Nr. 197 Erster Blaff Druck und Verlag: Srühl'sche Universitäts-Buch- und 5teindruckerel R. Lange in Gießen. Schristleüung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. (Erjd)eint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Diehener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr-tzezvgsprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger«, lohn, auch bei Richter, scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ließen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20v,„ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen 177. Jahrgang Mittwoch, 24. August (927 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Das Mandatsproblem. Erörterungen der Auslandspresse, besonders der englischen, haben in den letzten Tagen wieder die Frage der Kolonialmandate aufgeworfen. Dabei sind zwei an sich nicht ton- nexe Gegenstände in Beziehung zueinander gebracht worden, nämlich die Zuwahl eines deutschen Mitglieds zur ständigen Mandatskommission des Völkerbundes und die Frage einer Reuregelung bzw. einer verän- dertenVergebung von Völkerbundsmandaten über bestimmte Kolonialgebiete. Die erstere Frage ist dadurch ins Vollen gekommen, daß auf der Junitagung des Völkerbundrats der Mandatskommission aufgegeben wurde, sich $u der Besetzung einer Stelle zu äußern, die im Budget des lausenden Jahres für diese Kommission neu vorgesehen ist und für die ein deutsches Mitglied in Aussicht genommen worden war. Die Mandatskommission hat inzwischen getagt und zu der Frage in dem Sinne Stellung genommen, daß sie die Vergebung des fraglichen Postens als eine im wesentlichen politische Angelegenheit ansehe und sich nach dieser Seite hrn nicht zur Entscheidung befugt halte. Wenn politische Bedenken beim Völkerbundsrat jedoch nicht bestünden, so sei sie von sich aus zur Besetzung des Postens durch ein deutsches Mitglied bereit. Aach diesem Stand der Dinge darf es als ziemlich selbstverständlich betrachtet werden, daß der Volkerbundsrat nach Kenntnisnahme des Entscheids der Mandatskommission selbst die Zuwahl eines deutschen Mitglieds zur Mandatskommission auf seiner bevorstehenden Tagung beschließen wird. Damit wird jedoch für die zweite Frage in keiner Weise präjudiziert. Denn die Mandatskommission ist zwar eine Instanz, der in gewissem Sinne die Ueberwachung der Mandatssührung durch die mit ihr betrauten Mächte obliegt — wobei' etwaige Entscheidungen jedoch dem Dölkerbunds- rat Vorbehalten bleiben — aber sie h. daß alle kolonialen Großmächte sich mit der Zuteilung eines Mandats an Deutschland einverstanden zu erklären scheinen — vorausgesetzt, daß es dasjenige eines an« Bern ist! Rechberg als deutscher Vertreter? Berlin, 24. Aug. (Privat-Telcgramm des Wolff-Bureaus.) Wie der. „Sozialdemokratisch« Hressedienst" mitteilt, gilt als bevorzugter Anwärter Bes deutschen Vertreters in der Man- Bak s k 0 m m i f f i 0 n der frühere Ostafrika-Gouver- reur v. R e ch b e r g, der seit Sommer d. I. an den Arbeiten des internationalen Arbeitsamte» über Zwangsarbeit der Eingeborenen teilnimmt. Rech- berg steht dem Zentrum nahe. Frankreichs Sabotage der Befatzungssraae. Eigener Drcihtberichl des .Gießener Anzeigers" Berlin. 24. Aug. Die Frage der Herab- !ctzung der Desahungstruppen im Rheinland wird ii. der französischen Oefsentlichkeit in einer Form behandelt, die recht wenig mit der Bedeutung dieser Frage übereinstimmt. Auf je- den Fall steht doch das eine fest, daß der Herabsetzung der Stärke der Rheinlandtruppen bereits seit sehr langer Zeit überfäl- l i g ist, daß aber auch die Räumung überhaupt auf Grund der Rechtslage schon seit langem aktuell ist. Anstatt aber die Frage nun in der Form stiller diplomatischer Besprechungen iu lösen, setzt in der Presse in Frankreich eine Campagne ein, die sich nur aus einer Men- . talität erklären läßt, die ihre Grundlage in der a egner ischen Einstellung zu Deutsch- icnö überhaupt findet. Um so erfreulicher ist es, wenn das Rheinland in seiner so machtvollen Kundgebung erklärt, daß es lieber die Q3e» ’djung ertragen wolle, als daß eine Verminderung durch Gegenzugeständnisse deutscherseits I xlauft werden müßte. Dieses Verhak.en zeugt jelenfalls von der Würde der Rheinlandbevöl- 1 Sacco-Vanzetti-Kundgedungen. Wüste kommunistische Ausschreitungen gegen schuldlose Personen und Behörden. • Die Berliner Blätter beschäftigen sich ebenfalls mit der Hinrichtung Saccos und Banzettis, wobei sie zumeist auf dem Standpunkt stehen, daß in Anbetracht dessen, daß man in Deutschland di.e Ein- zölheiten über die Rechtsgründe des Urteils nicht nachprüfen forme, es doch für unser deutsches Empfinden einen Fall grausamster Justiz darstelll, wenn Menschen, die vor sieben Jahren zum Tode verurteilt wurden, erst heute nach einem entsetzlichen Hin und Her hingerichtet worden sind. So schreibt die „T ä g l i ch e Rundschau": Die Art und Weise, in der mit den beiden nunmehr Gerichteten verfahren worden ist, ist keine Justiz mehr, sondern es ist eine Folter, wie sie fürchterlicher nicht mehr gedacht werden kann, und daß in .Jerem Zeitalter der Humanität eine solche Folter noch angewendet werden konnte, das ist gerade im 3ntereffe der Justiz auf das lebhafteste zu bedauern. Der Fall Sacco und Lanzetii ist kein Ruhmeszeichen in der Geschichte der Justiz. Der „Berliner Lokal- a n 3 e 1 g e r" schreibt, ob der Schuldspruch gegen Sacco und Vanzetti ein Fehlspruch ober ein Wahrspruch war, ba'j vermögen wir nicht zu beurteilen. Der ,L.-A." verwirft dabei aber die Art und Weise, mit der der Feldzug zur Rettung der beiden durchgeführt worden fei, lind schreibt, daß man dabei mit kalter Skrupellosigkeit vorgegangen sei und aus der ganzen Angelegenheit eine Prestigefrage gemacht habe, die schließlich von der amerikanischen Regierung nicht anders zu lösen war. Die übrigen Berliner Blätter gehen in Ihren Kommentaren entsprechend ihrer politischen Einstellung ebenfalls davon aus, daß es gegen das deutsche Rechtsempfinden ist, Menschen, die vor sieben Jahren verurteil! wurden, erst nach so langem Martyrium wirklich auch hinzurichten. Eine üble Mache Boston, 23. Aug. (WB.) Reuter. Wie der Sacco - Vanzetti - Derteidigungs- a u s s ch u ß müierlt, beabsichtigt er, die Leichen Saccos und Vanzettis, die in besonders konstruierten Särgen untergebracht werden, in den Städten der östlichen Vereinigten Staaten öffentlich zur Schau zu stellen. Auch die westlichen Städte ungefähr kns Chicago sollen auf der Fahrt berührt werden. Vorläufig finb* die Leichen in den Bostoner Geschäftsräumen des Ausschusses aufbewahrt worden. Ein weiterer Plan des Verteidigungsausschusses ist, von Sacco und Vanzetti Totenmasken anfertigen zu lassen, die dann in großer Zahl vertrieben werden sollen. Bombenexplofion in Cleveland. Cleve land (Ohio), 23. Aua. (WB.) In der katholischen S t. Jo s e p Hs ki rche explodierte heute eine Bombe. Einige Kirchenfenster und Fenster benachbarter Gebäude wurden zertrümmert. Verletzt wurde niemand. Die Polizei glaubt, daß die Bombe von Anhängern Saccos und Vanzettis herrührt. Ruhe in Reuyork. R e u y 0 r k, 23. Aug. (Wolff.) Anläßlich der Hinrichtung von Sacco und Vanzetti wurden in R e u y v r k u. a. sechs Kompagnien Infanterie und zwei Maschinengewehrkompagnien mit mehreren Lastautos voll Munition in Bereitschaft gehalten. Diese Maßnahmen erwiesen sich als völlig überflüssig, da die einzige Massenversammlung, zu der sich übrigens 12 000 Per- k fönen eingesunden hatten, um Mitternacht in der unteren Stadt am Union Square stattfand. | 2lls Hohnschreie aus der Menge auf den Anschlag otm Plakaten einer sozialistischen Zeitung „Sacco ermordet, Danzettt ermordet" antworteten, zerstreute ein starkes Polizeiaufgebot die Dersamin- lung. Aehnliche Kundgebungen erfolgten in San Franzisko, St. Louis und anderen Städten. Unter den in Boston Verhafteten befindet sich auch die Dichterin Edna Saint Vincent Mill ah. In einigen Städten wurden gestern während der letzten Demonstrationen wiederholt die verhafteten Personen zur Beobachtung ihres Geisteszustandes in Irrenhäuser verbracht. Tumult in Buenos Aires. B u e n 0 s A i r e s, 23. Aug. (Wolff.) Eine Menschenmenge veranstattete vor dem Bureau einer Zeitung eine Demonstration für Sacco und Vanzetti. Als die Nachricht von der Hinrichtung bekannt wurde, zog die Menge vor die Gebäude am e - rikanlscher Firmen und warf dort die F e n- st e r s ch e i b e n ein. Die Polizei war nicht in der Lage, die Ruhestörungen zu verhindern. Schwerer Zusammenstoß in Leipzig. Leipzig, 23. Aua. (WTB.) Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Kommunistische Partei, der Rote Frontkämpferbund und einige kleinere linksstehende Organisationen veranstalteten heute abend in öer sechsten Stunde auf dem Reichsgerichtsplatz eine politische Kundgebung gegen die Hinrichtung von Sacco und V a n z e t t i. Im Anschluß daran zog der größte Teil der Demonstranten nach dem Metzplatz. Hierbei kam es zu schweren Ausschreitungen. Bei dem Versuch der Polizeibeamten, der Straßenbahn Durchfahrt zu verschaffen, gingen die Teilnehmer des Umzuges sofort gegen die Beamten in der rohe st en Weise vor. Sie entrissen einem Beamten das Seitengewehr und schlugen auf ihn ein. Ein anderer Beamter wurde abgedrängt, von hmten umfaß* imb zu Boden geworfen, getreten, geschlagen und durch Messer st iche im Gesicht verletzt. Diesen Beamten gelang es nur mit Hilfe von Straßenpassanten, sich auf einem Straßenbahnwagen in Sicherheit zu bringen. Ein dritter Beamter wurde durch Messerstiche in den Bauch schwer verletzt, so daß er ins Krankenlxius übergeführt werden mußte. Weiter trug eine Anzahl Beamter leichtere Verletzungen davon. Während die Beamten die Ordnung wiederhcrzustellen versuchten, stürmte ein Teil der Demonstranten unter dem Ruf: „Rache für Vanzetti! Jetzt ftürmen wirble Wache! Schlagt die Hunde nieder!" nach der m der Nähe gelegenen 7. Polizeiwache und versuchten, in diese einzudringen. Hierbei bewarfen sie die die Wache verteidigenden Beamten mit schweren Pflastersteinen und Eisen - st ä b e n , welche sie offenbar von vornherein bei sich führten, da in der Nähe der Wache eine Straßenbaustelle nicht liegt. In ihrer Bedrängnis gaben die Beamten einige Schüsse ab, durch die, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, zwei Angreifer verletzt wurden. Beide wurden in das Krankenhaus gebracht, wo einer von ihnen gestorben ist. Der herbeigerufenen Verstärkung gelang es, die Ordnung wiederherzustellen. Es wurden einige Verhaftungen oorgenommen. Zusammenstöße «in Berlin. Berlin, 23. Aug. In der Rächt kam es an der Ecke Mauerstrahe und Leipziger Straße, nicht weit von der amerikanischen Botschaft, zwischen einem größeren kommunistischen De - monstrationszug und der Polizei zu Zusammenstößen. Da die Demonstran.en der Aufforderung, auseinandeczugehen, nicht Folge leisteten, mußten die Beamten von den Gummiknüppeln Gebrauch machen. 18 Personen wurden in Haft genommen. Die Schutzpolizei i|t alarmbereit, da mit weiteren Kundgebungen zu rechnen ist. Berlin, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die „Rote Fahne" veröffentlicht einen Aufruf der k 0 m - munistifchen Organisationen zu einer Trauer kundgebung für Sacco und Vanzetti, die heute abend im Lustgatten stattfinden soll. PoUzeiverdot gegen die Kommunisten von Halle. Halle, 23. Aug. (WTB.) Die erheblichen Störungen der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit in den letzten Wochen, insbesondere die überaus erhebe lichen Angriffe auf die Hatlesche Schutzpolizei am vorigen Sonntag und gestern haben den Regierungspräsidenten in Merseburg veranlaßt, auf die Dauer von drei Monaten der kommuni st ischen Partei, dem Roten Frontkämpferbund und verwandten Organisationen sämtliche älmzüge und Versammlungen unter freiem Himmel wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu untersagen. Das Verbot erstreckt sich auf den Polizeibezirk Halle und eine Anzahl Gemeinden des Saalekreises. Blutige Zusammenstöße in Paris Paris, 23. Aug. iWD.) Die Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis auf den großen Boulevards hat zu ziemlich ernsten Zusammenstößen mit der Polizei geführt. An zwei Stellen kamen die Manifestanten mit einem starken Polizeiaufgebot, das übrigens vorn Polizeipräsek- ten selbst geführt wurde, ins Gemenge. D e Manifestanten drangen in verschiedene Cafes ein und bemächtigten sich der Trinkgläser und anderer Trinkgefäße, die sie als Wurfgeschosse gegen die mehrfach mit der blanken Waffe einschreitende Polizei benutzten. Auf beiden Seiten hat es eine Reihe von Verletzten gegeben; auch wurden verschiedene Verhaftungen vvrgenommen. Besonders ernst scheint der Zusammenstoß vor dem Gebäude des „M a t i n“ gewesen zu sein, wo sogar aus der Rähe geschossen wurde. Auch hier ftnd Polizisten und Manifestanten verletzt worden. Ein Teil der Manifestanten flüchtete sich auf dem älteren Boulevard in die in der Vähe liegenden Cafös. Die Besitzer sahen sich genötigt, ihre Lokale zu schließen. Dor der Porte Samt Denis griffen Manifestanten mit Messern und mit Stöcken die Polizei an. Vier Polizeibeamte wurden schwer verletzt. In der Rähe der großen Boulevards kam es zu größeren Zusammenstößen. Um 10 älhr wurde festgestellt, daß zahlreiche kommuni st ische und anarchistische Elemente in Autos davon- fuhren. Am Place Clichy zerschlugen ca. 3000 Männer die Fensterscheiben der Lokale, stürzten die Bäume um und demolierten wartende Autos. Am Boulevard Sebastvpol wurden die Schaufenster eines großen Schuhhauses und kerung, die von jeher gezeigt hat, daß sie fähig ist, auch das Schwerste in ehrenvoller Weise zu tragen. Eigentlich sollte dieses Verhalten ter Rheinlandbevölkerung auf die gewisse französische Presse, die es eben jetzt für notwendig hält, jenen Lärm zu schlagen, der alles andere als den heutigen Verhältnissen entsprechend ist, beschämend wirken, doch dürfte es eitel fein, mit derartigen Argumenten gegen den französischen Hetzfeldzug vorzugehen. Es fällt dagegen sehr auf, daß die englische Presse in älnterstützung der englischen Initiative recht deutlich zum Ausdruck bringt, daß sie des bisherigen Treibens Frankreichs reichlich müde ist und in energischer Form auf eine loyale Lösung der Rhein land frage dringt. Dieses Echo, das die englische Regierung in ihrer Presse gefunden hat, wird zumindest geeignet fein, der englischen Initiative den nötigen Rachdruck zu verleihen. Inwieweit sich diese Haltung aber bei der französischen Pres.e auswirien wird, muh noch sehr dahingesteUt bleiden. Daß es zu einer Herabsetzung kommen wird, steht ja fest. Daß aber die Angelegenheit mit einer Zurücknahme von 4000 b i s 5 000 Mann für uns erledigt ist, dürfte wohl von keiner Seite angenommen werten. Es erübrigt sich, dafür nochmals unsere Gründe anzusühren. Auf jeden Fall wird aber Deutschland dann gezwungen sein, in schärferer Form vorzugehen, denn ein Spielball der französischen Launen zu sein hat nicht einmal das Versailler Diktat für uns vorgesehen. älnö in dieser Hinsicht verbleibt schließlich Deutschland auch fein anderer Weg. Denn immer ist es Deutschland gewesen, das die Initiative zur Verständigung ergriff, wobei es allerdings zumeist erhebliche Zugeständnisse machen mußte, um wenigstens einigermaßen etwas zu erreichen. Die Zeit dieser Politik ist aber vorbei. Wenn man in Frankreich nicht einsehen will, daß die weltpolittschen Aufgabe^, nur dann gelöst werden können, wenn die ßagtT in Europa geflärt worden ist und eine feste Grundlage biete;, dann muß Frankreich eben zu dieser Einsicht geführt werden. Es hat also die Wahl, welchen Weg es einzuschlagen gedenkt. Der größere Erfolg dürfte allerdings in der Linie der Verständigung liegen, älnd deshalb besteht die Forderung: wirklich fühlbare Herabsetzung der Rheintruppen sofort, Räumung der Rheinlande in kürzester Zeit. Der englische Vorschlag. London, 23. Aug. (Wolff.) Die „M 0 r n i n g P 0 ft glaubt zu wissen, daß die am Freitag von dem französischen Kabinett erwogene britische Antwort auf den Vorschlag der französischen Regierung in der Frage der Verminderung der Besatzungstruppen am Rhein die Andeutung enthalt, daß die Zahl der Truppen, die dis französische Regierung zurückziehen will, ungenügend ist. Auch sei das Verhältnis der zurückzuziehenden Truppen einerseits und der belgi- schen und englischen Truppen anderseits zu ungünstig. Der brittsche Vorschlag sei dahin gegangen, daß die Franzosen ihre Truppen um 10 000 Mann, die Belgier und Engländer dagegen um je 2000 Mann vermindern sollen. Laut „Morning Poft" ist noch keine Antwort aus Paris eingetroffen. Um 10000 Mann? Paris, 23. Aug. (Wolff.) .Information" glaubt nach Auskünften, die sie aus London er- halten haben will, berichten zu fönnen, daß die Alliierten die Absicht hätten, die Desatzungstruppen im Rheinland um 1 0000 Mann 8 u verringern und die Besetzung selbst u n- sichtbarer zu gestalten. Die Grundlagen einer j Verständigung in diesem Sinne schienen nunmehr zwischen Brüssel, London und Paris erreicht zu fein. Ein sehr böses Ding für den Frieden. London, 23. Aug. (Wolsf.) Zur^Rhein- landbesetzung schreibt die „D a i l y R e w s": Die Rheinlandbesehung ist ein sehr böfes Ding für den Frieden, und je länger sie dauert, um so mehr Zwischenfälle werden die Beziehungen zwischen Frankreich und D utschland verbittern. Zu dem vom „Manchester Guardian" veröffentlichten Plan P 0 i n c a r e s, die Zurückziehung der französischen Truppen vom Abschluß eines Ostlocarnos abhängig zu machen, be- mettt die „Daily Rews", in Locarno habe Stresemann als guter Europäer gehandelt und Europa dem Frieden wesentlich näher gebracht, indem er mit dem Edelmut, der ein wichtiges Element aller wahren Staatskunst ist, formell die Bestimmungen des Versailler Vertrages, soweit die Westgrenze in Bettacht kommt, annahm. Der Advokatenverstand Poincares, so fährt das Blatt fort, erblicke ^ach?" dieser edelmütigen Aktion die Möglich- kctt, für die Erzeugung anderer Schwierigkeiten. tPomcare verlangte nämlich ein ähnliches Versprechen für die Oft grenze mit der Gewißheit, daß Stresemann dieses Versprechen nicht geben konnte. Seltsamerweise hat Poincare sich selbst eingeretet, daß er dabei die älnterstü.ung Großbritanniens genießen werde. Glück- ttcherweise $abe_ Chamberlain seiner Zeit dsn Poincare gegenüber eingenommenen Standpunkt aftenrnäßig festgelegt. England denke nicht daran, irgendeine Garantie für. die Ost grenze einzugehen. Poincars müsse irgendeine andere Entschuldigung suchen, um daS gegebene Wort seines Landes zu brecheu. die eines Feinkostgeschäftes zertrümmert und die Waren auf die Straße ge st reut. Auf den Champs Elysees wurden die Veranden und Fenster der Cafes eingeschlagen. An einer Stelle ist sogar eine Handgranate geworfen worden, ohne jedoch Schaden anzurichten. Am Carrefour Reaumur wurden Geschäfte geplün - dert. Die Manifestanten bauen an dieser Stelle mit Baumstämmen, Automobilen usw. Barrikaden. Gegen 10.30 Ahr abends waren die Zugangs- straßen zur amerikanischen Botschaft von einer dichten Menschenmenge belagert. Auch die Gegend des Triumphbogens war durch eine Menschenmauer abgesperrt. P o l i z e i v e r- stär kungen wurden aus Automobilen an diese Stellen befördert. Der Versuch, Barrikaden am Carrefour RHaumur zu bauen, führte zu heftigen Kämpfen mit der Polizei, an denen sich sogar Bewohner der um* liegenden Häuser beteiligten, die von den Balkons herab mit allerhand Gegenständen die vorgehenden Polizeibeamten bewarfen. Es gab hier zahlreiche Verletzte. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Gegen 10.30 Ahr gelang es der Polizei, diese Stelle zu säubern. 3n der Nähe der großen Boulevards, ebenso wie an den verschiedensten Stellen der Innenstadt, waren weiter« Zusammenstöße zu verzeichnen, bei denen die Polizei sogar von ihren Revolvern Gebrauch machen muhte. Die Menge bemächtigte sich der die Bäume umgebenden Gitter, riß sie aus und versuchte, mit den eisernen Gitter st äben die Polizei zurückzutreiben. Gegen 11 Ahr wurden hier im ganzen elf Verhaftungen vorgenommen. Mehr als zwanzig Polizeibeamte sollen nach den bisherigen Feststellungen Verletzungen erlitten haben. Gegen 11 Uhr kam eszuneuenZusammen- st ö ß e n zwischen Manifestanten und den Gästen eines bekannten Tafts der Champs Clydes, wobei Schüsse fielen, durch die jedoch niemand getroffen wurde. Die Manifestanten schlossen sich hierauf den am Triumphbogen mit der Polizei im Handgemenge liegenden Massen an. Im Verlaufe dieser Zwischenfälle wurden etwa zehn Verhaftungen oorgenommen, jedoch nur drei aufrechterhalten. In Lyon wurden revolutionäre Aufrufe des Inhalts verbreitet: „(Saeco und Danzetti sind ermordet worden. Rächt fiel“ Vergangene Rächt hatte man versucht, die Straßenbahn dadurch am Ausfahren zu verhindern, daß man Sand in die Schienen streute. Aus Rouen werden gleichfalls Zwischenfälle gemeldet. Die Kommunistische Partei hatte für gestern Abend eine Kundgebung anberaumt, die von etwa 800 Personen besucht wurde. Berittene Polizei ging gegen die Manifestanten vor. Drei Beamte wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Fünf Manifestanten wurden verhaftet. Paris, 24. Aug. (WTB. Funkspruch) Der Polizei bericht über die gestrigen Ereignisse verzeichnet weitere Zusammenstöße zwischen Manifestanten und Polizei an verschiedenen Punkten der Stadt. Die Gesamtzahl der Verhafteten wird auf 2 00 geschäht. Etwa 10 Poli- zeibeamte sind ins Krankenhaus eingeliefert worden. Annähernd 50 Leichtverletzte konnten sich nach Anlegung von Rotverbänden nach Hause begeben. Am Mitternacht war die Ruhe in der Stadt wiederhergestellt. Auf den äußeren Boulevards jedoch sind die Schäden beträchtlich. „Journal" berichtet überdies, daß Manifestanten das Grab des unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen b e s p u ck t haben. Aus der Provinz liegen ebenfalls Rachrichten über Kundgebungen vor. In Lille kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Manifestanten vor dem amerikanischen Konsulat, wobei 4 Personen zur Feststellung ihrer Personalien verhaftet wurden. Rach dem „Matin" ist in Toulon auf dem Rathaus die Flagge auf Halbmast gesetzt worden. In Bordeaux und Marseille wurde die Flagge auf der Arbeitsbörse auf Halbmast gesetzt. Auch in Toulouse ist es nach dem gleichen Blatt zu Züsammenstöhen zwischen Polizei und Manifestanten gekommen. Höllenmaschinen in Montpellier. Paris, 23. Aug. (WB.) Havas meldet aus Montpellier: Heute um Mitternacht wurde nach Beendigung einer Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis ein« Höllenmaschine gegen die Polizeistation eines Arrondissements geschleudert. Sämtliche Fensterscheiben der Polizeistation und der benachbarten Häuser wurden zertrümmert. Ein Polizist wurde leicht verletzt. Der Einwohner bemächtigte sich eine Panik. Von der Höllenmaschine selbst war nichts aufzufinden. Drei Stunden später explodierte eine zweite Höllenmaschine, die gegen das Denkmal der Jungfrau von Orleans, dreißig Meter von der Polizeiwache entfernt, geschleudert wurde. Sie richtete nur einigen Sachschaden an. Bisher hat man keine Anhaltspunkte über die Arheber des Anschlages. Kundgebung der französischen Sozialisten. Paris, 23. Aug. (WB.) Die Sozialistische Vereinigung des Seine-Departements und der Vorstand der sozialistischen Iugendverbände haben eine Tagesordnung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis angenommen, in der sie erklären: „Wir machen nicht das amerikanische Volk verantwortlich für die von seinen Führern begangene Infamie. Wir werden uns aber dieser Hand- fung zu erinnern wissen, di« eine neue Episode >es Klasfenkampfes darstellt." Die ihre Gefängnisstrafe verbüßenden kommunistischen Abgeordneten Cachin, Marty und D v r i o t haben den Kammerpräsidenten davon in Kenntnis gesetzt, daß sie die R e g i e r u n g zu interpellieren gedenken über das anläßlich des am 19. September stattfindenden Kongresses der amerikanischen Legion in Paris geplante Rationalfest, das angesichts der Volkserregung über die Hinrichtung mit Recht von den französischen Arbeitern als Faustschlag ins Gesicht empfunden werden würde. Wilde Demonstrationen in London. London, 24. Aug. (WTB. Funftpruch.) Gestern abend kam es nach einer sechsstündigen Protestkundgebung im Hyde-Parl gegen di« Hinrichtung Saccos und Vanzettis, an der sich 15 000 Menschen beteiligten, zu wilden Szenen im Westen von London. Mehr als 40 Personen wurden verletzt, mehr als 12 Personen mußten nach dem Hospital gebracht werden. Die Polizei ging mit Gummiknüppeln gegen die Demonstranten vor. Personen, die nichts mit der Demonstration zu tun hatten, wurden in die zurückflutenden Menschenmassen hineingezogen und erlitten dadurch Verletzungen. Neue Kundgebungen in Gens. Genf, 23. Aug. (WB.) Heute abend kam es kurz vor 6 Uhr in der Näh« des amerikanischen Konsulates zu einer großen Mensch e n a n s a m m l u n a. Die Polizei sperrte hierauf neuerdings alle zum Konsulat führenden Straßen ab. Da gewisse Elemente der Aufforderung, sich zu- riickzuziehen, nicht unverzüglich Folge leisteten, wurden von der Feuerwehr zwei Motorspritzen in Tätigkeit gesetzt, deren Wirkung sich sofort fühlbar machte. Die Menge, welche hauptsächlich aus Neugierigen bestand, zerstreute sich langsam. Die Polizei nahm zehn Personen fest, die alle verletzt waren. An verschiedenen Punkten der Stadt sind Absperrungen vorgenommen worden, insbesondere in der Nähe des Völkerbundspalastes. Der von den Manisestanten gestern angerichtete Sachschaden wird auf zirka 100 000 Franken geschaht. Es wird als selbstverständlich betrachtet, daß der am Gebäude des Völkerbund- sekretariats verursachte Schaden vorn Kanton Genf gedeckt wird. Polizeikcmmissar F l o t r o w unterzog heute vormittag die am Montagabend verhafteten Manifestanten einem Verhör. Alle Angeschul- digten, unter denen sich mehrere Italiener! befinden, haben zugegeben, an den Unruhen aktiv beteiligt gewesen zu fein. Die Mehrzahl von ihnen hat an dem Angriff aus das V ö lker b u n d se k r e t a r ia t teilgenommen. Die Verhafteten wurden der Staatsanwaltschaft übergeben und werden sich vor dem Polizei- gericht zu verantworten haben. Bedauern des Schweizer Bundesrats. Bern, 23. Aug. (Wolff.) Der Bundesrat hat sich fyeute früh in einer außerordentlichen Sitzung mit den gestrigen Zwischenfällen in Genf befaßt. Er beschloß die Veröffentlichung folgender Kundgebung: „Der Bundesrat hat mit Ent- rüftung von den bedauerlichen Vorkommnissen Kenntnis genommen, die sich gestern in Genf abgespielt haben. Er hat sich sofort mit der Regierung des Kantons Genf in Verbindung gesetzt, um sich mit ihr über die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu verständigen. Er hat den Minister D i n i ch e r t, Chef der Abteilung für Auswärtiges im politischen Departement, und Bundesanwalt Stämpfli nach Genf beordert. Minister Dinichert hat besonders den Auftrag, dem Generalsekretär das Bedauern des Bundesrats auszusprechen und ihm zu versichern, daß alle Maßnahmen zum wirksamen Schutz der Einrichtungen des Völkerbundes getroffen worden sind. Die Genfer Staatsräte Boiffanas und Ol- tranare haben dem Völkerbund das Bedauern der Genfer Regierung über die gestrigen Vorkommnisse ausgedrückt. Der Genfer Staatsrat Hot in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, ein Infanterieregiment in Bereitschaft zu stellen. Die Hranktireur-Untersuchung. Die diplomatischen Verhandlungen zwischen Brüssel und Berlin über die Zusammensetzung der ins Auge gefaßten A n t e r s u - chungskommission sind im Gange. Irgend etwas über ihr vermutliches Ergebnis und damit auch über die Mitglieder des Ausschusses und seines Aufgabenkreises läßt sich noch nicht sagen, vor allem auch deswegen noch nicht, weil der belgische _ Außenminister Dandervelde ziemlich selbständig vorgegangen ist und sich nun erst mit seinen Ministerkollegen über die ganze Angelegenheit auseinandersehen muß. Er wird, was nicht zu bestreiten ist, im belgischen Kabinett keine allzu freudige Zustimmung finden. Daß man aber beschließt, die Bildung einer Kommission zur Untersuchung des Franktire krieges oder aller anderen Vorkommnisse, während und nach dem Kriege, besonders L Zustandekommen des Versailler Diktats eine ni.^t unwesentliche Rolle spielten, fallen zu lasten und den Außenminister zu ersuchen, uns gegenüber den Rückzug anzutreten, glauben wir nicht. Das würde doch den Eindruck Hervorrufen, als habe Belgien sehr viel zu verbergen und eine unparteiisch« Untersuchung zu scheuen. Die belgisch« Rechtspresse hätte es allerdings lieber gesehen, wenn Vandervelde niemals mit einer derartigen Offerte an uns herangetreten wäre. Sie versucht bereits zu retten, was sich retten läßt, und schlägt vor, der Völkerbund solle diese Kommission bilden. Bei aller Achtung vor der Genfer Institution glauben wir doch, es fei besser, beide Regierungen suchen sich tatsächlich unparteiische Iu- riften und lassen ihnen dann völlig freie- H"a n d. Davon will man aber in den Kreisen der belgischen Chauvinisten nichts wissen. Es wird schon zu verstehen gegeben, die Kommission würde in den in Frage kommenden Ortschaften auf den Widerstand der Bevölkerung stoßen und sich größten Gefahren aussehen. Einige belgische Blätter, in deren Redaktionen man anscheinend noch immer an die abgehackten Kinderhände glaubt, sehen voraus, daß iede Untersuchung uns nur belasten würde, sie verlangen bereits di« Auslieferung der zu ent* larvenden Schuldigen. Wenn sich die erste Aufregung über den Schritt Vanderveldes gelegt hat, dann wird man sich auch in Belgien bequemen müssen, das Für und Wider dieses Vorschlages sachlich zu überprüfen. Tut das die belgische Presse, dann muß sie ausnahmslos zu der Einsicht kommen, daß Belgien sich selbst nur schadet, wenn es eine neutrale und unparteiische Unter* suchung hintertreibt. Parlamentarischer Arbeitsbeginn. Berlin, 24. Aug. (Priv.-Tel. des WB.) Wie der „Sozialdemokratische Pressedienst" mit* teilt, wird sich am morgigen Donnerstag der zuständige Ausschuß des Reichs rats mit dem deutsch-französischen Handelsvertrag beschäftigen. Rach der Zustimmung des Reichsrats und des handelspolitischen Reichs* tagsausschusses wird der Vertrag in Kraft treten Am 5. September wird sich ein weiterer Ausschuß des Reichsrats mit dem Gesetzentwurf über dm endgültigen Reichswirtschaftsrat befassen. Der Haushaltsausschuß des Reichstags soll, wie bisher geplant ist, erst in der Mitte des Monats September zusammentreten. Die Ausschüsse des Reichswirtschaftsrats nehmen int Lause des September auch ihre Arbeiten wieder auf. Zur Beratung steht u. a. das Arbeitsschutz- gesetz. Endlich tritt der Arbeitsausschuß zur Prüfung der Zollsätze zusammen, dem bereits eine Reihe von Sachverständigengutachten vorliegt. Zaglul Pascha f. ßonbon, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie aus Kairo gemeldet wird, ist dort Zaglul Pascha gestern abend im Alter von 77 Jahren gestorben. i » Saad Zaglul war unter allen ägyptischen Staatsmännern der einzige, der Fellache, also eigentlicher Aegypter war. Er war ursprünglich Scheich, d. h. ein religiöser Beamter, und trat erstmals während des Arabi-Aufstandes 1882 politisch hervor, bekämpfte damals die Engländer, machte aber dann seinen Frieden mit ihnen und trat in nah« Beziehungen zu dem damaligen englischen Oberkommissar Lord Cromer. Er wurde Beamter im Unterrichtsministerium, später Unterrichtsminister und unterstützte den Verkauf der Suez-Nanalaktion an England, ebenso die Abtrennung des Sudan. Später wurde er Abgeordneter und Präsident der gesetzgebenden Versammlung Aegyptens, die England 1912 dem Land zugestanden hatte und die am 22. Januar 1914 zum ersten Male zusammentrat. Hier begann Zaglul die Nationalisten, die nach völliger Unabhängigkeit begehrten, um sich zu sammeln. Am 13. November 1918 erklärte er sich dem englischen Oberkommissar Sir I. R. Wingate gegenüber bereit, nach London zu gehen, um dort mit der englischen Regierung zu verhandeln. Als London trotz Empfehlung des Vorschlages seitens des Oberkommissars oblehnte, kam es zu einem Kabinettswechsel. Eine Abordnung der Kammer von zwölf Mitgliedern, darunter Zaglul, erhielt den Auftrag, die Sache Aegyptens vor der Friedenskonferenz in Paris zu vertreten. Kurz vor deren von den Engländern verbotenen Abreise wurde aber Zaglul im März 1919 verhaftet und nach Malta gebracht. Daraufhin kam es zu schweren Unruhen in Aegypten. Ein neuer englischer Oberkommissar, Lord Al- lenby, hob das Reiseverbot wieder auf und so mußte Zaglul wieder in Freiheit gesetzt werden. Er begann nun erst recht gegen die englische Regierung zu agitieren, so daß die Londoner Regierung sich entschloß, eine Untersuchungskommission unter Lord Milner nach Aegypten zu entsenden. Aus Paris, wo er sich aufhielt, ordnete er an, diese Kommission zu boykottieren. Erst als die Engländer zusagten, die Unabhängigkeit Aegyptens als Grundlage der Verhandlungen anzuerkennen, ließ er sich zu solchen herbei. Das Ergebnis entsprach seinen Wünschen aber nicht. Er fuhr fort, die Engländer zu bekämpfen, bis diese ihn des Landes verwiesen. Als er nicht freiwillig gehen wollte, wurde er Ende 1921 wieder verhaftet und zuerst nachCeylon, dann nach den Seyschellen-Inseln deportiert. Im März 1922 erklärte i>ann England das Protektorat über Aegypten für beendet und ließ im April den Vizekönig Fuad 3um unabhägigen König Aegyptens ausrufen. Doch behielt es sich Besatzungsrechte vor. Zaglul wurde 1923 freigelassen und kehrte wieder in sein Land zurück. Im Frühjahr 1924 bildete er ein Kabinett, um zu versuchen, auf diesem Wege die Engländer noch zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Eine Reise nach London'im Sommer 1924, wo er mit Macdonald verhandelte, blieb aber ergebnislos. Inzwischen war selbst er dem extremen Flügel der Nationalisten — der Watani-Partei — verdächtig geworden. So kam es am 12. 7. 1924 in Kairo zu «jnent Attentat auf ihn, bei dem ihn ein ägyptischer Student leicht verwundete. Nach der Ermordung des englischen Oberbefehlshabers Sir Lee Stack am 19. Nov. 1925 mußte er, da er die Sühneforderungen Englands als zu weitgehend ablehnte, zurücktreten. Es folgten ein Kabinett Ziwar-Pascha und am 12.3. 1925 Wahlen, in denen die Waft-Partei (Zaglu- listen) zwar starke Einbußen erlitt, dennoch aber die Mehrheit behielt. Beim Zusammentritt des neuen Parlaments wurde Zaglul am 23. 3. 1925 zu dessen Präsidenten gewählt. In der gleichen Stunde aber wurde das neue Parlament schon wieder von der Regierung Ziwar-Pascha aufgelöst, die dann im Einvernehmen mit König Fuad ein absolutes Regiment durchzuführen versuchte, die Neuwahlen hmauszöaerte und ein neues Wahlgesetz oktroyieren wollte. Die Sage trieb auf einen neuen gewaltsamen Ausbruch hin, als der neue Oberkommissar Lord Lloyd selbst dem König und Ziwar-Pascha zum Nachgeben riet. So kam es am 28. 5. 1926 zu Wahlen und damit zu einem neuen glänzenden Wahlsieg Zagluls, der daraufhin die Regierung übernehmen wollte, dem Einspruch Englands aber nachgab, ein Kabinett Adly-Pascha zuließ und sich mit seiner am 10. 6. 1926 erfolgten Wahl zum Kammerpräsidenten begnügte. Von der russischen Klassenjustiz. M o 8 f a u, 23. Aug. (WTB.) Das Zentral* Exekutivkomitee der Sowjetunion hat das Gnadengesuch der Frau Klepikowa, die vom Revolutionsgericht der baltischen Flotte wegen Spionage zugunsten Englands zum Tode verurteilt worden war, abgelehnt. Das Urteil ist heute vollstreckt worden. Keine Kandidatur Dawes' und Hoovers. Washington, 23. Aug. (WTB.) General Dawes erklärte auf Anfrage, daß er nicht beabsichtige, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Handelssekretär Hoover, der gestern von seinem Urlaub zurückgekehrt ist, teilt gleichfalls mit, er beabsichtige nicht zu kandidieren. Er werde nicht fein Amt niederlegen, um seine Rominierungskampagne vorzubereiten, sondern er hoffe, daß Covlidge als Kandidat aufgestellt werden würde. „Rew Vork Tribüne" erklärt, daß die Lage noch ganz ungeklärt sei, daß aber die Mehrheit der republikanischen Partei immer noch auf eine Wiederwah l Cvo - l i d g e s hvfte. gusanirnenstoh zwischen Indern und Mohammedanern. , D elhi, 23. Aug. (WB.) Während der Begräbnisfeier eines Inders, der in einem Zuge von einem Mohammedaner getötet worden sein soll, warfen Inder Steine in mohammedanische Läden, was einen Zusammenstoß zwischen Indem und Mohammedanern verursachte. Acht Inder wurden von der Polizei verhaftet. Sechs Polizisten, neun Mohammedaner und ein Inder wurden verletzt. Die Ordnung wurde wieder hergestellt. Die Läden sind geschlossen worden. Polizeistreifen durchziehen die Straften. Aus aller Wett. Hamburger Kolonialskandal. Bei der vor einigen Wochen in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Kolonialfirma Hans Sietgen, Berlin-Hamburg, haben sich, wie die „Boss. Ztg." berichtet, die größten Unregelmäßig- ketten herausgestellt, da jede ordnungsmäßige Buchführung fehlte. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, belaufen sich die Passiva auf zwei Millionen Mark, während die Aktiva gleich Rull sind. Insbesondere geschädigt sollen Kreis« sein, die dem kolonialen Gedanken nahestehen. Als ein« der Hauptgläubigerinnen wird die Deutschnational« Dersicherrmgs-Aktiengeftllschaft in Hamburg genannt, deren Verlust auf 3 0 0 0 0 0 Mark beziffert wird. Außerdem haben Privatleute und ehemalige Ostafrikaner, die sich w'.eder in Ostafrik» ans edeln wollten, Verluste erlitten. Die Behauptung, daß 'das Reich stark geschädigt sei, muß noch nachgeprüft werden: jedoch soll soviel feststehen, daß Sietgen, der eine Filiale in Sanaa (Deutsch» Ostafrika) hatte, vielen deutschen Firmen Entschädigungsgelder unterschlagen hat, di« diesen von der Reichsregierung auf Konto der Entschädigungsansprüche zur Wiederansiedlung in Deutsch-Ostafrika ausgezcrhlt waren. Das Auswärtige Amt hat einen Vertreter in den Gläubigerausschuß entsandt, um nachprüfen zu können, welche Personen von Sietgen um ihre Entschädigung gebracht worden sind. Zollhinterziehungen eines Franzosen. Der französische Kaufmann Edmond Racinet, der in Wiesbaden «in Kaufhaus unterhielt und mit seinen billigen Waren der deutschen Geschäftswelt schwere Konkurrenz gemacht hatte, ist jetzt auf Veranlassung der deutschen Zollbehörden wegen fortgesetzter schwerer Zollhinterziehungen verhaftet worden. Lin Hehlernesl ausgehoben. In Deutsch-Krone in der Grenzmark wurden in letzter Zeit zahlreiche Einbrüche verübt, mit deren Aufklärung sich auch die Berliner Kriminalpolizei befaßte, weil man vermutete, daß d« Deute der Diebe nach Berlin geschaftt wurde. Die Beobachtungen ergaben, daß aus Deutsch-Krone tatsächlich eine große Zahl von Paketsendungen nach Berlin gelangten, und zwar an eine Familie Schacklowaki in der Langenstraße. Als der Postbote gestern dort wieder einmal Pakete abgegeben hatte, drangen Kriminalbeamte überraschend in die Wohnung ein. Bei einer Durchsuchung entdeckte man zwischen den Betten versteckt die Pakete, von denen eins Golduhren, Schmucksachen und Kleidungsstücke enthielt. Als die Beamten auch einen Kleiderschrank öffneten, entdeckten sie in ihm, in einem Haufen Wäsche versteckt, einen Marrn. Bei seiner Vernehmung nannte er sich Franz Friedemann, wurde aber bald als der Litauer Simon Antonattis entlarvt, der im Juli aus der Untersuchungshaft in Spandau entwichen ist, und seitdem gesucht wird. Ein Postaushelfer stiehlt 60 000 Mark. Der 32jährige Postaushelfer Paul Wegener in Berlin, der schon mehrere Jahre bei der Reichspost beschäftigt ist, stahl gestern abend beim Sortieren von Wertbriefen einen Geldbrief, der mit tausend Mark deklariert worden war, in Wirtlichkeit aber 60 000 Mark enthielt. Der Säter ist flüchtig. ' Eine Mutter mit vier filnbern In den lob gegangen. Aus dem Oberteich in Rastenburg (Ostpreußen) wurden gestern fünf Leichen geborgen. Es handelt sich um die schwer kranke Frau des schwerkriegsbeschädigten Maschinisten Lauterbach aus Iankendorf, die mit ihren vier Kindern im Alter von drei bis acht Jahren den Tob gesucht hatte. Der Grund zu der Tat scheint in ehelichen Zwistigkeiten zu bestehen. Die Wetterlage. :ydt!f ■Vaidersundi Wart — aytn-ms —. ingö—> O 1b Q t w«n Dienstagden & August 27 7* nach m "55j ■■/?»- c -- \-95O- ORk,eeflb . __D_ ©wolkenlos.<3 neuer q mid oeoecKL «woixto »Gedeckt eltegeix * Schnee △ Oraupein e kcdcl "K Qe*/itter.@wmdstiiie. •O' K1» leichter Ost _p massiger Südsüdwest q stürmischer nordivesl Die Pfeile (liegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Ort« mit gleichens auf Meercsniveau umgereenneten Luftdruck Wettervoraussage. Der südskandinavische Tiefdruck liegt heute über Finnland, lieber Mittel* und Westeuropa seht allgemeiner Luftdruckanstieg ein und läßt 'damtt eine weitere Wetterberuhigung aufkommen. Der Witterungscharakter gestaltet sich morgen in der Hauptsache trocken. Die Tenrpe- raturen werden ihren gegenwärttgen Stand wenig ändern. Wettervoraussage: Wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm und meist trocken. Wttterimgsaussicht en für Freitag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen: 23. August vormittags: 18,2 Grad Celsius; nachmittags: 14,2 Grad Celsius. Am 24. August morgens: 13,5 Grob Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tief«: Am 23. August: 17,8 Grad Celsiur; am 24. AugusN 14,2 Grad Celsius. Gestrige Tagestempsraturen: Maximum: 18,5 Grad Celsius. Minimum: 11,5 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 24. August 1927. Rheinsahrt der Hapag. Durch Vermittelung und unter Leitung des hiesigen Re-isebureaus Loeb als Vertreterin der Hamburg—Amerika-Linie fand am Sonntag eine große Gesellschaftsfahrt an den Rhein statt. Welch hohe Anziehungskraft eine Reise nach unserem herrlichen deutschen Rhein aus» übt, das beweist am besten die starke Beteiligung: hatten doch rund 1 3 0 0 Personen die hier gebotene Gelegenheit zu einer vorteilhaften und billigen DHeinfahrt wahrgenommen. Die größte Teilnehmerzahl stellte Gießen, außerdem waren noch viele Besucher aus Marburg, Wehlar, Braunfels, Butzbach, Dad-Rauheim, Friedberg usw. beteiligt. Fahrplanmäßig verließ der Sonderzug den Gießener Bahnhof morgens kurz vor 7 Hhr, und nun ging es nach kurzem Aufenthalt in Butzbach, Rauheim und Friedberg in rascher Fahrt dem Ziele entgegen. Wenige Minuten nach 9 Hl)r endete die Bahnfahrt in Mainz- -A' a stel. Auch hier wickelte sich alles rasch und ibungslos ab, bald waren die beiden modernen Dampfer „Rh ein treue" und „Freiherr vom Stein" beseht, so daß die Rheinfahrt programmäßig ihren Anfang nahm. Obwohl der Himmel bei der Abfahrt in Gießen mit dunklen Wolken bedeckt war und es auch auf der Bahnfahrt teilweise leicht geregnet hatte, vermochte das die Stimmung der zahlreichen Ausflügler kaum zu beeinflussen. Rur den Mut nicht sinken lassen — war die Losung, die dann auch dadurch belohnt wurde, daß sich das Wetter während der Fahrt auf dem Rhein besserte und so bis gegen 5 Hhr nachmittags ohne Regen anhielt. Die Hoffnungen tourten also nicht enttäuscht, und alle Teilnehmer dürften fo auf ihre Kosten gekommen sein. „O du wunderschöner, deutscher Rhein..." heißt es in dem bekannten Rheinlied, das man während der Dampferfahrt oft hören konnte: hierdurch wurde wohl auch in bester Weise die große Begeisterung der DHeinfahrer über dieses herrliche Stückchen Erde zum Ausdruck gebracht. Gerate zwischen Mainz und Koblenz bietet sich Vater Rhein außerordentlich eindrucksvoll dein Auge des Raturfreundes dar: zahlreiche Burgen grüßen von den Höhen, stolz springt der Lorelei- Felsen in den Rheinlauf vor. ilnb welch wundersamen Anblick bieten die Pfalz und ter Mäuse- tunu mitten im Strom. Zahlreiche Besucher lockten auch das Riederwalddenkmal bei Rüteshcim und das Deutsche Eck an ter Mosclmündung in Koblenz an. Fahrtunterbrechungen in Rüdes- h e i m und in Aßmannshausen boten den Teilnehmern Gelegenheit, dort echt rheinisches Leben und rheinische Fröhlichkeit kennenzulernen. Bei einem guten Tropfen Aßmannshäuser wäre so mancher noch länger verweilt, hätte nicht die rasch verflogene Zeit leider allzufrüh zum Aufbruch gemahnt. Zum Schlüsse noch einige Worte über die Rhcinfahrt im ganzen. Hier verdient an erster Stelle hervorgehoben zu werden, daß die Fahrt außerordentlich gut organisiert und geleitet war. Stets wurden die fahrplan- und programmmäßigen Zeiten eingehalten und so ein reibungsloser und glatter Verlauf in ausgezeichneter Werse gewährleistet. Ist es doch keine Kleinigkeit, eine Gesellschaftsreise von 1300 Personen (und bei günstigerem Wetter wären es zweifellos noch tobit mehr gewesen) so aufzuziehen und abzu- wrckeln, daß alle Teilnehmer zufriedengestellt sind. Dabei verdient besondere Erwähnung, daß auch die Organisation der Verpflegung (Mittagessen) von ter Hapag übernommen worden war, und auch hier hat, soweit festzustellen, alles einen glatten Verlauf genommen. Damit Hal sich das Reisebureau Loeb zweifellos die Anerkennung aller Teilnehmer gesichert, die sich noch oft und gern ter schönen Rheinreise erinnern werten. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Palast-Lichtspiele: „Hotel Stadt Lemberg". — Asto- ria-Lichtsviele: „Einer gegen alle". — Ehem. hessische Leibdragoner. Lieber die Enthüllung des Denkmals am 2. Oktober in Darmstadt soll in einer Versammlung am nächsten Sonntag nachmittag in Gießen, Frankfurter Hof, beraten werden. Räheres in ter gestrigen Anzeige. ** Der Intendantenposten am Gießener Stadttheater ist öffentlich ausgeschrieben worden. Die Ankündigung lautet: Die Stelle des Intendanten des Stadttheaters der Hniversitätsstadt Gießen, an welchem das gute Schauspiel und Lustspiel gepflegt werden, ist neu zu besetzen. Bewerber, die sich als Direktor oder Spielleiter bereits bewährt haben, wollen ihre Meldungen bis 20. September d. I. (Stadthaus Bergstraße) einreichen — Persönliche Vorstellung ist vorerst nicht erwünscht. •* (Sin Provinzial-Kinderheim in Gießen. Die durch die Verhältnisse der Kriegszeit herabgeminderte Zahl der Pfleglinge in der Prooinzial-Pflegeanstalt ermöglichte es, zwei Pavillons freizumachen, von denen der eine der Rentner-, der andere der Kindersürsorge gewidmet wurde. Der eine wurde zu einem Rentnccheim um- gebaut, der Klein- und Sozialrentnern Unterkunft und Verpflegung gewährt: der andere wurde zu einem Kinderheim umgestaltet, das etwa dreißig Kleinkindern, die aus irgendeinem Grunde bei ihren Eltern nicht bleiben können, oder für einige Zeit Erholung suchen sollen, eine Heimat gibt. Beide Wer Mundgeruch wirkt abstoßend. Häßlich qefärbt« Zähne entstellen das schönste Antlitz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erst,schenken Zahnpaste Clilorodont bc seitigt. 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Bei dieser Sachlage entschloß sich der Prooinzialausschuß für den Neubau eines Kinderheims, in der Erwägung, daß damit auch gleichzeitig den Wünschen auf Erweiterung der Rentnerfürsorge Rechnung getragen würde, indem der durch das vorhandene Kinderheim in Anspruch genommene Raum nach Fertigstellung des Neubaues der Rentnerfürsorge nutzbar gemacht werden könnte. Das neue Kinderheim soll auf Gelände der Provinzial-Pflegeanstall am Alten Steinbacher Weg erichtet werden. Die für den Neubau erforderlichen Mittel, die dem Vermögen des Provinzial-Wasser- werks entnommen werden, also die Steuerzahler nicht belasten, hat der Provinzialausschuß bewilligt: die Herstellung der Pläne ist in Vorbereitung. ” Dau des neuen Finanz- und des Versorgungsamtes.' In den nächsten Tagen soll, wie wir hören, mit ter Ausführung des Reubaues für das Finanzamt und das Dersorgungsamt in Gießen begonnen werten. Beide Aemter werden, obwohl verschiedenen Verwaltungen unterstehend, in einer Gebäudegruppe, die Ecke ter Goethe- und Lessing- strahe erstehen wird, untergebrach4. Das Finanzamt erhält einen ca. 24 Meter langen vierstöckigen Bau an der Ecke, an den sich für das gleiche Amt noch ein dreistöckiger Flügelbau von etwa 25 Meter an ter Goethestraße und ein solcher von 12 Meter Länge an der Lessingstraße anschlieht. An letzteren reiht sich in g&> schickter Weise ter ca. 40 Meter lange GebäudB flügel für das Dersorgungsamt an, so daß sich dem Beschauer ein großer, in einheitlichen modernen Bauformen gehaltener Verwaltungsbau darbieten wird. Mit der Ausführung der Baugruppe ist ein besonderes Bauapit betraut. ** Abmarsch zum Truppenübungsplatz. Am Donnerstag morgen wird unser Bataillon seine Garnisonstadt verlassen, um sich zu einer dreiwöchigen Hebung auf den Truppenübungsplatz Münsingen zu begeben. Im Anschluß an die Hebungen auf dem Truppenübungsplatz nimmt das Bataillon an den großen Manövern in Westfalen teil. Mit Rücksicht auf verladetechnische Erfordernisse der Reichsbahn wird das Ausrücken des Bataillons am Donnerstag früh nicht in geschlossener Formation erfolgen, sondern die Kompagnien werden einzeln zum Bahnhof marschieren, wo sie bereits um 5,45 Hhr eintreffen werten. Die Abfahrt von Gießen erfolgt um 7,11 Hhr vormittags über Fulda— Flieden—Würzburg—Dietigheim nach Hrach, wo die Ankunft Freitag vormittag 10,40 Hhr erfolgt. Von Hrach auS totri) das Bataillon im Fußmarsch den Truppenübungsplatz erreichen. Blumenschmuckwettbewerb. Die Bewertungskommission des Gießener Derkehrs- vereins für den Dlumenschmuckwetlbewerb wird in den nächsten Tagen mit ihren Rundgängen Durch die Straßen der Stadt beginnen, um die Bewertung des Blumenschmucks vor den Fenstern der Wohnungen usw. vorzunehmen. Die Beteiligung an diesem Wettbewerb ist erfreulicherweise rege. Der Derkehrsverein hat einen größeren Geldbetrag zur Beschaffung von Preisen zur Der- sügung gestellt, ferner haben die Gärtnerver- ermgung und eine Anzahl Geschäftsleute ebenfalls Preise für die Prämiierung der besten ‘Blumen* Dekorationen gestiftet. Straßensperre. Wegen Vornahm« von Hausanschlußarbeiten wird der Wiesecker Weg zwischen der Marburger Straße und dem Weg nach dem Philosophenwald bis auf weiteres gesperrt. ** Besitzwechsel. Diplomingenieur Paul Müller veräußerte sei Besitztum Wilhelmstraße 21 an den Fabrikanten Joseph Kreuter für 85 000 Mark. Herr Müller verlegt seinen Wohnsitz nach dem von ihm erworbenen Gutshof Mühlenhof bei Kassel. Rindermarkt. Auf dem gestrigen Rintermarkt waren aufgetrieben: 803 Stück Großvieh und 395 Stück Kleinvieh. Der Hantel ging sehr flott. Für gute Kühe wurden 550 bis 700 Mk gezahlt, für Rinder 400 bis 550 Mk. Ausgesuchte Tiere wurden über Rotiz gehandelt. Rach der Statistik ter Diehhandelszeitung Deutschlands sind die beiten letzten Gießener Märkte (am 9. und 23. August) mit ihren Auftriebszahlen von je 1200 Stück Vieh die größten in ganz Deutschland. Der nächstgrößere Viehmarkt ist ter von Leer (Ostfriesland). ** Der Kartoffelkrebs in Hessen. Rach einer Mitteilung des Landwirtschaftsamtes Groß-Hmstadt ist in ter Gemarkung Oberroten die gefürchtete Kartofselkrebskrankheit aufgetreten. Das Landwirtschaftsamt richtet an alle Kreise der Bevölkerung die Mahnung, mitzuhelsen, daß diese verheerende Krankheit zurückgedrängt werten kann. Die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen sind bereits eingeleitet. ** D e r Provinzialverein Oberhessen des Hessischen Sängerbundes hält am 4. September eine Haupttagung hier ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Wahlen des Provinzialvorsitzenden und dreier Provinzialvertreter *• Schloßbeleuchtunq in Biedenkopf. Zu Ehren des Oberpräsrdenten ter Provinz Hessen-Rassau, Dr. Schwander, ter gemeinsam mit Regierungspräsident Ehrler aus Wiesbaden die Stadt und den Kreis Biedenkopf besucht, wird am Donnerstagabend das Schloß zu Biedenkopf beleuchtet. Verantwortlich |.ir Politik: i. 23. Ernst Blumschcin. A ute Fehlt Unten Ruf-Nr. 17 90 r Gumratfiofle y Fnflitnt|d>e drittel sämtliche Gummiwaren Orog. Winterholl Kreuzplah 9/10. . 3311a y äie kauHnänniscne Äusöilöunä ? Dann verlangen Sie sofort kostenlos unsere anfklSrende Druckschrift Neue Kurse 17. Oktober 1927 Vogts chcHandelsscbulen (Heben Herborn Alsfeld Direktion Dr. Reukaul, (Heben Goethestraße 32 Goethestraße 32 76S4 a Donnerstag, d. 25. August 1927, nachmittags 2 llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Kassenschrank 1 Schreibmaschine, 1 Schreibtisch. 1 Schreibkaffe, 1 Billett, 2 Svlegel. 1 Bücherschrank, 4VeriikoS, 1 Regulator, 2 SosaS, 1 Divan mit zwei Sesseln, 1 Truhe, 1 Waichttsch, 24 Flaschen Likör, IFriseureinrichmng. Dern Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstrabe 13. 17699D dick - rund • ohne Mundstück Seit 40 Jahren dem Raucher _ur Freude Überall zu habenl A-M-ECKSTEIN & SÖHNE-DRESDEN-A.27 Deutschlands älteste selbständige ZJgarettentaMÄ ist Eckstein’s N25 die älteste deutsche Zigarettenmarke. Sie war es, die das ausländische Fabrikat verdrängte. Sie hat das Vertrauen des Rauchers zur deutschen Zigarette begründet. Preiswürdigkeit und wirkliche Qualität waren von jeher ihre Vorzüge. Und dabei soll es bleibenl Den Wünschen der Zeit Rechnung zu tragen, erscheint sie jetzt in neuer handlicher Würfelpackung 25 Stück für 1 Mark ägorctteti 24. Fortsetzung Nachdruck verboten. enigegennehmen. 7693 D WttsspmWe GleSev mehr vergessen! Gießen, den 24. August 1927. 7690D Sil zum Bleichen - ohnegleichen! Ohne Qhlor! | Empfehlungen) 3.21.: Pfarrer Äeyrich, Münzenberg. 7687 D 1500.-. Will sen bei 08124 7696 L 7685a Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Vaters sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Gommeri- ünö Mnl-Ml WtieogtieDM. Filiale Gletzea Sflrmllöötet unö afllioüolöanl fiom.Oef. a. Mlen 3weignieöerlafiung ©lenen Innninufenb, sowie Hal. Bindegarn liefert prompt und billigst 06,27 Ceikcrci Wilhelm Nebimth, ®ie6ett Rodhetmer Sir. 56/58, Tel. 1206. 9eben 5/s ein halbes ^ket dieses vollkommen unschädlichen Weich mittels der kalten oder Schwach wann en Gauge bei- Sie werden erstaunt sein üben das schöne Weift), das Jhre I Wasche zeigt.1 / Schöne 3 - Jimmer- Wohnung mit Balkon it. Küche, in guter Lage, zum Preise von Mk. 80.— z. 1. Okt. au verm. 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Evangelische Mvchenlagung Meßen Nach dem schönen Verlauf unserer Tagung in Gießen danken wir der evangelischen Gemeinde, insbesondere allen fteundlichen Gastgebern, auch denen, welche Quartiere bereitgestellt und Gäste nicht bekommen haben, recht herzlich für alle uns erwiesene Liebe. Ebenso gilt unser aufrichtiger Dank allen freundlichen Helfern und Helferinnen bei der Vorbereitung der Tagung und am Festtage selbst. Der verband der evangelischen weiblichenLugend in Hessen Er schwieg und rechnete in der Stille mit affet Macht. Dabei stieg seine Aufregung. „Ungefähr siebenhundert Dollar — Stadtgeld, Herr Eyth, nur Stadtgeld — muß ich haben. Sobald ich deutschen Boden berühre, bin ich gerettet. Ich habe reiche Verwandte, die mich nicht stecken lassen, wenn sie mich wieder sehen. Mein Onkel, wenn er noch lebt, ist Rittergutsbesitzer bei Brom- berg. Alte Streiche sind längst vergessen. An alte Zeiten denkt er noch. Ist er tot, so hat mein Vetter das Gut, dem fünfhundert Dollar von jeher eine Prise Tabak waren, wie mir seinerzeit auch. Mein Bruder muß jetzt Generalleutnant sein, zum mindesten. Sie müssen nicht glauben, daß ich bettle: so weit hat es noch kein Scheltkow gebracht. Drei Tage nach meiner Ankunft in Bremen schicke ich Ihnen fünfhundert Dollar in Gold. Leihen Sie mir die siebenhundertundfünfzig Lumpen, die Sie in der Tasche haben. Sie machen ein gutes Geschäft, und Sie retten einen Mann, der nicht schlechter ist als andere, aber am Zugrundegehen. Der Schoner heißt „Die Hoffnung", Kapitän Petersen; wie das stimmt!" Seine Stimme bebte. Er faßte meine Hand: die seine war heiß und naß. Daß es ihm Ernst war mit meinem Geld, war nicht zweifelhaft; er keuchte fast, indem er fortfuhr: »Was riskieren Sie, wenn ich mein heiliges Ehrenwort gebe, daß die Summe mit der nächsten Post Ihnen zurückgeschickt wird. Fünfhundert Dollar in Gold; die kleine Differenz ist unter Freunden nicht erwähnenswert. Wollen Sie? Sie schinden sich die Haut ab für diese Engländer: tun Sie einmal ein gutes Werk für einen Deutschen. Wollen Sie?" Wir standen vor einem der eleganten Austern- salons der Eharlesstraße. Er zog mich am Arm hinein und rief dem Austernmann zu, uns Tinte und Papier zu geben. Dann, leiser und dringender, setzte er seine Auseinandersetzungen fort: wie er sich fünf- zehn Jahre lang in Amerika yerumgeschlagen, bald im Elend, bald in ehrenhaften Verhältnissen, gleich tausend anderen, die dazu bestimmt scheinen, aus un- erEIärlidjen Gründen im Leben auf keinen grünen Zweig zu kommen; wie er jetzt in seinem achtundvierzigsten Jahr als Oberst und Schulmeister sich ermatten fühle und wisse, daß er auf Stroh sterben werde, wenn es noch länger so weitergehe. Da sende ihm der Himmel diese Möglichkeit! (Schluß folgt.) Kaufgesuche] SWlWM gut erhalten, äu kauten gesucht. Schr. Angebote um. 06121 an den Gieß. Anz. Für getragene HemnMetöer »ablt höchste Preise i££ die Marke der HöchfileifXung! 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Auch wäre es nicht weife gewesen, um siebenhundertfünfzig Dollar mit der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana in ernstlichen Streit zu geraten, wenn man an den Ufern des Mississippi bampfpflügen will. „Selano hat recht", sagte Lawrence begütigend und klopfte mir tröstend auf die Schulter. „Man muß das Leben nehmen, wie man es findet. Auch die Menschen. Auch das Geld. Packen Sie die Papierpäckchen zusammen, Herr Eyth. Gehen Sie in Frieden und preisen Sie mit uns den Herrn, der das alles geschaffen f)aS. — Bei Gott, Mann!" rief er plötzlich, als ob ihn der glücklichste Gedanke beseelt hätte, „bei der nächsten Kommunalwahl steigt der Plunder wieder um fünfzig Prozent. Das geht wie die Wassereimer in einem Ziehbrunnen, seitdem die Reisesäckler unseren Staat regieren. Packen (Sie ein, Sie Glücksvogel!" Es war sichtlich das klügste, was ich tun konnte. Delano gab mir mit großer Zuvorkommenheit ein mächtiges Kuvert, das ich mit meinem ungefähr um die Hälfte geschwundenen Sieges- und Ehrenpreis öoüftopfte. Es war noch immer ein sehr ansehnliches Paket. Dann unterzeichnete ich eine Empfangsbescheinigung, die der Geschäftsführer seufzend in den Kassenschrank legte, und verabschiedete mich von den Herren mit dem unbehaglichen Gefühl, den amerikanischen Verhältnissen vielleicht doch noch nicht ganz gewachsen zu fein. Nachdenklich ging ich die schöne Kanalstraße hinunter, ohne sie zu sehen. Anstatt ruhiger zu werden, fühlte ich, wie mein Zorn wuchs und sich langsam gegen mich selbst wendete. Als ich um die Ecke in die St. Eharlesstraße biegen wollte, stieß ich mit Oberst Schmettkow zusammen, der in seinem abgeschabten Schulmeistersröcklein mit gewohnter Sorglosigkeit dahergeschlendert kam. Es war mir lieb. Er war, „Aber das ist ja lauter Stadtgeld", fagtx ich, als die beiden Herren fertig zu fein schienen und Lawrence mich triumphierend heranwinkte, um die Kolonnen zu bewundern, die er mit militärischer Prä- zision aufgestellt hatte. „Stadtgeld!" rief er, mich mit einem Anflug von Verstimmung ansehend. Delano brach in ein bitteres Lachen aus. „Guter Gott!" rief er, .Herr Euch wünscht ohne Zweifel Golddollars zu sehen; Golddollars in Neu- orleans." „Das nicht", entgegnete ich etwas niedergeschlagen. „Aber Greenbacks, Unionsgelb glaube ich beanspruchen zu dürfen. Das steht wahrhaftig schlecht genug. Bedenken Sie, meine Herren, meine Dampfelefanten fressen gute englische Pfunde, und nicht wenige." Delano und Lawrence sahen sich an, Lawrence etwas verlegen, Delano mit dem Mephistogesicht aus der Paviergeldszene im zweiten Teil des Faust, boshaft, höhnisch und voll Profits. „Ihr Stadtgeld nimmt kein Mensch außerhalb Neuorleans," fuhr ich fort, „und auch hier weiß niemand, was er in der Hand hat. Vorige Woche waren Ihre Kommunalwahlen. Die Zeitungen lagen, daß die Erescent Eity nun auch mit ihrem Tweed gesegnet sei wie das glückliche Neunork. Am Tag nach der Entscheidung fiel das Stadtgeld um zwanzig Prozent, gestern wieder um fünf. Siebenyundert- fünfzig Dollar sind heute keine dreihundertfünfzig Dollar in Gold wert, keine fünfhundert in Green- backs! Ich glaubte mit einer achtbaren, zahlungsfähigen Körperschaft zu tun zu haben, Herr Lawrence, als wir unser Abkommen besprachen." Meine Stimme zitterte vor innerer Bewegung. „Achtbar ohne allen Zweifel," antwortete Delano für ihn mit einiger Schärfe, „zahlungsfähig, lieber Herr Eyth, solvent, wie Sie noch entdecken werden, ist nichts in der Welt, in der Sie sich feit einiger Zeit bewegen. Glauben Sie, wir haben Golddollars am Parktor eingenommen? Glauben Sie, die achtbaren Bürger dieses blühenden Gemeinwesens haben sich verdammte Greenbacks gekauft, um Ihre Ele- BernhardEtte spielt am Freitag, dem 26. August 1927, nachmittags ab 4 Uhr, und abends vop 8'/, bis 1 Uhr im Tennis-Cafe Bad-Nauheim Telephon Nr. 2624 Jean Collie, Limburg. Bier ovale Merielstück gehr,innen n.außen tn guiem Zustande, billig zu verk. 08120 Kaiierallee 1. Schöne 00119 Zrühbirnen Pld. 12 Pf., zu verk Frankfurt. Str. 63 1. Hlööl. Bohnung 2, evtl. 3 Zimmer u. Wohnküche, neu her- gerichtet, tn schöner, freier Lage zu verm. Schr. Angeb. unter 76380 a.d. Gteß.Anz. [Stellenangebote] Wier s Drainagearbeiien auf dem Hardtbos gesucht. Meldung aus der Baustelle. soweit ich ihn kannte, eine ehrliche Haut und ein Landsmann. Ich brauchte jemand, um mein Herz auszuschütten, jemand, mit dem ich über Amerika schimpfen konnte, und der Oberst war hierzu wie geschaffen. Wir gingen langsam die St. Eharles- stratze entlang und taten es. Ich erzählte ihm, was ich erlebt hatte. Er wurde mit einemmal sehr nachdenklich, tiefsinniger, als ich ihn je gesehen hatte. Er ließ mich sogar fünf Minuten lang sprechen, ohne mir zu widersprechen. Auch das war noch nie vorgekommen, denn trotz der bunten Erlebnisse, die sein Gesicht gefurcht und seine Haare gebleicht hatten, war er doch immer noch ein halber Berliner. Plötzlich blieb er stehen. „Herr Eyth!" sagte er, war dann wieder still und atmete, wie wenn es ihm schwer würde, weiterzusprechen. Ich sah ihn verwundert an; es wurde auch mir etwas unbehaglich. Einen so tiefen Eindruck hatte ich mit meinem leidoollen Bericht kaum hervorzubringen gehofft. Nach einer qualvollen Pause begann er mit gedämpfter Stimme aufs neue: „Herr Eyth, wollen Sie mir —" So kam es endlich! Ich hatte es schon längst erwartet. „Herr Eyth, wollen Sie ein altes Menschenleben retten?" „Eine meiner Liebhabereien, Oberst!" antwortete ich, in dem Bestreben, die Schärfe des Angriffs durch einen schlechten Witz zu mildern. „Ohne Scherz", fuhr Schmettkow rasch fort; seine Worte überstürzten sich jetzt. „Gestern abend begegnete ich dem Kapitän eines deutschen Schoners, der morgen nach Bremen absegelt. Em braver Kerl, der aus Danzig stammt und die Schettkows kennt. Er will mich für achtzig Dollar — Greenbacks — mitnehmen. Ich habe einige Schulden hier, die bezahlt fein wollen; zweihundertundfünfzig Dollar bei unserem Wirt in der Tschapatulastraße, ungefähr fünfzig Dollar in dem deutschen Zigarrenladen an der Ecke dort, fünfundsiebzig bei meinem Schneider. Man sieht mir das nicht an. Die Leute sollen nicht glauben, ich habe sie um ihr Geld gebracht. Die Schulden müssen bezahlt werden, ehe ich abreife. Dann, das werden Sie einsehen, Herr Eyth, muß ich mich ein wenig ausstatten, Kleider, Koffer kaufen; ich kann nicht wie ein fechtender Handwerksbursche in Bremen ankommen. Hundert Dollar laufen Ihnen hierbei wie Wasser durch die Finger." Stellengesuche Stundenfrau bestempfoblen, peri. Köchin, jucht Arbeit Entweder v. 7—9 ob. '/-12-2 Uhr. Wohnhaft Moltkestrairc. Schr. Anaeb. u. 06117 an d. Gieß. Anz. erb. | Verkäufe | 1 Pferß unt. aller Garantie, zu verkaufen. 76S3D Grüningen. Hauptstraße 54 (BelegenDeitslauf! N-AuloMbil 17/50 P. 8.. 4-Sitzer, koinpl., m. Bereisung z. Umbau f. Schnettlastwagen glänzend geeignet, zum Sport- vrelse v. 1950 Mk. ' zu verkaufen. ,GS2D l Auto-Garage Ihlefeld Landgraienstraße & 1 Frankfurt a. M. 8,. Roscnzweiff. 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Natürlich möchten Sie, da Sie „den Film" lieben und eine Dauerbesucherin der Lichtspieltheater sind» auch Filmdiva sein — natürlich niöchten Sie in eleganten Toiletten durch die herrlichsten Gegenden der Welt reisen, ständig einen Schwarm von Anbetern um sich haben, Autogramme verteilend der unter Blumen und Schleifen fast erstickende, umjubelte Mittelpunkt bei einer Berliner Premiere in einem der luxuriösen Filmpaläste sein und „so'n bißchen mimenir fast mühelos Ihr Geld verdienen, anstatt die schönste Zeit Ihres Lebens in dumpfen Bureaustuben mit der Schreibmaschine zu klappern, anderer Leute unerzogene Kinder zu hüten und Stuben zu wischen! Wo doch alle Freundinnen im Kränzchen neidlos anerkennen müssen, daß Sie ein gutes mimisches Talent haben! Selbstverständlich haben Sie auch schon an Ihre Lieblingsdarsteller geschrieben, ob sie Ihnen nicht eine Stellung beim Film verschaffen wollten — aber aus Angst vor Konkurrenz haben die erst gar nicht geantwortet. Dann haben Sie sich direkt an ein paar große Produktionsfirmen gewandt — und Ihr Bild mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückerhalten. „Die . . . (gestrichen von der Geschmackszensur) reden nur immer, daß sie Nachwuchs, neue Gesichter und frisches Blut im Film wünschen — nun sieht man ja, daß sie im Ernst gar nicht daran denken!" haben Sie geschmollt — und Ihre Wünsche leben bis auf weiteres nur heimlich im Busen weiter — stimmt's? Aber nun wollen wir uns doch einmal überlegen, weshalb Sie überall auf Widerstände gestoßen sind! Können Sie schwimmen? — Ja! — Können Sie rudern, reiten, Ski laufen, Autos lenken, Motorboot steuern, Tennis spielen, können Sie furchtlos aus dem vierten Stock eines Großstadthauses springen, Berge ersteigen und mit dem Revolver umgehen — können Sie vom Walzer bis zum Charleston alle Tänze perfekt und anmutig tanzen — verstehen Sie ein Weinglas-richtig zu halten, eine Zigarette zu rauchen? Darf man Ihnen Austern, Hummern und Artischocken zu essen geben? Das alles müssen Sie können, sehen Sie — denn eine Filmgesellschaft will doch mit Ihnen nach den Anforderungen der Handlung arbeiten und kein Erziehungsinstitut für Sie werden! Sie sollen doch ein Vorbild für die Kinobesucher sein! Können Sie überhaupt richtig gehen? Sic lachen — aber Sie sollten einmal eine Probeaufnahme von sich machen lassen — Sie würden staunen, wie Sie laufen! Jede ausgebildete Bühnendarstellerin würde der Filmfabrikant Ihnen Vorgehen! Können Sie sich wirklich geschmackvoll und individuell kleiden, — verstehen Sie, sich zu schminken, d. h. richtig, individuell, nicht etwa „an- zustreichen" — sind Sie nicht nur en face, sondern auch im Profil hübsch, so daß sich der Filmoperateur nicht vor dem Erfolg seiner Arbeit zu fürchten braucht? Das photographische Objektiv ist ein gestrenger Kritiker, der nicht nur jede ungeschickte Bewegung, sondern auch jedes Schönheitsfehlerchen hart und klar im Bilde festhält! Können Sie lachen, ohne Ihr Gesicht zu verzerren, würden Sie Gedanken, Gefühle mimisch ausdrücken können? All das ist viel schwerer als Sie denken! Sind Sie vollkommen ebenmäßig gewachsen, verfügen Sie restlos über die heute moderne schlanke Linie — sind Ihre Beine gerade, Ihre Waden nicht verkümmert, Ihre Füße zierlich? Haben Sie Lust dazu, Ihren Körper durch Sport, Massage, sogar manchmal durch nicht ganz schmerzlose Beyandlung so wohlgestaltet zu erhalten? Sehen Sie — Sie müssen schon jetzt manches Manko eingestehen — und wir sind noch nicht am Ziele. Sie haben schöne blaue Augen imb ein prächtiges Blondhaar — goldblond — und darauf sind Sie stolz. Aber im Filmbild würde Sie Ihre Schönheit enttäuschen — der Aufnahmeapparat macht sechzehn winzig kleine Bildchen in der Sekunde von Ihnen, das Zelluloidband hat nicht Zeit, sich eindringlich mit Ihnen zu beschäftigen, denn sonst »bewegen" Sie sich ja nachher bei der Vorführung des Filmes nicht lebensecht — und bei dieser Fixigkeit würden Sie später feststellen müssen, daß Ihre Hellen Augen tot, nüchtern, verwässert — Ihr Blondhaar wie ein Heller, nichtssagender Fleck aussehen! Ihr Väschen guckt so „Hotel Stadt Lemberg". Palast-Lichtspiele Gießen. Der Film führt uns um volle elf Jahre zurück, in eine Zeit, die schon weit hinter uns liegt, in eine Zeit, die man heute wie einen schweren Traum und bösen Alpdruck empfindet, in eine Zeit und eine Landschaft, an die man nicht mehr denken will: Galizien 1916; russisch-österreichische Front. Ein Kriegsfilm also. Das Publikum wünscht keine Kriegsfilme mehr zu sehen, es will nichts mehr von all dem wissen und hören; das ist vorbei. Und dennoch: das Publikum sitzt gebannt vor der Leinwand, regt sich nicht bis zum Schluß, ist gefangen von der schnell hingleitenden Bilderfolge dieses Werkes. Und man fühlt: hier wurde eine'Meisterarbeit geschaffen, die schnell vergessen läßt» daß man an die Dinge, um die es hier handelt, nicht mehr erinnert sein wollte. * Ein Leutnant von den Honvedhusaren gerät auf dem Rückzug, im Äiiegsgebfet versprengt, in einen Gasthof „Hotel Stadt Lemberg". Kaum hat man ihn dort gefunden und notdürftig verborgen, rücken die Russen ein, und das Hotel wird Hauptquartier des Korpskommandanten. Das Küchenmädchen Anna steckt den Leutnant, da es zur Flucht zu spät ist, in einen Kellnerfrack. Nun beginnt der Krieg im Dunkel, der zähe, leidenschaftliche, mit allen Mitteln geführte Kampf der drei oder vier österreichischen Zivilisten gegen die russische Truppenmacht. Man kann hier nicht den ganzen Verlauf der Ereignisse erzählen. Nur einige der markantesten Szenen seien unterstrichen. Wie das einfache Mädel z. B. den russischen General bearbeitet, hinhält, überlistet, unschädlich macht mit den armseligen Mitteln ihres einfachen Daseins, ihres hübschen Gesichts und ihrer großen Leidenschaft für den versprengten Oestetreicher, den sie hoffnungslos liebt und dem sie helfen will. FttnMgd auf Silbermöven. Der Kulturfilm erobert sich immer mehr die vielgestaltigen Wunder der Naturmelt, die er in einer sonst nicht zu erreichenden Eindringlichkeit vor- 'ührt. Ueber der Suche nach exotischen Wundern in fernen Ländern hat man aber'lange die nicht minder erstaunlichen und unbekannten Vorgänge wenig beachtet, die unter unserem eigenen Himmelsstrich das Leben rings um uns erfüllen. Jetzt wird das langsam nachgeholt, und wir erhalten immer zahlreichere Aufnahmen von unserer heimischen Tierwelt. Eine besonders schwierige Aufgabe hat sich Dr. Ulrich K. T. Schulz gestellt, als er nach der kleinen Nordseeinsel Langeroog aufbrach, um dort die Silber möven-Kolonie bei ihrem Brutgeschäft, bei der Pflege der Jungen und ihrem ganzen Treiben im Film festzuhalten. Obwohl er sich mit den neuesten und lichtstärksten Teleobjekten ausgerüstet hatte, war es doch ganz unmöglich, an die scheuen Tiere heranzukommen. Den Vögeln ist nun einmal ein drehender Kurbelmann, besonders, wenn noch die Zeitlupe mit ihrem lauten Surren hinzukommt, eine höchst verdächtige und naturwidrige Erscheinung, die sie von sich möglichst fernhalten. Die „Stars" waren, einmal aufgescheucht, nicht zu bewegen, sich vor dem Objektiv zu zeigen, und außerdem mußte auch diese Beunruhigung vermieden werden, weil sonst viele Hunderte von jun- aen Möven, die im Ei der Geburt harrten, urnge- kommen wären. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Apparate einzubauen und zu verkleiden. Schulz verbrachte mit seinem Operateur zwei ganze Tage, um Strandgut aller Art zusammenzusuchen und ein notdürftiges Gerüst zu errichten, das mit Matten und den verschiedensten Strandpflanzen maskiert wurde. Die zweite Aufgabe bestand darin, die Möven an die neue Umgebung und vor allem an das ungewohnte Geräusch zu gewöhnen. „Dor Sonnenaufgang verließen wir das Dörfchen Langeroog," erzählt der Verfasser in der „Leipz. Illustrierten Ztg.", „um nach zweistündiger Wanderung, mit Proviant für den ganzen Tag versehen, unsere Aufnahmehütte zu beziehen. Tagelang wurden dann bei Gluthitze die „ungeladenen" Apparate gedreht. Nach fünf nicht endenwollenden Tagen waren die Möven endlich so weit „kurbelzahm", daß mit den Ausnahmen begonnen werden konnte. Wohlgelungene Porträts von Männchen und Weibchen waren unsere ersten Erfolge. Die Eltern bebrüteten abwechselnd die zwei bis drei grobkörnigen, grünbläulichen, getupften Eier. Was es für diese Tiere heißt, bei glühendem Sonnenbrand und auf siedcndheißen Dünen etwa drei Wochen lang dem Brutgejchäft obliegen zu müssen, konnten wir einigermaßen nachfühlen. Gleich uns, litten die Tiere vor allem unter großem Durst. Leben kam erst in die Gesellschaft, wenn das Meer im Pulsschlag von Ebbe und Flut zurückwich und endlose Schlamm- flächen freilegte. Dann machte sich fast die ganze Kolonie auf, um im Watt die zahlreichen wohlschmeckenden Muscheln, Krebse und Fischchen aufzulesen. Inzwischen gelang es uns, auch den interessanten Schlüpfakt der in einem dichten, gefleckten Daunenkleid steckenden Jugen zu kurbeln. Karnen die Eltern vorn Proviantierungsflug zurück und fanden dann unerwartet ein Junges vor, so war die Freude groß. Mit ganz besonderer Vorsicht betrat Mutter oder Vater das Nest, um ja nicht das auf den Beinchen noch recht wacklige Kind zu verletzen. Wenige Stunden später hatte sich das Bild bereits ganz geändert. Der kleine Sprößling kam schon seelenvergnügt unter Mutter oder Vater hervor und empfing von den Eltern die erste Atzung. In wenigen Tagen war dann regelmäßig die kleine Kinderschar vollzählig und erhielt schon frisch gefangene Nahrung vorgesetzt. Von der zweiten Woche an machten die Jungen ihre ersten Spaziergänge und waren Ende der dritten oder vierten Woche so weit selbständig, daß sie sich ans und ins Meer wagten, fb. luftig und keck nach der lieben Sonne — bei einer Profilaufnahme würde jeder aber lachend auf die „Himmelfahrtnase" deuten und Sie wären unmöglich Und dann die Zähne! Kind — heute rächt sich, daß Sie sie nicht sorgsam pflegten! Im Filmband wird viel gelacht — da müssen gesunde Zähne blitzen! Köimen das Ihre? Sehen Sie, all das erkannten die Stellen bei den Produktionsfirmen, denen Sie Ihr Bild ein- schickten und deshalb lehnten die für so etwas geschulten Männer ab. Sie wußten, daß Sie im bürgerlichen Leben eine kleine Schönheit, im Dallsaal ein auffallendes Persönchen sind — daß aber Ihre Qualitäten nicht für den Film, den Millionen sehen und bekritteln, ausreichen. Und deshalb hüteten sie sich, Sie aus Ihrer Welt zu reihen, in der Sie Glück und Besriedi- gung in der Arbeit finden können, wenn Sie es nur zu fassen verstehen. Die Filmleute wissen, welche Verantwortung sie auf sich genommen hätten, und sie wollten nicht mit Ihnen die Schar der meist beschäftigungslosen, gering bezahlten „Statisten" vergrößern, von denen sich viele, viele, auch berufen fühlten und den Traum von Reichtum, Glanz und Ruhm schnell zerfließen sahen. Auch mit dem Reichtum ist es nicht so schlimm! Bühne und Film — beides ist eine Welt des Scheines, der trügt. Der Glanz ist äußerlich und oft schwer erkämpft, schwer behauptet. Rehmen wir einmal an, Sie wären berufen, eine Diva, ein Star, zu sein — Ihr Talent hätte sich bei der wankelmütigen Masse Publikum, deren Wünschen der auf Geldverdienen angewiesene Produzent sich anpassen muß, durchgesetzt — Reklame und ein tüchtiger Regisseur hätten Sie auf den Gipfel des Erfolges geführt: Wie lange werden Sie sich behaupten können? Die E^ahrung lehrt: fast ausnahmslos einige wenige Jahre! Wer spricht heute noch von den vielen Filmstars, die uns vor acht, zehn Jahren begeisterten? Bis auf ganz, ganz wenige sind sie verschwunden, vergessen! Ganz bestimmt wenigstens die schauspielerisch wenig begabten, lediglich gut gewachsenen Protektions-Stars! In dieser kurzen Spanne Zeit müssen Sie von dem — wenn Sie viel beschäftigt werden — allerdings recht guten Verdienst viel zurücklegen, viel ersparen — wenn Sie einen sorglosen Lebensabend ersehnen und keine reiche Heirat Sie sicherstellt. Sie sollen aber als „Star" luxuriös wohnen (denn Sie können sich doch nicht gut vorstellen, daß „Ihr Star" wie eine simple Bürgersfrau wohnt und lebt!), einen großen Hausstand halten, Aufwand treiben, stets nach der neuesten Mode gekleidet gehen, also sehr, sehr viel Geld für kostbare Roben, Pelze, echten Schmuck usw., die Ihnen bis auf die historischen Kostüme keinesfalls von Ihrer Firma geliefert werden, ausgeben — und was das kostet, können Sie vielleicht annähernd ahnen. Todmüde kommen Sie morgens von so einem „Zwangs"-Fest nach Hause, drei Stunden schlafen Sie, da weckt Sie erbarmungslos die Zofe. Bad, Mensendieken, Sport, Mani- und Pediküre, ein hastig eingenommenes Frühstück — ein Ritt durch den noch verschlafenen Tiergarten, Rückkehr, Telephonanrufe, Sichtung der Post (jeder Verehrer fordert doch seine Antwort), geschäftliche Sorgen über zerschlagene Engagements, Sturmanruf vorn Atelier, in dem alles wartet, schnell noch einen Dissen, denn wer weiß, wann man wieder zum Essen kommt, Umkleiden für die Atelierarbeit, Dienstbotenärger, Warten auf das Auto, das einen abhvlen soll und sich infolge einer Panne verspätet, telephonische Deruhigungsversuche des Regisseurs, des Direktors, die bereits toben, weil die Komparserie schon für zwei Stunden Nichtstun Geld kostet, höfliches Hinauswerfen von Verttetern aller möglichen Gewerbe, Telephonate mit den Modeateliers, Autofahrt, während der schnell die Zeitungen gelesen und das Filmmanuskript noch einmal durchgesehen werden — dann endlich: Atelier, angestrengte Arbeit bei blödsinniger Hitze oder bei grausiger Kälte, Szenen, bei denen man sich sicher den Schnupfen holt, Ueberstunden — müde bis zum S)infallen — überhungert, abends vor Geschäfts- schluß noch zur Anprobe, nach Hause, wo gleichzeitig gegessen, nach dem Rechten gesehen, telephonische Anfragen beantwortet und für das Wohltätigkeitsfest, zu dem man sein Erscheinen zusagen muhte, umgekleidet werden soll. — Das ist das Leben eines Filmstars, einer Diva ... Möchten Sie noch eine sein? Ich glaube, Sie verdienen Ihr Geld müheloser, sind weit mehr Herr Ihrer Zeit, Sie ruinieren nicht so schnell Ihre Rervenkrast und blicken ruhiger in die Zukunft. Oder wie dieser Leutnant auch in seiner grotesken Verpuppung roeiterfämpft, einen russischen Spion beseitigt, verdächtigt, angeklagt, verhört und im allerletzten Augenblick, wo es um Tod und Leben geht, von dein mutigen Mädel mit einer überraschenden Wendung der Dinge gerettet wird; — das muß man einmal auf sich wirken lassen. Rur flüchtige Andeutungen tömicn gegeben werden, die eben das, was den Film so bestechend macht, nicht herzaubern können. Den Roman von Ludwig Biro, der dem Manuskript von Fvrthmann zugrunde liegt, kennen wir nicht; sicher ist aber dies, daß in den Händen von Pommer und Stiller der Stoff mit einer wunderbaren Bildhaftigkeit, Stimmungsdichte, Wirklichkeitsnähe und bis ans Ende ausgehaltenen Spannung zu einem Filmwerk verwandelt wurde, das geniale Züge aufweist. Eine Inszenierung von meisterhafter Sicherheit und Geradlinigkeit, die nicht einen Augenblick lang, trotz einer Fülle feiner und liebevoll behandelter Einzelheiten, den Faden verliert; die Regie wird durch eine glänzende, Photo technisch höchst kultivierte Aufnahmeleitung wirksam unterstützt. Und durch eine bis in die kleinsten Chargen hinein ausgewogene darstellerische Besetzung. Vom Ensemble ist Pola Regri, die das kleine Hotelmädel gibt, eine Weltberühmtheit, die andern fast unbekannt; das Ganze ein Figurenreigen von verblüffender Echtheit. DieRegri spielt ohne alle Mätzchen und Starmanieren mit einer herrlichen Hingabe an ihre Rolle und einer schauspielerischen Eindringlichkeit, daß man den Kurbelkasten vergessen möchte. James Hall ist der Honvedleutnant: sehr synwathisch, schlicht, männlich; ohne die leiseste Uneoenheit. Ausgezeichnetes bietet auch Siegman als Russen- general. „Hotel Stadt Lemberg" war seinerzett einer der stärksten Berliner Filmerfolge; die Provinz wird die reichshauptstädtische Kritik bestätigen müssen. .r- Zilmschauspieler im Privatleben. Von Hans Ti s ch e rt. Agnes Gräfin Esterhazy, eine rasch bekannt gewordene Darstellerin des deutschen Films, ist wegen ihrer offenen Natürlichkeit in der Berliner Gesellschaft bekannt und gefürchtet. Bei einer Abendgesellschaft an einem der letzten kalten Junitage drängen sich die Damen um die wieder in Betrieb gesetzte Heizung. „Komisch, wie es hier nach Farbe riecht", bemerkt eine besonders stark zurechtgemachte Dame. „Gnädige Frau, Sie müssen Ihr Gesicht von der Heizung wegdrehen", erwidert darauf zum allgemeinen Vergnügen die junge Gräfin. * Der englische Schauspieler Jack Trevor ist ein großer Freund der deutschen Klassiker, macht aber als Ausländer von seiner Belesenheit nicht immer den richtigen Gebrauch. Eines Tages erwidett er bei einem kleinen Fest auf die maßlose Verhimmlung, mit der ein Redner den Filmruhm preist. „Ich kann dem Herrn Vorredner darauf nur das bekannte Wort aus Götz von Berlichmgen zu- rufen . . ." Allgemeines Entsetzen. Aber unbefangen fährt Trevor fort: 2ch meine, das da lautet: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten!" * Bei den Außenaufnahmen zu einem Karin- Michaelis-Film „Die heilige Lüge" in dem dänischen Hafenstädtchen Kjerteminde wurde der Regisseur Holger-Madsen durch kräftiges Pochen aus dem tiefsten Schlaf geweckt. „Verzeihen der Herr", hörte der entsetzt Aufspringende eine demütige Stimme vor der Tür. Technik und Film. Sprechender Film: der erste Eindruck, so verblüffend er ist. reizt zuck Lachen. Man sieht einen Schauspieler, lebhaft gestikulierend, mit scharf pronozicrenocn QUi.ii be.regungen ein Gedicht remitieren, ,Qlit peinlicher Genauigkeit fallen Wort und Munkbewegung zusammen. Der Ausgangspunkt der Stimme aber ist nicht der photographierte Mund cuf der Leinewand, er liegt irgendwo im Raume So als wenn ein genau reguliertes Grammophon im .Kino stände, das zum vorgeführten Filni das Wort ergänzt. Dieser komische und auch ein wenig befremoende Eindruck wird noch verstärkt durch die Unreinheit der Lautwiedergabe. Alle auftretenden Personen scheinen an kleinen Sprachfehlern zu leiden. Kennte man sie nicht von der Bühne her, so gäbe man ihnen den wohlgemeinten Rat, sich lieber nach einem anderen Beruf umzusehen. Und nun erst die Musik. An Stelle des Flügels, der auf der Leinewand lebhaft bearbeitet wird, scheinen irgendwo Grillen zu zirpen. Aus einem Orchefterkonzert gar entsteht ein wahres Chaos. Rach einer kleinen Weile gewöhnt sich aber das Ohr an die Rebengeräusche, wie sich ja schließlich auch der Rundfunkhörer daraii gewöhnt hat. Und man beginnt allmählich zu begreifen, daß hier im Prinzip die technische Lösung eines ungeheuer schwierigen Problems gefunden ist: die genaue zeitliche Uebereinstim- mung von Ton und Bild. Der technische Vorgang ist bei den einzelnen Herstellungsverfahren« verschieden. Ueberall beruht er aber im Prinzip darauf, daß die Schallschwingungen in elektrische Schwingungen umgewandelt werden. Diese werden dann, durch bestimmte Vorrichtungen, sichtbar gemacht, beim Filmen neben dem Lichtbild mitphotographiert. Die Wiedergabe erfolgt auf dem Wege über Derstärkerröhren durch einen oder mehrere Lautsprecher. Wenn auch der sprechende, oder besser: der Tonfilm noch in den Kinderschuhen steckt, das Problem ist gelöst. Aber selbst wenn diese technischen Schwierigkeiten überwunden sein werden, dürste d.r Tonfilm kaum einen Ersah für unsere Sprechtheater ober die Oper bilden, solange nicht die Probleme des farbigen und des plastischen Films geklärt sind. Wie man nun bei verschiedenen Vorsüh- rungen in der letzten Zeit feststellen konnte, scheinen auch diese Fragen dicht vor ihrer vollkommenen technischen Lösung zu stehen. Ein kürzlich in Berlin vorgeführter plastischer Film war nach dem bekannten Prinzip hergestellt, bei dem ein rotes und ein gleiches grünes Bild mit einer seitlichen Verschiebung übereinander gebracht werden. Betrachtet man nun den Film durch eine Brille mit einein roten und einem grünen Glas, so ergibt sich ein plastisches Schwarz-Weitz-Dild. Dieser Film, so primi- ttv er auch in der photographischen Technik war — er erinnerte sehr an die ersten Vorführungen „lebender Dllder" —, zeigte bereits phantastische Wiickungsinöglichkeiten auf. So z. B, wenn ein Mann einen langen Stock gegen das Publikum • hin bewegte. Man hatte durchaus den Eindruck, den Stock dicht vor den Augen zu haben und mit der Hand greifen zu können. Außerordentliche Schwierigkeiten bot bisher das Problem der Herstellung wirklich naturgetreuer F a r b e n f i l m s. Schon vor bem Kriege sah man gelegentlich einen „farbigen“ Film. Seme Herstellung erfolgte aber so, daß man jedes einzelne Bild eines gewöhnlichen Films mit der Hand kolorierte, während die heute üblichen Verfahren auf dem Prinzip der Farbenphotographie beruhen. Einige große amerikanische Filme, wie z. B. der Douglas Fairbanks- Film „Seeräuber", sind bereits mehrfarbig aufgenommen. Die Wirkung ist stellenweise erstaunlich, manche besonders gelungenen Bilder erinnern in ihrer Farbenpracht an Gemälde alter Meister. Die Aufnahmeverfahren, von denen wohl das Technicolor-System am durchgebildetsten ist, sind jedoch noch außerordentlich kompliziert, teuer, und vor allem noch lange nicht vollkommen in der Farbenwiedergabe. Ein weiterer Schritt: die Vereinigung des sprechenden, plastischen und farbigen Films eröffnet phantastische Perspektiven. Sprechthcater und Oper stünden am Beginn einer neuen Aera. V. F. „Ich habe vergessen, ob der Herr um 4 ober 6 Uhr geweckt werden wollten . . ." „Um 5 Uhr, Sie . . ." rief der an seemännische - Pünktlichkeit Gewöhnte ärgerlich. „Wie spät ist es denn jetzt?! „7 Uhr, mein Herr!" * Die bekannte Darstellerin Lee P a r r y erzählt mit Vorliebe folgendes Erlebnis aus ihrer Münchener Zeit: Regisseur und Hauptdarsteller trafen sich häufig im Pschorr-Bräu. Eines Tages hatte sich Lee Parry beim Abschminken verspätet und sah sich vergeblich nach ihrer gewohnten Begleitung um. Aber nur der Hilfsregisseur stand einsam an ihrem Wagen: „Die Herren sind schon vorausgefahren. Gnädige Frau möchten zu Porsch nachkommen. Wie gewöhnlich zu Porsch . . ." „Hcrrqottsaxcn, wie sagen Sie denn immer Porsch? Es heißt doch Pschorr . . .!" „Gewiß, gnädige Frau," dienert der sonst so Redegewaltige, „aber ich habe ein neues Gebiß und das fällt sonst raus!" *■ Lissi 2lrna ist eine eifrige Blumenfreundin. Bei dem letzten Pressebesuch erzählte sie von ihrem liebevoll gepflegten Balkon. „In diesem Frühjahr hatte ich Petunien und Wicken gepflanzt und immer eifrig begossen. Was meinen Sie, was zuerst gekommen ist?" „Wahrscheinlich die Wicken", riet einer der Zuhörer. „Falsch geraten", lachte Lissi Arna. „Na, dann also die Petunien . . ." „Auch nicht. — Der Schupo kam herauf. Ich sollte gefälligst das unvernünftige Gießen lassen. Es tropfte dauernd auf die Straße." Haftpflicht bei Autounsällen. Das nachstehend wiedergegebene rechtskräftige Urteil dürfte, ebenso wie die ausführliche Tatbestands schilderung und die Begründung der Entscheidung, für eine breitere Öffentlichkeit von Interesse sein. Am 7. Juni 1925 ist der Kaufmann O. T. mit einem der beklagten Firma A. & B. gehörenden Kraftwagen im Auftrage der Firma von K. nach Ao. gefahren. Auf dieser Fahrt kam der Beklagte durch Re. Hier lief, während das Auto in langsamer Fahrt (15 bis höchstens 25 Kilometer) die dort etwas abfallende Straße entlang fuhr, plötzlich der 5jährige Kläger unmittelbar vor dem Kraftwagen von der rechten Seite der Chaussee über den Sommerweg auf die Straße. Auf nicht geklärte Art und Weise kam der Knabe unmittelbar an der Grenze zwischen Fahrdamm und Sommerweg zu Fall und zog sich derarttge Verletzungen zu, daß er dadurch das Sehvermögen auf dem rechten Auge verloren hat. Der Haftpflichtanspruch aus § 7 des Krf.-Ges. gründet sich auf die bloße Tatsache der Verletzung eines Menschen bei dem Betriebe des Kraftfahrzeuge? und die Abwehr dieses Anspruchs ist durch Sah 1 Abs. 2 a. a. O. auf die Einrede beschränkt, daß der Anfall durch ein unabwendbares Ereignis verursacht ist. Ein Fahrzeug ist auch dann als im Betrieb befindlich anzusehen, wenn es auf geneigter Fläche unter Ausschaltung des Motores mit Hilfe des durch ihn gewonnenen Antriebes sich weiter bewegt. Das Gericht sieht als erwiesen an, daß der Kläger in unmittelbare Berührung mit dem Auto gekommen, und daß sein Fall auf diesen von der Zeugin bekundeten Zusammenstoß zurückzuführen ist. Schließlich ist es für die Frage des kausalen Zusammenhangs zwischen dem Betriebsunfall und der Verletzung auch gleichgültig, ob alle oder einzelne Verletzungen nun unmittelbar durch den Stoß des Autos selbst oder aber mittelbar dadurch hervorgebracht sind, daß der Verletzte infolge des Zusammenstoßes fiel und erst durch den Fall die Verletzungen erlitt. Hiernach war es gemäß Abs. 2 Sah 2 a. a. O. Sache der Beklagten, den Nachweis zu führen, daß einmal dieser Unfall auf das Verhalten des Klägers zurückzuführen ist, und weiter, daß die Anwendung jeder nach den Umständen des Falles gebotenen Sorgfalt ihn nicht abzuwenden vermochte. In dieser Beziehung ist als erwiesen anzusehen, daß der Kläger am Rande des Chaussee- arabens gesessen hat, plötzlich aus dem Graben herausgesprungen und nach Ueberquerung des Sommerwegs,. also nach einigen Schritten auf das Auto zu, an der Grenze dieses Weges und des Steindammes, mit dem in gerader Linie dahinfahrenden Wagen zusammengestoßen i'f. Danach steht fest, daß der Kläger selbst seinen Körper in den Betriebsbereich des Wagens gebracht hat, sein „Verhalten" also fürden Unfall ursächlich war. Das Auto fuhr unstreittg in dem mäßigen Tempo von 20 bis 25 Kilometer. Es war schönes, sonniges, windstilles Wetter. Die Fahrstraße war nach dem beeidigten Bekunden der Zeugin Sch. staubfrei und trocken. Sie verläuft, wie bei der Inaugenscheinnahme fest gestellt wurde, in der Rähe der Unfallstelle in gerader Richtung und ist völlig übersichtlich. Irgendwelche Hindernisse befanden sich auf der Straße in der unmittelbaren Rähe der Unfallstelle nicht, es haben sich auch neben der Straße dort spielende Kinder nicht befunden. Der Führer des Wagens brauchte also auch nicht damit zu rechnen, daß diese oder andere Kinder, die sich an dem Spiel beteiligen wollten, plötzlich den Fahrdamm betreten würden. Die Unsallstelle liegt weiter innerhalb einer geschlossenen Ortschaft und es befinden sich in unmittelbarer Rähe der Unfallstelle die Fahrstraße kreuzende Wege nicht. Unter diesen Umständen geht das Gericht — in Übereinstimmung mit dem Gutachten der beiden vernommenen Sachverständigen — davon aus, daß die Beklagten weder durch die bestehenden Fahrpolizeiverordnungen verpflichtet waren, noch auch sonst darüber hinaus — etwa infolge besonderer gefahrdrohender Verhältnisse — irgendwelche Veranlassung hatten, ein Warnungs- Geheimrat Professor Dr. Gustav Lorenz. Ein Rachruf. Von Professor Dr. Knell, Gießen. 23or wenigen Tagen begrub man auf dem alten Friedhof in Darmstadt die sterbliche Hülle eines bedeutenden Mannes, der in Oberhessen geboren ist, auf der Universität Gießen studiert hat, von ihr approbiert und promoviert ist, und der die ersten Jahre seines beruflichen Wirkens in Oberhessen verlebte. Er war zuerst praktischer Tierarzt in Lauterbach und dann Kreisveterinärarzt in Schot- t e n. Oberhessen hat also das Recht, ihn als seinen Sohn zu betrachten: deshalb sei seiner — dessen Tod in der ganzen fachwissenschaftlichen Welt Beachtung findet — auch an dieser Stelle gedacht. Von Schotten aus kam Lorenz als Kreis» veterinärarzt nach Offenbach und von da als Referent für das Veterinärwesen in die Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege beim Ministerium des Innern nach D a r m st a d t. An dieser Stelle hat er 41 Jahre lang gewirkt. Er starb in seinem 82. Lebensjahre. Nicht vielen Menschen ist die überragende Bedeutung dieses Mannes, der in aller Stille und Be- cheidenheit lebte und wirkte, richtig bekannt gewor- )en; es ist eine Pflicht der Ehrfurcht und der Dank» mrkeit seines Lebens und Wirkens und feiner persönlichen Bedeutung zu gedenken. Ueber vier Jahrzehnte hat Geheimrat Lorenz das Veterinärwesen in Hessen als Referent in der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege ;,m Ministerium des Innern geleitet. Bedeutendes fachliches Wissen, reiche Erfahrungen und vor allem ein scharfer Blick für Möglichkeiten und Rotwendigketten, alles vereint mit Organisationstalent, ließen sein Schaffen zu einem für die Interessen des Staates und des Standes der Tierärzte äußerst glücklichen werden. In den wichtigsten Punkten der Entwicklung des tierärztlichen Standes ist unter seiner Leitung Hessen führend geworden: als erster Staat hat er die Selbständigkeit der Dienststellen der beamteten Tierärzte, der Kreisveterinärämter, durchgeführt-, als erster hat er für seine Deterinärbeamten Die Maturität gefordert, zu einer Zeit, in der für das Studium der Veterinärmedizin diese Forderung noch lange nicht erfüllt war: als Armeetragödie in Mesopotamien, Von unserem o-Sonderberichterstatter (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Bagdad, Mitte August 1927. Langsam und träge wälzt der Strom seine schmutzigen, mit Tierkadavern verpesteten Fluten dem Meer entgegen. Und doch ist dieses gelblich braune Gewässer der Anziehungspunkt für die Menschen dieser Stadt. Rund herum, meilenweit Wüste, wo früher paradiesische Ueppigkeit herrschte. Siedehitze brütet über dem Land, und nur des Abends wagen sich die Menschen heraus aus ihren Hütten, Häusern und aus den wenigen Villen, um am Wasser Erquickung zu finden. Die Myriaden von Mücken und Moskitos vermögen dabei ebensowenig abzuschrecken wie der ekle Inhalt dec Tigriswellen. Sobald die Sonne gesunken ist, erwacht dann das Leben, strömen sie in Scharen zu den Fluten, und über die Holzbrücken rollen die Wagen, uralte orientalische Vehikel und amerikanische Automobile. In den Cafehäusern sitzen sie dann und besprechen die Ereignisse, reden über Transit und Zoll, über Wehrpflicht unö Polizeischutz, über Türkei, Persien, Rußland und England, über Petroleum und über den König, der fern an der Themse mit Chamberlain das Schicksal des Iraks entscheiden soll. Der Bewohner des Fünsstrom-Landes ist politisch keineswegs gleichgültig. Er hat Ambitionen so mancherlei Art und hat das, was England ihm als Schachfigur im britischen Diplomatenspiel zugedacht, ernst genommen. Daher hatte man hier dem September dieses Jahres, der nach dem Vertrage mit England vom Jahre 1919 den Ablauf des bestehenden Provisoriums bedeutet, mit Spannung und Ungeduld entgegen- g. sehen. Würde jetzt die wirkliche Unabhängigkeit kommen? Würde man über das eigene Wohl und Wehe in Zukunft selbst ent- scheiden können? Wie hatte man das Ende dieses Sommers herbeigefehnt! Und jetzt? Feisal ist noch nicht aus London zurück, und schon weih man, daß alle Ho ffnu na en zunichte geworden sind. Was der König, der vor feiner Cnglandfahrt im märchenschönen Exil seines Vaters auf Cypern weilte, mit diesem wohl besprochen haben mag? Sicherlich hat er ihm seine Ohnmacht erklärt und seinen Jammer geklagt. Man braucht wahrhaftig nicht abergläubisch zu sein, um zu erkennen, daß die Reise des „Herrschers" sich unter bösen Vorzeichen vollzog. Wie war es doch? Der Vertreter des Irak in London hatte an Regierung und Hof in Bagdad telegraphiert, der König möge kommen, Chamberlain wäre verhandlungsbereit. Hierauf stellte der Hohe Kommissar Seiner Britischen Majestät, S i r Henry Dobbs, der bestgehaßte Mann dieses Landes, alles in Abrede und verbot — er hat das Recht dazu — den Zeitungen, etwas über die ganze Angelegenheit au veröffentlichen... bis Reuter 48 Stunden später alles bestätigte, was der arabische Diplomat in London gemeldet hatte. Und kaum war der König überstürzt abgereist, so kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem hiesigen Premier und dem Kommissar. Sir Henry hatte nämlich davor „gewarnt", sich übergroßen Hoffnungen hinsichtlich Der Unabhängigkeit des Landes hinzugeben, da dieses hierfür noch nicht „reif" genug wäre. Hierauf hatte der erste Minister auf den Tisch geschlagen und im Tone höchster Erregung gerufen: „Wir lassen uns nicht länger von Ihnen an der Rase herumführen! Unsere Geduld ist zu Ende, Sir! Wir wollen keinen Aufschub mehr, Unabhängigkeit oder Chaos, ein Mittelding gibt es nicht. Sagen Sie doch offen, was Ihre Regierung mit uns vor hat und von uns will!" König Feisal wird sich in der Downing-Street einer milderen Sprache bedienen müssen, und dies um so mehr, als Dobbs plötzlich nach London berufen wurde, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Man zweifelt hier nicht daran, daß er bei Chamberlain willigere Ohren finden wird als der König. Und dann schließlich noch die Tragödie mit der Armee, die gewissermaßen den Auftakt für die Londoner Besprechungen gebildet hatte! General Daly, der Generalinspekteur der mesopotamischen Armee, hatte seinen Abschied genommen, weil er das Spiel Sir Henrys nicht mehr mitmachen wollte! Ebenso verhaßt wie der von England eingesetzte Kommissar, so beliebt war der von London bestimmte Instruktor der. Armee gewesem Schon sein Vater, Sir Edward H. Daly, der frühere Resident für Mittelindien, hatte in der arabischen Welt einen guten Ruf. Und als der Sohn 1922 zum Generalmajor befördert und als Instruktor nach Bagdad entsaiidt worden war, empfing man ihn hier geradezu mit Jubel. Und die Erwartungen wurden nicht getäuscht. Daly hatte es innerhalb von 5 Jahren verstanden, eine Armee buchstäblich aus dem Boden zu stampfen. Er entließ alle eng* .lischen Offiziere, die noch aus der Okkupationszeit hier geblieben waren und keinen, Spezialwaffen angehörten. Er sparte damit große Summen, die er für die Verbesserung der Ausrüstung der einheimischen Mannschaften verwandte. Er schuf eine moderne Artillerie, gab jeder Kompagnie mehrere Maschinengewehre und veranstaltete sogar Manöver in europäischem Stil. Und bei Konflikten zwischen englischen Offizieren und deren mesopotamischen Kameraden entschied er gerecht, wobei er meistens seine eigenen Landsleute benachteiligen mutzte. Erhalte die ihm gestellte Aufgabe der Schaffung einer Armee wörtlich genommen und tat seine Pflicht unbekümmert um alle Kommissariats- Politik. Das wurde ihm zum Verhängnis. Als er schließlich an die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ging, schritt Dobbs ein und stellte London ein Ultimatum: Daly oder er. Und das britische Kriegsministerium gab dem General den wohlmeinenden Rat, seinen Abschied zu nehmen. Das bedeutest das Ende der Armee des Irak und das Begräbnis der Träume aller mesopotamischen Patrioten. Sir Henry Dobbs ist auf der ganzen Linie Sieger geblieben, und jeder weiß, daß König Feisal mit leeren Händen nach Bagdad zurückkehren wird. Zeichen vor der Unfallsielle zu geben. Eine solche Veranlassung hätte insbesondere auch der Umstand nicht zu geben brauchen, daß der Kläger sich in der Rähe der Straße befand, so daß dahingestellt bleiben kann, ob er von dem Führer des Wagens überhaupt gesehen werden konnte;. Denn es steht fest, daß er b e i dem Herannahen des Wagens noch im Chausseegraben gesessen hat, so daß der Wagen- frihrer gar nicht damit rechnen konnte und auch nicht damit zu rechnen brauchte, daß das Kind pmn plötzlich aufspringen und diesen Platz in Richtung auf den Fahrdamm zulaufend verlassen würde. Die Sachlage fönnte auch dann nicht anders beurteilt werden, wenn der Wagen der Beklagten mit ausgeschaltetem Motor gefahren wäre. Es ist davon auszugehen, daß das bei der Fahrt entstehende Geräusch durch Ausschalten Des Motors nur ganz unerheblich beeinflußt erster hat er die Veterinärbeamten eingereiht in die Front der anderen akademischen Beamten, die im Interessse des Staates wirken. Zahlreich sind die Gesetze und Verordnungen, die er bearbeitet hat, und die zum Teil sehr schwierige veterinärmedizinische Fragen einen glücklichen Lösung entgegenführten, so daß sie Rachahmung in anderen Staaten fanden. So bedeutend aber auch sein Wirken in dieser dienstlichen Stellung gewesen sein mochte — bedeutend genug, um das Lebenswcrk mehrerer Menschen zu füllen — so wird es doch weit überragt von der Bedeutung seines wissenschaftlichen Schaffens. Sein Raine darf mit denen eines Pasteur, Koch und v. B e h r i n g genannt werden. Ihn kennt nicht nur seine engere Heimat, nicht nur Deutschland: sein Rame ist bekannt in öer ganzen fachwissenschaftlichen Welt; er ist international im besten Sinne des Wortes, denn es gibt keine Stelle der Erde, an der man sich mit der Bekämpfung von Seuchen bei Tieren und Menschen beschäftigt, bei der er nicht bekannt ist. Man muh die Jahre aus der Zeit von etwa 1895 bis 1900 miterlebt haben, um die Bedeutung seiner Persönlichkeit in diesem Sinne ganz zu verstehen; dann weih man, wie in jener Zeit seine scharfsinnigen, geistreichen Abhandlungen von der Fachwelt ausgenommen wurden, mit welchen Erfolgen er von den Rednerbühnen wissenschaftlicher Kongresse seine Thesen verkündete und verteidigte. Die damals aufblühende Wissenschaft der Bakteriologie und Serologie fesselte fein Interesse. In exakt durchgeführten Forschungen und Qlrbeiten gelang es ihm, ein Imps verfahren auszuarbeiten, durch das es möglich wurde, eine vielerorts unter den Schweinen geradezu verhce.end auftre enbe Seuche (te.i Rotlauf der Schweine) erfolgreich zu bekämpfen. Genau in der Weise, wie er das Verfahren zur Herstellung und Anwendung der Impfstoffe an* gegeben hat, werden sie noch heute angewendet. Es ist eine der wirksamsten Impfungen zur Bekämpfung von Seuchen, die wir überhaupt haben. Wo sie richtig und konsequent durchgeführt wird, brauchen Verluste durch diese Seuche nicht mehr vorzukommen. Es liegt auf der Hand, daß — neben der wissenschaftlichen Bedeutung einer solchen Impfung — deren wirtschaftlicher Wert ungeheuer groß ist. Riesensummen wurden durch sie dem Rationalvermögen der Staaten erhalten. In manchen von der Seuche ständig stark betroffenen Gegenden wurde durch sie erst eine wurde, so daß auch aus diesem Grunde der Führer keinerlei Veranlassung hatte, sein Heranpahen durch Warnungszeichen noch besonders bemerkbar zu machen. Endlich kann auch dahingestellt bleiben, ob die Beklagten etwa 200 Meter vorher, vor dem dort die Fahrstraße kreuzenden Wege ein Warnungszeichen gegeben haben. Denn bei der Länge der Entfernung von dort bis zur Anfallstelle ist nicht ersichtlich, inwiefern eine diesbezügliche Anterlassung von Bedeutung für diesen Anfall sein kann, der insbesondere mit den Gefahren, die etwa der Kreuzweg mit sich brachte, in gar keinem Zusammenhang stand. Auch sonst liegt nichts dafür vor, daß die Beklagten irgendwelche nach Lage des Falles gebotene Sorgfaltspflichtrn außer Acht gelassen haben. Es ergibt im Gegenteil der Zusammenstoß selbst, daß der Wagen offenbar mit großer Amsicht und Vorsicht gefahren ist. Obwohl der rationelle Zucht und Haltung von Schweinen ermöglicht. Die Herstellung des Impfstoffes beschäftigt in ständig zunehmendem Matze eine bedeutende Industrie. Die Existenzen zahlreicher Tierärzte fanden und finden noch jetzt — ebenfalls in steigendem Matze — durch die Ausführung der Impfungen eine wesentliche wirtschaftliche Stütze; denn die Zahl der vorzunehmenden Impfungen geht vierlerarts in die Tausende. Es gib* wohl überhaupt keine andere Impfung, durch die Impfstofsmengen in ähnlichem Ausmaß verbraucht werden. Was aber der wissenschaftlichen Tat von Lorenz eine besondere Rote gibt, sind nicht allein diese Tatsachen, sondern vielmehr das, daß bei ihr ein Prinzip zur Anwendung gebracht wird, das von Lorenz als erstem richtig erkannt und zur Durchführung gebracht worden ist. Man kann einen Schutz gegen Infektionen erzielen durch Einverleibung eines Schuhkörpers gegen die Infektion enthaltenden S rums (passive Immunität — v. Behring) oder durch Anwendung abgeschwächter Erreger der Infettion (aktive Immunität — Pasteur). Die erste Immunität wird zwar gefahrlos erreicht, hat aber den Rachteil, nur sehr kurze Zeit anzuhalten. Die zweite Methode schafft zwar eine Immunität von längerer Dauer, birgt aber die Gefahr der Entstehung der Infektionskrankheit durch die Impfung. Lorenz erkannte, daß es durch eine Kombination beider Impfverfahren möglich ist, einen lang anhaltenden Impfschutz zu erzielen, ohne Die Gefahren des Ausbruchs der Infektionskrankheit befürchten zu müssen. Der Gedanke war damals, als Lorenz ihn zuerst aussprach, so unerhört neu, daß er zunächst lebhaft bekämpft wurde, und zwar von keinem Geringeren, als von Koch. Die Wucht der Tatsachen hat ihm aber zum Siege verhalfen; heute ist er Allgemeingut. Zahlreiche Seuchen — nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen — werden unter Anwendung dieses Prinzips erfolgreich bekämpft. In der Erkenntnis dieses Prinzips liegt die eigentliche Bedeutung der Arbeiten von Lorenz. Dabei ist zu berücksichtigen. daß Lorenz alle diese Arbeiten nicht etwa in staatlichen Instituten, sondern in einem bescheidenen Privatlabovatorium und mit eigenen Mitteln durchführte. Die peinlich genaue Art seines Arbeitens und großes Prak* Kläger ganz überraschend auf getaucht ist, ist durch sofortiges Herumreitzen des Fahrzeuges und Halten fast auf der Stelle, weiteres Anheil vermieden. Rach alledem ist festzustellen, daß der Anfall durch ein unabwendbares Ereignis im Sinne des § 7 a. a. O. verursacht ist. Da auch nicht behauptet und auch sonst nicht ersichtlich ist, daß dieses Ereignis etwa „auf einen Fehler in der Beschaffenheit des Fahrzeuges" oder „auf einem Versagen feiner Vorrichtungen" beruhte, ist die Ersahpslicht der Beklagten ausgeschlossen. Danach war wie geschehen zu erkennen. Oberhesten. Landkreis Grefte» CO Klein-Linden, 23.2lug. Aus der jüngsten Gemeinde ratsfihung ist als bemerkenswert zu berichten: Die Prüfung und Genehmigung der Gemeinderechnung aus dem Rechnungsjahr 1924 wurde abermals vertagt. — Rach- dem in der vorigen Sitzung die Erneuerungsarbeiten am Gemeindebackofen genehmigt und inzwischen einem Backofenbauer aus Kirchhain übertragen worden waren, mußte dieser die Feststellung machen, daß mit einer Reparatur nicht mehr zu helfen fei, sondern der Backofen von Grund aus neu hergerichtet werden müsse. Diese Arbeiten wurden durch den Gemeinderat genehMgt. — Die Wiederher st el^ lungsarbeiten im Innern unserer Kirche wurden gutgeheißen und die Arbeiten dem Weih- bindermeister Friedrich Lenz übertragen. Mit den Arbeiten wird demnächst begonnen werden. Für die übrigen Arbeiten der Maurer, Glaser, Dachdecker und Schreiner sollen Offerten eingeholt werden. Die Gesamtkosten der Kirchenerneuerung stellen sich nach dem Voranschlag des Hochbauamtes Gießen auf 3700 Maick. — Heber die Wiederherstellungsarbeiten am alten Rathaus in der Wetzlarer Straße sollen durch das Hochbauamt Gießen Kostenvoranschläge aufgestellt werden. — Die Vergnügungssteuer für die Kirchweihe des vorigen Jahres ist bis heute noch nicht eingegangen. Der Gemeinderat will deshalb die Genehmigung für die am nächsten Sonntag geplante diesjährige Kirchweihe nicht eher erteilen, bis die rückständige Steuer erledigt ist. ~ Grünberg, 23. Qlug. Der Verein ehemaliger Landwirtschaftsschüler der Landwirtschaftlichen Schule ©rünberg unternahm am vergangenen Sonntag einen Lehr- ausflug nach dem Versuchsgut Selgenhof der Hessischen Landwirtschaftskammer. Infolge der ungünftigen Witterung war die Beteiligung gering. Die Landwirtschaftskammer hat sich bei Errichtung des Versuchsgutes von der Erwägung leiten lassen, dem hohen Vogelsberg die Wege zu weisen, die die Landwirtschaft beschreiten mutz, um eine möglichst hohe Rente aus ihrer Wirtschaft zu erzielen. Mit dem Ackerbau ist dies ohne Zweifel nicht zu erreichen. Rur ein intensiver Weidebetrieb und Einschränkung des Ackerbaues auf das Rötigste wird diese Rente ermöglichen. Die Besichtigung erstreckte sich auf den ganzen Wirtschaftsbetrieb. Inspektor Adelberger gab bei allen einzelnen Zweigen eingehende Erläuterungen ab. Es wurden die geräumigen Diehställe, das Jungvieh, der Maschinenpark, die Schafherde, Heuauszug, Silo u. a. auf dem Wirtschaftshvf besichtigt. Dann begab man sich auf die ausgedehnten Viehweiden. Die Weiden weisen zum größten Teil ein sehr gutes Futter auf. Das Vieh macht einen gesunden und kräftigen Eindruck. Die Frucht steht teilweise noch auf dem Halm. Infolge der ungünstigen Witterung ist mit einer schlechten Ernte zu rechnen. -j- Querfborn, 23. Aug. Landwirtschofts- ussessor Dr. Bücher vom Landwirtschaftsamt Grünberg hielt dieser Tage in der Wirtschaft von I. Sarnes einen interessanten Lichtbildervortrag über „Saatgutzubereitung und -beizung". Der Redner zeigte an Hand sehr guter Lichtbilder die Zubereitung des Saatgutes, insbesondere die Reinigung mit größeren Maschinen. Die Windsege allein reicht zur Gewinnung einwandfreien Saatgutes nicht aus. Eine sehr gute Reinigungsanlage ist die von Rüber, die in Deutschland seither eine große Verbreitung gefunden hat. Ferner wurde die Beizung des Saatgutes, ein äußerst wichtiger Faktor, tisches Geschick mutzten das Fehlen großer Jnsti- tutseinrichtungen ersetzen. Die Erschwerungen. die darin lagen, sind nur geeignet, die Achtung vor solchen Erfolgen zu erhöhen. Die Rachricht vom Tode dieses Mannes wird auf der ganzen Erde ihren Widerhall finden. Mit besonderer Trauer stehen die hessischen Deterinärbeamten, die ihm so vieles zu verdanken haben, an seinem Grabe. Denn auch seine Persönlichkeit war d^zu angetan, Verehrung zu erwerben. Seine Gewissenhaftigkeit als Beamter konnte vorbildlich sein für jeden, der mit ihm in Berührung kam. Sein Handeln war stets geleitet von reinen Motiven und frei von Egoismus. Wäre es anders gewesen, so hätte er seine wirtschaftlich so weittragende wissenschaftliche Entdeckung für sich selbst ganz anders ausgenuht, als er es getan hat. Wissenschaftliche Erfolge die er Art sind nur dem möglich, der mit reinem Geiste ans Werk geht. Was aber sein Wesen am meisten kennzeichnet, das ist die vornehme Bescheidenheit, in der er lebte und wirkte. Das war nicht dis Bescheidenheit des Durchschnittsmenschen, der es nicht wagen kann, hervorzutreten, sondern die Bescheidenheit des grotzang Regten Menschen, der sich seines inneren Wertes wohl bewußt ist, und der fühlt und weiß, daß es den Schmuck der Aeutzerlichk.itcn nicht nötig hat, um sich Geltung zu verschaffen. Am Grabe des Verstorbenen ließ der Groß- Herzog, dem er lange persönlich bekannt war. einen Kranz niederlegen. Der D .kan der veterinärmedizinischen Fakultät der Aniversität Gießen feierte die wissenschaftlichen Verdienste ihres einstmaligen Schülers, den sie vor wenigen Jahren bei seinem goldenen Doktorjubiläum (50 Jahre) beglückwünscht hat. Der Vorsitzende des Vereins hessischer Vet rinärbeam en sprach über die Verdienste des Verstorbenen als Organisators des Vetecinärwesens in Hessen, als Wissenschaftlers und als Menschen, dessen die Veteri- nätbeamten stets in Treue gedenken werden und der ihnen stets ein leuchtendes Vorbild bleibe. Beide legten Kränze nieder, zu denen noch^ bie feines Korps Teutonia zu Gießen, der Tier- ärztekammer und des Vereins praktischer Tierärzte Hessens kamen. Der Vertreter der letztes würdigte die Bedeutung, die die wissenschaftliche Arbeit von Lorenz wirtschaftlich für das Oeben der Tierärzte habe. — Möge ihm die Erde leicht fein. IN Wort und Bild erläutert. Die Aussprache gestaltete sich recht lebhabt. Es kamen u. a. die Rostfrage, Düngungs-, Bodenbearbeitungs- und die Sorten; fragen zur Besprechung. — Die Gemeinde Queck- born hat beschlossen, demnächst eine Saatreinigungs anlage zu beschaffen. Es ist dies im Interesse der Landwirtschaft sehr zu begrüßen und zeugt von ■ bäuerlichem Gemeinsinn in der Gemeinde. Bürger meister Albert dankte Dr. Bücher zum Schlüsse für seine lehrreichen und interessanten Ausführungen. 5 Lich, 23. Aug. Der Schießsport findet hier eifrige Pflege. Der Kriegerverein wird am nächsten Sonntag sein Preisschie - ßen erstmalig nach dem Kriege wieder in größerem Stile abhalten und zwar auf dem neuen Schietzstand an der Hardt. — Die S ch Ülzen ge s e l l s ch a f 1 hält ihr Hauptschießen an den vier Sonntagen des Septembers ab. Erstmalig wird dabei der Schützenkönig ausgeschossen. — 3m Gasthaus zum „Goldenen Engel" fand am Sonntag ein gut besuchter Bezirkstag des Bezirks Lich der Krieger- kameradschaft „Hassia" unter der umsichtigen Leitung von Dr. Walter statt. AI. a. wurde Bericht erstattet über den Derbandstag in Schlitz. )) L t ch, 23. Aug. 3n der gestrigen Sitzung des Stadtvorstandes legte der Bürger- meister die Rechnung der Stadlkasse für das Rechnungsjahr 1925 zur Prüfung vor und erstattete den Rechenschaftsbericht. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß der Rechnungsabschluß als günstig zu bezeichnen sei. Bei einer Hörprüfung der Rechnung durch die Finanzkommission sind Beanstandungen nicht erhoben worden. Der Stadtvorstand beschloß, die Rechnungsprüfung damit als erledigt zu betrachten. Das Verzeichnis der Kreditüberschreilungen und ihrer Deckungsmittel wurde genehmigt. — Der Stadtvorstand hat am 14. v. Mts. eine Aenderung der Straßen- und Baufluchtlinie an der Ecke Ziegelstraße-Egelleeweg beschlossen. Innerhalb der Offenlegungsfrist sind drei Einwendungen hiesiger Einwohner gegen die beabsich- tigte Straßen- und Baufluchtlinienführung bei der Bürgermeisterei eingelaufen. Der Stadtvorstand war nicht in der Lage, diesen Einwendungen stattgeben zu können. — Auf Antrag des Borstandes der Duhbach-Licher Eisenbahn in Butzbach wurde der Verkaufspreis für städtisches Gelände, das die Dahn zur Erweiterung ihrer Gleisanlagen auf Bahnhof Lich benötigt, auf M. 4,50 je qm ent« gültig festgesetzt. — Don der Erhebung einer allgemeinen Wertzuwachs st euer wurde A b st a n d genommen. — 3m Anschluß hieran fand die Beratung des Waldwirtschafts- vlanes für das Wirtschaftsjahr 1928 statt. Der Vorstand des hiesigen Forstamts, Forftrat H e i m b u r g , erläuterte die Vorlage. Die Vorlage fand Zustimmung. — Auf Antrag des Ver- m^sungsamtes Hungen wurde beschlossen, für den Feldgebrauch Parzellenhandritz- und Mehbuchabschriften für die hiesige Gemarkung Herst etten zu lassen. Die erforderlichen Mittel sollen in den 3ahren 1930, 1931 und 1932 mit je M. 1000,— in den städtischen Voranschlag eingestellt werden. — Sodann gab der Bürgermeister von dem Ergebnis einer Trinkwasseruntersuchung des chemischen Untersuch', igd» amtes für die Provinz Oberhessen in Gießen Kenntnis. Das Ergebnis sei als befriedigend zu bezeichnen. — Eine Eingabe des Vereins für Rasen spie le dahier, ihm den hiesigen städtischen Sportplatz zur alleinigen Benutzung zu ^..rlassen, fand keine Zustimmung. — Den letzten Punkt der öffentlichen Sitzung bildete die Beratung der Verwertung des von der Stadt im Lause dieses 3ahres errichteten Doppelhauses in der 3 ahnst ratze. Der Bürgermeister schlug vor, die beiden Wohnungen nicht zu vermieten, sondern als „Reichsheim- stätte" käuflich geeigneten Wohnungssuchenden zu überlassen. Er wies hierbei auf das Rcichs- bctmstättengese'h vom 10. Mai 1920 hin. Dieses Gesetz gebe den Gemeinden die Möglichkeit, Boden in einer Form auszugeben, die diesen Boden vor jedem Mihbrauch dauernd- bewahre. Der mit einer Reichshcimstätte Begabte könne wegen Privatschulden nie in Zwangsversteigerung kommen, er und seine Kinder und Kindestinder säßen auf diesem Boden. Wolle der Heimstätter aber Den ihm billig von der Gemeinde gegebenen Boden aufgeben und niemand aus der Verwandschaft die Heimstätte erwerben, so falle die Heimstätte an die Gemeinde zurück, der Boden zu demselben Preis, der vereinbart war. die Gebäude nach dem Bauwert, der am Tag des Rückfalls noch vorhanden sei. Alle Steuern, die sonst m.t der Alebertragung eines Bodens verbunden seien, wie Grunderwerbssteuer, Rvtariatskosten, Gerichtskosten, fielen bei der Heimstätte fort Sein weiterer Vorschlag ging dahin, daß die Anwärter eine ihren Kräften entsprechende Anzahlung leisten sollen, jedoch mindestens in der Höhe von 5 Prozent der Kaufsumme. Der Rest des Kaufgeldes werde als unkündbares Darlehen betrachtet, dessen jährliche Annuität mit 6 Prozent der Restkaufsumme (5 Prozent Zinsen und 1 Prozent Tilgung) festzusetzen sei. Der Stadtvorstand trat nach kurzer Aussprache dem Vorschlag des 'Bürgerin eifl erd bei. Der Verkaufspreis je Haushälfte (eine Wohnung) wurde auf M. 6000 — festgesetzt. Heber die Auswahl der Käufer soll in nächster Sitzung Beschluß gefaßt werden. Kreis Friedberg. = Friedberg, 23. Aug. Zu Grabe getragen wurde hier heute unter außergewöhnlich starker Beteiligung von Leidtragenden Hermann Haustein, einer der angesehenstem Bürger unserer Stadt, der im Alter von 74 3ahren in der Gießener Klinik verstorben ist. Dor kurzem hat der Verstorbene fein 60jähriges Sunter» Jubiläum begehen können. Allein 30 3ahre gehörte er dem Vorstand der hiesigen Turnge- meinde an, 50 Jahre deren Gesangsabteilung, >äe er begründen half. Die Turngemeinde gab ihrem Ehrenmitglied daher ein stattliches Geleit. WSR. Friedberg, 23. Aug. Durch einen herabstürzenden Balken wurde ein Zimmermann aus Echzell bei den Arbeiten am Theaterturm so unglücklich getroffen, daß er schwer verletzt ins Bürgerhosprtal emgeltefert werden mußte. , .. Dad - Rauheim, 23. Aug. Das Herb st- Tvntaubenschießen, das vom mefigen Sportschieh-Klub am (Sonntag auf den neuzeitlichen Schießständen am Goldstein veranstalt wurde, zeigte eine auhergewohnl^h ftarte Q3e- teUtgung. Die bekanntesten deutschen Bertreter des Schießsports waren anwesend ferner auch Teilnehmer aus Dänemark und Holend. wurde hervorragender Sport gebot en. Den Sw- gern konnten wertvolle Preise überreicht werden. Turnen, Sport und Spiel. V. f. B. Die dritte Mannschaft schlug amSonn- -ag die E r ste Fronhaufens hoch mit 6:1. Die Gäste wehrten sich tapfer und mit Ausdauer, kamen ledoch gegen die bessere Technik der V. f. B.-Elf nicht auf. Wenn die Dritte ihre Spielstärke durch genaueres Zuspiel noch etwas hebt, wird sie in den kommenden Der- bandsspielen von sich reden machen. Die 1. Schüler elf trug noch ein Freundschaftsspiel mit der gleichen Heuchelheims aus, das mit einem unentschiedenen 1:1 audging. Allgemeiner Deutscher Turnerbund (21. D. T.) Turngau Lahn-Tünöbcrg X. Y. Der Turngau Lahn-Düns- b e r g hatte für Sonntag seine Turner zu einem sportlichen Wettkampfe nach Daubringen ein* geladen. Das Degenwetter war wohl für das Turnen als auch für die nachfolgenden Festlichkeiten eine bedeutende Hemmung. Bei recht ungünstigem Wetter traten kurz nach 7 Uhr 180 Turner und 45 Turnerinnen an und führten unter der Leitung des Gausporlwarts Karl Winter lLaunsbach) trotz der wiederholten kalten Regenschauer den Wettkampf tapfer durch. Die Turner (Ober-, Mittel- und Unterstufe) hatten einen Fünfkampf in Stabhoch- und Weitsprung, Kugelstoßen (beidarmig), Hürdenlaufen und Speerwurf zu bestehen, die Altersstufe übte im Vierkampf, die Turnerinnen trugen einen Dierkampf in Kugelstoßen, 75-Melrr-Lauf, Speerwurf und Weitsprung aus. Zwischen 2 und 3 Alfjr bewegte sich der Festzug durch das mit Fahnen reichgeschmückte Dorf. Auf dem Festplah begrüßte Lehrer Dr. Balser in schwungvoller Ansprache die Festgäste und Turner. Die beiden Gesangvereine trugen stimmungsvolle Degrü- ßungschöre vor. Bald setzte indes so strömender Regen ein, daß die meisten Festbesucher fluchtartig den Festplah verließen. Trotz der Alngunft der Witterung ist die Turnfahrt nach Daubringen als ein Erfolg des Turngaues Lahn-Dünsberg zu bezeichnen. Es blieb wohl ein Teil der Wett- tumer hinter den Mittelleistungen zurück, ober ebensoviele zeigten Ergebnisse, die als „Gut" und „Sehr gut" bezeichnet werden konnten. Aus der Siegerliste geben wir nachstehenden Auszug: Turnerinnen (Oberstufe): 1. Anna Pfeifer, Launsbach 62 Punkte, 2. Helene Pfeifer, Launsbach 59, 3. 3ohanna Müller, Lollar 55, 4. Marie Moos, Lollar 53, 5. Luise Bodes, Lollar 51, 6. Paulo Hildebrand, Wieseck 50, 7. Anna Bernhard, Wieseck 48, 8. Emilie Schmidt, Wieseck 46, 9. Emma Dieman, Dorlar 45. 10. Klara Bremer, Wieseck 43 Punkte. Turnerinnen (Unterstufe): 1. Wilma Schleenbecker, Kinzenbach und Elli Pausch, Wieseck 72 Punkte, 2. Marie Freitag, Hausen 70, 3. Hedwig Schmidt, Dorlar 66, 4. Hedwig Müller, Launsbach und 3ohanna Vonderheidt. Hausen 65, 5. Lina Erb, Wieseck 60, 6. Emmi Loy, Wieseck und Minna Schäfer, Wieseck 57, 7. Emma Schreiner. Wieseck 56, 8. Alma Weber, Dorlar 54, 9. Auguste Möser, Wieseck und Emmi Reuter, Wieseck 53, 10. Paula Krombach, Launsbach und Elise Heller, Hausen 52 Punkte. Turner (Altersstu fe): 1. Karl Gissel, Waldgirmes 77, 2. Adolf Steg, Hausen 75, 3. Wilhelm Euler, Watzenborn und Ludwig Hasselbach, Rodheim 73, 4. Wilhelm Langsdorf, Albach 68, 5. Bruno Grote, Lollar 63, 6. Wilhelm Will, Wißmar und Georg Hermann, Wißmar 60, 7. Ludwig Drücke!, Hausen 58, 8. Karl Sarnes, Hausen 49 Punkte. Turner (Oberstufe): 1. Ludwig Ole- motz, Kesselbach 109 Punkte, 2. Otto Dich, Lollar 99, und Karl Rühl. Großen-Buscck 93, 3. Reinhard Schieferstein, Launsbach 94, 4. Rudolf Buß, Großen-Buseck 90, 5. August Best, Waldgirmes 87, und Karl Heitz, Rodheim 86, 6. Albert Oster- held, Großen-Busek 85, 7. Wilhelm Deppler, Kinzenbach 81, 8. Karl Henß, Großen-Buseck und Richard Wissemann, Großen-Buseck 77 Punk'e. Turner (Mittelstufe): 1. Kari Dort, Großen-Buseck 108 Punkte, 2. Richard Deppler, Kinzenbach 101, 3. Wilhelm Frank, Lollar 93, 4. Wilhelm Dachmann. Durlhardsfelden 95, 5. Wilhelm Schneider, Großen-Duseck 94, 6. Emil Decker, Ruttershausen 92, 7. Heinrich Damm, Reiskirchen 83, 8. Otto Rupp, Alien-Duseck 82, 9. Willi Schardt, Hausen 77, 10. Karl Sick, Allen- dorf a. d. Lumda 74 Punkte. Turner (Unterstufe): 1. Wilhelm 'Braun, Daubringen 124 Punkte, 2. August ‘Baier, Riederroßbach 115, 3 Otto Feiling, Ahbach 114, 4. Otto Rappold, Dellnhausen 112, 5. Karl Wallenfels, Allendors a. d. Lumda und Emst Klein, Dellnhausen 111, 6. Emil Winter, Launsbach 110, 7. Heinrich Rühl, Beuern 103, 8. Emst Heckrod, Steinbach 99, 9. Ernst Hasselbach, Londorf, Willi Feldmann, Wißmar und OttoSchardt, Hausen 98, 10. Ludwig Wallenfels, Allendorf a. d. Lumda und Hermann Eisenacher, Reiskirchen 97 Punkte. Die süddeutschen Iugendsüzwimmer in Darmstadt. L_ Das Kreisjugendfest des Kreises 5 (Süddeutschland), des D. S. 23., das alljährlich die besten Jugendschwimmer am Start sieht, fand am Sonntag bei ganz hervorragender Besetzung in D a r m st a d t statt. Trotz des anhaltenden Regens waren sämtliche Zuschauerplätze besetzt, ein Beweis dafür, wie populär der Schwimmsport in der Schwimmerhochburg Darmstadt ist. Am erfolgreichsten waren die Vereine aus Darmstadt, Göppingen, Offenbach, Nürnberg und Freiburg. Der Gießener Schwimmverein konnte sich mit feiner jungen Mannschaft bei der überaus starken Konkurrenz noch nicht recht durchsetzen, konnte aber immerhin einige recht schöne Erfolge erzielen. So verdient vor allem die Leistung des jüngften der gemeldeten Springer, Max Schüler, vollste Anerkennung, der das Kunstspringen mit Platzziffer 9 (49,26 Punkte) gewann und sich damit als bester süddeutscher Jugendspringer klassifizierte. Die nächstfolgenden waren Mack, Amateur-Stuttgart (Platzziffer 10, 48,80 Punkte) und Kohlhöfer, Mat- tiacum-Wiesbaden. Im Jugendrückenschwimmen, 100-Meter, zeigte S ch a um eine recht ansprechende Leistung, indem er bei ganz knappen Anschlägen in guter Zeit den 4. Platz belegte. Zeiten: 1. Ko rt f ch, Bayern 07-Nürnberg, 1,27, 2. Helfrich, S. 23. Mannheim, 1,29,6, 3. Bostel, 6. 23. Göppingen, 1,29,7, 4. Schaum, Gießener S. 23., 1,29,8, 5. Watrin, Mainz 01, 1,30, 6. Walter, Wiesbaden 1911, 1,32,5. Im Freistilschwimmen konnten sich Bickel und Rau bei der gerade hier sehr starken Konkurrenz nicht recht durchsetzen. Die Damenjugendbruststaffel, 3X100 - Meter (H a n d r i ck, Hublitz, Schüler), belegte den vierten Platz. Zeiten: 1. D. S. 23. Freiburg 5,16,2, 2. S. C. Wiesbaden 1911 5,19,2, 3. S. B. Heilbronn 5,19,6, 4. Gießener S. C. 5,24,8, 5. Moenus-Osfenbach, 6. Rot-Weiß Darmstadt 5,44. Im Damenjugendbrustschwimmen, 200-Meter, gelang es Frl. Schüler, den 5. Platz mit 3,51 zu belegen. — Im ganzen genommen kann der G. S. 23. mit den Leistungen seiner Jüngsten zufrieden fein. Jrn übrigen war die Veranstaltung wieder der beste Beweis dafür, daß erstklassige Leistungen heute nur noch auf Grund eines strengen Trainings zu erzielen sind. die von der Bade- und Kurverwaltung, der Stadt usw. gestiftet waren. Erfolgreich waren auch verschiedene Mitglieder des hiesigen Sportschieß- Klubs. Lpd. B a d - R a u h e i rn, 23. Aug. In den letzten Rächten hat sich hier wieder ein F a s s a- den kletterer betätigt. Er stieg in verschiedene osfenstehende Zimmer einer Villa und eines Hotels ein und entwendete mehrere Al h r en, Schmuckstücke und das erreichbare Geld. Vermutlich handelt es sich um einen reisenden internationalen Dieb. WER. Beienheim. 23. Aug. Die hiesige Gemeindekasse hatte in diesem Jahre 30 Pf. für jeden eingelieferten Hamster zur Verfügung gestellt. Die Äugend veranstaltete daraufhin regelrechte Hamsterjagden und erbeutete insgesamt 700 dieser gefräßigen Getreideräuber. Ein Junge brachte es auf 158, ein anderer auf 120 Stück. LPD. Groß-Karben, 23. Aug. Hier verstarb am Sonntag die Kriegerwitwe Det - ter an den Folgen einer Blutvergiftung. Der Verstorbenen waren beim FruHtabmachen einige Dörnchen von den Disteln in d e Finger gedrungen, die sie abends mit einer Stecknadel entfernte. Rachts bekam sie große Schmerzen und verstarb nach sechstägiger Krankheit. Sie hinterläßt zwei unversorgte Kinder. WER. Vilbel, 23. Aug. Die von der 'Baufirma Moxter,20"/» Oesterreich. Silberrte. . i'7o Oesterreich, einheill. Rte 5.25 _ 5,7 _ _ 4°/0 Ungarische Goldrle. . . . 24.75 -__ 24.9 25 l°/o Ungarische Slaatsr. v. 1910 22,5 _ 22.65 17s% desgl. von 1913 .... 4J/0 Ungarische Äronenrte . . — _ 23,5 — — 2,3 Türk, ^ollanlcche v 1911 13,5 — 13,9 13,25 4»/, Türk. Bagdadbahn-Anl. Serie I............ l°/o desgl. Serie II...... 4°/o Rumänen convert. Rte. 14.26 5,5 — 14.5 13,75 Vf Io Rumänen Goldanl. . von 1913 ......., . . 15,75 — 15,75 — Allg Deutsche Eisenbahn .4'/» 89 — 87.25 _ Hamburg-Amerika Paket. . 6 vamb.-Südam Tampfsch. .8 147,25 149 149,25 223 149 222 Hansa Dampfschiff ... .6 Norddeutscher Lloyd .... 6 — 224 224 5 148 148 149,25 149 Allg. Deutsche Crcditanst.. 10 146.25 — 145,9 145 Barm.r Bankverein ... 10 Berliner Handelsaesellsch. 12 Commerz- und Privat-Bk. 11 147.5 118 148 147 249 174 174 247,75 175.5 174 Tarmst. u. Nationalbauk. 12 .-28 226,75 228 226 Deutsche Bank..... • 10 159.75 100 160 160 Diskonto-Gesellschaft Ant. 10 157 155.13 157 155.5 Dresdner Bank......10 162.5 162,25 163.75 162.25 Mitteldeutsche Creditbcmk ■ 9 212 — 245 Metallbau!..........8 143.5 143 143 143,5 Reichsbcutt......... 10 169,75 171 171 170,66 23. 8. | 24. 8. 23. 8. | 24. 8. 181.5 182 182.75 182 192 1 194,5 194 192,25 19t 188.5 i9( 187,65 199 197 199,5 198 139,5 i 137.25 138,5 138 — 253 251.25 — '.63 162 165,25 163 163 — - 174 172 198.5 198 200,13 196.9 280 282 282.5 283 — - 133,75 133,5 178,5 175 179 - 109 110 109,65 110,13 152 153 157.75 152,76 — —— 163 164 155 154,25 155,4 164.5 199 198 199 199 — — 174.65 174,5 270 265 266-5 265 156,5 155,5 155,25 155,75 — — 175,13 170 176 176 177,7". 176,65 131 130,75 130 130 97,5 — 98.5 97.25 — — 99,75 97,4 U6.75 116,5 H7.25 116,4 248 249 250,25 248.5 195 5 195,5 196 194 168 — 168 169 130.4 130 130.65 130.65 34 — 33 5 — 175 — 177 175 184 184.5 185 183.5 239 — 237 237 291 290 292 290 — —- 141 140,5 208 210 132 132 131.5 131 98 97 97,75 97 182,5 — . 12 192 193,75 . 8 142 — . .8 186 . 10 165 163,5 . 15 — _ — — — — — . 12 j26,5 325.25 . 10 202 201,5 • / . 8 — . 0 118,5 118 . 0 — — . 0 115,5 114,5 . 10 — - 23. August. 24. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung ISCID Bncc Geld 1 Brief Amft-.Rol' 168,21 168,55 168.11 168,45 Buen.-AireS 1,7»9 1,793 1,792 1.796 Brfs.-Antw 58,41 68,53 58,39 68,51 Ehristiania. 109,19 109.41 109,05 109,27 Kopenhagen 112,43 112,65 112,37 112,59 Stockholni . Hclstngfors. 112,61 112,90 112,57 112,79 10,57 10,59 10,562 10,582 Italien. . . 22,89 22.93 22,86 22,90 London. . . Ncuyork . . 20.4 05 20.445 20,395 20,435 1,1965 4,2045 4,195 4,203 Paris.... Schweiz .. 16,445 16,485 16,44 16,48 t0,91 öl,07 60,87 81,03 Spanien . . 70,81 70,95 70,68 70,82 Japan .. . Rio d: Jan. 1,987 1.991 1,989 1,993 „4965 0.498-5 0,496 0,498 Wien in D.° Oe st. abgcst 69,14 69,26 69,10 69,22 Prag .... 12,44 7,391 12,46 12,427 12,447 Belgrad . . 7,405 7,383 7,397 Budapest. . Bulgarien . 78,40 3,037 73,54 3,043 73,37 6,032 73,51 3,038 Lissabon . . 20,70 20,74 2U,7i5 20,7j5 Taniig. . . Konstantin. 81,36 81.52 81,325 81,485 2,093 2,097 2,088 2,092 Athen. . . Canada . . 5,544 6,556 5,494 5.606 4,198 4,206 4.194 4.103 Um ,uay. . 4.206 4.214 4,196 4,-04 Tatro . . . 20.93 20,97 20.92 20,96 Berlin, 23 August. «Selb Briet Amerikanische Noten..... 4.184 4,204 Belgische Noten ... ... Dänische Noten ...... 58,35 112,25 58,59 112,71 Englische Noten ....... 20,385 20,465