Montag, 19. September ivz< IZl. Jahrgang Ur. 219 Erstes Blau Freiheit einzurieten. zunehmen, die ihnen das verblendete Deutschland hingeworfen habe. Arn 10. Februar 191Z sei Die „California" torpediert worden, wobei drei amerikanische Kinder ums Leben gekommen seien. Gleichzeitig habe das Hohenzvllernreich in Mexiko üble Intrigen gegen die Vereinigten Staaten anzuzetteln gesucht. Das sei zu viel gewesen. Weil Deutschland das Völkerrecht bei der Führung des U-Doolkrieges verletzt habe, Hütten die Vereinigten Staaten sich auf die Seite der einen Partei gestellt. Sie hätten triefen schweren Entschluß gewiß nicht gefaßt, wenn sie nicht England, Frankreich, Belgien. Italien und die anderen Alliierten als die Verteidiger einer gerechten Sache angesehen unt> wenn sie es nicht für ihre Pflicht gehalten hätten, an ihrer Seite für das Heil der Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 °/0 mehr Theftedaltteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THtzriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monats-Beiugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern tnfolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Hießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. DramatischeRatssitzung in Genf Stresemann an der Seite Ungarns int Streit um die rumänische Agrarreform. Genf, 17. Sept. (Sil.) Die öffentliche Sitzung des Dölkerbundsrates, auf deren Tagesordnung als erster Punkt der ungarisch-rumänische Streitfall steht, begann mit der Verlesung des Berichtes des für diese Frage eingesetzten Dreier-Komitees (England, Japan und Chile) durch den Berichterstatter, Außenminister Chamberlain. Der Bericht stellt nach eingehender Darstellung der historischen Entwicklung des Konfliktes folgende Bechtsgrundsätze zu seiner Beilegung fest: Schaffung einer Agrar-Reform, die nicht im Gegensatz zu den Bestimmungen des Frie- derrsVertrages stehe. Shi der Behandlung der Ungarn und Rumänen bei der Durchführung der Agrar-Reform dürfe keinerlei Ungleichheit bestehen. Das Ratskomitee schlägt vor, Rumänien zur Ernennung eines Ersatzrichters für den aus dem gemischten Schiedsgerichtshof zurückgezogenen Richter aufzufordern. Die beiden Parteien sollen sich auf die allgemeinen Rechtsgrundsätze des Gutachtens einigen. Im Fa^le einer Ablehnung durch Ungarn soll Rumänien von der Ernennung eines Ersah- richters für den gemischten ungarisch-rumänischen Schiedsgerichtshof ab sehen. Im Falle einer Ablehnung durch Rumänien^ soll der Rat die Maßnahmen ergreifen, die für das Infunktion - treten des gemischten Schiedsgerichtshofes not- wendig sind. Rach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte, die die verschiedenarttgsten Auffassungen der Ratsmitglieder scharf zu Tage treten ließ, legte der 82jährige erste ungarische Delegierte, Graf Apponyi, in einstündiger formvollendeter Rede den Standpunkt der ungarischen Regierung dar. Er erklärte. daß er die Vorschläge des Ratskomitees nicht annehmen könne. Ungarn fordere lediglich, daß die Streitfälle durch den im Vertrag von Trianon geschaffenen ungarisch-rumänischen Schiedsgerichtshvf entschieden würden. Rachdrück- lich wies Graf Apponyi darauf hin. daß es sich in dem Streitfall um die rein prinzipielle Frage der Anerkennung des Schiedsgerichtsgedankeiis handele. Der Hauptgrundsatz des Völkerbundes sei die Schiedsgerichtsbarkeit; die Friedensverträge hätten den Schiedsgerichtsgedanken als Grundlage ihrer rechtlichen Bestimmungen. Die Vorschläge des Ratskomitees, die eine Ein- schränkung der rechtlichen Souveränität der Schiedsgerichtsbarkeit bedeuteten, seien eine ernste Gefahr für den Völkerbund. Das Vertrauen sei allgemein nicht so gefestigt, wie man es im Völkerbundsrat annehme. Eine Besprechung der Grundsätze der Schiedsgerichtsbarkeit durch den Rat würde in der öffentlichen Meinung das Vertrauen zum Völkerbund aufs ernsteste gefährden. Der Rat habe eine politische Autorität, das Gericht jedoch eine rechtliche und hierdurch auch eine moralische Autorität, die zu verletzen der Rat nicht befugt sei. Die ungarische Regierung müsse es ferner ablehnen, dem Rat ein Recht zur Interpretatton der Friedensverttäge zuzu gestehen. Der rumänische Auhenminister Tilulescu erklärte, die Agrarreform in Rumänien sei eine polittsche Maßnahme, von deren Durchführung und Aufrechterhaltung der soziale Frieden in Rumänien abhänge. Jede Maßnahme, die Dte Agrarreform in Frage stelle, oder deren 'Shirq)* führung abändere, würde eine Gefährdung des sozialen Friedens in Rumänien bedeuten. Rur durch die Agrarreform sei es Rumänien möglich gewesen, Osteuropa vor dem Bolschewismus zu retten. Der Rat könne auf Grund des Artikels 11 des Dölkerbundspaktes alle Maßnahmen treffen, die zur Aufrechterhaltung des Friedens.notwendig feien. Ungarn solle sich der Entscheidung des Rates fügen. Außenminister Chamberlain erklärte, die Entscheidung sei für das Ratskomitee die gewesen, ob hier eine Überschreitung der Befugnis des gemischten Schiedsgerichtshofes vorgelegen habe. Dieser sei nach Auffassung des Komitees kompetent lediglich für eine Reche festumgrenzter Fragen, jedoch nicht für die Fragen, die die Souveränität eines Landes berührten. Die Anrufung des Haager Schiedsgerichtshofes, wie dies von Ungarn verlangt werde, sei infolge der Oppofitton Rumäniens nicht möglich Chamberlain betonte, daß durch die Zurückziehung des rumänischen Schiedsrichters der gemischte Schiedsgerlchtshof außer Funkt i o n getreten sei. Das Ratskomitee sei zu der Auffassung gelangt, daß der gemischte Schiedsgerichtshvf sich ausschließlich mit der Frage zu befassen habe, ob den ungarischen Optanten eine andere Behandlung bei der Durchführung der Agrarreform zuteil geworden sei, als den rumänischen Staatsangehörigen. Es müsse jetzt geprüft werden, welches die richtige Interpreta. tion der Desttmmungen des Vertrages von Trianon sei. Die ungarischen Optanten könnten seiner Auffassung nach keine bevorzugte Behandlung gegenüber den rumänischen Staatsangehörigen und den Ausländern fordern. Der deutsche Aufoenmmifter Dr. Stresemann erklärte, er könne sich den vom Ratskomrtee vor- gelegten Empfehlungen nicht in allen Punkten anschließen. Graf Apponyis Ausführungen hätten auf ihn einen starken Eindruck gemacht. Dr. Stresemarm wandte sich gegen den Vorschlag des Ratskomitees, die Ernennung der Ersah- schiedsrichter für den gemischten Schiedsgerichts- Hof von der Zustimmung Ungarns zu dem Vorschlag des Komitees abhängig zu machen. Hierin liege eine gefährliche Verquickung von Politik und Recht. Der Völkerbundsrat könne wohl grundsätzlich seine Auffassung in einem Konflikt zum Ausdruck bringen, er könne aber nicht seine Rechtsauffassung den Parteien aufzwingen. Dr. Stresemann machte dagegen den Vorschag, den Streitfall zunächst zur Herbeiführung eines rechtlichen Gutachtens dem Haager Schiedsgerichtshvf zu überweisen, falls der Vorschlag des Ratskomitees von beiden Parteien nicht freiwillig angenommen werden sollte. Wenn der Gedanke der Lebensinteressen der einzelnen Staaten im Widerstreit mit dem Gedanken der Schiedsgerichtsbarkeit gebracht werde, könne der Gedanke der unbedingten Schiedsgerichtsbarkeit ernsthaft gefährdet werden. Er müsse in seiner großen Bedeutung herabgedrückt^ werden. Der rumänisch-ungarische Konflikt berühre unmittelbar diesen Gedanken. Darin liege die außerordentliche Tragweite und Verantwortung bei der Entscheidung -des Rates. Beide streitenden Parteien mühten sich der authentischen Auslegung, die vom Internationalen Schiedsgerichts- Hof als rechtliches Gutachten einzuholen wäre, anschließen. Zur Unterrichtung des Völkerbunds- I rates müsse das letztmögliche getan werden. Mit der Entscheidung des Rates im ungarisch-rumänischen Konflikt ständen das Ansehen und die Bedeutung des Völkerbundes in engem Zusammenhang. Der Bölkerbundsrat wird am Montag die Behandlung des ungarisch-rumänischen Streitfalles fortsetzen. Man rechnet allgemein damit, daß als vorläufige Lösung der Völkerbundsrat ein Rechtsgutachten des Haager Schiedsgerichtshofes einholen wird, und daß dann die endgültige Klärung des Streitfalles auf einer der nächsten Ratstagungen erfolgt. Die ungarische Delegation lehnt nach wie vor die Annahme des Gutachtens des Ratskomitees ab und verlangt Entscheidung des Streitfalles durch den gemischten ungarisch- rumänischen Schiedsgerichtshof oder Herbeiführung zunächst eines Rechtsgutachtens des Haager Schiedsgerichtshofes. steller die Grundlage des Versailler Vertrages bildet und ohne die der Vertrag keine moralische Berechtigung habe: Deutschlands Verantwortung am Weltkriege." Eine Sonnlagsreöe poincares. Amerikas Eintritt in den Weltkrieg. Paris, 18. Sept. (WTD.) Auf einem von der französischen Regierung zu Ehren der amerikanischen Legion gegebenen Bankett schilderte Ministerpräsident Poincare die Gründe der Vereinigten Staaten, schließlich in den Krieg einzugreifen. Es sei wahrscheinlich, daß sie sich abseits gehalten hätten, wenn sie nicht die Rotwendigkeit empfunden hätten, eine Reihe beleidigender Herausforderungen an- viele Hunderte von Fahnen der Der- \ bände und die Chargierten der Universität Kö- ' nigsberg und der Technischen Hochschule in Dan- , zig aufgestellt, ein Bild von wunderbarer Schon- . $ eit, von dem der Reichspräsident tief ergriffen war. Wuchtige Posaunenklänge begrüßten den Reichspräsidenten. Dieser legte svdann an dem in der Mitte des Ehrenhofes errichteten Altar einen goldenen Kranz zu Ehren der Gefallenen mit einem stillen Gebet nieder. Zahlreiche wettere Kränze bedeckten schnell den ganzen Altar. Rach Gesangsvorträgen begab sich der Reichspräsident mit seiner Begleitung in den sogenannten Zahnen türm, wo er sich in das Goldene Buch eintrug. Ein Rundgang durch die ganze Denk- malsanlage machte den Beschluß der Feier un Ehrenhof. Inzwischen hatten sich die Verbände auf der Straße nach Hohenstein zum Vorbeimarsch vor dem Reichspräsidenten und den Heerführern geordnet. Auch hier bot sich den nach Zehntausenden zählenden Zuschauern ein farbenprächtiges Bild. Der Vorbeimarsch mit llingen- dem Spiel nahm über zwei Stunden in Anspruch. Rach seiner Beendigung begab sich der Reichspräsident im Kraftwagen nach Allenstem. Am Abend erfolgte eine festliche Beleuchtung des Denkmals, verbunden mit Zapfenstreich. Das Echo der hindenburgrede. Französische Blätterstimmen. Paris, 19. Sept. (WTB. Funkspruch.) Mit der Rede des Reichspräsidenten in Tannenberg beschäftigen sich bis jetzt nur wenige Blätter. Der sozialisttsche „Peuple hält Die gestrige Feier auf Fort Douaurnont, wo ein Denkmal für das Massengrab der dort beigesehten alliierten Soldaten eingeweiht wurde, der Feier von Tannenberg gegenüber und erklärt: Marschall P 6 t a i n habe von der Verteidigung eines Ideals der Zivllisatton durch die Intellektuellen gesprochen. Hindenburg habe erklärt, daß Deutsa)- land für den Krieg nicht verantwortlich sei. Die ganze nattonalistische Presse in Frankreich werde hefttg protestieren und daran erinnern, daß Deutschland allein den Krieg gewollt habe und der einzig Verantwortllche vor der Geschichte sei, und dergleichen mehr. „Wir," so fährt das Blatt fort, „sind der Ansicht, daß diese politisch-militärischen Kundgebungen, acht Jahre nach dem Waffenstillstand, mehr als überflüssig sind. Es ist überhaupt hier wie in Deutschland anderes zu sagen und zu tun. Der Geist von Verdun und der Geist von Tannenberg können nicht ohne Gefahr in den beiden Ländern kulttviert werden. Es wäre besser, den Geist des Völkerbundes zu entwickeln, sich entschlossen der Zukunft, der Wiederversöhnung und dem Frieden zuzuwenden, anstatt in großen Debatten kriegerische Erinnerungen wachzurufen, die nur den Haß erwecken.' — „Figaro" schreibt: „Den Versailler Vertrag zunichte zu machen und die Debatte über die Kriegsveranlwortlichkeit wieder aufzurollen, so schlägt der Reichspräsident „feierlich" vor. Die Stuiide ist glücklicherweise noch nicht gekommen, in diesem Punkte nachz'.. «>en. Vielleicht war es gut, daß die Feier von Tannenberg uns erneut d i e wahre Sprache Deutschlands zu Gehör gebracht hat." Die englische Presse. London, 19. Sept. (WTB. Funkspruch) Die Berliner Korrespondenten der Londoner Blätter berichten ausführlich über die Sannen* bergfeier und die Rede des Reichspräsidenten von Hindenburg. Der Berliner Korrespondent des „Daily Telegraph" bezeichnet die Rede des deutschen Reichspräsidenten als eine Erklärung, die Deutschland von der Anschuldigung befreien soll, den Weltkrieg verursacht und ihn entgegen den Regeln zivilisierter Voller geführt zu haben. Die Worte des Reichspräsidenten könnten auch auf gefaßt werden als Antwort auf gewisse neuerliche Kundgebungen in Frankreich und Belgien und als eine Ergänzung zu Streseinanns Rede in Genf. — „Daily Mail" sagt: „Wenn die nationalistischen Redner in Deutschland gegen die Behauptung protestieren, daß Deutschland „allein" für den Krieg verantwortlich gewesen sei, so wird man bemerken, daß Reichspräsident von Hindenburg noch einen Schritt weitergeht." — Der Berliner Korrespondent der „Daily Chronicle" schreibt: „Deutschland hat in der Person seines Staatsoberhauptes öffentlich und nachdrücklich jede Verantwortung für den Ausbruch des Weltkrieges bestritten und eine Herausforderung an die Welt erlassen, um sie dazu zu bringen, die Angelegenheit einem unparteiischen G ericht shvs zu unterbreiten." Der Korrespondent sagt Wetter: „Abgesehen von dem Rachdruck der Worte des Reichspräsi- ' denten seien Begleitumstände vorhanden, die zu ; der Annahme rechtfertigten, daß die Regierung ’ Marx den gegenwärtigen Augenblick gewählt i habe, um das strittig zu machen, was nach I Ansicht deutschnattonaler Politiker und Schrift- Hohenstein, 18. Sept. Zur Einwechung ' des Tannenberg-Rationaldenkmals hatte sich auf I dem li/2 Kilometer von Hohenstein entfernten Denkmalsplatz eine vieltausendköpfige Menge empfunden. In langer Front waren Die null- torischen Verbände und Vereine, die zahlreichen Mittämpser der Schlacht bei Sonnenberg aus Ostpreußen und aus dem ganzen Reiche ausgestellt. Etwa um ID/2 Uhr erschien der Herr Reichspräsident, der Uniform des Gene- Vllfeldmarschalls trug, von seinem Staatssekretär Dr. Meißner und seinem Adjutanten, Maior v. Hindenburg, begleitet. Als Vertreter der Reichsregierung erschienen der Reichskanzler Dr. Marr sowie die Reichsminister Dr. Gehler und Dr. v. K e u d e l l. Die preußische Regierung war durch den Innenminister G rzes ins k 1 sowie den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen Siehr vertreten. Von Generalen D?r alten Armee waren u. a. Ludendorff, M a ck e n - fen Francois und Morgen anwesend. Die Reichswehr war verrieten. durch den Befehlshaber des Gruppenkommandos 1 D. Tschischwih, den Befehlshaber des Wehrkreises I Generalleutna nt v. C ß b e ck , und zahlreiche höhere Offiziere. Am Rordzugang des Denkmalsplahes begrüßte der Vorsitzende des Tannenberg-Rattonaldenkmalvereins, Generalmajor a. D. Kahns, den Herrn Reichspräsidenten mit einer Ansprache, in der er ihn Willkommen hieß und erklärte: Wie Tannenberg 1914 dank dem überragenden, verantwortungsfreudi- pn Führerwillen, dank glühender Vaterlands liebe und Heimatliebe, dank Der über alles Lob erhabenen Heldentaten Der Mitkämpfer emst Die Befreiung Ostpreußens aus bitterster ^iegs- not bedeutete, so soll der heutige Tag nut Gottes Hilfe befreiende Schicksalswende für Deutschland werden und den Geist von Tannenberg 1914 im deutschen Volle wieder wecken und wach erhalten in allen Zeiten. Der Reichspräsident erwiderte hierauf mit Worten des Dankes für den willkommengruh und fuhr dann mit erhobener Stimme fort: „Das Tannenberg-Rationaldenkmal gilt in erster Linie dem Gedächtnis derer, die für die Befreiung der Heimat gefallen sind. Ihr Andenken, aber auch die Ehre meiner noch lebenden Kameraden verpflichtet mich dazu, in dieser Stunde und an dieser Stätte feier- lichst zu erklären: Die Anklage, daß De u l s ch l a n d schuld sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir. das deutsche vokk in allen seinen Schichten, einmütig zurück. Richt Reid, haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit schweren Opfern des ganzen Volkes verbundene Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Feinden gegenüber. R e i n e n h e r ; e n s sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen, und mit reinen händen'hal das deutsche Heer das Schwert geführt. Deutschland ist jederzeit bereit, dieses vor unparteilichen Richtern nachzuweisen 1 Der Reichspräsident gab soDann Dem Wunsche Ausdruck, Daß an Diesem Erinnerungsmai stets innerer HaDer zerschellen möge, und schritt nach Oeffnung Der Pforte zum Vattonal- Dcntmal Die Ehrenkompagnie ab, begrünte Die erschienenen Ehrengäste und fuhr Dann im 2Sagen Die lange Front Der kameradschaftlichen Vereine und Der Mittampfer der Schlacht bei Tannenberg ob. Die Abfahrt der Front Dauerte ettoa ein* undeinehalbe ©tunDe. Inzwischen hatten sich die Fahnen der ehemaligen Regimenter und Die Ehrengäste um die Rednerkanzel postiert. Rach- Dem der Reichspräsident mit seinen Begleitern in den Kreis getreten war, folgte, eingebettet durch einen Choral, Der Feldgottesdienst, Den Der evangelische und der katholische Feldgeistliche abhielten. Flieger umkreisten den Denk- malsplatz. Mit Gebet und Dem letzten Vers des „niederländischen Dankgebets" schloß Der weihevolle Gottesdienst. Reichspräsident v. Hindenburg trat Dann an Die Redner- kanzel heran, von der aus Regierungsbaumeister Krüger, dessen preisgekrönter Denkmalsentwurf zur Ausführung gelangte, an alle feine Mitarbeiter herzliche Worte des Dankes richtete, und Den goldenen Schlüssel zum Tore des Denkmals dem Vorsitzenden des Denkmalausschusses, Generalmajor a. D. Kahns, übergab. Dieser ließ mit einer kurzen Ansprache Den Schlüssel Dem ReichspräsiDenten überreichen. Auf die Ansprache erwiderte Der Reichspräsident mtt folgenden Worten: „Möge der Geist von Tannenberg durch dieses Denkmal der Rachwelk erhallen bleiben!“ Der Zug mit Dem Reichspräsidenten an Der Spitze, bewegte sich nunmehr zu Dem Rordtor Des Denkmals, Das Der Reichspräsident öffnete. Durch die gewaltigen eichenen Türen durchschritten Der Reichspräsident und Die Ehrengäste Dad Tor und gelangten in Daß Innere des Ehrenhofes. Hier hatten sich terraffcnformig Die Einweihung des Tannenberg-National-venlmals. Der Reichspräsident von Hindenburg weist die Anlage von Deutschlands Schuld am Kriege zurück. GictzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk und Verlag: vrühl'sche Univerfiiäts-Vuch- und Zteindruckerei R. ränge in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7. Ingo— ■Jin Mayen- Mst Nambg. Die Steuervereinheitlichung. Reichsfinanzminister Dr. Köhler über den neuen Gesetzentwurf. Köln, 18. Sept. (WLB.) Del der Jahres- Versammlung der Kommunalpolitischen Bereinigung der Deutschen Zentrumspartei hielt der Reichsfinanzminister Dr. Köhler eine Rede Über das Thema „Reichs- und Gemeindesinanzen und die geplante Rahmengesctzgebung des Reichs." Rach einem Lleberblick über die Entwicklung des Steuerrcchts erklärte er u. a.: Im Interesse der gesamten Wirtschaft müsse das Real steuerrecht vereinheitlicht und übersichtlicher werden. Das Wesentliche aus dem Entwurf über die G e w e r b e st e u e r sei die Bestimmung einer einheitlichen Meßzahl für die Steuerbemessung und her Grundsatz, daß vor allem der Gewerbeertrag maßgebend sein soll. Bon einer sofortigen allgemeinen Senkung der Real- steuern um 20 Proz. könne niemals die Rede sein. Das Ziel der Reichsregierung sei jedoch, in absehbarer Zeit eine allmähliche und beträchtliche Senkung zu erreichen. Die Besoldungsreform des Reichs solle auch den Ländern und Gemeinden im Rahmen der Anpassung an d.e Berhältnisse maßgebend sein. Die Beamtende» fc>ldungsreform sei eine notwendige und soziale Reform. Besonders verwahrte sich der Minister gegen die Bestrebungen, die Besserung, die die Deamtengehaltserhöhung bringt. durchPreis- erhöhung auf dem Dedarfsmarkt wieder wcttzumachen. Die Reichsregierung werde dies unter keinen Umständen zulassen. Der Minister verwahrte sich ferner gegen den ihm gegenüber erhobenen Borwurf des Llni- tarismus und die ihm anläßlich des Steuervev- einheitlichungsgesehes zugeschriebene Absicht, die Selbstverwaltung der Gemeinden zu zerschlagen. Durch Den Gesetzentwurf sei ein wichtiger Fortschritt auf dem Wege der Vereinheitlichung der Steuergesetzgebung gemacht. Die bewegliche Gestaltung der Sinnahmemöglichkelten der Länder und Gemeinden sei bewußt eingeleitet und fortgeführt. Solange er Minister sei, arbeite er an der Vereinfachung und Vereinheitlichung des deutschen Steuerwesens und damit auch an der großen Reform der öffentlichen Verwaltung. Bayern unö Reich. Reden im Bayerischen Bauernverein. Tuntenhausen, 18. Sept. (WTB.) In Tuntenhausen wurde heute die Herbsttagung des bayerischen patriotischen Bauernvereins abgehalten. Dr. H o r l a ch e r (Bayer. 23p.) wies auf die Bedeutung der Weltanschauung im Rahmen der allgemeinen Politik hin und erklärte in diesem Zusammenhang, daß das christliche Volk die Auslassungen des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Wirth auf das tiefste bedauere. Dann behandelte der Redner hauotsächlich wirtschaftliche Fragen und wandte sich bei Besprechung der Steuerfragen im Interesse der Aufrechterhaltung der Selbständigkeit Bayerns entschieden gegen das Reichsrahmen« g e f e tz. Die Bayerische Bolkspartei erachte zwar eine ErhöhungderBeamtengehälterfür notwendig, fordere aber gleichzeitig, daß das Reich den Ländern für die ihnen erwachsenden Mehrausgaben eine finanzielle Beihilfe gewähre. — Ministerpräsident Dr. Held führte u. a. aus, daß nicht nur in Berlin, sondern auch in Bayern Leute seien, die das Heil für das ganze deutsche Volk im Unitarismus, im Einheitsreich sehen, ohne Rücksicht auf die einzelnen Stämme. Wir wolle aber unsere Selbständigkeit bewahren, nicht um das Reich dadurch zu schwächen, sondern weil wir die Ueberzeugung haben, daß die Kraft des deutschen Volkes in der Mannigfaltigkeit der Stammeseigentümlichkeiten liegt, deren Kräfte geschichtlich geworden und bis auf den heutigen Tag geblieben sind. — Geheimrat Dr. Heim nahm aleichfalls gegen die Zentralisierungs- und Unitari« sierungs-Tcndenzen entschieden Stellung. Der Entwurf des Steuervereinheitlichungsgefetzes bedeute die völlige Mediatisierung der Länder. Die Rrchrentschädigungen. Bericht des Untersuchungsausschusses. Berlin. 18. Sept. (Wolff.) DerReichs- tagsuntersuchungs ausschuß für die Ruhrentschädigungen legt jetzt einen ausführlichen schriftlichen Bericht vor. Das Votum des Ausschusses lautet folgendermaßen: 1. Die Entschädigungszahlungen des Reiches an den Bergbau des besetzten Gebietes beruhen auf dem Schriftwechsel zwischen dem Reichskanzler Dr. Stresemann und Hugo Stinnes vom Jahre 1923. 2. Da Ausgaben des Reiches nur auf Grund von Reichsgesehen oder des Etats geleistet werden dürfen, liegt unabhängig davon, ob eine privatrechtliche Bindung vorliegt, in der ohne Wissen des Reichstages Dor genommenen Zahlung eine objektive Verletzung des Etats ° rechtes des Reichstages vor. 3. Doppelzahlungen an den Ruhr- kohlenbergbau sind nicht erfolgt, dagegen sind äleber Zahlungen in erheblichem Umfange an8 der AuSgeltung der Kohlenlieferungen, aus der Kohlensteuer, aus Zinsen usw. erfolgt. Der Ausschuß hält daran fest, daß Ueberzahlungen stattgefunden haben, deren Höhe heute mangels genauer Unterlagen nicht mehr festgestellt werden kann. 4. Es ist sestgestellt worden, daß die Ansprüche derjenigen Geschädigten, mit denen ein Sonder abkommen getroffen war, auf Grund dieses Abkonnnens wesentlich günstiger behandelt wurden, als die Ansprüche der Ruhr- besetzungs-Geschädigten. 5. Unbestritten ist, daß eine ausreichende Abgeltung des der Arbeiter- und Angestelltenschaft sowie dem erwerbstätigen Mittelstände des Ruhrgebietes duich passiven Widerstand und seine Auswirkung zu- gefügten Schaden bis heute zum Teil noch nicht erfolgt ist. Der Ausschuß stellt fest, daß es erwünscht ist, die der Großindustrie des befehlen Gebiet s gewährte Begünstigung durch ausreichende Entschädigung der geschädigten Arbeiter und Angestellten sowie des Mittelstandes auszugleichen. Richter und Besoldungsreform. Berlin, 17. Sept. Wie der preußische Richterverein mitteilt, hat der Deutsche Richter- bund auf seiner außerordentlichen Tagung in Karlsruhe die folgende Entschließung gefaßt: „Rach der bisherigen Entwicklung der Be- soldungresorrn droht der Stellung der Rechtspflege im Staate die große Gefahr, daß 61 c vom in Das französische Kabinett ist nun also doch zu der besseren Einsicht gekommen, daß Frankreich durch einen Bruch mit Sowjet-Rußland nichts gewinnen kann. Man hat sich darauf geeinigt, öffentlich festzustellen, daß gegenwärtig keine Gründe vorliegen, die 'diplomatischen Beziehungen zu lösen. Diese Wendung der Dinge wird allgemein als ein Sieg Briands hin- gestellt, der extra zu dieser Kabinetlssihung aus Genf herbeigeeilt war. Darüber läßt sich aber ftreiten. Cs wird behauptet, daß die Schuldenverhandlungen keineswegs ungültig ständen und daß Sowjet-Rußland ein recht vorteilhaftes Angebot gemacht haben soll. Das könnte sehr gut den Finanzminister P oinc a rö veranlaßt haben, dem Drängen der ausgesprochenen Feinde Rußlands im Kabinett nicht nachzugeben und sich aus reinen finanzpolitischen Gründen auf Driands Seite zu sch'agen. Aber das bedeutet noch keineswegs, daß nun Rakowski bleibt. Sicherlich wird der Außenminister das Zugeständnis haben machen müssen, der Moskauer Regierung nahezulegen, ihi-en Botschafter zu veranlassen, daß er um seine Versetzung einkommt. Gerade die Tatsache, daß Der Rakowskikonflikt Der französische Ministerrat wünscht keinen Bruch mit Rußland. Sicherheit und Abrüstung Frankreichs Spiel im Genfer Abrüstungsausschuß. man mit Sowjet-Rußland nicht brechen will, macht es auch verständlich, weswegen in dem amtlichen Kommunique Rakows kl überhaupt nicht erwähnt wird. Das Kabinett hat sich unseres Erachtens also nicht von Gefühlsmomenten leiten lassen, ist aber dabei sicherlich mehr dem Finanzminister als dem Außenminister gefolgt. Richter in ihrem Rang hinter andere Beamte zurückgeseht werden. Eine Minderbewertung des Richterstanbes kann aber fein Staat mit geordnetem Rechtsleben ertragen. Völlig unvereinbar aber mit der Stellung der Rechtspflege im Staate würde es fein, wenn die Richter gerade deshalb zurückgeseht würden, weil ihre Beschäftigung infolge ihrer staatsrechtlichen Form anders geregelt ist als die Beschäftigung der übrigen Beamten." Schade, daß wir nicht auch einen Fall Paul- Boncour haben! Der Mann ist wirklich fabelhaft! Unter seiner Visitenkarte als Sozialist macht er eine nationalistische Politik, die es ihm ermöglicht, Hand in Hand mit Poincarö zu arbeiten und üclbewußt jede Aktion, die in der Richtung zur Abrüstung geht, zu sabotieren; wobei er aber immer eine feierliche Verbeugung vor dem Prinzip der Abrüstung macht und dabei, weil er nebenbei immer noch mit seiner sozialistischen roten, Blume im Knopfloch kokettieren kann, bei den Gutgläubigen Resonanz findet. Die taktische Geschicklichkeit, womit er auch jetzt wieder die Abrüstung, die für Frankreich in ein gefährliches Gebiet kam, abzuschieben sucht, ist in der Tat anerkennenswert, wenn wir uns auch nicht denken können, daß er auf die Dauer damit Erfolg hat. Denn dazu find doch eigentlich seine Mittel zu plump. Frankreich arbeitet ja seit Jahren mit dem gleichen Rezept in der Rheinlandräumung wie in der Abrüstung. Es hat, sobald die Räumung des besetzten Gebietes in Frage kam, Immer abwechselnd damit jongliert, daß Öle Besetzung notwendig sei, um Frankreichs Sicherheit aber Frankreichs f l - nanzielle Ansprüche zu garantieren. Und die französische Politik war dabei so aalglatt, daß es uns bisher nicht gelang, sie eindeutig darauf sestzulegen, welche Ziele sie tatsächlich mit der Besetzung verfolgt. In der Abrüstung geht es genau so. Auch hier wird älrsache und Wirkung je nach Bedürfnis immer wieder verschoben. Rach dem Versailler Vertrag ist es sonnenklar, daß die erzwungene Abrüstung Deutschlands erfolgt ist, um die Sicherheit Frankreichs zu garantieren und daß die Abrüstung der Siegerstaaten folgen muß, sobald Deutschlands Abrüstung vollendet ist. Zu allem älebersluß hat Clemen - c e a u in einem Brief, an den die Franzosen! heute nicht gerne erinnert fein wollen, die Kette dieser Zusammenhänge noch einmal ausdrücklich bestätigt. Poincors hat allerdings das Seinige getan, um diese Logik nicht anzu» erkennen. Er hat immer wieder behauptet, daß die deutsche Abrüstung noch nicht vollendet sei und daß Frankreich, ebenso wie sein Bundesgenosse, weiterhin von Deutschland bedroht sei. Rachdern aber die Botschafterkonferenz und der Völkerbund Tatsache der Durchführung der deutschen Entwaffnung anerkannt haben, zieht dieses Argument nicht mehr. Dafür ist dann von Herrn Paul-Boncour die neue Formel gefunden worden, daß trotz der Abrüstung Deutschlands die Sicherheit Europas noch nicht hinreichend bewährleistet sei, daß aber diese Sicherheit er fl geschaffen werden müsse, bevor die anderen abrüsten unb daß sie geradezu diesen Augenblick herbeisehnen, um ihre Rüstungslast loszuwerden. Daß, um gerade Frankreich über den Versailler Vertrag hinaus noch das Gefühl der Sicheicheit zu geben, die Lvcarnv-Ab- tommen geschlossen worden sind und daß damit auch die weitgehendsten Ansprüche Frankreichs eigentlich befriedigt sein müssen, kann Herr Paul-Doncour nicht leugnen. Aber da ist ja der Osten noch da, da ist noch Polen, das mit seinen sämtlichen Rachbarn auf dem geistigen Kriegsfuß steht, da ist die Tschechoslowakei, die sich von Ungarn — und vielleicht auch von Deutschland — bedroht fühlt. Also, so folgert dieser französische „Rational- sviza-st", müssen zunächst noch weitere Sicherheiten geschaffen werden, ehe von der Abrüstung gesprochen werden kann. Schritt weiter zu gehen. Damit war eigentlich das Spiel zu Ende. Selbst Paul-Boncoirr mußte anerkennen, daß er sich festgefahren hatte und im Grunde keine Möglichkeit mehr bestand, die Abrüstung binauszuschleben. Er suche nach neuen Losungen, hat er vor einigen Tagen versichert, und mit dieser Lösung ist er jetzt hervorgetreten. Seine Resolution ist ein beachtliches Machwerk. Sie wirft alles, was an unklaren Ideen bei den Polen, den Holländern und den Engländern vorhanden ist. in einen großen Topf und macht daraus eine Speise, die nicht nur England, sondern auch den Heinen Staaten schmackhaft fein soll. Der Schaum, den et darüber gießt, verhindert offenbar bisher die anderen Staaten zu sehen, worauf er abzielt. Kommt er mit feinem Vorschlag durch, bann ergibt sich bas groteske Bilb, baß Frankreich, bas Volk in Waffen, das feine Mobllisalionsmöglichkeiten bis zum letzten durchgeführt hat, mit Zustimmung des Völkerbundes feine Abrüstung ins Unendliche hinausfchiebt. Unter der angeblich friedens- sicheren Autorität des Völkerbundes würden wir bann also erleben, baß bas waffenlose Deutsch- lanb nach wie vor von überrüsteten Staaten umgeben ist, daß dabei doch immer noch Deutschland als Friedensstörer gilt, während nach dem Wortlaut und nach dem Sinn des Versailler Diktats Deutschland einen berechtigten Anspruch darauf hat, jetzt auch die Abrüstung der anderen zu verlangen. Die deutsche Delegation muß dieser Unehrlichkeit mit aller Rücksichtslosigkeit entgegentreten. Sie muß dafür sorgen — Gras Bernstorfs hat die ersten Anfänge ja bereits in sehr dankenswerter Weise gemacht —, baß der Rebel von Phrasen, der um bie Abrüstung künstlich erzeugt worben ist, sich zerstreut unb bas Problem auf bie kurze, gemeinverständliche Formel gebracht wird: daß bie Sicherheit nicht eine Voraussetzung ber Abrüstung, sondern deren Folge ist. Anders herum gesehen, daß bie Abrüstung nicht durch den Frieden erzwungen werden kann, sondern, daß der Friede nur die Folge ber Abrüstung ist. Wenn man sich das einmal klar macht, bann bricht bas ganze halsbrecherische System der Franzosen in sich zusammen. Unb man sollte doch sagen, daß im Völkerbunb noch genügen!) gefunber Menschenverstand vorhanden ist. um mit den dialektischen Akrobatenkunststücken Paul-Doncours fertig zu werden. Der Abrüstungsausschuh jrirr; Genf, 17. Sept, (WB.) Der Abrüstungsausschuß der Völkerbundsversammlung schloß heute die allgemeine Aussprache über bie verschiedenen vorliegenden Anträge. Der Vorschlag R a n s e n s über ein allgemeines Schiedsabkom- men wurde an den RechtSausschuh der Versammlung verwiesen. Der Entschließungsentwurf Paul-Doncours und ber holländische Antrag werden in einem am Montag zu bildenden Unterausschuß weiter beraten. Der polnische Antrag soll dagegen nur in einer Vollsitzung des Ausschusses erörtert werden. Herr Chamberlain hat, allerdings englischenStandpmckt aus, dieseArgumentation a löge lehnt. Er hat daran festgehalten, daß der Völkerbundspakt und die Locarno-Verträge zusammen alle berechtigten Wünsche erfüllen und daß England nicht daran denkt, noch einen Aus aller Well. Neuer Weltrekord Dr. Peltzers. Paris, 18. Sept. (WB.) Bei den internationalen Leichtathletikwettkämpfen im olympischen Stadion bei Colombes siegte im 1 0 0 0* Meter-Hauptlaufen Dr. Pelher in ber neuen Weitrekordszeit von 2,25‘A©ef. mit einem Meter Vorsprung vor dem Franzosen Martin. Lin neue» Seebeben an ber Krimküste. Ein neues Seebeben ist an ber öübfüfte der Krim ausgebrochen. Ueber 40 Fischerboote sink) umgekommen. Außerdem sind zwei Handelsschiffe auf id> er Fährt nach Odessa unb De- bastopel untergegangen. Die Menschenopfer werden mit 200 beziffert. Der Vorsitzende des Rates der Volkskomissare hat an bie Bevölkerung einen Ausruf erlassen, der bie Bevölkerung zur Währung ber Ruhe auffordert unb ihnen die Hilfe bet Regierung verspricht. Die russischen Manöver ber Schwarzmeerflotte werben trotz des Erdbebens fortgesetzt. Heute haben auch Erdstöße in ber Äcihe von Odessa unb Charkow ftattgefunben. Feuersbrunst durch eine Höllenmaschine. In G y e v g y e l i an der Strecke Risch- Saloniki explodierte im Hotel Reu-Delgrab eine Höllenmaschine. Die Wirkung der Explosion war fürchterlich. Binnen weniger Minuten stand das Hotel I n Flammen. Die Bombensplitter t ö ° t c t c n siebenPersonen: viele wurden mehr ober minder schwer verletzt. Ehe noch bie städtische Feuerwehr am Brandplah eintrat, hatten bie Flammen auch bie beiben benachbarten Hotels Saloniki unb Kronprinz ergriffen. Um Mitternacht stauben noch alle drei Hotels in Flammen. Man glaubt, daß es sich um einen politischen Racheakt handelt. Schweres Autounglück. Auf bet Fahrt von Diessen am Ammersee nach München, fuhr ein mit 4 Personen besetztes Auto infolge Versagens der Steuerung gegen einen Baum. Die Insassen (unb zwar ber Wagenbesitzer, sein 17jähriger Sohn, seine Schwiegermutter unb seine Richte! wurden aus dem Wagen geschleudert unb sämtlich schwer verletzt. Sie wurden in die chirurgische Klinik nach München gebracht. Auf dem Transport ist ber 17jährige Sohn bereits gestorben. 1 a r i 9, 17. Sept, (wolsf.) heute vormittag hat cmbouillet unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein 2TI i n i ff e r r a f ftattgefunben. Wie das amtliche Kommunique besagt, wurde beschlossen, nicht auf den Vorschlag des von der Sowjetregierung formulierten Richteinmischungspaktes zu antworten, da die Sowjetregierung in dieser Hinsicht bereits am 29. Oktober 1924 eine unbedingte und absolute Verpflichtung übernommen hatte, deren Einhaltung die französische Regierung zu überwachen sich Vorbehalte. Der THinlfferrat war andererseits der Ansicht, daß in keiner Weise gegenwärtig ein Abbruch der diplomatischen vezie Hungen gerechtfertigt ist und hat den russischen Vorschlag eines Richtangrifsspaktes zurück- g eft e t U, der der poltlt Frankreichs wie auch dein Sicherheilsbedürfnis feiner Allilerlen im Offen entspricht. Der Rlinifferraf hat infolgedessen den Außenminister beauftragt, diese Verhandlungen fortzusehen. CI Dom niltaji meinbe neu un Dieü nach T Dkl S)' M fingen' AMl bände lag bi DM nicke den 1 singen die fl am ber 0 Gene, tag ' Wett« Ml millac meind aus A fteiger M Sinnt M t Ti, das 8, Obst. I Acvfe lend v . Buf der K, oberha Stiebbe Stark Sieburg HePM fen: 2 heim in Ob dingen 10; 6 65, D Heppe, fen: - heim I Vt Fii Und *3 Helle ohne § soner Last' sich ar in 6b in $ Stark Rhein 292 ii 3 auf ? ohne 457, 2 Lauter Darmfl Orbach Ösienbc 2ltzcy ■ 412. (Eigenartige Auswirkung eines Anfounfalles. Der Bürgermeister von Ratibor, Ellendt, verlor bei der Rückfahrt vom Oberfchlesifchen Städtetag Im Dorf Krawarn bei der Abwehr eines ihn belästigenden den Infektes die Herrschaft über den von ihm gesteuerten Kraftwagen, der in den Straßengraben fuhr und sich überschlug. Der Bürgermeister und sein Chauffeur wurden herausgeschleu- d e r t und kamen unter den Wagen zu liegen. Beide erlitten nur leichte Verletzungen. Dem Bürgermeister schlang sich aber seine goldene Uhrkette um den Hals, und ehe Hilfe kam, crfHdte er. Schwere Unglücksfälle bei einem Motorradrennen. Im Verlaufe des vom Bremer Motorrad- llubs am Sonntag bei Wildeshausen abgehaltencn Rennen um den Preis der Hansestädte ereigneten sich, da die Straßen infolge anhaltenden Regens stark verschlammt waren, mehrere älnglücks- fälle. Der Bremer Fahrer Osten stürzte und verstarb an den Folgen eines Schädelbruches. Auch Dr. Hops- Bremen stürzte, wurde überfahren und erlitt einen Armbruch. Von H o l - len-Bremen erlitt durch Sturz ernsthafte Kopfverletzungen. Ein am Rennen unbeteiligter Motorradfahrer, M i t to o 11 e n aus Bremen, fuhr gegen einen Baum und blieb mit einem Knöchel- bruch liegen. Schweres Flugzeugunglück in Amerika. In Plainfield (Reu Verseh) verunglückte ein Flugzeug mit zehn Passagieren, von Denen nach dem Absturz acht schwer verletzt aus den Trümmern herausgezogen wurden. Von diesen acht sind schon nach türzer Frist fünf gestorben. Cs besteht auch wegen Der übrigen Verunglückten noch ernste Besorgnis. Das verunglückte Flugzeug ist eine Fokkermaschine, die eine Reihe kurzer Flüge mit je acht Passagieren machte. Beim fünften Fluge befanden sich zehn Passagiere an Bord. Das Flugzeug erhob sich zwar vom Boden, aber der Motor setzte aus und der Apparat stürzte ab und wurde zertrümmert. 3n die Schere gestürzt. Einem seltenen Unfall fiel in Beuthen ein fünfjähriges Mädchest zum Opfer. Es stand mit einer Schere in Der Hand auf der Fußbank, verlor plötzlich Das Gleichgewicht unb fiel so unlücklich zu Boden, baß ihm bie Schere in bie Schläfe drang. Das Kind war sofort tot. , 3m Paddelboot über den Kanal. Zwei junge Leute, ein Schweizer namen. Wehlie und ein Oesterreicher namens Walte Klausmeher, starteten bei Boulogne-sur-mer in einem Kautschukboöt von fünf Meter Länge, um Den Kanal zu durchqueren. Sie beabsichtigten in sechs bis sieben Stunden Fahrt in London zu sein. Durch starken Wind wurde das Boot jedoch in Richtung Weft-Süd-West abgetrieben so daß die beiden Studenten abends nach achtstündiger Fahrt in der St. Margueritbucht zwischen Deal und Dover landeten. Sie beabsichtigen, wenn möglich, die Reise nach London bei günstigem Wetter in ihrem Boot fortzufetzen Reiche Diebesbeute. Sonntag nachmittag wurde in B e r 1 i n ein Ein bruch in ein Iuwelengeschäft in der Friedrichstraße verübt. Die Diebe drangen zuerst in ein benachbartes Lotterieeinnehmergeschäft ein, durch brachen bie Wanb unb gelangten so in bas Gold- Warengeschäft. Sie haben für etwa 150 000 Mark Brillanten, Uhren unb Golbwaren gestohlen. Fraulein, bitte Tokio? Anläßlich der kürzlichen radiotelephonischen llebermitilung Berl in — Buenos-Aires hat Graf Arco angekünbigt, daß wir in absehbarer Zeit um bie Gesamterbe sprechen könnten. Graf Arco hat weiter erklärt, daß voraussichtlich noch in diesem Jahre drahtlose Telephonversuche Berlin- Tokio stattfinden werden. Wie das „Berl. T." erfährt, werden jetzt bald die angekündigten Telephonversuche zwischen der japanischen unb beutschen Hauptstadt mittels Kurzwellensenber stattfinben. Die Wetterlage. Sonntaq, den fö. Sept. 2 7 6'7 vorn. . ' ~ * 0tfontenlo$.0 neiter. 3 naio oedecia. »weiicia. Oveoecii. eReget * Schnee & Sraupem ■ MeDei K Gewitter.(§)wmd$tiiie. Kh sehr leichter Ost massiger Sufl$oowe$i q jtormsener «ordwesl Cie Pfeile flieoen mit dem winde Pie do den Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Urnen verbinden Orte mit gleichem •ut Aeeresmveau umgerechneten Luftdruck ALeLtervorautzsage. Die Randstörungen des skandinavischen Tiefs sind weiterhin bestimmend für unsere Wetterlage, älnter Westluftströmung bleibt das unfreundliche, kühle und auch regnerische Welter fortbestehen. Wettervoraussage: Wolkig mit zettweisem Aufklaren, kühl, vereinzelte Rieders<ÄÄge, um West drehende Winde. Witterungsaussichten für Mittwoch: Roch keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen am 18. September: mittags 11 Grab Celsius, abends 9,4 Grab Celsius, am 19. September: morgens: 9,6 Grad Celsius. — Erd- temeperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 18. Sep. temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 18. Scp- ber: morgens 11,7 Grad Celsius. Maximum 13,2 Grab Celsius, Minimum 8,2 Grab Celsius. — Niederschläge 3,4 Millimeter. — Sonnenscheindauer: eine Viertelstunde. Führende Lackfabrik mit erstklassigen Spevalitmen für Maler- und Industriebedarf 8463A sucht besteingesührten Vertreter für den Bezirk Gießen. Angebote unter Ii. 1879 an Ala, Haesensteln & Vogler, Köln. Obftversteigerung. Mittwoch, den 21. September 1927, vormittags von 8% Ahr ab, soll das der Gemeinde Annerod gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln, Birnen und Zwetschen, versteigert werden. Zusammenkunft bei der Kirche. Annerod, am 17. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn._________8441D Obstversteigernng. Donnerstag, den 22. September, nach- mi(lc.j6 von 1 Uhr ab, soll sämtliches Ge- meindeobst, bestehend aus Aepfeln, Birnen und Zwetschen, versteigert werden. Die Versteigerung beginnt an der Straße nach Muschenheim. 8469V Birklar, den 18. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Birklar. __________ Müller.___________ Obftversteigerung Winnerod Dienstag, den 20. Scvt. d. I., wird das zu dein Hosgut Winnerod gehörige Obst, benehend auS einer groiren Anzahl Aepfeln und Birnen, öffentlich meistbietend versteigen. Zusammenkunft vormittag» V' ,,Uhr auf der Kreisttrane Reiskirchen-Winnerod oberhalb der Seippschen Ziegelei. Die Mntsverwaltuna 8447V_______des HvsgntcS Winnerod AenslW, öen 20. ö. HL, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Sotten“, Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 2 Büsens, 1 Dezimalwaage. 2 Waagen, 1 Glaskasten. 2 Ladenkassen, 1 Herrenfahrrad. 1 Waichm schine. 2 Laden- lheken, 1 schwarzvolieries Klavier, einen Schreibtisch mti Aufsatz, 1 Sckneib- wascht ne. 1 Stahlitanze. 1 Kovierpresse, 3 kl. Warenschränke, 1 Klubsessel, 1 Dl- man 1 Schreibmaschine. 1 elekir. diachr- lamve, 1 Wcidcsessel. 1 sioaschkommode. Moll, Gerichtsvollzieher k. A., 'N Gießen, Iheringstraße 7. ÄÜWMS petkuser 1. anerkannte Absaat empfiehlt 8470a Eamenhaus Heinrich Hahn Aus der Provinzialhauptstadt. Gieß en, den 19. September 1927. Die Kraftfahrzeuge in Hessen am 1. Juli. Aach einer Veröffentlichung im September- Pest der Mitteilungen der Hess. Zentralstelle für Vie Landesstatistik wurden am 1. Juli 1927 in Hessen 5815 (1926 = 4841) Krafträder, ohne Kleinkrafträder. 5088 (1926 - 3336) Personenkraftwagen und 1905 (1926 = 1756) Lastkraftwagen gezählt. Davon befanden sich an Krafträdern, ohne Kleinkrafträder, 2946 in e arknburg, 1431 in Oberhesfen. 1438 in Rheinhessen: Personenkraftwagen 2143 in Starkenburg, 1134 in Obcrhessen, 1811 in Rheinhessen: Laftlrastwagen 788 in Starkenburg, 292 in Oberhesfen, 825 in Rheinhessen. 3m einzelnen verteilen sich diese Ziffern auf die Kreise wie folgt: Krafträder, ohne Kleinlrafträdcr, Oberhesfen: Gießen 457, Alsfeld 142. Büdingen 182, Friedberg 360. Lauterbach 158, Schotten 132; Starkenburg: Darmstadt 734, Bensheim 263. Dieburg 199, Erbach 189. Groß-Gerau 500, Heppenheim 222, Ofienbach 839; Rheinhessen: Mainz 560. Alzey 135, Bingen 167, Oppenheim 164, Worms 412. Personenkraftwagen in Ober- hessen: Gießen 513, AlSscld 92, Büdingen 98, Friedberg 294, Lauterbach 80. Scholten 57: Starkenburg: Darmstadt 833, Bensheim 201. Dieburg 110. Erbach 108, Groß-Gerau 243, Heppenheim 109, Offenbach 539; Rh einh essen: Mainz 857, Alzey 169, Bingen 194, Oppenheim 143, Worms 448. Lastkraftwagen in Oberhessen: Gießen 113, Alsfeld 12, Büdingen 17, Friedberg 118, Lauterbach 22, Schotten 10; Starkenburg: Darmstadt 295, Bensheim 65, Dieburg 52, Erbach 47, Groß-Gerau 116, Heppenheim 34, Offenbach 179; Rheinh es - fen: Mainz 455, Alzey 55, Dingen 99, Oppenheim 57, Worms 159. Von der Manöoertätigkeit unserer Garnison. Wie man uns vom Truppenübungsplatz Münsingen mitteilt, begannen nach recht anstrengender Ausbildungstätigkeit innerhalb der kleinen Verbände bis zum Regiment am vorigen Donnerstag die dreitägigen Hebungen der gesamten 5. Division unter dem Befehlshaber General R e i- n i d e. Die Hebungen erstreckten sich nur auf den Bereich des Truppenübungsplatzes Münsingen und dauerten vom frühen Morgen bis in die späten Rachmittagsstunden. Die Hebungen am zweiten und dritten Tage leitete der Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II. General der Infanterie Reinhardt. Bis Freitag einschließlich war die Truppe von gutem Wetter begünstigt, während der Hebungen am SamStag regnete es in Strömen. Am Freitag fand ein großer Zapfenstreich mit Serenade der gesamten vereinigten Musikkorps der 5. Division statt, der bei allen Teilnehmern und Zuschauern einen tiefen Eindruck hinterlieh. Zum Schluß der Divisions-Manöver fand am Samstagnachmittag nach der großen Schlußbesprechung eine Parade der gesamten 5. Division vor dem Oberbefehlshaber statt, der unter vielen Zuschauern auch der württembergische Staatspräsident beiwohnte. Ab heute, Montag, beginnt der Abtransport der Truppen in ihre Garnisonen bzw. bei den Verbänden, die am großen Manöver teilnehmen, die Umleitung nach We st - falen. Unser Bataillon wird in der Rächt vom Montag zum Dienstag, in dem 18 Kilometer von Münsingen entfernten Urach verladen und trifft Mittwoch. 21. 9., 8.20 Uhr in Paderborn ein. Das Bataillon bezieht hier für einige Sage Unterkunft in der Kaserne des 13. Regts. Die übrigen Teile des Regiments, sowie die gesamten an dem Manöver teilnehmenden Kavallerie-Verbände kommen in den Lagern rings um die Senne unter. Am 22. und 23. 9. nimmt das 1 5. 3ns.-Regt. an den Manövern der ß. Kavallerie-Division teil, und zwar als motorisiertes Regiment. Am 24. September erfolgt Kraftttagentransport in das Manövergelände zwecks Teilnahme an den Manövern des Gruppen-Kommandos 2. Für die Rächte vom 26. zum 27. und 27. zum 23. September sind Biwaks vorgesehen. Am 29. September wird das Bataillon in Kassel, mit Teilen in Warburg zum Abtransport in die Garnison verladen. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Gießener Freiwillige Feuerwehr: 8.30 Uhr, Hauptübung. — Freiwillige Gailsche Feuerwehr: Schluß- Übung. — Lichtspielhaus . ... . . „Gräfin Plättmamsell". — Astoria Lichtspiele: „Liebesnächte am Nil". — BlindenkonzertinGießen. Morgen, Dienstag, abend, veranstaltet der erblindete Flötenvirtuos Rudolf Thies in der Aula des Realgymnasiums ein Konzert, auf das hier besonders hingewiesen sei. Der Künstler hat kürzlich in Darmstadt in der Otto-Berndt Halle mit großem Erfolge konzertiert. Man beachte die heutige Anzeige. ** Der Gießener L ese h al I e v e r ein im 3ahre 192 6. 3n den Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik (September-Heft) werden über die Entwicklung des Gießener Lesehallevereins im 3ahix 1923 folgende Angaben gemacht: Bestand etwa 7000 Bände. Zugang 1926 etwa 200 Bände. Aus- geliehen 14 138 Bände, davon: Erzählungen 8817 Bände, Zeitschriften: 1167 Bände. 3ugen' schr ften 955 Bände, Literaturgeschichte 64 Bände. Verse und Dramen 170 Bände, Länder und Völker 776 Bände, Kulturgeschichte 201 Bände, Geschichte und Biographie 743 Bände, Kunstgeschichte 90 Bände, Ratur und Technik 472 Bände, Meer und See 85 Bände, HauS und Land 97 Bände, Gesundheitslehre 50 Bände, Religion und Philosophie 233 Bände, Staatswissenschast 74 Bände, Sprachwissenschaft 32 Bände, Fremdsprachliches 112 Bände. Rach auswärts verliehen 133 Bände. 3n der 1927 wieder eröffneten Lesehalle liegen 30 Zeitungen und 15 Zeitschriften aus. ** Der Hessische undHessen-Nassauisch e LandesverbandreisenderSchau- steller und Händler veranstaltet am 10.Ok- tober in Gießen seine Bannerweihe. Das Danner, das im Schuhhaus Metropol ausgestellt ist, wurde von der Bonner Fahnenfabrik geliefert. * Auftrieb a u f dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 390 Ochsen, 112 Bullen, 93 Kühe, 421 Färsen, 374 Kälber, 129 Schafe und 5282 Schweine. Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt. Schwere Eifenbahnunfülle in Oberhesfen. Zwei MännerzwifchenGriinbcrg und Gicficn totgcfahrcn. : Linden st ruth, 18. Sept. 3n der vergangenen Rächt ereignete sich auf dem Bahnkörper zwischen hier und Saasen ein schwerer Unglück s s a l l. Als heute morgen gegen fünf Uhr ein Bahnbeamter von Saasen den Bahnkörper nach hier entlangging, um bei dem Bahnübergang fetneu Dienst anzutreten, sand er etwa in der Witte zwischen Saasen und hier auf dem Bahnkörper zwei männliche Leichen. Wie sich bald hcraussiellte, waren es der 56 Jahre alte Weißbinder Weih, und der 21jährige ledige Weißbinder Schäfer, beide von hier. Die männer waren am Abend vorher von Göbelnrod gekommen. 3n Saasen machten sie eine kurze Pause und marschierten dann den Bahnkörper entlang, wahrscheinlich auf den Schienen, nach Lindenstrülh weiter. Bei dem starken W e st w l n d konnten sie wahrscheinlich den im Rücken von Grünberg herannahenden, gegen halb zehn Uhr sälligen Pecsonenzug n i ch t hören und wurden beide von der Maschine gefaßt und getötet. Der eine trug eine Verletzung am klopf, der andere eine solche im Rückgrat davon. Schäfer scheint nicht gleich lot gewesen zu fein, denn er ist noch vom Bahnkörper bis zum Graben gekrochen, heute mittag weilte das Gericht an Ort und Stelle, um den Sachverhalt aufzunehmen. Ein Fuhrwerk bei Wölfersheim überfahren * Wölfersheim, 19. Sept. (Eigener Drahtbericht) Am Samstagabend gegen 20 Uhr wurde das Fuhrwerk des Landwirts Rückeis aus Wölfersheim an einem unbesetzten Feldweg-Ueber- gang Über den Bahnkörper der Strecke Friedberg-Hungen bei Wölsersbeim von dem Abendzuge überfahren. Dem Vernehmen nach soll das Pferd gescheut haben und vor die Lokomotive gesprungen sein. Der Wagen, aus dem sich R ü ck e i s mit seiner Frau und einem Enkel befand, wurde oollständia zertrümmert und alle drei Insassen schwer verletzt. Die verunglückten wurden dem Friedberger Krankenhaus zugeführt, wo das Kind bereits gehör- ben ist. Das Pferd blieb unverletzt. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Max von Gruber f. München, 17. Sept. (Wolff.) Geheimrat Prof. Dr. Max von Gruber, der berühmte Hygieniker und derzeitige Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, ist gestern in Berchtesgaden plötzlich an einem Herzschlag g e st o r b e n. ch Max von Gruber ist am 6. Juli 1853 in Wien geboren. Er studierte in seiner Vaterstadt, ferner in München und Leipzig Medizin, wurde 1875 Assistent am ersten chemischen Universitätsinstitut und beschäftigte sich 1879 bis 1882 in München als Schüler Max von Pettenkofers, dessen Lehrstuhl er bis jetzt einnahm, mit hygienischen, vhysiolo- gischen und bakteriologischen Studien. In Wien habilitierte er sich danach für Hygiene und arbeitete im Physiologischen Institut in Leipzig unter Ludwig. 1884 kam Gruber als außerordentlicher Professor nach Graz. 1887 wurde er in derselben Eigenschaft nach Wien berufen und wurde dort 1892 ordent licher Professor. Als Nachsolger Hans Buchners ging er 1902 als ordentlicher Professor nach München. Gruber, der auch Mitglied des Reichsgesundheitsrats ist, hat sich bekannt gemacht durch die von ihm im Jahre 1896 entdeckte Agglutination (Verklebung) der Bakterien durch das Blutserum von Tieren, die mit diesen Bakterien immunisiert worden sind. Diese Reaktion wird zur Diagnose besonders des Typhus benutzt und heißt Gruber-Widalsche- Reaktion, da Widal sie zuerst am Krankenbett verwertet hat. Außer bakteriologischen Forschungen hat Gruber wichtige Arbetten über die physikalisch- chemischen Vorgänge bet der Desinfektion mit Wasserdampf geliefert. Segensvoll waren auch die Forschungen Grubers über die Filtration des Wassers in Asbestfiltern, über die hygienische Prüfung des Wassers und über Wasserversorgung für große und kleine Gemeinden. Häufig wurden von dem Gelehrten Gutachten über die Wasserversorgung einzelner Gemeinden eingezogen. In letzter Zeit wandte er sich besonders der Rassenhygiene zu, über die er für die Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden einen Katalog herausgab, der durch seine Tabellen über Vererbung und Fortpflanzung großen wissenschaftlichen Wert besitzt. Ein ähnliches Thema wird auch behandelt in dem Werke „Führt die Hygiene zur Entartung der Rasse?" Außerdem schrieb er „Die Hygiene des Geschlechtslebens" und „Die Prostitution vom Standpunkte der Sozialhygiene". — Im Jahre 1923 wurde er zum Präsidenten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. sehen Sie seit Monaten in immer steigender Zahl die neuen MERCEDES; BEN Zs Sechszylinders Modelle oon Su.iQ, PS. Überall im Strassenverkehr fallen Sie auf durch ihre rassige Linie, die vornehme Eleganz ihrer Karosserien kennzeichnet sie als das berühmte Fabrikat der ältesten Automobilwerke der Welt Ihre fahrtechnischen Eigenschaften sind das Entzücken aller Automobilisten, für ihre Qualität bürgt die Marke MERCEDES-BENZ Wollen Sie ein Urteil über diese Wagen hören, so fragen Sie die Besitzer, wollen Sie einen Wagen fahren, dann kommen Sie zu uns! Preise 8/38 PS. Offener Viersitzer M. j8oo.- Innenlenker M. 86oo.- bis M. 8900.- 3 Sitzer Cabriolet M. 9600.- 4 Sitzer Cabriolet M. 9800.- 12/55 PS. 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September 1927. 8459V Heute entschlief sanft nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Elisabeth Rinn geb. Rinn im 74. Lebensjahre. Heirat! GeschästSm., mit kirn Beruf, verm., Vand nnrts., 29 Jahre alt, sucht Geschäfte halb, eine tüchtige Schneider- meisterin mit eign. Haus, La- dengesch. oder gute Wtrtsch nicht aus- geschl. Schr. Ang. u. 8398V an d. G. Anz. der verstorbenen Minna Stooß, in der Schmarzlach, ist zu verkauf. Mäh- durch Karl Stoltr. Nen- wied, Mittelur. 74. Ab heute bin einschließlich Mittwoch: Liebesnädite am Nil (Eine Frau von Rasse) 7 Akte nach dem Manuskript von Garrett Fort Aegyptische Originalaufnahmen von den Königsgräbern in Luxor unter Benutzung der neuesten Ausgrabungsei gebnisse. Künstlerische Oberleitung Cecil B. de Mille. Ferner: Das reichhaltige lustige Beiprogramm. 1862-1912 Am 16. d. M. starb unser treuer Altersgenosse Herr Heinrich Mäser Stellwerkmeister i. R. Wir betrauern den Heimgang eines guten Mitgliedes, dessen Andenken wir stets in Ehren halten. Beerdigung: Dienstag. 20. September, nachmittag» 3 Uhr, Neuer Friedhof. 8466V Um zahlreiche Beteiligung bittet derVorefand. Ein reizendes Lustspiel in 6 Akten. Mit der großen deutschen Besetzung. U. a : OshI Oswalds. Lydia Potechina, Julius Falkenstein, Curt Bois. Robert Garrison, Hanne Brinkmann. — Femen Um Recht und Ehre Samstag abend verschied infolge eines tragischen Ünglücksfalles unser lieber Sohn, Bruder, und Enkel Herr Wütete Schäler L im 20. Lebensjahre. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Schäfer Witwe Schäfer, Großmutter. Lindenstruth, Harbach, den 18. Sept 1927. Die Beerdigung findet Dienstag, den 20. Sevt., nachmittags 2 Uhr, statt. 06780 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am Samstag abend 8 Uhr unsere liebe, unvergeßliche Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Luise von einem jahrelangen Leiden nach schwerem Kampfe im blühenden Alter von 21 Jahren zu erlösen. In tiefer Trauer: Johannes Bruder, Zugführer, und Fran Maria geb. Faber Wilhelm Bruder und Frau Minna geb. flutber Heinrich Stoll und Frau Anna geb. Bruder Otto Velten und Frau Pauline geb. Bruder und sonstige Verwandte. 6 Akte nach dem Roman „Der tolle Teddy von Erich Friesen. In den Hauptrollen: Harry Lledtky, tirftfln Agnes Esterhazy, MaryParker, Olga Engel, Robert Scholz, FritzAlberti RMW Ml All "ÖS Auto-Ruf Ausstattung Mein u.prelsmerl kne vlMMe ™ Univ.-Drvllerei. S. Lange, ©leben. Schulstr. 7. Tel. 802. Hlmriii 3ufammenlunft öer Damen Donnerstag, ü 22.9., nachmittags 4 Ubr. bei Röningcr (öest Hof.) 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Die latente Spannung zwischen der türkischen Republik und Griechenland ist trotz des nach jahrelangen Verhandlungen endlich zustandege- kommenen Vertrages, trotz der Geruchs und Be- sprechungen über einen kommenden Valkanvuno und trotz der sonstigen Vereinbarungen und Abreden bezüglich des Flüchtlings- und Güteraustausches von der Zeit des Llnabhängrgkettskrieges an bis auf den heutigen Tag keiner völligen Beruhigung gewichen. 3m Gegenden. Die Möglichkeit der Verschärfung dieser Spannung. auf die bereits vor etwa zwei Monaten hingewiesen wurde, ist nun zur Tatsache geworden und könnte unter älmständen Auswirkungen haben, die im Interesse der allgemeinen Verständigung unter den Balkanvölkern als außerordentlich bedenklich angesehen werden muß. Von den während und nach dem Unabhängig- keitskricge von der kemalistischen Regierung ausgewiesenen oder verbannten Staatsfeinden, den sogenannten „15 0 Unerwünschten", ist ein sehr großer Teil seinerzeit nach dem feindlichen und benachbarten Griechenland gegangen. Und von dort sickerten von Zeit zu Zeit Nachrichten durch, daß dieser oder jener der Verbannten oder sogar mehrere gemeinsam in Verbindung mit griechis chen amtlichen Stellen ständen. Wie bekannt, hat nun vor kurzem einer dieser „150 Unerwünschten" mit zahlreichen Komplicen, zu Schiff von einer griechischen Insel kommend, die anatolische Küste betreten und diese Bande wurde einschließlich ihres Führers von der türkischen Gendarmerie nur wenige Tage nach ihrem Auftreten in der Türkei fast völlig aufgerieben. Die drei Ueber- lebenden wurden gefangen, und vor dem türkischen Gericht einem strengen Verhör unterworfen. Bei ihnen und bei ihren toten Genossen hat man, wie von türkischer amtlicher Seite berichtet wird, zahlreiche Dokumente und Papiere gesunden, aus denen unter anderem entnommen werden konnte, daß Attentate auf Mitglieder der türkischen Regierung und andere höhere türkische Persönlichkeiten, vor allem auch aus den Sonderzuo des Staatspräsidenten geplant waren. Die gleichfalls aus diesen Papieren heroorgehende Belastung von türkischen Persönlichkeiten, die in früherer Zeit politisch eine Rolle gespielt haben, und sich heute innerhalb der türkischen Grenzen befinden, sei hier nur erwähnt. .Oiaborowta Tät/u •Kirin Jaule «pringflutkalastrophe auf den japanischen Inseln Kiusiu, Sikoku und Süd-Hondo. B-jt= Uusgn—11 o ■ - — -x— \ ~—NagftaB —z-. Schang-hai—. Don arößtem Interesse ist aber die gleichfalls von türkischer amtlicher Seite wiedergegebene Nachricht, daß die gefundenen Papiere auf eine Zusammenarbeit der Bande der Tscherkessen Hadschi Sami, so hieß der Leiter der Unternehmung, mit griechischen Behörden schließen lassen. Entsprechen diese Meldungen den Tatsachen, so bedeutet das naturgemäß eine ganz ungewöhnlich starke Belastung des Nachbarlandes, die griechische Regierung stände dann ganz einfach unter dem Verdacht, mindestens geistiger Mithelfer an der Ausarbeitung eines Attentatsplanes auf den türkischen Staatspräsidenten gewesen zu sein. So ist denn auch sofort nach Delanntwerden der Angelegenheit der türkische Gesandte in Athen in sein Heimatland abgereist, um sich die notwendigen Instruktionen bei Tew- fik Rüsch di Dej. dem türkischen Außenminister. zu holen, auch hatte der hiesige griechische Gesandte Tsamados wisderholt eingehende Besprechungen mit Tewsik Rüschdi Bej. Die völlig in der Hand der Regierung liegende türkische Presse hat in den Tagen dieses Besprechungen der gairzen Angelegenheit eine wider Erwarten außerordentlich schonende Behandlung zuteil werden lassen, Wohl um die Verhandlungen nicht zu stören und einen möglichen Ausgleich nicht durch einen scharfen Pressefeldzug zu erschweren oder gar zu verhindern. Allem Anschein nach sind aber die Besprechungen und Verhandlungen zwischen den beiden benachbarten Regierungen nicht zu dem Ergebnis gediehen, daß man in Angora für er- wünscht und möglich hielt. Der bereits häufig als inoffizieller Sprecher der Regierung Kemals verwandte Hauptschriftleiter der halbamtlichen „Milliett" und Abgeordnete, Machmut Bej, veröffentlichte plötzlich an leitender Stelle einen Aut- satz gegen Griechenland, dessen ungewöhnliche Schärst Aufsehen erregen muß. Es weist darin nach, daß Bewaffnung und Beförderung der Bande Hadschi Samis an die anatolische Küste nicht ohne Wissen der griechischen Behörden vor sich gegangen fein kann, und beschuldigt somit die griechische Regierung, nicht nur die ost vorgebrachten Freundschaftsbeteuerungen in verleumderischer Absicht getan, sondern auch den Landesverrätern alle notwendige Unterstützung gewährt zu haben. Insbesondere verweist er auf die angeblich bekannte Zusammenarbeit des griechischen General st abs mit türkischen politischen Flüchtlingen. Er fordert weiter. von Griechenland eine klare Sprache, eine Abkehr von den „Unerwünschten" und schließt seinen Aufsatz mit den Worten: „Wenn unsere griechischen Freunde, ob sie cs offiziell erklärt haben oder nicht, der Freundschaft mit der Türkei einen gewissen Wert beimessen, ist es nötig, daß sie sich so bald als möglich den Forderungen dieser Freundschaft unterwerfen. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, so dürfen wir kein Wort mehr darüber verlieren, und es wird an uns sein, die durch die Lage erforderlichen Maßnahmen zu treffen." Um die neuen Landesarbeitsämter. Von unterrichteter Seite erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Aufnahme. Die neue Reichsan st altfür Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wird die bisherigen Behörden der Arbeitsvermittlung mit der neuen Organisation der Arbeitslosenversicherung vereinigen. Dieser Dehör- denkörper wirb ungefähr 20 000 Beamte kosten, und wenn auch die meisten aus den bisherigen Arbeitsämtern und dem Apparat der Erwerbslos enfürsorge übernommen werden, so geht es doch bei solchen Neueinrichtungen nicht ohne verteuernde Abrundungen ab. Ein Grund mehr, gerade im Lleberflüssigen zurückhaltend und sparsam zu sein. Die wichtigsten Behörden der neuen Reichsanstalt werden die Landes- arbeitsämter sein. Es wäre nun nichts selbstverständlicher gewesen, als daß die Direktoren der alten Landesarbeitsämter, die bisher die Arbeitsoermittlung verwalteten, zu Leitern der neuen, auch die Arbeitslosenversicherung umfassenden Landesarbeitsämter ernannt würden, soweit sie sich bewährt haben. Das scheint aber nicht zu geschehen: vielmehr sollen die meisten Direktoren zwar in die neue Anstalt übernommen werden, aber sie können nur auf die zweite Garnitur rechnen. Auf die Posten der Vorsitzenden hat nämlich inzwischen ein interessanter Wettlauf aus anderen Kreisen begonnen: die Anwärter sollen sich aus höheren, zur Disposition gestellten Beamten, aus kurzfristigen Ministern und anderen Außenseitern zusammensehen, auch spielen stark Partei- wünsche nach einer Politisierung der neuen Behörden mit. Das Reichsarbeitsministerium steht diesen Anwärtern ziemlich freimd- lich gegenüber, da es die neue Sozialorganisation durch Ausstattung mit „repräsentativen" Persönlichkeiten, die über gute Verbindungen und Hintergründe verfügen, sofort gut einführen möchte. Das Finanzministerium unterstützt diese Pläne, da es seinen Pensions- und Wartegeldfonds zu vermindern hofft. Rach der fachlichen Eignung der Anwärter wird dabei wenig gefragt. Es gilt, diese Pläne, die noch im Halbdunkel reifen, ans Licht zu ziehen und ihre Durchführung zu verhindern. Wir leiden heute in einem armen Deutschland oft an einer Art Repräsentation skrankheit, anstatt führende Arbeitsposten sachverständig, menschenkundig und schlicht zu besetzen. Die bisherigen Landesarbeitsämter arbeiteten mit einem Direktor. Der Vorsitzende aber, in Preußen in der Regel der Landeshauptmann der betreffenden Provinz, wirkte ehrenamtlich und beschränkte sich zweckmäßig auf die Aufsicht und die Sicherung der Zusammenarbeit im provinziellen Verbände. Diese Verfassung war gesund und billig. Das neue Statut sieht nun zwei Vorsitzende vor. und der erste ist keineswegs ehrenamtlich tätig, sondern wird gut bezahlt. Schon diese Äenderung war überflüssig, sie hätte nicht durchschlüpfen dürfen. Aber nicht nur überflüssig, sondern glatt 'rn- sachlich und schädlich für das Wirken der neuen Behörden ist es, den Vorsitz nunmehr mit „repräsentativen" Außenseitern besehen zu wollen, wahrend die sachkundigen und eingearbeiteten Direktoren, deren Erfahrungen ja das neue Gesetz überhaupt begründet haben, an die zweite Stelle rücken, aber natürlich doch die maßgebende Arbeit zu leisten haben. Man lasse die bisherigen Leiter als Vorsitzende auf ihrem Posten und lasse das Amt des zweiten Vorsitzenden nebenbei vom besten Referenten versehen, das wäre die zweckmäßige und unserer Finanzlage angemessene Lösung. hrUche LanLmrtschüMche Landesausstellung. Don unserer Darmstädter Redaktion. * Darmstadt, 18. Sept. Der Besuch der Hessischen Landwirtschaftlichen Landesausstellung war seit dem Eröffnungstage sehr zahlreich. Gestern war er schon in den Morgenstunden als stark zu bezeichnen und nähnr in den Nachmiktagsstunden immer mehr zu, verzog sich aber gegen Abend wegen Regens in die geschlossenen Räume. Der heutige Sonntag brachte Massenbesuch, denn zahlreiche Sonderzüge führten aus allen Teilen Hessens die Gäste nach der Landeshauptstadt. Der Sonntagnachmittag übte wegen einer großen Trachtenschau eine starke Anziehungskraft auf die Darmstädter Bewohnerschaft aus, zumal die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an dieser Schau vorher durch die Straßen der Stadt gezogen waren und in ihren Trachten Aufsehen erregten 70 Paare in ober hessischer und Odenwälder Tracht führten auf einem im Freien auf dem Ausstellungsplah errichteten Podium Volkstänze vor, die außerordentlich gefielen und das Publikum zu lebhaften Beifallskundgebungen veranlaßten Wie an den anderen Tagen, so waren in dem Vorführungsring auch heute wieder die preisgekrönten Tiere gezeigt worden, auch sorgten Turniere der ländlichen Reitervereine für Unterhaltung. Abends fand ein „Rheinischer Abend" statt, der in erster Linie dem besetzten Gebiet galt Der Andrang hierzu war so stark, daß das Haupt restauran l nicht imstande war, die Zahl der Besucher aus- zunehmen: es mußte polizeilich gesperrt werden, so daß viele Personen fernen Einlaß mehr fanden Wegen der Unruhe, veranlaßt durch den Andrang, kam das Programm nicht recht zur Geltung: das gesprochene Wort ging in dem Lärm unter, weshalb schon die Ansprachen des Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, Oeko- nomierat Hensel, und des Oekonomierates Hahn-Heßloch, die vorgesehen waren, aussie- len. Die von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ausgeführten Tänze (besonders Schwül- mer, Schlitzer und Odenwälder Tänze) konnten nur von den Rächst stehenden gesehen werden, weil so viele Zuschauer, die keinen Sitzplatz mehr gefunden hatten, stehen mußten Richt anders war es mit schönen Darbietungen von Surnent Da viele Besucher der Abstellung den: Rheinischen Abend nicht beiwohnen konnten, so wurde er heute wiederholt Beginn der Frankfurter Herbstmesse. WER. Frankfurt a.M., 18. Sept. Die diesjährige Frankfurter Herbstmesse wurde heute vormittag in Airwefenheit der Spitzen der Behörden und verschiedener ausländischer Regierungsvertreter eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Landmann betonte, daß man den Krisenzustand, von dem man noch bei der Frühjahrsmesse sprechen konnte, glücklich überwunden habe. Der Umstellungsprozeß der Frankfurter Messe sei heute schon soweit fortgeschritten, daß man schon jetzt sagen könne, die Frankfurter Messe sei gesund. Der alte Stamm der Besucher sei treu geblieben, und neue Aussteller seien in erfreulich großer Zahl hinzugekommen. Es stehe fest, daß sich die Messe nach Ueberwindung der wirtschaftlichen Tiefenkurve als lebensfähig erwiesen habe und daß sie langsam und ruhig, aber auf solider Grundlage, sich weiter entwickele. Der besondere Anlaß zur feierlichen Eröffnung der Herbstmesse sei die Tatsache, daß die Landwirtschaft zum ersten Male auf der Frankfurter Messe in meisemäßigem Rahmen durch die Sonderausstellung „Blumen und Früchte" erscheine. Landwirtschaftliche Kapazitäten sehen ja schon lange das Heil der deutschen Landwirtschaft in der Umwandlung der Landwirtschaft aus einem Gewerbebetrieb zu einer Exportindustrie. Diesem Bestreben zu Hilfe zu kommen, sei der Kern des Versuches dieser Ausstellung. Es müsse abgewartet werden, ob sich dieser Versuch beim ersten Male schon voll auswirken könne. Seit der Stabilisierung habe sich die Frankfurter Messe entschlossen, nicht alte Dahnen zu wandeln und die Zustande alter Messen zu kopieren, sie wolle sich vielmehr einfügen als Dermittlungsglied in das große Problem moderner Geschäftsorganisation. Zum Schluß betonte der Oberbürgermeister-, daß nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Bürgerschaft Frankfurts entschlossen sei, die Zukunft der Franfurter Messe in jeder Hinsicht zu sichern und hierfür auch die erforderlichen Opfer zu bringen. Namens des Verbandes deutscher Gartcn- bauvereine brachte Gartenbaudirektor ©robben zum Ausdruck, daß der deutsche Gartenbau gern Das Erdbebengebiet auf der Krim. •yy Das Land hinter den Sergen. Bilder aus Chile. Von Dr. Curt Heinrich. Nun steigern wieder die kühlenden Abende und fast schon kalten Nächte des Herbstes von den Kordülsren herab, und in den Morgenstunden macht ein weißer Aebeldunst für Stunden das ewige Blau des chilenischen Sommerhimmels fast vergessen. Und dann denkt man am ehesten wohl an die deutsche Heimat und denkt an deutsche Herbst- und Winterabende mit ihrer warmen , ist freilich die Reisezeit ganz beträchtlich — nach Neapel auf ca. 19 Tage — abgekürzt worden. Aber da sind es nun wieder Die vielfachen Wirtschaftsnöte des verarmten Europa, welche die Initiative der eigentlichen Touristen, dieses Neuland für sie zu besuchen, doch eben nod) nicht recht aufkommen lassen. Außer den eine Lebenszukunft suchenden Einwandereren verschiedenster Kategorie und von ihren Häusern herausgeschickten Geschäftsreisenden sind es also nur einige hervorragende und besonders unternehmende Persönlichkeiten, die wie u. a. Reichskanzler Dr. Luther, die Gelegenheit packen oder sich schaffen, um „die weite Welt und breites Leben" aus eigenster persönlicher Anschauung kennen zu lernen, ein sicherer Gewinn für sie selbst und für jedes verständnisvolle Wirken in der Heimat. So aber ist es auch nur zu erklären, daß für den Touristen, den Reisesportsmann oder den künstlerisch gestimmten Sucher neuer Sensationen Chile und seine Hauptstadt meist noch recht ferne „terra incognita“ geblieben ist. Selbst für Santiago und Valparaiso gibt es ja nicht einmal brauchbare Führerhefte, und wenn man auf einem Bummel durch die Sehenswürdigkeiten. wie Kirchen, alte Häuser usw.. auch sonst sehr gebildete, alteingesessene Santiagener — die Deutschen inbegriffen — um Auskunft fragt, so ist die absolute Gleichgültigkeit diesen Dingen gegenüber meist verblüffend. Also Santiago De Chile ist ein landschaftlicher Superlativ, den man dabei doch auch nicht mit Schopenhauer als einen bloßen „Knalleffekt der Natur" überkritisch verkleinern kann. Man denke sich etwa die Maria-Th eresien-Strahe in Innsbruck mit ihrem wundervollen Ausblick auf Frau Hitt, Serlas und die ganze schimmernde Bergkette. Nicht weiter sind hier in Santiago von fast jeder offenen Straße aus die Riesenmassen, Häupter und Gletscher der Hochkordilleren, nicht bis zu den 2000 Metern wie die Tiroler Berge, sondern mit ihren höchsten Graten und Piks bis zu der imposanten Höhe von über 5000 Meter aufragend entfernt. Dieses Panorama, etwa von dem breiten Prunk-Boulevard, der Alameda, aus — den Berliner Linden entsprechend, nur viermal so lang — gesehen, wirkt an den vielen klaren Tagen immer wieder überwältigend, und in den durch die Jahreszeiten wechselnden Beleuchtungsschattierungen immer wieder neu und reizvoll, älnb noch greifbarer von einer wunderbar erhabenen und zugleich traumhaften Unmittelbarkeit ist diese Hochgebirgsszenerie, wenn man die Alameda weiter über die belebte Plaza Italia, die großen Hauptstraßen nach den Vorort- und Villenvierteln Providencia, Los Leones oder Nunca entlang schlendert. Man hat das Gefühl, mit jedem Schritte dem Herzen dieser Wunderwelt näherzukommen, und bei jedem Schritte kann das Auge in den herrlichen Konturen des himmelragenden Berghorizontes, in den unerhört klaren und hellen Licht- und Luftstimmungen und in den zartesten, leuchtendsten Farben schwelgen. Freilich, meist können nur eben die Augen genießen. denn ein wirkliches Näherkommen und Heimischwerden in dieser „Superlativen", der ■Umgebung Santiagos, ist nur unter ziemlichem Aufwand von Zeit, verhältnismäßigen Strapazen und besonders auch allerhand Kosten möglich. Deshalb kann hier eigentlich erst der Autobesitzer, der wenigstens in die Vorgelände der Kordillerenherrlichkeit einbringen kann, praktisch zu jeder Zeit etwas von der weiteren Landschaft haben. Aber das Auge wird immer dankbar bleiben, und schließlich bieten auch die großen öffentlichen Parks, bieten vor allem die sich noch innerhalb des Stadtweichbildes erhebenden Cer- ros (Berge), die kleine mit üppiger Vegetation gärtnerisch geschmückte Anhöhe von Santa Lucia und der etwa 900 Meter hohe mit einem steinernen Riesen bild der Virgo (Madonna) getränte Kegel des San Christobal. dem weit sichtbaren Wahrzeichen Santiagos, immer reizvolle Spaziergänge und sogar Klettermöglichkeiten. Und hier kommt besonders im Winter, wenn die hohen Hänge der Anden längst tief hinab mit Schnee bedeckt sind, und am Abend der mächtige Palomagletscher neben dem „Altar" in einem märchenhaften „Alpenglühen" herüberleuch-- tet, der wunderbare Kontrast hinzu, daß wir selbst dieses Schauspiel genießen, indem wir unter Palmen. Lorbeer und Eukalyptus schlendern und dtcht zu unseren Füßen das bunte, laute Leben einer Halbmillionenstadt anbrandet. Das ist hier nur in ersten, allgemeinen Umrissen ein Bild von der Schönheit und dem Zauber von Santiago de Chile, das. wenn es den Hochstraßen des Weltverkehrs näher oder gar in Europa läge, ganz gewiß zu den besuchtesten Fremden- imb Touristenplähen gehören würde. Die Syerttngsgassenlampe. Von Max Iungnickel. Als der verschrobene, weltentrückte Kauz, der Wilhelm Raabe, nach Walhalla geritten war, lächelnd, den zerknautschten Schlappyut auf dem eisgrauen, zottigen Kopse, mit zerwehtem Bart, da verließ er auch eine Oellampe, bei deren Geflacker, in einer rumpligen Studentenbude, der Raaben-Wilhelm die erdenschöne Ehronika von der Sperlingsgasse schrieb. Seine schelmisch-frohen Humoristenaugen streichelten immer wieder dieses altmodische, trauliche Ding. In kriegsbewegter Zeit, als das Raabennest bedroht war, ließ der alte Fabel-Raabe die schöne, stolze Salonlampe stehen und flatterte mit seiner Sperlingsgassenlampe davon. Sein Traumblut fang bei ihrem Schein. Beim 50jährigen Sperlingsgassenjubilaum schlurfte der Alte, ein paar Freunde am Arm gehängt, in seine Braunschweiger Kneipe. .Halbbezecht kam er nach Hause: Die — Sper — Sper — Sperlings - gasscnlampe brennt."--Dor Rührung hat er gemeint. Alles verloren. Auch seine Lampe. Der umlächelte Sonderling sitzt in Walhalla, neben dem weißgelockten Jean Paul. Manchmal packt mich eine Sehnsucht: seine heißgeliebte Lampe einmal anzuzünden. Träume müssen von ihr ausgehen, sonderbare Träume. Eine Welt muß sie heraufzaubern, eine Welt mit Städtchen, die in Gedanken stehen geblieben sind. Schwadronierende, grau gerockte Kirchtürme. Im Frühlingsabendschein ein Paar blinkende Glücksgaloschen norm Stadttor. Mit seinem langen Wächterhorn schlurrt der Nachtwächter durch die Gassen. Ein rappelköpfiger Schneider laßcht im engen Hochzeitsrock zum Kirchhof. Hinterm müd erleuchteten Sichelfenster betet eine sorgendurchquälte Mutter. Hungerdünne Geigensinger zaubern aus einer alten Fiedel ein Lied. Das schwebt um die Büsche und zerfließt in traumhelle Nacht. Im Giebelhaus knarrt die Stiege. Dornröschen steigt, pagen- umtänzelt, aus verhexter Spinnstube. Auf der Schleppe ihres Kleides tanzt der Mond. O alte Sperlingsgassenlampe! Gemeindeverband Wieseck-Alten-Buseck nod) Dr. Sosse- Berlin für die Ä- M Ausfuhr. Rachdvn Deine inschost Gictzcncr -^ocheumarktpreise. ES kosteten aus dem Wochenmarkt am Samstag dos Pfund: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 130, Wirsing 10 bis 20, Weih- kraut 8 bis 10, Rottraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüden 10 bis 15, Spinat 30, Römischkohl 10 bis 15, grüne Bohnen 15 bis 20, 20 bis 25, älnter-Kohlrabi 6 bis 8, Feldsalat 100, Tomaten 30 bis 35. Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 100, Kürbis 8 Pilze 40, Kartoffeln 5, Frühäpfel 10 bis 25. Falläpsel 4 bis 5, Birnen 8 bis 15, Zwetschen in Gottes schöne Natur sollte man das Auge lassen. Äsenbc OSÄ S-nellr J ®. cn Ä LN Uhr ola^ Sn. V«r 2 ♦ S Mlxlicdri verein mi'ifrer 2 heim abhi Verein ebzuhalttt Dürgerme eine 6o spende. Mtieflerfjin genommen verjammlu die Wirts 3obre frfhj - terhin sind die beiden Gemeinden nach den Ver- bandssahungen verpflichtet, die Aut vH alle zu erstellen (Wieseck für 2, Alten-Buseck für einen Wagen). Wieseck brachte eine Halle für zwei Wagen in die „Ehe" mit, den Erweiterungsbau, den der Derbandsvorstand in weiser Voraussicht für insgesamt 5 Wagen vornahm, führte er jedoch mit eigenen Mitteln durch. Die Regelung dieser Frage steht also noch offen. Alle Anwesenden waren der Meinung, diese beiden Fragen erst nach Ablauf des vollen Geschäftsjahres zur Erledigung zu bringen. Eine eingehende Aussprache brachte noch die eventuelle Erhöhung der Fahrpreise. Die Vorteile, die man sich hiervon versprach könnten jedoch durch die zu erwarteiche Abwanderung in das Gegenteil verwandelt werden, zudem mache sich bei einer Reihe Verkehrs- gesellschaften eine preissenkende Tendenz bemeri- bar, um den Verkehr anzureizen. Dieser Schritt könne jedoch vom Gemeindeverband aus anders gelagerten Gründen nicht mitgemacht werden. Die Meinung der Versammlung ging dahin, den Verbandsvorstand zu ersuchen, es bei den seitherigen Preisen zu belassen. Für diejenigen Fahrgäste, die nur im Winter Abonnenten sind, sollte im kommenden Winter em Zuschlag zu den Wochenkarten erhoben werden. Auch in dieser Frage wünschen die beiden Gemeindevertretungen, daß der Verbandsvorstand von der Durchführung dieses Beschlusses absieht. Mit anerkennenden Worten für die in selbstlosester Weise geleistete mühevolle Arbeit des Verbandsvorft ehers Benner- Wieseck schloß Bürgermeister Schvmber als Berhandlungs- leiter die gemeinsame Sitzung. kn-itiooi)i mvV itQn fffl"" Iut)l einet ^''Nierst, 75 L ÖJetnc la) Ichlok "Tuten "?u U)( "K *5j Ct Km D 6t £ In Ergänzung des Berichts über die gemein same Sitzung der Gemeindevertretungen von Wieseck und Alten-Buseck (vgl. die Samstag-Ausgabe des „Gieß. Anz.") ist von dem weiteren Verlauf der bedeutsamen Sitzung, auf deren Wichtigkeit Bürgermeister Schvmber (Wieseck) als Berhandlungsteiter einleitend besonders hinwies, vor allem die eingehende Erläuterung des Verbandsvorstehers Benner (Wieseck) über den derzei- tigen Sta nd des gemeinsamen Unternehmens hervorzuheben, tz/tngangs feiner Ausführungen legte er dar, daß, i.vwohl feine bindende Verpflichtung hierzu besteht, der Verbandsvorstand einig darin ist, den beteiligten Gemeindevertretungen halbjährlich einen eingehenden Bericht über die Lage des Unternehmens zu geben. In seinen weiteren Ausführungen streifte er, um das Bild vollständig zu machen, die mancherlei Schwierigkeiten, die dem jungen Unternehmen bei seiner Gründung gegen- überstanden, hierbei insbesondere die Erteilung der Konzessionserweiterung nach Alten-Buseck, die Genehmigung der Verbandssatzungen und die sehr stark verzögerte Lieferung des dritten Wagens. Gerade der letztere Umstand sei für das Unternehmen mit einer empfindlichen finanziellen Einbuße verbunden gewesen, da, um den Betrieb nach Alten-Buseck überhaupt aufnehmen zu tonnen, ein Leihwagen beschafft werden mußte, der für die fragliche Zeit dem Gemeindeoerband 8700 Mk. Leihgebühr gekostet hätte. In enger Verbindung damit stand die weitere Anschaffung des sechssitzigen Personenwagens, die unter recht günstigen Bedingungen möglich war, und der sich seither sehr gut bewährt hat. Aber obwohl im vergangenen Winter drei große Sechsradwagen zur Verfügung standen, sei es doch nicht immer möglich gewesen, allen Vcförderiingv- anfprüdjen zu genügen. Die Schwierigkeiten im kom- wenden Winter würden ungleich größer werden, da nur zwei große und ein kleinerer Wagen vorhanden sind. Der Verbandsvorstand habe deshalb nach langen und reiflichen Erwägungen die Anschaffung eines oierten Wagens beschlossen, der ver- tragomäßig bis 25. Oktober geliefert werden muß. Dieser Wagen fast 60 Personen, ist ein 85 PS.= Sechszylinder-Molor, hat tiefliegendes Classis, das wiederum das bewährte Büssingfabrikat ist. Die Karosserie wird, genau wie beim Wagen 3, auf ausdrücklichen Wunsch in einem hessischen Karosseriewerk (i-aftel'-Mainz) hergestellt, das sich eine führende Stellung unter den deutschen Karosserie-Werken gesichert hat. Ausschlaggebend für diesen schmerwie- tÜ'Nden Beschluß war außerdem noch der Umstand, daß sich durch bas Fehlen eines Neservewagens ein starker Mangel bei eventuellen Reparaturen heraus- gestelll habe, und die einmütig festgelegte Bestimmung, daß mit der Anschaffung des alerten Wagens eine finanzielle Belastung der beiden Gemeinden nicht ciirtreten dürfe, der Gemeindeverband den Wagen vielmehr aus eigenen Mitteln beschaffen müßte. Bezüglich der Dvtriebsrechnung gab der Redner eine Reihe interessanter Mitteilungen. Do sei es z. D. gelungen, den Preis und die Verbrauchsmenge des Betriebsstoffes ganz erheblich zu senken; dies seien Erfolge, die srch erst im zweiten Halbjahr rechnerisch auswirken. Um mit dem Personal in geordnete Arbeitsverhältnisse *u kommen, sei to®e- tnapre Lot gewinnen, auf jeden Fall aber der Geradeausflug gewährleisten, bei dem dann ein gewöhnliches Pendel nahezu richtig zeigt. Auch zur Verwirklichung eines solchen »Wendezeigers" farm, neben anderen Anordnungen, z. D. Druckmessern an den Flügelenden, der Kreisel bienen den man in diesem Fall zweckmäßig nicht als Pendel, sondern fräftefcci in einem Rahmen aufbangt, dessen Zapfenachse wagerecht liegt, also Drehungen deS Flugzeuges um die senkrechte Achse mitmachen muß. Der gleiche seitliche Ausschlag, der oben bereits zweimal zum Stutzen des Pendels, das heißt zur Verzögerung der Pend-l- schwingungsdauer verwendet wurde, bient auch hier 5um Anzeigen der WendegeschwindigLeit - Wenn man den Kreiselrahmen durch eine Feder an eine bestimmte Stellung zum Flugzeug fesselt, dreht er sich um die wagerechte Zapfenachse um so mehr, je rascher die Kursänderung vor sich geht. In jedem Fall ist es der Kreisel, der. stets mtttels wr gleichen Eigenart, auf drei verschiedene Weisen, das wahre Lot oder auch — statt des in Böen oft nicht hinreichend stillstehenden, Kompasses — den wahren Kurs anzuzeigen ver- mag Dadurch aber wird für bad sichere Fliegen tm Rebel eine notwendige, wenn auch nicht die einzige Vorbedinguirg geschaffen. wett ist das Bittersüß (Solanum), dessen in einem Kranz pfeilförmigcr Blätter gehütete rote Beeven man oft in der Ebene an morastigen Stellen unb in Erlenbüschen findet. Der Genuß dieser wie Korallen glanzender Früchte beschwört einen üblen Haut ausschlag herauf. 3n der geheimen Medizin und der damals sehr nucgcbi(beten Giftmischer-Wissenschaft des Mittel- alters und der Renaissance spielte eine andere Pflanze eine große Rolle, die auch Heute noch üfr*r- nn. >n Deutschland als Unkraut wuchert, das Bilsenkraut (Hyoscyamus), in manchen Gegenden auch Zigeuner kraut mrd Teufels- wurz genannt, dem man insbesondere auf dem i'arcbc an Mauern und Hecken begegnet. Auch mit fernen eigenartig geformten Samenkapseln spielen die Kinder gern, und gerade diese enthalten eines der stärksten narkotischen Gifte, das Delirium und in der Halste aller den Tod herbei führt. Ihm gesellen sich im Herbst noch zu im Laubwald die bekannte Einbeere mit einem schnell betäuben- ben, nur selten tödlichen Giftstoff, und in Kall- stein- und Sandbrüchen die Kron en Wicke (Co- Bringt man etloa einen solchen Kreisel in einem gewöhnlichen Pendel derart an. daß feine Drehachse wagerecht, aber quer zur Pendelachse stehl, und daß er sich mit seinem Rahmen in bem Pendel um eine senkrechte Achse drehen kann, so wird er bei Ausschlagen des Vmrdeltz mitsamt dem Rahmen die erwähnte seitliche Ausweichbewegungen machen müssen. Läßt man dabei ben Rahmen Kontakte schließen, die einen kleinen Elektromotor im einen ober andern Sinne in Dang sehen, und sorgt man dafür, daß die Drehungen des Motors in der richtigen Weise auf Daß Pendel zurückwirken, so läßt sich erreichen, daß sich das Pendel nur ganz langsam auS einer eimnal angenommenen Lage herausbewegt. War das Pendel also anfänglich in der Richtung des wahren Lotes beim Geradear.Sflug in Ruhe, so Wird es. durch Kreiselausschlag. Kontakte und Elektromotor gebremst, sich im Kurvenslug nur ganz langsam in der Richtung auf baß scheinbare Lot hin bewegen; es wird also das wahre Lot längere Zeit hindurch mit genügender Genauigkeit anzeigen. Dieser Daugrundsah ist im Reigungsmesser verwirklicht. Man kann den Kreisel auch senkrecht stellen, starr mit dem Pendel vereinigen und dieses mit ganz kurzem Hebelarm aufhängen. Treten bann Störungsbcschleunigungen auf, so weicht der Kreisel vermöge feiner oben erwähnten besonderen Eigenschaft quer zu den Störungen aus und ver- baS Pendel in Schwingungen längs einer Kreisbahn, die wegen der gleichen Kreiselwirkung so langsam verlausen, daß auch diese Anordnung längere Zeit hinreichend genau tm wahren ßoi verharrt. Das Gerät ist schon wächrend des Krieges als Anschüh-FIiegeryorizont bekannt geworden. Endlich läßt sich die älnterscheidung Zteüschen der Wagerechlage Im Geradeausflug und der richtigen Schräglage in der Kurve auch noch auf einem Almtocge treffen, ben ein Forscher auf dem Kreiselgebiete einmal als „Betrog der Ra- tiu“ bezeichnet hat: Verzichtet man nämlich bar- auf. die wahre Tilgung anzuzeigen, und mißt statt dessen die Geschwindigkeit der Kursänderung, so läßt sich daraus mittelbar, unter Annahme richtiger Schräglage in der Kurve, das Angestellten-Versicherltngs- pflicht der Junglehrer. Vielfach sind Zweifel darüber entstanden, ob Iunglehrer. die bis zu ihrer Einberufung als Lehrer vorübergehend bei Behörden beschäftigt sind, von der Angestelltenversicherung befreit seien. Das Streb torium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte Hai auf diese Frage folgende Entschei- düng getroffen: „Für die Befreiung von Lehrern und Lehrerinnen, von der Angestelltenversiche- rung wird als Voraussetzung gefordert, daß sie an öffentlichen Schulen oder Anstalten beschäftigt smd und ibnen eine Anwartschaft auf Ruhe gelb und Hin.erbliebenenrente gewährleistet ist oder sie für ihren Beruf ausgebildet werden Dte Anwartschaft gilt nur für bie Personen als gewährleistet, bie tatsächlich im össentlichen Schul btenst tätig sind. Hiernach finb bie Junglehrer, bte vor ihrer Einberufung als Lehrer vorüber gehend bei Behörden beschäftigt finb, von bet Angestelltenversicherungspflicht ni ch t b e f re i i.' *’ ® in Achtzigjähriger. Architekt 6aiI Schulz tn Darmstadt, Wiener Straße 99, voll, endet am nächsten Samstag. 24. Sept., in voller Geistesfrisch« und körperlicher Gesundheit fein 80. Lebensjahr. Herr Schulz, damals ilnter- vMzier im 2. Großh. Hess. Ins.-Regt., hatte 1870 das historische Erlebnis, daß er auf dem Bahnsteig des Gießener Bahnhofs unmittelbar bor Kaiser Napoleon Aufstellung sand, als dieser, mit dem Köln-MinDener Zug ein- fahrend, einen breiviertelstündigen Aufenthalt nehmen mußte, um nach Wilhelmshöhe weiter- geleitet zu werden. Der alte Herr, der 1913 bei der Hundertjahrfeier des 116. Regiments sowohl als auch bei der Denkmal-EnthüllungZfeier bev Regiments vor zwei Jahren hier mehrtägigen An teil genommen hat, dürfte manchem älteren Eir wohner Gießens mxh im Gedächtnis fein, da c nahezu drei Jahre bei den Klinlks-Reubauten al- Bauführer beschäftigt und speziell mit der Dau leitung des chemischen Laboratoriums betrau: war. Aus dem Gießener Standes- - m lSregiste r. Es verstorben in der Zett vom 1. bis 15. Sept.: 7. Heinrich Hormann IL, ohne Bcrus. 80 Jahre alt. Sicher Straße 74. 9. Heinrich Erl, Oberwachtmeister. 67 Jahre alt. Bleich- straße 26. 10. Ottilie Lein, geb. Kohlhehn: 63 Aahre alt, Ludwigstr. 12. 15. Heinrich Mas-i Stellwerksmeister i. 2t. 64 Jahre alt, Buchner straße 2; DoleSlaw Simonowitsch, Schuhmache 40 Jahr« alt, Kürchenplatz 9. •• Deutsche Vvlksparte^ yn u. Frauengruppe der Deutschen 2)vlkSpariei spraci' ö-rdulein Klara Birnbaum dieser Tag> über jenes Buch von Hans Griwm, das jeden D«ttschen, welcher politischen Einstellung er auch fern mag, zu sorgenvollem Denken anregen must -Volk öhne 2taum". Darttr liegt die tt^ste Tragik unseres VollS^-anzen beschlossen. Denn bie Frage unseres Schicksals lautet: »Werben w.r wie werden wir der Raumlvsigkett Herr werde.« können." Immer sind wir Deutschen zur Auswanderung gezwungen gewesen: im 12. Jahrhundert trieben wir nach Osten, im 17. Jahr hundert nach Amerika, im 19. Jahrhundert nach bet Kapkvlonie. Erst spät haben wir unsere Leute in eigenen Kolonien unterbringen können. Wohl hat bie Industrie dann mehr Menschen verbraucht, so daß die Auswanderung abnahm, aber bag enge Zusammenbrängen der Menschen an diesen Arbeitsstätten bedeutete zugleich eine Abnahme der Qualität des einzelnen. Auch das Buch von Grimm bringt keine Lösung, auch er üjeifl keine Hilfe für unsere deutsche Raumnot die nicht behoben^ werden kann, ehe anderen Völlern das Verständnis dafür aufgegangen ist was diese unsere Raumnot für die Umwelt bedeutet. Fräulein Klara Birnbaum lieh uns ahnen, wie tief dies Problem im Leben unseres deutschen Volkes sie selbst beschäftigt. Sie empfiehlt die Lektüre dieses Buches, das „und 5er- aushebt aus unterem engen Jnteressenkreis und unS die Rot des Vaterlandes erkennen läßt". btt Gelegenheit nehme, auf der Ausstellung mit dem Auslarch in Wettbewerb zu treten und der Oeffentlichkeit die Letstungssählgkeit des deutschen Gartenbaus zu zeigen. Welche Werte im deutschen Gartenbau stecken, gehe daraus hervor, bah bie deutsche Jahresproduktion sich auf 2 Milliarden Ml. be-ßere, eine Zahl, bie bei intensiver Bewirtschaftung noch erheblich gesteigert werden könne. Gr sprach zum Schluß den Wunsch aus, bah sich die auf die Ausstellung gesetzten Hoffnungen verwirklichen mögen zum Segen unseres Vaterlandes und der Allgemeinheit. Staatsselretär Mansholt - Haag überbrachte die Grüße der niederländischen Regierung. Holland sei gern dem Ruse gefolgt, sich an der Ausstellung zu beteiligen. DaS kleine, aber dicht bevölkerte Holland exportiere von seiner landwirtschaftlichen Produktion annähernd 36 Prozent. Das danke man 1. seiner natürlichen Lage am Rhein, 2. der jahrhundertealten Grlahrung, 3. der systematischen Bewirtschaftung. Holland, daS allein für 600 Millionen Mk. jährlich nach Deutschland ausführe, habe ein großes Interesse am gegenseitigen Austausch der Prodilktion. Generalkonsul Chlebenda überbrachte darauf die Grüße der italienischen Regierung. Jeder, der erzeuge, habe auch den Wunsch, zu verkaufen, und zwar da, wo es am besten und billigsten fei. Die Lage Frankfurts bestimme es deutlich zum Großumschlag für die italienische ronilla), auch S chaf slinse genannt, mit ihren weißen bis rosaroten kleinen Blüten, In denen sich ein schnell wirkendes Narkotikum verbirgt, das schon oft den Tod unvorsichtiger Kinder verursacht bat. Am besten vermag praktische Belehrung und Än- schainmgsunierricht die Kinder vor diesen aleißne- rischen Pflanzen und ihrer oft tödlichen Wirtting zu bewahren. Beim Fmnilien- und Schulausflug Aus Oer Provinzialhauptstadt. Gießen, den 19. September 1927. Herbstgift. Jede Jahreszeit birgt auf dem Gabentisch eine Reihe trügerisck-er Geschenke, vor denen sich der Riensch zu hüten l)at. Die liebliche Flora unserer Helimii beherbergt zwischen den prangenden Blüten des Frühlings, wie auch zwischen den unzähligen Fnichttolden und Fruchtttauden b?6 Herbstes Pflanzen, denen gefährliche Gifte Innewohnen. Manches nngeroarnte Kind ifl ihnen schon zum Opfer gefallen. Gerade der jetzt elnsetzeirde Herb t bringt die tückischsten von ihnen gur Reife, und au die Gefahr für Leben und (tzesundheit, die sie darstellen, muß immer wieder hingewiesen werden. Roch blühen einige Giftblumen des Sommers, wie der Fingerhut an Glfenbalmbäminen und an sonnigen Lichttmgen, oder der kriechende Ra chtschatten Im Uferdickicht der Flüsse und Bäche. Der gefährlichste Gast dieser Jahreszeit jedoch steht im Walde, die Tollkirsche (Atropa bella- donna), deren sich in diesen Tagen entwickelnde schwarze, einer Kirsche täuschend ähnliche Frucht jchon manchem Kinde zum Verhängnis geworden iß. Ihr Gemch führt fast stets, auch rvenn schnelle Hilfe mu Hand sein sollte, zu den schwersten Ge- snnvhettostöriintten, ja zum unweigerlichen Tod?. Die Wirkung beginnt mit Brechreiz, Aufhören der Speichelabsonderung, brennendem Surft und Dun» ■ kelsehen und enbiat mit völliger Blindheit, sürchter- kicher Raserei — dem bekannten Veitstanz des Mittelalters — und dem Tode. Denn die Pflanze ertthält eines der stärksten organischen Gifte, das Atropin, und nur sofortiges Einflüßen non warmer Milch, Essig oder Del vermag mögllck-enveise die Uöirfungcn und Folgen des Gemisies abzu schwächen und zu mildern. In Sioditeutschland sind allein ttn Jahve 1925 über 60 Kinder nach dem Genuß dieser Früchte gestorben. Aus naffrn Wiesen beginnen im September sllnvachroia Blüten unmittelbar, wie nackt, ohne grünes Blätterwerk, aus dem Boden zu sprießen. Das ist die Herbstzeitlose (Colchicum), die ein botanisches Unikum darstellt Insofern, als bei ihr die Blätter erst nach dem Absterben der Blüte zum Vorschein kommen. Auch sie ist sehr giftig; Stilbe, die auf der Weide mit dem saftigen Grase diese Herbstblume gefressen haben, geben mit Blut vermischte Milch. Es ist äußerst gefährlich, die Blüte in den Mund zu nehmen; die Kinder spielen gerne mit der Samenkapsel der Herbstzeitlose, die das Pflanzenaift noch konzentrierter enthält als die Rillte. Ist ole Wirkung vieles Giftes auch nicht ganz jo tragisch wie bei der Tollkirsche, so stellen sich doch langwierige Magen- und Herzerkwnkungen ein. Ein anderer schlimmer Gast unserer Pflanzen- Neigungsmesser für Kugzeuge. Von Professor Dr. ®. Gverling, Berlin. Je schneller ein Verkehrsmittel ist, desto sorgfältiger müssen seine SicherheitsvorVvhnmgen durchgebildet fein, desto mehr muß Zuivrlässlg- keit und Regelmäßigkeit angestvebt werden. Wenn man beispielslveife nach der Abfahrt des Fen,- D-Zuges erfährt, daß daS Flugznig nicht ab- gehen tarnt, so erreicht man sein Ziel nicht mehr zur gewünschte Zelt. Die Sicherheit und Aegel- mäßigl'eil dcs LrlftverkehrS wird aber in ersten Linie durch Rebel, Wolken und unsichtiges Wetter bedroht. Dorrichtungcn, die ohne Ächt des Erdbodens z»l fliegen geftalten, beseitigen nicht nur die älnterbrechungen dcö Bqtriebcs durch Rebel, sondern verbessern auch die Wirt- sch^rftlichkeit durch AuSnutzen der Rachtzeit für den Lrrftverkehr. Unter diesen Geräten zum Fliegen bei Rächt wrb Rebel sind die F u ir k a n l a g e n , die durch Berckehr mit den Bodenstationen die OrlSbestim- munfl ermöglichen, am bekanntesten, die Vorrichtungen zur alristischeu oder elektrischen Höhenbestimmung neuerdings viel besprochen worden, die Geräte zum Landen auf einem vernebelten Flugplatz und die Anori>nungeil zum Bekämpfen. Zerstreuen oder Beseitigen deS RebelS noch am wenigsten entwickelt. Ä.IS weitgehend erprobt, oft genannt, aber in ihrer Wirkungsweise noch iveirig erkannt sind die Reigungsmesser, k>ie die Lage der Flugzeuge arrzeigeir. Diese Aufgabe scheint gar nicht so schwierig: Man nimmt einfach ein Pendel oder auch eine Libelle und bringt sie vor dem Flieger an. Damit ist aber den Jnsasseir des Flugzerlges nicht viel mehr gesagt als durch fein Gleichgewichtsgefühl. DieleS gibt nämlich ebenso, wie ein Pendel, nicht die itxtijre senkrechte Richtung im Vaum an, sondern das Echctnlvt, die Richtung einer Kraft, die sich zusannnensetzl auS der Schwerkraft der Erde und den CtörunqMräftcn, die durch Böenwirkringen rmd andere ‘IVd'leunl- flung entstehen, vor allem aber den Fliehkräften Die tm Ktlrvenfiug auf tret eit. Ein Pendel mutz to, weim daS Flugzeug von feinem Kurs ab- locid^t und in D. i-ät, nach außen aus- fchwingen; ebenfo wird sich ein richtig gesteuertes Flugzeug schräg in die Kurve legen. DaS Pendel wird also gegenüber dem Flugzeug seine Lage gar nicht oder mir wenig ändern und daher eine wagerechte Lage des Flugzeuges Vortäuschen, während es in Wirllichkeit in der Kurve schräg liegt. Daß daS menschliche Gleichgewichtsgefühl sich nicht anders verhält als ein Peir- del oder eine Wasserwaage, davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man bei der Bahnfahrt tn stärkeren Kurven zum Fenster hinarissisht: -.Ilan vermag sich bann kaum der Augentäuschung zu entziehen, daß die Gebäude schief stehen. Ilm nun mit Pendeln und anderen Geräten üaß wahre Lot anzeigen und damit beim Rebel- flug die richtige Wagrechtlage im Geradeausslug von der richtigen Schräglage im Kurvenslug “l}?.€r!d' äiisB 5. Wv unmittelbar lAener Zug em- Melmshohe beitet, ft dn 1913 bn l-Enthullmigsfejer ’ ylerrnchrtägigm An manchem älteren Sii'- Aedächtnis sein, da < Slinilg-OletAmtm q[. speziell mit der Dau ^abvraivrinms betau; Wfrl« i « ' Ati "i^k °bL A***säg* eßener Standes. Warben in der Zeit dvm kich Hommm IL, chic w Straße 74. 9. Hün. '. 67 Jahre alt, Mch. in, geb. Kvhlhet^r, 63 2. 15. Heinrich Mäs.-r >4 Jahre alt, Duhncr mvbitsch, Schchnach: 8. U Spartet. In i. chen MkSpartei shrach inbauti dieser Tage ins Grimm, daS jeden chen Ernste!lunz a axdi i Denken anreoen auch ht fiegt die tMr Lra- beschlossen Sem dic kmtet: .Werden tat. nlosigteit Syrer Bxt^ r Deutschen zur 2r-- rweseni im 12. Jahr ) Osten, im IL Jchr n 19. Jahrhundert nach hcchen wir unsere Senk' ondenmg abnahm, aber igen der Menschen an Akte zugleich cme W- i einzelnen. Auch das leine Lösung, auch er tote deutsche Aaumnot. « kam. ehe anderen i dafür ausgegangen sst. u>t für die Umwelt ^- i Nrnbaum lieh ms Skm im Leben unseres Duchas, das K gmSntmil*«™6 ^des erkennen S-^ZL -»Kr res um dre ' r -Ä^mnStütz-n^ vermal zu» m^di- dient auch KS--- isft-C Lot oder sw* SAtzs SM 8e« »r. jsU- fas»1“" Eisenbahnunglück bei Frankfurt WSR. Frankfurt a. M., 17. Sept. Der Schnellzug D 3 04 Mainz— Frankfurt a. M. entgleiste heute 20.46 Uhr mit drei Wagen auf der Durchfahrt durch Bahnhof Goldstein. Reun Personen wurden leicht verletzt. Zwei der entgleisten Wagen fielen um. Der Unfall ist auf einen Achsenschenkelbruch zurückzuführen. Der Hilfszug wurde 20.47 Uhr alarmiert und traf 21.17 an Ort und Stelle ein. Der Vorderteil des Zuges setzte seine Fahrt nach Frankfurt a. M. fort, nachdem er einen Teil der Passagiere der entgleisten Wagen auf. flenommen hatte. Der Rest der Passagiere wurde mit einem folgenden Schnellzug nach Frankfurt befördert. Die gleid^eitig alarmierte Sanitats- wache sowie Aerzte vom Städtischen Krankenhaus trafen alsbald an der Unfallstelle ein. Oderhessen. 2his der Demokratischen Partei. — Friedberg, 17. Sept. Hier versam- melte sich heute der Provinzialparteitag Oberhessen der Deutschen Dein o l r a t i s ch e n Partei. Die von Krersschul- rat Fischer (Giessen) geleitete Tagung war mit rund 80 Vertretern auS allen Teilen Ober- hessens beschickt. Zur Kandidatenfrage für die kommende Landtagswahl konnte von Staatsanwalt Dr. May «Darmstadt), der für den Landesvorstand anwesend war, mit» geteilt werden, daß keine Landesliste, sondern Prov inzli steN in Aussicht genommen sind. Als Spitzenkandidat für Oberhessen wurde einstimmig der hessische Parteivorsiyende, Oberamtsrichter Schreiber (Vilbel), nomi- niert. Kreisschulrat Fischer verbreitete sich eingehend über die geistige Seite der Wahl- arbeit und empfahl den Besuch der demokratischen Schulungswoche, die demnächst in Heppenheim stattfindet. Die Stellungnahme der Versammlung zum Reichsschulgesehentw urs kam in folgender von Amtsgerichttsrat Dr. A n ° d r a e (Ortenberg) beantragten E n t s ch l i e - hung einhellig zum Ausdruck: „Der überaus zahlreich besuchte Provinzialporteitag Oberhessen der Deutschen Demokratischen Partei Hessen-Darmstadt lehnt den Keudellschen Aeichstchulgeseyentwurf als verfassungswidrig, als inhaltlich auch sonst untragbar und als finanziell undurchführbar ab und bekennt sich einmütig zu der auch im Reich als Regelschule einzuführenden S i m u l t a n s ch u l e, die sich in Hes'en auf das beste bewährt hat". LanvTreiS Gießen. * Klein-Linden, 18. Sept. In seiner Mitgliederversammlung, die der hiesige Turnverein unter seinem Vorsitzenden, Sattler- meister Weiß, am Samseagnbend im Turnerheim obhielt, wurde beschlossen, das diesjährige Dereinswetturnen am Sonntag, 9. Ott., abzuhalten. Auch soll, dem Antrag der hiesigen Bürgermeisterei gemäß, im Rahmen des Vereins eine Sammlung zur Hindenburg- spende, die ja unseren .Kriegsinvaliben und Kriegerhinterbliebenen zugute kommen soll, vargenommen werden. Laut 'Beschluß der Generalversammlung vom 7. Mai ist seit einigen Wochen die Wirtschaft in dem Turnerheim, die viele Jabre lang von dem Verein in eigener Regie geführt wurde, dem Pächter Müller für einen monatlichen Paa-tpreis von ISO Mk. überlassen werden. Der Verein hofft damit einen größeren Aeberschuß als seither aus dem älnternehmen zu erzielen. ck. Heuchelheim, 18. Sept. Eine empfindliche Störung in der Elektrizitätsversorgung unseres Ortes entstand heute nachmittag und abend durch einen Defekt im hiesigen Ortsnetz. Bei dem Sturm am Mittag hatten sich zwei Drähte berührt und verschlungen, wodurch Kurzschluß entstand. Abends lag bann das ganze Dorf in Dunkel gehüllt. Erst nach langem Suchen mit Scheinweriern wurde der Schaden entdeckt, der nun bald beseitigt werden konnte. Die Störung machte sich in den Gasthäusern und den landwirtschaftlichen Betrieben besonders unangenehm bemerkbar. P Lollar, 18. Sept. Wenn im allgemeinen auf freier Strecke schmale und unübersichtliche Straßen für die Abwicklung des heutigen Verkehrs schon hinderlich sind, um so mehr ist dies innerhalb von Ortschaften der Fall. Hier tritt aber mUst noch der schwerwiegende Dmstanb dazu, daß den» Fußgängerverkehr dauernd große Gefahren drohen. Dies trifft insbesondere für unsere Hauptstraße zu, die unseren Ort in über zwei Kilometer Länge in Rord-Südrich- tung durchzieht und über die der gesamte, sehr starke Durchgangsverkehr zwischen Gießen und Marburg und umgekehrt sich abwickelt. Dazu kommt noch ein lebhafter Rah- und Fuhrwerksverkehr. darunter recht häufig Langholzwagen. Für den lebhaften Fußgängerverkehr bestehen nur von dem Postamt in nördlicher Richtung zum OriSausgang nach Staufenberg hin seitliche, von der Fahrbahn durch die Strahenrinne getrennte Wege. Im übrigen, größeren Teil des Ortes, wo die Gebäude vielfach bis an die Fahrstraße heran reichen, fehlen jedoch diese Fußwege (Bankette), oder sie sind nur auf kürzere Entfernungen vorhanden, um dann durch einen Häu- servvrsprung u. a. unterbrochen zu werden, so daß die Fußgänger vielfach auf die Benutzung der Straßensahrbahn angew'esen sind. De- fonöere Gesahrstellen sind einmal die beiden Brücken (Lumda und Mühlgraben), die knapp die Fahrbahn aufnehmen, bann in noch größerem Maße Oie fast rechtwinklige, zwischen hohen Gebäuden eingeengte Straßenbiegung bei Schnried K a r b e r. Es ist klar, daß bei einem solch starken Krümmungsverhältnis der Straße die lieber- sichtilchteit vollkommen aushvrt. Die Gefährlichkeit dieser Stelle wird dadurch noch wesentlich erhöht, daß dort auf der einen Seite überhaupt feine, auf der anderen eine nur ganz geringe Möglichkeit sür Fußgänger besteht, sich außerhalb der eigentlichen Fahrbahn zu bewegen. Als weiteres tritt hinzu, daß ebenda der Zugangsweg zur Bürgermeisterei, zur Gemeindekasse, zum Bahnhof und zmn Haupteingang der Buderus- schen Eisenwerke, die Bahnhofstraße, abzweigt und demzufolge stets stark belebt ist, zu bestimm- len Tagesstunden (Ankunft bzw. Abgang von Zügen, Schichtwechsel) sogar mehrere hundert Personen in kurzer Zeit diese Stelle begehen müssen. Da die Hauptstraße auf der Seite der Einmündung der Bahnhofstraße kein Bankett führt, ist cs erforderlich, daß alle Passanten die Strafte in der Krümmung kreuzen, um auf das ander- seitige schmale Bankett zu gelangen. Es nimmt sich daher wie ein Wunder aus, daß bisher noch keine folgenschwere Unfälle eingetreten sind. Aber , die bestehenden Verhältnisse und die bisher glücklicherweise gut verlaufenen Anrempelungen und Zusammenstöße sollten die berufenen Stellen zur Abhilfe mahnen. Wenn auch für die Verbreiterung und die Anlage seitlicher Fußwege keine Möglichkeit besteht, so sollte man doch durch Warnungstafeln und Herabsetzung der Geschwindigkeitsgrenzen versuchett, Besserung zu schaffen. Die jetzt zulässige Höchst- geschwindigteit von 30 Stundenkilonreter, die dazu ! ■ < Wirklichkeit meist von den Kratt lahrzeugen noch überschritten wird, ist für unseren Ort zu hoch. Die Verhältnisse bedingen eine Herabsetzung auf etwa 15 Kilometer, für die starke Krümmung dürsten sogar mehr als 5 Stunden- Kilometer (Schrittempo) keineswegs zugelassen sein. Zweckmäßig erscheint es auch, etwa an den Krümmungen anzubringende Tafeln bei Dunkelheit zu beleuchten, was durch Anschluß an die elektrische Lichtleitung möglich sein dürfte. Weiter wäre zu prüfen, ob nicht die kurz vor der oben genannten Straßenkrümmung befindlichen, bis an die Straßen rinne über das Bankett hinausragen- ben Treppenstufen zweier Gebäude beseitigt bzw. in das Innere bet Gebäude verlegt werden könnten Die Beseitigung dieser den Fußgängerverkehr stark störenden Anlagen dürste selbst mit geldlichen Opfern der Gemeinde als Vorbeugung von Unfällen nicht zu teuer erkauft fein. gck. Großen-Buse ck, 18. Sept. Vorgestern fanden hier die Reichsjugend- w e 11 k ä m p s S statt. Außer den Knaben und Mädchen der hiesigen Schule beteiligten sich auch diejenigen von Burkhardsfelden.Gruppe 1 (Jahrgänge 1914 und 1913) wies 39 Knaben auf. Diese turnten einen Fünfkampf mit den drei vorgeschriebenen Hebungen: 100-Meter-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf. Als Eriah für die beiden Geräte wurde Kugelstoßen (21 2 Kilogramm, 4 Meter = O Punkte, 8 Meter — 20 Punkte) und deutscher Dreisprung (5,50 Meter — 0 P., 7.50 Meter = 20 P.) durch geführt. 28 erreichten die vorgeschriebme Punktzahl, so daß u. a. an Preisen erhielten: Theodor Bachmann (Burkhardsfelden) mit 173 Punkten (weit überlegen) den 1., Heinr. Seipp (Großen-Buseck) Zwischen siins Md Wen Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nein, so dürfen Sie> nicht zu ihr gehen, Man-, fred!" rief sie außer sich. „Hier, nehmen Sie erst etwas zu sich ... Sie zittern ja. Rauchen Sie noaj «ine Zigarette... beruhigen Sie sich erst... Melitta hat furchtbare Tag« hinter sich — sic auch, o ja Glauben Sie, daß es ihr leicht wurde ... das alles? ---Immer fürchtete sie..." „Daß ich es merken würde?" Er lachte. , O, davon merkt ein Ehemann niemals etwas. Das müssen ihm schon fremde Leut« sagen, schreiben vielmehr. Schwarz auf weiß muß er es lesen. Sonst glaubt er's nicht. Seine Frau ist eine Lilie, eine Güttin ... Madonna mit zwei Gesichtern, auf Wolken, jawohl.. Cr stand auf, griff nach seinem Hut, schloß den Mantel und ging. Sie sah ihm nach mit einem Gefühl einer beklemmenden Angst--- * Melitta stand vom Flügel auf, an dein sie in der Dämmerstunde gesessen hatte... Das Zimmer war dunkel, der bleiche Schein der Gartenlalerne erhellte den Teppich und ihr goldrotschimmerndes Haar. Sie hatte geweint. Er fühlte es. Als er die Tür hinter sich schloß, fragte sie ihn etwas. „Guten Abend", antwortete er. „Du warst solange fort ...?" „Ich war bei deiner Freundin Leslie . . „Bei Ethel ... ah? Soll ich Licht machen?" , Nein, laß nur." Er stand am Fenster, den Rucken gegen die helle Straße. Man sah von ihm nur seine dunkle schmale Silhouette ... Er betrachtete seine Handrücken. Dann sagte er, während ihm das Herz in Stößen schlug: „Ich weiß nun alles, Melitta . . ." Sie senkte den Kopf und blieb so unbeweglich . . . stumm. Ihre Hände lagen ai f den weißen Tasten... Sie fühlte, wie sich lanajam etwas Ungeheures schwer auf sie herabsenlte, ihr Denken löschte aus. Sie wußte nichts zu sagen ... Sie war wie erschlagen von diesen Worten. „Ich weiß alles, und wir wollen vernünftig und ruhig miteinander reden, was nun werden soll — Sie hob den Kopf und suchte seine Augen, aber er schaute über sie hinweg in den dunklen Garten ... In der Ferne knirschte eine Bahn, die langsam vorüberfuhr, dann war alles still. Nur der Wind rauschte in den Bäumen des Gartens. Ab und zu streifte ein Ast das Fenster — wie eine Hand, die i lastend anpocht. „Woher ich das weiß, wollen wir hier nicht nlehr aufrollen. Keine Geständnisse jetzt, dazu ist's zu spät. Ich will nur eines wissen ... ist dieser... Mai n ... verläßlich?" „Wie meinst du das?" j „Du verstehst mich schon ... ich meine, für deine 's Zukunft?" ' „Rudolf!" Sie sprang auf und griff jäh in die | Tasten, daß das Instrument auf jammerte . . . „Du j willst--dich--" „Ich will mich von dir trennen, ja, denn das er= ! scheint mir selbstverständlich, nach allem. Ich möchte ; nur wissen, ob ... du einer sicheren Zukunft entgegengehst ... sonst ... täte es mir leid, für dich —" Sie schloß die Augen, unfähig, etwas zu sagen ... „Rudolf ... ich ..." „Keine Szenen, bitte, kein Theater jetzt... Wir wollen uns in Frieden auseinandersetzen. Ich schlage j dir vor ... ihm meinen Entschluß mitzuteilen." i Ein blasses Frauengesicht mit zwei dunkelum- 1 schatteten Augen starrte ihn an . „Ist das so unverständlich?" „Es kommt ... so rasch", war die tonlose Antwort. Sie hatte den Arm auf die Flügeldecke gestillt. Auf diesen feingeformten, schlanken, weißen Arm heftete er seinen Blick. Es roar, wie er gefürchtet hatte ... und sie leugnete es ja auch nicht einmal ... Sie war so ruhig, so gefaßt, o.ls l)c.be sie ! das alles kommen sehen, hundertmal erwogen, üder- i legt . . wie man sich am besten in Sicherheit brächte ! ... Flucht? ... Warum nicht? ... Sie war immer ! für das Romantische ... Damals, als sich seine erste i Frau, diese einfache Seele, die nicht verstand, daß j ein Mann — ein Mann . . und ein Künstler — ein ‘ Künstler ist ... und daß, wenn es aus ist — es eben aus ist zwischen zwei Menschen ... verzweifelt gegen die Scheidung aufbiiumte und ihm die Anwälte auf den Hals hetzte und alle Welt alarmierte — auch seine besten Freunde waren gegen ihn gewesen in mit 134 P. den 2.. Christ. Rühl (Bhf.) mit 128 P. den 3., Heinr. Hahn (Gr.-D.) mit 120 P. den 4., Heinr. Harbach (Gr.-D.) mit 117 P. den 5., Karl Münch (Gr.-D.) und Otto Seipp (Bhf.) mit 111 P. den 6.. Karl Scheid (Gr.-D.) mit 109 P. den 7.. Fritz Wagner und Karl Hahn (Gr.-D.) mit 106 P. den 8., Karl Ricolai (Gr.°B.) mit 103 P. den 9., Otto Balser (Gr.°B.) mit 101 P. den 10. In der Vorklasse (Jahrgänge 1915 bis 1917) blieben von 30 Teilnehmern 17 Sieger. Davon erzielten: Karl Reinschmidt (Gr.-D.) mit 52 Punkten den 1. Preis. Karl Hofmann (Dhf.- und Wilh. Rohrbach (Gr.-D.) mit 51 P. den 2., Wilh. Schmidt (Bhf.) mit 49 P. den 3., Karlhans Ortvein und Karl BonariuS (Gr.-D.) mit 48 P. den 4.. Ernst Volk (Gr.-D.) und Robert Henkel (Dhf.) mit 47 P. den 5. Preis. Geturnt wurde der vorgeschriebene Dveilamps. 16 Mädchen maßen ihre Kräfte in einem Dreikampf. Elf gingen als Siegerinnen hervor. Es erreichter davon: Marie Drück (Dhf.) mit 63 Punkten den 1. Preis, Gretchen Wagner (Gr.-D.) mit 52 P. den 2., Luise Mattern (Gr.-D.) mit 50 P. den 3., Marie Link (Gr.°B.) mit 50 P. den 3.. Lina Wagner (Gr.-D.) mit 49 P. den 4., Luise Dörr (Gr.-B.) mit 47 P. den 5. Preis. Reben den L.'hrern hatten sich in dankenswerter Weise die Turner A. Ost er Held, A. Rau und K. Rühl (Gr.-H) als Kampfrichter zur Verfügung gestellt. A u s d e m S) o r l o f f t a 1, 18. Sept. Die Aepfelernte in unserer Gegend bringt einen Rekordertrag. Die Bäume hängen fast sämtlich zum Brechen voll. F a l I o b st wird mit 1,50 bis 2 Mark je Zentner bezahlt. Für Birnen zahlen die Händler bei dem massenhaften Angebot ZPfennigdas P f u n d. Zum erstenmal seit vielen Jahren tragen hier die Nußbäume: vereinzelt sind sie so stark behangen, daß sie gestützt werden müssen. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 18. Sept. Am Freitag verabschiedete sich der seith uige Leiter des Predigerseminars, Direttor Belte, anläßlich der Entlassungsfeier der Kandidaten des Prebieecseminars mit einer Predigt. Von der Kirck-enregierung waren neben Geh. Rat Floe ° ring auch der Prälat Dr. D. Diehl erschienen, der ebenfalls eine sehr bedeutungsvolle Predigt hielt. In einer geschlossenen Feier bte d e Kandidaten am Rachmittag mit ihren Angehörigen abhielten, wurden dem scheidenden Sttehor Veite von verschiedenen Seite,: Huldigungen dargebracht: so sprach Geh. Rat Flo« ring von der Kirchenregierung, sowie Vertreter des Dekanats Friedberg, seiner ehemaligen Schüler und der evangelischen Gemeinde Friedberg. pb. D u tz b a ch, 18. Sept. Gestern vormittag wurden an der neuhergerichteten Rathaus- Fassade die Zifferblätter der Sonnenuhr und der Schlagwerks- oder Zeigeruhr wieder anaedracht. Beide Zifferblätter, die aus Schmiedeeisen hergestellt sind, waren — wie berichtet — im Laufe der Jahrzehnte total verrostet und bedurften einer gründlichen Reinigung und Erneuerung. Diese wurde in sehr guter Weise durch den Kunstmaler Kutscher (Bad-Rcncheim) nach eignen Konrpositio- nen ausgeführt. Die Malerei der Sonnenuhr ist der früheren genau nachgebildet, nur das Mittelstück ist neu. Es stellt eine von Rosen und Blumen umgebene Putte dar, die von der hochstehenden Sonne bestrahlt wird. Das Bild ist umrahmt von dem Spruch: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähle heitre Stunden nur“. Die Sonnenuhr stammt aus der Zeit der Erbauung des Rathauses, dem Jahre 1560. Auf der Rückseite des Zifferblattes finden sich folgende Vermerke: 1. „Im Jahre 1817 wurde diese Sonnen- ufjt unter den Herren Bürgermeister Herrn Hauptmann Joh. Ludwig Heil, Herrn Weitzel Küchel renoviert. In diesem Jahre kostete das Korn 23 Gulden, der Weizen 30 und die Gerste 16 Gulden": 2. „Renoviert 1851 durch Herrn Bürgermeister Johann Krauß, Paul Wilhelm Zäuner": 3. Renoviert 1876 durch Herrn Bürgermeister Christoph Konrad Küchel": „Renoviert 1927 durch Herrn Dürgernreister Dr. Otto Jansen." Das Zifferblatt der Zeigeruhr stammt aus dem Jahre 1630. Es enthält im oberen Teil das stäbftsche Wappen von zwei Putten umgeben, die eine Putte hält eine Sanduhr, die andere ein Szepter. Unter den Putten ist die Jahreszahl 1630 enthalten. Der erste Zikfernkranz zeigt die vier Tageszeiten an, der zweite die zwölf Tagesstunden. In der Mitte zeigt das Ziffern- xbmia. vk -c -• • tt rTt.-rKre»'.!. : dieser Sache, man nannte ihn ung-recht, undankbar gegen dies« gute Frau, die er doch schließlich einst aus Liebe geheiratet hatte und mit der er sieben Jahre „in bestem Einvernehmen", wie es in den Akten hieß — gelebt hatte — damals bat Melitta: nimm mich mit und töte mich. Wir sterben zusammen! Dann ist alles vorbei. Und sie hätte keinen Augenblick geschwankt, ein Ende zu machen ... sie war entschlossen und mutig genug dazu. Deshalb wollte er heute wissen, ob sie sich verlassen konnte — auf jenen anderen ... „Das denke ich doch . . " „Das denkst du nur? Das weißt du nicht einmal?" rief er. Sie zuckt« wie unter einem Hieb und strich das Haar zurück. „Darüber . . . haben wir noch nie ge- । sprachen . . ." Er lachte auf. „Ah, ihr dachtet nur an eure Liebe! Das, was mit mir geschah, war den Herrsck^aften einerlei? ... Ich spiele eine Nebenrolle ... in dem Stück! Ich kann ja nicht schießen, nicht wahr?" „Rudolf .. " „Das weiß er ganz genau ... So einer wie ich — ein Künstler...' „Du kennst ihn gar nicht.. „Kennst du ihn denn, Melitta?" Sie schwieg. Dann sagte sie: „Ich soll ihm schreiben, willst du . . . Was kann ich ihm denn Ichreiben?" „Daß du frei bist von heute ab . . " sagte er schneidend l>art. Eine schwere, tödliche Stille trat ein. Die beiden Menschen, die sich in der Dämmerung einander gegenüberstanden, fühlten, wie furchtbar es ist, auseinanderzugehen ... zwei Menschen, die sich geliebt haben, und sich auseinanderreißen ... aus wrichem Grunde es auch sei ... Es ist ein Riß, der durch das ganze Leben geht — tödlich — wie ein Messer durch einen Körper ... Der vor ihr stand in der Abenddämmerung, war ein alter Mann mit ergrautem Haar und eingesunkenen Wangen ... Ein Verlangen, seine Hände zu nehmen, vor ihm zu knien und hm zu danken, kam über die Frau. Sie warf sich vor ihm auf den Teppich und riß seine Hände an ihr glühendes Gesicht. „Rudolf..." blatt Me auSstrahlende Sonne, von vterneir umgeben. Die vier Himmelsrichtungen sind durch Wolkenbildungen gekeirnzeichnet. Die ganze Ausführung zeugt von Geschmack und Kunfffinu. Die beiden Zifferblätter werden eine besondere Zierde der Rathausfasfade bilden. Ärcie Büdingen. Ridda, 18. Sept. Die Arbeiten an dem Realschulneubau werden mit größter Beschleunigung fortgesührt. Das Erd^ geschoh, in das eine Schuldienerwohnung eingebaut wird, ist soweit fertiggestellt. Als Sockelstein findet -nicht der blaue Basalt der Umgebung, sondern der rote Basalttuff von Michelnau Verwendung, der beim Bremen weich ist und an der Luft erhärtet. Sonst wird er allgemein zum Backofenbau verveirdet. Kreis Schotten. chAusdem Oberwald, 18. Sept. Es scheint, als habe der Vogelsberger Bauer die Hoffnung auf besseres Wetter für seine Grummeternte auf- gegeben. Um das unter dem Einflüsse der feuchten Witterung sehr üppig gediehene Futter noch einigermaßen auszunutzen, hat er sich entschlossen, es abweiden zu lassen. In kleinerem Maßstabe kommt dies „Aushüten", wie die Bevölkerung sagt, jedes Jahr vor, aber nie in diesem traurigen Umfang von Heuer. ES ist für den mit ländlichen Werten Vertrauten niederdrückend, zu sehen, wie das Vieh in dem herrlichen Futter herumftampelt und in wenigen Tagen zuschanden tritt, was im Stall als Grummet noch wochenlang gereicht hätte. Kreis Lauterbach. 5 Lauterbach, 18. Sept. Am 23. September findet hier eine Kreislehrerkonferenz statt, auf deren Tagesordnung zwei bedeutsame Vorträge stehen. Lehret H e u s o h n (Lorbach) spricht über „Heimatkundliche Arbeitsgemeinschafte n". Professor Dr. Vogel, der Direktor des Pädagogischen Instituts an der Technischen Hochschule in Darmstadt, wird „Die Kulturpädagogik der Gegenwart" behandeln. Rheinhessen. WSR. Main z, 18. Se.pt. In der heuttgen Stadtverordnetensihung wurde beschlossen, aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichsprä- sidenten am 2. Oktober 5 000 Mark in das städtische Budget einLufetzen, die für die Kriegsbeschädigten Verwendung finden sollen. Außerdem wurde ein Antrag der sozwl- demokrattfchen Fraktton, bei Reichs» und Staatsregierung gegen die am 1. Oktober eintretende lOprozentigeMieterhöbungProtest zu erheben, angenommen. LPD. Mainz, 18. Sept. Um den sich häufenden Belästigungen durch Kraftfahrzeuge, insbesondere aber dem rücksichtslosen Knatternlassen der Motorräder wirksam entgegenzutreten, hat die Polizeiver- waltnng ihre Beamten angewiesen die Führer solcher Fahrzeuge anzuhalten und ihnen ein Formular auszuhändigen, wonach ihr Fahrzeug der Dampfkesselinspektivn zu Darmstadt zwecks Untersuchung vorzuführen sei. Falls dieser Aufforderung nicht stattgegeben werden sollte, wird der Antrag auf Einziehung des betreffenden Fahrzeuges aus dem Verkehr gestellt werden. Außerdem erfolgt Bestrafung wegen Zuwiderhandlung gegen die Krasffahr- zetrgordnrmg. Preußen. Kreis Fulda. WSR. Bad Salzschlirf, 17.Sept. In der vergangenen Rächt drang ein Einbrecher in ein der Kurverwaltung gehörendes Haus ein und st a h l aus dem Zimmer eines Kurgastes außer 200 0 Mk. Bargeld noch zwei wertvolle goldene Uhren. Die Polizei verfolgt bereits eine bestimmte Spur. Kirche und Schule. K Bad-Rauheim, 18. Sept. In der alten Wilhelmstirche fand der diesjährige Dekanatstag des Dekanats Friedberg statt. 45 Dekanatsmitglieder nahmen an den Verhandlungen teil, die unter Leitung von Dekan Vogel (Bruchenbrücken) auf hoher Stufe standen. Der Vorsitzende begrüßte vor Eintritt in hie Tagesordnung den Superintendenten für die Provinz Oberheiien, Oberkirchenrat Wagner „Laß, Melitta. Wozu Tränen, jetzt. . .?* „Du weißt doch, daß ich nicht Theater spiele!" rief sie außer sich. „Ich hab« nur dich geliebt!" „Du vergißt zwei andere--einen, der vor ! mir kam I „Ach, das ist so lange her...! Er war vor dir da, mir waren jung ... aber seit ich dich kannte. . . liebte ich nur dich! Ich habe nie einen anderen angesehen ... das weißt du —!" Er zuckte die Achseln. „Was weiß man denn? ' Ich habe ja auch von diesem nichts gewußt ... Ich glaube dir nicht mehr, Melitta ... Wer einmal betrügt —" Sie zuckte auf und hob die Hände gefaltet zu ihm auf. „Ich schwöre dir bei der Madonna . . ." Er wich vor diesen Händen zurück. Keine Schwüre! Ich verlange keine Erklärungen... Mach' deine Sachen zurechl . . ." „Du schickst mich fort, aus diesem Hause?" i ..Ich schicke dich nicht fort ... ich hoffe, «s dauert ■ nicht mehr lange ... aber es geht über meine Kraft, dich länger zu sehen ..." „Soll ich zu Ethel gehen, heuf abend noch?" Er besann sich. „Nein . . . besser nicht ... die Dienstboten brauchen es nicht zu wissen . . . was zwischen uns--niemand darf es ahnen, hörst du? Schreib' ihm alles, heul' abend noch ... Dann werden wir weiter sehen." Er zog seine Uhr . . . Um elf Uhr wird der Kasten drüben geleert. Morgen, mit der zwecken Post, kann er den Brief schon haben ... bis morgen abend hast du sicher Antwort — vielleicht schon eher--es gibt ja Telephone und Depeschen . . . Und er wird sich beeilen, denke ich . > •" „Du liebst mich nicht mehr?" sagte sie, sich ihm I nähernd. „Ist alles bei dir ausgelöscht?" Sie standen einander gegenüber, sie wagten nicht mehr, sich zu berühren. Ihre Hände hingen schlaff herab . . . ihre Herzen schlugen, ihre Augen brannten wie im Fieber, die Knie zitterten ihnen ... aber sie schwiegen. „Geh'!" sagte er heiser, „mach's kurz ... Ich bin nicht für gekittete Sachen ... sie machen nur unglücklich ... es wird sich alles lösen--wie du es wolltest, Melitta, und wie es wahrscheinlich kommen mußte ... Du bist ja Fatalistin ..." (Fortsetzung folgt.) Mich en), das Mitglied der Kirchenregierung .Pfarrer Bembeck (Okarben) und gedachte in tzhrenben Worten der verstorbenen DeLrnats- mitglieder Pfarrer Roth (Butzbach). Direktor PnHessor Dr. Zimmer (Bad-Rauheim). Dekan Kleeberger (Friedberg), sowie des verstorbenen Vizepräsidenten der Kirchenregierung und des Landeskirchenamtes Geh. Rat D. Dr. Be ratz eck. Pfarrer Z a h m a n n (Friedberg- Fauerbach) trug hierauf den Rechenschaftsbericht des Detanatsausschusses vor. Daraus ist hervorzuheben, daß die 27 Dekanatsgemeinden 37 039 evangelische Gemeindeglieder zählen. Der Kirchenbesuch der Erwachsenen hat sich auf der seitherigen Höhe gehalten. Doch ist der der Schulkinder etwas zurückgegangen. Der Durchschnitt beträgt 16,7 Proz. Der Abendmahlsbesuch hat gegen 1925 zugenommen, er betrug insgesamt 15673 Personen. An Gaben für Werke der christlichen Barmherzigkeit wurden 39 456 Mark eingenommen, das sind 69 Pf. auf den Kopf der Evangelischen im Dekanat. Rach Prüfung der Rechnung und Genehmigung des neuen Voranschlags wurde Pfarrer M ö b u s (Ostheim) als Stellvertreter für den Dekan und denDekan- stellvertreter in den Dekanatsausschuß gewählt. Pfarrer Rühl (Reichelsheim i. d. W.) erstattete hierauf ein tiefgründiges Referat über u5> i e religiös-sittliche A ot der Gegenwart". Was der Redner aussührte, war tiefes Erlebnis und machte starken Eindruck aus alle Hörer. Ein Antrag auf Aenderung des kirchlichen Wahlrechts fand e i n st i m - mi g c Annahme. Er sei im Wortlaut wiedergegeben : ..Der am 15. September 1927 in Bad-Rauheim zusammengetretene Dekanatstag des Dekanats Friedberg richtet an den Landes- kirchrntag die Bitte, bei seiner nächsten Tagung eine Aenderung des kirchlichen Wahlrechts dahin ins Auge zu fassen, daß die Listenwahlen in Zukunft beseitigt werden, weil sie ein störendes und besonders von den Laien entschieden ab gelehnt es Hineintragen der Richtungs- streitigkeiten in die Gemeinden im Gefolge haben." Amtsgericht Wietzen. * Gießen, 15. Sept. Die Wohnungsnot spiegelt sich bisweilen in Privatklagen wider. Die Hartnäckigkeit der Parteien läßt dann nichts zu wünschen übrig. Bereits drei Privatklagen sind zwischen dem Vermieter K. und dem Mieter B. bzw. zwischen Angehörigen von diesen ausgefochten worden. In der nunmehrigen vierten Privatklage verklagte das elfjährige Töchterchen des Mieters die erwachsene Tochter des Vermieters, weil es von dieser geschlagen worden sei. Die Angeklagte bestritt dies nicht. Sie hat aus dem Fenster gesehen. Ohne Grund rief ihr die Privatklägerin, das elfjährige Kind, ein Schimpfwort vom Hof aus zu. Sie eilte hinunter und schlug dem Kind, wie sie behauptete, einmal, wie ein Zeuge angab, mehrmals mit der Hand auf den Rücken. Die Angeklagte gab an, sie habe sich hierzu für berechtigt gehalten. Sie berief sich auf einen Richterspruch, der kürzlich im „Gießener Anzeiger" abgedruckt gewesen sei. Danach dürften auch dritte Personen Kinder anderer züchtigen, wenn dies angebracht sei. Sie hatte jedoch mit diesem Einwand kein Glück. Denn ein solches Züchtigungsrecht eines Dritten kommt dann nicht in Frage, wenn dem Züch- tis,enden bekannt ist, daß die Eltern die Schläge mißbilligen. Dies war hier der Fall. Die Angeklagte hat geschlagen, obgleich sie bestimmt Mißte, daß die Eltern die Schläge nicht gut- heißen werden. Auch befand sich die Mutter des Kindes in unmittelbarer Rähe, so daß zu ei'.er „Stellvertretung" kein Anlaß bestand. Die Angeklagte muhte deshalb wegen leichter Körperverletzung bestraft werden. Andererseits hat das K^nd die Schläge, die nicht übermäßig heftig waren, verdient. Deshalb wurde auf die geringste Strafe von 3 Mark erfannt. Da hier eine Beleidigung mit einer leichten Körperverletzung auf der Stelle erwidert worden ist, hätte ganz von Strafe abgesehen werden können. Die Angeklagte hätte dann nur die nicht unerheblichen Kosten zu tragen gehabt. Aber das schien mit Rücksicht auf die beiderseitigen Beziehungen von Verinieter und Mieter nicht angebracht. 3m Laufe der Verhandlung gab's heftige Auseinandersetzung zwischen der Mieter- und der Vermieterseite. Die letztere stellte eine weitere Privatklage gegen das Oberhaupt der ersteren in Aussicht, ülnd so wird denn der Privatklage Mieter gegen Vermieter nun erneut eine solche der Vermieter gegen die Mieter folgen und so weiter. Dis auf weiteres ist ein Ende nicht abzusehen, es sei denn, das Wohnungsamt hat ein Einsehen und trennt die streitbaren Hausgenossen. Wirtschaft. gur Kapitalnrarkt- und Vörsenlage. 2m Monatsbericht der Direktion der Dis- conto-Gefellschaft wird u. a. ausgeführt: Die Lage am deutschen Kapitalmarkt läßt sich unverändert auf die Formel bringen: Versagen der heimischen Emissions- märkte gegenüber einem durch die Kapitalzerstörung der Kriegs- und Inflationszeit begründeten. neuerdings aber durch die Bedürfnisse der Produktionserweiterung und der Ralionali- fierung noch ständig verstärkten Kapitalshunger. Ausbau und Vervollkommnung des industriellen Apparates, Stärfung der landwirtschaftlichen Produktionskräfte unt) Wohnungsbau sind die drei großen wirtschaftlichen Forderungen, deren Erfüllung im erstrebten Ausmaß immer noch an der ülnzulänglichkeit des verfügbaren Kapitals scheitert. Die Statistik der im Inland e aufgelegten deutschen Anleihen verzeichnet für die ersten vier Monate dieses Jahres 955 Mill. Mk., für die folgenden vier Monate 3 Mill. Mk. Zwar haben die Spareinlagen weiter durchschnittlich um 100 Mill. Mk. im Monat zugenommen, und die Reugründungen und Kapitalserhöhungen von Aktiengesellschaften haben bis einschließlich Juli monatlich 120 bis 130 Mill. Mk. neues Kapital beansprucht. Aber die Unmöglichkeit der Hinterbringung neuer Obligationen und Pfandbriefe zeigt eine Erschöpfung des Inlands- m a r k t e s an, die sich nicht allein daraus erklärt, daß in den Emissionen der früheren Monate sehr viel vorweggenommene Kapitalbildung gesteckt hat, und die auch nicht allein mit der veränderten Börsenstimmung zusammenhängt. Der Rationalisierungsprozeh erfordert nicht nur organisatorische Maßnahmen, sondern vor allem technische Betrieösverbesserungen und Reuanlagen, die Kapitalinvestitionen größten Ülmfanges bedingt haben und noch weiter bedingen. Außerdem müssen dabei auch Kapitalverluste, die durch Stillegung von Betrieben bei Zusammenschlüssen usw. entstanden sind, erseht werden. Das Tempo der Kapitalbildung hat nicht mit dem der Kapitalbedarfs steige- rung Schritt zu halten vermocht. Die Folge des beschwerten Zustandes war ein erneutes starkes Zurückgreifen auf die Hilfe des Auslandes. Deutschland brauchte Kapitaleinfuhr, diese verursacht aber zum erheblichen Teil direkt oder indirekt den Einfuhrüberschuß und damit die Gefahr einer konsumptiven Verwendung der Kredite. 2,459 7,396 7,410 78,42 73,56 3,083 3,039 20,56 20,60 61,36 81,5- ',139 .',113 5,591 | 5,696 ., 197 ! 4,205 4.226 4.234 ;0.94 ! '0.98 Amtliche Notierung Geld Briet . 168,18 , 168,5z 1,794 1 1,798 68,44 । 68,56 110,89 111,11 112,39 112,61 112,89 113,11 10,581 10,611 22,86 32,90 .0,415 .0,455 4,196 4,2.4 16,465 16,505 ,0,935 ,1,095 72,18 72,32 1,954 1.958 1,4995 o.50lö 59,15 >9,27 -2,435 12,455 7,395 7,499 73,38 73,5- 1,032 1,038 20,53 .0,57 al,36 81,51 2,139 1,143 5,591 ),606 1.198 4.206 4,206 4,214 10.945 20.981 Berlin, 1. Septbr. | ">e.d Briei 21meritaunci,c Roten..... Belgische ’Jlottn...... Dänische Noten ...... Englische Noten ...... | 4.181 58,33 1 112,13 1 20,395 4.201 .'0.475