chten. cheHandels- zeichnet. if)tmdbung.) finoas nflid) bekannt, dah ie handelsab- illdelsminlsler Bo» 'eklor Voile un* j7,auo«J>^ 2.60 (IMS M.99 "ThT, I6Ü.64 83, lU9.il 59,'i 8,63 112.9} bl 9 ;o.9 12, Tl.fl 16,4'5 167.96 22.95 ML s Ä.« 103,19 112,56 112; N>.ik5 22,69 AÄt» (6.16 »■«> 59,16 ts 73,^ i, Üj7 -ö?° Ä iS 196 *»» 2.25; au ( L" mt 5meM 34,50 big Ee>e 13,50 A I Ä !Z S u> 59.« »K $ iS nbörse. r«n notiert für bis M 2-6.50 -• 221 bis 225 bls 235,50, De/ "W« 255 big ^te 204 bis 210 ■>* W Mf-, Jr 1« 100 Silo-, Ri, Rvggenrnehl EMveie 14,75 J); Wiaetblen ÄA* 5 2merbohnen 22 1$ 15,75, Lupinen hen 14,80 bis 15; 'vckenschnihel 12,25 20,30; Kartoffel- ruft«' ,, H nd. freund, t, unb xu^en. das Jh* insirin? k’on« ’«£ oette omgen Nbörse, [baten äuber. Qlug. 3n der Aacht »nieurder ZiW Mge von Dies« Vorort Amöneburg Soldaten um er ließ die Auf- Sie Soldaten über itß-anöelten, Anspruch neunten irden Ähr und abgenommew ie Jätet konnten Mttelt und fest- eine halbe Stunde rin Portier der >aden-2rebrich ton rausgabe von toungen tooticn i Anzeige erstattet. 9 e t . D.FuM°ck)Di- in in Boulogne ,9 61 19.116 73-17 10. m. 192 Erster Blatt |77. Jahrgang Donnerstag, 18. August 1927 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ol» zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Hieße«. 11886. Druck uuö Verlag: vrühl'sche Unwerfitätr-Buch- und Zteindruckeret R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Internationale Sozialpolitik. Von Dr. Cremer, Mitglied des Reichstags. Die führenden Industrievölker Guropas und Amerikas haben seit langem erkannt, daß der sozialpolitische Fortschritt in den einzelnen Ländern aus wirtschaftlichen Gründen aufs stärkste von der entsprechenden Entwicklung in den anderen Industrieländern abhängig ist wegen der starken Bedeutung, welche jede Steigerung der PrvduktioirSkvsten, die mit dem sozialpolittfchen Fortschritt verbunden zu sein pflegt, für die Konkurrenzfähigkeit des einzelnen Landes auf dem Weltmarkt hat. Die Gründung des Internationalen Arbeitsamts, wie auch eine Reihe von internationalen svzialpolittschen Konferenzen sind die Früchte dieser Erkenntnis. Die Verwirklichung der International geschlossenen ilebercin« fünfte, insbesondere des Washingtoner Abkommens, wird durchcveg von einer gleichmäßigen Entwicklung in den übrigen Industrieländern abhängig gemacht. 3m allgemeinen hat man sich daran gewöhnt, hierbei hauptsächlich an die Vereinigten Staaten, Deutschland, England, Frankreich, 3talien und Belgien §u denken, wenn man auch selbstverständlich der gleichmäßigen Mitarbeit der übrigen europäischen Staaten nicht entraten kann. Der in schnellem Zeitmaß sich vollziehende 3ndustrialisierungsprozetz der großen Länder des asiatischen Ostens, insbesondere Chinas, zwingt jedoch, das Augenmerk mehr als bisher auf die dortigen sozialen Verhältnisse der industriellen Arbeitnehmerschaft zu richten, da die Zukunftsmöglichkeiten der Welb- kvirtschaft in wachsendem Maße von der Eingliederung dieser gewaltigen und menschenreichen Gebiete in die Weltwirtschaft abhängen. Richt nur einzelne Länder, wie etwa 3ap>an und England und neben ihnen die Vereinigten Staaten, sind an der weltwirtschaftlichen Erschließung dieser Gebiete aufs höchste interessiert, sondern neben ihnen ganz besonders gerade Deutschland, dem durch den Versailler Vertrag die Möglichkeit der Erschließung eigener kolonialer Gebiete entrissen wurde. 3m fernen Osten macht sich mit dem erwachten belbstbewußtsein der dortigen Völker das Bestreben geltend, innerhalb der eigenen Grenzen den schnellwachsenden Bedarf an modernen In- dustriewaren zu erzeugen und der Einfuhr des Auslandes Schwierigkeiten zu bereiten. 3n großem Umfange wird dies Bestreben durch Ausländer unterstützt, welche die besonderen Vorteile der Produktion im fernen Osten skrupellos aus- rmhen, ohne sich den Kopf über die weitere Zukunft zu zerbrechen. Die Märste des asiatischen Ostens können ihre mögliche und notwendige Dedeutung für die Ausnahme der industriellen Produktion der übrigen Länder der Erde nur erhalten, wenn es gelingt, die dortigen 3ndustrien zur Beachtung derselben sozialpolitischen Grundsätze zu zwingen, die in den übrigen Ländern "beobachtet werden. Dis zum Augenblick kann 'hiervon nicht im entferntesten die Rede sein. Man versucht zwar von chinesischer Sei'e häufig, !>ie Dinge so darzustellen. als ob nur die im Besitz ton Ausländern befindlichen Industrieuntsrneh- nungen an der geradezu skandalösen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, die in China geübt wird, beteiligt seien; diese Entschuldigüngen klingen aber wenig überzeugend. Die chinesische Arbeitszeit in den Fabriken beträgt bis zu 16 Stunden täglich, die Frauenarbeit wird unbegrenzt zugelassen, bereits Kinder im Alter von 10 Fahren und weniger werden zur Regelmäßigen Fabrikarbeit hevangezogen. Dabei ist die Behandlung der Arbeiter in den Betrieben eine durchaus unmenschliche; Mißhandlungen, ja sogar Einkerkerungen durch die Fabrikmeister und sonstigen Vorgesetzten der Arbeiter sind an der Tagesordnung; dazu sind die Lohnverhältnisse außerordentlich ungünstig. Die Lebenshaltungskosten für eine aus vier Personen bestehende chinesische Arbeiterfamilie werden auf den Monat mit 21 chinesischen Dollar berechnet; demgegenüber betrug der Durchschnittslohn in der wichtigsten Branche, der Textilindustrie, in Schanghai im April 1927 monatlich 12 chinesische Dollar, in den Seidenspinnereien 6 bis 10 Dollar, für Hafenarbeiter 9 Dollar. 3n denjenigen Branchen, wo besonders ausgesuchte Arbeitskräfte erforderlich sind, liegen 4--e Löhne freilich höher, aber hier kommen verhältnismäßig wenig Arbeiter in Betracht. Aus den Verdienst des Existenzminimums Farm also von vornherein nur gerechnet werden, nenn Mann und Frau, beide zur Fabrik gehen, und bei einer größeren Zahl von Kindern auch noch ein Teil der Kinder. Ohne Zweifel liegen die Verhältnisse bei den im 3nnem des Landes gelegenen Fabrikbetrieben noch ungünstiger für die Arbeitnehmer. Zu berücksichtigen ist, daß soziale Schuhge- sche, staatliche Kontrollen u. dergl. in China bis zum Augenblick nicht existieren, und daß anderseits düs' Angebot an Arbeitskräften bis mf weiteres noch unerschöpflich erscheint, wie es sich von selbst aus der dichten Bevölkerung, der ungünstigen Bodenverteilung und den vertoorre- itm politischen Verhältnissen Chinas ergibt. 3n- srlgedessen hat auch die moderne Arbeiterbewegung in China erst in geringem Umfange sich entwickeln können und ist im wesentlichen auf die großen Küstenplähe beschränkt. Hier ist zwar ihre Existenz durch eine große Anzahl von Streiks und andere Arbeitskämpfe stark in Erscheinung Läreten, aber die Erringung wesentlicher Vorteile auf sozialem Gebiete bisher nicht möglich gewesen. Der Arbeiterschaft in China würden, wie eine chinesische Rachrichtenstelle schreibt, schon Zhe schlechtesten Bedingungen, die für die Arbeiter im andern Ländern in Frage kommen und von Abschluß des Handelsvertrags mit Frankreich. Wie wir in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe bereits berichteten, ist gestern vormittag das deutsch-französische Handelsabkom- m en in Inaris unterzeichnet worden. Aus der französischen Hauptstadt wurde gestern mittag über dieses bedeutungsvolle Ereignis der deutsch-französischen Beziehungen folgendes gemeldet: P a r i s, 17. Aug. (Wolff.) Havas gibt um 10 Uhr bekannt, daß das deutsch-franzöfifche Handelsabkommen heute ftüh von Handelsminister B o k a n o w s k i und Ministerialdirektor Posse unterzeichnet worden ist. Es hat lange gedauert, bis endlich ein halbwegs annehmbarer Handelsvertrag mit Frankreich zustande gekommen ist. Mühe genug hat es gekostet, die Franzosen zu überzeugen, daß sie auch auf diesem Gebiete sich nicht ewig als die Sieger auf- spielen unt) Bestimmungen diktieren können, wie sie ihnen passen, ohne Rücksicht auf deutsche Interessen. Noch unmittelbar vor Beendigung der Verhandlun- gen hing der Ausgang an einem seidenen Faden, und schließlich hat die Nachgiebigkeit Deutschlands in einem '£unft die Entscheidung aebracht. Dieser Punkt bezieht sich auf Marokko. Zwar haben die Franzosen endlich auch für den Handel in Marokko die Meistbegünstigung in bezug auf Waren- und Schiffsverkehr zugestanden, aber das Niederlassungsrecht für Agenten der Schiffslinien ufw. noch immer verweigert. Wenn wir hier schließlich des lieben Friedens halber nachgegeben haben, so ist das in der bestimmten Erwartung geschehen, daß in kurzer Zeit auch dieser letzte Rest Derftimmenber Ungleichheit beseitigt werden wird. Um noch eine verwandte Frage hierbei gleich zu erledigen, sei bemerkt, daß grundsätzlich Deutschland mit seiner Forderung der Gleichberechtigung in bezug auf die Errichtung von Konsulaten auch für Elsaß-Lothringen durchgedrungen ist, aber das weitere Zugeständnis gemacht hat, im einzelnen sich erst vorher mit der französischen Regierung zu verständigen. Da dasselbe Verfahren 1871 zwischen Deutschland und Frankreich vereinbart worden war, können wir uns jetzt damit abfinden und nur der bestimmten Erwartung Ausdruck geben, daß binnen sehr kurzer Zeit der Errichtung von Konsulaten in Elsaß-Lothringen, die gerade dort wegen der engen Handelsbeziehungen sehr notwendig sind, nichts mehr im Wege stehen wird, lieber die zolltarifarischen Einzelheiten des Handelsvertrags wird man erst dann ein Urteil fällen können, wenn er gebrudt do fliegt, was in einigen Tagen der Fall sein wird. Briand und Hösch unterzeichnen morgen. Paris, 18. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Unterzeichnung des deutsch-französischen Handelsabkommens durch Außenminister Briand und Botschafter von H o e s ch soll nach dem Journal" erst im Anschluß an den morgen stattfindenden Minister- r a t erfolgen. BokanowM und Lerruys Hnö befriedigt. Paris, 18. Aug. (WTB. Funkshruch.) Handelsminister Bvkanvwski hat gestern vor seiner Abreise nach Amerika einem Vertreter; des „Excel fior“ gegenüber folgendes geäußert: „3m Lause der Verhandlungen haben wir schwierige Tage und angstvolle Stunden verleben müssen. Man muh anerkennen, dah das Ergebnis befriedigend ist. Das Abkommen beweist von beiden Seiten einen erfreulichen Geist derVersöhnlichkeit. Das ist echter Locarno-Geist, denn er begibt sich auf den Weg der praktischen Leistung." Ministerialdirektor S e r r u h s erklärte: „Alles in allem haben die liberalenGrund- s ä tz e, die bei der Genfer Wir 1 schaf 1 s - konferenz vorherrschten, in dein Abkommen gesiegt. 3ch habe die feste Ueberzeugung, daß das neue Abkommen dadurch, dah es den Wirtschaftsaustausch zwischen Frankreich und Deutschland fördert und regelmäßig gestaltet, viel zu der erwünschten Annäherung zwischen den beiden Ländern beitragen wird." Line deutsche Inhaltsangabe. Berlin, 17. Aug. (Wolfs.) Mit dem heute unterzeichneten deutsch-s.ranzösischen Han- belsoertrag ist, wie den Blättern mitgeteilt wird, eine der schwierig st en und langroie- rigsten Handelsvertragsverhandlungen zum A b - s ch l u ß gekommen. Als die Verhandlungen im Oktober 1924 begannen, hatte Deutschland eben den völligen Zusammenbruch seiner Währung über« Eiben, während Frankreich im Verlaufe der Verdi ungen eine weitgehende Verschlechterung seiner hrung durchmachen mußte. Infolge der Grenzverschiebungen war in vielen Produktionsgebie- : en wie z. B. für Eisen, Stahl, Kohlen usw. eine Verschiebung eingetreten, die die Verhandlun- gen weiter erschwerte. Dazu kam eine Reihe grundsätzlicher Schwierigkeiten von französischer Seite, insbesondere lehnte Frankreich strikte den Standpunkt der Meistbegün- st i g u n g ab. Der heutige Vertrag ist im großen und ganzen auf der Basis der Meistbegünstiaung aufgebaut. Auch gegen die weitgehende Bindung der beiden Kontrahenten, auf der der jetzige ©ertrag beruht, hatte Frankreich zuerst Widerspruch geltend gemacht. Weiter ist es Frankreich nicht gelungen, eine Zolltarifnovelle durchzubringen. Die jetzige Lösung ist nur dadurch zustande gekommen, daß Frankreich sich vom Parlament eine Ermächtigung hat geben lasten, seinen Zolltarif während dreier Monate abjuänbem. Der Vertrag ist auf Meistbegünstigung basiert, auch hinsichtlich der Zolltarife, für diese jedoch mit einigen zeitlichen Einschränkungen. Die QEeiftbegünftigung tritt restlos am 15. Dezember 1 9 2 8 in Kraft. Die Diskriminierungen sind formet! in verschiedener Art vorgesehen. Liste A enthält die gegenwärtigen französischen Minimaltarife; einige wenige Produkte sind kvntingiert. Lifte B umfaßt den Haupt- teil der ZoUtarifabmachungen (Meistbegünstigung zu festgebundenen Sähen. Liste C enthält Diskriminierungen, die nicht über den Sähen liegen, die Frankreich den Hauptkonkurrenzländern zugestanden hat. Zu den Arttkeln, bei denen Frankreich die Meistbegünstigung nicht befommen hat, gehört in erster Linie der Wein; Deutschland hat die Weineinfuhr nicht restlos freigegeben, sondern nur ein Kontingent von 360 000 Dz. im 3ahre vorgesehen. Auf Grund des Ermächtigungsgesetzes des Reichstages und der französischen Kammer wird der Vertrag vom 15. September vorläufig angewendet. Die erste reguläre Kündigung ist am 1. April 1929 mit dreimonatiger Kündigungsfrist möglich, d. h. also zum 30. 3imi 1929. Der Vertrag hat also eine Dauer vv>n 22 Mo - na ten. Von beiden Seiten ist ein außerordentliches Kündigungsrecht Vorbehalten für den Lall, daß Fraickreich doch noch eine Zolltarifnovelle votieren wird. Frankreich hat in dem Vertrag auf die An Wendung des § 18 des Versailler Vertrages (Beschlagnahme deutschen Eigentums für den Fall der Richterfüllung der Reparationsleistungen durch Deutschland) endgültig verzichtet. Die Meistbegünstigung für Marokko haben wir in einem Punkte nicht erzielen können; während unsere Wünsche hinsichtlich der Meistbegünstigung im Waren- und Schiffahrtsverkehr voll erfüllt worden sind, haben wir dies in der Niederlassungsfrage nicht erlangen Eonnen. Wir haben die Handelsvertragsverhandlungen wegen dieses Punktes nicht scheitern lassen wollen. 3n 3ndochina genießen wir restlose Meist- be g ü n ft i g u n g , sobald der neue französisch- japanische Vertrag abgeschlossen sein wird. Vorher kann uns Frankreich mit Rücksicht auf 3apan nicht volle Meistbegünstigung in der Rieder- lassüngssrage gewähren. Hinsichtlich der Konsulate ist uns Meistbegünstigung zugestanden worden. Bezüglich Elsaß-Lothringen s haben wir uns jedoch bereit erklärt, von diesem Meistbegünsti- nungsrecht nicht ohne vorherige Verständigung Gebrauch zu machen. Die außerordentliche Kündigungsfrist des Vertrages ist drei Monate. tpanfer Ergänzungen. Paris, 17. Olug. (Wolff.) Das heute unterzeichnete deutsch-französische Handelsabkommen, das 48 Paragraphen enthält und im 6. September in Kraft treten wird, ist in der Weise geschlossen, daß es am 1. April 1929 von beiden Parteien mit dreimonatiger Frist gekündigt werden kann. Das Abkommen seht sich nach einer Tlebersicht der Havas-Agentur zusammen aus: 1. den Destinnnungen des Abkommens an sich, 2. sechs Listenanlagen, 3. einem älnterzcichnungs- protokoll, 4. einer anliegenden Erklärung betreffend 'Fragen, die gelegentlich des Abschlusses dieses Abkommens geregelt wurden. 5. eine* gewissen Anzahl von CBrie en, die zwischen dem französischen Außenministerium und der deutschen Botschaft gewechselt wurden und die Anwendung bezw. Auslegung des Abkommens betreffen. Das Statut für denWarenaustausch zwischen beiden Ländern läßt sich wie folgt zu- fammenfaffen: Für fast sämtliche Ausfuhrprodukte getobt) ren beide Länder sich gegenseitig die cke-sacto-Meist- begünfligung. 3m Austausch gegen die Gewährung des gegenwärtigen französischen Mini- rnaltarifes oder eines neu von der französischen Regierung einzuführenden Minimaltarifes gesteht Deutschland Frankreich den Konventionaltarif zu, den es zugunsten anderer Mächte eingeführt hat. bezw. Äonoen- tionalzollherabseh ungen. Das Abkommen gibt dem jetzigen französischen Parlament die Möglichkeit, die geplante Zoll- tarifreform vorzunehmen, die unverzüglich für die Produkte in Kraft gesetzt werden kann, die in der Liste A und in der Liste C verzeichnet sind, sowie nach dreimonatiger Frist für die Produkte, die den Gegenstand einer neuen Tarifierung gemäß dem vorliegenden Abkommen abgeben, wenn Frankreich dieses Abkommen bei Einführung seines neuen Ta- rifes mit dreimonatiger Frist kündigt. Zu den eigenttichen Tarisklauseln kommen Bestimmungen betreffend die Vereinnahmung der Zölle, betreffend die dnlanbabgaben usw.; ferner enthält das Abkommen Klauseln betreffend die See- und Fluß» schrsfcchrt, betreffend das Regime über Waren, Guter und Schiffe Deutschlands in den französischen Kolonialbesitzungen und Protektoratsländern. Es enthält eine Klausel, wonach Streitigkeiten über die Auslegung oder Anwendung des Abkommens dem Schiedsspruch ober dem Schiedsgerichtsurteil des Schiedsgerichtshofes im f)aaa unterliegen. Nach der Havasaufstellung sind deutscherseits in dem Abkommen besonders berücksichtigt und erhalten die M e i ft b«e g ü n ft i g u n g bzw. den Minimaltarif: die großen chemischen Industrien, die Maschinenindustrie, die Elektroindustrie, die Kiein- eifenfabritanten, die Fayence- und Porzellanwamn- und die Lederindustrie; französischerseits sind nach der Aufstellung begünstigt die Landwirtschaft, die Baumwoll- und Seidenindustrie, die Kon- fektions- und Schuhwarenbranche, die Metallurg sche Industrie, die Seifen und Parfümeriewaren. Was die Weine anbetrifft, so ist deutscherseits ein E i n- fuhrkontingent französischerseits nach Deutsch- land in Höhe von 360 000 Doppelzentner zugestan- den worden. Die Ansicht der Berliner Presse. Berlin, 17. Aug. (Priv.-Tel. des WTB.) Die Blätter, die bereits heute zu dem Abschluß des deutsch - französischen Handelsvertrages Stellung nehmen, weisen alle auf die außerordentlichen Schierigkeiten hin, die die Verhandlungen bis zum letzten Augenblick beherrschten. Als besonders erfreuliches Moment heben die Blätter hervor, daß Frankreich auf die Anwendung des Artikels 18 des Versailler Vertrages endgültig verzichtet hat, der den der Arbeiterschaft der übrigen Welt aufs schärfste bekämpft werden, als ein Segen des Himmels erscheinen. Kein Wunder, daß unter solchen Verhältnissen die chinesische Industrie ihre Waren zu Preisen anbieten kann, die jede Konkurrenz der übrigen Länder in Massenkons umartikeln unmöglich machen. Es besteht daher ein Interesse für alle übrigen sozialpolitisch fortgeschrittenen Länder daran, auf eine Besserung der sozialen Verhältnisse im fernen Osten mit allem Rachdruck hin- zuwirken. Die Iungchinesische Bewegung appelliert an das Verständnis Europas und Amerikas für ihr Streben nach nationaler Unabhängigkeit und nach Glcichberechttgung; sie kämpft um d.c Beseitigung - der Ausländervorrechte in ihrem eigenen Lande und erbietet sich zu loyaler Zusammenarbeit der werdenden Großmacht China mit den übrigen Mächten. Die Synrpathien, um welche dies Streben wirbt, müssen davon abhängen, dah das werdende neue China auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung und Fürsorge die gleichen Leistungen vollbringt, wie die übrigen Länder, und nicht etwa in seinem begonnenen Industrialisierungsprozeß durch eine unerhörte Ausnutzung der menschlichen Arbeitskraft zu einer größeren Gefahr für die Kultur und Wirtschaft der übrigen Welt wird, als es jemals die Mongoleneinfälle eines Dschingis-Chan waren. S-kiggenerlafe des Reichswehrministers. Berlin, 17. Aug. (WTB.) Die Blätter teilen mit, daß unter dem Datum des 15. d. M. ein Erlaß des Reichswehr Ministers ergangen ist, wonach Angehörigen der Wehrmacht auch außerhalb des Dienstes, zum Beispiel bei der Beflaggung ihrer Privatwohnungen und bei der Auswahl von Kranzschleifen, verboten werde, die schwarzweißroten Farben zu zeigen, wenn nicht zum mindestens daneben schwarz- rot g o l d gezeigt werde. Fertzer wird die Beflaggung von Dienstgebäuden oder reichswehreigenen Gebäuden dahin geregelt, daß, wo die Möglichkeit dazu besteht, stets neben der Reichskriegsflagge fchwarzrotgold geflaggt werden muß. An Privatpersonen vermietete Reichswehrgebäude dürfen nur mit schwarz- rotgold oder anderen offiziellen Flaggen beflaggt werden. In der Begründung heißt cs u. a.: Die Wehrmacht ist durch ihren Werdegang und die jetzigen Aufgaben in erster Linie berufen, die Achtung vor der großen Vergangenheit mit dem treuen Dienst am heutigen Staate zu verbinden. Ich betrachte sie daher als wohl befähigt, bei dem Flag gen st reit des deutschen Volkes die Gegensätze zu entspannen. Streik in der Rheinschifsahrt. Mannheim, 17. Aug. (WB.) Eine heute abend tagende Versammlung des Deck» und Maschinenpersonals der R he i n s ch i f f- fahrt beschloß, nachdem die Verhandlungen am 15. d. M. in Duisburg nicht das geringste Entgegenkommen der Arbeitgeber gezeigt hätten, die Arbeit sofort einzu ft eilen. Der Streik beginnt am Donnerstagmorzen. Das geraubte deutsche Eigentum in Neu-Guinea. Melbourne, 17. Aug. (WTB.) Premierminister Druce gab bekannt, daß mon für 192 deutsche ehemalige Besitztümer in Reu-Guinea Angebote erhalten habe, von denen 21 abgelehnt worden seien. Die angenommenen Angebote beziehen sich auf 66 Pflanzungen. der Deickaufswert betrage insgesamt 1 227 000 Pfund Sterling, was mit den früh:ren Verkäufen eine Summe von 3 346 000 Pfund Sterling ergebe. Oiren' Maynix «Ö5l 100*11 Oslo "dien ’fiilbuaLh.denlZSuqust^Z 7*ai*nd?. -Viljtrsund/V — ---O. 45 —-zz75 *O> 5^ygjjÄewj!jÄ SaV°y i Reparationsgläubigern Deutschlands das Recht gibt, in ihren Ländern deutsches Eigentum zu beschlagnahmen, wenn Deutschland seine Reparationsoerpflichtungen nicht erfüllt. Die „Voss. Z t g." spricht von einem unverkennbaren Fortschritt gegenüber der Haltung der Franzosen bei Beginn der Verhandlungen, die seinerzeit prinzipiell und unter Berufung auf ihre Gesetzgebung die Anerkennung der gegenseitigen Meistbegünstigung ablehnten. Das „Tageblatt", das auf die großen Unterschiede der beiderseitigen Zollsätze hinweist, spricht die Hoffnung aus, daß in weiteren Handelsverträgen Frankreichs mit anderen Staaten, die vielfach ähnliche Exportinteressen wie Deutschland haben, ein weiterer Abbau der französischen Zollsätze erreicht werde. Der „L o k a l a n z e i g e r", der den Vertrag ein „deutsch französisches Wirtschaftsabkommen" . nennt, wegen der noch offengelassenen Punkte und der kurzen Befristung, schreibt, für die Beurteilung des Abkommens werde ausschlaggebend sein, wieweit die französischen Konzessionen gehen, über die noch in der letzten Nacht verhandelt wurde. Die „D. A. Z." schreibt: Leider seien nicht alle Abreden für Deutschland befriedigend. Bedenklich müsse es stimmen, daß Deutschland in M a - rokko kein formelles Niederlassungsrecht erreicht hab«. Auch die für I n d o ch i n a getroffene Regelung, wo Deutschland Meistbegünstigung erst nach Abschluß der französisch-japanischen Verhandlungen erhalte, könne nicht befriedigen. Pariser Blätterstimmen. Paris, 17. Aug. (WB.) Zum Abschluß der deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlun- gen schreibt der „Temps": Man. wird ein Urteil über das neue Abkommen erst fällen können, wenn der Wortlaut vorliegt. Man muß indessen daran erinnern, daß das vorhergehende Abkommen, das bis zum 30. Juni in Kraft war, dem deutsch-französischen Warenaustausch einen kräftigen Antrieb gegeben hatte. Wenn das gegenwärtige Abkommen, das sich auf eine weit bedeutendere Airzahl von Erzeugnissen erstreckt, die Wirkung hat, die so geschossene Wrrt- schaftsströmungen aufrecht zu erhal- t e n und zu entwickeln, und wenn, wie man hoffen kann, ein gerechter Ausgleich der gegenseitigen Vorteile und Zugeständnisse geschaffen ist, werden die beiden Länder sich zu dem endlich verwirklichten Abkommen nur beglückwünschen können. Der „Soir" schreibt: Einer der französischen Unterhändler habe heute vormittag den Handelsvertrag als „W i r t s ch a f t s - L o - c a c n o" bezeichnet und hinzugesügt, er sei mehr als eine einfache Verständigung über die Zölle. Es handle sich um die Erschließung neuer Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, was die beste Art sei, rür den wahren Frieden zu arbeiten. Diesen Worten schließt sich dec „Soic" an and schreibt, das Abkommen werde die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder beträchtlich bessern dadurch, daß es eine gegenseitige Anter- essenabhängigkeit schaffe. Es könne nur dazu beitragen, das Werk der Verständigung und der fortschreitenden Pazifizierung trotz der Schwierigkeiten zu konsolidieren, die auf politischem Gebiet in den letzten Jahren unüberwindlich scheinen könnten. Der Handelsvertrag sei für die Zukunft der beste Garant des Friedens. Zoll Locarno leben oder sterben? London, 18. Aug. (WTB, Funkspruch.) Unter der Ueberschrift: „Soll Locarno leben oder sterben? Ein unerfülltes Versprechen", veröffentlicht „Daily News" einen Artikel, in dem es heißt: Von den Entscheidungen, die in den nächsten zwei Wochen in Paris in der Frage .der Truppenverminderung im Rheinland e getroffen werden, würden die Beziehungen Frankreichs und Deutschlands für lange abhängen. Die Ansicht in London sei, daß die gegebenen Versprechungen nicht angefochten werden können. „Dailn Chronicle" erklärt, daß die Frage ein kritisches Stadium erreicht habe und für alle Locarnomächte von Wichtigkeit sei. Während „Daily- Chronicle" der Ansicht ist, daß eine Herabsetzung auf 60 000 Mann zwar keine Begeisterung in Deutschland ver- Ursachen werde, aber „als Mitte zwischen der augenblicklichen Zahl und Deutschlands Forderung nicht unvernünftig ist", wendet er sich hauptsächlich gegen eine Verminderung der französischen Truppen in dem geringfügigen Umfang von 9 Prozent, während die britischen und belgischen um je 35 Prozent vermindert werden sollen. Die Franzosen müßten sich fragen, ob sie haben wollen, daß die Besatzung international bleibe oder nicht. Wenn nicht, bann habe es den Anschein, daß viel weiter- reichende Folgen für England entstehen. Das Bla schreibt: „Die französischen Staatsmänner würden gut tun, zu erkennen, daß dis Reichs- regierung in dieser Frage die öffentliche Meinung hinter sich hat. Ihrer Ansicht muß volles Gewicht gegeben werden. Der Saarbahnschutz eine verkappte Brsatzungstruppe? Berlin, 18. Aug. (TU.) In der letzten Woche erschien in Neunkirchen, nach einer Meldung des „Lokalanzeigers" aus Saarbrücken, ein Dber= regierungsrot der Regierungskommiss ton in Begleitung eines französischen Offiziers', um für die unteren Chargierten der „Bahnschutztruppenabteilung" einen Mietvertrag abzuschließen, und zwar waren als Vertragspartner angegeben: einerseits das franzöfi ° s ch e Kriegsmini st eriurn (Abteilung für Feldeisenbahnen) und andererseits die Stadt Neunkirchen. Der rechtliche Vertreter der Stadt hat trotz allem Zureden die Unterschrift des Mietvertrages abgelehnt mit dem Hinweis, daß nach den Genfer Abmachungen französisches Militär im Saargebiet nichts mehr zu suchen habe, und daß er deshalb auch mit dein französischen Kriegs- m i n i ft e r i u m in Paris als einer ausländischen Behörde nichts zu schaffen habe. Saceo-DanzeM. B o st o n , 17. Aug. (WTB.) Die Richter des Ober st en Staatsgerichtshofes haben heute vormittag die von den Verteidigern Saccos und Vanzettis vorgelegten Dokumente geprüft. Es ist noch nicht bekannt, wann die Entscheidung fallen wird. Der Hauptverteidiger Hill hofft, daß mit Hilfe des Richters Holmes es gelingen wird, die Angelegenheit vor den D b e r ft e n Bundesgerichtshof zu bringen. Entwurf eines Rentnerver.orgungsgesetzes. Berlin. 17. Aug. (Wolff.) Das VDZ.° Bureau teilt mit: Die demokratische F r a k- l i o n hat im Reichstage den Entwurf eines Rentncrversorgungsgesehes eingebracht. Danach sollen versorgungsberechtigt sein alle im Anlande wohnenden deutschen Rentner, deren regelmäßiges Einkommen infolge der Geldentwertung niedriger ist als die Rente, die ihnen nach diesem Gesetz zusteht, wenn sie 1. das 60. Lebensjahr vollendet haben oder 2. vor Vollendung des 60. Lebensjahres erwerbsunfähig sind. Als monatliche Grundrente wird gefordert für Orte der Sonderklasse und für Ortsklasse A 60 Mk.. für Orte der Ortsklasse B 55 Mk., C 50 Mk., D 45 Mk. Der verheiratete Rentner erhält einen Ehegattenzuschlag von 50 Prozent, für jedes Kind des Rentners wird bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres eine Kinderzulage von 25 Prozent der Grundrenten gewährt. Der Entwurf fordert als Versorgungsanspruch neben der Rente eine Krankenfürsvrge und ferner Sterbegeld, das für die Orte der Sonderklasse und Ortsklasse A 144 Mi. beträgt, für die übrigen Ortsklassen 135 Mk. bzw, 126 Mk. bzw. 112.50 Mk. Von der ßatfanner Kirchenkonferenz. Lausanne, 17. Aug. (Wolff.) An der heutigen Sitzung der LausannerWeltkirchen- konfercnz fand der Derhandlungspunkt des genve in men Glaubensbekenntnis- ses der ,.’:en folgende Formulierung: „Unter Anerkennung der Tatsache dec Lehrunterschiede der eigenen Kirchen sind wir eins in dem gemeinsamen christlichen Glauben, welcher verkündigt ist in dec Heiligen Schrift, welcher bezeugt und bewahrt ist in dem ökumenischen Bekenntnis, das den Ramen des Ricaenums trägt, sowie in dem apostolischen Bekenntnis, mrd welcher ununterbrochen sich lebendig erweist in der geistlichen Erfahrung der Kirche Christi." Die orthodoxe Kirchengruppe hat einige Vorbehalte zu dieser Formulierung vorgebracht. Rußland nimmt Geiseln gegen England? Paris, 17. Aug. (Wolfs.) Der Stockholmer Korrespondent des „Echo de Paris" will aus zuver^ lässiger Quelle erfahren haben, daß die „G e p u" eine L i st e sämtlicher Engländerin n n e n aufgestellt habe, die Russen geheiratet hätten. Die meisten von ihnen seien jetzt festgenommen worden. Die Sowjetregierung hoffe auf diese Weise einen Druck aus die englische Re - g i c r u n g ausüben zu können, falls Repressalien gegen die in England anwesenden Kommunisten ergriffen werden sollten. Englische Zwangsmaßnahmen in Schanghai. Schanghai, 17. Aug. (WTB.) Der bri- tischeKommandeur hat die E i s e nb a h n- linievon SchanghaiüberHangtschau nach Ringpo abgeschnitten und die alten Stellungen außerhalb der Riederlassung wieder bezogen, die die britischen Truppen während der Unruhen zu Anfang dieses Aahres innehatten. Der Grund zu dem englischen Vorgehen liegt darin, daß die Chinesen sich weigerten, den Propeller eines englischen Flugzeuges herauszugeben, das gestern abend eine Rotlandung außerhalb der europäischen Riederlassung hatte vornehmen müssen. Der Außenminister der Ranking- Regierung, Wu, erklärte, daß er beabsichtigte, den Zwischenfall mit dem britischen Flugzeug dazu zu benutzen, um der Welt zu zeigen, wie die britischen Flieger in China verfahren. Der französische Generalkonsul hat sich erboten, als Vermittler zu handeln. Von chinesischer Seite wurde dies jedoch ab gelehnt. Die offiziöse chinesische Rachrichten-Agentur bemerkt, das britische Ultimatum habe die chinesischen Beamten nicht eingeschüchtert. Geeignete Maßnahmen würden unternommen werden, um die chinesischen Rechte zu wahren. Beschießung Nankings. R a n k i n g. 17. Aug. (WTB.) Reuter. Die Rordtruppen haben heute früh P u k a u besetzt und heute nachmittaag mit der Beschießung Rankings begonnen. Kein Verzicht der Zunkerswerke. Berlin, 17. Aug. (Wolfs.) Das Ergebnis der gestrigen Dessauer Beratungen über die Wiederholung des Ozeanfluges ist von einigen Blättern so ausgelegt worden, als hätten die 2 u n k e r s w e r k e auf einen neuen | Versuch überhaupt verzichtet. Wie das ! Wolfsbureau von einer den Aunkerswerken nahestehenden Seite erfährt, trifft diese Auffassung nicht zu. Das Projekt eines Ozeanfluges wird von den Aunkerswerken im Gegenteil weiter verfolgt, allerdings nicht mit irgendwelcher Rekordüberstürzung, sondern mit der ruhigen Sachlichkeit und Ueberlegung, die auch, wie in der Presse anerkannt wurde, den Vorbereitungen des ersten Versuches zugrunde lagen. An diesem Zusammenhang wird übrigens auch die Darstellung als falsch bezeichnet, wonach der Start am Sonntag übereilt und nur aus Prestigegründen erfolgt sei, obgleich die Wetterberichte ausdrücklich abgeraten hätten. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß die Hamburger Seewarte ebenso wie die anderen beratenden Meteorologen die Wetterlage am Sonntag als besonders günstig dargestellt haben. Entscheidend war dabei, daß man den Fahrzeugen, wenn sie die verabredete Rordroute über die Orkney-Anseln wählten, auf dein größeren Teil des Fluges nach Amerika günstiges Wetter und sogar Rückenwind voraussagte. Auf der Rordsee fanden die Maschinen aber so außerordentlich schlechtes Wetter, daß es ihnen unmöglich war, überhaupt bis zur Rordroute durchzudringen. Diese Tatsache bestimmte das Schicksal des Fluges. Die der .Europa" mitgegebene Post ist, wie der „Lokalanzeiger" erfährt, von dem Begleitflugzeug „G. 31" nach Dessau zurückgebracht worden. Sowohl die der „Europa wie der „Bremen" zur Beförderung übergebenen Postsendungen ruhen im Tresor des Dessauer Postamts. Lieber das weitere Schicksal dieser Sendungen trifft das Reichspostministerium die endgültige Entscheidung, und zwar erst dann, wenn die Verhandlungen über den Zeitpunkt eines neuen Startes der Aunkers-Piloten abgeschlossen sein werden. Führen diese Verhandlungen zu dem Ergebnis, daß in nächster Zeit nach Amerika geflogen werden soll, dann werden diese Sendungen, wie ursprünglich vorgesehen, auf dem Luftwege befördert werden. Am anderen Falle wird voraussichtlich die Rückgabe an die Absender erfolgen, falls diese nicht bestimmen. daß die Beförderung auf dem Seewege geschieht. Deutscher Dank an Amerika. Washington, 17. Aug. (WTB.) Die deutsche Botschaft übermittelte dem Staatsdepartement und anderen beteiligten Behörden den aufrichtigen Dank der deutschen Regierung für die weitgehende Unterstützung der deutschen Flieger und Uebermittlung der Wetterberichte der Marinestation Bar Harbor, sowie die Bereitstellung der amerikanischen Flugplätze für die Landung. Dec Botschaft wurde die Versicherung gegeben, daß sie auf die gleiche Unterstützung und Zusammenarbeit auch weiterhin rechnen könne für den Fall, daß die de>utschen Flieger sich zu einem erneuten Versuch entscheiden sollten. Könneckes Vorbereitungen. Kk.». 17. Aug. (Wolff.) Der Flieger Könne ck e unternahm heute früh mit seiner -Ger- ntania" einen weiteren Probeflug, wobei diesmal auch Sandsäcke als Ballast dienten. Auch dieser Flug ist zur vollsten Zufriedenheit Könneckes ausgefallen. Morgen früh will Ber Flieger einen weiteren Startversuch in Begleitung von Funkern unternehmen, um dann seine Auswahl über den mitzunehmenden Bordfunker zu treffen. Wenn sich die Wetter- verhältnisse günstig gestalten, dann dürste der Termin des endgültigen Starts nähergerückt sein. Wetlflug Amerika-Honolulu. San Francisco, 17. Aug. (WB.) Die Marinefunkstation meldet um 7 Uhr morgens pazifischer Zeit, daß das Flugzeug „W volar v o", das gestern in Oakland (Kalifornia) zum Fluge nach H a w a i aufgestiegen war, 1800 Meilen zurückgelegt habe. An Bord des Flugzeuges sei alles in Ordnung. Honolulu, 17. Aua. (WB.) Das Flugzeug „W o o l a r v o" überflog Honolulu um 12 Llhr 9 Minuten nachmittags, landete um 12 Llhr 23 und gewann damit den ersten von Dole ausgesetzten Flugpreis im Hono- lulu-Wettsllegen. Der Preis beträgt 25 000 Dollar. Das Flugzeug „Aloha" ist gleichfalls hier eingetrvffen. San Francisco. 18. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die beiden Flugzeuge „Golden Eagle" und „Miß Dora n", die sich an dem Honolulu-Flug beteiligt haben, sind in Honolulu nicht eingetrvffen. Sämtliche Schiffe wurden drahtlos benachrichtigt, daß den beiden Flieger anscheinend der Betriebsstoff ausgegangen ist, so daß sie auf das Meer nieder gehen mußten. Die Schisse werden ersucht, scharf Ausschau zu halten. Die Marinekommandvs in Honolulu und in San Francisev sind mit der Organisation weiterer Rachforschungen nach den vermißten Fliegern beschäftigt. Aus aller Welt. 75j3hriges 3ubiläum des Germanischen Museums. Das Germanische Museum in Rürnberg kann dieser Tage sein 75jähriges Aubiläum begehen. Die aus diesem Anlaß vorgesehenen Feierlichkeiten nahmen gestern mit einem Empfangsabend im Industrie- und Kulturverein ihren Anfang, zu dem sich eine große Anzahl prominenter Persönlichkeiten aus allen Teilen des Deutschen Reiches eingefunden hatte. Anwesend waren u. a.: Reichsminister Dr. Koch, Ministerpräsident Dr. Held, Kultusminister Dr. Goldenberger. Es gelangte ein von dem Konservator Dr. Heinrich Hoehl für das 75jährige Aubiläum des Germanischen Museums verfaßtes Festspiel zur Aufführung. Die Ziehung der Preußischen klassenlotterie. Die gestern begonnene Hauptziehung der fünften Klasse der Preußischen Klassenlotterie vollzieht sich unter so großem Andrang des Publikums, daß das Ziehungslokal gestern wegen ITeberfüUung geschlossen wurde. Die Ziehuna wird unter verschärften Kontrollmahnahmen durchgeführt. Die zwölf Kommissare, die abwechselnd den Dienst versehen, sind Beamte der Preußischen Bau- und Finanzdirektion. die von der Handhabung der Ziehung keine Ahnung hatten, und auch vorher nicht unterrichtet wurden. Dadurch wird >edoch, wie die „B. Z. a. M." feststellt, auch der Ziehungsvorgang beträchtlich verzögert. Die neuen Beamten sind so verteilt, daß am Gewinnrad und am Nummernrad je ein Beamter den Dienst versieht. Unter diesen beiden Ziehungsbeamten befindet sich je ein Kontrollbeamter, am Tisch in der Mitte ein Kommissar, der die Gewinne verliest, und hinter diesem auf erhöhtem Sitz, ein Kon- troübeamter. Wenn hundert Röllchen gezogen sind, I wechseln jedesmal die Funktionen der Beamten. Deutschland beim Gordon-Lennetl-Tvettfliegen. Die deutschen Teilnehmer an dem Gordon- Bennett-Wettfliegen. das dieses Aahr in Amerika ausgetragen wird und an welchem Deutschland jetzt zum ersten Male nach dem Kriege wieder teilnimmt, haben gestern von Hamburg aus ihre Ausreise nach Amerika angetreten. Die deutschen Ballon-Führer Kaul und Dr. H a l d e n sind an Bord der „Resolute" nach Amerika ab» gereist, während Eimermacher mit dem deutschen Dampfer „Sierra Dentana" reist. Wiederaufnahme des hälz-Prozesses? Die seit längerer Zeit schwebende Untersuchung gegen deq Bergmann Friehe, der sich der Ermordung des Gutsbesitzers Heß bezichtigt hatte, deret- roegen Hölz zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war, ist nunmehr beendet. Die Durchführung des Prozesses würde eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Hölz bedeuten. ein Braunkohlenflö; erbohrt. Bei dem Dorfe Venrath bei Erkelenz ist in mäßiger Tiefe ein ziemlich mächtiges Braunkohlenflöz erbohrt worden. Die Bohrversuche werden fortgesetzt. Ein Gestüt durch Brand zerstört. Auf dem staatlichen Landwirtschaftsgut und Gestüt Schwaigwall bei Wolfratsbausen brach gestern I nachmittag aus unbekannter Ursache ein Brand aus, der die Landroirtschafts- und Gestütsgebäude in ihrer ganzen Ausdehnung einäscherte. Die Hengste konnten noch rechtzeitig ins Freie gebracht werden. Di« Löscharbeiten dauerten bis tief in die Nacht hinein an. Die landwirtschaftlichen Maschinen und di« Heuvorräte sind dem Brande zum Opfer gefallen. Schwere Einbruchsdiebstähle in Saarbrücken. Ein schwerer Einbruchsdiebstahl wurde vorgestern abend in einer Gastwirtschaft in der Deutschherrenstraße in Saarbrücken verübt. Während der Wirt und die Wirtin in der Gaststube beschäftigt waren, schlichen sich Einbrecher in die im ersten Stock gelegene Privatwohnung und erbrachen sämtliche Schränke. Sie erbeuteten 15 000 Franken, 1000 Mark und zwei goldene Damenuhren. Ein zweiter Einbruch wurde kurz daraus in der Hohenzollernstraße verübt. A"s dem Lager einer D:votftnali .ngro'zhand ung stahlen Einbrecher wertvolle Heiligenbilder, Glasmalereien, Farben und Dildervorlagen im Gesamtwerte von 50 000 Franken. Friedhofsschändung. An der Rächt zum Mittwoch wurden auf dem an der Kösliner Chaussee gelegenen Friedhof von Belgard (Pommern) fast alle Grabdenkmäler umgeworsen und zum Teil zerbrochen. Zahlreiche Grabstätten wurden zerstört, so daß der ganze Friedhof den Eindruck eines Trümmerfeldes macht. Schwere Autounfälle. Gestern nachmittag stieß auf der Landstraße Kettwig—Werden ein mit fünf Personen besetztes Personenauto in voller Fahrt mit einem Lastkraftwagen zusammen. Der Anprall war so stark, daß der Personenwagen zertrümmert wurde. Eine Frau wurde sofort getötet und zwei weitere Ansassen des Personenwagens, zwei Polizeibeamte, schwer verletzt. Während dem einen Beamten ein Arm glatt abgerissen wurde, trug der andere schwere Kopfverletzungen davon. Außerdem wurde noch der Führer des Wagens und eine andere Frau verletzt. Die Verletzten wurden dem Krankenhaus zugeführt, wo sie sofort operiert wurden. Bei Palermo stürzte gestern ein AutobuS um, wobei fünf Personen zwischen dem Wagen und einer Felswand eingeklemmt wurden. Sie konnten nur mit größter Mühe heraus gezogen werden. Drei von ihnen waren bereits tot, zwei erlitten schwere Verletzungen. Drei italienische Kanoniere gelötet. Wie die Innsbrucker Blätter melden, wurden bei Schießübungen eines italienischen Artillerieregiments in der Gegend von Schabs bei Franzensfeste drei Kanoniere getötet, als sie ein nicht explodiertes altes österreichisches Geschoß abbefördern wollten. Die IDalbbränbe in Südfrankreich. Die feit einigen Tagen andauernden Wald- brönde in Südfrankreich und auf Korsika, di« durch den Mistral begünstigt werden, dauern an. Das Feuer hat bereits die Höhen erreicht. Auf Korsika gab «s mehrere Tot« und Verwundete. Ueberschwemmungen in Dfffibirien. In der Gegend von Wladiwostok und Cha- batowsk ist infolge starker Regengüsse Hochwasser eingetreten. Mehr als 50 Dörfer sind überschwemmt. Die Eisenbahndämme sind teilweise unterspült. 16 Brücken wurden zerstört. Die Bevölkerung muhte in verschiedenen Gegenden auf Anhöhen fliehen, wobei einige Personen ertranken. Ueberschwemmungskalastrophe in Armenien. Einige Dutzend Personen, darunter auch Kinder. sowie zahlreiche Gebäude und Vieh wurden in der Stadt Delischan in Armenien von einem Gebirgsstrom fortgerissen, der infolge eines Orkans über die Ufer getreten war. versuche mit künstlichem Rebel. Als sich gestern der französische Dampfer „Asle de France" der amerikanischen Küste näherte, wurde er von einem amerikanisches Bombenflugzeug in einen durch bestimmte Chemikalien erzeugten künstlichen Rebel gehüllt. Es handelt sich um einen Versuch der amerikanischen Marine, der die Möglichkeit erweisen soll, durch künstlichen Rcbel Schisse unsichtbar zu machen und sie dadurch vor Fliegerangriffen zu schützen. Die Wetterlage. Owolkenlos, ö neuer onaio vroek'l. «woixig. ® oedecm »Reoeil * Schnee Personen ertranken, he in Armenien. darunter auch Äto* e und Lieh wurden Urmemen von einem rt infolge eines 0r* war. hem fltbet ranMche DaM« merikanifchtn M .wem amrikamW ird) bestimmtes L Hebel gehüllt ' ich der amenlamsip ;t erweisen soll. nf*- »griff® S« W geben von diesen berichtigenden Mitteilungen unseren Lesern Kenntnis. *• Militärkonzert. Die Reichswehrkapelle veranstaltete gestern abend auf der „ßie- bigshöhe" unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r ihr erstes Smrderkoirzert, nachdem am Freitag das Schlußkonzert der Abonnements- serie stattgefunden hatte. Auch diese Sonderver- anstaltung war sehr gut besucht und nahm in allen Teilen einen ausgezeichneten Verlauf. Don den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Darbietungen der Kapelle, denen sich zahlreiche Einlagen anschlossen, verdienen besondere Erwähnung die Große Fantasie aus der Oper „Troubadour". die Lyrische Suite von Grieg, die Melodien aus „Rheingvld", die Große Phantasie auS der Oper „Undine“ und der Walzer „Grüße von der Lahn“ von W. Gober. Den Schluß bildete ein militärisches Tongemälde, das ebenfalls außerordentlichen Anklang fand. ’• Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstärken in der Zeit vom 1. bis 15. August: 2. Heinrich Krieb, Gemüsehändler 85 Jahre alt, Seltersweg 31, 5. Antonie Gail. geb. Knorr, Wi'we, 63 Jahre alt, Löberstraße 24, 6. Elisabeth Schlitt geb. Loos, 52 Jahre alt, Mittelweg 2. 7. Hermann Jochem, Heilkundiger, 33 Jahre alt. Westanlage 27, 8. Luise Marie C l o o s, 6 Jahre alt, Kirchstraße 2, 11. Heinrich Böger, Rentner, 79 Jahre alt, Lessingstraße 18, 12. Elisobethe Dechert geb. Dörr, 62 Jahre alt, Wilhelm - straße 52, 13. August Biedenkopf, 11 Jahre alt, Sonnenstraße 3, 15. Johann E m i g, Postassistent, 57 Jahre al:, Hillebrandstraße 1, 15. Karl Klebe, Fellhändler, 65 Jahre alt, Mühlstraße 2. " Bewaffnung von Teilnehmern an Aufzügen und öffentlichen Versammlungen. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Rach § 11 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. 4. 1908 darf niemand in einer öffentlichen Versammlung oder in einem Aufzug, der auf öffentlichen Straßen und Plätzen stattfinden soll, bewaffnet erscheinen. Als Waffen im Sinne des ungezogenen Gesetzes sind alle Diejenigen Gegenstände anzusehen, die nach ihrer Besttm- mung zu einer Zufügung gefährlicher Verletzungen beim Angriff ober der Verteidigung gebraucht werden. Den Waffen sind demnach auch diejenigen Werkzeuge zuzuzählen, die zwar nicht ihrer natürlichen Vestimmung, aber doch ihrer Beschaffung nach zur Beibringung gefährlicher Verletzungen verwandt werden können, wenn sie nicht zufällig, sondern in der Absicht, zu verletzen — sei es auch nur im Derteidigungs- fatle - - oder um einen physischen Zwang durch Einschüchterung auszuüben, mitgeführt werden. Stöcke, Knüppel, Gummiknüppel, Schlagringe, Stahlruten, Spiralfedern und Spaten sind demnach als Waffen im Sinne des § 11 des Vereins- gesehes anzusehen. Für den Begriff als Waffe ist es aber nicht wesentlich, ob die Stocke mit Eisenspitzen versehen sind oder nicht. Die mit derartigen Waffen betroffenen Versammlungsoder Aufzugteilnehmer machen sich nach § 11 und 19 des Reichsvereinsgesetzes strafbar. •• Der Wandervogel „Höhenflug" erfreute am Dienstagabend die Patienten des Jsolierhauses in der Chirurgischen Klinik mit musikalischen Vorträgen. Flotte Märsche wechselten ab mit gut einstudierten Konzertstücken. Die Darbietungen der jugendlichen Wandererschar fanden den reichen Beifall der angenehm überraschten Patienten. •* Dre Maul- und Klauenseuche in Hessen fast erloschen. Rach einer amtlichen Mitteilung ist die Maul- und Klauenseuche im Lande Hessen so gut tote erloschen. Sämtliche Kreise mit Ausnahme von Büdingen sowie eines Falles im Kreise Worms sind völlig seuchenfrei. ** Auf trieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: Zwei Kühe, 941 Kälber, 326 Schafe, 543 Schweine. ordnung hineingelomme.i. Die Entscheidung Reichsversicherungsamts versagte aber die billigung der Dersicherurrgsleistung und gründete den ablehnenden Bescheid mit den genten Ausführungen: Der Versicherte ist seiner Arbeitsstätte zurückaeiommen und Die ^eintoftmaraarlne mir ösm größten Sßoltumfafy! estzatb tjat 25laubanb in wenigen Jahren ihr—- rkfig.es Absatzgebiet erobert*? QBosljalb faufea Millionen Hausfrauen in nieten £änbern nur die ^eintoftmargaeine. 23laubanb-frifcfy getimt ? Weit sie aus den. ob elften ^Rolrftoffen mit f)unborttau.- fenben fiter Milch täglich /risch hergestellt wird, unb raeil fie buccti itjte übecragenbe Qualität uab ihr föftlictjes Stroma tvofy itjres bebeuicnb billigeren föreifts felbft fünfte b£>utiee vollkommen ersetzte Wer 53laubanb noch nicht tonnt, cnad]0 beshalb fctjleu- nigft einen Versuch-er mich flä] lohnen! gÄ Opi», ? bi« Otürfp.der Hrtin in > ^t. tn sich unb tuteten -fcinb uni u.-V INg. M wurden Qu| Kenen Fried'. ' tz . alle Trab. ® ^.»erbrochen. " Serstort, so dah dei^ Trümmer. Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen. Am Samstag, 20. August, vormittags 8V2 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgras-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt. Es werden folgende Punkte verhandelt: 1. Klage des Gustav Loh in Gießen gegen das Kreis amt Gießen auf Aushebung des Bescheids vom 31. Mai 1927 wegen Versagung des Wandergewerbescheins. — 2. Gesuch des Wilhelm Kretschmar II. in Atzenhain, Kreis Alsfeld, um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft. — 3. Gesuch des Otto Geiß in Reb- geshain, Kreis Schotten, um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft. Der Berliner Schnellzug D 180 hatte heute früh eine Verspätung von 2 Stunden und 5 Minuten. Die Verspätung war entstanden durch die Entgleisung eines Güterzuges auf dem Bahnhof Brandenburg, wodurch die Durchfahrt versperrt und ein Zurückfahven des Schnellzuges nach Wannsee zur Umleitung auf eine andere Strecke notwendig gemacht wurde. Die Berliner Driefbestellung erlitt infolgedefsen eine erhebliche Verspätung. *e Die Schwalben sind noch da. 3m Gegensatz zu der vor einigen Tagen gebrachten Mitteilung über frühen Wegzug der Schwalben wird im8 von verschiedenen Lesern mitgeteilt, daß die Schwalben in Gießen und Umgegend noch anwesend sind. Ganz bestimmt sei die Hausschwalbe noch hier: man sehe sie vereinzelt, oder auch in größeren Ansammlungen nach Insekten haschend über die Wiesen streichend, oder an Wegen, auf Ackern und freien Plätzen ausruhend. Heber den Wiesen am Schreiberwtg seien Schwalben noch in größeren Scharen zu sehen. Wir toWiiüosSMöergew&e Die bewährte Züsch neidelehran st alt F. H. O. Müller, Frankr- urt a. M., hält am hiesigen Platze, bei weitermäßigtem Honorar, ’inem vielseitigen Bedürfnis entsprechend, einen 4 wöchigen Fachvollkursus für Herren- und Damengarderobe ab. Es ergeht auch besonders an die Damenschneiderinnen der Ruf, sich die Gelegenheit der Ausbildung im modernen Maßmd Modellschnittzeichnen nicht entgehen zu lassen, da es das trftemal ist, daß eine namhafte Lehranstalt den Unterricht hierin für Gießen und Umgegend erteilt. 05991 Genaue Auskunft erteilen und Anmeldungen nehmen mtgegen: Schneidermeister S. Oppenheim, Bahnhof,tr. Schneidermeister Fritz Ortwern, Löberstr. 12 sowie die Werbeleitung der Schule. stimmt allerdings der § 545a der Reichsversiche- rungscrdnung: „Als Beschäftigung in einem der Versicherung unterliegenden Betriebe gilt die mit der Beschäftigung in diesem Betriebe zusammenhängende Verwahrung, Beförderung, Instandhaltung und Erneuerung des Arbeitsge.äts, auch wenn es vom Versicherten gestellt wird." Auch diese Bestimmung ist erst durch das Gesetz vom 14. Juni 1925 in die Reichsversicherungs- Aus der ProvinzialhaupistM. Gießen, den 18. August 1927. Regentag Hebet den Dächern liegt ein feiner, blauer Schleier. Die Tropfen schlafen als leise Melodie auf mein Fenstersims, abwechslungsreich vom piano zum an schwell en den forte — es liegt auf einem solchen Mittsommer-Regentag eine leise Traurigkeitsstimmung, die ein Ahnen von Vergehen und Herbst in uns aufkommen läßt. Man wird nachdenklich in der St:Ile, die von den verlassenen Straßen aufsteigt, man sieht in den blauen Dunst, der über der Stadt steht und lauscht auf das leis-geheimnisvolle Rauschen, das durch die 'Bäume geht: in den Gärten stehen mit verwaschenen und hängenden Sternen die blassen Astern, die so sehr an den Herbst gemahnen. Wie scheidende Sonunergrüße leuchten sie ftill, ihre letzten Blüten wird erster Schnee ^decken. Bei der Sonne, dem blauen Sommerhimmel, fünften wir uns vor wenigen Tagen noch so wintersern. so ganz sommerumflutet, mitten in aller Schönheit. Und ein einziger Tag brachte uns allem Grauen so nahe. Die Dunkelheit kommt 'rüh aus den Silhouetten der dunllen Häuser leuchten die hellen Fenster wie freundliche Tröster ins Weite. Durch die Stille der nun beginnenden Rächt singt den müden Menschen der Regen sein eintöniges, stilles Wiegenlied. E. v. M. Der Berussgang in der Unfallversicherung. Es dürfte bekannt fein, daß die Unfall- ve sicherung durch das Gesetz vom 14. Juli 1925 ahin erweitert worden ist, daß die Versiehe- XungSleiftungen auch für diejenigen Unfälle gezahlt werden, die auf dem Wege zu und von der Arbeitsstätte eingetreten sind. Das Gesetz lagt jedoch nicht ausdrücklich, was unter dem Tbege zu und von der Arbeitsstätte zu verstehen ist: die Reichsregierung wollte vielmehr die Entwicklung dieses Pegrisses der zuständigen Rechtsprechung überlassen. Im Einzelfall wird es manchmal sehr schwierig sein, sestzustellen, wann der Weg zu der Arbeitsstätte begonnen hat, und wann der Weg von der Arbeitsstätte beendet ist. Als feststehend kann vorerst angenommen werden, daß die Bezeichnung „Weg" nicht in dem Sinne von „Straße" gebraucht worden ist, sondern als die Betätigungsform des Sich-fori-Bewegens auf das Ziel der Arbeitsstätte bzw. von der Arbeitsstätte auf das Ziel der Wohnung hin. Wenn also dec § 545a der Reichsversicherunasordnung bestimmt: „Als Beschäftigung in einem der Versicherung unterliegenden Betrieb gilt der mit der Beschäftigung in diesem Betrieb zusammenhängende Weg nach und von der Arbeitsstätte". so bedeutet das Wort ,Weg" das Sich-Hin-Bewegen von der Wohnung zur Arbeitsstätte und von der Arbeitsstätte zur Wohnung. Dieser Weg kann schon beginnen auf einem Grundstück oder in einem umfriedeten Gelände: nur ist stets die Voraussetzung dabei, daß der häusliche Wirkungskreis verlassen ist und der Weg nach der Arbeitsstätte angetreten. In diesem Sinne lautet die endgültige Entscheidung des Reichsversicherungsamts vom 12. August 1926. Der Fall, um den es sich handelt, lag folgendermaßen: Ein Arbeiter, der mit dem Fahrrad zu seiner Arbeitsstätte zu labten pflegte, war im Begriff, sein Fahrrad nach Verlassen der Wohnung die Treppe hin- uiiterzutragen. Er glitt hierbei auf der Treppe aus und brach sich den linken Unterschenkel. Er hatte die Absicht, sich zur Arbeitsstätte zu begehen, er befand sich mithin auf dem Wege nach der Arbeitsstätte im Sinne des § 545a RVO.. auch wenn er sich noch in seinem Hause befand. Er war jedoch bereits außerhalb der Wohnung und hat somit Anspruch auf die Leistung her Versicherung gemäß dem dritten Buche der Reichsversicherungsordnung. Wie verschieden die Unfälle auf dem Wege ;u und von der Arbeitsstätte liegen und wie verschieden daher guch die endgültigen Entscheidungen des Reichsversicherungsamts ausfallen können, zeigt ein anderer Unfall. Ein Arbeiter kommt in der Dunkelheit von feiner Arbeitsstätte zurück. Er hat bereits seine Wohnung betreten und teilt in der Küche seinen Rucksack aufhängen: dabei stürzt er in die offenstehende Kelleröffnung und wird durch den Fall getötet. Run be» Rüben 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 30, Römischkohl 10 bis 15, Dohnen (grüne) 10 bis 15, Bohnen (gelbe) 15, Erbsen 25, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 100, Rhabarber 10 bis 15. Pilze 30, Kartoffeln 6, Frühäpfel 12 bis 40, Falläpfel 6 bis 8, Birnen 15 bis 50, Kirschen 35, Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 30, Zwetschen 22 bis 35. Mirabellen 30 bis 60, Reineclauden 30 bis 35, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis HO Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 130 Pf.: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 20 bis 60, Salat 5 vis 10, öalatgurfen 10 bis 50, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 10, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Palast-Lichtspiele: „Die Frauengasse von Algier". — Astoria-Lichtspiele: „Das Todeslasso". — Der Gießener Ruderklub „Has- fi a“ 1906 veranstaltet am nächsten Sonntag auf der Schüßler'schen Bleiche ein Wassersportfest. Räheres im heutigen Anzeigenteil. Marburger Stt. 7. | Mietgesuche j Schöne 2-3-5l«[- VMM auch im 9iem au, aeßicht. Schriftliche Angebote unt. 05983 an den Gteß Anz. Jung Ebevaar sacht 2 leer? ZiNMl ob Kiickc n.Jimmcr 5 dir. An geb. unter 05981 a. d.Gieß.Anz [Wohnungstausch] Zu lamhen gesucht schöne sonnige 5 Zimmer-Wobu mit Badeztnnner in gut. Lage neß. schöne 4 Zimmer Wohn. Schrtstl Angebote unter 05989 an den Gieß. Anz. erbeten. •Sä MS M N Selbständiges gesucht. 7530D NEUE KLAUSEN-RENNEN ROSENBERGER^.«. 7521 D TOUR ENWAGEN b. 8000 ccm waCen Sämtlich auf Meret des-B enz-5 erf enw ag en stellen abends nach 8 Uhr. 06983 Frau Äankdirektor Mattem, Gutenbergstr. 4. Stellenangebote gesucht. 05990 Krohe «36Q Ordentliches N-MW, SSE gesucht. 05988 gesucht. O. 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Rennen) bis 8000 ccm Sieger: Merz, Eßlingen Sieger; Caracdola (Klausenrekord) Zweiter: Frau Merck Dritter: Hürlimann Vierter: Herr Merck Frau Gustav Wolf Bad Naubeim Fürstenstrahe 26*/io- (iTir gegen bisher 1T28.B~) CARACCIOLA auf Sen en wagen schafft neuen Klausenrekord für Sportwagen (IT35,4" gegen bisher 19'38,4") CARACCIOLA auf Serien wagen schafft neuen Klausenrekord für T ouren wagen (17'43,8" gegen bisher 20'50,2") Somit fallen die Klausenrekorde aller ^fflagen-Kategorien gegen stärkste internationale Konkurrenz an MERCEDES-BENZ SPORTWAGEN bis 8000 ccm (Nat Rennen) Sieger: Caracdola (Klausenrekord) Zweiter; Hürlimann Dritter: Frau Merck Vierter: Zettritz Sprechstunden meines Vertreters im Katholischen Schwesternhaus vormittags von 10 bis 1 Uhr. toieiani Br. int [Verschiedenes] Grundstück für vasaltwerk geeignet, in Wabe des Bahnhofs, ist zu verk evtl. z. verpacht. Zu erfrag, i. d. Ge« schstsst. d. G. A. ,iMD TATRA-BERGRENNEN 14. 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Zwangsversteigerung. T Die nachstehend bezeichneten Grundstücke Grundbuch für Eberstadt, Blatt 29: Ordn.-Nr. 71, Flur IX, Nr. 117, Kulturart Grabgarten, Grasgarten, Gewann In den Stophelswiesen, 887, 440 qm, Betrag der Schätzung 600 Rm.; Ordn.-Nr. 72, Flur IX, Nr. 95, Kulrurart Acker, Wiese, Gewann In den Stophelswiesen, 3317, 431 qm, Betrag der Schätzung 2400 Rm., die zur Zeit der Eintragung des Versteige- rungsvermerks auf den Namen des Säge- Werksbesitzer Karl Rinker in Nonnen- roth im Grundbuch eingetragen waren, sollen 75240 Freitag, den 28. Oktober 1927 nachmittags 3% Uhr burd) das unterzeichnete Gericht auf dem Ratyaus zu Eberstadt versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Der Versteigerungsvermerk ist am 26. Juli 1927 in das Grundbuch einge- tragen worden. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsoermerke aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Dersteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzn- melden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgeaenstehendes Recht haben, werden aufgesordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der 23er- steigcrungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Sich, den 12. August 1927. Hessisches Amtsgericht. 05974 2771c sL'Uich-, nb Oeneunb =ni> tin6ll ,63D i^äi l,lnrl|iinqr ti*» C L e *ßh * E»-»L £ ?n ff ötm ^Wgsfl'Sn W» Emstruch tr, 7 sm „ «533B .■ AuM 1927. teigming. T P'chnelen Truudstücke -bechabt, !8latt 29: IX, 9lr. 117, ftullurart garten, Gewann 9n % 887, 440 qm, Be. ) 600 Rm. . IX, Nr. 95, Äuliurart onn 5n den Stophels- qm, Betrag der Schäl- tragung des Versteige- den Namen des Säge- Rinker In Nonnen- h eingetragen waren, 7524V 28. Oflobet 1927 ags 31) Uhr hnete Gericht auf den adl versteigert werden g erfolgt im Wege der 9- rngsvermerk ist am das Grundbuch finge- n. Öfil' ÄJ bild' SSM 8.,8£*i9S$ iVerschiedejy Erundst^ für . Wie«!. fltc'Knboi'l Eilt g' 120 »»» Ä;11^ Sati*g|(t. [= ! zur Zeit der Gintra- unasvemerks aus dem rsichtlich mren, sind sic rfteiaerungatermin ocr jur Abgabe von 6t1. c •Itf/neten Gericht cnju- her Gläubiger wiöer- machen, wlorigenfolls ng des geringsten ®t- tigt und bei der Der- erungserlöser dem 21m gers und den übrigen werden. > ein der Lerftelgerung Recht haben, w:ri-?n ier Erteilung de- > ,unq oder dnftwt'JJ1 erfahrens herbe'z«^ für dar Recht der - n die Stelle des y indes tritt, jguft 1927. ^Amtsgericht^^. UW m. 192 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) —■ II 11■ Jl .L .txm—. Donnerstag, (8. August (927 ■iii..-*nweL»ar6BBjaaee.iie-iwiiim■■■ Das militärische Jahrbuch des Völkerbundes. Trotzdem bfs deutsche Volk schon seit acht Jahren unter den drückenden Bedingungen des Versailler Diktates und ihren Folgen leidet, ist dieser Vertrag wohl nur wenigen Deutschen bekannt. Deshalb wissen in Deutschland auch nur wenig Menschen, daß dein Vertrag die Dölkerbundssatzung vorangestellt ist, so daß beide, Vertrag und Satzung, eln untrennbares Ganzes bilden, dessen Bestimmungen nicht nur die Besiegten, sondern auch im gleichen Maße die Sieger binden. Aus dieser Tatsache leitet sich für Deutschland die Berechtigung her, eine allgemeine Beschränkung der Rüstungen zu fordern. Bekanntlich beschäftigen sich die Organe des Völkerbundes schon seit Jahren mit dem Problem der Abrüstung, ohne jedoch seiner Lösung auch nur einen Schritt naher gekommen zu fein. Voraroeiten aller Art find In Angriff genommen und auch geleistet worden. Eins der „Hilfsmittel für die Arbeiten über die Verringerung und Einschränkung der Rüstungen"' soll nach der Ansicht der Vollversammlung des Völkerbundes das „M ilitärische Jahrbuch" sein, das der Völkerbund alljährlich herausgibt. Seine Zusammenstellung erfolgt aus Grund des Artikels 8 der Dölkerbundssgtzung. nach dessen Bestimmungen die Bundesmitglieder es übernehmen, „sich in der offensten und erschöpfendsten Weise gegenseitig jede Auskunft über den Stand ihrer Rüstung, über ihr Heer-, Flotten- und Luft- schiffproyramm und über die Lage ihrer auf Kriegszwecke einstellbaren Industrie zukoyimen zu lassen". Es ist klar, daß diese Bestimmung ihren Zweck erfüllen könnte, wenn der Völkerbund die Möglichkeit hätte, die von feinen Mitgliedern gemachten Angaben auf ihre Vollständigkeit und Richtigkeit nachzuprüfen, und zwar in derselben gründlichen Weife, wie es Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien über sich ergehen lassen mußten und noch weiterhin müssen. Das ist aber nicht der Fall, denn kein Staat wird ohne äußeren Zwang eine so demütigende Kontrolle auf sich nehmen. Kein Staat wird aber auch ohne einen solchen Zwang die Geheimnisse seiner Landesverteidigung der ganzen Welt preisgeoen. Der Völkerbund hat in richtiger Erkenntnis dieser Tatsachen seinen Mitgliedern von vornherein eine Hintertür offen gelassen, indem er bestimmte, daß für die Ausstellung des Jahrbuches nur offizielle und der Öffentlichkeit z » - aanglidje Quellen benutzt werden dürfen. Als diese Bestimmung getroffen wurde, gehörte Deutschland dem Völkerbund noch nicht an, konnte also auch noch nicht in aller Oefsentlichkeit darauf Hinweisen, daß unter diesen Umständen das Militärische Jahrbuch ein nur unvollkommenes, teilweise sogar falsches Bild von dem wahren Rüstungsstand geben könne. Durch die Angaben des Jahrbuches werden nur die „Friedens rüftungen" der einzelnen Staaten erfaßt, und auch diese in vollkommener Weise nur bei den durch die Friedensdiktate entwaffneten Staaten, die nichts verheimlichen können und auch nichts zu verheimlichen haben. Bei den übrigen Staaten gewinnt man nur ein einigermaßen sicheres Bild von der Organisation ihrer Friedensheere und -Flotten, sowie von der Zahl und Art der in den Händen der Friedensformationen befindliches Waffen, Geräte und Munition. In dem Jahrbuch werden dagegen die in Depots lagernden Vorräte an Waffen, Munition und Kriegsgeräten ebensowenig aufgeführt, wie die ausbildenden Mannschaftsreserven. Auch die für den Kriegsfall erwogenen und getroffenen Maßnahmen, besonders olle Vorbereitungen für die wirtschaftliche und industrielle Mobilmachung werden in dem Militärischen Jahrbuch nicht erwähnt. Es ist selbstverständlich, daß die wirkliche Kriegs- rüstung eines Staates gerade in den ausgebildeten Reserven, in den Vorräten aller Art und in der Auswirkung der Mobilmachungsmaßnahmen der Wirtschaft und der Industrie besteht. Da diese Angaben im Jahrbuch fehlen, ist es unmöglich, Vergleiche über den Rüstungsstand der einzelnen Staaten anzustellen. An dieser Unmöglichkeit ändert auch nichts die Tatsache, daß in dem Jahrbuch die Heeres- und Flottenhaushalte der einzelnen Länder veröffentlicht werden, da diese Budgets nicht nach einheitlichen Gesichtspunkten ausgestellt sind und da selbst gleichlautende Kapitel sich nicht ohne weiteres vergleichen lassen. Sv muß z. B. ein Berufsheer mit‘.langer Dienstzeit feinen Angehörigen höhere Löhnungen Der Deutsche in der Fremdenlegion. Don Charlotte 1111 m a n n. ®m Pfälzer, zurückgekehrt in seine Heimat nach einer fünfjährigen Dienstzeit in der Fremdenlegion, erzählte mir, daß die Zahl der Deutschen in der Legion ständig wächst durch die große Arbeitslosigkeit und die starke Werbetätigkeit nach dem Kriege im Reich. 3m 3ahre 1925 waren schon mindestens 70 v. H. aller Legionäre deutscher Abstammung. Der Telegraphen-Union zu- folge zählte die Fremdenlegion in Marokko im August 1925 20 000 Mann, davon 14 000 Deutsche. OJon den Verlusten entfielen damals nach dreimonatlichen Kämpfen 2500 Tote und 5000 Verwundete auf die Deutschen. Um die bewährten Eigenschaften des deut- ©olbaten für die Legion nutzbar zu machen, srnd die Werber angewiesen, sich besonders an abgehende Reichswehrsoldaten, entlassene Schuhpolizeibeamte und ehemalige Angehörige der Freikorps heranzumachen und diese durch die verlockendsten Versprechungen zu ködern. Für jeden tauglichen neugeworbenen Legionär erhält der Werber eine Vergütung von 20 Franks. Die Vertrauensleute der französischen Werber sind häufig gewissenlose Elemente, Gastwirte, Händler Agenten. Die Werber knüpfen in den Wirtschaften wie zufällig ein Gespräch mit den jungen Männern an, geben sich als wohlhabende Kaufleute und Fabrikanten aus, setzen ihnen ein gutes Essen und reichlich Getränke vor, schildern die guten Arbeitsmöglichkeiten in Frankreich, bieten ihnen schließlich eine Stelle an. die bei ihnen gerade frei ist und zahlen auch die Fahrkarte, aber erwähnen niemals die Fremdenlegion, damit die jungen Leute nicht stutzig werden. Sind diese bann jenseits der Grenze, werden sie betrunken gemacht und ihre Unterschrift unter den Verpflichtungsschein für den fünfjährigen Dienst in bet Legion erpreßt. Dis zum Hauptsammellager Weh, wo in der Regel die Einkleidung vor sich geht, werden die Verpflichteten durch befriedigende Verpflegung, Wein und Zigaretten bei guter Stimmung erhalten. zahlen, kann also für dieselbe Summe eine erheblich geringere Zahl von Soldaten halten, als ein Heer der allgemeinen Wehrpflicht. Aus alledem acht hervor, daß der Wert des Militärischen Jahrbuches des Völkerbundes nicht sehr groß ist, daß er jedenfalls den Erwartungen nicht entspricht, die an die Herausgabe geknüpft wurden. Der Wert wird aber noch dadurch herabgesetzt, daß das Jahrbuch 1926 zahlreiche falsche Angaben enthält, indem z. B. Frankreich, Polen und Jugoslawien wichtige Zahlen von Truppen, Verbänden und Waffen zu niedrig angegeben haben und die Tschechoslowakei ihre ganze Luftflotte (570 Flugzeuge) einfach — vergeßen hat. versallzonen int östlichen Grenzland. Don unserem W.-Derichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Suwalki, im August 1927. Es muß anerkannt werden, daß es heute nicht mehr so schwierig ist, wie es vor einigen 3 ahren noch war, wenn man mit einem deutschen Kraftwagen von Ostpreußen aus die litauische Grenze hinter Eydt kühnen passieren will. Die Zollformalitäten nahmen nur geringe Zeit in Anspruch — und drüben waren wir zur Er- kundiaungssahrt auf der nach K owno führenden breiten Heeresstrahe über Wilkowski, die wir erst in Mariampol wieder verließen, um auf die Chaussee abzubiegen, die ungefähr südwestlicher Richtung über Kalvaria nach den bereits jenseits der polnischen Grenze gelegenen Suvalki führt. An diesen Städten, auf diesen Straßen war es, wo wir tm Herbst 1914 und kurz nach der Jahreswende 1915 in Schmutz und Schnee einherzogen, wo unseren Marschkolonnen immer wieder neuer Halt, neue Frontwendung gegenüber einem Gegner geboten wurde, der es hier gerade mit besonderem Geschick verstand. Vorteile eines Geländes auszu- nuhen, das mit seinen ausgedehnten Waldflächen, Seengen und den von tief eingeschnittenen Fluhtälern durchzogenen Höhenketten eine unendliche Fülle von Verteidigungsstellen bot. Es bedeutete ein Kapitel besonderer russischer Regierungsweisheit. die gesamte Grenzzone zwischen den beiden von Ostpreußen hinübersühren- den Bahnlinien Eydtkuhnen—Wilna und Prosten—Dialhstok im Zustand weitreichender 11 n- berührthett und wirtschaftlicher Unkultur zu belassen. Der deutsche Rachbar. dem man feit Abschluß der Entente in Petersburg mit gesteigert feindlichem Mißtrauen gegenüber stand, sollte davon abgeschreckt werden, sich im Ernstfall in diesas Grenzgebiet, das Vorgelände des heil gen Rußlands, hineinzuwagen. Andererseits erblickte man in der natürlichen Beschaffenheit einer nur spärlich besiedelten Gegend den geeignetsten Raum um größere Truppenmengen unbeobachtet versammeln und zum Ueberfall bereitstellen zu können — wie es die russische Heeresleitung ja auch bei Eröffnung der Feindseligkeiten im August 1914 versucht hat. Die kleinen litauischen Landstädte, Dörfer und Flecken, die wir auf unserer Fahrt durchkreuzten, scheinen sich gegenüber der Kriegszevt kaum irgendwie verändert zu haben. Und überall Schlummer der Ewigkeit ruhen. Wie lange noch toirö der Wald, der mit Unterholz und Gräsern bereits in die Gräberreihen eindringt, sich diesen Raum noch streitig machen lassen? Aber selbst wenn in der Fülle des sich immer wieder erneuernden Wachstums der Ratur diese Erinnerungsstätten für immer verschwunden sein sollten. bleibt alles Land hier ringsum für uns Gottesacker und heiliger Boden, wird jeder Stamm hundertjähriger Tannen und Eichen ein Erinnerungsmai sein, geweiht dem Gedenken des größten Opfers, das Tausende für ihr Volk mit der Hingabe ihres Lebens brachten. Ist es nicht, als ob aus dem leisen Rauschen des Windes, der die son..en goldenen Wip el bcwegt, einFü eri tx>n Stimmen zu uns bringt, als co ein Aaunen kündet, daß im ewigen Kreislauf der Ereignisse hier das letzte noch nicht geschehen: ringenden Deutschtums stürmender Todesmut noch einmal hier sich zu behaupten haben- wird? Vorüber — im hellen Glanz des Tages behält nur die Gegenwart ihr Recht. Beim Halt vor einer Teeschenke in Kaivaria fällt uns vor der niedrigen Tür eine größere Ansammlung jüngerer und älterer Landleute in die Augen. Der enge Raum der Schenke ist ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Mehrzahl der im Sonntagsstaat Erschienenen trägt als Abzeichen eine mit dem litauischen „Rytas" — dem St. Georg des litauischen Wappens — verzierte Vor- stecknadel. Wir glaubten, daß es sich um eine militärische Kontrollversammlung oder Rekruten- aushebung handelte, wurden aber durch die — verwelkte Spuren von Reizen einer Sulamith aufweisenden — Schenkerin dahin belehrt, daß diese Leute alles Auswanderungslustige feien. Der zungenfertige Agent war am Echenk- tisch gerade dabei, dje ihn umdrängende Schar über das „Paradies Brasilien" aufzuklären. Jeder, der diesem Lockruf folgt, darf das Rhtas-Abzeichen an seine Brust heften. Wenn man diese krästigen, wohlgebauten Männer betrachtet. überfällt einem lebhaftes Bedauern, daß hier ein augenscheinlich reichlich skrupelloser Menschenhandel zugelassen wird, welcher die heimat- müden Söhne und Töchter eines alten Dauern- volkes einem ungewissen Schicksal unter sengender Tropensonne zusührt, das wohl in der Regel mit völliger Versklavung tn den brasilianischm Plantagen endet und gewiß nur wenigen den mühsamen Ausstieg zum Eigenbesitz auf Urwald- boden erschließt. 3m Vorjahr sind über 16 000 Menschen aus diesem kleinen Lande nach Brasilien herubergcholt, oder besser gesagt verschleppt worden. Aber aus dem trostlosen wirtschaftlichen Zu- Jtanb, in dem sich das litauische Staats geb Ide befindet, läßt sich Wohl die hoffnungslose Resignation begreifen, aus der der Drang zur Auswanderung in einer sonst so bodenständigen Bevölkerung heranreift und in immer weiterem Umfange sich verbreitet. Unb überhaupt der zunehmende Verfall Dieses Landes. Roch weisen die Chausseen, „befestigten" Landstraßen und Drücken von der Zett ihrer Erbauer unter der Russenhcrrschaft ein verhältnismäßig leidliches Aussehen auf. Liber auf Reubauten stößt man fast nirgends oder nur sehr vereinzelt. Wozu sollen auch neue Verbindungen geschaffen werden, wenn schon auf den vorhandenen Straßen kaum ein Verkehr hem sch? 2km stärksten tritt die Trostlosigkeit der Gesamtlage in jenem litauischen Randgebiet hervor, das bei der Weiterfahrt von Kaivaria unser Wagen auf der nach Suvalk'i führenden Chaussee durchquert. Hier haben wir nach einer durch bie zunehmenbe Verschlechterung der Straße immer beschwerlicher werdenden Fahrt die polnische Grenze erreicht. Mit jener brutalen Will- für, an die man ja durch die Versailler Grenzziehung nur allzusehr gewöhnt ist. scheidet der rotweiße Schlagbaum die Welt hüben und drüben voneinander, trotzdem weder in der Bevölkerung noch dem sonstigen Charakter der Landschaft irgendein trennender Unterschied hervortritt. Unbebaute Aecker in der an sich durchaus fruchtbaren Gegend lassen ernennen, daß der Bauer, der hier für seine Erzeugnisse keinen Absatz mehr findet, die Scholle unbestellt läßt. Auf litauischer Seite nur einige wenige Zollbeamte und Grcnz- genbarme. bagegen auf polnischem Boden an- scheinen!) stärkere militärische Bereitschaft. Man hort bas laute fröhliche Stimmengewirr einer öum Essen angetretenen Mannschaft. Wer aber glauben wollte, baß ber Friebe. ber liebliche Knabe, höchst persönlich an biefer Grenzwacht feine Residenz aufgeschlagen hat, dürfte stark enttäuscht sein, wenn er nachts aus den Wälder,; das Knattern der Schüsse hört, die zur Genüge verraten, daß man auf beiben Seiten keinen allzu großen Wert auf ein stilles Rebeneinan^erleben legt. Wenn Ende August bie litauische Ge- samtstreitmacht zum erstenmal an diesen Grenzen ihre großen Herbstmanöver abhalten wirb, so dürfte bie Nervosität zum mindesten hierdurch nicht gerade verringert werben. Derfall-enbes Lanb, ein immer leerer wer- denber Raum in unmittelbarer Rachbarschaft Ostpreußens — bas war der Haupteindruck, den wir von biefer Fahrt empfingen, ©crabe aber eine derartige Entwicklung muß im hohen Maße dazu bei tragen, daß biefe Randgebiete mehr und mehr zu politischen Gefahrzonen werden. Geschichten aus aller Welt. tauchen dieselben hellblonden Köpfe des Landvolkes auf, macht sich ber gleiche Geschäftseifer feilschender Bewohner bemerkbar. Rur bah uns in der Gesamtheit biefe Baulichkeiten, Hütten und Scheunen noch zu einem guten Teil schmutziger und verwahrloster ansprechen als damals, wo man ja an sich nicht allzu hohe Anforderungen an Ordnung und Reinlichkeit der fremden Umgebung gewohnt war. Ebenso spärlich wie 1914 mutet uns der bäuerliche Viehstand an. Roch immer herrschen die in Farbe und Gestalt an ihre Vettern in freier Wildbahn erinnernden schwarzborstigen Schweine vor. Auch die Gänseherden tauchen auf, befinden wir uns doch in einer Gegend, in der früher die Lebend- Ausfuhr des Martinvogels nach Preußen eine besondere Rolle spielte. Heute allerdings soll auch diese Zucht als überwiegend unrentabel im starken Riedergang sich befinden. Die Spuren der schweren Kämpfe, die sich auf diesem Boden abspielten, sind, wie bei dem Charakter einer Umgebung, in der so wenig auf» zubauen und zu erneuern war, nicht anders zu erwarten ist, fast völlig verwischt. Rur als an einem üefembebedten Hügelhang ein von jeder menschlichen Niederlassung räumlich weit getrennter Friedhof auftaucht, erkennen wir an Kreuz und Gräbern, daß hier deutsche Helden im (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Wenn Milliardäre sterben. Wenn Milliardäre sterben, so pflegt dies für gewöhnlich genau so vor sich zu gehen, wie bei anderen Menschen, ohne daß bie Außenwelt allzuviel davon erfährt unb ohne baß besondere Ereignisse sich mit diesem natürlichen Dorgang verknüpfen. 3n dieser Beziehung geht es aber, wenn es sich um amerikanische Milliardäre handelt, doch offenbar etwas anders zu. Die großen 3nteres'en, die auf dem Spiel stehen, machen den Tod der reichen Leute zu einem große:;. Ereignis, und die weittragenden wirt- schastlKhen Folgen eines solchen Todes genügen unter Umständen, um über bie Familie hinaus allgemeines 3nieres> zu erwecken. Welche Möglichkeiten ein solcher Fall bietet, unb wie ins- besondere bie moderne Technik derartige Dinge SU beeinflussen pflegt, zeigt der Fall von Mister Armour. dem größten Feischkonservenfabri- kanten Amerikas, ber kürzlich in England erkrankte. Mister Armour, der zu den prominentesten 3udustrie-Magnaten der Welt gehört, erkrankte nämlich Im Carlton-Hotel in England, während seine Familie rund 10 000 Kilometer entfernt auf einem Gut in der Näh« von Santa Barbara in Kalifornien ihren Sommerausenthalt verbrachte. Als die Aerzte festgestellt hatten, daß Mister Armour an TyphuS erkrankt war unb baß Lebensgefahr für ihn bestand, verlangte er mit seiner Tochter zu sprechen. Da bie gewöhnlichen Kabel-Telegramme jedoch nicht ausreichten. um bie gewünschte Verbindung mit ihm herzustellen, wurde bas bekamtte Drahtlose Tete- Phon in Anspruch genommen, bas Neuhork mit London üerbinbet. Auf biefe Weise war es ihm möglich, mit seiner Tochter zu sprechen. Es wurde bei dieser Gelegenheit von Fräulein und Herrn Armour, was die Zeit anbelangt, ein Rekord im drahtlosen Telephonverkehr' ausgestellt, da die beiden fast anderthalb Stunden miteinander über eine Entfernung von 10 000 Kilometer sprachen. Dieses Gespräch kostete die Kleinigkeit von 10 000 Mark. Um das Besondere des Falles noch zu unterstreichen, sei erwähnt, bah etwa elf Tage nach biejcm Tele- phongespräch bie Tochter per Auto, Flugzeug Schon bei der Ueberführung nach Marseille ins Fort St. 3ean seht die rücksichtslose, grauenvolle Legionsbehandlung ein. Wenn St. 3ean überfüllt ist, werden die neuen Legionäre im Fort be 3ouvre untergebracht, wo einige „Aufmunte- rungsbeutsche", langgediente Legionäre, bie Aufgabe haben, ihre betrogenen Landsleute durch Schilderungen des besseren Lebens in Afrika bei gutem Mut zu erhalten und ihnen alle Flucht- Pläne auszureden. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Marseille bringt der Dampfer den frischen Legionsersah nach Oran in Algier, von wo aus die Rekruten den verschiedenen Frcmden- regimentern zugeführt werden. Frankreich verdankt seinen afrikanischen und asiatischen Kolonialbesitz zum größten Teil der im 3ahre 1830 gegründeten Fremdenlegion. Die militärischen Unternehmungen der Franzosen bei der Eroberung Algiers erziel en feinen durchschlagenden Erfolg. Da wurde eine Expedition aus revolutionären Elementen, aus desertierten Soldaten und Verbrechern (denen Straffreiheit für ihre Vergehen zugesichert worden war, falls sie 3 bis 5 3ahre Dienst nehmen zum Kampf gegen die Araber-, Kabylen- und Berberstämme) ausgerüstet., Damit begann das Weick blutiger Arbeit in jenen heißen Ländern. 3n früheren Fahren genügte bie Zahl ber von selbst der Fremdenlegion zu strömenden Abenteurer, diese wurden angelockt von der Aussicht auf ein Handgeld von 500 Frcs., oder auch getrieben von dem xugendlichen Drang nach Erlebnissen. Als die kolonialen Eingeborenen- trrrppen in Massen desertierten wegen der schlechten Behandlung und Verpflegung und der schwer ren Strafen, begann die Werbung für die Legion. Franzosen werden nur in wenigen Ausnahmefällen, die der Zustimmung des Kriegsministeriums bedürfen, in die Fre:ndenleg vn eingestellt. England und die Vereinigten Staaten von Amerika haben es durchgeseht, daß Angehörige ihrer Staaten nicht in bie Fremden- legion aufgenommen werden dürfen. Die Auf- rechterhaltung des Kolonialreiches und die gewaltsame Unterdrückung der Eingeborenen kosten viele Truppen und einen fortwährenden Ersah der immer schnell verbrauchten Mannschaften, die Anwerbung Deutscher wird daher in allen Gebieten unseres Vaterlandes mit Hochdruck betrieben. Frankreich zählt absichtlich nur diejenigen als deutsche Legionäre, die der Legion aus dem Reich zu geführt werden, und unterschlägt alle die Deutschen, die es in den Randstaaten, im Saar- gebiet, in Oesterreich, in der Schweiz usw. einfängt. Sind bie Opfer ber Werber erst einmal in ber Werbestelle, so werben sie bauemb überwacht unb einem scharfen Verhör unterzogen unb ihnen bas Handgeld von 750 Frank in Aussicht gestellt, falls sie sich für den Dienst in ber Frem- benlegion verpflichten. Wer bie Unterschrift verweigert, wirb durch Entziehung der Nahrung uni) Einzelhaft dazu gezwungen. Nutzt auch das nichts, dann wird wirkungsvollere Gewalt angewendet, bis er gefügig ist. 3ft ber Legionär in einer Kompagnie eingestellt, so beginnt bie Ausbilbung zum Kolonial- folbaten, b. h. höchste Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Der Morgenbienst fängt an mit bem berüchtigten Legionssrühstück: breif.ig Minuten Dauerlauf ohne Pause. Atemnot, Seitenstiche, Herzklopfen gibt es nicht. Vorwärts! Wer nicht mehr kann, wandert, wenn alle Püffe des Korporals nichts mehr nützen, zunächst wegen Dienstverweigerung in den „salle de police“. 3ft der gewöhnliche Vormittagsdienst mit Schießübungen, Felbbienst und Exerzieren abgetan, so werden gerade um bie Mittagszeit unter den Strahlen der erbarmungslosen Sonne bie Marschübungen begonnen. Für biefe Uebungsmärfche ist eine Mindestleistung von 40 Kilometer vor- geschrieben, bie, von Den regelmäßigen Pausen von fünf Minuten je Stunde abgesehen, in einem Zuge zurückzulegen sind. Das Pensum wird von Zeit zu Zeit auf 50, manchmal auf 60 Kilometer gesteigert.. Die Truppe trägt dabei vollständige Feldausrüstung mit vorgeschriebener Patronen- Sahl, eiserner Portion. Trinkwasser usw. Diese Märsche sind selbst für ältere Legionäre eine furchtbare Quälerei, bedeuten eine Auspressung aller Körperkräsle bis zum äußersten. Zurückbleiben, Schlappmachen gibt es nicht, ist ein unverzeihliches Verbrechen, das schwerste, bas ein Legionär überhaupt begehen kann, beim zum Marschieren ist er ba. 3st ein Mann gar nicht mehr weiter zu bekommen, so wirb er, soweit Platz ist, mit den Schultern hinten an eins der Fahrzeuge gebunden unb, wenn er bie Füße nicht mehr regen kann, mitgeschleift. Sinb biefe Plätze beseht, s o nimmt man bem Maroben Waffen unb Munition unb läßt ihn liegen — marschiere oder verrecke! heißt es mitleidlos in ber Frembenlegion. Frankreich hat die Regimenter der Fremdenlegion immer dort verwendet, wo ernste und verlustreiche Kämpfe erwartet wurden und wo schwere Arbeit zu leisten war: Algier. Syrien, Marokko. Madagasgar u. a. sind mit ihnen erobert worden. Die nach Süden in die Wüste bineingetragene „Kultur" in Tunis und Algier ist in erster Linie das Werk ber Frembenlegion. Die Vorhut des Marsches gegen den Feind, die Nachhut auf dem Rückmärsche, bie Seitendeckung in weglosen Gebirgsgebieten bilden bie Legionäre — so schont man das Blut der Franzosen. Die Fremdenlegion hat aber Frankreich seine Kolonien nicht nur erobert, sondern sie auch erschlossen und wertvoll gemacht. Wohl keiner der jugendlichen Abenteuerlustigen, die jährlich den listigen Werbern ins Garn gehen, ahnt, daß er nicht einem vielleicht schweren aber in seinen Vorstellungen immerhin romantischen Soldatenleben entgegengeht, sondern tn erster Linie ein armseliger, ausgebeuteter Arbeitssklave wird. Die tadellos breiten Chausseen, auf denen heute in Tunis oder Algier oder Marokko bie Autos leicht dahinrollen, die erstklassigen Bahnlinien. die den Schnellzug bis tief in die Wüste führen, sind das Werk der Söldner. Sobald die Legion in blutigen Kämpfen wieder ein Kolonialgebiet erobert hat, nehmen die Soldaten Schaufel und Hacke. Mauerkelle unb Pflug in Die Hanb. Der Geometer im Legtonärrock vermißt das Land, ber 3ngenieur, der Architekt fehlt nicht in diesem Sammelbecken von Söldnern, alle, alle werden in ihrem Beruf angestellt und Zur Arbeit getrieben von ber Fuchtel gefühlloser Vorgesetzter unter ewig wolkenlosem Himmel, Sehn, zwölf Stunden lang, bebroht durch ein Strafsystem von unmenschlicher Härte. Es ist auch Sitte, bie Legionäre als Sklaven an Privat - unternehmen zu vermieten und zwar werden fie baxu kommandiert, ohne daß man sie um ihve Einwilligung fragt. Sie erhalten bann eine und Luftschiff die Strecke zurücklegte, um zu ihrem Vater zu gelangen, und mit der Lieber- Windung dieser Entfernung in elf Tagen gleichfalls einen Rekord ckufstellte. Gestern ist nun Mister Armvur in den Armen seiner Tochter gestvtben. Der Safe auf der Slratzc. In Lond-n machte kürzlich eine Gesellschaft dafür Reklame, dah man seinen Safe auf der Straße so anbringen sollte, daß er möglichst allen Personen sichtbar wäre. Die Gesellschaft führte zur Rechtfertigung für diese Idee an, dah der Geldschrank, den ständig alle sähen, geschützter wäre als derjenige, den Diebe in der Wohnung in aller Ruhe knacken und ausplündern könnten. So brachte denn die Gesellschaft einen Geldschrank in der Mauer eines Gebäudes an einer der belebtesten Geschäftsstraßen Londons und einige Angestellte der Gesellschaft legten vor einer großen Zahl von Zeugen eine Summe von etwa 300 Pfund in den Schrank, verschlossen ihn und glaubten nun damit eine geeignete Propaganda für ihr System gemacht zu haben. Als sie aber am nächsten Tage nach ihrem Schrank sahen, war die Enttäuschung sehr groß. Trotzdem der Safe an der Straße stand, war er nämlich doch geöffnet worden und der Inhalt verschwunden. Wie die Polizei feststellte, waren Diebe mit Rachschlüsseln gekommen, die vorsichtshalber ohne Hut und Mantel an den Schrank gingen, ihn öffneten, und das Geld friedlich Herausnahmen, ohne daß der dabei befindliche Rachtwächter dies im mindesten an- stößig gefunden hätte, weil er glaubte, die Besitzer des Schrankes vor sich zu sehen I Verirrte Walfische. Ein aufsehenerregendes Abenteuer hat sich in einem kleinen südjapanischen Fischerdorf ereignet. Es führte zu märchenhaftem Glück und einem ebenso großen Llnglück nachher. Eine Herde von Walfischen, die bekanntlich sonst nur in nördlichen Gestaden vorzukommen pflegen, hatte sich in das kleine Fischerdorf Kanagava, nicht weit von Tokio, verirrt. Die Fischer dieses Dorfes, die zunächst glaubten, daß es sich um Meeresungeheuer handelte, waren, als die Herde auftauchte, zunächst so überrascht, daß sie nicht wußten, was sie mit den Llngetümen anfangen sollten. 2lls ein älterer Fischer sich jedoch entsann, daß man diese Tiere jagen könne, setzte sofort eine Heye auf die Walfische ein, an der sich das gesamte Dorf beteiligte, das nun mit mittelalterischen Waffen, mit Bambus-Speeren, Handwerkerbeilen und Samurai-Schwertern auf die Walfische losging. Rach 24 Stunden war der Kampf glücklich auch so beendet, dah alles, was an Walfischen bis an die Küste von Japan gekommen war, zerstückelt an den Llfern des kleinen Fischerdorfes lag. Die Fischer, die überglücklich über diesen ungeheuren Fang waren, hatten jedoch nicht damit gerechnet, dah ein japanischer Journalist die Angelegenheit nach Tokio berichtet hatte, von wo sich alsbald nach Eintreffen der Rachricht ein Menschenstrom nach dem Dörfchen zu erziehen begann. In kurzer Zeit war der ganze Ort von Menschen überfüllt, die die Hütten sprengten, die Felder zertraten und die Geräte zerstörten. So hatten die Fischer, die zuerst an ein großes Glück geglaubt hatten, von dem großen Walfischfang gar keinen Vorteil, sondern nur einen großen Schaden. Die wortbrüchige Polizei. Morgens um sieben Llhr steht eine erregte Menschenmenge an der Kreuzung der Rue Saint- Martin und der Rue Saint-Merri. Hoch oben auf dem Dache eines Hauses der Rue Saint- Martin sitzt ein junger Mensch, gan* oben auf der schwankenden Windfahne des höchsten Schorn- stcins, in schwindelerregender Höhe und Einsamkeit. An die Brust gepreßt hält er eine leere Schnapsslasche und sinnt mit stoischer Ruhe in .den grauen Morgenhimmel. Auf die erregten Zurufe der Menschen reagiert er mit keiner Wimper, sein Körper hockt da wie erstarrt. »Ein Rarri" schreit die Menschenmenge, wie immer, wenn sie einen Mitmenschen nicht begreift. Man holt die Polizei, man alarmiert die Feuerwehr. Die Polizei erklettert das Dach, kann an den Fremden aber nicht heran, ohne ihn der Gefahr auszusehen, von der gewaltigen Hohe aufs Pflaster herabzustürzen. Aus demselben Grunde verweigert die Feuerwehr die Anwendung von Spritze oder Sprungtuch, da man nicht weih, nach welcher Richtung der Fremde „im Falle gewisse, weit unter den ortsüblichen Löhnen liegende Entschädigung, müssen aber einen Teil davon an die Kasse der Kompagnie abliefern. In den neuerschlossenen Teilen Marokkos arbeiten die Strafabteilungen der Legionäre zur Zeit die strategischen Bahnlinien und Heerstraßen Wer sich krank meldet, gilt als Drückeberger und wird fast stets ohne .Untersuchung — die sanitäre Versorgung der Fremdenlegion ist geradezu erbärmlich — „non malade" geschrieben. Das aber bedeutet nach Legionärbrauch mindestens acht Tage Mittelarrest. Mein Bekannter aus der Pfalz schilderte mir die unglaublichen Zustände in den Lazaretten der Fremdenlegion und versicherte, er habe lieber mit 41 Grad Fieber Dienst getan, als in jene Pesthöhlen zu gehen. Absolute Herrscher in der Fremdenlegion im inneren Dienst sind Feldwebel und Korporal. Sie können einem mißliebigen Legionär nicht nur das Leben im Dienst zur Hölle machen, sondern ihn auch mit leichter Mühe in das unerbittlich arbeitende Räderwerk der Strafmaschine hineintreiben. Und wer die unerhörte Härte dieses Systems an sich erprobt hat. ist in den allermeisten Fällen nachher ein seelisch und körperlich gebrochener Mann. So schilderte mir ein deutscher Legionär nach eigener Erfahrung seine Dienstzeit bei der Fremdenlegion als fünf endlose, qualerfüllte Jahre, weil er leichtsinnig genug war, den teuflischen Kontrakt des Werbers zu unterschreiben. Slevogt-Ausstellung in Frankfurt. Reben Berlin, Kassel und anderen Städten ehrt in diesem Jahre auch Frankfurt den nunmehr sechzigjährigen berühmten Maler und Zeichner Max S lev o g t. Der Frankfurter Kunstverein stellt eine stattliche Anzahl seiner Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen und seiner bekannten Duchgraphik aus und gibt damit einen guten Ueberblick über sein Schaffen vom Jahre 1888 an bis zum Jahre 1927. Man sieht in dieser Folge von Bildern, die natürlich nur einen Teil von dem großen Werk des Künstlers umfassen, welches seine we- eines Falles" über das Dach hinunteickollert. Da kommt dem kommandierenden Polizeikorn- missar ein erleuchteter Einfall. Er nähert sich dem Schornstein und verspricht mit laut vernehmlicher Stimme dem Objekt so vieler fruchtlosen Anstrengungen und Beschwvnmgen eine ganze Flasche Aperitif und eine Schachtel Zigaretten, wenn er herabsteigt. Selbst im Märchen kann ein Zauberwort nicht schneller wirken. In der nächsten Sekunde schon läßt sich der Fremde, — der 28jährige Arbeiter Emil Fournier — herunter und von den besorgten Polizisten abführen. Unb nun ist der Skandal groß in der Pariser Boulevardpresse: die Polizei hat ihr Wort nicht gehalten! Der arme Fournier hat weder eine Flasche Aperitif noch seine Zigaretten erhalten. Die Polizei verliert Treu und Glauben der Ratioir. T-W"M ITWIH I Illi Hf H r -i'T.»-'-WIIII»ll»WI ■lU.W.BUWtf«« Die Auswertung der Schuidschemdarlehen der Gemeinden und Gemeindeverbände. Von Bürgermeister Dr. Völsing. Diese für die Gemeinde sehr wichtige Angelegenheit hat inzwischen durch die Rechtsprechung des Reichsgerichts eine für die Gemeinde völlig unerwartete Wendung genommen, die einen Rechtszustand schafft, der als höchst unbefriedigend bezeichnet werden mutz. Das Reichsgericht hat nämlich am 11. Juni 1927, in der Sache der K. K. Eheleute in Gießen gegen' die hessische Landeshypothckenbank ein Urteil erlassen, dem folgender Tatbestand zugrunde liegt: Die Eheleute K. hatten ihre restliche Hypothek und Darlehensschuld mit einem Aufgeld von 3000 v. H. nebst Zinsen und Derwaltungskosten im Gesamtbeträge von 745 800 Papiermari am 13. Juli 1923 an die Dank zurückbezahlt, worauf diese am 7. August 1923 eine Verzichtserklärung ausstellte, daß sie auf alle weiteren Ansprüche aus der Geldentwertung für das oben bezeichnete Darlehen verzichte. Die Landeshypothckmbank focht später diese Derzich'erklärung an und verlangte im Prozeßwegz eine Entscheidung dahingehend, daß der nachträglich geltend gemach'e Aufwcr- tungsanspruch bcgründet sei. Das Reichsgericht entschied als Revisionsinstanz dahin, dah die Erklärung der Bank vom 7. August 1923 nicht als ein Verzicht auf die Aufwertung zu betrachten sei, sondern als ein Vergleich im Sinne des § 67 des Aufwertungsgesehes. und dah daher die von der Landeshypothekenbank abgegebene Erklärung einer nachträglichen Aufwertung, die zugunsten einer Teilungsmasse erfolge, nicht entgegen sl ehe. Der erwähnte § 67 des Aufwertungsgesetz., s bestimmt nämlich, daß Vergleiche, die in der Zeit vom 15. Juni 1922 bis 14. Februar 1924 geschlossen worden sind, einer Aufwertung der in den §§ 4—61 und § 63 Abs. 1 des Aufwertungsgesetzes bezeichneten Art nicht entgegenstehen. d. h. sie können also wieder aufgerollt werden: nur wenn ein Kaufmann als Gläubiger einen Vergleich im Betriebe seines Handelsgewerbes abgeschlossen hat, bleibt es hierbei, es sei denn, dah die Auswertung zugunsten einer Teilungsmasse, eines Aufwertungsstockes, erfolgt, was bei der Hypothekenbank der Fall ist. Die neue Bestimmung über Vergleiche in § 17 der Auswertungsnovelle vom 9. Juli 1927 interessiert für den hier vorliegenden Fall nicht, Diese Entscheidung des Reichsgerichts ist für viele Gemeinden unseres Hessenlandes insbesondere um deswillen von weittragender Bedeutung, weil bekanntlich die Hessische Landeshypotheken- bank im Jnflationsjahr 1923 Verzichtserklärungen desselben Inhalts bei Rückzahlung von Darlehen durch Gemeinden in Papiermark ausgestellt hat. Das Urteil mag nach seiner juristischen Begründung richtig sein, d'em natürlichen Rechtsempfinden entspricht es jedenfalls nicht, wenn jemand, der durch eine schriftliche ©rflärung aus alle weiteren Rechte aus der Geldentwertung verzichtet hat, nachträglich doch solche Ansprüche mit Erfolg geltend machen kann. Den Gemeinden droht aber hinsichtlich der Aufwertung ihrer Schuldscheindarlehen auch noch aus einem anderen rechtlichen Gesichtspunkt die Gefahr einer nachträglichen Aufwertung bzw. einer erhöhten Aufwertung. Bekanntlich sind gemäß § 30 Abs. 3 des AnleiheablösungsFtzsehes die Darlehen der Gemeinden, über welche Schuldscheine ausgestellt sind, den eigentlichen Markanleihen bezüglich der Auswertung gleichgestellt worden. Run hat man sich Wohl in den meisten Fällen bei Darlehnsgewährungen damit begnügt, von feiten der Gemeinde mit dem betreffenden Bankinstitut einen Darlehnsvertrag abzuschließen, ohne sich darüber hinaus noch einen förmlichen Schuldschein ausstellen zu lassen. Wer hätte damals, in den Jahren vor dem Kriege, sentlichen Züge sind, was ihm am meisten liegt und gelingt, und man spürt, wodurch dieser meisterhafte Künstler berühmt geworden ist. Riemand, der den „weißen d'A n d r a d e" einmal gesehen hat, wird ihn vergessen. Wie hier die Gestalt des Don Juan in weißer Seide mit sicheren Pinselstrichen auf die Leinwand geworfen ist, wie das Glänzende der Seide, das Funkelnde des Goldes unb das Sieghafte der ganzen Gestalt zum Ausdruck gebracht ist, das ist höchste Kunst. Reben dem „d'Andrade", der im Jahre 1902 entstand, fesseln in der Ausstellung am meisten einige Bildnisse. Hier zeigt sich das ganze Können des Malers. Mit welchem Scharfblick sind diese Köpfe erfaßt, und mit welcher Ehrlichkeit und Wärme zugleich ist das Wesenhafte dieser Persönlichkeiten in Farbe und Form umgefetzt! Als Beispiele seien nur das Bildnis des Kommerzienrates Freudenberg von 1904 und das Bildnis Liebermanns von 1901 genannt. Mit welcher Virtuosität, im guten Sinne, der Künstler den Pinsel führt, zeigen am besten die Bülder „Balpar6“ von 1904 und „Der Piqueur" von 1908. Wie geniale Improvisationen wirken diese Gemälde. Improvisieren und Phantasieren ist eine starke Seite Slevogts. Das zeigt sich vor allem in seinen Zeichnungen und der Druckgraphik. Cs sei hier nur auf die wundervollen Handzeichnungen zur „Zauberflöte" hingewiesen, dann auf die Mappenwerke, von denen der Benvenuto Cellini, die Rennskizzen, Sindbad der Seesahrer und die Inseln Dak-Bak besonders bekannt und beliebt geworden sind und immer wieder durch phantastische Einfälle und brillantes Können überraschen. Einige späte Gemälde, Gartenstücke, seien noch erwähnt, „Mein Garten" und „Blumengarten in Reu-Cladow", weil sie zu den Bildern gehören. die wir heute vielleicht am meisten von Slevogts Werken schützen und lieben. Diese Gartenstücke sind in leuchtenden Farben gemalt und strömen eine strahlende Heiterkeit aus. Man meint die Heimat des Künstlers, Süddeutschland, und WÄhl gar seine engere Heimat, in der er auch jetzt noch seinen Wohnsitz hat, das färbenahnen können, daß diese F.-nalität später für die daran beteiligten Darlehnsnehmer von schwerwiegenden finanziellen Folgen sein würde! Das Reichsgericht hat nämlich neuerdings entschieden, daß nur dann ein Schuldscheindarlehen im Sinne des Anleiheablösnngsge°etzes vorliege, wenn über das Darlehen eine Schuldurkunde ausgeste l l t wurde, weIche die an einen Schuldschein zu stellenden Anforderungen e rfüllt. In Ausführung dieses Grundsatzes vertritt das Reichsgericht die Auffassung, daß ein schriftlicher Vertrag als solcher noch nicht als Schuldchein angesehen werden könne: dieser beweise zwar den Abschluß des Darlehnsvorvert.a'es, dagegen noch nicht die Darlehnsschuldverpflichtung, die erst mit der Dar- lehnshingabe zur Entstehung gelangt ist (s. Aufwertungskartothek zu § 30 Anlciheablösnngsgesetz Karte Rr. 2: Urteil vom 2. Mai 1927 IV 790/26). Die finanzielle und praktische Auswirkung dieses Urteils wird fein, daß uiele Darlehen von Gemeinden nicht der Regelung des Anleiheablö- sungsgesehes hinsichtlich der Aufwertung unterliegen, sondern dah sie nach den Vorschriften des Auswertungsgesetzes zu behandeln, d. h. mit 25 Proz. anstatt mit in der Regel 12l/2 Proz. aufzuwerten sind. Dieses prak.ische Ergebnis der Rechtsprechung des Reichsgerichts, das namentlich für die Landgemeinden eine stark? Mehrbelastung bedeutet, da in den meisten Fällen, wie schon erwähnt, das strenge Erfordernis für den Begriff „Schuldscheindarlshen" nicht gegeben ist, weil man früher auf diese formelle Art der Erledigung kein Gewicht gelegt hat, steht in krassem Widerspruch zu dem Willen des Gesetzgebers. Aus 6en Motiven zum Anleiheablösungs- geseh geht einwandfrei hervor, daß man gerade um deswillen die Schuldscheindarlehen nicht ^ach den allgemeinen Aufwertungsvorschriften behandeln wollte, weil dies gerade die kleinen, leistungsschwachen Lander, Gemeinden und Gemeindeverbände benachteiligen würde, denen der Anleihemarkt verschlossen war, und die daher auf diese Kreditform angewiesen waren. (Dgl. Wameyer-Koppe, die neuen Aufwertungsgesetze, Anmerkung 4 zu §30 des Anl.°Abl.° Ges.) Es ist wirklich kein befriedigender Rechtszustand, wenn demgegenüber die Städte, die Markanleihen statt Schuldscheine ausgegeben haben, vielleicht nur mit 121/« Proz. aufzuwerten brauchen, während alle anderen Gemeinden und vielleicht gerade die leistungsschwächeren aus einem rein formellen Versehen, dessen Wirkung niemand vorausahnen konnte, jetzt doppelt so hoch, d. h. mit 25 Proz., aufwerten müssen. Der deutsche Landgemeindetag hat daher bereits die erforderlichen Schritte unternommen, bei der zuständigen Reichsbehörde zwecks Beseitigung der Folgen des genannten Reichsgerichtsurteils. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß nach der Rechtsprechung jetzt wenigstens kein Zweifel mehr darüber besteht, daß alle Darlehen der Gemeinden usw., sofern ein vrdmmgsmähiger Schuldschein vorliegt, unter das Anleiheablö- sungsgeseh fallen und nicht nur solche, welche als Ersatz ösfentlicher Anleihen anzusehen sind (Urteil des Reichsgerichts vom 23. März 1927, V. 369/26). Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen. £ür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesugtek Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenauflräge sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. frohe, hcitcre Psälzettand, durch solche Farbenphantasien hindurchzuspüren. R. F. Frankfurter Theater. Ein Sommer der Berliner Komiker! Rach Max Adalbert, der sich zum erstenmal in Frankfurt präsentierte, Guido Thielscher, rundlich, quick und urkomisch wie einst vor fünf» und zwanzig Jahren in den Metropolrevuen. Er hat sich so wenig verändert wie der Inhalt des deutschen Spießerschwanks, von dessen Gattung ihm die fruchtbaren Autoren Arnold und Dach letzten Winter das mit allerhand Tricks gespickte Exemplar „Hurra — ein Junge!" beschert haben. Thielscher nimmt dgs gereifte enfant terrible, das etwas komplizierte „Harrs- malörchen" beim familienfrommen Herrn Professor, mit so diel Drvlerie und komischen Der- wandlungsninsten, daß das Publikum im R e n e n Operettentheater sich anspruchslos über die Hundstagstemferatur hinweglacht. Das Lustspielhaus-Ensemble. das Thielscher mitbringt, ist gut eingespielt, ohne durch Einzelleistungen besonders aufzufallen. Otto Wallburg, der neue „Prominente", gastiert im Reuen Theater in einem französischen Schwank, „Die Perle", von Tristan B e r n a r d. An originellen Einfällen ist dies Konglomerat von Schwankverwirrungen nicht viel reicher als die heimische Fabrikmarke, nur ist's spitziger, weniger plumper und st.ent wenigstens hie und da ein paar hübsche Apercus in den Dialog. Wallburg hat den Typ des Aufgeregien zu einer Vollkommenheit entwickelt, der seine Art unwiderstehlich macht. Aloys Großmann dirigierte das flotte Spiel und schuf selbst als Stubengelehrter eine vorzügliche Charakterstudie. Sehr unmutig Else Tiedemann und der fesche Liebhaber Günthers. L. W. Hochschulnachrichten. Der Präsident des Telegraphentechnischen Reichsamts, Honorarprofessor Dr. phil., Dr.-Jng. h. c. Karl Willy Wagner ist zum ordentlichen Professor an der Berliner Technischen Hochschule ernannt worden. Prof. Wagner ist ordent- Taguttg der Kyffhäusersiudenten. Dieser Tage hatte der Kyffhäuserver- band der Vereine Deutscher Studenten mehrere Hundert alte und junge D. D. St.er zu ernster Arbeit und nationaler Feierstunde in seinem alten Tagungsorte Kelbra zusammengerufen. Besonders erhebend und Befriedigend war auch in diesem Jahre wieder die Einheit- lichkeit und starke Geschlossenheit des Verbandes. Die Führung der Vorortsgeschafte lag in den Händen des V. D. St. Graz, mit dessen erstmaliger Wahl der Verband erneut seine groß- deutsche Einstellung zum Ausdruck gebracht hat. Durch die Beratungen zog sich als leitender Gedanke der starke Wille, die Verbandsarbeit nach wie vor im Sinne der alten Hochziele weiter zu führen: Förderung des Verständnisses für nationale Fragen und Aufgaben unter ihren Mitgliedern, sowie Klärung und Kräftigung des Rational- bewuhtseins in der gesamten deutschen Studentenschaft. Der Wille zu akttver Mitarbeit fand Ausdruck in den beiden einmütig angenommenen Entschließungen, die erste ruft die gesamte deutsche Akademikerschaft zum weiteren Kamps gegen die Kriegsschuldlüge auf, die zweite nimmt zum Kampf um die D e r f a s s u n g der Deutschen Studentenschaft Stellung und bringt eindeutig zum Abdruck, dah der Kyffhäuserverband den großdeutschen Aufbau der Deutschen Studentenschaft bis aufs äußerste zu verteidigen gewillt ist. Eine weihevolle Heldengedenkfeier wurde an der dem Verbände gehörenden Bis- marcksäule auf der Rothenburg abgehalten. Re- gierungsrat a. D. Maßmann- Berlin brachte bei dem Gedanken an die 800 gefallenen Dundes- brüder die Schicksalsverbundenheit des gesamten deutschen Volkes inner- und außerhalb der Reichsgrenzen packend zum Ausdruck. Der neue Derbandsvorsihcnüe Pros. Dr. Menz-Leipzig hielt einen akademischen Vortrag über „Deutsche Aufgaben". Die Verbandstagung wurde, nach altem Brauch, durch gemeinsamen Kirchgang unb durch Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal der Stadt Kelbra geschlossen. Der Aufruf des Kyffhäuserverbandes zum Kampf gegen die Kriegsschuldlüge hat folgenden Wortlaut: „Das deutsche Volk ist nicht schuld am Weltkrieg. Diese Erkenntnis hat sich auf Grund der amtlichen und nichtamtlichen Forschungsarbeiten durchgesetzt, insbesondere mit Hilfe des Arbeitsausschusses deut- scl-er Verbände und namhafter Persönlichkeiten des In- und Auslandes. Die gesamte Völker- und Staatenwelt ist im Begriff, sich von der Unwahrheit des Artikels 231 des Versailler Friedensdiktates zu überzeugen. Der Kyffhäuserverband der Vereine Deutscher Studenten hält daher die Zeit für gekommen, die gesamte deutsche Akademikerschaft zur nachdrücklichen Förderung dieser Bemühungen aufzurufen: weitere Forschungen, eindringliches Verarbeiten und Verbreiten des vorhandenen wettvollen Schrifttums und vor allem persönliche Werbung in Deutschland und im Auslande sind erforderlich. Nur so wird es möglich sein, der Wahrheit die Bahn zu oereiten, für Deutschland Achtung und Dettrauen bei allen Völkern wieder her^ustellen und der Welt die wahren Ursachen des Kriegsausbruches und die vor der Ge- schlchte am Kriege Schuldigen zu zeigen." Tagung des deutschen Gerichtsvollzieherbundes. Auf dem 16. Bundestag in Kölü, zu dem die Verbände der einzelnen Landesorganisationen als Vertreter des gesamten deutschen Gerichts- vollziehcrstandes erschienen waren, begrüßte der Bundesvorsitzende, ObergerichtsvollzieherG a m m- Derlin, insbesondere die von den Gerichtsbehörden entsandten Vertreter. Auf die große (Srregung Wer die Verschleppung der Desvldungsrefvrm wies der Vorsitzende des Bahettschen Verbandes, Vollstreckungssekretär R a n e t s b e r g e r, in seinem Vortrag hin, dabei betonend, daß die Gerichtsvollzieher schon bei der Eingruppierung gelegentlich der durch die Verhältnisse längst überhol ten alten Desoldungsregelung nicht die ihren! Dienstleistungen entsprechende Würdigung gefunden haben. Durchweg gleichmäßige Einstufung sämtlicher Gerichtsvollzieher sei daher dasVer- liches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Dr.-Jng. h. c. der Technischen Hochschule au Darmstadt, Ehrenbürger der Technischen Hochschule zu Karlsruhe und Mitglied des Kuratottums der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt. — Der bisherige Privatdozent an der Technischen Hochschule in Darmstadt Dr. Adolf Bach, der zum Sommersemester 1927 als Privatdozent für Deutschunterricht und Volkskunde an die Pädagogische Akademie in BonN berufen worden war, hat sich für das Fach der deutschen Philologie an die ilnioerfität Bonn umhabilitiert. Der aus Bad Ems gebürtige Germanist, ein Schüler Otto Behaghels, war früher im höheren Schuldienst tätig. Der bunte Sport» Früher war der einzige Spott, bei dem eine farbenfreudige Kleidung seit langem üblich war. der Rennspvtt, bei dem die Jockeys in ihren bunten Jacken und Mützen lustig auf dem „grünen Rasen" aufleuchteten. Heutzutage aber hat sich die Farbenfreudigkeit, die unsere ganze Mode beherrscht, auch des Sports bemächtigt- Früher hieß Tennis das „weihe Spiel", weil Damen und Herren in der fleckenlosen Farbe der Unschuld erfdienen. Jetzt aber kann man bei den großen Tennisturnieren kolottsttsche Eindrücke erleben, die das Wort vom „weißen Spott" Lügen strafen. Die Damen erscheinen in scharlachroten, orangegelben, blauen und grünen Bandeaus, die sie inehr oder weniger kokett um den Kops geschlungen haben, und in Jumpet oder Schlipsen wagt sich ebenfalls die farbige Rote hervor. Die Herren bleiben natürlich nicht zurück. Beim Schwimmspott war früher da- marineblaue Kostüm gang und gäbe. Heutzutage sieht man die buntesten Badttostüme nicht nut bei den eleganten Damen, die lieber am Strande promenieren, sondern auch bei den Sportschwimmerinnen, die wie bunte Vögel in die kühlen Fluten tauchen: ebenso strahlt das Badekvstüm des Herrn in allen Regenbogenfarben. Sogar in dem geheiligten und am Alten so streng festhaltenden Reich des Golfs ist die „Jazz-Tracht eingezogen, und man sieht auf den großen Goll- Platzen Englands buntesten Sportdreß. langen, daß bk Gerichtsvollzieher bei der kommenden Bechloungsreform in die Anfangsgruppe der (Beamten des gehobenen mittleren Dienstes eingestuft werden, eine der berechtigten Forderungen des Bundes. Die Erörterung der Amtsbezeichnung s- frage lieh das starke Befremden der Versammlung über die von den maßgebenden Justizbehörden offenbarte mangelnde Berücksichtigung der von den Gerichtsvollziehern seit vielen Jahren erhobenen Forderung nach Aenderrmg der jetzigen Bezeichnung erkennen, nachdem durch eine No- Delle zum Gerichtsverfassungsgeseh die gleichen Gesuche anderer Justizbeamtengruppen erfüllt vwrden sind. Besonderen Wert legte die Versammlung ferner auf die Notwendigkeit, dem Gerichtsvollzieher für die Erledigung der Aufträge einen gewissen Spielraum zu lassen. Das hierfür schon heute bei sehr vielen Auftraggebern vorhandene Verständnis für seine dadurch ihm selbst geschaffene bessere Lage überholt dann auch den Gerichtsvollzieher, der mit rücksichtsvoller Durchführung der Vollstreckung vorgcht, die den Sä/uldner stets vernichtet, dem Gläubiger aber in den seltensten Fällen wirklich und restlos zu seinem Recht verhilft. Aus dieser dem Gerichtsvollzieher längst offenbar gewordenen Erfahrungssache solle auch der Gläubiger zu seinem eigenen Nutzen lernen und das Vertrauen zu dem Gerichtsvollzieher haben, daß dieser bei seiner schwierigen Lage, den Ausgleich zwischen den Interessen der widerstreitenden Parteien im Verwirklichungsprozeß zu vermitteln, sehr wohl die Erkenntnis für die notwendige Wahrung der Ansprüche des Gläubigers besitzt. Oberhessen. Landkreis ®ie&en. • Leihgestern, 17. Aug. Am vergangenen Sonntag feierte der Gesangverein „Eintracht" im Dereinslokal fein 66 jähri - ge s Stiftungsfest. Der Vorsitzende gab ainen kurzen Bericht über die im vergangenen Jahre geleistete segensreiche Arbeit und betonte dabei, daß der im Juni besuchte Gesangswett- ftreit außer dem Erfolg des 2. Preises in der 1. Stadtklasse auch noch einen bedeutenden Zuwachs an Sängern und Mitgliedern zu verzeichnen hatte. Die sehr gut besuchte Versammlung legte Zeugnis davon ab, daß ein großes Interesse der Mitglieder an dem Verein bestcht, und dieses ein Beweis dafür ist, daß der Verein unter der Leitung eines noch jungen, aber erstklassigen Dirigenten steht. Am Abend brachte der Deroin einem aus Amerika hier weilenden früheren Gänger, Jean Krick, ein Abschieds- ständchen. Aach einer kernigen Ansprache eines Sängers an Herrn Krick wurde letzterer durch Ueberroichung eines Ghrendiploms zum Ehren- mritglleb des Vereins ernannt. Letzterer ist auch in Amerika bereits Ehrenmitglied des Hessen- Darmstädter Dolksfestvereins. Der Jubilar dankte sichtlich gerührt unö nahm Gelegenheit, noch einige vergnügte Stunden mit dem Verein zu verleben. !—1 Daubringen, 17. Aug. Am kommenden Svmrtag findet in Daubringen das Bergfest desLahn-Dünsberg-Gaues statt. Die zahlreich eingelaufenen Turnermeldungen versprechen eine recht rege Beteiligung. Der Platz, auf dem die Wettkampfe ausgetrogen werden, liegt auf den von Gutsbesitzer Pfeifer zur Verfügung gestellten Weiden am Abhang des linken Lumdaufers zwischen Daubringen und der Holze-Mühle und gewährt einen schönen Blick auf das ganze untere Lumdatal. Er ist in 10 Minuten von Station Daubringen aus zu erreichen, während der Festplatz unmittelbar vor dem Dorfe bei der Mühle Carle liegt. * Geilshausen, 17. Aug. Am Sonntag fand das diesjährige Preisabschießen des K l e i n k a li b e r s ch ü tz e n v e r e i n s Geilshausen statt. Mittags um 2 Uhr zogen die Jungschützen unter den Klängen der Musikkapelle Merlau zum Schießstand. Trotzdem das Wetter viel zu wünschen übrig ließ, entwickelte sich ein sehr eifriger Kampf um die schönen Preise. Den 1. Preis mit 35 Ringen erhielt Karl Börger, 1. Vorsitzender des Vereins; den 2. mit 34 Ringen Jungschühe Heinrich Hofmann; den 3. mit 32 Ringen Emil Rau; den 4. mit 32 Ringen Jungschühe Wilhelm Stroh, den 5. mit 31 Ringen Friedrich Schomber I. Die Preisverteilung fand abends im Saalbau 2. Hofmann statt. Zugunsten der Jungschützen verzichtete der 1. Vorsitzende auf seinen 1. Preis, ein prächtiges Jagdgemälde, und stiftete es dem jungen Verein als Wanderpreis zurück. In frohgestimmter Geselligkeit blieb man dann noch einige Stunden beisammen. * Lauter, 17. Aug. An den beiden ersten Sonntagen dieses Monats hielt der hiesige 'Kleinkaliberschühenverein sein diesjähriges Preisschiehen ab. Erster Sieger wurde Karl Schmidt jun. mit 35 Ringen, ferner wurden preisgekrönt: Ernst Sann, Karl Schmidt III., Otto Volp, Reinhard SroHer, ^Qeo Schlosser, Heinrich Weber, Wilhelm Z t mm e r mit je 34 Ringen; Th. Männchen und Otto Reidt mit je 33 Ringen; Karl Me- b u s, August S ch 1 ö r b, Ernst Zimmer und Ernst Schlosser mit je 32 Ringen; Alben Groller mit 31 Ringen. Die Ehrenscheibe errang Karl Schmidt Hl. * Trais-Horloff. 17. Aug. Die Er- weiterungs- und A m st e 11 a rb c i t e n Öer ® Lr ouf der ehemaligen Grube „Friedrich schreiten rüstig vorwärts. Aach den Umbauarbeiten des Anschlußgleises ist nun das Maschinenbaus un Rohbau vollendet, baä mit einem flachen Dach einen guten Anblick darbietet. Gegenwärtig werden die Fundamentierungs- Libeiten des Schwelereibaues vorgenommen. Die .Sunbamentmauem werden in einem Meter Stärke ganz aus Beton errichtet, um den mächtigen Bau von 38 Meter Höhe, der zumeist aus Eisenbeton und Eisenkonstruktion erstellt wird, zu tragen Die ausführende Firma Holzmann von Frankfurt hat in letzter Zeit eine größere Zahl Maurer Zimmerleute, Beton- und Hilfsarbeiter eingestellt' so daß etwa 100 Arbeiter von ihr beschäftigt werden. Daneben finden bei den Maurermeistern Rudloff von hier und Dietz von Utphe noch eine größere Zahl Arbeiter bei der Anlage einer neuen Verladerampe Verdienst, für die nach Vollendung der erforderlichen Erdbewegungsarbeiten nun die Mauer- und Betonarbeiten her- gestellt werden. Auf dem Felde nach Inheiden zu werden gegenwärtig zwei gewaltige Bagger- türme ganz in Eisenkonstruktion aufgebaut, die, 35 Meter hoch, als Führung des neuen großen Baggers dienen. Die Teile des Baggers sind i bereits eingetroffen, wie auch die Maschinen des Maschinenhoujes bereits größtenteils hier lagern. Die Bau- und Montag.arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß die CBaggcravLeitcn bis zum Vorwinter beginnen können. — Die Kleinpflasterungsarbeiten auf der Provinzial- Durchgangsstraße Kreuz—Utphe gehen ihrer Vollendung entgegen. Materiallieferung und Aus- fütjrung hat die Firma Johannes A i ck e l von Ober-Widdersheim übernommen. Im kommenden 3a$r soll die Strecke Utphe-Berstadt mit Klein- Pflaster versehen werden. Kreis Friedberg 2$. Bad-Aauheim, 17. Aug. In der gestern unter Vorsitz von Bürgermeister Dr. Ahl stattgehabten Stadtverordnetensihung bewilligte man einen Zusahkredit von 20 000 Mk. für den Bau des bereits vor einigen Wachen genehmigten Jsolierhauses, das a.s Bestandteil des neuen Krankenhauses am Hochwalds erstehen wird. Die 20 000 Mark sind nötig, weil man im Obergeschoß des Jsolierhauses 8 Beiten für tuberkulöse Kranke mit einbauen will. Das im Gesamtkrankenhauspryjekt vorgesehene selbständige Tuberkulosen Haus, das erheblich größere Kosten verursacht hätte, wird dadurch gespart. — Gegenstand längerer Aussprache war die Frage des Mietpreises in den städtischen Wohnungen, die nach dem 1. Oktober 1918 errichtet worden sind. Ain 14. April hatte die Stadtverordnetenversamw. ng mit ganz knapper Mehrheit eine Erhöhung der Mietpreise auf 110 Proz. mit Wirkung vom 1. Juli beschlossen. Verschiedene Mieter hatten die Stadtverwaltung ersucht, die Mieterhöhung wieder rückgängig zu machen. T längerer Debatte wurde ein Antrag der 2iniv... d.e Mieten in den städtischen 'Neubauten von 110 auf 100 Prozent ab 1. Juni Herabzuseyen, mit Mehrheit angenommen. — Der Radsahrer-Be : .igung 1892/S6 wurden nachträglich 215,50 M>. bewilligt, die zur Anschaffung von Ehrenpreisen gelegene lich des Gausommersestcs des Lahngaues im Bunde Deutscher. Radfahrer Verwendung gefunden Huben. Zwecks Defchafsung eines Ehrenpreises wurden 50 Mark auch dem Sportschießverein e. D. Bad-Aauheim bewilligt für sein Herbst-Wurftaubenschießen, das am 20. und 21. August auf dem Goldstein stattfindet. — Der Waldwirt- schaftsplan für 1928 wurde genehmigt, ferner ein Zusatz zu dem Mietvertrag mit der Reichsversorgungskuranstalt gutgcheißen — In der nichtöffentlichen Sitzung stand das Wohnungsbauprogramm 1927 zur Aussprache. U. a. ist beabsichtigt, 20 000 Mark für Instandsetzung unbrauchbar gewordener Altwohnungen aufzuwenden. Krcis Büdingen. * Aidda, 17. Aug. Hier ereigneten sich in den letzten Tagen drei Unfälle von hiesigen Motorradfahrern. Während ein Steuersekretär durch Fall voin Rade mit leichten Verletzungen davon kam, erlitt Zahnarzt L i st in a n n aus gleicher Ursache einen Knöchelbruch; Kaufmann Dingel hier fiel heute bei Unter- Schmitten von seinem Motorrad, als er einem Dauernfuhrwerk aus weichen wollte. Er trug mehrere Rippenbrüche, Verletzungen an der einen Hand und am Kopfe davon. Angeblich hat der Fuhrmann das Signal des Radfahrers wegen Schwerhörigkeit nicht gehört und ist zu spät ausgewichen. KreiS Schotten. + Schotten, 17. Aug. Vom Gemeinderat: In städtischen Häusern sitzen einige schlecht zahlende« Mieter, denen gekündigt wurde. Um diese anderweitig unterzubringen, beschloß der Gemeinderat den Ankauf von Eisenbahnwaggons, die durch die Lieferantin, eine Darmstädter Firma, wohnbar hergerichtet worden sind. Andere Gemeinden haben mit diesen Notwohnungen gute Erfahrungen gemacht. Der Gemeinderat beschloß ferner die Einführung einer allgemeinen Wertzuwachs st euer nach der vom Ministerium ausgearbeiteten Mustersahung. Für das neue Krankenhaus, mit dessen Dau bereits begonnen ist, wird die Ausnahme eines Kapitals von 20 000 AM. bewilligt. Eine feldpolizeiliche Anordnung, nach der die Felder nach Dunkelheit nicht mehr betreten werden dürfen, wurde, wie auch in den Vorjahren, beschlossen. Um das Ueberhandnehmen derKohl- Weißlinge einzudämmen, werden Fang- Preise ausgesetzt. □ Laubach, 17. Aug. Die Getreide - ernte erleidet durch die regivrifd)? Witterung eine unliebsame Verzögerung Im übrigen kann sie nach jeder Richtung befriedigen. Die O b ft» ernte hat auch, außer Zwetfchen, gute Aussichten. Auch die Gartenfrüchte stehen gut. —Hartmannshain, 17. Aug. Das hessische Ministerium hat den Bahnbau Bir- stein — Hart in an nshain genehmigt. Mit den Arbeiten soll noch in diesem Jahre begonnen werden. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 17. Aug. Heute vormittag fand eine Besichtigung des Hochwassernotstands- und Sprengkurses für Beamte der hessischen Polizei durch den Polizeiobersten Carraciola in Mainflingen statt. Obwohl der Kursus erst am 1. August d. I. begonnen hat, zeigte die Mannschaft unter Führung von Hauptmann Jennewein bereits weit vorgeschrittene Leistungen in der Herstellung von behelfsmäßigen Rettungssahrzeugen, dem Fahren mit ihnen auf dem Main, im Schnellbrückenbau und in der sorgfältigen Durchführung von Sprengungen. Die Besichtigung, an der Minister Dr. Kirnberger teilnahm, dauerte etwa vier Stunden und schloß mit Ansprachen des Polizei- Obersten und des Ministers, die ihre Befriedigung über das Gesehene Ausdruck gaben. Lpd. Darmstadt, 17. Aug. Als Nachfolger des verstorbenen Geh. Oberkonsistorialrates Dr. D. W. D e r n b e ck tritt Dechnungsrat Eduard Schneider als Mitglied in den Provinziallandtag ein. Für den Provinzial-Ausschuß ist Landgerichtsrat Heinrich Raab Nachfolger. * Darmstadt. 17. Aug. Die diesjährige Tagung der südwe st deutschen Diplomhandelslehrer findet am 2-1. und 25. September in Darmstadt statt. In Hebstahl (Kreis Erbach) wurde der 17jährige Landwirt A Scheuermann auf dem Schieß st and durch einen Schuß ins Herz getötet Mehrere junge Leute übten auf dem Schießstand ohne, Aufsicht, darunter war auch Scheuermann, der über die Schußbahn ging. — In der Nähe von I Affolterbach wurde der dreijährige Sohn 2ldam des Däckerineisters Peter Sattler von Olsen von einem Auto überfahren undgetötet. — Eine ©eite Reise hat ein Kinder- b a 11 o n zurückgelegt, der hier in einem Garten auf gefunden wurde. Nach einer Karte, die am Ballon befestigt war, ist er am 15. August in Laon an der Aisne aufgelassen worden. Preußen. KrciS LiZeljlar. <> Hörnsheim, 17. Aug. Der hiesige Turnverein veranstaltete am Sonntag ein Werbeturnen, mit dem die Reichsjugendwettkämpfe der Turnvereine der Bürgermeisterei Rechtenbach verbunden waren. Die Wetttämpse, die vormittags unter Leitung des Obmannes Johs. Reih- Hochelheim ftattfanben, hatten folgendes Ergebnis: Lu- genddreikampf: 1. E. Hahn, Hörnsheim, 53 Punkte; 2. Wilh. Ludwig, Hörnsheim, 47 P.; 3. W. Grimbo, Hörnsheim. 45 P.; 4. W. Weber. Hörnsheim. 39 P.; 5. W. Hensel, Hörnsheim, 36 P.; 6. E. Spengler, Lützellinden, 34 P.; 7. O. Weber, Hörnsheim, 30 P. Kugelstoßen: 1. Friedrich Jung, Hochelheim, 10,28 Meter; 2. Hermann Weber, Hochelheim, 10,27 Meter; 3. Heinr. Bork, Hörnsheim, 9,65 Meier. Stein- st o ß e n: 1. Frieorich Jung, Hochelheim, 5,65 Meter; 2. Karl Jung, Hochelheim, 5,53 Meter; 3. Heinr. Bork, Hörnsheim, 5,56 Meter. Freihochsprung: 1. Herrn. Weber, Hochelheim, 1,55 Meter; 2. Karl Hahn, Hörnsheim, 1,50 Meter; 3. Heinr. Rinker, Hörnsheim, 1,40 Meter. Stabhochsprung: 1. Karl Jung, Hochelheim, 2,60 Meter; 2. Heinr. Faber, Hochelheim und Friedr. Birkenstock, Hochelheim, je 2,50 Meter; 3. Heinr. Gürnbel, Lützellinden, Albert Faber, Hörnsheim und Albert Damm, Hörnsheim, je 2,40 Meter. Weithoch: 1. Hermann Weber, Hochelheim, 14 P.; 2. Karl Hahn, Hörnsheim, Albert Damm, Hörnsheim und Heinrich Gürnbel. Lützellinden, je 13 P.; 3. Alb. Rinker, Hörnsheim, Friedr. Jung, Hochelheim, Wilh. Bops, Lützellinden und Heinr. Jung, Lützellinden, je 11 P. 100-Meter-Lauf: 1. Hermann Weber, Hochelheim, 11,8 Sek,; 2. Friedr. Birkenstock, Hochelheim, Alb. Faber, Hörnsheim und Karl Jung, Hochelheim je 12 Sek.; 3. Friedr. Jung, Hochelheim und Heinr. Franz, Lützellinden, je 12,2 Sek. Weitsprung: 1. Herrn. Weber, Hochelheim, 5,72 Meter; 2. Wilh. Bopf, Lützellinden, 5,19 Meter; 3. Heinr. Franz, Lützellinden, 5,01 Meter. 1500-Meter-Lauf: 1. Friedr. Faber, Hochelheim. 6.47 Mim; 2. Fritz Rütz, Hörnsheim, mit 50 Meter Abstand und 3. Heinr. Schneider, Hörnsheim, mit 80 Meter Abstand. Nachmittags fanb das Schauturnen und eine Begrüßung der Turner durch den Vorsitzenden des hiesigen Turnvereins, Heinrich Bork, statt. Großen Beifall fand eine von dem Turnverein Großen-Linden gestellte Werberiege, die Vorführungen- am Barren, Reck und Pferd zeigte. Für den Verband für Leibesübungen im Kreise Wetzlar sprach dessen Vorsitzender G. Fischer, Wetzlar. n. Hörnsheim, 17. Aug. In seltener geistiger und körperlicher Frische vollendet am 20. August der älteste Mann hiesiger Gemeinde, der frühere Gemeindevorsteher Joh. Borck, sein 8 0. Lebensjahr. Er hat den Feldzug 1866 und 1870,71 mitgemacht. Jahrzehnte lang war Borck Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Wetzlar und Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Wetzlar, noch heute ist er Vorsteher des Ortsgerichts Hörnsheim und Beigeordneter der Bürgermeisterei Rechtenbach. DillkrciS. bl. Sinn, 17. Aug. Der Turnverein hat den Dau einer Turnhai le mit Turnerheim beschlossen. Gc-eianetes Gelände ist vorhanden. Vom Staat erhofft man einen angemeffenen Bauzuschuß zu bekommen. Lpd. S) a i g e r, 17. Aug. Nach Mitteilung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ist der an der Strecke Haiger—Rabenscheid gelegene Haltepunkt Haiger-West für den Personenverkehr eröffnet worden. Der Haltepunkt ist un^eletzt. Dort zusteigende Rei-- sende erhalten Fähe arten durch das Zugpersonal. Zeitkarten (Monatskarten, Wochenkarten u. dgl.) können nur auf den Zielstattonen gelöst werden. KreiS Limburg. Lpd. Limburg, 17. Aug. Infolge der starken Regengüsse, besonders im oberen Lahntal, 'ist die L a h n seit vorgestern abend fortwährend im Steigen begriffen. In der Nacht vom Montag auf Dienstag flieg das Wasser so rapid, daß gegen 2 ÜIHr die wegen der Ausbaggerung trockengelegte untere Schleuse infolge Nachgebens der am Ausgang der Schleuse befindlichen Sperrwand voll Wasser lief, sodaß die Arbeiten im Schleusenkanal stillgelegt wurden. Dis gestern abend war das Wasser bereits um mehr als 1,50 Meter gestiegen. MSN. Limburg, 17. Aug. Dem Kaufmann 3t. He11bach gelang es vorige Woche, im Eschen- höser Wald bei Limburg drei kapitale Neh- b ö ck e zu schießen. An einem Morgen brachte er innerhalb einer Stunde zwei starke Sechserböcke zur Strecke, und drei Tage später konnte er einen dritten kapitalen Bock von solcher Güte erlegen, wie man in unserer Gegend selten einmal einen Bock zu Gesicht bekommt. — Weidmannsheil! Maingau. LPD. F r a n k s u r t a. M. 17. Aug. Der Magistrat hat den Antrag auf Errichtung eines Röntgen-Instituts, für dessen Schaffung auf dem Gelände des städtischer Krankenhauses Sachsenhausen mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse bezüglich der Finanzierung und Nutzbarmachung vertragliche Vereinbarungen getroffen sind, zugestimmk. Der Dau des Röntgeninstituts ist mit rund 500 000 Mcnck veranschlagt. — 3n der vergangenen Nacht gegen 3,20 Ahr stteß in der Darmstädter Landstraße ein Lastkraft - wagen beim Aeberhvlen mit dem Pferdefuhrwerk eines Herrn Stroh aus Sprendlingen zusammen. Deide Fahrzeuge waren mit Obst und Gemüse beladen. Während der Kraftwagenführer Hangen aus Worms mit leichteren Verletzungen davonkam, erlitt der in dem Auto sitzende Beifahrer Herzberger aus Bensheim und eine Fran L o r k aus Alsbach schwere Verletzungen, so daß sie durch die Rettungswache ins Heiliggeist-Hospital gebracht werden mußten. Das Pferd des Fuhrwerks trug eine leichte Verletzung davon. Beide Wagen wurden in den Ehausseegraben geschleudert, so daß die Feuerwchr die Aufräumungsarbeiten übernehmen mußte. Helft den Unwettergeschädigten! Die Landwirtschaftskammer für Hessen, die Bereinigte freie rheinhessische Bauernschaft, der Hessische Bauernverein Lorsch und dec Hessische Landbund erlassen einen gemeinsamen Aufruf zur Hilfe» leiftung für d i e durch Unioctterfata- strophen geschädigten Landwirte in Nheinhessen, Starkenburg und Oberhessen. In dem Llusrus wird u. a. gesagt: „Unsere betroffenen Berussgenossen, die auf eine gute Ernte Hinblicken durften, haben f a st alles verloren. Die elementare Gewalt hat sie des Erfolges ihrer mühevollen Arbeit beraubt. Die bedauernswerte Bevölkerung dieser Gebiete befindet sich in großer Notlage. Staat und Reich werden hier eingreifen und die schwergeprüfte Bevölkerung un- terstützen müssen. Das große Unglück erfordert aber auch, daß mir Landwirte uns zusammenschließen, den vom Unwetter betroffenen B e r u f s g e n o s - sen zu helfen, und die in ihrer wirtschaftlichen Existenz schwer geschädigten Landwirte zu unter- stützen. Da die Getreide- und Hackfiuchternte zum großen Teil vernichtet ist, fehlt es an Futter, Saatgut und sonstigen zur Aufrechterhaltung der Betriebe und zur Lebenshaltung notwendigen Bedarfsstoffen. Da Einnahmen fehlen, sind Geldbeträge zur Unterstützung und Herbeischafsung von Existenzmitteln für die vom Unglück Betroffenen notwendig. Es gilt daher durch Sammlungen und Spenden auch aus unseren Rethen Mittel aufzubringen, um den Geschädigten für die nächste Zeit zu helfen. Rasche Hilfe tut not! Deshalb ergeht an alle Landwirte der Ruf, nach Kräften beizusteuern, um diese Rot zu lindern! Die unterzeichneten landwirtschaftlichen Drganifahonen wenden sich daher an ihre Verbandsangehörigen und Mitglieder mit der Ditte, überall in den Orten Sammelstellen einzurichten und Geldbeträge und Naturalien reichlich zu spenden. Sie hoffen, daß ihr Ruf um Hilfe für die Geschädigten nicht vergebens erschallt und daß angesichts der Notlage der schwer geschädigten Bevölkerung jeder Landwirt, der vor solchem Unglück bewahrt, seine Ernte einigermaßen gut nach Hause zu bringen in der Lage war, gern einen Beitrag stiftet. Jede, auch die kleinste Spende, wird dankbar angenommen." Es sei bei dieser Gelegenheit auch noch einmal an den Aufruf erinnert, den wir in unserer Ausgabe vom Dienstag, 9. August, an unsere Mitbürger in Stadt und Land zwecks H i l f e l e i st u n g für die durch Unwetter schwer heimgesuchten Landwirte Hessens, insbesondere in den Kreisen Schot- t e n und Lauterbach, gerichtet haben. Geldspenden werden in der Geschäftsstelle des „G i e- {jener Anzeiger s", Gießen, S ch u l st r. 7, gerne angenommen. Vermischtes. Sparkafsentaq in kiel. In diesem Jahr findet der Allgemeine Deutsche Sparkassen- und Kommunalbankentag in Kiel in der Zeit vom 31. August bis 1. September statt. Für den 31. August sind internet Sitzungen der Derbandsorgane und eine Versammlung der Svarkassenbeamten vorgesehen, auf der Vorträge über betriebsorganisatorische Fra- ?en gehalten tverden. Die Haupttagung am .September behandelt die Beziehungen, der Sparkassen zum Mittelstand. Die Vortragsthemen lauten: „Der neue Mittelstands- begrisf , Referent: älniversitätsprosessor Dr. Bredt, Marburg; „Zeitgemäße Mittelstandspolitik", Referent: Oberregierungsrat Dr. Höp- k e r, Vizepräsident des Preuß. Etat. Landesamts, Berlin; „Sparkassen und Wohnungsbau", Referent: Finanzminister a. D. Dr. Schall, Stuttgart; „Mittelständischer Betriebskredit der. Sparkassen", Referent: Direktor W e n h o l d, Bremen. Außerdem wird der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Geh. Reg.-Rat Dr. Kleiner, einen zusammenfasseir- den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr und die wichtigen Derbandsangelegenheiten geben. Der Sparkassentag in Kiel ist die vierte große Tagung des im Jahre 1924 gegründeten Einheitsverbandes. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiner.c Verantwortung.) Zur Umgestaltung der Westanlage. Die Bewohner der Westanlage freuten sich sehr, als nach jahrelangem Warten bekannt wurde, daß die Straße nun endlich neu gepflastert wird. Wer diesen Stadtteil kennt, weih, daß er durch Lastautos, Autos und schwerbeladene Fuhrwerke sehr befahren ist, so daß die Häuser mitunter in ihren Grundmauern erschüttern. Zu meinem größten Staunen las ich jedoch vergangene Woche im „Gießener Anzeiger", daß die Straße vollkommen verlegt werden soll, und zwar bis fast unmittelbar an die Häuserreihe, „um eine Anlage anzulegen und auszustatten". Run werfe ich die Frage auf: aus welchem Gruirde kann die auszustaltende Anlage nicht auf dem sogenannten breiten Sandtrottoir entstehen, da. wo die schönen Lindenbäume durch ihren prächtigen Wuchs so herrlichen Schatten spenden? damit würde sich doch auch der ilcbergang der Straße zur Nordanlage (Oswaldsgarten) und oberen Westanlage (Bahnhofstraße) besser gestalten. Eine Verschönerung des Bahndammes — von dessen Höhen die pustenden Lokomotiven ihren Qualm herniedersenden, die Ruhflocken fliegen und die sprudelnden Wasserdämpfe den Passanten wiicklich nicht erfreuen — finde ich nicht gerade angebracht. Wie soll übrigens diese Anlage nördlich an der städtischen Waage und südlich am bebauten Geil- fusschen Anwesen verlausen? Die Häuser der Destanlage haben durchweg mehr oder weniger gepflegte Vorgärten, wodurch eine anschließende Anlage unbedingt an Reiz gewinnen konnte. Denn natürlich durch diese Verlegung der Straße unsere schöne Lahn, wie in so vielen anderen Städten, eine Zierde und ein allgemeiner Genuß der Einwohnerschaft würde, formte man das neue Projekt mit Freuden begrüßen. Aber leider ist heute nichts mehr an dem gemachten Fehler unserer Väter zu ändern, die durch die Anlegung des Bahndammes den schoren Anblick der Lahn abgesperrt haben. Vielleicht genügen meine heutigen Zeilen — die sicherlich im Sinne vieler Bewohner der Westanlage sind —, die vorgesehene Umgestaltung nochmals einer Prüfung zu unterziehen. Ein Einwohner der West anlag e. Verantwortlich für Politik: i. V. Emst Blumschein. WOCHENENDE: Diese Preise haben nur Freitag, Samstag und Montag Gültigkeit r 7518a ES [Der kürzeste Weg ist der beste! (Perlkaffee) Gelbsiegel.. . . bisher Pfd. 3.60, jetzt 3.20 WWW 7517 Konsumverein ließen u. Itmä. Kaffee Kaffee Kaffee Kaffee Mk. 0.70 Mk. 0.85 Mk. 1.00 Mk. 1.10 V4Pfund V36 133.5 136 133 Otavi Minen......1 sh 37,5 — 85.4 Kali Aschersleben ..... 10 189,5 185.5 189.25 184.5 fialiWesteregcln..... 10 201,5 195 199 194.5 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 256 257 252 9- G. skarden-Jndustrie. Dynamit Nobel ..... 10 .0 15,25 “15,25 315 153 315 Ccheidcanstalt....... .8 225 223 Goldschmidt........ .5 142 140.5 139 RütgerSwcrke ...... .0 102 102.5 03,75 102,5 Mekallgesclllchaft..... 10 193 13 192 Frankfurt a.M | Berlin Schlur,- 1 l.Ubr. Schluh- Anfang Kurs | Kur, Kur» li-irc Datum: 17.8. 18 8. 17.8. | 18. 8. Bviltvv Holzmann .... 12 208 208.5 208 1 208 Hcidelberqer Cement ... 8 154 153,5 Gement Karlstadt......8 100 - Wayß & Freitag......16 >75 5 174,5 — — Schultheis Payenhofer. . 15 — 486 464 Ostwerke..........12 Ber. Glanzstoff......15 — — 146 442 — 718 725 Bcmbcrg........ . s — — .'72 — Zcllsto > Waldbos.....12 152.5 351,5 353 353.5 Zellstoff Alchaffenbura . . 10 215 214 218 Charlottenburger Wasser. 7 166 155 cssaucr Gas......8 Daimler Motoren.....0 — 117.75 216 130 129,25 130 129.5 Demag . .......... 96,25 '.'6,5 Adlerwerke filetier. ... 0 123 121,5 112.5 121 Ludw. Loeire • . .... je Rat. Automobil....... — - 297 — 128.25 127.5 Orcnstein ± fioppel . ... 4 — 146,25 145.25 Linke Hofmann...... — — — Leonhard Tietz. ....... Bamag-Mcguin...... 0 — — 155,25 154,5 51 — 51.5 — Franks. Maschinen .... ö 76.5 — 78.5 — «'sriyncr ....... 7 üevliacnstaedt ....... 0 118,75 — _ 25 — ftungdans ..... g Lcchwerke..... 8 Mainkraftwerke ...... s 118 — 117 —i 126 — —— 131 — — Miag..... 10 Rekarsulmer ........ x 142 140,5 _ 118 118 117 65 _ Pelcrs Union ....... x 120 120 Gcbr. Roeder . ...... ic 141,5 Doigt k Hacffner ..... c 165,5 — 165,25 - Eüdd. Zucker........ 148.5 | - 150 — Banknoten. Berlin. 17. August- s WeiD 1 Brier Amerikanische Roten..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten....... I 4,185 68,46 112.27 20,392 I 4.205 58,70 112,73 20,472 Berlin. 17 Ana uff. <Äeld Brief Hranzöinche Noten...... 16,48 16.54 Holländische Noten...... IÜ8.01 168,69 rktalienische Noten...... 22,94 23,04 Norwegische Noten..... 108,93 109,37 Deutsch ^ekterr., 5100 fironen 59.03 59,27 Rumänische Noten...... 2,60 2,62 Schwedische Noten...... 112,42 112,88 Schweizer Noten....... 80,84 81.16 Spanische Noten....... 79 58 70,86 Tschechoslowakische Noten . . 12.4'7 12.487 Ungarische Noten ..... 73.18 73,48 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Telegraphische Auszahl a. M. 0 n g. 17. August. 18. August. Amtliche Noti.rung 4,47 10.1,19 112,55 112,75 10,585 22,895 -0,422 1.200 16.46 81,005 ?0,88 1,988 .4965 »9,16 12,447 7,395 73,37 »,0o7 10,70 81,40 1,111 5,514 4,198 4. 19« 20.945 168,61 1,799 »8,59 10 1,41 H2>77 112,97 10,605 22,935 20,462 4,208 16,60 01,165 71,02 1,992 9.4985 59,28 12,467 7,409 73,51 3,043 20,74 81,56 2,115 5,526 4,206 4.204 20,985 168,28 1,704 38,44 108,92 112,52 112,71 10,588 22,905 <0,417 4,1995 16,465 oü,97 71,00 1,990 0,4965 59,145 12,446 7,395 <3,33 3.037 20,716 81,37 2,098 5,515 4.196 4,211 20.945 168,62 1.798 18,56 109,14 112,74 112,93 10,608 22,945 20,467 4,2075 16,105 01,1.4 71.14 1.994 0,4985 69,265 12,466 7,409 73,47 3,043 20,7,5 81,53 2,102 6.526 4.'M 4,219 20,986 fantenjockeis Parker und Stone. Es handelte sich um Nachdruck verboten. 19. Fortsetzung. flr.6 Letr.: ich habe Sally Der« Mißfarbene Zähne Betr.: Gießen, den 18. August 1927 05978 5161 großes Wassersportfest Alm zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. 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August Davv' gemein' r°Ü> (@( >ershain Niebergl Wallens, (Thrift, Inhali tzaupll f SUNUCHT | ■ ■ ■ ■ ■ = bringt Freude == ins Haus über die Ausl 14 der ! Fassung wird aus hörung l Innern Geilshau SWMi«e,iw.SsW'iWe.r. Am Sonntag, dem 21. August, nachm. 4 LIHr, auf der Lahn an der Schüßlerschen Bleiche verbunden mit Wettfahrten, Wafferspielen u. a. m. Darunter Ankunft des ersten Lahndampfers in Gießen. Abends Beleuchtung des Lahnufers, Feuerwerk. Während der Veranstaltung Konzert auf dem Dvotsplatz. Unsere Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereins werden zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. 7516c für > Ni hundert Schritt, muß Parker ihn überholen und einen ziemlichen Vorsprung beibehalten, bis bei der dritten Umfahrt, kurz vor dem Ziel, Herr Stone ihn wieder einholt, und eine halbe Minute oder besser nur ein paar Sekunden vor Parker durchs Ziel fährt. Hier zum Schluß müssen Sie natürlich ein wenig aufpassen, daß die Sache nicht umgekehrt ausfällt. Sie haben mich verstanden?" Parkers rundes harmloses Gesicht verdüsterte sich. „Aber" — fing er an. „Kein .Aber', Parker," sagte ich bestimmt, „Sie tun, wie ich Ihnen sagte. Wir sind in Amerika und müssen den Herren Amerikanern zeigen, daß ein englischer Gentleman höflich sein kann." Stone lächelte mitleidig: Parker hing den Kopf. „Ich möchte mit Ihnen allein sprechen", murmelte er in sichtlicher Seelennot. Wir traten in eine Fensternische, und Jem flü» sterte, während sein Kopf purpurrot wurde: „Mir wäre es ja gleichgültig, Sir, wer am Schluß Freitag, den 19. August, nachmittags 2 Uhr versteigere ich im Löwen, Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 2 Büfetts, 2 Vertikos, 3 Kleiderschränke, 1 Waschtisch, 2 Küchenschränke, 1 Schreib- ladenkasse, 2 Schreibtische, 3 Sofas, 1 Trumeau, 1 Fahrrad, 1 Ausziehtisch, 1 Regulator, 1 Bild, 1 Wäscheschrank, 17 Bände Brockhaus-Konversations-Lex. Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen, Dammstraße 24,1. 7622D Telephon 239. Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. Heute letzter Tag: Die Frauengasse von Algier“ Ab morgen bis einschließlich Sonnt» Zwangsversteigerung^ Dienstag, den 11. Oktober 1927, vormittags 9 LIHr, wird im Amtsgericht Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen dem Adolf Sauer und Ehe- frau Anni geb. Taferner in Gießen, zu je V, zugeschriebene Anwesen Neustadt 58 Flur 1 Ar. 1018 = 171 qm Hofteite „ 1 „ 1019 =183 „ , 1 „ 1033’/io = 181 qm Hofreite- gründ geschäht auf 60625 Reichsmark, versteigert, jedoch nur die dem Ehemann zustehende ideelle Hälfte. Die amtsgerichtliche Verfügung ist zur Einsicht an der Ortstafel, Bergstraße 20, ausgehängt. [7514c Gießen, den 13. August 1927. 3. QI. des Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. „Weibergefchichten! Dummheiten! Schämen Sie sich, Parker!" sagte ich entrüstet. „Ich hoffe — die Herren Fowler in England hoffen, daß Sie Ihre Pflicht tun werden." Er schwieg und schämte sich. Hiermit konnte die geheime Konferenz geschlossen werden. Stone und Parker entfernten sich, um ihren Maschinen, die hinter der Tribüne und einer provisorischen Zeltwand friedlich nebeneinander rauchten, vor dem großen Kampfe die letzten liebevollen Handreichungen angedeihen zu lassen und sich sodann in den dunkeln Hohlräumen der Tribüne in ihr schmuckes Jockei- kostüm zu werfen. Delano eilte in fieoerhafter Stimmung nach den Kassenhäuschen am Eingang, wo bereits zwei Kassierer auf ihre kommende Tätigkeit warteten. Sie kam auch, mit jeder Viertelstunde sichtlich wachsend. Der Ausstellungspark, sonst ein Bild tiefer melancholischer Einsamkeit, begann sich zu beleben. Lawrence strahlte wie eine zweite Sonne über dem Platz, Freunde begrüßend, Fremde zurechtweisend. Es war sein Werk, das sich rings- umher entwickelte, und er fühlte, daß die Augen von zwei Weltteilen auf ihm ruhten. (Fortsetzung folgt.) V U,lu«Tir •fit? Sch sei ,rn Ausla ' n L ■ ube' Ä »irp,Ä« h nbe> alle S- Ns Klasses ist v und l etftb^efac !'l>ider ff-/ Mutigen?er W Gin nichts, — aber auch nichts! —, was sie in dieser feierlichen Stunde hören sollten, jemals über ihre Lippen kommen werde. „I will be blown", sagte der Engländer bereitwillig, aber ernst, „wenn ich je etwas ausplaudere", — „I will be darned!" schwur der Amerikaner. Wörtlich übersetzt heißt das eine: „Ich will geblasen", das andere: „Ich will gestopft sein" und ist in der Heimat der Betreffenden die landesübliche Umschreibung für den Wunsch, in der untersten Hölle zu braten. Ich konnte beruhigt fortfahren: „Sie wissen, meine Herren, daß, was wir heute zu tun haben, die Grenze eines kleinen heiteren Humbugs nicht überschreitet. Ich brauche Ihnen, bei ihrer Intelligenz, nicht mitzuteilen, daß unsere Elefanten keine wirklichen Elefanten, unser Wettrennen kein wirkliches Wettrennen ist. Herr Lawrence wird Ihnen vielleicht auseinandersetzen, wenn Sie dies wünschen sollten, wie weit unser Vorgehen vom ethi- fchen Standpunkte aus haltbar ist. Ich überlasse ihm diesen Punkt, da derselbe ausschließlich die Anschauungsweise der großen und erleuchteten Nation betrifft, die wir heute zu erfreuen und zu belehren hoffen, und für deren hervorragenden Vertreter ich ihn ansehe. Ich beschränke mich darauf, Ihnen die Versicherung zu geben, daß Herr Lawrence in diesem Punkte völlig beruhigt ist." Stone nickte mit einem kaum merklichen Anflug eines Lächelns um seine, dünnen Lippen: Parker in stummem Staunen. „Die Sache ist also einfach die," begann ich wieder in geschäftsmäßigerem Ton, „Punkt halb fünf Uhr haben sie sechs Atmosphären Dampf im Kessel, Wasser und' Kohle in Ordnung, alle Lager gut geölt — vergessen Sie das Bremsband auf der Hinterachse nicht, Herr Stone —, kurz, die Maschine zur Abfahrt vollständig bereit zu halten. Sie fahren dann vor die Tribüne, wo ich Ihnen Ihre Plätze anweisen werde. Punkt fünf Uhr gibt Herr Delano ein Zeichen; er wird einen Revolver abschießen, wenn ich recht weiß, und Sie, meine Herren, fahren dann dreimal auf dem großen Ring herum. Keine Ueber- eilung; keine unnötige Anstrengung. Zuerst bitte ich Herrn Stone vorauszufahren — bann, nach etwa bietige Grimasse — „er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube! Er hat mir bei unserer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten!" — John Bull; natürlich! Sie werden es den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann ja ein Kind sehen. — Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank, wertester Herr Eyth!" Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertüre seines Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf der Treppe an dem heiteren Ton! ihres Gesprächs hören, wie sie beide glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir beide jetzt gleich dankbar. Das Elefan^rennen. Ein kurzer scharfer Regenguß, der in der Nacht gefallen war, und die Frühlingsregenzeit einleitete, konnte unsrer Rennbahn zwar nicht sonderlich zuträglich sein, doch trocknete der sonnige Morgen die Wege, die Tribüne und deren etwas spärliche Dekoration genügend, so daß alles glänzte und prangte, wie es sich für einen großen Tag geziemt. In der Stadt war für ein kundiges Auge eine gewisse Bewegung deutlich erkennbar. Gruppen umstanden die Anschlagsäulen und die Bretterwände der im Bau begriffenen Häuser, an denen sich das von Lawrence gedichtete Plakat in Riesenbuchstaben breit machte: „Unerhörte Sensation! Amerika gegen England; England gegen Amerika! Das Mammutwettrennen der zwei Dampfelefanten Jonathan und John Bull", und so weiter. An Straßenecken wurden von zweifelhaften Gestalten Wetten angeboten und angenommen. Gegen Nachmittag war die Trambahnlinie in der Richtung des Ausstellungsparks belagert und von vier Uhr an hingen aufgeregte und im allgemeinen fröhliche Menschen in lebensgefährlicher Weise an den Geländern und Treppen der Wagen, von denen alle acht Minuten fünf und sechs unmittelbar hintereinander nach Osten fuhren. Schon um elf Uhr hatten wir bei verschlossenen Türen im Parkpavillon eine geheime Sitzung abgehalten: Lawrence, Delano, ich und die zwei Ele- entjkllen das ichönste Antlitz. Übler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden gründlich beseitigt oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erstisckend schmeckenden Chloro - dont - Zahnpaste. Die Zahne erhalten danach einen wundervollen Estenbelnglanz, auch an den Seitenflächen, besondere bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chloro- dont-ZalinbUrste mit gezahntem Borstenschnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs werden aründlich damit beseitigt. Versuchen Sie es zunächst mit einer kleinen Tube zu 60 Pfg. Chlorodont- Zahnbürste für Kinder 70 Psg., für Damen Mk. 1.25 (weiche Borsten), für Herren Mk. 1.25 (harte Borsten). Nur echt in blaü- grüner Originalpackung mit der Aufschrift „Chlorodont“. Überall zu haben. genaue Anweisungen für die beiden letztgenannten. Flüsternd ersuchte ich sie, nachdem die Türen verriegelt waren, ihr heiliges Ehrenwort abzugeben, daß ,Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampf; pflüg", sagte er leise und eifrig. „Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh in den ,Eres- cent City News' und dachte sofort: .hier gibt es etwas für mich zu tun'. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein Hickorystock, wenn er herauszahlen soll" — dabei deutete der Kleine auf die Zimmertüre des Großen. — „Eine höchst wichtige Nachricht für Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei — was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden Elefanten so verschieden sind, als sie aussehen. Sie sehen verschieden aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden, daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Aus die Jockeis wird es wohl ankommen — unter uns —" „Die Jockeis sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein wichtiges Element", sagte ich zustimmend. „Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang; ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockei, wie ich höre, ein Engländer ist und natürli chbesser mit diesen Dampfelefanten umzugehen weiß —" „So würde ich selbst vermuten," unterbrach ich ihn entgegenkommend, „daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger aus dem Rennen herauszukommen." „Das genügt, das genügt!" rief der Kleine stür- mifch. „Natürlich, es wäre unrecht, Sie au veranlaßen, weiter aus der Schule zu schwatzen. Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen ' Ihr Geld haben, ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?" — Herr Smith machte eine unehrer- büDon m bie Germ her Lum (Hch. Ba Weickarte Münster (Karl Sti (hch. Nie Hattenrod Rahn, ffli Johann G bad) (ffiid Beltershai Mertshau MitN Röthges | berget III Münch I, net IV.),! Mit „ Hehler). Ab heute bis einschließlich Sonntag: „Das Todeslasso“ Ein Wildwest-Schauspiel in 6 atemraubenden Akten. — Ferner: „Die rasende Garage“ sowie „Glatteis“ Lustspiel in 2 Akten. Lustspiel in 2 Akten. Frisdi eingetroflen Allerfeinste neue Matjes-Heringe Neue Holländer Vollheringe (nur Milchner) Neue Bismarckheringe Rollmöpse Bratheringe Neues Sauerkraut Fleisdisalat mit Mayonnaise Neues 7686a Grtinkorn Heinrich Driefdi Seltersweg 70. Frische Knickeier Stck. 10 Pf., 10 ©Id. 95 Pf. A. Steinreich, Lindengasse 2. om Unfern genossenschaftlichen Mitgliedern wöme AMI-MWWMR auf unserem Lagerhaus in Gießen gegen mäßiges Entgelt zur Verfügung. (Ent- sprechende Anmeldungen erbitten wir an die örtlichen Genossenschaften, die auch nähere Preisangabe machen. 7S78D Das Saatgut kann auch gleichzeitig gebeizt werden. Bolflelfen öouDlflenoffenfffi. e.ffi.m 6.9. Filiale Frankfurt am Main Raiffeifenlagerhaus Gießen. (tV-v