ZSKs i'SsSF m3ent besm^ Artiger. s-=I;4 BriS: e Oos t * 1 * * * * * * ift unoer. |etne>n unjS^morttes •ä’Ä.’ä ,et«i»eWrie 1 27- 3uli o loggen onh chrankt. S y °us t Preis ift ?$sä* 5 ZM Sä® tf. ' «y.oo mL in. 13; L "ndenz: Stetig' ^duktenbörse. ist wieder war. er e'ngelreten and dies ^den Mch Z aum rmmenslverte An. Eangebot für Herbst, cordentfich knapp ober erläge veranlaßte stär. Käufer. Dor allem ift e KvnsuMachsrage nach nachgelassen hat. Am e Iulisichtm nur mäßig, stärker rückgängig. Äe ehl hat sich gleichfalls >lteb nach wie vor der. und Gerste in guten :er lebhafte Nachfrage, «m umu länglichen An. ulten. Es notierten für je rk., Juli 295 bis AS 2. Oktober 2Z0.50 (mat- bis 253, Juli 251 bis bis 231, Oktober 231,15 Wintergerste und Futter. ); Hafer, mark. 264 bis ktober 203 (fest); Mais, sstrtigj; Aas^ 290 bis Kilo: Weizenmehl 35,50 igemnehl 33,50 bis 35,75 3,75 (bch.); Aoggenlleie :bfcn 44 bis 58; Keine eterbfen 22 bis 23; Pe. Qkferbosten 22 bis 23; pincn. blau 14,75 biß i,75 biß 17,75; 2lapß> inluchen 21 bis 2150; ; 13; Sohafchrvt 19,50 n 34,75 bis 35 M. s, Provinz und Wirtschaft sThyriot. vxaene* ffiSHf [igenHichmüßfen alle Kleinen I dieser WM0' I teilhaftig, / werden- /8 Äßf» sm kinderm^ I. Ä w >e \X itrF uz,-i ,5- 58,71 12,« 12,77 "|6> 168,01 23,8b 1118,28 59,18 2,832 112.« *1,97 71,« 12,13 73,00 $rd_ 16,52 168,69 22,* 108,72 fti* 2,8» 112.« kl>« nF 12,5 SÄ fS a.«i*»2Ü Nr. 174 Erster Statt 177. Jahrgang Donnerstag, 28. Juli (927 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäls-Buch- und Sleindruckerei R. Lanze in Siegen. Lchnftleitimg und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7. Nnnaqme von Anzeigen für die lagesnummcr bis zum 'Jladjmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt hillmann, sämtlich in Dietzen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Seilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-SezugspretL: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Die Krisis der Genfer Abrüstungskonferenz. Dach sehr eingehenden Beratungen mit den maßgebenden Persönlichkeiten und nach einer zweitägigen Kabinettssitzung haben die englischen Delegierten zur SeeabrüstungskonfereNz in Genf abermals Londonverlassen und gegen Ende der Woche wird die Aussprache in der Seeabrüstungskonferenz fortgesetzt werden. Die plötzliche Unterbrechung und Rückberufung der englischen Vertreter zur mündlichen Berichterstattung In London war ein ganz ungewöhnliches Ereignis und lieh darauf schließen, daß die Konferenz unmittelbar vor dem Scheitern stand. Daß eine zweitägige Kabinettssihung notwendig war, um neue Anweisungen für die englischen Delegierten auszuarbeiten, legt den weiteren Schluß nahe, daß man in London eifrig bemüht gewesen sei, den Bruch zu vermeiden. Ob und wieweit das gelingen wird, dürften die nächsten Tage lehren, denn so viel wenigstens ist klar, daß lange Debatten über einzelne technische Fragen nicht mehr zu erwarten sind. Der Streit ist soweit gediehen, daß eine Entscheidung nach der einen oder anderen Richtung herbeigeführt werden muß. Dah man in London in allen politischen Kreisen die Sachlage für sehr ernst ansieht und sich bemüht, einen Bruch mit Amerika zu verhindern, geht aus der ebenso vorsichtigen wie versöhnlichen Haltung der ganzen englischen Presse hervor. In Amerika dagegen ist die öffentliche Meinung gegen England aufs äußerste aufgebracht; dort wird unverhüllt damit gedroht, daß Amerika eine so gewaltige Flotte bauen wird, wie es England nie vermögen wird, falls die Genfer Verhandlungen an England scheitern sollten. Für die Amerikaner kommt neben den sachlichen Meinungsverschiedenheiten noch ein ausschlaggebender Punkt hinzu, der freilich rein politischer Ratur ist. 3m nächsten Jahre ist Präsidentschaf tswahl, und die Republikaner, mit Coolidge an der Spitze, könnten sich keine bessere Wahlparole denken, als ein W e t t- rüsten mit England, zu dem Amerika durch englische Lücken gezwungen ist. 3n einem solchen Fall halten die schönsten Versicherungen von anglo-amerikanischer Freundschaft, von dem Blut, das dicker ist als Wasser, von dein mehr als hundertjährigen Frieden der beiden großen englisch sprechenden Rationen usw. nicht stand. Der Kernpunkt des Streites ist folgender: Aus der Washingtoner Sceabrüstungskonse- renz hatte man sich in der Hauptsache nur mit den Grohkampf schiffen beschäftigt und vereinbart, daß für Amerika, England und Japan das Verhältnis für diese Schiffsklasse wie 5:5:3 sein sollte. Für die einzelnen Schiffe war auch in bezug auf Gröhe und Geschühkaliber eine Höchstgrenze festgesetzt, was dazu führte, dah einige besonders große Schiffsriesen ausgemerzt wurden. Die Kreuzerfrage schien damals nicht von überragender Bedeutung, und man begnügte sich damit, zu bestimmen, daß groß» Kreuzer nicht über 10 000 Tonnen Wasserverdrängung erhalten und mit Geschützen bis zu höchstens 8 Zoll (28 Zentimeter) Kaliber ausgerüstet sein dürfen. Diese Tlnterlassungssünde der Washingtoner Konferenz hat sich schwer gerächt — für die Amerikaner. Gerade deren Flotte ist darauf angewiesen, Schiffe mit weitem Aktionsradius zu besitzen, weil sie je nach Um» ständen unter Benutzung des Panamakanals im Atlantischen und Stillen Ozean auftreten müssen. Man sollte eigentlich annehmen, daß die Amerikaner eine genügende Zahl großer Kreuzer innerhalb des vorgezeichneten Rahmens bauen würden, die für Aufklarungszwecke von Kampfgeschwadern notwendig sind. Statt dessen verließen sich die Amerikaner darauf, daß England den Gedanken der Einschränkung des Baues von großen Schissen ebenso loyal in die Tat umsehen würde, wie sie es selbst getan haben. Das Ergebnis ist, daß heute England über nicht weniger als achtzehn große Kreuzer verfügt, Amerika nur über zwei. Daß man unter diesen Umständen in Amerika recht gereizter Stimmung ist, wird man verständlich finden. Die Stimmung wurde noch gereizter, als nun England, das mit großen Kreuzern gesättigt ist, bei der Genfer Konferenz mit dem Vorschlag tervortrat, die Gesamttonnage für die drei Länder in demselben Verhältnis, wie bei den Schlachtschiffen, auch für die Kreuzer fest- '.usehen und dabei zu berücksichtigen, daß Eng- ant> für seinen Handelsschuld, also für den Handelskrieg, einer großen Zahl kleiner Kreuzer bedürfe. Auf englischer Seite war man unverfroren .jenug, als Höchstgrenze für die Ge nnttonnage 600 000 Tonnen (nur für große und lleine Kreuzer) festzusehen. Das hätte nicht eine Abrüstung, 'andern eine starke Aufrüstung bedeutet, und io wird mit einem Schlage die Drohung der Amerikaner verständlich, unter solchen Umständen cuf jedes Abkommen zu verzichten und nun sofort eine Flotte zu bauen, wie sie es für richtig haltern Daß sich Amerika bei seinem Reichtum ein solches Wettrüsten eher leisten kann, als England, liegt auf der Hand. Man stelle nch zugleich vor, was ein solcher Ausgang der Genfer Konferenz Coolidge und den_ Republikanern für Äne Wahlparole liefern würde. Angesichts dieser Stimmung in Amerika ist denn faxt» den Engländern ein ziemlicher Schreck in die Glieder gefahren und nun wurde beraten, wie man den Amerikanern entgegcnkommcn und das Fiasko der Genfer Konscreitz vermeiden könnte. Das ist der wahre Grund für die Unterbrechung der Genfer Verhandlungen. Aus der gesamten englischen Presse läßt sich entnehmen, wie groß die Befürchtung ist, daß die Beratungen in Genf mit einem großen Krach enden, und daß dann der moralische Eindruck in erster Linie in Amerika, in zweiter Linie aber überall in der Well für England geradezu vernichtend sein mühte. Man darf gespannt darauf sein, mit was für Vorschlägen nun die Engländer in Genf auftreten werden. Chamberlain vor dem Unterhaus. London, 27.3uli. (WTD.) 3m britischen Unterhaus berichtete der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes über die Krisis der Seeabrü» stungskonserenz. Unter größter Aufmerksamkeit des Parlaments erllärte Chamberlain: Die Regierung habe es für notwendig gehalten, sich persönlich mit ihren Delegierten auszusprechen, um ein klares Bild von der Lage der Verhandlungen zu haben und imstande zu sein, über gewisse von den Delegierten ihr vorgelegte Fragen eine Entscheidung zu fällen. Dies fei geschehen. Die Delegierten kehrten heute nach Gens zur Konferenz zurück, die, wie er fest glaube, einen erfolgreichen Abschluß finden werde. Die britische Regierung hol Loolidgcs Einladung so ausgesaht, daß er wünsche, die Politik der Washingtoner Konferenz durch eine weitere Verminderung der Ausgaben bei Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit zu entwickeln. Mit diesem Ziel ift die britische Regierung in voller Uebereinstimmung. Mil diesem Ziel vor Augen, hat die britische Regierung vocgeschlagen, den Umfang der Aus- rüstung von Schlachtschiffen zu vermindern, bei Beibehaltung ihrer 3 a h l, wie sie in Washington festgesetzt wurde. Zu diesem Zweck hat sie auch angeregt, die Zahl und Ausrüstung der großen Kreuzer nach ähnlichen Grundsätzen, wie sie in Washington für die Schlachtschiffe angenommen wurden, einzuschränken. Dieser Vorschlag würde, ebenso wie der erste, die nationalen Ausgaben erheblich vermindern, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden. Zur Jrage der kleinen Kreuzer sagte Lhamber- lain u. a.: Der Unterschied zwischen der amerikanischen und der britischen Lage in dieser Hinsicht habe 1922 auf der Washingtoner Konferenz volle Würdigung gefunden. Rach britischer Auffassung sei der Grundgedanke der Politik des amerikanischen Präsidenten, daß keine Seemacht eine größere Flotte haben soll, als für ihre Sicherheit erforderlich ist. Die in Washington für Schlachtschiffe angenommene Formel sei unannehmbar für Fahrzeuge, die Zwecken dienen, welche bei den verschiedenen Ländern je nach ihrer besonderen geographischen und wirtschaftlichen Lage verschieden sein müssen. Zwei Rationen, die je 100 000 Tonnen Schlachtschiffe besitzen, können als gleich in ihrer Kampfkraft betrachtet werden, von zwei Rationen, von denen die eine zehn Kreuzer von 10 000 Tonnen und die andere 20 Kreuzer von 5000 Tonnen hat, kann dies nicht behauptet werden. Das Land, das genötigt fein würde, seine Tonnage auf kleinere Schiffe zu verteilen, wäre ständig im Rachteil gegenüber einem anberen.bas einem anderen Bauplan folgen würde. Es würde nominell Gleichheit, in Wahrheit Ungleichheit geben. Chamberlain schloß: Rach Ansicht der englischen Regierung dürste keine Schwierigkeit bestehen, zu einem zeitlich begrenzten Abkommen über den gegenwärtigen und künftigen Kreuzerbau zu gelangen. Die britische Regierung lehne jedoch ab, ein solches zeitlich begrenztes Abkommen zu schließen, wenn es den Anschein eines unveränderlichen Prinzips habe und als Präzendenzfall gelten könne. 3m Anschluß an Chamberlains Erklärung kam es im Unterhause zu einer kurzen Aussprache zwischen ihm uni) Mitgliedern verschiedener Parteien, in deren Verlauf der Außenminister einige seiner Darlegungen wiederholte und nochmals erllärte: Die Grundlage der Konferenz, wie wir sie auffassen, und nach der eigenen Absicht des amerikanischen Präsidenten ist die Einschränkung der Rüstungen mit der nationalen Sicherheit in Einklang zu bringen, und das ist die einzige Grundlage, auf der irgendeine Konferenz zur Einschränkung der Rüstungen jemals zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann. Chamberlain bat nochmals, jedes Eingehen auf Detailfragen zu unterlassen. Amerika zur Lhamberlaiurede. Washington, 27. 3uli. (WV.) Die Erklärung Chamberlains über Englands unab- änderliche Haltung in der Kreuzerfrage bestätigte in hiesigen politischen Kreisen die Auffassung, dah eine Verständigung un« m ö g li ch und eine Vertagung der Äon- ferenz biS 1931 unumgänglich sei. Amtliche ame» rikanische Aeußerungen liegen noch nicht vor, jedoch wurde im Marineamt angedeutet, dah England nach Chamberlains Rede an drei Punkten festhalte, die für die Vereinigten Staaten durchaus unanehmbar seien. 3m Staatsdepartement hält man ebenfalls Chamberlains Rede für den Schwanengesang der Konferenz. Trotz dieses Pessimismus bezüglich des Schicksals der Konferenz häll man einen Fehlschlag für nicht tragisch, da man Un einen Krieg mit Die Wahrheit über Orchies. Was PoüicarL in seiner Sonntagsrede verschwiegen hat. Berlin, 27.3uli. (SU.) Zu der Rede des französischen Ministerpräsidenien in Orchies erfährt die Telegraphen-Llnion von maßgebender Seite: Der französische Ministerpräsident hat wieder einen großen Teil seiner Ausführungen der Vergangenheit gewidmet. Er meint die vergangenen Dinge erst dann in den Archiven der Geschichte ruhen lassen zu können, wenn Deutschland aufhöre, seine Schuld am Kriege und die Oreueltaten deutscher Trup - p e n zu bestreiten. Rur für sich selbst nimmt er das Recht in Anspruch, falsche Darstellungen zu widerlegen, um den Glauben an sie in der Oeffentlichkeit zu zerstören. Einen solchen Anspruch auf einseitige Feststellung der Wahrheit wird niemand dem französischen Ministerpräsidenten zuerkennen. Wenn auch bei dieser Gelegenheit davon abgesehen werden kann, auf seine bekannten allgemeinen Behauptungen über die Schuld am Kriege nochmals cinzugehen, ist es doch notwendig, auf den Teil seiner Ausführungen zu antworten, in dem er konkrete Vorgänge aus der Kriegszeit schildert und bestimmte Vorwürfe gegen d i e deutsche Armee erhebt. Es handelt sich hierbei um Ereignisse, die sich in den Sagen vom 23. bis 25. September 1914 in Orchies abgespielt haben. Wir besitzen über diese Ereignisse urkundliches Material, das wir jederzeit der Oeffentlichkeit unterbreiten können. Darunter befindet sich namentlich ein Auszug aus dem dienstlichen Bericht des Führers der bei den Vorgängen beteiligten Abteilungen der Freiwilligen Krankenpflege vom 26. September 1914; ein ausführlicher Bericht des französischen Krankenpflegers und Geistlichen, G a u d o n , vom 26. September 1914, der vom Komitee des Roten Kreuzes in Lille nach Orchies entsandt war; eine kürzere schriftliche Aussage des französischen Pfarrers Louis Ducroquet; die eidliche Aussage der beiden Aerzte des beteiligten deutschen Bataillons. Aus diesen Berichten ergibt sich in voller Klarheit und Bestimmtheit folgendes Bild der Ereignisse. Am 23. September 1914 fuhr eine Kolonne von sieben Automobilen der Freiwilligen krankenlransportabkeilung der 7. deutschen Armee von St. Amand nach Orchies, um in der dorttgen Gegend, wie schon mehrmals in den Tagen zuvor, deutsche und französische verwundete aufzusammeln und der Pflege zuzuführen. Sie wurde, obwohl sie weithin sichtbar das Abzeichen des Roten Kreuzes führte und obwohl sie nach ihrer ganzen Zusammensetzung ohne weiteres als Sanitätsformation zu erkennen war, aus dem Orte Orchies von einer größeren Anzahl französischer Soldaten und Zivilisten heftig beschossen. Wegen dieses groben völkerrechts- bruches unternahm am 24. September das Landwehrbataillon 35 eine Expedition nach O r - chies. Es stieß dabei jedoch auf starken Widerstand und muhte unter 'Zurücklassung von 8 Toten und 35 vermißten zurückgehen. Darauf erhielt am 25. September das 1. Bataillon des 1. bayerischen Pionier-Regiments den Befehl zur Ausführung der Expedition. Bei feiner Ankunft in Orchies war der Ort nahezu leer, denn die Bevölkerung war inzwischen unter Führung des Bürgermeisters entflohen. Den einrückenden deutschen Soldaten bot sich ein schrecklicher Anblick. Sie fanden 21 von ihren Kameraden, die am Tage zuvor verwundet oder unverletzt in Gefangenschaft geraten waren, als furchtbar verstümmelte Leichen vor. Ob die Täter französische Soldaten ober Franktireurs ober wie bet eine französische Geistliche in feiner Aussage vermutete, Turkos waren, kann ba- hingestellt bleiben, Jedenfalls war es völlig zweifellos, baß b ie wehrlosen Gefangenen in empörenbet Weise hingemorbet waren. Es ist richtig, baß bas Pionier-Bataillon nun bie Häuser ber schuldigen Stabt b e m Erbboben gteichmachte. Das ist bie Wahrheit über Orchies. Die Zerstörung bes Ortes war nicht, wie bie französische Darstellung behaupten will, ein Verbrechen bet beutschen Truppen, säubern sie war bie Vergeltung f ü r schwere Völkerrecht s- brüche französischer Kämpfer. i England nie gedacht hat, sondern lediglich A u s- I gaben f ü r Rüstungen ersparen -wollte. 3m übrigen will man es dem Ermessen deS nächsten Kongresses überlassen, ob aus 'dem Fehlschlag positive Folgerungen gezogen und mehr Kreuzer gebaut werden sollen. Aufsehen macht der Aufsatz des amerilani- schen Delegierten auf der Abrüstungskonferenz, Admiral 3 o n e s, in einem Washingtoner Marineblatt, in dem für den Fall ssines Sck e ierns der Genfer Abrüstungskonferenz das endgültige amerikanische Flottenbauprogramm entwickelt wird. Die amerikanische Delegation i wird der Washingtoner Regierung den Bau von 18 Grotzkampfschiffen, 270 Zerstörern, 110 Unter» seebooten und 5 Flugzeugmutterschiffen Vorschlägen, während Amerika gegenwärtig nur 10 große Kreuzer besitzt. Englische Hoffnungen. London, 28.Juli. (WTB. Funkspruch.) Aus den gestrigen Erklärungen Chamberlains schließt ber Marine-Mitarbeiter der „Daily Mail", daß eine Aenderung der britischen Taktik in Gens beoorstehe und die Regierung bereit sei, für eine begrenzte Zeit unter die Zahl von 70 Kreuzern herunterzugehen. Der Vorteil einer vorläufigen Vereinbarung über die Kreuzerstärke liege darin, daß ein Rüftungswettbewerb während der kritischen nächsten 4 Jahre ausgeschaltet wäre, während anderenfalls Amerika anfangen könnte, jedes Jahr zehn neue Kreuzer zu bauen. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß ebenso Amerika bereit sei, die Neubauten von 10 000-Tonnen-Kreuzern erheblich zu beschränken und auch eine niedrigere Standard- tvnnage aller Kreuzer anzunehmen, wenn sie achtzöllige Geschütze führen dürfen. — „Daily Telegraph" schreibt, wenn es in Genf gelänge, wenigstens eine Einigung über die Einschränkung des Baues großer Kreuzer in den nächsten 4 Jahren herbeizuführen, so sei bas allein der Mühe wert gewesen, obgleich es weit hinter den der Konferenz entgegengebrachten Erwartungen zurückbleibe. Der Nationalrat für Seipel. Ablehnung des sozialistischen Mitztraucnsantrags. Wien, 27. 3uli. (Wolff.) Der Rationalrat setzte heute die Aussprache über die Ereignisse vom 1. bis 18. 3uli fort. Auf der Ministerbank hat bisher nur der Bundeskanzler Dr. Seipel Platz genommen. Auch die Plätze der Abgeordneten sind noch nicht vollzählig beseht. Der bisherige Verlauf der Debatte — es sprachen bereits die Abgg. Guertler und Renner — zeigt in erhöhtem Maße das Bestreben, die Aussprache leidenschaftslos und sachlich durchzuführen. So wurden die Ausführungen des Rationalrats Guertler (Christl.-soz.), welcher sich bemühe, im Sinne der Verständigung mit den Sozialdemokraten auch deren Auffassung und Gedankengängen gerecht zu werden, vom Hause mit größter Aufmerksamkeit und Ruhe angehört. Guertler erklärte: „Wir wollen versuchen, mit allem Ernst die Dinge auf dem Boden auszutvagen, der hierfür geschaffen ist, in dem auf denkbar demokratischste Weise gewählten Parlament. Die Entscheidung des Parlaments muh aber von jedem geachtet werden, wenn die Demokratie überhaupt Sinn haben soll. Wenn gesagt wird, daß die letzte Weisheit, die m unseren Maßnahmen zum Ausdruck gekommen ist, das Schießen auf Staatsbürger gewesen ist, möchte ich nur sagen: Richt auf Staatsbürger ist geschossen worden, weil sie Staatsbürger sind, sondern auf jene, die sich der zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe berufenen Gewalt entgegengestellt haben. Reugierige haben bei derartigen Dingen nichts zu suchen. Es gibt Gebiete, wo wir die Mehrheit haben. Dort war die Erbitterung über den Streik nicht kleiner als die Erbitterung über die Vorgänge im Schwurgerichtssaal in Wien. Aber dort ist kein Blut geflossen, obwohl unter den Gebirgsbauern das Elend nicht Neiner ist als in der Großstadt. Wir haben Wien trotz vielfacher Bedenken als Bundeshauptstadt gelten lassen. Das legt der Stadt aber auch gewisse Verpflichtungen auf. Wenn Dr. Dauer einen Unter» suchungsausschuh verlangt, kann ich nur sagen, daß gerade durch die Erfahrungen mit solchen Untersuchungsausschüssen das Mißtrauen gegen das Parlament verstärkt wurde. Wenn wir unseren Verhandlungswillen kund- getan haben, so scheint die Opposition mehr darin gesehen zu haben als darin war. Deine Basis war der Respekt vor dem Gesetz. Wir beugen uns aber nicht vor dem Zwang. Wir hatten immer die Vermeidung jeglichen Konflikts im Sinne gehabt." Abg. Renner (Soz.) stellte mit Genug» tuung fest, aus der Rede Guertlers gehe hervor, daß allmählich auch in den Kreisen der Mehrheit jene Auffassung verblaßt, die anfangs aus Zwischenrufen und anderen Aeußerungen hervorgegangen war, nämlich, daß es sich hier um zwei Dinge handelt, und zwar um einen verbrecherischen Ausbruch und die polizeiliche Reaktion daraus durch Schießen. Der Redner begrüßt auch den Gedanken, den Professor Guertler geäußert habe, dah man den Weg des Rechts suchen müsse. Er beklagt die Verletzung der Rechtsgefühle und die Politisierung des Rechtslebens. Das Rechtsgefühl fei in un* serem Volke so groß, daß feine fortwährende Verletzung den elementaren Ausbruch hervvrbringen mußte. Der Verkehrs st reit war in den .ritischrn -tagen das einzige Mittel, um der Stirn- nung der Arbeiterschaft Ausdruck zu geben und um die Gefahr zu vermeiden, daß der ganze Ar- ueiterstand an den Kämpfen teilnimmt. Wäre der Stteik nicht proklamiert worden, wäre das Unheil unabsehbar gewesen. Der Vertreter des Landbundes, Nationalrat Bichel- Oberösterreich, erklärte, daß der Land- bund die Einführung der Todes st rafe für Mörder und Mordbrenner bei der Beratung des neuen Strafgesetzentwurfes im Nationalrat beantragen werde. Ferner verlangte Bichel die Einführung des Milizsh st ems sowohl zur Verminderung der Arbeitslosigkeit als auch, u m Me Jugend Oesterreichs wieder zu Gehorsam und Disziplin zu erziehen. Der Völkerbund sollte diese Forderung um so eher erfüllen, als die in Frage kommenden 100 000 Milizsoldaten keine ernstliche Bedrohung der Entente bilden könnten. Ein Umschwung in der Stimmung des Hauses begann mit der Rede des nächsten Ländervertreters, des christlich-sozialen Abg. Aigner-Linz. Schon als dieser den Verkehrs streik aufs schärfste verurteilte, wurden erregte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten laut, die sich zu einem Sturm der Entrüstung steigerten, als er eine bestimmte Abteilung der Schutzbündler als Wegelagerer bezeichnete. Der Lärm und die Zwischenricke dauerten während der Ausführungen der folgenden Redner, die je eine Partei aus jedem ‘Sim- desland vertraten, an. Der geschäftsführende Vizepräsident Eldersch konnte den Lärm nur vorübergehend abstellen. Bevor gegen Ende der Debatte der Vorarlberger Abg. Drexel (Christt.-Soz.) das Wort ergriff, füllte sich der Sitzungssaal wieder. Die parlamentarischen Minister nahmen bei ihren Parteien Platz. Das Haus folgte in wieder eingetretener vollkommener Ruhe mit größter Aufmerksamkeit den eindrucksvollen Mahnungen des geistlichen Redners. Sie gipfelten in dem Bemühen, die Parteien miteinander zu versöhnen, damit das junge Oesterreich vor dem sonst drohenden Untergange bewahrt bleibe und die Deutschen Oesterreichs das Gefühl behalten, daß sie zu ihrem Vaterlande gehören. Wir müssen versuchen. so schloß Drexel, uns gegenseitig zu verstehen. Vor allem aber ist es notwendig, daß beide Parteien sich darüber klar werden, ob sie miteinander leben oder aneinander st e r b e n wollen. Vor Ihnen und vor unserem Oesterreich steht Leben oder Tod! Wählt! Stürmt scher, anhaltender Beifall und Händeklatschen bei den Mehrheitsparteien. Dr. Sei- p e l beglückwünschte den Redner. Der von den Sozialdemokraten eingebrachte Mihtrauensantrag gegen die Regierung sowie der Antrag auf Einsetzung eines parla- menta’.ifu en Untersuchungsausschusses über die Ereignisse vom 15. und 16. Juli wurden abgelehnt. Nächste Woche findet zur Erledigung einiger dringender Vorlagen noch eine Vollsitzung des Nationalrats statt. ' Die Lage in Oesterreich. Eine Erklärung des österreichischen Gesandten. Berlin, 27. Juli. (Wolff.) Der österreichische Gesandte in Berlin, Dr. Frank, erklärte. daß die Reiseverhältnisse in Oesterreich wieder durchaus normal sind. Die Salzburger Fesckpiele wüvdcn programmäßig und ohne jede Verzögerung beginnen. Der Reiseverkehr nach Oesterreich habe eine erhebliche Einbuße nicht erlitten. Schon in wenigen Sagen werde Wohl dieselbe Anzahl von Fremden in Oesterreich weilen, wie vor den Wiener Ereignissen. Es sei zuversichtlich zu hoffen, daß sich die weitere politisch Entwicklung in Oesterreich in parlamentarischen Formen vollziehen werde, die durch die bekannten Parteiverhältnisse als gegeben erscheinen. Man könne vielleicht sogar hoffen, daß sich unter dem Eindruck des großen Unglücks alle Parteien in dem verstärkten Wunsche nach positiver Ausbauarbeit finden werden. Der Gesandte erklärte, daß nach feiner Meinung die Ereignisse in Wien auf die Anschlußfrage keinen Einfluß ausgeübt haben. Sie seien weder durch diese Idee hervorgerufen worden, noch dürften sich daraus irgendwelche Folgerungen ergeben. Das An- schluhproblem sei lediglich in den Zeitungen auß erhalb Oesterreichs mit diesen Vorfällen in Verblödung gebracht worden. Er sei der Ansicht, daß die bedauerlichen Vorfälle in Wien den Anlaß gebildet haben, die ganze Welt darauf auünertfam zu machen, wie wichtig nicht bloß für Europa, sondern für die ganze weltpolitische Lage das heute so unbefriedigend gelöste Problem Mitteleuropa ist. Das ungeheure Interesse der ganzen Welt für die Vorgänge in Wien lasse hoffen, daß im Herzen Europas bald ein Zu st and vollkommener Befriedung und des wünschenswerten Ausgleiches der wirtschaftlichen Kräfte eintreten werde. Tschechisch-österreichische Zollunion? Berlin, 28. Juli. Der „Vorwärts" will zuverlässig erfahren haben, daß die Prager Regierung mit Zustimmung Frankreichs im Herbst der Wiener Regierung den Abschluß einer Zollunion vorschlaaen wolle. Damit soll Oesterreich sicherer und leichter Absatz seiner Industrieprodutte und der. Bezug billiger Lebensmillel verschafft, seine Wirtschasts- läge gebessert und sein A n s ch l u ß b e st r e b e n gebrochen werden. Wie das Blatt weiter bemerkt, besteht aber ein Hindernis: die Meistbe- günstig ung, die sowohl Prag als auch Wien einer ganzen Reihe anderer Staaten eingeräumt haben. Diese Staaten könnten also gleichfalls Zollunion verlangen. Überraschungen in Bukarest. Poris, 28. Juli. (WTB.-Funkspruch.) „Paris national" hebt als auffallend hervor, daß die Koni g i n - W i t w e von Rumänien nur sehr entfernt an den offiziellen Trauerfeierlichkeiten in Bukarest teilgenommen habe. Das Blatt führt dies auf ein Zerwürfnis der Königin-Witwe mit Bratianu zurück. Am Todestage des Königs habe der Streit einen solchen Umfang angenommen daß die Königin-Witwe Bratianu damit gedroht habe, sie werde sofort das Land verlassen, um das Schicksal ihres Sohnes Carol in irgendeiner westeuropäischen Hauptstadt zu teilen. — Rach einer Meldung des „Motin" aus Bukarest bat der Bor Schweres Flugzeug-Unglück bei Amöneburg Alle 5 Insassen tot. - Das Flugzeug verbrannt. Gießen, 28. Juli. Lin schweres Flugzeugunglück ereignete sich gestern nachmittag auf der Flugstrecke zwischen Gießen und Kassel. Das Flugzeug der Deutschen Lufthansa D 206, das fahrplanmäßig 1.15 Uhr von Hannover in Kassel angekommen war und kur; darauf zum Weiterflug über Marburg und Gießen nach Frankfurt ausgestiegen war, verunglückte 2.25 Uhr nachm. am Südwestabhang von Amöneburg im Kreise Kirchhain. Das Flugzeug st ü r z t e aus bisher unbekannten Ursachen während eines Gewitters aus etwa 400 Meter höhe ab. Noch über der Erde explodierte der Benzintank, und eine große Stichflamme setzte die Maschine in Brand. Unter den Trümmern wurden drei völlig verkohlte Leichen hervorgezogen, die später als die des Flugzeugführers Rudolf Doerr aus Darmstadt, des Monteurs Ihlow und des Dr. Milch von der Frankfurter Wetterwarte in Frankfurt a. M. feftgeffetit wurden. Die beiden anderen Fluggäste, der Bureaugehilfe Bauer aus Hofgeismar und der Prokurist Vollmann aus Hannover-Linden mußten mit schweren Schädelbrüchen nach der Marburger Klinik gebracht werden. Einer von ihnen, Kollmann, verstarb beim Transport, der andere, Bauer, erlag in der Klinik, noch ehe die Aerzte helfen konnten, feinen Verletzungen. Uebet die Ursache des Unglücks wird, da alle Jnfasten ums Leben gekommen sind, schwer etwas stand der Volkspartei seinen Präsidenten, General A v e r e s c u, wegen seiner Erklärung im Senat, wo er sich den Ansichten Bratianus an- schloß, den Vorsitz niederzulegen, da diese Erklärung ohne Wissen der Partei verfaßt und abgegeben worden sei. Inzwischen hätten die Führer der Volkspartei beschlossen, Besprechungen einzuleiten, um eine Verschmelzung ihrer Partei mit der nationalen Bauernpartei (siebenbürgisch-rumänische Nationalpartei), die unter Leitung von M a n i u steht, vorzubereiten. General Averescu werde sich jedenfalls aus dem politischen Leben zurückziehen. Verhaftungen in Siebenbürgen. K o 1 o z s v a r, 27. Juki. (Wolff.) Auf Umwegen hergelangten Meldungen zufolge wurden im sieben- bürgischen Komitate Csik führende Persönlichkeiten des dortigen Ungartums am Morgen des Todestages des Königs Ferdinand auf Grund einer im vorigen Jahre non den Behörden auf höhere Weisung zusammengestcllten Schwarzen Liste verhaftet. Das gleiche Schicksal ereilte auch die römisch-katholischen Geistlichen. Sämtliche Verhafteten wurden Leibesockttattonen nach Waffen unterzogen. Auch einige Frauen wurden verhaftet. Als Grund der Verhaftung wurde nur die ministerielle Verfügung angegeben. Die katholischen Geistlichen wurden erst am Sonntag freigelassen, um die angeordneten Trauermessen abhalten zu können. Ein Teil der übrigen in Haft genommenen Personen wurden gleichfalls einige Tage später auf freien Fuß gesetzt, jedoch unter der Verpflichtung, daß sie ihre Gemeinden nicht verlassen und s i ch täglich bei den Sicherheitsbehörden melden. Aehnliche Vorfälle werden auch aus dem Komitat H u n y a d gemeldet. Dis deutfch-fchWsdifche Freundschaft. Vizekanzler Hergt begrüßt schwedische Journalisten. Berlin, 28. Juli. (Sil.) Eine Reihe schwedischer Journalisten, die als Gäste des Reichs- verbandes der Deutschen Presse in Berlin weilen, wurden am Mittwochabend vorn Reichs verband der Deutschen Presse zu einem Festabend in der Deutschen Gesellschaft 1914 eingeladen, zu dem zahlreiche Vertreter der Reichsregierung unter Führung des Vizekanzlers, Exzellenz Hergt. sehr viele reichsdeutsche Journalisten, die Berliner Vertreter der schwedischen, dänischen und norwegischen Presse, der Berliner schwedische Geschäftsträger mit dem größten Seil der Herren der schwedischen Gesandtschaft und viele andere Ehrengäste erschienen waren. Nach BrgrüßungsWorten des Vorsitzenden, Chefredakteur Becker, entbot im Namen der Reichs- regtming Exzellenz Hergt den schwedischen Gasten den Willkommengruh-. Er bezeichnete es u. a. als eine wesentliche Voraussetzung für die von der deutschen Politik so sehr angestrebte friedliche Zusammenarbeit der Völker, daß ausländische Pressevertreter sich von der neuzeitlichen Entwicklung Deutschlands durch eigenen Augenschein ein klares und richtiges Bild machen. Nach außen biete Deutschland vielleicht, aber nur scheinbar — das Bild einer neuen Blüte. Von diesem Ober- flächenbild dürfe man sich aber nicht täuschen lassen. Noch reiche die Ausfuhr bei weitem nicht aus, um unsere ausländischen Zahlungsbedürf- nisse und unsere Reparationszahlungen zu decken. Vielleicht zum letzten Male sei es gelungen, den Etat zum Ausgleich zu bringen. Der Redner gab weiter der Hoffnung Ausdruck, die schwedischen Journalisten möchten den starken Arbeitswillen erkennen und würdigen, der sich im ganzen deutschen Volk rege, um die zahllosen Wunden wieder zu heilen, die der Krieg und die Inflation geschlagen haben. Auch in der Innenpolitik zeige sich unter der Präsidentschaft Hindenburgs und unter der jetzigen Regierung das Bestreben für die großen Aufgaben der Zeit im friedlichen Ausgleich der Gegensätze praktische Lösungen zu finden. Dem habe auch für die Außenpolitik Dr. Stresemann in seiner kürzlichen Rede in Oslo Ausdruck gegeben, obwdhl man nicht sagen könne, daß das Ausland, als ganzes genommen, dem deutschen Volke die Durchsetzung dieses Arbeitswillens etwa besonders erleichtert habe. Deshalb gelte die deutsche Sympathie im besonderen Schweden, das in den Jahren des ilnglücks immer in freundschaftlichem Verhältnis zu Deutschland gestanden habe. Der schwedische Geschäftsträger Baron Ko skull dankte für den freundlichen Empfang seiner festzustellen sein. Die Berichte der Augen- zeugen gehen dabei auseinander. Wie wir erfahren, soll es dem Flugzeugführer gelungen fein, noch vor der Katastrophe den post sack heraus- z u w e r f e n. Die Leitung des Kasseler Flugplatzes hat sich sofort an die Absturzstelle begeben, um eine Untersuchung einzuleiten. Die Katastrophe ereignete sich, wie weiter gemeldet wird, am Abhang eines mit Basaltblöcken bedeckten Steinberges bei Amöneburg. Es konnte beobachtet werden, daß der Apparat plötzlich in Schlingerbewegungen geriet, doch läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob diese durch den Einschlag eines Blitzes oder eine Explosion des Motors in der Luft verursacht worden waren. Andere Augenzeugen melden übereinstimmend, daß die Explosion erst am Boden erfolgte, nachdem das Flugzeug mit dem vorderen Teil hart auf die Böschung des Steinabhanges gestoßen war. Der Hintere Teil des Apparates brach sofort ab. Die Insassen des vorderen Teiles, Flugzeugführer Rudolf Doerr, Bordwart Ihlow unp der Passagier Dr. Milch aus Frankfurt sind mit dem Flugzeug verbrannt. Die beiden Passagiere des Hinteren Teiles, Bauer und Kollmann, sprangen, soweit sich der Tatbestand bei der Geschwindigkeit des Vorganges beobachten ließ, kurz vor dem Aufschlag aus dem Flugzeug ab und fielen etwa acht Meter tief die Böschung hinunter, wo sie schwer verletzt liegen blieben. Der Apparat ist vollständig verbrannt. Landsleute. Deutschland und Schweden könnten ihre Bemühungen ganz auf den Ausbau der zahlreichen und festen Brücken zwischen den beiden stammesverwandten Völkern einstellen. Für die Seilnehmer der Studienreise sprach Redakteur Nelkvist sich ebenfalls in warmen Worten für die deutsch-schwedische Freundschaft aus. Die Schweizer Friedens- Vermittlung 1917. St. Gall en, 27. Juli. (WSB.) Bei der Srauerfeier für den verstorbenen Altbundesrctt Hoffmann kam Bundesrat Motta auf den jähen Abschluß der glanzvollen politischen Laufbahn Hoffmanns zu sprechen. Motta sagte u. a.: Während der Sitzung des Bundesrats am 18. Juni 1917 verlangte Hoffmann, der seit 1914 das Schweizer politische Departement innehatte, das Wort zu einer, wie er sagte, wichtigen Mitteilung. Der Nationalrat Grimm, der in Petrograd weilte, habe chn einige Sage vorher telegraphisch gebeten, ihm die Bedingungen mitzuteilen, unter denen die Zentralmächte bereit wären, mit Rußland Frieden zu schließen. Cr, Hoffmann, habe sich aus eigener Entschließung mit dem deutschen Gesandten in Bern in Verbindung gesetzt und den verlangten Aufschluß erteilt. Die chiffrier t e D e p e s ch e. die er durch Vermittlung des schweizerischen Gesandten in Petrograd an Grimm gesandt habe, sei unbefugter Weise entziffert worden und in die Hände d.er Alliierten gefallen. Cr müsse bekennen, daß bei der gewaltigen Kriegsleidenschaft, mit der ganze Völker um Sod und Leben rangen, seine Depesche von den Alliierten als Versuch zur Herbeiführung eines Separatfriedens zwischen den Zentralmachten und Rußland gedeutet werden könne. Das habe zwar nicht in seiner wahren Absicht gelegen, doch sei eine unrichtige Auslegung nicht ohne weiteres ausgeschlossen. Hoffmann sprach dann s,osort von der Möglichkeit, daß er sich jur Demission entschließen müsse. Am Aoend trat der Nationalrat zusammen. Zwischen 6 und 7 Tlhr begab ich mich zu Hoffmann. Ich erzählte ihm. vor innerer Ergriffenheit bebend, was im Nationalrat vorging und deutete die Schwere der Lage an. Hoffmanns Entschluß war innerlich bereits gefaßt. Er hatte das Beste gewollt. Er hatte geglaubt, daß der allgemeine Friede in jenem Zeitpuntt bereits möglich war. Er hatte befürchtet, daß unser Land beim Weiterdauern des Krieges leicht in Glut und Brand hineingerissen würde, er wollte aber nicht, wie er selbst in seinem Demissivnsschreiben vom 19. 3uli betonte, daß sein Verbleiben im Amte seinem heißgeliebten Vaterland zum Schaden gereiche. Er ging wie ein Held in einer Sragödie. Niemand wagte, an seiner Ehrenhaftigkeit zu zweifeln. Er hat weiter dem Vaterland gedient, weil er ihm zu dienen unter allen Umständen! als selbstverständlich betrachtete. Wawecks Anschlutz an Preußen. Kassel. 28. Juli. (Sil.) In der deutschen Presse sind über die Waldecksche Anschluhfrage die widersprechendsten Gerüchte verbreitet. Don unterrichteter Seite wird dem Vertreter der Selegraphen-Union folgender Sachverhalt mitgeteilt: Bei den Verhandlungen zwischen Waldeck und Preußen über die Gestaltung der Waldeck- schen Derfassungsfrage im preußischen Innenministerium in Berlin am 4. Mai dieses Jahres wurde von preußischer Seite von vornherein als Voraussetzung für einen neuen Staatsvertrag die Festlegung des Anschlusses Waldecks an Preußen in diesem Übertrag bezeichnet. Da die Vertteter Waldecks erklärten, daß hiermit die Basis der bisherigen Verhandlungen verlassen werde und sie keine weiteren Vollmachten besähen, wurden die Verhandlungen zunächst abgeb ro chen. Nach eingehenden Beratungen in Arolsen wurde beschlossen, zunächst den Entwurf eines neuen Staatsvertrages zwischen Preußen und Waldeck aufzustellen unö in diesem Entwurf die von Preußen verlangte bindende Erklärung über den Anschluß Waldecks unmittelbar nach Ablauf dieses Vertrages aufzunehmen. Dieser Entwurf wird natürlich auch die sogenannten Anschluß bedingungen von beiden ©eiten enthalten, lieber den Inhalt dieser Bedingungen sind nach keiner Richtung hin irgendwelche Bindungen erfolgt Im Laufe des Monats September werden voraussichtlich in Arolsen die zuständigen Stellen über den Vertragsentwurf verhandeln und falls unter diesen eine Einigung erzielt wird, den Vertrags entwu/rf der Landesvertretung zur ^Beratung und gegebenenfalls zur Beschlußfassung vvrlegen. Oberleutnant Rotzbach wieder verhaftet. Berl'jn, 27. Juli (WTB.) Wie eine hiesige Korrespondenz meldet, wurde Oberleutnant Roßbach am Dienstag ganz plötzlich auf Veranlassung des Untersuchungsrichters vom Landgericht Schwerin auf feinem Gute Stuer in Mecklenburg verhaftet und in das Schweriner Unter- suchungsgefängnis eingeliefert. Roßbach, der sich in den letzten Jahren von politischer Tättgkeit zurück- gezogen hatte, hav unlängst das einem Herrn von Flotow gehörende Gut Stuer am Plauer See in Mecklenburg gepachtet und hier eine sog. Führer- schule eingerichtet. Die jetzt erfolate Verhaftung geschah auf Grund eines noch aus den Tagen des Kapp-Putsches stammenden Haftbefehls des Schweriner Untersuchungsrichters. Es schwebt näm- lich noch in Schwerin gegen Roßbach ein Verfahren wegen mehrerer Erschießungen linksge- richteter Personen, die von dem Kommando des ehemaligen Freikorpsführers in Verbindung mit dem Kapp-Putsch in Niendorf i. M. vorgenommen worden waren und für die Roßbach als einer der Unterführer des Kapp-Unternehmens die Beran t ro o r t u n g tragen soll. Die Reichsamnestie, die seinerzeit die Teilnehmer an dem Kapp-Putsch außer Verfolgung gesetzt hat, umfaßte nur die politischen Delikte, nicht aber persönliche Straftaten. Wie die Korrespondenz weiter erfährt, hat Roßbachs Verteidiger, Rechtsanwalt P. Bloch-Ber- lin, sich an das Reichsjustizministerium mit der Bitte um Intervention gewandt, da nach seiner Auffassung das Verfahren in Schwerin durch die Reichs- amnestie erledigt sei. Die Stellungnahme des Reichsjustizministeriums in dieser Angelegenheit ist noch nicht bekannt. Drei deutsche Schiffe in China festgehalten. Paris, 27. Juli. (WB.) Die Agentur Jndv Pacisic meldet aus Schanghai, daß die chinesischen Marinebehörden in Wochung drei deutsche Schiffe, zwei aus Europa und eins aus Hankau kommend, fest gehalten und durchsucht hätten. Die Schiffe befänden sich noch in Händen der Chinesen. Die Zollbehörden hätten auf Befragen erklärt, sie wüßten von diesen Festhaltungen nichts und versicherten, daß diese Schiffe sich keiner Zuwiderhandlung gegen die Gesetze schuldig gemacht hätten. Obwohl Deutschland das Recht der Exterritorialität nicht mehr zustehe, bedeutet die ungerechtferttgte Beschlagnahmung, so schließt die Meldung, einen sehr ernsten Präzedenzfall, von dem sich die Mächte bei ihren küns- ttgen Beziehungen zu China inspirieren lassen mühten. Wachsende Erregung aus Samoa London, 28. Juli. (W. S. D. Funkspruch.) „Daily News" meldet aus Auckland: Nach Meldungen aus Apia (Samoa) ist die Polizei wäh- rend dieser Woche in das Haus eines Häuptlings eingedrungen, um mehrere samoanische Anhänger des B ü r g e r a u s s ch u s s e s gefangen zu nehmen. Zwei Mitglieder dieses Ausschusses wurden gefesselt abgeführt. Durch dieses Vorgehen der Behörden ist erhebliche Erbitterung entstanden, die nicht geringer werden dürfte durch die Nachricht, daß das neuseeländische Parlament, nach einer die ganze Nacht dauernden Sitzung, das D e p v r t a - tionsgeseh mit 41 gegen 12 Stimmen angenommen hat. Eine neue Unwetterwelle. Am Mittelrhein. Das ganze Mittelrheingebiet wurde Mittwoch nachmittag von einem schweren Unwetter beim« gesucht. Der Himmel verfinsterte sich derart, daß keine Sicht vom rechten zum linken Rheinufer bestand. Hagel und heftiger Sturm richteten in den Weinbergen und auf Feldern sowie in den Gärten große Verwüstungen an. 21 u f dem Rheindampfer „Kaiserin Friedri ch", der von Boppard unterwegs war, brach infolge furchtbaren Sturmes eine Panik aus. Die Passagiere befürchteten den Untergang des Dampfers und kürzten völlig kopflos umher. Große Waffermengsn pülten über Deck und rissen Stühle, Bekleidungstücke und Koffer mit sich. Das starke Oberdeck und tte Glasveranda wurden vom Sturm zertrümmert. Mehrere Personen erlitten durch Glassplitter Verletzungen. Auch die Gemeinden der Bürgermeisterei Freudenberg im Saargrenzgau haben ollrch einen heute nachmittag niedergehenden Wolkenbruch und Hagelschlag schweren Schaden erlitten. Die Ernte ist völlig vernichtet. Zahlreiche Bäume sind entrour- zelt. Auch an Häusern wurde großer Schaden angerichtet. Die Katastrophe ist für die in der südwest- lichen Ecke des Reiches wohnenden Landwirte be- sonders bedrückend, da die Wirtschaftsvechältnisse sich gerade in den von Lothringen, Luxemburg und dem Saargebiet bearenzten Gemeinden feit 1918 fort« gesetzt verschlechtert haben. Heber Hamburg. Nachdem schon den ganzen Mittwochnachmittag über drückende Schwüle über Hamburg gelastet hatte, zog zwischen 5 und 6 Llhr ein schweres Unwetter heraus. Ein außerordentlich heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen ging über die Stadt nieder. 2lllenthalben sind die Straßen überschwemmt. Sie Feuerwehr wird von allen Seiten zu Hllse gerufen. In Thüringen. Ein schweres Hntoetter ging Mittwoch nach- mittag über der Mühlhäuser Mulde und dem oberen älnstruthtal nieder. Starker Sturm mit wolkenbruchartigem Regen und Hagel- s^ruern richteten auf den Feldern und in den Dörfern ungeheuren Schaden an. Die Hagelkörner erreichten teilweise die Größe von Sauben- eiern. Nach Schlotheim zu wurde auf vielen Feldern das Getreide fast völlig niedergelegt. Auch in Vorderindien. 3m Gebiet von O u j a r a t gingen Regengüsse von außerordentlicher Stärke nieder und verursachten riesige Schäden, von denen auch die Baumwollernte betroffen ist. Ein aus dem Punschab kommender Eisenbahnzug, der Dienstag in Bombay eintreffen sollte, wurde 36 Stunden lang festgehalten. Die Bemühungen, zu den Reisenden zu gelangen, gestalteten sich überaus schwierig. Der Regen halt weiter an. Bisher unbestätigte Berichte aus dem Aeberschwemmungs- gebiet wollen wissen, daß Sausende von Personen egung aus Samoa M (W. T. D. Funkspruch.) mi5 Auckland: Aach Mcl« uwa) ist die Polizei lvüh- as Haus eines Häuptlings ehrere samoanische Sürserausschusses . Lvtt QHitglieber bitfcä fesselt abgesührt. der Morden isi nhed« entstanden, die nicht gr« irch die Nachricht, das, das xmt, nach einer die ganze tzung. das Depocta- gegen 12 Stimmen ange- nt 2* PM ?ute Stuer j?glicht W erjotSl^ter. notf) aus L VMtbVf.’T« ’Hdjters. Ez jLv 5 des ?°bbach -die Donöemfintl5,96' nhrers in Serbin?™"00 *»ia,5s teste mir Qn L? «?5amnef''e- ichtsanwalt D ^>ffe in China halten. ®3.) ^ie Agentur Indv ”*Lfc daß die chinest, n Kochung drn deutsche ia und eins aus Hankau en und durchsucht -laichen sich noch in HLn- ^otwchvrden hätten auf vühten von diesen Fest- Versicherten, dach diese Zuwiderhandlung e schuldig gemacht HIand das Recht der Ex- hr zustehe, bedeutet die agnahmung, so schlicht die ernsten Präzedenz- .1 Mächte bei ihren tünp China inspirieren lallen lmvettnivelle. ittelrhein. .einqebiet wurde WM schweren Unfflttt« b«ij‘ aersinsterte MW ft Sisä LKS ’öflr0reSnb«i Wlkevbru^ Schaden Mitten.^ , ** ’sS*1? wurde.. e ist sur di« b, °ÄÄÄr°ech°ltnissesi4 Äsort. Gemeinden K11 en. s“s«*s Stadt -nedel w t. M •^ä*>** ^^^?eldern Hagel- fei*1' Ks"?r^ ? «Steftf.fi* tn ben Fluten Hm g ekv mm en seien. Der Darodsee soll meilenweit über seine Ufer getreten lein aus aller Welt Erziehung der Jugend zum Luftfahrlgedanken. Das Provinzialschulkollegium Berlin hat folgende Verfügung erlassen: „Um der zukünftigen Bedeutung der Luftfahrt gerecht werden zu können, muß unsere Jugend bereits heute eine genügende Kenntnis der physikalischen und technischen Grundlagen des Fluges vermittelt werden, woraus sich das Verständnis für die Aufgabengebiete und die Entwicklungsmöglichkeiten der Luftfahrt aufbauen kann. Dies laßt sich zwanglos durch geeignete Behandlung des Stoffes im Nahmen der bereits bestehenden Unterrichtsfächer, vor allem Physik und Erdkunde und der Be- ichäftigung der Jungen mit Modellbau er- ichen. Professor Rudolf Magnus f. Aus P ontresina kommt die Nachricht _n dem plötzlichen Hinscheiden des Utrechter Pharmakologen Rudolf Magnus, 'udolf Magnus war in Braunschweig geboren. st hat nur ein Alter von 54 Jahren erreicht. Während des Krieges hat Magnus als Stabsarzt der Reserve seine Forscher- und Lehrtätigkeit in den Dienst des Baterlandes gestellt. Es gelang ihm, die krankhaften Vorgänge bei der Kainpfgasvergi ftung aufzuklären und dadurch die Grundlage für die Schutzmaßnahmen zu liefern. vereitelter Bombenanschlag auf die Reuyorker Untergrundbahn. Nachdem Dienstagabend ein Streik der Untergrundbahnangestellten abgewendet worden war, fanden Mittwoch Aufsichtsbeamte indem Tunnel an dem unterirdischen Wege zwischen Reuhork und Brooklyn eine Bombe. Nur in* folge Versagens des Zünders wurde eine Kata- stvophe vermieden. Die Beamten erklärten, daß eine Explosion der Bombe die Tunnelwände zum Einsturz gebracht hätte. Das Wasser des Gast River hätte dann den Tunnel überschwemnrt uird die Fahrgäste eines hindurchf ährenden Zuges wären ertrunken. Der tödliche Insektenstich. In Kühn Heide im Erzgebirge erlag ein Wirtschaftsbesitzer innerhalb von 20 Minuten einem Insektenstich, den er bei der Heuernte davongetragen hatte. Tragischer Tod. 3n Nahbollenach bei Kreuznach ist eine in den 50er Jahren stehende Frau, die seit Tagen vermißt worden war, in einem seit dem letzten Unwetter mit Wasser gefüllten Keller des Wohnhauses ertrunken Die brennende Laterne stand noch auf der Kellertreppe. Ob ein Unfall vorliegt oder ob die Frau Selbstmord verübte, ist nicht festzustellen. Jedenfalls litt die Frau an Schwermut. Eisenbahnkatastrophe in Südafrika. In der Nähe von Heidelberg bei Johannesburg stießen ein Personen- und ein Güterzug zusammen. Zwei Europäer und 30 Eingeborene wurden getötet, drei Europäer und zahlreiche Eingeborene verletzt. Wettervoraussage. Unbeständig, wechselnd wolkig, auch aufheiternd, eiwas kühler, einzelne Niederschläge, stellenweise Gewitterneigung. » Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 25,1 Grad Celsius. Minimum: 14 Grad Celstus. Sonnerp scheindauer: 8 Stunden. Niederschläge: 3,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 17,8 Grad Celsius Witterungsaussichten für Samstag: Noch Fott- dauer des unbeständigen Wetters mit strichweisen Schauerregen. Berliner Börse. Efsekten-Frühvcrkehr. Berlin, 28. Juli. (W. T. D. Funkspruch.) Auch heute vormittag ist es wieder freundlicher. Das Geschäft ist sehr klein. Die Spekulation bleibt zurückhaltend, doch dürfte die Spezialbewegung in Demberg- und Glanzstoff-Aktien auf die nun bestätigte Kapitalerhöhung anregen. Glanzstoff 755/760, Demberg 605/610, Farben 319/320. Am Devisenmarkt hört man Paris 124,08, Mailand 89,30, das Pfund 4,8555 und Madrid 28,46. Nur der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 28. Juli 1927 Saure Milch. Gin höchst unangenehmes Vorkommnis, wenn die Hausfrau des Morgens in die Speisekammer geht — und über Nacht ist die Milch sauer geworden. In noch größerem Ausmaß hat der Milchhandel unter dem Sauerwerden der Milch zu leiden. Die Säurung der Milch ist das Ergebnis einer „Zusammenarbeit" von Bakterien und Milchzucker. Rur kurze Zeit über nach Verlassen des Euters bleibt die Milch keimfrei: dann siedeln sich stets in ihr Bakterien an, die aus der Stalluft, den Melkgefäßen, der Streu ufw. stammen. Diese Erreger fiihren den Namen Milchsäurebakterien und vermögen aus dem Milchzucker Milchsäure zu bilden, ein Vorgang, der z. B. der Alkoholentstehung aus Zucker unter der Einwirkung von Hefebazillen ähnelt. Diese Milchsäurebaklerien sind die Urheber des Sauerwerdens, und ihre Vernichtung ist das Ziel, wenn es gilt, die Milch vor dem Verderben zu schützen. Die Schwierigkeit des Kampfes liegt in der Fähigkeit der kleinen Lebewesen, sich überaus schnell ins Ungeheuerliche zu vermehren. Allerdings vermag die Milch selbst dank der ihr innewohnenden Schuhkräfte das Wachstum der Bakterien die ersten Stunden über zu hemmen: aber es währt nicht lange, dann gewinnen die Erreger die Oberhand, und die Umwandlung des Milchzuckers in Milchsäure setzt ein. Die schwachsaure Milch hat noch ein normales Aussehen: jedoch, wenn man sie kocht, gerinnt sie schon. Und späterhin steigt der Säuregehalt so hoch, daß das Kasein — der Käsestoff — abgeschieden wird — die Milch wird d i ck. In den ersten Stadien des Bakterienwachstums ist Kälte ein wirksames Mittel, um das Wuchern der Keime hintanzuhalten: nicht als ob die Erreger durch Kälte abgetötet würden: wohl aber verfallen sie in eine Art Starre, vor allem hört die Vermehrung auf. Wenn jedoch die Zahl der Keime in der Milch schon ein« gewisse Höhe erreicht hat, so ist es nur noch möglich, sie durch Hitze zu vernichten. Im Haushalt ist es am einfachsten, die Milch abzukochen. Allerdings hat dieses Verfahren den Nachteil, daß die Milch beim Sieden einen anderen Geschmack annimmt, vor allem aber, daß hierbei Nährsalze und Vitamine in unerwünschter Weise verändert und sogar zerstört werden. Deshalb ist das Pasteurisieren vorzuziehen: hierbei wird die Milcht 1 bis 2 Minuten auf 85 Grad oder 30 Minuten auf 65 Grad erhitzt. Diese Methode reicht zur Abtötung der Keime aus, ohne daß die Milch so tiefgreifende Veränderungen erleidet wie beim Sieden. Jedoch muh die pasteurisierte wie die gekochte Milch sofort in kaltes Wasser oder in einen Cisschrank gestellt und ihre Temperatur ständig unter 10 Grad gehalten werden. Ebenso wie nach dem Abkochen, ist auch nach dem Pasteurisieren das Milchgefäß gut zuzudecken, um den Zutritt neuer säureerzeugender Keime zu verhüten. Die Unterbringung von Kraftfahrzeugen. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Nach der Polizeiverordnung, betreffend die Brschaffen- heit und den Betrieb von Anlagen zur Unterbringung von Kraftfahrzeugen vom 5. Mai 1927, (Amtsverkündigungsblatt Nr. 35 vom 10. Mai 1927), dürfen Krasftahrzeuge nur in Hallen untergebracht werden, die der vorgenannten Polizeiverordnung entsprechen. Für die Unterbringung von Krafträdern gelten die Vorschriften der Poli- zeiverorkmung nur dann, wenn in einem Raume mehr als fünf Krafträder eingestellt werden. Wer eine den Vorschriften dieser Polizeiverordnung unterliegenden Anlage zur Unterbringung von Kraftfahrzeugen errichtet, hat sie vor Errichtung der für die Stadt Gießen zuständigen Aufsichtsbehörde (Polizeiamt) anzuzeigen. Da auch die bereits vorhandenen Anlagen in gleicher Weise anzuzeigen sind, aber bis jetzt noch wenig Anzeigen erfolgt sind, so weisen wir die Interessenten erneut darauf hin, die Anzeige baldigst dem Polizei amt zu erstatten, da im Unterlassungsfälle auf Grund des § 45 der genannten Polizei Verordnung Bestrafung erfolgen muh. Keine Anwendung finden diese Vorschriften der Polizeiverordnung a) auf Räume, in denen Kraftfahrzeuge nur vorübergehend außerhalb des Heimatftandortes untergebracht werden, infotoeit es sich nicht um Kellerräume in Wohngebäuden oder um Scheunen handelt; b) auf Räume, in denen Kraftfahrzeuge mit Betriebsstoffbehältern von weniger als 15 Liter Fassungsvermögen einzeln mttergebracht sind, wenn diese Räume feuerbeständige Wände erhalten; c) auf Ausstellungsräume, wenn die Betriebsstoffbehälter der Kraftfahrzeuge ungefüllt sind. Reparatur-, Lackier- und sonstige Werkstätten für Kraftfahrzeuge unterliegen außer den Vorschriften der genamtien Polizeiverordnung auch noch den allgemeinen Vorschriften für gewerbliche Detriebsstätten. Einiges über Steuerhypolheken Cs kommt fast in jeder Gemeinde alljährlich vor, daß rechtskräftig veranlagte Staats- und Gemeindesteuern von dem einen oder anderen Zahlungspflichtigen nicht zu erlangen sind. Wenn auch die zuständigen Kassen die Möglichkeit haben, zur Erlangung der Steuern gewisse Pfändungen und Verläufe vorzunehmen. Lohnbeschlag- nahmungen anzuordnen usw. und von diesem Recht nach den Zwangsvollstreckungsbestlmmun- gen Gebrauch machen müssen, fo gibt es doch immer wieder vermeintlich kluge Leute, die sich so einzurichten wissen, daß alle Versuche der zuständigen Kassen auf Erlangung der Rückstand« vergeblich sind. Das kommt sogar bei Grundstücksbesitzern vor. Für diese gibt es dann, wenn es sich um Beträge von über 500 Mk. handelt, nur noch ein Mittel, die Steuerforderung des Staates und der Gemeinde zu sichern, nämlich die Eintragung einer Sicherheitshypothek auf den Grundbesitz des Steuerpflichtigen. Es ist nun strittig gewesen, ob eine Zusammenrechnung der einzelnen Steuerforderungen und ihre Zusammenfassung aus verschiedenen Jahren zulässig ist. Bisher hat die Rechtsprechung die Zulässigkeit verneint. Sie legte den Satz 2 des § 806 Abs. 2 der Zivilprozeßordnung dahin aus, daß er nur die Zusammenrechnung mehrerer Forderungen in einen einheitlichen Schuldtitel, nicht aber die Zusammenrechnung mehrerer Schuldtitel zur Erreichung der vorgesehenen Wertgrenze zulasse. Von /dieser Anschauung ist aber neuerdings ein höheres Gericht aEigegangen. Cs ist bei der Nachprüfung 'des Sachverhalts zu dem Ergebnis gekommen, daß auch in den Fällen, in denen mehrere Schuldtitel unter der Wertgrenze von 500 Mk. vorliegen, die Zusammenrechnung und die Eintragung einer Zwangshypothek zulässig sei. Nach der Auffassung des Gerichts entspricht dies Ergebnis auch allein den Bedürfnissen des Lebens und der Wirtschaft. Für sie sei es in ihren Entschlüssen nicht von der geringsten Bedeutung, ob Schulden auf einem oder mehreren Titeln beruhen. Es sei aber eine heute nicht mehr zu billigende Art der Auslegung, in das Gesetz, daß, wie auch das Reichsgericht feststellt, keinen zwingenden Grund für die eine oder andere Auffassung bietet, gerade die hineinzulegen, die den Bedürfnissen des Lebens nicht gerecht wird. Dementsprechend ist das zuständige Amtsgericht angewiesen worden, die Eintragung der Sicher- heitshypothek zu bewirkem Die Entscheidung ist allen preußischen Gemeindekassen zur Kenntnis gebracht worden, um künftighin danach zu verfahren. B. (^icRcncr Wochenmarktprcisc. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pf., Matte 30, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20, Weiß- traur 15 bis 25, Rotkraut 30 bis 40, gelbe Rüben 10 bis 20, Römischkohl 15, Dohnen, grüne 25, gelbe 30. Erbsen 25 bis 30, Mischgemüse 15, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 20, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln 8, Birnen 40 bis 50, Kir - scheu 40. Heidelbeeren 45, Stachelbeeren 12 bis 20, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60. Himbeeren 30. Pflaumen 60, Mirabellen 80, Reineclauden 70. junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 40 bis 80, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 6 bis 10, Ober- Kohlrabi 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Radieschen (Bd.) 10 bis 15, Tauben 70 bis 90 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle: 8.15 Uhr, „Liebigshöhe". — Palast-Lichtspiele: „Staatsanwalt Jordan'. — Astorta-Lichtspiele: „Cftffi Schreckensnacht in Smg-Sing". M Personalien. Ernannt wurden: am 19. Juli der Finanzpraktikant Heinrich Getrost aus Darmstadt vom 1. Jull 1927 ob zum Hauptstaatskassebuchhalter; am 22. Juli der Hilfsförster Heinrich D i e t r i ch aus Beerfelden vom 1. Juli 1927 ab zum Förster der Försterei Gammelsbach, Forstamt Beerfelden; — der Hilfsförster Wilhelm Klip st ein aus Forsthaus Bayerseich vom 1. Juli 1927 ab zum Förster der Försterei Ober-Lais, Forstamt Nidda; — und der Kommunalforstwartaspirant Wilhelm Walter zu Dauschheim vom 1. April 1927 an zum Förster der Försterei Maulbach. ** Die Annahmestellen für die Hindenburgs pende eröffnet. Außer dem Neichsbankgirokonto und den bekannten Postscheckkonten sind nunmehr bei sämtlichen Postanstalten, Eisenbahnscholtem, Stations- und Güterkassen, Reichsbanknebenslellen, 'Danken, Sparkassen und Kassen der Rtrifseisenorganisa- tionen Annahmestellen für die Hmdenburgspende eröffnet worden. Cs sind im ganzen Deutschen Reich insgesamt 160 000 Stellen, an denen die Bevölkerung ihren Dank unö ihre Verehrung für den Reichspräsidenten von Hindenburg durch einen Beitrag zu der für Mc Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen bestimmten Hinden- burgspende bezeugen kann. ** Ein heftiges Gewitter entlud sich gestern in den frühen Nachmittagsstunden über unserer Stadt. Decket schlug der Blitz in die> Gerüststange eines Neubaues am Kugelberg, die völlig zersplittert wurde; auch wurden in der elektrischen Leitung Störungen verursacht, und es waren verschiedentlich Kurzschlüsse zu verzeichnen. Sonst ist kein Schaden entstanden. WSN. Frischhaltung von Milch und Butter. Ein erfolgreiches Verfahren, Butter und Milch ohne Verwendung von Cis frisch zu erhalten, ist folgendes: Die Butter wird fest in eine Porzellanschüssel geschlagen, di« wieder in eine größere Emailschüssel gestellt wird. Darauf füllt man die Gmailschüssel bis zum Rande der Butterschüssel mit kaltem Wasser, dem man eine Hand voll Kochsalz zusetzt. Hierauf bedeckt man die Butterschüssel mit einem Stück Mull, dessen vier Zipfel dabei ins Wasser reichen müssen. Die Butter bleibt so kalt und fest. Aehnlich wird bei der Milchaufbewahrung verfahren, wobei man jedoch dem Wasser lein Salz zuzufügen braucht und den Mull vierfach zusammengefaltet über das Milchgefäß decken mutz. ** Die Maschinengewehrkompagnie des hiesigen Bataillons trifft am Samstag, 30. Juli, 7.28 Uhr, von der Wachttruppe Berlin im Standort Gießen ein. Die Kompagnie wird um 8 Uhr geschloffen vorn Bahnhof zur Kaserne marschieren. Der Marsch geht durch die Lieoigstraß«, Frankfutter Straße, Südanlage, Ostanlage, Moltkesttaße und Licher Straße. " Goldene Hochzeit. Herr Georg Todt und Ehefrau, Bahnhofstraße 46, begehen am Freitag, 29. Juli, das Fest der goldenen Hochzeit. Georg Todt ist eine bekannte Gießener Persönlichkeit: 40 Jahre war er Hausverwalter des Gesellschastsvereins und ist vor kurzem in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Er ist Ehrenvorsitzender des Bauerschen Gesangvereins und singt seit 53 Jahren im Chore mit. Der Bauersche Gesangverein wird dem Jubelpaare ein Ständchen bringen. ** Erfindung. Herr Kurt Wick, hier, Seltersweg 60, hat für seine Erfindung „Schutzhülse für Korbmübelfüße" den Scyutztitel D. R. G. M. 998 873 beim Reichspatentamt Berlin erworben. ’* Urlaub zum Auffuchen einer neuen Stellung. Nach erfolgter Kündigung eines dauernden (also nicht nur auf Doge oder Wochen abgeschlossenen) Dienstverhältnisses kann der Angestellte vom Qlrbettgeber die Gewährung von angemessener Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses verlangen. Gehaltsabzug darf deshalb nicht stottfinden. Auch bei dem Ablauf eines auf bestimmte Zeit abgeschlossenen Dienstverhältnisses ist der Urlaub zur Stellensuche zu gewähren (nach überwiegender Gerichtsanschauung). Verlassen des Dienstes zur Stellensuche ohne Genehmigung des Prinzipals ist unstatthaft. Bei ohne Grund verweigerter Erlaubnis kann der Angestellte jedoch nicht entlassen werden, wenn er die Verwendung der Zeit als angemessen nachweisen kann. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 780 Kälber, 182 Schafe, 593 Schweine. i ijt mit örniTÄBAKmiemit kmWEIlST^? Der letzte Zug war öer beste! EUtHBUh ÄW keinerlei Nachgeschmack darf auf der Zunge Zurückbleiben. Dann waren die Tabake gut und aus- gereift,dann ist die Zigarette auch bekömmlich. Wenn OVERSTOLZ heute die meist- gerauchte deutsche Zigarette ist,so liegt es an ihrem ganz reinen und gesunden Geschmack,der sich während des Rauchens noch steigert. Ein höheres Lob kann es nicht geben, als wenn der Raucher von ihr sagt: Es sind nicht immer die bestenWeine,die beim erstenSchluck bestechen-Naturreinheit und gute Lage sind erst dann verbürgt,wenn der letzte Schluck das hält,was der erste verspricht So ist es auch bei der Zigarette.Man soll sie nicht nach dem ersten Zuge beurteilendes ist viel wichtiger, auf den letzten Zug zu achten. Der letzte Zug einer Zigarette soll ebenso rein sein wie der erste f w HK ■6DU6H MMWW Zhre Verlobung geben bekannt Alice Euler Eddy Strasser Gießen (Kirchstr. 13), 28. Juli 1927. 05469 Sie müssen unsere 8 Fenster betrachten Henko 6946a ÄOtmrgN Einige Würfe 8 Wochen alie Fertzei 6 65 fjtrmoniwsfroibhtim ä 14 6933a I? »fr r > Rest - Sortimente und Einzelpaare teilweise 75 PfOZCllt unt. Preis Unterfertigter C. C. betrauert das am 26. Juli 1927 in Hannover erfolgte Ableben seines lieben A. H. 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Für die althessischen Lande als staatliche Anstalt auf Gegenseitigkeit mit Monopol gegründet, kannte sie lediglich bedingten Versicherungszwang insofern, als jedem freien Eigentümer die Versicherung überlassen blieb, jedoch mit der Einschränkung, daß die Bewohner geschlossener Häuserreihen versicherungspflichtig waren. Jedem Beitretenden war freigestellt, den Ver- sicherungsanschlag selbst zu bestimmen, nur bei übermäßigen oder zu geringen Anschlägen war eine Schätzung vorgesehen. Im Brandfalle wurde die Entschädigung ausschließlich zum Zwecke des Wiederaufbaues gewährt. Feste Beiträge wurden nicht erhoben, vielmehr wurden die in jedem Jahre erwachsenen Brandentschädigungen im folgenden Jahre auf die Versicherten nach Maßgabe der Dersiche- rungskapitalien umgelegt. Die Verwaltung der Anstalt lag in Händen eines aus der Reihe der Geheimen Räte zu entnehmenden Direktors. Zur Führung der Geschäfte bestand je eine Kommission in Darmstadt und Gießen. Die umfassenden Veränderungen, welche das Großherzogtum Hessen durch den Frankfurter Staatsvertrag vom 30. Juni 1816 erfuhr, machten eine Neuordnung unter Einbegreifung der neuen Gebietsteile notwendig, welche durch die Brandassekurationsordnung vom 18. November 1816 erfolgte. Als wesentliche Neuerung bringt dieses Gesetz den Uebergang zum allgemeinen Versicherungszwang und eine Vereinheitlickung in der Verwaltung, indem die Brandversicherungskommission in Gießen ausgehoben und der Geschäftskreis der Darmstädter Kommission auf das ganze Land aus- gedehnt wurde. Es ließ aber die Bestimmung des Versicherungsanschlags noch den Eigentümern mit der einzigen Einschränkung, daß er die Erbauungskosten nicht um mehr als ein Drittel übersteigen dürfe. Die Folge zeigte sich in einer auffallenden Zunahme der Brände. Trotzdem konnte man sich in einem neuen Gesetz vom 21. Februar 1824 nicht dazu entschließen, die Bestimmung der Höhe des Ver- sicherungsansck)lags dem Eigentümer vollkommen zu entziehen, vielmehr wurde nur angeordnet, daß bei Neuaufnahmen und Erhöhungen der Versicherungsanschläge eine Schätzung durch Sachverständige geschehen müsse und die Bauwerte nicht überstiegen werden dürften. Nachdem insbesondere in den Jahren 1848, 1849 und 1850 sich die Brandschäden derart gehäuft hatten, daß die Unhaltbarkeit der Ueberver- sicherungen klar vor Augen lag, wurde durch Gesetz vom 6. Juni 1853 bestimmt, daß dem Versicherungsanschlag der wahre Wert zugrunde zu legen sei. Damit war ein Grundfehler behoben, der über 70 Jahre lang nachteilig gewirkt hatte. Zwei wichttge Neuerungen brachte das Gesetz vom 10. September 1878. Zunächst die Bildung eines Ausschusses aus sechs Gebäudeeigentümern, wodurch den Versicherten eine Vertretung und ein Einfluß auf die Verwaltung gegeben wurde. Und dann wurde der Anstatt eine neue Aufgabe zugewtesen, durch Bereitstellung von Mitteln zur Förderung des Feuerlöschwesens beizutragen, indem sie ein Prozent der Brandvcrsicherungsbeiträge zur Unterstützung von durch ihre Teilnahme an den Löschanstalten Verunglückten sowie ihrer Hinterbliebenen und gegebenenfalls zu Betträgen an Feuerwehren und Gemeinden zu verwenden hatte. Nach der Landesfeuerlöschordnung vom 29. März 1890 erfuhr diese Aufgabe eine bedeutende Erweiterung durch Gründung einer Landesseuerlöschkasse, der in erster Linie die Verpflichtung obliegt, Feuerwehrleuten oder von der Feuerwehr beigezogenen Dritten, welche infolge von Dienstleistungen bei Brandfällen oder Üebungen verletzt werden oder erkranken, und wenn die Verletzung oder Erkrankung den Tod herbeiführt, den Hinterbliebenen derselben vollen Schadensersatz zu gewähren. Daneben sind die alljährlich noch übrigen Beträge zu anderweiten Löschzwecken, insbesondere zu Beiträgen bei Ausrüstung von Feuerwehren, bei Anschaffung von Löschgeräten usw. zu verwenden. Die Mittel dazu werden aus dem Zuschuß der Anstalt von ein Prozent der Brandversicherungsbeiträge und aus einem jährlichen Zuschuß der Staatskasse aufgebracht. In der Erkenntnis, was ein gut organisiertes Feuerlöschwesen für die Versicherungsgeber bedeutet, hat die Brandversicherungsanstalt demselben die größtmögliche Förderung angedeihen Meine treuen Helfer. Von Felix Timmermans. 2m letzten Hefte des „Jnsel- schiffs", der schönen vom Leipziger Insel-Verlag herausgegcbenen Zeitschrift erzählt Felix Timmermans, der Verfasser des „Jesuskindes in Flandern" und des „Pal- lieter". von der Welt seiner Kindheit und den Ereignissen seines Lebens: Er berichtet, wie ein Dichter zum Dichter wurde. Ich sitze hier am Schreibtisch. Auf der gelben Tapete hängen die farbigen Vilder von Däumchen, meinem Sohn, von den drei Königen und von den Jahreszeiten. Mein Fenster steht offen auf die kleine Stadt: es ist, als ob die Stadt in meinem Zimmer wäre, ja, sie ist darin. Rur der Turm ist zu groß für den Rahmen meines Fensters, aber er bückt sich in das Wasserglas, in dem eine rote Relke langsam dahinwelkt. Das edle Schiff der gotischen Kirche treibt wie ein Juwel auf Wellen von roten Dächern, die ehrfurchtsvoll die Hände falten. Unter ihren dünnen Wänden hocken die Geschichten der Menschen, vom Keller bis zum Dachboden, nahrhaft wie Korn, trübselig wie Staubregen oder duftend wie Aepfel. Ihr einziges Leben ist. erzählt zu werden. O die Geschichten! Sie sollten einmal in der Dämmerung, wenn die Farben verblassen, hier sitzen und lauschen! Wie sie dann aus den Ritzen der Dachziegel, den Schornsteinen und Kellerfenstern flüstern, murmeln und sich um die weißen Dogen drängen, auf die ich morgen schreiben werde... Ich muh erst einmal darüber schlafen, sie durchträumen: morgens haben sie dann von meinem Dlut und von meinem Geist in sich aufgesogen, und ich bin mit ihnen eins geworden. Sie ist eine Mitarbeiterin, die kleine Stadt. So wie sie erzählen muh, so kann ich auch nicht anders, als ihre Geschichte, durch die Geschichte meines unbeständigen Herzens hindurch, den Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 28. Zuli (927 taffen, so daß das Feuerlöschwesen in Hessen einen bedeutenden Aufjchwung nahm. Freilich hat dazu der Pflichtbeitrag der Brandverjicherungstassc mit em Prozent der Brandoersicherungsbeilräge nicht ausgereicht, weshalb schon von 1893 an höhere Beiträge, bis zu 7 Prozent, bewilligt worden find. Mit Annahme des Gesetzes vom 10. September 1878 verband der Landtag den Antrag auf Revision der gesamten Gesetzgebung, dem durch Gesetz vom 28. September 1890 Rechnung getragen wurde. Dasselbe hielt an der Grundlage der Anstalt, Gegenseitigkeit, Monopol und Zwang fest und brachte als wesentliche Neuerung den Gefahrentarif, demzufolge je nach Feuersgefahr und Bauart Zuschläge von einem Zehntel bis dreißig Zehntel zum Versicherungskapitel in Ansatz kommen. Eine starke Förderung des Feuerlöschwesens bedeutete weiter das Gesetz vom 2. August 1902, demzufolge Gemeinden und Inhaber selbständiger Gemarkungen, welche im Brandfalle über Hochdruck- wasferleitungen mit Hydranten in solcher Anzahl und mit einer solchen Druckhöhe verfügen, daß dadurch ein wesentlich erhöhter Feuerschutz herbeigeführt wird, aus der Brandversicherungskasse eine jährliche Vergütung erhalten, die damals zwei Pfennig betrug und seit 1923 einen halben Pfennig für je 100 Mark Umlagekapital der im Wirkungskreis der Hyydranten gelegenen Hofreiten beträgt. Den veränderten Verhältnissen der Kriegs- und Inflationszeit wurde durch ein Notgesetz Rechnung getragen, wonach zu den auf Grund der Versicherungskapitalien zu berechnenden Entschädigungen bei der Wiederherstellung Zuschläge nach Maßgabe der tatsächlichen Verteuerung der Wiederherstellungskosten gewährt werden sollten. Durch diese Vorschrift wurde sowohl die völlige Deckung aller Gebäudeeigentümer im Brandfalle, als auch eine gerechte Verteilung der Versicherungsbeiträge nach den Gebäudewerten gewährleistet. Die Gewährung der Teuerungszuschläge bedeutete in ihrer Wirkung eine allgemeine Erhöhung der Versicherungskapitalien auf den jeweiligen Wert der Gebäude und hat gegenüber einer solchen im eigentlichen Sinne den außerordentlichen Vorteil gehabt, daß die mit großem Zeit- und Kostenaufwand verbundene Erhöhung der Versicherungskapitalien vermieden wurde, und auch Schwankungen der Gebüudewerte beim Steigen oder Fallen der Baupreise durch Erhöhung oder Herabsetzung der Entschädigungszuschläge von selbst ausgeglichen werden. Infolge dieses Notgesetzes ist die Hessische Brandoersicherungsanstalt einige der wenigen Anstalten in Deutschland, welche während der ganzen Inflationszeit ihren Versicherten eine volle Versicherung gewährte und sie gegen jeden Schaden, der durch die rapide Währungsoerschlechterung her- oorgcrufen wurde, sicherstellte, so daß Baunot- ober Zusatzversicherungen nicht nötig waren. Nach Eintritt der Stabilisierung hält das Gesetz vom 11. September 1924 an den Grundsätzen des Notgesetzes fest. Hiernach erfolgt die Versicherung auf der Grundlage der Baupreise vom 1. August 1914, und cs wird im Brandfalle zu den darnach errechneten Entschädigungen zum Ausgleich einer Ueberteuerunfl der Baukosten gegenüber denjenigen vom 1. August 1914 ein Zuschlag gewährt, dessen Höhe unter Berücksichtigung der jeweiligen Baupreise festgesetzt wird. Mit Genugtuung kann die Hessische Brandoersicherungsanstalt auf die anderthalb Jahrhunderte ihrer Tätigkeit zurückblicken und sie darf das Zeugnis erwarten, daß sie in allen Stürmen der Zeit getreu im Sinne der Männer gewirkt hat, die sie schufen, zum Segen der Versicherten und des Landes. Die Grundlinien der spanischen Politik. Eine Unterredung mit General Primo Le Rivera, Marquss Le Estella, Kgl. spanischem Ministerpräsidenten. Die Reihe unserer von führenden Persönlichkeiten des Auslandes geschriebenen Artikel sehen wir heute mit einem Gespräch fort, das der bekannte italienische Publizist Domenico Russo mit dem spanischen Diktator zu führen Gelegenheit hatte. Die Ausführungen Primo de Riveras über die Grundlinien der spanischen Polittk werden gewiß allgemein interessieren. General Primo de Rivera, das Oberhaupt der spanischen Regierung, hatte die Güte, mich zu empfangen und mit mir über die innere und äußere Lage seines Landes zu sprechen. Während Ihres Aufenthaltes in der Hauptstadt — begann der General ohne jede Cin- leitung — konnten Sie die Feststellung machen, daß die Diktatur bei uns nicht jenes wilde Aussehen hat, das man ihr im Aus lande fort- gesetzt zuschreibt. Die Ordnung und Ruhe, die durch sie dem Lande gesichert wurde, hat niemanden weh getan. Der dem Wesen unseres Volkes entsprechende Frohsinn, den man peilte in den Straßen Madrids wahrnehmen kann, ist der Ausfluß eines alle beherrschenden Gefühles: unter dem Schutze einer Regierung zu stehen, deren höchste Sorge dem Wohle des Volles gilt, und für die ich mit gutem Grund die Bezeichnung einer gerechten und liberalen Regierung in Anspruch nehmen darf. Es heißt, daß Eure Exzellenz die Absicht haben, der öffentlichen Mernung des Landes Gelegenheit zu geben, ihre Zustimmungzu dem bestehenden Regime zu bekunden.... Richt so bald, wie man in der Presse behauptet hat. Die Rativnalversammlung wird nicht im September zusammentreten, sondern erst später. Doch früher oder später — der Öffentlichkeit wird die Möglichkeit gegeben werben, ihrer Meinung über das Regime Ausdruck zu verleihen. Meine Regierung denkt von der öffentlichen Meinung nicht gering, wie behauptet wurde, sondern wir haben uns im Gegenteil bemüht, die öffentliche Meinung zu erziehen, um sie wie nie zuvor zur Mitarbeit heranziehen zu können. Jede andere Auslegung der spanischen Dittatur verstößt gegen die Wahrheit. Die „Menschenrechte" haben wir stets geachtet. Richt ein Tropfen Dlut ist in Spanien vergossen worden. Geroisse Zeitungen, namentlich in den romanischen Ländern, sprechen von Kerkern, die mit politischen Gefangenen überfüllt sind. Ich fordere jeden — wer es auch immer sein mag — auf, den Rachweis zu erbringen, daß die spanischen Gefängnisse heute auch nur halb so viel Gefangene beherbergen, wie unter den vorigen Regierungen. Es leben aber viele Ausgewiesene im Ausland... Diele? Roch nicht über ein Dutzend. Eine meiner Fragen führte den General dazu, sich über die Ausübung der Zensur in Spanien zu äußern. Wir machen einen Unterschied, sagte er, zwischen Büchern und Zeitungen. Bücher sind bei uns vollkommen zensurfrei, vorausgesetzt natürlich, daß sie keine Verstöße gegen die Sittlichkeit enthalten. Was die Zeitungen anlangt, so sind sie wohl einer Präventivzensur unterworfen. Diese wird jedoch auf eine sehr weitherzige Art geübt, wie Sie aus den Angrifffi ersehen können, die die nicht regierungs- fveundlichen Blätter gegen das schon lange angekündigte und nun auf Grund einer Dinglichen Verordnung in Spanien eingeführte Petroleum- Monopol richten. Obwohl nun die Zensur sehr milde gehandhabt wird — Angriffe gegen mich persönlich lasse ich den Zeitungen immer durchgehen und behalte mir nur vor, selbst darauf zu antworten — so kann ich Sie doch versichern, daß ich ernstlich daran denke, jegliche Ausnahmeverfügung gegen die Presse zu beseitigen. Die Zett dazu ist ledoch noch mcht gekommen. Der Heber gang von der inneren zur äußeren Politik war naheliegend. Wir bemühen uns, mit allen Mächten in einem innigen und herzlichen Verhältnis zu leben, gleichgültig ob es romanische, angelsächsische oder germanische Länder sind. Damit will ich nicht sagen, daß nicht auch wir unsere außenpolitischen Schwierigkeiten haben Alle Völker, die sich von fremder Bevormundung frei machen und ihr Leben aus eigener Kraft leben wollen, haben solche Schwierigkeiten. Aber bei diesem Werke der Verselbständigung wollen wir nicht sprunghaft Vorgehen, sondern langsam, vorsichtig und ohne Gegnerschaft zu erwecken. Andererseits ist unser Streben nach Verselbständigung nicht gleichbedeutend mit .Fremdenfeindlichkeit. Spanien ist mehr als jede andere Ration gewillt, ausländische Kräfte zu herzlicher Mitarbeit in feinem Lande hevanzuziehen. Wir wollen aber als ein Land höherer Kultur be- Herzen der Menschen weiterzuerzählen Ich kann nicht anders, aber ich tue es ja so gern. Als ich in diesem Städtchen Lier auf die Welt geblasen wurde, am Abend des 5. Juli 1886, war ich das dreizehnte Kind von vierzehn. Ich wuchs heran in den schönen Lierschen Spitzen, wie das Städtchen Lier selber darin aufwächst. Wer macht nicht in Spitzen? Und wir wuchsen heran in Spitzen, ich auch, und ich zeichnete bald die Märchenblumen nach und erfand neue. Und früh schon lauschte ich den armen Arbeiterinnen, die die schlohweißen Spitzen ablieferten, ihrer saftigen Sprache, ihren farbigen Gesprächen und Serben Geschichten. Und der Vater erzählte uns so herrlich von Schneewittchen, von Rotkäppchen, von Hänsel und Gretel, vom Jesuskind und von Maria und Josef, aber stets war er selber dabei gewesen, und er lieh alles in unserem Lande sich ereignen. Er war es, der den Wolf im „Rotkäppchen" getötet hat. Uni) so habe ich mir stets das Leben des Jesuskindes in unserem Flandern vorgestellt. Er konnte schöne Lieder fingen und spielte für uns mit ausgeschnittenen Puppen den Doktor Faust und den Löwen von Flandern. Lind ich versuchte, ihm nachzueifern, erzählte, reimte, zeichnete selber kleine Puppen und spielte Theaterstücke. Lind allmählich kamen dann die Bücher, und ich besuchte die Akademie, und nach und nach füllte sich mein Rumpelkasten mit Zeichnungen, Theaterstücken, Erzählungen und ... Liebesgedichten. Wie bei jedem Flamen, so zeigte sich auch bei mir die zwiespältige Ratur: ein Zug zur Realität, zum Sinnlichen, und eine Reigung zur Mystik. Meine abendländische Mystik erlag aber bald dem betäubenden Einfluß des Orients, und ich ergab mich dem Studium des Okkultismus, Buddhismus, Kabbalismus und ich weiß nicht wie vieler anderer Ismen. Aber ich wagte es nicht, einen Ismus daraus zu wählen und danach zu leben; Angstgefühl, Furcht vor dem Leben und Aberglauben waren die Folgen, und hieraus wurde das grausige Büchlein „Die Dämmerungen des Todes" geboren. Eine Operation warf mich hilflos aufs Äranlenlager. Ich glaubte den letzten Atem auszuhauchen, aber ich tat es nicht. Eine neue Lebensfreude richtete mich auf. Wer jetzt nicht mehr, um den Schlüssel aller Mysterien zu finden, sie konnten mir gestohlen bleiben, sondern um zu leben, dankend und bewundernd zu leben! Lind hieraus erwuchs der „Pal- l i e t e r“. Als dieser beendet war, brach der Krieg aus, und wieder schien es, als ob durch diesen Brudermord meine Lebensfreude wie ein Strumpf zusammenrutschen, wie eine Kerze verlöschen wollte. Im zertrümmerten Städtchen Lier saß ich mit meiner Frau, deren Mutter und unserem Hund und wartete traurig auf das Ende des Dramas. Aus den Erzählungen und den alten Gebeten dieser Mutter lebten, frisch und farbig wie auf gemalten Kirchenfenstern, die vergessenen Vorstellungen vom Jesuskinde wieder auf. Lind ich selber lebte dabei auf und ich schrieb „D a s Jesuskind in Flandern". Run lauschte ich dem Städtchen, und ich hörte es erzählen aus all seinen Steinen und glitzernden Fensterscheiben. Ein fallendes Blatt oder eine weihe Wolke, die über rote Dächer dahintreibt, können manchmal ein Buch entstehen lassen. Eine äußere Veranlassung kann genügen, um einen Faden zu ziehen durch allerhand wirr durcheinander geworfene Gefühle tief in uns und ein einziges Gefühl daraus zu machen. Lind immer wieder die Menschen n-f'iner .Umgebung, die ich alle kenne und die Dächer und Schliff, cllche., d e flüstern! So wurde „Das Licht in der Laterne" an» gezündet, und so bin ich immer mehr Schriftsteller geworden, was erst gar nicht meine Absicht war. Die Farbe zum Malen wird hart in den Tuben, und ich male doch auch so gern! Seit Jahren lockt es mich, das Leben des heiligen Franz zu erzählen. Lind während ich immer noch hoffe, bald ihn, die Rachtigall Gottes, ehren zu können, schreibe ich jetzt die Geschichte von Peter Drueghel dem Aelteren, und freue mich sehr, daß über ihn so gar nichts bekannt ist, weil ich nun von ihm erzählen darf, was ich will. Und von dem alten Städtchen Lier, das sich in mein Zimmer drängt, höre ich noch das handelt werden, und unsere Reigung werden wir denen vor allen anderen zuwenden, die Achtung und Vorliebe für uns bekunden, nicht nur durch ökonomische Betätigung, sondern auch durch ihre Gefühle. Ratürlich kam das Gespräch auch aus das Verhältnis Spaniens zu Frankreich in Marokko. Darüber sagte mir der General folgendes: Ich habe keinen Grund zu glauben, daß die in Paris über die Tangersrage geführten Verhandlungen einen anderen als freundschaftlichen Ausgang nehmen werden. Augenblicklich bewegen sie sich im Kreis um zwei wesentliche Punkte: erstens um die Spanien einzuräumenden Befugnisse zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Ausübung der Polizeigewalt nicht nur in der Stadt Tanger, sondern auch in ihrem Hinterland; zweitens um die zu befolgende gemeinsame Politik in der Grenzzone zwischen dem französischen Protektorat und dem spanischen Herrschaftsgebiet. An der Beseitigung der Schwierigkeiten, die diesen Fragen anhaften, arbeiten gegenwärtig in Paris unsere Diplomaten gemeinsam mit den französischen. Ich erwarte stündlich Rachrichten von einem Uebereinkommen, das ich schlechterdings für unerläßlich halte: denn ohne ein solches würde Marokko unaufhörlich ein Ouell der Beunruhigung für die ganze Welt bleiben. Es ist wohl überflüssig, daran zu erinnern, daß Kolonialkriege immer die Vorläufer von Kriegen auf dem Festland gewesen sind. Hier wurde der General durch seinen Kanzleidirektor unterbrochen, der gekommen war, von Dem Regierungschef dringende Llnterschriften einzu- holen. Dann fuhr er fort: Wenn man im Auslande glaubt, daß Spanien aus Gründen militärischer Ruhmsucht ein Interesse daran hat, den Brand in Marokko zu schüren, so ist das eine Verleumdung. Ich bin ein überzeugter Pazifist. Wenn Sie daran zweifeln, dann fragen Sie unfern nächsten Rachbarn, Portugal, wie viele imd wie große Streitigkeiten Jahr für Jahr nur allein durch die Rivalität der Fischer entstehen, die ohne unsere Rachgiebigkeit zu scharfen Konflikten führen müßten. Wir legen sie aber jedesmal ganz von selbst in der freundschaftlichsten Weise bei, ohne daß die Presse auch nur Zeit findet, sie an die Oeffentlichkeit zu bringen. Was uns anlangt, so haben wir bad Wort „Gewalt" in den Beziehungen zu den Mächten bis zu den äußersten Grenzen des Möglichen durch die Worte „Vernunft", „Gerechtigkeit" und „Siebe" erseht. Selbst wenn uns die Llmstände ein anderes Vorgehen erlaubten, würden wir grundsätzlich darauf verzichten, als Gewalthaber aufzutreten. Daß wir andere Absichten in Marokko hätten, konnte man nur zu Llnrecht glauben. Sobald wir die Entwaffnung der aufrührerischen Stämme durchgeführt haben, werden wir jenem Volke zeigen, wie groß Spaniens Edelmut ist. Ich bemertte dem General, daß diese seine friebfertigen Bestrebungen sich in wunderbarer Liebereinstimmung mit den Endzielen des D ö l - kerbundes befänden. Warum hat sich dang Spanien entschlossen, aus dem Dollerbunde auszutreten? Der Völlerbund, entgegnete der General, wird keine festere Stühe haben als uns, wenn er unsere gerechten Gründe anerkannt haben wird und unsere Würde gewahrt ist. Lieber diesen Gegenstand wollte der General sich nicht weiter äußern; doch eine Persönlichkeit seiner Hingebung hatte keine Bedenken, seinen Gedanken zu ergänzen. Wenn die Lenker des Genfer Werkes den Wunsch haben, daß Spanien seinen Entschluh rückgängig mache, dann mögen sie eine entsprechende Geste tun und Versicherungen bieten, die dem kastilianischen Stolz genug tun... Bevor mich der General entlieh, betonte er noch die brennende Rotwendigkeit des äußeren Friedens, wie auch des inneren in dem Verhältnis der Klassen zu einander, und fügte hinzu: Sn dieser Hinsicht habe ich den Massen der Arbeiterschaft und den Hnternehmerkreisen das Ihnen bekannte neue Kooperativsystem geboten, das den sozialen Frieden in Spanien tatsächlich verwirklicht hat. Worin es besteht, wissen Sie. Durch ein königliches Dekret vom 27. Ro- vember vorigen Jahres haben wir die alten Gilden in Spanien wieder hergestellt. Alle Arbeiterverbände ernennen frei, ohne jeden Druck von Setten der Regierung, Abgeordnete für jeden Industriezweig. Im Verein mit den Arbeitgeberverbänden regeln diese — ohne Einspruchsrecht, Murmeln von tausend Geschichten. Sie prügeln sich darum, wer zuerst aufs Papier kommen soll, die „Menschen von Lier". Hnd bann ist noch dies, und bann ist noch bas. Ein Faß Tinte braucht man bazu. Kommt; gebt mir Feber unb Papier, wir wollen gleich anfangen! ... Morgen werbe ich bann vielleicht malen... Hochschulnachrichlen. — Der ordentliche Professor Dr. theol. Bernhard Geher in Breslau hat einen Ruf auf die neuerrichtete Professur für Dogmatik in der katholisch-theologischen Fakultät der Hniberfität Bonn erhalten. — Zur Wiederbelebung des Lehrstuhls für öffentliches Recht an der Uni- versität Göttingen ist ein Ruf an den Ordinarius Dr. jur. Herbert Kraus in Königsberg ergangen. — Der durch den Abgang des Prof. G. Kallen an der Unioerfi tat Münster erledigte Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte ist Professor Dr. Anton Eitel in Freiburg i B. angeboten worden. — Professor Dr. mea. et phil. S. I. Thannhauser in Heidelberg hat die Berufung als ordentlicher Profeffor für innere Medizin und Direktor der medizinischen Klinik an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf als Rachfolger des Geh. Rats Hofmann angenommen. — Prof. Arnold Mendelssohn in Darmstadt ist aus Anlaß der 450-Jahrfeier der Universität Tübingen zum Ehrendoktor ernannt worden. — Der a. o. Professor an der Berliner Hnioerft* tat Dr. Theodor Drugsch hat einen Ruf auf das Ordinariat der inneren Medizin an der Universität Halle als Rachfolger von Franz Vol- hard erhalten und angenommen. — Der bisherige o. Professor an der Göttinger Universität für Soziologie, mittlere und neuere Geschichte Dr. phil. Andreas Walther ist vom 1. Oktober 1927 an zum planmäßigen ordentlichen Professor der Soziologie und Direttor des soziologischen Seminars in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Hamburgischen Universität ernannt worden. '■V Klei dem Kleebachtal, 27. 3uIL sind 6eli Juli, hier, Marburg im Zeichen der 400-Iahrfeier. ][ Marburg, 27. Juli. Gar mächtig regte es sich in den letzten Monaten und Wochen in der Stadt Philipps des Großmütigen. Stadt uni) Bürgerschaft wetteiferten miteinander, um den alten Gassen uni) den altertümlichen Gebäuden und Holzfachwerkbauten, an denen Marburg so reich ist, ein würdiges Aussehen zu geben. Biele schaffende Hände waren nötig: überall, wo man hinschaute, wurde gearbeitet. Bald war diese, bald jene Straße aufgebrochen, die ausgetretenen Stufen an den vielen Treppchen und Treppen, die vom Tal zur Altstadt, von dort zum Pfarrkirchhof und schließlich zum Landgrafenschloß führen, sind sämtlich ausgebessert bzw. völlig erneuert worden. Wie bereits gemeldet, wurde die mit dem Universitätsgebäude zusammenhängende alte Dominikanerkirche in ihrem Inneren völlig umgestaltet und am letzten Sonntag neugeweiht. Der Erweiterungsbau der Deutschen Burse wurde ebenfalls in Benutzung genommen, und im Forsthof, der als Geschenk der Kirchenregierungen Hessen-Nassaus mit dem gleichfalls als Heim für unbe- inittelte Studierende durch eine Stiftung zur Verfügung gestellten Carl-Duisberg-Haus vereinigt wurde, wurden die letzten Instandsetzungsarbeiten erledigt. Biele Häuser der Stadt haben ein neues, buntes Kleid bekommen. Das hiesige Maler- und Anstreichergewerbe hatte wohl noch niemals so viele Aufträge zu erledigen, wie in den vergangenen Monaten. Zu den neu ausgemalten Gebäuden gehört auch die Universität. Eine Menge Arbeitskräfte wurden bei dem Bau der I'ubilaumsgeschenke benötigt. Wie vorauszusehen war, kann die Jnnenausge- staltung des neuen Kunstinstituts bis zum Iubi- läum nur teilweise erfolgen. Daß das abgebrannte Dach und Obergeschoß des Land- gr afenhauses auch schon wieder aufgebaut und bis zum Iubiläum in seinem Aeußeren fertiggestellt ist, soll ebenfalls nicht vergessen werden. Auf dem K ä m p f r a s e n ist ein großes Festzelt, das mehreren tausend Personen Platz gewährt, erbaut und auf dem Audolphsplatz wartet das Gefa llenendenkmal auf seine Enthüllung. So ist in Marburg zum Jubiläums- feste alles vorbereitet, die Gäste würdig zu> empfangen, Unö sie treffen schon nach und nach ein. Wer in den letzten Tagen durch Marburgs Straßen wandelte, den buntfarbigen Farbenwald und die studentischen Umzüge betrachtete, muhte den Eindruck gewinnen: Marburg ist schon mitten in seiner Jubiläumsfeier. Glanzpunkte des Festes dürften der historische F e st z u g am Sonntagmittag, sowie die Illumination von Stadt, Schloß und umliegenden Höhen am Sonntagabend auf Grund völliger Parität der Rechte und Pflichten - - alle auf das Berhältnis der beiden Klassen bezüglichen Angelegenheiten, seien es Lohnfragen, seien es Fragen der Arbeitszeit oder der industriellen Betriebsführung. Dieses Kooperativ- systcm, dem alle Arbeitergruppen, selbst die rötesten der Roten, begeistert beigetreten sind, scheint bereits den Pesthauch vom Horizont vertrieben zu haben, der im September 1923, am Dorabend der Geburt der Diktatur, das ganze Land, namentlich aber Katalonien, zu einer wahren Hölle gemacht hatte... So zeigt sich General Primo de Rivera in jeder Hinsicht als der zuversichtlichste unter allen Staatsmännern des alten Europas. Ein D war weg! Herrschaft jängnis v und bestr haben. 2 gründlich seinem Ä herb stehl für erroiei Gntbedung die Arasii hung M Argen der Saufin iaiignis er "igenlums '«en nerfd sei bei eine den. Da bi darf, muri Die $ brrg.br Nängni! wvrsrn 9« Labu Der ( öcr weg! ortee von bunben a wifibrud); fangnie c Berufung, bahn von Die Körnerbildung ist gut, so daß man im allgemeinen mit der Ernte zufrieden fein kann. Im vorigen Jahre setzte die Roggenernte früher ein als in diesem Jahre. Dillkreis. bl. Herborn, 27. Juli. Die Landwirtschaftskammer hat den Dau einer neuen landwirtschaftlichen Schule in unserer Stadt beschlossen. Der Kreis hat zu den Baukosten einen namhaften Beitrag geleistet. bl. Medenbach, 27. Juli. Hier ist man man mit dem Bau eines neuen Schulhauses beschäftigt, daß im Rohbau bereits vollendet Schulstraße, einen aus ' lgien von Monsieur le pieket, College Ste. Barbe, 34 Rue Savaen Gand, abgesandten kleinen Kinderballon. Die ange- hängte Karte trug Aufschriften in holländischer, französischer und deutscher Sprache. Auf der Karte war der Wunsch ausgesprochen, dieselbe an den Absender zurückzuschicken. Dem Wunsch soll entsprochen werden. $ Sonnt' Schwir rin I Streck Stunde die ju berzeilr arniigf schon ir bad) O slraße l etwa 2( einer Dl crsche. Tater1' muhte 1 gebracht Sie bei fron eil leicht d asc unter £ ftehendei lurmo vettvaltu zur Grü licken Sa von feite Gegenstär her sachk, Frankfurt gebaute beruht ir und biol schammg> geistiger Grundlaj tötenkabi , , gelegenen Gemarkungsteikn des Kleebachtales, auf deren zum Teil steinigem Boden das Getreide früher zu reifen pflegt als sonst, hat man mit dem Schnitt des Roggens begonnen. Das zum Teil ungünstige Wetter hat die Ernte im großen und ganzen nicht wesentlich nachteilig beeinflußt. Rur in geringem Almfange liegt das Getreide am Boden. den zahlreiche nehmen. O Aus In den höher ift ?n versus stark zr heben, nahmer Heck' ZÄ Ärsüh anderer bilde 'ich bi' zugelek 11 Fortfetz "Siurfil ft unb bi 'ftuts [q| "M hq.l ^-chen in A'° . anti 'kantend, mc Zwettkorr •"»ibringen . ,'^ber i gleitet ift- ^ngtoni iS* M°pt. ^nen jn ÄmenfS Dl n^en. »le ' hgK-lb^i ^ben Ci/ suchungen der seltenen dortigen Gesteursarten vorzunehmen und die Quellen zu besichtigen. Auch das seht stillgelegte Braunkohlenbergwerk erregte bei den Geologen großes Interesse 00 Aus dem Niddatal, 27. Juli. Der Sauerbrunnen bei Staden wird von den umliegenden Orten, die zum Teil an der Quelle beteiligt sind, sehr viel aufgesucht. Er liefert ein gutes „Sauerwasser", das stark kohlensäurehaltig ist. Die Quelle, die so tief liegt, daß sie bei Hochwasser überschwemmt wird, war aus diesem Grunde etwas verwahrlost, jetzt ist aber das Bassin wieder geschlossen, der Deckel ausgebeffert und gestrichen, der Zementboden ausgebessert, so daß sie wieder einen sauberen und guten Eindruck macht. 00 Aus der südlichen Wetterau, 27. Juli. Die Getreideernte hat nun ihren Anfang genommen, nachdem sie sich durch die Regenperiode verzögert hatte. Roggen und Gerste sind zum Schnitt reif, die übrigen (Betreibearten werden schnell reifen, so daß ohne Unterbrechung gearbeitet werden kann. Der Stand der Frucht ist gut; da keine schweren Wetter unsere Gegend heimgesucht haben, ist auch nicht viel Lagerfrucht vorhanden, so daß fast überall mit Maschinen gearbeitet werden kann. — Die feuchte Witterung hat auf den Wie - s e n einen üppigen Graswuchs erzeugt, der auf eine gute Grummeternte hoffen läßt. Ebenso stehen Klee, Kartoffeln und Hackfrüchte sehr gut, nur sind letztere sehr schwer von Unkraut frei zu halten. — Der Wald liefert dieses Jahr sehr viel Beeren aller Art, die in der Arbeitspause zwischen Heu- und Getreideernte in großen Mengen gesammelt wurden. Kreis Schotten 4 Ulrichstein, 27. Juli. Der Jakobi- mar k t, der für den oberen Bogelsberg Jahr für Jahr eine große Anziehungskraft besitzt, ist auch in diesem Jahre bei wirklich günstigem Wetter gut verlaufen. Die Besucherzahl war etwas geringer als in den letzten Jahren, wohl in Anbetracht des schönen Wetters, das viele Bauern bei ihrer Heuernte fest- gehalten hat, die sonst nicht ferngeb Heben wären. Der durch seine Filmaufnahmen oberhefsischer Heimatbilder weichin bekannte Kreisschulrat Lorentz von Lauterbach war auch erschienen und hak eine Reihe bewegter Markkbilder auf dem Filmstreifen festgehalten. -f- Stumpertenrod, 27. Iuli. Dieser Tage machte der hiesige Kriegerverein einen Ausflug nach der Edertalsperre. Man hatte zu diesem Zweck vom Postamt Ulrichstein ein Postauto gemietet, das die Teilnehmer am frühen Morgen von hier mitnahm und am Abend wieder zurückbrachte. Der Ausflug verlief zur allgemeinen Zufriedercheit. — Der regelmäßige Postauto- verkehr, der seit Mai auch durch urtfer Dorf ging, ist feit letzter Woche wegen Unrentabilität und wegen der Berge, die bei diesen Fahrten zu überwinden waren, wieder eingestellt worden. Die Einstellung des regelmäßigen Postauto- verkehrs wird allseitig bedauert. Preußen. Kreis Wetzlar. H Wetzlar, 27. Juli. Heute nachmittag kurz nach 4 Uhr wurde unsere Gegend von mehreren Gewittern mit starken Blitzentladungen heimgesucht. Glücklicherweise hat die engere Umgebung der Stadt wenig abbekommen. O Klein-Rechtenbach, 27. Juli, Die in der Unterhaltung des Kreises stehende Ber- bindungs st ratze von hier nach Hochelheim. der sogenannte „Moorweg", der auf einer größeren Teilstrecke in diesem Jahre eine neue Kleinschlagdecke erhalten hat, wird zur Zeit auf einer mehrere hundert Meter langen Strecke mit einer Teerdecke überzogen. Die Arbeiten werden durch die Dampfwalzenfirma Theodor Ohl, Limburg, ausgeführt. — Rachdem sich hier vor kurze,u eine freiwillige Feuerwehr gebildet hat, hat die ©emeinbe nunmehr ein neues Spritzenhaus erbauen lassen. Das Grundmauerwerk wurde von dem Unternehmer Rehorn und die übrigen Arbeiten von dem Zimmermeister Binz, Groh-Rechtenbach, ausgeführt. Das Sprihhaus- dach ist aus Wellblech hergestellt, die Holzwände sind mit einem Karbolineumanstrich versehen, um sie gegen die Witterungsunbilden widerstandsfähiger zu machen. □ H ö rn she im, 27. Juli. Am Sonntag fand hier das diesjährige Synodalfest für innere Künstlicher Bernstein. In den Retorten der Chemiker konnte, wie Direktor Behrens in der Umschau berichtet, aus Phenolen, die aus dem Steinkohlenteer gewonnen werden, unter Zusatz eines Salzes oder eines Al- kalis, sowie geigneter Farbstoffe, künstlicher Bernstein erzeugt werden, der sich in seinem Aeuheren in nichts vom natürlichen Bernstein unterscheidet. Das Verfahren geht beispielsweise so vor sich, daß Formaldehyd mit Natriumhydroxyd erhitzt und zu einer zähflüssigen Masse eingedickt wird. Rach dem Zusatz von Farbstoffen wird die Masse in geeignete Formen gegossen und bei hoher Temperatur in Heizschränken getrocknet. Der so gewonnene Rohstoff wird dann in der üblichen Weise weiter verarbeitet. Der Kunstbernstein tft nicht schmelzbar, fest gegen Säureangriffe und fast unlöslich. Infolge der wohlfeilen Ausgangsstoffe ist er zehnmal billiger als echter Bernstein: der Kunststoff dunkelt jedoch in der Sonne nach Man kann ihn auch noch auf verschiedene andere Arten vom Raturbernstein unterscheiden. Beim Rauchen aus einer künstlichen Spitze riecht diese nach Karbol. Da der Kunstbernstein ein größeres spezifisches Gewicht hat als das natürliche Harz, so geht er in einer Lösung von 30 vom Hundert Kochsalz unter, während der echte Bernstein schwimmt. Endlich hinterlassen Aethertropfen auf dem Kunsterzeugnis matte Necken, während echter Bernstein blank bleibt. Auch der Richtfachmann wird sich danach vor einer Ueberborterlung beim Kauf sichern können. Mission, Dcraniiaitet von der Synode Wetzlar^ statt. Die Festpredigt wurde von dem Vorstand des Elberfelder Diakonissenhauses, Pfarrer D. E r» furth, gehalten. Jn der Nachoersammlung gab D. Erfurts) Schilderungen aus seinem großstädtischen Arbeitsfelde, die einen tiefen Eindruck hinterließen. Als zweiter Redner sprach Pfarrer Schneider, Hochelh.im. über die Berliner Stadtmission. Äe Schlußanspräche hielt Drtspfarrer Koch. Zur Verschönerung der bei'der Kirche im Freien stattgehabten Feier trugen Posaunen- und gemischte Chöre bei. 0 Niederkleen, 27. Juli. Die Arbeiten an denz teilweisen Umbau des elektrischen Ortsnetzes der hiesigen Gemeinde sind durch Beschluß des Gemeinderats dem Ingenieur Fritz Groh aus Leun übertragen worden. Es handelt sich um die Abnahme von 5200 Meter alter Cisenleitung und den Ersatz durch Kupferseil bzw. -draht, sowie die damit verbundenen Nebenarbeiten Auch bei einer Anzahl Hausanfchlüsse soll die Eisenleitung durch solche von Kupfer ersetzt, ferner sollen fämlliche Zähler und Hausanschlußficherungen neu plombiert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf mehrere tausend Mark. 0 Dornholzhausen, 27. Juli. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald die diesjährige Loy» holzversteigeung statt. Es hatten sich Käufer nicht nur aus der hiesigen, sondern auch aus den Ge- memden Hochelheim, Niederkleen und Vollnkirchen eingefunden. Insgesamt kamen 465 Raummeter Eichenreifer 2. Klasse zur Versteigerung; für den Raummeter wurden durchschnittlich 1,50 Mark bezahlt, so daß der aus 5 bis 6 Raummeter bestehende Haufen Lohholzwellen auf 7,50 bis 9 Mark zu stehen kam. Die Lohernte in einer Gesamtmenge von rund 120 Zentner wurde an die Firma Earl Becker, Gießen, verkauft. — Der dem Bankbeamten a. D. Wilhelm aus Frankfurt a. M. gehörige Hof „Strauch" bildet in diesen Tagen den Treffpuntt von Beerensammlern aus den Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung. Die Himbeerernte ist nämlich dort im vollen Gange und lockt viele Hausfrauen, die die Beeren für" häusliche Zwecke sammeln und verwenden, dorthin. Während in früheren Jahren das Sammeln der Himbeeren unentgeltlich gestattet war, haben jetzt die Sammler ein geringes Entgelt zu zahlen. Biele Bauersfrauen und -mädchen pflücken auch die Beeren und bringen sie auf den Wochenmarkt nach Gießen; sie schaffen sich hierdurch einen kleinen Nebenverdienst. — — Groß-Alten st äbten, 27. Iuli. Dem Beispiele zahlreicher anderer Ortschaften unseres Kreises folgend, hat auch unferc Gemeinde in diesem Iahre eine Wasserleitung erbaut. Bereits im Iahre 1914 wurde mit den Vorarbeiten dazu begonnen, jedoch machte der ausbrechend« Weltkrieg und die dann folgende Geldentwertung eine Weiterführung des Baues unmöglich. Die Baukosten für unsere Wasserleitung, die über natürlichen Druck verfügt, betragen rund 45 000 Mark, die unsere Gemeinde durch Aufnahme einer langfristigen Anleihe und eine Extrafäklung ttn Gemeindewald aufbrachte. —tz— Garbenheim, 27. Iuli. Am kommenden Sonntag und Montag feiert der hiesige Männergesangverein „Borussia" fein 60jähriges Jubiläum An der Veranstattung wer- auswärttge Gesangvereine teil* hörigen Bremsung mitgenommene Treibmittel wäre natürlich bei der Ausfahrt als Nutzlast zu betrachten, und mir müßten beifpielsweise bei Nitroglyzerin nicht das 1920fache, sondern vielmehr das 1920X1 1920 = dem 3 686 400fachen des Raumschiffs an Nitroglyzerinladung mitnehmen, ganx abgesehen davon, daß der Zerknall einer solchen Treibmittelmenge ein Erdbeben verursachen müßte, gegen das die bisher bekannt gewordenen Beben ein Kinder- spiel wären. Selbst wenn also unser Schiff einschließlich des Gewichts der Weltreifenden, Maschinen, Apparate, Verpackung des Nitroglyzerins nur 300 bis 400 Kilogramm wiegen sollte, so wären zu feiner Beförderung doch über eine Million Tonnen Nitroglyzerin erforderlich — und das ist natürlich eine Unmöglichkeit. die Verluste an. Dann aber ergäben sich noch Schwierigkeiten anderer Art, indem die Geschosse, zunächst freilich nur an der Oberfläche, weißglühenk/ würden, wie uns ja die Meteore, deren Geschwindigkeit wir uns nähern müßten, deutlich zeigen. Gehen wir nun zur Rakete über! Sie unterscheidet sich vom Geschoß dadurch, daß sie ihre Sprengladung mitführt und unterwegs abfeuert. Aber der hierdurch erreichbare Vorteil trifft nur die Ueberminbung des Luftwiderstandes, der in der Lorenzschen Rechnung mit Absicht außer Betracht blieb. Denn günstiger als das Geschoß wäre die Rakete nur insofern, als sie sich die größten Geschwindigkeiten für den Weltraum verspüren könnte, wo sie nicht vom Luftwiderstand aufgezehrt werden. Sehen wir vom Luftwiderstand ab, so ist die Rakete nicht günstiger als das Geschoß; im Gegenteil, noch ungünstiger: bei ihr geht ja ein noch größerer Teil der Energie dadurch verloren, daß sie dem Treibmittel mitgeteilt werden muß, statt unmittelbar unserem Raumschiff; denn ein erheblicher Teil des Treibmittels muß ja mit in die Höhe gehoben werden, ehe er das Geschoß weitertreiben kann. Es wird uns also nicht wundern, daß die Rakete an Wirksamkeit hinter dem in einen gedachten luftleeren Raum ab gefeuerten Geschoß noch zurückbleibt. Lorenz berechnet die Maße des Treibmittels im Verhältnis zu dem von ihm angetriebenen Raumschiff und kommt bei feiner, allerdings etwas vereinfachten Rechnung, zu folgendem Ergebnis: Bei Nitroglyzerin als Treibmittel müßte dessen Masse nicht weniger als 1920mal so groß fein, wie die von ihm zu befördernde Nutzlast; bei Schießbaumwolle gar 8900mal so groß; bei der Verbrennung von Kohle kämen wir zwar mit dem 252fachen und bei der von Wasserstoff sogar mit dem 156fachen aus, fo daß also beim ffiafferftoff unser Raumschiff, freilich einschließlich der zur Aufbewahrung des Wasserstoffs und Sauerstoffs dienenden Behälter, den 156sten Teil des Gewichtes dieser Gase wiegen dürste. Schließlich jst aber noch eine kleine Schwierigkeit da: Falls wir Wert darauf legen, nach glücklich bestandener Weltreise zur Mutter Erde zurückzukehren. muß natürlich die Rakete, um einen allzu schleunigen „Fall aus allen Himmeln" zu vermeiden, vor Einlaufen in den Erdhafen ein wenig gebremst werden, und dieseBremsung verschlingt, wenn wir von der Lustreibung, die uns hier allerdings zugute kommen würde, absehen, ebensoviel Treibmittel, wie feiner Zett die Abfahrt. Das zur nachn. Grotzen-Linden, 27. 3ult Hier wurde gestern mit dem Abernten des Roggens, acht Tage später als in früheren Jahren, begonnen. Die Aehren haben sich recht gut entwickelt. so daß der Körnerertrag gut ausfallen wird. Auch die übrigen Getreidearten versprechen einen guten Ertrag. # Hungen, 26. Juli. In Ausführung des Beschlusses der Generalversammlung zu Älsseld unternahm der Hessische Landjugend- b u n d am Sonntag einen Ausflug nach Kassel und Wilhelmshöhe. Der Verkehrsoerein Kassel hatte unentgeltlich die Führung übernommen. Die Teilnehmer waren hochbefriedigt über das Gesehene. — Verschiedene (Erneuerungsarbeiten werden am hiesigen Bahnhofe vorgenommen, das Bahnhofsgebäude selbst erhält einen neuen Verputz. f Aus dem Horlofftal, 27. Juli. Heute zog ein schweres Unwetter über unsere Gegend, wie es seit Jahren nicht erlebt würbe. Wolkenbruchartiger Regen, zeitweise mit Hagelschlohen vermischt, richteten auf den Feldern von Trais-Horloff, Steinheim, Rodheim, Unter- und Ober-Widdersheim und Rabertshausen erheblichen Schaden an. Es fielen Hagelkörner Dtm der Größe eines Taubeneis. Im Verein mit einem orkanartigen Sturm wurde die letzte noch stehende Frucht zum Lagern gebracht. Korn und Gerste haben am meisten gelitten, befand ers den liegenden Gerstenglocken wurden viele Körner ausgeschlagen, aber auch bei Weizen und Hafer wurden Kolben und Rispen gefnuft und abgeschlagen. Die Fruchthausen wurden um- geworfen. Zum Teil sind die Landwirte gegen Hagelschlag versichert. Weniger Schaden ist an den Hackfrüchten (Kartoffeln, Dickwurz) und den in diesem Iahre vermehrt angebauten Zuckerrüben entstanden. In den Gärten wurden teilweise die Stangenbohnen vollständig von den Stangen herunter auf den Boden geschlagen, ohne daß die Blätter befvnders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. In den Baumstücken wurden ganze Aeste abgerissen und Baumstützen umgeworfen. Eine Menge Aepfel deckt den Boden. Der Blitz schlug verfchiedenemal in die Hochspannungsleitung des elektrischen Ueberland- werks; ein kalter Schlag fuhr in die Kirche zu Trais-Horloff, wo im OrgeliDerf Schaden angerichtet wurde, außerdem schlug ein Blitz in eine Scheune zu ViHingen, die vollständig ein« geäschert wurde. Kreis Friedberg. . Pohl-Göns, 27. Iuli. Gestern abend fand dahier eine gemeinschaftliche Sitzung des Kirchenvorstandes, der kirchlichen Ge- meinbeöertretung und des Gemeinderats unter Vorsitz des Bürgermeisters statt wegen Erweiterung der Kirche resp. Anbau an dieselbe, wozu Antrag aus der Gemeinde gestellt worden war, da die Kirche mit ihren 180 bis 200 Sitzplätzen für die sonntäglichen Gottesdienste sich zu klein erweise. Rach längeren Verhandlungen wurde der Antrag einstimmig abge- lehnt, und zwar im Blick daraus, daß die eben im Gang befindliche Reparatur der Kirche an 10 000 Mark kosten wird, die die Gemeinde gern aufbringen wird; daß aber auch andere Ausgaben für wichtige Zwecke — Kanalisation, Wasserleitung — bevorstehen. Bei der eigentümlichen Bauart unserer Kirche würde eine Erweiterung Kosten verursachen, die dem erreichten Zwecke nicht entsprechen. Was die Anlage einer Heizung betrifft, so wird eine Heizungsart geplant, durch welche die Schulsäle und Kirche zusammen geheizt werden können. Kreis Büdingen. A Ridda, 27. Juli. Gestern trafen hier etwa 25 Herren einer <5 tuM enf om mif * sivn de r Bergakademie Clausthal im Harz unter Führung von Dipl.-Ingenieur Buschiendvrf ein, der Assistent an der ge- nannten Hochschule ift Die Geologen machten Exkursionen in die Umgebung von Ridda auf den Kiffelberg, in dessen rote Basaltlava prächtige Iabasite eingebettet sind, dann auf das Ziegelrohr mit dem städtischen Steinbruch, von da nach Michelnau zur Besichtigung des dortigen großen Steinbruchs. Ueberall in hiesiger Gegend finden die Fachleute interessante geologische Formationen, namentlich in Bad-Salzhausen, wohin die Studienkommission einen Abstecker machen wird, um mineralogische Unter- Geschwindigkeit annehmen muß, auch wenn sie inzwischen vergast ist. Dieser dem Geschoß nicht mit« teilbare Teil der Energie wird desto größer, je mehr die Masse der Sprengladung im Verhältnis zu der des Geschosses anwächst. Durch solche lieber« legungen kommt Lorenz schließlich dazu, festzuftel- len, daß nur ein solches Treibmittel dem Geschoß die oben errechnete Anfangsgeschwindigkeit erteilen kann, dessen Energie ausreichen würde, sich selbst bis zu einem Drittel des Erdhalbmesfers emporzu- heben. Ist die durch Abbrennung oder anderweite chemische Mittel frei zu machende Energie eines Treibmittels nicht so groß, so nutzt die bloße Vermehrung der verwendeten Menge gar nichts. Wie steht es nun in dieser Hinsicht mit unseren wirkungsträftigsten Treibmitteln? Die im Nittogly« zerin, dem wirksamen Bestandteil des Dynamits, schlummernde Energie ist so groß, daß man, natürlich ganz unabhängig von der abzufeuernden Menge, das Nitroglyzerin damit bis auf die Höhe von 670 Kilometer heben kann. Bedenkt man jedoch, daß durch Wärmeverluste und dergleichen immer eine Energiezerstreuung unvermeidlich bleibt, so kommen hiervon höchstens 464 Kilometer in Betracht. Bei Schießbaumwolle lauten die entsprechenden Zahlen 460 und 306 Kilometer. Es wird vielleicht manchem überraschend sein, daß es noch viel energiehaltigere chemische Vorgänge gibt, obwohl sie viel harmloser aussehen, als Schießbaumwolle oder gar Nitroglyzerin, nämlich die Verbrennung von Kohlenstoff, und noch mehr die von Wasserstoff. Die erste wäre imstande, die bei ihr beteiligten Stoffe 1250 oder 835, die des Wasserstoffs sogar 1520 oder 1010 Kilometer hoch zu heben, wenn eine einigermaßen restlose Erfassung dieser Energie und ihre Umwandlung in Bewegungsenergie, ähnlich wie etwa beim Dynamit, möglich wäre; daß das nicht der Fall ist, geht ja schon daraus hervor, wie unendliche Mühe sich die Techniker geben, einen auch nur viel bescheideneren Bruchteil der Kohlenenergie zu erfassen. Aber alle diese Zahlen reichen bei weitem nicht aus, denn das erforderliche Drittel des Erdhalbmesfers beträgt mehr als 2000 Kilometer. Dabei ist, wie bemerkt, der Luftwiderstand noch nicht einmal berücksichtigt; tatsächlich ist er jedoch ungeheuer groß, und er wächst geradezu unheimlich, je größer die gewählten Geschwindigkeiten find. Einerseits müßten wir also, um die Versuche durch den Luftwiderstand auszugleichen, die Anfangsge- fchwindgikeit noch weit größer nehmen, andererseits wüchsen durch bte gesteigerte Geschwindigkeit auch Die unmögliche Mondreise. Von Professor Dr. Paul Kirchberger. Seitdem Jules Verne in einem seiner etwas phantasievollen, aber doch recht verdienstlichen Romane eine Reise in der Kanonenkugel nach dem Monde beschrieb, ist der Gedanke an eine Fahrt in den Weltenrcmm hinaus niemals eingeschlafen. Vor etwa 30 Jahren hatte Kurd Laßwitz mit seiner Erzählung „Auf zwei Planeten", die Fahrten zwischen der Erde und dem Mars schilderten, einen großen Erfolg; das Buch wurde namentlich von der Jugend verschlungen und regte unzählige Köpfe zum Nachdenken über solche Fragen nachhaltig an. Mit neuerdings zunehmender Lebhaftigkeit werden die Fragen der Möglichkeit einer Weltraumfahrt in den letzten Jahren erörtert, wozu wohl die ungeahnten Erfolge der Fliegerei beigetragen haben mögen. Nun stellte kürzlich Professor H. Lorenz von der Hochschule in Danzig in einem der Luftfahrt gewidmeten Sonderheft der „Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure" eine genaue Berechnung der Möglichkeiten eines Weltfluges an. Er unterfcheidek öabei den Flug durch Abschuß von der Erde aus und denRaketenflug. Natürlich ist es mit den Mitteln der heuttgen mathematischen Physik möglich, genau auszurechnen, melche Anfangsgeschwindigkeit ein durch Schuß in den Weltenraum hinausbefürderter Körper haben muß, wenn er dem Schwerefeld der Erde entrinnen soll; denn das ist natürlich nötig, selbst wenn wir nur die für die Verhältnisse des Weltenraumes oder auch selbst nur für die Verhältnisse unseres Sonnensystems außerordentlich bescheidene Entfernung von der Erde zum Mond zurücklegen wollen. Lorenz errechnet die immerhin recht statUiche Geschwindigkeit von 11180 Meter in der Sekunde, die unser Weltraumgeschoß haben muß; das ist etwa elf mal soviel wie die unserer schnellsten Geschosse, im Augenblick, wo sie die Rohrmündung verlassen. Dabei hat aber Lorenz die ungeheuer großen Verluste infolge des Luftwiderstandes noch nicht einmal berücksichtigt. Nun darf man nicht glauben, daß man die An- fangsgeschwindiHkeit eines Geschosses durch Vor größerung der Sprengladung beliebig steigern könne. Nimmt man nämlich diese Im Verhältnis zur Majse des Geschosses immer größer und größer, so wird ein immer größerer Teil der Energie dadurch oer braucht, daß die Spengladung. ehe sie dem Geschoß die Geschwindigkeit erteilen kann, erst selbst diese bilden. Von und nach allen Richtungen Sonderzüge bereitgestellt. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Watzenborn-Steinberg, 27. Beim Fruchtabmachen fand Karl Heß von ÄK: rln[ J'iieit fc fe H-UL'°» ? *> %h LL;Zrtz ** Äft DK ZsU 7%mrmeter flehende . ye amtmengc von nmd «« 8>Mü Kart Lecker Jem Lankb-Mtm a. ®' ~rt 01 M- gehörige Hof m?h" ^"InmnH von ws den Gemeinden der ^p- Himbeerernte n Emige und lockt viele ^ lur häusliche '- Jachin. Während in irnein der Himbeeren un> hoben jetzt die Sammler hkn. Viele Lauersfrauen 1 die Beeren und bmwen nach Giehen- sie schaffen Nebenverdienst. nstadten. 21. Juli. - anderer Ortschaften un- it auch unsere Tmeinbe asserleitung erbaut, wurde mit den Borarbei- h machte der ausbrechende folgende Geldentwertung i Baues unmöglich. Tie 'asserleitung, die über na- , betragen rund 45000 nie durch Ausnahme einer cnd eine Eftrasällung im te, im. 21. Juli. Am tonv Montag feiert der Wge rein .Borussia" fein In der Beranftaltung wertige Gesangvereine teil' Uebad)tal, 27.3uH i TemarkungSteilen des zum Teil steinigem Boer zu reisen Pflegt als i Schnitt des $00* ! -M Teil ungünstige im großen und ganzen g berinsluht. $ut ta fle* das Getreide am Boden, rat, so dah man im all- zufrieden sein tarn- 3m : Aoggeneriüe früher em kreis. l Juli. Die Landwirv Dau einer neuen land* Schule in unsererStM frat zu den Baudstan ig getriftet 27 M Hier tft Mw gg !*± äTJw® säm r MH-300’S 400 yzerms nur , io waren »" > n>itro» tfErfS* * r Bernstein- der 6^®i[e,J?Ä •'* « Steinkov^ eines -n-s Salzes ^ Köstlicher -r Zarbsto'^ " felnew t jeM verfchieSA Deü» u Spta^^he-s ist. 3m Herbst soll das Gebäude seine Weihe erhalten. bl. Dillenburg. 27. Juli. Die Stadt versucht mit allen Mitteln, den seit dem Kriege stark zurückgcgangenen Fremdenverkehr zu heben. Es wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen vorgenommen, insbesondere aber eine Verkehrskommission neu gebildet, der inan die ganze Angelegenheit zur entsprechenden Durchführung übertragen hat. — Die Schulen des Kreises haben zum ötoed entsprechender Vorführungen im Schulunterricht oder im Dienste anderer nützlicher Einrichtungen eine Lichtbilderzentrale geschaffen. 18 Schulen haben sich bislang einen eigenen Vorführungsapparat zugelegt. Maingau. LPD. Frankfurt a. M., 27. 3uli. Am Sonntag schwamm die 21jährige Frantsurter Schwimmerin Erika Park, eine Kandidatin für die Kanalüberquerung, die Strecke Eberbach—Heidelberg in knapp sieben Stunden. Es war eine Glanzleistung, welche die junge Schwimmerin zusammen mit ihrein derzeitigen Trainer Adolf Vollrath, dem einarmigen bekannten Langstreckenschwimmer, der schon im 3ahre 1913 von Biedesheim bis Eberbach schwamm, vollführte. — Der in der Börsen- straße wohnende Schneidermeister L. und sein etwa 20jähriger Sohn sind nach dem Genuß einer Dose Kernerbsen unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Während der Vater sich auf dem Wege der Vesserung befindet, mußte der junge Mann ins Stadt. Krankenhaus gebracht werden, wo er schwer krank daniederliegt. Die beiden hatten sich in Abwesenheit der Haus -rau eine Büchse Erbsen zubereitet, deren Inhalt leicht verdorben war. WSR. Frankfurt a. M., 27. Juli. Dem unter Leitung von Geheimrat Leo Frobenius stehenden Forschungsinsti tut für Kulturmorphologie wurde von der Schatull- Verwaltung des ehemaligen Kaisers eine Summe zur Gründung einer vergleichenden wissenschaftlichen Sammlung zur Verfügung gestellt. Es sind von selten des Instituts bereits sehr wesentliche Gegenstände angeschafft worden, deren Ausbau der sachkundigen Führung einiger Gelehrter der Frankfurter Llniversität untersteht. Der Grundgedanke des so sich neu entfaltenden Museums beruht in dem Bestreben, ähnlich den Herbarien und biologischen Reihenzusammenstellungen, Anschauungsbilder der Entwicklung materieller wie geistiger Kultur auf streng wissenschaftlicher Grundlage und im Gegensatz zu den alten Raritätenkabinettsanhäufungen auszuführen. Kleine Strafkammer Gießen. Gießen, 26. Juli. Ein Dienstmädchen aus Allendorf a. d. L. war wegen Diebstahls eines Brillantringes ihrer Herrschaft im Werte von 500 Mk. zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Sie verfolgte Berufung und bestritt nach wie vor, den Ring gestohlen zu haben. Dieser fand sich, obwohl die ganze Küche gründlich abgesucht worden war, am Tage nach seinem Abhandenkommen, unter dem vor dem Herd stehenden Kohleneimer. Das Amtsgericht hielt für erwiesen, daß die Angeklagte aus Furcht vor Entdeckung den Ring wieder borthin gelegt habe; die Strafkammer dagegen kam zur Freisprechung mangels ausreichenden Beweises. Wegen Unterschlagung einer Nähmaschine hatte der Kaufmann B. Sch. aus Nidda 1 Monat Gefängnis erhalten. Die Nähmaschine war ihm unter 'I'igentumsvorbehalt verkauft worden; sie ift inzwischen verschwunden. Der Angeklagte behauptet, sie |ci bei einem Einbruch in sein Lager gestohlen worden. Da diese Behauptung weiterer Aufklärung bedarf, wurde die Verhandlung ausgesetzt. Die Berufung eines Arbeiters aus Friedberg, der wegen Rückfalldiebstahls zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, wurde verworfen, da der Angeklagte trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war. Der Schalster Eomund Schl, aus Quadrat, der wegen weiter Entfernung feines Aufenthaltsortes vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war, ist wegen Urkundenfälschung, Betrugs, Sachbeschädigung, Unterschlagung und versuchten Ausbruchs aus dem Gefängnis zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden; hiergegen verfolgt er Berufung. Es ist ihm zur Last gelegt, die Eisenbahn von Friedberg nach Vilbel ohne Fahrkarte be- Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nur kühl!" rief mein Oberst, indem er auf die Uhr und die zwei internen Zöglinge seines Damen- inftituts sah, die am Nachbartisch Lotto spielten. „Und passen sie auf. Die Geschichte mit Ihrem Obersten in Washington — wie heißt er?" „Olcott, Oberst Olcott, Kongreßmitglied aus Ohio", antwortete ich mit Betonung, um meinen schwankenden Glauben zu stärken. „Ich möchte vor allen Dingen wissen," fragte sich Schmettkow nachdenklich, „ob er schon Pulver gerochen hat, Ihr Oberst, ober nur das riecht, das Sie mitbringen. Die Geschichte gefällt mir nur halb." „Aber sie kann kaum schiefgehen, so wie sie jetzt eingeleitet ist", meinte ich zuversichtlich. „Es kann in Washington alles schies gehen, seitdem die große Sache schief gegangen tft, versetzte der Oberst mit einiger Wärme. „Sie kennen die Zankees noch nicht. Ein Kongreßmitglied in Wa- chington! Guter Gott! Ehe Sie sich umsehen, hat man Ihnen die Augen von Ihrem Wafserstippchen geschöpft. Vollends ein Kongreßmann, den man Ihnen in der Quäker-City angehängt hat, in der Sie am Sonntag in Gegenwart von sechshunderttausend Mitmenschen verdursten können! Lieber Herr Eyth, es mag ziemlich heiß sein in Ihrem Aegypten, aber Sie sind trotzdem grüner geblieben als Sie es selbst ahnen. Passen Sie mal auf!" „Hexen tonnen sie auch hier nicht", meinte ich, etwas verstimmt. „Ich sehe wirklich nicht ein, wie —" „Einsehen! Das ist gar nicht nötig. Das Einsehen kommt immer erst später. Sie werden Ihr Lehrgeld bezahlen wie jeder andre. Zum Glück haben Sie, wie es scheint, einen soliden Kassierer im Hintergrund. Lernen Sie wenigstens den oenutzen! — Uebriaens gebe ich zu, um Sie nicht zu ärgern, daß Sie die Sache nicht ganz ungeschickt angegriffen haben. Wenn Sie so fortfahren, werde Ich Ihnen auch künftig gewogen bleiben." Er sagte dies im Ton gutmütiger Bevormundung, den wir bei unfern abendlichen Schachpartien Buntes Allerlei. Leibwächter und Einsiedler zu vermieten! Das Schlagwort, daß für Geld alles zu haben ist, bewahrheitet sich besonders in England, wo Einrichtungen zur Befriedigung der seltsamsten Bedürfnisse vorhanden sind? So verrät uns eine Londoner Zeitschrift, daß cs im Bethnal Green ein Institut gibt, das auf Bestellung Leibwächter liefert, die die betreffende Persönlichkeit zu ihrem Schutz überall hin begleiten. Dieses Derleihgeschäft von wahrhaften jungen Männern erläßt zwar keine Anzeigen in den Zeitungen, aber es ist in den Kreisen, die sich seiner bedienen, sehr gut bekannt. Besonders gute Kunden sind die Buchmacher, die ja stets darauf gefaßt sein müssen, in der erregten Atmosphäre der Rennplätze von Leuten angegriffen zu werden, die verloren haben. Ein Buchmacher, der ein schlechtes Gewissen hat, wagt sich daher nur in Begleitung eines tüchtigen Boxers unter seine Kunden, um bei unangenehmen Auseinandersetzungen außer Gefahr zu sein. Auch Leute, die von Erpressern bedroht werden, oder unter krankhaften Angstvorstellungen leiden, bedienen sich dieser Leibwache, und bei den Wahlkämpfen herrscht Hochbetrieb bei der Firma, denn temperamentvollen Politikern kann auf ihren Reisen und in den Versammlungen allerlei zustoßen, wobei eine helfende Faust nicht zu verachten ist. Die Leibwächter sind nicht etwa ungeschlachte Riesen, denen man ihren Beruf sofort ansieht, sondern elegante junge Männer, die allerdings in allen linsten des Boxens und Jiu-Jitsu erfahren sind. Das Honorar für eine solche Begleitung geht von 20 Mark aufwärts, je nach der Länge und der Schwere der Aufgabe. Vor hundert Jahren, als die Mode der Landschaftsgärten malerische Grotten und romantische Einsiedeleien mit sich brachte, hat man sogar berufsmäßige Eremiten durch Anzeigen gesucht. In der Londoner Zeitschrift „Courier" vom 11. Januar 1810 findet sich eine Anzeige, in der ein Edelmann für feinen Landsitz einen „geeigneten Einsiedler" sucht. So etwas kann sogar noch heutzutage vorkommen, und zwar in einem Lande, in dem man sonst auf Romantik wenig gibt. Ein amerikanischer Hotelier suchte kürzlich einen Eremiten als Bewohner einer malerischen Höhle, die sich im Garten seines Hotels befand. Er bot freie Kost und Logis sowie einen Dollar täglich und gewann ein stattliches Eremitenexemplar mit einem weißen Bart, der bis auf den Tisch herabreichte. Daß Damen, die keine Steigung zum Mauerblümchen haben, jederzeit die elegantesten Tänzer engagieren können, ist ja heutzutage nichts Reues mehr. Reiche Damen machen von dieser Einrichtung in steigendem Maße Gebrauch. In London erhält ein Berufstänzer 40 Mark für den Abend und natürlich auch das Souper frei, das er mit seiner Dame einnimmt. Manchmal werden auch sehr viel höhere Honorare gefordert. So verklagte kürzlich ein Berufstänzer eine südafrikanische Dame auf 250 Mark, weil er sie zu einem Ball begleitet hatte. Der Richter sprach ihm in Anbetracht der Verhältnisse für diese Arbeit 65,50 Mark zu. Damen können aber nicht nur jederzeit einen Tänzer mieten, sondern für Hochzeiten stehen auch Brautführer zur Verfügung, wenn diese wichtige Persönlichkeit im letzten Augenblick absagt oder überhaupt nicht nutzt, einen fremden Rucksack, den er gefunden hatte, sich angeignet, seine Gefängniszelle in Vilbel demo- liert und bei seiner Einlieferung mit falschem Nomen unterschrieben zu haben. Seine auf Freisprechung gerichtete Berufung wurde oerwor - f e n, doch sah sich die Strafkammer veranlaßt, mit Rücksicht auf die Geistesverfassung des Angeklagten (er ift Psychopath), die Strafe erheblich herunterzufetzen. Der Kaufmann W. N. aus Gießen, der wegen Körperverletzung, Beleidigung, Widerstands wiederholt vor Gericht gestanden hat, ist diesmal wiederum wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. Als zwei Polizeiwachtmeister einen Bettler in der Stadt feftgenommen hatten, mischte sich der Angeklagte ein, packte eine Zivilperson, die von der Polizei zur Unterstützung zugezogen war, am Kragen und versuchte, sie von dem Verhafteten hinwegzureißen. Das Gericht erster Instanz verurteilte ihn wegen dieser Handlungsweise zu 2 Wochen G e - fängnis; feine Berufung wurde heute verworfen. gefunden ist. Die Lieferung eines eleganten und erfahrenen Brautführers kostet 60 Mark, und das ist gar nicht mal so teuer, da ja auf feinen Schultern eine große Tc antwortung ruht; ihm liegt das ganze Arrangement ob, das Auszahlen der Trinkgelder und die Rede auf das Brautpaar. Reiche Amerikaner, die nach Europa kommen, suchen nicht selten durch Anzeigen Damen, der Gesellschaft, die ihnen als Begleiter dienen und ihrem Hause vorstehen. Erst kürzlich las man in einer großen Londoner Zeitung die Annonce: „Ein amerikanischer Herr wünscht die Dienste einer englischen Aristokratin als Begleiterin seiner einzigen Tochter, die für drei Monate nach England kommt. Honorar 5000 Pfund." Man kann sich denken, wieviel Bewerbungsschreiben bei der Redaktion eingingen. 3m Kampfe gegen die Zahnlockerung. Anläßlich der Generalversammlung des Reichs- verbandes der Deutschen Dentisten, die vor einiger Zeit in Stuttgart tagte, hielt neben anderen auch der Dentist Josef Vachuda aus Wien einen Vortrag als vorläufige Mitteilungen aus seinen langjährigen Arbeiten über die „Statik des natürlichen Gebisses". Es ist ihm gelungen, wie in der „Deutschen dentistischen Wochenschrift", Berlin, mitgeteilt wird, in der Stellung der Zähne statische Systeme zu erkennen. Er weist auch gleichzeitig an der Hand wissenschaftlicher Belege nach, daß sich jede Unvollkommenheit dieser statischen Systeme an dem Ursachenkomplex der Zahnlockerung und dem damit verbundenen Zahnausfall beteiligt. Besonders wichtig ist diese Erkenntnis über die statischen Systeme unseres Gebisses für die Prophylaxe ober Vorbeugung gegen die Zahnlockerung, was wieder einen Schritt nach vorwärts auf diesem strittigen Gebiet bedeutet. Wirtschaft. Der Kampf um den Chilesalpeter. Von Prof. Dr. Hermann Großmann, Berlin Obwohl der Verbrauch an Chilesalpeter in Deutschland seit dem Weltkriege gegenüber der früheren Zeit außerordentlich gering geworden ift, besteht trotzdem in landwirtschaftlichen und industriellen Kreisen ein lebhaftes Interesse für die zukünftige Gestaltung des Weltmarktes für Chilesalpeter. Dieser ehemals so große Markt ist allerdings auch in anderen europäischen Ländern sehr starken Rückgängen ausgesetzt gewesen. Während nämlich noch in der Zeit vom Juli 1913 bis Ende Juni 1914 der Salpeterverbrauch in Europa und Aegypten sich auf fast 2 Millionen Tonnen belaufen hat, konnten in dem Düngerjahre 1924/25 nur noch 1,17 Millionen Tonnen zur Ablieferung gelangen, wobei sich der starke Rückgang im folgenden Jahre 1925/26 noch weiter verstärkte, da zu dieser Zeit noch nicht einmal eine Menge von 1 Million Tonnen erreicht werden konnte. Von Deutschland abgesehen, hat sich demnach auch ih den anderen europäischen Ländern die Lage recht erheblich zuungunsten des Chilesalpeters verschlechtert, während allerdings der Verbrauch in Aegypten gegenüber der Zeit vor dem Kriege eine Verdreifachung erfahren hat. Die schwierige Lage der chilenischen Salpeterindustrie spiegelt sich am deutlichsten in der dauernd zunehmenden Sttllegung der chilenischen Salpeter- offizinas, von denen Ende 1926 nur noch 32 von 149 in Betrieb gehalten wurden, während gleichzeitig die Vorräte ständig anwuchsen und auf den Markt drückten. Als ein Zeichen der Zeit darf ferner auch das außerordentlich ungünstige Ergebnis der Versteigerung von Salpeterfeldern, die sich im Besitz der chilenischen Regierung befanden, gewertet werden. Nicht mit Unrecht weift daher auch der Jahresbericht der bekannten Londoner Salpeterhandels- flrma 211? man darauf hin, daß die Lage der chilenischen Salpeterindustrie nicht nur als sehr ernst, sondern geradezu als kritisch anzusehen ^ei. Dabei kann man eigentlich nicht sagen, daß die Salpeterproduzenten sich etwa ganz plötzlich einer gänzlich veränderten Lage gegenübergeftellt gesehen hätten, denn schon seit mehreren Jahren mußten sich die technischen Sachverständigen in der ganzen Welt darüber klar sein, daß mit einer weiteren außerordentlich großen Steigerung der Produktion an Etickstoffoerbindungen auf künstlichem Wege gerechnet werden müsse. Da jedoch weder die chilenische Regierung noch die Vereinigung der Salpeterproduzenten aus dieser dauernd schwieriger werdenden Situation die notwendigen Konseguenzen zu ziehen unter dem Hickorybaum gegenseitig gebrauchten, um eine drohende Niederlage zu beschönigen. Die Sache aber, um die es sich handelte, war die folgende: Ich war vor zwei Monaten mit dem Auftrag der Fowlerschen Fabrik ans Land gestiegen, unfre Dampfpflüge in Amerika einzuführen. Das war fast die einzige Weisung, die ich mitbrachte. Man steht mit einer solchen Aufgabe etwas zweifelnd am Strande eines neuen Weltteils; doch scheint der Zeitpunkt, aus der Ferne gesehen, nicht ungünstig. Die Südstaaten, die nach dem furchtbaren Kriege und nach der Befreiung der Sklaven in irgendwelcher Weise weiterleben mußten, hatten sich irgendwie den neuen Verhältnissen anzupassen. Für die Sklavenarbeit auf den Plantagen mußte ein Ersatz gefunden werden. Hier konnte die Dampfkrast ein- greifen und nach der blutigen eine friedliche Revolution einleiten; wieder aufbauen helfen, was jene zerstört hatte. Ich war nicht ohne einige Begeisterung bei diesem Gedanken, wenn auch sehr seekrank, über den Atlantischen Ozean getommen und suchte so rasch als möglich Angriffspunkte für meine Ausgabe zu finden. Leicht sand ich es nicht — nach einigen Wochen —, einen Weltteil zu erschließen: man mußte offenbar an die Arbeit im kleinen und einzelnen gehen. Doch hatte die Firma Fowler Freunde und sogar Verwandte in Neuyork und Philadelphia, ein Haus, das „in Blei" groß geworden war, und zur alten Aristokratie der Quäkerstadt gehörte. Hier fand ich wenigstens Ratschläge, auf die ich mich verlaßen konnte. Eines wurde mir sofort klar: mit dem Eingangszoll von fünfundoierzia Prozent des Maschinenwertes, der für jeden Dampfflug viertausend Dollar in Gold, siebentausend Dollar in Papier jener Tage aus machte, war die Einführung der Damps- fultur von England aus eine augenscheinliche Unmöglichkeit. Dieses Verhältnis mußte vor allen Dingen geändert werden. Mit einem Brief der Gebrüder Tatham, meiner Berater in Philadelphia, ging ich nach Washington und stellte mich am Schenk- tisch des Hotels Villard einem Herrn Oberst Olcott vor. Ich fand In ihm einen klugen, energischen Mann, der im Tone biederer Offenheit den kitzstch- ften Verhandlungen den wohltuenden Schein der Ehrkichkett zu geben wußte. „Der Zweck heiligt die Mitel", war für ihn ein über alle Zweifel erhcckener Grundsatz. Es schien ihm völlig ausgeschlossen zu sein, daß in unserer Zeit noch Menschen geboren werden könnten, die in diesem Punkt nicht völlig fapitelfeft waren. Was aber die Heiligkeit des Zwecks anbelangt, so kam es eben hauptsächlich darauf an, wieviel Dabei zu verdienen war. Ein gemeinsames Frühstück, zu dem ich mir erlaubte, ihn sofort einzuladen, genügte, ihm das Wesen und die Vorzüge eines Fowlerschen Damps- pflugs zu erklären, ein Mittagsmahl, ihn von der Notwendigkeit der Einführung und Verbreitung dieses großartigen Fortschritts auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Technik zu überzeugen. Mit Papieren aller Art war ich wohl vorbereitet. Ein begeisterter Aufsatz, noch im Manuskript, stellte fest, daß namentlich der wirtschaftliche Wiederaufbau des Südens, dem durch die Sklavenbefreiung die Haupl- guelle von Kraft und Arbeit entzogen worden war, nur durch Fowlers Dampfpflüge möglich fei, die in Aegpten in der Hand halbwilder Fellachin Wunder geschaffen hätten und in Indien — hier dichtete ich beträchtlich — die vertrockneten Riefenflächen entlang des Ganges in blühende Teegärten zu verwandeln in Begriff stünden. Ist es nicht die patriotische Pflicht einer erleuchteten Gesetzgebung, fragte ich in einem Wald von Ausrufungszeichen, die Einführung eines derartigen, menfchenbeglückenden Apparates mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu fordern?; jeden Schritt freudig zu begrüßen, der den von ihren Irrtümern befreiten, aber heute darniederliegenden Bruderstaaten ihre materielle Wohlfahrt roiebergibt und fie gleichzeitig dem Fluch einer sündhaften Ausbeutung der Menschenkraft entzieht? Darf nicht erwartet werden, daß die weitsichtige 'Vertretung des größten Volkes unserer Zeit mit Freuden das einzige Hindernis entfernt, das der Erreichung dieses herrlichen Zieles Schwierigkeiten bereitet, und ohne Verzug die Abschaffung oder wenigstens die zeitweise Aushebung eines Prohibitivzolls auf Dampfpflüge beschließen wird ? „Sehr gut!" sagte Olcott, als Ich ihm mein Me- moranbum vorgelesen hatte; „was bezahlen Sie Obgleich selbst nicht Amerikaner, war ich in einen patriotischen Schwung geraten, dem ich so rasch als möglich Einhalt tun nmßte, um antworten zu können. gewagt haben, so mußte trotz der vorzüglichen Düngewirkungen des Naturproduktes Salpeter, die in landwirtschaftlichen Kreisen stets anerkannt worden ist. em weite Rückgang des Absatzes eintreten, der schließ.> ,ur Sprengung der Salpeter- Vereinigung in Chile geführt hat, bzw. führen wird, wenn sich die Nachricht bestätigt, daß in nächster Zeit der freie Salpeteruertauf zur Einführung gelangen soll. « Es kann wohl als zweifellos angesehen werden, daß unter diesen Umständen die recht beträchtliche Spannung, die z. Z. noch zwischen dem Salpeter» preis und demjenigen von Ammoniaksalzen herrscht, erheblich vermindert werden wird, und daß dieser Preisunterschied noch geringer werden dürste, wenn sich schließlich die chilenische Regierung dazu entschließen müßte, die hohe Ausfuhrabgabe auf Salpeter aufzuheben bzw. stark zu ermäßigen. Das würde naturgemäß zuerst eine beträchtliche Vermin- derung der chilenischen Staatseinnahmen bedeuten, jedoch auf die Dauer wohl zur mindestens partiellen Gesundung der leistungsfähig bleibenden Salpeter- werke führen, die durch Rationalisierung ihrer Pro- duktion imstande bleiben, auch bei verminderten Sal- peterpreifen eine ausreichende Rentabilität zu erzielen. Es ist in den letzten Wochen auch außerordentlich viel die Rede von dem Guggenheim-Ver- fahren für Chilesalpeter gewesen, und obwohl man über den endgültigen wirtschaftlichen Erfolg dieses Verfahrens z. Z. noch nichts Bestimmtes aus« sagen kann, ergibt sich doch allein schon aus der überaus sorgfältigen und eingehenden deutschen Vatentbeschreibung, die übrigens schon aus dem Jahre 1921 stammt, daß der kapitalkräftige große amerikanische Kupferkonzern Guggenheim außerordentliche Anstrengungen gemacht hat, seine bedeutenden Salpeterinteressen in durchaus rationeller Weise auszunutzen. Deshalb ist auch wohl mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß Werke, die nach ähnlichen technischen Gesichtspunkten geleitet werden, auch in Zukunft bei geringeren Preisen in der Lage sein dürften, der scharfen Konkurrenz der synthetisch arbeitenden Stickstofflndustrie Europas und Amerikas wirksam zu begegnen. * D i e Anleihe der Vereinigten Stahlwerke. Die öffentliche Auflegung der 30-Millionen-Dollar-Debenture-Anleihe der Vereinigten Stahlwerke ist durch das Bankhaus Sil- Ion Read & Co. in Reuhork am Mittwoch vormittag zum Kurse von 98'/.% zuzüglich aufgelaufener Zinsen erfolgt. Sie wurde bereits itmerhalb 90 Minuten überzeichnet. * Kapitalerhöhung der Vereinigten Glanz st offwerke. Die Verwaltung der Vereinigten Glanzstofffabriken A. G. in Elberfeld beschloß, der auf den 27. August nach Elberfeld einberufenen außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des 42 600 000 Mk. betragenden Grundkapitals um 18 300 000 Mark auf 60 900 000 Mark vorzuschlagen, durch Ausgabe von 6000 Stück auf den Inhaber lautender Stammaktien zu je 300 Mark und 5000 Stück auf den Inhaber lautender Vorzugsaktien zu je 60 Mark mit vierfachem Stimmrecht. Das Bezugsrecht der Aktionäre soll formell ausgeschlossen werden; jedoch soll den Aktionären durch ein Bankenkonforttum ein Dezugsrecht dergestalt eingeräumt werden, daß auf fünf alte eine junge Stammaktie zum Kurse von 120 Proz. und auf Vorzugsaktien eine junge Vorzugsaktie zu pari bezogen werden kann. Das neue Kapital soll zum Ausbau der Werke des Konzerns und zur Erweiterung der Finanzierung der verschiedenen in» und ausländischen Unternehmen der Gesellschaft Verwendung finden. * Preiserhöh ung für Textilfertigerzeugnisse. Die Mitglieder des München-Gladbacher Tuchfabrikanten-Vereins, des Fabrikantenvereins zu Forst und des Verbandes der Fabrikanten halbwollener und wollener Stoffe, Berlin, teilen ihrer Abnehmerschaft mit, daß infolge Erhöhung der Gestehungskosten für Rohstoffpreise und der sozialen Lasten, sowie der sich aus der Aenderung der Verkaufslieferung und Zahlungsbedingungen der Deutschen Tuchkonven- tion ergebenden Mehrbelastung eine erneute Erhöhung (vor etwa 2 Monaten wurden die Preise um 5 bis 8 Prozent erhöht) der Preise für Fertigerzeugnisse notwendig geworden ist. Man hat deshalb der Kölnischen Zeitung zufolge beschlossen, die Preise hierfür um 10 bis 15 Proz. zu erhöhen. 1 Textilarbeiter st reik in Kaiserslautern. Die in Kaiserslautern in Streik „Wofür?" fragte ich, ein wenig nach Lust schnappend, um Zeit zu gewinnen. „Nun — für das Spezialgesetz, für die Aufhebung des Zolls auf Dampfpflüge, sagen wir auf ein Jahr." „Sagen wir auf fünf Jahre", schlug ich vor, nach Fassung ringend. „Gut! Nehmen wir an auf fünf Jahre. Wieviel?" Ich schwieg. So nahe Halle ich mir das Ziel nicht gedacht. Das fchien ja über alles Erwarten einfach zu fein. Aber die Frage kam mir doch mit gar zu betäubender Wucht über den Kopf. Olcott sah mich verwundert an. Nach einer Pause bemerkte er: „Ihr Dampfpflug mag vortrefflich sein. Das müssen Sie am besten selbst wissen. Auch was Sie da auf Ihrem Papier haben, ist nicht übel. Jedenfalls läßt sich etwas damit machen. Aber Sie glauben doch wohl selbst nicht, daß man eine wertvolle Verordnung wie die, die Sie brauchen, durch den Kongreß drückt ohne Schmiermaterial. Da hat man zunächst alle möglichen Kosten: Druckkosten, Trinkkosten, Reisekosten, Konferenzkosten, Reklamekosten, — alle möglichen Kosten, die sich nicht spezifizieren lassen! — Doch kommen wir zum Geschäft — Zeit ist Geld — Wieviel?" So rasch ging es nun doch nicht, wie ich es voreiligerweife vermutet hatte. Die Verhandlungen dauerten drei Tage. Ich wand und krümmte mich, so flut Ich konnte; Olcott hatte viel Geduld mit mir. Am zweiten Tag war ich nahe daran, in einem Anfall heiligen Zornes abzureisen: er half mir selbst, meinen Koffer wieder auspacken. Ich sei furchtbar grün; das sei kein Wunder, meinte er, mich entschuldigend, bei meiner kurzen Anwesenheit in diesem großen und freien Lande; aber ich sei sichtlich ehrlich. Beides würde sich wohl mit der Zeit geben; dann könne noch ein tüchtiger Allmn aus mir werden. Jedenfalls werde er meine Laufbahn mit großer Teilnahme verfolgen. Ich habe ihm vorläufig viel Spaß gemacht. Das einzige, was er bebau re, fei, daß ich mit ihm auf politischem Gebiet nicht ganz übereinzustimmen scheine. Dann formulierte er den zehnten Vorschlag etnejs Abkommens, das ihm die Dampfkultur Amerikas zinspftichUg machen sollte. (Fortsetzung folgt.) befindlichen Textilarbeiter der Kammgarnspinnerei Kaiserslautern hielten eine Versammlung ab, in der erklärt wurde, daß sie den Kampf bis zum erfolgreichen Ende durchführen wollen. * Kabelwerk »Nassau" 21.«©. Die auf den 16. August nach Hatger (Dillkrers) einberufene Generalversammlung der Kabelwerk „Nassau" 21.-®. soll über die Herabsetzung des Grundkapitals durch Zusammenlegung der 2lktien in einem von der Generalversammlung festzuseherrden Verhältnis Beschluß fassen, sowie über die 2Tb- änderung des Beschlusses der ordentlichen Generalversammlung vom 28. Mat 1926 betreffend Ausgabe von Vorzugsaktien. • Zellstoff Waldhof. Von Mittwoch, 27. Juli, ab sind die Stammaktien der Zellstofffabrik Waldhof zu Mannheim-Waldhof in Ab- schlüssen von 3000 Mark und einem mehrfachen hiervon zum Dörsenterminhandel an der Kölner Börse zugelassen. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a.M., 28. Juli. Tendenz: schwächer. Nachdem im Vorbörsenverkehr von Bureau zu Bureau gegen die gestrigen Abendnotierungen festere Kurse genannt worden waren, eröffnete der amtliche Verkehr schwächer und sehr zurück- haltend^.Por allem befürchtete man eine Erhöhung des engi^chen Diskontsatzes. Zwar ist der Geld m a r k t am hiesigen Platze weiter entspannt, da nun auch Monatsgeld eine Erleichterung aufweist, doch steht man der zukünftigen Entwicklung des Geldmarktes teilweise sehr skeptisch gegenüber infolge der immer stärkeren Beanspruchung durch die Industrie. Enttäuscht ist man weiter über die Bezugsbedingungen. bei den Kapitalerhöhungen von Glanzstoff und Bemberg (Glanzstoff 5:1, Bemberg 4:1). Nach wie vor steht aber vor allem der fast völlige Mangel an Kundenaufträgen einer Besserung der Kurse entgegen. Es ergaben sich daher gegenüber den gestrigen Schlußnotierungen allgemein Abschwächungen bis zu 2 Prozent. Mannesma n n und Daimler gaben bis 2,5 Prozent nach. Heimische Anleihen neigten zur Schwäche. Anleiheablösung stark angeboten? Im weiteren Börsenverlaufe verstärkte sich die Abgabeneigung, und die Kurse gingen erneut zurück. Die Meldung, daß die englische Diskontrate unverändert belassen worden sei, übte keinen Einfluß aus. Auch der Schluß der Börse blieb schwach. Am Ge Idin a r k t stellte sich Tagesgeld auf 5,5 Prozent. Im internationalen Devisenverkehr konnte sich Paris gegen London leicht erholen auf 124,06. Madrid gegen London 28,48, Mailand 89,25. Die Reichsmark notierte gegen den Dollar 4,2040, gegen London 20,4175. Berliner Börse. Berlin, 28. Juli. Gegenüber dem heutigen Vormittatzsoerkehr mußte die Börse zum offiziellen Beginn eine Ueberraschung erleben. Die Bezugsrechtsbedingungen bei G l a n z ft o f f und B e m> berg enttäuschten die Spekulation, die angeblich sogar init einer Gratisaktie gerechnet hatte und veranlaßte in diesen beiden Werten stärkere Abgaben, wobei die Kurse sich 2 0 P r o z. unter Vorbörsentaxe stellten. Auch die übrigen Märkte wurden mitgezogen, zumal bei der herrschenden Geschäftsstille jedes herauskommende Material, nur zu weichenden Kursen Unterkunft findet. Geld ist zum morgigen Zahltag recht knapp: der Satz stellte sich für Tagesgeld auf 6 bis 7j Proz., für Monatsgeld auf 8 bis 9 Proz. Die Befürchtung einer Erhöhung des englischen Diskontsatzes ist nicht eingetreten. An den Effektenmärkten blieben S ch i f f a h r t s a k t i e n gut gehalten, auch B a nten weiter gut behauptet. Im übrigen traten Kursabschwächungen von 1 bis 2 Prozent ein. Relativ widerstandsfähig lagen Zell ft off.Waldhof und S p r i t w e r t e , ebenso Mitteldeutsche Credit. Der Monatsbericht dieses Institutes ist in den Hintergrund getreten, ebenso wie alle wirtschaftlichen Momente gegenüber der Situation am Geldmärkte verblassen. Heimisck)e Anleihen neigten zur Schwäche, besonders Neubesitz weiter nachgebend. Auslandrenten sehr still. Nach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Tendenz etwas freundlicher und die Anfangskurse konnten vorübergehend gestreift werden, um sodann einer erneuten Abschwächung Platz zu machen. Spritwerte minus 4, Waldhof und Bemberg je minus 4, Glanzstoff minus 5 Prozent. Berliitcr '*3roduktenbörse. Berlin, 27. Juli. Die von den Auslandmärkten vorliegenden festeren Meldungen blieben hier fast gänzlich ohne Eindruck, da die günstige Witte- rung weiter anhält. Nach sofort lieferbarem Auslandweizen besteht seitens der Berliner und auch der Provinzmühlen Nachfrage, und im Zusammenhang hiermit vermochte sich auch Juliweizcn zu befestigen. Herbstweizen, der vom Inlande nach wie vor sehr spärlich angeboten ist, war auf Grund der besseren Wetterlage eine halbe Mark rückgängig. Juliroggen eröffnete 5 Mark schwächer, da stärkere Andienungen erwartet werden. Die Herbstsichten lagen gleichfalls etwa 1,50 Mark niedriger. Das Prooinzangebot blieb auch in Roggen gering. Es wird der Meinung Ausdruck verliehen, daß die Zufuhr für die nächste Zeit recht klein bleiben werde, weil das Anhalten des guten Wetters eine Zusam mendrängung aller Arbeiten bedingt. Die Roggen- mehlnachfrage ist gänzlich verschwunden. Auch Entgegenkommen der Abgeber vermochte die Kauflust nicht anzuregen. Weizenmehl blieb gleichfalls still. Hafer ist weiterhin knapp angeboten und bei steigenden Preisen gefragt. Bei Wintergerste versuchen die Käufer angesichts des schönen Wetters Konzessionen zu erlangen. Doch zeigen sich die Abgeber ziemlich unnachgiebig. Es notierten (1000 Kg.): Weizen, märkischer, Juli 298 bis 296,5, September 271,5, Oktober 270 (ruhig); Roggen, märkischer, 248 bis 250, Juli 245 bis 244,50, September 229,75 bis 230, Oktober 229,75 bis 230 (matt); Wintergerste und ,Futtergerste 198 bis 206 (matt); Hafer, märkischer, 264 bis 271 (beh.); Mais, La Plata 187 bis 188 (stetig); Raps 290 bis 295 (matt). Es wurden notiert (100 Kg.): Weizenmehl 35,50 bis 37,50 (ruhig); Roggenmehl 33,25 bis 35,25; Weizenkleie 13.75 (beh.); Roggenkleie 15,25 (beh.); Diktoriaerbjen 44 bis 58, kleine Erbsen 28 bis 32, Futtererbsen 22 bis 23, Peluschken 215 bis 235, Ackerbohnen 21 bis 23. Wicken 21 bis 24, Lupinen, blau, 14,75 bis 15,75, Lupinen, gelb, 15,75 bis 17,75, Rapskuchen 14,80 bis 15, Leinkuchen 21,25 bis 21,60, Trockenschnitzel 12,50 bis 13, Soyaschrot 19,50 bis 20.40. Kartoffelflocken 34 bis 35. Frankfurter- Getreidebörse. Frankfurt a. M., 28. Süll Znlandweizen wurde heute zum ersten Male nicht mehr amtlich notiert, da zu Mahlzwecken keiner mehr gehandelt wird. Die kleinen Posten, die noch gehandelt werden, finden nur Aufnahme als Futter- weizen. Roggen neuer Ernte gab 0,50 Mk. im Preise gegen gestern nach. Mais ist etwas gefragt und fester, was zu einer Erhöhung der amtlichen Notierung um 0,25 Mk. Veranlassung gab. Die allgemeine Geschäftslage war recht ruhig. Es wurden notiert: Roggen (inl.) 24,50 Mark; Hafer (inl.) 25,50 bis 26; Hafer (ausl.) 23,50 bis 25,50; Mais (gelb) 19 bis 19,25; Weizenmehl (inl., Spezial 0) 39,50 bis 40; Roggenmehl 36,50 bis 36,75; Wcizeirkleie 13.75 bis 14 Mk. — Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 28. Juli. Auftrieb: 57 Rinder, 780 Kälber, 182 Schafe und 593 Schweine. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 80 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 73, geringe Kälber 60 bis 67; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel: Weidemast 48 bis 53, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 47; Schweine: vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 60 bis 62, voll- fleischige Schweine von ca. 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 60 bis 62, vollfleischige Schweine von ca. 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 61 bis 63, fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 60 bis 62. — Marktverlauf: Kälber und Schafe bei mäßig regem Handel ausverkauft. Schweine ruhig und fast geräumt. Vüchertifch. — Don dem bekannten, hier schon mehrfach besprochenen und zitierten Werk des Grafen Coudenhove-Kalergi: Paneuropa ist zum Preise von 1,90 Mk. jetzt auch eine ungekürzte Volksausgabe erschienen. (Pan-Europa- Derlag Wien. Hofburg, Marschallstiege. > 240 Briefkasten der Redaktion. lRechtsgutachlen sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) A. 15. Die Praxis darf nur mit Genehmigung des Vermieters ausgeübt werden. Im Halle der Zustimmung kann ein allgemeiner Zuschlag (kein sog. Gewerbezuschlag) erhoben werden. Das Anbringen von Schildern ist ebenfalls nur mit Genehmigung des Vermieters gestattet. In Streitfällen ist das ordentliche Gericht zuständig. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau''.) Freitag. 29. Juli. 13 bis 14 Uhr: Neue Schallvlatten. 16.30 bis 17.45 Uhr: „Von Freud' und Leid des Kindes". Vortrag von Lehrer Start Stricker. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.30 Uhr: „Die Stunde Haus und Garten". 18.30 bis 19 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 19 bis 19.30 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene. 19.30 bis 19.50 Uhr: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.50 bis 20 Uhr: Film-Wochenschau. 20 Uhr: lieber- tragung aus dem Haydnsaal der Musikausstellung: Holländischer Volksgesang. Anschließend: Unterhaltungsmusik. Verantwortlich für Lokales, Provinz und Wirtschaft i. B. Dr. Hans Thyriot. «A d W .Q N o — VD «y ^4 T't -r — .r> A. E G...........7 Bergmann .........8 Elektr. Lieferungen.... 10 Licht und Kraft......10 Felten vereinigte Stahlw. f.'/, I 3 Otabi Minen.....i sh Lkali Aschersleben.....io KaliWestcrcgeln. ... . io Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 I ®. ^arbcn-Jndustrie. 10 TNnamtt Nobel ...... 0 Ccheideanstalt........8 Goldschmidt.........5 Rütgerswcrke........o Mctallgefcwchaft.....io 183 190.5 185 195 139 166.5 283,5 175 118 155.25 170 165 204.5 271 165.75 189 5 131 125 266 218 25 179,75 136.5 37 178 187.5 -18 218.75 133.1 99.25 186 182,26 191.5 195.5 138 - 260 282 116 4 155 164.25 204 270 166 187 i29 124.5 265 216.5 179.2 136 187 >16.25 219 133 97.5 185 183.25 190,75 196.5 139.5 243,75 165.75 167 182.75 202,75 283.4 135.5 175,5 116,75 155.5 170 165 204.25 180 166.5 176.75 188.25 130.5 10J 97.75 125 265,5 218,5 182,75 136,75 37 188 235,25 117,75 152,25 133,75 98,75 183 191 195 137.5 244 163 180,5 201,13 282.75 135 116 154.5 169 161 203,5 271,25 165,75 175.75 187 128.9 98,13 97,2. 124.13 264.6 216.25 179 136.5 35 25 316.25 152 132.75 97 Banknoten. Frankfurt a.Di Berlm Schlun- Kur» 1 l'Uhr- : Sur« Schluh- Nur» lAnfang 1 fiurs Datum: 27. 7. 28.7. 27.7. 28. 7. ■PhtltDP Holzmann .... 12 195 194,26 196 194 Heidelberger Ecment . . . 8 150.5 150 Tement Karlstadt......s Wahß & Freitag......10 m 169,5 — _ Schultheis Patzenhofer. . 15 — 461,5 461 Oftwerke..........y> — — 440,6 442 Ber. Glanzstoff......15 — — 748 734 Bemberg..........s — — _ 605 Zellstoff Waldhof.... 12 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 338 . 304 >36,75 202,5 337 338,5 Charlottenburger Master. 7 Destaucr Gos.....g 153,75 154 __ _ 213 212 5 Daimler Motoren..... ö Demag........... Adlerwerke Kleher.....0 126.5 124,25 125.0 123.5 — . _____ 95.13 93 6 118 118 5 118.75 119,5 Ludw. Loetrc . ......p Rat. Automobil...... 6 — 281.75 280 — — 126 122,75 Lrenstein L Koppel .... 4 — 137.6 135 5 Linke Hofmann . .... 0 — - 68.25 Leonhard Tietz. ..... 6 — — 163 163 Bamaa-9'leguin....... 45 — 45.25 Franks. Maschinen .... 0 79 79 75,26 — Gritzncr ........... 121 — 120,25 — Hchliaciistaedt ...... 0 Funabans ...... 6 Lechwcrkc. ........ 8 Mainkraftwcrke ...... s 25 — — — 126 123,25 124 — 122,5 _ 128 — Miag ....... 1C Nekarsulmcr ........ s 112 — 143 — 121 •— 126.5 _ PeterS Union ....... 8 118 — 119 Gcbr. Roeder.......ic 140 _ Doigt 4 Haestncr .... 6 137 137 136,75 _ Südd 3»dcr ... 1 147.25 , 155 148.25 - Berlin. 27 Juli. 1 Held Brie' Amerikanische Roten..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten ..... 4.188 68,49 112,17 20.36 4.208 58,00 112,63 10.44 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Berlin. 27 Juli. «elb Brief (trnntofifche Jloten ...... 16.47 Holländische Noten..... 168,06 168^71 Italienische Noten...... 22,8< 22,97 Norwegische Noten...... IO8i22 108,67 Deutsch-Oefterr., i 100 Kronen 69,20 59,44 Rumänische Noten ...♦■• 2.582 2.552 Schwedische Noten...... 112,25 112.71 Schweizcr'Noten....... 80,97 81,29 Spanische Noten....... 71,52 Tschechoslowakische Noten . . 12,455 12.515 Ungarische Noten ... 73,00 73,30 Telegraphische Auszahlung. 27. Juli. 28. Juli. Amtliche Notierung Amtliche Notieruna Geld Brier Geld 1 Brief 81mst.-Rotk. 168,35 168,69 168,26 168,59 Buen.-AtreS 1,783 1.787 1,783 1,787 Brst.-Antw 58,405 58,525 58,39 68,61 Ehrifiianta 108,41 108,63 108,41 108.64 Kopenhage 112,40 112,62 112,37 112,59 Stockholm 112,53 112,75 112,51 112,73 Helstngfori 10,677 10,597 10,582 10,602 Italien. . 22,86 22,90 22,885 <2.905 London. . -0,925 20,960 20,193 <0,439 Wcmjort . . 1,202 4,210 4,1995 4,2075 Paris. . . . 10,435 16,475 16,44 16,48 Schwei, . . ■>0,91 81,07 k-0,885 öl,645 Spanien . . 71.68 71,82 71,60 71,74 Japan . . - 1.976 1.980 1,975 1,979 Rio de Im u.496 0,498 .495 .497 Wien in D-' Oest. abgcs 69,15 69,27 19,11 o9,23 Prag .... 12,449 12,469 12,449 12,469 Belgrad . 7,393 7.407 7,395 7,409 Budapest. . 73,17 73,31 73,23 73,37 Bulgarien . j,037 3,043 1,042 3,048 Llstabon . . 20,78 20,82 20,73 20,77 Danüg - - ■ 81,33 81,49 81,30 81,46 Konstantin. 2,130 2,134 2,125 ,129 Athen. . . 6,544 5,556 5,634 >,646 Canada 4.197 4.205 4,196 i,2O4 Uruguay. - Cairo - - - 4,156 20.398 4,164 0.438 1.136 '0.917 4.144 0.957 Freiing, den 29. Juli 1927, nachmittags 2 Llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Ladentheke, 1 Küchenbüfett, 3 Tische, 2 Sofas, d Kredenz, 1 Lett, 3 Stühle, 1 Regulator, 1 Fräsmaschine, 1 Lederwalze, 6 Zentrifugen. 693?d Sebbel Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 1,___Telephon 239. MMÄWM und Konkursgefahr können nur durch erfahrenen Praktiker behoben werden. Selbst verzweifelte Fälle haben Aussicht auf Erfolg. Sofortige Hilfe, auch ohne Vorschußzahlung. Strengste Diskretion! Schriftliche Angebote unter 05500 an den Gießener Anzeiger erbeten. | Vermietungen | 3-4-M-BIül bestAusf.,zuvm.^«8 » ricdrichstr. 53. Möbl. Zimmer zu vermieten 05514 Sonnenstr. 6 II. | Mietgesuche | Höherer SiaaiS- beamter sucht tebr gut möbliertes wohn- und Schlafzimmer. Schriftliche Angeb. unter 05510 an den Gieß. Anz. erbeten. iBahnhofsvierteli neu. UmzugSkoiten, evtl. Abstand, sofort oder 1. 10. 27 gesucht. Schr. An geb. unter 05484 a. d.GtestAnz. 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