 Grab Celsius. Weber- Ithläge: 2,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 0,4 Grab Celsius M ß>B SS mittag D auB^it 5(ni^n3 um* " Mietp ©clamhnmifteri gesetzliche Me Prozent be trerben iß. H für laufende 3i M btt Htirb övnbcrbGinmr schlage bleiben diejenigen übet steigenden Tßa grubcnenüeenr " Pers cloatsbicnfl ( liche Prostsso und Prosekto: Landesumvers auf fein Rach 1927 an. - dach wurde u InfbeHot an Inspektor Sjöi Ach" Dien Kühbach vers< Hwrrich D e j Bum Lehrer *!*■ » Ärobudur. Aus nnrb uns SK mann.wn ' des cntanflcn wlgreich d«n - wird dirM' . Asmoortrag das verbotene üTben Palast aach an dieser tmpsohlen-, Du drj Aolomalde sich und eindr gemacht werde fet gegen die Zurückgabe de mi gewinnen. - Der f hat für Dome Zereinshaus. i berg. Leiterin zu einem Tortr Die Acdnerin Hessens über ö Vemde jetzt vo ks Eltern im Aussichten uni Töchter sind. Runde hier t spräche Belehn Der 1 Tiehen. veranst flunften der 3u> hc^ung der be begrüßten Ausj du noch eine heutigen Anzen Welt. U« S/aMfatei «Mik uw au» “tabtöCTwbwtaw iobm^ifkuT bd RUt1q> zum 3fr tixattti. oor. t hol (BenetaljuMr' Jeinen Arhrn»^ I« berityigtn) mit- habe, her in fay >hren von ftm. lch Hobe « nicht bt Wirrer Schnovi er- unb für sich «HM« n ficnbttjg ftollfmbtr In rin chvebenb, Er habe e» für |rin Nsehier zeholln r unaeheurrliche Bor m Händen ach« tzahn M, zur geilt zu ■ fr nur mfo/m er- yir Lornf-muey bei tr Pfarrer fri unter Dazu Hobe h nicht a tarrntn brauchen limy anderer Srt di« etanni mar, ouffltöeh «Mich ihre Sühn. mitaq h'3"Uu!?’ t«$r. Ax V'.wÜ* £Rti ftVK »«mm Dtt Qh. ti«. ble pxrt, schien, fastest •tSps ^bZch,°^". gvte •tute i?7[ 8httf. iIhaiiMadl. en 30. Mj 192?. Sterbeföllc 3T8 3* 444 373 4Ä sei 371 35 3M JOB 33* 3!« 399 473 493 497 514 413 413 338 473 943 803 7« 774 729 692 684 459 377 345 391 4M 439 398 387 384 350 504 837 5S 7« '» 2 701, J#J£? ebener istatistik. nheilen — u. t W qgm über blc Lüge tzrvrlcmigcn über n unserer Stadt ullo. ilah genommen, unüber die 2etve- er Sintoohner- Blillelfunft der Tfr z zu machen aihb einmal euim sä »en Angaben u>r F:»;ä t Gichener Smwod' SS -y jyjs *Ä* ** nid P 1Lo SMDs-EmmeljlWSlilizeiges erfordern heute eine forgfälftge lepiqebunq und Satjaus'natlunq. Gute Satzleiftungen find nur erreichbar, wenn die Anzeigen mm «eaiig onlgegtten werden. Der Annahmeschluß für ««»kMULIk» erfolg! L^ornotizcu — TageAkalenber für Mittwoch. Stadltheater 7- . Uhr. .5he geschiedene öraü‘. tttnöc acflcn 10 Uhr, Luchtipielhaus Lahn- bcfftraRc .Pal unb Patachon auf ber Wolfs- jagb" Astona-Lichtspiele .DaS Aätsel des Borobudur." Aus bem S ta btt hea te r b u re au ttnrb uns geschrieben' Herr Turf Wasserman n front Landrttheatrr. der in Vertretung brt erkrankten Herrn Deleky gestern so erfolgreich ben Mephisto in „Sauft“ gcgclxn hat, wirb bieseldc Atolle auch in ber Freitag-Aus- führung des .Faust" spielen. Bund ber Äolonialfrcunbe. Der Silmfrortrag .Dom Kilimandscharo zum Ail durch das verbotene Afrika“, der am 1. unb 2. April in den Palastlichtspiclen veranstaltet wirb, sei auch an dieser Stelle der allgemeinen Beachtung empfohlen. Durch den Dortrag soll der Wert des Kolonialbesitzes jedem Dolksgenossen anschaulich unb eindringlich durch Won und Bild klar gemacht werben, um dadurch weitere Mitkämpfer gegen die koloniale Schuldlüge und für die Zuruckgabe des uns geraubten Kolonialbesitzes zu gewinnen. Man beachte die heutige Anzeige. Der kath deutsche Frauenbund hat für Donnerstagabend 8 Uhr im Katholischen Dereinshaus. Liebigstr.. Sri. Dr. Maria Offen- berg, Leiterin der sozialen Frauenschule Aachen, zu einem Dortrag über .Frauenberufe" gewonnen. Die Ttcbnerin hat In allen gröberen Städten Hessens über dieses zeitgemäße Thema gesprochen. Gerade jetzt vor Ostern, zur Schulentlassung, wird es Titern und Erzieher interessieren, wie die Aussichten und Bildungsmöglichkeiten für unsere Döchter sind. Jeder rann sich auS beratenem Munde hier beraten lassen, oder in der Aussprache Delehrung erhallen. (Siehe gestrige Anz.) Der Wandervogel Höhenflug. Dieben, veranstaltet am kommenden Sonntag zugunsten der Jugendpflege eine einmalig' Wiederholung der bereits früher mit großem Beifall begrüßten Aufführung des Theaterstückes „Wenn bu noch eine Mutter hast" (Aähevrt in der heutigen Anzeige.) " Mietpreiserhöhung. Das Hessische Gesamtministerium gibt amtlich bekannt, bah die gesetzliche Miete bis auf weiteres aus 110 Prozent ber Frieden smiete festgesetzt worden ist. Hierin befindet sich ein Zuschlag für laufende änstandsetzuneskosten von 17 Prozent der Friebensmiete Die bisher geltenden Sonderbestimmungen über die gewerblichen Zuschläge bleiben vorläusig noch bestehen, ebenso diejenigen über die Umlage des 2.5 v. H. übersteigenden WassergeldeS unb über die Abort- grubenentleerung. “ Personalien. AuS dem hessischen Staatsdienst entlassen wurde ber außerordentliche Professor in ber medizinischen Fakultät und Prosektor am anatomischen Institut der Landesuniversität Dießen Dr. Philipp S t ö h r auf sein Aachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1927 an. — Steuerinspektor Metzger- Butzbach wurde unter Beförderung zum Obersteuerinspektor an das Finanzamt Osthofen. Steuerinspektor H ö n i g vom Finanzamt Osthofen in gleicher Dienst ei gen schäft an das Finanzamt Butzbach versetzt. Ernannt wurde ber Lehrer Heinrich Wedel zu Breungeshain (Kr. Schotten) zum Lehrer an der Dollsschule zu Burkhards (Kr. Schotten). ” Der Dammrutsch bei Lang-DönS. Die Befestigungsarbeiten an der geborstenen Stelle des Sisenbahnbammes der Ma in-Wei er- Bahn, etwa 1 Kikometer nördlich von Lang- Döns. sind nun Io weit von örsolg gewesen, daß daS Drdreich so gut wie gänzlich zum Seyen gekommen ist. Ts wurden etwa 5002 Äubihnetcr Erde aufgefüllt, außerdem — wie schon berichtet — eine ungewöhnlich starke Steinmauer als Stütze der Erbmassen errichtet. Seil gestern wird die Stelle bet nun endlich behobenen Aullchung mit einigen schweren Dülerzugmaschtnen unb beladenen Güterwagen befahren, um die Strecke .aus- Aubügeln". b. h sie vollstänbig zu befestigen. Falls keine unvorhergesehenen Treignts'e mehr eintreten, ist mit ber Wieberaufnahme beS zweigleisigen Zugverkehrs für Enbe dieser Woche zu rechnen. '* Geistliche Mufikaussührung des Di ebener Lvzeums Diese Deran- staltuna. die am Freitag abend in ber Stadt- linfte stattfindet, soll in ihrem pekuniären Aein- ertrag einem vorbildlichen Wohltätigkeitszwecke dienen Man will aus diesem Ertrag einen Fond schaffen, ber zum Besten bebüdiigtr Schüler» tmen verwendet werden soll. 3m Kaufe des Schuljahre- hat bie Schulleitung in vielen Fällen Gelegenheit, solchen Schülerinnen m t Geld- ontteln ober Gegenständen zu helfen Zum Beispiel versorgt die Schule eine beträchtliche Zahl von Schülerinnen unentgeltlich mit ben erforderlichen Lehrbüchern viele Schülerinnen können sich, der Kosten wegen, an den von der Schule veranstalteten Ausflügen n.cht beteiligen, ihnen soll eine Beihilfe oder auch der gesamte Kostenbetrag gewährt werden Bei Doriührun- gen wird meist für einen Teil ber Schülerinnen ein Zuschuß zu den Eintrittskarten gegeben, ober die Kosten dieser Karten werden ganz übernommen. Alle diese Beihilfen werden aus dem Unterftühungsfvnd bestritten, der nun durch ben etwaigen Ueberschuß des bevorstehenden Wohl- tätigkeitskonzerts eine bringend notwendige Verstärkung erfahren soll. Schon im Hinblick auf diesen guten Zweck sei ein reger Besuch ber Deranstaltung dringend empfohlen. " Der Evang. Arbeiterverein hielt dieser Tage im Dereinslokal einen Familien- abenb ab Prof. Dr. Koch sprach über das Wirken Pestalozzis. Die interessanten Ausführungen des Vortragenden sanden reichen Beifall. Der Frauenchor des Dereins trug unter Leitung von Frau Minna Schäfer mehrere Lieder wirkungsvoll vor. 3m übrigen trugen musikalische Darbietungen und Dellamationen wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Provinzia'ausschuhsitzung. Der Provinzialausschuß ber Provinz Oberhessen beschäftigte sich am Samstag mit folgenden Angelegenheiten: Maria Meier in Dieben suchte beim KreiSaml Dietzen um die Erlaubnis zum Kleinhandel mit unedlen Metallen nach. 3hr Deiuch wurde abgelehnt, weil sie nicht die erforderliche Sachkenntnis besitze unb ein Bedürfnis für ben Kleinhanbel mit uneblen Metallen nicht nachge- wiefen sei. Hiergegen verfolgte sie Beschwerbe an den Provinzialausschuß mit dem Antrag auf Stattgabe ihres Gesuchs. Der Provinzialausschutz bestätigte den Bescheid des Kreisamts vom 29. November 1926 unb wies die Beschwerde als unbegründet zurück. Der 23jährige Isidor Mayer in Gam- bach hatte beim Kreisamt Friedberg um die Ausstellung eines Wanbergewerbescheins zum Handel mit Dich nachgeluchl. Es versagte am 28.3anuar 1927 den Wanbergewerbeschein, weil ber Antragsteller das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. nicht Ernährer einer Familie ist unb ihm außerdem die Möglichkeit gegeben fei, sich im elterlichen Geschäft zu betätigen. Zudem sei das Wandergewerbe derart übersetzt, datz jede Möglichkeit ber Fernhaltung neuer Händler benutzt werden müsse. Der Antragsteller verfolgte gegen diesen Bescheid Klage an ben Provinzialausschuß mit dem Antrag, ben Dani>er- gewcrbeschcin zu erteilen. Er halte keinen Erfolg: ber Provinzialausschuß wies die Klage kostenpflichtig ab. Karl Krombach in Dietzen hatte beim Kreisamt Dietzen die Ausstellung eines Wandergewerbescheins zum Handel mit Labak. Tabakwaren. Seisc unb Kurzwaren beantragt. Da er vorbestraft ist. versagte ihm daS KretSaml auf Gründ des § 57 Ziffer 3 der Gewerbeordnung den Wandergewerbe schein. Antragsteller verfolgte Klage an den Provinzialausschuy mit dem Antrag. (einem Gesuch stattzugeben, da er Ernährer von neun Kwdern sei unb sich in sehr schlechter wirtschaftlicher Lage befände. Zudem sei thm ein Teil ber St rase im Gnadenwege bedingt erlassen. Der ProfrinziakanStchuß gab ber ÄToge statt Die Berufung der Gemeinde Dauernheim gegen das Urteil des KreisauSschusseS des Ärei- «es Büdingen vom 6. Ur»Dember 1926 betraf die Besoldungen des Bürgermeisters und des Deiner n berechn ers zu Dauernhetm. Der ®cmetnöc- rat hat bei Beratung deS DvranschlagS für 1926 beschlossen, daß vom 1 Aprll 1926 an die Der- gutung des Türgcrm et fiert fron 2664 Am auf 2200 Am. und die des Gemetnberechnert von 2 300 Dm. auf 1100 Rm herabzusetzen ist. Da dieser Beschluß dem Ärciribireltri des Kreises Büdingen, der nach § 138 Abs. 2 ber Land- meinbeorbnung darüber zu wachen hat. daß bie Besoldungen der Demeinbebeamten angemessen festgesetzt werden nicht begrünkvi erschien, hat er den Veranschlag beanstandet unb das Ver- waltungsstreitverfahren eingelellet. Der KreiS- ausschuß zu Büdingen setzte auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 6. Ao fremder 1926 die Vergütungen wie folgt fest Für den Bürgermeister auf eine Pauschale von 2400 Am. für ben Aechner auf eine solche von 2200 Am Mit ben Kosten bes Verfahrens wurde bie Gemeinde belastet Gegen diesrt Urteil frerMgte die Gemeinde Berufung an den Provinzialausschuß mit dem Antrag, die Besoldungen dem Demeinderais- beschluß entsprechend festzusetzen. Die Gemeinde zählt 827 Einwohner. 179 Haushaltungen. Sie hat umfangreichen Drundbesitz an Wald unb Feld mit vielen Obstanlagen; außerdem ist von der Demcinbe ein Dreschunternehmen begründet worden. Der ProvinAialausschuß stellte Ermittlungen über die Beschäftigung des Bürgermeisters unb des Demeinderechnert an unb erkannte zu Vecht. daß die Berufung, insoweit sie sich auf bie Besoldung des Bürgermeisters bezieht, als unbegründet zurückzuweifen ist. insoweit fic die Besoldung des Demcinberechners angeht. ihr insofern statlzugeben sei als dessen Besoldung entgegen dem Kreisausschußurteil von 2200 Am. auf 2000 Am. herabzusetzen ist Die Kosten des Dersahrens wurden zur Hälfte ber Gemeinde, zur Hälfte der Staatskasse zur Last gefetzt. Amtsgericht Gießen. ' Dießen. 25. März. Aicht zum ersten Male saßen heute zwei einander verschwägerte Personen auf der Anklagebank, die feiner,1,:iL die Zeitverhältnisse und die schwankende Deschäs's- läge benutzend, sich zu einer offenen Handelsgesellschaft zufammentaten. um irgendeinen kaufmännischen Betrieb ohne jedes Betriebskapital, ohne Lager und Geschäslsraum zu beginnen. Sie bestellten Waren und zwar aus nahokiegenden Gründen bei weitab von Dießen wohnenben Geschäften: diese ließen sich täuschen und sandten den Angeklagten Waren aus Kredit. Die Angeklagten hatten es durch allerlei unlautere Manipulationen, namentlich durch irreführende Vordrucke auf den Bestellkarten und durch einen gewandten kaufmännischen Stil, fertig gebracht, hei den Firmen den Glauben zu erwecken, als handle es sich um durchaus reelle und kreditwürdige Kaufleute. 3n Wirklichkeit waren sie alles andere als solche, sie hatten auch schon eine Aeihe gänzlich erfolgloser Pfändungen hinter sich, unb es beflanb für bas Gericht kein Zweifel, daß die Angeklagten von vornherein die betrügerische Absicht hatten, die Waren sich lediglich zu dem Zwecke zu verschaffen, um durch deren Veräußerung Mittel zum Lebensunterhalt und weit darüber hinauf zu erhalten. Heute stand nur ein derartiger Fall Bestellung von Zigaretten im Werte von ca. 120 Mk — zur Verhandlung Dleichliegende Fälle, bei denen die Angeklagten beteiligt waren, sind schon früher abgcurteili worden, und die dieserhalb erkannten Strafen zum Teil bereit- verbüßt. Der eine der Angeklagten erhielt 2 Wochen Gefängnis, ber anberc unter Einbeziehung einer bereits früher gegen ihn erkannten Gefängnisstrafe eine Gesamtstrafe von 6 Wochen Gefängnis. Es würbe her- vorgehoben. baß bas Gericht ben reellen Kauf- mannsstand vor betarligcn Elementen schützen unb nach Möglichkeit bazu beitragen müsse, daß sie aus bem Kausmannsstanb gänzlich ausgeschalict werben. Gegen einen Krafrrabsahvee. ber beim Dor- übersahreu an einem mit zwei Pf erben bespannten Fuhrwerk durch das Geräusch seines Aades das Durchgehen der Pferde verursacht hatte, wurde heute ein verurteilendes Erkenntnis auf eine G e l dstrafe von 20 M k. ed affen. Das Gericht war auf Grund der neuen strengen Fassung des einschlägigen Gesetzes der Ansicht, daß zu einer VeruNeiluna in solchen Fällen lediglich der Beweis der Gefährdung^ des Fuhrwerks . durch Geräusch' genüge, so bah auf bie Beweisanträgc beS Angeklagten bahingehcnb. baß die Pferbe sehr leicht scheuten unb zum Durchgehen neigten, nicht weiter eingegangen zu werben brauchte, ebensowenig aus den Antrag auf Zuziehung eines Sachverliandigen. Daß es auf die Feststellung ber Vermeidbarkeit bes Geräusches md)i mehr ankvmmt. ist an bldcr Stelle schon früher getagt tnorben. Der Fahrer halte zubem offensichtlich bas Fuhrwerk von weitem gdeben. und einem Fahrer kann in derartigen Fällen, wenn er ganz vorschriftsmäßig und frvrfichttg Han- dein will, nach Ansicht des Gerichts recht wohl Augemutct werden, vom Aade adzusteigen und dasselbe eine kurze Zeit neben sich her zu filhren. Gerichtssaat. Sdjanrc Bluttat im Rausch DSA. Frankfurt a. QU.. 29. März. DaS Schwurgericht veruneilte den Kohlenträgei Alb Bender auS Aiededchelden im Dillkreis wegen Körperverletzung nut Dodesfolge zu fünf Jahren Zuchthaus Bender, der 39 Jahre alt ist und aus Aiederschelden bei Herborn stammt. Halle in einer Wirtschaft in der Allstadt den 22jährigen Sohn feiner ßogUnxrtm Müller erstochen. Bender, der sonst recht sleißig war. neigte stark zu Gewalttätigkeiten und war auch früher schon mehrnials deswegen bestraft worden. Früher lebte er mit der Frau Müller, die Witwe ist. eng zusammen und hatte auch die Absicht, die Frau zu heiraten. Später kam es jedoch häufig zu Mißhelligkeiten zwischen beiden, und die Frau zog sich vor dem in angetrunkenem Zustande sehr brutalen Mann zurück. Aach einem Zu- tanuuenfem in ber Wirtschaft mit bem Sohn, wo rt recht frieblich herging, stach Dender plötzlich ohne jede Veranlassung auf den jungen Mann ein: der Lod trat infolge Verblutung kurz daraus ein. Aach den Saa)verständigengutachten ist Bender chronischer Alkoholiker: die Strafausschließungsgründe des § 51 lägen jedoch nicht vor. Das Gericht versagte dem 'Bender in dem Urteil mildernde Gründe, da er nicht sinnlos betrunken gewesen fei. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm jedoch nicht aberkannt. Bender nahm die Strafe sofort an. 'Wollen ist Können Gewinnen im Sport wie auch im Leben erheischt Gewand* heit, Wille und Ausdauer. Quaker Oats Haferflocken sind die gegebene Nahrung für jedermann — doppelt so nähr* haft als Fleisch. Quaker Oats Nur in Paketen arh<lich. Verkaufspreise: Ganzes Pake!.......65 Pfg.3 Halbes Paket.......M Pfg. Ui • Nft . Xc 5ü)’0iii(öe ü 40 und 50 Pf. daöllflD tm Ausschnitt Slfiioleleiü cm ost ? «st« U2371 Georg Äalleoiels nur gegenüber ber Engelavoiheke. Frische Seefifdie nur ieinftc Worbfee- wäre, sowie veckte, Karpfen, Lalm emoneblt lägL hrlfd) eintreffenb 3050c Hamburger ^ischhandlung 8. 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Jetzt geht es wieder auf Ostern zu. und also ist die beste Zeit gekommen, ein von der Lheoterleitung ost gegebenes Versprechen ein- sulösen und den „ Faust" herauszubringen Endlich. seit ungebührlich langer Frist, war wieder einmal Goethes mächtiges Wort von der Bühne herab zu vernehmen, und es wurde verkündigt in dem Werk, zu dem die Deutschen seit je (und am liebsten in der Osterzell) gewallfahrtet sind wie zu einem Rationalheiligtum, und in dem sie immer auf- neue wieder ihr wunderbarstes dichterisches Bekenntnis verehren werden. DaS magische Wesen des im Puppenspiel überkommenen, seltsamen Propheten des deutschen Renaissance-Jahrhunderts zieht schon den Knaben Goethe so unwiderstehlich in seinen geheimnisreichen Bannkreis, daß er sein ganzes gesegnetes Leben hindurch nicht wieder davon lvsgekom- men ist. Die Faustgestalt wird dem Künstlermenschen Goethe zum Wandergcsährten und Le- benSbcglciter. der. oft untertauchend, oft lange verdrängt von der überwältigenden Fülle anderer, fremder Gestalten und geistiger Gesichte, doch je und je wiederkehrt, wachsend mit dem Manne, reifend mit ihm im geistigen Ausmaß, bis er endlich aus den Händen des Greises hervorgeht als Träger einer ins Kosmische vorstoßenden Idee und eines ewig zwischen Diesseits und Ienseits stehenden Lebensgesühls. Die Faust- grstalt wird ein Menschheitssymbol. die Dichtung ein Geschenk an die Welt, das deutscheste freilich. das je über unsere geistigen Grenzen gegangen ist. Wie nun das Werk seinen Meister tzurchs Qeben begleitet und ihn bis an sein Ende nicht mehr verlassen Hal — noch in den allerletzten Wochen vor dem Tode kehrten Goethes Gedanken zu dem schon versiegelten Manuskript zurück — so hat das Werk auf feinem langwierigen, oft unterbrochenen Werdegang und während seines vielfältigen Sestaltwande^ bis zur endlichen Beise auch die gesamte künstlerische Entwicklung seines Schöpfers mitgemacht und die aus ihr hervorgehenden, einander ablösenden Stilformen in sich aufgenommen: Kindertraum, männliche Deife und Altersweisheil sind in der Dichtung verschwistert. In der legtgültigen Fassung des Ganzen, wie es nach .älrfaust" und Fragment von 1790 als Vollendung vor uns liegt, find die drei geistigen Formen, die Goethes irdisches Dasein mitbestimmt haben — Sturm und Drang. Klassik. Romantik — sehr deutlich wiederzu- stnden, und es ist eines der vielen großen Wunder. die von der Dichtung ausstrahlen, daß diese drei, die einander ablösend, auseinander entstanden sind urtd gegeneinander sich entwickelt haben, nicht sprödes Stückwerk geblieben sind, sondern vom geistigen Band eines zielbewuhten Künstlerwillens zur überwältigenden Einheit zu- sammengefaht wurden. Indem wir von dieser äußeren Abrundung und der stilmäßigen Geschlossenheit des Werks sprechen, müssen wir notwendig auch der inneren Einheit gedenken, wie sie über dem mächtig ausladenden Nebeneinander der beiden Teile sinnvoll waltet. Es ist ein oft übersehenes, bedeutendes Verdienst Schillers, die reifste Frucht des spät geschlossenen Freundschaftsbundes der beiden Weimaraner und zugleich die schönste Bestätigung klassischer Geistesgcmeinschaft. dah das Faustwerk heute in der, tiefsinnig Anfang und Ende eines gewaltigen Ganzen zusammenschließenden Form vor uns steht: Schiller hat zum mindesten den ersten Anstoß zu der ideenmähigen Rahmung gegeben, die beide Teile innig verbindet und uns die Dichtung in allen Stücken erst als eine sinnvolle Einheit begreifen läßt. Die Worte des Engel- chores am Ende des zweiten Teiles — „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen ..." — kehren wie ein fernes Echo und eine späte Antwort zum Prolog im Himmel zurück. Die dort zwischen Gott und Teufel geschlossene Wette, und die hier von seligen Geistern gesungene Verkündigung sind wie die äußersten Pfeiler eines weitgespannten inneren Bogens, der die Hälften zur Einheit fügt. Mil dieser Bemerkung rührt man zugkich an eines der ersten Probleme, denen das Werk uns bis auf den heutigen Tag immer wieder gegenübergestellt hat. Es handelt sich um die äußerliche Kardinalfrage der sinnfälligen Wiedcr- gabe einer Dichtung, die schon während ihrer, über ein Menschenalter sich erstreckenden Enlste- hungszeit den Rahmen des eigentlichen Dramas gesprengt hat. und über die Möglichkeiten des Theaters (nicht mir zu Goethes Zeiten» weit hinausgewachsen ist. Das Problem besteht in der engen Zusammengehörigkeit und in netten Verbundenheit der beiden Teile, wovon oben gesprochen wurde, und in der Unmöglichkeit, beide als Ganzes auf dem Theater darzustellen. Schon feit langem und bis in die jüngste Zeit hinein hat man sich um eine befriedigende Lötung dieter Grundfrage der .Faust"-Dramaturgie bemüht. Alle Ve^uche find aber ebenso zum Scheitern verurteilt wie das berühmte Experiment der .Wallenstein"-Trilogie an einen Abend: sie können bestenfalls zu einem Kompromiß oder einer Rotlösung führen, da nur mit gewaltigen Strei- Hl 75 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Luftfahrt in Spanien. Don unserem S. W.-Berichterstatter. Madrid. 27. März 1927. (Rochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. > Von großem Interesse für Deutschland ist die Gewährung der Konzession seitens der spanischen Regierung zur Errichtung eines Zeppelinverkehrs zrvischen Sevilla und Buenos Aires. Der Vater deS Projektes ist der spanische Oberstleutnant Emilio Herreta, der 1920 zu diesem Zwecke die Sociedad Eolon Trasaerea Sspanola gründete, ohne bei der damaligen Regierung Verständnis für seine Pläne au finden Erst Primo de RiveraS Staatsstreich brachte das Projekt aus den Schubladen zweier Ministerien wieder anS Licht, und durch Verwendung des dem Direktorium angehörigen Generals Hermosa wurde es erneut geprüst, um schließlich durch königliche- Dekret vom 15. Februar dieses Jahres aenehrnigt zu werden. ES handelt sich im wesentlichen um folgendes: 3n Sevilla, dem Ausgangspunkt der neuen Fluglinie, auf der ein regelmäßiger Zeppelinverkehr mit Südamerika stattfinden soll, wird ein großer L u s t h a f e n allermodernster Ar! mit sämtlichen dazugehörigen Einrichtungen gebaut. Die Eompania Eolon hat vor Ablauf von vier Monaten der Regierung die Projekte für den «euen Lusthafen zu unterbreiten, mit dessen Bau drei Monate nach Bestätigung der Vorschläge begonnen wird. Die Regierung erteilt der Evm- fcania Eolon das ausschließliche Recht des Luftdienstes zwischen Spanien und Argentinien. Für jede mit Erfolg durchgeführte Reife zahlt der Staat der Gesellschaft 500 000 Peseten bis zu einer Höchstsumme von sechs Millionen Peseten jährllch. Sobald aus diese Weise 30 Millionen ?ezahlt sind, geht der Lustbasen in dasSigen- um deS Staates über. Falls ein regelmäßiger Luftverkehr nicht zustande kommt, erlegt der spanische Staat der Eompania Eolon Den Betrag von 30 Millionen Peseten in Rctten- Fahlungen gleicher Höhe. Der Verkehr zwischen Sevilla und Buenos Aires wird von zwei Lustschissen unterhalten. während ein drittes Luftschiff jederzeit als Reserve zur Verfügung steht. Zunächst soll monatlich j e eine Hin- und Rückreise Kattsinden; steigt der Verkehr, dann finden die Flüge vierzehntägig oder wöchentlich statL Zur Verwendung gelangen Zeppelin-Lustschisfe von 100 000 Kubikmeter Gasinhalt, 250 Meter Länge, 30 Meter Höhe und 33 Meter Durchmesser, die mit neun 400-l>8-Motoren, von denen zwei zur Reserve dienen, ausgerüstet sind. Jedes Luftschiff kostet 12 Millionen Peseten. Der Luftschiffver- kehr soll zwar in erster Linie dem Brieftransport bienen, außer der 60 Mann starken Besatzung mit den notwendigen Rahrungsmitteln, Brenn- stoss, Post und Waren von 10 Tonnen Gewicht können die Zeppeline aber auch 40 Passagiere besordern: für die im Luftschiff entfprechende Schlafkabinen vorgesehen find. Die Reisedauer wird bei einer Entfernung von 10 000 Kilometer auf 88 Stunden von Sevilla nach Buenos Aires und für die Rückreise wegen des Vorhandenseins von Gegenwinden auf 96 Stunden veranschlagt. Die Luftschiffe, die mit allen zur Ravigatton er- fdrderlichen Einrichtungen, wie Radiotelegraph ufto., versehen find, können bis 132 Kilometer m der Stunde zurücklegen; ihre durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt jedoch etwa 110 Kilometer. Als Brennstoff soll das neue Etan-Gas verwandt werden. Die Eompania Eolon hat gleichfalls die Verpflichtung, zu gegebener Zeit einen wöchentlichen Luftschisfverkehr für 16 Passagiere, Waren und Post von einer Tonne Gewicht zwischen Sevilla und den Kanarischen Inseln einzurichten. Bei Richtersüllung dieser Bedingung kann der spanische Staat mit einer beliebigen anderen Gesellschaft abschließen und den Flugplatz Sevilla auch für den kanarischen Dienst verwenden. Rach Vereinbarung mit der Regierung sollen die ersten Probeslüge, wenn möglich noch in diesem Jahre vor sich gehen. Der für diele bestimmte Zeppelin befindet fich in Friedrichshafen m Konstruktion; die anderen beiden Luftschiffe sollen in den neu zu errichtenden Werkstätten in Sevilla konstruiert werden. Dieser Tage weilte auch Dr. Eckener mit Ingenieur Scherz in Sevilla, um mit Oberstleutnant $errera und den anderen Herren der Eompania Eolon daS Gelände für den neuen AervHasen auszuwählen, der voraussichtlich im Rorden Sevillas, einige Kilometer von der Stadt entfernt, errichtet werden wird. Emilio Herrera hat bereits Probeflüge für Januar 1928 in Aussicht gestellt und glaubt, daß biS zur Lrösfnung der Iberv-Amerikanischen Ausstellung in Sevilla der regelmäßige Verkehr gesichert ift Man rechnete hier allgemein mit der tatkräftigen Unterstützung der argeminischen Regierung. aber dieser Tage wurde die Oeffentlich- führt. daß ihm weder seitens der Eompania Eolon noch sonst irgendwie konkrete Vorschläge zur Errichtung eines Lust-Post- und Passagierdienstes gemacht worden wären. ES sei daher nicht einzusehen, warum Argentinien nicht die sehr aünftigen Vorschläge von Lat^co^re -- u. a. braucht Argenttnien keinerlei Subvention zu geben, während die französische Regierung dies in sehr ausgiebiger Weile tut (!) — an nehmen solle. Außerdem hat sich Argentinien im Vertrage mit Latscoere daS Recht Vorbehalten, diesen zu kündigen, sobald die Leistungen der Firma sich technisch nicht auf der Höhe zeigen. ES handele sich keineswegs um ein Monopol, und Argentinien sei bereit, jederzeit Vorschläge anderer Gesellschaften, spanischer, deutscher ober welcher Rationalität auch immer, in Erwägung zu ziehen. Auf diese Erklärung hat Oberstleutnant Herrera erwidert, er sei schon 1921 mit einer technischen Kommission zum Studium dieser AnDas große Heimatblatt der eingesessenen Bevölkerung (Stehens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preuhischen Lahngebiets ist der im 177. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Gießener Familienblätter der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorgfältig ausgewählten, gediegenen literarischen Lesestoff Heimat im Bild der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Scholle vonFachleutenundKennernderHeimaterde für dieLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirtschaft, Handel und Verkehr ist der Giehener Anzeiger Das grohe Anzeigenblatt feit in Spanien mit her Rachricht überrascht. daß die argentinische Regierung mit der f ranzöfischen Gesellschaft Latöcoöre ein Abkommen über einen Post- und Passagierdienst zwischen Toulouse und Buenos Aires vorbehaltlich der ©endjmigung durch die Volksvertretung unterzeichnet hat. Die Beförderungsdauer von Toulouse nach Buenos Aires und umgekehrt durch Latecoäre beträgt acht 'Tage; der Dienst wird durch Land- und Wasserflugzeuge und zwischen Kap Verde und Sao Paolo durch einen Schnelldampfer besorgt. Auf die spairifchen Proteste gegen dieses Abkommen veröffentlicht der argentinische Gene- ralpostdirektor eine Erklärung, in der er aus- gelegenheit in Buenos Aires gewesen und hätte auch bei der letzten Anwesenhell des arpentini- schen Präsidenten de Alvear in Spanien mit diesem ausführlich übet die Sache gesprochen. Herrera weist darauf hin, er erkenne zwar an. dah in dem Vertrag mit Latscoöre alle Vorteile auf feiten der argentinischen Regierung feien, es könne aber sein Projekt und den spanisch-argentinischen Luftschissverkehr stark beeinträchtigen. wenn die argentinische Regierung den Lufttransport der Post nach Brasilien. Afrika und Europa gemäß dem Vertrage mit Latecoöre nicht anderen Unternehmungen mit übertragen dürfe, solange letztere Gesellschaft nicht 40 Prozent der Post nach den genannten Gebieten er- chungen, die der ursprünglichen Gestalt der Dichtung Gewalt antun, der ganze »Faust" in einen Theaterabend hineingepreßt werden kann. Und sell»st dann noch würde die Aufführung von Schauspielern und Zuhörern zuviel verlangen. ES bleibt also nichts anderes übrig, alS jeben Teil für sich zu geben. Man wird sich nur darüber Flor sein müssen, dah jede Ausführung des bevorzugten ersten Teils -- Pakt, akademische Satire, Gretchentragödie — im. Grunde ebensosehr bruchstücchaft wirken muß. wie jene früheren Fassungen, die man alS .Ursaust" und Fragment von 1790 bezeichnet. Die Aufführung — Bühneneinrichtung und Regie: 3ntcnbant eteingoetter — hinterließ zwiespältige Eindrücke. WaS zunächst toe dramaturgische Fassung angeht, so wurde lobenS- werterweise mit nur geringen Streichungen gearbeitet; von größeren ebenen oder Szenengruppen fehlte nur die Walpurgisnacht, die. obwohl ein nicht unwesentliches Glied des ersten Hauptstückes, gewöhnllch ausgelassen wird und auch am ehesten vermißt werden kann. Slein- goetter ließ ferner die Tragödie mit dem ersten Fausttnonolog beginnen, verzichtete also auf das (motivisch uralte) Theatervorspiel, wie auf den Prolog im Himmel; welche Gründe hierfür bestimmend toaren. wissen wir nicht, können es aber nach dem oben Gesagten nur gutheihen. Die regiemäßige Behandlung lieh keine klare Entscheidung für eine der beiden möglichen Stil- formen erkennen, überwiegend hatte man die Szenen nach 2Irt des alten Illusionstheaters angelegt: stellenweise war aber dazwischen unvermittelt eine Wendung zur modernen andeutenden und phantasieanregenden Stilbühne wahrzunehmen. Möglich ist im . Faust' beides, man muß nur eine bestimmte Wahl treffen. Die 21 Verwandlungen wurden erfreulich schnell bewältigt. In der räumlichen Anordnung hatte man den nunmehr schon zur Genüge besannt en Bogen in der Mittelachse bevorzugt: dagegen ist an sich nichts einzuwenden. Aber man sollte ein einmal mit Glück angewandtes Prinzip nicht mechanisch wiederholen; zumal hier nicht, wo der Rund bogen peinlich störend aus dem Rahmen der gotischen Szenerie fällt. Uebrigens wäre für fast alle Bilder der abschließende, obere Bühnenrahmen niedriger und in einigen auch die seitliche Begrenzung lein enges gotisches Zimmer!) mehr nach der Mitte zu verlegen. Ansonsten, eine ganze Anzahl farbig und räumlich glücklich gefaßter Bilder (Löffler; Keim); z. B. vor dem Tor. Gretchenzimmer. Garten. Dom. Straße und CBnrnnen. Mittwoch, 30. März (927 halte. AuS diesem Grunde möchte Herrera die Klausel durch den Ausdruck »LufttrairSport mit Flugzeugen" ersetzt haben. Aus diese Weise könne ein den Interessen der Allgemeinheit dienender Wettbewerb zwischen der französischen und der spanischen Fluglinie ftattflnben und es dem amerikanischen und europäischen Publikum überladen bleiben, sich der spanischen oder der französischen Linie zu bedienen. Dieser Interessenkonflikt zwischen der sva- nischen Eompania Eolon und der französischen Latöeoere-Gesellschaft und ihr Buhlen um die argentinische Freundschast bat natürlich für Deutschland insofern Bedeutung, alS Eolon und ihr geistiges Haupt Herrera ihre Projekte auf der Verwendung von Lenklustschisfen nach dem System Zeppelin aufbauen und den Standpunkt vertreten, daß ein regelmäßiger Verkehr über den Ozean, wie er für den Postbienst notwendig wäre, mit Land- oder Wasserflugzeugen zurzeit noch nicht ausführbar ist. Was die Beteiligung der Zeppelinwerft an dem spanischen Projekt anbetrifft, so find auS Deutschland verschiedene Pressemeldungen hierher gelangt, die insbesondere in Verbindung mit der Spanienreise des Dr. Eckener die Vermutung aufkommen ließen, alS ob die Zeppelingesellschaft direkt an dem hiesigen Unternehmen beteiligt wäre. DaS ist von fpanischer Seite dementiert worden, und zwar soll die Friedri3'shafener Werft nur einen Bauauftrag auf ein Luftschiff von 105 000 Kubikmeter für die spanische Heeresverwaltung haben. Dieses Luftschiff soll bereits seiner Fertigstellung entgegen (eben und dann dazu dienen, die erste Versuchsfahrt von Spanien nach Südamerika zu unternehmen, und jedenfalls in den Besitz der Gesellschaft Eolon übergehen. Die späteren für den regelmäßigen Amerikadienst Vorgesehenen sollen unbedingt in Spanien selbst, wenn auch nach den Erfahrungen und Patenten der deutschen Zeppelingesellschaft gebaut werden. Sine andere LeSart kursiert in Madrid, die allerdings nicht sehr wahrscheinlich Hingt, wonach die Baukosten deS ersten für die Eolon- Gesellschaft bestimmten ZeppelinS auS deutschen Reichsmitteln und dem Ertrag der Eckenerspende bestritten werden. Die Ansicht hat einen Beigeschmack französischer Propaganda. Die Entschädigung bei Dorna'scher Krankheit. Der ProvinzialauSschuß der Provinz Oberhefsen verhandelte am 26.März außer den an anderer Stelle unserer heutigen Ausgabe berichteten 2Ingelegenbeiten auch über einen Entschädigungsanspruch des Otto Hofmann in Stumpertenrod für ein an an- steckender Dehirn-Rückenmarksent- zündung gefallenes Pferd. ES handelt fich um ein am 9. April 1926 eingegangene» Hengstfohlen. DaS Tier kam am 4. April in Behandlung deS Tierarztes D r. Kömpf in Kestrich. Da es schlecht fraß, entschloß sich dieser Arzt, die festgestellten spitzen Zähne abzufeilen Er behandelte eS am 4. und 5. 2h>ril. ohne den Verdacht zu haben, dah ansteckende Gehim- )lückenmarksentzündung (sogenannte Dornafche .Krankheit) vorliege. Am 6. April wurden auf Anordnung dieses Arztes MaulauSspülungen vorgenommen, und erst am 7. April abends nahm der Arzt an, daß Verdacht auf Bornasche Krankheit bestehe. Cr machte dem 'Veterinäramt Schotten hiervon schriftlich Mitteilung und wies den Tierbesiher an. ebenfalls den Seuchenverdacht anzumelden. Dies tat der Tierbesiher am 8. April früh morgens. Der beamtete Tierarzt in Schotten hatte bereite für jenen Tag über feine Tätigkeit verfügt und konnte erst am 9. April morgens nach Stumpertenrod zur Untersuchung deS Fohlens kommen. Etwa eine Stunde vor Ankunft des Deterinärarttes war daS Tier eingegangen. Danach sand Obduktion des Tieres statt, und das Schauip, Icrifd) wirkten besonders die ersten Szenengruppen ausfallend schwach. Die Beschwö- rungsverse gaben Anlaß xu ausgiebiger Entfaltung von Donner und Blitz; der Osterspaziergang geriet in den Gruppenauftrinen ziemlich nüchtern und stimmungSloS; auch spätere Teile voll lyrischer Feinheit und starkem inneren Gewicht flössen malt vorüber Und hier ist eindringlich zu wiederholen, was schon bei früheren Klassikeraufführungen zu sagen war: die Regie wird sich angelegen sein lassen müssen; alle Kunst, alle Sorgfalt und unermüdliche Arbeit an die Pflege des Wortes zu wenden. Wo die Aufführung enttäuschte und der Dichtung nicht gerecht wurde, laa eS ganz überwiegend an unzulänglich gesprochenen Versen. Erst in der dritten Szene, mit dem Erscheinen Mephistos, erhielt die Darstellung Format und inneren Auftrieb; und es ist mehr ate eine Geste der Höflichkeit, wenn wir (Sirrt West ermann (Darmstadt, a. G > aus dem Ensemble heraus- heben und feine Leistung zuvörderst würdigen, hier stand ein Schauspieler von sprühendem Temperament und glänzendem sprachlichen Können zwischen den Kulissen; dieser Beelzebub war bei aller dämonischen Unheimlichkcit ein lebendig erd- Hafter Geist; erstaunlich zu sehen, wie vielfältig das schillernde Wesen de« Untertoeltsfürsten entwickelt wurde. Witz, Spott, Ironie und gallige Satire amgen von dem Rvtgekleideten aus; weltmännischer Geist glitzerte, Verführung lockte, Hohn und Verneinung strömte erkältend aus funkelnden Tiraden und glatten Gesten. Geffers war Faust; zu feiner Darstellung wurde oben schon einiges bemerkt; für unser Ge- war die ganze Rolle zu schwer angelegt; wohl schienen Wandlung und Verjüngung glaubhaft, aber die in den herrlichsten Versen sich verströmende Flügelsehnsucht deS allzeit zwischen Himmel und Erde schwankenden Zweiseelenmenschen konnte man nur ahnen. Auch der Eingangs- monolog befriedigte nur teilweise. Das Beste bot er in den ersten Gretchenszenen. — Sehr fein und zart die blaffe, blonde Margareten gestalt der Susanne Hehm; sie hatte das ganGlück und Weh der tragischen Mittelfigur auf schmalen Schultern zu tragen und ertastete mit der in- ftndtbaften Sicherheit weiblichen Gefühls die durchbrochenen älmrisfe, Licht- und Schlagschattenflächen ihrer Rolle. Zwei gute Chargen: Dolck (Wagner) unb Jüngling (Marthe); Hanke als Valentin dagegen zerhackte seine Verse, auch Eisig (Schüler) spielte ziemlich primisiv. Das Haus war erfreulich briucht und bei* sallsfreudia, aber von einer anhaltenden, störenden Anruhe erfüllt. Dr. Th. Gckhrrn Wurde dem älnwersitäis-Lierseua infti= tut nach Gießen eingesandt Dieses (teil' Mt daß tatsächlich Bornasche Krankheit norlaq. Hofmann tarn hiernach um Gewährung einer (Tu schädigung von Vs des gemeinen W.rcs 32C Reichsmark ein. Der Minister des 3nneui cb am 4. August o. 3. die Entschädigung ab. weil eine solche nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht gewährt werden könne. Gesetzliche Borans- sehung der Gewährung einer Entschädigung für ein an Bornascher Krankheit gefallenes Pferd sei, 1. daß der zuständige beamtete Tierarzt die ansteckende Gehirn-Rückenmarksentzündung am lebenden Tier festgestellt hat. und 2 daß das mit der Seuche behaftete Pferd nicht innerhalb 48 Stunden nach der Feststellung des beamteten Tierarztes verendet. Der Beiitzer verfolgte gegen die Entscheidung des Ministers des Innern Klage beim Kreisausschuß des Kreises Schotten, der am 9. Rovember 1926 zu Recht erkannte, daß der Klage stattzugeben und eine Entschädigung von 313,60 Am. dem Tierbesiher auszuzahlen sei. Das Verwaltungsgericht ging bei seiner Entscheidung von der Erwägung aus. daß den Tierbesiher an der verspäteten Anzeige der Seuche leine Schuld treffe, und daß es auch nicht iin Sinne des Gesetzgebers gelegen sei. den Tierhalter darunter leiden zu lassen, daß ohne seine Schuld der beamtete Tierarzt nicht rechtzeitig die Seuche feststellte. Es entspreche ganz besonders der Billigkeit, daß nach dem hier vorliegenden Falle eine Entschädigung aus Staatsmitteln zu gewähren lei. Gegen diese Entscheidung verfolgte der Minister des Innern Berufung an den Provrnzialausschuh mit dem Antrag, das Kreisausschußurteil aufzuheben und die Klage des Hofmann abzuwcisen. In der mündlichen Verhandlung vor dem Provinzialausschuß wurde Beweis durch Zeugenvernehmung des Tierarztes Dr K ö m p f und Anhörung des Sachverständigen. Professor Dr. K n e l l. Kreisveterinärarzt zu Gießen, erhoben. Ersterer berichtete über den Verlauf der Krankheit, versicherte, daß er am 4. und 5. April nach dem Verlauf der Krankheit nicht den Verdacht auf Bornasche Krankheit gehabt, und daß er diesen erst am 7. April 1926 abends angenommen habe. Der Sachverständige erläuterte die Bornasche Krankheit und die notwendigen veterinärpolizeilichcn Maßnahmen, insbesondere die gesetzliche Bestimmung, warum der beamtete Tierarzt die Seuche noch an dem lebenden Tier feststellen müsse. 3m Interesse einer rechtzeitigen und wirksamen Bekämpfung der Seuche sei in das Gesetz auch noch die Bedingung ausgenommen worden, daß eine Entschädigung dann nicht gewährt Werdern könne, wenn das Pferd innerhalb 48 Stunden nach der Feststellung der Seuche oder Ausspruch des Verdachts der Seuche durch den beamteten Tierarzt eingeht. Der Vertreter des Staatsinteresses. Deterinärarzt Dr. R o ß k o p f - Gießen, begründete im Auftrag des Ministers des Innern eingehend dessen Stellungnahme. die die Versagung der Entschädigung rechtfertige. Darnach könne aus Billigleitsgründen. wie dies das erstinstanzliche Verwaltungs- gericht erkannt habe, eine Entschädigung nicht bewilligt werden. Die Verwaltungsgerichte seien strikte an die gesetzlichen Bestimmungen, wie sie oben ausgesührt sind, gehalten. Die Verwaltungsgerichte hätten die Pflicht, die für Entschädigungszwecke vorgesehenen Staatsmittel lediglich nach den Weisungen des Gesetzes zu vergeben. Eine Rechtsprechung nach Gesichtspunkten der Billigkeit wäre ein Anrecht gegen die an der Aufbringung der Entschädigungsmittel auf dem älmlagewege beteiligte Gesamtheit der Diehhalter. Der Provinzialausschuß gab der Berufung unter Aufhebung des Urteils des Kreisausschusses des Kreises Schotten statt und ernannte dahin, daß der Entschädigungsan- fpruch des Otto Hosmann abzulehnen ist. Die Kosten des Verfahrens einschließlich derjenigen der 1. Instanz wurden dem Tierbesitzer ■yur Last gelegt. gusanimenschlusi im hessischen Kaffeehausgewerbe. Unter Mitwirkung des Reichsverbandes der Kafseehausbesitzer und verwairdter Betriebe wurde in Den Räumen des Hessischen Automobilklubs zu Darmstadt von namhaften Vertretern des hessischen Kafseehausgewerbes aus Darmstadt. Mainz, Worms. Gießen, Offenbach, Bad-Rau- heim usw. der Kaffeehausbesiherver- Märtyrer der Liebe. Roman von I. Schneidcr-Förstl. 37 Fortsetzung. Nachdruck verboten Sie wurde brennenb rot. Er ahnt, weshalb ich ihn gefragt habe, zitterte sie und machte sich mit einer Handarbeit zu schaffen. Da mußte sie ihm dann wenigstens nicht in die Augen sehen. „Du darfst es natürlich alles wissen, wo ich mich herumaetrieben habe!" Ein paar dicke Wolken, die er zwischen den weihen, festen Zähnen heroorpasfte. machten eine Pause nötig. Elisabeths ganzes Innere fieberte feinen Worten entgegen. „Erst war ich im Krankenhaus und habe eine Bruchoperation vorgenommen, bei der es höchste Zeit war. Aber ich glaube, dah nichts weiter nach kommt!" jagte er ohne jede Eile. „Dann lief ich zu dem Landtagsabgeordneten Dander, dessen Kind hat die Matll- und Klauenseuche." „Nein!"schrie Ella dazwischen. „Doch! . . . Warum nicht? . Der Junge trank unabgetochle Milch aus einem seuchenverdäch- tigen Stall ... Da ist es weiter gar nicht verwunderlich!" „Muh er sterben?" Sie Tranen standen ihr in den Augen. Sie vergaß tot die Minute ganz ihres eigenen Leides. „Nein! . . . Das heißt, ich hoffe nicht . . . Ein striktes Nein darf man niemals geben. Von dort weg bin ich dann nach Regenbach, aber die Nella hat mich am Tove in Ludwigstal abgefangen und gebeten, einen Sprung ins Herrenhaus zu machen. Anne- marie hatte eine geringfügige Verletzung an dem rechten Ellenbogen. Da hat die Mutter Angst gekriegt. Erst zu toenig und jetzt zu viel. Aber für das Extreme hat die Nella immer etwas übriggehabt. Den Mietwagen habe ich heimgeschickt, denn ihr Wagen ging oynehin leer nach Regenbach. Und da sie sich um Annemarie nicht zu sorgen brauchte, ist sie gleich mitgekommen und hat ihren Maim im Hüttenwerk geholt. Don dort bin ich dann heim, die paar masernkranken Kinder hatte ich rafcb absolviert . . Bist du mm zufrieden "" band Hessen (Sitz Darmstadt) gegründet. Die bebcuttarne Sitzung leitete Paul Tischler - Darmstadt. Er begrüßte die zahlreich erschienenen M Lcgr. der aus den größeren Städten Hessens i; per’ - ene Gäste, die als Angehörige des Spcaalg xri'cS aus der Reichshauptstadt, sowie -.u- Frc " ri a M. gekommen waren. Für den ,rfr . । ^saerbandspräsidenten Peter Stuüv war Verbands direkter W. Geisth . u . V' . "!• zugegen, der in einem längeren Referat die Wirtschaftspolitik des orger _• . j’; Hausgewerbes auf die schwierige Lag d . > "or.:ilchen Gewerbes und auf die toir: ”■> Schlagkraft des ReichSverbandes der Kaffeehausb.-sttzer hinwies, dessen vorjährige Derbandstogsbeschlüsse z. B. wesentlich zur Polizei st undenrefvrm in Preußen beigetragen hätten. Die oerlän- gerte Polizeistunde sei für das Kaffeehausgewerbe eine Rotwendigkeit, was neuerdings auch von Funktionären der Angestellten zugegeben werde. Zum 1. Vorsitzenden des neuen Verbandes wurde einstimmig Paul Tischler- Darmstadt gewählt. Das Amt des 2. Vorsitzenden, des Schriftführers und des Kassenwarts übernahmen Alfred Schmitz-Darmstadt. Leonhardt 3 oest--Darmstadt und Wilhelm Doering- Darmstadt. Ferner wurde der Vorstand noch durch Vertreter des Gewerbes aus Mainz. Worms. Gießen und Bad-Rauheim ertoeitert Oberhessen. Landkreis Gietzen !—! Daubringen, 29. März Der G e - sangverein Dau brigen veranstaltete jetzt als Abschluß seiner Winterarbeit ein gut besuchtes Konzert Die Dortragsfolge brachte eine vortreffliche Auswahl schöner Chöre, die von den Sängern unter der bewährten Leitung ihres Dirigenten. Fortbildungsschullehrers Eberle- Treis, sicher und gut aufgefaht au Gehör gebracht wurden. Frl Gärtner-Kl.- Linden trug mit geschulter Altstimme Lieder von Beethoven und Brahms vor, die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Bereichert wurde die Vortragsfolge noch durch einige Musikstücke «Herr Eberle und Frau) und einen kleinen Frauenchor, der einige alte Volkslieder sang. Am Schluß des Abends wurden die Mitglieder Heinr. Hofmann und H e i n r. Zecher für 25jährige Zugehörigkeit zum Verein durch Heber- rcichung von Diplomen zu Ehrenmitgliedern ernannt. ' Mainzlar, 29. März. Am Samstagabend veranstaltete der hiesige Spar- und Darlehnskassen-Veretn (Raiffeisen) feinen diesjährigen Familienabend. Die Mitglieder des Vereins waren mit ihren Angehörigen vollzählig erschienen, auch viele Freunde und Gönner der Ra'ff eisensache hatten sich eingefunden. Rach einer kurzen Ansprache des Dereins- vorstehers Moos sprach Geschäftsführer Haack, Gießen, über: „Raiffeisen und seine Bedeutung für das Genossenschaftswesen", und ermahnte die Zuhörer zum festen Zusammenschlüsse. Einige sehr aut auf geführte Theaterstücke wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Zum Schlüsse gab es Gebäck und Kaffee. Beste Stimmung hielt die Teilnehmer bis zum frühen Morgen beisammen. z. A l l e n d o r f a. d. Lda., 29. März. 3m Auftrage des hiesigen Kriegervereins sprach Herr W. 3. B e ck e r - Marburg, im Saale des Gastwirts Eberh. Ranft über die Kämpfe um Ppern, an der Somme, in der Champagne, Vormarsch und Rückzugsgefechte 1918. Der Redner, der als ehemaliger Stabsphoto- graph beim Stabe des 26. Reserve-Armeekorps den Krieg mitmachte, zeigte eine große Anzahl schöner Originalaufnahmen aus den Kampfstellungen, sowie Ernstes und Heiteres aus dem Kriegsleben. Der Vortragende erntete lebhaften Beifall. $ Grohen-Buseck, 29. März. Der De- zirksverein Gr.-Duseck des hessischen Landeslehrervereins hielt am Samstag nachmittag seine letzte Konferenz im lausenden Schuljahr ab, wozu sich saft alle Mitglieder des Vereins eingefunden hatten. Rach der üblichen Begrüßung durch ben Vorsitzenden hielt Lehrer F a h - Alten-Buseck einen lehrreichen Vortrag über das Thema: „Pestalozzi und seine Lehve". Die Ausführungen des Referenten wurden mit großem Interesse ausgenommen. Anschließend fanb eine Besprechung der von den einzelnen Dezirksvereinen zur „Lehrer-Dertreterversammlung in Offenbach" gestellten Anträge statt. Auf einstimmigen Beschluß soll die erste Konferenz im neuen Schuljahre in Rödgen stattfinden. t Harbach. 29. März. Jost Scheid von hier und seine Ehefrau Katharine, geb. Bopp, feiern am 2. Avril ihre goldene Hochzeit. Der Ebemann ist 85. die Ehefrau 75 Jahre alt: beide können sich noch einer guten Gesundheit erfreuen. f Grünberg. 29. Marz. Bei der staatlichen Holzversteigerung der Ober- försterei Grün berg in Atzenhain wurden für Rutzholz per FÄtmeter bezahlt: Eiche 1. Kl. 61. 3. Kl. 60, 4. Kl. 50. 5. Kl. 48 und 6. Kl. ol Mk. Buche 1. Kl. 30. 2 Kl. 32.50, 3. Kl. 44.20 Mt. Kiefern 3. Kl. 35.60. 4. Kl. 38.60 und 5. Kl. 24.40 Mk.: Fichte 3. Kl. 35.60. 4. Kl. 36.94: 5a. Kl. 37.62. 5b. Kl. 30.30 Mk.: Brennholz (Scheitholz) Buche 12.60, Eiche 8.80 Mk Kiefern 8.85, Fichte 6.50 Mk.: Knüp- pol: Buche 8.15. Eiche 5.60, Kiefern 5.50, Fichte 7.40 Mk.: Reisig: Buchen 1.35, Stöcke: Buche 3.60. Eiche 2.40, Fichte 1. Kl 1.45 und 2. Kl. 1 Mk. per Raummeter Kreis Friedberg WER. Riederflorstadt, 29. März. Mit einer weiteren Abschreibung von 25 Prozent schließt das zweite Geschäftsjahr des Zweck- verbandesKraftwagenbetriebWet- t e r a u. Die Gesamteinnahmen betragen rund 73 000 Mk.. die Ausgaben 57 000 Mk. Die ver> bleibenden 16 000 Mk. dienen der Abschreibung für die Wageii. die in vier Jahren erneuert werden müssen. Bis jetzt ist es gelungen, die Garan- tiegemeinden vor Zuschüssen zu bewahren. Anfang April wird ein neuer Benz-Autobus in den Betrieb eingestellt, der ungefähr 60 Personen faßt. * Wohnbach. 29 März. Am Sonntag fand im Saale des Gastwirts Philippi eine Abend- unterhaltung des Vogelsberger Höhenklubs, Zweigverein Horlofftal. statt. Rach der Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden. Kaufmann Acker, folgten in munterer Reihenfolge zwei Theaterschwänke. Lieder und Vorträge. — Der neugegründete Schützen- verein hielt am Sonntag sein erstes P r o beschießen auf den neuerrichteten Schießstän- den ab. CO Staben. 29. März. (Einem Landwirt wurde eine große Menge Kartoffeln aus einer Miete gestohlen. Cs wurden nach Schätzung 25 bis 30 Zentner entwendet und nur ein kleiner Rest zurückgelassen. Der Diebstahl wurde mit einem Wagen ausgeführt. Hoffentlich gelingt die ileberfübrung des Täters, dem man auf der Spur ist. Kreis Büdingen. (j Büdingen, 29. März. Die Landesabteilung Hessen der Rei chszenl rale für Heimat d i e n st veranstaltete hier im Rathaussaale eine von mehr als 100 Personen besuchte Versammlung für alle politisch und wirtschaftlich interessierten Persönlichkeiten des Kreises Büdingen. um wichtige Lagesfragen in ihren geschichtlichen unZ) ursachlichen Zusammenhängen klar und parteilos darzustellen. Es wurden drei Vorträge gebalten. Der erste Redner, Studienrat Stemmer- Kassel, sprach über .Die großen Mächte im Wandel der Rachkriegspolitik", Dr. Meier aus Frankfurt behandelte „Deutschland, Europa und die Weltwirtschaft": zuletzt hielt Reg.-Rat a. D. Dr. Keck, Syndikus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt über „Wirtschaftliche, soziale und politische Betrachtungen zum Anschluß Deutsch-Oesterreichs" einen zweistündigen Vortrag. Die Redner fanden großen Beifall bei den Zuhörern. 3n den anschließenden Aussprachen, an denen sich besonders Bürgermeister H i l d n e r und Professor Dr. Fr. Müller, beide von hier, beteiligten, wurde noch manche Frage geklärt. Die Tagung wird sicherlich zu sachpolitischer Llrteilsbildung und Bereicherung staatsbürgerlicher Kenntnisse vieler Teilnehmer förderlich wirken. * Ri dda, 29. März. 3m Anschluß an den gestrigen Bericht über dieSchluhprüfungan der Aesigen Landwirtschaft l. Schule sei noch mitgeteilt: Direktor Dr. Schad gab w einer Ansprache einen kurzen Rückblick auf das verflossene Schuljahr. Er dankte dem Bürgermeister und dem Gemeinderat der Stadt Ridda für das weitgehende Entgegenkommen, das sie bei der Eröffnung der Schule bewiesen haben Ein brennendes Rot lag über ihrem erst so bleichen Gesicht. Sie schlug beide Hände vor das Gesiclst und meinte. Weinte aus Scham und Reue und Mitleid mit ihm. So sehr hatte sie ihn erniedrigt. Und er war so gut . o. so gut, und wußte nicht, wie schlecht sie war. „Nun habe du einmal die Freundlichkeit," jagte er ungehalten, „und erkläre mir, warum du weinst. Ich kann mir's ja denken. Komm, sei vernünftig, mein Häschen," lenkte er ein und zog sie auf seinen Schoß. ,3ch habe dich ein bißchen zur Seite gesetzt die letzte Zeit . . . Sag' nicht nein, Liesl, ich weiß es selbst sehr gut. Mer im Grunde genommen ist dock mein ganzes Arbeiten und Schuften nur für dich! „Du sollst nicht schuften!" meinte sie auf. „Ich will ja gerne hungern. Ich hab's doch früher auch getan!" ..Und ich und die Hanna und der Chauffeur? Sollen wohl habet mithalten? . . . Was? . . . 'Jlein, mein Häschen. Also du siehst em, daß ich verdienen muß. Das, womit ich als Junggeselle reichte, genügt nun selbstverständlich nicht mehr. Ich will haben, daß jedes satt vom Tische aufstehi . . . Ergo . . . Kannst du dir das nicht zusammenreimen, kleine Frau?" „Meine Toilettejachen haben ein Riesengeld verschlungen", wandte sie kleinlaut ein. „Hm. Ist gar nicht einmal so arg. Ich habe mit mehr geregpiet. Schass' dir nun aber auch so nach und nach alles, was du brauchst. Dann reißt es nicht auf einmal ein solches Loch." Sie griff nach seiner freien Linken und druckte sie gegen ihre heiße Wange. „Ich will sehen," sprack er nachdenkend, „ob es sich nicht machen läßt, dich hin und wieder mitzunehmen. Aber du langweilst dich tödlich. Das weiß ich schon im vornhinein. Und zumal jetzt im Winter erfrierst du mir ja, wenn du jedesmal im Wagen matten mußt, bis ich zurückkomme!" „'Jlein, Georg! Ich will nicht mit!" wehrrc sie. ..Das denk' ich mir. Mach' du deinen regelmäßigen Spaziergang alle Tage, das ist entschieden norteilbaftcr für dich. Und nun geh' zu Bett und schlaf dir rote Backen. Dein Weinen heute mar eigentlich nichts als Nervosität. Du sängst etwas zu früh damit an!“ Sie wäre zu gerne noch geblieben. Aber sie fürchtete sich vor sich selbst. Schließlich gestand sie ihm doch noch die Ursache ihrer Tränen und erzürnte oder kränkte ihn dadurch. Also lieber zu Bett. Am nächsten Abend kam Reichmann verstimmt und wortkarg nach Hause. Elisabeth umsorgte ihn nur um so mehr mit fast hündischer Demut. Er aß kaum ein paar Bissen und schob den Teller beiseite. Als Hanna den Tisch abräumte, wollte Elisabeth ihr beim Hinauslragen des Geschirrs behilflich fein. „Bleib hier, ich habe mit dir zu reden!" gebot er. Sie wurde rot und blaß und bot ein Bild grenzenloser Verwirrung. Ähr Anblick wirkte wie das leibhaftige schlechte Gewissen in Person. Kann er meine geheimsten Gedanken erraten? ängstigte sie sich. „War Hilbertt gestern bei dir?" forderte Reichmann barsck Auskunft und sah unablässig in chr Gestüt. > Ihre Hände legten sich, stützesuchend, auf die Ecke des großen Ecktisches. „Und?" fragte er, beide Hände auf den Rücken faltend. Sie sah ihn verständnislos an. Was wollte er mit dem „Und?" „Solch eine Schlittenpartie ist wohl schöner und amüsanter als eine mit mir? . . Wie? . . ." „Georg", bat sie erschrocken und würgte die Tränen hinab. „Es wäre zum mindesten am Platze gewesen, daß du mir gegenüber eine Erwähnung gemacht hättest," fuhr er fort. ,Lch mußte es erst von Hilbertt erfahren. Was ich davon denken soll, weiß ich nicht. Ich will nicht hoffen, daß das öfter vorkommt!" Daß sie in ihrer Ratlosigkeit und in ihrem Suchen, wie sie ihn besänftigen könnte, um eine Antwort verlegen war, reizte chn. Eine dunkle Röte kroch seine Stirne hinauf. Seme Hände ballten sich langsam zusammen. „Es sieht ganz danach aus," warf er ein, „als ob du dich schämtest, dich mit mir auf der Straße zu zeigen. Das hättest du früher bedenken sollen, wenn du findest, daß HUbettt besser zu dir paßt." Ein paar schwere Tropfen rannen ihr die Wange herunter. „Heul' nicht schon wieder!" sagte er ärgerlich. ..Wenn du ausfahren willst, dann (ag's, m Hckunst und durch das erst die Existenz der Schule gesichert wurde, sein Dank galt ferner dem Kreisamt und Kreisausschuß von Büdingen, die durch einen Zuschuß es ermöglichten, die Anstalt auch auf eine finanziell gesicherte Grundlage zu stellen. Die Schule war im vergangenen Winter in der in diesem 3ahre nur bestehenden Unterklasse von 27 Schülern besucht, die sich auf die einzelnen Gemeinden wie folgt verteilen: Ober- Widdersheim 5. Llnter-Widdersheim 5. Ulfa 3 Rabertshausen 3. Wallernhauten 4. Fauerbach 3. Dauernheim 1, Ridda 1, Borsdorf 1. Stornfels 1. Besondere Anerkennung verdient, daß auch Schüler in höherem Lebensalter den Unterricht besuchten, um ihre zu Hau'e erworbenen praktischen Kenntnisse durch eine gediegene Fachbildung zu ergänzen Direktor Dr. Schad ging weiter näher auf den Lehrplan ein und gab einen eingehenden Ueberblick über die Arbeiten des Landwirtschafts- amtes während des Sommerhalbjahres. „T Ridda, 29. März Die Allgemeine Ortskrankenkasse des Kreises ist bau übergegangen, ob 1. April d. 3 die f»eiv ärztliche Behandlung durch die Kassen- ärzte auch auf die Familie no lieber der Versicherten auszudehnen. Außerdem vergütet sie ein Viertel der Krankenhauspflegekostei, bis zum Höchstbetrag von 100 Mk. MoL hofft mit einer Deitragsleistung von 61/2 Prozent des Grundlohnes auszukvmmcn. y. A u s d e m R i d d a t a l, 29. Mörz. In bei letzten Tagen zogen täglich größere Schafherden durch unsere Gegend, die von der Winterweiden aus der Mainebene auf die Som- merweiden im nordwestlichen Vogelsberg unk Schwalmtal getrieben wurden. Auch in unserer Gegend bleiben die Schafe schon von nächster Woche an nachts auf dem Felde im Pferch, was als verhältnismäßig früh bezeichnet wird. Das milde Wetter hat aber schon hinreichend Futter für die Herden hervorgebracht. Werkwürdiger- weise geht auch in unserem Tale die Schafzucht immer mehr zurück. Gemeinden, die sonst eigene sehr große Herden Schafe hatten, können nun hundert und mehr Schafe fremder Züchter zu ihrer Herde aufnehmen, damit bi' Kosten der Gemeindeschäferei gedeckt werden. - Ganz plötzlich ist der Preis sürSpeisekar t 0 f f e l n hier gestiegen. Der Zentner kost, jetzt 6 Mark, im Herbst wurden nur 3,50 *2Hc bezahlt Kreis Schotten. * Eichelsdorf, 29. März. Unser au. dem 13. Jahrhundert stammendes, daugeschichtltck sehr interessantes Bergkirchlein ist schvi seit Jahrzehnten innen und außen erneut' rungsbedürftig. Da man im Jahre 188' vom Kirchenvermögen 10 000 Mk. als Kirchbau fonds ab trennte und diesen bis 1914 auf rum' 40 000 Mk. gebracht hatte, rechnete man mit de baldigen Aufführung eines Kirchenneubaues um” unterließ alle Derbesserungsarbeilen an der alte, Kirche. Durch die Entwertung der Kirchbaukapitalien ist jedoch der Reubau in weite Fern gerückt und die alte Kirche muh wieder ei' würdiges Aussehen erhalten. Verbesserung bei Heizung, Troctenlegung der Rordmauer, Aus besserung des Fußbodens und Frauengestühls Anstrich des Holzwerks, der Wände und Deck, und Bewurf der Mauern gelten als unaufschiebbare Arbeiten, deren Ausführung das Kreisbauamt Schotten auf 8500 Mk. veranschlagt. Kirchenvorstand und Kirchengemeindevertretung habei nunmehr beschlossen, der Erneuerung der Kirche im Innern und AeuHeren näherzutreten, sofern die bürgerlichen Gemeinden Eichelsdorf und Ober-Schmitten die auf 500 Mk. geschätzten Koste,' der Verzinsung und Abtragung der benötigten Bausumme zu -/, und Va übernehmen. -i- Rainr 0 d. 29. März. Die Wasser- genossenschaft Oberwald, die das Ziel verfolgt, durch Entsumpfung des an die Ridda grenzenden Geländes die Erträgnisse zu steigern, außerdem aber der Ridda größere Wassermengen zuzuführen, hat jetzt auch für unsere Gemarkung ein Entwässerungsprojekt ausarbeiten lassen, das in der nächsten Zeit ausgeführt wer- den soll. Die Gemeinde übernimmt vorlagsweist die entstehenden Kosten, die später auf die beteiligten Besitzer ausgeschlagen werden. Die von der benachbarten Gemeinde C i ch e l s d 0 r f vorgenommenen Drainagearbeiten sind fast beendet. —s— Hartmannshain, 29 März Dieser Tage fand hier eine Besprechung des Kreisamts Schotten mit den Gemeinde- nehm' ich bann einen Mietwagen ober geh' zu Fuß!" Sie schluckte tapfer ihre Tränen hinab, während er aufftanb und bas Zimmer verließ. Die Tür fiel heftig hinter ihm ins Schloß. Sie verspürte keinerlei Kränkung durch seine Worte. Es war ihr nur recht geschehen. Weshalb hatte sie ihn so grundlos ver bächtigt. Darüber hatte sie vollkommen vergessen, mit ihm von der Schlittenfahtt mit Jörg zu sprechen. E» war ihr eine ganze Entlastung, daß er sie gedemütigt hatte. Gegen zehn Uhr trat sie in sei« Arbeitszimmer, ihm den Gutenachtkuß zu geben. „Verzeih' mir, Georg", bat sie, sich über ihn neigend. Er sah flüchtig auf. ,La, geh' nur!" „Bitte! Ihre Lippen brannten den jeinigen entgegen. Das entwaffnete ihn. Er suchte gleichgültig zu bleiben, dog ober in der nächsten Minute doch ihren Kopf zu sich herab unb küßte sie. ,3ch habe ja sonst keinen lieb als dich!" flüsterte sie unb drückte ihr Gesicht beschämt an seinen Hals. ,Lch will's hoffen!" Er lachte schon wieder. „Morgen ist großes Wettrobeln vom Falkenstein. Ich habe Nella ersuckt, dich mitzunehmen, bamit du nicht immer $u Hause sitzt. Wenn ich's ermöglichen kann, hol' ich dich im Waidhaus ab. Außerdem fährst du mir Renkells nach Ludwigstal. Ich erwarte bidj bann im Herrenhaus." „Danke!" sagte sie darm sttahlend. „Darf ich mit rodeln?" „Du?" kam es erstaunt. „Es war nur ein Scherz'." sagte sie hastig. „Wenn du willst!" Er zuckte die Achseln. . Ich nehme bann gleich den Sanitätswagen mit unb den großen Verbandskasten. Denn mit heilen Gliedern kommst du ja doch nicht herunter von der Höhe. Laß es fein. Es ist gescheiter. Geh' um Gottes willen schlafen jetzt. Was so eine Frau einem Zeit weg nimmt!" „Komm mit," bettelte sie. „Du bist jo übermüdet, und ich sorge mich so sehr wenn du so angegriffen aussiehst." Er stieß einen schweren Seufzer aus, erhob sich aber und ging mit ihr in das Schlafgemach hinüber. (Fottsetzung folgt.) tftttn bet drei ^emrinbcn Hartmann-Hat», Herchenhain imb Dolkartshain über ben beabsichtigten Dahnbau Birstein-Hart- rnannshain statt. CBknn man auch von seilen bet ®emeinben die Bedeutung des Bahnbauc- für bie weitere Erschließung de- Vogelsberges voll imb ganz anerkannte so wurden doch die zu leistenden Beiträge al- viel zu hoch und untragbar bezeichnet So soll Hartmannshain 40 (XX), Her- chenhain 25 000 und Volkartshain 15030 Watt aufbringen. Daher wurde das Projekt in der vorliegenden Form vorläufig abgelehnl, aller- ding- mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß damit der Weg zu neuen Verhandlungen nicht abaeschnittcn sei. - 3e weiter die Holzhauer- arSeilen voran schreit en. desto mehr erkennt man. welch ungeheuren Schaden der Schneebruch und der jüngste Sturm in den hiesigen Wäldern o n gerichtet Hal. Der mit Muhe und Rot Hoche,, brachtc Fichtenbeftand auf der Herchenhainer Höhe, jetzt ca. 25 Jahre alt. fällt vollkommen der Vernichtung anheim. Wenn nicht diese- Jahr, so muh sicherlich im nächsten Jahr Kahlhieb erfolgen. Unter diesen Verhältnissen haben die Holzhauer noch bi- tief in den Som- mer hinein Arbeit in Hülle und Fülle. - Gros)-Sichen, 29. Mörz. Die Molkereigenossenschaft ..Vogelsberg" hielt jetzt ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab Aus dem Jahresbericht war zu entnehmen, dah das Unternehmen sich im letzten Jahve gut entwickelt hat Der Reingewinn beziffert sich auf 1900 TELL. er wird al- Dividende (auf 1 Liter gelieferte Mich Vir. Pf.» an die Mitglieder der Genossenschaft verteilt. Ureis -llsseld 00 Kirtorf, 29. Mar;. Der praktische Arzt Dr. Engeland von hier ftiefj am Sonntag- nachtnittag mit seinem Motorrad, von einen; Krankenbesuch von Lehrbuch kommend, bei der Retschenhäusermühle mit einem von Kirtorf kommenden Radfahrer zusammen. Durch den Anprall tarnen beide Fahrer zu Fall und trugen nicht unbedeutende Verletzungen davon. Während der Radfahrer glimpflich davonlam. ist Dr. Enge l a n b gezwungen, einige Tage das Bett zu hüten Mrcid Lauterbach. ? Herbst ein, 28. Mörz. Aus Anlaß seines 42jährigen Bestehens veranstaltet der Gewerbe- verein S) e r b ft e i n in den Tagen vom 27. bis 30. März, wie schon kurz berichtet, eine Gewerbrau s st e l l u n g. Zur feierlichen (Eröffnung hatten sich eine Anzahl Ehrengäste, Bruderoereine aus naher und weiter Umgebung, die Mitglieder des Vereins und viele Freunde des Handwerks in dem Statischen Saale eingesunden. Der Vorsitzende des Vereins, Spenglerineister Narz, begrüßte die zahlreich Erschienenen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß eine so stattliche Versammlung zustande gekommen sei. Der Gewerbeoerein H e r b st e i n und Umgebung sei im Iahte 1885 von dem damaligen Bürgermeister Narz und dem Kreisstraßenmeister F a u st gegründet worden, von den Gründern leben noch vier Herren, die dem Verein heule noch angehören. Der Verein Hube sich während der Zeil seines Bestehens die Förderung des Handwerks zur Ausgabe gemacht, und die erzielten Erfolge seien der beste Beweis dafür, daß er immer die richtigen Wege gegangen sei. Bürger- meister Kübel entbot den Ehrengästen, den Vertretern der auswärtigen Vereine und den übrigen Teilnehmern den Willkommgruß der Stabt Herb stein und gab einen Rückblick auf die Entwicklung des Handwerks im Vogelsberg: er wünschte den Gästen von auswärts, dah sie in Herbstein einige schöne Stunden verleben möchten, und schloß mit den Berten: „®ott segne da? ehrbare ftrnbroer?*. Äegierungsrat Nan; beglückwünlchte den Verein zu seinem 3ubtlaun. und wünichle der äu»fteUjng den besten Erfolg. Rektor Schindel von Alsield wies darauf hin, daß die Feier eine zweifache Bedeutung habe sie gelte dem 42j ah eigen Bestehen des Gewerbeoereins Herbstem und außerdem der 25jäh- eigen Tätigkeit des derzeitigen Vorsitzenden. 6peng- lermeifter Narz, der wahrend dieser Zeil ein eifriger Förderer der Dercinsbestrebungen gewesen sei. 3m weiteren Verlaus seiner Ausführungen erörterte der Redner das Lehrlingswejen und da werbliche Schulwesen und hob die Verdienste Ser gewerblichen Organisationen um das Zustandekommen der in dieser Beziehung erlaßenen gesetzlichen Bestimmungen hervor. Vertreter der Ortsgewerbe- vereine Lauterbach, Alsseld, Schlitz. Groß Felda und Fulda sprachen de.n Srubcroercin ihre Glückwünsche au seiner Veranstaltung aus und fanden Worte der Anerkennung und des Lobes für das in Herbstein Gesehene. Schreinermeister Rausch von Herbstein gratulierte im Namen des Gewerbev.-reins Herbstein seinem Vorsitzenden, Spenglermeister Narz, zu dessen 25|ährigem Jubiläum und überreichte ihm im Namen des Vereins ein künstlerisch ausgesiihrtes Diplom und einen Ruhesessel mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt fein möge, noch recht lange in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische dem Verein oorzustehen und seine Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Der Jubilar dankte gerührt für die ihm erwiesene Ehrung und forderte nunmehr zur Besichtigung der A u s st e l l u n g auf. Diese ist in zwei Säten der Stadt untergebradjt und legt Zeugnis ab von dem Können und der Geschicklichkeit der betreffenden Meister Es sind ausgestellt Arbeiten der Terrazzomacher, Spengler und Installateure. Schlosser, Maler und Lackierer, Schreiner, Drechsler, Wagner, Schmiede, Sattler, Buchbinder, Stüfer. Weberei, des Bekleidungs- und Nahrungsmittelgewerbes. Alle Arbeiten sind Meisterwerke und können in jeder Beziehung den Objekten größerer Ausstellungen an die Seite gestellt werden. Die ausgestellten Möbelstücke sind von geradezu künstlerischer Ausführung, die Erzeugnisie des Metz- gergewerdes finden sich zu „geschmackvollen" '21 rran gemente zusammengestellt vor. Starkenburg. • Darmstadt. 29. März. Die Darm- ft ä 01 e r DolkSbank beschloß auf ihrer Generalversammlung. die Vorkriegssparein- lagen freiwillig, ohne ge'etzlichen 3mang. ohne Vorhandensein einer 25pro,tätigen Aufwertungsmasse aus Hypotheken und aus Gewinnrückstel- lungen voraussichtlich mit 12'. Pr ozent im Zähre 1932 auszuwerten. Aelteren. erwerbsunfähigen Sparcinlegem soll schon jetzt ein angemessener Betrag ausgezahlt werden. Rach dem Geschäftsbericht haben sich die eigenen Mittel der Bank von 496 000 Mk. auf 772 000 Mk. erhöht. Cs wurde beschlossen, eine lOprozentige Dividende zu verteilen. W2R. Darmstadt. 29. März. Die hiesigen Möbeliransporlacbeiter, Packer, sowie die bei den Möbelpackern beschästigten Kraftwagen- lenker sind gestern wegen Lohndifferen- zen in den Streik getreten. Rheinhessen. DSR. Mainz. 29. März. Gin tragischer A u t o u n g I ü ck s f a l l, der sich am Tonntagnachmittag aus der Straße von Wiesbaden nach dem Chausseehaus beim Kloster Klarenthal ereignete, hatte den Tod des m feinem ; Berufe, wie als Mensch sehr geschätzten Zahn- . arztes Dr. med. Otto Stöhn aus Mainz zur Folge. Der Wagen geriet aus unbekannter Ur- | fache in- Schleudern, rannte zuerst gegen einen Steinhaufen, bann gegen einen Baum tn* ftog die Böfcinma hinab. Während der Mitfahrer noch rechtzeitig ab'pringen konnte. tarn Dr St ahn beim llcbcridjlcgcn des Wagens unter diesen und trug hierbei einen doppelten Schädelbruch davon Der Schwerverletzte wurde tue Wiesbadener Krankenhaill» verbracht wo er jetzt verstarb. DSR. Dorrn». 29 Mörz. Gestern nachmittag gegen 4 Ufar wurde das fünf Jahre alte E ö buchen des Fabrikarbeiters August Ctidlct in Horchdeim bei Worms, als cs aus einem Hause auf die Straße sprang, von -inan vorbeisahrenden Kraftwagen ersaßt und überfahren. Das Auto ging dem Jungen über di e Brust und den y e i b. Gr erlitt rußer einigen Rippc-ndriichen auch einen Bruch des rechten Beine». Der Zustand des Zungen ist hoffnungslos. Soweit bis jetzt feftge- ftellt ist. kann von einem Verschulden des QLuto- lenkers feine Rede sein. Preußen. Grundvermögens- unb Hauszinssteuer. Auf der Tagung des Verbandes der höheren Kata st erbeamten Preußens, die vor einigen Tagen in Berlin stattfand, hielt der preußische Zinanzminister eine Rede in der er nach anerkennenden Worten für die Leistungen der Katasterämter u. a. noch mitteilte. dah die Grundvermögen -st euer vorläufig noch nicht auf die Reichscinheitsbewer- tung umgestellt werden kamt, und daß ebenso auch die H a u s z i n s st e u e r vorläufig wegen des zu erwartenden Rahmengesetzes erst später auf die ReichscinheitSbewertung zurückgeführt werden soll. Kreis Wetzlar. DER. Wetzlar. 29. Marz. 3n Blasbach starb im Aller von 86 Jahren der OrtS- gerichtsvorsteher Adolf Ferber. <3r war einer der wenigen noch lebenden Düppelftürmer und Veteran dreier Feldzüge. Gin großes Maß von Achtung und Wertschätzung in wellen Kreisen der Bevölkerung sichert ihm ein ehrendes Andenken. s. p. Odenhausen a. d. Lahn . 29. März In der verflossenen Rächt wurde in dem Anwesen des Landwirts und Kaufmanns Wagner ein dreister Cinbruchsdieb stahl verübt. Die Diebe drangen durch den Garten, indem sie dann Fensterscheiben entfernten, in die Wohnung ein und stahlen Geld undKassenbücher. Ein heute morgen von Gießen herbeigeholter Pott-rih«nd tr-nnte keine b*nantc Spur verfolgen. — Duvck h.elen Einbruch wird bie Auf- mettsamkett des Gerne uiderats auf den Zustand r-lcnft, daß 'ich hier seit Jahre, kein Rächt - Wächter bdinbet. Vie dies in anderen Orten Üblich ist Dillkrcitz. Dillenburg. 29 März. Am Samstag nachmittag wurde bei Eiershausen ein taubstummer Arbeiter als er sich auf dem Rachhauscweg befand, von einem 15jährigen Burschen aus Hirzenhain augefallcn und feines ganzen Dvchenlvhns beraubt. Der jugendliche Straßenraub« tonnte noch am selben Abend crmUlelt werden Mrcio Marburg. WSR Marburg. 29. März Vergangene Nacht brach in dem benachbarten Weiden hau n im Hause der Familie D a m - h ä u s e r tn her Hahnengasse ein Brand aus. der rasch um sich griff. Die freiwillige Feuerwehr war rasch zur Stelle und rettete, was zu retten war. Das Haus, in dem mehrere Familien wohnen, brannte fast völlig au-. Die Hausbe- trobner muhten anderwellig untergebracht werden .'Jia in flau. DSR Frankfurt a. M 29 März. Degen St rahenraubes wurde ein 3 0 jäh- rige r Mann festgenommen der in der Rächt zum 16. März in der ®neilcnauftratu* einer Dame die Handtasche mit Inhalt. Aus weispapieren u m gewaltsam eninflcn hatte Gitv 23jähriger Chinese, der einer Frau auf offener Straße die Geldbörse aus der Handtasche stehlen wollte, wurde ebensall- fest- genommen. Rundfunk-Programm. Donnerstag, 31. Mär;: 1.30bis2.30: Uebenragung von Kassel Mittags- konzert der Kasseler HauSkapelle. 3 30 bis 4: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45. Konzert des HauSorchester» Schubert. 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde 6.15 bis 6.45: Hebert rag ung von Kassel Antennenbau und Rechtssragen". 6.45 bis 7.15 Funkhochschule. 7.20 bi- 7.45: Mebertragung von König-Wusterhausen .Zum 200. Todestage von Fsaac Aewton". 8.15 Gastspiel der Operettendirektion Sander-Graes: .Der fidele 'Bauer". Anschließend: Alle Tanzmusik Warum husten Sie, ropon 51? ib 3an5 efliien 5oü?u?r mineral-DaHinen ein auBatjeldmeies miuei Dagegen baden ? “’s» JlacfynSie es sicfydetf nieftt so D? TMÖMPSON'^I SEI FEN PU UV ER Zum Snthärfen des Hassers, zum 6in weichen u. Kochen Jhrer Mische ist nur ein einziges 'Mitte! nötig'} Dr. Th ompson's Seifenpulver wir eine forgfaltig fr erprobte neue Mifruzfr erer neu» frei beitesßatue oder die fr Leder wald-^ermania dun ködxflens bis ans frnie reichten. ----*--- Was der ftoloß von Rhodos unter den Ttoboffab, ere neue ^Altertums, vielleicht' eins der fiebert 'Weltwunder gewefen. 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März ist»? nachmittags 2 llbr, verstetaere ich (tn ^Löwen", Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: a) - Büfetts, 3 Schretbtische, 1 Siaububi- 1 Bücherschrank. 1 Klavier, 1 ElSfchrank 1 Sekretär, 1 T-toan, 1 Sessel, 2 Chaise lonaues, 1 Vertiko, 1 Spiegel. 2 Nahmaschinen. 1 Arznetschrauk. 1 Waren- schrank. 1 Ladenemrichlung, 1 ftrüeur- einrtchtung. 1 Waschtisch 1 Trude, 70 Schuller, 1 elektr. Heizkörper, 1 f^cuer löscher. 1 ar. BeleuchungSkSroer, 1 elf. Kasseite, 1 elektr. Stehlampe. 3 Blot Kernleder, 2 Ballen Vergamentersap. 2 Läuserlchweine. b) SSorauC ficht lieb bestimmt: 1 Suieit, 1 Kredenz, 1 ÄuSziehtisch 4 Ctutile, 2 Senel 'fast neu». V*k3- Dern Gerichtsvollzieher in Gieße», Steiastr. 13. O9 cfolS Wandervogel Höhenflug Grieben Gegründet 1919 Gegründet 1919 Schühenstraße 24 Gnauthstraße 4 023*2 Reinerlös zu Gunsten der Jugendpflege Gäste willkommen. Eintritt 50 Pfennig. Sfet wMillMM Werbeabend Frankfurt a. Main. 3014eg Gießen (g. Z. Sd-l. Schwesternhaus), den 29. 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Behördlich anerkannt als Verein für Jugendpflege Auf vielseitigem Wunsche einmalige Wiederholung: Wenn du noch eine Mutter hast Drama in 4 Akten von Thilo Schmidt. Aufführung: Sonntag, den 3. April, abends 8 Uhr, im Kath. Vereinshaus Eafe Slmend Freitag, Samstag, Sonntag, vom 1. bis 3. April Kurzes Gastspiel des bekanntenKlavierhumorisien Konfirmanden-Anzügen >$oo aus blauem Kammgarn...........von Mark an Konfirmanden-Anzügen a 400 aus blauem Melton.............von Mark an MM WAwllWNW ucht für Gießen und Umgebung einen tüchtigen orbeits« freudigen Fachmann als Inspektor Gewährt werden Fixum, Spesen und hohe Provisionen- Auch Nichtfachleute finden bei entsprechender Eignung Berücksichtigung. Vertreter und stille Vermittler allerorts gesucht. Offerten erbeten unter F. V. R. 762 an Rudolf Mosfe, bestehend in einer MWmg des otogen Ms „Sampl n. Spiel" auf morgen Donnerslag, den 31. Alärz, abends 8 Uhr, in die 1 .Palast - Lichtspiele", Kirchenplatz, ein. Eintrittsgeld: 1. Platz 11,2. Platz 50Pf. 3025c führung statt vorzugsweise für die slWMlftigeliiM gegen ein Eintrittsgeld von 20 Pfennig. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand „Vom Kilimandscharo zum Nil“ Siehe Plakate! 3O28D Modes. Empsehle mich in vreismerten Früh- iahrs- u. Sommer- öiitcn, sowie In Um* orbcnen aster Slrt. A. Schweitzer, Sleinür. 85. VMM» Pstanzenkübel Handwagen SöfereiSommerforn Bleichstr. 10.2,U3D Saat n. Speise- MlesW gelbe Hassiau. Oden- wälder Blaue gibt ab Carl Vogt 1.. Lick. 02348 Gvnft Kvedv in seinem humoristischen Original-Itepertoire Dezente-, hochkünstlerlsches Programm Abends 87, llhr / Sonntags 4 Uhr sowie weiteren Kundenkreisen in gesicherter Stellung Der heutigen Wirtschaftslage Rechnung tragend, haben wir uns entschlossen, Beamten und Festbesoldeten durch ein neues System die Möglichkeit zu geben, erstklassige Möbel besonders preiswert anzuschaffen. 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Crepe de CH Gewebe von ü zeitig weichha lern Stoff im als jeht, denn ein schr angei gemustert, nati wie Blau, Ä, de Chine vera die CBodanlröi kleidchen. Heb, nierung hinwe übereinander, weder gerade überschneiden, bleiben bis daß fornmeifid bringen. _ Das 36ci orühlingshimm durchtanzter Ä ömnmet auf sei Don SM Sehei, ift ’«D ^ichengeschle, SJJtt Üblich ÄchenhlaN L? aus dem l 5 « nach 7^. Wagen S jedes «Set ZSL ^Ntur ly f. ? ^A'Senx: ** Mittwoch. 50. März 1927 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Nr. 75 Drittes Blatt Aus dem Reiche der Frau SU un- Betrachten wir einmal unvoreingenommen einige gefunbe Ainber. Worin liegt die Eigenart ihres Körperbaus und ihrer Gesichtszüge und worin unterscheiden sie sich vom Erwachsenen? DaS Kind seigt einen relativ gröberen Kops und relativ kürzere Gliedmaben als der Erwachsene. Die pralle Rundung der Glieder läßt die Muskeln nicht hervortreten, deren plastische Aus- bildung dem Körper des Erwachsenen den Ausdruck der Kraft verleiht. Hände und Füße srnd Die Schönheit des gesunden Kindes Don Dr. D. Herrmann. zart und gut gebildet, die Gelenke fein und von weicher Kontur. Die Haut des Gesichtes und des Körpers ist rosig, elastisch und von jugendlicher Fülle. Dem Körper fehlt jede sichtbare Dehaa- nmg. die Kopfhaare aber haben eine lebhafte zarte Farbe und einen weichen Glanz. Das Gesicht des Kindes zeigt weiche, volle Rundung, deren Ebenmah kein harter Zug. keine Falte schiebungen der Körperverhältnisse und des ®c- ftchtsausdruckes, die jedem Lebensaller ein bestimmtes Gepräge geben. Jede Krankheit kann diese Harmonie, diesen Glanz, diese zarte Fülle deS kindlichen Körper- zerstören. Wir finden Kinder, deren Haut welk und blaß ist. deren Gliebmaßen die volle Rundung verloren haben und unter der dünnen Haut die dürftigen MuSkeln hervortreien lassen, deren Gesichter durchfurcht sind von dem Zug des Leidens, deren Augen tief eingesunken sind und allen Glanz verloren haben. Kinder, die erbärmlich au Bfeben wie kleine Greise. Sie haben die Eigentümlichkeiten be« gesunden kindlichen Körpers verloren und gleichen mehr erwachsenen und allernden Menschen, ilnb damit haben sie für uns ihre Schönheit verloren, die doch gerade in dem begründet fein must, was das gesunde Kind vom Erwachsenen unterscheidet. Aber bleiben wir beim gesunden Kinde. Indem wir es freudig betrachten, macht unser Blick nicht Halt vor der Form und der bLoben Erscheinung. Wir bringen burch sie hindurch in die Seele des Krndes. die sich unS in dieser Gestalt, in diesem Gesichte offenbart. 11 nb so gewinnt die Form für uns an Fülle und Schönheit, da sie uns die keimhafte Seele des Kinde- verrät in ihrer unberührten Zartheit und Harmonie. Wir ahnen hinter der weichen Rundung der Glieder, hinter der Zartheit des Gesichtes und hinter den strahlenden Augen da- geheimnisvolle Werden der Seele, die sich langfam zur vollen Blüte entfaltet und dem Körper feine wechselnde Gestaltung gibt. Und wir ahnen zugleich, daß das gesunde Kind in seiner vollen Kindlichkeit am sOmnsten ist. bah jeder Zug. der erst einem späteren Alter zukvmmt, von dieser Schönheit raubt, da er einer Seele entspringt, die sich zu früh entfallet hat, die nicht lange genug verweilte in ihrer kindlichen Geschlossenheit. Denn jede Lebenszeit hat ihre eigene Schönheit, ihre eigene Dollendung. druck, noch rein kindliche Verhältnisse. Die Kopfe sind zu klein, die Körperhaltung rst zu gesucht, der Gefichtsausdruck zu wenig unmittelbar, freilich spielt dabei die religiöse Bedeutung eine Rolle, die der Äünftler ieinem Engel, fernem ChristuSkinde beilegt. Ein Christus soll übermenschlich. göttlich erscheinen soll außer dein Kinde auch den Gott, ber in ihm ist, zwn AuS- brud bringen. So erhall bas kinbliche Gesicht erhabene Züge, bie dem Kinde fremd jinb. ®je Engel werben fromm und erfüllt twm Göttlichen bargestellt. Züge, bie dem Kinderantllh fern liegen. Aus diesem Zwiespalt siebt sich der Künstler bei der Gestaltung eines Kindes dazu gedrängt, den Verhältnissen des Körpers mehr erwachsene Form zu geben, und manche, wie Lukas Cranach taten dies bewußt. Die Künstler geben den Maßstab für die Schönheit. So ist das Urteil über die Schonheu des Kindes beeinflußt unb vielleicht ge.rubt durch bas, was sich in den Meisterwerken der Kunst spiegell. Wir finden darum im Leben häufig^ day diejenigen Kinder für die schönsten gelten Deren Gesicht dem Maßstab für Erwachsene nahekommt und ein ausgesprochen persönliches ®ebrag? zeigt. Es wäre sinnlos, über die R-erechngung eines solchcni Urteils zu streiten. Doch gtot es zu denken, bah aus solchen Kindern haulig nicht ebenso schöne Menschen werden, day nach der hoffnungsvollen Knospe die Rötere ‘Blute ent- täuscht. Man muh sich fragen, ob diese -Durber mit den ausdrucksvollen Zügen nicht nur bar schön waren, weil man -einen falschen Matz- stab an sie anlegte und ob die Schönheit des Kindes nicht wo anders liegt unb wir ihren geheimnisvollen Sinn anbers begreifen müssen. Oskar Wilde sagt einmal, bah ber Gedanke die Schönheit tötet, dah jeder ausgesprochene xjug die Schönheit eines Gesichtes auslösch:. «Mben wir hier nicht einen Hinweis, bah gerade rn ben ausgesprochenen, feimbaften. meidxn^_ For- men des Kindes wahre Schönheit liegen konnte. beten Ebenmah fein harter Zua, keine entstellt. Der Gesichts aus brud ist lebhaft, mittelbar, einbeutig unb häufig wechselnd. Man denke nur an ben zufriedenen oder erftaunten Da« Geheimnis der kindlichen Schönheit . trfaffen, ist selbst der größten Kunstepoche des M^tschengefchlechtes. der griechrschen Dlutezeit, versagt geblieben. Eine der berühmtesten grte- chischer vorzubeben; diese Absicht liegt der Sigcnart an- tiler Kinderplastiken offenbar nicht zugrunde, sondern reines Unvermögen. Stärker tritt dies noch fai den frühesten Kunstepochen, etwa in der myke Pischen oder in der srühägypttsc^n Kunst am grvteskesten vielleicht in der- Kunst der.Soma. Hier finden wir keine Kinder, sondern kleine^Er wachjaie. Zwerge, darges-.ellt. die allem Lieb tciiä entbehren, da ihnen gerade die Eigenart der kinbllchen Schönheit fehlt Später sieht man bie Künstler dem Ziele in den gotischen Darstellungen bes CbristuLkstides unb :wch mehr bei ben Meistern t>er Rei aisiance, etwa bei Robbia, Botticelli oder ^ffacL Aber die vielgeruhmttm Rallaelschen Engel ber Sixtina zeigen weder kindlichen Aus Ein Blick auf die kommende Mode. Don Leni W ü st. 3m Winter bereitet sich stet- bie kommende Frühjahr-mode vor, aber erst im März kann man mit einiger Bestimmtheit von ihr sprechen. Dann erst ist bie Mode soweit vorgedrungen, dah sie bem groben Publikum zugänglich wirb. Den ganzen Winter hiiidurch arbeiten die Maler- und vchneidcrgebirne an der Geburt neuer Linien: im Frühjahr beginnen bie Atelier- unb Konfektion-Häuser den Debanken in bie Tat umzusetzen. grobe Modenschauen werden überall von führenden Häusern unb Firmen veranstaltet, die Journale bringen Zeichnungen unb Abbildungen, damit die Weiblichkeit über ihre neue Frühjahrs uniform informiert wird. Das ,Wie" unb .Was" macht natürlich du( Kopfzerbrechen. Kann man noch das Complet vom vorigen Jahr tragen? *3leib 1 Rip- modern? Wie ist es mit Dem Smoking-Jackenkleid, unb bleiben die Rode furz? Taufend Fragen, die für den Anzug ber Dame von bestimmender Wichtigkeit sind. Also schön der Reihe nachl Das Kleib-Complet bleibt in ber Mooe. allerdings erscheint da» 3adenllcib alS Rivale auf ber Dilbsläche. Hauptsächlich jetzt int Frühjahr wird es bevorzugt. da es ja auch der allgemeinen Pullover-Mode stark entgegenkommt und meist sportlichen Eharakier hat. Wir lieben den Sport und lassen ihn bestimmend auf unser Leben und unsere Lebensgewohnheiten ein- toirfen. infolgedessen steht das sportlich gehaltene Kleid überall in grober Gunst. Die neuen 3adcn- kleider, teils uni, teils au« Compose-Ötoffen gearbeitet (Stoffe, bie im gleichen Farbton einfarbig unb gemustert zusammengesetzt werden) haben kurze, meist mit Faltenteilen verzierte Röckchen, die Faden sind ziemlich gerade, zweireihig geknöpft ober auch mit Gürte! 'erarbeitet, die ausgesprochene Smoking-Jacke tritt in ben Hintergrund- man scch sich vergangenes 3ahr müde an diesem allzu häufig auftauchenden Modell. Die in der Gefolgschaft de« 3ackenkleides vuftauchende 3untperbluie au« Crepe de Chine, ober ein in neuen Mustern gewirkter Pullover aus Wolle mit Seide ergänzen den Anzug. Das Kleib-Coinplet bleibt eleganteren Zwecken und der sommerlichen Saison Vorbehalten. wenn über luftig fliehenden Chiffon-Kleidern ein ebenso luftiges Etwas, genannt Mantel, getragen toirb. 2luf dem Osterspaziergang werden wir in der Mehrzahl 3adeiil(eibern und Mänteln begegnen. Man sieht sehr flotte Modelle aus Kasha in lichten Farben, gemusterten englischen Wellstoffen und larrierten Geweben. Auch diese Mäntel zeigen ziemlich gerade Form, sind durchweg mit Gürtel ober Schliche verarbeitet und zeigen neuerdings abgenähte Säumchengarnitur. Leder- ober Kalbfellkragen. Überhaupt spielt Kalbfell eine bedeutende Rolle dieses Frühjahr. Arme Kälber, man säht selbst euch nicht geschoren, zu bem Metzger unb Lederhändler gesellt sich Frau Mode unb greift habgierig nach eurem scheckigen Fell! Da« IumperNeid ersteht mit ber FrühjahrS- fonne in allen möglichen Variationen, man seht efi vielfach auS zweierlei Stoffen zusammen (eine zum Aendern alter Kleider sehr vorteilhafte Modenüanee). DaS Reueste, wa« Pari- als Modeparvle ausgibt, ist Angora-Trikot nut Cripe de Chine. Dieser Anaora-Trikot ist em Gewebe von überau« großer Zartheit unb gleichzeitig weichhaariger Wolkigkeit. Man wirb diesem Stoff im Sommer noch häufiger begegnen alS jetzt, denn das Gewebe verspricht bei Wärme ein sehr angenehmes Tragen. Dieser Trikot wird gemustert, naturfarben, ober in leuchtenden Tonen, wie Blau, Rot. Grün mit gleichfarbigem Crepe be Chine verarbeitet. Reu in der Linie sind auch die Dollantröde an Rachmittags- unb Sommer" kleidchen. Hebet die Kür^e soll belebendere Garnierung Hinwegtäuschen. Gewöhnlich sind es zwei übereinander gestufte, plissierte Dolants. die entweder gerade verlaufen, oder sich vorne fchrag überschneiden. Die Aermel sämtlicher Kleider bleiben bis auf weiteres lang, höchstens, dah sommerliche Sonnengluten eine Umwälzung bnn-$a« Abendkleid — angesichts de« blauen Frühlingshimmcl erinnert man sich Nicht gerne durchtaiizter Rächte — besteht, ob Dinier, ob kommet auf seinem dekorativen Glanz. Man steht Ausbrud bes Heinen Säuglings ober an den liebreizenden Wechsel im Mienenspiel bes älteren Kinbes; etwa an den köstlichen AuSbrud des schmollenben Kindes mit den aufgeworfenen Lippen. dem gesenften Kopfe und den halb scheu, halb zornig blickenden Augen, ein Ausdruck, der im nächsten Augenblick durch ein Helles Lachen weggewllcht wird. Und man vergleiche damit bie von Letbenichaft entstellten ober im Schicksal erstarrten, unburchdringlichen Gesichter ber Erwachsenen. Was dem Gesicht eines jeden Krndes eine besondere Schönheit verleiht, ist bie Gröhe bet Augen. Unter allen Organen des Körpers zeigen bie Augen das geringste Wachstum; sie sind frühzeitig in ihrer endgültigen Gröhe ausgebildet. und wüsten um so gröher wirken, je kleiner der übrige Körper noch ist. Und zu dieser Gröhe gesellt sich ihr reiner Glanz, ber bem Geftchl etwas Strahlendes gibt. All diese Merkmale sind dem gefunden Kinde ganz allgemein eigentümlich, aber das Wachstum bedingt Der- QUatcrial auS verschiedenen Räumen herbeigeholt werden. Sinngemäh. d. h. so, dah sie tm gegebenen Moment zur Hand finb. sollen alle Ge- btauchsgegenstände auf bewohn fein; auch tor^c man dafür, dah fie wirklich verwendung-fähig sind unb scheide darum alles "Beschädigte fofort au«, um es in Reparatur zu geben. Don besonderer Bedeutung ist endlich die Arbeitsverrichtung selbst. Da soll kein Schrttt und kein Griff unnütz getan und nicht- übersehen werden, wo« eine Erleichterung der Arbeit darstellt. Sine genaue Tage-cinteilung ist dazu unerläßlich. Speisenfolgen, die für eine Woche festgesetzt werden, errnögllchen planvoll«- Gin- holen und svstematifche Verwertung der Reste. Dah man haltbare Lebensrnittel vorteilhafter in größeren Mengen einlauft, versteht sich von selbst. Eine Herne, sichtbar in ber Küche angebrachte Tabelle, in ber Datum des Einkaufs und Quan- tum ber Ware verzeichnet finb. gibt einen fichercn Uebcrblid über beten Verbrauch und verbinden, dah Dorräte unbemerkt zur Reige gehen. Cs braucht heute also, wie man sieht, auch die geplagteste Hausfrau nicht zu verzagen. Denn über das hier Erwähnte hinaus gibt es. namentlich auch bei der Zubereitung der Spellen selbst, .zahlreiche Möglichkeiten ber Arbeitsverminderung. Und sofern sie den Willen besitzt unb die Energie aufbringt, ihre Hausarbeit im Sinne Taylors zu reformieren, ohne dabei in UebeNreibung zu verfallen. die wiederum eine nutzlose Kraftverichwen- dung bedeuteten, kann sie das Mah ihrer Mühen unb ber dem Wirtschaftsbetrieb zu opfernden Zeit beträchtlich verringern. Und welche mit Küchen- unb Hausarbeit beschäftigte Frau wollte baS nicht? ... was die Hausfrau beim Milchkauf beachten muh. Don Dr. Dibbern. Was ist Milch? Unter Milch versteht man nach der Definition des Rahrungsnüttelchemikers das volle Gemelk einer Kuh. Die Milch ist ein Raturprodukt und muh daher in der Beschaffen- hcit in den Handel gebracht werden, in ber sie baß Euter versäht. Wer biesem „©emclfc" auf bem Wege vom Erzeuger bis zum Konsumenten etwas zusetzt oder entzieht, macht sich der Rahrungs- mittelsälschung schuldig Wie eine Milchfälschung (Wasserzusatz, Entrahmung oder, was gleichbedeutend damit ist. Magermilchzusah) wissenschaftlich nachgewiesen werben kann, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Der Milchkonsument kann aber versichert fein, dah der Milchchemiker über genügend Hilfsmittel verfügt, eine Milchfälschung nachweisen zu können. , Eine Hausfrau beurteilt die Güte der Milch in erster Linie nach ihren physikalischen Eigen- schäften. Sieht ihre Milch blauT h au«, so wirb sie sie das nächstemal zurückweisen. Cie wünscht eine Milch, die beim St« aus einer Er« ird von der An« seife an Bindern ien, da sich das innte, dab er zur en und siltlichen efehiiche der tat eser Einsicht ent« Preise von 1 Reichsmark von unterzeichneter Stelle bezogen werden. Loseemtei- lungen werden nicht versandt. Gießen, den 29. März 1927. Der Oberbürgermeister. ____ 2. L.: Dr. Rosenber g;________ Befanntmadnmg. Die >rrpuh. und AnslrelcherarbeiteN für das THaschiaeahous der Kläranlage sollen auf Grund der Reichsoerdingung»- ordnung für Bauleistungen öffentlich ver- ieiuttco Sonfe'tniehl 'Jlnsjoosmeijl feinstes Blliieametil o W.5 >Mz . 1* tt 2891D Samenhandlung Döll Knochenmehl in der Central-Drogerie ScbulitriBe ‘nie 1 146 Baltaser Keil, Heuchelheim GÄrtnerelbetrleb • Gießener Str. 88 '*■4 ■Jl l’Xi Pullover-Stoffe (130 cm breit), u. and. hochwertige Stoffe ’Wmit.f Das Holz wird in jeder beliebigen Menge abgegeben. Starnrnoerzeichmste nebst Zahlungsbedingungen können zum Aßmann & Schnajder I Telephon 1248 diund. 4.80, 4.60.4.00 3.60,2.80, 2.60 Neu eingeführt: S & F-Haushaltmischung UN unterer bekannten Packung mit meiner Llcgelmarke ' Unsere neue Rifchung acidmct sich durch besondere 1 Oft Ausg'.ebigkeit und Reinheit ded Geschmackes aus. Pfund J.LV alkoholarm - extraktreich - haltbar aus dem Giefoener Brauhaus kommt in allbekannter Güte ab heute wieder zum Ausstob. 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Er weift, daft der Bleyle-Anzug viel aushält, daß Ihm Schulbänke, Klettereien und Balgereien nicht viel anhaben können Die Mutter daheim aber Ist der Flickarbeit enthoben und hat Immer einen gut angezogenen Jungen, den sie nochelnmal so Heb hat. - Hat Ihr Junge schon einen „Bleyle^ für die Schule? Wenn nicht verlangen Sie Katalog Ober Bleyle-Anzüge , Pfund von 0.20 14 Pfund von 0.15 S L F-Kaffee geröstet Verdingungsunterlagen liegen bei uns zur Einsicht offen und sind Ängcbotssor rnulare zum Preise von 0,50 Reichsmark pro Los zu haben. Die Angebote find versiegelt in einem Briefumschlag ohne Firmenaufdruck, mit entsprechenden Aufschriften versehen, fpä testens zum (Eröffnungstermm am Mittwoch, dem 6. April d. 3„ vormittags 11 Uhr, beim Stabtbauamt abzugeben, wo die Er- Öffnung der eingeganpenen Angebote im Beisein der etwa erschitnenen Bieter er folgt. Zuschlagsfrist 3 Wochen, während der die Bieter an ihre Angebote gebunden sind. Tieften, ben 29. Mörz 1927. ___ Stadtbouamt I. 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