Nr. 69 Erster Blatt 177. Jahrgang Mittwoch. 25. März 1927 Gr|chet*1 täghd), aufeet Sonntag» unb Feiertags. Beilegen. Gießener Famüiendlätter ßehnal tm Bild Die Scholle IRonau-Bfjnoipreti. 3 Retchsmark unö 20 Retchspfenntg fix Irflger» lohn, aud) bei Nichter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechans chlüsse; 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten. Hnjelger Eieste«. poRschcckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen ünid vnö Verlag: vrühl'sche Universilütt-Vuch- unö Stcmöruderet B. Lange in «eßen. Sd?rtftleitnng unö Sefchäftrftelle: 5chul«raße 7. Sinai,mc von Swjelaen für die lagesnummer bi» jum Nachmittag vorher. prei» fir l mm höhe für Anzeigen pn 27 mm Breite örtlich 8. ausiDärts 10 Kelchspsenniq, für Ne- klameanjeigen von 70 mm Brette 35 Neichepsennig. Platzvorschritt 20*, mehr. Chefredakteur Dr Friedt Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange; für Feuilleton Dr H Ihorio»; für den übrigen Teil Lrnst Blum|chein; für den Anzeigenteil i. Vertr Y.Dech. sämtlich in Dietzen. Deutschland zwischen den Weltmächten. Reichsaußenminister Slrefemann im Reichstag über das Genfer Ergebnis und die weltpolitische Gage. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin. 23. März. Die gestrige Reichstags- fihung war für diejenigen, die sich von den Darlegungen deS Reichsauhenministers eine Sensation versprachen, eine recht bittere Enttäuschung. Oft Gesagtes in oft gehörter Form wiederholt. Wahrheiten, die für den objektiven Politiker Binsenwahrheiten, für die grundsätzliche Opposition aber noch immer nicht verständlich genug sind, mit der rechorischen Gewandtheit Dr. StresemannS trorgctragcn. objektive Rechnungslegung über ®enf und das Versprechen, in der Debatte Sinzeisragen zu beantwortens DaS war alle-, waS die mit einiger Spannung erwartete Ministerrede brachte. Doch auch in ihrem R e g a t i v e n nicht bedeutungslos. Denn es schweben so viele große politische Probleme, daß gerade di« betonte Ablehnung ihrer Erörterung in der verantwortlichen Form einer EiatSrede einen bestimmten Sinn hat. Der russisch-englische Konflikt wurde nur ganz leise, unter Hinweis auf unsere Beziehungen zu beiden Teilen gestreift, die Entwicklung in Lhina übergangen, und die italieniscb-jugoslawische Auseinandersetzung aus ihre Augen bllcksiedeutung herabgemindert. Dabei erklärt Dr. Stresemnn aus das Entschiedenste, dah wir keine Veranlassung hätten. unS in derartige Konflikte einzumischen, und. abgesehen von der Bekundung deS deutschen Friedenswillens und der deutschen Arbeit am Weltfrieden, irgendwelche Schritt« zu unternehmen. Damit hat er eS nun auch für seine Person abgele h n t. in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vol- kerbundsrateS. die er ja bis zur nächsten Tagung behält, irgendeine Initiative zur Herbeiführung einer Stellungnahme deS RateS in den Streit um Albanien einzuleiten. Am bedeutungsvollsten war vielleicht die auch hier und damit für die ganze Welt vernehmlich erfolgte Ankündigung, dah Deutschland von dem Recht aus Artikel 431 des Versailler Vertrages demnächst Gebrauch machen werde, von dem Recht also, mit Rücksicht auf die vorzeitige Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag d i e vorzeitige Räumung der noch besetzten zweiten und dritten Rheinlandzone zu fordern. ES wird nach der bisherigen in keiner Weise negativen Stellungnahme der beteiligten Mächte sich nicht umgehen lassen, das; diese Frage in konkreter Form in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung dieses Sommers gestellt wird, und damit wird der ganze Komplex der Sicherheits-. Abrüstungs-. Locarno- und Thoirysragen in neuer Form aufgerollt. Die vorsichtige Art und Weise, in der von den heutigen Rednern der größten Parteien die Stellung des Außenministers nicht nur geschont, sondern sogar verstärkt wurde, läßt die Hoffnung zu. baß für Behandlung dieser Lebensfrage aus- nahmsweise einmal eine Einheitsfront der deutschen Parteien zustande kommt, und für die Dauer dieser Verhandlungen sortbesteht. Sitzungsbericht. Berlin. 23. März. (D.D.Z.) Bei der Einbringung des Etats des Auswärtigen Amts nahm der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann das Wort zu einer Rede, in der er sich mit den Problemen der Weltpolitil beschäftigte, die. tote er sagte, außerhalb unserer eigenen auswärtigen Beziehungen liegen, aber mehr oder weniger starke Rückwirkungen auf die Fragen ausüben können, die uns direkt angehen. Der Minister führte aus: Wir sehen einmal höchst bedeutsame Vorgänge, die sich im fernen Osten abspielen. Wir sind ferner Zeugen von ernsten Auseinandersetzungen zwischen zwei großen Ländern, deren Politik für Deutschland von unmittelbarer Bedeutung ist. Dazu kommen in den letzten Tagen überraschende Rachrichten. die darauf hindeuten, daß auch die mit der Lage auf dem Balkan zusammenhängenden internationalem Beziehungen Elemente der Unsicherheit aufweisen. Man wird gut tun. von ben alarmierenden Meldungen, in denen zunächst über die letzten Vorgänge berichtet wurde, viel abzustreichen. Soweit sich die Dinge bisher von Deutschland aus übersehen lassen, glaube ich nicht, baß irgendwelche akute Gefahr besteht. Aber auch die ruhigste Beobachtung der Dinge kann nicht verkennen, daß wir von einer endgültigen Kon- folibierung der allgemeinen internationalen Lage noch weit entfernt sind. Deutschland hat nur das eine große Intere'se. daß die Entwickelung nicht nnterbrochen und dah die Bemühungen um die Herbeiführung einer internationalen Zu- fammenarbeit am Wiederaufbau Europas nicht gestört werde. Wir können nichts babei gewinnen, daß Verwicklungen zwischen dritten Staaten entstehen, roeldje Mächte das auch sein mögen. Wir können ebensowenig wünschen, dah sich die Staaten Europas wie vor dem Weltkriege in zwei getrennten Lagern gegenüberflehen. Jür Deutschland kommt eine Politik der Sonderbündnisse nicht In Betracht, sondern nur eine Politik, die den Gedanken der Verständigung und des Ausgleichs widerstrebender Jntereffcn fördert. ES ist für uns eine glückliche Tatsache, dah sich in dieser Beziehung daS wohlverstandene ge - amteuropäische Interesse mit dem indi- viduellen Interesse Deutschlands tröllig deckt. Unser Weg ist gekennzeichnet durch die Verträge von Locarno, den Eintritt in den Völkerbund und den Berliner Vertrag. Damit liegen unsere Absichten und Fiele offen vor aller Welt zutage. Daß wir uns in dieser Situation von jeder unnötigen Einmischung sernzuhalten haben, versteht sich von selbst. Soweit aber Deutschland zu einer Mitwirkung berufen sein sollte, kann unser Bemühen nur daraus gerichtet sein, zur Beseitigung jeder Spannung DaS unsrige beizutragen. Wir können daraus rechnen, daß dieser deutsche Standpunkt in der Welt 'Verständnis finden wird. DaS möchte ich besonders betonen gegenüber manchen Ansichten, die dahin gehen, daß bei einer Auseinandersetzung zwischen Mächten versucht werden würde. Deutschland a u s die eine ober andere Seite zu ziehen Zu meiner lleberraschung haben einzelne russisch: Zeitungen plötzlich wieder die altbekannte Frage aufgerollt, ob Deutschland bei Verwickelungen in östlichen Ländern den Truppen her westlichen Mächte den Durchmarsch durch deutsches Gebiet zu gestatten habe .Für die Frage deS sogenannten Durchmarschrechts kommt ausschließlich der bekannte Artikel 16 der Völkerbunds- satzung in Betracht, und zwar nach Maßgabe der ebenso bekannten Rote, welche die übrigen Lo- carnomächte hinsichtlich der Tragweite dieses Ar- ttkelS an Deutschland gerichtet haben. Weitere Abmachungen irgendwelcher Art über diese Frage bestehen nicht. Der ganze Fragenkomplex ist lange Zeit auch mit bef Sowjetregierung erörtert und dann ausschließlich bei der Unterzeichnung des Berliner Vertrages zum Gegenstand eines besonderen Rotenwechsels gemacht worden. Zu neuen Erklärungen liegt keinerlei Anlaß vor. Seitdem ich von dieser Stelle aus dwS letzte Mal über die unS unmittelbar interessieretrden Probleme der Außenpolitik gesprochen habe, hat Deutschland an ;wci Tagungen de» völkerbundsral» teilgenommen. Die Ergebnisse dieser Tagungen sind im Auswärtigen Ausschuß deS Reichstagen ausführlich beraten worden. Sie umfassen die Fragen der Regelung deS Investigations- Protokolls, insbesondere die Beseitigung der oft diskutierten „elömentS stableS" im Rheinland«, die Aufhebung der Militärkontrolle über Deutschland, die inzwischen Tatsache geworden ist. sie umfassen den für spätestens Juni vorgesehenen Abzug der französischen Truppen auS dem Saargebiet und die Errichtung des dortigen Dahnschutzes. ferner Fragen der Behandlung deutscher Minderheitsschulen im AuSlande. Die beiden Tagungen des DölkerbundsratS haben einen neuen Beweis dafür erbracht, wie richtig der Entschluß war. Deutschland durch den Eintritt in den Völkerbund die Möglichkeit aktiver Mitarbeit zu geben. Gewiß ist eS uns nicht in allen bezeichneten Fragen gelungen, den deutschen Standpunkt restlo« zur Geltung zu bringen. Wir haben bei Aufrechterhaltung unseres Rcchts- standpunkles in einigen wichtigen Punkten uns zu Kompromissen für die Gegenwart verstanden. Wir haben dabei auch nicht gescheut, in offener und ausführlicher Diskussion unseren deutschen Standpunkt und die Kritik der Tätigkeit des Völkerbundes in früheren Zeiten bestimmt zum Ausdruck zu bringen. Es zeugt von der Stabilität des Völkerbundes, daß der Völker- bundSrctt sich durchaus tragsähig erwiesen hat für die offene Diskussion, wie sie letzthin dort stattgefunden hat. Gerade diese offene Diskussion im Völkerbund und die im Anschluß an jede Döl- Nach Schanghais Fall. wildesLhaosinderLhinesenstadt Bezeichnend für das Ehaos, das außerhalb des Riederlassungsgebietes herrscht, ist der Umstand, daß die Rordtruppen immer noch einen Panzerzug laufen ließen, der auf alles feuerte, was ihm in den Weg kam. Wie man annimmt, waren die weißgardistischen Russen, die die Besatzung des Panzerzuges bilden, in Unkenntnis von der tatsächlichen Lage, oder sie hatten Angst, den Schuh des Panzerzuges aufzugeben. Die Weißgardisten haben sich nach erbittertem Widerstande ergeben. Heber die Schicksal wird von dem provisorischen 3entral- tomitec entschieden werden. Gestern sind von den Schantungtruppen zwei Russen angesichts der englischen Wache am Verhau geköpft und unter dem Jubel der Chinesen auf die Bajonette gesteckt worden. Der Streik breitet sich weiter aus. Die bolschewistischen Einschüchterungsversuche werden kühner. Die chinesischen Vorarbeiter haben die Arbeiter mit dem Tode bedroht, toenn sie nicht sofort den bolschewisttschen Anordnungen Folge leisteten. In dem chinesischen Stadtviertel hört man nur Schüsse, Schreie von Frauen und Kindern, die hysterisch hin- und herlaufen. Viele Frauen sind unbekleidet, da sie von den Soldaten auf der Jagd nach Beute ihrer Kleider beraubt wurden. Schwer mit Deute beladene Soldaten schützen sich mit Maschinengewehren, die von anderen Soldaten getragen werden und die nicht zögern, sich den Weg durch die von Menschen gefüllten Straßen zu bahnen, indem sie feuern und zahlreiche Leute töten. Der Abend- Himmel wird erhellt durch die sich ausbreitenden Feuersbrünste. Die Straßen sind mit (Getöteten besät. Cebensmittelmangel h. den Fremdenviertetn. Die Bewohner der Chinesenviertel, darunter viele britische und japanische Staatsangehörige, strömen scharenweise unter unaufhörlichem Ge- wehrfeuer nach der internationalen Niederlassung. Auf den Straßen drängen sich in unübersehbaren Zügen Ricfthaws. Schubkarren. Automobile und andere Fahrzeuge, auf die meist in aller Eile die verschiedensten Habseligkeiten gepackt wurden. Die ftädti'chen Behörden unterstützen die Abwanderung durch ein starkes Aufgebot von Lastkraftwagen, die durch Panzerautos geleitet werden. Dieser Zustrom in die internationale Riederlassung verschärft die Knappheit an Derpflegungs- und Llnterkunftsmöglichkeiten. die bereits durch das Eintreffen von Flüchtlingen aus dem oberen Bangtse-Tal entstanden ist Diele werden in dem allgemeinen Krankenhaus untergebracht, während s'.ch andere auf die Gastfreundschaft von Bekannten verlassen oder sonstwie Obdach suchen. In der französischen Konzession in der Internat onalen Riederlaffung macht sich bereits Mangel an Fischen und Fleisch bemerkbar. Aus dem französischen Kloster ;n Tfchapei wurden 300 chinesische und ausländische Kinder mit Unterstützung von Schantungsoldaten in die internationale Riederlassung gebracht. Angriffe auf die Niederlassung. London, 23. März. (WTB.-Funkspruch.) Eine offizielle britische Meldung über die gestrigen Ereignisse besagt u. a.: Ungefähr 10000 Mann Nord- Iruppen wurden nachmittags von 3000 Kantonesen überrumpelt. Die Nordsoldaten flüchteten a n d i e Grenze der internationalen Nie berlaffung, die an dieser Stelle von britischen Infanteristen besetzt war. Die Nordtruppen drangen in die Niederlassung ein, feuerten von hinten auf die britischen Soldaten und auf die an- rückenden Kantonesen. Darauf antworteten die bri- tischen Soldaten mit Gewehr- und Maschinengewehr- feuer, bis die Eindringlinge d i e Waffen streck- 1 c n. Der Nest der Nordtruppen, etwa 1200 Mann, flüchteten in den von den Japanern gehaltenen Stadtteil. Sie wurden entwaffnet und interniert. Schützen der nationalistischen Armee belästigen die n o r d ö ft l i ch e Grenze der internationalen Niederlassung durch dauernd unterhaltenes Einzelfeuer. Die japanischen S e e j o l d a t e n , die den östlichen Teil dieser Gegend besetzt halten, erwidern das Feuer von den hohen Dächern aus Schuß um Schuß. Auf die englische Truppenabteilung, die in der Nähe des Nordbahnhoss den Verhau besetzt hält, wurde von Schantung-Truppen gefeuert, die durch eine Salve zum Schweigen gebracht mürben. Die ‘23 e r l u ft e der Ausländer betragen, soweit bisher bekannt ist, drei Engländer getötet, 14 verwundet, ein Japaner und ein Portugiese ocr- rounbet. Don einer Abteilung Santontruppen wurde ein britischer Pckstzerwagen umzingelt. Die Mann- schäft, von der mehrere Mann verletzt wurden, mußte sich unter Zurücklassung des Panzerwagens zurückziehen. Der Schantungfiihrer kapituliert. Schanghai. 22. März. erklärt: Weiteste Kreise des Volkes hätten von den letzten Genfer Verhandlungen eine wirkliche Forderung des deutschen Anspruches auf baldige Räumung von Rhein- und Saargebiet ertoarter. Bedauerlicherweise seien dirie Erwartungen enttäuscht worden. Auch die für Deutschland besonders we'entlichen Beschlüsse deS Völkerbund- rate- über die Derhältnis'e im Saargebiet und in Oberschkesien feien für Deutschland unbefnebb- aenb. Es fei eine Aufgabe der deutschen Po- Htif, im Döllerbundsrat das deutsche Recht selbst bann zu wahren, wenn im gegebenen Augenblick dafür die Mehrheit noch nicht zu erreichen fei. Die statt dessen geschlossenen Kompromisse seien auch praktisch unbefriedigend. Der sogen. Bahnschutz sei nur eine andere Form militärischer Besetzung. Ebenso bedeute die Entscheidung über die oberschlesischen Schulkinder eine Richtachtung des völkerrechtlich gesicherten Anspruchs der Eltern und eine Verkennung der nationalen Derhältnisse in Ober- fchlesien. Die gefahren Beschlüsse des Dölker- bundrats, für die das Kabinett die Derantwvr- tung übernommen hat, sind nunmehr auch für uns die gegebenen Grundlagen für unsere weitere Arbeit. Dabei geben wir der Erwartung Ausdruck, daß Auhenminister und Kabinett in engster Fühlung miteinander dafür sorgen, dah der deutsche Rechtsstandpunkt bei den weiteren Derhondlungen im Völkerbund e i n g e - halten wird. Die Aufrechterhaltung der Besatzung hat nach den von Deutschland gegebenen Sicherheiten jeden Sinn verloren, sie steht mit dem neuen Geiste, der bas Ergebnis der Verhandlungen sein sollte, im unlösbaren Wider' spruch. Ihr Aufhören ist eine unerläßliche Voraussetzung der Verständigung und Befriedung, die nach den wiederholten und feierlichen Erklärungen aller Staatsmänner von allen Mächten erstrebt wird. Abg. Kaas (3tr.) Im Gegensatz vom März des vorigen Iahres kommt der Auhenminister mit einem positiven Ergebnis, das charakterisiert ist durch einen Kompromih, der objektiv wenig befriedigend ist. Gegenüber der starken Aktivität der deutschen Außenpolitik in den vergangenen zwei Icchren besteht heute das Gefühl einer bedenklichen Versteifung. In dieser an sich wenig vorteilhaften Entwicklung bildete die Regierungsumbildung ein erschwerendes Moment. In einem Augenblick, wo jede Regung des Mißtrauens im Auslande gegenüber der parteipolitischen Struktur Deutschlands als eine Erschwerung der im Zuge befindlichen außenpolitischen Aktionen sich auswirken mußte, haben meine politischen Freunde den Weg der Rechtserweiterung des Kabinetts nur mit Widerstreben gewählt. Wir werch den uns auch in Zukunft nur von dem Bestreben leiten lassen, den Gang der deutschen Außenpolitik in den Dahnen der Vergangenheit zu halten und uns durch keine Rücksicht, auch nicht durch die Erhaltung einer bestimmten Form der Regie- rungsloalition, davon abhalten lassen, von allen Parteien der jetzigen Regierung die lückenlose Einlösung der Abmachungen zu verlangen, die vor dem Zustandekommen der heutigen Koalition vereinbart wurden. Die gänzliche Räumung des Rheinlandes ist unbedingte Voraussetzung für das Zustandekommen einer Annäherung der beiden Rachbarvölker. Der Redner begrüßt, dah der Außenminister in Genf mit dem Leiter der polnischen Außenpolitik den ernsten Versuch unternommen Hot, die abgerissenen Fäden der Handels-, politischen Verhandlungen vorsichtig wieder anzuknüpfen. Bezüglich des Verhältnisses zu Rußland erwartet der Redner, daß an der Politik des Vertrages von Rappallo und des Berli.rer üebeceinfommens festgehalten werde. Deutschlands Verhalten gegenüber dem Balkankonflikt ist vorgeschrieben durch die Gebote der Menschlichkeit und der Selbsterhaltung. Wir ertoarten, daß der Völkerbund nicht untätig bleibt, während an verschiedenen Stellen Europas die Feuerfunken aufzufliegen beginnen. Auf die loyale Mitarbeit Deutschlands für die Erhaltung des Friedens wird man im Ausland unbedingt rechnen können. Abg. Frhr. v Rheinbaben (D. Dp.) Wir halten das Ergebnis von Genf für keineswegs l-efriedigend, aber wir danken dem Außenminister fiir jcinc tatkräftige Vertretung der deutschen Interessen. Mit innerpolitischen Vorgängen Hal das unbefriedigende Ergebnis von Genf gar nichts zu tun. Es ist lediglich zurückzuführen auf einen U m - jchwung in der außenpolitischen Einstellung Frankreichs. Daß Locarno keine Fortsetzung gefunden hat. liegt daran, daß England durch andere lebenswichtige Ereignisse o b g e lenkt wird. Darum brauchen wir aber nicht klein mutig zu werden. Jede neue Lage bietet auch wie ber neue Möglichkeiten. Immer wieder wird die Nichtigkeit der Locarnoverträge bei den Deutsch- nationalen bezweifelt. Darum ein offenes Wort: Der Wert der Locarnooerträge.liegt darin, daß die geschlossene Front gegenüber Deutschland durch brachen ist. Erst jetzt können wir wieder europäische Politik treiben. Allerdings haben die Besatzungsmächte ihr gegebenes Wort bezüglich der Auswirkung von Locarno nicht gehalten. (Sehr richtig! rechts.) Die H e r a b s e tz u n g der Besatzung ist niemals Wirklichkeit geworden. Die Versprechen, mit denen man uns damals zur Unterschrift veranlaßt hat, bildeten eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. (Sehr richtig! rechts.) Wie falsch war es, wenn manche verlangten, Deutschland solle sich zum Führer der Unzufriedenen im Völkerbund machen, wie falsch aber auch die Illusion, daß uns nun alles von selbst zufliegen würde. Wir müssen mit den anderen Großmächten zusam- menarbeiten. Dabei dürfen wir nicht immer nur nach Frankreich blicken, sondern auch nach England u n b nach Italien, das unter Mussolini wesentlich erstarkt ist. Wir verlangen den Rückkauf der Saargruben, ohne daß ein einziger französischer (Menbarm bort bleibt. Wir wollen eine freundschaftliche Verständigung über die Räumung. Zu- rückweisen müssen wir die französische Andeutung, da ßim geräumten Rheinland irgendwelche Kommissionen ober andere Organe der Entente zurück bleiben. In dieser Hinsicht sind Wortlaut und Sinn des Versailler Vertrages völlig einwandfrei. Wir verlangen, daß endlich die verabredete Gesamt lösung in Angriff genommen wird. Immer wie der müssen wir daraus Hinweisen, baß an unserer wirtschaftlichen Rot nur der außenpolitische Druck schuld ift. Wir können die heutige Ostgrenze niemals für die Ewigkeit anerkennen. Ein Oft- Locorno darf es nicht geben. Abg. Stöcker (Stomm.): Stresemann scheint von ficrm o. Keubell, dem großen Schweiger, gelernt zu haben, wie man um schwierige Probleme am besten berumfommt. Wo ist der berühmte Geist von Locarno, wo die Verständigung von Tboiri)9 Im Gegenteil, die Kriegsgefahr ist heute ernster als je. Briand behauptet, er habe ein Durchmarichrecht durch Deutschland, falls die Polen ober Tschechen angegriffen wurden, und die deutsche Regierung Hai das noch nicht Dementiert, aber die deutschen Ar beiter werden sich nicht als Landsknechte gegen So ivjetrußland mißbrauchen lassen. Weiterberatung Mittwoch Einigung über den Etatausgleich. Berlin, 23. März. (Priv.Tel.) Die verhgnd- lungea zwischen bet Reichsregierung und den Regierungsparteien übet die Beseitigung des Defizits im Reichshaushalt sind zum Abschluß gekommen. Die Einigung ist. laut „Germania", aus folgender Grundlage zustande gekommen: Das Auskommen an Einkorn men - und Körper schasts steuern wird um 260 Millionen erhöht; ferner sind aus dem Haushaltsjahr 1926 Ueberschiisse in höhe von 200 Millionen verfügbar. Schließlich soll der Bett i e b s m i 11 e l f o n d s mit 190 Millionen herangezogen werden. Die Restsumme des Defizits soll durch Einsparungen auf der Ausgabenseite verschwinden. Ls soll sich dabei hauptsächlich um den Fortfall eines Betrages von 50 Millionen, der für produktive Erwerbslose n- f ü r f o r g c in den Etat eingesetzt wat, handeln. Eine Reihe verhältnismäßig kleinere Ersparnisse soll durch die Beseitigung mehrerer Dispositionsfonds der einzelnen Ministerien erzielt werden. Aus diese Meise ist der ordentliche Etat des Reichshaushalts für 1927 fiir den Augenblick ins Gleichgewicht gebracht worden. Sollten Ausgaben für die Li quidationsgeschä- digten notwendig werden, würde naiurgemäß eine neue Lücke entstehen. 3m auhcrord-'nt Iichen haushalt werden 500 Millionen Mark beansprucht. Die ursprüngliche Absicht, diesen Betrag auf Anleihe zu nehmen, ist fallen gelassen worden. Auch bei diesem Ltoc halte man Abstriche in höhe von rund 50 Millionen Mark vorgenommen, wobei 30 Mill, aus fianalbauten entfallen, die zwar nicht vollständig ruhen, aber wesentlich gestreckt werden sollen. Beseitigung der GemeindegetranKesteuer. Die Beschlüsse des Steirer ausfchuffcs. Berlin, 22. März. Der Steiierausschuß des Reichstages fetzte die Einzelberatung des Finanzausgleichs bei der Frage der Getränkesteuer fort. Abg. S^mon Schwaben (Soz.) erkannte an, daß diese Steuer produktionsverteuernd fei. Darum seien auch die Sozialdemokraten grundsätzliche Gegner der Gelränkesteuer; aber sie sei eine Einnahmequelle, auf die die Gemeinden nicht ohne weiteres verzichten*könnten. _ Rach längerer Debatte wurde mit 14 gegen 12 Stimmen folgender Antrag der Regierungsparteien angenommen: i. Die Gemeinden dürfen mit Genehmigung der Länderregierungen Steuern auf den örtlichen Verbrauch von Bier erheben. 2. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn sichergestellt ist, daß die Neueinführung oder Erhöhung der Biersteuer durch entsprechende Steuersenkungen auf anderen Gebieten, insbesondere auf dem Gebiet der Grund- u n b Oebäubefteuer und Gewerbe- ft e u e r ausgeglichen wird. 3. Die Steuer darf nur von dem hersteI - l c r des Bieres oder von demjenigen erhoben werden, der das Bier in die,Gemeinde ein- f ü h r 1. Sie darf 7 v. h. des herstellerpreises nicht überfteigen. Alle anderen Anträge sind damit erledigt und die Gemeindegetränkesteuer in der bisherigen Form gefallen. Das Ardeitszeitnotgesetz. Ein Kompromiß der Regierungsparteien. Berlin. 23. März. (WTB.) Der inter- fraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien verhandelte gestern abend unter Beteiligung des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns und der FraÄivnsführer Graf Westaro nochmals über das Ar- beitszcitnotgesetz mit dem Erfolg daß eine KomDie BatKanKrms. LnchSIungi« »er „tobuita". Rom, 22. März. (WTB.) Agenzia Stefani. Die „Sribuna“ veröffentlicht den Brief eines fran- sischen Bürgers, der sich auf eine geheime Konferenz hoher serbischer Privat- Persönlichkeiten bezieht. In dieser Konferenz von zehn serbischen und tschechoslowakischen Mitgliedern, die Ende Dezember in Paris unter dem Vorsitz eines ehemaligen serbischen Ministers stattfand, wurde die Organisierung einer Aufstandsbewegung in Albanien mit Unterstützung einiger katholischer albanischer Priester beschlossen, um Grenzzwischensälle hervorzurufen, und damit die Intervention Italiens. Die Tschechoslowakei sollte dann mit Iugoslawien gemeinsame Sache machen. Ein Angriff, der in allen seinen Einzelheiten geregelt war, war für das Frühjahr vorgesehen und hätte Italien überraschen sollen. Der ehemalige serbische Minister sagte bei seiner Abreise aus Paris wörtlich: „Ich gehe nach Belgrad zurück, um den Krieg gegen Italien vorzubereiten!" Einige Tage später erhielt man aus anderer Quelle die Bestätigung, daß man in Belgrad das Möglichste tun würde, um einen Krieg ausbrechen zu lassen. Keine deutsche Vermittlung. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 23. März. Nachdem der erste Schreck über den plötzlich aufgetauchten italienisch-jugoslawischen Konflikt überwunden ist, haben rege diplomatische Verhandlungen in den Hauptstädten der Großmächte eingesetzt, mit dem Ziele, eine Klärung in den gespannten Verhältnissen herbeizuführen. Selbstverständlich ist es wohl der Wunsch aller nicht unmittelbar beteiligten Großmächte, den Konflikt auf eine Weise beizulegen, die keine besonder en Maßnahmen erfordern. Gewiß dürfte in dieser Beziehung der Völkerbund entsprechend seines Aufgabenkreises in erster Linie in Frage kommen. Doch müßte dazu zumindest eine Anregung seitens der unmittelbar betroffenen Staaten vorliegen, wozu aber keiner ber beiden Staaten, weder Italien noch Iugoslawien Lust zu haben scheint. Man ist nunmehr versucht, namentlich im Ausland, Deutschland die Mittlerrolle aujutragen, und begründet dies einmal damit, daß doch Deutschland zur Zeit den Vorsitz im Völkerbund führe, wobei man es aber gern sehen möchte, wenn Deutschland in dieser heiklen Lage eingreifen würde. Daß dies niemals der Fall sein kann, beweist nur allzu klar die allgemein politische Lage, in der sich Deutschland schon auf Grund feiner abgeschlossenen Verträge befindet. Gewiß wird auch hier die Lage als außerordentlich ernst angesehen, doch alaubt man, daß sich dennoch ein Ausweg wird finden lassen, um Europa vor neuen Unruhen zu bewahren, hat es doch bei weitem noch nicht die Wunden des Weltkrieges überwunden. Allem Anschein nach dürfte es auch zu feinen kriegerischen Maßnahmen kommen. Briand zum albanischen Konflitt. Paris, 22. März. (WB.) In der Kammer wurde die Interpellation der sozialistischen Abg. Blum und Fontagier über die italienisch-serbische Spannung erörtert. Außenminister Briand ersuchte die Interpellation zu vertagen. Die Zwischenfälle, auf denen die Interpellation begründet sei. entwickelten sich nach einer befriedigenden, d. h. nach einer friedlichen Lösung. Gleich in den ersten Stunden habe die französische Regierung Ratschläge der Vorsicht, der Kaltblütigkeit und der Mäßigung gegeben. Er könne feststellen, daß diese Intervention in Uebereinstimmung mit den Regierungen von Großbritannien und Deutschland erfolgt sei. Der serbische Außenminister habe eine internationale Enquete vorgeschlagen und den Militärattaches alle Mittel zur Verfügung gestellt. Andererseits habe auch die italienische Regierung Mäßigung bewiesen. Er wolle nicht sagen, daß die Lage in Europa vollkommen befriedigend sei. Bei Zwischenfällen, wie den jetzigen, sehe man aber, wie Großmächte, wie Deutschland, England und Frankreich und die anderen sich zusammentäten, um Ratschläge der Vorsicht und der Kaltblütigkeit zu geben. - Ermordung eines albanischen Führers. Paris, 23. März. (2DIB. Funkspruch.) Rach einer Meldung des „Petit Parisien" sind 3 u f f u f Bey Dibra, Führer der unbahängigen albanischen Partei und fein Freund Escad Pascha in Tirana ermordet morden. „Popolo b'Dtalia“ erfährt. bah Zussus Bey Bibra gelegentlich eines Zusammenstoßes der albanischen Bergbevölkerung mit der albanischen Gendarmerie umgekommen ist. promihlösung gefunden wurde. Das Kompromiß bewegt sich, laut „Tägl. Rundschau", auf dem Boden des Vorschlags, den der Abg. Thiel gemacht hat. Danach wird in den § 10 eine De- stintmung ausgenommen, die die Leistung von Mehrarbeit zuläßt, wenn die älnterbrechung der Arbeit schwerwiegende Rachteile im Gefolge haben würde. Weiter ift« im § 12 die Frage der Saisonarbeit in dem Sinne geregelt worden, daß in den wichtigen Arbeitszweigen, in denen die achtstündige Arbeitszeit während eines Teils des Iahres nicht erreicht wird, in anderen Jahreszeiten, in denen besondere Anforderungen gestellt werden, die Arbeitszeit überschritten werden kann. Die einzelnen Bestimmungen sollen dem Reichsarbeitsmimster überlassen werden. Auf der anderen Seite wird die Bestimmung in das Gesetz ausgenommen werden, daß für jede Mehrarbeit ein Lohnzuschlag bewilligt werden muß. Man wird es den vertragschließenden Parteien überlassen, in welcher Höhe der Zuschlag festgesetzt wird. Wird keine tarifliche ober sonstige Vertragsabmachung erzielt, so soll ein angemessen er Zuschlag in Kraft treten. Als solcher gilt ein Zuschlag von 25 v. H. des Arbeitslohnes. Dos Kompromiß wird voraussichtlich nicht von den Parteien in Form eines Antrages im Reichstag eingebracht werden, vielmehr wird beabsichtigt, daß die Regierung die Bestimmungen des Kompromisses übernimmt und danach den Aegierungsentwurs abändert. Der Reichsrat wird dann am Mittwoch oben Donnerstag den Entwurf voraussichtlich in der abgeänderten Form verabschieden, so daß dos Gesetz in der neuen Form an den Reichstag gehen wird. Aus dem Finanzausschuh des Hessischen Landtags. D a r in st a i) 1. 22. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beriet am Dienstag die Regierungsvorlage über tue Erstreckung des Finanz gefetzes von 1926 auf die ersten drei Monate des Finanzjahres 1927; die Vorlage wurde mit allen gegen drei Stimmen geneh - mißt. Eine Vorlage über die Durchführung des Gesetzes^über die Errichtung ftaatli- chcr ‘Bauämter, hier die Zurversügungstel- lung der Mittel für die persönlichen Kosten, wurde sodann beraten. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Errichtung der staatlichen Bauämter sind die oberen und mittleren Baubeamten der Kreise als Staatsbeamte zu übernehmen. Die erforderlichen Mittel hierfür sind in Kapitel 112, Titel 1. des Etaotsvoran- schlagS bereits vorgesehen. Die Regierung erbittet die Ermächtigung, die Gehälter der in Frage kommenden Beamten vom 1. April an auf die im Staatsvoranschlag vorgesehenen Summen einstweilen zu verrechnen. Der Finanzausschuß stimmte dem zu. Es folgte die Beratung der Vorlage über das Steuer vorauszahlungsgeseh. In Absatz 2 des Artikels 1 wurden die Worte gestrichen „nur für einen Teil des Rechnungsjahres" und dafür eingesetzt „für das Rechnungsjahr". Es lag ein Antrag Kaul und Genossen vor, dessen erste Position durch den Mietpreisaufschlag erledigt ist. Rach der zweiten Position soll die gesamte lOprozentige Erhöhung der Miete zum Wohnungsneubau verwendet werden. Dieser Antrag wurde mit 7 gegen 6 Stimmen a b g e l e h n t. Ein Antrag Dr. Leuchtgens, der die lOprozentige Mieterhöhung nicht der Steuer unterworfen haben will, wurde auch abgelehnt. Ein Antrag Kindt, die aus der Mietpreissteigerung auskommenden Beträge zu 8 Prozent den Hausbesitzern und zu 2 Prozent den Gemeinden zu überlassen, wurde ebenfalls abgelehnt. Die Regierungsvorlage wurde hierauf mit folgenden Aenderungen angenommen: Die Vorauszahlung an conbergebäuDefteuer erhöht sich um 26 Prozent des nach Satz 1 sich errechnenden Betrag?, falls der zugrund gelegte Steuerwert 7000 Mark übersteigt. Ferner wurde noch eine Entschließung angenommen, die Regierung zu ersuchen, den Zuschlag zur vorläufigen Sondergebäudesteuer für 1927 auf Antrag bis zur endgültigen Veranlagung zur Steuer zu stunden, wenn es sich um nicht vermietete Eigenhäuser von nicht mehr als 10 000 Mark handÄt. deren Eigentümer 1926 nicht mehr als 100 Mark Einkommensteuer zu zahlen hatten und deren sonstiger Grundbesitz nicht mehr als 10000 Mark Steuerwert hat. Als Eteuerwert gilt der Wert von 1914. Der Artikel 6 der Vorlage wurde mit einer kleinen Aenderung angenommen, um den Gemeinden mehr Spielraum bei der Ansetzung der Steuer zu geben. Der deutsche Standpunkt zum Abrüstungsproblem. Graf Bernstorfs in Genf. Genf, 22. März. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Sitzung des Abrüstungsausschusses gab Graf Bernstorfs eine grundsätzliche Dar' legung des deutschen Standpunktes zum Abrüstungsproblem ab. Er betrat«- mit allem Rachdruck, daß nach den vielen mühsamen Verhandlungen der Sachverständigen jetzt Taten folgen müßten. Gerade die auf Grund inter* nationaler Verträge abgerüfteten Staaten, also in erster Linie Deutschland, haben ein Recht darauf, daß nunmehr die allgemeine Abrüstung erfolgt, nachdem zumal die deutsche Abrüstung restlos durchgeführt ist. Diese Qlb- rüftung sollte ja nach dem Versailler Vertrag schon die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung sein, wie das auch in aller Form von mehreren Delegierten dieser Kommission ausgesprochen worden ist. Eine Teillösung wäre unbefriedigend: das Problem ift vielmehr in seiner Gesamtheit zu erfassen. Was auf uns lastet, sind die Gefahren des unausgeglichenen Rüstungsniveaus. Diese Unausgeglichenheit macht die Wirkungsmöglichkeit des Völlerbundes problematisch. ilnfere wichtigste Aufgabe ist also die Herabsetzung der Rüstungen, nach den Worten t des Vertreters Italiens die Revision des gegenwärtigen Rüstungszustandes. Unbefriedigenden Lösungen kann die deutsche Regierung ihre Zustimmung nicht geben. Endziel muß die Ausgleichung der Rüstungen sein, die allein dem Völkerbund vollste Aktionsmöglichkeit gewährleistet. Die Lösung des Abrüstungsproblems ist der Grundstein für den Völkerbund. Vor neuen Verhandlungen mit Polen. Berlin, 23. März. Wie der polnische Außenminister Z a 1 e s k i dem deutschen Gesandten Rauscher mitteilte, ljat die polnische Regierung den in Genf getroffenen Abmachungen nunmehr z u g e st i m m t. Dies ist um so mehr zu begrüßen, als damit nun endlich der Weg zu neuen Deuts ch-polnijchen Verhandlungen freigegeben worden ist. Voraussichtlich dürften in dieser Beziehung auch schon bestimmte Modalitäten zwischen Rauscher und Zaleski vereinbart worden sein, und wir glauben zu wissen, daß sich der deutsche Gesandte mit dem polnischen Außenminister bereits über Ort und Termin der neuen Verhandlungen, die zunächst auf dem Wege diplomatischer Verhandlungen geführt werde», geeinigt hat. Aus aller Welt. Verteilung des Beethoven-Preises. Bei der in Der Preußischen Akademie der Künste veranstalteten Beethovenfeier teilte der Präsident der Akademie mit, daß der staatliche Beethovenpreis, der jährlich in Höhe von 10000 Mart verteilt werden soll, diesmal erstmalig in zwei Hälften von je 5000 Mark an bk Musiker und Komponisten Gerhard v. K e u h - l c r = Hamburg und Kurt Thomas- Leipzig verliehen worden fei. Beethoocnfeier in der Pariser Sorbonne. In Der Sorbonne fanv eine Feftaufführung von Werken Beethovens anläßlich der hundertjährigen Wiederkehr seines Todestages unter Mitwirkung von Künstlern der Oper und der Opera Coinique statt. Das Orchester stand unter Leitung Der Kapellmeister Vincent d ' Indh , Henri R a b a u D und Philippe ©auberi. ES kam die Ouvertüre zu Coriolan, die fünfte und neunte Symphonie und ein Beethovenquartett zur Aufführung. Zuchthaus für Autobanditcn. Das SchöffeugerlO)' in Luckenwalde fällte ein bemerkenswertes Urteil. Berliner Automobilisten waren vor einigen Tagen unterwegs überfallen worden. Die Banditen hatten Baumstämme quer über die Fahrstraße gelegt und so das Auto zum Anhalten gezwungen. Unter Bedrohung mit Revolvern zwangen sie die Insassen, ihr Geld und ihre Wertsachen herauSzu- geben. Glücklicherweise gelang es schon am nächsten Tag, die drei Täter zu fassen. Das Schöffengericht verurteilte jeden der Drei Tater z u fünf Iahren Zuchthaus. 10 Iahreit Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. BanbitenüberfaU auf Reisende in Mexiko. 300 mexikanische Banditen haben bei Rincon (Staat Guanajuato) am 20. März abends einen Eisenbahn zu g angehalten, die Post- und Gepäckwagen geplündert und drei Wagen 1. Klasse in Brand g e st e ck t. Ungefähr 30 Meilen von der Stadt Mexiko haben Banditen am gleichen Tage 11 Automobile angehalten und die Passagiere ausgeplündert. Die Rache des Seehundes. Auf dem Passauer Bahnhof stand ein Seehund in seinem Behälter zum Weitertransport bereit. Ringsum eine Menge Reugieriger. Einer von diesen machte sich den Spaß, dem Tiere ein paar kräftige Züge Zigarrenrauch ins Ge sicht zu blasen. Der Seehund tauchte im Wasserreservoir seines Käfigs unter, um bald darauf mit Munition wieder zu erscheinen, die er in voller Ladung dem über- raschten Störer seines Friedens ins Gesicht spie, so daß dieser über und über naßgespritzt unter dem schadenfrohen Gelächter der Umgebung das üßeHe suchen mußte. Wettervoraussage. UnbeftänDig wechselnd bewölkt, etwas kühler und noch Riederschläge in Form von Schauer- regen. Gestrige Tagestemperaturen: Mazimmn 16.7. Minimüm 9.4 Grad Eellius. Riederfchläge' 4.6 Millimeter Heutige Morgentemperatur: 82 Grad Eellius Aus der Provlnzialhauptftadt. Sieben, den 23 Mär- 1927 gur Krüppelheim-Baulotterie. (2km Pros. Dr. B rü n i ng » Gießen.) 3m nächsten Monat fintet die vorn Hefte- scheu Verein für Krüpvclfürforge ocranftaltctc Lotterie statt, wodurch die Geldmittel aufgebracht »werden sollen, in Gisßen ein Heim für txr- krüppelte Kinder zu erbauen, vokche Heime gibt et Ichon in den nreisten auberdeutschen Ländern, besonder« Oesterreich ist damit gut ausgeftattet. in Oslo in Bnrtocgen ist ein großes in Dor- bereitunq. Bei uni lag die Krüppellürsorge lunae Zeil in den Händen von Laren lLehrer. Geistliche usw > und war vollständig der privaten WohllahrtSpfteg. überleiten, «fctft 1920 schritt teuften als erster deutscher Staat zu einer ge- I 'sichen Regelung der ganzen Frage 8t legte i 'n Gemeinden und Kreisen die Pflicht auf. für l d)? Behandlung und DerufSerzichung Der- i i' yklter zu sorgen Da- Gesetz entlvrang aus D:" Ecicnntnis, Last e-, rein materiell betrachtet, d:l ?,cr ist. einen Verkrüppelten zu betten oder 1 isteno lc well zu bessern, bah er sich einen b !aj' enen Lebensunterhalt lelbst erwerben kann c. wenn er als arbettSunfähig dem Staate zur Last fallt. Auch die ethische Veite ist nicht zu gering anzuschlagen, denn durch Milderung de» irour.gen Lose- der Krüppel toirb ihre Un- »usriedenheit und Erbitterung beseitigt, die 'chon oft sie m die Arme de- Verbrechen- geführt hat. Durch die Geldentwertung tour Je der groiizügig angelegte Plan der preußischen Regierung leider sehr eingeschränkt. Die private Fürsorge muhte wieder eingreifen. So steht es auch in Hessen. Dir sind auf private Mittel angewiesen, zu bereit Aufbringung jetzt da- ganze Land ausgerufen wrrd. Wer soziales Empfanden Hal, wer religiöses denkt, wird das kleine Opfer nicht scheuen, das so vieles Elend lindern und so manchen Unglücklichen ausrichten kann. Vielfach herrschen falsche Vorstellungen über die Ausgaben und die Tätigkeit eines Krüppelheimes. Es ist dies nicht eine Art chirurgischer Klinik, in der nur Operationen au-geführt werden. Allerding- ist dies eine ihrer Hauptaufgaben. es erwachsen aber daneben noch andere nicht minder wichtige. Da die Behandlung und damit der Aufenthalt im Heime lange Zeit in Anspruch nimmt, so muß auch für entsprechenden Schulunterricht gesorgt werdens denn sehr wichtig ift die Bildung des Geiste- und Gemütes. Später müssen die Heranwachsenden in einem Handwerk au-gebildet werden, damit sie die Gesellenprüfung oblegen können. Alles diese- müst in beständiger Fühlungnahme mit dem Arzt geschehen. Auch nach Abschlust der Ausbildung w.rd die Leitung des Heimes in Verbindung mit den verschiedenen Fürsovgestellen sich bemühen, für die Gesellen Stellung bei einem Meister zu vermitteln. Jederzeit wird vom Heime aus die Ueberwachung des körperlichen Zustande- des ehemaligen Zöglings weitergesuhrt werden Im Krüppelheim mutz ein Ort geschaffen werden, wo der im Kampf ums Dasein bedrängte und gestobene Verkrüppelte jederzeit Rat finden kann. Aus dieser kurzen Darstellung ist ersichtlich, welch vielseitige Aufgaben an da- zu errichtende Kiüppelheim herantreten. Ratürlich kann die- nicht sofort aie Danzes hingestellt werden, es must sich organisch enttoidcln, langsam daS eine aus dem anderen hervorwachsen. Je mehr Mithelfer aber jetzt am Werke tätia sind, dadurch, daß sie Lose kaufen, desto schneller und erfolgreicher kann die Arbeit an den Verkrsivpclten einsetzen. Jeder, der sich deS Glückes gesunder Kinder erfreut, sollte seinem Dank dafür Ausdruck geben, daß er unser Werk unterstützt Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater 7j Uhr ..Jugend" (Ende gegen 10 Uhr). — Lichtspielhau.. Bahnhofstraße: .Unsere Emden". — Ästoria Lichtspiele: „Die Gespensterfarm'. — Aus dem Stadtiyeaterbureau wird unS geschrieben: Fräulein Adele Kern vom Frankfurter Opernhaus, die ja bei Publikum wie Presse außerordentliche Anerkennung für ihre Leistung als Rose Friquet am vergangenen Sonntag gefunden hat. wurde bei einem kürzlich erfolgten Gastspiel an der Wiener StacttSoper in der österreichischen Hauptstadt ebenfalls in außer- gewöhnlicher Weise gefeiert. Die Dame wird auch in der xtocilen — und tote nochmals beton', sei - letzten Aufführung des .Glöckchen des Eremiten" am kommenden Freitag wiederum als Gast mitwirken. — Für alle diejenigen, die an den Abenden am Theaterbesuch verhindert sind, ist für nächsten Sonntagnachmittag eine Ausführung der überaus luftigen Lokalposse ,®ieftcn wird Großstadt" angeseht worden Die Posse bietet so viel für Auge und Ohr, fo viel des Amüsanten für den Lokalkundigen, daß kein Gießener versäumen sollte, sich das Stück einmal anzusehen. — Dom Turnverein 18 46 Gießen. Ende März wird der Turnverein von 1846 für feine Mitglieder und alle Freunde der Tum- und Sport fache den großen Film „Kampf und Spiel" in den Paiastiichtfpieicn zeigen. Der Film hat bei fünf Akten eine Lange von 1650 Meier. Besonders soll er der I igend die Leistungsfähigkeit der Deut- j*en Turnerschait auf allen Gebieten der Leibes- Übungen darstellen. Raturheilverein Gießen. Der Men ch und seine ScAtld an Krankheit und Glend . Heis t daS Thema, über das Herr Hein Kröver aus Frankfurt a. M. morgen im Hotel Schütz spricht Näheres in der heutigen Anzeige *• Personalien Ernannt wurden: am 3. Möe; der ‘.-obrer Friedrich Kaufmann an der T olks' u ? zu Merkenfritz Kreis Büdingen, zum haup . FortbildungSschullehrer an der Fortbildungsschule zu Ortenberg und Um- gegen 0, Kreis Büdingen: am 15. März der Lehrer Ferdinand Fischer zu Heldenbergen. Kreis Friedberg, zum Lehrer an der Volksschule zu Sponsheim, Kreis 'Bingen; am 16. März der Prnvatdozent an der Landesunivrrfität Gießen Dr. Wilhelm P e p v I e r in Gießen zum außerplanmäßigen austererdentüchen Profe'or. am 17. März der Diplom-Jng. Dr rer. nat. August Thum in Mannheim mit Wirkung vom 1. April 1927 an zum ordentlichen Protektor für Werkstoffkunde an der Technischen Hoch'chme in Darmstadt 3n den Ruhestand verteyt wurde: am 17 März der ordentliche Proseftor an der Technischen Hochschule in Darmstadt Geh. Baurat Dr.-Jng. h c. Otto Berndt zu Darmstadt, auf fein Rachluchen mn Wirkung vom 1. April 1927 ab •’ Spareinlagen bei den hessischen Sparkassen. Der Monat Februar hat den hessischen Sparkassen wiederum einen erheblichen Zuwachs an Spareinlagen gebracht Der Bestand der Einlagen stieg um rund 4’ . Millionen Mark (im 3anuar 1927 5* Millionen Mark» auf 84' « Millionen Mark. Die sonstigen Guthaben aus Giro-. Scheck- und Kontokorrent-Konten betrugen Ende Februar 1927 rund 18'/, Millionen Mark. Die Gesamtsumme der bei den hessischen Sparkassen eingezahlten Gelder belief sich also am Monatsende auf über ISO M:l Uoncn Mar! 'ungerechnet dte auS der im Gang befindlichen Auswertung sich allmählich antom- me Inden Mittel» Damit ist mnerhald c:nes Zeitraums von etwa mehr als drei Jahren w eder annähernd der vierte Teil der Vorkriegs- bestände erre .ch:. war dem wiedererwachten Sparsinn der Bevölkerung ein glänzender Zeugnis ausstellt. " Hinrichtungen inHes je n. Zum ersten Male wird letzt amtlich eine Statistik über die Hinrichtungen in Hessen in den Jahren 190.3 bis 1926 veröffentlicht. Es wurden hmgerichtet in den Jahren 1903, 1905, 1910, 1911, 1914. 1917. 1922. 1924, 1925, 1926 je eine männliche Person und im Jahre 1921 zwei männliche Personen. '• Die Einreise in das besetzte W e biet. Eine Anfrage aus einer sächsischen Stadt, ob Mainz noch besetzt fei. gibt Veranlassung, daraus hinzuweifen, daß die Einreise in das besetzte Gebiet ohne alle Formalitäten möglich ist, als Ausweis genügt jede von einer deutschen Polizeibehörde aus- cüftellic Bescheinigung, wie Po.izeiaufenthaitsbeschei- nigungen. Jaqdwastenscheine. Führerscheine für Auto und ftraftrab. WER. Amtliche Wanderkarten mit Angabe der Jugendherbergen. Aus Anregung deS Verbandes für Deutsche Jugendherbergen hat das AeichSamt für Landesauf- nähme sich bereit erklärt, die Orte, in denen sich Jugendberbergen befinden, besonders kenntlich zu machen. Die Hamen dieser Orte werden in Zukunft bei allen neu herauskommenden, mindestens zweifarbigen Karten rot ober grün unterstrichen fein. Von den fünffarbigen Ginheits- blättern sind bereits 23 mit ein gezeichneten Jugendherbergen erschienen. Außerdem find auch auf 16 einfarbigen Sonderkarten, beispielsweise von der Lüneburger Heide, vom Erzgebirge, vom Thüringer Wald und dem Werratal. die in den betretenden Gebieten bereits vorhandenen Jugendherbergen verzeichnet. Wenn auch durch die Weiterentwicklung deS deutschen Jugendherberge- vcrlehrS hier und da neue Orte mit besonderen Herbergen ständig zu den schon vorhandenen hinzukommen und dadurch die Angaben oft überholt sein werden, fo kann man doch diese Neuerung im Interesse der wandernden Jugend nur begrüßen. " D. H. E. Der DogeiSberger Höhenclub, Zweigverein Gießen, unteruaym am Eonn'ag seine Märzwandemng bis an den Eingang der Hinterländer Schweiz. DaS Überaufe günstige Wetter hatte eine stattliche Wanderschar von 113 Teilnehmern auf die Beine gebracht. Don Bieber, bis wohin der Frühzug benutzt wurde, führte der Weg durch dos liebliche DünSbachtal am Fuße deS Dünstergs her und hieraus über eine Anhöhe mit schönen Blicken auf die Lahnberge zur Frühstücksrast nach Frankenbach, wo in zwei Gasthäusern eingekehrt wurde. Aus guter Landstraße mit hübschen Ausblicken, namentlich aus Hohensolms, ging eS an der anmutig am Waldrand gelegenen Eisernen Hand, sowie an der Zigeunereiche. einem uralten, mächtigen Daum, vorbei, nach dem am Fuße des Hommerichs gelegenen Rodenhausen, wo der Kassee eingenommen wurde. Auch hier konnte das einzige Gast- haus die Wanderer nicht alle aufneijmen. und ein nicht geringer Teil mutzte im Freien rasten. An den Hängen des He.nmerichs, item ein kleiner Teil der Wanderer einen Besuch abftatrcle, um die prächtige Aussicht von oben zu gemeßen, und später am Fuße der Koppe entlang führte der Weilcrmarfch auf manchmal recht weichen Wegen durch Wald und Feld nach Erdhaufen. Beim Austritt aus dem Wald bot sich ein bcrrliajcr Blick auf die Berge heb Hinterlandes, vor allem den unS vertrauten Rimberg. Dis zum Endziel Gladenbach, dem vom Bergen eingeschlossenen, lieblich gelegenen Städtchen wurde die Landstraße benutzt. Das schmucke Städtchen hatte an diesem Tage noch mehrfachen Besuch erhalten, denn Wandervereine von Marburg. Detter und Biedenkopf hatten sich hier ein Stelldichein gegeben, so daß in dem sonst so stillen Orte lebhafter Verkehr herrschte, Uniert Wanderer nahmen in der _Post" bei fröhlicher Stimmung Aufenthalt bis zur Heimfahrt Oberheßen. Landkreis (Bietzen al. A l l e n d o r f a. d. Lahn, 21. März. Heute, am Frühlingsanfang, nachmittags 4 Uhr, ist der Allendörscr Storch wieder angefommen zur Freude von jung und all. Er hat sich gegen voriges Jahr um acht Tage verspätet. S. Trohe, 22. März. Ein hiesiger braver junger Mann, der am letzten Sonntag fein: Braut in Wieseck befucht hatte, wurde auf dem Rückweg kurz vor Trohe von zwei Raufbolden aus Vetzberg, die in Drost en-Duseck und hier gekneipt hatten, überfallen, vom Rade gc- riffen und in gemeinster Weite mißhandelt Anzeige ist bereits erstattet. Bg. Großen 8ufed. 22. März. Auf An trag des Turnvereins ..Gut Heil" hat sich der hiesige Gemeindevorstand entschlossen, demselben ein etwa •3: Morgen großes Gelände, die sog. Festmorgen, als sporiplatz zu überweisen. Der Platz soll, da er auch als Festplatz dient und an zwei Straßen gelegen ist, eingezäunt werden. g. B e u e r n , 22. März. In bieten Tagen wurde von Landwirt Waller und Frau Konrad Som- merlad Ww. hier Land verpachtet. Der Pachlpreis. der sich nach Güte des Bodens und Entfernung vom Ort richtet, schwankte zwischen 30 und 60 Mark für den Morgen. Don Viehhändler E d e l - m u t wurden einige Morgen Land verkauft. Der Preis betrug durch'chnitlich 1800 Mart, ein Bcrrag, der als hoch bezeichnet werden muß. — Bekanntlich wollte ein hiesiger Drtsbürgcr, der Arbeiter Dann, bei Miihilfe der Gemeinde eine Autolinie nach Großen-Lufeck emrichicn Die Äurohalle ist schon gebaut. Nunmehr ichcinl cs aber doch wieder iehr rr-iglid). ob die Sache zur Dmch'ührunq kommt, da die ‘Rentabilität nicht gewährleiste ist. T Cid). 21. Märt Mit einem großen Preisabschlag erfreuten in d. letzten Tagen die hiesigen Metzger ihre Kru'umenien. Infolge der berunterqeqarqcncn P reite für Fetl'chweine bieten untere Metzger Schwentesletsch afler Art auch Dealen» und Äotcletttnfiide. baS Ptenck) für eine Mark an. Daß natürsich der Konsum unter diesen Umständen steigen muh. ist erklärlich, und so tonn man jetzt die Beobachtung machen, daß viele Auswärtige nach Lich kommen, um hier ihren Dedars an Fletichwareu zu decken. Im ®egvnfah zu diesen Preisen stehen die Butter- Preise weit über den Preisen in benaibarten Gemeinden So wurden noch b.s in die letzten Tage für das Dfund Landbutter bis 1.90 Mark gefordert und nur ganz langsam scheinen sich die Preife den viel niedrigeren Gießener Wochen- markipreisen an,zugleichen. Dahingegen kann man in den Landgemeinden in der Umgegend von Lich die Butter styon für 1.40 Mark taufen. ' Aus der Rabenau, 22 März. Im .Ländlichen Reit - und Fabr-Berein Rabenau" hielt Oberveterinärrat Pros. Dr Knell. Gießen, einen Vortrag über .Das Pferd in feinen gesunden und kranken Tagen". Der Vortrag fand dieser Tage in Geil-Hausen statt und erfreute sich reger Beteiligung Krcis Fricdbcrg Bad-Rauheim. 22. März Die gut besuchte 92 ordentliche Generalversammlung der hiesigen V o l k s b a n k wurde vom Vorsihendcn des Aufsichtsrats. Rechtsanwalt und Rotar Stahl, mit einem ehrenden Gedenken an den kürzlich verstorbenen Ehrcnanwalt teS deutschen GcnossenfchaslSvkrbandcS. Juftizrat Pros. Dr. E r ü g e r. eröffnet, der auch der hiesigen Bolks- bank stets ein treuer Freund und Berater war. AuS dem vom Bankvorstand Habermehl erstatteten Jahresbericht feien folgcnte interessante Zahlen entnommen: Die Mitgliederzahl ist von 787 aus 803 gestiegen. Der Umfah betrug 1926 insgesamt 64 514 577,01 (1913 38 213 000) Mark, dos sind 4 Millionep Mark mehr als im Vorjahre. Auch die Bilanzsumme weist eine Erhöhung von rund 400 000 Mk. gegen 1°25 auf, sic betrug Ende 1926 2 411 652.02 Mk. in Aktiva und Passiva. Diese Posten beweisen, daß die Verwaltung mit dem Erreichten zufrieden fein kann, um fo mehr als sich der Aufschwung der deutschen Wirt- schaftsverhältnifse in der Badeindustrie und damit aud) in Bad-Ranheim in 1926 noch in keiner Weife ousgewirkt hat. Die Gewinn- und 'Verlustrechnung weift einen Reingewinn von 48 801,64 Mk. aus. Rach Verteilung von lOProz. Dividende an die Mitglieder können noch ansehnliche Beträge für gemeinnützige Zwecke verwandt und den Reserven übertrieben werden. Der Bericht, den Donkvorstand S t a ni m über die Psenuigsparkasse erstattete, gab ein erfreuliches Bild von der Belebung deS Sparsinns unter den Kleinsparern und der Jugend. Mil Anerkennung wird hervorgehoben, daß sich die Schulen in dankenswerter Weise in den Dienst der Sache gestellt und die Jugend durch Auflla- nmg über die vollstoirtfchaft'.iche Bedeutung der Spartätigkeit zum Sparen an» egt Von besonderer Wichtigkeit ist ein beachtenswerter A u f- Wertungsbeschluß. Bachtem der Auswer» tungSsonds bereits auf 90 000 Mk ongewachsen ist. sollen als vorläufige Aufwertung sofort 5 Proz. des Goldmarkbetrages an die alten Sparer verteilt werden. Als Goldmarkguthaben werden alle bis zum 31. Dezember 1918 eingezahlten 'Beträge angefprochen. was nach biefeni Zeitpunkt gespart wurde, wird in Goldmark umgerechnet. ' Butzbach. 22. März. Am Sonntag sand die Hauptversammlung der Vereins- bank für Butzbach u. Umgegend e G. m. b. H., statt. Der von dem Vorstand erstattete Bericht zeigte, daß daS Institut sich recht gut entwickelt hat. Die Bilanzsumme beträgt 460 963 Mark. Dem Vorschlag des Vorstandes und Aussichlsrats einstimmig entsprechend gelangt eine Dividende von zehn Prozent zur Verteilung. Die sahungSgemäß auSscheiden- den Aussicptstatsmitglieder Wilh Drücke l I. - PohlgönS und Rob Schneider - Kirchgöns wurden wiedcrgewählt. Reu in den Aussichtsral treten ein: Fabrikant A. WH eil- Butzbach, Dr. Paul Küchel- Duhbach. Metzgermeister H. S t e i n h ä u f e r - Butzbach Dr. Wiih. Bern- Dutzbach, Postagcnt und Gemeinderechner Wilhelm Ebel - Münzenberg. Dürgermeister Diehl» Hochweisel. c Duhbach. 22. März Kürzlich sand iw Anschluß an den hiesigen Faselmarlt die diesjährige Hauptversammlung des Kreis- rinderzuchtvereins (hessisches Fleckvieh) in der Turnhalle statt. Direktor Dr. Schad, der vor zwei Jahren Den Vorsitz übernommen hatte, mußte ihn jetzt wieder niederlegen, da er durch die Aushebung des Landwirtschaftsamts Duhbach nach Ridda verseht worden ist: LaTldwirtfchastsrat Dr. Dienst, der Leiter der hiesigen lanDtoirt- fHäßlichen Außenstelle, wurde einstimmig als sein Rachsolgcr gewählt. Oberreallehrer Ri naS- Hausen (5ricDberg) erläuterte den Voranschlag, der sich mit 1120 Mark ausgleicht und für Prämiierungen 200 Mark, für die Durchführung der mehrfach ernpfohtenen Leistungsprüfungen durch Probemellen 80 Mark und für Beihilfen zur Landesausstellung zu Darmstadt im September d. I. 600 Mark vorfieht. Prof. Dr K n e 11 (Gießen! hielt einen durch reiches Anschauungsmaterial unterstützten Vortrag über ^Vermeidbare Diehverluste. insbesondere durch Unfruchtbarkeits- bekämpfuny". Dabei betonte er. daß manche Verluste vermieden werden könnten, wenn der Tierarzt rechtzeitig zu Rate gezogen würbe. Ober-Mörletr, 22. März. In der Rähe deS Schieferberges brach vorgestern in einem mehrere Morgen umfassenden jungen Cichenholz- bestand ein Waldbrand aufe. der durch Bewohner unseres Ortefe, die rasch zu der gefährdeten Stelle eilten, noch gelöscht werden ionnte. bevor er größeren Schaden angerichtct hatte Man nimmt an. daß der Brand durch Unvorsichtigkeit von Ausslüglern entstanden ist. £reie Büdingen. 1. Ober-Mock ft adt. 22. Marz. Dieter Dage hielt unter Kriegerverein nach feinet Reugründung — er hatte sich 1919 ausgelöst — feinen ersten Farnilienabend ab. DaS abwechslungsreiche Programm des Abends wurde 'ehr beifällig aufgenommen. Kreis Schotten. 2 Leubach. 22. März. Einen hohen Kunstgenuß bot gestern abend die hiesige Konzert- und Vortrags-Vereinigung im „Solm- ser Hof" Es war gelungen, das in weiteren Krciten bc!ann:c treffliche ..Friedberger Männer- flefangsquürtett" lDirigent Hermann Hanftei n) zu ter-an Liederabend zu gewinnen Dieses Quarte.- das be Gelangstoe:tftreiten ober erste Preise errungen hat. bewährte wieder feine all- asnein anerlannte Meifterichatt. Slänzcird gc ftoltefe sich der Vortrag im ganzen und in EinzekhetteL: Bar xnb ptoAitzH Btt zum Schllrß jebe musikalische Linie. Zum Vortrag kamen Lieder von Dcechoven, He^ar, Sllcher Zöllner. Sehr dankenswert war. daß auch der gemü titie fr, innige heimische Komp wich Peter Müllet (t 1877. Lehrer der Musik am Friedberger Seminar) nrtt zwei Liebem vertreten war. Der Beifall der Zuhörer war lebhaft und herzlich — Bereits vor vier Jahrzehnten hatte man Grundzüge einer syftematischen Bebauung und Erweiterung der Stadt feftgeitcllt, war jedoch hiervon wiederholt abgewichen. Sv hatte man von der Kaiserft raße auS parallel mit der Hainftrahe, beginnend zwischen dem Arrefthaufc und dem Karnpfradschen Aiuoefen in der Richtung auf den .Alten Hof" geplant. Hier bat man vor Atoei Jahren statt der Straße eine enge Sackgasse angelegt. Die hiesige Bau- und Siedlung-gefelllchaft bat nun- mehr Die Festsetzung eine- Ottsbaustatul- angeregt. Der Oemeinbetat hat. dieser Anregung Folge gebend, an der Schottener Staatsstraße im Anschluß an die Vorstadt Baugelände in Aussicht genommen unter Mitwirkung von Fachleuten. t Stumpertenrod. K. März vor ungefähr einem Jahre wurde hier zum erftenmnl an geregt, dte Felddereinigung. dte dringend notiD.-nbig wäre, aud) in unferer Gemeinde ditechzu führen. Mit lstiicksicht auf die fchwiengen finanziellen Verhältnisieder Landwirtschaft wurded«e Durchführung der Feldbereinigung bis zum Eintritt belferet Uter- hälniiffe. und zwar \.mad)ft bis ziirn Jahre 1926 verschoben. Da nun kürzlich non anderer Seile angeregt worden, mit der Feldbereinigung bzw. Der Bermeffung schon in diesem Jahre zu beginnen, sand am letzten Freitag in dieser Sache Im hiesigen Schulsaale eine Gemeindeversammlung statt Wenn auch einzelne für den Antrag eintraten, so lehnte doch die große Mehrheit mit Rücksicht aus die noch bestehende Ichwieriae Lage der Landivirtschast den Beginn der Vermesfung für da» Jahr 1927 ab Aticie -llojclv. * Ober-Ohmen, 22. März. Die Bibliothek des hiesigen Volksbildungs- Vereins konnte im Lause de- letzten Jahres um eine Anzahl Werte erweitert werden. Dte Deullche Dichtergedächtmssttstung Hamburg- Grohborstel überwies Dem Verein aus Stistungs- mittcln 101 'Bäntk-, O. Jäger, hier, lüftete 42 den Raturwiffensd-asien und anderen Literaturgebieten angehörende Werte. Die Kosmos- gefellfchaft Stuttgart überwies aus StiflungS- mitlcln 19 Bände und der VolkSverbanb der Vücherfrcuude Berlin einen Bant). Wohl fehlen in der jungen Bibliothek noch manches Werk, vor allem die deutschen Klassiker und Schriften über die Wunderwerke der Technik, aber immerhin stellen die vorhandenen Bände der Bibliothek einen ganz beachtenswerten 'Bestand dar. und die häufige Inanspruchnahme im letzten Winter beweist, daß man den VolksbildungSbestrebun- gen quch in unserem Sorte Interesse entgegenbringt. Mvcft Lauterbach. XX Herbstein, 22. März. Die Umgebung der in Der Rähc Des Städtchen- gelegenen Schalksbachtciche hatte im vergangenen Jahre durch Kahltrieb großer Kiesernfchläge eine große Veränderung erfahren. Jetzt ist Die RieD- eselsche Forst Verwaltung Dabei, Die entstandenen kahlen Flächen neu auszuforst en Dabei wird sich der Umschwung In der modernen Forstwirtschaft oud) gellend machen. Denn der neue Wald soll Mischwald werden. ES werden verschiedene Sorten von Radel- und Laubbäumen angepllanzt. Stardendurg. ' Darmstadt. 22 März. Professor o. D. Dr. Friedrich S c r i b o , früher Lehrer am hiesigen Realgymnasium, feierte fein 50 jähriges Dor t o r j u b i l ä u in. Die philosophische Fakultät der Landesunivcrfitöt Gießen hat ihm ans oiesem Anlaß das Doktordiplom erneuert. Preußen. Mvcie Wetzlar. *<27 Kinzenbach, 21. Mit». Der Gemeinderat hat beschlossen, das während des Krieges unter Benutzung von Eisendraht erbaute Elektrizi t ä l s n e tz in diesem Jahre umzubauen. Dabei wer den die Eiscnleitungen durch Kupserleitungcn ersetzt. 'Gr Krosdors, 21. Marz. Die Landwirt schostskammer für d i e Rheinprovinz, der bekanntlich infolge feiner politifchen Zuteilung zur Rhcinprovinz auch Der hiesige Kreis angehörl, erhebt für das Jahr 1927 eine Umlage von 1,9 Proz. oder 5,7 Pf. je Taler Grundsteuerreinerlrag. Die Beiträge find in einer Summe im April fällig und werden von der Gemeindekaffe erhoben. Wißmar, 21. März. In der letzten Ge- meinberatsfinung berichtete Der Bürgermeister über feine Bemühungen auf Gewinnung einer Gemeindekrankcnfchwester. Obgleich er sich an eine ganze Reihe von Schwesternorgani- sationep gewandt und mit naher gelegener, mündlich verhandelt hat, waren bisher alle Versuche vergeb sich. In allen .tiniroorten wird über einen großen Mangel an Schwestern geklagt. Die Bemühungen sollen fortgesetzt werden. — Im Anschluß an die Sitzung nahm der (Bemeinberat die Abnahme der Umzäunung um den neuen, bei der Zusammen Icqunfl der Grundstücke ausgewiesenen Friedhos vor. Im Lause des Sommers soll die Anlage der Friedhossweae ersolaen, der im Herbst die Bauman Pflanzungen folgen sollen, fo daß der neue Friedhof 192h ferner Bestimmung übergeben werden kann. Kreis Marburg. sch Marburg. 22. Marz. Geheimrat Professor Dr. Theodor B i r t, der nicht nur einen bedeutenden Ri^s als Wlltenschafller genießt. Ion- dern sich auch als Dichter einen Barnen geschaffen f»at beging heute feinen 7 5. Geburtstag. Sein Barne ist eng mit der Marburger Universitär verknüpft, an der er 35 Jahre als orten!» I cher Professor gewirkt Hal. 3m Am.sjahr )902 03 tocr Professor Virt Rektor der Universität, seit März 1921 hat er sich von seinem Lehramt zurück- gezogen. Die Gute! Tod genommen. In tiefer Trauer: im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Pfeiffer V., Flurschütz i. R. Familie Karl Seibert Familie Christoph Arnold III. Großen-Buseck, den 22. März 1927. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 24. März, nachmittags 2 Uhr statt. Anna Mohr geb.Vormann Gießen, den 21. März 1927. Die Feier vor der Einäscherung findet am Donnerstag, dem 24. März 1927, in der Kapelle des Netten Friedhofes stat*. Heute nacht entschlief sanft meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Frau Maria Pfeiffer geb. Keßler im 81. Lebensjahre. Statt besonderer Anzeige. Mein geliebter, guter Mann Herr Oberstleutnant a. D. Anton Egon Mohr wurde mir heute nachmittag durch einen sanften VORTRAG Thema: Naturheilverein 02146 Lichtspielhaus, Bahnhofstr Der MM und seine SAlü an AaMeil und Glend! Redner: Herr Heinz Kroeber, Frankfurt a. M. Der (Eintritt ist für Mitglieder und Gäste frei! Morgen Donnerstag 24. März, abends 8 Uhr, im Hotel Schütz Drucksachen aller Art vrühl'sche Universitätr bruck-rei. R tonae. rieften $♦ "Jl. (Gewandte Äiiflii sucht Aiobr. „ne SelterSweg59. Ordentliches Mädchen tagsüber für Hauö- und Gartenarbeit gesucht <12128 Gr. Steinwcg 26 p. Suche Mädche u nicht unter 20 I, »nm 1. Avril 02142 ffraii Herr. Eoünenftrahe 6 II Stellengesuche| Tücht. Kaufmann 34 3., sucht tat. Beteiligung, bzm Anstellung., mit vorl. 5-8000Mk.b. Sicherstellung. Schrisilidie Slnaeb. unter 02141 an d Giesi Anz erb Tüchtiger Chauffeur 19Jabrealt,Führer- scheinlll b,mit leicht. Reparaturen vertraut, sucht sofort Stelle. SchviftUche Angeb unter 2751D an d. (Mich. 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Brandenstein-Weimar Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten ttoid ße lodet ein: vepubükanischen Vavteien Keiehsbannev Srhwarrr-Rot-Gold Die glückliche Geburt einer gesunden Tochte r zeigen bocherfteut an Privatdozent Dr. med. H. Kliewe und Frau Anneliese geb. Arnold Heidelberg, z.Zt. Univ.-FrauenNinik 2774D Lyzeum und Gtudiena nstalt Gießen Geisiliche Musik - Aufführung ! lDohltätigkeits »Veranstaltung) am 1. April 1922, abends 7 Uhr, in der Stadtlirche : Leitung: Gesanglehrer Leopold Geller— Doriraqsfolge: I. 1. Lamento aus der Trauersyntphonie... Pietro Locatelli 2. Largo aus dem D-Moll-Konzert .... Foh. Seb. Äach 3. Ave verum corpus.............. D. A. Mozart II. 4 pafsions-tkaniate.................... Carl Hirsch Deffnung der Kirche 6l/4 llhr Rumerierier Platz 2.- Mk. Ifnnumerierfer Platz 1. - Mk Dorverkauf bet G. Challier, Mustkallenhanblung, Reuen» weg, und dem Hausmeister der Schule. zimd uiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiumiuiiiuiuiuiuuiiiiiiiimiiu = Deutsche LebenSrettungS-Sesellfchast vezirt Oberheffen l Vortrag des Landesoerbands-Dorsihenden e Herrn Karl Roth, Darmstadt = am SamStag, dem 26. März 1927, abends pünkt- = lich 8 Uhr. im Hotel Schütz Wege und Ziele der deutschen 1 Lebensrettungs -Gesellschaft. i Wir laben die Dorstände der Vereine und die gesamte | = Bürgerschaft zu diesem äuherst wichtigen Vortrag ein. = | des BczirksvetbliiilitS Nkttzefftit. I = 2782V = Ihr Federvien Sichern Sie^JL vor dem Verlaufen, vor unliebsamen Zugriffen und vor Raubzeug durch einen engmaschigen Drahtzaun, er bildet auch des Rachts ein sicheres Gewahrsam. SroDtgefletite In allen WAmmlen Binde- und Stacheldraht, sowie daS richtige Werkzeug für die Aufstellung bekommen Sie bei mir. 3. B. 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Unter den Ehrengästen bemerkte man den Präsidenten liebel vom hessischen Arbeits- und Wirtfchastsministe- rium, die Dertreler der Landwirtschastskammer und deS Landwirtfchaftskammerausschusses für die Provinz Oberhessen, den Bürgermeister der Stadt Alsfeld, die Dertreter der Alsfelder Schulen und von anderen Landwirtschaftsschulen in Hessen, sowie verschiedene frühere Lehrer der Änstalt Aach dem Vortrag der Ouvertüre zu „Egmont" von Beethoven durch das Alsfelder 3ugcnb- orchester unter Leitung von Lehrer Dotter und einem Schülerchor hielt .Kreisdirektor Dr. Stamm- l e r eine herzliche Begrüßungsansprache, die lebhaften Beifall fand. Alsdann folgte die Festrede deS Direktors Becker- Alsfeld, der Leiter der Schule ist. Die Festrede behandclte die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft und des landwirtschaftlichen Schulwesens unter besonderer Berücksichtigung der großen Verdienste des landwirtschaftlichen Aeformators Prof. T h a e r und des Chemikers v. Liebig. Zum Schlüsse gab der Aedner einen Ueberblick übet die Geschichte der Alsfelder Schule und ihre fortschreitende Entwicklung. An die beifällig ausgenommene Aede schloß sich die Entgegennahme der Glückwünsche, welche von den Vertretern der Staatsregierung, Goethe und Beethoven. Don Prioatdozenten Dr. Ienisch. Man kennt die Szene in Teplitz, die Bettina schildert, jene Szene, die zwar von Bettinas Phantasie erfunben, doch sehr gut und treffend erfunden ist. Auf der Kurpromenade begegnen sie einander: Goethe inmitten ber Hofgesellschaft höflich unb höfisch, und Beethoven genialisch formlos. Wenige Tage später umschreibt bann Goethe den Eindruck, den Beethoven auf ihn gemacht hat, mit dem bekannten Worte von seiner „ganz ungebändigten Per- sönlichkeit". Konnte Goethe in seiner tiefen 23er- ehrung für alles Gesetzhafte, für Zuchr und Maß, für sinnbildliche Ordnungen und Ucbcrliefcrungen in Beethovens unwirschem unb ungebärdigem Auftreten etwas anderes sehen, als einen Mangel an Achtung vor diesen Mächten unb einen Mangel an Distanzgefühl unb guten Manieren? Und war Beethoven auf ber Kurpromenade in Teplitz nicht in der Tat Titan am falschen Platze? Wenn er später einmal schreibt: „Goethe besagt die Hofluft zu sehr, mehr als es einem Dichter ziemt. Es ist nicht viel mehr über die Lächerlichkeiten ber Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nationen angesehen fein sollten, über diesen Schimmer alles andere vergessen können", so sah er Goethe falsch. Nicht der glänzende Schimmer des Hoflebens war es, der Goethe anzog und blendete. Nicht die Der- ehrung von Standesperfonen als solchen ließ ihn in der Hoslust leben, sondern jenes Gefühl für Ordnung nnb Distanz, das ihm titanenhaftes Aufbegehren in unwesentlichen Dingen als Zeichen von Zuchtlosigkeit unb Unreife erscheinen ließ. Dieses erste Zusammentreffen muß also, für beide, sowohl für Goethe, wie für Beethoven eine Enttäuschung sein. Wahrscheinlich hat Beethoven diese Enttäuschung tiefer empfunden als Goethe. Von Iugend auf verehrte er den Dichter. während Goethe Beethovens Musik er ft hat kennen lernte und sich durch sie kaum ergriffen fühle. Die Berliner Staatsbibliothek be- toabrt Beethovens Exemplar der Werke Goethes auf. Zahllose Bleistiftstriche am Bande, manchmal zwei, drei, vier nebeneinander, bezeugen, wie intensiv Beethoven in diesen Büchern las. Schon als Zwanzigjähriger,, als Kapellmeister in Bonn, komponierte er Lieder aus Goethes „Jahrmarkts- fest in Plundersweilern" und „Claudine von Villa Della". Dann entstanden jene Kompositionen Goethescher Lieder, in denen der Genius der beiden größten Deutschen sich durchdringt: die Vertonungen des Italienliedes Mignon, der „Wonne der Wehmut", des ..MailiedeS" und manche- anderen Gedichtes. Es entstand das Chorwerk „Meeresstille und glückliche Fahrt", und es entstand die Musik zu „Egmont". die Beethoven, wie er selbst sagte, nur aus Liebe zum Dichter geschrieben hatte. Unb noch einen anderen großen Plan hegte Beethoven als Lebenswunsch in sich, den Plan einer Faust-Musik. „Ich schreibe nur das nicht, was ich am liebsten möchte, sondern des Geldes wegen, was ich brauchte. .. Ist diese Periode vorbei, so hosse ich endlich zu schreiben, was mir und der Kunst das Höchste ist — Faust!", so sagte Beethoven 1822 zu Rochlitz, und noch auf seinem Sterbebette dachte er an eine Komposition des ..Faust". Endlich im September 1811 wagte eS der verschlossene Beethoven, sich Goethe persönlich zu nähern. Er sandte ihm durch den Grasen von Oliva einen Brief, in dem er dem Dichter feine Bewunderung bekennt. „Bettina Brentano hat mich versichert, daß sie mich gütig, ja sogar freundschaftlich aufnehmen würden. Wie tonnte ich aber an eine solche Aufnahme denken, indem ich nur im Stande bin. Ihnen mit der größten Ehrerbietung, mit einem unaussprechlichen tiefen Gefühl für Ihre herrlichen Schöpfungen zu nahen. Sie werden nächstens die Musik zu Egmont von Leipzig durch Breitkopf und Härtel erhalten, diesen herrlichen Egmont, den ich, indem ich ihn ebenso warm als ich ihn gelesen, wieder durch Eie gedacht, gefühlr und in Musik gesetzt habe. Ich wünsche Ihr Urteil darüber zu wissen, auch der Tadel wird mit für mich und meine Kunst ersprießlich sein, und so gern wie das größte Lob ausgenommen werden." Sulpiz Doisscree ist gerade bei Goethe, als Baron Oliva zu chm kommt. Er spielt ihm eine Komposition Beethovens vor. Sulpiz Boisseree glaubt, eS sei ..Klärchens Gesang" gewesen. Leider berichtet et nicht, wie Goethe diese Musik ausgenommen hat. Zu einem anderen Besucher bat er sich sehr anerkennend über Beethovens Genie geäußert, mit dem er auf seine Intentionen im „Egmont" eingegangen sei. Cs war damals nicht das erste Mal, daß Goethe der Musik Beethovens begegnete. Schon vor Iahten hatte eine junge Sängerin ihm eine Deetbovensche „Szene" vorgesungen. Die musikalischen Freunde Goethes, vor allem Zelter, standen Beethovens Musik zu fern, um sie Goethe nahebringen zu können. Zelter, der Beethoven „mit Schrecken bewunderte", hatte Mitgefühl mit seinem Schicksal, aber an seinem Schassen konnte et nicht teilnehmen. Vielleicht ist die Stellung Goethes und Zelters zu Beethoven nut eine Frage der Generationen: die Musik Mozarts war ihre Musik. Goethe, der in höchstem Alter Mozart noch mit Raffael zusammenstellt, hat einmal geäußert, fein Faust könnte mit in der Art deS „Don Iuan" komponiert werden; „Don Iuan" aber „steht ganz isoliert und durch Mozarts Tod ist alle Aussicht auf etwa- Aehnliches vereitelt." Ein Wort, das Beethovens musikalische Artung verwirst und daS sein Werben um den Genius Goethes ablehnt. Mozart war Goethes musikalische Well; in der Musik hat er nie die Grenzen des Rokoko überschritten. Ehristiane bittet Eduard Gnuschkc, den Ressen Iohanna Schopenhauers, der an VoelheS musikalischen Soireen teilnimmt, nichts von Beethoven, überhaupt nichts über Mozarts Zeit hinaus vorzutragen und Goethe selbst will von ihm nur Mozart hören. Bei einem Besuch in Bonn, der VeburtSstadt Beethovens, verkündet Goethe, nach- dem Marianne Willemer und Bettina Brentano und die österreichischen Freunde des MusikerS Begeifert versucht hatten, ihm die Musik Beethovens vernehmlich zu machen, nach seinen eigenen Worten — .das Evangelium Zelters'. Auch die persönliche Bekanntschaft mit Beethoven hatte nicht vermocht, ihm seine Musik nahe» zubringen. Auf jenen Brief hatte er ihm sehr verbindlich geantwortet: „Ihr freundliches Schreiben, mein wert geschätztester Herr, habe ich durch Herrn von Oliva zu meinem großen Vergnügen der Stadt Alsfeld, der Landwirtschastskammer und den anderen Schulen ausgesprochen wurden Hierauf folgte die alljährliche Schlusiprüsung der Schüler der Anstalt, welche Zeugnis davon ab legte, welchen umfangreichen Lehrstoff die modernen landwirtschaftlichen Schulen zu bcttniUigcn haben. Die offizielle Feier sand ihren Abschluß mit einem gerne infamen Mittagessen, an welchem etwa 120 Personen teilnahmen. Rach dem Ellen vereinigten sich die Teilnehmer nochmals zu einem gemütlichen Beisammensein Die Alsfelder Landwirtschaftliche Schule darf auf eine wohlge ungene. würdige Feier zurückblicken, die allen Teilnehmern eine schöne Erinnerung bleiben wird. Anläßlich des Jubiläums hat die Schule eine geschmackvoll auSgestattete Festschrift herausgegeben. Amtsgericht Gießen. • Gießen. 18. März. Wiederum war ein Teil der heutigen Sitzung durch Verhandlungen wegen ilebcrtrc- tung von Verkehrsvorschriften durch Führer von Kraftfahrzeugen aungefüllt. In einem wenig belebten Stadtteil waren im September vorigen 3ab red zwei Pferde eines Transportwagens durchgegangen und zu Fall gekommen; sie hatten sich schwer verletzt. Die Ursache de« Durchbrennens wurde einem starken, von einem Motorrad, das ganz in der Nähe vorüberfuhr ausgehendem Geräusch zugelchriebeir. Der Führer des Motorrades hatte sich heute zu oerant- worten. Er erklärte, wenn k>is Motorrad Geräusch verursacht habe, so sei eS durchaus nicht geeignet gewesen, bas Fuhrwerk bzw. Die Pjerd< zu gefährden, eS müßten noch andere Mmfläni-, mitspielen, die das Durchbrennen veranlaßt hätten. Rach der eintägigen Verordnung in her Fassung vom 28 Iuli 1926 — die srüher Fassung, die nur eine vermeidbare Verursachung von zu starkem Geräusch unter Straf r stellt, war entschieden milder — ist der Führe, allgemein dafür verantwortlich, ixifo eine Bc lästigung von Personen oder Gefährdung von Fuhrwerken, durch Geräusch. Geruch usw in keinem Falle eintritt. In einer Woche soll entweder das Urteil oder die Entscheidung ve' kündet werden, ob ein Sachverständiger zuzu- ziehen sei. Im letzteren Falle müßte die Verhandlung wiederholt werden. In einem an deren Falle hat sich ein Führer von seinem Kraftwagen entfernt, aber verbotswidrig den Motor weiter laufen lassen. Er erzielte Fre>- sprechung, weil seine Abwesenheit nur von ganz kurzer Dauer war; et hat lediglich einem Däckc> der in der Aähe der Cabentüic auf ibn gewai t hatte, ein Paket überreicht und war dann toieb, au seinem Wagen geeilt. Der Polizeibeam hatte aber auch fcftgeftcllt, daß daS vorbei Kennzeichen des WaaenS infolge Schmutzes faw lesbar war. Sin Anhaften von Schmutz währen" der Fahrten läßt sich ja in vielen Fällen garnich! vermeiden, und Rachsicht der Polizeiorgane ilt geboten. Im Fragefall konnte jedoch festgestell' werden, daß der Schmutz vom Tage vorbei mindestens aber von einer früheren Fahrt, her- rührte. Der Führer erhielt eine geringe Geld strafe. — Die weiter verhandelten Streitsäll' waren solche, wie sie in größeren Städten tmmci und immer wieder vorkommen. Sie entbehren bvc floh indessen vor dem ungewöhnlichen Angreifer zurück, zog den Schwanz ein und warf mehrere Postamente und Requisiten um. Die ganze 14köpfigc Versammlung der Wüstenkönige wurde durch Meister Adebar in dic Fluch! geschlagen, ohne sich gegen die wütenden Schnabelhiebc des Storches zu verteidigen. Der Dompteur mußte nunmehr seine 14 Löwen in Schutz nehmen, dic sich schleunigst aus dcr Manege in die Käfige verzogen. Eine deutsche Bolivien-Expedition. Schon im vorigen Jahre richtete dic bolivianische Staatsuniversiiöt La P a z die sehr chrenvollc Aufforderung an die Frankfurter Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte, sich nn einer wissenschaftlichen Expedition zum Gebiet des Titicaca Sees zur Erforschung dcr alten Inka-Kultur zu beteiligen. Rach vielen Be mÜbungen und Vorarbeiten ist das wissenschaftlich so sehr interessante und wertvolle Unternehinen setzt gesichert. Die Ausreise der Expedition unter Leitung von Prof. Dr. med. et phil. Rich. Wegner, Vor füjenben der Frankfurter Anthropologischen GescU- fchast, erfolgt am 23. März von Hamburg an Bord des Hnpag-Dampfers .(tzcneral Belgrano". Die Forschunasarbeit wird sich u. a. weiterhin auch mit dorn Studium der heute noch fast unbekannten 9n- dianerstämmc in den llrmnlbgebicten des Gran Chacv befassen. Bei Gelegenheit eines Abschieds- essens in Frankfurt richteten die dortigen Konsulatsvertreter verschiedener südarncrikanjschcr Staaten herzliche Wvnc an die Leitung der Expedition, der sie guten Erfolg wünschten. P. F. Heuer Ausbruch des Vesuv. Rom. 18. März. (WTB. Funkipruch ) Gestern abend nach 10 Uhr hat dcr Vesuv seine Tätigkeit wieder ausgenommen. Der ganze Golf von Reapel ist durch die herrlichen roten Wolken, dic aus dem Krater herauskamen, wie mit bengali- schein Licht beleuchtet gewesen. Der Direktor des Vesuv-Observatoriums erklärte, daß keine Gefahr vorhanden sei. Die weiblichen Beamten in Deutschland. In ausfallendem Maße nimmt die Zahl dcr weiblichen Beamten im Reiche ständig ab. Bei der Post hat sich ihre Zahl feit 1923 um etwa 15 000 vermindert. Am 1. Oklvber 1926 wurden bei der Post im ganzen Reiche nur noch runb 45 800 weibliche '.Beamte gezahlt. In den gesamten Ministerien sind 7390. in der Reichs - druckcrei 802 und bei den Hoheitsverwaltungen nur 448 weibliche Beamte beschäftigt. Brand in einem Luxus,ug. In dem Luxuszug Rizza— Wien gerut ein Schlafwagen auf bis jetzt unerklärlich? Wxise in Brand Dieser griff auf den zweiten Wagen des Zuges über. Die Passagiere dieser Wagen, von denen mehrere bereits zu Bell gegangen waren, kennten sich in dic übrigen Wagen des Zuges retten. Sobald der Branb bemerkt wurde, hielt her Zug auf freier Strecke an. Dic beiden brennenden Wagen wurden abgc- koppelt und brannten vollständig aus. Der Schaden. den die Schlaftoagcn-Gesellfchaft durch den Berlust des Gepäckes der Reisenden zu tragen hat. soll sich auf 3 Millionen Lire b»rn-<— ' £ i" * Der -» Prozol zugsat Wrl < bcn. J ist dem Zirka k gclegkr •iwghi rcn. J5 M * ,-r^n l 5^326- ,'rcg >,r berv liefet- - iuna o messe wir et .n W c nippe ■ ifibeP5 r.-Nft Hustan. Wn la" - S. Ser bei Abschluk har. D Prozent nur voi doch tot Mack ; Million 60 Mil Worin verteilt 8 Proze im laufe, gut uni) nate vor ' 5 Allier l i n. 3n und Pt rechnung wurde l tBertdiui zuschlage Cßci konnten Teldsoro ringelt ' eine gü Hauptte: gen an( murft sehr des Tage ei man mi Den 12 g (jüt Wirtschaft. • Die Buderu«-Eisenwerke-A-D in Detzlar divibendenlos (Drahtixr.- Der Aullichtsrat beschloh. für 1926 wieder fünf Prozent Dividende auf die 300 000. 7K1 Vor- zugsaktien zu verteilen während die 26 Millionen Morl Ötammahien wiederum dividendenlos bleiben. Die Dividendenlosigteit der Liammaktien ist dem L P D. zufolge auf die Abschreibung von zirka 800 000 Work auf die Ende 1925 still, gelegte und Anfang 1926 an die der Harpcr.er Bergbau-A-G gehrende Gewerkschaft .Lieben ‘ilaicfen“ verlaufte Zeche „Massen" zurückzu^üh- ren Aach dieser Abschreibung verbleibt no6, ein Ueberfchus, von rund 300 000. Mk (im Dor- .'ahre Aemgewuin 624 326. - Mk >. der vorge- iragen wird. Einschließlich de« Dortrage« wn 594.326 Mk au« 1925 gelangen also zum Bor- irr.g aui neue Rechnung rund 900 000. Mk. l, eschäftsjahr verlief wie der 2 P D. toei- i r berichtet, in der zweiten Hälfte etwa« freunb- liner. Auch im laufenden Jahre Hobe die Befse- lunq ongehalten Bon der Kölner Fruhiahr«- eile. Der Besuch der Kölner Frühjahrsmesse war auch am zweiten Tage gut und besonder« n !»en Rochrniitagsstunden lebhaft In ollen nippen find zufriedenstellende Abschlüsse zu- ‘ ondegeiommen. wenn auch ihre Zahl natur- . «iräfj geringer war al« am Sonntag. Auf der - - -nischen Messe mochte sich einige# Interesse g-'-enl-, do« auch zu Abschlüssen führte Der- sch Deutlich sind auch schon Abschlüsse nach dem Auslande zustande gekommen. D e Londergrup- Vcn sanden lebhafte« Interesse. Darmstädter und Rationalban k. Der der letzten Aussicht-ratssitzung vorgelegte Abschluß für 1926 stellt einen Rekord-Abschluß bar Der Reingewinn hat sich um über 100 Prozent vermehrt. Die Dividende wird zwar nur von 10 Prozent auf 12 Prozent erhöht, doch werden der besonderen Rucklage 10 Mill Mark zugewiesen, wodurch füf) diese auf 50 Millionen Mark bei einem Aktienkapital von 60 Mill. Mark erhöht. * Keramische Werke Offstein & Worms. 21.-®.. W » rm s. Die Gefclisch . l verteilt für 1926 bei reichlichen Abschreibungen 8 Prozent (i. D. 5 Prozent) Dividende Auch im laufenden Geschäftsjahr war die Beschäftigung gut und Aufträge liegen noch für mehrere Monate vor. 'Commerz- und Privat - Bank, Aktiengesellschaft. Hamburg - Ber- lin. In der Aufsichtsratssihung der Commerz- und Privat-Bank. legte die Direktion die Abrechnung für da« Geschäftsjahr 1926 vor. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung die Bertellung einer Dividende von 11 Prozent vor- zuschlagen. Berliner Börse. Berlin. 23.März. Die Aktienmärkte konnten sich heute kräftig erholen, da die Geldsorgen bis zu einem gewissen Grade- verringert sind, ferner die außenpolitische Situation eine günstigere Beurteilung sand und einzelne Hauptterminwerte durch vorteilhafte Mitteilungen angeregt lagen. So sand am Banken- markte der Abschluß der Commerzbank eine fcfji befriedigende Ausnahme. Für die nächsten Sage erwartet man die Darnat-Bilanz. wobei man mit Sicherheit einen Dividendenvorlchlag von 12 Prozent bei einem Rekordabschluß rechnet. Für Tlektrowerte stimulierte die starke Rach- (tage nach öiemciie mobe. G.ruchtc über etm Aenderung der Getmnnvcrrechnung auftaudycn. durch die auch Schuckerr eine Anregung empfingen. Die Kursgew nnc der Elektroaktien stellten sich vereinzelt bis auf 4 Prozent Ferner fanden beträchtliche Umsätze in Montan» a 11 i c n statt von denen Mannesttwnn im Mittelpunkte de« Interesse« standen 09,81 112.2' 112,67 10.594 19,43 .< 1.2OS '6.485 s0,9ö 75,04 2,066 1.497 *9,21 12,46 7.39 73.46 21,02.1 bl,62 2,117 5.45 1.201 1.235 SJ.964 n. «8.85 1.71*1 110,09 1 >2,51 10,634 30,467 4,21b’ Im,525 11,13 75,22 3.070 1.499 60.X. 12,52 7,41 i 3.055 21,065 81,82 2,127 u..J 4.21 4,21’. .1.006 Berlin, 22 Mar» «eld Brik' Wmrrttnniltbr ‘JZoiee..... Vrtgische Violen ....... Daiu'chc ‘.Soren . . ..... Lnglilcbe Noten ....... ^i-oniofifAt -Jiottn ...... ^oslöndikchc Noten ... ^talirnische Noirn...... Norwcaische Noirn.... Deuittt. Crfkrr.aioo.enmm Rumäiiilche 91 ölen ... Schwrdtlche 9?o(fn ...... Schweiler Noten ...... Spanische Noten...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische '.Voten . Uranksurtc Frankfurt a M. Weiter befestigt. — Die G war heute weiterhin dtwo befestigt Die Hifi Geldmärkte lassen einen Zahltage« erwarten Auf len auch geringe Publikum wenigstens von dieser Sc träge mehr befürchtet. D 4,196 M.45 111.94 20.40.5 16.49 168.06 19.31 109,72 59,07 2,62 «12,35 60,84 74,71 12.435 73.27 v Börse. 23. März esamlhaltun freund! mooorbcreit glatten A her anderer skäuse an, i ite keine 1 aneben st in 4,216 112,50 20,505 Ito.90 110.28 69.37 2,56 112.91 81.44 75.09 12.495 73.05 Tendenz: g der Borte icher und ungen am erlauf des a man nun lerlaufdauf- ulierte dec DörfenkArfe. Tctiroi: Snlelbe-ftMMinio Wr i-»o» do «r. 30 001-60000 do et-nr *lu#(elHna«rTtbi tr JrrrjBfrr.anlrtbe TtntWat t*aar-Änl. <* i -Hodti-Tfm......... 5** u -ldwe: rlanrr ..... Brenner franttleedrlltoifl • Mennorn unfc frtaH-t*ant. Tatar« nnb -rinrfen-inrortf Tdbcr........... Cbrrbt&arf........... Püoi.ir Bcrabqu....... .-»(I-rinikche Brrmntodlrn . . MxinfiaUl........... S.'irLerf -Divirtan....... IcOu< Pcrotdu . . . Pcrrtntate etablrotrft VambinoUmtnla Valet. . . Norddeutscher Lloyd .... .ianrniwert Heidelberg . . . vvtlivv Holtmann...... Anglo Gonr Guano f';olt>ft«rh«n o-M. tVrlin Aw» 1-lttr. Aw» Aut» Aan a j. 23. & r k CSI 319 _ s» — 311.5 — rn'.5 '».75 23 23.25 23.1 3,2 — * — 91.73 • 169 — 15,5 15.5 — •— 43.75 — — 255 255.4 208.3 10 sk 210 277 nc 27* 2*2 1*6.5 187 9 18.. 25 187.25 179 1*0,5 179 t: lM.t5 l-l 182 1- 1*2.5 155.23 157 155 157.75 239 744.5 -42 :«i 9 * 8.75 9.75 — 1*7 1*6.4 l«7.25 — IM. 5 182 25 —. 110.5 122.9 121 irr. 75 I8J.5 IM.Z-i 1X2 IM.7.' ist 5 1*4.:. 183 1*5.25 222.5 — 2?n. 5 .'24.67 20n — Z«'J,5 202.1 300.5 21G.5 30-J.S 20"i/.< "2.5 «1.25 92 93.V 15.r 211.75 2(6,62 11G 148.5 14 . 14* 116 3 — 116 118.5 133.12 134.9 132 62 134 'hC 291.5 287 390.9 2X3 219.7» .•22.75 166,5 169,5 165 Kl) ee — i 5.9 144.75 145.. 148.5 149 146.75 IM 75 143.6 Hl 142.5 147,9 161 H.I 9 — 189.5 191 iss 189 — 112.5 — 145 9 117.25 149,5 74.5 — — —- 297.5 1k .5 2)7.25 3U1 133 142 1.7.75 111.25 230 242 —■ — 161,5 162.75 160 162,5 183,5 1 . /•! 161.1.1 iss 19* 5 195 lf'*.75 19"/ 199.5 196 I9M 132.25 — * 171 176 5 173,5 1.6 264 .67.9 262 ?.'d,75 129,5 129.25 127,62 1129.75 114.5 116.75 115 116.. 33 57.25 — 56,5 — — — — 30 ■ — 76 — — 183.75 IS8.75 — —I 121 — — — — 76 _ 2,25 — 176.25 — 175 25 — 46ii — 260 262 Abschluß der Commerzbank und die Crwartun gen eines günstigen Abschlusses der Darmstädter Bank. Am Montanmarkt stimulierten die Verhandlungen der Mannesmann-Slahltrust. I>n Börsenverlaufe schälten sich wieder mehrere Sp^ xialbetoegungen heraus. Für Holzverkohlung regte besonders ein Dementi der Dermal tung gegen die Sanierungsabsichten an. Holzverkohlung plus 2.5 Prozent. Sd>eibeanftatt fpron gen von 233,5 Prozent auf 242,5 Prozent man , rend Verein für Chemische Industrie ctwc. | schwächer einsetzten. Am Dankenmarlt lagen 1 Commerz-, Darmstädter- und Dresdner Boni iinDcränncrt. dagegen Mitteldeutsche Crcdil aui I den betonnten Stüdemangcl wieder plus 5.5 Proz. Metallbanl plus 1.75 Proz. I G Farven zogen bei lebhaften Almfatjen und einer Dividendenerwor- OkMs-kWWlWWkW erfordern heute eine sorgfältige leftgebung und Sahanssrattung. Gute äatzleistnngen find nur erreichbar, wenn die llnielgen irüöjeitia genug iiiiWen werden. Der Annahmeschluß für alle Anzeigen im (Siebener Anzeiger entfällt auf den Aach mittag vor der Aufnahme. Empfehlung» anzeigen müssen, je nach Umfang und Sah ichwierigkeiten, zwei di» drei Tage vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt und dem not wendigen Zeltanswand gesetzte Empfehlungen Wern Den erMWen EstW tung von 12 Prozent netto um 2.5 Prozent an In Verbindung damit Riebeek-Montan plu« 1.5 Proz. Rheinstahl hlu« 1 Proz. Mannesmann aus die bekannten schwebenden Transaktionen plus 2 5 Prozent. Stahltrust pliis 0.25 Proz Buderus plus */, Proz (Der dividen^enlo'e Abschluß war an der Börse noch nicht bekannt.) Elektro- att i en vernachlässigt doch etwa höher, im Ausmaße von durchweg 1 Prozent. Bau-. Maschinen- und Metallwerte unterschiedlich bi« zu 1 Proz befestigt. Autoaktien «-her etwas schwächer Bon Einzelwerten ftelücn sich Hanfwerke- Fiissen erst mal« ohne Dividende zirka 4 Prozent höher Gebr. Iunghans auf die schwebenden Fufions- verhandlungen in her llhre,.Industrie plu« 3 Proz Der Verlauf blieb an den Aktienmärkten im großen und ganzen fest, wenn auch die Ge- schäststätigleit ruhiger wurde und einige Schwankungen eintraten Der Anleihemarkt lag unverändert Anleiheablösung 23.25. Schutzgebiet 11.6. Von fremden Renten Mazedonier schwächer. 24 .. da ehemals feindliche Länder bei der Schulvenrege'ung nicht berücksichtigt werden sollen. Türken still. Serben und Bosnier behauptet. Am Geldmarkt war 'Tagevgeld eher etwas gesucht, doch reichlich vorhanden zu 4 Proz Monatsgeld 6 bi» P , Prozent. Privatdiskonten 4.5 Prozent. Im Devisenverkehr lagen Mailand und Madrid fest mit 105.50 bzw. 27.35 gegen das Pfund. Paris-London 12-1.03, Iürich 25,2550, London-Kabel 4.8550. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4.2140. gegen London 20.4625 Srantfiirtcr rsc. Frankfurt a. M.. 23 März. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauerl 28.25, Roggen (inländischer' 26.50 bi» 26.75, Sommergerste für Vrauzwecie 25.50 ui« 27, Hafer (inländischer, 22.50, MaiS (gelb) 18, Weizenmehl (inländische». Sv-ezial 0) 39 50 bis 40. Roggenmeht 36 50 bis •'•6.75, Weizenileie 14.25. Roggenkleie 14.50 ble 14.75. Tendenz: Matt. ZUM Flühlmg! «any.B. Ter Arühllng nabt mit Traufen, irtjon dehnen sich die Tage Und unter Ctiirin und Saufen «Beginnt — die Moitenvlaae. Dinni greit' nach dem Zerltäuber schnell. ^vrth Möbel. Tepvich auf der Stell' Mit ‘J^einrcidiA ‘.Vlonenniber ein Daun traut firti keine Motte rein. 2749m WIL srmann ’ere kennt die vielen find fie ein.s großartiges Reifeerlebnis, und felbft äbinlidie^ G&EILINQ- QUWELju6A unter den ^Zigaretten. t~lt)ir bringen mit der Qreding-Juwel eine neue ClualitätszigcLM reite in der hervorragendften ßdifdzung aus Samfoun mit rnazeclönijclien Tabaken-^ Audi die auf ratienellfie 'IDeife dafür in Anwendung kommende Qoldfolte Jtadeung ifi eine ßloviidfr und garantiert' zugleich, für dießde ßrifdie des Qn, Sdiwatz-lOeiß-^-^iAuslefe-S^ find überall in Deutfdiland ruhmlich/i' bekannt'. A Sie gehören zu den weniaenr? führenden /darben. 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Zigarren- spitzen aber waren etwas ganz besonders Kostbares in dieser beinahe nur selbgebauten Knaster dampfenden Nachkriegswelt. „Herr Hilbertt hat so ein weiches, hingebendes Etwas, das wir Frauen so sehr an den Männern lieben!" beharrte Nella. „Hm," machte Reichmann und blinzelte sie' von der Seite an. Aber sie war zu sehr aus das rollende Thema versteift und ließ sich nicht beirren. ,Lch glaube. Sie brächten es nicht fertig, einem Weibe, dem Sie einmal von Liebe gesprochen haben, die Treue zu brechen. — Wie?" ..Das tun nur die Frauen!" trumpfte Reichmann anzüglich. „Der Herr Doktor hat das Wort!" wies sie ihn zurecht. „Machen Sie ums Himmels willen keinen Heiligen aus mir, gnädige Frau!" wehrte er lachend ab. ..Wenn ich so begehrenswert wäre, hätte mich sicher schon längst eine genommen!" Reichmann maß ihn von der Seite. Ein ganz klein wenig Spott und ein ganz klein wenig Mitleid lag in seinem Blick. „Weißt du, Nella, dieser Musterknabe will genommen werden. Der wartet, bis eine kommt und ihn fragt, ob er sie haben will. Selber getraut er sich nicht." Klein-Annemarie schnitt jede weitere Diskussion ob. Sie hatte hochrote Backen und brachte Brotkorb und Bestecke und was sonst noch Unzerbrechliches aus der Küche zu tragen war. Hanna folgte mit einem Servierbretk voll Gläser, Teller und Platten. Der vorzügliche Abendimbiß verscheuchte den letzten Rest von Unbehagen. (Es kam sogar noch eine ganz ausgelasien lustige Stimmung auf. Annemarie durfte auf Reichmanns Schoß sitzen und ihm Kragen und Krawatte abnehmen — weil er es bequem haben wollte. „Das tut Mutti dem Vater auch, wenn er aus der Fabrik kommt," plauderte sie kindlich. „Wer macht es dir, Onkel Hilbertt?" „Niemand!" Es hatte so bedauernd geklungen, daß Reichmann schallend auflachte. Man kam aus der übermütigen Stimmung gar nicht mehr heraus, und Annemarie war beinahe nichtJju bewegen, nach Hause zu fahren, als sie der Wagen gegen neun abholte. Sie mußte versprechen, gleich einzuschlofen, als Belohnung würde Elisabeth sie in den kommenden Togen besuchen. Erst gegen elf Uhr trennte sich das Regensbacher Paar. Hilbertt und Reichmann ließen es sich nicht nehmen, es noch ein Stück zu begleiten. Die Mondnacht war zu verlockend. Elisabeth sollte mit dem Zubettgehen nicht auf ihn warten, hatte Reichmann geboten. Sie half Honna den Tisch abräumen und schritt dann noch einmal um die Umfriedung des Gartens. Von ferne--es mochte wohl aus einem der Nachbarhäuser kommen, klang leises Kinderweinen. Müde. — Schlaftrunken. — Dann Stillesein und wieder dieses Weinen, aber nicht mehr so kläglich, wie zuvor. Die Mutter mochte wohl am Bettchcn sitzen und ihren Liebling zur Ruhe bringen. Elisabeth lauschte mit vorgebeugtem Oberkörper. So mochte der kleine Bruder einst geweint hoben, ols seine Mutter ihn verlassen hatte. Ihr Gesicht blaßte ab und wurde ganz weiß. Dann schossen ihr die Tränen aus den Augen. Den Körper über die Fensterbrüstung der Laube gelehnt, weinte sie haltlos, wie von einem Krampf geschüttelt. Wo würde das Kind, der Mann, zu dem es nun erwachsen war, wohl fein? Ob er der Mutter fluchte, die ihn einst preisgegeben hatte? Vielleicht wußte er gar nichts von ihr. Ein Kind von vier Jahren war es erst gewesen, hatte der Vater damals gesagt. In diesem Alter verwischte sich das meiste noch. Sie selbst dachte kaum mehr zurück bis in ihr sechstes Lebensjahr. Hanna war längst mit Räumen fertig. Sie schloß die Läden und sperrte die Türe zum Garten ab. ........................................... Dor Elisabeths Schlafzimmertür« blieb sie stehen und wünschte ihr eine gute Nacht. „Schläfst du schon, kleine Liese?" fragte sie, als kein Gruß zurückkam. In plötzlich erwachender Sorge drückte^ie gegen die Klinke. Das Zimmer lag im Dunkeln, nur ein Streifen Mondlicht ließ die weißen Betten hell auf- leuchten. Es blieb alles ruhig. Und Hanna wußte doch sicher, daß Elisabeth nicht mit den anderen gegangen war. Sie mußte also noch im Garten sein. Sie ging eilends nach der Küche und öffnete die Türe, welche ins Freie führte. Aus die Sleinftufen hingekauert, fand sie die junge Frau noch immer leise weinend. „Um Gott, kleine Liese, was ist es denn? Hat's einen Zank gegeben. Ist er ein bißchen grob gewesen? Das kommt überall vor. Später rechnest du so was gar nicht mehr. Die Tauben sind das sanfteste Volk und raufen sich auch." Elisabeth hob das Gesicht, und Hanna erschrak, wie weiß und schmal es war. „Komm mit ins Haus! Ich muß dich etwas fragen, Hanna." Sie zog ihre Kinderfrau nach deren Zimmer und bat: „Schließe die Läden, damit Georg nichts ahnt, wenn er heimkommt." Die Alte schüttelte ihr willfahrend den Kopf. Ein mattes Licht, von einem grünen Papierschirm gedämpft, lief über die Dielen. Das Zimmer Hannas war nicht groß, aber die ganze Einrichtung desselben war von Ludwigstal mit herübergenommen worden, das gab dem Raume etwas ungemein Heimisches, Vertrautes. Die Alte drückte ihr „Kindchen" in die Sofaecke und wartete geduldig, bis dieses sprach. „Hanna, erzähl' mir etwas von dem Kinde!" „Von welchem Kinde?" verwunderte die sich. „Du weißt ja, wen ich meine! Mutter — meine Mutter, hat es doch zurückgelassen, als sie meinem Vater gefolgt ist." „O Gott! — Wer hat dir's denn gesagt? — Don wem weißt du's denn? — Von deinem Vater? — Alle Heiligen, der hätte auch gescheiter getan und dir nichts davon verraten sollen. Nun machst du dir Gedanken und willst am Ende gar noch deine Mutter anklagen, daß sie . . „Ich klage sie nicht an!" widersprach Elisabeth müde. „Ich will's hoften! — Das dürftest du auch nichl! — Nein, nein!" haftete sie heraus. „So schwer hat sie's gebüßt. Eine Märtyrerin ihrer Liebe ist sie gewesen. Keine ruhige Stunde, keine reine Freude hat sie gehabt, die ganzen siebzehn Jahre ihrer Ehe. Immer hat sie an das Kind gedacht und überall Hal sie Fluch gewittert. Wenn der selige Herr auswärts war, hat sie sich auf die spitzen Steine im Park gelegt. Buße wollte sie tun und sühnen, damit Gott ihr verzeihe und sie nicht verdamme für ihre Sünde. Bei Tag hat sie mit deinem Vater flacht und gescherzt — weil er kein trauriges Gesicht sehen wollte, und in den Nächten, wenn sie allein war, hat sie sich die Augen rotgeweint, daß sie am Morgen oft ganz verschwollen war. Wenn bei den Arbeitern ein Kind krank war, ist fk hingelaufen und hat's gepflegt und ihm Wein und Esten gebracht. Unser Herrgott, hat sie gesagt, möcht' es annehmen, als ob's sie ihrem eigenen Kinde selbst tue. Nach sieben Jahren ihres Derheiratetseins bist du zur Welt gc kommen. Da ist es noch schlechter geworden. Sie fei's nicht wert, noch einmal Mutter geworden zu sein, hat sie sich eingebildet, und unser Herrgoti würde dich ihr ja doch bald wieder nehmen, zur Strafe. Ich hab' in meinem Leben nicht fo viel gc betet wie damals, daß du nicht sterben möchtest damit sie endlich einmal Ruhe finden könnte an dir. Wie du größer geworden bist, hat sie immer bc hauptet, du sähest deinem Bruder ähnlich?' Aber es ist nicht wahr. Nicht eine Spur. Ich habe den Jungen ja vier Jahre unter den Händen gehabt und bin, als sie sich scheiden ließ, nur mitgegangen, weil ich mir schon dachte, wie es kommen würde. Sie hat viel zu schweres Blut in den Adem gehabt. Aber ich wollt' ihr die Freude nicht nehmen und dein Vater auch nicht. Wir haben gemeint, nun ist alles gut und sie hat vergessen gelernt, weil sie nie mehr klagte. Aber im stillen muß doch der Vorwurf und der Kummer in ihr gefressen haben. Und daran ist sie oeftorben. Langsam, wie ein Märtyrer an einem Pfahl. Und das Sterben, das war noch das schrecklichste von allem. Immer hat sie nach ihrem Jungen gerufen und dein Vater hat nimmer aus und ein gewußt. Er wollte um den Pfarrer schicken, aber die Küchen- magd sagte: .Der geht nicht rein ins Herrenhaus, weil sie eine geschiedene Frau ist/ Da ist mir Höllen angst geworden, und ich bin selber hinübergelaufen. (Fortsetzung folgt.) Alles Nähere kostenlos durch O -MM) Fortschrittlich sein ist alles! Wer rasch und zuverlässig zu liefern vermag, wer seine Trans# portunkosten auf ein Mindestmaß herabzudrücken versteht, hat die geschäftlichen Erfordernisse unserer Zeit erfaßt. 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D.: Dr. Rosenberg._____ Arbeitsverstebilng. Zum Anbau der Oberrealschule zu Grünbcrg werden die Glaser-, Derputz- arbeiten und Beleuchtungsanlagen zum öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. Angebotsvordrucke. Zeichnungen und Bedingungen liegen von Donnerstag, den 24. März d. I., auf der Kreisbauoerwal- tung, Zimmer Nr 18, offen. Angebots- vordrucke werden auf daselbst, solange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben. Die Angebote sind ner- schlossen, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, zu dem am 31. Marz d 3m vormittags 10 Uhr, auf der Kreis- bauverwaltung stattfindenden Verdin- gungstermin einzureichen. 2772C Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 22. März 1927. fucisbauuerroalfung. I. V.: Schneider. Bekanntmachung. Betr.: Das Landgestüt: hier: den Ab- gang der Landgestütsbeschäler nach den Deckorten. Nach Mitteilung der Landgestütsdirektion sind die Landgestütsbeschäler für die Deckorte Berstadt, Butzbach, Lich und Grünberg an ihren Standorten einge- troffen. 2766B Gießen, den 17. März 1927. Der Oberbürgermeister. _____I. D.: Dr. Rosenberg._____ Arbeitsverqebnust. Die Gemeinde Großen-Buseck vergibt im Wege des öffentlichen Angebots die Ausführung von Lhaustierungsardeiten eines Straßenbaues von zirka 400 lfd Meter. Angebote sind bis zum Samstag, dem 26. Mär; 1927, mittags 1 Uhr, verschlossen, an unterzeichnete Bürgermeisterei einzureichen, wo anschließend die Eröffnung erfolgt. Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen Hierselbst zur Ein sicht offen und werden im Eröffnungs- termin bekanntgegeben. 2773D Großen-Buseck, den 22. März 1927. Bürgermeisterei Großen-Buseck. (Ban s._______________ I Saal bau Sauer ■ Ein ausverkauftes Haus entielte ■ Hans l Kraft's Bayr.Oberlandler-Kapelle B Heute letzter Tag! Donnerstag und Freitag GastspielDeutschesHäus Alsfeld ■ Ab Samntag zur VIcssn Bt“ wieder füglich "Wl im 02147 ■ Saalbau Sauer I Nr. 69 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 23. März (92? Für den Vüchertifch. Neue Gedichte. — Eduard Reinacher: Harschhvrn nnb Flöte Gesänge au« der Schwerz. 145 6eiten. Deutsche D«lag--Anstalt. Stuttgart, Berlin und Leipzig, 192b. — Unter unzähligen Debichtbänden endlich wieder einmal einer, der eigene« Gesicht trugt; au« vielstimmigem Ehvr der Ramenlosen hebt sich hell die alemannisch- schweizerische Weise de« Elsässer« Eduard Rei- nacher, und e« wäre gut. wenn sie weithin in Deutschland vernommen würde, denn hier blüht uns eine dichterisch« Hoffnung entgegen, die bislang erst von einer kleinen Gemeinde erkannt wurde. Noch weih man nicht, welcher Form di« Kunst dieses Menschen sich endlich zuneigen wird, denn sowohl seine Lyril, wie das, was seither an Erzählungen und Dramen von thm bekannt wurde, war »lctchermahen von Adel und ruhiger, in sich geschlossener Reise; ernste, gedankenvolle Kunst, in einer untadeligen, schönen Sprache. 3n Reinachers Dichtung, so hat man — wohl treffend — gesagt, verbinden sich zwei starke Ströme, seltsam vereint, die seinem Schassen Charakter und tiefere Bedeutung geben. Erdnähe und Verwurzelung in der heimatlichen Landschaft, der seine tiefe Tief« gibt, verschwistern sich bei diesem Dichter mit dem himmelanstrebenden Deist gotischer Mystik - wie er in den ragenden Hlünft «bauten seine« engeren Dctter- lande« unvergängliche Gestalt gewann -- und der faustischen Flügelsehnsucht, die sich in den Weltraum aufschwingen und die irdischen Dinge im Kosmischen auflösen und deuten will. Auch im Gedichtband »Harschhvrn und Flöte" mag man diese Zweiheit wiederfinden, in diesen Versen, die schwerbehäbig oder idyllisch-leicht oder auch wieder chroinkhastchrett, vielleicht in Erinnerung an den wohl atmosphärisch-landschaftlich _ verwandten oder benachbarten (Spitteler ehrwürdigklassische Form wiederaufgreisen Hexametrilw. langweilig ausschwingend, in bedächtigem Fluh runden sich die groben Abschnitte diese« gewichtigen Buches zu einer volltöneirden, kraftvollen Harmonie: Hymnen an die freie, mächtig aus- wachsende Ratur, Liebesgesänge, Sagen. Historien und alte Schwänke verbinden sich zu einer merkwürdig einfachen und zwanglosen Einheit; mit besonderer Freude wird man auch die „Stimmen" in den vieltönigen Ehvrus sich mischen hören, in deneir vertraute Gestalten — Hölderlin, Waiblinger, Mörike — schattenhaft wiederlehren. 702 -- Klinische Sonette. Don Hugo Otto Kleine. 44 Seiten. WellerSberg-Derlag. (Dr. F. Sauerhering.) Lindenthal bei Leipzig 1927. — Lyrik aus der AnatoMie und dem Operation«» faal. Der Verfasser — junger Arzt in Heidelberg — ist ja nicht der erste, der zur Dichter- feber greift, wenn er die Sonde und das CReageiu- glas aus der Hand gelegt hat. Aber er geht andere Wege als die meisten vor chm: er bleibt sozusagen auch mit der Fed« im Bilde; Jein bürgerlicher Beruf gibt ihm auch einen künstlerischen Stosskreis. Dessen Grenzen wird der Autor bald genug selb« erkennen; vorerst bilden Dsich seine Verse als eine seltsame Mischung aus Realismus. Gedankkichkeit und Phantasie. Man mühte mehr von chm gelesen haben, um sagen zu können (zumal da es sich um Lyrik handelt), wieweit — bewuht oder unbewußt — Einflüsse eine» typischen Ztttstils an diesen Sonetten mitgearbeitet haben. Immerhin findet sich zwischen manchem, was man stofflich und formal ablehnen möchte, doch auch einige«, was Hossnung auf Weiterentwicklung und 'Ausprä- gung eigener Wege erweckt; warten wir ab. was der Verfass« nach diesem wohl ersten Bande zu lagen haben wird. 137 IumBeethovenjubiläum. — Ludwig van Beethoven als Mensch und Musiker im täglichen Leben. Von Walther Rohl. 187 Seiten 8° mit 38 Abbildungen und Faksimiles. 1927. Kart.' 3.60 Mk. Earl Grüninger Rachf. Ernst Klett, Stuttgart. - Walther Äohl. der belannie Beethovens orsch«, gibt h er ein ausgezeichnetes Bild Beethovens, wie ihn seine Zeitgenossen gesehen haben als Komponisten, Klavierspieler. Lehrer, wie sie ihn gesehen haben als Menschen. Zahlreiche persönliche Eharakterzüge und Berichte, die aus seiner Umgebung überliefert worden sind, machen das Buch besonders anziehend, wobei der Verfasser glücklich vermieden hat. i: s allzu Anekdotenhafte zu verfallen. 38. zum Tei. b.oher unbelannte Abbildungen und Facf.miles begleiten den Text So wird beispielsweise zum «sten Mal ein Teil aus einem Konversationshest (1823), in dem sich Beethoven über eine geplante Faustkomposition äuftert, in Facsimile abgedruckt. Papier und Druck hab gut. den Umschlag schmückt eine Wiedergabe der feinen Beethovenbüste Adolf Fremd«. 121 — 21 u g u ft S) a l m: Beethoven. 336 S. 8°. In GanzbaUonleincn 6 Mk., mit einem Titelbild nach einer Marmorbüste von Prof. A. Fremd. Max fK'hcv Verlag, Berlin W 15. — Es handelt sich hier nicht um eine neue biographische Darstellung, sondern vielmehr um die Darstellung des Erlebens der Beethooenschcn Kunst, in ihrem '.Rc;Ic;r. ihren Widerhall in einem sehr persönlich abgeftimmten Meist. Der Wert des Buches liegt gerade in der kritischen Einstellung Veechoven gegenüber, in lnr Auseinan- öerfctzling mit der überragenden Leistung Beet- Hovens, die nicht einfach als selbstverständlich Eingenommen, sondern tiefgründig untersucht wird, auf ihr Wesen, chre Herkunft, ihre Geltung für ihre Zeit und für un’crc Zeit. Aichts von blind«, gläubiger Heldenverehrung und doch eine Huldigung erlesener Art DaS Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil, „Schicksal" betitelt, handelt von Typus des Menschen 'Beethoven, vom .Schicksal der Musik Beethovens", von „ilnf«cr Aufgabe" in der Beziehung zu Beethovens Kunst. D« zweite Hauptlell geht noch dies« mehr allgemein gehaltenen Einleitung auf das Besondere ein. in der .Musikalischen Erscheinung" des Meisters. Seiner „Originalität“, fein« Zormidee. seiner Harmonik wird nachgespürt. seine Rhythmik und Thematik wird behandelt. Hier findet sich die Fülle einsichtiger, neuartiger Beobachtungen und kritischen Wertungen, und nicht minder fesselnd, selbständig und w«tvOll sind die eingehenden Analysen ausae- wählter Werke, die den letzten Hauptteil Vorbehalten. 149 — 3m Rotapfel-Verlag A.-G in Zürich erscheint zum Bvtthovar-Iuoiläum als Sonderdruck in geschmackvoll« Ausstattung der berühmte Aufsatz Romain Rollands üb« Beethoven, den zum «sten Male 1933 die .Saillier« de la Ouinzaine' brachten. 3n kurzen prägnanten Strichen zeichnet der Dichter de« .Jean Christoph" die Persönlichkeit Beethoven«, das Tragische seines Schicksal«, ab« auch da« H«oische seines Lebenskampfes. Rolland« Beechoven-Buch (dem eine Reihe wert- voller Briefe und biographisch« Rotizen beigegeben sind) ist gewiß eines der ausschluh- reichsten und schönsten Denkmale für den großen Musiker (Ausgabe ohne Bild« 4,90 2HL, illu- ftrierte Ausgabe 27 Mk.« 143 — Max Steiniger: Beethoven Mu- siker-Biographien, 2. Band. Reclam. Leipzig. Rniversal-Bibliothek Ar. 1180 31. — Zur hundertsten Wiederkehr von Beethoven« Todestag eine neue Biographie, geschrieben für die musikliebende Allgemeinheit. Sie gilt in erster Linie dem Verständnis der Schöpfungen Beethoven» und erzählt nicht ..die Geschichte, die jeder wttß", sondern facht das ..Erlebnis Beethoven", wie wir Heutigen e« haben und verstehen, in Worte zu fassen. 135 — Am 26. Marz ds. 3«. jährt sich Beethovens Todestag zum 100. Male. 3n der bekannten Sammlung .Das Kleine Propyläen-Buch" erschien vor einiger Zeit ein Band, in dem Paul. ■Sieglet Briefe. Gespräche und Erinnerungen Beethovens gesammelt hat. Aus der Sülle d« Dokumente, die aus Deeiho- vens Lebensgang vorliegen, wurde das Wesentliche ausgewählt, so daß man aus dieser Sammlung. ohne sich mühevoll durch die Menge deS Material« durcharbeiten zu müssen, einen nachhaltigen Eindruck von Beethovens Persönlichkeit gewinnt. (Propyläen-Verlag. B«lin, Ullstein hau«. Preis 3 Mark.) 127 Romane und Novellen. — Martin AndersenRexö, Heber» Hub, Roman. Gesammelte Werke. Deutsche Originalausgabe. Zweit« Band. Preis geheftet 6 Marl, in Seinen gebunden 8,50 Mark. Verlag von Albert Langen in München. — Der Verlag von Albert Langen veranstaltet jetzt eine schön und vornehm ausgestattete, vom Dichter selbst besorgte deutsche Originalausgabe von Andersen Rexös Gesammelten Werken, deren einzelne Bände schnell in zwanglos« Reihenfolge herauskommen sollen. Zunächst erscheint als Band II dies« Ausgabe der Roman „Uebcrfluf)". — Manchmal geschieht es, daß «in Werk grob et Art anderes noch und Reicheres gibt, als sein Schöps« in chm geboten zu haben glaubte. Die Erkenntnis eine« Todgeweihten, der sich vor dem Zu-Endc°Denken nicht scheut, dem sich rückhaltlos und rücksichtslos die ganze furchtbare Verschwendung enthüllt, die das Leben mit allem von chm Geschaffenen treibt, sei es der Blütenstaub eines Baumes, sei es die Fülle eines Menschen- herzcns. — diese bittere Lebenserkenntnis meinte wohl der dänische Dicht« in diesem Roman „Ucbcrflufj“ wiedergegeben zu haben. Ab« nicht Bitterkeit, sondern Erschütterung, ja Erhebung bleibt zurück, wenn man das Buch aus ber Hand legt. Ein so grausig-großer Humor treibt seine buntschillernden Farbenspiele über der schwarzen Flut. Wie ber Dicht« üb« aller Disharmonie Liebe als vollen, dunkeln Gkockenklang schallen läfjt, — das gibt dem Les« schließlich die Hoffnung auf einen Sinn und eine Harmonie des Lebens, von der Martin Andersen Rexö vielleicht nichts wußte, als er das bittersüße Buch von der Vergeudung des Ueberflulles schrieb. 33 — Tiberius Historisch« Roman von Wilhelm Walloth. Leipzig. Hesse L Becker, Terlag. 362 Seiten. 8". In Leinen gebunden 2.85 Mark. — In der schönen Buchsclge ..Die Schatzkammer", deren Bände sich durch gute Ausstattung und Billigkeit auszeichnen, ist kürzlich der historische Roman „Tiberius" des bekannten Schriftstellers Wilhelm Walloth erschienen. Das Buch war viele Jahre vergrifie.i; für diese neue Ausgabe hat es der Verfass« sorgfältig durchgesehen und zum Teil neu bearbeitet. Walloch unternimmt den Versuch, die rätsechafte Gestalt de« römischen Kaisers Tib«ius, eines Zeitgenossen Jesu, zu durchleuchten und die vielfachen Widersprüche feine« Eharakiers verständlich zu machen. Die Sitten der Zeit, die Intrigen der Höflinge, die schauerliche Einsamkeit des Kaisers, der gerade von te.ien betrogen wird, denen er am meisten vertraute, seine späte L e?e zu der Germanin Thusnelda — das alles weiß der Verfasser dem Leser nahe zu bringen. Die Ausstattung des -a.>z vortrefflich. 95 — Otto Roque11e: Waldmeisters Brautfahrt. Ein Rhein-. Wrin- und Wandermärchen. Mit einem Nachwort von Wilhelm Grein«. Ph. Reclam-Verlag, Leipzig. Universal-Bibliothek Rr. 6724. 51 — Sibylle Schall: D ie Liebe der Mary Eeewald. Roman 285 6. 8°. Wilhelm Borngräber Verlag, Leipzig. 47. Politik und Geschichte. — Heinrich v. Treitschke: Deutschland nach dem Dreißigjährigen Kriege. Reclcnns ll. iverfal-Bibliothek. Wit Rachwort von Dr. Fritz Eberhardt. Rr. 6722 23. Hell 83 Pf.. Band Mk. 1.20. — Heinrich v. Treitschke. neben Mommsen. Ranke und 6pbei wohl der bedeutendste Gesch.chtsfchreib« des 19. Jahrhunderts, gibt in feinen Werken nicht trockenes Wissen, sondern kra wolle« Leben. Der vorliegende, der Einleitung von Trettschtcs ..Deutsch« Geschichte des 19. Jahrhunderts" entnommene Abschnitt ist ungemein charakteristisch für feine zündende Schreibweise und seine Ge- dankenwell. Er zeigt die geschichtliche Entwicklung Deutschlands vom Dreißigjährigen Kriege bis zum Tode Friedrichs des Großen. Wir erleben den Verfall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Ration und als Gegenstück das staatliche Heranwachsen des preuß.lchen Könia- reichs. Vielleicht ist das heutige Geschlecht mehr als jedes and«e geeignet, die Lehren dieses Geschichtsabschnittes zu verstehen. 55 — Sitten und Urkunden der Geschichte der Trierer Universität. 2. Heft. Die Promotionslisten der Artisten-Fakultät von 1604 bi» 1794. Bearbeitet von Dr. Leonard Seil Dompuhtular Incr, Paulinus • Druckerei 11*26. drosch. 7 Mk. — Dr. Äcil veröffentlichte 1917 die Promotionslisten der Trierer ; hilofophiswen Fakultät für dic Jahre 1473 bis 1603. Nunmehr erscheint im iberlaq ber Paulmus-Druckern der 2. Band. Er enthält die Promotionsliften derselben Fakulläl von lb )4 dis jt r Aushebung der Universität im Iahte 1794. Statt ber dironologiuhcn Anordnung ist diesmal die alphabetische gewählt, die wegen der Die- berfchr d.rsclben '.'kamen ben Tert i-crcinfad)U unb auch bas Register ersetzt. ‘21k- Anbang ist Me Omina- trikulationslistc ber juristischen Fakultät von 1739 bis 1794, ebenfalls alphabetisch, gegeben. Dem Texte des chaupnctts geht eine genaue Liste der Rektoren der Hochschule sowie der Dekane der philosophischen Fakultät t oratio. Der Wett dieser Arbeit liegt neben dem geschichtlichen Denkmal vor allem in der Linie der Famiiiensoriwiing. Die überaus zahlreichen Fußnoten enthalten kleine Biographien. 62 Friede-Freiheit-Brot? Ein Deutschenspiegel. Mit 150 Bildern In Kupfertiefdruck und begleitendem Tert In Ganzleinen gebunden 5 Mk Fr. Zillesen (Heinrich Beenken). Verlagebuchhandlung. Berlin. Die unbeschriebene lleberschrifr dreie« Buche- könnte auch lauten: 21'ic tief wir gesunken hab' In erschütternden Lichtbildern, dte nicht lügen können, sehen wir all das Elend, welches das ganze deutsche Volk feit 1918 in diesen unheilvollen und schweren Zeiten der Revolution, der Inflation, des Bürg«- krieges. des Hungers ufto. burchmacyen mußte. Die fiare Sprache d« Bilder dieses Buches in Verbindung mit dem schlichten Text beweist in untrüglichen Zeugnissen auch für alle Zukunft, was aus den Schlagworten . Friede-Freiheit-Brot" geworden ist. Die« Buch ist ein Spiegel, den sich das deutsche Volk zur Warnung für alle Zeiten vorhalten soll, ein Buch von so Überzeugend« und packend« Wahrheit, daß cS in eine« jeden Deutschen Hand gehötte. 40 Heimatkundliches. Deutsche Heimat. Bild« aus Stadt und Land. Mit Geleitworten von Hermann Stehr und Josef Winckler. Herausgegeben von M. Paul Bock und D«ner Lindner. ..So ist es gekommen, daß auch heute noch dem Deutschen seine weitere Heimat unbekannt geblieben ist; aus seinem frühere» Hang in die All-rwekts- ferne. bei gleichzeitig krähwinlelhaft« Aükapse- lung d« einzelnen Stämme voneinand«, durch politische und religiöse Hemmungen genährt, aus der modernen Sklavengebundenheit. durch übersteigerten Industrialismus an Zeit und Kraft zerfressende Arbeitsstätten". (Josef Winckler.) D« Deutsche kennt sein deutsches Land nicht. Es ist so! Dem einen fehlt die Zeit, dem anderen da« DeW, dem dritten beides und dem vietten und schwärzesten Sünder der Wille oder das Ver- ständins. Als eine wahre Kultuttat ist daher das vorliegende Wert zu betrachten. Auf rund 300 Bildern vermittelt es die Wesenseigentümlichkeiten und Schönheiten d« deutschen Heimat. ■ Man blättert, die Wangen röten sich, bas Blut kreist schneller, denn alle Bilder, alle Flüsse, Seen. Berge und Baume, Haus« und Dome tragen unser eigenes Wesen, sprechen unsere eigene Sprache. Die grauen Moren auf der Rordsee, der weihzischende Gicht aus Kaminen und Schlöten der großen Ozeanr-.esen int Hamburger Hasen, gespenstische Windmühlen in der Kremper- marsch. efeuumrankte Stadttürme, Wachower- büsche in der Lüneburger Heide. Münsterland, Westfalen, Rhein. Main, Odenwald und Schwarzwald jedes einzelne Blatt ist em charakteristischer Ausschnitt deS jctoeiLgen Land- schafts- und Kulturbildes. Vom Horben, die Wes«, den Rhein entlang führt un« die Reise des ersten Bandes über HunSrück und Freiburg, üb« Bodensee und Allgäu nach Garmisch. Vom deutschen Arbe.tLgcist im Saar- und Ruhrgebiet, üon romantischen Toren und Treppen, von poetischen Fluren und Auen, von Sagen und Liedern erzählen uns die Bilder. Dunkle Seen träumen un Schwarzwald, schräge Gassen uni) spitz- giebligc Häuser find Wohnungen des Friedens: Marltplätze und Mar.enbrunnen zeugen von Glauben g.gantische Bergriefen der Alpen ver- s.nnbildlichen Dramen und Menschentrag.l. Flülle und Ströme sind Symbole gleitender Erdentrast. 11 nö teile, ohne daß du es merkst steigt etwas auf in dir. eine Ahnung, daß du mit dem deutschen Boden in deinem Sein verwachsen bist, und diese Ahnung verdichtet sich und totrb zur Gewißheit, w.cd zur Heimatliebe. Dieses präch- i.ge Werk ist soei.cn bei d« Deutschen Buch- Gemeinschaft in Berlin SW 61, Teltower Straße 2° erschienen. 3« Preis beträgt (nur . der, Mk 7.40. We.t über 300 000 »:änt .ge Mitglieder haben sich dies« ®erneut* schäft in noch nicht drei Jahren angeschlossen! Gewest ein kaum zu überbietender Beweis für die Lcbeiw iG gleit und die Existenzberecht gung dieser und ähnlicher Zusammenschlüsse. 48 — D e r Heimatforscher. Herausaegeben von Professor Dr. Waich« Schventchen. Sireltor der Staat, ichen Stelle für Raturdenllnalpslege in Preußen. I>erlag F«dinand Hirt, Breslau. 1926. — Band III: D i e Siedlungen der Heimat. Von Professor Robett Mielke. (88 Seiten 8J. Gebunden 3 Rm. — Die Siedlung«- iottchung ist in der letzten Zeil von irnrn« toci- t«cn Greifen auf genommen worden. Eine eigene Wissenschaft ist entstanden, an der Boden- und Erdlunde. Volt-- und Bölk«kunde, Vorgeschichte, Geschichte, Wirtschafis-, Bau- und Epargeschichte teilhaben, und die dadurch an den Forsch« recht hohe Anforderungen stellt. Es wird nur wenige geben, die biete Teilgebiete beherrschen, aber viele, dte durch v«sönliche Arbeit die Wissenschaft forbern wollen. Sin Wegweiser, der alle hier in Betracht kommenden Gebiete berücksichtigt und sie nach ihrem Werte für die Siedlungsjottchung erläutert, ist geradezu ein Bedürfnis. Der Lehrer insbesondere, der in manch« Beziehung der Eiedlungssottchung nahesteht — es ki nur an die neuen Lehrpläne für die Heimatkunde erinnert — dürfte in den Siedlungen d« Heimat" eine sehr willkommene Einführung sehen. Auch weitere Kreise, die der Helmatforschung nahestehen, werden hi« manchen Weg ein« ersprießlichen w.sienfchastlichen Arbeit finden. — Land IV: Die Lieder der Heimat. Von Professor Dr. Arthur Hübn«. 101 Seiten 8°. Gebunden 3 Rm. — Das Buch will nicht nur praktische Anwellungen für das Sammeln von Volkslicdern geben, sondern es legt das Hauptgewicht daraus, bem Sammler die richtige Einstclluitg Aiim Licde des Volkes au vermitteln. Der Versafser sieht dabei ab oon dem älteren deutschen Dolksliede, auf da« dic wissenschaftliche wie die populäre Betrachtung heute zumeist iwch einaesteill ist. wenn f < sich mit dem Volksliede befchätt.gt; er hält sich vielmehr vollbewußt lediglich an das heute ut Land und Stadt nvch lebendige Lied, das in allen feinen Formen gewürdigt wirb, und er versucht in knapp zufammensanenden Kapiteln, die sich mit der Entstehung, dem Lebensprozeß, dem Stoff, dem Stil, auch mit ber musikalischen Leite solcher Lied« befassen, die Grundlfmen einer Methodologie dieses wichtigen Zweige« der Hemiattunde zu zeichnen. O b e r h e s s i s ch e S H e i m a t d u ch. Von Wllhelm Müll«. (Hessische Vollsbücher. beraabgegeben von Wilhelm Diehl. 58 - 60'. 246 Seiten Oktav Darmstadt 1926. Selbstverlag des Heraus- gebere Die auf Anregung des Herausgebers der .Heffrschen Volksbücher". Prälaten D. Dr. Diehl, entstandene Schttft will, ausdrücklich, weder eine abgeschlossene wissenschaftliche Volkskunde her Provinz Oberhessen sein. >wch einer solchen vor- greifen — sie will lediglicy „den breiteren Massen des VokeS Anregung, Belehrung und Unterhaltung über die Heimatgeschichte" geben; also nicht nur ein Heimatbuch, sondern ein Volksbuch im weitesten Sinne — Buch für baS Volk — zu fehl, das ist hier die Meinung gewesen. 11 nb man muh sagen, daß die zusainmengebrachten acht- undzwanzig Aufsätze einen ebenso populären wie vielseitigen Beitrag zu der reichen einschlägigen Lit«atur ber hessischen Heimat- und Volkskunde bilden; die Darstelluna ist auch erfreulicherweise ganz auf einen großen unb unkomplizierten Leserkreis eingestellt. Das vorgelegte Material beschäftigt sich mit ein« Fülle von folklottstischen Stoffen und Problemen, die wir hier im einzelnen nicht alle besprechen können. Doch fei auf einige besonders interessante, lehrreiche und anregende Kapitel aufmerksam gemacht, die sich etwa mit den Glocken, mit der Tierwelt, insbesondere auch der Dogelwelt. mit Geburt, Krankheit unb Tod (diese Abschnitte besonder« der wissenswerten landschastltchen Parallelen wegen!), mit dem sich feine CBcrfe al« eine seltsame Mischling — OrtS- und Sachregister sind gut; für eine spätere Aullage wären - unbeschadet der Popularität des Buches — einige Quellennachweise zu empfehlen, deren Einschaltung sicherlich von vielen 2efctn begrüßt werden würde 18 — Georg Engelbach. Psarrleben in einem Dogelsbergdorse. Äulturge- schichtliche Dtlder, bearbeitet von Karl Esselbomi Darmstadt 1927. 2,50 Mk., geb. 3,50 Mk. — Mit d« ReuherauSgabe des zuerst 1881 anonym erschienenen .Psarrlebens in einem Debirgsdorfe" hat Pros. Esselborn einen besonder« glücklichen Griff getan. Durch die gut beobachteten unb trefflich wiedergegebenen Schilderungen des bäuerlichen Geben« unb Treibers aus den Iahven 1855 bis 1865 In feinem Wirkungskreise Stumpertenrod mit feinen Filialotten Köddingen und Help«S- hain wird daS Derkchen zu einer volkskundlichen Quelle «sten Ranges für unseren VogllSberg. Bei feinen Auszeichnungen hat aber auch warmes Empfinden und liefe« sittliche« Gefühl Engelbach die Feder geführt, so daß sie zu unseren besten Heimatbüchern gehören. In dem mit einer Einleitung über den Schauplatz und über da« Leben de» begabten auch sonst auf poetischem und religiösen Gebiete tätig gewesenen Verfasser« unb erläuternden Anmerkungen versehenen Reudruck sind für die Decknamen ber ersten Ausgabe bie wirklichen eingesetzt Dementsprechend ist ber Titel in „Psarrleben in einem Vogelsbergdorfe" geändert. Die beigeaebenen Bilder, außer bem Bilde de« Verfall«« meist, Kirchen und Pfarrhäuser, bienen der Belebung des Textes gut. Hoffentlich findet daS Büchlein recht viele Leser Ee dient nicht nur der Förderung von Heimatliebe und Heimatsinn die auf feine Lektüre verwandte Zeit bedeutet auch um«en Gewinn und Genuß. Theologische Schriften. — HanS Schmidt. Dte Thronsahrt Jahve«. I. C. V. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. — Au« eingehenden ünlerfud>unpen e nzelr.er Psalmen gewinnt ber Verfasser em Bild von einem kultischen Umzug, den man in Altisrael bei dem Fest ber Jahreswende, mit dem ba« Erntedankfest verbunden war, veranstaltet hat. Der Zug bewegte sich vom Kidrontal am Fuße des Berge« Zion hinauf nach dem Tempel, der llnuug fand mit einem Wagen statt, auf dem man sich Gott gegenwärtig dachte, unter dem Gesang geistlich« Lieder bewegte sich der Zug dahin. Die ursprünglich mehr naturhaste Bedeutung de« Festes wandelte sich im Laufe der Zeit mehr tn das Geistige. ES ist erstaunlich, wie der Verfass« au« zahlreichen mühevollen und mit großem Scharfsinn durchge ührten Llnler^uchungen ein anschauliche« Bild von einem zeitlich lehr weit entfernten kultischen Vorgänge gewinnt Seine Schttft ist n icht nur für die Fachgelehrten be- ftunmt. sondern will auf einen meiteren Kreis wirken, allerdings auf einen Kreis solcher, bie wissenschaftlich denken können 58 — Georg Bertram. Die Himmelfahrt Jesu vom Kreuz auS unb der Glaube an seine Auferstehung. 3. G. B. Mohr (Paul Siebeck?, Tübingern D« Verfall« stellt fest, daß unt« den Vorstellungen, bie sich bie älteste Christengemeinde über den Eingang Jesu in bie himmlische Herr lichkeit machte, zwei Reihen auftoelfen lassen. Auf her einen Seite nimmt man an, daß IeluS nach ber Grablegung auferstanden unb später gen Himmel gefahren sei, auf d« anderen Seite hat man bie Vorstellung, bah er unmittelbar vom Kreuze in ben Himmel eingegangen fei. Dieser Auffassung begegnen wir im Evangelium des Johanne« unb in dem Briese an bie Hebräer, währenb die andere Form in den drei übrigen Evangelien hervorttttt, diese Fsrm ist spater christlich« Allgemcinbesitz geworden. Ausdrücklich stellt ber Verfass« in seinen geistvollen Ausführungen fest, daß « keine Frage de« Glaubens behandelt. »Welchen Ausdruck sich bet Glaube schafft, das ist die Sache des frommen ab^r nicht de« Forscher«." (^9 Turnen, Sport und Spiel. Aus dem Turngau Hessen. 95. (Bouturntag. —o— Gießen, 22. Mär;. Die höchste entscheidende Körperschaft des Gaues, der Gauturntag, trat vorgestern hier im Saalbau Sauer zu ihrer diesjährigen Tagung zusammen. Die gesamte Gauleitung und 90 Vereine waren mit 156 stimmberechtigten Mitgliedern vertreten. Kurz nach 10 Uhr eröffnete der 1. Gauoertreter, Arthur Pfeiffer (Wetzlar), die Verhandlungen, und zwar das erste- mal noch seiner Wahl zum 1. Kreisvertreter des 9. Kreises (Mittelrhein) durch einen außerordem- lichen Kreisturntag zu Wiesbaden im November vorigen Jahres. Diesen ehrenvollen Augenblick würdigte der 2. Gauoertreter R. Schneider (Butzbach) in einer kurzen Ansprache, die den einmütigen Beifall der Versammlung fand. Um es gleich vorwegzusagen, wurde Pfeiffer, dessen Amt zur satzungsgemäßen Neuwahl stand, ebenso einmütig wieder zum 1. Gauvertreter gewählt, nachdem der Gauvorstand ihn, weitestgehende Unterstützung in der Leitung der Geschäfte zugesagt hatte. Mit Pfeiffer hat der Gau Hessen zum zweitenmal den Kreis- oertreter gestellt: das erstemal war es Moritz Kuhl aus Butzbach (1863—68), der im Anschluß an seine Leitung, den „Wetlerauer 'Boten", auch die erste Kreiszeitung, dos „Mittelrheinische Turnblatt" her- ousgab. Mit kurzer Unterbrechung war dann seit 1872 bis zum Tode Emanuel Schmucks 1926 Darm f tarnt Sitz der Kreisoertreter. Die Rechenschaftsberichte der leitenden Gaustellen lagen in einem stattlichen Bändchen gedruckt vor und gaben Anlaß zu lebhafter Aussprache: dabei wurde auch auf die besonders in größeren Städten von oben her veranlaßten Beamtenturnvereinc hin- gewiesen, die, statt zur so notwendigen Dolksgemein- schaft zu erziehen, unseren Volkskörper noch weiter zersplittern. Die Mitteilung, der von Gau, Kreis und Deutscher Turnerschaft an eine Anzahl verdienter Turner zuerkannten Ehrenbriefe ließ den Wunsch laut werden, daß man auch auf diesem Gebiete dem Wesen des deutschen Turners entsprechend wieder zu cinsacheren Formen des Dankes und der Anerkennung für treugeleistete Mitarbeit kommen müsse. Die Gaurechnung war vom T. u. Sportverein Marburg geprüft und, abgesehen von einigen formellen Kleinigkeiten, für einwandfrei erklärt worden, fo daß dem Rechner Heinrich Post (Alsfeld) Entlastung erteilt werden konnte: er hatte nach dem Tode seines Vaters Hermann Post, der mehr als 25 Jahre die Kassengeschäfte des Gaues mustergültig geführt hatte, die Amtszeit zu Ende gebracht und mit Rücksicht auf seine Jugend die Mitwirkung im Gauvorstand zur Verfügung gestellt. An seine Stelle wurde Wilhelm Derlei, der Vorsitzende des Tv. Niederwöllstadt, zuw Gaurechner gewählt. Zum Rechnungsprüfer für das nächste Jahr wurde die Gießener Turnerschaft bestellt. Der Mittelrheinkreis und die Deutsche Turnerschaft haben ihre Beiträge um 6 Pf., auf 1,30 Mk. pro Kopf erhöht, der Gau erhebt 25 Pf., so daß eine Belastung von 1,55 Mk. für jedes steuerzahlende Mitglied entsteht. Der an- geforderte Betrag wurde einstimmig genehmigt und dabei aus der Mitte der Versammlung ausdrücklich betont, daß die (Bauleitung die umfangreichen Geschäfte in weitgehendem Maße ehrenamtlich bestreitet, d. h. auch persönliche Opfer bringt. Die Gausatzungen sind veraltet und müssen der bc- svnders in der Nachkriegszeit einsetzenden Aufgliederung der turnerischen und nerwaltungS' mäßigen Leitung entsprechend umgestaltet werden: die Vorarbeiten dazu werden einem Ausschuß übertragen, dem außer vier Mitgliedern des Gauvor- standes auch die Turner Günther (Marburg) l und 0 ßwald (Bad-Nauheim) angehören werden. Die Wilhelm-Will-Staffel, die zu Ehren des (Bau- f oberturmuartes bei seinem 60. Geburtstag erstmals stattfand, soll fernerhin nur alle drei Jahre gelaufen ' werden: die Wiederwahl des bewährten Turnführers erfolgte einstimmig. Unter den Anträgen der Vereine löste besonders ein beachtenswerter Vorschlag der Turngemeinde Friedberg eine lebhafte Aussprache aus. Darnach soll das jährliche Gauturnfest die große, umfassende Veranstaltung des ganzen Gaues bleiben, auf der er sich seiner Gemeinsamkeit in turnerischer und seelischer Beziehung voll bewußt werden kann, während die Sonderveranstaltungen der einzelnen Fachabteilungen die Turner auseinanderfiihren und zudem noch wirtschaftlich mehr belasten. Aber so wünschenswert diese Zusammenfassung in idealer Beziehung auch anerkannt werden mußte, so würde der Rahmen eines solchen Gauturnfestes doch so groß werden, daß die dazu nötigen Raumoerhält- nisse nur noch von den größten Städten des Gaues aufgebracht werden könnten, und die technische Durchführung auch in diesem Falle auf große Schwierigkeiten stoßen würde. Nichtsdestoweniger soll in Zukunft geprüft werden, ob sich nicht von Fall zu Fall eine Vereinigung der Wettkämpfe verschiedener Fachabteilungen ermöglichen läßt, und in diesem Sinne würde das Schwiinmen mit dem diesjährigen Gauturnfest in Heuchelheim verbunden. Die Meisterfchaftskämpfe im Dolksturnen und das (9nufraucnturnen dagegen werden gesondert stattfinden, und die Gauturnfahrt soll auch in diesem Herbste nicht ausfallen. Eine weitere Altersstufe für 'Altersturner über 50 oder 55 Jahre, wie sie der Tv. Bad-Nauheim 1860 beantragt, wird abgelehnt: es verbleibt bei den seitherigen Altersstufen von 35 bis 45 Jahre und von 45 Jahren und darüber. Wer in höherem Alter sich noch turnerisch betätigen kann und will, soll in feinem Verein werbend weiter arbeiten und damit der Jugend leigen, daß die körperliche Hebung auch Selbstzweck ist und ohne Preisjägerci bestehen kann. Ferner wurde der Zusammenschluß vou Gesangsabteilimgen der Gauvereine zu einer Gausängerschaft nebst einem (Bau* gesangswart abgelehnt Bei den satzungsgemäß iälligcn Wahlen wurde Rektor B a ch (Großen-Linden) als Gauuorstands- Mitglied wiedergewählt: im Gauturnansschuß bleibt Luckhardl (Marburg) als Kauwart für das Volkstnrnen, Fritz Seibert (Wetzlar) als Gau- fpiehnart, R. Paul (Gießen) als Ganwart für das Frauenturnen, Fr. Groas (Marburg) als Gau- iechtwart. neugewählt als Gaujugendturn- und Wanderwa'.t wird Lehrer Lehlaß von Groß- Seelheirn bei Kirchhain (Bez. Kassel), während das Ami eines Gauwartes für turnerisches Geistesleben vorläufig unbesetzt bleiben und die entiprechende Einwirkung auf die Jugend mehr innerhalb der Vereine gepflegt werden soll. Mit der Versammlung war eine Ausstellung von Turnliteratur ver- bunden, die sich großer Beachtung zu erfreuen hatte. Ehrende Linerkennung fand die Turnertreue des Turners Heinrich Schmidt aus Grünberg, der heute leinen 34. (Bauturntag besuchte und weithin als Fabrikant bekannt ist. Turngau Hessen (D. T.) Handball. =. Das im Gau Hessen mit Spannung erwartete ersteGauauswahlspiel im Handball sand auf dem Platze des Männerturnvereins vor leider nur wenigen Zuschauem statt. Diese kamen jedoch voll auf ihre Rechnung, denn es wurde Handball in vollendeter Form gezeigt. Dem Schiedsrichter Langsdorf (Tv. 1860 Bad-Nauheim) stellten sich zwei aus den besten Spielern des Gaues ausgewählte Mannschaften. Gleich nach Anpfiff des Schiedsrichters entwickelt sich ein äußerst spannendes Spiel, das beide Parteien im Angriff sieht. Die ^-Mannschaft zeigt sich bedeutend schneller und schuß- freudiger und kann bereits in der zweiten Minute durch den Linksaußen Wienerin Führung gehen. Die B-Mannschast läßt sich durch den raschen Erfolg des Gegners nicht verblüffen und leitet gefährliche Aktionen ein, die jedoch durch den sich in blendender Form befindlichen Tor- kiper Kimrih zunichte gemacht werden. Er kann es jedoch nicht verhindern, daß die B-Mann- schaft durch den alten Zeih den wohlverdienten Ausgleich herstellte. Jetzt zeigt aber der Sturm der ^-Mannschaft ein ganz überragendes Können, er liegt dauernd im Angriff und kann, unterstützt durch die gute Läuferreihe (in der besonders Beaupain aufopfernd spielte) noch drei weitere Tore bis zur Halbzeit erzielen. Da die B-ßäufcr schwache Momente aufwiesen, tauschte nach Seitenwechsel die Spielleitung die Läuferreihen beider Mannschaften, um dem guten A-Stiinn eine bessere Hintermannschaft entgegenzustellen. Aber es zeigte sich, daß die A-Stürmer es auch mit der verstärkten Verteidigung aufnehme n konnten, waren sie bis zum Schluß doch noch viermal erfolgreich. Der B-Mannschaft kam die verstärkte Läuferreihe aber auch zugute: zwei schöne Durchbrüche gelangen der Mannschaft, so daß das wirklich schone Spiel, das eindringlich für den Handball warb, mit dem Ergebnis 8:3 für die A-Mannschaft zu Ende ging, die auch in dieser Höhe verdient gewonnen hatte. Schiedsrichter Langsdorf hatte ein leichtes Amt und befriedigte voll und ganz. Am 6. April findet in Metzlar ein zweites Gauauswahlspicl statt. Dessen Verlauf soll erst obqetoartet werden, bevor zur endgültigen Aufstellung der Gaumannschaft geschritten wird. Handball der D. T. THännertunw. Gießen II. — Turnv. Heuchelheim I. Das fällige Rückspiel dieser Mannschaften wurde am Sonntag in Heuchelheim aus- getragen. Beide Vereine lieferten sich ein gleichwertiges Spiel, was in dem Ergebnis (2:2) seinen Ausdruck fand. Der Schiedsrichter, Turner Kaiser (Tv. v. 1846) leitete einwandfrei. Fuhball-Lokallresfen. 6M3gg. 1900 (II. Dezrrksliga) - D. f. D. (1. Dezirksliga) 0:2, (Halbzeit 0:1). v. Ein Beweis für Me Zugkraft solcher Lokaltreffen war der überraschend gute Besuch des Spieles. Umfäumten doch bei Beginn des Spieles der Ligamannschaften annähernd 2000 Zuschauer das Spielfeld der Spielvereinigung 1900. Dem Treffen dcr 1. Mannschaften gingen die Begegnungen der 1. Jugend- und 1. Schüter- Mannschasten voraus. Den Reigen der Spiele eröffneten die kleinsten und jüngsten Fußballer Gießens. Eine Lust war es. den flinken Kerlchen mit zuzusehen: ein technisch schönes, mit Begeisterung durchgeführtes Spiel, unter mustergültiger Leitung. 1900 siegte, durch die bessere Gesamtleistung verdient 0:4. Anschließend standen die 1. Jugendmannschaften gegenüber. 1:1 war hier das Endresultat. Die Dlauweihen verschossen einen Elfmeter und kamen damit um einen berechtigten Sieg. Fabelhaftes Glück, besonders in der ersten Spielhälfte, erbringt für D. f. B. das schmeichelhafte Endresultat. Technisch waren die „Vereinigten" glatt überlegen. In der letzten Viertelstunde leiteten sie, obwohl nur mit 10 Mann, und gegen den heftigen Wind spielend, fortgesetzt schöne Angriffe ein. Ein sicheres Tor vereitelte ein V. s. B.-Derteidiger durch Hand- abwehr, was leider dem sonst guten Schiedsrichter entging. Als der Schiedsrichter C o l l m a n n von Kassel die ersten Mannschaften zum Spiel rief, war V. f. B. komplett und in bester Aufstellung zur Stelle. Bei 1900 fehlte leider abermals der Stunnführer Adelberger. Dadurch war die Spielvereinigung von vornherein schwer benachteiligt, was auch aus den ganzen Spielverlauf seinen Einfluß ausübte. Der vorher in dcr 3u- gendmannschast mittoirfenbe 16jährige Mittelstürmer trat als Sturmführer in die Liga. Das Spiel begann mit wechselvollen Angriffen. Kaum hatte die eine Partei abgewehrt, so war schon wieder die andere daran. Wie aufgeregt der Kamp war, ging schon daraus hervor, daß beide Parteien vor den Toren alles versiebten, obwohl sich ständig glänzende Torchancen boten. Besonders die Platzbesiher hatten überwiegende Chancen. V. f.B. hatte mehr Glück. Aus einem Eckball fällt überraschend durch Kopfball von Pietsch der Führungstreffer. Schuld war das miserable Deckungsspiel des Platzvereins. Mit 1:0 für V. f. V. werden die Seiten gewechselt. Inzwischen war F l a ch s k a m p bei D. f. B. durch Balzer erseht worden, da er sich bei einem Zusammenstoß mit dem 1900-Torwart erneut verletzte. Stand das Spiel schon in der 1. Halbzeit auf nicht besonderer Stufe, so fanl es nach der Pause noch mehr herab. Die jungen, körperlich schwachen 1900er konnten den älteren, energischer und härter spielenden Grünen leinen großen Widerstand entgegensetzen. D. f. B. versuchte wohl hin und wieder Flachpaßspiel, konnte jedoch Luft in Der Verteidigung 1900's nicht überwinden. Luft spielte alles überragend, er schaffte für drei. Der nächstbeste war Mandler in Der V. s. B.- Verteidigung. wenn er auch oftmals ungestraft regelwidrig abwehrte. Den zweiten Treffer erzielte Sieger vom V. f. B. etwa zehn Minuten vor Schluß aus freier Stellung. Spielvereinigungstorwart stand falsch und konnte fo den scharfen Flachschuß n.cht abwehren Das Cckenverhält- nis war ausgeglichen. Der Schiedsrichter in seinen Entscheidungen korrekt und sicher. V. f.B. gewann auf Grund feiner besseren Spielauffas- fung. in Der zweiten Halbzeit, diesmal verdient. Ausgesprochen schlecht spielten die beiderseitigen Stürmerreihen. Am Vormittag spielte 1900’6 zweite Jugend gegen V. f. B. Friedberg zweite Jugend und war mit 7:0 siegreich. Die Ligareservemannschaft zog es vor. in Anbetracht des Lokalderbhs. nicht nach Rieder- girmes, zum Derbandsspiel zu fahren und ver- chenkte Damit die ziemlich sichere Meisterschaft. V. f. B. B. f. B. Ligareserve—D. E. Wetzlar Ligareserve 0:3 B. f. B Dritte—Lich Erste 4:2. D. f. B. Vierte-Lich Zweite 2:2. Der bisherige Tabellenstand der A-Klasse ah D. f. D. Gießen mit einem Punkt Vorsprung vor der hiesigen Spielvereinigung und D. C. Wetzlar. Vach ihrem sensattonellen 14:0-Sieg über Herborn hatte man allgemein der D. f. B.-Zwei° ten auch einen, wenn auch knappen Sieg über B. C. Wetzlar zugetraut, zumal sie diesmal den Vorteil des eigenen Platzes für sich hatte Da Spielvereinigung schon vormittags Spiel und Punkte kampflos verloren gab und somit ihre Stellung als Meisterschaftskandidat aufgab, war der Ausgang dieses Treffens für beide Teile doppelt wichtig. Schuld an der Viederlage war die allzugroße Vervosität. derzufolge sich die Mannschaft zu dem sonst von ihr gepflegten Kom- binasionsspiel nicht finden konnte und sich die Ijohe Spielweise des Gegners zu ihrem Schaden aufdrängen ließ. In der Aufregung wurden von den Stürmern die sichersten Sachen ausgelassen. Vach einer längeren Schwächeperiode kam Wetzlar etwas auf und ging nun seinerseits zum Endspurt über mit Dem Erfolg, bald Darauf mit 1:0 in Führung zu liegen. Ein Elfmeter ergab kurz danach das zweite Tor, dem wenig später das Dritte folgte. Trotz beiderseitigem Bemühen, das Resultat zu verbessern, blieb es bei diesem bis zum Schluß. Bedauerlich war der Unfall eines Wetzlarer Spielers kurz vor Spielende. Beide Mannschaften haben noch ein Spiel und zwar D. f. B. gegen F. C. Wsylar auf hiesigem Platz und B. C. Wetzlar gegen Herborn auf dessen Platz auszutragen. Hieraus zu schließen, dürste B. C. Wetzlar als voraussichtlicher Meister bezeichnet werden, wenn nicht eine kaum zu erwartende Viederlage Wetzlars in Herborn der V. f. B.-Mannschaft zur Meisterschaft verhilft, vorausgesetzt, daß sie über F. C. Wetzlar siegt. Dritte und vierte Mannschaft bewiesen ihre Spielstärke durch ihr 4:2 bzw. 2:2 gegen Lichs Erste und Zweite. Die Derbandsspiele im Arbeiler-Turn- und Sportbund.