Nr. 193 Erstes Blatt 177. Jahrgang Aettag, 19. August 1927 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamUienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugsprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzeluerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Postscheckkonto: Stanffnrt am Main 11686. vnttk «nd Verlag: vrühl'sche Univerfiiüir-Vuch' und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulsttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/. mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Gehlers Flaggenerlaß. Wenn man sich bl« Steuerungen der Presse aller Parteischattierungen ansieht, so gewinnt man den Eindruck, von einigen Ausnahmen abgesehen, daß sich Reichswehrminister Dr. Gehle r mit seinem neuesten Flaggenerlah zwischen sämtliche Stühle gesetzt hat, die eS im Deutschen Reich gibt. 06 er sich da bei auf die Dauer wohlfüylen wird, ist eine Frage, die wir nicht zu entscheiden vermögen, wenn auch Minister Gehler seit seinem Amtsantritt an Kummer gewöhnt ist. Don deutschnationaler Seite wirb ihm vorgeworsen, bah er mit seinem Flaggenerlah der Reichswehr und ihrer Stellung im Volk eine schwere Schädigung zugefügt habe, weil er sich der Agitation des Reichsbanners und der demokratisch-sozialdemokratischen Organisationen gebeugt habe. Von der Linken wiederum wird zwar der Erlah an sich gebilligt, aber die Begründung als schwere Beleidigung empfunden. Die Herrschaften sind höchst empfindlich berührt dadurch, dah in der Begründung zu dem Erlaß gesagt wird, dah die Gegner der Reichswehr Waffen in die Hand bekämen, wenn man ihnen den Vorwand liefere für den Rachweis, die Wehrmacht sei ganz einseitig eingestellt und ihre angeblich unpolitische Einstellung sei in Wahrheit nur ein Deckmantel für ihre Rechtsorientierung. Die Empörung der großstädtischen Presse der Demokraten und der Sozialdemokraten über diese Aeuherung ist uns völlig unverständlich. Denn wenn irgend etwas sonnenklar ist, dann ist es doch diese Behauptung des Reichswehrministers. Man braucht sich nur alte in dem gleichen Fahrwasser segelnden Blätter daraufhin anzusehen, und man wird finden, dah tatsächlich dieser Vorwurf unserer Wehrmacht fast an jedem Sage, an dem der liebe Gott Sonnenschein schickt ober regnen läht, gemacht wird. Zunächst muh einmal abgewartet werden, ob der Reichswchrminisler seinen Erlaß ganz aus eigenem Entschluß herausgegeben, oder ob er vorher mit anderen Stellen, in erster Linie mit dem Reichspräsidenten als dem obersten Befehlshaber der gesamten Wehrmacht, und in zweiter Linie mit dem Reichskanzler als dem verantwortlichen Träger der Ge- famtpolilik Fühlung genommen hat. Bei dkr großen Wichtigkeit des Schrittes muß man annehmen, daß Herr Dr. Geßier wenigstens mit diesen beiden Instanzen sich vorher ins Einvernehmen gesetzt hat. Weiter bleibt di« Frag« zu klären, ob sich das Kabinett in seiner Ferierrsitzung am Tage vor der Ver- fassungsfeier mit der Angelegenheit beschäftigt hat. Das ist weniger wahrscheinlich, weil Minister Geßler in jenen Tagen nicht in Berlin anwesend war, sondern an Hebungen der Flotte teilgenommen hat. Immerhin wird man abwarten müssen, bis diese hier aufgeworfenen Fragen beantwortet sind, eh« man in der Sage ist, sich ein endgültiges Urteil zu bilden. Wenn Dr. Geßler ganz selbständig, ohne Fühlungnahme mit anderen Stellen vorgegangen ist, dann entsteht allerdings die weitere Frage, ob das richtig war, gerade letzt, nachdem der durch die Flaggennotverordniing der preußischen Regierung entfachte Streit um die Flaggenfrage ein wenig abzuebben begann. Nun geht natürlich der Kampf um die beiden Flaggen, der unser ganzes politisches Leben seit den Tagen von Weimar vergiftet, von neuem an. Auf der anderen Seite darf nicht verkannt werden, daß Geßler offenbar von dem Wunsch beseelt gewesen ist, in diesem unseligen Streit vermittelnd aufzutreten. Es ist richtig, daß die Wehrmacht bisher — ganz verständlicherweise! — die nun einmal verfassungsmäßig bestimmte Reichsflagge nicht so zur Geltung gebracht hat, roie* das uun anderen Organen des Reiches geschieht. Seit dem bekannten Erlaß des Auswärtigen Amtes unter der Kanzlerschaft Luthers haben wir gewissermaßen das Zweiflaggensystem in noch stärkerem Maße als zuvor, und zwar unter amtlicher Anerkennung auf Grund der Verfafsungsbestimmung, wonach neben der schwarzrotgoldenen Reichsflagge die schwarz- weißrote Handelsflagge mit der Gäsch besteht. Die Reichskriegsflagge, die bisher von der Wehrmacht ausschließlich gezeigt worden ist, entspricht ungefähr der Handelsflagge. Wenn auf amtlichen Gebäuden im Ausland beide Flaggen nebeneinander gezeigt werden muffen, so ist es eigentlich nur logisch, wenn bei Gebäuden der Wehrmacht im Innern ebenfalls nicht eine Flagge allein, sondern beide gezeigt werden. Freilich wäre dann ein weiterer und streng logischer Schritt der, daß eine gleiche Anordnung für sämtliche öffentlichen Gebäude überhaupt getroffen wird. Das würde also bedeuten, daß wir die Flaggenfrage durch die völlige Gleich- stellung der alten und der neuen Far - b e n bei allen Gelegenheiten zu lösen versuchen können. Falls das vielleicht der Sinn des Geßlerschen Erlasses ist, dann könnte man sich damit befreunden und dann müßton sich diejenigen, die sich als übereifrige Verteidiger der Wehrmacht gebärden und den Minister grundsätzlich wegen des Erlasses überhaupt angreifen, sagen lassen, daß auch sie zu weit gegangen sind. Wie gesagt, ein endgültiges Urteil wird man sich erst bilden können, wenn man klarer sieht als jetzt. Beide Teile, rechts und links, sollten sich fagtn, daß blinder Eifer nur schadet und daß es in unseren heutigen inner- und außenpolitischen Verhältnissen angebracht erscheint, nicht gleich alles, was geschieht, in Grund ifnb Boden zu verurteilen, sondern dahin zu streben, daß der Zerklüftung unseres Volkes durch Öen Flaggenstreit Einhalt geboten wird. Ein GeburlsLagswunsch Hindenburgs? Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 19. Aug. Im Zusammenhang mit G eßker s Flaggenerlaß wird in der „D.A. Besatzungsabbau und Wirtschafts-Locarno. Nachdem ein französischer Versuchsballon, mit dem offenbar die öffentliche Meinung der Welt dar- auf oogetaftet werden sollte, wie sie sich zu einer Verminderung der Rheinlandtruppen um ganze 5000 Mann stellen würde, nachträglich als nicht authentisch hingestellt worden ist, steht das Thema jetzt neuerdings im Vordergrund englischer Erörterungen. Sowohl „Daily News" wie „Daily C h r o n i c l e" befassen sich mit der Frage der Truppenherabsetzung, und zwar in einem Sinne, der den Franzosen nicht gerade günstig ist. Das erstgenannte Blatt bringt das schon in der Ueberschrift zum Ausdruck. Sie lautet: „Soll Locarno leben ober sterben? Ein unerfülltes Versprechen". Und das Blatt unterstreicht, wie gestern ichon berichtet, als Londoner Ansicht die Tatsache, daß die gegebenen Versprechungen nicht angefochten werden könnten. Von diesen Versprechungen, Sie mit der Botschafternote vom 14. 11. 1925 die Zurück- führung der Besatzung auf die „N o r m a l z i f f e r" ankündigen, ist auch im „Daily Ehromele" die Rede, der sowohl durch seinen diplomatischen Korrespondenten, wie in seinem Leitartikel zu erkennen gibt, daß offenbar über die ziffernmäßige Reduktion der Besatzung und über den Anteil der einzelnen Besatzungsmächte an der Verminderung der Kontingente verhandelt worden ist. Das Blatt weist darauf hin, daß nach einer französischen Forderung diese Reduktion 9 Proz. der französischen, je 35 Proz. der belgischen und der englischen Truppen betragen sollte; das würde also heißen, daß die Franzosen etwa 5000 Mann, die beiden anderen Mächte zusammen etwa die gleiche Truppenzahl zurückziehen sollten. Diele Schlüsselung würde nach dem „Daily Chronicle" l'aum vereinbar sein mit dem Eharakter einer internationalen Besetzung. Aus anderen Du eilen scheint hervorzugehen, daß man auf englischer Seite eine Truppenverminde- r u n g um 1 2 000 Ma n n wünscht, und zwar unter pro rata-Beteiligung der drei Mächte im Verhältnis ihrer gegenwärtigen Bestände in den besetzten Gebieten. Dagegen scheint sich Frankreich zu sträuben und begründet seinen eigenen Vorschlag, der nunmehr anscheinend auf nur 5000 Mann insgesamt geht, ausgerechnet mit der Rede des Abgeordneten v. Kardorff zur Derfassungsfeier. Man hat die Wahrheiten, die Kardorff mit Bezug auf das Be- fatzungsregime und unter Vergleichung feiner Handhabung mit derjenigen der deutschen Besetzung fron- zösischer Städte nach 1870 gesagt hat, in Paris offenbar sehr schmerzlich empfunden. Aber daß man daraus eine Gefahr für die Sicherheit der Besatzungstruppen machen könnte, ist wohl im Emst noch niemand außerhalb der Kreise jener konsequenten V e r- ftänbigungsgegner eingefallen, denen jeder Vorwand recht ist. In Paris wird übrigens von einem Notenwechsel berichtet, der bezüglich der Truppenherabsetzung im Rheinland seit dem vorigen Monat geführt wird, unb man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß Chamberlain im Hinblick auf die bevorstehende Völkerbundstagung und auf seine eigene Mitverantwortlichkeit für die Erfüllung der in Locarno gemachten Zusagen, einen gewissen Druck in der Richtung auf ein« rini gernraß en ausreichende Truppenverminderung auszuüben versucht. Der erfolgreiche und von der ganzen französischen Presse als wichtiges Element politischer Entspannung begrüßte Abschluß der Handelsvertrags Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich wird ihm dabei ein wichtiges Argument in die Hand geben. Reuter gibt den englischen Druckr zu. London, 1$* Qlug. (Wolfs.) Reuter meldet, daß die französische Regierung auf die beiden Roten, die ihr kürzlich von der britischen Regierung über die Herabsetzung der alliierten Besatzung im Rheinland überreicht wurden, nunmehr die Antwort übergeben hat. Die französische Rote wird augenblicklich von den englischen Sachverständigen genau geprüft. Da in den zuständigen britischen Kreisen über die französische Anttvoitt auf die britischen Roten über die Herabsetzung der alliierten Militär- ftreitfräfte im Rh Inland. äußerste Zurückhaltung beobachtet wird, erfährt ..veuke von zuverlässiger Seite, daß diesranzösischeRegierung vorgeschlagen habe, ihre Truppen, die zurzeit etwa 55 000 Mann stark sind, um 5000 Mann z u vermindern. Gleichzeitig hat es den Anschein, als ob die französische Regierung erwarte, daß die britische und die belgische Regierung ebenfalls Truppen in einer Gesamtstärke von 5000 Mann zurückziehen, so daß also eine gesamte Herabsetzung der Besatzungstruppen um 10 000 Mann stattfinden würde. Die französischen Vorschläge werden gegenwärtig von der britischen Regierung geprüft. Möglicherweise wird man den Eindruck haben, dah die vorgeschlagene Zurückziehung britischer und belgischer Trrrppen unverhältnismäßig sei, da die Gesamtstärke der französischen Streitkräfte im Rheinland die britischen und belgischen Streitkräfte um 40 000 Mann übersteigt. Es muß daran erinnert werden, daß die Botschafterkonferenz in ihrer Rote vom Ro- vember 1925 der deutschen Regierung versprochen hat, im Rheinlande die Zahl der alliierten Truppen merklich herabzusehen. Seit diesem Zeitpunkte hat die deutsche Regierung bei jeder möglichen Gelegenheit die Richterfüllung des Versprechens durch die Alliierten als Deschwerdegramd vorgebracht. Um ähnliche Deschwerdegründe seitens der deutschen Regierung zu beteiligen, wird die britische Regierung jetzt daraus bedacht jein, die von der Botschafterlonferen; versprochene merkliche Zurückziehung von Truppen durchzuführen. Während in der Rote der Dotschafterkonferenz keine beftimmte Zahl genannt ist, und noch keine Geneigtheit bestecht, in unnötige Einzelheiten der Frage einzutreten, solange die Angelegenheit noch erörtert wird, glaubt man doch allgemein, daß die Herabsetzung der gesamten alliierten Truppen im Rheinlande auf annähernd 56000 Mann die Billigung der deutschen Regierung finden werde. Wird nun Wort gehalten? Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers'. Berlin, 19. Aug. Maßgebend« Pariser Blätter haben ihre Kommentare zu dem deutsch - französischen Handelsabkommen auf den Grundgedanken eingestellt, baß bamit ein wirtschaftliches Locarno geschaffen worben sei. Im Rahmen der französischen Pressebetrachtungen, in benen fast ohne Ausnahme bas Han» belsabkoinmen aufrichtig begrüßt wirb, kann man auch in Deutschlanb biesem Vergleich burchaus zustimmen, unb zwar um so mehr, als bie Pariser Zeitungen auch die starke politische Bedeutung des Handelsabkommens im Hinblick auf eine weitere Entspannung unb Förderung der politischen Beziehungen zwischen Deutschland unb Frankreich unterstreichen. Gerade biefe Auffassung vernimmt man in Deutschland mit besonderem Interesse. Man wird aber ohne weiteres daran den lebhaftesten Wunsch knüpfen müssen, daß mit der Durchführung des wirtschaftlichen Locarno die Verwirklichung der Rückwirkungen des politischen Locarno Hand in Hand geht. Gerade heute stehen wieder Meldungen aus London und Paris über die Herabsetzung der Rheinlandbe- s a tz u n g im Vordergrund des Interesses. Die Herabsetzung der Truppenbestände im besetzten Rheinland in dem den deutschen Unterhändlern in Locarno zugesagten vernünftigen Ausmaß ist eine Rückwirkung, auf die Deutschland seit vollen 22 Monaten vergeblich wartet. Wenn in Frankreich heute betont wird, daß wirtschaftliche Vereinbarungen die beste Grundlage für die Erstarkung der internationalen Friedenspolitik bieten, so muß dem von deutscher Seite hinzugefügt werden, daß durch den Abschluß des Handelsabkommens mit Frankreich eine weitere, in Locarno überhaupt nicht vorgesehene Voraussetzung für die Erfüllung der Deutschland im Oktober 1 9 2 5 gegebenen Versprechungen geschaffen ist. „(Eine glüKüche Etappe". Paris, 18. Aug. (WB.) Der ..Temps" geht anknüpfend an den Abschluß des deutsch- französischen Handelsvertrages, fcen er für geeignet hält, eine Annäherung auf der Grundlage eines aufrichtigen Ausgleiches der unmittelbaren 3ntereffen beider Rationen herbeizuführen, auf die deutsch-französischen Be Ziehungen im allgemeinen ein. Er bezeichnet es als eine beachtenswerte Tatsache, daß die deutsche Presse insgesamt den Abschluß des Handelsabkommens mit Genugtuung aufgenommen habe. Ganz allgemein könne man die Ansicht vertreten, daß das Bestreben, den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich eine klare und solide Grundlage zu geben, geeignet sei, in gewissen: Maße die At- mosphäre zu klären, aus der die Politik der beiden Länder sich entfalte. Gewiß, wirtschaftliche Beziehungen, die zum Wohle beider Rationen auf eine breitere Grundlage gestellt würden, genügten nicht für sich allein, die Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, die für jede gesunde Politik der Annäherung und der Aussöhnung unerläßlich sei. Aber sie schüfen immerhin ein wirkliches Gefühl der Solidarität und hätten zur Folge, daß die Sorge um die Sicherheit der persönlichen Interesten die öffentliche Meinung gegen den Einfluß zur Vorsicht mahne, den Elemente auszuüben suchten, die vor allem von Abenteuerlust erfüllt schienen. 3n dieser Hinsicht bedeute l bet Abschluß bes beutsch-französischen Handelsabkommens offensichtlich eine glückliche Etappe, die die Diplomatie im Laufe der Verhandlungen erreichen wollte, die zur befriedigmden Regelung der zwischen Deutschland und Franko-ich schwebenden Fragen fort geteilt würden. Der „Tem p s" polemisiert weiter gegen die reaktionären Umtriebe in Deutschland und kommt zu folgender Schlußfolgerung: Die zwischen dem Reiche und den alliierten Landen bestehenden Fragen sind, da sie die Allgemeinheit sicher in er- effieren, zu ernst, als daß man Mran denken könnte, sie unter dem Drucke der durch allerlei Polemiken entfesselten Leidenschaft lösen zu können. Diese Polemiken sind nicht von ein -m wahren Geiste der Entspannung und des Friedens ein gegeben. Die Verständigung hat eine Grenze, die Frankreich auf dem Wege der Konventionen nicht überschreiten darf, die Grenze, die die Wahrung der Sicherheit im Okzident und die Aufrechterhaltung der nach dem Kriege unterzeichneten Verträge zeichnet. Don dem deutschen Volke hängt es vor allem ab, daß das Gefühl des Vertrauens wieder genügend Kraft gewinnt, um mit der notwendigen Abgeklärtheit Regelungen ins Auge zu fassen, von denen die Zukunft der europäischen Welt abhängt und die gerade deshalb Frankreich vor allen üblen Äeberrafchungen schützen müssen. Der Abschluß des deutsch-französischen Handelsabkommens beweist, daß, wenn man sich offen auf den Boden der gegenseitigen berechtigten Untere ff en stellt und sich ehrlich an die Realitäten der Stunde hält, die Verständigung möglich ist. Was man aber von der Friedensliebe Frankreichs und seinem Wunsche, den Wiederaufbau Europas zu erleichtern, nicht erwarten darf, ist, daß Frankreich sich opfert oder der Mitschuldige einer Politik ist, die nicht aufrichtig den großen Zielen entspricht, die zum allgemeinen Wohle der Kulturwelt erreicht werden müssen. Das „Journal des Debats" schreibt, über den deutsch-ftanzösischen Handelsvertrag, vorn technischen Standpunkt aus gesehen, müsse man damit rechnen, daß das Abkommen kritisiert werde, denn ein frei abgeschlossene" Abkommen habe natürlich gegenteilige Zugeständnisse zur Voraussetzung, und diese Zugeständnisse könnten nicht gemacht werden, ohne jemanden zu behindern und ohne daß der Betreffende sich dadurch gekränkt erkläre. Aber jedermarrn werde sich beiderseits zu dem Ergebnis beglückwünschen können. Es sei ein wirtschaftliches Interesse ersten Ranges, daß die Handelsbeziehungen zwischen zwei großen Ländern, die s.ch, was viele Artikel betreffe, viel eher ergänzten als miteinander rivalisierten, wieder einen normalen und gesicherten Verlauf nähmen. Ohne von einem Aufschwung zu sprechen, wie dies die Optimisten täten, sei doch eine beträchtliche Steigerung bes deutsch-französischen Warenaustauschs eine wünschenswerte Eventualität. Wer da glaube, man könne verkaufen, ohne selbst zu kaufen, oder man könne in anderer Weise bezahlen als durch Waren im Austausch gegen das, was man exportiere, werde immer gegen jeden Handelsvertrag mißtrauisch fein. Cs gäbe in beiden Ländern Anhänger der übertriebenen Schutzzollpolitik, aber die Massen der Verbraucher wüßten sehr wohl, daß eins der Mittel zur Abwendung der Lebensteuerung in einer Herabsetzung der Zollschranken zu erblicken sei, und daß der deutsch-französische Handelsvertrag ein entscheidender Schritt auf diesem 'Wege sei. Frankreich, so fährt das Blatt fort, ljat einen Mi- nimaltarif, wie ihn die Mächte, denen die Gleich- Ztg." auf bas Vorbild hingewiesen, bas Reichspräsident von Hindenburg nach dem Scheitern der Versuche zur Schassimg einer Einheitsflagge durch Gleichstellung der beiden Flaggen gegeben hat. Bei dem engen Verhältnis zwischen Reichspräsident unb Reichswehrminister liege die Annahme nahe, daß der Erlaß Geßkers die Zu - stimmung des Reichsoberhauptes gefunden hat. Vielleicht offenbare sich hier sogar ein geheimer Geburtstagswunsch Hindenburgs, dessen Erratung nicht schwer fallen könne. Die Deutschen sollen den Flaggenzwist begraben und sich in der friedlichen Anerkennung der beiden Flaggen zusammenfinden. Wie weit diese Vermutung der Wirklichkeit entspricht, läßt sich hn Augenblick noch nicht sagen. Daß die B e g r a = bung des Flaggen st reits ein sehnlicher Wunsch des Reichspräsidenten unb weitester Kreise bes deutschen Volkes ist, ist bekannt. Der Erlaß des Ministers ist bisher nur in der Fassung von Berliner Presseberichten bekannt. Der Wortlaut des Erlasses wird voraussichtlich heute amtlich veröffentlicht werden. Flaggenschutzerlatz in Oldenburg Berlin, 18. Slug. (Priv.-Tel. bes WTB.) Wie ber „Voss.Ztg." aus Dlbenburg gemeldet wird, hat das oldenburgische Staatsmini st e- r i um eine Verordnung zum Schutze der Reichsfarben in den olbenburgischen Bädern erlassen, in der es heißt, daß die zuständigen Behörden angewiesen sind, alle Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, eine Entfernung, mutwillige Beschädigung ober Vernichtung von Flaggen । mit den verfassungsmäßigen Reichsfarben zu verhindern unb etwaige Täter zur Strafverfolgung zu I bringen. Ein baltischer Staalenbund. Riga, 18. Aug. (WTB.) Der lettische Außenmini st er, Zielens, empfing heute in Kowno Pressevertreter unb erklärte, ber Zweck seiner Reise fei, alles mögliche zu tun zur Weiterentwicklung ber freundschaftlichen Beziehungen zwischen Litauen unb ß e 111 a n b auf Grund einer Reihe von Abkommen, wie eines Hanbelsvcrtrages unb einer Schiedskonvention, beren Abschluß jetzt auf ber Tagesorbnung feien. Zielens betonte fein entliehenes Eintreten für bie Verwirklichung bes ba 11 i f d) e n Staatenbunbes, den politische und wirtschaftliche Motive erheischen, welche den drei baltischen Ländern gemeinsam seien. Er sehe im baltischen ©taatenbunb bas beste Mittel zur Stärkung bes Einflusses ber brei Staaten in ber internationalen Politik. becechtigung zugestanden war, genossen. Aber dieser Minimaltarif ist überholt. Die Kammer hat noch nicht Zeit gehabt, ihn durchzusehen und zu korrigieren. Frankreichs Sache ist es also, mit der Revision des Zolltarifs bis zum 15. Sep- tember zu Ende zu kommen, wenn es nicht in den Zustand der Unterlegenheit kommen will. Man muh also rechtzeitig daran denken, und dies wird eine der ersten Sorgen der neuen Kammer sein. Frankreich hätte es sich selbst zuzuschreiben, wenn es zu jenem Zeitpunkt nicht gerüstet wäre. Es wäre nicht der Fehler des Abkommens. Neben wirtschaftlichen Interessen hat das Abkommen ein ebenso politisches Interesse. Man spricht von einem Wirkschastslocarno. hoffentlich! hoffentlich sogar noch etwas Solideres! Eine Annäherung lediglich auf politischem Gebiet hat stets etwas Lockeres, Wirkungsloseres und Kühleres an sich. Ein Handelsabkommen, das die Bande in wirtschaftlicher Beziehung zwischen den Gegnern von gestern enger knüpft und schafft, ist eine wertvollere Unterstützung für die pazifistischen Hoffnungen der Zukunft. Die vagen Konversationen sind gefährlich, weil sie enttäuschen. Man erwartet von ihnen Dinge, die sie nicht geben können. Eine prosaische Regelung aber dagegen bietet die Aussicht, mehr zu gebzn, als man erwartet hat. Das ist eine Grundlage. Ein Handelsabkommen gewährt materiellen Dingen Befriedigung, und deshalb kann man es, ohne befürchten zu müssen, sich zu täuschen, auch moralisch mit Befriedigung aufnehmen. Die „E re Nouv« lle" erklärt, man dürfe nicht mit Stillschweigen den aktiven guten Willen Posses übergehen, der es verstanden habe, die Instruktionen aus Berlin den Erfordernissen der schwierigen Lage anzupassen. Man hab« von einem wirtschaftlichen Locarno gesprochen. Die Formel ist verführerisch, aber nicht durchaus richtig. Es ist richtiger zu erklä- ren, daß das Abkommen im Geiste von Locarno abgefaßt ist. Zum ersten Male bei einem Vertrage, der nur materielle Interessen in Frage stelle, wage man es, sich auf die ideale Auffassung zu berufen, der der Völkerbund seine Existenz verdanke. Das Abkommen bedeute einen Beweis für einen neuen Geist in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern. Ein neues Hindernis auf dem Wege zum Frieden sei niedergelegt worden. Der „Paris Matinal" schreibt: Gestern hat man geschrieben, daß man vor einem wirtschaftlichen Locarno stehe. Die Formel ist richtig, man kann sogar sagen, daß Frankreich mch Deutschland durch dieses Abkommen Locarno realisierten, konkret gestalteten und materialisiert haben. Die Bande, die die beiden Länder vereinen, sollen enger geknüpft werden. Ein schlechter Friede ist besser als ein guter Krieg, ein schlechtes Abkommen ist besser als ein guter Wortstreit. Das Abkommen ist nicht sehr gut, es hat sehr viele mittelmäßige Punkte, aber es ist vorhanden. „Homme Libre" begrüßt das Abkommen. Es sei ohne Zweifel vom allgemeinen Gesichtspunkte aus nichts wünschenswerter als ein wirtschaftliches Zusammenarbeiten zwischen Deutschland und Frankreich: das Abkommen ermögliche dies. Ablehnend verhalten sich nur der „ A v e- ntr“ und die „Activn Fran^aise", beide nationalistisch eingestellt. Hoesch bei Poineare. Paris, 18. Aua. (Wolff.) Der deutsche Botschafter, Herr v. Hoesch, hatte heute vor- mittag eine Hnterredung mit dem Ministerpräsidenten Poincare, die IVi Stunden währte. Anlaß zu dieser Besprechung gab der Wunsch des Botschafters, dem Ministerpräsidenten persönlich zu danken für die Anteilnahme, die die französische Negierung und insbesondere auch Herr Poincarö ihm während seiner langen Krankheit gezeigt hätten. Im Laufe der Unterredung wurde der gegenwärtige Stand der deutsch-französischen Beziehungen im allgemeinen erörtert, wobei der gestern erfolgte Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages in seiner Bedeutung einer besonderen Würdigung unterzogen wurde. Rakowski wieder in Paris. Paris, 18. Aug. (Wolff.) Der russische Botschafter Rakowski ist von Moskau kommend heute wieder in Paris angekommen. Bespritzung Vralianu-Slresemann. Paris, 18. Aug. (Wolff.) Wie die „Information" aus Bukarest meldet, nimmt man in der dortigen Presse an, daß der gegenwärtig in Parts weilende rumänische Außenminister Bratta n u im September in Genf mit Reichsaußenminister Dr. Stresemann eine Zusammenkunft haben wird. In unterrichteten Bukarester Kreisen ist man der Ansicht, daß die etwaigen Genfer Besprechungen mit Dratianu nur einen allgemeinen Charakter haben könnten, da eine gründliche Behandlung der strittigen Punkte toegen des zu umfangreichen Materials nicht möglich sein werde. Die Regelung der Einzelfragen würde später in Bukarest oder Berlin erfolgen. Gute Vorsätze des Saarlandpräsidenten. Saarbrücken, 18. Aug. (WTD.) Der Präsident der Regierungskommts- sion des Saargebiets, Sir Ernest Wil- t d n, hatte zu heute nachmittag die Vertreter der Presse des Saargebiets zu einer Besprechung über di« gegenwärtige politische Lage • im Saargebiet eingeladen. Diese Besprechungen sollen von nun an eine ständige Einrichtung werden, um die Fühlung zwischen Regierung und Presse und damit der Bevölkerung enger zu gestalten. Der Präsident führte heute u. a. aus: Ich bin Präsident der Regierungskommission für alle ohne Hnterschied der Partei, der Konfession und der Rationalität. Die mir anvertraulen Interessen werde ich völlig neutral zu vertreten suchen. Auf die Lage der Bergarbeiter eingehend führte er aus, daß er volles Verständnis für ihre R o t l a g e habe lind daß er sich mit der Generaldirektion der Saargruben in Verbindung gesetzt und mancherlei Zugeständnisse erreicht habe. Aber die Ursache der Krise liege in der Kohlenüberproduktion begründet. Der Präsident ging dann auf die letzten Tumulte In Saarbrücken anläßlich der Bergarbeiterdemonstration ein. bei der unverantwortliche Clemente von feiten der Kommunisten im Trüben zu fischen versucht hätten. Sie schädigten die Interessen der Arbeiter und den Frieden und die Ordnung und deshalb sei die Regierungskommission entschlossen, in Zukunft derartige Demonstrationen zu verbieten. wenn sie von ihnen eine Störung der öffentlichen Ordnung befurchte. Ein derartiges Verbot komme aber für die anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg geplanten Kundgebungen und Feiern nicht in Frage. Er verstehe es, daß man Hindenburg im Saargebiet ganz besonders verehrt und feiern wolle. Der Präsident betonte wieder- holt, daß er die feste Absicht habe, Frieden und Ordnung aufrecht zu erhalten, und daß er dabei auf die Mitarbeit der Presse hoffe. Internationale Abkommen über Seehäfen und Eisenbahnen. Berlin. 19. Aug. (WTB.-Funkspruch) Der Reichsminister des Auswärtigen hat lt. „Tägl. Rundschau" dem Reichstag ein Statut über die internationale Rechtsordnung der Eisenbahnen und ein Statut über die internationale Rechtsordnung der Seehäfen zur Beschlußfassung vorgelegt. Die beiden Statute sind bereits auf der zweiiten Derkehrslonferenz des Völkerbundes vereinbart worden, an der Deutschland als gleichberechtigter Staat teilnahm. Das Abkommen hat. Wie das Blatt schreibt, den Charakter eines eisenbahnpolitischen Programms, auf das sich die einzelnen Staaten geeinigt haben. Es enthält eine Zusammenfassung, was im Verkehr der kontinentaleuropäischen Eisenbahnen als praktische Regeln bereits bestanden hatte. Das Abkom- men über die Seehafen tragt denselben Charakter. Die Kosten des Nerchsschukgesetzes. Berlin, 19. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie der „Demokratische Zeitungsdienst" mitteilt, haben sowohl der Deutsche S t ä d te t a g, als auch der Preußische Landtzemeindetag bei den ihnen angeschlossenen Städten und Gemeinden E r - Hebungen über den Umfang der B e l a st u n • gen eingeleitet, die den Selbstverwaltungskörpern durch das geplante Reichsschulgesetz entstehen würden. Beilegung des Zwischenfalles in Schanghai. Schanghai, 18. Aug. (WB.) Der Zwischenfall wegen des englischen Flugzeugs ist beigelegt worden. Die britischen Behörden haben die abgeschnittene Eisenbahnlinie freigegeben und ihre Truppen wieder in die Riederlassung zurückgezogen. Errverbslosenausschreitungen in Paris. Paris, 18. Aug. (WTD.) Heute nachmittag haben etwa 10 0 Stellung slose versucht, in eine Baustelle an der Peripherie von Paris einzudringen, wo eine Untergrirndbahn errichtet werden soU. Sie bewarfen die beiden Wächter mit Steinen. Rachdem sie zunächst vertrieben worden waren, sammelten sie sich wieder und drangen in einer Stärke von etwa ZOO Mann aufs neue vor. Es kam zu einem ernsten Zusammen- st o h mit der Polizei, wobei sieben bis acht Polizeibeamte mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Drei Personen wurden verhaftet. Russische Störenfriede. Stockholm, 18. Aug. (WB.) In der heutigen letzten Sitzung des Internationalen Ge- nossenschaftskongresses wurde auf Antrag von Dr. Karl Renner beschlossen, den nächsten Kongreß in Wien abzuhalten. Die Tagung wurde vom Vorsitzenden Whitehemd mit einer Rede abgeschlossen, in der er den Stockholmer Institutionen und Persönlichkeiten dankte, die den Kongreß veranstaltet haben. Rach dieser Schlußrede verlangten einige russische Delegierte das Wort, das ihnen der Vorsitzende jedoch verweigerte mit dem Hinweis, daß die Tagesordnung erledigt sei. Als die Orgel des Konzerthauses darauf zu einem Schlußvortrag ansetzte, erhoben sich die russischen Delegierten und sangen einstimmig die Internationale. Sacco-DanzelLi. Dost on, 18. Aug. (WD.) Die Derteidi» ger von Sacco und Vanzetti erklären, daß für den Fall einer Ablehnung ihrer Anträge durch den vollbesetzten Obersten Gerichtshof des Staates Massachusetts der Antrag auf Einforderung der Protest akten durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Washington gestellt werden wird. Der portugiesische Geschäftsträger ersuchte das Staatsdepartement, die Rote des portugiesischen Präsidenten an Coolidge, in der um Degnadigung des seinerzeit mit Sacco und Vanzetti zum Lode verurteilten M a de i r o s gebeten wird, auch dem Gouverneur Fuller mitzuteilen. Die portugiesische Rote führt aus, daß Portugal die Todesstrafe nicht kenne und daß die Hinrichtung Madeiras' böses Dlut in Portugal erregen würde. Der Geschäftsträger fügte hinzu, Portugal habe Verträge mit verschiedenen Staaten, wonach Portugiesen nicht znm Tode verurteilt werden könnten. Im Staatsdepartement wurde erwidert, die Rote des portugiesischen Präsidenten sei Fuller bereits übermittelt worden. Im übrigen hätten Lie Vereinigten Staaten keinen derartigen Vertrag mit Portugal. Die Ausländer genössen alle Vorrechte der amerikanischen Strafprozeßordnung, aber sie könnten nicht eine bevorzugte Behandlung beanspruchen. Wie die „Chicago Tribüne" aus Buenos Aires meldet, ereignete sich in dem Hause des Polizeipräsidenten eine Diombenex- plvsion, durch die das Haus völlig zerstört und mehrere Rachbarhäuser unbewohnbar gemacht wurden. Eine Reihe von Personen erlitt schwere Verletzungen. Man nimmt an, daß es sich um einen Anschlag von Extremisten in der Angelegenheit Sacco-Vanzetti handelt. Bombcn-Attcntat auf die amerikanische Gcsandschaft in Lofia. Budapest, 19. Aug. (WTD. Funkspruch) Rach einer Dlättermeldung aus Sofia wurde vorgestern abenb gegen die amerikanische Gesandt scha s t ein Bomben-Attentat verübt. Menschenleben sind nicht zu beklagen. I Einige verdächtige Personen wurden ver - I haftet. Könneckes Ozeanflug finanziell gesichert. Eigener Drahtberichl des .Gießener Anzeigers". Berlin, 19. Aug. Der Ozeanflieger Könne ck e, der in den nächsten Tagen schon, günstige Wrtterungsverhältnisse vorausgesetzt, zum Ozean f"lug starten will, hatte schon seit langem mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die Finanzierung seines Fluges .nur von einem kleineren, nicht allzu finanzkräftigen Unternehmen in Stettin bemerk stelligt wurde. In den Dienst Könneckes Ozean- flugs hat sich, wie verlautet, jetzt die Stadt Köln, auf deren Flugplatz Könnecke seine letzten Versuchflüge ausführt, und deren Stadtverwaltung und Ausstellungsamt gestellt. Es ist beabsichtigt, Könneckes Flug zu einem Propagandaunternehmen für die in: nächsten Jahr statt-, sirrdende große Internationale Ausstellung „Press a" zu machen. Könnecke wird also aller Wahrscheinlichkeit nach schon in den ' nächsten Lagen sein Flugzeug „Germania" umtaufen und ihm den Ramen „Pressa" geben, was ohne Zweifel in Amerika, wo man an der Ausstellung lebhaft interessiert ist, eine große Propagandawirkung Hervorrufen wird. Es darf erwartet werden, daß nunmehr in Kürze die letzten Vorbereitungen für Könneckes Flug, nämlich die Frage der Versicherung txm Flugzeug und Leben der Beteiligten, die bisher noch ungelöst war, ihre Erledigung finden werden Köln, 19. August. (WTB.) In einer Pressebesprechung gab heute Direktor Moll von den Caspar-Werken Mitteilungen, denen zufolge beabsichtigt ist, bei gutem Wetter morgen früh zwischen 6 und 7 Uhr mit dem abgeänderten Propeller die Belastungsflüge fortzusetzen, Lie man morgen zu beendigen hofft. Zu Len Verhandlungen, die heute mit der Stadt Köln und der Pressa endgültig zum Abschluß gekommen sind, ist noch zu bemerken, daß die Bezeichnung „Pressa Köln 1928" auf dem Seitensteuer des Flugzeugs schon hier angebracht wird, während die Wimpel, die zwar von hier mitgenommen werden, erst drüben aufgesetzt werden. Auf Befragen erklärte Direktor Moll, daß die wirtschaftliche Bedeutung, die Könnecke seinem Fluge zugrunde lege, für die Stadt Köln und die „Pressa" maßgebend gewesen ist, dem Unternehmen finanzielle Beihilfe zu gewähren. Die Wetterlage war heute früh sehr ungünstig. Es fehlten verschiedene Wetterberichte von Schiffen auf dem Atlantischen Ozean, so daß kein klarer Ueberblick für die nächsten zwei bis drei Tage zu gewinnen ist. Vor übermorgen dürfte auch keine wesentliche Aenderung in der Wetterlage zu erwarten sein. Zur F u n k e r f r a g e erklärte Direktor Moll, es sei beabsichtigt, die beiden vorläufig in Betracht kommenden Funker bei den morgigen Probeflügen mitzunehmen und zu prüfen und ihnen dadurch Gelegenheit zu geben, sich mit der Bordanlage vertraut zu machen. Zur Zeit iveilt ein Vertreter von Lands-London in Köln, um die Verhandlungen wegen der Versicherungsfrage zu führen. Es wird damit gerechnet, daß auch diese zu einem endgültigen Abschluß führen werden. Es liegt die Absicht vor, den Zeitpunkt des Ozeanstartes in die Morgenstunden zu verlegen, und zwar etwa in die Zeit von 6 bis 7 Uhr. Mit dieser Zeitbestimmung verfolgt Könnecke den Zweck, eine eventuelle Notlandung bei Tageslicht vornehmen zu können. Die „Germania" wird bei ihrem even- tuellen Start 2000 Kilogramm Benzin und 100 Kilogramm Oel eintanken. Heute früh unternahm Könnecke kurz nach 6 Hhr einen weiteren Probeflug. Außerdem stieg er später noch mit einem der beiden in Aussicht genommenen Funker zu einem Versuch s f l u g e auf. Die vermieten Honolulu-Flieger gesunden? San Franzisko, 19. Aug. (WTD. Funkspruch.) Dem Korrespondenten des „Gxaminer" in Honolulu zufolge ist das vermißte Flugzeug „Miß Voran" auf der Insel Maui gefunden worden. Fräulein Doran und die übrige Defahung des Flugzeuges sind wohlauf. In Reuyork ging dagegen eine Meldung aus Paia auf der zur Hawai-Gruppc gehörenden Insel Maui ein, wonach das Flugzeug lediglich gesichtet worden ist, und zwar 5 Meilen seewärts von Keanae auf Maui. Es sei unmöglich gewesen, die Verhältnisse an Dord des Flugzeuges festzustellen. Ein amerikanischer Millionär hat eine Belohnung von 10 000 Dollar für die Auffindung der Besatzung eines der beiden vermißten Flugzeuge, oder 20 000 Dollar für die Auffindung der Besatzung beider Flugzeuge ausgesetzt. Das Marineamt hat alle im Stillen Ozean verfügbaren Kriegsschiffe, das find etwa 3 9 Schiffe verschiedener Typen, angewiesen, nach den vermißten Flugzeugen „Golden Eagle" und „Miß Doran" zu suchen. Der Leiter der Air (Kraft Company, Buhl, der Erbauer des Doppeldeckers „Miß Doran", erklärte, die S ch w i m m f r a f t der großen Gasolintanks sei so groß, daß „Miß Doran" lange Zeit hindurch aus dem Wasser treiben könne. Die „Miß Doran" ist nach einer jungen Schullehrerin Miß Doran genannt, die als einzige Dame mitflog. Jubiläum des Germanischen Nationalmuseums. Rürnberg, 18. Aug. (WB.) Heute vormittag wurde das 75jährige Bestehen des Germanischen Rationalmuseums in der Karthäuser-Klosterfirche des Museums mit einem Festakt feierlich begangen. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich u. a. Ministerpräsident Dr. Held, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern Dr. Zweigert als Vertreter des Reichspräsidenten und der Reichsregierung und der bayerische Kultusminister Dr. Goldenberger. Rach einem'Musikvortrog nahm der Vorsitzende des Verwaltungsrates Dr. Graf Posadowsky-Wehner das Wort zu einer Begrüßungsansprache, worauf Prof. Dr. Sauer- Freiburg, Mitglied des Ver- waliungsrates, die Festrede hielt. Sodann über* brachte der bayerische Kultusminister Dr. Goldenberger die Glückwünsche der Staatsregierung und der im Reichstag bereinigten deutschen Lande und teilte den Beschluß der Staatsrcgierung mit, dem Museum als Iubiläümsgabe zwei Gemälde aus dem 16. Jahrhundert zu stiften. Als Vertreter des Reichspräsidenten und der Reichsregierung nahm Staatssekretär Dr. Zweigert das Wort und überreichte namens des Reichspräsidenten als Ehrengabe des Reiches das Bild eines alten Elsässer Meisters aus der Zeit Schongauers. Rach weiteren Reden des Oberbürgermeisters von Rürnberg, Dr. Luppe, und der Vertreter der Pflegschaften des Germanischen Rationalmuseums, des Sesamtverbandes der Deutschen Ge- schichts- und Altertumsvereine und der Rürn- berger Bürgerschaft sprach der erste Direktor, Geheimrat Dr. Zimmermann, das Schlußwort, in dem er seinen Dank an die RcichÄ- und Staatsregierung und an die Stadt Rürnberg zum Ausdruck bracht«. Rach dem Festakt sand im Alten Historischen Großen Rathaus- saal ein Festessen statt. Aus aller Welt. Die Anklage gegen die Cotteriebetrüger. Rach Abschluß der Untersuchung gegen die ungetreuen Lotteriebeamten Boehm und Schlein- stein ist jetzt von der Staatsanwaltschaft I Anklage erhoben worden wegen Betruges, schwerer intellektueller Hriundensälschung, Hrkundenver- nichtung und Falschbekundung. Tleischvergiflungen. In Staaken bei Berlin sind infolge des Genusses von schlechtem Fleisch 24 Personen erkrankt. Die Frau des Fleischers, der das Fleisch verkaufte, ist selbst unter den Erkrankten. Die Untersuchung der Angelegenheit ist zur Zeit im Gange. Umfangreiche Spritschiebungen ausgedeckt. In der vergangenen Nacht wurden von den Beamten des Zollgren^kommifsariats Berlin bei der Firma Tiepelmann in Küstrin große Mengen von Sprit beschlagnahmt und die Kaufleute G. Tiepelmann und W. Grützehaus festgenommen. Im weiteren Verlauf der Ermittelungen wurden bei verschiedenen Berliner Gastwirten noch weitere größere Mengen von Sprit beschlagnahmt. Ein Auto von einem Personenzug überfahren. Beim Bahnhof Gutfeld an der Strecke Reibend erg—Allen stein wurde auf dem schrankenlosen Bahnübergang gestern abend 5 Uhr von einem Personenzug ein mit vier Personen besetztes Auto überfahren. Ein Insasse war sofort tot. Ein wetterer und der Kraftwagenführer wurden schwer, und der vierte Insasse, ein Kind, leicht verletzt. Der Heber gang ist übersichtlich, das Läutewerk der Lokomotive war in Tätigkeit. Die Schuld trifft den Kraftwagensührer, der den Hebergang noch vor dem Personenzug überqueren wollte. Schweres Unglück beim Spielen mit einem Blindgänger. Irn Dorfe Rohrbach in der Rähe von Pretz- bura (Tschechoslowakei) fanden vier Knaben in der Rähe des Schießplatzes eine im Grase steckende scharfe Granate. Die Kinder begannen mit dem Geschoß zu spielen, wobei dieses plötzlich exvlo- dierte. Zwei Kinder wurden zerrissen, die betoert anderen schwer verletzt. Unwetter über Santander. Wie die Blätter aus Santander melden, ist gestern vormittag ein Zyklon über Santander niedergegangen, der 10 Minuten lang wütete. Ein französischer Dampfer wurde von feinem Ankerplatz los gerissen und beschädigt, konnte jedoch, da er unter Dampf war, manövrieren und da- Ende des Zyklons abwarten. Die Uederschwemmung in Offfibtrlen. Die Ueberfcbroemmung in den Kreisen Wladi* wostock und Cyaborowsk hält an. Die Eisenbahnstation Ussuri ist unter Wasser gesetzt und -er Bahnkörper ist einige Kilometer weit unterspült. Der Wasserstand erreicht stellenweise eine Höhe von über 11 Meter. Im Ussuri-Flusse fanden 30 Personen den Tod und neun ertranken in den Reisfel.ern. Die Wetterlage. 7!’abcnd% 090 warst» (>07 teillnen. Der Vorstand. KAFFEE 7555a e Die Edeka-Jmp orts teile Hamburg vermittelt für 35 000 Geschäfte den Großeinkauf von Mülheim-^uhr Wiescnstraße 15 L Erhältlich in den einschl. Geschäften. Gießen, den 12. 3ull 1927. I. 21. des Amtsgerichts Gießen Leo, Ortsgerichtsvorsteher. — Einen kürzeren Weg gibt es nicht — Edeka-Kaffee ist Qualität! Heinrich Drieidi Seltersweg 70. in prima Qualität empfiehlt billigst W. Hantel, Tleuen Baue 7. Teleph. 612. G7ot D Fleischsalat mit Mayonnaise Neues . 7535a Grünkorn Herein fmnöefoorf für Gießen u. Umgegend. Zufolge einer Ein« ladur.i des I. Bataillons 15. 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Grundstück für Vasaltwerk geeignet, in Nähe des Bahnhofs, ist zu verk. evtl. z. verpacht. Zu erfrag, i. d. Ge- schftsst. d. G. A. T4seD Plantage-Importstelle- „Edeka“-Gesdiäfte Gießen^ahn Offenbach-Bürgel Heffenstroße 1 20. August 1927 Alle Hände Zwangsversteigerung K24/27 Freitag, den 23. September 1927, vormittags 9 Uhr, wird auf dem Amtsgericht Gießen, der im Grundbuche von Gießen der Rosa Montag geb. Flötke und dem Valentin Dittmar in Gießen zu je 7i zugeschriebene Anwesen, Löwen- gaffe 20 Flur 1 Ar. 654Vn = 2067IO qm Hosreite, geschäht 28426 SUt, zum Zwecke der Aus. Hebung der Gemeinschaft, versteigert. Die amlsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht Um gütigen Zuspruch bittet Franz Soldan Gut erhaltenes Althörn zu verkaufen. Schr. Anfr. u. 05957 an den Gieß. Anz. aihtfllteber auf die (Llnladungdesl.Hess. Grenadier - Bataillons 15. Jns.-Reg. zu ihrem für nächsten Sonntag stattsinden« den Sportfeste aufmerksam und bitten um zahlreiche Beteiligung 7554 D Ter Vorstand. Erste Belchikurz- eehri!tgeseUsehalt „Gabeltberger" o. DaraenahtQllung Gießen e. V. Beginn der Diktatstunden am Montag, dem 22. August. 19 Uhr: 60-100 Silb. 20 100 u. höher, in der Pestalozzi» schule, Nordanlage. So Mß bei bequemer Teilzahlung rote bet Benner Schillerstr. 19 kaufen Sie nirgends Fahrräder,Möbel, Kleider, Schube, Betten uiw. oeoos Heute morgen 11 Uhr verschied nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber, herzensguter Mann, unser stets treubesorgter Vater. Bruder, Schwiegervater. Großvater. Schwager und Onkel Herr losenii Wer, Brauer Im vollendeten 66. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Louise Weber geb. Waldschmidt Karl Wieditz und Frau Emmy geb. Weber Hans Weber und Frau Ida geb. Bender und vier Enkelkinder. Gießen (Döringstraße 6), den 18. August 1927. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 20. August, nachm. 2 Uhr. von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. W.Welz Homöopath u. Naturheilkundiger Giefoen / Frankfurter Str. 13 Geschäfts-Eröffnung Den geehrten Einwohnern von Gießen u. Umgegend zur gefl. Kenntnis, daß ich Seltersweg 50 die frühere Trinkaus’sche Restauration übernommen habe. Das Geschäft wird unter dem Namen Zum schwanen Wisch illlllllimilllWillllillIhllllllhlllllhlllllllllllHiilllid'llliMliililliiiiliiiirniililllllliiillilhllillillllilliiiTi geführt. — Es soll meine vornehmste Aufgabe sein, ein streng bürgerliches Lokal zu führen, um mein bisher erworbenes Vertrauen1 weiter zu festigen. Gut gepflegte Biere aus der Exportbrauerei Ihring-Melchlor, Lieh, sowie Hackerbräu-München, ff. Weine. Weinverkauf außer dem Hause wie früher. Guter bürgerlicher Mittagstisch u. reichhaltige Abendkarte Eröffnungsfeier Samstag, 20. 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August 1927. Die Beerdigung findet Samstag, den 20. August, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verlust, der uns betroffen, danken wir mnigst Johannes Heß XX. Georg Heß, Zoll-Insp., u. Familie. Leihgestern, Gießen, 17. August 1927. 05994 at.i I bereite, Neffor Nach- ' wie die lich die Übera Hafter üiejbt or Beginn der kommenden Genfer Ratstagung Frankreich insofern einen „unwiderleglichen Beweis seines Friedenswillens" gibt, als es dem Abzüge von ein paar tausend Mann aus dem Rheinland zustimmt, um den zu erwartenden deutschen Forderungen die Stoßkraft zu nehmen. Das kann von deutsä>er Seite freilich keineswegs als Erfüllung der Versprechen von Locarno anerkannt werden. Die Memeler Zprachenfrage. Aus Genf kommen Rachrichten nach Berlin, daß man in Bölkerbundskreisen mit besorgtem Interesse das Verhältnis zwischen den, Memelgebiet und Litauen verfolgt und daß man dem jüngsten Schritt der deutschen Reichs regierung in Kotono wegen der widerrechtlichen und fast vollständigen Unter- drückung der deuts chen Sprache bei der Seminarausbilduag der memel ländischen Lehrkräfte aufmerksame Beachtung schentt. Dem Unwillen, den man in Völkerbundskreisen darüber empfindet, daß die Memel-Angelegenheit trotz der formellen Zusagen des litauischen Ministerpräsidenten Voldemaras vor dein Völkerbundsrat in seiner Iunitagung bis heute nicht nur kaum vorwärts gebracht wurde, sondern durch die Haltung des Qlieineler Lantes§ircftoriums fast noch verschliinmert worden ist, wird in diesen Meldungen in vorsichtiger Form dadurch Ausdruck gegeben, daß auf die Worte hingewiesen wird, mit denen im 3u,Ii der englische Außenminister Chamberlain in seiner Eigenschaft als derzeitiger Ratspräsident diese Angelegenheit von der Tagesordnung abgesetzt hat. Diese Worte enthielten einen dringenden Appell an Litauen, seinen Verpflichtungen aus dem Memel-Statut und seinen damals gegebenen Zusagen in korrekter Weise nachzukommen, damit es dem Völftrbundsrat in Zukunft erspart bleibe, sich mit der Memel- Angelegenheit befassen zu müssen. Die Bedeutung dieses Appels war um so größer, als jedermann sich dabei an frühere Verhandlungen des Rats erinnerte, bei denen der damalige litauische Delegierte Galvanauskas sich gegenüber den Kompromißvorschlägen des Rates vollkommen un- versönlich gezeigt hatte und so weit gegangen war, den Ratstisch und den Verhandlungssaal mit einer temperamentvollen, aber sehr unangenehm empfundenen Geste zu verlassen. Das Unbehagen und die Besorgnisse, die, wie die Genfer Rachrichten deutlich zeigen, in Döl- kerbundskreisen wegen der seit dem 3uni von der litauischen Regierung bekundeten fast völlig negativen Haltung entstanden sind, scheinen leider vollkommen berechtigt. Ueber das Ergebnis des Schritts der Reichsregierung in Kowno verlautet noch nichts, und die Genfer Besorgnisse werden durch ein 3 nterview, das der litauische Ministerpräsident dem Vertreter der „Deutschen Diplomatisch-Politischen Korrespondenz" dieser Tage gewährt hat, nur verstärkt. Woldemaras geht in diesem 3nterview der für die Memelländer und die Erhaltung ihrer angestammten, 3ahrhunderte alten deutschen Kultur hochwichtigen Sprachenfrage vollkommen aus dem Weg. Mil Recht ist es ihm peinlich, die Haltung seiner Regierung und des memelländischen Direktoriums zu verteidigen, nachdem der Wortlaut des Memel-Statuts einen Zweifel über die Berechttgung der memelländi- schen Sprachenforderung überhaupt nicht zuläßt. Dieses Stillschweigen darf aber weder Deutschland noch der Völkerbundsrat hinnehmen. Die Angelegenheit ist zwar im 3uni von der Tagung des Völkerbundsrats auf Grund der Zusagen des litauischen Ministerpräsidenten abgeseht worden. Sie ist aber damit unverändert vor dem Völkerbundsrat anhängig geblieben für den Fall, daß die Beschwerden der Memelländer, die nicht nur die Wahlen zum memelländischen Landtag, sondern auch die Sprachenfrage betreffen, nicht in der zugesagten Weise abgestellt werden. Der Dölkerbundsrat wird also während seiner bevorstehenden Septembertagung ohne weiteres die Angelegenheit wieder auinehmen müssen, falls nicht noch im letzten Augenblick die Durchführung der gemachten Zusagen sichergestellt wird, eine Lösung, die nicht nur der Völkerbundsrat und Transozeanflüge. Von Dr. E. Everling, Professor an der Technischen Hochschule Berlin. Daß die Luftfahrt — nicht nur, weil sie Sport ist — die Menschen, die Völker zu einen vermag, zeigte in diesen Tagen wieder einmal die Spannung der ganzen Welt, als kühne Ozeanflieger das Festland hüben und drüben verlassen hatten. Wenn auch die große Zahl der Fernflüge in den letzten Monaten der einzelnen Leistung den Rimbus des Besonderen genommen hat, so darf doch eine Ueberquerung ausgedehnter Seestrecken mit Recht unsere Aufmerksamkeit beanspruchen; denn einmal ist beim heutigen Stand der Technik ein ununterbrochener Flug über mehrere tausend Kilometer, ohne die Möglichkeit einer Zwischenlandung, ein sportlich^ Wagnis und ein gutes Zeichen für den Führer nicht bloß, sondern für das Flugzeug und vor allem für die Betriebssicherheit des Motors; und zweitens sind diese Ozeanflieger ja die Vorläufer und Bahnbrecher des Uebersee-Luft- verkehrs. lieber dem Wasser, wo das Luftfahrzeug nicht mit einem dichten Reh guter Schnellzüge, sondern mit verhältnismäßig langsamen Schiffen in Wettbewerb tritt, wo die Länge des Wcges die Zeitersparnis vervielfacht, ergeben sich für die Luftfahrt weit bessere wirtschaftliche Aussichten als über Land, wo wir doch auch in späteren 3ahren bessere Ausnützung und Rentabilität erwarten. Aber wir sind von einem regelmäßigen Luftverkehr über den Oen Ozean, der für Reisende, Fracht und von den Hauptplähen der alten Welt zu den amerikanischen Großstädten mehrere Tage sparen könnte, weit entfernt. Denn die bisherigen Flüge waren lediglich sportliche Unternehmungen, mit Ausnahme der aufsehenerregenden lleberführung eines Reparattons-Luftschiffes, des unter dem amerikanischen Ramen Z R III bekannten Zeppelins L Z 1 92 6, von der Bauwerft Friedrichs- Hasen nach Reuhork im Oktober 1924, aber auch dieses lediglich mit der Besatzung und nach längerem Warten auf günstiges Wetter, da es ja unter dem Zwang der Begriffsbestimmungen nicht so groß gebaut werden tonnte, wie es für die Reisestrecke zweckmäßig geworden wäre. Vorher hatte schon ein Luftschiff englischer Herkunft, aber ebenfalls deutscher Schule, nämuch das Zeppelin-Starrluftschiff R 34, auf einer kürzeren Strecke von England nach Amerika den Ozean überquert. Auf Grund dieser Erfahrungen und der Ergebnisse anderer Fernfahrten, vor allem der berühmten Reise des L 59 vom Balkan ins Herz von Afrika und zurück während des Krieges, darf man erwarten, daß ein Debersee-Luftschiffsverkehr mit deutschen Zeppelinen, zunächst von Spanien nach Südamerika, das in größerem Stile fortsehen wird, was man seinerzeit bescheiden begann. Mehr Zeit könnte man sparen, wenn das schnelle Flugzeug Reisende, Waren und Briefe über den Ozean führte. Hier gilt es, bei der Vergrößerung der Flugzeuge alte Vorteile auszuwerten, um dM mit einer hinreichenden Rutz last zu erreichen, was bisher nur wenigen Sportfliegern gelungen ift Der Amerikaner Read, der vor genau 8 3obren mit Zwischenlandungen von Reuyork nach Lissabon flog und so zum erstenmal die beiten Erdteile auf dem Luftwege verband, die Engländer Alcock und Drown, die einen Monat darauf von Reufundland nach 3sland flogen, die Portugiesen C a b r a I und Coutinho, die 1922 in entgegengesetzter Richtung von Lissabon nach Fernando de Roronha kamen, der Spanier Franco, der im 3ahre 1926 in einem deutschenFlug- bovt von Spanien nach Buenos Aires gelangte, und einige andere, alle haben, ebenso wie neuerdings der 3taliener de Pinedo, der Portugiese Sarmento St. Roman, dem Luftverkehr der Zukunft neue Wege gebahnt. Auch der, den die persönliche Leistung nicht begeistern kann, muß sich klarmachen, was es für unsere wirtschaftliche Zukunft, für den gesamten Welthandel bedeutet, wenn wir in wenigen Stunden eine Urkunde, eine Warenprobe, einen Unterhändler, einen Geschäftsreisenden auf die andere Seite des großen Teiches senden können, wenn auch dem Ueberbeschäfttgten, der nur wenige Sage seinem Bureau fernbleiben kann, eine Reise in die neue Welt möglich wird. Deutschland begrüßen würden, sondern die auch im 3nteresse Litauens liegt, dem nach den wiederholten Versicherungen seines Ministerpräsidenten an einem Ausbau freundlicher Beziehungen zu Deutschland, schon im 3nteresse des Zu st and e- kommens eines Handelsvertrags, gelegen sein sollte. / ZubilZumstag im Barmatprozeh Das Zeitalter der Rekorde hat am Dienstag wieder einmal einem vielleicht einzig in seiner Art dastehenden Rekord das Leben geschenkt. 3n Berlin-Moabit fand nämlich am Dienstag ein stilles 3ubiläum statt, die 10 0. Verhandlung im Darmatprozeß, der am 11. 3anuar d. 3. begann und voraussichtlich das Gericht noch bis zum Ende des 3ahres beschäftigen wird. Dieser Monstreprozeß stehl in der Kriminalgeschichte einzig da. denn vor ihm hat es wohl keinen Prozeß gegeben, dessen Vorbereitung und Durchführung das Gericht solange in Anspruch genommen hat, wie das Verfahren gegen Darmat und Genossen. Rach fiebenmonati- ger Verhandlung ist man jetzt endlich nach Erledigung ter Anklagepunkte, die sich mit der Geschäftsverbindung zwischen der Preußischen Staatsbank und den Darmats, mit dem Fall Lange-Hegermann, mit den Beziehungen Darmats zur Deutschen Girozentrale und der R e i ch s p o st bzw. zur D r a n b c n b u r g i f d> c n Girozentrale beschäftigten, zum 6. Teile der Anklageschrift Dor- gedrungen, ter die Ausgabe der ersten Roth- Obligationen behandel', bei der Barm.it nur eine Rebenrolle spielt. Es sind also noch drei Teile der insgesamt 648 Seiten umfassenden Anklageschrist zu behandeln, und zwar beziehen sich diese auf die Allgemeine Garantiebank Darma's. die die Versicherung ter verschiedenen Kredit' borgenommen hatte, die Geschäftsbczi.hung n der Amexima zu der Lisematthes A. G. in Magdeburg und schließlich die Bestechung des Oberzoll- mspektors Stachel in Bentheim, deren sich3vlius und Henry Darmat schuldig gemacht h'ben sollen. Bisher hat das Gericht, tem mehrere Ersah- richter und Schöffen zur Verfügung stehen, etwa 185 Zeugen vernommen, allerdings einige davon mehrere Wochen hintereinan- dcr Tag für Sag hindurch. An prominenten Persönlichkeiten traten bis.er im Barmatproz.ß der jetzige Reichspostminisier Dr. Schätz l. der frühere Reichskanzler Dr. Luther, der frühere Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt und der frühere preußische Finanzminisler v. Richter, der Generaldirektor ter Darmstädter und Rationalbank 3akob Goldschmidt auf. Auch eine ganze Anzahl Staa'ssckre äre und Ministerialdirektoren des Reichspostm mfleriumS mußten längere Zeit hindurch als Zeag-n während des Falles Lange-Hegermann, wo ci auch die Zuwendungen an den früheren Reidspost- minister Dr. Höf le eine Rolle spielt n. oer- nominen^tocrten. Während das Gericht seit dem ersten Sage auch am 3ubiläumetagc dieselbe Zusammensetzung zeigt, hat sich die Zahl der Ersahschösfen. die zuerst sechs betrug, inzwischen durch Erkrankung auf fünf verringert. Die Anforderungen. die dieser Prozeß an alle De iiig en stellt, waren und sind auch heule noch ganz ungeheure. Desonters schwierig aber sind tee wirtschaftliche n Folgen für die Schöffen, die zum Sei Gewertete.wende sind und sich zur Aufrechterhaltung ihrer Geschähe einen Stellvertreter haben annehm n müssen, dessen Gehalt alierdings von der Gerichtskasse bezahlt toir'', b.i die Sch4seit selbst derartige Lasten auf die Dauer nicht tragen könnten. Die Kosten des Prozesses s lost sind natürlich ungeheuer groß und lassen sich bisher auch nicht annähernd so ätzen Es fehlt dem Laien überhaupt jeder Maßstw f.:r di: en Prozeß. Die Verhandlungen sind nur noch den ^allereingeweihtesten, denen, die von Anfang an dabei waren, verständlich. Das Interesse am Prozeß in der Oeffentlichkeit ist auf ein Minimum gesunken, während sich auf den Verhandlungstischen die Prozeßakten mit verwirrend getürmten Zahlenplirami- den aufhäufen. Bald scheint es so, als sei das G e • richt selbst zum Barmatprozeß verurteilt, aus dem es nicht mehr herauskommen könne. Ader wie schon gesagt, gegen Ende des Jahres hofft man, daß alles so weil fortgcschru.en ist. daß mit einem Ende dieses einzig dastehenden Monstreprozesses gerechnet werden kann. Turnen, Sport und Spiel. Sport und Sonne. . Licht, Lust und Sonne sind zusammen mit Wasser und Bewegung die wichtigsten Lebens- und Gesundheitsfaktoren des Menschen. Von altersher hat man das erkannt und danach gehandelt. Der beste Wegbereiter und Förderer dieser Erfahrung ist neben der Wissenschaft immer der Sport gewesen, er, der uns zurückführt zur Natur, der der Krankheit Todfeindschaft angesagt hat. Sport und Sonne sind innig miteinander befreundet. Licht und Luft sind Kraftquellen jeder Leibesübung. Den ganzen Körper wollen wir der Sonne barbieten, wollen den kräftigenden, ober wenn es fein muß, ben heilenden Einfluß der Sonne, des Lichts auf uns einwirken lassen. Die Wissenschaft, die in der Natur ihren besten Verbündeten sieht, hat sich auf dem Weg der künstlichen Bestrahlung, der Höhensonne, sogar bereits einen Ersaz be- K, wenn Sonne und Licht nicht zur Verfügung . Der Sport wird solche Hilfsmittel vermeiden, er setzt an ihr Stelle die Bewegung in der freien Luft, wenn es an Sonne fehlt. Die Wirkungen des Sonnenlichtes auf unseren Körper sind mannigfacher Natur. Durch die Wärmestrahlen besteht an uno für sich zunächst die Gefahr einer Verbrennung der Haut. Der Organismus schützt sich dagegen dadurch, daß er eine größere Menge Blut durch die bestrahlten Körperteile hindurchschickt. Versuche haben ergeben, baß biefe Durchblutung 6—7mal so stark ist wie im normalen Zustand. Blut ist aber der Motor alles Lebens im Körper, die Krätigung der Haut bzw. der Hautblutgefäße eines der wichtigsten Mittel zur Gesunderhaltung. Unter der Wirkung des Sonnenlichts wird ferner der ganze Stoffwechselprozeß unseres Körpers aufs günstigste beeinflußt, gehen doch von der An dieser Entwicklung und ihren Vorteilen können alle Völker teilnehmen, die einem rein friedlichen Luftverkehr aufzubauen wissen; sie alle können sich auch an den Erfolgen ter Ozeanflieger freuen, die hoffentlich in Zukunft nicht mehr gezwungen sein werden, die nächstliegenden Sicherheitsvorkehrungen zurückzulassen, um den zu kurz anberaumten Start zu ermöglichen. Funde vom Westletlner des Mainzer Domes. 3n ter Zeitschrift für Denkmalpflege werden jetzt von Professor Werner Roack (Freiburg i. Dr.) in einem längeren Aufsatz die Funde vomWestlettner de s Mainzer Domes eingehend gewürdigt. 3n dem Aufsatz wird eine Geschichte ter Anlage des Lettners (Bühne mit Lesepult) gegeben und der Veränderungen, die im Laufe ter Zeit vor sich gingen. Der Verfasser glaubt, daß aus den zahlreichen aufgefundenen Druchstücken sich die ursprüngliche Anlage bis ins einzelne zuverlässig rekonstruieren läßt. „Die figürlichen Reste", so heißt es an einer Stelle, „zum Seil von ausgezeichneter Erhaltung, geben uns überraschende Aufschlüsse über die Kunst des Raumburger Meisters. Cs findet sich darunter ter untere Seil eines stehenden Engels mit dem Kreuzesstamm; eine ähnliche Figur kennen wir aus tem zu Beginn des 14. 3ahr- hunderts entstandenen jüngsten Gericht von der Liebfrauenkirche im Mainzer städtischen Museum. Dann Bruchstücke von Aufcrstehenden. die eine Ergänzung zu den erhaltenen Reliefs des Lettners bilden. Ein herrlicher bärtiger Kopf, der vielleicht tem 3ohannes neben dem Weltenrichter vom Mittelgiebel an der vorderen Achteckseite der Lettnerbühne gehört. Unö vor allem an eine Rippe angearbeitet ein Arm des Schlußsteines mit der Darstellung der Kardinaltugenden und das Bruchstück eines Knies. Von größerem 3nteresse sind auch die dekorativen Stücke: Kapitelle, Schlußsteine, Baldachinreste und Friese mit herrlichem Laubwerk, zum Seil mit wohlerhaltener Bemalung in Blau, Grün, Purpur. Rot. Schwarz und Gold. Besonders zahlreich sind die Stücke, die eine Brüstung abgeschlossen zu haben scheinen: eine ht gleich» Sonne Reize aus, die in gleicher Weise für Nerven unb Muskeln wohltätig wirken. Die erhöhte Bluttätigkeit ist übrigens bas beste Schutzmil!.! gegen Krankheiten, bie ultravioletten Strahlen te Sonne, bie burch bie Haut bringen unb in ben Blutstrom gehen, zerstören bort alle giftigen Bestanbteile. Wie bei allem ist jeboch auch bas Sonnenbab gefährlich für ben, ber es übertreibt. Infolge der erhöhten Durchblutuntz ber Haut unb dadurch bebing» ten erhöhten Herztätigkeit müssen sich insbesondere nervöse unb herzkranke Menschen vorsichtig verhal- ten, aber mich gänzlich Gesunbe sinb leicht ber Gefahr ausgesetzt, bie Haut zu verbrennen unb sich schmerzhafte Entzünbungen zuzuziehen, wenn sie nicht Maß zu halten verstehen. Die beste Gewöhnung unb Vorbereitung auf das Sonnenbab wirb ii.uner bas Luftbab fein, unb weil gerate ber Sportler gewöhnt ist, sich in ber freien Luft mit nacktem Körper zu bewegen, wirb er auch vom Sonnenbad ben größten Vorteil haben. Rn. e Vorschau auf die Bataivous-Wetlkämpfe. Rach der Ausschreibung für das BotaÜ'ons- Sportfest am nächsten Sonntag bürfenMid) die Angehörigen der Kompagnien außer an Mannschaftswettbewerben an nur drei Einzelwettkämpfen beteiligen. Dadurch wird die Beteiligung am Wettkampf auf eine breitere Basis gestellt, als es im allgemeinen bei Veranstaltungen der D. S. oder D. S. B. ter Fall ist. Bei ber Masse, der gleichwertigen Leute und versteckten sportlichen Kräfte in unserem Reichsheer ist mit einer Verminderung der Leistung als Folge vieler Maßnahme und Einbuße an interessanten Wettkampfmomenten nicht zu rechnen. 3m einzelnen mäßigen Abständen durch flache Ringe geteilte Stange, von der Fransen herabhängen. Für die architektonische Gestaltung des Lettners ist ein dreiteiliges Laubkapiiell feljh wichtig, das nur an einet ter beiten vorderen'Eä e i der aus drei Seiten des Ach ecks vorgebauten Bühne gesessen haben kann. Eine Anzahl Kleeblattblenden in spihbogigcr Umrahmung, die mit e ner Serie von Kapitellen zusammenpa s.n. entsprechen der vom Raumburger Lettner bekannten Dlend- arfaturen; über einem ähnlichen Dlendenbruch- stück findet sich auch noch ter Ansatz eines Vierpasfes, eine Verbindung, die genau so in Raumburg vorkommt. Ebenso wie die figürlichen und dekorativen Skulpturen stellen auch die Profile der Architeklurglieter stilistisch ene Vorstufe zu den Raumburger Arbeiten dar." Der Verfasser knüpft an diese Feststellungen noch die nachstehenden Betrachtungen. „Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob nicht angesichts der außergewöhnlichen Bedeutung dieser fabelhaften Funde die Durchforschung der 5_nöam:-nte noch weiter hätte getrieben werden können. Rücksichten auf die Standsicherheit der barocken Chorbühnen. die man nicht lediglich wissenschaftlichen 3ntereffen zuliebe abtragen wollle. sollen der Grund für diese, für den Forscher sicherlich sehr bedauerliche Beschränkung gewesen sein. Auf alle Fälle sollte man aber vor der Verlegung des neuen Fußbodens noch untersuchen, ob «sich nicht im Bereich der vom Mittelschiff zur Westvierung hinauftührenden Sreppenanlage noch die Fundamente der Lettnerbühne finden, um so ganz bestimmte Anhaltspunkte für die Rekonstruktion des Grundrisses zu bekommen. Was für den Archäologen und Prähistoriker eine Selbstverständlichkeit bedeutet: sein wichtigstes Material aus Ausgrabungen zu gewinnen, ist für den Kunsthistoriker im allgeme nen eine Ausnahme. 3n einem Falle, wie dem hier vorliegenden, bei dem es sich um eines der bedeutendsten Kapitel der deutschen Kunstgeschichte handelt, sollte mit den Methoden und der Gewissenhaftigkeit ter Archäologie vorgegargen werden, wenn uns nicht zukünftige Generationen unverantwortliche Gleichgültigkeit und nicht w eder gutzumachende Versäumnis vorwerfen sollen." ist es heute möglich, folgende Vorschau zu geben, die aber keinen Anspruch erheben soll, ein Urteil über die Kräfteverteilung in den Kompagnien dorzustellen. Den 100-Meter-Lauf sollte V vg e r 3./15 gegen den Gefr. Rehren 1./15 knapp ge- . rinnen, während der 800-Meter-Lauf durch Bohn 1./15 belegt werden dürfte. 3m 3000-Meter-Lauf geben wir dem Ober- Grenadier Seipp 2./15 die meisten Chancen, der kürzlich die 10 Kilometer in 36 Minuten gelaufen ist und der auch bei den Divisions- und Heeresmeisterschaften für seinen Stil sicherlich profitiert hat. 3n den Sprüngen stellt die Maschinen- gewehr-Koinpagnie das aussichtsreichste Material, jedoch sollte Feldwebel Paulus von: Batl.-Stab ein entscheidendes Wort mitzusprechen haben, der schon verschiedentlich Weitsprünge über 6,50 Meter gezeigt hat. Den Handgranaten-Weitwurf sollte sich mit seinem 65-Meter-Wurf der Divisions- Meister Ober-Gefreiter Schnell 1./15 nicht entgehen lassen, während im Kugelstoßen die 3. Kompagnie voraussichtlich in Arndt oder M o h l den Sieger stellen wird. Die angewandten Leibesübungen: Schühenlauf, 1. M.-G. — s. M.-G. Hindernislauf sind noch mehr mit Vorsicht zu beurteilen, da hier nicht nur die Schnelligkeit, sondern auch die Gewandtheit und das Zusammenarbeiten die Leistungen beeinflussen. 3m leichtathletischen Zehnkomp.f wird es einen harten Kampf zwischen Unteroffz. Fr i ck 2./15, Gefr. Schäfer 1./15, Gefr. Kräh- mer 2./15 und Feldw. Paulus Batl.-Stab geben. Vielleicht gibt hier die Wettkampferfahrung dem Feldw. Paulus ein kleines Plus. Der militärische Sechskampf (200- Meber-Lauf), Weitsprung, Handgranatenwerfen, Schießen, 100-Meter-Schwimmen. Barrenturnen) i.fi ganz offen. Leutnant Petermann kann ihn bei guter Schießleistung gewinnen. Die Reihenfolge der Sieger wird durch die Plah- wertung ermittelt- Die 3. Kompagnie sollte bei gutem Stabwechsel in der 4xl00-Meter-Stafette l.iapp vor der 2. Kompagnie einkommen. Dagegen können bei gleichwertigen 800-Meter-Läufern 1. und 4. Konrpagnie in einen scharfen Endkampf in der Olympischen Stafette (830—200—200—400 Meter) geraten. Die große SOx’/j'Sunbe (105-Meter- Stafette) ilst ganz offen. Guter Wechsel spricht ebenso mit, wie guter Lauf. Die Staffel wird die Sensation des Tages bilden und von der siegreichen Kompagnie in knapp 12 Min. gelaufen werden. 3n der Aach richten st afette kann das Zusammenwirken der Blinker und der Fernsprecher dem Deiter, Radfahrer und Läufer mit Gasmaske einen nicht wieder einzuhol:nd:nVorsprung verschaffen Bliebe noch einiges über das Turnen, Fechten und Spielen zu sagen. 3m Turnen ist Unterfeldwebel Schmidt 1./15 Favorit, dicht gefolgt vom Ober-Grenadier Burkart 2./15. Das Gewehrfechten machen die drei Infanterie-Kompagnien unter sich aus. 3m Gewichtreihen wird der Sieger schon 60 Kilogramm einarmig zur -Hochstrecke bringen müssen, um die zahlreiche Konkurrenz zu überbieten. Die Kämpfe enden mit einem Handballspiel von zweimal 15 Minuten, währenddessen sich der Zuschauer selbst sein Urteil bilden kann, wer in dem Rennen: Läufer gegen Radfahrer, Segen Motorradfahrer, gegen Pferd über 100 steter den Sieg davontragen wird. Das Ergebnis der Vorkärnpfc und der Schwimmkämpfe. Am Dienstag und Mittwoch wurden zum Teil bei starkem Regenwetter die Vvrkämpfe «um Bataillons-Sportfest und dir Entscheidung im Schwimmen auSgetragen. Die Leistungen entsprechen trotz des schlechten Wetters ganz den Erwartungen: Mittlere bis gute Ein- zelleistungen, sehr gute Massenleistungen und wannende Endkämpfe infolge Gleichwertigkeit der Kompagnien. Folgende Entscheidungen sind bereits gefallen: Die schöne Welserin. Don Liane v. G e n tz k o w. Der romanhafte Schimmer, den eine spätere Zeil um die schöner Augsburgerin Philippine Welser gesponnen hat, hält vor der Geschichte nicht stand. Das erste Zusammentreffen mit dem jungen Erzherzog Ferdinand aus dem Reichstag zu Augsburg, eine Liebe auf den ersten Blick, die spätere Versöhnung des Kaisers durch Philippine, die ihm verkleidet eine Bittschrift überreicht und durch eine Schilderung ihres Schicksals ihn zur Verzeihung bewogen haben soll, endlich ein gewaltsames Ende der schönen Frau sind freie Erfindungen. Kein Bericht der Zeit gibt Aufschluß über die erste 3ugend Philippines und den Beginn des Liebesromans, der später viel Aufsehen erregte. Aus dem reichen und hochgebildeten Augsburger Patrizierhaus entsprossen, hat sie eine Erziehung erhalten, die anscheinend über die Ausbildung in rein häuslichen Dingen, wie sie üblich war, schon hinausging und sie für die Stellung, die sie später einnehmen sollte, vorbereitete. Ihre Schönheit, die dem Geschmack der Zeit um die schöne Augsburgerin Philippine groß, imposant, blond, mit regelmäßigen Zügen und von Heller Haut, wird viel gepriesen. Wann zuerst der Sohn Kaiser Ferdinands die Welserin gesehen, steht nicht fest. Sicher ist nur, daß, vielleicht nach einer flüchtigen Bekanntschaft in Augsburg, ein näheres Kennenlernen in Böhmen erfolgte. 3n den fünfziger 3ahren weilte Philippine wiederholt in Bresnih bei ihrer verwitweten Tante Katharina von Loxan und deren Sohne, dem Burghauptmann von Bresnih. Als Statthalter von Böhmen stand der junge Erzherzog in Verbindung mit der Familie Loxan und in Bresnih fand endlich auch die heimliche Srauung durch den Beichtvater Ferdinands im 3anuar 1557 statt. 3n jenem Jahrhundert wurde cs noch nicht wie später als eine Ehre betrachtet, fürstliche Mätresse zu sein, und es spricht für den Stolz der Patrizierin, daß sie die Trauung erreichte. Das Geheimnis ist jahrelang bewahrt worden, die Kinder aus der Ehe wurden als Findelkinder bald nach der Geburt „zwischen zwei Türen gelegt", dann „gefunden" und getauft. Schon 1559 wußte der Kaiser von der heimlichen Verbindung. In einem Erlaß vom 1. August 800-Meter-Lauf: 1. Obergesr. Rüth 3./15,'*2. Obergren. Bohn 1. 15. Technisch guter Lauf, den die beiden Sieger nur noch nicht ganz durchstanden. Die Zeit 2,15 ist für Regenwettcr und Weiche Bahn sehr gut. Gewehrfechten für Unteroffiziere. 1. Unterfeldwebel B i ck h a r d t 1./15, 2. Unteroffz. Ritter 2./15. Gewehrfechten f ü r Mannschaften: 1. Oberschühe Kühne rt 4./15, 2. Obergren. Becker 1./15. Geräteturnen, Sechskampf: 1. Obergrenadier Burka rt 2./15, 2. Schütze Gerhardt 4./15. Durch die Vielseitigkeit der Geräte wechselnder Kampf, den Burkart mit 95 P. gewann. Musterriegenturnen, 1 Offizier, 10 Unteroffiziere jeder Kompagnie: 1. 1./15 97 P., 2. 3./15 95 P., 3. 2. 15 91 P. 2 Kompagnie führte bis zum letzten Gerät, an dem sich die 1. Kompagnie mit überragenden Leistungen an die Spitze setzte. Gewichtreißen: 1. Gren. Arndt 3./15, 2. Obergren. Knorr 2./15. 4xl 500-Meter-Stafette: 1. 1./15 überlegen vor 3./15 und 4.'15 in 19 Minuten. Zehnkampf: Es führen nach dem 9. Gerät Gren. Arndt mit 367 P. vor Feldw. Paulus mit 366 P. und Unteroffz. Frick mit 331 P. Entscheidung am Sonntag. Gemischter Sechskampf: Aach der 4. Ueburtg steht der Komps: Gefr. Aehren 1./15 5,5 P., Leutnant Petei :nann 10 P.,Obergren. Burkart 12,5 P. Entscheidung am Sonntag. Schwimmwetk. kämpfe. Bei den angegebenen Zeiten ist die Wassertemperatur mit 13 Grad und starke seitliche Strömung infolge Hochwasser'tandes der Lahn' z>u berücksichtigen. Strecken tauchen. 1. Ober-Grenadier Wallner 1./15, 51 Meter in 41 Sek. 2. Unteroffizier Frick 2./15, 47 Meter in 41,4 Sek. 3. Ober-Schütze Kuhnert 4./15, 40 Meter in 37 Sek. 100 Meter Brust: 1. Ober-Grenadier 3 ohn 1./I5, 1,49. 2 Grenadier Link 3./15, 1,51. 400Meter bei.: 1. Ober-Grenadier 3 ohn 1./15, 8,56 2. Grenadier Silent r ä g er 1./15, 9,27. 100 Meter Rücken: 1. Grenadier Link 3./15, 1,53. 2. Ober-Grenadier Otto 3 /15, 2,05. Wasserspringen: 1. Ober-Grenadier Burkart 2./15, 24,45 P., 2. Ober-Gefreiter Krumbholz 2./15, 22,65P., 3. Gren. Link 3./15, 20,70 P. 20x50-Meter°Stafette: 1. Zweite Kompagnie in 18,27, 2. Vierte Komp, in 19,37. 1. und 3. Komp, wurden disqualifiziert wegen Schwimmens in falsche Dahn. Der Wettkampf war sehr spannend, da 2. Komp, noch beim 14. Schwimmer 30 Meter zurücklag, so daß zwei gute Kräfte vorzeitig eingesetzt werden mußten. Beim 18. Schwimmer schob sich die 2715 dann vor, um ihren Vorsprung bis ins Ziel auf 6 Meter zu vergrößern. 1. F. C. Nürnberg schlägt Hertha-BSL. 2:1. Am Mittwochabend standen sich in Berlin die beiden ©egner aus dem Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft in einem Freund- schaststreffen gegenüber. Etwa 20 000 Zuschauer wohnten dem Spiel bei. 3n der ersten Spielhälfte zeigte Hertha-BSC. eine ausgezeichnete Leistung. Nürnberg wurde fast vollständig in seine Hälfte zurückdrängt, und nur die aufmerksame Verteidigung, vor allem Stuhlsaut im Tor, verhinderten die fast sicheren Tore. Ein von „Dumbes" Schmidt in höchster Aot auf der Torlinie mit der Hand abgewehrter Ball führte zur großen Chance für Hertha-BSC., zum Elfmeter. Von Sobeck direkt geschossen, wehrte Stuhlsaut meisterhaft ab. In der 35. Minute führt eine Flanke von R e i n m a n n durch Hochgesang zum ersten Tor für Aürnberg. Hertha erzielt wohl bis zum Schluß der ersten Hälfte 6 Ecken, aber kein Tor. Aach der Pause zerfällt Hertha mehr und mehr, insbesondere der Sturm ist am Ende seiner Kräfte. Die Flügel Montag und Abegglen können Nicht mehr mithalten. Aürnberg übernimmt jetzt das Kommando, kommt aber durch Hochges ang nur zu einem zweiten dieses 3ahres gewährte er volle Verzeihung, nahm Philippine in Gnaden auf, verpflichtete aber die Gattin und die Mitwisser zur weiteren Geheimhaltung. Die Kinder erhielten den Aamen „von Oesterreich" und 3ahresrenten. Philippine wurde später nach dein Tode des Kaisers zur „Freifrau von Zinnenburg" erhoben, und 1570 wird sie die „durchlauchtigste Fürstin und Frau, Markgräfin von Burgau" usw. genannt. Obwohl erst bei Gelegenheit der Ernennung von Philippi- nens ältestem Sohn Andreas zum Kardinal der Papst die Gatten vom Gelübde der Geheimhaltung der Che entband, so war die St^lung der Weiferin auch vorher schon durchaus fürstlich. 3hre Bildung läßt sie in jeder Hinsicht den deutschen Fürstinnen ihrer Zeit gleichstehend erscheinen, ihr liebenswürdiges Wesen und ihre schöne Erscheinung nahmen für sie ein. Da der Erzherzog sich nur sehr ungern von ihr trennte, begleitete sie ihn auf Reisen und zu Festlichkeiten und genoß stets ehrenvolle Aufnahme. 1567 siedelte das Paar von Böhmen nach Tirol über, wo der Erzherzog die Regierung des Landes übernahm, und Schloß Ambras bei 3nnsbruck sieht nun einen glänzenden Hofhalt, in dem die Schloßhecrin der Mittelpunkt ist. lieber das Wirken der Welserin als Hausfrau und Landesmutter haben sich viele Dokumente erhalten. Bittschriften im 3nnsbrucker Landesarchiv zeigen das Vertrauen, das sie genoß und ihren immer hilfsbereiten Sinn. Eine Rechnung über zahlreiche Hochzeitskleider beweist, daß sie Dräute zur Hochzeit auszustatten pflegte. Ein besonderes 3nteresse der Fürstinnen jener Zeit war die Medizin. Ebenso wie gleichzeitig Katharina von Brandenburg in Berlin und Anna von Sachsen in Annaberg, so gründete auch Philippine unter Mithilfe ihres Leibarztes eine Apotheke, verfaßte ein eigenhändig geschriebenes Dezeptbuch und behandelte mit großer Sorgfalt und Liebe die vielen Kranken, die zu ihr nach Ambras tarnen. Auch ein von ihr geschriebenes Kochbuch wird noch aufbewahrt, in dem neben Augsburger heimatlichen Gerichten wie dem „Augsburger Sprützbergle" die schwierigsten Pasteten und Torten betrieben werden. Wie seltene Heilmittel, so wurden auch allerlei Speisen zwischen befreundeten und verwandten Höfen ausgetauscht. So schickte sie eingemachte Tiroler Preiselbeeren nach Ferrara, „so wir selbst gemacht", und die Ambraser Küche war so berühmt, daß der säch- Tor, da Müller und D ö l ke r in der Läuferreihe der Berliner vorzügliche Zerstörungsarbeit leistem Zwei Minuten vor Schluß kann dann Kirsei auch Stuhlfaut bezwingen Die Meisterschaften im Ardeiter-Turn- und Sportdund. £ Bei recht guter Beteiligung aus dem gesamten Bundesgebiet wurden am Sonntag die leichtathletischen Bundesmeisterschaften in Hannover ausgetragen. Bei der überragenden Bedeutung, die die Leichtathletik sich auf dem gesamten Gebiete des sportlichen Lebens immer mehr und mehr sichert, ist es begreiflich, daß die gebotenen Leistungen um ein bedeutendes über der letztmaligen gleichen Beranstaltung standen. Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, daß in Hannover achtzehn neue Bundes - Höchstleistungen erzielt wurden. Stehen den einzelnen Bundesoereinen erst einmal in größerer Anzahl geeignete Laufbahnen zur Verfügung, so wird eine merkliche Leistungsoerbesserung in technischer und zeitlicher Beziehung zu beachten sein. Unter den Teilnehmern befanden sich auch eine Anzahl Angehöriger aus unserem heimischen 9. Kreisgebiet, von denen die Kreismannschaft für die 4X400-Meter- Stafette den ersten Platz belegen konnte. Einen weiteren bedeutungsvollen ersten Sieg errang Sportler Bernadus (Hausen b. Frankfurt), indem er im Zehnkampf mit 56 Punkten Vorsprung Er st er wurde. Dieser Sieg ist um so eindrucksvoller, als der Zehnkampf eine der wichtigsten Kampfarten ist, der eine gewisse Vielseitigkeit voraussetzt. Leider gelang es dem Gießener Langstreckenläufer Balser nicht, sich zu plazieren. Dies lag nicht an der geringeren Leistungsfähigkeit, sondern an einem unglücklichen Zufall und einer gewissen Unerfahrenheit, die bei solchen. Groß- kämpfen stets zu bemerken ist. An dem 5000-Meter- Lauf, den Balser mitbestritt, beteiligten sich dreißig Läufer: beim Start tarn Balser auf die Außenbahn. Nach dem Schuß drängte alles nach innen, so daß der Gießener Läufer bei der ersten Runde ziemlich am Schluß des Feldes lag. Wenn es ihm trotzdem gelang, in der weiteren Durchführung des anstrengenden Laufes etwa 20 Vordermänner zu überholen und sich schließlich an die zehnte Stelle zu setzen, so verdient diese Leistung immerhin Anerkennung. Die erzielten Ergebnisse sind die folgenden: 110-Meter-Hürdenlaus (Männer): 1. Mohwald, Rathenow, 16 Sek.: 2. Wels, Burg, 16 Sekunden. 400-Meter-Hürdeniauf (Männer): 1. Wels, Burg, 60,9 Sek.; 2. Scherbach, Bremen, 63,3 Sekunden. 4X100 - Meter - Stafette (Männer): 1. Linden, 54,2 Sek.; 2. A. S. C. Berlin, 45,4 Sek. 4X400 - Meter - Stafette (Männer): 1. 9. K r e i s 3.43,5 M i n., 2. 3. Kreis 4.03,6 Min. 10X100° Meter-Stafette (Männer): 1. „Fichte" Berlin, 1.56,7 Min., 2. A. S. C. Berlin, 1.59 Minuten. 100-Meter-Lauf (Männer): 1. Brocks, Linden, 11 Sek., 2. Freese, Bremen, 11,1 Sekunden. 800-Meter-Lauf (Männer): 1. Boyer, Berlin, 2.02,6 Min.; 2. Halen, Finnland, 2.03,6 Min. 5000-Meter-Lauf (Männer): 1. Wagner, Leipzig, 15.48,2 Min.; 2. Wolfer, Bodenlanden, 15.52,1 Minuten. Olympische Stafette (Männer): 1. Feuerbach, 3.47 Min.; 2. „Fichte" - Berlin, 3.47,6 Minuten. Hochsprung (Männer): 1. Mohwald, Rathenow, 1,76 Meter; 2. Schulze, Weihwasser, 1,71 Meter. Stabhoch (Männer): 1. Schulze, Weihwasser und Mohwald, Rathenow, 3,50 Meter; 2. Trebuth, „Fichte"-Berlin, 3,30 Meter. 10 X 10 0 ° Meter - Stafette für Frauen: 1. 1. Kreis, 2.17,2 Min.; 2. 10. Kreis, 2.27 Minuten. Kleine olympische Stafette für Frauen: 1. „Fichte" - Magdeburg, 56,9 Sek.; 2. F. T. Kassel, 57,3 Sekunden. 100- Meter-Laus für Frauen: 1. Hippler, Magdeburg, 12,9 Sek.: 2. Schulz, „Fichte"- Berlin, handbreit zurück. fische Kurfürst seinen Koch daselbst die Zubereitung von Backverk erlernen liefe. Die große Hofhaltung sah viele Gäste und die gastfreie Schlohfrau wird wiederholt in Reiseberichten erwähnt, wie auch die Ausschmückung des Schlosses und eine berühmte Sammlung, die der Erzherzog anlegte, Ambras schon damals zu einer Sehenswürdigkeit machten. Verhältnismäßig früh sollte dies glückliche und harmonische Leben ein Ende finden. Philippine, die sich schon lange keiner guten Gesundheit erfreute, erkrankte im 3ahre 1580 schwer. Am 24. April bereitete sie sich durch Empfang der Sakramente mit vollem Bewußtsein auf den Tod vor und hatte für jeden ihrer Angehörigen und ihres Haushalts noch ein freundliches Wort. Die Trauer um ihren Hingang war in Tirol ganz allgemein. Eine „Liebhaberin aller betrübten Herzen", wie sie in einer Bittschrift genannt wird, war mit ihr dahingegangen. Das Denkmal, das der Erzherzog über ihrem Grabe in der Innsbrucker Hofkirche errichten liefe, weckt heute noch die Erinnerung an eine der liebenswertesten deutschen Fürstinnen des 16. 3ahr- hunderts. Beim alten Münchhausen. Die unsterblichen Lügengeschichten des Barons Münchhausen, die bei uns in Bürgers Erzählung zum Volksbuch geworden sind, erschienen ja zuerst durch ein merkwürdiges Spiel des Zufalls auf Englisch, und aus dem Englischen hat Bürger die Aufschneidereien überseht. Daher ist der „Lügen-Baron" bei den Briten nicht minder gut bekannt als bei uns, aber man hält ihn allgemein für eine Sagengestalt, und erst jetzt hat ein englischer Besucher Westfalens zu seiner größten Verwunderung entdeckt, daß Münchhausen wirklich gelebt hat. „3ch habe niemals ein Wort von dem geglaubt, was der Baron Münchhausen gesagt oder gcfchrieben hat," erzählt Henry Albert Phillips in einem Londoner Blatt, „und aus diesem Unglauben schloß ich, daß er überhaupt nicht gelebt hat. Aber nun kann ich mein Wort dafür verpfänden, daß es einen Baron Münchhausen gab. 3ch habe einige Tage in feinem Haus gewohnt, habe in dem reizenden Garten gefeffen, den er mit eigener Hand angelegt, habe an seinem Tisch gegessen, in seinem Schlafzimmer geschlafen und mehr als ein Glas Bier in dem Pavillon getrunken, den et sich Fünfkampf, Sportler: 1. Dierseh Lettland, 474 Punkte: 2. Kuparinen, Finnland, 460 P. Zehnkampf, Sportler: 1. Bernadus, Hausen, 888,5 Punkte; 2. Cvrtz, Brandenburg, 832,5 Punkte. Dreikampf,. Sportlerinnen: 1. Rauh, Berlin, 309 Punkte; 2. Niebitz, Nürnberg, 299 P. Speerwerfen, Männer: 1. Boelke, Meuselwitz, 47,36 Meter; 2. Geiger, Feuerbach, 46,83 Meter. Diskuswerfen, Frauen: 1. Kehrt, Ludwigshafen, 24,17 Meter; 2. Zain, Berlin, 23,75 Meter. Kugelstoßen, Frauen: 1. Wüst, Mun- denheim, 9,31 Meter; 2. Kehrt, Ludwigshafen, 8,71 Meter. Weitfprung, Frauen: 1. Oliw, „Fichte"- Berlin, 5,20 Meter; 2. Gießeier, Düsseldorf, 5,01 Meter. B. f. B. Mit Rücksicht auf das am Sonntag statt- findende Dataillonssportfest, und zur Ermög«- lichung eines tunlichst geschlossenen Besuches desselben ruht der Spielbetrieb nach dem eveignis- reichen Sonntag diesmal fast ganz. Um die kurze Zeit bis zum Beginn der Verbandsspiele zum Einspielen neuer Spieler auszunutzen, trägt die dritte Mannschaft auf dem Waldsportplatz ein Gesellschaftsspiel gegen Fronhausen aus. Sie wird sich ftredkn müssen, wenn sie gewinnen will. Vor allem sollte sie, anstatt wie in ihrem letzten Tressen das Opfer ihres eigenen Tempos zu werden, eine bessere Kräfteemteilung erlernen. Für den Vormittag hat die A-H.-Mannschaft mit Steinbach abgeschlossen und wird sich gegen die Aktiven zu wehren haben. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Am Sonntagvormittag spielt auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe die 1. Schülermannschaft gegen die gleiche des Wetzlarer Spottvereins und die 3 L-Mannfchaft gegen die 1. Mannschaft des Vereins „Sportluft 1926" Cappel b. Marburg. Der jeweilige Spielausgang ist nicht vorauszufagen Die 3 b= und 2. Jugend-Mannschaft fahren nachmittags nach Lich, um sich dort in Gesellschaftsspielen mit der 2. aktiven und 1. Jugend-Mannschaft des dortigen Vereins für Nasenspiele zu messen. Man erwartet allgemein die Blauweißen in Front. Der Rhön-Segelflug- Wettbewerd 1927. Der nunmehr zu Ende gegangene, zum achten- mal in der Rhön abgehaltene Eegelflug- wettbewerb hat sich durch besonders rege Flugtätigkeit ausgezeichnet. Er ftanb nicht im Mittelpunkt großer Rekordleistungen, sein Schwerpunkt lag vielmehr an einer anderen Stelle. Bekanntlich hatte man eine Drei teilung des Wettbewerbes in Schulungs-, Uebungs- und LeistungsWettbewerb vorgenommen. Dies hat sich als zweckmäßig erwiesen. Besonders unter den Teilnehmern am SchulungsWettbewerb hat sich ein sehr lebhafter Betrieb entwickelt. Richt nur, dafe eifrig Schulflüge ausgeführt wurden, auch eine Anzahl von Segelfliegerprüfungen konnte während dieser Zeit abgelegt werden. Damit ist der Heranbildung von Rachwuchs ein neuer Impuls gegeben worden. Der Schulbetrieb der einzelnen Fluggruppen gestaltet sich heute im allgemeinen so, daß sich die Vereine ihre Schulflugzeuge selbst bauen und hierbei in erster Linie die von der Rhön-Rossitten- Gesellschaft herausgebrachten Typen „Zögling" und „Prüfling" bevorzugen. Wie emsig der Schulbetrieb während des Wettbewerbes gewesen ist, geht aus den vielen Statts einzelner Gruppen hervor, die es auf mehr als rund 50 Starts gebracht haben, wie z. D. der Mitteldeuttche Flugverband Kassel, die Akademische Fliegergruppe «Stuttgart, die. Marcho-Silesia u. a. Liber daß iricht nur die Vereine sich eines regen Flugbetriebes befleißigen formen, sondern im gleichen Maße auch Einzelpersonen, hat am besten Schl ei eher gezeigt, der tagtäglich eine Reihe von Starts ausführte und es dabei auf eine Gesamtflugzeit von 3i/2 Stunden gebracht hat. Der Leistungswettbewerb wies die wenigsten Teilnehmer auf. Als ernste Korrkurrenten standen sich hier eigentlich nur Rehring und Kegel auf dem Hügel baute, der über das Haus hinblickt, und in dem er mit seinen Kumpanen zu sitzen pflegte und seine köstllchen Geschichten erfand, die ein literarischer Schatz der Welt geworden find. Die Heimat des Barons Münchhausen ist ein kleines Dorf, Bodenwerder an der Weser, etwa drei Stunden im Boot von der Stadt Hameln entfernt, die durch ihren Rattenfänger so berühmt ist. Man wandett vom Fluß auf einem engen Pfad an Frauen vorbei, die an den Ufern Wäsche waschen und sie auf den Wiesen trocknen. Bald befindet man sich in einer alten Straße, die feit vielen Jahrhunderten sich nicht verändert hat und schon so ausfah, lange bevor Münchhausen 1720 geboren wurde. Rach einigen Minuten tritt man durch den Torweg des Münchhausenschen Hauses, wo einige seiner Familie noch bis 1878 lebten. Auf einem gewundenen Gartenweg gelangt man zu dem massiven viereckigen alten Bau. Ich klomm die breite Wendeltreppe empor und stand in einer großen Halle, von der ich in ein großes Zimmer gelangte und dann in ein lleines, das unseres Barons «Schlafzimmer war. Einige Zeit lang wurde es nun mein Schlafzimmer. Am Abend schlenderte ich nach dem Pavillon am Abhang des Hügels über dem HauS. Da ist ein einziger Raum, von dem eine Veranda ausgeht, die weithin über das Tal schaut. Am wichtigsten aber ist der Weinkeller darunter, aus dem Baron Münchhausen so manche gute Flasche als Anregung für feine Geschichten schlürfte. Das Gerücht geht noch um, daß er ein großer Trinker war und ein unverbesferlicher Aufschneider. Wegen dieser Eigenschaften scheint er keinen guten Ra men in der Gemeinde gehabt zu haben. Denn als er starb, soll man sich geweigert haben, ihn in der Familiengruft der schönen alten Klosterkirche nahe dabei zu beerdigen. Der jetzige Pastor der Kirche erzählte es mir, als wir zusammen in der „Lüaen-Villa" saßen. So lag die Leiche einige Tage lang unbeerdigt, bis der regierende Herzog eingttff, und Münchhausen heimlich bei seinen Ahnen be.gesetzt wurde. Heber ein Jahrhundert später, als die Kirche renoviert wurde, grub man die Leiche durch Zufall aus. Sie war vortrefflich erhalten und sah wie lebend aus. Wenn er die Geschichte selbst erzählen würde, bann würde er sicher ausmalen, wie er sich ganz steif aus dem Grabe erhoben, den Arbeitern für ihre Dienste gedankt und sich plötzlich an eine Verabredung mit feiner Tafelrunde erinnert habe, die noch immer seiner Geschichten harrte..." gegenüber. Leh irrer ging aber nicht so recht aus sich Heraus und brachte es leider auch zu keinen größeren Flügen. Rehring dagegen war der Favorit und konnte sich mit seinem Flug nach BadBcrka, der über eine Strecke von 51,8 Kilometer führte, den Fernsegelslug- preis und mit dem erstmals geglückten Flug nach dem Heidel st ein und zurück den Hei- delsteinpreis holen. Er hat zu seinen Flügen een neuen Eindecker „Darmstadt" der Darmstädter Akademischen Iliegergruppe verwendet, der, erst neu herausgebracht, sich sehr schnell als hochwertiges Segelflugzeug erwies. Aber, was noch mehr für den Erfolg Rehrings spricht, sind die umfang Deichen Gelä.rdekennt- nifse, über die er verfügt. Wenn man das ganze Jahr über auf der Wasserluppe siht, so hat man naturgemäß in dieser Richtung Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln, wie sie sich diejenigen Segelflieger, die nur ein paar Wochen während des Wettbewerbes auf der Wasserkuppe sind, nie aneignen fönnen. Heber das Flu g z e u g m a te r i a l ist nicht sehr viel zu sagen. Die Standardisierung der Segelflugzeuge hat eine immer größere Ausdehnung angenommen. Als Schulflugzeuge kommen in erster Linie „Zögling" und „Prüfling" in Betracht, daneben noch „Pegasus" und „Espenlaub". Ä?e Hochleistungsmaschinen laufen mehr oder weniger doch immer wieder auf einen Typ hinaus. Wesentliche Unterschiede sind unter ihnen nicht mehr wahrzunehmen. Grundlegende Rcu- fonftruftionen waren nicht im Wettk^werb; hier ist vielleicht lediglich das Flugzeug „La prtjvo“ von Kirchner- Kassel anzuführen, das eine besonders leichte Bauweise besitzt und nur rund 35 Kilo wiegt. Der sportliche Charakter des diesjährigen Rhön-Segelflug-Wettbewerbes war sehr gut. Bereits am sechsten Tage war die Anzahl der Starts überschritten, die im vorigen Jahre während des ganzen Wettbewerbes ausgeführt worden sind. F.W. Neuer Weltrekord im Rückenflug Wie die Raab-Katzen st einFlugzeug- werke Mitteilen, hat der Pilot Fiese le r bei dem Flugwettbewerb in Zürich auf dem Flugzeug-Typ „Schwalbe" den Weltrekord im Rückenflug, der bisher von Amerika mit sieben QHinuten gehalten wurde, in der neuen Bestzeit von 10,56 Minuten an sich gebracht. Deutschland an der Spitze der Flug-Weltrekordliste. Die zahlreichen Weltrekorde, die von deutschen Piloten tn der letzten Zeit aufgestellt worden sind, haben die Weltrekordliste gÄndlich um- gewandelt. Standen wir noch vor kurzem infolge der Knebelung unserer Luftfahrtindustrie am Ende der Tabelle, so haben wir uns jetzt mit weitem Dorsprung vor den anderen Staaten an die Spitze gestellt. Die Liste, nach Rationen geordnet, firfjt jetzt so aus: Landflugzeuge: Deutschland 16. Frankreich 13, Ver. Staaten Amerika 4. Italien 1 Rekord. Wasserflugzeuge: Italien 13, Der. Staaten Amerika 8, Deutschland 6, Frankreich 0 Rekorde. Insgesamt: Deutschland 22, Italien 14, Frankreich 13, Der. Staaten Amerika 12, Rekord' jieuc Flugrvettrekorde. Wie aus San Diego gemeldet wird, gelang es den beiden amerikanischen Marineflieger!» C o n n e 11 und Rv d d, zwei neue Weltrekorde für Wasserflugzeuge aufzustellen. Sie legten 2525,313 Kilometer in 20:45: 40 zurück. Die Höchstleistung des deutschen Fliegers Loose wurde damit um mehr als sechs Stunden und um über 823 Kilometer überboten. Das Flugzeug wog 11 Donnen bei einer Ruhlast von 500 Kilo. Drei neue Weltrekorde im Schwimmen. Wie aus Reuyork gemeldet wird, wurden bei einem Schwimmfest in Rye dreineue Damenweltrekorde im Schwimmen aufgestellt. Mist Elaine Delaney unterbot den Weltrekord im 300 Meter Rückenschwimmen in 5jO2’/ö Sek. Die frühere Rekork^eit betrug | 5,06‘/5 Sek. und wurde von Sybil Dauer ge- halten. Die zweite Weltlci lung erz Üe Agnes Geraghty im 200 Bords Brustschwimmen in 32V,!, Sek. und verbesserte damit ihre eigene Höchstleistung. Mist Ethel Mc. Garry schwamm 300 Meter Freistil in 4.23« 5 Sei. Die alte Re- kordzeit für diese Strecke betrug 4.251.5 Sek. Obertzessen. Landkreis Giesten H. Grosten-Linden. 18. Aug. Alt- Bürgermeister Leun von hier, der jetzt im 72. Lebensjahre steht und sich um das Wohl unserer Gemeinde während seiner langjährigen Tätigkeit als Bürgermeister große Verdienste erworben hat, hat sich, wie man hört, entschlossen, sich von allen öffentlichen Geschäften zurückzu- ziehen und fein arbeitsreiches Leben in Ruhe zu vollenden. Er hat deshalb fein Amt als Mitglied des Kirchenvorstandes, in dem er lange zum Segen der Kirchengemeinde gewirkt Hal. niedergelegt. In Anerkennung seiner verdienstvollen Arbeit hat ihn der Kirchenvorstand zum Ehrenmitglied ernannt. Ein Beweis dafür, dast man auch seine Tätigkeit für das Wohl der ©emeinde in rechter Weise zu schätzen weist, ist die Tatsache, daß Altbürgermeister Leun schon vor längeren Jahren zum Ehrenbürger der Stadt Grosten-Linden ernannt wurde. * Cid), 18. Aug. Herr Adam Rau von hier konnte dieser Tage in voller geistiger und körperlicher Frische unter allgemeiner Anteilnahme sein öOjöhriges Dienstjubiläum im Fürstlichen Hause zu Lich begehen. Kreis Aricvberg. WSR. Butzbach, 18. Aug. Die Arbeiten für den neuen Marktbrunnen sind jetzt in Auftrag gegeben worden, so dast in Kürze unser historischer Brunnen in seiner ursprünglichen Gestalt wieder erstehen wird. Kreis Büdingen. |:| Gelnhaar, 18. Aug. Der Jagdpächter unserer Gemeindejagd, Direktor Bendmann, Frankfurt a. M., ist gesonnen, unserer Gemeinde in hochherziger Weise ein K r i e g e r d e n k m a l zu bauen. Das Anfahren von Material übernimmt die Gemeinde, während alle anderen Kosten von dem Stifter aufgebracht werden. Das kommt unserer finanziell schlecht stehenden Gemeinde sehr zustatten. In 2 bis 3 Monaten soll das Denkmal fertig jein. — Gestern stürzte beim Frühbirnenpflücken ein junger Mann vom Baum und blieb bewußtlos liegen. Anscheinend liegt eine Gehirnerschütterung vor. Kreis Schotten. ----- Hartmannshain, 18. Aug. Wie verlautet, beabsichtigt die Firma Scherer aus Büdingen, die bereits in Lißoerg und im Westerwald Basaltsteinbrüche besitzt, auch hier einen Steinbruch in Betrieb zu nehmen, der vorzügliches, sich zu allen Derwendungsarten eignendes Steinmaterial aufzuweisen hat. Der» Handlungen mit den Besitzern der Grundstücke sind bereits im Gange. ----- Herchenhain, 18. Aug. In dem benachbarten D.H. C.-Jugendheim sind in diesen Tagen wieder eine größere Anzahl Mainzer und Friedberger Kinder unter Führung ihrer Lehrer eingetroffen, die hier einige Zeit der Erholung verbringen wollen. Die gediegene Einrichtung des Heims verdient Anerkennung. Kreis Lauterbach. 4- Lanzenhain, 18. Aug. Die L) berklasse der hiesigen Schule unternahm zusammen mit den Nachbarschulen Eichelhain und Eichenrod einen zweitägigen Ausflug. Der erste Tag galt die Besichtigung des römischen Grenzwalles und der Saalburg; am zweiten Tag wurde der Zoologische Garten in Frankfurt besucht. In der Jugendherberge zu Bad Homburg wurde übernachtet. Für die kleinen Vogelsberger war die mohlgelungene Unternehmung eine große Erweiterung ihres ländlichen Horizontes. Starkenburg. • Darmstadt, 18. Aug. Der in Jugenheim a. d. B. lebende Maler und Graphiker Roland A n - heißer vollendet heute sein 50. Lebensjahr. Auf den hessischen Kunstausstellungen der letzten Jahre hat er vielfach Bilder ausgestellt, besonders Landschaften, die sehr beachtet wurden. Weit stärker nrr tiw —.ri Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Tribüne füllte sich langsam; um die Barrieren des großen Rings schloß sich ein Menschenring in Form einer dünnen riesigen Mondsichel, deren Hörner sich bereits zu einem Kreis zusammen- schlossen. Daß das Sonntagspublikum der Stadt in Bewegung geraten könnte, hatte ich halb und halb gehofft; daß aber auch die Aristokratie der Crescenl City erscheinen werde, war mehr, als ich erwartete. Longstreet kam — man hörte fein vergnügliches lautes Lachen schon von weitem —, der ernste Beauregard, Taylor, unruhig wie ein Wiesel, nach aUcn Seiten aus Jonathan und gegen John Bull wettend. Die Owens mit der jüngeren Generation belebten das Innere des Ringes und brachten ganze Scharen von Damen in glänzenden Toiletten. Es gab doch noch schwarze leuchtende Augen und blitzende Diamanten in der Stadt. Gelegentlich sah man Delano mit einem Leinwandbeutel im Arm oom Eingangstor nach dem Pavillon laufen. Es waren Geldsäcke, die er in Congftreets Bureau ent- ^hnt hatte. Er lachte förmlich, zum erstenmal seit dem Bürgerkriege, wie mir Owen, ebenfalls lachend, versicherte. Eine heitere Aufregung bemächtigte sich der Menge m steigendem Grade. Der improvisierte Zeltverschlag, hinter dem in stoischer Ruhe die zwei Maschinen ihre Rauchwolken zum Himmel sandten, waren von hundert Jungen umdrängt, die die Leinwandwände einzudrücken versuchten und von Zeit zu Zeit von Bucephalus und dem schwarzen Jem mit entrüsteter Beredsamkeit verjagt wurden. Es half wenig, da der eine eine riesige amerikanische der andere eine enrlische Kokarde trug, die sofort der Mittelpunkt jubelnder Bewunderung wurden. So wurde es halb fünf Uhr. Aus einem Loch in der Rückwand der Tribüne schlüpfte jetzt Stone in hellgrüner Jacke und gelben Beinkleidern und marschierte, von dreißig Jungen geleitet, ernst, als ob er in einer grünen Jacke geboren wäre, dem Maschinenzeit zu. Kein Muskel rührte sich in seinem steinernen Gesicht. Er war der echte Jockei, der mit zusammengebissenen Zähnen einem Kampf auf Leben und Tod entgegengehl. Dor dem Loch in der Tribüne wartete in sichtlicher Ungeduld ein junge Dame in feuerrotem Seidenkleid und einem wogenden Federhut von erstaunlicher Größe. Als Parker in feinem prachtvollen Kakadugefieder, rot und blau, in der Oeff- nung erschien, wollte er wieder zurückschlüpfen. Der große Junge war so rot wie feine Jacke. Aber es half ihm nichts; die begeisterte Sally erfaßte ihn beim Arm, zog ihn heraus und begleitete ihn stolz nach dem Maschinenzelt, wo sie mit Bucephalus in ein entrüstetes Zwiegespräch geriet, der ihr rund erklärte, daß hier Damen nicht gugelaffen würden. Fünfzehn Minuten vor fünf öffneten sich die Zeltwände mit erfreulicher Pünktlichkeit. Es ging alles wie am Schnürchen. Die beiden Elefanten dampften keuchend und rasselnd, aber mit feierlichem Ernste, aus der Hütte hervor und wälzten sich in den Ring, der Tribüne zu. Die Aufregung wuchs; die Volksmenge umringte sie schreiend, manchmal in jähem Schreck auseinanderstiebend, dann wieder sich gefährlich zusammenballend. „Das ist Jonathan!" — „Das ist John Bull!" erklärten sie hundertstimmig. „Ein feiner Bursche, John Bull!" — „Sehen feie, die Räder! diese Breite!" — „Und wie Jonathan dampft! Das heiß, ich ein paar Lungen!" — „Aufpasfen! Aus dem Weg!" — „Vier gegen drei auf Jonathan!" — „Zwei gegen eins auf John Bull!" „Hipp hipp hurra für Amerika!" — „Zwei gegen eins auf Jonathan!" So schwirrte es durcheinander, bis die beiden Maschinen vor der Tribüne angelangt waren und nebeneinander zum Stillstand kamen. Der kleine schwarze Jem, der bei Jonathan, und Bucephalus, welcher bei John Bull Heizerdienste versah, grinsten sich an. Parker und Stone lehnten auf ihren Steuerrädern und sahen ernst und schweigend auf die brausende Volksmenge herab, die zögernd die Rennbahn freigab und, hefttg protestierend, von sechs Schutzleuten unter den Barrieren durchgejagt wurde, wobei abgestreifte Zy- linderhüte die Heiterkeit wiederher, ifteE.ni. Das Ganze schien einen durchaus würdigen Verlauf nehmen zu wollen. Lawrence, der an alles zu denken schien, hatte selbst für Komiteemitglieder gesorgt, die in amerikanischen und englischen Schärpen um die Maschinen herumliefen, sichtlich ohne zu wissen, was sie zu tun hatten, und dadurch dem Publikum zu denken gaben. Auf der Pavillonuhr schlug es fünf. Atemlos kam Delano aus der Richtung des Kasfentors herbei, eine riesige Pistole in der Hand. Er wechselte wirkt er jedoch als Graphiker und als solcher hat er hauptsächlich die Landschaften und das kulturelle Leben in den Ländern am Rhein sowie in den benachbarten Landstrichen in eindrucksvollen Wirklichkeitsbildern geschildert. T Offenbach a. Main, 18. Aug. Eine recht segenbringende und anderen Städten zum Dorbild dienende Einrichtung, die in Offe-.rbach nur durch den Krieg unterbrochen trerten muhte, ist im letzten Schuljahr wieder ausgenommen tocr- deru Es find die Sprachheilkurse an den Volksschule n. Jeder Lehrgang besteht aus zwei Kursen, einem Hauptkursus von Ostern bis Rovember und einem Rachtursus zwischen Reujahr und Ostern. 3m Schuljahr 1926 27 war der Erfolg bei 50 Prozent der Teilnehmer als gut zu bezeichnen. Bei 25 Prozent waren die Erfolge befriedigend, und nur bei dem Rest txn 25 Prozent waren alle Bemühungen um die Behebung der Sprachfehler erfolglos. Rheinhessen. WSR. Mainz, 18. Aug. Q3J einem gestern nachmittag im Stadtteil Amöneburg erfolgten Zusammenstoß eines 34jährigen Motorradfahrers aus Darmstadt mit einem von Wiesbaden kommenden Personenauto wurde der Motorradfahrer von einem Kotflügel des Autos ersaht und gegen einen Randstein geschleudert, wo er bewußtlos liegen blieb. Er mußte nach dem Krankenhaus geschasst werden, wo ein schwerer Schädelbruch festgestellt wurde. Der Verunglückte starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. 'Preußen. Kreis Wcttlar. Wetzlar, 18. Aug. Gemäß Beschluß unserer StadtverwaltunA wird zur Zeit ein größerer Anbau am östlichen Flügel des hiesigen Krankenhauses ausgesührt. Hierdurch hofft man, weitere 25 Betten unterzubringen, um der jetzigen Raumnot zu begegnen. Auch der obere Stock des in unmittelbarer Nähe belegencn Diensthauses für die Aerzte soll noch für die Belegung herangezogen werden, und zwar soll, wie wir erfahren, in die hier gewonnenen Räume die Entbindungsstation kommen, so daß diese von den anderen Krankenräumen vollkommen abgesondert sein wird, ein Fortschritt, der allgemein begrüßt wird. Ein weiterer größerer Hochbau, der geeignet ist, das Stadtbild nach dem Lahntal besonders' zu verschönen, wird auf dem neu hergestellten Fried- h o f errichtet. Es ist dies die neue Friedhofskapelle, deren Unterbau schon seit Jahren fertig ist, aber wegen mangels an Mitteln nicht weitergeführt werden konnte. In Verbindung mit der Kapelle wird die Stadt auch ein Krematorium erhalten, so daß auch den Wünschen der Freunde für Feuerbestattung in Bälde Rechnung getragen (ein dürfte. nicht aufgeklärt. Eine Untersuchung rft eingeleitet. Rach einer anderen Darstellung soll Krämer im Kampfe mit einem Beamten von diesem erschossen worden fein. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschästsslelle zu richten. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. , Lombardzinsfuß 7 Prozent. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 6 Pr Frankfurt a.M. Berlm Frankfurt«. Di Berlin Schiu». fiurs l.Uhr. Äwr» Schluß-lAnfang flnr« | desgl. von 1913 . . . 4D/0 Ungarische Kronenrte . . 4% Turk. Zollanleihe v 1011 <°/o Türk. Bagdadbahn. Anl. 23,4 14,13 14 24,25 18,9 2.8 14 Gelsenkirchener . f. I Harvener........ Voesch Eisen........ tflfe Bergbau....... 4 .8 .5 .8 161 : 06,5 270 160 ■207 270 161.75 238 186,75 160.25 206 182,75 270 L-erie I........ ... 4°/0 deSgl. Serie II...... 4°0 Rumänen convert. Rte. 4'/,v/o Rumänen Goldanl. . 14,9 16,5 17.4 15 16.9 14.75 Klöcknerwerke ......... Köln-Neucsseu .....51/« Mannesmann . .f. '/, I 4 ManSielder..........7 165,5 185 134 25 163,5 186,25 135.5 165.65 180 186.5 135.65 163,5 179.5 184 134.5 von 1913 ....... . 16,5 — — — Oberschles. Eisend. Bedarf 0 103 101 102,6 Alla Deutsche Eisenbahn .4'/, Hamburg-Amerika 'Batet. .6 Hamb-Südam Tampfsch. .8 91 154,5 152,75 90 154,25 228,5 89.25 152.75 Oberschles. Kokswerke . . Phönix Bergbau. f Vi 9 Rheinische Braunkohlen . .0 3 10 120 261 '18 262 104.13 119,5 265 102.5 119,13 260.75 Hansa Dampfschiff .... 8 Rorddcutscher Lloyd . . . . 6 — — 228.5 226.5 Rhetnstahl........ . 0 10,5 209 212 210 155,5 149.5 154 155 25 153 75 Riebrck Montan...... • 6 173 — 176.25 Allg. Deutsche Creditanst.. 10 — 148.25 147,75 148,75 131.5 -31.25 133,5 131.4 Barm.r Bankverein . . 10 150 149,25 150 uiodi !ucrn«n ...... 1 sn — — 35.13 34.25 Berliner HandrlSaesellfch. 12 Commerz- und Privat-Bk. 11 256 179 178 252 179,25 250 178 Kali AscherSleben ... KaliWefteregeln .... 10 10 182.5 192,5 181 193 183.5 192 181.5 190,75 Darmst. u Nacionalbauk. 12 837,5 37 -'37.26 237 Kaliwerk Salzdetfurth . 12 — — 250,26 244 Deutsche Bank......10 DiSkonto-Gescllschafl Hnt 10 164 159.5 lt»4 159 164.5 160 163 75 159,5 9- ®. Karben-Industri« Dynamit Nobel ..... 10 0 09,75 06,25 310.5 307.5 147,65 Dresdner Bank......10 169 168 169.25 168.25 Scheideanstalt ....... .8 220 219 Mitteldeutsche Treditbcmk . 0 — — 254.5 248.5 Goldschmidt........ .5 137 135.5 13fi fi 135.25 99,25 Melallbank..........» 147.5 146,25 147.5 147 Rütgertzwerke ...... .0 100,5 <00 RetchSbcmt........ 10 175 173 175 173 Metallgesellschaft..... 10 190 188 5 Frankfurt a M Berlin Schlich-! l'Uhr- Kurs I Kurs Schluß Kurs | Anfang 1 Kurs Datum: 18. 8. | 19. 8. 18. 8- ; 19. 8. Philipp Holzmann .... Heidelberger Cenient ... 8 Tement Karlstadt......8 Wahß A Freitag......io Schultheis Patzenhofer. . 15 Ostwerke............ Ber. Glanzstoff......15 Bemberg..........« Zellstoff Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 Charlottenburger Wasser. 7 3 cflauer GaS ...... 8 Daimler Motoren.....0 Demag..... 0 Ädlerwerke filetier. .... 0 Ludw. Loeire . ...... ic Rat. Automobil...... 6 Orenftein & Koppel .... 4 Linke Hofmann....... Leonhard Ticv....... x Bamaa-Meguin...... 0 Franks. Maschinen .... 0 Gritzncr..... 7 Hcvligenfiacdt ....... 0 Iunghans . . ...... k Leckwerke....... , g Mainkraftwcrke ...... 8 Miag ...... 10 Nekarsulmer ........ 8 PeterS Union ...... g Gebr. Roeder......... Boigt & Haefsner...... Sndd. Zucker.......0 Bant 202 150 198.25 171,25 344 210.25 127 119 51 76 118 24.9 117,5 125 130 14 J 117 118 142 161.5 146 nofett 200,5 170 343.5 206 125,5 76,5 116 117 159 143,5 204 455 436 718 568 346 212 153.25 212.5 126,65 9,5 120,75 290 125,75 142,25 154 50,5 76,5 117,5 118,13 138 118 119 163 147.25 203.75 454 434 714 142,13 151.65 211.25 125,25 93,25 284 123.5 140 145,5 116 117 25 120 144 Berlin. 18 August. Geld Wörter Amerikanische Roten..... Belgische Noten...... Dänische Noten ...... Engirfche Noten ....... \ 4.183 68,38 112,25 | 20.39 OÖ3 58,62 112,71 20.47 Berlin, ix August Meld Brief Französische Roten...... 15749 iO3 Holländische Noten...... 167.99 168.67 (Italienische Noten...... 22.96 23.06 Norwegische Noten...... 108,66 109,111 Deutsch-Lestcrr., 5100 Kronen 59.13 59,37 Rumänische Noten...... 2.57 2,59 Schwedische Noten...... 112,42 112.88 Schweizer Noten....... 80,99 81.31 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 70.71 70.99 12.426 12.486 Ungarische Noten . . . 73.20 73,50 Seürfenmarti Derkm —Frankfurt 2,446 12,466 12,442 7,391 12.462 Belgrad . . 7,395 7,409 7,405 Budapest. . 78,33 78,47 73,40 75.64 Bulgarien . 3,037 3,043 3,03) 3.043 ViRabon . . 20.715 20,7)5 20,7t 20,74 Danstg. . . 81,37 81,53 81,35 81,51 Konstantin. 2,098 2,102 2,103 2,107 Athen. . . 5,515 5.526 3,494 6,106 (Sanaba . . 4.196 4.204 4,198 4.206 Uruguay. . 4.211 4,219 4,206 4.214 Tatro . . . 20.945 20.985 <0.93 «.97