177. Jahrgang Donnerstag, 25. August (927 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 n m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20v , mehr. Chefredalitcur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Nr. 198 Erstes Matt Erscheint täglich,außer x Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter ' - j "i .. . uiiPKPiiPr zi HPinpr 2 Reichsmark und 20 flf BS W-, U W W M M $ PÖ WM W t’A W Reichspfennig für Träger- W V S W Kj W W- W EL lohn, auch bei Richter« M Bö ’tr 'V '▼ Xr scheinen einzelnerRummern 1V2F p infolge höherer Gewalt. __ ‘^‘***‘3^ ZWL General-Anzeiger für Oberhessen PoWfdjedfonto: 1 ’’ Srantfnrt am nioin liess, vrvck Mttö Verlag: vrühl'sche llniversitätr-vuch, und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Gefchäftsstelle: Zchulsttatze 7. Der neue Agitationsfeldzug der Kommunisten. Die wüsten und blutigen Auftritte in Paris und anderen größeren Städten Frankreichs, in London, in Leipzig, die neuerliche Bombenexplosion in Ehi- kago, der Sturm auf das Bölkerbundshaus in Genf ujm. sollten allen denen die Augen geöffnet haben, die bisher noch nicht zu übersehen vermochten, wohin die Agitation führt, der sich große Massen in Europa anläßlich der Hinrichtung von S a c c o und B a n z e t t i fast willenlos überlassen haben. Was man in Amerika zuerst richtig erkannte, hat sich leider nur zu schnell als zutreffend erwiesen, daß nämlich kommunistische, anarchistische und bolschewistische Elemente den menschlich bedauerlichen Fall für ihre Zwecke mißbraucht haben und weiter mißbrauchen. Jetzt überkommt auch die anderen, die bisher eifrig in Agitation mitgemaifjt haben, eine gewisse Bange vor den Folgen deßen. was da angerichtet worden ist. Selbst der „Vorwärts" hält es nunmehr an der Zeit, zur Ruhe und zur Besonnenheit zu mahnen mit der Begründung, daß Gewalt und Amerikahetze die Toten nicht wieder lebendig Machen könnten. Wenn man alle Toten und Verwundeten, die dieser Hetze zum Opfer gefallen sind, und noch fallen werden, zusammenzählen wollte, dann würde sich eine stattliche Lifte aufstellen lassen, und dann würde mancher Mitläufer erit recht einsehen, wie sehr er sich hat irreführen lassen. Es ist vollkommen klar, das) es sich überall um systematisch, sorgfältig vorbereitete Handlungen und Aufruhrvrrsuchr der Kommunisten handelt, und man geht keinesfalls fehl, wenn man die geistigen Urheber dieser Bewegung in Moskau sucht. Wenn seit Wochen und Monaten die Gemüter in bestimmten Teilen der Arbeiterschaft durch Reden, Artikel, Hairdzettel usw. in SiedeH-itze versetzt werden und dann der Ruf erschallt, Rache für die „ermordeten Partei- genossen" zu üben, dann ist es kein Wunder, daß sich solche Dinge ereignen, wie wir sie jetzt in zahlreichen Städten Europas erlebt haben. Gerade das gleichzeitige Lvsbrechen wie auf ein gegebenes Signal scheint der beste Beweis dafür zu sein,, wo die Urheber der Bewegung sitzen. Es ist wohl auch kein Zufall, daß sich die wüstesten Szenen in Frankreich und in der französischen Schweiz abgespielt haben, wo die erregten Massen von jeher am meisten zu Gewalttätigkeiten geneigt haben Man braucht gar nicht erst bis zu den Schreckenstagen der französischen Revolution zurüi^ugehen, sondern es genügt, an den Pariser Kommuneaufstand von 1871 zu denken Rur das sehr starke Aufgebot von Truppen in Paris selbst hat es verhindert, daß aus den Anfängen des Barrikadenkampfes sich nichts Schlimmeres entwickelt hat. Dabei entbehrt es nicht eines gewissen Reizes, daß die Hetze gegen die Amerikaner und alles Amerikanische gerade in Paris unmittelbar vor dem Besuch großer Massen amerikanischer Frontlänrpfer sich abspielt, deren Anwesenheit von der französischen Regierung zur politischen Bearbeitung Amerikas im Hinblick auf die' Schuldenregelung benutzt werden sollte. Rach allen Berichten aus Frankreich wird der Empfang der amerikanischen Legionäre auf französischem Boden recht kühl fein. Daß sich bereits auch bei uns Anzeichen der Einkehr in der Stimmung geltend machen, zeigt der angeführte Artikel im „Vorwärts". Hoffentlich seht sich die Ernüchterung sehr schnell und gründlich durch, so daß uns weitere Zusammenstöße mit der Polizei wie in Leipzig erspart bleiben. Wir haben alle Veranlassung, uns nicht in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen, und mit Beschimpfungen der Rechtspflege in Amerika um uns zu werfen, weil uns Erscheinungen und Auswüchse derselben ungewohnt und unverständlich vorkommen. Es sind auch bei uns manche Dinge vorgesallen, die in Amerika gewaltiges Kopfschütteln verursacht haben und auf völliges Einverständnis gestoßen sind. Man mag über das Schicksal, das den beiden Italienern Saeco und Vanzetti in Boston bereitet worden ist, denken, wie man will, •TtRÖ man braucht auch zur richtigen Zeit und am richtigen Ort aus seiner Ansicht darüber kein Hehl zu machen. Aber wenn wir uns aus einer ganzen Reihe von Gründen mit Amerika möglichst gut stellen toollen, und wenn wir uns die größt» Mühe geben, Scharen amerikanischer Besucher nach Deutschland zu ziehen, dann müssen wir auch so viel Besonnenheit besitzen, in der vor den Wahlen in Memel. Der deutsche Gesandte in Kowno war vor kurzem in Berlin und hat hier mit dem Außenminister gründlich die Lage der Memelländer durchgesprochen. Als Ergebnis dieser Zusammenkunst können die neuen Vorstellungen unseres diplomatischen Vertreters bei der litauischen Regierung angesehen werden, der sogleich nach seiner Rückkehr sich bei Woldemaras anmelden ließ und ihn nochmals an seine auf der letzten Genfer Ratstagung vor dem Plenum des Rates feierlich eingegangenen Verpflichtungen erinnerte. Ziehen wir eine Bilanz der letzten Wochen, dann müssen wir fest stellen, daß von Litauen erst ein einziges Versprechen eingelöst wurde, eben die Ausschreibung von Reuwahlen hn Memelland, die aber bewußt in die letzten Augusttage verlegt wurde, weil man sich nicht mit Tlnrecht sagte, daß mm die Septembertagung des Völkerbundes noch vor der Reu- bildung des Landesdirektoriums ablaufen werde, Beurteilung amerikanischer Verhältnisse Zurückhaltung zu üben und Takt zu zeigen. Wir haben ohne Haß und Doreingeiwmmenheit die Entwicklung zu betrachten und dürfen uns nicht durch einen menschlich durchaus verständlichen „Eifer für die Gerechtigkeiten" aus unferer Reserve herausbringen lassen. Der amerikanische Bürger ist in seiner Liebe und Begeisterung für alles Amerikanische nur allzu leicht verletzbar. Unsere Außenpolitik verlangt es gebieterisch, daß wir jede Belastung ausschließen, die aus einer Kontroverse mit der Mentalität eines fremden Volkes entstehen könnte. Die kommunistische Kundgebung in Berlin. Berlin, 24. Aug. (WB.) Die heute abend von der KPD. in Gemeinschaft mit dem Roten Frontkämpferbund und anderen Organisationen veranstaltete Trauerkundgebung für Saeco und Vanzetti im 2uftgarten nahm unter starker Beteiligung einen ruhigen Verlauf. Die Zahl der Teilnehmer übertraf numerisch die fror angegangenen Demonstrationen sehr erheblich. Die Polizei hatte nn Hinblick auf die Vorgänge in Paris alle verfügbaren Mannschaften in Alarmzustand verseht. Besonders die amerikanische Botschaft hatte einen außerordentlich starken Schutz erhalten. Ein ausgedehnter Benachrichttgungsdienst sorgte dafür, daß während des An- unb Abmarsches und während der Kundgebung selbst dis eingerichteten Polizeizentralen ständig auf dem laufenden gehalten wurden. Der Wilhelmsplah wurde gegen 7 Uhr auf das schärfste abgesperrt und nur diejenigen, die sich auöweisen konnten, daß sie in der Rähe der Botschaft zu tun hatten, ober dort wohnten, passierten die Sperren. gusammenstöste in Hamburg. Hamburg, 24. Aug. (W2^) Zu einer Protestkundgebung gegen die Hinrich» tung von S a c c v und Vanzetti hatten sich nachmittags auf dem Heiligengeistfelde etwa 1500 Personen eingehenden. Rach Schluß der Kundgebung versuchten verschiedentlich Gruppen von Demonstranten zum amerikanischen Konsulat vorzudringen, wurden jedoch von der Polizei zerstreut. Zwölf Personen wurden zwangsgestellt. Zu einem weiteren Zusammenstoß kam es in Eimsbüttel, als sich ein Zug von etwa hundert Kommunisten der Auflösung durch die Polizei widersetzte. Auch hier wurden die Demonstranten von der Polizei zerstreut. Zwangsgestellungen wurden nicht vorgenommen. Demonstrationsverbote in Sachsen. Dresden, 24. Aug. (WTD.) Das Polizeipräsidium Dresden hat die für die nächsten Tage in Aussicht genommenen Kundgebungen gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis mit Rücksicht auf die in Leipzig und anderwärts vorgekommenen Tumulte mit sofortiger Wirkung verboten. Das Leipziger Polizeipräsidium hat unter Hinweis auf die bei der Demonstration gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis am 23. August erfolgten schweren Ausschreitungen bis auf weiteres alle Versammlungen unter freiem Himmel, sowie alle Umzüge und Demonstralionen auf öffentlichen Straßen und Plätzen- gemäß Artikel 123 Abs. 2 der Reichsverfassung verboten. Das Chemnitzer Polizeipräsidium hat die für heute abend auf dem hiesigen Theater- Platz geplante Kundgebung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis ebenfalls verboten. Das Verbot stützt sich auf Artikel 123 Abs. 2 der Reichsverfassung und gründet sich auf die Befürchtung, daß die beabsichtigte Kundgebung Störungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit auslösen könne, wie es bereits in anderen Orten der Falk war. Umfassende Polizeimatznahmen in Paris. Paris, 24. Aug. (Wolff.) Um eine Wiederholung ähnlicher Zwischenfälle wie der von heute also Deutschland keine Gelegenheit erhalten werde, noch während dieser Tagung irgendwelche weiteren Verfehlungen der Kownoer Regierung in Genf zur Sprache zu bringen. Wenn wir recht unterrichtet sind, hat man sich in Berlin auch reiflich überlegt, ob man nicht schon auf dieser Tagung wegen der nur mangelhaft einge* lösten Versprechungen der litauischen Regierung die ganze Memel- frage wiederum zur Debatte stellen soll. Davon ist man zunächst abgekommen. Die Reichsregierung hat sich gesagt, es wäre besser, erst die Landtagswahlen abzuwarten und zu sehen, was Kowno unternehmen' werde, und ob das nach dem Memel- statut zu ernennende Direktorium auch das Vertrauen des memelländischen Landtages besitzen werde. Bisher konnte davon keine Rede fein. Kowno schickte einfach etliche grohlitauische Beamte nach Memel, die sich nicht im geringsten um die parlamentarische Vertretung der memel- ländifchen Bevölkerung kümmerten, vielmehr schalteten und walteten, wie es ihnen paßte. Kein nacht zu verhindern, hat die Polizei neue umfassende sehr st r e n g e Maßnahmen getrof- kn. Rach neueren Darstellungen sollen etwa 600 0 Personen an den gestrigen LImzügen terlgenommen haben. Die Zahl der verletzten Polizisten beträgt 120. Heute früh wurde in einer Llntergrundbahnstation eine verdächtige bombenartige Büchse entdeckt, die anscheinend nur Sand enthielt, jedoch zur näheren Untersuchung in das Chemische Laboratorium gebracht wurde. Auch in Veziers kam es gestern abend anläßlich einer Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis zu Zusammenstößen. Schaufen st er verschiedener Läden wurden eingeschlagen. Zwei Personen wurden verhaftet. Neuer Iusammenstoh in Paris. P a ri s, 24. Aug. (WTB.) Gegen 10.30 Ufjr abends geriet ein Zug von etwa 30 0 Manifestanten auf dem Boulevard Sööastopol, wo gestern nacht bereits schwere Ausschreitungen stattfanden, mitPolizeizusammen. Mehrere Schüsse fielen. Es gelang der Polizei, die Demonstranten zu vertreiben. Zusammenstoß in Lyon. Paris, 24. Aug. (WB.) Heute nachmittag hielten in L y o n die dortigen s o z i a l i st i s ch e n Gewerkschaften eine Protestkundgebung gegen die Hinrichtung von S a c c o und Vanzetti ab. Als fte sich im Zuge zum Denkmal der Republik begeben wollten, um dort einen Kranz nicderzulegen, wurden sie von Trupps k o m m u n i st i s ch e r und anarchistischer Elemente angegriffen, die ihnen den Kranz zu entreißen suchten. Die Polizei mußte die im Handgemenge miteinander liegenden Gegner trennen. Verurteilung von Manifestanten in Paris. Paris, 24. Aug. (WB.) Fünf von den 31 in der vergangenen Nacht verhafteten Manifestanten find heute bereits vom Gericht abgeurteilt worden. Es wurde gegen sie auf Gefängnisstrafen von zwei Wochen bis zu sechs Monaten und kleinere Geldstrafen erkannt. Nur einem wurde Bewährungsfrist zugebilligt. Neuer Konfliktsstoff. Paris, 24. Aug. (WB.) Das S a c c o - Danze t t i - K o m i t e e soll nach Haoas die Absicht haben, in ganz Frankreich am 19. September einen Trauertag zu organisieren und bei diesem Anlaß in Paris die U e b e r r e ft e der Hingerichteten ausz ust eilen. Dieser Beschluß ist von besonderer Bedeutung, weil die französische Regierung diesen Tag aus Anlaß der Anwesenheit der amerikanischen Legionäre zum Natio- nalfesttag erhoben hat. Kundgebung der französischen Frontkämpfer. Paris, 24. Aug. (Wolff.) Die Nationalversammlung der französischen Frontkämpfer, also die rechtsstehende Organisation, wendet sich in einer Kundgebung gegen die gestrige Manifestation und fordert die Regierung auf, dafür Sorge zu tragen, daß die Mitglieder der a in e r i k a n i - schenLegion in Frankreich nicht behelligt werden und daß nötigenfalls gegen Unruhestifter und unerwünschte ausländische Elemente strenge Maßnahmen getroffen werden. Hätten doch die Angehörigen dieser Legion Frankreich bei der Verteidigung seiner Freiheit geholfen. Boykott amerikanischer Waren in Argentinien. Paris, 24. Aug. (Wolfs.) Wie Havas aus Buenos Aires berichtet, bereiten die Arbeitergewerkschaften, besonders Schauerleute und Autochauffeure den Boykott amerikanischer Waren vor. L o n d o n , 25. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" berichtet aus Melbourne - Der australische G e w e r k s ch a f t s r a t hat beschlossen, wegen der Hinrichtung Saccos und Vanzettis die amerikanischen Waren zu boykottieren. Wunder, wenn bas litauische ©ünbenre giftet nicht Rein ist, zumal neben ben litauischen Beamten auc^ noch der Kriegskommanbant mit Hufe bes Delagerungszust anbes dazu beitrug, ben politischen Plänen ber Großlitauer Vorschub zu leisten. Bis jetzt ist es bem litau- ifcf>en Element im Memelgebiet nicht gelungen, an Boden zu gewinnen. Auch ber Versuch, der litauischen Sprache allmählich im Schulwesen durch Ausschaltung ber deutschen Heimatsprache Geltung zu verschaffen ober durch Massenaus- weisungen von Lehrern die Memelländer zu zwingen, auf litauisches Lehrpersonal zurückzu- A^elfen^ wird an der Geschlossenheit der rnemel- landrschen Bevölkerung scheitern, die wohl noch niemals so stark in Erscheinung getreten ist, wie gerabe letzt bank ber litauischen Gewaltherrschaft. nächsten Woche werden die Wahlen slattftnben, über bereit Ausgang es ebenso wie bei früheren ähnlichen Gelegenheiten keinen Zweifel geben kann, vorausgesetzt allerdings, baß Kowno den Belagerungszustand nicht benutzt, um bie Furchtbare Katastrophe beim Flottenmanöver. 129 Menschen ertrunken. Tokio, 25. August. (WTD. Aunkspruch.) Bei nächtlichen Flottenmanövern ist auf der höhe von Maizuru der Kreuzer „I i n d z u" mit dem Torpcdobooks- zerstörer „warabi" zusammenge- stoßen. Letzterer sank innerhalb fünfzehn Minuten, wobei 9 0 Matrosen und 12 Offiziere ertranken. Don der Besatzung konnten nur 22 Personen gerettet werden. — Gleichzeitig stieß der Kreuzer ,.3X a k a" mit dem Torpedobootszerstörer ,,A s h i" zusammen, wobei 2 7 2R e n - scheu ums Leben kamen. Die Schiffe „Jindzu" und „Ashi" sind stark beschädigt worden. Bevöllerung von ber Ausübung ihres Wahlrechts abzuhalten. Rach ber Dilbung des Landtages wird bie Kttwnoer Regierung zu zeigen haben, ob sie ben Vertragszustanb wieder Herstellen oder an dem augenblicklichen System der Unterdrückung und Entrechtung ber Memellänber mit Hilfe bes Belagerungszustandes und einiger ins Land geschickter und mit diktatorischen Vollmachten ausgerüsteter groß- litauischer Beamten fest halten will. Die Vorbereitungen für Genf. Berlin, 24. Aug. (Priv.-Tel. des WTD.) Die deutsche Delegation für die diesjährige Tagung des Völkerbundes in Gens wird, wie bie „Voss. Ztg." berichtet, aus Reichs- außenminifter Dr. Stresemann, Staatssekretär Dr. v. S ch u b e r t, Staatssekretär Dr. Pünder als Vertreter der Reichskanzlei, und Ministerialdirektor Dr. Gaus bestehen. Die Delegation reist bereits am 30. August nach Genf, die sachverständigen Referenten folgen nach. Dr. Stresemann und Staatssekretär v. S ch u - ber t kehren Ende der Woche nach Berlin zurück, um die Vorbereitungen für Genf zu treffen. Wichtige Beratungen im Zusammenhang mit der Genfer Tagung, also vor allem über die Außenpolitik, sind, wie das Blatt schreibt, nicht in Aussicht genommen. Das ergibt sich schon daraus, daß der Reichskanzler von seinem Urlaub, den er jetzt in der Schweiz verbringt, erst am 7. September zurückzukehren gedenkt. Vizekanzler Dr. Hergt bleibt bis zum 12. September _ fern von Berlin, Reichsfinanzminister Dr. Köhler hält sich noch einige Zeit in Marienbad auf, wo er die neue Besoldungsvorlage ausarbeitet und anscheinend auch die Sachverständigen der Kcalitionsparteien empfängt, um ihre Wünsche zur Besoldungsresorm zu erfahren. Es ist trotzdem wahrscheinlich, daß die wenigen in Berlin anwesenden Mitglieder des Reichskabinetts in den nächsten Tagen zu einer Besprechung zur Erledigung laufender Angelegenheiten sich zusammensinden werden. Die Besatzungsfrage auf dem toten Punkt. London, 24. Aug. (Wolff.) Die „Time s" berichtet aus Paris: Es scheint, bah die Frage der Herabsetzung ber Desatzungstruppen im Rheinland bereits auf einem t o - ten Punkt angelangt ist. Die Aussichten für eine Regelung der Frage auf ber Dölierounds- konserenz in Genf sind auch nicht sehr hoffnungsvoll. Es besteht anscheinend bie Absicht, Driand, wenn er im September nach Genf geht, sehr genaue Anweisungen zu erteilen, so daß die Aussichten für eine Regelung ber Angelegenheit kaum besser als bei der letzten Gelegenheit sein dürften. Der Berichterstatter der „Times" in Brüssel behauptet, die belgischen Behörden stimmten mit der Ansicht der französischen Militärs überein, daß die alliierten Gesamtstreitkräs.e nicht gut unter 60 000 Mann vermindert werben könnten. Der Berichterstatter der „Daily R e w s" für auswärtige Fragen deiner!t, es sei nicht unwahrscheinlich, daß die letzte Lösung der Frage der Herabsetzung der Desatzungsiruppen zurück- gestellt werde, bis Chamberlain, Briand und Stresemann in Genf zuscrmmenkämen. linier diesen Umständen werde die Erörterung kaum auf die Frage ber Zahl und des Verhältnisses der Besahungstruppen beschränkt bleiben. Keine augerordenMche Reichslagsfttzung? Eigener Drahtbericht des Gießener Anzeigers'. Berlin, 25. Aug. Kurz vor Beginn der Sommerpause des Reichstages trat beschlossen worden, Ende September eine kurze Tagung abzuhalten, in ber namentlich der Entwurf des Reichsschulgesehes behan- bett werden sollte. Es verlautet nunmehr, daß mit Rücksicht darauf, daß bie parlamentarische Behandlung des Reichsschulgesetz cs bis dahin noch nicht endgültig vorbereitet sei, der Reichstag erst im Oktober zusmnmentreien sollte. Wir konnten an zuständiger Stelle darüber noch nichts Bestimmtes erfahren, auf jeden Fall liegt item Reichstag noch fein Beschluß vor oder auch nur irgendeine Bestimnnmg des Reichstagspra- fUtenten, nach ber der Reichstag erst im OktobsG zusammentreten sollte. Die Begründung des Rerchsschulgefetzes. Eigener Drohtbericht des „Gießener Anzeigers*. Berlin, 25.2lug. Nach langem Warten, das genug Gelegenheit gab, über das kommende ReichsschulgeseK Voraussagungen zu veranstalten, wird nunmehr die Begründung des Neichsschulgesetzes, oder wie es richtig heißt, die Begrünung zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung der Artikel 146, Abs. 2 und 149 der Reichsoerfassung veröffentlicht. Der Entwurf ist, so heißt es wörtlich, von der Absicht geleitet, das bestehende Volksschulwesen der Lander möglichst vor Erschütterungen und tiefgreifenden U m g e - staltungen zu bewahren und die entstehenden Kosten auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken. Er mußte deshalb an den in den einzelnen Ländern und Gebieten des Reichs bestehenden Zustand anknüpfen und den Versuch machen, hierauf aufbauend eine stetige Entwicklung des V o l k s f ch u l w e s e n s in der durch die Vorschriften der Reichsoerfassung gegebenen Richtung anzubahnen. Als Folge dieses Aufbaues des Entwurfs, so heißt es im Abs. 4, 1. Teil, hätte sich die Notwendigkeit ergeben, auch Anträge auf Einrichtung von Gemeinschaftsschulen vorzusehen, obwohl im Artikel 146 der Reichsverfassung davon nicht die Rede gewesen sei. Der Entwurf sucht in Anknüpfung an das bestehende Schulwesen und unter Einbeziehung der durch die Reichsoerfassung neu geschaffenen bekenntnisfreien Schule dem Zusammenprall der unüberbrückbaren weltanschaulichen Gegensätze, die im deutschen Volke vorhanden sind, dadurch seine Schroffheit zu nehmen, daß er den verschiedenen Weltanschauungen in der Volksschule ihr Sonderrecht gewährt, indem er, unbeschadet der staatlichen Schulhoheit die Möglichkeit schafft, den Willen der Erziehungsberechtigten bei der Erhaltung und Einrichtung von Gemeinschaftsschulen, Bekenntnisschulen und be- fenntnisfreien Schulen weitgehend zu berücksichtigen. Sie Entscheidung über die Genehmigung oder die Ablehnung der A n t r ä ge der Erziehungsberechtigten sei Sache der Landesbehörden. Um aber Sicherheit dafür zu bieten, daß eine Entscheidung nicht im Widerspruch mit der Reichsverfassung stehe, müsse die Möglichkeit gegeben fein, diese Rechtsfrage durch ein Organ des Reiches nachprüfen zu lassen, das nach Artikel 107 der Reichsverfassung als ein Reichsverwaltung sge- richt einzureichen sei. Der Entwurf stellt die Schule in den Dienst der deutschen Volksgemeinschaft und betont die im Ziel und in der. Gesamtausgabe unzerstörbare Einheitlichkeit des deutschen Volksschulwesens, die ein Ausdruck des nationalen Willens sei. Für die nach Bekenntnissen nicht getrennte Volksschule mit Religionsunterricht sei der Name Gemeinschaftsschule gewählt worden. Die drei Schulformen sollen, da sie alle verfassungsmäßig seien, von Reich, Ländern und Gemeinden im Rahmen der Bestimmungen des Entwurfs gefordert werden. Die Gemeinschaftsschule sei die Schulform, die grundsätzlich allen schulpflichtigen Kindern offenstehe, ohne daß der Besuch an Voraussetzungen geknüpft werde, die mit einem Bekenntnis Zusammenhängen. Im Gegensatz zur Gemeinschaftsschule soll die Bekenntnisschule nur zur Aufnahme von solchen Kindern dienen, die einem bestimmten Bekenntnis angehören. Die bekenntnisfreie Schule hat die allgemeinen Aufgaben der Volksschule ohne jede bekenntnismäßige oder weltanschauliche Bindung. Soweit die Begründung des Gesetzentwurfes. Sie vermeidet es, sich irgendwie mit Bestimmtheit auf eine besondere Fassung festzulegen. Sache des Reichstags wird es also nun sein, diese mehr andeutenden Bestimmungen in solche festerer Formen umzuwandeln, was jedoch kaum ohne größere Auseinandersetzungen vonstatten gehen dürfte. Flaggettslreit in Berlin. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 25. Aug. Seit einigen Tagen ist hier zwischen dem Berliner Magistrat einerseits und den Besitzern der großen Hotels anderseits ein Flaggen st reit entbrannt, der seinen Ausgangspunkt in der Tatsache hat, daß die großen Hotels und auch zahlreiche mittlere beim diesjährigen Verfassungstag die R e i ch s f a r b e n Schwarz-Rot-Gold nicht gehißt hatten. Der Berliner Oberbürgermeister hatte infolgedessen eine Einladung zu einem Bankett anläßlich der Funkausstellung in einem großen Hotel mit dem Begründen abgelebnt, daß laut Magistratsbeschluß in Zukunft alle diejenigen Hotels zu meiden seien, die am Der- fasstmgstage die Reichsflagge nicht gezeigt hätte. Jetzt ist nun auch eine Einladung für ein Bankett für den Neuyorker Oberbürgermeister Walker aus den gleichen Gründen a b - gelehnt worden. Es verlautet übrigens auch, daß von feiten des Auswärtigen Amtes gegen die Hotels Schritte in denselben Angelegenheit unternommen worden seien. Dazu können wir melden, daß das Auswärtige Amt offiziell bei den einzelnen Hotels keine Aktion in der angeführten Richtung unternommen hat. Es find allerdings unverbindliche Besprechungen erfolgt, in denen darauf aufmerksam gemacht worden ist, daß es internattonal einen nicht erwünschten Eindruck gemacht habe, daß die Hotels am Derfassungstage nicht die deutsche Reichsflagge gehißt hätten. Die Berliner Hoteliers haben nun gestern lange und eingehende Besprechungen miteinander geführt, in denen sie zu der Haltung der Behörden Stellung genommen haben. Es nahmen an diesen Besprechungen die Vertreter der größten Berliner Hotel- imternehmen, sowie der mttteleren Hotels teil. Die Beratungen dauerten den ganzen Dormi.ag über an und waren erst in den Nachmittagsstunden beendet. In den Besprechungen kam allgemein zum Ausdruck, daß die Berliner Hotels immer Wert darauf geleat hätten, außerhalb jeder Politik und fo auch außerhalb der politischen Flagge nf rage zu bleiben. Aus diesem Grunde hätten ie auch bei verschiedenen Gelegenheiten nicht die chwarz-rot-goldene Reichsflagge, s/.dern lediglich üe preußisches) la gge und die Hotelflagge gezeigt. Als auch diese Art der Flaggung bei einem Teil der Bevölkerung Widerspruch hervorrief, war man zu der Ansicht gekommen, daß es besser sei, in Zukunft überhaupt keine Flagge zu zeigen. Die Hotelbesitzer sind der Auffassung, daß die schwarz-rot-goldene Flagge zwar die offizielle Reichsflagge, daß sie aber gleichzeitig das Streitobjekt unter den politischen Parteien sei. Aus diesem Grunde sind die Hoteliers Ijeute übereingetommen, auch in Zukunft nicht die schwarz-rot-goldenen Farben zu zeigen, um auch weiterhin niemandem Anlaß zu politischen Auseinandersetzungen zu geben. Die Berliner Hotels, ht denen gegenwärtig die prominenten Amerikaner wohnen, werden diesen zu Ehren das Flaggenbanner, jedoch nicht die deutsche Reichsflagge zeigen. Das gleiche wird auch anläßlich des Banketts für den Neuyorker Oberbürgermeister Walker im Hotel „Kaiseryof" der Fall (ein. Im übrigen wird sich der Verein „Berliner Hotel" gegen Ende nächsten Monats in einer Versammlung mit der Flaggenfrage offiziell beschäftigen. Sie wollen mit ihrer Haltung aber auch gleichzeitig einen Gegendruck auf den Berliner Oberbürgermeister und den Magistrat ausüben. Der Berliner Magistrat will sich keineswegs mit der Stellungnahme der Hoteliers zufrieden geben. Preußische parlamentarische Kreise wollen übrigens wissen, daß sich auch die preußische Regierung den vom Berliner Magistrat eingenommenen Standpunkt zu eigen machen will. Der Arbeitsausschuß der Vereinigung Republikanische Presse hat einstimmig einen Beschluß gefaßt, in dem es heißt: „Die Vereinigung Republikanische Presse begrüßt den Beschluß des Berliner Magistrats, in Zukunft diejenigen Berliner Hotels zu meiden, die am Verfaffungs- tage nicht in den Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold geflaggt haben, und ebenso die Schritte, die das Auswärtige Amt in derselben Angelegenheit unternommen hat. Die Vereinigung Republikanische Presse empfiehlt ihren sämtlichen Mitgliedern, an De r - anstaltungen in denjenigen Berliner Hotels, die am Verfassungstage nicht in den Reichsfarben flaggen, nicht teilzunehmen. Wie die „Voss. Ztg." aus amerikanischen Kreisen erfahren haben will, soll Botschafter S h u r m a n beabsichtigen, dem Oberbürgermeister von N e u y o r k, Walker, für die Dauer seines Berliner Aufenthalts Wohnung in der amerikanischen Botschaft anzubieten. Anmaßende MmderheiLenvertreter. Genf, 25. Qlug. (CBCB.) Der dritte europäische Rationalitätenkvngreß be- endete gestern abend seine CBeratungen mit der Annahme einer Anzahl Resolutionen betreffend die Staatensvuveränität und die Minderheitsrechte, die inner- und zwischenstaatliche Zusammenarbeit der Aationalitäten, die Gefährdung des europäischen Friedens durch die nationale Unduldsamkeit, sowie betreffend die Rcttio- nalitätenkunde. In einer besonderen Resolution wird an den Völkerbund appelliert, unverzüglich an die ernsthafte Behandlung des Minderheitenproblems heranzutreten. In der letzten Kongressihung kam es zu einem lebhaften Zwischenfall, in dem einer der Führer der polnischen Minderheit in Deutschland namens dieser Gruppe, sowie der übrigen nationalen Minderheiten Deutschlands erklärte, daß sich die Vertreter dieser Gruppen vorläufig vom Kongreß zurück- zögen. Der Delegierte protestierte dagegen, daß der Kongreß auch in diesem Jahr die Friesen in Deutschland nicht zugelassen habe. Ferner behauptete er, daß auf dem Kongreß einseitige machtpolitische Tendenzen zur Geltung gelangt seien. Der Vertreter der dänischen Minderheit in Deutschland schloß sich dieser Erklärung an, worauf diese Gruppen zusammen mit den Vertretern der slawischen Minderheiten anderer Länder den Saal verließen. Der Präsident des Kongresses bedauerte dats Vorgehen dieser Gruppen und erklärte, daß der Minderheitenkongreß für einseitige machtpolitische Bestrebungen keinesfalls mißbraucht werden solle. Er hoffe, daß es gelingen werde, später die aufgetauchten Schwierigkeiten zu überwinden. Der Kongreß beschloß, ein erweitertes Komitee einzusetzen, welches für die nächstjährige Zusammenkunft einen Statutenentwurf des Verbandes der Minderheiten auszuarbeiten hätte, der auch die Grundsätze für die Aufnahme neuer Gruppen regeln soll. Internationale Pressekonferenz in Genf. Genf, 24. Aug. (Wolff.) Im Reformationssaal, der bisher mit einer einzigen Ausnahme, derjenigen der Weltwirtschaftskonferenz, den Völkerbundsversammlungen vorbehalten blieb, ist heute vormittag 11.30 Uhr die vom Völkerbundsrat einberufene Internationale Pressekonferenz unter dem Vorsitz des englischen Zeitungsoerlegers Lord B u r n I) a m , zusammengetreten. Die Konferenz ist nach verschiedenen Gesichtspunkten zusammengesetzt. Entsprechend der Struktur der oor- angegangenen drei vorbereitenden Konferenzen sind die Telegraphen-Agenturen, die Berufsjournalisten, die Presseressorts der Regierungen und, ohne besondere Vorkonferenz, und deshalb in großer Anzahl, die Zeitungsverleger vertreten. Die Zusammensetzung innerhalb der Konferenz, die gegen 130 Mitglieder zählt, erfolgt nach Ländern, und zwar sind 40 Staaten vertreten. Die deutsche Delegation setzt sich zusammen aus Dr. Montier, Direktor des Wolff-Bureaus, Mejer, Direktor der Telegra- phen-Union, Chefredakteur Gefell, Telegraphen- Union, Alfringhaus, Direktor des sozialdemokratischen Pressedienstes, Dr. Earbe, Generalvertreter des Zeitungsverlags Rudolf Moste, Professor Wolff, Chefredakteur der „Dresdener Neuesten Nachrichten", v. Bötticher, Generalsekretär des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, o. Herwarth, Vertreter des Verlags Georg Stifte, Ministerialdirektor Zechlin, Chef der Presseabteilung der Reichsregierung, Ministerialrat Daentzschel, Reichsministerium des Innern, und als Vertreter der internationalen 3oumaliften= Organisationen, Chefredakteur Georg Bernhard und Chefredakteur Dr. Stern-Rubarth vom Wolff- Bureau. Die Eröffnungsansprache von Lorb Burnham unterstrich die Bedeutung der Konferenz als der ersten derartigen Veranstaltung des Völkerbundes und als eine außerordentliche Gelegenheit, die für das Gebiet der Presse wichtige Probleme der Tagesordnung, wie Erleichterungen für den berufstätigen Journalisten, Schuh der Preflenachrichten usw. mit den allgemeinen verständigungswürdigen Aufgaben des Völkerbundes in Einklang zu bringen. Die Konferenz beschäftigte sich heute nachmittag in einer grundsätzlichen Aussprache mit den Fragen der vorzugsweisen Beförderung von Pressetelegrammen und der Ermäßigung der Telegramm- Tarife. Sie nahm Resolutionen an, die eine solche Priorität für gewöhnliche und dringende Pressetelcgramme und verschiedene näher begrün* dete Tarifermäßigungen für iniernalionalePresse- telegramme und Kabelnachrichten fordert. Ein Geschäftsordnung sausschuh von 14 Mitgliedern, in dem die vier Gruppen der Zei- tungSverleger, der Rachrichienagenturen, der berufstätigen Journalisten und der amtlichen Presse- abtcilungen verireten sind, übernahm die Organisation dcr Arbei.en der Konferenz. Deutscherseits gehören dem Ausschuß Dr. C a r b e und Georg Bernhard an. T .5 Wettrüsten zur See. V a 11 e j o (Kalifornien), 24. Aug. (WB.) Der Marinesekretär Wilbur hielt heute bei der Marinewerftkonferenz eine Rede, in der er erklärte, er beabsichtige, vom Kongreß in der nächsten Session eine lOOprozentige Vermehrung des Bauprogramms für die Marine zu verlangen, das gegenwärtig den Bau von 18 Kreuzern mit einer Tonnage von 10 000 Tonnen und mehreren kleineren Einheiten vorfieht. Das Scheitern der Marinetonferenz in Genf müßte zu dem Ergebnis führen, daß die amerikanische Marine verstärkt wird. Keine allgemeine Amnestie. Berlin, 24. Aug. (Priv.-Tel. des CBTB.) CBie die „B. Z." aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist in Preußen ebenso wie im Reiche zum Geburtstag des Reichspräsidenten v. Hindenburg keine Amnestie zu erwarten. Die preußische Regierung wird mit der Reichsregierung in dieser Frage konform gehen, und diese hat ihrerseits beschlossen, keine Amnestie zu erlassen, sondern ledigllch eine Reihe von Einzelbegnadigungen auszusprechen. Der Stellungnahme Preußens werden sich voraussichtlich auch die Regierungen sämtlicher anderer deutschen Länder anschließen. Dagegen wird in Preußen zum Geburtstag des Reichspräsidenten eine Reihe von Einzelbegnadigungen ausgesprochen werden. CBie hoch sich die Zahl beläuft, steht noch nicht fest. Immerhin ist mit einer erheb lichen Anzahl zu rechnen, da das preußische Staatsministerium für die Begnadigung aller Personen zuständig ist, die vor preußischen Gerichten abgeurteilt worden sind. Bei den Gnadencckten, die der Justizminister dem Staatsministerium Vorschlägen wird, handelt es sich nicht lediglich um politische Straftaten. Für die Begnadigung kommt auch eine Reih'e von Fällen in Betracht, in denen die Tat in schwerer sozialer und wirtschaftlicher Rollage begangen ist. Frredensschlust in der NhemschiMhrt. Mannheim, 24. Aug. (CBTB.) CBie der Deutsche Derkehrsbund mitteilt, haben heute mittag sowohl das Deckpersonal als auch die Maschinisten und Heizer auf den Rheinschiffen die Arbeit wiederaufgenommen, so daß der Str e i k auf dem Oberrhein als beendet anzusehen ist. Das Kolonialmandatsystem. Paris, 24. Aug. (WB.) Der Unterausschuß der Interparlamentarischen Friedens- Union, der mit dem Studium der Kolonial* fragen beauftragt ist, hat heute unter dem Vorsitz des früheren holländischen Ministerpräsidenten Heemskerck eine Sitzung abgehalten. Nach sehr angeregter Aussprache, in der sich besonders der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Dr. S cy n e e, und der französische radikale Senator Roustan beteiligten, wurde ein Resolutionsentwurf angenommen, der der Vollversammlung unterbreitet werden soll. Dieser Entwurf bezweckt, dem Kolonialmandatsystem seinen Charakter des K u r a t e l s , ausgeübt unter Ueberwachung des Völkerbundes, zu wahren. Das schwierige Reparationsproblem. Williamstown, 24. August. (WTB^) In feinem letzten Vortrag im Institut für Politik Kberte Dr. Reinhold, wie durch die Ab- ing wichtiger Rohstoffgebiete und durch die Beschlagnahme deutscher Schiffe und deutschen Vermögens die deutsche Zahlungsbilanz passiv geworden sei. Es bestehe wenig Hoffnung auf eine Aenderung, so daß der Transfer der Reparativ szahlungen in Zukunft große Schwierigkeiten bereiten werde. Neue Vereinbarungen im Sinne einer größeren Elastizität des Dawesplanes seien deshalb in absehbarer Zeit nötig. Im Anschluß daran sprach Dr. Reinhold über den Seift und Z u - kunftswillen des neuen Deutschlands. Er erklärte, die neue Staatsform sei durch die Präsidentschaft von Hindenburg außerordentlich gestärkt worden, und schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung auf einen langsamen Wiederaufstieg Deutschlands. Rückkehr ValdwinsnachLondon London, 24. Aug. (CBTB.) Baldwin ist heute nachmittag von seiner kanadischen Reise nach London zurückgekehrt. Er gab keine andere Erklärung ab, als daß er prächtig empfangen worden sei. doolibge und die Präfidentschastswahlen. Paris, 25. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Neu- york Herold" berichtet, der frühere Privatsekretär des Präsidenten Coolidge hat gestern bei seiner Ankunft in Paris erklärt, CG o l i d g e werde seine Kandidatur zur Präsidentschaft aufstellen lassen, wenn die Republikanische Partei ihm dies a n b i e t e. Die jüngste anders lautende Erklärung des Präsidenten erläutert der ehemalige Privatsekretär dahin, daß Coolidge diesen Verzicht damals ernst gemeint habe, um zunächst die Möglichkeit zu bieten, daß andere ihre Kandidatur aufstellen lassen, wenn sie dies für opportun halten. Verstärkte Beschießung Nankings. London, 25. Aug. „Daily Mail" berichtet aus Schanghai: Bezeichnend ist, daß Truppen und Beamte Ranking verlassen und sich nach Schanghai begeben. Die Beschießung R a n k i n g s durch die R o r d t r u p p e n erfuhr gestern eine Verschärfung. Laut „Daily Telegraph" ist der Zeitpunkt der Abbeförderung der britischen Fliegertruppe aus China noch nicht festgesetzt. Man hofft jedoch, daß sie sobald wie möglich stattfinden werde. Aus aller Welt. Schweres Eisenbahnunglück in England. Ein Personenzug der Südbahn ist bei Seven- oaks in Kent e n t g l e i ft. Sämtliche Personenwagen bis auf drei stürzten um. Während der ganzen Nacht waren Bergungscommandos damit beschäftigt, die Eisenbahnlinie frei zu machen. Die Zahl der Toten beläuft sich bis jetzt auf 15. Vas Weiter auf dem Atlantik. Reuter meldet aus Reuhork: Die CBetter* störungen, die von den Bahamas gemeldet werden, sind jetzt von großer Heftigkett und von Sturmwinden begleitet. Das Wetterburoau in CBashington warnt vor den gefährlichen CBinden, die auf der Höhe der Küste bei Hatieras herrschen. Schwerer Sturm in Südwales. Das Rhymneytal in Südwales mit einer Bevölkerung von 120 000 Menschen war gfrftern ganz in Dunkelheit gehüllt infolge eines schweren Sturmes, der stundenlang anhielt und die Zuleitungen für das elektrische Licht unterbrach. Zahlreiche Be- zirke sind überflutet. Zwei Häuser wurden vom Blitz getroffen. Telegraphenstangen wurden um* gerissen. vorerst fein Start Könneckes. Der Flieger Könnecke erklärte gestern abend, daß infolge der schlechten Wetternachrichten voraussichtlich für die nächsten Tage mit einem Start zum Ozeanflug nicht zu rechnen sei. Durchschwimmung des Frischen Haffs. CBie die Königsberger „Hartungsche Zeitung" meldet, ist es gestern der 23jährigen Anni CB e y - n e l l aus T a p i a u, bekannt durch die ilm- schwimmung Helgolands, gelungen, das Frische Hass zu durchschwimmen. Sie startete 7.52 Uhr in Pillau und bestieg zwischen Patersort und Brandenburg in Höhe des Brandenburger Hafens um 17.30 Uhr wieder das Land. Die Schwimmzeit betrug demnach 9 Stunden und 21 Minuten. Das Frische Haff ist an dieser breitesten Stelle von 20 Kilometern zum erstenmal durchschwommen worden. 26 000 Mark unterschlagen. Mit 26 000 Mark ist der Kassierer der Kreis* und Stadtbankkasse in Marienwerder, Friedrich Blum, flüchtig geworden. Blum hat seinen Posten vier Jahre inne, obwohl er erst 23 Jahre alt ist. Aus offener Straße die kehle durchschnitten. Gestern früh durchschnitt in der Friedrichstraße in Berlin ein Mann nach heftigem Wortwechsel auf offener Straße seiner früheren Braut, wahrscyeinlich aus Eifersucht, mit einem Rasiermesser den Hals, so daß sie tot zusammenbrach. Polizeibeamte nahmen die Verfolgung des Täters auf. Doch bevor sie ihn erreichen konnten, durchschnitt er sich ebenfalls den Hals. Beide Personen wurden in die Universitätsklinik eingeliefert. Der Täter liegt in bedenklichem Zustande darnieder. Schwerer Zusammenstoß zwischen Lastwagen und Eisenbahn. Auf der Warschau—Brester Eisenbahn kam es gestern zu einem schweren Unglücksfall. Bei der Ueberfahrt zwischen Radzyn und Miedzhrzek wartete ein Lastwagen, in dem 12 Personen saßen, auf die Vorüberfahrt eines Güterzuges. Als dieser vorübergefahren war, suchte der Lastwagen das Dahngleis zu überqueren. Hierbei wurde er jedoch von dein aus entgegengesetzter Richtung kommenden Warschau—Brester Personenzug erfaßt. Drei Personen wurden getötet, sechs schwer und die übrigen leichter verletzt. Die Wetterlage. o 41 41 Oslo JTlitlrvoch,d.2lf fiug. /9Z> 7h abends MS v*W 15 3 fl? O nor.fc °/\ Vaica-sund VP Marsch. J Q WM T' 1 O u-O* O JUMCM 1V Owolkenlos.® neuer, onaio oeoerxt. ® woikiq. ®Deoecku •Reflex # Schnee cs Graupein e Neoei K Gewitter.©Windstille. »CS seh» leichter Ost massiger Südsüdwest q stürmischer «ordwest Die Pfeile fliegen mit dem winde Die oeioen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien veromden Orte mit gleichen* auf rteeresnnteau umgerechneten Luftdrucn Wettervoraussage. In Deutschland hat sich heute morgen eine Regenfront heraufgeoildet, die beim Zusammen- treflen von südwestlichen mit nordöstlichen Luftmassen entstanden ist. Sie verläuft von Borkum in südöstlicher Richtung über Hannover, Dresden, Breslau. Von Westen her breitet sich ein Hochdruckgebiet nach dem europäischen Kontinent aus. Der Luftdruck nimmt auch bei uns weiter zu. Die an der Vorderseite des Tiefs vordringenden kühlen Luftmassen lassen es in der kommenden Rächt vielfach zu Rebelbildung kommen. Morgen nimmt unter dem Einfluß hohen Druckes die Bewölkung ab. Gleichzeitig steigen die Temperaturen infolge Sonnenstrahlung etwas an. Wettervoraussage: Stellenweise Frühnebel, dann wolkig mit Aufheiterung, tagsüber etwas wärmer und trocken. Witterungsaussichten für Samstag: Noch vielfach aufheiternd und meist trocken. Lufttemperaturen: 24. August vormittags 18.3 Grad Celsius. 24. August nachmittags 15.7 Grad Celsius. 25. August vormittags 13,6 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: 24. August 18.3 Grad Celsius. 25. August 14.3 Grad Celsius. Gestr.^e Tagestemperaluren: Maximum 18.8 Grad Celsius, Minimum 11,8 Grad Celsius. — Riederschläge: 4,5 Millimeter. Aus der Provinzialhauptftadt. Gießen, den 25. August 1927. Schmiergeld und Bestechung. Wenn man Schmiergelder und Destechungs- gelder als zwei verschiedene Begriffe gegenüber» stellt, so denkt man bei diesen an das Beamtentum, bei jenen an das kaufmännische Leben. Sollen beide wirksam unterdrückt werden, dann bedarf es dazu eines gesetzlichen Schutzes, denn stets wird es Naturen geben, die leicht auf Abwege geraten, die aber die Furcht vor Strafe davor zurückschrecken läßt. Gegen die Deamtenbestechung richten sich eine Reihe dttn Vorschriften unseres Strafgesetzbuches. Dem Beamten ist jede Annahme von Geschenken oder anderer Vorteile, wie sie z. B. n der Gewährung eines Darlehns gefunden wer- . en könnten, bei Strafe verboten. Ebensowenig ' arf der Beamte Geschenke fordern oder sich versprechen lassen. Es ist dabei gar nicht nötig, : aß von dem Beamten eine Handlung verlangt rc, mit der er seine Dienstpflichten verletzt. Schlägt die Handlung überhaupt nur in den - » reis seiner Dienstpflichten, dann macht er sich 1 ,on durch die Geschenkannahme, ihr Fordern er sich versprechen lassen strafbar. Der Geber des Geschenks bleibt dabei straflos. Strenger, nämlich mit Zuchthaus, wird der Beamte bestraft, der für das Geschenk sich gar zu einer Verletzung einer Amts» oder Dienstpflicht hat hinreißen lassen, also eine Pflicht- Widrigkeit begangen hat. Wird ein Beamter bestochen, so spricht man von einer passiven Beamt endest echung, derjenige, der den Beamten bestochen hat, macht sich der aktiven (Beamten- bestechung schuldig. Wie eben gesagt wurde, ist die aktive Deamtenbestechung nicht strafbar, wenn sie nicht eine Dienstpflichtenverletzung zum Ziele hatte. Wenn das erreicht werden sollte, wenn also der Beamte zu einer Pflichtwidrigkeit verleitet wurde, wird sie mit Gefängnis bestraft. 3n ähnlicher Weise wie die oben genannte akitve und passive Deamtenbestechung wird auch die Destechung eines kaufmännischen und gewerblichen Angestellten oder Beauftragten bestraft. Gegen das darin liegende Schmiergelderunwesen wendet sich das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Der Zweck des „Schmiergeldes" ist es einmal dabä, von dem Angestellten über die Konkurrenzfirma Mitteilungen irgendwelcher Art zu erhalten, so daß dadurch die Konkurrenzfähigkeit ihr gegenüber gehoben wird oder aber beim Angebot von Waren oder gewerblicher Leistung an eine Firma von dieser bevorzugte Berücksichtigung zu „erkaufen". Gerade dieses „Erkaufen" von Bevorzugung verbietet das Gesetz, wenn es sagt, daß derjenige mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe bestraft wird, der im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs dem Angestellten oder Beauftragten eines geschäftlichen Betriebes Geschenke oder andere Vorteile an» bietet, verspricht oder gewährt, um durch unlauteres Verhalten des Angestellten oder Beauftragten bei dem Bezüge von Waren oder gewerblichen Leistungen eine Bevorzugung für sich oder einen Dritten zu erlangen. Sowohl den Angestellten wie auch denjenigen, der das Schmiergeld gibt, trifft die gleiche Strafe. Der Begriff des „Angestellten" oder „'Beauftragten" ist dabei in weitem Sinne zu verstehen, es gehören dazu einmal alle diejenigen Personen, Die ohne auf Grund eines Dienstvertrages zur Tätigkeit verpflichtet zu fein, doch im Interesse ihres Auftraggebers arbeiten, z. D. Agenten und Vertreter auf Provision Keine Angestellten eines geschäftlichen Betriebes im genannten Sinne sind jedoch Arbeiter, Pförtner u. a. Soll die Hingabe eines Geschenks und feine Annahme strafbar sein, dann muh sie „zu Zwecken des Wettbewerbs" geschehen. Der Täter muh sich also im Konkurrenzkampf mit anderen befinden. Ein „unlauterer Wettbewerb" liegt dabei vor, wenn der Täter diesen Kampf in einer Weise führt, die man als wider Treu und Glauben und die geschäftlich? Wohlanständigkeit und Redlichkeit verstohend bezeichnen mühte und zwar mit dem Ziel, den Geschäftsbetrieb der andern durch Absahschmälerung, Fortlocken von Kunden u. a. zu beeinträchtigen und gerade dadurch sich Vorteile zuzuwenden Was gilt nun als Bestechung, als Schmiergeld? Alles das, was in der Absicht gegeben ist, den Angestellten zu bevorzugter Handlung .des Gebers zu bestimmen. Richt dazu gehören also sogenannte Höflichkeitsgeschenke, auch nicht Gelegenheitsgeschenke, wie solche zu Weihnachten oder zum Geburtstag, desgleichen Trinkgelder. Dor allem ist natürlich die Zigarre, die man jemand aus Höflichkeit oder Erkenntlichkeit anbietet, keine Bestechung. Dagegen ist es für die Strafbarkeit gleichgültig, ob das Geschenk dem Angestellten selbst übergeben wird. Auch eine indirekte Zuwendung, z. B. an die Ehefrau, ist verboten. Protest zum Fall Hüter. Wie uns mitgeteilt wird, hat die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei durch Schreiben vom 13. ds. Mts. beim Provinzialdirektor und beim Oberbürgermeister gegen die Verfassungsrede des Oberstudienrats Prof.' Hüter Einspruch erhoben. 3n dem Schreiben wird zum Ausdruck gebracht, dah die D. V. P. in den Ausführungen des Redners den Versuch sieht, eine überparteiliche Volksseier auf das Riveau einer sozialistischen Funktionärversammlung herabzudrücken. Die D. V. P. begrüßt die Haltung des biefigen R eichs wehr komm an- deurs, der die Taktlosigkeiten des Redners gebührend gekennzeichnet habe. Wie uns ferner mitgeteilt wird, ist dieses Schreiben in Abschrift dem Herrn Innenminister und dem Herrn Staatspräsidenten zugeleitet. ..Preise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190 bis 200, Matte 30 bis 35, Käse (10 St.) 60 bis 130, Wirsing 12 bis 20, Weihkraut 10 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 25 bis 30, Römisch- kohl 15, Dohnen, grüne 15 bis 20, gelbe 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 12, Erbsen 30, Tomaten 35 bis 45, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 100, Pilze 30 bjs 40, Kartoffeln 6. Frühäpfel 12 bis 30, Falläpfel 6, Dirnen 15 bis 25, Johannisbeeren 40, (Brombeeren 60. Himbeeren 60, Preiselbeeren 65, Zwetschen 20 bis 30, Mirabellen 30 bis 35, Reineclauden 25 bis 30, Honig 50, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 130, Salat 10, Salatgurken 10 bis 40, Cinmach- gurfen 3 bis 5, Endivien 25 bis 30, Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 10 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Donners- tag. Palast-Lichtspiele: „Hotel Stadt Lemberg". — Astoria-Lichtspiele: „Ern roter Gentleman". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der Dienstag, 30. August, bringt eine sehr beachtenswerte Erstaufführung und zwar „Mädel von heute", Luftspiel von Gustav Davis. Das Werk ist bereits an einer Reihe von Bühnen mit dem größten Erfolg gegeben worden. Das Lustspiel zeigt in ergötzlicher Weise, wie ein „Mädel von heute" sich seinen zukünftigen Mann erobert. Es ist beabsichtigt, die Vorstellung, die in Bad-Rauheim äußerst gut gefallen hat, auch in der Winterspielzeit durch das Abonnement geben zu lassen, doch wird denjenigen Theaterbesuchern, die im Winter nicht abonniert sind, oder die zu den früheren Sonntags-Abonnenten gehören, dringend nabegelegt, sich das entzücknrde Lustspiel schon jetzt anzusehen. Da die Aufführung bereits um 10,15 Ähr beendet ist, haben auswärtige Besucher noch bequeme Möglichkeit zur Heimfahrt. * '* Personalien In den Ruhestand verseht wurde auf sein Rachsuchen am 18. August der ordentliche Professor an der Theologischen Fakultät der Landesuniversität Gießen Geheimer Kirchenrat I). Dr. Gustav Krüger zu Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 an. — Ernannt wurde am 18. August der Privatdozent Lic. Heinrich Bornkamm zu Tübingen zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte in der Theologischen Fakultät der Landesuniver- fität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 an ** Falsche Reichsbanknoten über 20 und 10 Reichsmark. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: In letzter Zeit sind in den Städten Krefeld, Essen, Bochum, Duisburg und Umgegenb eine größere Anzahl salsche Reichsbanknoten über 20 Reichsmark und einzelne über 10 Reichsmark mit dem Ausgabedatum vom 11. Oktober 1924 in Verkehr gebracht worden. Die Pflanzenfasern bei 20 Reichsmark fehlen und sind zuweilen durch einige eingezeichnete rötliche Striche ersetzt. Wasserzeichen fehlt. Für die Aufdeckung und Festnahme der Munzverbrecher ist vom Reichsbankdirektorium eine Belohnung von 3000 Mark zugesichert. ** Annahmestellen für dieHinden- burg-Spende. Einzahlungen für die Hinden- burg-Spende werden bei allen hiesigen Bankinstituten entgegengenommen ** Einziehung von Steuerrückstän- den durch Po st nachnahm e. Vom Finanz-- amt wird uns geschrieben: Rach einem Erlaß des Reichsministers der Finanzen tritt mit Wirkung vom 1. August d. I. zwecks Entlastung der Dollstreckungsstellen der Finanzämter (nicht Zollämter) eine Reuerung insofern ein, als Steuer- rückstände durch Postnachnahme eingezogen werden können Hat der Pflichtige nicht innerhalb einer Woche nach Fälligkeit gezahlt, dann fertigt die Kasse eine Postnachnahmekarte nebst der dazu gehörigen Zahlkarte aus. Löst der Steuerpflichtige den Rachnahmebetrag nicht ein, so ist sofort das Beitreibungsverfahren einzuleiten. Von diesem Verfahren ist nicht nur bezüglich der Reichsabgaben Gebrauch zu machen, sondern es findet auch Anwendung auf die Rückstände an Landessteuern, Kirchensteuern, Drandversiche- rungsbeiträgen usw. Rach den Bestimmungen der Postordnung ist dieses Verfahren nur zulässig bei Beträgen bis zu 1000 Mk. einschließlich. ” Militärkonzert. Unter Leitung von Dbermufilmeifter Cöber fand vorgestern abend auf der „Liebigshöhe" das zweite und letzte Sonder» konzert unserer Reichswehrkapelle statt. Diese Veranstaltung, die wieder einen außerordentlich guten Besuch aufwies, bildete gleichzeitig das Abschiedskonzert vor dem Auszug ins Manöver. Das Programm dieses letzten Sommer-Konzertabends war in ausgezeichneter Weise zusammengestellt und bot reiche Abwechslung. Die vorzüglichen Darbietungen der Kapelle lösten stürmischen Beifall aus, so daß das Programm durch viele Einlagen eine erhebliche Erweiterung erfuhr. Der gestrige Musikabend war im ganzen wieder ein vortrefflicher Beweis für die guten Beziehungen, die zwischen der Bürgerschaft und dec Reichswehrkapelle bestehen, und für das rege Interesse, das das Publikum den Sommerabendkonzerten entgegenbringt. So werden wohl beide Teile mit Befriedigung auf die diesjährigen Veranstaltungen zuruckblicken können. Aus der reichhaltigen Vortragsfolge des gestrigen Konzertes seien besonders hervorgehoben: die Ouvcrtü.e zur Oper „Oberon", die Große Fantasie aus „Carmen", die Große Fantasie aus „Tannhäuser", das Streich- quintett „Adagio" von W. Löber und „Menuett" von Boccherini, sowie die Melodien aus der Oper „Faust". ** Konzerte in den Kliniken. Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Musikabtcilung des Wandervogels „Höhenflug" in fast sämtlichen hiesigen Kliniken in der Zeit von 9.30 bis 12.30 Uhr nicht weniger als acht Musikunterhaltungen. Die ansprechenden Leistungen der jungen Schar wurden von den Patienten sehr beifällig und dankbar auf-, genommen und nach jedesmaligem Scheiden wurde der lebhafte Wunsch nach einer baldigen Wieder- holung laut. *• Schamlose Burschen. Gestern nachmittag wurde im Philosophenwald wieder eine junge Frau, bte mit ihrem kleinen Kinde dort ahnungslos spazieren ging, von zwei jungen Burschen in der schamlosesten Weise belästigt. Da sich sonst niemand in der Rähe befand, gelang es leider nicht, die beiden üblen Patrone festzu tehmen und unschädlich zu machen: es ist dringend zu wünschen, daß derartigen gemeingefährlichen Elementen möglichst schnell und er.ee- gisch das Handwerk gelegt wird. * Verein Rudersport Gießen. Am nächsten Sonntag ‘ findet, wie bereits berichtet, auf der Lahn die diesjährige Herbstregatc, statt. Die Preise sind im Schaufenster der $irma C. F. Reuter, Seltersweg, ausgestellt. Räheres in der heutigen Anzeige. ** Reue Wegmarkierung im Vogelsberg. Der Herchenhainer Zweigverein ; V. H. C nahm eine neue Wegmarkierur z ■ .m Herchenhain nach Hochwaldhausen vor. Außerdem plant der Verein für den kommenden Winter eine rege Propagandatätigkeit für den Wintersport zu entfalten. U. a. werden an der Herchenhainer Höhe die Abfahrten für den Skisport verbessert und Llebungssprunghügel gebaut, während die Hauptsprunghügel am Abhänge des Emst- berges bei Sichenhausen angelegt werden. ** Auftrieb auf dem heutigen Frank- furter Schlachtviehmarkt: Kälber 796; Schafe 398; Schweine 501. das altbewährte EiaujeichmiHe!! Mischer MO für chnsilich-evang. Erziehung in HM und Schule Gießen Sonntag, 28. August, nachmittags 3’ llhr: Gonmrevßeft im großen Saale der Mebigshöhe (nicht Waldbühne), unter Mitwirkung von Mitgliedern der Gießener Waldbühne und weiterer geschätzter Kräfte. Gäste willkommen. 77300 Der Vorstand. Frauen, Braute, Töchter! Aut 5. und 6. «citcmbcr, Anfang 2 und 8 Ubr nachmittags, ueramtalte ich ’n wi eßen, im Hotel „Prinz (tarl", einen zweilagigen TageS- und Abendkursus in Mchdvkm Anstan-slehre rischs.itcn,Sffen, An, ichten, Servier., Dekorieren, gesellsch.Llmgangsform. -.'Diioiav i Mk. Anmeldung nicht erforderlich. Es wird praktisch m ne e <:cn Tischen un errichtet. lieber 10000 Damen aller rtnitöe bauen b’vher an meinen Kursen teilgenommen und n ben 13c beite Einvtehlunaen — Damen, die als Haustochter "w. neben mollen, 11t der Kursus besonders zu empfehlen. Frau Gertrud Schaefer, ■1 •'■' cbxctin. Verfasserin des Buches »Modernes Tischdecken und vornehme Gastlichkeit". 77051) Men denen, die anläßlich meines 25jährigen ; Oienstjubiläums meiner gedachten, sage ich herzlichen Dank Heinrich Matheis Gießen (ÄahnhlMaße 26), den 22. August 1927 Neu eröffnet! Mühlstrafee 33 Kur-Inhalatorium nach neuestem Verfahren gegen Asthma, Bronchial- und Herzleiden. Erstes Gießener Institut für Paraffin - Behandlung gegen Fettleibigkeit, Rheuma und Gicht. Unter ärzlicher Aufsicht. L. Bez, ärztlich geprüfte Leiterin Kränze Schleier Seide Handschuhe Wäsche ”“a Modehaus Salomon ÄOiWKgr Einmach- und Galaigurken sowie alle Sorten Obst eingetroffen. Verkauf Freitag im Laden. Firau Svosth 06156 Selteroweg 3. 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Die Vertreter der beiden Großmächte hatten bereits bis spät in die Dacht ver- handelt, ohne sich zu einigen: Bismarck, der sich unzugänglich zeigte, teilte endlich mit, daß er müde sei und sich zurückzuziehen wünsche. Pouyer-Quertter bestand indessen darauf, noch eine Flasche Wein zu triicken, unt> Bismarck gab schliehlich nach. Bevor diese Nasche ausgetrunken war, war Belfort Frankreich wieder zurückaeaeben worden. (? D. Red.) Seit beinahe drei Jahrhunderten werden hinter verschlossenen Türen bei Empfängen und Gelagen, die mit den Interessen und mit der Wohlfahrt der daran beteiligten Völker doch wirklich nichts zu tun haben, ganze Dattonen verschachert. Die Geheimdiplomatte und die Methode, über lebens« wichttge Interessen der Dationen hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, bildeten eine der Hauptursachen für den Ausbruch des Weltkrieges. Die Geschichte der Diplomatte etwa von der Marokko-Affäre bis zum August 1914 ist in der Tat nichts anderes, als die Geschichte vom Beginne des Weltkrieges. Die Völker, auf die eine so große Last fiel, wußten wenig oder gar nichts von dem, was beschlossen war, sie kannten die Verpflichtungen nicht, die man auf ihre Schultern gelegt hatte, sie ahnten nichts von den Beziehungen, deren Fäden im geheimen gesponnen waren. So wurde die Welt an den Rand eines Abgrundes gebracht, ohne daß irgendwer in der Lage war, rechtzeitig zu warnen. Eine maßgebende politische Zeitschrift führte bereits im Jahre 1912 aus: „Wer macht denn eigentlich die Kriege? Die Antwort finden wir in den Geheimkanzleien der europäischen Großmächte, in den Archiven der Leute, die schon zu' lange mit Menschenleben als Nguren in dem Soßen polittschen Schachspiel gespielt haben. Menschen, die so in dem diplomattschen Formelkram und in der Geheimsprache ihrer Politik befangen sind, daß ihnen die ungeheuere Verantwortung ihres Amtes gar nicht mehr bewußt ist. Kriege werden die Menschheit weiterhin bedrohen, bis die großen Vollsmassen, die der Spielball von berufsmäßigen Ränkeschmieden und Phantasten sind, das große Wort aussprechen, Das zwar nicht den Weltfrieden bringt — denn Idas ist unmöglich — aber den Entschluß verkündet, daß Kriege nur für gerechte und lebenS- Vichttge Fragen der Dattonen geführt werden Mrfen I" Trotz des Weltkrieges und seiner fürchterlichen [ Lehren kehren wir doch mit großer Zähigkeit sowohl in Europa wie in Amerika, im Osten wie im Westen wieder zu dem alten System zurück. Während einige politische Angelegenheiten infolge des Druckes der öffentlichen Meinung nunmehr der Krittk von selten der Allgemeinheit unter- I liegen, hat die Tendenz, sich bei internationalen I Llnterhaltunaen der Methoden der Gehettndip- ; lomatte zu bedienen, doch wieder die Oberhand I gewonnen. Heute werden wieder lebenswichtige I und hochbedeutsame politische Fragen mehr und rnehr im geheimen verhandelt. Weniger wichttge Angelegenheiten von Tages- »ickeresse werden der Oefsentlichkeit preisgegeben, eher bei den Lebensfragen der Völker ist das System genau dasselbe wie vor dem Kriege. Verpflichtungen und Abkommen werden in ge- | Heimen Sitzungen fest gelegt, die auswärttge Poli- )ttc im geheimen entworfen. Europa und die j Vereinigten Staaten sind fürwahr heute noch ebenso weit von einer Kontrolle durch die Oeffent- lichkeit in allen internationalen Angelegenheiten entfernt, wie sie es je gewesen sind. Tiro und Haro. Eine jagdliche Plauderei. Don Dr. Ludwig Roth. Wieder ist die Zeit gekommen, wo es auch ben Stadtbewohnern vergönnt ist, einen Blia in bes Getriebe des Weidwercks zu tun. wenn sie btt ihren Spaziergängen die Jäger die Felder wach Rebhühnern, vom Jäger kurz „Hühner" genannt, mit ihren mehr oder minder „firmen“ ? < Hunden absuchen sehen! Vielleicht bietet sich auch til Gelegenheit, wenn die Wälder sich herbstlich färben und der Wind über die Stoppeln weht, eine >;■* Treibjagd auf Hasen mitanzusehen. Bemerkt sei N hier, daß die so häufig zu beobachtende Suchjagd 3 auf Hasen bei der streng weidgerechten Jägerei verpönt ist. Genaue Beobachtungen haben ergeben, daß dabei fast 70 Prozent Häsinnen erlegt werden. während der schlaue Rammler sich immer rechtzeitig salviert. Wer seine Jagd also hegen uAd schonen will, der schießt auf der Suche keinen Hasen. Bei solchen Beobachtungen jagdlicher Detätt- gung klingen die Rufe „Tiro" oder „Haro" häufig an das Ohr des „Schlachtenbummlers“. Was bedeuten sie? In arauer Vorzeit erhoben unsere Vorfahren in Fällen „gemeiner Rot“ und bei der Verfolgung von Verbrechern das „Ge- ruft". Der landschaftlich sehr verschiedene Ruf W in erster Linie aus Erzeugung eines weithin schallenden Tones berechnet, daher wurden besonders Verbindungen mit „io“ gewählt, so „Feurio“, .Mordio“, oder der alte clamor ad arma (Alarm): .Feindio"! Der Ruf „Haro“ wird von einigen Forschern aus dem Dormannischen hergeleitet (Ogi. Llasion, „Etüde historique sur le clameur de : drw").'Das germanische „Gerüst" soll „hus-haro- fxxro" gelautet haben, wobei „haro" bedeuten soll chrr zu mir" - „herbei" - „hierher“ Auf diesen Ruf erschienen die Rachbarn und alle. Oie das „Gerüst“ hörten, und folgten als „Schrei- mannen“ dem Verbrecher, bis sie seiner habhaft iDurben. Der von den „Schreimannen“ ergriffene Verbrecher wurde, wenn man ihn nicht als .friedlosen Mann" sofort tötete, nebst den körper- iichen Beweisen gebunden vor Gericht geführt und Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) ®Qb$L 9l&t es keine wichtigere Frage für die Dationen. keinen grundlegenderen und die Zukunft mehr bestimmenden Faktor als das System des diplomatischen Verhandelns. Wie lange werden wir es im Hinblick auf Die furchtbare Katastrophe, die wir soeben erlebt haben, noch zulassen, daß die Interessen der Dationen ohne die Mitwirkung derjenigen bestimmt werden, die die Krise durchleiden müssen mit allem, was sie haben. die kämpfen und st erben müssen, wenn die Folgen der Politik der Geheimdiplomatie eintreten? Es mag ausnahmsweise auch einmal Bestimmungen in einem Vertrage geben, die nur den Unterhändlern bekannt sein dürfen. Aber das müßten eben Ausnahmen fein, die nicht die Regel bilden dürften. Solch eine Geheimnis- krämerei sollte nie über den Punkt hinausgehen, an dem die Politik einer Ration in entscheidender Weise beeinflußt wird, und der politische Kurs dürfte nur festgelegt werden, nachdem vorher in voller Oefsentlichkeit eine Diskussion über die verschiedenen Fragen stattgesunden hat. Der Abschluß eines Bündnisses, welches gegenseitige Der- pflichttrngen enthält, oder das den politischen Kurs eines Volkes richtunggebend bestimmt, sollte der Entscheidung der Allgemeinheit unterliegen, Das Voll hat ein Recht darauf, die großen Linien der Politik, die Beziehungen seiner Regierung zu anderen Regierungen, die Grundlagen dieser Beziehungen, den Zweck dieser Politik kennenzulernen. Es ist berechtigt, über den Laus der Dinge von Zeit zu Zeit unterrichtet zu werden, und zwar nicht etwa nur aus den Zeitungen, sondern authentisch und autoritativ von den verantwortlichen Sollen. In keinem Fall ist diese Regel von größerer Wichtigkeit, als bei der Haltung der Großmächte den Heinen Rationen gegenüber. Es scheint mir, daß die wichtigsten Probleme der internationalen Politik in den Beziehungen der Großmächte zu den machtlosen Rationen bestehen: nirgend nämlich existiert soviel Verheimlichung von Tatsachen, soviel Täuschung und soviel Unrecht. China, Mexiko, Syrien und Ricaragua sind Beispiele dafür, wie die Geheimdiplomatie Versprechen gibt, nur um sie nachher zu bred)en, toie sie Bündnisse schließt, die nachher nicht eingehalten werden, und wie die sd)wächeren Rationen behandelt und. unter dem Mantel der Gerechtigkeit gewaltsam unterdrückt werden. Der Grund für die Maßnahmen, den die Großmächte angeben, ist nicht der wahre Grund; das Ziel, das man dem Volk gegenüber zu verfolgen vorgibt, nicht das wahre Ziel. Beschühung des Lebens ist nur ein Vorwand, mit Hilfe dessen Regierungen gestürzt, Völker ausgebeutet und versklavt werden, unter demProtektorateent- stehen und sid) Blutsauger bereichern. Die Haltung der so unterdrückten Länder bietet aber auch Anzeichen für den neuen Geist, der die kleinen Rationen heute beseelt, ein Geist, mit dem die Großmächte besonders seit dem Weltkrieg zu rechnen haben werden. Die Rückwirkung dieser geistigen Einstellung auf die eigenen Völker wird die Regierungen auch mehr und mehr unter den Einfluß der öffentlichen Meinung bringen und sie zwingen, ihre Politik mit einem wachsamen öffentlichen Gewissen in Einklang zu bringen. Ohne furchtlose, offene Behandlung internationaler Probleme, ohne volle Würdigung der wichtigen Rolle, die das Volk in den Beziehungen zwischen den einzelnen Rationen zu spielen hat. ist jede Demokratie eine Täuschung. Donnerstag, 25. August 1927 Eine Anziehungskraft eigener Art bilden die großen Kasinos in fast allen größeren Badeorten durch ihren ausgedehnten H a s a r d betrieb, und vor allem durch die stark besud)ten Bakkaratsäle, in denen um hohe Summen gespielt wird. Diese Anziehungskraft erstreckt sich besonders auf die zahlreichen internationalen Spiel.n, die in den Sommermonaten in Scharen nach Biarritz, Deauville, Le Touquet und in die Bretagne ziehen, und dem Badclebcn einen unsoliden Cliaraller verleihen, der cs Samen wenig empfehlenswert erscheinen läßt, allein zu reisen. Wer von der Auffafssung ausgeht, daß Deutsd)- land und tfranfreid) einen modus \ ivendi für die Zukunft finden müssen, wird einen dcutsch-franzäsi- schenFremdenaustausch begrüßen, jedoch nur unl.r der Voraussetzung, daß die Franzosen auch nach Deutschland kommen, um sich Land und Leute an- zusehen, die sie bisher nur durch die Augen ihrer chauvinistischen Presse kennen. Wie wäre es, wenn die Reichsreaierung, ebenso wie die französische, ein französisches Haus in Berlin errichten will, daran dächte, auch in Paris ein deut- s ch c s Haus, eine Propagandazentrale für Reisen der Franzosen nach Deutschland einzurichten? Die Franzosen haben sich Berlin als ersten Ort sur ein französisches Haus ausgesucht. Sollten wir Deutsche nicht gleichfalls mit Paris ansangen > Die gleichen Gesichtspunkte, die die beiden Re- gtcrungen bei den Handelsvertragsverhandlungen leiteten, müßten auch hier zu gelten haben: Zwei Nachbarländer, wie Deutschland und Frankrciä), können auf die Dauer ebensowenig ohne einen Waren- wie ohne Menschenaustausch auskommen. Damit dürste auch die Frage beantwortet sein, ob Deutsche nach Frankreich und Franzosen nach Deutschland zur Erholung gehen sollen. Wie wichtig der Besuch Deutschlands durch die Franzosen ist, wird einem täglich klar, wenn man mit ihnen in Berührung kommt. Der Franzose ist immer noch feindlich gegen den Ausländer, vor allem gegen den Deutschen, in dem er den unkultivierten und plumpen Boche erblickt. Er ist daher angenehm überrascht, wenn er häufig unter dem reisenden Publikum Deutsche findet, die in ihrer zurückhaltenden und im allgemeinen doch recht bescheidenen Art einen angenehmen Gegensatz zu den Angelsachsen mit ihren zahllosen Ansprüchen bilden. Das einfache französische Volk hat im Verkehr mit den Fremden eine natürliche Liebenswürdigkeit. Bei dem Arbeiter, dem Handwerker, dem kleinen Kaufman ist weder in Paris, noch in der Provinz viel von Deutschfeindlichkeit zu finden: ausgenommen die Fälle, wo ein schweres Kriegserlebnis den Haß wachgehalten hat. Ganz anders bei den Angehörigen der oberen Schichten, die hauptsächlich für einen Fremdenverkehr nach Deutschland in Frage kommen. Je höher die soziale Schicht ist, der die Franzosen angehören, um so stärker die ablehnende Haltung uns Deutschen gegenüber, die sich vielfach erst bei näherer Bekanntschaft deutlich zeigt. Denn die gebildeten Franzosen verstehen es besser als wir Deutsche, hinter der Maske der Höflichkeit ihre wahre Gesinnung zu verbergen. Tagung desDeutschenForstverems Dritter Tag. WER. Frankfurt a. M., 24. Aug. In der heutigen Vollversammlung tm Psvlmengarten stand ein Thema zur Beratung, das vom forstwirtschaftlichen Standpunkt von überragender Bedeutung ist. Es sprachen der erste Vorsitzende des Deutschen Forstvereins Ministerialrat Dr. W a p- pes (München), älniversitätsprosess-or Dr. Da Ilse low (Gießen) und Llniversitätspvofessvr Freiherr von Tubenf (München) über „Die allgemeine Bedeutung und waldbauliche Behandlung der Weymouthskiefer“. Dr. Wappes erklärte. daß man die Weymouthskiefer bereits seit dem Jahre 1705 in Deutschland kenne. Ihr Anbau habe jedoch erst in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts stattgefunden. Erweiterte Verwendung habe sie etwa um 1880 gefunden, nachdem ihr waldbaulicher Wert erkannt war. Insgesamt sind gegenwärtig in Deutsck)land etwa 5000 Hektar damit bepflanzt. Ihre größte Verbreitung habe sie in Hessen, der Pfalz, sinter franken und den preußischen Regierungsbezirken Kassel, Lüneburg. Münster und Vr'es- der französische Fremdenverkehr Von unserem ständigen Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Die französische Regierung beabsichtigt, einer Pressemeldung zufolge, Propaaandazentra- l e n in allen Großstädten des Auslandes zur Hebung des französischen Fremdenverkehrs einzurichten. Wer die beiden letzten Sommer in französischen Kur- oder Badeorten verlebte, wird diesen Wunsch recht begreiflich finden. Der Sommer 1926 hatte einen gewaltigen Fremdenstrom nach Frankreich gezogen. 3m Gegensatz zu früheren Jahren war es vor allem der unbemittelte, aber bildungs- und naturhungrige Mittelstand, der in Scharen erschienen war, angelockt durch den niedrigen Stand der französischen Währung, und die damit verbundene Möglichkeit, den Urlaub, trotz der zum Teil weiten Reise, billiger als in der Heimat zu verleben. Deutsche, Spanier, Engländer und Nord- und Südamerikaner waren vor allem vertreten: am stärksten unter ihnen die Deutschen und Engländer. Die Italiener dagegen kommen während der Sommermonate nur in geringer Zahl nach Frankreich. Zum größten Test trägt hieran die zwischen der französischen Demokratie und dem italienischen Faszismus bestehende Antipathie Schuld. Paris hat allerdings auf die Italiener seine Anziehungskraft noch nicht verloren, so daß man von der „Pariser italienischen Saison im September und Oktober spricht. Aber auch die Franzosen selbst waren 1926 viel zahlreicher als in früheren Sommern in die Badeorte gezogen, da viele von ihnen während der Inflationszeit sehr gute Geschäfte gemacht hatten. 1927 hat sich dies Bild völlig geändert. Vor allem haben die großen Badeorte an der Küste gelitten, da sie den Franzosen selbst zu teuer und für die Ausländer die Preise um mehr als das Doppelte in ihrer eigenen Währung gestiegen find. Die immer noch vorhandene geringe Preisdifferenz zwischen Frankreich und dem Ausland reicht heute nicht mehr aus, um die Reifeunkoften zu decken. Ein Beispiel soll dies erläutern. Während es im Sommer 1926 noch möglich war, für etwa 40 Franken — etwa vier deutsche Mark — bei nicht allzu hohen Ansprüchen in einem eleganten Badeort Zimmer mit voller Verpflegung zu finden, mußte man in diesem Sommer bei den gleichen Ansprüchen 60 bis 70 Franken — 10 bis 12 deutsche Mark — bezahlen. Der Unterschied in den Preisen stellte sich also für den Ausländer bei einem Vergleich der Sommer von 1926 und 1927 wie 1:3, für den Franzosen aber nur wie 1:11. Die Rückwirkung ist, wie zu erwarten war, nicht ausgeblieben. Das schlechte Wetter, das während des Juni un Juli herrschte, hat das (einige zum Rückgang des Fremdenverkehrs beigetragen. Erst mit dem Beginn der Ferien, Anfang August, hat die Zahl der Sommergäste in geringem Umfange zugenommen. Wenn die französische Regierung wirksame Propaganda für die Hebung ihres Fremdenverkehrs machen will, wird sie nicht umhin können, auch innerhalb des Landes viel zu ändern und den Ausländern diejenige Bequemlichkeit zu bieten, die sie in ihrer Heimat gewohnt sind. In den großen Badeorten und vor allem in den teueren Pariser Hotels ist naturgemäß für alle Bequemlichkeit gesorgt. Wer aber abseits von der all- gemeinen Heerstraße seine Erholung sucht, der wird über die große Unsauberkeit, die auch in Paris noch vielfach fehlende Kanalisierung, die Bau- fäUigteü der Häuser, die dunklen Flure und Korridore und vieles andere erstaunt fein. Das Essen dagegen ist fast überall oo/ttefflich, die französische Küche ist nicht umsonst berühmt in der Welt. In der Frage der Verpflegung der Fremden auf kulinarischem Gebiet könnten wir Deutschen recht viel von den Franzosen lernen. Völlig unzureichend ist in Frankreich der Eisenbahnverkehr. Die Züge fahren, mit Ausnahme der großen Luxuszüge, lehr langsam. Die Verbindungen sind schlecht. Man braucht oft unglaublich lange Zeit, um von einem großen Badeort zum nächsten zu gelangen, weil die Züge erst nach vielen Stunden Anschluß haben. Schlafwagen 2. Klasse fehlen in Frankreich. Die Schlafwagen 1. Klasse smd dagegen für den mit irdischen Gütern nicht übermäßig Gesegneten völlig unerschwinglich. Ueber die Schönheit der französischen Badeorte am Atlantischen Ozean braucht kaum ein Wort verloren zu werden. Sie stehen unseren Nordseebädern nicht nach. auf Klage und eidliche Aussage des Verletzten und einer genügenden Anzahl von „Schreimannen" als „Eideshelfern" sofort verurteilt. Wenn heute das „haro, haro“ ertönt, dann pflegt ein kurzer Knall bald darauf zu verkünden, daß der arme Verbrecher Lampe sein Ende gefunden, wenn nicht seine Gewandtheit ihn doch noch im letzten Augenblick vor den Verfolgern gerettet hat. Wie Lampe seit grauer Vorzeit verfolgt wird, hat niemand treffender geschildert, als Altmeister Wildungen: „Menschen, Hunde, Wölfe, Lüchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Ilhu, Raben, Krähen, jeder Habicht, den wir sehen, Elstern ja nicht zu vergessen, alles, alles will ihn — fressen.“ In der ältesten Zeit ist Lampe zu Tode „gehetzt" worden. Jäger zu Fuß und zu Pferd zogen über das Stoppelfeld, um ihn aufzusuchen: stand ein Hase aus dem Sager auf, so wurden! auf den Wink des Jagdleiters die Windhunde gelöst, die ihn nach dem Spruch „viele Hunde sind des Hasen Tod" meist bald ereilten. Auch in Rehen wurde Lampe gefangen. Ein Feld-- oder Waldesteil wurde mit „fängisch" gestellten Fallnehen eingelappt bzw. umstellt und zwar auf drei Seiten: von der vierten Seite gingen die Treiber mit Hunden derart vor, daß sie das Wild nach den Rehen hindrängten. Das Wild jagte gegen die Rehe, in die es sich so verwickelte. daß die Rehe über ihm zusammenfielen. Das Wild wurde dann von den Jägern „abgefangen“, eine wenig weidmännische Iagdart. Es hat übrigens eine Zeit gegeben, in der sogar die Jäger von Beruf auf Hasenwechseln Schlingen stellten, eine Betätigung, die heute nur noch der Schlingensteller und Wilddieb betreibt. Von dem Erlegen des Hasen mit der Armbrust ist mir kein Rachweis bekannt: im 16. Jahrhundert verdrängte die Büchse die Armbrust. Jim 1517 wurde in Rümberg das „Radschloß" erfunden, welches die Lunte überflüssig machte, die neuen Gewehre wurden als „zielselbstzündende und geschraubte Büchsen" ober „Pirschrohre" bezeichnet. Der Magister Johannes C 0 l e r u s. ein geistlicher Herr, rät in seinen „viginti libri oeconomici de re rustica et de re venatoria“ ums 3df>r 1632 dem Jäger, er solle, wenn er einen Hasen im Lager fit)en sähe, einen Stab in die Erde stecken und darauf feinen Hut sehen. Lampe schaut dann unentwegt nach diesem „Geßler- Zeichen" und der Jäger hat Zeit, ihn „zu erschießen“. Bei Fleming, dem „vollkommenen teut- schen Jäger" finden wir um 1719 den Rat, den Hasen mit Rehen zu umstellen und ihn in die Maschen zu jagen: er sagt aber selbst, daß sie mit dem Reh-Jagen „gar zu sehr vertilgt" würden und rät zum „Klopf-Jagen", d. h. zur Treibjagd mit Schrotschuß, oder dazu, sie auf flachen Feldern mit Windhunden zu Hetzen, mit dem Habicht zu beizen oder in Gruben und Schlingen zu fangen. Durch die Einführung leichter Gewehre, über- haupt durch die fortschreitende Verbesserung der Feuerwafien, kam das Fangen und Hetzen der Hasen allmählich ganz ab: der Schrotschuh auf Suche, Ansih und Treibjagd wurde üblich. Eine weidgerecht betriebene Treibjagd auf Hasen ist ein Genuß, wenn jeder Teilnehmer „weidmännisch jagt, wie's sich gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt". Etwas Gräßliches sind die großen Treibjagden, die „Hasenschlächtereien"! Jeder Berg- und Wald-Jäger, der einmal einen solchen Massenmord mitgemacht hat. bleibt ihm für die Folge fern. Geschrei der Treiber, lärmende Schützen, die geängstigten Tiere, die sich in verkleinerten Kesseln zusammen dräng en I Dort schleppt sich ein Hase mit durchschossenem Rücken mühsam unter Angst und Schmerzen auf den Vorderläufen weiter: dort sind einem anderen die Vorderläufe weggeschossen, er hoppelt auf den Hinterläufen — kein schönes BlldI Wie ganz anders, wenn der Hase auf schmaler Waldschneise im Feuer das Rad schlägt! Blitz und Knall: ein schmerzloses Ende. Der bei der Jagd auf Rebhühner oftmals M hörende Ruf „Tiro" hat mit der Ableitung des Rufes „haro" nichts zu tun. Es handelt sich um das französische „tirez haut“ — „schieß hoch" — „in die Höhe". Die Rebhühner wurden im „Treibzeug", „Tyraß", Steck- und Hochgarn mit und ohne Hcckicht gefangen: daneben trat nach Einführung leichter Feuerwaffen das Schießen, das heute allgemein üblich ist. Die Jagd auf Hühner mit einem guten Vorstehhunde ist der schönste Genuß für den Weidmann: Altmeister Diezel sagt von der schönen Zett der Hühnersuche: „Heute will ich suchen, morgen gehts ans Treiben und übermorgen winkt der Vvgelherd: 0 könnt es Herbst im ganzen Jahre bleiben, dann hätt' ich alles, was mein Herz begehrt." Weidmannshell l Ausgrabungen in Pergamon. In der Preußischen Akademie der Wissenschaften berichtete der Archäologe Museumsdirektor Geheimrat Dr. Th. Wiegand über die im Frühjahr dieses Jahres mit Hilfe der Rotgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft wiederaufgenommenen Ausgrabungen in Pergamon. Auf der Hochfläche der Burg wurden fünf große Arsenal- und Magazinbauten für militärische Zwecke frei gelegt, deren Fundamente verschiedene Systeme der Entlüftung zeigen. Das Alter der Bauten wurde inschriftlich auf das Ende des dtttten Jahrhunderts v. Ehr. fest- gestellt. Außerhalb der Arsenale fanden sich etwa 900 Steintugeln für Abwehrgeschütze: die Große der Kugeln bewegt sich zwischen 14 und 40 Zentimeter Durchmesser. Das Höchstgewicht beträgt 76 Kilogramm (drei Talente), das Mindestgewicht 6 Kilogramm. Die Anlagen entsprechen den von dem hellenistischen Kriegsschriftsteller Philo von Byzanz gegebenen Vorschriften und zeigen, daß die von ben Römern später vielfach gebauten granaria unb horrea (Getreidespeicher) auf hellenistische Vorbilder zurückgehen. — Das zweite Ausgrabungsobjekt dieses Jahres ist eine etwa 50 Meter lange und 40 Meter breite palastähnliche Anlage der Königszeit mit großem Innenperisthl (18:18 Meier) und Kultraum ander Rordseite. Der Bau liegt nordöstlich unweitz des großen Altars. Die Freilegung ist noch nicht beendet, der Inhaber des Heiligtums inschriftlich noch nicht bestimmt. Die Arbeiten werden im nächsten Jahre weitergeführt. lau. Leider sei in vielen Distrikten unter den Weymouthskieferbeständen der sog. Blasenrost geradezu verheerend auf getreten. Prof. Dr. V an se low (Gießen) betonte, daß die Weymouthskiefer für die meisten Gebiete Deutschlands anbaufähig sei. Der Daum brauche einen frischen bis feuchten Boden Er sei eine Halbschatthoizart ünd habe das Dediirfnis nach einem großen Wuchsraum! dabei sei er absolut frosthart. Nahezu unübertroffen sei die Massenproduktion. Der Daum befruchte sich sehr bald, ost und reichlich und verjünge sich leicht natürlich. Gegen Trockenheit sei er empfindlich. Die günstigen Eigenschaften der Weymouthskiefer würden jedoch abgeschwächt durch ihre Anfälligkeit gegen Parasiten, wie Blasenrost und Honigpilz. 3n Mitteleuropa z. D. verursache der Dlasenrost den Tod des Baumes vor seiner Hieb- reife. Die Raschwüchsigkeit und Schattenfestigkeit mache sie geeignet zur ungleichaltrigen Mischung als Füll holz zum Ausbessern lückenhafter Kulturen und als Treibholz. Alles in allem set die Erforschung der Bedeutung und waldbaulichen Behandlung der Weynrouthskiefer rod) nicht tief genug eingedrungen, um schon letzt ein abschließendes Urteil gewinnen zu können. Das Problem sei aber so wichtig, daß es auch weiter mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden müßte. t Im Anschluß fand eine sehr rege Aussprache statt, an der sich u. a. Stadtforstmeister Dr. 3 a - cobi (Frankfurt a.M.), Oberforstmeister Dr. 3 e n t s ch und Prof. Dr. Münch (Erlangen) beteiligten. Einem Anträge von Dr. 3 e n t s ch auf Einsetzung eines Ausschusses, der für die ausländischen Holzarten passende deutsche Damen suchen solle, wurde zugestimmt. — Am Donnerstag beginnen die Lehrausslüge Aus dem Turngau Hessen. Gauturnsahrt nach Krofdorf -o- 3H re ©auturnfafjrt lenkten die Hessenturner diesmal nach Krofdorf bei Gießen. Bier Gedanken tarnen dabei zur Auswirkung, und ihre Zusammenfassung in Zeit und Baum trug dazu bei, die Zahl der turnerischen und festlichen Beranstaltungen einzuschränken. 31;rem Wesen und langer Hebung gemäß strebt die Turnsahrt eigentlich üäch landschaftlich bzw. geschichtlich bedeutsamen Ausslugsorten; schon die erste Fahrt des jungen Hessengaues treffen wir 1863 in Kloster Arnsburg, und seitdem ist dort, auf Burg M ü n z e n b e r g, auf dem Hainig bei Lauterbach, im Hochwald bei Dad- Nauhei m, auf dem Dünsberg und Gleiberg diese einfachste Art turnerischer Arbeit und Geselligkeit gepflegt worden. Wanderlust und Freude am rein volkstümlichen Wettkampf haben neben dem umfassender ausgestaltetcn Gau- tumfeft immer wieder ihren Tag gesunden, und der Wandergedanke kam auch diesmal wieder zum Ausdrud durch den geschloffenen Anmarsch der Turnbezirke von Lollar bzw. von Gießen her. Mit den üblichen Wettkämpfen im Kugelstoßen, Laufen. Weit- und Weithochsprung in drei Turner stuf en waren diesmal noch die Entscheidungen im Sonder-Bolksiurnen verbunden, das sich auf Speerwerfen, Steinstohen (15 Kilogramm) und Weitsprung aus dem Stand erstreckte. So waren vom Gau zwei Arbeitsgebiete zusammen- gefaßt und nach Krofdorf verlegt worden, um auch hier zwei Wünschen des rührigen und gautreuen Brudervereins zu entsprechen. 3fjre Erfüllung führte zu einem glänzend verlaufenen turnerischen Abend am Samstag, an dem zugleich das vierzigjährige Bestehen des Turnvereins gefeiert wurde und die unter großen Opfern erbaute neue Tu rnha 11 e durch erstmalige Benutzung ihre Weihe empfing. Der Festausschuß übergab durch seinen Leiter Salih Süßkind die Durchführung der wohl- vorbereiteten Tage an den ersten Sprecher des Turnvereins Heinrich Rinn, der seine Gäste in herzlichen Worten begrüßte. 3n einer ausgezeichneten Festansprache, die den Grundgedanken der Dorf- und Bolksgemeinschaft in der D. T. scharf herausstellte, gab Studienrat Walter F a - bei aus Krofdorf einen Einblick in die wechsel- volle Entwickelung des Dereins, dessen entscheidender Mitbegründer und erster Turnwart, der bekannte Reichstagsabgeordnete und Reichs- Minister a.D. Dr. Eduard David mit allen anderen dem Berein noch heute die Treue hält. Unter der Leitung des langjährigen und bewähr- ken Turnwarces Wilhelm Leib zeigten die verschiedenen Abteilungen des Dereins, der mit rund 150 Mitgliedern etwa 8 Prozent der Cinwohner- schost darstellt, eine beachtenswerte Höhe ihrer Leistungen. Beste Kräfte aus der Reihe der Gerät eturner des Gaues hatte der (Sauobcrturntoart Wilhelm Will, Gießen, zusammengezogen und gab dadurch tiefgehende Anregungen für den Dereinsort und die Gäste. Mitglieder der Riege waren- Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, erster Sieger beim diesjährigen Kreisfest; Wilhelm Sinnwel!. Tv. Bad-Rauheim: Anton 21 i e s, Adolf Ratschlag, Ernst Rehm und Alfred Eckhardt. Tv. Ridda: Fritz Wolf, Tgde. Friedberg: Richard Seth. Tv. .Großen-Linden; Heinrich Keller, Tv. Burgsolms: Franz Reuschling, Tv. Heuchelheim, und Eduard Heyer, Karl und Albert Würtz, Tv. Krofdorf. Gleichzeitig sprack; der (Sauoberturntoart die Glückwünsche der Gauleitung aus und betonte, daß der gutgeleitete und fleißige Landverein Krofdorf stch im Gau eine hochgeachtete Stellung errungen habe. 3m Ramen der Gießener Tumerschaft überbrachte Georg Kling besonders herzlid;e turnbrüderliche Grüße, zumal ja gerade Gießener Turner es waren, die einst den Turngedanken mit Erfolg in die 2iad)bargemeinbe getragen hatten. Der gemischte Ehor und dre Wanderabteilung des Turnvereins, der Gesangverein Germania und die Kapelle Weller, Gießen, erhöhten durch schöne Lieder und schneidige Musik die frohe Stimmung in der vollbesetzten Halle. Der Sonntag gehörte der Gauleitung. Gegen 10 Uhr begannen auf dem Sportplatz bei der Turnhalle die drei Turnerstufen in 19 Riegen ihre volkstümlichen Wettkämpfe, die unter Leitung des Gauoberturnwartes gegen 1 Uhr ihr Ende sande. Während des Festzuges fand in üblicher Weise eine Ehrung der im Weltkriege Gefallenen statt, zu denen auch 26 Krofdorfer Turner zählen. Rach den allgemeinen Freiübungen wurden unter Leitung des Gauwartes für das Bolksturnen, Wilhelm Luckhardt, Marburg, die Entscheidungen im Son- der-Bolksturnen ermittelt. Nachstehend geben wir einen Auszug aus der Siegerliste- Turner stufe, 108 Bewerber, 92 Sieger. 1. Fritz Wei tershaus, Tv. Großen-Linden, 99 P. 2. Wilh. Weiß, Tv. Großen-Linden, 93 P. 3. Willi B e a u v a i n, T.- und Spv. Marburg, 89 P. 6. Kurt Walter, Tv. Treis a. d. Lumda, 84 P. 8. Willi Bock. Tv. 1846 Gießen, 81 P. 9. Willi Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim, und Heinr. Keller, Tv. Burgsolms, 80 P. 11. Ludw. Malkomesius. Mtv. Gießen, 78 P. 14. Walter Loh, Tv. 1846 Gießen, Willi Deppler. Tv. Lang-Göns, und Friedr. 3 u n g, Tv. Hochelheim, 75 P. 15. Willi Goubeau, Tv. Heuchelheim, und Walter Fay, Tv. Langsdorf. 74 P. 16. Heinr. Bolz, Tv. Lich, und Herrn. W e b e r , Tv. Hochelheim. 72 P. 17. Heinrich Radetzki, Tv. Lich. Adolf Ratschlag, Tv. Ridda, und Albert Weigel, Tv. Klein- Linden, 70 P. 18. Wilh. L oh, Tv. 1846 Gießen, 69 P. 19. Richard Belten, Tv. Leihgestern, 68 P. 20. Karl Keßler, Tv. Großen-Linden, und Rudolf Spuck, Mtv. Gießen, 67 P. 21. Wilhelm Schmidt, Tv. Lang-Göns, 66 P. 22. Herrn. Kröck , Tv. Heuchelheim, Otto K r e u» ter, Tv. Grünberg, Artur Kreiling, Mtv. Gießen, und Fritz Morneweg, Tv. Klein- Linden. 65 P. 23. Georg Koch, Tv. Lich, und Ernst Degen, Tv. Großen-Linden, 64 P. 25. Karl Drescher, Tv. Krofdorf, Reinhold Weigel, Tv. Klein-Linden, Otto Wahl, Tv. Lich, und Wilh. B r Ü ck e l, Tv. Lana-Göns, 62 P. 26. Herm. Fark, Tv. Nidda. und Max Kreiling, Tv. Heuchelheim, 61 P. 27. Heinr. Adolf, Tv. Klein-Linden, und Paul Reuter, Tv. Hungen, 60 P. 23. Rudolf Glcißner, Tv. Ridda, 59 P. 29. Wilh. Rinn, Tv. Heuchelheim, und Wilh. Brandenburger, Tv. Hungen, 58 P. 30. Albert Heinrich, Tv. Allen- dors. und Heinr. Morneweg. Tv. Klein- Linden, 57 P. 31. Heinr. ©ümbel, Tv. Lützellinden, Herbert Seifert. Tv. 1846 Gießen, und Karl Würtz. Tv. Krofdorf, 56 P. 32. Karl Otto Beppler, Tv. Heuchelheim, und Heinr. S t e i n n a g e I, Tv. Großen-Linden. 55 P. 33. Otto Hofmann, Tv. Großen-Linden. und Hch. Zammert, Mtv. Gießen. 54 P. 34. Albert Steinmüller, Tv. Allendorf a. d. L.. 53 P. 36. Willi Keßler, Tv. Lang-Göns, und Ferd. B i r k e n st o ck , Tv. Hochelheim, 50 P. m . _ir -nun ■■iniimnir j ciiif--- ■■■ ib ~ .—— « Brennpunkte -es Verkehrs. Bon Dr. Karl Stoll. 3n London werden, wie die Statistik zeigt, täglich drei Menschen durch Automobile getötet. 3n Reuyork wurden im 3ahre 1926 insgesamt 988 Menschen das Opfer von Autounfällen, in Chicago 622, in Detroit 325. 3n den Bereinigten Staaten sind im 3ahr 1925 nicht weniger als 22 500 Menschen durch Straßenunfälle getötet worden, während im 3ahr 1924 die Zahl der Todesopfer 20 300 betrug. Hierbei sei angemerkt, daß im 3ahr 1925 in den Bereinigten Staaten annähernd 20 Millionen Automobile verkehrten. 3eber sechste Amerikaner besitzt, wie die Statistik verrät, fein eigenes Auto. Man braucht sich allerdings über diese Verlustziffern nicht zu wundem, toenn man weiß, daß z. B. in Reuyork an der Ecke der 5. Avenue und der 42. Street jeden Tag im Durchschnitt 42 000 Autos vorüberfahren uni) daß sich etwa 90 Prozent der Kraftwagen auf 10 Prozent der Hauptverkehrsstraßen zusammendrängen. Man hat nun, da in Reuyork der Rord-Süd-Derkehr, der über Manhattan geht, durch Fahrzeuge von verschiedenartiger Geschwindigkeit «Straßenbahnen, Autos. Pferdefuhrwerke usw.) erschwert wird, daran gedacht. den gesamten Autoverkehr in eine Straße zu verlegen, die etwa 10 Meter unter dem Niveau der jetzigen liegt. Diese unterirdische Straße soll dem Zug der 2. Avenue folgen. 30 Meter breit fein und ermöglichen, daß auf jeder Straßenseite rod) genügend Raum für haltende Autos bleibt. Auch die europäischen Hauptstädte haben ihre Brennpunkte des Verkehrs und ihre Verkehrsprobleme. 3n London ist es der Platz vor der Börse, in Paris der Opemplah, in Berlin f;at sich der Hauptverkehr vom Potsdamer Platz zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nach Char- (Ottenburg gezogen, wo fünf Straßen sich kreuzen und an verkehrsreichen Tagen, wie eine Statistik mitteilt, etwa 34 000 Wagen jeder Art rund um die Kirche fahren. Allein zwischen 6 und 8 Uhr abends, in der verkehrsreichsten Zeit, hat man 12- bis 13 000 Wagen (natürlich meist Autos) innerhalb einer Stunde gezählt. Am Pariser Platz in Berlin (also unmittelbar am Brandenburger Tor) verkehren täglich 28 000 Fahrzeuge, am Potsdamer Platz „nur“ 20 000. Diese Ziffern werden sich selbstverständlich von 3ahr zu 3ahr erhöhen. Wir stehen erst am Anfang einer Epoche, die dem Automobil gehört. Am 1. 3anuar 1926 gab es auf der ganzen Welt 24-? Millionen Automobile. Davon entfielen allein auf die Bereinigten Staaten von Amerika 20 Millionen (!) auf das übrige Amerika 1 Million, auf Qlfrifa 198000, auf Asien 225 000, auf Australien 416 000, auf Europa 2 680 000. Hiervon wieder kamen 'auf England 903 000, auf Frankreich 735 000. auf Deutschland 323 000, auf 3ta- lien 115 000 und auf die übrigen europäischen Staaten je unter 100 000. 3m Lauf eines 3ahrzehnts hat der Straßenverkehr in den Weltstädten sich gewaltig verändert. Der Fußgänger ist tatsächlich bereits ein „Verkehrshindernis“ geworden, und die Stadtbaumeister stehen vor dem Problem, wie sie den wachsenden Verkehr bewältigen wollen. Die Weltstädte sind mit ihren Verlustziffern Beispiele der ungeheuerlichen Verkehrstragik, die uns zwingt, auf Abhilfe zu (innen. Man wird sich darüber einig fein, daß diese Abhilfe sehr bald kommen muß, wenn die heutigen Zustände nicht zu roch schlimmeren Folgen führen fallen als sie sich bereits jetzt in den Verlustziffern des Weltstadtverkehrs ausdrücken. Trockenes Eis. Von Rolf Braun. Als Kühlmittel für den Versand von leicht verderblichen Lebensrnitteln hat man neuerdings in Amerika mit bestem Erfolg feste Kohlensäure verwendet. Diese kann man durch plötzliche Entspannung flüssiger Kohlensäure erzeugen. Läßt man beispielsweise die flüssige Kohlensäure aus einer der allbekannten Kohlensäureflaschen, wie sie für Bierdruckapparate Im Gebrauch sind, unter Kippen der Stahlflaschen ausströmen, so verdichtet sich ein Teil der Flüssigkeit zu Schnee. Der Gefrierpunkt der Kohlensäure liegt bei 58 Grad Kälte, beim Kohlensäureschnee sinkt die Temperatur durch die Derdunstungskälte noch tiefer, etwa bis auf 70 bis 80 Grad Eelsius Kälte. Man hat also in der festen Kohlensäure ein vorzügliches und viel wirksameres Kälteerzeugungs- mittel als im Eis. Gegenüber diesem hat die 3ugend-Oberstufe, 69 Bewerber, 58 Sieger. 1. Willi Reitz, Tv. 1846 Gwßen, 114 Punkte. 2. Albert Leun. Tv. Großen-Linden, 95 P. 3. Albert Würtz, Tv. Krofdorf, 94 P. 9. Karl Marx, To. 1846 Gießen, 87 P. 10. Karl Rose, Tv. Hungen. 84 P. 11. Ernst Stern. Tv. Großen-Linden. 83 P. 12. Wilh. Weller, Tv. Heuchelheim, 82 P. 14. Hermann Kock), Tv. 'Grünberg, und Willi Dern, Tv. Lang-Göns, 80 P. 15. Rudolf Kuhl, Tv. Eberstadt. 79 P. 16. Willi Arzbächer, Tv. 1846 Gießen. 77 P. 17. Otto Kehr, Tv. Heuchelheim, 76 P. 18. Karl Leinweber. Tv. Treis a. i). Lda., 75 P. 19. Albert Rech. Tv. Krofdorf, und ^Werner- Gl i t s ch , Tv. Hungen, 74 P. 23. Otto Stein- m ü 11 c r , Tv. Heuchelheim, 68 P. 30. Alb. L u h , Tv. Allendorf a. L., 60 P. 32. Karl Engel, Tv. Lützellinden, 57 P. 33. Ernst Rinn und Willi Böhmer, Tv. Krofdorf, 55 P. 34. Heinrich S) c 11 d) e , Tv. Treis a. d. Lda., 54 P. 36. Carl Seitz, Tv. Birllar, 52 P. 3ugend-Unter stufe. 146 Bewerber, 100 Sieger. 1. Ferdinand ötremmel, Mtv. Gießen, und Heinz Müller. Tv. Holzheim, 112 P. 2. Aug. Bender, T.° u. Spv. Butzbach. 109 P. 3. Otto Mathies, Tv. Grimberg, 105 P. 4. Werner Loh, Mtv. Gießen, 701 P. 6. Wilh. Bopf, Tv. Lützellinden, 99 P. 7. Karl Geller. Mtv. Gießen, und Heinr. 3 u n g , Tv. Lützellinden. 98 P. 11. Hermann Hanitsch. Tv. Birklar. 94 P. 12. Rich. Bender. Tv. Krofdorf, 92 P. 13. Ernst Hock, Tv. Lang-Göns, 91 P. 15. Georg Schmieder, Tv. Lich. und Heinr. Seid, Tv. Grünberg, 88 P. 16. Gustav Diehl, Tv. Birllar. Artur Gilbert, Tv. Heuchelheim, und Heinr. Marten, Tv. Klein- Linden, 87 P. 17. Ernst Stengel, Tv. Gr.- Linden, 86 P. 18. Karl Heckmann. Tv. Eber- stadt, und Ludw. Vogt, Tv. 1846 Gießen, 85 P. 19. Werner Langenohl, Tv. Heuchelheim. und Willi R e i t s ch m i d t. Tv. Eberstadt. 82 P. 20. Karl Seipp. Tv. Großen- Linden, 81 P. 21. Karl Schneider. Tv. Leihgestern, Erich Mertz. Tv. Lang-Göns, und Fritz Spuck, Mtv. Gießen. 79 P. 22. Heinz 3 u n g , Tv. Holzheim, 78 P. 23. Adolf Leib, Tv. Krofdorf. 77 P. 27. Milli Weisel, Tv. Birklar. 73 P. 29. Rich. M ü 11. Tv. Lang-Göns, 71 P. 30. Otto Kern. Tv. 1846 Gießen, und Phil, Herbert, Tv. Eberstadt. 70 P. 31. August Weil. Tv. Lang-Göns. 69 P. 32. Karl Wenzel, Tv. Lang-Göns, 68 P. 33. Karl Reitschmidt. Tv. Eberstadt. und Willi Knorr, Tv. Birklar, 67 P. 34. Willi Aeusch- l i n g . Tv. Birklar. 66 P. 35. Ewald Wa gner . Tv. Krofdorf, 65 P. 36. Franz Hahn. Tv. Heuchelheim, 64 P. 37. Ernst L u h . Tv. Allen- dors a. L.. 63 P. 38. Rudolf Ufer. Tv. Klein- Linden, 62 P. 39. Walter Schimmel, Tv. Heuchelheim, und Karl Kuhl, Tv. Eberstadt, 61 P. 40. Rich Dreier, Tv. Lang-Göns, 60 P. 41. Heinr. Reitz. Tp. Eberstadt, und Wilhelm Müller. Tv. Klein-Linden. 59 P. 45. Adolf Weber, Tv. Heuchelheim. 54 P. 46. Rich. Ritz, Mtv. Gießen. 53 P. 47. Hans Dürck, Mtv. Gießen, 52 P. 48. Rich Dietz, Tv. Burgsolms. 51 P. 49. Wilh. Gerhardt., Tv. Hungen, Paul L e i b , Tv. Krofdorf, und Heinrich Rinn, Tv. Heuchelheim, 50 P. Sonder-Dolksturnen. Steinstoßen, 15 Kg., 14 Teilnehmer. 1. Fritz Wei- tershaus. Tv. Großen-Linden, 7,43 Meter. 2. Heinrich Bender, Tv. Griedel, 7,24 Meter. 3. Willi Reitz, Tv. 1846 Gießen, 7,21 Meter. Weitsprung aus dem Stand, 14 Teilnehmer. 1. Wilh. Seibert, Tv. Maar, 2,71 Meter. 2. Will;. Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 2,70 Meter. 3. Fritz Mvrne- w e g , Tv. Klein-Linden, 2,69 Meter. Speerwerfen, 10 Teilnehmer. 1. Heinz Müller, Tv. Holzheim. 38.90 Meter. 2. Hermann Koch. Tv. Grünberg, 36,77 Meter. 3. Willi B r ü ck e l, Tv. Lang-Göns, 35,52 Meter. Kunst und Wissenschaft. (Beneralinfenbanf Eberl in sein Ami eingeführt. Der neue Darmstädter Generalintendant Earl Ebert wurde dieser Tage durch eine chfizielle Feier in fein A m t eingeführt. Staatsrat Balser entbot namens der Regierung den Willlommensgruß. 3n feiner Antwort gedachte Carl Ebert seiner Vorgänger Hartung und Legal und betonte, daß das große Gemeinschaftskunstwerk Theater nur geschaffen werden Illi II I ■!■■■ feste Kohlensäure den Vorzug, daß sie unmittelbar aus dem festen in den gasförmigen Zustand übergeht. Dabei wird der Umgebung sogar etwa die doppelte Wärmemenge wie beim Schmelzen des Eises entzogen Die Verdunstung fest gepreßten Kohlensäureschnees geht auch nur verhältnismäßig langsam vor sich. Bei einem Temperaturuntcrschied gegenüber der Auhenluft von rund 100 Grad Celsius verliert die Masse in größeren Packungen täglich nur etwa 1 /M ihres Gewichtes. Diese zahlreichen Vorteile wiegen den höheren Preis auf, vor allem, wo es nunmehr nad; mancherlei Fehlschlägen gelungen ist. durch weitgehende Anwendung von Kreislaufvorgängen und wärmetechnische Verbesferungey das Herstellungsverfahren wirtschaftlicher als bisher zu gestalten. Bei der Darstellung geht man von Koks aus. der zu Kohlensäure verbrannt wird. Diese ist jedoch zunächst noch zu unrein; sie wird daher zuerst unter Verwendung von Soda in doppelt- lohlensaures Natron über geführt, aus dem man sie wieder, nunmehr rein, durch Erhitzen austreibt. Hierauf wird sie in bekannter Weise bei hohem Druck verflüssigt und dann in einem besonderen Entspannungsgefäß zu Schnee verdichtet. Es gelingt hierbei, etwa 13 der Flüssigkeit in Schnee zu verwandeln; das überflüssige kalte Gas wird wiederum dem Verdachter zugeführt, wobei es zugleich zur Borkühlung des neu entwickelten Gases nutzbringend verwendet wird. Der erzeugte Kohlensäureschnee wird in Pressen zu handelsfähigen Blöcken geformt, die in Holzkisten DerfarLbt werden Der erhebliche Energiebedarf der ganzen Anlage, insbesondere für dre Verflüssigungsvorrichtungen, kann 8um großen Teil aus der bei der Verbrennung des Kokses erzeugten Warme gedeckt werden Durch diese weitgehende Einschränkung von Verlusten ist es möglich geworden, das „Trockeneis“, wie es in Amerika genannt wird, zu einem mit dem gewöhnlichen Eis wettbewerbsfähigen Preis in den Handel zu bringen. Hochschulnachrichlen. Das wissenschaftliche Mitglied der Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufchygiene in Berlin-Dahlem. Professor könne in unermüdlicher selbstloser Hingabe jedes einzelnen. Rach ben üblichen Vorstellungen ging es gleich an die Arbeit, und die erste Probe nahm ihren Anfang. Oberhefsen. Grefte». ,-t Wieseck, 24. Aug. Mit dem Einsehen günstigerer Wit.erung tonnte bei den beiden hier in Betrieb befindlichen Dreschmaschinen der A u s- drusch des Getreides in vollem Umfange wieder auf genommen werden. Bis spät in die Nacht hinein ist man hierbei beschäftigt. Nunmehr kann auch der Schaden einigermaßen überleben werden, den die letzte langanhaltende Regenperiode an der in unterer Gemarkung sonst vorzüglichen Ernte., an Halmfrüchten verursacht hat. Am stärksten fdjeint der Hafer gelitten zu haben, der bei seiner leichten Keimfähigkeit in den meisten Fällen geschnitten auf dem Acker lag. Aber auch Korn unb Weizen begannen bereits grün zu keimen, so daß der Wert der diesjährigen Körner- und Strcchernte, soweit sie dem Regen aüsgeseht war, stark herabgemindert worden ist. Die Kartoffel ist zeiget»., besonders in nassen und schweren Böden, bereits starke Ansätze von Fäulnis, das Weiterumsichgreifen wird bei Eintreten trockener Witterung zwar nicht ganz aufgehalten, aber immerhin etwas eingedämmt werden. Größe und Güte der Knollen lieh sonst nichts zu wünschen übrig. Vorteilhaft war der reid;ltd>e Regen für die Dickwurzselder und für die Gär- t en; allem Anschein nach sd;cint die drohende Vernichtung unserer Gemüsepflanzen durch die Raupen des Kohlweißlings aogewendet zu fein, vorausgesetzt, daß bei eventuellem trockenen und warmen Wetter die Gemüsepflanzungen nach dieser Richtung hin im Auge behalten werden Am meisten beglückt von der langen Regenperiode waren die Anwohner der höher gelegenen Ortsteile, die dadurch die Möglichkeit hatten, die Vortelle und Annehmlichkeiten der Wasserleitung im eigenen Haus auszunuhen, denn trotz allen Verbots gab es in der vergangenen Zeit eine große Reihe rücksichtsloserer Zeitgenossen, die das damals kostbare Raß in "ausgiebigster Weise zur Bewässerung ihrer Gärten benutzten, so daß in den erwähnten Ortsteilen ein mehr oder weniger starker Wassermangel herrschte. Die starken Regenfälle in letzter Nacht werden allerdings eine abermalige unliebsame Verzögerung der Erntearbeiten bringen — Da der Wiesecker Weg toeqen Hausanschlußarbeiten für den Auto» und Fuhrwerksverkehr gesperrt wurde, mußte auch der Gemeindeverband Wieseck — Alten-Buseck seinen Autoverkehr urn- lei ten. Derselbe geht wieder, wie in diesem Jahre schon einmal, unter Einhaltung des seitherigen Fahrplans bis auf weiteres über den Lichten au er Weg, Marburger Straße. V Mainzlar, 24. Aug. Ein sehr gefälliges Aussehen hat unsere Hauptstraße durch die Ueberbrüdung der Schäfergasse und die Planierung der sog. „Wehr" erhalten. Während früher diese Wehr viel zur Verunstaltung des Dorfbildes bei trug, hat man sie jetzt nach der Kochschen Wirtschaft zu schräg beiplaniert, unb so ist hier ein schöner freier Platz entstanden Nun gehört auf diesen Platz noch eine schöne DorfliiÄe. Auch die verkehrs- hindemde breite Gosse der Bahnhofstraße wird demnächst verschwrnden. Bei der im Herbst statt- findenden Kanalisatton der Lollarer Straße und Bcchnhofstraße soll diese entlang der Gosse geführt und in die Lumda auslaufen, Die Bahnhofstraße wird dann bei einer Breite von ungefähr 12 Meter sine der schönsten Dorffttahen werden ^Rüddingshausen, 24. August. Landwirtschaftsrat Trautmann. Direktor des Landwirtschaftsamtes Grünberg, hielt hier dieser Tage einen fesselnden Vortrag über „3 u n £• viehauf zucht“. Der Redner besprach in leicyt verständlicher Weise falsche und richtige Auszucht des 3ungviehes. Die Aussprache war recht rege Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß im nächsten Frühjahr auch in der Gemeinde Rüd- dingshausen Körungen für Vogelsberger Vieh abgehalten werden. Der hier stationierte Dogels- berger Dulle ist etwas leicht, er dürfte kräftiger und schwerer sein — Der Besuch des Vortrages war infolge des schlechten Wetters mäßig. Dr. 3ulius Wilhelmi, ist zum Honorarprofessor in der Fakultät für Bauwesen der Technr- schen Hochschule in Berlin ernannt worden Wilhelmi. der aus Marburg a. d. L. gebürtig ist, studierte zunächst Medizin in Marburg, später Naturwissenschaften, besorrders Zoologie in Marburg und München, besonders unter Prof. Kor- scheit, promovierte 1904 in Marburg in Zoologie, war dann Assistent am Senckenbergischen Museum in Frcullfurt a. M., arbeitete von 1905 bis 1909 in der Zoologischen Station in Neapel, wurde Assistent am Concilium Bibliographicum in Zürich und habilitierte sich an der dortigen Universität für das Fach der Zoologie. — Der Hauptge- schaftsführer der Betriebsabteilung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft Dr. Berthold Sa gatoe in Charlotten bürg hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der landwirtschaftlichen Betriebslehre an der Universität Kiel angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in der Kieler philosophischen Fakultät erhalten — Der Wetterdienstleiter bei der dem Universitätsinstitut für M t.orologie und Geophysik in Frankfurt a. M angcglieter.en Wetterdienststelle, Privatdozen- für Meteorologie in der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität gramfurt Dr. Georg S t ü v e ist zum Observator an der genannten Wttterdienststcllr ernannt worden. — Die Ernennung des bisherigen Direktors der Staats- und llniversitä's- bibliothek in Breslau Dr.* phiL Richard O e h - l e r zum Direktor des Universlläts-Bibliothek- wesens in Frankfurt a. M. ist erfolgt. Der ordentliche Professor der Chemie an der Forstlichen Hochschule in Tharandt Dr. Hm^ W i s l i c e n u s ist zum Hororarprofessor in dec chemischen Abteilung der Technischen Hochschule zu Dresden ernannt werden — Der o. Professor an der Technischen Hochschule sn 311 r,1 Dr. Peter DeöYe hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf an die llniperi'Lät Leipzig angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius der Experimentalphyfft tu der Leipziger philosophischem Fakultät vom 1. OltoDec 1927 ab erhalten. Prof. Debye. der M Leipzig Nachfolger des Geh. Hofrats Prof. Dr Otto Wiener wird, ist ein geborener Holtanoer (geb. 1884 zu Maastricht). «n. Iren. »bK'L ?{JÄ ■ A«ä: tw* r ^"' der D-L fit*3 und schweren r?0J.öaulni«, ön?ei Smtreten ,,J®? aufgehalten, "J to«ten. Große "ll n.Äs zu wüll- 1 WÄ Legen und iur die Gar, die drohende Pjlanjm durch die gewendet zu |tin, «HCT trockenen und l^epilunzungen nach !« behalten werden Mgen Aegenprriode te gelegenen Orts- 'eil hatten, die Sorte Wassertet, zunuhen, denn trotz c bergongmcn Zeil >serer Zeitgenossen, ib in 'ausgiebigst« r Gärten bemhlm, )rtsteilen ein mehr Mgel herrschte. Dir Lacht werden aller» rbsame Serzögerung - Za der Diesecker »eiten für den QIulc «rrt wurde, mußte band Wieseck- utoverlehr u» •bcr. wie in öi/a Einhaltung des t- wÄteres über k t Straße [. Ein sehr gefall^ ptstrahe buch.le »chäfergasstrnd fog. .Wehl" er. lese Wehr ti M es bei trug, hrl man Wirtschaft zu schm - ein fäöiKr fteier rt auf diesen ZttaS MH die verkchrs- Sahnhosstraße wird der M tzeckit Nit« äottarsx Straße und Lang der E 9* uslausen. Dre W iner Breite WM schönsten Dolsfmp ^24. August 2^ n n. Direktor «rg, hielt 6^ rag über müd ■mer besprach m ll- md pro* °>« *?t uigef* k»r Gemeinde -’y-11" t »‘ÄS* rt staiionrertc la Mtf"-5K । Detters •■ßSS W? «rs unter p ckenberglW " ■XfÄ %tijS ^schall u'- , eB tenburg ^,sW Ä , K E^eoS S-^^terdic^ ihchZ -W ,r der KM ,ZS?H --L-"4 Kreis Büdingen. • Nidda, 24. Aug. Der althergebrachte Niddaer Herb st markt findet in diesem 3ahr am Montag, 5. September, statt. Die Bor- >eveitungen für den Markt, der bekanntlich mit Der Kirchweihe verbunden ist, sind in vollem Dange. Leider wird wegen der immer noch in einigen Ortschaften des Kreises Büdingen herr- chenden Maul- und Klauenseuche die Beschickung )es Marktes aus einem Teil des Kreises nicht lugelassen werden können. Für die Zuchtviehoersteigerungen, die von der Landwirtschafts- Kammer und dem Kreisziegenzuchtverein für den irreis Büdingen veranstaltet werden, liegen jetzt chon eine Anzahl Anmeldungen vor, so daß für )ie Gemeinden günstige Gelegenheit zum Ankauf ’on Faselvieh besteht. Die Prämiierung beschränkt ich in diesem Jahre erstmalig aus reingezüchtetes 6ieh der Simmentaler und Vogelsberger Rassen, die Prämiierung findet in sechs Klassen statt, int) zwar Dullen über 2 3ahre (Gemeindebullen), Bullen bis zu 2 Jahre, Kühe mit drei und nehr Kälbern, tragend oder in Milch, Kühe mit । in und zwei Kälbern, tragend oder in Milch, Gattinnen, erkennbar tragend und Rinder über «rin Jahr. Es stehen aus Mitteln der Stadt und i.'er Landwirtschaftskammer 1200 Mark sowie eine Anzahl Ehrenpreise zur Verfügung. Auherdem itoirb der Kreisziegenzuchtverein Büdingen eine Prämiierung von Saaner Ziegen und Ziegen- Löcken veranstalten. Rachmitlags um 2 Uhr findet auf dem Marktplatz die übliche Verlosung von -Zieh, landwirtschaftlichen Geräten und Ge- rauchsaegenständen statt. Erwünscht ist auch die Ulusstellung von landwirtschaftlichen Maschinen, Für die auf dem Marktplatz genügend Platz reserviert ist. — Der Auftrieb findet in der Zeit von T*/8 bis 81/» Uhr vormittags statt, die Prämire- cung beginnt um 8^/, und die Zuchtviehversteige- rung um 10 Uhr vormittags. Ridda, 24. Aug. Don den Haupt- f tragen unseres Städtchens hatten die „Raun"- ujrf> ein Teil der 3ohanniterstraße seither keine erhöhten Fußsteige. Dem gesteigerten Straßenverkehr Rechnung tragend, sollen noch im Herbst auch diese Straßenteile Trottoirs erhalten. - Die städtische Ernte an Mirabellen um d Reineclauden, die in diesem Jahre reichlich tragen, wird im Laufe dieser Woche zu nmühigem Preise an die Einwohnerschaft abgegeben. Die Belieferung erfolgt straßenweise, Mira bellen zu 30 Pfg., Reineclauden zu 15 Pfg. p»ro Pfund. Aus dem Riddatal, 24. Aug. 3n° soolge der überreichlichen Heu- und der vielversprechenden Grummeternte herrscht eine »starke Nachfrage nach jungen Rindern und Milchkühen, so daß die Preise in den letzten TSochen stark gestiegen sind. Für erstklassiges Fleckvieh wurden b'.s zu 1200 Mk., für das ILeinere Rotvieh 800 bis 900 Mk. angelegt. Die Schweinemast, die in den beiden letzten wahren stark bevorzugt war, ist wegen der ge- lunfenen Fleischpreise nicht mehr so zugkräftig. # Unter-Schmitten, 24. Aug. Der hiesige ^riegerocrein beschloß in seiner General- «mmlung, das Fest seines 2 5. Fahnenjubi- äums der allgemeinen Notlage der Bevölkerung .inlsprechend in Heinern Rahmen ,$u begehen und lamit öen Bezirkstag des chassiaverbandes Nidda iiH verbinden. Nur die vier nächstgelegenen Ver- ine von Nidda, Kohden, Michelnau und Borsdorf ß den eingeladen werden. — Der hiesige Klein- vliber-Schützenverein hat sich einen neuen Schützenstand am Ausgange nach 9Hi>i)a zu -«-lichtet und ü6t fleißig für das Preisschießen. Unter-Schmitten, 24. Aua. Ein hie- iger junger Arbeiter, der in dem Dausterschen ö'teinbruche in Eichelsdorf beschäftigt ist, l't ü r 3 te auf dem Heimweg mit seinem Rade so unglücklich, das er mit dem Kopf auf das -chienengeleise aufschlug. In bewußtlosem Zustande ®«irbe er nach Hause gebracht, wo er heute noch be- itenungslos darniederliegt. Der Unfall ereignete sich 'm der Bahnhofstraße zu Eichelsdorf, durch die vs'anntlich das Schienengeleise der Strecke Nidda— -chatten führt. Echzell. 24. Aug. llntejr der Leitung Kreisvorsihenden, Majors a. Ä. Pohl- Dü- öiingen, fand am Sonntag hier das Kreisver- bindsschießen der Klcinkaliber-Schützenver- thie statt. 3m Gruppenschießen konnte Von- teufen vor Echzell die Meisterschaft erwerben. Kreis Schotten. Schotten, 24. Aug. Der hiesige rührige mnd strebsame Stenographenverein hat ten diesjährigen Herbstbezirkstag des Bezirks Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. (Schluß.) Wieder drückte er mir die Hand. Seine matten st-gen glänzten; seine etwas rote Nase glühte. Was( mich aber mehr als alles bewegte, war die geheime Angst, die aus seinen zitternden Gesichtsziigen sprach; di - Sorge, ob cs ihm gelingen werde, mich bis zum tefagen hinaufzuschrauben, denn ich hatte noch nimer nicht zugestimmt. Gr nahm den großen weißen Bogen, den ihm - te- Wirt reichte, und schrieb leise murmelnd, aber m t großer Gewandtheit eine Schuldverschreibung, ir Jem er mich von Zeit zu Zeit ansah. Sie lautete: Neuorleans, den 14. März 1867. Der Unter- V chnete bekennt sich zum Empfang eines Anlehens Jom siebenhundertundfünfzig Dollar in Neuorleans- -ludtgeld zum heutigen Kurse von fünfundvierzig ; Pnojent und verpflichtet sich, in Bezahlung dieser iiqulö drei Tage nach seiner Ankunft in Bremen r:fhundert Dollar in Gold an Herrn Ingenieur !mh zu Neuorleans, Tschapatulastraßo Nr. 21, ab- ;u enden. „Genügt uns das?" fragte er, aufblickend und näh mit einer Miene ansehend, wie wenn ich der rchuldner und er der Gläubiger werden solle. Ich hatte meinen Entschluß gefaßt. I„Sie brauchen das Geld nicht hierher zu schicken", aye ich. „Senden Sie nicht fünfhundert Dollar' ordern den richtigen Betrag, dreihundertsiebenund- >rsßig Dollar fünfzig Cent an meinen Vater in llhrttemberg, mit dem ich die Sache dann leicht -egeln kan." „Sehr gut, sehr gut!" rief er, fröhlich aufatmend, Milte zwei Dutzend Austern der besten Sorte und imr Flasche englisches Stout, öffnete das Paket, das ch ihm überreicht hatte, nahm zwei Dollar heraus >n.l bezahlte die Zeche. Wir aßen plaudernd die 'rschtvollen Seetiere des Golfs. Dann utzterzeichnete t die Schuldverschreibung mit fester Hand und einer «idschrift, die an energischer Entschlossenheit von ei ner Keilschrift übertroffen wird. Ich steckte das Gießen übernommen. Man erwartet 400 bis 500 Gäste, die zum größten Teil an dem Wett- schreiben teilnehmen werden, das in den beiden Schukhäusern stattfindet. Reu ist das sogenannte Stafetten-Wettschreiben. das erstmalig in diesem Bezirk ausgetragen wird. Gedern, 24. August. Am gestrigen Augu st markt waren trotz der nicht besonders günstigen Witterung weit über 600 Schweine aufgetrieben. Der Preis betrug für F>.k.t 5 b.s 1 Mark pro Stück je nach Alter. Trotz d-r niedrigen Preise war die Kauflust nicht allzu groß, weshalb einiger Ueberftanb verblieb. Der Besuch des Krämermarktes von auswärts hielt sich diesmal in engeren Grenzen, als dies bei den seitherigen Märkten der Fall war. ----- Aus dem Vogelsberg, 24. Aug. An den verschiedenen Stationen der Vogelsbergbahn kann man in den letzten Tagen ftarfe Heuverladungen beobachten. Bei dem Heber» angebot von Heu erzielten die Landwirte nur geringe Preise. Für einwandfreies Heu werden nur 1,50 bis 2 Mark pro Zentner bezahlt. # Aus dem oberen Vogelsberg, 24. Aug. Unter dem Einfluß der trvsklvsen Witterung leidet die Getreideernte sehr. Viel Roggen steht noch auf dem Halm. Das Korn fängt an, grün aus den Äehren herauszuwachsen. Weniger mitgenommen sind einstweilen die Kornhaufen mit Hüten, unter denen die Aehren noch ziemlich geschützt sind. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 24. Aug. Da feit Montag doch endlich besseres Wetter eingetreten ist, wurde am Dienstag hier mit dem Dreschen durch die Dreschmaschine im Freien begonnen. 3n erster Linie wird Roggen gedroschen, wobei sich die Leute gegenseitig aushelfen. — Der Vorstand unseres Verkehrsvereins suchte durch eine an die Eisenbahndirektion gerichtete Eingabe eine beffere Zugverbindung, i. ."anders am Rachmittag, zu erreichen. Gedacht ist hierbei hauptsächlich an den Verkehr eines Pcrjonenzuges oder auch eines Triebwagens mit dem Anschlüsse 13.31 Uhr in Burg-Rieder- gemünden. x!x Ruppertenrod, 24. August. Lange Zeit lag die Bautätigkeit hier darnieder, obwohl in nächster Rähe herrliche Basalt- und Tuffbrüche vorhanden sind. Das liegt an der schwierigen Beschaffung von Bauplätzen. Sv hat man denn das Dorsetche nach Mucke zu erwählt, um dort Reubauten entstehen zu lassen. Zwei Scheunen gehen hier wieder der Vollendung entgegen. 3m Dorfe selbst befinden sich zwei Wohnhäuser im Bau. Kreis Lauterbach, £> Lauterbach, 24. Aug. Heute nacht gegen 4| Uhr brach in dem am Alten Stein weg gelegenen, der Firma H. Hardt und dem Messevschmiede- meister Konrad Kalbfleisch gemeinsam gehörigen Scheunengebäude Feuer aus, welches alsbald auf das Wohnhaus der Karl Luft Erben Übergriff. Das Scheunengebäude wurde o o l l st ä n d i d , von dem Wohnhaus der D a ch - stock e i n g e ä s ch e r t. Durch das rasche, umsich. tige und tatkräftige Ei greifen der Feuerwehr ist es gelungen, den Brand auf seinen Hett) zu beschränken und die übrigen Nachbargebäude vor Schaden zu bewahren. Die Mowrspritze hat sich bei diesem Brand wieder sehr gut bewährt. Die Entstehungsursache Formte vis jetzt nicht festgestellt wenden. Starkenburg. * D a r in st a d t, 24. Aug. Die Stadt Darmstadt und der Verein der Theaterfreunde haben ein von dem Kunstmaler Karl G e i ft in Wimpfen angefertigtes Oetporträt des Generalmusik- bireftors Michael Mailing erworben und es dem Landestheater geschenkt, damit das ölndenken an den bedeutenden Dirigenten wachgehalten wird. Preußen. Krcitz Wetzlar. WSR. Wetzlar, 24. Aug. Auf der steil abfallenden Chaussee Dillheim—Kahenfurth rannte ein Radfahrer in voller Foh rt mit einem Personenkraftwagen zusammen, wurde weithin über die Straße geschleudert und blieb mit doppeltem Beinbruch, schweren Kopf- und inneren Verletzungen bewußtlos liegen. Ein beladener Erntewagen hatte ihm die Sicht versperrt, so daß er. im Begriff, diesen Wagett zu überholen, dem Unglück nicht ausweichen konnte. Der Radfahrer I liegt hoffnungslos im Krankenhaus Ehringshausen. । I Hochelheim, 24. Aug. In einer der letzten Tlächte wurden hier aus einem offenen Reubau Arbeitskleider und Handwerkszeug, welches Arbeiter dort aufbewahrt hatten, gestohlen. Von dem Täter fehlt jede Spur. — Die hiesige Gemeindevertretung hat beschlossen, den „grasigen Weg", der bereits im vorigen 3ahre auf einer Teilstrecke ausgebaut wurde, auf weitere 100 laufende Meter auszubauen. Die gesamten Arbeiten sind durch Beschluß des Gcmeinderats dem Bauunternehmer Schäfer. DornholzhaUsen. übertragen. Bei den Arbeiten sollen möglichst Arbeiter aus der hiesigen Gemeinde beschäftigt werden. ..... .9 Deutsche Erdöl ...... .6 Essener Steinkohle.....8 Gelsenkirchener . f. '/, I. 4 Harvener...........8 Hocsch Eisen.......... Ilse Bergbau......... Klöcknerwerke ....... .5 Köln-Neuessen ..... .51/» Mannesmann . . .f. '/, I. 4 Mansielder..........7 Obersckles. Etsenb. Bedarf 0 Oberschles. Kokswerke ... 0 Phönix Bergbau. f. '/, I 3 Rheinische Braunkohlen . 10 Roetnstahl..........0 Riebeck Montan.......6 vereinigte Stahlw. f.I. 3 Otavt Minen......1 sh Kalt Aschersleben.....10 KaliWesteregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 g. G. Farben-Jndustrte. 10 RütgerSwerke........ 0 Mctallgcsellschaft ..... 10 ReichSbcmt ...... 10 Frankfurt a. 9)1. Berlin Frankfurt a M Berlin Schluß Kurs -Uhr- Kurs Schluß- Kurs Anfang Kurs Schluß» Kur» 1-Uhr- Kurs Schluh. Kurs Anfang Kurs 24. 8. 25. 8. 24. 8. | 25. 8. Datum: 1.8. 25. 8. 24-8- 25. 8- 184 195,5 188.5 201.5 139 163 201 285 176 111 154,5 157,25 200 158 177.25 129 ICO,5 116,5 249.5 198,25 169 130,5 175 185.5 237 293,75 183,75 196,75 202,5 138 202,75 285 178 111,5 154,5 156,75 199,5 266,25 158,25 176.75 128.5 116,25 198 166 5 130,75 175 294 182 195 188 200 138 253.5 163.25 162 172 198.65 283 133 175 109,75 152.25 164,5 155 199,75 174,5 265 157,75 169,65 175,75 128,75 97.25 97,4 116 248-5 196 168.5 130.25 33.65 173 184.5 235 290,13 139,5 183.4 195 202,25 138 256 *67,13 162 173 201,5 283,5 132 112 153.75 156,4 199 157,25 172.5 177 128.25 99 98.65 116 251 197,75 131,13 33.65 174,9 239,75 293,5 141,25 Philipp Hotzmann . . . 1? Heidelberger Gement . . . s •Zement Karlstadt......s Waytz