ing m. \I\ Erstes Blatt 177. Jahrgang Montag, 25. Zu» 1927 Erscheint täglich,außer Sonntag und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: ^ranffttrt am Main 11636. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrülfl'sche Univerfi1ü1§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchnstleltung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. ien Die Erhöhung der Posttarife zum 1. August. jQLBAlJTEhl >• Finnentrop '/westf i. tank n& Stiefel ulda G.A- Hl* einze'ffl -'er und D-eien Hobel« 3ut Iderbsen«Dicken mf.Mti-Spörgel ies-6amen*Lmerne JnUrnaHtee Stoppelrüben sichst zu 6orteilf)offen sen In la OualltSi Samenhaus nkichHahn „ße > Telephon 618U Der Wunsch des Reichspostministers Schätz! mtsprechend hat der Derwalttrngsrat der Reichs- Postgesellschaft nunmehr die neue Postgebühren- »rdnung nach zweitätigen heftigen Redekämpfen angenommen. Wie von Anfang an die ganze Behandlung der Angelegenheit unter keinem glücklichen Stern gestanden hat, so ist es auch bis zum Schluß geblieben. Man könnte beim besten Willen nicht behaupten, dah der Reichspostminister in der Handhabung der ihm zur Verfügung ste- henden Maschinerie große Geschicklichkeit bewiesen hätte. Als der Plan zum erstenmal auf» :auchte, wurde der Oeffentlichkeit gegenüber als Begründung angeführt, die Post häbe mit einem Defizit von rund 200 Millionen zu rechnen, bas aus verschiedenen Gründen noch anwachsen Derbe, und infolgedessen sei die Erhöhung eini- KerweniaerTarifsätze unumgänglich nvt- Dendia. Als zweiter Grund wurde angeführt, daß die Post mit ihren Gebührensätzen mit der allgemeinen Preis st eigerung seit Kriegsende nicht Schritt gehalten habe; im Interesse der deutschen Wirtschaft und des Publikums im allgemeinen habe sie bisher versucht, durch Ersparnisse in der Verwaltung die Postgebühren so niedrig zu halten, wie sie von Zcher waren, nun aber sei das ohne eine ernste »Acsährvung des ganzen Dettiebes nicht mehr nicglich. In der Debatte im Reichstag kam dann plötzlich der Reichspostminister mit der dritten Begründung ans Tageslicht, dah die Mehreinnahmen mindestens zum Teil zur Bestreitung der Kosten der allgemeinen Beamtenbesoldungserhöhung verwendet werden sollten nnb mühten. Die bekannte Abstimmung im Reichstag fiel gegen den Reichspostininister und seine neue Gebührenordnung aus, weil man erst im letzten Augenblick von dem dritten Grund erfahren hatte. Wenn er und das Reichskabinett von Anfang an offen mit der Wahrheit herausgerückt wären und erklärt hätten, daß die einzige Möglichkeit zur Erzielung uon Mehreinnahmen für die Deamtenbesoldung, die von allen Seiten als absolut notwendig an- eikannt wird, darin liege, die Posttarife zu erhöhen, bann wäre die Einstellung dazu von vornherein eine andere gewesen. Der Mangel an Offenheit hat schwer geschadet. Immerhin hatte man sich seitdem wenigstens teilweise mit der Gebührenerhöhung abgefunden, obwohl die schwere wirtschaftliche Schädigung alter Kreise des deutschen Dolkcs nicht zu verkennettmrar. Wenn man daneben den zweiten Grund gelten ließ, daß anders das vorhandene und drohende Defizit der Postverwaltung nicht zu umgehen sei, so erwog man doch immer noch, ob nicht doch eine bessere und billigere Verwaltung hier einen Wandel herbeiführen könnte. 3n diesem Zusammenhang mußte man der Post uorhalten, daß sie allerdings wohl ihre Gebühren scit langer Zeit nicht erhöht hatte, daß aber ihre Lei st ungen im Vergleich zu denen der Vorkriegszeit bei gleichen Gebührensätzen unverhältnis- ! mäßig gering geworden waren. Run kommt zur allgemeinen Verblüffung unmittelbar vor der entscheidenden Beschlußfassung im Verwaltungsrat der Rechnungsabschluß der Reichspost für das ant 31. März 1927 aLgelaufene Wirtschaftsjahr. Er ergibt einen Ueberschuß von 125 Millionen Mark, und die Einnahmen der ersten Monate des laufenden Wirtschaftsjahres lassen feine einschneidenden Aenderungen erkennen. Das »ruß alle Welt stutzig machen und ist Wasser auf die Mühle derjenigen politischen Kreise, die sich in scharfer Opposition zur Regierung befinden wnö alle Hebel in Bewegung setzen, um der Regierung Schwierigkeiten zu machen. Sn diesem Zusammenhang darf auch nicht verschwiegen wer- . ten, daß der Reichspostininister sein erstes Versprechen, die Gebührenerhöhung auf einige ganz foenige Sätze zu beschränken, nicht gehalten hat. Wir stehen heute vor einer Gebührenerhöhung auf der ganzen Linie, und es ist sogar noch nachträglich in die neueste Vorlage ein gegen alle Großstädte gerichteter Schlag ausgenommen worden, der auf die völlige D e - seitigungdesbilligerenOrtsportos abzielte. Dieser Schlag ist glücklicherweise 'vom Verwaltungsrat abgewehrt worden, indem ier betreffende Punkt gestrichen wurde. Aber im übrigen ist im großen und ganzen die gegen die ursprünglichen Angaben ungemein verschlechterte Vorlage des Reichspostministers angenommen vorden, was schließlich bei der eigentümlichen -Zusammensetzung des Derwaltungsrates kein Wunder ist. Mr betonen nochmals: Wenn der Nachweis gs- liefett worden wäre, daß die Reichspost mit einem Fehlbetrag arbeitet oder unmittelbar daoor- steht, so "hätte man prüfen können, ob es teilweise durch Verwaltungsmaßnahmen und teilweise durch geringe Gebüyrenerhöhungen zu beseitigen sei. Wenn weiter von vornherein mitgeteilt worden wäre, daß für die Beamtenbesoldungserhöhung auf diese Weise die erforderlichen Mit- del geschafft werden sollten und müßten, dann hätte man für eine genaue Rechnungsablegung der finanziellen Wirkung der vorgeschlagenen Gebuhren- echöhungen eintreten müssen. Nun aber ist mindestens noch kein Defizit vorhanden, sondern ein lieber schuß, und es fehlt der Oeffentlichkeit jeder richtige Maßstab dafür, welche Mittel eigentlich für Zwecke der Beamtenbesoldung erzielt werden chüssen. Angesichts dieser Ungewißheiten die ohnehin fyart kämpfende deutsche Wirtschaft mit einer allgemeinen Erhöhung der Portosätze zu belasten, ist nSurtau chnhofsiraße 38, sowie >hnung befinden sich jehl Wil iiuiiii iMipuiiyii Gießen « 6736 L ein Wagnis, für das der Reichspostininister in erster Linie die Verantwortung trägt. Die Befürchtung, daß auch polittsch diese Verantwortung schwer auf seine Schultern drücken wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Annahmeim Verwaltungsrat Neue Marken mit dem Bilde Hindenburgs und Eberts. Berlin, 23. Juli. (VDZ.) In der Gesamt, abffimmung wurden b i e neuen Po st gebühren vom Verwaltungsrat gegen die Stimmen her sozialdemokratischen, demokratischen, kommunistischen und der Wirtschaftspartei angehörenden Reichstagsabgeordneten, die des preußischen Regierungsver- Paris, 24. Juli. (TU.) Poincare hielt in Orchies anläßlich der Feierlichkeiten für den Wiederaufbau der Stadt eine bedeutsame politische Rede, in der er u. a. auch auf die deutsch-belgische Auseinandersetzung der letzten Zeit Bezug nahm und nichts mehr und nichts weniger verlangte, daß die Deutschen im Interesse der An- näherungspoltiik die Kriegsschuldlüge auf sich beruhen lassen sollten. Die Rede leitete Poincarä mit der bekannten Anspielung auf die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland ein. Er sprach sodann von der Ermordung von Zivilisten und Frauen und von der Brandschatzung der Stadt Orchies durch deutsches Militär, um schließlich eine Wolffmeldung aus der KriegsAeit über die belgischen und französischen Freischärlerakte als Lüge hinzustellen. „Jedesmal, wenn die kaiserlichen Heere die Menschenrechte verletzt haben," sck sagte Poincarö wörtlich, „haben sie mit Vorliebe das Märchen von den Freischärlern aufgetischt. Dieses absurden Vorwandes bediente sich auch derzeit die Untersuchungskommission des Deutschen Reichstages, um eine Entschuldigung für die verächtlichen Gewaltakte zu finden, die die deutschen Armeen anfangs des Krieges in Belgien verübt haben. Wenn wir diese Behauptungen ohne Erwiderung lassen, so werden sie als Wahrheit angesehen. Wenn wir ihnen gegenüber die Tatsachen ausführen, so regt sich die Presse der Deutschnationalen auf und beschuldigt Frankreich, den Frieden zu stören. Man möge auf- hören. Falsches zu verbreiten und wir werden es sodann unterlassen, derartige Nachrichten richtig zu stellen. Sobald die Deutschen darauf verzichten, die Welt irrezuführen und aufhören, die Schuld der Zentralmächte am Weltkriege und die von ihren Truppen begangenen Ausschreitungen wahrend der militärischen Operationen abzuleugnen, werden die Franzosen glücklich sein, die Ereignisse als geschichtlich abgetan zu betrachten." Nach diesen Poincars kennzeichnenden Redensarten schlägt der französische Ministerpräsident einen etwas sanfteren Ton an. „Ich erinnere mich mit Freude", so erklärt Poinearä weiter, „an den deutschen Offizier, der am 24. September 1915 als Gefangener mit Tränen in den Augen erklärte, daß die Stadt Orchies im Auftrage der deutschen Armeeleitung in Brand gesteckt wurde. Diese Tränen erleichtern es in hohem Maße, die schlechten Taten zu vergessen und tragen für die Annäherung der beiden Nattonen mehr bei, als die Beleidigungen und Verleumdungen. So abscheulich auch das Verhalten der deutschen Brandstifter in Orchies gewesen ist, so denkt doch niemand baran, dafür ein ganzes Volk verantwortlich zu machen. Nein, nur jene, die das Vorgehen der Deutschen zu rechtfertigen suchen, sin-d als Schuldige zu betrachten. Niemand unter uns wünscht den Haß zwischen den beiden Nachbarnationen zu schüren, deren V e r ft ä n b i g u n g für den Frieden und die Menschheit unerläßlich ist. Wir alle wünschen die Zeit, in der es uns durch das Verhalten der Deutschen .möglich sein wird, die von 1914 bis 1918 erlittenen Leiden als der Vergangenheit angehörend zu betrachten. Frankreich hat nicht aufgehört, seinen Versöhnung ^willen zu bekunden. Es wird seine Anstrengungen für den Frieden loyal und ohne Hintergedanken fortsetzen. Frankreich hat durch seinen Sieg seine natürlichen Grenzen wiedergefunden. Es wäre ein unverzeihlicher Akt, wenn es fick) in feinen Wiederaufbauarbeiten durch Pläne aoenteuerlicher Natur beeinträchtigen lassen würde." Poincarö schließt sodann seine Rede mit der Ermahnung an die Parteien, das Kabinett der nationalen Einheit im Interesse der wirtschaftlichen und finan- ziellen Wiederaufrichtung Frankreichs ungestört weiterarbeiten zu lassen. Eine neue belgische Note. Das Brüsseler Kabinett weicht aus. Berlin, 23. Juli. (WB.) Die belgische Regierung hat heute dem deutschen Gesandten in Brüssel, Herrn v. Keller, das nachstehende Memorandum überreicht: In Beantwortung der Mitteilung der belgischen Regierung vom 19. Suli 1927 hat die Reichs- regierung in einem Memorandum vom 20. d. M. erklärt, daß sie die Bemerkung ihrer früheren! trelcrs und eines Personalvertreters angenommen. Nach Mitteilungen des Staatssekretärs Saut- ter sollen ferner In einem Nachttagsetat fünf Millionen zur Unterstützung der P o sl - beamten namentlich der unteren Gruppen an- geforbert werden. Die Auszahlung foll aber schon jetzt beginnen. Zum Geburtstage des Reichspräsidenten sollen Wohlfahrtsmarken mit dem Bilde Hindenburgs und eine Postkarte mit dem Bilde des Präsidentenpalais heraus- kommen. Der Verwaltungsrat fahle endlich noch den Befchluh, eine Friedrich-Ebert-Marke zu schaffen. Die neue Achtpfennigmarke foll nicht, wie die Deutfchnattonalen wünschen, das Fridericusbttb tragen, sondern das Bild Beethovens. Rote über die Senatsrede des Herrn Wehrministers aufrecht erhält. Die deutsche Regierung hat hinzugefügt, daß ein weiteres sachliches Eingehen auf die Frage sich für sie erübrige, da Graf de Droqueville seine Erklärungen durch keine konkreten Beweise gestützt habe. Die Regierung des Königs beehrt sich, die Reichsregierung daran zu erinnern, dah Herr de Broqueville von Anfang an die Gründe angegeben hat, die ihn daran hinderten, alle Rachrichtenquellen zu enthüllen. Darüber hinaus glaubt Herr de Droqueville, daß seine Erklärungen und Erläuterungen das deutsche Memorandum vom 18. Juli in ent - scheidender Weise widerlegen und geeignet sind, jede Zweideutigkeit auszuschließen. Indem sie das Vorstehende der Reichsregierung mitteilt, stellt die belgische Regierung fest, daß die Antwort der deutschen Regierung vom 20. Juli über denjenigen Teil des belgischen Memorandums vom 19. Juli gänzlich schweigt, in Magdeburg, 24. Juli. (WTB.) Auf der hier abgehaltenen Reichskonferenz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gab der Bundesführer Hörsing bekannt, daß er sein Rücktrittsgesuch als Ober Präsident eingereicht habe. In einer längeren Rede zur Begründung seines Schrittes führte er aus: Im alten Deuftchland hätt die höchsten Beamten sich gegen ganze Volksschichten aussprechen können. Einem republikanischen Beamten sei es aber verboten, Kritik zu üben. Er selbst habe Kritik geübt an dem Parteiführer Hergt, nicht an den: Minister Hergt, an dessen Rede in Deuthen, da nach seiner Lttrsicht durch derartige Aeußerungen von Parteiführern, die gleichzeitig Minister sind, dem deutschen Volke außerordentlich große Schwierigkeiten bereitet tourten. Er selbst könne sich als Bundesvorsitzender des Reichsbanners nicht mundtot machen lassen. Die Rechtsparteien hätten geglaubt, dah er als Oberpräsident schweigen müsse, und deshalb eine Hetze gecken ihn entfacht. Er sei aber nicht nur Reichsbannerführer, sondern gleichzeitig Abgeordneter und Bevollmächtigter für den Reichsrat. In dieser Eigenschaft sei er verpflichtet, Kritik zu üben. Er stände nunmehr vor der Alternative: entweder auf das Recht der Kritik zu verzichten, oder auf seinen Oberpräsidentensessel. Er wolle deshalb von seinem Posten als Oberpräsident zurücktre- t e n, ganz besonders auch deshalb, um der preußischen Regierung keine Schwierigkeiten zu machen und um alles aus dem Wege zu räumen, was den Bestand der Preußenkoalition und die Schaffung einer republikanischen Regierung im Reiche für die Zukunft gefährden könnte. Die Haltung des Reichsbanners bleibe unverändert. Er habe nun als Bundesvorsitzender größere Ellenbogenfreiheit und werde sie für die Zukunft auch gebrauchen. Von den Vertretern ter Parteien, die anschließend an die Rete Hörsings sprachen, wurde der Rücktritt außerordentlich bedauert, der allerdings auch sein Gutes habe, da das Reic^- banner jetzt noch energischer als bisher für die Verwirklichung ter großen republikanischen Ziele sich einsetzen könne. In einem Schlußwort erwähnte Hörsing, daß die Mitglieder ter Zentrumspartei, die gleichzeitig dem Bundesvorstand angehören, also Dr. Kröhne und'Joos, sich darüber beklagt hätten, daß sie nicht vor dem Aufruf an den deutsch-österreichischen Schutzbund gehört wurden. Hörsing sagte, es sei keine Zeit mehr dazu gewesen, alle Mitglieder des Bundesvorstandes vorher zu befragen. Er habe infolgedessen ohne vorherige Genehmigung durch alle Bundesvorstandsmitglieder den Aufruf erlassen. Dieser Aufruf sei nottoenbig gewesen. Heber seine Formulierung könne man streiten. Daß dadurch eine gewisse Beunruhigung im Lager des Zentrums und der Demokraten entftanten sei, bedauere er tief. » Am Samstag veröffentlichten wir das Telegramm, mit dem sich das Reichsbanner nach Par^ dem die Regierung des Königs ihr Erstaunen darüber aussprach, dah Deutschland ihr Vorwürfe über ihre Haltung machten, während ganz kürzlich noch offizielle, einer weiten Oeffentlichkeit zugänglich gemachte Reichstagsdokumente gegen die belgische Regierung rmd das belgische Volk schwere Anschuldigungen wiederholt haben, deren Unricfjtigfeit seit langem nachgewiesen ist. (Anm. Dieser letzte Sah des Memorandums nimmt Bezug auf die Untersuchungen des Reichstagsausschusses über den Frankttreurkrieg in Beligien 1914.) Ein Beethovendenkma! in Vincennes. Paris, 23. Juli. (WB.) Durch Llnterrichts- minister Herriot wurde heute nachmittag das in Vincennes errichtete Deethovendenkmal einge- weiht. Cs handelt sich um ein vor vielen Jahren begonnenes Denkmal, das sein Schöpfer Jose de Charmoh nicht vollenden konnte und das jetzt aus Anlaß der Beethoven-Gedenkfeier unter ter Aegide eines Komitees, an dessen Spitze der Komponist Gustave Champentier steht, volletttet wurde. Die liegende Figur Beethovens ruht auf einem massiven, von vier Musen getragenen Sockel. Mit Absicht ist das Denkmal in Vincennes aufgestellt Worten, um es, wie Herriot in seiner Weiherete sagte, dem Volk von Paris nahezubringen, das Beethovens Musik und Genie liebt. Die Feier wurde durch Darbietungen Beethoven'scher Musik umrahmt. Das Kernstück blieb jedoch die Rede Herriots, ter das Wirken und das Leben Beethovens würdigte und erklärte, Paris sei es gewesen, das zuerst Beethoven verteidigt habe, und deshalb sei es ein Symbol, daß Frankreich jetzt Beethoven ehre. — Morgen wird aus Anlaß der Enthüllung des Denkmals unter ter Leitung von Champentier ein volkstümliches Fest in Vincennes stattfinden. Der heuttgen Feier wohnte auch der deutsche Geschäftsträger kn Paris bei. gewandt hat, um das Gespenst einer fremden Intervention von der österreichischen Grenze zu bannen. Die „Kölnische Zeitung" bemerkt dazu: „Kaum hat der Reichsbannerführer und sächsische Oberpräsident Hörsing mit seinem Aufruf an ten österreichischen Schutzbund, worin der Regierung Seipel der schwere Vorwurf gemacht wird, sie habe durch ihre Hilflosigkeit das Unheil zu einer Katastrophe werden lassen, die Reichsregierung in die Verlegenheit gebracht, ihr Bedauern aussprechen zu müssen, da wird schon wieder eine Kundgebung Hörsings bekannt, womit er sich in Dinge ein^mischt hat, die ihn nichts angehen, rmd die auch keinerlei praktischen Erfolg verspricht. An den Grenzen Oesterreichs liegen keine Staaten, deren Regierungen sich von Verbänden ehemaliger Frontkämpfer vorschreiben lassen, daß sie es für unnötig zu halten haben, ihre Länder vor dem Uebergreifen des marxistischen Aufruhrs in Wien zu schützen. Es ist kennzeichnend für die Geistesverfassung des Herrn Hörsing, daß er die Schuld für etwaige Konflikte mit seinen Gesinnungsgenossen in Wien denen zuzuschieben versucht, die sich vor den Aufrührern schützen wollen! Dah Herr Hyrsing dem Republikanischen Schutzbund, einem polittschen Verband, im Gegensatz zur staatlichen Polizei das Recht zuweist, für die öffentliche Ordnung zu sorMn, ist nicht weiter verwundmckich. Er scheint keinen Sinn für die Komik ter Rolle zu haben, die er spielt, wenn er von seinem Reichsbannerthron aus Oesterreich und die umliegenden Staaten zu regieren unternimmt zum höheren Ruhm feiner Wiener Genossen.---Der preußische Oberpräsident Hörsing wird je länger, je mehr zu einer unerträglichen Plage für die deutsche Politik, und die Oef^ntlichkeit sollte sich nachgerade auf ihre Pflicht besinnen, der Reichsregierung ein einmütiges und lautes Wie lange noch? zuzurufen. Hoffentlich verstünde sie sich dann endlich dazu, mit ter in diesem Punkt sehr schwerhörigen preußischen Regierung Fraktur zu reden. Herr Hörsing mag so viel aufrufen, fordern und kritisieren, wie seine Zettgenossen es sich gefallen lassen, aber nur als Privatmann!" «Mit dem oben mitgeteitten Rücktrittsgesuch fjat ja nun Hörsing die hier angeteuteten Konsequenzen aus feiner politischen Tätigkeit gezogen.) Seoering der Nachfolger Hörsings. Berlin, 24. Juli. (Priv.-Tel.) Wie die „Mon- fagspoft“ berichtet, wirb als Nachfolger hörsings auf bem Magbeburger Oberpräsibentenposten der frühere preußische Innenminister Karl 5 eoering genannt Kommunisten-Ueberfall auf Stahlhelmleute. Berlin, 25. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der „Montag" meldet aus Mikultschütz: Als die hiesige Ortsgruppe des Stahlhelm am Sonntag ihr Fahnenweihfest feierte, sammelten sich Massen von Kommuni st em Dem Eingreifen 1 der Polizei gelang es, während des FeMuges Poincare sekundiert Belgien. Eine neue Sonntagsrehe des Ministerpräsidenten. Rücktritt des Oberpräsidenten hörsing. Zusammenstöße zu l^reiden. Nachdem sich der Hauptzug aufgelöst hatte, drängten sich zahlreiche Kommunisten auf die einzelnen Stahlhelmer. Die Kommunisten feuerten blind! ings indie Stahlhelmgruppen hinein, wobei ein unbeteiligter junger Mann getötet wurde. Die Kommunisten deckten ihren Rückzug durch Pistolenschüsse, wobei eine ganze Reihe Stahl- helmleute verwundet wurden. Der Wiener Aufstand und die Bundesländer. Wien, 24. Juli. (Wolff.) Die heutige „Arbeiterzeitung" behandelt mit Rücksicht auf die Ereignisse des 15. Juli und den darauf folgenden Generalstreik die dieser Tage hervorgetretenen Gegensätze zwischen Wien und den Ländern, die durch die Verschiedenheit des Verhältnisses der Parteien in 6taöt und Land bestimmt wurden. Das Dlatt schreibt: Als die Polizei in den Straßen schoß, riefen Tausende von Arbeitern nach Waffen, inn die Regierung zu stürzen, um deren Organe zu entwaffnen und um die Herrschaft des Proletariats aufzurichten. Sie vergaßen dabei eins: sie vergaßen die Länder. An dem Tage, an dem hier in Wien die Regierung gestürzt und unsere Regierung eingesetzt wäre, wäre in den Ländern die Arbeiterschaft unterworfen und eine Gegenregierung eingesetzt worden. Der Bürgerlrieg der Lander gegen Wien und vielleicht der Einmarsch italienisch- ungarischer Truppen wäre die Folge gewesen. Wir haben es daher nicht toagen tonnen, den Demonstrationsstreik zum entschrndenden Kampf gegen die Staatsmacht zu steigern Aber auch die Faszisten in den Ländern haben es nicht wagen tonnen, sich auf ihre Heimwehren zu stützen und den enffcheidenden Kampf aufzunehmen. Beide Mächte mußten dem entscheidenden Kampf a u s - weichen Die proletarische Revoluttrm hat an den Ländern, die faszisttsche an Wien eine unüberwindliche Schrate gefunden, weil dem Proletariat und der Bourgeoisie, um den Untergang des Landes zu vermeiden, nichts anderes übrig blieb, als ihren Kampf auszufechten auf dem Boden und mit den Mitteln und in den Formen der Demokratie. Die Herrschaft der Bourgeoisie ist nicht zu brechen, so lange die Masse des Landvolkes in den Ländern ihr folgt. Der Sieg des Proletariats ist nicht zu verhindern, sobald diese Massen mit uns im Bunde sind: also kein wilder Streik, sondern unermüdlicher Kampf um die Seele de s Landvolkes, das ist der richttge, zwar langsame, aber allein zum -Ziele führende Weg der Macht. Die Untersuchung in Wien. Die Beteiligung der Kommunisten. Wien, 23. Juli. (WTB.) Die Blätter melden, daß es der Polizei gelungen ist, den größten Teil der vor einigen Tagen aus einer geplünderten Wache weggeschafften Waffen und Munition in ein em Vereinslokal der sozialdemokratischen Jugendorganisation wieder zu beschlagnahmen. Bei den polizeilichen Ermittlungen spielten einige von Photographen während der Unruhen aufgenommene Bilder eine bedeutsame Rolle. Die ,Photographien wurden stark vergrößert, wodurch es möglich wurde, eine große Anzahl von Personen, die sich an den Ausschreitungen besonders als Brandstifter beteiligten, f est zu stellen. Interessant ist die F^tstellung, daß nahezu 50 Proz. der Verhafteten schwer vorbestrafte Verbrecher sind, darunter einer wegen Brandlegung mit fünf Jahren Gefängnis und ein anderer wegen Mordversuchs mit vierjähriger Kerkerhaft. Die Untersuchung der polittschen Zusammenhänge erstreckt sich auf die Agitation von kommunistischer Seite und auf die Hintermänner jener Provokateure, welche bei der Demonstration die Arbeiterschaft verhetzt und durch ihr aggressives Vorgehen gegen die Wache deren Einschreiten veranlaßt haben. Diese Provokateure haben auch das Kommando zum Sturm auf die Wachstube und auf den Justizpalast sowie die Aufforderung zu den Brandlegungen gegeben. Es scheint klar, daß tatsächlich ein Putsch plan Vorgelegen hat. Eine Anzahl von Zeugen können bekunden, daß am vergangenen Freitag wie auch am Samstag ein regelrechter Stafettendienst zwischen den Schauplätzen der blutigen Ereignisse und gewissen bolschewistischen Personen organisiert war, die sich in Wien aufhalten. Reichrschulgefetz und Verfassung. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". B e r I i n, 25. Juli. Das R e i ch s k a b i n e t t HO bekanntlich zur Begründung seiner Auffassung, daß der Reichsschulgesehentwurf keinen verfassungsändernden Charakter trage, vom Reichsjustizministerium ein Gutachten angefordert. Dieses Gutachten ist jetzt fertiggestellt und tritt der Auffassung des Reichskabinetts bei. 2m Reichsministerium des Innern ist man gegenwärtig damit beschäftigt, dies Gutachten des Reichsjustizministeriums in die umfangreiche Begründung des Reichsschulgesetzentwurfes, die demnächst dem Reichsrat und den Länderregierungen zugehen soll, hineinzuarbeiten. Lieber die Auffassung in den Kreisen der Deutschen Volkspartei hinsichtlich der Frage, ob das Schulgesetz verfassungsändernd ist oder mwt, verlautet, daß der Reichsschulgesetzentwurf nach Ansicht volksparteilicher Kreise nur dann nicht verfassungsändernd sei, wenn die süd- w est d e u t s ch e n S i m u I t a n s ch u l en u n berühr t bleiben, was nach dem Regierungsent- wurf b.^ich nicht der Fall ist. Sollte diese Auffassung tatsächlich in der Volkspartei vorherrschen, so würde das Ergebnis, zu dem das Gutachten des Reichsjustizministeriums kommt, von der Volksparter nicht anerkannt werden. Reichspräsident v. Hindenburg in Doberan und Rostock. Doberan, 24. Juli. (WB.) Heute vormittag traf nut Sonderzug Reichspräsident v. Hindenburg hier ein. Rach der Begrüßung auf dem Bahnhof begab sich der Reichspräsident, der von seinem Sohne, Major v. Hindenburg, und dessen Gatttn begleitet war nach dem Rathaus, wo eine feierliche Begrüßung stattfand. Alsdann setzte der Reichspräsident seine Reise nach Heiligendamm fort, wo im Kurhaus ein Frühstück eingenommen wurde Am Rachmittag besuchte der Reichspräsident auf der Doberaner Bahn das Rennen. Rach i/»5 Uhr abends begab sich der Reichspräsident nach R o st o ck. Auf dem Bahnhof hatten sich u. a. der Bürgermeister und der Rektor der Uni- versität eingefunden. Bor dem Bahnhof hatten die Verbindungen und Korporattonen Aufstellung genommen. Die Straßen waren von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge ein» gesäumt, die den Reichspräsidenten stürmisch begrüßte. Um 5,53 Uhr verließ der Reichspräsident mit dem Sonderzug Rostock, um sich nach Berlin zurückzubegeben. Die Beisetzung des Ministers von Brentano. Darmstadt, 24. Juli. (TU.) Heute vormittag 11 Uhr begannen die Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen hessischen Minister des Innern und der Justiz, Otto v. Brentano di Tremezzo. Nach der Einsegnung durch Dekan G a stell in der Kapelle des Waldsnedhofes wurde die Leiche auf dem Vorplatz des Friedhofes aufgebahrt. Eine Hundertschaft Schutzpolizei erwies die Ehrenbezeugung für den verstorbenen Vorgesetzten. Staatspräsident Ulrich hielt die erste Ansprache an die zahlreich Versammelten, unter denen man die badischen Minister Trunk und R e m m e l e , den bayerischen Innenminister Stütz! und den württem- bergischen Minister B e y e r l e bemerkte. Staatspräsident Ulrich begann mit den Worten: „Wir stehen am Sarge eines Großen" und schilderte Brentanos Bedeutung als Mensch >)nd Politiker, der in Deutschlands schwerster Zeit an führender Stelle fast Unglaubliches geleistet habe. Obgleich entgegengesetzter Weltanschauung habe er (der Staatspräsident) mit dem Verstorbenen seit Jahrzehnten zusammengearbeitet. Der neuen Zeit habe er seine wertvollen Dienste bis zum Tode gewidmet. Namens der Staatsregierung legte dann der Staatspräsident einen Kranz nieder und rief dem Verstorbenen den letzten Abschiedsgruß zu. Minister Kirnberger, der zur Zeit die Ministerien der Justiz und des Innern verwaltet, kam auf die besonderen Verdienste Brentanos als Minister unb Politiker zu sprechen, der, obwohl der Revolutton von 1918 innerlich gänzlich abgekehrt, im Bewußtsein seiner Verantwortung in die neu gebildete Regierung eintrat, um dem deutschen Volk in seiner größten Rot zu seinem Teil nach Möglichkeit zu helfen und Ordnung zu schaffen. Romens des Reichskanzlers und der Reichsregierung sprach der Präsident des Landesfinanzamtes, Dr. G l ä s - fing, der betonte, welche Verdienste sich von Brentano als Vertreter des hessischen Volkes im Reichsrat und als Reichstagsabgeordneter, als Mitglied der Rattonalversammlung sowie durch seine unermüdliche Arbeit als Minister für das ganze deuffche Volk erworben habe. Daraus legte er den Lorbeerkranz der Reichsvegierung nieder. Der Präsident des Heffischen Landtages, Adelung, sprach namens des Landtages, dem der Verstorbene über 30 Jahre lang angehörte. Gr ehrte in ihm den unermüdlichen Vorkämpfer für die Interessen seines Volkes und den allseits beliebten Abgeordneten. Domkapitular L e n - hart-Mainz legte den Kranz der Landtagsfraktion des Zentrums nieder, dessen Führer von Brentano jahrzehntelang gewesen ist. Er betonte die Tatkraft und Unermüdlichkeit, mit der der Verstorbene sich für die Ideen des Zentrums einsetzte. Rechtsanwalt D o ck i u s - Mainz sprach namens der Zentrums Partei des Reiches und Hessens, die in Brentano einen der Besten» verloren haben. Er sei der letzte in Hessen gewesen, der noch aus der alten Zeit herübergeragt und gleichsam wie ein Fels im Meer zwischen den sich umkämpfenden Ideen gestanden habe. Weiter nahm noch das Wort Bürgermeister Müller für die Stadt Darmstadt, Abgeord- neter Schül (Z.), der Präsident der Landwirtschaftskammer Hensel und die Vertreter der Verbände, Vereine und Verbindungen, zu denen der Verstorbene in Beziehung stand. Rach Cho-' täten der Musikkapelle geleitete der Trauerzug den Sarg, der von sechs Schutzpolizisten getragen wurde, zum Grabe. Dort sprach Dekan Ga stell die letzten Worte über das Thema: „Wir haben hier keine bleibende Statt, und unsere Werke wirken fort.“ Die Beisetzung König Ferdinands. Bukarest, 25. Juli. (TU.) Am Sonntag fand die feierliche Beisetzung König Ferdinands in der Meinen rumänischen Stadt Eurtea de Arges statt. Schon vom frühen Morgen an war der fünf Kilometer lange Weg vom Schloß Cotroceni bis zum Bahnhof dicht gedrängt von einer unübersehbaren Menschenmenge umsäumt. Auf beiden Seiten der Straße hielt ein Truppenkordon die Menge zurück. Um neun Uhr vormittags setzte sich der Leichen- z u g , angekündigt von 101 Kanonenschüssen, in Bewegung. Den Zug eröffnete der Polizeipräsident, ihm folgte eine Eskadron königlicher Garde zu Pferde, der Kirchenchor, die Geistlichkeit, sodann die Kriegsinvaliden, Vertreter der Knegervereine, die Fahnen aller rumänischen Regimenter. Ihnen folgten der Generalissimus der rumänischen Armee wahrend des Krieges, General Prefa.n mit der Königskrone und General Mararesco mit dem Marschallstab des Königs. Dann kam die von sechs Pferden gezogene Lafette mit dem Sarg des Königs. Sinter dem Sarge schritten Ministerpräsident Bra- t i a n u und die Minister, die Parlamentspräsidenten und sodann der König von Jugoslawien, Prinz Nicolaus, unb eine Reihe anderer Verwandter. Ihnen folgten alle früheren Ministerpräsidenten und Parlamentspräsidenten, das diplomatische Korps, die Abgeordneten und Senatoren und wieder eine Abteilung königlicher Garde. Der Zug brauchte bis zum Bahnhof 2i Stunden. Don dort aus brachten vier Sonder,siige die Leiche und die -Lrauergemeinbe nach dem 150 Kilometer entfernt liegenden C u r t e a. i> e Arges. Auch an der Eisenbakwstrecke hatten sich große Menschenmengen emgefunben. Um 4.10 Uhr traf ber Zug mit der Leiche des Königs, empfangen von 101' Kanonenschüssen m Eurtea be Arges ein. Der Sarg wurde von König Alexander, von Prinz Nikolaus und von Offizieren vom Wagen auf die Lafette gehoben Dom Bahnhof bis zum Kloster, wo sich die königliche Gruft befindet, hatten Abordnungen aller rumänischen Regimenter Aufftellung genommen. Um 5 Uhr traf ber Zug am Kloster ein, wo unter freiem Himmel ein Gottesbienst abgehalten wurde. Als der Sarg auf die Gruft gesetzt wurde, wurden in allen rumänischen Garniso. je 101 Kanonenschüsse ab* gefeuert, in den Dörfern läuteten die Glocken unb in allen Kirchen Rumäniens würben Trauergottes- bienfte abgehalten. * In der Berliner Ludwigskirche fand am Samstag für den verstorbenen König von Rumänien ein T.-auergottesdienst statt. Der Feier wohnten die Botschafter und die Vertreter der in Berlin aklreditierten fremden Mächte bei, darunter der Doyen des diplomatischen Korps, Runtius P a c e ll i. Als Vertreter des Reichspräsidenten nahm an der Feier Ministerialrat Dr. Döhle, als Vertreter der Reichsregierung Staatssekretär v. Schubert teil. Im Mittelschiff der Kirche war ein mit der rumänischen Königsstandarte bedeckter Katafall aufgestellt. Neue schwere Unwetter. In Schlesien. In ber Gegend von Trachenderg sind neuerdings schwere Unwetter niedergegangen, von denen besonders die Bartschniederung betroffen wurde. Trachenderg selbst und seine nächste Umgebung sind schwer heimgesucht. Es ging dichter Hagelschlag nieder, von starkem Gewitter begleitet. Auf den Chausseen wurden fast sämtliche Bäume umgeknickt und zahlreiche Obstbäume wurden entwurzelt. Ein Wirbelsturm hat einen mit Baumaterial beladenen Wagen samt Pferd unb Fahrer in den Straßengraben geworfen. In Trachenderg hat der Sturm Mauern umgerissen, Dächer abgeworfen und Scheunentore durch die Luft getragen. Die niedergegangenen großen Wassermengen Haden das schon bestehende Hochwasser noch verstärkt, so daß die ganze Umgegend wiederum unter Was - s c r steht. Alle Hoffnungen auf die Ernte sind zerschlagen. Im- Frankenland. Am vergangenen Freitag nachmittag ging Über dem badischen und bayrischen Frankenland ein schweres Unwetter nieder, das für die bevorstehende Ernte außerordentlich verhängnisvoll würde. In den meisten Ortschaften wurde die Ob st ernte vollkommen vernichtet, die Obstbäume sind teilweise von dem Wirbelsturm umgeworfen worden. Bäume mit einem Durchmesser von 1—1V2 m wurden entwurzelt und machten die Straße teilweise unpassierbar. Telephon- und Telegraphenleitungen wurden verschiedentlich zerstört. Mehrere Häuser wurden ganz und teilweise abgedeckt. Ueberall bietet sich dem Auge ein trostloser Anblick dar. In Mecklenburg. In Mecklenburg sind große Heber» schwemmungen eingetreten, wodurch vor allem der Ort Reu-Brandenburg betroffen ist. Kilometerweit sind die Felder überschwemmt. Am Oehlmühlenbach ist beim Abfluß d des Gefangenenaufsehers einen Betrag von 10000 Schilling geraubt. Gattenmord. In Stendal wurde die Frau eines Delika- tessenhandlers In ihrer Wohnung von der Polizei tot aufgefunden. Unter dem Verdacht, seine Frau ermordet zu haben, um sich in den Besitz einer hohen Lebensversicherungssumme zu setzen, wurde der Ehemann verhaftet. An seiner Schuld ist kaum zu zweifeln. Drei Personen beim Paddeln ertrunken. Am Sonntagnachmittao wurde auf der Havel Müschen der Gttenicker Brücke und Moorlake ein mit drei Personen besetztes Paddelboot durch ein plötzliche Bo zum Kentern gebracht. Zwei der Insassen, ein 25jähriger Kaufmann unö ein siebzehnjähriges Mädchen, ertranken, während der dritte, ein achtzehnjähriges Mädchen, gerettet wurde. — Auf dem Zeulhener See schlug ein Paddelboot,. das sich von einem Motorbtiot schleppen (affen wollte, um. Die beiden Insassen, zwei Geschwister, stürzten ins Master. Das Mädchen konnte gerettet werden, während der Bruder ertrank. Vier Todesopfer einer Schrapnell-Explosion. In dem polnischen Dorfe Eiche bei Rowy Tara (Reumarkt) explodierte plötzlich ein Schrapnell, das ein Bergmann nach Artillerie-Schießübungen gesunden und irrs Dorf mttgebracht hatte. Vier Personen wurden getötet und fünf verwundet. Cholera in Bafra. 3n Abadam am Persischen Golf ist die Cholera ausgeb rochen. Der Verehr zwischen Abadcnn und Basra ist eingestellt worden. In Basra haben sich fünf Todesfälle ereignet. Zollhinterziehung französischer Weinhändler. Dor dem französischen Kriegsgericht in Landau entrollte sich ein interessantes Bild über die Art und Weise, wie seit Jahren französische und spanische Weine in das Deutsche Reich zollfrei eingeführt werden, wodurch dem deutschen Weinbau schwerer Schaden erwächst. Zwei französische Weinhändler Marc und Chassarh betrieben in Kehl einen umfangreichen Weinhandel. Sie führten etwa 400 000 Liter französische und spanische Weine nach der Pfalz ein, angeblich für Zwecke der Desahungsbehörde. Den 12proz. Wein verschnitten sie in 9prozenttgen, wodurch die Menge bedeutend vermehrt wurde. Die Zollbehörde kam schließlich den beiden auf die Spur und beschlagnahmte die in Kehl und Maikammer lagernden Weine. Zum Schaden des Reiches wurde eine Zollhinterzie hung von 71 000 Mk. errechnet. Das Kriegsgericht stellte sich auf den Standpunkt, daß die Angeklagten sich deshalb strafbar gemacht hätten, weil sie unter dem Deckmantel der Desahungslieferung die deutsche Zollbehörde betrogen Ijätten. Einer der Verteidiger beantragte Freisprechung, da die Angeklagten ja nicht den französischen Staat, sondern das Deutsche Reich betrogen hätten: das Gericht solle „nicht päpstlicher als der Papst" fein. Das Urteil lautete wegen Uebertretung gegen die Ordonnanzen auf 250 bzw. 350 Mk. Geldstrafe. Das von der deutschen Zollbehörde eingeleitete Verfahren nimmt jedoch feinen Fortgang. Wettervoraussage. Wechselnd bewölkt, auch zeitweise Auftlaren, mäßig warm, zunächst noch meist trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 19,8 Grad Celsius, Minimum: 11,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer: 2$ Stunden. Niederschläge: 0,5 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,9 Grad Celsius. Witterungsaussichten für Mittwoch: Wolkig und Uebergang zu einzelnen Regenfällen. W fick i LKrZ ?5?ss$ Mr-- r 11 n g e n m. ^*Q9 abend B 412 uÄl.ün8U Feiens 'n un, 'bSZU Mrs LM 'WL s-s-S MLK ^l»s einmal g^, jjJ Tzernoch f. iiÄta9 V der Sorbäid W o°n @ran und Fürst. m p- Lebens,ahre Z„ r itT* Abgeord, i nnl - non,tu5 an bet ' en, gerettet wurde. - ilvj schlug ein Paddelboot, tw Ä){ Wppen lassen wollte n, zwei Geschwister, stürzteli hm konnte gerettet werden rtrank. in Schrapneü-Lxplosion m Doch Sich- te> nm noch »►** MStoWtaW m getötet M» W ” •a in Lasra. tanüW- *** b |5,i'168 meJ?Se * ’S m das -rutschen Jt, wodurch. ^ei fran« 12p* jimgebe?on* wtarf in Spr°^' brt t°m!» iaanao"1; Qu« Schade« e3°llVn ;«’«„•!?; 4<«r>®! «tswii» S ®ri»f 1?”V ®? ■■Äffen ,,, ffltittlD0*' 500 bis 750 RM. 100 Rpf., im durchschnittlichen Nurnmergewicht bis 30 Gr. 80 Rpf., über über 750 bis dem Verletzten nicht mir dos bittere Gefühl einer Minderwertigkeit zu nehmen, sondern ihn auch zu einem freudig mitarbeitenden Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu machen. Die Durchführung der orthopädischen Versorgung liegt den „Orthopädischen Versorgungsstellen" ob. deren Leitung in den Händen eines Facharztes liegt. Von ihnen werden die Untersuchungen über die Notwendigkeit einer orthopädischen Versorgung angeordnet und durchgeführt. Sn das Gebiet dieser Versorgung fällt sowohl die chirurgisch-orthopädische Behandlung (Nachamputotioneci. Sehnenplastiken und die sogenannte Wiederherstellungs- Orthopädie), wie die Anvassung von Kunsthaben, sind der 21 Jahre alte Juwelier Erich S t r a z e w s k i aus der Friedrichstraße, dessen Geschäftsführer Harry Rothschild, die Inhaberin des Iuwelengeschäftes in der Friedrichstraße Frau Strazewski, die Mutter des Erstgenannten, und der Bücherrevisor S g o t k i wegen Beihilfe verhaftet worden. Nach_ den bisherigen Ermit'lungen sind zahlreiche Geschäftsleute mit zusammen um mehr als eine halbe A»§ der yrovinDlhmwtstadt. Gießen, den 25. Juli 1927. Die neuen Postgebühren. Rach der neuen Postgebührenvvrlage staffeln sich die Gebühren wie folgt: Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gr. 8 Rpf., über 20 bis 250 Gr. 15 Rpf., über 250 bis 500 Gr. 20 Rpf., im Fernverkehr bis 20 Gr. >5 Rpf., über 20 bis 250 Gr. 30 Rpf., über 250 bis 500 Gr. 40 Rpf. Postkarten im Ortsverkehr 5 Rpf., im Fernverkehr 8 Rpf. Drucksachen (ein Unterschied zwischen Boll- und Teildrucksachen wird nicht mehr ge- -acht) in Form einfacher Karten (auch mit an« hängender Antwortkarte) 3 Rpf., bis 50 Gr. 5 2tbf. über 50 bis 100 Gr. 8 Rpf., über 100 7is 250 Gr. 15 Rpf., über 250 bis 500 Gr. JO Rpf., über 500 Gr. bis 1 Kg. 40 Rpf. (Mcist- »ewicht 1 Kg.). Po st Wurfsendungen. Drucksachen j Rpf. Mischsendungen — Drucksachen und Warenproben — 62/s Vpf. Geschäftspapiere. Warenproben und Mischsendungen, die erste Gewichtsstufe 15 Rpf. Päckchen bis 1 Kg. 40 Rpf. Pakete: 1. Zone bis 75 Klrn.: bis 5 Kg. o0 Rpf., jedes weitere Kg. 10 Rpf., 2. Zone über r5 bis 100 Klrn.: bis 5 Kg. 60 Rpf., jedes weitere Kg. 20 Rpf., 3. Zone über 156 bis 575 Klrn.: bis 5 Kg. 80 Rpf., jedes weitere Kg. 50 Rpf., 4. Zone über 375 bis 750 Klrn.: bis 5 Kg. 80 Rpf., jedes weitere Kg. 35 Rpf., >. Zone über 750 Klrn.: bis 5 Kg. 80 Rpf., jedes weitere Kg. 40 Rpf. Zeitungspakete gegen ermäßigte Gebühr und Einschreibpakete fallen weg. Wertsendungen, für je 500 RM. der Wertangabe beträgt die Dersicherungsgebühr 10 Rpf. Nachnahmegebühr: Dorzeigegebühr 20 Reichspfennig. P ostanweisungen bis 10 RM. 20 Rpf., Uber 10 bis 25 RM. 30 Rpf., über 25 bis Schöffengericht Gießen. Gießen, 22. Juli. Ein früherer Student, jetziger Kaufmann war 1925/26 als Volontär in einer hiesigen Buchhandlung tätig gewesen. Sn dieser Zeit soll er nach der Anklage Bücher, Zeitschriften und Postkarten sich angeeignet und mehrere, ihm zur Begleichung von Rechnungen ausgehändigte Geldbeträge nicyt abgeliefert haben. Nach umfangreicher Beweisaufnahme hielt ihn das Gericht des Diebstahls und der Unterschlagung in je einem Falle für überführt und verurteilte ihn zu einer Gesamtstrafe von zehn Tagen Gefängnis: im übrigen wurde er mangels Beweises freigesprochen. Ein Laufbursche aus Bad-Nauheim hatte seinem Dienstherrn mehrere Scheckfomiu- lare gestohlen, mit dessen Namen ausgefüllt und sich so Beträge von 300 und 400 Mark verschafft. Das Geld hatte er teils für Neuanschaffungen von Kleidungsstücken verwandt, teils in leichtfertiger Gesellschaft verpraßt; ein weiterer Teil konnte ihm noch abgenommen werden. Strafe: Zehn Wochen Gefängnis. Der Rechner eines Vereins in einem Landstädtchen hatte einen Posteinlieferungsschein über 20 Mark auf 25 Mark verfälscht und bei der Rechnungsprüfung vorgelegt, weil er sich bei der Aufstellung der Rechnung geirrt und die fragliche Ausgabe mit 25 Mark anstatt mit 20 Mark eingesetzt hatte. Wegen Urkundenfälschung wurde er an Stelle einer Gefängnisstrafe von 5 Tagen zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. ,100 AM. 40 Rpf., über 100 bis 250 RM. JO Rpf., über 250 bis 500 RM. Nauheim Ernst Bareiter zum Oberaffisten- ten; der Kanzleigehilfe Dersorgungscrnwärter bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim Sohs. Rack zum Oberassistenten: der Kanzlist bei der Staatsanwaltschaft Mainz Karl Breivvgel zum Kanzleiassistenten: oer Kanzlist bei dem Amtsgericht Darmstadt I Sohann Peter Rems- pech e r zum Kanzleiassistenten: der Kanzlist bei dem Amtsgericht Oricnberg Otto H i l d zum Kanzleiassistenten. — Sn den Ruhestand tritt: 3 Rps., über 30 bis 50 Gr. 4 Rpf., über 50 bis 100 Gr. 8 Rpf. Sm Postscheckverkehr ist die Ueber- weisungsgebühr fallengelafsen worden. Ebenso ist von einer Erhöhung der Auszahlungsgebühr abgesehen worden. Für Einzahlungen auf Zählkarten bis 10 RM. verbleibt es bei dem bisherigen Gebühvensah von 10 Rpf., bei Einigung von 10 bis 25 RM. 15 Rpf., von 25 is 100 RM. 20 Rpf., von 100 bis 250 RM. ■25 Rpf. Sn den folgenden Stufen bis 1250 RM. 'leibt die Gebühr unverändert. Ferner ist für ie Beförderung der Postscheckbriefe eine Gebühr vorgesehen, die bei Benutzung der be- onderen gelben Briefumschläge 5 Rpf. beträgt. .' ie von der Verwaltung vorgeschlagene Gebühr von 5 Rpf. für das Ausfertigen des Kontoaus- ..uges ist abgelehnt worden. Die Wortgebühr für gewöhnliche Inland- Telegramme im Ortsverkehr wird 8 Rpf., im Fernverkchr 15 Rpf. betragen. Die bisherige Stundungsgebühr für Aufgabe eines Telegramms durch Fernsprecher und die Gebühr für Stundung von Telegrammgebühren kommen in Wegfall. Di« In der Vorlage vorgesehene Einrichtung beim Verkauf durch Wertzeichengeber, eine 8°Rpf.-Karte für 10 Rpf. abzugeben, ist beseitigt worden. Es sollen Vorkehrungen getroffen werden, um durch Automat die Acht- pfennigmarke zum Nennwert abzugeben. Die neuen Gebühren treten am 1. August, diejenigen für Pakete und Zeitungen am 1.0 k° tober in Kraft. Die orthopädische Versorgung der Kriegsbeschädigten. Dom Versorgungsamt Gießen gehen uns die folgenden Ausführungen zu: Wer gesunde Glieder hat, wird sich nur schwer in die Gedankengänge und die seelische Einstellung eines Amputierten hineinversehen tonnen. Snnerlich Kranke können sich leichter aus den Gedanken loslosen, die um ihre Leiden kreisen, da ja immer wieder Zeiten kommen, in denen ihre Gebrechen weniger fühlbar sind: anders die Amputierten, die bei ieder Bewegung den Verlust ihres Armes, Beines usw. vor Augen haben, denen in jedem Augenblick sich der Gedanke aufdrängt: Du hast ja dein Bein verloren. Dieser stets sich aufdrängende Gedanke, der notgedrungen sich einsteltende Vergleich mit den andern, die ihre gesunden Glieder noch besitzen, führt leicht zur Verbitterung und zum Gefühl der Zurücksetzung. Dieser seelischen Einstellung muh der Rechnung tragen, dem die orthopädische Versorgung der Amputierten obliegt. Die Richtlinien der modernen Orthopädie, die nicht nur den Verlust des Gliedes ersehen, sondern auch das Ersatzglied so dem Körper on- passen will, dah es sich gewissermaßen organisch der Funktion des Körpers einfügt, gehen dahin, Berliner Börse. Efsekten-Frühverkchr. Berlin, 25. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Die neue Woche hat wieder ruhiges Geschäft aufzw weisen. Im Frühverkehr macht sich jedoch schon auf leichteres Geld eine freundlichere Grundstimmung bemerkbar. Besondere Anregungen liegen nicht vor. Für Farben besteht bei 320/321 weiter Interesse. Am Devisenmarkt nennt man Paris 124,01, Mai« land 28,42, Madrid 28,42 und das Pfund 4,8545. 1000 RM. 120 Rpf. Cilzustellgebühr: Bei Vorausbezahlung durch den Absender für jede Briefsendung usw. im Ortszustellbezirk 40 Rpf., im Land- justellbezirk 80 Rpf.: für Pakete (einschl. der Paketkarte) im Ortszustellbezirk 60 Rpf., im Landzustellbezirk 120 Rpf.: Gebühr für dringende Pakete 100 Rpf. Zeitungsgebühr: für monatlich einmal erscheinende Zeitungen im durchschnittlichen Rum- inergewicht bis 3u Gr. 1,5 Rpf., über 30 bis 50 Gr. 2 Rpf., über 50 bis 100 Gr. 4 Rpf.; für monatlich zweimal erscheinende Zeitungen MillionMark geschädigt wokdeit. Strazewskrpfl^te bei den Devkäufen einen kleinen Betrag in bar zu zahlen und für den Rest der Schuld W e ch s el auszustellen. Sn seiner Abwesenheit tätigte der Geschäftsführer Rothschild Käufe, der aber dann Wechsel mit falsche n älnterschrif- t en zu versehen pflegte. Sobald die Wechsel fällig wurden, konnte die Zahlung nicht erlangt werden. Die Gläubiger wurden von Tag zu Tag vertröstet. Sn der Zwischenzeit wurden aber immer wieder neue Einkäufe von Strazewski in der gleichen Weise vorgenvmmen. Dii 24-Stunden-Zeit in Preußen. Wie der amtliche Preußische Pressedienst einem zugleich im Namen des Ministerpräsidenten und sämtlicher Staatsminister ergangenen Rund- erlaß des Ministers des Snnem an die Nachgeordneten Behörden aller Zweige der preußischen Staatsverwaltung entnimmt, hat das preußische Staatsministerium beschlossen, für die gesamte Staatsverwaltung die 24- Stundenzählung einzuführen. Zwei Knaben ertrunken. Sn Dillwärder (Hamburg) wurden zwei elfjährige Knaben, die dort in der Flutzeit badeten, von den Wellen eines Dampfers umgerissen. Beide Knaben sind ertrunken. Riesenbrand In Reuyork. Die Betriebsanlagen einer der größten RvH- genbrotbäckereien der Welt, der Techter-Bäckerer- Gesellschaft, wurde durch Feuer zerstört. Der Schaden wird auf 1 Million Dollar geschätzt. Durch Unvorsichtigkeit in den Tod. Sn Echternach trank eine Frau, die versehentlich statt der Wasserflasche ein Gefäß mit Salzsäure ergriffen hatte, ge- I ringe Mengen dieses Giftes. An den inneren Verletzungen verschied sie kurz darauf. Güterzugunglück auf der Brenner-Strecke. Auf der Brenner-Strecke bei Ora entgleiste ein Güterzug, der Obst und Gemüse nach Deutschland bringen sollte, in voller Fahrt und rollte einen Abhang hinunter. Die Lokomotive stürzte in die Etsch und explodierte. Der Maschinist wurde totgedrückt, der Heizer schwer verletzt. Viele Wagen wurden zertrümmert Der Schaden wird auf etwa 1 Million Lire geschäht. Rundsunk-Programm des frankfurter SenderS» (Aus der .Radio-Umschau".) Dienstag, 26. Suß: 15.30 bis 16: Die Stunde der Sugenb. — 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausorchesters: Soh. Seb. Bach. — 17.45 bis 18-05: Die Lesestunde. — 18.15 bis 18.45: „Die Zusammensetzung und Verfälschung einiger Lebensrnittel: lll. Butter und Margarine", Vortrag von Dr. Haun. — 18.45 bis 19.15: Funkhochschule: „Seuchenbekämpfung". Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Oxenius. — 19.15 bis 19.45: Funkhochschule: „Altdeutsche Tafelmalerei V“, Vortrag von Dr. Oswald Götz. — 19.45 bis 20.15: Stalienischer Sprachunterricht. — 20.15 bis 21.15: Vortrags-Abend Svsef Bunzl. — 21.15 bis 22.45: Tlebertragung aus Kassel: Konzertprogramm. Derantwortlich für Lokales, Provinz ttnb Wirtschaft i. D. Dr. 5)ans Thyriot. am 1. August aus Grund des Gesetzes über die | Altersgrenze der Staatsbeamten der Lehrer Sohann Philipp Herweck an der Volksschule^zu I Darmstadt; der Gendarmerieinspektor Karl W ö r» gliedern, Stützappara en und Bandagen: denn I ner zu Schotten mit Wirkung vom 1. September nicht nur die verlorengegangenen Gliedteile sollen 1927. erseht werden, auch die Gelenke Und Musk ln be« ** Geheimer Justizrat Professor dürfen häufig eines künstlichen Halts, da sie durch D r. Rudolf Stam ml e r feiert am 25. Suli I Verletzungen ihre normale Lage verloren haben, sein goldenes Doktorjubiläum. Er ist Zu den Prothesen zählen auch künstliche Augen, rn Alsfeld 1856 geboren und hat in Gießen stü- künstliche Nasen und Ohren, doch werden bei diesen diert. Hier wurde er vor fünfzig Jahren zum Maßnahmen besondere Fachärzte für Augen ufto. Doctor juns promoviert. Er gehört zur Zeit der herangezogen. Sm Bereich des Hauptversorgungs« juristischen Fakultät der Berliner Universität an, amtes Kassel bestehen Orthopädische Versor- weshalb auch dort die feierliche Ueberreichuna des gungsstellen in Kassel iw.d Frankfurt a. M. Zu erneuerten Doktordiploms stattfindet. Stammler ist dem Bereich der Orthopädischeii Dersergungs- vor allem durch seine grundlegenden Arbeiten auf stelle in Kassel gehören fast 5000, zu dem der dem Gebiet der Rechtsphilosophie bekannt gewor- Orthopädischen Versorgungsstelle Frankfurt a. M. den und hat in dieser hie moderne, kritische Rich- rund 10 000 Kunstgliedträger usw. Ihnen werden tung auf neukanttscher Grundlage ins Leben Ersatzglieder stets in doppelter Anzahl zur Ver- prüfen sügung gestellt, um sie bei dringlichen Ausbesse- * Von der Garnison Die Truppenrungen nicht arbeitsunfähig werden zu lassen. terle des Standortes Kas.el und die in Marburg, m x. , c. r- . Gießen, Eisenach und Weimar liegenden Teile Die ^^^rdnungen dieser Ersahglleder fmbert Infanterieregiments 15 begeben sich Ende vus den orthopädischen ^rech ag f . J August nach dem Truppenübungsplatz Mün- emrtd)tung Tft ge.toffm um twn Smg8Mc6abig. « . Württemberg Nach Mchluh der ten die orlyopadlsche 4*Is° n-ch!uchmi. Gelegen. in Münsingen begibt sich da« 15. Snf.- W Sut Beratung dura) ta&tall« geben, ^gimmt unmittelbar ins Manovergelände nach Auch werden Orthopäd e Mechaniker und-Schub Westsalen, um an den Herbstmanövern teilzu- wacher zugezogen, um mit ihnen die fraglichen ' Einzelheiten des Aufbaues solcher Prothesen .. Erhöhung der I n o a l i d e n v e r - durchsprechen zu können. sicherungsbeiträge für Rückstände. Der Hm den Beschädigten weite Resten zu er- ^tanb der Landesversicherungsanstalt Hessen sparen, werden olche Sprechtage nicht nur am un5. Z^lge des Reichsgesetzes vom 8. Avril a 1927 betragen die Jnvalidenveißchevunasbeiträge Städten abgeha ten. Werden Beschädigte amtlich DOm 27 guni 1927 an in Lohnklasse 1 bei einem ju solchen ^Untersuchungen besteNt so werden roöd)ent(id)en Arbeitsverdienst bis zu 6 Mark ihnen die Reisekosten, einschl Verpflegung tote wöchentlich 30 P., Kl. 2 (mehr als 6 bis zu 12 Mk.) auch die Lohnausfalle, erstattet. 2ln die Gute der 6Q Kl. 3 (mehr als 12 bis zu 18 Mk.) 90 Pf., verordneten Apparate werden die höchsten An- $( 4 ^ehr als 18 bis zu 24 Mk.) 1,20 Mk., Kl. 5 forderungen gestellt, wie ia auch m den Preis- - al5 24 W5 3U 30 Mk.) 1,50 M?., Kl. 6 (über I berechnungen nur bestes Material vorgesehen ist 30 ) 18n Mk. Beiträge für die Zeit vor dem Wenn trotzdem die funktionelle Auswirkung des 2? 9uni 1927 sind vom 1. August an nach den Ersatzgliedes den Amputierten und den verord- neuen Borschristen zu entrichten. Beitragsmarken nenden Arzt nicht immer voll befriedig, so hegt QÜen wertes sind daher bei der Post und bei der । öteg eben daran daß man es mit einem toten Landesversicherungsanstalt nur noch bis zum Mechanismus zu tun hat, der sich dem lebenden | 31 3uü erhältlich. Die Arbeitgeber und die Ber- Korper nicht immer foz anfugen laßt wie es . sj^rten haben deshalb das größte eigene Interesse wünschenswert Ware Srnmerhin dursten ^Iche ba^n> bas bie Beitrag-entrichtung für die Zeit vor Falle heute zu den Ausnahmen gehorew Kann bem 27. Juni spätestens bis 31. Juli in Ordnung durch Apparate dem Verletzten eine selbsttätige ^brucht wird Fortbewegungsmöglichkeit nicht geschaffen toer- "Die'neue Krankenkassenversi- ben. so wird ein Zayrstuhl oder, falls wenig- Herungspflichtgrenze. Angestellte mit stens die Arme noch brauchbar sind, erw Selbst- einem Monatseinkommen von 225 bis 300 Mk. fahrer verordnet, mit Hilfe ^ssen eine selbsttätige toQren ^icht verpflichtet, einer Kranken- Fortbewegung gu unb üon der Ar^itsstatte er- faffe unzugehören. Der Reichstag hat, wie seiner- moglicht wird. Schließlich gehört auch in den De- it gemet6eti mit Wirkung vom 1. Oktober 1 reich dieser Versorgungsstecke ote Belieferung mit ig2? &iß Erhöhung der Berscherungsgrenze auf Führerhunden an blinde Kriegsb^chadigte. Es 300 monatlich (Zuschläge für Frau und werden meist eigens hierzu abgerichtete Scha er- Binder nicht mitgerechnet) .beschlossen. Angestellte Hunde verwandt, die in der Lage sind, den Bhn- mit einem Einkommen bis zu 300 Mr. müssen den durch die belebteren Siraßen zu fuhren. aIfo vom Arbeitgeber zu diesem Zeitpunkt bei So sind den Or hopadischen Versorgungs- zuständigen Orts- und Betriebskrankenkasse stellen mancherlei wichtige Ausgaben zimi Wohle angemeldet werden, wenn sie nicht vocher einer bet Kriegsbeschädigten zugewiesen deren ge- Standeskrankenversicherung beitreten. Der Arbeitwissenhafte Durchführung dazu beitragen soll. Q^T h^ Beitragsanteil in Höhe des Pflicht- das Los dieser besonders schwer getroffenen j'rankenkaffen-Drittels unmittelbar an den Der- Kriegsopfer zu erleichtern. sicherten bei der Gehaltszahlung abzuführen. Vornotizen. *• Auftrieb auf dem heutigen - Tag°-,-lend°r für Montag. Pa- ^°"ksurt-r Schlachtvi-Hmaakt^ 251 , ** Briefe an die Redaktion. Um Q<1 mnnSor 9 n n h o « - 51 n i b e r f i t ä t unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten SÄÄÄÄt Mt mit Siam^thc SÄ LL KaM^ Sm sorgfältig-D-. dakteute -a '°nd°ni Eg-m-in an di- ^L°Zrl-LigunkrwäL-t''w-^ Erkenntnis in den Dienst der Schädlingsbekämp- fung stellte und die Tierkunde weiteren Kreisen seines Landes nahe brachte", ehrenhalber zum Doktor der Philosophie ernannt, von Spring eiae ncuc staatliche Frauenklinik in Berlin. . ist der Sohn des or^ntlichen Der erste Abschnitt des grandiosen Projektes, die Philologie erteilt. stehenden Verhandlungen über die provisorische Ver- , V.11, .Ernannt wurden, zu ^rgung der alten Frauenklinik beendet sind. Das überplanmäßigen (StuDunraten: die Studienasses- o(”e Gebäude wird bis auf einen Teil voll- soren Karl Balser aus Steinbach, Kreis Gießen, ftänbip niedergerissen werden. Die Baukosten des Heinrich Ha u s er aus Rieder-Weisel bei Butz- neuen' Krankenhauses, das das mobernfte buch, Hans F. K och aus Darmstadts Theodor nanz Berlins fein wird, belaufen sich einschließ- Kr aus topf aus Darmstadt, HansM^airt en» (i^ Inneneinrichtung nach den bisherigen Kalkula- stein aus Mainz, Dr. Wendel Mertz aus Ho^n Quf annähernd 6 Millionen Mark. ÄÄV Ö Sul^inÄr MMon-nb-lrug in d-r Berliner JMdMW bei dem Amtsgericht Grünberg Ludwig Dauer Umfangreichen ‘Betrügereien ist bi: Dehner -um Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Gießen; Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Unter Der Iustizinspettor bei dem Amtsgericht Lich Wil- dem dringenden Verdacht, fortgesetzt große Helm Ritter zum Zustizinspektor bei dem K r e d i t s ch w i n d e l e i e n und -Betrügereien Amtsgericht Gießen: der Kanzleiassistent bei dem zusammen mit Urkundenfälschungen begangen zu Amtsgericht Darmstadt I Martin Gengnagel ' ,4-s 01 rv"**-* zum Oberassistenten: der Kanzleiassistent bei dem Amtsgericht Darmstadt I Heinrich Heil zum Oberassistenten: der Kanzleiassistent bei dem Amtsanwalt in Friedberg Wilhelm Karl Schäfer zum Oberassistenten: der Kanzleiassistent bei dem Amtsgericht Alsfeld 3ofef Anton S t a u° bach zum Oberassistenten; der Kanzleigehilfe | Dersorgungsanwärter bei dem Amtsgericht Dad- V ■ '... ß Ti fc;| I I Zylinder Gießen, 24. Juli 1927. 68881 Verkäufe önste Endlage, gegen Abfindung, zu I j Dank 05439 Gießen (Buddestraße 11), den 23. Juli 1927. 6883 D Gießen, den 25. Juli 1927. 6873D Zahlung: 6878V Statt Karten 6880V 68821) Schreibe mit KLIO mit Werkstatt oder ZN fünfen gesucht. Klio ist der beste Goldf üllhalter Erklärung! Aut® Ich erkläre biermit öffentlirh hnft in Ruf-Nr. 1790 Privatwohnung: Landmannstraße 1 08454 FrisßiirgehiHß Franz Bock, Volster- Wetzlar 6876V Lghriiiädchen 4521 <1 sucht sofort 6877V an & Buchen- und Abfallholz Wegen Unglücksfalles bleibt meine Praxis bis auf weiteres geschlossen mit Preis u. Größe u. 05446 a. d G. Anz. Olpl.-Zngenieur Karl Strumpfes und Frau Lotte geb. (Weder Hans Noll, Viib-uigji. ulne und 'Jk'iiu ,Dt, Drogerie 0. Woncr- ho», Krenzvlntz 9/ 0. Im Namen der Hinterbliebenen: Friedrich Mandler. 3f)re Vermählung geben bekannt Otto Schultheis, Pfarrer Gertrud Schultheis geb. Kunkel Statt Karten! Danksagung. 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Dienstag, den 26. Juli, nachm. 2 Uhr. versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Bar- findetDauerstellung. fjflnß M (RfiFfPfl Schr. Angeb. u.05385 an den Gieß. 5lna. hetroerb. - riJ . Wohnung zu kauf. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Harbach für das Aj. 1927 liegt von heute ab eine Woche auf hiestger Bürgermeisterei zur Einsichtnahme offen. Innerhalb dieser Zeit können Einwendungen gegen den- selben, mündlich oder schriftlich, vorgebracht werden. [6870D Bemerkt wird, daß die Erhebung einer Umlage beschlossen wurde, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. Harbach, den 25. Juli 1927. Hessische Bürgermeisterei Harbach. Selbständige perfekte Nestaurationü- M-chi« Drucksachen aller Att die vrühl'sche UnioerfttStr-vnickerei, H. Lange, Gießen. 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Biel Mühe, viel Liebe einfacher Bauern hat sie in sieben Jahrzehnten dort Heraufgezüchtei, sie haben dem früher armen Dorfe Wohlstand und Namen gegeben, sie haben mitten in die schweren Roggen- und Weizenäcker ihre traumhafte Schönheit ausgegossen, als dränge die Fülle nur zu der 'Fülle und nrehre sich an ih Sehr langsam gingen wir in den Furchen der Rosenäcker dahin. Keine Uhrzeiger trieben uns, kein Ziel rief. Wir waren als Liebende gekom- Ein halbes Leben später, seit jenen Tagen der ersten Zielsetzung, des bewußten Wegbeginnes. Ein glühender Julilag ftefjt über den ®emarten der hessischen Heimat, über den Gauen der reichen Wetterau. Dichte Wollen ballen sich auS vesen wären. ,r. Man muh auf die innere Krrsrs der deutschen f Arbeiterbewegung während des Krieges zurück- veisen. um diese andern Kräfte deutlich zu t inschen. Mit der Erklärung vom 4. August 1914 'M hatte der deutsche Sozialismus eine neue Bahn ; 4 teldjritten. Zwar war dieser Schritt in den vor- onsgegangenen Jahren vorbereitet worden, die 8'tsinnung. aus der sich die Politik des 4. August ti'gab. hatte sich keineswegs plötzlich von oben dem Dunst der Horizonte und quellen von rötlichem Gold an weihen Rändern. Die Luft ist stumm über gilbenden Korn- und dunkelgrünen Weizenfeldern. Aber nicht Schwüle, nicht Staub der Landstraße konnten uns hindern, von Nauheim aus hinüberzuwandern in die R o s e n f e l - der von Steinfurth, die schönsten vielleicht, die es auf deutscher Erde gibt. Sie liegen in Aecker und Wiesen des Wettertales eingebettet, sie klettern sanfte Hügel hinan, verweilen am Gipfel im spärlichen Schatten einsamer Linden, steigen gegen die Dvrfgärten nieder, rühren hier fast bis an den Chausseegraben und tauchen dort erst hinter schützend vorgelagerten Klee- und Rübenpflanzungen auf. Ihr Leuchten, weithin, lockt und rüst den erstaunten Wanderer. Kleber die Eine neue Partei? Don August CED innig. men, wir wollten als Liebende verweilen, so lange bis uns späte Sommerdämmerung die Sicht nähme und das wachsende Mondlicht die Dielheit der Farben in durchblautem Silber und Smaragd auflöste. Kaum fand ich die frühen Rosen meiner Kindheit wieder. Wo war die unvergleichliche, ge- liebteste „La France?" Sie, die mich auch durch die reichsten Jahre meines erwachten Lebens begleitet hatte und nie als Wächterin den Rahmen der geliebten Bilder fehlte? Sie siecht an heimlicher Krankheit hin, wenige Züchter noch pflanzen und pflegen sie. Wo war jene schwarzrote „Samt- rose" auf festem Stiel mit hartem Laub und runder, voller Blüte, die im Sterben nachblaute und unter verwirrendem Duften verschied? Wo war die „Malmaison"? Wo die die weihe Duschzentifolie? — Der Gärtner, der uns begleitete, lächelte ein wenig: — Ist, was Sie vor sich sehen, weniger schön? Ist es nicht viel volllommener. viel edler? — Vielleicht. Ich sehe nur, daß es anders ist. Es scheint mir, die Form sei leichter und der Dust sei zarter geworden. Zarter auch das Spiel bet Bon Albert H. Rausch, Berlin. Fast am Ende der Heinen Stadt tag bei 0 arten meiner Großmutter. Tag für Tag sah in an die alte Frau, auf ihren graublauen Sonnenschirm gestützt, eine geflochtene Strohtasche am Lm, durch die engen Gassen nach diesem Garten ,Weiten, der ihr spätes Leben und ihre spate Aiebe war. In den Ferien oder an schulsteren Machmittagen ging ich neben ihr, die Tasche tragend. Dann spannte sie den großen Schirm auf. nahm manchmal meinen Arm, um sicherer zu gehen, und sprach von ihren Früchten und Blu- in.cn. Don diesen mehr als von jenen. Ich hörte ihr gern und aufmerksam zu. Denn ich teilte ihre Liebe, obwohl ich schon lange erkannt hatte, daß mir eine Blume etwas Geheimnisvolleres bedeutete als ihr. — Später wurde der Garten Teil um -Leu verkauft. Es wurden neue Häuser gebaut, eine Slrahe wurde an seiner westlichen Flanke angelegt, und schliehlich ging das letzte übrig gebliebene Grundstück in fremden Besitz über. Die »roßmutter starb, ich selbst war herangewachsen urb lebte in fremden Städten und Ländern, fern oen allem, was das Leben meiner Kindheit aus- gcrmacht hatte. Aber so oft ich nach Hause zurück- teyrte, und an der Stelle Vvrbeikam, wo jenen harten meiner frühsten Jugend gelegen hatte, ging ein langer, dankender Gruß zu seinen ver- 'Lwundenen Wegen, Beeten und Lauben hinüber: 1ö®nn dort, in jenen ehemals blühenden und däm- ntzrnben Heimlichkeiten, an deren Pforte ein alter, bieitgewölbter Nußbaum die Wacht hielt, ging mir der Sinn auf für das Leben der Pflanze, brr aus hütendem Dunkel der helligen Erde in Da8 entfaltende Licht strebt. Dort auch ging mir dos Wunder dieses Lichtes auf, dem ich ein 2indernis zu beseitigen. Der Beschluß ist wichtig irmb kann allgemeine politische Folgen haben. 'San hat im Reiche die Gründung und Haltung xs Altsozialistischen Partei Sachsens vielfach be- idftet und hier und da mit Sympathie verfolgt, so h tz eine Ausbreitung der Partei wohl möglich ist. 3k Groß-Berlin hat sich bereits eine Ortsgruppe bildet, der auch ich angehöre, und es ist zu er« wetten, daß in den nächsten Wochen weitere Orts- r?appen entstehen. Erfüllen sich unsere Hoffnun- so entsteht hier eine neue Partei. Das mag als eine Zumutung an die deutsche i)Öffentlichkeit empfunden werden. Denn es gehört den wenigen Ansichten, die von der gesamten riitischen Welt geteilt werden, daß wir mit Par- ew-n genügend versorgt seien und daß nirgends rän Bedürfnis und Verlangen nach einer neuen jkertei vorliege. Wir kennen diese Parteiver- drvssenheit und halten sie für wohl begrüntet DaS deutsche Voll ist zweifellos in feiner -iSgroßen Mehrheit der Parteien müde, es hat -Irin Vertrauen zu den Parteien verloren, es ||.?fet feine Hoffnungen mehr auf sie. Indessen, txatn gewählt werden muß. so gehen achtzig blri neunzig Prozent des deutschen Dolles zur Dahl und wählen eine der anderthalb oder zwei i)»hend Parteilisten. Die zweifellos vorhandene, (Lade und echte Ablehnung des Parieiwesens iftr bisher eben nur Ablehnung geblieben. Die lyr zugrunde liegende Gesinnung hat noch keine enteren und besseren wirkungskräftigen Gebilde si rvorgebracht. So lange das nicht geschehen ist, bMben die politischen Dinge den Parteien über» lassen, und so lange wird sich der politische Wille, toertn er sich Ausdruck verschaffen will, auf die orm der Partei ang «wiesen sehen. Es kommt nicht darauf an, ob eine Partei ntdjr oder weniger, sondern es fragt sich, ob der Erwachs etwas taugt oder nicht. Will eine .neue 'Partei zum Leben kommen, so bleibt es ihr über- " " ihr Daseinsrecht beweisen und er- Fehlt ihr aus inneren oder äußeren Kraft dazu, so muh sie sich be- Allsvzialisttsche Partei angeht, so nicht nur nach dem lokalen Anlaß beurteilen, der sie ins Dasein rief. Hier ging es fi«r um den Streit, ob die sächsische Sozialdemo- Irctie im Rahmen der großen Koalitton mite arbeiten wolle oder nicht. Aber hinter diesem Anlaß stand doch auch noch etwas anderes. BrrauSgegangen war in Sachsen die sogenannte Aera Zeigner. In dieser liegen die ilr- Iprünge der Abspaltung, ans der di« Alte '.>Zialifttsche Partei hervorging. Reinlichkeits- cesichl und airständige Menschlichkeit empörten sich ceoen ein politisches System, das zum Einmarsch ter Reichswehr führte und in entern Krimtnal- vavzeß endete. Aber dieses Zerwürfnis hätte die Parteidiplomatte leicht schlichten können, wenn nicht doch andere Kräfte mit im Spiel ge° Erinnerungen an Dzerschinfki. Von Harry v. Hafferberg. Am 16. Juli 1927 ist es gerade ein Jahr her, daß der Chef der Tscheka, der bolschewistischen Inquisition, Felir Dzerschinfki, die Erde um den schweren Druck feiner finsteren Persönlichkeit erleichterte. Kommende Geschlechter werden in ihm einen zweiten Nero, einen Torquemada, einen Fou- quet-Tinville sehen. Aber was wissen wir, die Zeitgenossen, von diesem Menschen? So gut wie nichts! Und selbst Leute, die die letzten zehn Jahre ununterbrochen in Moskau verbracht haben und oft mit Dzerschinfki in persönliche Berührung kamen, müssen heute mit Erstaunen feststellen, daß faktische Tatsachen über sein privates Leben ihnen eigenllich in nur sehr geringem Maße bekannt sind und daß selbst die Russen über den wahren Charakter dieses merkwürdigen Mannes nur sehr weniges wissen. Auf Leute, die ibn näher kannten, machte es den Eindruck, daß dieser Monn überhaupt kein ori- vates Dasein, kein Familienleben fül)re. Er waltete fast ununterbrochen, zu jeder Tages« und Nachtstunde in den dunklen Schreibstuben und Gewölben der Tscheka und das Klappern der, Haft- und Mord« befehle ausfertigenden, Schreibmaschinen und das Knattern der die Opfer zur Richtstatt bringenden Motore übertönte bei ihm alle persönlichen Gefühle, falls er solche überhaupt hatte. Auch wurde die Nähe dieses Furcht erregenden Menschen derartig sorgfältig gemieden, daß er selbst seinen nächsten Angestellten zeillebens ein Fremder blieb. Und wenn man von ihm etwas „Persönliches" erfuhr, so war es nur in den Fällen, wenn seine Hand sich schwer auf dem gebeugten Nacken des Opfers niederließ . . . Die von ihm gegründete größte Spionageorganisation der Welt gab ihm die Möglichkeit, jederzeit über die Vergangenheit und Gegenwart jedes Sowjetbürgers unb auch all seiner Parteigenossen informiert zu sein und jede gewünschte Auskunft zu erhalten. Er wußte, wer sie waren, was sie taten und wessen sie fähig sind. Trieb es einer zu bunt, nutzte sich ab oder lehnte sich auf, so wurde er, ohne viel Federlesens, ohne Untersuchung und Gericht „liquidiert". Deshalb wird man es verstehen, daß Dzerschinskis Tod gerade für seine Parteifreunde kein besonderer Kummer bedeutete und viele Seufzer der Erleichterung entrissen sich aus so mancher gequälten Tschekistenseele. Zu Lebzeiten des unheimlichen Felix konnte man es oft beobachten, wie der eine oder andere Bolschewistenhäuptling manchmal merkwürdig deprimiert, zerstreut, seltsam melancholisch wurde, ja, weder essen noch trinken konnte, und wenn man ihn nach dem Grunde fragte, so stellte es sich schließlich heraus, daß der Betreffende sich bei irgendeiner geschäftlichen Gelegenheit mit Dzerschinfki veruneinigt hatte. Der Chef der Tscheka verfolgte ihn nun unablässig mit seinen kalten Schlangenaugen und dieses genügte vollauf, um dem Unglücklichen die Ruhe, den Schlaf und den Appetit zu rauben. Diese Leute versuchten dann alles, um dem gleichgültig-verächtlichen, aber Schlimmes kündenden Blick Dzerschinskis zu entrinnen . . . Nicht selten retteten sie sich ins Ausland. Wie zum Beispiel Krassin, der im Winter 1925 gewagt hatte, zu behaupten, daß im Dolkswirtschaftsrat, welches Dzerschinfki damals verwaltete, „mehr Unordnung", als bei ihm im Außenhandelskommissariat, herrsche (!). Auch Skljanski, der zweite Vorsitzende des revolutionären Kriegsrates, der mit Trotzki zusammen die Rote Armee begründet hatte und bann aus ihr entfernt wurde, hatte es sich einst herausgenommen, die Wirksamkeit Dzer- schinski und seines Stellvertreters Unschlicht zu bemängeln. Unö was ift mit diesen beiden Oponnen- ten Dzerschinskis geschehen? Mit dem Revolver in der Hand zwang der Tschekachef den kranken Krassin, unterschriebene Schecks auf seine Millionen, die er im Auslande deponiert hatte, herauszugeben, ihm lediglich .eine geringe Summe zum „Lebensunterhalt" überlassend. Erst danach durfte Krassin auf seinen Auslandposten zurückkehren, wo er — wie die Russen behaupten — „aus Merger über den Verlust der ehrlich erworbenen Millionen", nach wenigen Monaten verstarb. Der Tod Skljanskis, der in Rußland eine viel größere Rolle spielte, als man es im Auslande ahnte, ist bis heute in ein mystisches Dunkel gehüllt. Zunächst mußte er nach dem fernen Amerika, wo er, am Strande eines kanadischen Sees, mit amerikanischen Genossen Zusammentreffen sollte. Doch schon nach sechs Wochen beerbigte man in Moskau feierlich bie Urne mit den irdischen Resten des in den Gewässern des fernen Sees Ertrunkenen: Ein „unbekanntes" Motorboot hatte den Kahn des bolschewistischen Reisenden gerammt, und der vertrauteste Freund Trotzkis fand hier einen unerwartet raschen Tod. Man schrieb hierüber nur wenig... Unter den vielen Trauergästen war auch Dzerschinfki auf dem Roten Platz erschienen. Aber wie blaß und erschrocken waren die Gesichter der. übrigen Anwesenden, als auf ihnen die kalten, grünlich-schillernden Augen des schrecklichen Felix lasteten. Diese gefürchteten, alles durchdringenden Augen des „Asketen"^ Dzerschinfki waren die typischen Schlangenaugen, in einem länglichen Degeneratenantlitz tief eingefallen; eine lange gerade Nase, bünne reptilienartige Lippen und ein spärliches, rötliches Spitzbärtchen ... Oft erfuhr man aber dennoch einiges, das darauf hinzuweifen schien, daß der „rote Torquemada" nicht immer ein Asketendafein führte. In einer Versammlung in Nowonikolajewsk erregte die Frau des Tschekiften Tiunow Dzerschinskis wohlwollende Aufmerksamkeit. Am folgenden Tage schon wurde der Genosse Tiunow, der kaum seinen Namen richtig schreiben konnte, mit der Außerordentlichen Kommission nach Urjanchai geschickt. Dzerschinfki aber setzte seine Reise durch Sibirien--mit der in ihrer Blüte sein — hatte keine Geltung: genau so wenig wie das leichtere, hellere, großblumige Waldveilchen jemals Geltung gehabt hätte vor der Heineren, dunkleren Schwester voll übersüßen Hauches. So lernte ich die Rosen des großmütterlichen Gartens bewerten nach Süße und Eindringlichkeit ihres Atems, nach der Erquickung, die ein Trunk aus dem Quell ihres Duftes gewährte, und wußte gar nicht, daß es Rosen gab, die keinen Duft im Innern ihres Kelches bargen und ihre Schönheit einzig im Bild der Blume gesammelt hielten. Da war eine schwarzrote Rose mit runden Blütenblättern aus Samt — wir nannten sie einfach „Samtrose" — welche am meisten bewundert und geliebt wurde. Nach ihr kam die unvergleichliche „La Franoe" aus siLernem Rosa, der die „Marechal Riel" aus blaßgelber Seide wie eine Schwester gleichgeordnet wurde. Dann folgten mehrere Arten der Teerose, deren breite, im Innern enggeschichtete Blume, vermengtes Creme und Lachs, eine starke, milde Süße aushauchte, während der Ruch der „Malmaison" heftiger strömte und der Atem einer Weißen Duschzenttfolie so betäubend war, daß wir sie nie, zum Strauß gebunden, im geschlossenen Zimmer ertragen konnten. Es gab einige Sorten von Moosrosen, Weiße und blahrote, von herberem Arom, und schließlich einen großen Strauch, der flare, goldgelbe Blüten von wachsarttgem Duste trieb, Blüten, die rasch zerflatterten, sobald sich die kühle, edle Form der Knospe geöffnet hatte. Es gab Rank- und Hängerosen an den Gartenlauben und Monatsrosen von liladurchsetztem Rosa, aus deren Gebüsch der warme Wind lange Wellen lauer, lösender Düste hob. Abend für Abend wurden die erblühten Knospen abgeschnitten, und es war selbstverständlich, daß auch auf dem Tisch meiner Stube niemals der Rosenstrauß fehlte. Wie oft geschah es bann, daß ich den Kopf von den Schulbüchern aufhob und das Auge auf den Blüten ruhen ließ, die an glänzenden Stengeln über den Rand der Vase ihren frühen Heimatwelten, Hellas und Rom, entgegeirschwankten. Da entdeckte ich eines Tages, daß ich den Rosen eine andere Rangordnung gab, als man es mich gelehrt hatte. Ich reihte sie nicht mehr ein nach der Dichte und Süße ihres Dustes, sondern nach der Schönhett üjrer Gestalt. Lind mehr noch I als die vollerblühte Blume fesselte nach die halb-, I die viertelerblühte oder auch die noch geschlossene Knospe. So kam es, daß die La F»ance-Rofe mehre Lieblingsrose wurde: Dust, Farbe, Form erschie- Frau Tiunows fort. Ucbrigens mürbe der Genosse Tiunow für sein „freunbfchafllichcs" Verhalten Dzerschinfki gegenüber mit bem Posten des Vor- sitzenden der Tscheka in Kraßnojarjk belohnt. Jrn Herbst des Jahres 1921, als Sowjctrußland sehr stark unter bem Kohlenmangel litt unb auf ber Eisenbahnstrecke Moskau—Charkow nur ein einziger Eisenbahnzug in der Woche verkehrte, erhielt man in Moskau Nachricht, baß im Süden riesige Kahlenmengen verschleudert warben wären. Der Leiter bes Dangebiets war bamals ein Kommunist namens Ssascha, ein Schulkamerab unb guter Freunb Dzerschinskis. Er würbe beschuldigt, die Kohle unrechtmäßig an türkische Firmen verkauft unb ben Ertrag sich angeeignet zu haben. Zur Untersuchung bieses Falles traf Dfchersinsky persönlich in Charkow ein. Ssascha würbe vorübergehcnb seines Amtes enthoben, unb in seiner Umgebung roch es bebenklich nach Pulver. Doch was geschah? Es vergingen nur wenige Tage, unb Dzerschinski teilte plötzlich ben amtlichen Stellen in Charkow mit, baß „bie Angelegenheit mit ber Ausfuhr ber Kohle nun erlebigt" sei, unb baß es ihm gelungen wäre--bie völlige Un- schulb Ssaschas festzustellen. Ssascha würbe wieder in Amt unb Ehren eingesetzt. Im Sonberzuge aber, welcher Dzerschinfki im Eiltempo nach Moskau zurückbrachte, nahm, außer ihm, noch eine Schreibmaschinenmamsell Platz, ein lieblich-nichtstuenbes Wesen, bie bekannte Romanzensängerin Galja Ssa- moiskaja, die bisher--Ssaschas unzertrennliche Freundin gewesen war ... Später wußten alle Großspekulanten, daß sie sich mit Hilfe dieser „Geheimsekretärin" Dzerschinskis von ben Verfolgungen ber Tscheka loskaufen konnten ... Ihr konnte Dzer- schinski keine Bitte abschlagen — er war ein „Asket". Außer ber schönen Galja soll es in ber Umgebung Dzerschinskis noch biese und jene „Geheimagentin" gegeben haben, oic durch Beeinflussung des roten Großinquisitors die Macht besaßen, wen sie wollten, dem Verderben preiszugeben ober jeden beliebigen Tschekahäftling vor ber bereits ausgesprochenen Tobesstrafe zu bewahren. In seiner „Außerorbentlichen Kommission" vereinigte Dzerschinski ben Auswurf ber Menschheit: entlassene Sträflinge, begnabigte Banditen, zaristische Gendarmen, Ochranahelden, Dirnen, Segeneratcn unb Verbrecher. Allen gab er bie Macht, je nach Belieben unb ungestraft über bas frembc Leben ihrer Mitmenschen zu verfügen. Dzerschinfki unb seine Knechte vermochten es prakttsch nicht burchzuführen unb san- ben es auch nicht für nötig, eine Registration ihrer „Arbeit" einzuführen. Daher wirb es nie mögsich sein, bie volle Wahrheit über bie Zahl ber Opfer ber Tscheka zu ergrünben. Rach ben Berechnungen des englischen Pro- fefforß Serollh wurden in Sowjetrußland in den Jahren 1918 bis 1923 weit über 1 700 000 Menschen hingemvrdet. Ratürlich kann diese Aufstellung heute nicht nachgeprüft werden. Fest steht aber, daß noch im Iahre 1920 in Sowjetrußland insgesamt über 1500 provinzielle Unterabteilungen der Tscheka existierten, von denen die meisten fast täglich Exekuttonen vornahmen. Man sagt, daß bie Menschen vor ihrem Tode, im Verlauf eines winzigen Augenblicks, ihrgan- zes Leben vor sich vorüberziehen sehen. Wenn es nun Dzerschinski in der letzten Minute seines Lebens beschieden war, alles von ihm und in seinem Ramen Dollsührte noch einmal zu erleben — so müßte diese eine Minute einer Ewigkett höllischer Qualen gleichkommen. Ein Gefühl des Glückes kann es nicht gewesen sein. Auch muß man an einen anderen Zug dieses merkwürdigen Menschen denken, ein Detail, über das man nccht hinwegkvmmt, das einen immer mit größerem Schauer erfüllen muß, je mehr man darüber nachdenkt: er heißt Felix! Diesen Namen gab ihm seine Mutter mit ins Leben---damit er sich und anderen Glück bringen möge ... Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügtes Rückporto wird fc... einen außerordentlich geschützten, sonnigen Platz. Der Hmtausch wird vom Gemeinderat genehmigt. Für das Krankenhaus werden etwa 12 bis 14 Betten vorgesehen, die Kosten sollen 40 000 Mk. nicht übersteigen. Einem b ringen beh Bedürfnis wird mit der Herstellung des Krankenhauses für die Stadt entsprochen. — Mehrere Fragen, die sich auf den vom nächsten Sonntag bis Mittwoch, 3. August, hier stattfindenden altbekannten Schottener Sommer markt beziehen, werden besprochen. Ein neuer Platz für den Pferdemarkt ist angekauft und neu her- gerichtet worden. Zahlreiche Meldungen liegen vor. der Markt verspricht einen sehr großen Umfang anzunehmen und seine alte Anziehungskraft auLzuüben. — Den Steueraus schlag für Vj. 1927 setzte b:r Gemeinderat wie folgt fest: 15 Pf. für je 100 Mk. Steuerwert von Gebäuden und Bauplätzen, 28 Ps. für landw. Grundstücke, 40 Pf. für gewerbliches Betriebskapital. 40 Pf. auf je 1 Mk. staatlichen Gewerbeertragssteuersoll, 28 Pf. auf je 1 Mk. staatliche Son der steuer für Gebäude. — Der Schütz en verein plant einen völligen Neubau seiner Schießanlagen. Auf sein Gesuch stellt ihm der Gemcinderat einen größeren Gebäudekomplex an der Ameisenweide am Stadtwald gegen mäßige Pacht zur Verfügung. Eine Besichtigung an Ort und Stelle soll näheres bestimmen. Kreis Alsfeld. XlX Vuppertenrvd, 24.3uli. An den Folgen eines Gehirnschlages starb der älteste Einwohner unseres Dorfes, Herr Heinrich Vei- b e r im 84. Lebensjahre. — Ein hiesiger Landwirt hielt das Bein seiner Kuh, um es von einem Nagel zu befreien. Er kam zu Fall, wobei ihm eine Nippe gebrochen wurde. — An einem der letzten Vegentage stürzte ein hiesiges Mädchen aus ziemlicher Höhe von einem Kirschbaum auf den Erdboden. Nahe dabei weilende Leute hörten die Gestürzte jammern und eilten herzu. Die Verletzungen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. — Durch den Straßenschlamm geriet zwischen hier und Ermenrod an der „roten Weide", die sehr steil abfällt, ein Lastauto ins Schleudern und sauste den Straßenrain hinab. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. StarhenbutQ. * Darmstadt, 24. 3uli. Bei der Einweihung der neuen städtischen Fest- Halle, öte zum ersten Male bei den großen Turnfesten, die am Sonntag beginnen, in Benutzung genommen wird, hielt Bürgermeister und Stadtbaurat B u x b a u m, der Erbauer der Fest- Halle, eine Ansprache, in der er u. a. ausführte, daß die Halle nicht nur den Verkehr nach Darmstadt ziehen, sondern auch als Ausstellungshalle für Handel, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Kunst und Kunstgewerbe dienen solle. Das 33. Mittelrheinische Kreisturnfest und die Hessische Landwirtschaftliche Ausstellung seien der Stadt willkommener Anlaß gewesen, die Festhalle zu errichten. Die Halle hat eine Gesamtlänge von 80 m, eine Breite von 62 m und bedeckt eine Fläche von 5200 qm. Sie saßt 5233 Sitze ohne Tische und 4320 mit Tischen. Aus der Bühne können 400 Sänger untergebracht werden. Bürgermeister Mueller übernahm die Halle und stellte sie dann öem Vertreter der Darmstädter Turnerschaft, Rechtsanwalt Kalb- Henn, für die Turnfeste zur Verfügung. Rheinhessen. WEN. Mainz, 24. 3uli. Der siebenjährige Sohn eines Mainzer Fuhrmanns spielte am Zollhafen am Sande. Während des Spiels rutschten die Sandmassen ab und zogen das Kind mit in den Rhein, wo es in den Fluten verschwand. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg. 24. 3uli. 3n Anwesenheit von Vertretern der städtischen, staatlichen, kirchlichen Behörden und der Universität, sowie unter riesiger Beteiligung der Marburger Bürgerschaft fand fr~.de die Neueinweihung der Farben und es mache sich bemerkbar eine große Vorliebe für den Hall»-, den Diertelton. Er nickte und wies auf einen Acker, in dem sich alle gelben und orangenen Feuer der Sonnenuntergänge über Wüstenhorizonten zusammendrängten, vermengt mit Pfirsich und mit Safran, mit Aprikose und Zitrone. Er ging ein paar Schritte weiter und zeigte ein anderes Feld: einen Taumel von Rosen, Kupfer und Salm, Koralle und Lachs, übergoldet, überfilbert. Hnd hier und da ein Kirschrot eingenistet, ein Ziegelrot, ein Rot wie von zertropftem Taubenblut. Das Auge trank. Hndenkbar saft, daß es sich je aus diesem Rausche lösen könne, der über ihm zusammenschlug. Jede Sekunde verlängerter Schau steigerte die Lust. Aus zwei Schattierungen, eben gewittert und unterschieden, wurden vier, wurden acht. Das Spiel der Schatten in den Mulden der Blütenblätter, an den glatten und den umgeschlagenen Rändern, gegen die Tiefe der goldenen Staubfäden zu. fügte sich in den Fluß der Farbe selbst, schuf famtne. seidne Milde, schuf Dichtigkeit unb Auflichtung, schuf innere Form im Bann der äußeren Gestalt. Nun fielen Namen: „Golden Ophelia": ein Kelch auS hellstem Gold, ruhend aus schlankem Stiel: „Roselandia": ihre Tochterblume, weichen Dustes, größer, vom reinsten Sonnengelb: „Golden Emblem": dunklere Sonne, ein breiter, durch- glühler Pokal: Betty Hprichard": mit Blüten- ?(ättern doppelten Schimmers, rosa und golden nutzen, innen verhauchend nach Orange, träum« wlles schweres Haupt, ein wenig rnüd vielleicht: ,3ohn Mensing". fleischfarben zart, als Bild .im edelsten in halbgesprengter Knospe: „Reverend Page Roberts": orange, von heimlichem Brvkatbraun übersickert, im Grunde rvtgvldnen Hort bergend, der die erschlossene Blume von innen durchdämmert: „Mrs. Henry Morse": ge- tränkt mit Duft, strahlendes Rosa, an wundervoll gezogenes Rund geschmiegt, Zinnober ahnen lassend und stumpfes Gold im Boden: noch leuchtender aus vollem Kelch, doch mit eckig auf» geschlagenen Blütenblättern: „Souvenir de Georges Pernel". Korallenrosa, gelbverwafchen. klar von Gestalt, glänzend imb kühlen Hauches: „Los Angeles" ... Schon formte sich der Strauß in den Händen des Führers, ein Strauß aus Sonnenuntergängen aus Abendrot und Abendgvld. Er wählte die zartesten Farben erreichter Veredelung ötc seltensten — — und konnte nicht wissen, daß nach so langem Derweilen bei den Gesichten erbarmungsloser Wüsten und lafurener Himmel, gelbgoldner Mittagsträume Aegyptens, gipfelnd in der Hybris des Echnaton, ein andre: Durst in unsren Augen brannte: Dunkel und Purpur ... O Feld voll roter Nachtglut! Doch weicher Salbenbalsam, flieg der Duft aus vielen offnen Kelchen der „Chateau de Clos Dougeöt", legte sich über die matten Lider und schloß sie... Da waren alle heißen Wüstengesichte verflogen, besiegt von anderen, milderen, die langsam herauf- ftiegen: Parktiesen mit stillen Weihern und bunt- stäuvenden Springbrrrnnen, Platanen- und Ulmenalleen mit langsam brausenden Wipfeln im Morgenlicht, fernem Kinderlachen und Tarcben- gurren, und irgendwo an einer Wegkreuzung auf tauchend und vorüberslüfternd, weißes Frauengewand... Da waren, in alten Schlössern, grün» durchdunkelte Gartenzimmer mit geschlossenen Fensterläden, auf niederen Konsolen flache Schalen, gefüllt mit schwarzem Rosenpurpur, aus dem ein kühlender Weihrauch niederfloß... Da war alles, was reich und schön in diesem Leben war: bis rückwärts in die Tage des Knaben, dem sich am Duft und Bild der Rose der Sinn der Welt erschlossen hatte. Der Führer war weitergegangen Er stand vor einem anderen Beet, unser Nachkommen erwartend. 3n seinen Zügen lag Spannung, und die Hand, welche in neue, etwas hellere Rosen- gluten wies, wollte sagen: Hier ist das Kostbarste, das menschliche Mühe zu züchten vermochte: Karmin und Scharlach, Blut und Rubin, Zinnober und Carmesin, ®erani umrot und chinesischer Lack... Hnd wie schon das Auge des Knaben sich immer wieder an den schwarzen Tiefen jener „Samtrose" des heimatlichen Gartens sestgesogen hatte, an jenem Abgrund, in den das Blut der Blütenränder langsam niedersickerte: so suchte nun das wissende (und doch nicht wissende) die dunkelsten aus dem Gewühl der Blumen die schattenvollsten, aus denen — hoffnungslos — olle Trauer der Erfüllung das cw'ge Fragen der Seele anweht. „Gloire de Hollande" „Had- leh" „van Vossem. „Vohan", „Dickson" und „Lieutenant Chaurs": Vosen der Versunkenheit. trunken am eignen Sein, fast schon den Gott besiegend, der sie schuf. Da war die Grenze da war das Nicht-mehr-weiter-können, Vicht- mehr-wei ter-wollen. Die Sinne Ichlvssen das Tor. Das Auge wollte nicht mehr scheu. Durch spätes Abenddämmern schlenderten wir zurück in die Stadt, oft stehen bleibend, oft im Hmkreis das langsam entschlummernde Land messend, das unsre Heimat war ... Heimat, die wir so leicht verlassen, wenn Hnraft der achtzehn 2ahre uns durch die Länder und Meere treibt, die wir erst ganz begreifen, wenn unser Schicksal uns gelehrt hat. wie sehr wir ihres Lebens Gleichnis sind. Dann flutet ja Gelebtes wieder in die Buchten des Anfangs: aus allen Himmeln, unter denen w:r jemals erfüllt und glücklich waren, regnen die Vosen zurück in das Herz der Großen Mutter, die schweigend wiedernimmt, was sie an Traum und Kraft zu blühen uns oftmals Un- g et reu eri mitgab. _____ HochschulnachrichLen. 3n der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften der Technischen Hochschule zu Aachen habilierte sich der Schriststeller Dr. Wilhelm Hermanns für das Fach der Zeitungskunde. — Amtlich wird die Ernennung des o. Professors Dr. Alfred B e r r o t h von der Berliner Landwirtschaft- schastlichen Hochschule zum ordentlichen Professor der Geodäsie an der Technischen Hochschule in Aachen bestätigt. — Die Privatdozentin für Zoologie an der Hniversität Berlin, Dr. Paula H e r t w i g , ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ebenda ernannt worden. Frl. Dr. Hertwig, eine geborene Berlinerin, widmete sich dem Studium der Naturwissenschaften in Berlin, besonders bei ihrem Vater, Professor Oskar Hertwig, und war von 1915 bis 1918 Assistentin am Berliner anatomisch - biologischen Institut. 1919 erhielt sie die venia legendi in der Berliner philosophischen Fakultät. Z. Zt. bekleidet sie eine Assistentenstelle am 3nftitut für Vererbungsforschung in Berlin-Dahlem. — Zum Vektor der Hniversität München für das Studienjahr 1927/28 ist der Ordinarius für Forst einrichtung, Holzmassenermittelung, Geodäsie und Wegbaukunde Geh. Vegierungsrat Dr. Vinzenz S ch ü p - f er, gewählt worden. — Professor Dr. Sakin von der Hniversität Heidelberg hat den an ihn ergangenen Vuf als Ordinarius für Nationalökonomie an die Hniversität Basel angenommen. — Der bisherige Honorarprofessor für Geschichte des Mittelalters und der neuen Zeit an der Hniversität Münster t W.. Dr. Adolf Gottlob, iss zum Honorarprofessor an der Hniversität Dr es7 a u ernannt worden. Hniversitätskirche statt, deren vollstäw» diger Hmbau zum 3ubiläum jetzt vollendet ist. Die Kirche, deren Chor um 1300 von den Dominikanermönchen errichtet worden ist, wurde später stillos vollendet. Das Schiff wurde ein flache >', kastenartiger Bau. Hm es mit dem Chor in Einklang zu bringen, griff man auf die 3i)ee des ersten Baumeisters zurück. Man vollendet« die abgebrochenen Strebepfeiler, riß die überall eingebauten Emporen weg, der Kastenbau der Orgel verschwand aus der Mitte des Chores. Nun wölbt sich eine buntbemalte Decke wie ein prächtiger Teppich über das Schiss, an der Hinterwand des Chores erhebt sich ein schlanker Orgelturm, vor dem der Altar mit einem mächtigen Kreuz, von der Künstlerhand Otto Kösters, Barmen, aus Bronze gegossen und ziseliert, errichtet worden ist. Das gotisch Empov- strebende kommt jetzt voll zur Geltung. Die farbenprächtige, in neuer evangelischer Form gotisch vollendete Kirche kann sich jotzt neben der Elisabeth- uni der Marienkirche sehen lassen. Mit kurzen Worten weihte Generalsuperintendent Dettmering-Kassel die Kirch» und übergab sie von neuem ihrer Bestimmung. Pfarrer Dr. Frankenberg-Marburg hielt Darauf die Festpredigt. Eine liturgisch-musikalische Abendfeier beschloß das Fest. 11 Marburg, 23. Juli. Heute nachmittag sand in der Aula der Universität die Wahl des Netto r s der Universität und der Dekane für das Amtsjahr 1927/28 statt. Als Rektor wurde Pofefsor Dr. theol. Freiherr o. Soden gewählt. Die Wahl der Dekane hatte folgendes Ergebnis: Theologische Ja- kultät: Prof. Dr. theol. Friedrich N i e b e r g a l l; Juristische Fakultät: Prof. Dr. jur. Tiani gf; Medizinische Fakultät: Prof. Dr. med. Walter Uffenorbe; Philosophische Fakultät: Prof. Dr. phil. Paul Jacobsthal. — Während in früheren Jahren die studentischen S t i s t u n g s f e st e und Fäßck)enpartien schon in den ersten Julitagen ihren Anfang nahmen, blieb es in dem gegenwärtigen Jubiläumssemester bis jetzt verhältnismäßig till. Erst in den letzten Tagen haben die studenti- chen Veranstaltungen eingesetzt. Aus diesem Grunde irangt die Stadt, besonders die Straßen der Alt- tadt, in prächtigstem Fahnenschmuck der verschiedensten Verbindungsfarben. Viele Alte Herren der Verbindungen, welche auch an dem kommenden Freitag seinen Anfang nehmenden 400jährigen Uni» versitätsjubiläum teilnehmen wollen, sind bereits eingetroffen. WSR. Marburg. 23. 3uli. Der Marburger Verein für Luftschiffahrt errichtet zur Zett auf den Afföller Wiesen eine neue große Flugzeughalle. Man hofft, die Halle in der kommenden Woche fertigstellen zu können. Damit ist ein wesentlicher Fortschritt erreicht worden. Der Bau der Halle ist um so mehr zu begrüßen, als zur 400»3ahrfeier der Hniversität Rundflüge unternommen werden sollen, für die man auswärtige Piloten gewinnen will. sch. Marburg, 24. 3uli. Infolge geistiger Störung stürzte sich dieser Tage eine junge Patientin aus dem Fenster im zweiten Stock der hiesigen Hautklinik. Glücklicherweise fiel sie auf einen Apfelbaum, wodurch der Fall erheblich gemilixct wurde, so daß die Selbst- rnordkandidattn, soweit bisher festgestellt werden konnte, ohne erhebliche Verletzungen davon kam. — Bei den gestrigen Wahlen zur Studentenkammer entfielen auf die Hauptliste der Marburger Korporationen 31 Sitze (873 Stimmen), auf die Lifte der Freistudentenschaft 9 Sitze (267 Stimmen), auf die Liste der Studentinnen 5 Sitze (144 Stimmen), auf die Liste der nationalen Korporattonen 20 Sitze (541 Stimmen), auf die Liste der nationalen Freistudenten 5 Sitze (140 Stimmen). Die Wahlbeteiligung war gut. 70 Prozent der Marburger Studierenden wählten. Dillkrcis. bl. Dillenburg, 23.Juli. Durch die Anstellung eines Kreiskommunalarztes im Sill frei je finden z. Z. Schuluntersuchungen statt. Zweck dieser Untersuchungen soll es sein, bei den Schulkindern schon in der Jugend evtl. Krankheitsherde (insbesondere Tuberkulose, Rachitis usw.) aufzudecken und für entsprechende fachärztliche Behandlung der Kranken besorgt zu sein. bl. Dillenburg, 23. Juli. Die Stadt hat an einigen Stellen im Stadtwalde Kinderspiel- Die Ausdehnung des Himmelsraumes. Von Professor Dr. Adolf Marcuse, Berlin. Der Sophokleische Ausspruch: „Vieles Gewaltige gibt es, doch nichts Gewaltigeres als den Menschen", kommt einem unwillkürlich in Erinnerung, wenn man die neuesten Fortschritte in der Wissenschaft vom Weltall sich vergegenwärtigt. 3n den letzten 3apren ist es der Astronomie mit Hilfe der ganz großen Fernrohre und neuer Methoden gelungen, bis in die Tiefen des Weltraumes, sogar jenseits des Weltennebels der Milchstraße vorzudringen. Nun kommt von der kalifornischen Dergfternwarte Mount Wilson, wo sich das größte Spiegelteleskop mit einer Oeffnung von zweieinhalb Metern, in reinster Höhenluft arbeitend, befindet, die Nachricht von einer höchst eindrucksvollen Entdeckung aus dem Bereich der entferntesten Fixsternwelten. Man hat durch neue photographische Aufnahme unb Ausmessungen einen schm früher bekannten Nebelfleck im Sternbilde des „Schützen" untersucht und gesunden, daß dieses Weltsystem weit jenseits unseres durch die Milchstraße begrenzten Stemsystems in einer Entfernung von etwa neun Trillionen Kilometern liegt. Auch über die räumliche Ausdehnung dieses Nebelflecks ton: te man eine Vorstellung gewinnen, ja sogar üb r die Lichtintensität jenes Weltgebildes. Danc ^) nimmt dieser Nebelfleck -inen Rarun ein, den das Licht mtt seiner Sekun'engeschwindig- keit von 300 000 Kilometern erst in etwa 3000 Lichtjahren durcheilt, wobei einem Lichtjahr der ^aum von 9,4 Billionen Kilometern entspricht. Dre Lichtstärke jener Nebelwelt dürfte um ungefähr zwanzigmillionenmal größer fein als die Strahlungsintensität unserer Sonne. Gegenüber solchen ungeheuer großen Dimensionen und Licht- intenfitäten erscheint selbst unser Sonnensystem' mit seiner Ausdehnung von etwa 9-000 Millionen Kilometern sehr klein und unser lichte und wärmespendendes Zentralgcstirn nur ganz schwach leuchtend. Braucht doch das Licht von unserer Erde bis zu dem bisher äußersten Planeten Neptun nur etwa vier Stunden, während es zum Durchlaufen jener sernsten Nebelwelt allein schon fast 3000 Lichtjahre nötig hat. So stehen wir staunend vor der Größe des Weltalls, dessen Durchdringung aber dein Menschengeiste in unaufhaltsamen Fortschritten gelingt. ictjt h'n bchju £• tourbe 1* Han anj1?1 Ehor N- Aan L^ ^>ler. n& ÄNe ' J? «2*5 : WÄ Mte ZASm. Lchjfs'^ ein sich ei» Sr l T Hit "jn»m "kr irnÄ'r LZK -SsZL $?»Ä Wä J^°Dwnb m irühk >en Stiftungsfest ?Ä* ^lilQR ö ji bem gegenmär, 9 letzt vtthoitnisMjg en haben die ftubentb ■ö*: E diesem Stunde die eiraßen der M. der verjchie. ’Jiele Alic Herren der an bem tommenben nden Wjährigen Uni« wollen, sind bereits 23, Juli, 9er Marchri errichtet zur Zeit eine neue große hofft, die We in rtigftellen zu tonnen, r Fortschritt erreicht > Ic ist um so myr zu rfcier der UnivrtzM »erden sollen, für bit zevimen will. Juli. Infolge gei- sich dieser Tage eine m Fenster im zwei- tiliniL GlLälichertveise nm, wodurch der Fall e, so dast die Selbstsher festgestellt werden erklungen davon kam. llahlcn zur Stu, rcn auf irie Hau-tlisK kh 31 ßifre (8736tim* Studentenschaft 9 Eitze iste der Sttldentimen ui die Liste der nL- i Sitze (541 Stimmens, n Freistudenten 5 Sitze jtbcfciligunfl war gut. Studierenden wählten. !is. Juli. Durch die Anstel« !munalarzte? im Z. (5d)ulunfcr|ii« r Untersuchungen soll er schon in der llugen« sbejonbere Tub-Most । unb für cnt(prW her Kranken besorgt es der y ■ W. rmwhre Mlt- rte in w»st«LW "*?£*** g aus »em neue ÄsS ZSZS "ff«*’ ®d> SrSiS SSkS «^,7/schon Mtz vsr Juli, Si( Stadt hat an Wölbe KindersP-^ ^estzinmels- ^Mcrcuse.Derlin. SS 'N s geplant. Die Feststellungen im Kreise bezüglich ! der Seilnaym. fi.xö bis. j-gt ’uhenü bl. Haiger . 23. Juli. Hier send eine A u s - lohnte die Turnen, Sport und Spiel Nachdruck verboten. 39 Fortsetzung. In der vormittag Form?" „Ja, Prinz Chira hat ihn mit einigen besonderen | fC*• k >,u i.km ninfarUPIlh ste11ung des deutschen Schäferhundes statt, die von der Ortsgruppe chaiger des Vereins der deutschen Schäferhunde veranstaltet - worden war. Auf der gutbeschickten Ausstellung konnte man erstklassiges Material sel)en. Die ganze Schau legte Zeugnis von einer regen Entwicklung deutscher Züchterei ab. Die hiesige Ortsgruppe lohnte die 3üelfter mit schönen Ehrenpreisen. laingau. WSR. Frankfurt, 24. Juli. Friedberger Landstraße wurde gestern ein 70jähriger Mann in der Küche seiner Wohnung tot a u s g e f u n d c n. Es liegt Gasvergiftung vor. Der alte Mann war schwer gichtleidend. — In der Kaufunger Straße hat ein 20jähviger junger Mann seinem Leben durch Oefsnen dcsGas - Hahns ein Ende bereitet. WEN. Bad Homburg, 23. Juli. In einem Tannenwald in der Nähe der Tontaubenschieß- stände wurde gestern ein 25jähriger Kaufmann aus Frankfurt a. M. von einem Landjäger erhängt aufgefunden. Aus einem Abschiedsbriefe geht hervor, daß er freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Der junge Mann stand kurz vor der Hochzeit und hat aus Verzweiflung darüber, daß er keine Arbeit finden konnte, seinem Leben ein Ende gemacht. — Der Dichter Bruno Wille, Verfasser namhafter Romane, ist, von einer schweren Krankheit genesen, hier zu einem längeren Erholungsaufenthalt eingetroffen. Faltboote neu aufs Wasser gelassen worden sein. Ich bin davon überzeugt, daß von diesen mindestens 49 500 mit Fahrern beseht waren, die ohne jede Vorbereitung, ohne alle Kenntnisse aufs Wasser gingen. Änd wieviele von diesen Booten entsprechen nicht den Anforderungen, die man an ein sportgerechtes Fahrzeug stellen muß. Da sind es einerseits die selbstgebauten Boote mit fehlerhaften und geradezu unmöglichen Konstruktionen. And ferner sind es auch die leider von manchen Bootswerften hergestellten vereinfachten Boote, welche in Masse zu einem billigen Preis auf den Markt geworfen werden. Der Tln- ersahrene und Minderbemittelte greift in gutem Glauben zu, denn ein Faltboot zu besitzen ist die Sehnsucht vieler jungen Leute, unb der Prospekt schilderte es doch so verlockend. Das auf dem Rhein bei Ahmannshausen in den Pfingsttagen erfolgte Anglück ist darauf zurückzuführen: Die Fahrer hatten ein billiges Kleinboot, das bei der ersten größeren Dampferwelle lippte. Einmal gekippt, bot es auch nicht den geringsten Halt mehr. Wie viele gehen aufs Wasser, ohne die geringste Ahnung von Strömung und Stau, von der Möglichkeit, vom Aussehen des Wassers in Farbe und Kräuselung der Oberfläche auf das zu schließen, was kommt. Wie vielen fehlt jede Möglichkeit der Beurteilung der Stromgeschwindigkeit imb dabei Abschätzung ihrer eigenen Kraft im Falle einer Gefahr! And wieder sind es viele, die gar nicht wissen, wie man sich in einem Faltboot benimmt. Man kann nicht während der Fahrt beliebig die Plätze wechseln, wie in einem Falle berichtet wurde, wobei das Doot kippte und die Insassen ertranken. Das Radelwehr am Ems-Wehrkanal forderte dieses Jahr auch schon sein Opfer. Wehre überfahren kann man, wenn mans versteht und kein Baby mehr ist, sondern ein ausgewachsener Paddler. Aber ein Wehr überfahren, an dem ausdrücklich eine Warnungstafel angebracht ist, welche das Aeberfahren wegen der Amnöglichkeit eines solchen Vorhabens verbietet, das ist mehr als frevelhaft. Dort war es aber so. Ein letzter Fall spricht ausdrücklich von drei jungen Leuten, die in Duisburg zu Schaden kamen. Drei junge, unerfahrene, mit der Beherrschung platze Herrichten lassen. Die geschmackvoll geschaffenen Plätze sollen die Kinder den Gefahren der Straße jernifalten. bl. Dillenburg. 24. Juli. tete davon. Dabei bin ich davon überzeugt, daß nur ein kleiner Teil dieser tödlichen Anfälle berichtet wird, ganz zu schweigen von jenen, bei denen die Rettung der Gekenterten noch gelingt, oder wo diese, begünstigt vom Glück, sich selbst aus ihrer gefahrvollen Lage befreien. And bei dem Laien, der nur die den ßat» bestand feststellende Pressenotiz lieft, ist das Urteil rasch gebildet: Es ist unverantwortlich, sich einem solchen Hadernkahn, wie man teils humorvoll, teils mit Ironie die Faltboote bezeichnet, anzuvertrauen. Da ist es doch Wahl am Platze, der Oefsent- lichkeit etwas über Faltbootunglücksfälle zu erzählen. An Hand der Beispiele, welche in letzter Zeit im „Gieß. Anz." zft: lesen waren, möge dies geschehen. Der Lech forderte in letzter Zeit drei Men- schenvpfer. Die Illasbergschlucht, die Anglücks- stelle, wohl mit die wildeste Schlucht, durch welche deutsche Wildwasser brausen, ist in ihrer Länge von zwei Kilometer gespickt mit Felsrifsen und Blöcken: rasende Strudel unb Wirbel bis zu 30 Meter Durchmesser sind in großer Zahl vorhanden. Dort durchzufahren, ist eine gewagte Sache. Wir wissen, daß der eine der Verunglückten der erste Bezwinger der Schlucht war. Wiederholt ist er die Strecke gefahren, und sie wurde fein Verderben, allerdings erst, nachdem er einem gefenterten Kameraden das Leben gerettet hatte, und ihm selbst dann keine Hilfe mehr gebracht werden konnte. Das sind Fälle, wie sie ebenso den kühnen Segler der Lüfte treffen und den gewandten Bergsteiger. Die Berichte sprechen ferner von Anfällen auf dem Rhein, der Ems und anderen Flüssen. Diese Fälle hätten sich restlos vermeiden lassen. In Deutschland sollen im vorigen Jahre 50 000 „Oh, wie hoch sollen wir das schätzen?" „Ich nehme an, daß der Orden «in seiner gewöhnlichen Form seine zweitausend Kronen wert ist." „Hatte dieser Stern denn eine ungewöhnliche dreißigtausend Kronen ansetzen müssen." So zählte Krag genau Diebstahl auf Diebstahl auf. Es wurde eine lange, traurige Liste. Doch der Advokat schrieb die Summen auf, ohne zu feilschen. Als er an die bestohlene Pokergesellschaft beim Konsul Birger kam, beugte der Advokat sich auffallend tief über seine Aufzeichnungen. Der Polizeichef sagte streng: „Mein Herr, es ist mir so, als ob Sie lüä-elten." „Keineswegs," erwiderte Ehevillard nach kurzem Schweigen und blickte auf, '„ich bin selten jo ernst gewesen wie in diesem Augenblick." Dann kam man zu dem Diebstahl des Mobiliars des Polizeichefs. „Höre ich recht?" fragte der Advokat. „Ist das Tatsache, daß alles Mobiliar des Herrn Polizeichefs gestohlen worden ist?" „Jawohl," erklärte der Chef, „alles außer meiner türkischen Pfefferbüchse. Die ifb nicht gestohlen worden." Der Advokat steckte wieder geschäftig den Kopf zwischen seine Aufzeichnungen. Der Polizeichef räusperte sich laut und raschelte mit den Papieren. Der Advokat sak) auf. Seine Augen waren blank, ,ils ob Tränen dann wären. Französische Advokaten rönnen zu Tränen gerührt sein, wann immer es fein soll. „Ich bin sehr betrübt über die schändliche Art, wie der Chef der Kriminalpolizei ausgeplündert worden ist. Ader der Umstand, daß mein Klient sich den Polizeichef selber für seine Angriffe ausgesucht hat, spricht unzweifelhaft zu seinen Gunsten." „Finden Sie wirklich! Mir scheint, diese Frechheit verschlimmert die Sache wesentlich." „Natürlich, natürlich, gewissermaßen. Aber es beweist doch auch, daß mein Klient mit einer gewissen Ritterlichkeit aufgetreten ist. Er hat sich vor nichts gefürchtet. Und es ist durchaus nicht meine Ansicht, Brillanten ausgestattet. Er kam ihm nicht glänzend genug vor, wie er ihm in Christiania überreicht wurde. Darum werden wir diesen Gegenstand auf daß diese Episode irgendwie geheimgehalten werden soll. Ich bin mir ganz klar darüber, daß der Herr Polizeichef diesen Diebstahl nicht etwa deshalb ver- l-eimlichen oder zu seiner Unterdrückung beitragen wird, weil der Herr Polizeichef, wenn die Sache bekannt wird, sich einer gewissen öffentlichen Schadenfreude aussetzen würde." Der Polizeichef räusperte sich wieder, offenbar immer weniger befriedigt von dem Verlauf der Unterhandlungen. „Auf dieser Grundlage", suhr der Advokat fort, „kann also keine Rede davon sein, Nachsicht gegen meinen Klienten zu zeigen. Dagegen möchte ich empfehlen, daß man mit Rücksicht auf die großen wissen- sd-aftlichen Verdienste meines Klienten und mit Rücksicht darauf, daß er ideelle Beiveggründe für seine Handlungen hatte, nadMstig gegen ihn ist. Besonders wenn er bereit ist, allen Sck>aden und alle Verluste zu.ersetzen." „Sie sprechen von dem ideellen Streben des Diebes", sagte Asbjörn Krag. „Darf ich bitten, sich näher zu erklären?" „Mein Klient ist wirklich ein großer Idealist," erwiderte der Advokat, „ein volllommen uneigennütziger Mensch. Insofern ist er eine seltene Erscheinung in der Geschichte der Verbrechen. Mein Klient stiehlt gar nicht, um Geld zu verdienen." „Aber Sie haben uns noch nicht gejagt, warum er denn stiehlt. Wir warten die ganze Zeit darauf." „Er stiehlt, weil er muß." „Das ist keine Erklärung", sagte der Polizeichef mißbilligend. „Das alte Gerede von Kleptomanie paßt hier durchaus nicht. Diese Diebstähle haben nichts mit Kleptomanie zu tun. Jedenfalls kann es keine ganze Diebesbande geben, die aus lauter Kleptomanen besteht." „Wie viele Mitglieder hat die Bande des Herrn d'Al'bert?" fragte der Advokat. Sicher fünf oder sechs. Einen der tüchtigsten Leute hatten wir gefaßt, aber er ist heute nacht geflohen." .... ,, t „Ich will Ihnen nun die Sache erklären , begann jetzt der Advokat. „Sie kennen sicher die seltenen Sprachkenntnisse des Herrn d'AI bett. Er spricht Norwegisch wie ein Norweger." „Mit deutlichem Ehttstianer Dialekt , erwiderte Krag. „Niemand kann daran zweifeln, daß er Norweger ist." „Sehr richtig. Auf diose Weise hat er auch andere Völker verblüfft. Er hat lebende und tüte Sprachen tudiert. Ueber altägyptisä-e Dialekte hat er mehrere grundlegende Arbeiten veröffentlicht. Er hat Zu- aimnenhänge und Verbindungen zwischen asiatischen und uramerikanischen Sprachsormen nachgewiesen, und seinerzeit haben seine Vorlesungen über die Nebensätze der Azteken großes Aufsehen m Paris NWWIMeMWMM Roman von Sven Elve st ad. Copyright bei Georg Müller, München. des Wassers nicht vertraut, vielleicht auch noch leichtjinnige Veuk. Wieder nicht zu verwundern. And dann kommt noch das Anglaublichste dazu, daß jjiele dieser Verunglückten noch nicht einmal des Schwimmen» kundig waren, sich also im Ernstfälle selbst nicht helfen, viel weniger ihr Boot wieder bergen konnten. Leichtsinn, ein sündhaftes Maß von Anwissenheit. keine Erfahrung und mangelhaftes Material sind die Arsachen dieser Anfälle. Dars man sich da wundern, daß so viele tödliche Faltbootunfälle sich ereignen? Rein, man muß sich Wundern, daß nicht viel mehr vor- loylmen. Wie ganz anders geht der sportgerechte Paddler auf Wanderfahrt. Ruf Fahrten unter kundiger Führung hat er sich feine Fahrtentechnil erworben. Er besitzt ein erstklassiges Boot, das jedem Wellengänge trotzt. Er fährt mit kundiger Hand die Wellen an und fordert nicht. Er freut sich des Wellenspiels. In den Klubs der Paddler wird die Iugercd sportgerecht erzogen. Sie lernt sich sachgemäß verhalten bei Kenterung und bei anderen unangenehmen Situationen. And niemand kommt ins Doot, der nicht Zeugnis von seiner Schwimmfähigkeit gegeben hat. Wer auf fremdes Gewässer geht, erkundigt sich über Wasserstand und Befahrbarkeit bei den vom Deutschen Kanuverband geschaffenen Auskunftsstellen, deren eine auch in Gießen besteht. Er benutzt die Wasserführer mit Streckenkarten, die so vorzüglich sind, daß sie jeden alten Brückenpfahl und jeden Felsen anzeigen. Sandbänke, Stromschnellen. Widerwellen, Wirbel, unbefahrbare Stellen, Landeplähe, kurz alles nur Erdenkliche ist auf ihnen verzeichnet. Mit solcher Vorbereitung und Ausrüstung kann man getrost 1000 und mehr Kilometer lange Reisen wagen. Rie wird etwas passieren. Reine Freude kann man auf seiner Fahrt genießen und mit ungetrübten Eindrücken nach Hause zurück- kehren. Ich fühle mich auf Wanderfahrt in meinem Kajak, den ich meistere, sicherer als auf der Eisenbahn und fahre in diesem auf jeden Fall schöner und bequemer als auf der Dahn zur Reisezeit. ©auturnfeft des Main-Rhein- Eaues der D. T. * Darmstadt, 24. Juli. Der Main-Rhein-Gau der Deutschen Turnerschaft feiert Samstag, Sonntag und Montag sein Sausest in Darmstadt: dies bildet den Auftakt für das große Mittelrheinische Kreis- t u r n f e ft. Der Main-Rhein-Gau, der zum Mittelrheinkreis gehört, umfaßt etwa 9000 Mitglieder von Turnvereinen: die größte Zahl der Turner stellen die Darmstädter mit rund 2000. Darmstadt hat schon ganz den Charakter einer Feststadt angenommen; die Hauptstraßen, namentlich die in der Umgebung des Festplahes, prangen in reichern Flaggenschmuck. Bis Samstag nachmittag waren etwa 200 Delegierte aus dem ganzen Gaugebiet hier eingetroffen und berieten in der Turnhalle am Woogsplah das Programm für die Wettkämpfe: sodann begaben sie sich abends in geschlossenem Zuge, unter Vorantritt einer Musikkapelle, nach dem Festplatz, auf dem auch das Mittelrheinische Kreisturnfest abgehalten wird. In der Festhalle fand die Eröffnungsfeier statt, an der 3000 Personen, hauptsächlich Darmstädte Tuner und ihre Angehörigen, teilnahmen. Der Vorsitzende der Darncstäoter Turnerschaft, Rechtsanwalt Kalbhenn, hielt eine markige Begrüßungsansprache, worauf der zweite Gauvertreter Hering sprach, indem er die Turner und Turnerinnen mahnte, bei den Wettkämpfen ihr Bestes herzugeben. Bürgermeister Mueller übermittelte in einer Rede die Grüße der Darmstädter Stadtverwaltung. Das Programm des Abends brachte Liedervorträge der Singmannschaften der Darmstädter Turnvereine und TNusikalische Darbietungen, sowie nicht zuletzt turnerische Vorführungen Darmstädter und auswärtiger Vereine. Heute vormittag um 8 Ahr begann das We l turnen der Männer und Frauen des Main-Rhein-Gaues, das den ganzen Morgen in Anspruch nahm. Rachmittags zog ein stattlicher Zug, an dem aktive Turner, Turnerinnen, Fech- raMMf»— 1J »5MMW— 1111 ■ 11 ■ —I1MCTW erregt und ihm einen Platz unter den berühmtesten Gelehrten gesichert. Bei den Nachforfckpmgen in dieser Sache, meine Herren, haben Sie sicher verschiedene Aufzeichnungen meines Klienten gesunden deren Bedeutung schwer zu verstehen ist, nicht wahr?" Krag entjann sich der geheimnisvollen Sätze, die er auf dem Tisch in d'Alberts Zimmer im Viktoria- Hotel gefunden hatte. „Ich entsinne mich allerdings solcher Agfzoich- nungen", sagte er. „Dürfte ich um den Wortlaut bitten?" Krag nahm sein Notizbuch hervor und las: „Spa- nisckzes Rohr wächst im Schatten." „Das hört sich hübsch an, meine Herren. Ader was bedeutet es, womit kann er übersetzt werden?" „Es erscheint zunächst vollkommen sinnlos. Die wörtliche französische Uedersetzung lautet folgendermaßen. La canne croit dans l’ombre. Darum kommt nicht mehr Sinn hinein." Als der Advokat die französische Uebersetzung hörte, sagte er erfreut: „Ich verstehe! Ich verstehe! Das macht mich zum glücklichsten Menschen aus der Erde, meine Herren!" Die beiden Norweger sahen sich verwundert an, und wieder war etwas in ihren Angen, daß sie die Ehrlichkeit des Mannes anzuzweifeln begannen. Er hatte ja allerdings feine Papiere, und alles deutete darauf hin, daß er der war, der er zu fein vorgab, und doch . . . „La canne croit dans l’ombre", wiederholte der Franzose ganz entzückt. „Das ist ausgezeichnet. Dann sind alle meine Vermutungen richtig. Wissen Sie, meine Herren, was das bedeutet?" „Auf Norwegisch", versetzte Krag, „oder richtiger gesagt: im hiesigen Verbrecherjargon bedeutet es, daß Gefahr droht." „Das stimmt mit der französischen Bedeutung überein. Aber was für eine Gefahr ist gemeint, was glauben Sie?" nicht die Gefahr, in die Sie oder ich kommen können. Ich habe Taschendiebe und andere Gauner den Ausdruck benutzen hören, wenn sie merkten, daß Gefahr drohte, das heißt, wenn die Polizei ihnen auf den Fersen war. Spanisches Rohr ist in C-hristia- nia eine verbreitete Bezeichnung für den Konstabler. Spanisches Rohr wächst in der Nähe, heißt also, daß der Schutzmann in der Nähe lauert. Es ist ein Warnungsruf." „Dasselbe bedeutet der Ausdruck im französischen Jargon", erwiderte der Advokat. „Hat der merkwürdige Mann keine anderen Aufzeichnungen hinterlassen?" Nun las Krag die beiden anderen Ausdrücke vor, die er auf d'Alberts Schreibtisch gefunden hatte. Sie bedeuteten etwas Aehnliches. Krag übersetzte ste ins ter und Kampfrichter beteiligt waren, vom Schwimmbadplatz nach dem Festplatz. wo allgemeine turnerische Vorführungen von Kindern, Männern. Frauen. Fechtern, Altersturnenc usw. stattfanden. Der Andrang des Publikums zu dein Festzug und zu den Darbietlingen auf dem Festplatz war außerordentlich stark. Abends war die Siegerverkündigung, dieser folgten Massenchöre der Gausängerschafl und an'ce'ie musikalische Darbietungen in der Festhalle Deutsche Schwimm-Meisterjchasten. Die Deutschen Meister schäften im Schwimmen, die am 6. und 7. August in Hannover ausgetragcn werden, hoben ein ganz ausgezeichnetes Meldeergebnis erfahren. Richt weniger als 7 9 Vereine aus allen Gegenden des Deutschen Reiches haben insgesamt 1 59 Meldungen abgcg bcn. Da die Meisterschaften nicht allein als Tckelkämpfe. son- dern gleid)zeitig auch als Ausscheidinigskämpfe für die Europameisterfchasteii in Bologna zu gelten haben, so erscheinen alle Schwimmer unb Schwimmerinnen am Start, die vermöge ihres Könnens glauben, in die Ereignisse eingreifen: zu können. Schwimmländerkampf Deutschland - Schweden. Im Schwimm-Länderkamps Deutschland— Schweden siegte am letzten Tage Deutschland mit 1 9 2:1 4 4 Punkten. Schweden gewann durch Arne Borg das 1500» Meter-Freistilschwimmen vor Neitzel, das Trum- fprtngen der Herren durch O e b e r g vor Kohle- Deutschland und Riebschläger - Deutschland und das Wasserballspiel mit 5'3. Deutschland sicherte sich die 4X100-Meter-Freistilstaffel. Deutsch-Akademisches Olympia. Beim Deutsch-Akademischen Olympia in Königs be rg gab es u. a. folgende Entscheidungen: Die Geräte-Zehnkampf-Meisterschaft gewann Mögge, Leipzig: die Weitsprnn vMeister- schaft Mölke, Köln: bei den Studentinnen Frl. L e s k i n, Königsberg: die Speerwurf-Meister- schalt der Studentinnen Frl. Hagen. Rostock: tm I500-Met?r-Lauf stellte S ch i l g e n mit 4: 12,3 einen neuen Hochschulrekord auf. Die Faustballmeisterschaft der Studentinnen gewann Marburg, der Studenten T. H. Dresden. Box- meister (von: Leicht- bis Schwergewicht) wurden: Kruse, Köln: Euler, Marburg: Berg- grefe, Köln: Schingnitz, Leipzig: Kölle. Hannover. Neuer deutscher Rekord im Hochsprung. Einen neuen deutschen Rekord stellte am Sonnlag Irl. v. B r e d o w - Brandenburg vom Brandenburger Athletikverein im Hochsprung ohne Anlauf mit 1,18 Meter auf. Europameister Max Schmeling wird im Hauptkcrmpf des nächsten Hamburger Kampftages am 27. Juli gegen den Neger Jac Taylor antreten. Im Rahmeprogramm stehen sich Sahm—Geraerts, Herse—Argotte und Mathäus— Joe Ralph gegenüber. — Am 31. Juli wird Schmeling in Essen gegen den Dänen Robert Larsen kämpfen, den er vor wenigen Wochen in Frankfurt a. M. nur nach Punkten besiegen konnte. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) D. (Br.-B. Die von Ihnen angeführten Gebiih- ren entsprechen den im Bankverkehr allgemein üblichen Ältzen, soweit Diskont und Stempelgebühren in Frage kommen; für Provision und Einzug- jpesen werden jedoch im allgemeinen nicht mehr als 4 Mk. in Rechnung gestellt. Die Differenz zu der von Ihnen aufgemachten Rechnung würde sich hiernach auf 8 Ml. belaufen. wijihmi' iwurHii i'Hiimni > Französische und erklärte ihre Bedeutung im norwegischen Verbrecherjargon; und zu der großen Freude des Advokaten stellte es sich heraus, daß die Ausdrücke im französischen Jargon verwandte Formen hatten. „Geben Sie jetzt zu," sagte der Advokat, „daß wir der Lösung des Rätsels einen Schritt nähergekommen sind?" „Ja", erwiderte Krag. „Das will ick) gerne zu- geben. Herrn d'Alberts intime Kenntnis der Ver- bred-ersprache deutet unzweifelhaft darauf hin, daß wir uns der Lösung des Rätsels nähern, die die natürlichste zu sein scheint, nad) dem, was geschehen ist. Daß der Herr nämlich einer der kühnsten und geschicktesten Verbrecher ist, die hier je tätig gewesen sind?" „Keineswegs", versetzte der Advokat. „Dieser Umstand ist vielmehr ein Glied in meiner Beweiskette für das Gegenteil." „Wie wollen Sie das erklären," warf der Polizei- d>ef ein, „und wie wollen Sie erklären, mein Herr, daß Sie selbst eine so eingehende Kenntnis dieser Verbrechersprache besitzen? Sie müssen mir doch zugeben, daß das etwas ganz Ungewöhnliches ist." Hier legte der Advokat wieder sein Gesicht in ernste Fakten. „Das hängt damit zusammen," erwiderte er, „daß ich, um meinem Klienten aus den vielen Schwierigkeiten herauszuhelfen, in die er sich selber versetzt hat, genötigt war, ihm durch dick und dünn zu folgen. Ich habe mich in sein Leden vertiefen müssen, in feine Arbeitsmethoden, seinen Gedankengang. So habe ich eine ausgedehnte Kenntnis dieser Dinge erlangt. Sie dürfen auch nicht vergessen, daß meine Tätigkeit an den französischen Kriminalgerichten eine besonders gute Vorbedingung ist zum Verständnis der Geheimnisse und lstuancen der Derbrecher- sprache." „Nun gut, dann schulden Sie uns bloß die Erklärung dafür, weshalb Ihr Klient, der, ihrer Behauptung nach, ein hervorragender Gelehrter ist, auf den Einfall gekommen ist, hier in der Stadt als Verbrecher aufzutreten!" „Die will ich Ihnen nicht oorentballen", entgegnete der Ltdvokai. „Und damit das Ganze für Sie verständlich wird, muß ich etwas in der Zeit zurückgehen und die frühere Tätigkeit meines Klienten als Gelchtter in Betracht ziehen. In den Jahren 1897 bis 1901 hat Herr d'Albert sich in Südchina ausge- hatten, in der Provinz Puh^Fuh." Der Polizeichef und der Detektiv sahen einander an. Beide fanden offenbar die Einleitung etwasweit hergeholt. (Schluß folgt.) Die Bautätigkeit in Hessen. Die Zentrals9elle für Landesstatistik veröffentlicht jetzt eine AufsteSung über die Bautätigkeit in Hessen, geordnet nach Gemeinden mit über 5000 Einwohnern. Es ist daraus zu ersehen, daß die Zugänge an Neubauten sich hauptsächlich auf Klein- Häuser mit ein bis zwei Wohngeschossen beziehen. Nur einige bemerkenswerte Ziffern seien aus dem umfangreichen Zahlenmaterial yerausgegriffen. In Mainz ist z. B. die Zahl der baupolizeilich abgenommenen Neubauten von 272 im tzahre 1925 auf 136 im Jahre 1926 zurückgegangen, die Zahl der Kleinwohnungen darunter von 146 auf 36 und die Zahl der neuen Wohnungen von 821 auf 581. In Darmstadt find 1926 61 Wohngebäude neu hinzugekommen; gegen das Vorjahr hat fich diese Zahl nur wenig verändert. In O f f e n b a ch war die Zunahme der Bautätigkeit besonders groß, denn die Zahl der neuen Wohngebäude stieg von 49 im Jahre 1925 auf 173 im Jahre 1926. Worms hat eine Abnahme der Neubauten zu verzeichnen, und zwar von 93 (1925) auf 86 (1926), doch dabei eine Zunahme der Wohnungen selbst von 206 (1925) auf 217 (1926). Ausschlaggebend sind, um die Bautätigkeit zu beurteilen, also vielfach nicht die Ziffern für die neuen Wohngebäude, sondern die Ziffern der neugeschaffenen Wohnungen. Das zeigt sich besonders deutlich bei G i e ß e n , wo 1925 29 und 1926 54 Wohngebäude errichtet wurden (davon 16 und 23 Kleinhauser), aber mit 68 (1925) und 148 (1926) Wohnungen. In Bingen ist das Verhältnis der neugeschaffenen Wohnungen zu den Neubauten anders; es wurden hier 1925 11 Wohnungen errichtet und 1926 5 und die daraus fich ergebenden Zahlen für die neuen Wohnungen lauten 44 für 1925, aber nur 1g für 1926. Die durch Umbauten entstandenen neuen Wohnungen fallen ziffernmäßig nur in den größeren Städten ins Gewicht, und die Abgänge sind sowohl in den größeren wie in den kleineren Städten ganz gering. Für ganz Hessen ist für die Jahre 1919 bis 1926 die Errichtung von 12 819 Wohngebäuden mit 23 388 neuen Wohnungen ermittelt worden, wozu noch 6228 durch Umbau entstandene hinzukamen und 431 Abgänge durch Brände und Abbrüche zu berücksichtigen sind. Im Jahre 1926 allein sind 3921 Wohngebäude erbaut worden mit 5057 Wohnungen; hinzu kommen noch 778 durch Umbauten entstandene Wohnungen. Wirtschaft. Die Bilanz der Deutschen Reichspost. * Berlin, 23. Suli. Nachdem das Reichs- postministerium bereits vor einiger Zeit die endgültigen Nechnungsergebnisse für das Rechnungsjahr 1926 bekanntgegeben hatte, sind dem Verwaltungsrat der Deutschen Reichs- Post heute auch die Bilanz für den 31. März 1 927 und die Gewinn- und Berlust- rechnung für die Zeit vom 1. April 1926 bis 31. März 1927 vorgelegt worden. Es ist also gelungen, Bilanz unb Gewinn- und Derlust- rechnung für den Riesenbetrieb der Deutschen Reichspost in 3Ve Monaten fertigzustellen. Die Aufstellungen sind noch gerade so rechtzeitig gekommen, daß sie bei der Beratung der Vorlage über die Erhöhung der Postgebühren verwertet werden konnten. Die Ergebnisse zeigen, mit welchen Schwierigkeiten die Deutsche Reichspost schon im vergangenen Jahre zu kämpfen hatte. Die Betriebseinnahmen sind um 108 Millionen Mark hinter dem ursprünglich veranschlagt gewesenen Soll zurückgeblieben. Der Einnahmeausfall ist durch Einschränkung der Betriebsausgaben um 35 Millionen Mark, durch Unterlassung von Anschaffungen in Höhe von 55 Millionen Mark und durch Erhöhung des Vorgriffs um 18 Millionen Mark eingeholt worden. Statt des erhofften Gewinns von 208 Millionen Mark ist nur ein solcher von 1 25 Millionen Mark erzielt worden. Das Kapital hat sich also nur mit 5,5 Prozent verzinst. Von den, Gewinn haben nur 55 Millionen Mark als Zuweisung zum Vermögen verrechnet werden können; 70 Millionen Mark sollen an das Reich abgeführt werden. Dem Zugang an Sachwerten und Forderungen in Höhe von 231 Millionen Mark steht eine Anleihe von 150 Millionen Mark und ein Zugang an anderen Passiven in Höhe von 25 Millionen Mark gegenüber. Bemerkenswert ist auch, daß die Vorräte der Deutschen Reichspost im abgelaufenen Rechnungsjahr um 75 Millionen Mark abgenommen haben. Das Gesamtergebnis kann zwar noch als befriedigend angesehen werden. Es zeigt aber mit aller Deutlichkeit, daß die für 1927 zu erwartenden Mehrausgaben ohne Gebührenerhöhungen nicht gedeckt werden können. Gleichzeitig ist das genaue Ergebnis für den Monat Juni 1927 bekanntgegeben worden, so daß nunmehr auch die Zahlen für das erste Viertel des neuen Rechnungsjahres vollständig vorliegen. Das Ergebnis stellt sich wie folgt: Die Einnahmen find um 18,5 Mill. Mark hinter dem Durchschnitts-Soll für drei Monate zurückgeblieben. Das ist an sich normal. Der kassenmäßige Fehlbetrag beläuft sich auf 22,6 Mill. Mattk. Zu berücksichtigen ist dabei, daß die in Aussicht genommene Anleihe noch nicht ausgenommen worden ist und daß bei den Ausgaben gegenüber dem Voranschlag mit Rücksicht auf die bisher ungeklärt gewesene Finanzlage der DRP. große Zurückhaltung geübt worden ist. Der nach Berücksichtigung der ausstehenden Ausgaben sich ergebende rechnungsmäßige Fehlbetrag stellt sich auf 67,4 Mill. Mark. Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Das neue Gesetz über die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung tritt am 1. Oktober in Kraft. Die materiellen Bestimmungen dieses Gesetzes sind im allgemeinen die gleichen geblieben, wie sie im Arbeitsnachweisgesetz und in der Verordnung übet die Erwerbslosenfürsorge enthalten waren. Die wesentlichste Neuerung besteht in dem Fortfall der DedürftigLeitsprüfung für die Gewährung des Unterstühungsanspru«^. Völlig neu ist jedoch der Aufbau der Instanzen. Nach den bisherigen Erfahrungen hätte eine Beibehaltung der Verbindung zwischen Gemeindebehörde und den Organen der Sozialpolitik in der untersten Instanz dauernd die Gefahr der Jn- teressenkollision bedeutet unö sie hätte diese ständig den jeweiligen kommunalpolittscheu Erwägungen untergeordnet. Jetzt werden unter der obersten Instanz der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung als Organe der mittleren Instanz der bisherigen Landesämter (Landesarbeitsämter) und als solche der untersten Instanz die öffentlichen Arbeitsnachweise (Arbeitsämter) eingerichtet. Die untersten Instanzen sind mithin in Zukunft nicht mehr Gemeindebehörden, sondern sie sind verwaltungsrechtlich von der Gemeinde völlig losgelöst. Die einzelnen drei Instanzen werden nicht mehr — wie bisher — lediglich durch die lose und prattisch so gut wie wirkungslose „sachliche", sondern durch eine mit zwingenden Exekutivvollmachten ausgestattete Dienstaufsicht verbunden, so daß die Kontrollmöglichketten erheblich verstärkt sind. Das verwaltungsrechtlich schwer zu übersehende, zu ständigen Schwierigkeiten Anlaß gebende Durcheinander der sachlichen und dienstlichen Aufsichtsbehörden ist somtt zugunsten einer einheitlichen, klaren Verwaltung beseitigt. Die einzelnen Instanzen sind in sich nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf gebaut; im Gegensatz zur bisherigen Regelung sind die Vorsitzenden in Zukunft nicht mehr Gemeindebeamte; auf Grund besonderer Bestimmungen ist in Zukunft für die Vertreter der öffentlichen Körperschaften in den Organen eine entscheidende Mitbestimmung nicht mehr gegeben. Im übrigen liegt die letzte Entscheidung auch über die Personal- und Etatspvli- ttk, sowie über die Besetzung der maßgebenden Stellen in den einzelnen Instanzen beim Vorstand der Reichsanstalt, so daß damit Sicherungen gegen etwaige einseittg politische und sonstige unsachliche örtliche Einflüsse gegeben sind. Was die Höhe der Erwerbslosenunterstützungssätze angeht, so ist der Reichstag über die Vorschläge des Degierungsenttvurfs, die im finanziellen Endergebnis ungefähr mit den jetzigen Ausgaben je Kopf des Erwerbslosen gleichbedeutend waren, hinausgegangen. Angesichts der Neuregelung durch Einführung der Lohnklassen und der stufenweise festgesetzten Erwerbslosenunterst Ühungssätze, durch die im übrigen die bisher oft eingetretene Möglichkeit der Lleberschneidung der Löhne durch die Erwerbslosenunterstützung vermieden wird, ist ein genauer Vergleich zwischen den bisherigen und künfttgen Unterstützungen zwar nur schwer möglich. Jetzt kann man, im Gesamtdurchschnitt gesehen, mit Ausgaben für den einzelnen unterstützten Erwerbslosen (Hauptunterstützung, Familienzuschläge und Verwaltungskosten) in Höhe von etwa rund 71 Mark, im Monat rechen. In Zukunft dürfte diese Summe etwa auf den Betrag von 78 bis 79 Mark je Monat ansteigen (die Anttäge der Arbeitnehmerabteilung des Reichswirtschaftsrates erstrebten sogar eine Ausgabeerhöhung um 65,6 Prozent). Wie weit es möglich ist, dieses Mehr an Aufwendungen auszugleichen durch Vereinfachung der Verwaltung (es bestehen zur Zeit nicht weniger als 900 Arbeitsnachweise!) ist eine Frage, die insbesondere davon abhängt, inwieweit es möglich sein wird, durch das tünftige Organisationssystem die jetzt vielfach bestehenden sinanziell sehr kostspieligen Mißstände zu befeitigen. • Lokomotivenauftrag der Deutschen Reichsbahn. Der „Kölnischen Zeitung" zufolge werden von der Deutschen Reichsbahn als erste Rate für das erste Halbjahr 1927 45 schwere Lokomotiven in Auftrag gegeben. Diese Aufträge werden nur an diejenigen Werke weitergeleitet, die dem Deutschen Lokomotivenverband ange- schlofsen sind und die bei der zuletzt erfolgten Bestellung von 88 elektrischen Lokomottven und 15 Triebwerken berücksichtigt worden sind. * Deutsche Stahl- und Walzwerk A. G. Zu der kürzlich gemeldeten Beteiligung einiger Werke der Eisenindustrie an der Deutschen Stahl- und Walzwerk A. G. in Siegburg wird mitgeteilt, daß die Werke, welche die Mehrheit der Beteiligung erworben haben, die Vereinigten Stahlwerke, die Krupp A. G. und die Klöcknerwerke sind. * Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vom 10. bis 16. Juli im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 2 236 289 Tonnen Kohle gefördert gegen 2 214 905 Tonnen in der vorhergehenden Woche in ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in den sieben Tagen der Berichstwoche (in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 507 316 Tonnen gegen 503 500 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherstellung auf 66 271 Tonnen gegen 66 363 Tonnen in sechs Arbeitstagen. * Schweden als Abnehmer deutscher Waren. Aus der Jahresübersicht des Schwedischen Kommerzkollegiums über die Änteil- ziffer des schwedischen Verbrauchs von Waren aus den autzerschwedischen Ländern geht eine erfreuliche Steigerung der Ziffern für deutsche Waren hervor. Die schwedische Einfuhr aus Deutschland hat im Jahre 1926 406 Millionen Kronen erreicht und ist damit gegen 1925 um über 80 Millionen Kronen gestiegen. Fast sämtliche deutschen Industrien haben Anteil an dieser Exportsteigerung. Vom süddeutschen Eisen markt. Auch in der vergangenen Woche bot die Lage am süddeutschen Eisenmarkt ein erfreuliches Bild insofern, als die Nachfrage auf der ganzen Linie anhielt und die der vorhergehenden Woche sogar nicht unbedeutend überschritt. Der Deschäfttgungs- grad der eisenverarbeitenden Werke ist augenblicklich sehr gut und in vielen Fällen zog man es aus Gründen der Dringlichkeit vor, von den Händlernlagern zu kaufen, als auf die weitausgedehnten Liefertermine der Werke, die auf Monate hinaus besetzt sind, angewiesen zu sein. * Vom süddeutschen Rundholzmarkt. Der süddeutsche Rundholzmartt in Hes- s e n, Baden, Württemberg und Bayern liegt auch weiterhin noch fest, wobei man infolge des starken Wettbewerbs gerne höhere Preise bewilligte. Da Aussicht für vermehrten Bauholzbedarf besteht, werden die weiteren Aussichten günsttg beurteilt. In Hessen betrugen die letzten Durchschnittspreise für Nutzholz, und zwar für Fichtenstammholz 151 bis 196 Prozent, in Bayern (Wasserburg) für Fichtenlang- und -Blochholz 110 Prozent. Don den Waldbesitzerverbänden von Hessen, Baden, Württemberg und Bayern sind für den, kommenden Winter gemeinsame Nutzholztermine in Aussicht genommen. * Hessische Ziegeleien- und Kalkwerke A.-G., Kassel In der G. V. wurde der Abschluß per 31. März 1927 mit 4 Prozent Dividende aus einem Reingewinn von 10 931 Mark auf neue Rechnung genehmigt. Laut Bericht hatte sich die Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr der Ziegeleien-Vereinigung wieder angeschlossen, jedoch ließ der Absatz infolge des durch die Ziegelei-Bereinigung bedingten Verteilungsplanes viel zu wünschen übrig. Seit dem 1. September 1926 steht die Gesellschaft wieder außerhalb der Ziegelei-Vereinigung. ’ Adler werke, borm. Heinrich Kleher A.-G., Frankfurt a. M. Zur Geschäftslage bei den Adler werken wird mitgeteilt, daß die Ablieferung des neuen Wagens bei steigernder Produktton sich beschleunigt hat. Die Gesellschaft ist in'allen Abteilungen voll beschäf- tigt; die Belegschaft konnte weiterhin auf etwa 8400 Mann gesteigert werden, d.h. um etwa 40 Prozent über den Vorkriegsstand. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 25. Juli. Für einige wenige Spezi a l w e r t e wie I. G. Farben, Rheinstahl, Bem- berg, Glanzstoff, Schultheiß, Ostwerke, Maximilians-. Hütte und verschiedene Elektropapiere ist heute auf feiten des Publikums etwas Kaufneigung fcftzustellen. Das Geschäft blieb sonst sehr ruhig. Ein großer Teil der Erstnotierungen mußte ausgesetzt werden. Die Grundstimmung ist jedoch entschieden freundlicher. Außer dem leichteren Geldmärkte regte der Bericht der Deutschen Bank etwas an. Die ersten Kurse lagen heute gegenüber • den letzten Notierungen vom Freitag überwiegend höher, die vorbörslichen Taxen wurden jedoch nicht immer erreicht. Heimische Anleihen ruhig, Auslän- der fast durchweg 0,5 Proz. höher. Tagesgeld leichter, 5-} bis 7 Proz., Monatsgeld 8 bis 9 Proz. Der Ultimo dürfte keine Schwierigkeiten bringen. Im Verlaufe wurde das Geschäft wieder sehr ruhig, nur Glanzstoff konnten weitere 10 Proz. anziehen. Die übrigen Kurse blieben unverändert und neigten eher zur Schwäche. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers") Frankfurt a. M., 25. Juli. Tendenz fester. Zu Beginn der neuen Woche war die Börse zuversichtlicher und fester. Das Geschäft blieb aber eingeschränkt und war nur für verschiedene Spezial- werte etwas lebhafter. Anregung brachte dabei die Meldung von der Bildung einer neuen Roheifenentente im Westen unter wahrscheinlicher Einbeziehung Deutschlands, ferner die Nachrichten über die Steigerung der Kohlenförderung im Nuhrrevier und dem Rückgang der Feierschichten. Auch hält man den Ultimo allgemein für gut vorbereitet, so daß hier keine Ueberraschungen zu erwarten sein dürften. Ueber die zukünfttge Entwicklung des Geldmarktes ist man zuverlässiger gestimmt, zumal die Wirkung der Auslandanleihen, von denen bis jetzt erst geringe Beträge hereingekommen sind, fich noch nicht zeigen konnte. Bei kleinen Umsätzen kam es an den Effektenmärkten im allgemeinen zu Kurs- befferungen von durchschnittlich bis zu 2 Proz. Siemens, AEG, Rhein stahl, I. G. Warben, Harpener, Commerzbank und Z e 11 st o f f - W a l d h o f, in denen Publikumskaufaufträge vorgelegen haben sollen, zogen bei lebhafteren Umsätzen bis zu 3j Proz. an. Heimische und fremde Renten blieben stark vernachlässigt; Zolltürken etwas fester. Im Börsenverlaufe schlief das Geschäft fast vollkommen ein, die Kurse neigten zum Nachgeben. Die Grundtendenz blieb aber behauptet, zumal auch der Bericht der Deutschen Bank günstig beurteilt wurde. Am Geldmarkt war kurzfristiges Geld etwas knapper und stellte sich wieder auf 6 Proz. Im Devisenverkehr notierte die Reichsmark gegen Kabel 4,2040, gegen London 20,410, Paris gegen London 124,03, Madrid 28,41, Mailand 89,40. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtberrcht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 25. Juli. Zu Beginn der neuen Woche neigte die Tendenz am hiesigen Markt stärker zur Schwäche. Roggen und in Verbindung damit Roggenmehl angeboten und bis 0,50 Mk. schwächer. Ebenso wurden die Notierungen für in- und ausländischen Hafer um 0,50 Mk. herabgesetzt. Mais ist etwas verlangt. Futtermittel liegen sehr ruhig. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 31 Mk. (nom.); Roggen, inländischer, 26,50 (nom.); Hafer,inländischer, 25,50 bis 26; Hafer, ausländischer, 23,50 bis 25,50; Mals (gelb) 19; Weizen- mehl, inländisches, Spezial 0, 39,75 bis 40; Roggen- mehl 36,50 bis 36,75; Weizenkleie 13; Roggenkleie 13,75 bis 14; Erbsen 30 bis 60; Linsen 40 bis 60; Heu, süddeutsches, gut, trocken, 2,80; Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreht) 4,75 bis 5,25; gebünd. 3,50 bis 4; Treber, getrocknet, 15,25 bis 15,50. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 25. Juli, Auftrieb: 1359 Rinder; darunter 454 Kälber, 48 Schafe; 4971 Schweine. Es notierten: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 63 bis 67, ältere 58 bis 62, sonsttge voll- fleischige: jüngere 54 bis 57, ältere 50 bis 53; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten SÄacht- werts 57 bis 60, sonsttge vollfleischige oder ausgemästete 52 bis 56; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 51 bis 59, sonsttge vollfleischige oder ausgerüstete 44 bis 50, fleischige 37 bis 43, gering genährte 30 bis 36; Färsen (Kalbinnen, 3ungrinber): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 62 bis 66, voll- fleischiae 58 bis 61, fleischige 50 bis 57; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 72 bis 78, mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 71, geringe Kälber 55 bis 64; Schafe: Mastlämmer und jüngere! Masthämmel. Weidemast 50 bis 55; Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 62 bis 64, vollfleischige Schweine von 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 63 bis 64, fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebend^ gewicht 60 bis 63. Marktverlauf: Rinder an* längs rege, zum Schluß abflauend, geringe« Aeberstandd. Jh Schweinen und Kleinvieh ruhiges Geschäft. SCsmfi m liessen! Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a M Berlin Schluß Kurs -Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang Kurs Schluß Kurs l'Uhr- Kurs Schluß Kurs Anfang Kurs ______________Datum: 22.7. 25. 7. 22. 7. 25. 7. Datum: 2i. 7. 25. 7. 22. 7. 25.7. 5*/o Dt Neichsanleihe v. 192? Dt. Anl. Ablös. Schuld mit Auslos-Rechten..... Deöal. ohne Autzlos.-Rechten 7% Franks. Hvp.-Bk. Goldpf. unkündbar bis 1932 .... 4*A°/o Rheinische Hyp -Bank Ligu -Goldps...... A,E- G dbg. Borkriegs-Ob ligationen. rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bundesb.-Aul. 4% Oesteretchische Goldrte. . 4,20°/» Oesterreich. Stlberrle. . 4% Oesterreich, cinheiil. Rtc 4°/o Ungarische Goldrte . . . 4°/o Ungarische StaatSr. ü. 1910 4*/»% desssl. vtti 1913 . . . 4% Ungarische Kronenrte . . 4% Türk. Zollanleihe v 1911 4"/o Türk. Bagdadbahn. Anl. •oerie I........ 4°/0 dcSgl. Serie II. . . . 4°,0 Rumänen convert. Rte. 4Wo Rumänen Goldanl. . von 1913 ......., . . Allg Deuksche Eisenbahn ,4’/a Hamburg-Amerika Pakei. . u Hamb^Südam Tampffch. .8 Hansa Dampfschiff.....o Norddeutscher Lloyd . . . . c Allg. Deutsche Erediianst.. io Barmer Bankverein . . . io Berliner Handclsaesellsch. 12 Commerz- und Prival-Bk. n Ta rosst. u. Nationalbank. 12 Deutsche Bank.......10 DiSkonto-Gesellschäft Ant. 10 Dresdner Bank......10 Mitteldeutsche Crrditbank . 9 Metallbau!..........8 Reichsbank.........io 86.5 294 17,25 5,6 22,25 23,25 14 15,25 146.5 144.9 148.75 153,5 178,5 237 165 161 170.25 253 170,5 299,25 17,2 14,65 15,65 147,5 146 152.5 182 238 165.13 161.25 171 263 144,5 170.5 86,5 295 16,75 r 2.1 13 19 14.9 87.5 145.75 227 224.75 145,13 149 152,5 1.45.5 178 236 165 161.5 144 169,5 300.5 17,13 87,5 146.75 227,75 226,75 146,25 149,25 151,25 246 180 237 165,5 161.5 171,25 252 141 171 A.E G..... 7 Bergmann........... Elektr. Lieferungen . . . . 10 Licht und Kraft......io Fellen & Guilleaume .... 6 Ges. f. Elektr. Untern. . . 10 Hamb. Elektr. Werke . . . lo Rhein. Elektr......... Schles. Elektr........io Schuckcrt....... 7 Siemens L HalSke .... 16 Transradio....... 8 Labmeher L Co........s BuderuS.......... Deutsche Erdöl........ Essener Steinkohle.....8 Gelsenkirchener . f. >/, I. 4 Harvener... ......8 Hoesch Eisen.......... Ilse Bergbau ......... Klöcknerwerke......... Köln-Neuessen ......5*/2 ManneSmann • . .f. >/, 9 4 ManSiclder..........7 Oberschles. Eisend. Bedaft 0 Oberschles. Kokswerke . . .0 Phönix Bergbau. f '/, I 3 Rheinische Braunkohlen . 10 Roeinstahl..........0 Ricbeck Montan.......c. Bereinigte Stahlst). f.'/, I 3 Otavt Minen......1 sh Kali Aschersleben . . . lo KaltWesteregeln. . . .10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 g. G. Färben-Industrie. 10 Dynamit Nobel ......0 Scheideanstalt ....... .8 Goldschmidt.........5 RütgerSwerke ....... .0 Mctallgesellschast.....10 18>,75 195 197 140 168 198,5 285.5 178 120,25 157.5 >69 205,5 273 167.5 193 130 >27 267.5 220.5 182 139 177,5 ■u 418.25 215,5 135 102 187,5 188,6 196,75 199 140.5 168 202 288,5 121,25 158,75 169,25 :O9,25 276 169,5 194 131,75 128 270,5 223,75 183,75 139,75 37 180 190 220,5 217 136,5 102 188.25 185 192,75 184,75 197 138.9 242.4 162,75 169 184 197,25 284.25 137 119,25 157.25 170.5 169 206.5 182 180.5 192.75 131 103,5 98.5 126,65 267,25 -20.25 182 139.4 37 178,5 184.. 235 318 152,75 135,5 100,5 189 196,5 184.75 199.9 140.75 245 164 9 168 183.5 202 289 137 122 158.o 172.75 169 210 184.5 275 17.) 183,6 194,75 131,5 100 127.13 270,75 223,5 184,75 139,5 36,9 170.5 189 321,5 155 101,65 Frankfurt a.M Berlin Schluj, Kurs 1 1-Uhr. 1 Kur» Schluß- Kurs | Kurs ________ Datum: 22. 7. | 25. 7. 22.7. 1». Pbilrpp Holnnann . ... 12 196 199.6 196,76 199 Heidelberger Ccment ... 8 Gement Karlstadt......r 154.25 188 152 Wayß & Freitag......10 170 170,5 — Schultheis Patzenhofer. . 15 Ostwerke............ ■ — — 450 431 461 437.5 Bcr. Glanzstoff........ _ 725 740 Bemberg......... » Zellstoff Waldhof.....12 _ _ 555 ;25,5 328.25 325 329.5 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 Charlottenburger Wasser. 7 ZC6 208 204.25 — 157 Dessauer Gas......8 _ 209,75 212,5 Daimler Motoren.....ö 126,5 128 126 127.5 Demag........... Adlcrwerke Kleher.....0 11«, 5 97.5 118 118 117,25 118,25 Ludst). Loewe.......ic — 278 25 281 Nat. Automobil......6 — — 124,75 125 Lrenstein & Koppel .... 4 — — 135 75 134,75 Linke Hofmann...... — — - —- Leonhard Tietz. ...... e _ — 167 167 Bamag-Mcguin...... ö 45.5 — — Franks. Maschmeu . . . . ö 79 79,75 — Gritzncr ......... 7 121 — — — Hehliaenstaedt.......6 25,25 — — — JunghanS..... 6 124.5 124 120 124 Lcchwerke..... 8 1'3,75 124.5 - Mainkraftwerke ...... 8 129,75 125,6 —- Miag....... jo Nekarsulmer ....... s 145,5 146 142 146,25 123,25 119 121,5 126.76 122 Peters Union ....... s 121 Gebr. Roeder ....... 16 141 Doigt & ßaeffner ..... 6 Sudd. Zucker ....... 0 188 148,25 138 150 137 148,25 138 160 Banknoten. __ Berlin, 22 Juli. I Geld Brier Amerikanische Noten..... Belgische Noten..... . Dänische Noten..... . Englische Noten..... . 4.187 58,45 113,36 20,37 47207 58,63 112.L 20,45 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Berlin. 22. Juli. Geld Brief ' französische Noten...... iöTIöo 16.551 — Holländische Noten...... 168,11 168,79 Italienische Noten...... 22.89 22,99 Norwegische Noten...... 108,43 108,87 Deutsch-Oestcrr.,5100 Kronen 69,12 59,36 Rumänische Noten...... 2.65 2,57 Schwedische Noten...... 112,29 112,75 Schweizer Noten....... 80,96 81.28 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 71,76 12,45 72,04 12,51 Ungarische Noten ... 73,05 73,35 Telegraphische Auszahlung. 22. Juli. 25. Juli. Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amst.-Rott 168,77 168,26 168.60 Buen.-AireS 1,786 1,783 l. 787 Brss..?lntw 38,4 . o8,53 58,375 68,495 Christiania 108,54 108,76 108,41 108,63 Kopenhagen 112,43 112,65 112,48 112,70 Stockholm . 112,55 112,77 112,64 112.86 HelstngforS. 10,685 10,605 10,573 10,593 Italien. . . 22,8b 22,92 22,84 22,88 London. . . Neupork . . -0,405 20,445 20,385 20,425 4,2035 1,2115 4,200 4,208 Paris.... Schweiz . . 16,45 16,49 (6,43 16,47 b0,93 ol,G9 60,89 ol,ü5 Spanien . . 71.88 1,977 72,02 71.60 71,74 Japan .. . Wo de Ian. Wien iu D-- 1,981 1,974 1.978 .496 '1.498 0,496 0,498 Oeft. abgest. 59,16 69,28 59,13 69 S Prag .... Belgrad . . 12,47 12,49 12,449 12, 7,393 7,407 7,200 7, !J! Budapest. . Bulgarien 73,23 o,ü42 73,37 5,048 73,17 3,037 78 3, Lissabon . . W,76 20,80 20.78 20 Danzig. . . 81,34 2,163 81,50 2,157 81,29 81 Konstantin. Athen. . . Canada . . 2,148 2, 5,634 5,646 5,544 5, 4,200 4,208 4.191 4. Uruguay. . Cairo . . . 4.186 20.93 4.1M 20.97 2$!S