Nr. 70 Erster Blatt 177. Jahrgang Donnerstag, 24- Mär; 1927 Grlchein' täglich, avtzei Sonntag» und Feiertag». Beilagen; Gtetzener Jamilienblüttet Heimat rm Bild Die Scholle Monair.kezvosrrel»; 2 9teid)»marii und 20 Sleid)»Pfennig fix Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüffe: 51. 54 und 112 Anfchrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe». poftfch.ckkosto: gronfjurt am Main 11688. TietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnick und vttlo-: vrihl'lchk Unioerfttäts.Bnd). unö Sttinötudtrei H. lange In Sieben. Sdjrtftleitung und ScschSst,»klle: Schillerte 7. lenabme Ml lajdaen für die Tage» nummer di» zu» Nachmittag vorher. Preis für l ®ch»pfennlg. playvorschritt 20* , mehr. Chefredakteur Dr Frredr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange- für Feuilleton Dr H.THgnot; für den übrigen Teil Ernst Mürrischem; für den Sn« jeigenteil i. Dertr. H Deik, sämtlich in (Biefjen. Der serbisch-italienische Konflikt. wetterleuchten über der Adria. Don unserem römischen ^Korrespondenten. Rom. 22. März. Als vor einigen Lenzen die beiden Adrianachbarn beschlossen, fortan nicht nrchr Rivalen zu sein, sondern die Friedenspfeife zu rauchen, konnten sich die Auguren eines Lächelns nicht erwehren. Dieser ttdriavertrag war einer der unnatürlich st en, die je von Diplomaten unterschrieben wurden. Ich habe damals betont, er losic sich überhaupt nur unter dem Gesichtspunkt verstehen, bah sich Italien, weil mit seinen Rüstungen noch nicht fertig, gegen ein unerwünscht vorzeitiges Losgehen der Flinten von der andern Seite her schützen wolle. Also nur an eine zeitlich bedingte Freundschaft dachte, an einen Sicherimgsvertrag. Daß Italien heute oder morgen seinen Zweifrontenkrieg haben werde, konnte ein Laie merken, aber wer ein Pul- versah ein Pulverfaß nannte, wurde als schlechter Ifuropäcr verschrien. Denn logisch, wie nun einmal die Berufspazisisten sind, heißen sie den einen Drandstister, der auf ein gefährlich glimmendes Feuer hindeutet, und preisen sich selber mit schönen Reden, weil sie glauben, dah es genügt, dem Brandherd den Rücken zu kehren und sich an die schönen Gestade der Insel der Seligen zu begeben, schlimm« stenfalls des Genfersees. Aber die Stunde ist nicht fern, wo sie wieder einmal aus ihrem Wölkenkuckucksheim auf die rauhe Erde stürzen und Gelegenheit finden werden, Asche aus das Haupt — der bösen andern zu streuen. Derer, die sich ihrer Haut wehren müsien. Denn schon heute ist, wie immer, jeder der '21 n gegriffene. Einer schiebt dem andern die „S.chuld" zu. In Belgrad wie in Rom behauptet man, es könne der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn gefalle, seine Kanone aus dem Stall zu ziehen. Man rüstet fieberhaft auf beiden Seiten, stürmischer noch als vor 1914, und der Völkerbund ist erstaunt. Geradezu ärgerlich, wie man seine Opiumverhandlungen, das Wichtigste vom Wichtigen, stört. Einmischen, das wisien wir noch von fldrfu her, ist nicht ratsam, also wird es halt in Gottesnamen so kommen, wie es schon immer gekommen ist. In Italien selber diskutiert man wenig ober nicht. Im Moniteur, dem für alle Zweige und Betriebe des neuen Ordnungsstaates maßgebenden Verordnungsblatt, dem Foglio d'Ordini, erschien kurz und bündig die Parole: „Schweigend handeln!" Und eine Warnung für jeden, der Ohren hat: „Das faszistische Italien beobachtet mit absoluter Ruhe die zügellose Agitation der Belgrader Clique. Unter Clique ist die hohe serbische Militärkamarilla zu verstehen, an deren Spitze einige unverantwortliche und zu jedem Verbrechen fähige Größenwahn- sinnige stehen. Italien hat nicht verloren und wird im Bewußtsein seiner Kraft und feine» Rechts sein kaltes Blut nicht verlieren. Mit derselben Kalt- blütigkeit betrachtet es die sich abzeichnenden Solidaritäten, denn es weiß, woher die Ratschläge und die Unterstützungen für Belgrad kommen. Das faszistische Italien, vollauf beschäftigt mit feinem wirtschaftlichen Aufbau und seiner riesenhaften An- ftrengung für die Schaffung eines neuen Regimes, hat keinerlei Absicht, auf irgendeine Weise den t'sneben Europas zu stören. Das weiß die ganze Welt, trotz der antifaszistischcn Vendee. Aber die ganze Welt soll auch wissen, dah das faszistische Italien weder Drohungen noch Erpresiungen ober Attentate halben wird." Wir sind also in der Zeit zwischen Sera- jeroo unb bem 1. August. Nur der Schauplatz hat ein wenig gcänbert, die Worte sind dieselben geblieben. Belgrad muß wieder einmal von seiner „verbrecherischen Militarkamarilla" abrücken ober ins Feld rücken. Muß seine Attentatspolitik aufgeben ober bic Folgen tragen. Um die Kräfte zu erkennen, die den Becher für das eiserne Würfelspiel zu halten sich an- schicken, muß man den casus belli betrachten: Albanien. Wenn es zum Kriege kommt, was der Himmel verhüten möge, nachdem die zu diesem Zweck geschaffene Weltorganisation anderweitig beschäftigt ist. wird das Land der Skipetaren die Ehre haben, den diplomatischen und den ersten miiltärischen Schauplatz zu stellen. In Albanien, diesem Verlegenheit-Produkt der europäischen Diplomaten, kreuzten sich bis vor einiger Zeit viele Interessen, bis zum Vertrage von Tirana, mit dem sich Italien dte Dor- Hand auf den gegenüberliegenden geographisch bequem und wirtschaftlich aussichtsreichen, nicht unlieblich nach Petroleum duftenden Adriabalkon sicherte. Von diesem Tage an hat man in Belgrad nicht mehr richtig geschlasen. und auch in Paris nicht, das in dem Balkon ein Sprungbrett für den ganzen Balkan witterte Ohne Partei zu ergreifen L darf und muß man aber hier rundheraus erklären, dah Italien auf Albanien ebensoviel Recht haben würde, wie Serbien auf Montenegro. Jetzt rächt sich eben die merkwürdige Anwendung des Eelbstbestim- mungs rechtes aller Völker, für welches die Entente bekanntlich den ..großen Kreuzzug" führte. Belgrad ist werter deshalb verärgert und ängstlich, weil sich Rom die über Budapest und Bukarest führende Landbrücke zum Schwarzen Meer gesichert hak. Hilsehei- schend nxmben sich die serbischen Bücke aus der .Einkreisung" nach dem großen französischen Bruder. Paris tut. was im Foglio d'Ordini fo gelassen, mit so unheimlichem Kraftbewußtsein festgenagelt wird. II nb hier kommen wir auf die Kardinalfrage: dieselbe, die für den Weltkrieg entscheidend wurde Die wird sich England verhalten? Die Antwort entscheidet in jedem Falle Italiens diplomatischen oder militärischen Zweifrontenkrieg. Eine wohlwollende britische Reu- tralität ist das Mindeste, was Italien im Hintergründe haben muß. wenn es sich zu dem kühnen Gange anschickt. Eine Unterstützung Englands aber käme nahezu einem durch Versicherung gedeckten Siege gleich. Daher neigen nicht wenige Politiker der Ansicht zu. Chamberlain habe feit langem die Hand im Spiele, wie ja schon aus der Billigung des Vertrages von Tirana und der italienischen Ratifizierung des Vertrages über Bessarabien hervorgeh« Wenn Italien sich damit die russische Freundschaft verscherzt habe, so werde es wohl auch Kompensationen Dafür erhalten haben. Die Unbekannte in der Gleichung spielt Griechenland. Die plötzlich so offenherzig gewordene römische Prelle reiht Athen zwar ohne weiteres in die .Solidaritäten" ein. aber galt der Grieche nicht bisher als „englischer Soldat". Es müßten also auch über ihn in London und Rom, oder auf Chamberlains Jacht Beschlüsse gefaßt worden fein. Allerdings heißt es. der französische Gesandte in Athen betreibe ein griechisch-s erbisches Bündnis unter fron- zösischen Protektorat und damit stehe die Reise des serbischen Königs nach Paris im Zusammenhang. Wie vor 13 Jahren Rußland, so stehe heute, wenigstens nach italienischer Behauptung,F r a n k- reich hinter Serbien. Mit Hilfe französischer Elemente soll der jugoslawische Generalstab, den der König in Person leite, den kurz nach dem Abschluß des Vertrages von Tirana ausgebrochenen Auf stand in Albanien angezettelt und geschürt haben: mit französischer Hilfe soll jetzt dort eine .Revolution" gemacht werden, die Italien zum Einschreiten veranlassen und damit zum Friedensbrecher stetnpeln würde. Man sieht, alles hat aus dem Weltkrieg gelernt, jeder möchte die Schuldfrage schon vor dem ersten Kanonenschuß bereinigt scheu. Sicher ist, baß die Möglichkeit für eine Konflikts- lofung heute in Paris, wie seinerzeit in Peters- bürg, liegt. Ist kaum anzunehmen, baß Italien ohne englische Zustimmung marschiert, so mit Sicherheit, baß Serbien bei feiner inneren Zerrissenheit ohne französische Hilfe keinen Krieg gegen Italien wagen wirb. Cs würbe zerschmettert werben. Freilich könnte auch bas Zurückziehcn der französischen Hand von Belgrad nur verzögern, nicht verhindern, was in der Luft liegt, doch wäre damit schon manches gewonnen: vor allem bie Beschränkung bes Brandherdes. Frankreich unb Italien könnten bann wenigstens enblich einmal versuchen, dem Problem, bas ein übervölkertes von einem bobenreichen Land trennt, energisch auf den Leib zu rücken. Mit schönen Worten ist Italien nicht geholfen, es verlangt Sicherheit, Ellenbogenfreiheit, Raum. „Das gebt uns, wenn ihr nicht wollt, daß bie Pulvermine explodiert!" Wer soll etwas geben? Frankreichs National- stolz verträgt kein zweites Foschoda, und die gewal« ligen Rüstungen auf beiden Seiten drohen mit ihrem Wasfengettirr die allzu zage Stimme von Genf zu übertönen. Die Vermittlung öer Machte. England für eine Beteiligung Teukfchlands. Paris. 23. März. (1DIB.) Heber den Stand der Verhandlungen zur Behebung der italienisch- südslawischen Spannung berichtet Haoas. daß die deutsche, die englische und die französische Regierung nunmehr darüber einig seien, durch eine auf breitester Grundlage gebildete Kommission an der albanisch-serbischen Grenze eine Untersuchung vornehmen zu lassen. Zu regeln sei mit der südslawischen Regierung noch das endgültige Programm der anzustellenden Erhebungen. Italien werde allerdings noch feinen Standpunkt zu diesem Verfahren mitzuteilen haben. Rach einer Meldung des Reuterbureaus unler- stüht man in britischen Kreisen den Gedanken einer Untersuchung an Ort und Stelle durch militärische Sachverständige. Man sei der Ansicht, daß das Angebot der südslawischen Regierung, eine wiche Un- tersuchung zu erleichtern, viel dazu beigetragen habe, die Lage zu entspannen. Heber eine etwaige Beteiligung Deutschlands au dieser Enquete schreibt der diplomatische Korrespon- dent des „Daily Telegraph": „Britische kreise stimmen dem französischen Argument nicht zu. daß Artikel 179 des Versailler Vertrages Deutschland an der Ernennung von Offizieren zur Teilnahme an der Unlersuchungskommission o e r - hindern würde. Ls scheint, daß die Mitarbeit Deutschlands, das in dieser Angelegenheit als „neutral" betrachtet werden kann, in London lebhaft gewünscht wird. Ungarns Balkanpolitik. Budapest, 23. März. n der vorliegenden Form den Landern und Gemeinden eine erhebliche Sorge a b i. c h m e n und damit eine Konzession machen, die über die bisherigen sichtbaren des Finanzausgleichs recht erheblich hinausgeht. Denn selbst wenn die Aus- tocr.oungcn der Länder -ür Erwerbslose nzwecke bei der Dcirchnung der Au^gleichsanspricche eine gewisse Roll.- gesisielt haben, ft es noch ein erheblicher Unterschied, ob sich die Länder und Gemeinden s e t b ft mit ihren in sich durchaus verschiedenen Lasten für die Erwerbslosenfür- Jorge abfinden ober ob sie diese Last in dieser hre Verantwortung herabmindernden Form kurzerhand auf das Reich qbwälzen können. Das Arbeits^eitnotgrfetz. Berlin, 24. März. (WTB. Funkspruch.) Heber das Kompromiß der Regierungsparteien in der Frage der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit teilt die j Lägt. Rundfch." folgendes mit: „Zunächst wird die Heberjchreitung der Arbeitszeit in Ausnahme- fällen nuj 10 Stunden täglich begrenzt. Eine Ueberjdjreitung, jo heißt es weiter, ist nur oiis dringenden Gründen des Gemeinwohls mit befristeter Genehmigung zulässig, wenn es sich um Vorbereitungs- und Ergänzungsarbeilen handelt, bei denen eine Vertretung des Arbeitnehmers durch andere Arbeitnehmer des Betriebes nicht möglich ist, und die .Heranziehung betriebsfremder Arbeitnehiner dem Arbeitgeber nicht zugemutet werden kann." Der § 1'1 wird wie folgt geändert: Die Beschränkungen der Arbeits- Aeit finden keine Anwendung bei Arbeiten in Not - fällen und in anderen außerordentlichen Fallen, Die unabhängig vom Willen der Beteiligten cmireicn und nicht auf andere Weife zu beseitigen find, besonders wenn Rohstoffe ober Lebensmittel zu verderben drohen, oder wenn ein Arbeitoerzeugnis zu mißlingen droht. Das gleiche gilt, wenn eine geringe Anzahl von Arbeitnehmern an einzelnen Tagen mit Arbeiten beschäftigt wird, deren Richterledigung das Ergebnis der Arbeit gefährdet, ober einen verhältnismätzig großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge hoben würde. Pesutzifcher Landtag. In der Mittwochssihung des Preußischen Landtags wurde ein Initiasivgefeyentwurf der Regierungsparteien über die Abänderung des Grunbvecmögenssteuergeletzes dem Hauptaus- schuß überwiesen. Die darauf folgende allgemeine Ausiorache über den Haushalt des Innenministeriums wurde durch eine Rede des Innenministers Grzefinski eingeleitet, die sich Haupt- sächlich mit den Rechts- bzw. Linsvrganisalionen und mit den Pflichten der Polizei beschäftigte. In der Aussprache kam es bei der Rede des deutschvolksparteilichen Abgeordneten Dr. v. Richter zu stürmischen Unterbrechungen, und nur mit großer Mühe gelingt es dem Präsidenten, die Ruhe wiederherzustellen. Die Regierungsbildung in Thüringen wiederum gescheitert. Weimar, 23. März. (Wolff.) Die Versuche zur Bildung einer rein bürgerlichen Regierung führten auch unter der Verhandlungs- ieitung des Abg. Bauer-Sondershausen (D. Vp.) zu einem negativen Ergebnis. Der Abgeordnete gibt seinen Auftrag an den Land- tagsvorstand zurück. Dis zur Einberufung des Landtags am 30. März, der sich mit der Frage der Regierungsbildung befassen wirb, wollen bie Demokraten den letzten Versuch unternehmen, um endlich nach vierwöchigen vergeblichen Bemühungen der Parteien die Regierung zustande zu bringen. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 23. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beriet heute die Regierungsvorlage über dieStaatsdienftanwär- 1 er: amtlich heißt sie: Gesetz, die elfte Ergänzung des Gesetzes vom 14. Oktober 1921. die Besoldung der Staatsbeamten betreffend. Zugleich mit der Regierungsvorlage wurden auch die dazu gestellten Anträge mitberaten. Ein Antrag Birnbaum und Genossen will, daß mit dem 31. März 1927 dic Aufrückungssperre für die Staatsdienstanwärter fällt. Ein Antrag Dr. Leuchtgens-Wolf besagt u. a.: Ein verheirateter Staatsdienstanwärter tritt 10 Iah re nach Ablegung seiner letzten, ihn zvr endgültigen Verwendung im Staatsdienst berechtigenden Abschlußprüfung in die Gehaltsbezüge eines festangestellten Beamten seiner Kategorie. Ein Antrag Schreiber und Genossen wünscht, daß Bestimmungen darüber getroffen werden, daß die Zahl der mit Anwärtern besetzten, dauernd notwendigen Stellen in ein bestimmtes für alle Dienstzweige möglichst gleiches Verhältnis zur Zahl der definitiv besetzten Stellen gebracht wird. Die Regierung soll ermächtigt sein, provisorisch besetzte Stellen in definitiv besetzte umzuwandeln. Ein Antrag Dingeldey und Gen. lautet: Der Landtag möge beschließen, die Regierung um eine Vorlage zu ersuchen, durch die noch für den Staatsvoranschlag des Iahres 1927 ein für alle Dienstzweige gleiches Verhältnis von mindestens 1:10 für die dauernd notwendigen, von Anwärtern besetzten Stellen gegenüber den von festangestellten Beamten versehenen Stellen hcrbei- gesührt wird. Abgeordneter H ei n st o d t criudjt in einem Antrag die Regierung, dem Landtag eine Aebersicht übet das Verhältnis der planmäßigen zu den außerplanmäßigen Stellen, getrennt nach >en Ministerien und Deamtengr uppen, vorzulegen und nach Durchführung der Abbau- anträge dieses Verhältnis nach und nach überall auf mindestens 8:1 zu bringen. Abgeordneter Kindt beantragt, die Bezüge der Staatsdienst- anwarier gemäß der Reichsregelung zu staffeln. Abgeordneter Delp und Gen. beantragen, die Regierungsvorlage über die Anwärierbesoldung wie folgt abzuändern: 1. Dom ersten bis zum fünften Anwärterjahr werden die Sätze der Regierungsvorlage übernommen. 2. Vom sechsten bis zum neunten Anwärterjahr werden 100 Prozent der in Betracht kommenden Besoldungsgruppen gewährt und 3. beim zehnten Anwärterjahr erhalten die Anwärter die Reichssätze. Ferner lag eine Eingabe des Hessischen LandesLehrervereins ttnd des K a t h o« l i f cf) e n Lehre »Vereins in Helsen vor, in der um Gleichstellung mit den Reichssützen gebeten wird. Rach eingehender Aussprache wurde die Abstimmung über die Vorlage und die Anträge ver- tagt, da die Regierung eine weitere Vorlage in Aussicht gestellt hat, in der das Anstellungsver- ßältnis der Staatsdienstwärter in Verbindung mit der Vorlage geregelt werden soll. Aus Wunsch non Mitgliedern des Ausschusses soll zugleich mit der Regierungsvorlage über die Staatsdienstanwärter auch die Regierungsvorlage zur Aenderung des Gesetzes über die Altersgren^ erledigt werden. Die Debatte über die Vorlage soll nächsten Dienstag fortgesetzt werden. Einstimmig angenommen wurde eine Regierungsvorlage über öffentliche Rot- stands arbeiten (Arbeitsbeschafsungsprogramm 1926 27). Ferner stimmte der 'Ausschuß einer Re- ; gierungsvorlage über den Beitritt Hessens zur 5t r e b i ♦ g e m c i n f d) a f t gemeinnütziger Selb st Hilfeorganisationen Deutschlands G. m. b. H. (Kageso) in Berlin zu. Hessen übernimmt hiernach »wei Anteile und tritt als Gesellschafter in die Gesellschaft ein. Arn Donnerstag wird über die einstweilige Zurverfügungstellung von Baukrediten beraten und am Freitag über das Schwelkraftwcrk in Wölfersheim. Das Ple - n u tn des Landtags ist auf Dienstag, 29. März, einberufen worden. Man rechnet mit einer drei tägigen Tagung. Der Schekdevertrag. Lcharfc Opposition in her holländischen Ersten Kammer Amsterdam, 24. März. (TU.) Rach fast dreiwöchiger Dauer wurden die Beratungen der Ersten holländischen Kammer über den holländisch-belgischen Vertrag gestern beeiltet Rur sechs der 27 Redner traten für den Vertrag ein, während der Rest sich dagegen aussprach, da der Vertrag durch seine politischen und wirt- schastlichen Konzessionen und die Verpflichtung Hollands für Mitarbeit an dem Dau und Unterhaltung einiger Kanäle und Wafferstraßen eine schwere Gefährdung der holländischen Wirtschaft und eine Belastung seiner Finanzen bedeute und die Beziehungen beiter Länder in ungünstiger Weise präjubiziere. Außenminister van Karnebeek, wies auf die Umstände hin, unter denen ter Vertrag zu- Üantegciommen fei. Es sei bamals iufclgc der Reutrakität Hollands im Kriege notwendig gewesen. die Beziehungen Hollands zu Belgien neu zu regeln, wobei es für Holland von Interesse gewesen sei. daß Belgien hierfür nicht wieder die Garantie ter Großmächte anrufx. Die holländische Regierung habe von Anfang an kategorisch jede Annektion sfor- bet un g Belgiens abgelehnt und ein Entgegenkommen in anderer Weise für besser gehalten. Holland fei cf gelungen, ferne PoÜ- tische und milttärifche Freiheit zu bewahren und den Vertrag ohne eine Intervention ter Großmächte zustande zu bringen. Holland nehme auch weiterhin das Recht in Anspruch, bie Schelde für Kriegsschiffe ab z »»schließen. Auch ter Dau des vielumftrittenen Antwerpen-Rheiw» Kanals werte weit weniger nachteilig für die holländische Schiffahrt fein als man befürchte. Zweifellos werde hierdurch eine Verschiebung in der Schiffahrt eintreten, doch werte R otter- dam wegen seiner ausgezeichneten Hafenanlagen auch in Zukunft feine Stellung für den Massentransport beibehalten. Die entscheibente Abstimmung über den Vertrag wird für Donners-, tagvormittag erwartet Aus aller Welt. Acht Todesopfer eines Autounglücks. Ein Lastauto, das 70 Arbeiter von der Arbeitsstätte nach hause beförderte, stürzte aus der Lhcmssec zwischen kudowa—Sackifch und Gettenau, an der böhmisch-schlefischcn Grenze, in eine Schlucht und begrub {amtliche Insassen unter sich. Acht lote und 17 Schwerverletzte wurden geborgen. Das Unglück ereignete sich in einer scheuen steigenden Kurve. Aus bisher unaufgeklärten Gründen rifz plötzlich die Kette des Lastauto». Die Bremse ver jagte, und der wagen roste mit unheimlicher Se Ichwindigkeit rückwärts bergab, knickte an einer Brücke das Geländer um und stürzte von der Brücke herab in die Schlucht. Die Ermittelungen über dic Schuidsrage haben ergeben, daß der Lhousseur zum mindesten sehr sa hrläffig gehandelt hat. Der Lastkraftwagen durste höchstens mit fünfzig D ertön e n belastet werden. Er hat mit ihm jedoch, um eine größere Einnahme zu erzielen, achtundfech- sio Personen befördert. Außerdem befand sich der wogen in mangelhaftem Zu st and e. Vic Kette, deren Abglcilen die Katastrophe verursacht hat. war bereits vor acht lagen einmal gerissen und vermutlich nur oberflächlich repariert worden. Der Lhousseur versuchte, sich iu erschießen, wurde aber von der Polizei daran gehindert und in Schuhhajt genommen. Die c regte Wenge versuchte, ihn zu lynchen. Die wiener Bcethooen-Jeier. Der bet Wiener Beethoven-Feier werden eine Reihe von Staaten durch offizielle Delegierte vertreten fein. Deutschland entsendet Reichsinnenminister v. K e u b e 11 und Reichs finanz- minister Dr. Köhler. Frankreich den Un- terrichtSminister Herriot. Großbritannien Sir Percy Allan von der Universität. Orford. Italien Mascaani, Delgitn' feinen Außenminister Dandervelde. bie Riederlande Ionkhcer van Dernstehn. Rumänien den Direktor des Dukarester Konservatoriums. O f f e s c u . die Schweiz den Komponisten Doret, die Tschechoslowakei den Unterrichtsminister Hodga. Ungarn den Minister des Innern v. Scytcotofky, der Päpstliche Stuhl wird durch den apostolischen Runtius Msgr. Sibilla, die Vereinigten Staaten durch den Gesandten Washturn, Polen durch Den Minister a. D. v. Twardowski und Iugoflawien durch den Gesandten M i l o w i t s ch vertreten sein. (Eine Umwälzung in der Narkose. In ter Sitzung der Berliner Mebi- zinischen Gesellschaft berichtet«, laut „Deutscher Allgemeiner Zeitung", ter Berliner Ehirurg Prof. Dr. Unger über ein von ter I. - G. - Farbenindustrie neu hergcstelltrS und von ihm zunächst versuchtes R o r k o t i f u m , davon» Mastdarm aus eingespritzt wird, und gegenüber den bisher gebrauchten Betäubungsmitteln in ter Wirkungsweise und hinsichtlich der Annehmlichkeit der Rarkose bedeutende Vorzüge aufweist, ebenso die Person des Rarkotiseurs bet Operationen überflüssig macht Das Eisenbahnunglück Im polnischen Korridor. Am 1. Mai sind es zwei Iahre her, daß sich das Eisenbahnunglück im polnischen Korridor ereignete. Ein Schiedsspruch hatte seinerzeit eine Vernachlässigung ter Strecke seifen- ter polnischen Eisenbahnverwaltung nicht festgestellt. Die polnische Regierung hat nachträglich keinerlei Erklärungen abgegeben und versucht zeht, in einem Prozeß- den eine geschädigte Person gegen bie polnische Regierung angestrengt hat, unb der eine grundsätzliche Entscheidung bringen dürfte, sich mit einem Attentat herauszureden. Die deutsche Regierung hat ter polnischen Regierung vorgeschlogcn. den übrigen Betroffenen gegenüber auf einen Verjährungseinwand, - die Entschädigungsansprühm jedoch, 'kn, achiuodjkch. 5° lonbt Bk l(0Pbt venchM “Ml gerilkn unb °> «Paelfti MwtfWtfc«, - '"Mbctl unb In Me°Sk versuch«,. i-Jekr. vier tttetbai eine ließe delegierte nllenbet ^«ichz. l> Deich-sinanb» reich den Un* Srvhbritan- der UniversM ni, 'SelgietC ervelde, die n Dernftehn ■Sulatefler Äon- Schweiz dm ledjoHttoaht i, Ungarn den htcvwskh, der urch den apvfto- lla, die Irr- ) den Gesandten Jen Minister a.$ »slovien durch vertreten sein. ' Jlatlolt. [inet 2Ittbl' berichtet«, laut der C&tiÜMX der ein vvn der hergeMlrd und irlolifum, M tjt wird, und geil BeiäubungSmit- nd hinsichtlich der 'deutende Vorzüge x Aarloliseurt bei nischen Kokridor. Zähre her, daß sich ilchcn Korridor erlitt seinerzeit dne Strecke leiten«I M ;nicht sestgeM. achlräglich keinerlei csuchti«Yt.inemem , Person gegen dtt ÄS sstä werden senbahnunM» Jahren ’fJSty* 3S-- ‘Berlin. niercngad'N- . nrt. her LMM :SLs ires un; vn-1(ft und U! •** * jj» non ei"« £-"iW «ft» sSg >run» VA 6ie«« «K* inix» :Affen,,n \tffl wul' Aus der Provinzialhauptstadt. Diehen, den 24. März 1927. Geistliche Musikausführung des Giehener Lyceums. Da» Lyzeum und die eiubitnanfiah Gießen per- anft alten am 1. April in der Stadt tirche unter Leitung ihres Gesanglehrer-., eine geistliche ’JWufitaiif- führung. deren Reinertrag zu wohltaligen Zwecken beftimmt ist. Als soliftijch Mitwirkende sind Sünftlrr und Kunstfreunde unserer Stadt gewonnen. Det in- stru mentale Teil wird von dem Streicherchor der ReichswehrtapeUe und der Orgel ausgesuhn. Der erste Teil, der die seelische Einstellung für das Hauptwerk des zweiten Teils oorbereilen toll, beginn' mit der Trauer-Symphonie non Pietro VreateUi. Sie ist ihrer Entsiehlmgsursache. Anlage unb Ausführung nach da» Produkt einer liejinner- toer pochenden Motiv der Zkomrabäsic eine ' . d den Gedanken oom leiden vollen Sterben rlurpert. Da» nachfolgende „Moderato' — nach A n itarkgekurzten Schema einer Doppelfuge auige- wie •?» in Symphomen alten Stil» häufig an« > fen ist - besteht aus zwei Themen Das eine '• » dem schmerzvoll sich aufbäumenben, übermäßi- i Menschen sollen jährlich in Deutschland ertrinken, eine der üblichen großen Uebertreibungen? co werden manche lagen, leider haben diese Leute mcht recht. Das sind leine Uebertr-ibungen. sondern äußerst vorsichtige Schatzungen. Wenn man die Statistiken aller Länder durchsieht. ganz gleich ob alte oder neue, so findet man. daß der 4ob durch Ertrinken von allen zufälligen Todes- arten, d. I. Verletzungen, Ur.glück»fälle. Vergütungen ulro.. weitaus am häufigsten oorkommt In Deutsch- land ertranken tn den Ähren: 1921 1922 1923 Baden 158 142 162 Württemberg 156 134 161 Preußen (ohne Berlin) 2 97a 2 385 3 101 Berlin all-ün 386 317 342 Das sind amtlich feftgestellte Zahlen: Zahlen beweisen. Dielen furchtbaren Zahlen fleht eine von Jahr zu 3abr wachsende Ziffer von erfolgreichen Rettungen gegenüber, dank dem tathäftiaen Eingreifen der Lebens-Rettungs Gescllichaften. Diese Lebens-Ret- tungs-Gesellschasteu finden mir beute In saft allen Kulturstaaten. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft hat den Kampf mit dem nasien Tob recht erfolgreich ausgenommen. Roch ift aber nur ein Anfang gerne rt)t, es ertrinken immer noch Tausende, während es nur Hunderte sind, die im letzten Augenblick dem nasien Tod entrissen werden. Die DLRG. fordert: 1. Jeder Deutsche muß schwimmen f_ö n n t n. Wir sind auf dem besten Wege, diese ixorberunp in die Tat umzusetzen. Der pllichimäßche Schulschwimmunterrich» Hilst un» in der Durchsüh rung dieser Forderung. 2. Baut Bäder! Schafft Uebungsstätten, damit unsere Jugend das Schwimmen erlernen kann. Jeder Bub und jedes Mädel, die ichwimmen lernen, Helsen die Zahl der Ertrunkenen herabsetzen. Da» Badebedürfnis der 'Allgemeinheit ist vorhanden. Man braucht im Sommer nur einmal die Statistiken der Hallenbäder anzusehen, sie zeigen das Badede- durfnis der Allgemeinheit besser als große Schreibe- rcicn. Jedes neue Bad hilft ims in der Bekämpfung des nasiett Todes, wenn genügend Bäder vorhanden sind, hört das wilde Baden, bei dem die meisten Unglückssälle Vorkommen, von ganz allein auf. 3. Unter st ützt die Schwimm-Rettung s - W a ch d i e n st e der DLRG. An den Stellen, die durch wildes Baden am meisten gefährdet sind, werden solche eingerichtet. Hunderte von erfolgreichen Rettungen kommen auf ihr Konto. 4. Jeder Schwimmer ein Retter. Dir müssen so weit kommen, daß keine Freischwimmprü- funaen mehr abgelegt werden, sondern Rettungs- Prüfungen. Die Deutsche Lebeno-Rettungs-GeseU- schäft hat solche ausgearbeitet, unb an allen Stellen des Reiches gibt es Lehrer der DLRG., die auf diese Prüfungen vorbereiten unb sie abnehmen. 5. E» darf nur geprüfte Bademeister geben. Diese Forderung scheint eigentlich selbstver- ständlich. Leider ift bas durchaus nicht immer der Fall. Es gibt zahlreiche Fälle, wo bei Unglücksfällen der Bademeister hilflos dabei stand, weil er nicht einmal schwimmen (!) konnte. 6. Wir fordern weite st gehen de Unter* stützung der Allgemeinheit, des Reiches unb ber Länber. Es ist Pflicht eines feben. unsere Bestrebungen in jeder Hinsicht zu fördern. Schwimmer. lernt retten' An jeden kann einmal die Möglichkeit herantreten, bei UnglütMäUen tatkräftig mit- helfen zu müssen. Zuschauer gibt es hierbei immer genug, Helfer leider meist sehr vereinzelt. Riefen- fummen werden jährlich zur Berhüttmg von Unfällen atisgeworfen, Riesensummen zur Vermeidung van Verkehrsunsällen bereitgestellt. Der zehnte Teil davon wurde un» in unserem 2tzerk ganz wesentlich helfen, mit dieser Summe konnten mir den nassen Tob saft ooUftänbig au» dem Lande jagen. Jeder Deutsche ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Retter, Das ist die Losung, unter ber wir tatkräftig unb freudig Welterarbeiten wollen. (tfieftener röochcrrmarktprcisc. ES kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Dutter 130 bis 170 Pfennig. Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 20. Weißkraut 10 biS 13. Rotkraut 15 bis 25. gelbe Rüden 15, rote Rüben 10. Spinat 25 bis 40. ^nter-Kohlrabi 8 bis 10. Grünkohl 20 bis 25. Rolenkohl 35 bis 45, Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 70. Zwiebeln 10 bis 20. Meerrettich 35 bis SO. Schwarzwurzeln 30 bis 50. Kartoffeln 7, Aepfel 25 bis 50, Birnen 15 biS 25. Honig 50. junge Hahnen 100 bis 120 Suppenhühner 100 bis 120. Aüsfe 70; das Stück Sier 10 bis 11. ^Blumenkohl 30 bis 100. Salat 20 bts 30. Endivien 80 biS 100. Lauch 5 bis 15. Sellerie 20 t bis 50. Radieschen (Dd.> 20 Pfennig. Bornott.cn. — T a g e » r a l e n b e r für Donner »tag. L-f. B. (Ulfe Herren): A) Uhr. ILCk Versammlung. — Gießener Lesehalle P Mitwirken. - 3m Zeichensaal der Pestalozzischule findet Samstag. 26. März, nachmittags 3 bvi 5 Uhr und Sonntag, 27. März, von 11 bis 5 Uhr eine Ausstellung von Schülerzeichnun gen statt, wo^u die Leitungen der Goethe- und der Pestalozzischule alle Schulfreunde einladen. -Siehe heutige Anzeige.) *e Sitzung des Provin zi a laus- schusses. Am Samstag, dem 26. Mär; 1927. vormittags 8! ° Uhr, findet im Sitzungssaal des Aegierungsgcbäudis zu Gießen. - Landgraf- Phtlipp-Platz 3. eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschufles der Provinz Oberhcssen statt mit folgender Tagesordnung: 1. 'Beschwerde der Maria Meier in Dießen gegen den Bescheid des KreisamtS Dießen vom 29. November 1926 wegen Versagung der Erlaubnis zum Kleinhandel mit unedlen Metallen. 8' 2 Uhr. 2. Klage des Isidor Mayer zu Gambach gegen das Kreisamt Friedberg auf Aushebung deS Bescheid- vom 28. Januar 1927 wegen Versagung des Wandergewerbescheins. 8l , Uhr. 3. Klage des Karl Krombach in Dießen gegen daS Kreisamt Dießen auf Aushebung des Bescheids vom 7. Februar 1927 wegen Versagung des Wandergewerbescheins. 8' . Uhr. 4 Cnischä- bigung für ein bem Otto Hofmann in Stumpertenrod an ansteckender Deh.rn-Vückenmarl- entzundung gefallene- Pferh: hier. Berufung des Ministers deS Clnncrn gegen daS Urteil deS Krei-ausschusie- des Kreifes Schott.'n rom 9. Ao- üember 1926. 8 /* Uhr. 5. Berufung bet Gemeinde Dauernheim gegen das Urteil des Kreisausfchustes des Kreise- Büdingen vom 6. Aovember 1926 in Sachen. Voranschlag der Gemeinde Dauernheim für 1926 Aj.; hier: seine Beanstandung durch den Kreisdirektor. 9 Uhr. Sonntagsarbeit. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Auf Grund deS § 105 b Abs. 2 der Re.chsgeweroeordnung wird hiermit für alle Geschäftszweige des Handelsgewerbes ber Eelverbebetrieb in offenen Berkaufsstelle'n. die Beschäftigung von Gehilfen. Lehrlingen und Arbeitern am Sonntag, dem 27. März 1927, und Sonntag, den 3. April 1927, in der Zett von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittag- gestattet. “ Eintaufömöglichk eiten an den Sonntagen vor Ostern. Der Dcretn der Einzelhändler zu Gießen teilt mit. daß die hiesigen Geschäfte auch an den kommenden Sonntagen, 27. März und 3 April, für den Verlaut offengehalten werden dürfen. Hierdurch wird insbesondere der Landkundschast. die an Den Werktagen nicht abkömmlich ift, eine sicherlich willkommene Gelegenheit geboten, ihre (8in- käuse vor Ostern an den Sonntagen zu erledigen, lSiehe heutige Anzeige.) '• Da» amtliche Zer nsprechbuch für den Oberpo st direktion- bezirk Darmstadt wird demnächst neu aufgelegt. Die Vorarbeiten hierzu werden am 10. April abgeschlossen. Bis dahin sind Aenderungen der (Eintragungen bei der zuständigen Femsprech-Ver- mittelungsstelle anzumelden. Hinsichtlich der gebührenpflichtigen Eintragungen sind Erkundigungen beim Amt einzuholen. •• D i e MatthäuS-Gemeinde veranstaltet am kommenden Sonntag in der Stadtkirche eine kirchenmusilalische Feierstunde, wobei außer dem Bauerschen Kammermusikguartett die Damen 3ba Stammler (Alt) und Hedwig Sunderlich, Darmstadt (Mezzosopran), sowie Stadtorganist Lehrer H. Simon (Orgel) Mitwirken. ((Räbere» In der heutigen Anzeige.) •• E i n Motorradunfall. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde im benachbarten Steinbach die fünfjährige Anni R e u s ch l i n g beim lieber- schreiten ber Hauptstraße von einem Motorradfahrer erfaßt und schwer verletzt. Da» Kind wurde auf Anordnung eines Licher Arztes, der die erste Hilfe leistete, durch die Freiw. Sanitätskolonne der hiesigen Lhirurgischen Klinik zugesührt, wo es mit bedenklichen Kopfverletzungen bewußtlos bamieberlicgt. Die Röntgenuntersuchung wird noch nähere Luifchlüsie über die Schwere der verieNungen ergeben müssen, doch muß bet Zustand de» Kinde» portäufta ab ernst bezeichnet werden Der Motorradfahrer kam mit leichteren Verletzungen davon: da» Rad wurde beschädigt. •• Deutscher Oft b u n b. Ortsgruppe Dießem Man berichtet uns Am Sonntag veranstaltete die Ortsgruppe Dießen des .Deutschen Ostbunde-- eine Jeter -um Gedächtnis an die vor sechs Zabren erfolgte Abstimmung in Oberschiestetu 8» war dem Vorstand gelungen, durch Gntgegenkommen der Handelskammer Oppeln. mehreren Buchbandlungen, der On^gruppe Zranklun a. M.. sowie unter Mitwirkung eigener Mitglieder zahlreiches Material von SUbem, Zeitschriften. Büchern und Karten zusammenzubringen. das einen ausgezeichneten Ueberblid übet die kulturelle Arbeit im Olten und die verhängnisvollen Auswirkungen des Versailler Stieben# ergab. Der Ausstellung wurde demgemäß auch das größte 3ntereff< feiten- der Mitglieder des OstbundeS und zahlreicher Gast: au- Gießen und Umgebung ent gegengeb rächt Abends ’anb eine Festsitzung im großen Saal des DereinSlokals .Hindenburg" statt, die sehr gut besucht war. Der Voriitzeiide. Prof. Di Specht, begrüßte die Aednerin ba* Abends. Srau Stadtverordnete Maria Lowack au- Glei- wiy. sowie die anderen Gäste, unter denen man den Provinzialdirektvr für Oberhesfen. die Vor- hnenben bei Vereins für ba» Du»»e» Fatfvn» 5 Mkf 1 Mcrr - Je fafl afiee un» Oreeiftoe Knklrol-VerkailssttU»»: Germania I rou.. Frank furter Stratte 3«; Kauer Drogerie, Linaenplatx 5: Ludwlffiplatz-Droaerie, Roomtraße 2: X icloria- DrOk-eric, Mark Ist r. 5: Drogerie Gr. Wallenfels. Markt 21: Drogerie Winterhoff. Kreuzplatz 9-10. DRUCKSACHEN Brühl'iche Druckerc Z'NstMtDota von Kaufmanns Ebcvaar 'I Äinbl nciucht vcr ioiott ober ipäter. 5t6xlftlld)e Angebote unter 02134 an den Gießener Anzeiger erbeten. Gießen, den 23. Marz 1927. Die Beerdigung tindet Freitag, den 25. März 1927. nachmittags 3 Uhr. von der Kapelle des Neuen i, statt Friedhofs au», Heute morgen ' ,7 Uhr verschied sanft nach schwerem Leiden unsere liebe gute Mutter Frau Kath. Kaiser im fast vollendeten 70. Lebensjahre. Im stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Am 22. März 1927, vonnittags 3*, Uhr, entschlief sanft infolge einer schweren Operation im Krankenhaus zu Wiesbaden mein lieber, guter Mann, der treusorgende Vater seiner beiden guter Sohn, Bruder, Sch Kinder, unser wager und Onkel Georg Häuser Oberbahn meister in St. Goarshausen im Alter von 38 Jahren In tiefer Trauer: Christine Hauser geb. Sommer und Kinder r .mihe Job. Häuser XII. und alle Angehörigen. St.Ooarshausen, watzen borr-Stemberg. Lang-Göns, Oroßen-unden, den 24. März 1927. Die Beerdigung findet Frei in Watzenborn-Steinberg □en 23. Marz, nachmittags 2*« Uhr rauerhause, Obergasse 42, aus statt. vom mich.. dato ich. 'mich jety r»*cM meAx. Statt Starten! Matthörrssemeinde Mar; 1927 Sofia (Sutgaricn) Gießen, (onystraße 20 Jedermann willkommen! Eintritt frei! Nie LNrmuev- und trauen-Vereinigung 2784 V 78 Sahr« NI« ich an einem bldechrnarNgen 2804C fache zu einem 2799c 2642 D Vorführung eingeladen. Oer Vorstand. 2486D in der Piano | Bekanntmachung . , . , I ®ctr.: Die Erhebung von Dockgeld -war- pol., . icht Mnn Stuten fTlprfirit 10' schwarz pol.. I Verkäufe | 2808 D 2786L Taubendüoger 02145 fnnft Ab morsen bis einschließlich Sonntag: (JHESPENSTKIRFARM Ein 2796V Leidner. ! Die Verlobung ihrer Tochter Fsidel mit Herrn Forstreferendar Aleki 5tueff beehren sich anzuzeigen 5-bis 7-Zimmer« Etagenhaus au kaufen gesucht. Lckr. Angev. unter 02170 o. d Gieß. Anz. Fndel Henk Alexi 5tueff Forstreferendar Verlobte Lumda, den 22. März 1927. Hess. Bürgermeisterei. Schultheiß. Ausführende: Fraulein Konzertsängerin Ida Stammler (Alt), Fräulein Hedwig Gunderloch-Oarmstadt (Mezzosopran), das Äauer'sche Kammermusikquartett, bestehend aus den Herren Musiklehrer Franz Lauer sen. und jun., Gießen, Aug. Lauer und H. F r a n z - Wehlar. Herr Stadtorganist Lehrer Hch. Simon» Gießen (Orgel). Turnverein von 1846 Wir laden hiermit unsere Mitglieder und Freunde der Turn- und Sport- selbst. Gießen, den 18. März 1927. Hessisches Amtsgericht. zeichnen. Gießen, den 18. März 1927. Hessisches Amtsgericht. mündlich vorgebracht werden. Bettenhausen, den 23.März 1927. Bürgermeisterei Bettenhausen: Deckgeld für Bedecken von Stuten (Deckzeit 1927). Oberstudiendirektor Fritz Henk und Frau Henk Bekanntmachung. Der vom Gemcindcrat beratene Voranschlag der Gemeinde Bettenhausen für 1927 Rj. liegt vom 25. d. M. an eine Woche lang zur Einsicht der Beteiligten auf dem Karten zu Mk. 2.— und Mk. 1.— im Vorverkauf bei E. Challier und abends an der Kirche. Sonntag, 27. März, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche MchemnuWische Feierstunde Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Buderus'sche Eisenwerke Wetzlar, Zweigniederlassung Lollar, folgendes eingetragen: Die eingetragenen Gesamtprokuren für 1. Direktor Erich Jantzen, Lollar, 2. Direktor Alfred Walz, Staffel, 3. Prokurist Eduard Korte, Steele, die zur Vertretung der Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem Vorstandsmitglied oder einem stellvertretenden Vorstands- Sonntag,27 März 3. Wanderung Bergwerktwald Schiffen ^'era Wald Anuebcra. Ännrr-o (Wnllbotu. Anmarsch 2 Ubr r '.chin.: Turnhalle. BiSmarcknr O28.111.1 Uhr Krlnxchaa. ©ärmere! mojer. Wie lecker Weg 10, Televhon 1614. Der Cowboykönig der kalifornischen Berge Mit Tum Tyler, dem berühmtesten ameri- kaulfchen Cowooydarsleller — Ferner: Seine zweite Frau Gesellschaftsdrama in 6 Akten, nach dem Bühnenstück .Der Fall der Keuschheit*. Cafe Ernst Ludwig Sametag, den 26. Härz 1927, 8 Ubr abend* Großes Sonderkonzgrt Programm im 1. Teil Werke von L. v. Beethoven zur Erinnerung an seinen 100. Todestag Verstärkte Kapelle unter Leitung des Herrn Kapellmeisters K. Lauscheck. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Commerz- und Privatbank, Aktiengescllschast, Filiale Gießen, folgendes eingetragen: In der Generalversammlung der Aktionäre vom 8. Februar 1927 ist die Erhöhung des Grundkapitals um 18000000,— RM. auf 60000000 RM. durch Ausgabe von 15000 auf Inhaber lautenden Aktien zu je 100,— RM. be schlossen worden. Die Kapitalserhöhung ist erfolgt. Durch Besckstuß vom gleichen Tage sind die 5 (Grundkapital und Einteilung) und 20 (Hinterlegung von Aktien zwecks Teilnahme an der Generalversammlung) des Gesellschaftsvertrags geändert worden. Grundkapital 60000000.— RM., eingeteilt in 15000 Aktien zu je 1000.— RM., 20000 Aktien zu je 600.— RM., 30000 Aktien zu je 100.— RM. und 50000 Aktien zu je 60.— RM. Die Aktien lauten auf den Inhaber. F. 79. G. Pilster ist aus dem Vorstand der Gesellschaft ausgcschicden. DenDircktorcn Otto Apel und Georg Rosenberg ist für die Filiale Gießen Prokura erteilt worden mit der Maßgabe, daß die Genannten berechtigt sind, die Firma der Filiale Gießen in Gemeinschaft mit einem Vorstandsmitglied (ordentlichen oder stellver- .tretenden) oder mit einem anderen für die Filiale Gießen bestellten Prokuristen zu Ein hervon ageudes Zirkusschauspiel in 6 ergreifenden Akten. In den Hauptrollen: Gösta E,kmann, Karina Bell, M. d. Feraude Dieser ist ganz neu hergestellt und nicht zu verwechseln mit dem bereits vor Jahren erschienenen Film .Per tanzende Tor". Ferner. Das reichhaltige Beiprogramm Cafe Astoria Heute 8 Uhr abends hMiir-KoiwI ansgeführf von der Kapelle des K cl ehe wehr-Inf*.-Reg ts. 15 02175 Büro der Bürgermeisterei offen. Wendungen können dort schriftlich oder Zu foiott ob. später, suchen wir für einen . Angestellten 2—3 möblierte | Zimmer und Küche. Sckrtsll Anaeb. unter 1790D an den Gieß. Anz. ■ Stadttheater Freitag, 25. März, ÄZreiNifi-Av.'vorsi. von 71 , btv !0 Hin DaS Glöckchen deS Gremilen Komische Cöcr in 3 Sitten oonMailln' >. Astoria-Lichtspiele Seltersweg Ab heute bis einschließlich Sonntag: Werbe-Abend bestehend in einer Vorführung des großen Films: „Stampf und Spiel" auf Donnerstag, den AI. März, abends s Uhr, in die „Palastlichtspiele", Kirchenplatz, ein. Die jugendlichen werden ganz besonders zu dieser [Stellenangebote WlWk durchaus auoerlähig und gelernter Autoschlosser, für Per- sonenkrastwagen gesucht. Tckr. Augeb. unter 2797l)a.d. Gieß. Anz. SWll.MtzlI>M Gips- u. Zementdielen-Wände Derputzarbeiten MlwMLNmr Fernruf 2463 015 Fichte. Reisig, rm: 1140 Buche, (etwa 600 rm Stammreisig in Pfeisensack 3 und 4), 124 Eiche, 16 Birke, Kirsche, Linde, Aspe, Weide, 430 Fichte, (in Schickten, Mühlberg 2, Pfeisensack 1,4 und Sandberg). Stöcke, rm: 78 Bucke, 39 Eiche, 51 Kiefer, 66 Fichte. Tie zur Versteigerung kommenden Holz- nummern sind rot unterstrichen. DaS Reisig und die Fichtensckichthaufcn kommen zuerst zum Ausgebot. Nähere Auskunft durch Herrn Förster Landmann, Nieder- £I}inen und die unterzeichnete Stelle. Grünberg, am 2L März 1927. Hess, Forstamt Nieder«Lehmen. 2795D Glktzenek Bfetöeoiarlt-Eoltme zu gewinnen: Ein komvlctter Einspänner oder Pferd, Fohlen, Nähmaschine, Fahrrad usw. Lose sind noch in allen durch Pla» kate kenntlichen Geschälten zu haben. Ter Voranschlag der OJemeinbe Lumda für Rj. 1927 liegt von Freitag, den 25.März ab, eine Woche lang auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterci offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich ober münblich vorgebracht werden. Es ist eine Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Kaufmann 40 Jahre alt, sucht geeignete Leschästigung. and) Vertrauensposten' Kaution kann gestellt werden Schriftliche Angebote unter 02155 an den Gießener Anzetger erbeten. 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März 1927, abends 8 Uhr, Neue Aula der Universität: Dem letal« Beete« Feierrede und Vortrag eigener Beethoven - Dichtungen Dr. Richard Plattensteiner aus Wien Chorgesänge des Bauer’schen Gesangvereins Eintrittskarten bei Challier und an der Abendkasse zu Mk. 2.-, 1.50, 1.— Mitglieder Eintritt frei, gelbe Karten 2 P. S., in sehr gut. Zustand, nut clekir. Lickt steuer- u. führ rerschcinsrci, s. 195.x, ferner ein gebr.. gut erhalt. Hcrrcnsahr- rab au verk. 1,21,4 Sonnenltro&e 5. Gebrauchte, tadellos erhaltene starken- ÜcfreibBcliH wie Adler, Adeal. Continental, m. Garantie vretSw abzugeben. Sckr. Ang. u. 2753D au d. G. Anz. Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34 Snr noch hente: Unsere Emden Lehrling für Gewerbebureau iitni sofortigen oder ivätereu Einiritt mackOslerni gesuckt. Gesuche mit band- ichristltchem Lebenslauf unter 2816D an den Giest Anz. erb. BL M zur Hilfe im Hause f alle vorkommende Arbeiten gef. Asterweg 55 l ll. Saberes, ehrliches Mädchen für vormittags gesucht. 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Miete kann für einige Zeit im voraus bezahlt wer- den. Sckr. Angeb. n. 02100 a. d. Gieß. Anz. 2792c Nr. 70 Zweites Blatt Tiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhesien) Donnerstag, 24. Mär; 1927 Der Kampf um die höheren Schulen. Don Oberftubienbircftor Dr. Keller. M k> L, Büdingen Es enlbehtt nicht eine- gewissen Reizes zu beobachten, wie sich seit der groben Umstellung bon 1918 zwar alle möglichen Kräfte zum Kampfe gegen die höheren Schulen zusammengefunden und in Ausnutzung des Zeitgeistes diesen das Dasein erschwert haben, wie aber trotzdem In derselben Zeitspanne in ganz Deutschland alle Bildungsanstalten, die mehr als Dolksschulbil- bung erstreben, an Zahl wie an Besuchern zu- nchmen. Die Dorschule wurde geschlossen, die Grundschule von jeder Rücksichtnahme auf Heber» tretende entbunden, die Gesamtfchulzeit für die grobe Mehrheit aus 13 Jahre verlängert' gleichzeitig wurde im Widerspruch mit den Grundsätzen des Dolksstaales das Schulgeld wieder und wieder in die Höhe geschraubt, obgleich der Mittelstand sein S)ab und Gut im Abgrund der Inflation eingebüht bat; endlich luchten an vielen Plätzen die neueröffneten .Klassen mit erweiterten Lehrzielen" in eine Art Wettbewerb mit den sogenannten .Standesschulen" zu treten. Und bas Ergebnis? Bis zum Hereinwachsen der schwachen Deburtenjahrgängo der Kriegszeit eine starke Schülervermehrung, seitdem — tm Gegensatz zu dem Ziffernabsturz in der Volksschule! — nur eine kaum merkliche Senkung. Dazu eine zweite Merkwürdigkeit: Gerade an Plätzen, wo Parteiführer eine ausschlaggebende Rolle spielen, die grundsätzlich (Sozialdemokraten) oder aus Sparsamkeitsgründen (Landbund) den Abbau höherer Schulen betreiben, erweitert man die vorhandenen; Michelstadt schafft sich eine Ober- realschule, 03übel eine Realschule. Friedberg setzt mit Zustimmung des 'Beigeordneten Leuchtgens der Augustinerschule reale Primen auf. Fragt man nach den tieferen Ursachen einer so auffallenden Entwicklung, so wird man nicht einzelne Zufälligkeiten heranziehen dürfen, weil sich ja überall bas gleiche Bild zeigt, sondern wird zugeben müssen, daß dieser starken 'S a • seinSbehauptung eine ebenso starke Daseinsberechtigung zugrunde 11 egt. Die Eltern, die meist unter schweren Opfern ihre Kinder $ur höheren Schule schicken, wissen, warum sie dteS tun, und jeder, der von einer Lieberfüllung Deutlchlairds und besonders Hesseirs mit derartigen Anstalten spricht, sollte sich zunächst einmal darüber llar werden, daß wir nicht etwa mehr höhere Schulen haben, als wir brauchen, sondern daß wir (und zwar gerade in den letzten Jahren) alles getan haben, um den Bedarf an solchen ungeheuer zu vermehren. Denn daS ist eines der wtderspruchvollsten Dinge im neuen Staate, daß er ptoar zunächst die berühmte .freie Bahn" proklamierte, dann aber daS oft bekrittelte Berechtigungswesen nicht ein- schränkte, sondern mit sichtlicher Liebe ausbaute. Und solange fast jede Beamtenlaufbahn, solange die Anwartschaft aus einen Lehrlingsposten in einer Grobbank oder in der Schreibstube einer Fabrik an das Reif«eugnis oder mindestens an den Nachweis der Primareise geknüpft ist. — daS .Einjährigenzeugnis" zieht nirgends mehrl — solange wird man auch an jedem nicht ganz Heinen Orte das Bedürfnis nach der Schule haben, die jene Derechtiaungen verleiht, und es wird ihr nicht an Besuchern fehlen. Dabei kann man an der berechtigten Forderung des Kleinstädters. auch seine Belange zu befriedigen, nicht vorübergehen, nachdem für diesen das Aufbringen der Kosten deS Verschickens seiner Söhne unmöglich geworden ist; so tritt eine Dezentralisation ein, die aber keine Aufblähung zu sein braucht und gerade so wenig eine Verteuerung. Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dah die De- rufsergreifung der Mädchen, erzwungen durch all die grausamen Auswirkungen des Krieges, an die gleichen Berechtigungen gebunden ist wie die der Kunden; kein Wunder deshalb, dab der weibliche Anteil an der Schülerschaft der höheren Schulen ständig wächst. 3m einzelnen wird die folgende Zusammenstellung. die keinen Anspruch auf Lückenlosigkeit macht, einigermaßen beweiskräftig fein Vor 25 wahren besah Hessen nach Ausweis des .Statistischen Handbuchs" von 1903 11 Gnmnasien, 3 Realgvmnasien. 4 Oberrealschulen und 12 Realschulen, zusammen 30 höhere Knabenschulen. Heute haben wir (bei Zerlegung der Doppelanstalten) 10 Gymnasien. 3 Realgymnasien. 17 Oberrealschulen und 11 Realschulen «dazu 5 .in Entwicklung" ). Das wären 41 bzw. 46. allo eine Steigerung um rund 50 Prozent Die Schülerzahl st.eg in Der gleichen Zeit von 8500 auf 13 450. das sind aber 58 Prozent mehr womit zunächst bewiesen sein dürfte, dah bas 'Bedürfnis für 46 höhere Knabenschulen heute nicht geringer ist als srüher für 30. Aber die Gegner bestreiten ja weniger die Srequenx. als dah sie behaupten, das Bedürfnis sei erst durch die Schulen künstlich geweckt worden. Hierzu ist folgendes zu lagen: Dor einem Menschenalter brauchte das .Matururn" der Pfarrer. Rechtsgelehrte. Arzt. Oberförster und Oberlehrer. Wer es sonst erwarb. tat eS aus Bildungsbedürfnis, meinetwegen zum Vergnügen. Schon bei dem Besucher der Technischen Hochschule war es entbehrlich, im übrigen bestaunte Ausnahme. Lind heute? Aus der Llniverlität sind der Gfjentifcr. der Pharmazeut, der Veterinär, der Zahnhellkundige, der Landwirtschaftler dazugekommen, die Technische Hochschule (und eine Reihe anderer) immatrikulieren nur Abiturienten. die 3ndustrie bevorzugt diese fast überall, und der grobe Stand der DolkSschullehrer ergänzt sich nur auS ihnen. Muh man erst die Berufe einzeln nennen, für die Primareife nötig ist? Man aerät ja fast in Versuchung, die andern auszuzäylen. die ihrer entbehren können: Daraus aber scheint mir doch der Mühe wert zu fein hinzuweisen, dah d i e Gesamtzahl der (evangelischen. katholischen und israelitischen) Geistlichen, der Juristen (einschließlich der Anwälte), der Mediziner samt Tierärzten und Zahnärzten, endlich der Philologen im weitesten Sinne nicht so grob i st w i e die der DolkSschullehrer allein, und daß künftig einzig der Ersah dieser einen Gruppe mindestens bie Abiturienten von zehn hessischen Dollanstalten benötigt, wenn kein Mangel einlreten soll, sobald der augenblickliche, nicht ganz normale Zustand überwunden ist. Wer also hier und in anderen CBerufen die Anforderungen erhöht hat mub nun auch die Folgen tragen helfen, und er kann das um so leichter als die finanzielle "Belattung des Landes durch die höheren Schulen nicht entfernt die Rolle spielt, die man ihr mit Vorliebe andichtet Das hessische Bildungswesen im ganzen kommt dem Staat reichlich teuer, wer wollte das leugnen? Zahlen habe ich bei anderer Gelegenheit genannt. Vergleiche mit Rachbarstaaten sind nicht leicht, weil die Kostenverteilung auf Land und ®emcintc*n dort anders ist. 'Beschränken wir jedoch diesen Vergleich auf Helsen selber, und stellen wir dort Dolks- und höhere Schulen gegenüber, so zeigt sich zwar natürllch, dab der unfaffe der letzteren an sich gröbere Kosten macht, vor allem schon deshalb, well bei weit gröberer Wochenstundenzahl auf die Klasse statt eines LehrerS eineinhalb kommen, dab aber der Staat nicht mehr auf den Kops verausgabt als in der Volksschule auch. Das übrige tragen die Eltern in Gestalt des Schulgelds und tragen die Gemeinden, die sich dieser Aufgabe nicht versagen, weil sie die Olot- wendigkeit einsehen und neben den unwägbaren auch ganz reale, greifbare Vorteile dabei sehen. Man versuche nur, einer Kleinstadt ihre Realschule oder Dgl. zu nehmen, „die sie doch nur Geld kostet", und man wird sehen, das; auch bic Masse der Bevölkerung, die -sonst ohne Besinnen auf die „Stanbesschule" oder auf den „Bllbungssimmel" mitschilt, plötzlich die heimische Anstalt für eine unentbehrliche Einrichtung der Stadt ansieht. Für den Staat aber liegt bic Sache jedenfalls so, dah er bei Zerschlagung der höheren Schulen keine Ersparnisse machen würde, weil seine Dolksschulauswendungen entsprechend wüchsen, wenn die Schüler dahin zurückströmten. Sine ober die andere kleine Anstalt mag schlechter „rentieren", aber das gilt für kleine Volksschulen auch und erlaubt nicht, (Siebener Stadttheater. Mar Halbe: „Jugend". Als vor zwei Zähren der Dichter Mar Halbe aus Güttland im Westpreußischen das sechste Lebensjahrzehnt vollendete, da wußten ihm viele deutsche Bühnen kein Geschenk darzubringen. daS feiner und sinnvoller den Alternden gegrübt hätte, als dieses Liebesdrama, das (1893) unter seine frühesten Stücke zählt, daS feinen ersten stürmischen Sieg auf dem Theater bedeutet, und das man wohl auch dem Siebzigjährigen noch akS schönste Gabe durbringen mag, well es fo jung ist — so wundervoll jugendlich und ganz mit dem Harzen ge>chriebcn. Damit ist eigentlich schon das Beste gesagt, waS man von dem Stück sagen kann. Der warme Hauch echter, durchkosteter 3ugcnö, der Liebes- und Menschenfrühling der Pfarrhausgeschichte weht auch heute noch, nach über 30 Jahren so herzbewegend zu unS herein, dab man mit- schwingeill) vergessen mochte, über die Rotwendigkeiten .die Bindungen und Losungen des Dramas zu grübeln, und über den unbedingten Realismus. der eine Mitgift seiner Zeit ist. Wenigstens solange der Vorhang den Blick freigibt, schiebt man immer wieder die traurig stimmende Frage nach dem Woher und Wohin dieses Schicksals von sich, das mit dunllen Flügelschlägen soviel glückselige. frühlingStrunkene Menschenjugend tödlich beschatt«. Jugend — das ist: lachendes, überlegenes Rückschauen in durchllttene. innen und außen vergitterte Enge der Kinderwelt, das ist jubelndes Sichverströmen in die Freiheit, in die köstliche Llngebundenheit einer lockenden Zukunft. GlückS- gewißheit und himmelstürmende Zuverltcht, arme- breit enber Wille zum Leben, zum Schaffen, zum Kommenden. Jugend — bas ist: Auflehnung gegen verknöcherte, engherzige hartstirnige Weltanschauungen unb die unbedenkliche Hingabe an die kleinen Stunden eineS groben Glücks und einer großen Leidenschaft, ohne Besinnen, was nachher geschehen wird. Jugend ist aber auch Linerfahrenheit. Unreife, Unklarheit vor dem »Tor zur Welt" unb eine kampfungeübte, erschütternde Hilflosigkeit vor dunklen und unbegreiflichen Qlot- wendigkeiten, vor den Fügungen eines Geschicks, die den stumpfen unb aufreizenden Ramen blinden Zufall- tragen. So sind die jungen Menschen hier in diesem Liebesbrama; und weil sie so sind, fo natürlich gewachsen, deshalb ist uns dieses alte Stück auch heute noch etwas wert, deshalb stellt sich unser Herz so unbedingt auf ihre Seite, darum erleben wir das Glück und Ende ihrer kurzen Geschichte mit dem gleichen stillen Verstehen und dem gleichen Mtlleid, wie jene Kindertragödie vom »Frühlings Erwachen". Und darum verschiebt man auch die mancherlei Fragen, von denen oben gesprochen wurde, bis auf den Heimweg, unb man sträubt sich eigentlich bagegen, abermals gegen bas Stück unb seinen Schöpser vorzubringen unb zu toieber- ijolen. was längst gesagt unb dem nüchternen Blick nicht verborgen geblieben ist. Wir möchten uns nicht die schroffen Worte Waller Harlans (in seiner noch heute lesenswerten »Schule des Lustspiels") zu eigen machen, der mit einem Seitenblick auf die .Jugend" bemerkt hat. Halbe lasse gelegentlich die ihm unbequemen Ueberleben- ben seiner Stücke durch den Flintenschuß eines armen Blödsinnigen aus dem Wege räumen; aber es ist richtig, dah sich in diesem Schauspiel manche Züge einer uns heute kaum noch zugänglichen Sch'.cksalsbramatll (im ersten und besonders im dritten Akt) aufweisen lassen, die die echte Tragödie ausschließen. Man wird vo« einem kritischen Referat verlangen müssen, dah es dergleichen nicht ganz verschweigt; es ist aber merkwürdig und vielleicht bewundernswert, dah die handelnden Personen in solchem Stück — außerhalb der Bindungen, in die sie der Wille ihres Schöpfers nun einmal hineingestellt hat — eben doch sehr menschliche unb uns verwandt« Züge tragen. Die Aufführung, die Paul Schubert leitete, war einfach unb unaufdringlich, wie sie hier fein soll; mit Gefühl für ben Herzstrom unb bie innere Melobic ber einfachen Szenen. Am besten geriet, wie wohl immer bei biesem Stück, ber Mittelakt, obschon vielleicht nicht alles in den schwebenben unb schwankenden Stimmungen dieses dichterisch wertvollsten Teiles im Ganzen herauSkam. In anberen Partien hätte das Zusammenspiel loderet unb flüssiger fein dürfen; ber Dialog bringt so viel Gegensatz, Wechsel, Abbiegung unb Umschwung, was alles geschichtllch Der ankerte- leichten Herzen- zunichte zu machen, um winzige Ersparnisse zu erzielen. Beträgt doch ber StaarSzuschuß für sämtliche 16 Realschulen säst 100 003 Mark weniger alS für die vier Aufdauschulcn. die nicht den vierten Teil fo viel Schüler haben! Für die Simultanschule. Darmstadt, 17. März Der Lande-- schulau-schuß der Deutschen DolkS- Partei, Landesverband Hessen, faßte einstimmig eine Entschließung, in der es beiß' Der LandesschulauSschuh ber Deutschen Volks- Partei betrachtet die auf der Grundlage religiös- sittlicher und vaterländischer Bildung ruhende gemeinsame Schule (»S i m u 1 t a n s ch u 1 e"). wie sie Hessen seit 1874 alS Regelschule besitzt, nach wie vor alS die beste Form deutscher Jugenderziehung, in der Voraussetzung, daß das Gemeinschaftliche unlerer deutschen. christlichen Kulturentwicklung, da» Einigende im Geistesleben unseres Volkes, stet- von den Lehrern und der Schulaufsicht-behörbe in den Vordergrund des DesinnungSunter- richtS gestellt wird. Die Bekenntnisschule lehnt er ebenso ab wie die bekenntnisfreie (.toeit- liche"). An die hessischen Vertreter der Panei in den Parlamenten wie im ReichSschulauSschuh richtet der LandesschulauSschuh die dringende Forderung, mit allen Mitteln für bie De i - be Haltung ber staatlichen Gemeinschaftsschule mit bekennt niSmäßi- gem Religionsunterricht, wo sie bisher bestanben hat, unter Hinweis auf § 174 ber Reichsverfassung einzutreten unb zu diesem Zwecke mit den gleichgesinnten Parteisreunden Badens und Rassaus Fühlung zu nehmen. Das Bekenntnis zum Liberalismus. Die Tagung des Zentralvorstandes ber Deutschen Dolkspartet in Hannover hatte von Anfang an wohl mehr formellen Charakter gehabt, sie war im wesentlichen wohl gedacht als ber Rahmen für bie Erinnerungsfeier an ben 60jährigen Griinbungstag ber Rationalliberalen Partei, beren Erbe von ber Deutschen DolkS- pariei nach ber Revolution übernommen würbe. Tatsächlich scheint denn auch im Zentraloorstand selbst alles in schönster Einmütigkeit verlaufen zu sein. Der Reichsaußenminister konnte über bic Genfer Tagung berichten, beren Ausgang zwar unbefriebigenb war; aber bic Verantwortung ba- für trifft nicht ihn, fonbern die europäische Konstellation, unb bet eine Mißerfolg kann auch nichts daran ändern, daß bic Politik, die Dr. Strefemann in ben letzten dreieinhalb Jahren verfolgt hat, richtig gewesen ist. DaS beweist die Räumung ber Ruhr, baS beweist auch bic Räumung ber ersten Zone. Lieber das Tempo ber weiteren Entwicklung wirb freilich er so wenig sagen können, wie ein anderer, weil dafür Bedingungen maßgebend sind, die von rms nur ist bescheidenem Maße beeinflußt werden können. Da auch in ber inneren Politik alle- im Fluh ist. blieb für den Zcntralvorstand eigentlich nur das Grundsätzliche, unb da- ist in dem Bekenntnis zum Liberalismus enthalten bad wie eine Fanfare auS der 'Tagung herausllang Dassermann hat einmal daS Prog amm ber Rationalliberalen Partei in bie drei Schlag- Worte zusarnrnengefaht; national denken, liberal fühlen und sozial handeln. Gr hat daS gesagt in einer Zeit, als die Rationalllbcrale Partei bic zweite Hälfte ihres Rarncns beinahe vergessen hatte. Die Kariellpolitik. bic ausgangs ber achtziger Iahte zur Sicherung ber Hecrcsvorlage Rationalliberalc unb Konservative zusammenführte. hatte die vicleicht unvermeidliche Folge gehabt, dah bie Rationalliberalen stark nach rechts gingen unb darüber ihren Liberalismus vergaben. Sehr Aum Schaden ber ganzen Bewegung, die durch Absplitterungen nach l'nks sich um die eigene Machtposition brachte. Dah nach der Revolution der nationale Gedanke im Vordergrund stand unb alles andere verdrängte, war nur eine Selbstverständlichkeit. Um die innere Einrichtung unseres HauseS uns zu kümmern, hatten wir solange keine Zeit, bi# es sestftand. daß da# Hau# über unS nicht zusammen stürzte. Soweit sind trxr deute wohl. Die Gefahr eine# AuSeinanverfallens de» Reiches ist glücklich überwunden, wir können jetzt langsam daran denken. cS wieder wohnlich einzurichten. unb da ift e# eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit. dah die Deutsche VollSparici sich auf ihr großes Grtx besinnt. Die Parteibildungen nach ber Revolution waren mehr zufällig, die Unterschiede zumal zwischen den Deutschnationalen und der Deutschen Vollspartei lagen mehr in den Persönlichkeiten als m b in Programm Man w.rb vielleicht sogar sagen dürfen, daß die Umgruppierung der Parteien sich noch nicht endgültig vollzogen hat. Zwar. waS zunächst zu den Demokraten gegangen ist. weil es von dort daS neue Hell erhoffte, ift längst wieder zurückgekehrt; die Scheidung ber Deister zwischen ber Demokratischen Partei und der Deutschen VoikSpariei gebt fast genau auf der Linie, wo ehemals der Strich zwischen ben Ratumalltberalen unb ben Freisinnigen lief. Rach rechts bin aber verrott chen sich noch die Grenzen. Taufende unb Abertausend.» ehemalige Rationalliberale sind heute noch bei den Deutschnationalen zu Haüse, auch für sie wird der Augenblick kommen, wo sie s»ch über ihren wetteren Weg llar werben müssen. Die Deutsche DollSpartei hat sich ehrlich Mühe gegeben um den Ausgleich der Gegensätze zwischen ben Deutschnationalen unb dem Zentrum, ihr ist bas Verdienst an dem Zustandekommen der gegenwärtigen Koalition in erster Linie zuzu- schreiben. Sie ist sich aber vielleicht nicht immer klar darüber gewesen, dah sie dabei sehr leicht zwischen bic Mahlsteine dieser beiden großen Parteien kommen kann. Um so notwendiger ist cs. daß sic aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus jetzt daS liberale Programm mehr in den Vordergrund geschoben hat. Wenn sie im neuen Deutschland ihre Stellung behaupten will, bann muh sie die Partei des liberalen Bürgertum S werden, die sie früher war AuS diesem Grund- zug ihre- Wesen- heraus hat sie ihre unvergänglichen Verdienste um Die Reichsgründung sich ertoorben. bic ihr von link- her ein Mann wie Raumaim unb jetzt von rechts her ein Mann wie ber Innenminister v. Kcudell bescheinig! haben. Zu biesem Ausgangspunkt muß sic wieder zurückkehren. Unb es scheint ja so, alS wenn bei Kampf um bic Ausgestaltung der Schule, der jetzt einsetzt. ihr Gelegenheit genug geben wird, ihren Liberalismus auch praktisch zu betätigen Amtsgericht Giehen. Gießen. 17. März 1927. Sin hiesiger Geschäftsmann A hatte am Tage vor Weihnachten eine Einnahme von mehreren hundert Mark. Am Abend zählte er dao Gelb zweimal genau nach und übergab cS bann feiner Frau, die cS. ohne eS noch einmal zu zählen, in die Schublade eines Vertiko- legte, ohne sie zu verschließen. Zur Bescherung kam eine befreundete Familie X., Mann, Frau unb Söhnchen. au ihnen. Rach ihrem Weggang zählte Frau 2L baS Geld nach und stellte fest, daß nW mehr so viel Siibergeld vorhanden war als vorher. Sic teilte die- ihrem Manne mit, der erflärtc, cS feien ursprünglich etwa 14 Mark da gewesen, während jetzt nur noch 2 Mark vorhanden waren. AIS dann Frau A angab T. sei. alS er tm Rebenzimmer. in dem der Vertiko stand. Grammophonnadeln holen sollte, an der Schublade gewesen, sie habe cS ganz genau gehört, kamen beide zu der Ucberzeugung. T. habe bei dieser Gelegenheit das Geld toeggenom- men. A. legte daraus daS restliche Gelb, ohne cs nachzuzählen, in eine eiserne Kassette, die er verschloß Mit Rücksicht auf den vermeintlich geringfügigen Betrag, ber fehlte, beschloß A, die Sache mit Stillschweigen zu übergehen unb das Verhältnis zu T. nach und nach zu lösen. Aus demselben Grunde machte er auch bie Einladung deS X. zu einer Fahrt nach einem benachbarten Dorfe nicht rückgängig, telephonierte ihm vielmehr am nächsten Tage, er möge zu ihm kommen. T. kam auch. A. will nun. als er auf einen telephonischen Anruf in seinen Laden gegangen war, gehört haben, wie T. sich wiederum an der SHuhlade des Vertikos zu schafaufgefangen, ineinander gefügt unb bem Rampenlicht unb Souffleurkasten so weit wie möglich entrückt werben muß. 3m Mittelpunkt deS Abenbs stand die liebliche unb rührende Iunamädchengcstalt der 3nge- borg Scherer; man hätte ihr kaum eine bessere Aufgabe geben können. Ihr Annchen, eine auf blüh ende Menschenblume zwischen unberührter Kindhastigkeit unb frauenhafter Reife, blieb der lebendigste unb stärkste Eindruck des AbendS. Don ber unbekümmerten Ratürlichkett au Anfang. der glüdjtrtembcn Erwartung kommender Seligkeit, bis zu der trostlosen Verzweiflung zuletzt, wenn sie ihr rosenrotes Eintagsglück zertreten sieht, fand sie all die feinen und echten Gefühls töne, bie ihre Rolle immer noch dankbar und liebenswert machen. Eisig spielte den jungen Studenten, das .Hänschen", mit bem knabenhaften Ueberschwang unb der hilflosen Verwirrung eineS ersten großen Erlebnisse-: manches Hang ein wenig gepreßt unb nicht so recht von innen herauS; tm ganzen war die nicht einfache Rtllle sorgsam angelegt. Den Pfarrer Hoppe umgab Schubert mit der milden, verständnisvollen und ein wenig jovialen Menschlichkeit. die sich so wohltueich von ber kalten, engherzigen Schärfe deS polnischen KapIanS abhebt; Hanke spielte ihn als starren und finsteren Eiferer mit östlichen Akzenten. ® e c r - hart holte aus ber unglücklichen und etwas peinlichen Eharge bcS Amandus baS Möglichste heraus. — SS gab lebhaften Beifall. Dr. Th Der Mann, -er sich selbst verlor. Don Gustav W. Eberlein. Turin, im März 1927. Schon wieder suchen sechs Personen einen Autor. Aber nicht Pirandello. einen anderen, begabteren, phantaliereicheren Autor. Pirandello ist ein Stümper, Pirandello hat eine mangelhafte Erfindungsgabe. Weitaus grotesker, verrückter, unwirklicher erscheint ber Dichter namens Vita: bas Leben. Der Modeautor Pirandello hat einmal eine Komödie geschrieben: Cosi e, sc vi parc. das heißt: Es ist so. wenn cs euch so scheint, und bann kommt ein Verrückter vor. dec vielleicht nicht verrückt ist. eS aber sein könnte, weshalb man nicht recht weiß, ob er tot ouyr lebendig ist. ober vielmehr sie: denn der Verrückte ist die Heldin, ob sic tpirllich sie oder eine andere ober nur ein Produkt ber Phantasie anderer ist. Unb nun ist diese unwahrscheinliche Geschichte wahr geworden, ja, man konnte geradezu von einem skandalösen Plagiat des Autors Vita sprechen, wenn ber Autor nicht auf die Bretter verzichtet hätte, die die Welt bedeuten, während die Welt selber daS bessere Theater ist. Aber schauen wir uns bas wunderliche Stück an. Professor Diulio Eanella. StminarbirHtor. Professor Renzo Eanella, sein Bruder. Mario Brunen. Buchdrucker und Verba ndS- fefretär. Rosa Druneri. seine Frau. Professor Rivano. Streitor der Irrenanstalt. Polizellommissär Dr. Finucci. Ort ber Handlung: Zwischen Turin und Verona. — Zett: Wie es euch gefällt. Erster 2 k t. Morgengrauen über dem jüdischen Friedhof von Turin. Der Friedhof-Wächter gewahrt einen Mann, ber eine Bronzenme um» Lammert hält und in dieser verfänglichen Lage einaeschlasen zu fein scheint. Ha. ber lang gesuchte Grab schändet, ber Mann, der sich von dem Diebstahl der Dvtivlampen unb Kupfervasen ernährt! Verhaftung. Polizei. Der Polizeikom- missär schaut dem unheimlich ruhigen Kerl, bei sogar lächelt, tief in die Augen: Rein, bas ist kein gewöhnlicher Dieb, ein armer Geisteskranker vermutlich. Heißen? Keine Antwort. Woher deS WeaS? Der Mann lächelt. Papiere, Lebenslauf. Vergangenheit? RichtS. Er weiß von nichts. Schlimmer: et hat, wie irgend ein Zerstreuter seinen Reaenschirm. so sich selbst vergessen. Einlieferung ins Irrenhaus von Eollegno zur Beobachtung. Ein Cater Fall von Amnesie Der Mann, ber fein Gedächtnis verlor Also muß man für ihn feine Vergangenheit suchen, feine Familie. Sein Bild erscheint in ben Zeitungen. Wer ist's? Und die Poft bringt einen Haufen Briefe nach dem andern, Photographien zum Dergleichen, jäh aufflammenbe Hoffnungen, verzweifelte Begehren, eine Sammlung nieder- gc schrie denen Seelenschreie derer, die einen lieben Angehörigen vermissen, einen Bruder, einen Bräutigam, einen Gatten und Bater. Wieder einmal öffnet sich, scheint es. das furchtbare Grab der Kriegsverschollenen. Cltan legt dem Namenlosen die Photographien vor. Sinnend wühlt er darin herum, plötzlich fährt er auf: Mein Bater! Das Bild zeigt einen belanntcn Wissenschaftler namens Eanella. Bun kommt der Sohn herbeigeeilt, Professor Renzo Canella: wenn es etwa der Bruder wäre, fein über alles geliebter Giulio, der aus den Kämpfen gegen die Bulgaren bei Monastir nicht mehr zurückkehrte, seit 1916 verschollen ist. UnD das Wunder tritt ein: die Brüder liegen sich in den Armen uni) weinen vor Schmerzen und Freude. Zweiter Akt. Lieber Bruder, ich weih nicht, ob du es bist oder nicht. Ich erkenne niemanden mehr. Weih nicht, wer ich bin. Bur in mir. da geht es so eigen um. o furchtbar ist dieses Namenlose in mir! Die Psychopathen such sich bald darüber einig, dah man auf diese Weise nicht vorwärts IcmmL Der Kranke mutz viel sorgfältiger behandelt werden. Steinchen um Steinchen gilt es herbeizutraaen. um das Bild seiner Vergangen- heit so zusammenzusetzen, daß er es bei der vlotzlichen Gegenüberstellung erkennen muh. And so geschieht es. Wir wissen ja jetzt, mit wem wir es zu tun haben, mit dem Bruder Canellas, der schon in jungen Jahren Seminardirektoc in Verona geworden ist. Offenbar wurde er verschüttet und verlor sich selbst. Aber es genügt nicht, datz wir das wissen, er muh selber dahinter kommen. Er ist garnicht verrückt, nur zurück. And so geschieht es. Einer nach dem andern aus der großen Verwandtschaft stellt sich ein. Grasen, geistliche Würdenträger. Offiziere. Alle erkennen ihn, es gibt keine Zweifel. Er spricht, langsam dämmert das Gedächtnis wieder auf, bereits französisch, schreibt lateinische Sentenzen nieder, läßt sich in philosophische Gespräche verwickeln. ohne freilich die Kenntnisse eines Philosophen hervorzukehren. Das kann man ja auch noch nicht verlangen. Sein Gang aber ist typisch Professorenhaft, feine Haltung unverändert wie vor zehn Jahren, der Bart stört gar nicht Endlich ist alles so weit. Die Feuerprobe kann erfolgen: die Konfrontierung mit der Gattin. Ohne Zweifel die ergreifendste. die wirksamste Szene in dieser Tragikomödie. Bleich, noch jung und hübsch, erscheint die Frau. Schon von weitem erkennt sie ihren Mann, den totgeglaubten. Sie möchte ihm entgegenstürzen, was jedoch gegen die Psychoanalyse wäre. So inszeniert man im Hose des Irrenhauses ein zufälliges Begegnen. Die Anwesenden verbergen nur mühsam ihre Erschütterung. Jetzt nähern sich die beiden, jetzt sehen sie einander an — Professor Canella greift sich ans Herz, fährt in furchtbarem inneren Ringen über die Stirne, tut einen Schritt vorwärts — da ist die Frau, getreu der Abmachung, an ihm vorbei, wenn ihr auch die Knie wanken. And der Mann bricht zusammen und birgt das Gesicht in den Händen, und die Frau stammelt, den Rosenkranz in den fiebernden Fingern, zu Gott, er möge ihr den Gatten zurückgeben. Dritter Akt. Aus der Terrasse im neuen Heim. Tiefstes Familienglück. Bergesfen die Irrenanstalt. Gattin. Kinder. Geschwister um sich. Cs ist Frühling draußen, unendliche Liebe umgibt den Heimgesundenen. Reichtum und Schönheit. Flitterwochen, wie die ersten nicht waren. Monsignore kommt, der sie seinerzeit getraut, seine Kinder getauft, bringt Zeitungen aus aller Welt. Wer hätte sich die Geschichte von dem Professor, der sich selbst vergah. entgehen lassen wollen? In ganz Norditalien spricht man von nichts anderem mehr. Wie viele Witwen tröstet dieser Fall... Siehst du die schwarzen Punkte dort unten, o Giulio? Automobile! Wie rasch sie größer werden! Kommen sie etwa zu uns? O die vielen Besu — — — Dr. Finucci, Polizeikommissär: „Sjerr Professor, ich bebaute sehr, einige Formalitäten noch — wenn Sie Platz nehmen wollen — bitte ja. gleich—!" Rührende Abschiedsszene. Aber die Gattin läßt nicht von dem Geliebten. Noch einmal zurück ins Irrenhaus, gut, aber sie bleibt an seiner Seite. Bierter Akt Ein anonymes Schreiben war bei der Polizei eingelaufen, das sei gar nicht der richtige Professor. Nach anderer Lesart: die Frau eines seit Jahren von der Polizei gesuchten Schwindlers habe in Canella ihren Mann erteil gemacht habe, er soll bei der unvermuteten Rückkehr des A ganz verstört gewesen sein. Trotzdem fuhr A mit T.. wie verabredet, nach dem Dorfe. Erst am dritten Feiertage will QL das Geld nachgezählt und dabei festgestellt haben, dah nicht nur etwa 12 Mark, sondern etwa 112 Mark fehlten. Nachdem T. auf Borhalt die Wegnahme des Geldes ganz entschieden be- ftritten hatte, suchte 21. bei einem Wirte fest- zustellen, ob T. während der letzten Tage größere Beträge -bei ihm verausgabt habe, und teilte ihm zu diesem Zwecke den Sachverhalt mit. Der Wirt konnte ihm jedoch keine Auskunft geben, da T. nut geringfügige Beträge bei ihm verausgabt hatte. Nunmehr wollte 21. Anzeige bei der Polizei erstatten. Er traf dort aber zufällig den Vorsitzenden des OkrcinS, dem sowohl A. Die auch T. angehören, und erzählte diesem auf Befragen seinen Verdacht. Der Dor- sitzende riet ihm von der Erstattung der Anzeige zunächst ab und versuchte gemeinschaftlich mit dem 2. Borsitzenden die Sache gütlich zu erledigen. Dies gelang jedoch nicht, da T. nach wie vor entschieden bestritt, das Geld genommen zu haben. Auch die später erhobene Anzeige führte zu keinem Erfolg, da das Verfahren gegen T. mangels Beweises eingestellt wurde. T. verklagte nunmehr den 21. wegen Beleidigung. In der Hauptverhandlung konnte die Sache ebenfalls nicht geklärt werden, irgendwelche bestimmten Anhaltspunkte dafür, daß T. wirklich das Geld genommen habe, wurden nicht erbracht. Trotzdem tonnte 21. wegen Beleidigung nicht verurtellt werden, weil er nach der Aederzeugung des Gerichts bei seinen Mitteilungen an bcn Wirt und die beiden Borsihenden in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat und nicht nach- gewiesen wurde, datz er die Absicht gehabt habe, den T. dabei zu beleidigen. Gießen, den 19. März 1927. Im vergangenen Sommer erhielten der Dor- sitzende H. und zwei Dorstandsmttgliedsr K. und E. eines hiesigen Dereins namenlose Postkarten beleidigenden Inhalts, die zur gleichen Stunde aut her Post aufgegeben waren. Ihr Berdacht siel auf ein anderes Borstandsmitglied L., zumal die bei den Dereinsakten befindlichen Der- gleichsschristen des letzteren mit der Schrift der Postkarten außerordentlich große Aehnüchkeit hatten. Sie baten deshalb den bekannten Gerichtschemiker Dr. Popp in Frankfurt a. M. um die Erstattung eines Gutachtens. Dieser konnte zu einem zweifellosen Ergebnis nicht kommen. erklärte aber, eine große Anzahl von Anhaltspunkten und teilweise recht charakteristische Einzelheiten sprächen für die Täterschaft des L. Dieser stellte auf Dorhalt des H. ganz entschieden in Abrede, die Postkarten geschrieben zu haben, und beantragte später eine Borstands- sihung, um festzustellen, was E. gegen ihn habe, und weshalb er ihn schneide. In der darauf ein« berufenen Sitzung erklärte H., Professor Popp halte den L. für den Schreiber der Karten, und er, H., sei derselben Meinung. Der Verdacht ruhe auf ihm: L. müsse entweder den H. ober den E. verklagen, sonst bleibe her Berdacht auf ihm sitzen. E. dagegen erklärte, er habe nichts zu sagen oder zurückzunehmen, er werde sich seine Meinung bilden, das weiter« werde sich finden. L. verllagte daraufhin den E. wegen Beleidigung, dieser wurde aber frei- gesprochen, weil er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und eine Absicht, ben L. zu beleidigen, nicht erwiesen sei. Im übrigen war das Gericht der Meinung, dah ein ■ ausreichender Beweis für die Täterschaft des L. zwar nicht erbracht sei, daß aber eine hohe , Wahrscheinlichkeit dafür spreche. i Schöffengericht Wetzlar. f O Wegen Arkundenfälschung und Unterschla- güng ist ein Schreiner aus Wißmar unter i Anklage. Der Angeklagte holte bis etwa Ende Juni 1926 die Zusahrente für Schwerkriegsbeschädigte von Wißmar vom Kreiswohlfahrtsamt Wetzlar ab. die er dann den Empfangsberechtigten aushändigen sollte. Hierbei soll er mehrfach auf Quittungen die Namen der Rentenempfänger gefälscht und das Geld für sich behalfen bzw. auf Erinnerung der Berechtigten aus- gezcchlt haben. Er wird zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Anter Bewilligung einer Bewährungsfrist gewährt das Gericht Strafaussetzung, jedoch werden dem Angeklagten 1 00 AW. Buße auferlegt. Ein Ehepaar aus Oberbiel hatte im November 1926 nachts in ein Jagdhaus im Gemeindewald Dollnkirchen eingebrvchen und Gegenstände im Gesamtwerte von über 1300 RM. gestohlen. Der schon vorbestrafte Ehemann ist daher wegen schweren Rückfalldiebstahls und die Ehefrau wegen schweren Diebstahls an- getlagt. Da die Ehefrau krank und nicht erschienen war, wurde nur gegen den Ehemann verhandelt, der geständig ift und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird. Amtsgericht Wetzlar. Q Gegen einen Arbeiter aus Nauborn wurde wegen Fahrraddiebstahls verhandelt. Der Angeklagte hatte in einem Hausflur ein Fahrrad stehen sehen. Er öffnete vorsichtig die Tür. schlich sich hinein und nahm mit dem Rad ReißauS. Doch er blieb nicht lange Besitzer des Fahrrades, denn man hatte ihn bemerkt und verfolgte chn. worauf er das Rad die Strahenböfchung hinunter fließ und ohne das gestohlene Gut verschwand. Das Rad kam bann wieder in den Besitz des rechtmäßigen Eigentümers. Dor Gericht versuchte jetzt der Angekagte die ganze Sach- als harmlosen Schabernack hinzustellen, fand jedoch, da er wegen Fahrraddiebstahls bereits vorbestraft ist. keinen Glauben und erhielt drei Monate Gefängnis zudiktiert. Ein Arbeiter aus W a l d g i r m e s. der des Nachts nach getaner Arbeit auf dem Heimweg in teuchtfröhlicher Stimmung durch Naunheim kam, geriet dort mit dem Polizeidiener, der in Ausübung seines Dienstes war, aneinander. In der Absicht. Anzeige gegen den Polizeibeamten wegen dessen angeblichen unzarten Derhaltens zu erstatten, ging er danach zum Bürgermeister und geriet auch mit diesem in Konflikt. Die Folge war. daß er sich nun wegen Widerstands, groben Ansugs und Hausfriedensbruchs zu verantworten hatte. Der Angellagte. der wegen sinnloser Trun- (enbeit an dem fraglichen Abend nichts mehr wissen will, wurde zu Geldstrafen von 30 bzw. 5 bzw. 2 0 Mk.. hilfsweise für je 5 M k. ein Tag Gefängnis verurteilt. Kreisausschuhsitzung des Kreises Büdingen. I! Büdingen, 22. März. Dor Eintritt in die Tagesordnung wurde das neugewählte Mitglied Altbüraermeister und Landwirt Schmidt von Echzell verpflichtet. In öffentlicher Sitzung wurde zunächst der Klage des Friedrich D o n y o f zu Lihberg gegen den Hessischen Staat wegen Zahlung einer Entschädigung für seine an Maul- und Klauenseuche gefallene" Kuh stattgegeben. Die Entschädigung war vom Staat abgeleynt worden, weil das Tier vor erstatteter Anzeige vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche verendet war. Donhof wies jedoch nach, daß die zugezogenen Deterinärärzte am Kadaver keine Merkmale der Maul- und Klauenseuche feststellen konnten. Dies sei erst .durch die Sektion geschehen. Der Kreisausschuh hielt hier den im Gesetz vorgesehenen Ausnahmefall für vorliegend und verurteilte den Staat zur Zahlung der gesetzlichen Entschädigung. Der weitere Fall behandelte die Beanstandung eines Gemeinderatsbeschlusses von Lindheim durch den Kreisdirektor. Die Gemeindevertretung Lindheim hatte die unwiderrufliche Anstellung ihres Gemeinderechners abgelehnt, obwohl sich dieser in einem mit der Gemeinde abgeschlossenen Bertrag das Recht auf unwiderrufliche Anstellung nach Ablauf von 6 Jahren bei guter Dienst- führung gesichert hatte. Die Beanstandung des Kreisdircktors wurde für begründet erklärt. Der Gemeinderechr.er ist demnach unwiderruflich anzustellen. Ein gleicher Fall lag in Bobenhausen vor. Hier weigerte sich die Gemeindevertretung die Anstellung auszusprechen, da ihrer Meinung nach ein Dertrag nicht abgeschlossen sei. Nachdem in der Sitzung her Originalvertrag vorgelegt worden war, erklärten die Dertreter der Gemeinde Dodenhausen diesen Weigerungsgrund für erledigt. Die Angelegenheit wurde vertagt. In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Kündigung der Strahenwärter. Hilfsstraßenwärter und Daumwärter auf den 1. April, dem Tage der Beendigung ihres DienstverhäktnilleS mit dem KreiS zugestimmt. Für Anfertigen eines Kreis-Werbefilms bis au 100 Meter Länge wurden 300 Rm. zur Verfügung gestellt. Der Voranschlag des Kinderheims, der in Einnahme und Ausgabe mit 46 260 Rin. schließt, wurde genehmigt. Ebenso der Mietvertrag, der mit dem Staat über die Benutzung des sogenannten Langen Baues im Schloß zu Dingen- heim für das Kinderheim abgefcbloffen worden ist. Bon der Obstkellerei-. Kelterei- und Derwer- tungsgenossenschaft sollen fünf Geschäftsanteile vom Kreis übernommen werden. Aussichtslurmauf der Hochwarle Der Vorstand des Zweigvereins Gießen vom D. H. C. hat an die Stadtverwaltung eine Eingabe gerichtet, in her er um die Errichtung eines Aussichtsturmes auf der Hochwarte ersucht. In dieser Eingabe heißt es: Bor einigen Jahren wurde der sich im Distrikt Hochwarte des Gießener Stadtwaldes befindliche Aussichtsturm niedergelegt. Soweit uns bekannt geworden, waren seinerzeit für den Abbruch der mangelhafte Zustand des Turmes und die für die Wiederherstellung verhältnismäßig hohen Kosten maßgebend. Ohne Zweifel bedeutete der Turm damals eine Gefahr für den Besteig er: dennoch ist es weiten Kreisen der Bevöllerung unserer Stadt unverständlich geblieben, daß die Kosten für die Herrichtung gescheut wurden, da der Turm einen prachtvollen Ausblick auf die Stadt und ihre Umgebung bot. Es würde von vielen Qlaturfreunöen mit Freuden begrüßt, wenn an dieser Stelle wieder ein Aussichtsturm errichtet würde, und zwar der Haltbarkeit wegen aus Stein. Da die Stadt in der Nähe einen Steinbruch besitzt und bei dem Bau Arbeitslose beschäftigen könnte, dürste die Erbauung mit verhältnismäßig geringen Kosten zu bewerkstelligen sein. An der Errichtung des Turmes hätten nicht nur die Bewohner Gießens großes Interesse, sondern auch viele unsere Stadt besuchenden Fremden, die die Gelegenheit gerne benutzen würden, unsere herrliche Umgegend von hoher Warte zu bewundern. ES dürfte der Stadtverwaltung nicht schwer fallen, den „Verschönerungsverein Gießen" für die Sache zu gewinnen: wir werden uns bemühen, das Interesse dieses 2kr- eins für die Angelegenheit zu wecken. Der unterzeichnete Vorstand richtet daher an die Stadtverwaltung die ergebenste Bitte, die ©rbauung eines Aussichtsturmes auf der Hochwarte in die Wege zu leiten. Allbesitzanleihen des Reiches. Don der Bezirksfparkasfe Gießen wird uns geschrieben: Deutsche Reichsangehörige, die im Inland wohnen und bedürftig find, oder im Kalenderjahr 1926 ein Einkommen von nicht mehr als 1500 Mk. hatten, erhallen auf Antrag für ihre Alt- besitzanleihen des Reiches im Gesamtnennbetrage von weniger als 1 000 Mk eine Barablösung, sofern sie nicht Rechte der Anleihealtbesitzer für weitere Markanleihen zuerkgnnt erhalten haben, deren Nennbetrag zusammen mit dem ihrer bar abzulösenden Mark- anleihen 1000 Mk. erreicht oder überschreitet. Die Ablösungssumme beträgt 15 Mk. für je 100 Mk. Nennbetrag der bar abzulösenden Markanleihen, wenn der Anleihegläubiger bedürftig ist Der Ablösungsbetrag beträgt 8 Mk für je 100 Mk. Nennbetrag. wenn der Anleihegläubiger im Jahre 1926 ein Einkommen von nicht mehr als 1500 Mk. hatte und nicht bedürftig ist. Anleiheablösungsschuld und Auslofungsrechte über je 12,50 Mk., die der Anleihegläubiger bereits als Anlcihe- altbesitzer erhalten hat, stehen Altbesitzanleihen des Reiches im Nennbeträge von 500 Mk. gleich Der Antrag auf Barablösung ist spätestens bis 3 1. März 1 9 2 7 an Die Anleihealtbesitzstelle des Finanzamtes zu richten, das für die Einkommensbefteuerung des Anleihegläubigers zuständig ist. Die bei den Sparkassen oder Banken hinterlegten Anleihen müssen zu diesem Zwecke a b g e h o l t werden. kannt, aber nichts sagen wollen, weil sie ihn im Irrenhaus ganz gut aufgehoben glaubte. Hat schon einmal auf sie geschossen. Lebten getrennt. Doch das Gewissen zu reinigen, erzählt sie ihre Entdeckung einem Priester. Der einem andern. Der dem Redakteur einer katholischen Zeitung. Kurz, der Stein ist im Rollen. Protes'or Canella gilt als verhaftet. Nun hat die Polizei Beweise für eine Existenz beizubringen, die er be ft reitet. Sie sind, fagt sie ihm auf den Kopf zu, der steckbrieflich gesuchte frühere Buchdrucker Mario Bruneri! Der Kranke lächelt vornehm. Für die Familie Canella bricht der Himmel ein. Sie wehren sich verzweifell gegen die Erkenntnis oder die Unterstellung der Polizei. Es bilden sich zwei Lager, Canellisten und Brune- riften, die sich bitter befehden. Der Mann. Der mit einem Wort die Lage klären könnte, schweigt. Schüttelt den Kopf mit frommer Ergebung, als ob er sagen wollte: Ich bin zu früh ins Leben zurückgetreten. Geduld. Geduld. Und tröstet nur „feine17 weinende Gattin. Fünfter Akt. Jrrenanstaltsdirektvr und Polizeikommissär wälzen Beweise heran. Man hat erkannt, dah die Wissenschaft mit allen ihren Analysen jetzt nichts mehr taugt, daß ein einziger Leberfleck am richtigen Ort wichttger sein kann als ein Hochschulkathedcr. Es treten auf Feldzugteilnehmer als Kameraden sowohl des Professors Canella wie des Buchdruckers Bruneri, Aerzte. Verwandte. Bruneri hatte einmal eine eitrige Rippenfellentzündung, die achte Rippe mußte heraus, die Narbe dürfte also noch vorhanden fein. Sie ist vorhanden! Aber kann nicht auch Canella in diesen zehn Jahren eine eitrige Rippensell- enlzündung gehabt haben? Lindere Merkmale heran. Die Sache ähnelt verteufelt Der Geschichte in Berlin, wo um eine Kranke, die ihr Gedächtnis verloren hatte, ein heftiger Streit entbrannte: Zarentochter Anastasia oder Schwindlerin? Hier aber geht es insofern komplizierter zu, als sich zwei Familien um, denselben Gatten und QSater streiten. Kops für Kops treten die Bruneri auf: Er ist's! Kops für Kopf verneinen mit derselben Bestimmtheit die Canella. Vater, grüß Gott! sagt ein 3unge, erkennst du mich nicht? Daraus der Mann, der sich selbst verlor: Armes Kind, ich bin nicht dein Vater. 2lber glaube an Die Vorsehung, glaube und bete, und Preußen. Kreis Wetzlar. Q Dorlar, 23. März. Hier ist unter vier Schweinebeständen der Ausbruch der Schweine p e jt durch den Kreistierarzt amtlich feftgestellt worden. Die an der Seuche erkrankten Tiere sind durch einen auswärtigen Händler hier eingeführt worden. •CP Dorlar, 23. März. Es ist bereits des häufigen darauf hingewieien. daß derBahnhof»- weg und die anstoßenden Siedlungs- st r a ß e n sich in kaum noch passierbarem Zustande befinden. Namentlich bei Negenweller treten die unhaltbaren Zustande stark hervor. Der Gemeinderat verschließt sich der Notwendigkeit des Ausdaus der Straßen nicht, doch macht die finanzielle Auswirkung des neuen Wasserwerks so große Schwierigkeiten, dah der Ausbau der Sttaßen bisher nicht möglich war. Es soll aber, wie der Gemeinderal in seiner letzten Sitzung beschlossen hat, wenn irgend möglich, gelegentlich der diesjährigen Etatsausttel lang eine Lösung gesucht werden. Garbenheim, 23. März. In der letzten Gemeinderatssigung wurden die für den Dau des elektrischen Ortsnetzes eing^orberten fünf Offerten vorgelegt. Das niedrigste AngekstN war von der Firma Siemens-Schucken in Wetzlar abgegeben und lautete auf rund 29 500 Mk. <> Dornholzhausen, 23. Tlärj. Das vier Jahre alte Töchterchen eines hiesigen Arbeiters schlug seinem zwei Jahre alten jüngeren Brüderchen mit dem Beileinen Finger ab und verletzte dabei einen zweiten Finger schwer Das Kind mußte in die Klinik in Gießen überführt werden. Z Groß-Rechtenbach, 23. März. Der hiesige Raiffeisen.Spar- und Darlehn»- kassenoerein hielt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung ab. Wie au» dem Jahresbericht zu ersehen ist, hat sich der Verein günstig entwickelt. Augenblicklich zählt der Verein 65 Mitglieder, die sich auf die beiden Orte Groß» und Klein- Rechtenbach verteilen. & Aus dem Kleebachtal, 23. März. In- folge der trockenen Witterung sind die Felder m unseren Gemarkungen soweit abgetrocknet' dah bereits in höheren- Lagen mit der Frühjahrs- bestellung begonnen wurde. Kreis Marburg. sch. Marburg, 23. März. In Der jüngsten StaDtverorDneten-Sihung sollte der Haushaltsplan für das Ordinarium 1927 eingebracht werden, man mußte aber davon Abstand nehmen, da der Oberbürgermeister Dr. Voigt plötzlich an einem Gallensteinleiden erkrankt ist und sich einer Operation unterziehen mutz. Statt dessen wurde ein Nothaushaltsplan genehmigt, nach dem die bisherigen Zuschläge zu den Realsteuern vorläufig weiter erhoben und die ab 1. April 1927 fälligen gesetzlichen und die im Voranschlag 1926 vorgesehenen 2lus- ?laben nach Mal gäbe dieses Voranschlages vor- äufig weiter geleistet werden können. Kreis Biedenkopf. ~ Biedenkopf, 23. März. Dank Der Größe des Stadtwaldes von insgesamt 2108 Hektar kann hier nach wie vor LoShvlz unter die Bürger verteilt werden. Der Preis ist diesmal gleich Dem Vorjahr festgesetzt auf 2.50 Mk. pro Rm. Reiserknüppel, 3,50 Mk pro Rm. Knüppelholz und 4.50 Mk. pro Rm. Scheitholz. Auf ein LoS entfallen 3 Rm. Reiserknüppel und 4 Rm. Knüppelholz, oder 2 Rm. Knüppelholz und 2 Rm Scheitholz. Dillkreis. bl. Dillenburg. 22. März Die Arbeitsmarktlage im Dillgebiet erfuhr in Der letzten Zeit eine ekfreulichc Besserung. Während man kürzlich noch rund 1100 Erwerbslose zählen konnte, beträgt deren Zahl nach dem augenblicklichen Stand nur noch 671 Perionen. Einerseits beruht diese Herabminderung auf Der lebhaften Tätigkeit Der Industrie, einfdyl. Der Bergwerke, zum andern werden zur Zeit eine große Zahl Arbeitslose bei Notstandsarbeiten beschäftigt. bl. ©unter« Dorf (Dillkreis), 22 März. Die GemeinDe erbaut ein neue« Schulhaus. Man hofft Den Bau im September zu Ende zu führen. auch Du wirst Deinen Vater wieDersindenk Mario. Mario. Deine Mutter erwartet dich! Der Mann bleibt stumm. BruDer, Bruder, hier ist Deine Schwester MathilDe, Die Dich gepflegt hat! Der Mann schweigt. Mario, lieber Mann! Er erkennt seine Gattin nicht. Nicht Den Bruder, leinen Verwandten, niemanden von Den Bruneristen. Er verleugnet die eigene Familie, Die im Grunde nichts von ihm wissen will, er fordert Die fremde, die ihm ein warmes Nest geboten. Beide Gattiimen bemitleiden einander: Signora. Sie täuschen sich! Endlich gelingt es der Polizei, Fingerabdrücke aus den Strafakten des Mario Bruneri auszu- treiben, sie werden verglichen mit Denen des vermeintlichen Professors — es ist kein Zweifel mehr möglich. Ein amtliches Stefani-Mitgeteilt macht dein Sturm, der ganz Italien Heimsucht, ein Ende. Ein Ende? Aus der Szene bleibt zurück Die wahrhaft tragische Figur Der Giulia Eanella. Der Frau, Die zweimal den Gatten verlor. Vie glaubt nicht an diesen furchtbaren AuSgang, mit Gewalt muh man sie von Dem wicdergefunDenen Manne losreihen. Mario Bruneri aber ist wieder in seine stille Resignation zurückgefallen. Ein Meisterschwindler. ein Meisterspieler. Er hat schon immer seine Persönlichkeit ablegen und vertauschen können wie einen Mantel. War ihm Die Polizei auf Den Fersen, so verwandelte er sich nicht mir, nein, er schlüpfte nicht nur in Die Gestatt eines andern, sondern gab einem Ahnungslosen, Der Dann für ihn Die Strafe erleiden mußte, Namen und Gefüllt. Die Wahrheit, philosophiert Pirandello, emittiert nicht, sie ist das. was wir uns Darunter vvr- st eilen. Jener Verrückte, der wahrscheinlich nicht verrückt ist. bleibt für Die Eanella der Professor Eanella, für Die Frau Giulia ihr Gatte Giulio. und für Die Familie Bruneri, der Buchdrucker Bruneri, Bruder. Vater und Gatte ‘SrunerL Das Leben ist wie jener englische Theaterager*, Der Die Komödie ton Pirandello unter der Bedingung taufte, dah man zum Schluß erfahre, wer nun eigentlich Der Verrückt sei. Eanella? Bruneri? Der Polizei kvmmisfär? Der Jrrendirektor? Die Behörde? Die Presse? $0t Se Srantp vranschlagrt vor- innen. opf. Lärz. Dank ta iaesamt 2106 Hel- LoShvlz uniet tt Preis ist dieS- ?5/ auf 2J0 M M vro 3m Rm Scheitholr. . lriirtdmvvel unb Rm. Anüvd«lhvl- iedemaden! itter criMtlet M r( deine k-^sler Dann iennl Kine Sackn nen Derwandm. ^ Familie, b« ® r wL er Krden 4 Aelt geb°^.. )Cn einander. W >i» & • ftojedfd S^w 'S18Ä :LS -tze bet iw- denVagV. fterte" neettn vor " 01 März. lungere» . nJ‘”get6| L"Ser schver. B,,w überführt .^1. Der |to. test* !re'n (Mw i«, ■«in 65 Miiglie. ”°b' und Ririn, <». März. 3». ,b d'e Feld« n elroifnn: daß bf. §rühsahr». März Die 2t- £.-i erfnhr in Mlerunfl nd 1100 Erwerbs- en Zahl nach dm >ch 6Z1 Per^ncn ninbemng aus der iftric, einschl. der erden zur vjer> Avtstand-arbeiten Ureis), 22. Dö" ieS Schulhaus ember zu Tnde zu Gustol onbons für 50 Pf Sie wirken voreügilch bei jun« und alt und sind ein KUtes Vorbeugungsmittel gegen Grippe. Alleiniger Besteller Rn**ol-Werk Gießen. 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Freitag morgen treffen frischeLendungen Seefische ein. Ferner Grüne geringe i VerkaniJteitagvor- miitag in der Marti- Halle. Tel lö. I. & 31. Berben. Pfund 0.40 .... Pfund 0.44 Paket von 0.14 an Besucht den Friihjchrsmarkt (Reffe) in Gießen vom 27. März bis 3. April 1927. Zum Schau- und Verkaufsmarkt (Meße) auf OswaldSgarten sind folgende Geschäfte eingetroffen-. Achtbahn, Elektrodrom, Autobahn, Schiffschaukel, Schießhallen, Zirkus-Variete, Zaubertheater, Hippodrom, Waffelbackerei, Alpenhaus, Photographie bude, sowie Verkaufsstände aller Art Marktzeit: Werktags von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abends (am Mittwoch — Pferdemarkt - von 10 Uhr vorm. bis 1OV2 Ubr abends)- Sonntags von 2 Uhr nachm. bis IO1/» Uhr abends. .7:1.1; Für Verkaufsbuden und Stände, die Gebrauchsgegen- ftände usw. führen, gilt als Verkaufszeit die Geschäftszeit der offenen Ladengeschäfte, an den beiden (Messe«) Sonntagen dagegen von 2—7 Uhr nachmittags. ,..0.85 . Hannover bei dem Baakhause Ephraim Meyer & Sohn, „ Karlsruhe bei dem Bankhause Veit L. Homburger. , Köln bei dem Bankhause A. Levy. bei dein Bankhausc !*al. Oppenheim jr. & Cie.. e einzig bei d l- Allgemeinen Denticlien Credit-Anstalt« , München bei der Bayerischen Vereinsbank. bei dem Bankhause. Merck. Finck &. Co.« .. Nürnberg bei dem Bankhaus« Anton Kohn: _ Anis erdam bei der Ainw1ersic bttin. Mfltn W i aus laUcher betf §prunc Dann einige Aeppul wurde . n?' der T bon d, bessern «uf fid L sangv ind- abend < wurden qebra»1 wurde 1 iSr y ßiche 50 Kiese Se«eÄ hohe heute werb! und nc alle Le Hietzing Hrwcrt" Vieler 3 t® 91 u 6 <1c Stabtwa aus der in motz'! pro ffd* werkhotz lang, 10 für (Eid) bas Fest ^1 der l zücht» sich viel Dorsche' flofiene gönnen .30 Jahr bericht 1 ccher 81 berg, als rod, als roher wählt. ri. dem hcs gelchlvst vährcni Zusamn Ukrfügu geflem famem ( Schorl der Arl fchwieri, Leuten scheu 2 der Gei Prinz Sich ei sührunc Fraueni tere A wurde vnanstä die M belleidu Nr. 70 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, 24. März (027 Oberhessen. 9'~ Landkreis Vietze« d Heuchelheim. 23. TUn. Der ® e - sangverein .Germania" hielt dieser Tage in der Turnhalle einen Konzert- und Theaterabend ab. Unter Leitung des Dirigenten Änob wurden die Ehör« recht ansprechend zu Gehör gebracht. Der Schwank .Im weihen Röffel" wurde von M.lglicdern und Damen deS Vereins sehr aut aufgefuhrt luib fand reichen Beifall. ol Allendorf a. d. L.. 23. Mürz. Bec der letzten Holzversteigerung im hiesigen Gemeinde- wall) wurden u. a. folgende Preise eraidt: Für 50 Eichenwellen wurden 10 b;< 14 Mk. geboten. 50 Kiefern weilen 6 bis 7 Mk., 50 Ficht en Wellen 3 bis 5 Mk. ' Mainzlar, 23. März. Während unsere Gemeinde vor Jahresfrist d»c verhäUniSmähig hohe Zahl von 22 Erwerbslosen hatte, ist sie heute in der glücklichen Lage, kein« Erwerbslosen mehr zu haben. Schon während und nach Beendigung der Hol-Hauerei fanden alle Leute im Betriebe der Firma Scheidhauer & (Scehing wieder volle Beschäftigung. Der letzte Erwerbslose wurde vorige Woche im Steinbruch dieser Firma eingestellt. t (Brünberg, 23. März. Zu der gestrigen Nugholzoersteigerung in dem hiesigen Stodtwaldc waren auch zahlreiche Gewerbetreibende aus der Umgegend erschienen: die Preise hielten sich in mäßigen Grenzen. Für (kichenschniltholz wurde pro Festmetcr 80 bis 90 Mk. bezahlt. Für Eichen- roerkhoü, 4 Meter lang, 32 Mk., für 1,20 Meter lang, 10 Mk., für Fichtcnderbslangen 7 bis 8 Mk., für Eschenholz 6 Mk. und für Kiefernstammholz da» Festmeter 60 bis 60 Mk., se nach Qualität. — Zu der Hauptversammlung des Bienen- zuchtoereins Grünberg und Umgegend hatten sich viele auswärtige Mitglieder cingefunden. Der Dorsitzende Schutz gab einen Rückblick auf dae verflossene Bienenjahr 1926, das hoffnungsvoll bc gönnen hatte und schliehlich das schlechteste seit 30 Jahren wurde. Nach dem oorgelegten Nechnungs- bericht wurde dem Rechner EnUastung erteilt. Als erster Vorsitzender wurde wiederum Schütz- Grünberg, als zeiter Vorsitzender B e r n h a r d - Göbelnrod, als Schriftführer Iustizinjpektor Hentzen r 0 d e r und als Rechner vbersekretar Rumps gewählt. rl Riederbess ingen, 23. März. Hafer dem hessischen Hauptverein vom Roten Kreuz an- geschlossener Alice-Frauenvcrein, der während deS vergangenen Winters regelmäßige Zusammenlünste in dem von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Schulsaal gehabt hat. hielt gestern abend feine Schlußfeier. Rach gemeinsamem Gesang erzählte der Ortsgeistliche Pfarrer Schorlemmer von Lich in einem Dortrag von der Arbeit, die seit 72 Jahren unter oft sehr schwierigen Derhültnissen von treuen deutschen Leuten in Palästina in den Anstalten des syrischen Waisenhauses getrieben wird. Die Mädchen der Gemeinde boten unter der Lntung der Frau Prinzeß Ludwig zu Solms-Hohensolms-' Lich einige wohlgelungene Dorträge und Aufführungen, die viel Beifall fanden. Da aber Frauenverein den Entschluß gefaßt hat. für weitere Ausschmückung unserer Kirche zu sorgen, wurde eine Tellersammlung für diesen Zweck veranstaltet, die über 50 Mk. ergab. (38 besteht die Absicht, dafür im Sommer eine neue Altarbekleidung anzuschaffen. Krcib Friedberg. WSR. F r i e b b c r g, 23. Mürz. Der heutige Schweinemarkt war nur schwach beschickt. Bei flottem Geschäft wurden bezahlt für sechs Wochen alte Tiere 20 bis 23 M. 6 bU 8 Wochen bis 32 Mk.. schwere Hannoveraner 35 bis 40 Mk | 22 Dad-Rauheim, 24. März. ®ie ®nt- scheidun g in der Bürgermeister- frage wird am morgigen Freitag in einer Stadtverordnetensitzung fallen, die als einzigen Punkt der Tagesordnung »Di« Bürgermeister- Wahl" enthält. Kreis Schotten. —.=/ Gedern. 22. März. Sin schlimmer Hnglück « sall ereignete sich in dem Stein- bruch deS OrteS Burkhards, infolge Sr- plvfi 0 n von Munition, die von Arbeitern mitgeführt wurde. Hierbei wurde der Arbeiter Schümm aus Burkhards, der Dater von fünf Kindern ist, derart schwer verletzt, daß ihm ein Bein unterhalb des Kniees a m • putiert werden mußte. Schwere Derletzungen am Gesäß und Rücken erlitt ein Steinrichter aus Laibach bei Büdingen Lei htere Derletzungen an Gesicht und Händen erlitten zwei weitere Arbeiter D'.e beiden Schwerverletzten wurden dem hiesigen Krankenhaus zugesührt. -- Wachtmeister Kinkel von hier konnte dieser Tage in der Rähe des OrteS Glashütten einen Betrüger aus Offenbach a. M. f e st n e h m e n . der unter falschen Vorspiegelungen versucht halte, in Stein- berf und Glashütten ..goldene Hhren" mit Sprungdeckel zum Preise von 30 Mark an den Mann zu bringen. Der Zestgcnommene trug einige „goldene Hhren" mit Sprungdeckel (fog. Reppuhren) und „goldene Ketten" bei sich. Er wurde dem Amtsgericht Ridda zugeführt. H If a, 22. März. Seit einigen Sagen ist ber Storch wieder da und eifrig dabei, das von den Winterftürmen zerzauste Rest auSzu- befftm. Das Weibchen läßt immer etwas länger auf sich warten U I f a, 23. März. Die hiesige Molkereigenossenschaft, die auch verschiedene Orte der Umgebung umspannt, hielt dieser Tag« eine Gen e - Die Ferngasversorgung. Don August St«ding. Direktor des städtischen Gaswerkes in Gießen.*) Bei einem vollständigen Fernbezug kommt aber di« Kokserzeugung im stadteigenen Werk in Fortfall. Die auf GaskokShetzung eingestellten öffentlichen und privaten Gebäude sind bann auf Zechenkoks angewiesen, der wie auch in Dießen von dem HriZiachverständigen Prose ior ®berk- Darmstadt festgestellt wurde, bedeutend teuerer Im Brande ist, als GaSkoks. Dinge die Stadt Gießen zum GaSsernbezuge über, so hätte sie für die Schulen städtischen Gebäude und für das Theater nach überschläglicher Berechnung etwa 10 000 Mk. jährlich mehr für Zechenkoks auSzu- geben, als beim Gaskoksbezug. Das hiesig« Gaswerk bringt im Jahre insgesamt 5203 Tonnen Gaskoks zum Berkaus: muß diese Menge durch Zechenkoks ersetzt werden, so besteht für die jetzigen GaSkoksbezieher eine Mehrausgabe von rund 50 000 Mk. Meines Erachtens besteht daS Hauptziel der A. G. Ä. mit darin, die Konkurrenz des billigen Gaskoffes. der. wie von Effen auS verleumderisch verbreitet wird, wegen seiner schlechten Qualität nur schwer absatzfähig sein soll, auszuschalten, um sich in bezug auf die Preisbildung des Zechenkokses ein Monopol zu schaffen. GaskokS hat hierorts eine ausgedehnte Heroen* düng gesunden, denn bereits vor Eintritt deS jetzigen Winters mußte er rationiert werden. Die Koksqualität hängt nur von der zur Verwendung kommenden Kohle ab; die Gaswerke könnten ein dem Zechenkoks gleichwertiges Produkt Herstellen, wenn ihnen seitens deS Ruhrkohlensyndikats die gleichen Kohlensorten zur Derfügung gestellt würden. wie die Kokereien erhalten. Ein Beschluß. Ferngas zu beziehen, ist ferner gleichbedeutend mit dem Beschluß, die ansehnliche Zahl der ArbeitSloien noch weiter zu erhöhen. 3n Gießen würden 38 Arbeiter brotlos, die in den anderen städtischen Betrieben wohl kaum untergebracht werden könnten und wofür die Stadt nach den geschlichen 'Bestimmungen 3930 Mk. C.worbs- losen-Fürsorgekosten im Jahr beizulrage.i hüt e. Ein Teil der brotlos werdenden GaSarbeiter hat aber Anspruch auf Ruhelohn, wofür das Gaswerk auf kommen muß. Rach einer von einer andern Stadt aufgestellten Berechnung ist der zu zahlende Ruhelohn umgerechnet für 1 Kbm. Gas mit nahezu 1 Pf. festgestellt. — Aus den vorliegenden wenigen Zahlen geht hervor, daß das Ferngas sich nicht billiger als das Eigengas stellen wird, und daher werden sich die meisten der gaSerzeu- genden Städte wohl schwer entschließen, ihre Gaswerke stillzulegen und zum Bezüge von Ferngas übemigeßen. wenn der Preis des letzteren nicht herabgesetzt wird. Eine Anzahl von Stad'.en im Ruhrbezirk (Krefeld, Düsseldorf. Duisburg) haben trotz des billigen FerngaspreifeZ sich nicht entschließen können. Anschluß an die vorhandene Ruhrfernversorgung zu nehmen, sondern sie behalten nach wie vor die Eigenerzeugung bei und haben noch vor kurzem unter Auswendung großer Mittel ihre Werke neu ausgebaut. Hnd ebenso nachdenllich muß es stimmen, wenn wiederum andere Städte (Bochum, Recklinghausen), die für Zechengas die denkbar günstigste Lage haben, neuerdings sich mit dem Gedanken tragen, an Stell? von Ferngas wieder zur Eigenerzeugung zurückzukehren. Durch den Dau der Fernleitungen wird manche Industrie, namentlich die Röhrenindustrie, eine Belebung erfahren; inwieweit sich diese jedoch aut die schon bestehende Arbeitslosigkeit au8- wirkt. läßt sich schwer Voraussagen. Daß aber bei dem heutigen Prinzip der Fließarbeit eine wesentliche Erleichterung des Arbeitsmarktes erwartet werden kann, muß bezweifelt werden. Dagegen steht fest, daß es sich in dem einen Fall nur um eine vorübergehende Belebung, im andern Falle dagegen um eine endgültige Maßnahme srriwcr- denden Arbeitskräften gegenüber handelt, von denen man nicht weiß, wie lange sie auf den Schultern der Allgemeinheit lasten. Durch den Fortfall der Kohlentransporte und den dadurch bedingten Einnahmeausfall der Reichsbahn, die der Träger der Reparationen ist, wird diese erheblich geschädigt. Es ist daher wohl denkbar, daß •) Dgl. 9k. 6R des „Gießener Anzeigers" 00m 22. März 1927. dieser Ginnaßmeausfall durch Steuern für di« Benutzung der Straßen zur Rohrverlegung oder durch sonstige Abgaben ersetzt werden muß. Don sehr großer Bedeutung für d.e Städte ist die Frage der Sicherung der Daslieferuag. Durch die vorgesehene Stern- und Ringleitung, auf die ich nachher noch zu sprechen komm«, und den Anschluß sämtlicher Kohlenreviere an das Fernnctz. durch Errichtung von Stützpunkten ist m. E. eine Gewähr für eine fortlaufende Gaslieferung vorhanden, wenn auch ans irgendeinem Grunde die GaSliefcrung in einem Kohlenreviere stocken sollte An die Stillegung wirtschaftlich arbeitender Gaswerke feil nach den Ausführungen der A. G. K. vorläufig nicht gedacht werden, die Fernversorgung will nur den Dasbedari übernehmen. den die verbleibenden Gaswerke nicht mehr erzeugen Bnnen. sowie für Gemeinden, die heute noch keine Gaswerke besitzen oder die Gas beziehen. Die A. D. K. verspricht, um ihre Pläne schmackhafter zu gestalten, mit Ferngas die bis jetzt überhaupt noch nicht mit GaS versorgten Gebiete zu erschließen. Ser. Dasfachlcuten ist genügend bekannt, welche Schwierigkeiten sich solchen Grschließungsversuchen schon allein durch die ver- hältnismäßig hohen Rohrleitungskosten entgegen- stellen. An der GaSbelleferung der Industrie sollen die Kommunen aber auSgeschaltet werden. weil die A. G. K. mit biefen, Unternehmungen selbst direkt Lieferungsverträge abschliesten will. Rur der Kleinverkauf deS GaseS. der natürlich mit hohen Hnkosten verbunden ist. soll den Kommunen verbleiben. Wenn man aber hört, daß die A. G. K. den beteiligten Zechen ober Kokereien die Derpflich- tung auferlegt hat. für die Dauer ihrer Eigen- schalt als Aktionäre der A G. K. keine Werke zu betreiben, die brennbares Gas an Dritte abgeben. noch derartige Werke ohne Zustimmung einer Dreiviertelmehrheit der Aktionäre Mit Brennstoffen zu beliefern, noch sich in irgendeiner Form zu beteiligen, so muß unwillkürlich die .Frage aufgeworfen werden, sind mit derartigen Werken vielleicht die Gaswerke gemeint, die keinen Anschluß an die Ruhrfernversorgung nehmen wollen? Sollen diese Gaswerke etwa keine Kohlen oder Kohlen minderer Qualität erhalten? Die Dessauer Gasgcselllchaft. die In Thüringen und in der Provinz Sachsen eine Anzahl Gaswerke betreibt, hat schon Keile getrieben, indem sie sich durch den Erwerb der Zeche Westfalen gedeckt hat; diese Zeche wollte ursprünglich in Schierstein a. DH. eine Kokerei errichten und den Dolksstaat Hessen und die rhein-mainischen Städte mit Gas versorgen. Ferner ist di« Dessauer Gasgesellschaft mit der in Gründung begriffenen BraunkohlengaSversoram'.gs-Akt.-Gef.. an der di« Braunkohlenwerke Ricbeck - Montan - Akt.-Ges. (Chemielrust). der D E. G.-Konzern für die Lev- poldgrube. sowie die Werschen-Weißenlelser Braunkohlenwerke-Alt.-Ges. beteiligt sind, in Verbindung getreten, um das Schwelgas zur Verlor* qung der mitteldeutschen Städte und auch zur Mitversorgung der Stadt Berlin zu verwenden. Der hessische Staat will in Gemeinschaft mit der Frankfurter GaSgesellschaft aus den in unserer Rähe liegenden Braunkohlengruben Wöllersheim und Friedrich Großschwelwerke errichten, die daS ansallende GaS den Rachbargemeinden billigst zusühren wollen. Auch leitens einiger Großstädte wird vorgegangen: sie wollen ihre Steinkohlengaswerke qt.'ßtu^g ausbauen und modernisieren, so daß diese sich von Kokereien noch kaum unterscheiden. Die Monopolisierungsbestrebungen der A. G. K. erhalten somit eine notwendige und fühlbare Dämpfung. Wie sehr Zweifel gegenüber dem Duhrzechenprvjekt angebracht ist. zeigen dieWand- Inngen. die eS schon durchgemacht hat. Hriprüng- lich sollte ganz Deutschland pon der Ruhr aus mit Gas versorgt und sämtliche Gaswerke stillgelegt werden. Rach den neuesten Ausführungen der A. G. K. sind die Ruhrzechen jetzt bereit, sich mit den übrigen Steinkohlenrevieren in das Geschäft zu teilen und auch die Ansvrüche derDraun- kohlenwerke zu berücksichtigen, sowie in das De- stchenlasien einer Anzahl Groß-GaSwerke einzu- willigen. «Schluß folgt.) ralvers ammlung ob, die einen stürmischen Verlauf nahm. Während in früheren Zähren trotz hoher 'Abschreibungen ein erheblicher Reingewinn erzielt werden konnte, verringerte sich jetzt von Jahr zu Jahr der lleberschuß, wiewohl die gezahlten Milchpreise unter denen der benachbarten Molkereien lagen. Es wurden schwer« Beschuldigungen gegen einzelne Personen erhoben, die in der Molkerei beschäftigt sind. Sollten sich die Anklagen be- (tätigen, io dürste sich das Gericht bald mit der ganzen Angelegenheit befassen. Auch dem Vorstände wurde der Vorwurf nicht erspart, daß er «s an wirksamer Kontrolle habe fehlen lasten. Die Generalversammlung ging erregt auseinander, ohne daß irgendwelche Beschlüste gefaßt werden konnten. Eine neue Versammlung, die bald cinberufcn werden soll, dürste zur Klärung der ganzen Angelegenheit beitragen und die erregten Gemüter der Genosten beruhigen. „T‘ Aus dem Reddatal, 22. März. Seit der Massen Vertilgung des Maulwurfs in der Inflationszeit macht sich in diesem Frühjahr zum erstenmal wieder ein überaus starkes AuftrcLcn dieses Tieres auf dcm Diesen bemerkbar. Sogar auf nassen Wiesen, die im allgemeinen nicht von dem Maulwurf bevor- zugt werden, reiht sich Erdhaufen an Erdhaufen, so daß Grasausfall zu befürchten ist. Einige Gemeinden haben bereits mit der Dertilgung begonnen. indem sie Prämien für jedes cinge'i-eferte Tier aussetzten. flreie Alsfeld. 0-* Alsfeld, 23. Mörz. Aus der Stadt- 0 0 r ft a n b 511 B u n g. Entsprechend dem Dorschlag der Vanbroirt(d)aftofonunii[ion wurde der Vertrag mit der Genossenschastsichaferei um ein weiteres Jahr verlängert. Für die der Genostenschafl überlaßenen Wege unb Triften wirb dieselbe Pacht mit 300 Mk., wie für bas Jahr 1026, festgesetzt. — Für ein Darlehen der Vcichspoftoerwaltuna an den Obcrpostsekretör H. in Höbe von 4500 Mk. zwecks Erbauung eines Wohnhauses wird die Bürgschaft bis zur Eintragung der Hypothek auf den zu ereich tenben Neubau übernommen. — Die Grbarbeiten für bie Badeanstalt haben sich in unerwarteter Weise baburd) schwieriger gestaltet, baß man in dem (Belaube aus große Steinmengen gefloßen ist. Es wirb daher ben Unternehmern für bas unvorhergesehene Herausbrechen der Steine, etwa 500 Kubikmeter, ein Zuschlag non 1500 Mk. bewilligt. — Die Der- gnügungifkucr für bas Alsfelder Lichtspieltheater wird auf Vorschlag des Vorsitzenden unter Aufhebung bc» früheren Beschlusses mit Wirkung vorn 1. April 1927 1927 ad nach den Sätzen der 23er- gnügunassteuerordnung für bie Stadt Alsfeld erhoben, v. b. 16.67 Proz. de» Entgelt». Die seither SDäbrte Ermäßigung axrb dadurch aufgehoben. •r Vorsitzende begründet diese Maßnahme mit dem am 1. April 1927 zu erwartenden wesentlichen Ausfall an den Keichssteuern. — Für die Faselhaltung wurde der Ankauf eine» Simmentaler Bullen von ttcinrich Rahn in Angersdach jum Preise von 7*5 Mk genehmigt. Vermiedene kleinere Vorlagen wurden entsprechend den Kommisston»beschlüst«n erledigt. -er. Homberg a d O.. 23 März. 3n her vorigen Woche hatten Rohlinge in der Rähe des OberbörnchcnS 15 junge Ob fi bäume stark beschädigt. Deren Besitzer, darunter auch die Stadt, fetzten für die Ormittlung der Täter 30 Mark Belohnung aus. falls die Burschen ae- richt!ich belangt werden könnten. Die üblen Patrone wurden von unseren Wachtmeistern fest- gestellt. Sin Geständnis liegt bereits vor. -er 2 jeder-Ofleiden. 23. März Zur Zeit ist man mit der Erbauung eines neuen Stückes derKreisstraße. vom Rieder-Ofleide- ner Basaltwerk an nach Ober-Osleiden zu, beschäftigt. Der neue Straßenteil wird von don zuerst gerade writergeführt. um dann in einem Bogen die alte KreiSstraße wieder au erreichen Hm die Gleisanlage am Basaltwerk sonsührru au können war der erwähnte Straßenumbau dringend notwendig. Starkenburg. * Darmstadt, 23. März. Der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt weist in dem Voranschlag der Stadt für 1927 auf die schwierige Lage hin, in der sich die Finanzen fast aller Städte feit den letzten Fahren befinden. Der Haushaltsplan der Stadt Darmstadt für 1927 fei von den beiden Dorjahren abhängig, die mit Fehlbeträgen abfchlofsen. Das Äahr 1927 zeige leider leine Dosierung es bringe Ein- nahmeentziehungen und Mehrbelastungen. Die Kosten der Armenlasten feien seit 1913 um daS elffache gestiegen; sie belirien sich jetzt auf 3330 003 Rm. Mehr als ein Achtel der Bevölkerung würde unterstützt. ")ic Gesamtausgaben für Wohlfabrts- und Gesundheitspflege wären für diese- Äahr auf 4 388150 Rm. berechnet worden. Darmstadt habe fast die gleiche Zahl von Kleinrentnern wie Frankfurt. 3n den beiden letzten Voranschlags- jähren fei der Betrag für daS Landestheater um 200 000 Mk. erhöht worden Der Wegfall der Getränkefteuer nehme der Stadt eine Einnahme von rund 253 000 Mk. Die Verwaltungen der süddeutschen Städte feien übereingefommen, die WoblfahriSeinrichtungen einzuschlänken. Der errechnete Fehlbetrag des BoranfchlagS betrage 3 Millionen Mk. Durch Erhöhung des Schulgeldes für Auswärtige. Verminderung fachlicher Ausgaben. Einführung von Gebühren für Müll abfuhr, Straßenreinigung und Konalbenutzuna usw. konnten Ersparungen erzielt werden, so ban der rechnungsmäßige Fehlbetrag um 1», Mill Mk. verringert werden konnte. - 3n Viernheim hat vorgestern im Verlauf von Erbschaft-streitig' ketten der 28jährige Georg Martin seinem 32jährigen Bruder Ferdinand die Kehl« durchschnitten, so daß dieser starb. WSR. Darmstadt. 23. MärA. Finanz- rmnifter Henrich hat soeben im Glnvernehmen mit dem 3nnenminifter der Hessischen Eisenbahn- A.-G die Erlaubnis erteilt. Vermessungen und Vorarbeiten für den Bau einer elektrischen Straßenbahn von Darmstadt über Rieder- und Ober-Ramstadt. Rieder- und Obcr-Modau, Gadernheim nach Lindenfels- Fürth im Odenwald auSsühren zu kaffen. Rheinhessen. D2R. Mainz. 23. März. D.e Stadtverordnetenversammlung hat den Beigeordneten Geh. Sanffütsrat Dr. Heinrich Ludwig Müller anläßlich seines heutigen 80. Geburtstages In dankbarer Anerkennung der Verdienste, die er sich in einer mehr als 40jährigen ehrenamtlichei« Täsigkeit als Stadtverordneter und Beigeordneter der Stadt Mainz um daS städtische Gemein- wesen erworben hat. das Ehrenbürger- recht der Stadt Mainz »erließen. WSR. Alzey. 23. März. 3m sogenannten Dreigemeindewald wurde, an einem Baum hän- atro die L e . che eines Mannes f unben, die schon seit Mitte deS vorigen 3aßre$ dort hängen muß und beinahe bis auf das Skelett verwest war. Die gerichtliche Hnter- suchung über die Person deS mutmaßlichen Selbstmörders ist eingebettet Eingesandt. < Für Form und 3nbalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel üoemimmt die Redaktion dem Publikum gegen ":b (ei- • r “Vrmi -i tng.) Die Bäume im früheren Garnifonlazarell. Die wenigen herrlichen. Im Sommer schönen Schatten spendenden Bäume vor dem füßeren Militärlazarett in der Braugaffe scheinen bei der Baubureaukratie in Hngnade gefallen zu sein, nachdem prächtige Baumriesen bereits, um den geschmacklo'en Reubau noch unerträglicher erscheinen zu lassen, verschwunden sind. Es wird schwer an der Riederlegung dieser Bäume gearbeitet. Oder sollten die Todgeweihten dem neuen forstwirtschaftlichen Institut im Wege stehen damit das Grün aus bem Stadtinnern verschwindet? Gibt es keinen Schutz für schöne alte Bäume? M. und Sie müßten mit verbundenen Augen einen Pudding kosten, so würden Ihnen das zarte Aroma und der feine Geschmack sofort PiirWinfi w- Ein Venudi wird Sie überzeugen! Viele Sorten — vom verraten, daß es ein einfachen bis zum Oetker- Feinkost - Pudding — stellen alle Ansprüche zufrieden. Verfangen Sie Dr. Oetkers Puddingpulver nur in Originalpackungen (niemals lose) mit der Schutzmarke „Oetker’s Hellkopf“. 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Goldschmidt . . ...... — — 122 149,75 150 Holzverkohlung. . . ..... y G Warben-Industrie. . . 77.5 30d 3U4 303.75 305.5 RulgcrSwerle........ 142,25 144 5 142.5 145 Scheideanstalt....... 238.5 240,75 — Alla- Elektrizitäts-Gesellschaft 162 I62.fi 162 16.i Bergmann........... 188,5 1X9.5 18'-' 19h Elektr. Lieferungen...... 2110.25 197.5 201 Licht und -straft........ 19 2UO 198 200 Mainkrattwcrkc ....... — Schlickert............ :.,75 176,12 178 Siemens "62 129.12 131 Daimler Motoren....... Illi,4 116 116.5 Heyligenstaedt........ — — Meguin............ — 57 Mannheimer Motoren . . — 35 — Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . 25 75.75 _ — Mclallgesellichafl Frankfurt - 191.5 191 — — Pet. Union A.-G. .... 121 — —- — Schuhlabrik Herz . . .... 76 25 — 78 — sichel.............. 175,25 •— 5 - Zellstoff Aschaffenburg. . . Zcllsto'i Waldhoi...... 263 267,25 Frankfurter HeLrctvcdoric. Frankfurt a. M., 24. März. Es wurden notiert: Weizen tWetterauer) 28.25, Roggen (inländischer) 26.50 bis 26.75, Sommergerste für Brauzwecke 25.50 bis 27, Hafer (inländischer- 22.50, Mais (gelb) 18, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 39.50 bis 40, Roggenmehl 36.50 bis awwanm-jt- n "!■, nwr r '»nwitm Alle Tage, die unser Herrgott gibt, knie ich da vor meinem Bell und rutsch' mir die Knie wund, daß dir alles erspart bleibt, was andere erfahren müssen. — Aber — ob’s etwas hilft?' Mein Gott, unser liebet Herr teilt halt aus, wie's grabe trifft: heut' bir einen guten Tag unb morgen einem anderen. Heut' dir ein bißchen Bitteres in die Schüssel und morgen beinern Nachbar. Heut' dir schön Wetter und einem zweiten Blitz und Hagel- schlag. Kannst nichts dagegen machen!" Elisabeths Augen hingen ausdruckslos an der alten Kinderfrau. Der Schrecken hatte alles Leben aus ihnen genommen. „Welches wird mein Teil fein, Hanna?" „Tu nicht studieren, kleine Liese! Wie's kommt, so kommt's! Man soll sich nicht abhärmen schon vorher, du machst's nicht um ein U-Häubchen anders deswegen!" Die junge Frau seufzte auf. Die Hanna würde wohl recht haben. „Wie hat denn der kleine Junge geheißen?" srug sie. „Johannes!" Liese lächelte. „Jawohl, Johannes!" ereiferte sich die Alte. „Der Professor hat ihn so gerufen. Der sprach überhaupt alle Namen so ans, wie sie im Kalender standen. Deine Mutter und ich haben immer gelacht über diese Schrulle und ihn einfach „Bubi" genannt." Wie alt er wohl jetzt sei, wollte Elisabeth wissen und stand mit wankenden Knien aus ihrer Ecke aus. Hanna rechnete. Vier Jahre war er gewesen, als sich die Mutter scheiden ließ. Nach sieben Jahren war dann Elisabeth gekommen. Das machte elf. Liese war jetzt zweiundzwanzig, da mußte er dem- nach in sein oierunddreißigstes Lebensjahr gehen. — Ja, so ult mußte er unaefähr (ein. Hanna sah, wie abgespannt die junge Frau war. „Ich mach' dir noch Tee, mein Kindchen!" bot sie besorgt an. „Nein, danke, Hanna! — Ich bin so müde!" „Nichts mehr denken!" mahnte die alte Getreue. ist ja doch nichts mehr zu ändern an der ganzen Sache!" „Ja!" gab Elisabeth apathisch zurück. „Gute Nacht. Hanna!" In ihrem Bette wälzte sie sich unruhig von einer Seite auf die andere und weinte zwischenhinein ihr 36.75, Wetzenkleie 14.25. Roggenkleie 14.50 bis 14.75. Tendenz: Matt. Frankfurter Lchlachtviehmartt. F ra n kf u r t a. M.. 24. März. Auftrieb: 66 Rinder, 1340 Kälber 176 Schafe, 365 Schweine. Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 67 bis 72. mittlere Mast- und Saugkälber 58 bis 66. geringe Kälber 48 bis 57. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 50 bis 55. mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schale 44 bis 48. fleischiges Schafvieh 38 bis 43. — Schweine: Vollfleischige Schweine von ca 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 62 bis 63, fleischig: Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 59 bis 60 Mark. — Marktverlauf Langsamer Handel. bei Schweinen etwas Ileberstand. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. TL Telegraphische Auszahlung (Obne Gewahr.) Banknoten. 23. Mär, 24 März Amtliche Noti runa Amtliche ‘Jiontruna Geld Brick Geld Bries 168,4:; 168,85 168,43 168,85 Bucn-Aire 1.776 1.780 1,781 1.785 Brn Antw 58.4'.- 8,63 58.485 58.62.5 Christianra 109,81 i10.09 109.81 110.29 Kovenhag-'u 112,2*' 12,51 112,27 112,55 Elockbolm *12.67 12,95 112,7.1 112.9» Helnngfors 10,594 10.634 10,595 10,635 tttolien. . 19,43 19,47 19,375 19.4 M London. 20,433 .'0.487 20.438 20.490 Neuyork . . 4,203 1.218 4,208-5 1.218.5 PariS. . . 16,485 .6.525 16,485 16,52a Schwei, . . Ml, 93 LH 80,935 51,135 Sva ten 75,04 75.22 .5.74 75.52 Favan . . 4,066 .'.070 2,070 2.074 *Hio de Fan l.*97 .499 .497 0.49 Dien in T Ceft. obgc'l 59,21 J9,3d 39,21 59,35 Prag - - 12,46 >2,52 12.459 12,499 Belgrad - 7.39 7.41 7.397 7.417 Budavc'k. «3,4b .3,64 73,45 73,63 Bulgarien .,1'43 -.055 ».042 t.052 L'stabon 21,02j .'1,065 21,515 21.56a Danzig. 81,62 81,82 81,72 81,92 stonst nur 4,117 ',127 2,122 2,132 Athen. . 5.45 5.51 5,47 5,49 Kanada 1.204 4.21 1,205 4.215 Uru uan 4,235 4,245 1.235 4.24.5 Cairo 20.961 1.006 0.969 21.021 Berlin, 23 Mär; Geld Brie' 4,19m 4,218 Belgische Noten ....... 58,45 58,75 Tänilche Noten ....... 111,97 112,50 20, 402 20,502 Französische Noten ...... 16.505 16.585 Holländische Noten...... 168.0b ,68.90 Italienische Noten...... 19.57 19,67 Norwegische Noten. ... 109,72 110,28 Deuisch-Ocsterr.älvoAronen 59.1 l 69,41 Rumänische Noten..... 2,51 2,55 Schwedische Noten • . . . 112.37 112.93 Schweizer Noten ..... MO. 81 81,23 Svanische Noten...... 75,31 75,69 Tschechoslowakische Roten 12.50 12,94 Ungarische Noten 73.30 73.66 Reichsbankdiskont 5 Prozent. Lombardzinsfuß 7 Prozent. Berliner Produktenbörse. Berlin, 23. März. Die Stimmung wurde heute wieder schwächer. Lediglich im Weizenterminhandel machte sich für März-Lieferung anhaltende Deckungsfrage infolge Verpflichtungen aus Vorverkäufen bemerkbar. Da aber nur sehr schwer kontraktliche Partien erhältlich sind, mußte der Bedarf seine Gebote heute um 2 Mark erhöhen. Spätere Sichten im Gegensatz hierzu bei größter Lustlosigkeit etwa 1 Marl schwächer. Roggen findet allgemein wenig Käufer, trotzdem die Forderungen bis über 2 Mark herabgesetzt waren. Gerste gut behauptet. Hafer in der Preislage etwas schwächer, aber verhältnismäßig ruhig. Mehl behält kleine Umsätze, auch Hilf»?- futterftoffe, Oelsaaten und Hülsenfrüchte still. Cs notierten pro Tonne: Weizen (märt) 2gj bis 269 Mk., Roggen 244 bis 246. Sommergerste 214 bis 242, Wintergerste 198 bis 206. Mais tlokv Berlin) 178 bis 180; pro Doppelzentner Welzenmehl 34,25 bis 36,50, Roggenmehl 32.75 bis 34,75. Weizenkleie 15,25, Roggenkleie 15, Viktoria- erbfen 42 bis 59, kleine Speiseerbsen 30 bis 32 Futtererbsen 22 bis 23, Peluschken 20 bis 22. Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 22 bis 24. Lupinen (blau) 13,50 bis 14,50, Lupinen (gelb) 15 bis 16, Serradelle (neu) 21,50 bis 24, Rapskuchen 15,50 bis 15,70, Leinkuchen 20 bis 20.20, Troücnschnitzel 11,90 dis 12,20, Soyaschrot 13,90 bis 19,40, Kartoffelflocken 30,20 dis 30,40 Mk. Kissen naß. Das Leben war fürchterlich, sie empfand mit einem Male Angst vor der Zukunft. lieber all dem Grübeln und Sinnieren hatte sie vergessen, das Licht abzudrehen. Ihr Mann war nach Hause gekommen und schalt, weil sie noch nicht schlief. „So'n Unfug!" melierte er gutmütig. „Kannst wohl nicht einschlasen, ohne mich? Wie 'n kleines Kind." „Hast du niemals Angst vor dem Leben, Georg?" frug sie. „Vor was?" „Bor dem Leben!" Er lachte dröhnend auf. „Liesl, bleib' mir mit iolchen Sachen vom Leib! Ich hab' vor nichts Angst, als vor dem Typhus und den Blattern, das heißt, nicht für mich, aber für den Patienten, wenn sie sich fo etwas geholt haben. Aber sonst — ich fürcht' nicht einmal den Teufel, viel weniger das Leben, obwohl da der Teufel auch meist mit im Spiel ist. Also, ich fürchte nichts! Gute Nacht." Er schlief gleich darauf wie ein übermüdetes Kind, tief und mit regelmäßigen Atemzügen. Elisabeth aber konnte kein Auge schließen Was würde ihr das Leben noch bringen? — Und was hatte es dem unbekannten Bruder bis jetzt gebracht? —. Das Herrenhaus in Ludwigstal glich feit dem Einzug des Regenbacher Paares einem Märchen- schloß. Es war nicht wiederzuerkennen. Die blauen Fensterscheiben und die verwitterten Läden hatten weichen müssen. Mattgelbe Eichenjalousien hielten die Hitze des Spätsommertages ab. Die breite Auffahrt glitzerte in tadellos gepflegtem Quarz, aus dem der Glimmer wie Talmisilber aufblitzte. Die schwere Eichentür mit den vielen breittappigen Eisennägeln batte zwei Flügeln Platz gemacht. Die Zimmer- wände linkerhand des Einganges waren gefallen und bildeten nun mit dem Flur eine mächtige Halle. Auf der anderen Seite lag der große Festsaal, lieber die breitausladende Treppe, die zum Obergeschoß führt, liefen dicke Läufer, die jeden Schritt ver- schlangen. Ein Feenreich, hatte Elisabeth gesagt, als sie zum erstenmal ihren Fuß in die mit auserlesener Pracht möblierten Räume letzte. Nein, das war ihr Vaterhaus nicht mehr. Nichts erinnerte mehr an Büchertisch. — Der soeben erschienene Zeitungs- Katalog der A nn o n c e n - E r p e d i ti on Rudolf Mosse für das Jahr 1927 folgt im allgemeinen der bewährten Anordnung seiner Vorgänger. Der textliche Teil ist mit der größten Sorgfalt bearbeitet und berücksichtigt mit der gesamten inländischen auch die ausländische 5ageS- und Fachpresse in eingehender Ausführlichkeit. Der Anzeigenteil des Katalogs mit den wichtigen Angaben der Verleger über die Bedeutung und den Inseriionswert der einzelnen Blätter bietet dem Inserenten ergänzende, wichtige Fingerzeige. So wird auch der Mossesche Zeitungs-Katalog von 1927 für alle Reklameverbraucher ein mählicher und zuverlässiger Führer durch das gesamte Zeitungs- und Zeitschriftenwesen sein. 72 — Aus dem Märzheft der „Ä o r a 11 e“ (UH- stein, Berlin) Besonders schön Und die Ausnahmen von den großen Wasserfällen der Erde, vom Wunderland Alaska und vom Baumwollbau. Eine aussterbende Zwergbevölkerung lernen wir auf den Andamanen-Inseln kennen, an neuen Wolkenkratzerbildern aus Reunork und Chicago sehen wir die technischen Fortschritte im Turm- Hausbau, und gelungene Photographie^, zeigen uns den kalifornischen Kondor, einen der Rieten des Tierreichs, die im Untergang begriffen sind. Eine interessante technische Abhandlung über die Kraft des Windes. Bilder von neuen Frühlings- pflanzen und ein illustrierter Aufsatz über die Bekämpfung des Alterns ergänzen den Inhalt des unterhaltsamen Magazins. — In dieser Zeit, in der die Zeitungen immerfort von den Unterdrückungen des Deutschtums in den Grenzländern berichten, wird der Aufsatz des Münchener Historikers Hermann Oncken über die geistige und sittliche Kulturbedeutung des Auslandsdeutschtums. mit dem das Märzhefi der „Zeitwende' (C. H. Beck. München) beginnt, sehr aufklärend wirken. In großen Zügen entwirft Oncken ein anschauliches Bild der Entwicklung des Auslanddeutschtums innerhalb der deutschen Geschichte und zeigt damit zugleich die Tragik dieser Geschichte von einer ganz neuen und unmittelbar aktuellen Seile, die Tragik nämlich, die darin liegt, daß sich das Schicksal des deutschen Staates und des deutschen Volkstums niemals gedeckt haben. Das Märzheft widmet auch wieder dem Arbeiter und der sozialen Frage einige Aufsätze. Johannes Gerhardt schreibt sachlich und sachkundig über Adolf Damaschke und die Bodenreform und Wilhelm Kne- vels berichtet mit Verständnis und Feingefühl über die deutsche Arbeiterlyrik. Da er in der Hauptsache die Arbeiterdichter selbst sprechen läßt, gewinnt seine Darstellung lebendige Anschaulichkeit. Aus den Randbemerkungen sei besonders ein farbig geschriebener und scharfe Beobachtungen verratender amerikanischer Reifebrief eines jungen deutschen Kaufmanns hervorgehoben. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr.ReligivnSgemelndr. ^ott?3X ‘. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 26. März 1927. Vorabd. 6.30, morgens: 9.00 Abends 6.55 und 7.35. Gottesdienst der isr. VeligionSgese^schaft Sabbatfeier, den 26. März 1927. Freitag abend 6 20, Samstag vormittag 8.30. nachm. 3.30, Sabbatausgang 7.35, Wochengottesdienst: morgens 6.45, abends 6.00. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Freitag, 25. März: 1 bis 2 Uhr: Neue Schallplatten. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Haus- frauen-Nachmittag. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese- stunde 6.15 bis 6.45 Uhr: Vortragszyklus der In- dustrie- und Handelskammer Frankfurt a.M.-Hanau: „Die Berforgung Deutschlands mit Getreide". 6.45 bis 7.15 Uhr: Tarifoertragsrecht", Vortrag von Magistratsrat Dr. Michel. 7.15 bis 7.45 Uhr: Steno graphischer Fortbildungskurs^-für Anfänger und Fortgeschrittene. 7.45 bis 8.<>5 Uhr: Zwanzig Mi nuten Umschau in Wissenschaft v;* Technik. 8.05 bis 8.15 Uhr: Film-Wochenschau 8.15 bis 9.15 Uhr: Cello-Konzert. 9.15 bis 10.15 Uhr: „Das deutsche Volkslied". i'i »I'JJILI mi ii—hii rrr ■«,—» nw—w vergangene Tage. Sie kam leichter darüber hinweg, als sie gefürchtet hatte. In der Flucht der oberen Zimmer herrschte tiefes, tiefstes Schweigen. Die Herrin schlief. Es war nur eine Nachmittagssiesta, aber immerhin Grund genug für die Dienerschaft, jedes überflüssige Geräusch zu meiden. Nur in einem großen, vom Tageslicht matt erhellten Raum, der nach dcm Park zu ging und früher wohl als Garderobe gedient hatte, herrschte rege Tätigkeit. Nella hatte dieses Zimmer speziell als Wohn- und Schlasgemach für Annemarie gewünscht, weil es ihrem Wohnzimmer am nächsten lag. Außerdem war es im Sommer vor der gjell ften Sonnenhitze geschützt und gewährte einen Herr lichen Ausblick au^den alten Park. Denn die Kleine am Morgen die izenftcr öffnete, Ästmte sie sich die Lungen voll köstlichsten Tannenduftcs ansaugen. Zwei Mädchen in weißen Schürzen, über welche sie solche in Blaudruck gebunden Hatto, waren bc schästigt, die riesigen, wurmstichigen Schränke zu leeren, die wohl seit Jahrzehnten nicht von ihrem Platze gerückt worden waren. Zwischen all dem Kram von Papier, alten, zerschlissenen Gewändern, von Motten zerfressenen Umhängen und tausend anderen wertlosen Dingen saß die kleine Annemarie wie eine Königin erhöht und hielt Umschau, ob sich dies ober jenes nicht noch für spezielle Privatzwecke würde verwerten lasten. Es gab da hin und wieder herrliche Seidenreste, die kaum einen Riß aufwiesen und sich Au Puppenkleidem, Häubchen unb Hüten eigneten. Annemarie hatte ja eine ganze Kinderstube voll blond- und braungelockter, heißgeliebter Mädels. unter denen sogar ein Negerbaby saß dessen Blöße man unbedingt decken mußte. Dmn Io wie es war. konnte man es nicht einmal Tante Elisabeth, viel weniger dem Onkel Doktor zeigen. Ein ganzer Berg voll solch nichtigen Dingen, die nur ein Kinder- her; so in Entzücken versetzen können, lag schon vor der Kleinen aufgestapelt, und wenn eines der Möd chen ihr wieder etwas von dem Kram zuwarf, jubelte sie jedesmal ein überschwengliches „Danke" „Guck mal. Annemarie, welch schöner Junge!" sagte die Blonde und ließ ein Lichtbild zu dem Kinde hitiüberslattern. „Ach. Trude, wie hübsch! Wie der Prinz in meinem Märchenbuch. Wer ist es denn?" fTrortlemmp folgt >