Donnerstag, 29. September 1927 177. Jahrgang Pntd «nd Verlag: vrühl'sche Unkersttäts-Vuch- und Ltelndruckerel B. Lange in Lietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Lchullttahe 7. Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen, poftfdjedfonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 inm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20u „ mehr Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen leii Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Biegen. Nr. 228 Erstes Blatt Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags Beilagen: (Btefjener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Vezugrprels: 2 Reichsmark und 20 (jener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Im Streit um das russische Oel einen ihrer wichtigsten Grundsätze durchbrochen haben. Für sie war es Glaubensbekenntnis, dah sie die Dorkriegsschulden nicht zu bezahlen hatten. Sie haben auch jetzt wieder in der Theorie — mit beabsichtigter Verhöhnung der Klagelieder, die Clemenceau Amerika gegenüber anstimmte — behauptet, daß ie ihre Kriegsanleihen mit dem Vlut ihrer Söhne bezahlt hätten, praktisch aber doch ihren Widerstand aufgegeben und damit einen ge- Rußlands Schuldenangebot. Kühle Aufnahme in Paris. Paris, 28. Sept. (Wolff.) Der „Petit Parisien" glaubt zu wissen, daß B r i a n d im Verlause des nächten Ministerrats die sranzösisch? Antwort auf das letzte Anerbieten der Sowjetregierung in der Schuldenfrage, das bekanntlich die Zahlung von Annuitäten von 60 Millionen Goldfranken gegen Gewährung von Warenkrediten in Höhe von 120 Millionen Dollar vorsieht, zur Diskussion stellen werde. Die Vor- chläge würden als nicht ermutigender als die früher gemachten bezeichnet werden. Ohne eine definitive Aussetzung der Verhandlungen ins Auge zu fassen, werde klar zum Ausdruck gebracht, dah es nicht möglich wäre, sich auf der von den Sowjets vorgeschlagenen Grundlage zu verständigen. Es sei übrigens toenig wahrscheinlich, daß die Prüfung der russischen Vorschläge überhaupt eine Vollversammlung der russisch-sranzösifchcn Schulden! onfcrenz notwendig machte, da sie in ihren Grundsätzen doch nicht annehmbar seien. Das „Journal des Debats" will berichten können, es scheine auch wenig wahrscheinlich, daß eine Antwort auf die russischen Vorschläge er« soloe, bevor die Regierung über die politische Sette der Angelegenheit bera'en habe und bevor der FallRakowsti endgültig zwischen Paris und Moskau geregelt sei. Wie man in Pariser politischen Kreisen über die russische Schuldenregelung denkt, gehe aus folgenden Aeuherungen des „Temps" hervor: In den letzten Vorschlägen Rußlands komme im wesentlichen das revolutionäre Interesse zum Ausdruck; das Manöver, das bezwecke, auf einen Teil der öffentlichen Meinung einen Druck auszuüben, sei so offenkundig, daß Litwinoff nicht gezögert habe, offen zu erklären, eine Verständigung sei erfolgt, bevor überhaupt die Vorschläge offiziell gemacht worden seien. Weder was den Kernpunkt der Frage betrifft noch in bezug auf die Form, in der die Sowjets das Problem zu lösen suchen, scheint es möglich zu sein, praktisch zu einem Ergebnis zu gelaigen. Die Führer Rußlands und diejenigen Frankreichs sprächen nicht die g l e i-ch e Sprache. Frank.eich wünsche, daß die Schulden geregelt würden, die Rußland gegenüber dem französischen Staat und den französischen Untertanen eingegangen sei. Die Russen suchten Kredite: es wäre ein unglaublicher Vetrug, wolle man eine Teilregelung zulassen, die abhängig sei von der Vewilligung neuer Kredite und besonders eine tat ächlich lächerliche Regelung für die in Frankreich vor dem Kriege untergebrachten russischen Schulden ohne gleichzeitige Regelung der Schulden gegenüber dem französischen Staat und den französischen Untertanen, die schmachvoll ausgeplündert worden seien. Der Rakowski in der rechten Beleuchtung. Der Fall Rakowski spielt immer noch rn der großen Politik eine gewaltige Rolle. Erinnern wir uns, dah der russische Botschafter in Paris ein kommunistisches Manifest unterschrieben hatte, worin dieSol- baten zur Gehorsamsverweigerung aufgefordert wurden, uni) dah die französische Regierung diesen Anlaß benutzte, um eine geharnischte Beschwerde in Moskau zu erheben. Die Gelegenheit war etwas gesucht. Die russischen Diplomaten haben sich nie recht daran gewöhnen können, zwischen der amtlichen russischen Regierungspolttik und der Sowiet- Propaganda zu unterscheiden, sie haben schon tollere Stücke geleistet und sind dafür wiederholt zur Ordnung gerufen worden. Das Berliner Auswärtige Amt hat in Moskau nachdrücklich darauf Hinweisen lassen, dah bei einer Fvrt- sehung dieser Politik des doppelten Bodens die deutsch-russischen Beziehungen getrübt werden mühten und hat eine reinliche Scheidung verlangt. Wenn die Franzosen etwas Aehnliches taten, so war das an sich begreiflich. Sie hatten das nur schon wesentlich früher macheii müssen. Aber für Herrn Poincare war die Stunde offenbar nützlich, weil Briand gerade in Genf war tuni) sich gegen eine solche Trübung des Blickfeldes nach Ruhland, wie sie die Ausweisung des Botschafters bedeuten muhte, nicht zur Wehr sehen konnte. Die Art aber, wie die Hetze gegen Rakowski aufgezogen und von einem großen Teil der Pariser Presse aufgegriffen wurde, führte doch zu dem Verdacht, dah da noch garu andere Beweggründe mitspielen, die sich ans Tageslicht nicht hervorwagten. Man glaubte zunächst, daß Chamberlain seine Hand im Spiele und auf der Durchreise nach Genf die französische Regierung dafür gewonnen hatte, ebenfalls mit Rußland zu brechen, um dadurch den englischen Druck in Moskau zu verstärken. Dagegen spricht aber doch, daß England sich wohl daraus einstellt, den Kampf mit Moskau ab = 3 u b a u c n und nur wartet, bis die Bolschewisten weich genug geworden sind, um wegen eines neuen, für England günstigeren Handelsabkommens nachzusuchen. Aus der Pariser Presse selbst ist dann schließlich die Andeutung gefallen, die wahrscheinlich auf den richtigen Weg führt: Hinter dieser ganzen Intrige hat das Oelkapital gestanden, das Wettrennen zwischen den E n g l ä n d e rn und Amerikanern um den russischen Petroleummarkt. Die Engländer sind von ihren Vettern dabei etwas bercingelcgt worden. Sie haben in gegenseitiger triefender Entrüstung gemacht über die Unmöglichkeit, mit den Russen Oelgeschafte zu betreiben, haben aber dann nachher feststellen müssen, daß das bei den andern nur sehr viel Theorie war, daß praktisch die Standard Oil-Gruppe das Geschäftemachen besser verstand und das alte Wort von dem non ölet auch auf das russische Petroleum äusdchnte. Da sollte nun die französische Politik eingespannt werden, um den Engländern Hilfsdienste zu leisten. Herr Briand hat den Braten rechtzeitig gerochen und ist damals von Gens nach Paris gefahren. Er hat sich auch im Kabinett durchgesetzt und den ganzen Streitfall auf ein für Frankreich wesentlich nützlicheres Geleise geschoben; allerdings mit freundlicher Unterstützung der Russen, die'doch auch Wert darauf legen mußten, daß nicht auch noch der Draht nach Paris zerrissen wurde und deshalb plötzlich gegen die internationalen Velin teressen das rein' französische Geldinteresse auszuspielen suchten. Die Russen behaupteten au einmal, daß die französisch-russischen Verhandlungen über die Ablösung der russischen 93 o r« kriegsschulden schon ziemlich weit gediehen seien, und bearbeiteten die Psyche des französischen Rentners damit, daß all das schöne Geld verloren ginge, wenn jetzt Frankeich aiich mit Rußland zum Bruch käme. Die französische Regierung hat zwar geleugnet, daß die Verhandlungen schon so weit gediehen seien, sie hat aber dank Briands geschickter Mitarbeit die Russen in der Zange gehalten und ihnen weitere Angebote herausgepreßt. Die Russen sind jetzt bereit, Frankreich, wenn auch nur in bescheidenen Grenzen, für die Vor- kriegsschulden zu entschädigen. Was Ruhland bietet, ist immer nur ein Bruchteil des Goldwertes; immerhin, 60 Millionen Goldfranken auf 62 Jahre verteilt, das ist ein Angebot, worüber sich reden läht. reden läßt auch dann noch, wenn dieser Vorschlag mit Forderungen nach französischer Kredithilfe verknüpft ist, weil diese französischen Kredite wieder im Inlande angelegt werden sollen und der französischen Industrie gute Gewinne versprachen. Die russische Taktik ist allerdings immer schwer zu übersehen. Es fragt sich, wieweit sie sachlich wirklich Ernst machen und ob sie jetzt nicht nur den Feuerzauber dieser Millionen abbr:nnen, um nachher die Verhandlungen zum Scheitern zu bringen, wenn sie nach einer Anstandsfrist Herrn Rakowski abberufen und durch einen genehmeren Vertreter erseht haben, dann aber d'e Geiahr eines Bruches mit Frankreich nicht mehr besteht. Prinzipiell wichtig ist und bleibt jedoch, dah die Russen mit dem Angebot an Frankreich Völkerbund kann die Diplomatie nicht entbehren. Die Diplomatie ihrerseits muß zum Völkerbund führen. Beider Aufgaben bestehen darin, einander die Wege zu ebnen. Leider ist diese Verbindung noch nicht hergestellt. Reben jener Diplomatie, die in Zeitabschnitten in Genf mit oratorischen Leistungen auftritt, verewigt sich in den Regierungskanzleien eine tägliche Geheimdiplomat ie , durch die die Manifestationen der anderen Diplomatie zu teeren Kundgebungen herab- gedrückt werden. 3. Die Lücken in der Völkerbundsverfassung, und besonders die überaus gefährliche des Artikels XV ausfüllen, die es. wenn im Völkerbundsrat keine Einstimmigkeit besteht, jedem Staate freistellt, „nach bestem Wissen im Interesse von Recht und Gerechtigkeit" vorzugehen; denn wenn es jedem freisteht, Recht und Gerechtigkeit dort zu suchen, wo es ihm gefällt, dann gibt es überhaupt kein Völkerrecht mehr. 4. Den Begriff des Angreifers so definieren. daß kein Zweifel mehr möglich ist. Dazu sollte man auf die Definition des Shotwellschen Entwurfs und das Protokolls von 1924 zurückgreifen. worin es heißt: „Angreifer ist der. welcher ein Schiedsgericht ablehn t." 5. Die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit durchführen, indem alle Fragen klar aufgeführt werden, auf die sie sich erstrecken sollen. Aus diesem Gedieie ist ein großer Schritt vorwärts auf der Genfer Versammlung erfolgt, weil Deutschland sich bereit erklärt hat, wie Frankreich Klausel 33 des Internationalen Statuts des Haager Gerichtshofs zu unterzeichnen. Diese Klausel enthält indessen noch eine große Anzahl von fakultativen Vorbehalten. Hier sollte die Diplomatie eingreifen und eine Verständigung über eine gemeinsame Auslegung zwisch n den beiden großen Völkern zu Wege bringen, die ihre Einwilligung zur Verbindlichleitserklärung des Schiedsgerichts gegeben haben. 6. Gegen jeden Angreifer, wer es auch sei, gleichgültig, ob er Mitglied des Völkerbundes ist oder nicht, gemeinsame Sühnemaßnah- m e n organisieren, die so zuverlässig und rasch sind, daß ihm ein Sieg unmöglich ist. und die ihm so von vornherein jede Hoffnung auf Gewinn nehmen. Wo keine Gerechtigkeit herrscht, da gibt es keine Gemeinschaft. Wo der orichtshof keine Strafen verhängen kann, gibt es keine Gerechtigkeit. 7. Die juristische und politische Organisation des Völkerbundes durch eine wirtschaftliche Organisation ergänzen, die es den Mttgliedstaaten ermöglicht, ihre Zölle herabzusehen, die einen Ausgleich zwischen den Erfordernissen ihrer politischen llnabhängigkeit und den Geboten der wirtschaftlichen Solidarität schafft, und die eine Spezialisierung auf industriellem Gebiete und eine internationale Arbeitsteilung ermöglicht, um jenem Kampf um die Erlangung neuer Märkte ein Ende zu bereiten, die ben Keim zu sehr vielen Konflikten geboten hat. 8. Auf diese Art, durch moralische und wirtschaftliche 2lbrüstung, die militärische Abrüstung zu Lande, in der Luft und zur See möglich machen, wobei keine Trennungslinie zwischen den verschiedenen Arten der Abrüstung gezogen werden darf; denn es handelt sich nicht darum, die Suprematie einer Ratton über die anderen zu errichten, sondern darum, allen die gleiche Sicherheit zu gewährleisten. Gewiß lassen sich diese acht Punkte nicht ckkle in dem Zeitraum einer Sitzungsperiode durchsetzen. Ich hoffe indes, daß mein Land sie nie aus den Augen verliert. Man kann sie auch noch erweitern. Ich glaube aber nicht, daß sich etwas von ihnen streichen läßt. Sie sind übrigens dem Sinne nach in den Erklärungen enthalten, die Paul-Boncour in Genf abgegeben hat. und mit denen ich mich zu meiner Freude in völliger llcbereinftimmung befinde. Bei dieser Tagung, wo vielleicht zum ersten Male die Staaten ihre Karten auf den Tisch gelegt haben, hat man die Schwierigkeiten des Werkes ermessen können, das noch zu tun bleibt, iinö das ist gut Denn nur so wird man sie überwinden können. Ein Problem definieren heißt, bereits mit der Lösung beginnen. Aufklärung ist der erste Schritt zur Verständigung Wir mü'sen die Verschiedenartigkeit der Interessen erkennen und sie miteinander auszugleichm suchen. Es gibt kein unlösbares Problem. Aber es gibt für Europa keine Lösung außerhalb des Völkerbundes. Ein neues Stresemann-Iuterview. Tas dcuLsch-französischc Verhältnis als Grundlage fruchtbringender Völkerbundsarbeit. Paris. 29. Sept. (Funkspruch.) Dr. Strefe- mann hat dem Genfer Korrespondenten des „Petit parisien" ein Interview gewährt, in dem der Reichsaußenminister u. a. erklärte: „Die deutsch- französischen Beziehungen innerhalb des Völkerbundes können nur Beziehungen von absoluter Freimütigkeit und Loyalität fein. Dadurch, daß wir über Locarno gingen, haben wir den willen nicht zu einer Kampfespolitik. fondern zu einer Politik der Zusammenarbeit verdeutlicht. Wir haben angenommen, dah die deutsch-französische Annäherung dem Eintritt Deutschlands vor- ausgehen mühte, wir haben im verlaufe gearbeitet, haben, was in unserer Macht stand, versucht, um dem Frieden zwischen den beiden Rationen zu bienen. Es ist möglich, heute sagen zu können, dah die deutsch-französische Zusammenarbeit zur Behebung des zu Beginn der Völkerbundstagung herrschenden Unbehagens und zur Erstickung gewisser Krisengerüchte beigetragen hat. Sann man das nicht schon als beachtliches Ergebnis bezeichnen, das zum großen Teil der Zusammenarbeit unserer beiden Länder zu verdanken ist? wir, Briand und ich, haben, uni ein bewundernswertes wort des französischen Auhenminifters zu gebrauchen, auf jedes Pre- ftige verzichtet. 'wenn diese Völkerbundsversammlung, die unter so pessimistischen Auspizien begann, beim Abschluß bei den Völkern den Eindruck hinterläßt, dah man ist Gens trotz aller Schwiettgkeiten ehrlich und eifrig mit dem alleinigen Ziel der Wiederherstellung des internationalen vertrauens arbeitet, dann ist man berechtigt zu behaupten, dah die 8. Völkerbundsver- famlung, wenn sie auch zu keinen aufsehenerregenden sensationellen Kundgebungen Anlaß gegeben Hal, doch sich um die Menschheit verdient gemacht hat. Der „Petit Parisien" sagt hierzu: „Man wird den interefsanlen Erklärungen Stresemanns mit um so lebhasterem Interesse begegnen, als sie in glücklicher weise mit dem Ton gewisser Stimmen, die aus Deutschland kommen, in Widerspruch flehen. Rändern er dies gesagt hat, können wir Stresemann um (Nachdruck verboten.) Die Nationen erwarten vom Völkerbund, daß er ihnen die politische Unabhängigkeit und die nationale Sicherheit gewährleistet, und daß er daher e i n System von Versicherungen gegen den Krieg schafft, das zuverlässiger, menschlicher und billiger als Rüstungswettbewerb und Blutzoll ist. Ein solches System besteht bisher erst in den Umrissen. Warum? 1. weil die vereinigten Staaten von Amerika das Interesse an dem Bund verloren haben, dessen Schöpfer sie waren; 2. weil im Schoß des Völkerbundes, wie Herr Chamberlain erklärt hat, ein zweiter Völkerbund besteht, der durch die Abwesenheit Amerikas bisweilen gezwungen ist, einen Trennungsstrich zwischen seinen Interessen und denen Europas zu ziehen: das Britische Reich; 3. weil neben dem Vertreter Großbritanniens im Völkerbundsrat als ständiges Mitglied ein Vertreter der italienischen Regierung sitzt, deren politische Grundsätze mit denen des Völkerbundes in Widerspruch stehen; 4. weil die Sowjet-Republik auf ständigem Kriegsfuß mit dem Völkerbund steht und als (Degenorganifalion einen Bund der asiatischen Völker zu errichten sucht; 5. weil Deutschland beim Eintritt in den Völkerbund seine Reservationen zu Artikel 1 6 durchgesetzt, den Verirag von Rapallo durch den Berliner Vertrag bestätigt und so seinen willen zum Ausdruck gebracht hat, im Aalle eines Konfliktes zwischen dem Völkerbund und dem revolutionären Rußland beiseite zu stehen. So ist der Genfer Apparat zu schwach geblieben, um den Mitgliedsstaaten jene preiswerte Sicherheit zu gewährleisten, die eine Herabsetzung der Rüstungen zur Folge haben würde. Diese Schwäche ist in den letzten Iahren immer mehr zutage getreten. In seinem an den britischen Ministerpräsidenten gerichteten Rücktrittsschreiben hat Discount Cecil dafür gewisse unbestreitbare Beweise geliefert; die Ablehnung des Vertrages über wechselseitige Unterstützung, die bedingungslose Verwerfung des Protokolls unb die Erklärung der britischen» Regierung gegen das obligatorische Schiedsgericht. Der Fehlschlag der Drei-Mächte-Konferenz über die Abrüstung zur See kommt zwar offenbar nicht auf das Konto des Völkerbundes, aber er bedeutet doch eine Vorbelastung für die allgemeine AbrüstunMonferenz und vermindert ganz gewiß ihre Aussicht auf einen erfolgreichen Abschluß. Der wenn auch ohne Zweifel nur vorübergehende, aber gewiß rasche Verfall des Völkerbundes wird nach meiner Ansicht - besonders durch die Hast gekennzeichnet, mit der die Großmächte zu dem System der Sonderverhandlungen von Staat zu Staat zurückgekehrt sind. Dieses System hat schon Schattenseiten, wenn die Verhandlungen zwischen gleich starken Mächten stattfinden; aber sie werden zu einer wirklichen Gefahr für den Frieden, wenn sie zwischen ungleichen Mächten, wie zwischen Italien und Iugoslawien, erfolgen, weil dabei der Schwächere dem Stärke- ren auggeliefert ist. Mas muß geschehen, um den Völkerbund aus dem Zustand von Lethargie, in dem er sich zu befinden scheint, zu ziehen? 1. Im Falle von Zwistigkeiten zwischen zwei Staaten, den Streitfall dem Genfer Rat oder dem Haager Tribunal unterbreiten; unter den am Völkerbund beteiligten Regierungen nicht die Aeberzeugung aufkommen lassen, daß es ihnen möglich ist, der internationalen Rechtsprechung auszuweichen und nach Vor- kriegsbrauch durch diplomatische Kombinationen das allgemeine Friedenssystem zu durchlöchern, das die Sicherheit und den guten Glauben eines jeden unter Schuh und Uebcrtoadjung der Gesamtheit stellt. 2. Dem Dualismus ein Ende machen, der die diplomatischen 11 e 5 er I i e f er u n g e n den Methoden desDölkerbundes gegenüberstellt und der einerseits dazu führt, daß die Regierungen die lleberzeugung gewinnen, ihre Würde verlange es. den Völkerbund daran zu verhindern, daß er sich in die Angelegenheiten der Welt einmischt und der andererseits zur Folge hat, daß man den Völkerbundsrat und die Bundesversammlung vorschneN verurteilt. Der Vie tarn der MlerbmL gerettet werden? Don Henry de Iouvenel französischem Senator, ehern. Mitglied der französischen Dölkerbundsdelegation. wattigen Schritt in die Atmosphäre des kapitalistischen Staates zurückgetan. Ein Schritt, der auch für Deutschland nicht unwichtig ist, da nach dem Rapallo-Vertrag Zugeständnisse wegen der Vorkriegsschulden anderen Staaten gegenüber auch uns automatisch zuwachsen. Aber der Kampf, den die Interessenten des Oels und des Geldes miteinander ausfechten, ist noch nicht vorüber. Er wird auch weiterhin noch interessant genug bleiben. f» »ehr roüutorn, bafc er den lUnt, do» tloftben nnb die Kraft haben möge, am sich herum den Geist einer PollHf durchzusetzen, deren Vorteile er selbst mehr al» wir abwägen könnte. Jeder Franzose Wlro sich darüber freuen." Eine neue Vertagung. Der Streit um den griechischen Kreuzer „Lalamiü" vor dem Bölkerbundürat. Genf, 28. Sept. (Wolff.) Der Völker- bündSrat beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem Rechtsstreit zwischen der deutschen Vulkanwerft und der griechischen Regierung wegen Abnahme deS von Griechenland noch vor dem Kriege bestellten Kreuzer - ,SalamiS". Die Snechische Regierung hat diese Angelegenheit vor ix Rat gebracht mit der Ditte um Interpretie- rumg der Artikel 190 und 192 des Versailler Vertrages über da- Verbot der Herstel- lung und AuSsuhr von KrieaSmate- r l a L In der zweieinhalbstündigen Aussprache wie- Reichsminister Dr. Stresemann darauf hin, daß das Deutsche Reich auf keinen Fall Partei in dieser Frage ist. Letzten Ende- handele es sich um eine kaufmännische und Geldfrage von verhältnismäßig geringer Bedeutung. Gr warnte davor, die Frage der- Zuständigkeit des Rates zur Begutachtung an den Internationalen Ge- iTichtShos xu verweisen, txu damit der Eindruck erweckt würde, das; innerhalb der Ratsmitglieder die größte LInficherheit über die Kompetenz des RateS Ixrrschte. 'Der Rat würde fld) auf eine schiele Ebene begeben, wenn er in ein schtvebendes Verfahren eingx-eisen würde. Damit würde ein gefährlicher Px-äzedenSfall geschaffen, durch den eine 11 nmenge gleichartiger Streitfälle auS dem 'Bereich der gemischten Schiedsgerichte über ihn hereinbrechen könxxe. DaS holländische Ratsmitglied Loudon erklärte. daß nach der Auffassung feiner Regierung der Rat für die Auslegung der Artikel nicht zuständig sei. Der filmische Ratsdelegierte Professor Erich entwickelte die Auffassung, daß die Einholung eine- Gutachtens des Internativ- nalen Gerichtshofes bedenklich wäre. Schließlich machte da« italienische RatSmitalied Scia- lvja ben Vorschlag, den Streitfall auf jeden Fall auf Dezember zu vertagen und eventuell in der Zwischenzeit beim Ständigen Gerichtshof im Haag ein Gutachten über die Zuständigkeit des Rates unter ausdrücklicher Beschränkung auf den vorliegenden Fall einzuholen. Es wurde damx auch beschlossen, die SalamiSangelegeixheit auf Dezember zxi vertagen und einen IuristenauSfchuß, in dem jeder Staat Dertreten ist. zu beauftragen, sich über die Frage der Zuständigkeit deS Rates zur Interpretierung der Artikel 190 und 192 deS Versailler Vertrages zu äußern (Erneutes Scheitern der polnischen Amerika-Anleihe. Warschau, 29. Sept. (WTV. Fmxkspruch.) Die mit llnler bvcd>imgen seit mehr al- einem halben Jahre geführten Unterhandlungen über die große projektierte Stabilisierunas- anleihe deS polnischen Staates Mm .Bankers-Trust find bier gestern abend knapp vor ihrem erhofften Abschluß abgebrochen worden Die Regierungspresse erhielt darüber in später Rach! stunde folgende amtliche Mitteilung: -Die Aickeiheverhandlungen haben zu keiner Einigung Über die Höhe deS Smtf- stonSkurfeS der geplanten Stabilisierung-» anleihe geführt. Der von den Bankiers vorgeschlagene Kurs wurde von der Regierung al« dem Eharakter der Anleihe nicht entsprechend abge- lehnt. Im Zusammenhang damit sind die Unter- handlungen abgebrochen worden Unabhängig von diesem Ergebnis der geführten Unterhandlungen tft die Regierung entschlossen, im Maße der zur Verfügung stehenden Mittel Vie im Verlaufe der Anleih.vcrhandlungen auSgearbeltoten Grundsätze deS Stabilifierungeplanes durchzuführen. Vie Hilfsaktion für das überschwemmte Oberrheingebiet Trotz der Sprengung des Bahndammes bei Dendern hat die Gewalt der Fluten nicht nachgelassen. Die Gemeinde R u g g e l ü ist immer noch schwer bedroht. In den überschwemmten Häusern befinden sich noch s«l>s Leute, die ihre Häuser nicht verlassen wollen. Die Ber- gungdavbclten werden dadurch erschwert, daß ein Teil der von aüSwärtS herangeschaffteix Ret- tgngsboote unterwegs beschädigt und unbrauchbar wurden. Hexxte sind 200 schweizerifche Sappeure angekvnrmen. die gexneinfam mit den österreichischen Truppen daran arbeiten, die Daimnlückcn bet Schaan mit Faschinen zu schließen. Das Militär arbeitet unter den schwierigsten Verhältnissen. BIS zur Stunde find 40 Personen gerettet. Mail vermutet, daß sich noch etwa 50 bis 60 Personen In den über- schwemmten Häusern besinden. Zwei kinderreiche Familien — je 6 bis 10 Personen — rufen jetzt noch um Hufe. Von ihrer Habe fonnten die Leute nut wenig retten. Großvieh und Pferde mußten vorläufig noch im Stall verbleiten, damit zunächst die Skttuug der Leute vor sich gehen kann. Der Stand deS Wasser- ist um 30 vis 40 , .eatimetcr zurückgegangen, di« Strömung ist dagegen gleich stark geblieben. Im allgemeinen stehen Häuser uxxd Ställe noch e t xv a ei ne ix Meter unter Wasser. Die Einwohner von Gamprin und Schaan sind alle gexwtel worden. Der Rhein, dessen Wassermasfen bedeutend oesunken sind, hat bei Schaan sein a 11 e 6 Bett f a st ganz verlassen und wälzt seine Fluten durch eine etwa 250 Meter breite Damm- lüde auf die Aecker von Schaan. Aach dem letzten hier vorliegenden Funkspruch ist es den freiwilligen Rettungökolonnen unter furchtbaren Anstrengungen und ständiger Xkbcndgcfabr gelungen. etwa 300 Einwohner aus Ruggels herauS- ziischafsen. Die Ortschaft 'Bangs ist gleichfalls vollständig geräumt. Teilweise sieben die Häuser über drei Meter im Wasser Die Felder, die das sinkende Rheinwasfer freigegeben bat, sind von einer grauen L e b m nx a s s e bedeckt. Die Ernte ist vernichtet. Die Bündener Regierung bat einen Aufruf zugunsten der durch die Unwetterkatastrophe gefchäligten Bevölkerung erlassen und zugleich brim Schweizer DundeSrat um Hilfe nachgefucht. Der Gebäude- un> .'«tultur- fchalen Im Somvixer T a I wird auf 300 000 Franken geschätzt, außerdem sind im Somvixer Kreise 1000 Festmeter Holz sortgeschwemmt worben. Der in Rinken berg angerichtete Schabe» übersteigt ein» Million Franken. Groh werden auch die Aufwendungen fein, welche die rätlfche Dahn machen muß. Wahrscheinlich wird fie, um weiteren Katastrophen begegnen zu können, bei Tavanafa das Bahngeleise durch einen Tunnel führen, lieber die bei Tava- nafa und Waltenberg sowie In den übrigen Gemeinden deS Dündischen Oberlandes angerichteten Schäden flnb einigermaßen zuverlässige Meldungen noch nicht vorhanden. Der Maschinenführer. der mit einem Arbeiter der einzige war, der sich bei dem Eisenbahnunglück bei FranzenSfeste retten konnte, ist infolge deS Schreckens irrsinnig geworden. Hessischer Landtag. Don unserer Darmstädter Redaktion. Die Unwetlerschäden. Darmstadt, 28. Sept. Das Haus tritt sogleich in die Beratung der Anträge über die Unwetterschäden in Hessen ein; bekanntlich bei rasen diese Schäden insbesondere Rheinhessen, die südliche Provinz Starkenburg und das Gebiet des Vogelsbergs. QTbg. Dr. Leuchtgens trägt als Berichterstatter die Anträge vor und teilt die Regierungsantwort auf diese Anträge mit. Die Regierung hat eine Kommission eingesetzt, um die Schäden sestzustellen und Unter- ftÜbungen zu gewähren, wenn eine Existenznotlage vorliegt; auch hat die Regierung Neue r- liche Erleichterungen in Aussicht gestellt, wenn die Schäden festgestellt sind. Gegebenenfalls will die Regierimg dem Landtag eine Vorlage zugehen lassen. Der Ausschuß beantragt, alle vorliegenden Anträge durch die Regierungs- antwort für erledigt zu erklären und 100 000 Mk. bereitzustellen für Saatgut, das allen Untoetter- gefebäbigten (nicht bloß bei Hagelschaden) gewährt werden soll. Ein Antrag der Abgg. Weckler, Blaixk xmb Gen. wegen Maßnahmen bet Hagelschäden ist von der Regierung ab- gelehnt, vom Ausschuß aber angenommen worden; es soll dadurch die Regierung veranlaßt werden, diese Frage einmal zu prüfen und dem Landtag Vorschläge zu machen. Es liegt ferner ein Antrag Jost (Dbd.) vor, der u. a. 200 000 Mk. für Saatgut (statt 100 000 Mk.) verlangt. Der Antrag wird mit zur Beratung gestellt, die Abstimmung darüber soll jedock) morgen stat'.finden. Abg. Schott ,D. Vp.) schildert die Verwüstungen, die das Unwetter angerichtet hat in den Kreisen Oppenheim und Mainz; namentlich habe der Weinbau gelitten; die Schäden machten sich nicht nur in diesem Jahre, sondern auch in den nächsten Jahren geltend. Eine Zurückzahlung der Winzerkredite sei vorerst unter diesen Umständen nicht möglich. Der Betrag von 100 000 Mk. zur Beschaffung von Saatgut werde wahrscheinlich nicht ausreichend fein, die Regierung sollte diesen Betrag noch erhöhen. Abg. Blank (Zentr.) spricht für den Er - lab der Winzerkredite; die Regierung möge sich beim Reich dafür verwenden. Der Kreis Bingen habe auf der Landwirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt Wein ausschenken wollen; der Erlös auS dem Verkaufe sollte den Hagelgeschüdigten zugute kommen, jedoch die Landwirtschastskammer habe das nicht gestattet. Abg. Jost (Dbd.) weist auf die schlechte Heuernte hin; auch die Weizen-, Roggen- und Haferemte sowie die Kartoffelernte hätten durch das Regenwetter schwer gelitten. Der Redner empfiehlt seinen Antrag, der Steuererlässe usw. und 200 000 Mk. für Saatgut fordert, zur Annahme. Abg. Angermaler (Komm.) verlangt Steuererlaß; die Finanzämter gingen zu scharf gegen die Kleinbauern vor. Abg. Reiber (Dem.) wünscht, daß die Regierung die Frage der Hagelversicherung prüft und dem Landtag Vorschläge macht. Ministerialdirektor Hebel bestätigt die schweren ilnwetterschäden in den Weinbergen und zählt die Hilfsmaßnahmen der Regierung auf. Del der großen Zahl von Gntschädigungsanträgen seien die Feststellungen sehr schwierig, sie ständen aber vor dem Abschluß. Lllle'n 700Hagel- geschädigte hätten sich gemeldet. Wemx statt 200 000 Rlark in dem Antrag Jost gesagt werde: bis zu 200 000 Mk., so wäre er bamlt einverstanden. Es müsse eine mehr als 30prozentige Gesamtfchädigung der Ernte vvrliegen, dann werde die Änterstützungsaktion eingreifen; bis ins Uferlose könne nicht unterstützt werden. Dis jetzt wären für die llnwe.tergeschädigten 35 000 Mark auS P r i va t m i 11 e l n gespendet worden, die selbstverständlich nicht in die 100 000 Mk. eingerechnet würden, die für die Beschaffung von Saatgut bestimmt sind. Auch wegen Steuerftun- dungen und Steuererlässen wären die entsprechenden Schritte geschehen. Die Frage der Hagelver- fichcrung werde von der Regierung geprüft. Rach weiterer Debatte wird der Ausschuß- antrag über die Ilnwetterschäden angenommen, ebenso der Antrag Weckler; über den Antrag Jost soll morgen abgestimmt werden. Der Präsident schlägt vor, heute noch die Regie- xungSvorlage über , die Gewährung von Vorauszahlungen auf die geplanten Erhöhungen der Bcamtcnbefolbungcn zu beraten. Rach längerer Geschäftsordnungsdebatte erklärt sich das HauS damit einverstandexx. In Verbindung mit dieser Vorlage iperbcn die dazu gehörigen Anträge mitberaten. Berichterstatter ist Abg. Reiber. Die Regierung macht den Vorschlag, die R e i ch s r e g e l u n g zu übernehmen. Eine budgetmäßige Deckung fei für die Mehraufwendung nicht vorhanden. Der Berichterstatter teilt auch den Wortlaut der Anträge mit, die von den Abg. Kaul und Geir, Reiber, Keller und Dingeldey sowie oem der Kommunistischen Fraktion gestellt sind. Der Ausschuß hat beschlossen, die Anträge Kaul (Soz.) und Reiber (Dem.» abzulehnen, bei den anderen Anträgen liegt die Entscheidung allein beim Landtag. Ein Antrag Storck (Soz.) ist noch eingegangen. in dem gefordert wird, daß auch die Gemeinden usw. dieselbe Regelung wie daS Land vornehmen; die Regierung möchte dies Der- a»lassen. 2kbg Dr. LeuchtgexxS verlangt, daß dieser Antrag erst dem Finanzausschuß vor gelegt wird; dies soll geschehen, doch wird der Antrag heute mitberaten. Abg. G a I m (Komm ) erklärt, feine Partei werde gegen die Regierungsvorlage stimmen. Abg. Dr. von H e I m o 11 (Dbd.) gibt i n 01 amen seiner Partei eine länger Erklärung ab. in der dem Sinne nach auSgesühri wird, daß In der gegenwärtigen Zeit eine Erhöhung der Besoldungen nicht zu verantworten fei Das Reich habe ben Ländern keine Mittel hierfür zur Verfügung gestellt; sie im Wege des Finanzausgleichs zu getväbren habe bet ReichSftnanzmirxlstet abgelehnt. Der hessische Staat sei In einer besonders mißlichen finaxxziellen Lage und erhebe hohe Steuern; überdies sei der Behördenap- parat In Hessen übersetzt, darum wirke sich die Besoldungserhöhung für unseren Staat un- gemein schwer aus. Heber die Ausgaben sei auch im Etat bereits verfügt und andere Mittel ständen nicht zur Verfügung. Der Etat werde durch die DesoldirngSerhöhungen dauernd belastet; dies werde sich zwangsläufig in einer Erhöhung der hessischen Steuern äußern. Rach allen diesen Gründen habe sich der Bauenxbund für eine Ablehnung der Regt errrngsvorschläge entschieden. 3n der Abstimmung wird der kommunistische Axxtrag abgelehnt und die Regierungsvorlage angenommen gegen die Stimmen der Kommunisten und der Mitglieder des Bauern- bundes. Durch die Gegenprobe wird festgestellt, daß die Sozialdemokraten sich der Stimme enthalten haben. Abg. Kaul (Soz.) gibt die Erklärung ab, daß die Sozialdemokraten sich der Stimme enthalten hätten, weil ihre Vorschläge nicht an- gcnommeit worden wären. Abg. Dr. Werner (Dntl.) bemerkt dazu, daß diese undurchführbar wären, das hätte 2wg. Kaul seiner Erklärung noch hinzufügen müssen. Abg. Reiber (Dem.) macht darauf aufmerksam, daß auch eiix Sozialdemokrat im Ausschuß gegen den Antrag feiner eigenen Partei gestimmt habe. — Die übrigen Anträge werden abgelehnt. Weitere LandlaqskandLdaten. Darmstadt, 28. Sept. In einer Offenbacher Mitgliederverfammlung der Sozialdemokraten wurde für Offenbach folgende Kandidatenliste aufgestellt: die bisherigen Abgeordneten Ulrich, Kaul, Widmann, Weber xmb Frau Steinhäuser, neu Herrin a n ix. Die oberhessischen Sozialdemokraten haben nachstehende Kandidaten ausgestellt: d.e bisherigen Abgeordneten Lux und R e ch t h i e n, neu Parteisekretär Wittig- Friedberg und Stadtverordneter Rößler- Bad-Tlauheim. — Der Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft für Hessen-Darmstadt benannte als Spitzenkandidaten folgende Herren: Landwirt Stock- Dlitzenrod, Lehrer G r e b - Weisenau, ReichZgeschästsführer Pfarrer Weidner. Baden fordert Rrichshilfe Karlsruhe, 28. Sept. (WB.) Der land- ständifche Ausschuß des babifdyexx Landtags hat folgende Entschließung getaßt: „Der landständische' Ausschuß ersucht das Staatsministerium, bei der Reichsregierung und beim Reichsrat mit allem Rachdruck dafür einzutreten, daß dem L ande Vaden die zur Durchführung seiner D e f o l b u n g S - erhöhung erforderlichen Mittel seitens deS Reiches zur Verfügung geteilt werden, sei es durch Verzinsung der Eisenbahnschnld des Reiches an das Land Baden, sei es in anderer Weise." Finanzminister Dr. Schmitt gab in der Sitzung des landständischen Ausschusses nähere Erklärungen über die Besoldungsreform und die Finanzlage Badens xmb gelangte zu folgendem Ergebnis: 1. Die vom Reich aus beschlossene Oktober-Erhöhung in Höhe von durchschnittlich 13 Prozent werde ich auch für die badischen Beamten anorbxxen. 2. Di« Frage, ob die vom Herrn Reichsfinanzminister vorgesehene Erhöhung von 25, 21 und 18 Prozent in Baden mit Rücksicht auf die badischen Finanzen durchgeführt werden kann, muß heute schon verneint werden. Es muh daher dringend vom Reich verlangt werden, daß es dem Lande Baden weitere Einnahmen zur Verfügung stellt. Wieviel Vaden beitragen kann, kann endgültig erst gesagt werden, wenn der Staatsvoranschlag für daS Jahr 1928/29 ausgestellt ist. Die B einmal im Rahmen der Beamten- befolbung mit der Stellung der politischen Beamten besaßt hat. Die Besoldungsreform bei der Reichsbahn. Berlin, 28 Sept. (Wolff.) Vom 26. bis 28. September 1927 tagte der Verwaltung S- rat der Deutschen Reichsbahn gefell- schast in Berlin. Im Mittelpunkt der Beratung ftanien finanziell« Fragen. Die De- soldungserböhung der Reicköbayixbeamten ist nach dem ReichSbahngeseh „unter Berücksichtigung der Verhältnifse der R e i ch s b e a m t e n" festzusehen, sobald die Reichsregelung gesetzlich feststeht. Bis dahin sollen nach den vom Reich ausgestellten Grundsätzen von der Reichsbahn vom 1. Oktober ab Vorschußzahlungen geleistet werden. Im laufenden Kalenderjahr werden, wie schon belaimt- gegeben, Tariferhöhungen nicht nötig fein. Die in der Iulisitzung noch nicht erledigte 'Beseitigung gewisser Härten im (Gütertarif mußte wegen der derzeitigen Angeklärtheit der Finanzlage auf die nächste Sitzung des Derwaltungs- ratS verschoben werden. Lohnverhandlungen der Reichsarbeiter. Berlin, 29. Sept. (Prio.-Tel.) Die am Tarifvertrag für die Arbeiter der Reichsoerivaltung beteiligten Organisationen l-aben vor einiger Zeit in einem an das Reichsfinanzminifterium gerichteten Schreiben darum nachgefucht, den Reichsarbeitem ab 1. Oktober eine außerordentliche Lohnzulage zu gewähren. Daraufhin find jetzt den örganifaiionen zu einer heute im Reichsfinanz. Ministerium stattfindenden Verhandlung Einladungen zugegangen, in denen gleichzeitig Darauf hingewiesen wird, daß das Reichssinanzminifterixim nicht in der Lage sei, eine allgemeine Lohnzulage zu gewähren, sondern sich darauf beschränken msisie, örtliche Lohnausgleiche vorzunehmen. Der Berliner Flaggenstrett begraben. c Berlin, 28. Sept. Wie oerlautti, dürfte es anläßlich des bevorsteheirden 8 0. Geburtstages des Reichspräsidenten v. Hindenburg zu einem friedlichen Ausgleich des Flaggenstreites zwischen dem Berliner Magistrat und den Berliner Hotels kommen. Als erstes Zeichen hierfür darf die Tatsache angesehen wer- dexx, daß das Hotel Kaiserhof am Donnerstag auch die schwarz-rot-goldene! Reichsfahne hissen wird, und ztvgr auS Anlaß deS Festes, das der .3ntemotionale Verband der Fachpresse für die Reichs-, StaatS- und städtischen Behörden veranstaltet. Kommunale Vertreter werden denxzufolge an der Veranstaltung teilnehmen. Aus aller Welt. Die amtliche Untersuchung des Schleizer Fiugzeugunsalls. Berlin, 28. Sept. (Wolff.) Nach dem Bericht, den die Unterfuchungskommifsion unter Leitung von Ministerialrat Mühlig-Hofmann bei Schleiz erstattet hat, ist der Hergang des Unglücks nach übereinftim- inendem Urteil aller an der Untersuchung Beteiligten in folgender Weis« zu crtiären: Der obere Beschlag der linken inneren Flügel st rede ist gebrochen. Bei dem Versuch, mit dem beschä. bißten Flugzeug eine Notlandung oorzuneh- men, hat der Führer für die Sicherheit der Insassen in umsichtiger Weise weitgehende Maßnahmen getroffen (die Insassen hatten Zeit gehabt, sich an- zufchnallen und bei dem Aufschlag auf die Erde ist ein Brand vermieden worden). Als das Flugzeug sich der Erde näherte, ist dann der linke Flügel vollkommen abgebrochen. Das Flugzeug stürzte senkrecht auf den Boden. Durch das Nachgeben des Hinteren oberen Flügclftrebenbefchlags ist das Unglück mithin zur Auswirkung gekommen. Der Bruch des Beschlages muß durch unvorher gesehene Umstände herbeigeführt fein. Als solche Ilm. stände kommen in Betracht: Matcrialfehler, Er- müduixgserschcinungen durch Schwingungen und Ueberbeanspruchung durch besonders heftige Mo- torencrfdjütterungen infolge Propellerschadens. Die Fortführung der Untersuchung durch Prüfung der Bruchstücke soll hierüber noa) näheren Aufschluß geben. Könncckc nolgclandet. Havas meldet aus Beirut, daß der deutsche Flieger Konnecke und seine beiten Begleiter toc- g e n einer Panne bei Muslimije hätten notlanden müssen. Durch französische CHiTfr- flieget sei der Sch' 'en behoben wor en. so daß Komxecke Dienstag abend 7 Uhr nach Basra habe w e i t e r s i . e g e n können. ■ Eine ganze Familie mit Gas vergiftet. In Te.erow (Mecktbg.) fand man ra.., waltsamem Dehnen der verschlossenen Wo.n ;; s tür die vierköpfige Familie eines ®utöfeLc a.* entkleidet und besinnungslos in den Betten vor. Die beiden Kinder im Alter von Drei und fünf Jahren waren bereits tot, während die Eltern noch lebend in das Krankenhaus befördert werden konnte ix. Line sechsköpfige Familie an'den Folgen einer JJ’ j Vergiftung gestorben. Vor einigen Tagen erkrankte in K a s ch u » (Vorarlberg) eine Arbeiterfamilie an Pilzvergis tuxxg. Die vier Kinder und beide (Eltern find bei Vergiftung erlegen. Die Wetterlage. Tnittnocf), den 2b. ZT. 27. Mabends. O«#ofttnfos.ö nerrtr <> naro otdtm » vonuo. • •iXeof’K # Sehnet o Orauptm ■ "ehei K Cirwiittr.^windlbiit. KV leichter Ost -nissige- Sodsuowesi Q stürmischer "ordwesl 6ie Pfeile fliegen mit dem winde Oie oct oen Itaiionen sicnenaen Zahlen gehen die Temperatur an Die Linien *erote betrcfss Ablehnung der Preuslen-Anleihe fein. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 89,15, Madrid 27,83 und das Pfund gegen Kabel mit 4,8665. nfere, Leiftungsfä higkeitr irar Dieter Teil fil HB MW & —J wurde noch gefteigert, nachdem wir unseren FabriIc~Neubau bezogen haben. Neuefte Mafchinen find aufgeftellü, die Arbeitsmethoden vereinfache und dadurch die Itnkoften auf ein Minimum herab gedrückt: worden . Die Qualität des Tabaks konnte abermals erheblich verbessert werden . Je mehr wir Unkosten sparen, desto mehr können wir die Güte der verwendeten Tabake heben. D\e hervorragende Stellung unteres JTaufesÄn der Zigaretten-Induftrie rechtfertigt allein eine/Marke wie GQEILIHC-9\USLESE-"5z die an Milde, Aroma und Bekömmlichkeit unüber troffen ifc. Waschsamt SMö-S Z"? c«ri ------------------------------ — ——- indanthrenfarbte. waschecht d. Meter Giefeen, SeltersweÖ 85 (neben, Seltersweg 85 indanthrenfarbig, waschecht p. Meter 8765a Betten Anerkannt gute Qualitäten! 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Die Entsendung der Truppen in die Mandschurei betont weniger die allerdings auch bei der Besetzung Schantungs nie öffentlich eingeftan- dene politische Seite, als vielmehr die wirtschaftliche. Es haben sich nämlich letzthin Dinge in der Mandschurei abgespielt, die, wenn sie sich Weiler unangenehm für Japan entwickeln würden, die Lage Japans in der Mandschurei ganz beträchtlich erschweren könnten; denn bei dem festen Zusammenhalten der Chinesen in allen Dolksfragen, bei ihrem eigentümlichen Talent für Massenbewegungen, so wie es in Handelsboy- kottcn, passivem Widerstand der Bauern, Arbeiter, Händler zu Tage tritt, sind die Folgen kaum abzusehen, falls einmal der wirtschaftliche Kampf entbrennt. Die Japaner fühlen ihre Stellung in mehr als einer Hinsicht bedroht. Zum ersten verlangen die Chinesen seit etwa zwei Jahren das Recht, in der Mandschurei, die ja chinesisch ist, Bahnen zu bauen, so wie es ihnen paßt, und zwar hauptsächlich inderSudmandschur ei, also in der japanischen Einflußsphäre, da sich in der Rordmandschurci, die noch vollkommen unentwickelt ist, Zweigbahnbau noch nicht lohnt. Durch die ziemlich weitgehenden Pläne-der Chinesen würde aber die Monopolstellung der japanischen Südmandschurischen Bahn geschwächt, die den Handel der Südmandschurei nach dem japanischen Pachtgebiet von Dairen hinlenkt. Weiterhin haben während der letzten zwei Monate Streike der chinesischen Arbeiter in den Penhsihu-Bergwerken stattgefunden, sogar Bedrohungen der dortigen Japaner. Das wären so die letzten Anlässe; auf die tiefer liegenden Gründe sei nachstehend eingegangen. T s ch a n g t s o l i n hat bereits vor geraumer Zeit von Peking aus beruhigend auf die Bevölkerung einzuwirken gesucht, nachdem die Japaner bei ihm vorstellig geworden waren, an- schei- end ohne Erfolg. Angenehm können Tschang- tsolin diese Vorgänge nämlich nicht sein, denn die Mandschurei, wo er seit 1911 von Mulden aus herrscht, ist und bleibt seine Hauptstütze, und Ruhe dort ist für ihn durchaus erforderlich jetzt, wo er sich anschickt, seinen gesurchtetsten Gegner, den „Christlichen General" Fenghuhsiang anzugreifen; auch sind ja die Kuomintangtruppen am Pangtse noch keineswegs erledigt. Kurzum. Schwierigkeiten im Rücken könnten dem „Tahücm- shuai". dein obersten Kriegsherrn - und nicht Diktator, wie die englische Presse falsch überseht —. ''ehr unangenehm werden. Seit dem 14. Juni ist er nämlich zwar nicht Präsident von China, aber G e n e r a l i s s i m u s der vereinigten Nordarmeen; infolgedessen hat sich sein Interesse weit über die 'Mandschurei hinaus nach Süden verschoben. Mit den Japanern, für die er als Condottieri 1905 im Kriege gegen die Russen focht, hat er bisher immer auskommen können trotz kleiner Reibereien und seines bekannten Standpunktes „China für die Chinesen". Daß die Unruhen gegen die Japaner nun von Tschongtsolins Feinden unter seinen Landsleuten mit unterstützt werden, ist angesichts der ganzen Lage nicht ohne weiteres zurückzuweisen. Die Möglichkeit für die Schwierigkeiten, die jetzt in die Erscheinung treten und vermutlich später noch schärfer sich ausprägen werden, liegt jedoch tief begründet in dem völkischen Gegensatz zwischen. Chinesen und Japanern, der Jahr- Bergfee. Von.Karola Strauch-Bock. Ein Himmelsauge liegt in dunklen Tannen -verborgen. Die Berggipfel werfen ihr verklärtes Bild in die ins Erdreich gebettete Bläue. Schimmernde Libellen umkreisen das Schilf. Ein Fisch nippt am Rand, Und wieder liegt stumm der See und glitzert verheißend. Ich bin am Ufer auf eurer Bergwiese. Arnika und Augentrost nicken. Ich streichle das Erdreich, jedes Gräslein hab ich lieb. Von den Wolken weg schau ich ins Wasser. Mir ist. als sähe ich ins Äuge der Schöpfung, der liebenden, der wissenden. Es kommt mir aus der Tiefe ein mütterlicher Blick entgegen. Ich bin geborgen, Erde, du meine Mutter. Doch inmitten klarster Schönheit der Welt, da in Licht und Klang und Derbundensein mir eine Heimat neu geboren werden soll, überkommt mich Heimweh. Das süße und wehe Geheimnis unseres Lebens, daß hinter dem Erwachen der Abschied winkt. Zeitlos und fragend starren mich die Blößen und Falten der Bergkuppen an. Der Glanz des Aethers senkt sich in den harrenden See und steigt noch glänzender aus gestilltem Wasser mir entgegen ins Angesicht. Ich bin vergänglich und nehme mein armseliges Leben in meine Hände. Die Finger spielen im Wasser, glitzernde Tropfen fallen herab und sind wie Tränen. Das Auge des Bergsees klagt mich an. Zauberhaftes Leben, es zieht seine Kreise wie der Stein, der ins Wasser fällt, Und unerkannt verebben die Ringlein. Ein Erzittern und Vergessen! Schweigend hütet der See feine Wunder. Ein Ahnen überfällt mich. Als sammle der See die Tränen derer, die ungeliebt über die Erde gingen und gehen. Die versäumten Augenblicke eines Menschenseins legen sich auf die Seele wie Last. hunderte alt ist und, seitdem sich die Japaner neuerdings nach den siegreichen Kriegen 1894 gegen die Chinesen, 1905 gegen die Russen auf dem Festlande in Korea und der Südmandschurei eingeniftet haben, wieder stärker hervorgetreten ist. Jedenfalls darf man nicht glauben, daß die Gegensätze zwischen den asiatischen Völkern etwa weniger ausgeprägt seien als die zwischen europäischen. Die Mandschurei ist eines der Außenländer Chinas, aber heute schon das Kanada Chinas, das heißt das größte Ueberschuhgebiet in bezug auf Nahrungsmittel und Mineralien. Hm 1900 war sie noch ganz dünn bevölkert, 1910 schon von rund 14 Millionen, 1919 von 19 Miltreiben die Unruhen im eigentlichen China inner- I halb der großen Mauer jetzt viele Dauern zur Abwanderung. Rach ganz zuverlässigen Zahlen | der Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften, veröffentlicht vorn Reichswirtschaftsbureau in Peking, soll die Zuwanderung für 1927 bis Juli auf 700 000 Köpfe gestiegen fein, darunter viele Familien. Im Vergleich zu diesen Zahlen verschwindet die japanische Bevölkerung der Mandschurei und auch die russische, leben doch in ganz China nur etwa 240 000 Japaner und etwa 80 000 Russen. Während aber der Japaner als Bauer versagt, hat er durch Eisenbahnen, Fabriken und Bergwerke die Südmandschurei seit 1905 erschlof- Preisausschreiben in der wöchentlich einmal am Donnerstag erscheinenden Beilage des Gießener Anzeigers Heimat im Bild offen für alle Bezieher des Gießener Anzeigers und für Neubesteller zum 1. Oktober, sowie für deren Familienangehörige. Bedingungen Das Preisausschreiben erstreckt sich über die Ausgaben von „Heimat im Bild" Nr. 38 bis einschließlich 40 in der Zeit vom 22. September bis 6. Oktober 1927. In jeder dieser Nummern von „Heimat im Bild" sind eine Reihe von Lichtbildaufnahmen aus der Landschaft Oberhessens und der an- grenzenden Bezirke wiedergegeben. Das Ziel der Teilnehmer am Preisausschreiben soll sein, die Landfchastsausschmtte zu erkennen und in fortlaufender Nummernfolge von 1 bis 16 möglichst lückenlos und kurz zu bezeichnen. Nicht erkannte Bilder sind durch einen Strich neben der Nummer kenntlich zu machen. Die schriftliche Aufstellung ist bei der Redaktion von „Heimat im Bild", Gießen, Schulstraße 7, einzureichen. Die Annahmezeit für die Lösungen beginnt am 7. Oktober 1927. Der Schlußtag ist auf den 15. Oktober festgesetzt. Spätere Eingänge bleiben unberücksichtigt. Sämtliche Lösungen müssen an der Spitze Namen, Stand, Wohnort, Straße und Hausnummer des Einsenders tragen. Die Beifügung der Oktoberquittung über den Bezug des Gießener Anzeigers ist Bedingung. Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung über die Preisverteilung als endgültig an. Die Preisträger werden nach Vollständigkeit und Richtigkeit der einlaufenden Lösungen ermittelt. (Es kommen 20 Bücher bezw. Bilder zur Verteilung. Verlag und Redaktion des Gietzener Anzeigers. lionen und 1922 von 22 Millionen nach verschiedenen Schätzungen. Die chinesische Bauern- familie in der Mandschurei Wird geschäht auf 8,38 Köpfe, die im eigentlichen China auf niott 5,5 Köpfe im Durchschnitt. Die heutige Bevölkerung ist zu über zwei Drittel erst nach 1896 eingewandert, hauptsächlich aus den nördlichsten Provinzen des eigentlichen China; für den Süd- chinesen ist das mandschurische Klima zu Hari. Der Dau der sibirischen Dahn, die unter dem Namen Ostchinesische Dahn durch die Nordmandschurei führt, und der Südmandschurischen Bahn von Dalnh (Dairen) aus gaben den Anstoß für die Einwanderung. Weiterhin sen; er ist also der Kapitalist und infolgedessen kommt zum völkischen auch noch der w irisch a s t l i ch e Gegensatz hinzu. Der zweitgrößte Handelsplatz Chinas ist heute das japanische Pachtgebiet Dairen (Dalnh); vor dreißig Jahren noch ein unbedeutender Küstenhafen, steht es herite mit einem Handelsumsatz von rund einer Milliarde Mark an zweiter Stelle, gleich nach Schanghai. Dort in Dairen sind die japanischen Oelmühlen, die Rohmaterial aus dem Hinterlande beziehen. Bohnen und Dohnenprodukte, vor allem Bohnenöl, erst seit 1909 bedeutende Ausfuhrgüter Chinas, stehen seit 1926 mit 20 v. H. Anteil an der ersten Stelle aller II Ml II Willi II !■—--- "* ""--- Quillt daraus neue Liebe? Darf ich die rötlichen Wolken, die Berge und Wiesen, die Bäume und Blumen, den Wurm und den Stein am Wege lieben? Darf für eine Stunde der Ser, das Himmelsauge, mein eigenes Auge sein? Sind die Lannen die Wimpern und der Himmel Widerschein meiner Träume? Da steigen die Schatten des Abends aus toten Gemächern der Bergklüfte. Es kommt die Nacht und der Schlaf und der Tod. Ich bin nur ein Gast und wandere weiter und suche die Heimat. * Hochschulnachrichten. Dr. Helmuth v. G l a s e n a p p. Professor der indischen Philologie an der Universität B e r- l i n, hat die an üjn ergangene Einladung zur Abhaltung von Vorlesungen an der John-Hop- kins-Universität in Baltimore abgelehnt, da er während des Winters 1927/28 eine Studienreise nach Brikisch-Jndien und Ceylon unternehmen wird. — Die Ernennung des als Nachfolger Prof. Roethes nach Berlin berufenen Prof. Dr. Arthur Hübner in Münster ist jetzt erfolgt. — Der a. o. Professor Dr. jur. et phil. Hans Niedermeher in Göttingen ist beauftragt worden, in der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. im Wintersemester 1927/28 die Vertretung der durch den Weggang des Professors Pogenstecher freigewordenen Professur zu übernehmen. — Der Privatdozent und Assistent am Staatswissenschnft- sichen Seminar der Universität Breslau Dr. Hans Jürgen Seraphim hat einen Ruf als a. o. Professor für Wirtschaftswissenschaft nach Rostock erhalten. — Der Professor Dr. Erwin Schrödinger in Zürich ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Berlin ernannt worden. Wie bereits gemeldet, übernimmt Prof. Schrödinger den Lehrstuhl der theoretischen Physik als Nachfolger Max Plancks. Frankfurter Theater. Der Anfang mit Bernhard Shaws „Cae - s a r und Cleopatra" ist vielversprechend für die Wintersaison des Schauspielhauses. Das Publikum wird von der sprühenden Frische dieser köstlichen historischen Komödie gepackt und gefangen genommen. Die Satire entkleidet mit grazio.em Schwung Helden und eine Königin ihrer pathetischen Größe, und doch verbirgt sich hinter lächelnder Maske bedeutungsvoller Ernst. Caesar ist ein philosophisch lächelnder alter Herr; der Feldherrnhügel seines Standpunktes überragt das Schlachtengetümmel des Lebens: Cleopatra aber ist eine kleine Tigerkahe mit Schulmädelallüren, die sich langsam zu einer beftienhaften Königin entwickelt. Und alle die anderen, die wackre Schar römischer und ägyptischer Würdenträger. das bunte komödienhafte Gewand verdeckt nicht die gläserne Durchsichftgkeit des Stückes. Alles in ollem: diese Neueinstudierung ergab einen genuß- und geistreichen Theaterabend dank Shaws prächtiger Trapezkünste am historischen Reck und der humorvollen, einfallsreichen Regie Leontine S a g a n s. Alle Hochachtung, sie versteht, unterstützt vom Bühnenbildner Sievert, Shaw wirkungsvoll einzukleiden, wenn auch in den Dolksszenen der Komödienton ein bißchen umkippt und schrill wird. Die Darsteller: Georg Lengbach als Caesar, ein famoser geistvoller alter Herr, und Marcella Salzer, ein von der heiligen schwarzen Kotze abstammendes, schnurrendes, miauendes und fauchendes rotes Kätzchen. Allen übrigen ist ebenfalls Lob zu spenden: sie waren, was sie sein sollten, und zwar in köstlicher satirischer Formung. Das Publikum aber ersah wiederum aus dieser historischen Komödie, daß das Leben ein großes Karussell ist, und freute sich an seinem Schellengeklingel. L. W. Ausfuhrgüter Chinas, und diese Ausfuhr geht über Dairen. Entstehen Unruhen tm Hinterlande, dann wird Dairen, mithin auch Japans Wirtschaftsinteressen, schwer betroffen. Japan wurde im September 1923 von einem der furchtbarsten Erdbeben heimgesucht, das die Weltgeschichte kennt; in einer Nacht wurde mehr an Werten vernichtet als von 1914 bis 1918 in Nordfrankreich, jedoch ohne daß Japan in Reparationen mehr erhält als es verlor. Seitdem kam ein Unglück nach dem anderen; im Frühjahr 1927 der Zusammenbruch des Su- zukitonzerns, jetzt wieder Springfluten. Kein Wunder, daß Japan auf dem Festlande Frieden zu haben wünscht. Aber der völkische und wirtschaftliche Gegensatz zwischen Chinesen und Japanern wird durch die militärischen Besetzung der mandschurischen Hauptstadt Mukden verschärft Werdern Zum Abschluß entnehme ich noch die folgenden Angaben einem Auftah aus bem Manchester Guardian, verfaßt von dem italienischen Botschafter Graf Sforza, der jahrelang in Peking Gesandter war: „Die japanische Regierung hatte nach 1905 gedacht, sie könnte ihre bevorzugte Stellung in der Mandschurei int Sinne einer Kolonis ier ung ausnützen... Die Japaner kauften Bauernhöfe, richteten Fabriken ein, sie führten aus China passende Arbeiter für ihre Gehöfte ein, da japanische Landarbeiter zu teuer und der harten Arbeit nicht gewachsen waren. Aber überall wurden die Chinesen allmählich Eigentümer. Die- Japaner wollten schnell verdienen, die Chinesen begnügten sich mit geringen Ersparnissen unter Verzicht auf alle Lebensgenüsse." — Diese Aussprüche berühren den Urgrund des japanisch-chinesischen Gegen satzes! Die Besoldung der hessifchen Gemeindebeamten Die Gewerkschaft hessischer Gemcindebeamten E. V. bittet uns um Abdruck folgender Zuschrift Die ab 1. Oktober eintretende Neuregelung der Beamtenbezüge soll nach den wiederholten Erklärungen des Reichsfinanzministers auch für die Länder und Gemeinden maßgebend sein. Die Ueberfragung der Grundsätze für die Besoldung der Reichsbeamten auf die Gemeinden wurde bereits in der National-Versammlung bei der Beratung des Besoldungsgesetzes von 1920 behandelt und, unterstützt von sämtlichen Parteien, ein Antrag angenommen, die Regierung zu ersuchen, auf die Länder einzuwirken, daß sie Bestimmungen erlassen, wonach die Bezüge der Kommunalbeamten angemessen sein müssen. 2lls angemessen sollen die Bezüge der Gemeindel>c amten nur dann angesehen werden, wenn sie den Grundsätzen des Reichsbesoldungsgefehes und den Sähen der dazugehörigen Desoldungsordnung entsprechen. Nachdem der Finanzausschuh des hessifchen Landtages beschlossen hat, an die hessischen Landesbeamten Vorschüsse in der gleiche- Weise zur Auszahlung zu bringen wie das Reich den Reichsbeamten, darf die bestimmte Erwartung ausgesprochen werden, daß Hessen die Reichsregelung bei der Verabschiedung des neuen Besoldungsgesetzes vollständig übernimmt. Die Besoldung der hessischen Gemeindebeamten wird auf Grund dieser Beschlüsse ebenfalls einer Neuregelung unterzogen werden müssen. Nachdem in den anderen Ländern für die mittelbaren Landesbecrmten (Beamten der Gemeinden und Gemeindeverbände) die Angleichung ihrer Bezüge an die der Landesbeamten gesetzlich geregelt ist, erscheint es erforderlich, daß auch, ohne der dringend nottoenbigen gesetzlichen Regelung vorzugreifen, für die hessischen Gemeinde- beamten bei der Verabschiedung der Neuregelung der Besoldung der Landesbeamten Maßnahmen getroffen werden, die festlegen, daß die auf Grund des Artikels 140 der Städtevrd- nurtfl vom 8. Juli 1911 von der Stadtverordnetenversammlung zu besttmmende Besoldung der städtischen Beamten und auf Grund des Artikels 138 der Landgemeindeordnung von dem Gemeinderat zu besttmmende Besoldung der Gemeindebeamten den Grundsätzen des hessischen Besoldungsgesetzes und den Sähen der dazugehörigen Besoldungsordnung zu entsprechen haben. Die Gewerkschaft hessischer Oemeinbc-beam» ten hat ein entsprechendes Ersuchen an ben Landtag gestellt. Der hessische Landtag würde mit einer solchen Beschlußfassung die für die hessischen Gemeindebeamten gegenüber ben Ge- meinbebeamten der übrigen deutschen Länder be- Hessisches Landestheater. Das Hessische Landestheater in Darmstadt hat in der letzten Zeit einige sehr erfolgreiche Opernaufführungen zu verzeichnen. Zunächst eine Vorstellung von Wagners „Mei st e r sin g er n", in der Dr. Karl Dö h m. der neue Generalmusikdirektor, sich ausgezeichnet bewährte. Im Vordergründe des Interesses standen ferner der Hans Sachs von Johannes Bischof und der Beckmesser von Heinrich Kuhn; beide Künstler haben diese Rollen schon seit vielen Jahren inne. Es folgte Smetanas komische Oper „Die verkaufte Braut", in einer alten, aber guten Inszenierung aus der vergangenen Spielzeit. Hier war es vor allem Theo Herrmann, der als Heiratsvermittler Kezal durch seine schönen Stimmittel, seine gesangliche Sicherheit und darstellerische Gewandtheit der Aufführung viel Leben verlieh. Puc- cinis „Tosca" fand gleichfalls eine vorzügliche Wiedergabe, wenn auch die Oper selbst bewies, daß sie mit ihren krassen Effekten nicht mehr in unsere Zeit gehört. Mit lebhafter Spannung sah man der Erstaufführung von Wolf- Ferraris musikalischem Lustspiel „Die vier Grobiane" entgegen; das Haus war vollbesetzt, auch waren viele auswärtige Theaterbesucher anwesend. Das Werk, das den Stil der alten Buffooper wieder aufnimmt, hat in seinem musikalischen Teil grt^e Schönheiten; es fehlt ihm aber ein warmer Humor, wie wir Deutsche ihn lieben, die italienische Lustigkeit erscheint uns gemacht und übertrieben. Die Darsteller zeigten sich ihren Aufgaben vollauf gewachsen, indessen den stärksten Erfolg hatten die Inszenierung von Hans Esdras Mutzenbecher und die Bühnenbilder von Lothar SchenckvonTrapp. Dieser hatte auch die Kostüme entworfen, die auher- ordentkich originell und phantastijch in Erfindung und Ausführung waren. E. B. ftetyenbe Benachteiligung beseitigen und die im Interesse der Gemeinden und des Staates dringend erforderliche Einheitlichkeit der De- fcüdung der hessischen Gemeindebeamten, die keineswegs eine Beeinträchtigung der Selbstverwaltung der Gemeinden darstellt, herbeiführen. Die in den anderen Ländern des Deutschen Reiches geschaffene gesetzliche Regelung muh auch in Hessen durchzuführen möglich sein. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. September 1927. DienstKauironen-Aufwertung. Bon der Fachgruppe der hessischen Gemeinderechner wird uns geschrieben: Der hessische Sparkassen- und Giroverband hat hinsichtlich der Aufwertung der Dienstkautiv- nen der Sparkassenbeamten Richtlinien herausgegeben, welche auch für viele andere Kautions- steller von großem Interesse sind. Sn einer am 6. Suli in Frankfurt a. OIL stattgehabten Versammlung der Direktoren der Sparkassen hat man sich auf folgende Richtlinien verständigt: Mit Rücksicht darauf, daß hinsichtlich der Sparkassenbeamten nicht unstreitig feststeht, ob sie in einem öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Dienstverhältnis angestellt sind, soll eine Aufwertungspflicht aus Billigkeitsgründen anerkannt werden. Dabei zog man noch in Betracht, daß es sich bei den Dienstkautionen der Sparkassenbeamten um ein gebundenes, bei der Sparkasse investiertes, der Verfügungsbcrechti- gung entzogenes Vermögen handelt. Bei der Aufwertung soll die Form der Kautionsleistung, ob sie in bar, durch Verpfändung von Sparbüchern, Hinterlegung von Wertpapieren usw. geleistet worden ist, keine unterschiedliche Behandlung begründen. Auch bezüglich des Kreises der Aufwertungsberechtigten sollen die Grenzen nicht eng gezogen werden. Deshalb sollen auch die Kautionen der aus dem Amt ausgeschiedenen oder verstorbenen Beamten der Aufwertung unterliegen. Hier soll aber der 1. Sanuar _1919 als Stichtag gelten, so daß alle vor diesem Tage zurückgezahlten oder zurückgegebenen Kautionen keine Auswertung erhalten. Bezüglich der Höhe der Aufwertung sollen mindestens 40 Proz. a lS Mindestsatz angenommen werden. Dabei soll aber die Ausgleichung von Härten statt- finden. Wenn z. D. ein Rechner, um die von ihm in bar verlangte Kaution leisten zu können, wertbeständige Dermögensstücke, z. D. Grundstücke, zu veräußern gezwungen war, so soll hier unter Würdigung des für den betreffenden Beamten dadurch eingetretenen Vernu gensverlustes eine höhere, unter Umständen sogar volle Aufwertung Platz greifen. Sn gleicher Weise ist zu verfahren, wenn nach bürgerlichem Recht ein höherer Aufwertungsanspruch gegeben ist. Für die Errechnung des Auswertungsbetrages ist der ursprüngliche Goldmarkbetrag nach der Tabelle des Auswertungsgesetzes zugrunde zu legen, und zwar in der Regel der Goldmarkbctrag des Tages der Kautionsleistung. Bei ausgeschiedenen oder .verstorbenen Beamten soll für die Berechnung des Goldmarkbetrages der Tag nach dem 1. Sa- nuar 1919 maßgebend sein, an dem die Kaution ausgehändigt worden ist, oder zur Verfügung gestanden hat. Zahlreiche hessische Kreis- und Bezirkssparkassen haben inzwischen bereits aufgewertet. Die Gemeinden und auch der Staat werden auf die Dauer sich gleichfalls nicht der Verpflichtung entziehen können, aus Billigkeitsgründen die Dienstkautionen ihrer Rechner usw> in gleicher Weise aufzuwerten. MUchwirtschaftliche Ergebnisse der Landwirtschaftlichen Landes- aussteUung. Was den städtischen Verbraucher, vor allem die Hausfrau an Dem Ergebnis der Hessi - schen Landwirtschaftlichen Landes- ausstellung besonders interessiert, ist die Tatsache, daß Hessen über eine ganze Anzahl leistungssähiger Molkereibetriebe verfügt, deren Erzeugnisse zum Teil weit über die Grenzen des Landes hinaus ständig besten Absatz finden und sich bezüglich der Qualität mit jedem Auslandprodukt unbedingt messen können. Richt zuletzt Peinlicher Prozeß. P'| Von Sigismund v. Radecki. „.... denn es hätte gewesen sein können." Diesen Satzschluh, den ich soeben niedergeschrieben, deckte ich müde mit dem Löschblatt zu und empfand dabei eine gewisse Ahnung, als ob ich hier die melancholische Leidenschaft des Konjunktivs, den sehnsüchtigen Schmerz der Möglichkeitsform nicht tief genug ausgeschöpft hätte. Denn ich war, wie gesagt, müde und daher taumelte ich schlaftrunken ins Bett. Eine Se- künde noch blieb das Auge an der Kerze, der Schlafstörerin, hangen — dann war sie auS- gelöscht und alles dunkel. Langsam sank ich durch die meergrünen Tiefen des Schlafes, Traumalgen bogen sich leise nach mir hin, und endlich landete ich in einem elektrisch beleuchteten Riesensaal, in welchem Tausende von Menschen durcheinander redeten. Run gellte- eine Glocke, alles setzte sich, verstummend, nieder und der Vorsiheirde erhob sich langsam hinter seinem giftgrünen Tisch. Seht merkte ich, daß ich gerade ihm gegenüber auf einem Armsünderbänkchen hockte — freie Dahn zwischen uns —, und daß ich also angeklagt war. Du lieber Gott, was hatte ich denn verbrochen? Da flammte es auch schon in Glutlettern an der Riescnwand hinter ihm auf: „Verbrechen gegen den Geist des Konjunktivs!" HnD schon bückten all die vielen tausend Worte, die rings auf den Stuhlreihen sahen, mit weißen Köpfen nach mir hin. Es herrschte eine beklemmende Stille, in der nur das leise Getrappel der hereingeführten Zeugen hörbar wurde; ich zählte ihrer fünf, sie waren abgemagert und trugen blutige Mullbinden. Sn der Reihenfolge Es — hätte — gewesen — sein — können nahmen sie stumm auf der Zeugenbank Platz und sahen vergrämt vor sich hin. Mir wurde furchtbar traurig zumute. Doch jetzt begann der Vorsitzende seine Rede. Wie es schien, war er das „Sch" und hatte, wie jedes Wort, nur sich selber zu sagen, — aber mit welcher Eindringlichkeit brachte er sich dafür zu Gehör! Leicht vornübergeneigt, stützte er die Arme aufs grüne Tuch und öffnete weit seinen Mund: „Sch - Sch - Sch - Sch — Sch..." sagte er, und seine würdigen und selbstbewußten Worte drangen allen zu Herzen. Sch bekam eine Große Manöver in Westfalen. Don unserem ^-Sonderkorrespondenten. Sm Manövergelände 28. Sept. Mit einer glänzend verlaufenen Hebung begannen die Manöver am 26. September in der Gegend südlich und südöstlich von Paderborn. Auch der Wettergott, der am Morgen des ersten Hebungstages noch ein wechselndes Gesicht zeigte, schien befriedigt und lieh gegen Mittag die Sonne zum Durchbruch kommen. Als am Rachmittag gegen 3 ilfjr die Hebung durch die Signale „das Ganze" und „Halt" unterbrochen wurde, konnten die Truppen voller Befriedigung über den lehrreichen und interessanten Hebungsverlauf in ihre Biwaks abrüden, um nach einigen Stunden wohlverdienter Ruhe mit frischen Kräften in der Rächt 26./27. September wieder in den Kriegszustand und damit in die weitere Durch- sührung der Hebung einzutreten. Für die Hebung war etwa folgende Lage ausgegeben: „Eine angenommene blaue Armee sammelt sich ostwärts des Eggegebirges. Der blauen 6. Division unter Führung des Generalleutnants Frh. v. Ledebur war der Auftrag geworden, westlich des Eggegebirges in Gegend Lichtenau neben anderen angenommenen Kräften den Aufmarsch der blauen Armee zu decken. Auf der roten Partei war ein Kavallerie-Korps im Vorgehen von Westen nach Osten. Es hatte mit der rechten Division, der verstärkten 3. Kavallerie-Division unter Generalmajor von Viereck, am 25. September die Gegend von Geseke und Salzkotten erreicht und sollte am 26. September nach Osten vorgehen und die angenommenen blauen Ausladungen ostwärts des Eggegebirges stören." Der blaue Parteiführer, der einen Raum von etwa 14 Kilometer Breite zu sichern hatte, entschloh sich, seine Hauptkräfte auf den Höhen nördlich und südlich Lichtenau etwa in und hinter ter Linie Sggenhaufen—Lichtenau - Holtheim einzusehen und über diese Linie hinaus nach Westen an den Sauer-Bach und Altena- Vach Sicherungstruppen vorzuschieben. Diese vorgeschobenen Sicherungen sollten den feindlichen Vormarsch schon frühzeitig aufhalten und dem Feind das an und für sich nicht leichte Heberschreiten der tiefeingeschnittenen genannten Bachtäler erschweren. Die Masse der Artillerie wurde nordostw. und südostw. Lichtenau eingesetzt mit vorgeschobenen Teilen, die den Vormarsch des Feindes so früh als möglich unter Feuer nehmen und dadurch verzögern sollten. Die Aufgabe der Sicherungstruppen war infolge der Hnübersicht- lichkeit des Geländes mit seinen tiefen bewaldeten Einschnitten der in zahlreichen Windungen verlaufenden Bäche Sauer und Altenau recht schwierig. Sie erforderte von den naturgemäß weit auseinander gezogenen kleinen und lleinsten Sicherungsabteilungen viel Hmsicht und selbständiges Handeln. Hm es gleich vorwegzunehmen, die Truppen zeigten hierin einen erstaunlichen Grad der Ausbildung. Man merkte zuerst fast gar nichts von den vorgeschobenen Sicherungen, so gut waren sie im Gelände versteckt. Erst als sie zu feuern anfingen, sah man ihren inneren Zusammenhang und das sich gegenseitige Ergänzen. Der rote Parteiführer entschloh sich, den Feind mit vier Reiter-Regimentern in der Front anzupacken und hinter diesen zwei weitere Reiter- Regimenter und das 15. Snfanterie-Regi- m e n t, das auf Lastkraftwagen befördert wurde, als zweites Treffen folgen zu lassen. Jeder der Kolonnen war Artillerie zugeteilt. Rachdem Erkundungsorgane voraufgegangen waren, überschritten gegen 8 Hhr die Anfänge der Kolonnen die Alme auf der Strecke Büren-Rord- b o r ch e n in ostwärtiger Richtung. Das Ginfädeln der vielen aus ihren Unter» fünften den Sammelplätzen zustrebenden Kolonnen ebenso wie der spätere Vormarsch der Truppen und der Transportkolonnen des 15. Sn- fanterie-Regiments auf den Vormarschstrahen vollzog sich reibungslos. Es gab nicht das Auf- prallen der Kolonnen auf die vorausmarschieren- den, das Warten in offenem, gegen Fliegersicht ungedecktem Gelände. Die Truppe lieh die linke Straßenseite für den entgegenkommenden und überholenden Verkehr der Befehlsorgane zu Pferde, auf Kraftrad und im Kraftwagen frei. Man hörte nicht einmal das unnötige „Rechts heran"-Rusen. Alles vollzog sich in Ruhe, selbstverständlich, lautlos. Snteressant war auch zu sehen, wie Kraftwagenbatterien vorfuhren, um entlang der Vormarschstrahen den Feuerschutz für die Kolonnen zu übernehmen, was beim Passieren von Engen und Geländeabschnitten von ganz besonderer Dedeutung ist. Die Führerentschlüsse sührten zu einem spannenden Gefechtsverlauf. Schon früh muhten die roten Reiterkolonnen dem blauen Artilleriefeuer durch Zerlegen der Kolonnen und Ausbiegen durch Mulden und hinter schützenden Höhen entlang Rechnung tragen. Hm nicht an den Bach- abschnitten der Altenau und Sauer durch die feindlichen Vortruppen, die als solche frühzeitig erkannt wurden, zu lange aufgehalten zu werden, setzte der Führer von Rot die Truppen seines zweiten Treffens rechts neben dem bisherigen ersten Treffen ein und bildete besonders durch Einsatz des 15. Snsanterie-Regiments damit seinen Schwerpunkt auf dem Südflügel. Die Hauptangriffsrichtung wurde über Husen auf Cid) t en du befohlen und die Artillerie entsprechend gruppiert. Diesem überlegenen roten Vorgehen mußten die blauen Sicherungen gegen Mittag nachgeben, um noch kampfkräftig in ihre Hauptstellung zurückzukommen. Am frühen Rachmittag hatte Rot die Ostränder der Waldstücke auf dem ofttoärtigen Altenau- mid (Sauerufer erreicht, die blauen Sicherungen gingen auf ihre Hauptkampfstellungen zurück. Sn diesem Moment, gegen 3 Hhr nachmittags, wurde die Hebung durch die Manöverleitung unterbrochen. Die Truppen rückten friedensmähig in ihre Biwaks ab, während die berittenen Offiziere zur Besprechung auf die Höhe südostwärts Lichtenau berufen wurden. Man kann den Hebungsgegenstand des ersten Tages als Cinleitungskäinpse bezeichnen, deren Fortsetzung die beiden nächsten Manövertage bringen werden. Die Kampshandlung läuft vom 27. auf 28. September durch und wird nur am späten Rachmittag des 27. September für eil) paar StuOden unterbrochen. ist dieser Erfolg auf die technisch einwandfreie Bearbeitung der Milch in neuzeitlich eingerichteten Betrieben und die Bezahlung der Milch an die anliefernden Landwirte nach Fettgehalt zurückzuführen. Die letztere Einrichtung, d. h. die Staffelung des ausgezahlten Stallpreises nach der Güte der Milch, ist bei den Genosfenschafts- molfereien seit Sahren ausnahmslos eingeführt und hat zu einer ständigen Qualitätsverbesserung geführt. Die Bestrebungen der Organisation gehen in dieser Richtung noch weiter durch die Einrichtung ständiger Butterprüfungen und die Verleihung der Hessischen Buttermarke an diejenigen Betriebe, die ben hohen Anforderungen dieser Prüfungen genügen. Aus alledem ist ersichtlich, daß die heimische Landwirtschaft mit aller Kraft bemüht ist, den durch die Einfuhr der Ausland- erzeugnisse bedrängten Markt wieder restlos zu gewinnen. Sie ist davon überzeugt, daß ihr dies schreckliche Angst, Denn im Publikum war Bewegung entstanden, ich fühlte das drohende Riesenauge einer Menge auf mich gerichtet. Sm anschwellenden Gemurmel machten sich die merkwürdigsten Worte vernehmlich; einige konnte ich ganz gut erkennen: da starrte das „tot" — ein runden Totenschädel zwischen zwei T-förmigen Kreuzen; der „ Frühling" lag umrankt da, er glühte, grünte und blühte und sah lässig den beiden ü-Punktcn nach, die wie zwei Dienen über seinen Blättern summten; neben der unbeschreiblich zarten Sungfrau „rein" hatte sich „Schwein" hingewälzt und rieb grunzend seine Schwarte an ihr — und noch viele, viele andere konnte ich erkennen. Aber nun sprang der Staatsanwalt mit pfeilscharfer Nasenspitze hoch, fein Finger schnellte wie ein Florett auf mich hin: „Du — Du — Du — Du — Du...!" stieß er keuchend hervor, seine Rede war lang, erbarmungslos und vernichtend. Die Heberzeugungskraft feiner Worte schien so groß, daß ich beim besten Willen nichts zu antworten wußte und gebrochen dasaß. Run jedoch flatterte mein Verteidiger mit graziösem Schaukeln zum Saalfenster herein: es war ein ungeheurer peruanischer Schmetterling, ein Morpho Dilius, mit saphirschimmernden Flügeln, die einen tiefschwarzen Zackenrand hatten. Er vollführte ein kurzes Begrühungsflattern vor deni Vorsitzenden Sch und setzte sich dann mit herrlichem Flügelzittern auf den Rand seines Katheders. Alles schwieg erwartungsvoll, und er begann, unvorbereitet, sogleich seine Rede. Durch sanftes Flügelschlagen und leises Vibrieren seiner schwarzen Fühler machte er sich ungemein verständlich. Er sagte, daß er auf Dem Kamm einer langen Ozeanwelle hierher zum Reichs- Mricht nach Leipig gefahren sei, und auf dem Wege viel unter widrigen Winden zu leiden gehabt habe. Der westliche Weg über den Pazifik wäre vielleicht doch wohl bequemer gewesen. Alles hörte ihm interessiert zu und nickte zu jedem seiner Flügelschläge. Er sei, so sagte der Morpho Dilius, von der Güte und Einsicht des Herrn Richters überzeugt. Der Angeklagte wäre noch lange nicht der Schlimmste, „und vor allem, meine Herren," sagte er: „es hätte doch immerhin gewesen sein können, wirklich — es hätte gewesen sein können!" Das klang so plausibel und war überdies so wahr und ■■ les empfunden, daß alle Worte ge- nur gelingen wird durch Lieferung einheitlicher und bester Qualität. Aus diesem Grunde gewinnt das Ergebnis der Milch-, Butter- und Käseprüfung in der Landesausstellung besonderes Snter- esse, zumal diese von sämtlichen namhaften Ge- nosfensd)afts- und, Privatmolkereien, sowie sonstigen milchwirtschaftlichen Betrieben beschickt war. Von letzteren ist die Molkereigenossenschaft Fulda- Lauterbach als die größte Wohl am besten bekannt, insbesondere durch ihren „Silberstern Camembert", der wiederum einen Ehrenpreis erhielt. Von weiteren Preisträgern sind zu nennen die Molkereigenossenschaft in Groß-Felda, die den Siegerpreis für Käse erhielt, ferner Einsiedel- Königstädten für Quark und Handkäse. Als Rohmilchlieferanten wurden die Hofgüter von Delt- Weiler-Weschniymühle und Müller-Georgenhausen mit dem Siegerpreis bzw. 1. Preis und Ehrenpreis bedacht, während für dauererhitzte Milch der rührt blickten — selbst „Schwein" hörte für einen Moment verdutzt mit dem Reiben auf —, und ich sogleich das Schlußwort erhielt. „Meine sehr geehrten Herren und Damen und Reutra," sagte ich, „ich hatte ja keine Anung davon, daß diese kleine stilistische Rachläfsigkeit so scha>ere Verletzungen und Kontusionen von Persönlichkeiten zur Folge haben könnte, mit denen ich mich gerade als Schriftsteller gut zu stellen allen Grund habe. Sch bereue es tief, bitte jeden der werten fünf Herren Zeugen um Verzeihung, und will in Zukunft mit ihnen viel schonungsvoller und mitfühlender umgehen. Vor allem aber will ich Sie nunmehr jedesmal zuerst um Erlaubnis fragen, und bin Überzeugt, daß Sie mir hochherzig Shre Meinung über den jeweiligen Fall nicht verweigern werden!" Sch erhielt eine Bewährungsfrist von vierhundert Seiten und schloß freudestrahlend Den Buchdeckel deS Saales hinter mir zu. Der alte Gerichtsdiener klopfte mir gutmütig auf die Schulter: „Aber nächstens machens nct wieder solche Stückeln!" sagte er. Emir „Mohammed al Raschid". Ein exotischer Hochstapler, Der sich „Emir Mohammed Pascha al Raschid" nannte, wurde in Belgrad festgenommen. Weil man nicht wußte, mit wem man es zu tun hatte, so wandte sich die Belgrader Kriminalpolizei auch an andere Behörden, um feine Person feststellen zu können. Der Erkennungsdienst Der Berliner Kriminalpolizei entlarvte ihn jetzt als einen Schwindler, Der im Sabre 1925 auch in Berlin auftrat und vorher schon die Behörden von Reuyork und London beschäftigt hatte. Sn Berlin spielte damals Der Hochstapler die Rolle eines Sohnes des Emirs von Kurdistan und ließ sich gern „Kronprinz von Kurdistan" nennen. Sn einer goldslrotzenden Phantasieuniform und geschmückt mit einem großen türkischen Orden am Bande und zahlreichen aufgesteckten Ehrenzeichen verkehrte er besonders in den Vorhallen Der ersten Hotels, fand auch Eingang in Die besten Gesellschaftskreise und erregte überall Aufsehen. Wie er sagte, reifte er nicht zum Vergnügen, sondern um eine Filmexpedition nach seiner Heimat zustande zu bringen. Das diente ihm zum Vorwand, sich „Vorschüsse" auf das Hüternehmen Dampfmotterei Grieb-Gießen, Den Molkerei- genolsenschaften Ostheim-RieDer-Weisel, RieDer- Wöllstadt, Hungen unD Schaafheim, sowie Der Milchzentrale Worms und Bräunig-Mainz Die ersten bzw. Ehrenpreise zuerkannt wurden. Die beste Butter hatten Die Molkereigenossenschaften des Verbandes der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften aufzuweisen, indem die Ge- nofsenschaftsmolkereien in Alsfeld, Altenstadt. Eichenrod, Rieder-Moos, Reichelsheim, 6tornDorf und Ulfa 1. Preise erzielen konnten. Den «Staats- und Siegerpreis' für Butter erhielt die Molkereigenossenschaft „Hoherodskopf" in Schotten. Sedenfalls haben Die Prüfungen Der mildv- wirtschaftliehen Erzeugnisse Hessens gelegentlich der Ausstellung, den Beweis Dafür erbracht, daß die hessische Landwirtschaft in Den letzten Sahren erhebliche Fortschritte in Der Erzeugung von hygienisch einwanDsreier Qualitätsware gemacht haben, so daß fein Anlaß mehr besteht, Den Aus-- landprodukten Den Vorzug zu geben, abgesehen von der nachteiligen Auswirkung auf unser. Handelsbilanz und Die SchäDigungder Volkswirt schaftlichen Snteressen. Der Herbstbezirkslag des Slenographenbezirks Gietzen fand bei starker Beteiligung Der Dezirksvere'.:.. aus Gießen (vier Vereine), Marburg, Wetzla. Lollar, Grohen-Linden, Butzbach, Schotten, Hl* richstein, Bad-Rauheim und Friedberg, wie gestern schon gemeldet, am Sonntag in Schot- t e n statt. Das Wettschreiben brachte folgende Ergebnisse: 1. Derkehrsschrift: 1. Preis und Ehrenpreis Annemarie Hollstein Marburg; 2. Emil Wolf, Gießen; 3. Hans Müller. Wetzlar. 2. Redeschrift: 1. und Ehrenpreis Friedr. von 2 e m m e r s , Gießen; 3. Kurl Moosdorf, Gießen. 3. 60 Silben: 1. und Ehrenpreis Agnes Sack, Gießen (Damenverein); Ehrenpreise Paula Bär und Elsbeth Menget, Schotten, Lotte Wilhelm und Elsa Birkenstock, Friedberg, Ernst Degen und W. L u h, Grotzen-Linden, Fritz Preußer, Gießen (Gesellschaft), Wilh. Zimmer, Gießen (Verein 1861) W. S cha r d t, Gietzen (Gesellschaft); 2. W. Vo 1 land, Gießen (Gesellschaft), Herta Säger, Friedberg; 3. Gerda Moser, Schotten. 4. 80 Silben: 1. und Ehrenpreis Emil Wolf, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreise K. Schneider, Gietzen (Verein 1861), Luise Schade, Gietzen (Damenverein), Gerda Walther, Friedberg, W. S ch a m e r , Schotten; 1. Gg. Schäfer, Wetzlar; 2. K. Ortwein, Marburg; 3. Otto Häuser, Grohen- Linden. 5. 100 Silben: 1. und Ehrenpreis Dora Hetz, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreise ®rna Franz, Gießen (Gesellschaft), Berta Eisen- bach, Gießen (Gesellschaft), Hch. Hormel, Wetzlar, K. Thomas, Hlrichstein; 2. Euaen K o l l m e r , Butzbach; 3. Hch. Stein, Gießen (Verein 1861). 6. 120 Silben: 1. und Ehrenpreis Fritz Möller, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreise K. Sommer, Friedberg, H. Baumann und Gretel Decker, Gietzen (Gesellschaft), Olga Pfeiffer, Gießen (Damenverein), Gertrud Hermann, Marburg; 2. K. Scholz, Marburg; 3. Ernst Felsing, Laubach 7. 140 Silben: 1. und Ehrenpreis Hedwig Schäfer, Lollar; Ehrenpreise Sohanna Flamme, Gießen (Gesellschaft), Ottilie S ch m u l b a ch , Lollar, Wilh. Frank, Bad-Rauheim, Albert Dom - deh und Frdr. G und lad), Wetzlar; 2. Ottilie Luh, Grotzen-Linden. 8. 160 Silben: 1. und Ehrenpreis Mariechen Georg, Butzbach; Ehrenpreis Ellh Thönges, Bad-Rauheim, Georg Gahma nn. Marburg; 2. Emil Schüler. Gietzen (Gesellschaft). 9. 180 Silben: 1. und Ehrenpreis Ludw. Wolf, Marburg; Ehrenpreise Hch. H e i n z e r, Marburg. Hildegard Kuhl und Bruno Schneider, Gietzen (Gesellschaft). 10. 200 Silben: 1. und Ehrenpreis Ottilie Treser, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreis L. Rull- mann , Schotten. 11. Staffel-Wettkampf, a) 200 Silben abwärts: Ehrenpreis, 14Vt Punkte, Gesellschaft Gießen (Fidel Balken, Gg. Wahl, Ottilie Tres er, Fr. von L e m m e r s und Fr. Rispel); b) 160 Silben abwärts: Ehrenpreis, 22^8 Punkte, Gesellschaft Gießen (Hildegard Kuhl, Emilie D e l l o f, Hch. Graf, Hanni Flamme, Emil Wolf); ferner nahmen teil: Gesellschaft Gießen (Br. Schneider, Hch. Preußer, Dora R i ck e I, Anna zu verschaffen. Der „Kronprinz" wurde schließlich auf einer Großbank festgenommen. Die Ermittlungen Der Kriminalpolizei ergaben, daß Der Verhaftete ein Schwindler ist, Der bereits im Sahre 1921 unter Dem Ramen „Major Domo" mit einer angeblichen Prinzessin Fatimah unD alberen Bevollmächtigter In Washington aufgetreten war. Das Paar war auch für Die amerikanische Gesellschaft eine Sensation. Bei Der Abreise konnte es aber seine Schulden nicht bezahlen, und so mußte Fatimah einen riesigen „Brillanten", Den sie als Schmuck an einem Rasenring trug, zmn Pfände lassen. Was dieser Ring wert war, ist hier nicht bekannt geworden. Der „Kronprinz" trug in Berlin einen, der nach seiner Angabe mindestens 10 000 Pfund kosten sollte. Von Fattmah hat man später nie wieder etwas gehört. Shr „Bevollmächtigter" tauchte Im März 1923 als „Prinz von Kurdistan" in London auf und mietete im Savoy-Hotek eine Zinrmerflucht für 200 Mark Den Tag, wartete aber vergeblich auf seinen „Sekretär", Der GelD bringen sollte. So muhte er bald ausziehen, fleDelte nach dem Hyde-Park-Hotel über und berief sich hier ohne Erfolg auf Den türkischen Botschafter. Rur einen Privatmann legte er mit 1000 Mark hinein. Die englische Polizei stellte ihn fest als einen 28 Sahre alten Aegypter Said Mohammed Kakelo, der Den Tag über im Gastend bei Schneidern Hosen bügelte und sich abends in seiner pomphaften Hniform auf Den Dielen Der großen Hotels bestaunen ließ. Der Hochstapler wurde nach Verbüßung einer Strafe von sechs Monaten schweren Kerkers ausgewiesen. Dieses Mißgeschick hinderte ihn aber keineswegs, seine Rolle weiterzuspielen. Sn Reuyork trat er als „außerordentlicher Gesandter von Kurdistan" auf, machte wieder bedeutende Schulden und kam auf einige Monate nach dem Zuchthaus Sing-Sing. Sm März 1924 wurde er in Liverpool groß empfangen, bald Darauf aber wieder entlarvt und abaeschoben. Sn Berlin versuchte sich Der Schwindler auch auf Schecks von nordamerikanischen Banken Geld zu verschaffen. Sm MäiZ v. S. wurde er in Berlin zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Man ließ sie ihn nicht ganz verbüßen, schob ihn vielmehr schon vorher über die Grenze ab. Deinen Streichen bis zur Wiederverhaftung in Belgrad gehen jetzt, die internationalen Kriminalbehörden weiter nach. rvy. Vena StaitB) 21V«P.: MaiHltta NP.. Bad-Rauheim 20V< P-, Friedberg 201/» P - Mar- bürg 20 P., Gefellschaft Dießen (Emnn Schüler. H. Baumann. Fr. Möller. Gretel Becker, Hch. 3 oedt) 19 P.. Schotten 15^/,P., Wehlar 131/* P- und Drehen Verein 8161 121/* Punkte. — Dachgebühren für unzureichend 'reigemachte Briefsendungen. Die Bestimmungen über Nachgebühren für nicht oder unzureichend freigemachte Briefsendungen des innerdeutschen Verkehrs werden mit Wirkung vom 1. Oktober ab dahin geändert, dah von diesem Tage ab im innerdeutschen Verkehr für nicht oder unzureichend freigemachte Postkarten. Briefe, Drucksachen usw. nicht mehr ein Betrag von mnrdestens 10 Pf. nacherhoben wird, sondern lediglich eine Rusrundung des Eineinhalbfachen des Fehlbetrages auf volle 5 Pf. stattfinbet. ' 266 Tage dauert der nächst« Winterfahrplan. Er beginnt am 2. Oktober, endet am 14. Mai und bringt eine Fülle wichtiger Veränderungen. Züge, die nur für den Sommerreiseverkehr bestimmt sind, fallen aus. Winter- sporlzüge werden eingeschoben, Anschlüsse ändern sich, Flugverkehr und SchifsahrtLdienst werden ganz umgestellt. Was hier nur angedeutet werden tann, ist auf einigen tausend Fahrplanseiten in den Storm-Kursbüchern bis ins kleinste und übersichtlichste zuverlässig festgelegt. Alle Storm-Ausgaben werden vor Beginn des neuen Fahrplans da sein. Die Ausgabe Storm-Reich, die den gesamten 2knlandverlehr und die wichtigsten Reisewege nach dem Ausland enthält, kostet 4 Mark. Außer der großen Ausgabe für das Reich gibt es für unser Berkehrsgebiet die Storm-Teilausgabe für West- und Süddeutschland, die 2 Mark kostet und die Fahrpläne des Rhein-, Ruhr- und Saargebiets, der Pfalz, Hessen-Rassau, Bayern, Baden, Württemberg und die große Eisenbahnkarte enthalt. Für Reisen nach dem Ausland benutzt man das übersichtliche und zuverlässige Lloyd-Kursbuch des internationalen Eisenbahn-. Luft- und Lleberseeverkehrs. daö zu Beginn des neuen Wintersahrplanes fertig vorliegen wird und 5 Mark kostet. Die Storm-Ausgaben und das Lloyd-Kursbuch sind überall — vor allem bei den DahnhofSbuchhandlungen — noch vor Beginn deS neuen Fahrplanes zu kaufen. "Der Wasserspvrtverein „Hellas" 1920 beging am Sonntag sein Stiftungsfest, verbunden mit Abrudern und Taufe zweier Renngigvierer. Am Rachmittag versammelte sich eine große Anzahl Mitglieder und Freunde des Vereins im Bootshaus, wo der erste Vorsitzende des Vereins die Taufe der Boote vollzog. Das «erste Boot erhielt den Romen „ Lahn. das zweite die Bezeichmmg ,AuS eigener Straft* 3n seiner Ansprache gab der Vorsitzende einen interessanten Lieberblick über den Werdegang der „Hellas". Beim Abrudern, das einen spannenden Verlauf nahm, wurden zweimal zwei Vierer, sowie die Vereinsmeisterschaft im Siner ausgefahren: letztere errang das Mitglied Albert Schöndorf. Am Abend vereinigte man sich im Saale des Restaurants Sieck, wo man das 7. Stiftungsfest in frohgestimmter Geselligkeit beging. ** Briefe an die Redaktion, Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir. alle für die Redaktton bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen, sondern allgemein „an die Redaktton" zu richten. Rur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden. Schöffengericht Gießen. " Gießen, 28. Sept'. Freigesprochen von der Anklage des Fahrraddiebstahls wurde trotz hohem Verdacht ein vielfach vorbestrafter Arbeiter aus Heidelberg. Er bestritt die Beschuldigung, und von den Zeugen, die den Täter beim Diebstahl beobachtet haben, konnte ihn keiner mit Sicherheit wiedererkennen. Ein wegen Urkundenfälschung, Unterschlagung und Beleidigung vielfach vorbestrafter Erwerbsloser von hier, der drei Tage Pflichtarbeit zu leisten hatte, aber nur einige Stunden gearbeitet hat, verfälschte eine Arbeitsbescheinigung, um auf diese Weise in den Besitz der Unter- stühung zu gelangen. Ferner hat er, zum gleichen Zweck, von seinen ArbeitSgeiwssen gehauene Steine als sein eignes Arbeitsprodukt auszugeben versucht uni) die städtischen Beamten mit unflätigen Ausdrücken beleidigt. Er erhielt eine Gesamtgefängnis st rase von drei Monaten und drei Wochen. <3fn Landwirt von Rieder-Mockstadt hat zwei Raummeter Buchenscheitholz gestöhlen und, als die Sache herauskam, bei seiner verantwortlichen Vernehmung beim Amtsgericht einen gefälschten Abfuhrschein vorgelegt. um den Richter zu täuschen und sich im Hindenburg-Marken kauft man beim Städtischen Wohlfahrtsamt! Besitz des gestohlenen Guts zu erhalten. Wegen Urkundenfälschung und Diebstahls erhielt er eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Monat. Vermischtes. Heber hundert Fälle von Fleischvergiftung. Seit Sonntag sind in Hohenmölsen bei Halle und einigen Rachbarorten über hundert Personen an Fleischvergiftung erkrankt. Eine eingehende Untersuchung ist eingeleitet. 3n Hohenmölsen ist ein Todesfall zu verzeichnen. Die Kinderlähmung in Sachsen. Auch in der Kreishauptmannschast Leipzig ist ein Fortschreiten der spinalen Kinderlähmung zu verzeichnen, ohne daß indessen irgendwelche Herde festgestellt sind, wie in der Stadt Leipzig. Cs sind 54 Fälle gemeldet. Hierzu kommen 129 Fälle in der Stadt Leipzig, so daß insgesamt 183 Fälle gemeldet waren, von denen indessen ein Drittel bereits wieder außer Behandlung sein dürfte. Die Zahl der Todes- I fälle beläuft sich auf etwa 20. 3m Bezirk der Straßensperrungen Die Straßensperre auf der Provinzialsttatzc Butzbach - Niederweisel - Niedermörlen ist aufgehoben. mitgeteilt vorn Oberhessischen Automobil-Club C.D., Gießen. Welche Strecke wird gesperrt ? 3n welchem Straßenzug liegt die Strecke? Für welche Fahrz. erfolgt die Sperrung? Voraussichtliche Dauer der Sperre Umleitung Wetzlar—Garbenheim Wetzlar - Heuchelheim - Gießen für alle Fahrzeuge 27. 9. bis auf weiteres Waldgirmes und Schöne Aussicht - Gießener Sttaße Rockenberg - Griedel Butzbach - Münzenberg für Lastkraft, wagen verlängert bis 1. November Münzenberg-Oberhörgern Kreishcruptmannschaft hat man mit Ausnahme der näheren Umgebung Leipzigs sich auf die Schließung der Schulklassen beschränkt, in denen Krankheitsfälle zu verzeichnen waren. Die überwiegende Zahl der Erkrankungen betrifft kleines Kinder. Allerdings sind auch Erwachsene bis zum Alter von 38 Jahren von der Krankheit ergriffen worden. Auch in Zittau i. d. Lausitz sind zwei Fälle spinaler Kinderlähmung leichterer Art auf getreten. Die Schulen, Kinderheime und Kindergärten sind geschlossen worden. Mordversuch am eigenen Kinde. Wegen Mordversuchs an seiner Tochter wurde ein 39sähriger Tagelöhner aus Reustadt a. d. H. vom Schwurgericht zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der Angeklagte hatte im 3uni d. 3. sein siebenjähriges Töchterchen, das bei seiner geschiedenen Frau lebte, in einen Wald gelockt und dort in einen Steinbruch hin- untergestvhen, wobei das Kind schwere Verletzungen erlitt. Der Zünder im Nahkorb. Gin in Leipzig wohnender 50jähriger Fahr- «rer wollte sich einen Knopf annähen. Er n Rähkorb, als plötzlich ein starker Knall ertönte. Der Mann stürzte blutüberströmt zu Boden. Er hatte im Rähkorb den oberen Teil eines Zünders gefunden, der explodierte und ihm sämtliche Finger der rechten Hand so stark verletzte, daß sie amputiert werden mußten. Auch ein Auge verlor er. Seine Frau erlitt ebenfalls erhebliche Verletzungen. Das große Los der Lrsahziehung. Der Hauptgewinn von 100 000 Mark, in der durch die Betrügereien der beiden Lotteriebeamten Böhm und Schleinstein notwendig gewordenen Grsatzziehung, fiel auf die Rümmer 149 288, die in der erften Abteilung in Berlin in Dier- telabschnitten und in der zweiten Abteilung in Bresl au in Achtelabschnitten gespielt wurde. Die Berliner Gewinner sind durchweg bedürftige Arbeiterfamilien. Den zweiten Gewinn von 25 000 Mark erhielt die Losnummer 273 234, die in Koblenz und Reuköln in Achtelabschnitten gespielt wurde. i\ufe l\e und frifche TRilch. das ist die Tlahrung furDein Sind, toenn Pu nicht soibli füllen bannfl.Die ftir eine Mahlzeit benötigte TTiengo.Kuf eke $ JJfg kostet für ein Kind bis zürn G.Tffonaf Mir HP i.i'A ;-A Infolge günstiger Abschlüsse besonders preiswert: Hemdentuche/Flockköper Sportflanelle/Nessel /Bettdamaste / Bettuchbiber Barchent / Federn / Unterwäsche / Neuheiten in Kleider- u. Mantelstoffen Sonneborn Alicestraße 11,neben Hess. Hof 8796a Bekanntmachung 8769a Angebote sind bis zum 5. Oktober d. 3 das önnen, einzu- für die Landgemeinden des Kreises Gießen. Größte Leistungsfähigkeit / Riesen- Auswahl / Beste Qualitäten / Reelle Preise/Aufmerksame Bedienung. Wir bringen immer wieder die schönsten Schuhe. Besuchen Sie uns! Auch Sie werden zufrieden sein! gemeldet ist. Auch nur bei dieser kann Wahlrecht auvgeübt werden. Gießen, den 27. September 1927. Allgemeine Oriskrankenkasse reichen. Leihgestern, den 24. September 1927. Bürgermeisterei. Obstversteigernng. Montag, den 3. Oktober L 3., vormittags 10 Uhr beginnend, soll das Gemeindcobst an Ort und Stelle versteigert werden. Der Anfang ist bei der Oberst. 87860 Wellerfeld, den 27. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Wetterfeld. Krauß. Bekanntmachung, In unser Handelsregister Abteilung B wurde am 24. September 1927 bei der Firma Schade & Füllgrade, Aktiengesellschaft, Zweigniederlassung Gießen, eingetragen: Der Kaufmann Ernst Weill in Frankfurt am Main ist zum weiteren Borstandsmitglied mit der Maßgabe bestellt, daß er zur Vertretung der Gesellschaft entweder zusammen mit einem anderen Dor standsmitglied oder gemeinschaftlich mit einem Prokuristen berechtigt ist. 8807C Gießen, den 26. September 1927. Hessisches Amtsgericht. Aepfelversteigerung. Dienstag, den 4. Oktober L 3.» sollen die Aepfel der Gemeinde Lauter versteigert werden. 87850 Anfang vormittags 10 Uhr an der Straße Wetterfcld—Lauter. Lauter, den 29. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Lauter. 21 ff. Sdiufifums Meyer Gießen, Bahnhofstraße 30 (neben Schade & Füllgrabe) ‘Bevor Sie Sdmfae fcaiifen überzeugen Sie sich zuerst bei uns von der Billigkeit unserer Qualitäts-Schuhwaren! Für die Mitglieder des Ausschusses der Allgemeinen Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Gießen ist Ersatzwahl anberaumt auf: Sonntag, den 20. November 1927. Die Stunde, die Wahllokale und die Wahlbezirke werden noch bekanntgcgeben Es sind zu wählen: 8781V 10 Vertreter von den beteiligten Arbeitgebern und 20 Vertreter von den volljährigen Versicherten. Gleichzeitig ist an Crsatzmitgliedern bis zur doppelten Zahl der Vertreter zu wählen. Wir machen hierbei auf §79 unserer Satzung aufmerksam. Hiernach sind beteiligt solche Arbeitgeber, die für ihre versicherungspflichtig Beschäftigten Beiträge an die Kasse zu zahlen haben. Arbeitgeber. die selbst versichert sind, zählen zu den Arbeitgebern, wenn Sie regelmäßig mehr als zwei Dersicherungspflichtige beschäftigen, andernfalls zu den Versicherten. Für die Wählbarkeit stehen den Arbeitgebern bevollmächtigte Betriebsleiter, Geschäftsführer und Bettiebsdeamte der beteiligten Arbeitgeber gleich. Nicht wählbar find Mitglieder einer Behörde, welche Aufsichtsbefugnisse über die Kasse hat. Die Arbeitgeber führen für je einen versicherungspstichtig Beschäftigten eine Stimme. Arbeitgeber, die mehrere 93er- sicherungspflichtige beschäftigen, führen bis zu 100 versicherungspflichtig Beschäftigten für je angefangene 20 und wegen der über 100 hinausgehenden Zahl für je angefangene 40 Beschäftigte eine Stimme. Mehr als zehn Stimmen kann fein Arbeitgeber führen. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei der Kasse versichert ist. Weder wählbar noch wahlberechtigt sind die Arbeitgeber unständig Beschäftigter als solche und Arbeitgeber, die mit der Zahlung der Beiträge länger als zwei Monate im Rückstand sind und Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatzkasse sind und deren eigene Rechte und Pflichten auf ihren Antrag ruhen. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Richt wählbar ist: 1. wer infolge strafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffenllicher Aemter verloren hat oder wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn das Hauptverfahren eröffnet ist; 2. wer infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Wer als Arbeitgeber wählbar ist, kann die Wahl nur ablehnen, wenn er 1. das sechzigste Lebenjahr vollendet hat; 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat; Kinder, die ein anderer an Kindesstatt angenommen hat, werden dabei nicht gerechnet; 3. durch Krankheit ober Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungsmäßig zu führen; 4. mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt. Die Vormundschaft oder Pflegschaft über mehrere Geschwister gilt nur als eine; zwei Gegenvormundschaften stehen einer Vormundschaft, ein Ehrenamt der Reichsversicherung einer Gcgenvor- mundschaft gleich; 5. während der unmittelbar vorhergehenden Wahlzeit das Amt minde- bestens zwei Jahre geführt hat. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zulässigen Grund ablehnt, kann vom ßorfifeenben des Vorstandes mit Geld- trafen bis zu eintausend Mark beftraft werden. Die Wahlen sind geheim; gewählt wird auf Grund von Vorschlagslisten wirt- chaftlicher Bereinigungen von Arbeitgebern ober von Arbeitnehmern ober von Verbänden solcher Vereinigungen nach den Grundsätzen der Derhällnis- wahl. Diesen Vorschlagslisten stehen gleich auch solche Vorschlagslisten von Arbeitgebern oder von Versicherten, die mindestens von 60 der beteiligten wahlberechtigten Versicherten oder von Arbeitgebern mit mindestens 30 Stimmen unterzeichnet sind. Diese Vorschlagslisten können bis zum Samstag, dem 15. Oktober 1927, mittags 1 Uhr, auf unserem Geschäftszimmer zu Gießen, kaiseralle 3, abgegeben werden. Die Stimmabgabe ist an die eingereichten Wahllisten gebunden. Die Vorschlagslisten sind getrennt für die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten aufzustellen. Jede Vorschlagsliste darf höchstens dreimal soviel Bewerber benennen als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter fortlaufender Nummer aufzuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausbrückt, sowie nach Familien-, Vornamen (Rufnamen unterstreichen), Beruf und Wohnort zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Der Vorschlagsliste der Versicherten ist von jedem Bewerber eine Erklärung herüber beizulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei der Vorschlagsliste der Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur bann erforderlich, soweit ein Arbeit aeber nach § 17 RVO. zur Ablehnung der Wahl berechtigt ist. In jeder Vorschlagsliste ist ein Vertreter her Vorschlagsliste und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Un- tcrzeichner zu bezeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter der Vorschlagsliste und soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Als Vertreter von Vorschlagslisten wirtschaftlicher Vereinigungen von Arbeitgebern oder von Arbeitnehmern oder von Verbänden solcher Vereinigungen gilt jeder Unterzeichner der Liste. Besondere Wählerlisten werden nicht aufgestellt. Zur Prüfung der Wahl- und Stimmberechtigung dient das Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnis (Heb- regifter). Die Hebregister können zu diesem Zwecke bis zum 22. Oktober 1927 während der üblichen Dienststunden ein« § eschen werden. Etwaige Beschwerden iergegen sind während dieser Frist bei uns vorzubringen. Bemerkt wird, daß die Ortsslelle zuständig ist, in deren Bereich der Geschäfts- oder Gewerbebetrieb gelegen und tüchtiger Fachmann, der an selbstständiges Arbeiten gewöhnt üt, für etnigcTage in der Woche als Aushilfe gesucht. Bei günstiger Entwickelung Aussicht auf dauernde Stellung. Schriftliche Angebote unter 87910 an den Gießener Anzeiger erberen. Mehveve tüchtige Verputzes per sofort gesucht Gustav Ehr. Schmidt Löberstrake 40 \ nachmittags 7 Uhr, bei der unterzeichneten ' stelle, woselbst Voranschlag und Bedingungen eingesehen werden rf „ Verrsedrwg. Die Lieferung des Bedarfs an gelb- und weißfleischigen guten Speisekartosseln für die Medizinische Klinik, Frauenklinik und Klinik für Hautkranke in Gießen mit etwa 800 Zentner und für die Chirurgische Klinik und Ohrenklinik In Gießen mit etwa 600 Zentner soll auf dem öffentlichen Submifsionswege vergeben werden. 8780C Die Lieferungsbedingungen können werktags, nachmittags zwischen 3 und 6 Uhr, einaesehen werden. Angebote nebst Proben sind bis zum Montag, dem 3. Oktober 1927, vormittags 11 Uhr, an die in Frage kommenden Kli- niksverwaltungen einzureichen.___________ Kartoffel- Lieferung. Die Lieferung von 800 Zentner guter ausgelesener Speisekartofseln für die Pro- vinzial-Pslegeanstalt Dberhoffen in Gießen soll vergeben werden. Angebote nebst Proben sind bis zum Samstag, dem 8. Oktober 1927, vormittags 11 Uhr, einzureichen. Zuschlagsfrist: fünf Tage. 8806V Gießen, den 28. September 1927. Provinzial-Pflegeanstalt Oberhessen (Licher Straße 74).____________ 4lrbeit6verftebnnq. Innerhalb des Orts sollen ca. 100 Quadratmeter Gossenpflasterung und ca. 250 Quadratmeter Beichaussierung hergestellt werden. 8655V Dieses Bett aus 33 - mm - Stahlrohr, 90X190 cm groß, kostet mit einer guten, stabilen Drahtmatratze...............Mk. 19.50 Woll-Matratze (3Tc,,eund*"j aus einfarbigen oder geblümten Drellen, mit guter Füllung................ 56.00, 48.00, Kapok-Matratze (3 Te“e ',nd 3 erstklassige Qual., Drell in einfarb. o. Blumen- muster, mit guter la Kapokfüll., 98.00,85.00, M REINIGEN, Nachiüllen und Umfällen von Betten besonders billig Gebr. Bär / Giefeen / Marktstr. 29 Telephon 271 Lieferung frei Haus, auch nach auswärts Telephon 271 8773a in 8010D Bleichstr. 10. 0.85 Korsettsdioner 0.45 Mk. 0.85, 0.75 weib Trikot Mk. farbig Damen-Handsdiuhe Mk. 1.95 1.50 3.50 1.15 Mk. sortiert Mk. Bismarckheringe, Rollmops t-etr,s. 0.80 3.90 1.75 Mk. Strapazier-Qualität Mk. Die Preise haben nur Freitag und Samstag Gültigkeit! 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Herr Theorie zure «hüben ««6 von! Mte, daß b bkS Zirkels si obwohl doch W. daß bei politischen V Sorbett toe ©nttoaffn fto, I 4 5-nlüun, haut d'?/ 'ki ihren K . Einen in, E0en 5iPPe ft9®9 ZU! S** 'hres fi ST D st?i fi* (Q* wie diesen r?9c hatte Kn L ihrem ^°ri Dersu? ur.s LK b|e5reu2yDcr 'inige Ä 'n f- Ur. 228 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 29. September 1927 Genfer Abgesang. Der Vorhang über dem Genfer Schauspiel M gefallen, lanaer als vier Wochen Hal ftch ®te Weltöffentlichkeit von den Akteuren, die mit mehr oder minder Geschicklichkeit dort auftraten, «Trierhalten lassen. Wenn man aber einmal rück- Ichauend überlegt, was in dieser langen Seit geschehen ist dann hat man ungefähr ine Empfindungen, daß man aus einem Sensattons- stück herauskommt: die Zeit ist angenehm totge- jchlagen, der Ertrag aber gering. Denn das positive dieser Derhandlungswochen liegt «igentlich nur in der Regation. Der ruma- Tnisch-ungarische Streit, der doch auf ixe kürzeste Zormel gebracht, so steht, ob Rumänien' berechtigt lein soll, seine neuen Zwangsuntertanen zu enteignen, nur weil sie Ungarn sind, ist wieder einmal vertagt. Auch die Danz-.ger Sorgen lind nicht geringer geworden: Danz'.g hat einige Hoffnungen mit auf den Weg bekommen, die sich DieNcicht im nächsten Jahre verwi«lichen Kassen. Und im übrigen? Es sind ztoeiReso- lutionen angenonrmen worden, die, was sie «m Klarheit vermissen lassen, durch ihren Umfang amd ihre Länge ersehen. Diese beiden Entschließungen sind, abgesehen Don dem Eintritt Deutschlands in die Mandats- lommlssion, der eigentliche politische Aiederschlag Der ganzen Tagung. Sie werden nicht viel Weiler helfen, sie sind für Deutschland freilich insofern ein Erfolg, als es gelungen ist, den sorg- sältig vorbereitetenVorstoß, mit dem wir überrannt Derden sollten, abzuwehren und wenigstens einigermaßen dem Völkerbund auf die Linie sefizulegen. die er innehalten mus), wenn er sich -nicht selbst ganz ausschallen will. Die Polen Gatten den Ehrgeiz, auf Umwegen doch zu einer »erträglichen Sicherung ihrer Grenze Durch Deutschland zu kommen und wollten des- Dalb ein Ost-Locarno oder einen Weichsel- Pakt wie sie ihn vorsichtshalber namVen. Aur Dank ihrer Ungeschicklichkeit haben sie d a s S p i e l »erkoren, weil Chamberlain klug genug war, gu merken, dah auch die englischen Machtmittel eingesetzt werden sollten, um den Polen Die Fortführung ihrer größenwahnsinnigen tn- -neren Polittk zu ermöglichen. Ts stellte sich also -ehre natürliche Di-ndesgenossenschaft zw:schen Deutschland und England her, die in diesem Falle sogar auf Driand eine starke Anziehungskraft -auSübte. so daß Polen zurückgepfiffen wurde und Del dem Streit nur eine .Kundgebung gegen den title g“ herauskam, die vielleicht Don Wert gewesen wäre, wenn sie nun wenigstens glatt von der Versammlung angenommen wurde, die aber auch erst in einen Ausschuß abgeschvben wurde, um nachher als ziemlich harmloser Punkt der Tagesordnung im großen Ramsch mit erledigt zu werden Mit der A b r ü st u n g ist es nicht viel anders gegangen Auch hier endlose Kommis sionsbera- tungen bis die Reimmalweisen schließlich das hohe Kunststück fertig bekommen hatten, die weit auseinander gehenden Auffassungen unter «tuen H u t zu bringen und auf eine ®nti- schließung zu vereinigen, die niemandem wehe chrt, die infolgeDeffen auch nicht allzuviel bedeutet. Snnn-rhin, wir dürfen doch sagen daß hier Deutschland mit fünfzig Prozent allordiert hat -und daß wenigstens ein mittelbarer Fortschritt zu verzeichnen ist. Deutschland hat daS stärkste Interesse daran, daß die Llbrüstung sich -nicht totläust. Sie war auf dem besten Wege dazu nach der Art, wie in der „Vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz" mtt ihr umgesprungen wurde, weil Frankreich es ausgezeichnet verstand. Abrüstung undSicher- heit mi!einander zu verbinden, wie die beiden Figuren eines Wetterhäuschens und jeweils die ! eine oder die andere Puppe herausspringen,zu lassen. Herr Paul-Doncour hatte sich die schöne Theorie zurecht gelegt, daß an Abrüstung erstzudenken fein könne, wenn daSnötige Maß von Sicherheit geschaffen sei und hoffte daß der Völkerbund an dieser Quadratur deS Zirkels sich noch endlose Ze t abmüh.'n wurde, obwohl doch selbst für den größten Laien klar ist daß bei der Lagerimg der militärischen imd politischen Machtverhältnisse in Europa nur eins gefordert werden kann: die Sicherung der Entwaffneten. Die Franzosen dagegen tooll- ten für die bis zu den Zähnen bewaffneten Staaten noch weiter« Sicherungen von den Entwaffneten, obwohl sie ja zugeben mutzten dah ihr Bedarf an Garantien einigermahen gedeckt sei. Aber ihre armen polnischen Freunde stehen ja immer noch unter dem Druck der deutschen Gefahr. Deshalb muhte das etwas ver- blahte Gespenst des Genfer Protokolls aus der politischen Rumpelkammer wieder herausgeholt werden, mit dem man aber niemandem mehr Schrecken einzujagen vermag. Die deutsche Delegation hat geschickt operiert. Die Reden, die Herr Dr. Stresemann gehalten hat. verfehlten ihre Wirkung nicht, und so ist wenigstens das eine Ziel erreicht, dah die Verbindung zwischen der Sicherheit und der Abrüstung gelockert ist. Für die Sicherheit ist eine eigene Kommission eingesetzt, die leider von der LLrüstungskommission abhängig ist. Die Frage wird aber besonders behandelt und infolgedessen kann das Tempo der 2lbrü stungsberatun- gen nicht mehr von dem Stand der Sicherheitsfragen abhängig gemacht werden Wir haben auherdem erreicht, dah eine beliebige Vertagung der Beratungen der Abrüstungskonferenz verhindert ist und dah wenigstens eine Beschleunigung ihrer Arbeiten angestrebt werden soll. Was dabei herauskommt, ist freilich eine Frage der Sufunft, wie ja auch die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen über tie Kriegsschuld- frage, die nur durch die ungeheuerliche Tonart der Gegenseite ihre scharfen Formen angenommen haben, zeigten, dah wir trotz aller freundlichen Worte von einer inneren Annäherung noch ebenso weit entfernt sind, wie von der Gleichberechtigung trotz Locarno! Gewiß tonnen die Folgen eines Weltkrieges nicht von heute auf morgen verschwinden. Gerade Deutschland muh sich daran gewöhnen zu warten und mit fletnften Vorteilen sich zu begnügen. Aber die Verhandlungen der Septembertagung und die Reden, die in der Zwischenzeit zu uns herüber- gekonnnen sind, haben doch wieder einmal bewiesen, dah der gute Wille der Gegenseite nur sehr dürftig ist. Und das ist die eigentliche Bilanz von Genf. Die Vergieichsordn ung vom 5. Juli 1927. Von Amtsgerichtsrat Am 1. Oktober 1927 tritt die Verordnung über die Geschäftsaufsicht zur Abwendung des Konkurses außer Kraft. Damit wird wieder ein Stück Kriegsgeseygeoung abjC&aui. Die Geschäftsaufsichtsverordnung diente ursprünglich dem Zweck, infolge des Kriegsausbruchs unverschuldet notleidende Unternehmungen zu schützen und sie insbesondere durch das Verbot von Zwangsmah- nahmen einzelner ungeduldiger Gläubiger iw vor zu bewahren, dah sie in Konkurs gehen muhten. Die Verordnung zeichnete sich also durch eine ausgesprochen schuldnerfreundliche Tendenz aus. Diese Tendenz, so bllligenswert sie für die eigentlichen Kriegsverhältnisse war. wirkte sich in der Rachkriegszeit häufig sehr ungünstig aus. Besonders in der Zeit nach der Stabilisierung unserer Währung fristeten unter dem Schutze der Gcschäftsaufsicht innerlich lebensunfähige Unternehmungen auf Kosten ihrer Gläubiger und zum Schaden der Gesamtwirtschaft, deren notwendiger Reinigungsprozeß damit aufgehalten wurde, ihre Existenz. Das Aufsichtsverfahren erfuhr deshalb lebhafte Kritik, die auch nach der gläubigerfreund- licheren Aenderung des Gesetzes durch die Ro- velle vom 14. Juni 1924 nicht verstummte. Diese Kritik war unbedingt berechtigt, soweit sie die Geschäftsaufsicht als solche und den durch sie bedingten einseitigen Schuldnerschuh bekämpfte. Sie ging aber fehl, soweit sie die radikale Beseitigung des Aussichtsgesehes und damit auch des darin enthaltenen Zwangsvergleichsverfahrens verlangte. Denn die durch die Aufsichtsverordnung erschlossene, von einsichtigen juristischen und Wirt- schaftskreisen fett langem geforderte Möglichkeit eines Zwangsvergleichs außerhalb des Konkurses (sog. Präventivarkord) bedeutete ehren starken Fortschritt in unserer Rechtsordnung. Vorher war der Rechtszustand doch fo, daß ein in Schwierigkeiten geratener Schuldner, Der sich durch ein Abkommen mit seinen Gläubigern Über Stundung oder tellweisen Erlaß der Forderung di« Möglichkeit der Erhaltung und Wiederaufrichtung seines Geschäftes sichern wollte, auf die Zustimmung aller Gläubiger angewiesen war. Wenn auch nur eine Minderheit der Gläubiger (fog. „Allordstörer") nicht einverstanden war. sondern mit Zwangsmaßnahmen vorging, so war der Konkurs mit allen seinen wirtschaftlichen und sozialen Aachteilen für den Schuldner unvermeidlich. Durch die Konkurseröffnung wurde auch regelmäßig der zum Entgegenkommen bereite Teil der Gläubiger geschädigt, denn Der Schuldner, der zur Vermeidung des Konkurses Die größten Anstrengungen gemacht hätte, um seinen Gläubigern eine annehmbare Befriedigung zu verschaffen, verlor erfahrungsgemäß durch Die Eröffnung des Konkurses alle Energie. Er ließ den Dingen ihren Laus: die Konkursdurchsührung mit ihrer oft unvermeidlichen Verschleuderung Der Waffe brachte den Dr. CB o del - Offenbach. Gläubigern nur eine magere Quote. — Es ist deshalb zu begrüßen, dah Der gesunde und rechtsfortschrittliche Gedanke des Zwangsvergleichs außerhalb des Konkurscs, der in dem Aufsichts- gesehe zum erstenmal Gestalt gewonnen hatte, unserer Rechtsordnung nicht wieder verloren gegangen ist, sondern durch das „Gesetz über Den Vergleich zur Abwendung des Konkurses", das am 1. Oktober d. 3. die Geschäftsaufsichisverordnung ablöst, erhalten und näher ausgestaltet wurde. Als wesentlicher Inhalt der neuen Vergleichs ordnung ist folgendes hervorzuheben : Die Eröffnung des Vergleichsverfahrens kann nur von dem Schuldner beantragt werden. Dor- aussetzung ist Zahlungsunfähigkeit (oder auch Ueberschuldung, wo diese als Konknrsgrund anerkannt ist). Mit dem Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens kann der Schuldner auch einem von Gläubigerseiten gestellten Konkursantrage begegnen. Der Antrag muß einen bestimmten Dergleichsvorschlag enthalten und ergeben, ob und wie die Erfüllung des Vergleichs sichergestellt werden soll. Reben weiteren Er- flärungen des Schuldners ist dem „ Antrag als wichtigste Anlage beizufügen die schriftliche Cr- flärung der Mehrheit Der am Verfahren beteiligten Gläubiger, die zugleich mehr als die Hälfte der Gesamtsumme der von dem Vergleich betroffenen Forderungen darstellen muffen, daß fie mit der Eröffnung des Vergleichsverfahrens einverstanden find. Ist der Schuldner Kaufmann, fo hat er auch die letzte Bilanz einzureichen. Das Gericht (zuständig ist das Amtsgericht, das als Krmkursgericht kompetent wäre) hat vor der Entscheidung über Den Antrag, wenn der Schuldner Handel- oder Gewerbetreibender oder Landwirt ist, die zuständige amtliche Derufsvertretung (Handels-, Handwerks-, Landwirtschaftskammer) zsu hören In bestimmten Fällen (§22, 23) mutz ober kann das Gericht die Eröffnung ablehnen Wird die Eröffnung abaelehnt, so ist zugleich über die Eröffirung des Konkursverfahrens zu entscheiden, Da Der Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens als Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens, der nicht zurückgenommen werden kann, gilt. Wird das Verfahren eröffnet, sv sind an ihm beteiligt und werden von dem Vergleiche betroffen die Gläubiger, die im Konkursfalle nicht bevorrechtigte Konkursgläubiger wären. Bei der Eröffnung des Verfahrens ist durch das Gericht eine V er t r aue n s p e r s on (entsprechend der Aufsichtsperson bei dem Geschäfts aufsichtsvers ähren) zu ernennen und ein Termin zur Verhandlung Über den Vergleichs- Vorschlag des Schuldners anzuberaumen. Der Vergleichstermin ist nicht über einen Monat hinauszurücken. Ervffnungsbeschluß und Der- gleichstermin sind sofort öffentlich bekanntzu- machen. II ........ IIMII—II ■!!■! II B~~I1--1 - -------------- Die Eröffnung d«S Verfahrens zieht folgende Rechtswirkungen nach sich: Die beteiligten ©laubiger können keine neuen Zwangsvollstreckungen mehr vornehmen, bereits etngefeitete Vollstreckungen sind einstweilen einzustellen, das Vergleichsgericht kann auf Antrag die endgültige Ein- siellung Der Vollstreckung und die Aushebung schon vollzogener Dollstreckungsmahnahmen verfügen Erhebt ein beteiligter Gläubiger Klage, so fallen ihm die Prozehkosten zur Last, wenn der Schuldner sofort anerkennt. Die Verjährung der Ansprüche der beteiligten Gläubiger ist für die Dauer des Vergleichsverfahrens gehemmt. Entscheidung über etwaige Anträge auf Konkurseröffnung bleiben ausgesetzt. Bei gegenseitigen Verträgen, die noch nicht oder noch nicht gan^erfütit sind, kann jeder Teil (bei der Ge- ussicht konnte es nur der Schuldner) die Erftnlung mit Ermächtigung des Gerichts ab» lehnen Besonderheiten gelten für Miet- und Pachtverträge Ist der Schuldner Kaufmann, so hat er von der Zustellung des Beschluffes über Die Eröffnung des Vergleichsverfahrens bis zur Bekanntmachung des Beschluffes über die Beendigung des Verfahrens feiner Firma den ausgeschriebenen Zusatz „im Vergleichsverfahren" beizufügen Der Schuldner Darf während der Dauer Les Verfahrens die vorhandenen Mittel nur insoweit für sich verbrauchen als es zu einer bescheidenen Lebensführung für ihn und seine Fa- milie unerläßlich ist. Die Dertrauenspersvn hat die Derhäktnisse des Schuldners zu prüfen, seine Eeschässfführung und seine Ausgaben zu überwachen 3m Gegensatz zu Dem GeschäftsaufsichiL- verfahren, wo Der Schuldner in seiner Der- fügungsbefugnis nicht eingeschränkt werden konnte, hat jetzt das Gericht die Möglichkeit, ein allgemeines Veräußerungsverbot oder auf bestimmte Dermögensgegenstände beschränkte Verfügungs- Verbote dem Schuldner aufzuerlegen 3n dem Vergleichstermin wird über den Dergleichsvorschlag des Schuldners verhandelt und abgestimmt. Die zum Abschluß eines Vergleichs erforderlichen Mehrheiten entsprechen Len Vorschriften derGeschäftsaufiichtöverordnung. Es ist also erforderlich, dah die Mehrheit der stimmberechtigten Gläubiger dem Vergleiche zustimmt und Die Gesamtsumme der Forderung der zustimmenden Gläubiger mindestens oreiVler- teile Der Forderung der stimmberechtigten Gläubiger beträgt. Bei Stundung ohne teilweisen Erlaß Der Hauptforderung genügt es. wenn die Mehrheit der stimmberechtigten Gläubiger zu- stimmt und die Gesamtsumme der Forderungen dieser Mehrheit mehr als Die Hälfte der Gesamtsumme Der Forderungen beträgt. Reu ist folgendes: Sautet der Vergleichsvorschlag auf einen teilweisen Erlaß Der Forderung und gewährt er Den Gläubigem nicht mindestens Die Hälfte ihrer Ansprüche, so muß Die Mehrheit Der zustimmenden Gläubiger mindestens über vier Fünftelle der gesamten Forderung verfügen. Ein Gläubiger kann dem Dergleichsvorschlag auch schriftlich Anstimmen. Der Derglcichstermin kann nur ganz ausnahmsweise vertagt werden. Zu dem Termin hat Der Schuldner persönlich zu erscheinen und toeim ein Gläubiger Darauf anträgt, Den OffenbarungSeid zu leisten. Der angenommene Vergleich bedarf, wie bn Geschäftsaufsichtsverfahren, Der Bestätigung des Gerichts, das zuvor den Schuldner, Die Dertrauenspersvn und einen etwaigen Gläubiger- ausschuh au hören hat. Die Entscheidung Über Die Bestätigung ist tn Dem DergleichStermln selbst oder längstens innerhalb einer Woche darnach zu verkünden. DaS Gesetz ffeht bestimmte Gründe vor, aus Denen Der Vergleich zu verwerfen ist und die teils von Amts wegen, teils aus Antrag zu berücksichtigen sind. Wird der Vergleich bestätigt, so ist sogleich das Verfahren aufzuheben und diese Aufhebung öffentlich bekanntzumachen. Bei Verwerfung des Vergleichs ist gleichzeitig über Die Eröffnung des Konkursverfahrens zu entscheiden. Der bestätigte Vergleich ist wirksam für und gegen alle beteiligten Gläubiger, auch wenn sie an Dem Verfahren nicht teilgenommen oder gegen Den Vergleich gestimmt haben. Die für die Dauer des Vergleichs'oerfährens laufenden Zinsen, Jotoie bestimmte Vvllstreckungskosten gelten als erlassen. Der bestätigte Vergleich bildet in Verbindung mit einem Auszuge aus dem Gläubigerverzeichnis einen vollstreckbaren Titel, aus Dem die Zwangsvollstreckung nach den all- ................—3——MW II Bll Illi'«■lll— ■■■ »WEM ui um iii ii- ÜluErfolgundÄebe. Roman von Robert Misch. Copyright by Carl 2)unter, Berlin SW 62. 4 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Endlich zog er den kleinen Gegenstand aus der lasche, reichte ihn ihr mit einem plötzlichen Ruck. Eine feine Flamme überflutete die zarte, milchige Haut der Rothaarigen: es glomm leidenschaftlich in ihren Augen — Dann lag sie an seinem Hals and küßte ihn wild. . Einen Moment lang spürte er Die frischen, gingen Lippen auf seinem MunDe. Wie Feuer schlug es zu ihm hinüber — er atmete Den zarten Duft ihres Haares. Dann käste sie sich schnell aus feinen umfangenden Armen und entwischte zur Mutter. Ihm war, als ob die Knie unter ihm wankten. In seinen Adern rasten glühende Flammen. Der Frühling kam mit wehenden grünen Fahnen, Die er siegreich auch in Den Plätzen und Anlagen der Weltstadt flattern ließ. Die Sonne legte sich warm und wohlig über die Straßen Berlins. Die Fenster flogen aus. Alles strebte hinaus, dehnte lld) in Luft und Licht. Rach wie vor trafen die beiden jungen Leute sich zuweilen in Der kleinen Konditorei, manchmal auch in Hundekehle, von wo fie dann die schönsten Spaziergänge unternahmen. Aber einen Kuß von diesen roten Lippen, nach Denen er sich so sehnte, hatte Eberhard von seiner kleinen Freundin seit ihrem Geburtstag nicht wieder errungen. Jeden Versuch, ihr einen solchen zu rauben, wehrte sie streng ab, als wüßte sie mit sicherem Fraueninstinkt, daß die Seltenheit ein Geschenk nur um so begehrenswerter machte. Die Sehnsucht, wenigstens einen Tag ungestört im Freien, irgendwo an einem See oder im Wald mit Isa zu verleben, wuchs riesengroß in ihm. Auch die Freundin selbst batte nichts Dagegen, als er ihr einige ersparte Goldstücke zeigte und ein ausgewähl- les 'Menü mit Champagner, Gänseleber und Torte versprach, die für sie den Inbegriff irdischer Genüsse darstellten. Und nun studierten sie beide eifrig, wie die Sache zu „deichseln' war. Ziemlich gleichzeitig tarnen sie auf dieselbe Idee. Die Mädchenschule veranstaltete jedes Jahr ein größeres Sommerfeft, irgendwo da draußen. Diesmal sollte es mit Bahn und Schiff nach Grünau gehen. Schon einige Tage vorher berichtete Eberhard zu Haufe von einem Ausflug (einer Klaffe nach Potsdam. Kein Mensch zweifelte Daran, und fein Mensch würde erfahren, daß der Potsdamer Ausflug nur in seiner Phantasie existierte, und daß Isa Den ihrer Schule nicht mit ihrer Gegenwart beehren würde. Papa und Mama Kommerzienrat wurden in Kontribution gesetzt, und beide gaben reichlich: denn Hermann Rettebohms Sohn sollte sich nichts abgehen lassen vor seinen Mitschülern und Lehrern. Uebrigens war Der Junge sehr brav. An das kupferhaarige Mädel dachte er offenbar gar nicht mehr. Er interessierte sich jetzt angeblich für ein hellblondes Fräulein Lilli aus der Tanzstunde und „Branche". Dagegen ließ sich nichts einwenden, war auch ungefährlich. Papa und Mama lächelten mild und dachten ihrer eigenen Jugend. Der große Tag war angebrochen. Im Seitenflügel wie im Vorderhaus sah man ihm mit Sehnsucht entgegen. Schon um sechs Uhr früh begab sich Isa auf die Reise. An einer verabredeten Ecke war- tete sie auf Eberhard, der erst eine halbe Stunde später, um keinen Verdacht zu erregen, das Haus verließ. Scheu blickten sie sich um, ob ihnen irgendein Bekannter in den Weg liefe. Aber zu so früher Stunde war das kaum zu befürchten. Vorsichtshalber fuhren sie mit einem Omnibus bis zum Bahnhof Alexanderplatz, wo sie sicher kein Mensch kannte. Von dort aus ging's hinaus an den Scharmützelsee. In Fürstenwalde stiegen sie dann in einen Auto-Omnibus, der an Birkenschlägen und Kiefernforsten vorbeisauste, bis endlich der See vor ihnen in spiegelnder Bläue seine Augen aufschlug im Glaste der Sonne zitternd. In einem Hotel am See frühstückten sie. Isa war wie ausgehungert und schwelgte in Kaffee und Sahne, in weißen Milchbrötchen, Honig und Kuchen. Zuletzt, als sie schon satt war, verlangte sie noch nach Erdbeeren. Und dann wollte sie segeln. Eberhard mietete das größte und sicherste Boot. Trotzdem fürchtete sie sich noch ein wenig und wollte noch im letzten Moment zurück. An Eberhards spöttischem Blick richtete sich ihr Mut wieder auf. Mit leichtgespannten Segeln, die ein kräftiger junger Bursche regierte, schossen sie vor der leichten Brise dahin. In der Pieskower Höhe erweiterte sich das halbrunde Becken, das bisher zwei vorspringende Landzungen eingercchmt, zu seiner vollen Breite. Run erst überblickten sie den ganzen großen See, der sich gleich einem Halbmond von Norden nach Süden zog, ein „Brandenburgisches Meer", wie Eberhard seinen Fontane zitierte. Weiße Villen mit Badestegen duckten sich zwischen grüne Gärten, zwischen breit ausladende Kiefern, die sich hier zu ihrer ursprünglichen, eigenartigen Schönheit entfalten konnten, zwischen weiße Birken und Linden. Ueppige Blumen- und parkartige Gärten hatten hier Kunst und Kultur haus dem kargen Boden gezaubert und über diese Ufer gestreut. Hier draußen wehte die Brise stärker, blähte das Segel auf und beugte das festgebaute Boot zuweilen schräg auf die Wasserfeste. Dann klammerte sich Isa ängst- Hd) an Eberhard. Er lächelte ermutigend und behielt ihre Hand in seiner Rechten. An Den Silberberger Wiesen stiegen sie aus und ließen das Boot warten. Gleich einer bunten Stickerei auf grünem Canevas blühten hier die Lenzblumen in roten, gelben und blauen Farben, durchtupften in zarten Nüancen alle Büsche. Man war wie hundert Meilen weit von der Welfftadt, die hierher nicht die leiseste Welle herüber- schlug. Das silberne Plätschern des Wassers, das leise Wehen der Blätter machte diese tiefe, weltferne Stille nur noch deutlicher. Ein Vogel zwitscherte schläfrig in der Mittagshitze. Aus der großen Terraffe, die jetzt von Dauergästen und „Wochenendlern" wimmelte, aßen sie bann später zu Mittag. Sie aß mit einer heiligen Andacht — wie jemand, dem solche Genüsse selten zuteil werden. Mutter Mengers hielt zwar, von ihrer Theaterzeit verwöhnt, auf gute Küche: aber es war doch nur Hausmannskost, die sie ihren Leuten vorsetzen konnte. Rings umher an Den Tischen erschienen kleine Mokkageschirre mit zierlichen Kannen und Schälchen. Auch Eberhard bestellte und dazu auf ihren Wunsch Gebäck. Sie trank auch seinen Kaffee aus, von Dem er nur ein Täßchen nippte, und aß das ganze Gebäck fast allein auf. Dann eine kleine Damenzigarette im roten Mündchen — er hatte die Schachtel extta aus Berlin mitgebracht — lehnte sie sich zufrieden in ihren Sessel zurück. „Gesättigt, Isa?" fragte er mit leichtem Spott. „Ja, lieber Junge — und du brauchst »gar nicht zu lächeln. Du ißt so was eben alle Tage." „Doch nicht, Isa — so üppig nicht!" „Begreifst du nicht, daß man sich nach so etwas sehnt, wenn man täglich nur Bohnensuppe und Rindfleisch vorgesetzt kriegt?" „Nun ja, das begreife ich. Du hast eben «den Instinkt für alles, was schön und angenehm ist." ,Da, Eberhard, den habe ich — ich bin zur Dame geboren. Und glaube mir, ich werde es auch noch einmal." Die Sechzehnjährige sprach es mit tiefer lieber- zeugung aus. Man merkte, wie ernst es ihr sei. Er schaute sie überrascht an. Ein so fester, ernster, heißer Wille tönte aus ihren Worten, züngelte aus ihren Augen. Noch nie hatte sie ihm gegenüber so offen gesprochen. Zum erstenmal verriet sie ihm ihre geheimen Wünsche. „3a, Isa, du wärest würdig, eine Krone zu tragen", rief er begeistert. Sie lächelte überlegen. „Das gibt’s heute nicht mehr, Eberhard. Und Kronen drücken. Aber emporkommen, das will ich." „So sollst du meine Königin werden. Warte auf mich! In sechs oder sieben Jahren bist du meine Frau." Sie lächelte nicht mehr, sie sah ihn ernst an. „Dein Vater würde sich mit Händen^und Füßen dagegen wehren. Auch deine Mutter —" „Was frag' ich danach! Laß mich nur erst Teilhaber sein oder das Geschäft ganz in Händen haben!" Und nun sprudelte es alles heraus, was er in einsamen Stunden geträumt. Eigentlich würde er sich ja am liebsten der Literatur oder der Bühne widmen. Und langsam stotternd verriet er, daß er an einem Versstück schriebe, einem biblischen Stoffe. (Fortsetzung folgt.) «meinen Vorschriften betrieben werben kann. Eine Klage auf Aufhebung des Vergleichs wegen Dichterfüllung findet nicht statt. 3edvch ist die wichtige Bestimmung des § 7 zu beachten: ®nt- hält der Vergleich einen teilweisen Erlaß der Forderung, so ist im Zweifel anzunehmen, daß Der Vergleich hinfällig wird, wenn der Schuldner mtt der Erfüllung des Vergleichs in Verzug kommt, oder wenn vor vollständiger Erfüllung des Vergleichs das Konkursverfahren über das Vermögen des Schuldners eröffnet wird. hinter bestimmten Voraussetzungen, die in § 79 aufgeführt sind, ist das Vergleichsverfahren einzustellen. 3m Falle der Einstellung ist zugleich über die Eröffnung des Konkursverfahrens zu entscheiden. Auch hier gilt — wie bei der Ablehnung der Eröffnung des Vergleichsverfahrens und der Verwerfung des Vergleichs — der Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens als Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens, der nicht zurückgenvmmen werden Tann. e , Wird im Falle der Ablehnung der Der- gleichseröffnung, der Vergleichsverwerfung oder der Derfahrenseinstellung das Vergleichsverfahren durch das Konkursverfahren abgelöst, so gelten folgende Lleberleitungsvorschriften. Eine dem Schuldner auferlegte Versügungsbeschrän- lung bleibt wirksam und gilt als zu gunsten der Konkursgläubiger erlassen. Ein Gläubiger, der später als am 30. Tage vor der Stellung des Äntrags auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens durch Zwangsvollstreckung eine Sicherung oder Befriedigung erlangt hat, muß das zur Befriedigung Erlangte nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung Herausgebern die erlangte Sicherung wird unwirksam. Wenn der Schuldner während des Vergleichsverfahrens zur Forfführung seines Geschäftes oder int Interesse des Zustandekommens eines Vergleichs mit Zustimmung der Der- trauensperson Geld ausgenommen hat, so sind im anschließenden Konkurs die Darlehensgläubiger Massegläubiger. Für die Anfechtbarkeit einer Rechtshandlung im Konkurs steht die Kenntnis des Antrags auf Eröffnung des Der- gleichsverfährens der Kenntnis des Antrags auf Eröffnung des Konkursverfahrens gleich. Allgemein ist das vorstehend in seinen Grundzügen skizzierte Verfahren auf möglichste Beschleunigung zugeschnitten. Für den Dergleichs- termin, für die Anhörung der Berufsoertre- lungen usw. bestehen bestimmte kurze Fristen. Die Anfechtung der ergehenden Entschridungen ist stark eingeschränkt; wo sie ausnahmsweise zu- läffig ist, erfolgt sie durch sofortige Beschwerde, für deren Einlegung nur eine Frist von einer Woche gegeben ist. Oberhessen. Licher Beobachtungen. Gemeinderatssitzungen sind langweilig. Die Stammttschunterhaltungen über kommunale Dinge sind viel interessanter, weil mans da mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen braucht und auch einmal Jägerlatein verzapfen Darf, bis man seinem lieben Dächsten die Hucke so vollgelogen hat, daß er daran zu schleppen hat. llnb doch gibt's manchmal auch in den Gemeinderatssitzungen Dinge, die wert wären, vor eine breitere Oeffentlichkeit zu kommen und von der großen Masse der Bevölkerung beherzigt zu toerben. So hörte man, daß der Bürgermeister in einer der letzten Sitzungen mitteilte, daß bei einer in diesem Sommer stattgefundenen Revision nahezu ein Viertel aller Wasserlei - tungsinstallativnen in Privathäusern als Defekt befunden wurde und daß bei diesen beanstandeten Anschlüssen das Wasser — hauptsächlich bei Klosettspülungen — Tag und Dachl lustig fortlies, während die Bewohner der höher- ' gelegenen Stadtteile über Wassermangel zu klagen hatten. Da die Stadt das Waffer nur bei Großverbrauchern messen laßt und alle übrigen eine Pauschale bezahlen, wobei sie soviel Walser verbrauchen können als sie wollen, fiel es diesen guten Leuten gar nicht ein, ihre Wasserhähne und Ventile dichten zu lasten, denn eine Ächtung kostet 20 Reichspfennige, aber die Höhe des Wassergeldes bleibt unverändert dieselbe, ob man spart oder viel verbraucht. Daß aber die biederen Mitbürger, die das kostbare Raß zwecklos fortlausen ließen, sich darüber keine Gewissensbisse machten, daß andere unter ihrer Rach- lässigkeit zu leiden hatten, das ist sehr zu bedauern und zeugt von einem Mangel an Derant- wortlichkeitsgefühl. 3d) habe vor einigen 3ahren einen schwungvollen politischen Vortrag gehört; da sagte der Redner unter dem Beifast der Versammlung: „Demokratie heißt Selbstbestimmung, Selbst» Verantwortung!" Was wäre es so schön, wenn's wahr wäre! Aber ich habe längst im Stillen Beobachtungen angestellt und gefunden, daß im Vergleich zu der Zeit vor 25 Jahren die Menschen nicht besser geworden sind, eher ist das Gegenteil der Fall. Und man mag reden von Selbstbestimmung und Selbstverantwortung soviel man will, solange die Menschheit noch nicht zu einem besseren Menschentum erzogen ist, solange kann die Demokratte mit ihrer Selbst- verantwortung — so schön der Gedanke auch sein mag — doch nichts Helsen, da hilft nur ein guter Obrigltttsstaat, der gebietet „du sollst" und „du sollst nicht", wie es bereits in grauer Dor- jeit, zu Zeiten eines Moses richtig und notwendig war. Man muh den Menschen immer und immer wieder einpauken, das oder jenes darfst du nicht tun, sonst wirst du bestraft, denn die meisten Menschen tun das Gute und Rechte nur, wenn man sie durch die Strenge des GestteZ dazu zwingt. Jeder, der sein Vaterland lieöt, muß es bedauern, daß man in unserer Zeit die Gesetzesvorschriften oft so locker handhabt und meint, her Mensch müsse ohnedies soviel Einsicht haben, daß er das, was das Gesetz will, selbst tue. (Sr tut's eben nicht, wie man oft genug sehen kann, und darum wird die Methode der Dachsicht und der Weichlichkeit früher oder später Schiffbruch leiden müssen. Wenn Dinge, wie die hier gerügten, Vorkommen können, dann muß die Behörde stark fein und auch einmal eine bittere Medizin verschreiben, der Einsichtige weiß, daß das Wohl der Gesamtheit danrit gefördert wird. Aber es gibt, Gott sei Dank, in unserer Stadt auch noch Leute anderer Art, Leute, die auch ohne behördlichen oder sonstigen Zwang der Allgemeinheit dienen wollen. Es hat sich hier nämlich einneuergemeinnütziger Verein gebildet, ganz in der Stille, noch feine Zeitung hat's gemeldet und keine Ortsscheste hat's verkündet, aber gelegentlich hat man doch etwas baoon gehört. Es ist ein eigenartiger Verein, die Mitglieder sagen, sie wollten gar lein Der- | ein sein, sie wollten nur etwas Tüchtiges leisten. Unb dieser Verein, der keiner fein will, weil er keine Statuten hat und keinen Beitrag erhebt, weil er auch keinen Vorstand hat, sondern nur einen pnmus inter pares, der auch noch keinen Damen hat, der sich aber von manchem anderen Verein dadurch unterscheidet, daß er einen Zweck hat. Dieser Verein hat sich die löblsche Aufgabe gestellt, ein Heimatbuch für die Stadt Lich zu schaffen. Hier soll aus Forschung und Ueberfieferung alles das aus der Geschichte unserer Stadt zusammengetragen werden, was für die Schule und die Allgemeinheit Wert und Bedeutung hat. Einmal im Monat kommen die Mitglieder zu einem sogen. Heimatabend zusammen, wo Erfahrungen ausgetauscht und ernste und heitere Geschichten aus den Tagen der Väter erzählt werden, die der Protokollführer alle ausschreiben muh, um sie der Dachwelt zu erhalten. 3ch freue mich ßeute schon auf das Heimatbuch, und wenn es fertig ist, bann steht vielleicht einer der Mitarbeiter auf und sagt: „Wenn wir auch das gesetzte Ziel erreicht haben, so wollen wir trotzdem unseren Verein nicht auflösen, sondern wollen ihn als Geschichtsverein weiterleben lasten, um auf diese Art für den Heimat- gebanfen auch ferner eine Pflegestätte zu sein. Lind weil die „Heimatabende" recht gemütlich fein sollen, könnte es ja nichts schaden, wenn auch diese Einrichtung einen recht langen Bestand hätte. Spectator. Landkreis Gießen. ' Heuchelheim, 28. Sept. Am Sonntag gab die GießenerTheatervereinigung im hiesigen Turnerheim einen sehr gut besuchten Theaterabend. Zur Ausführung gelangte das bieraftige Schauspiel „Elternliebe und Pflicht". Der 1. Vorsitzende, Georg Deutscher leitete die Veranstaltung, die als wohlgelungen bezeichnet werden kann. ck. Heuchelheim, 28. Sept. Zu der O b st - Versteigerung an der Provinzial st raße Gießen — Rodheim hatten sich zahlreiche Kauflustige aus Heuchelheim und Gießen eingefunben. Es tarnen zum Angebot Kasseler Renette, Goldpar- mäne, Renette von Blenheim, Tellapsel, Landsberger Renette und Boskop. Da diese Sotten ausnahmslos gutes Tafelobst sind und auch die Ernte in diesem Jahre eine recht gute ist, wurden ziemlich hohe Preise erzielt. Für die besten Sorten wurden am Baum 6 bis 8 Mk., für etwas geringere 4 bis 6 Mt. bezahlt. (•) Lang-Göns, 28. Sept. Die Verst eigerung des Gemeindeobstes von 1 9 2 7 wird vielen hiesigen Einwohnern in angenehmer Erinnerung bleiben. Dicht nur, weil die Bäume sehr voll hingen, sondern auch, weil die Preise diesmal wirklich sehr niedrig waren. Gar mancher Familienvater tonnte schon für einige Mark seinen gesamten Winterbedarf (einschließlich Kelterobst für den „Hohenastheimer") erwerben. Es ist schwer, hier Durchschnittspreise anzugeben, da die Beträge, durch verschiedene Umstände veranlaßt, starke Schwankungen zeigen. Bäume mit Edelobst in der Rahe Des Dorfes wurden entsprechend höher bezahlt als z. B. Wirtschaftsäpfel weit draußen am Wald. Zwetschen gab es fast gar keine. Honigbirnen genügend. Aepfel in Hülle und Fülle. Dem Beispiel des Kreises folgend war die Versteigerung des Gemeindeobstes dieses 3ahr ziemlich spät. Es ist dies im 3nteresse des Ausreifens, besonders des Winterobstes, sehr zu begrüßen. Ein Apfel, der hier sehr gut gedeiht und willig trägt, ist die S ch a f n a f e, Strahenapfel genannt. Aber auch Goldparmäne. Boskoop, Renette von Blenheim u. a. waren Heuer reichlich vertreten. Schade, daß man sich nicht gleich für zwei 3ahre eindecken konnte. Denn niemand weih, wie es 1928 wird. + Lich, 28. Sept. Die Ob st Versteigerung der ProoinzOberhessenan der Landstraße nach Langsdorf hatte viele Liebhaber angelockt. Das Obst, fast lauter edle Sorten, wie Goldparmäne, Schöner von Boskoop, Oldenburger, Landsberger Reinette u. a., war von guter Qualität. Die Preise waren für die Käufer erträglich, so daß auch Minderbemittelten die Gelegenheit gegeben war, ihren Winterbedarf einzukaufen. Es galten beste Qualitäten der Zentner am Baum 2 bis 3 Mk, geringere Qualitäten waren scbon für 1 bis 2 Mk. für den Zentner ZU haben. — Am hiesigen Bahnhof werden gegenwärtig durch Aufkäufer große Mengen Obst verladen. Die Händler bezahlen für Fallobst pro Zentner 2 Mk., für gebrochenes feines Tafelobst 6 bis 7 Mk für den Zentner. GDorf-Gill, 28. Sept. Die Sammlung für die Hindenburgfpende ergab hier den stattlichen Betrag von 550 Mark. Es ist begrüßenswert, daß in unserer kaum 400 Einwohner zählenden Gemeinde eine so hohe Summe gespendet wurde. T Obbornhofen, 28. Sept. Btt dem hiesigen Schmiedemeister Fti.dr'ch Ruppel wurde nachts ei n gebr od)e n. Der nb-r die Täter müssen mit den örtlichen Verhältnissen sehr vertraut fein. Durch Eindrücken eines Fensters über der Hausture gelangten dm Einbrecher in das Haus, das am Ende das Dorfes nach Wohnbach zu liegt. Mittels des zugehörigen Sd>lüssels. den sie aus seinem Versteck holten, öffneten sie die Kommode, stahlen 73 Mk. bares Geld und die Taschenuhr des einzigen verstorbenen Sohnes der allttnstchmden Eheleute. Auf dem Rückweg schlossen die Kerle mit dem einsteckenden Schlüssel die Haustüre auf und verließen die Hofreite durch Scheuer und Gotten. Die Gendarmerie Hungen hat die Spur ausgenommen. — Auf dem Bahnhof Obbornhofen-Dellerskeim wurden die ersten S pei fe t a r 11> f f ei n verladen, hauptsächlich Modrows Snbuf'rie, der Zentner zu 3 Mk. Sie gehen ins Ruhrgebiet. 3n weißslttschi- gen Kartoffeln ist kein Handel. Die Kartoffelernte fällt hier sehr gut aus. Auch Obst wird töglich verfrachtet. Die Zwetschen sind im Preise von 5 auf 7 Mk. gestiegen. Pflückäpfel kostet der Zentner 5 bis 6 Mk. 3n Birnen besteht zu dem lieber angebot keinerlei Dachfrage. Viele Bäume voll sind dem Verderben ausgesetzt. Kreis Büdingen. —/— Lihberg, 28. Sept. Durch die Kirchenregierung wurde unsere P f a r r ft e 11 e wieder beseht. Zum Pfarrer wurde Pfarrer Fresenius aus Rodenbach ernannt. Vorher war er Pfarrer in Bönstadt und Sellnrod, während des Ktteges war er längere Zeit zum Heeresdienst eingezogen. Der neue Geistlich: muh die Gemeinde Eckattsborn mit übernehmen und auch sonst in Dachbarpfarreien, soweit es der hiesige Dienst zuläßt, aushelfen. Er hofft, Ende Okiooer einziehen zu können. )( Ortenberg, 28. Sept. Eine große Arbeiterkolonne ist zur Zeit damit beschäftigt, den Marktplatz für den kommenden Kalten Markt herzurichten. Der Platz wird mit Ba- faltsteinen aus dem städttschen Bruch vollständig gestückt, mit Dasaltgrus überschüttet und gewalzt, außerdem erfährt er eine bedeutende Erweiterung, die sich erst in den nächsten 3ahren völlig auswirken wird. Es wird alles getan, um die berechtigten Klagen der Marktbesucher nach Möglichkeit gänzlich abzustellen. Auch sonst merkt man überall das Herannahen des bekannten Marktes. Verschiedene Geschäftshäuser der Stadt wurden im Aeußern neu hergerichtet und zeigen nun ein sauberes und farbenreiches Gewand, mehrere andere Häuser bauen den neuzeitlichen Forderungen entsprechende Schaufenster ein. Eine große Obstaus st ellung ist in sämtlichen Schulfälen geplant, für die man von den verschiedensten Seiten die Stiftung bedeutender Preise erhofft. Die Herbstfetten wurden deshalb um acht Tage getürmt, dafür dauern die Kaltemarflferien acht Tage länger. — Ein Obstreichtum wie er seit 3ahrzehnten in unserer Gemarkung nicht mehr erlebt wurde, ist in diesem 3ahr den Obstbaumbesitzern beschieden. Da allein auf den Obststücken des Rentamtes und der Stadt über 1000 Zentner zum Verkauf stehen und eine große Anzahl von Privatbesitzern größere Obstpflanzungen besitzt, so kann mit einer Ernte von mindestens 20Ö0 Zentnern gerechnet werden. Vielfach ist das Obst allerdings infolge des vielen Regens klein und fleckig, doch steht in einigen Sotten eine große Menge ausgezeichneten Tafelobstes zur Verfügung, das in bezug auf Wohlgeschmack allen Anforderungen genügt. Die Dachfrage ist bis jetzt gering. Die Preise bei den gestern an den Pro- vinzialstrahen beginnenden ObftDerft ei gerungen waren sehr niedrig. Für einen Baum wurden je nach Größe 1 bis 10 Mk. bezahlt. — Dachdem die Kirchengemeinde bereits vor einigen 3ahren für die Gefallenen des Weltkrieges in der Kirche eine Gedenktafel angebracht hat, soll jetzt auch ein öffentliches Denk- mal von der Gemeinde bzw. dem Kriegerverein erttchtet werden. Als Platz ist der Platz vor dem Schulhaus ausersehen. Aus dem Diddatal, 28. Sept. Wie stark preisdrückend sich der diesjährige O b st s e g e n erweist, beweisen die Obfln-rfteigerungen der Provinz und Gemttnden. Allgemein konnten im Vorjahre, wo nur vereinzelt Bäume mit Aepfeln behangen waren, höhere ©efamtein- nahmen erzielt werden als in diesem 3ahre. Der Durchschnitisprtts stellt sich auf 1 bis 2,50 Mk. der Zentner am Baum. Dachfrage aus Händlerkreisen ist kaum vorhanden, so daß sich für die Landwirtschaft die Frage auftoirft, ob es ihr möglich ist, den reichen Obstsegen zu verwerten. — Seit gestern sind die Schwalben nicht mehr zu sehen. Damit bestätigt sich wieder die Beobachtung, daß die Zeit der Abreise immer die gleiche ist und nur das Abwatten auf günstige Witterung sie um Tage verschieben kann. Kreis Schotten. I Ober-Lais, 27. Sept. 3n der letzten Woche weilten die Vorstände des Forstamtes Didda und des Hvchbauamtes Büdingen in unserem Dorfe, um einen geeigneten Platz für das hier zu erbauende neue Forst haus aus- stndig zu machen. Als Platz für das Haus wurde Gemeindegelände am Rordwestausgang des Dorfes in Aussicht genommen, der sich durch eine sehr günstige Lage auszttchnet. Dur die Wasserzu- führung bereitet einige Schwierigkeiten, da der Hochbehälter unserer Wasserltttung tiefer liegt als der In Aussicht genommene Bauplatz. Man will dieser Dchwiettgkttt durch Erstellung eines elektttschen Pumpwerkes Herr werden. Die Vergebung der Arbeiten soll der vorgeschrittenen Jahreszeit wegen erst zu Beginn des nächsten 3ahres erfolgen. — Die Wiederher st el- lungsarbeiten an unserer Kirche schreiten rüsttg voran. 3n den letzten Sagen war der Denkmalpfleger für Hessen, Geheimrat Walbe aus Darmstadt mit dem Vorstände des Hochbauamtes Büdingen hier anwesend, um die Arbeiten einzusehen und Vorschläge für die innere Ausgestaltung der Kirche zu machen. Die Weihe den wiederhergestellten Kirche soll wahrscheinlich am 3. Advent erfolgen. Prälat D. Dr. Diehl hat dazu sein Grschttnen zugesagt. Kreis Alsfeld. L Ruppertenrod, 28. Sept. Es gibt Wohl nur wenige kleinere Gemeinden, die in den 3ahren nach dem Kriege in der Schaffung gemeinnütziger Anlagen so viel geleistet haben wie Ruppertenrod. Kurz nach dem Kriege wurde das elektrische Licht in unserer Gemeinde angelegt, wenige 3ahre darauf wurde ein stattlicher Schulhausneubau erttchtet, der heute unserem Dotte zur Zierde gereicht, und in diesem 3ahre wurde eine Wasserleitung erbaut. Für eine kleine Gemeinde von noch nicht 700 Einwohnern ist das eine ganz erftaunlicEje Leistung, die beweist, daß sich die Leitung des Dottes in bewährten Händen befindet. Für diese brei Neuerungen hat unsere Gemeinde nach dem heutigen Wette ein Kapital von nahezu 200 000 Mark aufgebracht. Trotz alledem waren noch Mittel vorhanden, um das alte Schulgebäude nebst den Rebengebäuden innen und außen schv*/ herzuttchten, so daß auch dieses in seinem neuen Gewände eine Zierde des Dorfes ist. L Ober-Ohmen, 28. Sept. Btt der gepr gen Gemeindeobst-Der st eigerung wurden, im Gegensatz zu den melften Obst- berfteigerungen, recht ansehnliche Prüfe erzielt. Btt dem Mangel an gutem Tafelobst in unserer Gemarkung wurde dieses natürlich am besten bezahlt, und es kam der Korb voll am Baum auf 3 bis 4 Mark. Andere Obsffotten minderer Qualität kosteten: Aepfel der Korb 2 bis 3 Mk., Birnen ttwas weniger. Besonders begehrt waren Zwetschen, die hohe Preise erzielten. Mancher Kaufliebhaber erwarb bei dieser Versteigerung kein Obst, um bei dem am 3. Oktober statt- findenden Verkauf des Obstes an der Ohrnstraße, wo mehr Gelegenhttt zum Kauf von Qualitätsobst gegeben ist, seinen 'üebatf zu decken. — Unsere Gemttnde hat auf Anregung des verstorbenen Obstbauinspektors Wiesner in den letzten 3ahren eine größere Anzahl Apfel- und Birnbäume mit Sotten umpfropfen lassen, die sich besonders für unsere Gegend eignen. Es dürfte sich empfehlen, daß unsere Gemeinde ihren Obstbaumbestand stetig vermehrt; denn es ist noch gar manches Stuck Land vorhanden, das sich zum Anpflanzen von Obstbäumen eignet. — Die anhaltenden Regengüsse haben die Kartoffelernte sehr wttt hinausgeschoben, so daß noch kaum ein rechter Anfang gemacht ist. Auf den Aeckern im Tal ist wegen der großen Feuchtigkttt vorerst keine Arbttl möglich. Die Aussaat wird durch die verspätet« Kartoffel- und Rübenernte auch sehr verzögert. -- Ober-Ohmen, 28. Sept. Die heutige Gemeindeobstversteigerung stand im Zeichen schlechten Geschäftsganges. Die Preise lagen nichtiger, als im Vorjahre. Es wurden bezablt für 1 Pfund Aepfel auf dem Daum durchschnittlich 1 Pfennig, besseres Wirtschafts- und Tafelobst brachten es auf 3 Pfennig. Birnen bewegten sich in ungefähr demselben Preislagen (-) Zeilbach, 28. Sept. Die Versteigerung des Gemeinde ob st es, zu der auch zahlrttche Käufer von auswärts erschienen waren, bracht« der Gemeinde einen guten Erlös. Der Korb Aepfel tarn im Durchschnitt auf 3,50 Mk. big 4,50 Mk. Birnen waren billiger. Ein Apfelbaum mit etwa fünf Körben voll Früchte brachte allttn 27 Mk. Kreis Lauterbach. WSN. Schlitz, 28. Sept. Bürgermeister Konrad L i p s zu Unter-Schwarz glitt beim Heuholen aus, ft ü r 31 e von der Tenne ab und brach dos Genick. * Er ainfeld, 28. Sept. Arn Sonntag nahm unser Ottsgeistlicher, Pfarrer Frank, von seiner Gemeinde Abschied, nachdem er 16 Jahre lang Freud' und Leid mit seinem Vogelsberger Kirchspiel treu geteilt hatte. Zu seinem letzten Gottesdienst hatten sich die Kirchspielgemeinden Trainfeld, Grebenhain, Bermutshain und Vaitshain so überaus zahlreich eingefunben, daß die stattliche Crainfelder Kirche die Besucher nur mit Not fassen konnte. Kaum einer hatte es sich nehmen lassen, dem Abschiedsgottesdienst des allseits beliebten Geistlichen beizuwohnen. Wie sehr es Pfarrer Frank und seine Familie verstanden haben, mit ollen Gemeindegliedern, einerlei welchen Standes und welcher Patteirichtung sie angehören, in ein inniges Verhältnis zu kommen, bewies auch die am Abend von der Gemeinde im größten Saale des Ortes veranstaltete Abschiedsfeier. Die Gemeinde wünscht ihrem scheidenden Pfarrer und seiner Familie, denen sie immer Treue bewahren wird, daß es ihnen gelingen möge, mit ihrer neuen Gemeinde Reiskirchen bei Gießen in ein ebenso herzliches Verhältnis zu kommen wie hier. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 28. Sept. Zn einem Haufe der Grafenstraße wurde der Messingkäfer fest gestellt. Eine Frankfurter chemische Firma Hot die Ausräucherung des Houses mit Blausäure übernommen. Das Haus wird von den Bewohnern verlassen, während sämtliche Gegenstände, Möbel usw., darin verbleiben. Rheinhessen. WSN. Mainz, 28. Sept. Auf dem 9.35 Uhr fjicr obfahrenden O-Zug 161 stürzte kurz vor Bonn der Heizer Hohmayer aus Heidesheim vom Tender ab und geriet unter b i e R ä - b c r. Der Tod war fofort eingetreten. Preußen. KrciS Wetzlar. ' Launsbach, 28. Sept. Der hiesige O b stund Gartenbauverein veranstaltete am Sonntag im Saale des Gastwitts PH. Rinn eine Ob ft- und Gemüfeaus stellung, die rttch beschickt war. Am Samstagabend wurde sie mit einem Vortrag des Obstbaulehrers Kilp- Wetzlar über »Schädlinge des Obstbaues" eröffnet. Die sehr geschickt hergettchtete und vortrefflich ousgestatttte Schau, die von reichem Blumenschmuck noch geziett wurde, erfreute sich eines fluten Besuchs und befriedigte alle 3nter- essenten in hohem Maße. Mit besonderer Anerkennung ist hier als Aussteller die Samenhandlung Hahn- Gießen zu nennen. Der sttt kaum ttnem 3ahre bestehende Verein mit Linern rüstigen Vorsitzenden R. Hörr an der Spitze kann mit großer Zufriedenhttt und Genugtuung auf diese wohlgelungene Veranstaltung zurückblicken. Lpd. Stockhausen, 28. Sept. Durch eine Feuersbrunst würben hier vier Lanbwirten bie Scheunen unb Stallungen vernichtet, wobei bie ©etreiberorräte, Maschinen und zahlreiches Vieh in ben Flammen um kam. Kreis Biedenkopf. * Königsberg. 28. Sept. Btt der gestern abgehaltenen Ob st- Der st eigerung wurden unter den diesjährigen Verhältnissen für Aepfel recht hohe Prttse bezahlt, während Honigbinen rttchlich und billig zu haben waren. Es wurden bezahlt per 100 Pfund: Honigbirnen am Daum 1 bis 2 Mark, Kelter-Aepsel von 5 bis 7 Mark, bessere Sotten waren selten und fofteten 10 bis 12 Mark. Da der Mangel an Aepfeln in jedem 3a$r hier größer wird, dürfte es für die Gemeinde lohnend sein, wenn bald recht viel Deu- pflanzungen vorgenommen würden. Unterlahnkrcrs. WSN. Diez, 28. Sept. Im großen Stein- b r u ch der Gewerkschaft Nachob stürzten etwa 30 m F e l s ab. Schon während ber ganzen letzten Wochen waren Risse beobachtet worben. Das Gestein stürzte in ben K a l t b a ch. Der Gewerkschaft finb baburch erhebliche Arbeiten zur Materialgewinnung abgenommen worben. Die vielen Regengüsse bes Sommers bürsten bie Ursache bes Bergrutsches fein. WSN. Montabaur, 28. Sept. Für ben U n - ter-Westerwalbkreis erschien eine Verfügung, worin ber Lanbrat auf Grund zweier Ver- orbnungen aus ben Jahren 1811 unb 1812 bie Besitzer von Grunbstücken an Lanbstraßen unb Gemeinbewegen verpflichtet, auf diesen entlang aus- schließlich Obstbäumezu pflanzen. Er schreibt nicht nur einen bestimmten Termin vor, bis zu bem ihm gemelbet fein muß, baß dies geschehen ist, sondern er erklärt auch, bah Pflanzungen von Wild- flämmen aus bem Walde, Bäumchen mit einer Stammhöhe unter 1,80 Meter unb solche von schlechter Kronenbildung nicht anerkannt werben. Maingau. WSR Frankfurt a. M., 28. Sept. Heute morgen erschien der 57jährige Händler 3 o h a n n S i l ch aus Offenbach in der Wohnung seiner Geliebten, der 3)jähttgen Katharina Bayer im Prüfling und verlangte von ihr, daß sie ihm Puharbttten in seinem Wasserhäuschen am Ostbahnhof verrichten sollte. Es kam zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der Händler einen Revolver zog und dem Mädchen zwei Schüsse in den Unterleib bttbrachte. Darauf packte er sein Opfer und versuchte, der Schwerverletzten mit einem Rasiermesser den Hals zu durchs d) neiden. Die Mutter des Mädchens konnte aber schließlich dem Wüterich das Messer und auch den Revolver entreißen, 16 * .51 * s. "M’J« im •jurH?®nn *Hen ®L3itlwn .Die Aerzen, ^ster, guten Teuren, s-,-L,r kbach. ZZL WZ sM °n,ÄLu- zahlreich Mldrr Kirche bi onn'e- Kaum ein„ äÄi '"gen möge, mit Ihrer en bei Tiehen in ein äu kommen wie hier. bürg. epi. 3n einem haute e Melsintzkaser uin chemische Finna d» Hauser mit Blau, is wird von den Se- Irmlliche Gegenstände, Ken. t- Aus dem 9.35 Uhr 61 stürzte kurz vor ter aus hcidesheim. ict unter die 5tö- «getreten. en. tzlar. pt. Der Wae Ob st» 1 in MMnftoItete am astwirts PH. Rinn ?auiftellung, die ’gtagabcnb wurde sie bstdaukehrers ßilp’ be§ OWE" et- rrgmchlÄr und vor» nr, die von reichem wurde, erfreute sich esrtedia-e alle 3ntrt- Hit besondrer Aner« cHer die ßemm^nb« ennen. Der |rit kaum Kin mit feinem rühn- r an der SM lann und Genügt« ml .ftalhmg JutücfblM 28. Srpt Durch eine vier Landwirten llungen vernich- ,rröte. Maschinen uni rnnen umkam. enkops. Sept. Der der gestern teigerung s* rhältnisfen kur W en waren- *Sä würden. Ikttls. 3m 6rO^entlma30m >n. Das . dadurch mertldjaf1.J'nD. ,tetial0nSe bes S°N" WÄ«fein- 28-^^ne * erschien in jcr $(r- «uf Miffibi« ®c: 1811 unb^unb & Londsil^^.gng QU5- uf diesen ^schreibi üffan3% bisV** 5'7 i b‘e5 Tpon ®'(i la^iäumq^ fl(be, solche von düng n,w law i »zndlel ÄX'jJ «S> tootmrf M8 Mädchen vom dritten Stock bis zum Parterre flüchtete, wo es zusammenbrach Die herbei gerufene Polizei verhaftete den Täter während das bedauernswerte Mädchen in schwerverletzten Zustand ins Krankenhaus gebracht wurde. — Daß der berüchtigte ©in* und Ausbrecher Stegmann aus Bockenheirn, der an einem Sonntag aus dem Frankfurter Gerichts* aefängnis ausgebrochen war und vor einigen Tagen wieder verhaftet werden konnte, schon wieder alle Vorbereitungen für die Wiederaufnahme seines .Handwerks" getroffen hatte, geht aus der .Ausrüstung" hervor, die bei seiner Verhaftung bei ihm vorgefunden wurde. Es handelt sich um folgende Gegenstände: Em Säckchen mit Kette, Leine, Diedrich Vrecheisen. Schraubenzieher usw. Hoffentlich ist ihm sein Handwerk mmmehr auf lange Zeit gelegt. — Ver 28 Jahre alte Heinrich Philipp Muth aus Vilbel hat etwa 1 500 Stück Wohl* f ahrtslotterielose zum Vesten der Pen- sirnskasse der Genossenschaft Deutscher Duhnen* a.igestellten unterschlagen. Vermutlich wird cr versuchen, die Lose abzusehen. Vor dem Ankauf der Lose wird gewarnt. Wirtschaft. Amerika und die Preutzenanleihe. Wenn auch nach den bisher vorliegenden Nachrichten und insbesondere nach den Auslassungen deutscher amtlicher Stellen es sich bei der Auflegung der P re u st e n an l e i he in Amerika um Schwierigkeiten technischer Art handelt, so kann man sich dem Eindruck doch nicht entziehen, dah hier auch Widerstände prinzipieller Art vorliegen. In der Presse, wenigstens in einem Teil, werden die Schwierigkeiten bezüglich der Frage der Prospektformulierung behandelt: das amerikanische Emmissionshaus soll wiederholt geäußert haben, dah es sich bei dec Verzögerung der Anleihe lediglich um diese formalen Schwierigkeiten handele. Die amtlichen preußischen Stellen hoffen natürlich, dah diese Schwierigkeiten in einigen Tagen behoben sein werden. Mag dann, wenn dies wirklich zutrifft, die Anleihe des prcuhischen Staates unter Dach und Fach gebracht sein, so bleibt damit die grundsätzliche Frage, ob man es mit einer Stärkung der anleihefeindlichen Bewegung in Amerika zu nm hat, noch ungeklärt. Wir erinnern daran, dah Amerika den Abschluß des deutsch- französischen Handelsvertrages mit der Drohung eines Zollkrieges -an Frankreich beantwortete, was immerhin daraus schliesten läßt, dah die Stimmung Deutschland gegenüber etwas anders geworden ist. Es erscheint auch nicht ausgeschlossen, dah die gesamte amerikanische Geldpolitik von dieser Stimmung beeinflustt wird. Damit rückt zugleich die An le i h e p o lj t i k des preußischen Staates, der Länder und Kommunen überhaupt mehr in den Vordergrund der össentlichen Kritik. Bckantlich sollen bei der Beratungsstelle für Auslandanleihen neue Richtlinien für die Begehung deutscher Anleihen im Auslande ausgestellt werden, bei denen gerade neben 6en Erwägungen der Produktivität das währungspolitische Moment in den Vordergrund gestellt werden soll. Wenn der preußische Staat lediglich ausländisches 5 apital zur Deckung seines zweifellos sehr hohen Geldbedarfes heranzieht, so liegt darin eine große Verantwortung, denn ob die beabsichtigten Trans- cltionen (Hafenbau und Siedlungen usw.), die mit dem Antechegelde finanziert werden sollen, sich tatsächlich als wirtschaflliche Erfolgmaßnahmen heraus- stellen, ist bis jetzt noch fraglich. Es soll nicht ver- könnt werden, dah der Ausbau von Seehäfen der Erleichterung des wirtschaftlichen Verkehrs dient, aber es wäre vielleicht nicht nötig gewesen, zu diesem Zweck an den internationalen Kapitalmarkt heranzutreten, zu einem Zeitpunkt, in dem gerade die Anleihen des Deutschen Reichs und der deutschen Länder im Hinblick aus die Reparationsverpflichtungen und Transferzahlungen Deutschlands unter die kritische Lupe genommen worden sind. Man kann nur hoffen, daß der volkswirtschaftlich und privatwirtschaftlich berechtigte deutsche Anleihebedarf durch die Vorkommnisse der letzten Tage in seiner Deckung nicht geschädigt wird. * Keine Niederlassung der I-G in Luxemburg. Wie dem WTB. auf Anfrage von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, trifft die anderweitig verbreitete Meldung, die J.-G.-Farbenlndu- ftrie beabsichtige, in Luxemburg eine Niederlassung zur Herstellung ihrer Anilinprodukte zu gründen, nicht zu. * Notizeinstellung an der Frank- furterBörse. Nachdem die Zulassungsstelle ihre Zulassunasbeschlüsse für die Pfandbriefe der Rheinisch-Westfälischen Boden-Credit-Bank, Köln, Serie 1 bis 13, zurückgenommen hat, wird die Notierung dieser Wertpapiere mit Wirkung vom Freitag, dem 30. September, ab eingestellt. Frankfurter Börse. F r a n k s u r t a. M., 29. Sept. Tendenz: unsicher. Die Stimmung am heutigen Prämienerklärungstage war ziemlich unsicher, wenn auch die Ultimoliquidationen glatt und ohne Schwierigkeiten von- statten gingen. Beunruhigend wirkte die Meldung eines hiesigen Blattes, wonach die Preußen- anleihe in Amerika von Staats selten abgelebt worden sei. Auf das amtliche Dementi dieser Nachricht wurde die Stimmung zwar etwas ruhiger, doch verstimmt weiterhin das ungewisse Schicksal dieser Anleihe. Bei der dauernden Passivität des Publikums wurde das in geringem Maße herauskommende Ultimomaterial nur schlecht aufgenommen, so daß kleine Kursabschwächungen eintraten. Lebhafte Umsätze verzeichneten I. G.-Farben, wenn das Papier auch zunächst nur knapp behauptet eröffnete. Unbestätigte Gerüchte wollten von einer bevorstehenden Kapitalerhöhung wissen. An den Effektenmärkten ergaben sich im allgemein neu Kursabschwächungen von 0,5 bis 2 Prozent Stärker im Angebot lagen Rheinstahl, Nheinbraun, Zellstoff-Waldbof und Siemens, die 2,5 bis 4,5 nachgaben. Am Elektromarkt erzielten dagegen Licht und Kraft, Gesfürel und Felten Kursbesserungen bis zu 1 Prozent. Von Autowerten zogen Kkeyer 1 Prozent an. Heimische Anle i h e n ruhig. Ausländer überwiegend etwas schwächer Im Verlaufe erfuhr das Geschäft keine Belebung, und die Kursveränderungen blieben gering. Lebhaft gehandelt wurden jetzt nur noch die I.-G.-F a r b e n, in denen die Spekulation zum Medio Deckungen vornahm. Voigt 8- Haeffner konnten sich um 6 Vroz. erholen. Arn Geldmarkt hat sich die Nachfrage etwas verstärkt. Tagesgeld stellte sich auf 7 Prozent. Im Devisenverkehr lag die Reichsmark etwas schwächer mit 4,2012 gegen Kabel und 20,444 gegen London. Paris gegen London 124,02, Mailand 89,15, Madrid 27,80. Berlins. Börse. Berlin, 29. Sept. Obwohl zum offiziellen Börsenbeginn eine Beruhigung eintrat, war die Nervosität des Dorbörsenverkehrs noch nicht ganz überwunden. Das Publikum ist durch die sich wider sprechenden Nachrichten in der Angelegenheit der Preuhenanleihe unruhig gemacht worden und zeigt Derkaufsneigung. Dagegen sollen von Aus- landseite für Spezialwerte Kaufaufträge Vorgelegen haben. Die Kursgestaltuna wurde unregelmäßig, überwiegend jedoch etwas fester. Lebhaftes Geschäft hatten Gesfürel und I.-G.- F a r - b e n. Bei letzteren stimulierten Gerüchte über eine bevorstehende Kapitalerhöhung um 250 Millionen Mark mit einem Bezugsrecht von 10 zu 1 und einem günstigen Kurse. Heimische Anleihen lagen ruhig.' Ausländer überwiegend fester. Pfandbriefe gehalten. Am Geldmärkte war Geld etwas stärker gesucht. Tagesaeld 7 bis 9, Monatsgeld über den Ultimo 8 bis 9 Prozent. Wa- renwechsel ca. 6,25 bis 6,40 Prozent. Der heutige Termin machte jedoch keine Schwierigkeiten. Im Verlaufe ließ das Geschäft wesentlich nach. Per Ultimo sanden kaum noch Umsätze statt, aber auch die Mediokurse lagen teilweise unter dem Anfangsniveau. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M. 29. Sept. In Nachwirkung Der israelitischen Feiertage war d-.e Börle weiter sehr ruhig. Die amtlichen Notierungen blieben unverändert. Das seither ungünstige Wetter macht sich jetzt besonders bei den Haferlieferungen bemerkbar, die sehr geringe Qualitäten darst eilen. Es wurden notiert: Weizen, gut, gesund, trocken, auswuchs frei 26,50. gesund, trocken, mit vereinzeltem Auswuchs 25,50 bis 25,75, Noggen. inländ. 24.75 bis 25. Sommergerste für Brauzwecke 26 bis 28. Hafer, inländ. 22.50 bis 24. Hafer, ausländ. 24.50 bis 25. Mais, gelb 19 bis 19,25, Weizenmehl, inländ., Spezial0 39,25 bis 39,50, Noggenmehl 35 bis 35,50, Weizen- fleie 13, Noggenkleie 13,75. Tendenz stetig. Büchertisch. Hindenburg-Literatur. — Hindenburg — Was er uns Deutschen ist. Eine Festgabe zum 80. Geburtstag. Herausgegeben von Staatsminister von Loe - bell. Mit einem Bildnis Hindenburgs von Professor Max Liebermann und zahlreichen Textzeichnungen von Georg Fritz. Ganzleinen M. 8.—. Verlag von Neimar Hobbing in Berlin SW 61. Dieses Buch, das als Festgabe zum 80. Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten gerade noch recht kommt, ist von Männern geschrieben worden, die berufen sind, für weite Kreise des deut scheu Volkes zu sprechen. Es zählt zu seinen Mitarbeitern Oberpräsident von Batocki, Dr. 3ng. h. c. Ernst von Dorsig, Generalleutnant Groener, Oberförster Dr. Hausendors, Chefredakteur Dr. Hartmann, Oberbürgermeister Dr.3ar- res Graf Kalckreuth, Präsident des Neichsland- bundes Walter Lambach M. d. R., Staatssekretär Dr. Lewald, Staatsminister von Loebell, Franz Schauwecker, Staatsminister Dr. Schmidt-Ott, Gouverneur Dr. Schnee, Universilätsprofessor Dr. Spahn, Oberpräsident Winnia, Geh. Konsisto- rialrat' Zierach. — Das Buch wird der über- ragenden Bedeutung Hindenburgs in Vergangenheit und Gegenwart gerecht und hat den Vorzug, nicht parteipolitisch eingestellt zu sein. Es kann daher als Spiegelbild der nationalen Erneuerung und psychischen Wiedergeburt unseres Volkes gewertet werden. — Ein Geburtstagsgeschenk eigener Art über- reicht die bekannteste polittsch-satyrische Zeitschrift Deutschlands »Der Kladderadatsch" unserem verehrten Reichspräsidenten xum 2. Ok- toter. Es ist ein Htndenburgalbum, in dem aus den ereignisreichen Jahren von 1914 bis 1927 zufammengettagen ist an Gedichten, Anekdoten, Witzen, satyrischen Bemerkungen und nicht zuletzt treff Heben Zeichnungen, womit der »Kladderadatsch" die Arbeit des Feldherrn und des Staatsmannes begleitet hat. ES ist ein Erinnerungsbuch, das gerade in diesen Sagen viele dankbare Leser finden wird. (Verlag A. Hofmann & Co., G. m. b. H., Berlin.) (487) — Die Hindenburgspende hat im Verlage von Otto Stcllterg, Verlag für Politik und Wirtschaft G. m. b. H., Berlin SW 68, ein Buch herausgebracht, das gerade jetzt, wo der Name unsere- Reichspräsidenten in aller Welt Munde ist, besonders willkommen sein wird. DieS hübsch ausgestattete Gedenkbuch zum 8 0. Geburtstag unseres Staatsoberhauptes ergibt nach einem Vorwort des Reichskanzler Dr. Marx in einer Reihe von Aufsätzen aus berufener Feder eine Schilderung von dem Leben Hindenburgs, von feinem Wirken als Feldherr und Reichspräsident. Eine Reihe zum guten Teil unbekannter Bilder vermittelt einen Einblick in die Tätigkeit Hindenburgs, des Achtzigjährigen, dessen Tages- laus auch heute noch so gut wie vor Jahren Mühe und Arbeit bedeutet. 456 Rundfunk-Programm deS Frankfurter EenderS. (Aus der »Radio-Umschau".) Jreltag, 30. September. 13.30 bis 14.30 Uhr: Neue Schallplatten. 16.30 bis 17.45 Uhr: llebertragung aus der Ausstellung „Blumen und Früchte": Nachmittagskonzert. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.30 bis 19 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 19 vis 19.30 Uhr: „Gegenwart und Zukunft der deutschen Musik", Vortrag von Professor Richard Spechl (Wien). 19.30 bis 19.45 Uhr: Senckenberg-Viertel stunde: „Der Kreislauf des Blutes", Vortrag von Dr. T. Edinger. 19.45 bis 20.05 Uhr: Zwanzig Mi nuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 20.15 Uhr: Zum 70. Geburtstage des Dichters „Die Ehre", Schauspiel in fünf Akten von Hermann Sudermann. Anschließend: llebertragung von der Funkstunde Berlin: Tanzkonzert. Tänze von Joh. Strauß Vater und Sohn, Ed. Strauß und Richard Strauß. '$Vrcd)ft!nit>eii bet Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschloßen Für unverlangt eingefandte Manuskripte ahne beigefügtee Rückpotta wird keine Gewähr übernommen Anzeigenaustrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. ! Butzbach (Hessen) UM- Nil Mmril Donnerstag, 13. Okt Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 6 Prozent. Lornbardzinsluh 7 Prozent. 1 w— Frankfurt a M Berlin Frankfurt a. Bi. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Franiöiilche ’Jioien...... 16,46 167,81 22,00 110,43 69.08 2 60 112,54 80.74 73 22 12,396 73.20 —5rantfnr 2 usqab 19.54 168,49 23,00 110,87 59,32 2.62 119.00 81 16 78,52 12,456 73.5 J a. W. lunfl. Schlich- fiurs lUhr. flure Schluß. Kur» 'Ansang Rurs Sch ug i -Uhr> Kurs Kurs saluh’ Kurs Ansaug Kurs SchlU!. Kure 1-Uhr. Kur, Schluss- Kur, Anfang Kur: Holländische Italienische Norwegische Deutsch Lest Rumänische Schwedische Schweizer 91 Spanische R Tschcchoslow Ungarische 9 Devise Tel Roten...... Roten...... Taium: 28. 9. 29 9. 11. 9. 29. 9. Datum: 28. 9. 29. 9. 28. 9. 29. 9. Datum 2« 9 29 9 28. 9- 29 U -rr, 5100 fironen Vi0 Dl Reichsanleihe v. 1927 Tt Anl Ablol Schuld mit Aue los -Rechten Dcsgl ol>i.e AuSl s -Rechten T" , fttanlf Hop -Bl. Äo dpt unkündbar« 615 1932 4’/3°/o Rheinische L>tip -Baut liiqu -lSo dpi 81 E Ä abo BorknegS-Ob itflohoncn. ntdiablbar 193? 4°/> Schwei; BundeSd -Anl- 4°/0 Oefteretchitche Soldrte 4,20% Ctftcrr ich- Silderrle 4 7, Cenerrctd). em eiil Rte 4% Ungarische Goldrle 4% Ungarische Slaa,er v 1910 4'/,°/. dcegl. von 1913 4% Ungarische -Mrc-ncnrte 4°/ Turl. SoUanlctüe v 191) 4% Tuck Bagdaobadn-Anl L ric 1 4°/ dcegl. Serie 11 4% Rumänen convcri 9hc • */,'* a Rumänen (So,Dani. loh 1913 HUa Dcu„chc Eisenbahn 4% Hainburo-Amerika Water . . 6 vainb -Sndam Tamv sch « Hansa Dampsschifs 6 Rorddeuischcr vlot)b 6 81llg Deutsche Lrcditanst 10 Bann r Banlverein 10 Berliner Hanbelsaclellsch. 12 ttommcrj« und Privat-Bk. 1) Tann 11- n. Rationaldank 12 Deutsche Bank 10 Diskonto Gesellschaft Anr 10 Dresdner Bank . Io DiittelDeuiidje Treditdank 9 Metallbau! 8 dtetchSl>ank 1 54 95 66.5 78.5 83 31 6 24 5 24 8 14 47 6 17.3 88 >49 150 142.25 173 • » u ii>4 5 IÄ6 1.0,75 139.5 | ( I 1 1 1 1 1 I 1 1 1 1 1 1 1 1 3 । । Ä\ । 1 87.5 65 15.75 30 75 < 5,75 27.6 24 < 24.9 2.7 13.5 16 9 14 17.65 149 ;2.< 229 150 14. M i 5 *46 172.2t 227.25 164 5 155.5 161.75 .38,5 138 169.65 65,2 15.65 147,75 14 143 4 143.2 244 171 in 155 160.1 241 118 170.5 «.EG.........7 Bergmann ........8 Eletir. Lieserungen • . . io Lickt und Kraft..... 10 Felten L Kutll türme . 6 Ges f. Elektr Untern - . 10 Hamb. 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Loewe ..».!< Rat Automobil......6 Lr nst in & fioppek .... 4 Linke Ho mann . .. . c Leonhard Tiev . . . . < Bamoa- cg> in ..... o Franks. M:.sch JJZiafl . . ...... ic Rekarlulmer ........ 8 peterS Union ....... t Mebr. Roeder . ...... 1< Doig, & Haefsncr .... 6 Südd Zucker.......0 Ban Berlin 28 Septbr- Ämeritanische ’Jtoien..... 4 elgiiche Noten...... Dänische Roten...... Englische Noten ...... 199 192 14 198,5 110.75 197.5 161,75 310 75 197 2. 120 111 ilt-5 veld 4.183 68,26 12,13 41.39 198 424 401 722 .'80 r> Hi 75 197 5 US 6 194 119.5 85 5 06.25 284 116 4 1-2.5 166 42,5 71.5 112 10*7 134 113 112 174 5 136.25 B 11 197 420 638 574 25 140.13 IW 25 .20.ft 87 111 2d5-5 117.25 131 o 168 179 ric- .20-! 8,60 2.57 1.47 vioicn...... Roten...... ölen....... oten ...... akische Roten . - otcn - - - am ar kl Berlin egrophifche Schulleri . 7 Siemens 4 Halske ... IG Tran.radio ....... 8 Labmever L To......9 Buder- S 0 Deutsche Erdöl......€ Essener S einkoble.....8 Gelsenkirchener f. I 4 Harvei er .... 8 Hocsch Eilen ....... 5 ylft Bergbau ...... 8 .sklöckn-rwerke ...... 5 Zlöln-Reuessen ... 5'„ •.u-anntOmann -f. I 4 ManS elder......7 Oberschlcs Eisend- Bedarf o Oberscylel Rokswcrke - 0 Phönir Beraoau f */« 9 3 Rheinische Braunkohlen 10 Rbeinstahl 0 Riebeck Montan......6 Bereinigte Stablw. f. ’/«9 3 Otavi Mineit 1 sh Hali Aschersleben 1t ValilBefleregcln 10 QaliiDcrt Saljdctfnrlh 12 9 G ffarbcn>9n6uftrte ir Tnnamit Nobel.....0 Scheid-anstatt • .... .8 Goldschmidt ... .5 Rutgerswerke . . ......o Metallgelell chakt.....10 28. Septbr Amtliche 9,dii rung l^eld Briet 29. Septbr. Ärmliche Rolirrung (»clD । Briet 1 I 'n 110 72 110 5 28.75 07 25 119,5 134 112,5 12.75 19 173 138 ölen. I i 2IMÜ-- Roll Buen.-Airek Brss.-Antw Ehrtstianiu fiovenbageu Storkbolm HelsingforS. malten. . . London. . . 'J.enoort . . Boris.... Schweiz . . Svauien . Jovan , . - 'Kto de Fan Wien in D - CefL abgcsi Brag ... Belirad . ■ Budapest. - Bulgarien L'llabon Danzig - . . fionst.intin- Athen. . . Canada Uru uati - Kairo 168.21 168,66 1,792 1,796 58,42 38,54 110,62 110,84 112,36 112.57 <12,84 113,06 10,67z 10,19z .2,90 22,94 0,416 20,45. 1,1965 4,2035 ,6,46 <6.49 -0,915 ,1.016 73.87 73,«1 1,955 1,969 i.SOO U.602 j9,17 69,29 2,436 12,455 7,39.1 7,407 <3,8ö 73,52 .,027 t,O3o ;U,63 .0,63 11,43 81,61 ■ ,16n 7,164 5,594 । 5.60», 1.198 4.20». 4.24b 4.264 «1.94 20.98 168,34 1,792 68,455 110,69 112,47 112,89 <0,576 42,91 20.411 1,1975 16,465 -0,93 73,61 1,956 ..6005 30,22 <2,44 7,33., <3,42 -.024 :0,68 81,51 4,185 5,494 4,20-1 1.24h 0.047 188,61 1,796 68,574 110,91 112,61 113,11 10,696 42,95 20,471 4,2055 16,505 01,09 73,65 1,960 9.6026 09,84 >2,46 7,409 73,56 „030 40,62 81,67 4,189 5,506 1.208 4.254 -0.967 .'1 Zwischen fünf und sieben Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Versag, Berlin. 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Plötzlich fuhr Manfred von seinem Stuhl auf. Er hatte seinen Namen rufen hören. Wie aus weiter Ferne... Ethel stand auf der Schwelle mit verstörten Augen und verwirrtem Haar. Sie war aus dem Halbschlaf aufgesprungen. „Haben Sie das gehört, eben?.. Es yat jemand gerufen . Er öffnete das Fenster und sie schauten hinaus. Die dunkle Straße lag leer und verödet im Regen. Das Licht der Laternen flackerte unruhig im Wind... „Es ist nichts", sagte er und schloß das Fenster ».. Sie sollten sich hinlegen/' „Ich habe sie rufen gehört, eben", beharrte sie. „Ganz deutlich... Es war ihre Stimme ... es klang so angstvoll ... Schrecklich klang das ..." Er starrte sie an. „Sie rief Ihren Namen, Manfred..." Plötzlich hörten die Hunde auf zu heulen ... Der Lärm riß ab — jäh, unvermittelt. Die kleine Pen- dule schlug filbem klingend viermal .. Sie sahen sich an und erschauerten... Es hatte sich etwas verändert. Sie fühlten's beide Etwas, das lebte, war tot... Es war wie eine Gewißheit... „Vier Uhr — — Es ist etwas geschehen in dieser Minute . . . ich ahne es." Er schwieg. „Wir wissen noch nichts--Wir müssen warten--die erste Post morgen, wird uns vielleicht---eine Erklärung ... Es kann sich auch anders abgespielt haben" fuhr er fort. „Man reist ab ... zusammen . in einem Auto, über die Grenze ... dann schreibt man von der Riviera — — — Veilchen Mimosen, Rosen und Sonne, ein blauer Himmel .. Wir wißen es nicht ... und ehe ich es nicht schwarz auf weiß sehe... von ihrer Hand .. glaub' ich nichts mehr . . Ich gab ihr den Weg frei ... und sie ging--." „Und weshalb haben Sie das getan?" Ethel richtetn sich auf, ihre hellen Augen sprühten unter dem dunklen Haar ... „6te gehört» mir nicht mehr", sagte er kokt. „6fe war mir fremd geworden. Es — — ging nicht --wir beide unter einem Dach, nachdem . . . Nein . . . Nicht zu begreifen? Vielleicht denken Frauen anders ... Ich denke jedenfalls so. Es ift sicher altfränkisch von mir--Und deshalb . . . reiner Tisch ..." Er strich über die Schreibtischplatte. „Und sie schrieb den Brief, auf den keine Antwort kam--" „Er war verreist . . ." „Glauben Sie das noch immer?" „Ich muß wohl ... eine andere Erklärung dafür habe ich nicht." ,TD doch." Er sah vor sich hin. Seine Hände stützten sich schwer auf die Schreibtischplatte . . . „Es gibt noch eine — andere — Erklärung--*... „Wir verstehen so vieles nicht, was uns täglich in Staunen und Schrecken versetzt. Wir fragen uns bei den großen Prozessen: Wie konnten sich kluge Männer von einem gerissenen Schurken betrügen und ausrauben lassen? Wie konnte zur Zeit des Telephons, der Polizei und der Sicherheitsschlösser ein einziger Mensch mit einem Beil in ein Haus einbringen und eine ganze Familie ermorden? Weshalb lassen sich große, intelligente Männer von ganz unbedeutenden, gewöhnlichen Frauen beherrschen, die weder schön noch liebenswürdig sind? Was spielt alle shinter den Kulissen einer Ehe?... Und was wissen wir von den Gründen, weshalb Menschen getötet werden und Frauen geliebt oder gehaßt? Es gibt eine neue Art von Männern — — jetzt . . . Diese Sorte, die nur ihren Launen lebt — aber nicht für die Folgen einstehen mag, die von Liebe reden und keine Ahnung von der Liebe haben, noch Achtung. Die so verschwenderisch mit Menschen umgehen ... und meinen daß sie es wert wären, daß man sich ihretwegen erschießen läßt ... Sie töten aus Lust, sie quälen aus Liebe ... Sie zitterte, wenn die Klingel rief ... wenn die Post kam ... ich sah sie erbleichen, ihre Hände suchten und es war wieder nichts da ... Er hat sie gemartert, gequält ... Ich kenne solche Gefühle nicht. Ich bin ein primitiver Mensch. Ich wähle eine Frau, weil ich sie liebe. Und bann liebe ich sie eben ... bleibe ihr sogar treu ... Komisch, nicht wahr? Unb wenn ich fühle, daß khve Lletze nachtätzt, bann leide ich, aber ich denke nicht an Rache ... Kann man jemandem vorwerfen, daß er aufhört, den anderen zu lieben? Nennt man das Betrug? In einem günstigen Augenblick trat ihr der---in den Weg. Wes- halo? Werde ich das je wißen? Unb weshalb gerade er es war und fein anderer? Wer weiß, was für Einflüße da mitspielten ...?" Er ging auf und ab, er hatte sich eine Zigarette angebrannt . . . „Sie gestatten doch, ich muh rauchen . . ." „Bitte, rauchen Sie nur . . . wenn Sie das beruhigt . . „Ob wir es hätten verhüten können?" begann sie.....Ich weiß es nicht... Sie war entschloßen zu diesem letzten Gang, wie man sich entschließt, die Kleider abzuwerfen unb ins Wasser zu springen. Sie ging wie eine Schlafwandelnde ... ihrem Geschick entgegen ... als sei ihr Schicksal so bestimmt gewesen ... als habe es sich erfüllen müssen ... Aber brauchte es denn so zu enden?--- Er stäubte die Asche in einen Becher auf dem Kamin ... »Lassen wir bas jetzt." „Doch, sprechen wir davon", rief sie. „Ich muß von ihr sprechen ... Sie ist ja noch hier ... um uns. Und wenn Sie alles von ihr vernichten, es bleibt doch etwas von ihr hier zwischen diesen Wänden.. ." Manfred trat an das Fenster und schaute in die finstere Nacht. Es regte sich nichts, fein Wagen fuhr vorüber, die Bahnen waren still geworden, man hörte nur den Regen rauschen. Einmal streifte etwas das Fenster rasch, wie eine Hand. Ein dunkler Schatten fuhr tastend über das Fenster, es war der Zweig eines Baumes, den der Nachtwind bewegte... „Was wird nun geschehen?" fragte Ethel. „Soll das alles--so vorübergehend--Und sie sah ihn an . . . „Wenn sie nicht wiederkommt... Sie hatte so etwas im Blick, als sie ging ..." „Ich bewundere Ihre Ruhe, Manfred ..." Er drehte sich jäh um. „Meine Ruhe?" Er lachte auf. „Nachdem — was — mir geschehen ist? Ruhe ... sagen Sie? ... Es ist ja gleichgültig, wie man das nennt ...ich habe damit fertig zu werden ... Ob ich es bin ober jemals werbe, ist eine andere Frage ..." Er nahm das Papiermeßer vom Schreib- ttsch und begann, Briefe zu öffnen, die er über, flog und weglegte ... Zwei Depeschen waren baba -Er riß sie auf. „Da ... bas Leben geht weiter .. seinen alten Trott ... man lädt uns ein .. Zum Abendeßen, mich und sie .. zum ersten Sonn- tag ... tm März ... bedauere, wir werden abfagen müßen ... verreist ... auf unbestimmte Zeiten. Einmal wird es sich bann weitersprechen ... Einer mehr ober weniger. Wer wirb einen vermißen?" „Wenn sie nicht ... wiederkommt, was bann?" wieberholte die Stimme der Frau. Echel sah zu ihm auf. Er zerdrückte die Zigarette hart in der Schale . sein Gesicht war düster und gespannt. Er zuckte die Achseln. „In meinem Leben wird sich nichts verändern . . ." „Sie wollten ... hier bleiben?" „3a. Weshalb soll ich ... gerade ich — fort« gehen, nachdem sie mich verließ?" „Sie wissen, weshalb sie ging. Sie sah keinen anderen Weg mehr vor sich." „Machen Sie mir einen Vorwurf daraus, Gräfin?" Sie schwieg. „Ach so ---Wenn ich nichts gemerkt hätte, wenn die Heine den Brief nicht geschrieben hätte — bann . . . bann hätte man sich eines Tages wieder zusammengefunden? Nein, danke. Zu solchen feeli scheu Künsten hab' ich kein Talent." „Sie werden also bleiben?" „Ja . . ." „Un der andere — bleibt--auch...?" Sie hob den Blick. Etwas ftieg aus diesen hellen 'faren Frauenaugen bezwingend auf .. es gleißte darin wie eine kleine goldene Schlange ... Ein Gedanke kroch langsam zu ihm hin ... Er sah sie an ... stutzte ... ,M „. . . Sie meinen--der ... steht zwischen uns?" „3a, das meine ich." „3d) soll mich vielleicht mit ihm ... schlagen? Säbel ober Pistolen? Sie sinb köstlich ... Sie haben wenigstens Humor . . Nein — — ob — nein . . ." (Fortsetzung folgt.) a M M von Reidiskanzler a. D. von Geheimrat Professor Wilhelm v. Scholz, Präsident Ä VERLAG SCHERL BERLIN SW68 „Erinnerungen an Frau v. Hindenburg" von Hans-Eridi von Tzsdtirner-Tzsdiime „Hindenburg“ - Der Kadett / Der Leutnant / Der Kamerad / Der General Ein Arbeitstag des Reidispräsidenten / Hindenburg als Jäger / Anekdoten um Hindenburg Amkans 54 Ketten. WleSilDcn Darunter Merkarben- Photographien. Das KtnDendurghekt Der „Woche" ift kür 50 Pkg. überall ?u haben Hindenburg-Kett der W w Aus dem Inhalt „Der Einiger des Volkes' Dr. Hans Luther „Hindenburgs Gesdiledit“ Paul Lindenberg „Mythos Hindenburg* von der Diditerakademie Srettag, den 30. September 1927 nachmittags 2 Ahr versteigere ich im Löwen, Deuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Büfett, 2 Kredenzen, 1 Chaiselongue, 2 SosaS, 1 Kaßenfchrank, 2 Bertikos, 2 Diwans, 1 Kommode, 1 Kleiberschrank, 2 Ladentheken, 1 Schreibmaschine mit Tisch, 1 Schreibladenkaße, 2 Tische. Hebbel Gerichtsvollzieher In Gießen, Dammstr. 24 I Telephon 239. 8782D HWf Me A« derGießenerpserdemarkt-Loseai^/^, die noch in allen durch Plakate kennt- lichenGeschäfienzuhabensind.General. Vertrieb Äuchacker, Staatl. Lotterie- Einnahme. Daselbst 11 Losef.io JUL Seit 40 Jahren haben sich die Schirme vom Marktstrasse19 durch gute Qualität und billige Nreise bewährt Besonders billig, eine Partie zurückgesehter Schirme ______________Reparieren und üeberziehen. 877sv Drucksachen •le Srühl sche UnlversttiitL-Vrutkrei, R. Lange, Siehrn, $djal|tx. 7. | Empfehlungen empfiehlt Eitel WM« naaBbnro 17. Für meine freunde und (Stute empfehle ab Freitag le rbein. IlMWllsl im Ausschank, besonders btütfl. nMD Weinstube NnakS HfluScherr. MbMe Midi! SeelOs SZMll MZUMll o Mrelen 1 lebende Simfen lebende Stolen täglich frisch eintres» send, wir führen nur betteQualttaten zum billigst Tagespreis! Hamburger Fischhandlung A. Koch Nachflar. jetzt MäuSbnrg 15. Alle Sorten sind zu haben im Moni® Kreuzplatz 5. 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