ta. I2Q ,. Zerkaust, rtisch. **ß**«g E£*«\ 'erben. einer ^ulrfii er 3u- werden. £Q$V?n *°9- nur mit Q2,449 •ä g 81,30 Ä 1,196 1.136 '0.917___ 168,59 s 108.64 112,59 112,73 10,602 ;2,905 20,439 1,2075 16,48 । »1.045 71,74 1 1,979 । ,.497 59,23 ts Ä 29,77 «1,46 •,129 5,646 i,2O4 1.144 0.957 ini «.K-Ä» , „„ (euchi£n £Ä^*e" Reinhe*1- m. 175 Erster Blatt Vrvck vnd Verlag: Briihl'sche UntverfitÄr-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrabe 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezvgrpreii: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis jum Nachmittag vorher. Preis fflr l mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange,- für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein,- für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. 177. Jahrgang Zrettag, 29. Juli <927 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Ein neuer Erlaß zur Kleinrentnerfrage. Don Direktorin Dr. Matz, M. d. R. Nachdem die Durchführung der vom Reichstage Im April beschlossenen Hilfsmaßnahmen -u- gunsten der Kleinrentner infolge des Widerstandes der Bezirksfurfvrgeverbände gescheitert war und die vom Reichstag bewilligten 25 Mil- ionen über drei Monate nutzlos dagelegen und ihrem Verwendungszwecke nicht hatten zugeführt werden können, hat sich nunmehr das Reichsarbeitsministerium unter Abänderung seines früheren Erlasses zu einer neuen Maßnahme veranlaßt gesehen. Durch den neuen Erlaß werden die 25 Millionen Mark unter Verzicht aus die vom Reichstag beschlossenen, den Gemeinden aufzuerlegen- den Bedingungen der gleichzeitigen Erleichterung in dem Verfahren der Rentnerfürsorge an die Gemeinden zur Verteilung gebracht und sollen unverzüglich den Kleinrentnern als einmalige Hilfsmaßnahme zugute kommen. Die einmalige Beihilfe erfolgt in der Höhe eines Monatssatzes, und zwar des vollen Richtsatzes für den betreffenden Dezirksfürsorgeverband. Falls der tatsächliche Rentensatz im Juli über diesen Richtsatz hinausging, so ist dieser letztere höhere Betrag zu gewähren. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß manche Gemeinden außerordentlich geringe Richtsätze für Kleinrentner ausgestellt haben — wie sich mit erschreckender Deutlichkeit aus einer Zusammens!ellung der Richtsätze durch das Reichsarbeitsministerium im Rooember 1026 ergab _—, ist der Mindest betrag der Beihilfe für Einzelstehende auf 30 Mk., für ein Ehepaar auf 50 Ml., für zuschlagsberechtigte Kinder auf 10 Mk. festgesetzt worden. Wichtig für künftige Regelung und im Ausblick auf ein Rentner- Versvrgungsgeseh ist die ausdrücklich ausgesprochene Begrenzung der Beihilfe aus den Kreis der eigentlichen Kleinrentner (Kapitalrentner) ohne Gleichgestellte. Es ist zu erwarten, daß nunmehr die Kleinrentner nach der langen Verzögerung endlich in den Besitz der schon vor drei Monaten bewilligten Reichszuschuhmittel gelangen. Günstig für die Rentner ist auch, daß auS diesen Mitteln statt der ursprünglich vorgesehenen monatlichen geringen Erhöhung der Rente auf einmal ein voller Monatsbetrag gezahlt wird. 3m übrigen bedeutet der Erlaß aber einen Rückzug- das muh mit aller Offenheit fest- gestellt werden. Festgestellt werden auch nochmals, dah die Bewilligung der 25 Millionen Mark nur einen Teil der Beschlüsse des Reichstages darstellte, und dah nach dem klar ausgesprochenen Willen des Reichstages gleichzeitig die für die Rentner unerträglichen Bedingungen der Fürsorge (Rückgriff auf das Vermögen, Abschluß von Verpfändungsverträgen, Anrechnung des Arbeitsverdienstes u. a.) geändert werden sollten. Was damals zugunsten der Rentner beschlossen wurde, steht fest. Da die Durchführung dieser Beschlüsse in der damals gewählten Form nicht möglich gewesen ist, bleibt diese sich aus den Reichstagsbeschlüssen vom April ergebende Verpflichtung nunmehr auf anderem Wege zu erfüllen. Dieser Weg kann trotz allen Widerstrebens und der großen Schwierigkeiten, die nicht verkannt werden sollen, nur in der Richtung auf eine Lösung der Rentner von der „Fürsorge" und auf ein selbständiges Rentnerv ersorgungsg es eh liegen. Die in dem Erlaß des Reichsarbeitsministeriums am Schluß gegebenen Anregungen an die Länder-Ministerien aus vermehrte Aufsicht über die Fürsorgeverbände mit Benennung einzelner Deschwerdepunkte werden voraussichtlich wenig Gegenliebe finden und sind kein bindendes Recht. Auch die vom Reichstag im April geforderte Denkschrift über die Möglichkeit eines Rentnerversorgungsgesehes hat das R.A.M. bis heute noch nicht herausgebracht. Der Widerstand gegen ein Rentnerversor- gungLgesetz liegt im wesentllchen in der Schwierigkeit und LIngeklärtheit der Materie und der Rückwirkung auf andere Kreise, daneben auch in der Frage, wieviel versorgungsberechtigte Kapital- renter und damit welche Beträge für das Reich in Frage kommen. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich hinsichtlich der Frage, ob das Gesetz auf dem Entschädigungsprinzip oder auf dem Versorgungsprinzip aufgebaut oder in einer Vermischung beider Gedanken gestaltet werden soll. Um die sachliche Klärung der ganzen Frage hat sich der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge besondere Verdienste erworben, der zur Beratung eine Kommission eingesetzt hat, in der Vertreter der Behörden, des Deutschen Rentnerbundes, Abgeordnete und sonstige Sachverständige gemeinsam beraten werden. Jedenfalls wird jetzt nach dem Versagen der bisherigen Methoden di« Frage des Rentnerversorgungs- gesehes nicht mehr zur Ruhe kommen, um endlich eine würdige und angemessene Versorgung der Rentner zu erreichen. Das Rentnerversorgungsgesetz. Berlin, 28. Juli. (TU.) Der Deutsche Rentnerbund veröffentlicht eine Erklärung, in der er ein Rentnerversorgungsgesetz fordert, das den durch die Inflation ihrer gesamten Existenz beraubten Rentnern einen klagbaren Rechtsanspruch auf eine nach dem ehemaligen Vermögen gestaffelte Rente sichert. Weiter heißt es, dah die hierzu erforderlichen Mittel der Reichshaushalt unschwer tragen könne. Die beabsichtigte Hilfsaktion des Reichstages — bedingte Dotation von 25 Mil- die Voraussetzungen der Rheinlandräumung erfüllt. Eigener Drahtberichl des .Gießener Anzeigers'. Berlin, 29. Juli. Die beiden Militärattaches, die in Begleitung von General Pawelß die zerstötten Ostunterstände besichtigt hatten, haben nunmehr ihren Bericht vor der Botschafterkonferenz vorgebracht. Damit ist endgültig der R e st p u n k t, der in der Januarnote der Botschafterkonferenz noch angeführt wurde, liquidiert worden. Der anoere Punkt in der Januarnote der Botschasterkonferenz, nämlich das Kriegs gerätege'setz, ist ja bereits vor Beginn der Sommerpause des Reichstages durch fast einstimmige Annahme im Reichtag erledigt worden. Somit hat nunmehr Deutschland in jeder Beziehung den Abrüstungsforderun- g e n, wie sie der Versailler Vertrag oorschreibt. Genüge getan. Daß es von selten der Botschasterkonferenz zu keiner Generalquittierung mehr kommen würde, war oorauszusehen. Sie ist ja im wesentlichen nicht mehr notwendig, denn die Botschafterkonferenz hatte ja schon seinerzeit im Januar festgestellt, daß eben Deutschland mit Ausnahme dieser beiden Punkte die Entwaffnungsforderungen re st los erfüllt hat. Damit ist nun der Zustand eingetreten, der für die Rheinlandräumung zur Voraussetzung gemacht wird. 3m § 431 des Versailler Vertrags heißt es, daß es zu einer vorzeitigen Räunrung der Rheinland« kommen kann, toerm Deutschland auch früher als vorgesehen, seine Abrüstungsverpflichtungen erfüllt hat. Deutschland könnte somit jetzt unbesorgt an Den Völkerbund, denn so geht der Weg, den Antrag stellen, die Rheinlandräumung zu beschließen. An und für sich dürfte es gar nicht notwendig sein, daß Deutschland noch einen Antrag stellt, denn wir haben nach Versailles bereits ein Locarnv gehabt. Es bedürfte also keineswegs eines solchen Schrittes seitens Deutschlands, vielmehr wäre es jetzt reichlich Zett, wenn die Geste von Frankreich ausginge, das damit am eindeutigsten beweisen würde, dah es ihm um den Geist von Locarno ernst sei. Poirr- car6S Reden allerdings sprechen nicht sehr dafiir, und es wird Wohl Deutschland auch nicht« anderes übrig bleiben, als einen solchen Antrag unter Berufung auf § 431 des Versailler Vertrags zu stellen. Die Zett ist jedenfalls jetzt gekommen. Die nächsten Monate werden deshalb in dieser Hinsicht toeittragenbe Entscheidungen zu bringen haben. Welchen Schritt die deutsche Reichsregierung unternehmen wird, steht noch dahin, sie wird aber kaum umhin können, schon im Interesse der deutschen Oeffentlichkeit, nunmehr auf das Energischste auf eine Räumung der Rheinland« zu dringen. Diese Tatsache muß man unbedingt festhalten, will man die Situation, die sich, nachdem die Botschasterkonferenz den Bericht angehört hat, ergeben hat, begreifen. Die Rheinlandräumung ist jetzt die Forderung des Tages. England gegen die Räumung? Eine merkwürdige Nnterhauserklärung. London, 29. Juli. (TU.) 3m Unterhaus erklärte aus eine Anfrage des Abgeordneten Kenworthy im Auftrage der Regierung Locker- Lampson, die Lolschafterkonferen; habe den Bericht der militärischen Sachverständigen, der durchaus zufriedenstellend gewesen sei, gutgeheißen. Die Abmachungen jedoch, die zum Rückzug der interalliierten militärischen Kontrollkommissionen aus Deutschland sührten, hätten sich n i ch t n u r a u f die Schleifung dieser Fe st ungen bezogen, sondern auch aus gewisse andere Punkte in der Entwaffnung Deutschlands. Diese punkte seien noch nicht zur völligen Zufriedenheit durch geführt, und bis zu ihrer Durchführung könne nicht erklärt werden, daß die im Frie- densvertrag vorgesehene bzw. beabsichtigte deutsche Abrüstung vollendet sei. Locker-Lampson fügte hinzu, die Besetzung des Rheinlandes sei unter Artikel 428 des Versailler Vertrages eine Garantie für die Ausführung dieses Vertrages, und die Räumung dieses Gebietes sei auf Grund der Art. 429 und 431 des Vertrages abhängig gemacht von Deutschlands Erfüllung feiner Vertragsverpflichtungen im allgemeinen und nicht nur derer, die sich auf die Abrüstung bezogen. Militärattaches. Eigener Drahtbericht des „Gießener Änzeigers'. Berlin, 29.3ult. Das Reichswehrministerium hat beim Reichskabinett den Antrag auf Wiedereinführung der früheren 3nftitution der Militär- und Marineattachös gestellt. Das Kabinett hat sich noch nicht entschieden, sondern die Frage bis zum Herbst auf Eis gelegt. Aber der Gedanke, dah Deutschland wieder Militärattaches entsenden könnte, hat in gewissen Kreisen schon einen Sturm der Entrüstung entfacht. Weshalb eigentlich? Run, es wird gesagt, wir hätten früher mit den politischen Offizieren^ nicht immer gute Erfahrungen gemacht und es hätte auch an Reib ungen zwischen den Ressorts des Militärs und des A u sw artigen Amtes wegen der Attaches und ihrer Berichterstattung nicht gefehlt. Das mag zum Teil zutreffend sein, aber schließlich kann man doch nicht eine Institution deswegen zerschlagen, nur weil sie in einzelnen Fällen versagt hat: versagt hat auch nur deshalb, weil die Persönlichkeiten, die an der Spitze der Aemter standen, den Ausgleich nicht fanden oder die sachlichen und persönlichen Möglichkeiten der Attaches nicht entsprechend auszunuhen wußten. Prakttsch kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dah die Attaches für Heer und Marine nützlich und notwendig find: lediglich aus Prestigegründen würden die übrigen Großmächte an der Einrichtung zweifellos nicht festhalten, und die Tatsache, daß gerade England uns zur Wiederherstellung dieser 3nstitution auch bei den deutschen Botschaften aufgefordert hat, läßt doch mancherlei Rückschlüsse zu. Der unmittelbare Verkehr der Offiziere ergibt oft genug Gelegenheiten, Mißverständnisse auszugleichen, und wir tonnten uns vorstellen, daß Sie ganze Erledigung der Entwaffnungsformalitäten wesentlich anders verlausen wäre, wenn ftuge deutsche Offiziere an der Botschaft in England gesessen und dort Gelegenheit gehabt hätten, in regelmäßigem Verkehr mit englischen Offizieren ausklärend zu wirken. Für die Zukunft kommen nach Abschluß der ganzen Entwaffnung solche Möglichkeiten nicht mehr in Frage, dafür bieten sich aber andere Aufgaben: Die Versailler Bestimmungen haben uns auch technisch in der Bewaffnung und zum Teil sogar in der Verteidigung starke Beschränkungen auferlegt; Die Wiederaufnahme der Besprechungen. Genf, 28. Juli. (Wolff.) Der brittsche Mariue- miniffer öridgeman und Lord Lecll sind heute wieder in Genf dngekoffen. Die Besprechungen zwischen den Führern der drei Delegationen sind bereits wieder ausgenommen worden. Der britische Marlneminister gab den beiden anderen Delegationen offiziell Kenntnis von den letzten Vorschlägen der britischen Regierung, welche in ihren Grundzügen den Anträgen entsprechen, die bereits auf Grund der britisch-japanischen Verständigung der amerikanischen Delegation zur Prüfung unterbreitet worden waren. 3in verlaufe der Diskussion mochte der Lhef der amerikanischen Delegation verschiedene Linwände gellend, so daß es nicht möglich war, ztz' einer Einigung zu qciangcn. Die Delegierten beschlossen daher, am nächsten Montag eine öffentliche Vollsitzung abzuhalten, welche der ösfentlicyen Meinung der Welt Gelegenheit zur Beurteilung der verschiedenen Standpunkte der drei großen Seemächte geben soll. Die britischen Vorschläge Genf, 28. Juli. (WTB.) Die neuen englischen Vorschläge für einen bis 1936 gültigen Vertrag sind in elf Punkte eingeteilt. Die G c - samttonnage an Kreuzern, Zerstörern und Unterseebooten für England und Amerika sollen je 590 000 Tonnen und für Japan 385 000 Tonnen nicht überschreiten. Darüber hinaus können 25 Proz. der Tonnage der überalterten Schisse bei» behalten werden, wobei die Altersgrenze für 10 000-Tonnen-Kreuzer 18 Jahre, für alle anderen Kreuzer 16 Jahre und für U-Boote 13 Jahre ist. Die Kreuzer werden in zwei Klassen von 10 000 Tonnen und von 6000 Tonnen eingeteilt, wobei die zweite Klasse höchstens Sechs-Zoll-Geschütze haben darf. Die 10 000-Tonnen Kreuzer werden für England und Amerika aus 12, für Japan auf 6 be» schränkt. Weitere Bestimmungen regeln die Höchsttonnage der Z e r st ö r e r und Unterseeboote und ihre Bestückung und sehen für England und Amerika eine U-Bootsflotte von je 90 000 Tonnen und für Japan von 60 000 Tonnen vor, wobei die U-Boote in zwei Klass en von unter 600 Tonnen und zwischen 800 und 1000 Tonnen eingeteilt werden. Außerhalb der oorgeschlagenen Bestimmungen kann die Gesamttonnage von jeder Macht beliebig verwandt werden. Eine besondere Bestimmung sieht die Beibehaltung von namentlich erwähnten Schiffen vor, die noch voll leb stunysfähig sind, aber weder in die 10 0OO Tonnen- Klasie, noch in die 6000-Tonnen-Klasse sollen. Die britische Delegation anerkennt in einer besonderen Anmerkung, daß durch Annahme dieser Bestimmung Amerika ohne Schiffe mit Acht-Zoll-Geschützen in der Kreuzerklasse bleiben würde. Sie ist deshalb wir leiden also in unserer Defensive darunter, daß wir in unserer Kenntnis der Technik auf dem Stande von 1918 ft eben geblieben sind, während inzwischen alle anderen Mächte ungeheuerliche Geldmittel zur Vervollständigung ihrer technischen Waffen bereitstellten und sich auf dem Gebiete des Gaskrieges, des Luftkrieges, wie auch des Unterwasser- krieges erheblich vervollkommneten. Das Wettlaufen ist uns auf diesem Gebiete schon aus finanziellen Gründen nicht gestattet, desto wichtiger aber ist cs, daß wir wenigstens einigermaßen über die Fort- schritte, die in den Vereinigten Staaten, in Eng- land, in Frankreich und in Italien gemacht werden, im Bilde bleiben. Denn auf die Dauer kann es nicht angehen, daß Deutschland waffenlos dasteht, während rings um uns mit Hochdruck gerüstet wird. Es kann also einmal der Zeitpunkt kommen, wo die Fesseln fallen, die uns heute festhalten. Schon aus Gründen unserer Sicherheit müssen wir daran denken, daß zum mindesten unsere Kenntnis der modernen Kriegswaffen auf der Höhe bleibt, und das kann nur durch regelmäßige Beobachtung an Ort und Stelle geschehen. Wir sind natürlich nicht so naiv zu glauben, daß die Eng- länder oder Franzosen andere Offiziere in ihre Ge- Heimlaboratorien führen würden. Indessen, ein sachverständiger Beobachter kann aus der Nähe sehr viel mehr sehen, als wenn er auf Berichte aus zweiter und dritter Hand angewiesen ist. Niemand weiß, ob nicht eines Tages eine kriegerische Welle gegen unseren Willen über unser Land hinweg geht. Und da ist es für die Landesverteidigung, mehr noch aber für den Schutz der Zivilbevölkerung notwendig, daß wir wissen, wie wir uns auf die Abwehr der modernen Kriegsmittel einzustellen haben. Wenn die Militärattaches diese Aufgabe erfüllen, dann machen sie sich für Ihr ganzes Volk bezahlt. bereit, dem Bau von Schiffen durch die Vereinigten Staaten zuzustimmen, welche nach der Meinung der Marinesachverständigen der drei Delegationen die Stärke Englands und Amerikas in dieser Klasse ausgleichen. Geringe Hoffnung in London. London, 29. 3ult (W. T. D. Funkspruch.) Der größte Teil der Morgenpresse äußert sich über die Aussichten der Genfer Konferenz sehr düster. Die meisten Blätter sprechen bereits von einer endgültigen, teils von einem au befürchtenden Zusamrnenbruch der Verhandlungen. Eine Ausnahme bildet nur die „Times", die schreibt: Soweit festgestellt werden konnte, sehen die amerikanische und japanische Delegation in den neuen britischen Vorschlägen geeignetes Material für weitere Erörterungen. Der Genfer De- richterstatter des „Daily Telegraph' klagt über die Haltung der Amerikaner, spricht aber trotzdem von der Möglichkeit eines provisorischen Abkommens. Der Reuter- hertreter telegraphiert. Obwohl die Amerikaner und Japaner Zurückhaltung zeigen, wird doch aus dem Wortlaut des Eommuniques geschlossen, daß die Konferenz erledigt ist und dah am Montag nur der Richterfolg bekannt gegeben wird, wenn die Amerikaner bis dahin nicht nachgeben. Der Genfer Korrespondent der .Daily R e w s" berichtet, Bridgeman habe die Richtigkeit des Grüchtes von einem Abbruch der Genfer Konferenz in Abrede gestellt und geraten, die Ereignis! e vom nächsten Montag a b - zuwarten. Der Korrespondent sagt, die bri- tischen Vorschläge gingen noch weiter, als man erwartet hatte. 3hr Annahme würde die völlige Einstellung des Baues schwerer Kreuzer für 10 3ahre bedeuten. Einer der schon im Dau befindlichen Kreuzer würde abzubrechen fein, die Vereinigten Staaten, die nur zwei solcher Schisse im Bau haben, würden dann die Möglichkeit haben, 10 weitere zu bauen und 3apcm, das 4 besitzt, könne vier weitere bauen. Der englische Vorschlag für die Gesamttonnage der Kreuzer, Zerstörer und LI-Doote von 590 000 Tonnen gehe nur um 40 000 Tonnen über den amerikanischen hinaus. Ameriko-.s Auffassung. N e u y o r k, 29. Juli. (WTB.-Funkspruch.) In politischen Kreien hat man sich, besonders noch den zusätzlichen Erklärungen Chamberlains damit abgesunden, daß die Genfer Marinekonferenz ergebnislos enden wird. Re (log trifft am 7. August mit Baldwin in Buffalo zusammen, wo man die unveränderte englisch-amerikanische Freundschaft betonen wird. Die Schwierigkeiten beginnen erst im Winter, wenn viele Abgeordnete mit Rück- sicht aus den Genfer Fehlschlag mehr Kreuzer verlangen werden. Hierauf wird die Regierung jedoch nur wenig eingehen, da sie entschlossen ist, nicht ein Wettrüst en gegen England zu beginnen. Keine (Einigung in Genf. Honen Mark an die Bezirksfürsorgeverbände — fei in dieser Form vom Deutschen Rentnerbund auf der Bundestagung in Dresden im April 1927 geschlossen und einmütig abgelehnt worden, da die Rentner dadurch in der völlig unzureichenden Fürsorge mit ihrer drückenden Abhängigkeit belassen würden. Diese 25 Millionen Reichsmark hätten nur für eine einmalige Beihilfe von ca. 30 Mk. pro 3ahr ausgereicht. Daß die Bezirksfürsorgeverbände die mit der anfänglichen Dertragsosserte verbundenen Bedingungen aus fürsorgerischen, finanziellen und rechtlichen Bedenken nicht annehmen würden, sei von Anfang an au erwarten gewesen. Der Deutsche Rentnerbund habe eine solche Hilfe, die ein wahres Danaer-Geschenk bedeutet, ablehnen müssen, um sv mehr, als dadurch die Verhandlungen über das immer erneut geforderte Rentnerversorgungsgesetz auf unabsehbare Zeit vertagt werden sollten. BeamtenunLerstützungen in Preußen. Berlin, 28. 3ult (WTB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt ehren Erlaß des preußischen Finanzministers bekannt, in dem es u. a. heißt: Die gegenwärtige schwierige wirtschaftliche Lage der Beamten läßt es gerechtfertigt erscheinen, die Anttäge auf G e- wäh cutig v-vn Änt er stü Hungen kn der nächsten Seit mit besonderem Wohlwollen zu behandeln. Insbesondere werden Gesuche der verheirateten Beamten der unteren Gruppen zu berücksichtigen sein. Einem Vorgehen des Reiches entsprechend erklärt sich der Minister auf Grund des Artikels 67 der Verfassung damit einverstanden. dc»h die im Haushaltsplan für das Rechnungsjcchr 1927 bei den einzelnen Verwaltungen vorgesehenen Mittel sür ^Interstühungen an Beamte für das Rechnungsjahr 1927 ün Bedarfsfälle bis zu 50 Proz. ihres Betrages außerplanmäßig v e r st ä r k t werden. Zentrum und Reichsbanner. Berlin. 28. 3u(L (IBIB.) Reber die heutige Re i ch sbannerkonferenz des Zentrums wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Die Zentrumsmitglieder im Reichsbanner, die heute nachmittag zu einer Aussprache über die durch den Ausruf h ö r s i n g s an den Republikanischen Schutzbund in Oesterreich und den daraufhin erfolgten Austritt des Reichskanzlers Dr. Marx aus dem Reichsbanner geschaffene Lage zu- sammcngekommen waren, sprachen ihr Bedauern darüber aus, daß Reichskanzler Marx sich zum Ausscheiden aus dem Reichsbanner veranlaßt gesehen hat. Einmütig wurde der Meinung Ausdruck verliehen, daß sich aus dieser bedauerlichen Tatsache für die anderen Mitglieder des Zentrums im Reichsbanner nicht die Folgerung ergebe, gleichfalls das Reichsbanner zu verlassen. Ebenso einmütig wurde allerdings auch die Erwartung ausgesprochen, daß künftig politische Entgleisungen von der Art des Schuhbundaufruses unterbleiben und weiterhin Sicherungen für strikteste Aeberparteilichkeit und außenpolitische Neutralität des Reichsbanners geschaffen werden. Die Konferenz bedauerte, daß die endgültige Stellungnahme des Bundesvorstandes zu der von Zentrumsmitgliedern des Reichsbanners am Dienstag in Magdeburg abgegebenen Erklärung noch nicht vorliege und behielt sich ihr abschließendes Urteil über die Vorgänge der letzten Zeit ebenfalls noch vor. * Wie die „Germania" erfährt, war die Aussprache führender Zentrumsmitglieder im Reichsbanner in der Hauptsache von folgenden Gesichtspunkten beherrscht: 1. Das Reichsbanner ist gegründet worden als freiwillige Schutzwehr der deutschen Republik zur Abwehr gegen die Tätigkeit der lange vorher entstandenen staatsfeindlichen Organisationen. Dieser Gründungszweci bestimmt seinen überparteilichen, rein staatsbürgerlichen Charakter und diese Sielsetzung umgrenzt seinen Tätigkeitsbereich. 2. Weil nicht parteipolitische, sondern nur vaterländische und staatsbürgerliche Interessen zum Zusammenschluß im Reichsbanner geführt haben, stellt das Reichsbanner eine selbständige, von parteipolitischer Führung unabhängige und parteipolitischen Beeinflus- sungen unzugängliche Organisation dar. 3. Die Reichsbannermitglieder, die sich parteipolitisch zum Sentrum bekennen, sind dem Reichsbanner als Staatsbürger beigetreten, ohne dadurch die Partei zu verpflichten oder festzulegen. Die Sentrumspartei ist darum auch niemals für irgendeine Handlung des Reichsbanners verantwortlich. 4. Die Zentrumsmitglieder des Reichsbanners anerkennen ihre Verantwortlichkeit der Sentrumspartei gegenüber und halten es für ihre selbstverständli«^ Pflicht, darauf hinzuwirken, daß auch im Reichsbanner die Grundsätze der Sentrumspartei nicht verletzt werden. 5. Die Entscheidung über Beibehaltung oder Beseitigung des Reichsbanners steht keiner politischen Partei, sondern nur einer vollverantwortlichen Regierung zu, die in der Lage ist, alle Folgen, die sich aus der Auflösung des Reichsbanners und selbstverständlich auch aller dem Reichsbanner als Gegner gegerrübersteßenden Organisationen ergeben, auf sich zu nehmen. 6. Die Reichsregierun^ und die Landes- ^gierungen sollten sich dafür einsehen, durch die Entfernung der republikfeindlichen Organisationen auch die Rotwendigkeit des Weiterbestandes des Reichsbanners zu beseitigen. Es wäre zu begrüßen, wenn der Zeitpunkt der berechtigten Auflösung des Reichsbanners bald gekommen wäre. 7. Solange das Reichsbanner notwendig ist, sollten ihm möglichst viele Mitglieder der Serv- trumspartei angehören, um die Wahrung des unverfälschten Reichsbannercharakters zu gewährleisten. Richt kritisieren, sondern Mitarbeiten ist Pflicht aller, die verhindern wollen, daß aus dem deutschen Reichsbanner ein österreichischer Republikanischer Schutzbund wird. Das Reichsschulgesetz. Tic Stellung des Deutschen Lehrervereins. Berlin, 28. Juli. Der Hauptausschuß des Deutschen Lehrervereins, in dem über 150 000 deutsche Volksschullehrer und -lehrerinnen zusammengeschlossen sind, hat eine Erklärung beschlossen, in der gegen den Entwurf des Reichsschulgesehes Protest erhoben wird. Dieser Entwurf, so wird in der Erklärung ausgeführt, steht in unversöhnlichem Gegensatz zur Reichsverfassung, da er der Gemeinschaftsschule die ihr verfassungsmäßig zugesicherte Stellung als R e g e l s ch u l e nehme und sie zu einer Antragsschule mache. Der Entwurf zerstöre ferner von Grund auf die S ch u l h o h e i t des Staates, indem er die Entscheidung über die Errichtung der Schulen dem Staat aus der Hand nehme und sie Bekenntnis- und Wellanschauungsgruppen übertrage. Der Entwurf zerschlage außerdem die leistungsfähige, vollausge- bav.te Volksschule in zahllose kleine leistungsschwache Schulen, vermehre die Kosten und schaffe eine dreifache Ueberwachung der Lehrer im Religionsunterricht. Eine Erklärung der evangelischen Elternbünde. Berlin, 28. Juli. (WTB.) In eirM aus dem ganzen Reich beschickten Sitzung seiner Pro- vir.zralverbände hat dec Reichselternbund die Spitzenorganifation der evangelischen Elternschaft heute zur schulpolitischen Lage eine Erklärung beschlossen, in der die endlich erfolgte Vorlage des Reichsschulgesetzes begrüßt wird. Der Entwurf gewährleiste die or- panische Weiterentwicklung unseres Schulwesens auf Grund der Gewissensfreiheit und des Elternrechts unter unbedingtem Festhalten anderstaatlichenSchulhoheit Aufwertung ausländischer Versicherungen. Berlin, 28. Juli. (TU.) Wie der Hansa- Bund für Gewerbe, Handel und Industrie, Berlin, bekannt gibt, mehren sich die Anzeichen dafür, daß die Markversicherten der ausländischen Gesellschaften bei den Gerichten der in Frage kommenden ausländischen Staaten hinsichtlich der Aufwertung ihrer Forderungen auf volles Verständnis rechnen können, vorausgesetzt, daß nicht aus der bisher wenig klaren deutschen Aufwertungsgesehgebung Einwendungen gegen die Aufwertungsansprüche hergeleitet werden können. Der Hansa-Dund ist nach wie vor bestrebt, einerseits eine Ergänzung der in den deutschen Bestimmungen enthaltenen Lücken herbeizuführen, andererseits die Rechtslage gegenüber den ausländischen Gerichten durch Einholung von Gutachten kompetenter Juristen der einzelnen Länder weiter zu klären. Durch die Suschriften einer großen Reihe von Interessenten, die sich an den Hansa-Dund zwecks Vertretung ihrer Interessen gewandt haben, ist schon sehr viel wertvolles Material zutage gefördert worden, und es wäre erwünscht, wenn alle diejenigen, die noch nicht endgültig für die Wahrnehmung ihrer Rechte Sorge getragen haben, sich der Aktion des Hansa-Dundes anschließen würden. Belgiens letztes Wort. Brüsseler Retourkutschen. Berlin, 29. Juli. (TU.) Nach einer Morgen- blättermeldung aus Brüssel verbreitet die B e l g > - sche Telegraphenagentur eine Erklärung der Regierung, m der es mit Bezug auf die deutsche Stellungnahme zum letzten belgischen Memorandum heißt: „Es besteht kein Grund, auf die in dieser Mitteilung enthaltenen Bemerkungen einzugehen und die Erörterung ins Endlose zu verlängern, die ohnehin durch die endgültigen Er- tlärungsn der belgischen Regierung nutzlos geworden ist. Es verdient aber heroorgehoben zu werden, daß die deutsche Regierung endlich begriffen hat, daß sie bezüglich der Arbeiten der Reichstag skommissionen über die Ereignisse des Krieges nicht weiter stillschweigen konnte, und es verdient weiter festgestellt zu werden, daß die deutsche Regierung ohne jeden Grund und nach Lo- carnö es für gut hrelt, die Veröffentlichung von Anklagen in der ganzen Welt zu erlauben, deren Hinfälligkeit offenbar ist, und diese Haltung zu rechtfertigen mit der Behauptung, daß eine siebenjährige Arbeit des Untersuchungsausschusses des Reichstages zu einer Wiedergabe des wahren Tatbestandes geführt habe. Diese richtet sich jedoch gegen hundertmal wiederholte Wahrheiten. Es ist unmöglich, daß die deutsche Regierung begreift, daß ähnliche Veröffentlichungen die öffentliche Meinung in Belgien stark erkälte n." Rrisenstimmung in Rumänien. Die Opposition für Carol. Budapest, 28. Juli. (Tel.) Remzeti Mag veröffentlicht eine Bukarester Korrespondenz, aus der hervorgeht, daß Professor I vr g a , der Führer der Bauernpartei, entschlossen sei, eine großangelegte Aktion gegen den Regentschaftsrcrt und für die Wiederberufung Karols einzuleiten. Es heißt, Runränien habe jetzt vier Könige, den sechsjährigen Michael, den Regentschaftsrat, den Ministerpräsidenten Bratianu und den verbannten Karol. Binnen kurzem werde eine große oppositionelle Versammlung in Bukarest abgehalten werden, zu der die Bauernpartei 10 000 Leute in die Hauptstadt bringen werde, um Bratianu zur Demission zu zwingen. Letzterer habe als Gegenmaßnahme die beurlaubten Soldaten einberufen und in den Kasernen Alarmbereitschaft angeordnet. Verschiedene Bukarester Blätter bezeichnen die Anwesenheit des Patriarchen im Regent - schaftsrat als Seichen der moralischen Verfaulung, da man über dessen Privatleben Informationen erhalte, die geeignet seien, ihn schwer zu kompromittieren. Bratianu halte aber an ihm fest, weil dieser schwache Punkt im Leben des Patriarchen am besten geeignet sei, dessen Anhängerschaft zu sichern, lieber die Unruhe im Fogaraser Korni- tat schreibt Maniu in der „Patria", es sei kein Wunder, wenn in Siebenbürgen Auf- stände entstehen: denn die Reichsrumänen Hausen dort wie die Eroberer in Afrika. Riem als unter der ungarischen Herrschaft haben derartige Zustände geherrscht. L6on Daudet meldet sich. Paris, 29. Juli. (W. T. B. Funkspruch.) Die Morgenpresse veröffentlicht Auszüge aus einem Briefe des aus dem Pariser Gefängnis entführten Royalistensührers Leon Daudet an den Iustizminister, in dem er sich über die Führung des Prozesses wegen des Todes seines Sohnes Philipp beschwert und sich bereit erklärt, ins Gefängnis zurückzukehren, wenn auf seine Beschwerde eine neue Untersuchung eingeleitet und sie loyal und ohne Behinderung geführt werde. Als unerläßliche Garantie dafür verlangt Daudet, daß die Polizei- beamten, die in die Angelegenheit verwickelt sind, zur Disposition ge st eilt werden. Vor einem Bündnis der iberischen Mächte. P a r i s, 29. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der „Quotidcen" veröffentlicht Mitteilungen aus Lissabon, wonach Portugal versucht, eine M i l i. tär-Konventivn mit Spanien zu schließen. Rach deren Bestimmung würde jede Erhebung in einem der beiden Länder von vornherein als bolschewistisch betrachtet und sofort durch die Rachbarmacht unterdrückt werden müßen. Außerdem wird Spanien die Wasserfälle des Duro, die zur Erzeugung von elc^cischer Kraft ausgebaut werden könnten an- bieren, um das portugiesische Defizit zu decken. Neue Todesurteile in der Ukraine. W a r s vd ü u , 28. Juli. (TU.) Vor dem höchsten Sowietgericht in C h a r k o w wurde, wie aus Moskau gemeldet wird, ein Prozeß gegen 51 ukrainische Bauern aus dem Kreise Berdytschew zu Ende geführt. Es handelt sich bei den Angeklagten um eine Gruppe Aufständischer, die wegen 37 Ueberfällen auf Sowjetbehörden und wegen Tötung eines Führers der Miliz angeklagt waren. Don den Angeklagten wurden 14 zum Tode, 12 zu zehn Jahren Gefängnis und die übrigen zu je sechs Jahren Gefängnis verurteill. Kleine politische Nachrichten. Als Nachfolger für den verstorbenen Staatsminister und Abgeordneten v. Brentano wird Rektor Winter (Mainz) in den Hessischen Landtag eintreten. * Die Wirtschaftspartei hält ihren Reichs- Parteitag vom 24. bis 27. August inHamburgab. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Otto Lands berg, der von dem preußischen Innenminister als Nachfolger Hörsinos für das Oberpräsidium der Provinz Sachsen in Aussicht genommen war, hat dringend gebeten, von seiner Kandidatur Abstand zu nehmen. * Im Laufe des Spätsommers soll eine deutsch, englische Zivil . Luftfahrtkonferenz stattfinden. Der Zweck der Besprechung ist die Ein. richtung neuer Transeuropalinien und der Ausbau des vorhandenen, von den verschiedenen nationalen Gesellschaften betriebenen Netzes. Man nimmt an, daß die Beratungen in Berlin stattfinden werden. Aus -aller Welt. Die Nnwetterschädcn im Mittelrheingebiet. Das Unwetter am mittleren Rhein vvm Mitt- wvch hat größere Schäden angerichtet, als man Zuerst angenommen hatte. Die Höhenzüge des Westerwaldes und des Hunsrücks wurden vvn wolkenbruchartigem Regen, heftigem Sturm und Blitzschlägen heimgesucht. Aus der Strecke Montabaur wurden allein 18 Telegraphenmasten umgeworsen, so daß die Leitungen gestört waren. Durch Blitzschlag wurden zwei Menschen getötet. In Würges zerstörte der Blitz die evangelische Kirche. Der einstürzende Turm beschädigte auch die Rachbarhäuser. Hebel mitgenommen wurde auch eine Mädchenklasse, die einen Ausflug nach der Ruppertsklamm bei Riederlahnstein unternommen hatte. Die Kinder befanden sich schutzlos auf der Höhe, als das Unwetter losbrach. Einige wurden zu Boden geschleudert und andere von den kaskadenartig den Berg herabstürzenden Wassermassen entführt. In wilder Panik stürmten sie nach allen Seiten auseinander. Die Kinder konnten erst am Abend in völlig erschöpftem Zustand und mit durchnäßten und zerfetzten Kleidern in einem Kloster gesammelt werden. Diele Kinder hatten Verletzungen erlitten und mußten vom Arzt verbunden werden. In Belt schlug ein Blitz in ein Anwesen ein und äscherte es völlig ein. Fortgesetzt treffen weitere Rachrichten über Hn* Wetter Verwüstungen ein. 3n Boppard durchzog eine Windhose die Luft, zuerst in südlicher und dann in nordwest- lrcher Richtung. Rußbäume, beinahe einen Meter im Durchmesser, wurden abgebrochen ober ihrer Reste vollständig beraubt. Die Obstanlagen bieten das Bild vollständiger Verwüstung. Fttichte sind keine an den Bäumen geblieben. DaS Mühltal mit dem schönen Mühltalhotel, der BahnhvfS- plah und das Parkgelände des llrsulineir-Klosters Marienberg zeigen starke Verwüstungen. Oberhalb des Dinkholder Tales, also zwischen Osterspai und Braubach wurden fast sämtliche Obstbäume umgeknickt. Die Straße ist zur Zeit noch nicht passierbar. In Braubach schlug der Blitz in das Anwesen eines Dadehauses, wodurch nicht geringer Schaden entstand. Der Braubacher Wald wurde arg heimgesucht. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die bekannte Rheinterrasse am Oberlahnsteiner Strand erlitt erheblichen Schaden. Ein großer Baum in der hinter der Terrasie gelegenen Anlage wurde durch den Wirbelsturm abgedrcht und dann hochgehoben und mit ungeheuerer Wucht auf ein Dach geworfen. Die Strandanlage bei Oberlahn st ein wurde ebenso wie die Lagerschuppen im eigenen Gelände heimgesucht. Personenschäden sind auch hier nicht zu beklagen. In Riederlahn st ein wurde ein Wohnhaus vom Blitz getroffen. Er sprang vom Blitzableiter ab, beschädigte diesen, sowie eine Telephonanlage, die heruntergerissen wurde. Ferner traf der Strahl die elekttische Leitung, so daß Riederlahnstein ohne Licht blieb. Die Straßenbahn konnte nicht verkehren. Erst nach stundenlangen Auftäumungsarbeiten konnte sie den Betrieb Lahnstein-Koblenz wieder aufnehmen. Dec erste Rheindampfer in Heidelberg. Die Strecke Mannheim—Heidelberg des kanalisierten Neckars ist jetzt fertiggestellt und dem Verkehr übergeben worden. Seit Dienstag können jetzt auch die Rheindampfer den Neckar hinauf bis Heidelberg fahren. Als erstes Schiff traf der Mannheimer Rheindampfer „Fürst Bismarck" hier ein und legte mitten in der Stadt an, was für die Heidelberger, die sonst nur an den Anblick der Neckarmotorboote gewöhnt find, ein Ereignis war. £s hatte sich eine riesige Menschenmenge eingefunden, die staunend der Einfahrt des großen Raddampfers zufah. Die Fahrten sollen jetzt täglich wiederholt werden. Freiburgs Austritt aus der Deutschen Studentenschaft. Die Freiburger Studentenschaft hat mit Stimmenmehrheit folgenden Entschluß angenommen: Unter dem Eindruck des Würzburger Studententages, der nicht den Mut fand, die Verfassungsfrage zu einer einheitlichen Lösung zu bringen, beschließt die Freiburger Studentenschaft, aus der Deutschen Studentenschaft auszutreten. Sie erstrebt aber im Interesse des Bestan- des einer Deutschen Studentenschaft eine Einigung gleichgesinnter Studentenschaften. Line 200 Jahre alle Falfchmünzerwerkstatl entdeckt. Bei B a l o e im Sauerland wurde in einer Höhle eine fast 200 Jahre alte Falschmünzerwerk- statt entdeckt. Man fand Kupferstiche sowie nachgemachte Münzen der Stadt Hamm vom Jahre 1736 und der Stadt Soest vom Jahre 1740. Landgewinnung an der Rordseeküsle. Nach den neuesten Messungen am Eisen- b a h n d a m m von Sylt ist im Norden des Dammes eine Erhöhung des Wattenmeerbodens von nicht weniger als - Meter festgestellt worden. Sie ist als das Ergebnis des durch die Errichtung des Dammes unterbrochenen Nordsvestto- mes und der dadurch gesteigerten Schlickablagerung zwischen Insel und Festland zu betrachten und übertrifft bei weitem die Erwartungen, die man in dieser Hinsicht gehegt hatte. Die Untersuchungen sind auch auf die Südseite ausgedehnt worden. Man hofft bald mit den SanbgetDiraumgsarMten beginnen gn können. Line Kochkunstausstellung auf der Westdeutschen Gastwirtsmesse in Köln. Mit der vom 9. bis 18. September in Köln stattfindenden zweiten Westdeutschen Gastwirtsmesse wird eine Kochkunst-Ausstellung verbunden sein, die unter der Mitwirkung des Internationalen Verbandes der Köche, Fraickfurt a. M_ veranstaltet wird. Tagung des Internationalen Mieteroerbandes. In Paris tritt der Vorstand des Mieterbundes, dem Vertreter der Schweiz, Oesterreichs, Frankreichs, Deutschlands und Schwedens angehören, zu einer Sitzung zusammen, in der die Stellung der Mieterinternationale zur Baupolitik sowie die allgemeine Lage der Mieter erörtert werden sollen. Einweihung der Schwebebahn Aiguille du Midi—Montblanc. Am 7. August wird der französische Minister für öffentliche Arbeiten, Tardieu, die nunmehr fertiggestellte höchste Schwebebahn, die von der Aiguille du Midi nach dem Montblanc führt, einweihen. Die Suche nach Jlungeffer und Loli aufgegeben. Major Sidney Cotton, der mit einem Bereiter sechs Wochen lang im Flugzeug die bnfcl Reufimdland und die angrenzenden Gebiete abgesucht hat, um die vermißten französischen ^ransatlantikflieger Rungesier und Coli aufzufinden, ist nach Fort Washington zurückgekehrt. Er sprach die äleberzeugung aus, daß die beiden Flieger die Küste von ReufimdlcmD nicht erreicht haben. Tödlicher Antounfall im Gebirge. Nach einer Meldung aus Disentis (Kanton Graubünden) fuhr am Donnerstagnachmittag auf der Oberalp st raße zwischen der Paßhöhe und Tschamut ein ausländisches Auw in einer scharfen Kurve gegen eine Stützmauer am Etraßenrain. Diese wurde durchbrochen und der Wagen stürzte die etwa 10 Meter hohe Böschung hinunter, woo^i er sich mehrere Male überschlug. Im Wagen befand sich der G ra f Wi lhelm von Waldburg, Zeil auf Schloß Jsny (Württemberg), seine Frau und deren Schwester. Der Graf kam unter das Auw SU liegen und war wahrscheinlich sofort tot ©eine Frau, die den Wagen führte, eine Zijährige Gräfin Salm-Reifferfcheidt kam mit einigen Schürfungen am Bein davon, während ihre Schwester schwere Verletzungen am Rücken erlitt. Zugzusammenstoß in Frankreich. Kurz vor dem Bahnhof Ab bä ville fuhr der Schnellzug Paris—Calais auf den Schnellzug Wien—Calais, der wegen Ma- schtnendesektes angehalten worden war, mit solcher Wucht auf, krnß die letzten Wagen des haltenden Zuges zertrümmert und umgeworfen wurden. Rur dem Umstand, daß die meisten Reisenden den blockierten Zug verlassen hatten, ist es zu danken, daß nur ein Toter zu beklagen ist und etwa zehn Personen schwer oder minder schwer verletzt wurden. Ein Ehepaar vom Blitz erschlagen. Bei dem heftigen Gewitter, das in O l d e n b u r g niederging, wurden auf der Delmenhorster Geest ein Landwirt und dessen Frau, als sie ein Rind vom Felde holen wollten, vom Blitz erschlagen. Riesige Opfer des amerikanischen Aukomobiloerkehrs. Die amerikanische Automobil-Handelskammer meldet: Vom 1. Januar 1919 bis zum 31. Dezem- ber 1926 wurden 137 000 Personen durch Automobile getötet gegen 120000 Soldaten mi Weltkriege. 26 Prozent der Getöteten find Kinder unter 15 Jahren. Im letzten Jahr allein wurden 23 000 Personen durch Automobile verletzt, feit Januar 1919 = 3 500 000. Beim Ausnehmen eines Vogelnestes vom Starkstrom getötet. Ein neun Jahre alter Knabe war in der Nähe bes Bahnhofs Friedrichsfeld- Süd auf einen Gittermast der Starkstromleitung gettettert, um em Vogelnest zwischen den Drähten auszunehmen. Der Junge hatte das Nest schon zwischen den Drähten gelost, geriet aber beim Rückziehen des Armes mit der 5000-Dolt-Leitung in Berührung und wurde auf der Stelle getötet. Erst nach einer Stunde, nachdem der Strom abgeschaltet war, konnte die Leiche des verunglückten Jungen von Monteuren abgenommen werden. Die Diebe im Darenhaus. In einem großen Berliner Warenhaus in der Frankfurter Allee wurden seit einiger Zett rätselhafte Diebstähle verübt. Wenn die Angestellten am Morgen ihren Dienst an traten, muhten sie fest stellen, daß Waren aller Art gestohlen waren, vor allem goldene Uhren, Schmuck- fachen und Grammophone. Heute morgen sahen nur die Verkäuferinnen, daß die Tür zu einem Waschraum, die von innen abgeschlossen worden war, Zeichen schwerer Beschädigung aufwies. Polizei erbrach die Tür und fand in dem Raum den Uhrmacher Wienewski, der sich wiederholt nachts hatte einschliehen lassen und morgenS als „erster Käufer" das Warenhaus verließ. Schweres Schiffsunglück bei Chikago. Ein Dergnügungsdampfer mit etwa 200 Personen an Bord sank in der Rähe des städtischen Piers. Mehrere Personen, meistens Kinder, ertranken Einige Leichen sind bereits geborgen, viele Personen werden als vermißt gemeldet. Waldbrand bei Köpenick. Durch achtloses Fortwerfen einer brennenden Zigarette entstand in dem Stadtforst bei Köpenick ein großer Waldbrand. Das Feuer breitete sich infolge ber Trockenheit der letzten Tage mit großer Schnelligkeit aus. Die Feuerwehren aus Köpenick und den umliegenden Ortschaften zusammen mit Hunderten von Bewohnern der dortigen Gegend waren bis in bie späten Abendstunden hinein bamit beschäftigt, Den Brand einzudämmen. Etwa 50 Morgen W a l d wurden vernichtet. Erst in den späten Abendstunden gelang es, das Feuer zu lokalisieren. Der Brand selbst konnte noch nicht gelöscht werden. Wettervoraussage. Wolkig mit Aufheiterung, warm, bis auf einzelne Gewitterstörungen mit Gewitterregen trocken. Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 21,5 Grad Celsius, Minimum 11,5 Grad Celsius. Sonnenscheindauer: 33/* Stunden. Heutige Morgentemperatur: 15,1 Grad Celsius. Witterungsaussichten für Sonntag: Roch wechselnd wolkig mit Reigung zu Gewitterstörungen. ton, btt n«. • wn- bie ang?L2S0 KZ '^NLü 'uusalllvLettrge. O-inüch lojnrf KJ typ',e*ne 31)äf)rige @rä, l^nbt tarn mü einiaeit on, wahrend ihre 6*w i am Rücken erlitt. loh in Frankreich. chnhof AbbLville fabt ris—Calais auf Jen alais, der wegen ■M Worten war, mit solcher Wn Dagen des haltenden und umgeworfen wurden, dah die misten Reisenden verlassen hatten, ist es zu n Toter zu Beilagen ist tonen schwer oder minder r. vom blitz erschlagen. Witter,dasmvldenburg ' der Delmenhorster Geest ein Jrau, als sie ein Rind vom 'n M erfragen. naiven Mulotnobifoerfef)». Auttmobil-Handelskammer 1919 bis zum 31. Dezem- 000 Personen durch t«t gegen 120 000 Soldaten rozent der Getöteten sind Personen durch ainonwone 19 = 3500000. 5 Vogelnestes vom Start- n getötet er Knabe war in der W richsfeld-Süd auf er«a omieitung geklettert, m«" Drähten auszunehmen. M schon zwischen den DraM « Mziehen des Armes mä in BerühriM-md getötet. L-ft mch -mer liten Jungen von ®Wrra ’^S**** WWZ * ^ihung ----e du Bhhi tr, nrd der (2^!?’®'®*. Feuer ' erbeit JJ! „jdjt geloM w ^arausl'a^' bis **Ä* INI im Darenhaus. ^Hner Warenhaus i° ^rdcn seit einiger N yl HftäSE n, dast die's Beschädigung avi -«» i»j L'Smj lewst'. ' chck> morgen 6UO9'M b<’ ^20) ÜW onen, E^bereits ssSfe t«U“ xnrtiaen beW, > Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. Juli 1927 Die Wetterfahne. Heber den Zweck einer Wetterfahne kann kein Zweifel Bestehen. Cs ist ihre Lebensaufgabe, sich nach dein Winde zu drehen. Deshalb letzt man sie dahin, wo es am wirrdigsten ist. Auf den Kirchturm, nach dein sich eine besondere Art von Politik nennt. So hoch hängt sie für den normalen Laien verstand. Bei Windesstille muh sich eine Wetterfahne also ziemlich überflüssig vorkommen. Ungefähr wie Menschen, denen der Wind aus den Segeln genommen ist, mit denen sie gewöhnlich ihr Doot zwischen den Klippen rechts und links gewandt hindurchsteuern und hch über den Wellenschaum freuen, den sie mit ihrem Lavieren aufwerfen. Wenn sie nämlich in Ermangelung eines Segels den Mantel nach dem Winde gehängt haben. Wohin die Wetterfahne des persönlichen Vorteils gerade zeigt. Aber kaum jemals dahin, wo es am windigsten ist. Denn dort schreckt sie vielleicht weniger eine etwaige Gefahr, als die Votwendig- keit oed Einsatzes von persönlichem Mut. Das verantwortliche Einstehen für Rede und Tun. Alte Wetterfahnen sind meist kunstvolle Schmiede- oder Klempnerarbeit, deren figürlich« Darstellungen in humorvolle oder dem Leben ent- lehrrte, oder philosophische und sagenhafte Beziehungen zu ihrem Zweck gesetzt sind. Damit sie hoch über dem Getriebe der Äiedrigkeit einen Hauch des Geistes verspüren lassen, um den immer etwas von der versöhnlichen Ruhe des Ewigen ist, gleichviel aus welcher der Richtungen er weht. Man muh sich dem Zauber einmal ganz hin- geben, wenn in einer mondbleichen Rächt ab und an ein sanfter Windstoß das schnurrige Brummeln einer rostmürben Wetterfahne in die Stille stottern läßt. Oder wenn in dem Wüten des Föhns die kreischende Wetterfahne schrill das Heulen zerreißt. Herrisch manchmal, wie die Kommandorufe eines Kapitäns, wenn das Schiff gegen hohe See kämpft. Keifend auch, wie eine fanatisch sich Überschlagende Stimme in dem Tumult einer johlenden Menge. Am schönsten aber, wenn sie in den glasklaren Frieden einer Winternacht, wie Großmütter neben versonnenen Kaminen, halblaute Märchen vor sich hinmurmelt, in denen die Geister verängstigter Kinderträume spuken. K. I. O. Geschäftsverkehr und Postgebührenerhöhung. Der Reichsverband des deutschen Groß - und Heberseehandels hat, nachdem die Erhöhung der Po st gebühren nunmehr gegen den Einspruch der Wirtschaftsverbände beschlossen worden ist, nachstehende Vorschläge für Selbsthilfemahnahmen der Großhandelssirmen gegenüber den aus der Gebührenerhöhung sich ergebenden Mehrbelastung ausgearbeitet, die darüber hinaus auch für weitere, am Postverkehr interessierte Kreise der Oeffentlichkeit von Interesse sein dürften: 1. Einheitliche Vers endung der Fakturen mit den Warensendungen, z. B. Frachtgüter, Kisten. Ballen, Pakete, Päckchen. (In Sendungen, die durch die Bahn bzw. durch den Spediteur befördert werden, dürfen zwar keine geschlossenen Briese gesandt werden. Das Einlegen der Rechnung ist daher in einem offenen Briefumschlag aber durchaus möglich.) Aus einer besonderen Aviskarte (Drucksache, Postkarte), die mit fortlaufendem Rummerstempel zu versehen ist (Muster ist ausgearbeitet worden), wird den Kunden am gleichen Tage mitgeteilt, daß die Sendung mit einliegender Rechnung an ihn abgegangen ist. 2. Von der Versendung von besonderen bisher üblichen Lieferscheinen soll Abstand genommen und an deren Stelle gleich Rechnung erteilt werden, die den Warensendungen beizufügen ist. 3. Verzichtleistung der Mitglieder sämtlicher Verbände auf Empfangsbestätigung bei allen Zahlungsüberweisungen. 4. In verstärktem Maße ist von der D r u ck- sachenversen düng Georauch zu machen unter Berücksichtigung dec Tatsache, daß ein Unter- schied zwischen Teil- und Volldrucksache nicht mehr stattfindet. Auf allen Drucksachen ist erlaubt, handschriftlich, mit der Schreibmaschine mit Stempel, im Druck- und Paurverfahren folgende Aenderungen vorzuehmen: a) eine innere, nut der äußeren übereinstimmende Aufschriftsangabe, sowie in gleicher Weise Absendungstag, Firma, Harne, Stand und Wohnung nebst Wohnung des Absenders, seine Fernsprechnummer, Telegrammadresse und Telegrammschlüssel, sowie einPostscheckkonto und Bankkonto, sowie sonstige schriftliche Kenn- und M'rkworte nachzutragen oder zu ändern: bj offensichtliche Druckfehler SU berichtigen: c) Stellen des Druckes zu streichen, Worte oder Teile des Druckes durch Anstriche hervorzuheben und zu unterstreichen: d) Ziffern an offen gelassene Stellen des gedruckten Wortlautes nachzutragen: e) Ziffern zu ändern: f) sonstige Aenderungen im Wortlaut sowie Rach- tragungen an beliebiger Stelle vorzunehmen; diese Aenderungen und Rachtragungen dürfen jedoch zusammengezählt nicht mehr als fünf Worte umfassen und müssen in leicht erkennbarem sachlichen Zusammenhang mit der gedruckten Mitteilung stehen. Durch die Aenderungen und Zusätze dürfen keine Mitteilungen in verabredeter Sprache entstehen. 5. Die Heberweisung vom Postscheckkonto auf das Bankkonto kann dadurch beschleunigt und verbilligt werden, daß der Dank ein Postbarscheck überwiesen wird, der bereits am nächsten Tage dem Bankkonto gutgebracht wird. Die gleidye Heberweisung auf Zahlungsanweisung durch das Postscheckamt bringt eine Verzögerung von ca. drei Tagen mit sich. 6. Beim Abheben größerer Beträge von Postscheckguthaben durch solche Firmen, die über ein Reichsbank-Giro-Konto verfügen, werden durch Heberweisung eines Reichsbankschecks, der bei der Reichsbank sofort gutgebracht bzw. ausgezahlt wird, bei regelmäßigem Verkehr nicht erhebliche Ersparnisse an Postscheckauszahlungs- gebühren erwirken. (Gebühr Vio pro Mille statt 1 pro Mille.) Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Verbilligung des durch die Erhöhung der Postscheckgebühren verteuerten Zahlungsverkehrs und des Paketverkehrs, sowie zur weitestgehenden Verwendung von Drucksachen vom Reichsverband des Deutschen Groß- und Heberseehandels ausgearbeitet. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Palast-Lichtspiele: „Staatsanwalt Jordan". — Asto- ria-Lichtspiele: „Eine Schreckensnacht in Sing- Sing". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag, 2. August, abends 8 Hhr, geht als Erstaufführung die Komödie „Der Garten Eden" von Rudolf Bernauer unö Rudolf Oesterreicher in Szene. Das vorzüglich auf Wirkung gearbeitete Stück gehört zu den spannendsten Werken der Gegenwart und geht jetzt über alle Sommerbuhnen und Kurtheater. Auch in Dad-Rauheim fesselte das intereffante Stück die Zuhörer von der ersten bis zur letzten Szene und löste starken Beifall aus. Die Vorstellung ist nach 10.30 Hhr beendet. *■ Personalien. Ernannt wurde am 20. Juli der Oberlandesgerichtsrat Conradi in Darmstadt zum Mitglied der Prüfungskommission für das Justiz- unö Verwaltungsfach. •• Verfassungsfeiern. Das Hessische Gesamtministerium hat die Bestimmungen über die Verfassungsfeiern am 11. August erlassen. Es wird u. a. angeordnet, daß die öffentlichen Gebäude in den Reichs- und Landesfarben zu beflaggen sind. Wenn nur eine Gelegenheit zum Aufziehen der Fahne vorhanden ist, sollen unter allen Hmständen die Reick^farben gezeigt werden. In allen Schulen ist am 11. August unter Wegfall des gesamten Unterrichts eine Feier zu veranstalten. In Orten, wo der 11. August in die Ferien fällt, ist die Feier in der ersten Schulwoche nach Wiederbeginn der Schule abzuhalten. Zur Teilnahme an der Derfassungsfeier seitens der Beamten und Angestellten wird für den 11. Au- guft Büroschluß angeordnet. Die 1. und 2. Derwaltungsprü- f u n g für die Beamten der hessischen Landgemeinden findet in der Zeit vom 1. bis 3. September in Oisenbach statt. Anmeldungen zu den Prüfungen sind bis zum 15. August an den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Bürgermeister Ritzel, in Michelstadt, zu richten. ** D ie Unter st ützungsdauer in der Erwerbslosenfürsorge. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den letzten Monaten hat das Neichsaroeitsministerium veranlaßt, die Bestimmungen über die Bemessung der Höchstdauer in der Erwerbslosenfürsorge nachzuprüfen. Hierbei hat sich ergeben, daß der Arbeitsmarkt sich z. B. für den Bergbau und das Reinigungsgewerbe so günstig entwickelt hat, daß die Höchstdauer auf das regelmäßige Maß von 26 Wochen zurückgeführt werden mußte. Der Reichsarbeitsminister hat sich hierbei vorbehalten, für einzelne Berufsarten und Bezirke, die von einer langfristigen Arbeitslosigkeit beson- ders scharf betroffen werden, eine längere Bezugs- dauer zuzulasfen. Wie bisher, kann in allen Fällen Mr Vermeidung von Härten die örtliche Stelle die Fürsorge um 13 Wochen verlängern. ** D i e Behandlung post lagernder Sendungen nach dem Auslande. Wie das Reichspostministerium mitteilt, liegt Veranlassung vor, darauf hinzuweisen, daß bei postlagernden Sendungen nach dem Ausland der Name des Empfängers anaegeben sein muß. Die Verwendung von Anfangsbuchstaben, Ziffern, Vornamen ohne weiteren Zusatz, angenommene Namen oder verabredete Kennworte irgendwelcher Art ist nach dem Auslande nicht zulässig. Sendungen, die den Anforderungen nicht entsprechen, werden, wenn der Absender zu ersehen ist, zurückgegeben, andernfalls als unbestellbar behandelt. Auch die Nachsendung solcher Sendungen aus Deutschland nach dem Auslande ist nicht zulässig. ** Erhöhung der Derzollungspost- gebühr. Ab 1. August wird, wie das Reichspostministerium mitteilt, die Verzollungspostgebühr für Pakete und Briefsendungen von 30 auf 40 Reichspfennig erhöht. “ Altersvereinigung 1 857—1 927. Am Mittwochnachmittag feierten der Jahrgang der Siebziger und ihre Familienangehörigen auf Textors Terrasse ein frohes Geburtstagsfest. Ruch dem gemeinsamen Kaffee begrüßte der am 1. Januar 1857 geborene Altersgenosse Jean A r - n o l d die Erschienenen, während die Gedächtnisrede von dem Altersgenossen P r ä t o r i u s gehalten wurde. Diese beleuchtete die in den sieben Jahrzehnten gehabten Erfahrungen und Erlebnisse, war von hohem vaterländischen Geiste getragen und hinterließ bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck. Ein kleines Orchester sorgte für Abwechslung und erntete wohlverdienten Beifall. Während des gemeinsamen Abendessens feierte Altersgenosse Th. Loos die anwesenden Damen; Altersgenosse Schröbel lieh feinem Humor die Zügel schießen. Auch wurden verschiedene heitere und vaterländische Lieder vorgetragen. Die Feier war gut vorbereitet und verlief ohne jeden Mißton. ** Wochenende in Gießen. Eine zeitgemäße Einrichtung zur Hebung des Fremdenverkehrs in unserer Stadt propagiert der Verkehrsverein unter dem Motto: Wochenende in Gießen. Es ist zu hoffen, daß die Anregung auf fruchtbaren Boden fällt. (Näheres siehe heutige Anzeige.) ** Rückkehr der Maschinengewehr- Kompagnie. Das 1. (Hess.) Ball. Jtrf.-Regt. 15 teilt in Abänderung der gestrigen Meldung über die Rückkehr der 4. (M.-G.-) Kompagnie vom Wacht- regiment Berlin folgendes mit: Die Ausladung erfolgt an der Frankfurter Rampe: der Marsch vom Bahnhof zur Kaserne wird nunmehr durch folgende Straßen gehen: Klinikstraße, Frankfurter Straße, Südanlage, Ostanlage, Moltkestraße, Llcher Straße. ** A u f der Weltreise zu Rad kam gestern ein junger Sportler, der sich Negue Renfah nennt, durch unsere Stadt und erregte durch sein bunt angestrichenes Fahrrad die lebhafte Beachtung des Publikums. Nach seinen Angaben ist der Mann im Mai in München gestartet und will zunächst kreuz und quer durch Deutschland, Frankreich, Spanien und Nordafrika reisen. " Von der Bruch st raße. Hnter den in der letzten Zeit durch die Stadt vorgenommenen Straßenve-rbesserungen dürfte auch die Bruch- straße hervorzuheben fein. Die seitherige Privat- ftrahe mit dem Ausblick nach der neuen Hui- versifätsaula ist nach Anlage der Kanäle ordnungsmäßig entwässert, mit elektrischem Licht. Das unh Wasser versehen worden: die Fahrbahn hat Kleinpflaster erhalten, und die Bürgersteige sind asphaltiert. Aller „Bruch" in bei'" Druch- strcche ist nunmehr beseitigt. An der Stelle, wo ehemals das Verkehrshindernis, „Spanischer Reiter" genannt, stand, sieht man vor dem Bleich- rasen ein gediegenes Blumengärtchen und öa- hinter auf der Gartenmauer eine Anzahl Kasten mit schön blühenden Blumen. Wenn nun noch einige Häuser neuen Verputz erhalten und die noch sehleirden Garteneinfriedigungen angebracht sind, dürfte jene Frau, die seinerzeit meinte: „En dr Bruchstroh wuhnt doch nix Gscheids" anderer Ansicht werden. ** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten wird hiermit der S eiter s w e g zwischen Blockstraße und Goethcstraße bis Wolkengasse vom 29. Juli o. I. bis auf weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt. Berliner Börse. Effekten-Frühverkchr. Berlin, 29.Juli. (WTB. Funkspruch.) Die im gestrigen Nachmittagsverkehr und an der Frank- furter Abendbörse plötzlich eingetretene Aufwärts- bewegung setzt sich im heutigen Frühverkehr bisher nicht fort. Die Kurse liegen zumeist behauptet. Man nennt Farben 320, Glanzstoff 735 und Schult- heiß 458. Am Devisenmarkt hört man Paris 124,04, Mailand 89,25 bis 89,30, das Pfund 4,8556, Madrid 28,45. Dv-efkasten der Redaktion. Volkswirt R. D. D. Frage: 1. Welcher Verband wird durch R. D. D. bezeichnet? — 2. Ist dies ein Reichsverband, der nur akademisch gebildete Volkswirte aufnimmt und dessen Mitgliedschaft auf die Zugehörigkeit zu einem freien Beruf hinweist, wie dies ein Angehöriger, der selbst Akademiker ist, behauptet? Antwort: 1. R. D. D. bedeutet Reichs- verband der Deutschen Volkswirte (Verband der Diplom-Volkswirte) E. V., der seinen Sitz in Berlin-Wilmersdorf hat. — 2. Die Erlangung der ordentlichen Mitgliedschaft ist nicht nur vom Abschlüsse eines miindestens sechs- semestrigen Studiums abhängig, sondern der Bewerber muh sich auch bereits in der Praxis bewährt haben, mindestens durch ein dreijähriges freiwilliges Wir 1 schafts - referenöariat Die Bezeichnung Volkswirt R. D. D. ist gesetzlich geschützt und bedeutet für den volkswirtschaftlichen Sachwalter, der sie führen darf, eine Berufs- bzw. Q u a l i s i t a - tionsbezeichnung: aber auch Volkswirte, die in die öffentliche Verwaltung übernommen worden sind, führen diese Qualifikationsbezeichnung vielfach weiter. 211. G. Beginn des Rhönsegelflugwettbewerbs am 31. Juli. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 30. Juli 1927. Freitag abend 7.30, Samstag vorm. 8.00 Pred., nachm. 4.30, Sabbatausgang 9.05. Wochengottcs- dienst: morgens 6.15, abends 7.15. 3fr. Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag.den30.Juli 1927. Vorabd. 7.45, morg. 8.30, abds. 8.25 u. 9.05. Verantwortlich für Lokales, Provinz und Wirtschaft i. V. Dr. Hans T h y r i o t. / Es qibr I nichts Besseres V für die \ Wäsche . 1 'I M jyA A S 7/Ä I Leder kaufen 2 3 G s zu Köhler laufen! i I ® 3 Snnjilidie SciniimdierarM. • s Gieüen,Neustadt79. | <5 696SD S öMMllln) auis Vanb. zum 1. 8., fvmestens 15. 8, gesucht. Bedingung: In Stenogravhte u. Schreibmaschine bewandert, in der Buchhaltung Rrm. Schrnil. Angebote mit Gebaltsansvr. unter 6947D an den Junger Bursche für Btergeschäst gesucht. H. Heyne, Biergrostbandlg., oM&t Walltorstrane 5. Gieß. Anz. erbeten. Friedr-sH Wilhelm £eöen5üerfld)erung5-2iniengefenf(haft Errichtet 1866 Für eine Werbegruvve suchen wir noch einige tüchtigeverkehrsgeivanbte und arbeilsneudige [6949id OJt it a r b eiter nicht unter 25 Sabre Wir zahlen auch Nichtsachleuten von vornherein feitcö Einkoinnien. Persönl. Porstellung mit Zeugnissen und sonst. Angaben über bisher. 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Wirtschaftspolitik zu führen, 4. auswärtige Politik zu leiten. Nur weil er über eine so erdrückende Mehrheit im älnterhause verfügt, sagt man, besitzt er die in ihm vermutete Bedeutung. Dor einiger Zeit hat ein englischer, in Gibraltar stationierter Offizier seinen Obersten kaltblütig erschossen, weil er der Lieberzeugung war, daß das dem Obersten anvertraute Regiment wegen der Llnfähigkeit seines Kommandeurs militärisch völlig demoralisiert werden müsse. So ging er denn hin, bat bei seinem Vorgesetzten um eine Llnterredung unter vier Augen, und als er daS Zimmer betreten hatte, knallte er ihn einfach nieder, gab im Vorzimmer Degen und Revolver ab und teilte die Erschießung und die oben genannten Motive dazu mit. Auch das ist England. Das Gericht verhängte die Todesstrafe, empfahl ihn aber der Gnade des Königs. Ungefähr so stehen auch die Dinge im konservativen Lager, nur daß ein englischer Kabinetts- mimster nicht zu Mr. Stanley Baldwin hineinwandeln famt, um ihn kaltblütig umzubringen. Daran hindert ihn schon die politische Etikette. Unangemeldet hat nur der König beim Premierminister Zutritt. Man wird in diesem Zusammenhänge auf den Gedanken kommen, daß die in deutschen Blättern verkündeten riesenhaften Wahlerfolge der von dem verjüngten Lloyd George geführten Liberalen eine Art von Panik im konservativen Lager hervorgerufen haben. Dem ist aber nicht so. 3n der konservativen Parteileitung verfolgt man die Wahlerfvlge der Liberalen mit vergnügtem Schmunzeln. Trotz aller Reklame haben sie bisher nicht einmal ihre Wählerschaft auf den Stand von 19123 bringen können. Ganz im Gegenteil, fast in allen Wahlkreisen nimmt die Arbeiterpartei auf Kosten der Liberalen zu. Viel Geschrei und wenig Wolle ist die Ansicht. Lloyd George wird auch heute noch genau so skeptisch beurteilt wie früher. Praktisch laufen die Wahlei^olge der Opposition mir auf eine Bekräftigung der konservativen Herrschaft hinaus. Don 32 Rachwahlen haben die Konservativen 17 gewonz^n, d. h. ein Anlaß zu einer Regierungskrisis im Sinne der Opposition ist nicht gegeben. Wohl aber ein Anlaß zur Regierungskrisis im Sinne der herrschenden Partei — einer R e- g ier ringsum bil düng. Baldwin hat seine Schuldigkeit getan. Man erkennt gerne an, daß er in schwierigen Zeiten als ein braver Hausvater seine Sache schlecht und recht gemacht hat. Aber er hätte sie besser machen können. Baldwin soll in den nächsten Tagen eine Reise nach Kanada antreten, eine LIrlaubsreise natürlich, mit politischem Beigeschmack. Aber ganz abgesehen davon, daß eine Auslandreise eines englischen Ministerpräsidenten etwas höchst Ungewöhnliches ist, ist es noch auffallender, wenn ein Minister- präsideTtt meinem Augenblicke das Land verläßt, wo seine Gegner an Einfluß gewinnen. 3n politischen Kreisen neigt man daher der Ansicht zu, dah die Kanada-Reise Baldwins, sofern sie nicht noch im letzten Augenblicke abgesagt wird, nichts arideres ist als ein Vorspiel zu fernem Rücktritt. Wir haben schon neulich -von den drei Koir- kurrenten um die Rachfolge, nämlich Lord Birkenhead, Winston Churchill und Bridgeman, gesprochen. Heute muß nachge- Das Darmstädter Schloß geht aus den Fugen. Don Reinhold Wagner. Zweihundert 3ahre steht das Riesengebäude anbewegt. Der alte Landgraf, der den Franzosen de la Fosse ins Land rief, es empor zu führen, übernahm sich ein wenig. Zwei Flügel nur, ein Teil des Riesengevierts kam hoch. Mauern aus Bruchstein, meterdick. Sie halten für alle Zeiten, dachte man ... Hundert 3ahre stand der Bau, bewohnt, beladen. Da und dort verfaulte ein Balken, wurde ersetzt. Aber das Ganze hielt. Hundert 3ahre. Darm liehen sie um den Bau den Wallgraben ab, zogen Kanäle, senkten den Grundwasserspiegel. Während der Pfahlrost unter dem Fundament vertrocknend schrumpfte, luden sie in den Sälen Bücher ab, Folianten, hunderttausend Bände. Die Ballen trugen, die Mauern hielten stand, die Zeit ging weiter. Abermals hundert 3ahre. Aus dem Wallgraben heben sich hohe, alte Bäume. Aber unter den Fundamenten knistert es. Der Wurm! Der Moder! 3n ihren Sälen droben die Folianten stehen in Bergen. Siebenhunderttausend! Sie Dachsen täglich. Ein Chimborasso bestaubten Pa- oiers, von emsigen menschlichen Mäusen durch- vühlt, geordnet ... Aber schon krümmen die Ballen sich ächzend unter der Last, sinken die Bögen, bröckelt der Stuck, spinnen sich Risse über die schweren Gewölbe... 3nrmer wieder geht ein Zittern durch den Bap- Tagaus, tagein. Drauhen auf dem Pflaster »röhnt eS vorüber, rollen die schweren Wagen, iie Autos mit den ungeheuren Lasten. Das schüttert vom Fundament bis unter den First. Tagaus, tagein... Kommen die 3ahre des Krieges. Eiserne Reisen statt Gummi an den Rädern. Aus den oeöffneten Spalten im Mauerwerk staubt gemahlener Stein. Fenstersimse springen,, Figurenwerk stürzt... Obacht! Schon neigt sich sichtbar genug die eine Front, hängt über, zentimeterwett. Ein- sturzgefahrk Die Katastrophe droht. Was ist zu fcm? Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 29. M1927 tragen werden, dah Bridgeman die größten Aussichten besitzt. 3n den politisch gut orien- tterten Blättern wird schon fetzt die Reklametrommel für ihn mit Geschick und Energie gerührt. Das Kabinett, sagt der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph", einer jener Leute, die zwar nicht offiziös sind, die aber immerhin das politische Gras an einen Lautsprecher angeschlossen haben, so daß sie es nicht nur wachsen, sondern auch reden hören, — dieser diplvmattsche Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, daß das Kabinett von der Leistung Bridgemans in Genf auf das tiefste bewegt sei. Die knappe und tapfere Ausdrucksweise Herrn Bridgemans rväre nur vergleichbar mit früheren Leistungen Lord Balfours. Damit können wir das Thema der Regierungskrise verlassen. Es ist nicht ratsam, in dieser Hinsicht zu prophezeien. •‘Sei abfälligster Beurteilung Baldwins muß festgestellt «oerden, dah er ein in menschlichen Dingen sehr gewitzter Mann ist, der wohl imstande rväre, auch seinem Totengräber ein Schnippchen zu schlagen, indem er seinersei ts das Kabinett reformierte. Wir bleiben also bei der Formel: „Es tut sich was in England" und überlassen dem gen«ttgten Leser weitere Schlußfolgerungen. Für den deutschen Beobachter ergeben sich aber schon aus der Möglichkeit einer Regierungsumbildung eine Reihe wichtiger Fragen, die heute nur andeutungsweise behandelt werden sollen. Als der General Mangin an der Spitze der französischen Truppen m Mainz einrückte, sagte er einem Deutschen im Laufe eines Gespräches: „Dieser Sieg Frankreichs im Weltkriege ist die letzte Gelegenheit zu großer Leistung, die das Schicksal dem französischen Dolle beschert hat. Man werde sie, koste es rvas es wolle, auszunuhen wissen". Aehnlich ist das Gefühl im konservattven Lager, wenngleich mit sehr viel optimisttscherer Grundstimmung! „Eine so ungeheure Mehrheit, wie wir sie jetzt besitzen (418 von 615 Sitzen) wird uns der Himmel nie wieder bringen. Selbst wenn wir bei den nächsten Wahlen gut abschneiden, eine so vrkansichere Mehrheit kommt für absehbare Zeit nicht wieder. Darum aber soll man die besten Kräfte, die tüchtigsten Leute, die stärksten Energien zur Führung der Regierung einsetzen. 3n zwei Fahren sind Reuwahlen, da brauchen wir gute Pferde, (um das Rennen zu machen. Schöne Worte, wie sie Stanley Baldwin ermunternd oder rührselig der Wählerschaft verzapft hat, sind auf die Dauer nicht ausreichend. Die Tat entscheidet. Für die 3nnenpvlittk reichte Baldwins Führung notdürftig aus, aber nur vorübergehend. Es kommt im Herbst zu einer neuen Kohlenkrisis. Dem Kohlen-- Chaos ist Stanley nicht gewachsen. Das hat er schon das letztemal bewiesen: denn im Herbst geht es nicht gegen die Arbeiter, sondern gegen die Industrie als ganzes. Die Kohlenindustrie ist das Rückgrat des englischen Wohlstandes. Wir können sie nicht der Äebenswürdig- keit eines Schwächlings ausliefern. Dazu brauchen wir Männe r.“ „Außenpolitisch müssen wir aus dem sranzö- sisch-englischen, aus dem russisch-englischen, aus dem amerikanisch-englischen und dem kolonialpolitischen Dilemma heraus. Geht Baldwin, dann dürften die Tage Sir Austen Chamberlains ebenfalls gezählt sein. Dieser war gedacht als Widerpart zu Herriot und Briand. Seit Frankreich den galvanisierten Leichnam P o i n c a r e wieder aus der Schublade herausgeholt hat, können wir uns ein Gegenbild zu Briand ebenfalls nicht leistem Auf alle Fälle muß er einen Vorgesetzten kriegen, einen Mann mit politischer Einbildungskraft, um Chamberlains ledernes Lächeln etwas zu vergeistigen. Seit Curzons Tode ist ohnehin nicht mehr viel mit dem Foreign Office los. England muß heraus aus der Zwangslage. Rur mit einem außenpolitischen Erfolge läßt sich die nächste Wahl machen. Die bisherige Locarno-Pleite ist anerkannt. Aber wir müssen mehr, wir müssen die innere Erstarrung überwinden. Die toplastige Mehrheit muß mit neuen Impulsen versehen werden. Ein schweigend im Kabinettsrat sitzender Premier ist dazu unbrauchbar." Es läßt sich natürlich nicht im einzelnen das mutmaßliche Aktionsprogramm eines ungebore- nen Kabinett es Voraussagen Was wir hier auszudrücken suchten, waren die Stimmungen, denen man in Gesprächen mit politisch unterrichteten Engländern begegnet. Sie sind wert, erwähnt und erwogen zu werden. Bei aller polittschen Lethargie und Indolenz liegt im Engländer, und ganz besonders im konservativen, ein gut Teil verborgener 3dealismus und Tatendrang. Was man will, weiß man gan$ genau: Festigung der Weltmacht durch positive Leistungen. Die Bolschewistenbekämpfung ist in diesem Sinne nur eine populäre Kulisse. Wir werden darüber noch berichten. Man drängt zur Aktion Ohne dramatische Effekte ist in England nichts anzufangen. Baldwin geht auf eine Kanada-Reise. Sollte er bei seiner Rückkehr einen Kanadier in London vorfinden, der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kennt? Lord Beaverbrool ist Kanadier von Geburt. Auch er gehört zu den Gegnern des Ministerpräsidenten und ist der intimste Freund Churchills und Birkenheads. Die wirtschaftliche Bedeutung der Oelgewinnung aus Kohle. Don Prof. Dr. Richard Hennig, Düsseldorf. Es kann schon heute nicht mehr dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die seit langem angestrebte und jetzt praktisch spruchreif gewordene „Verflüssigung der Kohle", die durch die Pittsburger Verhandlungen der „ Internationalen Weichkohlen-Konferenz" in den Brennpunkt des öffentlichen 3ntevesses gerückt wird, eine der großartigsten wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften dieses Jahrhunderts sein und bleiben toird. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, dah in allen chemisch-technischen Dingen „Deutschland in der Welt voran" ist und bleibt, so muhte er in der Tatsache liegen, dah die Verflüssigung der Kohle, die uns in Zukunft hoffentlich unabhängig von dem englisch-amerikanischen Erdölmonopol machen wird, gleich zwei deutschen Gelehrten (Prof. B e r g i u s und Prof. Frcmz Fischer in Mülheim) auf einmal gelungen ist, und zwar gänzlich unabhängig voneinander und auf völlig verschiedenen Wegen. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, dah der nächste Nobelpreis für Chemie für diese größte chemische Leistung des 3ahres 1926 oerlieljen werden muh. Von einer Leistung „des Jahres 1926“ kann man zwar nur in bedingt richtigem Sinne sprechen, denn die Arbeiten beider Gelehrten blicken schon auf eine mehr als ein 3ahrzehnt alte Vorgeschichte zurück (das Bergiussche Patent datiert sogar schon vorn 9. August 1913), und die von ihnen erdachten Verfahren find uns schon tn der Kriegszeit, als der Erdöl- und Benzinmangel sich jahrelang empfindlichst bemerkbar machte, von außerordentlichem Werte gewesen. 3mmerhin haben die beiden Verfahren, deren komplizierte technisch-chemische Seite hier nicht erörtert werden soll, sich bis jetzt noch vorwiegend im Vor- bereitungs- und Prüfungsstadium befunden, und es mußte vor allem erst klargeftellt werden, ob sie nicht nur theoretisch wertvoll waren (wie etwa die nur mit ungeheuren Kosten mögliche, praktisch wertlose künstliche Herstellung kleiner Diamantsplitter), sondern ob sie darüber hinaus für die Verwendung im großen geeignet und auch wirtschaftlich genug waren, um einen erfolgreichen Wettbewerb mit dem natürlichen Erdöl zu gestatten. Hierüber hat nun im großen und ganzen erst das 3ahr 1926 und der Pittsburger Vortrag von Professor Bergius die Entscheidung, wenigstens für die große Oeffentlichkeit, gebracht, und zwar in einer Weise, wie wir sie uns kaum 3rgendwo besinnt man sich. Niemand erfährt davon. Aber dann schlagen Leute Ballen und Gerüste an die Front. Hämmer klingen. Schutt über Schutt häuft sich im Hof, mürbes Gehölz, aus Fenstern gewunden, kracht in die Tiefe... Ein 3ahr. Olvch ein 3aHr. Die Zett vergeht. Man schaufelt im Graben. Mischmaschinen im Hofe schnurren Monate durch. Mtt den Zähren rücken die Gerüste von der Stelle. Geben die Front des reichgefchmückten Mittelbaues frei... Eines Tages steht drunten im Hauptportal ein kleiner, kräftiger Mann und bittet Leute, die sich versammelt haben, ihm durch die Räume des Riesengebäudes zu folgen. „Wo beginnen?" sagt er erläuternd. „Dor fünf Jahren standen wir hier und fanden feine sichere Stelle. Schwamm im Holzwerk. Klaffende Mauern. Zersprengte Gewölbe. Der Pfahlrost unter den Fundamenten ausgefressen. Alles im Wanken. Mies Zerstörung. Wo beginnen?“ „Als wir die morschen Decken aus den Geschossen rissen, sahen wir erst, wie schlimm die Sache stand. Mauern, in sich gespalten, als wären es schlecht verklebte Stücke Papier ober platzende Schoten. Wände, die Jahr um Jahr zwar langsam, aber doch unaufhaltsam auseinander wichen..." „Wir machten unseren Plan. Wir hatten Beton, Eisen und Stahl. An die Stelle des Dachstuhls, der auf den Mauern lag, setzten wir einen riesigen Helm aus Eisenbeton, verrippt, eine Haube, über die Mauern gestülpt, mtt ihnen verschmolzen..." „Aber die Mauern selbst waren mürbe. So mußten wir schmale Breschen in sie schlagen. Stampften armierten Beton hinein zu Füßen, auf denen die Haube stehen konnte. Preßten durch hundert Löcher zwischen den Pfeilern Mörtel in das gelockerte Gestein.. „Ganz am Ende gruben wir unten auf. Hackten den Holzrost los. Wieder Beton? Run trägt ein riesiger Block die ganze Last. Er halt wohl aus...“ Staunenswert, das ganze, geduldige Werk! Ein Schloß! Es ist, als wäre es stückweise ausgehöhlt und neugeschaffen aus fremdem Stofs, gleich einem lebendigen Organ, das sich im Körper ständig regeneriert... Run hält es wieder. 3n sich verklebt, zusammengefügt zu einer Schale, die hart, fast klingend geworden ist. Lieber den neugefügten Böden reiht sich Gestell an Gestell. 750000 Bände. Das wächst und wächst. Mag es doch! Es ist noch Platz und Halt für Jahre und Jahre. Man hat vorgesorgt,.. Droben im Mittelbau vorwellt der Führer. Der neue Saal! Sein Stolz! Mit Recht. Ein herrliches Bild. Eichentäfelung vor riesigen Fenstern. Schimmerndes Gold, von Bücherrücken aus Regalen tropfend. Rotes Leder auf Stühlen, an breite eichene Tische.hingeschoben... Das ist der große, öffentliche Lesesaal, Glanz- puntt der hessischen Landesbibliothek. Eine Zierde, die ihresgleichen suchen darf... Lieber die Treppen hinunter ins tiefe Erdgeschoß. Das Archiv! Akten und Attenbündel vis an die Decke. Uralter Wust, der täglich wächst und schwillt. OHten, Akten... Dort unten ist, selbst eingesessenen Bürgern unbekannt, em herrlicher Raum. Hoch überwölbt, umzogen von alten, gebräunten, mit Wappen versehenen Schränken. Wie geschaffen zum Ar- beits- und Benuhersaal. Listig blinzelt der Führer: „Wenn es gelingt, die Bureaukratie zu zähmen, die ihn bis jetzt noch unter Schloß und Riegel hält. Sie sträubt sich heftig Dann steigt man nieder in die entfeuchteten Kellerräume. Endlose Magazine. Gestell an Gestell. Buch an Buch, Faszikel an Faszikel. Plötzlich schlägt in den papierenen Moder besserer Duft. Räher heran! Aha, ein Küferkeller! Wir find ihm näher gerückt, dem Meister Poch, der hier im Düsteren seine duftenden Schätze hütet. Haben da und dort den Stoff geprobt. Wie et befeuert, der Sechsundzwanziger I Man ereifert sich... Zahlen? Was wohl ein solcher Schlvßbau kosten würde? Unser Baurat rechnet in Eile. „20 Millionen", sagt er verächtlich, „aber es reichte noch nicht... Man baute teuerer damals als heutzutage!, Was für Steine!" ..Lind Ihre Teufelei aus Glas und Eisenbeton, die Injektionen, die Sie den Mauern gaben, die neue Front, die ©temftguren, Säle, Treppen und Kellers' „800000," sagt er obenhin, und drückt ein erfreulicher wünschen können. Deutschland ist bekanntlich, selbst noch nach dem Verlust eines Teiles der oberschlesischen und der Gefährdung der Saat-Kohlengruben, das kohlenreichste Land Mitteleuropas. Der ungeheure Kohlenverbrauch der Welt hat seit langem Besorgnisse wegen einer Erschöpfung der Kohlenlager in einer immerhin absehbaren Zukunft hervorgerufen, und wenn auch wir in Deutschland uns noch geringe Kopfschmerzen dieserhalb machen brauchten, da unsere Kohlenlager in jedem Falle auf viele Jahrhunderte allen Anforderungen gewachsen sind, so kann es uns demwch nur willkommen sein, wenn das Tempo ihrer Abtragung wesentlich zu verlangsamen ist, ohne daß die aus diesen Schätzen zu gewinnende Energie verkleinert werden muß. Anders ausgedrückt, können wir behaupten, daß der an sich schon ganz gewaltige Wert der deutschen Kohlenlager sich durch du neu aus- gearbeiteten Verfahren mit einem Schlage mindestens verdoppelt, vielleicht sogar verdreifacht hat. Hat doch Professor Bergirrs in feinem Vortrag sich anheischig gemacht, aus einet Menge Kohle im Wette von 15 Mk. ein Oelquantum im Werte von 45 Mk. herzustellenI Gerade die Braunkohle, die nur in Deutschland und in der Tschechoslowakei in besonders großen Mengen vorkommt, soll sich zur Herstellung künstlichen Oels am besten eignen, und bei diesem verhältnismäßig sehr billigen Material muß die Wertsteigerung noch größer sein. Die praktische Verwirklichung der gewonnenen Erkenntnisse wird nicht lange auf sich warten lassen. Zwei große deutsche Fabriken werden schon bald die Verwandlung der Kohle in Oel in großem Maßstabe vornehmen. Linser mitteldeutsches Braunkohlengebiet in der Gegend von Halle, das schon durch das 1915 eröffnete Golpa- Kraftwerk so hohe Wichtigkeit für die deutsche Volkswirtschaft erlangt hat, dürfte bald eine Bedeutung in noch viel größerem Maße erhalten und fortan in Wahrheit ein wertvoller Faktor der Weltwirtschaft werden. Auch England soll, wie es heißt, eine Lizenz auf Ausbeutung des Dergius-Verfahrens erworben haben und beabsichtigen, da es Braunkohlen nicht besitzt, minderwertige Steinkohle, Kohlenabfälle und Kohlenstaub zur Oelbereituna zu verwenden. England, bas einen großen Teil der Erdölschähe der Welt in der Hand hat, wird trotzdem die Segnungen der technischen Umwälzung nicht im gleichen Maße verspüren wie das mit Bezug auf feine Oel* Versorgung bisher fast völlig aufs Ausland angewiesene Deutschland. Dis jetzt bestanden ja geradezu ungeheuerliche Llnterschiede im Ocl- verbrauch der Hauht-Kullurländer. Dieser stellte sich nämlich innerhalb eines Jahres in Deutschland auf 11 Liter je Kopf Frankreich „ 60 „ „ „ England „ 100 „ , , Verein. Staaten „ 800 „ „ „ Das arme Deutschland konnte es sich eben iricht leisten, große (Summen ans Ausland für Oel, Benzin ufw. zu bezahlen. Wir haben zwar im Jahre 1925 immer noch 31 Millionen Mark für Einfuhr von Rohbenzrn ausgegeben und darüber hinaus vorn Ausland 138 905 Tonnen Gasöl (gegen 48 009 im Jahre 1913) und 131 116 Tonnen Schwerbenzin und Puhöl (gegen 81 366) gekauft, aber wir hätten bedeutend größere Mengen gern gekauft, wenn wir das Geld dafür hätten aufbringen können. Wenn sich nun in Zukunft der Preis für das im Inland hergestellte „ deutsche" Oel schätzungsweise nur auf 15 bis 20 Pfennig je Liter stellen wird, fo wird sicher auch bei uns der Jahresverbrauch rasch emporschnellen und eine Angleichung an die reicheren übrigen Kulturländer möglich sein. Selbstverständlich wird die Llmstellung nur nach und nach möglich fein. Für die praktische Ausnutzung kommt zunächst das Dergius-Verfahren in Betracht. Die Methode Professor Fischers ist bisher nur im Laboratorium des Mülheimer Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung erprobt worden und wird noch geraume Zeit benötigen, ehe sie für die praktische Verwendung im großen reif ist. Die stärkste Rückwirkung dürfte die epochemachende Neuerung auf die deutsche Schifffahrt zeitigen. Wenn diese sich in den letzten 3ahren in immer schnellerem Tempo auf den Auge zu, „bis jetzt, der eine Teil... Ehe wir an das andere Ende kommen, wird wohl die zweite Million dran glauben müssen... Warum auch nicht? Hundert Jahre hält er wohl wieder stand, der Bau..." Zwei Millionen, denkt man. Der Tausend 1 Ein Haufen Geld.... Frellich, am Ende: Wenn ein solches Schloß aus den Fugen geht, braucht man wohl Draht, es wieder zurechtzuflicken. Zweihundert Jahre find keine Kleinigkeit. Fiele es über Nacht zusammen, auf die Olafe, das Schloß: Es wäre doch schade darum. Außerdem: Wohin so schnell mit den Steinen? Das Darmstädter Schloß will aus den Fugen gehen. Aber man rückt ihm heftig auf den Leib. Man renoviert es... Jean Pauls Geburtsschein. Die Iean-Paul-Gesellschaft ist jetzt in den Besitz des Geburts- und Taufscheines des Dichters gelangt, der ihr von Fräulein Hedwig Richter, der Tochter eines Groh-Neffen Jean Pauls geschenkt wurde. Die wertvolle Reliquie wurde unter Glas und Rahmen als Leihgabe dem Iean-Paul-Zimmer des Städtischen Museums in Bayreuth überwiesen. Das interessante Dokument ist eine Abschrift, die, wohl aus Anlaß der Konfirmation, am 12.3uli 1736 von dem Superintendenten Johann Balthasar Dorffler in Wunsiedel ausgestellt wurde, und hat nach der Wiedergabe in den „3ean-Paul-Blättern" folgenden Wortlaut: „Johann Paulus Friedrich Richter ist aus reiner und keuscher Che erzeuget, und im Jahre 1763 den 21ten Martti frühe um halb 2 Llhr allhier zu Wunsiedel geboren worden. Dessen Vater ist der Hochwohlehrwürdige Herr Johann Christian Christoph Richter, ehemaliger Tertius und Organist dahier, und nunmehrig bestverdiente Pfarrer zu Schwarzenbach an der Saale: die Mutter aber, Frau Sophia Rosina, eine geborene Kühnin, aus Hof. Die heilige Taufe hat an 3hm verrichtet Herr Senior Apel an folgenden Tag als dem 22ten Martti in der hiesigen Tertiats-Wohnung, und find die Tauf- pathen gewesen 1. Herr Johann Paulus Kühn, Bürger und. Tuchmacher in Hof, und 2. Meister 3oha7M Friedrich Thieme, Bürger und Buchbinder allhier." ien. [6522A Vereins gestiftet und angefertigt. Cs zeigt in einfacher, aber gediegener Ausführung auf der einen Seite Farben, Wappen und Inschrift des Vereins, auf der anderen Seite das alte Wappen unserer Stadt sowie die alten Ortenberger Farben, die jetzt wieder durch Lehrer Heusohn, Lorbach, und Ingenieur Jeckel, Ortenberg, festgestellt wurden. Beide Herren haben auf dem Rathaus eine kleine Ausstellung der alten Fahnentuchreste, Wappen und der alten Kelche veranstaltet, aus denen in früheren Jahrhunderten bei feierlichen Gelegenheiten der Chrentrunk der Stadt kredenzt wurde. — Ein frecher Diebstahl wurde im Hofe eines hiesigen Fabrikanten ausgeführt. Der Dieb stahl in früher Morgenstunde aus der Autohalle ein neues Fahrrad, schwang sich auf das Stahlros) und verschwand. Abends gelang es dein Oberwachtmeister L., einen der Tat verdächtigen Burschen festzunehmen, doch konnte ihm die Tat bis jetzt nicht nachgewiesen, auch das gestohlene Aad noch nicht zur Stelle geschafft toerbi stellte lebende Bilder, namentlich aus der alten Ger- inanenzeit und der Zeit Jahns, brachte. Das Festspiel wurde ebenso wie die übrigen Darbietungen mit lebhaftem Beifall ausgenommen. toffelfeldern Schaden an. Der Blitz schlug in einen Hochspannungsmast und in einen Birnbaum ein. Oelbetrieb (Oelheizung oder Motorenantrieb) umgestellt hat, so mochte gar mancher Besorgnisse enipfinden wegen der befürchteten weitgehenden Abhängigkeit vom Ausland, in die uns die dauernde Beschaffung der Riesenmengen von benötigten Betriebsstoffen zu bringen drohte. Jetzt sehen wir. daß ein Vertrauen auf die Erfolge der deutschen chemischen Industrie dabei erheblich mitgesprochen hat, und wenn nicht alles täuscht, wird dieses Vertrauen voll gerechtfertigt werden. Die Energie der Meereswärme. Von Ingenieur Karl Skowronnek. Die Erkenntnis ist heute Gemeingut, daß un- sere Urenkel an Energiemängel zugrunde gehen müssen, wenn wir nicht neue Energiequellen erschließen, die die jetzige oder eine noch wesentlich höhere Dewohnerzahl der Erde zu erhalten gestatten: schon in sechs Jahren rechnet man mit der Erschöpfung der Oelquellen in den Vereinigten Staaten: die Kohlen reichen zwar noch länger, ob 100. 1000 oder 10 000 Jahre, ist schließlich gleichgültig^ d-nn solche Zahlen sind im Weltgeschehen ein Rtchts: Die Ratur rechnet mit Jahreszahlen, gegen die die Zahlen in der Geldentwertungszeit vollkommen verblassen. Es ist deshalb durchaus nicht nrüßig, sich mit der Frage zu befassen, wie man Energie beschaffen kann, ohne die Schätze der Erde zu verbrauchen, also ohne vom Kapital zu leben. In Deutschland hat sich Dr. Bräuer mit einer Gewinnung von Energie ^beschäftigt, die bisher ganz außer Betracht geblieben war: man sprach Wohl von der Gewinnung von Energie aus dem fallenden Wasser, die man ja auch schon reichlich ausnutzt, ohne aber jemals unseren Energiebedarf daraus decken zu können, denn unsere Wasserkräfte reichen dazu nur zu einem Bruchteil aus: man sprach von der Ausnutzung der Windenergie, von der Krafterzeugung durch Ebbe und Flut, schließlich auch von der Erfassung der Erdwärme — alle diese Energiequellen werden heute schon ausgenutzt. Eine der gewaltigsten Energiequellen aber dle in fegt tropischen Meeren aufgespeicherte Wärmemenge, die größte Energiequelle der Erde — sie ist größer als die nutzbaren Kohlen- und Wasserkräfte —, hat man bis jetzt noch nicht in den Dienst der Cnergiegewinnung gestellt- Das Meerwasser hat in den Tropen jahraus jahrein an der Oberfläche und In der Tiefe fast 'vollkommen gleichbleibende Wärmegrade, auf der Oberfläche ungefähr 30 Grad Eelsius, in der Tiefe von 1000 Meter 4 bis 5 Grad Celsius. Der Unterschied beträgt demnach 25 Grad. Einen foldjen Unterschied kann man als ein Gefälle betrachten genau wie ein Unterschied in der Wasserhöhe ein Gefälle ist, und dieses Gefälle kann man aus- nutzen. Freilich kann man mit strömender Wärme mit Wärme, die etwa von dem 30 Grad warmen Wasser zu dem 5 Grad warmen übergeht, keine Maschinen betreiben: man muß einen anderen Die Mückrenschlacht. Von Georg D r i t t i n g. Die^ Schwüle lag wie ein großes, heißes Tier vorm Fenster mit zitternden Flanken. Sie war da, hingelagert, breitbäuchig, schwappelbäuchig, zünd- holzkuppenrote Tupfen auf dem gelbhäuttgen, pilzarttgen Drachenbauch, und atmete schwer trompetenstößig, im Dlasbalgtakt. Die Zunge, die feuerfarbene, feuerwarme Zunge rauchte über den Dächern. Mit dem Atem stieß die Bestie Schwärme kleiner, gelbgeflügelter Mücken aus. Die hingen wie Fahnen in der Luft, steil und schräg, gebauscht mw seilig verknäuelt, mit flatternden Zipfeln und unbewegt, wie Wasserfall rauschend, wie zum Teppich verwebt. beitssähigkeit weißer Arbeiter. Beim heutigen Stand der Wärmefortleitung, die insbesondere zur Anlage von Fernheizwerken sehr hoch entwickelt worden ist, könnte man auch die Kälte für einen sehr großen Umkreis liefern. Wenn man bedenkt, daß Havanna für seine Kraftversorgung 100 000 Kilowatt braucht und Java aus Ueberlandnetzen 10 000 Kilowatt be- gieht, daß indische Großstädte über große Kraft- zentralen verfügen, so ist es einleuchtend, daß der Absatz aus der Meereswärme gewonnener Energie gesichert ist, ganz abgesehen davon, daß man da wo man für Licht und Kraft nicht genug Absatz haben sollte, z. B. Karbid oder Sttckstoff erzeugen könnte. Wohl sind die Anlagekosten eines solchen Kraftwerkes höher als bei den bisher üb- "chen Kraftwerken, dafür steht aber die Energie der Meereswärme umsonst zur Verfügung: Berechnungen haben ergeben, daß ein solches Kraft- werk in wenigen Jahren gewinnbringend arbeiten kann, zumal es ja außer seinem Haupterzeugnis, der Energie, auch noch ein wertvolles Llebener- zeugnis, die Kälte, in Geldeswert umsetzen kann. Laßt man den Blick in die Zukunft schweifen, so kann es bei der sprunghaften Entwicklung der Fortleitmig von Energie, insbesondere von elektrischer Energie, dahin kommen, daß die Tropen ihren Warmeüberfluß an nördlich und südlich ge- legene Gegenden abgeben. Dabei wäre sogar von der Mutter Ratur für einen sehr gleichmäßigen gesorgt, denn wenn wir auf der nördlichen Halbkugel Sommer und selbst genug Wärme haben, so ist es auf der südlichen Winter — und umgekehrt. Solche Voraussagen klingen wie Utopien — aber es sind vielleicht doch keine! und 16 Uhr fast über die gleichen Gemarkungen nie» der, die auch vor etwa 10 Tagen durch ein Ge» mitter schwer heimgesucht wurden. Die Hagel» ft ü cf e erreichten die Größe von Taudeneiern, oer» einzelt wurden noch größere festgestellt. Sämtliches Getreide liegt wie gewalzt am Boden. Der Umfang des Schadens ist noch nicht festzustellen. Gleichzeitig gingen schwere Regengüsse nieder. Die Nidda stieg rasch, trat aber nicht über bi# Ufer. Auch in anderen Orten des Vogelsbergs wütete das Unwetter mit gleicher Heftigkeit. Versclüedentlich wurden Fensterscheiben von den Hagelstücken durchschlagen. Kreis Als^elv. -er. Homberg a. d. Ohm, 28. Juli. Der Ob st- und Gartenbauverein tagte om Dienstag bei Gastwirt Helm. Im Laufe der Verhandlungen wurde beschlossen, im Herbst dieses Jahres bei gutem Ausfall der Obsternte eine Sonderschau für Obst in Homberg zrC-veranstalten, sich zweitens an einer Obstbauausstellung des Obst- und Gartenbauvercins für den Kreis Alsfeld zu beteiligen und drittens auch die Spezialausstellung cm Obst in Darmstadt mit Früchten aus der Ernte hiesiger Mitglieder zu beschicken. — Der überaus regenreiche Sommer hat die Entwicklung des Beerenobstes sehr begünstigt, besonders Ero- und Himbeeren sind massenhaft geraten. Täglich sieht man hier Frauen und Mädchen mit himbeergefüllten Gefäßen aus dem Walde heimkehren. -er. Homberg a. d. Ohm. 28. Juli. Den .einzigen Gegenstand der Tagesordnung einer im Rathause stattgehabten Sitzung, zu der Bürgermeister Schweiler eingeladen hatte, bildete die Gründung ein e^ Verkehrsvereins in unserer Stadt. Rach seinen Statuten hat der Verschöneruugs- und Touristenverein die Verkehrsinteressen zu wahren. Er erschien mit seinen Vorstandsmitgliedern geschlossen und wies nach, daß er bisher die Berkehrsinteressen Hombergs genügend vertreten hat, und daß ihm auch Erfolge auf diesem Gebiete beschieden waren, z. B. Erreichung günstiger Zugverbindung, was auch allgemein anerkannt wurde. Aus Anraten seines Vorsitzenden, der bei der großen Zahl der hier schon bestehenden Vereine einen neuen Verein für unzweckmäßig hält, wird von der Gründung eines besonderen Verkehrsvereins abgesehen. Die Verkehrsinteressen könnten in noch weitergehendem Maße berücksichtigt werden, wenn mehr Mittel dem Verein zur Verfügung bereitgestellt werden, und ferner genüge es vollkommen, wenn der Vorstand des schon bestehenden Verschönerungs- und Touristenvereins um drei Herren erweitert wird mit der Maßgabe, daß diesen die Bearbeitung der Derkehrsfragcn übertragen wird. Dieser Ansicht pflichteten sämtliche Anwesenden bei. Forstmeister Wagner wurde darauf als neues Vorstandsmitglied vorgeschlagen, zwei weitere sollen in einer späteren Sitzung bestimmt werden. Es wird auch in Erwägung zu ziehen sein, ob nicht eine Ramensänderung des alten Vereins zweckmäßig erscheint. XIX Rupperten rod, 28. Juli. Für dieses Jahr ging heute zum erstenmal einichweresGe» Witter über unsere Gemarkung nieder. Gewaltiger Regen strömte herab, und die Ohm schwoll mächtig an. Sechs tote Ferkel wurden an der Brückenmühle gelandet. Der Hagel richtete besonders an den Kartoffelfeldern Schab Am Abend begannen sie ungeheuer und klln- tanzen. Sie drehten sich in rasenden Wirbeln, brachen wütend über die Stube herein und schwangen wie verdorrte Kränze um die Lampe. Es waren Hunderte, Tausende. Die Stube begann sich mit ihnen zu drehen. Sie verfinsterten das Licht. Sie schnurrten gegeneinander, FlügÄ> zentauren, ein Hunnenheer ohne Hufegetrappel. Wir warfen die Rehe unserer Finger unter fk, schlossen die Faust und hielten die kleinen, zuckenden Körper gefangen. Wir erschlugen sie mit Tüchern, verfolgten fi* imt brennenden Kerzen, ihnen Scheiterhaufen zu errichten. Aber ihrer wurden immer mehr und die Bogen ihrer wilden Kreise immer gewalttger. Sie zwangen uns, bei geschlossenem Fenster zu sitzen. Wenn wir an die Scheiben traten, sahen wir ste gierig am Glas kleben Wir fürchteten unS. Wir zogen uns in die dunkelste Ecke der Stube zurück, wie Höhlenbewohner, grobknochig wurden cD-r».yTP keulenschwingend, und starrten auf die feindlichen, die tödlichen Ungeheuer. Jeden Abend mußten wir die gläsernen De» r ^Ue öcrablassen Wir lehnten müde in den Ses- seln Mit feuchten Fingern drehten wir unS Zigaretten. Von Zeit zu Zeit ging einer zum Fenster, wo von draußen mit leisem Knall die Mücken gegen das Glas taumelten Wir waren belagert, ^Lesperrt. , sie lauerten immer auf uns. Die schwülen Rächte dampften unter dem Mond. Uns ergriff ein wilder Haß gegen unsere Feinde. Wir töteten sie, wo wir sie vereinzelt antrafen Wir öffneten das Fenster ein wenig, daß durch den tteinen Spalt taumelnd eine Schar hereinwogte. Wir erschlugen sie alle. Unser Gefangenenleben! unerträglich. Der Schweiß zerfraß uns. .. 7?tr machten Ausfallpläne, überlegten, ob es möglich sei, mit qualmenden Pechfackeln und lärmende Glocken schwingend, uns durchzuhauen Wir träumten davon, ste in Massen mit breiten, glühenden Schaufeln zu erschlagen Dann lagen wir wieder erschöpft über den Tischen. Und immer die gierigen Flügelflatterer an den Scheiben. Aines Abends erstach ein schneller Blitz baS große Tier. Ein Messer kam aus den Wolken gefahren und zischte wie in Butter in deii gelb- faltigen Drachenbauch. Wie Regen verschwamm das Blut. Der mückensveiende Atem erlosch Wir schlugen die Fenster weiter auseinander, die Kühl« stieg zu uns herein, eine tiefe Bläue erfüllte teuf Zimmer. Die beiden letzten Mücken, die summend kamen, erschlugen wir. Es wurde still, Kreis Friedberg. * Rieder-Mörlen, 28. Juli. Ein Lastauto, das auf einem Möbeltransport von Lich nach Offenbach a. M. unterwegs war, kam am Ausgang unseres Dorfes nach Rieder-Weisel zu ins Schleudern und stürzte mitder gesamten Möbelladung um. Die Möbel wurden zum Teil stark beschädigt, besonders ein zum Transport gehörendes Klavier. Zur Weiterbeförderung wurde ein entsprechendes Lastauto von Bad-Rauheim herbeigerufen, das die um geladenen Sachen an ihren Bestimmungsort brachte. Das umgestürzte Auto konnte die Fahrt erst wieder an- tteten, nachdem man es mit großer Mühe auf seine Räder gebracht hatte. Zum Glück sind Führer und Begleiter des Möbeltransportes mit geringen Verletzungen davon gekommen. Kreis Büdingen. )( Büdingen, 28. Juli. Nachdem bereits am Samstag der Kreistag die neuen Ob ft werke besichtigt hatte, nahm der Vorstand des O b st - und Gartenbauvereins des Kreises Büdingen gelegenllich einer Vorstandssitzung am gestrigen ■tage ebenfalls eine Besichtigung vor. Sämtliche Besucher nahmen einen überaus günstigen Eindruck mit. Die Werke, die direkt am Bahnhofe liegen und Die Frauen haben es im neuen Jahrhundert schon ehr wen gebracht - und doch lassen sich noch vlele bevormunden. So zum Beispiel beim Friseur oder bei der Friseuse. Seien Sie das nächste Mal ganz konsequent und verlangen Sie eine Lavaren» Haarwäsche. — Nichts anderes! - Sie tun auf jeden Fall gut, denn Lavaren wäscht das Haar nicht nur, eß ptlent cS auch. Am besten ist eß, Ste nehmen Nch gleich eine Packung mit. Kreis Schotten. □ Laub a ch, 28. Juli. Der hiesige Rathaussaal ist in seiner gesamten Inneneinrichtung sehr geschmackvoll in den folmsischen Farben (blau-golden) neu hergerichtet worden. Zu besonderer Zierde gereicht ihm das auf der Westseite von Kunstmaler Karl Barnas in farbiger Darstellung angebrachte Laubacher Stadtwappen. Das Stadtwappen wird in Verbindung mit den alten Stadtfahnen einen höchst wirksamen Schmuck des Saales bilden, der demnächst wieder seiner Bestimmung übergeben werden wird. — Ein ungewöhnlich heftiges Gewitter, verbunden mit reichlichen Regengüssen und Hagelschlag, tobte gestern mittag über unserer Stadt. In einem Augenblick verwandelten sich die Straßen in reißende Bäche. In verschiedenen Stadtteilen füllten sich die Keller mit Wasser. Der Schaben, den bas Unwetter anrichtete, ist zum Glück nicht sehr bedeutend. # Laub ach, 23. Juli. Die diesjährige Generalversammlung des hiesigen Vorschußvereins war sehr gut besucht. Aus dem Geschäftsbericht sei folgendes entnommen: 3m Berichtsjahr hat sich die Zahl der Mitglieder, um 23 auf 200 erhöht, 28 Mitglieder sind neu beigetreten, drei Mitglieder sind verstorben und zwei, die nach auswärts verzogen sind, sind auggetreten. Der Gesamtumsatz betrug im Geschäftsjahre 5,1 Million Mark. Die Geschaftsguthaben sind auf 15 067,95 Mark gewachsen und die Gesamthaftsumme auf 295 000 Mari. Die Scheck- und Spargelder sind um 88 000 Mark auf 226 954 Mark gestiegen. Der erzielte Reingewinn in Höhe von 5174,33 Qllarf wurde wie folgt, verteill: 10~ Prozent Dividende an die Mitglieder in Hohe von 1321 Mark, Lleberweisung an den Reservefonds 1926,67 Mark und an die Betriebsrücklage 1926,67 Mark, so daß die beiden Rücklagestöcke bereits die ansehnliche Höhe von 14 035,72 Mark erreicht haben, wozu noch der Aufwerttmgsfonds von 3530,16 Mark kommt. Die Rachifrage nach Krediten im Betriebsjahr war lehr stark, so daß diesem Bedürfnis nicht immer im vollen Umfange entsprochen werden konnte. Die Aufwertungsarbeiten werden in Kürze beendet sein. Der Kleinsparverkehr nach dem Kar- tenshstem soll immer mehr ausgebaut werden. Eichelsachsen, 28. Juli. Ein neues, schweres Unwetter ging gestern zwischen 15 bnrd) maschinelle Einrichtung alle ankommenben Güter auf die einfachste Weife vom Güterbahnhof in bie Fabrik bringen können, finb mit allen modernen Einrichtungen zur Herstellung von Obstsäften, Marmeladen u. bg(. versehen, riesige Faßlager in großen Kellern finb imstande, die größten Mengen zu lagern. Das Werk war bereits voll beschäftigt und nimmt zur Zeit mit täglich 50 bis 100 Zentner Himbeeren einen großen Teil der Ernte von Spessart, Rhön und Vogelsberg auf, auch die aus der näheren und weiteren Umgebung zur Anlieferung kommenden Mengen an Johannisbeeren, Stachelbeeren, Kirschen sind schon ganz beträchtlich. In einigen Wochen wird dann die Verwertung von Aepfeln einsetzen. -/• Orten berg, 28. Juli. Mil dec 20. Jubelfeier, die der hiesige Fußballklub Germania am 6. und 7. August begeht, wird auch die Weihe eines neuen Banners verbunden werden. Das Banner wurde von den Damen des Weg gehen, und hierauf beziehen sich die Vorschläge Dr. Bräuers. Er ist der Ansicht, daß man theorettsch V15 der in der Meereswärme gebundenen Energie in mechanische umwandeln tarnt, praktisch aber nur Vso bis Vsn- Das erscheint zunächst wenig. Wenn man aber bedenkt, daß hiernach jeder Raummeter Wasser 25 000 Meterkilogramm abgeben kann — das ist soviel, wie 25 000 Kilogramm abgeben können, wenn sie 1 Meter tiej fmten —, so wird man zugeben müssen, daß es sich doch lohnt, auch diese Bruchteile nutzbar zu machen. Hierzu schlägt Dr. Bräuer folgenden Weg vor: Er leitet das warme Wasser um einen Kessel, £er flüssige Kohlensäure enthält, die bei dem herrschenden Druck schon unterhalb der Temperatur von 30 Grad verdampft. Mit diesem Kohlen- sauredampf werden Turbinen getrieben. Hinter den Turbinen gelangen die Kohlensäuredämpfe in Verdichter, wo sie durch aus der Tiefe des Meeres heraufgeholtes kaltes Wasser unter dem erforderlichen Druck verflüssig werden: dann werden sie wieder in den Kessel gedrückt, um wieder zu verdampfen — unb so weiter. Die Pumpen- leistung zum Heraufholen des kalten Wassers ist nicht sehr erheblich, was leicht einzusehen ist: Das Steigrohr soll in eine Tiefe von 500 Meter führen: Steckt man nun ein solches Rohr ins Wasser so ist es offenbar, daß der Wasserspiegel darin ebenso hoch steht, wie der des umgebenden Wassers. Füllt man nun das Rohr mit kaltem Wasser indem man daran saugt, so wird sein Spiegel etwas ttefer stehen, weil das kalte Wasser wegen seiner größeren Dichte schwerer ist als das umgebende warme: dieser Höhenunterschied macht aber nur 25 bis 30 Zentimeter aus. Man will die Tiefseesaugleitung schräg abwärts durch einen Tunnel führen, so daß man mit dem Kraftwerk von der Brandung abrückt. Ra- gut gegen das Eindringen von Wärme isoliert fein, damit das angesaugte Wasser auch wirklich kalt genug oben antommt. Nachdem das Wasser seinen Dienst zur Kühlung der Kohlensäure verrichtet hat, wwd es etwa 11 Grad warm sein und kann noch weiter fefrr nutzbringend verwendet werden, nämlich als Källe- spender. Wie schon erwähnt, kommen ja nur die Tropen für die Anlage solcher Kraftwerke in Betracht — man denkt z. B. an Mittel- und Südamerika, Florida, Java, Ceylon und Cuba — und gerade dort ist die Küblbaltung der ArbeitS- raume geradezu eine Vorbedingung für die Ar- Oderhessen. Landkreis Gießen. § Alten-Buseck, 28. Juli. Während des gestern nachmittag über dem Busecker Tal stundenlang tobenden heftigen Gewitters schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Ludwig W a - g e n b a ch , Großen-Busecker Straße, welche in wenigen Augenblicken in Hellen Flammen stand. Infolge günstiaer Windrichtung ynb raschen Eingreifens der Ortsfeuerwehr gelang es, ein Umsichgreifen des Feuers zu verhüten. Während das s Vieh gerettet werden konnte, wurden zahlreiche [■ landwirtschaftliche Geräte ein Raub der Flammen, doch dürfte der Schaden durch Versicherung zum großen Teil gedeckt sein. ! l. G r 0 h en - L i n de n, 28. Juli. Während der hiesigen Kirmes für ein Auto bei Dunkelheit ohne Laternen die stark abschüssige Bergstraße hinuitter. Auch gab der Führer des Wagens kein hörbares Warnungszeichen. Infolgedessen rannte das Auto fast in eine Gruppe von Kirchweihgästen, die sich auf dem Heimweg befanden und in der Fahrtrichtung gingen. Die Leute stoben noch im letzten Augenblick auseinander. Dabei kam eine Frau zu Fall, wurde von dem Auto gepackt und ein Stück mit- geschleift. Sie zog sich so erhebliche Verletzungen zu, daß sie sich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. f T r e i 5 a. d. Lda., 28. Juli. Die neugeplante Heizungsanlage für das neue Schulhaus mit zwei Schulsälen und zwei Lehrerwohnungen ist bereits vergeben zum Preise von 1500 Mark. — Die Einweihung des Sportplatzes wird in diesem Jahre noch nicht erfolaen, da die Grasnarbe desselben noch nicht so dicht ist, wie es wünschenswert ist. 00 Reinhardshain, 28. Juli. Dieser Tage veranstaltete das Landwirtschaftsamt Grünberg unter der Leitung von Landwirtschaftsdirektor Trautman n hier eine V e r s u ch s d e m 0 n st r a t i 0 n. Es wurde zunächst ein Düngungsversuch zu Kartoffeln besichtigt. Der Versuch zeigte einen heroor- rogen.den Stand der mit Nitrophoska, dein neuen Volldünger der I. G. Farbenindustrie, gedüngten Teilstücke gegenüber den ungedüngten Teilstücken. Ferner wurde ein Weizendünnsaatversuch demonstriert. Dieser Versuch zeigte deutlich die günstige Wirkung der dünneren Saat, verbunden mit einer intensiveren Düngung. Außerdem kam noch die Wirkung des Hackens bei den dünngesäten Parzellen deutlich zum Ausdruck. Direktor Trautmann erläuterte bei dem Versuche und hob den Zweck derartiger Versuche hervor. An beide Versuche schloß sich eine eingehende Aussprache an. In Anbetracht der Wichtigkeit solcher Veranstaltungen für unsere Landwirte wäre ein besserer Besuch'wünschenswert gewesen. Auftakt zum 33. Mittelrhsinischen Kreisturnsest. * D a r m ft a b t, 29. Juli. Die Vorbereitungen für das 3 3. Mittelrheinische Kreisturn- f e st in Darmstadt mit Aus chmückung der Straßen ulw. sind bis jetzt weiteriortgeschritten. Gestern abend begann mit einer größeren Feier das eigentliche Fest. Die neue F e st h a l l e mit 500 Sitzplätzen war schon etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Feier voll besetzt. Die Besucher waren hauptsächlich Darmstädter, aber auch Auswärtige waren in großer Zahl eingetroffen. Das städtische Orchester leitete die Feier ein mit einer Juoel- uuDerture. Der Vorsitzende der Darmstädter Turnerschaft, Rechtsanwalt K a l b h e n n, hielt eine Begrüßungsansprache. Im Namen des Hauptausschusses dankte er den Anwesenden für ihr Erscheinen und bemerkte, daß das Gauturnfest schon eine große ■ Veranstaltung gewesen sei, das Kreisturnfest aber eine Veranstaltung wäre, wie sie Darmstadt noch nicht in seinen Mauern sah. Er dankte den Darmstädter Sängern, daß sie mithelfen, den Abend zu verschönern und wünschte dem ganzen Turnfeste einen guten Verlauf. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen „Gut Heil!" Die vereinigten Darmstädter Chöre, in Stärke von rund 1200 Mann, sangen Beethovens „Die Himmel rühmen" und einen „Deutschen Chorgesang" von dem Darmstädter Karl Grim. Direktor Etzold brachte mit dem Massenchor prächtige Klangwirkungen hervor. An turnerischen Darbietungen brachte der Abend Stabübungen, Keulenschwingen und Freiübungen van Darmstädter Turnerinnen, bei denen namentlich die von den Vorturne» rinnen gestellten Brunnengruppen außerordentlichen Beifall fanden. Obwohl die Vortragsfolge sich verhältnismäßig schnell abwickelte, begann erst um 11 Uhr ein von Amtmann Goebel- Darmstadt verfaßtes F e st s p i e l, das sehr eindrucksvoll ge« Die Ursachen des Flugzeugunglücks bei Amöneburg. LPD. Frankfurt a. M., 28. Juli. Die U r - fachen des Unglücks, das den Tod von fünf Personen zur Folge hatte, lassen sich natürlich nur sehr schwer feststellen, weil, wie das in solchen Fällen fast immer zu fein pflegt, die Insassen, die I wirklich zuverlässige Anhaltspunkte geben könnten, nicht mehr am ßeben sind, und die Maschine vernichtet ist. Eine von der Deutschen Lufthansa vorgenommene Untersuchung ergab ein völlig e in wand freies Arbeiten des Mo t 0 r s , so daß also ein Motordefekt als Ursache des Unglücks nicht in Frage kommt. Falls auch ein Versagen der Steuerung nicht vorgelegen hat, so besteht die Möglichkeit, daß das FlugWug i n eine B ö geriet, die von dem Piloten nicht rechtzeitig pariert werden konnte und dadurch die Malchine in der Kurve liegend abrutschte. Aus der geringen Höhe, in der die Maschine flog, war ein Abfangen und damit eine glatte Landung nicht tietyr möglich. Als erschwerendes Moment kam hinzu, daß das Flugzeug in einer Landschaft, die weit und breit als Flachland anzusprechen ist, ausgerechnet auf dem einzigen dort befindlichen steil emporragenden Felsenkegel von Amöne- bura landete ober vielmehr mit einer kolossalen Gewalt aufprallte. Hierbei explodierte der B e n z i n b e h ä l t e r, so daß das Flugzeug in Brand geriet, dem die drei vorne sitzenden Personen zum Opfer sielen, während die im rückwärtigen Teile sich befindlichen Passagiere K 0 l l m a n n und Bauer herausgeschleudert wurden und den dabei erhaltenen Verletzungen erlagen, was daraus hervorgeht, daß die Leichen keine Brandwunden zeigen. Der verunglückte 24 Jahre alte Flugzeugführer ist der Sohn des hessischen Ministerialrats Dörr in Darmstadt. Z D a n n e n r 0 d, 28. Juli. Der in verflossenem Winter hier gegründete Schützenverein wird am kommenden Sonntag an dem idyllisch gelegenen Schießplatz auf der Tannenplatte am Waldessäume fein erstes Preisschießen abhalten. * Vadenrod, 28. Juli. Dieser Tage feierte ber hiesige Kriegerverein, wie alljährlich, sein Fest, verbunden mit Preisschießen. Als bester Schutze wurde Karl Hainbach aus dem benachbarten Storndorf ausgezeichnet. SeWbestimmungsrecht der Irauen ZHrL N?«chG°b°»- SsÄ °Jr*9en. ?' $ 5 m, 2$ > ,. «‘y’teli Ä ®« t)clni om MKL :ini füt ÄS b« '»« tÄ* «i. 5.6~Ä ÄfeSf-t •'“«ÄE MtiÄÄ L,rM ass-g «L^"EL , 7^' S?*$? °uch A. ■ bclchieden waren, i 3 W&inbung, was auch Jc' N Anraten seine« * Mew Zahl der hi« ne einen neuen Denin dlrd ton der Gründung Vereins abgesehen. -u w noch weitergehen« werden, wenn mehr Mit» ügung bereitgestellt wer« volltommen, wenn der ehenden Derschönerungs« m drei Herren erweitert daß diesen-die Dearbei« übertragen wird. Mr Eche Anwesenden bei. wurde daraus als neues zeschlagen, zwei weitere 2^ung bestimmt werden, ägung zu ziehen sein, ob mmg des alten Vereins r 0 b, 28. Juli. Für dieses cnmal ein schweresGe- marfung nieder. QcwaÜiger id die Ohm schwoll mächtig irben an der Bru-tenmühle sich m rasenden erdorrtt 5^ SÄBgs 9^lD,teSnWeü: LöMen ttwJ’Jj uns. bun^cÄ(fl wurden «r.rss-1* n Ungeheuer -wS-SStf* VwW^r**4 M Etz Ktzch K-'LW k-'/M öKliy er fr^er lij --'SSL eie befonbert an den flar- 5er B/tz fähig in einen 1 einen Simbaum ein. Juli. Der in verstossenem Lchützenverein wird an dem idyllisch gelegenen enplotte am Waldessäume abhalten. Juli. Dieser Tage,feierte ierein, wie alljährlich. Preisschiehen. Ais bester nbach au 9 dem benach- tichnet.___ iMW« s im neuen, JabrbundeN - und doch lassen si»M zum Betsptel beim* seien Lie daß nächste Mal S en Sie eine W- Ui - Eie tun aulieben wäscht das Haar «wUjJE S»*8'® mir. , —- <5 Vom D f) m t a (, 28. Juli. Die sehnsüchtig erwartete Besserung der Wetterlage hat auch fm Monat Juli nicht stattgefunden. Die dem Bienenflug günstigen Tage waren wieder sehr selten. Der Honigertrag von diesen wurde in den folgenden kühlen Tagen voll aufgezehrt oder zur Fütterung der Brut verbraucht. Die Schwärme «nutzten immer noch gefüttert werden, um sie vor dem Verhungern zu schützen, zum reichlichen Ansatz non Brut und Ausbau des Wabenraumes zu veranlassen. Bie/e, selbst alte Imker waren bis heute noch nicht imstande, nur eine geringe Menge Honig zu schleudern. Die Lindentracht, die übrigens von vielen Imkern in ihrem Ertrage nicht so geschätzt wird, haben di Bienen nur in den wenigen warmen Tagen diese«- Woche benützen können. Eine geringe Zuversicht < bleibt noch auf die Heidekrautblüte. Starkenburg. • Darmstadt, 28. 3uli. Das ®orm> städter Rathaus, das im Innern einer gänzlichen baulichen Umgestaltung unterzogen wurde, die über ein Jahr gedauert hat, ist jetzt soweit wiederhergestellt, dah der Umjug der BureauS aus anderen Gebäuden wieder dorthin vorgenommen werden kann. WDR. Reu-Isenburg, 28. Juli. In der vergangenen Rächt gegen 1 ilfcr ereignete sich hier an der Sprendlinger Landstraße ein schwerer Auto uns all. Zwei Offenbacher Ge- schaftsleute, die den letzten Anschluß an die Waldbahn verfehlt hatten, liehen sich mit einer Kraftdroschke nach Offenbach fahren. Unterwegs überschlug sich an einer Kreuzung das zu weit rechts gekommene Fahrzeug, und die beiden Insassen wurden herausgeschleudert. Während einer der beiden Herren mit leichteren Verletzungen davonkam, muhte der andere mit einer schweren Kopfverletzung und einem Arinbruch inS Offenbacher Krankenhaus eingeliefert werden. Der Wagenlenker, der die Kurve zu scharf genommen haben soll, kam mit dem Schrecken davon. Preußen. Kreis Wetzlar. .H Wetzlar, 28. Juli. Die lebhafte private Bautätigkeit, die bereite im Frühjahr hier eingesetzt hat, ist im Laufe des Sommers durch den Hinzutritt einer größeren Anzahl Neubauten noch erheblich vermehrt worden. Auch Im kommunalen Straßenbau wird wieder eifrig gearbeitet. Besonders sind es drei wichtige Berkehrsstraßen, die zur Zeit im Ausbau begriffen sind und die für den Fernverkehr von besonderer Bedeutung sind. Es sind dies die Braunfelser Straße, de den Fernver- kehr nach Koblenz ableitet, die Hermannsteiner Straße für den Fernverkehr nach Siegen und Köln und die Haarbachstraße am Goethebrunnen, die als Umgehungsstraße immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Stadt hat wegen der geradezu beängstigenden Verkehrslage in der Altstadt einen Teil der im inneren Stadtgebiet gelegenen Straßen zu Gin- bahnstroßen erklären lassen, um wenigstens auf diese Weise die dauernde Gefahr von Zusammenstößen zu bannen. XX Vetzberg, 28. Juli. Infolge veräußerst regen Bautätigkeit in den beiden letzten Jahren konnte hier die Wohnungsnot rasch behoben werden, obwohl die Einwohnerzahl stetig zu- nimmt. Die meisten Reubauten, zum Teil ganze Gehöfte, gruppieren sich um den ehemaligen uralten Detzberger Hof. XXHvhensvlms, 28. Juli. Dem Pfarrvikar Heinrich Schühler, welcher längere Zeit als Jugendpfarrer und Schriftführer im Dienste des Christdeutschen Bundes stand, wurde die Stelle eines Vikars der Gefamtkirchengemeinde mit dem Wohnsitz in Wiesbaden durch das Evangelische Landeskirchenamt übertragen. <> Oberkleen, 28. Juli. Die Schäden, die durch Schwarzwild in der hiesigen Gemarkung angerichtet werden, mehren sich in einem Umfange, der den Landwirten Anlaß zu ernsten Besorgnissen gibt. Fast allnächtlich tritt das Schwarzwild — oft in stärkeren Rotten — auf die an den Wald angrenzenden Feldteile aus und richtet dort sowohl an der Getreide- als auch an der Kartoffelernte erheblichen Schaden an; als besonders gefährdet galten die Gemarkungs- distrikte „21m Schalsberg" und „Am Hinterwald". Die Zahl der Schadenfälle, die der Ortspolizeibehörde mit dem Anspruch auf Schadenersatz angemeldet sind, beläuft sich auf annähernd 30. Eine wirksame Bekämpfung ist bisher trotz aller angewandten Maßnahmen nicht möglich gewesen. Auf Einladung der Polizeiverwaltung in Groß- Rechtenbach fand nunmehr auf dem Bürgermeisteramt daselbst dieser Tage eine Besprechung statt, an der die Jagdpächter von Oberkleen. Riederlleen, Dornholzhausen und Vollnkirchen teilnahmen. In der Besprechung wurde eine Vereinbarung dahin getroffen, dah, sobald das Wild in irgendeinem der genannten Jagdbezirke wieder gesichtet wird, der Polizeiverwaltung telephonisch Mitteilung zu machen ist, die alsdann ebenfalls auf telephonischem Wege die Pächter der benachbarten Jagdbezirke zwecks Veranstaltung einer gemeinsamen Treibjagd benachrichtigt. Es haben seit der Besprechung bereits zwei solcher groß angelegten Treibjagden stattgefunden, leider jedoch ohne Erfolg. -6- Lützellinden, 28. Juli. Am kommenden Sonntag und Montag feiert der hiesige, im Jahre 1877 gegründete MS nnerg es ang - verein fein goldenes Jubiläum. Der unter der Leitung des Dirigenten Leib, Gießen, stehende Verein erwartet zu seinem Jubelfeste zahlreiche auswärtige Sangesbrüder. Kreis Marburg. ][ Marburg, 28. Juli. Wie das Quartieramt zum Universitätsjubiläum heute bekannt gibt, dürsten die für die Gäste angemeldeten Zimmer nicht alle in An- spruch genommen werden. Die Befürchtung, dah die FeIgäste keine Unterkunft finden könnten, ist damit hinfällig. Dis jetzt sind an offiziellen Festgasten (Vertretern der Regierung, der Hochschulen usw.) etwa 800 Anmeldungen eingegangen. AuS Anlaß des am Sonntag zu erwartenden Massenverkehrs werden am Bahnhof zwei Hilfssperren eingerichtet, die besonders für Reisende mit Rückfahrkarten zu empfehlen sind. Heute trifft zur Verstärkung der Polizei bereits ein Teil der vorgesehenen Schupo ein. Die Polizeistunde ist auf 3 Uhr nachts festgesetzt. Kreis Limburg. WEN. Di e z, 28. Juli. Auch über der Umgegend von Diez hat sich gestern wieder ein schweres Unwetter entladen. In den tiefer gelegenen Straßen der Stadt wurden zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt. Die Gewalt des Sturmes vernichtete zahlreiche Bäume. Auch bei Limburg wütete das Unwetter stark. Auf den Feldern wurden neue starke Verwüstungen angerichtet. Unterwefterwaldkreis. WER. Montabaur, 28. Juli. Ueber den, Westerwald hat sich gestern mittag ein s ch w e- re£ Unwetter, verbunden mit einem gewaltigen Sturm und furchtbaren Regenmassen, entladen. Zwischen Montabaur und Reuhäusel wurden acht Telephonmasten, zwischen Montabaur und Wirges 20 Telephonmasten von der Gewalt des Sturmes umgeworfen und die Leitungen zerstört. Bei Dernberg fielen dem Sturm sechs Masten zum Opfer. Ueberall ist die telepho- Nische Verbindung gestört. Mit außer- ordentlicher Gewalt wütete das Unwerter bei Wirges, wo der Blitz in den Kirchturm der evangelischen Kirche einschlug, so dah dieser mit furchtbarem Gepolter einstürzte. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen; durch den Einsturz sind die angrenzenden Häuser teilweise erheblich beschädigt worden. Bei Steinefrenz wurde der Landwirt und Mühlenbesitzer Herz, der gerade mit seiner Frau einen hoch beladenen Wagen mit Heu nach Hause bringen wollte, von dem Unwetter plötzlich überrascht. Dabei schlug der Blitz in die hochgehaltene Heugabel ein und tötete Herz auf der Stelle. Die Frau blieb unverletzt. Aus den Fluren und in den Wäldern hat das Unwetter außerordentlichen, bis jetzt noch nicht abschäh- baren Schaden angerichtet. Zahlreiche starke Obstund andere Bäume wurden entwurzelt oder vom Blitz getroffen, wodurch an mehreren Stellen die elektrische Leitung zerstört wurde, so dah die Stadt längere Zeit ohne Licht war. Besonders verheerend wütete das Unwetter im sogenannten Schloß - Wald, wo zahlreiche alte Bäume vom Blitz getroffen und in die Tiefe gerissen wurden. Durch den Sturz wurden noch weitere Verheerungen an- gerichtet. Amtsgericht Gießen. Gießen, 26. Juli. Ein Kellner von hier hat einen in seinem Hause wohnenden Hausdiener und besten Ehefrau verklagt, weil sie behauptet hätten der Kellner fei mit seiner Frau nachts mittels 'Nachschlüssels in ein in feinem Hause befindliches Schuhwarengeschäft eingedrungen und hätte dort Schuhe entroenbet. Auch soll bie Frau des Hausbieners erzählt haben, bie Tochter bes Kellners habe sich einen Bubikopf schneiben lassen, weil sie Läuse habe. Die Sache mußte vertagt werben, um eine in Gera wohnende Zeugin zu vernehmen. Eine Fabrikarbeiterin aus Steinbach hat gegen eine andere Fabrikarbeiterin von ba Privat- flage erhoben, weil sie sich burch eine Aeußerung berfelben bei einer Freundin beleibigt fühlte. Die Angeklagte behauptete, gerabe bie Privatklägerin habe diese Aeußerung selbst zuerst getan, auch habe diese sie, bie Angeklagte, burch Schimpfworte beleibigt; deshalb würbe Wiberklage erhoben. Im heutigen Termin verglichen sich bie Parteien bahin, daß sie die gegenseitigen Beleidigungen mit Bedauern zurücknahmen. Die Kosten des Verfahrens haben beibe Teile je zur Hälfte zu tragen. Erweitertes Schöffengericht Gießen. G i e ß e n, 27. Juli. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurden zwei verheiratete Männer, die sich wiederholt an einem noch schulpflichtigen Mädchen vergangen hatten. Die Verhandlung sand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 8 Monate Gefängnis, bzw. auf 8 Monate Gefängnis. Ebenfalls hinter verschlossenen Türen wurde gegen einen jungen Landwirt verhandelt, der wegen Rotzuchtsversuchs angeklaat war. Das Gericht nahm nur eine tätliche Beleidigung für erwiesen an und verurteilte ihn zu 3 Wochen Gefängnis. Der wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestrafte Heinrich B. war des Rotzuchtsversuchs angeklagt. Er war in vollem Umfang geständig. Mit Rücksicht auf die ungeheuere Roheit des Falles erkannte das Gericht auf 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren ab. Röder-St. Johann und Müller-Saarbrücken. Im 5000-Meter-Lauf dürsten sich Schneider- Drehercheim und Reuter -Sachsenhausen um die Palme streiten. Den Stabhochsprung wird sich Kern-Mainz nicht nehmen lassen. Im Mehrkampf stehen Wengenroth- Frankfurts und Münch- Marburg an aussichtsreichster Stelle. Im Mehrkampf und Einzelkampf wird die 1. Siegerin vom letzten Feldbergfest, Fräulein Müller. 1817 Mainz die größte Aussicht haben. Zu dem Dreisprung hat auch der Meister der Deutschen Turnerschaft seine Teilnahme zugefagt, der ihm nicht streitig zu machen sein wird. ^iegaita in (diesen. Am Sonntag, 28. August, wird die VII. Herb st-Regatta d es Lahn-Regatta- Verb and es auf der Lahn bei Gießen vom „Verein Rudersport Gießen 19 13" und der „Akademischen Ruderabtei- lung e. V." veranstaltet. Es sind im ganzen die folgenden 16 Rennen ausgeschrieben, die am Felsen gestartet werden; das Ziel befindet sich etwa 150 Meter unterhalb vom Bootshause des Vereins Rudersport. 1. Jungmann-Dierer 2. Jungmann-Einer. 3. Anfänger-Vierer. 4. Gast-Vierer. 5. Jung- mann-Vierer. 6. Zweiter Herbst-Achter. 7. Schuler-Vierer. 8. Eister Vierer. 9. Jungmann-Achter. 10. Altherren-Vierei. 11. Junior-Vierer. 12. Jungmann-Dierer. 13. Lahn-Einer. 14. Zweiter Vierer. 15. Ermunterungs-Vierer. 16. Großer Lahn-Achter. Buntes Allerlei. Bei den Höhlenmenschen von Atalaya. Aus dem kanarischen Inselarchipel besitzt die drittgrößte Insel „Gran Canariau eine besondere Sehenswürdigkeit; Das Höhlendorf Atalaya, das etwa 500 Meter über dem Atlantik auf der Höhe des malerischen Baranco de las Goteras Jiegt und von der Hafenstadt Las Palmas aus zu Fuß ober mit Wagen, über den von den Engländern viel besuchten Lufllurort Sta. Brigida, erreicht werden kann. Die sich aus Basalthöhlen erloschener Krater zusammensehende Ansiedlung bilde, nach dem Ausspruch oeöeutenber Prähistoriker das letzie vollständige Beispiel einer Troglodythen-Wohnung in Europa, denn die kanarischen Inseln sind leit vielen Jahren eine spanische Provinz. Dort haust der letzte Mischlingsstamm lener sagenhaften Canarios, die sich in etwa hundertjährigem Kample bis ins 15. Jahrhundert in den Klüften der Insel vor den eindringenden spanischen Eroberern zu verteidigen wußlen. Die Canarios, deren ein- balsamierte Mumien und Hunderte von Schädeln, einige noch mit vollem Haupthaar bedeckt, wir im Museum von Las Palmas sehen können, waren große blonde Leute, vermutlich ein versprengter vorarischer Stamm, der in den etwas südlicher gelegenen zahlreichen Basalthöhlen wohnte. Man sand dort zahlreiche Tongesähe, Waisen und Menfchengerippe. Als der letzte Häuptling Doramas sah, daß er sein Volk nicht mehr schützen könne, stürzte er sich aus Verzweiflung in die grausige Felsenschlucht bei Moja. Wir erreichen die Paßhöhe des heutigen Höhlendorfes nach einftünbiget Fahrt und biegen nun in das Dorf ein, das am Abhang eines zwar grünbewachsenen, aber unfruchtbaren, wasserlosen Talkessels liegt. Aermlich gekleidete, körperlich verkümmerte Männer und Frauen, mit blonden Haaren und gutmütiger Gefälligkeit zeigen ihre primitiven Wohnungen. Der Estrangeiro — der Fremde-ist ihnen ein willkommener Besuch. Diel- leicht kauft er etwas von dem altertümlichen Tops, geschirr, das die Frauen, nach Urväter Art, noch ganz ohne Drehscheibe aus weißlicher Kallerde formen, und das Samstags in einer großen Höhle, deren Eingang man verstopft, gebrannt und zum Matt in die Städte gebracht wird. Sicher aber wird er einige Centimos zurücklassen. Denn die Armut ist groß, da die Töpferei meist den ein- r Algen Verdienst der Höhlenbewohner bildet. Aber die Leute sind auch unendlich bescheiden. Sie kßen, wie bie alten EanarioS, fast nur von einem roh zusammengeruhrten Teig aus geröstetem Mais- mehl, das sie in ihren Tongeschirren mit einem Feldstein kleinmahlen und mit der fetten Milch ihrer zottigen, kanarischen Ziegen oder mit Wasser anruhren. Die Henne vor der Höhle legt noch ab und zu Eier, und wenn sie das nicht mehr tut, wird sie geschlachtet und verkauft. Einen Hühner- braten gibt es in Atalaya wohl kaum je. Selbst diese Troglodyten leiden unter Wohnungsnot, denn die Basalt-Höhlen vulkanischen Ursprungs gelangten auf irgendeine unerklärliche Weise in die Hände eines Spekulanten, und die Höhlenleute erzählten mir in ihrem kanarischen Dialekt, daß sie bis zu 5 Peseten monatliche Miete zahlen mühten. Es gibt darunter „Prachthöhlen", in denen besser gestellte Atalaya wohnen; ich sah sogar in der weißgetünchten, größten, ein schneeweiß bezogenes sauberes Federbett, über das ein Heiligenbild von der Felswand herniederschaute, einen mit einer Teneriffa-Decke gedeckten Tisch, drei Stühle und einer Rokoko-Komode. Daneben war die Küchenhöhle. Vor der Brettertür ein Zelltdach und ein winziges Gärtchen. Die spanische Regierung ist bemüht, die Kinder dieser Höhlenbewohner einer besseren Zukunft zuzuführen, und so hat Atalaya auch seinen Lehrer, der die kleinen Wildlinge in Lesen, Schreiben und Religion unterrichten soll. Aber es muh schwer für das trotz seiner Armut genügsame, freie Völkchen fein, sich der weihen Sklavenarbeit in den Städten einzureihen, und so wird das Höhlendorf Atalaya wohl noch einige Generationen bestehen bleiben. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau-.) Samstag, 30. 3uli: 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend: Aus dem deutschen ßiebertraiue. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunschnachmittag. Operettenmusik. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.45 Uhr: Der Briefkasten. 18.45 bis 19.15 Uhr: „Schopenhauer über das metaphysische Bedürfnis des Menschen". Vortrag von Pfarrer Clemens Taefler. 19.15 bis 19.45 Funkhochschule: „Paul Natorp und die letzte Phase der Marburger Schule", Vortrag von Prioatdozent Dr. F. Heinemann. 19.45 bis 20.15 Uhr: „Dostojewskis Roman Schuld und Sünde", Vortrag von Prof. W. Hill- mann. 20.15 Uhr: Bunter Abend. Anschließend: Frühere Verhältnisse. Posse mit Gesang in einem Aufzug von Johann Nestroy. Darauf: Tanzpro- gramm. Turnen, Sport und Spiel. Die Fustballsaison beginnt! Die beiden Gießener Ligavereine „1900“ und „B. f. B." beginnen die neue Spielzeit mit einem Lokaltreffen. o. Seit vergangener Weihnacht ist es das dritte Mal, daß diese beiden Rivalen um die Vorherrschaft im Fußball in unserer Stadt in friedlichem Wettstreit die Klingen kreuzen. Der Verein für Bewegungsspiele erfüllt eine alte Verpflichtung aus dem Jahre 1925, ein Rückspiel, das er noch der ehemaligen Spielder- einigifng 04 schuldet. Auch diesmal wieder wird dieses Treffen die größte Anziehungskraft auf die Freunde ves schönen Fußballspvrtes ausüben. Die leider in den letzten Jahren so selten gewordenen Begegnungen zählten stets zu den bedeutendsten im ganaen Lahnkreis, deren Rekordbesuche den finanziell nichit gerade auf Rosen gebetteten einheimischen Vereinen ein«? gute Einnahmequelle waren. In spielerischer Hinsicht waren die Leistungen stets wechselvoll. Dominierten im Spiel an Weihnachten 1926 die „Vereinigten", so tonnte dies „V. f. B." im Rückspiel im März wieder einigermaßen wettmachen. Siegreich blieb beide Male D. f. B. Zuerst 1:0 und dann 2:0. Die sportlichen Leistungen waren im ersten Spiel die weit besseren. V. f. D. siegte mit außerordentlichem Glück. Im zweiten Spiel verlor 1900 verdient, weil sich die Mannschaft nicht ziu einheitlicher Leistung aufschwingen konnte. Zugute tonnte man es den „Blauweißen" nur halten, daß sie jedesmal mit mehrfachem Ersah die Spiele bestreiten muhten, was die sowieso noch sehr junge und körperlich schwache Mannschaft außerordentlich benachteiligte. • Wer wird diesmal Sieger bleiben? Das ist die Frage, die schon seit Wochen alle Anhänger des runden Leders beschäfttgt. Hoffentlich der tatsächlich Besseres Vorauszusagen ist es wirllich nicht, das haben die beiden letzten Begegnungen zur Genüge bewiesen. Man räumt dem D. f. D. diesmal ganz große Chancen ein. Richt nur auf Grund seiner Zugehörigkeit zur 1. Dezirksklasse. Die D. f. B.-Mannschaft hat systematisch und intensiv trainiert und zwar unter einem befähigten Spieler aus der Deutschen Fußballhochburg, dem Spieler Frey vom QL S. V. Rürnberg, der heute dem Fußballsportverein Frankfurt angehört. 1900 konnte sich das nicht leisten als II. klassischer Verein; denn seine Leichtathletikabteilung ist erstklassig und erfordert große finanzielle Unterstützung. Rur lediglich einige Uebungsspiele gaben dem Spielausschuh Gelegenheit, sich von dem Können und den Qeiftungen des Rachwuchses zu überzeugen und daraus die beften Elf auszuwählen. In beiden Mannschaften wird man also Wohl am kommenden Sonntag neue Gesichter sehen. Die Leitung liegt in den Händen eines Schiedsrichters der Gruppe Fulda. Vor dem Spiel der Ligamannschaften spielen die Reserven, sowie 1. Jugendmannschaft, und es dürfte auch hier schon zu schönen spannenden Treffen kommen. Aus der Leichtathletikabteilung der Sp.-Dgg. 1900. Eldracher 1900 schlägt Asseher und Schlößke, Berlin. ö. Zu den Meisterschaften des Süd- westdeutschen Hochschulkreises in dem prächtigen Frankfurter Stadion hatte die Universität Giehen eine Anzahl Teilnehmer entsandt, unter denen sich verschiedene 1900er befanden, so Eldracher, Geist, G u h 0 t und Hopfenmüller. Eldracher, der 8 Tage vorher auf den WSV-Meisterfchaften gestartet war, sicherte sich über 100 m und 200 m überlegen zwei Meistertitel. Ein wunderbares Rennen lief er besonders über 200 m. Er siegte in der überragenden Zeit von 22.0 (ein Zeitnehmer hatte sogar 21,9 gestoppt) mit 5 m vor dem bekannten Frankfurter Schmalz (Sportklub 1880) und dem Marburger Fricke. Die Zeit war bis dahin nur von Körnig, Schüller und Houben unterboten worden. Den 100-m-Laus holte sich Eldracher ebenso überlegen in 11,3 4 m vor Schmalz. Rupp- Stuttgart konnte hier Fricke- Marburg noch vom 3. Platz tierbtängen. Im 110-m-Hürdenlaufen hielt sich Hopfen- müller recht gut, er kam auf den 3. Platz hinter dem in 17,0 siegenden Frankfurter Marschall und dem Stuttgarter G i 11 i n g c r, vier- ter wurde Meditsch - Stuttgart. Acht Tage später wellte Eldracher in Berlin auf den Deutschen Athletik- meiste r s ch a s t e n, wohin ihn der WSV. entsandt hatte. Leider hatte er einen nicht sonderlich guten Tag, über 100 wie über 200 m mußte er bereits in den Vorläufen ausscheiden. Ueber 200 m hatte er den schwersten von allen Dor- läufen, er traf hier auf Schüller- Krefeld. F.ai st, Phönix-Karlsruhe, Wvndratschek. Kickers-Stuttgart, und den Baltenmeister Gi11- meist er-Stolp. Eldracher kam nicht recht in Schwung, kurz vor dem Ziel gab er das Rennen auf, an dritter Stelle liegend. Es siegte Schüller vor Faist. Ueber 100 m lief er wesentlich bester. Er wurde von dem Berliner Meister Schlößke und dem Norddeutschen Wö 11ner- Bremen knapp geschlagen. Mit ihm schied in diesem Dorlauf Wege, DfB.-Leipzig, der dritte der vorjährigen Meisterschaft, aus. Eldracher wirb aus diesen Riederlagen gelernt haben, die bei seiner Jugend und mangelnder Kampferfah- rungs keineswegs tragisch zu nehmen sind. Wieder acht Tage später bereits startete Eldracher für die Universität Gießen auf dem akademischen Olympia in Königsberg. Hier konnte er den bisher schönsten Erfolg seiner sportlichen Laufbahn erringen. Nachdem er im Zwischenlauf bereits seinen Bezwinger von den Deutschen Meisterschaften, Schlößke- Berlin, geschlagen hatte, kam er mit diesem, dem deutschen Springmeister und Rekordmann Körnig, S.C.-Charlottenburg, Salz, Preußen- Krefeld, dem Mitglied der auf den englischen Meisterschaften siegreichen Preußen 4xl00-m° Staffel, dem bekannten Zehlendorfer A s s c h e r, der vor ganz kurzer Zeit in Budapest die besten ungarischen Sprinter schlug, und D oß, DSD.- München, in den Endlaus. Dieser selbst brachte eine Ueberraschung, wie sie größer kaum gedacht werden kann. Es siegte der Krefelder Salz in 10,7 mit 1 m vor Körnig, 10,8, der unseren Eldracher seinerseits nur mit einem Meter hinter sich lassen tonnte; dessen Zeit 10,9. Asseyer, Schlößke und Doß vermochten sich nicht zu placieren. Die 1900er Langl 0 tz und Geist starteten für ihren Bund auf dem Sportfest der Deutschen Burschenschaften in Jena. Lang loh wurde im Kugelstroßen mit 11,37 m Zweiter hinter dem mehrfachen mitteldeutschen Meister Dr. Luther mit 12.20. Geist belegte im 100-m-Lauf ebenfalls einen zweiten Platz. 2lm vergangenen Freitag wurde in Friedberg die Meisterschaft des Polytechnikums im Fünfkampf ausgetragen. Der Mehrkämpfer Seipp, 1900, ließ sie sich nicht entgehen; mit 117 Punkten gewann er den Ehrenpreis, der ihm von dem Bürgermeister der Stadt Friedberg überreicht wurde. Diese schönen Erfolge der 1900er Leichtathleten sprechen für die rührige Tätigkeit der Abteilung. Volksturnen beim Kreisturnfest in Darmstadt. Das Mittelrheinische Kreis tu rn fest in Darmstadt, welches in den Tagen vom 29. Juli bis 2. August zur Durchführung gelangt, übertrifft die früheren Turnfeste in turnerischer und sportlicher ^Beteiligung in großem Umfang. Die volkstümlichen Meisterschaften beginnen am Samstag, nachmittags 2 Uhr. Zu den Einzelkämchfen sind über 400 Teilnchmer gemeldet. Ueber 40 Mannschaften aus den besten Vereinen des Mittelrhein - Kreises wie Frankfurt, Bockenheim, Mainz, Offenbach, Saarbrücken, St. Johann, Koblenz, Darmstadt, Kreuznach, Döklingen, Reun- kirchen, Sachsenhausen, Worms usw. treten zu den Staffelläufen an, so daß spannende Kämpfe zu erwarten sind. Im Cinzelkampf bei 100 und 200 Meter finden wir Turner, die in den letzten Der- bandsmeisterschasten ausgezeichnete Zeiten zu erreichen vermochten wie H e l b i g - Mainz, Feistel- Wiesbaden, Schulz- Koblenz. F e n d - Rödelheim, Schimmel .Dorwärts"-Dockenheim, ■*1'—« dm« der 30 Marktstraße 30 30 Marktstraße 30 Gasthaus z. 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Ungefähr in Höhe dieser Beträge hat sich Deutschland an das Ausland verschuldet. Eine Aufrechterhaltung der deutschen Wirtschaft trotz dieser Verschuldung war nur möglich durch die Aufnahme von Ausländsanleihen. Die Ursachen für die zunehmende Verschlechterung der deutschen Auhenhandelslage liegen zunächst in der steigenden Einfuhr an Lebensmitteln, deren Wert im ersten Halbjahr beinahe 1900 Mill. Mark betrug gegenüber einer Ausfuhr von nur 180 Mill. Mark. An zweiter Stelle ist zu nennen die starke Steigerung der Rohstoffeinsuhr, die im ersten Halbjahr 1927 auf 2380 Mill. Mark sich belief gegenüber nur 1110 Mill. Mark in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. An dritter Stelle kommt in Frage die Stockung in der Ausdehnung der deutschen Ausfuhr; im ersten Halbjahr 1925 führte Deutschland für 4120 Mill. Mark Waren aus; bis zum ersten Halbjahr ds. 3s. ist diese Ausfuhrmenge nur um einen ver- hältnismähig geringfügigen Betrag auf rund 4770 Mill. Mark gestiegen. Schließlich sei noch auf den Grad und auf das Tempo In der Verschlechterung des Außenhandels hingewiesen. Während im Gesamtergebnis 1926 der monatliche Einfuhrüberschuß nur 133 Mill. Mark betrug, ist er im ersten Halbjahr 1927 auf 328 Mill. Mark im Monatsdurchschnitt gestiegen (im 3uni allein auf 449 Millionen Mark); es hat sich also allein für diesen Zeitraum eine Verschlechterung von beinahe 1200 Mill. Mark ergeben. Höchst bedenklich ist auch die Tatsache, daß die von Deutschland in der Fertigwarenausfuhr erzielten Preise stark rüd- läufig sind. 3n derselben Zeit, in der der Einfuhrwert der nach Deutschland eingesührten ausländischen Rohstoffe sich ungefähr gleich geblieben ist, hat sich der Durchschnittsousfuhrpreis der tn Deutschland hergestellten Fertigwaren um rund 13 Prozent vermindert. Aus* einer Schilderung des jetzigen Zustandes ergeben sich Hinweise auf die Mittel ihrer Behebung. Am ehesten verspricht einen Erfolg das Herabdrücken der Cinfuhrziffer an Lebensmitteln. Das ist aber nur möglich, wenn man der Landwirtschaft für eine gewisse Uebergangszeit genügenden Schuh gewährt und wenn man ihr angemessene Preise zubilligt, die bisher großenteils nicht bestanden haben. 3n diesem Zusammenhang ist darauf aufmerksam zu machen, daß in den stark steigenden Lebcnsmittel-Einfuhrziffern u. a. auch die größer gewordene deutsche Kaufkraft zum Ausdruck konimt. Diese ist also nicht nur — wie vielfach fälschlich behauptet wird — für die deutsche Binnenwirtschaft anregend gewesen, hat sich vielmehr überwiegend auch in der Richtung einer Belebung der Auslandswirtschaft bemerkbar gemacht. Die Steigerung der Massenkaufkraft hat also sehr ihre zwei Seiten, zumal sie mcht auf der Verteilung größer gewordener Erträgnisse beruht, sondern nur auf Verteilung der im Ausland ausgenommen en Darlehen. Steigerung der Massenkaufkraft in Deutschland ist also in gewisser Beziehung gleich zu sehen mit Zunahme von Auslandsverschuldung und Belebung der Auslandswirtschaft. Wenn die steigende Massenkaufkraft dem deutschen Markt zu Gute kommen soll, ist schon deshalb notwendig eine erhebliche Einschränkung derjenigen Einfuhr, die überflüssige Gegenstände betrifft. Deutschland hat sich in seiner Handelsvertrags- und Zolltarifpolitik bisher in außergewöhnlich weitem Maße von dem Gedanken der freiheitlichen Gestaltung der weltwirtschaftlichen Beziehungen leiten lassen, ein Beispiel, dem das Ausland bisher leider nicht gefolgt ist; dagegen hat Deutschland gegen die dauernden handelspolitischen Benachteiligungen (teilweise sogar ausgesprochenen Schikanen) des Auslands s-ich wirrs-am überhaupt nicht gewehrt. Solange das Ausland nicht geneigt ist, der deutschen Warenausfuhr mehr als bisher die Tore zu öffnen und auf diese Weise zu einer Qlfttoie- rung der deutschen Handels- und Zahlungsbilanz beizutragen, solange kann dasselbe Ausland, das durch sein Verhalten die Aufbringung der Reparationen immer mehr unmöglich macht, sich nicht darüber beschweren, wenn die deutsche Wirtschaftspolitik der Zukunft stärker als bisher — den Methoden des Auslandes notgedrungen folgend — gegen ci.e unbeschränkte Einfuhrfreiheit gerichtet sein mutz. Auf diese Entwicklungsmöglich- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfen) leiten, deren Bedenken und Gefahren in keiner Weise verkannt werden, ist von Deutschland mit Nachdruck hinzuweisen. * 33 o n der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Entsprechend der vom Verwaltungsrat der Deutschen Acichsbahngesellschast Anfang 3uli beschlossenen Beseitigung der Härten im Eisenbahngüterrarif sind auch die Gebühren für Bedienung dec Privatgleisanschlüsse herabge'eht worden. Mit der Cr- mätzigung der Sähe der ersten Staffel des deutschen Cisenbahngütertarifs Klasse E treten die neuen Gebühren ab 1. August in Kraft. Von diesem Zeitpunkt ab gilt der Gebührentarif gemäß Spezialtabelle. * Deutsche Markversicherungen bei ausländischen Gesellschaften. Wie der Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und 3n- dustrie, Berlin, bekanntgibl, mehren sich die Anzeichen dafür, daß die Markversicherten der ausländischen Gesellschaften bei den Gerichten der in Frage kommenden ausländischen Staaten hinsichtlich der Aufwertung ihrer Forderungen auf volles Verständnis rechnen können, vorausgesetzt, daß nicht aus der bisher wenig klaren deutschen Aufwertungsgeseh- gebung Einwendungen gegen die Aufwertungsansprüche hergeleitet werden können. Der Hansa- Bund ist nach wie vor bestrebt, einerseits eine Ergänzung der in den -deutschen Bestimmungen enthaltenen Lücken herbeizuführen, andererseits die Rechtslage gegenüber den ausländischen Gerichten durch Einholung von Gutachten kompetenter 3uristen der einzelnen Länder weiter zu klären. * Der holländische Abschnitt der Stahlwerkanleihe. Die Niederländische Handelsgesellschaft, die Rotterdamsche Bankvereeniging, die Bank für Handel und Schiffahrt, die Bankfirmen Mendelssohn & Co. und Pierson & Co. sowie R. Meß en Zoonen teilen mit, daß sie am 3. August einen Betrag von 4,75 Millionen Dollars der 6,5- prozentigen Obligationen Serie A der Bereinigten Stahlwerke Düsseldorf zum Kurse von 98,5 Prozent zur Zeichnung auflegen. • D i e Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika. Nachdem kürzlich bereits älnterschahsekretär Mills als seine persönliche Ansicht die Erwartung ausgesprochen hatte, daß das deutsche Eigentum in der nächsten Kongreßtagung freigegbeen werden würde, erklärte dieser Tage auch der demokratische Senator Edwards (Newjerfey), er halte die Freigabe für sicher, und zwar noch vor Weihnachten. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß diese beiden Erklärungen nur persönliche Ansichten wiedergeben und natürlich ganz unverbindlich sind. * Rohzuckernotierungen. Die 3n- dustrie- und Handelskammer Magdeburg hat beschlossen, ab 1. September die Notierungen für Rohzucker wieder aufzunehmen. Zur Notierung kommen alle Geschäfte über mindestens 1000 Zentner zu den normalen vom Verein der Deutschen Zuckerindustrie festgesetzten Bedingungen. Es werden sowohl prompte wie auch alle Lieserungs- geschafte notiert. Die Notierungen finden täglich mit kurzer Tendenz und Umsatzhöhe statt. * 0ebr. Himmel sbach 21.- (3., Frei, bürg, in Konkurs. Die bekannte süddeutsche Holzfirma Gebrüder Himmelsbach A.-G. in Frei, bürg i. Br., die Ende April d. I. wegen ihrer sehr großen Verluste, die sie auf den gegen sie eingeleite. ten Boykott zurückführte, unter Geschästsaufsicht gegangen war, hat den Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens gestellt. — Zu dem Konkursantrag wird bekannt, daß die Bemühungen der Gesellschaft, unter der Geschäftsaufsicht zu einem Vergleich in ihrem Schadcnersatzprozeß gegen das Reich und die Länder zu gelangen, gescheitert sind. Preußen, Bayern und Hessen haben das vom Reich befürwortete Schiedsgericht unter Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten mit der Begründung abgelehnt, daß die Entscheidung im schwebenden ordentlichen Verfahren demnächst ergehen werde. * 3. P. Demberg Aktiengesellschaft. Die Verwaltung der 3. P. Bem berg Aktiengesellschaft tn Barmen hat beschlossen, zur Durchführung ihrer Vergrötzecungspläne einer auf den 26. August einzuberufenden Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals von 16 Millionen auf 28 Millionen Mark vorzu- s.chlagen. Den Aktionären soll ein Dezugsrecht eingeräumt werden, so daß auf vier alte Aktien eine neue zum Kurte von 120 Prozent bezogen werden kann. Die restlichen 8 Mill. Mark sollen zur Erweiterung und Vertiefung bestehender 3n- teressenverbindungen benutzt werden. Frankfurter 2 ' udbörsc. WSN. Frankfurt a. M„ 28. Juli. An der Abendbörse erfolgte ziemlich plötzlich ein Tendenzumschwung, der von I. G. Farben ausgehend, sich auf die ganze Börse erstreckte. Es verlautet Aerucht- weise, daß noch heute ein Kommunique der Farbenverwaltung herauskommen soll, indem Mitteilungen über den günstigen Verlauf der Verhandlungen mit der englischen chemischen Industrie gemacht werden; doch ist der Berliner Pressestelle hiervon nichts bekannt. Von der Aufwärtsbeweaung der I. G. Farbenaktien, in denen man erste Käufe beobachten wollte, und die daraufhin 5,5 Prozent gewinnen konnten, wurden besonders Rheinstahl (plus 5 Proz.) stark mitgerissen. Im allgemeinen konnte sich das Kursniveou um 1 bis 3 Prozent unter Bevorzugung von Elektrowcrtcn heben. Renten vernachlässigt. 3m Verlaufe ging das Geschäft zurück, die Kurse bröckelten leicht ab. Der Schluß und die Nachbörse wara», jedoch erneut fest. Abi. Schuld 16,50, Schutzgebiet 10,20, Barmer Bank 153, Commerzbank 177,50, Danatbank 231,50, Deutsche Bank 163,50, Diskonto 161,50, Buderus 116,75, Gelsenkirchen 165,75, Harpener 204, Aschersleben 178, Westeregeln 188, Phönix 124,50, Rhein. Braunkohlen 265,50, Rheinstahl 220, Stahlverein 136,50, Adlerwerke 120, AEG. 183,75, Daimler 125, Scheideanstalt 218,50, Licht und Kraft 196,50, I. G. Farben 319,50, Felten 138,25, Goldschmidt 132,25, Holzmann 195, Lahmeyer 175, Rütgerswerke 99, Schuckert 201,50, Siemens & und Halske 284, Wayß & Freytag 168,75, Zellstoff Aschaffenburg 201,50, Waldhof 337, Hapag 145, Nordd. Lloyd 142,75. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 29. 3uli. Tendenz: überwiegend etwas fester. — Zum Wochenschluß blieb die Stimmung an der Börse im allgemeinen zurückhaltend und ruhig. 3nsolge der lebhafteren Nachfrage nach verschiedenen Spezialwerten erschien die Tendenz gegenüber dem Stande der gestrigen Abendbörse etwas fester. Zur Vorsicht mahnte die Nachricht, dah die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen zur Zeit nur mühsam weitergehen, auch bat das Gesucht, dah die Verwaltung der 3.G. Farben ein Communiquö über den guten Fortgang der Verhandlungen mit der englischen Chemie-Industrie herausgegeben habe, bisher keine Bestätigung gefunden. Der Geldmarkt war infolge des heutigen Zahltages sehr angespannt. Tagesgeld stellte sich auf 6.50 Prozent. (Sine gewisse Anregung auch für die Effek t e n to e r t e bot die Meldung über die Regelung der türkischen Staatsschulden, wonach die Verhandlungen zu einem grundsätzlichen Abkommen geführt haben. 3m allgemeinen traten nur Kursbesserungen biß z u 1 Prozent ein. Commerzbank, Zellstoffwert und K l e h e r konnten bis 2 Prozent anziehen. Stärker gesteigert waren S ch i f f a h r t s a k t i e n, die bis 3,5 Prozent gewannen. Oberbedarf konnten sich um 4,5 Prozent erhöhen. Heimische Anleihen ruhig. Don fremben Renten entwickelte sich in Türken aus dem obengenannten Grunde lebhaftes Geschäft, verbunden mit stärkeren Kursbesserungen, vor allem für Zolltürken. 3m weiteren Verlaufe schlief fast jede Geschäftstätigkeit ein und die Kurse bröckelten ab. Gegen Schluß der Börse erfuhr die Tendenz jedoch eine neue Belebung, da die Spekulation verschiedentlich Wochenschluß- deckungen vornahm. Die Kurse zogen wieder etwas an. 3m Devisenverkehr stellte sich Paris gegen London auf 124,05, Mailand 89,275, Madrid 28,47. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,2020, gegen London 20,41. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 29. 3uli. Auch die Bewegung in Spezialpapieren kann über die allgemeine Geschäfts stille nicht Hinwegtäuschen. Deckungen der Spekulation bewirkten zwar leichte Kursbesserungen, die ersten Kurse blieben jedoch binter*t>en gestrigen Schlußnotierungen und den vorbörslichen Erwartungen zurück. Die Tendenz ist widerstandsfähig, die Spekulation bleibt jedoch sehr vorsichtig, besonders, da die weitere Entwickelung des Geldmarktes noch unklar ist und für Tagesgeld am heutigen Zahltage Sähe von 6'/r bis 8 Prozent verlangt werden. Monatsgeld 8 bis 9 Prozent. 3. G. Farben hatten wieder größere Umsätze: der Phantasie ist in bezug auf Kombinationen voller Spielraum gegeben. ©lang ft off. Bemberg, Ludwig Löwe, Mitteldeutsche Credit und einige Elektrowerte konnten sich über den Durchschnitt um 1 bis 2 Prozent erholen. ________8reitag, 29. Zuli (927 Heimische Anleihen lagen ruhig. Von Ausländern waren Türken und Anatolier gefragt und höher. Nachdem bei einer großen Anzahl von Esfektenwerten die Erstnotierung ausgesetzt werden mutzte, blieb auch im Verlaufe das Geschäft sehr klein. Die Kursentwicklung war nicht einheitlich. im allgemeinen traten gegenüber den Anfangslursen jedoch keine wesentlichen Veränderungen ein. Etwas lebhafteres Geschäft hatte der Schiffahrtsmarlt. 2.uch Dessaue» waren gefragt und 1 Prozent höher. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 29. Juli. Trotz etwas festerer Auslandforderungen blieben die Preise unverändert bei sehr ruhigem Markt. Mehl und Kleie liegen etwas fester. Es wurden notiert: Roggen, inländischer, 24,50, Hafer, inländischer. 25,50 bis 26, Haser, ausländischer, 23,50 bis 25,50, Mais, gelb, 19 bis 19,25, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 39,50 bis 40, Roggenmehl 36,50 bis 36,75, Weizenkleie 13 bis 13,25, Roggenkleie 13,75 bis 14. Tendenz ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 28. Juli. Die schwächeren Auslandmeldungen, vor allem aber die fast völlige Stagnation des Mehlgeschäfts ließen den Weizenmartt in schwacher Haltung verkehren. Obgleich vom In- lande Angebot von Herbstweizen nur spärlich hereinkommt, ergaben sich Preisrückgänge von ungefähr 3 Mark. Der Preis für Juliroggen erfuhr einen neuerlichen Rückgang. Mit Ausschluß der prompten Ware ist angesichts der bald zu erwartenden Lieferung neuer Ernte die vorhandene Ware außerordentlich knapp. Für Herbftroggen, der wenig offeriert ist, macht sich eher festere Stimmung, besonders da die Tschechoslowakei für schlesische Ware Nachfrage bekundet, geltend. Weizen- und Roggenmehl sind in den Offerten um 0,25 Mark billiger gehalten, aber trotzdem geschäftslos. Hafer ist weiter recht knapp angeboten: die Käufer sind in ihren Dispositionen recht vorsichtig. Gutes Offertenmaterial in neuer Wintergerste fehlt, während das reichlich vorhandene Angebot mittlerer und abfallender Qualitäten unbeachtet blieb. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, Juli 295 Mk., September 268,75 bis 269,75, Oktober 268,50 bis 269 (matter); Roggen, märkischer, 243 bis 245, Juli 242 bis 240,50, September 230,50 bis 230,75, Oktober 230,50 (Juli matt); Wintergerste und Futtergerste 198 bis 203; Hafer, märt., 263 bis 270 (ruhig), Juli 222,75 bis 223,25, Oktober 200; Mais, ; .i Plata, 188 bis 189; Raps 295 bis 300; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35,25 bis 37,25 (ruhig); Roggenmehl 33,25 bis 35 (prompte Mehle gefragt); Weizenkleie 13,75 (ruhig); Roggenkleie 15,25 (ruhig); Viktoriaerbfen 44 bis 58; kleine Erbsen 28 bis 32; Futtererbsen 22 bis 23; Peluschken 21,50 bis 23,50; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; Lupinen (blau) 14,75 bis 15,75; Lupinen (gelb) 15,75 bis 17,75; Rapskuchen 14,80 bis 15; Leinkuchen 21,20 bis 21,60; Trockenschnitzel 12,50 bis 13; Soyaschrot 19,50 bis 20,40; Kartoffelflocken 34,75 bis 35 Mark. Büchertifch. — S.H. Ak>ams. „Zwei grauen“. Aus dem Amerikanischen übertragen von Toni Har- ten-Hoencke. (Romane der Welt. Herausgeber Thomas Mann und H. G. Scheffauer. ,Th. Knaur Nachf. Verlag, Berlin 50.) Ganzleinen 2,85 Mk. — CSine spannende Geschichte voll intereffanter Geschehnisse auS dem schicksalsreichen Leben der „reichsten Frau Amerikas", die als „Felsen" ihrer Familierrtradition von der jungen Frau ihres Großneffen „belagert" und schließlich „erobert" wird: Die Autokratie der alten Zeit gegen die freie Entfaltung der nrobemen Frauen- personlichkeit. 399 — Das neue Jahrbuch der Sammlung Kippenberg (Insel-Verlag, Leipzig) ist den Manen Gustav Roethes gewidmet. Anton Kippenberg selbst eröffnet diesen nun schon sechsten Band mit den feinen, lrebevollen Worten, mit denen im Oktober 1925 die Leipziger Ausstellung der S. K. eröffnet wurde. Pollmer untersucht eingehend Goethes Beziehungen zu Caroline Ulrich, der Gesellschafterin Christianens unb Gattin Riemers. Wichtig ist auch noch eine sorgfältig zusammengetragene Dulpius-Biblio- graphie aus Anlaß des hundertsten Todestages des von seiner Zeit geschätzten Schriftstellers, dessen Rinaldini heute noch lebt. Aus dem übrigen überreichen Inhalt seien noch besonders hervorgehoben Anton Kippenbergs Untersuchung über den Uebergang der Faustsage in die Dichtung (nach -einem in Stockholm gehaltenen Vortrag) und ein Aufsatz Höfers über die Giganto- machia und ihren Verfasser, den Altphilologen F. H. Dothe. 333 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdisiont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. »rankfurl n.M. Berlin Frankfurt a. M Berlin schlu,- Kurs 1-Uhr- Kur, Schluß-l Anfang Kur, । 'Inro schlug Kurs । -Uhr- 1 fiurs Scoiuß-i 'Anfang Kurs ! Kurs Tntain: 28. 7. 29. 7. 28. 7. 29. 7, Datum: j 28. 7. j 29. 7- 28. 7. 1 29. 7. 6%' Dl Relchsanlelhe v. 1927 2t. Aul Adlos Schuld mit Auelol Richten . ... Deögl. ohne ÜusLf -Rechten 7% Äraiitf. Hnp.-Bl. Go-dps unkündbar biS 1932 ... 47»% Rheinische Svp -Bonk L'iqu -Go dpi .... Ä E G abg Lorkriegö-Ob- hgationen, rückzahlbar 1932 4% Schwei; Bundesb.-Anl. 4% Oefteretchilche Goldrte . 4,20% Öesterr ich. Silberne . 4'/0 Oesterreich, einbeikl. Rte 4% Ungarische Goldrte 4°/»Ungarische Staatsr. D.1910 4%% devgl. von 1913 . . 4% Ungarische -groncnrte . . 4°/, Türk. Zollanleihe v 1911 4% Türk. Bagdadbahn-Anl- Serie I....... 4°/. de Sgl. Serie II..... 4% R-miänen convert Rte. 4%% Rumänen Goldanl. . von 1913 ... Altg Tcu!,che Eilenbahn 47- Hamburg-Amerika Pake». . 6 vamb.^Südam Tampisch 8 Hansa Dampfschiff ... 6 Norddeutscher Lloyd - . • 6 Ng Deutsche Crcditanst.. lu Barm r Bankverein iu Berliner Handelsgesellsch. 12 Commerz- und Privat-Bk. n Tarmst. u. Naiionalbank. 12 Deutsche Bant......10 Tiskonto-Kesellschaft Ant. 10 Dresdner Bant . . . . lu Mitteldeutsche Creditbank . v Metallbau! . .8 Reichsbonl 1 1 “1" 1 1 1 1 ■ 1 1 1 1 1 * irv°. S | 5 1 ' aon‘o « — ---—.t*. — M-->> er- — 6.7 22,65 15,65 17.75 16,5 148,75 148 149 1.4 179,5 -33 i.',75 160.35 168.5 255.5 142 170.5 86.1 299.5 16 5 25.5 5.8 23.13 2 14,6 17,75 15.7 85,6a 145,5 226.5 222 145 148.65 152.1. 241 176.25 231 162,5 159 5 166,5 249 143,5 299.75 16.6 15,25 17,75 65.75 146 5 229.5 224.65 146 148.75 152 241,75 179,5 232,5 163,5 160 168.65 255 142.5 170 Sl. E G..........7 Bergmann ........8 Llektr. Lieferungen - . . lu Licht und Kraft......10 gelten L Guilleaume .... 6 Gef f. Elckir Untern- . - 10 Öamb- Eleltr. Werke - . lo Rhein. Elelir- .... 8 Schles. Elektr........lo Schuckert ........ 7 Siemens & Halske .... 16 Tramradio..... 8 Labmevcr L Co.......9 BudcruS...... . . . o Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle.....8 (Gelsenkirchener f. 7, I -> Harpener.........8 Hoesch Eisen.........5 Ilse Bergbau........8 183.75 192 196,5 138 5 201.5 281 116.75 154 165.75 204 270 165 - 188 127 75 97 124,5 265,5 220 178. 136.5 178 188 23: 19,5 218.5 132.13 99.25 184,25 183 193 198.25 138.5 165 202 284,75 — 117.6 155 164.75 114.5 178,7. 167 5 I8J 4 129 25 101.. 97 123.5 266 220 25 181,5 137 20 218.5 132,5 99 186 181.75 188 189 137.25 229.75 161.75 163.5 180,5 198,5 281.5 134 116 155 168 162,65 2112 178.25 267 163.75 174.5 186.75 1'27,75 99 96,21 123.75 263,5 215 178 136 35.25 187 235 314.25 151,9 131,25 97 185 182.75 192 181.5 197,5 245 161.5 201.5 284 134.25 117 155 163.75 204 167 175.25 188.5 129 UM. 9 96.75 123.5 264,95 218,5 181 136,75 35,18 319,25 153,75 133.5 97,25 Köln-Neucsscn .....-5 7? Mannesmann ■ -f. V« I 4 Mangel der.....- ; Oberschles- Eisend- Bedari 0 Lberschles. Kokswerke . - .0 Pbönir Bergbau f V« 9 3 Rheinische Braunkohlen io Rheinskahl ... ......o Riebeck Montan.......<• Vereinigte Stadlw. f. V» 9 3 Olavi Minen . . - • 1 sh Kali Aschersleben • • • ■ io KaliWesteregeln . • 10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 9- ®. Farven-Industrie. 10 Dvnamit Nobel .....0 Cchcideansialt .... .8 Goldschmidt • .......5 RütgerSwerke ........ o Mctallgcsellichaft.....10 Berlin. W Juli. Geld Brief ^ranjoniche Äolländifche 16,465 16.625 Schluß 1-Uhr. Schkuh Anfang Noten . . . 167.93 168,61 Kurs Kurs Kurs Kurs Italienische Noten . . . 22,87 22.97 Datum: ‘28. 7. 29. 7. 28. 7. 29. 7. Norwegische Noten...... Deutsch Lesterr., 5100 Äroncn 118.13 69.18 118,57 59.42 Bialivv Holzmann . . . . 12 19h 19.5 193 194.5 Rumänische Roten . . . 2.547 2.567 Heidelberger Gement . . K 150 151.5 Schwedische Noten . . . ■12,22 112.68 Lemenk Karlstadt..... . 8 184 — Schwei;er 9" oten .... 80,97 81.29 21'ahß & Freitag..... 10 158,75 168 5 — Svanische v oten .... 71.36 71.64 SchulthetS Pahenhofer. . Oslwerke.......... Ber. Klanzsloff...... 15 12 15 III 456 436.5 7 0 458 -1 8 730 Tscheckollowansche Noten . . Ungarische Noten ..... Sevifeamarkt Derlm 12.455 73.02 —Srantfut 12,515 73,32 a. OIL Bembcrg.......... Zellstoff Waldbof..... 8 1? 137 138.5 578 133.75 202,5 590 338 Telegraphische Auszahlung. Zellstoff Aschaffenburg . . 201,5 203 Charlottenburger Wasser. Dessauer Gas..... Daimler Motoren..... Demag......... Adlerwerke fllenet..... 2udw. Loeire . . . . . , 152,5 153.75 28. Juli. 29. Juli. 8 v 125 125 210.5 123.5 92.75 119,75 272.5 2 0,75 Amtliche Held Noti. rung Brie' Amtliche Notierung Geld Br:ef 0 li 120 122 121 <75.5 2lmft.-Roii Buen.'Aires Brss.-Anlw 168,2 j 1,783 58,39 168,59 1.787 58,5 t 168,28 1,783 68,405 168,62 1.787 Rat. Automobil...... Orenstein L ökovvel. . . . 6 — 122.5 124,75 Ehristiania 108,41 108.64 108,44 108,66 4 — — 135 135.2- JloDen bogen 112,37 112,59 112,36 112,08 Linke Ho manu . . .. . 0 — — — — Stockholm . 112,51 112,73 112,49 112,71 Leonhard Tiev....... c — 159 5 Helsingfors. 10,582 10,602 10,58 10.60 Bamaa-Mcguin...... Franks. Maschinen . . . . 0 0 45,75 75 5 46 5 77 — Italien. . . London. . . 9!euyork . . 22,885 -.0,-93 22,905 20,439 22.84.1 10,392 22,885 20,4 2 Griyner..... . . , , 122 — * — 4,1995 4,2075 1,199 4,207 Hehliaenstaedt ....... 0 24.5 — — — Baris.... 16,44 16,48 16,435 16H75 Iungbans • . ...... Lechwerke. ....... 6 123 122 123 — Schwei, . . 80,835 61,645 80.195 8 121.75 - — Spanien . . 71,60 1,975 71,74 • 71.68 <1,82 Mainkraftwerke ...... 8 128 128 — — Japan . . 1,974 1.979 1,983 Miag............ 10 143 143 — 143 Rio de Ian. .495 0.497 0,496 0,498 Nekarlulmer ........ 8 120 121,25 —— 121 Wien In D.- PeterS Union....... 8 118 - 118,25 — £efi. abgest •»9,11 59,23 59,13 59,25 Gebr. Roeder . ...... Doigt k Hceffner ..... 1t 14'J — - Prag .... 12,449 12,46.* 12,447 12,467 6 137 137.75 134,25 138 Belgrad . . 7,395 7,409 7,388 7,402 Eüdd. Zucker....... O 146 146,5 146,75 147 Budapest. . Bulgarteu. 73,23 3,042 73,37 3,048 73,17 5,0.17 73,31 3,043 Banknoten. 1'ifTabon . . 20,73 20,77 20.78 20.82 Tanrig. . . .Konstantin. 81,30 2,125 81,46 2,129 61,32 2.121 81 48 Berlin. 28 Juli. 1 Geld I Brier 2,125 Amerckanilche Noten. . 1 .18.5 4.295 Athen. . . Canada . . 5,634 5,646 5,544 5,556 Belgische Noten...... Dänische Noten ...... 58.49 58,00 4.126 4,204 4.197 4.205 112,07 112,53 Urutznay. . 4.136 4.144 4,156 4,164 Englische Noten ...... | 20.352 20.432 Cairo . . . 20.917 20.957 20.398 20.438 Sehen Sie hier!" rief er triumphierend. „Dicks. 2 Fortsetzung Nachdruck verboten ,ur Einleitung Serien-Tage Die letzten Kleider und Mäntel | in IV v | 15 19 W 33 49 jetzt weit unter Selbstkostenpreis 6955a V Kelte deutldie und Idiweixeritfdie Fabrikate Bl * l«Au$ust am Emmericher Waren-Expedition V Versandgeschäft 6979a 680U D Garneelen, Mschmehl, la Handkoffer unglaublich billig 6956 D Samenhandlllng Schee!, Mäusburg 17 Schnlslraße 5. [6241D Seltersweg 31 gegenüber Wäschefabrik Nowack «81a v-" - ■ ---■ ebote g der erforderlichen jobann siebeneinhalb la Masffleisch iaFoMeafleisdi Frilz Keller. I Wenn Sie noch günstig einkaufen wollen, kaufen Sie jetzt. 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D ine im 3ai hatte, erhöh, während de 114 3 im Dez etwas stärke der Durchsch beiters im I 1913), der ei (155,9 Proz< Die Bele resultierende Gestaltung d fahr durch gekennzeichw ics 1927 tra rin, wie die sonders shnr des Deiä Januar au1 wieder 6 9 hierzu gab lagen der reichte trol Juni beino 1.8 Millian der Aoten- gtftiegen to: ter Dermind, Declungs-De nis für die Devisen zusa verschlechtere bankscheine e nur eine De von 38,7 Pro Entscheide Haltung des einen Seite allgemein b'e Ausfuhr R aufweist ^atsdurchs L.4albja vÄ sich l .e Ausfuhr 5* Ha Mark, d.h. ( gossen un Mftllch NU, L927 also um L Robert Haas Nachf.. sucht rührige Vertreter tauch Nebenberuf!.! zur Mitnahme seiner erstklassigen Stoff- tolleklion zum Verkauf an Private. Texttt- reisende mit eingeführter Tour werden bevorzugt. Es werden nur Bewerbungen berücksichtigt, denen aussührl. Lebenslauf u. Referenzen betgefügt sind. Anaeb nnt. Nr. 16211 an d. Cottbuser Anzetg, ColtbuS. „Vorläufig noch feine", sagte Lawrence, ohne eine Miene zu verziehen. „Mein Bruder befindet sich augenblicklich im Norden und will sich den Neger erst ansehen. Das ist jetzt nicht mehr so einfach als früher. Sie wissen, mein Bruder ist ein Dortrefflidjer Geschäftsmann und läßt sich nicht leicht einseifen. Man muß sich mit den Yankees in acht nehmen. Auch in der guten alten Zeit haben wir keine Neger gekauft, ohne sie anzusehen. Und wenn Sie uns Ihren Dampfpflug zeiaen, wer weiß, dann läßt mein Bruder am Ende den Dampfneger fahren unb läuft Ihnen yach. Es soll mich freuen, Mister — Mister — wie heißen Sie?" (Fortsetzung folgt.) bürg, den 2. November 1866 — na nu! Das ist eigentlich etwas andres, aber nicht weniger inter- esfant, und zeigt Ihnen, was unsre Erfinder leisten. Ein Land mit solchen geistigen Kräften ist nicht um- zubringen, darauf können Sie wetten. Hören Sie zu. .Dicksburg, den 2. November. Wir vernehmen mit Vergnügen, daß es einem unsrer Mitbürger, einem genialen jungen Erfinder. Mr. Hodgekiß, nach langem Studium und kostspieligen Versuchen gelungen ist, einen Dampfneger zu konstruieren. Derselbe kann bereits Holz sägen, Maiskolben raspeln und Zuckerrohr kauen. In der gegenwärtigen verzweifelten Lage unseres Südens ist diese Erfindung von der höchsten Bedeutung. Der Neger ist gegen ein Eintrittsgeld von fünfzig Cents zu Neuyork, 218 Fultonstreet, zu sehen. Der geniale Erfinder ist nunmehr eifrig damit beschäftigt, auch ein Dampfmaultier anzuferti- gen, teilt uns jedoch in der liebeswürdiasten Weise mit, daß dies eine sehr viel schwierigere Aufgabe sei als die von ihm bereits glücklich gelöste. Es wird dies jedermann, auch der Nichttechniker, begreifen, wenn man bedenkt, daß ein Maultibr gewöhnlich vier artikulierte Beine in Bewegung setzen muß, wahrend der Neger nur zweibeinig ist. Mr. Hodgckiß ist übrigens noch nicht zweiundzwanzig Jahre alt und im Begriff, sich mit der reizenden Miß Evelin Sharp aus Warrenton zu verheiraten. Er geht mit dem Pläne um, auf Grund seiner Erfindungen eine Dampfneger- und -maultier - Aktiengesellschaft mit beschränkter Haftpflicht zu g, Kapitalisten und Freunde bi UMichgr^ «Iah*”1*“'1" M y bau » wir ^kren Lb Hrt, 7 m ein?n '.Unb a»tb 8?us l. 9 ^*etbinClner ^i!g,A>gs | ^r9a6( Sfickereien Durdi günstigen Einkauf haben wir Gelegenheit, Ihnen besondere Vorteile zu bieten. — Kaufen Sie noch heute. — -------- Emmericher Preis- Kaffee 1 ■ . Tagen meinen Dampfpflug zwischen die Finger bekomme. Dann sollen die Herren Amerikaner schon die Augen aufmachen." „Na, na!" machte der Oberst, in dessen Seele der Stolz des werdenden Yankees mit dem Aerger, in Amerika zu fein, in fortwährendem Kampfe lag. Wir hatten, wie es die Unsitte des Landes will, halb Deutsch, halb Englisch gesprochen und kaum bemerkt, daß sich auch am Nachbartisch jemand niedergelassen und zu frühstücken begonnen hatte: ein älterer gutmütig aussehender Herr mit einem furchtbaren Knotenstock. „Na, na!" sagte auch der neue Gast, sichtlich bestrebt, Deutsch zu sprechen, fuhr aber bann sogleich auf englisch fort: „Entschulbigen Sie mich, Gentle- men; ich bin Mister Lawrences Bruder: Mister Lawrence, Magnoliaplantage, Plagueminegrafschaft, Louisiana — Sie kennen ihn?" — Wir kannten nichts von all dem, glaubten ihm aber aufs Wort. Der Mann hatte ein so ehrliches, zutrauliches Aussehen, nahm seinen Knotenstock, ein wunderbares Naturerzeugnis, zwischen die Knie, stützte sein Kinn darauf und sah uns freundlich an. „Dampfpflüge!" fuhr er nach einer Pause fort, „Dampfpflüge, — das interessiert mich. „Wir haben in diesem großen Land Dampfpflüge in Menge. In Vicksburg läuft einer seit drei Jahren — in Cincinnati — in Chicago —" „Mein lieber Herr!" sagte ich etwas erregt, denn er hatte mich an einer wunden Stelle berührt, „das geht nicht! Ich bin noch nicht lange in Ihrem großen und ruhmgekrönten Land, aber eins weiß ich: den amerikanischen Dampfpflug, von dem mir jedermann erzählt hat, hat noch niemand gesehen. Haben Sie ihn schon gesehen?" „In Baltimore ist einer", fuhr Herrn Lawrences Bruder ausweichend, aber eifrig fort, „in Sankt Louis hat erst vor wenig Wochen ein außerordentlich talentvoller Milchhändler einen Pflug erfunden, der mit dem Wind segelt. Warten Sie ein wenig: sehen Sie, hier!" — Er zog aus seinem geräumigen Rock ein großes blaues Heft hervor, nachdem er, sechs kleine Tüten, die mit Zuckerproben gefüllt waren, auf den Tisch gelegt hatte. Das blaue Heft enthielt zahllose, in Kreuz und Quer eingeklebte Zeitungsausschnitte, unterbenen er eifrig nach bem gewünschten fegelnben Pflug suchte. „Haben Sic ihn gesehen?" fragte ich hartnäckig. „Nein! — .Nun will ich Ihnen erzählen, wie es mir Fteischkriffel, I unglaublich billig Muschel- u. Jutterkalk Carl Schunck, ... - . .er Regeneration bes Sübens befonbers aufmerksam machen.'" „Wieviel Aktien haben Sie genommen?" fragte Oberst von Schmettkow Herrn Lawrence, der sich siegreich umsah. in biefem großen unb erleuchteten Land bamit ging. Auf der Uebersahrt von Liverpool nach Boston sagte mir bie ganze Schiffsgeseitschast, soweit sie amerikanisch war, daß es bei ihnen von Dampfpflügen wimmeln müsse. Ein Herr aus Boston meinte, in seiner Vaterstadt seien allein drei, wahrscheinlich in vollem Gang, denn er erinnere sich, schon als Schuljunge davon gehört zu haben. Ich hielt mich zwei Tage auf, um sie zu finden. Niemand wußte etwas davon. Aber in Philadelphia sei ein blühendes Geschäft, bas sie fabriziere. Ich interessiere mich ein wenig bafür: es ist mein Handwerk. Ich gehe also nach Philadelphia unb finbe mit Müh unb Not die Abresse' eines Herrn in Neuyork, der einmal mit einem englischen Gesd)äst korrespondiert habe, um sich einen kommen zu lassen. Es wurde nichts daraus wegen des hohen Eingangszolls. Aber in Cincinnati sei ein Mister Fox: der mache amerikanische Dampfpflüge, hauptsächlich fürs Präriepflügen, höre ich in der Metropole der Welt. Ich gehe nach Cincinnati. Mister Fox war tot. In einem Schuppen fand ich eine alte Straßenlokomotive, die feiner armen Schwester gehörte und aussah, als ob sie Noah gebaut hätte. Pflüge wolle ich sehen? Nein, das sei nicht zum Pflügen: das sei ein Lastwagen mit Dampfbetrieb, erklärte mir die Schwester. Aber in Chicago: dort werden für die Maisfelder von Illinois Hunderte von Dampfpflügen gebaut. Ich war auf bem Weg nach bem Silben, aber ich ließ mich's nicht verdrießen: ick) gehe nach Chicago. Die Firma Thompson & Smith, von der ich in Cincinnati gehört hatte, war bankrott. Einen Dampfpflug habe sie nie gebaut. Dagegen habe allerdings Mister Thompson einen erfunden, der zehn Morgen in drei Minuten aufbrethe. Nur der Bankrott sei ungeschickterweise dazwiscyengekommen, die epochemachende Erfindung auszuführen. Jetzt sei er in Kalifornien, um bas Geschäft fortzusetzen. Dort werbe eigentlich nur noch mit amerikanischen Dampfpflügen gearbeitet; So werbe es in Louisiana wahrscheinlich auch sein, namentlich in Neuorleans, seitdem die Sklavenarbeit aufgehört habe. Hier bin ich jetzt, Mister Lawrence," schloß ich, ganz warm von meinem Bericht, „unb Sie schicken mich nach Vicksburg. Bei Gott, es ist ein großes ßanb, Ihr Amerika! Aber die Geschichte von seinen Dampf- pflügen fängt an, etwas monoton zu werden." Lawrence tat, als ob er mir nicht zu gehört hätte, und suchte eifrig in feinem blauen Heft. Prozent von jedem unter dem Gesetz eingeführten Dampfpflug, bis die erhaltene Summe zehntausend Dollar beträgt, unb später zweieinhalb Prozent bis jur Wiebereinführung des gesetzlichen Normalzolls für landwirtschaftliche Maschinen. Damit konnten wir beide zufrieden sein. Ich ober vielmehr Olcott hatte mich überzeugt, baß man auch in ber größten ber Republiken bem Lande nicht umsonst Wohltaten erweisen kann. Ich fühlte eine gewisse Dankbarkeit gegen den Biedermann, der mit seinem offenen Lächeln ber ganzen Verhanblung jeden bösen Schein abzustreifen gewußt hatte unb mit Eifer an die Arbeit zu gehen versprach. Wir schieden an den Marmorstufen des Kapitols, mit lebhaften Versicherungen gegenseitiger Hochachtung. Mir jedenfalls war es um tausend Dollar leichter zumute, was auch aus ber Sache weiter werben sollte. „Unb seitbem haben Sie nichts mehr von Ihrem Oberst unb Gesetzgeber gehört?" lachte Schmettkow etwas verächtlich, nachdem ich ihm die Geschichte zu meiner eignen Beruhigung beim dritten Male etwas ausführlicher mitgeteilt hatte. „Na, bas wirb schon kommen. Mit taufenb Dollar ist mein Herr Kamerad im Norden nicht zufrieden. Ich kenne meine Pappenheimer." i „Wir werden ja sehen", meinte ich etwas kleinlaut: „unter tausend Dollar konnte ich wohl kaum erwarten, mit dieser Aufgabe durch Washington zu kommen. So weit kennen glücklicherweise auch meine englischen Freunde das Land. Im übrigen soll mich das alles wenig kümmern, wenn ich in ein paar 6966a Niederlausiher TuchsabnkaiionS- und »s