Nr. 226 Erster oiuu KZ. Jahrgang Dienstag, 27. September 1927 6r|d)eUttaeIi^, aufeet Sonntags nnb Jtiertag«. Beilagen: Gießener Faminenblätter Heimat im BUd Die Scholle. monotfBejngsprds: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanjchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vnttk m-Veriag: vrühl'sche Unioersitütr-Vuch. »nd Steinbnuferti 8. Lange tn Gietzen. Zchriftleitung und Seschäftrstelle: Zchnlstraße 7. Annah»« Hit Anzeigen für die Tagesnummer bis ju* Nachmittag oorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Re- klam eanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20u,o mehr. Thefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; sür den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Biegen. Schwere Unwetterkatastrophe im Alpengebiet. Tm Hilfszug auf der Brenner strecke in die Eisack gestürzt, elf Personen ertrunken. - Furchtbare Wetter- schäden in Tirol, Graubünden und Vorarlberg. I c i e n t, 26. SepL (TU.) 3m Lisacktal bei Jran- zensseste stürzte ein mit einem Ingenieur, einem Eisenbahnfunktionär und elf Arbeitern besetzter hilsszug in den Fluh. Rur zwei Personen konnten sich retten, während die übrigen elf, darunter der Ingenieur, ertranken. Infolge der starken Regengüsse der letzten Tage schwoll die Lisack gestern außerordentlich an und überschwemmte die E i s e n b a h n st r e ck e bei Franzensseste auf der Linie Trient— Brenner. Die Lage an der Eisenbahnlinie wurde immer verzweifelter. Die wassermassen stiegen mehr und mehr, und die Gefahr wurde immer drohender. Gegen 9 Uhr abends wurden die telegraphischen und die telephonischen Verbin- dangen durch das Unwetter unterbrochen. Inzwischen setzte das reihende Wasser sein Werk fort und unterminierte die Lisenbahnstrecke. Ein h i l f s z u g , besetzt mit einem Ingenieur, einem Lisenbahnfunktionär und elf Arbeitern wurde von Trient aus entsandt. Schon eine halbe Stunde spater traf in Trient die Nachricht ein, daß Lokomotive und Beiwagen des hilssiuges indenFluß gestürzt waren und das; sich nur zwei Personen retten konnten. Die übrigen elf, darunter der Jnoenicur und der Eisenbahnsunktionär, wurden von dem reihenden Fluß forkgeschwcmmt und ertranken. heute wurde bereits ein Leichnam ans Land gezogen. Es ftetlle sich aber heraus, dah es sich um einen Dachtmann handelte, der an den Wehren des Flusses Wache hielt und fortgespült worden war. Auch ein fiarabinieri ist ums Leben gekommen. Bon Trient aus sind neue ksilsszüg'e entsandt worden, die Lisenbahnstrecke ist in der Länge eines halben Kilometers ge- jperrl. Wie sich herausgestellt hat, hatte der hn Lause des EonntagS auch hn Elsackta! cht» getretene starke Regen zu Vermurungen an der Vrennerstrecke geführt. Insbesondere wurde toefffi'') von FranzenSfeste eine Streck- von 100 Meter boTFtänMq durch einen Er dstnrz der schüttet. Roch in der Rächt ging ein Hilsszug mit Rrbeit-rn ab. Zwei Kilometer hin- ter Franzensfeste führt die Strecke» über eine Drücke, unter der ein Seitenbach der Cifnck mündet. Durch das Hochwa'ser waren anscheinend die Fundamente der Drücke unterwaschen • d als der HilfSzug über die Drücke fuhr, stürzte sie ein. Der Rlaschinensührer konnte sich durch Absvringen retten. Dagegen verfaulen alle elf Arbeiter mit dem Zuge, der aus Loko- mvtive und einem Waggon bestand, in die Ties« dar E'sack. Kein einziger von ihnen konnte sich retten. Hnm'ttetoar neben der Drücke stand ein M ä r t« r h a u s, das ebenfalls mit in die Tiefe gerissen wurde. Wäh-cnd der Dahn- toäricr und seine Frau sich retten konnten, kamen ihre Kinder ums Leben. Ein weiteres, vielleicht noch weit größeres Anglück wurde verhütet, denn bald nach dem Hillszna kam der Münchener D-Zug an die Unglücksstelle, der sicherlich in die Tiefe gestürzt wäre, wenn nicht die Drücke schon vorher mit dem Hilsszug eingestürzt wäre. Der Eisenbahnverkehr über den Brenner unterbrochen. 9t o m , 29. Sept. (WTB.) Der Eisenbahnverkehr zwischen Franzensfeste und dem Brenner ist vorläufig unterbrochen. Der Verkehr zwischen dem Trentino einerseits und Oesterreich und Deutschland andererseits erfolgt über die Linie Franzens- feste — Innichen — Spittal. Die Unwelterfchäden in Südtiro?. Rom, 27.Sept. (WTB. Funkspruch.) „Messag- gern" niolbet, daß in Klausen der untere Teil der Straße überschwemmt ist. Der Fluß erreichte um 17 Uhr abends 4,20 Meter über dem Normalstand. Nachrichten aus Sterzing besagen, daß die Ueberbleibfel von fünf jer ft orten Brücken durch den Fluß mitgeführt werden. Die Nationalstraße ist an vier Punkten unterbrochen. Der Schaden soll 2 Millionen Lire betragen. Im Passeier Tale beträgt der Schaden über eine Million Lire. Auch im LeMin Ueberschrvemmungen. Berlin, 27. Sept. (SU.) Das Unwetter, das über dem Kanton Graubünden niederging, hat auch im Deltlin gehaust. Infolge d-s starken Regens sind alle Flüsse bedeutend gestiegen. In S v n d r i o, dem Hauptort des Veltlins, hat der Fluß Maliers den Damm durchbrochen und die Brücken der Staatsstraße fortge- schwernrnt. Der untere Teil der Stadt ist unter Wasser gesetzt. Das große Gebäude der Provin- zialverwaltiing ist infolge des Dammbruches eingestürzt. Die Bevölkerung von Sondrino hat die ganze Rächt im Freien verbracht. Die Stadt ist ohne Licht und T rin kw ässe r. Ferner ist die Adda über die Ufer getreten und ein Teil des Ortes A r d e n n o steht unter Wasser. Im Ma 1 enzeta 1 sind mehrere Brücken eingestürzt. Da alle Verbindungen unterbrochen sind, laßt sich die Tragweite. der Überschwemmungskatastrophe noch nicht übersehen. Bis jetzt sind sieben Tote gemeldet. Va§ Unwetter in Nordtirol. Lchwerc Verwüstungen im Gschnitz- und Zillertal. Innsbruck, 26. Sept. (TU.) Die Auswirkungen der Unwetterkatastrophe in Rordtirvi sind nach ben neuesten Meldungen bedeutend umfangreicher als zuerst angenommen wurde. Im G s ch n i h t a l wurden sämtliche Brücken weggerissen. Militär aus Innsbruck muhte eine größere Anzahl Menschen aus den Häusern befreien. In Innsbruck trat die CE-iu in zwei Stadtteilen aus den Ufern. Zwei Brücken wurden! weggerissen, das städtische Sillwerk, das die Stadt Innsbruck mit Strom versorgt, war sehr gefährdet. Hm 9 Uhr vormittags mußte die Straßenbahn in Innsbruck wegen Strommangels den Verkehr einst eilen. Katastrophale Folgen hatte das Unwetter im 3Ille r t a l e. Die Sill richtete Überschwemmungen an, so daß die Verbindungen zwischen den einzelnen Orten unterbrochen sind. Der Damm dec Zillertaler Bahn wurde an zwei Stellen überflutet und durchbrochen. Ebenso sind die Telegraphen- und Telephonleitungen zerstört, so daß die Hinteren Gemeinden des Tales nicht mehr erreichbar sind. Das Dors Rams - berg ist vollständig überflutet Die Bewohner sind in den Häusern eingeschlos- f e tl Auch in die Ortschaft Zell ist das Wasser eingedrungen Die Ortschaft Stumm ist vollständig abgeschnitten Die Stromversorgung deS Tales ist unmöglich Das untere Zillertal ist von der Katastrophe noch nicht mit genommen. Die Hochwasserkatastrophe hat nach den bisherigen Feststellungen drei Todesopfer gefordert. In Innsbruck selbst sind zwei Arbeiter bei Eindämmungsarbeiten tn der hoch- Sbenben Sill ertrunken In Zell wurde ein rbeiter von den Fluten weggerissen und konnte nicht mehr geborgen werden Die Schäden im Zillertal sind sehr groß. Die Verwüstungen, die im ganzen Gschnih-Tale angerichtet wurden, lassen sich noch nicht übersehen, Der Gschnihbach hat an vielen Stellen ein ganz neues Bett durch Kulturland genommen Eine Hilfsaktion wurde durch die Tiroler QanteSregierung eingeleitet. Die Verheerungen in Graubünden. Das Cbcrrfjcintal und das Engadin schwer betroffen. Basel, 26. Sept. (TU.) Ununterbrochen treffen neue Rachrichten über schwere Schäden ein, die das furchtbare Unwetter am Samstag und Sonntag angerichtet hat. So wurden auch im Kanton Tessin von Biasca abwärts sämtliche Dämme überflutet. Die Gvtt- hardstrahe ist an mehreren Stellen unterbrochen. Jeder Verkehr ist unterbunden. Besonders kritisch ist die Lage im M i s o x e r t a 1. Dort haben große Felsblöcke die Wasser der Moesa abgedrängt. Artillerie ist dorthin beordert worden, um die gefährdeten Stellen wieder freizumachen. Im Cngaoin, wo von Cellerina bis nach Samaden das ganze Inntal unter Wasser gesetzt war, ist jetzt der Verkehr nach St. Moritz wieder ausgenommen wordem Das Hochwasser ist an vielen Stellen im Zurückweichen begriffen. 3n den Alpen fällt seit Sonntag vormittag Schnee. In Graubünden gestattete 'sich die Unwetterkatastrophe zu der schlimmsten Heimsuchung feit dem Jahre 1868. In Chur mußte bereits am Vormittag ein Sappeur-Bataillon aufgeboten werden, um in Irimmin, wo eine gewaltige Steinlawine die Kantonstraße auf einer Breite oon 120 Meter völlig zerstört und jeglichen Verkehr im Rheintale unterbrochen hatte, die Bahnlinie zu schützen. Bei Taoanasa, wohin ebenfalls Hilfe entsandt werden mußte, wurde ein Doppelwohnhaus mit acht Bewohnern und ein Bahnwärterhäuschen durch Stein- fchlag in den Rhein geschleudert und hinweggeschwemmt. In Waltensburg wurde^ die Verdindungsbrücke zum Bahnhof zerstört. Ein Feld- aufseher ertranf in den Fluten, während fein Begleiter schwer verletzt gerettet werden konnte. In der Gemeinde Ringen berg mußte die ganze Bevölkerung vor dem hereinbrechenden Steinschlag fliehen. Alle Telephonverbindungen sind unterbrochen. In Vals steht der untere Teil des Dorfes vollständig unter Wasser. In Reichenau wurde ein großes Holz- und Bretterlager von den Fluten wegge- schwemmt. In Sargans verwandelte die Unwetterkatastrophe die ganze Gegend in einen See. In Prä11igau versetzte ein Dammbruch des Schrar- baches die Einwohner von Schiere in großen Schrecken. Sehr schwer wurde auch B e r ge 11 heim- gesucht. Der Illsbach ergoß sich mit großen Geröll- maffen in das Dorf (Tafaccia, so daß die Bevölkerung nur mit großer Mähe von der aus St. Moritz herbeigeeitten Feuerwehr gerettet werden konnte. Chur und Umgebung blieben von dem Unwetter mehr oder weniger verschont. Montagabend brach auch die Brücke in Rinke n b e r g zusammen. Die Rebenflüsse desRheins bringen immer noch Geschiebe ins Tal. Die Gefahr dauert an. Abends gegen 6 Uhr setzte mietet leichter Regen ein. Die Temperatur ist gestiegen. Falls auf den mit Reuschnee bedeckten Höhen Regen fallen sollte, müßte eine neue Katastrophe entstehen. In Waltensburg sind d r e i T o i e zu beklagen. Der Sachschaden ist noch unübersehbar. Der Dahn- verkehr im Bündener Oberland von Reichcmau aufwärts wird noch während einiger Tage unterbrochen bleiben. va§ Hochwasser in Liechtenstein Md Vorarlberg Basel, 26. Sept. (TU.) Bei ter schweren Unwetterkatastrophe, die das Rheintal am Sonntag heimsuchte, ereignete sich in der Rähe von Buchs ein Dammbruch, wodurch der Rhein auf eine Breite von 200 Meter anschwell, die sich nach der Liechten st eins ch en Gemeinde Schaan und weiter nach Liechtenstein hinein vertiefte. Der Bahnhossvorstand von Schaan ertrank, während seine Frau und einige Feuerwehrleute vermißt werten. Schaan steht zum großen Teil unter Wasser. Der Dammbruch geht bis zur Eisenbahnbrücke, deren Pfeiler unterspült sind, so dah die Schienen in das Wasser hängen. Das gonge Gelände gegen den Schellenberg bildet einen großen See. Im Dorfe Schaan reicht das Wasser bis zu den Türen der Grdgeschvßwohnungen. Auch die Gleise und der Bahndamm sind auf einer Länge von 300 Metern vollkommen überschwemmt. Der Drahtverkchr mit Liechtenstein ist unterbrochen. D?i G a m p r i n hat ter Rhein in einer Brette von 30 Meter eine Lücke in den Damm gerissen. Die Bewohner flüchten auf die Dächer. Der Landeshauptmann von Vorarlberg, Dr. Ender, hat sich in das Ueberschwem- mungs gebiet begeben. Dom Ortskommandv Bregenz sind gegen 200 Mann mit zahlreichen Booten zur Hilfeleistung dorthin geschickt worden. Bei der Einmündung der 111 in den Rhein müssen die Dämme abgetragen werden, um den Wafsermassen Absluß zu schaffen. Don ter Eifenbahnbrücke bei Duchs steht nur noch ter mittlere Bogen: die Vorbrücken sind von den Fluten w e g g e r i s s e n worden. Auf der Liechtensteinschen Seite ist der Bahndamm in einer Ausdehnung von 1000 Metern verschwunden. Die Schienen ragen tn tee Luft. Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein hat sich an den Schweizerischen Bundesrat mit ter Ditte um Hilfeleistung gewandt. Darauf hat der Dundesrat eine Sappeurabteilung in das dortige Hochwassergcbiet entsandt. Wegen Gefährdung der Rheinbrücke bei Duchs und Ueberschw.mmung sowie teilweiser Zerstörung des Bahnkörpers ist der gesamte Verkehr auf der Strecke Feldkirch — Duchs eingestellt worden. Auf der Teilstrecke Feldkirch— ^chaan-^Vaduz beträgt die Dauer ter Verkehrsstörung ungefähr eine Woche, auf ter Strecke Vaduz—Duchs voraussichtlich drei Monate. Der durchlaufende Verkehr mit der Schweiz wird durch Umleitung aufrechterhalten. Hochwassergefahr in der Rheinprovinz. Koblenz, 26. Sept. (TU.) Vom Oberrhein wird starkes Steigen des Flusses gemeldet. Der Pegel von K o n st a n z ist seit gestern um 40 Zentimeter gestiegen und zeigt heute einen Stand von 4,82 Meter. Der Heidelberger Pegel zeigte 3,61 Meter gegen 2,78 Meter gestern morgen. Infolge des Hochwassers wurde die Schiffahrt eingestellt. Auch von den Reben- flüssen wird weiteres Steigen gemeldet. Der R e cf a r ist bei Iagstfeld innerhalb 24 Stunden um rund 2 Meter und bei Plochingen um 1,32 Meter gestiegen. Auch der Main ist beträchtlich angeschwollen, an seinem Oberlauf durchschnittlich um einen Meter. Ein Steigen ter Mosel ist zu befürchten, da tn ihrem Quellgebiet erhebliche Rieterschläge gefallen sind. Wie amtlich gemeldet wird, muh in Koblenz m 11 einem Steigen deS Wafser - auf 4,50 Meter gerechnet werden. Die Fortsetzung -er ttriegrschulddebatte. Die Angst vor der Mührheit. Was Reichspräsident v. H i n ö e n b u r g auf dem Schlachtfelde von Tannenberg gesagt hat, war für 99 Prozent aller Deutschen eine Selbstverständlichkeit. Daß wir reinen Herzens in den Krieg gezogen sind, daß wir unser Schwert mit reinen Händen geführt haben, dafür bedarf es für uns keines Beweises. Es werten Bedenken dagegen erhoben, ob es zweckmäßig war, daß Herr v.Hindenburg das in diesem Augenblick sagte — aus innerpolitischen Grünten hat sich vor allem die Oppositionspresse daraus gestürzt — es werten auch Einwendungen dagegen gemacht, ob die Formulierungen, die er gebraucht hat, glücklich gewesen sind, aber in der Tendenz sind wir alle bis an die äußersten Greifen der linken Sozialdemokratie einer Meinung. Deutschland hat bis hinauf zum Kaiser diesen Krieg nicht gewollt, geschehen ist, was geschehen konnte, um ihn, nachdem der Knoten einmal geschürzt war, zu Der« hi nbern, nur durch die Maßregeln der Gegner ist nachher Deutschland gezwungen worden, zur Wasfe zu greifen. Wenn die anderen das auch von sich sagen könnten, es stünde besser um ihre Sache. Aber bei ihnen liegen doch handgreifliche Beweise dafür vor. daß nicht etwa unmaßgebliche Außenseiter, sondern v e r a n t - wörtliche Ratgeber undMinister alles getan haben, um Oel ins Feuer zu gießen und solange zu Hetzen, bis ter Krieg da war. Iswolski, ter russische Botschafter in Paris, hat ja auch keinen Hehl daraus genracht, daß dies „fein Krieg" sei: andere, die mit ihm am selben Strange zogen, haben es nicht öffentlich ausgesprochen, haben aber dasselbe gemacht. Es war also selbstverständlich, gut und notwendig, daß der Reichspräsidertt an der Stelle, wo ter russische Zug nach dem Westen zusammenbrach, noch einmal mit unmißverständlicher Deutlichkeit erklärte, daß das erzwungene Schuldeingeständnis von Versailles eine Lüge ist. Es war ebenso selbstverständlich dah der Reichsaußenmini st er sich hinter ihn stellte und tem Aus lande gegenüber die Deckung ter Aeuherungen des Reichspräsidenten übernahm. Es wäre schließlich begreiflich gewesen, wenn von draußen her einige mehr oder minder erregte Gegenäuherungen kamen, wenn zumal die chauvinistische Presse aus dieser Blüte Honig zu saugen und die Befriedung Europas zu verhindern versucht hätte. Mit einer solchen Wirkung konnte man sich abfinden. Sie schadete nichts, im Gegenteil, sie hätte wie ein lüft» reinigendes Gewitter gewirkt. Etwas ganz anderes aber ist es doch, wenn der „Intransigent" und seine Leute nicht allein bleiben, sondern eine Gefolgschaft erhalten von belgischen und französischen Ministern, die sich überflüssigerweise veranlaßt sehen, in den Streit einzugreifen, noch dazu nach Methoden, die einen Rückfall in die schlimmsten Zeiten des Krieges bedeuten. Woche um Woche ist Herr P o i n c a r 6 durch die Lande gezogen, hat Hunderte von Denkmälern eingeweiyt und nicht ein einziges Mal versäumt, einige Steine auf Deutschland zu Wersen. Unsere amtlichen Stellen haben meistens dazu geschwiegen, sie haben nur hin und wieder einmal eine leise Einwendung gemacht. Und jetzt, wo ohne offensiven Beigeschmack vom deutschen Standpunkt aus einfache Tatsachen festgestellt werden, da geht mit einem Mal ein Höllenlärm los. Ist das wirklich der G e i st -won Locarno, ter doch die Gleichberechtigung aller Staaten zur einfachen Voraussetzung hatte? Ist das der Sinn des ganzen Spieles, wenn heute ein belgischer Ministerpräsident kommen darf, um Deutschland der Brandstiftung, des Mortes, der Verwüstung und der Sklavenhalterei anzuklagen? Wobei doch gerate Herr Iaspar wissen muß, das) tatsächlich Belgien vor 1914 die ibm zugesicherte Reutralität aufge - geben und sich auf die Seite unserer Gegner gestellt hatte. Wir haben die Probe auf das Exempel machen wollen und haben hier mit Entrüstung erleben muffen, wie die anderen Herren mit uns glauben umspringen äu können. Wir hätten uns damit abfinten müssen, wenn sie daraus beharrten, daß der erzwungene Vertrag von Versailles endgültig Recht schafft, denn in solchen Dingen entscheidet zunächst die Macht, und sie ist auf der Gegenseite. Deutschland denkt im Augenblick an eine große außenpolitische Aftion nicht, wir werden uns den Zeitpunkt schon Vorbehalten, wo wir den Kampf gegen die Schuld - lüge mit allen Mitteln betreiben. Was der Reichspräsident gesagt hat, ist weiter nichts, als ein Ragel, an dem wir jederzeit unsere Aktion! anhängen können. Bis dahin bleiben wir dabei, daß es unerträglich ist, wenn Ankläger und Richter dieselbe Person sind und daß deshalb vor dem Urteil der Geschichte die Versailler Formulierungen nicht starrdhalten können. Wenn Herr Poincare, Herr Iaspar und wie sie alle heißen mögen, wirklich ein so gutes Gewissen fjaben, warum sträuben sie sich denn so heftig gegen den deutschen Vorschlag, daß ein unparteiischer Gerichtshof die Frage der Kriegsschuld untersuchen soll? Doch nur deshalb, weil sie Ang st vor der Wahrheit haben und weil sie befürchten, daß vor neutralen Beobachtern die bewußte Hetze, mit der sie Europa in den Krieg bineingetrieben haben, nicht verborgen bleiben farm. Eine neue Poinearsteoe. Die Legende vom „aufgezwungenen" Krieg. Paris. 26. Sept. (WTB.) Potncars hielt hx Dar-le-Duc als Vorsitzender des General- irat«s eine Rede, in der er u. a. erklärte: „Schlecht uni errichtete oder die Wahrheit absichtlich entstellende Ausländer haben die Lothringer Bevölkerung häufig als chauvinistisch hingestellt. Wir sind viel mehr interessiert am Frieden, als viele von denen, die mit so viel Beharrlichkeit von ihm sprechen. Bereits vor dem Angriff Deutschlands gab es in Frankreich keinen Landesteil, der mehr als dieser darauf bedacht toar, einen bewaffneten Konflikt au vermeiden. Die Lothringer wußten, daß sie tm Falle eines Kampfes am meisten unter seinen Zwecken zu leiden haben würden. Wir formten keinen Schritt in unserem Landesteil tun, ohne uns immer wieder zu sagen, daß unser armes Land, wenn der Krieg ausbräche, von der ersten Stund« an der blutige Schauplatz der Kämpfe sein würde. Wir wollten den Frieden, aber w i r wollten auch unsere Sicherheit. Wir hielten darauf, daß Frankreich in der Lage wäre, sich zu verteidigen, wenn es angegriffen würde. Wir hielten darauf, daß es außerhalb Freunde und Verbündete habe. Keiner von uns hat vor 1914 eine andere Politik befolgt. Keiner von uns würde den schmählichen Mut gehabt haben, den Krieg zu erklären oder ihn zu provozieren. Als er uns aufgezwungen wurde, haben wir aus vollem Herzen einen Krieg gewünscht, der nicht nur den Feind zurücktriebe, sondern auch Frankreich in seiner territorialen Integrität wieder herstellte und ihm mit der Wiedergutmachung seiner Schulden eine volle Slcherhei t gewährleistete. Wir können jene Legende nicht ernst nehmen, die man jetzt aufzutischen versucht, die von einer „möglichen Invasion" spricht, die die Zivilbevölkerung geschont habe und beinahe harmlos gewesen sei. Zuviel Greise, zuviel Frauen wurden in den ersten Wochen des Krieges in unseren besetzten Gemeinden getötet; zuviel Häuser wurden in Brand gesteckt, als daß unsere Landsleute nicht die Pflicht hätten, gegen eine so offenkundige Verleugnung der Wahrheit zu protestieren. Di« Lothringer wollen wohl Vergessen üben, aber sie wollen nicht, daß die Lüge sich fe st setz t." Die neue preußische Desoldungsordnung. Neugliederung in vier Gruppen. $.11. Frankfurt a. M.. 26. Sept. (Tel.-Un.) Die „Frankfurter 3dtung" veröffentlicht einen Auszug aus der neuen preußischer: Besoldungs- ordnung, die demnächst genehmigt werden soll. Aach der »Frankfurter Zeitung" ist die Reihenfolge der Gruppen in der neuen preußischen Desoldunasordnung, die der Reichsbesolbung an- gepaht ist, u mg «stellt. In Gruppe I sind nunmehr die Ministerialräte aufgeführt, die Gruppe XII entspricht im wesentlichen der bisherigen Gruppe I. An die StÄle der bisherigen einheitlichen Besoldungsordnung sind vier Besoldungsgruppen getreten. A. Aufsteigende Gehälter mit festen Grundgehalts- sähen. Die Gehälter erhöhen sich hier von Atoet zu zwei Jahren, jt CB. tn der Gruppe la, die unter anderem die Ministerialräte, Senats Präsidenten bei OberlandeSgertchten und Landgerichtsprüsb- denten umfaßt von 8400—12 600 M.; in der Gruppe llb, die u. a. die Regierungsräte und Oberregierungsrät«, Oberbauräte, OberlandeSge- richtsräte, Oberstaatsanwälte, Landgerichtsräte, Oberstudienräte und -Rätinnen bei den Provinzialschulkollegien, Oberstudiendlreltoren unb Schulräte umfaßt von 4800—8400 Mark; in der Gruppe VI von 1900 —3400 Mark für Assistenten und Assistentinnen der neuen Laufbahn und Kanzleisekretäre aller Art, in der Gruppe XII von 1500- 2100 Mark für Schloßaufseher, Gestücks- wärter usw. B. Feste Gehälter. Diese Gruppe wird gleichfalls in 12 Abteilungen eingetellt. Zur Gruppe I gehören nur die Minister einschließlich des Ministerpräsidenten mit je 36 000 Mark Gehalt; zur Gruppe VI ge- hörde u. a. die Derghauptleute, verschiedene Regierungspräsidenten, der GeneralstaatSanwalt beim Kammeraericht, der Polizeipräsident in Berlin und die Direktoren bei der Oberrechnungskammer; der Gehaltsatz beträgt hier 16 000 Mark. C. Gehäller mit Mindeslgehaltsähen. Diese Abteilung gilt vor allem für di« Rektoren und Professoren der Hochschulen und Akademierx sowie für die Konzertmeister und Musiker bei den staatlichen Theatern. D. Schutzpolizei und Landjägerei. Gs erhalten hier u. a. Gruppe I 16 000 Mk. di« Kommandeure der uniformierten Polizei in Sonderstellen. Gruppe V die Polizeihauptleut« und Landjagerhauptleute mit 4800 bis 6900 Mk. Gruppe C die Polizeiwachtmeister während deS 2. bis 4. Dienstjahres 1400 bis 1500 Mk. Dazu tritt das bisherige WohnxmgSgeld. Die Arbeit des Reichsfinanzministeriums. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 27. Sept. Die Arbeit des Reichs- finanzministeriums steht zur Zeit, wenigstens was die innenpolitischen Arbeiten betrifft, recht im Vordergrund des Interesses. In erster Linie ist es dabei selbstverständlich die Besoldungsvorlage. die lebhaften Auseinanber- s^tzungen unterzogen wird. Zur Zeit steht noch nicht fest, an welchem Tage der kommenden Woche die Vorlage veröffenllrcht werden wird, ebenso ist der Zeitpunkt der schon seit langem geplanten Pressekonferenz beim Reichs!inanzministcr über diese Vorlage noch nicht festgesetzt worden, all diese Fragen befinden sich noch in Schwebe, während dessen die Vorlage im Rcichsrat liegt. — Ein weiteres Kapitel der augenblicklichen Arbeiten des Reichssina ^Ministeriums stellt daS sog. Kriegsschädenschlußgesetz dar, das. wie wir erfahren, doch noch rechtzeitig fertig gestellt werden soll, damit es bis zum 20. Oktober auch dem Reichstag zugchen kann. Es hat sich aber eine neuerliche Schwierigkeit insofern ergeben, als der R e pa r a t i o n s a g e n t, jedenfalls verlautet dies, noch nicht seine Zustimmung dazu gegeben hat, daß die Liquidationsgläubiger aus dem Erlös der Reichs-' Sin Kronprinjenbrief aus bet Kriegsjeit Die „chinesische Mauer" um den Kaiser. - Die Schaden der Kabinettsregierung. Berlin, 26. Sept. (Priv.-Tel.) In einem Dries, den nach der „Welt am Montag" der ehemalige Kronprinz im Juli 1917 an den damaligen Reichskanzler Dr. Michaelis richtete, heißt es u. a., daß die unerhörte Politik des Herrn von Bethmann Hollweg, die ihre Krönung in dec dem König von Preußen vom Deutschen Reichstag abgetrohten demokratischen Wahlrechtsreform in Preußen gesunden habe, niemals möglich gewesen wäre, wenn Valentini schon seil Jahren seine Pflicht ?etan hätte und den Kaiser über die wirk- ich en Stimmungen orientiert hätte. Va- lentint, d«r sich jedesmal mit einem Lächeln über seine, des Kronprinzen, Warnungen hinweggesetzt habe, habe es nie verstanden, welche schwere Besorgnis ihn bei dem Gedanken an bas Erbe beseelt habe, daS er dermaleinst antreten sollt«. Di« Klagen, die ihm aus allen Kreisen der Bevölkerung seit Jahren zugingen über die Abschlietzung des Kaisers, die sog. chinesische Mauer, seien durchaus berechtigt gewesen und all« seine Versuche, den Kaiser wieder in nähere Beziehungen zu den führenden Leuten im Volke zu bringen, seien infolge des unheilvollen Einflusses Valentinis gescheitert. Die Persönlichkeit seines Vaters sei für eine Entwicklung in dieser Richtung letber sehr geeignet gewesen. Es sei ihm sehr viel bequemer gewesen, mit seinen Kabinettschefs zu arbeiten, als die Vorträge seiner Minister entgegenzunehmen, von denen z. B. der frühere Minister des Innern ihm einmal gejagt habe, er hätte nur einmal im Vierteliahr einen Vortrag beim Kaiser gehalten. Die mancherlei Enttäuschungen und Mißerfolge, die man während der Regierungszeit seines Vaters erlebt hab«, hätten letzten Endes ihre Wurzel in diesem Uebelstanbe. Das deutsche Volk habe ein sehr feines Gefühl für diese Situation. Die Dinge hätten niemals eine so bedauerliche Wendung genommen, wenn die KabinettschefS, und in erster Linie Exzellenz v. Valentini. ihre Pflicht getan hätten. Der Kronprinz knüpft hieran die Bitte an Michaelis um Beseitigung dieses Mannes, als dessen Rachfolger er den fixeren Oberpräsidenten in Ostpreußen, v. Berg, vorschlägt und gibt zum Schlüsse folgende Punkte an, dre nach seiner Ansicht wejentliche Bedeutung haben: Feste Siegeszuversicht nach außen, Geschlossenheit. Vertrauen und Frieden im Innern, starke Einwirkung aus bi« Presse, jebe Erörterung zu unterlassen, bie im Ausland« den Schein der Zwietracht im Innern erwecken könnte, rechtzeitige Versorgung der großen Städte mit Rahrungs- mitteln, speziell Berlins, und unbedingte Sicherstellung der Kohlenversorgung. In der von dem gleichen Blatt veröffentlichten Antwort Dr. Michaeli s' heißt es u. a.: Durch meine Interpretation der berüchtigten Friedensresolution des Reichstags habe ich ihr die größte Gefährlichkeit geraubt. Man kann schließlich mit der Resolution jeden Frieden machen, den man will. Dr. Micha- elis kommt bann auf die Personalfrage zu sprechen unb schreibt u. a.: Durch Exzellenz Helffe- rich werde ich wesentlich entlastet unb habe rhn verfügbar für die systematischen Vorberei- tungenber Friedensverhandlungen, an der ich mich aber selbst intensiv beteiligen werde, um das Auswärtige Amt in die Hand zu bekommen. Die gewonnene Zeil will ich namentlich zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen dem Hauptquartier unb mir benutzen. bahn durch die Vorzugsaktien befriedigt Werber: können. Ob es sich babei um eine Absicht des Reparationsagenten handelt, auf dies« Weise sich seiner Zustimmung zu entziehen, läßt sich noch nicht überblicken. Es wäre aber außerordentlich zu bedauern, wenn es dadurch neuerdings zu einer Verschleppung in dieser Frage kommen würde. — Was schließlich die Arbeit am Steuerrahmengeseh betrifft, so hat sich hierbei noch keine neue Situation ergeben. Das Gesetz liegt nach wie vor bei den zuständigen Ressorts. Als letzte und wichtigste Arbeit des Reichsfinanzministeriums verbleibt barm noch die Aujstellung des Reichs- hauShaltsplanes für das kommende Jahr, der ja in den nächsten Wochen und Monaten seinen Abschluß erfahren wird. (Ein Notschrei her Städte. „Keine Deckung für neue Ausgaben". Berlin, 27. Sept. (Prid.-Tel.) Der Dor. stand des ReichSstädtebundeS Hal in Berlin ein« Entschließung gefaßt, in der es heißt: „Die 1350 hn Reichsstädtebund bereinigten mittleren unb kleinen Städte Weifen Reichs- unb ßanbeSregie» rungcn, Reichs- unb Landesparlamente unb die gesamte Oeffenilichkeit ans die überaus ernsten Sorgen hin, mit der ste der kommenden Gesetzgebung tn Reich und Ländern entgegen» sehen. Für die neuen Ausgaben, die durch eine als no wendig anerkannte Besoldungserhvh- hung und bie Durchführung eines Reichsschul- ge'ehes den Städten auserlegt we den sollen, finden sie in den bisherigen Einnahmequellen keine Deckung. Wenn den Städten daher von Reich und Ländern keine Mittel für die neuen Ausgaben überW e'en werken, so bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, um ihre Verpflichtungen er Men zu können, als eine erneute Erhöhung der Real steuern und der Gemeindetarife, die nach ihrer Auffassung in den meisten Städten nicht mehr zu verantworten ist." Weiterer Rückgang der Erwerbslosigkeit. Berlin, 26. Sept. (WTB.) Die Zahlt der Hauptunter st ühungsernpfänger in der Erwerbslosenfürsorg« betrug am 15. September 1927 runb 381 000 gegenüber 404 000 am 1. September 1927 und 420 000 am 15. August 1927. Der Rückgang in der Zeit vom 1. bis 15. September 1927 beträgt runb 23 000 gleich 5,5 vom Hundert. Auch die Zahl de» Hauptunter- stühungsempfänger in der Krisenfürsorge ist in der Zeit vom 15. August bis 15. September 1927 weiterhin zurückgegangen, und zwar um runb 20 000. Ihre Gesamtzahl betrug am 15. September 1927 runb 136 000 gegenüber 156 000 am 15. August 1927. Die Gesamtzahl der unterstützten Arbeitslosen hat sich bemnach in ber Zeit vom 15. August bis 15. September 1927 von 576 000 auf 517 000, also um runb 59 000 gleich 10,2 v. H. vermindert. Aus dem Finar zausschuh des Hessi chen Landtags Darmstadt, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Der Finanzausschuß trat am Montag zu einer Sitzung zusammen, um die Regierungsvorlage zu beraten, in der die Neuregelung der De- soldungsordnung der Beamten im Reich auch für Hessen übernommen wird; ins- besondere wird d rin di« Frage der Vorschüsse geregelt. Die Vorlage wurde mit sieben gegen zwei Stimmen, bei fünf Stimmenthaltungen angenommen. Gegen die Vorlage stimmten di« zwei Vertreter des Bauernbundes; für Slimm- enthaltung spräche:: sich die Sozialdemokraten mit Ausnahme des Abgeordneten Engelmann aus. Ein sozialdemokratischer Antrag, der weitergehende Sähe als die Desoldungsvorlage unb eine andere Festsetzung der Vorschüsse forderte, wurde abgelehnt. Ebenso verfiel ein Antrag Reiber, der die preußische Regelung übernehmen wollte, der Ablehnung. Der Ausschuß nahm ferner eine Vorlage über die Iagdwaffen- Päsfe und den Iagdstempel an, und zwar mit einer Aenderung. Cs soll, außer dem bisherigen Iagdpah für drei Tage zu 5 Mark, ein Jagd- Paß für sieben Sage zu 10 Mark ausgestellt werden. Den: Hessischen Landtag ist eine Regierungsvorlage zugegangen, worin die Regierung um die Ermächtigung nachsucht, zur Beschaffung von 8 Millionen Reichsmark zur Gewährung von Bodenverbesferungsbar- leben, 4 Millionen Reichsmark zur Gewährung eines Darlehens an die Hessische Landesbank zur Förderung des Realkredits, 600 000 ReichSma^ für die Gewährung von Darlehen zur Förderung des Frühgemüsebaues (Glashauskulturen) einen Betrag von 12 600 000 Reichsmark im Wege des Staatskredits flüssig zu mache:: und zu diesem Zwecke Schuldverschreibungen, Schahanweisungen und Wechsel in einem Rennbetrag, der zur Beschaffung des genannten Betrages erforderlich ist, zu einem der Lage des Geldmarktes entsprechenden Zinssätze abzugeben. Die Stellung der Studentenschaften in Preuhen. Berlin, 26. Sept. (Priv.-Tel.) 21m 1. Ofr tober wird bie Verordnung des preußischen Kultusministers veröffentlicht werden, die die Bildung der Studentenschaften regelt In dieser Verordnung wird entsprechend den, früheren Forderungen des Kultusministers die Aufnahme von Auslandbeutschen den Studentenschaften zur Pflicht gemacht werden. Außerdem wird der Kultusminister entspreche:^ den Wünschen des Landtages eine schärfere Kontrolle der Finanzgebarung in ber studentischen Selbstverwaltung durch Richtlinien über die Zusammensetzung der Vermögensverwaltung festlegen. Die „Voss. Ztg." rechnet damit, bah bie preußische Studentenschaft in ihrer überwiegenden Mehr- heil sich für die Verordnung einsehen wird, während ein« Anzahl außer preußischer Uni« versitäten sie abl« hnen werde und bie preußischen Studentenschaften infolgedessen aus der Deutschen Studentenschaft austre- ten würden. Hindenburgehrung der Studentenschaft. Berlin, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Auch di« Studentenschaft wirb dem Reichspräslben- t e n $u seinen: 80. Geburtstag ihre Huldigung barbrmgen. Auf seiner Fahri zum Stadion an: 2. Oktober wird der Reichspräsident seinen Weg über die Charlottenburger Chaussee nehmen. Dort werden vor der Technischen Hochschule die Korporationen Berlins mit ihren Fahnen Spalier bilden. Gs werden auch aus dem Reich zahlreich« Fahnenabvrbnun- gen erwartet. Politik und Priestertum. Wien, 26. Sept. (WB.) Der Grazer Theologieprofessor Johannes Ude, dessen politisches Hervortreten vor den letzten Rationalratswahlen in Verbindung mit dem von ihm gegründeten W i r t s ch a f t s v « r e i n für Oesterreich allgemein große Beachtung sand und ihm e i n R e d e- verbot des Papstes zuzog, bringt durch die „Wiener Allgemeine Zeitung" der Öffentlich- keit zur Kenntnis, baß er sein« Obmannstelle beim Wirtschaftsverein niedergelegt hat, um sich ausschließlich priesterlichen Ausgaben wibmen zu können. Zur Begründung seines Schrittes erklärt Ube, daß nichts schädlicher fei, als die Verquickung von Religion unb Politik. Der Priester müsse über jeder Politik stehen. Um nun für seine allgemein menschlichen Ideen frei? Hand »u haben und auch nur den Schein zu vermeiden, als ab er Politik betreiben wolle, werde er von nun ab in erster Linie wieder Priester sein. Die chinesischen Wirren. Paris, 26. Sept. (WTB.) Havas meldet aus Schanghai, die milftär sche Lage sei gegenwärtig unverändert. 50 000 Mann in Ranking unb 20 000 Mann am Rordufer des Jangtse seien Wegen völligem Mangel an Gelb, Munition unb Wintergetreibelahm- gelegt. Die chinesischen örtlichen Banken lehnten aus Widerwillen gegen das herrschende Regime jeden neuen Vorschuß ab. Borodin halte sich gegenwärtig in Sianfu auf, wo er General Fengyusiang berate. Der russische General Sälen habe sich in das chinesische Bureau für auswärtige Angelegenheiten in der Umgcgenb von Schanghai geflüchtet. 15 000 kommunisftsche Soldaten aus der Provinz Jangtse seien in Swatau eingetroffen. Infolgedessen herrscht dort ein« Art Terror. Wne Anzahl chinesischer Untertanen sei festgenommen oder erschollen Worben. 60 Mann der Besatzung eines japanischem Torpedobootszerstörers hätten gelandet werden müssen, um das japanische Konsulat und die japanischen Danken zu schützen. Aus aller Welt. ckönnecke noch nicht in Basra eingetroffen. Reuter meldet aus Basra, daß Könnecke noch nicht dort eingetroffen sei und daß keine Nachrichten über seinen Verbleib vorliegen. Der Stand der Kinderlähmung In Leipzig. Die Zahl der an spinaler Kinderlähmung erkrankten Personen hat vom 23. zum 24. September um dreizehn Fäll« zugenorn- men. Reue Todesfälle sind nicht zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der Kranken beträgt 124, von denen 82 im Krankenhause behandelt werden und die der Todesfälle 18. Ihr eigene, Kind zn Tode geprügelt. Unter der Anklage der fortgesetzten grausamen Mißhandlung mit Todesausgang, begangen an ihrem eigene-« leiblichen Kinde, dem 3t Jahr« alt gewordenen Günther hat sich die Ehefrau Elfe K u b s ch vor dem Berliner Schwurgericht zu verantworten und mit ihr regen Beihilfe der Vater des Kindes, Ehauff'-r Alfred Kubsch. Nach dem Anklagematerial, das sich vorwiegend auf die Aussagen von mehr als 20 Hausbewohnern und Nachbarn stützt, handell es sich um einen der graufamften Fälle der Kindermiß- Handlung, di« je die Gerichte beschäftigt haben. Am 14. Mai d. I., abends, rief Kubfch «inen Arzt, der die sofortige Uebersührung des bewußtlosen Kindes ins Augufte - Diktoria- Krankenhaus in Schöneberg veranlaßte. Dort ist das Kind, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, noch in derselben Nacht aestorben. Die Obduktion der Leiche ergab ein schreckenerregendes Bild. Der ganze Körper des Kindes war mit blutunterlaufenen Striemen, blauen und roten Flecken übersät. Auffällig war, daß das verstorbene Kind als einziges Familienmitglied in der Sterbetaffe versichert war. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Verhandlung vertagt, da der Hauptgutachter, Gerichtsarzt Profesior Dr. F r i e k e l, augenblicklich beurlaubt ist, der in feinem Gutachten, worauf sich auch die Anklage wegen Kör- perverletzung mit Todesausgang gestützt hatte, bestimmt die Stockschlaae in Kausalzusammenhang mit dem Tode gebracht hat. Zu der nächsten Verhandlung soll Professor Friekel geladen werden. Neuer Eifenbahnüberfall in Mexiko. Verspätete Meldungen aus Mazatlan besagen, daß in ber vorigen Woche eine Bande von über hundert Maim einen Personenzug ber südlichen Pacisicbahn angriff. Die aus Bundes- fokdaten bestehende Wache des Zuges verlor bei dem Kampfe zehn Verwundete, während dreißig Banditen getötet wurden. Sturmkatastrophe in Südchina. Rach Zeitungsmeldungen ist Voungkvng, 150 Meilen südwestlich von Hongkong, von einem mit einer Springflut verbundenen Taifun heim- gesucht worden. 5 000 Personen sind ums Leben gekommen. 20 000 Häuser und Hundert« von Dschunken wurden zerstört. Die Wetterlage. Tfton tag, ■den 26.3ept.27. Jan Aaren- ■Scydtsf. rtti HEIZ Warsd 7f ntxi x=—± 5® OWorxenlos.® neitcr »naie ocoectL »woikiq. eocdecn «Reget * Schnee & traupcm ■ Meoei X Gewitter,©windstille. «O--seht leichter Ost massiger Südsüdwest o stvemiscner nordwcsl Sie Pfeile fliegen mit dem winde Oie ooeen Stationen stehenden tat- len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte gnit gleichens auf mteresniveau umgerechneten Luftdruck Das gestern einsetzende Aufklaren führt starken Temperaturrückgang mit sich. In der vergangenen Nacht lag das Minimum bei uns nur um 4 Grad Celsius. Heute morgen ist bereits in fast ganz Deutschland die Bewölkung zurückgegangen. Niederschläge treten nur noch vereinzelt und in geringen Mengen auf. Das skandinavische Tief bewegt sich unter weiterem Abbau in der bereits eingeschlagenen Zugrichtung nach Nordosten weiter. Ueber ganz Europa hat infolgedessen der Luftdruckanstieg an- gehasten. Unter dem Einfluß hohen Druckes steht ruhigeres unb weiter aufheiterndes Wetter in Aussicht, auch nimmt die Luftwärme tagsüber lang-, fam zu. Wettervoraussage: Zeitweise wolkig, sonst vielfach aufheiternd, tagsüber langsam zunehmende Erwärmung und meist trocken. Witterunasaussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen am 26. September: mittags 13,8 Grad Celsius, abends 9,3 Grad Celsius; am 27. September: morgens 8,2 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 26. September: abends 12,9 Grad Celsius; am 27. September: morgens 9,6 Grad Celsius. Maximum 14,2 Grad Celsius; Minimum 4,2 Grad Celsius. — Niederschläge 0,9 Millimeter. — Sonnenscheindauer: drei Viertelstunden. Ans der Provinzialhauptstadl. Gießen, dsn 27. September 1927. Dahlien. Doch einmal, bevor der Sommer stirbt, gießt er Farben über die Welt. Müde unb alt ist da- Laubwerk. Sie Sonne hat daS Grün -mn stumpfen Braun verfärbt, Regen und Wind haben Lücken gerissen in die lebende Mauer. Eben durch diese Lücken stiehlt sich das bunte Leuchten der Herbstblumen, der Dahlien. Wie war das doch damals? GS ist lange her, aber noch lange nicht so weit zurück, daß es der Erinnerung entschwunden wäre. Kam: überhaupt etwas entschwinden, das man recht besessen hat? Es kommt ja doch immer wieder, in anderer Sonn, nicht mehr als Besitz wie einst. Aber man besitzt es vielleicht im sinnigen Borübergehen mehr als dann, wenn man sagt: Das ist mein! und damit nur prahlt vor den andern, innerlich aber daran keinen Anteil hat, weil man sich schnell wieder Heuern zuwendet. Damals ging auch der Sommer, und es kam der Herbst. Es gingen die Sommerblumen vor dem Haus, und die Dahlien leuchteten auf. Wie über Aacht halten sie sich im Garten entfaltet, und neugierige, Wunder schauende Kinderaugen standen vor den rasch erschlossenen Blüten, die in der klaren Herbstsonne doppelt hell leuchteten. Seine Spinnenfäden glitzerten über den Blüten. Ein Spinnlein turnte auf ihnen, daß das feine Gewebe zitterte. Unwillkürlich suchte der Blick die Wipfel der nahen Bäume, die schwer niederhingen, weil sie Lasten köstlichen Obstes trugen. Damals sah man nur die Früchte, oder die weihen Wolken, die durch das Laubdach strahlten, und, vom raschen Herbstwind getrieben. schnell hinsegelten, über den lichten Himmel. Richt empfand man, daß Früchtetragen immer Last bedeutet. Der Dahlien Farbenpracht und des Baumes Früchtesegen waren nur Glück und Freude. Ein Mann, d ;• selbst schon gebückt Ging, sprach auch wie ür: Die Älhlienr blühen! Aber seine Worte hatten einen andern Klang, und man verstand ihn nicht. Hnb man verstand nicht, daß man dabei ernst und sorgenvoll dreinschauen konnte. Denn daS war doch schön und gab zu Freude Anlaß, daß der Garten in sagten, leuch lenden Farben prangte. Jahre gingen darüber hin. Wo ist der Mann, der damals mit ernstem Blick auf die von ihm «hegten Dahlien blickte? Wo sind die Dahlien, die ein Sugendglück für uns einschlossen? Sn fremde Gärten sieht man. Unb es sind andere Dahlien, an denen man sich freut. Unwillkürlich formt man auch die Worte: Die Dahlien blühen schon!, und besinnt sich plötzlich, daß in diesen Worten jener Ton klingt, den man damals nicht verstand. Auch die Früchte am niederhängenden Zweig sieht man, aber man sieht nicht mehr durch das Blattwerk zu den ziehenden Wolken, sondern man sieht plötzlich nur, daß Lasten getragen werden, und daß sich deshalb die Zweige zur Erde beugen. Man denkt daran, daß man sich damals über das Gebücktgehen der andern wunderte. Und wundert sich heute auch darüber nicht mehr. So vieles ist einem verständlich, selbstverständlich geworden, und man gäbe viel darum, wenn man noch Wunderbares darin sehen könne. Auch das versteht man, warum prächtige Farben ausgeschüttet werden. Farben, die der Frühling nicht hatte, und der Sommer verschmähte. Gewiß freut man sich ihrer Pracht, freut sich auch des Früchtereichtums. Aber man weiß auch daß eS eine schönere Zeit ist, die nicht der Früchte zu achten braucht, sondern über Blumenbeete hinstürrnt. unermeßlich reich durch eigene Lebenssülle, die unabhängig ist von Far^- benpracht und Herbstsegen. 11 nb der Trost: Alles hat seine Zeit! nützt einem nicht viel. O. S. Die städtischen Körper chaften im Flughafen. Der Gießener Flughafen, insbesondere das kürzlich fertiggestellte neue Flughafengebäude, war gestern das Ziel einer Desuchssahrt, die von den Mitgliedern der Stadtverwaltung, zahlreichen Stadtverordneten und einer Anzahl anderer geladener Herren gemeinsam unternommen wurde. Sn zwei Autoomni- bussen der Reichspost erfolgte rasch und bequem die Beförderung. Bor dem Flughafengebäude empfingen Beigeordneter Dr. Hamm und das ehrenamtliche Vorstandsmitglied der Luftverkehr- 21.-®. Oberhessen-Lahngau (Oblag), Regierungsrat Schmidt, die Gäste, die sich bann zunächst vor dem Gebäube auf der Rollbahn versammelten, um hier einige informatorische Mitteilungen des Beigeordneten Dr. Hamm über die Reugestaltung des Flughafens und besonders über das neue Flughafengebäude entgegenzunehmen. Die Darlegungen deckten sich mit den Angaben, die wir in unserer Rr. 212 vom 10. Sept, in dem Artikel „Das Flughafengebäude inGießen" veröffentlichten. Qleu und von besonderer Wichtigkeit war die Mitteilung, daß unser Flughafen in seiner jetzigen Gestaltung vollkommen den Bestimmungen des Weltluftverkehrs entspricht. Sm Anschluß an die Erklärungen des Beigeordneten Dr. Hamm erfolgte ein kurzer Desichti- gungsgang über die Rollbahn, darauf kehrte man -um Flughafengebäude zurück, das nunmehr in allen Teilen eingehend besichtigt wurde, lleber- Ipvachm t*e Besuch« chve volle Be- friediguna aus über das, was dort dank der großzügigen Förderung durch die Stadtverwaltung mck> Stadtverordnetent^rsammlimg geschaffen worben ist. Bei einem geselligen Zusammensein begrüßte Oberbürgermeister Dr. Keller als Hausherr die Gäste der Oblag, wies auf die anerkennenswerte Bereitwilligkeit des Stadtparlaments bei der Förderung dieses großzügigen Derkehrs- unternehmens für unsere Staat hin, und brachte zum Ausdruck, daß auch für die Zukunst alles getan werde, was notwendig sei, um Gießens Stellung im Luftverkehr auf der Höhe zu halten und zu festigen. Weiter dankte der Redner allen an der Schaffung des neuen Gebäudes Beteiligten herzlich für den hingebenden Eifer bei der Arbeit, wodurch es möglich geworden sei, dieses Gebäude in so kurzer Zeit zu vollenden. Bürgersinn und Heimatliebe, Sdealismus und Zukunftsglaube seien die Fundamente des Aufblühens der deutschen Städte gewesen, möge es hieran auch in unserer Stadt bei der Förderung des Luftverkehrs niemals fehlen. Provinzialdireltor Graef begrüßte die Versammelten im Ranen der Oblag, gab einen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte unseres Flughafens, und hob dabei mit Genugtuung hervor, daß unsere Provinz mit dieser Einrichtung sich die Selbständigkeit innerhalb des Hess. Luftverkehrswesens erhalten habe. Weiter rühmte der Redner das ausgezeichnete Zusammenarbeiten mit der Südwestdeutschen Luft- verkehrs-A.-G. in Frankfurt, die dem hiesigen Hnternehmen in großzügiger und zweckdienlichster Weise mit Rat und Förderung gedient habe. Der Redner wies sodann mit Worten herzlichen Dankes auf die hervorragende und bereittoillv'e Förderung des Unternehmens durch die Gießener städtischen Körperschaften hin, die in großzügiger und weitblickender Weise die Erfordernisse der Zeit erkannt und ifjnen in bester Weise Rechnung getragen hätten. Er wünschte dem Unternehmen und der Stadt Gießen, daß alle auf diese Einrichtung gesetzten Hoffnungen in reichem Maße in Erfüllung gehen möchten, zum Wohle der Stadt Gießen und der oberhessischen Wirtschaft. Sm Laufe des Abends wurden noch manche Reden gehalten, deren Mittelpunkt das neue Flughafengebäude war. Hebereinstimmend kam daher zum Ausdruck, daß es allgemeiner Wille sei, diesem Unternehmen auch fernerhin mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Verlauf des Abends hat gezeigt, daß alle Kre.fe der Bürgerschaft durch ihre erwählten Vertreter voll und ganz hinter diesem Unternehmen stehen, das jetzt durch die Schaffung des neuen Gebäudes eine würdige Krönung erfahren hat, und das in künftiger Zeit noch zu einem der bedeutendsten Teile unseres kommunalen Lebens werden dürste. Gebt zur Hindenburgspende! Am 2. Oktober wird der Reichspäsident von Hindenburg 80 Jahre ali. Soweit die Deutschen daheim und draußen sich über alles Schwere der lehien 13 Jahre hinaus den Sinn und das Verständnis für feste, tiefe Vaterlandsliebe bewahrt haben, werden sie an diesem Tage in Ehrung und Dankbarkeit dieses Mannes gedenken, dessen ganzes Leben selbstloser Dienst an Volk und Vaterland war. So wie Hindenburg stets nid)t Morte, sondern Taten zu Zeugen seiner Gesinnung gemacht hat, so möge auch das deutsche Volk seiner Verehrung für den 80jährigen Reichspräsidenten Ausdruck durch die einheitliche Tat verleihen. Hindenburg hat nie etwas für sich gewünscht. Auch zu seinem 80. Geburtstage hat er nur den u n - eigennützigen Herzenswunsch geäußert, daß ein gutes Ergebnis der von Reichsregierung und Länderregierungen in Uebereinstimmung mit großen verbänden der wirtschaft, der Arbeitnehmerschaft, der Kommunen, der veamtenschaft usw. Ins Leben gerufene hindenburgspende ihm selbst die Möglichkeit geben möge, Rot da zu lindern, wo sie an ihn als letzte Zuflucht herantritt. Jeder Deutsche, der sich durch Dank und Verehrung Hindenburg verbunden fühlt, möge nach seinen Kräften zur hindenburgspende geben? Zeigt durch eure Beteiligung, daß das deutsche Volk einig fein kann und einig ist, wenn es gilt, in seinem greifen Führer alle guten und großen deutschen Eigenschaften zu ehren. Die Anmeldung vsn Auswerlungs nsvrüchen. Amtlich wirb mitgeteilt: Rach § 16 bes Auf- werttmgsgesehes findet Die Auswertung auf Grunb des Vorbehalts der Rechte ober kraft Rückwirkung nur statt, „wenn ber Gläubiger ben Anspruch auf Aufwertung bis -um 1. Samiar 1926 bei ber Aufwertungsstelle aninelbet". Bei unverschuldeter Versäumung dieser Anmeldung gestattet bas Ergänzungsgeseh vom 9. Suli 1927 für die Aufwertung ber persönlichen Forderung die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, „wenn der gläubiger die Anmeldung der Forderung bis zum 1. Oktober 1927 nachholt". Dor kurzem hat ein Senat des Kammergerichts entschieden, daß, wenn die Anmeldung nicht gänzlich unterblieben, sondern nur verspätet, d. h. nach der.« 1. Samiar 1926 bewirkt sei. es einer Wiederholung der Anmeldung nicht bedarf. Das Schrifttum steht, soweit bekannt, auf einem anderen Standpunkt. Wie die übrigen Gerichte und namentlich auch das Reichsgericht entscheiden werden, steht dahin. Bei dieser Sachlage werden die Beteiligten zu prüfen haben, ob es zur Vermeidung von Rechtsverlusten nicht vor - sichtiger ist, unter dem alten Recht verspätet bewirkte Anmeldungen rechtzeitig, also bis zum 1. Oktober 1927 zu wi eder hvlen. Gi. >. p. .cnn:a..tprelse. Es kosteten auf dein heutigen Wochenmarkt: Butler 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 130, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 12 bis 15. rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 10, Bohnen, grüne 20, gelbe 25 bis 30. Unter-Kohlrabi 8, Feldsalat 80, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 40, Kartoffeln 4 bis 5, Frühäpfel 10 bis 15, Dirnen 5 bis 20, Brombeeren 40 bis 50, Preißelbeeven50, Zwetschen 10 bis 15, Rüsse 50 bis 60, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 130 Ps. das Pfund: Tauben 50 bis 60, Eier 16, Dlumenlohl 20 bis 130, Salatgurken 10 bis 70, Einmachgurken 4 bis 6, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40 Ps. das Stück: Radieschen Dd. 12 Pf. Bornotizen. — Taaeskalender für Dienstag. V. f. B.: & Uhr: Vereinsheim Waldsportplatz, Monatsversainmlung. — Palast-Lichtspiele: „Mein Heidelberg, ich kann dich nie vergessen." — Aftoria- Lichtspiele: „Der Zusammenbruch". — Der Turnverein 1846 Gießen veranstaltet am kommenden Donnerstagabend ein Dereins-Wett- und Werbeschwimmen, Sn der kurzen Zeit, seit 1922, wo dem Verein eine S chw imm - Ab teilung angegliedert wurde, hat sich diese, wie man uns schreibt, in glänzender Weis« entwickelt. Sn zwei wöchentlichen Hebungsstunden werden Turnerinnen und Turner zum volkstümlichen Schwimmen herangebildet. Einige haben sich als Wettkämpfer herausgeschält, die sich heute mit an die Spitze der Turner-Schwimmbewegung stellen können. Der kommende Donnerstag soll zeigen, was die Abteilung heute leisten kann. Es finden Einzelwettkämpfe im Schwimmen für alle Stufen statt, außerdem Staffeln und Scherzspiele, Springen der Besten, ein Reigenschwimmen der Darmstädter Musterriege, sowie ein Wasferballfpiel. Der Besuch dieser Veranstaltung dürfte lohnend fein. (Siehe heutige Anzeige.) * ' Die Tätigkeit deö Gießener Reichswehr-Bataillons. Das Bataillon war am Mittwoch, 2, September, nach über 24stündiger Bahnfahrt in Paderborn cingetroffen und hat hier in 6er Kaserne des Snfanterie- Regiments 18 Unterkunft bezogen. Arn 22. und 23. fand das gesamte 15. Snfanterie-Regiment bei den Hebungen der 3. Kavallerie-Division rings um das Sennelager als motorisierter Verband Verwendung. Am 24. wurde das Regiment in das Manövergelände des Gruppenkommandos 2 auf Kraftwagen abtransportiert. Die zahlreichen Lastkraftwagen-Kolonnen erregten bei der Durchfahrt durch Lippstadt-Soest und den anderen Ortschaften erhebliches Aufsehen. Am Rordufer der Möhneta'fperre entlang fahrend erreichte das 1. Bataillon Snfanterie-Regiments 15 nach über 100 Kilome.er Kraftwagenmarsch die Gegend um Rüthen, wo es vom 24. abends bis zum 26. September gastliche Aufnahme fand. Am 26. früh begannen die großen Manöver der Gruppenkommandos 2 unter Leitung des Generals Reinhardt. Sie spielen sich in der Hauptsache in der Gegend Brakel-Lichtenau-Warburg ab. Das Bataillon wird nach Abschluß dieses Manövers am 29. früh in Kassel verladen und trifft nachmittags 15.04 wieder in Gießen ein. •* Der Blumenschmuck-Wettbewerb des Verkehrs-Vereins. Mit Genugtuung konnte, wie man uns mitteilt, von der Bewertungskommission festgestellt werden, daß in diesem Sahre der Anregung des Verkehrs-Vereins zur Schmückung der Häuser und Vorgärten in sehr reichem Maße nachgekommen wurde. Besonders erfreulich ist, daß alle Devölkerungs- schichten ihre Freude an Blumen durch die Schmückung der Häuser zeigen und damit das Stadtbild verschönern heften: leider fehlen aber auch solche nicht, die weder am Haus, noch im Garten irgendwelche Blumen angepflanzt haben. Es war der Bewerttnrgskommission infolge der Menge des Gebotenen die Prämiierung nicht leicht gemacht. Festgestellt wurden 17 erste und 117 zweite Preise, sowie 228 lobende Erwähnungen und lobende Anerkennungen. Die mit dem ersten und zweiten Preis Ausgezeichneten erhalten Gegenstände, die Rainen sämtlicher Preisträger werden in unserem heutigen Anzeigenteil veröffentlicht. Sm Laufe des Sahres haben zwei Besichtigungen stattgesunden, bei denen sich ergab, daß auch Schmückungen, die nicht zum Wettbewerb angemeldet waren, mit Preisen bedacht werden konnten. Hm jedoch zu vermeiden, daß eine schone Schmückung übersehen wird, oder Srrtümer in der Ramensfestftellung erfolgen, liegt es im Sntereffe jedes einzelnen, der Ditte des Derkehrs-Dereins zu entsprechen und die Anlagen, die er prämiiert zu sehen wünscht, im Frühjahr jedes Sahres im Verkehrsbüro. Seltersweg 93, anzumelden. Besonderer Erwähnung bedarf die Bemühung der Stadtverwaltung (Stadtgärtner Müller), die städtischen Anlagen und Plätze mit Blumen und Grasbeeten zu versehen. wodurch immer mehr die Bezeichnung „Gartenstadt" ihre Berechtigung ftndet. Die zum Teil sehr schönen Anlagen der hiesigen Gärtner feien gleichfalls mit Anerkennung bedacht, während eS bedauerlich ist. daß einige andere nid t das für den Blmnenschmuck-Wettbewerb gc.an haben, was sie gut und gern hätten tun können. •* Abänderung derTageSordnung für die Stadtverordnetenvcrsammlung am 30. September: Punkt 9 der Tagesordnung, „Die Errichtung eines Finanz- und DersorgungSamts- gebäudeS", wird als letzter Punkt nichtöffentlich verhandelt. ** Die Gießener städtische Obstoerst e i g e r u n g erbrachte einen Erlös von 2186 Mk. für Aepfel und 265 Mk. für Frühobst, meist Birnen. Von feinem Tafelobst kostete der Zentner 8 Mk. am Baume, Wirtschaftsobst 6 Mk., geringere Aepfel 2 Mk., Birnen 2 Mk. S Der Verband der e v. Frauenver- eine in Hessen, Dorsitzende Fürstin Elisabeth zu Erbach-Schönberg, will zum erstenmal die Dorsihenden der OrtSveveine und die Kreisvorsihenden zu einer besonderen Konferenz zusammenrufen. Sm Laufe der Sahre haben sich, sowohl von feiten der Vereine, wie auch bei der Derbandsleitung fo viele FragLn und Wünsche angefammelt, daß eine besondere Dorständekonferenz nicht nur für nötig gehalten wird, sondern man der festen Heberzeugung ist, daß man mit dem Plan, trotz der Fülle sonstiger Tagungen, auf freudigen Widerhall aus den Reihen der Dorsihenden rechnen darf. Diese Tagung, eine rechte Arbeitstagung, soll vom 18. bis 20. Oktober in Darmstadt abgehalten werden. Zur Besprechung stehen u. a. Fragen über Organisation, Freizeiten, Satzungen der Ortsvereine, die Rotwendigkeit eines einheitlichen Liederbuches und Müttererholungsheime. Shre Mitwirkung für die Tagung haben bereits zugesagt Prälat D. Dr. Diehl (Darmstadt) und Ober(ird)enrat Zentgraf. Sn der eigentlichen Herbstversammlung hält Ol-erkirchenrat Zentgraf einen Vortrag über „Kirchliches Amt und Frauenvereine". ** D-Zugbcnutzung mit Sonntags- karten. Für die Dauer des Winterfahrplans (ab 2. Oktober d. 9.) werden alle D-Züge auf den Strecken Frankfurt—Gießen—Marburg, Frankfurt- Gießen—Hagen und Gießen—Koblenz zur Benutzung durch Reifende mit Sonntagsrückfahrkarten gegen Lösung von Schnellzugszuschlagskarten frei- gegeben. Reisende mit Sonntagskarten 4. Klasse, die ausnahmsweise D-Züge benutzen wollen, haben außer dem Schnellzugszuschlag noch eine lieber- gangskarte für die betr. Klasse zu lösen, in die sie überachen. W ie groß darf eine Postkarte sein? Gemäß den Beschlüssen des Weltpost- kongresses in Stockholm, der im Sahre 1924 stattgefunden hat, dürfen auch im inneren deutschen Verkehr vom 1. Oktober 1927 an Postkarten mit Abmessungen, welche die für die amtlich ausgegebenen Postkarten vorgesehene Größe von 14,8:10,5 Zentimeter überschreiten, zur Postbeförderung gegen die Postkartengebühr nicht mehr zugelassen werden. Derarttge Postkarten um» terliegen dann der Driefgebühr. ** Sungdeutscher O rden, Bruderschaft Gießen. Für Samstag, 24. d. M., hatte der Sungdeutsche Ord-.n seine Schwestern und Brüder zu einem Familienabend eingeladen. Sn großer Zahl fanden sie sich < i, um tn Gemeinschaft mit zahlreichen Gästt einige Stunden fröhlicher Geselligkeit zu ver. ben. Der Abend sollte geselliger -Unterhaltung dienen, in w-cher der Sungdeutsche Orden ähnlich wie in her Politik auch nach neuen Formen strebt. Sn mehreren Einzelvorträgen schielten Ernst und H- rror in erfreulicher Abwechslung. Gesangvorträge mit Lautenbegleitung der Gefolgschaft Klein-Linden zeigten, wie diese Form der Musikpflege tn Dorf und Stadt reich zu lohnen vermag. Caunige Lichtbilder von einer jungdeutschen Wanderung gaben fruchtbare Anregungen, diesen Zweig der körperlichen Ertüchtigung besser zu pflegen als seither. Auch der junge Spielmannszug stellte sein Können freudig in den Dienst der Gesamtheit. Vortreffliche Vorträge der Kapelle Hil- gardt umrahmten den Abend in wirkungsvoller Weise. Auch durfte der Tanz nicht fehlen. Sni solcher Durchführung war der jungdeutsche Fa- milienabenö ein schönes Beispiel einfacher aber gemütvoller Geselligkeit. ' Wieviel Bücher gibt es in den hessischen Bibliotheken? Rach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landesstatistik war der Bücherbestand am Ende des Sahres 1926 in der Stadtoücherei Darmstadt 32 394 (Zugang 2588), Stadtbücherei Offenbach 31'421 (Zugang 986), Stadtbibliothek Mainz 280 000, Stadtbibliothek Worms 160 000, Lesehalle-Perein Gießen 7000 (Zugang 200), Volksbibliothek Friedberg 2024. Berliner Börse. Berlin, 27. Sept. (W. S. D. Funkspruch.) Angesichts der hohen jüdischen Feiertage fanden im heutigen Frühverkehr von Bureau zu Bureau nennenswerte Hmsähe noch nicht statt. Die Tendenz kann als kaum behauptet bezeichnet werden. Die Meldungen, nach denen die Auslegung der preußischen Anleihe am Reuhorker Platze Schwierigkeiten begegnet, mahnen zur Zurückhaltung. S.-G.-Farben hörte man mit 290/291. Am Devisenmarkt nennt man London—Paris 124,02, London—Kabel 4,8670, Mailand—London 89,25 und Brüssel—London 34,945. W gehl über Städte und Berge kfihn?- Das i$t der Flieger mit seinem Benzin; Was gebt über DeKt-Massary. mein lieber ? . Unnötige Trage r . f P f /. We Ernährung , ^r kn j loyische E Mng gegen d g.e.®artet[i] /''chkungszua ä-Ä wlrb fo Hudsee nach vsrschl VN,2 > tzvfro Deshalb 2 ”* nur U ALk; ”u| Me 6§: tzS'-K , lolfl« ft. LshLÜKK aus achtbarer Familie mit guter Schulbildung auf das kaufmännische Büro eines hiesig , gröberen Zabrik- geschältes für sofort gesucht. Handschrift!. 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Der Australische Staatenbund blickte im Jahre 1925 auf das erste Vierteljahrhundert seines Bestehens zurück. Wie wird sich seine Zukunft gestalten, wenn wir auch nur eine gleich lange Zeit wie Die vergangene zu überschauen versuchen? Ungelöste Probleme verschiedener Art drängen bei Stellung dieser Schicksalsfrage sowohl für Australien selbst als auch für den Bestand des britischen Reiches heran und erschweren die Erfüllung zweier Wünsche des australischen Volkes, an die einmal Ministerpräsident Bruce gelegentlich der jährlich stattfindenden Landesausstellung in Melbourne erinnerte: die Notwendigkeit, das „Weihe Australien" zu erhalten, und die nationale Politik einer hohen Lebenshaltung mit der daraus erwachsenden Verpflichtung einer mindestens ebenso hohen Leistungsfähigkeit. I Der Weltkrieg hat auch Australien in das Nciz der großen Polittk hineingezogen. Ehrenvoll kämpf- ten und fielen die „Anzacs", die sich sämtlich freiwillig gestellt hatten, auf den westeuropäischen Schlachtfeldern und bei Gallipoli für die Sache der Verbündeten. Heber Nacht war Australien militarisiert und hatte bald erkannt, daß es mit der Möglichkeit vorbei war, abseits vom Weltgeschehen einen Staaat zu errichten oder aufrechtzuerhalten, der nichts anderes zu tun hat, als innerhalb der Landesgrenzen für ein behagliches Dasein einer möglichst großen Zahl seiner Bewohner zu sorgen. Nur in einem einzigen Punkte hatte sich Australien auch schon vor Beginn des Weltkrieges um eine Trage, die zur großen Politik gehört, Sorgen gemacht. Es handelt sich um die Verteidigung Australiens gegen die Farbigen, vor allem gegen die Japaner. Dieses Problem ist durch den Weltkrieg nur noch verwickelter geworden. Fast so groß wie China und Kanada, hat Australien nur knapp sechs Millionen Einwohner. Es leidet an einem zu starken Städtezuwachs an der Küste. Die Hälfte der Bevölkerung wohnt in sechs großen Hafenstädten, wo den beiden Hauptwählergruppen nur selten zum Bewußtsein kommt, daß weite Landstrecken ohne Menschen zwar keine Wahlmacht ausüben, aber eine verhängnisvolle Anziehungskraft auf überfüllte Erdräume besitzen können. Für politische Parteigeschäfte ist dieser Zu-' stand sehr günstig, namentlich für die Arbeiterpartei, da diese in wenigen Zentren vereinigt ist. Auf der anderen Seite verschärft sich der Gegensatz zwischen Stadt und Land erheblich. Es gibt aber ein Naturrecht auf Daseinsmindestmaß im Raum. Um dieses sehen sich gewisse Nationen in der Volksenge Ostasiens weit verkürzt. Sie erkennen, daß andere Großraumeigner in näherer und weiterer Nachbarschaft ausgedehnte Landstriche aus Mangel an Händen nur einer langsamen Entwicklung zuführen können und dennoch nicht für fleißige Einwanderer freigeben wollen. Die leeren Räume üben auf übervölkerte Landstriche eine durch die Natur gegebene Saug, und An- zichungskraft aus. So steht Asien drohend an der Pforte von Australien. Mehr noch wie durch das von inneren Wirren zerrissene, nach außen hin machtlose China droht von der japanischen Jnselslur dem Australischen Staatenbund unmittelbare Gefahr. Noch hat sich Australien gegen das Heranbranden der gelben Welle schützen können. Die Zukunft wird zeigen, ob Australien noch von transozeanischen Machtkämpfen unberührt seine Scheidekrast bewahren oder zum Kriegsschauplatz wie die übrigen erschlossenen Räume der Welt werden wird. Für das übervölkerte Japan mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von bald eine Million Menschen ist das Problem zugleich eine Fortsetzung seines Kampfes um die Rasfengleichheit, der wohl auf den Konferenzen von Versailles und Washington eröffnet, aber aus Zweckmäßigkeitsgründen abgebrochen wurde. Nun sucht Japan die Gleichberechtigung der Rassen auf fremdem Grund und Boden zu erzwingen: außerdem wachsen die Zahlen für Volks- und Siedlungsdichte auf den japanischen Inseln schneller als die Ernährungsmoglichkeiten. Der im japanischen Volk vorherrschend« in a - la y ische Einschlag und die allgemeine Abneigung gegen die kälteren nördlichen Klimate weisen die Wanderlustigen nach dem Süden. Dieser Richtungszug wird bleiben. Die ozeanische Entwicklung wird fortbauern. Wer von China durch die Hüdsee nach Australien fährt, sieht gleichsam die gelbe Welle langsam, aber stetig und unaufhaltsam sich nach Australien fortbemeaen. Ein Heilmittel gegen die herannahende Gefahr ist die schleunige Steigerung der Siedlung durch planmäßige Förderung. Um Australiens „weißen" Charakter zu wahren, sind schon mehrfach in dieser Richtung Versuche unternommen worden, ohne einen Erfolg in dem gewünschten Ausmaße zu erzielen. Eine der letzten Versuche war der große Entwurf, den das britische Kolomalministerium am 6. April 1925 herausgab. Auch hier verbieten sich Prophezeiungen über das mögliche Ergebnis. Jedenfalls erscheint es fraglich, ob genügend Zeit bleibt, um die heranwogende gelbe Welle zu brechen. Denn hinter ihr steht noch drohend das staatliche Ausdehnungsbestreben Japans, das mit der Mandatserteilung auf die früher deutschen Süsesinseln nördlich des Aeguators eine Schwelle für feinen Drang nach dem Süden gefunden hat. Aehnlich hat Australien seine abgesonderte Lage, die es durch Tag« und Wochen von anderen Erdteilen trennte, und in Port Darwin einen eigenen Stützpunkt errichtet. Jahre werden vergehen, bis die eigenen Anstrengungen und die des englischen Mutterlandes für den Ernstfall gegen die jetzt vorherrschende japanische Macht im Stillen Ozean Brauchbares geschaffen haben werden. So wenden sich Australiens Blicke nach den Vereinigten Staaten, die durch ihre großen Flottenmanöver und den anschließenden Besuch der Schlachtflotte in den Australischen Gewässern im Jahre 1925 allzu deutlich vor Augen sührten, wer Helfer bei der wohl unvermeidlichen Entladung im Pazifik sein könnte. Letzten Endes bleibt immer wieder als bestes Abwehrmittel Australiens gegen die gelbe Welle, besser noch als eine Armee und Flotte, eine ft arte, weiße Bevölkerung, selbst wenn sie künftig nicht rein britischen Ursprungs sein sollte. Denn bisher konnte die Frage noch nicht bejahend beantwortet werden, ob Großbritannien Hunderttausende von arbeitsfreudigen Menschen zu vergeben hat, die gewillt und imstande sind, als Pioniere der Das grohe Heimatblatt der eingesessenen Bevölkerung Gießens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der im 177. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Gießener Familienblätter der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorgfältig ausgewähtten, gediegenen literarischen Lesestoff Heimat im Bild der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Scholle vonFachleuten und Kennern der Heimaterde für dieLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirrschaft, Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger Das große Anzeigenblatt verloren, als ihm die Verwattung der südlich des Aequators liegenden früher deutschen Inseln übertragen wurde. Es kommt hinzu, daß Japan, als es aus (einer Abgeschlossenheit von der übrigen Welt erwachte, sehr bald seine Bestimmung als seefahren- des Volk erkannte und energisch an den Ausbau seiner Handelsflotte ging, deren Wege mit dem sie begleitenden Strom der Auswanderer zu schützen, die japanische Regierung als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet. Daher auch der fieberhafte Ausbau der japanischen Kriegsflotte, soweit die Abmachungen von Washington irgendwelche Möglichkeiten gelassen haben. Die amerikanischen Philippinen werden bei einem Zuge nach dem Süden sehr bald und leicht eine Beute Japans werden, während das Gewirr der Südseeinseln die Annäherung an Australien und den überraschendem Ueberfall auf seine schwach gesicherten Küstenstädte erleichtern hilft. Hier glaubte Großbritannien durch den Ausbau des Stützpunktes Singaporc den ozeanischen Dominien Schutz und Schirm zu bieten, auch um sich im Konfliktsfall seine wichtigste Kornkammer Australien zu erhalten, fffiirb Singapore dieser Aufgabe voll und ganz gerecht werden können? Australien scheint selbst Zweifel daran zu hegen, da es die eigene Flotte ausbaut Kultur ähnliches zu leisten wie die genügsamen Einwanderer früherer Zeiten, wo noch keiner von einem „high Standard of life“ träumte. Der weiße Mann, so erklären die Briten, ist Führer und Organisator. Er ist der Einsichtsvollere. Er besitzt Geduld, die Ergebnisse abzuwarten. O. M o ß d o r f, Major a. D. Beschichten aus aller Wett (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Wic Peter Murray feinen Ltrohhut wsgcworden ist. (aga) Neuyork. Die nachfolgende Geschichte ist vielleicht nicht ganz so poetisch wie jene, die Herr von Schiller uns über weilcprd König Polykrates „Schaute mit vergnügten Sinnen uftt>.“ - erzählt, auch ist sie nicht gereimt, dafür hat sie aber den Vorzug, buchstäblich wahr zu sein, wogegen die meines größeren Vorgängers aus dem Schwabenlande doch mindestens gelinden Zweifel zuläßt, wobei eine sachliche Nachprüfung mangels amtlicher oder sonst zuverlässiger Grundlagen noch dazu außer dem Bereich der Möglichkeit liegt. _________ Vorschau aus die Spielzeit 1927/28 des Stadttheaters. Bon Hofrat Hermann (5 t e i n g o e 11 e r. Als vor kurzem die neue Spielzeit des Darmstädter Landestheaters eröffnet wurde, schweb eine Frankfurter Zeitung: „Ein getoiegter Bühnenpraktiker wie Darmstadts neuer Intendant, Carl Ebert, weiß, daß mit allen Details ausgearbeitete, theoretisch sorgsam fundierte Programme meistens nicht zur Durchführung kommen. Deshalb seht er sich in seinen der Eröffnungsvorstellung mitgegebenen Vorbemerkungen eigentlich nur das Ziel: gutes Theater zu machen." Diese Meinung des Darmstädter Intendanten teilt durchaus der Schreiber dieser Zeilen, da bekanntlich die Individualität neuer Fachmitglieder, die im Laufe der Spielzeit neu auf- tauchenden Werte von besonderem Wert oder Interesse den noch so sorgsam entworfenen Plan stark beeinflussen können. Andererseits aber möchten zahlreiche Theaterinteressenten gern etwas Schwarz auf Weiß nach Hause tragen, und so sei hier eine kurze Vorschau auf die Spielzeit 1927/28 gegeben. Die Eröffnung der Spielzeit erfolgt am Mittwoch, 5. Oktober, mit Goethes „Egmont" und der vollständigen Beethovenschen Musik zu diesem Werke. Ms weitere Klassiker sind zunächst Kleists „Kätchen von Heilbronn" (zu des Dichters 150. Geburtstage) und „Maria Stuart" vorgesehen, doch sollen hier schon oft gegebene Werke dieser Art, wie das genannte Schillersche Drama, nicht durchs Abonnement gehen. Von anderen Werken sind zunächst vorgesehen „Kapitän Braßbounds Bekehrung" (Ber- nard Shaw), „Zwölftausend" (Bruno Frank), „Spiel im Schloß" (Molnar), „Der Patriot" (Neumann), „Lebensschüler" (Ludwig Fulda), „Mädel von heute" (Gustav Davis), "Fünf von der Jazzband" (Felix Ioachimson), „Der Revisor" (Gogol), „Peer Gynt" (Ibsen), „Nichrer von Zalamea" (Calderon) u. a. in. Wertvollen Neuerscheinungen, die während der Spielzeit herauskommen. wird die Bühnenleitung selbstverständlich ihre Aufmerksamkeit zuwenden und sie womöglich dem Spielplan einfügen. Die Sonntagvorstellungen, die außer Abonnement gegeben und zum Teil den Charakter von „Fremdenvorstellungen" tragen werden, sollen einen etwas anderen Spielplan als die Abonnementsvorstellungen bringen. Die Opern- und Operettenaufführungen werden wieder wie in den letzten Jahren durch Gastspiele erfolgen; für die erste Zeit sind an solchen Werken vorgesehen: Lortzings „Wildschütz". Lehars „ Zarewitsch" und Kalmans „Czar- dasfürstin". Jedenfalls wird die Bühnenleitung alles aufbieten, um ein möglichst abwechslungsreiches und damit interessantes Programm durchzuführen. Solch starte Abwechslung im Spielplan bedeutet aber auch starke Arbeitsleistung und Anspannung für die Mitglieder, und da ist es denn von allergrößtem Vorteil, wenn der Bühnenleiter sich auf ein gut aufeinander eingespieltes Personal stützen kann. Dies ist glücklicherweise bei uns der Fall, wo es ja Tradition geworden ist, gute und bewährte Mitglieder, so lange es angeht, zu halten. So wird unser Publikum auch biefen Winter wieder die Herren T e l e k y, Goll. Dolck, Geffers, Schubert und Gehre begrüßen können. Auch Herr Baste, der von Mainz wieder in den Verband unserer Bühne zurückgekehrt ist, an der er schon früher zwei Jahre lang das Fach des jugendlichen Komikers und Bonvivants mit schönem Erfolg vertreten hatte, wird gerne willkommen geheißen werden. Auch der erste Bonvivant, der feit diesem Frühjahr neu verpflichtet worden ist, Herr Hans Tannert, ist dem hiesigen Publikum kein Fremder mehr, da er sich bei den Sommergastspielen aufs beste eingeführt hat. 3m Fache des ersten jugendlichen Helden ist eine neue Kraft verpflichtet worden, Herr Eberhard Hennig, dessen Engagement nach sorgfältiger Prüfung erfolgte. Bei den Damen ist. soweit sie erstes Fach darstellen, kein Wechsel eingetreten, nur daß Fräulein K r a h m e r jetzt ganz in das Fach der jugendlichen Salondame übergegangen ist, und daß das Fach der Naiven in diesem Winter von Fräulein Scherer vertreten wird. Außer den beiden genannten Damen erscheinen also wieder als liebe alte Bekannte: Frl. Jün gling. Frl. Marcks, Frl. Heym und Frl. Baumann. Sowohl die Zusammenstellung des Personals wie der vorgesehene Spielplan stellen eine anregende und abwechslungsreiche Spielzeit in Aussicht, so daß die lebhafte Teilnahme, die die Gießener Bürgerschaft zu allen Zeiten ihrem Stadttheater entgegengebracht hat, sich sicherlich auch in der kommenden Winterspielzeit, der fünf- undzwanzigsten unter dem jetzigen Intendanten, betätigen wird. Frankfurter Theater. Franz Lehars .Zarewitsch" gibt im Neuen Operettentheater den glanzvollen Auftakt zur Wintersaison. Das Haus ist bis auf den letzten Platz ausverkauft; fein Wunder, denn Lehör, der populärste Operettenkomponist unserer Zeit, dirigiert seine perlenden Rhythmen selber, und auf der Bühne verkörpert Kammersänger Richard Tauber die Titelrolle und verleiht dem Zarewitsch die faszinierende Macht seiner prachtvollen, dunkel gefärbten Tenorstimme, die in der Höhe von unendlicher Weichheit ist. Der Gesang wird von dem vorzüglichen Spiel des sympathischen Künstlers unterstützt; er ist augenblicklich der berühmteste Interpret dieses Werkes; man spürt, daß Lehar, der ihm vorher seinen „Pa- ganini" widmete, auch bei diesem Werk Tauber im Auge hatte. Die Operette behandelt die Geschichte "des Zarewitsch, der sich vor der Macht Peter Murray wohnt in Cdgewater, einer Vorstand von Chicago, in einem fümehmen Appartementhause. Der Unterschied zwischen einem Appartement und einer Wohnung läßt sich nur in Dollars ausdrücken. Da Peter ‘Jllurrat) in einem Appartement wohnt, muß er zu den „prosperierenden" Einwohnern von Edgewater bei Chicago gerechnet werden. Dies findet seine weitere Bestätigung darin, daß Peter zur Heimfahrt häufig eine Autodroschke zu benutzen pflegt. Vorgestern hatte Peter Murray sich eine neue Mühe gekauft. Auf dem Heimweg warf er seinen bereits etwas unansehnlich gewordenen Stroh - Hut aus dcm Droschkenfenster. Im selben' Moment mußte die» Droschke anhalten, da das rote Verkehrssignal aufflammte, und schon kam ein Junge mit dem Strohhut angelaufen: „Hier ist er, Mister, ich hab'n erwischt." Da Peter ein guter Kerl ist, gab er dem Jungen ein Geldstück. Seiner Frau gefiel die Mühe nicht. Er steckte, als er am nächsten Morgen ausging, sie — die Mühe, nicht die Frau — in die Tasche und trug den Strohhut. Ms er über die Brücke ging, flog der Hut in elegantem Bogen aus Peters Hand zu Wasser. So, nun werd' ich ihn wohl los fein. Ms Murray abends beiinfam, war seine Frau hysterisch, zwei Detektive waren da und hatten sie ausgefragt, was es wohl gegeben haben könne, um ihren Mann zum Selbstmord zu veranlassen. Sie hatten den Hut mitgebracht. Er trug Namen und Adresse des mutmaßlichen Selbstmörders. Gerechter Zorn ermannte Herrn Murray, und ohne sick) zu besinnen, schmiß er das vermaledeite Strohdach aus dem Fenster. Es segelte direkt in ein gegenüberliegendes, offenes Fenster auf der anderen Seite des Hofes. Dort wohnt Thomas Gordon. Ms Thomas abend heimkam, fand er den Hut, sah Murrays Namen darin, begab sich sofort in dessen Wohnung und verlangte zu wissen, was der in der feinen zu suchen gehabt habe. Worauf Herr Peter Murray Herrn Thomas Gordon mit zwei wohlgezielten Faustschlägen zu Boden streckte. Es kam die Polizei. Beide wurden nach der Wache geschasst. Die Aufklärung dauerte nicht lange, und beide zogen zusammen davon. Gordon hatte beim Weggehen eine brennende Zigarette in der Wohnung lallen lassen. Ms er mit Murray von der Polizeiwache heimkam, war keine Wohnung mehr da. Sondern die Feuerwehr. Auch der Sttohhut war mitverbrannt. Die Elektrische. (f. m.) Montevideo Es dauerte lange Zeit bis ich entdeckt hatte, wo die Haltestellen der Elektrischen sind. Es gibt weder einen roten Pfahl noch sonst ein sichtbares Zeichen dafür. Schließlich fiel mir auf, daß an den Straßenecken kleine Menschenhäuf- lein standen, die die Wagen an sich vorübergleiten ließen, bis einer von ihnen plötzlich bk Hand hob und den nächsten herannahenden Wagen zum Hatten brachte. Nun hatte ich es heraus: Man stellt sich an eine x-beliebige Straßenecke, meldet sich wie in der Schule unb kann einsteigen. Ich tat das also, denn ich wollte nach dem Badestrand fahren. Wie höflich diese Südamerikaner sind! Wenn sich jemand auf einen leeren Platz sehen will, so bittet man den Nachbar um Erlaubnis, der sie dann gnädigst gibt. Und wenn man jemand auf den Fuß tritt, so bittet der auch noch um Verzeihung. Sie sind zuweilen beschämend höflich, diese Küstenstädter! Eines aber berührte mich peinlich. Ab und an ertönte ein lautes Zischen, von diesem und jenem Fahrgast ausgestotzen. Ich fand es ominös. Ich konnte keinen zwingenden Grund dafür entdecken. Da — endlich der Strand. Ich wollte aussteigen. Leider konnte ich noch nicht genügend spanisch, um baß dem Schaffner plausibel zu machen. So trat ich auf die Hintere Plattform. Der Schaffner sah mich verwundert an, hielt aber nicht. Der Strand verschwand. Es ging immer weiter, ich wollte heraus, ich war verzweifelt, ich wußte nicht, was ich machen Witte. Schließlich faßte ich Mut und sprang in voller Fahrt ab, gerade vor zwei Herren hin, die mir ironisch zuriefen: „Welch reizende Tänzerin!" -- Später traf ich einen Bekannten und erzählte ihm mein Mißgeschick. Der lachte schallend: „Warum haben Sie nicht gezischt, das ist das Zeichen zum Aussteigen. Und abspringen? Das ist ganz verpöitt; das tun hier nur die Zeittingsjungen. Haben Sie hier schon mal einen der Frau siirchtet und ein Einsiedlerleben führt, bis man ihm eines Tages das Tanzmädchen Sonja als Kosaken verkleidet ins Schloß schmuggelt. Erst nehmen die beiden sich vor, nur vor der Welt so zu tun, als bestände ein Verhältnis zwischen ihnen, dann aber fängt der Zarewitsch Feuer und will lieber auf den Thron verzichten als von Sonja lassen. Diesmal schließt die Operette nicht mit der Vereinigung des Liebespaares, denn zum Schluß stirbt der alte Zar, und Sonja selbst bittet den Zarewitsch, ihre Liebe der Pflicht gegen fein Voll zu opfern. Das Libretto stammt von Bela I e n b a ch und Heinz Reichert; Franz Lehar weiß diese Liebesgeschichte musikalisch packend und charakteristisch mit dem Reichtum seiner Klangwelt zu umranken. So ist gleich im ersten Akt das große Lied „In dunkler Nacht einsam und fern" mit seiner echt russischen Schwermut bestimmend für das ganze Wesen des Zarewitsch; prickelnd und temperamentvoll das glänzend inftnrmentierte Champagnerduett; voll mitreißender Tonschönheit ist auch das große Liebesduett des zweiten Aktes „Hab nur Dich allein, die ganze Wett sollst Du mir sein...." Das Lied „Willst Du, willst Du, komm und mach mich glücklich ...." muhte Tauber fünfmal wiederholen; das Publikum tobte. Neben den großen dramatischen Gesängen streut Lehar mit leichter Hand einige ganz entzückende, amüsante Tanzschlager in die Handlung, gesungen von Lisa Rado unö Norbert Fels, die wiederum die famosen Vertreter des heiteren Paares sind. Inge van Heer als Partnerin Taubers zeigte sich den künstlerischen Anforderungen ihrer Rolle vollkommen gewachsen. Ausgezeichnet in Spiel und Maske war der Großfürst Heinz Klüfers So gestattete sich der Abend zu einem künstlerischen Ereignis und großen Erfolg für die Gäste, das Ensemble des Operettentheaters und die. wie immer, sorgfältige, künstlerisch geschmackvolle Inszenierung Adolf Wiesners. Das Publikum feierte Lehar, welcher sich als temperamentvoll beschwingter Dirigent zeigte, und Tauber mit schier endlosem Jubel. L W. rennenden Menschen gesehen? Sie vergessenr ho£ spanische Blut dieser Südamerikarrer. das sich trotz der viele,» Mischungen nie Oerleugnen wird. Es gibt keine Rervofttät, kein Hasten, kein rücksichtsloses Dorwärlskommenwollen. Lieder alles Die vornehme Ruhe, die Grandezza?" Die Dame aus Mekka mH dem Bubikopf. (f.) London. Kürzlich hatte London einen Besuch, der selbst in dieser an exotische Gäste gewöhnten Riesen» ftadt ausfiel. Es war der König Feisal von Mesopotamien, der bei» Engländern d. h. den Engländerinnen ausnehmend gefiel. Er hat eine hohe, schlanke, sportliche Figur, trägt einen Spitzbarl ä la King Edward und war stets europäisch lund Mar ebenso korrekt wie vorteilhaft) gekleidet. Dazu der pikante braun^ Hautton des in Mrlka geborenen Vollblut-Arabers mit den graziösen Bewegungen — die Herren der Schöpfung in Europa mühten andere Kerle sein, als sie sind, wenn dieser Araber den englischen Ladies nicht als der schönste Mann erscheinen sollte, den sie seit wahren gesehen! Sie machten aus dieser Lleberzeugung durchaus keinen Hehl, wobei nur verwunderlich war. das) die Gentlemens diesem weiblichen Werturteil nicht widersprachen. Das hatte aber seine besondere Dewa»rdtnis in der Frau (der einzigen!) des Königs Feisal, die mit nach London gekomnien war. Sie war eine Sensation! Sie ftaimnt ebenfalls direkt aus Meiko, sie trägt einen Bubikopf (man bedeirke!) und liebt europäische, ja sogar Pariser Modekleider, die ihrer wirklich guten Figur mit dem reizenden fremden Rimbus ganz entzückend standen! Zu allem hatte sie noch den kleinen Spleen, der nun mal zur interessanten Frau gehört, und der sich bei ihr in den fabelhaftesten — Sonnenschirmen auswirkte, lind da sie schließlich, wo sie ging und stand, von zwei riesigen Sudan- Regern begleitet wurde, und selbst euren reizenden Hof hielt, so ist verständlich, daß sich jeder nur irgendwie gesellschaftsfähige Gentleman um die Vorstellung bei Ihrer Majestät rih — und den Ladies den kleinen Schwarm für Feisal verzieh! Der ganze gute Eindruck des »schönsten Königspaares der Gegenwart" ober verhinderte nicht, daß König Feisal von Mesopotamien mit schweren politischen Enttäuschungen der Metropole des britischen Reiches den Rücken kchri-e. Die Ltadt der verlassenen Krauen. (P.) K a p st a d t. Hat das Gold schon manches Unglück über die Menschheit gebracht^ so nicht minder der Diamant. Ganz Südafrika droht anläßlich der neuen Diamantfelder-Entdeckung aus den Fugen zu geraten. Tausende von bisher braven und ruh g:n F.m li-nvätern haben den heimischen Herd verlassen, um sich an den wie ein Sechstagerennen organisierten und von der Polizei überwachten „Runs" zu beteiligen, bei denen stets einige Teilnehmer von ihren Konkurrenten zertrampelt werden, was aber angesichts der in Aussicht stehenden Karate kaum ins Gewicht fällt. Und so ist es gekommen, daß die Stadt Johannesburg kaum »roch einen Mann in ihren Mauern beherbergt. Die Büros, die Werk- 'stätten, die Fabriksäle, die Studierstuben, ja, die höheren Knabenschulen stehen leer - hier haben sich nicht nur, was begreiflich wäre, die Herwen Sekundaner und Primaner ihren homerischen und pythagoräischen Studien entzogen, sondern auch die Professoren und Oberlehrer. Die Hotels haben keine Kellner, die Lairdwirte kerne Knechte mehr, und sogar das Polizeikorps hat sich gelichtet. Johannesburg ist eine Stadt der verlassenen Frauen, eine Stätte des Jammers geworden, denn die diamantenhungrigen Herren der Schöpfung, die nun auf den neuen Diamantenfeldern von Lichtenburg im Schweiße ihres Angesichts buddeln, und den winzigen Erlös ihrer Arbeit in teuren Spirituosen rnnsetzen, haben ihre armen Frauen völlig mittellos daheim zurückgelassen. Die Folge davon ist ein wahrer Kilimandscharo von Ehe scheidungsanträgen der verlassenen Weiber. Die Zustände sind so unhaltbar geworden, daß die Polizei sich mit einem ausführlichen Bericht an die Regierung gewandt hat. Armer General und Präsident Hertzog! Das ist eine politische Aufgabe, die in der Tat einen ganzen Mann erfordert! in Alsfeld. (*♦ Alsfeld, 26. September. Am Samstag und Sonntag fand hier im Hotel „Deutsches Haus" der Gautag des Gaues Heffen-Rassau-Darmstadt des Re i ch sverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener statt. Am Samstagvormittag trat zunächst der erweiterte Gauvorstand zu einer Sitzuirg zusammen, an der später die Kreisvertreter teil» nahmen. Um 3.30 Uhr nachmittags wurde im kleinen Saale des „Deutschen Hauses" der Gauverbandstag durch den Gauvorsitzenden Breil, Hersfeld, eröffnet, zu dem etwa 70 Delegierte der einzelnen Orts- und Kreisgruppen erschienen waren. Bon feiten des Kreisamts Alsfeld war Regierungsrat Strack, für die Stadt Alsfeld Bürgermeister Dr. B o l s i n g zur Tagung erschienen, welche die Grüße der von ihnen vertretenen Behörden überbrachten. Es fand zunächst die Wahl der einzelnen Kommissionen statt, alsdann folgte die Mitteilung des Geschäftsberichts vom abgelaufeneu Jahre, sowie der Kassenbericht und der Bericht der Rechnungsprüfer. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor. daß der Reichsverband eine wesentliche Steigerung seiner Mitgliederzahl erfahren hat. Der Gau hat zur Zeit 71 Ortsgruppen mit über 3000 Mitgliedern. Der Bor st and widinete sich im ab- gelausenen Jahre, wie aus dem Bericht hervorging, mit Energie und Rachdruck der Durchführung der Bersorgungsangelegenheiten, wobei über besonders interessante Eirrzelfälle berichtet wurde. Man schritt dann zur Beratung und Genehmigung des Voranschlages. Abends gegen 7 Uhr wurden die Beratungen abgebrochen, da um 8 Uhr abends im großen Saale des „Deutschen Hauses" ein von der Ortsgruppe Alsfeld zu Ehrei» der Gauvertreter gegebener Begrüßungsabend stattfand, der einen sehr guten Besuch auswies, und bei welchem das Alsfelder Jugendorchester, die Alsfelder Gesangvereine und der Verein aus dem benachbarten Altenburg, dessen Gesangsleistungen stürmischen Beifall fanden, mitwirkten, ebenso die Jugrnd- gruppe Alsfeld der Alsfelder Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten mit einem Reigen und »neh- reren lebenden Bildern und •?■ ’>n niedlichen Schelmenstück. Am Sonntagvormittag um 8.30 Uhr wurden die Beratungen fortgesetzt. Es wurde zunächst die Wahl des Gauvorstandes und der Kassenprüfer vorgenominen. Diese ergab die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Um 10.30 Uhr wurde die Tagung unterbrochen, unb die Teilnehmer der Tagung begaben sich in geschlossenem Zuge zu der Ghrenhalle für die Gefallenen auf dem Friedhof, woselbst Lehrer Funk, Alsfeld, Mitglied des Gauvorstandes, einen Kranz mit einer ergreifenden Airsprache niederlegte. Um 11 Uhr wurde die Tagung fortgesetzt. Rach dem Mittagessen fand um 2 Uhr im „Deutschen Hause" eine öffentliche Versammlung statt, die gut besucht war. Hier hielt zunächst Frau Erb. Fulda, Mitglied des Verbandsvorstandes, einen etwa halbstündigen Vortrag über die wohlerworbenen Rechte der Kriegerhinterbliebenen und deren rechtliche Begründung, wobei sie die Forderung aufstellte, daß den Kriegerhinterbliebenen auf Grund der Reichsverfossung und des bürgerlichen Rechtes ein Rechtsanspruch auf Versorgung Fustehe, ebensogut wie den Beamtenwitwen. Sie verlangt« ferner BerufSausbildimg für die Jugend der Hinterbliebenen und erörterte sodann eine Anzahl Mängel und Lücken der bestehenden Versorgung. Mit großem Interesse verfolgte die Versammlung alsdann den Vortrag des nächsten Redners. Rechtsanwalt Dr. K o e p p e l e vom Hauptverbandsvorstand Berlin, der über die sozialpolitischen Forderungen des HauptverbandeS sprach, und der insbesondere Stellung nahm zu der in Aussicht stehenden Rovelle zum Reichs- versorgungsgeseh und dazu die Forderung stellte, daß der Zusammenhang zwischen der Beamtenbesoldung und der Versorgung der Kriegsopfer unbedingt aufrecht erhalten werden müsse. Die Ausgleichszulage und die Zusahrente wüßten verschwinden. es müsse eine auskömm>iche Rente geben, ferner müsse ein« Besserstellung der Leichtbeschädigten erstrebt werden. Der Redner teilte sodann mit, daß der sozialpolitische Ausschuß des Verbandes den Entwurf eines Reichsversor- gungsgesehes ausgearbeitet habe, der di« Forderungen der Kriegsopfer enthalte. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung zur tatlrästigen Unterstützung des Reichsverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen in Berlin. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Aussprache an. Gegen 4.30 Uhr nachmittags schloß der Versammlungsleiter, Lehrer Funk, Alsfeld, den Gautag, der, wie er in seinem Schlußwort feftstellte, in allen Teilen schön und harmonisch verlaufen war. Oberhessen. Landkreis Gietzen OO K l e i n - L i n d e n, 26. Sept. Mit der V erst e i g e r u n g des O b st e s an der Straße von hier nach Dutenhofen eröffnete die Provinz Ob er he ssen ihre diesjährigen Obstversteigerun- gen. Die Beteiligung aus Gießen war nicht so groß wie in früheren Jahren, was wohl damit zusammen- hängen mag, daß viele Verbraucher ihren Obstbedarf' direkt vom Erzeuger ober Händler kaufen. Es gelangten zum Ausgebot an Aepfelforten: Kasseler, Baumanns, Landsberger und Orleans-Reinette, ferner Schöner von Boskoop, Goldpeping, Parkers Pe- ping, Henkels Parmäne und Goldparmäne. Die Preise waren erträglich. Es standen am Baum ein Zentner beste Qualitäten 3 bis 4 Mk., geringere Qualitäten 2 bis 3 Mk. Birnen wurden nicht ausgeboten. r. Klein-Linden, 26. Sept. Der erst in diesem Jahre gegründete Radklub Germania hat sich unter der Leitung seines rührigen Vorsitzenden Karl Klinkler sehr gut entwickelt und zählt heute schon 30 Mitglieder. Rachdem im Sommer das erste Rennen gefahren worden war, fand am gestrigen Sonntag das Herbstrennen des Vereins statt. Vormittags, kurz vor 8 Uhr, traten 9 Mitglieder zu einer Schnelligkeitsprüfung an. Cs wurde die Strecke von Klein-Linden nach Pohlgöns und zurück im ganzen 31 Kilometer, durchfahren. Die Zeiten, die erzielt wurden, sind als gut zu bezeichnen. Sämtliche Teilnehmer führten das Rennen ohne Unfall glatt durch. Am Sonntagabend fand im Vereinslokal, in der Gastwirtschaft Speier, bei einer harmonisch verlaufenen Familienfeier die Preisverteilung statt. Sie hatte folgendes Ergebnis: 1. Sieger Karl Schaum I.. dec für die 31 Kilometer 43 Minuten 30 Sekunden benötigte, 2. Aug. Deibel mit 43,35 Min. 3. Ernst Jung mit 47 Min., 4. Hermann Müller mit 47,5 Min., 5. Richard Lenz mit 47,30 Min., 6. Ernst Klein mit 50 Min., 7. Hans Funke mit 51,15 Min., 8. Karl Schaum II. mit 51.30 Min., 9. Wilhelm Schepp mit 53,30 Min. * Lang-Göns, 26. Sept. Folgende Kandidaten sind zur Beigeordnetenwahl aufgestellt: Karl Schmidt 3., Landwirt: Anton Müller 32., Landwirt: Karl Faber, Vorarbeiter, Heinrich Müller, Fabrikarbeiter. Die Wahl findet Sonntag, 2. Oktober, statt. (.) Lang-Göns, 26. Sept D'n Kartoffelernte ist nun, nachdem die schönen Tage in der Vorwoche schon tüchtig ausgenutzt worden sind, in vollem Gange. Dock) sieht man immer seltener Leut«, die die Kartoffeln aus- hacken. Maschinen haben auch hier die Handarbeit verdrängt. Ueberall „fliegen" die Kartoffeln aus dem Erdboden. Mühselig genug ist allerdings das Auslesen. Aber es gibt schnell volle Säcke. Die kleineren Landwirte pflügen die Knolle»» aus. Am Abend sicht man dann ein Gespann nach dem andern hvchbeladen die Dorfstraße hercinfahren. Der Ertrag ist in diesem Jahre recht gut, doch gibt es auch hier und da, besonders in gutem Boden, eine ganze Anzahl fauler Knollen. Die Sorte Industrie, die hier hauptsächlich angepflanzt wird, ist ja immer etwas empfindlicher als dis gröberen Sorten, hyr z. B. Hassia usw. — Das Jahr 1927 ist für La * g Göns ein Wahljahr. Rachdem wir zwei Bürger- meisterwahlen nebst zwei Stichwahlen hinter uns haben, kommt nun nächsten Sonntag — an Hindenburgs Geburtstag — die Wahl des Beigeordneten. Wie man hört, gibt es auch hierbei «in« ganze Anzahl Kandidaten, so daß wir aller Voraussicht nach wieder eine Stichwahl bekommen. — Am SamStag hielt die hiesige Spar- und Leih lasse ihre diesjährige Hauptversammlung ab, in der auch über die Ar'.f- wertung Mitteilungen gemacht wurden. X Wieseck, 26. Sept. Unsere Sechzig- jährigen hielten im gestrigen Gottesdienst ihren gemeinsamen Kirchgang. Auf dem llmWlgundstebe. Roman von Robert Misch. Copyright by Carl 2)unter, Berlin SW 62. 2 Fortsetzung Nachdruck verboten „Wer hat mich schön gefunden?" „Schön — schön! Bilde dir nur nichts ein! Man fand dich ganz niedlich — übrigens waren die Herren beschwipst." „Lüge nicht! Sie waren nur guter Laune. Glaubst du, ich hätte es nicht bemerkt?" Und mit der zähen Beharrlichkeit, die sic schon als kleines Mädchen der Mutter, dem Jugendfreund und selbst dem Vater gegenüber hatte durchsetzen lassen, beharrte sie eigensinnig auf ihrer Frag«: „Was haben die Herren von mir gesagt? Nicht wahr, sie bewunderten mein Haar? Und Onkel Heinrich fand mich ganz besonders schön — nicht?" „Hm".... „Er hat dich vor mir gewarnt. Oh, ich seh« und höre alles." „9la ja! Ich sollte mir nicht den Kopf von dir verdrehen lassen." „So — das hat er gesagt?" — Ihre Augen funkelten boshaft. Sie lachte leise — und plötzlich saß sie auf seinem Schoß und preßte den jungen Mund glühend auf seine Lippen. Der große Jlmge saß ganz still da und ließ sich küssen, mehr erschrocken als hingerissen. Aber ihre weichen Lippen preßten sich so wlld auf die seinen. Bis zum Halse hinaus schlug ihm das Herz in der Brust. Aber schon hatte sie sich von ihm gelöst und war entflohen. Eberhard blickte ihr entzückt nach. Er hatte eine (Beliebte — Isa war seine Geliebte. Und sie war so schön. Alle würden ihn beneiden, wenn sie es wüßten — alle die großen gewichtigen Herren — und selbst Onkel Heinrich . Aber niemand durfte es wißen! Das war Ka- valierspflicht! Das fuhr ihm alles blitzschnell durch den Kopf. Und in seinem jungen Glück reckte der hochgeschossene junge Mensch sich in seiner ganzen in—»viirar nnjwimi M* Länge, hob die Arme zum Himmel und murmelte I ganz leise, aber von Jubel durchpulst: „(Fine Geliebte — idi habe eine Geliebte ..." Als ob sich nach dein Feste alles gegen Eberhard verschworen hätte, konnte er Isa nur selten und nur ganz slückstig sehen und sprechen. Zunächst mußte er wie toll Düffeln, da die Versetzung nach Prima vor der Tür stand. Der Kommerzienrat hatte feinem Sohn angel'roht, wenn er da nicht glatt durchkäme, würde er ihn kurzerhand als Lehrling in irgendein fremdes Geschäft stecken, statt ihm das Gymnasium durchlaufen und bann studieren zu lassen. Und das Studium hatte er sich von seinem Vater ausbedungen. Dafür wollte er später ohne Widerstand nach einigen Auslandsreisen in das väterliche Geschäft eintreten. Das war das Kompromiß zwischen den Wünschen und Neigungen von Vater und Sohn. Eberhard wußte freilich nicht, daß sein Vater innerlich ganz damit einverstanden war und seine Drohung niemals wahr gemacht hätte. Nicht allein die Schule trat zwischen Eberhard und Isa, diese selbst ging ihm jetzt aus dem Wege, suchte jedenfalls nicht die Gelegenheit, mit Eberhard allein zu sein. Nun lauerte er Ihr auf dem Schulwege zuweilen auf. Sie besuchte die höhere Töchterschule nicht gar zu weit von seinem Gymnasium. Und er beeilte sich, sie nach Schluß abzusangen. Meist ging sie mit ihren Freundinnen, ohne sich nach ihm umzusehen. Dann schlich er ihr traurig nach. Zuweilen war sie jedoch allein ober machte sich auf geschickte Manier frei. An einer Ecke trafen sie sich. Eilig strebten sie dann einer kleinen Konditorei zu, wo sie im Hinterzimmer Eisbaisers, Mohrenköpfe ober Windbeutel mit einer doppelten Portion Schlagsahne verzehrten. Voll Verwunderung sah Eberhard ihr zu. Wie zierlich sie ah! Daß sie sich einen Kuchen nach dem anderen einoerleibte und dazu noch einige in die Mappe steckte, tat seiner Bewunderung keinen Abbruch, zumal sie ihm dabei immer lieb zulächelte. „Warum gehst du mir eigentlich aus dem Wege, Isa?" Das rote Züngelchen leckte genäfdjig an der Schlagsahn«, sie ließ den Lössel sinken. „Unsinn! Wieso denkst du? Ich hab doch viel zu tun — in der Schule und zu Hause in der Wirtschaft ... „Weshalb kommst du nicht mal des Abends in den Garten wie früher — in den Pavillon?" „Das schickt sich jetzt nicht mehr. — Und wenn man uns findet! Sie paffen jetzt doch höllisch auf. Wir sind doch keine Kinder mehr." „Nächste Woche beginnen die Ferien. Im Oktober ist's am schönsten draußen. Wir fahren mit der Stadtbahn nach Wannsee und mieten ein Segelboot oder rudern. Ich sck-ütze einen Ausflug mit Freunden vor, und du mußt's ähnlich machen. Es wird dich niemand fragen." „Gott — Vater kann man leicht was oormachen; und Mutter hat schließlich nichts dagegen." „Aber bis dahin ... wir könnten doch öfter mal im Grünewald zusammen sein — am Nachmittag, wenn du deine Klavierstunde hast. Morgen um fünf zum Beispiel." Di« Kleine blickte ihn stumm und sinnend an. Schließlich nickte sie huldvoll Gewährung. — Ungeduldig erwartete er die „Geliebte" am andern Tag. Ein Heller, btaßblauer Oktoberhimmel, über den lustig weiße Wölkchen wie kleine Schiffe segelten, spannte sich über den in gelben und roten Tupfen schimmernden Gipfeln. Zwanzig Minuten über fünf und sie kam nicht, kam noch immer nicht! Sehnsüchtig blickte er ihr entgegen. Da endlich war die schlanke Mädck-engestalt zu sehen. Schon von weitem winkte sie mit dem Schirm. Sein Herz pochte schneller. Wie fesch sie aussah in dem Hellen Tuchkleidchen, das ihr die Mutter zurechtgeschneidert' — Alles stand ihr. Jedes einfachste Hütchen wußte sie mit einigen Bändern und Federn zurechtzustutzen und zu biegen, bis es Schick hatte. Auch den Insttnkt für die Farben befaß fie von klein auf und lehnte energisch alles ihr nicht Genehme ab. Stets war sie wie reicher Leute Kind gekleidet; denn auch Mutter 'Dlengers hatte von ihrer Theaterzeit den Sinn für das Kleidsame und Echte. „Denk dir, wen ich getroffen habe: Onkel Heinrich. — Er hat mich ein Stück begleitet und mich gefragt, wohin ich denn wollte?" „Du hast ihm doch nicht etwa —" „Dummer Junge — natürlich nicht! Ich habe chm gesagt, daß ich meine Musikstunde habe. Und dann fdTÖn mit Blumen geschmückten Altar hatte au! ihren Wunsch ein vergrößerte^ Bild ihres Km: sirmators, des auf dem Gießener Friedhc ruhenden Pfarrers Drescher vor dem Kruzil Platz gefunden. Keiner versäumte nach de Gottesdienst, es sich aus der Rahe zu besehe Pfarrer Sattler sprach über das Thema „Was unsere Sechziger heute bekennen joUei. und wir ihnen wünschen wollen." Angeregt wurde eine Feier der Goldenen Konfirmation im Jahr: 1931, gemeinsamer Abendmahlsgang etwa beim zweiten Herbstabendmahl und Beteiligung bei der Stiftung zu einer Kirchenfahne, zu ber bereits die diesjährigen Konfirmanden einen schönen A sang gemacht hatten. Bg. Großen-Buseck, 26. Sept. Mitte dies, Woche findet hier die auszerordebtlich wichtige W a ! der Bonitierungskommission für die I vorstehende Feldbereinigung statt. :—: Aus de m Bufecker Tal, 26. Si Die Orunimeternte ist im allgemeinen , ziemlich beendet. Auch diese Arbeit wurde t*. Landwirt durch die Ungunst der Witterung re sauer. So hat das meiste Grummet ein bis zn Wochen auf den Wiesen liegen bleiben müssen, n. durch es natürlich an Qualität und Farbe verlo. hat. Man ist nun eifrig am Kartoffeln:! machen. Dies ist wieder eine sehr schwierige ". beit, da das Erdreich durch den vielen Regen g nicht trocken werden kann und die Kartoffeln o dem nassen Schlamm herausgeholt werden mäst Infolge der großen Nässe ist auch schon Fäulnis e, getreten, davon sind besonders die edleren Sor: wie Industrie usw. befallen. Eine Kartoffelsorte, i sich in unserer Gegend und ganz besonders für i höher gelegenen Orte unseres Tales eignet, ist k „Vater Rhein". Sie liefert in nassen sowie m trock nen Jahren einen sehr guten Ertrag und ist a^ gegen Krankheiten sehr widerstandsfähig. So i auch in diesem Jahre der Schaden bei dieser So durch Fäulnis sehr gering. Nach den bis jetzt do liegenden Ergebnissen kann mit einer sehr gute) Kartoffelernte gerechnet werden, oonni gesetzt, daß bald trockenes Wetter eintritt. Die D i ck wurzfelder bieten einen erfreulichen Anbliö Exemplare von seltener Größe kann man alle, halben feftfteüen. Auch Aussichten auf eine v o r zügliche Obsternte sind in reichlick-em Mas vorhanden-, Aepfek und Birnen tragen reichen B Hang, nur die Zwetschen mack-en in diesem Iah> eine Ausnahme, da sie nur ganz vereinzelt hänge Die Nachfrage nach Obst ist infolgedessen sehr gerim So wurden bei den kürzlich abgehaltenen Früh obstversteigerungen merkwürdig niedrige' Preise r zielt. Bäume, von denen sechs bis acht Körb« in1 gute Honigbirnen geerntet wurden, waren mit 60 b- 80 Pfennig pro Baum bezahlt. Auch bei den beim stehenden Spätobstversteigerungen dürften^ recht ni drige Preise zn erwarten stehen. — Eine Fei stellung, die wohl auf das kalte, regnerische Wett zurückzuführen ist, kann in diesem Jahre gemm werden, nämlich das vollständige Fehle der Wespen. Konnten sich in den Bor fahren i Landleute beim Essen im Felde vor diesem lästig Insekt nicht retten, so sind sie dieses Jahr ba" völlig unbehelligt. Lich, 26. Sept. Auf den landschaftlich id gelegenen Schützenständen am „Rodenschütt" hi air gestrigen Sonntag die hiesig« Schützeng sellfchaft ihr diesjähriges Herbst-Prei schießen ab. Die besten Schützen der benachbar Gießener, ßaubadjer und Marburger Bniderverc hatten sich zum Preisschießen eingesunden. Leid waren infolge der reichlichen Niederschläge in d vorigen Woche die Zugangswege zu dem „Rode schütt" nicht gerade in bester Verfassung, do dürste auch hier durch bk Schützengesellschaft ; Zukunft noch Abhilfe geschaffen werden. Es w»r> geschossen auf die Festfcheibe mit 40 erreichbar Ringen bei 100 Meter Entfernung, ferner Auflec stand 100 Meter auf die Zwölferringscheibe. fern 175 - Meter - Standmeisterscheibe, Wildscheibe ur Kleinkaliberscheibe. Schützenkönig des Tages mir" Ingenieur Konrad Gönfch, 1. Ritter Heim! Textor, 2. Ritter Julius I h r i n g. Die Sic' der Festscheibe waren: 1. Sauft er, Gieße 2. Rühl, Laubach: 3. ©ümblein, Giesst' 4. Weeg, Gießen: 5. Erbprinz Hermann Otto. Lick 6. Maidhof, Lich: 7. Högy, Laubach: 8. H. Mengeo, Lich: 9. Hans Ihring, Lich, 10. W. Hohn Lich. Beim Auflegestand 100 Meter auf die Zwölfer- ringscheibe gingen ak Sieger hervor: Tabelle: 1. W Hahn. Lich: 2. K. Peter, Lich: 3. H. Appel. Gießen. Sieger auf der Wildscheibe (60 Meter) wurden: 1. I. Ihring, Lich: 2. W. Hahn, Lich: 3. Erbprinz Hermann Otto, Lich: 4. Nuest, Mar m ■■■■in I — — • hat er mich ausgefragt. Wie der einen ansieht! — Und er wollte wissen, was ich werden möchte." ..Was hast du ihm erwidert?" „Sängerin! Dazu habe ich doch so.große Lust; und mein Klavierlehrer meint auch, ich hätte Stimme. Auch in der Schule finden sie's." „Was meinte Onkel Heinrich dazu?' „Das fei ein ganz gescheiter Plan, wenn ich wirklich Stimme hätte ... Und wenn du dich weiter so auswächst, Isa, dann wirst du mal ein großer Opernftem! — Und als ich ihm erzählte, deine Mutter wolle mich zu ihrer Kammerjungfer machen, da hat er wie verrückt gelacht: Na, na, meine Schwester! Dazu bist du doch viel zu schade, Kind. Wenn du erst ’ne gefeierte Sängerin bist, schaffst du dir selbst eine an." ,Laß dir bloß nichts von i^m emreden!" Isa lachte plötzlich. „Weißt du, was er noch —? Wenn ich erst so weit fei — und er wolle mir dazu verhelfen —, bann würde er mich jeden Tag besuchen." Eberhard faltete die Stirn In feiner Stimme zittert« verhalt«n«r Groll. „Er macht sich über dich luftig. Und er wird dir auch nicht helfen. Ich gebe dir das Geld, wenn bu’s nötig hast. Bis dahin bin ich Student. Na, komm nur — wir wollen rudern, el)e es dunkel wird." Sie nahmen ein Boot. Da waren Stellen, wo man unter überhängenden Zweigen wie in der Wildnis fuhr. Man konnte sich nach dem Drinoco trau men oder in die stille Bucht einer Sübfeeinfel. Schweigsam blickte sie ihn an, die leise vor sich hinlächelte mit einem geheimnisvollen Lächeln, wahrend sie an ihre Zukunft dachte und an all die Triumphe, die sie einst feiern würde. Eberhards Herz schwoll vor Liebe und Verlangen. Ihr Haar flimmerte im Licht der sich langsam neigenden Sonne wie eine Gloriole aus Gold und Kupfcr. Sie erinnerte ihn an ein altes Bild, das im Mu feum hing: Madonna im Grünen — und ebenso fromm und geheimnisvoll blickte sie vor sich hin Es war ganz finster, als sie endlich heimgingen Noch zweimal trafen sie sich fo; aber Nebel und Regen machte auch hier bald ein Ende tc~ Sommerfreuden. (Fortsev-ug folgt.) bürg. Die Sieger im Kleinkaliberfchießen waren: 1. Wicht, Marburg: 2. Maidhof, Lich: 3. Peter, Lich: 4. Ruesf, Marburg. Don den Jungschützen errangen die ersten Siege: 1. O. Büchsen- schütz, Lich: 2. K. Stengler, Lich: 3. L. Uhrhan, Lich. Aus Anlaß des 80. Geburtstages unseres Reichspräsidenten wurde noch die Hindenburg- m ü n z e ousgeschossen. Am Sonntagabend fand der übliche Schützenball statt. Kreis Büdingen. nd. Lid da, 26. Sept. Unser zweiter Geistlicher, Pfarrer Köhler, ist nach Darmstadt verseht worden und wird im nächsten Monat schon seine neue Stelle antret en. Diese Nachricht wird nicht nur in unserem Kirchspiel, sondern auch über dessen Grenzen hinaus aufrichtiges Bedauern erwecken. Denn Pfarrer Köhler ist nicht nur ein vorzüglicher Kanzelredner, sondern auch ein allzeit freundlicher, hilfsbereiter und ungemein bescheidener Seelsorger, der jedem Bekümmerten und Kranken Trost und Hoffnung zu spenden versteht. Cs ist deshalb erklärlich, daß er sich bei allen, die ihn kennen, der größten! Liebe und Derehrung erfreut. Pfarrer Köhler war auch mit der Beaufsichtigung des Neligionsunter- richts in fämiliajen Schulen der Kreise Büdingen und Schotten betraut und hat es in dieser schwierigen Stellung als Lehrerssohn verstanden, die Interessen der Kirche und Schule zu wahren, die guten Verhältnisse zwischen Pfarrern und Lehrern zu fördern und zu erhalten, weil er die dörflichen Verhältnisse selbst von Jugend auf kennt. Sicherlich ist ihm der Entschluß, aus seiner Heimat zu sc^iden, sehr schwer geworden und hierbei die Rücksicht auf seine Minder ausschlaggebend gewesen. Hat er doch in dem benachbarten Fauerbach, wo noch seine Eltern wohnen, seine Kindheit verlebt und von da aus mehrere Jahre lang täglich die hiesige Höhere Bürgerschule besucht, an der er während seiner viereinhalbjährigen Amtszeit zu seiner Freude als Religionslehrer segensreich wirken durfte. Er kann von hier mit dem Bewußtsein scheiden, daß ipm und seinen Angehörigen im ganzen Kirchspiel ein dankbares Andenken gesichert bleibt. Kreis Schotten. ■■ Schotten, 25. Sept. Gestern und heute fand hier der Herb st- Bezirkstag des Stenographen bezirks Gießen statt. Ein« Unterrichtsleiter- und Dertretersitzung ging am Samstag voraus. Heute, Sonntag, fand in sämtlichen Raumen der verschiedenen Schulen das Wett- schreiben, ein Staffelschreiben, ein Schön- und Rich- ligschreiben statt. Ueber 300 Personen beteiligten sich an den verschiedenen Schreiben. Ausgezeichnete Leistungen waren zu verzeichnen. Mit Freude konnte festgestellt werden, daß überall auch auf dem Lande der große Wert der Stenographie immer mehr erkannt und diese Schristkunst immer mehr betrieben wird. Rach einem Rundgang durch die Stadt und gemeinschaftlichem Mittagessen im „Hessischen Haus" fand nachmittags gemütliches Beisammensein in der Turnhalle statt. Bürgermeister Menget begrüßte die Gäste namens der Stadt. Anschließend fand die Preisverteilung statt, bei der eine Reihe einheimischer Kräfte Preise errangen. Der oberhefsische Lokaldichter Georg Heß, Lcih- geftern, verschönte die Feier durch eine Reihe schöner Originalvorträge. Abends folgte in der Turnhalle Fortsetzung mit theatralischen Aufführungen und Tanz. ! Schotten, 26. Sept. In der gut besuchten Turnhalle führte am Samstagabend Kreisschulrat Lorentz, Lauterbach, seine persönlich zusammen- geftellten Heimatfilme aus unserer schönen Bogelsberggegend vor. Rach einer Begrüßung durch Kreisdirektor Geh. Reg.-Rnt Boeckmann verbreitete sich Kreisschulrat L o - r e n tz zunächst über die Ziele und Absichten, der er mit der Herstellung und Vorführung dieser Filme bezweckt. Kampf dem ausbeutenden Schundfilm, gute, volksbildende Filmvorführungen aus dem Gebiete der Natur, Wissenschaft, auch gute Spielfilme, vor allem aber Pflege der Liebe zur fjeimat durch Wiedergabe herrlicher Bilder und Szenen aus Natur, Leben und Treiben der Heimat, das find die Momente, die den Redner und Vorführer zur Schaffung dieser vorbildlichen Kinoeinrichtung geführt haben. Mit großer Freude wurden die sehr zahlreichen Bilder aus Lauterbach, dem Schützer- land, Schotten, aus dem hohen Vogelsberg ausgenommen. Mit besonderem Hallo wurden alte Bekannte auf den verschiedenen Bildern begrüßt. Die Prämiierungsmärkte sind im Bild festgehaltcn, besondere Wirkung erzielten die Bilder vom schot- lener Sommermarkt, Ausziehen der Marktwache, Hoherodskopffest u. dgl. m. Alte Trachten, Sitten und Gebräuche, die auszusterben drohen, alte Hand- wcrkszweige, Schindler, Rechenmacher, Flachsspinner, der Schmecrschorsch sind im Film verewigt. Eine dankbare Kulturaufgabe hot hier Kreisschulrat Lorentz erfüllt. Die Zuschauer dankten ihm von Herzen für diesen herrlichen Heimatabend. — Der Kreis Schotten hat ebenfalls, dem Beispiel Lauterbachs folgend, einen Kinoapparat angeschafft, der transportabel ist und mit dessen Hilfe Lichtspielvorführungen im ganzen Kreis Schotten erfolgen können. Die abgelegenen Vogelsberggemeinden werden jedenfalls diese moderne Errungenschaft freudig begrüßen, besonders wenn sie von einer zuverlässigen, einwandfreien Seite geleitet und unterstützt wird. Kreis Lauterbach. fl. Lauterbach, 26. Sept. Auf der hiesigen Kreislehrerkonferenz hatten dir Lehrer und Lehrerinnen des Kreises Gelegenheit, zwei bedeutsame Vorträge zu hören. Lehrer Heu- s o h n - Lorbach b. Büdingen, ein Führer auf dem Gebiete der Heimatschulfache, sprach über die „Bedeutung der Heimat für die Belebung und Vertiefung des Unterrichts". An Hand von Beispielen zeigte er, wie die Ergebnisse der Geschichtsforschung zu Ausgangspunkten des Unterrichts werden tonnten. Zur weiteren Heimaterkundung stünden die Gemeinde-, Pfarr-, Kreis- und das Staatsarchiv offen. Was man da für den Unterricht herausholen könne, führte Redner an dem Beispiel der Zerstörung von Crainfeld vor. Darauf hielt Pros. Dr. Vogel (Darmstadt), der Leiter deS Pädagog. Instituts an der Technischen Hochschule, einen Dortrag über „Kulturpä - dagogi F. In einem geschichtlichen Rückblick zeigte er, wie sich mit dem Wechsel der Kultur auch das Crziehungsideal gewandelt hat. Zur philosophischen Begründung führte er etwa aus: „Es gibt subjektive und objektive Werte. Auf die objektiven baut sich alle Erkenntnis auf, und daraus wieder alle Wissenschaft. Werterleben und -schaffen bildet daher Arbeitsschule! Don einer gebildeten Persönlichkeit verlangt m.an. daß er individuell, universell und schließlich sittlich denkt und handelt. Persönlichkeiten schaffen die Kulturgüter, und diese sind dann Brücken von! Seele zu Seele. In der heutigen Zeit der Herrschaft des Materiellen regt sich wieder ein Sehnen nach Kultur der Seele. Ein Glaube, wie ihn ein Heinrich Pestalozzi hatte, tim uns not!" Die anschließende nichtamtliche Konferenz beschäftigte sich mit den zur Zeit schwebenden schulpolitischen Fragen. WSR. Lauterbach. 26. Sept. In der^ Rächt zum Sonntag, morgens zwischen 3 und 4 Uhr, wurde auf einen Bürger unserer Stadt ein Raubübersall verübt. Der ileberfall hat sich unterhalb des städtischen Armenhauses ereignet. Dem Uebersallenen, der in bewußtlosem Zustand aus gefunden wurde und dem schwere Kopswunden beigebracht worden waren,wurden die Brieftasche mit einem größeren Geldbetrag, die Uhr mit Kette, ein Taschenmesser und bie Schuhe geraubt. Die sofort vorgenommenen Ermittlungen der Polizei lassen mit Bestimmtheit daraus schließen, daß ein gewisser Karl Röchter oder Böttcher, geboren am 11. März 1906 in Leue bei Dortmund, als Täter in Frage kommt, da er am Sonntagabend noch in der hiesigen Herberge sich eiro- gesunden hatte, jedoch dort nicht genächtigt hat und 'mit dem Uebersallenen in der Rächt gegen 3 Uhr gesehen wurde. Z Aus dem Schlitzerland. 26. Sept. Die paar schönen Tage der letzten Woche haben es endlich ermöglicht, daß das letzte Grummet heimgebracht werden konnte. Die Bauersleute gehen jetzt tüchtig an die Kartoffeln. Die „größeren" Bauern benutzen zum Ausmachen ausschließlich Maschinen und bringen infolgedessen die Ernte in kurzer Zeit ein. Aus den Sandäckem sind die Kartoffeln sehr schön, in schwerem Boden finden sich hin und wieder welche, die zur Fäulnis neigen. Der Aufkauf zum Der- sand ins Ruhrgebiet hat begonnen. — Die O b st- ernte hat auch hier begonnen. Die Versteigerungen in den Gemeinden und an den Straßen waren zum Teil in der letzten und sind zum Teil am Anfang dieser Woche. — In die Gemeinden Queck, Rimbach, Ober-Wegfurth, Unier-Wegfurth und Unter-Schwarz kommt jetzt endlich eine Krankenschwester. Sie wird in Rimbach stationiert und mit einem Rad ausgerüstet, damit sie die gesamten Dörfer versehen kann. Starkenburg. ' D a r m st a d t, 26. Sept. Auf einer gestern hier abgehaltenen Starkenburger P r o v.i n z i a l t a gung des Hessischen Sängerbundes teilte der Vorsitzende des Bundes, Ministerialrat Dr. S i e g e r t, mit, daß feit Mai d. I. 75 Vereine neu dem Bunde beigetreten sind, dessen Gesamtmitgliederzahl sich auf rund 28 000 Mitglieder erhöhte. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Reiskirchen, 26. Sept. Die hiesige Gemeindevertretung hat die Anschaffung einer neuen Turmuhr beschlossen. Die Lieferung ist dem Uhrmacher Ernst G e r I a ch jen. in Wetzlar übertragen. 4 Ehringshausen, 26. Sept. Die hiesige allgemeine Ortskrankenkasse hat mit Genehmigung des Oberversicherungsamles in Koblenz den Höchstgrundlohn auf 10 Mk. festgesetzt. Die Zusatzbeiträge für Familienversicherung betragen, wie seither, 50 Pf. wöchentlich. O Hochelheim, 26. Sept. Die Klre- bachtalstraße (Verbindungsstraße zwischen hier und Dornholzhausen) wird zur Zeit auf der Teilstrecke vom Ortsausgange bis zur Abzweigung des Weges nach der Kunstmühle neu instandgeseht. Die Straße erwies sich in ihrem bisherigen Zustande mit Rücksicht aus den gesteigerten Verkehr als zu eng und hat deshalb eine Erbreiterung erfahren. Das hierzu erforderliche Gelände wurde bei der Durchführung der wirtschaftlichen Umlegung der Grundstücke ausgewiesen. Die Fahrbahn ist hierdurch wesentlich breiter geworden. Die Straße ist für die Dauer der Walzarbeiten für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Verkehrsumleitung erfolgt über Klein-Rechtenbach und umgekehrt. oo Münchholzhausen, 26. Sept. Der Ocmeinberat hat die Erhebung von Abgaben zur Deckung der Kosten der Bullenhaltung beschlossen. Hiernach ist für jedes Stück weibliches Rindvieh im Alter von 18 Monaten und darüber eine jährliche Steuer von 4 Mk. zu entrichten. Der Berechnung. der Steuer wird der am 22. Februar jedes Jahres vorhandene Viehbestand für das am 1. April beginnende Rechnungsjahr zugrunde gelegt. Die Steuer wird in einer Rate bei der ersten Gemeindefteuerzahlung erhoben. Wer ständig einen eigenen Millen hält, ist von der Zahlung der Steuer befreit. — Die Schweinepeft, die bereits im Frühjahr hier herrschte und eine Anzahl Opfer unter den Schweinebeständen forderte, ist hier erneut amtlich festgestellt worden. ZGroßrechtenbach,26. Sept. Die hier neu errichtete Landjägerdien st Wohnung ist bereits im Rohbau fertiggestellt. Die restlichen Arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß die Wohnung von dem Snljaber der Landjägerstelle noch vor Eintritt des Winters bezogen werden kann. Z K l e i n r e ch t e n b a ch , 26. Sept. Bei Gelegenheit der wirtschaftlichen Umlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung soll außer den jon- ftigen Folgeeinrichtungsarbeiten eine neue Brücke über den Schwingbach gebaut werden. Die Brücke soll aus Bruchsteinmauerwerk mit Eisenbetonplalten hergestellt werden und eine lichte Weite von 3,50 Meter erhalten. — Der hiesige Schulhausneubau sieht seiner Vollendung entgegen, so daß er in Kürze bezogen werden wird. Briefkasten Mr Redaktion. £). 211. in G. Zhre Zuschrift ist zur Aufnahme nicht geeignet. Tagung der südwestdeutschen Diplomhandelslehrer. ' D a r m st a d t, 23. Sept. Gestern abend trat hier im Fe st s aal der Landesbauschule der Süd- westdeutsche Verband der Diplomhandelslehrer zu einer Tagung zusammen, die sehr zahlreich von hessischen Verbandsmitgliedern und Vertretern benachbarter Verbände besucht war. Den Vorsitz in den Verhandlungen führte Dr. Zeiger, der Leiter der öffentlichen Handelslehranstalt Darmstadt. In einer Eröffnungsansprache begrüßte dieser die Vertreter staatlicher, städtischer und Schulbchörden, Vertreter der Universität Frankfurt, der Technischen Hochschule in Darmstadt, die Vertreter der Industrie- imb Handelskammer, sowie die Abord- nungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerv.r- bänden. Der Redner erwähnte dann, daß vor wer Jahren der Verband in Heidelberg als eine Interessengemeinschaft zur Förderung des kaufmännischen Bildungs- wesens gegründet wurde. Cs gelte, den Schul- partikularismus zu beseitigen, der besonders das Handelsschulwesen nachteilig beeinflusse. Der hessische Verein der Diplomhandc-lslehrcr sei der jüngste im Verbände. Dem Förderer des hessischen kausmännischen Berufsschulwesens, Oberschulrat Diehl, sei herzlicher Dank auszusprechen. Es folgte dann eine Reihe von Begrüßungsansprachen. Professor Dr. Pape (3ena) behandelte in einem Vortrag das Thema „Wirtschafts- rationafifierung". Er bezeichnete eine rationale Wirtschaft als notwendig: das Prinziv der Angemessenheit müsse überall zum Ausdruck kommen, sonst sei eine Wirtschaft rückständig. Rationalisierung fei eigentlich nur eine andere Formung des Prinzips des kleineren Mittels. Der Produktionsapparal der Gegenwart sei immer komplizierter und der Weg des Produktionsprozesses immer länger geworden. Darum sei eine Rationalisierung von Grund aus erforderlich. Der Vortragende ging dann der Frage nach, welche Stellung der Mensch im Wirtschaftsleben einnimmt, in dem Ratur, Kapital und menschliche Arbeit die größte Rolle spielen. Weit:r wurden Begriffe erörtert, wie: Verlagerung den Rutzbarkeit, Kosten. Abschreibungen und Kapital- rückzahlung: namentlich der Abschreibungssrage wurde eine längere Betrachtung gewidmet. Ferner wurden Rationaliiierungsmaßnahn.en besvrochm. wie: Betriebszusammenlegungen. Spezialisierung. Rormalisierung. Typisierung. Auflösung leistungsschwacher Betriebe. Kartellierung, Taylorismus, Fließarbeit und Fordismus. Studienrat Bäder (Mainz) hielt einen Vortrag über das kaufmännische Bildungs- wesen, worin er die Entwicklung und Organisation der verschiedenen kaufmännischen Berufsschulen in den deutschen Ländern schilderte und für Hessen einen weiteren Ausbau forderte. In bezug auf die Gehaltsfrage stellte der Redner die Forderung, daß die Diplvmhandelslehrer den Philologen an den höheren Lehranstalten in der Besoldung gleichgestellt werden. Auch dieser Vortrag wurde von der Verfamtnlung sehr beifällig ausgenommen. Am Sonntag fand noch eine geschlossene Mitgliederversammlung statt, in der Berichte der südwestdeutschen Landesvertreter, Schul- organisationsfragen, sowie Besvldungs- mu> Standes fragen erörtert wurden. Rundfunk-Programm. Mittwoch, 28. September. 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45 Uhr: Uebertragung aus der Ausstellung „Blumen und Früchte": Nachmittagskonzert. 17.45 bis 18.05 Uhr: Bücherstunde. 18.30 bis 19 Uhr: Funkhochschule: „Das neue deutsche Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten", Vor- trag von Stadtmedizinalrat Dr. Fischer-Defoy. 19'bis 19.30 Uhr: Die Schachstunde. 19.30 Uhr: Uebertragung aus dem Volksbildungsheim: Erster Volkskunstabend des Frankfurter Bundes für Volks bildung: Orchesterkonzert von Dr. Hochs Konservatorium. Anschließend: Uebertragung aus Mannheim: Zitherkonzert. um 'M sswi 1 Würfel für 2 Teller 13 Pf. T 8716a Beschwerden ist Doris Helfe Annemarie i Gießen, den 25. September 1922. 06963; MM'rn Von der Reise zurück eSKfl« von aer Keise zurucK JÄL Medizinalrat Wagner Auto-Neeb perfekter Sienoiypist(in) nw allen Größen. in Inserieren bringt Gewinn Kubier Goetbeitrabc 29 8707D 0 regulär gestrickt reine Wolle Westen Sweater ' Anzüge Kleidchen Reformhosen aus Anwalts-NotariatSbüro sofort gesucht. Schriftliche Angebote unter 8696D an den Gießener Anzeiger. Bai Euston M VerstiileM Grippe, Magen-.Elasen-. Nieren-, Asthma-, Gicht-, Gallen-. Leber, Lungen-, usw. Die Geburt eines prächtigen Gonntagsmädels zeigen hocherfreut an Zahnarzt Dr. Hinrichs und Zrau Mimi geb. Ooepfer ampenschirm- versteinere ich im Löwen, Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Sofa, 1 Kommode mit Sckreibvult, 1 Rasiersessel, 1 eintür. Kleiderschrank. 4 Chaiselongues, 1 Spiegel mit Gotd- rahmen, 1 Zimmerlevvich, 1 Pianino 50 WirtSstkihle mit Brensch, 1 Näh. maichtne, 1 doppelten Cisschrank, eine- Wäschemangel. 1 Staubsauger, 11' -jährigen Bullen, 1 gr. 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Fortsetzung Nachdruck verboten. Eine Kuckucksuhr rasselte, man hörte die Stimme des Kuckucks. Dann war alles wieder still. Ob mall mich gesehen hat? dachte sie. Ein kaltes Zittern rann fortwährend über ihren Nacken. Es fror sie. trotz des Feuers ... Sic öffnete die Ofentür und betrachtete die altmodischen Stahlstiche an den Wänden ... „Heimkehrender Kreuzritter", nach einem Gemälde von Schwind. Die enge Gasse einer alten Stadt, spitzgieblige, mittelalterliche Häuser, ein Ritter, der an die Tür seines Hanfes pocht und seinen Schimmel am Zügel hält. Wie oft hatte sie diese Bilder gesehen, während sie hier wartete. Sie hatten sich ihr eingeprägt und waren mit diesem entnervenden Warten verknüpft ... mit dieser bangen, chwülen Stille ... Aber erst heute fiel ihr der orgenvolle Zug des Ritters auf, der vor eine ver- chlossene Tür kommt ... des Empfangs ungewiß ... Rechts über dem Sofa hing das Gegenstück „Abschied im Morgengrauen . Ein junger Mann, der mit gepacktem Ranzen das Haus verläßt und noch einen sehnsüchtigen Blick nach dem Fenster zurückwirft ... Les Adieux ä l'aube du jour ... Ach ja, les Adieux Diese trostlosen, alten Stahlstick)e schauten so fremd auf sie herab. Man konnte sie malen, in Musik setzen, diese Schmerzen, aber nicht beschrci- ben ... Alle Farben waren zu matt, alle Worte zu gering, man konnte sie nur fühlen ... Wie bitter ist Liebe ... Bor dem verglimmenden Feuer, den Kops in die Hände gestützt, fröstelnd wie im Fieber, mit verhaltenem Atem auf die Geräusche von draußen lauschend, wartete sie. Aber es rührte sich nichts. Die Straße lag still im wogenden Nebel. Und mit einemmal wußte sie: Aus'. Weshalb, warum ...? Weiß man das? ... Etwas glimmt auf, ganz leise und wird zu einer großen Flamme, die uns umlodert . . . Dagegen anzukämpfen, unmöglich. Die Feuer brennen, verzehren, vernichten ... Wir lassen es geschehen ... Das nennt man Glück ... Auf was warten? ... Niemand näherte sich dem Hause, keine Schritte im Garten, keine bebende Hand berührte die Klinke dort ... Die zitternde Hoffnung in ihr — — erlosch ... Es war, als wehe sie ein eiskalter Wind an ... Es wurde leer in ihr und um sie ... Eine große, unendliche Sülle sank herab ... Welke Blätter fielen von den Bäumen, die letzten im Herbst . . . Blatt auf Blatt taumelte müde in den kalten, sterbenden Garten ... Sie erhob sich und suchte nach einem Schreibzeug. Auf dem Sofatisch stand es ... die Tinte war eingetrocknet, niemand schien es zu benutzen ... Sie nahm etwas Wasser aus der Base und goß es hinein ... In einer Schublade lag Papier. Sie hatte es einst dort hingclegt, damit, wenn er warten mußte ... aber cs war nie geschehen. Sie setzte sich und schaute auf die neblige Straße. Eine Laterne brannte dort. Es sah unheimlich aus, dieses einsame, fahle Licht im Nebel. Was nun? Wo endete dies alles? Ein Zurück ... gab es nicht mehr für sie ... Als sie heute die Haustür hinter sich schloß, hatte sie gewußt, sie würde nie mehr dorthin zurückkehren . in ihr Haus ... zu ihm ... und er ... würde sie nicht mehr erwarten ... Niemand erwartet mich, dachte sie, nur die Einsamkeit, die große Sülle ... Die Erinnerung an diese letzte Stunde war das einzige, was sie mitnehmen würde auf ihren Weg . . . Wohin er führte ... wohin sie ging ... nun wußte sie es ... Und ohne sid) zu besinnen, schrieb sie die Worte nieder, wie sie ihr kamen. Von Zeit zu Zeit blickte sie auf und schaute in den Garten aber sie hörte nichts . . . nur das Klopfen ihres gemarterten Herzens. Der Hund hatte sich beruhigt ... das Haus lag totenstill im Nebel der verlassenen Straße ... Einsamkeit! Sie hatte sie nie gefühlt, hatte sic nur einmal geahnt, als sie allein in dem Haus mit dem Toten geblieben war. Weit lag das zurück, aber sie entsann sich noch genau, wie das war ... Es gab Zustände, die unerträglich waren und die beendet werden mußten. Sie weinte nicht mehr. Mit fliegender Feder schrieb sie Zeile um Zeile, ohne sie wieder zu lesen, gleichgültig nun, was nachher geschah. sr-M umimi» j-ixxaaerBgMCBL-j^zaETjj.'1 vj.'-jurew:.: muji. •• ■. Dann schaute sie sick) noch einmal um in diesem kalten, stillen Zimmer ... Das Feuer ... die beiden Sesscl dort . . der Spiegel, ::i dem sic so aft ihr heißes Gesicht gepudert »nd ihr verwirrtes Haar geordnet hatte ... Sie schloß den Brief und ging... „Äst sie gekommen?" ,Zmmer noch nicht..." „Es ist neun Uhr vorbei..." Ethel stand in ihrem rasch übergeworfenen Mantel im Zimmer. Man sah ihren verstörten Augen die Todesangst an. „Und Sie sind so ruhig, Doktor?" „Wer sagt Ihnen, daß ich ruhig bin? Aber was kann ich tun?" „Mein Wagen hält unten, wir müssen sie suchen ..." „Suchen? Sie ist jedenfalls abgereist, wie sie vorhatte--" „Nein, ick) glaube etwas anderes . . . Heute ist Freitag ... zwischen fünf und sieben." Er wurde bleich. „Sie glauben ...?" „Ich vermute es nur. Sie ist hingegangen, um ihn dort zu treffen ..." Mit einem Ruck raffte sich Manfred zusammen, seine Züge strafften sich. „Gut, gehen wir!" * Durch dunkle Straßen im Nebel lastete sich das Auto vorwärts, an blendend erleuchteten Schaufenstern vorbei, es bog scharf um die Ecken großer Häuser, überquerte breite, helle Plätze. Eine große Kirche ragte aus der Dunkelheit, ein Park mit einer Villa, deren Fenster matt erleuchtel waren, rosige Ampeln schimmerten in den Bars Musik tönte hinter zugezogenen Vorhängen . . Menschen kamen in Gruppen vorüber. Neben den Kolonnaden wartete die lange Reihe der Droschken mit den mageren Gäulen unter den Pappeln. Im Theater waren die Türen weit geöffnet, das Kurhaus erleuchtet ... Man sah den grauen Kopf des alten Portiers hinter dem Glas ... Das Auto bog in eine dunkle Allee und fuhr auf weichem, sandigem Boden... Die Platanenstraße tat sich aus. leer, blätterbestreut, alle Häuser dunkel. Das Auw bremste. Ethel stieg aus. Die Haustür war verschlossen. Sie läutete. Eine alte Frau in einer Haube kam herangeschlürft und schaute durch die Glastür .. „Es ist nie man b daheim..." „Oeffnen Sie doch ... Ich bitte!" Die 'Alte öffnete das Glasfenster hinter dem Gitter. „Zu wem wollen Sie?" „Ich muß die Inhaberin der Pension sprechen." „Die is nit daheim", wiederholte die eigensinnige Stimme der Frau. „Können Sie mich denn nicht wenigstens ein- lasfen?" „Was wollen Sie denn?" „Ich wollte fragen, ob jemand in dem Zimmer links vom Eingang ist. Sehen Sie einmal, bitte, nach . . ." Die alte Frau rüttelte an der Tür . . . „Die Tür is abgeschlossen ..." sagte sie. „Haben Sie keinen zweiten Schlüssel da.....?" Die Alte tappte in dem schlechtbeleuchteten Flur nach hinten und kam wieder mit einem Schlüsselbund, den sie umständlich probierte. Endlich öffnete sie die Zimmertür und machte Licht ... Minuten voll Angst--„Es ist niemand da", kam die Alte zurück ... „Das Zimmer is leer ..." „Und es war niemand da. den ganzen Nachmittag?" „Ich habe niemand gehört ... Der Herr, der dort drin wohnt, hat selbst einen Schlüssel. — Den hab' ich noch nie gesehen ..Und die Alte schloß wieder das Glasfenster und verschwand. In der leeren Wohnung saßen sie sich schweigend einander gegenüber an dem Feuer . . . Zwischen ihnen stand ein gedeckter Teetisch... Drei Tassen.. Der Diener brachte den Tee und fragte, wann angerichtet werden könne... ' „3d) werde läuten, nehmen Sie die Tasse weg." Manfred schob die dritte Taste fort. Ethel sah zu- sammengekauert in dem großen, tiefen Sessel. Sie fröstelte in der teeren, stillen, verlassenen Wohnung. Draußen hörte man den Regen rauschen, eintönig und traurig fielen die Tropfen. „Es ist gut, daß es regnet, dann zieht der Nebel endlich fort", sagte sie. Sie konnte Nebel nicht leiden ... er erweckte ihr Furcht. „Weshalb .Furcht'?" (Fortsetzung folgt.) Mo-Garaae ssä GchNMesr W Sn lein, billigste Preise, empfiehlt nran ,.mtlipr nv«f?pVPT System, billigste Preise, empfiehlt einiger größerer zum Auibewahren gesucht. Schriftliche Angebote mit Preis ff JfolTMin unter 8695D an den Gießener Anzeiger uultumui 8694 D stiften gefuchi. Vianobanck !)?. Tcl.ünan, Scllersweg!N. Blummschmuck-WeiLbeVeB 1 im Verkehrsbureau, 5telterstorhäuschen, in der Zeit von vor- 9 bis 12 Uhr und nachrnitkaas von 3 bis 6 Uhr ab- 8690V Eifcnwaren.T^ erzeuge, Gienen. Jäckel, 9 p: (9g. Schneider, 91: K. Braun, 91: G. Loh, 9II: H. Müller, 9II: W. Wagner.-— Glaubrechtstraße 13 p: M. Schwab, 13 II: H. SYnauf, 12 I: M. Graf. — Gnauthstraße 13 p: V. Pechtold, 13 I: L. Pauly, 15 p: H. Kümmel, 18 p: K. Volck, 181: I. Schmidt, 201: K. Blick, 22 p: W. Ruckstuhl, 261: W. Wallbott, 40 p: W. Markart, 44 p: H. Weber. — Goethc- straße 18 p: Dr. E. ©leger, 19 p: I. Niedling, 19 I: (3g. Becker, 1911: K. Müller, 271: H. Hellwig, 321: F. Vogt, 48a II: W. Pfeil, 57: Ph. Ningenwald. — (3corg-Philipp-6ail-Straße 10: Prof. Dr. Vanselow. — Grabenstraße 6 p: K. Stommel, 91: $). Blum, 10 p: I. Kröck. — Großer Steinweg 11: I. 'Nickel. — Gutenbergstraße 14 III: H. Selzer, 25 p: E. Bechstcin, 30 II: K. Herrmann, 14II: Prof. Erhardt. — Hillebrandstraße 31: K. Walther, 9: H. Heß, 11: H. Gelsebach, 121: K. Schweitzer. — Johanncsstraße 5II: P. Zacheis, 7: Evang. Schwesternhaus. — Kaiserallee 33: H. Schmoll, 35: I. Kasten, 36: £. Irle, 37: D. Luft, 391, 41: H. Balser, 4511: F. Schneider, 52: D. Gonter, 56: I. Keilig, 63: K. Naumann, 127. — Kanzleiberg 5111. — Keplerstr. 5p: W. Sengenberger, 51. H. Grieb, 5II: Prof. Marrin, 7 p: Prof. Partenheimer, 71: Dr. Naumann, 11 p: W. Lorenz. — :.:rchenplatz 18 II. — Kirch- straße 13 p: K. Euler. — Kreuz platz 2: H. Dornberger. — Am Kugelberg 7: Emil Dietz, 8, 13: H. Muhl, 23: A. W. Karn- bach, 25: L. Vogel, 27: L. Wehrum. 31: E. Müller, 33: G. Burihardt, 39: L. Kröcker, 41: I. Frink, 45: A. Ockel, 47: F. Sattler. — Krofdorfcr Straße 351: A. Wolff. — Landgrafenstraße 5II: H. Seibel, 81: A. Heinrichs. — Landgraf- Philipp-Pl. 18 I: A. Egly. — Leihgesterner Weg 20p: Dr. W. Zwick, I: Dr. I. Meesmann. — Lessingstraße 18 p: E. Bindewald, 18 I: Henry Boeger. — Licher Straße 61 p: K. Schnappauf, 611: F. Gai.ifti, 31p/I: H. Loos. — Liebigstraße 15, 17, 19, 461: Dr. Lampe, 57 J: Eugen Dürr, 73 p: H. Blum, 73 I: I. Gennies, 91p: E. Lang, 911: L. Dickel, 9111: H. Seibert, 97: L. Hörle. — Lindenplatz 12 I: F. Busch. — Lonystraße 17 I: (9. König. — Ludwigsplag 151: Hans Pfeiffer. — Ludwig- straße 1: Th. Petri, 121: A. Lein, 18 p: L. Frech, 3711: K. Baukufki E. Müller, 41 I: B. Stern, 64 I, 57 1: Dr. Hinze, 57 II: I. Schäfer. — Marburger Straße 141: E. Goetz, 1511: C. Schirmer, 24 p: I. Wellhöfer, 381: F. Dahmer, 401, 60II, 75: L. Kimmel. — Mäusburg 311: K. Arnold. — Moltke- straße 4: Professor Gisevius, 5: K. Haberlorn, 6. W. Traui- mann, 181: Professor Hornesfer, 25 p: Professor JaffL. — Mühlstraße 31: W. Plank, 8p: H. Schmidt, 8p: M. Trauth, 16p: W. Klein, 241: E. Siemon. — Neust. 53p. — Nordanl. 8p: A. Hofmann, 31: A. Fröhlich, 331: B. Dieffenbach. — Plockstr. 13 I: H. Hornberger, 111: K. Bierau, 91: A. Geißner. — Ostanl. 9p: F. f)005, 14p: L. Schüßter, 16p: Dr. Woltewitz, 36p: H. Will, 36II: F. Neuroth, 391: E. Brück. — NodH. Str. 11: L. Jochem, 41,43111: W. Seitz, 51 p: H. Weinberg, 511: K. Keller, 51III: E. Hofmann, 53 p: G. Faust, 53 III: 0. Keller, 58 I: M. Etzelmüller. — Noonstr. 21p H. Roß. — Schanzen st r. 161,1611,1211. —Schiffend. Weg 28p: I. Thiemer. — Schillerftr. 13p: O. Geilsus. — Schottftr. 71: I. Fechter. — Schubertstr. 29p, l: A. K. Uhl, 31pl: W. Dem.- Schulstraße 7 II: M. Andreas. — Schützenstraße 3 I: E. Fleck. — Sandgasse 431: S. Zeidter. — Seltersweg 381: W. Möser, 38 III: I. Funk, 40: W. Seudjert, 561: I. Appel, 57: F. Meister. — Senckcnbergstraße 231: Dr. Wodaege, 25 p: Dr. König, 25 I: I. Keller. — Sonnenstraße 2 II: L. Ochs, 81: Emil Karn, 10 1: A. Betz, 20 I: E. Neumeier, 20 II: H. Wellstein. — Sleinstr. 30 I: B. Schultheiß, 401: L. Röder, 70p: A. Weil, 731,88p: P.Liebau. — Stephonstr. 141: E. Herkenrath, 321, 53p: K. Maus, 531: E. Mickel, 5311: Wagner. — Südanlage 15 p: L. Baer, 151: P. Schmidt, 1511: G. Müller, 201: H.Iughordt. — Teufelslustgärtchen 81: B. Kühne. 221. — Waldsportpl., hinter dem Schützenhaus, V.f.B. — Walitorstraße 161: L. Alchoff, 2211: K. Bien, 23 I: K. Emmerich, 2311: K. Emmerich, 341: H. Naas, 27 I: ^.Henkel. — Wartweg 19: Studentenheim. — Weserstrahe 18 p: Ph. Schneider, 20p: G. Koch, 23111: R. Alker, 25 III: 0g. Reitz. — Westanlage 51: H. Entzeroth, 5 II: W. Tribus, 1III: P. Spiel- mann, 20 p: Dr. Koch, 27 p: R. Heck, 30 I: W. Denninghosf, 33 J: W. Bachmann, 321: S. Loeb, 35p: H. Köhler. — Wetzl. Weg 80 II I: E. Hosch. — Wies. Weg 3: Rcusch. — Wilhelmstr. 6III: A. Mattern, 48 II: H. Gering, 3611: E. Reuter, 50: E. Schmidt, 53 III: 21. Vogt, 59 p: E. Gärig. — Wolfftrahe 6 p: K Rufag, 6 1!: H. Schmidt, ßlll: G. Pfeil, 8 p: H. Geist, 16: H. Stühlcr. — Wolkengasse 27 I: H. Hahn. Besonders hervorzuheben find u. a. die gärtnerischen Anlagen der Herren: Wilhelmstraße 15: Prof. Dr. Poppert, 16: L Rinn, 32: Dr. Pauly, 19: H. Spamer. — Ostonlage 23: H. Schaffstaedt. — Marburger Straße: Kommerzienrat Schirmer. — Heyerweg 18: Inspektor Rehnelt. Die 1. und ?. Preise sind nm Donnerstag, dem 29. d. 2TL, 1. Preise. Zu den Mühten 7 I: K. Becker.— An der Warte 6: Prof. Dr. Brüning. — Bahnhofstraße 89: F. Schwab. — Bergstraße 11: Gustav Hamann. — Frankfurter Straße 4II: E. Richter. — Georg-Philipp-Gail-Strahe 5: Generalleutnant Klingelhöffer. — Licher Straße 80p: F. Klinke!. — Liebigstraße 24: Katholisches Schwesternhaus. — Marburger Straße 35: Gustav Arnold f>Nneller. — Moltkestraße 8: A.Klingspor. — Roonstraße 231: S. Müller. — Schanzenstraße 12: O. Bergen. — Schloßgasse 16: Th. Weinert. — Schützenstraße 12: F. Wörner.— Südanlage 18: E., Dinslage. — Wartweg 28: (9g. Weith. — Seltersweg 77 1 und II: Dr. Fischer. 2. Preise. Alicestraße 2 p: Rosenthal, Marcus L- Eo. — Am Nahrungsberg 81: Karl Becker, 811: R. Gerhard, 10 p: H. Zampedri; 10 fl r E. Schüfer, 12 111: D. Mohr, 2 p: Hch. Breither. — An der Iohcmneskirche 31: F. Rehnelt: 4 II: F. Gros. — An der Warte 4: I. G. Müller. — Bahnhofstraße 1II: K. Mühl, 46 I: Justizrat Jung, 52 al: L. Müller, 52 a II: E. Luft. — Bergstraße 21p: (9g. Straub. — Bismarckstraße 51: F. Klipstein: 17 I: A. Schau ß, 40 I: G. Hambach, 43 p: Dr. M. Hansult. — Bleichstraße 2611: R. Schad. — Brandplatz 11: H. Hochstätter.— Braligasse 61: A. Balzer. — Bruchstraße 14 p: F. 'Andres, 61: Hch. Mootz. — Ederstraße 4 p: A. Zinn. — Frankfurter Str. 4 1: F. Bauer, 27 p: W. Hoelters. — Fricdrid)ftraße 15 II: L. Rabich, 35: Paul Wenncr, 37: Karl Bänninger, 53 p: A. Mühl, 531: L. Wchrurn. — Gartenftraße 14 I: L. Schmidt, 28: W. H. Meyer. — Goetheftraße 10 I: S. Zinßer Witwe, 30 I: Dr. Wasle, 30 II: Prof. Dr. Herzog, 57II: K. Marx, 63 p: L. Hofmann, 63II: Dr. v. d. Hütten, 70 I: Dr. Wiesinger, 70 II.-Gr. Steinw. 23p. — Gutcnbergstr.4: W. Matetrn, 14: L. Liebmann. — Hofmannstr.3p: 21. Sund!)eim, 5p: Dr. P. Reinewald Witwe, 7 p: K. Sehrt. — Kaiscrallce 27: A. Seht, 291: Er. Collatz, 6811: I. Dinges, 79 p: Otto Schneider. — Kaplansgasse 51: O. Singel, 5II: K. Kuhl, 15: K. Pflüger. — Kirchenpl. 18 II. —Kirchstr. 12p: I. Klingelhöffer, 13 bi I: H. Wenzel. — Kreuzpl. 4: Hch. Rüger, 10: D. Winterhoff, 15: W. Horn. — Krosd. Str. 35p: R. Schwan. — Kugelberg 21: Gg. Balser, 29: F. Bauer, 37: G. Schmidt. — Landgrafenstr. 31: O. Pfeiffer. — Landgraf-Pbilipp-Platz 91: K. Fiedler. — Lessingstr. 15 p: K. Müller, 15 I: A. Schaefer. — Liebigstr. 921: E. Arndt. — Lindenpl. 51 und II: P. Singel. Löwengasse 34 I: W. Sogt. — Ludwigstraße 12 II: W. Strum, 1811: C. Dauernheim, 23 I. — Marptpl. 161: A. Kübel. — Mäusburg 31: E. Schich. — Moltkestraße II: Th. Schwieder, 7: K. Schlaudraff, 9: W. Großblotekamp, 10: E. Nowack, 14: A. Noll, 251: F. Schlüter. — Kleine Mühlgasse 10 p: Knobel. — Mühlstraße 22: O. Faber. — Nordanlage 211: I. Rothschild, 35 I: W. Jung. — Plockstraße 4 II: A. Zimmermann. — Ostanlage 91: K. Schmäht, 21: L. Emmclius. — Rodheimer Straße 25: PH. Kröck, 54 I: K. Malkomefius. — Roonstr.20I: I. Anstett, 251: K. H. Kuhl. — Schiffenberger Weg 2p: Hermann Reuß, 24: Otto Göbel. — Schützenstraße 11 p: L. Schmitt. — Seltersweg 361: Otto CJcorg, 77 I: W. Rcusch, 791: A. Kil- bingcr, 79 II: K. Haubach, 89 II. — Senckenbergstr. 23p: Prof. Dr. Noll. — Sonnenstraße 6 p: I. Weisel. — Stephanstraße 41: Prof. Dr. Srüggemann. — Südanlage 131: Karl Wagner. — Teufelslustgärtchen 281/11: M. Georg, M. Kohlermann. — Wcscrstraße 3 p: Otto Görlach. — Wetzsteingasse 431: Säuglingsheim. — Wiesenstraße 11: Louis Geller. — Wilhelmstr. 26: E.Emmelius, 36p: L. Jung, 45p: E. Kraft. 45 1: F.Gauterin. 4511: W. Anton. — Wilfonstraße 5: Rühl & Hof. — Wolf- ftrafte 20: F. Marx. 3 Alicestraße 2I II: L. Marcus, 31: Prof. Dr. Koeppe. — Am Nahningsbcrg 8 p: Karl Gerhard, 121: E. Krapp, 161: Karl Deeg, 16II: Prof. Dr. Hepding. — Am Riegelpfad 701: K. Herget, 88II: Hch. Babel. — An der Johanncskirchc 4 p: Marie Haubach, 5 p: Ph. Nicolaus, 51: Dr. Meyerhofs, 5II: L. Schunk, 6 p: A. Wendel, 61: A. Drcyfuß. — Asterweg 10: F. Marscheck, 57III: K. Zimmer. — Bahnhofstraße 71 II: Jean Arnold, 11 I: L. Beplcr, 37 I: M. Strauß, 52a III: A. Schmalz, 67 I: W. 'Amend, 56 I: W. Brinkmann. — Bergstraße 9 II: K. Wenzel. — Bismarckstraßc 40 p: P. Gibb. — Bleichstraße 91: Hermann Topp, 261: 21. Hardt, 40II: H. Eidmann, 251: F. Reiber. — Standplatz II: E. Wegeli, II: A. Ernst. — Bruch ftraße 16 p: 21. Schädlich. — 'Bückingstraße 21: Gg. Kling, 2 II: O. Höpfner, 3 II: W. Maisch — Crednerstraße 101: W. Hanauer, 12 1: I. Haas, 45 II: R. Gemmcr, 47 I: R. Kliebcr. — Dammstraße 261: K. Schmalz, 361: W. Neuhaus, 471: H. Schmidt, 401: G. Harig, 27 I: Paul Jenscn, 34 p: R. Keitzer. — Ebelstraße 41 p: K. Spuck. — Frankfurter Straße 7 p: K. Rösinger, 201: K. Helm, 28 L H. Türck, 341 Dr. Storck, 125 p: K. Christ, 1401: W. Müller. — Friedrichstraße 10 p: Vh. Rahm, 101: M. Klingelhöfer, 12p: 21. Saum, 151: K. Offen- ... .... bacher, 24 p: Gg. Hensel. — Gartenstraße 17: Dr. Neumann mittags Spengel, 181: Dr. Gg. Eißer, 20. — Im Gartfeld 9 p: K. I zuholen. Bekernrrtmachung. Alittwoch, den 28. September 1927, nachmittags von 3 bis 4 Uhr, findet in der Turnhalle der Schillerschute, Schillerstraße Nr. 8, ein öffentlicher Impftermin statt. Es können zu diesem Termin alle in 1926 und früheren Jahren geborenen, bisher noch nicht oder ohne Erfolg geimpften Kinder gebracht werden. 83956 Die Kinder sind sauber gewaschen und in reinlicher Kleidung zur Impfung zu bringen. Kinder aus Familien mit ansteckenden Krankheiten dürfen nicht gebracht werden. Die Jmpfnad)schau findet Mittwoch, den 5. Oktober 1927, nachmittags 3 bis 4 Uhr, statt. Gießen, den 12. September 1927. Der Oberbürgermeister. I. V.: K l i n g f p o r. Bekanntmachung. Auf Grund der Aeichsverdingungs- ordnung sollen nachstehende Arbeiten für einen weiteren Wohnblock »An der Kläranlage- vergeben werden: 1. Erd- und Maurerarbeiten 2. Zimmerarbeiten 3. Dachdeckerarbeiten 4. Weißbinder- und Änstreicherarbeiten Schreinerarbeiten 6. Schlosserarbeiten. Die Unterlagen liegen bei uns offen und sind Angebotsformulare daselbst zu haben. Die Angebote sind verschlosien, versiegelt und' mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungslermin EamStag, den 1. Oktober 1927, vormittags 10 Llhr bei dem Stadtbauamt einzureichen. Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Bieter. 87186 Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, den 26. September 1927. Stadtbauamt: Braubach. IW M Wlmtge.. Bei Straßen- und Haussammlungen wohltätiger und gemeinnütziger Dereine hat sich die Verwendung fchulpflichttger Kinder als Sammler mehr und mehr eingebürgert. Es bestehen jedoch dagegen erheblich erzieherische Bedenken. Es güt dies umsomehr, als die sog. Blumentage keineswegs mehr die seltenen festlichen Ausnahmetage darstellen, die sie ihrem Ursprung und Grundgedanken nach sein sollten, vielmehr zur ständigen Gepflogen- beit geworden sind. Es darf aber der Erfolg eines noch so wertvollen Unter- Nehmens nicht mit einer Versündigung am Wohle der Jugend erkauft werden. Die stadt. Deputation für Jugendwohl- fahrt als Jugendamt im Sinne des Aeichsjugendwohlfahrts-Gesehes hat deshalb einstimmig beschloflen, hiergegen Stellung zu nehmen und das Polizeiamt zu bitten, Sammlungsgenehmigung von der Aichtverwendung schulpflichtiger Kinder abhängig zu machen. Es ergeht jedoch an alle wohltätigen und gemein- nützigen Vereine die Bitte, von vornherein aus eigener Entschließung von der Verwendung von schulpflichtigen Äinöem abzusehen 8717B Der Oberbürgermeister. Wohlfahrtsamt, Abt. Jugendamt Dr. Frey, Bürgermeister. Obftvevfteigerung. Donnerstag, den 29. September, soll das der Gemeinde Reiskirchen gehörige Ojft, bestehend in Aepfeln und Birnen, öffentlich versteigert werden. 8708D Der 'Anfang ist um 8!/. Uhr am Ausgang des Ortes nach Lindenstruth. Reiskirchen, den 26. September 1927. Bürgermeisterei Reiskirchen. S ch o m b c r. m Erhalten Sie sich Jhre Kunstseidene Wäsche durch die schonende Reinigung << und § Pflege SEIFENFLOCKEN «S1M!CHT»MAIWEIN! Die VoaelSderaer Sudteocnoficn schäft beabsichtigt 86881) einen ersttlasfigenZuchtbullen im Alter von 1',2'/, Jahren nnzukauten. Angebote inner Angabe von Alter und Gewicht sind bis zum 30. September an Konrad ScbweinsberaerII.,Landwirt. Niederwald, Krs. Kirchhain, zu richten. Arbeitsausschreibung. Die Ausführung von Kanaltsations- und Wasferleitungsarbeiten in der Londorfer Straße in Grünberg einschließlich der Lieferungen soll im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Plänc usw. liegen bei uns offen. Angebotsvordrucke sind zum Preise von 2,50 Mark bei uns erhältlich. Eröffnung der Angebote Samstag, den 8. Oktober 1927, vormittags 10 Uhr, in unterem Bureau, Frankfurter Straße 29. Gießen, den 21. September 1927. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungsbaurat. Büllenverkauf. Oer Landwirtfchastskammer' Ausschuß für die Provinz Oder Hessen de- absichtigt den 2'/,jähr. Vogelsberger Bullen der Iungviehweide Warthof b. Grünberg zum Schlachten zu ver- kaufen. Oie Abgabe des Äullen erfolgt nur gegen Barzahlung. Schriftl. Angebote nach Ztr. Lebendgewicht sind bis zum Dienstag, dem 4. Oft 1922, Dorrn. 11 Lihr, an uns einzureichen. Kar WV. C '» b» eron® w gleifuvgen,^ diesem. SP'« Spiel m .vie! km'ntc, Ut rich.-ers und runtete.,^ »en vE Die lMr gvten in F In) kann em not der Pcm (2:2). 3n ' Uannerturw Eie stellen ' 2:3 md Yi Turnvereins gelingt ihr, Tore zu v mithin eine durch zwei Bei den StellungW Visse Ruhe nötige md dex eine tortoättg bri mit gutem Dorbild hin tzirge bis Mannschaft licher Angri 6ic haben, Mnnetturi Desonders mmg. Durch d Turnverein« ball spielen zu den befi rechnen kvn llllv. (B Der D überraschens richter gut so daß die war. Für e ballspiel b sich Hoffeni ihren Doch No. Sie, psch« Hxn im richtige Ta die oberen einer sehr tüchiigen T mit guten ‘ echorbene 1 einwandfrei Drt ir Dem 2d ^r Turner, d-r Berlin«! len am Toi lottenburg • unter dem । ^gegnung, Niederlage öwar bei P, Mite schoss, oier Tore, l öen verdank hewo W und nü 5ar der Pierre ln> «tnx Zeugte s- kV: Ar 'ch- 6itge Fu! 2n de Äderen pic gCQ brachte^ Offen" *°ten O sich Nr. 226 Drittes Blatt Dienstag, 27. September 1927 Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Turnen, Sport und Spiel. Handball in der D. T. (Gau Hessen). Mtv. Dieben I — TV. 1846 l 4:3 (2: 2). Die beiden (Siebener, der Deutschen Turner- schasl an gehörenden Turnvereine standen sich in einem Lokaltreffen gegenüber Das <^iel war, alles in allem genommen, wohl ein echte» Punktspiel, das aber in der Spielwelse nie die Grenzen des Erlaubten überschritt, kleine Dnt« gleisungen, gewisse Zufälligkeiten kommen immer vor und beide Mannschaften wurden auch rn diesem Spiele davon nicht verschont Daß das Spiel in diesen Dahnen sich bis zum Ende halten konnte ist sicher das Verdienst des Schiedsrichters Weisel (Butzbach), der peinlich gcmau und gewissenhaft arbeitete und so eine abgerundete, einwandfreie Leistung bot. — 3n tur- 3Cn Strichen war der Spielverlauf folgender: Die 1846cc sind eingangs etwas überlegen und gehen in Führung (1:0). Mw. gleicht aus (1:1) und kann ein weiteres Lor erzielen (1:2). Xur* Dor der Pause gelingt den Tvern der Ausgleich (2:2). 3n der zweiten Spielzeit drücken die Männerturner dem Spiel ihren Stempel auf. Sie stellen in kurzen Abständen das Spiel auf 2:3 und hierauf auch auf 2:4. Die Elf des Turnvereins läßt sich nicht entmutigen, und es gelingt ihr, den Stand des Spieles auf 3:4 Tore zu verbessern. Männertumwerein landet mithin einen klaren 4:3-Sieg und erringt dadurch zwei wertvolle Punkte. Dei den Siegern war vor allem ein schönes Stellungsspiel, sicheres Dallfangen und eine gewisse Ruhe festzustellen. Es fehlt nur noch der nötige „(Sian", jener Geist, der alles üoei-wnidet, und der eine ernst an sich arbeitende ^Mannschaft vorwärts bringt. 3n dieser Beziehung kann man mit gutem Recht die 1. Elf des Tv.1846 als Vorbild hinstellen. Beseelt vom Willen zum Siege bis zum letzten Augenblick, führte die Mannschaft ein Spiel voller Eifer und unermüdlicher Angriffslust diirch, das sehr gefallen konnte. Sie haben, wie es im Vorbericht hieb, den Männerturnern den Sieg nicht leicht gemacht Besonders der Tormann verdient alle Anerken- ^Durch das Spiel haben die beiden hiesigen Turnvereine den Beweis erbracht, dah sie Hand- ball spielen können Und dah sich beide getrost zu den besten Mannschaften des Gaues Hessen rechnen können. 2Hto. Sieben II - Tv. Nidda I 2:6 (2:4). Der Reuling Ridda kann die II. der Mtv. überraschend mit 62 Toren schlagen. Schiedsrichter gut. Plahvechältnisse sehr mangelhaft, so dab die Spielfühigkeit sehr in Frage gestellt war. Für ein erstmalig in Ridda gezeigtes Handballspiel war die Zuschauermenge sehr beträchtlich. Hoffentllch f)ält die junge Mannschaft Riddas ihren Vorsprung. 2Nlv. Gletzeo Jagend — Io. Dehlar Jagend 1* (1:1). SHt Etetzea« 3upenb holte sich, bä« voraus- Zusehen ttxn, von Wetzlars Jugend «tm glatte 2:6-2lbftche. Wetzlar treibt fett Jahren die einzig richtige Taktitt, feine Mannschaft langsam in die oberen Klassen hineinwachsen zu lassen. Bei einer sehr beträchtlichen Spielstärke kommt der tüchtigen Wetzlarer Elf eine schöne im Spielen mit guten Mannschaften (außerhalb des Gaues) erworbene Spielerfahrung zugute. Schiedsrichter einwandfrei. Platz nicht ganz ohne üble Stellen. Dresden schlägt Berlin im Turnrrhandball. Dem 2. Handball-Städtespiel Dresden — Berlin der Turner, gleichzeitig dem 25. Repräsentativspiel der Berliner Auswahlmannschaft überhaupt, wohnten am Sonntag auf dem Platz des B. f. L. Char lottenburg 3000 Zuschauer bei. Leider litt das Spiel unter dem glatten Boden. Wie schon bei der ersten Begegnung, mußte Berlin auch diesmal wieder eine Niederlage hinnehmen. Die Reichshauptstadt führte zwar bei Platzwechsel noch 2:1, in der zweiten Spielhälfte schossen aber die Dresdener in kürzester Zeit vier Tore, die Berlin nicht aufholen konnte. Dresden verdankt feinen Sieg dem großen Spieleifer, einem hervorragenden Stellungsspiel der Stürmerreihe und nicht zuletzt seinem Torwart. Handball-Länderkampf der Arbeiter-Sportler. vesterreich schlägt Deutschland 8:6 (5:0). Vor etwa 2000 Zuschauern wurde am Sonnlachnachmittag in Halle a. d. S. der Handball-Län- derkampf der Arbeiter-Mannschaften von Oesterreich und Deutschland au8 getragen. Oesterreich hatte in der ersten Hälfte mehr vom Spiel und bezeugte seine lieberlegenheit durch 5 Tore. In der zweiten Hälfte spielte die deutsche Mannschaft überlegen und schnürte die Oesterreicher in ihrer Plahhälfte ein. In sieben Minuten erzielte die deuftche Elf vier Sore. Im verzweifelten Endkampf vermochten jedoch die Oesterreicher einen knappen Torvorsprung zu halten und als glückliche Sieger das Spiel zu beenden. Futzball im Mainbezirk. 3n der Gruppierung der Ligavereine des Mainbezirkes traten am Sonntag, soweit die Gruppe Main in Betracht kommt, keine besonderen Verschiebungen ein. Fußballsportverrin gewann glatt, wenn auch nicht in der erwarteten Höhe, gegen Germania Frankfurt 6:2, Eintracht brachte auch keine sehr große Ausbeute an Toren aus Offenbach mit. Immerhin gewann sie mit 3:1 Toren. Deutlicher fiel der Sieg von Rotweiß Frankfurt über Spielvereinigung 1903 Fechenheim mit 4:0 Toren aus. Kickers Offenbach und Viktoria Hanau spielten 2:0 und entsprachen somit den Erwartungen. Heberraschen muß dagegen die Riederlage, die sich Hnion Riederrad in Aschaffenburg holte. Die Bayern siegten mit 2:1. Mit dem gleichen Ergebnis triumphierte Hanau 1860 über seinen Ortsrivalen. Hanau 1.893, was auch manches Erstaunen erwecken muß. In der hessischen Gruppe behauptete sich Wormatia Worms weiter auf dem ersten Platze, da es den Ortsrivalen Alemaimia mit 3:1 Toren schlug. Dagegen trat auf dem 2. und 3. Platze eine Verschiebung ein, denn Sport- gemeinde Höchst setzte sich durch ihren 4:1-Sieg über Germania Wiesbaden vor den Sportverein 1905 Mainz, der gegen den Verein für Leibesübungen Reu-Isenburg mit 4:7 Toren verlor. Reu-Isenburg errang hierdurch den 4. Tabellenplatz. Sv. 1898 Darmstadt schlug Hassia Dingen ganz überlegen mit 6:1 Toren. Ebenso behielt o. V. Wiesbaden über die S. V. Arheilgen mit 5:2 glatt die Oberhand. Das wichtigste Spiel war aber das ersterwähnte, wobei es nicht nur um die Führung in der Tabelle, sondern um die Hegemonie in Worms ging. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Liga gewinnt in Jtantenberg 3:2 (1:0). ö. In zweistündiger Fahrt brachte der kleine aber schnelle Reisewagen die Vereinigten aus Gießen nach dem nördlichst gelegenen Gegner aus der Lahn-Kreisliga, dem Sportverein Hessen 1911 Franlenberg. 1900 mußte noch in letzter Minute Umstellungen vornehmen. Hm es gleich vorweg zu sagen, die Mannschaft hat sich tapfer geschlagen und zeigte bei weitem bessere Leistungen als an den beiden Vorsonntagen. Das knappe 3: 2-Resultat ist für Frankenberg recht schmeichelhaft, gibt jedoch keineswegs den richtigen Spielverlauf wieder. Gießen war im Feldspiel eine Klasse besser als sein Gegner, nur hatten die jungen Spieler einen schweren Stand gegen die körperlich vorzüglich disponierte '5ranlenberger Mannschaft. Wäre 1900 nicht so furchtbar vom Pech verfolgt worden, so wäre der Sieg ganz bestimmt um ein beträchtliches höher ausgefallen, allerdings trug auch die schlechte Bodenbeschaf- en beit vor den Toren viel zu den Mißerfolgen bei. Der Schiedsrichter leitete das Treffen im großen und ganzen zufriedenstellend, nur hätte er gegen Schluß den Hebergriffen einiger Franken beraer Spieler (auch gegen seine Person) mehr Einhalt gebieten müssen. Gießen wählt mit dem Wind, und sofort eht ein schönes spannendes Spiel ein, das bis zum Schlußpfift des Hnparteüschen die Blau- weißen im Vorteil sieht. Rachdem die Stürmerreihe 1900s drei bis vier totsichere Chancen ausgelassen hat, erzielt sie kurz vor der Pause durch Verwandeln eines Clsmeters, der wegen Fest- Haltens verhängt wurde, das Führungstor. Rach dem Wechsel gleicht Frankenberg durch einen hohen Flankenball des Rechtsaußen, den die Gießener Hintermannschaft leichtsinnig passieren läßt, aus. Frankenberg wehrt in Bedrängnis mit der Hand im eigenen Strafraum. Den vom Schiedsrichter diktierten Elfmeter verwandelt 1900 abermals zum Führungstreffer, um kurz darauf durch den Mittelläufer zum drittenmal erfolgreich zu fein. Gleich nach Wiederanstoß kommt der Gastgeber zu seinem zweiten Treffer, der. aus einem Strafstoß resultierte, der von Gießen äußerst schwach abgewehrt wurde, und dann im Rachschuß zum Erfolg führte. Die Gießener Elf war mit großem Eifer bei der Sache und zeigte, entgegen der Gewohnheit, eine bewundernswerte Ausdauer. Bedauerlich war, daß der Mittelläufer schon vor der Pause verletzt wurde und dadurch nur alfl Statist mitwirken konnte, wodurch das Spiel zum Schluß an Schönheit verlor. Die 3 b-Mannschaft spielte nrit ter 2. LichS 6:6, nachdem sie bereits mit 5:1 in Führuna lag. Allerdings trugen die Gießener daS Spiel mir mit neun Mann aus und verloren zudem ihren besten Spieler durch Verletzung. Die Kreisklasse im Arbeiter-Turn- und Sporibunb. Heuchelheim I — Friedberg I 1:2 (0:1). £ Am Sonntag war Heuchelheim eine Gelegenheit geboten, seine Stellung in der Tabelle der Kreismannschaften zu verlassen, sie blieb jedoch ungenutzt. Dei besserer Arbeit der Stürmer hätte den Heuchelheimem jedoch der Sieg gelingen müssen. Friedberg zeigte sich diesmal von einer angenehmeren Seite als im Spiel gegen Gießen mit dem Erfolg, Gewinner zu bleiben und damit die verloren gegangene dritte Stelle wieder zu erobern. Vom Anstoß weg setzte von beiden Seiten ein äußerst forciertes Tempo ein, ohne jedoch von einer Mannschaft einheitliche Handlungen erkennen zu lassen. Einen auf Friedbergs Tor gegebenen Ball hält deren Tormann, der DaN entgleitet ihm jedoch, und Heuchelheim formte zum Führungstor einsenden. Friedberg, das diesmal nicht schon wieder verlieren wollte, fand sich nunmehr schnell zusammen und leitete recht schöne Angriffe ein, die jedoch von der blendend arbeitenden Heuchelheimer Hintermannschaft, die den besten Mannschaftsteil ab- gab, zunichte gemacht wurden. Heuchelheim spielte jetzt nur noch mit 10 Mann, der linke Läufer mußte infolge Verletzung ausscheiden. Dei einem Angriff wurde ein Spieler Heuchelheims unfair zu Boden gebracht, der Elfer wurde zunächst prompt eingesandt, bei der sich erforderlich machenden Wiederholung jedoch ebenso prompt über das Tor geknallt. Eine Reihe weiterer günstiger Torgelegenheiten verpaßte ter zerfahren spielende Sturm Heuchelheims, während Friedberg bis zur Pause wenigstens den Ausgleich Herstellen konnte. Rach dem Wechsel erschien Heuchelheim mit umgestellter Mamischaft, jedoch zu seinem Rachteil, denn der schon vorher nicht hervorragende Sturm taugte jetzt gar nichts mehr. Bei einem Gedränge vor dem Heuchelheimer Tor konnte Friedberg fein zweites Tor erzielen und brachte in der Folge das gegnerische Tor noch recht oft in Gefahr. Einzig und allein dem Heuchelheimer Derteidigerpaar hat die Mannschaft zu verdanken, daß Friedberg seine Torerfolge bis zum Schluß nicht noch hoher bringen konnte, was die Mannschaft nach ihrer besseren Gesamtleistung auch verdient hätte. Heuchelheim, das bis zum Schluß ganz zusammenfiel, war kaum noch eine ernste Gefcchr Praunheim 1 — Westend I 1:4 (0:3). Mit Spannung wurde der Ausgang des Spiels der beiden Spitzenmannschaften erwartet. Beide Mannschaften traten mit Ersatz, Westend dazu zunächst mit nur 10 Mann an. Zunächst war Praunheim im Vorteil, ter Sturm versiebte jedoch alles. Erst nachdem der 11. Mann eintraf, zeigte Westend die von ihm gewohnten Leistungen und erzielte bis zum Wechsel drei Tore. Rach der Pause erhöhte Westend auf 4 Tore, weitere Erfolge verhinderte die durch die Läufer verstärkte Verteidigung. Kurz vor Schluß erhalt Praunheim einen Elfmeter, ter zum Ehrentor verwandelt wurde. Hockenheim I — Dorheim I — 4:1 (2:0). Bockenyeim zeigte ein vorzügliches Stürmerspiel unter guter Ausnutzung seiner guten Flügelleute. Dorheims Sturm konnte sich gegen die Frankfurter Verteidigung nicht durchsetzen, während die Verteidigung taktisch richtig spielte und eine zahlenmäßig höhere Rie^ erläge verhinderte. Als Bockenheim schon mit 4:0 in Front lag, gelang kurz vor Schluß Dorheim ter einzige Treffer. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sporrbund. Lollar I — Marburg I 4:3 (2:1). Allgemein wurde ter Ausgang dieses Tresens mit Spannung erwartet, da es sich hierbei darum hantelt, ob Lollar seine zweite Stellung halten würde. Mit reichlichem Glück gelang dies, tenn Marburg holte, nachdem das Spiel bereits 4:1 für Lollar stand, in zäher Energie 2 Tore auf, und hätte bei etwas mehr Glück die Partie zumindest remis gestellt. Lollar hat schon weit bessere Spiele gezeigt und bot im Sturm, vom Halbrechten abgesehen, nur Mittelmäßiges. Während der ganzen ersten Halbzeit war Lollar tarf überlegen und hätte bei energischerem und genauerem Spiel im Sturm bereits einwandfrei iegen müssen, zumal die Verteidigung Marburgs während dieser Zeit nicht überzeugen konnte. Die zweite Spielhälfte war ausgeglichener, zeitweise waren die Marburger mehr am Ball und drängten stark auf Sieg. Der Anstoß Marburgs brachte den Ball in den Lollarer Strafraum, wurde ins Feld geschlagen, wo ihn ter Mittelläufer Marburgs erwischte und mit mächtigem lachen Schlag nach einer Minute Spielzeit ins Reh jagte. Zwei Minuten später glich der Halblinke Lollars aus, als ter Tormann Marburgs herausgelaufen war. Der weitere Spielverlauf der ersten Halbzeit sah Lollar fast ständig im Angriff, die Durchbrüche Marburgs führten jedoch stets zu einer Ecke. Rach 25 Minuten erhält Lollar eine Ecke, bei deren Abwehr ein Marburger die Hand zu Hilfe nahm. Der dafür gegebene Elser brachte Lollar die Führung. Hüben und drüben einige Ecken, dann Schluß der ersten Spielhälfte. Rach dem Wechsel fchrß Halblinks Lollars ein prachtvolles Tor. Der Angriff Marburgs führte zu einer Ecke, den Gegenstoß Lollars wehrte zwar ter Tormann Marburgs ab, im Rachschuß erzielte aber der Mittelstürmer Lollars das 4. Tor. Marburg zeigte nun ein recht gutes Kombinationsspiel und zwang Lollar einige Ecken' auf, von denen eine zum zweiten! Tor eingedrückt wurde. Die ständigen Angriffe Marburgs brachten eine weitere Anzahl Ecken, von denen abermals eine, zum dritten Tor, ehr- gesandt tourte. Der Rest des Spieles brachte ztoar Marburg noch eine ganze Serie Ecken, aber trotz aller Anstrengungen keine weiteren Erfolge. DaS Eckenverhälträs belief sich auf 13:5 für Marburg. Gießen ld - wieseck I 6:4. Danz unerwartet kommt dieses Resultat gerate räch, berat Tatsache ist, daß die im aHgemeinen recht gute Wiesecker Mannschaft gegen nach ihrer Meinung schwächere Mannschaften ihre schlechtesten Spiele liefert. Von starkem Einfluß auf die übrige Mannschaft war die recht llägliche Leistung des Wiesecker Tormanns, die im großen und ganzen ein einziger Versager war. Gießen führte, wie erwartet, das Spiel mit stärkster Energieentfaltung durch und hat einzig diesem forschen Geist, den Wieseck völlig vermissen ließ, seinen fenfationellcit Sieg zu verdanken. Bedauerlich war, daß sich der linke Läufer Wiesecks gegen Schluß des Spiels üble Entgleisungen zuschulden kommen ließ, wodurch das sonst spannende Spiel eine unangenehme Rote erhielt. Gießen eröffnete dos Spiel mit äußerst scharfem Tempo, die Mannschaft zeigte mit ihrer Energie, dah sie das Spiel gewinnen wollte. Schon nach wenigen Minuten führte Gießen 1:0, eine Minute später glich Wiesecks Halbrechter aus, ter kurz daraus seiner Mannschaft durch entschlossenes Rachsehen die Führung brachte. Eine Ecke für Gießen führte zu einem Gedränge vor Wiesecks Tor und zum Ausgleich. Trotz der Bemühungen des Wiesecker Sturms gelang dem eifrigen Spiel der Gießener, das Resultat auf 3:2 zu stellen. Rach tem Wechsel lieh das Tempo nicht nach. Wieseck lieh sich immer stärker die Spielweise Gießens aufzwingen und muhte ein weiteres, das 4. Tor, passieren lassen. Endlich konnte ter Wiesecker Sturm eine gute Torgelegenheit herausarbeiten, die der Linksaußen zum 3. Tor verwandelte. Gießen antwortete mit einem 5. Tor, worauf der linfe Läufer Gießens den Ball ins eigene Tor jagte, 4:5 für Giehen. Run brachte ter linke Läufer Wiesecks den Tormann Gießens unfair zu Fall, die Folge davon war, dah bald darauf von jeder Partei ein Spieler vom Platz muhte. Kurz vor Schluß schoß Gießen das 6. Tor. Das hohe Vertu st spiel für Wieseck deutet auf schwache Leistungen bei deren Hintermannschaft. Raunheim I — Alsfeld I 3:2 (0:1). Dieser knappe Sieg der Raunheimer, die seither in sicherster Spitzenstellung stehen, bedeutet eine zweite Heberraschung. Auch hier schuf die starke Energieentfaltung auf Alsfelds Seite das für diese Mannschaft äußerst schmeichelhafte Resultat. Dis zur Pause lagen die Alsfelder in dem äußerst scharfen und flotten Spiel 1:0 in Führung. Dem Ausgleich Raunheims setzte Alsfeld unerwarteterweise die abermalige Führung entgegen. Lange wurde vergebens um den Ausgleich gerungen, der tem Raunheimer Sturm endlich gelang. Run begann der Kamps um den Sieg. Erst kurz vor Schluß konnte Raunheim einen Strafstoß, den der Alsfelder Tormann bereits abgeschlagen hatte, zum letzten und Siegestreffer einfenben. Mit knapper Rot gelang es also den Raunheimern, ihre erste Stellung in der ersten Klasse zu halten. Die Spiele der II. Klasse. Leun stand seither an erster Stelle seiner Klasse und muhte diese Stellung nach einem abermaligen Verlustspiel abtreten. Fronhau - s e n erwies sich auf eigenem Platz als die Besseren und schlug die Leuner in der einwandfreiesten Weife 4:2. Alten-Duseck hatte aus eigenem Platz Daubringen als Gast. Die Aussichten waren ür die Einheimischen hierbei nicht gerate die besten, was sich auch im Spielverlauf zeigte. Eine halbe Stunde vor Schluß traf der Schedsrichter eine taktisch unkluge Entscheidung, die zum Spielabbruch führte. Dis dahin lag Daubringen 3:0 in Front. Mit dem knappsten aller Resultate gelang es Großen-Linden, im Spiel gegen B u r k ° hardsfelden den Sieg an sich zu bringen, und, in- olge der Derlustspiele Leuns, sich nunmehr an die Spitze der 2. Klasse zu setzen. Das l:0-Resultat zeigt, daß Burkhardsfelden sich tapferer gewehrt hat, als anfänglich der Mannschaft zugettaut wurde. Auch die zweite Mannschaft Raunheims konnte, wie die Erste, nur mit einem Tor Unterblieb siegen. Den Gegner gab die Zweite Alsse 1 bs ab, die mit 2:1 unterlag. Dei beiderseitig schwachen Leistungen standen ich die zweiten Mannschafte nHeuchel- > e chn s und Wiesecks in einem Gesellschaftspiel gegenüber. Die buten Torleute trugen wesentlich zu ter Höhe des Resultats bet Heuchelheim hatte etwas mehr Glück und gewann 4:3. Die Jugendklasse. Mit einem verhältnismäßig hohen Sieg beendete die 3ugenb Wetzlars ihr Spiel gegen Klein-Linden. Das 6: 2-Resultat beweist die gute Form der Wetzlarer. Knapp beendeten Die Jugendlichen Wiesecks und G i e h e n s ihr Spiel auf dem Sportplatz Trieb. Hier erwiesen sich die Wiesecker als die Besseren und gewannen nach flottem und schönen Spiel 2:1. Die Steinbacher Jugend kam zu zwei billigen Punkten, da die Lollarer Jugend nicht antrat. Der 4: l°Sieg ter Jugend Fronhausens gegen Hachborn ist ganz programmwidrig. Wenn auch der Sieger nicht unterschätzt werden konnte, so überrascht doch der hohe Sieg über den bis jetzt ungeschlagenen Gegner. Dah die Jugend Heuchelheims ihr Spiel gegen Leun mit starker Heberiegenbeit beenden würde, war vorauszusehen. Das 10:0°Ergebnis für Heuchelheim überrascht daher keineswegs. Im Schülerspiel Daubringen gegen Wetzlar erhielten die Daubringer kampflos die Punkte, da Wetzlar rächt antrat. Heuchelheimer Fußball. Spo. 1920 I gegen 5. E. Riedergirmes I 4:2 (1:1); ♦ Ecken 7:4. Was viele nicht erwartet batten, tourte am Sonntag Wirklichkeit. Sogleich sei gesagt, dah Heuchelheim bas Spiel verdient gcto.mn. Technisch und taktisch steht die Mannschaft schon immer auf annehmbarer Höhe: gefeilt sich zu diesen Eigenschaften noch der nötige Eifer, bann braucht sie kaum einen Gegner zu fürchten. In tem Spiri am Sonntag war ter gesamte Sturr>, sehr eifrig und schuhfreubig. Die beiten Außenläufer waren sehr gut, ter Mittelläufer genügte ten Anforderungen Die Verteidigung tm Anfang etwas unsicher, betontere ter rechte, danach aber um so besser, ter Tormann reichlich nervös, in ter zweiten Halbzeit glänzend. Riedergirmes bester Marrn ter Tormann Im Sturm der Rechtsauhen ter gefährlichste. Alle übrigen sehr eifrig und flink. Das Spiel begann mit flottem Tempo. Sofort waren die Einheimischen im Angriff, doch auch Riedergirmes kam gut auf. In ber 17. Minute fiel bas erste Tor im Anschluß an eine Ecke für Heuchelheim. Zwei Minuten später kam Riedergirmes zum billigen Ausgleich. Mit 1:1 ging es in die Halbzeit. In ter sechsten Minute sieht es 2:1, in ter achten 3:1 und in ber 18. Minute durch Elfmeter 4:1. Riedergirmes strengte sich mächtig an und konnte ein Tor auf- holen. Dis zum Schluß blieb das Resultat unverändert. Schiedsrichter Speckhard vom V. f. B. Gießen leitete korrekt. Die „Zw e i te' Heuchelheims weilte in Klein-Linden und verlor dort 5:4. Die Punkte dürften sie trotzdem erhalten, denn angeblich haben bei Klein-Linden nicht spiel- berechtigte Spieler mitgewirkt. Peltzer und Hoffmeister siegen in Budapest. Die Internationalen Leichtathletikkämpfe in Budapest fanden am Sonntag statt. Dr. Peltzer verteidigte im 800-Meter-Lauf seinen wertvollen Wanderpreis mit Erfolg. Der Stettiner siegte in der ausgezeichneten Zeit von 1:53,6 vor dem Ungarn B a r s y , der 1:56,6 benötigte. Mit einer ausgezeichneten Leistung wartete auch der Hannoveraner Hoffmeister im Diskuswerfen auf. Mit einem Wurf von 46,69 Meter blieb er vor M a r v a l i t s (Ungarn) mit 43,29 Meter und Egri (Ungarn) mit 42,15 Meter überlegen siegreich. Deutsch-schwedischer Llubkamps Göta Stockholm schlägt 5. E. E. mit 50:41 Punkten. Der leichtathletische Klubwettkampf, der am Sonntag in Berlin auf dem Platze des SC.Char- lottenburg zum Austrag kam, endete mit dem überlegenen Sieg der schwedischen Mannschast. Der Besuch war bei tem regnerischen Wetter sehr schwach Die 100 Meter gewann Körnig erwartungsgemäß vor seinem Klubkameraden Helmut Schlöske in 10,7 Sek. Ebenso sicher brachte der Weltrekordmann Sten Pettersson das 110-Meter-Hürderäaufen in 15,7 Sek. an sich Mit Ausnahme des Diskuswerfens und des Weitsprunges besetzten die Schweden in allen übrigen Wettbewerben die ersten Plätze. In der Schwedenstaffel, die ansteigend gelaufen wurde, holte Körnig über 200 Meter einen Vorsprung von etwa 20 Meter heraus, den aber die Schutzleute Koczerotoski und Heinig wieder verloren. Die Ergebnisse waren: 100 Meter: 1. Körnig (SEE.) 10,7; 2. Helmut Schlöske (SEE.) 11 Sek.; 3. Halm (Göta) 11,4; 4. Sten Pettersson (Göta) 11,5 Sek. — 400 Meter: 1. Hammargren (Göta) 51 Sek.; 2. Ackerdahl (Göta) 3 Meter; 3. Schellhorn (SEE.); 4. Hei- nig (SEE.). — 8 00 Meter: 1. Johansson (Göta) 1:58; 2. ©ujatta (SEE.) 1:58,1; 3. Kel- (ermann (Göta) 1:59; 4. Schmidt (SEE.) 1:59,5. — 110 Meter Hürden: 1. Sten Pettersson (Göta) 15,7; 2. Kasten (SEE.) 17 Sek.; 3. 3o- hansfon (®Bta) 17,4 Sek.: 4. Koczerowskr (SCC.). Kugel st ohen: 1. Svensson l. (Vota) 12,96 Meter: 2. Schulte (SCC.) 12,34 Meter: 3. Svensson (®öta) 11,89 Meter: 4. Kasten (SEE.) 10,58 Meter. — Diskuswerfen: 1. Dörr (SCC.) 40 60 Meter: 2. Rilsson (Goto) 38,62 Meter: 3. Svensson (Vota) 34,50 Meter: 4. Schulte (SCC.) 34,02 Meter. — Weitsprung: 1. H. Schlöske (SCC.) 6,87 Meter: 2. Johansson (Vota) 6,68 Meter: 3. Rawahki (SCC.) 6,60 Meter: 4. Pettersfon (Vota) 6,59 Meter —H o ch s p r u n g: 1. Nilsson (Göta) 1,80 Meter: 2. Rawatzki (SCC.) 1,75 Meter: 3. Schlöske (SCC.) 1,70 Meter: 4. Key-Aberg (Göta) 1,65 Meter. — Schweden- staffel: 1. Göta-Stockholm 2:01,8; 2. S. C. C. 2:03,3. — 3X1000-Meter-Staffel: 1. Göta-Stockholm 8:06,4; 2. S. C. C. 8:06,8. Den Jugendklubkampf gewann ter S. C. C. mit 44 Punkten gegen den SC. Preußen Stettin mit 22 Punkten. Wirtschaft. (Ein neuzeMiches Verfahren zur Herstellung gußeiserner Rohre. Rachdern schon seit einer Reihe von Jahren im Auslande, vorwiegend in Amerika und England, gußeiserne Rohre nach dem sogenannten Jentrisugalverfahren hergestellt werden, haben nunmehr auch die Buderusschcn Eisenwerke auf ihrer Sophienhütte in Wetzlar ihren seit Kriegsende bestehenden Plan der Errichtung einer Röhrengießerei nach erwähntem Verfahren verwirklicht. Die neue Betriebsabteilung ist mit den modernsten Einrichtungen versehen. Sie verleiht dem Unternehmen, das seit Jahrzehnten bereits gußeiserne Rohre auf seinen Werten Sophienhütte, Wetzlar, und Westdeutsches Eisenwerk, Kray, anfertigt, eine erhebliche Steigerung der Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete der Gußrohr-Herstellung. Die neue Rvhrart zeichnet sich durch besonders hohe Festigleit und Widerstandsfähigkeit aus. * Begebung der 60--Millionen°An- leihe der Stadt Frankfurt. Die Stadt Frankfurt a. M. schreitet zur Begebung ihrer neuen 60-Millioneir-Anlrihe. Eine Reihe von internationalen Danken ist von ihr zu Geboten bis zu 14' 2 Millionen Dollar aufgefordert worden. Das Ergebnis der Ausschreibung wird in Kürze erwartet. * Einstellung von Kursnotierungen an der Frankfurter Börse. Rach- dem die Zulassungsstelle ihre Zulassungsbeschlüsse für Hydrometer Breslauer Wassermesser-Fabrik A.G.-Aktien und zehnprozentige Goldhypolheken- psandöriese der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank A.-G. zurückgenommen hat, wird die Rotierung dieser Werte mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 ab eingestellt. * Aus der Westerwälder Basalt- Industrie. In der Westerwälder Basallindustrie herrscht zur Zeit Hochkonjunktur. So konnten u. a. die Luckenbacher Steinwerke die Kopfzahl der Brucharbeiter von 60 auf über 100 erhöhen. Zwei neue Maschinen werden demnächst dort in Tätigkeit treten, um den Abtransport der Basaltsteine zu bewältigen. Richt minder günstig gestaltet sich auch der Betrieb am „Steinerother Kopf", dessen reiches Dasaltvorkommen zum Teil von einer Siegerländer Firma und zum Teil von einem niederländischen Unternehmen ausgebeutet werden. Mit dem Bau einer neuen Förderbahn zum Kceisbahnhof Elben wird noch in diesem Jahre begonnen werden, so daß die Verfrachtung des Basalts demnächst auf der dem Kreise Altenkirchen gehörigen Kreisbahn vorgenommen werden kann. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 27. Sept. Tendenz: still. — Die heutige Börse hatte außerordentlich st i l l e s Geschäft, da in Anbetracht der hohen jüdischen Feiertage die Zahl der Börsenbesucher stark dezimiert war. Aus den bereits wiederholt genannten Gründen (Rähe des Ultimos und das Fehlen der zweiten Hand) war die Unter- nehmungslust wieder sehr gering, zumal die Verschiebung der Auflegung der Preuhen- anleihe, die in Reuyork auf Schwierigkeiten gestoßen sei, zur Zurückhaltung mahnte. Die Meldungen, daß die Schwierigkeiten gegen diese Anleihe von Staats sriten dementiert würden, veranlaßten dann eine etwas ruhigere Betrachtung! der Lage. Beruhigend wirkte ferner, daß sich die an die gestrige Bankenbesprechung geknüpften Befürchtungen wieder als vollkommen grundlos erwiesen. Wenig beachtet wurde der Reichsbankausweis, der eine normale Entspannung zeigt. Bei der großen Geschäftsstille muhte bei Festsetzung der ersten Kurse eine große Anzahl von Rotierungen ausgesetzt werden. Im Vergleich zu der gestrigen Abendbörse ergaben sich im allgemeinen geringe Besserungen oder Rückgänge bis zu je 1 Prozent. Etwas hervor traten nur J.-G.-F a r b en, die behauptet lagen. Elektrowerte lagen durchschnittlich 1 Prozent schwächer, Gessürel minus 2 Prozent. Von Montanwerten waren Rheinstahl an- geboten und 1,5 Prozent schwächer. In Voigt & Haeffner kommt immer noch ziemlich viel Material an den Markt, das Papier ging um 8 Prozent zurück. Rur Holzverkohlung konnten 2Prozent anziehen. Deutsche und ausländische Renten hatten kein Geschäft. Anleihe- Ablösung anqrboten. Im weiteren Verlaufe blieb die Haltung sehr still. Auf vereinzelte Deckungen konnten die Kurse leicht anziehen. Geld ist immer noch reichlich angeöoten. Tagesgeld 5' j Prozent. Am Devisenmarkt notierten die Reichsmark gegen Kabel 4,19375, gegen London । 20,438. Paris gegen London 124,02, Mailand §9,20 und Madrid 27,88. Berliner Börse. Berlin, 27. Sept. Die hohen jüdisHen Feiertage haben die Lim sä he auf ein Mindestmaß beschränkt, zumal das Publikum in seiner Interesselosigkeit verharrt. Wirtschaftliche Rochrichten, die dec Börse eine entschiedmere Richtung hätten geben können, lagen nicht vor. Rachdem im Vorbörsenverkehr erheblich niedrigere Kurse genannt worden waren, die mit den Meldungen über Verzögerungen bei der Auflegung der Preuhenanleihr motiviert wurden, trat bei Festsetzung der ersten Kurse eine B ruhigung zutage, so daß die ersten Kurse gegenüber den gestrigen Schlußkurse?. nur Abschwächungen biszu2Proz. aufwiesen. Die leichte Erholung ist auf Gerüchte zurückzuführen, nach denen von offizieller Seite mit der Veröffentlichung eines Dementis der alarmierenden Ruchrichten in der Angelegenh'.i: der Prcußenanleihe zu rechnen sei. Heimische Anleihen lagen geschäftslos. Von Ausländern schwächten sich Russen nach der gestrigen Befestigung ab. Der Geldmarkt zeigte eine verstärkte Rachf^age. Lagesgeld stellte sich auf 4V2 bis 61/2 Proz., Monatsgeld 8 bis 9 Proz. Warenwechsel 6'/, bis 6"-,g Proz. Im weiteren Verlaufe machte die Erholung bei ruhigem Geschäft wei.ere Fortschritte. Frankfurter Kartoffelmarkt. LPD. Frankfurt a. M.. 26. Sept. Die notierten Preis« sind Großhandelspreise je 50 Kilo. Frachtparität Frankfurt a. M. bei Wag- gonbezug. Sorte: Industrie, hiesiger Gegend 3,50 Mark, gelbfleischige, hiesiger Gegend 3 Mart, weißfleischige, weißschalige, hiesiger Gegend 2,50 Mark. Tendenz ruhig. Frankfurter Getre^de-örfe. Die Rotierungen am Frankfurter Produkten- marft fielen heute wegen der jüdischen Feiertage aus. Berliner Prc lten-ör'c. Be r l i n, 26. Sept. Der Markt folgte heule der schwachen Auslandhaltung, zumal das Inlanoangebot in beiden Brotgetreidearten nachgelassen hat. Weizen ist in den schweren sächsischen und auch in den guten märkischen Qualitäten spärlicher angeboten und in den Forderungen 2 Mark höher gehalten. Das ge ringwertige vorpommersche und mecklenburgische Material ist nach wie vor reichlich offeriert, hier aber vernachlässigt. Roggen ist in guten Qualitäten । gleichfalls matter angeboten und auch 2 Mari be ; festigt. Die Mühlen bekunden wieder etwa-' ,-.es Kaufinteresle. Sowohl Weizen- als auch ä igen« mehle sind in den Forderungen um 0,50 . nt1 pro Sack erhöht, das Geschäft ist auch weiterhin n nuierig. Hafer in guten Qualitäten befestigt, in miiLc.cn und geringen Sorten ruhig. Gerste hat unveränderte Marktlage. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 254 bis 258, September 273 bis 271,50, Oktober 272, Dezember 274,50 Mark (ruhig); Nm gen, märkischer, 241 bis 244, September 26: ", । 261,75, 262,25, Oktober 251 bis 250 (in einem 7 Dezember 246,50 bis 246 (ruhig); Sommergers» bis 265; Wintergerste und Futtergerste 217 bis 2-4 (ruhig); Hafer, märkischer, 197 bis 209 (fester), September 216, Oktober 211,50 (fester): Mais, La Plata. 193 bis 195 (etwas fester); Raps 300 bis 310; (100 ! Kilogramm): Weizenmehl 32,75 bis 36,25 (behaup- । tet); Roggenmehl 32,50 bis 34,50 (behauptet); Wei zenkleie 14,75 (ruhig); Roggenkleie 14,50 bis 14,75 (ruhig); Viktoriaerbsen 47 bis 55; kleine Erbsen 27 bis 30; Futtererbsen 21 bis 22; Peluschken 21 bis 22: Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; ßuninen (blau) 15 bis 16; Rapskuchen 16 bis 16.40; Lein kuchen 22,50 bis 23„ Soyaschrot 20 bis 20,50; Kartoffelslocken 22 bis 22,60 Mark. Schach-Ecke. Bearbeitet von W.Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 128. Don I. van Brek. 5 4 3 2 6 8 7 4 3 2 d e Weih. £ h a b Schwarz, a b c d e ■6 5 Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weiß: 7 Steine. Khl: Dg8; Lc7, H7; Sf5, g7, Bc2. Schwarz: 4 Steine. Ke4; Sd8, gl; Bc4. Vorstehender Zweizüger wurde in einem holländischen Turnier mit dem 1. Preise ausgezeichnet. Endspiel Nr. 40. Don F. Sackmonn, Kaiserslautern. (Preisgekrönt in einem internationalen Endspiel-Turnier 1920.) 6 abedef g h Weiß. Weiß am Zuge gewinnt. Weiß: 7 Steine. Kh2: Sa8; Ba2, d2. <1* e4, h5. Mac;: 7 Steine, i a6; Se8; Ba7, rc N'Bü>'5uer f r die Hessen zu werden; in re :.;;n ijeii : orsch und Michel und Ha.mcs und Ann: und ihre Themen sink) etwa die „Dischrea oet de Worschtsupp", oder ..Des Schamgefiehl'. oder ..Die tief Trauer"; Einhci-'ische und Sprachlundige werden auch an die e;.l Bündchen viel Pläsier haben. 459 — Martha F r oh w e i n - B ü ch n er: DaS M "■ j't c n und anderes Gereimtes und Ungerei 70 Seilen 8". Pfeiffersche Buch- Handl:,!' -> n — Die bekannte und beliebte Versa :r..t uer „H:s es-äß" wird sich auch mit diesem neuen Bändchen viele Freunde erwerben; es enthält ernste und heitere Geichichtcn und Gedichte, hochdeutsche und oberhessische; al e8 mit viel Gemüt, gutem Humor und sicherem Blick geschrieben, kurzweilig und unterhaltsam zu lesen. 410 — „Das Theater" (Verlag Berlin- Schöneberg) ist diesmal besonders reichhalttg. Dr. Otto Brandt spricht über Laban und seine Choreographie, Dr. Hans Böhm anläßlich des 60. Geburtstages über Albert Bassermann, dem auch das mehrfarbige Titelbild der Zeitschrift gewidmet ist. Daneben berichtet Victor Wittner in einem reich illustrierten Artikel über die letzten Wiener Theaterereignisse. Arthur Kahane, der Dramaturg der Reinhardtbühnen, hat den Leitartikel „Phantasien über das Thema Theater" geliefert, Fred A. Angermayer eine amüsante Erinnerung an Sardou. Einen breiten Raum nimmt diesmal das Berliner Ro.izbuch des Her- ausgBers Atthur Kür'chner ein. Kurszettel der Berliner und g-rar ti trier Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuh 7 Prozent. ssrankfurta Di Berlin Schluß- l'Uhr. Schluß- Anfang fiure Pur» Kur» flur» Datum: 20. 9. 27. 9. .6 9. 27. 9. 6°'o Di Ncichöanieihe o. 1927 Dk Anl ilbtof Schuld mit Au^los -Rechten . . 87,25 87.5 - — - 55 55 Desgl. ohne Äusl f -Rechten 7° . Krankt Hup-'^t- (So dps 15,75 15,7 16 15.65 u.uünddar bis 1932 96 6 — 4'l/lt Rheinische 6np -Bank 2iq» -U>o dps B (S fltfl BorknegS-Ob 18,19 — - aflationtn. rüdiQblbdr 1932 83 — — 4°/> Schweiz BundeSb.-Anl. — - — — 4°/o Lestereichische Goldrie 30,6 30 65 — 4,2U°/0 Ceflcrr ich. Sitdcrrte <‘lo Lcnerreich rin eilt. Rle 6.5 6 — — — — *°lo Ungarische (Äoldne 27 — 27,8 — 4°/° Ungarische Siautör. v 1910 24,6 _ — «'/,»/. Dcäai- von 1913 •24 8 24.9 — 4% Ungarische .flronenrtc . . 2.85 2,85 2.75 2,7 4°/ Turk. Zollanleibe v 1911 4% Türk. Bagdavdadn.Anl 13,9 ric 1. 18,13 _ 17,3 — 4°, desgl. Serie U _ 14 4°0 Rumänen convert. Rtc «'V o Rumänen Goldanl. — — — von 1913 18 4 — 18,3 — Lllg Dcuriche (ftlenbobn 4'/, 86 — — — Hamburg-Amerila Pale' . b 148.. — 148.5 147,5 vamb -Sudan, Damv sch 8 — 221 bansa Dampfschiff c — 227 5 Norddeutscher t-lcnb •, Allg. Deutsche Credilanst. u 150.25 149.25 150 5 149,25 143 143.: 143 25 Barm t Bankverein 10 144,75 — 144 13 — Bcdüier Hanoel-Zgcsellsch. K — — 446.5 — Tommer; und Prioai-Bl 1 172 171 172 171 75 Tann st. u Raiionaloank k- 2:8.5 226 5 127.13 226.5 Deutsche Bank lü 164 — 164 163 5 Diskonto (Aesellschaf' Ant. io 155 *— 155.25 155 13 Dresdner Bank . 10 lül (60.13 161.5 160,5 Mitteldeutsche Creditdank 9 — — i38 287.5 Mctallbank 8 HO 139 14) 1 94.75 192 5 194 19: . 10 — 185.9 I83.7ä Licht und Kraft . . . 10 214 9 214,75 215 21 gelten ic Guill aume ■ .6 137 136 3 136 5 Gcs f- ffilcbr Uniem . 10 268.5 286 5 25 286, ' Hamb. Elektr 26erle . 10 - 164,75 162.7) yiljcin. Elcllr. , . 165 169 z; Schief. Elektr..... . 10 168 Schuckcrt ..... . .7 200.5 199.5 200 5 199. Siemens L HatSke . 16 292 193 25 292 Iran rabio ..... . . 8 - — 131 25 - Labmever & Co - . . 9 179 — 180.25 - BuderuS...... . 0 — 106 106 Deutsche Erdöl..... . .6 146 — 145.75 145,25 Essener Steinkohle . - . .8 9- 4 — — 154,6 154,75 (Gelsenkirchener f. */» 150 — 149,7.) )49 Haroencr . . . . . poesch Äsen ....... . 8 — — 199 25 199 . .5 - — 174 Hlse Äergdau..... . .« 245 -w — 245 Klöckncrwerkc...... . .5 156,5 156 25 157 Köln-Neuesten ..... 5>/t — 174,26 175 ManneSmann f. Ve 9 4 169 170.25 169 ManS'eldcr....... . . 7 — 127 5 116,15 Oberfchles. Eisend. Bedarf 0 — 103,5 102.25 Oberschlcs KokLwerke . o Phouir Bergbau f */s 3 3 09.5 118.4 100 110,1.1 109 Rheinische Braunkohlen 10 ^ar.-en-Jnduslrte Dynamit Nobel . . . I . 0 .90.25 290 291,5 130.4 290 Scheid^ annalt . . . . .8 09 — '’Olbfcbmiht ....... . ..*> 128 125,25 127 95.5 126 25 94.4 Rüigeröwerke ...... . .0 95 Metallgeiell chakt 10 lyi'l 190 ! ;-rank.'url a.M Berlin 1 Schlu-:- | Kurs 1-Ubr. Kur, Schluf!.> Anfang Kur* i Kure. DatN'v: 26. 9. 27. 9. 26.9. | 27. 9 Ufqtllpp Vvlzmann . 192,5 193.5 >95 192 i) 6cibetoerqer CemeM 140 __ - Lcmcnl Karlstadt. . . 191 * — ^avh Jt (t-rciiQa i 161 5 — — SchultbciS Payenhoker. lu — 422 418 Ostwcrkc 1 — u98 396 6 Ber. o-lai'istost . . I — — 736 728 Bembcra ....... — 599 590 dcUfio Jr.lMiof. . 12 12 5 09.25 dl 75 709.5 Zellstoff Sl'chanenbnra H ,98 195 6 197 25 — Charloi. ndurger Master - — 140 1 s 25 ■ effauer o)aü . . . . 8 — — 193 75 192 Daimler Motoren. . . . . 0 _ 117.13 118 (17.5 Demag ....... 0 «4 83.25 Adlcrwerke Klever. . . . 0 — 104 25 106 105 iludw. lloeict . . . . 1- - — 387.5 282,25 Nat. Automobil . 6 — — 117 — Orcnst in 1- Koppel . . . . 4 — — 132 182.4 Linke -tzo mann . . . . c — — — — LevnhulS Tieh . . . 6 — — 167 162 Bamag- eavm ... 0 — 46 — Franks. Maschinen . . . . 0 72 — 72 — älritzncr . . . . , 115 112,5 — Hevligenstacdi ...... 0 29.75 — — Fungvans ...... c 108.45 106 25 — öechwerle . ...... t- • 18 - — — Mainkraftwerke ...... k- — — Miag .......... IC 134 134 — Nekarlulmcr ....... 8 113 114 75 — PcterS Union ...... 1 114 — 115 — Kcbr ! -ber ...... lf 140 — — Brigi a -vreffner .... • 18' 174 185 175 vüdd Zucker ... 0 130 I 138 138.75 — Banknoten. -n, 2b Septdr 1 -leid Bne) Ämerikam'che Noten. . . . | 4,182 4.2(12 «elgifche Violen - 58,23 58,47 Dänische Noten..... >12.01 112.47 Englische Noten . . 1 '0 .372 -n.45.' Devisenmarkt Berlin -Frankfurt a. M. Berlin. 26 Eevtvr. 16,44 16.50 Holländische Noten .... 167.81 168.49 Italienische Noten...... 22,89 22.99 Norwegische Noten...... 110,88 110,82 69,18 Deutsch-Oesterr, 5100 Kronen 58.94 Rumänisch: Noten...... 2.699 2,619 Schwedische Noten...... 112.47 112,93 80.64 Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . . 73 60 73.90 12.89.) 12,455 Ungarische Noten • • 73,15 73,45 Telegraphische Auszahlung. 26. Septbr. 27. Septbr. Amtliche 'Jloti.runa Amtliche Notierung 6eld Briet Geld Brief _ ÄMst.» Roll I68,oa 168,43 168,33 1,791 168,56 Buen -Aires 1,790 1.794 1,795 Brst.-Antw 58,39 110,69 j8,51 08,405 >8,52 > Ehristiania 110,91 110,73 110,95 Kopenhag^i! 112,81 112,53 112,35 112,17 Stockholm 112,79 113,01 113,81 111,00 Selfingfors 10,57 '0,59 .0,57 10,59 Italien. . -2,865 22,904 32,885 -2,925 London. . . .0,404 .0,441 -0,413 20,453 Neuyork . . 1,192 4,200 1.1945 1,2025 'Barte... Schweiz . . 16,46 '0,835 16,49 16,456 16,495 -0,993 ■>0,90 Dl.06 Spanien . / 3,83 73,97 .3,12 73.26 Japan . . i.94« 1.95. 1,958 1,9:7 Rio de Jan ),4V9 u,601 .4990 -.5015 Men in D - Ceft. abgest 59,10 09,22 '9,17 59,29 Prag . . . '2,42b 13,446 .2.4,030 .,027 .033 Lissabon ;O,57 .0,61 :0,58 (0,62 Danzig. . . 61,3.-) 81,51 »1,38 '1,54 Konst nlin. 3,155 '.159 ,161 :,165 Athen. . . 5,544 6,55h ,594 ,60b Canada ,.196 1.2(14 ',198 '.206 Uru uav 4,22t) 4.234 1.24h 1.2.54 tttitro 20,92'2 20.96- 0.93 .0.97