Nr. 195 Erster Blatt 177. Jahrgang Montag, 22. August 1927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild *l>ie Scholle. Monatr-Bezvosprcir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Universität Buch- und Zteinäruckerei R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- Hamean-,eigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hivmann, sämtlich in Gießen. Ein Schritt vorwärts. Es hat in der Oefsentlichkeit ziemliche Hebet* raschung erregt, als am Samstag unvermittelt gemeldet wurde, die deutsche und die belgische Regierung hatten sich dahin geeinigt, in Verhandlungen über die Einsetzung einer u n- parteiischen Tln te r s uch u n g s k vm mis- f ion einzutreten. Die Aufgabe dieser Untersuchung s komm issio-n ist noch nicht fest umgrenzt. Aber da die Veranlassung zu dieser Verständigung die lebhafte Auseinandersetzung zwischen der belgischen und der deutschen Regierung über die Ausführungen des belgischen Krregsministers Graf de Drvcqueville in der belgischen Kammer gegeben hat, läßt sich so viel feststellen, daß sich aller Voraussicht nach der Aufgabenkreis auf drei Punkte beziehen wird, die in drei Denkschriften der belgischen Regierung für die belgische Kammer behandelt worden sind. Zwei von diesen Denkschriften, die sich auf die Frage der Reutralität Belgiens vor und bei Kriegsausbruch und den Franktireurkrieg in Belgien beziehen, sind bereits veröffentlicht worden. Die dritte Denkschrift, die sich mit der Deportation belgischer Arbeiter nach Deutschland während des Weltkrieges besaßt, soll demnächst ebenso wie die beiden anderen der deutschen Regierung übergeben und veröffentlicht werden. Die beiden bereits bekannten Denkschriften über die Reutralitätsfrage und den Franktireurkrieg wiederum sind veranlaßt worden durch den bekannten sehr umfassenden Bericht des Untersuchungsausschusses des Reichstages über die Kriegführung. Bekanntlich hat sich diese Untersuchung des Ausschusses auf mehr als sieben Jahre erstreckt. Er war von der Rationalversammlung eingesetzt worden, als Deutschland bei Unterzeichnung des Friedensdiltats von Versailles zu dem erpreßten Geständnis seine Unterschrift geben muhte, daß die deutsche Kriegführung völkerrechtswidrig und unmenschlich gewesen wäre. Von diesem Vorwurf muhten wir uns — nicht vor unserem eigenen Gewissen, denn das war rein — vor der ganzen zivilisierten Welt reinigen, und das war die Aufgabe des Ausschusses. Sn dem mehrbändigen Bericht ist u. a. ein Gutachten des Professors Meurer über die Politik Belgiens vor und bet Kriegsausbruch enthalten, und den Franktireurkrieg hat der Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. B r e d t in einem Gutachten kurz gestreift. Die Antwort hieraus >a?$n die R^en des belgischen Kriegsministers Drvcqueville, die freilich auch noch schwere Beschuldigungen gegen die deutschen Truppen wiederholten. Wie aus dem gleichzeitig in Berlin und Brüssel veröffentlichten Kommunique hervorgeht, hatte schon wäl)rend des Kriegs die belgische Regierung ihre Dereiwilligkeit erklärt, die Frage der Rechtmäßigkeit des Verhaltens der deutschen Truppen, also verschiedener Strafexpeditionen, dem Spruch eines unparteiischen Schiedsgerichts zu unterbreiten. Diese Anregung hat sie anläßlich des jüngsten Streites in einer Mitteilung an die Reichsregierung erneut gegeben, und diese ist sofort darauf eingegangen. Daß das Angebot von der deutschen Regierung nicht nur ohne Zögern angenommen worden ist, sondern mit Freude begrüßt wird, ist selbstverständlich. Wir haben, wie bereits betont, ein vollständig reines Gewissen und sind jederzeit in der Lage, ein unparteiisches Schiedsgericht an der Hand des vorhandenen Be-veismaterials und der Aussagen der beiderseitigen Zeugen mit Ruhe zu erwarten, lieber die Zusammensetzung der Untersuchungskommission und darüber, ob auch die zwangsweise Ueberführung belgischer Arbeiter nach Deutschland als Kriegsmaßregel völ'-"echtlich zu rechtfertigen ist und in die Unter- suc. i mit einbezogen werden soll, werden sich die beiden Regierungen in Kürze verständigen. Bielleicht werden von jeder Seite zwei Mitglieder ernannt, die sich dann übet einen neutralen Vorsitzenden zu einigen hätten. Die Einsetzung einer solchen Hnterfuchungs- fommiffion ist nicht nur deshalb mit Genugtuung zu begrüßen, weil dadurch die Möglichkeit geschaffen wird, in einem sachlichen Verfahren gegeneinanderstehende Behauptungen und Beschuldigungen zu klären, sondern mehr noch darum, daß zum erstenmal auch Streitfragen aus der Kriegszeit selbst einer schiedsgerichtlichen Entscheidung unterworfen werden. Hierin liegt ein Ausbau der Politik von Locarno, der Rachahmung verdient. Durch die Berträge von Locarno, zum Teil auch schon durch das Ab- konnnen von London, wurde der Grundsatz aufgestellt, Streitigkeiten über die Ausführung des Friedens von Versailles und des Dawes-Qlb- kommens schiedsgerichtlich zu erledigen. Wenn diese Politik ausgedehnt wird auf Streitfragen, die noch aus der Kriegszeit selbst stammen, so ist damit ein weiterer wichtiger Schritt zur Erzielung einer allgemeinen Verständigung getan. Das von Deutschland und Belgien gegebene Beispiel verdient Rachahmung. Dor allen Dingen sollte es nun dazu beitragen, gehässigen und einseitigen Beschuldigungen gegen Deutschland und das deutsche Heer einen Riegel vorzuschieben. Ramentlich in Paris gibt es gewisse Leute, die sich das von dem belgischen Außenminister Bänder- velde gegebene Vorbild im Snteresse einer Entspannung der politischen Lage in Europa zur Rachahmung empfohlen lassen sein sollten. Uebereittftimmmtg in Deutschland Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeige Berlin, 21. Qlug. Die Aufnahme des (.. muniqu^s über die deutsch-belgischen Terhar.d- j lungen zur Einsetzung eines gemeinsamen | Treue Schicksatsgemeinfchast mit dem Rheinland. Magdeburg. 21. Qlug. (WB.) Die rheinische Kundgebung vom 20. und 21. August in Magdeburg aus Anlaß der sechsten Generalversammlung des Reichsverbandes der Rheinländer wurde zu einem machtvollen Bekenntnis der deutschen Schicksalsgemeinschaft zwischen dem schwer geprüften Rheinland und den übrigen Teilen des Deutschen Reiches. Die Generalversammlung am Samstagmorgen brachte die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Eine Weihe stunde am Svnntagmorgen in der voll besetzten neuen Stadthalle bildete den Höhepunkt der Feier. Erschienen waren u. a. Ministerialdirektor Dr. Diltheh aus dem Ministerium für die besetzten Gebiete, Staatssekretär Dr. Dönhoff, Oberbürgermeister Weiß -Ludwigshafen, Vertreter des preußischen Innenministeriums, des bayrischen und hessischen Gesandten, sowie ferner Vertreter der Stadt Magdeburg und der Behörden. Umrahmt wurde die Feier durch gesangliche und deklamatorische Darbietungen und einem Weihefestspiel „Rheinische Treue", gespielt von Mitgliedeni des Vereins der Rheinländer Ortsgruppe Magdeburg. Qlls erster Redner sprach Dr. D i l t h e h vom Ministerimn für die besetzten Gebiete im Ramen der Reichs re gierung und des Reichskanzlers, deren herzlichste Grüße und beste Wünsche er überbrachte. Er würdigte die Bedeutung der landsmannschaftlichen Verbände und unterstrich dabei die Verdienste der im „Westausschuß für Saar, Rhein und Pfalz" zusammen- gefchlossenen großen Verbände des besetzten Gebietes, insbesondere des Reichsverbandes der Rheinländer. Ministerialdirektor Dr. Diltheh fuhr dann u. a. wie folgt fort: „Roch hak di« Bevölkerung des besetzten Gebietes den schweren Druck fremder Besetzung zu tragen. Aber das von einem ganz besonderen Freiheitsdrang beseelte Volk am Rhein will die schweren Röte der Besetzung lieber weiter tragen, als seine Freiheit erkaufen durch neue Lasten und Lasten von Dauer, die dem gesamten Deutschland aufgebürdel werden. Es war und bleibt eine der schönsten Aufgaben des Reichsverbandes, allen deutschen Stämmen immer wieder ins Gedächtnis zurückzurufen: diese heldenhaften Opfer sind von unseren Brüdern und Schwestern am Rhein gebracht. Großes hat gerade in dieser Hinsicht der Reichsverband geleistet. Seine verständnisvolle Leitung und seine rührigen Ortsgruppen bieten die Gewähr für ein immer intensiveres Wirken für das Wohl des Rheinlandes. Wir schauen zu den Ufern des heiligen Stromes mit dem heißen Wunsche, daß bald der Tag komme der Freiheit für das deutsche Vaterland." Rach Dr. Diltheh nahm der Präsident des Reichsverbandes der Rheinländer, Dr. Kaufmann, das Wort und führte u. a. aus: „Optimisten hatten nach Locarno und T h o i r h eine erlösende Tat erwartet. Sie erlebten eine bittere Enttäuschung auf der ganzen Linie. Wird der Rhein nicht bald befreit, so verliert sich jede loyale deutsche Verständigungspolitik im Unverstand. Wir rufen deshalb dem Reichsaußenmini st er zu: „Landgraf werde hart! Verlange mit aller Entschiedenheit, daß dem Rheinland volle Freiheit werde!" Der nädjfte Redner Dr. We i ß gab eine Schilderung der Lasten der besetzten Gebiete. Der Rechtsanspruch auf vollkommene Räumung sei unanfechtbar und klar bestimmt im Artikel 431 des Versailler Vertrages. Mit einer Herabsetzung der Truppenzahl fei dem Rheinland nicht gedient. Wir haben, so führte der Redner aus, mit freudigem Herzen der Locarnopolitik zu- gestimmt, weil wir überzeugt sind, daß nur durch diese Politik der Friede der Welt gesichert ist. So heiß unsere Sehnsucht nach Befreiung ist, so laut wir unsere Forderung nach Freiheit erheben, so sehr verbitten wir uns, daß unsere Freiheit zum Handelsobjekt gemacht werde. Die Zeit arbeitet für uns, und wenn wir nur Geduld haben, so wird Frankreich eines Tages selbst die Frage der sinnlosen Besetzung auftoerfen. Aber mag die Besetzung noch so lange dauern, keine Gewalt der Erde vermag uns von der deutschen Heimat loszureißen und niemals wird die Besetzung irgendeinen Einfluß auf unsere Kinder aus üben können." 3m Anschluß an diese zündenden Worte fang die Versammlung das Deutschlandlied. Sodann gelangte einstimmig folgende En tschließ ung zur Annahme: „Viele tausend zu der Magdeburger Tagung des Reichsverbandes versammelte Männer und Frauen gedenken tief bewegt der Landsleute im Westen und danken ihnen für ihren vorbildlichen Opfermut, mit dem sie sich selbst in schwerster Rot zum Deutschtum bekannt haben. Mit ihnen bitten wir die Reichsregierung dringend, für die alsbaldige Räumung des Rheinlandes nachdrücklichst einzutreten. Es muß ein Ende haben mit den politisch ausweichenden Einwänden. Die Freigabe des Rheinlandes ist kein politisches Handelsgeschäft. Wir fordern sie, und zwar für das ganze noch besetzte Gebiet als eine Gegenleistung, für die der Preis schon längst von uns bezahlt ist. Mit unzureichenden Abschlagszahlungen auf die längst überfällige Forderung darf man uns nicht mehr kommen. Endlich muß reiner Tisch am Rhein gemacht werden. Recht und Moral dürfen nicht länger unbeachtet gelassen werden. 3m Anschluß an die Weihe stunde gab der Magistrat der Stadt Magdeburg einen Empfang. Am Abend wurde das Treugelöbnis zum Rheinlande durch Lautsprecher im Ausstellungsgelände wiederholt. Eine Kundgebung Strejemanns. Magdeburg, 20. Qlug. (Wolff.) Reichs- auhenminister Dr. Stresemann sandte drin Reichsverband der Rheinländer zu ferner Tagung in Magdeburg aus Rordemey folgendes Telegramm: „Den in Magdeburg zur 3ahreshauptversamm° hing vereinigten Mitgliedern des Reichs Verbandes der Rheinländer sende ich die herzlichsten Grüße. 3ch wünsche der Tagung aufrichtig gutes Gelingen und bebaute sehr, meine Wünsche nicht selbst an Ort und Stelle aussprech^n zu können Der Reichsverband darf versichert sein, daß unter den vielen Aufgaben, um deren Lösung die deutsche Außenpolitik sich bemüht, es gerade diemit dem Rheinlandin Zusammenhang stehenden Fragen sind, die uns vor allen anderen am Herzen liegen Der deutsche Außenminister vergißt das deutsche Rheinland keinen Augen- b l i cf." Frankreich will sein Wort nicht halten. Paris, 21. Qlug. (WB.) Havas verbreitet folgende Mitteilung: „Man glaubt in unterrichteten Kreisen, baß bie englisch-französisch e n Verhandlungen über die Stärke der Besatzungstruppen im Rheinland vor ihrem Abschluß stehen. Ohne Zwei cl ist n o ch kei n e vollständige Verständigung erzielt worden. Qlber bie wesentlichen Punkte wurden bereits geregelt. Wahrscheinlich wird es nicht lange bauern, bis auch die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten über Einzelheiten behoben sein werdriu London, 21. Qlug. (WB) Dem „Obfer- v er" zufolge hat die letzte Woche die Frage des Desahungsheeres im Rheinland einer Lösung nicht näher gebracht. Frankreich nehme eine unnachgiebige Haltung gegenüber dem Drängen Londons auf Durchführung des Locarnoversprechens einer merklichen Verminderung der Zahl der Truppen ein Dr. Reinhold über den Dawesplan. Williamstown, 21. Qlug. (WTB.) Der fünfte Vortrag des früheren deutschen Reichsfinanzministers Dr. Reinhold im 3nstitute os Politic behandelte bie Aussichten bes Dawesplane s, ber burch bie Trennung der Aufbringung ber Reparationen in Deutschland von ber llebertragung in frembe Währung einen wesentlichen Fortschritt gegen bas Lonboner Ultimatum barftelle. Die Zukunft muß lehren, so fuhr Dr. Reinhold fort, ob bie deutsche Wirtschaft auf die Dauer den durch die Reparationen verursgchten hohen Steuerdruck ertragen kann. Zweifellos wird Deutschland alle Kraft einsehen lassen, loyal seine Verpflichtungen zu erfüllen Frankreich und die deutschen Reparationsleistungen. Paris, 21. Aug. (Wolff.) Das Finanzministerium verbreitet folgende Mitteilung: Mehrere Blätter haben eine Nachricht wiedergegeben, wonach Frankreich angeblich um etwa eine Milliarde Mark bei der Verwendung der durch den Dawesplan geregelten deutschen Sachlieferung im Riickstand sei und wonach diese Milliarde dem Reich als reiner Gewinn ohne weiteres zufließen würde. Diese Nachricht ist unwahr und entbehrt jeder Grundlage. Um ihre vollkommene Unwahrheit zu zeigen, genügt es, zunächst darauf hinzuweisen, daß der französische Anteil an der zu Ende gehenden Annuität weniger als eine Milliarde Mark beträgt. Außerdem absorbieren die gegenwärtig der Reparationskommission übermittelten Verträge bis auf zehn Millionen Mark diese Annuität vollkommen und die dem Finanz- minifter eingereichten Verträge, die bis zum 31. August der Reparationskomnnssion übermittelt werden, genügen weitaus, um die Differenz zu decken. Außerdem würden die Kredite, die nicht ausgenutzt werden können, nicht annulliert, sondern automatisch auf die vierte Annuität vorgetragen. Der Daroesplan regelt diesen Punkt ausdrücklich und sieht in dieser Hinsicht ein Verfahren vor. Dieser Fall ist übrigens bereits eingetreten. Es bestand aus der ersten Annuität ein Restkredit, der im Laufe der folgenden Annuität restlos verwandt wurde. Die veröffentliche Nachricht ist also in allen Punkten unzutreffend. Anmerkung bes WTB.: Obige Darstellungen entsprechen nach unseren 3nft>nnationen ber wirklichen Sachlage. Es ist aber immerhin interessant, festzustellen, bah auf dem französischen Konto bei dem Generalagenten für bie Reparationslieferungen sich in letzter Zeit eine erhebliche Summe angesammelt hatte, bie ohne ein direktes Eingreifen bes französischen Finanzministers am Schlüsse des dritten Reparativnsjahres (30. August 1927) wahrscheinlich ungenutzt geblieben wäre und auf das vierte Reparationsjahr hätte übertragen werden müssen. Um dies zu verhüten, hat das französische Finanzministerium Weisung gegeben, eine Anzahl größerer Sachlieferungsverträge forciert ab» zu schl ießen und der Reparationskommission schleunigst zur Genehmigung vorzulegen, so z. B. den kürzlich abgeschlossenen Vertrag über ein Kabel von Paris nach Dordeaur. Um diesen Zweck zu erreichen, mußten wahrscheinlich Bedenken wegen ber Rücksichtnahme auf bie Beschäftigung ber eigenen Privat Industrie zurückgestellt werben, bie bisher bie laufende Ausnutzung ber französischen Guthaben bei dem Generalagenten erschwert hatten. Enquete-Ausschusses über gewisse Fragen der beutfnjen unb ier belgischen Kriegführung burch bie gesamte beutsche Presse zeigt bie erfreuliche 1.1 eberein ft immun g, bie dieser Frage gegenüber besteht. Dies wird dem Ausland gegenüber den Eindruck nicht verfehlen, bah auf beutscher Seite bie allgemeine Überzeugung besteht, baß wir von einer solchen Untersuchung nichts zu fürchten unb nur zu gewinnen haben. 3mmerhin ist vor übertriebenen Erwartungen zu warnen, benn nicht bie gesamte Kriegsschulbfrage, sondern ein bestimmtes Einzelproblem wird hier nach Verständigung über die Formalitäten zur Erörterung stehen. Ucber bie Zusammensetzung des Ausschusses ist noch leine Verstänbigung erzielt, boch bürste er nach internationalen Gepflogenheiten mindestens mit einer neutralen Spitze aus- gestatiet werden. Die Lage im Memelgebiet Berlin. 20. Aug. (Wolff.) Ueber die Situation im Memelgebiet wird den Blättern folgende Darstellung gegeben: Die Maßnahmen gegen das Deutschtum, über die in der letzten Zeit in ber Presse geklagt worden ist, gehen nicht in erster Linie von Lcr litauischen Regierung, sondern von den ^rei 3nstanzen aus, bie das öffentliche Leben im Memelgebiet maßgebenb beeinflussen. Das ist 1. ber Gouverneur, der von ber Regierung eingesetzte oberste Beamte ber litauischen Verwaltung, 2. ber Kriegskommandant, ber auf Grund des Ausnahmezustandes sehr weitgehende Vollmachten hat und 3. bas sogenannte Direktorium, die Verwaltung des autonomen Memelgebietes, bie nach unserer Auf faffung ungesetzlich unb auch nur als eine litauische 3nstanz zu betrachten ist. Unter ben Verletzungen des Memel st atuts tritt die Unterdrückung der Presse besonders hervor, bie auch weiter anbauert, ba der Kriegskommandant die Zensur außerordentlich scharf handhabt und zwar entgegen den Erklärungen, bie Ministerpräsident Woldemaras in Genf feierlich abgegeben hat. Die Versammlungsfreiheit dagegen wirb neuerdings durchaus gewahrt. Auf der anderen Seite sind zu den Verletzungen des Memelstatuts in letzter Zeit besonders zahlreiche Lehrerkündig ungen hinzugetreten. Es handelt sich dabei um deutsche Optantenlehrer, aber auch ihre Kündigung ist nach dem deutschen Standpunkt zu unrecht erfolgt. Der Umfang dieser Kündigungen ist so groß, daß der Unterricht dadurch stark beinträchtigt wird. Während die Zweisprachigkeit vorgeschrieben ist, wirb übrigens im Lehrerseminar nur in litauischer Sprache gelehrt. Auch eine Reihe deutscher Beamter ist in der letzten Zeit gekündigt worben. Die Lage im Memelgebiet ist im Augenblick auch beshalb besonders ungeklärt, weil ber Gouverneur schwer erkrank« unb über feine Rachfolge noch nichts bestimm: ist. Die Verhältnisse werben sich wohl im September besser überschen lassen. Zunächst hat bekanntlich ber beutsche ©efanbte in Kowno in biefen Tagen Vorstellungen gegen die letzten Verfehlung _n i er drei Memeler 3nstanzen erhoben. Die beul'He Regierung wirb nun zunächst abwarten, was die Kownoer Regierung auf ihre Beschwerden zu antworten hat. Sie drängt aber darauf, bah nun enblich eine Beschleunigung eintritt, wie sie auf Grund ber E klärung verlangt werden kann, mit der der Ministerpräsident nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch vor dem Völkerbund die Wiederherstellung des Rechts versprochen hat. Der Streit um die Notsitze. London, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Tele - g r a p h" schreibt, die letzten Meldungen aus Genf deuteten darauf hin, daß dort große Hoffnungen bezüglich der Kandidatur Argentiniens für einen der nicht st ändigen Ratssitze bei den kommenden Wahlen für diese Körperschaft gehegt werden. Man erwartet, daß Finnland der Tschechoslowakei nachfolgen werde. Das einzige einjährige Mitglied, das gute Aussicht auf Wiederwahl habe, sei das stark von Frankreich unterstützte Belgien. „Der Reichswehrzwischenfall bei der Gießener versassungsseier". Unter dieser Aeberfchrift veröffentlicht die amtliche »Darmstädter Zeitung" in ihrer Ausgabe vom Samstag im Anschluß an den Abdruck der Entscheidung des Reichswehr- ministeriums über den Zwischenfall bei der Gießener Derfassungsfeier folgende Kundgebung der hessischen Staatsregierung: Wie wir hören, hatte der Hessische Staatspräsident, nachdem er sich von der Provin- -ialdirektion und dem Gießener Polizeiamt über den Dorfall bei der Gießener Derfassungsfeier hatte berichten lassen, beim Reichswehrmi- nt ft e t gegen das Verhalten des Reichswehrkommandeurs in Gießen protestiert. Der Protest gründet sich einmal auf die Tatsache, daß dieses Derhalten eine bewußte Störung der behördlich arrangierten Derfassungsfeier darstellt und zum airderen darauf, daß der Weggang der Reichswehrangehörigen in unmittelbarer Folge der Kritik des Festredners an dem früheren monarchischen Regime erfolgt war, und damit als eine Demonstration gegen republikanische Staatsgesinnung zu betrachten sei. Es ist bedauerlich, daß das Reichswehrministerium seine Stellungnahme bekanntgegeben hat, bevor es sich mit der Hessischen Landesregierung in Verbindung gesetzt hat. Denn der Herr Reichswehrkommandeuc in Gießen ist zugleich »Landeskommandant in Hessen". Für die Hessische Regierung, die eine ausgesprochene republikanische ist, konnte danach die Frage entstehen, ob sie nun noch mit einem Landeskommandanten in Hessen zusammen zu arbeiten vermag, der eine Feier zur Ehre der republikanischen Relchsver- fassung in der geschehenen Weise gestört hat. Denn darum handelt es sich letzten Endes. Ob die Festrede zu beanstanden war oder nicht, das zu entscheiden war nicht Sache des Reichswehrkommandeurs, sondern der Deranstalter der Derfassungsfeier. Rach der Mitteilung des Reichswehrministeriums an die Presse könnte es den Anschein Baben, als ob der Gießener Reichswehrkommandeur die Derfassungsfeier verlassen habe, infolge einer absprechenden Redewendung über den Reichspräsidenten und der Kritik an Mitgliedern der Reichsregierung. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß, nach dem Bericht des Gießener Polizeiamts, der Reichswehrkommandeur mit seinen Offizieren die Derfassungsfeier verlassen und auch die bei der Feier mitwirkende Reichswehrkapelle zum Weggang veranlaßt hat, als der Festredner das frühere monarchische Regime und seine Fürsten, insbesondere die Hehenzollern, behandelt hat. Darum auch wurde der Auszug der Reichswehrangehörigen aus dem Theater in Gießen zu einer Provokation der Republ ilaner! Es ist tief bedauerlich, daß das Reichswehrministerium der Deutschen Republik an dieser Seite der Angelegenheit vorübergegangen ist. Wenn es glauben sollte, damit der Volksgemeinschaft gedient zu haben, dann dürfte es sich in einem Irrtum befinden, der um so schmerzlicher ist, als er Ne Besorgnisse der deutschen Republikaner um die republikanische . Staatsgesinnung gewisser Kreise der Reichswehr zu rechtfertigen geeignet sein möchte. ♦ Anmerkung der Redaktion: Obwohl es sich hier uni eine Veröffentlichung handelt, die durch die vollkommen einwandfreie Entscheidung des Reichswehrnrinisteriums bereits überholt ist, möchten wir diese Einwendungen der hessischen Staatsregierung doch nicht ohne einige Bemerkungen lassen. Es ist für uns in keiner Weise überraschend, daß die hessische Staatsregierung diesen Protest erlassen hat, und ebenso wenig ist verwunderlich, daß sie den Mißklang bei der Derfassungsfeier der Reichswehr in die Schuhe zu schieben versucht. Wer sich jedoch den klaren Sinn für Objektivität bewahrt hat, kann gar nicht im Zweifel darüber sein, daß die Schuld an der Trübung der Feier nicht auf feiten der Reichswehrangehörigen liegt, sondern einzig und allein in der Art der Rede des Oberstudienrats Prosessor Hüter zu suchen ist. Dieser Redner sollte nach dem Wortlaut der Einladung eine überparteiliche Festrede halten, er machte aber daraus, nicht nur nach unserer Meinung, sondern auch nach der Ansicht eines sehr großen Teils weiterer Zuhörer aus den verschiedensten Parteien, eine landläufige Versammlungsrede. nach sozialdemokratischem Agitationsmuster. Daß diese Rede zu der geplanten und notwendigen überparteilichen Tendenz einer Derfassungsfeier paßte wie die Faust aufs Auge, wird jeder bestätigen, dessen Blick nicht getrübt ist durch die Parteibrille, An dieser Rede haben nicht nur „Dernunft- republikaner" und „Mußrepublikaner" Anstoß genommen. sondern auch aufrechte »Her^ensrepu- blikaner". darunter Demokraten mit sehr klangvollen Ramen, gaben ihrer Mißbilligung über diese Rede Ausdruck. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang u. a. auch, daß sogar die «Frankfurter Zeitung" in ihrer Rümmer 597 vom 13. August ihren Gießener Berichterstatter über den Zwischenfall folgenden Satz schreiben läßt: „Man mag darüber streiten, ob die Rede von Herrn Professor Hüter gerade geeignet für eine offizielle Derfassungsfeier war." DaS Unbehagen der demokratischen Zuhörer kommt in diesem Sah deutlich genug zum Ausdruck. Bei dieser Sachlage war es ganz selbstverständlich. daß die Reichswehrangehörtgen, dem Befehl ihres Ministers gehorchend, als Mitglieder eines .der Parteipolitik Gott sei Dank noch nicht unterworfenen Staatsinstruments, den Saal verließen: sie taten das nicht etwa nur wegen einiger Redewendungen des Vortragenden über das monarchische Regime, sondern nach unserer Ansicht wegen der parteipolitischen Gesamttendenz der Ausführungen, an deren Beibehaltung bis zum Ende bei einem Manne von der politischen Art des Herrn Prof. Hüter gar fein Zweifel sein konnte. Herr Prof. Hüter hat es bei dieser Feier eben an dem erforderlichen politischen Takt und der gebotenen menschlichen Rücksichtnahme fehlen lassen. Die demokratische ,.V o s s i s ch e Z e itung" sagte in ihrer Rümmer vom 13. August in einem Artikel gegen Prof. Dr. Menzer - Halle, dessen Rede bei der Derfassungsfeier von Angehörigen der Linksparteien gestört wurde, so daß die Feier überhaupt aufflog, u. a. folgendes: „Der politische Takt bei Festseiern erfordert zweierlei: Einmal die Zurückstellung des eigenen gereizten 3d). Dann aber: eine tolerante Aeberlegenheit, die zum mindesten zu vermeiden sucht, was den Andersdenkenden verletzten könnte... Würde ist überhaupt die Grundbedingung aller echten Feiern, und die Selbstachtung sollte dem Redner bei einer Feier verbieten, sich selbst durch unfeierliches Benehmen, sagen wir es offen, durch Mangel an politischem „ Takt herabzusehen." Und dünkt, daß diese Sätze des demokratischen Blattes auf die parteipolitische Rede des Herrn Prof. Hüter bei der Derfassungsseier in Gießen voll und ganz zutreffen. Menn die hessische Regierung dem Reichswehrminister nun die Kabinettssrage wegen der weiteren Zusammenarbeit mit dem „Landeskommandanten von Hessen" stellt, so möchten wir hierzu nur sagen, daß es gut wäre, wenn die Herren in Darmstadt sich die Sache noch einmal in Ruhe überlegen wollten. Denn, wie gesagt, die Reichswehrangehörigen kamen nur den Weisungen des Ministers nach, und im übrigen ist daran festzuhalten, daß der Reichswehrkommandeur, Oberstleutnant Fritz, nicht provoziert hat, sondern, gezwungen durch die Rede des Herrn Professors Hüter, aus den angegebenen Gründen die Feier verlassen mußte. Der Vorgang ist tief bedauerlich: die hessische Staatsregierung feilte dieses betrübliche Vorkommnis aber nicht noch mehr herauskehren dadurch, daß sie diese Angelegenheit au die Spitze treibt, wobei sie und der Redner der Veranstaltung wirklich keine gute Figur machen würden. Stopellauf eines neuen Kreuzers. Die dritte „Karlsruhe". Kiel, 20.Aug. (WTB.) Zum Stapellauf des Kreuzers „Karlsruhe", der das erste Schiff ist, das seit dem Kriege in Kiel vom Stapel läuft, hatten sich auf dem festlich ge- schmücklen Bauhof der Werft der Deutschen Werke A.-G. Kiel nicht nur die Einwohner von Kiel und Umgebung, sondern auch zahlreiche Gäste aus Baden und dem übrigen Reich ein» gefunden. 3m ganzen werden wohl 20 000 Personen versammelt gewesen sein, als pünktlich um 11.45 Uhr die Ehrengäste, der badische Staatspräsident Dr. Trunk, der Reichswehr- minifter Dr. Geßler, der Chef der Marineleitung. Admiral Zenker, her Oberbürgermeister der Patenstadt Karlsruhe, Dr. Sinter, und die Witwe des Kommandanten der am 14. Rovember 1914 ruhmreich untergegangenen ersten „Karlsruhe". F.au Fregattenkapitän K ö h- l c r, die Vertreter der Reichs- und preußischen Staatsregierung, Mitglieder des Reichsrats und des Reichstags, die Spitzen der Behörden, die Vertreter der Körperschaften und Vereine, der Werften und der Schiffahrt auf dem Werfthof erschienen. Rach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie sowie der vor der Tauskanzel in Parade stehenden überlebenden Besatzung der ersten „Karlsruhe", nahm Oberbürgermeister Dr. Sinter das Wort zur T a u f r e ö e. Er gedachte zunächst der beiden Kreuzer vor dem neuen Schiff, die die Ramen „Karlsruhe" trugen, des ersten Kreuzers „Karlsruhe", der am 11. Rovember 1912 getauft wurde und im Weltkrieg nicht weniger als 17 Schiffe aufbrachte, bis er infolge einer schweren Explosion im Torpedoraum zerbrach, und des zweiten Kreuzers „Karlsruhe", der an der Einnahme der baltischen Inseln teilnahm und später durch die eigene Mannschaft in der Bucht von Scapa Flow versenkt wurde. Der Oberbürgermeister sprach den Wunsch aus, daß dem neuen Schiff ein glückhafteres Schick- f a l befchieden sein möge als seinen Vorgängern und daß es Zeuge werde eines neuen Erblühens unseres geliebten Vaterlandes zu Macht und GrößeI Aachdem dann Srau Fregattenkapitän Köhler den Taufakt im Ramen des Reichspräsidenten vollzogen hatte, erfolgte unter den Klängen des Deutschlandliedes der Stapellauf, der schnell und sicher von statten ging. Nach dem Stapellauf machte Reichswehrminister Dr. G e ß l e r dem Reichspräsidenten v. Hindenburg telegraphisch Mitteilung von dem glücklichen Verlauf, während der Oberbürgermeister von Karlsruhe, Dr. yinter, dem Reichspräsidenten als Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe seine Glückwünsche aussprach. Bei einem Frühstück nahm zunächst Rsichswehrminister Dr. Gehler das Wort. Er begrüßte die anwesenden Gäste, die überlebenden Angehörigen der Besatzung des ersten Kreuzers „Karlsruhe" und gedachte rühmend der kühnen Unternehmungen des ersten Kreuzers „Karlsruhe". Der Reichswehrminister dankte sodann allen, die dieses neue Schiß erbauten. Wenn der Herr Reichspräsident sich entschlossen hat, so sagte der Minister weiter, dem neuen Kreuzer den Namen der badischen Landeshaupt st adt zu geben, so geschah es vor allem, um die engen Beziehungen, die einst unsere große F I o 11 e mit den Ländern und Städten des schönen Südens unseres Vaterlandes durch die vielen Patenschifse verbanden, zu erneuern. Der badische Staatspräsident, Dr. Trunk, gab in seiner Erwiderung dem Dank an die Reichsregierung und Reichsmarine wie auch an den Reichswehrminister für die herzlichen Worte, die er den guten Beziehungen zwischen der Marine, dem Badener Lande und der Stadt Karlsruhe gewidmet habe, Ausdruck. Dr. Trunk sprach den Wunsch aus, daß der Geist der alten „Karlsruhe" auch auf das neue Schiff übergehen und damit eine neue Brücke vom Süden zum Norden schlagen werde im Interesse des gemeinsamen Deutschlands und der Erstarkung des Reichsgedankens. Der Vorsitzende des Vorstan- des der Deutschen Werke, Direktor Hansen, betonte, daß dieses Schiff gleichzeitig für den Kriegsschiffneubau der Werft ein Jubiläum bedeute, da es nach seiner Fertigstellung das 25. Kriegsschiff sein werde, welches auf einer Helling der Werft Kiel erbaut sei. Kleiner Belagerungszustand in Amerika. Reuyork, 20. Aug. (£11.) Im Zusammenhang mit der Berufung im Falle Saeco» Vanze11i ist über sämtliche ost amerikanischen Städte und über Chicago der kleine Belagerungszustand verhängt worden. Urlaub an Polizeiangehörige wird nicht mehr bewilligt. Sämtliche öftentlichen Gebäude stehen unter verstärktem polizeilichen Schutz. In Chicago wurden bekannte Radikale unter besondere polizeiliche Aufsicht gestellt. Für Sonntag und Montag werden Demonstrationen zugunsten Saccos und Vanzettis erwartet. Die Polizei hat Anweisung erhalten, die Demonstranten sofort zu zerstreuen, wenn Au ''chreitungen zu befürchten sind. Kein Strafaufschub für Saeco und Vanzetti. Beverley (Massachusetts), 20. Aug. (WB.) Okcrbundesrichter Holmes lehnte den von der Verteidigung Saccos und Vanzettis beantragten Strafaufschub ab. Boston, 21. Aug. (WTB.) Der Richter am Obersten Bundesgerichtshof, Brandeis, hat es ab gelehnt, irgendwelche Schritte in der Angelegenheit Saeco und Vanzetti zu unternehmen. Er begründete seine Ablehnung einer Aufschiebung der Hinrichtung Saccos und Vanzettis mit persönlichen Beziehungen zu einigen Persönlichkeiten, die am Sacco-Vanzetti-Fall Interesse nähmen. Der Verteidiger Saccos und Vanzettis, Arthur Hill, gab bekannt, daß der Richter Morton es abgelehnt habe, zugunsten der Angeklagten ein Habeas-corpus-Gbift zu erlassen oder die Genehmi- gung zur Berufung an das Bundesappelationsgericht zu erteilen. Der Schwester Vanzettis, Luigia Vanzetti, wurde heute von der Gefängnisverwaltung ein ein stündiger Besuch bei ihrem Bruder gestattet. Entgegen dem Brauch erhielt Vanzetti die Erlaubnis, aus seiner Zelle herauszukommen, um mit seiner Schwester in einem Flur zusammenzutreffen. Bruder und Schwester umarmten einander und küßten sich. Sie unterhielten sich lebhaft. Luigia Vanzettt lehnte es nach ihrem Besuch ob, irgendwelche Kommentare abzugeben. Die Verteidiger Saccos und Vanzettis konnten heute das Revisionsgesuch dem O b e r ft e n Bundesgericht nicht einreichen, da die Gerichtsbeamten erklärten, das Gesuch habe wegen Fehlens der Prozeßakten nicht die vorgeschriebene Fassung. Doch ein neuer Aufschub? Boston, 20. Aug. (WTB.) Der erste Anwalt Hill hat in einem Schreiben an Gouverneur Fuller um wei teren A uf schub der Hinrichtung Saccos unb Vanzettis ersucht, um eine Verhandlung vor dem Obersten Dundes- gericht zu ermöglichen. London, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Reuyork halt man es dort für wahrscheinlich, daß Gouverneur Fuller Saccv und Vanzetti eine neue Frist gewährt, sogar Präsident Cvvlidge werde vielleicht die Forderung auf Gewährung einer neuen Frist stellen. Das amerikanische Iustizamt erklärt. Washinaton, 21. Aug. (Wolft.) Im Justiz- amt wurde heute inoffiziell erklärt, man o e - dauere, daß das Ausland in Unkenntnis der amerikanischen Verhältnisse zur Verallgemeinerung neige und die amerikanische Rechtsprechung sowie Amerika überhaupt wegen des Prozesses Sacco und Vanzetti in Bausch und Bogen verdamme. Bei der Gründung der amerikanischen Union hätten sich die einzelnen Staaten die Rechtspflege auf allen Gebieten, außer im Post- und Münzwesen und anderen, die gesamte Union betreffenden Fragen, ausdrücklich vorbehalten. We- der die Bundesregierung noch das Justizamt, noch der Präsident der Vereinigten Staaten seien imstande, wegen der Angelegenheit Sacco-Danzettt zu intervenieren. Auch die Hinrichtung könnten sie nicht verhindern. Falls die Verteidigung aber nachweisen könne, daß im bisherigen Verfahren die verfassungsmäßigen Rechte der Angeklagten verletzt worden seien, so bestehe Aussicht, daß das Oberbundesgericht die Frage prüfe. Im übrigen aber müßten die Gesetze und die Strafprozeßordnung des souveränen Staates Massachusetts von jedermann respektiert werden. Neuyorker Gewerkschaften blasen ab. Reuyork, 21. Aug. (WB.) Die Vertreter von drei Gewerkschaften, die rund 400 000 Arbeiter umfassen, stimmten gegen eine Teilnahme an einem für Montag angesetzten Protest streik. Eine Wiederholung der De- monstratton vom 9. August hielten die Gewerkschaften nicht für ratsam. Eine Abordnung der Befreiungskomitees soll am Montag Gouverneur Fuller um Begnadigung Saccos und Vanzettis ersuchen. Der Papst und Mussolini sollen helfen. Rom, 20. Aug. (WB.) Die Bostoner Korrespondentin des „Manchester Guardian" und eine andere Dame des Hilfskomitees für Sacco und Vanzetti sind nach kurzem Aufenthalt in Torre Maggiore, wo fie dem Vater Saccos einen 03rlef seines Sohnes überbrachten, nach Rom weitergereist, um den Papst und Mussolini zu einer Intervention in letzter Stunde zu bewegen. Man beurteilt die Aussichten dieses Schrittes sehr pessimisttsch. Verstärkter Polizeischutz für die amerikanische Botschaft in Berlin. Berlin, 22. Aug. (W.T.B. Funkspruch.) Da für den heutigen Montag Kundgebungen gegen die Hinrichtung Saccos und Danze 11 i s geplant sind, hat die Polizei umfangreiche Sicherungsmaßnahmen für die amerikanische Botschaft und das amerikanische Generalkonsulat getroffen. Die Vorbereitungen der OZeanflieger. Ungünstige Wctterlage für Könuccke. Köln, 21. Aug. (WB.) Flieger Könnecke ftu>i;rte heute abend mit Direktor Polte vom Aachener Observatorium die bis dahin eingegangenen Wetterberichte. Darnach sind die Wit- terungsverhältnisse über Irland und dem Kontinent so schlecht, daß ein Start für morgen noch nicht z u erwarten ist. Tas Wetter über dem Atlantik. R e u h o r k, 20. Aug. (WTB.) Der Dundes- meteorologe Kirnball berichtet, daß sich ein Sturmfeld südlich von Reufundland und ein weiteres östlich von Irland zeige.-. Auch den Wetterberichten der Schiffe zufolge ist die Lage für Transozeanflüge zur Zeit ungünstig. Der Flug Amerika—Rom. Reuyork, 20. Aug. (WTB.) Vorn Flugplatz Rooseveltfield wird mitgeteilt, daß der Flieger Bertaud seinen Flug nach Rom für morgen nachmittag 5 Ahr angefetzt habe, unter dem Vorbehalt, daß die Wetterlage günstig fei. Rückgabe der Ozeanflugpost. .. f \,n' 20. Qlug. Lange Zeit bevor di« betden Iunkersslugzeuge „Breme n" und „C u - ropa" zu c hrem Ozeanflug starteten, waren bei den Iunkerswerken und bei dem Postamt in Dessau große Mengen von Luftpost nach Amerika für die beiden Flugzeuge eingegangen. Der mißglückte Flug und die ungewisse Aussicht, wann- die beiden Flugzeuge aufs neue starten werden, hat, wie wir hören, jetzt die Dessauer Postverwaltung veranlaßt, alle aufgegebenen Postsachen an die Absender zurückzugeben. Das bedeutet natürlich auch, daß keine weiteren Sendungen für den Ozeanflug angenommen werden. Bei der Zurücksendung an die Absender werden die bereits entrichteten Gebühren gegen Rückgabe des Amschlags auf Wunsch von den Ausgangspostämtern zurückerstattel. Aus aller Welt. Einweihung des Flandern-Denkmals in Siel. Unter mhlreicher Beteiligung von Angehörigen des ehemaligen Marinekorps Flandern aus dem ganzen Reiche fand gestern in Kiel auf dem Flandern- Sportplatz die feierliche Einweihung des Flandern- Ehrenmals statt. Die Marineartillerie und die Schiffestammdioision stellten die Ehrenkompagnie^ deren Front vom Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, abgeschritten wurde. Nach einer Weiherede gab der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Generalstabsarzt a. D. Uthemann, eine Schilde- rung der Denkmalgeschichte. Auf ein Zeichen des Admirals o. Schröder fiel die Hülle des Denkmals unter den Klängen „Ich halt' einen Kameraden". Diebstahl unter den Augen einer Polizeiwache. Vor einigen Tagen war im Vorort Reuen- borf bet Koblenz ein Missionsflugzeug gelandet, das zur Instandsetzung vorläufig im Hofe des katholischen Iugendheims untergestellt worden war. In der Rächt sind von imbefannten Sieben sämtliche Mefsingteile an dem Flugzeug abgeschraubt und gestohlen worden. "Ster Diebstahl ist um so dreister, als sich unmittelbar neben» dem Anterstellort eine Polizeiwache befindet, die von den stundenlangen Qlrbeiten der Diebe nichts gemerkt hat. Kaubübcrfad am Leipziger hauplbcihnhos. Als am Samstag abend ein Kontrolleur den am Hauptbahnhof Leipzig befindlichen Geschäftsraum der „Mitropa" verlassen wollte, wurde er von einem älteren Mann zurückgedrangt mit den Worten: „Hund, gib den Geldschrank- schlüssel her!" Der Anbekannte schlug dann dem Kontrolleur mit der Faust ins Gesicht. Der Aeberfallene hatte die Geistesgegenwart, die Geldschrankschlüssel auf das Dach hinaufzuwerfen. Es gelang ihm dann, einen Stock zu ergreifen und dem Täter mehrere Schläge über den Kopf zu versetzen. Rach längerem Ringen ergriff der Täter über die Dächer des Hauptbahnhofes die Flucht und enttarn. Tödlicher Fallschirmabsprung. Bei dem gestrigen Flugsportfest auf dem Flug» sport^atz in Leipzig-Mockau verunglückte der Leipziger Fallschirmpilot Anton Merkelbach, der seinen 81. Absprung ausführte, tödlich. Merkelbach benutzte einen Fallschirm eigener Konstruktion, der sich auch ofort nach dem Absprung öffnete. Durch den Druck rissen jedoch die Haltegurte, so daß der Pilot aus etwa 300 Meter abstürzte. Er war sofort tot. Schweres Unglück in einer Sandgrube. Auß Meißen wird gemeldet: Am SamS- Hagtrormittag verunglückten in einer Sandgrube bei Rossen ein Ehepaar sowie ein ©djuu.tabe durch plötzliches Riedergehen gewaltiger Sandmassen tödlich. Das Ehepaar hinterläßt neun unversorgte Kinder. Typhusepidemie. Den »Breslauer Reuesten Rachrichten" zu- olge wird aus Münsterberg gemeldet, daß in Teplirnoda eine Thphusepedemie ausgebrochen ei. Fast jeder zweite Einwohner des Dorfes liegt franf darnieder. Grohseuer in einem Sägewerk. Am Samstagabend um i/310 Ahr entstand in Schwerin L M. auf dem am Bahnhof gelegenen Sägewerk des Maurer- und Zimmermeisters Otto Kleemann ein Großfeuer, das das gesamte Werk mit allen Maschinen einäscherte. Dlitverbranttt ist auch ein benachbartes Wohnhaus, das von einer Arbeiterfamilie bewohnt wurde. DieHolz- vorräte, die auf dem Holzplah lagerten, formten gerettet werden. Tin russischer Desteuropa-Rundfiug. Gestern früh startete in Moskau der Flieger W e i s ch i tz k i mit einem Flugzeug russischer Kon- truktion zu einem Rundflug Moskau — Riga — Königsberg — Prag — Wien — Paris — Kopenhagen — Stockholm — Reval — Leningrad — Moskau. Reue Naturkatastrophen in Frankreich. In den Departements Gers, Ardeche und Drome, die bereits von Waldbränden schwer heimgesucht toorben sind, sind Samstag neuer* >ings heftige Anwetter niedergegangen. Fast ämtliche Flüsse der Gegend sind über die Ufer getreten und haben verheerende Schäden ange* richtet. Die Ortschaften mußten zum größten Teil geräumt werden. An verschiedenen Stellen V " die Eisenbahnsttecken überschwemmet. Auch der Kanalküste wütet seit einiger Tagen ein orkanartiger Sturm. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. August 1927. Urlaubs Ende. "Noch lind in den großen Privatunternehmun- gen, bei Gerichten und anderen Behörden, nicht olle aus dem Urlaub zurückgekehrt, immer noch gehen Ansichtspostkarten ein, auf denen Kollegen und Kplleginnen die Herrlichkeit des Landlebens preisen, vom Gebirge und von der See schwärmen, aber die meisten sind schon wieder zurück- oekehrt, und des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr hat von neuem zu schlagen begonnen. _ Ist bei manchen schon die Ferienstimmung vorüber, die vor den Ferien immer lebhafter ist als nachher. so gibt es doch noch überall „Feriengesichter", braungebrannte Gesichter, die zeigen, daß die freie Zeit noch nicht lange vorüber ist und daß di« Stubenluft ihre Einwirkungen noch nicht so sehr geltend machen konnte. Gespräche ül-er die Ferienzeit, über den Aufenthalt draußen in Wald und Feld, Gebirge und an der See werden noch immer geführt. Da gibt es mit- Erachte Photographien und abgesandte Post- irten zu erklären, Die Schönheiten der einzelnen legenden müssen Revue passieren, es wird über ie Preise in den verschiedenen Orten gesprochen. Bei diesem Austausch der verschiedenen Ersah- -ungen und bei den Schilderungen über die Ra° lurschönh eiten dieser oder jener Orte und Gegenden tauchen manchmal schon wieder neue Gedanken über künftige Reisen auf. Roch ist es beinahe ein ganzes Jahr hin bis zur Urlaubszeit im nächste? Jahre, aber das ist kein Hindernis, schon jetzt neue Pläne zu schmieden, sich bereits auf den nächsten Sommerurlaub zu freuen. Doch schließlich tritt die altgewohnte Arbeit wieder in ihre Rechte, die Gespräche über die Ferienzeit werden immer seltener, und nur wenn ein Urlaubspätling zurückkommt, flackern die Gespräche über die schöne Zeit des Sommerurlaubs noch einmal auf. Jubelstimmung, Sonnenschein auf weiten Ebenen, hohe, dunkelgrüne Wälder, schmale Fußsteige zwischen weißschimmernden Birken, ein Bächlein mit buntgefleckten Forellen, brandende Wogen und feiner Sand am Meeresstrand, das Rufen deS Kuckucks und der Sang der Rach- tigall, Wiesen, viel schöner als die feinsten Teppiche: herrliche Aussichten von hohen Bergen, romantische Felsenschlünde, alte Burgen und kühle, schattige Gärten ... alles scheint so unendlich weit zurückzuliegen. A. M. Bornotizeri. — Tageskalender für Montag. F. G. F.: 8.30 Uhr Hauptübung. — Palast-Licht- spiele: „Hotel .Stadt Lemberg'". — Astoria- Lichtspiele: „Einer gegen Alle". ** Aus dem Stadttheaterburau wird uns geschrieben: Das nächste Gastspiel des Kur. theaters Bad-Nauheim findet am Dienstag, dem •30. August, statt und bringt die entzückende Erstaufführung „Mädel von heute", Lustspiel in drei Akten von Gustav Davis. ** Eine Klarstellung der Hin den- burgspende. Der Geschäftsstelle der Hinden- burgspende sind zahlreiche Mitteilungen zugegangen, denen zufolge Büsten ureb Plaketten! des Reichspräsidenten mit der Angabe vertrieben werden, daß ein bestimmter Teil des Erlöses der Hür-enburgspende zugeführt wird. Es kann selbstverständlich keinem Geschäftsmann verwehrt werden, von dem Erlös seiner Ware einen Anteil Wohlfahrtszwecken zuzuführen. Etwas anderes ist es aber, wenn durch entsprechende Reklamemahnahmen der Anschein erweckt werden soll oder entsteht, als ob vertragsmäßige Vereinbarungen mit der Hindenburgspende vorlägen, oder als ob die Hindenburgspende mittelbar oder unmittelbar Verkäuferin wäre. Die Hindenburgspende macht deshalb darauf aufmerksam, daß sie mit keinem Unternehmen Vereinbarungen über den Vertrieb von Plaketten und Büsten getroffen hat. Sie wird es auch in der Zukunft ablehnen, derartige Vereinbarungen zu treffen. Ihrerseits gibt sie lediglich das 'Buch „Reichspräsident Hindenburg" heraus. ** Das kommende F ii n f m a r k st ü ck. Wie mitgeteilt wird, ist jetzt die Bekanntmachung über die Ausprägung von Silbermünzen im Nennbeträge von „5 Reichsmark" ergangen, so daß die Münzen in absehbarer Zeit in den Verkehr gelar 'en dürften. Die Münzen, die einen Durchmesser von 36 Millimeter und ein Gewicht von 25 Gramm erhalten werden, tragen auf der Schauseite einen Eichbaum und auf der Wertseite den Reichsadler. •* Kennzeichnung deutscher Einzelgräber auf Kriegerfriedhöfen. Der Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge" hat mit der gärtnerischen Ausgestaltung der deutschen Kriegerfriedhöfe in Frankreich begonnen. Später soll auch die Verschönerung der Einzelgräber an die Reihe kommen, wobei der einheitliche Charakter der Friedhöfe bewahrt bleiben muß. Anstelle der wenig haltbaren Lattenkreuze auf den Sammelfriedhöfen Frankreichs können einfache Cisenkreuze mit einer Bronzetafel (Größe 10 mal 14 Zentimeter) mit den Personalien der Ge- faNenen angebracht werden. Kreuz und Tafel kosten zusammen einschl. aller Rebenkosten etwa 35 Mark. Angehörige von Gefallenen, die die Errichtung eines derartigen Kreuzes wünschen, tonnen ihre diesbezüglichen Anträge unter Beifügung des Rückportos (Vor- und Zuname, Geburis- und Todestag, letzter Truppenteil und Destattungsori des Gefallenen) an den Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge", Frankfurt a. M., Münzgasse 3, richten. ** Reger Sonderzugverkehr. Arn gestrigen Sonntag verkehrte eine größere Anzahl Sonderzüge sowohl von und nach Gießen, als auch im Durchgangsverkehr über unse'm Bahnhof. Ein Gesrilschafts-Sonderzug der Harnburg- Arnerika-Linie ging von Gießen nach Mainz zur Rheinfahrt, zurück von Koblenz nach Gießen. Ein weiterer Sonderzug wurde für die evangelische weibliche Jugend von Frankfurt nach Gießen zur hiesigen Tagung gefahren: weitere Sonderzüge verkehrten zwischen Marburg und Frankfurt, Siegen und Frankfurt, Gießen und Frankfurt, Aschaffenburg und Siegen. Sämtliche Züge brachten einen lebhaften Personenverkehr. " Sonderzug nach Heidelberg. Am 28. August verkehrt ein Sonderzug 4. Klasse mit beschleunigter Fahrt von Wetzlar über Gießen —Gelnhausen—Hanau—Eberbach nach Heidelberg und zurück. Abfahrt Wetzlar 6.15, Ankunft Heidelberg 11.47. Rückfahrt Heidelberg 19.50, Ankunft Wehkar am 29. 8. 27. um 0.11 Tlhr. Der Zug hält unterwegs in Gießen, L i ch, Hungen, Ridda, Stockheim, Büdingen, Gelnhausen und Hanau Hbf., wo ebenfalls Sonderzugkarten mit 33V, Prozent Fahrpreisermäßigung aufliegen. Jeder Teilnehmer hat seinen Sitzplatz. ** Erteilung von amerikanischen Einwanderungssichtvermerken. Von der Vertretung der Hamburg-Amerika-Linie Gießen, S. Loeb, wird uns mitgeteilt: Die Annahme von Anträgen auf Erteilung des amerikanischen Einwanderungssichtvermerkes von nicht zu den bevorzugten Klassen gebärenden Personen ist von den amerikanischen Konsulaten in Deutschland schon |eit einigen Wochen eingestellt worden. Dagegen werden solche Anträge noch jederzeit von Blutsverwandten von amerikanischen Bürgern sowie Landwirten, Landarbeitern und deren Familien entgegengenommen. Blutsverwandte von amerikanischen Bürgern müssen eine vom Commissioner General of Immigration in Washington ausgestellte Einreiseerlaubnis beibringen. Im Sinne des amerikanischen Einwanderungsgesetzes gelten als Blutsverwandte von amerikanischen Bürgern: die Ehefrau und unverheiratete Kinder unter 21 Jahren eines amerikanischen Bürgers, der das 21. Lebensjahr erreicht und überschritten hat: der Bater, die Mutter, der Ehegatte eines amerikanischen Bürgers über 21 Jahre; ferner gelernte Landwirte, Landarbeiter und deren Familien, auch Förster, Gärtner, Winzer sowie in der Obstzucht oder Tierzucht ausgebildete Personen und deren Frauen und unterhaltsberechtigte Kinder unter 16 Jahren, ganz gleich, ob sie mit dem Familienoberhaupt zusammen reifen oder diesem folgen, lieber die Berufsausbildung müssen den amerikanischen Konsulaten Zeugnisse, Bescheinigungen oder dgl. vorgelegt werden. Voraussetzung ist ferner, daß solche Personen in Nordamerika ihren landwirtschaftlichen Beruf fortsetzen wollen. Es erleichtert die vorzugsweise Erlangung des amerikanischen Einwanderungssichtvermerkes, wenn diese Tatsache in der aus den 'Bereinigten Staaten erhaltenen Bürgschaftserklärung (Affidavit) zum Ausdruck gebracht ist. — Besichtigungsfahrt. Die technischen Beamten der hiesigen Kulturinspektion unternahmen am Samstagn.ichmittag einen Lehrausflug nach Bad-Rauheim, woselbst die neue Klärbeckenalage unter sachkundiger Führung eingehend besichtigt wurde. Bon dort führte der Weg weiter nach Friedberg zu einer Besichtigung des Wasserturms. Die Teilnehmer waren hochbefriedigt von den gewonnenen Eindrücken. ** Ministerspende für d i e Gießener Rudergesellschaft. Die Gießener Rudergesellschaft 1877, die bekanntlich in diesem Jahre ihr 50jcihriges Jubiläum durch einen Festakt und eine größere gesellschaftliche Veranstaltung im Januar und eine zweitägige Regatta im Juli feierte, wurde anläßlich des Festes durch Gönner und Freunde mit größeren Stiftungen zu sportlichen Zwecken bedacht. Nunmehr wurde der Gesellschaft auf Anregung des Reichstagsabgeordneten Professor Dr. Werner (Butzbach) vom Reichsministerium des Innern eine Jubiläumsspende von 1500 Mark zur Anschaffung neuen Bootsmaterials überwiesen " Fachkurse f.ür das Schneidergewerbe. Hier wird von einer Frankfurter Zuschneidelehrsirma ein vierwöchiger Fachvollkursus für Herren- und Damengarderobe ab- gehalten: für Damenfchneidrrinnen ist auch Gelegenheit zur Ausbildung im modernen Maß- und Modellschnittzeichnen geboten. Es ist im übrigen auf die Anzeige m der Donnerstag- Ausgabe zu verweisen. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt. Ochsen 374, Bullen 107, Kühe 736, Färsen 432, Kälber 489, Schafe 290, Schweine 5751. Berliner Börse. Berlin, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Stimmung im heutigen Frühver'ehr ist sehr zurückhaltend, doch eher etwas freundlicher. Geschäfte sind bis jetzt kaum getätigt worden. Die letzten Kurse scheinen gut behauptet zu fein. Farben hört man mit 308,5, 309, 309,5. Am Devisenmarkt hort man London-Kabel mit 4,86V,», Mailand 89,25 und Madrid mit 28,79. Die Wetterlage. 2BZ •Uaidersund- 13 3oUI— 15 •HO, Sonntagen 21 August 8hwrm /-L ©Wolkenlos.® neuer (jnaio oedtcu. »woimg. «oedetki «Regent * Schnee c, Ordupem e Neoei K Oe7 Tel. 2503 und befindet sich WolkenOasse23. Schwache Nerven sind dieGrundursachen der meisten Krankheiten. Blutarmut, Herzklopfen, nervöse Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit,Schwächezuständ. aller Art, Unlust zur Arbeit, Zittern, Appetitlosigkeit, nervöse Magenbeschwerden sollen nur durch Doppelherz dem von der Wissenschaft anerkannt. Nervenkräftigungsmittel, behandelt werden. Allein echt mit der Herzschwester, Originalflasche O.M. 2.- 3.50 und 4.60 Echt zu haben durch: Drogerie Emil Kern, Schulitr., Drogerie C. Seibel. Drogerie Hans Holl, Ludwigs» vlav und Neustadt, Drogerie 0. Winter- boll, Kreuzvlatz 9/10, Heus Hindenburg, Med.-Drogerie, Sei« lerSmeg 68a. W,D H • ABEKIN6 • DK d^asfldopen "der Rennpferde tf eine verbrede„ rifche fdaß nähme, die mit Recht* flvengflens gg, ahndet- wird. o groß die Unterschiede zwischen der Eigenart und der besonderen Lage der einzelnen nationalen Gruppen sein mögen, durch die Arbeit auf den beiden vorhergegangenen Kongressen in den Jahren 1925 und 1926 haben sie sich insofern in eine Notgemein- lchaft zu ja mmenge sunden, als sie gemeinsame grundsätzliche Forderungen ausgestellt haben. Zu diesen gehören vor allem die Sicherung der külturellen Ent- wicklungsfreiheit, die Gleichberechttgung mit den Angehörigen des Staatsvolkes in bezug auf die wirtschaftlichen Rechte und Pflichten, auf das Wahlrecht und seine Ausübung, auf den Gebrauch der Mutter- fprache und auf das Recht der Staatsbürgerschaft. Ebenso haben sie grundsätzlich die Wege gewiesen, die )u einer friedlichen Regelung von Streitigkeiten zwischen Regierungen und nationalen Gruppen führen. 2Ran sieht also, daß es sich erst einmal barum handelt, daß die verschiedenen nationalen Gruppen in Europa eine gemeinsame ideelle Plattform gewinnen, die nach und nach ausgebaut wird. Es hat sich bereits praktisch erwiesen, daß die einzelnen Gruppen, von diesem Standpunkte ausgehend, einen wichtigen Rückhalt gewinnen und ihre Ansprüche den einzelnen Regierungen gegenüber mit einer gesteigerten Aussicht auf Erfolg vertreten können. Ist die Ar- beit des Kongresses also einerseits auf eine engere Fühlungnahme der Gruppen untereinander und auf den Ausbau gemeinsamer Grundsätze gerichtet, so ist sie andererseits öarauf eingestellt, diesen Grundsätzen zur Verwirklichung zu verhelfen. Hier handelt es sich vor allem darum, allerorts in möglichst umfassendem Maße Aufklärung zu schaffen über das Wesen, die Ziele und Ansprüche der nationalen Gruppen. Es handelt sich weiter darum, den Zusammenschluß der Gruppen in einzelnen Fallen 3U fördern. Dabei sind verschiedene Verbindungen zu unterscheiden. Das Zusammengehen aller Gruppen eines bestimmten Staates, oder gleichnationaler Gruppen in verschiedenen Staaten ober auch eine regionale Zusammenarbeit verschiedenstämmiger Gruppen in mehreren Staaten auf Gegenseitigkeit. Es handelt sich schließlich darum, in gesteigerter Geschlossenheit, die engere Verbindung mit allen internationalen Organisationen zu fördern. Aus diese Weise ist die Arbeit des dritten Natio- nalitätenkongresses ein Dienst an den Völkern Europas. Wenn man das gesteigerte Nattonalbewußtsein dieser Völker seit dem Kriege, besonders in den peri- phären Gebieten, also den Gebieten der nationalen Gruppen, in Bettacht zieht, wenn man die ganze Schärfe der Gegensätze in diesen Gebieten sich vor Augen führt, so erkennt man, daß die nationalen Gruppen sich für eine Lösung des über weitere Sicht bedeutsamsten europäischen Problems einsetzen. Man braucht nur in der jüngsten Geschichte unseres Kontinents nachzublättern, oder dem Ursprung der meisten Beunruhigungsmomente der heutigen europäischen Politik nachzugehen, um die ungeheure Bedeutung dieser Arbeit zu erkennen. Diese Arbeit ist ein Dienst an der Erhaltung des Friedens. Die europäische Nationalitätenbewegung, wie sie sich in ihren Kongressen dokumentiert, ist der erste aus freiem Willen heraus entstandene Versuch, eine brauchbare Lösung des europäischen nationalen Problems zu finden. Ihre Arbeit vollzieht sich nicht nur im eigenen Interesse, sondern im staatlichen und völkischen Interesse aller Nationen Europas. Zurverwattungsrefomin Hessen (Don unserer Darmstädter Redaktion.) Die Verwaltungsreform in Hessen sollte bekanntlich noch von diesem Landtag verabschiedet werden. Diese Absicht dürste sich aber kaum verwirklichen lassen, denn die Herbsttagung wird eine so umfangreiche Ausgabe nicht mehr erledigen wollen. Don Vertretern der Wirtschaft und der Industrie wird mit Recht behauptet, daß sich der Fehlbetrag des Staatsvoranschlags ganz wesentlich verringern ließe durch umfangreiche Dereinfachungen und Ersparnisse auf dem Gebiete der Verwaltung. Es darf aber, und das ist oft schon im Landtag gesagt worden, die Verwaltungsreform nicht mechanisch einen „Abbau der Aemter und Aufgaben" bringen, sondern der Weg einer wahren VerwaÜungs- reform führt über die wohlerwogene Einsparung freigewordener Stell en, zu einer rechten Gruppierung der verbleibenden und der dauernd benötigten Kräfte. Diese Sparmaßnahme muh bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgenutzt werden im Interesse des Staates, aber auch im Interesse der Beamtenschaft. Daß Ersparnisse im hessischen Staatshaushalt — auch bei den Städten und den Gemeinden — durch Vereinfachungen gemacht werden können, ist unbestreitbar. Von keiner Seite ist übrigens nachdrücklicher und mit mehr Sachkenntnis darauf hingewiesen worden als gerade von der Beamtenschaft. Aber auch sehr beachtlich und sehr ernst zu nehmen ist eine leider weit verbreitete Volksstimmung gegen die „viel zu zahlreichen und viel zu gut bezahlten" Beamten. Aus diesem Grunde hat auch wohl kürzlich der Derbandstag der Hessischen Verwaltungsbureaubeamten, der in Offenbach tagte, an die hessische Regierung das dringende Ersuchen gerichtet, zur Vereinfachung und Verbilligung der Staatsverwaltung bestimmte einfache Bureaugeschäfte den geprüften Oberaffiftenten und Sekretären zu übertragen. Lieber die Annahme und Ausbildung der Beamten sollten geeignete Bestimmungen getroffen werden, damit in weitestgehender Weise die einfacheren Bureauarbeiten durch billigere Kräfte versehen werden können. Bei der Verwaltungsreform sollte auf einen einfacheren Geschäftsgang und auf eine einfache und klare Beforderungsorganisation durch Beseitigung überflüssiger selbständiger Behörden usw. hingewirkt werden. Daß eine solche durchgreifende Reform im Interesse der hessischen Steuerzahler unbedingt erforderlich ist, wurde schon vielfach im Hessischen Landtag erörtert. Bemerkenswert aber ist, daß jedesmal, wenn ein Vorschlag auf Verminderung der Ministerien oder der Dezernate gemacht wird, der Widerspruch dagegen nicht aus den Kreisen der Beamten, sondern von den Kreisen kommt, die in den gefährdeten Ministerien usw. so etwas wie eine Interessenvertretung sehen. Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Von der land- und forstwirtschaftlichen De- rufsgenofsenschaft — Reichsunfallversicherung — wird uns geschrieben: Die Zunahme der elekttischen Beleuchtung unZ> die Verwendung des elekttischen Sttomes für den Antrieb von landwirtschaftlichen Maschinen erfordert erhöhte Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise, t>a die mangelhafte Instandhaltung und Isolierung in letzter Zeit wiederholt tödlich verlaufene Unfälle zur Folge gehabt haben. So wurde ein Landwirt in Weiten- Gesäß beim Berühren einer schadhaften Stelle der Lichtleitung im Stalle tödlich verletzt und ein Resse des Unternehmers in Mittershausen, der als landwirtschaftlicher Gehilfe tätig war, beim Umgang mit einem Panzerkabel an der Dreschmaschine getötet Die Isolierung des Kabels war durch den häufigen Gebrauch offenbar schadhaft geworden, so dach die eigentliche Panzerung erst recht als guter Leiter diente und den Unfall herbeisührte. In Messel verunglückte ein Landwirt bei Berührung der Leitung für Kraftstrom ebenfalls tödlich. Gr ergibt sich hieraus, daß die Licht- und Kraftanlagen, die den Einwirkungen von Rässe und Feuchtigkeit in Höfen und Stallungen besonders ausgesetzt sind, einer ständigen Ueberwachung bedürfen. Auch muß den Landwirten zur Pflicht gemacht werden, nur solche Kabel zu benutzen, die den Vorschriften des Vereins deutscher Elektrotechniker (Prüfzeichen DDE) entsprechen und mit einer Gummischlauchleitung versehen sind. Vorschriftsmäßige Kabel werden auf der diesjährigen landwirtschaftlichen Ausstellung in Darmstadt in der Abteilung für Unfallverhütung gezeigt werden. Am Genfer See. , Stimmungsbilder von der wettkirchenkonseren;. Don Privatdozenten Lic. Justus Ferdinand Saun. Lausanne, im August 1927. , Wie angenehm überrascht ist man, wenn man in Gießen monatelang gefroren und den wirklichen Sommer herbeigesehnt hat, sich mit einem Male mitten in eine geradezu südliche Sonne versetzt zu sehen! Mit Wonne genießt man die kräftige Gebirgsluft, den blauen, klaren Himmel, den Blick über die weite Fläche des grünen Sees hin auf die sanften Höhen des Jura ober hinüber auf die steil aufragenden Gipfel der Savoyer Alpen. Gleich am ersten Tage möchte man sich in die kühlen Fluten des Sees stürzen, möchte auf einem der zahlreichen Damvfer eine Rundfahrt an den mit Weinbergen, berühmten Badeorten und waldigen Bergen geschmückten Ufern entlang unternehmen oder gar hoch auf die grünen Almen hinaufklettern. Man weiß nicht, was man zuerst tun soll. Aber aus diesem Dilemma wird man alsbald durch den Lauf der Dinge befreit, da ein mächtiges Gewitter hereinbricht, das in Montreux-Territet einen reißenden Gebirgsbach entfesselt, der Felsblöcke in ein Hotelzimmer schleudert und ein großes Loch in die Ufer- Promenade reißt, uns in Lausanne aber nur eine kräftige Abkühlung nach der bereits unerträglich gewordenen Hitze bringt. Man flüchtet in eins der großen Hotels, die als die modernen Paläste die Hänge schmücken, und schlürft einen einzigartigen Mokka, bereits die bange Frage im Herzen: Wird das schöne Wetter jetzt vorbei sein? Weit gefehlt! Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder so prächtig wie je, und man kann die schöne Universitäts- und Handelsstadt Lausanne bewundern. Am steilen Hana des Jorat terrassenförmig auf fünf Hügeln aufgebaut, bietet sie ein ganz einzigartiges Bild. Zwei Brücken führen über die Dächer der zwischen den Hügeln gelegenen Häuser hinweg und ermöglichen den Automobilen und Straßenbahnen, die obere Stadt in Serpentinen zu erreichen. Wer von dem reizvoll gelegenen, jetzt mit Lausanne verbundenen Hafen- und Badeort Ouchy auf direktem Weg in die Stadt hinauf gelangen will, der muß sich der „Funiculaire", d. h. der Drahtseilbahn, bedienen — einer Einrichtung, die hier in den Bergstädten allenthalben eine große Rolle spielt. Kein Wunder! Liegt doch der höchste Punkt der Stadt, das „Signal", von wo aus man den ganzen Genfer See überblicken kann, etwa dreihundert Meter über Ouchy. Will man aber gehen, so führt der direkte Weg nicht nur steil bergauf, sondern auch dazwischen wieder hinab. So viele Treppen wie hier habe ich bisher nur in Stuttgart steigen müssen. So wenig Lausanne wegen dieser Tatsache und wegen der im Juli und August auf der an einem Südhang gelegenen Stadt brütenden Hitze als Tagungsort für unsere W e l t k i r ch e n k o n f e r e n z geeignet erscheint, so sehr ist es dies andererseits wegen seiner internationalen und interkonfessionellen Art. Man spricht zwar französisch hier, ccher man kann beinahe ebenso oft englisch, wenn auch nicht fo oft deutsch oder italienisch sprechen hören. Es gibt hier Kirchen für Evangelische, für Römisch-, Griechisch- und Anglikanisch-Katholische. Man ist also in einer Atmosphäre, welche einer Tagung, wie der unseren, nur günstig sein kann. Dennoch fühlt man sich fremd hier trotz aller galanten Höflichkeit. Wer in Stockholm vor zwei Jahren die herzliche Aufnahme der Kirchenkonferenz durch die Schweden erlebt hat, der kann hier nur enttäuscht fein. Auch wir, die Kirchenmänner aus der ganzen Welt, die hier zusammengekommen sind, um der durch Streit und Gottlosigkeit in beispiellose Not geratenen Menschheit zu dienen, werden hier als „Fremde", d. h. als Gegenstand des Geschäfts, behandelt. Gewiß, der Stadtverwaltung soll Gerechtigkeit widerfahren. Sie hat uns offiziell freundlich begrüßt und uns einen durch mancherlei Leckerbissen verschönten Empfang in dem grandiosen Hotel „Beaurivage" bereitet, ja, sie hat uns sogar zu einer größeren Dampferrundfahrt auf dem See eingeladen. Aber die Bevölkerung beachtet uns nicht, zurzeit des Beginns unserer Konferenz ganz in Anspruch genommen von dem in der Nachbarstadt Vevey gefeierten Winzerfest, das nur alle fünfundzwanzig Jahre einmal mit einem Riefenaufwand von Bauten, Spielen, Aufzügen und Feuerwerk die Massen in Atem hält. Die schon beinahe tausend Jahre alte und doch gotische Kathedrale, welche mit ihren beiden Türmen von eigenartiger Schönheit die Stadt weithin überragt, da sie hoch oben am Bergeshang liegt, mag schon viele hohe kirchliche Würdenträger in ihren Mauern gesehen haben. Aber einen fo seltsamen Gottesdienst, wie er zur Eröffnung der Weltkonferenz gehalten wurde, kann sie noch nie erlebt haben, denn so etwas hat es bisher außer in Stockholm noch nie gegeben. Es war der strengen Schlichtheit des Calvinismus, dem die Kathedrale jetzt gehört, angemessen, daß keinerlei prunkvolle Entfaltung von liturgischen Gewändern, kein Hochamt, kein Aufzug von König und Bischöfen in vollem Ornat wie in Stockholm, die Aufmerksamkeit vom Inneren auf das Aeußere ablenkte. Aber es war doch ein großes Wunder, ein hohes Symbol dessen, daß nun eine neue Zeit anzubrechen beginnt, daß ein Bischof der Anglikaner, die in der englischen Reformation manchen auf den Scheiterhaufen gebracht haben, weil er die Altäre aus den Kirchen entfernte, in der nun altarlosen Kathedrale sich in seinem violetten liturgischen Gewand geduldig unter die Kanzel setzte, so lange der französisch-schweizerische Pfarrer den Gottesdienst mit Schriftlesung und Gebet von der Kanzel einleitete, daß er dann selbst predigte, und schließlich, daß an diesem Gottesdienst eine Reihe von hohen Würdenträgern der griechisch-katholischen Kirche teilnahmen. Wer die Kirchengeschichte kennt, der staunt, wenn er mit einemmal Reformierte und Lutheraner, deren Hauptstreitpunkt die Abendmahlslehre war, friedlich gemeinsam zum Tisch des Herrn treten sieht. Zweimal frühmorgens konnte man in der still zwi- schen Bäumen und Villen versteckten englischen Kirche noch Größeres erleben: da feierten anglikanische Bischöfe und Erzbischöfe, Diakone und Pfarrer mit dem lutherischen Erzbischof Söderblom und deutschen Protestanten gemeinsam ein von einem Schweden dargereichtes Abendmahl. Singend ging der „Löwe von Upsala", der gewaltige Führer in der Einigungsbewegung, in aller Schlichtheit voran, und andere folgten ihm ohne Rangstreit. Der Geist der Brüderlichkeit hat die Gemüter mächtig ergriffen. Unter diesem Geiste steht auch die ganze Tagung. Es wird heiß gerungen, nicht nur mit vielen Worten, sondern auch mit der Entfaltung großer seelischer Kräfte. Denn es soll kein allgemeiner Mischmasch christlicher Konfessionsformen entstehen; wir wollen vielmehr alle heilig halten, was unseren Vätern auch heilig war. Der Unterschied gegen früher liegt aber darin, daß wir auch das heilig halten lernen, was den Vätern unserer früheren Gegner ihr Blut und Leben gekostet hat, und daß wir mehr das betonen, was uns einigt, als das, was uns trennt. Allerdings wird dieses nicht ver- , schwiegen. Wir wollen keine Einigung auf Kosten der Wahrhaftigkeit. So hört man denn an einem Morgen die Ueberzeugung vorttagen, daß es ohne die Annahme des Bischofsamtes durch alle Kirchen keine Einheit geben könne, und kurz darauf die andere, daß das allgemeine Priestertum der Gläubigen und das Presbyteramt ebenso berechttgt seien. Nur mit tiefer Rührung konnte man den Metropoliten von Thyatira — einer aus der Offenbarung Johannis bekannten Stadt in Kleinasien — eine Verteidigung der sieben Sakramente, wie sie der lei- der abwesende Bischof von Ochrida verfaßt hatte, vorlesen hören, um nachher die protestantische Auf-' faffung in allen Nüancen an sich vorbeiziehen zu lassen. So erscheinen die Gegensätze manchmal unüberbrückbar. Und dann kommen doch wieder Erlebnisse seltsamer Uebereinftimmung, z. B. hinsichtlich des Evangeliums, gemeinsames Singen und Serien in vielen Sprachen, es kommt ein erschütterndes Zeugnis eines indischen Bischofs, dessen Haut- färbe gar niemanden stört, oder eines chinesischen Professors, dessen Kinderfigur feine Autorität nicht vermindert, von dem Ringen der Kirchen auf dem Missionsfeld und dem Befremden der Heiden über die Konkurrenz der Kirchen... alles Dinge, die uns wieder zusammenführen. Es spielt sich also ein dramatischer Kampf ab, dessen Ausgang noch niemand kennt. Aber alle sind von der Hoffnung getragen, daß wir zu einem guten Ende kommen werden. * Es ist eine äußerst anstrengende Arbeit, fo viele Reden deutsch, französisch und englisch anhoren zu müssen, in kleinen Diskussionskreisen miteinanber- zu ringen. Da muß man in der noch bleibenden freien Zeit Erholung suchen. Und darum ist man dafür so dankbar, daß man am Genfer See ist. Sonnten auch all die sehnlichen Wünsche nicht gleich am ersten Tage erfüllt werden, fo kommt doch ihre Erfüllung als angenehme Unterbrechung der Arbeit, eine nach der anderen. Am Sonntagnachmittag fitzt man auf einem der großen Dampfer im Kreise fröhlicher Menschen und fährt bei strahlendem Sonnenschein hinüber ans andere Ufer des Sees nach dem französischen Bad Evian. Leider kann man nicht ausfteigen, da die Franzosen auch für ein paar Stunden das teure Paßvisum verlangen. Darum geht es am französischen Seeufer entlang weiter an kleinen, romantischen Orten vorbei, bis zur Einmündung der Rhone in den See, deren gelbes Wasser man noch eine Zeitlang in dem grünen des Sees verfolgen kann. Man sieht weiter das Schlößchen Chillon, schmuck und weiß mit seinen ernsten Fensterlöchern, in den See hineinragend, das <5tranb» hab von Terntet, wo luftige Paare von einer hoheM Verband der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen. Jugendpflege und Jugendfürsorge sind Arbeitsgebiete, die man vor 50 Jahren in Deutschland kaum gekannt hat. Damals fiel die Pflicht, für die Heranwachsende Jugend zu sorgen, ausschließlich der Schule zu, und wenn diese die Kinder entlassen hatte, so kümmerte sich außer ihren Eltern und Lehrmeistern niemand mehr um sie. Es war damals eine Zeit, in der unser Volk auf allen Gebieten des Lebens im Aufstreben begriffen war. Als man aber um die Wende zum 20. Jahrhundert erkannte, daß man nicht mehr überall von einem Fortschreiten reden tonne, als man merkte, daß das Lebermah der Technik unser geistiges Leben zu veröden drohte, als unser Volk anfing, sich seiner sozialen Pflichten bewußt zu werden, da erkannte man auch, daß es nicht damit genug sei, die Kinder ad)t Jahre lang zum Schulbesuch anzuhalten und die männliche Jugend erst nach einem strengen Maturitätsexamen zur Universität zuzulassen, sondern daß man sich um di« Jugend, um ihre körperliche uni) seelische Verfassung weit mehr kümmern müsse, als das seither geschehen war. Staat und Kirche haben sich von dieser Zeit an die Pflege der Jugend immer mehr angelegen sein lassen. Die einseitige geistige Kultur der früheren Zeit ließ die Körperkultur zurücktreten, auf die Pflege der Gemütswerte wurde wenig Wert gelegt. Das wurde nun anders, man bangte um die gesunde Weiterentwicklung unseres Volkes und besann sich auf den Grundsatz: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. So entstand Organisation auf Organisation, und heute steht die Jugendpflege im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Freilich man muß sich auch hier vor ^lebertreibung hüten. Der verstorbene Berliner Professor der Theologie D. Freiherr v. Soden hat einmal gesagt, es sei eine Form ungesunder Entwicklung, wenn man zu sehr betone, daß di« Jugend künstlich gepflegt werden müsse, und wenn man nicht mehr hoffe, daß eine tüchtige, gesunde Jugend sich ohne bewußte Leitung und Bevormundung gedeihlich entwickeln werd«. Dieses Wort konnte und wollte jedoch nicht das, was an der Jugendpflege berechtigt ist, unterschätzen. Seit längerer Zeit widmet man sich auch der Pflege der weiblichen Jugend. Heute wetteifern miteinander auf diesem Gebiete die evangelische und die 'katholische Kirch«. Auch in Hessen sind auf evangelischer Seite viele Iungfrauen? vder, wie man auch sagt, Jungmädchenvereine entstanden Diese Vereine hat man in einem Verbände zusammengefügt. Eine Zentralisation dieser Art hat viel Segensreiches zur Folge: denn es toeröen dadurch Anregungen weitergegcben, und es wird einheitliches Vorgehen erzielt. In diesem Sinne hat es auch be» sonderen Wert, wenn ein Verband dieser Art zu Jahrestagungen zusammenkommt. Zwar kann man nicht sagen, daß hierdurch das innere Leben der jungen Seelen immer gefördert werde. Läßt man die Jugend zu oft zum Wort kommen, überträgt man ihr in Vereinsvorständen Geschäfte, die sonst nur ältere Personen verrichten, so besteht die Gefahr, daß sie frühreif und eitel wird. Vor diesem Schaden wird die Jugenid behütet, wenn sie recht geleitet wird. Das geschieht in dem Verband der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen, dessen Jahrestagung gestern hier stattgesunden hat. Aus allen Teilen des Hessenlandes waren die Mädchen, geführt von ihren! Dereinsleitern, Pfarrern, Diakonissen und anderen Persönlichkeiten, die für die Jugend ein warmes Herz haben, hier zusammengeströmt, ungefähr 1700 auswärtige Festteilnehmerinnen mögen cs gewesen sein Ein Teil davon war schon am Samstagnachmittag hier eingetroffen. In ihren Windjacken, mit Rucksack und Zupfgeige zogen sie in di« Stadt ein und suchten ihre Quartier« auf. Die Tagung wurde durch eine Abendandacht, die am Samstagabend um 1/29 Uhr in der Jo- hanneskirche stattfand, eingeleitet Organist Habicht spielte in gewohnter, meisterhafter Weise auf der Orgel, und der Landesjugendpfarrer Lic. von der Au hielt ein« zu Herzen gehende Ansprache. Fräulein Partenheimer von hier und Fräulein Reichard aus Würzburg fangen mit klangvollen, gutgeschulten Stimmen das Duett „Ich harret« des Herrn" von Mendelssohn. Am Sonntag früh ,tm 7 Uhr durchzogen, in Gruppen eingeteilt, Kurrendesängerinnen die Stadt und fangen an vielen Orten Choräle und geistliche Volkslieder. Dieses Singen, das in alter Zeit — man denke an Martin Luther, der in Eisenach Kurrendeknabe war, — besonders in Aorddeutschland gepflegt wurde, verdient es, in unserer Zeit wieder mehr in Gang zu kommen, denn nicht nur die, die ausgesprochen kirchlich gerichtet siird, sondern auch die, die nicht mehr zum Gottesdienste gehen, hören es gern und lauschen chm mit Ergriffenheit. Auch hier wurde das Singen dankbar entgegengenommen. Um 10 Uhr fanden in beiden Kirchen Festgottesdienste statt. Bemerkenswert ist, daß an diesem Tage zum erstenmal an den beiden Türmen die neugeschafften Kirchenfahnen, die auf weißem Grund ein violettes Kreuz zeigen, angebracht waren. Neben ihnen flatterten im Winde die Fahnen des Verbandes, die an dem grünen Kreuze auf weißem Grunde kenntlich sind. In beiden Kirchen trugen die Altäre reichen Blumenschmuck, die Blumen waren von Gemeindegliedern gestiftet worden. In der Stadtkirche predigte Pfarrer D. Jeep aus Braunschweig, ein um die Jugendpflege verdienter Mann. Der Frauenchor des Evang. Arbeitervereins und die Knabenchorschule trugen durch ihren Gesang zpr Ausgestaltung des Gottesdienstes bei. In der Johanneskirche predigte Professor Gerstenmaier aus Friedberg. Ein aus Mitgliedern des Mädchenvereins Hungen und ein aus Gießener Mädchen zusammengesetzter Chor sangen geistliche Lieder. Beide Kirchen waren bis zum letzten Stehplatz überfüllt. Dis Mädchen, die bei Familien untergebracht waren, waren mitlags bei diesen Gäste: denen, die erst am Vormittag gekommen waren, wurde in der Pestalozzischule. im evangelischen Schwestem- hause und in der Kleinkinderbew ah ran statt Kaffee gereicht. Um halb 2 Uhr stellte sich auf Oswalds-- garten der Festzug auf, es mögen 2000 Teilnehmer gewesen sein, die in ihm gingen. Die Führung hatte der Gustavsburger Posaunenchor, dessen Darbietungen von großer Schulung Zeugnis ablegten. Dasselbe gilt von dem Klein- Lindener Posaunenchor, der auch in dem 3uge vertreten war. Der Zug bewegte sich durch die Reustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Settersweg, Goethestrahe, Südanlage, Gartenstraße, Kaiserallee nach dem Trieb. Es war ein an- mutiges Bild, als die einzelnen Mädchengruppen mit chren Wimpeln dahinzogen. Deutsche Volkslieder erklangen, vielfach von den Zupfgeigen begleitet. im Zug«. Auf dem städtischen Gelände östlich des Philo- svzchenwaldes machte der Zug Halt. Die Wimpelträgerinnen wurden auf dem Hügel auf gestellt, und di« Teilnehmerinnen nahmen vor diesem Hügel Aufstellung. Die Wimpel flatterten im Winde, und die große Schar lagerte sich auf dem grünen Rasen, im Hintergründe waren die Höhen und Wälder bei Wie- seck und Alten-Buseck zu sehen. Viele, die noch nicht in Gießen gewesen waren, waren von dem Landschaftsbilde, das sich ihnen hier darbot, überrascht. Unter Begleitung des Gustavsburger Posaunenchors sang die große Versammlung das Lied „Es rauscht durch deutsche Wälder", bann wurde die Begrüßungsansprache von dem Derbandsvorfitzenden Pfarrer St rack in Pfungstadt gehalten. Ihm folgte Superintendent Zentgraf aus Mainz, der den Gruß der Kirchenbehörde entbot. Schulrat Haffin g e r aus Darmstadt sprach für di« Zentralstelle für Volksbildung und Jugendfürsorge, Pfarrer M e m m e r t aus Oberwiddersheim redete im Auftrage des Vereins für innere Mission. Alsdann trat die jugendliche Freude in ihr Recht. Volkslieder wurden gesungen, Reigen und Volkstänze wurden aufgeführt, wobei es zu außerordentlich schönen Darbietungen kam. Die junge Schar ließ sich durch den Regen, der niederging, in ihrer Freude nicht stören. Als der Regen aber stärker wurde, Rutschbahn ins Wasser rodeln, Montreux mit seinen an die steilen Hänge bis in tausend Meter Höhe wie Vogelnester angeklebten Hotelpalästen-, darüber die zackige Spitze des Kocher de Naye und gegenüber — wenn man Glück hat, wie wir es einmal hatten — das schneebedeckte Haupt des Dent du Midi! Endlich sicht man auf der Heimfahrt vom Wasser aus die Vorbereitungen zu dem großen Feuerwerk in Vevey, dessen beginnende Illumination wir sogar noch von weitem sehen konnten. Ein andermal wird im Mondschein gerudert. Das ist aber doch eine andere Sache als auf Lahn und Main! Da gibt es mitunter ein tüchtiges Schaukeln oder einen großen Schreck, wenn plötzlich die Sirene eines der vom Wasser aus riesenhaft erscheinenden Dampfer ertönt. Am erfrischendsten ist es, morgens früh vor der Sitzung im See zu baden. Da ist man ganz allein und wird, umgeben von Licht, Luft und Sonne, im Anblick der Berge geheilt von allen Schäden der Theorie. Geht es nicht morgens, so geht es abends, wenn die Sonne in den Dunst des Horizontes sinkt und man mit Schwänen in holdem Verein im Wasser dahinschwimmt. Das haben wir uns auch nicht nehmen lass ejnmal zu jenen Hotelpalästen in tausend Mc . j Höhe über Montreux hinaufzuklettern. Wir saßen dann hoch oben — nach getaner Arbeit, die sich andere durch Benutzung der fauchenden Zahnradbahn ersparen — und schauten über die Berge hin, ins Tal hinunter, wo tief unten die Rhonemündung, Chillon und mit dem Glas auch die Badenden in Tercilet zu erkennen waren, und schlürften eine Tasse Tee nach der anderen. Nicht ferne von uns knatterte hie und da ein Auto — man hätte auch im feudalen Saal einen Tanztee erleben können —, also der Zivilisation war man da oben noch nicht entronnen. Aber alles war herrlich schön; besonders der Abstieg in Serpentinen im Abendsonnenschein mit dem ständigen Blick auf den See und auf die fernen Berge. Und endlich kann man nicht hier gewesen sein, ohne das uns allen seltsam teuer gewordene Genf besucht und feftgeftellt zu haben, daß der alte Völkerbundpalast trotz aller Ausschreibungen noch immer nicht durch einen neuen ersetzt ist; ohne das Hotel Chamberlains, das Caf« S t r e sein a n n s , die Kneipe B r i a n d s und alte Freunde wiedergesehen zu haben. Es ist eine Stadt von seltener Vornehmheit und eigenartigem Reiz, zumal wenn nicht nur die große Fontäne im See springt, sondern auch der Montblanc fein stolzes Haupt enthüllt. Es soll jetzt etwa vierzig internationale Institute in Genf geben. Vivant sequentes! Bekenntnis Rilkes über seine Jugend. Wie die zarte und berauschende Blüte der Kunst Rilkes, die gleich einem Wunder in unserer Zeit leuchtete, heranreifte, das begreifen wir erst jetzt langsam, da uns nach feinem Tode immer mehr persönliche Zeugnisse seiner Entwicklung erschlossen werden. Ein besonders wichtiges Dokument dieser Art ist der große Bekenntnisbrief des 19jährigen Rilke, den Paul Leppin im neuesten Heft der „Literatur" mitteilt. Am Vorabend seines 19. Geburtstages schreibt er kurz vor Mitternacht am 4. Dezember 1894 an Valerie David Rhönfeld t, seine erste Geliebte, an die die „Sonette an Daily" gerichtet sind. Er wirft einen Rückblick auf sein bisheriges trübes Dasein: „In dieser Rächt gegen einhalb zwölf sind es gerade 19 Jahre, daß ich bin. Du kennst die lichtarme Geschichte meiner verfehlten Kindheit und Du kennst diejenigen Personen, welche Schuld daran tragen, daß ich nichts ober wenig Freudiges aus jenen Werdetagen zu merken vermag. Du weißt, daß ich einen großen Teil des Tages einer gewissens- armen und sittenlosen Dienstmagd überlassen war, und daß diejenige Frau, deren erste und nächstliegende Sorge ich hätte sein sotten, mich nur liebte, wo «s galt mich in meinen neuen Kleidchen vor «in paar staunenden Bekannten aufzuführen. Du weißt, wie ich mit wechselndem Erfolge die Volksschule der Piaristen absolvierte und — ein dummer Knabe — in der Hauptallee des Baumgartens über mein eigenes Schicksal mit einem kindischen Worte entschied..." Die Leiden auf der Militärschule, von denen er erst erlöst wurde, als er sich für die Abschlußprüfung bei einem Prager Gymnasium vorbereiten durfte, schildert er folgendermaßen: „Ich duldete Schläge, ohne je einen Schlag erwidert ober wenigstens mit einem bösen Wort vergolten zu haben. Ich litt unb trug. Ich glaubte, der Wille eines unendlichen, unwandelbaren Schicksals verlange von mir diese heroische Duldsamkeit — hätte ich gewußt, erkannt, daß es statt dieses unabwendbaren Geschickes nur die Laune eines vergnügungssüchtigen, erbärmlichen Wesens war (Mutter). Wo ahnte ich bas! Mit derselben mußt« dies« Veranstaltung abgebrochen werden. Man begab sich zurück nach der Stadtkirche, wo nach einem Dortrage des Gustavsburger Posaunenchors Pfarrer D. Jeep die Schlußansprache hielt. Mit einem gemeinsam gesungenen Liede nahm die Tagung ihren Abschluß. Fehlte auch die liebe Sonne, so darf doch das Fest als ein in allen Teilen wohlgelungenes Fest bezeichnet werden. Dank gebührt den Familien, die in gastfreier Weise bi« auswärtigen Teilnehmerinnen aufnahmen. Am das Gelingen des Festes hat sich Pfarrer B e y r i ch in Münzen- berg, der zweite Vorsitzende des Verbandes, besondere Verdienste erworben, er hat das ganze Fest organisiert, die Einladungen versandt und für alles im einzelnen Sorge getragen. Die in Gießen zu leistende Organisation lag in den Händen des Pfarrers Becker, der sich dieser Aufgabe mit einer großen Mühewaltung unterzogen hat. Die evangelische Gemeinde Gießen hat als fest gebende Gemeinde einen guten Ruf, nachdem im Jahre 1924 hier der deutsche Pfarrertag und im Jahre 1925 das große Gustav Adolf-Fest stattgefunden hot. Hoffentlich hat die gestrige Tagung dazu beigetragen, diesen guten Rus zu mehren. Oberhessen. Landkreis Bietzen. CO Klein-Linden, 21. Ang. Im Anschluß an den Vormittagsgottesdienst wurde heute in unserem Gotteshaus durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Göbel, der Wimpel der hiesigen ch r i st - lichen Jugendvereinigung (Mädchcnabtei- lung) eing e-w «licht. Seiner Weiheansprache legt« der Geistliche den Dibeltext aus Psalm 20, Vers 6 zugrunde. Die Jugendvereinigung antwortete mit dein Liede: „Wir reichen uns zum Bunde die treue Schwesterhand". Der Wimpel ist nach dem künstlerischen Entwurf von Fräulein Käthe Gärtner geschaffen worden und trägt auf seiner rechten Seite auf goldenem Hintergrund das grüne Derbandskreuz der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen. Die linke Seit« zeigt auf einem grünen Hintergrund die heimatkundlich« Darstellung unseres Dorfes, das Sinnbild Klein-Lindens, eine Burg mit Linden. Am Sonntagnachmittag beteiligte sich die Gruppe an dem Jahressest des Verbandes der evang. weiblichen Jugend in Gießen. Am Samstag zuvor hatte sich die Wormser Jugendvereinigung unter ihrem Führer, Pfarrer Blümler, in einer Stärke von 28 Mädchen mit unserer Jugendvereinigung zu einem geselligen Abend in dem neuen Heim der hiesigen Gemeinschaft zusammengefunden. * Watzenborn-Steinberg, 21. Aug. Hier wurde dieser Tage durch KreiSfeuerwehr- inspektor Dickore eine von den Magiruswerken gelieferte mechanische Leiter, welche sich 12 Meter ausziehen läßt, in Gegenwart des Gemeinderates auf ihre Sicherheit und Tragfähigkeit geprüft. Die praktischen Vorführungen bewiesen, daß es sich um ein nach der neuesten Konstruktion hergestelltes Feuer- und Rettungsgerät handelt. Bei dieser Gelegenheit ging in der Gemeinde der schon lange gehegte Wunsch, eine f reitoillige Feuerwehr zu besitzen, in Erfüllung. Kreisfeuerwehrinspektor Dickore und Brandinspektor Wenzel gaben die Anregung dazu; es meldeten sich sogleich eine Anzahl Leute zur freito. Feuerwehr. Als Kommandant dürfte der schon ein Reihe von Jahren bei der Pflichtfeuerwehr tätige Herr Schmandt in Vorschlag kommen. Daß Bürgermeister und ©emeinberat zur Beschaffung von modernen Feuerwehrgeräten Mittel zur Verfügung stettten und bei der Gründung einer freito. Feuerwehr förderlich waren, kann von der Gemeinde dankbar anerkannt werben. Krcis Büdingen. „?“ Ridda, 20. Aug. Die von dem Kreisamt Büdingen in Verbindung mit dem Kultur bau amt Friedberg veranlaßten Verhandlungen zwischen den Vertretern der hiesigen und der benachbarten Gemeinde Michelnau konnten noch feine Einigung in der Quellenfrage herbeiführen. Obwohl die Vertreter der letzten Gemeinde ihre Forderungen für die Hergabe der neugesahteu Quelle stark zurückgeschraubt, beharrt die hiesige Gemeinde auf dem Standpunkt, außer den durch die Fas- Rotwenbigkeit, mit der ich den Tag der Rächt Weichen sah, glaubte ich meine Qualen vorhanden und setzte einen Stolz hinein, sie zu tragen. In meinem kindlichen Sinn glaubte ich durch meine Geduld nahe dem Verdienste Jesu Christi zu sein, und als ich einst einen heftigen Schlag ins Gesicht erhielt, so daß mir bie Knie zitterten, sagte ich dem ungerechten Angreifer — ich höre es noch heute — mit ruhiger Stimme: „Ich leide es, weil Christus es gelitten hat, stttt und ohne Klage, und während du mich schlugst, betete ich zu meinem guten Gott, daß er dir vergebe." Eine Weile stand der erbärmliche Feigling stumm und starr, dann brach er in das Hohngelächter aus, in welches alle, denen er den Ausruf meiner Verzweiflung mitteUte, heulend einstimmten. Unb ich floh bann immer zurück bis in die äußerste Fensternische, verbiß meine Tränen, die bann erst in der Rächt, wenn durch den weiten Schlafsaal das regelmäßige Atmen der Knaben hallte, sich ungestüm und heiß Dahn brachen." Damals erwachte in ihm der Trieb zu dichten: „In dieser Zeit, die ich ja meistens im Krankenzimmer mehr geistig vergrämt als körperlich krank verbrachte, bildeten meine poetischen Versuche sich zu gröh- rer Klarheit und Selbständigkeit heraus, und besonders die beiden Gedanken „Satan auf den Trümmern Roms" und „Die Beschwörung" erwähne ich mit freudiger Erinnerung. So keimten in diesen trüben Tagen zum erstenmal die oft erstickten Trosttriebe frei auf; zugleich aber empfand der älter werdende Sinn, bas lichter werdende Herz die fröstelnde Leere der Vereinsamung. Hatte er doch nie, nie noch freundliches Entgegenkommen, geschweige deirn Liebe gefunben, unb schien dennoch dazu angetan, diese zu fordern." Rilke erzählt bann von seiner Freundschaft mit einem Knaben, bie in Enttäuschung und Leid endete und gesteht feiner „göttlichen Vallh", daß er ihr das erste Glück und die erste Zukunftshoffnung feines Lebens verdanke. Hochschulnachrichten. Von der Akademie der Wissenschaften in Wien wurden der ordentliche Professor der Mineralogie an der Wiener Universität Dr. Friedrich Decke zum Generalsekretär und der ordentliche Professor der klassischen Philologie an der genannten Universität Dr. Ludwig Ra Vermacher zum Sekretär der phikvsvphisch-histo- sungsarbeiten entstandenen direkten Schäden keine weitere Cntschädigungspflicht anzuerkennen, da sie mit dem vor Jahren getätigten Kauf des Quettengeländes auch das Recht erworben, die Quellen in der Restparzelle nutzbar zu machen. Im Hinbliick darauf, daß es sich hier um zwei Gemeinden handelt, die eng benachbart und wirtschaftlich aufeinander angewiesen, dürfte wohl bald eine Lösung gefunden werden, die beide Teil« befriedigt. — Der Bezirkstag des hiesigen Hassiabezirks findet im September in älnter-Schmitten statt, dessen Kriegerverein damit das Fest seines 25jährigen Fahnenjubiläums verbindet. — Don allen Fruchtarten leidet unter der herrschenden Rässe der Hafer ganz besonders. Er ist größtenteils überreif, so daß die mürbe gewordenen Rispen selbst bei vorsichtiger Arbeitsweise abbrechen und die Körner auf den Aeckern bleiben. Die Landwirte fürchten auch, daß die Kartoffel r oon Fäulnis befallen werden, wenn nicht bald trodene Witterung eintritt. # Ridda, 20. Aug. Die neue Starkstromleitung von Wölf ersheim nach Lauterbach, die zur Aufnahme von 60 000 Bolt Spannung berechnet ist, wurde jetzt auf der Teilstrecke Wölfersheim-Ri dda vottendet und dem Betrieb übergeben, allerdings vorläufig nur mit 20 000 Volt Spannung. Don dem Kraftwerk Wölfersheim bis hierher stehen mächtige, teilweise 18 bis 25 Meter hohe Beton- mast em Von hier aus sind der Ridda entlang eiserne Gittermasten in 200 Meter Abstand auf gestellt, die eine Höhe von durchschnittlich 20 Meter haben. Es war ein schweres Stück Arbeit. Die Beförderung der etwa 100 Zentner schweren ßeitungSträger geschah auf dem feuchten, schlüpfrigen Boden hauptsächlich mit Raupenschleppern. Eine Unmenge Dasaltkleinschlag und Zement ist in die schweren Detonklötze verarbeitet worden, die dcn Fuß der Cisenmasten b Iben. Im hohen Vogelsberg, wo der winterliche Rauhreis die Leitungsdrähte ungeheuer belastet, mußten die Masten bis auf 75 Meter Emfernung genähert werden. Im ganzen sanden 268 eiserne Masten Verwendung, die jetzt atte ausgestellt sind. Mit der Bespannung der Masten mit Kupferdraht ist bereits begonnen worden. Die ganze Anlage wurde von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin ausgeführt, die zu diesem Zweck seit Herbst vorigen Jahres hier ein Baubüro unterhält. Echzell, 20. Aug. Die Starkstrom' leitung ist schon manchem Storch zum Verhängnis geworden, wenn er auf dem Flug beide Drähte berührte. So wurde in dem benachbarten Bisses ein Sprößling eines auf der Scheune von Schultheiß nistenden Cwrchenpaares bei einem Mast der Starkstromleitung tot aufgefunden, und auch in der Gemarkung Gettenau fiel ein Storch dem Starkstrom der Fernleitung zum Opfer. Kreis Schotten. Id. Schotten. 20. Aug. Die Eisenbahnlinie Ridda — Schotten, die Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde, besitzt eine Linienführung, bie mit zunehmendem Straßenverkehr immer mehr zu einer Gefahr für diesen wird. Der Schienen- sträng liegt entweder unmittelbar an der Landstraße. oder doch in nächster Rähe derselben. In den Dörfern Kohden, Ober-Schmitten, Eichelsdvrf und Rainrvd ist die Strecke sogar als „Straßenbahn" angelegt. Da in keiner Gemeinde zwischen den beiden Endpunkten der Bahnlinie die Feld- bereinigung durchgeführt ist, wird der Wunsch laut, geleaentttch der Bereinigung der Gemarkungen Die Bahnlinie abs eits der Straß« und aaußerhalb der Dörfer zu legen. — Im Heuhandel, der hier in früheren Jahren nach Beendigung der Heuernte besonders lebhaft einsehte, herrscht fast völlige Ruhe. Heu ist kaum begehrt und zum Verkauf bestimmte Fuhren mußten nach langem Zuwarten eingelagert werden. Als Zeichen der Zeit muß festgehalten werden, baß heute noch ein Teil der vorzüglichen Günderodischen Wiesen im Schottener Grunde abzuernten ist, weil sich niemand findet, der zu dm geforderten hohen Preisen die Aberntung übernehmen will. Der Verlauf der diesjährigen F r u ch t e r n t e, die nur minderwertiges Futterstroh liefert, wird nicht ohne Einfluß auf den heimischen Heubedarf bleirischen Klasse dieser Akademie wiedergewähtt und vom Bundespräsidenten bestätigt. — Der a. o. Professor und Direktor der Poliklinik für orthopädische Chirurgie an der Universität Berlin Dr. med. Hermann G o ch t ist zum ordentlichen Professor ebenda ernannt worden. — Der ordentliche Professor für Chemie und Vorsteher des chemischen Laboratoriums der Abteilung für Bergbau an der Berliner Technischen Hochschule, Geheimer er grat Dr. Alfred Stavenhagen ist zum 1. Oktober 1927 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. — Für das Fach der Chemie habilitiert« sich in der Marburger philosophischen Fakultät der Unterrichtsassistent am dortigen chemischen Institut Dr. Ludwig Anschütz. — Der ordentliche Professor für Altes Testament an der Uniüerfität Halle D. Dr. Hermann G unk«! ist zum 1. Oktober 1927 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Gebürtig aus Springe bei Hannover, widmete sich Gunkel in Göttingen, Gießen und Leipzig dem Studium der Theologie und Philologie, besonders unter v. Har- nack, Stade, Ritschl, H. Schultz und Lagarde, und erwarb 1888 in Göttingen den theologischen Li- zentiatengrad. Im gleichen Jahre habilitierte sich Gunkel in der Göttinger theologischen Fakultät für Altes und Reues Testameni, siedelte später nach Halle über, wurde 1894 Extraordinarius in Berlin unb 1907 Ordinarius in Gießen als Rachfolger von B. Stade. Seit 1920 wirkt Gunkel in Hatte als Rachsolger von Carl Eornill. Pros. Gunkel ist Dr. theol. h. c. der Universität in Berlin und Christiania sowie Dr. phil. h. c. von Breslau. Der Gelehrt« ist langjähriger Herausgeber der „Forschungen zur Religions- und Literaturgeschichte des Alten und Reuen Testaments". — Zum Rektor der Universität Tübingen ist ür den Rest des Amtsjahres 1927/28 der Prv- essvr für Strafrecht, Zivil- unb Prozeßrecht owie Rechtsphilosophie Dr. jur. August Hegler gewählt unb vom Staatspräsidenten bestätigt worden. — Dr. med. et med. vet. Emil Küster aus Wetzlar, früher nichtetatmähiger außerordentlicher Professor an der Universität Freiburg i. Dr., hat sich an der Universität Frankfurt für das Fach der Hygiene und Bakteriologie habilitiert. — Der planmäßige außerordentlich« Professor Dr. Emst Hiof fmann an der Uniöerfität Heidelberg wurde zum ordentlichen Professor für Philosophie und Pädagogik ernannt. kein? w nw 1 oeg lhbar J?. öie ft1 Sfr SSiftg » im L“*8 ta ’i^rigen ÄnR^' «UtenfaJJ** isse x.. AMtri» "Aeils ö ■Nfen selbbÄ' >«chen m v u Sie ÄöÄ ^ä-JJ *.btm 60000 SW# auf der ??bö volles clen- allerdings ÖpflllRUnfl 9tnn hierher siL *Jefi T 2Z[toa Eani J}*« SWonft ^uichfchn.ttlich 20 MB 6tüd Arbeit. « schweren a sechten, ichW. ^au-michleppern ’S und ^nttnt ist verarbeitet worden bilden. 3m £ iRauhreis dir la 'et. mu&ten dir Meinung genähm -lj eilrrne Mafien Wellt sind. M art Kupserdraht ist >ie ganze Anlage ^tctlrizitötSgesrll« -e zu diesem Zweck hier ein Baubüro rftrrH %Ä5 NSaefl*4^ ic Etarkstrom' § torch zum Lrr- ms dem §lug btibt n dein bcnadjbarkn aus der Scheune non iares bei einem Masi rsunden, und auch in : siel ein Storch drin n Opfer. kten. ug. Die Eisen« hotten, die Wr eigen Jahrhunderts Linienführung, die erlchr immer mehr wird. Der cchirnen- elbar an der Laub- Mhe derselben. 3n ijmitten. 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Dieser Tage richtete eine Windhose während eines heftigen Gewitters zwischen Groß-Eichen und Höckersdorf erheblichen Schaden an. Don den Gebäuden der Hehlersmühle riß sie viele Ziegel herunter. An der Straße Groß-Eichen—Hockers- dorf drehte sie eine Eiche von etwa 70 Zentimeter Durchmesser über dem Boden glatt ab und warf sie über die Straße. Dos Verkehrshindernis mußte morgens beseitigt werden, damit das Personenauto von Babenhausen nach Mücke vermehren konnte. 3n der unteren kleinen Struth entwurzelte die gewaltige Aaturkvaft zwei mächtige Eichen, deren eine am Boden 85, die andere 80 Zentimeter Durchmesser hat. Bon einzelnen Aeckern wurden die Garben weithin entführt. Teilweise blieben sie im Geäste des Schellnholzwaldes hängen und mußten von den Besitzern dort mühsam gesammelt werden. Tagelang liegt nun schon die Gerste „auf der Breite" und droht ebenso wie das Korn zu keinem. Letzteres hat schon eine ganz dunkle Färbung angenommen. Am letzten Freitag gingen wieder w o l •' bruchartige Degen güsse nieder. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 20. Aug. Am Donnerstagabend fand im großen Saale des Hotel „Deutsches Hous" ein Gastspiel des russischen Ba'lalaika- Orchestcrs unter Leitung von Dr. Swerkosf, das von einer Reise nach Spanien zurückgekehrt ist, statt. Durch Hinzufügung eines russischen Mannerchors hatte es der Leiter der Gesellschaft verstanden, ein Programm von seltener Vielseitigkeit zu schaffen. Die russischen Küstler boten auf den drei von chnen gepflegten Gebieten, in der Instrumentalmusik, im Gesang und in den oft grotesk und plump anmutenden Volkstänzen wirklich ausgezeichnete, gediegene Leistungen. Alle Darbietungen waren fein herausgearbeitet. Sie fanden die volle Anerkennung des zahlreich erschienenen Publikums. Es war bewundernswert, wi' sie aus ihren, an sich primitiven Instrumenten herausholten. Dabei zeigte sich wieder di« Eigenart der slawischen Musik, durch die stets ein wehmütiger Gedanke, ein träumendes Siirv und Entsagen zum Ausdruck kommt', besonders ihre schwermüttgen Wolgalieder waren sehr charakteristisch in dieser Beziehung. Bei ihren Chorgesängen imponierten namentlich ihre Bässe, welche von einer wunderbaren Klangfülle waren. Isdensalls war es ein nicht alltäglicher Genuß, den uns die Russen boten. Kreis Lauterbach. * Engelrod, 20. Aug. In Versammlungen der Deutschen Dolkspartei in unserem Orte und in Hörgenau sprach deren Provinzialgeschäftsführer Weißer (Gießen) über das Thema„Lebcns- fragen der deutschen Landwirtschaft". Der Redner verstand es, in seinen Reden in fesselnder Weise die Belange des Bauerntums in das große Gebiet unserer Innen- und Außenpolitik einzureihen. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für seine interessanten Ausführungen. Preußen. Kreis Biedenkopf. XX Rodheim . Bieber, 21. Aug. Da die vor zwei Monaten erfolgte Bürger- meiste r w a h l die Bestätigung des Kreisausschusses nicht gefunden hat, stand am Freitagabend abermals Reuwahl auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Kreistagsabgeordneter Gastwirt Wilhelm Bender ist erneut mit 6 gegen 5 Stimmen als Oberhaupt der Gemeinde Rodheim gewählt worden. Schon während der Inflationszeit hat Dender über zwei Jahre dieses Amt zur großen Zufriedenheit der hiesigen Gemeinde verwaltet. Kreis Wetzlar. 0 Wetzlar, 21. Aug. Die Kleinsiedlung s g e s ell sch a f t für den Kreis Wetzlar G. m. b. H. hielt dieser Tage im Sitzungssaal des neuen Kreishauses eine Gesellschafterversammlung ab. Aach der Bilanz vom Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. «2. Fortsetzung. Nachdruck verboten Und langsam, bedächtig, durch nichts entmutigt, kroch Stones Maschine hinterher. Jetzt passierte sie Parker. „Hipp hipp Hurra!" schrie der kleine Jem, ganz außer sich vor Freude, obgleich ihm Bucepha- lus ein Stück Kohle an den Kopf warf. Glitschend und gleitend, oft saft quer über die Bahn stehend, quälte sich Jonathan weiter. Drei Minuten brauchte er xu den letzten zehn Schritten. Aber keuchend und röchelnd, platschend und scheinbar halb schwimmend, über und über mit Schmutz bedeckt, glitt er endlich durch das heiß erkämpfte Ziel. Jonathan hatte gewonnen — programmgemäß. Stone sprang ab. „Hurra für Amerika!" schrie er laut und schwenkte feierlich seine Mütze. „Hurra für Amerika!" heulten tausend Stimmen in dem rasch sich füllenden Ring. Dreißig Schritte davon stand Parker trotzig und stumm neben seiner versunkenen Maschine und versuchte vergeblich, sich Sallys zu erwehren, die laut schluchzend an seinem Halse hing. * Hans im Glück. Leider verläuft nicht alles programmgemäß unter diesem wechselnden Mond. Die drei folgenden Tage waren der Aufgabe gewidmet, meist unter strömenden Regen, die beiden Maschinen aus dem Sumpfe herauszuschleppen, in den sich der Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana verwandelte. Dabei galt es, nicht bloß die Maschinen, sondern auch den Mut meiner farbigen Hilfstruppe aufrechtzuerhalten, die an derartige Zwischenfälle nicht gewöhnt war und in den entscheidenden Augenblicken mehrfach davonzulaufen drohte. Nur fröhliches persönliches Zugreifen konnte hier eine schwere Katastrophe verhindern. Nachdem wir mehrere Klafter Holz in dem schwarzen Untergrund des Mississippideltas begraben und den Weg von der Rennbahn zum Parktor in den Zustand des Chaos vor der Scheidung von Wasser und Feste verwandelt hatten; nachdem schließlich auch die Holzbrücke, welche über den den Park umgebenden Kanal führt, unter der Last John Bulls zermalmt zusammengebrochen war — ein 31. Dezember 1926 betrug das Vermög en: an Kassenkonto 13,46 Mark, Bankkonto 510,00 Mk., Darlehenskonto 10 538,00 Mk.. Zinsenkonto 78^,10 Mark, Aestkausgeldkonto 773.39 Mark; zusammen 12 676,95 Mark; die Verbindlichkeiten beliefen sich auf: Stammkapitalkonto 11 330 Mark. Reservefonds 503,50 Mark, Gewinnvortrag für 1927 843,45 Mark, zusammen 12 676,95 Mark. Die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Stande vom 31. Dezember 1926 ergab beim Soll: an Geschäftsunkosten 1211,92 Mark, Gewinnvortrag für 1927 843,45 Mark, zusammen 2055,37 Mark; beim Haben: Gewinnvortrag aus 1925 762,09 Mark, Gewinn aus dem Grundstückskonto 223,50 Mark, aus dem Zinsenkonto 1035,63 Mark und dem Bankkonto 334,10 Mark, zusammen 2055,37 Mark. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: die in dem Darlehenskonto angeführten Forderuv' i der Gesellschaft im Betrage von 10 538,0c- Mark bestehen aus erst- stelligen Hypotheken auf Grundstücke. Zinsenresten und Restkaufgeldforderungen. Verschiedentlich vorgebrachten Wünschen entsprechend, wiU die Gesellschaft ihre Tätigkeit für die Folge nicht nur darauf beschränken, Bauland zu vermitteln, sondern sie WiU zur Linderung der Wohnungsnot selbst Häuser bauen, die in Form und Grundriß mustergültig und doch billig sind. Die Häuser sollen entweder verkaust oder vermietet werden. Wegen Beschaffung der erforderlichen Baumittel zu verbilligtem Zinssätze ist die Gesellschaft mit der Rheinischen Wohnungsfürsorgegesellschaft in Düsseldorf in Verbindung getreten. Auch aus dem Hauszinssteuerauskommen des Kreises sollen Hypotheken gegeben werden. Es ist in Aussicht genommen, zunächst in jeder Bürgermeisterei des Kreises ein sogenanntes Beispielhaus zu errichten. Die Baukosten sind einschließlich der Grundstücks- und Straßenbaukosten auf runb 11 500 Mark veranschlagt. XX Greifen st ein, 21. Aug. In dankenswerter Weise hat man für die Instandsetzung der beiden Türme unserer Burg aus dem Denkmalspflegefonds der Rheinprovinz 2000 Mark bewilligt. 4= Reiskirchen, 21.Aug. Nachdem der bisherige Gemeindevorsteher-Stelloertieter Friedrich Rühl fein Amt niedergelegt hat, ist der Landwirt und Schuhmacher Karl Lehn Hardt vom Ee- meinöerat zum Gemeindevorsteher-Stellvertreter gewählt worden. Der Landrat zu Wetzlar hat die Wahl bestätigt. ua.'.'Diarium H'ini 111, .7 zxrnr w,ir, ■■ w.n. rvamr-.n'3 Verband der hessischen GeschichLs- nnd ALterLumsVereme. Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers". * Büdingen, 21. August. Als bei der vorjährigen Tagung der hessischen Geschichts- und Altertumsvereine in Mainz der Wunsch laut wurde, auch kleinere hessische Städte von Zeit zu Zeit als Versammlungsorte zu wählen, da begegnete diese Anregung allseitiger Zustimmung. Und es war gewiß eine glückliche Wahl, daß man für dieses Jahr gleich Büdingen bestimmte, das soviel gerühmte „hessische Rothenburg" mit seiner Fülle geschichtlicher Denkmäler und mit seiner Bevölkerung, die sich einen vorbildlichen Sinn bewahrt hat. Gestern und heute fand die Tagung statt. Die Vertreter der 18 dem Verbände angeschlossenen hessi- scherr Geschichts- und Altertumsvereine nicht nur, sondern auch die hiesigen Einwohner nahmen mit lebhaftem Interesse an der anregenden und wohl- gelungenen Veranstaltung teil. Prof. Fritz Müller als Vertreter des hiesigen Geschichts- und Altertumsoereins und Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg), der derzeitige Vorsitzende des Verbandes, konnten gestern beim Vegrühungsabend im „Fürstenhof" eine stattliche Festgemeinde willkommen heißen, u. a. auch die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden und der fürstlichen Verwaltung, die übrigens auch äußerlich der Bedeutung der Tagung durch Flaggung der Dienstgebäude Rechnung getragen. Obersttidiendirektor Dr. Faber pries in trefflichen Ausführungen den geheimnisvollen Zauber, der jeden Besucher Büdingens gefangen nehme; er pries das gütige Geschick, das über dem schönen Städtchen gewaltet, indem es nicht selbst Hand an seine Kunstschätze gelegt, sondern diese veiltändnisvoll der Nachwelt erhalten habe. Diel Dank gebühre der vorbildlichen Aufklärungsarbeit des Büdinger Geschichts- und Altertumsvereins, dem Redner ein weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen wünschte. Wie sehr die Stadt als solche lebhaften Anteil nimmt an den Aufgabe der Geschichts- und Altertumsoereine, das ging aus den Begrüßungsworten hervor, die Bürgermeister H i l dn e r mit merkbarem Stolze an die Tagung richtete. Unter lebhaftem Beifall teilte er auch mit, daß die Stadt bestrebt sei, die wertvollen Schätze aus der Vergangenheit in nächster Zeit in einem würdigen Raum (jedenfalls im Rachause!) unterzubringen und so auch ein Büdinger Hei- m a t m u f e u m der von der Geschichte und der Natur so reich begünstigten oberhessischen Kreisstadt einen weiteren Anziehungspimkt zu verschaffen. Festesstimmung gaben dem schönen Abend die beiden Gesangvereine „Liederkranz" und „Sängerlust", die in stimmungsvollen Chören von deutscher Heimat und deutschem Rhein fangen und damit die dankbare Anerkennung der Gäste fanden. Im Mittelpunkt des Abends stand der heimat- geschichtliche Vortrag, den Studienassessor Dr. Lade über „Die Entwicklung der Stabtbcfeffigung von Bübingen“ hielt. Der Redner verstand es, in vielen Einzelzügen ein fesselndes Bild der Vergangenheit zu zeichnen, wofür ihn reicher Beifall lohnte. Der durch Lichtbilder (nach Plänen von Gewerbelehrer Ries!) erläuterte lieb erb lief ging aus von allgemeinen Betrachtungen über den frühesten deutschen Städtebau, der durchaus in bezug auf Rechts- und Wirtschaftsverfassung und Bauart etwas Eigenes und keine Nachahmung römischer Stadigründungen sei. 3m allgemeinen jeigt das äußere Aussehen einer mittelalterlichen Stadt das einer großen Burg. Der lieber gang vom Erdwerk als ursprünglicher Befestigungsanlags zur geschlossenen Mauer, welch letztere im 13. Jahrhundert noch eine Seltenheit ist, vollzieht sich erst allmählich. Die Verteidigungsanlagen des 14. Jahrhunderts sind noch ganz auf den Rahkampf eingestellt, erst vom 15. Jahrhundert an trägt man den damals modernen Feuerwaffen in geringem Maße nach und nach Rechnung. Die Büdinger Stadtbefestigungen sind in ihrem ganzen Werdegang typisch für die einer Heinen deutschen Stadt, so daß ihre Betrachtimg auch über den lokalgeschichtlichen Rahmen hinaus allgemeine Beachtung verdient, zumal man ijr der glücklichen Lage ist, die einzelnen Phasen der Entwicklung in Büdingen bis ins einzelne festzustellen, 3m vergangenen Herbst erst fanden unter Leitung des Dortragenden wieder umfangreiche Ausgrabungsarbeiten des hiesigen Geschichts- und Altertumsvereins statt, die frühere Anschauungen nun ergänzen und zum Teil auch einwandfrei berichtigen, wie Dr. Lade an Hand der trefflichen Lichtbilder im einzelnen nachweisen konnte. Büdingen gehört zu der großen Anzahl derjenigen Städte, die ihre Entstehung und Entwicklung dem «Ätz eines Dynastengeschlechts verdanken. Die Büdinger Herren werden 1131 zum erstenmal erwähnt; ihre Burg war schon früh- zertig von großer Bedeutung. Um den Herrensitz siedelten sich mit der Zeit Handwerker u. dgl. an, es entstand allmählich die sog. „Altstadt", die 1317 noch als Dors, 1321 aber zum ersteiunal als Stadt Erwähnung findet. Um 1290 muß die «Stabt schon durch Wall und Graben befestigt gewesen sein, 1353 aber ist der Mauerring schon vollständig um das Gemeinwesen gezogen. 3m 14. Jahrhundert bot die Altstadt allein nicht mehr Raum genug, die „Reustad?', die 1397 die gleichen Privilegien wie der ältere Stadtteil erhielt, wurde nach und nach besiedelt und mit Manern und Türmen befestigt. Gegen Ende des 15. 3ahr- hunderts begann Graf Ludwig II. mit einer wesentlichen Verbesserung der nicht mehr zeitgemäßen alten Stadtbesesligung. Die alten Werke wurden dabei zum Teil abgetragen und erneuert. Zu Anfang des 16. 3ahrhunderts war die Entwicklung der Büdinger Stadtbefestigung abgeschlossen, und es blieb bei dem mittelalterlichen Zustand bis auf die heutige Zeit, nachdem ein 1609 vom Grafen Wolfgang Ernst I. unternommener Versuch des weiteren Ausbaues an dem Widerstand der Bürgerschaft gescheitert war. Für großartiger Augenblick für die nicht unmittelbar Beteiligten — und wir uns selbst täglich zweimal mit einer klebrigen Schicht aus den Urbestandteilen der Schöpfung überzogen hatten, standen endlich am Abend des dritten Tages die beiden berühmt gewordenen Renner erschöpft und mannigfach zerstoßen und verwundet auf dem festen Straßendamm, der nach der Stadt führt. Während ich so drei harte Tag lang mit den Mächten der Unterwelt rang und mich damit tröstete, daß in dem einsamen, sturmgepeitschten Park wenigstens keine Seele diesen Kampf mit ansah, erschienen glänzende Beschreibungen des großen Rennens in der Presse der Stadt. Selbst die „Crescent City News" erklärten sich für überwunden. Wenn in der Alten Welt, sagten sie, der plumpe indische Elefant den Pflug einer modernen Kultur mühselig durch den entkräfteten Boden schleppte, so mache die Neue Welt in unserer Zeit, der Zeit des Fortschritts und der Intelligenz, sich die Arbeit des Dampfes nutzbar. An Stelle der roljen tierischen Kraft trete der Genius der Menschheit und schaffe sich aus Kohle und Wasser die Diener seiner Macht. Für seine Bedürfnisse, für sein Wohlergehen, für seinen Genuß, ja selbst für jene Verbindung von höchster Arbeitsleistung und höchstem Genuß, die in jedem Sport zum Ausdruck komme, dienen ihm heute wunderbare, selbstersonnene Werkzeuge. Das Wettrennen der beiden Dampfelefanten Jonathan und John Bull sei ein Beweis dieser jedes Herz mit freudigem Stolz erfüllenden Tatsache. Dann folgte eine lange, etwas konfuse Beschreibung des großen Ereignisses, in welcher meist richtige Sportausdrücke, meist falsche maschinentechnische (Erörterungen und die dem Konversationslexikon entnommene Zoologie des (Elefanten wundersam gemischt waren. Einen kleinen Stoßseufzer konnte zum Schluß die Schriftleitung des Blattes nicht unterdrücken: Daß die zwei (Elefanten von England importiert seien, sei zwar bedauerlich, aber, bei Licht betrachtet, nebensächlich. Hier erst, auf amerikanischem Boden, sei ihnen Gelegenheit gegeben worden, ihre Kraft im Dieckste der Menschheit völlig zu entwickeln, und doppelt erfreulich sei es, daß dies mit dem Sieg des mh ausdauernden, froh einherbrausenden Jonathan über den schwerfälligen John Bull geendet habe. Während jener spielend das Ziel erreichte, habe sich dieser unter dem Jubel einer tausendstimmigen Volksmenge mit den hinterlistig benutzten Rad- sporen fein eigenes Grad gegraben. Der glänzend geschriebene Artikel ging durch alle Zeitungen von Alaska bis Texas. Noch zwei Wochen später bekam ich ihn aus entlegenen Wald- und Präriegegenden zugesandt mit dem gedruckten Winke, mich doch auf die „Bluff Creek Times" ober den „Jacksonville Herold" zu abonnieren, die in so aufopferungsvoller Weise meine Bestrebungen unterstützten. Ich war für die Zeit meines irdischen Daseins mit — allerdings brüchigem — Packpapier überreichlich versorgt. Was aber nun? Todmüde und mit Schmutz bedeckt, war ich am Abend des dritten Tags nach dem Rennen nach Hause gekommen. Der ganze Apparat stand gerettet, aber wie ein großes Fragezeichen, dazu nach europäischen Begriffen völlig polizeiwidrig auf der muschelgepflasterten Chaussee drei Kilometer vor der Stpdt. Parker, Stone und die schwarze Gesellschaft brauchten, so gut wie ich, zunächst ein paar Ruhetage. Soweit war die «Sache gut. Aber was dann? Doch die Welt steht nicht still, wenn wir selbst keinen Weg mehr (eben. Während ich, alle Fragen und Sorgen des Dafeins vergessend, noch in tiefem Schlafe lag, war ein ereignisooUer Tag angebrochen. Mein erster Gang galt dem Hauptzollamt und seinem Direktor. Der Herr empfing mich mit einer Herzlichkeit, welche keiner der mir bekannten europäischen Zollbeamten, deren Herzlichkeit gemäßigt zu sein pflegt, auch nur entfernt erreicht hätte. „Sehr angenehm, Herr Eyth! Entzückt, Sie zu sehen, Herr Eyth!" rief er mir entgegen, indem er gleichzeitig seinen Assistenten aus dem Zimmer jagte, der ein Gesicht schnitt wie die letzten Regennächte gegen zwei Uhr morgens. „Ich gratuliere Ihnen zum «Sieg Jonathans! Das wird Ihr Glück machen; ich bin fest überzeugt, das muß Iyr Glück machen. Mein Assistent hat zwar ein verteufeltes Häufchen Geld verloren; der wird Ihnen nicht gratulieren. Aber er hat mir die Wette förmlich aufgedrängt. Geschieht ihm recht, dem Quertopf! Er konnte sich doch denken, daß ich Elefanten besser beurteilen kann als er. Ich und Sie, Herr Eyth! Ha, ha!" Er lachte mit einer Stimme, die benj Klang eines zersprungenen Zinntellers nicht unähnlich war. die heutige Zeit gilt eS, daS bezaubernde Stadtbild zu erholten als ein lehrreiches Beispiel dafür, wie der Gemeinsinn der Bürger in zäher Ausdauer eine bewundernswerte Wehr geschaffen und damit den Stürmen unb Röten der Zeiten trotzen konnte. Die heute im ehrwürdigen Sitzungssaal des Rathauses stattgefundene Vertreter- und Hauptversammlung beschäftigte sich unter dem Vorsitz von Ober- studiendireltor Dr. Faber (Friedberg) im Anschluß an den Jahresbericht mit Fragen der Organisation usw. 3m Vordergrund der Aussprache stand die Angelegenheit der hauptamtlichen Denkmalspflege. Dabei tarn zum Ausdruck, daß sich die Denkmalspflege nicht nur auf Dodensunde erstrecken dürfe, sondern auch die Gebäude des Mittelalters erfassen müsse. Einstimmig kam ein an Landtag und Regierung gerichteter Antrag zur Annahme, der eine hauptamtliche Denkmalpflege st eile für ganz Hessen fordert. Eine Aenderung der Verbandssahung soll in nächster Zeit von einer besonderen Kommission beraten werden. Mit dem Gesamtverband der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine WiU man in Verhandlungen eintreten zwecks Aufnahme des hessischen Verbandes in den Gesamtverband. Eine rege Aussprache beschäftigte sich auch mit der Frage der neuzeitlichen Heimatkunde, insbesondere mit den vom Landesamt für das Bildungswesen ins Leben gerufenen heimatkundliche n Arbeitsgemeinschaften. Der Wunsch nach Zusammenarbeit von Lehrerschaft und Geistlichkeit kam dabei lebhaft zum Ausdruck. Archivdirektor Dr. Dietrich (Darmstadt) gab ber' der Gelegenheit interessante Mitteilungen über die geplante Herausgabe der heimatkundlichen Wegweiser und Handbücher, deren erstes von Prof. Becker (Darmstadt) bearbeitetes Heft „Ratschläge für die Erforschung der Geschichte hessischer Landgemeinden" sich bereits im Druck befindet. Mit Wirkung vom 1. Oktober d. 3. geht der Vorsitz im Verband, den seither die Hessische Vereinigung für Volkskunde führte, an den Altcrtumsverein in Mainz über. Als Ort der nächstjährigen Tagung wurde Offenbach a. M. gewählt. Als offizielle Vertreter des Oberhessischen Geschichtsvereins beteiligten sich Prof. Dr. Rolosf und Prof. Dr. Aubin (Gießen) an den Aussprachen. । Den Höhepunkt der Tagung bildete der geistreiche Lichtbildervortrag, den Pros. Aubin (Gießen) über Die historisch-geographischen Grundlagen der hessischen Geschichte heute im Saale des „Fürstenhofes" vor einem größeren Kreis von Fachleuten und Heimatfreunden hielt. Don hoher wissenschaftlicher Warte zeigte der Redner einleitend zunächst, wie die Geschichtsforschung allezeit abhängig gewesen ist von den besonderen Zeitströmungen der einzelnen 3ahrhunderte. So trug die Geschichtsschreibung des 17. und 18. Jahrhunderts durchaus staatlichen und dynastischen Charakter, und erst das 19. 3ahrhundert brachte neue Antriebe dahin, auch das wirtschaftliche und materielle Leben der Völker in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Heute habe das dynastische Prinzip seine Aktualität verloren, die neue Richtung der Heimatbewegung, die durch das Schlagwort „Volk und SchoUe" ganz treffend bezeichnet werde, weise auch der geschichtlichen Landeskunde neue Wege, wenn auch die Schwierigkeiten der neuen Methode nicht zu verkennen seien. Besonders schwierig sei die Deutung des Begriffes „historische Landschaft" für Hessen. Auf Grund tiefschürfender Studien konnte der Redner an dem Beispiele Hessens dann die Art der neuen Betrachtung fesselnd zeigen. Die geologischen, geographischen, ktima- tolocsischen Bedingtheiten der Landschaft wurden dabei fein beleuchtet und die Besiedlung und territoriale Entwicklung Hessens als historischer Landschaft anschaulich gezeichnet. Besonders die Bedeutung der W e 11 c r a u als Drücke des hessischen Derglandes zu ben alten, hochentwickelten Kulturlandschaften am Main und Rhein wurde immer wieder anschaulich herausgearbeitet. Die vorgeschichtliche, römische, chattische und fränkische Zeit fanden in äußerst instruktiven Lichtbildern Darstellung, ferner die Zeiten der kirchlichen und territorialen Machtbestrebungen, welch letztere in Philipp dem Großmütigen die hessische Geschichte kulminieren lassen. 3mmer wieder hat „Sie haben wohl Nachrichten von Washington, Herr Generaldirektor?" bemerkte ich, um etwas rascher zur Sache zu kommen. „Von Washington, Herr Eyth?" fragte er, mich groß ansehend. „Alle Zeitungen sind voll! Natürlich, auch dort. Es soll mich nicht wundern, wenn Sie bald Anträge bekommen, mit Ihren Doppelelefanten in allen größeren Städten der Union aufzutreten. Bei Zeus, das wäre keine schlechte Spekulation. Wie ich sage: alle Zeitungen sind voll! Der Sieg des amerikanischen Dampfrenners Jonathan — Mister Harris, bringen Sie uns doch die neuesten Zeitungen von Washington!" „Ich meinte eigentlich unsere Zollangelegenheiten", warf ich ein. „Ach — das!" rief der Direktor mit einem leichten Schatten auf den mehr und mehr in Leder übergehenden Zügen. „Gewiß! Ich habe für Sie telegraphiert. Soeoen Antwort erhalten; interessant — etwas unerklärlich." „Weshalb? Die Sache schien mir dach ziemlich einfach", bemerkte ich. „3n der Hauptsache ist alles in Ordnung, gewiß!" versetzte der Zollmann mit unangenehmem Zaudern. „Sie bekommen die viertausendzweihundert Dollar zurück, die Sie für den Pflug bezahlt haben. Ich garantierte Ihnen dies schon vor dem Rennen. Kongreßbeschluß unzweifelhaft und ganz klar. Sie müssen sie zurückbekommen." „Sehr schön", sagte ich freudig. „Können Sie mir gleich eine Anweisung ausstellen? Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm. Elefantenrennen kosten runde Sümmchen." „Bringen auch hübsch Geld", lachte der Direktor mit einem Wink auf die Tür, hinter der der Assistent verschwunden war. „Ja, ja, Herr Eyth, die Sache ist ganz in Ordnung. Sie sollen die vier- tausendzweihundert Dollar zurückerhalten. Aber —" „Was aber?" drängte ich ungeduldig. „Der Generaldirektor von Washington schreibt mir, daß am Tage nach dem Kongreßbeschluß einer Ihrer Freunde die ganze Summ« für Äe m Washingwn erhoben habe." „Olcott! rief ich, während mein ganzes Iw nere von einem ekktrischen Äedcmkemnltz erhellt wurde. (Fortsetzung folgte . . , jioj mm oer Dyarrenzett yer oas 'Bestreben gezeigt. aus dem wirtschaftlich ungünstigen hessischen Berg- und Waldland in den toeiten, fruchtbaren Lebensraum am Main und Rhein Vvrzustvßen. Hessen hat in dieser Entwicklung, die durch den Anfall der Grafschaft Katzenelnbogen 1479 begünstigt und gefördert wurde und im 19. Jahrhundert sich auch im ^reußisch-hesfischen Zollvertrag und in der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft auswirkte, eine gewisse geschichtliche Mission erfüllt, indem es die Wege vom Süden nach dem Rorden gewiesen hat und die Mainlinie in sich überbrücken muhte. Als Vermittler zwischen dem Rorden und dem Süden hat Hessen in vorderster Reihe mitgeholfen zur Herbeiführung der deutschen Einheit. Den lokalen Geschichtsvereinen erwachsen unter der Losung „Volk und Scholle" neue Detailarbeiten, die im einzelnen die Grundlagen für eine geographisch-historische Landeskunde noch vermehren und damit beitragen werden zur Klärung der vielfach noch problematischen Fragen der landesgeschichtlichen Forschung. D»ro bedeutsame Vortrag fand stärksten Beifall. Die anregende Tagung fand ihren wirkungsvollen Abschluß durch eine Führung, die mit der reichen, wohlerhaltenen Vergangenheit Büdingens bekannt machte und noch einmal alles lebendig werden lieh, was die vorausgegangenen Dorträge geboten hatten. Eingehend konnten dank des Entgegenkommens des fürstlichen Hauses das Schloß mit dem gemalten Saal und die Schlohkapelle mit dem spätgotischen Gestühl besichtigt werden. Die Führung ging weiter an der alten Stadtmauer entlang und zu den altertümlichen Bauten der Stadt, um dann ihren Abschluh zu finden mit der Besichtigung der Remigiuskirche in G r o h e n d o r f, der ehemaligen Mutterlirche von Büdingen und zugleich einer der ältesten Kirchen in Hessen, Dr. Lade war ein sachkundiger, anregender Führer. Wirtschaft. Von den Schlachtviehmärkten. An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche zeigten die Auftriebszahlen gegen die Vorwoche bei Großvieh und Kälbern keine nennenswerten Veränderungen. In Schafen haben die Zufuhren noch weiter nachgelassen, von rund 13 000 auf rund 11 500, und1 auch in Schweinen hat sich das Angebot um zirka 4000 Stück vermindert (76 000 gegenüber 80 000 Stück in der Vorwoche), trotzdem sich infolge der kühlen Wetterlage die Rachfrage eher etwas verstärkt hat. Der Umfang des Geschäfts hielt sich im großen und ganzen auf der Höhe der Vorwoche. Immerhin war bei Rindern eine gewisse Belebung festzustellen, zumal sich hier der Export reger beteiligte. Die Preislage hat sich im allgemei- nen nur wenig Und eher leicht nach oben verschoben, vor ccklem für Rinder, bei denen vielfach um 2 bis 3 Pfennig höhere Preise bewilligt wurden. Auch Schweine zogen im Durchschnitt langsam weiter an, Kälber und Schafe behaupteten durchweg ihre letzten Rotierungen. Es wurden in Pfennig per Pfund Lebendgewicht notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 23-64 58-88 36-67 58-67 Bremen 25-58 50-85 35-60 48-63 Breslau 20-63 50-78 25-62 57-70 Ehemnitz 25-65 58-80 40-60 55-66 Dortmund 50-63 50-88 40-54 52-66 Dresden 25-65 60-85 38-68 60-71 Düsseldorf 25-65 50-85 — 55-70 Elberfeld 25-64 55-85 — 52-66 Essen 30-66 50-110 40-57 54-57 Frankfurt M. 30-68 58-81 36-54 54-68 Hamburg 17-61 36-90 20-62 50-64 Hannover 30-62 45-90 30-63 50-65 Husum 20-62 — 41-53 — Karlsruhe 21-64 58—74 — 56-70 Kassel 25-64 55-75 — 57-66 Kiel 20-54 37-75 36-62 41-61 Köln 25-67 60-120 42-56 52-68 Leipzig 26-66 50-83 40-63 55-65 Magdeburg 21-64 40-88 40-60 50-67 Mannheim 16-63 56-82 42-48 50-68 München 21-68 60-82 — 50-68 Stettin 20-62 32-78 20-58 50-65 Stuttgart 15-66 60-80 — 46-66 Zwickau 20-59 55-75 40-62 58-67 Der de utsche Autzenhan del im Juli. Der deutsche Außenhandel weist im Juli 1927 im reinen Warenverkehr einen Einfuhrüber- schuh Don 430 gegen 4 49 Millionen Mark im Vormonat aus. Die Einfuhr hat gegenüber dem Vormonat eine weitere Steigerung erfahren und mit 1277 Millionen Mark gegenüber 1197 im Juni die höchste Monatsziffer der Rachkriegszeit erreicht. Mehr als vier Fünftel der Zunahme gegenüber dem Vormonat fällt auf Lebens- m.i t t e l, wovon wiederum zwei Fünftel allein auf die infolge der Terminabrechnungen in Erscheinung tretende Zunahme der Einfuhr an Kaffee und Kakao kommen. Die Rohstofseinfuhr ist unverändert geblieben, die von Fertigwaren hat leicht zugenommen. Demgegenüber ist aber die Ausfuhr beträchtlich gestiegen und erreicht mit 847 gegen 748 Millionen Mark im Vormonat nicht nur den bisher höchsten Stand in diesem Jahre; sie liegt auch beträchtlich über der Ziffer vom Juni und des Monatsdurchschnittes von 1925 und 1926 und ist nur in den Monaten März. Oktober und Rovember 1926 teilweise, allerdings beträchtlich, überschritten worden. An der Steigerung sind alle Warengruppen beteiligt, und zwar Rohstoffe und halbfertige Waren mit 26 und Fertigwaren mit 74 Millionen Mark. Die um rund 20 Millionen Mark verminderte Passivität des deutschen Außeichandels hat in den Kreisen der Börse, die stets über den voraussichtlichen Ausfall der Monatsbilanzen des deutschen Außenhandels gut informiert sind, eine Enttäuschung hervorgerufen. Die Passivität ist gegenüber dem Vormonat nur wenig verändert. Jedoch muh das Ergebnis der Juli-Bilanz des deutschen Außenhandels ganz anders beurteilt werden, weil die Grundlage für die Zusammensetzung der Passivität diesesmal eine ganz andere ist, als in den vorangegangenen beiden Monaten. Die Zunahme der Passivität im Juni war einerseits auf die Steigerung der Einfuhr um 24 Mill. Mk., andererseits auf den Rückgang der Ausfuhr um 85 Mill. Mk. zurückzuführen. Die Ausfuhr als Hauptgrund der Juni-Passivität, die bis zum Mai d. I. nach einer Aufwärtsentwicklung stagnierte, hatte im Monat Juni eine starke Senkung, ca. 10 Prozent, gegenüber dem Monat Mai, erfahren, die zum größten Teil auf Fertigwaren entfiel. Man konnte also damals die bedenkliche Frage aufwerfen, ob diese starke Senkung der Fertigwaren-Ausfuhr infolge mangelnder deutscher Konkurrenzfähigkeit gegenüber den ausländischen Industrien entstanden ist. Diese Frage kann unter der Voraussetzung, daß die Ausfuhr im Juli nicht forciert worden ist, verneint werden. Die Fertigwaren-Ausfuhr im Juli zeigt gegenüber dem Vormonat eine Steigerung um 74,5 Mill. Mk. und hat damit die starke von Mai zum Juni eingetretene Senkung wieder eingeholt. Diese Tatsache ist um so wichtiger, als man in der stark gestiegenen Passivität des deutschen Außenhandels einen Beweis dafür zu sehen glaubte, daß der deutschen Jnland-Konjunktur keine entsprechende Auslaird-Konjunkkur zur Seite stehe. Auch wir haben verschiedentlich als das Problem der nächsten Zukunft die Möglichkeit der Ausdehnung der Jnland-Kvn- junktur auch auf den Export Deutschlands bezeichnet, weil auf diese Weise allein die Jnland-Konjmcktur gesichert werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt kommt der Steigerung der Fertigwaren-Ausfuhr eine hohe Bedeutung zu, und man kann nur hoffen, daß es sich nicht um eine einmalige Erscheinung, sondern um den Anfang einer in aufsteigender Linie sich fortsehenden Entwicklung handelt. Denn Deutschland lann die für seine Jnlcrnd-Koir- jimttur notwendigen Rohstoffe und Lebensrnittel nur mit Warenexporten bezahlen, zumal da es erhebliche geldliche Verpflichtungen dem Auslande gegenüber zu erfüllen hat. Die unveränderte Rohstoff-Einfuhr beweist, daß die günstige Konjunkturlage auch im Monat Juli angehalten hat. Hieraus farm gleichzeitig gefolgert werden, daß der Inlands markt seine hohe Aufnahmefähigkeit beide h a l t e n hat, wofür außerdem die neuerliche Steigerung der Fertigwareneinfuhr spricht. Auch die Fertigwarenausfuhr kann demnach nicht forciert sein. Was nun den Umfang der Einfuhr überhaupt anbelangt, so haben wir wiederholt darauf hingewiesen, daß eine steigende Inlands-Konjunktur auch eine steigende Einfuhr bedingt, so daß bei nicht entsprechender Steigerung der Ausfuhr eine stärkere Passivität der Handelsbilanz die Folge fein muß. Die neuerliche Steigerung im Juli entfällt zu vier Fünftel auf die Lebensmittel, woran Kaffee und Kakao beteiligt sind. Durch die Verzögerung der Ernte infolge der Witterungsverhältnisfe ist natürlich wiederum eine erhebliche Einfuhr von Lebensmitteln notwendig gewesen, zum großen Teil handelt es sich um auf Termin gekaufte Ware. Die Steigerung ist zweifellos nur eine saisonmäßige Erscheinung, und die Passivität des deutschen Außenhandels wäre tatsächlich um den ansehnlichen Betrag von 100 Mill. Mk. Ausfuhrsteigerung zurückgegangen, wenn das Endresultat sich durch die Verspätung der Ernte nicht ungünstig gestaltet hätte. Jedenfalls wird nach der Ernte ein wesentlicher Rückgang der Cinsuhrzahlen eintreten, und es besteht fraglos die Möglichkeit, daß der deutsche Außenhandel auf Grund der durchaus günstigen Tendenz seiner Juli-Bilanz in eine neue Entwicklung kommt, die die in diesem Jahre bereits 2.4 Milliarden Mark betragende Passivität vermindert. Allerdings wird erst die Bilanz des Außenhandels für August zeigen, ob der Reichswirtschafts- minifter Dr. Curtius mit feiner vielumstrittenen Feststellung recht hat, daß der dauernd große Zug in der. Entwicklung unserer Handelsbilanz bei einigermaßen gleichbleibender Einfuhr die Ausfuhr, insbesondere die Ausfuhr der Fertigwaren, in einem zwar langsamen, aber stetigem Aufstieg zeige. * Die Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 15. August berechnete Groß- handelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat sich gegenüber der Vorwoche von 138.0 um 0.2 v. H. auf 137.7 gesenkt. Von den Hauptgruppen gaben hierbei Agrarstoffe um 0,8 v. H. auf 135.9 (137.0), Kolonialwaren um 0,2 v. H. auf 128.4 (128.6), industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 0.1 v. H. auf 133.3 (133.5), nach, während die Gruppe der industriellen Fertigwaren eine Steigerung um 0.4 v. H. auf 148.4 (147.8) erfuhr. * 21 q u i I a , A. - G. für Handels- und Induftrieunternehmungen, Frankfurt a. M. Die Generalversammlung der Aquila- A.-G. für Handels- und Jnduftrieunternehmungen, Frankfurt a. M., genehmigte den bekannten Abschluh mit 6 Prozent Dividende. Der Geschäftsgang der der Gesellschaft angegliederten Unternehmungen sei mengenmäßig nach wie vor sehr zufriedenstellend, doch würden die zu erwartenden Ergebnisse durch gedrückte Preise und allzu große öffentliche Lasten immer noch ungünftia beeinflußt. Bezüglich der ausländischen Unternehmungen hätten sich Aenderungen nicht ergeben. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Aug. Tendenz: schwächer. — Nachdem im Dorbörsenverkehr die Tendenz zumeist gut behauptet war, eröffnete die Börse zum amtlichen Beginn in erneut schwächerer Haltung. Die Außenhandelsbilanz für Juli brachte insofern eine Enttäuschung, .als man in Börsenkreisen mit einem Einfuhrüberschuß von ungefähr 100 Millionen Mark gerechnet hatte. Im übrigen war die Meinung über den Außenhandelsausweis geteilt. Der verhältnismähig leichte Geldmarkt übte keine anregende Wirkung aus, denn die zukünftige Entwicklung wird pessimistisch beurteilt, wenn auch zum Ultimo keine besonderen Schwierigkeiten zu erwarten sein werden. Ob tatsächlich eine Ermäßigung des Reportgeldsatzes vorgenommen werden wird, wird noch nicht als sicher betrachtet. Allgemein wurde größte Zurück- haltu-ng geübt, und das Privatpublikum blieb dem Börsengeschäft weiter fern. Schon minimales Angebot genügte, um die Kurse herabzudrücken. Bei kleinsten Umsätzen erlitten die Mehrzahl der Papiere Kurseinbußen von 1 bis 3 Prozent. I.-G.- Farben waren im Verlaufe stärker angeboten. Deutsche und ausländische Renten vernachlässigt und fast geschäftslos bei abbröckelnden Kursen. Im weiteren Verlaufe blieb die Umsatztätigkeit klein. Das Angebot setzte sich jedoch fort, so daß die Kurse der führenden Werte neue Rückgänge von 1 bis 2,5 Prozent zu verzeichnen hatten. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 5,5 Prozent. Im Devisenverkehr notierten die Reichsmark gegen Kabel 4,2010, gegen London 20,432, Paris gegen London 124,02, Mailand 89,25, Madrid 28,78. Berliner Börse. B e r l i n , 22. Aua. Im Vormittagsoerkohr schien es, als ob sich eine freundlichere Stimmung Bahn brechen wollte, doch wurde der offizielle Beginn durchaus schwach. Kauforders lagen überhaupt nicht vor, da die Spekulation vollkommen Zurückhaltung beobachtete. Die Provinz zeigte sich teilweise als Abgeber am Markte. Die Außenhandelsbilanz konnte keine Wirkung ausüben, da sie ungefähr den am Freitag gehegten (Ermattungen entsprach. Die Hoffnungen, daß sich die nächsten Außenhandelsbilanzen durch die Getreideausfuhr erhöhen könnten, scheinen verfrüht zu fein, da die Ernte durch das anhaltende schlechte Wetter stark im Rückstand geblieben ist und auch die Aussichten betr. den Ausfall der Ernte nicht günstig sind. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 22. Aug. Die Stimmung ist äußerst fest. Jnlandsgetreide wird von Mühlen und Händlern gleich stark gesucht; das Angebot ist gering, insbesondere in guten Qualitäten. Die an den Markt kommende Ware wurde sehr schnell ausgenommen. Für Braugerste in besonders guten Qualitäten wurden Preise bis zu 30 Mk. ab Station erzielt. Der Umsatz in Mehl war bei gleichbleibenden Preisen größer als in der letzten Zeit. Futtermittel liegen fest bei kleinem Geschäft. — Es wurden notiert: Weiten (Wetterauer) 28.50 bis 29, Roggen (inländischer) 23.75, Sommergerste für Brauzwecke 25.50 bis 27, Hafer (inländischer) 22.50 bis 23.50, Hafer (ausländischer) 23.75 bis 25, Mais (gelb) 19.25 bis 19 50, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 39.75 bis 40.2 j, Roggenmehl 31.50 bis 35, WeizenNeie 13.25 bis 13.50, Roggenkleie 13.50 bis 13.75, Erbsen 40 bis 60, Linsen 40 bis 60, Heu (süddeutsches, gut, trocken) 5.60 bis 6, We:zen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4.50 bis 5, gebunden 3 bis 3.25, Treber, getrocknet, 16 bis 16.50. Tendenz: Fest. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Aug. Auftrieb: 1706 Rinder (darunter 374 Ochsen, 107 Dullen, 736 Kühe, 432 Färsen), 489 Kälber, 92 Schafe. 5751 Schweine. — Rinder (O ch s en): Voll- fleischige, ausgemästet«, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 63 bis 66 Mk., (ältere) 58 bis 62, sonstige vollfleischige (jüngere) 54 bis 57, (ältere) 50 bis 53, fleischige 45 bis 49; (Dullen): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 56 bis 60, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 52 bis 55; (Kühe): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 51 bis 55, sonstige vollflci- schige oder ausgemästete 45 bis 50, fleischige 38 bis 44, gering genährte 30 bis 37; (Färsen — Kalbinnen, Jungrinder—): vollfleischige, ausee- mäsiete, höchsten Schlachtwerts 61 bis 65, voll- fleischige 56 bis 60, fleischige 50 bis 55. — Kälber: DesteMRast- und Saugkälber 76 bis 81, mittlere MM- und Saugkälber 70 bis 75, geringe Kälber 57 bis 69. — Schafe: Maßlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 50 bis 55. — S chweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 65 bis 68, vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 65 bis 68, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 66 bis 69, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 60 bis 65, Sauen 55 bis 60 Mk. — Marktverkauf: Rinder ruhig und etwas Ueberstand. Kälber und Schafe ebenfalls ruhig und geräumt. Schweine anfangs lebhaft, später abflauend bei stark 'nachgebenden Preisen. Büchertisch. — Brettlfliegen. Roman von Annie von B r a b e n e tz. (Eigenbrödler Verlag, Berlin W, 8.) — Die Erzählung führt hinein in die stickige Lust des Kabarettlebens in einer russischen Provinzstadt zur Zeit des Zarenreiches, und wirft auch grelle Schlaglichter auf die sittliche Verdorbenheit in den obersten russischen GeseÜschafts- schichten jener Zeit. Ergreifende Schilderungen von Frauenschicksalen bilden den Brennpunkt der an stark dramatischen Momenten reichen Handlung, die in ihrer straffen Struktur ungemein wirkungsvoll ist. Dieser Roman ist allerdings keine Lektüre für junge, unfertige Menschen, denen er nur die Sinne 'verwirren würde, aber gereiften Personen ist er als kennzeichnendes Sittenbild aus dem zaristischen Rußland, als erschütterndes Zeugnis menschlicher Verirrungen und ihres furchtbaren Tributs zum Studium zu empfchlen. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Dienstag. 23. August. 1 5.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend. — 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Operettenmusik. — 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. — 18.15 bis 18.45 Uhr: Heber- tragung von Kassel: „Schloß Waldeck und der Edersee", Vortrag von Rektor Staub anläßlich einer Fahrt für Rundfunkteilnehmer. — 18.45 bis 19.15 Uhr: Funkhochschule: „Die Bedeutung der Vitamine für die Gesundheit", Vortrag von Prof. Dr. Scheer. — 19.15 bis 19.20 Uhr. Wirt- schastsmeldungen. — 19.20 bis 19.45 Uhr: Funkhochschule: „Altdeutsche Tafelmalerei kl", Vortrag von Dr. Oswald Götz. — 19.45 bis 20.15 Uhr: Die Schachstunde. — 20.15 bis 21.15 Uhr: Klassische Arien und Lieder. — 21.15 bis 22.15 Uhr: Verfolgung. Gin Fiebertraum von Dietzenschmidt. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten._________________ Verantwortlich für Politik: i. 23. Ernst Blumschein. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuh 7 Prozent.___ Frankfurt a M. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Berlin. 19 August Geld Brief Franzöiische Roten...... Holländische Noten...... italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr., L100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanisck»e 'Roten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . Devisenmarkt Derlm Telegraphische 16,49 167,81 22,95 108,68 69.11 2.58 112,3? 81,0 79.76 12.421 73,23 —Frankfurt Auszah 18765 168,49 23,05 109,17 69,35 •2,60 112,83 81.38 70.99 12,483 73,52 a. M. u n g. Schluß. Kurs l'Uhr- Kur» Schluß. Kurs Anfang Kurs Schlich- Kurs -Uhr- Kur» Schluß. Kurs Anfang Kurs Schlug» Kurv l'Uhr. Kur» Schluh. Kur» Anfang Kurv Datum: 19. 8. 22. 8. 19. 8. 22. 8- Datum: 19. 8. I 22. 8 19.8. | 22. 8. Datum: 19. 8. 22.8. 19. 8. | 22. 8. 5°/o Dt Reichsanlethe o. 1927 Dt. Anl Ablos Schuld mit Auelos -Rechten . . . Desgl. ohne AuSl. s.Rechten 7°/o S-ranlf. Hlw.-Bk. ®o dpf unkündbar bi« 1932 .... 4l/3°/o Rheinische php -Bank Üiqu •QSolbvf .... 81 E & abg BorkriegS-Ob llgationcn, rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bundesb.°Anl. 4% Oesleretchische Goldrte. 4,20"/» Oeslerr ich. Silberrte . 4'7o Oesterreich, cinbetll. Rte 4% Ungarische Goldrte 4°/o Ungarische Etaoier. v 1910 4'///» deögl. von 1913 ... 4°/0 Ungarische Kronenrte . . 4°/j Turk. ^ollanleihe v 1911 4°/yTurk. Bagdadbahn-Anl. Serie J........ 4°/» desgl. Serie 11. ... 4% Rumänen convert. Rte. 4,/s°'o Rumänen Goldaul. . voll 1913 ........ Alla Deutsche Eisenbahn 4'/. Hamburg-Amerika Paket. . <, Hamb.-Sudam Tampssch. 8 Hansa Dampfschiff ... .6 Norddeutscher Lloyd . . 6 Allg. Deutsche Ereditanst.. lu Barm r Bankverein . 10 Berliner HandelSaesellsch. 12 Commerz- und Privat-Bk. 11 Tarmst. u. Nationalbank. 12 Deutsche Bank ••■•••• Tiskonto-Gesellschaft «nt. 10 Dresdner Bant..... 10 Mitteldeutsche Ereditbank . 9 RetchSbank....... .'8,13 16 26.75 5,6 24,25 22,75 23,65 14,13 17 14.9 15,75 154 155 148,75 152 251,5 180 :38,25 164 160 169,5 250 147 173 57.5 16 14 14 9 153,25 154,25 177 437 163,25 166,75 172 67,5 57,5 16 26.6 5,3 22.6 24.4 16.13 15.4 89.13 153,75 229 228.5 155 147,5 149,4 261,25 179.5 233.75 164 160 169,5 •250 147.5 172,25 58,2 15 9 24,65 2,3 13,9 16,75 89.5 153,25 230 228 153,75 147.25 149,25 251 178 237 163.75 159.5 167,75 250 146 172 A. E G..........7 Bergmann ........ 8 Elcktr. Lieferungen . . . . Io Licht und Ärafl......10 Helten 46 210 0 -- 2 ? » £ _ SS I 1 1 » 1 1 1 1 l L. 1 1 1 1 1 . K 1 ■ Sb. 1 l t 1 S 1 S£ 201.75 457.4 435.5 714 571 144.9 153 213 126 25 94,25 118.5 287 123.75 141 152 48 75 79.5 117.13 117.5 137.5 118 119 158 5 144 B 293,5 454 437 713.5 844 151,13 125.4 126 93 287 123.5 142 150,5 ner Amst.» Ron Buen.-AireS Brss-Antw Christtania Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Italien . . . London. . . Reuyork . . Paris.... Schweiz . . Spanien . . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D.- Ctft. abgest. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon . . Tamtg. . . Konstantin. Athen. . . Canada . Uruguay. . Cairo . . - 19. August. 22. August. 1 1 1 kn 126 17.75 49,5 76.5 119,5 24.5 116,5 123 128 139 Ui 141 59,75 45,75 oten. < Amtliche Geld 168,21 1,791 58,41 108,99 112,47 112,61 10,579 22,89 -0,406 1,1975 16,445 1*0,925 70.97 1,987 .4965 69,14 12,442 7,391 73,40 3,037 -0,70 81,35 2,103 5,494 4,198 4.206 20,93 Notierung Brief 168,55 1,795 58,55 109,21 112,49 112,90 10,599 22,93 20,446 4,2ü75 16,485 61,085 71,11 1,991 0.4985 69,26 12,462 7,405 73,54 3,043 20,74 81,51 2,107 5,606 4,206 4.214 20.97 Amtliche Geld 168,22 1,792 58.425 109,29 112,45 112,65 10,575 22,88 <0,406 4,197 16,45 ,0,94 70,93 1,989 0.1'272 59,16 12,442 7,391 73,41 3,037 20,715 81,37 2,088 6,514 4.195 4,206 20,935 Notierun,. 1 Brief __ 168,56 1.796 58,545 109,51 112,57 112,87 10.JJ5 22,92 20,446 4,205 16,49 61,10 71,07 1,993 0,4992 69,28 12,462 7,405 73,55 3,043 £O,7j5 81,53 2,092 6.626 4.203 4.214 20.976 Amerikanische Roten..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten ...... 4,182 58,33 112,20 20,385 4.202 58,57 112,66 20,465