M. 221 Erster Blatt 177. Jahrgang Mittwoch, 21. September 1927 Erscheint täglich,racher Sonntags und Feiertags. Beilagen: (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Mouatr-Bezugsprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger «letzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck Mlb Verlag. yrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulfttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Mlh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Dietzen. Flaggenfriede. Ein Vorschlag zur Güte. (Don unserer Berliner Deduktion.) Berlin, 21.Sept. Als Herr v.Hinden- b u r g im biblischen Alter das schwere Amt des Reichspräsidenten übernahm, da hat chm das ideale Ziel vorgeschwebt, daß er £mem Volke noch nützen und zum Aus gleich der inneren Gegensätze beitragen konnte. Er hat dabei in erster Linie an den unseligen Paß, es genügt, wenn ich Ihnen sage, ich bin ! Levine. Ich habe nie einen Paß und komme überall durch!" Trotzdem wurde Levine nicht gestattet, tn dem ersten fahrplanmäßigen Flugzeug, das startete- Platz zu nehmen. Levine ließ sich daraufhin mit der Polizeipräfektur telephonisch verbinden und erhielt daraufhin die Erlaubnis, ohne Paß abzureisen. Die Elektrizität im Haushalt. Auf der Tagung des R ei ch s v e rb a n des Deutscher Hausfrauenvereine in Tübingen-Stuttgart wurde folgende Entschließung gefaßt: „Die versammelten Vertreterinnen des Reichsverbandes der Hausfrauenvereine geben ihrer äleberzeugung dahin Ausdruck, daß die Einführung des elektrischen Betriebes in den Haushalt aus hygienischen, kulturellen und volkswirtschaftlichen ©runden mit allen Mitteln zu fordern sei und vor allem das wirksamste Mittel ist. um den deutschen Hausfrauen ihren schweren Beruf zu erleichtern und ihnen Zeit und Kräfte freizumachen für Betätigungen neben der eigentlichen Hausarbeit, die für das Bolkswvhl wichtig find, insbesondere die Kindererziehung und die Pflege des Körpers und Geistes. Aus diesem Grunde fordern die deutschen Hausfrauen eine Anpas - f un g der Elektrizitätstarif e an die Rotwendigkeit elektrischer Haushaltsführung. Diese Dnpaffung wird nach Leberzeugung der versammelten Hausfrauen die Einkünfte der Elek« trizttätswerke nicht schmälern, sondern verbessern, wenn sie in Formen erfolgt, die den Elektrizitätswerken für den Lichtkonsum den bisherigen erträglichen Preis belassen und nur für den Mehrverbrauch, also für Kraft- und Kochstrom sowie für Rachtstrom, andere Preise festseht. Die Hausftauen vertrauen darauf. daß die Leitungen der Elektrizitätswerke dieser berechtigten Forderung tolles Verständnis entgegenbringen werden." Der Fassadenkletterer Wald vor Gericht. Dor dem Großen Schöffengericht Charlotten- burg begann der Prozeß gegen Fritz Wald, der den Beinamen „König der Fassadenkletterer" führt und für etwa zwei Millionen Mark Juwelen zusammenge stöhlen hat. Die Anklage wirft Wald 18 vollendete Einbrüche, davon vier in Berlin und 14 in Hamburg vor. Mit Wald zusammen haben sich zu verantworten Kaufmann Lohrer, Frau Strunck und Frau Albrecht wegen Hehlerei bzw. Beihilfe. Der Angellagte pflegte nur in bester G e - f e 11 s ch a s t zu verkehren und besuchte häufig Fünfuhrtees in ersten Hotels und Kabaretts. Seine Hehler gaben ihm als Erlös seiner großen Diebesbeute nur 45 000 Mk., sein Haupthehler, der Kaufmann Plückhahn, ist bereits zu einer ".rheblichen Zuchthausstrafe verurteilt worden. vier Kinder erstickt. In der Nackt zum Sonntag wurden in Bettingen (Kreis BiVburg) die vier Kinder von Eheleuten, die als Handelsleute ständig auf Reifen find, durch Ersticken getötet. Das Kindermädchen hatte den Kindern eine brennende Kerze auf den Wäscheschrank gestellt, damit sie sich nicht fürchten sollten. Die Kerze brannte vollständig ab, brannte sich durch das Holz und brachte die im Schrank befindliche Wäsche zum Glimmen, wodurch die ganze Wohnung mit Rauch gefüllt wurde. In dem undurchdringlichen Rauch starben die Kinder im Alter von ein bis vier Jahren eines grauenhaften Todes durch Ersticken. Die Kinderlähmung in Leipzig. Angesichts der in Leipzig grassierenden Kinderlähmungsepidemie hat eine Aerzte-Ver- fammlung die sofortige Schließung der Schulen gefordert. Seit dem 1. August b. Js. find in Leipzig und Umgegend 82 Personen an spinaler Kinderlähmung erkrankt, darunter auch mehrere Erwachsene. Don den Erkrankten sind bis gestern abend 15 Personen geworben. Die Kinderlähmungsepidemie hat sich auch auf ® r imma ausgedehnt, wo gestern die- Schulen geschlossen worden sind. Durch Zeugenaussagen eines Kindes in den Tod getrieben. In einem thüringischen Orte waren kürzlich unter der Anschuldigung, sich an einem zwölfjährigen Mädchen vergangen zu haben, drei Männer verurteilt worden. Einer von ihnen nahm sich deshalb das Leben, der zweite verfiel in Irrsinn, während der dritte gegen das Urteil Berufung einlegte. Auch die «Staate- anwaltschaft hatte Berufung eingelegt. Das Gericht sprach jetzt den dritten Angeklagten frei, da die Behauptungen des Mädchens unwahr erscheinen. Kleine Ursachen — große Wirkungen. In Delitzsch schlug im liebermut ein Pferdeknecht mit der Peitsche über die Pferde seines Freundes. Die Pferde wurden scheu mtl> üb erfuhren den Führer, der lebensges ähr - lich verletzt tn bas Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Knecht, der durch seinen He vermut bas Unglück verursacht hatte, erhängte sich wenige Stunden später. Die Wetterlage. 5 ■VaMerscind O @v Aberdeen^ - Oslo, y ***- Paris /SO---ScCT; 1___; —/v OWolkenlos.O netter. 3naio oeoecm. »woiirig, eoedecM. »Regen * Sehnet a Graupein e MeOei H tewmer.(§)windstiiie.«O« Sdv leichter Ost y massiger ^odsodwesi q stürmischer «orowes» feie Piene fliegen mit dem winde Oie 0 er eien Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pit Linien verbinden Orte mit glelthcoi euf rueresnivcau umgerecioeten Luitdrucn L^ettcrvorauojagc. Das gestern westlich von Irland erkennbare Störungsgebiet hat sich wetter ostwärts über die britischen Infein üorroörts bewegt. Obwohl durch den vorübergel-enden Druckanstieg im Süden auch in unserem Gebiet die Wolkendecke heute durchbrochen wurde, fo fühtt doch südwestliche Lust an der Vorderseite des neuen britischen Tiefs erneut starken Bewölkungsaufzug und Regengediete mit sich, die im Laufe der kommenden Nacht und des morgigen Tages unsere Wetterlage beeinfiusien. Die Temperaturen bleiben zunächst milde. Wettervoraussage: Wolkig bis bedeckt, Temperaturen zunächst weiter etwas ansteigend, zeitweise Niederschläge, südwestliche bis westliche Winde. Witterungsaussichten: Veränderlich, wolkig, oer- einzelte Niederschläge. Lufttemperatuken am 20. September: mittags 17 Grad Celsius, abends 13,4 Grad Celsius; am 21. September: morgens 15,3 Grad Celsius. — Erd temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 20. September 14,6 Grad Celsius; am 21. September 12,9 Grad Celsius. Maximum 17 Grad Celsius, Minimum 11,8 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 Millimeter Aus der ProvinzialhaupiMül. Gießen, den 21. September 1927. Die endgültige Veranlagung der Gewerbesteuer in Hessen. Zur Frage der endgültigen Veranlagung der Gewerbesteuer in Hessen für die Jahre 1925, 1926 und 1927 hat die Jnd u> strie - und Handelskammer Darmstadt auf ihrer letzten Jahressitzung eine Entschließung gefaßt, die sicher die Zustimmung der interessierten Kreise finden wird. Dieser Entschließung zufolge kann die Frage nicht durch den bekannten Beschluß des Hessischen Landtags als endgültig geklärt angesehen werden, weil hier die nötige Klarheit darüber zu vermissen ist, ob unter dem Beschluß der ..Nichtberatung des vorliegenden Gesetzentwurfes" die endgültige Ablehnung einer nachträglichen Der- nnlagung zu verstehen ist. Mittlerweile ist wieder so viele kostbare Zeit oerlorengegangen, daß es bezweifelt werden darf, ob eine endgültige Veranlagung der Gewerbesteuern für die Jahre 1925, 1926 und 1927 technisch überhaupt noch durchführbar ist. Sollte sich eine endgültige Veranlagung jetzt tatsächlich nicht mehr durchführen lassen, so wären unbedingt andere Maßnahmen zu treffen, die den Grundsatz der steuerlichen Gerechtigkeit noch nachträglich für die hessischen Gewerbesteuern zum Ausdruck bringen. Als geeignet hierfür wird vorgeschlagen, durch ein schleunigst zu veraoschiedendes Gesetz zu bestimmen, daß den Steuerpflichtigen, die in diesen drei Jahren 1925, 1926 und 1927 zu Unrecht Er- tragsgewerbesteuer gezahlt haben, auf Antrag eine Rückvergütung zuteil wird. Die so für das Land und die Gemeinden entstehenden Steuerausfälle wären im Bedarfsfälle durch einen einmaligen Zuschlag zu der Ertragsgewerbesteuer bei der Veranlagung für 1928 nachzuerheben. So bedauerlich eine derartige zukünftige einmalige Sonderbelastung sei, so stelle sie unter den gegebenen Verhältnissen doch das kleinere Uebel dar gegenüber einer Lösung, die gerade diejenigen Wirtschaftskreise im Endergebnis in ungerechter Weise belaste, die durch den mangelnden Ertrag dieser Wirtschaftsjahre bereits besonders geschädigt seien. Es dürfe erwartet werden, daß der Hessische Landtag einer solchen Regelung, die den noch einzig möglichen gerechten Ausgleich darstelle, seine Zustimmung geben werde. LZornotizen. — TageSkalender für Mittwoch. Palast-Lichtspiele: »Gräfin Plättmamsell". — Ästvria-Ltchtspiele: „Liebesnächte am Nil". ** Die Behelfsbauten in der Rod- heimer Straße, in denen jetzt Schreiner-, Glaser- und Weißbinderarbeiten ausgeführt werden, sollen bis Ende d. Mts. sertiggestellt sein. Mit Beginn des Wintersemesters soll das Gebäude durch die hiesige Gewerbeschule benutzt werden, womit einem dringenden Bedürfnis abgeholsen ist. Das Gebäude enthält acht Klassensäle, Lehrerzimmer und die erforderlichen Neöen- räume; es wird mit Gas-, Wasser- und elektrischer Leitung versehen und ist derart eingerichtet, daß es nach der Ausführung der jüngst beschlossenen Schulhausneubauten durch Einziehen von Zwischenwänden für Wohnungs- oder sonstige Zwecke Verwendung finden kann. *’ Einige weitere Ruhebänke im Botanischen Garten erscheinen, nach einer Mitteilung von älteren Mitbürgern an uns, sehr wünschenswert. Gegenwärtig kommt es häufig vor, daß alte Leute mit verringerter Wegfähigkeit die paar Bänke in dem seinen Erholungs- Plätzchen inmitten der Stadt beseht vorfinden. Da die Leitung des Botanischen Gartens für diese Verbesserung wohl kaum Mittel verfügbar hat, wäre hier eine Möglichkeit zur Betätigung bürgerlichen Gemeinsinnes durch eine oder mehrere Stiftungen gegeben. ** Rindermarkt in Gießen. Aus dem gestrigen Gießener Rindermarkt waren, wie in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe schon gemeldet, 786 Stück Großvieh und 394 Kälber aufgetrieben. Der Handel ging flott. Es wurde ausverkauft: zum Schluß bestand noch Nachfrage. Bezahlt wurden für Milchkühe 1. Qual. 600 bis 700 M„ 2. Qual. 450 bis 500 M, 3. Qual. 200 bis 300 M.: Schlachttühe 200 bis 350 M Kälber kosteten 70 bis 75 Pfg. je Pfund Lebend- gewicht. ** Hohe Auszeichnung der oberhessischen Rinderzucht. Auf der Landwirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt wurde bei dem Provinzialwettvewerb in der hessischen Rinderzucht die Provinz Oberhessen mit dem Ehrenpreis des Staatspräsidenten ausgezeichnet. Die Provinz Startenburg erhielt den zweiten, die Provinz Rheinhessen den dritten Preis. ” Personalie. Ernannt wurde der Schulamtsanwärler Josef Nahrgang aus Seibelsdorf, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Kiein-Steinhnm, Kreis Offenbach. *• Straßensperre in Lich. Wegen Vornahme von Kleinpflasterarbeiten ist die P r o v i n - zialstraße Ortsdurchfahrt Lich (im Zuge der Straße Gießen—Gelnhausen) bis auf weiteres für den Wagen- und Automobil verkehr gesperrt worden. Die Umleitung erfolgt innerhalb der Stadt Lich. " Eine oberhessischeHandwerker- feier, nämlich die Verleihung von Meisterbriefen an über 250 Jungmeister und Jungmeiste rinnen aus der Provinz Oberhessen, fand am Sonntag hier im Cafe Leib statt. Wir bedauern nicht in der Lage zu sein, über diese Veranstaltung berichten zu können, da uns eine Einladung zu der Feier nicht zugegangen war. Z Wünsche vom Südende der Frankfurter Straße. Wer bei den jetzt länger werdenden Abenden einen Gang durch die Frankfurter Straße macht, dec sehe sich vor, daß er kurz hinter der Eisenbahnkolonie nicht Bekanntschaft macht mit dem direkt neben dem Bürgersteig auf der Westseite herlaufenden Grabem Dieser Graben, der' zum Glück meist trocken liegt, beginnt gegenüber der Baumaterialienhandlung Gebr. Kahl und zieht in einer Länge von etwa 125 Metern bei einer Tiefe bis zu einem Meter neben dem Bürgersteig her. Der Bürgersteig mißt an dieser Stelle etwa 1,30 bis 1,50 Meter in der Breite, ist also kaum so breit, daß zwei Leute nebeneinander gehen können. Man bedenke noch, daß dieser Teil der Straße völlig im Dun k e I n liegt, denn die nächste Strahen- lampe befindet sich am Anfang der Eisenbahnerkolonie. Nun hat ja die Stadtverwaltung vor einiger Zeit quer vor den Beginn des Grabens, der seinen Anfang inmitten des Bürgersteiges nimmt, eine Sperrlatte anbringen lassen, so daß der ahnungslose Straßenpassant nicht mehr in den Graben a n f a n g stürzen kann. Aber di« Gefahr, mit dem Graben Bekanntschaft zu machen, ist trotzdem noch sehr groß, denn er ist ja seitlich gegen den Bürgersteig völlig offen. So konnte der Schreiber dieser Zeilen in letzter Zeit dreimal die Beobachtung machen, daß ruhig des Weges daherkommende Leute, trotzdem sie auf die Gefahr aufmerksam gemacht waren, doch in den Graben stürzten, zum Glück, ohne ernstlich Schaden zu nehmen Die Anwohner der südlichen Frankfurter Straße und die vielen Passanten wären der Stadtverwaltung zu Dank verpflichtet, wenn durch Anbringung eines einfachen Leitholzes die Gefahr beseitigt würde, was ja leicht möglich ist, da das Schuh Holz vielleicht an den dort stehenden Bäumen befestigt werden könnte. Noch besser wäre es aber, der Graben würde mit Rohren ausgelegt und mit Erde zugeworfen, bevor ein größeres Unglück geschehen ist. Auch könnte durch das Verschwinden des Grabens der Bürgersteig in seiner Breite auf etwa drei Meter gebracht werden "Rowdytum. In der letzten Nacht haben wieder einmal gemeine Burschen in der Anlage bei der Johanniskirche ihr schändliches Wesen getrieben. Dort wurde von diesen Buben die erst im vorigen Jahre gepflanzte Reformations- linde mit i^m Messer bearbeitet und dabei ein etwa 1/2 Meter langes Stück der Rinde abgeschält, seiner wurde auch in das Holz des jungen Bäumchens hineingeschnitten Ob der Daum erhalten werden Cann, ist heute noch nicht sestzustellen Gleichzeitig haben die Rowdhs auch das benachbarte Wetterhäuschen wiederum attak- kiert und dort durch Auf brechen der Schlösser und Beschädigungen der Instrumente erhebliche Zerstörungen ängerichtet. Es ist nur schad«, daß die Burschen nicht auf frischer Tat erwischt wurden und sofort mit einer verdienten gehörigen! Tracht Prügel bedacht werden konnten Die Tatsache, daß innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit zweimal wüste Ausschreitungen in den Anlagen zu verzeichnen waren, gestattet Wohl den Schluß, daß der Polizeischutz in den Anlagen zur Nachtzeit dringend der Verstärkung bedarf. ** Von einem Auto überfahren und getötet. Ein tragischer Unglückssall ereignete sich gestern vormittag gegen 11 Uhr unmittelbar vor dem Ortseingang von Stein- b a ch in der Richtung von Lich her. Dort befand sich die 45 Jahre alte Ehefrau Lina Schneider von Gießen, Gattin des Justizwachtmeisters Schneider beim hiesigen Amtsgericht, mit ihrem Manne, einen Handwagen mit Gras ziehend, aus der Heimkehr vom Grasmähen nach dem Dorfe, wo das Ehepaar wohnt. Die Leute wurden dabei von einem Auto überholt, dem sie noch nachsahen. Dann wollte die Frau zwecks Rückgabe eines ausgeliehenen Wetzsteines in einem benachbarten Hause rasch die Straße überqueren, wobei ihrer Aufmerksamkeit aber ein anderes, nachfolgendes Auto entgangen sein muß. Die Bedauernswerte lief, wie man uns berichtet, direkt in den Kraftwagen, der aus der Umgegend von Nidda stammt, hinein und wurde zu Boden gerissen. Hierbei erlitt sie einen schweren Schädelbruch, der den fofortigen Tod zur Folge hatte, außerdem wurde ihr der rechte Fuß am Knöchel vollkommen durchgebrochen. Der Lenker des Autos behauptet, mehrmals Warnungssignale gegeben zu haben Die Gerichtsbehörden begaben sich zur Feststellung des Tatbestandes alsbald an Ort und Stelle und gaben nach Erfüllung ihrer Aufgabe die Leiche zur Bestattung frei. Die auf so schreckliche Weise aus dem Leben abberufene Frau hinterläßt ihrem Gatten vier Kinder. *• Ein schwerer Hnglüd8fall ereignet« sich gestern gegen Abend in dem Basaltwerk bei Kesselbach. Dort waren Monteure aus Köln mit den Montagearbeiten eines neuen großen Steinbrechers beschäftigt. Beim Hochwinden des schweren Brechers riß ein Seil, so daß der Brecher aus bettächtlicher Höhe herab stürzte, wobei vier Leute verletzt wurden. Während drei von ihnen zum Glück nur leichtere Schäden erlitten, wurde der Monteur Karl Küster aus Köln so schwer getroffen, daß er mit schweren inneren Verletzungen an der Unglücks st eile liegen blieb. Die Gießener Freiwillige Eanitätskolonne vom Roten Kreuz holte den bedauernswerten Mann mit dem städtischen Sanitätsauto ab und verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik. Der Verunglückte war erst seit einem Tage bei dieser Arbeit beschäftigt. " Ein Riesenapfel im Gewicht von 480 Gramm wurde uns gestern von einem hiesigen Gartenbesitzer überbracht. Dieser Apfel gehört in die Gruppe der Pfundäpfel und heißt Lord Grosvenor. Dieser Lord wuchs aus einem 1920 gepflanzben Zwergbäumchen, das schon wiederholt reiche Ernten trug und auch in diesem Jahre eine Menge schöner Früchte von annähernd gleichem Gewicht brachte. ** Die Ersatz Ziehung bei der Preuß.» Süddeutschen Klassenlotterie. Aus Berlin wird gemeldet: Am Dienstag, 27. d. M., findet die Erfatzzichung der 5. Klaffe der vorletzten (28.) preußischen Klassenlotterie statt, bei der bekanntlich zwei Beamte der Lotteriedirektion zwei große Gewinne auf betrügerische Weise sich in die Hände spielten. An dieser Ersatzziehung nehmen sämtliche Lose teil, die damals mit einem Gewinn unter 100 000 Mark herausgekommen oder leer ausgegangen sind. *• D i e Bezirksgruppe Gießen des Deutschen Gärtnerbundes hatte, wie man uns berichtet, am Samstag ihre Mitglieder und deren Angehörige zu ihrem diesjährigen Herbstvergnügen nach der Liebigshöhe eingeladen. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Gruppe wechselte in bunter Reihe die Programmfolge. Eine Dame aus Godesberg brachte Rosen- und Dlumenlieder mit schöner Stimme zum Vorttag, Frl. Rieger erfreute mit ihren hübsch vorgeführten Einzel- tän^en; beide Damen ernteten lebhaften Beifall. Ein Doppelquartett des Dauerschen Gesangvereins, sowie Herr Kurt Richter, brachten Chöre und Volkslieder zu Gehör, die ebenfalls beifällig ausgenommen wurden. Den übrigen Teil des Programms füllten Mitglieder der Kapelle Weller durch musikalische Darbietungen aus, und darauffolgender Tanz hielt bie Teilnehmer noch bis zur frühen Morgenstunde beisammen. Der Saal der Liebigshöhe war an diesem Abend nicht wiederzuerkennen. Fleißige Hände hatten den Saal in einen Rosen- und Blumengarten umgewandelt; mehrere hundert Rosen und Blumen, umgeben von Lorbeerbäumen und reichen Girlandenschmuck, zierten den Saal. Die DezirkS- gruppe Gießen form mit Stolz auf den wohlgelungenen Verlauf ihrer Veranstaltung zurückblicken. " Briefe an die Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktion bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen, sondern angemein „an die Redaktion" zu richten. Nur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 16. Sept. Am 15. Juni fuhr ein Handwerksmeister mit seinem Auto vom Kirchen- Platz her kommend, durch die Walltorstraße in den Asterweg ein Dabei rannte er den Maurer M aus Heuchelheim, der auf seinem Rad am Eingang zum Asterweg vorbei wollte, an. M. wurde geschleift und bewußtlos unter dem Auto hervorgeholt. Die Folgen waren: Schlüsselbein- und Rippenbruch, wochenlanges Krankenlager. Noch heute ist di« Wunde nicht geheilt. Der Autofahrer mußte sich jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten Er war ordnungsmäßig rechts gefahren, hatte den Dogen nach links vorschriftsmäßig weit genommen und hatte Signal gegeben Trotzdem hat er nicht den strengen Erfordernissen entsprochen, die nach Gesetz und Rechtsprechung an einen Autolenker gestellt werden Er hätte sehen können, wie der Radfahrer, der sehr langsam fuhr, vom Walttor her sich dem Eingang zum Asterweg näherte. Der Angeklagte hatte jedoch, wie er selbst angibt, den Radfahrer nicht gesehen, und Mar deshalb nicht, weil er (der Angeklagte) ausschließlich die Fahrbahn geradeaus beobachte hatte. Deshalb habe er nicht seitlich gesehen Damit hat der Angeklagte nicht die gehörige Vorsicht geübt die das Gesetz verlangt, zumal zur Zett des Unfalls ein reger Verkehr herrschte (Arbettsschluh nach 5 Uhr nachmittags). Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts hat der Autolenker nicht nur die Fahrbahn, sondern auch die Straßenfetten ins Auge zu fassen Auch Dann sich der Führer, der — wie hier — an einer verkehrsreichen Straßenkreuzung einen Unfall verursacht hat, in der Regel nicht darauf berufen, daß er eine gewisse Gefahrenquelle nicht erkannt habe, weil er fein Augenmerk auf andere Gefahrenquellen habe richten müssen Er muß sich vielmehr einen Ueberblick über alle Gefahrenquellen verschaffen, und wenn ihm dies nicht möglich ist, die Geschwindigkeit entsprechend ver- nrinbern oder anhalten Der Angeklagte hatte zwar die unter Umständen gestattete Höchstgeschwindigkeit nicht erreicht. Er ist bestimmt nicht „gerast". Trotzdem war seine Geschwindigkeit unter den gegebenen Derkehrsverhältnissen, und da er seine ursprüngliche Fahrtrichtung durch ©inbiegen in eine Nebenstraße verlassen wollte, zu groß. Denn er gibt selbst an, beim Einbiegen die Walltorstraße in der Richtung Nordanlage nicht beobachtet zu haben, obwohl bei dem herrschenden Verckehr auch von dieser Seite aus gewiße Gefahren zu erwarten waren Der Angeklagte konnte sich auch nicht darauf berufen, der Verletzte habe offenbar sechst etwas die Getstes- gegenwart verloren, als das Auto gegen ihn in den Asterweg einoog. Denn nach der Rechtsprechung ist es dem Autolenker zur Pflicht gemacht, mit solchen Kopflosigkeiten des Publikums zu rechnen Das hat der Angeklagte nicht getan. Sonst hätte er langsamer einbiegen müssen Demgemäß lautete das Urteil auf 100 M. Geldstrafe wegen fahrläsiiger Körperverletzung, hx Tateinheit mit Übertretung gewisser Bestimmungen der Kraftfahx^eugverordnung. Strafxnildsmd wurde berücksichtigt, daß der Grad der Fahr- läsiigkeit fein besonders hoher war, daß auch den Verletzten eine gewisse Schuld an dem Unfall treffen mag, und daß der Angeklagte, der sich eines guten Rufes erfreut, nicht vorbestraft ist. Anderseits war die Schwere der Verletzungen zu bedenken, sowie, daß die Verkehrssicherheit unb der Schuh des Publikums eine nicht allzu geringe Bestrafung erfordert. hessische Landwirtschaftliche Landesausstellung. * Darmstadt, 20. Sept. Der heutige letzte Tag der Hessischen Landwirtschaftlichen Landesausstellung war der Tag der Schulen Ueber das ganze Ausstellungs- gelände hin verteilt sah man Schulklassen unter Führung von Lehrern Stark beteiligt an diesem Besuch waren außer den SXrrmftäbter Schulen auch die oberen Klassen bet Schulen in den ländlichen Nachbarorten Die Jugend brachte vor allem den Tieren in den Ställen reges Interesse entgegen. Mit besonderer Vorsiebe verweilte sie auch in dem Dorfkino, wo ftänbig Vorführungen stattfanben Einer der Film« unterrichtete bie Zuschauer über di« Tätigkeit der Landwirtschaftskamnxer für Hessen Außer von Schulen war die Ausstellung von Vereinen in großer Zahl besichtigt worben. Lokal- unb Kreis^hörben brachten dem Unternehmen lebhaftes Interesse entgegen, ebenso die Zerttval- behörden Gestern stattete auch der Staatspräsident, sowie bie Minister Kimber- ger und Raab der Ausstesixmg einen. Besuch ab. An den Derkaufsstanden für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte waren immer mehr Anschriften zu sehen mit dem Vermerk, daß bie betreffenden Ausstellungsobjekte verk auft seien Es handelte sich hier nicht allein um kleinere Verkäufe, sondern auch Maschinen, wie Lokomo- bilen, Dreschmaschinen usw. haben Abnehmer ge- fimben. Die Aussteller dieser QUrteilung sind mit dem Geschäft durchweg sehr zufrieden Ebenso äußern sich die maßgebenden Kreise der Aus- stellungsleitung sehr günstig über den Verlauf der Ausstellung und bezeichnen sie als einen vollen Erfolg. Berliner Börse. Berlin, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Bei ruhigem Geschäft kann sich im heutigen Frühverkehr eine allgemeine Erholung durchsetzen. Die Spekulation, die gestern stärker als Abgeber aufgetreten war, schreitet zu Deckungen, zumal die Ziffern der Außenhandelsbilanz eine wesentliche Besserung aufweisen Für Farben hört man einen Kurs von 295 Geld. Am Devisenmärkte hört man Paris mit 124,02, Mailand mit 89,30, Madrid mit 28,02 und das Pfund tntt 4,8655 bis 4,8660. Arbeitsvergebuug. Auf Grund der Reichsverdingungsord- nung vorn Mai 1926 sollen folgende Leistungen und Arbeiten zur Erweiterung des städtischen Wasserrohrnetzes öffentlich vergeben werden: 8508V 1. Fuhrleislungen, 2. Erd- und Maurerarbeiten und 3. Rohrlegerarbeiten. Die Verdingungsunterlagen und Zeichnungen liegen auf dem technischen Bureau (Gartenstraße 3, Zimmer 6) zur Einsicht aus. Angebotsvordrucke sind dort erhältlich. Die Leistungen und Arbeiten können getrennt ober zusammen vergeben werden. Die Angebote sind verschlossen und postfrei, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 6. Oktober b. 3. mittags 12 Uhr an uns einzureichen, wo bie Eröffnung in Gegenwart ber etwa erschienenen Anbieter erfolgt. Zuschlags- unb Bindefrist: drei Wochen. Gießen, den 19. September 1927. Städt. Gas- und Wasserwerk Gießen. S t e d i n g. Bekanntmachung. Am nächsten Samstag, vormittags 7 Uhr, am Bahnhof beginnend, wird das 8509D Gemeindeobst der Gemeinde Launsbach öffentlich meistbietend versteigert. Krofdorf, den 20. September 1927. Der Bürgermeister. Kartoffellieferung. Die Lieferung von ca. 1500 Zentner „3ndustrie".Speifekartoffeln soll vergeben werden. 8500V Diese Kartoffeln müssen gesund, gut aus- gelesen und gelbfleischig sein. Es kommt nur eine großfallende Ware in Frage. Die Bedingungen können während den Dienststunden hier eingesehen werden. Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift „Kartoffellieferung" unter Anerkennung ber Bebingungen bis zum Mittwoch, dem 28. September 1927 vormittags 10 Uhr hier eknzureichen. Die Lieferung kann geteilt werden. Zuschlagsfrist: fünf läge. Gießen, den 19. September 1927. Direktion ber Landes- Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen. Obstvcrsteigernng. Freitag, den 23. September 1927, vormittags von 8% Uhr ab, soll das der Gemeinde Rödgen gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln, Birnen (Tafel- und Kelterobst) versteigert werden. 8501D Zusammenkunft bei dem Weiher im Dorf. Rödgen, am 21. September 1927. Hessische Bürgermeisterei. Wagner. Arbeitsvergebung, Die Herstellung von etwa 600 Meter Kabelgraben soll vergeben werden. Angebote sind verschlossen bis zum 10. Oktober d. 3. vormittags 11 Uhr, bei der Direktion des Städtischen Elektrizitätswerks, Zimmer Nr. 3, einzureichen, woselbst auch die Vordrucke erhältlich sind. 8510C Freie Auswahl des Unternehmers bleibt Vorbehalten. Gießen, den 20. September 1927. Direktion des Städtischen Elektrizitätswerks. S t 0 l t e. Eberverkauf. Nächsten Samstag, den 24. September 1927, mittags um 1 Uhr, wird ein erstklassiger abgängiger 8511V (Bemeinbeeber öffentlich meiftbietenb gegen Barzahlung auf bem Rathaus verkauft. Kaufliebhaber wollen sich zur angegebenen Zeit dortselbst einfinben. Ettingshausen, ben 20. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Ettingshausen. O p p e r. Die Korbweiden ber Gemeinde Trohe werden Samstag, 24. September d. 3., nachmittags 5 Uhr, versteigert 8521V Trohe, am 20. September 1927. Schmidt, Bürgermeister. Obftversteigernng. Montag, den 26. September 1927, vormittags von 8% Uhr ab, soll das der Gemeinde Oppenrod gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln unb Birnen, versteigert, werden. 8516V Die Versteigerung beginnt an der Straße nach Großen-Bufeck. Oppenrod, den 21. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Oppenrod. ____________Kloos.____________ Donnerstag, 22. September 1922, nachmittags 2 Llhr, versteigere ich im „£ött>en", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Kredenz, 89 Fl. Likör,iKleiderschranl, 1 Eßservice, 5 Grammophonplatten, Eisschrank, u Klavier,! Kassenschranl, 1 Schreibmaschine, 1 Nähmaschine. Bern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13, pari. 8522V tersaison die große Mode. Jchemptehle mich den geehrten Damen-tm erittl. Bubt- kooischneiden, haltbarer Ondulation. Kopfwäschen, neueste Langhaarsrisuren. Manü- küre Anständige solide Bedienung. Abonnenieuikarle llONr.» z. niedr. Preisen. Svezial'Tamen'Fristersalon. 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Schwalb im Alter von 45 Jahren Die tieftrauernden Hinterbliebenen S517D Paulus Schneider, Amtsgehilfe und Kinder. Dienstag vormittag verschied infolge eines tragischen Unglücksfalles meine liebe gute Frau, die treusorgende Mutter ihrer Kinder, meine gute Tochter, Schwester und Schwägerin Steinbach, Albach, Hausen, Lieh, 20.September 1927 Die Beerdigung findet Donnerstag, 22. Sept„ nachmittags 3 Uhr statt ;>’A" K UASÄÜKV kN MD | Vermietungen! Donnerstag, 22. Sevt.. abends 8 Ubr in der Tnrnballe: Gastspiel des Volkstheaters Darmstadt Dir.: E. Werner Der neueste Großstadtschlager loh hab' mein Herz in Heidelberg verloren Lustspiel mit Gesang in 4 Akten von Paul Lindau. Preise: Sperrsitz 1.50,I.Pl. 1.20, II. Pt 0.80 in den bekannten VoroerkausssteÜen. Aachmittags große Jugend-Vorstellung Anfang 4 Uhr und Gretel in 3 Akten. 8506V Zum Schluß bekommt jedes Kind ein Stück vom Knusperhäuschen. — Preise 50 u. 30 <-. 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September 1927 088» IS Für all die Aufmerksamkeiten anläßlich unserer Verlobung danken wir herzlichst Alberi Müller und Äraui Freitag, 23. September 1927 um 19 Uhr in der neuen Aula der Universität । Konzert mad Operitabeml zum Besten der Ausführendei Toni Knöffel (Stadttheater Bamberg), Anne Fladung (Kurtheater Bad Orb). Walter Hild« mann, Rezitator (Staatstheater Wiesbaden), Frau Ingelborg Philipp, Hede Mildmann, Dr. Georg Stecink aus Frankfurt a. M.. Herta Stillgcr, Hanau, Ida BiieWare,En- r-dreis an Pri> e. Probevakeiv. MÄnnch lohne üiwang.Beüiach- WeGar.Rüllnali .Bar-Rückoergii! irddeuisch.Ervori US. M Wilhelm nies, Bremen G Hemmilr. 156. tuto-Ruf Tel 802. Verschiedenes ti i Ui ufen Sie jetzt bib Igft und vorteil ft bei °D . Ruhl jun., lein - Linden. eilzahluna nach ,w6) oW 'Ava j out PMarte'. pitd v|Qer, in guten» ujlande. da über ibiifl, billig tu vcr- mien. Auch wird lotorrad in TaM mommeiL u Wleeeck ^ebenerStrabE -uche für m. *• Atet PenD giü. Haufe,wokeM uSK LZK ien. Äi. 4WDanjj^ "VereSJ »■ ÄS .jevea > 3| Bit .^auf°das yiii0ll£O(b den K-s "ÄS det.e'"Zia5d->^ §S^ -'«Ss-Sz Nr. 221 Stores Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 2|. September (927 Jugend und Hochschule. Die nationalpolitische Aufgabe der Schule. Don Dr. Leibrock. Heute ist Deutschland vor die wichtigsten Po- Mischen Entscheidungen gestellt: die ganze Zeit- läge zwingt jeden eiirzelnen Deutschen zur Stellungnahme in politischen Fragen. Das Wohl und Wehe der Nation ist davon abhängig, daß jeder Bürger sich als politisches Wesen suhlt und in politischer Beziehung seine Pflicht und Schuldigkeit tut. Da fragen toir uns denn, ob die Schule dieser großen Aufgabe gerecht wird und im Nahmen ihrer Betätigung dazu beiträgt, das Volk politisch zu erziehen. Jeder von uns weiß, daß vor noch nicht allzu langer Zeit der Geschichtsunterricht mit dem Siebenjährigen Krieg abgeschlossen hat, und daß die gelehrten Abiturienten die Schule verliehen, ohne von der politischen Entwicklung des neunzehnten Jahrhunderts. ohne von der gegenwärtigen Politik überhaupt eine Ahnung zu haben. Ja, man ver- sticg sich zu der Ansicht, daß die Politik auf der Schule nichts zu suchen habe, wobei man natürlich an die Parteipolitik dachte und die Lieber- zeugung vertrat, die Kinder mühten vor jeder parteipolitischen Beeinflussung geschützt werden. Die zwanzigjährigen Wähler und Wählerinnen, die heute berufen sind, ibr Votum über das Schicksal des Vaterlandes abzugeben, haben zumeist nicht den blassesten Schimmer von dem, was Politik bedeutet. Hat der junge Deutsche die Volksschule, das Lyzeum oder das Gymnasium verlassen, dann packt ihn der Fachunterricht, und es findet sich nur selten eine Stunde, die den Allgemeininteressen, der sachlichen politischen Diskussion gewidmet ist. Freilich glaubt jeder in politischen Dingen ein fertiges Urteil zu besitzen, und wenn die Häufigkeit und Ausgiebigkeit politischer Erörterungen ein Maßstab für den Almfang der wirklichen Kenntnisse wären, dann würden wir uns in der Tat als das in politischer Hinsicht vollkommenste Volk der Welt bezeichnen können, während doch die Wirklichkeit beweist, daß die Deutschen zwar auf allen möglichen Gebieten höchst wunderbare Leistungen zustande bringen, in politischer Hinsicht aber kaum über die einfachsten Elementarkenntnisse verfügen. Aus diesen und anderen Anzeichen geht deutlich hervor, dah die Schule irgendwie ihre Pflicht nicht ganz erfüllt, und man wird auch mühelos den Punkt entdecken, wo die Schuld zu suchen ist. Der nationale Gedanke, der in Amerika, England und Frankreich vollkommen den Alnterricht beherrscht, hat in der deutschen Erziehung nur einen spärlichen Raum. Cs mag an einzelnen Stellen ein Ansatz zur Besserung vorhanden sein, im ganzen aber darf man behaupten, dah das deutsche Kind aufwächst, ohne sich seines Deutschtums so recht bewußt zu werden. Auf diesen Almstand aber ist die Mehrzahl der Gebrechen zurückzuführen, an denen das ganze politische Leben Deutschlands leidet. Was nützen alle Mahnungen zur Einigkeit, zur Selbstbesinnung, wenn es an den notwendigsten Kenntnissen, an der einfachsten Beherrschung des doch wahrlich so überreich vorhandenen Stoffes fehlt? Dis zum AleLerdruh hat man das Wort gebraucht, dah nur der die Zukunft hat, der die Jugend besitzt. Es braucht nicht wiederholt zu werden, dah für Parteikämpfe und parteipolitische Zersplitterungen aus der Schule kein Platz ist. Derjenige Lehrer, der da glaubt, er müsse vom Katheder aus als Agitator wirken, versündigt sich schwer gegen den Geist der Jugendpflege. Ebensowenig soll einem blinden Chauvinismus das Wort geredet werden. Im Gegenteil soll aus der deutschen Untugend, das Fremde höher zu schätzen als den eigenen Besitz, eine Tugend gemacht werden, indem die Kinder sorgfältig unterwiesen werden, welche Kulturgüter man bei den fremden Nationen zu suchen hat. Wir haben auch in dieser Beziehung gesündigt. Das deutsche Kirck» soll keineswegs in dem Glauben aufwachsen, dah nur in seinem Daterlande Kunst und Wissenschaft gepflegt worden sind. 3m Gegenteil, je gründlicher wir uns mit der Geisteswelt der fremden Völker vertraut machen, desto kräftiger werden sich unsere polltischen Fähig- Neusprachliche Nulturkunde, f Von Dr. pbil. Friedrich Septen, Bremen. Der englische Schriftsteller S). G. Wells, der während des Krieges im Propagandaministerium von Lord Northcliffe an hervorragender Stelle tätig war, erzählt einmal in seinen Erinnerungen, daß man in EnSand eingehend überlegt habe, wie man dem deutsAn Volksgeist am betten bei kommen könne, und daß man beschlossen habe, sich die Vorliebe der Deutschen für das Pläneschmieden und Weltverbessern zunutze zu machen und dem Deutschen auf Grund seines Mangels an Wirllichkeitssinn zu schaden. Als besonders geeignet habe man den Gedanken des Völkerbundes angesehen und daher gerade diesen Gedanken immer wieder mit Wärme und Eifer verfochten. Wir alle wissen, wie wir durch diese und ähnliche Vorstellungen in unserer Widerstandskraft mehr oder weniger gelähmt worden sind. Kannte der Engländer un|er innerstes Wesen und damit auch unsere Schwäche besser als wir die seinen, trotz des umfangreichen englischen Unterrichts, den wir auf der höheren Schule genossen haben? Wilhelm Sibelius antwortet tm Vorwort zu seinem berühmten, großzügig angelegten Werk „England": „Wir kannten die englische Sprache, bis zu einem gewissen Grade auch Literatur und staatliche Einrichtungen Englands, aber von dem ungeheueren politischen Willen Englands, der sein staatliches und kulturelles Leben durchzieht, wußten wir kaum etwas." Und daraus schließt Sibelius, daß der preußische Schulmeister, namentlich der auf Gymnasium und Universität, den Weltkrieg verloren habe. Wir können uns allerdings dieser Ansicht nicht anschließen, sondern glauben, daß ganz andere Gründe zu dem verhängnisvollen Ausgang des gewaltigen Völkerringens geführt haben. Immerhin sind die Erfahrungen des Krieges nicht wirkungslos an unserem neusprachlichen Unterricht vorübergegangen. Es hat eine Reform eingesetzt, die man mit dem Namen „Kulturkunde" zu bezeichnen pflegt. Leider muß von vornherein zugegeben werden, daß dieser Begriff noch viel umkämpft ist. Nicht mit Unrecht bat B«h.-Rat Boretzsch aus Halle auf dem Süffelfeiten entwickeln. Aber mit der Berücksichtigung dieser selbstverständlichen Forderungen muh Hand in Hand gehen die Befolgung des Grundsatzes: Gedenke, dah du ein Deutscher bist! Im Geschichtsunterricht, in jedem sprachlichen Fach, in dem wir die Literatur fremder Völker kennen lernen, ja sogar in, den naturwissenschaftlichen Fächern, auf denen ja Deutschland die hervorragendsten Leistungen hervorgebracht hat, und bei vielen anderen Gelegenheiten bietet sich dem Lehrer die Möglichkeit, seine Schüler mit deutschem Geist zu erfüllen. Freilich ist es schlimm genug, daß nicht jeder Deutsche über ein eigenes Stückchen Land verfügt und somit im eigentlichsten Sinne des Wortes als Inhaber, wenn auch nur eines kleinen Teiles des Vaterlandes gelten darf. Aber ist denn der Bodenbesitz etwa das einzige, was uns mit dem Vaterland verbindet? Sind wir nicht durch Sitte, Kultur, Sprache, gemeinsame Vergangenheit so sehr an unser Volkstum gefesselt, dah wir keinen Atenuug tun können, ohne uns unseres Deutschtums bewußt zu werden? Es macht nichts aus, ob jemand weite Latifun- Wie das Denken erwacht. Von Dr. Hans Kalischer. Das Gedankenwerk des großen Plato, in dem die griechische Philosophie zum Bewußtsein ihrer selbst erwachte, stellt an den Anfang alles Denkens und Forschens die Verwunderung. Ausdruck des Sich°Wunderns, der staunenden Ergriffenheit über das Dasein aber ist die Frage. Der Weg des Geistes aber ist zugleich auch ein Weg der Frage, der richtigen Problemstellung, gewesen. Das gilt für die Geschichte der Völker in eben dem Grade wie für die einzelnen Menschen. In der geistigen Entwicklung eines jeden gesunden Kindes pflegt darum das innere Erwachen zu einem selbständig denkenden Wesen in der Form des Fragens die erste zuverlässige Kunde von sich zu geben. Die nähere Beobachtung hat dabei gelehrt, daß die Kinderfragen sich nach Zweck und Aufbau voneinander unter- scheiden. Wohl haben sie die gemeinsame Aufgabe, den Verstand des Kindes zu entwickeln, aber sie versuchen diese Leistung den verschiedenen Altersstufen durch einen entsprechenden Wechsel von Form und Inhalt anzupassen. Der erste Fragedrang zeigt sich beim Kinde gewöhnlich schon zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahre. Hier bemüht sich ein unaufhörliches „is 'n das?" die vielen wahrgenommenlen Dinge namentlich und begrifflich zu erfassen. Der Erwachsene, bei dem sich das Benennen der Gegenstände wie so vieles andere mechanisiert hat, kann sich nur noch schwer ein Bild von den Schwierigkeiten dieser ersten Denkprozesse machen. Geistig minderwertige oder durch körperliche Mängel in ihrer Seelentätigkeit irgendwie gehemmte Individuen lassen unter Almständen langsamer und deutlicher diese Vorgänge vor unseren Blicken abrollen. Professor W. Stern verdanken wir das Zitat eines außerordentlich einprägsamen Beispiels. Wie erschütternd die Entdecnrng sein kann, dah jedes Ding auf der Erde von Menschen benennbar und so dauernd der Vorstellung und dem Gedächtnis einverleib- bar ist, zeigt er an dem Erlebnis der taubstumm-- blind geborenen, sonst geistig hochwertigen Amerikanerin Helen Keller. Die Erzieherin, die sich mit diesem Kinde nur durch den tastenden Druck der Finger verständigen konnte und ihr die Worte in die hohle Hand diktieren muhte, berichtet über den Eindruck der ersten verstandesmäßig erfaßten Namengebung folgendermahen: „Wir gingen zu der Pumpe, wo ich Helen ihren Decher untet die Deffnung halten ließ, während ich pumpte. Als das kalte Wasser hervorschoh und den! Decher füllte, buchstabierte ich ihr „water“ in die freie Hand. Das Wort, das so unmittelbar auf die Empfindung des kalten, über die Hand strömenden Wassers folgte, schien sie stutzig zu machen. Sie lieh den Decher fallen und stand wie angewurzelt da. Ein ganz neuer Lichtschein verklärte ihre Züge. Sie buchstabierte das Wort „water“ zu verschiedenen Malen Dann kauerte sie nieder, berührte die Erde und fragte nach deren Namen, ebenso deutete sie auf die Pumpe und das Gitter. Dann wandte sie sich plötzlich um und fragte nach meinem Namen. Auf dem ganzen Rückweg war sie im höchsten Grade aufgeregt und erkundigte sich nach dem Namen jeden Gegenstandes, den sie berührte, so dah sie im Laufe weniger Stunden dreißig neue Wörter ihrem Wortschatz ein- verleibt hatte." In derselben Weise, wenn auch ost für die Außenwelt weniger deutlich, erwirbt sich das normale Kind fragend feinen grundlegenden Schatz von Degriffen. Desonders bedeutungsvoll für die geistige Entwicklung ist diejenige Frage- Epoche, die im allgemeinen mit dem Alter von drei bis fünf Iahten und darüber hinaus zusammenfällt. Auf dieser Stufe beginnt das Kind mit den berühmten „Wie-, Woher-, Warum- Fragen“ die Zusammenhänge alles Geschehens abzutasten, wobei es aus einem anfänglich mehr zweck- und ichbetonten Zusammenhang heraus langsam mit echtem Wissensdrang bis zu den Grenzen des Erfahrbaren vorzustoßen sucht. De- lauschen wir ein typisches Gespräch zwischen einer Mutter und jhrem vierjährigen Sohne: „Mütterchen, woher kommt denn der Regen, wie kommt immer der' Regen?" „Aus den Wollen.“ „Wovon er immer kommt Wie die Wolken machen, daß er immer kommt! Ich weih, wie er runterfliegt, das sehe ich doch immer, bin doch nicht versteckt.“ Die Mutter schildert ihm in einfachen Worten das Meer, das Verdunsten des Wassers und die Wollenbildung. „Hm. — und wie kommt denn die Sonne? Jetzt möchte ich mal von der Sonne wissen und dann von den Sternen und dann vom Mond." Die Mutter erzählt vom Wandern der großen Sonnenkugel. „Alnd wie kommt denn nun der Moird? Alnd wie sieht die Kugel von der Sonne aus, breit oder rund? Alnd ist sie schwer oder leicht?" Mutter: „Wohl ziemlich schwer." „Dann wäre sie doch schon längst runter, und guck mal (mit den Händen beschreibend) ist sie lang oder breit?" Mutter: „Sie ist weit, weit fort von uns und darum kann ich dir das gar nicht genau sagen." „Mütterlein, sie ist aber and Wollen, nicht wahr, nicht aus Stein?" „Mit einem Flieger kann man d^H mal hin, oder mit ’nem Luftschiff? Alnd eraal/l mal weiter vom Mond. Hat der auch eine Kugel?" Mutter: „Ich glaube.' „Du muht das doch wissen." Mutter: „Ich kann es nur von weitem seben." In ähnlicher Folge führt nun unser Dialog zu den Sternen, zum Wechsel von Sag und Nacht, von Morgen und Abend, um schließlich bei Fragen nach dem Airsprung und Wachstum der Pflanzen, Tiere und Menschen zu enden. Manchmal muten uns derartige Fragestreifzüge ins Alnendliche wegen ihrer Alngebundenheit wie ein müßiges Spiel an und es gibt wohl viele Erwachsene, die einem solchen „nutzlosen" Wissensdrang Einhalt gebieten und das Kind zum Schweigen bringen wollen. Ein Vorgehen, das zumindest nicht weniger sinnlos ist, als es manche der Kinderftagen nach oberflächlichem Eindruck, selbst zu sein scheinen. Wir stehen jedoch vor einem natürlichen Gesetz der Denk- entwickelung. Die neugewonnene Erkenntnis, dah alle Wirkung auch eine Airsache habe, sucht sozusagen in unermüdlich wiederholten Hebungen und Fragespielen der kindlichen Verstandes le istung ihren unvergänglichen Stempel aufzuprägen Wir sollen und können den Strom der Fragen nicht unterbinden, aber wir müssen ohne autoritattveni Dünkel und in kluger Selbstbescheidung seiner Kraft den Weg zu klaren, zielbewußten Gedankenarbeit und zu einem angemessenen Erwerb von Wissen zu bahnen suchen borfer Neuphilologentag beanstandet, daß in den 1925 erschienenen Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens eine genaue Erklärung des Wortes Kulturkunde fehlt. Gerade auf diesem Mangel einer klaren Umschreibung dessen, was man eigentlich will, scheinen mir die wesentlichsten Meinungsverschiedenheiten über die Neueinstellung des fremdsprachlichen Unterrichts zurückzuführen zu sein. Sas Wort Kultur ist ein Schwammwort, unklar und vieldeutig, manchmal sogar nichtssagend. Es bringt heute überall ein. Man spricht von Sportkultur, Körperkultur, Kulturtagungen, Kulturausschüssen, Kulturpolitik usw. Um so notwendiger ist es, genau zum -Ausdruck zu bringen, was unter Kultur verstanden werden soll. Ich halte mich in diesem Zusammenhang an eine Erklärung Oswald Spenglers, der einmal Kultur als formgeworbene Seele gebeutet hat. Somit ist gesagt, daß alles Geschehen, alles Gestaltete, jede Kulturerscheinung Form, Ausdruck ober Offenbarung eines Inneren, Seelischen ist, und zwar — was hier wichtig ist — nicht nur der Seele eines einzelnen, sondern zugleich der Seele eines Volkes. Aufgabe des kultur- kundlichen Unterrichts ist demnach, die den kulturellen Erscheinungen zugrunde liegende und ihnen innewohnende Volksseele lierauszustellen und sie klar erkennen, verstehen und nacherleben zu lassen. Sas Wesentliche sind nicht die Kulturerscheinungen selbst, sondern ist die in ihnen allen gemeinsam zum Ausdruck kommende, zur Form werdende Volksseele. Sa taucht sogleich die Frage auf: Gibt es so etwas wie eine Volksseele? Und wenn dies zugegeben wird, ist diese wissenschaftlich zu erkennen, und wie? Wohl muß man anerkennen, daß die Einzelmenschen innerhalb eines Volkes in Vergangenheit und Gegenwatt sehr verschieden voneinander sein können. Trotzdem aber gibt es etwas Gemeinsames, ein Grundgefüge der Volksseele, das im Wechsel des Lebens und der Geschichte beharrt. Haarscharf errechnen und auf eine kurze, einfache Formel bringen läßt sich die Volksseele nicht. Für den, der als Wissenschaft nur etwas fjin säuberlich Errechenbares anerkennt, gibt es keine Wissenschaft vom Volkstum. Versteht man aber unter wissenschaftlichem Arbeiten und Forschen das gewissenhafte und xmeeffreie Suchen nach reiner Erkenntnis und Wabr- heit, so ist auch das Volkstum wissenschaftlicher Surchdttngung zugänglich, denn sonst müßte alle psychologische Forschung (mit Ausnahme vielleicht der Experimentalpsychologie) unwissenschaftlich sein. Sie Kulturkunde soll uns in die liefen des Wesens eines Volkes hineinführen. Sazu bedarf es aber durchaus nicht der Beschäftigung mit fast sämtlichen Gebieten kultureller Gestattung, wie Philosophie, Religion, Wissenschaft, Kunst, Politik, Witt- schäft, Technik, Soziologie, Moral, Sitte usw., denn in allen diesen Kutturerscheinungen spiegeln sich ja ein und dieselben Volkseigenatten wieder, so daß man im Grunde genommen aus einer einzigen das Wesen des Volkstums herauszulesen imstande sein müßte. Hier liegt meines Erachtens der Fehler der preußischen Richtlinien, welche die allerverschiedensten Kulturgebiete behandett sehen wollen, was schlechterdings vollkommen unmöglich ist und die Gefahr der Ueber bü rbung ins Ungemef* jene wachsen läßt. So wird beispielsweise in Prima für das Englische gefordert: die Persönlichkeit und Sichtung Shakespeares, Milton, verschiedene Lyriker und Epiker des 18. und 19. Jahrhunderts, Erzähler und Sramatifer der neueren Zeit, Historiker und Politiker, Philosophen und Senker des 18. und 19. Jahrhunderts und bann noch als Zugabe „solche Werke und Aufsätze, die technische, soziologische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und künstlettsche Gegenwartsprobleme in geistiger Surchdttngung bieten usw.". Es wird Arnar hinzugefügt, daß man sich mit einer Auswahl begnügen könne, aber es bleibt ganz unklar, wieweit man die einzeln genannten Gruppen vollständig übergehen kann. Eine unbedingte Notwendigkeit neben diesen umfassenden Lehrplänen wären andere, die das Mindestmaß angeben, was durchgenommen werden muß. Auch nur annähernd die Summe der mannigfaltigen Kulturgebiete kann gar nicht der Unterweisung zugrunde liegen; es muß eine weise Beschränkung eintreten. Schon der Wortschatz der fremden Sprache und ihre grammatisch-stilistilchen Erscheinungen bieten Gelegenheit genug, in das Wesen des dien besitzt oder ob er nur auf einem kleinen Gütchen wirtschaftet oder sogar keinen Fußbreit deutscher Erde sein eigen nennt. Wenn er nur den deutschen Geist in sich spütt und das Erbe mitverwaltet, welches uns auf allen Gebieten der Kultur unsere Vorfahren hinterlassen haben. Hier aber muh eben die Schule einsehen, sie muß in das Herz eines jeden Kindes das Bewußtsein Pflanzen, daß es mit dem deutschen Volkstum durch und durch verwachsen ist, dah es keinen Gedanken hegen, kein Wort sprechen, keine Handlung begehen kann, ohne das Gefühl zu haben, daß eS der deutschen Seele dankbar sein mühte, weil erst diese ihm das Vermögen eingeflöht hat, aus dem alle seine Entschlüsse und Handlungen hervorgehen. Man kann über die De- rechtigung des englischen Grundsatzes „right or wrong — my country“ vom philosophischen Standpunkt aus streiten, man laim es verurteilen, daß der Franzose als die oberste Parole das *23ort angibt „la France d’abord“; aber man wird nicht leugnen können, daß in diesem National- stolz die Quelle eines durchaus gesunden und erfolgreichen politischen Lebens zu suchen ist. Wer die Nation preisgibt, verliert den Staat, der Staat erwächst aus der Nation, nicht die Nation aus dem Staat. Wenn wir unseren Staat festigen wollen, müssen wir vor allem das deutsche Bewußtsein neu beleben. Alnd diese Delebung muh in der Kindheit, d. h. in der Schule, beginnen. Keine Schulstunde dars vergehen, kein Schulspaziergang unternommen werden, der nicht die Liebe zur Heimat vermehrt, der nicht das Verständnis für die Eigenart des deutschen Wesens Vertieft. Mit Recht hat Montesquieu die Vatettcnrdsliebe als die eigentliche Alrsache des Wachstums der römischen Herrschaft bezeichnet. Auf der Schule liegt eine nationalpolitische Pflicht ersten Ranges: sie hat deutsche Jungen und Mädchen zu erziehen, schlechthin deutsche Menschen, die sich in der einen großen Idee des deutschen Volkstums freudig zu- sammenfinden und über dieser Gemeinsamkeit alle sonstigen Alnterschiede vergessen. Das Prager deutsche Studentenhaus. Von stud. theol. Erich Schmidt, Gießen. Englische und amettkanische Alniberfitäten sind ohne Studentenhäuser undenkbar, sie find die bezeichnenden Mettmaie eines dortigen „Alniberfi- tätsstaates" überhaupt. Wenn ein deutsches Stu- dentenhaus ganz andere Zwecke verfolgt und durchaus andere Verwendung sindet als diese angelsächsischen, so hat das in der besonderen Gestaltung des deutschen Studentenlebens seine tiefe Alrsache. Die jenen Ländern unbekannten studentischen Korporationen erfüllen in Deutschland einen großen Teil der Aufgaben, die dort von den Studentenhäusern verrichtet werden müssen. Durch den Eintritt in eine Korporation, erwirbt sich der deutsche Student einen Freundeskreis, der ihm in heiteren und ernsten Stunden stets zur Seite ist und der ihm auch nach Beendigung der Studienzeit nicht verloren geht. Daneben. bietet ihm bas Korporationshaus angenehme Aufenthaltsräume, einen gemeinsamen Mittagstisch, der ihn davor bewahrt, auf das Essen tm Gasthaus angewiesen zu fein, vielleicht auch noch einen billigen Schlafraum. Anders liegen die Verhältnisse bei unseren Großstadtuniversitäten. Dort tritt die Bedeutung der Korporationen zurück, zumal da auch sie ihren Mitgliedern dort nicht den nötigen Zusammenhalt sichern können. So ist die Großstadt die Heimat des deutschen Studentenhauses geworden. Auch die Korporationsstubenten sind dott an dem Studentenhause interessiert, da es infolge seiner ausgedehnten Räumlichkeiten den Derbindungshäusern das voraus hat, daß es neben Studier- und Lesezimmern gewöhnlich einen Fest- und Turnsaal besitzt. Den eigentlichen Anstoß zum Bau von Studentenhäusern gaben bei uns die Erscheinungen der Nachkriegszeit. Die wirtschaftliche Notlage zwang allenthalben zur Einrichtung von Studentenspeisungen, und die Wohnungsnot verlangte die Schaffung billiger Alntettunftsräume: der Werkstudent aber, welcher Studententhpus fremden Volkstums einzuführen: denn Wort, Satzbau und Stil sind ebenso den Formungsgesetzen der fremden Eigenart unterworfen wie beispielsweise Politik oder Wirtschaft. Nach ihnen wird für die Zwecke unserer höheren Schulen an erster Stelle die fremdländische Sichtung und Literatur in Frage kommen, natürlich nicht mehr nur von literargeschichtlichen oder rein künstlerischen Gesichtspunkten, sondern in der Hauptsache vom kulturkundlichen Standpunkt aus betrachtet. In mannigfacher Beziehung kommt die Kultur- künde neueren Strömungen auf dem Gebiete der Erziehungswissenschaften entgegen. Aus den Kutturerscheinungen, die der Schüler kennenlernt, hat er das Wesen des Volkstums zu erschließen und zu erarbeiten. Er nimmt nicht nur Kenntnisse auf, sondern gelangt zu Erkenntnissen. Ser Forderung des neuen Arbeitsunterrichts ist also Genüge getan. Niemand wird den Wert der Reform für die staatsbürgerliche Erziehung verkennen wollen. Auch dem Wunsch nach einer zusammensassen- den Ueberschau wird die Kutturkunde gerecht, denn alle großen Kulturerscheinungen werden zusammen- geschaut im Volkscharakter. Selbstverständlich soll das Einzelforschen und Einzelwissen nicht unterschätzt werden, da es die Grundlage für jedes Weiterarbeiten bilden muß. Aber in jeder Einzelheit steckt auch ein Ganzes, in jeder Kutturerscheinung die Volks- eigenart. Notwendig ist, daß in den Einzelheiten die großen Gesetze aufgezeigt werden. Ser Sehnsucht der heutigen Zeit nach mehr innerem Gehalt und Beseelung kommt die Kutturkunde durchaus entgegen, da sie versucht, in die Tiefen der Volksseele hinabzusteigen. Zugleich stellt sie eine Art vergleichender Völkerpsychologie dar, denn wir werden mit dem englischen, französischen usw. Menschen und ihren Wesensarten bekannt und empfangen damit wertvolle Anregungen auch für uns und lernen uns selbst immer richtiger erkennen und verstehen. Kulturkunde ist letzten Endes das Studium des Menschen überhaupt und bahnt damit einen neuen Humanismus an, in dem vielleicht einmal das Ziel einer neuen Allgemeinbildung gesehen werden mag. Jener Zett seine Entstehung verdankt, brauchte eine Werkstatt, in der er sich durch seiner Hände Arbeit die Mittel zum Studium erwerben konnte. Die Studentenhäuser waren von nun an vor allem so auszugestalten, datz sie diesen neuen Anforderungen genügen konnten. Studentischer Selbsthilfe ist die Aufnahme des Kampfes gegen die materielle Not zu verdanken. Industrie und Wirtschaft schossen Geldmittel bei. und es entstand die feste Organisation der Studentenhilfe. Da es ausgeschlossen ist. daß die Studentenhilfe in den nächsten Bahren an eine Einstellung oder auch nur an eine Einschränkung ihrer Tätigkeit wird beirken können, ist schon allein damit die Existenzberechtigung der Studentenhäuser erwiesen. So haben sich denn auch Vertreter aller Reichstags- Parteien bereit erklärt, für die Bewilligung staatlicher Mittel zum Bau von Stubentenhäufern einzutreten. Zuweilen hört man auch davon, datz Länder und Städte ihr Verständnis für die dringlichsten Bedürfnisse des akademischen Nachwuchses dadurch bewiesen haben, dah sie das nötige Baugelände kostenlos oder doch verbilligt zur Verfügung stellten. Datz der tschechische Staat die Errichtung des geplanten Studentenhauses der noch nicht einmal staatlich anerkannten deutschen Studentenschaft nicht unterstützen wird, ist vollkommen klar. Dabei ist aber eine beschleunigte Erbauung dort dringlicher als irgendsonstwo. Eine kurze Kennzeichnung der Lage soll das verdeutlichen: Der Prager deutschen Universität wurde 1921 durch Universitätsgeseh der für sie bestimmte Neubau abgenommen und der tschechischen Universität zrv- gewiesen, wie denn auch alle Rechte der Karolo- Ferdinanden, dieser 1348 gegründeten ältesten deutschen Hochschule, durch dasselbe Gesetz an die 1882 von ihr losgelöste tschechische Universität abgetreten werden mutzten. Auch die Deutsche Technische Hochschule in Prag leidet außerordentlich unter dem schlechten baulichen Zustand ihrer Einrichtungen. Der 1920 zum Teil fertiggestellte Neubau, der einem dringenden Bedürfnis entsprang. ist zum großen Teil mit einer tschechischen Handelshochschule belegt worden. Das jetzige Hauptgebäude ist schon 300- Jahre alt. Außerdem sind Privathäuser durch Umbauten notdürftig für Unterrichtszwecke hergerichtet worden. Für vorgenommene Rotbauten mutzten gemietete Rärune wieder abgegeben werden. Die Folge dieses unwürdigen Zustandes ist die Zerstreuung der Universitätsgebäude über große Teile der Stadt. Da die Korporationen keine eigenen Häuser haben, sondern von jeher auf wenige schlechte Mieträume angewiesen sind, essen die deutschen Studenten in den Gasthäusern, die den einzelnen Universitätsgebäuden gerade benachbart sind. Andere nehmen an der Mensa der beiden Studentenheime teil. Die Anweisung eines dritten Heimes, das um so notwendiger wäre, als in Prag noch immer Wohnungsnot besteht, wird von der Regierung hartnäckig verweigert. Die durch alle diese Umstände begünstigte Zersplitterung der deutschen Studentenschaft ist um deswillen so gefährlich, weil die 4500 deutschen Studenten mit ihren Dozenten 10 Prozent der gesamten Prager deutschen Minderheit ausmachen: diese aber befindet sich noch in der besonderen Lage, fast nur aus Angehörigen der Oberschicht zusammengesetzt zu sein. Rur eines kann da eine Sicherheit für die im Interesse des Deutschtums dringend notwendige Zusammenarbeit der Studenten geben: ein deutsches Studentenhaus, das Studier-, Lese- und Spielzimmer enthält, ferner einen Fest- und Turnsaal, eine Gast- und Kaffeehauswirtfchaft, die Betriebe der Studentenhilfe und Räume für sämtliche Korporationen. Die Prager Studentenschaft und mit ihr die ganze deutsche Minderheit würden dadurch eine Stütze erhalten, die für ihre Widerstandskraft im Kampfe gegen tschechische Willkür nicht hoch genug eingeschätzt werden könnte. Die Errichtung des Hauses drängt noch aus einem anderen Grunde. 3n letzter Zeit sind wiederholt Stimmen laut geworden, die eine Verlegung der beiden Hochschulen in das geschlossene deutsche Siedlungsgebiet verlangten und damit diesen Vorposten des deutschen Volkes bereits verloren geben. 3m einzelnen mag manches für eine Verlegung sprechen. Es läßt sich aber jedenfalls nicht leugnen, daß es heute für die politische Stellung der Deutschen eine große Bedeutung hat, in der Hauptstadt des „tschechischen Nationalstaates" eine Universität unb Technische Hochschule mit deutscher Vortragssprache zu besitzen. Um aber auch für die Zukunft eine mangel- Jupiter in Erdnähe. Von Ernst Valentin. Dem abendlichen Beobachter des Sternenhimmels bietet sich jetzt im Osten eine besonders günstige Gelegenheit, den Riesenplaneten im Sonnenreich, 3 u p i t e r , in seiner größten Erdnähe und daher in stärkster Leuchtkraft zu beobachten. Der Planet, der in einem mittleren Abstand von 778 Millionen Kilometern um die Sonne wandert (also rund fünfmal weiter von der Sonne entfernt ist als unsere Erde), wird a m 2 2. September sich bis auf 590 Millionen Kilometer der Erde nähern, während am 1. September der Abstand noch 603 Millionen Kilometer betrug. Eine Woche nach der größten Annäherung an die Erde wird er bereits seinen Abstand zu uns um 4 Millionen Kilometer vergrößert haben. 3n diesen Tagen der größten Annäherung leuchtet 3upiter etwa elsmal so stark als die helle Wega, ein Fixstern der ersten Größenklasse. 3nsolge seiner gröheren Entfernung von der Sonne braucht 3upiter zu einem Umlauf 4332,6 Tage, d. h. in der gleichen Zeit, in der die Erde -wölfmal um die Sonne kreist, legt der 3upiter Viesen Weg nur einmal zurück. Der Durchmesser dieses Riesenplaneten beträgt am Aequator 144 600 Kilometer, ist also achtmal größer vls der Erddurchmesser, sein Rauminhalt ist 1460 mal größer als der unserer Erde, jedoch ist die Dichtigkeit seiner Masse nur etwa ein Viertel der Crddichtigkeit. Gin Körper, der auf der Erda 1 Kilogramm wiegt, würde auf dem 3uplter etwas mehr als 2> 8 Kilogramm an Gewicht aufweisen. Besonders bemerkenswert ist di.' Schnelligkeit. mit der 3upiter sich um seine eigene Achse bewegt. Trotz seiner gewaltigen Größe braucht er dazu nur etwa 9 Stunden und 55 Minuten, mit anderen Worten, ein Grdentag entspricht ettoa ‘ 21/e 3upitertagen. Diese rasche Bewegung bewirkt, daß der Planet an seinen Polen sehr stark abgeplattet ist. Man nimmt an, dah Jupiter infolge seurer Gröhe noch nicht erkaltet ist, datz er sich vielmehr in einem g l ü h e n d f l ü s - sigen Zu st and befindet. Jedenfalls ist von Oberfläche nichts zu erkennen, da er von haft organisierte Verlegung zu vermeiden, die womöglich den Verlust der Hochschulen überhaupt zur Folge haben könnte, brauchen wir eine straff zusammengefahte und als Gesamtheit starke Prager deutsche Studentenschaft, so wie sie durch den Bau des Stubentenhauses erstrebt wird. Abessinien. Von Dr. Erich Sander, Braunschweig. Afrika ist heute nicht mehr der „dunkle Erdteil", als der es noch unfern Eltern galt. So phantastisch lange Zeit hindurch die Berichte waren, die über seine Völker und Landschaften umliefen, so erstaunlich war die Schnelligkeit, mit der in den letzten Jahrzehnten der Schleier von seinen Geheimnissen gelüftet wurde. Wenn man heute die politische Karte des dunklen Kontinents überblickt, so liegt das Bild klar: Afrika ist eine europäische Kolonie! Der riesige Nordwestblock bis tief nach Zentralafrika hinein ward französisches Machtgebiet, während über der breiten Ostflanke vom Südkap bis Kairo hinauf der britische Union Jack flattert. Was von den übrigen Nationen: Portugiesen, Italienern, Belgiern, Spaniern, ehemals Deutschen noch Kolonialinteressen pflegte, spielt neben den beiden großen Erdteil-Besitzern so gut wie keine Rolle mehr. Mehr als ein Drittel des afrikanischen Gesamtlandes und fast - die Hälfte seiner Bevölkerung kommen heute auf britische Besitzungen. Ein gleich großer Raum und ein weiteres Drittel der Gesamtbewohnerzahl stehen unter französischem Einfluß. Dicht neben dem Schnittpunkt der beiden kolonialen Hauptachsen — der französischen West- Ost-Linie und der britischen Süd-Nord-Linie — erhebt sich das Gebirgsland und Kaiserreich Abessinien. Dies Gebiet ist neben dem winzigen, nur durch amerikanische Finanzvormundschaft noch am Leben erhaltenen Negerstaat Liberia die tatsächlich einzige und letzte Hochburg freien Afrikanertums. Seine Unabhängigkeit verdankt Abessinien folgenden drei Tatsachen. Zunächst der Güte seiner Grenzen, die meist als gestaffelte Hochgebirgswände von über 1000 Meter Höhe das Land geradezu mauerartig von aller Umgebung abschlietzen. Sodann der kriegerischen Tüchtigkeit seiner Bewohner, die, in der beherrschenden Schicht von semitisch-amharischem Blut, in bewunderungswürdigen Kämpfen die Freiheit ihrer Berge und Herzen gegen jedermann zu wahren wußten: unvergessen bleibt die fürchterliche Niederlage der eingedrungenen Italiener bei Adua 1898. Schließlich ist es die politische Nebenbuhlerschaft seiner drei Nachbarn, der Engländer (Sudan-Ostafrika): Franzosen (Djibuti) und Italiener (Erythrea-Somaliland), wodurch Abessiniens Selbständigkeit getragen wird wie etwa der spielende Ball vom Druck der Fontänenstrahlen. Abessiniens Bedeutung, d. h. sein innen- und außenpolitisches Gewicht, gründet sich auf seine Landwirtschaft. Der überwiegende Teil der nur dünn gesäten Bevölkerung gehört dem Bauernstände an, und zwar herrscht im allgemeinen die Kleinbauernwirtschaft, besonders im südlichen Hochland, vor, während im Norden die Noma^rn überwiegen. Wenn übrigens die Berechnung des russischen Forschers Dr. Vavilow stimmt, der kürzlich Abessinien bereiste, so wäre zur Zeit höchstens ein Zehntel des anbaufähigen Bodens erst unter dem Pflug. Daneben muß man bedenken, daß in einer Höhe von über 2000 Meter, also Im gesundesten Gebirgsklima, noch etwa 160 000 Quadratkilometer so gut wie unbesiedelten Landes vorhanden sind, die sich ausgezeichnet für europäische Siedler eignen. Die wichtigsten Erzeugnisse für den Weltmarkt sind Rinds- und Ziegenhäute, sodann Kaffee, daneben Wachs und Zibet und schließlich Baumwolle, Kautschuk, Elfenbein. Das Getreide bleibt im Lande. Eingeführt werden müssen Bauwollwaren und Metallgegenstände. Bei dieser Sachlage ist es denn nicht verwunderlich. daß die drei politischen Anrainer — England. Italien, Frankreich — sich sehr früh eingehend für Abessinien interessierten. Zunächst hat Frankreich wohl den Vogel abgeschossen. 1916 war die französische Eisenbahn von Djibuti am Roten Meer hinauf zur Hauptstadt Adis Abeba fertig. Damit wurde das sehr wertvolle Hochland „erschlossen". Unb tatsächlich gehen ungefähr 80 Prozent bes abessinischen Handels über einer außerordentlich dichten Atmosphäre — man schätzt ihre Höhe auf 45 000 Kilometer — umlagert ist. 3n dieser Atmosphäre sind (ein lleines Fernrohr genügt zur Beobachtung) dunkle Streifen und wolkenartige Flecken gut er- kennbar. Vor etwa 55 Jahren wurde im Aequa- torband ein ovalartiger Fleck von stark rötlicher Färbung entdeckt, dessen Länge 30 000 und dessen Breite etwa 10 000 Kilometer betrug. Der Fleck ist auch jetzt noch wahrzunehmen, hat aber inzwischen eine gelbliche Färbung angenommen. Man vermutet, daß es sich bei diesen Flecken um die Spuren gewaltiger Vulkanausbrüche handelt, die in gewissen Zeiträumen zu größerer Intensität anschwellen und dann allmählich wieder nachlassen. Von größtem Reiz für jeden Beobachter ist es, die M o n h e des Jupiters — er hat deren neun! — zu verfolgen. Ein Fernrohr von mäßiger Stärke macht die vier größeren leicht sichtbar, während die fünf anderen nur mit sehr starken Instrumenten erkennbar sind. Die vier großen Trabanten sind fast sämtlich größer als unser Erdmond (der kleinste hat 3300, der größte 5700 Kilometer Durchmesser, unser Grd- mond dagegen nur 3480 Kilometer) und sie umkreisen den Planeten sehr schnell, der erste in IV« Tagen, der zweite in 3'^, der dritte in reichlich 7 und der vierte in 16a/3 Tagen. Von einem Tag zum anderen bieten diese Monde sich dem Beobachter in immer veränderter Stellung, ein Schauspiel, das jeden Sternfreund stets von neuem entzückt. Mit seinen neun Monden stellt Jupiter innerhalb des Sonnenveiches gewissermaßen ein lleines Weltfhstem für sich dar. ein verglühender Stern, dessen heiteres Licht nun während der ganzen Nacht das Firmament beherrscht. Fortschritt. Von F r a n z B l e i. Vor Jahrzehnt-en erzählte man uns im ersten Lateinunterricht. die Römer hätten keine besonderen Wörter für Bejahung und Derneinungi gehabt. Kein _3a" und kein „Nein". Wir Knirpse sahen den Oberlehrer ungläubig an. Nun, da die Köpfte grau werden, erleben wir Djibuti. Die italienische Bahn von Massaua am Roten Meer hinauf nach Asmara und weiter nach Süden mit dem Ziel, bis ins südliche Somaliland durchzustohen, kann mit der französischen nicht konkurrieren (schmalere Spurweite, nomadisches Hinterland). Viel stiller als die andern, dafür um so zäher und weitsichtiger, arbeiten die Engländer. Kein landwirtschaftlicher Ertrag reizt sie. sondern der Besitz des Tsana- Sees, des Quellgebietes für den Blauen Nil, der bei Chartum in den Weitzen Nil mündet. Gewaltige Wasserbaupläne zwecks Dergröherung der riesigen sudan-ägyptischen Baumwollkulturen sind ihre wirtschaftlichen Beweggründe. Seit 1882 bis 1884 haben die drei Kolonialmächte abschnittsweise die Grenzen ihrer Cinflutz- gebiete gegen das zentrale Hochland vorgeschoben. 1906 ging man einen Vertrag ein, in dem die regionale Aufteilung Abessiniens beschlossen wurde. Zur Ausführung kam es allerdings nicht, auch nicht 1915 bei ähnlicher Gelegenheit. Kritisch wurde aber die Lage durch den englisch-italienischen Dezember-Vertrag von 1925 zwischen Mussolini unb Chamberlain, der den Italienern Ost- Abessinien einräumte als „Interessensphäre", den Briten dagegen den reichen Westen und Süden zusprach. Französische Einflüsse beim Völkerbund schlugen dann aber diesen Plan zunächst noch einmal nieder. Es ist kein Zweifel möglich, datz England den scharfen Gegensatz zwischen Italien und Frankreich benutzt, um im Trüben zu fischen. Es wird eines guten Tages soweit kommen, datz beide um ihre Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer kämpfend ihre Kräfte messen, während gleickzeitig England in Abessinien mit freier Hand schalten wird. Unter diesem Zukunftsblick sollte man auch alle Auswanderungspläne betrachten, die zur Zeit auf Abessinien zielen. Diel wichtiger allerdings ist die einfache Tatsache, daß in Abessinien an europäische Einwanderer kein Grund und Boden verkauft, sondern nur auf 30 bis 60 Jahre verpachtet wird. Sicherlich ist genügend llimatisch für europäische Ansiedler prachtvoll geeignetes Land vorhanden. Ohne festen Arbeitsvertrag in der Tasche sollte jedoch niemand jenes Land aufsuchen. Die Hunderte von österreichischen Arbeitslosen, die kürzlich unter Führung eines Peter Waller in Wien zwecks Auswanderung nach Abessinien zusammentraten, werden sich noch wundern. Deutsche Techniker. 3n''ustr!el'e Wissenschaftler genießen guten Ruf und werden in jüngster Zeit den andern Ausländern gern vorgezogen. Wir müssen uns mit dieser bescheidenen Tatsache zunächst abfinden. Aber wir wollen hoffen, daß unsere Saat einst gute Früchte bringen wird. es in unserer eigenen Sprache: im Deutschen kennt man kein „3a" und kein „Nein" mehr. „Siehst du den Zirkus?" fragt ein Kind das andere im Gedränge Dorrn Schaufenster. „Haben Sie für mich bezahlt?" lächelt die junge Frau in der Elektrischen der Freundin zu. „Haben Sie das Mtienpaket gekauft?" erkundigt sich der Börsenmann bei feinem Begleiter. „Klar!" tönt's zurück: ober „Ausgeschlossen!" „3a" und „Nein" sind verbraucht, abgenutzt, verpönt... Schwierig ist es nur, diesen verwandelten Wörtern den ruhigen, sachlichen Ton von dem einstigen „3a" und „Nein" zu geben. Bei Anfängern gewinnt das „Klar" gar zu leicht einen Nebensinn: „Alter Esel, warum fragst du das!" Aber das hören vielleicht nur wir Altmodischen heraus: die 3ungen nicht — ausgeschlossen! Hessisches Landestheater. Das Schauspiel des Hessischen Landestheaters eröffnete feine Spielzeit mit Shakespeares „Wintermärchen", das seit vielen 3ahren in Darmstadt nicht mehr gegeben worden war. Es ist ein Alterswerk mit einer abgeklärten Weltanschauung, doch enthält es auch manche dramatisch sehr schwache Szene, weshalb es die Regie vor schwere Aufgaben stellt. Man kann der Aufführung in Darinstadt die Anerkennung 'nicht versagen, allein die ins Zeitlose gestellten Bühnenbilder, die in der Hauptsache durch einen drehbaren architektonischen Ausbau bestimmt waren, der die Mitte der Bühne einnahm, wirkten nüchtern und allzu konstruiert. Hinzu kam noch, daß das Märchenhafte nicht recht hervortrat, und die Wiedergabe sich größtenteils in dem strengen Stil eines Trauerspiels vollzog. Höchst bemerkenswert war die Aufführung, weil sie die Bekanntschaft mit den meisten neuert Kräften des Schauspiels vermittelte. Die überragendste Erscheinung ist Lilly Kann, die für das Hessische Landestheater in Darmstadt _ unb für die Buhne Dumont-Lindemann in Düsseldorf verpflichtet ist Sie hat eine ausgezeichnete Sprechtechn'.k. mit der sie geradezu in dem Ensemble auffällt: ihre „Paulina" war eine sehr eindrucksvolle Leistung. Die neue jugendliche Heldin Charlotte 3aeke-3ost zeigte sich als „Hermivne" noch sehr befangen, scheint aber Oberhessen. Landkreis Gießen. z. Rödgen, 20. September. Eine interessante Feststellung konnte dieser Tage ein hiesiger Obstbaumbesitzer machen. Unter einem Honigbirnbaum auf seinem Obststück nahe am Walde lag mindestens ein halber Zentner Birnen, dem das Kerngehäuse ausgenagt war. Solche Erfahrungen sollen schon mehr Leute mit Birnbäumen Semacbt haben, die in der Nähe bes Waldes stehen, ebenfalls wird der Schaden von Eichhörnchen an- gerichtet, denen die reifen Birnenkerne eine angenehme Nahung sind. g. Grünberg, 20. Sept. Veranlaßt durch den Vorsitzenden des Kreislehrervereins Gießen, Lehrer Sommer, und durch Professor Blech e r - FiDedberg, fand hier eine Tagung der Lehrer aus der Umgebung ®rün* 6er g8 statt. Dorn Hessischen Landesamt für das Bildungswesen wurden schon vor längerer Zeit die sog. Heimatbogen zur Bearbeitung an die Schulvorstände versandt. Sie sind für die verschiedenen Wissensgebiete besonders ausgestellt, so z. B. Heimatkunde, Volkskunde, Geologie, Biologie usw. 3n ihnen soll das für jeden einzelnen Ort bereits Bekannte ausgezeichnet werden. Die Ergebnisse kommen vor allem dem Unterricht zugute und werden nach fachmännischer Prüfung zusammengestellt und wissenschaftlich verwertet. Zweck der Versammlung war, den Anwesenden Mittel und Wege zu zeigen, um ihrer Aufgabe bezüglich der Sammlung von Tatsachen aus der Ortsgeschichte gerecht zu werden. 3m Mittelpunkt der Erörterungen stand ein Vortrag von Professor Blecher, der es in glänzender 'Weise verstand, seine Zuhörer in das Arbeitsgebiet einzuführen. Aehn- doch recht talentiert zu fein. Kitty S te n g e I war eine sehr jugendfrische Perdita". Karl P a r h l a und Hermann G a 11 i n g e r wurden ihren Aufgaben als „Florizel" tmb „Autolhkus" gerecht. E. B. Frankfurter Theater. Das Neue Theater vermittelt die Bekannt- schäft mit dem Lustspiel Frantisek Langers „Das Kamel geht durch das Nadelöhr". Wilhelm Busch sagt sehr richtig: „Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt." Dieser Ausspruch mag sehr oft zutreffend sein, leider niemals im Lustspiel, denn dort kommt es lanoVeiligerweise immer so, wie man im ersten Akt denkt. Auch bei FranÄsek Langer; das Kamel geht, wie man am Anfang richtig rät, glatt durch das Nadelöhr hindurch zum happy-ena. Es ist in diesem Falle ein junger reicher, sogar ungeheuer reicher Mann (Kronen-Währung), aer sich In ein kleines Mädel aus dem Volke (sie ist die uneheliche Tochter eines großen Herrn, der das schönste Grab auf dem Friedhof hat) verliebt und sie zu seiner Geliebten macht. Dieses Mädel hat aber außer dem toten, vornehmen Vater noch eine lebendige und sehr geschäftstüchtige Mutter, und da sie selber außer ihrer goldenen Haarpracht auch ein goldenes Wenner Herz hat, ungeheuer tüchtig ist und aus dem schlappen, etwas sehr wortkargen jungen Mann einen brauchbaren Menschen macht, so erlaubt der reiche, hartherzige Vater zum Schluß, daß die Mutter seines zukünftigen Enkels feine Schwiegertochter werden darf, und das Kamel geht glücklich durch das Nadelöhr. Frantisek Langer hat diese ganze, sehr nach Volksstück duftende Angelegenheit teils schnodderig, teils herzlich, ein bißchen ironisch und ein bißchen sentimental aufgezogen -unb so ein Lustspiel zusammengemixt. Unter der zusammenfassenden Regie Max O p h ü l s rollte das Spiel frisch unb munter ab. Famos war Lucie Englisch als resolutes Madel mit dem Herzen an dem berühmten richtigen Fleck, ebenso Anny Reiter als ausgefvitzte Mutter und, als Dritter in diesem er- freulictjen Trio, Alois Großmanns Krüppel, der mitunter sehr munter herumspazierte. Auch die übrigen vereinigten sich zu wirksamer Darstellung. Das Publikum nahm den nicht gerade originellen Stoff gut gelaunt mit beifallsfreudigen Händen auf. liche Veranstaltungen werden tn Kürze noch m anderen Orten des Kreises stckttfinden. * Lich, 20. Sept. Eine in allen Teilen wohl- gelungene Veranstaltung führte am Samstag und Sonntag die Vereinigung der 18 7 7er zur gemeinsamen Feier des 5 0. Geburtstages hier zusammen. Am Samstagabend fand im „Holländ. Hof ein gemeinsames Essen statt, bei dem der Vorsitzende, Metzgermeister Heller, die Begrüßungsansprache hielt. Mitglied Heinrich Zimmer hielt die Hauptansprache, in der er einen Ueberblick über den Werdegang der Vereinigung gab und der gestorbenen und gefallenen Kameraden gedachte. An- schließend blieb man noch zu frohgelaunter Geselligkeit beisammen. Am Sonntagoormittag begab man sich gemeinsam zur Kirche, wo Sttstsdechant Lenz die Predigt hielt. Von hier aus wurde das Gefallenendenkmal auf dem Friedhof besucht, wo man der Toten würdig gedachte. Am Grabe des früheren Vorsitzenden Karl Reger hielt Heinrich Z i nr m e r eine eindrucksvolle Gedenkrede. Der Nachmittag war wiederum der gemütlichen Geselligkeit gewidmet. Die Veranstaltung wird allen Teilnehmern in bester (Erinnerung bleiben. Kreis Friedberg. WSN. Bad-Nauheim, 20. Sept. An einem der letzten Tage wurden hier an drei Stellen Einbrüche verübt, bei denen es sich offenbar um ein und denselben Täter handelte. 3n allen drei Fällen fiel dem Dieb ein Geld' betrag in die Hände, beim Einbruch in eine Villa sogar eine größere Barsumme. Der Dieb wurde auf der Flucht gesehen, konnte aber noch nicht ermittelt werden. Pb. Butzbachs 20. Sept. 3n der jüngsten Stadtverordneten-Sitzung wurde der Erwerb der Grundstücke Flur I Nr. ®/,. insgesamt 2514 Quadratmeter, zum Preise von 8800 Mark genehmigt. Weiter wurde der Vertrag mit dem Hessischen Staat, wonach dieser bereit ist, zur Errichtung einer K1 e in ki n der schule in der Südwestecke des Lustgartens den erforderlichen Bauplatz von ca. 1500 Quadratmeter abzugeben, genehmigt. Der Hessische Staat erhält dagegen von der Stadt Grundstücke in der Nähe der Zellenstrafanstalt in einer Größe von 3600 Quadratmeter in Tausch. Weiter wurde der Geländetausch zwischen Stabt und Kugel- hausfonds zur Errichtung eines Zugangsweges zum Hexenturm genehmigt. Die Umwandlung eines zur Rückzahlung fälligen Darlehens der Hessischen Girozentrale in ein kurzfristiges Darlehen zu 8’/s Prozent Zinsen bei monatlicher Kürtdigung wurde gutgeheißen. Weiter beschloß die Versammlung die Errichtung des Marktbrunnens nach dem vorhandenen früheren Modells an der heutigen Stelle des Marktplatzes. Lieber den Bau einer Kleinkinderschule fand eine längere Debatte statt, die zu dem Ergebnis führte, datz die Beschlußfassung vertagt wurde. Beschlossen wurde, die Bürgersteige des Ortseinganges in der Weiseler Straße, soweit diese zur Zeit durch die Provinz in Topeka ausgeführt wird, gleichzeittg in dir- fern Material ausfuhren zu lassen. Die Anlieger sollen 3,50 Mk. zu den Kosten beitragen. Die Unterhaltungskosten für Drainage-Arbeiten im Seefeld sollen auf die beteiligten Grundbesitzer ausgeschlagen werden. Sie belaufen sich auf 715 Mk. und werden nach der Größe der Grundfläche mit 35 Pf. auf 100 Qucwratmeter umgelegt. Zahlung hat bis 31. Dezember d. 3. zu erfolgen. Für die Beschaffung von Schlauchmaterial wird der Freiwilligen Feuerwehr ein Kredit von 600 Mk. bewilligt. Weiter wurde beschlossen, ein kurzfristiges Darlehen im Betrage von 50 000 Mark zu 8’/* Prozent zum Zwecke der Ausleihung verbilligter Baudarlehen bei der Girozentrale Darmstadt aufzunehmen. Kreis Büdingen. # Hirzenhain, 20. Sept. Am Sonntag sand im hiesigen Buderus-Haus das Herbsttreffen der evangelischen Mädchenbünde des oberen Niddertales statt, an welchem sich die Mädcstenvereine von Gedern, Hirzenhain und Merkenfrch beteiligten. Die Tagung stand unter dem Leitgedanken „Freude". Alle Darbietungen, wie Chorgesänge, Dolls- tänze und Theaterstück, standen auf beachtenswerter Höhe. Auch der Musikverein Hirzenhain unter der Leitung von Herrn Dvurgignvn bot prächtige Leistungen. Die einleitenden De- grühungsworte wurden von dem Ortsgeistlichen Oberhofprediger a. D. Ehrhardt, die Schluß- »•* ™ et isÄ intb i3iÄ: ÄL v gedachte L Sro* *AS»S i Ä d°' L Ü&bä ÄÄ Ct», ;tg. !' ?' An J|l? att drei Ater handelte Dieb ein Selb ' lUcv 'n eine M„ n m e. Der Dieb u^te aber noch t«r jüngsten im wurde der JMi. 'Ute* Preise vvn 880) der Vertrag nach dieser bmit nkinderschule tens den erfvrder. nadrabneter abjit- ! vereine mW sra.§ sikverem Styjjj’j :Ä* ,BS® s*»« '.•a«s SeElfi jxr nttwms CS&® S-KL IltffS * x (In? leor aarprM iji tfS&SS (Artl wacht-1 t [E? 'S «f |Ä s -aM ff hot 5 Wt jSA*"* mb 5>artt<4tDorfe von Hofprediger Widmann- ©ehern gesprochen. Mit dem gemeinsamen Ge- sang deS Lutherliedes wurde die erhebend verlaufene und in allen Teilen wohlgelungene Tagung geschloffen. KreiS Schotten. # Schotten, 20. Sept. Unter dem Vorsitz von Dekan V o l p - Laubach tagte hier die 4. diesjährige Konferenz der Geistlichen des Evangelischen Dekanats Schotten. Vach Eröffnung mit Schriftlesung und Gebet durch Pfarrverwalter Weimar- Gonterskirchen hielt Pfarrer D. Fritsch- Ruppertsburg einen Vortrag über den „Evangelischen Dund"t er gab zunächst einen Ueberblld über die Bundesarbeit in den Dekanatsgememden und wies bann die Notwendigkeit des Bundes nach dessen Arbeit unentbchrlich fei, sowohl um' der evangelischen Kirche, als auch um des Vaterlandes willen! das letzte Ziel des Evanaelischen Bundes sei die Weckung des evangelischen Gewissens und des evangelischen Lebens! Zwergvereine sollten daher in jeder Gemein^ gegründet werden. Zum Schluß ging her Redner noch auf die gegenwärtig so brennenden Fragen des Konkordats und des Reichs schul- g e s e h e s ein. Der Vortrag hinterließ einen tiefen Eindruck und löste eine lebhafte Aussprache aus. Rach Bekanntgabe kirchenbehördlicher Verfügungen und Mitteilungen schloß Dekan Dv lp die Konferenz und teilte noch mit, daß der ordentliche Dekanatstay voraussichtlich Mitte Oktober in Schotten stattfinden werde. Schotten, 20. Sept. Dem hiesigen K r e i s s ch u l a m t ist es gelungen, durch Mithilfe des Kreises einen Kinvapparat zu beschaffen, .der zu Lehrzwecken Verwendung finden soll. Die Vorführung geeigneter Filme soll von Zeit zu Zeit in den Hauptorten des Kreises für die jeweiligen Schulen der Umgebung statt- finden. Gin Stehbildappavat zum gleichen Zwecke wurde bereits vor zwei Jahren angeschafft. -i- Ober-Schmitten, 20. Sept. Unter der Nachwirkung eines verregneten Jahres konnten bei der Verpachtung der Gemeinde- grundstücke die seitherigen Pachtpreise nicht mehr erreicht werden. Auch die nochmalige Verpachtung verblieb wirkungslos, da keine höheren Gebote abgegeben wurden. Der Pachtpreis^prv Morgen beträgt 20 bis 30 Mk. □ ß a u b a d), 20. Sept. Am Sonntag hielt der hiesige Schützenverein (Vorsitzender Kaufmann Kreiker) bei guter Beteiligung sein diesjähriges A b s ch i e ß e n ab. Am Abend fand im „Schützen- Hos" (Feldhaus) Preisverteilung mit Tanz statt, wo- bei das gutaeschulte Laubacher Stadtorchester (Kapellmeister Hegel) spielte. Es erhielten auf der „Ehrenscheibe" 1. Preis Adolf Enders; 2. Dr. Friedr. Raßbach; 3. Eduard Göbel; 4. Georg Rühl; 5. Heinrich Löwer; 6. Friedrich Döll. Den Preis auf der „Becher-Ehrenscheibe" mit Becher erhielt Eduard Göbel. Außerdem war von 50 Mitgliedern eine besondere „Festfcheibe" mit 50 Preisen gestiftet worden. Jeder dieser 50 Schützen erhielt einen Preis, den 1. Preis Kaufmann August Emmelius. Den vom Schützenverein gestifteten sog. „Ritter" (eine Sternmedaille) „für gute Schießleistungen" erhielten Förster Karl Becker, Apotheker Dr. Friedrich R a ß b a ch, Uhrmacher Arnold Enders und Mol- reveibesitzer Friedrich Wolf-Ettling. — Das ölte st e Haus unserer Stadt (Kratz, im sog. „Grünen Meer"), etwa aus dem Jahre 1480 stammend, ist sehr baufällig geworden. Die Konstruktion, die dem sog. „Wildemann" noch vorausgeht, ist jedoch noch wohlerhalten. Es steht unter Denkmalschutz. Seine Wiederherstellung ist gesichert. Das „Landesamt für das Bildungswesen" hat 200 Mk. bewilligt. Einen entsprechenden Beitrag werden voraussichtlich noch der Kreis und die Gemeinde leisten. Die Bauart des Hauses ist sehr eigenartig. . r L Ulrichstein, 20. Sept. Zu dem Bericht in Nr. 217 des „Gieß. Anz." über die Autv- lini e Ulrichstein — Mücke ist jetzt mit» zuteilen, daß die Postverwaltung einen weiteren Wagen für den Dienst auf den drei Postautolinien im Vogelsberg nach Ulrichstein 'geschickt hat. Der Wagen läuft feit einigen Tagen üuf der Strecke Ulrichstein—Mücke. Sehr schön wäre es, wenn es sich um einen neuen Wagen; handelte. Aber bas ist nicht der Fall; denn den „neue" Autoomnibus ist bereits auf etwa sechs Strecken gelaufen. Für den Vogelsberg hat die Postvsrwaltung scheinbar keinen neuen Wagen! er muß sich mit den auf anderen Strecken ausrangierten begnügen. Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten. An all diese Kämpfe dachte sie auf dem stillen, nebdumroogten einsamen Kirchhof ... am Grab des Aaters ... an sein tragisches Ende ... seine letzten Tage. Er war genötigt, diese fremden Herren, die von seinem Haus, seinem Garten, seinen Möbeln Besitz genommen hatten, ohne zu fragen, ohne zu Lanken und ohne ihn zu grüßen ... als Gäste zu betrachten. Für ihn war die kalte Dachkammer, die Hintertreppe gut genug... Sein Vermögen hatte ler alte Soldat klaglos dem Vaterland geopfert, ohne ein Wort des Vorwurfs gegen irgend jemand ... Es war zerbröckelt in dem großen Nichts ... Es war ihm gegangen wie es Tausenden ging ... Aber das ertrug er nicht ... Sie fand ihn eines Tages Papiere ordnend an seinem Schreibttsch, vor ihm stand die Urne ... „Das, mein Kind," sagte er, „nimm an dich, wenn ich einmal nicht mehr bin ... vergrab es in dem Garten ... das Haus können sie uns nehmen, aber nicht die Heimaterde..." Und so hatte sie die Urne im Garten verscharrt, om Tag. als sie ihren Vater über den Rhein trugen ... hierher ... Und mein Bruder, dachte sie, ruht • bei Ppern in den Lehmfeldern, in fremder Erde. Man hatte ihnen keine Erlaubnis gegeben, das Grab aufzusuchen, und keinen Paß ... Ihr Vater hatte gemeint, lassen wir ihn dort, er liegt bei seinen Kameraden ... Nun war das Haus verkauft, fremde Leute wohnten darin ... sie hatte es nie mehr wiederge- schen, es nicht Wiedersehen wollen. Und in dem fremden Garten lag die Urne mit der Asche der Mutter ... Weshalb habe ich nie daran gedacht, sie herüberzuholen? dachte sie ... Sie hatte diese Mutter nicht gekannt, ihr Vater stand ihr näher ... Es gab auch ein Erbbegräbnis der Wegemars irgendwo in Schlesien ..., aber diese Gegend war ihr fremd ... wozu erst dorthin reisen? Hier war sie zu Hause. Wo werde ich einmal ruhen? dachte sie. Sicher nicht bei meinem Vater, noch meiner Mutter, noch meinem Bruder und nicht bei ihm ... meinem Mann ... -- Bobenhaufen, 20. Sept. Die hiesige Autobusgesellschaft, die zwischen Mücke und Feldkrücken den Personen- uno Briefpostverkehr aufrecht erhält, hat jüngst ein neues Auto auf dieser Strecke eingestellt. Da dieser Wagen dem seitherigen an Sitzplatzgelegenheit weit überlegen ist, so stellt diese Einrichtung eine wesentliche Verbesserung dar. (==) Köddingen, 20. Sept. Am Sonntag sand hier unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft das Jugendfest unserer Schule statt. Lehrer S chm a n d t sprach dabei nach seinen Gruß- worten an bk Eltern und die übrigen Gemeinde- glieder beherzigenswerte Worte über den Vorteil des gedeihlichen Zusammenarbeitens zwischen Schule und Elternhaus. Danach gelangte ein schön zuscnn- mengeftelltes Programm zur Abwicklung, das allenthalben volle Befriedigung hinterließ. Kreis Alsfeld. L Ober-Ohmen, 20. Sept. Die hiesige Landw. Kredit- und Dezugsgenos- s e n s ch a f t hat von der Firma Gebr. R ö b e r - Wutha eine Saatgutreinigungsanlage „Petkus" erworben, die am Samstag in der Hofreite des Landwirts Joh. Schott aufgestellt wurde. Die gesamte Anlage kostet 2700 Mark. Dieser Betrag soll aus den Beträgen, die für die Benutzung der Anlage eingehen, innerhalb einiger Jahre amortisiert werden. Die Maschine ist eine äußerst sinnreiche Einrichtung, die es dem Landwirt ermöglicht, vollständig einwandfreies Saatgut, das frei ist von minderwertigen Körnern, Unkraut, Schmutz und dergleichen, zu erhalten. 3 Dannenrod, 20. Sept. Da wegen der ungünstigen Witterung die Grummeternte unterbrochen werden mußte, wurde jetzt mit der Kartoffelernte begonnen. Während die gelben und weihen Kartoffelsorten sehr unter der Feuchtigkeit gelitten haben und nicht so vollhängen, ist der Erttag der rotschaligen Sorten gut. Dabei ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Nässe viel größer. Sehr zu befürchten ist, daß durch das feuchte Einbringen der Kartoffeln in die Keller deren Haltbarkeit sehr beeinträchtigt wird. — In den W äldern unserer Nähe gibt es sehr viele Brombeeren, Me auch von den Bewohnern der umliegenden Orte gesucht werden X!X Ruppertenrod, 20.Sept. Unsere Gemeinde hat in diesem Jahre eine gute Obsternte au verzeichnen. Das Obst steht gut im Preise. Der Baumbestand bedarf allerdings des jungen Nachwuchses, da viele alte Bäume abständig sind. Es fehlen hier vielfach die feineren Obstsorten, auf deren Einführung man bedacht sein sollte. Starkenburg. * Darmstadt, 20. Sept. Hier ereignete sich gestern ein eigenartiger Autounfall, indem der Chauffeur eines Autos die im Wagen sitzende Dame nach dem Wege fragte und sich dabei umwandte. In demsellien Augenblick stieß das Auto gegen eine Gasla terne an der Straße. Durch den Zusammenstoß erlitt die Dame schwere innere Verletzungen, die ihre Aufnahme in das Krankenhaus erforderlich machten. Die Feuerwehr muhte den Gaskandelaber entfernen und die Rohrleitung abdichten. Rheinhessen. Bingen, 20. Sept. Aus Veranlassung des Neichsstaatsanwalts ist der von hier gebürtige Friedrich Korndörfer wegen Landesverrats, Spionage, Werbung für die Fremdenlegion ufw. fest genommen und ins Untersuchungsgericht eingeliefert worden. Korndörfer wird schon seit mehreren Jahren gesucht, wußte sich aber seiner Verhaftung zu entziehen und begab sich zur Fremdenlegion. Nach seiner Entlassung kehrte er wieder nach Deutschland zurück und konnte jetzt ergriffen werden. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 20. Sept. Im Bereiche des Reichsbcchirbettnebsamtes Wetzlar sind augenblicklich vier Eisenbahnbrücken über die Lahn bzw. die Dill im Umbau begriffen mit dem Ziel, die Drücken für die modernen Lokomotiv- und Zuglasten geeignet zu machen. Am Sonntag fand die Auswechslung der Brückenträger an der Dillbrücke zwischen Sinn und Herborn statt, ein Arbeitsvorgang, der nach Irgendwo--später--. Es schien ihr so eit, in nebelhaften Fernen, dieses einstige Grab ... ann war alles vorbei, man fühlte nicht mehr das Messer in der Brust ... Melodien zogen durch ihren Kopf, gesungene Lieder. Erlebtes stand auf und sammelte sich um sie, und sie betrachtete es. Die Bilder des gestrigen Tages kamen ihr wieder, wie von Sonne beglänzte altdeutsche Gemälde, die man aus einer Mappe nimmt, gotische Kirchen, Madonnen und Rheinbrücken ... Was wird aus uns werden? dachte sie ... Würde seine Liebe stark genug sein, die Erschütterungen zu tragen, die Manfred einst so gern und mutig auf seine Schultern genommen hatte? Wie war er damals besorgt, daß sie nichts Verletzendes hörte, nichts sah, nichts fühlte als das große, bange zitternde Glück ... Heut' würde es anders fein ... ganz sicher. Wir werden fortziehen ... ins Ausland, dort war man frei ...Er sprach immer davon, nach Amerika zu gehen ... er liebte es, zu reisen. Er hing an keiner Stätte--an feinem Land--. Nichts Erdgebundenes hatte er ... Er hatte eine ganz andere Auffassung der Dinge als sie. Ihre Ansichten nannte er „antiquiert". So dachte kein Mensch mehr. Man mußte sich umstellen ... sich anpassen ... Romantik war etwas längst Ueberlebtes ... Er lächelte darüber ... Vielleicht war es auch „überlebt", für einen Mann zu sterben ... Sicher war es das Man liebte sich heute und ging morgen auseinander, falt und fremd ...Er hatte ihr einmal etwas erzählt aus feinem Leben, „eine Episode", nannte man das. Eine junge Kanadierin hatte ihn heiß geliebt, — er sie auch ... Und eines Tages war es aus Weshalb? fragte sie, war es aus? Was hatte sie denn getan? ... Getan? nichts, es war einfach „aus" ... Das verstand sie nicht. Ein Gefühl, das einem so besaß, daß es zum Verbrechen ward-- zum Verrat--war am anderen Tage ausgelöscht? Werde ich das jemals lernen? fragte sie sich Weshalb liebst du mich eigentlich? hatte sie ihn gefragt. Er zuckte die Achseln. Das weiß man doch nicht ... Weißt du es denn, weshalb du gerade auf mich verfallen bist? Nein, das hätte sie nicht sagen können. Sie wußte es nicht. Er war gekommen, hatte ihre Aufmerksamkeit erregt ...Er hatte sich ihr genähert. neuen Methoden auSgeübt wurde und darum zahlreiche Vertreter der interessierten Kreise, sowie auch der Reichsbahndirektion zusammen- geführt hatte. Die Auswechslung konnte nur in den Zugpausen geschehen. Sie erfolgte glatt und ohne Unfall. HI Aus dem Kreise Wetzlar, 20. Sept. Aus Grund eines Beschlusses des Kreistages hat der Kreisausfchuh nach Anhörung der Berufs- Vertretungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine neue Kreissatzung für die ländlichen Fortbildungsschulen im Kreise Wetzlar erlassen. Nach der Satzung sind in den Gemeinden des Kreises, in denen eine Fortbildungsschule besteht oder eingerichtet wird, alle männlichen Personen unter 18 Jahren verpflichtet, die Fortbildungsschule zu besuchen und an dem Unterricht teilzunehmen. Die Schulpflicht besteht für vier aufeinanderfolgende Winterhalbjahre. Wer eine öffentliche Fach-, Jnnungs-, Privat- ober höhere Schule besucht, ist von dem Fvrtbildungsschufanterricht befreit. ~ Lützellinden, 20. Sept. Nachdem sich die Kreisverwaltung damit einverstanden erklärt hat, daß für die verstorbene Hebamme Hohbach eine Nachfolgerin bestellt wird, hat jetzt Vie Gemeinde zur Einreichung von Bewerbungen innerhalb der Gemeinde aufgefordert. Die Ausbildung der neuen Hebamme erfolgt in der Provinziallehranstalt zu Elberfeld. Die Ausbildung dauert 18 Monate. Die Kosten der Ausbildung werden von der Gemeinde getragen. O Hörnsheim, 20. Sept. Die hiesige Gefolgschaft des Jungdeutschen Ordens veranstaltete am Sonntag in der Gastwirtschaft Engel einen Gäste- und Elternabend, der sich eines guten Besuches erfreute. Im ersten Teil des Abends wurde Schillers „Wilhelm Teil" aufgeführt. Die Leistung der Spieler war trotz ihrer Jugend gut, so daß die Ausführung beifällig ausgenommen wurde. Im zweiten Teil des Abends sprach der Komtur der Ballei Nassau, Rektor Th ei del, über jungdeutsches Wollen, den jungdeutschen Staat unb die sonstigen Bestrebungen und Ziele des Jungdeutschen Or- dens. Im übrigen wurde die Feier durch Musikvorträge der Ordenskapelle Dornholzhausen umrahmt. • Hochelheim, 21. Sept. Gestern abend stürzte der in den 60er Jahren stehende Landwirt Philipp Jung beim Obsternten infolge Bruches der Leiter aus ziemlicher Höhe zu Boden. Der Bedauernswerte erlitt hierbei einen Bruch des Oberschenkels. Nach erster ärztlicher Hilfe wurde der Mann von der Gießener Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit dem Krankenauto dem Evang. Schwesternhaus in Gießen zugeführt. Kreis Marburg. ][ Marburg, 20. Sept. Ende dieser Woche begeht die Marburger Bäckerinnung ihr 500jähriges Zunft- und 60jähriges Jnnungsjubiläum. Aus alten Urkunden ist zu ersehen, daß Landgraf ßubtoig I. am 2. Januar 1422 die Statuten der Marburger Bäckerzunft erneuerte. Wann der erste Gildebrief ausgestellt wurde, läßt sich indesien nicht mehr fest- stellen. Aus diesem Grunde wird angenommen, daß die Zunft rund 500 Jahre besteht, denn in einer älteren Urkunde aus dem Jahre 1305 ist nur von Bäckern die Rede. Die Zunft ist bann in 1494 von Landgraf Wilhelm HL, 1623 von Landgraf Friedrich, König von Schweden, 1625 von Landgraf Ludwig, 1751 von Landgraf Wilhelm VIII., 1764 von Landgraf Friedrich II., und 1787 Vvn Landgraf Wilhelm durch Urfim» den erneuert worden. Die Bäckerzunft hatte, wie viele andere Gewerbe, früher mehr Mitglieder als hertte. Daß das Gewerbe sich unter den Familien weiter vererbte, zeigen Namen, wie Raabe, Schott, Runkel und Matthäi, die heute noch im Marburger Bäckergewerbe vertreten find. Nach dem Rückgang des Zunftwesens gründeten die Marburger Bäckermeister 1867 eine freie Innung, die seit 1920 unter der Leitung des Obermeisters D. Raabe steht. Sie zählt rund 41 Mitglieder und besitzt eine Jnnungskrcmken- kasse. Kreis Biedenkopf. ][ Buchenau, 20. Sept. Gestern mittag brannten hier Wohnhaus und S ch e u n e der Bäckerei Johannes Grebe vollständig nieder. Die in der Scheune lagernden Erntevorräte wurden ein Raub der Fla mm e n, ebenso verbrannte der größte Teil des Mobiliars. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 20. Sept. Heute nachmittag wurde an der Lahmeyerbrücke der vor kurzer Zeit aus polizeilichem Gewahrsam entsprungene berüchtigte Einbrecher Steg- mann wieder festgenvmmen und diesmal in etwas „sichereres" Gewahrsam überführt. — Der Kriminalpolizei ist es nach längerein^Suchen gefangen, in der Person des 37 Jahtle alten Ernst Müller einen berüchtigten und gefährlichen Heiratsschwindler fest zunehmen. Müller hatte zahlreichen Mädchen und Witwen die Heirat versprachrn, ihnen durchweg größere Geldbeträge abge- schwindelt und sich von ihnen crushalten lassen. WSN. Cronberg, 20. Sept. An der Straßenkreuzung Königstein-Oberursel ereignete sich am sog. Fallensteiner Stock ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Motorrad. Der Besitzer des Motorrads, ein gewisser Corbin Botz aus Frankfurt, wurde dabei mit großer Kraft über seinen Vordermann hinweg etwa 11 Meter weit geschleudert und erlitt einen schweren Schä delbruch, an dessen Folgen er gestern nachmittag im Kronberger Krankenhaus verstarb. Der Führer Fritz Dunk- mann aus Frankfurt wurde leicht verletzt. Wirtschaft. Die Lage in der Elektrizitälsinduftrie. In der außerordentlichen Generalversammlung der QL E. ©., über deren Ergebnis wir gestern berichteten, hielt — wie gemeldet — der Vorsitzende des Direktoriums, Geheimrat Dr. Deutsch, eine Rede über die allgemeine Lage der Elektrizitätsindustrie und die jüngste Entwicklung der AG.G. Den Aus fübrungen dieses hervorragenden Wirtschafts- sührers entnehmen wir folgendes: „Ich bin nicht etwa der Meinung, daß die augenblickliche Konjunktur von Rückschlägen nicht bedroht ist und eine ununterbrochene Aufwärts Entwicklung verbürgt. Wir werden in Deutsch land vorläufig noch nicht mit langen und gleichmäßigenKonjunktur-Periodci rechnen können, wie sie z. B. in den Vereinigten Staaten schon seit einer Reihe von Jahren zu beobachten sind. Voraussetzung hierfür find ein breiter, durch entsprechende Spar- und Kaufkraft gesicherter Binnenmarkt, Entwicklungsmöglichleiten des Exports unb last not least eine K a pital - Versorgung, die möglichst unabhängig von temporärer Beeinflussung dem Wachstum und den Erfordernissen der Wirtschaft gerecht wird. Trotzdent glauben wir, daß der schnell wachsende Elektrizitätsbedars der Welt und auf der anderen Seite Deutschlands Arbeitsamkeit, sein unbeugsamer Lebenswille und die unermüdliche Forschungstättgkeit der Wissenschaft unserer Industrie eine aussichtsreiche Zukunft erwarten lassen. Indem ich diese Zuversicht, ohne die die erfolgreiche Führung eines großen Unternehmens auf die Dauer nicht denkbar ist, auch bei Ihnen vorausfetze, verzichte ich darauf, schon heute eine zahlenr..äßige Schätzung über die Voraussicht l/j* * Qtentabllitä t unseres erhöh ten Al- f. en-Kopitals auszustellen. Hierfür ist nicht allein die Steigerung unseres Order-Eingangs, der um etwa 70 Prozent über dein des Vorjahres liegt, und dementsprechend die Beschäftigung unserer Fabriken maßgebend, sondern vor allem auch die Gestaltung der Preise im In- und Auslande, die aus den schon oft erörterten Gründen vielfach noch unzureichend sind. Sie werden daher unsere Aeberzeugung teilen, daß wir größten Wert auf gründlichste technische Durcharbettungaller unserer Fabrikate legen mußten bet gleichzeitig r Ausnutzung der modernsten Erfahrungen auf dem Gebiete der Weristätten-Organisation. Ebenso haben wir unserer Vertriebs-Organ'sation die Ergebnisse neuester Erfahrungen zugute kommen lassen und durch organische ilmf’telfang deren Schlagkraft weiter erhöht. Lassen Sie mich nach diesen allgemeinen Bemerkungen noch kurz die Lage auf den einzelnen Gebieten unserer Fabrikation schildern. mit Bewunderung, aber sicher ohne sie als etwas Besonderes zu empfinden. Eine hübsche Maske, eine reizende, geschminkte, lachende Pierette ... sie gefiel ihm, wie ihm die Kanadierin gefallen hatte ... Aber wenn das eines Tages ... aus war? ... Was bann? ... Der Gedanke war so entsetzlich, daß sie ihn nicht auszudenken wagte. Wenn mir jemand damals gesagt hätte, nach sieben Jahren sei es zwischen mir und Manfred aus für immer ... hätte ich das geglaubt? Und wenn ich erklären sollte — vor Gericht — wie es dahin gekommen ist, daß für ihn alles erstorben ist und ich nur noch an den anderen denke--der von mir Besitz genommen hat-- was könnte ich antworten? Und was wird er mir antworten? dachte sie ... Sie hatte plötzlich keine Ruhe mehr auf diesem friedvoll stillen Ort, über dem ein erhabenes und geheimnisvolles Schweigen lag ... Sie bückte sich, nahm ein nebelfeuchtes Efeublatt von dem Grab und ging. ♦ „So halt ich es mit meiner Liebe, Daß ich mein eignes Sein vergesse ... Zehntausend Seelen, wenn ich hätte. Ich würde sie vor dir oerftreun ..." Es war Melittas weiche, warme Stimme, die ihr entgegenklang, als sie das Vestibül betrat. „Ach, Ethel," Melitta kam chr entgegen, „daß du endlich kommst! Mir geht's nicht gut ..." „Du singst?" „Ja, ich singe! Aber was bedeutet das ... mir? Ich muß singen ... ich werde sonst wahnsinnig ... ich fülle meine Stunden damit aus, indem ick musiziere. Das ist so ... bei mir. Leg' ab, du bleivst zum Tee. Komm, setz' dich ans Feuer ..." Melitta schob ihr ein paar Kissen in den Rücken und zündete die Flamme unter dem Teekessel an. Ethel war sehr blaß. Sie zog ihre Handschuhe aus ... „Was wird nun, Melitta?" „Ich — bin frei ..." Und Melitta erzählte. „Er hat mich freigegeben, weil — er micht liebt. Das ist sehr — viel, von einem Mann." Ethel nickte. „Sehr viel. Und was wird aus dir? Wo gehst du hin?" „Ich weiß es nicht. Ich warte ..." „Auf was wartest du?" „Auf feine Antwort." Ethel schwieg ... Sie nahm eine Tulpe aus der Schale auf dem Teetisch und betrachtete sie. „Es ist nichts gekommen, bis jetzt?" Melitta schüttelte den Kopf. „Nichts", sagte sie tonlos ... „Mein Gott, wie erträgt man bas! Und ihr beide noch zusammen ... unter einem Dach ... von deinem Mann ist ein Konzert angezeigt, an den Litfaßsäulen ... für nächsten Samstag ... zwei neue Sinfonien. Wird er sie dirigieren?" „Oh, das geht, das geht alles ... bei uns Künstlern ... das ist genau, wie ein Schuhmacher, der, nachdem er feine Frau begraben hat, sich an feinen Arbeitstisch setzt. Es ist sein Metier, wie das Singen für mich. Der rheinische Humorist aus der Erite- riumsbar hat am Montag seinen einzigen Sohn begraben. Am selben Abend trat er auf und die Leute lachten Tränen über ihn ... Das ist so bei uns :.. gar nichts besonderes .. Ethel sah vor sich hin ... „Ist er ... der andere, meine ich, eigentlich musikalisch?" „Musikalisch? ... Nein, ich glaube nicht ... warum?" „Aber, Melitta!" „Ach, davon haben wir noch nie gesprochen. Wozu? ... Wir sprechen nie von Musik und von dem, was ich, zum Beispiel, mit Manfred rede ... Mit ihm, siehst du, unterhalte ich mich ausgezeichnet ... Er ist immer interessant, wir verstehen uns ... aber dieses ist etwas ... ganz anderes. Es hat mich verwandelt, ich bin wie verzaubert." „Und glaubst du, daß es ein Glück von Dauer ist?" „Das weiß man nie. Danach hab' ich mich nie gefragt ... aber es ist schön — man ist wie von Flammen erfüllt. Um mich leuchtet alles und lodert und brennt. Ich denke nicyts als an ihn. Es ist irrsinnig — nicht wahr?" Der Diener mit dem Teegerät trat ein, Melitta goß den Tee auf und füllte die feinen Schalen. Sie tat alles mechanisch. Ethel sah gedankenvoll dem Spiel der schönen Hände zu, bie ben Tee bereiteten ... Als sie roieber allein waren, sagte Ethel ... (Fortsetzung folgt.) Die Reorganisation unserer -Zähler-Fabrik kann heute als abgeschlossen gelten. Unsere neuen Konstruktionen und die betriebstechnischen Verbesserungen, die bei allen Fachleuten uneingeschränkte Anerkennung gesunden haben, stellen auch in ihrer finanziellen Auswirkung einen vollen Erfolg dar. Die überaus stark einsehende Bautätigkeit hat den Bedarf an Installations-Material erheblich gesteigert. Wir haben es daher für erforderlich gehalten, zu den für dieses Fabrikations-Gebiet im Erzgebirge bestehenden drei Fabriken in Annaberg, Crottendorf und Scheibenberg eine weitere Fabrik in. Freiberg ein* zurichten. Auch die neuen für den Dau von Schalt- Geräten. Gleichrichtern und Meß- Apparaten in Treptow errichteten Fabrikationsstätten reichen nicht mehr aus, um den fortgesetzt steigenden Anforderungen gerecht zu werden, imb auch hier erweist sich ein weiterer Ausbau als notwendig. In der Tr a n s f orm a t o r e n - F a b r i k wurde ein neues, modernes Kraftwerk mit Kohlenstaub-Feuerung sertiggesteltt. Diese Fabrik verfügt über einen Generator von 100 OOJ kVA für Hochstrom-Belastungen, sowie über die größte zur -Zeit bestehende Hochstrom-Prüf-Anlage. Die Umstellung der Turbinen-Fabrik ou| die neuen Dampf sparenden Typen ist durchgeführt und hat die in sie gesetzten Erwartungen restlos erfüllt. Die uns vorliegenden Aufträge überschreiten erheblich die bisher von uns oder anderen europäischen Fabriken des Turbinenbaus erreichten -Ziffern In der L o k o m o t i v - F a b r i k ist die Kohlenstaub-Lokomotive als bahnbrechende Neuerung hervorzuheben: hie Reichsbahn-Gesellschaft bringt dieser Konstruktion großes Interesse entgegen und wird sie auf Grund eines Probe-Auftrages bald versuchsweise in Betrieb nehmen. Großzügige Erweiterungs-Bauten sind in unserem Kabelwerk in Angriff genommen und werden in einer mehrjährigen Dauperiode durchgeführt werden. Das gesamte Kabelgeschäft hat einen bedeutenden Aufschwung genommen und verspricht weiter günstige Entwicklung. Wir hoben daher auf längere Sicht disponiert und werden mit unserem neuen Walzwerk über die leistungsfähigste Kupferwalz-Anlage des Kontinents verfügen. Auf dem Gebiete der Radio-Technik hoben wir eine Reche neuer Konstruktionen entwickelt. u. a. einen Lautsprecher, der soeben auf dem Markt erscheint und nach dem Urteil auch des Telegraphen-Technischen-Reichs-Amtes das Beste darstellt, was bisher auf diesem Gebiete herausgebracht wurde. Bon bedeutenden Aufträgen, mit deren Ausführung wir beschäftigt sind, möchte ich an erster Stelle eine erheb.iche Erweiterung für d s G roß- k ras werk Klingenberg in Rummelsdurg erwähnen, das bereits seit Monaten in Betrieb ist und dos in der Presse und von den zahlreichen Besuchern aus ollen Ländern mit einhelliger Bewunderung als eine Spitzenleistung moderner Technik bezeichnet worden ist. Die Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn hat uns ebenfalls umfangreiche Aufträge gebracht: unsere Abteilung für Bahnen ist aber auch sonst mit Aufträgen auf Schnell- und Güterzugs-Lokomotiven für In- und Ausland angemessen bedacht. Kurz möchte ich noch die Entwicklung der Schwel-Anlagen der von uns ins Leben gerufenen Kohlenveredlungs - A-G. streifen, bei der bereits 23 Schwelöfen in Betrieb oder im Dau sind, während eine ganze Anzahl aussichtsreicher Projekte sich noch in der De- arbeitung finden. Wir beschäftigen zur Zeit etwa 65 000 Personen und weisen somit Ziffern auf. die von keinem Unternehmen der Slarlstrom-In- dustrie übertroffen werden." Ein Werkspionage-Skandal. Am Montag sind in Berlin die Fabrik- und Geschäftsräume der Riebe-Wert A. G. für Kugel- und Rollenlager polizeilich besetzt worden. Auf Anordnung der (Stuttgarter Staatsanwaltschaft wurde in den Räumen des Berliner Unternehmens eine Haussuchung vorgenommen. Angeblich soll sich das Riebe-Werk Fabrikationsgeheimnisse des württern- bergischen Norma-Werkes angeeignet haben. Bei dieser Aktion der Polizei wurden drei Werkmeister festgenommen, die heute einem eingehenden Verhör darüber unterzogen werden, ob sie mit Angestellten der Norma Werke in Stuttgart in Verbindung gestanden und ob sie Pläne und Konstruktionszeichnungen von dort erhalten haben. Auch in Stuttgart sind inzwischen vier Personen verhaftet worden, die in die Angelegenheit verwickelt sein sollen. Es wird behauptet, daß mit Hilfe einer Person, die in der Schweiz ansässig ist, der Norma Fabrikationsgeheimnisse entwendet und an die Riebe werke verkauft worden seien. Diese Schweizer Person war ein ehemaliger Angestellter der Norma-Werke, der erst im Auftrage der Riebe-Gesellschaft in der Schweiz seine unlauteren Manipulationen ausführte. Es wird ferner behauptet, daß ein (Spionage- netz von Berlin über die Schweiz nach Stuttgart schon seit langem bestehe. Alles Material, was bei der Haussuchung in Berlin beschlagnahmt wurde, wird jetzt nach Stuttgart gebracht werden, wo die Untersuchung von der Staatsanwaltschaft geführt wird. Ueber die Tätigkeit des in der Schweiz ansässigen Vertrauten der Riebe-Werke hören wir noch, daß er die gestohlenen Zeichnungen und Modelle auf dem Umwege über die Schweiz auch an verschiedene andere Konkurrenzfirmen verkauft habe. Er habe ausschließlich von diesen Verkäufen gelebt und sein Geschäft so großzügig betrieben, daß er über die gestohlenen Pläne und Modelle sogar Preislisten und Kataloge verfertigte, die dann den Firmen angeboten wurden. Der den Norma-Werken entstandene Schaden wird auf viele Hunderttausende von Mark geschätzt. Der durch die Polizeiaktion stark gestörte Betrieb der Riebe-Werke ist inzwischen in vollem Umfange wieder ausgenommen worden. In den nächsten lagen wird der Aufsichtsrat zusammentreten und sich über die notwendigen Gegenmaßnahmen und Ersatzansprüche schlüssig werden. Die Direktion der Riebe-Werke, A. - G. für Kugel - und Rollenlager in Berlin-Weihensee teilt mit: „Am Montag srüh erschien in unseren Fabrik- und Geschäftsräumen die Kriminalpolizei, begleitet von einer größeren Anzahl von Herren unserer Konkurrenzfirma, der Kugellagerfabrik S. K. F. R o r m a in Stuttgart, mit der wir seit unserem Austritt aus der Konvention in schärfstem Wettbewerb stehen. Die die Kriminalpolizei begleitenden Herren waren Direktoren, Ingenieure und Angestellte der genannten Firma. Es erfolgte eine vollständige Durchsuchung unserer Räume und Betriebe. Wir warten das Ergebnis der Untersuchung in Ruhe ab. Der Di recktion sind irgendwelche strafbaren oder unlauteren Handlungen nicht bekannt. Der Betrieb geht in normaler Weise weiter: er wird durch diese Geschehnisse nicht im mindesten berührt." Besserung der Außenhandelsbilanz. Wie mehrere Berliner Blätter melden, weist die Außenhandelsbilanz für den Monat A u g u st gegenüber den Vormonaten eine Besserung auf. Während sich im Monat Juli der Einfuhrüberschuß noch auf 430 Millionen Reichsmark belief, ist der Passivsaldo für den Monat August auf 292 Millionen Reichsmark, und zwar hauptsächlich infolge Verminderung der Einfuhr und Steigerung der Ausfuhr, zurückgegangen. ' Der Eisenerzbergbau im August. Die Produktion an Lahn-Dill-Eisenerzen fand im August glatten Absatz. Die Preise sind unverändert. * Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft. Berlin. Die außerordentliche Generalversammlung der Elektrizitäts-Lieferungs- Gesellschaft, Berlin, genehmigte die Kapitals- erhöhung um 5 Millionen auf 30 040 000 Mark. Die jungen, ab 1. Januar 1927 dividendenberechtigten Aktien werden den alten Aktionären im Verhältnis 5:1 zu 144 Prozent zum Bezüge angeboten. In der Begründung der Kapitalserhöhung führte Kommerzienrat Mamroth aus: Die Belebung von Industrie und Handel im ersten Halbjahr 1927 hat auf die elektrische Versorgung befruchtend gewirkt. Die Werke haben bei erheblicher Steigerung der Anschlüsse einen erhöhten Absatz an elektrischer Energie zu verzeichnen. Die ä^eberschüsse sind entsprechend gestiegen. Auch die Ergebnisse der nahestehenden Gesellschasten übersteigen diejenigen des Vorjahres. Die Kapitalserhöhung dient in erster Linie der Deckung des Geldbedarfs, der infolge der gesteigerten Vau- und Detriebstätigkeit in den Werken der Gesellschaft und der ihr nahestehenden Gesellschaften eingetreten ist, wie l Neunork . . 4,1955 4,2035 4,195 4,203 Paris.... 16,46 16,.10 16,465 16,505 Schwei; . . 80,89 M.O5 80,885 81,045 Spanien . . 72,73 72.87 72,48 72.62 Japan . . . 1,94b 1,952 0,5011 1,050 1,954 Rio de Fan. Wien in D-- 0,4991 0.499 6,501 Ecft. abgelt 59,115 69,235 69,15 59,27 Prag .... <2,4-14 12,454 V.435 12,455 Belg rad . . 7,395 7,409 7,398 7,412 Budapest. . Bulaarieo . 73,40 73,54 73,38 73,u< d,0ti 3,039 3,032 3,038 Lissabon . . 20,56 20,60 20.48 20,52 Danäg. . . 81,37 81,53 2,114 81,38 81,54 Konst mtin. 2,140 2,141 2,145 Athen. . . 5,644 5,65b 5,544 5.5aö Kanada . . 4,196 4,204 4.197 4.205 Urn uav. . 4.226 4.234 4,206 4,214 Eatro . . . 20.935 20,975 20.945 20.985 nt.222 SÄ*- ötila Heimat Die S Ölonaf$,Bt 2 Aichsm^ Aeichrp!^ lohn, auch Inschrift^ richten: W poOl Zsankstlt»" De Gras Königs Monate $ gtofrn Saa öffnet. Saa und 'Paria, sowie von 1 besetzt. Aa Gesang des nahm bei AI bas Dort z> er erklärte: Sie All toürbiget un linnen als der Weihe Aus der 1 Aeichspr für abgeleg Aeckeidigun angegriffene blieben sei, deutscher S greueln uni nichtung. 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